JOURNAL ANTIHITLERIEN Journal social- démocrate destiné Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt NOUVEL" EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris- 5. Téléphone: Odéon 42-58 aux réfugiés de langue allemande Nr. 354. SONNTAG, 14. April 1940 Aus dem Inhalt: Die Metallspende Tagebuch des Henkers Krieg u. Wirtschaftsgestaltung Die Bundesgenossen Hitlers Partei Deutschlands erklärte er: ,, Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat in Uebereinstimzu entscheiden haben: Den deutschen Kommunisten wird Die deutschen Kommunisten auf Befehl Stalins für den Hitlerfrieden Nach dem Abschluss des Hitler- Sta- in, das Kriegsziel des englischen Imperia- jetischen Pakt richten, so deshalb, weil der ten der Bourgeoisie". Wir stellen also linpaktes und der Entfesselung des Krie- lismus durch ein Trugbild von angeblicher englische Plan umso weniger zum Ziele fest: führt, je tiefer die Freundschaft zwischen ges durch Hitlers Angriff auf Polen hat Freiheit und Demokratie" zu tarnen." dem deutschen Volke und dem Sowjetvolke der Vorstand der Sozialdemokratischen In dieser kommunistischen Selbstent- in den werktätigen Massen verwurzelt ist. von Moskau befohlen, sich für den HitPartei Deutschlands eine Erklärung ge- larvung ist unter der Hand aus dem zur Deshalb sehen nicht nur die Kommunisten, lerkrieg gegen die Demokratien zu begen den Hitler- Stalin- Pakt veröffent- gemeinsamen Beraubung Polens ge- sondern auch viele sozialdemokratische geistern. Es wird ihnen befohlen, als licht, den er als einen Verrat am Frie- schlossenen Pakt zwischen Hitler und Arbeiter und nationalsozialistische Werk- Spitzel für die Gestapo zu funktionieren den bezeichnete.( ,, Neuer Vorwärts" Stalin ein Freundschaftspakt zwischen tätige ihre Aufgabe darin, unter keinen gegen die deutsche Opposition, die für Nr. 325.) Der Parteivorstand hatte mit dem deutschen Volke und dem Sowjet- Umständen einen Bruch des Paktes zuzu- die Niederlage Hitlers und damit für die dieser Erklärung keine Revision einer volke geworden. Nach der These ,, Recht lassen. Wer gegen die Freundschaft des Befreiung des deutschen Volkes eintritt. früheren Haltung vorzunehmen. Die ist, was dem Stalinsystem nützt" wird deutschen und des Sowjetvolkes intrigiert, Aus dieser Selbstentlarvung ergibt Ereignissee bestätigten die Linie seiner auseinandergesetzt, dass deutsche Kom- ist ein Feind des deutschen Volkes und wird als Helfershelfer des englischen Im- sich eine Konsequenz für das kommende Politik. Gegenüber der Kommunistischen munisten sich für Hitler gegen England perialismus gebrandmarkt. Im werktätigen Deutschland: in einem von Hitler beVolke Deutschlands verstärken sich die Be- freiten Deutschland darf es keine kom,, Die deutsche Regierung erklärte sich zu mühungen, die Anhänger der Thyssen- munistische Partei mehr geben- so mung mit den Vertrauensleuten der Partei friedlichen Beziehungen zur Sowjetunion clique, dieser Feinde des sowjet- deutschen wenig wie es noch eine nationalistische in Deutschland die Zusammenarbeit mit bereit, während der englisch- französische Paktes, aufzudecken. Vielfach wurde die den Kommunisten in den zurückliegenden Kriegsblock den Krieg gegen die sozialisti- Entfernung dieser Feinde aus der Armee Partei geben darf. Die Vernichtung dieAufgaben der inneren deutschen Politik Jahren stets abgelehnt. Angesichts der jetzt sche Sowjetunion will. Das Sowjetvolk und dem Staatsapparat und die Konfiszie- ser Parteien ist eine der wesentlichsten nach dem Sturze Hitlers, diese Vernichdurch den Verrat Stalins geschaffenen in- und das werktätige Volk Deutschlands ha- rung ihres Eigentums gefordert." Das Reptil Stalins spricht weiter von ternationalen Situation, angesichts der ben ein Interesse an der Verhinderung des einem ,, Kampf der deutschen Werktäti- tung ist notwendig, um den Frieden zu würdelosen Haltung der Leitung der Kom- englischen Kriegsplanes." gen gegen die Agenten des englischen sichern. Am Tage des Sturzes von Hitmunistischen Partei Deutschlands unter- Nicht Hitler, sondern England wird Imperialismus, gegen die Thyssen- Cli- ler werden freilich die kommunistischen schen Partei Deutschlands seine Weige- als die„ reaktionärste Kraft in der que und ihre Freunde aus den Reihen Führer auf Befehl Moskaus wieder anrung, in irgend eine Verbindung mit der Welt" bezeichnet.„ Der englische Impe- der sozialdemokratischen und katholi- ders reden. Dann werden Sozialdemorialismus" so geht es in diesem Arti- schen Führer in Deutschland..." kraten und Katholiken nicht mehr als Kommunistischen Partei Deutschlands zu treten, oder in Organisationen mitzuarbei- kel weiter sein reaktinäres Obwohl es überflüssig erscheinen Thyssenclique und Agenten Englands ten, denen auch Vertreter der Kommunisti- Wesen aufs neue unter Beweis, indem könnte, wollen wir zunächst feststellen, bezeichnet werden, sondern wieder wie schen Partei Deutschlands angehören. Er er den Vorschlag Deutschlands, der von dass alles, was in diesem Moskauer vor noch nicht allzulanger Zeit umworerwartet von allen Mitgliedern der Partei, der Sowjetunion unterstützt wurde, auf Machwerk über die„, werktätigen Massen ben werden als Partner für eine neue dass sie im gleichen Sinne handeln." Beendigung des Krieges ablehnte." Hat- Deutschlands" und über viele Sozial- Volksfront", die dann abermals aus Nach dem Einmarsch der russischen ten wir nicht recht, dass wir die deut- demokraten" gesagt wird, reine Zweck- der Moskauer Parolenkiste aufsteigen Armee in Polen schrieb der ,, Neue Vor- sehen Kommunisten die direkten Bun- erfindung ist. Das Faktum, an das wir wird. Wir haben ihnen jedoch immer desgenossen Hitlers und Ribbentrops uns halten, ist, dass auf Befehl Stalins auf die Fäuste gesehen, nicht aufs Maul, ,, Eine kommunistische Partei in einem nannten? Sie sind für„ Beendigung des die Leitung der illegalen kommunisti- und der Tag der Abrechnung mit den befreiten Deutschland wäre nur möglich in Krieges", das heisst für den Hitler- Frie- schen Partei Deutschlands sich auf das Kriegsschuldigen wird auch der Tag der trauter Bundesgenossenschaft mit einer ex- den, der Hitler alle Eroberungen sichert. schamloseste an Hitler und an die Ge- Abrechnung mit ihnen sein. streicht der Vorstand der Sozialdemokratiwärts": Partei, 99 tremen nationalistischen und imperialisti- Sie sind aber nicht nur für den Hitler- stapo heranwirft. Die Verwandtschaft Indessen gestattet dieser Selbstverrat schen einer Partei der direkten frieden, sondern auch für die kräftigste der Goebbels'schen und der Moskauer noch eine andere, allgemeinere SchlussNachfolger von Hitler, Göring, Ribbentrop Führung des Hitlerkrieges. Alles was Parolen springt dabei in die Augen. Die folgerung. Wenn Moskau in Deutschund Genossen. Heute sind die deutschen sie dem Hitlersystem vorwerfen ist, dass Freunde der Freiheit in Deutschland und land Kriegshetze gegen England betreibt dass Kommunisten dank Stalin Bundesgenossen Hitler und Ribben- es durch seine innere Politik die Kampf- in der Emigration als ,, die Thyssencli- und damit offen das Spiel Hitlers spielt, kraft des Volkes gegen England schwä- que" und ,, die Agenten des englischen so lässt dies Schlussfolgerungen zu für che. Hauptfeind aber ist und bleibt Imperialismus" zu bezeichnen das die künftige Politik Russlands und für ihnen die Sozialdemokratie: könnte beinahe eine Goebbels'sche Er- die Intensität des Kriegsbündnisses zwi„ Wenn Hilferding und die