JOURNAL ANTIHITLERIEN Journal social-democrate destin6 aux refugies de langue ailemande NOUVEL"EN AVANT!" Hebdomadaire en langue ailemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris-5. Telephone: Odeon 42-58 Nr. 346. SONNTAG, 4. Februar 1940 Aus dem Inhalt: Muss Deutschland siegen? Galgen und Rad Die Jagd nach dem Dollar Macht euch nicht mitschuldig! Eine MaEsiiUBitt an das deutsche Volk Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat sich hei Kriegsheginn an das deutsche Volk gewendet mit der Erklärung, dass die Niederlage Hitlers und die endgültige Ueberwindung des neuen Militarismus die Voraussetzung für den Frieden und die Neuorganisation Europas sind. Er hat erklärt: „Ein Frieden, der die Gewaltakte Hitlers wiedergutmacht, dem totalitären System ein Ende setzt und dem deutschen Volke wie edlen vergewaltigten Völkern Recht und Freiheit wiedergibt, ist das Ziel unserer Politik." Wir richten heute unsere Blicke auf das polnische und das tschechoslowakische Volk. Die Gewalttaten des Hitlersystems an diesen Völkern schreien gen Himmel. Wir können nicht glauben, dass das deutsche Volk diese Verbrechen kennt und schweigend hinnimmt, oder gar hilligt. Wir fühlen uns verpflichtet, dem deutschen Volke zu sagen, was in Polen und der Tschechoslowakei geschieht. In Polen spielt sich eine ungeheure Volkstragödie ab. Der Massentötung von polnischen Zivilisten, Frauen und Kindern hei der Eroberung folgt der systematische Vernichtungsfeldzug gegen das ganze polnische Vok nach. Man kann die Blutopfer und die Todesopfer des polnischen Volkes nicht zählen, man kann sie nur voll Grauen ahnen. Grosse Provinzen sind von Deutschland annektiert worden. Dort Avird systematisch der letzte Pole von Haus und Hof und aus den Städten gejagt. Die polnische Schule ist lahmgelegt. Die Universitäten sind zerstört worden. Gegen die Universitätsprofessoren wie gegen die gesamte ßidungsschicht des polnischen Volkes "Werden Deportationen und Massen- füsilierungen unter nichtigen und empörenden Vorwänden verhängt. Die Zusammendrängung der ausgeraubten und vertriebenen polnischen Bevölkerung in wenigen Provinzen ünter den schrecklichsten Lebensbedingungen kommt einem millionenfachen Morde gleich. In der Tschechoslowakei hat der Terror mit Massenverhaftungen und Erschiessungen gerast. Nach dem 28. Oktober, dem tschechoslowakischen Nationalfeiertag, ist ein wilder Ausbruch der nationalsozialistischen Barbarei und des Vernichlungswillens erfolgt. Die schwerbewaffneten Banden Himmlers sind über die Zivilbevölkerung hergefallen. Massenerschiessun- jen. Massenverhaftungen von Studen- .en und Professoren und viele Tau- sende von Verhaftungen tschechoslowakischer Bürger zeigen den Massenterror gegen das tschechoslowakische Volk. Systematisch wird das tschechoslowakische Schulwesen und Hochschulwesen zerstört, auch, hier wird ein planmässiger Ausrottungsfeldzug gegen die Intelligenz geführt. Beide Völker, das polnische wie das tschechoslowakische, sind beraubt und ausgeplündert worden. Sie sollen durch Massenmord, durch die physische Vernichtung ihrer geistig führenden Schichten, durch die Unterbindung von Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten bis ins Mark getroffen werden. Hitler will die polnische und die tschechoslowakische Frage lösen durch die am Ende dieses Ausrottungsfeldzuges stehende Feststellung: es gibt kein polnisches und kein tschechoslowakisches Volk mehr. V Der Ausrottungsfedzug gegen die beiden Völker ist eines der grössten Verbrechen, die die Weltgeschichte jemals gesehen hat. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat gegen dieses Verbrechen wiederholt seine Stimme erhoben. Er hat erklärt, dass die Wiedergutmachung des den beiden Völkern zugefügten Unrechtes ein Teil seiner eigenen Ziele im Kampfe um die Freiheit ist. Das Verbrechen Hitlers bedroht das deutsche Volk selbst mit ungeheurer Gefahr. Die Grenzen, die Hitler zieht, sind nicht endgültig. Die; Eroberungen, die er gemacht hat, werden vergehen. Dieser Krieg kann nicht zu Ende gehen, ehe nicht Hitler geschlagen und sein System gestürzt ist. Wenn das deutsche Volk nicht selbst Hand anlegt zum Sturz Hitlers, wenn es sich nicht von seinen Verbrechen abwendet, werden die Opfer der Hitlerpolitik dem deutschen Volke die Mitschuld zuschreiben. Wenn das deutsche Volk, ohne eigene Mithilfe durch fremde Bajonette befreit, den Siegern die Hände zur Versöhnung entgegenstrecken wird, so könnte ihm der Ruf entgegenschallen: ihr seid mitschuldig! Dann besteht die Gefahr, dass der Schrei nach Vergeltung, das Gefühl des tiefsten Hasses gegen die Bedrük- ker und die Mörder der vergewaltigten Völker stärker sein wird als alle Kräfte der Versöhnung. Deshalb sagen wir dem deutschen Volke: Macht euch an dem ungeheuren Verbrechen nicht mitschuldig durch Schweigen oder Duldung oder gar Billigung! Lasst nicht den Eindruck entstehen, dass alle Kräfte des Rechts und der Moral im deutschen Volke ertötet wären! Empört euch gegen diese Verbrechen, bedenkt, dass es edler ist, im Kampf um Recht und Freiheit Opfer zu bringen, als sein Leben einzusetzen für Verbrecher. Zeigt dem polnischen und dem tschechoslowakischen Volke, dass ihr euch nicht als ihre Feinde fühlt, sondern als ihre Verbündete im Kampfe um die Freiheit Polens, der Tschechoslowakei und Deutschlands. In der Hand des deutschen Volkes liegt es, dass der Weg zum wahren Frieden, zur Versöhnung der befreiten Völker nicht versperrt wird durch die Verbrechen Hitlers. Paris, Ende Januar 1940. