JOURNAL ANTIHITLERIEN Journal social- démocrate destiné Neuer Vorwärts Sozialdemokratisches Wochenblatt NOUVEL" EN AVANT!" Hebdomadaire en langue allemande Redaktion und Verlag: 30, Rue des Ecoles, Paris- 5. Téléphone: Odéon 42-58 aux réfugiés de langue allemande Nr. 357. SONNTAG, 5. Mai 1940 Aus dem Inhalt: Ribbentrops Lügen Hitlers Rezept Kiruna- Sage Die Kriegskosten Was die Völker für das das Hitlerverbrechen bezahlen müssen Die Vorbereitung des Krieges, so sag- aber genug andere amtliche Angaben rund 10 Milliarden Reichsmark veran- auf 27 Milliarden gestiegen. Die kurzte kürzlich Serruys, einer der Wirt- zur Verfügung, um mit sehr grosser schlagt werden, so dass die Ausgaben fristige Schuld wuchs von 1,5 Milliarschaftsberater der französischen Regie- Annäherung die deutschen Staatsaus- insgesamt sich auf 52 bis 55 Milliarden den im März 1933 auf 5,27 Milliarden rung, hat im Jahre 1938 der Welt 650 gaben bestimmen zu können. Die Analy- belaufen. Ende 1938 und auf 14,14 Milliarden Milliarden Francs gekostet und in den sen, die wir im ,, Neuen Vorwärts" fort- Wie wird diese Summe aufgebracht? Ende 1939. Die totale Verschuldung hat ersten acht Monaten 1939 schon 850 laufend gegeben haben, sind schliesslich Ohne in die Einzelheiten einzugehen, sich innerhalb des einen Jahres 1939 Milliarden. Und seitdem...? bestätigt worden, als Hitler nach Kriegs- für die wir auf die angeführten Unter- um 14,4 Milliarden vermehrt, d. h. Am 24. April war Budgettag in Eng- ausbruch die bis dahin verausgabten suchungen verweisen, ergibt sich fol- um einen Betrag, der die Gesamtverland, und mit noch grösserer Spannung Rüstungskosten auf 90 Milliarden RM gendes: In den neun Monaten vom schuldung, die der Nationalsozialismus als je erwartete das Land die Rede des angab. In letzter Zeit sind über die seit 1. April bis 31. Dezember 1939 betru- aus früherer Zeit übernommen hatte, Schatzkanzlers. Sir John Simon schätzt September entstehenden Kriegskosten gen die Reichseinnahmen aus Stauern erheblich übertrifft. Dabei wuchs die die Ausgaben für das am 1. April 1940 mehrere Untersuchungen erschienen. und Zöllen 17,73 Milliarden, gegen 13,02 kurzfristige Verschuldung allein in begonnene Etatjahr auf 2667 Millionen Herbert Weichmann, der frühere Mini- im Vorjahre. Die Finanzverwaltung er- diesem Jahre um 9 Milliarden. WohlPfund( etwa 470 Milliarden Francs, oder sterialdirektor von Otto Braun, hat eine wartet, dass die Einnahmen des vollen gemerkt: es handelt sich hier um die wenn man unter Berücksichtigung der kleine, gründliche und materialreiche Etatjahres 1939/40 den Voranschlag amtlichen Ziffern; man weis, dass neKaufkraft das Pfund gleich 15 Mark Studie über über Höhe und Deckung der von 24 Milliarden erreichen werden. ben der zugegebenen schwebenden Schuld setzt, etwa 40 Milliarden Mark). Es ist deutschen Kriegsausgaben veröffent- Nehmen wir also als Ausgangspunkt eine geheime besteht, die durch die eine phantastische Summe; England al- licht.*) Seine Resultate decken sich im für das neue Etatjahr Steuereinnahmen Ausgabe der Sonderwechsel der verlein wird in diesem Jahre ungefähr ein wesentlichen mit denen, zu denen die von rund 25 Milliarden an, so würden schiedenen Arten entstanden ist; ihre Drittel dessen ausgeben, was die ganze Neue Züricher Zeitung" und der ,, Eco- bei Gesamtausgaben von 52 bis 55 Mil- Höhe gibt die ,, Neue Zürcher Zeitung" Welt 1939 für Kriegsvorbereitungen nomist" gekommen sind. Weichmann liarden etwa 27-30 Milliarden auf dem vom 22. Februar auf 51,5 Milliarden aufgewandt hat. rechnet, dass die Rüstungsausgaben Anleihewege aufzubringen sein. In den an; wir selbst haben sie für 1938 auf 35 Im Vorjahr betrugen die Ausgaben Deutschlands im Etatjahr 1939-40 auch Kriegsmonaten seit September hat das etwa 40 Milliarden geschätzt. In Wirk1817 Millionen Pfund( 318 Milliarden ohne Ausbruch des Krieges etwa 30 Reich monatlich durchschnittlich zwei lichkeit ist also die deutsche GesamtFrancs); 1049 Millionen wurden durch Milliarden Reichmark betragen hätten. Milliarden neuer Schulden gemacht, wo- verschuldung auf 80-90 Milliarden Steuern, 768 Mill. durch Anleihen ge- Im Kriege würden die Ausgaben auf 42 bei das Tempo der Verschuldung stän- Rm. anzusetzen. deckt. In diesem Jahre sollen die Milliarden steigen. Der„ Economist" dig zugenommen hat. Im Gegensatz zu Seit Kriegsausbruch hat das Reich Steuern 1234, die Anleihen 1433 Millio-( vom 16. März 1940) kommt zu der et- England hat aber die nationalsozialisti- noch keine fundierte Anleihe auszugenen erbringen. Die Neueinführung einer was höheren Ziffer von 45 Milliarden. sche Diktatur den Anleihemarkt schon ben vermocht. Es bestreitet die AusgaUmsatzsteuer, die Erhöhung einer gros- Die zivilen Reichsausgaben können auf vor dem Ausbruch des Krieges in ganz ben im wesentlichen durch Emission ausserordentlicher Weise überanstrengt. von sen Anzahl direkter und indirekter Schatzanweisungen und SchatzDie fundierte Schuld, die Ende März wechseln. Der amtliche Ausweis der Steuern schafft neue Steuereinnahmen *) ,. Le montant et la couverture de dévon 101 Millionen Pfund. Von den Aus- penses de guerre de l'Allemagne." Edition 1933 10,2 Milliarden betrug, war am schwebenden Schuld zeigt folgende Jahresende 1938 auf 22,2 und 1939 Entwicklung: Juli 1939: 7937 Milliogaben erfordern Schuldendienst und zi- Sebastian Brant, Paris. vile Verwaltung etwa 660 Millionen; 2 Milliarden Pfund, also etwa 30 Milliarden Reichsmark oder 350 Milliarden Francs, erfordern die Kosten des Krieges. Die täglichen Kriegsausgaben würnen. Ribbentrops Lügen Denn er ist der echte Nachkomme der an- wenn ernste deutsche Niederlagen zugegenektionslüsternen Alldeutschen von da- ben werden müssen, Heldenmütter und Der deutsche Reichsaussenminister hat mals. Aber so wenig die wilhelminischen Heldenbräute sehr rasch in verängstigte den sich danach im Laufe dieses Jah- in einer theatralisch aufgezogenen Ver- Dokumente damals Deutschland von der Frauen verwandeln, die um die Ihren banvon sogenannten Schuld des Ueberfalls auf Belgien rein- gen. Die Deutschen begreifen langsam, res auf 5,48 Millionen Pfund berech- anstaltung eine Reihe Dokumenten produziert, mit denen er be- waschen konnten, so wenig werden die dass Krieg ist und dass diesmal auch auf Sehr bezeichnend ist die Kritik, die weisen will, dass Deutschland Norwegen Lügen eines Ribbentrops die ungeheuere Deutsche geschossen wird. gegenüber in Notwehr gehandelt habe. Schuld verschleiern können, die die Hitdas neue Budget bei einem Teil der öf- Diese Dokumente sollen zu einem erhebli- lerregierung auf sich geladen hat. Man fentlichen Meinung gefunden hat. Sie chen Teil in Norwegen aufgefunden wor- wird übrigens nach dem Kriege und dem wirft dem Schatzkanzler keineswegs die den sein. Sturz der Hitlerregierung in Berlin akten- Was geht in Berlin vor? Höhe der Ausgaben, oder die Grösse des Die Tatsache, dass Deutschland Norwe- mässig feststellen können, wer an den Rib,.Keime des Aufbegehrens Steuerdrucks vor; umgekehrt: man be- gen überfallen hat, und zwar völlig unpro- bentropschen Fälschungen