■ M■ PkM M i A Bkl| u inri I* n l ff— Journal social-democrate destin4 JOClHNnLi AnTSnlTLERIErl aux r6fugi6s de langue allemande NOUVEL"EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris-5. Telephone: Odeon 42-58 Nr. 344. SONNTAG, 21. Januar 1940 Aus dem Inhalt: Der deutsche Handel stirbt Grossrazzia in Stettin Frauen im Lager l*rl»: irr. I,&0 Vor einer neuen Phase IVocIl eine« Friedcnsoffeiisive» Hitlers I Manche Anzeichen sprechen dafür, dass wir vor einer neuen Phase des Krieges stehen. Holland und Belgien verstärken ihre Verteidi�ungsmassnahmen und aus der Schweiz kommen besorgte Meldungen über eine Gefährdung ihrer Neutralität. Nach Finnland wirft Sta- li« neue Truppenmassen zum Ersatz der aufgeriebenen Divisionen und lässt seine Flugwaffe neue Heldentaten gegen offene Städte und ihre wehrlose Bevölkerung vollbringen. Ob deutsche Offiziere an der Leitung der Operation teilnehmen, lässt sich mit Sicherheit nicht feststellen, hat aber manche Wahrscheinlichkeit für sich. Stalin muss eine rasche Entscheidung auch um hohen Preis an Menschen- und Materialopfer herbeiführen, um seine und Hitlers Hände freizubekommen für die anderen Aufgaben, für die die Eroberung Finnlands nur die Vorausetzung bilden sollte. Er muss sich beeilen, um die Verzögerung, die FinnJands staunenswerter Widerstand gegen die Sowjet- Uebermacht in seinen und Hitlers Plänen bewirkt hat, nicht fatal werden zu lassen, und er muss ein Ende machen, bevor die Hilfe" anderer Länder voll wirksam werden kann. Indem aber Finnland die russischen Kräfte bindet, indem dadurch zugleich ein deutsches Vorgehen auf anderen Kriegsschauplätzen zunächst erschwert wird, da dies vom Zeilpunkt und Art des Ausgangs des Kampfes um Finnland mitbestimmt wird, wird der finn- ländische Kriegsschauplatz von grosser Wichtigkeit nicht nur für die skandinavischen Länder, sondern für die Alliierten selbst. Für sie ergeben sich damit schwerwiegende Entscheidungen sowohl für das Ausmass der Hilfe, die sie Finnland gewähren,— und Finnland braucht nicht nur Material, vor allem Jagdflugzeuge, sondern auch Menschen —, als auch für ihr Verhältnis in Russland selbst. Und dieses Verhältnis müsste sich ausserordentlich verschärfen, wenn Russland nach Besiegung des finnischen Widerstandes auf Norwegen "nd Schweden übergreifen würde. Wenn das aber zu erwarten ist, warum dann nicht schon die Entscheidung in Finnland suchen, statt erst seine Ueber- windung zuzulassen? Der weitere Verlauf der Kämpfe in Finnland kann für den Entschluss der Westmächte bestimmend werden und über das Verhältnis zu Russland entscheiden. Hitler als Stalins Verbündeter, ungeduldig den Zeitpunkt erwartend, wo er an dessen Seite selbst in Schweden erscheinen könnte, sucht unterdessen die Hilfeleistung für Finnland möglichst zu hemmen. Er steigert den Druck auf Schweden und Norwegen, die den Transit der Waffentransporte durch ihr Gebiet gestatten; er droht ihnen mit kriegerischen Eingriffen, wTe,nn sie englische Stützpunkte auf ihrem Gebiet zulassen sollten oder den Transport alliierter Hilfskräfte nach Finnland gestatteten; Hitler will selbst im Bunde mit Stalin über Schweden verfügen, er fürchtet, die Alliierten könnten ihm zu- lleutsielilancl heute Unter dem PolizefolieTel der Gestapo Cirossrazxia in Siedln Dass in den Parkanlagen deutscher Städte die Polizei zu nächtlicher Stunde Razzien veranstaltet, um Jagd auf„lichtscheue Elemente" zu machen, das wäre an sich nichts Neues und Bemerkenswertes. Derartige Massnahmen hat man auch früher gekannt. Ein bestimmtes Gebiet wurde zu bestimmter Stunde von der Polizei abgesperrt und kontrolliert. Stiess man dabei auf Personen, die sich nicht hinreichend ausweisen konnten oder die sonst irgendwie verdächtig erschienen, so nahm man sie zum nächsten Polizeirevier mit, zwecks Feststellung der Personalien. Nein, mit dieser alten„ehrlichen" Form der Razzia sind die Menschenjagden nicht identisch, die— wie uns berichtet wird— seit einiger Zeit in unregelmässigen Abständen in deutschen Städten von der Polizei veranstaltet werden. Es ist denn auch eine besondere Sorte von Polizei, die diese Jagden durchführt. Nämlich die Gestapo. Und die uniformierten Hilfskräfte, deren sie sich dabei bedient, werden nicht von der Schupo, sondern von den schwarzen Innenkriegs-Knechten der SS gestellt. Vor uns liegt ein Bericht über eine derartige Razzia, die im Dezember 1939 in Stettin durchgeführt wurde. Nicht zur Nachtzeit, sondern in den Abendstunden, etwa gegen 20 Uhr, begann das grosse Kesseltreiben. Ein ganzer grosser Stadtteil, mitten im Kern Stettins gelegen, sowie die sogenannten Grabower Anlagen wurden plötzlich von einem starken Aufgebot der Hitlermiliz hermetisch abgeschlossen. „Stehen bleiben! Razzia!"... Sämtliche Personen, die zwischen Grabower Strasse, Dohrnstrasse und Birken-Allee angetroffen wurden, wurden zum Polizeipräsidium transportiert. Wohlgemerkt: auch diejenigen, die sich durch Pass oder„Kennkarte" sofort einwandfrei ausweisen konnten, wurden mitgeschleppt und stundenlang festgehalten. Unter ihnen befanden sich auch Angehörige des Heeres, die auf dem Heimweg zur Kaserne waren. Die festgenommenen„Volksgenossen" mussten teilweise den Herren von der Gestapo sehr detaillierte Auskünfte über das Woher, Wohin und Warum ihres abendlichen Weges geben. Die Betroffenen nahmen sich meist nicht die— übrigens höchst riskable— Mühe, gegen all diese tollen Schikanen auch nur im mindesten zu protestieren. Resigniert standen sie Rede und Antwort. Dass der Bürger des Dritten Reiches nur ein willenloses Objekt der Obrigkeit ist und in jedem Augenblick auf jede Willkür ge- fasst sein muss,— diese Erkenntnis ist seit sieben Jahren totaler Volksvergewaltigung jedem Naziunfertanen zum Axiom geworden. Waren auch Nazibonzen unter den Opfern der Stettiner Menschen jagd? Nein. Ihnen hatte man jede Unannehmlichkeit erspart, indem man ihnen vorher das geheime Wörfchen„Paula" mitgeteilt halle. Das war das Losungswort. Wer es nennen konnte, durfte sofort unbehelligt seines Weges ziehen. An diesem Abend grüssten die braunen Söldner einander nicht mit„Heil Hitler", sondern mit dem deutschen Gruss„Paula"... Ja, aber-- wozu das alles? Erscheint es nicht schwer, in derartigen Razzien irgend einen Sinn— es sei denn offenen Wahnsinn— zu entdecken? Gewiss. Aber diesem Wahnsinn gebricht es keinesfalls an Berechnung und Methode. Die Menschenjagden der Gestapo und SS können offensichtlich nur ein Ziel verfolgen: die totale Einschüchterung der Bevölkerung. Dem deutschen Volksgenossen, dem die Nöte und Leiden des Krieges schon jetzt erheblich auf die Nerven gehen— obwohl der Krieg noch gar nicht richtig angefangen hat— dem deutschen Volksgenossen soll systematisch die Uebcrzeugung eingetrichtert werden, dass die Gestapo und die SS schlechthin allgegenwärtig seien. In jedem Moment soll er zitternd darauf gefasst sein, dass die Obrigkeit plötzlich auf ihn zutritt und Auskunft über sein privatestes Tun und 1 Lassen— das Ziel seines Weges, die Na- iinen seiner Freunde, das Thema seiner Gespräche— verlangt. Und wehe dem, der sich dabei in Widersprüche verwickelt!... Am Tage nach der oben geschilderten Razzia schrieb— auf Befehl der Nazis— der„Stettiner Generalanzeiger": „Möge man in der Stctliner Bevölkerung aus diesen Erlebnissen in den Grabower Anlagen am Sonnabend Abend lernen; die Massnahme, die h'er durchgeführt wurde, wird nicht die einzige bleiben, die unsere Polizei zum Schutz der Bevölkerung... durchführt und durchführen muss." Wie gesagt: derartig Razzien finden in zahlreichen deutschen Städten statt. Auf dem Kriegsschauplatz Innerdeulschland gehen die braunen Streitkräfte zur Offensive gegen den Feind Nr. 1, den deutschen '„Volksgenossen" vor. vorkommen und drängt schon deshalb Stalin zur raschen Entscheidung. Aber unter den Mächten, die Finnland unterstützen, befindet sich der andere Partner der stählernen Achse:— Italien. Hitler hat den italienischen Waffentrnnsport auf Drängen Stalins zuerst in Sassnitz aufgehalten, auf den Protest des italienischen Botschafters sodann die Waffensendungen zum Rückfransport freigegeben. Italien wird die Waffen auf dem Seeweg nach Schweden und dann weiter nach Finnland dirigieren. Mehr; i glaubwürdige Meldungen gehen dahin, dass Italien auch die in Spanien zurückgebliebenen Bestände nach Finnland schicken will. Und noch mehr: Italien will auch Freiwillige, die bereits in Spanien gekämpft haben, nach Finnland senden.