anderen frü- findung sein. Es ist indessen nichts an- schen Hitler und Stalin. Führer ihre deres als eine Abwandlung der älteren von C. G. trop." Unser Urteil ist weiter durch die Erfahrung bestätigt worden. Der Angriff Stalins auf Finnland und die Haltung der kommunistischen Parteien dazu ent- heren sozialdemokratischen hüllte die reaktionäre Rolle des Stalin- Kriegspropaganda gegen den deutsch- sow- kommunistischen Parole von den„ Agensystems und der Komintern noch mehr. Zu allem Ueberfluss hat nun das Zentralkomitee der kommunistischen Partei Deutschlands sich selbst porträtiert. Der Vorsitzende Walter Ulbricht verbreitet in der in Stockholm erscheinenden kommunistischen Zeitschrift„ Die Welt" ( Nr. 4) einen Artikel gegen die Politik ,, Ein unerwartetes Ereignis", bemerkt heute schon erkennen zu wollen, wäre sich im gegenseitigen Verkehr die grösstder grosse belgische Historiker Vermessenheit, der sich nur gläubige Sek- mögliche Erleichterung und Bevorzugung der deutschen Sozialdemokratie, der die einmal Kommunisten als direkte Bundesgenos- Henri Pirenne in seiner Histoire de l'Eu- tierer unterfangen mögen. Umso aufmerk- zugestehen, sind sie tatsächlich der Auswird man solche Erscheinungen senwelt gegenüber zu einem einheitlichen sen Hitlers im Kriege und als Agenten rope, zieht stets eine Katastrophe nach samer Ein solches Ereignis Krieges die künftige Entwicklung in der worden. Dieses Gebiet wird durch die VerKrieg und Wirtschaftsgestaltung Der englisch- französiche Block der Gestapo entlarvt. Dieser Artikel, den sich, deren Ausmass im Verhältnis steht zu beobachten, die bereits im Verlauf des Wirtschaftsgebiet riesigen Ausmasses gewir hier in seiner Tendenz niedriger seiner Bedeutung. hängen, richtet sich gegen einen Artikel wirft sich sozusagen dem Lauf des ge- einen oder anderen Richtung zu beeinflus- bindung des französischen Franken mit von Dr. Richard Kern im ,, Neuen Vor- schichtlichen Lebens entgegen, unterbricht sen oder zu bestimmen geeignet sind, wo- dem Pfund Sterling zugleich zu einer Wähwärts"( Nr. 341) ,, Der Sinn des Krie- die Reihenfolge der Ursachen und Folgen, bei man sich natürlich bewusst bleiben rungseinheit zusammengeschlossen. Durch die die es konstituieren, lässt sie in irgend ei- muss, dass die schliessliche Entscheidung Vereinbarungen über ner Weise zurückfluten, und stürzt die na- vom Ausgang des Krieges abhängig bleibt. Geldpolitik, in die sogar über die einverges". Er richtet sich gegen die sozialdemokratische Parole, dass Hitler ge- türliche Ordnung der Ereignisse um". Ein Eine solche Erscheinung ist die bald nach ständliche Verfügung der Goldvorräte Deisolches„, évènement imprévu" ist der Welt- Kriegsausbruch einsetzende und seitdem der Reiche Bestimmungen getroffen sind, schlagen und gestürzt werden müsse. Im Einklang mit der neuesten Goeb- krieg gewesen. Er hat die ,, natürliche Ord- immer mehr ausgebaute Zusammenfügung wird diese Währungseinheit für die Dauer belspropaganda ist dieser Artikel auf nung" der Vorkriegswelt gründlich umge- des englischen Empire und des französi- zu sichern versucht. Eine Wirtschaftsverden Ton gestimmt: Gott strafe England. stürzt, und so ganz anders waren die Fol- schen Kolonialreichs zu einem Wirtschafts- bindung, wie sie in dieser Art zwischen lins ist keine Rede, umsomehr von den politischem, sozialem und wirtschaftlichem Von der Kriegsschuld Hitlers und Sta- gen, die die blinde Gewalt des Krieges auf block. lands". Dem ,, Neuen Vorwärts" wird bei seinem Ausbruch Mitwirkenden je da- nicht zur völligen Zollunion fortgeschrit- Linie aus dem Zwang der Kriegswirtschaft imperialistischen Kriegszielen vorgeworfen: zwei Grosstaaten noch nicht bestanden Die Zusammenfügung geht sehr weit. Auf hat, ist dadurch getroffen. Gebiet ist sie zwar Natürlich ist die Verbindung in erster Gebiet erzeugt hat, dass wohl keiner der handelspolitischem Engfür die Verantwortung übernommen hätte, ten; indem aber England und Frankreich, entstanden. Ihre kriegswirtschaftliche Behätte er auch nur einen Teil der Folgen ge- deren Beziehungen zur übrigen Welt durch deutung ist auch ausserordentlich. Ein gedie weitgehende Kontrolle des Aussenhan- meinsames Einfuhrprogramm für kriegsDie Konsequenzen des neuen Krieges dels starken Beschränkungen unterliegen, wichtige Stoffe, die Zentralisierung und ,, Die besondere Aufgabe des ,, Neuen ahnt. Vorwärts" besteht nun offensichtlich dar Verteilung der Rüstungs- und Rohstoffbestellungen unter Ausschluss der gegenseitigen Konkurrenz wird jetzt verwirklicht. Die Einkäufe werden in erster Linie in dem an agrarischen und industriellen Rohstoffen überreichen Gebiet der beiden Imperien erfolgen; die Goldzahlungen ans Ausland können so verringert werden. Die vereinigte Wirtschaftsmacht ist auch stark genug, um dem übrigen Ausland gegenüber in einem gewissen Umfang die aus den Bedürfnissen ihrer Kriegswirtschaft sich ergebenden Forderungen durchzusetzen. So ist z. B. die nach Kriegsausbruch einsetzende stürmische Hausse der Rohstoffpreise in den Vereinigten Staaten rasch zum Stehen gebracht worden. Schliesslich sind innerhalb des englisch-französischen Blocks Vereinbarungen über eine bessere Anpassung der Produktion in beiden Ländern getroffen worden, und wenn diese sich auch zunächst auf die Organisation und gegenseitige bessere Anpassung der Rüstungserzeugnisse beziehen, so werden sich für die Industrien der beiden Länder auch bleibende Wirkungen für ihre gegenseitige Ergänzung und damit für die zunehmende Vereinheitlichung des Wirtschaftsgebiets ergeben Chronik der IVoche Minensperren der Alliierten an der Aorwe�isehen Küste Das deutsches Sonntag, 31. März 1940. Auswärtige Amt in Berlin hat ein Weissbuch herausgegeben, das klassen 1904 und 1905, die bisher noch mehr schwedisches Erz nach England als nicht militärisch ausgebildet worden sind, nach Deutschland verfrachtet. Der See- zum Militärdienst aufgerufen. Im ganzen krieg habe bisher den Verlust von 54 nor- vornehmlich in Amerika verbreitet' wird wir(I Deutschland jetzt annähernd sechs wegischen Schiffen von insgesammt mehr und das diplomatische Akten enthält, die den Deutschen in Polen in die Hände fielen. Sie sind ausgewählt unter dem Gesichtspunkt, eine Förderung der kriegerischen Entwicklung in Europa durch die amerikanischen Diplomaten zu beweisen. Die Publikation bezweckt eine Vereitelung der Wiederwahl Roosevelts im kommenden Herbst. Die Mitglieder der tschechischen Regierung mussten Hitler einen handschriftlichen Gehorsamschwur ablegen. Die finnländische Regierung hat den Völkerbund um Fortsetzung seiner Hilfstätigkeit für den Wiederaufbau des Landes gebeten. Der Oberste Sowjet beschloss das den Millionen Mann unter den Waffen haben, als 120 000 Tonnen und von 392 Menschen Aber so wichtig auch die unmittelbar Finnländern abgenommene Gebiet mit der kriegswirtschaftlichen Folgen des Zusammenschlusses sind, so ist damit seine Bedeutung nicht erschöpft. Die Regierungen Frankreichs und Englands haben immer wieder und mit steigendem Nachdruck erklärt, dass sie, wie es in der englisch- französischen Erklärung vom 28. März heisst, die„Gemeinsamkeit ihrer Aktion auf allen Gebieten auch nach Friedensschluss aufrechterhalten" werden; sie haben bekundet, dass sie ihren neu geschaffenen Wirtschaftsblock als Kern betrachten, um den sich andere Staaten gruppieren können; dass sie das Ziel verfolgen, damit die Grundlage für eine Neuordnung der Wirtschaftsbeziehungen unter