Ende April 1934 Die Aufrüstung Deutschlands Eine Denkschrift über Umfang, Tempo und Art I. Die Kosten der Aufrüstung Dass Deutschland aufrüstet, ist der ganzen Welt bekannt* Weniger bekannt ist, in welchem Umfang, in welchem Tempo und in welcher Weise das geschieht. Der Reichshaushalt für 1934 hat über den Umfang der deutschen Rüstungen Klarheit geschaffen. Trotz grosser finanzieller Schwierigkeiten, sehr starken Steuerdrucks, sprunghaft steigender Schuldenlasten und erheblicher Einschränkung der sozialen Ausgaben sieht der Etat eine Verdoppelung der Ausgaben für die Rüstungen vor. Sie steigen von 6?! Millionen Reichsmark im Jahre 1933 auf 1354 Millionen Reichsmark im Jahre 1934* 1� einzelnen ergibt sich folgendes Bild über die Kosten der Rüstungen: in Mi'llionen Reichsmark 1933 1934 mehr Reichswehr 485 658 173 Reichsmarine 186 236 50 Luftwesen 75 210 135 SA-- 250 250 Wie aus dieser Aufstellung ersichtlich ist, sind Mittel für die Unterhaltung der SA zum ersten Mal in den Etat eingesetzt worden. Niemals zuvor sind Wehrverbände oder Selbstschutzorganisationen vom Staat unterstützt worden. Will man ermessen, was die Summe von 290 Millionen Reichsmark bedeutet, so braucht man nur darauf hinzuweisen, dass die Geldentschädigung für die gesamte Reichswehr (Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften) im Jahre 1933 R�r 20l Millionen Reichsmark kostete, Die Kosten für die Luftfahrt haben sich von 1933 zu 1934 verdreifacht. A�er man muss berücksichtigen, dass im Jahre 1932 der gesamte Aufwand für die Luftfahrt erst 41?6 Millionen Reichsmark ausmachte, obwohl schon damals ein erheblicher Teil der Mittel militärischen Zwecken diente. Seitdem Gering Minister für die Luftfahrt ist, haben sich also die Ausgaben auf das Fünffache erhöht. Wenn die deutsche Regierung behauptet, die Erhöhung der Ausgaben für die Luftfahrt diene nur dem Ersatz des veralteten Flugzeugmaterials der privaten Lufthansa sowie dem Ausbau des Streckennetzes und des Nachtverkehrs, so ist das eine starke Zumutung an die Leichtgläubigkeit der Welt. Die Zuschüsse des Reiches für den privaten Luftverkehr haben bis 1933 nur etwa 20 Millionen Reichsmark betragen, Für die Einzelheiten der Ausgaben ist man auf die mit Absicht dürftige und"verschleiorte Veröffentlichung des Roichsetsts im Reichsgesetzblatt angewiesen. Sie enthält die Ausgaben nur spezialisiert nach Kapiteln, nicht aber nach einzelnen Titeln. Auch fehlen alle Erläuterungen, sowie Vergleiche mit früheren Jahren. Ist daher auch ein Einblick erheblich erschwert, so vermittelt dennoch eine vergleichsweise Betrachtung mit' dem Jahre 1933 nach einzelnen Kapiteln viele wichtige Erkenntnisse. .A Zunächst fällt auf, dass die Koston für das Kapitel Reichswehr� minister, die 1933 Rur eine Million Reichsmark betrugen'SlifZ ���"OOü Reichsmark hinaufgeschnellt sind. Hier zeigen sich zum ersten Mal nicht nur die Spuren des Herrn Röhm, sondern auch die Wirkungen der mit einem Schlage weitgehend vergrösserton Aufgaben der Spitze dos Militärwesons, Betrachten wir die Ansätze für Rcichsheer und Reichs. marine getrennt, so ergibt sich folgendes Bild: Bei der R E I C H S U E H R Bei den fortdauernden Ausgaben: Der Posten Heeresleitung sieht eine Ausgabe von 9 280 000 Reichsmark vor, Sie isT�um 1 400 000 Reichsmark höher als 1933* Die Besoldung vo ursacht Ausgaben von 246 370 000 Reichsmark statt 201�37& OClj Reichsmark im Vorjahr. Die Verpflegung beansprucht 24 Millionen statt 18 Millionen, die Bekleidung 35Millionon statt 23, die Unterbringung 32 Millionen statt 39, das Sanitätsweson 3 Millionen statt 3 ,1?,'"äffen, Munition und HeeresgoraT Bö Millionen statt 64, Pionier- jund' Nach- richtonweson sowie Befestigungen 47 Millionen statt 36, Im Durchschnitt zeigen also alle Ansätze eine Steigerung von 33 Prozent. Noch grösser ist sie bei den einmaligen Ausgaben. Diese werden von 27 auf 80 Millionen erhöht, Bei der R E I C H 5 M A R I N E sind die angeforderten Mittel, soweit die fortdauernden Ausgaben in Beträcht kommen, gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Dagegen sind einmaligen Ausgaben von 39 Millionen Reichsmark auf 108 Millionen Roichnmärk