JOURNAL ANTIHITLERIEN Journal social- démocrate destiné Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblakk NOUVEL" EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris- 5. Téléphone: Odéon 42-58 aux réfugiés de langue allemande Nr. 356. SONNTAG, 28. April 1940 Aus dem Inhalt: Im Kampfe um das Recht Furcht vorm Horoskop Hitler verliert den Eisenkrieg Gegen das Verbrechen Zum Hitlerüberfall auf Dänemark und Norwegen Der Vorstand der Sozialdemokrati- sich jeder unfreundlichen Haltung ge- der Kriegsführung zerstört, die er in wahren Charakter des Ueberfalls auf schen Partei Deutschlands erklärt: genüber Hitlerdeutschland enthalten Polen angewandt hat. Dänemark und Norwegen und die und haben seit Kriegsbeginn eine Neu- Voller Empörung sehen wir, wie schwere Niederlage der deutschen Wir erheben unsere Stimme gegen tralität geübt, von der in erster Linie durch diese Gewalttaten zerstört wird, Flotte zu verbergen. die neuen Verbrechen Hitlers. Wie- Hitlerdeutschland Nutzen gezogen was freie Völker im friedlichen Auf- Wir sagen dem deutschen Volke: derum leiden zwei Völker unter einem hat. Wenn je Regierungen hartnäckig bau geschaffen haben. Entsetzt stelverbrecherischen Ueberfall durch die eine Politik des absoluten Friedens- len wir fest, dass durch diese neuen Norwegen ist ein infamer Gewaltakt. Der Ueberfall auf Dänemark und Militärmacht der Hitlerregierung. Dä- willens und des absoluten Willens Verbrechen der Name des deutschen Die Blutopfer, die Deutschland bringt, nemark hat vor den Hitlerschen Ver- zur Neutralität getrieben haben, so Volkes weiter geschändet wird. Un- fallen für eine schändliche Sache. nichtungsdrohungen kapitulieren müs- die Regierungen dieser beiden Län- sere Sympathie gilt allen Völkern, die sen, Norwegen verteidigt heldenmü- der. tig seine Freiheit gegen die Eindringlinge. Deutsches Volk! Das Wohl und die Zukunft unter den Verbrechen Hitlers leiden. Trotzdem hat Hitler diese beiden Mit innerer Bewegung folgen wir dem Länder überfallen. In Dänemark heldenmütigen Kampf der Norweger. Deutschlands fordern Ungehorsam, In beiden Ländern haben sozialdemo- wird das Land ausgeraubt und das Ihr Ziel ist auch unser Ziel: die Nie- Widerstand und Empörung gegen die kratisch geführte Regierungen an der Volk in das Hungerregime der Hitler- derlage Hitlers, die endgültige Ueber- regierende Verbrecherbande. friedlichen Förderung des Wohlstan- schen Kriegswirtschaft gepresst. In windung des deutschen aggressiven Erhebt Euch zum Kampfe für die des ihrer Völker gearbeitet, sie haben Kopenhagen ist Himmlers Gestapo Nationalismus, die Wiederherstellung Freiheit! sich laut zu pazifistischen Grundsät- eingerückt, die demokratischen Frei- des Rechts, der Freiheit und des Friezen bekannt und ihre Politik danach heiten verschwinden unter der deut- dens. geführt. Nichts lag ihnen ferner als schen Militärdiktatur. Norwegen wird Hitler und seine Propaganda verder Gedanke an Gewalt. Sie haben von Hitler mit den gleichen Methoden suchen vor dem deutschen Volke den Der Im Kampfe um das Recht Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands hat Ende Januar 1940 einen Aufruf an das deutsche Volk gerichtet: ,, Macht Euch nicht mitschuldig", der sich gegen die Hitlergreuel in Polen und in der Tschechoslovakei wandte. Er hat darauf die folgenden Briefe erhalten. Der polnische schrieb: Ministerpräsident République de Pologne Paris, le 6 Février 1940. Le Président du Conseil, Präsident Benesch schrieb: Am 8. Feber 1940. An die Sozialdemokratische Partei Deutschlands, 30, rue des Ecoles, Paris( 5°). Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands: Hans VOGEL. Paris, den 20. April 1940. che nicht bewusst ist, hat den Sinn der lands auch rechnet. Sie vollbringt ein groseuropäischen Geschichte nicht begriffen ses geschichtliches Werk, indem sie schon und wird nicht im Stande sein irgendeiner heute das deutsches Volk davon zu übereuropäischen Nation ein glückliches und zeugen trachtet, dass diese Nachbarschaft friedliches Los zu schaffen. die Nachbarschaft zweier friedlicher VölWir wissen alle, dass es schwer sein ker sein muss. Das tschechoslovakische wird, aus der Seele des tschechoslovaki- Volk hat keinen anderen Wunsch und wird schen Volkes die bitteren Gefühle auszulö- auch keinen anderen Wunsch haben, als schen, die als Reaktion auf die brutalste hiezu mit allen seinen Kräften beizutragen. Mit herzlichen Grüssen Sehr geehrte Herren, Ich danke Ihnen für Ihren Brief vom Nazi- und Gestapo- Persekution, die Europa 25. Jänner 1940 und für Ihren Aufruf. Er ist zweckmässig und würdig. Es freut den da beide, wir und Sie, eine grosse je gekannt hat, entstehen mussten. Wir wermich sehr, dass Sie Worte eines so guten Aufgabe haben, um die Massen der beiden und herzlichen Verhältnisses zur tschecho- Völker über das alles aufzuklären und sie slovakischen Sache wie zum tschechoslovakischen Volk gefunden haben. gez. Dr. Edvard Benes. ,, Als Beitrag zur grossen Metallsammelzur wahren freundschaftlichen Zusammen- aktion" hat Adolf Hitler die Beseitigung arbeit zu bringen. Man darf nämlich nicht aller Bronzegegenstände aus der neuen und Es ist meine feste Ueberzeugung, dass die ebenso bedeutsame Tatsache übersehen: alten Reichskanzlei, aus seiner Münchner durch Gewalt keine Lösung gefunden wer- die dauernde Nachbarschaft des tschecho- Wohnung und dem Berghof angeordnet. Er den kann auch in Europa nicht. Europa slovakischen und des deutschen Volkes. will den Gott, der für das Dritte Reich ist infolge seiner nationalen Gliederung Mit dieser Tatsache müssen Tschechen wie nicht genug Eisen, Kupfer und Zinn wachAn den Parteivorstand der Sozialde- ein sehr empfindlicher Körper; politisch Deutsche rechnen und ich sehe, dass mit sen liess, offenbar durch ein persönliches mokratischen Partei Deutschlands. wie wirtschaftlich. Wer sich dieser Tatsa- ihr die sozialdemokratische Partei Deutsch- Opfer bestechen. Für die Zusendung des Aufrufs des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bin ich Ihnen sehr verpflichwie es sich tet. Sie verurteilen darin, I die von der deutvon selbst versteht schen Hitlerdiktatur am polnischen Volke begangenen widerwärtigen Verbrechen und Sie solidarisieren sich mit ihm in seinem Kampf für die Freiheit. Zu Ihrer Stellungnahme kommen Sie durch das Rechtsgefühl und die Menschlichkeit ebenso wie durch die Anerkennung des Prinzips der Unabhängigkeit der Völker. Die augenblicklich durch die brutale Gewalt der deutsch- hitlerischen und bolschewistisch- stalinistischen Verschwörung beherrschte polnische Nation ist überzeugt, dass der gemeinsame Sieg ihr ihre volle Unabhängigkeit und die Vollständigkeit ihres Bodens wiedergeben wird, einschliesslich desjenigen, von dem die DeutZum 1. Mai 1940 50 Jahre Maidemonstration Es ist nun genau 50 Jahre, dass die sozialistischen Parteien im Jahre 1890 zum ersten Mal in der ganzen Welt ihre Demonstration am 1. Mai organisiert haben. Diese Kundgebung hatte ein doppeltes Ziel. Jedes Jahr am selben Tag sollte die Arbeiterklasse in allen Ländern ihren Protest gegen den Krieg und gegen das Elend erneuern. Sie sollte andererseits der Beseitigung