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: Hans Vogel Wer wurde überfallen? Die Opfer wollen«Ich nicht melden- Stummer Protest gegen die Henkerjustiz Aus dem Munde des Goebbels wissen wir, dass in den sieben Jahren nazistischer Volksbeglückung die Kriminalität in Deutschland immer mehr zurückgegangen und auf ein solches Minimum herabgesunken ist, dass sie eigentlich unter Denkmalsschutz gestellt werden müsste... Erscheint es da nicht wunderlich, dass die Führer sich jetzt im Kriege veranlasst sehen, gegen kleine Diebestaten und Räubereien mit der Todesstrafe zu Felde zu ziehen, sobald es sich um Vergehen handelt, die während der Verdunkelung begangen werden? Man kann buchstäblich keine deutsche Zeitung aufschlagen, ohne von dieser Rarbarjustiz schaudernd Kenntnis zu nehmen. Die rohe Henkerjustiz der Barbaren hat indessen ein unerwartetes, ein seltsam paradoxes Ergebnis gezeitigt: Die deutsche Polizei, deren Aufgabe es doch eigentlich wäre, nach Untätern, nach Verbrechern zu fahnden, muss sich jetzt im Gegenteil immer häufiger auf die Suche nach deren Opfern begeben. Ein konkretes Beispiel sei angeführt: In Stettin wurde gegen Ende des vorigen Jahres in verschiedenen Gegenden der Stadt eine Serie von nächtlichen Raubüberfällen auf Strassenpassanten verübt, von denen die Polizei nur dadurch Kenntnis erhielt, dass zwei ursprünglich wegen einer anderen Angelegenheit verhaftete junge Burschen ein allgemeines Geständnis ablegten, wobei sie auch jene Ueberfälle eingestanden, von denen— wie gesagt— die Polizei vorher nicht die geringste Ahnung gehabt hat. Denn die Opfer, jene Personen, die von den Burschen angefallen, niedergeschlagen und bestohlen worden waren, hatten diese rohe Behandlung und den Raub ihrer Barschaft-- schweigend hingenommen. Sie hatten keine Anzeige erstattet, keine Verfolgung der Täter in die Wege geleitet. Warum? Wenn es sich um einen einzelnen Fall handeln würde, könnte man vielleicht annehmen, dass der Ueberfallene selbst irgendwelchen Grund gehabt habe, die Berührung mit der Polizei zu meiden. Aber es handelt sich eben nicht um einen, sondern um mehrere Fälle und der Stettiner Polizeipräsident, SA-Obergruppenführer Jahn, sah sich schliesslich genötigt, die Presse zu alarmieren und die Bevölkerung der Stadt in einem Aufruf dringend zu ermahnen, dass sie derartige Ueberfälle und Diebestaten doch ja nicht der Polizei verschweigen möge... Warum haben die Opfer jener Ueberfälle geschwiegen? Es gibt nur eine Deutung. Sie alle wollten nicht eine Anzeige erstatten, derzufolge- zwei Menschen— mochten es auch rohe Diebesgesellcn sein— dem Henkerbeil überliefert werden könnten. Sie hätten den Tätern sicher eine gerechte Strafe gewünscht, eine Busse, die im rechten Verhältnis zum Vergehen stünde. Aber Todesstrafe für einen Fausthieb, ein geraubtes Portemonnaie,— darin sahen die Opfer keine Justiz, sondern-- Mord! Sie wollten lieber Unrecht schweigend erdulden, als an ungleich grösserem Unrecht sich indirekt mitverantwortlich fühlen. „Wer wurde überfallen?"— so fragt mit fetten Lettern der Aufruf des Stettiner Polizeipräsidenten.„Die Opfer werden aufgefordert, sich umgehend auf Zimmer 46 des Polizeipräsidiums zu melden!..." Schreiender Widersinn des aus den Fugen gebrochenen, geschändeten Rechts: der Verbrecher hat gebeichtet, aber das Opfer weigert sich hartnäckig, ein Geständnis abzulegen. Die Ueberfallenen stellen sich schützend vor die Spitzbuben und Stras- senrowdys,— in denen sie das kleinere- Uebel erblicken. Aus dem Schweigen der Opfer spricht zum verdunkelten Deutschland die Stimme- des Gewissens und der Menschlichkeit. Cial�en und Rad Das parodierte Uitlelalter Die deutsche Presse registriert täglich einige Hinrichtungen— etwa so, wie sie von leichteren Verkehrsunfällen und Witterungsschäden Notiz nimmt. Uns liegen drei Nummern der„Frankfurter Zeitung" vor und wir zählen: am 6. Januar 3 Hinrichtungen, ein Todesurteil; am 7. Januar ein Todesurteil; am 8. Januar 5 Hinrichtungen. Das Dritte Reich hat die Umwelt bei seinen Terrorakten im Innern, bei seinen Ueberfällen auf die Tschechoslowakei und Polen an grauenhafte Todesziffern gewöhnt. Was die ständig sich steigernde Mordjustiz besonders gespenstisch erscheinen lässt, ist nicht so sehr die Zahl der Opfer, als vielmehr die Verschiedenartigkeit der Delikte. Ob jemand einen Raubmord begeht oder ein oppositionelles Plakat an die Mauer klebt, ob jemand seinen Bruder in einer Scheune verbrennt, um die Versicherungssumme zu erschwindeln oder Zigaretten mit falscher Banderole verkauft, ob jemand eine Frau ermordet oder während der Verdunkelung ein Handtäschchen stiehlt, ob jemand einige Kinder umbringt und verscharrt oder einen Stroh. schober anzündet— das Hitlerregime kennt auf all diese Vergehen nur eine Antwort: Kopf ab! Der mittelalterlichen.Strafjustiz des Hit- lerrcgimes fehlt die Strafskala des Mittelalters. Damals machte man je nach der Schwere der Untat sehr wohl einen Unterschied zwischen Tod und Tod, und ob einer gevierteilt oder aufs Rad geflochten, verbrannt oder einfach gehängt wurde, das hing immerhin von seinem Verhalten ab. Die Neuzeit erweist sich auch hier wieder als eine dem Dritten Reich unangemessene Epoche knochenerweichender Dekadenz. Hinter den Kulissen sind die nationalsozialistischen Schergen zwar bemüht, einige Variationen zu schaffen— einem des Hochverrats bezichtigten Oppositionellen wird der Vortod in der Untersuchungshaft bestimmt schwerer gemacht als einem simplen Raubmörder— aber im allgemeinen kontrastiert die Einförmigkeit des sozusagen modernen Strafvollzugs doch sehr ärgerlich mit der sadistischen Vielfalt der Sondergerichtsurteile. Was die Zeitungen anlangt, so begleiten sie das blutige Schauspiel mit aufgeregten Entschuldigimgsfloskeln. Das heisst, sie können sich in der Karikierung der hingerichteten Opfer nicht genug tun. Keiner dieser Menschen ist eigentlich ein Mensch gewesen, und besonders die kleinen Verbrecher und die Politischen, deren Delikt dem Leser geringfügig, wenn nicht gar sympathisch erscheinen könnte, werden als feist und scheeläugig, hinterhältig und feige, verlogen und grausam hingestellt, werden wie die bösen Geister im Märchenbuch mit den schwärzesten Farben angepinselt. Die Anweisung, so zu verfahren, stammt natürlich aus dem Propagandaministerium, das gewöhnlich den vollständigen Text für die gesamte Presse liefert. Ob Goebbels sich richtig verhält, ist auch in diesem Falle wieder recht fraglich. Wenn es sich bei der Hinrichtungswoge um reine Nervositätsmorde des Regimes handelte, hätte er recht. Wenn aber eine abschrek- kende