Ur. 142. Ademttments-Kedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Vierteljährl. ZL0 MI., monatl. 1,l0MI., möchenllich 28 Psg. frei in» Hau». Einxlne Numw-r 5 Pfg. Sonntag», Nummer mir illusirierier Sonntag», Beilage„Tie Neu» Welt- 10 Pfg. Post» Abonnement: 8,30 Marl pro Quartal, Eingetragen in der Post> Zeitung», Preisliste für lgv» unter Ar. 7271. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn» Marl, für da» übrige Autland S Marl pro Monat. Lrschewl täglich»uster Monl»s». Verlinev VolksMakk. 17. Jahrg. Die Knstrttlms- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Koloneid »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaflliche BereinS- und verfammlungS-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zlnfeigen" jede« Wort 5 Pfg. (nur da» erst« Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag» in derSrpevitionabgegeben werden. Di« Srpcditton ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi»S Uhr vormittag» geöffnet. Zernsprecher:»ml l, Nr. tSOS. Zelegramm-Adresse: „Sorialdemostral verlin« Centralorgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beutlz-Strstze 2. Fernsprecher: Ami I, Nr. 1508. Expedition: SW. 19, Beulh-Stratze 3. Fernsprecher: Amt l, Nr. 5181. Der Zuckerring. Die Entwicklung des Kartellwesens in Deutschland hat während der letzten Jahre des Aufschwungs Formen an genommen, die den lebhaften Unwillen der Verbraucher herausfordern und den Zeitpunkt nahe bringen, in dem die Gesetzgebung von der öffentlichen Meinung gezwungen sein wird, durch eine Specialgesetzgebung die Aufsicht und die Oberleitung über Produktion und Preisgestaltung in den syndicierten Industriezweigen zu übernehmen Dieser Zeitpunkt kommt um so früher, je rücksichts loser und brutaler die Syndikate, Kartelle und Ringe die Schröpfung des nationalen Markts besorgen. Von den in letzter Zeit begründeten Syndikaten läßt keins den privatkapitalistischen Endzweck, eine kleine Schaar Interessenten auf Kosten des deutschen Markts zu bereichern, so deutlich hervortreten, wie der Zuckerring, der am I.Juni seine Thätig keit aufgenommen hat. Diese wirtschaftliche Organisation der Rohzuckerfabriken und Raffinerien bekundet gleich bei ihrem ersten Schritt in die Oeffentlichkeit, daß die Belastung des , inländischen Konsums ihr als Hauptaufgabe erscheint. Um der angeblich notleidenden deutschen Zuckerindustrie schnell und wircksam auf die Beine zu helfen, muß das deutsche zuckerkonsumierende Publikum für den von ihm verbrauchten Zucker gleich für die erste Zeit rund 45 Millionen Mark mehr als bisher im Jahr bezahlen. In einem der Presse übermittelten Bericht des neuen Kartells wird diese Belastung offen zugegeben. Die Grund läge des Kartells bildet die Erwägung, daß infolge des Gingangszolls von 20 M. pro Centner die Jnlandpreise gegenüber den Preisen des Weltniarkts stark erhöht werden können. Infolgedessen hat das Kartell für im Jnlande raffinierten und konsumierten Zucker einen Normalpreis von 1�,75 M. pro Centner festgesetzt. Die Raffinadeure sind nun durch das Kartell, dem 98 Proz. aller in Betracht kommenden Fabriken angehören, verpflichtet, die Differenz zwischen den Notierungen des Magdeburger Zuckermarkts und dem Preise von 12,75 pro Centner mit einem Zuschlag von 10 Proz. an die Kasse der Rohzucker-Fabrikanten abzuführen. Beträgt also z. B. die Magdeburger Durchschnittsnotiz 10 M. pro Centner, so haben die Raffinerien 2,75 0,275= 3,025 M. an das Rohzucker Syndikat abzuführen. Das Kartell macht nun der Oeffentlich' keit folgende Rechnung auf:„Setzt man die ungefähre deutsche Jahresproduktion der letzten Jahre und den Preis von 10 M. pro Centner Rohzucker nach Magdeburger Notiz ein, so ergiebt sich folgendes Bild: 38 Millionen Centner Rohzucker. 15 Millionen Centner Konsumware. Die Ein- nahme� des Rohzucker-Syndikats beträgt also 15 Millionen x 3,025--- ca. 45 Millionen Mark... Der Normalpreis von 12,75 M. pro Centner ist an und für sich ein mäßiger und angemessener, er belastet den Konsum gegenüber d en Preisen d er letzten Jahre nur um etwa 3 Pf. pro Pfund Raffinade." Nur um 3 Pf. pro Pfund— sagen die Zuckerbarone, als ob dieser Betrag gar keine Rolle spielte! Wenn man einen Konsum pro Kopf der Bevölkerung von jährlich 24 Pfund Zucker annimmt, so ergiebt sich eine Belastung für den ein- zclnen von 72 Pf., für einen Haushalt von 5 Köpfen eine solche von 3,60 M. Dabei ist noch gar nicht ausgeschlossen. daß die deutschen Zuckerindustriellen die Preise bald noch höher treiben werden. Der deutsche Markt ist aber machtlos gegen diese Belastung, denn infolge der Schutzzölle kann fremder Zucker nicht nach Deutschland herein. Wohl aber ist es der deutschen Zuckerindustrie möglich, ihren Zucker aus Kosten des deutschen Markts im Ausland so billig zu offerieren, daß jede Konkurrenz unter- boten wird. Entschädigen sich doch die Fabrikanten für etwaige Mindereinnahmen aus dem Exportgeschäft durch die Mehreinnahmen, die sie auf dem deutschen Markte durch unnatürlich hohe Preise erzielen. So kommt es, daß das Ausland billiger deutschen Zucker konsumiert, während bei uns selbst die Preise konsumerschwerend wirken. Und dabei fließt der ganze Gewinn aus der Belastung des inländischen Markts in die Taschen einer verhältnismäßig geringen Zahl von Fabrikanten und Kapitalisten, die an der Zuckerindustrie beteiligt sind. Es kommen rund 400 Rohzucker- Fabriken und 50 Raffinerien in Betracht. Dagegen be- finden sich die Arbeiter in dem Industriezweig trotz der staatlichen Begünstigung in der allertrautigsten Lage; sie werden durch die Kartellierung so wenig gewinnen wie durch frühere Begünstigungen und Zuwendungen der Zuckerindustrie durch den Staat. In der Zuckerindustrie waren 1898 nach den Ausweisen der Zucker- Berufsgenossenschaft 98 219 Arbeiter beschäftigt. Darunter befinden sich etwa 75 000 aus Polen und Galizien geholte Sachsengänger, davon zwei Drittel Arbeiterinnen, ein Sechstel jugendliche Arbeiter von 15— 19 Jahren. Während im Durchschnitt die gewerb- lichen Arbeiter in Deutschland im Jahre 1898 742,52 M. ver- dienten, stellte sich ein Arbeiter einer Zuckerfabrik im Durch- schnitt auf nur 466,03 M. Nächst den Arbeitern in Stein- brüchen sind die Arbeiter in Zuckerfabriken am schlechtesten bezahlt. Bei 12— 14 stündiger Arbeitszeit verdienen sie kaum niehr als 1 M. täglich, oft noch weniger. Bezeichnend für die Zuckerfabrikanten ist die hartnäckigeOppositton gegenjeglichen A r b e i t e r s ch u tz. Als 1891 der elfftündige Arbeitstag für Arbeiterinnen eingeführt und die Nachtarbeit verboten wurde. da wußten es die Zuckerinteressenten durchzusetzen, daß für ihre Betriebe zunächst bis 1. April 1898 die Nachtarbeit be- stehen blieb. Als die Frist zu Ende ging, da verlangten sie eine weitere Bewilligung der Nachtarbeit„vorläufig auf mindestens fünf Jahre". Dem Reichskanzler ging diese Un- verfrorenheit denn doch zu weit und er lehnte die dies- bezügliche Petition des Vereins der deutschen Zuckerindustrie kurzer Hand ab, ohne sie vorher noch dem Bundesrat vor- zulegen. Das ist die Signatur der Wirtschaftspolitik des deutschen Unternehmertums, das die Phrase vom Schutz der nationalen Arbeit im Munde führt: auf der einen Seite Schröpfung des nationalen Konsunis, auf der andern Seite Ausbeutung der deutschen Arbeitskraft. Daß diese Wirtschaftspolitik zur Züchtung reicher Unternehmerexistenzen führt, ist selbstredend, daß dabei aber der nationale Wohlstand, soweit die große Masse des Volks in Betracht kommt, zu Grunde gerichtet wird, darüber schweigt man. Die Syndikate und Ringe mögen nur so weiter wirtschaften, wie sie es in den letzten Jahren gethan haben, sie mögen die Schutzzollmauern noch höher bauen, um den Inlandsmarkt noch mehr als bisher aus- saugen zu können: wir Socialisten können warten, bis die Reaktion im Volke eintritt und ein Sturm der Entrüstung gegen die Ringe, Kartelle und Syndikate sich richten wird, die infolge ihres privatkapitalistischen Charakters zu nach- haltigen Schädigungen des deutschen Wirtschaftslebens führen. An uns soll es aber inzwischen nicht fehlen, die Oeffentlichkeit aufzuklären über diesen Charakter der Kartelle. Kein besseres Beispiel für diesen Zweck konnte uns geboten werden, wie das jüngst begründete deutsche Zuckerkartell. komische Mebevfichk» Berlin, den 21, Juni. Ter Krieg in China. Viel Tröstliches liegt auch heute nicht über China vor. Die Ansicht, daß die Erhebung infolge des energischen Vor gehens der Mächte in Taku noch in sich zusammenbrechen werde, hat sich bis jetzt nicht bestätigt. Allem Anschein nach ist die Kraft der Bewegung rasch nicht gebrochen, wenn sie nicht gar im Wachsen begriffen ist. Freilich niuß man sich vor Schlüssen aller Art hüten, da die wichtigsten Nachrichten aus chinesischer Quelle stammen und absolut unkontrollier bar sind. Die Fragen, die man am liebsten beantwortet sehen möchte: wie steht es in Peking und wo befindet sich das Expeditionscorps unter Admiral S e y m o u r, werden wohl noch einige Zeit unbeantwortet bleiben. Nach einer in Tokio vom japanischen Gesandten in Shanghai eingetroffenen Meldung soll Seymour in Peking angekommen sein, allein man darf nicht vergessen, daß man es auch hier nur niit einer Wiedergabc chinesischer Meldungen zu thun hat. Ebenso wenig ist auf das Gerücht zu geben, daß es in Peking zwischen den Boxern und chinesischen Truppen zu Zusammenstößen gekommen sei. Um offizielle Meldungen der chiuesischen Regierung handölt es sich jedenfalls nicht, und selbst diesen dürfte nicht unbedingt Ver trauen geschenkt werden. Uebrigens meldet auch ein in Tschifu liegendes englisches Kriegsschiff, daß man seit dem 13. Juni ohne jede Nachricht über die Entsatztruppc unter Admiral Seymour geblieben sei. Auch die auf die Berufung Li-Hung-Tschangs nach Peking gesetzten Hoffnungen dürften betrogen werden Aus Hongkong ist nämlich in London die Nachricht cin> getroffen, daß Li- Hung- Tschana auf Bitten der Konsuln eingewilligt habe, in Kanton zu bleiben. Die Konsuln hätten Li-Hung-Tschang ernste Vorstellungen gemacht, Kanton nicht zu verlassen, da sonst das Aus- brechen eines großen AufstandS zu befürchten sei. Andre Meldungen aus Shanghai behaupten freilich, Li-Hung- Tschang beabsichtige mit dem nächsten Dampfer abzureisen und gebe der Zuversicht Ausdruck, als Vermittler zwischen der chinesischen Regierung und den Mächten eine friedliche Lösung der Krisis herbeiführen zu können. In der englischen Presse tauchen freilich bereits ernste Befürchtungen auf, daß Li-Hung- Tschang der ganz unter russischem E influß stehe, in Peking In- t r i g u e n gegen die Mächte im Interesse Rußlands anzetteln könne. Man sieht, daß selbst in dem jetzigen Stadium der i krisis die Eifersüchteleien nicht völlig aus dem Spiele bleiben. Zu der Sorge um Peking hat sich die um T i e n t s i n gesellt. Ticntsin ist völlig isoliert. Trotz der Anwesenheit von 2000 Russen in Tientsin hegt man Befürchtungen um die in dieser Stadt befindlichen Christen. Am 18. Juni ist es in Tientsin zu ernsthaften Kämpfen gekommen. Die chinesischen Truppen sollen eine sehr zweifelhafte Stellung einnehmen. Die Mächte werden bemüht sein, baldigst alle verfügbaren Truppen nach Tientsin zu entsenden. Zwischen Taku und Tientsin sollen 7000 Boxer und Reguläre stehen, die alles zlündcrn und niederbrennen. Die V e r l u st l i st e n der Mächte sind noch immer nicht abgeschlossen. Eine Meldung spricht von 100 Ver- wundeten der Mächte. Der englische Verlust soll 1 Toten und 13 Verwundete betragen. Eine genaue deutsche Ver- lustliste liegt noch immer nicht vor. Nun aber weiter! so denkt auch Herr Oberlandesgerichtsrat Rören. Vorigen Sonntag war er auf dem in Essen stattfindenden vierten Delegiertentag der Windthor st bände Deutschlands anwesend; dort� wurde ihm unter stürmischem Beifall der Versammelten vom Generalsekretär Laven ein Lorbeerkranz überreicht. Herr Rören dankte für die ihm zu teil gewordene Ehrung, die er nicht als persönliche Auszeichnung, sondern als eine dem Centrum für das Zustandekommen der lex H e i n z e gezollte Anerkennung betrachte. Herr Rören kann noch mehr als der Herrgott. Von diesem hatte er behauptet, daß er auf krummen Linien gerade schreiben könne, Herr Rören aber kann aus einer Niederlage einen Sieg machen. Weiter meinte der triumphierende Oberlandesgerichtsrat: Wer einige Zeit im öffentlichen Leben gestanden habe, werde merken, daß die kleinen politischen Parteien allmählich verschwinden und daß in Zukunft nur zwei große Parteien übrig bleiben, von denen die eine der christlichen, die andre der heidnischen Welt- a u s ch a u u n g huldigt.