der gefährlichsten Form der kapitalistischen Ausbeutung durch die gesetzliche Begrenzung der täglichen Arbeitszeit dienen. bestimmt. Diese Manifestation hat Erfolge gezeitigt. Durch sie wurde die Entwicklung der sozialpolitischen Gesetzgebung Aber sie hat nicht dem System der Gewalt ein Ende bereitet, da die Arbeiterklasse noch nicht genug Einfluss gewonnen hat, um die Kommandogewalt in Händen zu halten. Wir erleben heute die notwendigen Folgen dieses Zustandes. Die Welt ist aufs neue durch die wiederholten Ueberfälle der Diktaturstaaten zerrissen. Mehrere Länder sind von schen unsere Mitbürger augenblicklich in der Landkarte gestrichen worden. Andere haben die Härten der Gewaltherrschaft zu erdulden. Mehrere Völker stehen im Krieg, andere leben in ständiger Invasionsgefahr; alle leiden unter mannigfachem schweren Druck. Massen verjagen. Durch den Widerstand gegen die EinIn diesen schweren Stunden müssen die Arbeiter der ganzen Welt sich gegen jede Politik der Eroberung und Undringlinge und durch die Neugruppierung threr Armee in Frankreich nimmt die pol- terjochung, unter welcher Form sie auch ihre reaktionären Ziele maskieren möge, erheben. nische Nation aktiven Anteil an der Vorbereitung dieses Sieges. Wollen Sie, sehr geehrte Herren, die Versicherung meiner vorzüglichen Hochschätzung entgegennehmen. gez. Sikorski. Sie fordern mit uns, dass aus dieser Prüfung ein dauernder Frieden, gegründet auf internationaler Zusammenarbeit und demokratischer Verständigung der Völker hervorgehe, um die Voraussetzungen der Verwirklichung des Sozialismus, der allein den Wohlstand und die Freiheit der Welt bringen wird, zu erhalten. Brüssel, 3. April 1940. DAS BUREAU DER SOZIALISTISCHEN ARBEITER- INTERNATIONALE. 66 Räume 99 Hitlers Niederlage im Eisenkrieg Die Bedeutung des Eisens im Kriege Die„, Frankfurter Zeitung" beschäftigt sich in einer ,, egw" gezeichneten Betrachtung mit der im Dritten Reich beliebt gewordenen Bezeichnung alles dessen, was Die Niederlage Hitlers wird immer den einrückten, dann würde jeder zwei- bis dreifache Menge Koks und eiman nicht definieren kann oder will, als deutlicher. Blitzkrieg! Aber die Blitze zweite schwedische Soldat, der fällt, nen wesentlich grösseren Kalkzusatz er,, Raum". ,, Sind das nicht", so schreibt, egw' " Räume, die keine Räume sind, auch nicht wurden von der britischen Flotte ge- durch schwedisches Eisen getötet wor- zwei- bis dreifache Menge Koks und eidie leeren Räume der Philosophie, sondern: schleudert, die Einschläge trafen mit den sein. Denn ohne Eisen kein Ge- senreichen Erzen kaum zu verarbeiten wunderbar dehnbare, ziemlich nebelhafte zermalmender Wucht die deutschen schütz und keine Munition, und etwas sind. Die Absperrung der schwedischen und undeutlich begrenzte ,, Räume", in de- Schiffe; mehr als ein Drittel der deut- mehr als die Hälfte der deutschen Ei- und norwegischen Erze muss also nach nen etwas vorgeht", die geplant" oder schen Flotte ist zerstört, der Rest durch senproduktion beruht auf schwedi- einer nach Monaten zu berechnenden ,, gestaltet" werden? Der ,, nördliche Raum" die Blockade der deutschen Küste in schem Erz. Dasselbe gilt auch für jeden Zeit trotz Heranziehung der letzten Redient als Formel für etwas nicht genau De- seiner Bewegungsfreiheit auf das norwegischen Soldaten, für die engli- serven an, Schrott auf die deutsche Eifinierbares, nicht recht Fassbares, also fast äusserste behindert. Deutschland hat schen und französischen Matrosen und sen- und Stahlproduktion verheerend Magisches...". aufgehört, eine Seemacht zu sein. Soldaten, denen Schweden die Rettung wirken. Diese Sätze standen in der ,, Frankfurter Zeitung" am 9. April, also am Vorabend des Im letzten Krieg blieb während sei- verdankt, wenn es dem Hitler- Ueberfall In Deutschland herrscht aber mindeEinfalls der deutschen Truppen in den ner ganzen Dauer ein sehr erheb- entgehen sollte. Und Schweden weiss stens seit Anfang 1938 empfindlicher ,, nördlichen Raum". Zwei Tage später licher Teil der englischen Flotte in den wohl auch, dass es dem Ueberfall aur Eisenmangel, der sich seit Beginn des musste die ,, Frankfurter Zeitung", so wie Häfen gebunden; jetzt hat sie grössere solange entgeht, als England und Frank- Krieges und namentlich während des alle Naziblätter, die Frontberichte des Bewegungsfreiheit als je zuvor. Die reich Hitler in Schranken halten. Winters empfindlich gesteigert hat. Ein ,, Deutschen Nachrichten Büros" abdrucken, Ueberwachung der Nordsee ist eine Schweden wird sich also überzeugen deutscher Bericht über die rheinischin denen nüchterne Ortsangaben und er- leichte Aufgabe geworden und die See- oder überzeugen lassen müssen, dass westfälische Eisenproduktion, von der kennbare Frontbezeichnungen zurücktre- kräfte der Alliierten können in anderen Eisenlieferungen an Deutschland mit ,, Essener Nationalzeitung" Anfang März ten, hinter jene wunderbar dehnbare, Meeren ihre Ziele verfolgen. Im Mittel- der Aufrechterhaltung seiner Freiheit veröffentlicht, gibt ohne zahlenmässige ziemlich nebelhafte und undeutlich ummeer vor allem verstärkt sich das und Unabhängigkeit unvereinbar sind, Angaben einen beträchtlichen Rückgang grenzte Räume". In den deutschen FrontUebergewicht der Alliierten. Hitler hat also mit den Zielen, denen seine ,, Neu- der Produktion zu, den er in erster Liberichten dieser Tage heisst es: 11. April, Die von den deutschen Trup- Herrschaft über die Meere ist für die seinem Achsenpartner nicht genützt. Die tralität" dienen soll. nie auf die Transportschwierigkeiten Dass aber dieser Neutralitätsbegriff zurückführt, die die Zufuhr von Erz pen erreichten Räume in Norwegen wurden planmässig ausgebaut und erweitert. englisch- französische Flotte jetzt un- in dem alten, überkommenen Sinn un- und Koks verzögert haben, sodann auf 12. April, Die Besetzung der vorgesehe- umschränkter als je. haltbar geworden ist, dass diese Un- den Arbeitermangel. nen norwegischen Räume vollzieht sich haltbarkeit endlich der Welt zum BeStreitDer Privatbedarf musste völlig unbeplanmässig. 12. April, II. Bericht. Die bei Oslo ein- kräfte steigen an der norwegischen wusstsein kommt, das ist ein anderes friedigt gelassen werden, die Bauingesetzten Kräfte erweiterten planmässig Küste ans Land. Die deutsche Wehr- wichtiges Ergebnis der letzten Ge- dustrie erhielt überhaupt kein Kontinden besetzten Raum nach allen Seiten. macht kann es nicht hindern; die Flotte schehnisse. Was ist das auch für ein gent angewiesen. Die Lieferfristen muss13. April, Die im Raum von Narwik tätigen deutschen Truppen sind mit der ist aktionsunfähig gemacht und die Wahnsinn! Wenn Schweden auch nur ten für Halbzeug auf 4-6, für StahlSicherung und Erweiterung des von ih- Flugzeuge vermögen nichts Entschei- ein einziges Regiment Deutschland zur barren auf 6-8 und für Rüben auf nen besetzten Raumes beschäftigt. dendes gegen die Abwehrkraft der Al- Verfügung stellen würde, so wäre das 10-12 Monate erstreckt werden. Man 14. April, Im Raum von Oslo sind die liierten. Ohne einen Mann verloren zu ein offener Bruch der Neutralität und darf vielleicht annehmen, dass schon und Westen in stetigem