gestiegen, Was bedeuten die"einmaligen" Ausgaben? Nirgends findet man bei dem diesjährigen Etat, welchen Zwecken die einmaligen Ausgaben dienen. Aber aus früheren amtlichen Angaben (Finanzieller Ueberblick 1933t horausgegobon vom RcichsfinanZministe- rium) kann man sich Klarheit verschaffen. Dort heisst es: Heer: Ergänzung und Auffrischung der Bestände an Waffen, Munitions und Heorgerät sowie Verbesserung de- Unterbringung usw. Marino: Schiffsbauton, Verbesserung der Wcrft- und Arsenalanlagon, Verbesserung und Vervollständigung der Vertoidigungsmittel, Waffonausbildung, Auffrischung der Bestände und Vorbossorung der Untorkunfts- einrichtungen usw. Die 102 Millionen, die als einmalige Ausgaben bezeichnet werden, dienen also der besonders schnellen Beschaffung von Waffen, Munition, neuen Schiffen usw. Dabei sind aber nicht berücksichtigt die Mittel, die auf dem Umwege über die"Arbeitsbeschaffung" Aufrüstungszwockcn dienen, Uober die Kosten der_ S__A_ gibt es im Etat nur den Ansatz von 230 Millionen. Jede Spezialisierung ist sorgfältig vermieden, es wird mit keinem Wort angegeben, wie diese gewaltige Summe ausgegeben worden soll. Um den Eindruck zu verwischen, als ob os sich bei der SA und ihren Koston um militärische Zwecke handelt, sind die 25C Millionen Reichsmark nicht im Militärotat aufgeführt, sondern im Etat der Finanzvorwaltung.' Das Kapitel trägt die Bezeichnung"Zuschuss zu den Koston der SA und dos Freiwilligen Arbeit dionstos". Aber das ist nur zur Irreführung der öffentlichen Meinung dos In- und Auslandes geschehen. Beides ist Rüstungsvorbereitung. Das Reichsluftfahrtministorium ist erst im Jahre 1933 eingerichtet worden. Es untersteht Döring. Deiche gewaltigen Aufgaben man ihm gestellt hat, geht daraus hervor, dass os bereits 1933 Mit einem Personalbestand von 4.33 Beamten eingerichtet wurdo, während das Reichswohrministerium nur ü.cr einen Personalbestand von 369 verfügte. Ein Vergleich der fortdauernden Ausgaben der Jahre 1933 und 1934 sieht folgendormassen aus: für Luftfahrt B Luftschutz Allgemeine Bewilligungen---- ßü 1C3 230 für Luftschutz____ 73 674 050 191 580 15c Die einmaligen Ausgaben erhöhen sich für das Luftfahrtministorium von 4,4 Millionen auf 13 Millionen und für das Reichsamt für Flugsicherung von 191 000 Reichsmark auf 3 500 000, An diesen Summen sieht man, mit welcher Energie der Ausbau der deutschen Luftrüstung in Angriff genommen wird. II, Die militärische Ausbildung Auch das Tempo, sowie die Art und Weise der Aufrüstung sind jetzt zu überblicken. Wenn in der deutschon Note an Grossbritannion wegen der Höhe dos Militärbudgets gesagt wird, os handle sich nur um eine Bereitstellung von Mitteln für den Fall, dass Deutschland eine höhere militärische Sicherheit zugebilligt werde, nicht aber um eine Verletzung des Vertrages von Versailles, so ist das unwahr. Alle folgenden Angaben stammen aus der Vergangenheit. Sie sind ein Dcstand- toil der bereits seit vielen Monaten eingeleiteten Rüstungen, die inzwischen nur in einem beschleunigteren Tempo und ohne Rücksicht auf das Ausland durchgeführt werden. Die. militärische Ausbildung geht in dreierlei Formen vor sich: 1. Einstellung bei der Reichswehr zum regulären Dienst, aber auf anderthalb Jahre statt der vorgeschriebenen zwölfjährigen Dienstzeit. 2, Eine kurz befristete militärische Ausbildung von SA, SS Stahlholm, Polizei, Studenten, Arbeitsdienstlern, Erwerbslosen usw. 3. Regelmässige Uebungen bei den vorstehend angogobonen Gruppen, aber auch bei den Mitgliedern von Sportvereinen, den älteren Mitgliedern der SA, usw. -4- Dio Einstellungen bei der Reichswehr Ucbcrall worden junge Leute für die Reichswehr angeworben, und zwar in einem weit grösseren Ausmass als in früheren Jahren. Am I.April sind zahlreiche Einstellungen vorgenommen werden. Sc z.B. bei dem in Hirschberg i/Schl. stationierten Bataillon 500 Mann, bei einem Regiment in Schweidnitz I00C Mann. Aehnlicho Meldungen liegen aus der Provinz Brandenburg vor. Die Verpflichtung wird nur für anderthalb Jahre vorgenommen.