I i I O!fci l\ i#% PWl T 8 fij 1 T| Cf U 1 P N Journa, social-democrate destin6 J 1 1 Mi Mil I 1 1 1 1 1 Lb�LMlICbI V aux refugies de langue aliemande NOUVEL"EN AVANT!" Hebdomadaire en langue aliemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris-5. Telephone: Odeon 42-58 Nr. 348. SONNTAG, 18. Februar 1940 Aus dem Inhalt: Die Greuel in Polen Volk der Habenichtse Tagebuch des Henkers 100 Jahre deutsche Demokratie Zu August Bebels lOO. Geburtstag Am 22. Februar 1940 ist der hundertste Geburtstag August Bebels. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, die er gegründet hat, und deren grosser Führer er war, lebt heute in der Illegalität. Ihr organisatorisches und geistiges Zentrum ist im Ausland. Wenn wir hundert Jahre zurückblieben, so sehen wir darin nicht eine unerhörte einmalige Katastrophe. Unsere Partei ist älter als das Deutsche Reich. Sie ist hervorgewachsen aus der deutschen Demokratie, die unter Hitler nicht zum ersten Male schwere Niederlagen erlitten hat. Nicht zum ersten Male ist das Zentrum der deutschen Demokratie und der deutschen Sozialdemokratie im Exil, nicht zum ersten Male hat sich die graue Gleichförmigkeit einer konterrevolutionären Epoche über Deutschland gesenkt, und unsere Zeitgenossen sind nicht die ersten, die sich fragen, ob das deutsche Volk bestimmt sei, niemals selbständig, niemals innerlich demokratisch, niemals frei zu werden. Aber mehr als einmal auch hat sich die deutsche Demokratie aus der Niederlage wieder erhoben, um zu ringen um die Seele und den Willen des deutschen Volkes und um zu kämpfen für die Befreiung Deutschlands vom Druck der inneren Knechtschaft. Die Gründung der deutschen Sozialdemokratie war eine jener Wiedererhebungen, die Gestalt August Bebels ist das Symbol für den Kraftgewinn der Demokratie in Deutschland, der mit dieser Gründung begann. Auf diese Zeit Und auf die geschichtliche Rolle Bebels in dieser Zeit richten wir heute an seinem hundertsten Geburtstag unsere Blicke zurück. Die Stellung Bebels in der Partei war mächtiger und glanzvoller in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens, vom Ende des Sozialistengesetzes bis zu seinem Tode, aber für den grossen, durch mehr als ein Jahrhundert deutscher Geschichte gehenden Zusammenhang des Geistes, der Ideen und der Kräfte ist die Gründungsperiode der deutschen Sozialdemokratie bedeutungsvoller. Die Partei ist nicht geboren worden aus der reinen Doktrin des Klassenkampfes. An ihrer Wiege standen die Ideen der grossen französischen Revolution und die Tradition der deutschen Revolution von 1848. Wie die gesamte deutsche Demokratie wollte sie die Nation, so wie die grosse französische Revolution den Begriff geboren hatte, als die Einheit in Freiheit und Gleichheit. August Bebel hat seine politische Laufhahn begonnen im Kampfe um die freie deutsche Nation gegen den Machtstaat, im Kampfe gegen den preussischen Mi- litärstaat, als Bundesgenosse der gross- deutsch-revolutionären Bewegung, die «ich gegen Bismarck und die Unterwerfung Deutschlands durch Preussen wandte. Seine Anfänge waren getragen von der Ueberzeugung, dass die freiheitliche Gestaltung der deutschen Zustände nur aus einer gemeinschaftlichen politischen Aktion der Arbeiter und der demokratischen Elemente des deutschen Bürgertums hervorgehen könnte. August Bebel wurde geboren acht Jahre vor dem Ausbruch der deutschen Revolution von 1848. In seine Kinder- llentüdilanil heule Ta�ebueli de« Henker« Am 25. Januar 4 Todesurteile Das Sondergericht in Bromberg verurteilte die Angeklagten Johann Schatten und Anton Klosiewicz wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode, da sie angeblich an dem „planmässigen Abschlachten der Bromber- ger Volksdeutschen" in den ersten Septembertagen beteiligt waren. Ein dritter Angeklagter, Boleslaus Urbanski, erhielt 15 Jahre Zuchthaus für schweren Landfriedensbruch. Das Sondergericht Berlin I sprach gegen Karl Ratzke das Todesurteil wegen Strassen- raubcs in der Dunkelheit aus. Ratzke hatte einem Zechkumpan auf dem Heimweg die Geldbörse mit 18 Mark Inhalt entrissen. Todesurteil des Sondergerichts Köln gegen Hermann Müller aus Neunkirchen (Saarpfalz) wegen„zweier Verbrechen des Betrugs". Müller hatte sich bei einigen Familien als Kamerad der im Felde stehenden Männer ausgegeben, Grüsse bestellt und Geld, sowie Lebensmittelpakete zur Ueber- mitlung erhalten. Am 26. Januar 1 Hinrichtung Am 26. Januar ist der in Altona geborene Arthur Waller hingerichtet worden, der vom Sondergericht in Kiel zum Tode verurteilt worden war. Er hat in der Nacht zum 14. September 1939 in Bilsen und Quiekborn„aus unbegründeter Rachsucht" zwei Futlcrmittelmühlen angezündet. Am 1. Februar 1 Hinrichtung Albert Schmidt aus Alsfeld wegen Ueberfalls und Vergewaltigung während der Verdunkelung. Am 2. Februar 1 Hinrichtung, 1 Todesurteil Hinrichtung des Konrad Sperling, Berlin, wegen versuchten Mordes. Vor dem Sondergericht Königsberg hatten sich 31 Angeklagte, darunter acht Aus- hilfsangesfellte des Ernährungs- und Wirtschaftsamts der Stadt Königsberg, wegen der Verschiebung von Bezugsscheinen zu verantworten. Der Hauptangeklagte, Friedrich Goldhagen, wurde zum Tode verurteilt. Einige Angeklagte erhielten Zuchthausstrafen bis zu 15 Jahren, andere Gefängnis- und Geldstrafen. Vier der Beschuldigten wurden freigesprochen. Am 4. Februar 5 Todesurteile Wegen Raubüberfalls verurteilte das Son- dergerichl in Bonn den 19jährigen Hans Riemenschnitter, Hermann Brach und Hermann Schäfer, beide 18 Jahre alt, zum Tode. Das Lodscher Sondergericht sprach das Todesurteil über den Landarbeiter Boleslaus Mikinka und den Schlossergehilfen Pytka aus, die angeblich am 5. September 1939 Volksdeutsche Einwohner misshandelt hatten. V 3 Jahre Zuchthaus für das Abhören ausländischer Sender: Wilhelm Reinhardt aus Badenwciler wurde vom Sondcrgericht in Freiburg i. Br. zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er von September bis Mitte November 1939 französische und englische Sender abgehört und die Nachrichten bei der Bedienung seiner Kundschaft weitererzählt hatte. V4aiiiera«leii mortis i Was In rtor*«l»%l* vor! Am 1. Februar 1940 hat Gauleiter Adolf Wagner auf einer Kreisleitertagung in München eine Ansprache gehalten. Wir zitieren wörtlich, was die„Münchner Neuesten Nachrichten" vom 2. Februar, Nr. 33, darüber aussagen: „Der siegreiche Ausgang dieses Krieges wird nur dann gewährleistet sein, wenn nicht nur die Armee draussen im Felde, sondern auch die Heimat vollauf ihre Pflicht erfüllt. Die Voraussetzung sei im letzteren Falle ein absolut intakter Führerkörper der Partei, dessen Zuverlässigkeit, wenn notwendig, auch durch einen harten Eingriff gewährleistet werden müsse." Diese Worte, im Dritten Reich gesprochen, können nur eines bedeuten: einen neuen 30. Juni. Aber im Kriegsjahr 1940 werden Massenabschlachlungen von führenden Parteimitgliedern für das Regime weit | ernstere Folgen haben. nie oreMtrlchonen Flasuifn Am 28. Januar erschien in der deutschen Presse die lakonische Anweisung; „Der Reichsminister des Innern und der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda geben bekannt, dass die am Tage der nationalen Erhebung(30. Januar) übliche allgemeine Beflaggung in diesem Jahr unterbleibt." Haben die Nationalsozialisten endlich begriffen, dass sie keinen Anlass haben, topmast zu flaggen, mussten sie befürchten, dass ihrem Beflaggungsbefehl diesmal nicht Folge geleistet werden würde— oder sind die Fahnen längst zu Wäschestücken und Kleidern verarbeitet worden? Die« natürlleli�tcn Dinare» Wir lesen in der Essener„National-Zei- tung" vom 5. Februar: „Die englische Greuelpropaganda hat sich daran gewöhnt, alle Meldungen aus den von Deutschland besetzten polnischen Gebieten mit einer deutschfeindlichen Spitze zu versehen und so die natürlichsten Dinge als„deutsche Greuel" in die Welt hinauszufunken." Zu den für Hitlerdeutschland„natürlichsten Dingen" gehören die Massenabschlachtungen polnischer Männer, Frauen Greise und Kinder, gehört die Aushungerung und Beraubung der Bevölkerung, die Vertreibung der Polen aus ihren Heimstätten.