Vorgehen. ,, Die Verschwommenheit im Sprachlichen Die Berichte des Deutschen Generalstabs Die englisch- französischen Einmarsch in Schweden unmittelbar beNeutralität! Welcher ihrem deutschen Truppen nach Norden, Osten haben, sind die Truppen gelandet. würde jedes Eingreifen der Gegner damals Knappheit gerade an skandinaHitlers Raubzug ist schon in seinen Deutschlands legitimieren. Wenn aber vischem Erz eine Rolle gespielt hat. unterstützt die Ungenauigkeit im Denken", Anfängen vereitelt worden. Das Aben- Schweden Deutschland 10 Millionen Denn in den drei Monaten Dezember, schreibt ,, egw" in seinen Betrachtungen. teuer hätte nur Sinn gehabt, wenn Tonnen Eisenerz liefert und so seine Januar, Februar betrugen die Zufuhren Man könnte diese Feststellung dahin va- nach Besetzung Norwegens in kürze- Rüstung stärkt, wenn es damit sein aus Narwik nur 478 085 T. gegenüber riieren, dass die Verschwommenheit im ster Frist Schweden zur Kapitulation eigenes Grab schaufelt und das aller 1 286 208 T. in der entsprechenden Sprachlichen die Ungenauigkeit im Denken gezwungen worden wäre. Nur dann anderen Neutralen, wenn es dem ge- Vorjahrszeit. Dieser Rückgang beruhte erst herbeiführen soll. Die deutschen Mili- wäre das unentbehrliche Rohstoffgebiet fährlichen Angreifer die Mittel für schon damals auf Transportschwierigtärs können sich nämlich klar und deut- der deutschen Kriegswirtschaft gesichert seinen Angriff liefert, dann ist das keiten infolge der Blockade. Die Deutlich ausdrücken wenn sie wollen. worden. Die Katastrophe der deutschen Widerspruch schen konnten ihre grossen Erzdampfer Klarheit und Präzision der Sprache ge- Flotte, der Widerstand Norwegens, das zwischen dieser Betätigung der Neu- nicht mehr benutzen, sondern mussten hörte früher zu ihren besten Traditionen. Eingreifen der alliierten Truppen haben tralität, deren Konzeption aus ganz kleine Schiffe bereitstellen, die innerüber die deutschen Kolonialkriege sind den Plan gründlich zunichte gemacht. anderen Zeiten stammt, und dem Cha- halb der norwegischen Territorialgewäsrakter des modernen totalitären Krie- ser an der verhältnismässig seichsprachlich zum besten zu zählen, was in Der Weg des Eisens ist gesperrt. ges! Diesen Widerspruch noch länger ten Küste entlang fahren konnten. wilhelminschen Zeiten geschrieben wurde. Wird Hitler versuchen, ihn gewalt- zu ertragen, ist unmöglich; Hitler zu Schwedische Damals wurden Menschen weder ausge- sam zu öffnen? In den Tagen, die der gestatten, sich sein Kriegsmaterial zu dampfer übernahmen diese Transporte oder norwegische Erzrichtet", noch erfolgte ihr Einsatz", noch Besetzung Dänemarks und dem Ein- verschaffen dadurch, hat man ,, planmässig besetzte Räume nach bruch in Norwegen folgten, schien die Schweden dass er sich nicht mehr. Ungenügender Frachtraum allen Seiten erweitert". Da hiess es klar Bejahung der Frage fast gewiss, der friedlich" verhält, ist undenkbar ge- den Rückgang verantwortlich. Ueber die gegenüber eine Zeitlang und verlängerte Fahrzeit sind also für und einfach: Die deutschen Soldaten vertrieben die Hereros in die Wüste Kalahari, worden und kein Zweifel ist mehr Ostsee aber konnte wegen der Vereivorstehend. Jetzt ist die Antwort zwei- möglich, dass sich Reynauds Wort er- sung des Hafens von Lulea im Winter wo sie verhungerten und verdursteten. um mit ,, egw" zu reden, felhaft geworden. Schweden kann nicht füllen wird: der Weg des Eisens bleibt nicht geliefert werden; jetzt sind dort Das waren, ,, durchaus gegenständliche Begriffsbezeich- mehr überrascht werden, an seinem Wi- für alle Zeit gesperrt. nungen." Aber heute müssen Formulierun- derstandswillen besteht kein Zweifel grosse Erzmengen aufgestapelt, die aber gen gewählt werden, gerade weil sie nebel- und rasche Hilfe der Alliierten ist ihm Rüstungsproduktion in Die Absperrung trifft die deutsche die deutschen Ostseehäfen nicht erreihaft sind, weil man mit ihnen die Wahrheit sicher. Hitler müsste grosse Kräfte auf- wundbarsten Punkt und zu empfind- des ausgezeichnet unterrichteten miliver- chen werden. Deshalb hat die Angabe eine Zeitlang verschleiern kann, und weil bieten, um im Lande überhaupt nur lichster Zeit. Schweden hat in den er- tärischen Berichterstatters des„, Temps" das schnelle Erkennen der Wahrheit das Fuss fassen zu können. Lange bevor er sten sieben Friedensmonaten des Jah- vom 17. April, dass die deutsche EisenEnde der deutschen Diktatur beschleunigen sich den reichen Eisenerzlagern im Nor- res 1939 unter Berücksichtigung des industrie gegenwärtig nur mit 60 Proden nähern könnte, wären diese im Be- Eisengehalts etwa 52 Prozent der deut- zent ihrer Kapazität arbeitet, sehr viel sitze der Alliierten, denn der Zugang zu schen Eisenerzeinfuhr geliefert; seit Wahrscheinlichkeit für sich. Die EisenKiruna und Gellivara ist von der nor- Kriegsausbruch, nach Wegfall der el- produktion wird weiter sinken und daUnter der Ueberschrift:„ Amerika mel- wegischen Küste, die Truppen sässischen, spanischen, nordafrikani- mit die militärische Kraft. det: Vor dem englischen Vorstoss auf Hol- der landen, viel nä- schen und land" schreibt der ,, Völkische Beobachter" her als von Süden her. Hitlers Ein- Einfuhr, dürfte Schweden etwa 74 und rungen, der aller Voraussicht nach den sonstigen überseeischen Die Alliierten haben einen Sieg ervom 14. April: marsch, die Verwandlung Schwedens in zusammen mit Norwegen 88 Prozent endgültigen Ausgang bestimmen wird. ,, Da das schnelle Vorgehen im Norden einen Schauplatz schwerer und lang- der doch das englische Konzept verdorben wieriger Kämpfe, kann ihm das Eisen geliefert haben. In Deutschland selbst lin verharrt als Zuschauer bei dem mengenmässigen Gesamteinfuhr Hitler blickt nach Hilfe aus. Aber Stahat, liegt nichts näher als die Annahme, nicht mehr bringen. Das hat die eng- wurden 1938 etwa 23 Prozent der ver- Krieg der anderen, den er entzündet dass das gleiche Spiel nun anderswo lische Flotte wohl unwiderruflich mit arbeiteten Erzmenge gewonnen. Nach hat. Italien beteuert in seiner Presse und Drei Tage zuvor konnte man in der glei ihrem Sieg entschieden. Der Angriff auf einer, wahrscheinlich noch zu günsti- in Geburtstagstelegrammen dem Führer chen Zeitung folgende Ankündigung weite- Schweden wird deshalb zu einem sinngen Angabe, stammten 1938 von der seine Sympathie. Aber die relative rer deutscher Eroberungsabsichten finden: losen und fast aussichtslosen Wagnis. deutschen ,, England hat immer noch nicht genug mit Das ist noch kein absolut zwingender insgesamt 18.5 Mill. T. 15.3 Mill T. schen Flotte ist durch die Verluste der Roheisenproduktion von Ueberlegenheit der englisch- französiseinen Kriegsausweitungsplänen. Es will Grund für den Karl- May- Strategen, ihn aus Erzen, der Rest aus Schrott. Schon deutschen ausserordentlich gestiegen, weiterhin rücksichtslos über die Neutralizu unterlassen. Aber er wird, je mehr daraus ersieht man die Lebenswich- und Misserfolge sind keine Werbungstät der europäischen Staaten hinwegschrei- die Zeit verstreicht, unwahrscheinlich. tigkeit der skandinavischen Erzeinfuhr. mittel. In kurzer Zeit wird sich die ten und sie gegen Deutschland ausspielen. Wenn