Wirkung erzeugt werden soll— und daran ist kaum zu zweifeln— hat er unrecht. In diesem Falle wäre es besser, in aller Oeffentlichkeit zu erklären:„Seht, so geringfügiger Delikte wegen lassen wir Menschen köpfen. Menschen, wie ihr es seid. Nehmt eure Köpfe in acht!" Dieses Bekenntnis wäre nicht nur wahrhaftig, es wäre auch nützlich. Wenn das Regime den Anschein erweckt, als handle es sich bei den fünf täglichen Hinrichtungen jedesmal um fünf Ausnahmefälle, jedesmal um die Beseitigung monströser, menschenunähnlicher Geschöpfe, werden nur die Konturen verwischt, wird die abschreckende Wirkung nur beeinträchtigt. Aber das ist ja gerade das alte Leiden. Klar und unzweideutig sind nur die Verbrechen des braunen Regimes. Sobald die Verbrecher den Mund auftun, verdrehen, vernebeln und verbiegen sie ihre Taten, bis aus schwarz weiss und aus weiss rot geworden ist. Diese Halbheit, die merkwürdigerweise auf noch immer vorhandene, wenn auch stark verkümmerte Gewissensansätze schliessen lässt, hemmt den frisch- fröhichen Fortgang der Barbarei viel mehr, als die nationalsozialistischen Barbaren es ahnen. Fünf Hinrichtungen am Tag und fünf Verteidigungsreden dazu— das ist schlechte Arbeit. Wenn die Führer nicht bald zu öffentlichen Verbrennungen und Vierteilungen übergehen, holen sie das Mittelalter vor ihrem eigenen Ende nicht mehr ein. über den übergeordneten Parteidienststellen." In diese„Menschenführung auf der Kreisstufe" darf sich der Landrat oder der Bürgermeister nicht einmischen, aber dafür hat auch der Kreisleiter„Eingriffe in die laufende Verwaltungsführung" zu unterlassen. Er muss aber frühzeitig von allen Projekten der Verwaltung unterrichtet werden und er hat das Recht, dem Landrat Anregungen und Hinweise zu geben. Uebermässig säuberlich ist die Kompetenzabgrenzung zwischen Partei und Verwaltung in dieser neuen Anordnung nicht, trotz der drei gewichtigen Unterschriften, die sie trägt— aber das war gewiss auch nicht die Absicht. Die Dlklalur de« Kreltalellers Die Herrschaftsansprüche der nationalsozialistischen Kreisleiter haben über Teile des deutschen Verwaltungsapparates einen solchen Unfrieden heraufbeschworen, dass Göring, Hess und Frick mit vereinten Kräften die Rolle der Freidensstifter übernehmen mussten. Sie haben gemein- schafllicb eine im„Reichsgesetzblatt" veröffentlichte„Anordnung über die Verwaltungsführung" erlassen. Im ersten Satz dieser Anordnung werden die Kompetenzen der Kreisleifer folgendermassen definiert: „Die Menschenführung ist allein die Aufgabe der Partei und wird in der Kreisstufe durch Kreisleifer wahrgenommen." Zur„Menschenführung in der Kreisstufe" gehört nach der Anordnung:„Die Stärkung der seelischen Kräfte zur Verteidigung des Reiches",„die Erweckung von Verständnis für die Notwendigkeit und Zweckmässigkeit der im Abwehrkampf zu treffenden Massnahmen" und„die Ueber- nahme der Verantwortung für die Stimmung und Haltung der Bevölkerung gegen- Oer Kampi um den deufschen Facliarheiter Staatssekretär Syrup, der über die Verteilung der deutschen Arbeitskräfte zu gebieten hat, hielt vor der„Deutschen Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehrwissenschaft" einen Vortrag über den„Arbeitseinsatz im Krieg". Nach dem Bericht der „Frankfurter Zeitung" vom 13. Januar beschäftigte er sich eingehend mit dem Mangel an Facharbeitern, um die heute zwischen der deutschen Wehrmacht und der deutschen Wirtschaft ein Wettstreit entbrannt ist. Die Konkurrenz der Wehrmacht und der Wirtschaft um den deutschen Facharbeiter wird als natürlich bezeichnet. denn der hochqualifizierte Facharbeiter sei zugleich der geeignete Soldat für die technischen Truppen. Im Grunde habe dir Wirtschaft hier vielfach die Vorlehre fnr die technischen Truppen übernommen. Un" ter diesem Gesichtspunkt sei bereits vor dem Kriege der Ausbildung der Lehrling« in der Eisen- und Metallwirtschaft erhöht« Aufmerksamkeif geschenkt worden. Die Militärs werden ermahnt, den Facharbeiterbedarf der Wirtschaft nicht als eine rein wirtschaftliche Angelegenheit anzusehen, denn schliesslich trage die gesamte deutsche Industrie, der Export und der Verkehr, und nicht nur die eigentliche Rüstungsindustrie zur deutschen Rüstung bei. Die wandelbare Nazibibel. Zur Verteilung an die deutschen Soldaten wurde eine Taschenausgabe von Hitlers„Mein Kampf auf Dünndruckpapier hergestellt, aus der |des Führers grosse Gedanken über Russ' jland und den Bolschewismus sorgfältig ausgemerzt sind. Eine wohlverdiente Ohrfeige! Die Ko"1' munisten bilden eine Partei, deren Stimm1 im Rate des Staates gehört werden soll!«' Es ist eine üble Sache sie zu unterdrücken, undemokratisch und zugleich unwürdig* (Der Deutsche Rundfunk zu dem Gesetz ge gen die kommunistischen Deputierten 1 Frankreich.) Teures Benzin. Die Ruhrbenzin A. G. j'1 Oberhausen, die Benzin aus Kohle h erste hat ihr Aktienkapital im letzten Jahr 9 auf 15 Millionen Mark erhöht. IJ1 � Schulden stiegen von 27.3 auf 36,9 Mil' nen Mark und ihr Verlust belief s'c'l-,.,nt, letzten Jahr auf 2,6 Millionen Mark. E' Politik, die erlaubt, Benzin in beliebig Mengen zum Weltmarktpreis zu kau � müsste für Deutschland eine glänzende flndung sein. I 7 Die Jagd nach dem Dollar Devisen Chronik der Woche Britisch- japanische Zwischenfälle اوو Donnerstag, 25. Januar 1940 Der deutsche Devisenhunger ist so gross, dass die auf keinem Gebiet zimperliche nationalsozialistische Regierung neuerdings Montag, 22. Januar 1940 In Deutschland wurde eine Verordnung die Herstellung ausländischer Ein britischer Kreuzer durchsuchte den zum Schutz der deutschen Wehrmacht" 512 Besatzungsmitglieder des versenkten. selbst in die Hand genommen hat. Es fiel japanischen Passagierdampfer Asame Maru erlassen, nach der jede ungünstige Beeindeutschen Dampfers Columbus wurden auf auf, dass deutsche Amtsstellen in Italien, im Stillen Ozean, 45 Meilen von der japa- flussung der deutschen Wehrkraft, sei es Aegypten und auf dem Balkan so viele nischen Küste entfernt, und holte 21 deut- durch Beschädigung von Einrichtungen, sei Angels Island bei San