auch soweit auch soweit allenthalben eingepflanzt" mängelt, dass nicht mindestens die voziert überfallen hat, kann durch nichts das deutsche Weissbuch über Polen in BeIn der ,, Deutschen Allgemeinen Zeitung" Hälfte der Ausgaben allein durch aus der Welt geschafft werden, auch nicht tracht kommt dadurch durch eine Diskussion über sogenannte wärtigen Amtes beteiligt war. Man wird vom 21. April findet sich sorgfältig in Steuern gedeckt würden; Dokumente von höchst zweifelhaftem sie ebenso zur Verantwortung ziehen wie einem vier Spalten langen, nichtssagenden Wert. Es scheint indessen, dass das Sy- Ribbentrop selbst. Artikel verborgen der folgende Passus: stem eine gewisse innere Unruhe in dauernder einge- Deutschland beschwichtigen will, nachdem schränkt werden als bei Finanzierung es hat zugeben müssen, dass es sich mit durch Anleihen. Stärkste Einschrän- Norwegen im Kriege befindet. kung der Konsumtion sei aber erforderwürde sowohl die Inflationsgefahr vermindert als auch die Konsumtion unmittelbarer und von den Beamten des AusVerluste ,, Ein Mangel, der in Berlin auftritt, hat grössere, weiter um sich greifende Wirkungen als anderswo. Er treibt nicht nur die Menschen an den Orten, da ,, es etwas gibt", auf die Strasse er treibt ihre so ganz verschiedenartigen Temperamente zueinander. Hier wohnem zuviele Menschen dicht an dicht beieinander- und Menschen, deren Charakter und Lebensart sich meistens an ganz anderen Gegenden des Reiches gebildet hat. Gerade dort, wo diese Menschen sich gezwungen sehen, gemeinsam in Erscheinung zu treten, pflegt das Besondere ihrer Abstammung und ihres Lebensmutes sich an dem Besonderen des andern zu entzünden. Die Keime des Aufbegehrens sind in den Bewohnern Berlins allenthalben eingepflanzt... Aufbegehrend können diese Menschen sein, fordernd, immer das nächst Bessere verlangend, um dann sogleich nach dem nächst zu Erstrebenden zu greifen." Der ,, Völkische Beobachter" vom 18. Die verlogenen Ribbentropschen Erklä- April teilt mit, dass nach den Untergang lich, um Arbeitskräfte und Produk- rungen haben sofort die Erinnerung an die des Kreuzers„ Blücher" zahlreiche Antionsmittel immer stärker für Rüstungs- belgischen Dokumente wachgerufen. Nach fragen über das Ergehen einzelner Soldahaben. Darüber dem Ueberfall auf Belgien, mit dem 1914 ten an die Dienststellen der Kriegsmarine zwecke verfügbar zu hinaus erscheint diesen Kritikern die der Weltkrieg begann, hatte die deutsche gerichtet worden seien und fügt hinzu: Gesamtausgabe von 2,7 Milliarden un- Propaganda Dokumente veröffentlicht, mit zureichend: Ausgaben von 3-3,4 Mil- denen sie beweisen wollte, dass Belgien sich der Neutralitätsverletzung liarden hält z. B. der..Economist" für selbst Veröffentlichung dieser sogenannten belerforderlich, um die Höchstleistung der schuldig gemacht habe. Damals hatte die Kriegsproduktion zu erreichen. Der Kri- gischen Dokumente den vollkommenen tik geht es also darum, die Regierung Sieg der all deutschen Militärpartei über zu noch grösseren Anstrengungen anzu- den letzten Rest von Vernunft bei der Zivilgewalt gekennzeichnet. Am 4. August spornen. Bethmann Während in England auch in Kriegs- 1914 hatte Reichskanzler zeiten das Budget selbstverständlich Hollweg in seiner Reichstagsrede den Einveröffentlicht wird und nur die Auftei- marsch in Belgien für ein Unrecht erklärt, Die lung der Summen auf die einzelnen das man wieder gutmachen müsse. Veröffentlichung der sogenannten belgiRessorts der Landesverteidigung geheim schen Dokumente sollte den Vorwand für bleibt, wird in Deutschland bekanntlich die Annektions- Absichten der Militärpartei schon seit 1933 kein Etat mehr veröf- liefern. Diesmal ist von vornherein nicht warum sie lügen; sie wissen, dass sie das fentlicht. Es gibt also keine amtlichen der mindeste Zweifel, dass Hitler Norwe- Volk allzulange an unblutige Siege über Ziffern über die Kriegskosten. Es stehen gen annektieren würde, wenn er es könnte. Schwächere gewöhnt haben und dass sich, litärzensur gestellt. von ,, Sobald die Verluste festgestellt sind, werden die Angehörigen der Soldaten so bald wie nur irgend möglich benachrichtigt werden. Es ist jedoch zwecklos, sofort nachdem der Verlust einer Einheit amtlich bekanntgegeben ist, schriftliche, mündliche oder fernmündliche Anfragen an die Dienstellen der Wehrmacht zu richten. Derartige Anfragen können beim besten Willen nicht beantwortet werden und führen nur zu weiteren Verzögerungen in der Benachrichtigung der Angehörigen. Es wird von der Bevölkerung erwartet, dass sie auch hierin Geduld und Disziplin zeigt." Die deutschen Machthaber wissen Man hat draussen bisher nicht gewusst, dass die Lebensmittelversorgung in Berlin derart schlecht geklappt hat. Die holländische Presse wurde unter Mi MEHR Chronik der Woche DOL Deutscher Gauleiter für Norwegen- Weitere Unterwühlung der Neutralen nen R.M. September: 9944, Oktober: 11 035, Dezember: 14 140 Millionen R.M. Die Vermehrung der schwebenden Schuld spiegelt sich im raschen Anstieg des Notenumlaufs wieder, der von 8 989 Millionen R.M. im August, auf 11 737 Millionen Ende Dezember 1939 angestiegen ist. Der gesamte ZahlungsmittelumMontag, 22. April 1940 nisation in Deutschland anschliessen, die lauf( Noten, Rentenbankscheine und Die deutsche in letzter Zeit eine überaus lebhafte Tätigdeutsche Lebensmittelrationierung keit entfaltet. Scheidemünzen) errechnet sich 1939 ist auf Kartoffeln ausgedehnt worden. auf ca. 15 Milliarden R.M. gegen 10,4 Zwischen Deutschland und Rumänien keit noch besteht. Deutschland zu verlassen. Mittwoch, 24. April 1940 Freitag, 26. April 1940 In der Slovakei wurden neue Jahresklassen einberufen. Die Ausbildung der slovakischen Soldaten erfolgt zum Teil durch Sonnabend, 27. April 1940 Die belgische Regierung ist zurückgetreten, weil im Parlament eine Vorlage des Unterrichtsministeriums über die RegeMilliarden ein Jahr zuvor. Die deutsche wurden wirtschaftliche Verhandlungen ab- Zum Reichskommissar über das besetzte deutsche Unteroffiziere. In Pressburg alKriegsfinanzierung muss also von An- geschlossen, doch hat Rumänien weder Norwegen wurde der nationalsozialistische lein leben nach der amtlichen Statistik fang an in starkem Masse auf inflatio- eine Erhöhung der Petroleumlieferungen Gauleiter Terboven aus Essen a. d. Ruhr 14 000 Deutsche, die zum grossen Teil der nistische Methoden zurückgreifen. noch eine Veränderung der Wertrelation eingesetzt. Hitler ernannte ihn zum ober- Reichswehr angehören. sten zivilen Machthaber in Norwegen, der Wie ausserordentlich die Beanspru- zwischen Mark und Lei zugestanden. chung des gesamten Volkseinkommens Die amerikanische Gesandtschaft in Bu- nur ihm selbst unterstellt ist. Seine Anordbereits geworden ist, zeigt folgende dapest empfiehlt den in Ungarn lebenden nungen sollen Rechtskraft haben. Er verUeberlegung: Mit Einschluss von Oester- Amerikanern die Rückkehr in die Vereinig- fügt über deutsche Polizeikräfte. reich und Sudetendeutschland wird das ten Staaten, solange die Ausreisemöglich- In Stockholm haben deutsch- schwedi- lung der wallonisch- flämischen