*BTo Besoldung nebst Kost beträgt 6$ Mark monatlich, ausserdem wird eine Abfindung von �00 Reichsmark versprochen. Im Zusammenhang da* mit steht die Einberufung der Altersgruppen zwischen 18 und 35 Jahren zu Spcrtabtoilungon, wie sie in einzelnen Gegenden allgemein vorgenommen wird. Sc veröffentlichte z.B. der"Neue Vorwärts"(Nr. 37* B�.Rob- ruar 1934) einen Gestellungsbefehl der Standarte 43 aus Königsberg vom 23. Januar. Er lautot: "Jeder deutsche Mann hat in Zukunft die Pflicht, seine ganze Kraft dem Vaterland zur Verfügung zu stellen. Wer sich nicht einsetzt für das Aufbauwerk der Regierung, hat keinen Anspruch mehr auf Arbeit und Brot und wird als Saboteur und Landesverräter behandelt. Durch Befehl der Cberston SA-Führung sind alle 18- bis 35jährigen wehrfähigen Männer zu Spcrtabtoilungon zusammen- zuschliessen und unter Führung von SA-Führern sportlich und politisch zu schulen. Jeder in eine Spcrtabteilung oingeglior derte Volksgenosse wird durch SA-Aorzto auf seine Tauglichkeit untersucht. Für die Spa kommen nicht in Frage: SA, SS und Amtswalter. Sie sind der Spcrtabteilung des Sturms x/43 zugeteilt und haben sich erstmalig....... um....... Uhr(Ort)......... zum Dienst zu melden. Eine Uoigerung, dem Befehl Folge zu leisten, zieht Zwangsvorführung nach sich. Der Führer der Standarte 4p F.d.R.: Der Führer des Sturm x/43 gez.Denzlcr Standartenführer Auch aus anderen Kreisen dos Ostens liegen Nachrichten vor, dass alle Männer bis zu 43 Jahren eingezogen und ausgebildet werden. In vielen Orten werden die Crtseinwohnor bis zu dem gleichen Alter in eine Stammrollo aufgenommen. Die militärische Ausbildung bei Wehrorganisationen Es ist unmöglich, die über die militärische Ausbildung von SA, SS, Stahlhelm, Polizei usw. vorliegenden Nachrichten vollständig zu registrieren. Man muss sich begnügen, einige charaktcrsitischo Massnahmen wiederzugeben, die die Richtung erkennen lassen. a) Ausbildung von SA, SS und Stahlhelm Die Ausbildung erfolgt überall durch die Reichswehr. Es besteht die engste Zusammenarbeit zum Zweck der militärischen Durchdringung des ganzen deutschen Volkes. Alle Truppenübungsplätze, Kasernen usw. sind voll belegt.(Grafenwöhr, Ohrdruf, Döberitz, Zossen, Sennelagor, Mun- storlager, Königsbrück b. Dresden) Das dauert bereits seit vielen Monaten und wird noch lange Zeit so dauern, weil die Absicht besteht, die Kurse solange fortzusetzen, bis alle Leute durchgebildet sind. Die Teilnehmer sind zwischen 18 und 43 Jahre alt. Besonders bevorzugt werden aber die jüngeren Jahrgänge. Es werden auch Scnderformationen aufgestellt. -5- Die Ausbildung erf Igt streng nach den Vorschriften der Reichswehrdienstordnung und zwar in allen Zweigen: Bedienung des Gewehrs$8, Ausbildung am Maschinengewehr, an Geschützen, im Handgranatenwerfen, ja selbst die Erfordernisse des Feldkrieges, wie Nachrichtenwesen, Telefonanlagen usw. werden geübt. In �eipzig waren bis zum 31.3,1934 sämtliche SA-Leute feldmarsch- nässig ausgerüstet. b) Ausbildung von Polizei und Militäranwärtern In der Polizei werden die jüngeren Mannschaften zu' Polizeiregimentern zusammengefasst, die kaserniertsind und eine rein militärische Auabildung erhalten. Darüber herrscht eine grosse Misstimmung, da sie früher als Beamte und nicht als Soldaten behandelt wurden. Auch die ehemaligen Reichswehrsoldaten werden zu ihren Regimentern zurückgerufen. Ge- einete werden mit der Aufgabe betraut, SA-Leute auszubilden. c) Ausbildung von Offizieren, Studenten, Beamten, Fliegern und Kraft- Fahrern � Sehr grossen Umfang hau die Ausbildung von Offizieren angenommen. Die folgende Schilderung ist typisch; Bei dem Stabe der"Stahlhelm-Standarte in Wernigerode-Harz finden Kurse statt. Die Teilnehmer stammen aus allen Teilen Deutschlands, Sie rekrutieren sich aus Angehörigen der SA und der SA-Reserve(Stahlhelm), Aber auch andere, z.B. Sportlehrer, befinden sich unter den Teilnehmern, Sie werden zu Offizieren ausgebildet. Nach Wernigerode kommen nur die militärisch bestqualifizierten Leute. Es handelt sich um Endausbildungskrurse für Infanterie. Daran schlies sich sofort ein Maschinengewehrkurs an. Sämtliche Lehrer sind Reichswehroffiziere. Die Teilnehmer tragen Reichswehrunifcrm. Als im September 1933 iR der Nähe von Wernigerode eine grössere SA-Feierlichkeit