Francisco festgehalschöne neue amerikanische Dollarnoten in sche Seeleute herunter, die zur Besatzung es durch Aeusserung pazifistischer Gedan- ten. Sie wollten über Japan nach DeutschUmlauf setzten, wie ihnen entsprechend des versenkten deutschen Dampfers Co- ken, mit Zuchthaus oder Todesstrafe be- land reisen. Hundert Meilen vor der kalifornischen Küste kreuzten zwei australider Aufnahmefähigkeit der betreffenden lumbus gehört hatten. droht wird. sche Kreuzer und ein kanadisches KanoGeldmärkte abgenommen wurden. Zunächst Benzin und alle flüssigen Kraftstoffe, auch nenboot, um die Deutschen von jedem Die belgische Regierung hat einen Konwerden dadurch nur diese Länder selbst geschädigt, die ihr eigenes Geld oder un- trabandevertrag mit den Alliierten abge- Mineralöle gibt es in Deutschland nur noch Schiff herunterzuholen, auf dem sie reisen würden. ter Umständen auch anderes echtes Aus- schlossen. Sie verpflichtet sich zu kontrol- gegen Bezugsscheine. Die japanische Regierung hat in sehr In brasilianischen Häfen befinden sich landsgeld für die gefälschten Dollarnoten lieren, dass die auf dem Seeweg nach Belhingaben. Amerika selbst wird nur betrof- gien eingeführten Waren weder direkt noch scharfer Form in London gegen die Durch- zur Zeit noch 26 deutsche Schiffe mit einer fen, wenn die falschen Noten eingeschleppt in verarbeitetem Zustand nach Deutsch- suchung des japanischen Dampfers prote- Gesamttonnage von 108 000 Tonnen. Die Importeure stiert, von dem die 21 Besatzungsmitgliewerden. Um das zu verhindern, wurde, wie land ausgeführt werden. die ,, New York Times" meldet, eine Spe- müssen für alle Warentransporte entspre- der der Columbus verhaftet worden sind. abgeben. Danach zialuntersuchungskommission mit der Prü- chende Deklarationen fung der deutschen Falsifikate beauftragt. soll die Kontrolle der belgischen Schiffe Einer Regierung stehen bei der Herstellung durch die Allierten sehr vereinfacht wervon Falschgeld bei weitem bessere Hilfs- den. Gerüchte über eine Beteiligung deutscher Piloten am Krieg gegen Finnland werden Dienstag, 23. Januar 1940. vom amtlichen Deutschen Nachrichten- Büro ausdrücklich dementiert mit dem BeDer polnische Nationalrat trat in Paris merken, dass die Sowjetregierung niemals zusammen. Paderewski gab in einer Anum eine solche Hilfe gebeten habe und mittel zur Verfügung als gewöhnlichen Pri- Eine amerikanische Demarche in London sprache seinem festen Glauben an die Wie- dass Deutschland sich im russisch- finnivon der deraufrichtung eines freien Polens Aus- schen Krieg absolut neutral verhalte. Photos von deutschen Militär- und Flugvatfälschern. In den amerikanischen Häfen wegen der Nichteinhaltung der werden deshalb die Einreisenden in näch- panamerikanischen Konferenz deklarierten druck. ** in China unternommen. publiziert worden. Freitag, 26. Januar 1940 Die Besatzung eines japanischen Kanonenbootes hielt den britischen Dampfer Wing- Sang 15 Stunden an und durchsuchte ihn. Die englische Regierung hat in Tokio gegen diese Repressalie protestiert. 26. März stattfinden. ster Zeit eine sehr genaue Prüfung ihrer Neutralitätszone in den amerikanischen Ein Kredit der Alliierten an die Türkei basen, die während des Krieges von engliDollarbestände über sich ergehen lassen Küstengewässern wurde von der englischen in Höhe von 43,5 Mililonen Pfund soll schen Flugzeugen aufgenommen wurden, müssen. Aber die Amerikaner haben ihre Regierung dahin beantwortet, dass Gross- durch Tabaklieferungen verzinst und amor- lich gemacht und in englischen Zeitungen Erfahrungen auf diesem Gebiet. Haben britannien bereit sei, dem amerikanischen tisiert werden. Auch in Griechenland pladoch Hitlers sowjetrussische Paktfreunde Wunsch zu entsprechen, vorausgesetzt dass nen die Alliierten grosse Tabakkäufe. sich geraume Zeit der gleichen Dollarfäl- die neutrale Zone von Deutschland ebenDie kanadische Regierung hat die genaue schereien bedient, um die hohen Kosten falls respektiert und nicht zur Zufluchtsder kommunistischen Auslandspropaganda stätte deutscher Kriegsschiffe gemacht Ueberwachung aller Weizenexporte angeauf diese Weise den Ländern aufzubürden, werde. Die Amerikaner müssten für die- ordnet, damit kein kanadischer Weizen auf gegen die sie gerichtet war. sen Fall den deutschen U- Boot- und Kaper- dem Weg über Russland oder über neukrieg in der neutralen Zone selbst verhin- trale Länder nach Deutschland kommt. Der Sekretär der Kommunistischen ParObwohl es sich bei den gefälschten Dol- dern und als Voraussetzung dafür die noch larnoten um beste deutsche Qualitätsarbeit in den amerikanischen Häfen liegenden tei in USA wurde wegen Passvergehens zu Mit sämtlichen deutschen Gesandten in vier Jahren Gefängnis verurteilt. den Balkanländern hielt die Reichsregiehandelt, ziehen die Nazis die echten ame- Handelsschiffe internieren. rikanischen Dollars ihren eigenen Erzeug- Grossbritannien hat in USA seit Mitte Der deutsche Grossindustrielle Otto Wolff rung eine Besprechung in Berlin ab. nissen entschieden vor. Sie suchen sich November im Durchschnitt jede Woche für ist gestorben. Das kanadische Parlament ist aufgelöst Dollarschätze zu verschaffen, indem sie in neun Millionen Dollar Kriegsmaterial ge- Die japanische Regierung hat eine Frie- worden. Die Neuwahlen sollen schon am USA eine lebhafte Agitation für die Entsen- kauft und ausserdem Schrott, Oel, Baum- densoffensive dung von Lebensmittelpaketen für die hun- wolle und Lebensmittel. Durch Wang- Tsching- Wei, der an der Die USA- Gesandtschaft in Schweden gernden Verwandten in Deutschland entfalZur finnischen Fremdenlegion haben sich Spitze einer von Japan abhängigen Schat- empfiehlt den amerikanischen Bürgern ten. Es wurden für dieses Geschäft neue Firmen in USA gegründet und die Speku- Engländer, Franzosen, Italiener, Polen, tenregierung stehen soll, liess sie Tschiang- Schweden zu verlassen. lation der Nazis erwies sich als sehr wohl- Oesterreicher. Ungarn, Weissrussen, Let- Kai- Schek den Abbruch des chinesischen Gehe er auf begründet. So erzählt der Leiter einer