aber Schweden neutral bleibt, Dazu kommt aber noch der Umstand, Frage der Isolierung Deutschlands entKann man sich wundern, wenn Deutschland Zug um Zug diesem verbrecherischen was wird dann mit den Eisenlieferun- dass die eisenarmen, aber stark kie- scheiden. englischen Spiel antwortet? Was England gen? Wenn Hitlers Truppen in Schwe- selsäurehaltigen deutschen Erze, die die recht scheint, ist Deutschland billig. Es ist nicht verwunderlich, wenn Deutschland auf jeden englischen Versuch blitzschnell antwortet, um ihm seine Wirkung zu nehmen und ihm zuvorzukommen." würde. Holland? versucht wird." Feuertaufe ten. Alliierten WO vor Dr. Richerd KERN. an de aus alledem ein Film zurechtgeschnit- zum nächsten Ueberfall auf ein schwaches melt ist. Bankiers, hohe Beamte, Offiziere, ten, der alle Aufnahmen enthält, die einen Nachbarvolk anschickt. Die Naziführer, die elegante Frauen, was Namen und Ansehen möglichst starken Eindruck von der deut- am Tag den Einbruch in Norwegen und hat im demokratischen Norwegen, und es schen Militärmacht, vor allem von der Dänemark beschlossen haben, sitzen am mit seinem Selbstbewusstsein vereinbaren Macht der deutschen Luftflotte vermittel- Abend, mit Göring an der Spitze, bei der kann, mit Dr. Bräuer, dem nach Kriegsbe Uraufführung des Films ,, Feuertaufe" und ginn eingesetzten Gesandten der deutschen Als Hitler seine Soldaten in Polen einDer Film wurde mit ein paar goldenen sehen sich die Bilder ihrer Schande an. fallen liess und Göring seinen Flugzeugen Führerworten abgeschlossen. Gangsterregierung zu verkehren, ist Natürlich Inzwischen hat Ribbentrop, immer be- diesem Abend eingeladen und muss sich befahl, Tod und Verderben über das un- nicht mit Hitlers Deklaration dem flissen, in nationalsozialistischer Gerissen den Film vom deutschen Ueberfall auf Poglückliche polnische Volk zu bringen, Reichstag vom 1. September 1939: ,, Seit heit nicht hinter Göring und Goebbels zu- len ansehen. schickte Goebbels seine Filmphotographen heute morgen 5 Uhr 45 schiessen wir. Wir rückzustehen, einen besonderen Plan ausgleich mit man weiss nie, wozu Film- wollen nicht gegen Frauen Neben der harmlosen Frau sitzt der verund Kinder geheckt. Er hat Kopien dieses Films an die räterische Offizier, der bereits zugesagt aufnahmen einmal gut sein können. kämpfen. Unsere Luftangriffe werden sich deutschen Gesandten geschickt, mit der hat, dass er nicht schiessen lassen wird, Es wurde alles photographiert: vorrük- nur gegen militärische Objekte richten." Anweisung, dass sie eine private Vorfüh- wenn beim Morgengrauen die deutschen kende Truppen, angreifende Flugzeuge, Den Film schliesst vielmehr eine Deklara- rung in möglichst grossem und glänzendem Kreuzer in den Oslofjord einfahren. Neben fliehende Bevölkerung, bombardierte Ei- tion des Führers Nummer zwei. Hermann Rahmen zu veranstalten haben. senbahnzüge, zusammengeschossene Dör- Görings Bild erscheint hell aufgeblendet dem von Deutschlands Macht beeindruckSo kommt es, dass fer, brennende Städte, zerfetzte Kinder, ge- auf der Leinwand, und seine satte Stimme 8. April, während durch Nord- und Ost- beamte, der richtig zu spekulieren glaubte, am Abend des ten Bankier sitzt der hohe Ministerialtötete Frauen, nichts fehlte, was zu einem ruft: ,, Was wir gegen Polen konnten, das see, durch Belt, Sund und Kattegatt bereits als er sich bereit erklärte, nach dem deutfrisch- fröhlichen Hitlerkrieg gehört. Die werden wir auch gegen England können." die deutschen Kriegs- und Transport- schen Einmarsch die Anordnungen seiner Aufnahmen wurden später durch ein- Wie der vom Propagandaministerium di- schiffe überfallbereit nach Norwegen fah- Regierung zu drucksvolle Bilder aus dem zerstörten und rigierte Zufall will, wird dieser Film ge ren, in der deutschen sabotieren. Ueber allen hungernden Warschau ergänzt. Dann wur- rade zur Vorführung fertig, als Hitler sich Oslo eine glänzende Gesellschaft versam- Feuertaufe vorbereitet. Gesandtschaft in schwebt die Angst. Ribbentrop hat ihre e G 1 Das braune Netz Wie Holland unterwühlt wird Die Goebbels'sche Propagandamaschine überschwemmt Holland mit einer Papierflut. Wir erfahren darüber aus Amsterdam das folgende: Chronik der Woche Truppenlandungen der Alliierten in Norwegen- Invasion deutscher « Touristen» in neutralen Ländern Deutsche Zeitungen, vor allem die Verwaltung- Kommitee mit dem Norweger len Häfen genau nachgeprüft. ExplosivMontag, 15. April 1940 ,, Frankfurter Zeitung", die ,, Deutsche Allge- Die norwegische Sozialdemokratie und Christensen an der Spitze, gebildet. stoffe und schwere Ladungen, wie Zement, meine Zeitung" und die„ Kölnische Zei- die Gewerkschaften haben in einem Aufruf In Rom, Mailand und Florenz kam es zu dürfen nur noch mit besonderer Erlaubtung" werden gratis an eine grosse Zahl die norwegischen Arbeiter zum Widerstand antibritischen Studentendemonstrationen. nis auf Donauschiffen transportiert werholländischer Privatpersonen zu Propa- bis zum äussersten aufgefordert. In der italienischen Presse finden sich den. Die Zollkontrolle wird strenger als gandazwecken verschickt, vorzugsweise an In Norwegen versuchten deutsche Stoss- zahlreiche Angriffe gegen England. bisher durchgeführt. Beamte, höhere Offiziere und Lehrer hö- truppen in Panzerautos den König Haakon Die rumänische Regierung hat wegen der herer Schulen. Eine Zentralstelle für diese gefangen zu nehmen und nach Oslo, in den zu erwartenden schlechten Ernte ein allge- genehmigungen für Ausländer für ungültig Propaganda muss in Holland selbst sitzen. Herrschaftsbereich der deutschen Gene- meines Weizenausfuhrverbot erlassen. Be- erklärt. Seit Mitte Februar erhalten Postabonnen- räle zu entführen. Der Anschlag wurde von reits abgeschlossene Verkaufsverträge sol- In Budapest sind 300 deutsche ten des ,, Völkischen Beobachters" die Zei- norwegischen Truppen zum Scheitern ge- len eingehalten werden. Auch die Ausfuhr risten, alle in militärpflichtigem Alter, antung nicht mehr im Streifband aus Ber- bracht. von Petroleum, Kohle und Holz ist verbo- gekommen. lin, sondern im Drucksachenkuvert aus In Rumänien wurden alle AufenthaltsTouVenlo in Holland. Die Adressen sind in Die Lebensmittelversorgung der deut- ten, damit in Rumänien selbst Lager für Der Schweizer Bundesrat hat in einem Deutschland mit der Maschine geschrie. schen Truppen in Dänemark erfolgt durch militärische Zwecke gebildet werden kön- Kommuniqué dem Schweizer Volk einben und tragen die Bezeichnung„ Nieder- Requisitionen, für die Quittungen in Form nen. gehende Verhaltungsmassregeln für den lande", obwohl die Kuverts in Holland von Zertifikaten der Reichskreditkasse ausMittwoch, 17. April 1940 Fall eines überraschenden Angriffs auf die selbst zur Post gegeben werden. gegeben werden. In Jugoslawien werden Aufenthaltsge- ders davor gewarnt, evtl. Gerüchten, RaSchweiz bekanntgegeben. Er hat besonIn letzter Zeit ist neues deutsches Pro- Die Goldbestände von Norwegen und nehmigungen für Ausländer genau nachge- diomeldungen oder Flugblättern Glauben paganda- Material aufgetaucht. Darunter Dänemark sind, ebenso wie die von Schwe- prüft. Es sind in letzter Zeit