„In dem Kampfe", so wandte sich Herr Rören an die Windthorst-Biindler,„der sich zwischen diesen beiden Weltanschauungen immer schärfer gestalten wird, werden Sie nur dann in rechter Weise gerüstet fein, wenn Sie schon jetzt gestählt werden. Dazu ist der Windthorst-Bund berufen. Wir werden viel- leicht zeitweise vor der modernen Weltanschauung zurückweichen müssen, aber auf die Dauer werden wir siegen. Mögen die Wiudthorst-Bünde wachsen, blühen und gedeihen, damit sie die katholifche Jugend in dem bevorstehenden Kampf immer mehr be- geistern!" Herr Rören rüstet also zu neuen„Siegen". Ihm genügt der bisher errungene„Erfolg" nicht, der Hauptschlag, durch den er dem deutschen Geistesleben Frieden gebieten will, soll erst erfolgen. Und das Mittel dazu soll sein der Windthorst-Bund, das ist, wie es im Statut heißt:„eine Vereinigung junger katholischer Männer, die be- zweckt, die katholische junge Männerwelt 1. in ihrer katholischen Ueberzeugung und deren öffentlichen Betbätigung zu stärken; 2. für die Teilnahme am politischen Leben im Sinne des Centrums vor- ziibildeii durch die Einrichtung von Diskussionsabenden und Ver- nnstaltung von belehrenden Vorträgen; 3. der Centrumspartei bei Wahlen und sonstigen Anlässen bereite Hilfskräfte zu stellen." Die Windthorstbünde. deren es jetzt an 31 Orten giebt, haben es insgesamt auf 4000 Mitglieder gebracht. Das ist nicht viel für ein vierjähriges Bestehen, aber die Einrichtung an sich und die rege Thätigkeit für ihre Ausbreitung beweist doch, ivie rührig das Centrum und wie hartnäckig es an der Verfolgung seiner Ziele ar- beitet. Jedenfalls wäre es verfehlt, wenn diejenigen, denen an der Freiheit von Kunst und Wissenschaft liegt, sich der Hoffnung hin- gäben, daß mit der glücklich abgeschlagenen lex Heinze den ultra- montanen Widersachern für immer die Luft an derartigen Attentaten gegen unser Kulturleben ausgetrieben sei. Herr Rören rüstet zu neuen Angriffen. Ob eine neue lex Heinzelei erfolgt, kann keiner wissen, aber die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, und da wäre es gut. wenn auf feiten der Aufgeklärten ebenso eifrig vorgearbeitet würde, wie auf feiten der Finsterlinge. Was hört man voin Goethebund? Will er sich vom Windthorstbund an Eifer und Voraussicht übertreffen laffen? ** Deutsches Weich. Die weiße Gefahr. In der„Ethischen Kultur" ividmet Prof. Förster in einem Aufsatz über China und die ivestliche Civilisation den weißen Barbaren der herrschende» Klaffen die folgenden Bemerkungen: „Man stelle sich nur einmal vor, daß nach Jahr und Tag hier sin China) ein wirklicher ernsthafter Konflikt ausbräche zwischen den 500 Millionen des Riesenreichs und all den Nationen, die sich durch Besitzergreifung von Häfen dort engagiert haben. Das würde nicht durch einen einzigen blutigen Schlag cutschieden werden— es gäbe ein langsames quälendes Morden, das immer weitere Kreise der mongolischen Volksmassen zur Schlachtbank riefe. während jeder Mißerfolg der Eindringenden wieder mit Strömen von Blut und neuem Truppennachschub gesühnt würde. Die Ver- legeuheit der Amerikaner auf den Philippinen mag eine leise Ahnung von dem Bevorstehenden geben. Man male sich nur aus,' ivie hierbei alles, was an alter Külturordnung und an neuen Errungenschaften in China lebt. rettungS- los zerstört werden würde, und wie gleichzeitig dies verzweifelte stiere Hinschlachten von Tausenden die an« greifenden Nationen bis ins Innerste demoralisieren müßte; wie die Zeit für das lösende Wort verpaßt und Haß und Rache auf beiden Seiten so entfesselt wären, daß die Völker des Ostens und des Westens einander wie blinde Tiere zerfleischen würden— eine zweite Schlacht ans den katalaunischen Gefilden— eine erhebende Wiederholung nach mehr als tausend Jahren christlicher Kultur- entwickluug!' „Das alles ist kein phantastischer Traum. Vielmehr liegen die Verhältnisse so, daß ein solcher Ausgang der sogenannten Austeilung Chinas absolut komme» mutz, wenn nicht eine funda- mentale Umkehr der europäischen Methoden in dieser Frage statt- findet. In der Erinnerung an den leichten Sieg Japans über China denkt man nicht daran, daß wir hier vor den e r st e n Anzeichen einer elementaren Volksbewegung stehen, die einmal alle schlafenden Naturkräfte des gewaltigen Reichs lösen könnte." „Alle Schuld rächt sich auf Erden. Unsre geheime Angst vor einem Losbrechen der gelben Gefahr ist im tiefsten Grnnde nicht die Angst vor der gelben, sonder» vor der weißen Barbarei, deren sich die civilisierten Nationen gegen- über China schuldig gemacht und die vergiftend in die chinesische Volksseele eingcdriingen ist, um sich eines TagS elementar auf uns selbst zurückzuwenden. Oder meint man etwa im Ernst, daß die Besitzergreifung der verschiedenen Häfen und Kohlen- Plätze nicht tausendmal lauter und gewinnender im ganzen gelben Land das Evangelium der rücksichtslosen Gewalt predigt, als alle christlichen Missionäre zusammen das Hohelied von der Liebe verkündigen können? Und nachdem man auf solche Weise den chinesischen Massen vor- gemacht hat. wie mau in dieser Welt vorwärts kommt— da sendet man Noten über Noten nach Peking und an die diplomatischen Vertreter Chinas, was denn das heißen solle und wo die Autorität i und Heiligkeit der Negierung bliebe— mit der man doch selber so nonchalant und demütigend umgegangen ist l M' dies be- schämende Treiben wäre nicht so zum Verzweifeln, wenn es nicht so viele denkende und wohlgesinnte Leute gäbe, die solchen Re- gicrnngen immer noch mehr Machtmittel in die Hände geben, damit sie nnr ja nicht gezwungen sind, ihre berechtigten Interessen in andrer Weise und nachhaltiger zu sichern, als durch Kanonendonner, Flaggcnhissen und Straf- cxpedttioncn. Das heißt die schmählichste Entwaffnung nnsrer Regierunge» von allem, was die eigentliche Ueber- legenheit nnsrer Kultur ausmacht, und es heißt die wachsende Bewaffnung der halbcivilisierten Massen mit allein, worin sie uns auf die Dauer doch über sind. „Schon im letzten ffrühjahr hat der chinesische Gesandte Wu-Ting-Fang auf dem Kongreß der amerikanischen Akademie für politische Wissenschaft in Philadelphia in einer geistvollen und er- greifenden Rede die besten Männer und Frauen der europäischen und amerikanischen Kultur beschworen, nicht länger zuzulassen, daß man in der Behandlung des chinesischen Reiches einfach das Recht des Stärkeren proklamiere. Confucius habe schon vor 25 Jahrhunderten gesagt, daß Reichtum, der durch unsaubere Mittel erworben sei, auch unsauber verwendet werde.„„WaS ist Civilisation— so fragte er—„„bedeutet sie nur den Besitz größerer Gewalt und größerer Borräte an offensiven und defensiven Waffen? Ich dachte, Civilisation meinte die steigende Achtung vor dem Rechte des Nächsten. Civilisation gestatte nicht die Besitzergreifung fremden Eigenthums ohne Zustimmung des Besitzers. Es würde ein trauriges Schauspiel sein, wenn das Ende des IL. Jahr- Hunderts solches Durchbrechen fundamentaler Lebensgesetze der Menschheit mitansehen sollte. Daun möchte ich lieber nicht civilisiert heißen."" »Der Gesandte kam dann ans die Ermordung fremder Missio- nare zu sprechen und berührte die schwierige Lage der chinesischen Regierung. Obwohl die amerikanische Regierung' fähig sein würde, die Lynchjustiz erregter Volksmassen zu verhindern, wenn jetzt buddhistische Missionare nach San Francisco kämen, Kirchen und Schulen gründeten und das Christentum als veraltet und un- zureichend angriffen? Es sei nicht richtig, daß China dem For't schritt feindlich sei— aber bei einer so nn- geheuren Volksmasse müsse sich naturgemäß das Herausgehen aus alten Gebräuchen und die Annahme neuer Lebensgewohnheiten viel fchlverfälliger vollziehen als in kleinen Kulturkreisen. Aber Friede brauche inan dazu und Schutz bor Vergewaltigung.„Öder sollen wir alle wieder ins Mittelalter zurückkehren?" Ich kann nicht daran glauben, daß die Welt zuriickschreitet. Ich glaube daran, daß in jedem Lande Männer und Frauen von voniehmer Gesinnung sind, deren Grundsatz vor allem die Ehrfurcht vor dem Recht des Schwachen ist und die protestieren werden gegen Akte von Unterdrückung und Tyrannei seitens ihrer Regierungen."" „Nun, es ist wohl an der Zeit, die Worte dieses Auf- ruf» eines chinesischen Staatsmanns wieder ins Gedächtnis zu rufen und sie zu verbreiten. Eine unbezwingliche Trauer überfällt uns, wenn wir daran denken, wie viele weitcrblickende und ernsthafte Männer in der gelben Raffe hinauSblicken mögen über die Strandkanonen und Missionen, die ihnen ins Land ge- schoben werden und ihrem Volke den Geschmack an der weißen Kultur nehmen— hinausblicken nach Hilfe aus der Mitte des Besten, waö die westliche Civilisation hervorgebracht, um sich damit zu verbünden gegen alle niedertretende Brutalität in dieser Welt... „Während bei den arbeitenden Klassen an die Stelle der alten Lcbeusideale neue Werte und Hoffnungen ge- treten sind, die sie i n st i n k t m ä ß i g in den Kultur- konflikten der Gegenwart auf die Seite des RechtSgeftthls und vermenschlichen Solidarität treiben, sehen wir augenblicklich die oberen Klassen einschließlich der Kirche in einer Phase völligen Irrewerdens an allen Gedanken und Gefühlen, die den Menschen über die unmittelbarsten und greisbarsten socialen Znsammenhänge hinaus zur Sclbstbeschränkung verpflichten...." „Vor«0 Jahren sagte einmal ein englischer Reisender:„In den Staatswissenschaftcn scheint das Kapitel zu fehlen, das die Grundsätze enthalten sollte, von deneu civilisicrte Völler in ihrem Verkehr mit wemger oder gar nicht civilisierten sich am vorteilhaftesten leiten lassen sollten." Das alles gilt ganz be- sonders für den höchst schwierigen Verkehr mit Völkern,'die eine alte Kultur hinter sich habe», wie es die Chinesen sind. Aber freilich, mit der bloßen Einrichtung von Lehrstühlen für Eihnologie und Sociologie ist es hier nicht gethan. Wir haben ja in Teutschland nur zu deutliche Beweise von den Perirrungen einer bewußt und nnbrwnfft im Interesse der Macht nnd des nationale» Wvhlgesnhlö gefälschten Wissenschaft. Unser Staatssekretär des Auswärtigen hat.,, das Wort ge- sprochen:„Wir Deutsche loollen nicht wieder die Knechte der Menschheit werden." Nun— Knechte nennt man doch die, welche die grobe Arbeit thun müssen. Und wenn wir Deutsche fort- fahren, auf Kosten nnsrer geistigen und moralischen Kultur vor allem die robuste Energie und die dreinfahrende Schncidigkeit zu kultivieren, s» wird uns dereinst in der Gesamtkullur der Erde sicher einmal der Löwenanteil an aller groben Arbeit zu- fallen und wir werden im eigentlichsten Sinne die Holzkncchtc der Menschheit werde»— während Herren unausbleiblich die- jenigen Nationen werden müssen, welche rechtzeitig die Hände von der Blutarbeit zurückziehen und all ihre Energie auf die Pflege ihrer geistigen und ethischen Qualitäten konzentrieren." Diese einsame Stimme de» WarnerS wird nutzlos in den herrschenden Klaffen verhallen, wenn sie nicht mitleidig-hochmütig verlacht wird. Die Rettung aber vor der wachsenden„weißen Ge- fahr" ist von keiner Einkehr der kapitalistisch und militaristisch vcr- seuchten Bourgeoisie zu erwarten, sondern allein von dem Siege des proletarischen Knltiiridealismus.