„Nicht- interventionspolitik" in Finnland gegen Hitlers Bundesgenossen Stalin! Warum unterstützt Italien das ferne Finnland, zugunsten der Westmächte, zum Schaden des Achsenpartners und dessen Bundesgenossen? Sicher nicht aus„ideologischen" Gründen. Italien verteidigt in Finnland machtnolitisch seine-— Balkaninteressen. Finnland überwunden, Skandinavien in eine deutsch- russische Herrschaftssphäre verwandelt, und Russland und Deutschland haben die Hände frei auf dem Balkan. Russland steht dank dem Achsenpartner, an der Karpathengrenze. Wird es sie überschreiten? Wird es Ungarn aus einer italienischen Einflussphäre zu einer russischen machen? Wird es in Bessarabien einmarschieren und Rumänien aufteilen? Und wo wird es haltmachen? Und der deutsche Bundesgenosse, welchen Anteil an den Südostländern wird er beanspruchen? Gegen diese Gefahr der deutsch-russischen Hegemonie setzt sich zunächst die Diplomatie Italiens zur Wehr. Ihr Spiel ist um so schwieriger, da Ungarn und Bulgarien die Situation zur Erfüllung ihres„Revisionismus" ausnutzen möchten. Ungarn erhebt territoriale Ansprüche, vor allem gegen Rumänien und möchte Siebenbürgen wiedererlangen. Bulgarien fordert von Rumänien einen Teil der Dobrudscha und von Griechenland einen freien Zugang zum Aegäischen Meer. Italien ist in schwieriger Lage, denn Russland und Deutschland stellen Ungarn und Bulgarien die Erfüllung ihrer Wünsche in Aussicht, um sie als Stosstrupps gegen Rumänien, Jugoslawien und Griechenland zu gewinnen, und Italien selbst hat den Revisionismus bisher unterstützt. Jetzt muss es diese drohenden Konflikte auszuschalten trachten. In der Zusammenkunft in Venedig hat der Graf Ciano dem ungarischen Aussenminister die Unterstützung Italiens gegen einen russischen Angriff zugesagt, aber verlangt, dass Ungarn seine territorialen Forderungen zunächst vertagt, und Ungarn scheint sich diesem Verlangen zu fügen. Anfang Februar tritt der Balkanbund zusammen, der Rumänien, Jugoslawien, Griechenland und die Türkei umfasst; Jugoslawien, mit dem Italien bessere Beziehungen hergestellt hat, soll auf Rumänien, die Türkei auf Bulgarien einwirken, um die Konfliktstoffe zu beseitigen. Italien, das noch vor kurzem zu verstehen gegeben halte, dass es an einer Balkanentente kein Interesse nähme, sucht jetzt angesichts der russischen Gefahr die Einigung zu fördern. Um seiner Diplomatie die Zeit zu sichern, um auf jeden Fall die Gefahr zu mindern, unterstützt Italien den Freiheitskampf des demokratischen Finnlands. Sicher nicht um der Demokratie willen, aber sein Machtinteresse zwingt es— an diesem Ort und in dieser Zeit— in deren Dienst. Wieder ein Beweis, wie der objektive Sinn des Krieges sich gegen die subjektiven Absichten der Kriegführenden durchsetzen kann. Das Schicksal des Balkans aber und damit die weitere Gestaltung und Ausbreitung'des Krieges ist von zwei Be- Der deutsche Handel stirbt OL Leere Warenlager- Ladenhüter in der Konfektion dingungen abhängig. Erstens von dem demol Erfolg des jetzt unternommenen Eini- g gungsversuches; zweitens von der Art des Zusammenwirkens Stalins und Hitfers. Ist ihre Verbindung schon so eng.. dass ein aggressives Vorgehen auf dem Die weihnachtliche Einkaufswelle in gierung vertraute Bürger des Dritten Rei- es um- und- umgewendet und auf die Dauer Balkan bereits festgelegt ist, dann wird Deutschland ist verebbt und die Geschäfts- ches sich an allen zehn Fingern abzählen seiner Tragfähigkeit geprüft. Was nicht für Ungarn einem gemeinsamen russisch- inhaber betrachten mit Wehmut ihre ge- kann, dass ein grosser Teil des im Handel Jahre gebaut ist, ist keine Punkte wert. deutschen Druck kaum widerstehen, leerten Lager. Sie können sie nicht wie- investierten Geschäftskapitals demnächst Die vergängliche Pracht zarter Seidendann wird sich Bulgarien, wo die na- der auffüllen. In vielen Fällen ist eine im Rachen des gleichen Molochs ver- strümpfe stellt keine Kaufverlockung in tionalistischen und deshalb die einem Lieferung nicht mehr möglich. Sie müssen schwinden wird, der bereits das Vermö- Deutschland mehr dar, und der festliche russischen Imperialismus günstigen ihre Läden schliessen. Ihre Gefühle fin- gen einer halben Million deutscher Juden Schimmer einer neuen Krawatte ist auch Strömungen stark sind, dem russischen den in der deutschen Presse einen mit verschlungen hat. Vorgehen anschliessen, beide in der Il- leidsvollen Widerhall. So schreibt der lusion, ihre revisionistischen Ansprü- Danziger Vorposten" unter der Ueberche erfüllt zu sehen. Dann wird der schrift ,, Ausverkauf der Geschäfte: Was Krieg den Balkan erfassen, die Türkei, und die Westmächte zum Eingreifen zwingen. Vor dieser Wahl möchte Hitler nochnun?": dem eitelsten Jüngling keine Punkte mehr wert. Darum hat man zu Weihnachten die Lieferung von je einem Paar seidenen Strümpfen und von einer Kravatte freigeVor diesem Schicksal sind nur wenig Kaufleute, darunter ein Teil der Lebensmit- geben. Aber die Lager sind noch immer der Weihnachtswoche wurden telhändler und die Inhaber von Kleider-, absatzfähig, dass jetzt der kartenfreie Verso gross und erweisen sich als so wenig ,, In der alle Läden und alle Lager in Gross- Wäsche- und Schuhgeschäften vorläufig kauf von Krawatten und Damenstrümpfen Deutschland von Waren geräumt. bewahrt. Ihr Weihnachtsgeschäft blieb hinfrüheren Jahren wäre jeder Kaufmann zweiter Garnitur noch einmal auf dreivierIn Presse darüber hocherfreut gewesen. Aber in ter dem erwarteten Umfang zurück. Nützli- tel Jahr bis Ende Oktober genehmigt diesem Jahr steht er vor seinen leeren che Weihnachtsgeschenke konnte man sich wurde. Regalen mit Tränen in den Augen und in diesem Jahr nicht mehr leisten, weil Mit den sonstigen billigen Waren gerinfragt sich: ,, Wie komme ich zu einem es sich dabei um ,, der Bezugspflicht unterger Qualität, die in den Kleider-, Wäscheneuen Warenlager?" In vielen Geschäfts- liegende Verbrauchsgüter" handelt, wie und Schuhgeschäften gegenwärtig unverzweigen gibt es auf diese Frage keine Kleider in seltsamer Logik in der deutschen käuflich sind, hat man offenbar andere befriedigende Antwort." auch in der ,, Frankfurter Zei- Pläne. Die bevorstehende allgemeine Quagenannt werden, seitdem kaum litätsverschlechterung der neuen Webmehr von einer