— Unbegreiflich, dass diese Engländer daran An- stoss nehmen. Der traditionelle deutsche Takt. In der schweizer Oeffentlichkeit herrscht grosse Erregung, weil im Anschluss an die Verhaftung des frontistischcn Oberst Fonjallaz fast täglich neue Spionagefälle zugunsten Deutschlands aufgedeckt werden. An alte wilhelminische Ueberliefcrungen anknüpfend, haben die Natoinalsozialisten gerade diesen Augenblick zu einer groben Taktlosigkeit ausgenutzt. Sie lassen illegale Flugblätter verbreiten, in denen„aus rassischen Gründen" ein Bündnis der Schweiz mit Deutschland und gegen Frankreich und England gefordert wird. jähre und Jugendjahre fielen der Eintritt des deutschen Bürgertums in die Politik, die Niederlage der Demokratie nach der Revolution von 1848 und die lange Reaktionsperiode. Am Ende der Reaktionsperiode, als die Versuche zur Neuorganisation der deutschen Demokratie begannen, war die Lage gegenüber 1848 grundsätzlich verändert. Neben die rein formal staatsrechtlichen Forderungen der Demokraten von 1848 waren lebendige und reale Kräfte getreten, die machtvoll auf die neue Parteibildung einwirkten. Im Zeitalter des aufstrebenden Kapitalismus beeinfluss- ten das Streben nach nationaler Einheit und die Vertiefung der sozialen Gegensätze die Parteibildung. Die Ereignisse von 1866 hatten eine Sammlung der deutschen Demokratie zunächst unmöglich gemacht. Nach 1868 begann von neuem eine lebhafte Agitation für die demokratische Sammlung, verbunden mit einem Kampfe um die Demokrati- 'sierung des Heerwesens im Sinne des Milizsystems, der von Süddeutschland her gegen den Bismarckschen Militärstaat gerichtet war. An diesem Versuch beteiligte sich Bebel lebhaft, der aus den sächsischen Arbeiterbildungsverei- nen hervorgegangen war und der gemeinsam mit Liebknecht im Jahre 1866 die Sächsische Volkspartei gegründet hatte. In diesen Jahren erfolgte der Eintritt der deutschen Arbeiterschaft in die Politik. Sie verlangte, dass die Demokratie die besonderen Forderungen der Arbeiter vertrete— allgemeines Stimmrecht, Koalitionsrecht, soziale Reform. Der Widerstand, auf den diese Forderungen stiessen, führte 1869 unter Bebels Führung zur Gründung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Eisenach, zur Loslösung der proletarischen von der bürgerlichen Demokratie. Trotz dieser Gründung waren die Bande zwischen beiden keineswegs zerrissen, noch [immer hatten beide Parteien ein gemeinsames nationalpolitisches Programm. Da entzog der deutsch-französische Krieg von 1870/71 diesem gemeinsamen nationalpolitischen Programm jeden Boden. Die Ausdehnung der preussischen Hegemonie auf den deutschen Süden war das Ende der grossdeutsch-revolutionären Bewegung. Die deutschen Demokraten standen vor der Wahl, sich der nationalen Hochflut zu überantworten oder sich ihr entgegenzuwerfen. Die bürgerliche Demokratie wählte den ersten Weg, die proletarische unter Führung von Bebel den zweiten; er führte seine Freunde als Hochverräter in die Kerker von Lotzen und ihn selbst auf die Festung Hubertusburg. Bebel ist in diesen Jahren, in denen die Gestaltung der deutschen Geschicke gegen die deutsche Demokratie und ohne sie erfolgte, von der festen Ueberzeugung geleitet gewesen, dass die Zukunft der Arbeiterschaft gehöre. Sie hat ihn getragen, als der Hurra-Patriotismus von 1870 der neugegründeten Partei Still ■tand und Niedergang brachte und als •ein Protest gegen die Annexion Elsass Lothringens das Wutgeheul der nationalistischen Meute gegen ihn entfesselte. Nach dem Kriege begann die grosszügige kapitalistische Entfaltung der deutschen Volkswirtschaft und mit ihr der Aufstieg der deutschen Arbeiterbewegung. Es he stäligte sich, was Bebel im November 1870 an Jacobi geschrieben hat:„Mögen auch momentan die Schläge noch so hageldicht auf uns niederfallen, die Zukunft gehört uns, und ich glaube wohl behaupten zu dürfen, dass die Ernüchterung nach 1870 noch schneller eintritt wie nach 1866. Die Entwicklung der Dinge schreitet rasend schnell vorwärts, und unsere grössten Gegner sind es, die sie gegen ihren Willen am meisten fördern." Die Sozialdemokratische Partei trat das Erbe der deutschen Demokratie an. Die rasend schnelle Entwicklung der Dinge, auf die Bebel sich verliess, trug die Partei durch die Jahre des Sozialistengesetzes hindurch. Nach dem Ende des Sozialistengesetzes begann der glanzvolle Aufstieg. In Gestalt der Sozialdemokratischen Partei erlangte die deutsche Demokratie abermals mächtige Werbekraft in Deutschland. Sie verband die aus dem Prinzip der Freiheit abgeleiteten Forderungen mit den sozialistischen Bestrebungen, die aus dem Solidaritätsgefühl der ständig wachsenden Industriearheiterschaft emporstrebten. Sie wurde zur Wortführerin der Forderungen aus den Revolutionsjahren, an denen das Interesse der bürgerlichen Demokraten erkaltet war. Sie war deshalb immer mehr als eine Arbeiterklassenpartei, sie war immer die Partei der demokratischen Opposition gegen das bis- marcksche und das wilhelminische Reich in Parlament, Wahlen und allgemeiner Volksbewegung. Wie die Partei eine Volkspartei, so war August Bebel ein wahrer Volksführer. Seine Bedeutung und seine Stellung in der Partei, im Parlament und im deutschen politischen Leben war eine Symbolisierung der Demokratie. Er war der erste grosse Führer, der nicht von Geburt und Rang war, keiner von vornherein zur Führung bestimmten Gesellschaftsschicht entstammte und nicht den offiziell abgestempelten Bildungsgang gegangen war, sondern der alles sich selbst, seiner Arbeit und seiner Persönlichkeit verdankte. Er war der grosse Redner, der auf den Schrei gedrückter Volksmassen nach Erlösung antwortete. Er wirkte durch die unerschütterliche Stärke seiner sittlichen Ueberzeugung, durch die Gewalt seiner inneren Empörung über Unrecht. Er war beseelt von Kampfgeist, von Oppositionsgeist, von gewaltiger Vitalität. Er war die Verkörperung des Bildungs- und Kulturwillens der deutschen Arbeiterschaft. Die Deutsche Sozialdemokratie ist immer eine Partei der europäischen Zivilisation gewesen, sie hat sich stets zugehörig gefühlt zu der grossen humanitären Bewegung, die durch alle Völker hindurchgeht. August Bebel, der grosse Vorkämpfer der deutschen Demokratie im Zeitalter des Wilhelminismus hat einen unermüdlichen Kampf gegen all das geführt, was das Hitlersystem heute vom Wilhelminismus übernommen hat. Er hat gekämpft gegen eine Heeresorganisation, die undemokratisch und antidemokratisch war, bestimmt, eine Stütze des Oh- rigkeitsstaates und ein Instrument des Angriffskriegs zu sein, er hat gekämpft gegen die imperialistischen