Beseitigung der bisherigen Schranken und Hemmungen zu legen. Es sind also nicht die augenblicklichen Bedürfnisse der Kriegswirtschaft allein, die zum Abschluss der Wirtschaftsverbindung geführt haben; ihr Sinn ist, der Organisation der künftigen Weltwirtschaft den Weg zu bereiten. In diesem Ziel stimmt aber dieser gewaltige Wirtschaftsblock mit einem anderen Gewaltigen überein, mit den Vereinigten Staaten. In der Denkschrift über„die Grundlagen der wirtschaftlichen Aussen- politik der Vereinigten Staaten" heisst es: „Wenn nach Abschluss der gegenwärtigen Feindseligkeiten die Welt auf stabilen Friedensgrundlagen wieder aufgebaut werden soll, die den Hass und die Befürchtigung beseitigen und den Weg zum wirtschaftlichen Fortschritt öffnen, so müssen die Methoden des internationalen Handels auf einer gesunden Grundlage wieder neu aufgebaut werden. Dies verlangt die allmähliche Ausschaltung übertriebener und unvernünftiger Zollschranken, die dem Lauf der Waren über die nationalen Grenzen hinaus entgegenstehen, die allgemeine Zustimmung zum Grundsatz nichtdiskriminatorischer Massnahmen durch die Anwendung des Grundsatzes der Meistbegünstigung und die Schaffung der erforderlichen Bedingungen zu einem normalen Funktionieren der Handelsmelhoden auf dem Gebiete der Währung und des Kredits." Die französische Regierung hat ihre uneingeschränkte Zustimmung zu diesen Grundsätzen ausgesprochen. Damit ist aber das Zusammenwirken der beiden mächtigsten Wirtschaftsgruppen, die zusammen wohl über die wichtigsten Rohstoffquellen und über mehr als zwei Drittel des Welthandels verfügen, für die Neuordnung der Wirtschaftsbeziehungen nach dem Krieg eingeleitet, e'l: uie Neugestaltung nach dem Krieg— der Sieg der Alliierten bildet auch dafür die Vorbedingung— ist so eine wichtige Grundlage geschaffen. Es war vielleicht eine der verhängnisvollsten Unterlassungen des letzten Friedensschlusses, dass man die Gestaltung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den Staaten ihrer uneingeschränkten Souveränität und damit der Anarchie überlassen hatte. Es ergab sich jener Wettlauf, der zu immer erhöhten Zöllen, zu den Kontingentierungen und Einfuhrverboten führte, der die Währungen ruinierte, immer neue Krisen verursachte und in jeder Krise nur neuen Antrieb zu neuen Handelshemmnissen fand. Es ist ein Verdienst Roosevelts und namentlich seines Aussenministers Hull, sich dieser Bewegung mit steigendem Nachdruck entgegengesetzt zu haben. Noch kurz vor dem Krieg haben sie namentlich durch den Abschluss des Handelsvertrages mit dem englischen Empire einer neuen Entwicklung die Bahn zu öffnen versucht. Jetzt kündigen sie die Neuordnung der Wirtschaftsbeziehung auf freier Grundlage als ihr„Kriegsziel" an— zugleich eine Kampfansage an die Autarkiepolitik der Diktaturstaaten— und in diesem Ziel sind sie mit dem zusammengeschlossenen englisch-französischen Weltreich einig. So unübersehbar heute die Folgen des Krieges sind, auf diesem wirtschaftlichen Gebiet wenigstens ist die Perspektive deutlicher geworden. Dr. Richard Kern Aus dem Reichsverkehrsministerium ist abermals ein hoher Beamter, Ministerialdirektor Dr. Brandenburg, ausgeschieden Donnerstag, 4. April 1940 Die englische Regierung hat eine Gesell schaft für den Handel mit den Balkanländern gegründet. Es wird ihr Kapital vom Schatzamt zur Verfügung gestellt, damit sie wirtschaftliche Beziehungen ausgestal | ten kann, die unter normalen Verhältnissen Schwierigkeiten bereiten würden. In der tschechischen Stadt Domazlice wurde nach der Ermordung von drei Gestapoagenten der Bürgermeister abgesetzt, der Gemeinderat aufgelöst und ein deutscher Kommissar eingesetzt. Die Suche nach dem Studenten Smudek, den man des Mordes an den Gestapoagenten beschuldigt, blieb bisher erfolglos, obwohl Karelischen Sowjetrepublik zur Karelisch- finnischen Unionsrepublik zu vereinigen. Zwischen der Türkei und Syrien wurde! Ine�lrere Iallsen(I deutsche Polizisten nach ihm suchen und eine Belohnung von 100 000 Kronen für seine Festnahme zugesichert wurde. Ein Tscheche, Wladimir Vojtesek, von dem behauptet wurde, dass er den Studenten durch eine rechtzeitige Warnung vor seiner Verhaftung bewahrte, ist in Dresden hingerichtet worden. Freitag, 5. April 1940 Den diplomatischen Vertretern Schwedens und Norwegens wurden von der englischen und von der französischen Regierung Noten überreicht, in denen der Standpunkt der Alliierten zur skandinavischen Neutralität dargelegt wird. In Holland ist der Handel mit Kriegführenden der Kontrolle einer besonderen Amtsfelle unterstellt worden. ein Freundschaftsvertrag abgeschlossen. Im Irak ist eine neue Regierung unter Raschid Guilani gebildet worden. Montag, 1. April 1940. Die estnische Hafenstadt Baltischport musste auf russische Anordnung innerhalb weniger Tage von der Zivilbevölkerung geräumt werden. Die chinesische Regierung Tschiang Kai- schek Hess allen Regierungen einen Protest gegen die von Japan eingesetzte Scheinregierung in Nanking überreichen. Der chinesischen Scheinregierung in Nanking wurde ein japanischer Staatsminister zugeteilt. Die in der Türkei erscheinende deutschsprachige Zeitung„Türkische Post" ist verboten worden. Dienstag, 2. April 1940. Chamberlain kündigt in einer Rede im englischen Unterhaus eine weitere Ausdehnung der Blockade gegen Deutschland an. Sonnabend, 6. April 1940 Der norwegische Aussenminister Kohl erklärte in einer Rede vor dem Storfing, dass Norwegen seine Hereinziehung in den Krieg nur vermeiden könne, wenn es an seiner Neutralität festhalte. Grossbri- und die Räumung der Minenfelder sowie tannien scheine nicht die Absicht zu ha- die Zurückziehung der fremden Kriegsben, die norwegische Neutralität zu ver- schiffe aus den norwegischen Hoheitsge- Die deutsche Regierung hat die Jahres- letzen. Gegenwärtig werde über Narvik wässern gefordert. zur Folge gehabt. Deutschland hätte jede Transporterleichterung für das Expeditionskorps der Alliierten nach Finnland als feindselige Handlung angesehen und darauf ebenso reagiert wie auf eine direkte Kriegsbeteiligung an der Seite der Alliierten. In England stehen bis jetzt mehr als 1,5 Millionen junge Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren unter den Fahnen. Sonntag, 7. April 1940 Der deutsche Levantedampfer„Ankara" ist mit einer für Deutschland bestimmten Ladung von 4 000 Tonnen Bauxit aus dem jugoslavischen Hafen Dubrovnik ausgelaufen. Vor dem Hafen hat er Anker geworfen, weil er Angriffe der englischen Flotteneinheiten in der Adria befürchtet. Ueber seine Rückkehr in den Hafen von Dubrovnik wird verhandelt. Die australische Regierung hat beschlossen, nur noch Wolle an das Ausland zu verkaufen gegen die ,'ausdrückliche Verpflichtung, dass die Wolle nicht nach Deutschland weiterverkauft wird. Montag, 8. April 1940 Die Allierten Hessen am frühen Morgen in den norwegischen Küstengewässern an drei Stellen Minenfelder legen, um den Warentransport nach Deutschland durch die norwegischen Hoheitsgewässer zu unterbinden. Die diplomatischen Vertreter Grossbritanniens und Frankreichs informierten den norwegischen Aussenminister morgens um sechs Uhr genau über die Minensperre der Alliierten in den norwegischen Gewässern. Die norwegische Regierung hat ernst und feierlich gegen die Verletzung ihrer Neutralität durch die Alliierten protestiert Mittwoch, 3. April 1940. Ta�bneh des Henkers Zum Tode verurteilt wurden; Am 21.3. vom Sondergericht in Posen die Polen Michael Michalak