die- ten, Estländer, Schweizer und Australier Widerstandes vorschlagen. Die Luftangriffe auf die russi- diesen Vorschlag nicht ein, so werde der Im Parlament der südafrikanischen Union ser neuen Unternehmungen, ein Herr gemeldet. Kessemeier, der als„ Fortra- Gesellschaft" schen Flugbasen. in Estland und in Kron- Frieden abgeschlossen für den von Japan wurde ein Antrag auf Beendigung des firmiert, voll Unbefangenheit, dass sich stadt sind von ausländischen freiwilligen eroberten Teil Chinas, während gegen das Krieges mit Deutschland abgelehnt. Die Abübrige China weiter Krieg geführt werde. stimmung ergab eine Verstärkung der Mehrsein Geschäft aus dem Nichts innerhalb von Flugzeugführern durchgeführt worden. heit des jetzigen Ministerpräsidenten Geneeinem Jahresumsatz In Schweden wird die Bildung eines Mittwoch, 24. Januar 1940 ral Smuts, der bei Kriegsausbruch an Stelvon einer Million Dollar entwickelt habe. kommunistischen Freikorps zum Kampf Ein deutsch- dänischer Handelsvertrag le des deutschfreundlicheren Generals HertUeber 30 000 Paketbestellungen hat seine gegen Finnland vorbereitet. Russland sucht Die dänischen zog getreten ist. Firma allein gesammelt. Der Geschäftsgang vor allem Kommunisten mit militärischer ist abgeschlossen worden. Das gesamte Vermögen des polnischen ist dabei folgender: Es werden Einheitspa- Ausbildung, die es als Offiziere gegen Finn- Exporte sollen in den kommenden drei Monaten ebenso hoch sein wie im letzten Staates, auch der Grundbesitz, alle Guthaketbestellungen fur 8,50 Dollar und 6,70 land schicken will. Quartal 1939. ben, Beteiligungen und Rechte sind offiEine Urlaubssperre für alle deutschen ziell von der deutschen Regierung beschlagSoldaten wurde verkündet. Sie soll auf nahmt worden. Verkehrsschwierigkeiten zurückzuführen drei Monaten zu Dollar angenommen. Das Geld wird in In Norwegen ist ein freiwilliger militäAmerika bezahlt und Herr Kessemeier muss rischer Ausbildungsdienst für Zivilisten es zur Verfügung seiner reichsdeutschen eingerichtet worden, der vom norwegiAuftraggeber halten. Die Deutschen kaufen schen Kronprinzen geleitet wird. ihrerseits in Holland Lebensmittel, die nach Acht Polen, darunter drei Frauen, wurBremen geliefert und dort in amerikanische den von den Deutschen zum Tode verurLebensmittelpakete verwandelt werden. Ihr Inhalt hat entsprechend französischen teilt, weil sie am 2. September 1939 deutsein. Schnellzugsfahrkarten werden in Deutschland nur noch verkauft, wenn eine besonwerden kann. Sonnabend, 27. Januar 1940 Zur bevorstehenden Frühjahrsbestellung werden eine Million Polen zur Zwangsarbeit nach Deutschland transportiert. Der zwischen Japan und USA seit 29 ses Jahr nicht erneuert worden. Detailshandelspreisen einen Wert von 1,40 sche Flieger, die aus ihrem brennenden dere Dringlichkeitsbescheinigung vorgelegt Jahren bestehende Handelsvertrag ist diesollen. Dollar bis 1,60 Dollar. Für diesen Betrag Flugzeug über Polen mit Fallschirmen abbekommen die Holländer nicht Devisen, sprangen misshandelt und beraubt haben sondern deutsche Ausfuhrwaren, entspreIn Brünn wurden zahlreiche Personen chend dem deutsch- holländischen Wirtschaftsabkommen. Insgesamt lieferten die verhaftet, darunter der Direktor des RaHolländer bisher 440 Tonnen Lebensmittel diojournals und andere Intellektuelle. im Wert von 560 000 holländische Gulden für die amerikanischen Pakete und in Amerika wachsen die deutschen Dollarkonten. Der Stacheldraht übrigens Gerichtsberichte der Ausser den LebensmittelversandgeschäfWer Gelegenheit hat, die ten wurden in USA deutsche Winkelbanken gegründet, die als Handelsfirmen oder knapp gehaltenen Schiffahrtsagenturen getarnt sind und die deutschen Zeitungen zu verfolgen, gewinnt ebenfalls der Sammlung deutscher Dollar- immer mehr den Eindruck, dass sich im fonds dienen. Sie bieten für den Versand Dritten Reich eine Art Stacheldrahtpsydeutsche Freunde oder Angehörige chose ausbreitet, wie sie sonst wohl in Gefangenenlagern entsteht. an den Man macht es Ein deutscher Versuch, in Belgien 10 000 Eisenbahnwaggons zu leihen oder zu mieten, ist fehlgeschlagen. Die Regierung des Iran hat mehrere deutsche Naziagenten ausgewiesen. Rostock am 29. November 1939 zum Tode verurteilt worden. Nach Empfang der Nachricht vom Tod des deutschen Industriellen Otto Wolff hat der Generaldirektor des Otto Wolff- Trustes im Fernen Osten, Dr. Beck, Selbstmord begangen. Der deutsche Magen Eine Sprecherin des Kölner Rund,, Gertrud Westphal hatte am 18. No- funks hat ihren Hörerinnen geraten, an den vember in einer Fabrik in Waren ab- Tagen, an denen keine Kartoffeln zu haben sichtlich Brand angelegt, um zu errei- sind, ein Beefsteak aus Milch, Zwiebeln und chen, dass sie dort nicht mehr zu ar- altbacknem Brot zu bereiten. Auch sei es beiten brauchte. Durch den Brand ist der gut, sich der Zwiebeln, die augenblicklich deutschen Volkswirtschaft ein beträcht- in reichem Masse vorhanden sind, beim licher Schaden entstanden." Kuchenbacken zu bedienen. Das erspare zu arbeiten Knoblauch eintritt. Die Destruktiver Uebereifer. Bei den MassReischsmark zu ungewöhnlich niedrigem sich zu bequem, wenn man die sich meh- So die ,, Frankfurter Zeitung" vom 10. Ja- Fett und sei im Geschmack kaum spürbar. Kurs an. Für ihre billigen Mark eine Die Tatsache, dass jemand renden Brandstiftungen und selbst gewisse nuar. Im Interesse des deutschen Volkes kann Lieferant kosten sie schliesslich nur Papier und Druckkosten bekommen die deut- Sabotageakte in den Fabriken ohne weite- Fabrik in Brand steckt ,,, um zu erreichen, man nur hoffen, dass kein Ueberfluss an schen Agenten amerikanische Dollar. Sie res als oppositionelle Handlungen" gegen dass er dort nicht mehr schicken die Anweisung auf entsprechende das Regime wertet. Von grundsätzlicher Op- braucht", ist aufschlussreich genug. Markbeträge nach Deutschland, oder viel- position kann häufig keine Rede sein. Ein- Fesseln der Zwangsarbeit sind unheimlich mehr zur Umgehung der englischen Kon- gesponnen in den Kreislauf des eigenen fest geschmiedet. Keine Aussicht für