Sprachensche Handelsbesprechungen begonnen. frage nicht die Zustimmung aller RegieVolkseinkommen gegenwärtig von Der norwegische Gesandte in Berlin wur- Eine Anfrage des Botschafters der Sow- rungsparteien fand. Die Demission der Redeutscher Seite auf 88 Milliarden R.M. geschätzt. Die Reichsausgaben werden, de von der Reichsregierung aufgefordert, jetregierung in London über die Wieder- gierung wurde vom König nicht angenomaufnahme der englisch- russischen Handels- men, sodass die Regierung weiter im Amt wie wir gesehen haben, mindestens 52 Schwedisches Gebiet ist von zahlreichen beziehungen wurde von der englischen Re- bleibt. Milliarden erreichen. Dazu kommen Der Oberste Kriegsrat der Alliierten tagte noch rund 10 Milliarden Aufwendun- deutschen Flugzeugen überflogen worden. gierung dahin beantwortet, dass für sie die noch rund 10 Milliarden Aufwendun- Die Regierung Schwedens hat in Berlin da- Kriegsbedingungen massgebend seien und am Montag und Dienstag in Paris und am die Tatsache, ob ein neutrales Land dem Sonnabend in London. An beiden Tagungen der Länder, Gemeinden, Sozialversicherungen etc. Die öffentliche Hand Feind kriegswichtige Waren liefere. Die erfasst also im Kriege ca. 62 Milliarden russische Regierung wurde zur Ueberrei- en nahmen Vertreter Polens und Norwechung konkreter Vorschläge unter Berückvon 88. Es bleiben also für alle privaten Der deutsche Gesandte in Dänemark wur- sichtigung dieser englischen Gesichts- Ribbentrop wiederholte vor den in die Ausgaben nur 26 Milliarden übrig. Die de zum Sonderbeauftragten Hitlers er- punkte aufgefordert. Reichskanzlei bestellten ausländischen DiGeringfügigkeit dieses letzteren Postens nannt. Er soll die gesamte Zivilverwaltung beweist, wie wenig elastisch die deut- Dänemarks kontrollieren. Aus der belgischen Rexistenpartei sind plomaten und Journalisten die Behauptung in letzter Zeit mehrere Senatoren, Provinz- der deutschen Presse, dass alliierte Expesche Kriegsfinanzierung ist. Denn in ditionstruppen bereits zwischen England Die norwegische Dichterin und Nobel- räte und Gemeinderäte ausgetreten. diesen Zahlen spiegelt sich die Tatsaund Norwegen unterwegs gewesen seien, preisträgerin Sigrid Undset begrüsst in eiche, dass schon zu Beginn des Krieges nem Appell die Norweger und die Trupdass die Transportschiffe aber schleunigst ein sehr geringer Teil der menschlichen pen der Alliierten, die den Kampf für die und sachlichen Produktivkräfte für die Erhaltung der Selbständigkeit Norwegens Konsumsphäre übrig geblieben war. Im aufgenommen haben. Gegensatz zu dem grossen Spielraum, gegen protestiert. Dienstag, 23 April 1940 Donnerstag, 25. April 1940 gens teil. Die missbräuchliche Benutzung der umkehrten, als sie von der inzwischen Reichsbahn wird nach einer Verordnung erfolgten deutschen Landung in Norwegen Görings mit Gefängnis bis zu zwei Jahren erfuhren. Im Gegensatz zu anderen neutrabestraft. Die Strafe soll hauptsächlich Per- len Ländern sei die schwedische RegieVier amerikanische Handelsschiffe wur- sonen treffen, die unrichtige Angaben auf rung ihren Neutralitätspflichten immer über den England und Frankreich ver- den mit Genehmigung der Flottenkommis- Frachtbriefen machen, weil die Beförde- loyal nachgekommen. Ein deutsches Weissfügen, ist eine weitere Herabdrückung sion an eine französische Schiffahrtsgesell- rungserlaubnis nur für kriegs- und lebens- buch wurde allen Anwesenden überreicht. des deutschen Konsums, damit aber schaft verkauft. wichtige Güter erteilt wird. Jede nicht un- England und Frankreich weisen die Beauch die Uebertragung der ProduktivIn Jugoslawien ist der ehemalige Polizei- bedingt notwendige Reise ist verboten. Zu hauptung Ribbentrops über geplante Ankräfte von der Konsum- in die Produk- präsident von Belgrad und Innenminister Pfingsten werden weder Militärurlaube er- griffe der Alliierten gegen Norwegen zutionssphäre äusserst begrenzt. der Regierung Stojadinowitsch verhaftet teilt, noch dürfen auswärts tätige Arbeiter rück. In der Erklärung gegenüber Schwedie Feiertage bei ihrer Familie verbringen. den wird ein Versuch zur Ablenkung der Wie hoch sind nun die ungefähren worden. Kriegskosten der drei kriegführenden Die Holländer, die in Deutschland leben, Der grösste Teil der starken norwegi- schwedischen Aufmerksamkeit von den geMächte? Der ,, Economist" berechnet werden mit der Ausweisung bedroht, wenn schen Handelsflotte hat sich der Leitung gen das Land gerichteten deutschen Plänen den tatsächlichen Stand der monatli- sie sich nicht der holländischen Naziorga- der Alliierten unterstellt. gesehen. chen Ausgaben der letzten Zeit( in Millionen Pfund, wobei 1 Pfund 15 Reichsmark gesetzt ist): England: 145, Frankreich: 135, Deutschland 250 Millionen Pfund. Das ergäbe zusammen 530 Millionen Pfund monatlich oder 6 360 Millionen Pfund = 95 400 Millionen Reichsmark Hakenkreuz über Dänemark Die ersten Folgen der Besetzung ,, Dänemark werden wir uns telefonisch| sandte in Dänemark, von Renthe- Finck, ersetzen, werden nur wenig Michkühe vor im Jahre. Die Kriegsausgaben Deutsch- holen, wenn es uns passt." So heisst es der von Hitler zu seinem Sonderbeauftrag- dem grossen Viehsterben im kommenden lands im vorigen Kriege können mit ca. seit Jahr und Tag in deutschen Nazikrei- ten für Dänemark ernannt wurde, und der Herbst und Winter bewahren können. 150 Milliarden R.M. angenommen wer- sen. Die zynische Redewendung spiegelt ungefähr die gleichen Machtvollkommen- Alles in allem beschränken sich die Vorden. Deutschland wird also im ersten die realen Machtverhältnisse. Dänemark heiten hat wie Neurath in Prag. An der teile der Besetzung Dänemarks für Deutschder deutschen Militärbehörden land, vom strategischen und von der innenKriegsjahre etwa zwei Drittel der Summe war sich darüber nicht im Unklaren. Es Spitze politischen Wirkung abgesehen, auf einen aufzuwenden haben, die die vier Jahre hat mit einem gewissen Fatalismus der steht der General der Flieger, Kaupisch. Als wichtigste wirtschaftliche Folge der Zuschuss zur Lebensmittelversorgung für des andern Krieges verschlungen ha- Stunde der Eroberung durch das machtben. In den ersten Monaten des jetzi- gierige Dritte Reich entgegengelebt. Aber Besetzung Dänemarks wird in der deut- mehrere Monate, auf die Ernährung eines gen Kriegs hat Deutschland allein nicht auch wenn es gerüstet und sich auf Ab- schen Presse die bevorstehende Aushunge- Teiles des deutschen Heeres durch Requiwehr eingerichtet hätte, so wäre dabei rung Englands dargestellt. In der Tat hat sitionen in Dänemark und auf die Erleichviel weniger Kriegsausgaben gehabt als nicht viel mehr herausgekommen, als für die England viel Lebensmittel aus Dänemark terung der deutschen Kriegsführung geEngland und Frankreich zusammen. Es in der Loge sitzenden Zuschauer der Po- bezogen: die knappe Hälfte seiner Speck- gen Norwegen durch den Verbrauch des ist kein Zweifel, dass die finanzielle litik ein befriedigender fünfter Akt mit einfuhr, nicht ganz ein Viertel der But- dänischen Benzins. Leistungsfähigkeit dieser Staaten die Heldentod und bengalischer Beleuchtung. tereinfuhr