Bezugsmöglichkeit, ge- und Schuhwaren wird auch die heute bileiner Bezugspflichtigsten Stoffe und die schlechtesten Schuhe im Vergleich zu den später gelieEs wird zwar auch in den Geschäften ferten Waren zu begehrten Kaufobjekten Bekleidungsgegenstände Einschrän- machen. Arbeitslager für Mütter Die Zwangsorganisation unter dem Befehl der Nazis Aber wird dann die deustch- italienische Achse einer solchen Belastung noch widerstehen können? Daher die Erwartung, dass Deutschland unter dem Druck Italiens den Versuch machen wird, Russland von einem Vormarsch gegen Rumänien abzuhalten, es auf Vorderasien oder auf den Fernen In Berlin allein sind bis Anfang Dezem- tung" Osten abzulenken ein Versuch, we- ber 35 000 Detaillisten und Angestellte arnig verlockend für Stalin, dem nähere beitslos geworden. Die Arbeitsfront hat schweige denn von und machtpolitisch entscheidendere ihre Umschulung für die Rüstungsindustrie geredet werden kann. Nahziele an den Küsten des Schwarzen übernommen. Die Geschäfte werden auch Meeres winken. Wird Stalin eine solche später kaum wieder eröffnet werden kön- für nen, wenigstens nicht von den gleichen In- kungen geben, aber zunächst haben die In- Dann werden die Verkäufer wieder von Haltung Deutschlands dulden, die Ita- habern. In der deutschen Oeffentlichkeit haber dieser Geschäfte die Sorge, dass sie Vorkriegsware flüstern und das Versielien auf Kosten Russlands schonen ist eine lebhafte und dirigierte Diskussion auf einem grossen Lager von Waren sitzen gen des Kleiderhandels wird sich nicht, möchte, und besitzt Deutschland noch entbrannt, die die Stimmung für eine all- bleiben, die noch vor kurzem gut verkäuf- wie in anderen Branchen in der Form die Möglichkeit, sich der Entscheidung gemeine Beschlagnahme der jetzt verfügba- lich schienen und die sich plötzlich in La- eines schnellen Ausverkaufs vollziehen. zwischen Russland und Italien zu ent- ren Geschäftskapitalien dieser Handelsun- denhüter verwandelt haben. Die Kleider- Hier wird die Reduktion der Handelsunziehen? ternehmungen vorbereitet. Von ungesunden karte hatte die nicht vorbedachte Folge, ternehmungen parallel verlaufen mit der Einzelhandelsunternehmungen, von der Ab- dass jedermann mit seinen hundert Punk- stetig zunehmenden Einschränkung auf schöpfung des flüssigen Kapitals, von ten unvergleichlich viel mehr knausert als allen Gebieten der Bedarfsdeckung. die mals ausweichen, wie er noch nach den Spar- und Anleihezwang wird gesprochen, mit seinem Geld. Ehe dreissig oder vierzig der von Hitler heraufbeschworene Krieg Kriegserklärungen dem Krieg mit Eng- sodass jeder mit den Methoden seiner Re- Punkte für ein Kleid geopfert werden, wird dem ganzen deutschen Volk auferlegt. land und Frankreich ausweichen wollte, und wieder mit demselben Mittel, mit einer neuen Friedensoffensive. Die Einleitung soll eine Friedensvermittlung zwischen Finnland und Russland bilden, der dann eine allgemeine Friedensoffensive folgen soll. Die soll Italien, mit Unterstützung des Vatikans, womöglich auch mit Hilfe von Neutra- Wir geben im folgenden eine Darstellung sich an die Blockleiterin wenden, die dann die zu diesem Industriegebiet gehörenden len, unternehmen. Es wird von deut- des Fraueneinsatzes, wie ihn die Reichs- eine Nachbarin bestimmt, die für die ar- Wohnbauten unterblieben sind. Bei der schen Emissären berichtet, die im Aus- frauenführerin Gertrud Scholtz- Klink im beitende Frau Besorgungen machen und Behandlung der Aufgaben dieser Lagerland Grundzüge für Friedensverhand- ,, Schulungsbrief des Organisationsleiters einen Teil ihrer Hausarbeit erledigen leiterinnen erzählt uns Frau Scholtz: muss. Alle diese Massnahmen geben den lungen ausarbeiten, und wir möchten der NSDAP" veröffentlicht. meinen, dass es sich um mehr als bloss Danach sind die neun Abteilungen der Beauftragten der Partei eine vorzügliche NS- Frauenschaft auf fünf Abteilungen re- Gelegenheit, stets Einblick in die einzelnen um eine neue Auflage des Nervenkrieduziert worden. Und zwar bestehen nur Familienverhältnisse zu haben. Blockleiges und der nationalsozialistischen Zer- noch die Abteilungen: Verwaltung und Or- terinnen gehören ausnahmslos zu den Besetzungsversuche handelt. Hitler will ganisation; politische Ausrichtung; Mütter- auftragten des ,, Volksmeldedienstes". Sie diesen Krieg nicht, den er nicht gewin- dienst; Volkswirtschaft und Hauswirt- wissen also auf diese Weise stets, was in nen kann, er möchte seinen Frieden. schaft; Hilfsdienst. Neben diesen laufen- den Familien vorgeht. Nie werden zwei Aber die, die den Frieden wollen. den den Abteilungen ist man bereit, sich ein- oder drei Frauen allein sein ohne die AufFrieden, der die Welt von den Gang- zustellen auf andere Aufgaben, die sich sicht eines weiblichen Nazispitzels. stern befreien und vor künftigem Gang- aus der politisch- militärischen Lage ergeEbensowenig wie in der Familie lässt Die unvermeidliche Ueberwachung der stertum sichern wird, werden in der ben können und die in schlagartigem Einman die Frauen in den Betrieben ohne Frauen, wo immer sie mit ihresgleichen neuen Friedensoffensive nur das sehen, satz bewältigt werden müssen." ständige Ueberwachung. Aus zuverlässi- zusammenkommen und Meinungen äussern was sie ist, den Ausdruck der Schwä- z. B. die Mithilfe in der Landwirtschaft". gen Nationalsozialistinnen werden ,, Werk- könnten, die dem System unangenehm che. Deshalb wird die Friedensoffen- So wie geschlossene Formationen des weib- frauengruppen" in jedem Betriebe geschaf- sind, formuliert Frau Scholtz so:„ Die Gesive. wenn sie wirklich zur Entfaltung lichen Arbeitsdienstes in bestimmten Dör- fen, die„ eine sichere Gewähr für den rei- meinschaft der Frauen sorgt dafür, dass in kommt, scheitern. Die wirklichen Of- fern zur Land- und Stallarbeit eingesetzt lichen Arbeitskräfte bieten". Frau Scholz und allein fühlt." bungslosen Einsatz der unzähligen weib- diesen Wochen keine Frau sich einsam fensiven werden beginnen. Sogar den Geschäftswerden( bis Anfangs Januar auch die Stuverrät uns, dass die Bildung dieser Werk- frauen, deren Männer mobilisiert sind, dedentinnen; erst ab 8. Januar 1940 werden Dr. Richard Kern wieder Vorlesungen an einem Teil der frauengruppen mit unendlicher mühevol- ren Personal vermindert ist, werden HelUniversitäten gehalten), hat der„ Hilfs- ler Kleinarbeit" verbunden war. Das ist ferinnen der NS- Frauenschaft ,, beim Orddienst" der NS- Frauenschaft gruppenweise begreiflich. Man brauchte zuverlässige Per- nen, Durchzählen, Eintragen der BezugsBerliner Wintersport Frauen und Mädchen aus den Kleinstäd- sonen, die genügend Parteidisziplin halten scheine und Lebensmittelkarten zur Verund nicht eines Tages die Solidarität mit fügung gestellt. Die reibungslose Abwickihren Arbeitskolleginnen höher stellen als lung der Lebensmittelversorgung wird daAus dem weissen Sport des Winters ist schaftlichen Hilfe der Hausfrau. Die hier- die Solidarität mit dem Volksmelde- durch wesentlich erleichtert". in diesem Jahr in Berlin ein sehwarzer bei eingesetzten Frauen sind für die LandSport von zweifelhafter Vergnüglichkeit ge- arbeit infolge Mangels an Erfahrung unge- und Zuversicht der Frauen auch in den dienst". Sie müssen ,, Arbeitsfreudigkeit Einen Einblick in die Stimmung, worden. Schon seit Wochen steht Berlin eignet: sie müssen also die Bauernfrau in schwersten Stunden stärken". Dass