auffallend verschiedene Nummern einer in englischer den, zum grossen Teil in den letzten Wo- viele deutsche Touristen in das Land ge- Widerstandswillen in Zweifel ziehen. Die zu schenken, die den schweizerischen Sprache gehaltenen, sehr kostbar ausge- chen in Sicherheit gebracht worden. Sie kommen Allein 700 junge Deutsche legten Sicherheitsmassnahmen wurden verstärkt. führten illustrierten Zeitschrift ,, Germany befinden sich in den Vereinigten Staaten Papiere vor, nach denen sie offiziellen deutschen Missionen zugeteilt sind. Die Der amerikanische Staatssekretär Corand You". Diese Zeitschrift enthält auch von Amerika und in Grossbritannien. eine von Schutzmassnahmen verstärkt. Es wird nach sich gegen Presse- Uebersicht unter dem Titel: Roosevelt hielt am 50. Jahrestag der Pan- jungen Deutschen werden systematisch auf dell Hull erklärte im Hinblick auf die von " The World's Voice". Die Tendenz der amerikanischen Union eine Ansprache, in das ganze Land verteilt. Auf den Strassen Japan angedrohte Errichtung eines„ ProPresse- Uebersicht ist meist, dass das neu- der er die freiheitlichen und friedlichen Be- und in den Kinos von Belgrad verteilten tektorats" über Niederländisch- Indien, trale Ausland davon überzeugt sei, dass ziehungen der Länder Amerikas in Gegen- Ausländer Flugblätter, deren Inhalt sich dass die Vereinigten Staaten der ,, deutsche Sieg geschichtlich notwen- satz stellt zu den Ländern, die von Hass gegen Frankreich und England richtet. jede Verletzung der Neutralität in Niederdig und zu erwarten ist." und Machtwillen getrieben, den Frieden In Holland wurden die polizeilichen Ozean wenden würden. ländisch Indien wie im ganzen Pazifischen In Amsterdam erhielt ein Holländer zerstören. deutsches Propagandamaterial, das aus Berlin nach Antwerpen geschickt wor- Der japanische Aussenminister Arita er- illegalen Waffenlagern gesucht. Zahlreiche Die holländische Regierung liess in den war und dort nach Amster- klärte, dass die Einbeziehung Hollands in Verhaftungen wurden vorgenommen. Die Tokio erklären, dass die Niederlande von den Krieg die Aufrechterhaltung des sta- Kontrolle der Ausländer ist verschärft wor- keinem Land den Schutz für Niederländam gelangte. Es handelt sich um disch- Indien gewünscht haben, und dass Schriften in französischer Sprache, die tus quo in Niederländisch- Indien gefähr- den. sie entschlossen den würde. In der japanischen Presse wird sind, jedes Schutzannach Frankreich geIn Schweden wurden viele Häfen für schmuggelt werden sollen. Zum Teil sind für diesen Fall die Errichtung eines japa- den ausländischen Schiffsverkehr gesperrt. zurückzuweisen. gebot, von wem es auch kommen möge, diese Flugblätter in holländischer Spra- nischen„ Protektorats" über Niederlän- Die Ausländer werden scharf überwacht. che auch schon in Holland angetroffen disch- Indien gefordert. In Belgien wurden die SicherheitsmassFreitag, 19. April 1940. Die Sowjetregierung liess im Fernen nahmen verstärkt und neue Konzentra- Die holländische Regierung verhängte Osten, an der Grenze von Mandschukuo tionslager für unerwünschte Ausländer den Belagerungszustand über das ganze grosse Befestigungsarbeiten in Angriff neh- werden eingerichtet. Land. Bei zahlreichen Nationalsozialisten In Deutschland leben noch 330 000 Ju- wurden Haussuchungen vorgenommen. den, 390 000 Juden sind seit 1939 vertrie- Der frühere jugoslawische Ministerpräsident Stojadinowitsch und einige seiner politischen Freunde wurden verhaftet. Sonnabend, 20. April 1940. wahrscheinlich worden. Die Titel sind: 1. ,, La France fait- elle sa dernière guerre?" 2. ,, Bourrage de crâne! des bobards! men. Après, tu verras..." 3. ,, Pourquoi? messieurs, répondez- nous; Pourquoi?" mort?" Dienstag, 16. April 1940. ben worden. Die holländische Regierung weist darauf 4. ,, Dis, Maman, pourquoi Papa est- il hin, dass die Integrität von Niederländisch- Deutschen in Zukunft Litzmannstadt geDie polnische Stadt Lodz wird von den Indien auf der Washingtoner Konferenz nannt. von 1922 von Japan und von den Vereinigten Staaten von Amerika garantiert worden ist. Die militärischen Abwehrmöglichkeiten von Niederländisch- Indien sol5. ,, Un Héros après..." Nummer 1 ist eine Broschüre; Nummer 2 ist ein gefaltetes Blatt und das andere sind Postkarten. Donnerstag, 18. April 1940 Die deutschen Militärbehörden zwingen Norweger, Automobile zu führen, in denen Die französische Kammer sprach der Regierung Reynaud einstimmig ihr Vertrauen aus. An der Genfer Universität wurden die len verstärkt werden und Holland erwägt deutsche Truppen transportiert werden. Sonderkurse für die deutschen Rechtsstudie Gewährung einer grösseren Verwal- Mehrere norwegische Fahrer sind dabei denten geschlossen. tungsautonomie, sodass Niederländisch- Indien ungefähr die Stellung eines Dominions bereits erschossen worden. eingeräumt wird. Hitlers Rede vom 24. Februar 1940 in München ist ebenfalls in holländischer Sprache verbreitet worden. Ein Mann in In Norwegen landeten die ersten franzö Amsterdam erhielt diese 16 Seiten starke Die Internationale Donaukommission, sischen Truppen. Broschüre in einem Umschlag, der am der Rumänien, Ungarn, Jugoslawien und Von den 36 finnischen Städten entgingen 13. März 1940 in Scheveningen aufgegeben In Norwegen sind weitere englische Bulgarien angehören, hat eine Verschär- nur 6 dem Bombardement der russischen war. Gleichzeitig ist diese Broschüre ange- Truppen eingetroffen. Sie kämpfen an der fung der Kontrolle der Donauschiffahrt Flugzeuge. 640 Zivilpersonen wurden gekommen in Groningen, Schala, Naarden, Seite der norwegischen Truppenverbände. beschlossen. Es dürfen keine Schiffe mehr tötet, 1500 verletzt, davon zwei Drittel Appeldoorn, Utrecht. In den letztgenannten Die norwegische Schattenregierung auf der Donau fahren, die in Kriegs- schwer. 18 000 finnische Soldaten sind im Orten war als Aufgabestempel der 13. März Quisling ist zurückgetreten. Es wurde in schiffe verwandelt werden können. Die Kampf gegen Russland gefallen und genannt und als Absendungsort Den Haag. den von Deutschland besetzten Teilen ein Identität des Schiffspersonals wird in al- 40 000 wurden verwundet. Ein Mann in Overveen erhielt die Rede aus Haarlem zugeschickt. Auf zwei Geschäftsbriefen, die in AmsterSommernachtstraum disclose sondern bei eventuellen Anfragen beruhi- miniumtopf nicht freiwillig herschenkt. dam eintrafen, befanden sich auf der Rück- Minority. Provisional figures gend wirke. seite des Umschlages Briefverschlussmar- 58 000 victims of Polish terrorism." Damals hiess es: für Kinder und Kindesken mit folgendem Text:„ Der Feind hat Ausserdem werden regelmässig die Flugkinder ein monumentales Wahrzeichen das Wort!" und„, Heuchelei, Terror und blätter des ,, Fichte- Bundes" in grossem Umdeutschen Opferwillens, deutscher Treue Meuchelmord!" fang versandt. Die Sendungen erfolgen Der Kapellmeister schüttelte betrübt das und Heldenverehrung. Aber die Kinder Einem Amsterdamer wurde ein Buch zu- jetzt anonym. Der Name der Organisation Haupt:„ Ein heisses Eisen, ich greife es müssen heute dem ,, alten Helden" die Nägeschickt, das 96 Seiten umfasst und den und der Name des