— Die neueste Kaiserrede über die ChristuSstatne Prof. Eberleins — übrigens eines hervorragenden Goethebündlers— wird vom „Reichsanzeiger" nicht wiedergegeben. Da sie aber vom Wolffschen Bureau verbreitet worden ist, kann ihr Wortlaut als authentisch fest- gestellt werden.— Herr v. Bülow, der Salonrcdner der Weltpolitik, hat sich nach Kiel begeben, vermutlich, um von dort aus die„weltpolitischen" Aktionen zu leiten und den Freiwilligen, die etwa die Absicht haben, sollten, nach China zu gehen, zum Abschied eine geist- und schwung- volle Rede zu halten.— Der neue Grosiherzog von Oldenburg, der durch die inter- essante Antwort auf die kaiserliche Begräbnisansage bekannt ge- worden ist, hat bei seinem Regienuigsäntritt an die Beamten eine Ansprache gehalten, die— angesichts der heutigen Entwicklung reichsdeutschen Fürstentums—' ein wenig unmodern klingt. Er meinte u. a.: ... Ich liebe ein offenes Wort und bitte Sie, mit mir zu sprechen, wie Sie denken, selbst wenn es mir unangenehm ist; ob ich dann immer so handeln werde, ist allerdings etwas andres: ich kann nicht eines jeden Wunsch befriedigen, aber ich möchte doch alle hören. Ich werde nun in der nächsten Zeit auch viel im Lande herumkommen. Ich werde mich sehr freuen, wenn die Leute zu mir kommen; ich bin ein Freund von einem Kranz oder einer Blume, ich Ivünsche aber nicht besondere Empfänge und Festlichkeiten, denn erstens schickt sieb daS nicht im Trauerjahr, und dann wünsche ich auch nicht, daß dafür A u s- gaben gemacfit werden; wenn ich aber zum Beispiel Blumen erhalte, dann freue ich mich... Ich kann keine lange Rede halten, und was ich hier sage, ist auch keine Rede, sondern nnr eine Gefühlsäußerung." Jedenfalls werden die Oldenburger ihre Fürstenliebe nicht so teuer zu bezahlen brauchen ivie die Patrioten in andren Landes- teilen, wo keine Empfänge unter 10 000 Mark hergestellt werden können.— SchweinburgS Freund und Mitchrenmann, Herr Heinrich Rippler von der.Täglichen Rundschau" will uns jetzt bestrafen, weil wir unS mit seiner glorreichen Reinigungsaktion gegenüber dem Flottenverein ein wenig befaßt haben. Der Mann geht gründ- sich vor: „Man könnte darüber hinweggehen, wenn sich nicht leider auch ein deutschgeschriebenes Blatt, der intemationale, das heißt anti- deutsche„Vorwärts" gefunden hätte, der diese Lügen weiter- verbreitet und sich den Feinden Deutschlands als Kronzeugen an- bietet. Wenn gegen einen solchen anHochverratgrenzenden Unfug mit staatlichen Mitteln vorgegangen würde, so würde man daS im Volke jedenfalls besser verstehen, als irgend eine Beleidigungsklage wegen der gekränkten Ehre eines Schutzmanns; denn der„Vorwärts" ladet mit seinen bewußten Unwahrheiten auf Deutschland den Haff des Ruslands und schädigt die Interessen aufs frivolste nnd in niederträchtigster Gesinnung, wie sie kein Social- demokrat eines andren Landes gegen feinen Staat fertig brächte." Und weiter heißt es: „Wir hegen zu einem Teil der auswärtigen Presse das Vertrauen. daß sie die Verbreitung von Lügen gegen Deutschland einstellt, sobald ihr das Unberechtigte ihrer Angriffe nachgewiesen wird; zu dem ganz demagogisch redigierten„Vorwärts" können wir dieses Vertrauen nicht haben und deswegen sollte ihm sein gemeingefährlicher Unfug von Staatswesen gelegt werden." Wenn uns daran läge, von dem aufgeregten Herrn geschätzt zu werden, so würde es uns ein Leichtes sein, ihn zu einer gründlichen Ehrenerklärung für den„Vorwärts" zu veranlassen. Den Schwein- bürg hat er noch gröber und dümmer beschimpft, und ihn dann doch für einen Ehrenmann erklärt. Aber wir möchten un» keinen Preis auf der Bank der Patrioten neben den Schweinburg nnd Rippler fitzen. Aber worin siegt unser Hochverrat? Weil wir— nach einem Zeugnis eines Kenners chinesischer Verhältnisse darauf— hingeiviesen, daß die Boxerbewegnng aus der Zeit datiere, da das Wort von der gepanzerten Faust' in China bekannt geworden. Die Aussprache einer fo offenkundigen Wahrheit muß allerdings einem freiwilligen Offiziosus als ein'todeswürdiges Verbrechen erscheinen, der in dem Verwischen der Wahrheit die erste Patriotenpflicht sieht. Indessen die Thatsache wird selbst dieser Mitpatriot SchweinburgS nicht hinwegznwischen vermögen, daß eS das Deutsche Reich war, das z u e r st in China eingebrochen. Die märchenhafte Naivetät des Herausgebers der „Täglichen Rundschau" aber geht daraus hervor, daß er allen Ernstes versichert, nur die deutsche Soeialdemokratie stehe auf der sittlichen Höhe, auch die Verfehlungen des Vaterlands offen zu be- sprechen. Ach nein, daS ist die Eigentümlichkeit aller anständigen Menschen. In England, dem perfiden England, haben es nicht nur die Socialdemokraten, sondern auch liberale Männer gewagt— mitten i m Kriege zudem— die Schandthaten Chamberlains ans Licht zu ziehen. Die Hehlerei vaterländischen Unrechts ist immer nur eine Eigenschaft verwahrloster Chauvinisten oder ge- dungener Federbravi.— Zur Leutenot. Der in Jnowrazlaw erscheinende„Kujawische Bote" enthält in einer Nummer(141) folgende Nachrichten: Jutroschin, 11. Juni. Drei auf dem Dominium Gu- dorowo nnd fünf auf dem Dominium Kutschina beschäftigte Arbeiter sind von ihren Arbeitsstellen entwichen und werden steckbrieflich verfolgt. Ja no witz/ 12. Juni. Verschiedene Güter der Umgegend haben in diesem Jahr ungrische Arbeiter und Arbeiterinnen ein- gestellt, sind jedoch mit ihnen nichts weniger als zufrieden, weil sie viel phlegmatischer und weit teurer sind, als die heimischen Arbeiter. Die G alizier sind in dieser Beziehung besser. Diese haben allerdings den Fehler, daß sie leicht kontraktbrüchig werden, WaS bei den Ungarn nicht der Fall ist. C u l m, 16. Juni. Yn Battlewo streikten vorgestern die russischen Arbeiter nnd liefen davon. Die Gutsver- Walsimg war machtlos, da die Arbeiter eine drohende Haltung annahmen. Es wurde nach Thorn und Graudcnz telegraphiert, um die Ausreißer festzuhalten.— Zu einem Krawall kam es an denisclben Tage abends in Kamlarken. Die polnischen Arbeiter griffen die Beamten deS Guts an. Herr Rittergutsbesitzer Schleich mußte in der Nacht aus Culm einen Arzt holen, da auch Ver- letzungen nicht unbedeutender Art vorgekommen find. Die„Kerle" haben eben für ostelbisches Wohlleben kein Verständnis. Da die Deutschen nach China gehen müssen, können nur Polen, Russen und jetzt auch Ungarn Ersatz bieten. Leider eriveisen sich die Ungarn als weit teurer. Vielleicht ivird die gute Gelegen- hcit benutzt und man bringt einige Kahnladungen erbeuteter Kulis nach Ostelbien zur Versöhnung der agrarischen Flotteuseinde.— Versuchskaninchen. Ueber den Fall Strubel! schreibt mit herber Kritik die„Deutsche medizinische Wochen- s ch r i f t", die Prof. Eulenburg und Dr. Schwalbe leiten, solgendcs:„Einzelheiten der Strubellschen Arbeit lassen es teilweise unbegreiflich erscheinen, daß derartige„Untersuchungen" von einem klinischen Assistenten unter Kontrolle der verantwortlichen Leitung der Klinik angestellt und von einer wissenschaftlichen Zeit- schrist unbeanstandet veröffentlicht werden konnten. Wenn eine Entschuldigung für derartige Barbareien überhaupt möglich wäre. so könnte man als solche anführen, daß der betreffende Versuch im Jahre 1897, also zu einer Zeit, wo daS Gewissen der Ex- p erimentatoren durch die wiederholten öffent- l i ch e u nnd litterarischen Verhandlungen noch nicht geweckt war, vorgenommen worden ist.— Mehr Religion fordert ein Einsender des„Reichsboten": Die Verbesserungen, die erstrebt werden müssen, sind 1. mehr RcligionSstundcn in der Schule, 2. positiv-thcologisch nnd nament- sich apologetisch mehr vorgebildete Lehrer, die Liebe zur Sache haben, 3. stehender Religionsunterricht und volkstümliche Apologetik in der Fortbildungsschuie in positivem Sinne. Das zn 2 und 3 Geforderte auch deshalb, dannt die Kinder auch von der Halt- losigkeit der modernen Anschauungen, die von allen Seiten an sie herantreten, überzeugt werden. Der Einsender sieibt in seiner Art Schulreform— er will Rückbildungsschulen schaffen.— Eiseubahner-Elend. Die Frankfurter„Volksstimnie" entwirft folgendes Bild von den Zuständen aus dem dortigen Güterbahnhof. Auf dem Bureau der Versandabteilung sind etwa 30 Leute als Kartierer usw. beschäftigt. Die Bezahlung beginnt mit 2.50 M. pro Tag und steigt in gewissen längeren Abschnitten um 10 Pf. s!!); viele der Leute haben noch jetzt 3 M. und wenig mehr täglichen„Verdienst". Davon können sie natürlich kaum in dem teuren Frankfurt wohnen. Sie haben sich deshalb mehrfach in umliegenden Ortschaften eingemietet und müssen täglich Stunden Wegs machen, um zur Arbeit zu kommen, teilweise schon ftüh 5 oder 6 Uhr ausstehen. Und nun betrachte man die Arbeits- zeit dieser Annen I Nominell beträgt sie im Winter acht, im Sommer neun Stunden, die entweder von früh bis mittag oder von nach- mittag bis nachts siegen. Jetzt müssen nun diese Leute vielfach von nachmittags 4 Uhr bis 1 Uhr nachts nicht nur, sondern bis 2 nnd fast 3 Uhr nachts ohne nennenswerte Eß- oder Er- holnngspause und ohne jede Bezahlung der Nacht- oder Ueberssimden durcharbeiten, ebenso die„Frühschicht" vielfach statt nur bis 1 Uhr. bis 2 und 3 Uhr nachmittags. Dieser aufreibende Nachtdienst für seile ganz unzureichende Bezahlung bei verantwortungsvollem Dienst — derselbe betrifft die Leitung der Güter auf dem besten Verkehrs- weg und die Berechnung der Kosten dieses WcgeS— dauert jedesmal 14 Tage nacheinander, der Tagesdienst nur 7 Tage, so daß im Jahre doppelt so viel Nachtdienst als Tagesdienst zu leisten ist. Die Wirkung solcher Ausnutzung ist furchtbar: eS werden Leute stellen- weise mitten in der Arbeit' krank, weil sie eS nicht mehr zwingen können. Einige Ssichproben mit Einzelheiten mögen den un- glaublichen Zustand noch näher beleuchten. Am 17. März d. I mußten nach amtlicher Bekundung des StationSasfistenten„wegen Uebermlldung des gesamten Personals 86 Frachtbriefe liegen bleiben. Seit 14 Tagen ist jede Nacht mit Ueberssimden gearbeitet worden und daher Verstärkung des Personals unbedingt not- wendig". Am 20. März wird„wiederholt um Verstärkung des Personals" gebeten, da es„beim besten Willen nicht möglich" sei,„zehn Stunden nachts zu arbeiten, ohne dauernd an der Gesnud- heit Schaden zu leiden". Ende März und Anfang Mai gehen nnckts 12, 1 und 2 Uhr vier Leute von der Arbeit weg, weil sie unwohl werden und nicht fortarbeiten können. Trotzdem dauert der beispiel- lose Zustand unverändert fort! Beschwerden bei dem Vorsteher Fels- mann und dem Verkehrsinspcktor Klemm, den zuständigen Stellen, haben keinen Erfolg. Im Gegenteil, e? wird bei Versehen, die unter solchen Umständen beinahe unausbleiblich sind, mit Geldstrafen und selbst mit Entlassung(bei Stationsgehilfen) vorgegangen. Man begreift angesichts dieser Schiiderung, daß Herr v. Thielen das Petitionsrecht„seiner" Angestellten zu unterdnicken sucht. Die Oeffentlichkeit soll nicht erfahren, wie es den in feinem Reich Frondenden geht. Man begreift aber gleichfalls, warum die Gärung unter den preußischen Eisenbahnern unablässig wächst— trotz der offiziösen Beteuerungen von dem guten Verhältnis zwischen deu Angestellten und der Leitung. Das System Thielen ist der auf- reizendste Agitator.