statt fand fuhren die Teilnehmer in Reichswehruniform ab, zogen unterwegs ihre SA- bezw. Stahlhelmuniform an, um in dieser Tracht an der Feier teilzunehmen und kehrten in Reichswehruniform wieder nach Wernigerode zurück. Verschiedene Offiziere werden auch zu Kursen einberufen, die in Berlin stattfinden. Aus den verabschiedeten früheren Generalstabsoffizioren, die man auch zu Kursen einberufen hat, wurde ein erweiterter Generalstab gebildet, Die Studenten der Hochschulen werden ebenfalls in den Kasernen der Reichswehr und der Polizei in Kursen ausgebildet. Da alle Teilnehme an solchen Kursen schon vorher im Arbeitsdienst oder bei den militärischen Organisationen ausgebildet waren, so stellen diese Kurse Abschlusskurse für die Offizierslaufbahn dar. Jeder Kurs dauert sechs Wochen. Die Teilnehmer tragen die Uniform des Truppenteils, in dessen Kaserne der Kurs stattfindet. Solche Kurse finden auch für öffentliche Beamte statt. Auch wo diese Kurse nicht in den Kasernen stattfinden, werden sie von Roichsw&hr- offizieren geleitet und dienen der militärischen Schulung. Mit besonderer Sorgfalt und im grossen Ausmass geht die Ausbildung von Fliegern vor sich. Die alten Flieger werden an neuen Maschinen ausgebildet, �Ein Teil von ihnen wird aus dem Beruf herausgezogen, in den aktiven Flugdienst eingereiht, mit auskömmlichem Gehalt und Versicherung(bis zu 600 Mark im Monat) versehen. Die Eintragung der gesamten Verbände mit Stammrollen in diese Art von Reservearmee wurde im Januar 1934 beendet. Für den Luftkrieg wird nicht nur der Reichsschutz- luftbund ausgebaut, sondern zugleich eine Sonderausbildung aller Reservekräfte nach der Gasdienstvorschrift zum grossen Teil unter der Leitung geübter Chemiker des Kaiser Wilhelm-Instituts vorgenommen. Auf besonderen Uebungsplätzen werden Flugzeugabwehrkanonen mit neuem Kommandogerät nach dem Muster der englischen und amerikanischen Ausrüstung eingeschossen. Studenten und Assistenten der Technischen Hochschulen, die für die mehrwöchentliche Zeit der Ausbildung in den Dienst der -6- Reichswehr und der Marine treten, werden herangezogen. SA-Leute, die s'. ausgebildet werden, besonders in Döberitz, Zossen, Küstrin, wurden bisher für sechs Wochen, künftig für fünf Monate verpflichtet. In Berlin allein bestehen 10-12 Fliegerstürme der SA. Jeder Sturm hat$0-60 Pilotenanwärter unter 20 Jahre. Die Angehörigen der Stürme, die über 20 Jahre alt sind, werden als Beo- achter ausgebildet. Für die eigentlichen Piloten wird die Altersgrenze von 20 Jahren strikt innegehalten. Die Ausbildung findet in Staaken bei Berlin statt. Von erheblicher militärischer Bedeutung ist auch das nationalsozialistische Kraftfahrerkorps(NSKK). Es ist genau wie die SA rein militärisch gegliedert und stützt sich auf die grossen gleichgeschalteten Organisationen der Automobilbesitzer. Wie wenig man den militärischen Charakter dieser 6r anisätion zu vertuschen bestrebt ist, zeigt ein Manöverboricht, den der"Völkische Beobachter" vom 9. April veröffentlichte. Nur eine ganz kleine Gruppe des NSKK nahm an dem Manöver teil, die Kraftwagenabteilung 89/86 unter ihrem Führer Major a.D. von Fassong. Dieses kleine Glied verfügt über 6l8 Fahrzeuge mit 1600 Mann. Die Beschreibung des Manövers lässt erkennen, dass das NSKK gerade in jenen Uebungen geschult wird, deren Beherrschung für eine militärische Kraftfahrertruppe im Kriegsfall notwendig ist. Besonders eifrig übte man das Abwerfen von Handgranaten. An den Arbeitsämtern werden Dreher, Schlosser, Klempner für eine Beschäftigung von sechs Wochen gesucht /Sie kommen zur Flugzeugfabrik Junkers in Dessau und werden dort im Flugzeugbau ausgebildet. Wer sich nicht meldet, wird bestraft und es wird ihm die Arbeitslosenunterstützung entzogen, d) Ausbildung von Erwerbslosen und Landhelfern In vielen Orten werden die Erwerbslosen bis zu 90 Jahren zu örtlichen Kursen zusammengezogen. Die Erwerbslosen werden nach Beruf sgrup- pen zusammengefasst. Die Ausbildung ist aber rein militärisch: Exorzieren, Handhabung des Gewehrs, Ausbildung im Handgranatenwerfen. Die Teilnahme wird erzwungen, da die Erwerbslosenunterstü zung gestrichen wird, wenn man sieh