dabei sehr die Darstellung auch auf Zweckoptiim Zeichen der Kartoffel- und Kohlennot. der Hauswirtschaft entlasten. Gruppen des nicht nur seelisch, sondern rein körperlich mismus abgestellt ist, gibt ebenfalls die Die Vereisung der Flüsse und Kanäle hat.Hilfsdienstes", die in den Städten aus schwere Stunden gemeint sind, geht aus fol- Behandlung der Hilfe für die Evakuierten die Transportschwierigkeiten für die Koh- Frauen bestehen, die einen eigenen Hausgenden Sätzen über die Arbeiten hervor. durch Frau Scholtz: ,, Als es innerhalb welen noch erhöht. Der neu eingesetzte Koh- halt haben und deshalb nicht auf das Land lendiktator Deutschlands, Paul Walter, der abkommandiert werden können, erhalten die den Frauen heute in der deutschen niger Stunden notwendig wurde, die VolksIndustrie zugemutet werden: Förderung, Verteilung, Transport und Ver- nummerierte Beutel, in welchen Flickarbrauch der Kohlen reorganisieren soll, beiten und Stopfarbeiten der verschiedekonnte trotz seiner diktatorischen Voll- nen Bauernhaushaltungen enthalten sind. machten daran bisher nicht mehr ändern, Die Frauen des städtischen Hilfsdienstes als dass die wenigen Kohlenzüge, die nach müssen dann diese Flickbeutel bearbeiten. Berlin kommen, dort Sonntags eintreffen. seinen Inhalt in Ordnung machen, um auf Dann gibt sich ganz Berlin dem neuen diese Weise zur Entlastung der Bauernfrau Wintersport hin. Es fehlt an Lastautos beizutragen. Zu diesen besonderen Aufgaben gehört ten in die Dörfer gebracht zur hauswirt,, Unsere Frauen sind als Lagerleiterinnen und Gehilfinnen tätig in den Lagern, in denen Arbeiterinnen zusammen wohnen. Die Einrichtung dieser Lager durch die Wehrmacht oder den Betrieb hat sich als notwendig erwiesen, da zur Arbeitsleistung in den Munitionsfabriken vielfach Frauen herangezogen werden müssen, die nicht am gleichen Ort wohnen." SO genossen aus den gefährdeten Grenzgebieten in das Innere des Reiches abzutranspor,, Gerade in der Wehrwirtschaft ist eine tieren. wurden wiederum die Frauen auf noch sorgfältigere und eingehendere Be- den Plan gerufen. In den kleineren Städtreuung der Frauen als in der normalen ten und Dörfern mussten Tausende von Wirtschaft notwendig, da die Frauen Einzel- und Massenanartieren bereitgestellt vielfach auf Arbeitsplätzen tätig sein werden. um die Volksgenossen aus den müssen. die eigentlich Männern zuge- Grenzgebieten aufzunehmen. Genau so wichtig wie die praktische Hilfe ist hier auch die seelische Betreuung der Evakuierten. die ihnen die Gewissheit geben soll, dacht sind." Schliesslich stellt der Hilfsdienst auch und an Ladearbeitern. Die Hitlerjugend Sowohl für die Bauernfrau als auch für wurde abkommandiert, um, zusammen mit die in den Fabriken werkende Mutter sind freiwilligen Helfern, den Transport der Einrichtungen getroffen. die der Betreu- die Leiterinnen von weiblichen Lagern. dass ihr Schicksal, was auch kommen mag, Kohlen vom Bahnhof zum Händler zu über- ung der Kinder dieser Frauen gelten. Der Die Mobilisierung hat es notwendig ge- on der gesamten Nation mitgetragen nehmen. Kommen die Knaben abends Hilfsdienst richtet Kindergärten und Kin- macht, dass eine Anzahl Lager, in denen wird." schwarz wie die Kohlenmänner nach Hau- dertagesstätten ein, in denen die Kinder die Arbeiter fern ihrer Familie hausten, Schliesslich stellt Frau Scholtz fest, dass se, so können ihre Mütter trotz Kleider-, betreut und bei den Schularbeiten über- leer wurden. Die Arbeitsplätze sind von Aber auch die Sonderkurse über Säuglingspflege, GesundWäsche- und Seifennot nicht viel sagen, wacht oder sonstwie beschäftigt werden. Frauen besetzt worden. denn sie selbst sehen kaum sauberer aus Ganz besonders notwendig sind diese Wohn- und Schlafplätze sind von den heitsführung und häusliche Krankenpflege; für die Kinderstuben; als ihre Kinder. Vom Kohlenhändler müs- Massnahmen als Hilfe für die erwerbstä- Frauen eingenommen worden, so dass jetzt Erziehungsfragen und Nähen abgeholten sen sie die Kohlen in ihre Wohnung tige Frau, deren Arbeitseinsatz die Wirt- Arbeitslager von Frauen bestehen, die fern Haushaltsführen schleppen. Sie werden viel beneidet, wenn schaft heute dringender als je und in ihrer Familie das heisst fern von ihren werden. Alle Hände regen sich. Wenn sie sich dazu eines alten Kinderwagens be- grösserem Umfange als zu irgendeiner Kindern in einem Lager wohnen, wäh- einer müde wird, treten die andern für dienen können, oder wenn sie schlau ge- Zeit beansprucht." rend die Kinder von irgendwelchen NS- ihn ein.... Keine Lücke darf in der Front nug waren, den Besitz eines alten Jute- Eine weitere Aufgabe des Hilfsdienstes Frauenschafts- Einrichtungen beaufsichtigt der Heimat entstehen... In keiner Frau sackes zu verheimlichen, als kürzlich die ist die Haushaltshilfe. Für Kinder von werden und nachts ebenfalls unter dieser darf in diesen schicksalhaften Tagen die amtlichen Säckesammler von Haus zu Frauen, die in langen Schichten in den Obhut stehen. Diese Lager sind sowohl Ritterkeit der Einsamkeit aufkommen.... Haus gingen. Der Mangel an Kohlensäk- Munitionsfabriken arbeiten, werden Ge- von den Betrieben als auch von der Wehr- kurze Feierstunden sind nötig, die uns die ken erhöht nämlich noch den Reiz dieses meinschaftsspeisungen Kinder macht eingerichtet. Meist befinden sie sich Kraft zu neuem Einsatz geben, die die einWintersports für die unfreiwilligen Koh- durchgeführt. Frauen, deren Arbeitszeit bei neugebauten Unternehmungen, die im sam Gewordenen trösten und die Müden Isnmänner und Kohlenfrauen von Berlin. lungünstig für Besorgungen liegt, können letzten Jahre erbaut wurden, wobei jedoch aufrichten." er ir Hitler- Partisanen Noth Chronik der Woche Kurz vor Kriegsbeginn wurden die Beziehungen der englischen Organisation 35 The Link" zu deutschen Propagandastellen bekannt und erregten beträchtliches Aufsehen, weit über die Grenzen Englands Deutscher Druck auf die Neutralen Sonntag, 7. Januar 1940 In den polnischen Städten werden scheinen und sie dürfen auch zuhause aus dem Pflaster nicht mit ihnen an einem Tisch essen. hinaus. Besonders war es der Umstand, Der ungarische Aussenminister Graf Strassenbahnschienen aus Freitag, 12. Januar 1940 dass Vorstandsmitglieder Bücher und Ar- Csaky hatte mit dem italienischen Aussen- gerissen, nach Deutschland transportiert tikel in Deutschland erscheinen und gut minister Graf Ciano eine Besprechung und dort verschrottet. honorieren liessen, und dazu die Tatsa- über die Applanierung der ungarisch- ruche, dass viele Mitglieder dieser Organisa- mänischen Beziehungen. tion zu Reisen nach Deutschland eingeladen wurden, die unangenehm an gleichartige Unternehmungen der Sowjetregierung erinnerten. nin ne ch ar ie en eer ig ren cher Schriftsteller zu fesseln und für die Propagandazwecke der Diktatoren auszuTgt コー ere aコー I n en t. n 1. er af e g n r Mittwoch, 10. Januar 1940 In Frankreich wird der Fleischverkauf beschränkt. Am Freitag gibt es überhaupt kein Fleisch und an zwei Wochentagen In Italien wurde der Kaffee rationiert. nur Schweinefleisch. Der Verkauf von Es gibt pro Person 40 Gramm im Monat. Wild und Geflügel ist keiner BeschränDer britische Luftmarschall Barat wur- kung unterworfen. für Butter, Zucker, Frühstückspeck und de zum Oberbefehlshaber der britischen Montag, 8. Januar 1940 In England werden Lebensmittelkarten In Moskau wie in Berlin