—_ Sehr freie Liebe. In München bildet, so berichtet man uns von dort, iioil) immer der Kuppeleiprozeß, aus dem die Dame Jnlia Strauß so unverletzt hervorgegangen, den Gegenstand eifriger Unterhaltung. Besonders erörtert man, warum denn durchaus das dort in solchen Fällen ganz unübliche Gehcimverfahren von dem Gericht beliebt wurde. Mag man nun über die Motive des Ausschlusses der Oeffentlichkeit denken wie man will, Thatsache ist jedenfalls, daß eine Reihe sehr voniehmer Persönlichkeiten dadurch einer nicht unbedeutenden Gefahr entgangen sind. Zwei der geladenen Zeugen, ein Baron und ein Kommerzieiirat, solle» nämlich die Absicht gehabt haben, für den Fall einer öffentlichen Verhandlung auch die Namen der hohe» Personen bekannt zu geben, die zwar Gäste in dem freien Liebesheim der Madame Strauß waren, die aber trotzdem nicht als Zeugen geladen waren. Zu diesen nicht geladenen Zeugen gehörten u. a.— wir geben nur Titel und Beruf, aber nicht Namen und Orts- zuständigkeit an, weil es nur darauf ankommt, zu zeigen, in welchen Gesellschaftskreisen die freie Liebe kultiviert wird— ein Minister, ein Freiherr und Gesandter, ein Bürgermeister, ein Herzog und neben diesen erlauchten Herrschasten auch ein schlichter Rechts« anwalt. Alle diese Hüter und Stützen der bürgerlichen Sittlichkeit ent- gingen der öffentlichen Kennzeichnung, zu der zwei geladene Zeugen in ihrem Zorn entschlossen waren. Nicht minderes Glück hatte ein General, der, als Zeuge geladen, kurz vor der Verhandlung mili- tärischen Urlaub erhielt. Das Glück, das die Herren in der käuflichen fteien Liebe hatten, erstreckte sich auch auf das Spiek— mit der Oeffentlichkeit. Indessen ist noch nicht aller Tage Abend, und wenn es wieder einmal zu einer lex Heinze oder einer ähnlichen Tugendseuche kommen sollte, o wird man vielleicht doch Namen und Art der Glücklichen erfahren.— Ausland. Ein schweizerisch-dentscher Konflikt. Bern, 18. Juni.(Eig. Ber.) DaS Vorgehen derpreußi" che» und nun der deutschen Behörden gegen die in Deutschland wohnhaften dien st Pflichtigen S ch w e i z e r B ü r g e r hat in der Schweiz ein Gefühl des Unbehagens erzeugt, das Gefühl, daß hier ein Unrecht des Großen und Starken gegen den Kleinen vorliegt, eine bedenkliche Vertragsverletzung, der man aber geradezu wehrlos gegenübersteht. Daß eine Vertragsverletzung vorliegt, ist klar, wenn man den Artikel 5 des deutsch-schweizerischen NiederlassungS-Vertrag« von 1890 ansieht. Derselbe lautet:„Die Angehörigen des einen der beiden Länder, welche in dem andern wohnhaft sind, bleiben den Gesetzen ihres Vaterlands über die Militärpflicht oder die an deren Stelle tretende Ersatzleistung unterworfen und können deshalb in dem Lande, in welchem sie sich aufhalten, weder zu persönlichem Militärdienst, noch zu einer Ersatzleistung angehalten werden." Daraus ergiebt iich klipp und klar, daß die persönlichen Militärverhältnisse der in Deutschland lebenden Schweizer die deutschen Behörden gar nichts angehen, daß sie sich also aiich nicht dreinzumischen haben, ebenso- wenig im umgekehrten Fall die schweizerischen Behörden. Man iragt sich nach den eigentlichen Beweggründen zu dem Vorgehen der deutschen Behörden und findet sie u. a. auch darin, daß daourch die Schweiz veranlaßt werden sollte, die deutschen Militärflüchtlinge und Deserteure auszuweisen, also gewissermaßen eine willkommene Repressalie zu üben, was aber nun nicht geschehen ist und auch nicht geschehen wird. Diese Annahme hat viel für sich, be- sonders wenn man berücksichtigt, daß ein gleiches Vorgehen gegen die in Deutschland wohnhaften O e st r e i ch e r, für die bekanntlich ebenfalls die Militärpflicht-Ersatzstcuer besteht, nicht bekannt gc- worden ist. In sehr zutreffender Weise hat im Nationalrat unser Genosse Wu lisch leg er- Basel die Sache behandelt. Er bezeichnete mit vollem Recht die Einmischimg Preußens in die militärischen Angelegen- heiten der Schweiz als eine Anmaßung, und er führte sodann weiter aus, wenn Preußen finde, es wirke demoralisierend, wenn junge Ausländer innerhalb seiner Grenzen wohnten, so körntte ihm ja auch eines schönen Tags einfallen, es wirke demoralisierend, wenn an den Grenzen des Deutschen Reichs ein republikanisches Staats- Wesen existiere, weshalb dann die Schweiz ihre Institutionen ändern müßte. Darum, xrincixüs obsta(wehrt den Anfängen) l Man könnte versucht sein, zum Vergleich das Vorgehen Englands gegen die Transvaal- Republik heranzuziehen. Jedenfalls haben auch alle fteisinnig denkenden Kreise Deutschlands. vorab die socialdemo- kratische Arbeiterschaft. Grund, sich mit diesen Vorgängen zu be- schäftigen, die offenbar zu der nun beliebten deutschen Allenvelts- Politik' gehören._ Riedermetzelmtg streikender Negcrarbeiter. PariS, 20. Juni.(Eig. Ber.) Die Abschlacktung der streikenden Negerarbeiter auf der Insel Martinique ist gestern auch im Senat zu Sprache gekommen. Der Vertreter von Martinique, Senator Knight, führte auf Grund einer persönlichen Enquete noch einmal den'Nachweis, daß der Lieutenant Kahn im Auftrag der Rohr- zucker-Fabrikanten ohne jede Provokation seitens der Arbeiter das Blutbad angerichtet hat. Erfreulicherweise stach die Haltung der Regierung diesmal vorteilhaft ab gegen ihr Verhalten in der nenlichen Kammerdebatte über die Metzelei in Chalon-snr- Saone. Kolonialminister Dccrais war in� der Lage, in seiner Antwort anzukündigen. daß der Offizier Kahn in d e n R u h e st a n d a u f d e m W e g e d e r A m t s e n t z i e h u n g versetzt wurde, also mit der höchsten dem Minister zustehenden Disciplinarstrafe getroffen wurde. Der Minister führte zu Lasten des Offiziers folgende Thatsache» an: Die Soldaten wurden in der Privatwohnung deS Fabrikdirektors untergebracht; Kahn ließ seine Soldaten feuern, ohne die gesetzlichen Bcrlvarnungen seitens des Bürgermeisters abgewartet zu haben, doch soll er keinen direkten Befehl zum Feuern gegeben haben; schließlich verfolgte er in Person — eine Stunde nach der Metzelei— die Arbeiter mit dem Revolver in der Hand. Dieses Benehmen des Offiziers, meint«? der Minister, wäre kein hinreichender Grnnd zu dessen Berweismig vor ein Kriegsgericht. Biel zutreffender ist es jedenfalls zu sage?», dah eine kriegsgerichtliche Verfolgung nutzlos wäre, denn die Säbel.richter würden den Mörder sicher freispreche». Andrerseits werden die nach der Metzelei verurteilten Arbeiter anf Antrag der Regierung vom Präsideaiten begnadigt werden. Um aber selbst diese minimale Penugthuung dem empörten Gewissen verschaffen zu können, muhte die Regierung über den Kopf der lokalen Gerichts- und BerwalwngSbehördeu hinweg Handel», ja, die Enquete des von ihr selber nach Martinique entsandten Inspektors Picanon annullieren! Dieser Vertrauensmann des Koloni�>ln>i»isters hatte sich als ein blindes Werkzeug der Negerschindec und Negermörder benommen. Darauf ordnete die Negierung eine gerichtliche Untersuchung an, die aber ebenfalls mit der Reinwaschung der Unternehmer und des Offiziers endete. Schließlich verlangte sie eine„Vervollständigung" der Untersuchung— jetzt erst v erstanden die behördlichen Diener des Unternehmerklüngels, was die Uhr geschlagen hat. und sie trugen der Wahrheit einigermaßen Nechuung. Und Chalon-sur-Saöne? Wuch hier wird die Regierung, falls sie ihre Pflicht thun will, die Gerichtsbehörden, auf' deren Unter- suchung sie alles gestellt hat» recht energisch zur Unparteilichkeit mahnen müssen. Hoffentlich dient ihr die Erfahrung von Martinique als Lehre.— Frankreich. Eine Rechtfertigung Picquarts. Das Pariser Zuchtpolizei- gericht verurteilte den Redomeur des„Echo de Paris", Gemeinderat Lepelletier, wegen Beleidigung Picquarts zu 2000 Fr. Geld- büße und 100 000 Fr. Schadensersatz. Auf Waldeck-Ronsseans Senats- rede und deren feierlichen Hinweis auf die„Gerechtigkeit der Welt- gcschichte" anspielend, sagte L a b o r i als Vertreter Picquarts vor Gericht:„Die Hoffnung auf die Gerechtigkeit der Gcschichte genügt Picquart nicht. Niemand hat das Recht, uns mit dieser Gerechtigkeit abzuspeisen. Gewiß, sie bleibt unsre Zuversicht und sie wird nicht nur die Einzelnen, sondern auch die Regierungen richten, aber die regel- mätzigrn Gewalten, die Gerichte eines freien Landes schulden den Bürgern eine andre Gerechtigkeit, als die der Geschichte. Diese fordere ich von Ihnen und hoffe, daß in Frankreich die Rechtspflege noch nicht bankbrüchig geworden ist. Thun Sie zunächst Ihre Schuldigkeit, dann lasse» Sie die Gcschichte walte». Ich werde niemals zugeben, daß man mit großartigen Redensarten von ge- fchichtlichcr Gerechtigkeit einen Bruch der unmittelbaren gesetzmäßigen Gerechtigkeit beschönige." Italien. DaS Ministerium Saroeco scheint zu stände zu kommen. Die_ meisten Ministerposten sind schon besetzt— allerdings erst provisorisch; und wir wollen deshalb mit der Namensliste zurückhalten, bis das Ministerium endgiltig geformt ist. Bemerkt sei bloß. daß Saroeco bei der Auswahl seiner Kollegen nicht über den Kreis der Regierungspartei hinausgegangen ist. Einer Meldung aus Ron, zufolge will er die GeschäftSordnungS- frage bis zum Herbst vertagen und sich für den Rest' der Sommer- sesfion mit der alten Geschäftsordnung dnrchznhelfen suchen. Auf eine solche Hinausschiebung der Streitfrage werden sich unsre Genossen keinesfalls einlassen. Sic werden be- dingungslos die Zurückziehung der„reformierten" Geschästsordnnng fordern, und, wenn dies verweigert wird, den Kampf sofort wieder aufnehmen.