entzieht. In Bayern wurden arbeitslose Feinmechaniker in einer Maschinenfabrik in Nürnberg im Bau und in der Zusammenstellung von Maschine ngowohron geübt. Nach Beendigung des Kurses, an dem auch SA-Leute teilnahmen, wurde ihnen strengste Verschwiegenheit zur Pflicht gemacht. Teilweise dient auch bereits die Landhilfe der militärischen Schulung. e) Ausbildung des Arbeitsdienstes Dass der Arbeitsdienst im Dritten Reich überwiegend militärischen Zwecken dient, entspricht der alten nationalsozialistischen Einstellung. Sachbearbeiter für den Freiwilligen Arbeitsdienst im Braunen Haus in München war von jeher Oberst a.Dn Hierl. In seinen Plänen stand die militärische Ausbildung des Arbeitsdienstes stets an erster Stelle. Das entspricht jetzt, nachdem Hierl die entsprechende Abteilung des Reichsarbeitsministeriums unter dem Stahlhelmführor Seldte leitet, der allgemeinen Praxis, In den Arbeitsdienstlagern wird die militärische Ausbildung mit Hochdruck betrieben. Auf die Arbeitsleistung wird fast kein Wert gelegt. Die militärische Ausbildung erstreckt sich auch auf die Ausbildung am Maschinengewehr* Besonders häufig sind nächtliche Feld- dienstübungen. Soweit Arbeitsdienstfreiwillige nach vierzigwechontlicher Dienstzeit zur Entlassung kommen, werden sie häufig noch zu Sonderkursen für sechs Wochen zur Reichswehr kommandiert. --7- f) Ausbildung von Sportvereijia� und Jugend Auch die Sportvereine stehen im Dienst der militärischen Ausbildung Sie erfolgt durch Offiziere, die von anderen Diensten befreit sind. Gepäckmärsche� Schiessübungen. Handgranatenwerfen, Geländespcrt werden nach den Vorschriften über die Ausbildung der Reichdwehr streng durchgeführt. Für den Geist dieser getarnten Wehrorganisationen ist bezeichnend die Rede eines Offiziers in Ludwigshafen vor einem Geländemarsch. " Ich will ganz offen zu euch sprechen. Deutschland steht vor einer Situation wie 1914s ja die Gefahr ist noch grösser. Auch Oesterreich ist"'un.ser Feinde Auf Italien ist kein Verlass Trotzdem müssen'wir es schaffen. Ihr werdet hier nicht nur zum Geländesport ausgebildet. Ihr müsst die Rahmenarmee für die Reichswehr abgeben. In den Grenzlanden stehen unsere Trup- pen schon fertig ausgebildet. Sie können jederzeit in den Kampf eingreifen und der Reichswehr eingegliedert werden. Seid froh- dass ihr-alles dies heute freiwillig mitmacht. In einem halben Jahr muss die Jugend von 18-25 Jahren das gezwungen machen, was ihr jetzt freiwillig übt. Wir haben dafür gesorgt, dass kein junger Mann mehr Sport treiben kann, wenn er sich nicht uns angliedert," Auch in der Hitlerjugend wird militärische Ausbildung betrieben. Man geht sogar soweit, sie am schweren Maschinengewehr zu unterrichten, In der SA gibt es besondere Marinestürme, Sie sollen das Rekrutenmaterial für die Marineformationen"bilden� Für den Beitritt zu den Marinestürmen können sich alle Wassersportler über 18 Jahre melden. Cef- fentliche Werbung ist verboten, g) Ausbildung von Frauen Wie weit die Vorbereitung für den Kriegsfall gediehen ist, lässt sich am besten daraus ersehen dass in vielen Orten bereits jetzt Frauen für Arbeiten bei der Post und bei der Eisenbahn ausgebildet werden. Man lässt keinen Zweifel daran, dass dies geschieht, um die Männer für den Waffendienst freizubekommen. IjT 1� jBe wa ffnung und Ausrüstung a) Die Versorgung mit Rohstoffen In welchem Umfang die technische Aufrüstung vor sich geht, ist am besten aus der starken Einfuhr von Rohstoffen zu ersehen, die der Kriegs erzeugung dienen. Sie hält trorz der Devisennot Deutschlands unverändert an. Das zeigen auch die Zahlen für die Monate Januar und Februar 1934* Deutschlands Metalleinfuhr ( in t) Januar und Februar 1932 t!!t!t'933 t! Kunfer 19 482 22 125 38 290 Zink Blei Zinn Nickel 13 524 9 132 1 970 499 12 102 5 226 2 354 621 22 362 9 686 2 684 1 072 Auch die gefördert. Bes Benzinprodukti mehr kostet al noch die Zolle schon 1933 von Angaben werden P reussens ist Tonnen erweite innerdeutsche Wirtschaftsrüstung wird mit grossen Mitteln onders eifrig wird die Steigerung der deutschen Gel- und on getrieben, obwohl die Herstellung drei-bis viermal s der Bezug aus dem Ausland, zumal