den nahmen zur Stillegung eines grossen Teitrolle in Sammelpaketen ins neutrale Aus- kleinen Einzelschicksals, folgen diese Men- Einzelnen, sich auf normalem Wege davon les des deutschen Einzelhandels sind Hitzu befreien. Die Fesseln werden gewiss lers Getreue offenbar in vielen Fällen über land zur Weitersendung ins Dritte Reich. schen rein persönlichen Empfindungen. AlTrotz dieser Vorsichtsmassregel wurden lerdings ist deutlich sichtbar, dass diese noch nicht vom ganzen Voke, aber von un- das gewünschte Ziel hinausgegangen. Eine wir wissen gezählten Einzelnen, vor allem von zahl- Anzahl von Geschäften, die zur Versorgung von der englischen Bannwaren- Kontrolle Empfindungen in vielen Fällen lebhafte Un- losen Brandstiftern und ,, Saboteuren" als der Bevölkerung unentbehrlich sind, ist in bis Mitte Januar für mehr als fünf Millio- nicht in wievielen nen Reichsmark derartige Anweisungen be- lustempfindungen sind. Erbhofbauern stek- unerträglich empfunden. Das Regime er- der Eile mitruiniert worden. Jetzt erklärt schlagnahmt. Die amerikanischen Spender ken ihre Höfe in Brand, gewiss nicht, weil kennt die Gefahr, die ihm aus dieser Sta- das Wirtschaftsministerium, dass sie durch werden also früher oder später erfahren, sie Görings Wirtschaftsplan umstossen wol- cheldrahtpsychose erwächst, schlägt un- Mietbeihilfen einigermassen über Wasser dass ihr Geschenk an die deutschen Ver- len, sondern einfach, weil ihnen durch die barmherzig zu wandten nicht in deren Hände gekommen neuen Gesetze ihre Arbeit und ihr Besitz Missetäter, nicht aber den Geist des Ueber- lich auf, entsprechende Anträge zu stellen. ist, und dieses Geschäft der deutschen Na- verleidet worden sind. und trifft die einzelnen gehalten werden müssen und fordert öffentziregierung, das ohne das Vertrauen der chose. Landarbeiter zünden gefüllte Scheu- mer neue, gleich geartete Taten erzeugen deutschen unrühmliches Ende finden. Durchorganisiert. Ein Musterbeispiel Organisationswahns ist die Sammlung der Küchenabfälle. Je fünfzig amerikanischen Absender nicht blühen nen an, um sich„ am Gutsbesitzer zu rä- muss. Es ist denkbar, dass der fiebrige Prozess, Häuser bilden einen Sammelblock. Für jekönnte, wird dann ein sehr schnelles und chen", wie es gewöhnlich in den Gerichtsberichten heisst, die gleichzeitig von der der zuächst nur einige Glieder gepackt hat, den Block gibt es eine besondere SammelVerhängung des Todesurteils Kenntnis ge- nach und nach den ganzen Volkskörper mannschaft. Pünktlich jeden Morgen lassen ergreift und dass aus Einzelakten eine die Sammler ihren Ruf erschallen: Knobewusst oppositionelle Volksbewegung chen, Kartoffelschalen, Abfallfett, sonstige wird. Es ist sogar denkbar, dass diese Küchenabfälle. Fein säuberlich sortiert, lieBesonders kennzeichnend ist ein Fall, Entwicklung sich in kurzer Frist vollzieht. fern die Hausfrauen ihre Schätze ab. Die Totalitäre Säuglingsmathematik. Das Sta- ben. tistische Reichsamt stellt in der Zeitschrift Wirtschaft und Statistik" fest, dass im Jahre 1939,, das zur Erhaltung( freilich noch nicht zur Steigerung) der Volks- und der Mitte Januar veröffentlicht wurde. Am Heute schon von der wachsenden Zahl der Sammler transportieren alles in die ZenWehrkraft des deutschen Reiches( ohne 11. Januar hat man die 26jährige Arbeite- Brandstiftungen auf das Vorhandensein tralsammelstelle. Dort werden die Abfälle Ostgebiete) erforderliche Mindestgeburten- rin Gertrud Westphal aus Waren hinge- einer solchen Volksbewegung zu schlies- noch feiner sortiert und ihrer Verwandrichtet. Sie war durch das Sondergericht sen, wäre eine gefährliche Illusion. soll gerade erreicht worden ist." lung zugeführt. " 1 В 1 Im finnisclien Schnee Die drei lagen langgestreckt am Rande des Föhrenwaldes. Die scheidende Sonne strahlte schräg über den finnischen Schnee. Die weisse Decke flimmerte in unzähligen Kristallen. Fuhr der Wind durch die Baumwipfel, so fegten schwere Flocken auf die drei hinab und häuften sich auf ihren hellen Mänteln. Manchmal ging ein Aech- zen und Stöhnen von ihnen aus und lief mit dem Winde davon. Der eine war ein Russe; seine schwarze Lammwollmütze hatte sich tief über das bärtige Gesicht geschoben. Die weissen Kappen der zwei anderen schienen in Schneehügel gebettet. Der mit der schwarzen Kappe wälzte sich zur Seite und murrte; es war das Finno- russisch der Grenzbewohner. Sein Blick ging zum Nachbar.«He, wofür das? Für Russlands Grösse hat man uns gesagt. Ist Russland nicht gross genug?» Die Wunde in seiner Brust brannte, er schluckte das aufquellende Blut hinab und röchelte.«He Bruder, wofür das?» Sein Nachbar lag mit abgewandtem Gesicht. Er konnte die Beine nicht rühren. Ein grosser roter Fleck breitete sich neben ihm im Schnee.«Uns gehts um die Freiheit», sagte er. Der mit der schwarzen Kappe wandte sich wie im Krampf.«Du hasts gut. Du glaubst noch an etwas... Frieden, Freiheit, Brot, so hats uns damals Väterchen Lenin verheissen. Ist das Frieden und Freiheit?» Er schwieg und wartete.«Du kannst ja reden jetzt, Bruder, der Polit- kommissar und die GPU— in diesem Leben fassen die uns nicht mehr.» «Wir kennen keine GPU», sagte der an dere, und da erst wusste der mit der schwarzen Kappe, dass sein Nachbar ein Finne war. Der dritte lag ein Stück abseits, in eine Schneekuhle gebettet. Er verstand die Worte der beiden nicht, er sprach eine andere Sprache. Denn er kam hoch aus dem Norden, wo das Gebiet der Lappen beginnt. Aus seiner Kindheit her kannte er noch die Wanderungen mit Renntier- herden, wenn die Sonne ihren hohen Bogen zog und in der Tundra die Schwarzbeeren glänzten. Er wusste, wie sich im Frost des Winters die frierenden Renntiere zusammenscharrten, wenn die Wölfe kamen, um die Herde herum ihre Tänze aufführten und sich in die Luft schnellten, um junge Tiere zu verwirren und von der Herde zu locken. Er verstand noch die Sprache des Waldes und die Zeichen des Nordlichts, wenn es in langen Streifen überm Urwald flimmerte. Er schlug die Augen auf und blinzelte in die Dämmerung hinaus. Die grünen Pünktchen, die in der