Leiters Kesselmeyer ist nicht gern an." Der Regisseur, von der De- gel wieder aus dem Leibe ziehen, denn Titel hat:„ Mord! Spionage! Attentat! Die von den Schriftstücken und Adressen ver- batte ermüdet, fragte verzweifelt:„ Sollen ein rostiger Nagel geht dem Dritten Reich Blutspur des englischen Geheimdienstes bis schwunden. Man kann das Material nur wir das Lustspiel etwa ohne Musik heraus- über alle Heldenverehrung. Der Holzwurm zum Münchener Bombenanschlag", Ver- noch erkennen an der Druckbezeichnung bringen?" Worauf der Kapellmeister resü- aber, Sinnbild der Zerstörung, staunt ob fasser sind Walther Körber, Dr. Hermann„ Falken- Press, Hamburg". Als letztes Flug- mierte: ,, Seit Jahren schlagen wir uns mit der vielen Löcher und zerbricht sich verWanderschreck und Dr. Hans Zugschwert. blatt wurde verbreitet„ Zoo luidt Duits- diesem Kreuz herum. Anständige Kompo- geblich den Kopf über die rabiate KonWeiter wird verbreitet eine Broschüre lands antwoord". Das Flugblatt ist gekenn- nisten lehnen die Reparaturarbeit ab, die kurrenz. zeichnet mit ,, 1284, Holl.", das heisst, es anderen lehnten sich zu sehr an den vervon Prof. Friedrich Grimm ,, Der neue Die neudeutsche Presse vergass bis dato, europäische Krieg und seine historischen ist das 128. Flugblatt in holländischer( der botenen Meister an. Braune Klavierspieler über die Schändung ihres Kriegshelden zu Hintergründe". Dieses Heft umfasst 24 Sei- 4.) Sprache. taten sich zusammen, stahlen, wo sie konn- berichten. ten ten und wurde zweimal hintereinander aus und es gab sogar Theater, die sich Charlottenburg versandt. Absender ist der mit der Diebesbeute heraus wagten. Das ,, Bund zur Pflege persönlicher FreundPublikum aber träumte von Mendelssohn schaften mit Ausländern". und pfiff leise seine Ouvertüre. Wir Musi- Kriegslügen fürs Volk ker schämten uns..." Der Regisseur sank Von demselben Absender wird.ein ilWie es kam, dass der Mann mit dem in die Knie: ,, Meister, es wird von ,, oben" Im vorigen Weltkrieg kannte Wilhelm II. lustrierter Prospekt verbreitet, der Niederländer zu Ferienkursussen in Deutschland echten Kammgarn- Anzug aus der Elektri- gefordert. Retten Sie uns, vielleicht fällt keine Parteien mehr, oder sagte das we den Arbeitern in möglichst verlocken soll. Der Prospekt trägt den Ti- schen ausgestossen wurde, konnte hinter- Ihnen bis morgen etwas ein. Wozu leben nigstens, um unverbindlicher Form eine Art Blankotel: ,, Ferienkursus für Ausländer:, Deutsch- drein nicht mehr ganz geklärt werden. Es wir im Lande des Ersatzes?" land im Kriege'." wechsel auf eine gerechtere Zukunft ausbegann so: Der Mann wurde vom SitznachEine Woche darauf verkündete der Völ- zustellen. In diesem Krieg wird den deutDeutsche Bilder Anstössiges Kammgarn دو B. Br. Weiter werden verbreitet hektographierte bar gefragt, wo man heutigen Tags solche kische Beobachter" sonder Scham, die Bo- schen Arbeitern auseinandergesetzt, dass ,, Berlijnsche mededelingen". Die letzte Stoffe bekomme, ob er etwa aus dem Aus- chumer Bühne bereite als neue grosse Pre- die Hitlerdiktatur der Sozialismus sei. Bisaus Berlin- Dahlem verschickt ,,, Drucksa- einen in Vistra bewilligt bekämen. Der vor, und zwar mit einer Musik, die aus den dings im wesentlichen auf Ley und seine Nummer ist( Nr. 21) 14 S. stark. Sie wird land stamme, andere seien froh, wenn sie miere Shakespeares ,, Sommernachtstraum" her blieben Disputationen dieser Art allerche" und ,, Holland" sind auf den Umschlag Mann im besagten Anzug mag wohl nicht Werken Carl Maria von Webers zusammen- Arbeitsfront beschränkt. Jetzt findet sich gedruckt, die Adresse ist aufgeklebt. Am 5. März in Rotterdam abgestempelt der Anzug stamme von früher, er habe ihn sind zwei Broschüren, die verschiedene sich aufgespart, alles weitere sei seine ureiHolländer in Leerdam erhalten haben. Es genste Angelegenheit, über die er niemanhandelt sich um holländisch geschriebene dem Rechenschaft schulde. Die Umsitzenden Titel: ,, Het martelaarschap der volks- äusserten sie so deutlich, dass die Zeitung öffentlichen Plätzen in die Luft ragten und vom 4. April kann man gar lesen: ,, Der von je 4 Seiten Umfang und den waren offenbar anderer Ansicht und duitsers in Opper- Silezië. De bloedterror des Mannes dabei in Fetzen ging. Er entFlugblätter verim ,, Angriff" vom 14. April unter dem Bild von 2 Hochofenarbeitern folgende UnterDer entnagelte Hindenburg schrift: ,, Sie wissen um den Sinn dieses Schliefen da in Museen deutscher Städte Krieges, den die Plutokraten gegen den alte Holzdenkmäler still vor sich hin. Es deutschen Sozialismus führen und war auch„ grosse Zeit", als sie einst auf lieren werden." Und im ,, Schwarzen Korps" zum Opfern gemahnten. Wer einen grossen deutsche Arbeiter wird nicht ihre( der gel in den Hindenburg schlagen, indes gen und sich gegen die deutsche sozialistivan de Korfanty- opstand"; und ,, De lijdens- wich dem Volksgericht, indem er kurz ent- Obolus stiftete, durfte einen kupfernen Na- Engländer und Franzosen) Geschäfte besorweg van de Duitse minderheid in Polen." schlossen vom Wagen sprang. Verschiedene holländische Geschäftsleute Einige Tage später war im Naziblatt zu schwächere Begeisterung( von fünf Mark sche Volksregierung erheben." erhielten deutsches Propagandamaterial in lesen: Nicht jeder sei ein ausländischer abwärts) sich mit einem eisernen zu beenglischer Sprache, das ihnen von einer Agent, der noch einen Kammgarn- Anzug gnügen hatte. Damals, nach drei Kriegsdeutschen Firma in Essen zugesandt wurde. trage, allerdings bleibe es in der neuen jahren, konnte das„ Zweite Reich" noch Nicht davon reden! In den Prager Die Titel lauten: ,, The Martyrdom of the Volksgemeinschaft wünschenswert, dass der Eisen für Geld geben; heute, nach sechs Kaffeehäusern hängen Schilder ,, NemvluGerman minority in Poland" und„, The Po- Träger eines solchen die übrigen Volksge- Monaten Krieg, bedroht das Dritte Reich vite o politice!"( Sprechen Sie nicht von lish Murder Campaign against the German nossen nicht durch karge Antwort aufreize, den Kopf des Untertanen, der seinen Alu- Politik!) Hitler und die Sterndeuter Gin Symptom der Unruhe und der Furcht Aus Deutschland kommt uns ein neues Zeichen wachsender Unruhe, ein Zeichen, das von vielen belächelt und von wenigen erkannt wird. Das Wahrsagen ist verboten, den Propheten aller Spielarten ist untersagt worden, in Zungen zu reden. Eine gewöhnliche, nebensächliche, leicht komische Polizeimassnahme? Gewiss. Aber die Zustände, auf die diese Massnahme zurück zuführen ist, haben offenbar die Nerven der Machthaber angerührt und nicht ihre Lachmuskeln. Ueber das Land ergoss sich plötzlich eine Welle vieldeutiger Orakelsprüche, die gerade ihrer Vieldeutigkeit und Unkon tfoIUerbarkeit wegen von Ohr zu Ohr wei tergeflüstert wurden. Dass der englische Rundfunk soeben aufs neue einen deutschen Schiffsverlust gemeldet hat, wagt man dem Nachbarn nicht zu sagen, dass Hitlers Stern jedoch in das zehnte Haus getreten sei und dass sein Horoskop damit dem Wallenstein'schen immer ähnlicher Werde, lässt sich in eine ohnehin geheimnisvolle Unterhaltung zwangslos einflech- ten. Eingeweihten genügt ein Datum