JOURNAL ANTIHITLERIEN Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt NOUVEL" EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris- 5. Téléphone: Odéon 42-58 Journal social- démocrate destiné aux réfugiés de langue allemande Nr. 355. SONNTAG, 21. April 1940 Aus dem Inhalt: Das neue Verbrechen Goebbels Propagandakrieg Hitlers Kriegsschuld Die Niederlage Hitlers Katastrophe der deutschen Flotte Nach dem Abschluss des finnischen Krieges haben wir hier gesagt: Die Krise der Neutralität dauert fort. Skandinavien, anscheinend eben durch den Friedensschluss gesichert, bleibt in der Gefahrenzone. Der Wirtschaftskrieg kann nicht mehr mit wirtschaftlichen Mitteln allein, er muss mit kriegerischen Mitteln geführt werden. - Wende des des Krieges? Das neue Verbrechen Vor das deutsche Volk tritt der Ernst des Krieges und zugleich eine neue gewaltige Verantwortung. Hitler hat abermals zwei Länder überfallen, zwei der zivilisiertesten und friedfertigsten Länder der Welt. Er hat Dänemark besetzen lassen, seine Truppen sind in Norwegen eingefallen. Der Versuch, sich auf Kosten der Wehrlosen billige Siegeslorbeeren zu verschaffen, ist diesmal indessen misslungen. Der Angriff auf Norwegen hat zu einer schweren, fast vernichtenden Niederlage der deutschen Flotte geführt. Diese Niederlage ist die Niederlage Hitlers. So ist es gekommen. Was wir aber Der Versuch, die Schwere dieser Niederlage dem deutschen Volke zu verschweigen, wird ebenso misslingen wie der nicht so sicher voraus gesehen haben, Versuch, das deutsche Volk über die Lage hinwegzutäuschen, die durch den Ueberfall auf Norwegen entstanden ist. war, dass Hitler das Vorgehen der AlEreignisse von solchem Ausmass werden bekannt trotz aller Strenge der Zensur. Das deutsche Volk wird liierten so sehr erleichtern würde. Frei- bald erfahren, was ihm verheimlicht werden soll: Die Tatsache, dass Norwegen sich mit Deutschland im Kriege lich, seitdem der Mann am Ruder war, befindet und an der Seite der Alliierten für die Befreiung seines eigenen Landes kämpft. Die Tatsache, dass der blieb unsere Ueberzeugung unerschütter- Kriegsplan Hitlers gegen Norwegen auf die überlegene Macht der alliierten Flotte gestossen ist, deren Wirkung sich lich, dass er die Dummheit begehen bereits auf die Ostsee erstreckt. Die Tatsache, dass in den Seeschlachten um Norwegen und bei den Truppentranswürde, die ihm das Verderben bringen porten Deutschland in einer Woche me hr Tote verloren hat, als Hitler in seiner Reichstagsrede nach dem polnischen werde. Jetzt ist es vielleicht schon so Kriege für den ganzen polnischen Feldzug zugegeben hatte. weit. Hitler ist in Dänemark eingefallen, Nichtangriffspaktes, der jede Gewaltanwendung für immer ausschloss, genötigt hatte. Die dänische Regierung und der König haben kapituliert; ein neuer Sieg schien erfochten. Dänemark in Hitlers Hand sollte der Flotte der Alliierten den Zugang in die dänischen Gewässer verbieten und den Deutschen die freie Durchfahrt durch den Skagerrak und damit die Verbindung mit Oslo sichern. Gleichzeitig liess das er vor noch nicht einem Jahr zum Abschluss eines Hitler unter dem Schutz der Flotte Truppen nach Norwegen bringen. Unterstützt durch den Verrat einheimischer Nationalsozialisten, deren Treiben Die Schlacht um den Norden ist erst im Anfang. Es ist vorauszusehen, dass der Krieg nun auf der ganzen Linie entbrennen und sich rasch ausdehnen wird. Die Propaganda Hitlers hat sich bemüht, das deutsche Volk in einen neuen Siegesrausch zu versetzen. Sie hat mit erlogenen Nachrichten den Machtkitzel des Volkes wecken wollen. Sie hat versucht, das Volk in einen Rausch zu versetzen, der es mitschuldig an dem neuen Verbrechen machen sollte. Wir wissen von vornherein, dass dieser Versuch bei einem Teile des deutschen Volkes wirkungslos bleiben muss. Die Millionen von Sozialdemokraten, die in Deutschland unter dem Hitlerterror leben müssen, begeistern sich nicht dafür, dass die Herrschaft des Hitlermilitarismus und der Gestapo sich heute über Dänemark erstreckt, über das Land, in dem eine von Sozialdemokraten geführte Regierung den Wohlstand des Landes gehoben, für den Aufstieg der Arbeiterschaft Sorge getragen und gezeigt hat, dass vernünftige demokratische und soziale Politik dem inneren Frieden dient. Sie begeistern sich ebenso wenig dafür, dass Hitler Norwegen und Schweden mit dem gleichen Schicksal bedroht. Wir wissen auch, dass andere Kreise von Entsetzen ergriffen worden sind über das neue Verbrechen Hitlers. Unsere Hoffnung ist es, dass die Niederlage Hitlers und die Katastrophe der deutschen Flotte dem ganzen Volke die Augen öffnen und den Bann der Hitlerpropaganda brechen werden. Es ist höchste Zeit im Interesse des deutschen Volkes selbst! Wir als die berufenen Vertreter der deutschen Opposition sprechen unseren Abscheu über die neuen Verbrechen Hitlers aus. Wir müssen nicht erst betonen, dass die Befreiung Dänemarks und Norwegens für uns ebenso selbstverständliche Ziele sind wie die Befreiung Oesterreichs, der Tschechoslowakei und Polens. Wir sehen mit Emdeutschen Volkes zerstampft. Heute schon hat das deutsche Volk die Verbrechen Hitlers ungeheuer teuer bezahlt die norwegische Regierung ebenso wie pörung, wie die Regierung Hitlers mit den Rechten der überfallenen freien Völker zugleich die Zukunftsaussichten des lang geduldet hatte, konnten Oslo und wird sie noch teuerer bezahlen müssen, wenn es ihn weiter Verbrechen auf Verbrechen häufen lässt. die anderer neutraler Länder nur allzueine Reihe Häfen wie Bergen, Trondheim und Narwik besetzt werden. Aber die es norwegische Regierung und der König schen Truppen in Norwegen sind abge- dem Bottnischen Meerbusen verhindern es auch zu Ende; die Fortführung der kapitulierten nicht, so unvorbereitet sie schnitten. Die Alliierten aber haben nach die englischen Minen. Produktion kann Deutschland nicht erwaren und so gering ihre militärischen der Vernichtung eines wesentlichen Die Dinge sind zur Stunde noch in möglichen. Seine Ernährungslage wird Kräfte sind. In dem Punkt hat sich Hit- Teils der deutschen Kriegsflotte, nach voller Entwicklung, und die Bilanz, die bald eine weitere Verschlechterung erder Blockierung des Rests völlige Hand- wir ziehen wollen, kann nur eine vor- fahren. ler verrechnet. Aber dieser Irrtum, so böse Folgen lungsfreiheit, sie sind im Norden fast läufige sein. Das gilt vor allem für die er nach sich zieht, wiegt noch leicht ge- unumschränkte Herren des Meers, und militärische Seite. Fest steht, dass die lem in seiner grossen Handelsflotte, die Norwegens Reichtum besteht vor algen den Grundfehler, den Hitler began- der Weg für die Unterstützung Norwe- deutschen Verluste an Kriegs- und an- mit ihren 4,7 Millionen Tonnen nach gen hat, den Fehler, ein noch dazu ganz gens ist frei. Unterdessen schreitet im deren Schiffen gross sind, und sie fal- England, den Vereinigten Staaten und unzureichendes Landungskorps an ent- Norden des Landes selbst die Mobilisie- len bei der Unterlegenheit der deutschen Japan den vierten Platz in der Welt fernte Küsten zu senden, ohne über die rung fort. Hitler steht nur ein Weg of- Flotte umso schwerer ins Gewicht. Die einnimmt. Sie wird jetzt, wie übrigens Herrschaft zur See zu verfügen, die al- fen, wenn er seinen Truppen in