Ferne ab und zu aufglommen— waren es die Lichter der Wölfe? Kamen sie schon? Oder hatten sie mit anderen Verwundeten zuviel Arbeit? Der stechende Schmerz in den Eingeweiden entpresste ihm ab und zu ein Stöhnen und frass sich immer höher hinauf. Wenn der Wolf jetzt käme— ein Biss in die Gurgel, aus mit allem Leid. Nie hätte er geglaubt, dass er einmal so auf den Grauen warten würde. Er versfand den Wolf, der sprang die Seinen nur an, wenn ihn der Hunger zum Aeussersten trieb. Die Menschen aber, fern im grossen Europa— wie stand es um die? Sie hatten viel, viel Raum im weiten Russland und in allen Ländern grosse Städte mit schönen, steinernen Häusern, aus deren Wänden das Licht strahlte. Sie sassen in Wagen, die ohne Pferde dahin fuhren, sie assen herrliche Speisen und konnten Musik aus den Lüften herbeizaubern. Warum mussten die einander töten und mit Giften ausrotten, von denen er einmal gehört hatte? So leuchtet es wirr durch seinen schweren, müden Kopf, der nicht begreifen wollte, dass die grossen Erfindungen, von denen Ihm erzählt worden war, nur deshalb zu den Menschen gekommen seien, damit sie gefährlicher lebten. Es hatte für ihn keinen Zweck, darüber nachzudenken, ihm dünkte das alles wie ein Märchen aus den Zeiten der bösen Zauberer. Er schloss die Augen. Schneeflocken tanzten über sein Gesicht. Der Traum der Kälte senkte sich auf ihn hernieder. Von weit draussen aus der Steppe, zogen die Gestalten seiner Jugend heran und wie im Reigen an ihm vorbei. Auch das Renntier war dabei. Es kam näher, senkte den Kopf mit dem breiten Geweih, blies ihn aus weiten Nüstern an und fragte:„Kennst du mich noch? Ich habe mit dir am Rande der Tundra gespielt, aber du bist von uns gegangen, dorthin, wo die Menschen in festen Häusern wohnen___" Er schlug die Augen auf. Ja, da standen wirklich Renntiere und scharrten mit den Hufen im Schnee, um aufs Steppengras zu kommen. Hinter ihnen Schlitten. Männer in weissen Mänteln gingen durch die sinkende Dämmerung und betteten die drei zwischen Stroh und Decken. Der Lappe fühlte eine Flasche am Munde, trank in tie- Der iiolitisehe Stosstrnpp Die innern Slüfzen dets 8>s(eiiis- Minder al« Polizisten Was Hitler gegen den äusseren Feind vorhat, ob er die Neutralen weiter nur bedrohen oder wirklich überfallen will und welche Neutralen er dafür ausersehen hat, ist völlig ungewiss, und sicher nicht einmal, ob Hitler selbst es besser weiss als die übrige Welt. An der inneren Front ist man der Mühe, unter den möglichen Angriffsobjekten wählen zu müssen, enthoben. Hier wird denn auch der Kampf mit aller Zielbewusstheit geführt. Das kann man der Liste der Hinrichtungen entnehmen. Aber fast noch grausiger als diese tägliche Aufzählung der gefallenen inneren Feinde oder solcher, die dafür angesehen werden, ist die Art, wie man ihrer habhaft wird oder werden will. Man bedient sich eines Teils der Bevölkerung als Spitzel und Fronvögte gegen den anderen Teil. Schon lange vor dem Kriege gab es die Werkscharen. Sie wurden aus ausgewählten nationalsozialistischen Mitgliedern der Belegschaft gebildet und sollten, nach dem Muster der russischen Stossbrigade, als Aufpasser. Angeber und Antreiber zugleich wirken. Wie der„Westdeutsche Beobachter" vom 2. Januar meldet, werden die Werkscharen gemäss den Kriegsbedürfnissen sowohl hinsichtlich ihrer Aufgabe wie ihres Aufbaues umgestellt.„Ihre neue Einsatzform ist der.Politische Stosstrupp', der alle aktiven nationalsozialistischen Kräfte im Betrieb zusammenfasst." Den Bolschewistcn wird also nicht nur die Sache, sondern sogar der Name dieser neuen Einrichtung entlehnt. Der politische Stosstrupp umfasst nicht die Werkscharen allein, sondern alles, was von der Belegschaft nationalsozialistisch ist oder ehrenamtliche Funktionen für die Nazis verrichtet, also auch„die zum Betrieb gehörigen politischen Leiter, SA- und NSKK-Männer, sowie die Parteigenossen und die Block- und Zellenobmänner", ferner, als geschlos- beschäftigen haben. Sie sollen ein verlängerter Arm der Gestapo sein mit dem besonderen Zweck, ein Einverständnis der[ werden könnte. sene Einheit, die Werkfrauengruppen. Was ist die Aufgabe dieser Kriegsformation für den Kampf an der inneren Front? Sie hat dafür zu sorgen, dass der Betrieb nicht durch passive Resistenz oder gar durch Sabotage oder durch sonstige Aufsässigkeit der Belegschaft seine„Einsatzfähigkeit" für die Waffenproduktion ein- Immerhin gehören diesem getarnten Polizeikader nur Erwachsene an, wenn aach zumeist jüngere Jahrgänge. Aber es ist eine verbrecherische Vergiftung kindlicher Seelen und kindlichen Geistes, dass aach die Jugend zu Polizeidiensten missbraucht wird, und dass junge Menschen wie Polizeihunde auf ihre eigenen Altersgenossen büsst. Das wird natürlich nicht ausdrück- 1 und auf Erwachsene losgelassen werden lieh gesagt, es bedeutet aber nichts anderes, wenn als nächste Aufgabe bezeichnet wird: Sicherheit und Einsiatzbereitschaft der Betriebe, Einflnss auf die Arbeitskameraden als Voraussetzung für erfolgreiches Wirken. Dann sollen die politischen Stoss- trupps, mit gutem Beispiel nationalsozialistischer Opferbereitschaft voranleuchfend, zusätzliche Arbeit verrichten, für die nichts bezahlt wird, Hilfsdienst beim Werkluftschutz, Unfalldienst usw. Die Werkfrauengruppen werden im besonderen bei der Kasernierung der Belegschaft mitwirken müssen, die jetzt im Gange ist, um die Rationierung wirksamer zu gestalten. Sie sollen bei der Einrichtung von Kantinen, Gemeinschaftsküchen und Arbeiterinnenlagern und von Kindergärten mithelfen. Darüber berichtet unter dem Titel„Streifendienst der HJ im Kriege" der„Westdeutsche Beobachter" am 27. November. In allen Bannen der HJ werden Streifendienstgefolgschaften errichtet, die mit den „SS-Führern für Ergänzung eng zusskni- menarbeiten und durch ihre besondere Ausbildung für den späteren SS-Dienst vorbereitet werden". Nach mehrjähriger Ausbildung können Hitlerjungen schon»it Jahren in den Streifendienst aufgenommen werden. Ihre Sonderaufgabe ist: Ordnungsdienst und Ueberwachung des ord- nungsmässigen