Tendenzen, gegen die Politik der Willkür, der Provokationen, der Angriffe. Er vertrat .icht nur die Interessen des Friedens und der Verständigung der Völker, sondern auch die Interessen des deutschen Volkes gegen eine Politik, die es in die Katastrophe führen müsste. Er hat den Massen des deutschen Volkes das Rechts- und Wohlfahrtsideal des Sozialismus als Glaube an eine bald bevorstehende Erlösung verkündet, er hat die Kampfaffekte der Volksmassen durch seine Persönlichkeit und seine glänzende Rednergabe gestärkt, er hat eine gewaltige politische Energie gesammelt. Diese Energie hat in den Zeiten des wilhelminischen Kaiserreichs drei Formen der Entladung gefunden: in der Begeisterung für den Führer, der die Idee symbolisierte, im aufopfernden Aufbau der politischen Massenorganisa- Chronik der Woche Ameriko und die zukunflise Wirfscliaftsordnun; Uonlag, 5. Februar 1940 Der Oberste Kriegsrat der Alliierten tagte in Paris und fasste, wie Chamberlain erklärte, die wichtigsten Beschlüsse seit Kriegsbeginn. In der sowjetrussischen Handelsvertretung in Paris wurde von der französischen Polizei eine Haussuchung vorgenommen. 31 Mitglieder der kommunistischen Partei wurden verhaftet. Ebenso wurde das russische Reisebüro„Intourist" und die Sowjetschule in Paris polizeilich durchsucht. Der russische Botschafter in Paris hat gegen diese Massnahmen protestiert. Die Sowjetunion gehört nach ihrem Ausschluss aus dem Völkerbund nunmehr auch dem Internationalen Arbeitsamt in Genf nicht mehr an. Die Oberbefehlshaber der belgischen und der holländischen Wehrmacht wurden durch andere Persönlichkeiten ersetzt. Wegen des Verkaufs von Lebensmittelkarten standen in Königsberg 31 Personen vor Gericht. Der Prozess dauerte neun Tage. Der Hauptangeklagte wurde zum Tode verurteilt, ausserdem wurden Zuchthausstrafen bis zu fünfzehn Jahren verhängt. Dienstag, 6. Februar 1940 Das italienische Kriegsmaterial für Finnland, das von Deutschland zuerst beschlagnahmt und dann nach Italien zurückgesandt wurde, ist nach Finnland auf dem Weg über Frankreich transportiert worden. Aus Südtirol kommen täglich 200 bis 300, manchmal auch 800 Deutsche, die für Deutschland optiert haben. Sie bleiben zunächst in Innsbruck, wo die Nationalsozialisten einen ganz neuen Stadtteil für sie errichten wollen. Mittwoch, 7. Februar 1940 Der wegen Spionage zugunsten Deutschlands verurteilte Elsässer Charles Boos ist hingerichtet worden. Der englisch-japanische Zwischenfall wurde in der Form beigelegt, dass die englische Regierung von den 21 Deutschen, die sie von dem japanischen Dampfer„Asama Ma- ru" herunterholen liess, neun wieder freigibt, weil sie als nicht waffenfähig gelten. Die beiden irischen Terroristen Richard und Barnes wurden in Birmingham hingerichtet. Das Sondergericht in Stettin verurteilte den 33jährigen Kurt Westphal zum Tode, weil er gegenüber der Frau eines im Felde stehenden Soldaten zudringlich wurde. Das Gericht in Danzig fällte ein Todesurteil gegen den 42 Jahre alten Max Cohen, weil er mit einer arischen Freundin zusammengelebt hat. Donnerstag, 8. Februar 1940 Das amerikanische Parlament lehnte mit der knappen Mehrheit von 108 gegen 105 den Antrag eines Mitgliedes ab, die Kosten für die amerikanische Botschaft in Moskau zu streichen und die Botschaft ganz aufzugeben. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben Finnland und China einen Kredit von je zwanzig Millionen Dollar eingeräumt. Freitag, 9. Februar 1940 Die Zwangsumsiedlung der Deutschen aus Wolhynien und Galizien ist beendet. Im Laufe von 42 Tagen wanderten 118 000 Deutsche nach Westpolen aus, wo sie zu einem grossen Teil bereits das den Polen geraubte Land erhielten. Das französische Gelbbuch ist bisher in Nach dem türkisch-englisch-französischen einer Auflage von mehr als 300 000 Exempla- Wirtschaftsabkommen vom 8. Januar 1940 ren erschienen.| erhält die Türkei von den Alliierten, wie jetzt bekanntgegeben wird, einen Kredit von 25 Millionen Pfund für den Ankauf von Kriegsmaterial, ein Golddarlehen von 15 Millionen Pfund und ein weiteres Darlehen von 3,5 Millionen Pfund zur Bereinigung der türkischen Clearingschulden bei den Alliierten. Sonnabend, 10. Februar 1940 Präsident Roosevelt hat den amerikanischen ünterstaatssekretär Sumner Weltes zu informativen Besprechungen, jedoch ohne Vollmachten, nach Europa entsandt. Er wird zuerst nach Italien fahren, dann sind Besuche in Frankreich, Deutschland und Grossbritannien vorgesehen. Gleichzeitig wird bekanntgegeben, dass die amerikanische Regierung offiziöse Besprechungen mit einigen neutralen Regierungen angeknüpft hat, die wahrscheinlich auf alle neutralen Staaten ausgedehnt werden. Es handelt sich dabei um eine Umfrage über die Möglichkeit, nach Kriegsende ein ge> sundes Wirtschaftssystem zu errichten und die Rüstungen zu beschränken. Zwischen Italien und der Türkei wurde ein Handelsabkommen getroffen, durch das der Wert der zwischen beiden Ländern auszutauschendenWaren im neuen Jahr doppelt so hoch sein soll wie in den vorhergehenden Jahren. Die Türkei wird hauptsächlich Getreide, Olivenöl, Mineralien, Baumwolle und Wolle liefern und Italien wird mit Maschinen, Automobilen, Baumwollwa- ren und chemischen Produkten bezahlen. In der Türkei wurden deutsche Ingenieure, Techniker und Spezialarbeiter, die in Werften, Waffen- und Munitionsfabriken arbeiteten, entlassen. Sie sind sofort nach Deutschland zurückgekehrt. In den schwedischen Gewerkschaften werden die Kommunisten von allen Vertrauensämtern ausgeschlossen. Die französische Kammer sprach nach einer Geheimsitzung der Regierung Da- ladier einstimmig ihr Vertrauen aus. Die neue Hydra Publikum teeren Volkss:«>iii4>lnsol)aft Je mehr die deutsche Kriegsnot um sich greift, desto deutlicher tritt eine Erscheinung zutage, die den Herren des Dritten Reiches viel Kopfzerbrechen macht. Das sorgsam atomisierte Volk, das in einzelne, streng überwachte Zwangsverbände eingeschachtelt worden ist, findet sich plötzlich wieder in einer gleichsam neutralen Eigenschaft zusammen— in einer Eigenschaft als„Publikum". Die Mitglieder der Partei, der Arbeitsfront, der Werkscharon, der Organisation„Kraft durch Freude" und all der anderen Gruppen wagen nicht aufzubegehren, aber als„Publikum" sind sie unzufrieden und äussern diese Unzufriedenheit recht kräftig. Der„Ruhrarbeiter", ein amtliches Blatt der NSBO und der Arbeitsfront, beschäftigt sich in seiner 2. Februarausgabe 1940 mit den misslichen deutschen Verkehrsverhältnissen und zitiert die Worte eines Ver- kchrsfachmannes: „So schwierig, rein sachlich genommen, die Verkehrsverhältnisse auch immer sein mögen, schPmm und ungesund werden sie doch eigentlich erst durch die Unvernunft des Publikums....Dieses Publikum ist selbst sein eigener und grösster Feind." Der„Ruhrarbeiter" fragt erschrocken: „Wer ist dieses Publikum? Was ist das für eine Unvernunft, die so plötzlich auftaucht und vorhandene Schwierigkeiten noch vergrössert?" Das Blatt der Arbeitsfront fleht seine Leser an, in sich zu gehen und sich der gefährlichen Rolle bewusst zu werden, die dieses unheimliche neue Etwas spielt und an der jeder einzelne Deutsche beteiligt ist: „Das Publikum... ja, Donnerwetter, das bin ja ich selbst. Diese Masse, die sich da drohend auf die Strassenbahntür zuwälzt, ich stehe ja mitten in ihr. Dieser Haufe, der da missvergnügt