Nor- Aktionsfähigkeit des übrig gebliebenen ein grosser Teil der dänischen, den Allein den Nachschub und die Verstär- wegen, die auf etwa 35.000 Mann ge- Rests ist durch die Minenfelder äusserst liierten zur Verfügung stehen. kung gewährleisten kann. schätzt werden, Hilfe bringen will, der eingeschränkt, und das bedeutet zu- Doch das alles verschwindet vor der Der Gegenstoss der Alliierten war Weg durch Schweden. gleich, dass die ohnedies geringen Er- Bedeutung des Abschneidens der Eisenschnell und gründlich. Ihre Flotte und Schweden hat neuerlich seine Neutra- folge des deutschen Seekriegs gegen den erzzufuhr. Norwegen und Schweden haihre Flugzeuge erschienen im Skagerrak lität bekräftigt, aber nicht minder deut- Handel der Alliierten in Zukunft noch ben seit Kriegsbeginn ungefähr neun und Kattegatt. Eine Anzahl deutscher lich erklärt, einem Durchzug deutscher bedeutungsloser sein werden. Vermehrte Zehntel der deutschen Erzeinfuhr gelieDampfer, die Truppen und Munition Truppen und erst recht einem Angriff Sicherheit der englischen und französi- fert. Bei dem hohen Eisengehalt der transportierten, wurde vernichtet. Vor Gewalt entgegenzusetzen. Die Operation schen Handelswege, verschärfte Blok- schwedischen Erze kann man annehOslo bohrten die norwegischen Küsten- wäre nichts weniger als ein militäri- kierung Deutschlands ist das Resultat. men, dass nach dem Fortfall der elsässibatterien zwei deutsche Kreuzer in den scher Spaziergang, verlangte den Ein- Und die Bedrohung Englands von deut- schen, spanischen und nordafrikaniGrund. Vor Narwik zerstörten die eng- satz grosser Kräfte und wäre mit gros- schen Stützpunkten her an der norwe- schen Zufuhr mehr als die Hälfte der lischen Seekräfte die sieben deutschen sen Opfern verbunden. Schweden würde gischen Küste ist beseitigt. Und die an- deutschen Eisenproduktion auf dem Torpedojäger, ein Drittel des deutschen Kriegsschauplatz und hörte damit auf deren materiellen Wirkungen? Däne- schwedischen Erz beruhte. Und DeutschBestandes an solchen Schiffen, die in absehbare Zeit auf, Erzlieferant zu sein, mark hat bekanntlich eine grosse Aus- land hatte mindestens seit 1938 steider Bucht eingeschlossen waren, und abgesehen davon, dass die Erzlager des fuhr von Butter, Eiern, Schinken und gende Eisenknappheit! Der schwächste die Lage der deutschen Besatzung ist Nordens heute schon dem Zugriff der Speck. Ein beträchtlicher Teil ging auch Punkt der deutschen Rüstungsprodukunhaltbar geworden. Aber noch mehr: Alliierten näher liegen als dem Hitlers. während des Krieges nach Deutschland. tion ist getroffen, eine schwere Wunde Gigantische Minenfelder, die sich über Kann Hitler noch zurück, nachdem er Aber diese ganze Veredlungsproduktion ist der deutschen Kriegswirtschaft gedie gesamten deutschen Meeresküsten sich in das Abenteuer verstrickt hat? beruht auf der Einfuhr hochwertiger schlagen. erstrecken, blockieren Schiffahrt; sie machen die Verbindung mag, eins steht zunächst fest: die Eisen- Die kommt jetzt nach der Blockade Dä- materiellen, sind die moralischen und zwischen den Ostseehäfen und Däne- zufuhrt ist gesperrt; im Hafen von Nar- nemarks durch die Alliierten sofort zum geistigen Folgen. Der Ueberfall auf das mark einerseits und Norwegen anderer- wik ankern nicht mehr deutsche Schiffe, Stillstand. Hitler kann und wird Däne- unbeteiligte, den deutschen Wünschen seits fast völlig unmöglich. Die deut- sondern englische, und die Ausfahrt aus marks Bestände rauben; aber dann ist stets fügsame Dänemark hat nicht nur die deutsche Aber wie immer er sich entscheiden und zumeist überseeischer Futtermittel. Aber nicht minder bedeutend als die den Neutralen nochmals gezeigt, welches Schicksal ihrer harrt, wenn sie nicht rechtzeitig ihren Widerstand organisieren und dafür die Hilfe der Alliierten in Anspruch nehmen; der mit solcher Promptheit, Energie und Ueberle- genheit geführte Gegenschlag der Alliierten hat auch gezeigt, dass diese zur Hilfe bereit und wahrlich fähig sind; er hat die Zweifel an ihrem unbeugsamen Kriegswillen, der in den neutrale Ländern teilweise noch bestand und von den Nazi- und Stalinagenten geflissentlich genährt wurde, gründlich ausgeräumt. Neue Kapitulationen sind unwahrscheinlich geworden. Und noch etwas anderes hat sich ereignet: die erste Niederlage Hitlers. Und sie ist sein persönliches Werk. So unglaublich es ist, dieser„österreichische Gefreite" ist wirklich der Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht. Er übt die Kommandogewalt selbst aus, er entscheidet. Diese Entscheidungen sind reinste Räuberromantik. Eine unterlegene Flotte wird ausgeschickt, um unzureichende Truppen zu landen. Die verfaulten Demokratien werden schon nicht reagieren, das Überfallene Volk wird sich nicht wehren, der deutsche Recke muss siegen. So siegt der weisse Held über die Indianerhorden bei— Karl May. Der ist Hitlers strategischer Lehrer, wie ja sein„Werk", das einzige ist, das der Mann wirklich studiert hat. Von Bismarck über Wilhelm II. zu Hitler, von Moltke über Ludendorff zu Karl May— das ist der Weg, den der Nationalsozialismus geführt hat! So skeptisch wir sonst sind, diesmal möchten wir die Nachricht glauben, dass sich der Admiral Raeder dem Kriegsplan' Hitlers widersetzt hat. Aber was ist eine Generalität noch moralisch wert, die sich schliesslich aus Furcht, Unterwürfigkeit und Strebertum solchem Aberwitz fügt? Wie der finnische Krieg die Verrottung des Stalinismus enthüllt hat, so der Kampf um Skandinavien die fürchterliche geistige und moralische Unterlegenheit des nationalsozialistischen Staates! Die erste Niederlage Hitlers nach den ununterbrochenen, weil unverhinderten, Siegen über Oesterreich, die Tschechoslowakei und Polen wird auch die erste Ernüchterung des deutschen Volkes sein. Mit allen Mitteln sucht deshalb die nationalsozialistische Propaganda die Wahrheit zu verbergen und eine Zeit lang mag es ihr gelingen. Doch die Wahrheit wird durchbrechen und die erste wird nicht die letzte Niederlage sein. Die Widerstandsfestigkeit des deutschen Volkes ist aber heute viel geringer als im letzten Krieg. Das nationalsozialistische System verträgt Misserfolge schlecht. Im Kampf um Skandinavien haben die Alliierten die Oberhand gewonnen. Die Grösse des Erfolges lässt sich heute noch nicht ermessen. Viel bleibt abhängig von dem Verhalten der beiden„neutralen" europäischen Grosstaaten. Russland hat sich bis jetzt nicht gerührt. Italien führt eine unfreundliche Sprache und seine Presse überschlägt sich in Freundschaftsbezeugungen für Deutschland. Prophezeiungen über das Verhalten von Diktatoren sind müssig, aber die Tatsachen, die die Alliierten gesetzt haben, sind keine Ermunterung für gewagte Abenteuer. Bleibt aber Hitler-Deutschland isoliert, dann ist jetzt die Wendung des Krieges gekommen. Dr. Richard Kern. Chronik der Woche Deul�chee Ueberfall auf Nbr�veg�en und Dslnemark- Schwere Verluste der deutschen Flotte- Fn�lisehe Minenfelder in der Ostsee Montag, 8. April 1940. Ein von den Alliierten im Skagerrak versenktes deutsches Schiff war ein Truppentransportdampfer. Etwa hundert deutsche Kriegsschiffe aller Grössen sind aus verschiedenen deutschen Häfen nach Norden ausgefahren. Der amerikanische Frachtdampfer Deutschland hat den Versuch unternommen, in Norwegen eine