der Reichskasse auch innahme entgeht. Die Denzinproduktion aus Braunkohle ist der IG--Faiben in Leuna stark erweitert worden. Genaue im Geschäftsbericht verschwiegen, Die Rohölproduktion in den letzten zebn Jahren von 6c 000 Tonnen auf 232 000 rt worden. .8- Sehr interessant ist ein Bericht im"Deutschen Reichsanzeiger" Nr. 91 vom 19*Apfil, Danach hat Prof.ing. L. Ubbelohde von der Technischen Hochschule Charlottenburg in einem Vortrag über"Der deutsche Mineralöl-Wirtschaftsplan" gesagt: ". Die inländische Verarbeitung eingeführten ausländischen Rohöles stelle nur eine halbe Massnahme dar? denn im Falle eines Falles würde sich ein Mangel an dem notwendigen Roh- material*einstellen." b) Die Herstellung schwerer Waffen Die für die Waffenerzeugung zugelassene Rheinmetall-Düsseldorf bringt die neueste Sorte Maschinengewehre heraus� Die Patronen brauv chen nicht mehr in einem Gurt befestigt zu werden, sondern werden automatisch in den Lauf hineingezogen� Die Fabrik hat auch eine Anzahl Versuchsexemplare eines neuen Schnellfeuergeschützes für Flugzeugabwehr hergestellt. Dieses Geschütz besitzt fünf rotierende Läufe und soll eine Feuergeschwindigkeit von 1000 Schüssen pro Minute erreichen. ' Die Lastautofabrik Büssing-Braunschweig fabriziert Tanks serienweise. Einige Versuchsmodelle kleinerer Tanks? sogenannte Tanketten, stehen schon bereit. Auch bei den Deutschen Werken in Kiel werden Tanks hergestellt. Die frühere Karlsruhe-Waffenfabrik, jetzt Berlin-Karlsruhe in Berlin fertigt Maschinen zur Herstellung von Kriegsmaterial an. Auf dei* Schichauwerft in Elbing werden Tanks hergestellt. Die Waggonfabrik Linke-Hoffmann in Breslau fertigt Tankteile an? die Waggonfabrik Christoph und Umnack in Görlitz schwere Geschütze. Löwe-Berlin hat grosse Aufträge an besonders langen Drehbänken für Flak-Langrohrgeschütze. Deutsche Werke Spandau stellen neue Maschinen auf, nachdem sie mehrere Jahre praktisch in den Kriegsabteilungen stillgelegenwaren. c) Herstellung von leichten Waffen und Munition Ausserordentlich gross ist die Zahl der Fabriken, die in den Dienst der Aufrüstung gestellt sind. Die weltbekannten Firmen Siemens, AEG und Löwe-Berlin arbeiten in drei Schichten zu acht Stunden."Diese Firmen hatten zum Teil vom Kriege her in grosser Zahl Revolverdrehbänke auf Lager. Zum Teil werden neue Drehbänke aufgestellt. Sie werden in der Hauptsache von der Werkzeugmaschinenfabrik Prittler in Leipzig bezogen. Auch dieses Unternehmen arbeitet in drei SchichtenJ Die Drehbänke dienen der Herstellung von Granaten,, Kaliber 77 105 und l�O mm, In Berlin-Brandenburg gibt es keinen arbeitslosen Revolverdreher. Die Nachfrage nach solchen Facharbeitern ist so gross, dass man sie sogar aus den Konzentrationslagern holt. Bei Siemens und Halske ist eine Maschine für eine Pistole ganz neuer Konstruktion und einem Kaliber von 11 mm hergestellt worden. Lorenz-Berlin stellt Maschinengewehrteile her. Sehr stark ist Bcrsig- Berlin beschäftigt � Dieses vor zwei Jahren bankrotte und mit Reichsmitteln subventicniete Unternehmen hat seine Belegschaft auf 3000 Mann erhöht. Ursprünglich wurden nur SA-Leute eingestellt. Da ihre Leistungen schlecht waren, wurde die Einstellung nach beruflichen Gesichtspunkten ohne Rücksicht auf die Gesinnung vorgenommen. Borsig fabriziert schwere Maschinengewehre. Er hat neue Spezialmaschinen aufgestellt. In der alten stillgelegten Flugzeughalle wurde eine Munitionsdreherei ausgebaut. Man baut sogar neue Hallen für Geschützdreherei. Borsig und Rheimetall sind nur durch einen Bretterzaun getrennte Es besteht eine innige Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmungen, -q.. Das' Herz der deutschen Klei_nwaffenfabrikation ist Suhl und seine Umgebung. Dort herrscht HochkonjünktürJ"Geschlossene Fabriken sind wie� der geöffnet. Alle Betriebe arbeiten in drei Schichten� Es werden auch Maschinen zur Herstellung von Kriegsmaterial angefertigt, während im allgemeinen nur Revolver und Gewehre hergestellt werden.'Auch in Erfurt ist eine neue Waffenfabrik eröffnet worden� In Ruhla und Sömmerda werden Flugzeugabwehrgeräte hergestellt. In Sömmerda ist ein" Flugzeugabwehrgeschütz hergestellt