I flDNAI ANTIUITI FDIPIM Journal socia|-d,=mocrate destin« J| 1 Lh M I*| 1 1 1 1| LmIhI�ICbIi aux refugies de langue allemande 6opaWcmolra�fd>C0 lDi>d>cnbIaW NOUVEL"EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris-5. Telephone: Odeon 42-58 Nr, 350. SONNTAG, 3. März 1940 Aus dem Inhalt: Ein falscher Vergleich Der Stand der Reichsfinanzen Der Unfug des Rassenwahns Die skandinavische Neutralität Die Entsclieidiing' Im forden komint näher Die Entscheidung über Skandinavien scheint näher zu rücken; kommt sie, so bedeutete sie nicht weniger als eine Wende in der Kriegführung. Finnlands wunderbarer Widerstand hält an. Aber die erste Linie der Befestigungen musste geräumt werden; mit immer neuen Kräften, mit dem Aufgebot eines ungeheuren Materials und vor allem mit grausiger Hinopferung von Menschen befiehlt Stalin immer neue Angriffe. Und die Zahl der Verteidiger ist beschränkt... Finnland hat Hilfe erhalten und die materielle Hilfe, namentlich an Flugzeugen und Abwehrgeschützen, war beträchtlich und dauert an. Aber Finnland braucht Soldaten und jetzt mehr als je, soll die zweite Linie gehalten, sollen die Gegenangriffe geführt werden können, die zur Beseitigung der russischen Gefahr unumgänglich sind. Doch die Hilfe an Menschen hat sich bisher auf Frei �lireelien sich Mni xu Hin falscher Vergleich— die letxle llolTiiim� Wenn dem englischen, wenn dem fran zösischen Volke klargemacht werden soll, warum mit dem Siege der Westmächte zu Untertanen einflüstern, das bestimmt jeweils der Führer, und wenn diese wirklichen Lebenskräfte erst für, dann gegen den rechnen ist, so warten die Regierungen gc-| Bolschewismus Partei nehmen, wenn sie • fli J?___ 1_.1 l 1» xtinvYtnl rrn rr s\rt /Ii/-» T T*i ♦ /"kr»lv» 1« ff f TT» m_ wohnlich mit Ziffern auf. Seht, dies sind unsere Rohstoffquellen, so viel Flugzeuge, Waffen, Munitionsvorräte liefern unsere Fabriken täglich, dies ist die Zahl der Menschen, die auf unserer Seite kämpfen, dies der Stand unserer Lebensmittelversorgung, dies der Goldvorrat, über den wir verfügen. „Wir werden siegen, weil wir die Stärkeren sind." Es würde den Herren des Dritten Reiches schwer fallen, mit einer Darstellung von ähnlicher Nüchternheit auf ihre Untertanen zu wirken. Wollten sie die wirklichen Zahlen enthüllen, so müssfen sie zugeben, den Krieg verloren zu haben, noch che er recht begonnen hat. Und die erfundenen billige beschränkt. Schweden hat das~ niö.-K»'" i.,, finnische Ersuchen, schwedische TrupJ;i( ,033 � wagl�sig�Xchenkunttstücke pen zur Verfugung zu stellen, abgelehnt. -,,—. vollführt, dass die Nummer in keinem Kabarett der Welt mehr zieht. Es liegt ihnen auch gar nichts daran, an die Logik zu appellieren. Im Gegenteil. Die offizielle stand gründen"., „Es zeigt sich eben, dass der Versland allein auch bei noch so eindeutiger Sachlage nicht imstande ist, diese richtig zu beurteilen, wenn sie über rein verstan- desmässige Dinge hinausgeht. Auch eine noch so grosse Ueberlegenheil des Verstandes kann die Richtigkeit der Beurteilung nicht sichern; vielmehr dürfte gerade das Vorherrschen der Verstandes- kräffe gegenüber den wirklichen Lebenskräften dafür verantwortlich zu machen sein, dass die Reurtcilung der Lage bei' einigen so völlig danebengebt." Was aber— Verstand beiseite— die wirklichen Lebenskräfte" dem deutschen Schweden und" Norwegen haben erklärt den Durchzug englischer und französischer Truppen durch ihr Gebiet nach,..„„ ,.. r,.,,•,*___ u�nnor. SS-Zeitschn f t„Schwarzes Korps(Ausgabe mnland nu 1 fies•( x' vorn g Februar) wirft den Pessimisten vor, Beide Staaten wollen an der. eu ra 1 a s.e Einstellung nur auf den Ver- festhalten. Wir wollen hier nicht prinzipielle Erörterungen über Neutralität anstellen, "Wollen nur sagen, dass uns persönlich es ganz unverständlich ist, dass ein Kulturmensch, ein Demokrat, erst recht ein Sozialist, in diesem Krieg, in dem es hm die Rettung der Freiheit und der Zivilisation geht, neutral bleiben kann; Unbegreiflich auch die Unterscheidung, die gemacht wird zwischen der persön- Bchen Stellungnahme, die die Partei der Freiheit nehmen darf, und der Stellung des Staates, der strenge Neutralität zu beobachten hat. Denn bisher schien es Uns eben das Wesen politischer Gesin- Uung zu sein, ihre Verwirklichung in einer bestimmten Gestaltung der Politik des Staates anzustreben, und dieses �Useinanderreissen von Gesinnung und Politik dünkt uns weniger eine Rechtfertigung als der Ausdruck der grossen Kot und schwerer Bedrängnis, in der sich die neutralen Kleinstaaten befinden. Nicht zum wenigsten Schweden und Korwegen. Wenn Russland Finnlands Kerr wird, dann ist es um die I nab- bängigkeit der skandinavischen Staaten geschehen. Ganz gleich, ob und welche 'erritorialen Forderungen Russland und Deutschland dann an diese Staaten stel- 'en werden, auf alle Fälle werden sie riie absolute Gleichschaltung der Politik Und Wirtschaft mit ihrer eigenen Krieg- uhrung verlangen. Russland und Deutschland. Denn 'fialin kämpft in Finnland als Soldat Millers. Das ist eine harte militärische f�tsache, die über alle Wirschaftsab- j�mmen weit hinausgeht, und der Krieg ** eine zu ernste Tatsache, als dass das ude und müssige Fragespiel, was im �bädel Stalins etwa an Hintergedanken ..0rhanden sei, noch Sinn hätte. Objektes Resultat des Stalin-Sieges wäre je- �hf.alls die uneingeschränkte Verfü- sich einmal gegen die Unterjochung fremder Völker—„wir wollen gar keine Tschechen"— und ein andermal dafür aussprechen, so muss das daran liegen, dass die wirklichen Lebenskräfte nur insoweit wirklich sind, als sie der politischen Konjunktur entsprechen. Was haben die wirklichen Lebenskräfte zur gegenwärtigen deutschen Situation zu sagen? Oberprieslcr Hitler hat es zuerst in seiner Sportpalastrede am 30. Januar 1940 festgelegt. Das Dritte Reich, so versicherte er, müsse diesen Krieg gewinnen, weil die nationalsozialistische Bewegung im Innern — das heisst über das deutsche Volk— gesiegt habe und weil die europäische Lage von heute den Zuständen in Deutschland vor 1933 aufs Haar gleiche. Leg nahm die Parole als erster auf und erzählte den Gau- schulungslcitern der NSDAP am 4. Februar den die Platte nunmehr auf allen Dörfern spielen. Auch Lutze, der in Dresden am 14. Februar zu baltischen SA-Männern sprach, „machte in eindringlicher Weise Vergleiche zwischen unserm innerpolitischen Ringen und unserm jetzigen Kampf gegen dieselben Kräfte in den westlichen Demokratien". („Völkischer Beobachter" vom 15. 2.) Man sieht: die„wirklichen Lebenskräfte" haben einen selten einheitlichen— um nicht zu sagen eintönigen— Marschbefehl. Die Begründung des Siegesglaubens, den die nationalsozialistischen Führer dem deutschen Volke um jeden Preis vorspielen müssen, ist genau so abergläubisch-mystisch wie alle bisher von den braunen Geisterbeschwörern gelieferten Parolen. Diese narkotischen Parolen haben vor acht Jahren in der Tat dazu beigetragen, das von jahrelanger Arbeitslosigkeit zermürbte, planmäs- sig in eine Katasfrophenstimmung gehetzte deutsche Volk noch mehr zu verwirren, bis in Berlin, es handle sich bei diesem Krieg; es sich seinen Hypnotiseuren kampflos ungenau wie in der Weimarer Republik um terwarf. Wenn alle nationalsozialistischen einen Aufstand der verfaulten demokrati- Redner heule, ihrer inneren Stimme aus sehen Kräfte gegen das aufstrebende Neue, dem Propagandaministerium� folgend, eine Daher sei dem Nationalsozialismus der Sieg unverkennbare Aehnlichkeit"zwischen dem gewiss. Es folgte Goebbels, der— laut Es- Deutschland von 1933 und dem Europa von sener„National-Zeitung" vom 14. Februar 1940 konstruieren wollen, so übersehen sie vor einer Anzahl ins Propagandaministe- nur einen kleinen, vielleicht nicht ganz unwesentlichen Unterschied. Diesmal schiessen die anderen auch. Ja, sie haben die besseren und zahlreicheren Waffen, sie ha- rium geladener deutscher Propagandaredner ausführte, „wie vielfach die Parallelen zwischen der..,„,,... innerdeutschen Entwicklung bis zur',en Rutler und Kanonen, ihre Soldaten sind Machtergreifung und den aussenpoliti- ungleich besser ernährt und seine Rollo als sehen Ereignissen bis zum heutigen Tage Hypnotiseur hat der Nationalsozialismus in soien und wie auch aus dieser Erkennt-' Europa gründlich ausgespielt. Aber all das njs der feste Glaube an den deutschen in seiner ganzen Tragweite zu erfassen, ist Sieg gestärkt werde.