willfährige Gegenregierung unter Führung des Nationalsozialisten Quisling einzusetzen. Der Oberste Kriegsrat der Alliierten tagte nachmittags in London. In Berlin wurden die norwegischen und dänischen Journalisten am frühen Morgen „Wildwood", der mit einer Russland gehö- zu einer dringenden Pressekonferenz in renden Ladung von Kupfer und Maschinen Hotel Kaiserhof eingeladen und dort nach einem sowjetrussischen Hafen im l"5 zum Abend interniert. Stillen Ozean unterwegs war, wurde aus Alle norwegischen und dänischen Tele- dem mittleren Stillen Ozean nach Amerika /on- und Telegraphenverbindungen wurden zurückgerufen, weil die Ausdehnung der von den Deutschen unterbrochen und die britischen Blockade auf die sowjetrussi- Radiostationen besetzt. sehen Häfen im Stillen Ozean seine kost- /n Schweden wurden besondere Sicher- bare Ladung gefährdete. heitsmassnahmen getroffen. Eine Konferenz der britischen Diptoma- /);-e schwedische Regierung beschloss, ten der Balkanlander fand m London unter allen Angriffen, von welcher Seite sie kora- Leitung des britischen Aussenministers men mö Widerstand zu leisten. statt. Es wurden die Möglichkeiten zur Drosselung des deutschen Handels auf dem Deutschland Hess vor allen wichtigen Balkan besprochen.| schwedischen Häfen im Skagerrak Minen legen. Rumänien hat während der ersten sieben_.,. Kriegsmonate fast doppelt soviel Petroleum. Dle hollandische Regierung hat Sicher- an die Alliierten verkauft wie an Deutsch-!ie,[S%:0,rkeJhrungeJn und den Ur- land. Dienstag, 9. April 1940. Deutsche Truppen sind am Dienstag beim Morgengrauen in Dänemark eingedrungen. Im Laufe des Tages wurde Kopenhagen besetzt und einige andere strategisch wichtige Orte. Die deutschen Truppen und Kriegsschiffe stiessen auf keinen ernsthaften Widerstand. laub für die an der deutschen Grenze und an der Küste stationierten Truppen aufgehoben. Auch Belgien hat seine Sicherheitsmass- nahmen verstärkt.• Mittwoch, 10. April 1940. König Haakon von Norwegen hat das deutsche Ansinnen, die von Deutschland eingesetzte Regierung Quisling als recht- n r>~„ i..... mässige norwegische Regierung anzuerken- Der Konig von Danemark und die dam- nen zBurück2e�iesen sehe Regierung erliessen gemeinsam eine' 0 Proklamation, in der sie das Volk auffor- Zahlreichen Flüchtlingen aus Dänemark dern, sich jeden Widerstands gegen die gelan'g es) nach Schweden zu entkommen. deutschen Truppen zu enthalten. Eine dänische Kompagnie von 150 Mann Mehrere norwegische Häfen, darunter geschlossen nach Schweden übergetre- Oslo, Bergen, Trondheim und Narvik wurden in der Nacht vom Montag zum Dienstag von deutschen Truppen und von Kriegsschiffen überfallen. In einzelnen Häfen, besonders im Fjord von Oslo, wurde den Deutschen heftiger Widerstand entgegengesetzt, den sie aber überwinden konnten. Der deutsche Gesandte in Oslo hat mor- Donnerstag, 11. April 1940. Regierung und König von Norwegen haben eine Proklamation erlassen, in der sie das norwegische Volk zum Freiheitskampf gegen Deutschland aufrufen. Der französische Ministerpräsident Paul Reynaud gab vor dem französischen Senat die Versicherung ab, dass keine Tonne Eisenerz mehr von Narvik nach Deutschgens um fünf Uhr die norwegische Regierung ersucht, sich der Besetzung durch lan�transnortm� Truppen nicht zu widersetzen, transportiert werden wird, deutsche sich vielmehr unter den militärischen Schutz des Reiches zu stellen. Die norwegische Regierung hat noch in der Nacht die allgemeine Mobilisation angeordnet. In Oslo ist mit der Evakuierung der Bevölkerung begannen worden. Es gab in der Nacht auf Dienstag dreimal Fliegeralarm. Der norwegische König und die Regierung haben Oslo verlassen. Die Alliierten haben beschlossen, Norwegen militärische Hilfe zu leisten. Vor dem englischen Unterhaus berichtete Churchill über das Eingreifen der englischen See- und Luftstreitkräfte in den Kampf gegen den deutschen Ueberfall auf Norwegen. Island hat seine Loslösung von Dänemark proklamiert. Freitag, 12. April 1940. Ein Minenfeld, so gross wie der dritte Teil von Frankreich, wurde von den Alliierten in der Nordsee gelegt. Es schliesst Kattegat und Skagerrak, sowie die ganze dänische und deutsche Nordseeküste bis nach Holland ab. Die schwedische Regierung ordnete die Evakuierung aller Frauen und Kinder aus Goeteborg, Malmö und Heldingborg an. Der schwedische Ministerpräsident Hansson deklarierte nochmals den Ent- schluss Schwedens, seine Freiheit und seine Ehre kämpfend zu verteidigen, wenn es angegriffen werden sollte. Sonnabend, 13. April 1940. Die Färöer-lnseln, die bisher zu Dänemark gehörten, sind von England besetzt worden. Im Hafen von Narwik wurden sieben deutsche Kriegsschiffe von der englischen Flotte zerstört. Der deutsche General von Falkenhorst, der in Oslo als Kommandant eingesetzt wurde, Hess über den von den deutschen besetzten Osloer Sender alle Norweger mit der Todesstrafe bedrohen, die dem Mobilisationsbefehl der rechtmässigen norwegischen Regierung Folge leisten, die die deutschen Unternehmungen schädigen, oder die mit Waffen betroffen werden. In Schweden wurden für die zahlreichen Flüchtlinge aus Norwegen Hilfsstellen und Heime von den Gemeinden und vom schwedischen Roten Kreuz eingerichtet. Die deutsche Presse enthält heftige Angriffe gegen Schweden. In der italienischen Presse wird der deutsche Ueberfall auf Norwegen und Dänemark als ein militärisches Meisterwerk gefeiert. Präsident Roosevelt wandte sich auf einer Pressekonferenz entschieden gegen die Vergewaltigung kleiner Nationen wie Dänemark und Schweden. Sonntag, 14. April 1940 Die Engländer legten Minenfelder in der Ostsee, von der dänischen Küste bis fast nach Memel, sodass die gesamte deutsche Küste gesperrt ist. Montag, 15. April 1940 Englische Truppen sind an verschiedenen Stellen in Norwegen gelandet. Die deutsche Flotte erlitt in der ersten Woche nach dem Ueberfall auf Norwegen und Dänemark folgende Verluste: 1 Schlachtkreuzer versenkt(„Gneisenau"), 1 Schlachtkreuzer schwer beschädigt („Scharnhorst"), 1 Panzerschiff torpediert („Admiral Scheer"); ausserdem versenkt: 1 grosser Kreuzer, 5 Kreuzer, 14 Zerstörer, 8 Truppentransportdampfer, 7 Marinehilfsschiffe, 2 Tankdampfer, 2 Munitionsschiffe. In englische Häfen eingebracht wurden 8 Küstenwachboote. Die deutsche Flotte ist damit auf einen Bruchteil ihrer Vorkriegsstärke dezimiert. Die Zahl der Menschenverluste dieser Woche ist noch nicht bekannt. Die Forbereiliing' des ilng�riffs Goebbels Feldzust nach Skandinavien In wenigren Zellen Der deutsche„Reichsdienststrafhof" hat den Grundsatz aufgestellt, dass künftig Beweggründe einer Tat,„die in religiösen oder ehemaligen parteipolitischen Beweggründen wurzeln, für den Beamten keineswegs entlastend sind", sondern slrafver- schärfend wirken.