Roman Swardzewski Stanislaus Kopczynski, sämtlich aus Peisern, wegen angeblicher Ermordung von Volksdeutschen. Am 26.3 vom Sondergericht in Lodsch: Helene Glatynska, eine Polin aus Wola Zaradzynski, wegen„Anstiftung zum Mord an einer deutschen Einwohnerin". des Ehemannes, da auch er wiederholt die Ehe gebrochen habe, und sie benannte mehrere seiner Partnerinnen als Zeuginnen. Ohne diesen Antrag der Frau überhaupt nachzuprüfen schied Landgerichtsrat Mom- mer aus Koblenz wenige Tage nach der Antragsstellung die Ehe und erklärte die Frau für alleinschuldig. Seinem Fehlspruch gab! w7genwerk7'das"seit TahrenTinTbetrüge- er fo gende Begründung mit: rische Propaganda treibt, wird diese EntSelbst wenn man alle von der Beklagten würfe nöti„ haben. für den Antrag auf Mitschuldigerklärung des Klägers vorgebrachten Gründe als riclw- führen muss, auch wenn sie unter Umständen vorübergehend nicht liefern kann. Für Preise und Ankäufe sind 13 500 Mark ausgesetzt." („Münchner Neueste Nachrichten" « vom 29. März) Kein zu hoher Preis für ein derart kompliziertes Ansinnen. Vor allem das Volks- Hingerichtet wurden: Am 21.3. Emil Schmidt aus Freiburg we tig unterstellen wollte, würden sie gegen über den Verfehlungen der Beklagten nicht ins Gewicht fallen. In einer Zeit, in der der Ehemann zur Verteidigung des Vatergen versuchten Mordes. Schmidt hatte landes im Felde steht, hat die Frau die un- im. Gerichlsgefängnis Trauenstein bedingte Pflicht, ihrerseits sich entspre- ■fSS»«"■?"»•»><■"■"»*«*»■«*"> erster Linie, ihre und ihres Mannes Ehre zu wahren. Das ehrlose Verhalten der Ehe- kisch überfallen". Der Gerichtsbericht i verschweigt, ob der Gefangene in die gebrochen war oder ob es neuerdings rah eines lm Felde Stehenden muss eine in Deutschland weibliche Aufseherin- Tntsprechend scharfe Beurteilung erfah- nen für männliche Gefangene gibt, ren." am 27.3. Georg Korn aus Weidenberg wegen versuchten Totschlage bei einem missglückten Ausbruchsversuch aus der Strafanstalt, einiger Zeit war das deutsche am 28.3 Albert Forthauser aus München Publikum der Auffassung, ein Werbeinse- -—______„__— l-il«,, ,i wr: t-"_.. Ansobot ohne Ware wegen schweren Diebstahls und Widerstands bei der Verhaftung. „Bei Widerstand erschossen" wurden: am 27.3. die Brüder Sass. Ha« Sklavenzeiclion In Deutschland befinden sich gegenwärtig fast eine Million polnische Zwangsarbeiter und Arbeiterinnen und 300 000 polnische Kriegsgefangene. Sie alle haben, nach einer Anordnung Himmlers,„auf der rechten Brustseite jedes Kleidungsstückes ein mit ihrer jeweiligen Kleidung fest verbundenes Kennzeichen stets sichtbar zu tragen." Das Kennzeichen der polnischen Arbeitssklaven ist ein fünf Zentimeter grosses gelbes Quadrat mit violetter Umrandung, das in der Mitte ein P zeigt. SKfe, Cieselx nml Uniform Ein deutscher Frontsoldat aus dem Bezirk Koblenz kam auf Urlaub nachhause und erfuhr, dass seine Frau während seiner Abwesenheit die Ehe gebrochen hatte. Er klagte auf Ehescheidung. Die Frau stellte den Antrag auf Mitschuldigerklärung rat diene der Werbung, und der Artikel, für den geworben wird, müsse aus diesem Grunde auch erhältlich sein. Die deutschen Kaufleute haben diese Meinung lange Zeit geteilt, sind jedoch von den Inseraten- Zwangswerbern der nationalsozialistischen Presse alsbald eines Besseren belehrt worden. Wo kämen die deutschen Zeitungen ohne das Inseratengeschäft hin? Und wo käme das Inseratengeschäft hin, wenn nur die noch vorhandene Ware angepriesen würde? Welchen Eindruck würde ein ausgestorbener deutscher Inseratenmarkt zudem im Ausland hervorrufen?— So mehren sich denn die Aufforderungen an das Publikum, Dinge zu kaufen, die es garnicht gibt. Das deutsche Publikum aber hat angefangen übelzunehmen, es findet diese Sorte von Reklamemacherei aufreizend Deshalb hat der„Präsident des Werberates der deutschen Wirtschaft" die Werbefachleute und Gebrauchsgraphiker aufgerufen, „ein Plakat und eine zu einer Serie ausbaufähige Anzeige zu schaffen, die Verständnis für die Notwendigkeit der Wirtschaftswerbung auch im Kriege bei dem noul scher Warenhunger Vor dem Krieg war die Nichtzahlung von Clearingschulden an kleinere Länder ein beliebtes Druckmittel in der Hand der Führer des Dritten Reiches. Nur wer sich ihren Machtwünschen beugte, konnte auf Zahlung der deutschen Schulden hoffen. Nach dem Krieg hat sich die Erpressungspolitik der Nationalsozialisten zwar nicht geändert, doch wird sie heute mit kriegerischen Mitteln, wie mit Angriffsdrohungen und mit der Versenkung neutraler Handelsschiffe betrieben. Dagegen hat die Abhängigkeit Deutschlands von auländischen Lebensmittel- und Kriegsmaterialzufuhren die gegenwärtigen Machthaber des Reiches plötzlich bewogen, die deutschen Schulden zu bezahlen, damit die Nachbarländer weiter liefern. Nach dem letzten Monats-Bulletin des Völkerbundes hatte Deutschland im August 1939 über vierzig Millionen Gulden Clearingschulden in Holland. Mehr als eine Million T Pfund schuldete es der Türkei und über zwölf Millionen Dinar Jugoslavien. Bis zum Januar 1940 wurden die holländischen und türkischen Schulden durch Warenexporte abgetragen und Deutschland hatte sogar ein Guthaben von sieben Millionen Gulden und in der Türkei von dreizehn Millionen Pfund. Die deutsche Schuld an Jugoslawien ging auf achl Millionen Dinar zurück. In dem Streben nach Clearinggulhaben und damit nach der Möglichkeit, Einkäufe in den Nachbarländern bezahlen zu können, geht die deutsche Regierung sogar so weit. dass sie, wie der Wirtschaftsredakteur der Belgrader„Politika" nach einer Reise ins Dritte Reich berichtet, den Ausländern, die mit Clearing-Mark nach Deutschland kommen, auf alle in Deutschland noch frei ver- Är'd" d".'ÄdSSlS von Volksgenossen davon überzeugen, dass<0 bis 50 Prozent einräumt, um sie zu Ein die Wirtschaft ihre Werbung stetig fort- 1 kaufen zu veranlassen. Nordische Freundestreue Die Metallspende eine Ausplünderung Das erpresște Geburtstagsgeschenk oder Es muss doch Deutsche geben, denen bei ihrer Gottähnlichkeit bang und bänger wird. Sonst hätte jener Regierungsbaumeister und Stadtbaurat in Uerdingen sich niemals an seinen Schreibtisch gesetzt, um dem ehemaligen Vorsitzenden der ehemaligen deutsch- polnischen Gesellschaft Unter den zahlreichen Aufrufen, mit de- schaffung und Zurückhaltung von Rohstof- haben die Kinder, die von den Lehrern in einen besorgten Brief zu schreiben, in dem nen der Generalfeldmarschall Göring an fen und Erzeugnissen, die zum lebenswich- der Schule dazu angehalten werden müses u. a. heisst: den Opfermut seines Volkes appelliert hat, tigen Bedarf gehören, Gefängnis, Zucht- sen, die Metallbestände der elterlichen ,, Ich und sicherlich viele meiner Kriegs- ist der letzte der interessanteste. Es ist der haus oder Tod steht. Nach dem Kommen- Wohnung auf Entbehrliches zu mustern. kameraden, die im Weltkriege jahrelang in Aufruf zur Metallspende des deutschen Vol- tar zu diesem Paragraphen, den Staatsan- Sie werden ausdrücklich aufgefordert, mit Polen standen, würde die Auflösung( der kes, die als Geburtstagsgeschenk für den walt Nüse im Amtsblatt des Justizministe- dem Sammelfimmel der Alten Schluss zu deutsch- polnischen Gesellschaft, d. Red.) Führer gedacht ist. riums veröffentlicht hat, gilt es schon als machen. Das ist die heldische Erziehung gerade im jetzigen Zeitpunkt ausserordentlich bedauern. Der Krieg dauert ja Diese Metallsammlung erweckt Erinne- Beiseiteschaffung Zurückhaltung, der Jugend