hat man durch Schinken eingeführt. Die Wochenrationen Luftstreitkräfte in Frankreich ernannt. Zwischen Berlin und Moskau wurde der hohe oder regelmässige Honorarzahlungen betragen 110 Gramm Butter, 340 Gramm und durch Reiseeinladungen das Inter- Zucker und 110 Gramm Speck und Schin- regelmässige Luftverkehr wieder aufgeesse sorgfältig ausgewählter, einflussrei- ken pro Person. England und Frankreich schlossen genommen. Donnerstag, 11. Januar 1940 In Moskau ist eine deutsche Militärmission von zwanzig Offizieren eingetroffen. In Polen herrscht Lebensmittelnot. Die deutschen Okkupationsbehörden liessen in den meisten Lebensmittelgeschäften Schilder anbringen mit der Aufschrift: Eintritt Britische Flugzeuge haben ihre Erkunnutzen versucht. Man gliederte sich Tra- meinsam einen Handelsvertrag mit der Die deutsche Regierung sucht durch di- für Polen verboten. banten an, die durch ihre eigene Anzie- Türkei, nach dem sie Lieferung und Behungskraft den Wirkungsbereich der zug derjenigen Waren übernehmen, die plomatische Mittel und durch den Druck Moskauer und Berliner Zentralen verstär- bisher zwischen der Türkei und Deutsch- ihrer Presse die neutralen Staaten vom Völ- dungsflüge bis nach Prag und Wien ausgeken sollten. In den letzten Wochen sind noch mehrere Fälle dieser Art bekannt geworden. als land ausgetauscht wurden. Dienstag, 9. Januar 1940 kerbund loszulösen. Der russische Volkskommissar für die Flugzeugindustrie, Michael Kaganowitsch, wurde abgesetzt. dehnt. Sonnabend, 13. Januar 1940 Die holländische Regierung veröffentlicht Bei dem Verbot der ,, Neuen Basler ZeiDie italienische Regierung lässt in Bertung" haben die schweizer Behörden festDer Bau neuer Autobahnen von Deutsch- ein Weissbuch über die letzte Völkerbundslin protestieren, weil die deutsche Regiegestellt, dass der Redakteur dieses sche Behauptung zu widerlegen, nach der schweizer Zeitung getarnten Goebbelsblat- rung 45 Waggons italienisches Kriegsma- land nach Krakau und nach Lodz und von versammlung, das bestimmt ist, die deuteine Zugehörigkeit zum Völkerbund mit tes, Dr. Rolf Renne, lange Zeit hindurch terial, das für Finnland bestimmt war, in Gdingen nach Wien wird vorbereitet. Die deutsche Reichsbahn, die eine Ein- der Einhaltung der Neutralitätspflichten erhebliche monatliche Geldbeträge für Sassnitz zurückgehalten hat. Chamberlain erklärte in einer Rede in schränkung ihres Verkehrs vom 21. Januar unvereinbar sein soll. eine später zu schreibende und in Deutschland herauszugebende Schweizer Ge- London, dass die britische Handelsflotte ab plante, musste plötzlich eine ganze Reihe Deutsche Truppen sind von neuem längs bisher 122 000 Tonnen verloren hat. Das von Zügen ausfallen lassen. Das Publikum schichte" bekommen hat. In der ,, Epoque" berichtet der franzö- ist noch nicht ein Prozent. Täglich sind wird im Rundfunk ermahnt, nur die drin- der holländischen und belgischen Grenze notwendigen Reisen zu unter- aufmarschiert. sische Schriftsteller Henri de Kerillis über elf Millionen Tonnen britische Handels- gend In Belgien werden weitgehende Vorschiffe unterwegs. ähnliche Unternehmungen der deutschen Tschechen in Die Wehrpflicht der Deutsche dürfen mit Kriegsgefangenen sichtsmassregeln getroffen. Propaganda in Frankreich. Zu den vielen Alle Beurlaubungen holländischer MiliAufträgen, die der in diesem Sommer aus Böhmen und Mähren wurde von der deut- zusammen nicht in der Oeffentlichkeit, in Gastwirtschaften oder in der Kirche er- tärpersonen wurden aufgehoben. Frankreich ausgewiesene deutsche ,, Kul- schen Regierung aufgehoben. tur"-Agent Abetz durchzuführen hatte, gehörte die Auswahl geeigneter französischer nehmen. und Autoren. Die von Abetz Auserwählten er- einen„ abgeführten" Betrag von 1,25 Mil- sowohl wie in Polen hatte sein Name bei gen ganze Spalten dran wenden, ihre Leser hielten von deutschen Verlegern Verlags- liarden, der im Rahmen der ordentlichen allen vernünftigen und Uebersetzunsangebote, die je nach Gesamteinnahmen von 22 Milliarden pro Menschen einen guten Klang, und zwar bis sich die Einwohner des Dritten Reiches in die letzte Zeit. friedliebenden davor zu warnen. Vor allem aber dürften der Einschätzung der Persönlichkeit den fragen, warum man sie in den Gaststätten Jahr ganz beträchtlich ins Gewicht fällt. üblichen Sätzen entsprachen oder so hoch dem Sieht man diese Einnahme unter Julius Gehl lebte in den letzten Jahren zwingt, die deutschen militärischen Nachwaren, dass de Kerillis die Frage auf- Gesichtspunkt der Deckung der Kriegsko- still und zurückgezogen in Danzig, aber richten anzuhören schweigend und„ ,, aufwirft, ob die Nutzniesser solcher Verträge sten an, so könnte Goering aus dem den unter jenem entsetzlichen seelischen Druck, merksam" anzuhören Arbeitern vorenthaltenen Ueberstundenzu- der auf ihm seit der Machtergreifung der sen Dingen doch nichts verstehen. Obwohl längst nicht alle angenomme- schlag die gegenwärtigen Kosten des Hit- Nazis lastete. Seine Freunde und Kampfnen und honorierten Bücher auch wirk- lerkrieges länger als eine Woche bar be- genossen hat er nie vergessen. lich übersetzt wurden, stieg die Zahl der zahlen. Aber das Jahr hat 52 Wochen, von nicht nachdenklich werden mussten. in deutscher Sprache erschienenen fran- denen jede mindestens eine Milliarde zösischen Bücher von Jahr zu Jahr. Von Kriegskosten verursacht. Eine so glatte 1919 bis 1932 erschienen jährlich im und spesenfreie Einnahme, wie sie die Durchschnitt sieben französische Bücher Auszahlung eines Teiles der Arbeiterlöhne Die Dummheit der anderen Letzte Hoffnung in Deutschland. Dann steigt die Zahl im an die Staatskassen darstellt, erscheint anJahre 1933 auf 15 und in den folgenden gesichts der deutschen Geldkalamität so des deutschen Herrenvolkes Jahren auf 20, 28, 37, 42, 51 und für das verlockend, dass jetzt auf der gleichen Ba- Während die Nationalsozialisten fortfahJahr 1939 wird die Zahl mit 62 angenom- sis eine weitere Staatseinnahme ausgeklü- ren, die tschechische Intelligenz auszurotgelt wurde. コー R r b r men. n n 2r n n n n n S11Sx90 ie n Slagshonorars bot, andere werden die wenn sie von dieRassenschande mit einem Polen Die Essener ,, National- Zeitung" vom 4. Januar 1940 meldet aus Memel: ,, Das Sondergericht in Heydekrug verurteilte die 22jährige Hertha Köhlert, die sich mit einem polnischen Kriegsgefangenen abgegeben hatte, zu 6 Jahren Zuchthaus.' Liebe zu man ten, Professoren und Schriftsteller in die Unter den von Deutschland ausgewählIn der Ueberschrift bezeichnet die ,, NaMan schickt ,, Treuhänder der Arbeit" Konzentrationslager zu schaffen, blutjunge ten französischen Autoren befinden sich von Betrieb zu Betrieb, die das, was man Studenten umzubringen und den tschechi- tional- Zeitung" jenes Landmädchen als Schriftsteller der verschiedensten Kreise: im Dritten Reich ,, übersteigerte Konjunk- schen Kindern die Bildungsmöglichkeiten eine„ Ehrlose". Es muss für so ein junMitglieder der Akademie, Wissenschaftler, turlöhne" nennt, abbauen müssen. Sie abzuschneiden, wird im besetzten Polen ges Ding nicht leicht sein, in Deutschland Politiker, der Direktor einer grossen Zei- setzen Höchstlöhne fest. Die Differenz eine Schule nach der andern eröffnet. Al- ehrbar zu bleiben. Solange Polen ein sotung, der Chefredakteur einer anderen zwischen dem seitherigen und dem nun- lein im Bezirk Warschau sind 17 neue zusagen