und etwa ein Drittel der Eierdeutsche bei weitem übertrifft, und sich diese Ueberlegenheit je länger, je mehr zur Geltung bringen wird. Dr. Richard Kern. Moskauer Blickfeld Arbeiter und Soldaten essen zuviel ,, In Bezug auf die Ernährung der Soldaten führte Dr. Conti aus, dass unsre Soldaten in erster Linie gut zu essen haben müssten. Aber man muss auch aufpassen, dass man ihnen nicht zu reichliche Portionen Fleisch und Fett gibt." Und am 10. April lasen wir in der gleiDar Dritte Reich hat die Eroberung Dä- einfuhr. Für England bedeutet die Abnemarks dann doch nicht telefonisch her- schneidung dieser Lieferungen aus Dänebeigeführt. Hitler hat im Gegenteil ganz mark schlimmstenfalls eine Lieferungsverausserordentlich starke Truppenkontin- zögerung, aber es ist keine Frage, dass In den deutschen Zeitungen wird immer gente nach Dänemark entsandt. Die däni- England ohne Schwierigkeiten die gleichen häufiger die Sorge laut, das deutsche Volk sche Miniaturarmee, die vorwiegend deko- Lebensmittel aus anderen Länder beziehen könne sich durch allzu üppige Kost den rativen Zwecken diente, ist entwaffnet kann. Magen verderben. So berichten die worden, und deutsche Soldaten halten Wa- Für Frankreich, dessen Handel mit Dä- Münchner Neuesten Nachrichten" vom che vor dem Königspalast in Kopenhagen. nemark geringfügig war, erwächst aus der 12. April über eine Unterredung mit dem Der deutsche Ueberfall auf Dänemark Das dänische Volk denkt mit verbissener Besetzung Dänemarks sogar ein wirtschaft- ,, Reichsgesundheitsführer": und Norwegen veranlasst die Herren des Trauer an die traditionelle Freundschaft licher Vorteil. Mehr als 700 Schiffe der Kreml einige Abstriche von ihren, in den zwischen Dänemark und Norwegen. dänischen Handelsflotte befanden sich auf letzten Monaten bekundeten Expansionsge- Dass diese Gefühle nicht laut werden, Fahrt oder ausländischen Häfen. Ein groslüsten in Nordeuropa zu machen. Die ,, Is- dafür sorgt die Gestapo, die den deutschen ser Teil von ihnen fiel den Alliierten als westija" vom 11. April seufzt:„ Auch Besatzungstruppen auf den Fuss folgte. Sie Prise zu, andere unterstellten sich freiwilSchweden ist in die Einflussphäre Deutsch- hat sofort Verhaftungen durchgeführt, lig den Alliierten, anstatt, wie es die lands geraten, und sein Ausgang zur Nord- deutsche Emigranten und dänische Staats- Deutschen forderten, russische, spanische, see und zum Atlantik liegt jetzt in deut- bürger, die auch auf Einspruch der noch italienische oder japanische Häfen anzu- chen Zeitung: schen Händen, sodass es nicht umhin kann, amtierenden dänischen Regierung nicht laufen. Die Verstärkung der Handelsflotte den Interessen Deutschlands Rechnung zu freigelassen werden. Die Gestapo hat alle der Alliierten wird besonders Frankreich tragen." öffentlichen Versammlungen verboten und zugute kommen, dass in den letzten Jahren. Die Gewerkschaftszeitung„ Trud" nennt das Abhören ausländischer Rundfunksen- einen grossen Teil seines Ueberseehandels den deutschen Eroberungszug nach dem der untersagt. Der gesamte Telefon-, Tele- auf fremden Schiffen befördern liess, die Es ist wichtig, dass der Nachtarbeiter Norden dezent ,, den Uebergang Dänemarks, gramm- und Briefverkehr wurde ihrer ihm nicht mehr im Vorkriegsumfang zur nach dem Aufstehen und während der ArNorwegens und auch Schwedens in den Kontrolle unterstellt. Die Archive und Kar- Verfügung stehen. beitspause auch nicht viel isst. Es ist wichMachtbereich Deutschlands", und meint, totheken der Gewerkschaften sind be- Die Eroberung des anderen Teiles der tig, dass überhaupt möglichst wenig gedass England und Frankreich die reichen schlagnahmt. In allen Zeitungen sitzen dänischen Handelsflotte ist für Deutsch- gessen wird. wirtschaftlichen Hilfsquellen der skandi- deutsche Kommissare. Presse und Radio land kein grosser Vorteil, weil nach der navischen Länder verloren haben, während dürfen für ihre Meldungen nur noch deut- Verstärkung der englischen Blockade und Trauriges Ende. Die ,, Urania", ehemals sie sich der deutschen Wirtschaft erschlies- sche Quellen benutzen, und in allen Kinos nach der schweren Erschütterung der ein freies Bildungsinstitut der Deutschen laufen deutsche Filme. deutschen Kriegsflotte, dem deutschen in Prag, wurde der Organisation ,, Kraft Deutsche Kommissare sind auch allen Ueberseehandel ohnedies keine grossen durch Freude" unterstellt. Zum Leiter ist dänischen Verwaltungsorganen zugeteilt Aufgaben mehr vorbehalten sind. Die Le- der stellvertretende Bürgermeister worden. Sie ordnen Beschlagnahmen und bensmittellieferungen, die England bisher Prag ernannt worden. sen werden. ,, Es ist wichtig, dass der Nachtarbeiter vor dem Schlafen nicht allzu viel isst." von Der Routinier Im einem der zahlreichen Soldatenbe- Rationierungen an. Sie haben als eine der aus Dänemark erhielt, fallen jetzt Deutschrichte über den Einmarsch in Dänemark, ersten Verwaltungsmassnahmen die deut- land zu, allerdings nur für eine Art Raub- Maibowle mit alten Pfropfen. Vom 1. Mai die jetzt in der deutschen Presse veröffent- sche Abfallverwertung auf Dänemark aus- bau, weil der dänische Viehbestand aufs ab dürfen in Deutschland Getränke in verlicht werden, lesen wir: ,, Wer dabei war, gedehnt. Sie haben den dänischen Benzin- äusserste dezimiert werden muss, wenn korkten Flaschen nur noch abgegeben wermusste unwillkürlich an den Einmarsch in vorrat von 250 000 Tonnen beschlagnahmt keine Futtermittel mehr eingeführt werden, wenn die entsprechende Anzahl alte die Ostmark und ins Sudetenland denken." und alle Motorzüge eingestellt. Sie haben den können. Die von den Deutschen im Korken abgeliefert wird. Das gilt für den Die vielseitigen Erfahrungen des jungen den Eisenbahnverkehr beschränkt und er- dänischen Landwirtschaftsministerium ge- Verkauf im Gross- und im Kleinhandel, Mannes lassen darauf schliessen, dass Hit- lauben nur Automobilfahrten, die sie für stellte Forderung, die ausfallenden Oelku- für Flaschen mit und ohne alkoholhaltigen ler Spezialisten für den Ueberfall auf wehr- wichtig halten. An der Spitze aller Kom- chenimporte durch die Förderung von Inhalt. Sogar für Sektkorken wird keine missare steht der seitherige deutsche Ge- Leinsamenkulturen in Dänemark selbst zu Ausnahme gemacht. lose Länder hat. Tagebuch des Henkers Es sind zum Tode verurteilt worden: am 24. März vom Sondergericht Magdeburg der 17jährige Willi Henning wegen versuchten und teilt. am 6. April vom Sondergericht Berlin Otto Seine Hitlers Rezeptbuch 100a Neutralitätsbruch nach alldeutschen Rezepten sondern von Im Jahr 1913 erschien ein Buch mit dem Also auch der Gedanke, dass die kleinen Deshalb sollen ,,, sobald der deutsche GeMordes. Titel ,, Wenn ich der Kaiser wär". Das war Länder zu ihrem eigenem Schutze überfal- gensatz zu England und Frankreich oder Henning war Zögling der Erziehungsanstalt Gut Lüben nicht, wie man leicht vermuten könnte, len werden, ist nicht Hitlers Geistesschöp- auch nur einem von beiden kriegerischer Class entlehnt. Es Auseinandersetzung zutreibt", Belgien und hatte einen Erzieher ein Operntext, sondern das