zu Schnüfflern und Spitzeln. nicht ewig, und später muss zunächst rungen an die Zeit des vorigen Krieges, die wenn jemand eine Sache ihrer Bestimmung Besonders wertvolle Spenden werden in ein„, modus vivendi" mit dem polni- dem Regime sehr unerwünscht sein müs- entzieht. Nach dieser Erläuterung ist die den Zeitungen als nachahmenswerte Beischen Volk gesucht werden. Da wäre es sen. Wie viele haben später bereut, ihr Normalstrafe in solchen Fällen Zuchthaus, spiele gepriesen. Als ein lobenswertes Beischon jetzt eine schöne Aufgabe der Gold für Eisen, ihre Kupferkessel hergege- nur in besonders leichten Fällen Gefäng- spiel von Opfermut wird z. B. die Hingabe deutsch- polnischen Gesellschaft, zum ben zu haben, ohne dass der versprochene nis und in schweren Fällen der Tod. Aber eines Standbildes Wilhelms II. verzeichnet. Abbau des Hasses zwischen den beiden Endsieg sich eingestellt hat. Um diese im deutschen Rundfunk wurde jüngst beVölkern beizutragen. Zudem haben wir Aber sehr gross sind offenbar die Ergebals Deutsche doch auch den Polen vieles peinliche Erinnerung zu verwischen, be- kanntgegeben, dass auch die Zurückhal- nisse nicht, die man von dieser durch zu verdanken... Unser Führer war auf hauptete Göring, dass es sich nur um tung des kleinsten Quantums für die Me- Todesschrecken unterstützten Aktion erdem richtigen Wege, als er in ein erträg- eine vorsorgliche Massnahme nationalso- tallspende als todeswürdiges Verbrechen hofft. Der letzte Termin zur Ablieferung, liches Verhältnis zu den Polen zu kom- zialistischer Art" handele und dass die angesehen wird. Demnach handelt es sich ursprünglich auf den 6. April festgesetzt, suchte... Darum liegen meines Vorräte im Lande grösser seien, als das nicht um eine Spende, sondern um eine ist auf den 20. April verlegt worden. Laut Erachtens die Bestrebungen der deutsch- Ausland glaubt. Der Generalfeldmarschall regelrechte Ausplünderung des deutschen deutschem Sender erwartet man, dass jeder polnischen Gesellschaft durchaus im Sin- macht es seinem Volke schwer, seinen Op- Volkes, und nicht um ein Geburtsgeschenk, Haushalt 6 Kilo Metall abliefert. Aber das ne des Führers. In diesem Sinne grüsse timismus zu teilen und die Blockade, wie sondern um eine Erpressung. Es ist für ist offenbar eine Goebbels'sche Flunkerei. ich Sie mit Heil Hitler..." er sich jüngst in einer Ansprache ausge- die Verminderung der Metallvorräte durch Nach einer Berliner Zeitung rechnet man, men Wenn der Regierungsbaumeister nicht drückt hat, für einen Witz zu halten. Wäre die Blockade kennzeichnend, dass man dass jede der 20 Millionen deutschen Hausvon jenem Katzenjammer ergriffen wäre, die Blockade so wirkungslos, so könnte jetzt gezwungen ist, die nationalsozialisti- haltungen ein Pfund Metall bringt, das wäder im deutschen Volk immer wei- man nicht begreifen, warum das Regime, schen ,, Spenden" jedes Scheins der Frei- ren insgesamt 10 000 Tonnen. Im Jahre tere Kreise zieht, so hätte er die Fol- wenn es sich nur um die vorsorgliche Ver- willigkeit zu entkleiden und als das zu of- 1929 betrug allein der Verbrauch von Kupgen dieses Briefes voraussehen müssen. mehrung ohnehin zureichender Vorräte fenbaren, was sie immer waren und nun fer im damaligen Reich 278 000 Tonnen. Der gewesene Leiter der übrigens handelte, diese Spende unter dem Druck in verschärftem Masse sind. Inzwischen ist natürlich der Verbrauch längst aufgelösten deutsch- polnischen schärfsten Terrors eintreibt. Auch das kai- Gesammelt wird: Kupfer, Messing, Bron- nicht nur von Kupfer, sondern allen zur Gesellschaft, ein kerndeutscher Professor, serliche Regime brauchte in seinem Kriege ze, Nickel, Blei, Zinn, Tombak, Rotguss Spende einberufenen Metalle gewaltig gehat den Brief der SS- Zeitschrift ,, Schwar- dringend Metall, aber es begnügte sich, an und Neusilber in jeder denkbaren Gestalt: stiegen und die Metalleinfuhr gewaltig gezes Korps" übergeben, und die nimmt sich den guten Willen zu appellieren. In die- Aschbecher und Tischaufsätze, Zierstücke sunken. Es ist ein Eingeständnis der sonst den ,, müden Versöhnungsapostel" in ihrer sem Kriege ist man schon im achten und Wandschmuck, Türschilder und Tür- so hartnäckig und überheblich geleugneten Nummer vom 21. März mit hämischem Kriegsmonat gezwungen, weiterzugehen als beschläge, Kessel und Haken, Gitter, Tore Wirkung der Blockade, dass man um einer Grinsen vor: das kaiserliche Regime im letzten Kriegs- und Geländer, Wandschmuck, Wappen und so geringen Ausbeute willen eine so grosse ,, Sie haben geschlafen, Herr Regie- jahr. Der Erlass, den das Ministerium für Reliquien, Verkleidungen, Wand- und Tür- Aktion aufzieht und dafür auch noch den rungsbaumeister, restlos alles verschla- die Reichsverteidigung zur Metallspende platten, kurz alles, was von den Nazis als ohnehin überlasteten Henker einsetzt. fen... Das Kapitel Polen ist für uns hat erscheinen lassen, bedroht jeden mit entbehrlich angesehen wird. Nicht nur die Von der Sammlung ausgenommen sind, abgeschlossen. Der Pole war in seinem der Todesstrafe, der sich ,, an gesammeltem Haushalte, auch die Schulen und Behör- ausser Zink, Eisen und Leichtmetall ausVolkscharakter stets feige, grausam und oder vom Verfügungsberechtigten zur den, die öffentlichen Krankenhäuser und drücklich Edelmetalle und Gegenstände hinterlistig... Die polnische Krank- Sammlung bestimmten Metall bereichert Erholungsheime werden ausgeräumt und von besonderem künstlerischen und histoheit wurde operiert und gründlich aus- oder solches seiner Verwendung entzieht". auch die Betriebe nicht verschont. In den rischen Wert. Wer wollte auch den Nazigeschnitten." Die sozusagen gesetzliche Grundlage da- Betrieben schlägt der Betriebsobmann der bonzen zumuten, herauszugeben, was sie Vielleicht hat der Regierungsbaumeister zu war vorsorglich bereits in§ 1 der DAF dem Betriebsführer vor und der Be- mühsam zusammengestohlen haben, und wirklich geschlafen, denn ihm scheinen Kriegswirtschaftsverordnung geschaffen triebsführer bestimmt, welche Metallgegen- etwas wegen Beiseiteschaffung sich selbst noch die Phrasen im Ohr zu klingen, die worden, wonach auf Vernichtung, Beiseite- stände abzuliefern sind. In den Haushalten hinzurichten! vor wenigen Jahren durch die nationalsozialistische Presse liefen und von einer wohlfundierten deutsch- polnischen Freundschaft sprachen. Diese Versicherun- ein Ende. Jedes neugeborene Kind erhält| Landesarbeitsgerichts beschliesst ihre Urgen- die auch in einigen Führerreden wie- von jetzt ab seine Kleiderkarte. Dabei geht teilsbegründung sogar mit dem Satz: derkehrten waren natürlich nur eine es ungerecht zu wie auf einem Erbhof. Das nordische List. Da die Nationalsozialisten Erstgeborene bekommt neunzig Punkte, weder feige, noch grausam, noch hinterli- das zweite nur noch dreissig. stig sind, rächen sie sich heute an dem unterlegenen polnischen Gegner für die Freundschaftsbezeugungen, die sie im jahrelang vorgeheuchelt haben. Vielleicht erschrecken einige sogenannte Freunde des Nationalsozialismus bei den G. A. F. ter einer neuen technischen Wirklichkeit nicht hätte ignorieren dürfen. Schliesslich hat Adolf Hitler die deutsche Technik stärker gestaltet und ihre Wege deutlicher gewiesen als irgend ein Mann vorher... Das Buch Diesels endet mit einer offen gelassenen Frage, seine Stellungnahme zu den Ereignissen der letzten grossen Zeit erschöpft sich in dem Stossseufzer: ,, Freilich sind es tolle Dinge, die wir erleben!" Diesel