— In freien Ländern gelten obige Motive als mildernde Umstände. * ** Zu den Büchern, die dem Pakt Berlin- Moskau zum Opfer fielen, gehört auch die Schwarte„Schöpfung einer Nation". Verfasser: Hermann Göringl Vom Jahrestag der„Befreiung Finnlands vom bolschewistischen Joch", der jedes Jahr im Dritten Reich mit Fahnen, antibolschewistischen Reden und Gräber- schmuck begangen wurde, durfte in diesem Jahr die deutsche Presse nicht einmal Notiz nehmen. Während in den norwegischen Hafenstädten bereits die deutschen Seeoffiziere — getarnt als harmlose Handelsschiffsmatrosen— herumschlenderten, und langsam die besten Plätze erkundeten für die deutschen Küstenbatterien und andere Geschütze, die noch wohlversteckt im Kielraum der kleinen deutschen Handelsschiffe lagen, war Goebbels auf seinem Schlachtfelde nicht müssig. Er stellte die öffentliche Meinung her, die ihm am günstigsten schien, für die Aufnahme des neuesten Hitlerverbrechens. Goebbels stellte eine öffentliche Meinung her, die drei Tage vor dem Ueberfall auf Dänemark und Norwegen in der Kopenhagener„National Tidende" in einem Bericht ihres Berliner Korrespondenten dahin charakterisiert wurde, dass der Mann auf der Strasse durch die deutsche Presse in eine Stimmung versetzt worden sei, in der er selber glaube, dass der Krieg in Skandinavien jeden Tag losgehen könne. Diese Stimmung, die von dem dänischen Korrespondenten in kindlicher Arglosigkeit bestaunt wurde, hat Goebbels dadurch erzeugt, dass er während der ganzen Wochen der Vorbereitung des Naziüberfalls den deutschen Zeitungslesern immer wieder einhämmern Hess, dass England Skandinavien überfallen wollte. Der„Völkische Beobachter" nennt am 4. April Chamberlains Feststellung, dass Deutschland keine Bedenken trage, neutrale Länder mit Invasion zu bedrohen, eine„Haltet den Dieb"-Methode, weil„Eng- j lands gesamte Politik in den letzten Mo- Inaten darauf abgestellt war, unter dem Vorwand, Finnland zu helfen, in Schweden und Norwegen einzufallen und die beiden nordischen Länder in einen Kriegsschauplatz gegen Deutsehland zu verwandeln. Es besteht über diese hinterlistigen Pläne der britischen Regierung nicht ein Funken des Zweifels mehr. Der Frieden von Moskau hat Mr. Chamberlain das Konzept verdorben." In den„Münchner Neuesten Nachrichten" heisst es am 2. April; „England war es nur darum zu tun, Schweden und Norwegen in den Krieg zu verwickeln..., aus Skandinavien einen Kriegsschauplatz zu machen..." Und das ,Neue Wiener Tagblatt" schreibt am 21. März etwas dunkel: „Die Niederlage, die die Kriegsaus- weitungspolitik Londons in der finnischen Frage erlitten hat, hat offenbar die letzte Hemmung beseitigt." Der„Westdeutsche Beobachter" glaubte indessen am 13. März feststellen zu können; „Die Westmächte haben ihr Spiel im nordeuropäischen Raum verloren. Die Ausweitung des Krieges in dieser Richtung ist missglückt." Gleicher Meinung wie dieses Goebbelsblatt ist, wenn auch mit leichter kommunistischer Abwandlung in der Ausdrucksweise, die Moskauer„Prawda", deren Parole am 13. März lautet: „Die Pläne der englisch-französischen Imperialisten, die auf Entfachung des Krieges in ganz Europa hinausliefen, sind gescheitert." Die Essener„National Zeitung" kündigte am 4. April an: „Es erhebt sich das Gespenst der Kriegsausweifungspläne der Westmächte in furchtbar drohender Gestalt über dem europäischen Norden." Dagegen erschien der gleichen Zeitung das englische Gespenst noch nicht so dro-- hend, als sie wenige Tage vorher(am 30. März) schrieb: „Man weiss an der Themse, dass ein weiterer Eingriff in die Rechte Norwegens die Stimmung der ganzen Welt gegen England und Frankreich kehren würde." Auch die„Frankfurter Zeitung" sieht an diesem Tag Skandinavien noch nicht so bedroht von der„englischen".Gefahr. Sie schreibt: „Nachdem die Pläne der Westmächte zur Kriegsausweitung in Nordeuropa gescheitert sind, möchten sie sich noch immer nicht zu der Erkenntnis verstehen. dass es nur eine Westfront und eine Nordseefronl gibt, und dass den Krieg dort führen muss, wer ihn haben will." Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" spricht am 31. März von dem in„London und Paris proklamierten Willen, endlich den Kriegsschauplatz auf ein wehrloses Gebiet zu verlegen..." und sie schreibt unter der Ueberschrift ,, Neue Hilfsvölker gesucht.": ,, Nachdem es den Westmächten nicht gelungen ist, Finnland für ihre Interessen einzuspannen, bemühen sie sich jetzt krampfhaft, ein anderes Land zu finden, das bereit wäre, seine Haut für England zu Markte zu tragen." Wesentlich wöhnlich Die deutsche Finanzkatastrophe geHitlers Kriegsschulden in Millionen Rmk. am Jahresende 1938 57 390 56,8 141 728 zusammen Damit hat der Notenumlauf einen seit 1939 der Inflation unerreichten Rekord geschlagen. In Jahresfrist ist er um 3,9 Milliarden 590 gestiegen, also um mehr als 1932 der ge801 samte Notenumlauf betragen hatte und um 638,2 einen Betrag, der dem Zahlungsmittelum369 lauf der besten Konjunkturjahre der Re1036 publik fast gleichkommt. Gegen alle diese Ziffern ist ein Einwand 1372,8 3434,2 zu machen, nämlich, dass sie zwar mit den Bereits in den ersten Tagen des Krieges war dem deutschen Volke eine kräftige Steuererhöhung auferlegt worden. Die Bank der d. Arbeit deutlicher war Steuerwie ge- Steuereinnahme für das laufende das ,, Schwarze Korps." Es er- jahr wird von den nationalsozialistischen Dresdner Bank auf 24 Milliarden Deutschland- Kasse schien am 28. März mit einer grossen Kar- Finanzautoritäten rikatur auf der ersten Seite. schätzt, das ist fast das Vierfache der 6,7 Commerz- und Privat Bank Steuereinnahmen des Reiches Deutsche Girozentrale Chamberlain fragt Churchill: ,, Nun, ha- Milliarden ben wir schon einen neuen Kriegsschau- von 1929-30. Der wirkliche Verbrauch der platz gefunden? Darauf Churchill:„ No, Gelder, die die Rationierung übrig lässt, übersteigt aber noch gewaltig die wirkliSir, wir nicht aber die Deutschen!" Im Laufe eines Jahres, wovon nur vier amtlichen Ausweisen, aber nicht mit der Der„, Völkische Beobachter" signalisiert einer so gewaltigen Schuldenlast in diesen fünf Kreditinstitute von den bei ihnen an- weit hinter sich lassen. Denn um die wirkchen Einnahmen. Das Dritte Reich ist mit Kriegsmonate sind, hatten also allein diese Wirklichkeit übereinstimmen, sondern sie 7. April ,,, dass der zweite Hauptabschnitt des Krieges nun bevorsteht", und Krieg eingetreten, dass die Finanzierung gelegten Ersparnissen um 2 Milliarden liche Höhe der inflationistischen Verschuldass Deutschland ,, mit eisernen Entschlüs- leihen aufgegeben werden musste. der Kriegsausgaben mit langfristigen An- mehr zur Verstärkung von Hitlers Kriegs- dung zu verschleiern, haben die Nazis mit Gesellschaften macht zur Verfügung stellen müssen. Zum der Gründung von sen" zum Gegenschlag gegen die Verletzung Kriegsausgaben werden fast nur noch mit Teil wurden diese kurzfristigen Schuldtitel verschiedensten Namen Strohmänner geder Neutralität Norwegens, Dänemarks, den faulen Wechseln Hitlers bezahlt, mit mit Reichsanleihe bezahlt, aber nur zum ge- schaffen, die formell als Schuldner fungieHollands und Belgiens durch die WestReichsschatzwechseln und Reichsschatzan- ringen Teil. Die Gesammtschuld des Reiches ren, hinter denen sich aber als wahre mächte vorgehe. weisungen, die nichts anderes sind als An- hatte sich also fast um den ganzen Betrag Schuldner das formell garantierende Reich Am 9. April begann Hitlers Feldzug ge- weisungen an die Notenpresse. Die kurz- erhöht, um den die kurzfristige Verschul- verbirgt. Bereits im November vorigen fristigen Schulden, die sogenannten schwedung zugenommen hatte. Die ,, Times" vom Jahres hatte der ,, Deutsche Volkswirt" die benden Schulden des Reiches betrugen: am gen Norwegen und Dänemark. Ernst Heilmann Ein fast siebenjähriges Martyrium ist zu Ende gegangen. Am 4. April ist im berüchtigsten aller Konzentrationslager, Buchenwald, unser Genosse Ernst Heilmann, kurz vor der Vollendung seines 58. Lebensjahres, gestorben. in Milliarden Rmk. 1,5 5,2 14,1 März 1933 Ende 1938 Ende 1939 Die Es und im Jahresdurchschnitt 1932 im Jahresdurchschnitt 1936 im Jahresdurchschnitt 1937 im Jahresdurchschnitt 1938 im Jahresdurchschnitt 1939 im Februar 1940 im März 1940 3,8 4,5 5,1 6,7 8,3 11,9 12,2 unter die Reichsbank neue Münzen zu 1, 5 und 10 Pfennig aus Zink ausgegeben, das wahrscheinlich aus den geraubten polnischen Zinkhütten stammt. Diese Zinkmünzen sollen die Ein- und Zweipfennigstücke aus Kupfer und die Fünf- und Zehnpfennigstücke aus Aluminiumbronze ersetzen. 