— Spanien. Di« Unruhen in Spanien haben bereits einen beträchtlichen Grad erreicht, wenigstens liegt aus Madrid vom 21. Juni folgende Meldung vor: Im„Amtsblatt" wird heute die Aufhebung der ver- faffungSmäßigen Garantien für die Provinz Madrid bekannt gemacht. Das Amtsblatt begleitet die Bekanntmachung mit einer„Begründung", in welckier es heißt: „Die Regierung habe mit allen Mitteln versucht, die AiNvcndung der äußersten Maßnahmen zu vermeide», aber in demselben Maße, in dem die Besonnenheit der Rcgicrnng zunahm, habe auch die Drcistig- keit gewisser Elemente zugenommen, die die Achtung, welche die Regierung vor den konstitutionellen Freiheiten hegt, als einen Beweis der Schwäche auslegten. Die Begründung schließt, indem sie betont, die Regierung werde angesichts der gegenwärtigen socialen Disciplin- losigkeit nicht zögern, die Pflichten zu'erfüllen,' welche ihr die außer- gewöhnlichen Verhältnisse auferlegen." Der Präfekt ordnete die Schließung der kaufmänni- scheu Vereinigung an. Dia Ursache der Unruhen liegt be- kanntlich an der unsinnigen Steuerpolitik der Regiening.— Rnstland. Graf Murawiew, der russische Minister des Acußcn», ist an, Donnerstag früh plötzlich gestorben. Graf Miirawiew, der seit Januar 1897 als Nachfolger Lobanows die auswärtige Politik des Zarenreichs leitete, war am 19. April 1845 als Enkel des„Dil- tatorS von Warschau" geboren. Einen Teil seiner Universitätsstudici, machte er in Heidelberg. Seit 1894 in, diplomatischen Dienst, der ihn»ach Berlin, Karlsruhe, Paris, Stockhol», und dem Haag führte, wurde er 1893 Gesandter in Kopenhagen, 1897 Minister des Ans- wärtigen. Graf Murawiew hat die auswürtioe Politik feines Landes mit der den russischen Staatsmännern so oft eignen Geschicklichkeit uud Schlauheit geführt. Er hat es verstanden, zu gleicher Zeit das zarische F r i e d e n s n, a n i f e st zu unterzeichnen und die russische Eroberungspolitik in Asien mächtig zu fördern.— Eine bemerkenswerte Auslassung über Rußlands Ver- hältnis zu England bildet ein i» der„Nowoje Wrenija" veröffentlichter Artikel, der den Hofmeister der Großfürstin Alexandra Jomßoivna und Intimus be, Hofe General K i i, e j e iv zum Verfasser hat. General Kinejew polemisiert gegen den auch in Rußland grassierenden Flottenkoller. Rußland brauche Englands Seemacht nicht zu fürchten, es brauche keine Flottcnvcrstärklnig. Für Rußland gäbe es in absehbaren Zeiten nur zwei Kriegsniöglichkeiten; die eines Kriegs mit Deutschland um die vstreichischc Erbschaft und die eines Kriegs mit England. Im erster,, Fall werde die Flotte keinerlei Rolle spielen, und auch im zweiten Fall müsse Rußland nicht auf seine Flotte, die auch, wenn Stußland sich r u in ieren wollte, nie mit der englischen konkurrieren könnte, sondern auf seinLandhcer bauen. England zu besiegen, gäbe es ein sicheres und billigeres Mittel alS eine Riescnflotte.„Der Walfisch befindet sich jenseits des Pamir anf den, Lande und es ist schon möglich, daß er in nicht ferner Zukunft mit den Zähnen des Elefaiitc» Bekam, tschast macheu muß und ein ganz andres Tier wird. Würden wir nur den vierten Teil dessen, was wir auf die Ver- siärkiing unsrer Flotte und unsrer militärischen Stellung in China ausgeben, auf � eine bedachte und systematische Vorbereitung des Feldzugs jenseits des Himalaja, auf die Errichtung strategischer Opcratiouspuukte, Straßen und Eise,, bahnen usw. verwenden, so würde England gegenwärtig auch mit u»S anders reden. Sind wir nicht stärler als die Vereinigten Staaten, ist Indien nicht viel wertvoller als Kanada?" Der Artikel enthält zwar durchaus nichts Neues, aber er enthüllt doch mit der brutalen Offenherzigkeit, die die Aera des Jmperialiönii'.S überhaupt auszeichnet, die Absichten einflußreicher russischer Kreise. Ob der Kampf um die Supremqtie in Asien bereits jetzt infolge des chinesischen Kriegs zu», Ausfrag kommen wird. niuß ab- gewartet werden. Beachtenswert ist, daß der russische General eS für unmöglich hält, neben den starken Rüstungen zu Land auck noch den Marine- wettlaus mit den, so sehr im Vorsprung befindlichen seestarkcn England aufzunchmeu. Unsre deutschen Weltpolitiker denken nicht so bescheiden.—- Afrika. Vom südafrikanischen Kriegsschauplatz liegt hent die Meldung vor, daß lhatsächlich eine kurze Waffenruhe zwischen Roberts und Botha eingetreten ist. Es wird dem„Daily Telegraph" auS Pretoria vom 17. d. M. telegraphiert: Gegenwärtig ist ein nicht formeller fünftägiger Waffenstillstand mit den Truppen General Bothas in Wirksamkeit; doch wird Marschall Roberts»ach Ablauf dieser Woche ein kräftiges Vorgehen erfolgen lassen. Bon Bull er Ncgt folgendes Telegramm vor: London. 21. Juni. Wie das„Reutersche Bureau" vom 20. Juni aus Zandsprnii meldet, hat Geueral Buver sein Haupt- quartier zwei Meilen hinter Zandspruit, einer Station im Norden von Bolksrust, aufgeschlagen„ich sein Lager an der westlichen Seite der Eisenbahn errichtet. 137 Beeren aus diesem Distrikt haben sich gestern ergeben. Vom Afrikauderbund. In einer früheren Nummer erwähnien wir des P r o i e st e s. den der A f r i k a n d e r b u n d— der Bund der zzolonistei, holläichischer Abknuft in den englischen Kolonien Südaftikas— vor niehrercn Wochen auf seinem Jahrcskongrcß gegen die Vergewaltigung der Boerenstaaten durch die Engländer erlassen hat. Wir wiesen darauf hin. daß dieser„Bund" die M e h r- zahl der Bevölkerung in den südafrikanischen B e- t, Hungen der Engländer vertritt und daß die englische Re- giernng mit ih», rechnen muß. sZuzwischeu ist der Versuch des Ministers der Kapkolonie. Schreiner, die Afrikander zu einer mehr englandfreundlichen Haltung zu bewegen, gescheitert und hat zun, Sturz des Ministeriums Schreiner geführt, an deffen Stelle ein fast ausschließlich auS englischen Elementen bestehendes Ministerium getreten ist. War der Protest des Aftikander- Bonds zur Zeit, wo er be- schloffen wurde. schon von Bedeutung. so hat er seitdem erhöhte Bedeutung gewonnen durch de» Ausbruch der o st a s i a t i s ch e n Krise, die es für England zur Lebensfrage macht, sich die süd- afrikanische Kettenlugcl. die es an jeder Bewegung hindert, möglichst rasch abzustreifen. Ebenso wie die Bocren begreifen dies auch die Aftikander. Wie>mS auS der Kapstadt gemeldet wird, hat der Afrikanderbniid in ei»er»ene» Konferenz eine Deputation gewählt/ welche den Protest gegen die Annexion der englischen Regierung überbringen und das englische Boll über die Lage in Südafrika aufkläre» soll. Die Deputation kommt gerade zur rechten Zeit nach England. Die Ereignisse in China haben einen gewaltigen Umschwung der öffentliche» Meinung bewirkt. Die Afrikander-Depntation wird den Boden gelockert finde» und— wir wolle» hoffen, aufnahmefähig für den Samen der Wahrheit und Gerechtigkeit.— Asien. Die Ergcbuisse sder letzten Volkszählung in Japan, die für das Jahr 1898 gilt, zeigen, daß die Bevölkennig des japanischen Reichs, ohne Formosa, 46 193 606 Köpfe betrug. Das- bedeutet ene Zunahme von nicht weniger als 1990 000 gegen das Jahr l897. Wenn Japans Bevölkerung in demselben Tempo weiter wächst, wird es in 27 oder 28 Jahren bei 100 Millionen aiigeiommei« sei». Man sieht, daß Japan dazu berufen ist, i» Zuklinft in Asien eine»och ungleich bedeutsamere Rolle zu spielen, als es bereits jetzt spielt.— lieber den räuberischen Uebcrfall eines deutsche» Waisen- Hanfes tu Persie» wird der„Köln. Ztg." von Ende Mai aus Teheran geschrieben: Da« deutsche Waisenhaus in Nrmiah-Dilansckiau wurde in der Nacht von, 1. zum 2. Mai von Kurde» überfalle». Dieselben schössen, ohne zu treffen, auf eine der Lehrerinneu und auf de» Wächter, mißhandelten eine armenisch« Fra». und stahlen eine Anzahl Teppiche, Kleider«. Dagegen gelang eSRabbi Schlimm, einen, jungen Lehrer des Waisenhauses, dieNäuber daran zu verhindern, in daS ober« Geschoß zu dringen, i» den, die Vorsteherin, die deutschen Lchrcriinicu und die armenischen Kinder wohnen. Als aus der in der Nähe gelegenen Stadt Anniah bewaffnetc Christen und Muhain» mcdmier eintrafen, flohen die Kurden, wurde» aber von den persischen Ortsbehördcn so rasch verfolgt, daß schon nach ivenigc» Tagen 19 am Raubanfall beteiligte Kurden ins Gefängnis nach Unniah gebracht wurden Eine Wache von 40 Soldaten wurde in den Garte» des Waisenhauses verlegt,»m weitere Angriffe der Kurden zu verhindern. Der deutsche Gesandte in Teheran hat sofort bei der persische» Regierung die nachdrücklichsten Schritte gethnn. damit die Ränbcr streng bestraft würden und für den Rand voller Schadenseriatz geleistet werde. Die persische Regie- rung richtete die umfassendste» tclegraphischcu Anweistingen nach llrniiah und machte den dortigen Gouverneur persönlich für die Sicherheit des Waisenhauses verantwortlich. Seitdem wurden leine weiteren Ruhestöruiige» gemeldet.— Psrtoi"Ncwhviifjten. Ei» verspäteter Bericht über eine Matfeler. Von de» gegen Ende März mit de», Llohddampfer„Karlsruhe" nach Australien ausgewanderte!, Cigarreiiarbcilcrn geht der„Bremer Bürger- Ztg." ein Lebenszeichen zu, ein Brief, der a», 2. Mai a» Bord geschrieben ist und die merklichen Spuren hohen Seegangs zeigt. Der in Adelaide abgestempelte Brief unsrer Genossen lautet: „Maifeier anf h o h e r S e e. An, Morgen des 1. Mai versannneltcn sich alle Kollegen und Kolleginnen an Lord der„Karlsruhe" auf dem Vorderdeck, um ge- meiuschaftlich bis zum Hinterdeck zu gehe», wo man in, Halbkreis Aufttellung nahnu Da»» wurde zunächst der Socialistenmarsch ge- suiigcn und»ahn, mm der Kollege Borax zu einer kurzen Ansprache das Wort. Redner führte den Kollegen und Kolleginnen die Be- deutung der Maiseier vor Augen, verlas die Beschlüsse des internationalen Kongresses von 1889 und wies aus die eigenartige Lage der sich an Bord bcffndcnde«, Tabakarbcitcr und«Rrbeiteriiine» hin. die»im in fremde Verhältnisse hineinkämen; es wäre nötig, daß unter den Kollegen»nid Kolleginnen*eiii fester Zusammenhalt herrsche, damit man alle» Gefahren mutig i»S Auge blicken könnte. Zum Schluß forderte Redner die Anwesenden aus, mit ihn, einznstimmen in ein dreifaches Hoch auf die iutcriiationale Social- demokratie. Alle anwesenden Tabakarbeiter, auch verschiedene sich an Bord befindende italienische und englische Arbeiter stimmten begeistert mit ein. Hierauf wurde von den Tabakarbeiteri, die Arbeiter- Marseillaise gesungen. Folgende R e s o lu t i o n wurde dam, ein- stimmig angenonnnen: „Die auf dem Reichspostdampfer„Karlsruhe" nach Sydney fahrenden Tabakarbeiter und-Arbeiterinnen erklären heute. an, 1. Mai 1900, daß sie»ach wie vor mit den Prineipien und Ideen der internationalen Socialdemokrati« im Einverständnis stehen. Weiter erklären dieselben,"nach bestem Können auch des ferneren Propaganda für die socialistische und gewerkschaftliche Sache der Arbeiter machen zu wollen." Die belgische socialistische Fraktion»ach ihrem Berns. Von den 32 Abgeordneten der bclgiiche» Kammer sind fünfzehn auS der In dustriearbeiterschaft hervorgegangen und zlvar: Ferdinand Cavrot, Bergmann; Wettinck, Bergmann' Schinlcr, Stein« mctz; Smeets. ehemaliger Metallarbeiter; Lson Troclct, Schiefer- brucharbeiter; Malcmpre, Weber; Gierkenö, Weber; Hubin, Stein- brccher; Gouters, Tischler; Jean Caelwacrt. Lambiliotte, Henri Leonard, GrobsÄmiedc; D. Maroille