dürfte durch die Lektüre dieser ,, Der Rechtsstreit hat zwar grundsätzliche Bedeutung, aber diese Bedeutung erscheint angesichts der Kriegsverhältnisse nicht so gross, dass gegen dieses Urteil die Revision zugelassen ist." Metall und Benzin sind die kostbarsten aller Güter, über die Deutschland heute Auf deutsch: ,, Wir haben wirklich annoch verfügt oder auch nicht verfügt. dere Sorgen." Die nationalsozialistischen Aber Benzin in Metallkannen, das ist dop- Zeitungen weisen zum Ueberfluss darauf oben zitierten Beschimpfungen gegen das pelter Luxus, dem nicht weiter gefrönt hin, dass diese beiden Urteile nicht einpolnische Volk. Es gibt ja auch eine deutsch- werden darf. In Berlin wurde eine Fabrik zig dastehen, dass sich vielmehr„ Uner- Kritik in seiner Auffassung bestärkt woreröffnet, in der aus altem Zeitungspapier hörtheiten" ähnlicher Art zu mehren be- den sein. Wehe dem deutschen Autor, der Hartpapierkannen für Autoöl hergestellt ginnen. etwa eine Abhandlung über das Leben der werden. In Zukunft gibt es also im Dritten Die Aufregung in den braunen Redak- Hyäne zu schreiben gedenkt. Erwähnt er Reich wenn überhaupt dann Benzin tionsstuben ist nur zu verständlich. Was Hitler in diesem Zusammenhang, endet er ist denn los, so fragen sich die Herren unterm Beil, erwähnt er ihn nicht, endet wohl, wittern die deutschen Richter etwa er im Papierkorb. Wieviele Bücher mögen Abendluft? Dann sei der Teufel dem Drit- aus ähnlichen Gründen im Dritten Reiche ten Reich gnädig, denn diese umfallberei- ungeschrieben bleiben? holländische und eine deutsch- schwedische Gesellschaft, und Anfang April soll in Berlin unter der Schirmherrschaft des Generalfeldmarschalls von Mackensen eine deutsch- ungarische Gesellschaft gegründet werden, die der ,, kulturellen Austauscharbeit" dienen wird. Auch die deutschpolnische Gesellschaft hat der kulturellen Austauscharbeit gedient, und zwar derart gedient, dass von Polen am Ende nicht viel übrig blieb. Gott schütze Ungarn und die übrigen Neutralen vor diesem Freund. in der Tüte. Deutsche Inserate Lebensmittelkaufmann Tochter eine DREIZIMMERWOHNUNG. Zuschr. unter H 2613 an die Westfäl. Lan- frage um: deszeitung ,, Rote Erde", Dortmund. Aus Neutrallen sucht für seine ten Diener am Recht haben verschiedene Tests für eine besonders feine Witterung abgelegt. In Deutschland geht die Scherz,, Was ist Geschwindigkeit?" Antwort: ,, Wenn eine Revolution SO Das ,, Schwarze Korps" vom 21. März schnell stattfindet, dass die Richter nicht rühmt ,, zwei prächtige deutsche Mädels", mehr Zeit haben, sich umzustellen." Aber die als Hausangestellte in einer ,, nationalso schnell kann gar keine Revolution statt- sozialistischen holländischen Familie" lefinden. METZGEREI!!! Suche für meine Tochter, die Ostern die Begehrte Waren Bezugscheinfreien Kleiderstoff aus dem Egerland versprach ein Hausierer in West- Schule verlässt falen seinen Kunden. Es gelang ihm, 120 Personen zu Anzahlungen auf sein verlokPflichtjahrstelle kendes Angebot zu veranlassen. Er wurde bei Kindern und für leichte Hausarbeit. vom Sondergericht für den Oberlandesge- Zuschr. unt. F 2611 an d. Westf. Landesztg. richtsbezirk Hamm wegen Betrug zu acht ,, Rote Erde", Dortmund. Jahren Zuchthaus verurteilt. ** * ** * SUCHE BAUERNGUETER mene Wissenschaft ben. Diese Heimchen am Herde haben im Hause ihrer Arbeitgeber eine ,, Freudenbüchse" aufgestellt, die mit einem Hakenkreuz geschmückt und mit der Aufschrift versehen ist: ,, Wenn du dich freust, dann Hitler, ein technisches Genie freue dich so, dass sich auch andere freuen." Durchschnittliches Sammelergebnis: Eugen Diesel, der Sohn Rudolf Diesels, 20 Gulden im Monat. Für die deutschen hat in Deutschland ein neues Buch erschei- Soldaten natürlich. 125 RM sind soeben nen lassen, das den Titel trägt: Phäno- an das ,, Schwarze Korps" abgegangen mit Realer verliefen zeitgemässe Geschäfte, in jeder Grösse bei hoher Anzahlung bezw.„ Zeugnis, Deutung und Wirklichkeit". Dem in dem es heisst: der Technik" und den Untertitel: einem Begleitbrief der ,, Hausangestellten", die einige Wiener Chauffeure gemeinsam be- voller Auszahlung zu kaufen und zu pach- Schwarzen Korps" missfällt dieses Buch. trieben. Sie lieferten mehr als zehntausend ten. markenfreies Schweinefleisch 1797, Robert Mühling, Immobilien, Zeulen- Darstellung technischer Vorgänge nachzuWarum? Ist dem Autor eine fehlerhafte Kilogramm und liessen sich den beliebten Braten der rode i. Thür.( ,, Hofer Anzeiger") weisen? Darüber steht in der Buchkritik ,, Man sollte auch den Schein meiden", nichts. Ist der Stil mangelhaft? Darüber schwarz geschlachteten Tiere teuer bezahlen. Das ,, Neue Wiener Tagblatt" vom 21. meint hierzu des„ Schwarzen Korps" mit steht in der Buchkritik nichts. Ist Diesels März stellt mit kaum verhehltem Bedauern schlecht gespielter Treuherzigkeit. fest, dass die Behörden diesem Schleichhandel auf die Spur gekommen seien und mehrere Verhaftungen vorgenommen hätten. Die Wetterpropheten Die deutsche Nazipresse ist über einige Auffassung über technische Erfolge und Möglichkeiten veraltet? Ist die Aufzählung der neuzeitlichen technischen Phänomene unvollständig? Darüber steht in der BuchBuche dieser Art sonst noch getadelt werkritik nichts. Ja, was kann denn an einem ,, Jeder, der sich irgendwie freut, gibt seiner Freude klingenden Ausdruck. Und besonders lustig klappert immer unsere Freudenbüchse, wenn, so wie auch heute, durch Sondermeldung bekanntgegeben wird, dass wieder ein U- Boot folgreich von Fernfahrt heimgekehrt ist oder die Herren Engländer haben bei einem kühnen Luftangriff ordentlich was aufs Dach gekriegt..." 99 erWenn ein U- Boot„ erfolgreich" heimgeWeil Kindernährmittel, die eigentlich Gerichtsurteile in begreifliche Erregung den? Das ,, Schwarze Korps" vom 14. März kehrt ist, hat es gewöhnlich einige neufür Babys bestimmt sind, heimlich und geraten. Die 20. Kammer des Amtsgerichts 1940 belehrt uns darüber: missbräuchlich Berlin und die 1. Kammer des Landesarvon Kindern geschluckt beitsgerichts Berlin haben beide entgewurden, die bereits über achtzehn Monate entschieden, alt sind, wurde am 16. März eine Verord- gen der bisherigen Praxis nung erlassen, durch die auch für Kinder- dass den jüdischen Arbeitern genau wie nährmittel die Zwangsbewirtschaftung ein- len sei. Beide machen in der Urteilsbegeführt wird. den ,, arischen" der Feiertagslohn zu zahgründung geltend, die Anordnung zur Durchführung des Vierjahresplans über Dem bisher punktfreien Toilettenluxus Lohnzahlung an Feiertagen sei ganz allder Säuglinge macht die Ausdehnung der gemein gehalten und mache ,, keine rassiKleiderrationierung auf die Neugeborenen schen Unterschiede". Die 1. Kammer des ,, So sehr uns der Name des Verfassers mit dem ganzen Gewicht der väterlichen Leistung verpflichtet, so können und wollen wir es doch nicht verschweigen: dieses Buch ist für uns eine schwere Enttäuschung... Ein kurzes Wort von Generalinspektor Dr. Fritz Todt ist von seitrale, u. a. einige holländische Handelsschiffe versenkt. Und, schreiben die Mädchen weiter, ,, nicht wir allein, auch holländische Bekannte und Freunde des Hauses freuen sich mit uns." Falls sie sich nicht freuen, wagen sie ten des Verfassers... das einzige Zuge- kaum, es vor den Ohren der deutschen ständnis ehrenhalber an den Nationalso- Agentinnen zu gestehen, denn neutral sein zialismus, dem er nach Belieben gegen- heisst ohne Ansehen der eignen Meinung überstehen mag, den er aber