30. Januar enthalten eine Berechnung, wo- Summe dieser Reichsgarantien, als deren nach 4,2 Milliarden deutscher Spargelder, Empfänger die Oeffa- Bank, die Industriedie bei Sozialversicherungen und Sparkas- Bank, die Luftfahrtkontor G. m. b. H. und sen angesammelt waren, in Hitlers Schuld- die Reichskredit A. G. vorgeschoben wascheinen angelegt, also für seine Kriegs- ren, auf eine Milliarde Reichsmark bezifführung verbraucht sind. fert. In den Ausweisen der Reichsbank werden die Rentenmarkscheine und die Das fieberhafte Tempo der Geldfabrika- Scheidemünzen tion des Dritten Reiches kann man, wenn Die Rentenbankscheine, die in Stücken von nicht mehr ausgewiesen. Die Wechselschulden des Reiches waren auch nur zum Teil, den Reichsbankauswei- 1, 2 und 5 Mark ausgegeben werden und also, nach den amtlichen Angaben, Ende sen entnehmen. Nach ihnen hat der Um- als deren Schuldner die Rentenbank vorUnter den Zehntausenden von gemeinen 1938 um 270 Prozent, Ende 1939 um 940 lauf der Reichsbanknoten mit 12,2 Milliar- geschoben ist, damit die Reichsbank sich Verbrechen, die die Nationalsozialisten an- Prozent grösser als zur Zeit von Hitlers den Ende 1940 bereits die Höhe von Ende dahinter verstecken kann, sind eine zugehäuft haben und täglich weiter verüben, Machtantritt. des Jahres 1916 erreicht. Hitler ist jetzt sätzliche Inflationsquelle und sollen aushat damit eines der grausamsten, weil In welchem Masse die Ersparnisse in schon soweit damit wie Wilhelm nach zwei serdem Metall für Münzen ersparen, weil kaltblütigsten, seinen Abschluss gefunden. Deutschland für den Krieg verbraucht Jahren intensivster Kriegsführung. Es wa- offenbar Papier zwar knapp, aber nicht so Denn seit langem war es uns klar gewor- worden sind, obwohl dank dem Ueberfall ren Reichsbanknoten in Milliarden Rmk.: knapp ist wie Metall. In diesen Tagen hat den, dass Ernst Heilmann das Konzentra- auf Dänemark und Norwegen sein kostspietionslager nicht lebend verlassen würde, es liges Stadium erst begonnen hat, kann man sei denn infolge des Zusammenbruchs der den folgenden in den Jahresabschlüssen regierenden Gangster. Er selber war sich von fünf deutschen Kreditinstituten für darüber klar, wie er uns vor etwa Jahres- 1939 enthaltenen Zahlen entnehmen. frist mit seinen herzlichen und treuen hatten in Reichsschatzwechseln Grüssen durch einen entlassenen und aus- Reichsschatzanweisungen angelegt wandernden Schicksalsgefährten mitteilte. Die Gestapo wollte und konnte ihn nicht mehr entlassen, seit jenem Tage, an dem er, vor mehr als sechs Jahren, im Lager Börgermoor von Wachtposten mit Gewehrkugeln schwer angeschossen worden war. Das war nur der Gipfelpunkt unbeschreiblicher Grausamkeiten, die nach und nach von Augenzeugen berichtet wurden, Im deutschen Volke haben Spassmacher| und die, sowohl wegen ihrer besonderen WinterScheusslichkeit, wie auch wegen der be- das Gerücht ausgestreut, beim kannten Persönlichkeit des Opfers, wie hilfswerk könne jeder gegen eine Spende ein Lauffeuer von Mund zu Mund sich in von 20 oder 25 Mark eine Tüte Kaffee beDeutschland und dem Ausland verbreitet ziehen. Da nichts so unsinnig ist, als dass und hält den Mund. ,, Wie aber", klagt die deutschen Schreckens. Daneben fürchtet haben. Seitdem war der einstmals grosse, es von den Deutschen nach den Erfahrunkräftige Mann eine körperliche Ruine, gen der letzten sieben Jahre nicht geglaubt ein weissgewordener, tiefgebeugter, hin- würde, kann sich die Leitung des Winterkender Mensch( ein Bein war infolge die- hilfswerks seither vor Anfragen nicht mehr Schussverletzungen verkürzt). Und retten. Mancher Kaffeetrinker schickt die dieses lebendige Zeugnis ihrer eigenen Spende sogar hoffnungsfroh im voraus ein Barbarei wagten die Nazis nicht mehr und bittet, ihn mit einer ,, recht guten Sorte in Freiheit zu setzen. Geistig war Heil- Kaffee" zu bedienen. Es müssen andere, weit gefährlichere mann dennoch, so wurde uns von zuverlässigen Zeugen bis kurz vor Kriegsaus- Gerüchte die Hülle und Fülle im Umlauf bruch versichert, der alte geblieben: Die sein, denn schon in seiner Nummer vom Gewissheit des unentrinnbaren Zusam- 28. März, also vor dem Wahnsinnsritt gen der die Wogen des Misstrauens menbruchs der Naziherrschaft gab ihm Norden, ser Gerüchte und Drohungen Wer ist stärker der Gemüsehändler oder die Gestapo? die erstaunliche Kraft, alle Qualen zu er- bergehoch anschwellen liess, leiden und den Freitod zu verschmähen ,,, Schwarze Korps": den die meisten in der gleichen Lage schon lange vorgezogen hätten. " patrioten" keine Rolle, dass dieser sozialdemokratische Jude 1914 als Kriegsfreiwilliger ins Feld gezogen war und auf den Schlachtfeldern ein Auge eingebüsst ** drohte das noch mehrmals danke sagen möchte, schen von den bewussten ,, Radikalkuren" wenn man für gutes Geld überhaupt nicht mehr viel halten. Es findet eine Art etwas bekommt.' Dezentralisierung des Terrors statt, und Also zahlt man die geforderten Preise die Gestapo ist nur mehr ein Teilfaktor des der hungrige Kunde seinen Gemüsehändler, der Gemüsehändler seinen GrossliefeSS- Zeitschrift, ,, soll der Staat Misstände beseitigen, ranten, der Grosslieferant den Reichsnährwenn sie seinen Organen nicht merk- stand, der ihn zwingt, im Ueberfluss vorlich greifbar bekannt werden? In der handene Ware hereinzunehmen und sie Praxis kann sich das schliesslich doch zwangsweise ,, abzugeben". Alle zusammen nur so abspielen, dass Frau Müller oder aber fürchten sie den Krieg und den HunSchulze, die sich übervorteilt fühlt, zu ger. Die Aufgabe der Gestapo wird in der zuständigen Dienststelle geht und Tat immer schwieriger. Sie besteht darin, Meldung erstattet. Wenn sie das aber der nicht tut, aus Furcht, sie könnte in Zu- zitternden Menschen, die aufs tiefste erkunft vielleicht davon Nachteile haben, schreckt sind, das Fürchten zu lehren. indem der Gemüsehändler Krawuttke sich rächt, wie soll da Abhilfe geschaffen werden?... Schliesslich kann man ja wohl kaum vom Staate verlangen, dass wirklichen". Der Geburtstagstisch Dichter ... Zinnkannen, alte Kupfertöpfe, Grossvaters Messing- Westenknöpfe, Bleiheere, bronzene Siegeswagen, Plaketten, die wir mal getragen, schloss mit dem Hoch auf Führers Jubeler neben jeden Gemüsestand einen Po- Führers Geburtstag wird diesmal u. a. ..Wir dürfen den Gerüchtemacher lizeibeamten hinpflanzt, das wäre un- mit einer fulminanten Altwarensammlung nicht mehr mit lächelnder Nachsicht bedurchführbar." handeln. Er hat lange genug Zeit gehabt, begangen. In Rundfunk, Presse, Schule und Ob die Henkersknechte