befreundetes Land war, durfte Zeitung und ein früherer General. Manche mehr festgesetzten Lohn muss von dem Be- Schulen entstanden, 25 weitere sind ge- man mit einem Polen als künftigen Ehewerden naiv angenommen haben was sich trieb an die Staatskassen gezahlt werden. plant. Aber all diese Schulen sind allein mann rechnen, während die ihnen in der harmlosen Form des Ver- Nur wenige Betriebe, die als notleidend für deutsche Kinder bestimmt, vor allem einem Untertanen Stalins als Rassenanerkannt wurden, sind von der Verpflich- für die Sprösslinge der zwangsweise re- schande gegolten hätte. Jetzt darf Dinge realistischer angesehen haben. In je- tung ausgenommen worden, ihre Lohner- patriierten Balten. Was aus den polnischen sich beispielsweise in Russen und( zudem Fall stehen dahinter Korruptionspläne sparnis dem Staate zu überweisen. Kindern werden soll, ist eine andere Frage, nächst noch) in Japaner verlieben, nicht des Dritten Reiches, in die einbezogen zu Die Betriebe zahlen Konjunkturlöhne um deren Lösung man sich im Dritten Rei- aber in Polen oder Tschechen. Ob ein werden für den Bürger eines freien Lan- und fordern dementsprechend Konjunk- che wenig sorgt. blauäugiger Finne noch als Bräutigam in des keine grosse Ehrung bedeutet. turpreise. Die Arbeiter bekommen nur Nachdem das deutsche Volk sich dank Frage kommt, ist schon zweifelhaft, und einen Teil ihrer Löhne, müssen aber die seiner einzigartigen Führung für die näch- wenn die Amerikaner sich weiter so vervollen Preise bezahlen. Die Differenz wird sten Jahrzehnte jede Möglichkeit verscherzt halten wie bisher, müssen sie durchaus im Kriege Hitlers verpulvert ein wahr- hat, seine Nachbarn an Intelligenz zu über- damit rechnen, auf die Liste der für Rashaft produktiver Kreislauf in der deut- flügeln, wird der bereits in,.Mein Kampf" senschande geeigneten ,,, nicht anverwandvorgesehene, bei weitem bequemere Weg ten" Völker gesetzt zu werden. Denn die In dem ,, Mitteilungsblatt des Reichskom- schen Wirtschaft. eingeschlagen, möglichst viele andere Völ- Qualität einer Rasse wird offenbar nach missars für die Preisbildung" befasst sich ker auf einen niedrigen Bildungsstand her- der jeweiligen aussenpolitischen Situation Regierungsrat Dr. Krauthause mit Julius Gehl gestorben abzudrücken. Denn unter den Blinden, so bewertet. Und das alles soll sich die arme sagen sich die Nationalsozialisten, ist der kleine Ehrlose in Heydekrug merken. In Danzig ist in der Woche vor Weih- Einäugige König. Das hat mit der Aus- Die Hexen im Mittelalter konnten dem schönen Wort ,, Lohnabführung" benoch zeichnet man im heutigen Deutschland die nachten 1939 Julius Gehl, der langjährige stossung der jüdischen Kinder aus den eher ahnen, wessen man sie bezichtigte, als unmittelbare Zahlung eines Teiles der Ar- Führer der Danziger Sozialdemokratie, im deutschen Schulen begonnen, das ist in die Rassenschänderinnen im Dritten beiterlöhne an die Reichsfinanzkassen. Alter von 72 Jahren gestorben. Julius Prag planmässig fortgesetzt worden, das Reich, die in die Klauen der braunen InWir berichteten bereits, dass generell die Gehl stammte aus dem Osten. Er ist in führt hente zur Enthauptung auch des pol- quisition geraten. zehnstündige Arbeitszeit eingeführt wurde, Bromberg geboren. Hier erlernte er auch nischen Volkes. Vorenthaltene Arbeitslöhne neuen Lohnabführungsverordnung. der Mit werden kann, und dass den Ueberstunden- nisation der Maurer if 1n It n 0 er ches. re 1, g, -IT SS 11; n n Fir nt ie ie コー n er war in jungen die Welt zu erobern, desto fehlerhafter wird Selbsteinschätzung. Als die Nationalsodie in besonderen Fällen auch verlängert das Maurerhandwerk. In der Berufsorga- Aber ie weiter Hitler davon entfernt ist zuschlag von 25 Prozent für die neunte und Jahren nach Berlin gekommen- erwarb er seine Spekulation. Das Defizit wird das zialisten im Jahre 1933 die Macht usurpierzehnte Arbeitsstunde nicht der Arbeiter sich dann die ersten Verdienste im Kampf deutsche Volk zu tragen haben erhält, sondern die Finanzkasse des Rei- für die Arbeiterbewegung. Bereits als Sekre- niemand. Das bedeutet eine Sonderbesteue- tär seiner Gewerkschaft in Berlin begann rung der Lohnempfänger in Höhe von fünf auch seine politische Tätigkeit, der er sein Prozent ihres Einkommens. Leben widmen sollte. sonst Die Rundfunkseuche ten, um, wie sie erklärten, ihr tausendiähriges Reich zu errichten, bekundeten sie an neuen Ehen und an Nachwuchs ein lebhaftes Interesse. Sie gewährten Ehestandsdarlehen von tausend Mark. Bei Nach den Anfang Dezember vom Stati- Nach Danzig kam Julius Gehl als BeKriegsausbruch wurde ihnen die Dauer stischen Reichsamt veröffentlichten Ergeb- zirkssekretär der Sozialdemokratischen Die ,, Münchner Neuesten Nachrichten" ihres tausendjährigen Reiches etwas pronissen über die Untersuchung des Volks- Partei für Westpreussen. Er behielt dieses warnen die deutschen Untertanen davor blematisch, und sie konnten sich nicht enteinkommens belief sich im Jahre 1938 das Amt bis zur Revolution von 1918. Als sol- seelischen Selbstmord" zu begehen, indem schliessen, mehr als sechshundert Mark pro Vokseinkommen in Deutschland zusam- cher hat er bei der Gründung vieler Orts- sie die ausländischen Sender abhören. Das Ehe in die Zukunft dieses Reiches zu inmen mit Oesterreich und dem Sudetenge- ruppen der Partei in Westpreussen Pate Schlimmste sei, dass die Krankheit der Aus- vestieren. Der Verlauf der ersten vier biet auf 87 bis 88 Milliarden. Davon wa- estanden. In Danzig gründete er auch die landshörer ansteckend wirke, dass so ein Kriegsmonate veranlasste sie, den Betrag ren 53,6 Prozent oder rund 47 Milliarden Volkswacht", die spätere ,, Danziger höser Mensch die ganze Nachbarschaft mit der Ehestandsdarlehen jetzt auf fünfhunLöhne und Gehälter. Setzt man die gegen- Volksstimme" und war ihr erster Redak- seinen Mitteilungen vergifte, bis der oder dert Mark herabzusetzen. wärtige Lohnhöhe und die Zahl der Lohn- eur. Nach Ausbruch der Revolution wur- iener eine hohe Gefängnisstrafe erhalte. Vor Das gefährliche Viehsalz. Zu den verboDingen gehört neuerdings in empfänger verhältnismässig niedrig an unde Julius Gehl Reichskommissar für West- llem solle man sich vor den militärischen tenen berücksichtigt dazu die Mobilisierung reussen und den Netze- Distrikt. Er ge- Nachrichten des Feindes hüten. Jeder ver- Deutschland das Streuen von Viehsalz, das eines Teiles der Arbeiter, so kommt man hörte der Nationalversammlung in Wei- nünftige Deutsche müsse sich sagen, von bisher als schnell wirkendes Taumittel gezu dem Resultat, dass mindestens 25 Mil- mar, nach der Abtrennung Danzigs vom diesen Dingen verstehe er ohnehin nichts. gen die Vereisung auf den Strassen und dem liarden Lohneinkommen dieser Sonderbe- Reich vorbereitenden Danziger Die ansteckende Rundfunkkrankheit besonders den Strassenbahnweichen steuerung unterliegen. Wahrscheinlich ist Staatsrat, der Danziger Verfassunggeben- muss sich trotz aller Todes- und Zucht- verwendet wurde. Begründung des VerDie neudeutschen Stiefelsohlen diese Summe höher, aber auch 25 Milliar- den Versammlungen und sämtlichen Volks- hausurteile in beunruhigender Weise ausge- bots: den Löhne bedeuten für die Staatskassen tagen bis zum Jahre 1935 an. In Danzig breitet haben, wenn die deutschen Zeitun- werden von dem Salz aufgelöst. an Theater im Kriege Brief aus