als Gestal- und des eigenen Interesses Angst haben. Poesie und Prosa Das verarmie braune Kriegrs- feuilleion Es erscheint merkwürdig, ist aber so: in der Hitlerpresse fehlen die Kriegsgedichte. Die Ursachen dieses Phänomens sind verschiedener Art. Im Volke fehlt jede Kriegs- stimraung. Not, Mangel, Angst lasten auf einem Publikum, dessen Nerven seit Jahren von Kriegsgeschrei und Rüstungswahnsinn überspannt sind. Da wird— wie es Ministerialrat Berndt ausdrückte— der Dichter viel eher„für den Frontdienst in der Heimat nötig". Dort soll er mit Vorlesungen und Durchhaltegeschichten helfen, den Meckergeist niederzuhalten. Der Bedarf an Fahnenliedern und lyrischem Ge- trommel wurde seit 1933 so überreichlich gedeckt, dass es selbst dem Propagandaministerium hoch kam. Und Euringer gestand einige Wochen nach Kriegsausbruch, „durch unser Weltkriegsschrifttum" sei soviel vom neuen Kriegserleben vorweg genommen worden,„dass Nerven und Gemüt eigenartig präpariert sind..." So präpariert nämlich, dass diese Nerven etwaige Hurragedichte nicht ohne Rebellion hinnehmen. Was jedoch drüben der politischen Literatur samt Lyrik deji Atem einigermassen verschlagen hat, das ist die Unsicherheit In der hohen Politik. Vor dem September schien alles relativ klar. In seinem Neu- iahrsaufruf vom 1. Januar 1939 hatte Hitler für die nächsten 1000 Jahr proklamiert: „Die Aufgaben der Zukunft sind folgende: Im grossen Weltraum ist unsere politische Einstellung bedingt durch den Antikominternpakt". Im grossen Weltraum! Milchstrasse und Antikomintern. Unsere Ideale sind von kosmischer Ewigkeit. Die Kriegslyrik freute sich förmlich auf den Ernstfall: Hüben die„Achsenkultur", drüben der Bolschewismus mit den„Bourgeoisstaaten". Diese als artvergessene Helfershelfer des „Feindes aller Kultur". Deutschland rettet die Welt. Man hörte den Eichwald zornig rauschen. Der Pakt Moskau-Berlin gab der braunen Literatur einen Kinnhaken, von dem sie sich bis heute noch nicht erholt hat. Ein schon angekündigter Sammelband antibolschewistischer Lyrik musste mitten in der Herstellung zurückgezogen werden. Man erlebte dafür einige Hassgesänge gegen Polen(darunter einen fulminanten von Peter Scher, ehemals antifaschistischer Asphalt individualist und Redakteur des„Simplicis simus"). Dann brach die„Kampflyrik" ab. Dem Kriegsbarden war die grosse, zugkräftige Parole zerschlagen worden. Das bisschen Hassgesang gegen England wirkte rasch monoton, und der Rassismus legt da bei drauf. Und so stösst man in der deutschen Presse nur hin und wieder auf ein Kriegsgedicht; es wendet sich fast immer an die Heimatsfront, wie etwa jenes im „Schwarzen Korps" vom 2. Februar. Da billigte die Füllfeder der deutschen Mutter zu, dass sie weinen dürfe,„wenn ich falle, Mutter", aber das Klagen habe zu unterbleiben. Nicht einmal fragen darf sie: Aber niemals, Mutter, darfst du fragen: „Warum wurde mir dies Los beschieden?" Wächst aus unsern Gräbern doch der Frieden! Weinen darfst du, aber nicht verzagen, Denn„wir gehen stolz und ohne Zagen in den Kampf, den man ans aufgezwnn- qen"... Wo aber steht dieser Held? Am Westwall etwa? Ach nein, er kämpft an der„inneren Front" und ist eine Frau, eine Irmgard Grosch. Und der Flüsterwitz fragt, wo Irmgard überall gefallen sein mag. Zweifellos, die braunen Kriegsdichter haben viel Pulver vorzeitig in der ewigen Trommellyrik verschossen, die Kriegsverherrlichung tobt sich viel mehr in der Prosa aus, in angeblichen Soldatenbriefen, in Sentenzen, wie denen, die der„Völkische Beobachter"(22. 2.) als„Gedanken aus dem Felde" brachte. Da wird der Krieg in geschwollen-trivialer Art gefeiert als„der wahre Jungbrunnen des Volkes, der körperliche und— was wesentlicher ist— der seelische". Da ist der Krieg„der Regen, der die Saat des Herzens befruchtet". Und jegliches Leben wird„dem Führer zum Danke dargebracht" gleich einem menschenfressenden Götzen. Der Tote aber hat den Kampf im Walhall weiterzuführen, wie im Amtlichen Mitteilungsblatt des braunen Parleigerichts(„Der Parleirichter") zu lesen war: Alctallsaiumlnu� NEBENGEDANKEN EINES VERSAMMLUNGSBESUCHERS Ich bin der Mann in der Reihe vier, Stuhl 2. Ich versuche zu lauschen. Ich bin sehr müde. Die hinter mir, die vor mir, die links und die rechts von mir sind ebenso müde. Wir glotzen stier, und man könnte uns alle vertauschen. Mir laufen heut die Gedanken fort. Er redet von kupfernen Töpfen. Was will er nur? Ich versteh kein Wort, Metallsammlung? Richtig, der neuste Sport. Man holt uns die Töpfe vom Küchenbort und versucht alle Schränke zu schröpfen. Wie war das? Erst blieb die Butter aus, dann blieben vom Fleisch nur die Knochen, dann fehlte die Wurst bei dem mageren Schmaus, dann nahmen selbst Eier und Brot Reissaus, ,,Es geht um das Vaterland, haltet haus und versucht, einen Eintopf zu kochen." Uns blieb ein Topf, und der Topf war leer. Jetzt holt man den Topf aus der Küche, das Hemd vom Leibe. Was will man mehr? Wir zahlen und geben das letzte her, für wen denn? Für was denn? Für Deutschlands Ehr? Lasst es gut sein, wie kennen die Sprüche. Die Führer zittern um ihren Kopf und wir zittern leider vor ihnen. Uns schreckt jeder blitzende Achselknopf, es zittert ein Tropf vor dem andern Tropf, drum führen wir Krieg mit den letzten Topf und baun Bunker anstatt Guillotinen. Ich bin der Mann in der Reihe vier und muss heute immerzu denken. Die neben, die vor und die hinter mir, die denken das gleiche. Wir hocken hier und grüssen den Führer und glotzen stier und möchten ihm gern etwas schenken. bigen wonnige Houris mit Bauchtanz, Gesang und entsprechenden Orgien verheisst. Der ganze braune Kriegsfeuilletonismus erweist sich als ausgepumpt, ideenlos-martialisch, klischeehaft und langweilig führerfromm.„Originell" wirkten höchstens einige Soldatenbriefe aus Polen, in denen der Barbarismus seine Schandtaten naiv gestand. So im„Stürmer musste eine werden..." Begrenzung vorgenommen Man las von Massnahmen, durch die„ein stossweiser Einkauf" oder„ein Vorgriff" verhindert wird. Und das alles in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", indessen die„Frankfurter Zeitung" zur selben „. Zeit die Schuhversorgung sprachschöpfe- der eine erie behandelte. Da las man von der den. 5 Leute, ein Mg.-Schütze und vier Polizisten mit Karabinern dringen, so schilderte der Radioreporter, in eine bäuerliche Hütte ein. Man ist des Opfers sehr sicher, das Unternehmen ist ja„teilweise ein Spass". Angehörige des Insurgenten, zuletzt die Mutter, werden verhört. Unterdessen durchsucht die Polizei das Haus. Das Verhör, die Geräusche, Kolbenschläge gegen Schränke und Türfüllungen, Rasseln im Stroh,— das alles kann gestellt sein, man hofft, dass es gestellt ist. Aber dann hört man, polnisch, die Schmerzensschreie der alten Mutter, Beteuerungen, hastige, angstvolle Lügen, und man wird mit Entsetzen gewahr, was sich vor unseren Ohren abspielt, ist Wirklichkeit. In den kleinen Städten in Deutchland, in den sonntäglich geputzten Stuben hallt dieser Wehelaut der gequälten Kreatur wieder, in einer fremden unverständlichen Sprache, aber unverkennbar für jedes Ohr,— so sehen die Sonntagsfreuden aus, das ist heute Deutschland. Wurst oder Stiefel In der deutschen„Landpost" ist ein Streit ausgebrochen zwischen dem Nazidezernenten für Ernährung und dem für die Lederwirtschaft Verantwortlichen. Streitobjekt: Die Haut der deutschen Schweine. Macht man Leder daraus, wie es neuerdings propagiert wird, so muss bei der Ent- häutung ein