und Brenez, Bergleute; G. Defnet, Buchdrucker. Advokaten sind Jules Dcstree, Löoi, Furnenwnt, A. Defuisscau. UnivcrsitätSprofessoren sind Emil Vandervelde an der Neuen Brüsseler Universität uud Hcltor Denis an der freie,, städtischen Universität in Brüssel. WarenhanSangestellte sind van Lniigendonck und Alphonse Allard. Beamte von Kooperativ- genosieitschaften sind Ansecle, Direktor des Vooruit in Gent, und Pouille, Geschäftsführer der Kooperativgenoffenschaft zu Touniai. Lehrer: Celestin Deniblon und Eng. Bcrlioz; zwei Aerzte: Terwague und Dellcastse; zwei Journalisten: Louis Bertrand und«. Delporte, Redacteur des„Peuple". Bertrand war früher Steinbrucharbeiter. Werlführer ist I. Mansart, Industrieller Horlait. Der Krieg in China. Neber Admiral Seymonr lauten die Nachrichten völlig widerspruchsvoll. Wir begnügen uns damit, die betreffenden Telegramme wiederzugeben: London, 21. Jnni. Den„Times" wird auS Hongkong von gestern telegraphiert: L i- H u» g- T s ch a„ g hat auf de», Dampfer „Kwanglee", der am Freitag von hier abgeht, eine» Platz belegt. D i e h i e s i g e n C h i n e s e n s i n d sehr beunruhigt. Den Koiisnln wurden sehr ernste Vorstellungen gemacht, sie möchten de» Vicekönig bewegen, in Canton zu bleiben, da sonst ein großer Aufstand ansbrechen würde. Nach einer Shanghaicr Depesche des gleichen Blatt« von gestern wurde da erwartet, daß Li-Hung- Tschang mit den, nach st en Dampfer der„CanabianPacific.Linie" von Hongkong abreise. Der Vicekönig habe zu verstehen gegeben, er habe die Aufgabe, als Vermittler zwischen der chine- fischen Regierung und den auswärtigen Machten zn wirken und er hoffe, eine friedliche Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten zu finden. Hokohama, 2l. Juni. sMeldung des„Reiiierschen Bureaus".) DaS hierher gelangte Gerücht, die fremden Gesaudten in Peking seien ermordet und Admiral Seymour sei tot, ver- nrsachte Erregung; daS Gerücht wird jedoch mit Mißtrauen auf- genommen. Shanghai, 2!. Jimi. fMeldung de«„Reutersche,, Bureaus".) Da« in Tschifu liegende britische Kriegsschiff„Whiting" meldet, daß eS von der ausländischen Entsatztruppe.unter Admiral Seymour seit sechs Tage» nichts gehört habe. Ferner sind in London Meldungen etnaelaufen. wonach nach dem ersten Angriff sämtliche Gesandtschaften sich in die stark gebaule britische Gesandtschaft zurückzogen und ring« um diese ihre Truppen konzentrierten. Dennoch besteht daS Gerücht, daß zehn Leute von den Gesandtichafteu verwundet oder getötet, und daß daS T s n» g I i y a n, e n niedergebrannt sei. UebrigenS heißt eS gleichzeitig, daß die Boxer und die kaiserlichen Truppen einander in Peking in die Haare geraten seien. Kangyi ist zun, Vicetönig von Tschili ernannt und Genera IJ) u a n s h i k a i mit seinen europäisch einexerzierten Truppen nach Peking befohle» worden. Die Siinailo» in Tienifiu schildern folgende Telegramme: Tokio, 21. Jnul. Ans Tschift, liegt eine amiliche japanischt Meldung vor. daß die Fremdem, icderlassttng in Ticiiisii, am 18. Juni durch Feuer zerstört worden sei.'. London, 21. Juni.„Daily Telegraph" meldet anS Shanghai von gestern: Nachrichten, welche hier ans Tientsin einginge», be- sagen, daß Boxer die dortige Frcnideiiniederlassiing von beiden Seiten angegriffen hätten, jedoch von 2000 Rnsscii und andren Wachttrnppcn, die zun, Schutze der Eisenbahn»ach Aangtsu» gesandt waren, zurückgeschlagen worden seien. Li-Hung-Tschang ist der Gegenstand folgender Melduiigei,: Hongkong, 21. Juni. Nach hier aus Canton eingetroffenen Meldungen hat Li-H»»g-Ticha»g auf die Vorstellungen der fremden Konsuln eingewilligt, in Canton zu bleiben. London, 21. Juni. Die heutigen Morgcnblätter sind über die inteniationale Lage und besonders über die Haltung Rußlands sehr beunruhigt. Die Berufung Li-H»»g-Tscha»gs nach Peking wird den Jukriauei, Rußlands zugeschrieben, dem, eS ist bciannt. daß der chinesische Staats»»«»» den, russischen Einfluß äußerst zugänglich ist. lieber die Verluste bei Taku sind einige weitere Melduiiaen einaelaufeu: London, 21.jJl»ii. Wie die„Times" vernehmen, sind die ver« w„ n d e t e„ fremden Offiziere und Mannschaften, etwa 100 au Zahl, anf eine», japanischen Dampfer nach der Mariiiestation Saseho gebracht worden, wo die japanische Gesellschaft vom Roten Kreuz sie i» Pflege genommen hat. Auch erhall sich das Gerücht, daß der Kommandant der „JMS", Kä p i t«l n Laus, bei den, Gefecht bei Taku aefallcn sei. Ans Shanghai wird von, 20. d. M. telegraphiert: Der deutsche Admiral meldet, es sei nichts bekannt über die Situation innerhalb Pekings. Kapitän LanS oder Lenz vom„Iltis" sei tot, Lieutenant Külincr sKühnes verwundet. Berlin, 21, Juni. AuS einer über Tschifu hier eingetroffenen telegrnphischc» Mcldxug des ChefS de« Krciizer-GeschwadcrS, in welcher der Zustand der Verwimdeten als befriedigend bezeichnet wird, ist z» schließen, daß ein vorher abgeschicktes Tele- gram n, des Ädn, iralS über den Kampf bei Taku, verloren gegangen i ft. Die Japaner sollen 10 Tote verloren haben, darunter den Kommandanten Hattori. Tic Niistimgei, der Mächte. Unter de» Mächten rüsten Rusflaud und sein Rivale Japan am eifrigsten. Ans Uoko Haina wird, gemeldet, daß wahrscheinlich die ganze Division Hieroshima»ntcr den, Befehl des Generals Fakusbima nach Taku eingeschifft werde, Japan iverde, heißt eS, seine Truppcnznhl in China aus 20 000 Mann bringe» und ebenso stark werde daS russische JnvnsioiiöcorpS sein. Dcntschlaudö Expcditionöcorps werde im ganzen 5000 Man» betragen. Die schlendei, Maimschaften werde man de» Laudtruppei, eutuehmcn, der Kaiser hat angeordnet, daß auch eil, Detache- m e n l Pioniere in Stärke einer Compngi, it mit„ach China abgehen soll. Als Tag der Ausreise für die beiden zum Transport der Truppen nalh China gecharterten Dampfer„Wittckind" und„Frank- furr", ist der 3. Juli in Aussicht genommen. Das nach Amerika bestinnnt« Kanonenboot„Luchs", Komma»- daut Korvettenkapitän Dähuhardt. hat den Bcsihl erhalten, seine AuS- nistung zu beichlemiigeu und nach China zu dampfen. Wie in Kiel ucrlnutct, soll der AblösnngStranSport für den in der Südsee stationierte,,„Corniorau" gleichfalls Order erhalten haben, zunächst »ach Taku zur Verstärkung unsrer Truppcuniacht zu dampfen. Dos der Marine-Jiifaiiterie beigcgebcne Dctachcmenr Mariiicinatrosei, wird vornehmlich aus Handwerker» der Werftdivisio» bestehen, die für die Instandhaltung der Schiffe in Ostasien bestimmt sind. Wie», 20. Juni. Wie ei» Telegramm des„Frcmdcnblatt" an« Pola meldet, wird nur der zur Ablösung der„Zciita" in den Dienst gestellte Stninuikrenzer„Maria Theresia" demnächst nach Ostasien abgehen. Oestreich-Ungarn tvird sodann durch zivei Kriegsschiff« vertreten sei», was als hinreichend angesehen wird. Oestreich hat i» der That genug mit den Wirren in— Oestreich zu thun. «» # Ein Urteil über die enropaisch-kapiialistische Kultur legt daS Londoner Blatt„Daily Expreß" einen, angeblich in London lebenden Boxer in den Mund. Dies Urteil ist zwar höchst wahr- schcinlich nicht der Feder eines Sohns des himmlischen Reichs, sondern eines«roten Teufels" cntflossei,, allein es weiß sich so originell in die patriarchalische Anschauungsweise eineS gebildeten konservativen Chinesen hineinzuversetzen, daß wir eS trotzdem im Auszug wiedergeben wolle»: „Die westliche Civilisation ist in unsren Augen wie ein Pilz, wie ein Ding von gestern. Die chinesische Civilisation dagegen ist ungezählte Jahrtausende alt; wir glauben daher, daß wir Euch uin miildesteus 2000 Jahre voraus sind. Auch bei uns gab es eine Zeit, da wir unsren„Kampf ums Dasein", unsre Jagd„ach Reichtum, nnf.ren Machthunger, unserHasten und Hetzen und unsre Qual hatten. Auch lvir hatte, unsre klugen Erfindungen, wir hatte» da» Schießpulver, den Buchdruck und alles übrige, aber wir haben lange genug gelebt, um zu erkennen, wie wenig notwendig und wie nutzlos alles das i st.(Na. na!) Wir haben auch unsre Zeiten des ZlveifelS, des FnnatiSnniS und des Streits in Reli�ionSsachen gehabt; wir hatten uiisre Märtyrer, unsre Reformationen, nnsre Intoleranz nnd schließlich die Toleranz— nnd das alles vor Tausenden von Jahre»- Aber wie gesagt, wir sind diesen Dingen entivachsen-.. Sie mögen glauben, wir lebten in Unwissenheit, Schmutz und Trägheit, aber ich versichere Ihnen, es ist nicht der Fall- Wir fühlen uns so wohl, wie wir wünschen, und kein Mensch kann uns darin eine Besserung bringen. Und nun kommt Ihr aus Eurer westlichen Welt zu uns init dem, was Ihr Eure neuen Ideen nennt. Ihr bringt uns Eure Religion— ein Kind von neunzehn hundert Jahren; Ihr fordert uns auf, Eisenbahnen zu bauen. damit wir von einem Ort zum andern fliegen können, mit einer Eile, die uns weder Bedürfnis ist noch Reiz für uns hat. Ihr wollt Fabriken bauen und dadurch unsre schönen Künste und Gewerbe verdrängen. Ihr wollt blendenden Flitter verfertigen statt der schönen Gebilde und Farben, welche wir durch Jahrhunderte erprobt haben. Gegen alles das erheben wir Einspruch. Wir wollen allein gelassen werden, wir wollen die Freiheit haben, unser schönes Land und die Früchte unsrcr alten Erfahrung zu genießen. Wenn wir Euch bitten, wegzugehen, so weigert Ihr Euch und Ihr bedroht uns gar, wenn wir Euch nicht unsre Häfen, unser Land, unsre Städte geben. Daher sind wir Mitglieder der Gesellschaft der sogenannten Boxer nach reiflicher Ueberlegung zu der Erkenntnis gekommen, daß die einzige Möglich keit, Euch loszuwerden, darin liegt, daß wir Euch töten. Wir sind von Natnr nicht blutdürstig, aber wenn Zureden und Ueber- zeugung und die Berufung an Euren Verstand und Euer Ge rechtigkeitsgefühl versagen, so sehen wir uns der Thatsache gegen über, daß unsre einzige Rettung ist. Euer Dasein auszulöschen.. Viel Wesens wird auch daraus gemacht, daß wir keine Sol- daten sind. Wir aber haben aufgehört, Soldaten zu sein, weil wir civilisiert geworden sind. DerKrieg ist barbarisch. Die Wirkung davon, daß wir auf unsrer jetzigen Höhe der Civilisation angelangt sind, ist, daß wir uns mehr als irgend eine andre Rasse auf der Erde vermehrt und vervielfacht haben. Trotz unsrer großen Sterblichkeit— an der Sie wieder Anstoß nehmen, obwohl wir glauben, daß sie eine weise Vorsehimg der Natur ist— verwehrt sich die chinesische Rasse schneller, als irgend ein andres Volk der Welt. Wenn wir es darauf ablegten, könnten wir die übrige Menschheit überwältigen; daß wir das nicht thim, ist nur der Vollendung unsrer Civilisation, unsrer Philosophie, unsrer Sitten zuzuschreiben. Wir zählen 400 Millionen menschlicher Wesen und wer könnte uns Widerstand leisten, wenn wir unsre Macht zur Geltung bringen wollten? Glauben Sie, wir seien uns dessen n i cht bewußt? Jni Gegenteil, wir wissen es zu gut, und nun ist es Sache der weißen Rassen auf der Erde, zu erkennen, daß wir, nicht sie, die Herren sind." Möchte man nicht dem Psendo-Boxer in sehr vielen Punkten recht geben? Haben wir es in unsrem Zeitalter der Elektricität wirklich so herrlich weit gebracht, daß wir berechtigt wären, mit Geringschätzigkeit auf die jahrtansend alte, in sich abgeschlossene Kultur Chinas herab- zublicken? Entschädigen uns wirklich die technischen und Wissenschaft- lichen Fortschritte für die abstoßenden Begleiterscheinungen unsrer kapitalistischen Kultur? Wir besitze» elektrische Bahnen, das Telephon, nächstens vielleicht gar das lenkbare Luftschiff, wir haben die Nötgenstrahlen und den Pcstbncillus entdeckt, aber wir besitzen auch den Militarismus, die Weltmachtspolitik, das Massenproletariat usw. Besäßen Ivir nicht auch das socialistische Ideal, das uns die stillose kapitalistische Afterkultur als notwendiges Dnrchgangsstadiuin erträglich erscheinen läßt, so wären wir vielleicht geneigt, gleich dem Pseudo-Boxer für einen stilvollen Patriarchalismus zu schwärmen.