Programm der fung, Alldeutschen. Hinter dem Pseudonym Da- fehlt auch bei Class weder der Einfall, Holland vor die Wahl zwischen jenen und niedergeschlagen. man Neutralitätsbrüche gleichaltrigen Mittäter Schat- niel Frymann verbarg sich Justizrat Class, dass begehen dem deutschen Reiche gestellt werden. der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, muss, um Neutralitätsbrüchen anderer vor- Aber wie sie sich auch entscheiden, annektat und Raab wurden zu je der Inspirator des Alldeutschtums und sein zubeugen, noch die pravenühafte grössen- tiert werden sie in jedem Falle. Entschei5 Jahren Gefängnis verur- mit allen Wassern gewaschener Konspira- wahnsinnige Verachtung der Welt jenseits den sie sich für Deutschland, so werden tor. Die Alldeutschen haben niemals auf- der deutschen Grenzzäune. Es macht aber sie mit der Beförderung zu ,, Einzelstaaten gehört, ihre Welteroberungspläne zu ver- Herrn Class keineswegs Freude, sich Hol- des deutschen Reiches" belohnt, wobei Schreib aus Wittstock, folgen, bis sie schliesslich in Adolf Hitler land und Belgien einzuverleiben, denn aber ,, hinsichtlich der Landesverteidigung weil er einen Polizeibeamten ihr willigstes Instrument fanden, das sich die Bevölkerung der Niederlande ist zu Lande und zur See" ihre Stellung ,, wetätlich angegriffen hatte. allerdings sehr bald anschickte, seine Mei- durch jahrhundertelange Kleinstaaterei niger günstig wäre als diejenige Bayerns, ster zu meistern. Aber Hitler ist keineswegs geistig so verödet und engherzig gewor- während nach innen die gleiche SelbstänEs sind hingerichtet worden: ein von der Vorsehung erleuchtetes Origi- den und zum grossen Teile unter dem ge- digkeit zugestanden werden kann; die Koam 30. März vier Landesverräter, deren nalgenie, sondern ein Plagiator. Nur der dankenlosen Krämerregiment so zuchtlos, lonien müssten der Verwaltung des ReiNamen die deutsche Presse Vollstrecker eines unseligen Erbes. Er dass ihre Aufnahme in ein näheres Ver- ches unterstellt werden", weil sie für beinicht bekanntgegeben hat, brauchte nur längst fertige Rezepte auszu- hältnis zum Reiche nicht erwünscht ist". de viel zu gross sind". Schlagen sich aber am 2. April Helmut Witte aus Witten we- führen. Man findet sie in Class- Frymann Und nicht anders liegt es mit Belgien, des- Holland und Belgien nicht auf die Seite gen Einbruchs während der vor 27 Jahre erschienenem Buch. sen ,, Bevölkerung durch das Pfaffenregi- Deutschlands, so werden sie mit der ,, EinVerdunkelung, Dass aktuellste von diesen Rezepten ist ment der Habsburger verdorben, dazu noch verleibung in Preussen" bestraft. Heinrich Wölkerling aus jenes über die Behandlung der kleinen sozialistisch unterwühlt" ist. Aber es muss Es fehlen in dieser Rechnung auch nicht Schöningen wegen Totschlags, Nachbarstaaten Deutschlands. Ihnen wird sein, weil mit Holland und Belgien zu- die Quislings. Da ist von dem die Rede, Kurt Westphal wegen ver- jedes Recht auf Existenz abgesprochen, gleich Deutschland selbst, gemäss der Ar-.. was ein vorläufig noch enger Kreis von suchter Vergewaltigung, und es ist ihr Schicksal, zum Raub des gumentationsmethode der verfolgenden Gebildetsten in Holland und Belgien selbst Thomas Janovsky wegen ver- Stärkeren zu werden. Unschuld, vor den Neutralitätsbrüchen der für geboten erklärt". Und es wird ,, eines suchten Mordes; Es heisst auf Seite 153 ff des Class'schen anderen geschützt werden muss. Zusammentreffens mit einem höheren hol,, Also wirklich, wer Holland und Bel- Class seine Gedanken über die zukünftige ländischen Offizier" gedacht, der Herrn gien kennt, wird sich nicht um sie reissen wir beide Länder Gestaltung der deutsch- niederländischen trotzdem in der oder jener Form un- Beziehung vortrug: ,, Als er fertig war, serem Staatswesen angliedern müssen, konnte ich nur antworten, dass er mit jeso geschieht es nicht wegen ihrer Be- dem Worte meine eigene Auffassung vorwohner, sondern trotz ihnen unter dem getragen habe." Zwange der Notwendigkeit." a'm 3. April Josef Pompe aus Reutlingen Buches: wegen Einbruchs während der Verdunkelung Wilhelm Janik aus Königshütte wegen Betrugs und Einbruchsdiebstahls, Eugen Melis aus Dahlhausen wegen DiebBetrugs und stahls. U. a. hatte er ,, Feldpostpäckchen betrügerisch an sich gebracht." am 6. April Karl Schröder aus Berlin wegen Diebstahls von Kleinvieh. Er habe, so hiess es im Gerichtsbericht, ,, die Ernährungsbasis vieler Familien gewissenlos zerstört". am 9. April Günther Klonsdorf aus Köln wegen Sittlichkeitsvergehens und Betrugs. Neue Zuchthausurteile gegen Rundfunkhörer ,, Was Belgien und Holland betrifft, so muss beiden klar sein, dass dieser Krieg( nämlich der Krieg, den die Alldeutschen wollen. D. V.) über ihre Zukunft entscheidet: wie die Verhältnisse in Europa sich zugespitzt haben, darf man offen aussprechen, dass solche Kleinstaaten das Daseinsrecht an sich schon verloren haben: denn nur der Staat kann das Recht auf Selbständigkeit geltend machen, der es mit dem Schwerte in der Hand durchsetzen kann... Wir wollen garnicht sentimental werden und von den ,, Stammesgenossen niederdeutschen Blutes" reden...; nicht die Blutsverwandschaft, sondern das egoistisch betrachtete Interesse müsste Holland und Belgien an unsere Seite führen. Denn beider staatliches Dasein garantieren wir, wenn auch beschränkt und im Anschluss an das deutsche Reich; den staatlichen Untergang aber haben sie ganz sicher zu erwarten, wenn wir besiegt werden sollten." Humorvolle Henker 39 Das Vorgehen gegen die sogenannten Rundfunkverbrecher, das heisst gegen die Leute, Der Völkische Beobachter" veröffentdie sich beim Abhören ausländischer Sender erwischen lassen, wird in ganz besonderer licht am 17. April ein heiteres ,, ABC der Weise gehandhabt. Offensichtlich hat Goeb- Metallspende", in dem u. a. die abzulienoch schlimmer als die Denn: gen wenn ,, In Belgien", plant Herr Class, würde den Vlämischen zur Herrschaft verholfen ,, Es ist unmöglich, die Rheinmündun- und nur die Kommandosprache des englisch- französischer Herrschaft Heeres müsste Hochdeutsch sein". Dass oder auch nur solchem Einflusse zu mit der französischen Sprache auch die überlassen, wie es heute schon unna- französisch Sprechenden evakuiert wertürlich ist, dass Deutschland den Aus- den sollen, wird nur zart angedeutet. gang von seiner wichtigsten Verkehrsstrasse zur See nicht selbst besitzt: es Auch ohne dass Class Kaiser zu werist unmöglich, die Nordseeküste in die den brauchte, ist ein Jahr nach ErscheiHände dieser Staaten geraten zu las- nen seines Buches Belgien nach seinem sen; es ist unmöglich. an unseren nord- Rezept traktiert worden. Hitler hat die westlichen Grenzen Kleinstaaten zu be- Anwendung dieses Rezepts in Grossprolassen, die keine Gewähr gegen eng- duktion übernommen, aber es lisch- französische Neutralitätsbrüche bie- dass sich seine Verwendung bei allzuhäuscheint, ten, ja wahrscheinlich diesen unseren figem Gebrauch abnutzt. Feinden... gerne Stützpunkte gewähren." G. A. F. gegen die Neutralität, ja sogar die natio- in Gastlokalen so aufzuhängen, dass sie im nale Selbständigkeit