\ erschoben hätten sc]lon Sache des Verstandes, und wie sagt sich nur die Dimensionen, diese aber(]as �Schwarize Korps" so treffend?„Es zeigt sich eben, dass der Verstand allein auch bei noch so eindeutiger Sachlage nicht imstande ist, diese richtig zu beurteilen." seien nicht entscheidend." Die also aufgeklärten Propagandaredner - es waren derer über fünfhundert— wer- gung Hitlers über alle skandinavischen Rohstoffe, vor allem über das schwedische Erz und das finnländische Nickel, wäre die Unterbindung des Handels der skandinavischen Staaten mit England, wäre schliesslich die gemeinsame russisch-deutsche Verfügung über die skandinavischen Küsten. Dass es sich schon in diesem Stadium um ein gemeinsames Vorgehen Russ- lands und Deutschlands handelt, wissen am besten Norwegen und Schweden Zusammenwirken Stalins und Hitlers ist und welchen Erfolg es ihnen bis jetzt gebracht hat und für die Zukunft verspräche, falls es ungestört bleibt? Die strategische Wichtigkeit der norwegischen Küste ist unterdessen durch den bravourösen englischen Angriff auf die„Altmark" in einem norwegischen Fjord aller Welt vor Augen geführt worden. Der juristische Streit um die Neutralitätsverletzung hat wenig Interesse Wie in der inneren die Regierungen, und besonders die schwedische, wohl schon ihre Hilfelei stung für Finnland weit stärker gestal Politik die Spielselbst. Wäre es anders, hätten sie es 1 regeln der Demokratie nur dann unein- allein mit Russland zu tun, dann hätten, geschränkt eingehalten werden können, wenn sie von allen Beteiligten anerkannt werden, so gilt das gleiche von den Regeln des Völkerrechts. Wie alle ande- Aber sie wissen, dass dann Deutschland ren Gebote von Recht und Gesetz, hat tet, so wie es den Wünschen und der Deutschland auch die des Völkerrechts| schon nach dem Zwischenfall, werden Stimmung ihrer Völker entspräche, mit Füssen getreten, vor allem auf dem wieder ähnliche Aeusserunfen laut zugunsten seines militärischen Bundes- Gebiet des Secrechts. Es hat diesmal Kein Zweifel also, Deutschland, iibri- genossen Stalin eingreifen würde. Es von Anfang an entgegen den von ihm ist die Furcht vor Deutschland und nicht selbst unterzeichneten Verträgen mit der„Altmark", am 15. Februar, schrieb das sozialdemokratische„Arbeiterbla- det", das norwegische Regierungsorgan, über die Versenkung neutraler Schiffe in Fahrt zwischen neutralen Häfen:„Die Art, in der der Unterseebootkrieg jetzt | geführt wird, muss als reinste Seeräuberei bezeichnet werden". Es protestierte aufs schärfste gegen„eine so barbarische und unmenschliche Kriegführung" und forderte eine engere Zusammenarbeit der skandinavischen Staaten zum Schutze ihrer legalen Interessen und ihrer Neutralität, weil wirksame Gegenmassnahmen zur dringenden Notwendigkeit geworden seien. Aehnlich schrieb die übrige skandina- vische Presse, und in den letzten Tagen, -,1____•*"•—- vor Russland, die sie bisher an ihrer Neutralität festhalten lässt. Es ist die Furcht, zum Kriegsschauplatz für deutsche Armeen zu werden, bevor englisch- französische Hilfe voll wirksam werden könnte. Versteht man jetzt, wie eng das gens ebenso Neutralität, dem uneingschränkten Unterseebootkrieg begonnen und nicht nur die Handelsschiffe der Kriegsgegner, sondern auch die der Neutralen ohne Warnung haben. Es kann eben der Beste nicht in Russland, verletzen die wo es ihnen nützt, kein Zweifel aber auch, dass die betroffenen Staaten bisher zum Schutz ihrer Neutralität nichts Wirksames unternommen torpediert und mit Mann und Maus versenkt. Kurz vor dem Zwischenfall mit Neutralität leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Wahrung der Neutralität ist aber nicht nur ein Interesse der Neutralen, es kann auch eine lebenswichtige Angelegenheit der kriegführenden Parteien sein. Im Falle Norwegen ist es so, dass Deutschland die territorialen Gewässer, also die Dreimei- len-Zone der norwegischen Küste, dazu ausnutzt, um seine Handelsschiffe, hauptsächlich beladen mit schwedischem Erz, das besonders im Winter vom norwegischen Hafen Narvik aus verschifft wird, ungestört von der englischen Blockade nach Deutschland zu bringen. Der Fall„Altmark" hat aher gezeigt, dass die sehr buchtenreiche norwegische Küste auch anderem als Handelsschiffen dienen kann. Die„Altmark", ein zu einem Hilfskreuzer umgestaltetes Handelsschiff mit 300 englischen Gefangenen an Bord, ist von den Engländern rechtzeitig entdeckt, die Gefangenen befreit worden. Die norwegische Regierung hatte nichts dazu getan, um den Charakter des Schiffes auch nur festzustellen, geschweige den Weitertransport der Gefangenen durch ihr Hoheitsgebiet, der sicher unstatthaft war, zu verhindern. Sie fürchtete den Druck Deutschlands, verletzte damit aber zugleich den englischen Anspruch auf Einhaltung einer wirklichen Neutralität. Wenn aber Finnland erobert ist, der Druck Russlands und Deutschlands noch unmittelbarer wird, was wird dann erst aus der Neutralität Norwegens? Dann wird seine Küste unzweifelhaft ausgezeichnete Stützpunkte für deutsche oder russische Unterseeboote abgeben können, dann wird das Nördliche Eismeer in noch höherem Grade als heute zur Verbindung zwischen Deutschland und Russland und zur Angriffsbasis gegen England. Das Eingreifen gegen die „Altmark" war eine deutliche Warnung, dass England diese Entwicklung nicht ruhig hinnehmen will und das Kreuzen englischer Kriegsschiffe vor Murmansk und Petsamo ist eine Bekräftigung dieser Warnung. Hilfe für Finnland! Aber die Schnelligkeit und Wirksamkeit dieser Hilfe hängt sehr weitgehend von dem Verhalten der skandinavischen Staaten ab. Die Unterstützung Finnlands ist der einzig wirksame Schutz Schwedens, Norwegens und Dänemarks. Aber so wichtig und wünschenswert dieser Schutz ist, nicht das allein steht auf dem Spiel. Es sind sehr entscheidende Interessen Englands und Frankreichs, die einer deutsch-russischen Gleichschaltung eines strategisch und wirtschaftlich so wichtigen Gebiets entgegenstehen. Wie diese Interessen gewahrt werden sollen, darüber dürfte in nicht allzuferner Zeit die Entscheidung fallen, und das energische Vorgehen Englands in Norwegen zeigt, dass die Alliierten kaum länger gewillt sind, die Initiative den Gegnern zu überlassen. Initiative in Finnland kann aber die Einbeziehung Russlands in den Krieg mit den Westmächten bedeuten und die Erweiterung j des Kriegsschauplatzes würde sich dann nicht auf den Norden beschränken. Deshalb ist die Entscheidung so schwer und folgenreich. Sie— und nicht die Drohreden Hitlers, an dessen Vernichtungswillen