— Letzte Meldungen. Paris, 21. Juni.(SÖ. H.) In der heutigen Kammersitzuug erklärte der Minister des Auswärtigen, Delcassö, auf eine Jntcr pellalion bezüglich der chinesischen Angelegenheit, die pessimistischen Gerüchte, welche i» den letzten Tagen in die Welt gesetzt und wonach die fremde» Legationcn zerstört und sämtliche Europäer in Peking ermordet ivorden seien, seien unzutreffend. Dem letzten Telegramm zufolge, welches er, der Minister, soeben erhalte», sei auch das Leben der Franzosen in Iünnan nicht bedroht. Was die Verstärkung an» lange, die Frankreich nach China entsenden werde, so werde» außer den bereits abgegangenen Mannschaften am 29, ds. Mls. zwei Transportschiffe mit 2 Batterien Artillerie und 2 Bataillonen Iii fanterie nach China abgehen. Dadurch werde die französische Streit kraft auf 40(19 Mann erhöht. Außerdem werde ein modernes Kreuzergeschwader zusammengestellt, das 19 Knoten in der Stunde zurücklegen könne und auf das modernste armiert werde. Die Anzahl der französischen Schiffe in China werde mit diesem Geschwader auf acht Kreuzer, einen Aviso und vier Kanonenboote erhöht. Mit dieser Streitkraft werde Frankreich, mit Rußland eng verbunden, in der Lage sein, an dem humanitärenie betreffenden Arbeiter durch eine Sicherheitsleine vor dem Herab- allen geschützt sein. Die Baubuden müssen eine derartige Grund- läche aufweisen, daß auf jeden am Bau beschäftigten Arbeiter eine Mindestfläche von 9,75 Quadratmeter entfällt. Ein fester trockener Fußboden mutz vorhanden sein. Ebenfalls verschließbare Thüren und der Größe entsprechende Fenster. In der kalten Jahreszeit hat der Unternchnier für BeleuchwngS- und Heizmaterial zu sorgen, und zwar mindestens vom 1. Oktober bis 15. März. Je höchstens 29 Personen dürfen einen Abort be- nutzen. Der Abort nmß mit Dach, verschließbarer Thür, Sitz, Deckel und mit festem Holz- oder Steinboden versehen sein. Für Reinigung und Desinfektion nniß Sorge getragen werden. Vom 1. November bis 1. April dürfen inwendige Arbeiten nur verrichtet werden, wenn die Räume, in denen gearbeitet wird, durch Thüren nnd Fenster geschloffen sind. Das Arbeiten bei Coaksfeuernng ist verboten, wenn nicht für Ableitung der Gase genügend gesorgt ist. Die Arbeiter hatten eine Kontrolle der Bauten unter Heranziehen von Arbeitern gefordert. Dieser Forderung hat die Polizei- Verwaltung nun insoweit entsprochen, daß sie einen Controleur an- stellt, der' im Baugewerbe groß geworden und es praktisch aus- geübt hat. In der Stadtratssitzung vom 16. Juni ist ein Gehalt von 1899, steigend bis 2599 M.. für eine derartige Stelle bewilligt worden. Streikende Schulkinder. Bei dem Oekonom Z. in B e r n- bürg haben dieser Tage eine Anzahl Schulkinder einmütig die Arbeit niedergelegt. Dieselben waren mit Rübenverziehen beschäftigt und erhielten für den hralben Tag 39 Pf. Auf einmal aber erwacht in den Kinderhcrzen die frivole Begehrlichkeit und die Kinder stellen sich einfach vor ihrem Herrn bin und erklären rundweg, für 39 Pf. Lohn keine Rübe mehr verziehen zu wollen. Mindestens 49 Pf. wollten sie haben. Darob geriet natürlich Herr Z. in„Zorn" und ließ die noch so jungen und doch schon so verdorbenen Streiksünder einfach nach Hause gehen.„Wir wollen doch sehen, wer's am längsten aushält," dachte der Herr„der Hunger wird die Bande schon zwingen, meine Rüben we iter für 39 Pf. zu verziehen." Ob nun seitens der„Streikenden" genügend für Fernhaltring von Zuzug ge- sorgt wurde oder ob sonst die Ausständigen über gute Disciplin in ihren Reihen verfügten, kurz. Herr Z. sah sich gezwungen, sintemalen es die höchste Zeit zum Rülbenverzichen war, die Kinder wieder holen zu lassen und ihnen die 49 Pf. zu bewilligen. Wie schade doch, daß die Znchthausvorlage abgelehnt wurde. Es wäre doch zn schön gewesen, die Rädelsführer auf eine Zeitlang ins Zuchthaus zu sperren. Boykottprozest in der Schweiz. In Frauenfeld hatte die Arbeiter-Union drei Friseure boykoÄiert. weil sie die mit den Arbeitern über die Sonntagsruhe getroffen,'.» Vereinbarungen nicht einhielten. Daraufhin verklagten die Herren die Arbeiter-Union wegen Geschäfts- schädigung, für die sie eine Entsähädignng von 2599 Fr. verlangten, die sie dann auf 1899 Fr. reduzierten. Den Vorstand der Arbeiter- Union verteidigte der bekannte Advokat Heinrich Scherrer in St. Gallen, der die Berechtigung des Vorgehens derselben nachwies und die Abweisung der Klage beantragte. Das Gericht erkannte demgemäß, indem es in der Verrufserklänmg der Kläger durch die Ärbeiter-Union nur eine kraft allgemeiner Freiheit erlaubte Handlung erblickte. welche weder von widerrecht- lichem Zwang noch durch unwahre Angaben oder geflissentliche Eni- stellung der Thatsachen begleitet war. Das Gericht anerkannte auch das Recht der Arbeiter-Union zn ihrem Vorgehen, obgleich sie keine Berufsorganisation von Friseuren sei, iveil sie Arbeiter aller Gewerbe zu ihren Mitgliedern zählt resp. als solche aufnimmt und sie daher nicht lediglich in der Absicht, den Klägern zu schaden, den Boykott eingeleitet und durchgeführt habe. Der französische oberste Arbeitsrak hat seine erste Session beendigt. Die letzte Sitzung fand unter dem Präsidium des Handelsministers Millerand statt und beschäftigte sich zunächst mit der Frage, ob die Arbeiter in staatlichen Betrieben den Gewerbegerichten zu unterstellen seien. Der Arbeitsrat sprach sich dahin aus, daß alle im Dien st des Staats, der Departements und der Gemeinden st ehe»den Arbeiter den Gewerbe- gerichtet! unter st ehe» sollen, also z. B. auch die Eisen- bahnarbeiter, auf welche besonders hingewiesen wurde. Weiter erklärte der Arbeitsrat sich für die Wählbarkeit der Frauen zu den Gewerbegerichten. Der ständigen Kommission des Arbeitsrats wurde der Auftrag erteilt, folgende Enqueten vorzunehmen: 1. Ueber kommunale oder gewerkschaftliche Einrichtungen gegen Arbeitslosigkeit; 2. über die Arbeitsverhältnisse der von der gegenwärtigen Gesetzgebung nicht geschützten Personen; 3. über Mittel und Wege, Streiks zu ver- hüten._ Sortnle Ver�kspflege. Plötzliches Aufgeben der Arbeit oder Kiiudigung? Gegen eine Lohnentschädigungs-Klage, die der Monteur W. gegen die Firma T r e t t i n u. Comp, wegen unberechtigter Entlassung angestrengt hatte, wandte der Beklagte Trettin ein. der Kläger habe das Arbeits- Verhältnis selber gelöst. Es sei ihm eines Tages nahegelegt worden, sich schriftlich mit dem Ausschluß der bis dahin für ihn geltenden Kündigungsfrist einverstanden zu erklären. W. habe darauf gesagt, lieber höre er auf. Der Kläger konnte diese Aeußerung nicht bestreiten. Gleich nachdem sie gefallen war hat er jedoch, wie festgestellt wurde, sich direkt an den Arbeit- geber Trettin gewandt und erklärt, er wolle in 14 Tagen aufhören. Trettin hat ihn hierauf lediglich an den Werkmeister gewiesen. Zu einer Einigung kam es damals nicht. W. mußte die Stellung gleich aufgeben. Die Kammer V des Gewerbegerichts verurteilte die be- klagte Firma zur Zahlung von 69 Mark und der Vorsitzende Dr. Voigt führte begründend aus: Das Gericht nehme an, daß Kläger nicht die Arbeit selber niedergelegt habe. Man lege die Arbeit nieder mit Thaten, nicht mit Worten. Der Ausspruch des , er gehe lieber, lasse auch die Annahme zu, daß er in vierzehn Tagen,' also nach Ablauf der ihm zustehenden Kündigungsfrist die Arbeit niederlegen wollte. Zu diesem Entschluß sei nun W. that- sächlich gekoinmen, denn er habe beim Mitbeklagten Trettin selber die Kündigung unstreitig angebracht. Er habe es nicht nötig gehabt, sich auf dessen Weisung an den Werkmeister zu wenden. Auch sei die Kündigung eine einseitige Willenserklärung, die nicht besonders„angenonrmen" zu werden brauche. Ihr Aussprechen dem Arbeitgeber gegenüber genüge vollständig. Urtzke MachviMen und Depeschen. Eifersüchteleien der Mächte auf dem Balkan. London, 21. Juni.er, poltrer und pu»ed, für regen Besuch zu agitieren. 113/17 In BanhoHV ist bei Hlrschmeyer, Florastr. 40, eine neue Johannisthaler Volksgarten, ä]».. Im neuerbauten Saal jeden Sonntag TAfiX. Kaffceküche, Kegelbahn, grohe Ausspannung. Garten. Speisen und Getränke in bekannter Güte._ 47952*_ August Seuftleben. A Empfehle meine S»le zu Ber- n�VZa.AU?> M? sammlungen. September und Beuthstrasse 19/20. fÄÄ'S'"Ä- der Bäckermeister Stiefvater infolge Scheuwerdens des Pferde? von dem Bock seines Goschäftsfuhrwerks geschleudert. Man brachte den Besinnungslosen in das Polizeiivnchtlokal. Dort soll nun der Polizeilvachtmeister Krebs— wir geben hier wieder, was von mehreren Personen übereinstimmend bekundet wird— den Bewußt» losen Stiefvater für betrunken erklärt und körperlich miß- handelt haben. Thatsache ist, daß Krebs am andern Tage zu der Frau Stiefvater in den Laden kam, ihr zwei Mark brachte, die er von dem Gelde ihres Mannes für Reinigung des Wachtlokals zurück- behalten hatte, und sie ersuchte, nichts von den: Vorfall zu erzählen. wegen dessen nian sie sicher befragen lvürde. Auch an den Friseur. der genieinsam mit einem Arzt deni Verunglückten die erste Hilfe geleistet hatte, ist Krebs in ähnlicher Weise herangetreten. Gericht- liche Anzeige soll bereits erstattet sein. Der Vorfall wird allgemein damit zn erklären gesucht, datz Krebs entweder nicht ganz bei Sinnen oder selbst betrunken gewesen sein müsse. Es ist übrigens derselbe Beamte, der seiner Zeit von Frankfurt a, M. straftveise hier- her versetzt wurde._ evIOerungviiberslcht vom 21. Juni 1900, inorgens« tlhr. Wetter.Prognose sfür Freitag, de» 22. Juni 1900. Ein wenig wärmer, vielfach heiter, zeitweise wolkig bei schwachen sud> westlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Di« juristische Sprechstunde findet Montag, DienStag und Freitag von 7—9 Ilhr abends statt. A. Z. 1. Schwacher Knochen- und Muskelbau.— 2, Zeitige Un- tauglichkeit wegen Wasserbnichs.- 3. Sehschärfe herabgesetzt bis aus die Hälfte der normalen. � m � i. Matrose W. B. 1. Uiiterlsibsbruch, der aber durch ein Bruchband zurückgehalten werden kann.— 2. Im Fall einer Mobilniachung können-sie eingezogen werden; sonst nicht.„=. Fasanenstrafte. Ob während der Anwesenheit des Kaisers m Wiesbaden die Militärposten 5 M. erhalten haben wissen wir Nicht. Vielleicht ist einer unsrer Leser über diese wichtige Frage unterrichtet._ E. M. 130. Rickland hat in der Hauptsache eine Spurweite von 1,524 Meter, während die gewöhnliche Normalspur 1,435 Meter betragt. F. Sl. E. G. In ärztliche» Angelegenheiten können wir keinen Rat geben. Rosshaarhandlunge» finden Sie im zweite» Teil des Adreßbuchs verzeichnet.