Jugoslawiens Z11 Auge behalten werden können, erleichterrichten schien." ten dem Dieb die Tatausführung. KleiSo machen es die Alliierten immer. Sind dungsstücke sind Volksgut, das eines be( Aus dem Münchner Polizeibericht vom 11. April). Neue deutsche Aphorismen In den ,, Münchner Neuesten Nachrichten" vom 18. April finden sich folgende Nachdenklichkeiten aus dem Reiche Hitbels dabei ein Wörtchen mitzureden, denn fernden Metalle aufgezählt und ihre Na- die Engländer nicht, als deutsche Soldaten sonderen Schutzes bedarf." die Sondergerichte funktionieren regelmäs- men mit scherzhaft gemeinten Randglossen verkleidet, in der Tschechoslovakei einsig so, dass fünf und mehr Urteile auf versehen sind. Wir schenken uns diesen marschiert, um den Eindruck zu erwecken, einmal ausgesprochen werden. Man legt Teil der Spendenfibel und greifen nur die als unterdrücke Deutschland die nationale Selbständigkeit dieses Landes? Haben sie die Fälle auf Eis, bis man genug beiein- folgenden Buchstaben heraus: nicht in der gleichen Weise Polen, DäneQ Quengler. Das sind diejenigen, die mark, Norwegen überfallen, nur um dem ander hat und veröffentlicht die Urteile immer etwas zu sagen haben und immer dann, wenn die ausländischen Senauch in diesem Opfergang des Vol- Dritten Reich einen Neutralitätsbruch nachder im Volke eine besonders grosse Rolle kes quertreiben möchten. Sie sind weisen zu können? Die Welt ist schlecht. spielen. Durch die so gesammelten Justizsiege wird der Eindruck erweckt, als werde ein grosser Teil der Fremdhörer ertappt, und den Lesern wird ,, schlagartig" zum Bewusstsein gebracht, wie gefährlich es im Dritten Reiche ist, die Aetherwellen für ein Allgemeingut der Menschenheit zu halten. So wurden auch jetzt wieder nach längerer Pause fünf Richtersprüche veröffentlicht, durch die sechs ,, Rundfunkverbrecher" zu insgesamt 21 1/2 Jahren Zuchthaus und einem Jahr Gefängnis verurteilt worden sind. R Rechthaber, die aus Prinzip immer das Gegenteil von dem behaupten, was wirklich ist, nur um eben recht zu haben. Schlecht abgestimmt ,, Ritterlichkeit und starkes soziales Emlers: Auch die sittlichen Anlagen sind UrT Todestrafe. Sie trifft den, der sich pfinden bewahren den Deutschen davor, triebe, die nicht ungestraft verdrängt weran den vom Volke gespendeten Me- das Recht des Siegers zu tallgegenständen vergreift. den. missbrauchen. Wenn die feindliche Presse behauptet, das ** Die Wahrheit wird verfolgt, aber verV Verrat. Bei der Metallsammlung des eroberte( polnische) Land werde ausgebeuWeltkrieges sind manche Unter- tet, so hat das seine Ursache in der völlischleife vorgekommen, die einen glat- gen Unkenntnis deutscher und polnischer folgt zu werden ist kein untrügliches Zeiten Verrat an der Gemeinschaft dar- Lebensart." stellten. Das wird diesmal nicht geschehen( siehe unter T). ,, Das Sondergericht Rostock verurteilte den Angeklagten Wilhelm Zirpel aus Neckischer ist noch nirgends über die Malchni zu 5 Jahren Zuchthaus, weil er Todesstrafe gespasst worden, schamloser ländische Sender abgehört hatte ,,, noch hat man noch vor keinem Volk die Knute dazu in Gegenwart seines 17 jährigen bewitzelt, mit der es gezüchtigt wird. auf seinem Frachtboot wiederholt ausNeffen". Andreas Glanzer aus Radenthein, der den Nachrichtendienst ausländischer Sender abgehört und seinen Kameraden das Gehörte mitgeteilt hatte, wurde vom Gekränkte Unschuld ( ,, Münchner Neueste Nachrichten" vom 18. April.) ** chen der Wahrheit. Die Gegenwart möglichst schnell hinter uns bringen und sie dann als Vergangen,, Unsere Gerichte bestrafen jeden Deut- heit verehren und zurückwünschen, welch schen, der sich über das dienstlich Notwen- merkwürdiges Gewerbe! Und doch betreidige hinaus persönlich mit polnischen Ge- ben wir es alle. fangenen einlässt oder abgibt. Damit ist deutlichst erwiesen, dass unser Verhältnis zu den Polen zwar nicht durch Gefühle, keit bestimmt wird. Wir haben uns den Polen gegenüber so verhalten, dass unter keinen Umständen jemals wieder politische, Sondergericht Klagenfurt zu 5 Jahren Die Kapriolen, die Goebbels' Hofnarren wohl aber durch politische Zweckmässig. Zuchthaus verurteilt. ausführen müssen, um die Vorgänge in JuGleichfalls 5 Jahre Zuchthaus erhielt goslawien bekanntzugeben, ohne ihren Sinn wegen des gleichen Delikts Johann zu enthüllen, sind besonders erheiternd. Die Keuschheit unseres Jahrhunderts: Das Gutsein unter dem Bösesein. ** Wir Menschen sind wie die Unterseite Matczynski aus Orlandshof. Das Sonder- So erklärt die gesamte deutsche Presse militärische oder gefühlsmässige Verhält- eines Teppichs: Wir zeigen nach aussen gericht Elbing, das dieses Urteil fällte, am 18.4., dass die Belgrader Polizei ihre nisse eintreten können, wie sie zu der Ent- nur das Gegenteil des wirklichen Musters. wicklung von 1939 geführt haben."( SchwerKrieg auf der Donau? schickte gleichzeitig die Ehefrau des Angeklagten, die an dem Abhören betei- grosse Aktion allein in deutschem Interesse ausgeführt habe. Wir zitieren die zes Korps 11. April). ligt war, für ein Jahr ins Gefängnis. Zwei Urteile gegen Rundfunkverbre- Frankfurter Zeitung" von diesem Tage: cher" fällte das Sondergericht in Kattowitz. Es verurteilte Georg Kupny aus Hohenlinde zu 3 Jahren Zuchthaus und Theodor Zur aus Bismarckhütte zu 3 1/2 Jahren Zuchthaus. Beide hatten Auslandssender abgehört und das Gehörte einigen Bekannten erzählt." Den Verurteilten erwächst aus dem Delikt selbst eine Milderung ihrer Strafe. Gerade weil sie ausländische Sendungen gehört haben, fürchten sie nicht, die ihnen zugedachte Zuchthauszeit bis zum bitteren Ende absitzen zu müssen. Telefonklingeln aus Glas. Die neuen deutschen Telefonapparate haben aus Gründen der Metallersparnis gläserne Klingeln. Gelegentlich nur offenbart ein Garn oder ein Knoten, wie leuchtend die Farben der wahren Seite sind. Fahre mit Abwässern In Essen hielt ein Ingenieur Dr. HaussAbwässern". Nach dem Bericht der Esse,, Die Polizeibehörde in Belgrad hat festgestellt, dass in letzter Zeit mit Flugzetteln und Flugblättern eine bestimmte In den österreichischen Schiffswerften Propaganda betrieben wurde, die sich gegen Deutschland auswirken sollte. So auf der Donau wird seit geraumer Zeit in wurden vor einigen Tagen aus einem preussischem Tempo gearbeitet. Es werden mann einen Vortrag über„ Wertstoffe aus rasch durch die Strassen der jugoslawi- nicht nur Frachtdampfer und Transportschen Hauptstadt fahrenden Auto Flug- schiffe gebaut. Die deutsche Regierung lässt zettel verteilt, in denen die Bevölkerung auch gepanzerte Motorboote und andere beaufgefordert wurde, den Reden und Ver- waffnete kleine Schiffstypen herstellen. sprechungen Chamberlains und Reynauds nicht zu glauben, sondern vielmehr dem grossen und starken Nachbarn Jugoslawiens, nämlich Deutschland; sie sollten jeden Widerstand gegen das Reich aufgeben, der angesichts der Stärke des Reichs ohnehin zwecklos und höchst ner National- Zeitung" setzte er auseinander, dass die aus dem Schlamm in den Kläranlagen aufsteigenden Faul oder Methangase einen ausgezeichneten Treibstoff für Kraftfahrzeuge darstellen. Da