ohnehin niemand zweifelt, wird den weiteren Ablauf des Ereignisse bestimmen. Dr. Richard Kern dironik der Woche Skandinavische Neatralifiit Montag, 19. Februar 1940 Der schwedische König Gustaf V. gab vor dem schwedischen Minüsterrat eine Erklärung ab, nach der Schweden nicht riskieren kann, der finnischen„Schwesternation" Waffenhilfe zu leisten, weil dadurch die Gefahr der Verwicklung Schwedens nicht nur in den russisch-finnischen, sondern auch in den Krieg der Grossmächte zu gross sei. Die von der Regierung eingenommene gleiche Haltung ist auf lebhafte Opposition im Lande gestossen. Der norwegische Aussenminister Kohl erklärte vor dem Storthing zum Fall„Altmark", dass der Kapitän des deutschen Hilfsschiffes die Durchsuchung seines Schiffes durch norwegische Behörden abgelehnt habe, und dass sich die Regierung mit dieser Ablehnung zufrieden gab, weil dem Kapitän eines Kriegsschiffes dieses Recht auf Ablehnung zustehe. Der Storthing billigte die Haltung der Regierung zum Fall„Altmark". Aus Dänemark hat sich ein neues Kontingent Freiwilliger nach Finnland begeben. Der irische Ministerpräsident de Valera verurteilte abermals energisch die irischen Terroristen, deren Kampf sich gegen die Freiheit des irischen Volkes auswirke. In Böhmen und Mähren legen die deutschen Behörden Stammrollen von allen männlichen Einwohnern an, die zwischen 1905 und 1920 geboren sind. Dienstag, 20. Februar 1940 Chamberlain erhob vor dem Unterhaus gegen die norwegische Regierung den Vorwurf, dass sie durch den Verzicht auf die Durchsuchung des deutschen Hilfsschiffes „Altmark" gegen das internationale Recht Verstössen habe. Die schwedischen Rechtsparteien veröffentlichen eine Proklamation, in der sie zu stärkerer Unterstützung Finnlands auffordern. Die Legion Garibaldi, die schon seit längerer Zeit italienische Freiwillige nach Finnland schickt, kündigt an, dass die Ein reihung von 10 000 Legionären in die Kampflinien bevorsteht. Alle land- und forstwirtschaftlichen Un ternehmungen in Polen, die sich noch im Besitz polnischer Landwirte befinden, sollen nach einer Verordnung Görings künftig von Deutschen betrieben, also enteignet werden. Mittwoch, 21. Februar 1940 Das schwedische Dorf Pajala, das zehn Kilometer westlich der flnnländischen Grenze liegt, wurde von sieben sowjetrussischen Flugzeugen bombardiert. Die schwedischen Schiffsverluste während des Krieges werden von der Regierung auf 32 Handelsschiffe mit einer Tonnage von insgesamt 64 000 Tonnen beziffert. 228 schwedische Matrosen wurden getötet und 15 werden verraisst. Die meisten Schiffe liefen auf deutsche Minen auf. Von sieben Schiffen steht fest, dass sie von deutschen U-Booten versenkt wurden. Norwegen hat bis jetzt 49 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 170 000 Tonnen verloren. 327 Matrosen wurden getötet. Die dänischen Verluste belaufen sich auf 19 Schiffe(insgesamt 73 000 Tonnen) und auf ungefähr 225 Matrosen. In Böhmen wurde eine Anzahl angesehener Tschechen verhaftet, darunter die Leiter des Roten Kreuzes, der Sokolorga- nisation, des militärgeographischen Instituts und der Direktor einer Munitionsfabrik. Zwei Tschechen wurden zum Tode verurteilt, weil sie eine Scheune voll Weizen in Brand gesteckt haben. Donnerstag, 22. Februar 1940 Es wurde ein deutsch-italienisches Abkommen getroffen, nach dem in diesem Jahr ebensoviel italienische Landarbeiter nach Deutschland kommen wie im Jahr 1939. In englisch-rumänischen Besprechungen über die Aufgaben des neuen rumänischen Petroleumkommissars und über die Petroleumlieferungen an Deutschland wurde eine befriedigende Basis für eine weitere Verbesserung der Handesbeziehungen zwischen England und Rumänien erreicht. Freitag, 23. Februar 1940 Vertreter der englischen Labour Party und der französischen Sozialistischen Partei hatten in Paris eine Zusammenkunft, auf der beschlossen wurde, künftighin noch enger zusammenzuarbeiten als seither, zunächst für die Erreichung des Sieges der alliierten Demokratien und später zur Schaffung machtvoller internationaler Einrichtungen zur Sicherung des Friedens und des Völkerrechts und zur Entwaffnung der Nationen., Ein Horst Wessel-Standbild wurde im Berliner Friedrichshain aus Anlass des zehnten Jahrestages der Ermordung aufgestellt. In den Zeitungen ist nicht mehr die Rede von„der feigen Mordtat kommunistischer Verbrecher", wie in früheren Jahren. Horst Wessel ist jetzt für sein Volk und sein Vaterland gefallen. In dem früheren Deutsch-Südwestafrika, das als Mandat unter der Verwaltung der Südafrikanischen Union steht, und das noch von vielen Deutschen bewohnt ist, wurden bei einer Wahl acht Kandidaten der englandfreundlichen Partei des General Smuts gewählt. Die nationalistische Partei bekam nur vier Abgeordnete. Fünfzig schwedische Gemeinden haben die Patenschaft über fünfzig entsprechend grosse Gemeinden in Finnland übernommen. Sonnabend, 24. Februar 1940 Eine belgische Schiffahrtsgesellschaft hat eine grössere Anzahl Schiffe der United States Lines gekauft. Von 10 000 ungarischen Freiwilligen für Finnland, die bereits eingetragen sind, haben sich die ersten 1 000 nach Finnland begeben. Die Exekutive der Sozialistischen Internationale trat in Brüssel zu einer Tagung zusammen. Sonntag, 25. Februar 1940 Die Aussenminister von Schweden, Norwegen und Dänemark hielten in Kopenhagen eine Konferenz ab. Sie stellten in einem Schlusskommunique ihre Ueberein- stimmung in bezug auf die Neutralitätspolitik ihrer Länder fest, und sie brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, dass der russisch-finnische Krieg möglichst bald unter Aufrechterhaltung der vollkommenen Unabhängigkeit Finnlands beendet werden möge. Zur Herbeiführung eines allgemeinen, gerechten und dauernden Friedens wollen die drei Länder gern jede Anstrengung auf sich nehmen. sich mit solchen Resolutionen an die demokratischen Völker wendet und die Kriegsverbrecher nicht einmal zu nennen wagt. Sinnlose IVontralllät Die schwedischen Frauenvereine haben einen Friedensappell an die Frauen aller Länder gerichtet; sie fordern in diesem Appell die Frauen und Frauenorganisationen der ganzen Welt zu einem einheitlichen Protest gegen den Krieg auf, wo - er auch immer auftrete und wie er jetzt in Finnland tobe. Die Frauen der ganzen Welt sollten eine gemeinsame Aktion unternehmen und ihr Aeusserstes aufbieten, um die bevorstehende Katastrophe zu verhindern, die die ganze Menschheit bedrohe. Das ist sicher gut gemeint, aber wenn ein solcher Aufruf einen Zweck haben soll, so muss er sich doch wohl gegen die Friedensbrecher richten. Wer die sind, das ist doch wohl nach dem Ueberfall auf |lie TschechoslovakeÄ, Polen, Finnland ganz klar. Friedensappelle sind genug ergangen, es käme darauf an, die Männer und Frauen Deutschlands und Russlands für den Frieden zu mobilisieren. Die aber müssen schweigen und erfahren den Aufruf nicht einmal. Man dient weder dem Frieden, noch der Zukunft, wenn man Organisierte Aushungerungs- polltlk In Polen Göring und Funk geben das System bekannt, nach dem die gründliche Aushunge. rung Polens betrieben wird. Keine Kartoffel, kein Maiskolben, kein Huhn und kein Ei entgeht dem Zugriff der deutschen Beutemacher. In jedem Verwaltungsbezirk der okkupierten Provinzen wurde ein Ernährungsamt eingesetzt, das dem polnischen Volk die Nahrung zu entziehen hat. Es hat die Anweisungen des zentralen Ernährungs- amtes in Berlin zu befolgen. Jeder polnische Bauer muss sein Getreide, seine