Deulscbland ....Vom Deutschen Theater kann ich dir nicht viel berichten. Wenn mal ein Gesellschaftsslück aufgeführt wird, ist es ein alter Schmarrn. Sudermann ist immer noch nicht vorbei. Politische Stoffe werden noch weniger gewagt als vor dem Pakt Moskau-Berlin. Du wirst gelesen haben, dass der amerikanische Romancier Richard Aldington, der nach Europa kam, nm unbeschwert von amerikanischer Hast an einem neuen Werk zu schreiben, wieder nach Hause gereist ist und Europa ungefähr mit den Worten verfluchte:„Hier soll der Teufel dichten..." Nun kannst du dir ungefähr vorstellen, wie es dem deutschen Dichter zumute sein mag, der noch etwas zu sagen hat. Kurz, ich gehe seit langem nicht mehr ins Theater. Aber Jungst war auf den Brettern doch was los, das mich interessierte. Ehe ich weiter erzähle, lass uns ein Jahrzehnt zurückschweifen. Entsinnst du dich noch des Lustspiels von Molnar, das Wir um 1930 herum gemeinsam sahen? Es spielte in einem Schloss und der Clou bestand wohl darin, dass der sympathische, gläubige Mensch des Stückes von seiner Braut und seinem Freunde betroeen wurde, Alles renkte sich ein und der Betrogene merkte in der schönen Gläubigkeit seines Herzens nicht, was vorgegangen war. Das Publikum aller Schichten amüsierte sich köstlich, es belachte„den Dummen". Wir waren beide einigermassen betroffen, denn ein Stück Tragikomödie war vom Autor schwankhaft abgehandelt worden. Ein alter Thealerhase sagte uns hintendrein, dass diese Art, den gläubigem Menschen zum Narren und Blödian zu stempeln, noch zehn Jahre vorher vom Publikum und von den Theaterdirektoren abgelehnt worden wäre. Da konnte solcher Stoff höchstens die bittere Form des Grotesken ä la Wedekind, Sternheim usw. haben. Uns schien es damals, dass uns im Theater, von Bühne und Parkett her. das erstenmal die Korrumpierung der Begriffe angehaucht hatte, wie wir diese Korrumpierung seit dem Weltkrieg in der Politik der gesinnungslosen Erfolgsparfeicn beobachteten: Treu und Glauben ist für die Dummen. Auch die' Kritik versagte, auch sie freute sich über den neuen Reisser, auch sie wusste schon nicht mehr recht, was heiter und was ernst war. Nur wenige taten ihre Pflicht, die Nazinresse tat mehr, sie fiel mit gemachter, aufgeblasener Entrüstung über den„jüdischen Asphaltdichter" her, ohne das Wesentliche zu treffen. Erinnerst du dich noch? Ich musste an all das denken, als bei uns jüngst ein Lustspiel unaufgeführt wurde, „Liebesbriefe" geheissen. Verfasser ein gewisser Felix Lütgendorf. Hat schon zwei banale Stücke auf dem Gewissen. Hier die Handlung seines neuesten: Ein Bankier feistet sich einen Seitensprung. Es geht nicht ohne Liebesbriefe ab. Als er zur Besinnung kommt, sucht er die Briefe, aus Angst vor seiner Frau, mit Scheckbuch nnd Heimtücke wieder zurückzubekommen. Es gelingt. Aber der komödische Zufall lässt die Briefe unvermutet in die Hände seiner Frau gelangen. Sie weiss von nichts und ist— dies der Höhepunkt — höchlichst beglückt. Denn es sind die schamhaften, ersten Liebesbriefe, die ihr von ihrem Mann einst geschrieben wurden und die ihr abhanden gekommen waren. Der Edle hatte sie für die andere kopiert. Das animierte. lachende Publikum findet mit dem Autor den grauhaarigen Bankier, der bereit ist, jede Liebe und jeden Liebesbrief zu verraten, als eine durchaus sympathische Figur und unser hiesiges Naziblatt nennt das Ganze„eine sympafbische Komödie mit reizvollen Ausblicken in menschliche Schwächen..." Hier hast du einen typischen Ausschnitt aus dem neudeutachen Theater der Kriegs- zeit. Damals, als wir über Molnar und sein Publikum den Kopf schüttelten, gabs immerhin noch eine Kritik, und Molnars Dia- log hatte immerhin liebenswürdige Grazie. Die obige Liebesbrief-Tragikomödie fedoch wird in banalster Schwankmanier Zum Besten gegeben. Ich weiss, es gibt schlimmere Dinge in Deutschland, ich wollte dir ja auch nur ein Beispiel der moralischen Erneuerung des deutschen Theafers beibringen, von dem kürzlich ein brauner Oberbonze behauptete, es habe sich vom französischen Ehebruchsschwank befreit. Dafür ist das deutsche Lustspiel ih den Sumpf des plumpsten Spiesscrtums entsunken,„mit reizvollen Ausblicken auf menschliche Schwächen" und moralischen Belehrungen, die obigem Bankier erteilt werden von„seinem respektlosen Töchterchen", wie Görings Blatt animiert vermerkt. Allerdings gibt es im deutschen Theater auch ab und zu scharfe Aeusserungen des Missfallens. In einem Stück, erzählt der Flüsterwitz, stand kürzlich das Parkeft auf, Der Kamiif um die Kn�atznahrnng� Um einen halben Uifer lla�ermileh In Deutschland zählt nur noch, wer für das Regime an der inneren oder äusseren Front kämpfen oder Waffen für seine Rüstung schmieden kann. Den nationalsozialistischen Grundsätzen entsprechend, hat die Rücksichtslosigkeit gegen die Alten und Kranken oder sonst besonderer Pflege Bedürftigen auf der ganzen Linie eingesetzt. Bisher genügte es, ein ärztliches Attest vorzuzeigen, wenn man eines Zusatzes zu der dürftigen normalen Fett- und Milchration teilhaftig werden wollte. Neuerdings sind die Bestimmungen über diese Art von Zuschüssen zur Ernährung aufs äusserste verschärft und die attestierenden Acrzte einer scharfen Kontrolle unterworfen worden. Wer auch jetzt ein solches Attest verlangt, der Arzt, der es ausschreibt, muss fürchten, sich verdächtig zu machen und als Saboteur an der Ernährungsfront betrachtet und behandelt zu werden. Das Attest des Arztes genügt nicht mehr. Es muss der Aerztekammer des Bezirks zur Begutachtung eingereicht werden. Aber auch wenn diese zustimmt, ist der Nahrungsmittelzusatz noch nicht bewilligt. Erst das Ernährungsamt fällt die letzte Entscheidung und von ihm erfahren Arzt und Patient das Schicksal ihres Gesuches. Die Kompliziertheit des Verfahrens.] die Vielfalt der Instanzen muss jeden Arzt abschrecken, einen Antrag auf zusätzliche Nahrungsmittel zu unterstützen, wenn er nicht der Bewilligung absolut sicher ist. um so mehr, als ein einfaches Attest nicht genügt, in dem das Leiden des Patienten genannt ist. Es muss vielmehr in dem Attest genau die Entwicklung des Leidens und sein Stand zu erkennen sein. Bei Lungentuberkulose, ob sie offen oder geschlossen ist, das Ergebnis der Harn- und Blutuntersuchung usw. Ohnehin gibt es Vollmilch nur für Kinder und werdende und stillende Mütter, für alle anderen Erwachsenen nur Magermilch, aber auch diese nur in Wochenrationen, die allenfalls für die normalen Bedürfnisse des Haushalts ausreichen. Auch für einen Zusatz von Magermilch braucht man jetzt ein begründetes ärztliches Attest. Altersschwachen ohne besondere Krankheit darf keine Vollmilch, sondern allenfalls Magermilch zusätzlich abgegeben werden, aber auch nur wenn es der Arzt verordnet und Aerztekammer und Ernährungs- amt bewilligen. Die Nazis, die sich rühmen, dass ihnen die Verbesserung der Rasse höchstes Gebot sei, sorgen sich zur Zeit nur um die Generation, die bereits an der Front steht, und nicht um die kommende Generation, der dieses Schicksal erst in zwanzig Jahren bevorsteht, wenn die Nazis wider Erwarten dann noch an der Macht sein sollten. Es ist den Aerzlen befohlen worden, dass, ausser dem allgemein zugestandenen halben Liter Vollmilch und den 150 Gramm Nährmitteln, schwangere Frauen, Wöchnerinnen und stillende Mütter Zusätze zur amtlichen Ration nur auf ärztliches Attest und auf dem gewohnten