Abwässer zu den wenigen Dingen gehören, die in Deutschland auch jetzt noch in friedensmässiger Menge und Beschaffenheit Die Sorglosigkeit der Gäste und die zur Verfügung stehen, dürfte die schwiegefährlich sei... Die Flugzettel sollten Nichtbeachtung der schon mehrmals ergan- rige Treibstoffrage nunmehr auf die naden Eindruck einer deutschen Propa- genen polizeilichen Ratschläge, Ueberklei- türlichste Art zu lösen und damit der Sieg ganda erwecken, die sich unmittelbar der stets in Kleiderablagen abzugeben oder Hitlers gesichert sein. Volksgut- sehr gefährdet Kunde ans forden Kiruna-Sage Es ist lange her, dass eine Sippe der Skolt-Lappen an einen Ort kam, da das helle Metall auf der Erde glänzte. Man wusste, wie sehr die Menschen danach verlangten, schwere Kämpfe hatten sie um das schimmernde Metall ausgefoch- ten. Wenn die es erführen, würden sie in Scharen vom Süden heraufkommen und das Weidegebiet der Renntiere würde kleiner werden. Und immer mehr Volk würde von Süden herbei eilen. Der Streit um das Metall aber müsste auch die Lappen mit ihren Renntieren treffen. Drum beschloss die Sippe, niemandem etwas zusagen und das Geheimnis zu hüten, denn der Mensch wird nicht besser, wenn er der Erde ihre Schätze entreisst. Doch das Geheimnis rollte, es rollte mit der Schneeschmelze von der Spitze des Berges herab, Menschen fanden an seinem Fusse die erzglitzernden Klumpen. Und nun stieg der Süden herauf, man grub die Erde um, man veränderte ihr Antlitz, und ein Schamane der Lappen weissagte schweres Unglück. Ein grosser Ort entstand, fremdes Leben frass sich in die Tundra hinein, weiter und weiter schob sich die Renntierweide gen Norden hinauf. So erzählt die Lappen-Sage. Kiruna hiess der Ort. Das Dampfross kam herauf. Sein eiserner Weg ging nach Süden hinunter und gen Westen hinüber ans grosse Meer. Immer weiter gen Norden mussten die Renntierherden. Eine neue Zeit brach an, die Lappen sahen das Unheil kommen, viele von ihnen wurden sesshaft. Die Labyrinthe und Terrassen von Kiruna aber frassen sich in den Berg. Liegt die Sonne auf den Wänden der Gänge, so funkelt das Gestein ins Weite. Nachts leuchten die Fenster der Hütten von Kiruna in das schlafende nordische Land. Immer mehr Züge rollten tagaus, tagein zum Meer hinunter und zum grossen Meer gen Westen: ein ungeheurer Strom von Erz und Eisen. Die Bahn gen Westen führte über Berge und Klüfte, an blinkenden Firnen und Gletschern vorüber, eine wilde Strecke von 170 Kilometern. Donnernd polterten die Erzmassen unten in Narwik durch lange Rinnen in den Schiffsbauch. Und eines Tages marschierte das Unheil am grossen Meer von Süden herauf. Fremde Soldaten mit Kanonen, mit raschen Kampfwagen und fliegenden Maschinen, Tod und Zerstörung über das friedliche Land breitend. Alte Lappen dachten an die Sage. Das ganze grausige Unheil hatte die Legende prophezeit, Tod und Zerstörung, nur eins konnte damals selbst der Schamane nicht ahnen: dass der Zerstörer sagen würde, er komme, weil man nach ihm verlange, er komme, um das Land zu schützen und vor Unheil zu bewahren. Die Sage wusste viel von Grausamkeit und Falschheit der Maschinenmenschen, aber auf soviel kalte Lüge konnte sie nicht kommen, die Sage nicht und nicht die Menschen in den Städten, denn damals gab es noch kein deutsches Propagandaministerium. Verbotene Kunde Draussen sangen die Vögel und der Frühling wiegte sich im ersten Grün dft- Bäume, als die Nachricht auf die Mutter niederfuhr. Sie hatte am Rundfunk gestanden, die Nachrichten sprangen ins Weite, es war immer das gleiche: deutsche Erfolge. Da hatte sie weiter gedreht, wieder Nachrichten, wieder in deutscher Sprache, sie wusste nicht einmal woher, erkannte plötzlich die verbotene Welle, wollte abdrehen, da hörte sie Namen, deutsche Namen, tot an fremder Küste angeschwenmt und das war sein Name... war ihr Name- dabei gewesen. Sie griff mit der Hand nach dem Herzen—— nein, das konnte ja wohl nicht sein, sie musste falsch gehört haben, vor einigen Tagen noch hatte der Sohn aus seiner Garnison geschrieben, vor vier Tagen noch, sie musste sich verhört haben— da sagte die unheimliche Radiostimme:„Wir wiederholen die Namen der Toten--" Die Mutter stützte sich gegen die Tischkante, in ihren Ohren summte es, das Zimmer schaukelte— wieder war der Name, sein Name dabei gewesen, er rauschte noch in ihren Ohren, rauschte im Zimmer, dröhnte zwischen den Wänden... Sie musste sich aufs Sofa niederlassen, den Kopf an die Wand gelehnt, sie vergass das Radio abzustellen, den feindlichen Sender... Als die Tochter aus der Fabrik nachhaus kam, schien ihr, als sässe ein starrer Zug im Gesicht der Mutter. Die Tochter fragte, aber die Mutter zuckte nur die Schultern, die gebogener schienen denn sonst. Wenn sie mit der Tochter sprach, klangen die Worte abgehackt und müde. Was sollte sie der Tochter sagen? Die Nachrichten des englischen Senders? Der Tod stand darauf. Wenn nun die Tochter nicht schweigen konnte? Wenn ihr der Zorn und die Trauer mit der verbotenen Kunde durchging? Und vielleicht war alles nicht wahr, vielleicht spielte ein Irrtum mit? Niemand da, mit dem man reden konnte. Der Mann stand in Polen. Nichts konnte man ihm schreiben___ Tage vergingen, weitere Schiffe wurden versenkt, die Verlustliste kam nicht. Nun ging die Mutter schon wie in Trauer. Bekannte und Freunde bemerkten den harten, steinernen Zug in ihrem Gesicht. Der Bruder ihres Mannes sah sie mit einem langen Blick an und drückte ihr die Hand, wie nach einem Begräbnis. Sie erschrack. Wusste der... hafte der es etwa auch gehört? Die Lust fiel sie an, jemandem ins Gesicht zu schreien:„Seit Tagen weiss ich, dass mein Sohn tot ist, ;seit Tagen schleppe ich es mit mir um- ! her und darf nicht einmal fragen 1" Aber dann griff ihr wieder eine kalte Hand nach dem Halse: da war die Tochter, da war der Mann im Osten, hinter der Kunde standen Tod und Untergang. So geht sie umher und wartet auf die amtliche Nachricht. Die i ahnungslose Gleichmässigkeit der Tochter, die alltägliche Gelassenheit und gelegentliche Fröhlichkeit der anderen, während sie trauert und schweigen muss— es liegt ihr wie ein Stein auf der Brust. Sie möchte den anderen eine Andeutung machen, aber sie fürchtet sich davor, dass dann alles, alles hervorbrechem könnte, was sie weiss. Wenn ihre Tochter Musik einstellt, dreht sie wortlos ab oder verkriecht sich in ihre Kammer und starrt durchs Fenster in die schamlose, unbeschwerte Pracht des Frühlings. Max Baldauf. Maler nnd Apotheker Der bestohlene llodler Ein Schweizer Blatt deckte kürzlich ein schäbiges Plagiat auf; es bedeckt die Wand einer deutschen Kaserne und npnnt sich„Aufbruch der Jäger". Eine •plumpe Nachahmung von Hodlers„Aufbruch der Jenenser Studenten", welches Gemälde Freiwillige von 1813 darstellt, die sich aufs Ross schwingen, während im Hintergrund eine geschlossene Kolonne dahin marschiert. Der neudeutsche Nachahmer hat die bei Kodier glänzende Komposition ein wenig verschoben und damit ihrem Rhythmus zerstört, hat aus den Studenten martialische Musketiere gemacht, hat die Uniformen gewechselt— und die Signierung. In