vor einem Fischgeschäft herumsteht..." usw. Das Publikum, so versichert die Zeitschrift, sei etwas„geheimnisvoll Anonymes", nicht zu packen, nicht zu fangen. Da gebe es z. B. den Herrn Unbekannt, der nach zehnstündiger Arbeitszeit in eisiger Kälte vergeblich auf die Strassenbahn wartet. Dieser Herr Unbekannt„tritt wenigstens für diesen Abend aus der Volksgemeinschaft aus" und— so hätte der Schreiber hinzufügen können— in das Publikum ein, das der Volksgemeinschaft den Krieg erklärt zu haben scheint. Der„Ruhrarbeiter" setzt seine scheinheiligen Beschwörungen fort, hinter denen sich in Wahrheit schon soviel Skepsis verbirgt, dass man den Verfasser beinahe zum Publikum zählen könnte. „Tatsächlich wird ja eine Sache nicht dadurch besser, dass man sie immer wieder schlecht nennt und noch schlechter „Man kann den deutschen Menschen nicht über den Leisten einer kolelkfivier- ten Normalkreatur schlagen, die so oder so still hält, sondern wir bleiben nun einmal in dieser arteigenen Weise Individualitäten mit all unseren Schwächen und Vorzögen. Eine dieser Schwächen aber besteht tafsächlich darin, dass'wir uns häufig, und zwar immer dann, wenn uns irgend etwas nicht passt, in d'e Ano- nvmität und Verantwortungslosigkeit des Publikums flüchten. Es scheint eben manchmal leichter zu sein, als Publikum zu schimpfen, denn als Volksgenosse vernünftig und einsichtig zu denken." Also müsste man das Publikum eigentlich abschaffen? Aber nein, versichert der „Ruhrarbeiter", „Publikum muss schon sein. Wir wollen ja nicht ständig mit den Kanonen der Weltanschauung durch den Alltag ziehen." Das he'sst, wir können das Publikum nicht abschaffen, auch wenn wir möchten. Hitler hat versichert, das deutsche Volk werde seinen Führern nicht in den Rücken fallen. Möelich. Aber wie wäre es mf dem deutschen Publikum, das lieber heut als morgen„aus der Volksgemeinschaft austreten" möchte? Politisches Gesindel. Die tschechischen macht... Aber immerhin steht fest, dass Kommunistenführer Gotlwald und Schroe dieser Verkehr in letzter Zeit für uns ral sind aus Moskau nach Prag zu* alle eine böse Nervenprobe war." Und nun wird plötzlich deutlich, wo das Gerede hinauswill; rückgekehrt. Gleichzeitig haben die deutschen Behörden mehrere tschechisch® Kommunisten aus den Konzentrationslagern entlasssen. tion der deutschen Arbeiter, in den Wahlerfolgen der deutschen Sozialdemokratie. Die Sozialdemokratische Partei, die Erbin der deutschen Demokratie, das war das grosse Erbe, das August Bebel hinterliess. Die Partei hat ihre geschichtliche Herkunft nie verleugnet. Sie hat in der Weimarer Republik, als sie in die Periode der staatspolitischen Wirksamkeit eintrat, bewiesen, dass sie die wahre Erbin der deutschen Demokratie ist. Die deutsche Sozialdemokratie ist heute so wenig tot, wie die deutsche Demokratie als geistige Bewegung tot ist. Ihre Aufgabe steht heute klar vor ihr; im neuen Deutschland die Partei der grossen Volksmassen zu werden. Im Zentrum ihrer Politik steht— wie in den Programmen der deutschen Demokratie zwischen 1863 und 1870— ein überragendes nationalpolitisches Problem: die freiheitliche Gestaltung der deutschen Zustände und die Sicherung der Demokratie in Deutschland, die allein die staatliche Zukunft des deutschen Volkes tragen können. Das nationalpolitische Programm, von dem August Bebel in seinen Anfängen gemeinsam mit der deutschen Demokratie ausgegangen war, war grosszügig— aber die Volkspartei war damals von der praktischen Politik und von der Macht weit entfernt. Die deutsche Sozialdemokratie, deren Zentrum im Ausland ist, könnte heute noch machtloser erscheinen als die deutsche Demokratie damals. Aber wie Bebel 1870, in der Zeit des Niedergangs seiner Partei, in der Epoche der nationalistischen Hochflut, kann sie heute mit sicherem Vorausblick sagen: Uns gehört die Zukunft! Wir werden es sein, die den dritten grossen Wiederaufstieg der deutschen Demokratie führen, in uns wird sich die deutsche Demokratie verkörpern. Unser® Aufgabe ist es, die Forderungen deutschen Arbeiterschaft, die sich n:lC? den Jahren der Unterdrückung durch den Staatsdespotismus ergeben werde11' zu verschmelzen mit den grossen I'01' derungen, die aus dem Prinzip der Freiheit am Ende der Despotie hervor' wachsen werden. So wie sich die deu' sehe Demokratie um 1870 herum ei!icr gänzlich veränderten Situation gCof11 übersah, so hat sie auch heute e'ne veränderte und ganz neue Situation zu meistern. Die grosse Aufgabe d®� politischen Befreiung und der Me � sterung der Situation weist auf Saui'h hing hin— weist über den men einer Klassenpartei hinaus. � eine solche Partei hat Aussicht, die ü"1 geheueren Schwierigkeiten zu übefWi0� den, mit denen Deutschland nach d' � sem Krieg zu ringen haben wird, u führend bei der Neuorganisah0 Deutschlands mitzuwirken. G."• b n h Len rer ien en ir in 0es n m rt14 er 996 n 11. k min 诂 止& it it 5e# 1449 1tle ae r h h 1, 1er Ľter 1Le n er i11Ir 11ed n Vernichtungsfeldzug gegen eine ganze Nation Der lebende Ostwall Polen unter dem Terror der Sieger Polen zur Feldbestellung nach Deutsch- lein haben die Deutschen nach Abschluss vise der deutschen Sieger und nach ihr land abkommandiert. der eigentlichen Kriegshandlungen sechs- wurde erbarmungslos verfahren. tausend polnische Männer und Frauen erschossen. In vielen weiteren Tausenden Der Kampf gegen polnische von Fällen wurde dieses radikalste Mittel deutschen Ostwall zu schaffen. Die Ausrottung der Intelligenz Kulturwerte man Sechs Millionen Polen leben in den von Deutschland annektierten polnischen Die Massenmörder Westprovinzen. Diese sechs Millionen PoSelbstverständlich erzeugt dieser Verlen gedenkt die Naziregierung auszurotten oder mindestens zu vertreiben. ,, Sind jetzt nichtungsfeldzug gegen das polnische Volk angewendet, um Platz für den lebenden Aber nicht nur die führende Schicht Podie Deutschen hart," so mahnte kürzlich eine unerhörte Spannung im ganzen Land. lens wird ausgerottet. Die Kunst, die KulLey in einer Rede in Lodz ,,, dann wird Aeusserlich scheinen die Polen ihr Schicktur und die Wissenschaft Polens werden Aber ein Funkeln in des Führers Wunsch in Erfüllung gehen, sal hinzunehmen. systematisch ruiniert. Ja sogar gegen die dass hier einmal Millionen und Abermillio. ihren Augen und der ganze Ausdruck ihres Geschichte Polens wird der Kampf aufgenen junge Deutsche aufwachsen, dass hier Gesichtes verrät ihren Hass", schreibt die Neben diesen Massenmorden erfolgt ein nommen, indem man die polnischen Denkin fünfzig Jahren ein weites blühendes Königsberger Allgemeine Zeitung". Jede von der selbständigen deutsches Bauernland ist, in dem es keine Entladung dieses Hasses führt zu unerhört systematischer Ausrottungsfeldzug gegen mäler stürzt, die Sie muss ver- Vergangenheit des Landes sprechen. Die Polen mehr gibt und auch keine Juden." blutigen Repressalien, zu schweren Straf die polnische Intelligenz. schwinden, damit sich um sie kein Wider- Museen, Schlösser, Galerien und BibliotheGegen sechs Millionen Polen haben die expeditionen, die in der Nazipresse als stand gegen die deutsche Herrschaft sam- ken werden ausgeraubt. Die wertvollen Nationalsozialisten den Vernichtungsfeld- Kampf" gegen den polnischen Banditis- meln kann. Die in Frankreich konsti- Sammlungen der berühmten Jagellon- Bituierte neue polnische Regierung gibt be- bliothek in