und die Andeutung einer„Konstellation", um ihre Phantasie in Aufregung zu versetzen. Was Wunder, dass die Horoskopsteller und mit ihnen die Kartenleger, Kaffeesatzleser, Kristallseher immer lebhafteren Zuspruch gefunden haben. Die Gegenmassnahmen des Regimes sind nach bewährten Regeln und in bewährter Reihenfolge durchgeführt worden: Pressekampagne, Warnungsurteile der Strafjustiz, Verbot. Schon dieser Aufwand beweist, welch dunkle Empfindungen die Hellseherei der Untertanen bei den Macht- habern hervorgerufen haben muss. Das „Schwarze Korps" vom 4. April fordert, dass„der ganze Unsinn mit Stumpf und Stiel ausgerottet" und den„rassischen und moralischen Verderbern der Volks- seele" das Handwerk gelegt werde. „Dass Menschen des zwanzigsten Jahrhunderts und des aufgeklärtesten Volkes der Erde ihr ganzes Leben dunklen, geheimnisvollen Lehren, verkündet von armen Irren und Schwindlern, überant- - worten, das ist eine Tatsache, der gegenüber man eigentlich nichts anderes tun kann als einfach anerkennen: so ist es." Der Leser glaubt, eine Polemik gegen den Nationalsozialismus und seine rassische Heilslehre vor Augen zu haben. Aber die SS-Zeitschrift behauptet im Gegenteil, man wolle vermittels der Wahrsagerei „von ganz bestimmter Seite Unsicherheit, Verwirrung, Zweifel an der Richtigkeit des nationalen Weges und endlich tödlichen Fatalismus in das Volk hineintragen", ja es gehe darum,„jene Ueberzeugung von der Bedingtheit des Menschen durch seine rassische Erbanlage zu sabotieren." Nachdem die Presse einige Zeit lang in solcher und ähnlicher Weise gegen die Wahrsagerei gewütet hatte, taten Richter und Polizeistellen in den verschiedenen Städten ihre Schuldigkeit. Wir zitieren von vielen Beispielen einen Bericht der Krimi- nalpoizleistelle München vom 12. April: „Die in München in der Böcklinstrasse wohnende Margarete Luft betreibt die Wahrsagerei gewerbsmässig... Da Margarete Luft sich in der letzten Zeit auch mit Zukunftsdeutungen unter Bezugnahme auf die Kriegsereignisse befasste, wurde sie zu sechs Wochen Haft verurteilt und zur Strafverbüssung sofort festgenommen. Nach Verbüssung dieser Strafe wird sie einem Frauenlager zugeführt. Die Kriminalpolizeileitstelle nimmt diesen Fall zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass Wahrsager aller Schattierungen schärfste polizeiliche Massnahmen zu erwarten haben. Für Gauner und Scharlatane ist in unserer Volksgemeinschaft kein Platz." Nicht in der Volksgemeinschaft, nur an ihrer Spitze werden Gaunereien und Scharlatanerien geduldet. Die Wahrsagerei scheint so alt zu sein wie die menschliche Erkenntnis vom Tode, und die Geschichte verzeichnet in allen umsturzreifen Zeiten ein Anschwellen der Wundersucht, ein Umsichgreifen der Zeichendeuterei. Deutschland hat die letzte Welle astrologischer Schwärmerei in den Jahren vor 1933 erlebt. Damals standen die Sterndeuter teils nur im Bann, teils auch im Solde der immer grössere Massen an sich reissenden nationalsozialistischen Partei. Wnndermänner wie der später von seinem Hakenkreuzfreunden ermordete Hanussen haben die Mär von Hitlers aufsteigendem Stern in Deutschlands Strassen ausposaunt, die astrologischen Blätter, die dem Hakenkreuz freundlich gesinnt waren und dafür warben, schössen wie Pilze aus der Erde, gleichzeitig propagierten die Sterndeuter in ihren engeren Anhängerkreisen die Anbe lung der„starken Hand", die Hoffnung auf den Retter. Wenn die Wahrsager sich 1940 noch ebenso willig in den Dienst des Hakenkreuzes gestellt hätten wie 1932, so könnte ihre Zunft im Dritten Reich in hohen Ehren stehen. Was mag sie veranlasst haben, sich mit den Machthabern und ihrer Gestapo aufzulegen? Möglich, dass mit Andeutungen über Hitlers Untergang heute mehr zu verdienen ist als mit Orakelsprüchen, die seinen unaufhaltsamen Aufstieg künden. Aber das ist es nicht allein. Unter uns Menschen laufen Exemplare herum, die mit besonders feinen Empfangswerkzeugen ausgerüstet sind und deren seelische Membran durch herannahende historische Erdbeben, durch das unterirdische Grollen kommender Revolutionen, durch die Spannung, die umstürzlerischen Entladungen aller Art vorauszugehen pflegt, in besonders lebhafte Schwingungen versetzt wird. Genies gehören zu dieser Gattung Mensch, aber auch Hysteriker, Spekulanten, Wahnsinnige und— Hellseher. Die meisten dieser Wundermänner nehmen sich und ihre Kunst bitter ernst, glauben ebenso fest an ihre Sendung wie der— ihnen seelenverwandte— Führer Adolf Hitler an die seine. Wenn sie dem Dritten Reich trotz der damit verbundenen Gefahr schwarzes Unheil prophezeien, so tun sie es, weil sie nicht anders können. Was sie in Wahrheit deuten, ist allerdings nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart, ist jene tiefe Unruhe im Volke, die durch die ersten ernstlich fühlbaren Niederlagen an die Oberfläche gehoben werden muss. Man sagt, Hitler habe sich bis vor wenigen Monaten einen Leibastrologen gehalten, einen eignen Seni mit Namen Martin Huber. Man sagt weiter, dieser Mann sei eines Tages im Konzentrationslager verschwunden, als er anfing schwarz- anstatt hellzusehen. Eines ist jedenfalls gewiss: Hitler wär der Sterndeulerei freundlich gesinnt, solange die Astrologen seinen Aufstieg prophezeiten, er lässt mit Kanonen auf die Spatzen der Milchstrasse schiessen, seitdem ihre dunklen und kaum verständlichen Sprüche eine Ahnung seines Abstieg durchblicken lassen. Selbst ein Hysteriker, mag er fühlen, dass die Weissager aus Passion beide Male im Recht waren: 1932 und 1940, dass sie beide Male etwas erfühlt haben, das im Anmarsch war und näher und näher rückte. ♦ ♦ * Gegenwärtig ist offenbar der Befehl ergangen, die Sterne vollkommen zu entthronen, jeden Zusammenhang zwischen Sternhimmel und Erdbewohnern zu leugnen.„Obgleich die Wissenschaft eindeutig erwiesen hat, dass keinerlei Schicksalszusammenhang zwischen den Sternen und den Menschen besteht, erlebt die Astrologie gerade in unseren Tagen wieder eine Auferstehung", so heisst es in dem be- wussten Artikel des„Schwarzen Korps". Weiter hinten im Annoncenteil des Blattes findet man dafür keine Geburtsanzeige ohne ein zauberdunkles Runenzeichen, so wie sich ja auch die SS selbst die Siegrune als Talisman erwählt hat. Die angebliche Aufgeklärtheit der nationalsozialistischen Spätperiode vermengt sich also mit dem abergläubischen Odinszauber der Frühzeit zu einem wirren und erheiternden Gemisch. Der naturwissenschaftliche Hochmut, der jetzt zum Durchbruch kommt und kein Geheimnis zwischen Himmel und Erde mehr dulden will, ist dabei genau so wenig fundiert wie der Schäferglauben von ehedem. Aber der Runenzauber des Beginns stand dem Nationalsozialismus besser an als die verlogene Aufklärerei von heute. Die Pariser Bouquinisten am Seinequai folgen einem sicheren Instinkt, wenn sie Hitlers „Mein Kampf" fast ausnahmslos neben astrologischen und pornographischen Schriften zur Schau stellen. Sie wissen, dass sie es hier mit den unkontrollierbaren Bezirken des menschlichen Geistes zu tun haben, die so leicht keine wissenschaftliche Blendlaterne erhellen wird. Aintllctae Wabrsasungr Am Tage des deutschen Ueberfalls auf Dänemark