der deutschen Presse wurde der plumpe Diebstahl als „neue Kunst" besungen; Kenner durften die Wahrheit nicht aufdecken, sie musste sich wiedermal ins Ausland flüchten. Einige Tage später konnte man in Auslandsblättern einige Bilder von der Wey- gand-Armee sehen, darunter das„Foyer des Soldat" der Fremdenlegion in Baalbeck(Syrien). Die Wandbilder stammen von Künstlern der Legion. Da sieht man im Hintergrund einen Wandfries, beschwingt über die Mitte hinweg gewölbt, bewaffnete Fremdenlegionäre in verschiedenartiger Bewegung, federnd das Ganze, ohne plumpes Pathos. Bescheiden tritt der Künstler mit seinem Namen zurük— und nirgends in der Presse ein Geschrei über „neue heroische Kunst", über„neue Einheit von Volk und Kunst". Wie drüben„neue Kunst" entsteht, das erzählt die Nazipresse sonder Scham und Scheu. Man liest da, der Reichsapolheken- führer habe mit dem„Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung" eine Vereinbarung getroffen, um die deutschen Künstler für Apothekenbilder zu begeistern: „Bedeutende Bildhauer und Maler werden Apothekerbildnisse und Motive aus dem Arbeitsgebiet des Apothekers schaffen und Kunsthandwerker werden Arbeitsgeräte für die Apotheke gestalten. Die Werke, die aus dieser Zusammenarbeit zwischen Künstler und Apotheker entstehen, sollen jm Herbst dieses Jahres in einer grossen Ausstellung im Haus der Kunst in Berlin gezeigt werden." Dass das Antlitz des neudeutschen Pillendrehers heroisch und germanisch zu sein hat, versteht sich am Rande. Auch der Diebstahl ist. nicht schwierig, es gibt genug alte Apothekenbilder. Das Ganze nennt sich dann„neue Volkskunst". Das Blokiuiftent Als nn.sre Soldaten in Wien einzogen, gedachten sie garnicht in Oesterreich zu bleiben. Sie kamen nur hin—.und das ist nicht gelogen—, um von Wien aus an ihre Familien zu schreiben. Doch fanden sie leider im Parlament ein schrecklich belastendes Dokument, das ihnen die Haare zu Berge trieb. Die Truppe blieb, Denn wäre sie nicht in Wien geblieben, so hält uns der Papst aus Berlin vertrieben. Als unsre Soldaten den Uradschin besetzten, da wollten sie Prag nur ganz flüchtig besuchen. Sie achteten drauf, dass sie niemand verletzten und schenkten den Kinderchen Kaffee und Kuchen. Doch fanden sie leider im Parlament ein schrecklich belastendes Dokument, das ihnen die Haare zu Berge trieb. Die Truppe blieb. Denn wäre sie nicht in Prag geblieben, so hält uns Stalin aus Berlin vertrieben. Als unsre Soldaten in Polen einfielen, da kamen sie nicht, um auf Menschen zu schiessen. Sie kamen ganz einfach, um Karten zu spielen und die Freundschaft mit Polen aufs neu zu begiessen. Doch fanden sie leider im Parlament ein schrecklich belastendes Dokument, das ihnen die Haare zu Berge trieb. Die Truppe blieb. Denn wäre sie nicht in Polen geblieben, hält Butler uns aus Berlin vertrieben. Dasselbe geschah in Kopenhagen, dasselbe in Oslo. Die Welt ist im Bilde. Wir möchten uns gern mit den Leuten vertragen, doch jeder Neutrale führt Böses im Schilde, und immer entdeckt man im Parlament ein schrecklich belastendes Dokument, das einem die Haare zu Berge treibt. Doch Deutschland bleibt so klar und so wahr wie seine Seen, drum kann uns die tückische Welt nicht verstehen. Und sollten wir morgen auf Bukarest schiessen, so tun wir es nur mit den reinsten Gefühlen, und sollte uns Belgrad die Tore verschliessen, so müssen wir still im Verborgenen wühlen, denn— leider— es gibt dort im Parlament ein schrecklich belastendes Dokument, das einem die Haare zu Berge treibt. Herr Goebbels schreibt seit mehreren Monden an dem Werke. Deutsch sein heisst wahr sein. Das ist unsre Stärke. Senkung des Relcbsbank- diskonls Die deutsche Reichsbank hat ihren Diskont- und Lombardsatz, der seit 1932 keine Veränderung erfahren hatte, um 0,5 Prozent, auf 3,5 bez. 4,5 Prozent herabgesetzt. Der„Völkische Beobachter" vom 9. April bemerkt dazu, die Diskontsenkung habe bisher als ein sehr günstiges Zeichen für die allgemeine Wirtschaftslage gegolten. Richtig ist eher das Gegenteil. Die Verbilligung des Umlaufkredits ist im allgemeinen ein Zeichen der Stockung des Warenumlaufs. Der Bedarf der Unternehmer nach Umlaufkredit ist dann reduziert, weil der Warenumlauf reduziert ist. Geld ist im Ueberfluss vorhanden, weil die Beschäftigung dafür beschränkt ist. Die Geldfülle im Dritten Reich hat eine ähnliche Ursache. Eine wachsende Flut von Zahlungsmitteln wird in die Wirtschaft geschleust, aber die Möglichkeit, sie zur Auffüllung der Läger zu verwenden, wird immer geringer. Anstatt der Rohstoffe in den Speichern häufen sich in den Geldschränken Hitlers faule Papiere, weil es kaum andere Möglichkeiten der Anlage sonst be- schäfligungslosen Geldes gibt. Es steigen daher die Kurse der Staatsrente und ihre Realverzinsung sinkt. Das Hitlerregime be- nutzt diese Lage des Geldmarktes, die die Folge fieberhaftester Kriegsproduktion bei schwindenden Materialvorräteu ist, nach dem„Völkischen Beobachter" zu einer „weiteren Erleichterung für die finanzielle Durchführung der Kriegsaufgaben". Mit der Herabsetzung des Reichsbankdiskonts soll nicht der private Umlaufskredit, der ja im Dritten Reich nur geringe Bedeutung hat, erleichtert, sondern eine neue grosse Pumpaktion des Reiches vorbereitet werden. Erreicht wird mit der Diskontsenkung„letzten Endes eine gewisse Verbilligung der Finanzierung des Krieges". Es handelt sich, schreibt die„Frankfurter Zeitung" vom 10. 4.„auf längere Sicht auch um die künftigen Anleihetypen". Man plant also die Auflegung grosser Anleihen mit einer niedrigeren Verzinsung als die der bisherigen 4,5prozentigen Anleihen, und man wird dann gleichzeitig auch den Zinsfuss diese herabsetzen. Das wäre dann eine neue Steuer. Sie wird von den Kreditinstituten bezahlt, und von ihnen auf die Sparer abgewälzt werden, denen man die Verzinsung ihrer Einlagen kürzen wird. IVoudeiilüiclim Oemüt Auch das deutsche Kasperle, einst unpolitisch-herzhaft mit Tod und Teufel kämpfend, wird im Dritten Reich für das „neue Preusscntum" eingespannt und gegen die Meckerer losgelassen. Die„Münchner Neuesten Nachrichten" berichten über ein solches Spiel, „in dem man den Kasperle als pfliffi- gen, aber treuen und biederen preussi- schen Staatsbürger sah; dem Ergötzen der Zuschauer geschah dadurch kein Abbruch. Dann löste Kasperle auf seine Weise die Judenfrage und schliesslich folgte ein entzückendes Puppenballett." Herrlich, diese Fröhlichkeit der Kinder, als Kasperle mit seinem Knüppel die Juden erledigte! Und gleich darauf das„entzückende Puppenballett", harmlos-heiter; es geht nichts über das deutsche Gemüt des Dritten Reiches. Kinnlg;, inlnnlg; Die nationalsozialistischen Frauenscha ten in Berlin haben sich etwas besondei Tiefempfundenes zu Hitlers Geburstag au gedacht. Sie haben geputzte Kinder vor d Fabriktore im Berliner Norden gestellt ur den herausströmenden Arbeitern— Frül lingsblumenführergeburtstagssfräusschen überreichen lassen. Glück und Rührung a lerseits kann man sich vorstellen. BEZ UGSBEDIN G UN GEN Der NEUE VORWÄERTS kostet Imp. Union, 13, rue Mdcha.'n, Paris. Le Girant: Albert MARION.