den UnbeugsaVernunft anzunehmen, sich der gemeinLeider. Die Regierenden würden sich be- droht und gemahnt, auch der Versammlungen wurde terrorisiert, gemen schliesslich doch umgebracht haben, unterwerfen samen Disziplin zu und stimmt wohler fühlen, wenn das Auge des oder ob die übliche amtliche Formel der endlich stubenrein zu werden. MissGesetzes über jedem Aepfelkarren und sei- ten Topf aus dem Schrein zu locken. wurde ,, eingesetzt". Es gilt, den letzten al,, Herzschwäche" im Falle Heilmann aus- deutet er unsre Nachsicht, so muss man nahmsweise zutrifft, das wird man erst ihn beim Kragen packen und mit der ner murrenden Kundschaft wachen könnte. Nase auf seine geistigen Exkremente Am liebsten möchte man das fehlende später erfahren, aber es ist hier beinahe stossen bis er's sein lässt!" Rotkraut ,, durchorganisieren", indem man Nebensache. Denn, so oder so, war das an Obst- und Gemüsekarten einführt. Dieser Die bisher bewiesene„ Nachsicht" hat Gedanke, so schreibt Himmlers Organ, ist ihm verübte fast siebenjährige Verbrechen kaum noch zu überbieten. Zwei Gefängnis- eine unwahrscheinlich hohe Zahl von se und fünf Lager wird dieses Opfer na- Todesopfern gefordert. Wenn die Hitler- theoretisch herrlich, aber nicht zu ver- sang die ,, Kölnische Volkszeitung" und tionalsozialistischer Rachsucht auf seinem Regierung hofft, ihr untergrabenes endlosen Leidensweg durchgemacht haben: sehen durch eine Steigerung des kaum Dass die Lebensmittelhändler auf ,, ho- tag. Friseur- Innungen beschlossen, ihre Tegel, Oranienburg, Börgermoor, Alexan- mehr zu steigernden Terrors festigen zu hem Ross" sitzen, stimmt im übrigen nur Zunftzeichen abzuhängen und hunderttauderplatz, Papenburg, Dachau, Buchenwald! können, so wird sie schwere Enttäuschun- teilweise. Sie sitzen zunächst auf einer send Messingbecken auf den GeburtstagsMenge unverkäuflicher Waren. Und daran tisch zu legen. Andere Innungen sollen folDa spielte es für die Hakenkreuz- gen erleben. gen. Noch hängen bei den Klempnern und ,, trifft nicht den Kleinhändler die Schlossermeistern zahllose alte Kannen und Schuld, sondern den Grossen, der seine Eisenschlüssel draussen. Weg mit dem alAbnehmer nur zu häufig« souverän» be- ten Brauchtum. herrscht und ihnen Waren aufhalst, auf denen sie sitzen bleiben und die so dem Unsichtbar aber liegt auf Führers GeVerderb ausgesetzt werden... All diese burtstagstisch etwas viel Gewichtigeres: Fragen sind aber nur zu lösen, wenn der das Handbeil. Todesstrafe auf Nichtabgabe einzelne Volksgenosse sich als mitver- angeforderter Metallwaren, auf Hinterzieantwortlich und mit beaufsichtigend hung eines alten Topfes, Todesstrafe für fühlt und aufs engste mit der Behörde alles und nichts. Führers Geburtstagsgezusammenarbeitet." schenk wird mit dem Handbeil eingetrieben schaurige Mischung von sentimenDen immer rarer und schüchterner wer- taler Propaganda und Henkersbrutalität. ,, Es wäre richtig, wenn man den Ver- denden Denunzianten soll die Angst ge-, Den Kopf gab ich für altes Eisen..." teiler auf die Unrechtmässigkeit seines nommen werden: Verdienstes hinweisen würde. Aber, jetzt Vom römischen Kaiser Tiberius berichkommt der springende Punkt. Wer ein, Wir möchten doch gern mal sehen, tet uns die Historie, dass ihm zu Ehren wer es wagt, einen aufrechten Volksge- seine Kreaturen zum mal etwas sagt, wird offen vor allen im Geschäft anwesenden Kunden als Mek- nossen, der eine Gesetzwidrigkeit auf- burtstag eine Serie Unbequemer und Missdeckt, kerer bezeichnet und darf gewiss sein, zu boykottieren. Für derartige liebiger hinrichten und ihre beträchtlichen Fälle finden sich sicher noch wunder- Güter für den Cäsar als Geburtstagsgabe dass er eine verknappte Ware nicht wirkende Radikalkuren." mehr erhält. Man wird dann kein Roteinziehen liessen. Der Tyrann des Dritten kraut, keine Zwiebeln usw. mehr beWieder die Drohung mit verschärftem Reiches ist viel bescheidener. Es genügt kommen; das ist eben einfach nicht da. Terror. Sie wirkt schon eintönig. Und das ihm schon, wenn einer für einen Topf seiUnd den Verteiler wechseln? Das kann man sich heute nicht mehr leisten... Stimmungsbild, das uns das Stimmungsbild, das uns das Schwarze nen Kopf lässt. Das Handbeilgesetz bleibt Ein Teil der Herren Verteiler sitzt heute Korps" diesmal geliefert hat, zeigt deut- auch für den Gabentisch in Kraft. Heil Hit. auf so hohem Ross, dass man am besten lich genug, dass die Durchschnittsdeut- ler! Preisstops zu erzwingen. Und die Kunden, Gegenwärtig gelingt es trotz allen Terhatte. Sie rächten sich auf ihre barbari- rors nicht einmal, die Respektierung des sche Art für die Sarkasmen, die sie und mit ihnen zugleich die Kommunisten die sich von ihrem Lebensmittelhändler übervorteilt fühlen, wagen nicht, sich zu aus seinem Mund und aus seiner Feder hatten wutschnaubend erdulden müssen. Wehren. Ein Familienvater" erklärt diese Hilflosigkeit in einem Brief an das Sie rächten sich auch an ihm für die erfolgreichen zwölf Jahre preussische Demokratie, die zum grossen Teil der zielsicheren Politik und der unterhändlerischen Geschicklichkeit des preussischen Fraktionsvorsitzenden Ernst Heilmann zuverdanken waren. Ernst Heilmann hat die Niederlage seiner Folterer, der Folterer des ganzen deutschen Volkes, nicht mehr erleben dürfen. Unser Trost ist die Ueberzeugung, dass, selbst in der Abgeschlossenheit des Buchenwalder Lagers, er, der klarblickende Politiker, ihren nahenden Zusammenbruch erkannt und mit dieser Gewissheit sein Martyrium beendet hat. Schwarze Korps"( Nummer vom 28. 3.) folgendermassen: 99 allerhöchsten Ge Die Geiseln Es war ein kalter Tag im Dezember, als die Gestapo das jüdische Gemeindehaus in Warschau besetzte und den jüdischen Gemeinderat zwang, die Gemeindevertreter sofort zusammenzutrommeln. Die Episode wurde auch in ausländischen Blättern gebracht, aber wie dabei der kleine jüdische Handweber Gabriel Henoch aus der Dzikastrasse unter die Räder geriet, das war nicht zu lesen. Denn wer kann sich um solch Schicksal eines einzelnen kümmern, wenn ganze Teile einer grossen Stadt in Schutt und Asche gelegt sind und ihre Trümmer noch gen Himmel rauchen! An jenem Tag ging Henoch durch die Strassen des jüdischen Viertels nach dem Gemeindehause. Man musste doch einmal hören, was nun zu tun sei. Die Fabriken lagen still, die meisten Läden waren zerstört, verschwunden. geschlossen, die Inhaber listen in ihrer Mitte. Ein Das Schlimmste Zu Hitlers Geburtstag wird im Dritten Reich eine neue Briefmarke herausgegeben. Das Bild zeigt Adolf Hitler, der sich über ein kleines Mädchen beugt und seinen Kopf in beide Hände nimmt. Ist alles vorbei und ihr Schatten gebannt, dann wird sich die Menschheit fragen: Was war das Schlimmste? Sie haben gemordet, gestohlen, gebrannt, die Opfer in Scharen erschlagen War das das Schlimmste? Sie haben Eidbruch an Eidbruch gereiht, sie haben gefälscht und gelogen. Was war das Schlimmste? Sie haben das Antlitz der Menschlichkeit zur schmerzhaften Fratze verbogen. War das das Schlimmste? Und dann holt wohl einer die Marke herbei. Seht das da die Schmierenstückszenen War das nicht das Schlimmste? Der widerlich zähe, verdorbene Brei aus Blutdunst und Tierschutz und Tränen war das nicht das Schlimmste? Die Mischung von Mord und Gefühlsduselei, die