Kartoffeln und seine Rüben melden, und er muss angeben, wieviel Rinder und Schweine und wieviel Geflügel er besitzt. Für alles gibt es säuberlich vorge- druckte Formulare und seine Angaben werden von besonderen Kommissaren an Ort und Stelle nachgeprüft. Der Bauer bekommt eine genaue schriftliche Anweisung, wieviel Lebensmittel, wieviel Butter, Milch und Eier er beim Ernährungsamt abzuliefern hat. Von den Ernährungsämtern aus erfolgt die Versendung der Lebensmittel nach Deutschland. Ohne ausdrückliche Erlaubnis des Ernäh- rungsamtes darf kein polnischer Bauer etwas direkt verkaufen. Für die Lebensmittel, die nach dieser Siebung noch auf den Markt kommen, haben die deutschen Soldaten und Zivilisten das Vorkaufsrecht. Erst wenn ihr Bedarf befriedigt ist, können die Polen einkaufen. Oft finden sie dann leere Marktstände und ausverkaufte Geschäfte vor, denn die deutschen Offiziere und die deutschen Soldaten kaufen Lebensmittel in grossen Mengen und schik- ken sie ihren Angehörigen ins Reich. sehen nennt. Kaum ein Goebbelsblatt, das nicht ganze Bilderseiten von diesen Wehrbauern bringt und kaum ein Bild, das nicht durch Gestapo-Himmlers holdes Antlitz einen besonderen Reiz erhält. Aber gerade diese Bilderseiten sind es, die den Naziredakteuren Kummer bereiten. Bei jeder Bildunterschrift, die etwas anderes besagt als„Himmler begrüsst___" muss es schief gehen. Gross, stark, gesund und zackig müssen die Photographierten sein, wenn sie sich an Polens Grenze als des Dritten Reiches Wehrbauern etablieren sollen. Aber sie haben als Volksdeutsche seit Generationen in Polen gelebt, und da müss- ten sie dem neuesten deutschen Weissbuch zufolge eigentlich totgeschlagen sein oder wenigstens halb verhungert. In diesem Dilemma erweist sich die Redaktion des„Völkischen Beobachters" als besonders findig. Sie bringt eine Bildunterschrift, aus der die ganze in vieljähriger Routine erworbene Biegsamkeit eines Naziredakteurs spricht:„Aerzlliche Aufnahmeuntersuchung, die einen unvorstellbar guten Allgemeinzustand unserer heimgekehrten Volksgenossen feststellen lässt. Die Jahre der Not, die Trecks durch Frost undi Schnee haben die abgearbeiteten Männer und Frauen nicht zu erschüttern vermocht." Aber nicht nur die pommerschen Bauernmägde sind so pflichtvergessen. In Al- lenstein in Ostpreussen hat ein junger Mann noch viel gewaltigere Sünden auf sich geladen. Erst war er zu einem polnischen Kriegsgefangenen freundlich, dann hat er Karten mit ihm gespielt, drittens gab er ihm Zigaretten und viertens und schlimmstens erzählte er ihm, was er im ausländischen Rundfunk gehört hat. Resultat: Vier Jahre Zuchthaus. XeUnnsrsstors'en über die Wehr bau ern Nach der Ernüchterung über die Deutschbalten, die sich in Polen zu einem grossen Teil als wenig anpassungsfähige und destruktiv wirkende Handelsmänner entpuppten, setzt man im Dritten Reich alle Hoffnung auf die neuen Wehrbauern, wie man die aus Wolhynien, Galizien und vom Narew nach Westpolen verhöckerten Deut- Das vlrlffoplasTtc llerrenvolk Immer wieder vergessen viele Deutsche, dass Hitler sie zu Herren eingesetzt hat und aus mangelndem nationalsozialistischem Selbstbewusstsein denken sie, es genüge einfach Mensch zu sein. Da schwenken sich in Pommern die Bauernmägde zur Tanzmusik. Die als Mittänzer zuständigen Heimkrieger sind noch nicht alle zum Fest erschienen. Ein paar polnische Kriegsgefangene, mit denen die Mädchen tagsüber auf den Gütern zusammenarbeiten, dürfen mittanzen. Schon ziehen sich am Himmel die ersten Wolken einer drohenden Rassenschande zusammen und es ist unausdenkbar, was sich zwischen dem Herrenvolk und seinen Knechten hätte ereignen können, wenn die deutschen Heimkrieger nicht schliesslich doch noch so rechtzeitig eingetroffen wären und alle Vorbereitungen getroffen hätten, dass die ihrer Herrenpflicht so wenig bewussten Mädchen gleich am Ausgang des Tanzsaales verhaftet und ihrer inzwischen erfolgten strengen Bestrafung zugeführt werden konnten. Ilclbstvorslüniniolung; «Inrch Kundrunk Am 13. Februar hat Goebbels in seinem Ministerium vor den„Reichs- und Stosstrupprednern" eine Ansprache gehalten, in der er(It. Essener„National- Zeitung" vom 14. 2.)„die Frage der Rund- funkverbrecher behandelte, die keineswegs eine mildere Beurteilung verdienten als der Soldat, der sich durch körperliche Selbstverstümmelung untauglich zum Kriege mache". Wer zur Wahrheit vordringt, verstümmelt sein vom Propagandaministerium zurechtgestutztes Gehirn derart, dass es für das Dritte Reich unbrauchbar wird- Ein Volk von Selbstverstümmlern I Vom Lolbe her „Die Erziehung„vom Leibe her"(durch Turnen und Sport) steht über allen anderen„Fächern". Im übrigen sind alle Bil- dungssloffe, die auf Grund überwundener Vorstellungen in die Volksschule eingedrungen sind, und die mit den Forderungen des Lebens nichts zu tun haben, aus den Lehrplänen ausgeschieden. Manches Neue, wie zum Beispiel Erblehre, wurde dafür aufgeonmmen..."* (Aus den neuen Richtlinien für die deutsche Volksschule). Deutsche Armutei. Das Reichsernäh- rungsminislerium teilt mit, dass zwischen dem 12. Februar und dem 10. März auf bestimmte Abschnitte der Nährmittelkarte „nach Wahl anstelle von je 125 g Kaffe-Er- satz- oder-zusatzmitteln je 10 g Tee bezogen werden können." Jedoch verfüge nicht jeder„Beteiler" über Teevorräte, ein Anspruch auf die Lieferung des Tees bestehe also nicht. OeiTentliclikeit aus�escblossen Das Reich Hitlers beireibt im Kriege eine verschärfte geistige Selbstblockade. So hat z. B. der Reichswirtschaftsminister am 15. Januar befohlen, dass der Deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag, die Handwerkskammern und Reichsinnungsverbände keine Jahresberichte mehr veröffentlichen dürfen und dass diese, wenn schon vorbereitet, nicht gedruckt werden dürfen. Diese Jahresberichte unterliegen natürlich, wie in Hitlers Reich alle für die Oeffentlichkeit bestimmten Aeusserun- gen, einer strengen Zensur. Ueberdies werden die Zwangsorganisationen des Handwerks von waschechten Nazis„geführt". Es kann aber trotzdem vorkommen, dass Angaben durchschlüpfen, die dem feindlichen Ausland Propagandamaterial liefern, z. B. über die Störung oder gar Schliessung von Betrieben wegen Entzugs von Rohstoffen und Aehnliches. Es zeugt für die Wirksamkeit der Blockade, dass man selbst so wenig ergiebige Quellen der Information verstopft, um vor der Welt die Folgen der Blockade zu kaschieren. Im Reichsgesetzblatt Nr. 16 vom 20. Januar ist ein Befehl des Ministerrats für die Reichsverteidigung veröffentlicht, die den Reichsjustizminister ermäphtigt, die Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien und G.m.b.Hs. von der Einhaltung handelsrecihtlichdr Vorschriften über die Bekanntmachung des Jahres- Der£>taiid der Reieli�f mannen Der Reichsbankpräsident weiss nicht weiter Der Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Funk hat eine Rede gehalten, die in Deutschland nicht veröffentlicht worden ist, deren Inhalt aber dennoch im Ausland bekanntgeworden ist. Er hat die Finanzlage des Nazrireiches in den schwärzesten Farben gemalt. Nach ihm ist die Grenze der Enteignungen sowohl durch Steuern wie durch Zwangsanleihen nahezu erreicht, und die Mittel sind nahezu erschöpft, mit denen die Geldscheine, die der Staat in Verkehr bringt, in die Staatskasse zurückgeieitet werden können, um zu verhindern, dass die unaufhaltsame Schraube der inflaforischen Preissteigerung in Bewegung gesetzt wird. In der Tat