und Norwegen, am 9. April, gab Ribbentrop vor den Vertretern der Auslandspresse in Berlin eine Erklärung ab, die folgende Prophezeiung enthält: „Die deutsche Wehrmacht wird dafür sorgen, dass sich nunmehr, während dieses Krieges in Norwegen und Dänemark kein Engländer oder Franzose mehr blik- ken lässt. Deutschland hat damit die Länder und Völker Skandinaviens vor der Vernichtung bewahrt und wird nunmehr bis zum Kriegsende für die wahre Neutralität im Norden einstehen." Ein paar Wochen zuvor hat der„Völkische Beobachter" in kindlicher Zuversicht prophezeit:„Wir werden den Terror dieser kleinen Plutokralenklüngel(gemeint sind England und Frankreich) brechen, darüber hat der Führer keinen Zweifel gelassen." Gehren der Diklafnr «lalln— ein nis*ver*län4lnl8 Der Pakt Berlin-Moskau nötigt die Anhänger der bolschewistischen Diktatur zu sonderbaren Kapriolen. Wir haben das Charakterbild jener Linientreuen, die prompt und korrupt das von Moskau ausgegebene, blödsinnige Stichwort vom „Kampf gegen die Plutokratien", von den „Bedrohungen der Sowjetunion durch den englisch-französischen Kriegsblock" nachbeten, bereits tiefer gehängt. Aber es gibt da noch eine andere Spezies Verteidiger oder Erklärer des blamablen Paktes. Das Stichwort von den gemeinsamen Interessen des Hitlerismus und des„Sowjetvolkes" erscheint ihnen zu kompromittierlich; sie geben unter der Hand ein anderes, widerlich-familiäres weiter:„Josef legt den Adolf rein..." Für sie ist das deutsch-russische Zusammengehen lediglich ein Manöver Stalins, mit dem er„Hitler erledigen" will. Sie argumentieren; Stalin hat es Hitler erleichtert in den grossen Krieg zu gehen, er wird ihn im Stich lassen und damit sein Ende beschleunigen. Wir sehen ab von der greifbaren Dummheit und dem skrupellosen Durcheinander dieser Vorstellung— nach dem Ueberfall auf Finnland, den Massakers in Polen und der Verlängerung des Krieges durch östliche Rük- •laVir&ans' IOIO Als Deutschland in Hitlers Hände fiel, da zählten sie knapp vierzehn Jahre, und es geschah, was sie immer geträumt: das Räuber-, Indianer-, Soldatenspiel galt als das Rechte und Wahre, die Schule, die wurde beiseitegeräumt. Sie schössen sich munter durch die Zeit, sie halfen die Juden zu plündern. Mit Lesen waren sie nicht sehr vertraut, doch wussten sie alle genau Descheid, wie man demokratischen Sündern des Nachts eins über den Schädel haut. Die Eltern und Lehrer taten so, als seien sie voller Verehrung, und rutschte dem Vater der Mund einmal aus, genügte ein Wink an die Gestapo. Geriet er in deren Belehrung, dann kam er wochenlang nicht nachhaus. Als Deutschland in Hitlers. Hände fiel, da zählten sie knapp vierzehn Jahre. Jetzt hat sich das, was ihr Herr sie gelehrt, das forsche, das muntre Soldatenspiel der sieben gefahrlosen Jahre ganz plötzlich in eine Art Schule verkehrt. Und bleibt ihnen auch die Wissenschaft mit sieben Siegeln verschlossen, empfangen sie doch eine Instruktion: wer die Kraft missbraucht, den vernichtet die Kraft und wer schiesst, auf den wird auch geschossen. Das ist ihre erste und letzte Lektion. kendeckung. Was diese Art Beschöniger des Moskau-Berliner Paktes so peinlich erscheinen lässt, ist die naive Art, mit der sie Krieg und Politik als Manöver betrachten, bei dem jeder Betrug, jeder Falscheid, jede Lüge, jeder falsche Bruderkuss als erlaubt gilt, wenn sie nur irgend einen Erfolg zeitigen. Nicht in einem Atem mit ihnen zu nennen ist eine dritte Art Verteidiger der Sowjetdiktalur: die Antistalinisten, die kommunistische Opposition. Ihr politisches Bewusstsein ist nicht ohne sittliche Skrupel. Ihnen gilt Stalin als ein Verräter und der Berlin-Moskauer Pakt als Ergebnis dieses Verrätertums. Die Entmachtung der Sowjets, die Verknöcherung des Apparats, die konformistische Schablone, des linientreuen Hurrapatriotismus, die byzantinische Verherrlichung des Diktators, die Abwürgung der alten Garde, die militaristisch-imperialistische Denkart des ganzen Systems— das alles kommt für sie nicht auf das Konto der Diktatur, sondern auf das persönliche des„Verräters Stalin". Wenn an seiner Stelle ein Würdigerer gestanden hätte, wenn die Sowjets nicht entmachtet und die alten Revolutionäre nicht abgewürgt worden wären— dann gäbe es keinen Berlin-Moskauer Pakt. Episoden wie die Radek-Reventlowsche sind für sie ebenso vergessen, wie die merkwürdige Unterwürfigkeit der alten Garde. Stalin ist für sie ein historisches Missverständnis, ein Irrtum der bolschewistischen Entwicklung, und ihre Argumentation setzt sich ans„wenn" und„hätte" zusammen. Sic schrecken vor dem Eingeständnis zurück, dass sich in Stalins Brutalität, in seiner Tücke und Menschenverachfung, in seinen Schwenkungen und seiner ganzen unsozialistischen Politik das bolschewistische Sgstem manifestiert. Gäben sie das zu, so stürzten ihre politischen Träume, stürzte ihre ganze Vergangenheit ins Bodenlose; ihnen schwindelt vor dem Abgrund, den sie mit geschaffen. Sie wollen nicht erkennen, dass es ein gleich ungeheuerliches Versagen der„proletarischen Diktatur" wäre, wenn man den Stalinismus als einen Irrtum der Entwicklung gelten lassen wollte. Was aber soll man mit dieser kommunistischen Opposition rechten, wenn es sogenannte revolutionäre Sozialisten gibt, die vor den gleichen Wahrheiten zurück schrecken! Da liest man in einem linksradikalen Emigrationsblatt einen interessanten Artikel über Stalins Sieg in Finnland, über die materiellen und politisch-moralischen Verwüstungen dieses Ueberfalls. Da klingt es wie ein Refrain immer wieder: „Versteht man jetzt unsern Hass gegen Stalin?" Da kommt schliesslich der Satz:„Die Erfüllung grosser Träume wäre unfassbar näher gerückt, wenn Stalin... ein Sozialist wäre und danach gehandelt hätte..." Wer hat von dieser 22jährigen, auf Terror und Minderheitsherrschaft gegründeten Diktatur noch hoffen können, dass der Diktator ein Sozialist ist? Welcher Sozialist hat erst den Ueberfall auf ein kleines demokratisches Volk, den Pakt Stalin-Hitler und da» jähe Einschwenken des ganzen bolschewistischen Apparats auf die Hitlerlinie erleben müssen, um das Schaurige dieser Diktatur zu erkennen, die sich über zwei Jahrzehnte hindurch das Feigenblatt des internationalen Sozialismus vorhing? Schlimm für Sozialisten, wenn sie zu dieser Erkenntnis noch länger brauchten als die kommunistische Opposition, die— welch marxistische Denkart!— eine beklemmende sowjetistische Entwicklung mit der Entartung eines Einzelnen, sozusagen mit der Nase Kleopatras erklärt. Der Stalinismus ist nicht der Amoralitäl eines Mannes oder einer Klique zu danken, sondern ist das natürliche Ergebnis einer auf Terror, Geistesknechtung und Men- schcnverachtung gegründeten Diktatur. Sic gilt es zu hassen! Sie erst hat Stalins Cäsarismus hervorgebracht und möglich gemacht. Die Leiden unserer Epoche sind umsonst gewesen, wenn diese Diktaturen der Masse Mensch nicht zum abschreckenden Beispiel werden. rg. BEZUGSBEDINGUNGEN Der\EUE VORWAERTS kostet Einul- mirnmcr In Vte»- 3.60 24.— 12— 96.— 2.64 48.— 18.— "i 13.2# sc— 3.60 6 60 18.— 4.20 0.210 24.— 120.— 4.2# 8.6« 4.30 1.— Imp. Union, 13, nie Michail, Paris. Le Girant: Albert MARIO�'