Teil des kostbaren Schweinefettes geopfert werden, und vor allem fehlt dann die Schweineschwarte als Bindemittel für die Wurst. Einen autarken Schwar- lenersatz haben die deutschen Chemiker noch nicht konstruiert— also gibt es keine Wurst. Siegt aber der Ernährungsdezernent, dann gibt es zwar Wurst, wenn natürlich auch in zeitgemässen Portiönchen, und die Kanonenrohre können fetter geschmiert werden, aber die deutschen Soldaten müssen auf synthetischen Lederersatzsohlen in den nächsten Winterfeldzug ziehen. Schweinehaut vor die innere oder vor die äussere Front, das ist die Frage. „Drei unserer Mitarbeiter haben vor dem Feind ihr Leben für Führer und Grossdeutschland hingeben dürfen. Sie sind in Walhall eingekehrt, um dort zu neuem Kampf zu rüsten für ihr Volk..." Im Leben wie im Tode: ein ewiges Rüsten; nicht mal im Jenseits hat man davor Buhe, auch dort sind Kanonen wichtiger als Butter. Entsetzliche Perspektiven. Wie musisch, lebensfreudig und gelockert erscheint daneben die mohammedanische Kriegerreligion, die dem gefallenen Gläu- solcher Briefe veröffentlichte. Man konnte! Drin lichkeitsskala„ vom>tVerstärkten da lesen welchen Spass junge Hitlergar- rinsatz von Holzschuhen in der Landwirt- disten auf der Judenjagd hatten. Neben die- schaft., vom)>Einsat2 von neuen Werkstof- ser Prosa mutet die alte braune Fahnen- f und zwar teils auf der Grundlage Von Itt r* i lr r» I I i 7-i rfe« rrav*«! H a rrn K t a H Ar»r»-» AI at»i t? a h' lyrik allerdings geradezu' biedermeierisch an— und das will viel heissen. Br. Brandg. Buna, teils auf Lederfaserbasis... Ein solches Fünfjahresplan-Deutsch leisten sich Blätter, die gelegentlich in ihrer Umgebung„den Brei des Sonderbaren' ■■■■■!•»- entdecken. Wie sehr dieser Brei auch ihre i�l«l■■■»■*? Spalten verschleimt, das merken sie schon Die„Frankfurter Zeitung" beschwert nicht mehr. Der„Einsatz" irgendwelcher sich über die zunehmende sprachliche Un- Stoffe„auf Lederfaserbasis" und die„nor klarheit. Bemerkenswert sei,„wie gern die! male Streuung" der Kleiderkarte erscheint Bilder heule widersprechende Züge häufen ihnen schon als das Normale. Denn das und koppeln". Das Blatt bringt Beispiele, Verrückte ist drüben längst normaler All- wie:„...sah ihn an mit einem so sonderbaren Blick, erschrocken, drohend, erbarmend, alles im Zugleich..." Willkürlich werde so mit den Grenzen der Begriffe verfahren, klagt das Blatt und schliesst: „... hell und dunkel, Wohl und Wehe, ja und nein, etwas und nichts wird zum Brei des Sonderbaren vermengt. Ist die Schwelle zwischen Sein und Nichtsein uns so flach geworden, hat es so wenig auf sich mit der Scheidung unserer Sinneseindrücke?" Weshalb das umständliche Gefrage? Die „Frankfurter Zeitung" kennt doch die tieferen Gründe der neudeutschen Sprachver- hunzung recht gut, zumal sich in ihren eignen Spalten allerhand Dunkelheit breit macht. Jüngst erst, in einer elegischen Betrachtung über die„Melancholie des Eisenbahnpfiffs", war nicht ein Satz wirklich klar, am ehesten noch der Schluss; „Der schwankende Pfiff... der den Punkt bezeichnet, an dem Fahrt und Stillstand einander schneiden, an dem die Formen des Daseins, die vorwärtstag geworden und verrückt erscheinen ih rer Umgebung lediglich die normal Gebliebenen. Ktinimen Was singt der Zwangsarbeiter in Deutschland? Wir hörten einen Männerchor: Arbeit, Arbeit, das ist unser Leben, Arbeit, Arbeit muss es für uns geben, Arbeit früh und Arbeit spät Bis der Tag zuende geht. Solche Verse würden sich in einem satirischen Zeitstück nicht übel ausnehmen. Sie werden aber in Deutschland ohne Ironie verbreitet(das Heftchen für 40 Pfennige, in jeder Buchhandlung zu kaufen). „Aber dadrüben knallt es aus dem Wald raus, da von links"___ im Tone des Sportberichts gesprochen,— empfindsam:„dieser Marsch wurde vom Bunde heimat- treuer Schlesier der oberschlesischen Po- ......, i■, üzei gewidmet"—(sie lieben also ihre treibende und die verharrende, einander p-,;..; SHilesierl die knarrende kT-0„.7„n f.-.hrt«/rnioinh Ro„t>i„v,' ouzei, niese scniesierj, tue Knarrende Stimme eines Offiziers älterer Schule; „ich freue mich, der Ueberbringer dieser Auszeichnung..." forsch gedichtet: Wenn alles dies ein Ende hat, Goldene Zeiten sind über das Dritte Reich hereingebrochen. Jeder bekommt auf seine Kleiderkarte für zwanzig Pfennig Nähmaterial. Wer nur Nähseide kauft, darf sogar für vierzeig Pfennig erstehen. Aber die Transportschwierigkeiten sind für Nähmaterial so gross, dass der Bedarf nicht auf einmal gedeckt werden kann. Streng werden die Untertanen in den Naziblättern aufgefordert, Disziplin zu üben. „Es wird erwartet, dass bis zum Eintritt normaler Transportverhältnisse vom Verbraucher nur in dringenden Fällen Nähmittel bezogen werden." Die benzinfreie Trauung. Ein Ehestandsdarlehen können junge Leute in Deutschland zur Not bekommen, wenn auch nicht mehr in der früheren Höhe. Anders aber ist es mit dem Benzin für das traditionelle Hochzeitsauto. Das übersteigt die Mittel des Driften Reiches. Aus diesem Dilemma hat die Stadt Essen einen Ausweg gefunden. Sie hat einen allen Strassen- bahnwagen mit ein paar Hochzeitsblümchen ausputzen lassen und nun vermietet sie ihn für Fahrten zum Standesamt. Churchill der Judenstämmling. Endlich ist es heraus, warum die englische Flotte — wenigstens nach den Angaben der deutschen Presse— angstzitternd von allen Meeren verschwunden ist. An ihrer Spitze steht ein Judenstämmling. Winston Churchill, der erste Lord der Admiralität, hat zwar keine jüdische Grossmutler, aber doch wenigstens eine jüdische Urgross- mutter. Der„Völkische Beobachter" hat Churchills dunklen Punkt allerdings nicht selbst entdeckt, dafür aber zitiert er ausführlich ein ameoikanisches Blatt, dass dieser Wurzel alles Uebels auf die Spur gekommen ist. kreuzen, führt sogleich in einen Bereich ohne Zwang. Genau dort, wo der Zug hält. Auf freier Strecke. Der Pfiff, er klingt wie einst, wie irgendwo..." Soweit hieraus irgend ein Sinn zu klauben sein soll, ist es die Sehnsucht nach dem„Bereich ohne Zwang", nach dem Klang„von einst". Warum also mit Steinen nach anderen Verneblern werfen? Wenn die Blätter, die sprachlich noch nicht im Morast der Nazipresse angekommen sind, schlechte Beispiele hochnehmen wollen, sollten sie sich vor allem um das halbamtliche Deutsch kümmern. Da las man kürzlich über die„Reichskleiderkarte" von der „Gesamtspinnstoffmenge", von Artikeln, „die mit weniger Punkten versehen wurden". Lustig ging es weiter; „Für gewisse Warengruppen ist ein Punktanreiz gegeben worden... Die Bedarfsdeckungsmöglichkeit durch die Kleiderkarle geht von dem Gedanken aus, dass eine gesunde, normale Streuung stattfindet. Bei Damenstrümpfen Dann bleiben auf den Trümmern stehn, Dann werden sich ins Auge sehn Der ewige Gott und der Soldat." So die entstellten Stimmen der Heimat. Jeder kennt sie. Niemand von uns hört gern Rundfunk aus Deutschland. Eine Reportage aber über die Konsolidierung des Regimes in Polen, sie wurde Sonntags, an einem Vormittag gegeben, soll festgehalten werden. Es handelte sich um die Festnahme von verzweifelten Einzelgängern, die in kleinen Gruppen oder schon völlig isoliert noch den letzten Widerstand leisteten. Man hatte ungefähr 20 Mitglieder einer solchen Kampfgemeinschaft festnehmen können. Ein letzter umstellter, gehetzter Bursche war für die Reportage aufgehoben wor- BEZUG SB ED IN GUN GEN Der NEUE VORWAERTS kostet Imp. Union, 13, rue Möchain, Paris. Le Girant: Albert MARION.