Krakau brachte nach zug aufgenommen. An der Stelle, wo diese mus" bezeichnet werden. Zwei Polen erschossen in einem KaffeePolen lebten, soll ein lebender deutscher kannt, dass die Deutschen nach der Been- Deutschland. Das Volk der Knechte braucht Ostwall errichtet werden, wie Goebbels haus zwei deutsche Offiziere. Sofort wurdigung der eigentlichen Kampfhandlungen keine Kunstschätze und keine Bücher. willfährige Presse verkündet. Ein Ostwall den dreihundert Polen verhaftet. Am näch- 18 000 führende Persönlichkeiten des Lan- Krakau soll zu einem deutschen Kultur100 000 sten Morgen fand man hundert von ihnen des ermordet haben. Die Hochschulen und zentrum des Ostens werden und da es daDeutschbalten, aus ebensoviel Deutschen, erschossen in einem benachbarten Hof auf. wissenschaftlichen Institute wurden ge- bei vermutlich nicht ohne Aufmarschplätze die aus Wolhynien und Galizien kommen, Sie hatten sich niederknien müssen und schlossen. Die Dozenten sind nahezu aus- und Säulenhallen abgehen wird, braucht aus Südtirolern, aus zwei Millionen west- waren dann mit Maschinengewehren er- nahmslos entweder direkt erschossen oder man vor allem Platz für diese ,, deutsche deutschen Bauern, aus deutschen Siedlern schossen worden. Der Besitzer des Kaffee- in deutsche Konzentrationslager überführt Kultur" in Krakau. hauses, in dem der Mord geschehen war, worden. Täglich treffen von dort Todesund Beamten aus dem übrigen Reich, aus Das Physikalische Institut in Warschau, Soldaten, die die Nationalsozialisten nach wurde erhängt. nachrichten von polnischen Intellektuel- das den Stolz der polnischen WissenschaftIn Posen kam zu einem frisch eingewan- len ein. ler bildete, und dessen kostbare Ausstatdem Krieg dorthin verpflanzen wollen wenn sie dann noch die Macht dazu ha- derten deutschen Friseur ein Pole, der sich Mit Professor Oesterreicher, der an der tung eine Rockefeller- Stiftung war, ist vollbedienen liess. Danach ging er ben. Skrupellos haben sie mit der Errichan die Krakauer Universität europäische Rechts- kommen ausgeraubt. Zur Ausplünderung Kasse und statt zu bezahlen, schoss er den geschichte lehrte, wurde vor wenigen Wo- des Zoologischen Instituts in Warschau tung ihres Menschenwalles begonnen und Friseur nieder und beging dann Selbst- chen über die Ministerpräsidentschaft in wurde ein deutscher Universitätsprofessor mord. Es stellte sich heraus, dass es sich einer polnischen Schattenregierung ver- beordert, damit das Schandwerk mit Wisschaffen, dessen Geschick auf Gedeih und um den früheren polnischen Besitzer des handelt, die man im jetzigen General- Gou- senschaft und Gründlichkeit geschehe. Die Verderb an das Schicksal der Nationalsozialisten gebunden ist. Sie haben einen Friseurgeschäftes gehandelt hatte. vernement Polen einsetzen wollte. Es war Ausraubung des polnischen Instiuts für In Waver bei Warschau wurde ein deut- Professor Wall errichtet, dessen Sprengung nach HitOesterreicher eine Art Hacha- Agrikultur und Forstwirtschaft wurde von scher Unteroffizier ermordet. Noch in der Rolle zugedacht worden. Er gab sich dazu drei Professoren der Forstakademie in gleichen Nacht wurden hundertfünfzig Po- nicht her. Darauf brachte man ihn mit Eberswalde geleitet. len aus ihren Betten geholt und erschossen. sämtlichen anderen 163 Professoren der aus Menschen, aus mehr als sich damit einen Bevölkerungskreis ge lers Niederlage mehr Opfer fordern wird als die stärkste Befestigungslinie aus Beton und Eisen. Die Vertreibung der Polen Rudolf Wieser. ein deutsches Mitglied Krakauer Universität nach Dachau und Vertrieben, misshandelt, beraubt, ermordes früheren polnischen Senats erklärte in dort ist er bald den deutschen Konzentra- det wird das polnische Volk, Schwere Bluteiner Massenversammlung in Stuttgart: tionslagertod gestorben. schuld lädt das Siegervolk auf sich. Wann In brutalster Weise schaffen die Natio-..Die ganze polnische Nation trägt die Ver- Jeder Pole, von dem die Deutschen an- wird die Stunde kommen, da ihm bewusst nalsozialisten Platz für ihren lebenden antwortung für die begangenen Greuel und nehmen, dass er Einfluss auf seine Lands- wird, dass auch diese Schuld sich rächt Ostwall. ,, Sentimentale Erwägungen stehen sie muss nun diese Verbrechen büssen." leute haben oder gewinnen könnte, fällt und nicht nur an den Führern, sondern an nicht zur Debatte", erklären sie. Nachts von deutschen Greueln in Polen hat der dem deutschen Herrschaftswillen zum Op- allen, die mitmachen, an allen, die das Dabei gibt es kaum fer. erscheint die Gestapo in den Wohnungen Herr nichts gesagt. Das Herrenvolk sind die Deutschen. schwere Unrecht geschehen lassen? Wann der Polen und Juden und fordert sie auf, einen polnischen Marktplatz. auf dem in Der Pole ist der Knecht. Er hat zu dienen. wird die Stunde kommen, da die Angst vor sich sofort an einen Sammelplatz zu bege- den letzten Wochen keine Erschiessungen Das war sofort nach der militärischen Be- der Schuld grösser ist als die Angst vor ben. Zum Ankleiden und zum Zusammen- vorgenommen wurden. In Bromberg al- siegung Polens die oft ausgesprochene De- der Gestapo? suchen einiger Habseligkeiten werden 15 Der gepeinigte Kaufmann Wie kommen zend Kerzen, so dass die vorhandene sitzen die beiden noch auf, um ihre Marken Ware möglichst gleichmässig an die ver- zu zählen und auf die vorgeschriebenen schiedenen Kunden verteilt wird." Karten aufzukleben. Wenn endlich nach langem Warten die oder auch 30 Minuten Zeit gelassen. Es darf nur Kleingepäck, kein Wertgegenstand und nicht mehr Geld als hundert Mark mitgenommen werden. Der gesamte sonstige Besitz wird von der Gestapo beschlagnahmt. An den Sammelplätzen müssen die Einzelhändler zur Ware? Bestellung aufgegeben und teilweise ange. die Vertriebenen in der Winterkälte stundenlang warten, dann werden sie in Vieh- Unter dem Vorwand, die ungeduldigen nommen ist, versammeln sich die Einkäuwagen gepfercht und abtransportiert. Käufer im Dritten Reich beruhigen zu wol- fer im Lieferungsraum neben dem Lager, Anfangs gingen die Transporte in Sam- len, die des Schlangenstehens offensichtlich wo das Herumstehen von vorn beginnt. mellager nach Radom oder Kielce, jetzt überdrüssig sind, liefert die ,, Frankfurter sind die Lager alle überfüllt und man lässt Zeitung" vom 2. Februar ein Stimmungsnun die Polen in kleinen Orten in Zentral- bild aus dem deutschen Einzelhandel, das polen, im sogenannten General- Gouverne- tiefer blicken lässt, als die meisten Reisement Polen, aussteigen, oder man zwingt schilderungen aus Kriegsdeutschland, die sie zum Verlassen des Zuges auf freiem bisher von neutralen Ausländern veröffentFeld und dort überlässt man die Polen ih- licht worden sind. Der ,, räsonnierende Käurem Schicksal. Es ist schwer zu sagen, fer", so heisst es da, mache sich keinen Bewer bejammernswerter ist: die auf griff davon ,,, welche Unsumme an Strapafreiem Feld, ohne Kleidung zum Wechseln, zen und Widrigkeiten Tag für Tag gerade den Inhabern der Einzelhandelsohne Geld zum Leben, ohne Haus zum Woh- von nen ausgesetzten polnischen Familien, oder geschäfte überwunden werden muss." Vor allem ist es unendlich schwer, auch diejenigen, die man in ein Lager brachte. SO Fast kein Lager ist heizbar. Auf Zement- nur die Ware heranzuholen, die den Marböden müssen die Vertriebenen schlafen. keninhabern zukommt. Lieferwagen steIm