worden, das 100C Schuss in der Minute abgeben soll. Im gleichen'Masse ist in privaten und staatlichen Unternehmungen die Fabrikatfön von Munition im Gange c Borsig-Berlin, Siemens-Berlin; Lorenz- Berlin, Hasse& Wrede-Berlin sind besonders zu erwannen."'Schuckert-Nürn- berg fabriziert neue Aufschlagzünder, die die Bezeichnung"Thermosfla- schenverschluss" haben. Während bei den alten Granatzündern Zahlen eingraviert waren und vor Abschuss auf eine dieser Zahlen eingestellt wurden und nach der entsprechenden Zeit explodierten, sollen die neuen Zünder jeweils beim Aufschlagen explodiereno Der alte Zeitzünder liess nämlich erkennen, aus welcher Entfernung die Granate abgeschossen war, Das wird jetzt unmöglich. Im Arsenal in Dresden, auf dem Truppenübungsplatz Zeithain(Sachsen), wo sicE während des Krieges Munitionsfabriken befan- den,'wird wieder gearbeitet. d) Herstellung von Flugzeugen und Flugplätzen. Besonders umfangreich ist die Vorbereitung der Luftrüstung. Deutschland verfügt bereits jetzt über eine riesige Zahl von Flugzeugen. Ein er- heblicher Teil wurde aber nicht aus Mitteln* des Geichs angeschafft.Seit dem Frühjahr 1933 wurden Gemeinden, Verbände, Firmen und Irivatperscnen veranlasst, Flugzeuge zu stiften Das ist in erheblichem Ausmass geschehen. Die Maschinen sind genormt und von gleichem Typ. Nur wenige sind startbereit. Die Mehrzahl liegt demontiert und verpackt in Hallen. Deutschland kann innerhalb kurzer Zeit durch einfache Montage seinen Bestand an startbereiten Flugzeugen auf ein Mehrfaches erhöhen. Trotzdem wird eifrig an der Herstellung weiterer Flugzeuge gearbeitet. Alle Automcbilfabriken und Motorenfabriken'"stellen Flugzeugmctöre her. Das gilt vor allen Dingen für die DKWerke in Sachsen und für die Bayrischen Motorenwerke(EMW) Bei BMW sind drei grosse Arbeitshallen gebaut worden, für eine Belegschaft von 2000 Mann. Man begründete den Bau mit einem russischen Auftrag über 3000 Fliegermotore. Selbstverständlich sind sämtliche"Flugzeugfabriken bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Junkers in Dessau beschäftigt 9000 Menschen. Es werden neue Montagehallen angelegt und zwar in Form von Arbeitersiedlungen, Häuser mit tiefen Kellern. Die Focke-Wulf-Werke in Bremen arbeiten in drei Schichten mit erhöhter Eelegschaft.Dasselbe gilt von den deutschen Dcrnier-Werken bei Friedrichshafen. Sie stellen schwere Kampfflugzeuge her. Das ist auch der Fall bei den Flugwerken in Warnemünde. Der Flugzeugbau Johannisthal erzeugt Ausbildungsflugzeugeo Die Werft Blohm und. Voss in Hamburg baut neuerdings Flugzeuge. Die ATG(Allgemeine Transportgesellschaft)Leipzig hat seit einigen Monaten ihre Produktion umgestellt. Sie erzeugt Flugzeugtragfläohen. Die Fa. stellt Leute ein, die vorher bei Junkers in de_ Flugzeugmontage ausgebildet waren. Solche Leute gibt es bei Junkers einige Tausend, die nach ihrer Ausbildung in ihre Heimat zurückgehen. X Flugzeughallen werden gebaut von der Firma H.Gossen-Berlin-Reinickendorf und' Komnick in Elbing. Flugplätze werden in allen Teilen Deutschlands neu angelegt: Im Mun- sterläger bei Bremen, in Demmin(Pommern); in der Pfalz, in Ottobrunn bei -10- München, in Harburg a.E. usw. Ein Seeflugzeughafen ist in Seerappen bei Königsberg entstandene Diese neuen Flugplätze kommen schon wegen ihrer Lage für die private Luftfahrt nicht in Betracht. Der Flugplatz in Cottbus ist ausgebaut worden und jetzt dreimal so gross wie vorher. Besondere Mannschaftshallen sind im Walde errrichte� worden* Neue Flughallen zur Unterbringung von 70 Flugzeugen, deren Dächer mit Moos abgedeckt sind, wurden erbaut. Der neuerbaute Flugplatz Cttobrunn bei München ist in Betrieb genommen. Dort sind Fliegerstürme der SA und Mannschaften der Verkehrsfliegerschule untergebracht. Der Flugplatz wird zur Ausbildung der SA- Fliegerstürme verwendet. Es fliegen Doppeldecker und Jagdflieger. Auch die schweren Maschinen aus Cberwiesenfeld(ohne Fenster im Rumpf und mit auffallend starken Mctorgeräusch) sind zu beobachten, trotz der Tarnung durch Leinwandüberzug. In München-Oberwiesenfeld befinden sich zwanzig schwere Kampfflugzeuge, die im Passagierflug nicht verwendet