Biederkeit schlichter Hyänen War das nicht das Schlimmste? Das war das Schlimmste. sieht HeSeparatistendrama 1914 im knusprigen Alter von 21 Jahren stand, war er nicht dabei und ist auch diesmal daheim. Gauleiter Mutzschmann nannte jüngst in einer Rundfunkrede den neuen Krieg ein ,, notwendiges Stahlbad". Wo kämpfte er während des Stahlbades von ehedem? Als berüchtigter Garnschieber und Kriegsgewinnler in der Etappe von Lille. Drei Musketiere aus der Bonzenkumpanei, drei für viele. Ein Jahrzehnt lang ist das Gesindel in Uniform herumgelaufen, hat mit Soldatentum geprotzt. Nun haben sie das Volk in den Krieg gehetzt, predigen hinterm Ofen den Heldentod und niemand kann sie aufs Maul schlagen. Sleben Jahre Landsknechtsmoral ,, Demoralisiert der Krieg?", so fragt Willi Beer in der ,, Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 5. April. Und er findet die Antwort: ,, Der Vorteil, den wir vor den anderen auch auf vielen anderen Gebieten dadurch haben, dass wir seit Jahren die Methoden des Ernstfalles in unserem Leben exerzieren, wird besonders erkennbar an den sittlichen Masstäben, unter denen sich dieser Krieg vollzieht. Wenn es etwa bisher zu den Selbstverständlichkeiten gehörte, dass es eine Friedensund eine Kriegsmoral gibt, so muss es auch selbstverständlich sein, dass in einem Volke, das seit Jahren in einem ge wissermassen militanten Frieden lebt, auch die moralischen Grundlagen dieser beiden Zustände nicht mehr so arg wie anderswo auseinanderklaffen..." Das deutsche Volk vor allem die deutGemütvoll ernäh,, Vor einigen Jahren hielt man es nicht für angebracht, auch nur durch eine solche gemässigte dramatische Rekapitulierung, an Dinge zu erinnern, die nach Im ,, Angriff" erscheint eine illustrierte Deutschlands Willen unter den Nachbarn Serie von Berichten aus Polen. Unter dem vergessen werden sollten, und so wurde Bild einer verschneiten Grosstadtstrasse, die Uraufführung damals kurz vor dem die im Vordergrund mit einer zerschosseTermin abgesetzt. Nun ist noch einmal nen Bank und mit Stacheldraht abgeeine andere Stunde gekommen." sperrt ist, findet sich folgende sinnige UnEndlich ein offenes Geständnis: die von terschrift: ,, Hier beginnt in Warschau das Goebbels geforderte heilige ,, Wiedergeburt Seuchengebiet und ein Stück dahinter das des nationalen Dramas" hatte sich von je- Ghetto". der jeweiligen Konjunktur zu Deutsche Soldaten griffen die Juden auf der Strasse, misshandelten sie und verschleppten sie in Arbeitskommandos. Henoch die zog Schirmmütze tiefer, senkte die Hände in die Taschen des alten, grünlichen Mantels und schob gegen den kalten Nordwind. Die grauen, rotgeränderten Augen blinzelten müd unter dem Mützenrand hervor. Der Gemeinderat ja, jetzt schien seine grosse Stunde gekommen, die Stunde, da sich Gott offenbaren wie muss, es in der Thora hiess. Lebenlang es Henochs heimlicher Gemeindehauses, äugt umher, war Ehrgeiz gewesen, in den Gemeinderat ge- noch, stürzt in aller Länge auf ihn los: Anfangs 1934 sollte in Dortmund ein sowählt zu werden. Wer dort sass, konnte ,, He, Henoch, Du willst doch gern Geviel tun, um Wissen zu verbreiten und meindevertreter werden? Wir brauchen genanntes nationales Drama ,, Rheinlandstand im grossen allgemeinen Wirken. dich! Alle sind sie zerstoben oder tot und tragödie" uraufgeführt werden. Im letzten Aber nie hatten seine Kameraden ihn vor- der Deutsche will die Gemeindevertretung Augenblick wurde die Aufführung abgeblageschlagen. Sie dachten politisch und nur sofort beisammen sehn, tot oder lebendig!" sen und die Oeffentlichkeit erfuhr nichts sche Jugend ist in der Tat seit sieben politisch, und Henoch gehörte zu den Stil- Henoch nickt nur. Gemeindevertreter... über die Gründe. Nunmehr, nach sechs Jahren derart demoralisiert, dass eine weilen, die zwischen den Fronten stehen. Er ein Lebenlang hat er davon geträumt, hat Jahren, wurde die Aufführung nachgeholt, tere Demoralisierung durch den Krieg nur im Geiste reden sehen, Wissen für und man erfährt aus der Presse, dass es mit Massen möglich ist. Das bedeutet nach mengte sich nicht in politischen Kampf. sich Was sollte das Geschrei? Nur Wissen die Jugend fordernd, denn nicht die Po- ein Stück aus der rheinischen Separatisten. Ansicht der Führenden einen gewaltigen Die ,, National- Zeitung" reagiert moralischen Vorsprung vor jenen Völkern, führte den Menschen weiter. Konnte der litik, nur das Wissen kann vorwärts brin- zeit ist. und jetzt ist die Würde aus rauch- sauer darauf, nennt es ein„ Plakat" und deren sittliches Empfinden intakt ist. Mensch im Leben Höheres erreichen als gen Wissen? Viel hat er gelesen in langen geschwärzten Trümmern aufgestiegen und beschwert sich über die Fingerfertigkeit, Der kostbare Papiersack Nächten, wenn daheim Frau und Kinder senkt sich auf den kleinen, mageren He- mit der damals gearbeitet worden sei. Unschliefen; er las, was ihm der Lehrer So- noch hernieder... Sein Gesicht verzieht dank ist der Welt Lohn: damals schrie jeDie Hitlerjugend musste schon vor Mozu einer Grimasse, er will fragen, der braune Kunstfeldwebel nach dem nachow gab und musste anderntags hinterm sich Webstuhl das Genick steif machen, damit aber da hat ihn der Lange schon in den tionalen Drama, heute kriegen die Eilfer- naten von Haus zu Haus gehen, um alle aldas den schlecht durchschlafenen Kopf Saal gezogen. Dort stehen sie, in alten tigen eins auf den Zylinder, weil sie da- ten Säcke aus den Haushaltungen zu holen. mit mals zu prompt reagierten. Soll es eine Jetzt werden auch, nach einer Verordnung trug. War man dem grossen Unbegreifli- Kaftanen und zerrissenen Mänteln, chen nicht am nächsten, wenn man seinen Paijes oder bartstoppelig, zwei Reihen des Warnung an die Dichterei von heute sein, im Reichs- Anzeiger" vom 26. März, die Geist in den Dienst des Wissens stellte? Elends: rechts die Gemeinderäte, links die um Schlimmeres zu verhüten? Oder ist das Säcke in den gewerblichen und Und wo vermochte man besser dafür zu Vertreter, zu denen jetzt Henoch geschoben Thema ein heisses Eisen, weil die rheini- rungswirtschaftlichen Betrieben beschlag,, zukünftig anfallenden entleerten wirken, als im Gemeinderat? Er mit sei- wird. In der Mitte deutsche Polizei, barsch sche Bevölkerung noch nicht ganz verges- nahmt. Nicht nur die leeren, sondern auch nen Fünfzig konnte nicht mehr viel lernen, und drohend, Bajonette auf den Geweh- sen hat, wie viele Nazis von heute bei den die Säcke" werden beschlagnahmt, und auch aber wenn man dort forderte, die und die ren. Alles geht erschreckend rapid, Eine damaligen Separatisten waren? Die ,, Frankfurter Zeitung", die das Stück wenn es sich nur um Säcke aus Papierstoff Macht stösst und drängt. Bücher für die Jugend, damit sie weiter unsichtbare kommt als wir, dann hatte man etwas für Henoch hört nur, wie der Gemeindeälteste mit milderen Augen betrachtet, sucht nach handelt, behält sich die Reichsstelle für die Entwicklung getan. Und wo bliebe die zu einer geschwollenen Uniform sagt: Nun einer Erklärung für die verspätete Auf- Bastfasern das Verfügungsrecht über diese kostbaren Behältnisse vor. führung: Welt, wenn... Er schrack hoch. Eine Ko- seien auch die Vertreter beisammen. Die lonne Uniformierter stampfte heran, junge Uniform reckt sich und schnarrt etwas