Lager Glowa wurden Kinder geboren. hen den Einzelhändlern nicht zur VerfüEs stand kein warmes Wasser zur Verfügung, und die schweren Lasten müssen häugung. Mitleidige Lagerinsassen gaben et- fig mit Hilfe der elektrischen Strassenbahn was lauwarmen Kaffee her, um die Neuge- nach Hause befördert werden. Eigentlich borenen zu waschen. Die deutschen Kaufleute haben ähnliche Zustände bereits erlebt. Im Jahre 1918. Es gehört zu den Eigenarten des menschlichen Gehirns, dass es bei der Wiederholung einer ,, Der Lieferungsraum ist ungeheizt, auf Situation die nötigen Assoziationen liefert. dem Steinfussboden bekommt man kalte Und die Assoziationen zu der oben geschilFüsse. Ausser uns sind noch andere Kun derten Misere heissen: Chaos, Niederlage, den da: ein alter Mann, der seine Seifen- Zusammenbruch. Wenn sich in einem Volk pulverpakete, seine Papierrollen, seine derartige Vorstellungen ausbreiten, wird die Wattepäckchen und Cremedosen immer Ahnung leicht zur Realität. wieder von einem Karton in den anderen packt und es wollen doch nicht weniger als fünf Kartons voll werden, und wie soll er die allein ohne Auto bis nach Hause, nach Weissensee bringen? Manch mal bringt einer einen Handwagen mit Gangster- Theorie Hier spricht Ley oder auch einen Kinderwagen, in dem Auf der Arbeitstagung der Gau- Schusich allerlei transportieren lässt. Eine lungsleiter der NSDAP und der Gauschualte Dame ist da, die andern fragen sie lungswalter der deutschen Arbeitsfront" in mitleidig und besorgt, ob sie wohl auch Berlin hielt Ley eine Ansprache, in der er so schwere Pakete nach Hause schaffen laut Bericht der Essener ,, National- Zeitung" muss; aber sie sagt, auf eine Frage, nein, vom 4. Februar u. a. sagte: sie habe nicht viel, soviel könne sie nichi tragen, sie komme lieber öfter." Das ,, öfter Kommen" kostet natürlich ist ja der Grosshandel verpflichtet zu lie- immer neues Fahrgeld und immer neue fern. Man bewilligt angeblich zu diesem Mühe. Aber die Händler, die weit entfernt Kein Pole weiss, ob er morgen noch Zweck auch in begrenztem Umfang Wagen wohnen, sind noch schlechter dran. Da ist in seiner Wohnung sein wird. Viele waand Treibstoff, aber viele Firmen behaup- z. B. ,, ein Mann aus Finkenkrug, einem Ort, gen nicht mehr, sich nachts auszuziehen. ten, sie hätten keine Leute zur Verfügung. halb noch Dorf, halb Vorstadt oder VorIn der einen Nacht werden alle ehemaligen Dazu bemerkt die ,, Frankfurter Zeitung": ort, weit hinter Spandau bei Berlin". Dem polnischen Beamten geholt, in der nächsten Nacht trifft es sämtliche Juristen einer Stadt und dann werden wieder einmal ganze Strassenzüge von polnischen Bewohnern ,, gereinigt". Einmal werden 500 Personen geholt, ein andermal 1500. ,, Keihem deutschen Volksgenossen ist zuzumuten, dass er die gleiche Luft atmet, wie ein Pole", schreibt das ,, Schwarze Korps". vertrieben. ,, Die Gelegenheit, etwaige neue Unko- führt ein Laufbursche aus dem Grosssten, die nicht durch Preiserhöhungen handelsgeschäft die schweren Kartons auf hereingeholt werden dürfen, auf diese einem Schubkarren bis zur Haltestelle der Weise zum Teil auf den nächsten Kunden elektrischen Bahn. Dann muss er sich eben abzuwälzen, ist freilich zu verlockend, als dass sie nicht manchmal auch ohne andere zwingende Gründe ergriffen würde." weiterhelfen. ,, Der uns aufgezwungene Kampf muss und wird die Voraussetzungen zum Leben des deutschen Volkes schaffen und erringen. Dieser Kampf also ist ein schicksalhafter Kampf. Jedes Volk muss den Kampf führen, der das Lebensrecht seiner Rasse sicherstellt. Eine niedrige Rasse braucht weniger Raum, weniger Nahrung und weniger Kultur als eine höhere Rasse. Niemals kann der deutsche Mensch etwa unter den gleichen Voraussetzungen leben wie der Pole und der Jude. Bis 1938 versicherte Hitler den kleinen Völkern, er biete ihnen die höchste GaEndlich ist auch der Einkauf für das Sei- rantie für ihre Sicherheit, denn das unterfengeschäft erledigt. Selbst das Einpacken scheide den Nationalsozialismus von impemacht Schwierigkeiten.„ Der Karton mit rialistischen Anschauungen, dass er nur die Der Verfasser des Aufsatzes hat für die der grünen Einheitsseife ist morsch und Zusammenfassung des deutschen Volkes Aus der Stadt Posen wurden in wenigen Inhaberin eines kleinen Seifengeschäftes, verstreut erst einmal seinen Inhalt über wolle. Ein Volk, ein Reich, ein Führer. InIn deren Mann im Felde steht, die Einkäufe den Boden." Tagen 100 000 Personen zwischen sind einige kleinere Länder verganz Pomerellen und Posen sind alle gros- erledigen helfen. Gewöhnlich nimmt die Der Rückweg führt an einem Milchge- schluckt worden. Jetzt muss für die versen Güter beschlagnahmt und ihre Besit- Nachbarin, die Frau eines Schuhmachers, schäft vorbei, und der Artikelschreiber er- änderte Praxis die veränderte Theorie zer verjagt worden. Die Inhaber geschäft- an der Warenbeschaffung teil. Regelmässig zählt, dass diese Leute es noch viel schwe- nachgeliefert werden. Ley besorgt das mit Die Seifenhändler beliefern der bei Alkoholikern üblichen Unbekümlicher Unternehmungen sind zum grossen fährt sie mit der elektrischen Bahn zu einer rer haben. Teil verhaftet, oder sie sind mindestens Grosshandlung im Norden Berlins. in erster Linie nur ihre regelmässigen Mar- mertheit. Imperialisten können eine bessere der Verfügung über ihre Geschäfte bezu kenkunden, aber das Milchgeschäft hat, da Legitimation kaum verlangen. Wer das raubt. Nicht anders verfuhr man mit den zweit. In der Grosshandlung ist es voll. Hotels und Pensionen in der Nähe liegen, deutsche Volk für minderwertig hält, kann meisten Handwerkern. Aerzte, Zahnärzte, Wir müssen warten, bis ein Platz frei auch Laufkundschaft mit Reisemarken. ihm künftig mit Hilfe von Leys Theorie alRechtsanwälte sind aus ihrer Praxis ver- wird. Jeder kommt nämlich einzeln an les absprechen, was zum Leben gehört. einem kleinen Tischchen ,, dran", um seiUeberall wurden neue deutsche ne Bestellungen aufzugeben. Früher hatte jeder seine Bestellungen über die allgeGoebbels schulmeistert die Auslandsprese. meine grosse Theke hin abzugeben, aber Für das Einkleben der Marken ist eigent- Ein skandinavischer Journalist, der in Berda war es zu Unzuträglichkeiten gekom- lich die Mittagspause von 1/2 1 bis 1/2 3 lin für schwedische und dänische Zeitunmen, weil jeder das, was der andere be Uhr vorgesehen, aber ,, man ist zu müde vom gen arbeitet, hat nach Goebbels Meinung stellte und bekam, gleich auch haben Frühaufstehen und legt sich eine Stunde nicht objektiv genug über Deutschland bewollte. Jetzt macht jeder einzeln seine Denn der Arbeitstag des In- richtet. Zur Strafe darf er mehrere WoBestellungen, bekommt einzeln dies: ein- aufs Ohr". mal der eine eine begehrte Sorte Haut- habers und seiner jungen Gehilfin hat früh chen lang keine Telephongespräche mit dem creme, einmal der andere ein paar Dut- um 5 Uhr begonnen, und nachts um zwölf Ausland führen. trieben. Besitzer oder deutsche ,, Treuhänder" eingesetzt. Arbeitskräftige jugendliche Personen, Knaben und Mädchen werden von ihren Eltern weggeholt und nach Deutschland deportiert. Alle Polen unterliegen der Arbeitspflicht. Im Januar wurden 300 000 Polen als landwirtschaftliche Arbeiter nach Deutschland geholt. Im Februar wurden 400 000 und im März nochmals 300 000 ,, Diesmal machen wir die Fahrt ,, Diese kleinen