ist die Belastung des Volkes durch Steuern, von den getarnten Steuern ;der„freiwilligen" Spenden, Beiträge usw. abgesehen, heute schon ungeheuer. Der Ministerialrat Kurt Lange vom Reichswirt- schaflsministerium schätzte jüngst den Steuerertrag des laufenden Finanzjahres auf nicht weniger als 24 Milliarden. In dem Finanzjahr, das dem Kriege vorausging, hatte er bereits 17 Milliarden betragen. Diese Summe ist grösser als das gesamte Einkommen der Arbeiter von 1938, das nach amtlicher Schätzung 23,8 Milliarden betragen hatte. Sie ist grösser als die gesamte Staatseinnahme, also nicht die gegenübersteht. Sie können später, wenn 1 monaten erfahren, als es sich gezwungen die Sparer in den Genuss ihrer�Erspar- 1 sah, die Abschaffung der Zuschläge für Mehrarbeit, die Urlaubssperre usw. rück- nisse treten wollen, nicht aus Erträgen1 vormals damit geschaffener Anlagen zurückgezahlt werden, sondern sie müssen ebenso wie die Zinsen, die bis dahin darauf zu zahlen sind, aus Steuererträgen beglichen werden... Was ökonomisch als reiner Kostenaufwand gangig zu machen, weil man fürchtete, dass unter der Verärgerung darüber die Arbeitsleistung leiden würde. Es scheint deshalb, dass man vorläufig davon absehen will, das„Kriegssparen" erscheint, kann im Sinne einer politi- mit Zwang durchzusetzen. Die DAF abschlusses und die Bekanntmachung voni�pm»� allein, des wilhelminischen Eintragungen in das Handelsregister zu Deutschland im dritten Kriegsjahr 1916, befreien,„wenn dies aus Gründen der(jie sich allf„nur" 22,8 Milliarden belauöffentlichen Ordnung geboten ist". Die fen hatte. Wie werden die Kriegsausgaben; Jahresabschlüsse, die die Oeffentlichkeit sehen durfte, waren schon immer mehr zur Verhüllung als zur Enthüllung bestimmt. Geheimnisse über die Wirtschaft des Dritten Reiches sind ihnen also unter Hitler erst recht nicht zu entnehmen. Worauf es bei der Unterdrückung dieser bisher gesetzlich vorgeschriebenen Publikationen ankommen dürfte, sind gewisse Angaben, die zugleich mit den Jahresabschlüssen veröffentlicht zu werden pflegen und ins Handelsregister eingetragen werden müssen. Es sind die Veränderungen der Zusammensetzung der Vorstände undj Aufsichtsräte. Da ist es nun kein Geheimnis, dass die dereinst von den Nazis bekämpfte Häufung von Aufsichtsratsposten heute von den Nazibonzen in eigener Regie betrieben wird und dass sie sich auf diese Weise riesige Nebeneinnahmen verschaffen, ohne die geringste Arbeit dafür zu leisten. Wenn das deutsche Volk allzu intim mit diesen Methoden vertraut würde, die Staatsgewalt, und ausgerechnet im Kriegszeiten, zur persönlichen Bereicherung auszunutzen, könnte allerdings„die öffentliche Ordnung gestört" werden. Um die Naziklique vor der Volkswut zu schützen, lohnt es sich schon, gesetzliche Bestimmungen ausser Kraft zu setzen, die es erlauben, den Beutezügen der Nazibon feen auf die Spur zu kommen. ttcutsehe Bekleldunffsohomie Holz ist in den letzten Monaten zu einer Art Edelmaterial der deutschen Textilindustrie geworden. Trotz gewaltiger Abholzun- gen in den böhmischen und polnischen Wäldern reicht das Holz längst nicht mehr aus, um die Blosse der deutschen Arier zu bedecken. Juden haben ohnedies keinen Anspruch mehr auf Kleider. Wer seinen arischen Stammbaum nachgewiesen hat und eine Kleiderkarte mit ihren hundert Punkten in Wäsche und Kleider umsetzen kann hekommt einen Holzanzug oder einen Holzstoffmantel nur, wenn er einen Luxuspreis dafür ausgeben kann. Die Kleider der weniger Reichen rauschten in einer früheren Form ihrer Existenz zwar nicht in deutschen Wäldern, aber immerhin als Schilf an den Ufern deutscher Flüsse und Seen, was zwar kaum weniger poetisch, möglicherweise aber beträchtlich kühler ist. Gänzlich poesielos ist dagegen die Kleiderversorgung der noch weniger Kaufkräftigen— Kartoffelkraut, ehedem in freventlicher Verschwendung als Brennmaterial zur Würzung der herbstlichen Winde vergeudet, dient nun zur Bekleidung der deutschen Arbeiter und ihrer Kinder. Es macht sich den Rang streitig mit dem Stroh, das in Deutschland ebenfalls in Kleiderund Wäschestoffe, in Strümpfe und Trikotagen verwandelt wird. Aber weder Holz noch Schilf, weder Kar. toffelkraut noch Stroh liefern genujg Roh- umterial für die deutsche Textilindustrie, und fröhlich verkünden die deutschen Zeitun- Ren, dass man neuen Rohstoffen auf der Spur ist. Schon sind die ersten Versuche gemacht mit der Herstellung von Spinnstoffen aus— Kohle und aus Kalk. Sie sind noch nich ganz befriedigend ausgefallen und ■hl den Kohlenhemden und an den Kalk- nosen muss noch eine Weile herumexperi- erst anschwellen, wenn der Krieg mit vol ler Wucht einsetzt und mit dem Material- verschleiss auch seine Kosten ins Gigantische wachsen!, Zum Unterschied von diesem Kriege sind im vorigen Kriegssteuern nach zwei Jahren eingeführt worden, als das Defizit im Staatshaushalt auf 500 Millionen gestiegen war. Erst dann wurde auf Drängen des Reichstages die Kriegsgewinnsfeuer und eine Reihe von Verbrauchssteuern eingeführt. Das Naziregime hat seine Kriegssteuern schon in den ersten Tagen des Krieges dekretiert. Es wurden eine Mehreinkommensteuer und ein Zuschlag von 50% auf die Lohn- und Einkommensteuer verfügt, die Tantiemesteuer auf das Doppelte erhöht und Zuschläge auf Verbrauchssteuern erhoben. Selbstverständlich reichen die Steuereinnahmen nicht im entferntesten aus, um die Kriegskosten zu bestreiten. Wie im Weltkrieg wird auch diesmal der überwiegende Teil der Kriegsausgaben durch innere Schulden bezahlt. In den ersten Kriegsmonafen bereits hatte die schwebende Schuld des Reiches um 2 Milliarden monatlich zugenommen. Die „Frankfurter Zeitung" vertröstet die inneren Zwangsgläubiger des Reichs auf den Sieg: „Werden Ersparnisse dem Verbrauch zugeführt, was der Fall ist, wenn Kriegskosten damit bezahlt werden, so geschieht nicht das, was normaler Weise mit volkswirtschaftlichen Ersparnissen geschieht, sie werden nicht produktionswirtschaftlich investiert, d.h. nicht reproduktiven Zwecken wie Industrie-, Verkehrs- oder Versorgungsanlagen zugeführt. Es entstehen also Sparerforderungen oder Staatsschulden, denen kein ökonomisches Leistungsplus sehen Betrachtung in höchstem Grade reproduktiv sein, kann„sich bezahlt machen". Und das ist es ja, worauf jeder mit ganzem Herzen vertraut, dass der Sieg der Waffen dies bewirke." („Frankfurter Zeitung", 14. Januar 1940.) Also; die Alliierten sollen bezahlen! Aber wenn der Sieg der Waffen nicht bewirkt wird, so wird die„abgeschöpfte Kaufkraft" endgültig dahin sein und das deutsche Volk sieben und womöglich noch mehr magere Jahre durchgehalten haben, um die Naziklique- an der Macht zu halten. Funk scheint schon jetzt die finanziellen Reserven für nahezu erschöpft zu halten. Er scheint anzunehmen, dass weder mit neuen Steuererhöhungen noch neuen Zwangsanleihen die finanziellen Schwierigkeiten behoben werden können, sondern damit um so grössere heraufbeschworen werden müssen. Man kann den Unternehmern die Gewinne nicht fortsteuern, die sie für Kriegsinvestitionen brauchen, ohne dass die Kosten der totalen Umstellung auf die Waffenproduktion sich verteuern. Schon jetzt müssen zahlreiche Grossunterneh- munge-n den sonst für den Staat monopolisierten Kapitalmarkt zur Durchführung des Autarkieplanes und zur Vergrösserung der kriegswichtigen Produktion in Anspruch nehmen, um ihre Investitionen zu finanzieren. So hat der Gutehoffnungshütte-Konzern eine Anleihe von 20 Millionen