Gesichter. laut. gröhlend, polnische Zivi- vom Papier herunter: Innerhalb dreier Tage ist ein jüdisches Gettho zu errichten, mit Stacheldraht zu umzäunen. TodesEr drückte sich hinter ein Hoftor; er strafe steht auf Verlassen des Getthos. wusste, diese Gefangenen werden gehan- Und der Schnarrende zeigt den Stadtplan, gen. Leicht kann es geschehen, dass man da steht das Gettho mit roter Tinte eingein ihre Mitte gerät, wenn man eine Nase zeichnet. Es sind die elendesten Gassen hat wie Henoch... Dröhnend zogen die des Judenviertels, die Hälfte davon zerJungen mit den Gefangenen vorüber. Eine stört, zerschossen. Wie sollen da 260 000 Weile noch, dann schlich Henoch wieder Menschen unterzubringen sein? aus seinem Versteck. Unten verschwand der Trupp um die Ecke. Deutsche Soldasieht einen Polizisten, der feixend die jü- richten. Aber ein Agitationsstück von Selbst die Fahnenspitzen der im Besitz ten, sie waren dem Gabriel Henoch nicht dische Gruppe knipst, sieht die bleichen, Johst, ,, Schlageter", wurde nichtsdestoneu. Auch 1915 besetzten sie Warschau. ratlosen Gesichter seiner Kameraden und weniger 1933 uraufgeführt, obwohl es die des Reichskriegerbundes befindlichen Traditionsfahnen müssen laut Befehl des Da kamen sie wie Befreier. Grausam war wie Todesdrohung rauscht es an ihm vor- französische Ruhrbesetzung aufrührte. der Zarismus gewesen. Da gab es einen Reichskriegerführers, General der Infanüber: ,, Der Befehl ist sofort auszuführen. Warum musste dagegen Cremers Stück ver- terie SS- Gruppenführer Reinhard, der MeAufruf des grossen Generals Ludendorff, Als Garantie werden die Gemeindevertreter stauben? Nun, die Franzosen sorgten da- tallspende zur Verfügung gestellt werden. in welchem unsern ,, liben Jidden in Paufür, dass ihre Akten über Schlageters KaTradition ist gut, Messing ist besser. len" ein neues, besseres Dasein verheissen wurde. Die Soldaten damals, nun, auch unGeiseln... Henoch kennt das Wort. Seit meradenverrat bekannt wurden; sie hätten ,, Auch die Säuglinge werden ausgepunkter ihnen gab es Kriegsknechte, aber sie Wochen werden Geiseln erschossen, wird nach Aufführung des Separatistendramas tet', verkünden die ,, Münchner Neuesten waren keine Mörder, Henker, Würger und gehangen und geköpft. Sollte man glauben, recht gut darlegen können, wie nahe Banditen. Sie spielten mit den Kindern, die dass es dasselbe Volk ist wie damals, als unter anderen der spätere Gauleiter Nachrichten" vom 4. April. Das heisst auf im ersten Lebensjahr jungen wie die älteren; einige blieben ein- er mit deutschen Soldaten das Wort aus Bürkel den rheinischen Separatisten stand. deutsch: Kinder Görings Blatt aber verrät mehr als nötig brauchen von jetzt an eine Reichskleiderquartiert im Nachbarhause, mit denen den Propheten diskutierte: ,, Der Herr aber wenn es den Rezensenten schreiben karte. Der erste ausgepunktete Säugling erkonnte man sprechen über alle Fragen der wird richten unter den Völkern und ent- ist, Welt. Und diesmal: junge Bestien hatte scheiden unter vielen Nationen; sie werden lässt:„ Die Rheinlandtragödie teilt die im hält 90 Teilabschnitte, der zweite ausgeihre Schwerter zu Pflug- tiefsten Grunde undichterische, propagan- punktete Säugling der gleichen Familie nur man hergeschickt. Stammten sie aus dem umschmieden politischen 30 ,,, da er von seinem älteren Brüderchen selben Volk, wie die Feldgrauen von da- scharen und ihre Speere zu Rebenmes- distische Uebertonung der mals? Konnte sich ein zivilisiertes Volk so sern..." Wo seid ihr von damals, ihr mit Kernidee mit Johsts Schlageter'... Un- oder Schwesterchen einen Teil der Kleifesten dank. Ehemals wurde Johsts Stück als na- dung und Wäsche noch sehr gut benutzen verändern, dass seine Jugend und seine Po- euren rauhen Händen und lizei grausamer hausten als einst die zari- Herzen? Brot gabt ihr uns, grosses, rundes tionale Tat gepriesen, auch von dem Esse- kann." Soldatenbrot. Ihr wusstet vieles, aber ihr ner Blatt. Inzwischen jedoch ist der Oberstischen Schwarzhundertler, schlimmer noch als jene wolhynischen Regimenter, die wusstet wenig vom Unendlichen. Hat es barde etwas aus der Mode gekommen, die einst am ersten Mai den Zug der jüdischen sich an euren Söhnen gerächt, wie der Fronten haben sich verschoben, Görings Lehrer Sochow behauptet? ,, Der Herr wird Günstlinge stehen gegen Goebbels Kreaturichten, dass nicht ein Volk mehr erhebt ren, dem Bolschewismus wird in Johsts gegen ein anderes das Schwert..." Das Machwerk auch eins verwinkt- und so Sprengschüsse dröhnten von weither. Prophetenwort entflieht ihm. Du bist Ge- geht wieder eine ehedem ,, nationale Tat" Leicht stieg die Strasse an. Rechts drüben meindevertreter, denkt er, wenn deine über Bord. Sic transit gloria mundi oder: Wer heute von der Nazipresse gedehnen sich die schwarzen, verkohlten Frau und deine zwei Söhne wo mögen Ruinen eines zerschossenen Viertels. Da sie sein, im Felde geblieben, jenseits der lobt wird, kann morgen schon den Tritt drüben geht mit einem anderen der lange Grenze, gefangen oder gehangen? wenn kriegen. Mirschin, seit vielen Jahren im Gemeinde- sie wüssten, welche Würde auf dich nierat sitzend. Henoch hat ihn immer benei- derfiel, wenn sie wüssten... Er fühlt einen det, weil der reden konnte; Henoch ver- Kolbenstoss im Rücken, ist im Zuge seiner fitzte sich immer wieder in dem vielen blassen Kameraden auf der Strasse ange- Ley hat in seiner Osterbotschaft an die Gelesenen. Tot die Strassen. Nur Mirschin kommen, die Sonne bricht durch kaltblaue DAF den Krieg gefeiert: ,, Nationen, die im da vorn und der andere, in die Gribowska Wolken und bescheint zwei graugrüne Ge- Frieden leben, verlieren ihre Lebenskraft; und He- Krieg ist ein Weg Gottes, der neue Geneeinschwenkend. Die Kuppel des jüdischen fängniswagen. Ein Fauststoss Gemeindehauses ragt über altersschwache noch steht neben dem langen, taumelnden rationen hervorbringt..." Während des Häuser. Was ist da los? Mitglieder des Ge- Mirschin im Wagen, die vergitterte Tür Weltkriegs sass er in der Etappe. meinderates rennen da umher, einige kom- knallt hart ins Schloss, zwei Bajonnette Rosenberg warb kürzlich vor der Hitlermen aus Seitengassen und führen andere ragen vor dem Gitter auf und stechen wol- Jugend für den ,, heiligen Krieg", glorifimit sich. Der lange Mirschin schiebt seinen kenwärts. Dann rollt der Wagen durch die zierte den Heldentod und verherrlichte Kameraden in den Eingang des dunklen zerstörte Stadt. B. Br. die Soldaten des Weltkriegs. Obwohl er Arbeiter in der breiten Marszalkowska zusammenschossen... Henoch schiebt die Schirmmütze hoch, her als Geiseln festgesetzt." euren Drei Musketiere in 279 BEZUGSBEDINGUNGEN Der NEUE FORWAERTS kostet Einzelnummer im Vierteljahr: Argentinien Belgien Brasilien Pes. bFrs. -.30 3.60 2.24. Milr. 1. 12. Bulgarien Lew. Estland ekr. Finnland Fmk. 8. <-. 22 4.09096.2.64 Frankreich Frs. 1.50 48.18. Grossbrit. Holland d hfl. 4 -.15 4/ 1.80 Italien Lir. 1.10 13.20 Jugoslav. Din. 4.50 54.Lettland Litauen Lat. -.30 3.60 Lit. -.55 6.60 Luxemburg 1Frs. 1.50 18.nkr. -35 4.20 Palaestina P. Pf. <-. 020 0.216 Portugal Esc. 2. 24.Rumaenien Schweden Schweiz Ungarn Lei 10. 120. sKr. -.35 4.20 sfr. 30 3.60 Pengoe .35 USA Doll .08 4.20 1.Norwegen Imp. Union, 13, rue Méchain, Paris. Le Gérant: Albert MARION.