Reisemarken, die sich so leicht verlieren, können ihnen manchmal richtige Sorgen machen." Der Fetisch Oder: Der Schrecken der Finsternis Man kennt den alten deutschen Studentenwitz, der da fordert, ein fehlendes Mittagessen durch eine stramme Haltung zu ersetzen. Gegenwärtig macht Deutschland Volk der Habenichtse Ein Freund schreibt uns: Brief aus Deutschland | auf Wahrheit beruhe, im Ausland für ei-| Seit einem Monat. Er hat bis heute noch nen eventuellen späteren Kampf in der nicht geschrieben. Er soll die Sache mit ,,... Wie es mit unserer Ernährung bestellt Emigration angelegt worden seien... Also Stalin und Finnland kritisiert haben. Ueber eine Strammheitspädagogik durch wie nie ist, das hörst Du ja im ausländischen soweit sind sie auch schon gekommen. Finnland erfahren wir sehr wenig; ich vorher. Ein ganzes Volk soll die fehlenden Rundfunk. Neuerdings gibt es sogar Ersatz- Die Kritischen aber vergleichen gern mit war erstaunt über das, was ich über das Kalorien durch Strammheit ersetzen, sonst Ersatz, nämlich Fischwurstersatz. Man früher und meinen ironisch, die„ politi- russische Versagen kürzlich in Schweizer könnte es umfallen. Strammheit gilt als wird bei Tisch gefragt:„ Was isst Du?" sche Unfähigkeit" der sozialdemokrati- Blättern las. Die Finnen sind bei uns seit Tonikum gegen alles. Man kann in dem Und antwortet:„ Bin ich ein Hellseher?" schen Führer sei daran zu erkennen, dass jeher populär. Unsere Nazis im Betriebe einen neudeutschen Roman lesen, dass ei- Im Kino wurde seit Oktober ein Vorfilm sie es zu nichts brachten..." Während die wollen nicht glauben, dass Hitler die Finner Liebessehnsucht mit einem kleinen Pa- gezeigt: die deutschen Vorratskammern, braunen Oberbonzen schon in jungen Jah- nen gänzlich opfert, sie bilden sich immer rademarsch niederhält, in einem anderen, mit Wurst, Schinken und anderen aufrei- ren ihre Villen und Autos besassen und noch ein, er werde Stalin eines Tages in dass der Held von Heimweh überfallen wird. zenden Sachen. Titel: Wir halten durch. etwas später geschenkte Güter und geraub- den Arm fallen. Jedenfalls ist Finnland Was tut er in der Essener ,, National- Zei- Wie ich erfahre, soll dieser Vorfilm jetzt te Kunstschätze, beschränkte sich der Be- auch aus dem Kino, wo es doch immer ein gezeigt werden, wahrscheinlich, sitz sozialdemokratischer Führer auf ihre beliebtes Thema tung" gegen das Uebel? ,, Leopold gab sich selten war, so gut wie vereinen Ruck und stand stramm; er hielt weil er zu provozierend wirkt. Die Lebens- Mietswohnungen oder primitiven Vorort- schwunden. Es gäbe sonst Sympathiekundsich an seiner eigenen Haltung fest". Das mittelpakete aus dem neutralen Ausland häuschen. Als sie aus ihren Aemtern schie- gebungen. Würde dieses tüchtige Volk vom geht über Münchhausen, der sich nur an sind auch selten geworden. Jetzt hörte ich, den, fuhren sie nicht einmal im eigenen Bolschewismus verschluckt, so würde man seinem Zopf festhalten konnte. Strammere dass in einem kleinen mitteldeutschen Ort Auto. Aber in einem Volk der„ Habe- den Rückschlag in der NSDAP sehr deutHaltung kann kein Mensch verlangen. Es eine Sendung aus Holland ankam, enthal- nichtse", in einer„ proletarischen Nation" lich merken. sei denn, ein Vorgesetzter geht im Finstern tend alte Schuhe, alte Kleider, geflickte Schwanenwerder zu bewohnen( wie Goeb- Viel mehr kann man über die allgemeine vorüber dann nämlich hat ihn der Sol- Hosen. Vier Pakete, die an mehrere Adres- bels) oder sein Weekend- Palais auf Capri Stimmung nicht sagen; sie ist sehr uneindat sogar zu erahnen. sen gingen. Die Schuhe und die Altkleider zu haben( wie Göring), beweist das etwa heitlich und wechselt, je nachdem, ob Karwaren derart abgetragen, dass es als eine kein Können? So unterhalten wir uns, wenn toffeln angekommen sind und ob Kohlen Ein brauner Dichterling besang die Eh- Beleidigung erscheinen musste, so etwas kein Verdächtiger in der Nähe weilt. renbezeigungen im verdunkelten Berlin: dem deutschen Volke zu schicken. Der abgeladen wurden oder nicht. Es war sehr ,,... sie grüssen den Umriss des Vorgesetz- Hohn war offenbar beabsichtigt, es sollte dings im braunen Parteiverlag ein Buch ieder Zum Kampfe gegen Meckerer ist neuer- kalt bei uns, in manchen Orten laboriert Zweite an ten, der kaum als Umriss erkennbar ist..." wohl eine Demonstration sein. Der oder erschienen, dessen Titel Dich besonders heit. Tagelang lag selbst in öffentlichen einer ErkältungskrankDies verlangte nicht einmal das wilhelmi- die Absender werden staunen, sie erhiel- interessieren wird: ,, Joseph Filsers Ende". Gebäuden die Heizung still. Die Schulen nische Deutschland. Die blosse Vision des ten Dankkarten Vorgesetzten stramm zu grüssen, dazu hat deutsche Untertan geworden. so bescheiden ist der Angeblich ,, im Geiste Ludwig Thomas ge- geschlossen. Wie soll das in einem zweischrieben", von Hitler seine Untertanen degradiert. einem gewissen erst Max ten Kriegswinter werden? Niemand wagt Der Führer hat recht: Wir sind wirklich Kirschner. Ein neuer Götzendienst: sie sollen lernen, Im Zeitungsinserat hiess es: daran zu denken, jeder hat es mit dem Tag die blosse Andeutung der betressten Uni- eine„ proletarische Nation". Mindestens Joseph Filser ist ein typischer Vertreter nächsten zu tun. Die Nazipresse form zu verehren, wie der Gläubige zu ei- sind wir das durch die Nazis geworden. der kleinbürgerlichen Nachkriegswelt, de- schreibt:„ Wir müssen in Jahrhunderten ., Dass ich einen neuen Schlips trage, dan- ren politischer Horizont nicht über den denken!" ,, Weil die nächsten Monate ke ich dem Führer", heisst es seit Weih- Lokalpatriotismus hinaus ging..." So mo- ohnehin miess sind". ergänzt der FlüsterDer Götze wird dem Untertan in allen nachten im Volksmunde. Aber in dieser delt man Thomas urwüchsigste Figur aus witz. Meine persönliche Auffassung: Ich Verpackungen gereicht. Vor kurzem er- proletarischen Nation" fällt der Reichtum Vorkriegszeiten, den bavrischen Zentrums- glaube, dass die allgemeine Stimmung schien ein Kolonialbuch jener Louise der braunen Neureichen umso mehr auf; abgeordneten vom Lande, gewissermassen rasch sinkt und dass auch ein kriegeriDiehl, die bis 1933 in den früheren deut- ihre Villen, Paläste, Schorfheiden, Autos zu einem Typus der Weimarer Demokratie. scher Teilerfolg dem braunen System nicht schen Kolonien braune Wühlarbeit betrieb Uniformen und Guthaben im Auslande blü- Thomas bodenständiger Humor wird aus dieser Kalamität hilft, mag es an der und Stimmungsberichte für braune Zeitun- hen ja nicht gerade im Verborgenen. Von plump plagiiert zum Kampfe gegen die Kri-.. inneren Front" selbst die braunen Dichgen fabrizierte, darin die Prügelstrafe ver- diesen Guthaben sagen die Nazianhänger, tikaster und Vorgestrigen". ter mit Durchhalte- Rezitationen einsetzen, herrlicht wurde. Prügelstrafe für Farbige dass die Gelder, sofern das alles überhaupt Weisst Du auch, dass Max... im KZ ist? wie das neuerdings geschieht..." nem unsichtbaren Gott betet. in Kolonien versteht sich, denn im Dritten, Reich ist sie ja ohnehin eingeführt. In die. ser Kolonialschwarte also wird versichert, Das Blatt nagelt einen Widerspruch der Menschlichsten zertreten. Wo je in neuerer dass die Neger der ehemals deutschen Ko- braunen Propaganda fest: lonien ,, auch unsern Führer als den ihren innerlich so stark