Rmk. gegeben, die Ruhrbenzin A. G. ihr Stammkapital um 6 und die Poldi- hütte in Prag um 75 Millionen Kc. erhöht. Funk hat eine intensive Propaganda für das Kriegssparen mit einer Rede eingelei tet, worin er sagte, dass die Einkommensteile, die zur Bestreitung der Lebenshaltungskosten nicht benötigt werden, auf das Bank- oder Sparkonto gehören, und„eine besondere Art des Kriegsparens" ankündigte. Dr. Heintze, der Präsident des deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, hat später erläutert, wie man sich die besondere Art des Kriegsparens denkt. Es ist dabei hauptsächlich auf das Kleinsparen ab- qesehen, dessen Masse es bringen soll: Schulsparen, Hitlerjugendsparen, Heimsparbüchsen, und vor allem die„ungewöhnlich ergiebige Reserve des Gefolffschafts- sparens". Es handelt sich also um ein Zwangsparen und demnach um eine getarnte Steuer. An sich würde man sich diesbs Mittels, zusätzliche Kaufkrjaft bei der Masse der Bezieher kleiner Einkommen einzuziehen, schon deshalb gern bedienen, weil so der private Verbrcgich-zusätzlich gedrosselt, die Kriegsvorräte gestreckt Und die totale Umstellung der Produktion auf den Krieg erleichtert wird. Aber die Rationierung hat die Lebenshaltung bereits so kräftig herabgedrückt, dass es ratsam erscheint, Mass zu halten, wenn man sie auch noch von der Geld- scite her verschlechtern will. Das hat das Naziregime bereits in den ersten Kriegs- hat eine Untersuchung über die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter im Kriege angestellt. Darnach hat eine vierköpfige Arbeiterfamilie das Wocheneinkommen von 42,02 Reichsmark, das als Durchschnitt angenommen wird, in den Monaten November und Dezember wie folgt ausgegeben; Für die Lebensmittelration 16,44, für sonstige Lebensmittel wie Gemüse, Obst usw. 1,05, für Genussmittel wie Alkohol, Tabak usw. 1,67, Bekleidung einschliesslich Nähmittel 3,54, Seife 0,32, Miete, Hejjzung, Steuern, Versicherungen, Zeitungen, Radio, Reparaturen usw. 14,05 Reichsmark. Es bleibt dann ein frei verfügbarer Rest von wöchentlich 4,84 Reichsmark. Die Statistiker der DAF müssten grosse Mühe aufwenden, um diesen„freiverfügbaren Rest" herauszurechnen. Sie haben offenbar voraussetzen müssen, dass der angenommene Idealtypus der Arbeiterfrau von den rationierten Lebensmitteln nur die billigsten verwendet und für die nichtrationierten nur 3 1/2 Pfennig pro Person täglich ausgibt. Auch die Ausgaben, die sich nicht auf die Ernährung beziehen, sind viel zu niedrig angesetzt. Allein Wohnungsmiete und Steuer würden einem Betrag von mindestens 10-12 Reichsmark wöchentlich ergeben, wobei die getarnten Steuern der Spenden, Sammlungen usw. nicht in Ansatz gebracht sind. Aber selbst wenn man die Berechnung der DAF als richtig annimmt, würde der gesamte „freie Ueberschuss" verschwinden, wenn das Kriegssparen sich lohnen soll. Es war aber nicht nur das Zwangsparen, sondern auch die Herabsetzung der Freigrenze für den Kriegszuschlag zur Lohnsteuer geplant. Man hat die Pläne offenbar vorläufig fallen lassen, weil man nicht riskieren will, dass sich die Erfahrungen wiederholen, die man mit den Kriegslöhnen gemacht hat. Damit soll aber keineswegs gesagt sein, dass eine Ueberinflation damit unvermeidlich geworden und alle anderen Methoden der Kriegsfinanzierunig erschöpft sind. Die Leidens- und Enfbehrungsre- serve des deutschen Volkes ist noch nicht ganz verbraucht, und es ist kein Zweifel, dass Göring auch vor den radikalsten Massnahmen nicht zurückschrecken wird, um diesen Krieg durchzuführen, in dem die Existenz der Naziklique auf dem Spiel steht. Es war bereits davon die Rede, dass er, um die Geldinflation zu verhindern und den privaten Verbrauch oufs äusserste zu beschränken, das Geld soweit es geht abschaffen und durch Gutscheine ersetzen, die Kasernierung der Bevölkerung und im besonderen der Arbeiter, die bereits im Gange ist, vervollständigen will. Er hatl diese Pläne vorläufig zurückgestellt, aber man kann sich darauf verlassen, dass aufgeschoben nicht aufgehoben zu sein braucht. G. A. F. nen mit anderer Geschmacksrichtung aus|„Neue Wiener Tagblatl" der Ankündigung Kalk mit Schilf. Jedenfalls bieten sich so dieser Kurse hinzu, unter Mittelspeisen viele Varianten, dass jeder gute Deutsche| verstehe man Gerichte, die als Hauptspei- in Zukunft auch seine extravagantesten Mi- sen gelten und die Zeitung nennt, nicht er» Vi m n rrehorl i'irf rt i ccn i n ooinör»-- 1— 1----- schungsbedürfnisse in seiner Kleidung be friedigen kann. Synthetische Textilien nennt man die Produkte der deutschen Bekleidungschemie, und es ist selbstverständlich, dass so wissenschaftliche Gebilde nicht mit ganz gewöhnlicher Seife in Berührung kommen dürfen, die etwa gar, wie in unwissenschaftlichen Zeiten vor Hitler aus tierischen Fetten hergestellt wurde. Inzwischen ist der deutsche Erfindergeist ordentlich national ausgerichtet worden, und zur Reinigung der synthetischen Textilien ist ihm eine synthetische Seife entsprossen, die bei der Herstellung von künstlichenTreibstoffen als Nebenprodukt abfällt. Natürlich ist sie unendlich viel besser als alle früheren Seifen und überdies ist zu ihrer Herstellung nur ein Viertel bis ein Drittel der früheren Menge an Fettsäure nötig. Vom Kipfel zur Itefeslulle ohne gelinde Sabotageabsrcht, aus der Re� zeptreihe des„Deutschen Frauenwerks": Gemüsegulasch, Gemüsenudeln,„Grenadiermarsch" und Kohlschnitzel, und als Brotaufstriche werden besonders hervorgehoben: Kartoffeln, Bohnen, Linsen und vor allem vorher erwärmte Hefe. KrlogKbraut un«! Xonviinarsholfer Die Führung der SS macht sich Sorgen, dass ihre tapferen Mannen an der inneren oder äusseren Front während dieses Krieges fallen könnten, ohne genügend Söhne für den nächsten Krieg zu hinterlassen. Rudolf Hess sichert den schwangeren Bräuten die Anerkennung einer summarischen „Kriegsvaterschaft" zu, ohne sich weiter über das Mass der materiellen Beihilfe auszulassen, die dieser Kriegsvater zu übernehmen gedenkt, und das„Schwarze Korps" widmet der beschleunigten Kinderzeugung durch Frontsoldaten eine ganze Serie von Artikeln und Zuschriften, allerdings mit noch geringeren Zusicherungen, dafür aber mit der Tendenz, dass »»... In Wien, der klassischen Stadt liebevoll zubereiteter Speisen, der Backhendel, Nockerln, Strudel, Marillenknödel und �--——-- WA.«XAAt. V(V>X Vi Dalken, hält jetzt das„Deutsche Frauen-1 jeder junge, gläubige SS-Mann, der keine werk" Eintagskochkurse ab, um den schwangere Braut im Hinterlande hat, Wienerinnen beizubringen, wie man vor- sich sozusagen als Verräter am deutschen -»acu in uns hoch eine»tcih""'7' nlir| teilhafte Erdäpfelspeisen, fleischlose Mit- Blute fühlen muss. fnentiert werden. Man stellt v®�ers jeiSpeisen und nahrhafte Brotaufstriche Bei der Suche nach möglichen Vätern»auunem Mischgewebe aus diesem Material']ejSem Schauder fügt das für künftige Soldaten kapriziert man sich schuld von sich abzuwaschen. «Us Kohle und Kartoffel, oder für Perso-i im Dritten Reich aber keineswegs auf Frontsoldaten. Es wird die gründliche Durchforschung der Geheimnisse aller kinderlosen Ehen gefordert. Zu diesem Zweck soll jeder Ehebc-ratungsstelle eine „Sterilitätssprechstunde" angegliedert werden, die diesen Dingen auf den Grund geht. Hilft weder Zureden, noch ärztliche Behandlung des Mannes, noch Operation der Frau, dann wird in den Fällen, wo männliche Zeugungsunfähigkeit Ursache des Versagens ist, die künstliche Befruchtung der Frau gefordert und das„Schwarze