Auftretens der HJ. Sie pJ#e- gen zu diesem Zwecke rege Zusammenarbeit mit der Polizei,„was sich aus der Aufgabe des Schutzes der Jugend zwangsläufig ergibt". Man kann daraus schlies- sen, wenn es auch nicht ausdrücklich ge- Die wichtigste Aufgabe der politischen sagt wird, dass die Mitglieder dieses Strei- Sfosslrupps aber ist„die Erziehungsauf- fendienstes als Angeber ihrer Altersgenos- gabe auf weltanschaulichem Gebiet". Um sen zu amtieren haben. Aber sie werden sie zu erfüllen, sollen die Stosstruppler zu „nationalsozialistischen Erziehungskameradschaften in den Betrieben" zusammengeholt werden, um„die Parteigenossen, die politischen Leiter und die Angehörigen der Parteigliederungen in straffer Zusammenfassung zum Einsiatz zu bringen". Um das Soldatische dieser neuen Organisation zu betonen, sollen die Zellen und Blocks in Kameradschaften und Rotten umgetauft werden. Sie werden sich weniger mit der weltanschaulichen Belehrung als mit der auf Erwachsene gehetzt, denn sie sollen mit der Polizei nicht nur zusammenwirken, sondern ihr auch Hilfskräfte stellen. „um Fachleute für anderweitige Verwendung im Polizeidienst freizumachen". Um Anwärter für den Streifendienst heranzubilden, ist bereits ein besonderer Lehrgang in den Schulen eingerichtet worden, die also als Schulen für jugendliche Lockspitzel ausgebaut werden sollen. Am liebsten wäre es Hitler, wenn die deutsche Schule überhaupt nichts anderes würde als eine Bespitzelung ihrer Arbeitskameraden zu Polizeiakademie und wenn daraus ein gan- Belegschaft nicht aufkommen zu lassen, zes Volk von Polizisten und Lockspitzeln dias Hitler und seinem Krieg gefährlich, hervorginge. I G. A. F. fen Zügen. Dann vernahm er das Schleifen der Schlittenkufen und schloss wieder die Augen. Neben ihm lag der Russe. Er fieberte und lallte; vielleicht haderte er mit'den durch entsprechenden Terror gezwun- Klreielier kurhelt Im besetzten Teile Polens sollen die Ju- dem Politkommissar.«Frieden, Brot und Freiheit habt ihr versprochen, ja oder nein?" Der Lappe hörte ihn nicht. Durch seinen Kopf wirbelte alles, was er von den Herrlichkeiten Europas gehört und dass gen werden, für einen antisemitischen Film „echte Staffage" zu bilden. Der Präsident der Reichsfilmkammer ist mit seinem Stabe bereits in Lodz eingetroffen, um die Produktion einer antisemitischen Serie zu leiten. Man kann sich denken, mit welchem ein mächtiger Mann, der Schlösser besass.Hohn die in ärmlichem, ostisch-primilivem und christlich getauft war— dass dieser j Milieu wurzelnden Ka/fanjuden im Dritten geschworen hatte, Europa solle in Flam- Reich als„Herren der Welt", als die„Ju- men stehen; die Seinen aber liessen ihn den ohne Maske" heruragezeigt werden. Man frei umherlaufen und jubelten ihm zu. Sicher ein Schelm, der ihm das erzählt hatte; er stritt mit ihm im Halbtraum und sagte ihm, das sei wohl eins jener Grusel- märchen, mit denen sich die Hirten in der Tundra unterhielten... Denn er war eben ein primitiver, ungebildeter Lappe, der von den wirklichen Werfen und vom Sinn des Daseins keine Ahnung hatte. fragt sich angesichts dieser Barbarei: Wo bleiben die Filme gegen den Rassismus? Es gibt Dramen und Filme gegen die Greuel des Antisemitismus und des rassischen Diktaturwahns, aber das Schaustück gegen den schcinwissenschafllichen Blödsinn des Rassenwahns fehlt völlig. Man täusche sich nicht: mit diesem braunen Rassismus wird in verschiedenen kriegführenden Ländern Im Dunkel ncditalion eine» lelchtboscliädlston»oulschen Heut nacht hat einer auf mich eingeschlagen, Ein Kerl mit Bärentatzen, riesengross. Ich hab ein Loch im Kopf davongetragen und bin die letzten zwanzig Reichsmark los. Natürlich Luftalarm. Die Stadt verdunkelt. Wenn man den Kerl erwischt, wird er geköpft. Was nützt mir das? Im Hause wird gemunkelt, man habe gegen mich Verdacht geschöpft. Warum? Ich habe wirklich nichts verbrochen. Doch meld ich meinen Fall der Polizei, dann geht es los, dann hab ich viele Wochen von früh bis abends nichts als. Schererei. Und fängt man erst mal an, mich auszuholen, bekommt leicht alles einen anderen Sinn. Zum Beispiel;„Wo hat sie der Mann bestohlen? Am Rossmarkt? Ei.' Wie kamen Sie dahin?" „Dort wohnt mein Freund."—„Sieh da! Wie ist sein Name?" Und schon ertappt man mich auf böser Tat. Mit meinem Freund mach ich nicht gern Reklame, er gilt als Meckerer und Demokrat. Wie endet das? Wer kann es jemals wissen? Nein! Lasst mich mit der Fragerei in Ruh. Die zwanzig Mark kann ich zur Not vermissen, das Loch am Kopf wächst langsam wieder zu, Doch weh dem Deutschen, der ein Fall geworden! Das Tier beisst zu und gibt ihn nie mehr frei. Lasst euch bestehlen, schlagen, ausziehn, morden, nur eines haltet fern— die Polizei! getarnte Propaganda für die Hitlerei gemacht. Wer aber diese antisemitische Schrittmacherei für Hitler schlagen will, der darf sich nicht auf die Kritik der Methoden beschränken, der muss schon den rassistischen Kern aufs Korn nehmen. Die Propagandaämter des Westens sollten das nicht der Zeit, dem Zufall und der privaten Produktion überlassen. In wenigen Köllen Das Sondergericht in Dortmund verurteilte zwei Eheleute, die sich als Saar-Evakuierte ausgegeben hatten und denen wertlose Bilder aus Mitleid zu hohen Preisen abgenommen worden waren. Der Ehemann erhielt zehn Jahre, seine I�rau acht Jahre Zuchthaus. Bildergeschäfte sind der Nazibonzerie reserviert: die machte es umgekehrt, sie ergaunerte wertvolle Bilder zu Geschenkpreisen. V Nachdem die deutschen Hunde mit Gar- Idemass bereits bei Kriegsausbruch mobilisiert worden sind, findet jetzt eine neue Musterung statt; alles soll genommen werden, was diensttauglich ist. Verbraucht der Kampf an der inneren Front soviel Hunde? Oder etwa die Konservenindustrie? Im Dritten Reich werden die katholiseken Ordensschwestern jetzt durch braune ersetzt. Die ersten Kontingente sind bereits vereidigt worden: vor einem Hitlerbild auf Hitler. Wehe den Kranken, die im Fieber meckern! BEZUGSBEDINGUNGEN Der NEUE VORWAERTS kostet Imp. Union, 13, nie M�ehaia, Paris. Le Girant: Albert MARION.