empfinden", wie es Prügel- Louise nicht für möglich gehalten hätte. Und die Alten gar: ,, Die älteren Leute nehmen sofort eine stramme Haltung an, wenn sie an ihre Vorgesetzten im Weltkrieg erinnert werden..." Flüsterei Zeit wurden Kriegsgefangene ähnlich sadiEin ausländischer Korrespondent sucht ,, Indem sie ihr heutiges Betragen aber stisch gequält, wie hier die eigenen Volksmit den nach ihrer Darstellung dunkel- genossen? Man müsste da wohl schon bis in einem Zeitungsinserat alte Kleider und sten Perioden der britischen Politik in ins barbarischste Altertum, ins cäsaristische Schuhe. ,, Warum?" fragt seine Wirtin. den letzten 300 Jahren vergleichen, rich- Rom zurückschweifen, wo man wilde Be- ,, Damit ich nicht so als Ausländer auffalle, stien auf Gefangene hetzte. Die Bestien wur- wenn ich ins Dritte Reich zurückkehre." den im neudeutschen KZ durch rotznäsige ten sie sich selber..." Auch diese Polemik geht leider an den Prätorianer ersetzt, die mit Gummiknüppel Die ältesten Buschneger, 25 Jahre nach wesentlichsten Seiten der braunen Schand- gegen Vater, Bruder und Freund gehetzt deutschen Prügelstrafe, knallen die lager vorbei. Warum wird der Stier nicht werden. der nackten Eine Hitlerdeutsche bestieg vor einigen Sie war begeiFersen zusammen, wenn der bei den Hörnern gepackt? Die Kriegsgefan- Was hat der Burenkrieg mit dieser Monaten den Mont Blanc. Strahl der Erinnerung die betresste deut- genenlager gehören gewiss zu den traurigen Schande der deutschen Volksgemeinschaft" stert. ,, Vom König der Berge?"- ,, Nein, sche Uniform streift. Wird dem deutschen Erscheinungen des Krieges was aber ha- zu tun? Die terroristischen Straflager für von der Schlagsahne, die es in der ersten Volk ein neuer Fetisch gereicht? Nein, er ben sie mit Hitlers Folterhöllen gemein? das eigene Volk, vom System zynisch Er- Berghütte gab". In wenigen Zeilen ist so alt, wie die preussische Kaserne. Das braune Regime hat ja seit 1933 nicht ziehungslager getauft, sind und bleiben eine Neu daran ist nur, dass ihm das Honneur Kriegsgefangene interniert, sondern es hat Erfindung der Hitlerei. Und es wäre hohe auch zukommt, wenn ihn der Untertan im tiefsten Frieden die eignen Staatsbürger Zeit, dass der Unterschied zwischen diesen nicht sieht. Gessler hing wenigstens einen überfallen und in die Prügellager von Da- staatlichen Terrorhöllen und Kriegsgefan- Auslandsblätter berichten, in Deutschland weithin sichtbaren Hut auf die Stange, der chau, Sachsenburg, Buchenwald, Oranien- genenlagern dem deutschen Volk einmal solle demnächst das Einheitskostüm für neudeutsche Untertan hat es schwerer, er burg usw. gepfercht. Es hat dort die eige- nachdrücklich klar gemacht würde. Man Frauen und Mädchen eingeführt werden. muss die Andacht vor dem unsichtbaren nen Landeskinder, die nicht braun werden ist an dieser Kulturschmach viel zu lange Das heisst: bei Neukäufen für alle die gleiHut verrichten. Eine demonstrative Dro- wollten, braun geschlagen, gedemütigt, im vorbeigegangen. hung steckt im neuen Götzendienst: die Uniform, der Vorgesetzte ist überall, auch im Dunkeln. Denn es gibt heute sehr viel Verdunkelung in Deutschland und damit kommen wir zur Prosa der Sache. Möglich schon, dass die unsichtbare Tresse, wie der braune Barde singt, im Dunklen strammer noch gegrüsst wird als bei Tage. Wieviel Deutsche haben denn heute Neigung, auf finsterer Strasse auch nur den Schein des Verdächtigen auf sich zu laden? Nur die Kriminellen und Hungernden oder die Tapferen der illegalen Propaganda. Die Kriminalität gedeiht im Dunklen ebenso wie die oppositionelle Propaganda, der Henker muss Ueberstunden machen. Auf blosses Meckern steht schon die Todesstrafe: wer hat da Lust im Dunkeln zu munkeln? Düsteres Symbol: Die Angst vor Finsternis, Couleur der braunen Barbarei, verfolgt selbst den harmlosesten neudeutschen Untertan täglich bis in den Schlaf. Im Traume erscheint ihm der allgegenwärtige Fetisch: betresste Uniform mit Hakenkreuz. Polizei, Gestapo, Henker... Der Untertan schlägt im Bett die Haxen zusammen und die erschrockene Frau muss ihn aus dem Albdruck rütteln. rg. Begriffslehre Um es zusammenfassend zu beenden: Begriffe decken sich zu unserm Heil gewöhnlich mit dem eignen Gegenteil, wir dürfen sie bald so, bald so verwenden. Greift nur hinein ins volle Menschenleben, und wo ihr's packt, da dreht ihr es herum, aus schwarz wird weiss und aus gescheit wird dumm, ihr könnt dem Kinde zwanzig Namen geben. Noch bis vor kurzem hiessen Bolschewisten die Leute, die nicht so gewollt wie wir. Jetzt nennen wir sie nur so zum Plaisir bald Demokraten und bald Nihilisten. Das ist im Grunde eins. Wenn Sie's verwechseln, so sehen unsre Führer das recht gern. Heil Stalin ist gleich Antikomintern, aus England lässt sich leicht Judäa drechseln. Krieg heisst nur Krieg, wenn ihn die andern führen, wir schaffen einfach Ordnung, wie man's nennt, und jeder Schützling( ist gleich Delinquent) muss des Protektors Faust( auch: Rechtsspruch) spüren. che Kleidung. Die folgerichtige Zwangsjacke des Zwangsstaates. Auch die deutschen Universitäten haben sich auf neue politische Freundschaften umzustellen. Die Berliner Universität kündigt für das erste Trimester 1940 eine Reihe Vorträge über Volkswirtschaft, Politik und Geschichte der Sowjetunion an. Höchste Obbis jektivität der Wissenschaft: nachdem jetzt auf deutschen Universitäten nur das Minus Sowjetrusslands, verkündet wurde, wird jetzt das Plus gelehrt. Aus der ,, Kölnischen Zeitung" ersieht man, dass der Schuhmacher im Dritten Reich sogar für Reparaturen eine Kundenliste anlegen muss. Wer in solcher Liste nicht geführt wird, kann auf der Brandsohle laufen. Juden sowieso. BEZUGSBEDINGUNGEN Der NEUE VORWAERTS kostet im Vierteljahr: in Warum so zaghaft? KZ und Burenkrieg 99 Die Times" beschäftigte sich kürzlich mit den ,, Lügen und Halbwahrheiten" der jüngsten Hitlerrede, zu deren Verdrehungen die alte braune Platte gehört, England habe die Konzentrationslager erfunden, und zwar während des Burenkrieges. ,, Times" führt ganz richtig an, dass die damaligen Internierungslager sich aus der Evakuierung hungernder Burenfrauen und Kinder ergaben. MARQUE SYNDICALE Imp. Union, 13, rue Méchain, Paris. Einzelnummer Neutral heisst schlicht und kurz auf deutscher Seite, Angreifer ist gewöhnlich, wer sich wehrt, und Meinungsfreiheit ist dem Volk beschert, das gar nichts meint. Für Aufschwung lies auch Pleite. Argentinien Belgien Pes. bFrs. -.30 3.60 2. 24.-> Brasilien Milr. 1. 12.Bulgarien Lew. 8. 96.Estland ekr.-.22 2.64 Finnland Frankreich Fmk. IFTs. 4. 48.Grossbrit. d Reinrassig heisst: es ist nichts nachzuweisen, ein Jude ist, wer etwas andres denkt. Holland hfl. 1.50 4 -.15 18. 4/ 1.80 Italien Lir. 1.10 13.20 Jugoslav. Din. 4.50 54.Ein Staat hat Deutschlands Ehrgefühl gekränkt, heisst: Deutschland braucht sein Erdöl oder Eisen. Lettland Lat. -30 3.60 Litauen Luxemburg Lit. -.55 6 60 IFTS. Norwegen nkr. 1.50 -.35 18.Lernt so ihr die Begriffe zu erweichen, kennt sich in kurzer Frist kein Mensch mehr aus. Deutsch sein heisst wahr sein. Stürmischer Applaus, Horst Wessel- Lied, Heil Hitler, Pausenzeichen. ( Ueb' immer Treu und Redlichkeit...) Palaestina P. Pf. -.020 Portugal Esc. 2. 4.20 0.216 24.Rumaenien Schweden Schweiz Ungarn Lei 10. 120.Kr. -.35 4.20 sfr. 30 3.60 Pengoe .35 4.20 USA Doll .08 1.Le Gérant: Albert MARION.