Korps" macht den von jeder Problematik unbeschwerten Vorschlag,„als Zeugungs- helfer die männliche Verwandtschaft des Ehegatten(den Bruder) in den Blutsfrom einzuschalten". Kleine Geschenke... Ley hat dem König von Rumänien eine naturgetreue elektrisch betriebene Modelleisenbahn, die vordem auf einer Ausstellung von„Freude und Arbeit" zu sehen war, geschenkt und im Königsschloss in Bukarest betriebsfertig aufstellen lassen. Die Mordlüge. Die deutsche Regierung veröffentlicht ein Weissbuch, in dem zwar nicht nachgewiesen, aber kühn behauptet wird, die Polen hätten 58 000 Volksdeutsche ermordet. Es erhebt sich die Frage, wie gross die Zahl der von den' Deut- I_ den' Deutschen ermordeten Polen ist, wenn die deutsche Regierung 58 000 Leichen zusammenlügen muss, um die schwere Blut- WeUlanf der Pinsel Totentanz In Polen Im tausendjährigen Reich muss sich die Kunst sputen, sonst wird sie von der Entwicklung Lügen gestraft; sie muss Aktuali- tätenschau werden. Stolz verkündet die Nazipresse, wie sich die Maler abgejagt haben, um die blutigen Vorgänge im Osten auf die Leinewand zu bannen. In Krakau werde eine Ausstellung eröffnet, in der ein Maler namens Kyffhäuser laut„National-Zeitung (5. 2.) das„Erlebnis der Ueberführung der Deutschen aus Wolhynien und Galizien in einer Reihe von Studien und Skizzen festgehalten hat..." Die Toten und Kranken fehlen. Dafür jedoch schonte sich auch der Künstler nicht: die Bilder entstanden„in Deutsch-Przemysl nicht selten bei mehr als 30 Grad Kälte", was auf dem Gebiet der Malerei zweifellos einen beachtlichen Rekord darstellt. Was ist daneben die Kunst eines Rubens oder eines Tizian, die in teils gemässigtem, teils warmem Klima entstand? Noch heroischer geht es in der Berliner Ausstellung zu, in der die Gemälde vom Polenfeldzug zu sehen sind. Man liest in der „Berliner Morgenpost" von Malern,„die mit ihrem Pinsel draussen eingesetzt wurden". Da sieht man„den Polenkämpfer, über stürzende Mauerreste vorwärts dringend", und unweit des Helden die junge, „Volksdeutsche Frau, auf dem feinen, reinrassigen Gesicht mit den verhangenen blauen Augen liegen die Spuren ausgestandener Schrecknisse"... Die slawische Mischung muss man sich hinzu denken. Zwischen den beiden aber ist längs der Wände die Hölle los: „Zwischen rauchenden Trümmern, ausgebrannten Gasometern, gesprengten Befestigungswerken geht unaufhaltsam der graue Heerbann vorwärts... Brände lohen auf, zerschossene uralte Wälder wirken wie mystische vorzeitliche Gebilde. Tote Pferde bezeichnen mit ihren aufgedunsenen Leibern die Rückzugsstrasse einer grossen geschlagenen Ar- mefe..." Denn Hitler nannte sich nicht umsonst den Friedenskanzler. Man vermisst in der Ausstellung allerdings die verjudeten neuen Bundesgenossen, die vom Osten her der polnischen Armee in den Rücken fallen. Aber das kommt wohl noch.„Totentanz in Polen" nennt sich die eine Blattfolge; sie wird mit ihren Geschwistern einmal in den Museen eines freien Deutschland als Dokument hitlerdeutscher Schande hängen. Die Ausstellung„eröffnete Reichsleiter Rosenberg". Hei lewet noch! Warum fehlt noch immer eine Bilderserie, mit der die Austreibung der Deutschen aus dem Baltikum dargestellt wird? Es müsste ja nicht gerade Rosenberg sein, der die einleitenden Worte spricht. Die Keim Stil in nie Wiclnkincl— ein«f ndenslilnimlins:? Ha«!« und JHenschliclikeit Der Roman„Erziehung zum Menschen" (Verlag Oprecht, Zürich) will nicht nur ein mahnendes Zeitbild sein, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der nazistischen Hasslehre. Sein Schauplatz ist ein Schweizer Landerziehungsheim, und der Autor, Werner Johannes Guggenheim, verwendet viel Dialog, um die Gegensätze aufeinander platzen zu lassen. Zwei Schüler stehen einander in Feindschaft gegenüber: ein jüdischer und ein nationalsozialistischer, reichsdeutscher. Zwischen ihnen der Leiter der Schule, eine Wyne- ken-Gestalt. Er lehrt dem leidenden jüdischen Jüngling, dass es für ihn nur eine innere Erlösung gibt; über das persönliche Schicksal hinauszuwachsen. Und er sucht dem anderen, dem verkrampften jungen Hitlcrdeutschen, die ewigen Wahrheiten nahe zu bringen: Was die Menschen verbindet, was sie gemeinsam haben, ist grösser und wichtiger als alles, was sie trepnen könnte. Sein eigntes Volk über alles zu lieben, ist nicht genug Menschenliebe. Der Nazijüngling sucht sich mit der grossen Phrase zu helfen:„Es geht um etwas, das geschehen muss, damit das andere, von dem sie sprechen, wieder sein kann". Der Erzieher lässt ihm kein Entweichen:„Aus Missachtung und Vernichtung jener Werte, die wir für die höchsten halten, können nie noch höhere und grössere Werte erwachsen..." Der Autor macht es sich nicht leicht; er hält sich nicht bei den Methoden und Greueln der neuen Barbarei auf, er sucht mitten ins Schwarze ihrer Dschungelseele zu greifen. Dabei geraten die Dialoge manchmal etwas breit,(akjademisch-lehr- haft und bei den beiden Schülern höher als ihren achtzehn Jahren gegeben ist. Und doch packt die Entwicklung der Konflikte— mindestens bis zum Ablauf. Das Packende entspringt nicht nur der beklemmenden Gegenwart, nicht nur dem düsteren Gegenspieler, der im Hinter- Im germanischen Schattenreich Niflheim, neben dem Brunnen Hvergelmir, sitzt der Drache Nidhogg und benagt hämisch die Wurzeln der Weltesche Yggdrasil. Oh düsteres Symbol nordischer Götterlehre, haben deine Dichter die braune Rassenforschung vorausgeahnt? Wir sind dem Tohuwabohu, das die SS-Zeitung mit der Revision des braunen Rassismus anrichtet, noch nicht hinreichend gerecht geworden. Es bleibt ein Rest, peinlich zu tragen, nämlich die Frage: Sind die völlig entarteten britischen Germanen nicht doch vielleicht in irgendeiner Weise jüdischer Herkunft? Das„Schwarze Korps" wird die Angst nicht los, auch diese Theorie könnte eines Tages von Streicher oder einem anderen Besinnungslosen ausposaunt werden, um die Engländer völlig zu erschlagen und die Germanen endgültig zu entlasten. Sind in England nicht einige Forscher noch in neuerer Zeit daran gegangen, das von Rassebelletristen entdeckte„geistige Judentum" der Engländer wissenschaftlich zu erklären, und zwar mit den zehn verschollenen Stämmen Israels? Stand das nicht sogar in der„Times" vom 1. Oktober 1937? Mit Beklemmung zitiert die SS-Zeitung aus diesem„Times"-Artikel: „Die zehn verschollenen Stämme Israels nannten sich(siehe Arnos 7,9 und 7,16) auch„Haus Isaaks" oder in ihrer Sprache„Beth Sak"(die vom Hause Sak-Isaak). Die Römer machten daraus Sacae, die Deutschen Sachsen und die Engländer Saxons. Und somit ist bewiesen, dass die Sachsen, Angeln, Jüten und Dänen, die um das Jahr 450 n. Zw. nach England kamen, nichts anderes waren als die Nachfahren der nach Assyrien verschleppten Israeliten, das auserwählte Volk Gottes!" Das„Schwarze Korps" lehnt diese Theorie mit lodernder Entrüstung ab. Denn gehörten die Sachsen, Angeln, Jüten, Dänen zu den zehn verschollenen Stämmen Israels, sind Widukind und seine Tapferen nichts als ganz gemeine Semiten, ist Germanien NN eine alte jüdische Domäne— was bleibt denn dann von unseren germanischen Ahnen noch übrig? Nur die jüdische Urgrossmutter... Hier musste etwas geschehen. Hier musste die SS ein kategorisches Veto sprechen, um Schlimmeres zu verhüten. Halt!