Wege des Bewilligungsverfahrens bekommen können. Bei Schwangeren dürfen Anträge auf zusätzliche Ernährung nur gestellt werden, wenn eine Erkrankung hinzutritt. Den Aerzten ist befohlen worden, in der Ausstellung von Attesten äusserste Zurückhaltung zu üben, weil die Nahrungsmittelreserven nicht so reichlich sind, dass auch nur die noch Gesunden längere Zeit damit durchgehalten werden könnten. Nicht dass die Gesundheit ihrer Patienten, sondern dass die Rohstoff, und Nahrungsmittelreserve intakt bleibt, hat jetzt die Hauptsorge der deutschen Aerzte zu sein. Sie sind nur noch ausführende Organe des Reichsunterernährungsministers. Eine Anordnung, die vor einiger Zeil uu deutschen Aerzteblatt veröffentlicht worden ist, hat unter den Aerzten grosse Bestürzung hervorgerufen. Die Aerzte werden darin„zur sparsamen Rezeptverschreibuag von kriegswirtschaftlich wichtigen Fett- und Alkoholstoffen, von Arznei- und Heilmitteln" aufgefordert. Fettstoffe dürfen nur in sparsamsten Mengen verschrieben werden. Kein Medikament darf mehr als 50 Gramm Oel enthalten, das gilt auch für Salben. Aetherische Oele dürfen überhaupt nicht verwendet werden. Für gewisse fetthaltige Aerzneimittel sind geringe Höchstmengen vorgeschrieben. Insulin, das bekannte Heilmittel für Diabetes, darf nur noch in begrenzten Mengen verschrieben werden. Mittel gegen Husten, die Zucker enthalten, dürfen nur verschrieben werden, wenn die Notwendigkeit genau geprüft ist. Sparsamste Verwendung ist anbefohlen für Chinin, Koffein, Glyzerin, Jod, Perubalsam usw. und vor allem für Verbandstoffe. Da die Kassenärzte ohnehin angewiesen sind, haushälterisch mit Rezepten umzugehen, läuft dieser Befehl an die Aerzte unter Umständen auf eine schwere Gefährdung der Gesundheit der Patienten hinaus. um zu gehen und die Galerie tobte, pfiff und johlte. Warum? Auf der Bühne oben wu�rde gegessen, es gehörte zum Stück. Das Bratenessen wurde jedoch so echt und mit solch boshaftem Appetit markiert, dass die Zuschauer es nicht mehr aushielten. Nur ein paar Nazibonzen hielten durch. Kunststück. Siehst du, das sind so unsere Theaterereignisse, und seit diesem Skandal soll es amtlich untersagt worden sein, auf deutschen Bühnen zu essen, da solches geeignet sei, den Verfeidigungswillen des deutschen Volkes zu schwächen... Dld grläultie:«1' KOohin Das Stärkste an Franz Werfeis neuem Roman„Der veruntreute Himmel"(Ber- mann-Fischer Verlag) sind die Fabel und die zwei Hauptgesfaltcn: die böhmische Köchin Teta und ihr Neffe, für den sie spart, darbt und opfert, damit er das theologische Studium absolvieren und katholischer Geistlicher werden kann. Denn Teta ist fromme Katholikin und glaubt sich im Jenseits einen guten Platz zu sichern, wenn sie hinieden einen besonderen Fürsprech hat. So opfert sie dem Neffen, würd darüber alt und erfährt nach dreissig Jahren erst die Wahrheit. Der Neffe nämlich hat nicht studiert, sondern das Geld der Tante durchgebracht. Als sie ihm nach 30 Jahren endlich Auge in Auge gegenüber tritt, steht ein mit allen Wassern gewaschener Win- kclagent und Klcinstapler vor ihr. Er hat ihr den Himmel veruntreut. Was drum herum gruppiert ist— die hochherschaft- liche Familie, bei der Teta dient und in deren Hause schliesslich Werfel die Biographie der Köchin erfährt, der junge fremde Kaplan, in dem sich Tetas Wunsch- traum erfüllt und der ihr Absolution erteilt— das alles ist blass, nebensächlich, störend, eine überflüssige Einkleidung. Die jenseitige, aufs Ewige gerichtete Köchin fand zwar ihren Biographen, dieser aber nicht die knappe, geballte Form, nach der diese Tragikomödie verlangte. Das erstaunlichste Wunder dieses Buches: die Köchin lebt und hat Farbe, obwohl sich der Dichter mit papiernen Figurinen ungebührlich in den Vordergrund drängt. Sie wird schliesslich durch den Tode erlöst, während ihr Dichter sich zum Schluss das Stück Sozialphilosophie vom Halse redet, das er auf 414 Seifen zu gestalten vergass. Zweifelsohne ringt er ehrlich mit den psvchologischen Problemen unserer Zeit, und wir möchten an seinem RnVpnntnis schon deshalb nicht vorbeisehen, weil es unabhängig von der Parteien Hass und Gunst ist und Feind jenes peinlichen pseudoroten Konformismus. dem sich eine gewisse Liferatengilde mit Pauken vi"'! Trompeten verschrieben hatte. Die Köchin Teta soll den Menschen unserer Zeit eine Mahnung sein, den Glau- h»n ans Ew'se zu erneuern.„Ich habe schon sehr früh erkannt, dass der Aufstand gegen die Metaphysik die Ursache unserers ganzen Elendes ist", sagt Werfel. „E'nmal, wenn uns Technik, Sport und Realgesinnung zum Halse heraushängen werden, dann wird die Sehnsucht nach diesem Feuer, die Sehnsucht nach einem neuen metaphysischen Bewusstsein, dio fortgeschrittenste Empfindung einer verwegenen Avantgarde sein..." Er wünscht die Aussöhnung des„richtigen Sozialismus mit der Metaphysik." Das klingt alles sehr diskutabel, doch schliesslich hat auch der„Aufstand gegen die Metaphysik' seine tieferen Ursachen. Das weiss Werfel, aber er geht daran ebenso vorbei wie an der Tatsache, dass religiöse Weltauffassung durchaus nicht vor faschistischer Verlockung schützt. Sowohl die Dik- titur der Schwarzhemden wie die der Braunhemden konnte sich als Schützer der Religion aufspielen und damit beträchtlichen religiösen Anhang ködern. Wenn die verwirrte Menschheit einen neuen Mythus nötig hat, so den der persönlichen Freiheit und der Aufwertung des durch Rationalismus. Technik, Fliessband, W irtschaftschaos und Krieg entwerteten. entseelten Menschenlebens. Falls der Dichter das nicht nur hätte sagen. sondern auch gestalten wollen, so genügte die ausladende Figur der jungfräulichen alten Köchin nicht. Er hat mit ihr ein zu grosses Thema verkuppelt; das macht diese Geschichte der unverdorbenen Einfalt so widerspruchsvoll, unbefriedigend und formlos. R. G. Inflation«mar«cli Tausend Jahre Drittes Reich, tausend Jahre— und was dann? Kauft, Kinder, kauft, was ihr kauft, ist ganz gleich, kaufe jeder immerhin soviel er kann. Tausend Jahre, tausend Jahre— und was dann? Kauft ein alles Karussel, tausend Jahre hält es aus, denn die Zeit hentzutag, die vergeht ja so schnell, kauf drei Radewannen für dein Weekend-Haus, und dann bade tausend Jahre in Saus und Braus. Brot und Kleider für dein Geld gibt dir keiner— also was? Kiess und ein Gnu und ein Araberzelt, eine Röntgenröhre und ein altes Fass, wenn die Steuer steigt, dann bleibt dir nicht mal das. Freilich—. an die Inflation glaubt kein Mensch in Himmlers Land, aber unsre Oma braucht durchaus ein Xylophon, und dem Säugling fehlt zum Zulpen ein Brillant, grad wie damals, als der Dollar tausend stand. Tausend Jahre Drittes Reich, tausend Jahre— und was dann? Kauft, Kinder, kauft, was ihr kauft, ist ganz gleich, kaufe jeder immerhin, soviel er kann. Tausend Jahre— tausend Jahre— und was dann? Prüeiolknabcn Unlängst hat Hitler seinen Astrologen ins Konzentrationslager sperren lassen, weil er ihm ein ungünstiges Geschick geweissagt hatte. Stalin ist weit aufgeklärter, er verlacht jeden Aberglauben und hat es vorgezogen, den Chef des russischen meteorologischen Dienstes zu entlassen. Offenbar hat der Unglückliche vergessen, seinen Führer darauf hinzuweisen, dass es in Finnland während des Winters kalt zu sein pflegt. DEZ U G SBEDIN G UN GEN Der NEUE VORWAERTS kostet Imp. Union, 13, nie Mdchain, Paris. Le Girant: Albert MARION.