werden. Die Flugzeuge sind dreimotorig und durch das dumpfe Gebrumm leicht von den Verkehrsflugzeugen zu unterscheiden. Auch fehlen ihnen die Kabinen. Der Flugplatz Schieissheim b. München wird durch den Arbeitsdienst ausgebaut. Es werden zwei dreischiff ige Hallen, 40 m.lang und 30 breit, gebaut, auch eine grosse Anzahl von Wohnhallen. x Die Flugzeugpilotenausbildung war bis zum Vorjahr sehr teuer. Sie kostete I4ÖG MarkJ Jetzt ist die Teilnahme an diesen Nursen umsonst. Die Flugschüler sind Studenten, Gymnasiasten und junge Techniker. x Am 18. April hat der Reichsluftfahrtminister Gering eine sehr wichtige Verordnung erlassen. Es werden 16 Luftämter errichtet, denen alle Aufgaben auf dem Gebiet der Luftfahrt übertragen werden. Man begründet diese Massnahme mit verwaltungsmässiger Vereinfachung. Davon kann aber im Ernst gar keine Rede sein. Die für die Luftfahrt wichtigen Massnahmen, Flugsicherung, Wetterbeobachtung, Fahrplan usw. wurden bisher bereits einheitlich vom Reich unter Ausschaltung der Landesbehörden geregelt. Bei der neuen Organisation handelt es sich um eine Zusammenfassung unter rein militärischen Gesichtspunkten. Der frühere Führer des Flugbootes"DoX, Christiansen ist jetzt Ministerialrat im Luftfahrtministerium. e) Herstellung von chemischen Kampfmitteln In Aken an der Elbe wird eine chemische Fabrik erbaut, es soll ein Teil cTJr Produktion von Ludwigshafen nach Aken verlegt werden. Die Anlagen sind zum Teil unterirdisch. Die Arbeitsvermittlung geht von der NSDAP und der Reichswehr aus. Das Leunawerk in Merseburg stellt Arbeiter für Kriegsproduktion ein. Die Firma Draeger in Lübeck erzeugt Gasmasken. Auch in Hamburg ist eine Fabrik, die 200 Arbeiter beschäftigt, neu errichtet worden, Sie erzeugt ebenfalls Gasmasken. f) Herstellung von Ausrüstungsgegenständen Auch die Herstellung von Ausrüstungsgegenständen ist im vollen Gange. Muniticnskästen,GesGhosskörbe, Stahlhelme, Seitengewehrscheiden, Patronentaschen, Tornister, Stacheldraht, Motorräder usw. werden von zahlreichen Betrieben in ganz Deutschland erzeugt. ! -11- Bei Zeiss-Jena wird in einer Sonderabteilung eine Gruppe von 18 Arbeitern mit der Herstellung eines besonderen Richtinstrumentes zu dem Flugabwehrgeschütz beschäftigt. Seine Verwendung soll alle Schwierigkeiten beheben, die sonst ein bewegliches Ziel bietet. Ein Flugzeug, das von diesem Instrument gesichtet wird, soll praktisch nicht mehr aus der Feuerlinie geraten. Die optische Industrie in Wetzlar arbeitet in drei Schichten. IV, Befestigungen und sonstige Vorbereitungen a) Befestigungen im Osten Im Heilsberger Dreieck(Cstpreussen), wo militärische Anlagen erlaubt sind, befinden sich 2$ Arbeitslager mit je 1�0 Mann* Sie worden ausschliesslich militärisch ausgebildet, Auch in den übrigen Teilen des Ostens sind Befestigungen vorgenommen worden, so z.B. bei Crossen a.Oder. Dort ist auch ein neues Kraftwerk vorwiegend zu militärischen Zwecken gebaut worden. An der ganzen polnischen Grenze lagern fast in jedem Bauerndcrf grosse Mengen Stachel draht. Die Leitungen des Kraftwerkes sollen sowohl gleichzeitig oberirdisch und unterirdisch sein. Auf der Strecke Frankfurt a.O.- Breslau liegt das Kraftwerk Finkenherd. Auf dieser Strasse sind bereits wiederholt nachts Versuche mit Strahlen an fahrenden Automobilen gemacht worden. Durch die Strahlen sind fahrende Autos plötzlich zum Stehen gebracht worden. Die Versuche sollen demnächst auch an Flugzeugen ausprobiert werden. aus Auch von der schlesischen Grenze gegen Polen und gegen die Tschechoslowakei liegen Nachrichten über starke Befestigungen vor. b) Kasernen und Unterkünfte Von überall liegen Nachrichten vor, dass Kasernen und militärische Gebäude, die in den letzten zehn Jahren zu Wohnungs- oder Fürezwecken zur Verfügung gestellt worden sind, in kurzer Zeit geräumt werden müssen. Teilweise sind die Kasernen bereits geräumt, c) Ausbau der Marine In Kiel werden bei den Deutschen Werken U-Boote in leicht zusammen setzbaren'Teilen gebaut. Damit steht auch im Zusammenhang die Einrichtung von U-Boot-Schulen. Ferner werden in Kiel und in Wilhelmshaven je ein Panzerkreuzer von 60C0 t der Leipzig-Klasse gebaute