— donnert darum das „Schwarze Korps", weiter gehen verboten: „Es ist nun einmal geschichtlich erwiesen, dass die Engländer im wesentlichen germanisch und mit der keltischen Urbevölkerung so gut wie restlos nordischen Ursprungs sind. Ihre Insellage bewahret sie in viel stärkerem Masse als jedes kontinentale Volk vor fremden Einströmungen..." Das ist auch uns lieber, denn wir hatten die Sachsen schon einmal für gewisse Notfälle als neuen Weltschuldigen, als Juda- Ersatz vorgeschlagen. Sind aber die alten Sachsen jüdischer Herkunft, dann nicht minder die heutigen sächsischen Namensvettern. Damit zerfiele unsere Theorie von der arteigenen sächsischen Tücke und den ! slawisch überlagerten, hinterlistigen Welt- herrschaftsplänen der Weisen von Kötzschenbroda restlos zu Zunder. Dann müsste man sich nach einem anderen Juda-Ersatz umtun, von anderen Scherbenhaufen gar ! nicht zu reden. So weh es auch tut, es ist immer noch besser, jene zehn Stämme verschollen sein zu lassen und den englischen Weltfeind als peinlich entartete, be- | denkliche Variante dem unglücklichen Germanentum anzulasten, als ganz Deutschland samt Skandinavien dem Streicher- schen„Stürmer" zum Frasse hinzuwerfen, welche Katastrophe der„Times" so pas- ! sen könnte! Wer aber hilft uns Deutschen aus dem i rassischen Tohuwabohu wieder heraus? Der Mitbürger jüdischer Herkunft weiss wenigstens ungefähr, woher er kommt, wer jedoch wagt noch, Näheres über uns ger- 1 manische Bastarde resp. über unsere Vorfahren auszusagen?, Je länger die braune Rassenforschung unsere Vergangenheit aufhellt, um so dunkler wird es um unsere Ahnen. B. G. gründe lauert, sondern vor allem dem dramatischen Aufbau der Szenen. Der Roman ist aus einem Drama entstanden. Das wird ihm gegen den Schluss hin zum Nachteil. Das Menschliche siegt in drama- tisch-rühender Handlung. Dies happy end müsste kein Fehler sein, aber es verlangt, um auf der Höhe des Anlaufs zu bleiben, eine besonders feine Hand. Was episch verdämmern müsste, wird vom Autor zu dick, zu überdeutlich aufgetragen. Es fehlt Luft um diesen Anprall der Geschehnisse, es fehlt da epische Distanz und künstlerische Aufteilung. Der Dialog wird zum Uebel. Schade, denn bis zu seinem Höhepunkt ist das Buch ein fesselndes, lebendiges Zeitbild. Die Jünglinge sind„gesehen", im ganzen Wesen des Hitlerjünglings wird das Epidemische der Infektion greifbar, die Schule lebt und das ganze Buch ist geboren aus tiefer humanistischer Gesinnung. rg. bei der Kohlennot besonders schwer. Sie friert. Mehrere Berliner Theater mussten! wegen Mangel an Heizung schliessen. Der Berichterstatter erzählt darüber hinweg: „Es kommt sehr häufig vor, dass Karten gekauft werden, die dann erst am kommenden Freitag abgeholt werden sollen", meint die Verkäuferin. Also Stichwort: Lohntag. Man will sich rechtzeitig einen vergnügten Sonnabend im Theater sichern, deshalb wird schon am Montag oder Dienstag bestellt." Denn was soll der Hitlerdeutsche mit seinem Lohn anfangen, wpnn ihm das Wa- renkaufen verboten wird? Für die Inflation sparen? Neu ausgerichtet flüchtet er zur seichtesten Sensation. nilscbbrot und«ptelc Ein Berichterstatter des„Angriff" wollte gern etwas über die Volksstimmung erfahren. Er befragt eine Kartenverkäuferin: „Am meisten gefragt ist die leichte Muse", erzählt die eifrige Kartenverkäuferin.„Musik, Tanz, schöne Frauen, etwas zum Lachen— das wollen die Leute heute sehen! Und dann Sport! Nie habe es soviel Nachfrage nach Radrennen, Boxkämpfen und Eisveranstaltungen gegeben.. Doch die leicht bekleidete Muse hat es In �voni�en Xeilon Für seine Verdienste im verflossenen un ermüdlichen Kampfe gegen den Bolschewis mus wird Baldur von Schirach vom kommunistischen Jugendverband(Moskau) eine Sammlung deutscher und russischer Bücher als Geschenk erhalten.„Im Zeichen der Freundschaft der Jugend der beiden befreundeten Länder", wie es in russischen Blättern heisst. V Ende Dezember wurde in München eine Ausstellung„Raubstaat England" eröffnet. Die Nazipresse berichtet laufend über den Andrang. Die Jugend wird in geschlossenen Trupps hingeführt. Wann kommt in den Demokratien eine Ausstellung„Kreuzzug wider die Barbarei"? Aerxtllclie Konsultation Es ist den deutschen Aerzten verboten worden, ihren Patienten Unterernährung zu altestieren. Stärkungsmittel sollen nur in den dringendsten Fällen verschrieben werden. „Und dann, Herr Doktor, werden beim Laufen die Deine so schwer, und der Kopf tut so weh, und wenn ich, um uns Margarine zu kaufen, nur zwei bis drei Stündchen im Milchgeschäft steh, so muss ich den Best meines Tages verschnaufen." „Ich sagte schon— ich kann nichts entdecken. Das Herz ist intakt und die Lunge gesund. TVo könnte sich nur Ihre Krankheit verstecken? Zufrieden mit Blutdruck und Böntgenbefund— Wie ist es, vielleicht will das Essen nicht schmecken? Die appetitanregenden Pillen..." „Nur das nicht, Herr Doktor, das fehlte mir noch. Ich stopf mich ja gegen den eigenen Willen mit viel zu viel Bäben und Weisskraut und doch— ich kann und ich kann meinen Hunger nicht stillen." „Der Zehnte heut mit dem gleichen Gebrechen. Moment mal— die Türe ist hoffentlich zu. Ich sag Ihnen etwas. Doch nicht drüber sprechen, Sie machen mich unglücklich, halten Sie Buhl (Neigt sich zum Ohr des Patienten) Die deutsche Ernährung hat mancherlei Schwächen." „Und gibls kein Mittel?"—(flüsternd)„besseres Essen!" „Wenn man es bekäme, spräch manches dafür." „Es wäre zum Beispiel nicht unangemessen, wenn endlich in Deutschland... Man klopft an die Tür. „Heil Hitler I"—„Heil Hitler"—„Und, jef nicht vergessen!" Aus Braiinau Die nationalsozialistische Presse richtet einen heftigen Angriff gegen den leitenden Beamten des Arbeitsamtes in Braunau am Inn: „Ein Mann mit dem Namen Wysogor- ski erlässt von dorther ein Rundschreiben, das den Verdacht erregt, der Verfasser habe das letzte halbe Jahr in seligem Schlafe verbracht. Dabei stammt es immerhin aus dem Dezember 1939. Herr Wysogorski predigt: Wenn von den polnischen Gesindekräften eine hundertprozentige Leistung verlangt wird, ist es auch natürlich, dass der Mann, der sich für die Arbeit freiwillig gemeldet hat, genau so bezahlt, verpflegt und behandelt wird, als eine einheimische Kraft. Es ist auch selbstverständlich, dass die Polen anständig und menschenwürdig untergebracht werden und nicht in einem Stall oder sonstwie unbewohnbaren Raum zu leben verurteilt werden..." Die Zeitungen nehmen besonders den polnischen Namen übel und behaupten, Herrn Wysogorski seien„während des langen Schlafes offenbar die Ahnen erschienen". In der Tat hat Braunau am Inn eine etwas gemischtrassige Bevölkerung. Aber in diesem besonderen Falle ist es denkbar, dass einem bisher treu nationalsozialistischen Beamten plötzlich die Augen aufgegangen sind und dass er vor der Bestialität erschrickt, der er selbst die Wege mit geebnet hat. Das versetzt die braune Presse in einen Tobsuchtsanfall. Hier, so heisst es, höre die Romantik und höre der Spass auf. Einheimische Arbeitskräfte seien Volksgenossen, und für die Polen sei ein Stall als Wohnraum noch viel zu gut. Herr Wysogorski wird abtreten müssen. Aber wenn das deutsche Volk eines Tages mit den Massen gemessen wird, mit denen es heut die anderen misst, wird einem gewesenen nationalsozialistischen Funktionär auch das späte Abschwören nicht mehr helfen. Sie nennen's Streit fürs Vaterland, In welchen sie dich treiben. Oh Volk, wie lange wirst du blind Beim Spiel der Gauner bleiben? Sie selber sind das Vaterland und wollen kleben bleiben. Gottfr. Aug. Bürger. BEZ U GSBEDIN G UN GEN Der NEUE VORWAERTS kostet Imp. Union, 13, rue Möchain, Paris. Le Girant: Albert MARION.