__... V. Z.' 1. Das ist nicht Staatsanwaltschaftssache. Sie können gegen Ihren Schuldner beim Amtsgericht auf Zahlung des längst fälligen Dar- lehenö klagen. 2. ES ist zweckmäßig, wenn auch nicht notwendig, in Ihrem Fäll beim BezirkSkommando Auslandsurlaub zu beantragen.— R. rn W. Die Post ist im Recht. Entweder Sie lassen Ihre Firma eintragen, nur dann wird das unler Ihrer Firma eingehende Geld an sie gezahlt, oder Sie bezeichnen(dem Gesetz entsprechend) sich und Ihren Theilhaber als Inhaber, dann weiden die an Ihre Adresse gesendeten Gelder auch an sie ausgezahlt. Die Post zahlt an nicht firmenberechtiate Geschäftsinhaber die an die Firma, gesendeten Gelder nicht aus. Ist Ihr Geschäft kein kam- männisches, so genügt Ihrem Zweck auch die Bezeichnung Adolf R. und Friedrich S. Unter diesem Namen eingehende Gelder werden an Sie beide gemeinsam oder falls Sie sich gegenseitige(notariell oder gerichtlich be- glaubigte) Vollmacht erteilen, dann jeden von Ihne» ausgezahlt.- N- Nein. - P. SC. Der Gastwirt haftet für die dem Gast in semer Wirstchast ab' Händen gelommeue Garderobe.— Usedom. Ja.— I. R. 1. Wer ein Tier hält, hastet, auch wenn das Tier nicht bösartig ist, für den durch das Tier angerichteteil Schaden. Der Besitzer des Hundes, welcher ihr Kind gebissen hat, hat also die gesamte» Heilungskosten zu tragen und die Nachteile durch eine Geldrente zu ersetzen, die der Hundebib für den Erwerb oder das Fortkommen Ihres Kindes in der Zukunft haben könnte. Die Klage ver- fahrt in 3 Jahren. 2. Sie basten für die Schulden ihres mniderjahrlgen Sohnes nur dann, wenn dieser sie mit Ihrer Genehmigung gemacht hat, oder wenn sie notwendig und Sie vergeblich uni Sorge für Ihr Kind ersucht waren.- M. P. 70. 1. Jui Regieruiigsbezirt Königsberg. 2. Ja. — F. 2. O. Eine doppelte Veranlagung ist in dem von Ihnen initge. teilten Fall möglich. Das Betreffende kann bei der Gemeinde, die»uletzt Steuern ersmdert hat, unter Darlegung des Sachverhalts Rückzahlung be- antragen.— M. sv>. Vaninschulenweg. Da Sie das 21. Lebensjahr zurückgelegt haben, genügt die Einwilligung Ihres zukünftigen Lebens- genossen.— M. 2. 19. Sie können ans Herausgabe der Wäsche und andren Sachen, eventuell aus Schadensersatz beim Amtsgericht klagen. Zur Erhebung der Klage ist der Beistand eines Anwalts nicht erforderlich. Ainlsgcrichtliche Klagen können(unter Beobachtung der Formalien) schrifl- lich bei dem Gericht eingereicht oder zn Protokoll des Gerichtsschreibers(in Berlin Neue Friedrichstr. 13, Anmeldestube) erklärt weiden.— N. M. Sie können ans Beseitigung der Feuchtigkeit und aus Schadensersatz beim Amtsgeiicht klagen.— W. M. 100. 1. Ja. 2. Nein.— G. F. Nein Otto Döring 23. Wenn zwischen Ihnen vereinbart war, daß die gesamten Klaffen gemeinsam gespielt werden sollen, so ist diese Vereinbarung auch bei Nichtzahlung einer Klaffe gültig. Ist eine solche Vereinbarung nicht getroffen, so siebt jedem Teil jederzeit der Rücktritt ftci, er kann aber auch im Fall dcS Gewinns nicht Zahlung verlangen, wenn er nicht vorher gezahlt hatte._ Proletariats: dürftige körperliche und geistige Pflege und frühzeitigste Ausbeutung. Nein, lvollte der Staat oder die Gesellschaft für jene armen, verwahrlosten Geschöpfe wirklich etwas thun, so durfte er sie nicht der Farailienerziehnng überweisen, und nicht aus Sparsamkeits gründen in— wenn auch nur mittelbare— Berührung mit Korrigenden- und Arbeitshäusern bringen, sondern er inühte ans- nahmsweise auch einmal für einen wahrhaften Kulturzweck so viel erübrigen können, um staatliche oder kommunale Erziehungsanstalten in ausreichender Anzahl und unter Berücksichtigung aller pädagogischen Erfordernisse zu erbauen. Und gälte es den herrschenden Klassen nicht allein, sich selbst gegenüber den drohendsten Folgeerscheinungen unsrer barbarischen, socialen Zustände, in diesem Fall vor dem Ver- brechertuin, zu schützen, gälte es ihnen vielmehr zum Wohle der unterdrückten Klassen dem Hebel selbst beizukomme», so müßte die Kur an einem ganz andren Punkt eingreifen. Energischer Arbeite- rinnenschntz, Verkürzung der Arbeitszeit der Frauen, damit ihnen eine bessere Beaussichtignng und Sorge für die Kinder ermöglicht werde, vor allem endlich gesetzliche Rcgelnng der Heimarbeit,' die 'zu noch krasserer Vernachlässigung der Mutterpflichtcn führt! 'Und endlich Regelung der Wohnungsfrage! Denn daß eine �Hebung der weiblichen Hausindustrie in engstem und untrennbarem �Zusammenhang mit der Wohnungsfrage steht, ist ganz selbst- , verständlich für den, der sich in die einschlägigen Probleme auch ' flur sehr oberflächlich versenkt hat.— Und selbst alles das wäre I immer erst eine Seite eines wahrhaften Schutzes der Proletarier- linder vor grober physischer und geistiger Vernachlässigung. Daneben hätten die Kommunen die ernsteste Pflicht, durch Errichtung von gut ausgestatteten Krippen und Kindergärten und zwar in an- gemessener Zahl und Einrichtung der traurigen Notwendigkeit vorzubeugen. daß Kinder im zartesten Alter ohne jedwede Pflege und Aufsicht halbe Tage lang sich selbst überlassen bleiben, nicht ollein sittlicher Verwahrlosung überantwortet, sondern auch den schwersten Gefahren für Leben und Gesundheit ausgesetzt. Derartige, selbst- redend unentgeltlich benutzbare, kommunale Anstalten sür das vorfchulpflichtige Alter müßten eine der dringendsten Forderungen socialer Minderfürsorge darstellen; sie bildeten erst die notwendige Ergänznng der unentgeltlichen Volksschule. Wie für vieles andre indessen werden die Herrschenden nicht eher ihre Hand zu einer der- artigen wahrhaften— Jugendfürsorge bieten, bis mcbt das Proletariat. insbesondere die proletarischen Frauen, in reger Agitation sich das Recht auf diesen �Schutz ihrer Kinder zu erkämpfen wissen. VevssmmlitNtgvn. Die Berliner Stcinbildhauer beabsichtigen, die augenblicklich für sie sehr günstige Geschästskonjunktnr auszunutzen. Es haben in letzter Zeit sogenannte„Budenrechte"(Platz- oder Werkstatt-Versamm- lungen) stattgesunden, wo erörtert wurde, ob und ivelche Forderungen zu stellen wären. Die Platzdelegierten kanien dann zusammen und einigten sich� unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Budenrechte auf folgcndcVorschläge: DcrMiuiniallohnistvonöauf7M.proTagzu erhöhen und es hat eine entsprechende Erhöhung der übrigen Löhne zn erfolgen. Die 7Vsstündige Arbeitszeit ist nachmittags um 5 Uhr zu beenden. Im Winter sind bei Beibehaltung einer einstündigen Mittagszeit . und der halbstündigen Frühstückspause keine Lohnabzüge vorzu- nehmen. Zu diesen Vorschlägen nahm am Mittwoch eine zahlreich be- suchte Versammlung der Steinbildhauer Stellung. Es entspann sich eine äusterst lebhafte Diskussion. Man war sich darin einig, daß die Zeit einem Vorgehen recht günstig sei. Dagegen 'gingen die Meinungen wegen der Einzelheiten vielfach auseinander. Mehrere Redner wünschten einen Streik vermieden zu sehen. Andre betonten, es würde zu einem solchen gar nicht kommen, weil die so minimalen Forderungen glatt durchgehen lvürde».— In geheimer Abstimmung erklärte sich die große Majorität der Versammelten für 'die von den Delegierten vorgeschlagenen Forderungen, Die Ver- Handlungen mit den Arbeitgebern wurden einer Kommission über- tragen. Die Schneider und Schneiderinnen hielten am Dienstag eine öffentliche Versammlung ab, in der T r i I s e aus Kastel einen 'Vortrag über den Arbeiterschutz in der Schneiderei hielt. In ein- gehender Weise beleuchtete der Redner unsre Arbeiterschutz-Gesetz- gebung, dann führte er aus, dah den in der Schneiderei beschäftigten Arbeitern und Arbeiterinnen fast nichts von den bestehenden Schutz- Vorschriften zu gute komme, obgleich doch die überaus elenden Ver- Hältnisse, unter denen gerade diese Arbeiterkategorie zu leiden hat. einer gesetzlichen Regelung dringend bedürfen. Vorschriften über Beschaffenheit (der Arbeitsräume, Dauer der Arbeitszeit zc. seien für die Schneider- brauche, die insgesanit ctlva eine Million Personen in Deutschland beschäftige, ein unabweisbares Erfordernis. Die Arbeiter und Arbeiterinnen dürften nicht aufhören, immer wieder die Forderung zn erheben, datz die Gewerbe- Aufsicht auf die Hausinduitric ans- gedehnt werde und gesetzliche Schntzvorschriften erlassen werden, die geeignet sind, das Elend der Hansindustrie, wie es besonders in der Konfektionsbranche herrscht, zu beseitigen. Der am 20. August statt- findende Schneiderkongretz werde sich ebenfalls mit dieser Angelegen- beit zu befassen haben.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall'.— Die Vertretung auf dem Kongretz wurde den bereits zum Verbands- tag gewählten Delegierten übertragen. Der Berbaud der Schlächtcrgesellen Berlins und Um- gegend hielt am Sonntag, den 17. Juni d. I. bei Schiller eine autzerordentliche Generalversammlung ab, die sich eines besonders guten Besuchs erfreute. Nachdem ein beifällig aufgenommener Vor- trag über das Thema:„Der Arbeitsvertrag nach den Bestimmungen des neuen Bürgerlichen Gesetzbuchs" gehalten worden war, wurde über die Auflösung des Vereins und den Beitritt zum neu- geschaffenen Centralverband der Fleischer und Berufsgenossen Deutsch- iands beraten und beides zum Beschluß erhoben. Hierauf ivurden dann die Statuten des Eentralvcrbands ver- lesen und ihnen die Zustimmung der Versammlung erteilt. Das Verbandsorgan,„Der Fleischer", wird den Mitgliedern gratis geliefert. Aus der Wahl des Hauptvorstands ginge» folgende Kollegen hervor: Theodor Keslinke, 1. Vorsitzender; Cschibswitz, 2. Vorsitzender; C. Mercier, Kassierer; Max Sickert, Schriftführer. Autzcrdem wurden noch drei Beisitzer gewählt. Die Lvkalverwaltung Berlin ivird aus den Kollegen Cschibswitz als Vorsitzendem, Max Sickert als Kassierer und Kretschmar als Sckriflführcr solvie zwei Beisitzern gebildet. Außerdem wurden noch drei Revisoren gewählt. Unter Berufsangelegenheiten wurde erwähnt, datz die Berliner Fleischer- Innung die Kündignngszcit für die Ladenschlächter auf Sonntagvormittags 10 Uhr festgesetzt hat. Diese Thatsache wurde allgemein bedauert, da die Gesellen durchgängig einen Wochen- tag als Kündigungstag haben möchten, der Gesellen- Ausschnh aber nicht energisch genug hierfür eingetreten sei. Ferner soll ans eine geregelte Arbeitszeit hingewirkt werden. Als Herberge der organisierten Fleisckiergcsellen wurde das Gcwerkschaftshaus empfohlen, wohin sich die arbeitslosen Kollegen auch während der Daner der Arbeitslosigkeit wenden sollen, damit'sie so den Armen der Stcllenvermittler entzogen werden. Nachdem sich eine Anzahl Gesellen hatten in den Verband eintragen lassen, wurde die Versammlung mit einer kräftigen Auf- mnnterung der Kollegen geschlossen. Ortsverein der Maschineiiban- und Metallarbeiter Berlin III. Sonnabend, den 23. d. M., abends 8V, Uhr, bei Gohlke, Beußelstr. 22: Versammlung. Centralverein der im Adressenwesen und verwandten Branchen Beschäftigten. Am Sonnabend, den 23. Juni, abends SV, Uhr, bei Kernchen, Wallstr. 57: Außerordentliche Haupwersammlung. Vermipiltzkes. Ueber ein Eisenbahnunglück wird aus H a l b e r st a d t ge- meldet:>Jn der Nacht vom 20. zum 21. d. M. zwischen 11 und 12 Uhr wurde ein Lastfuhrwerk aus dem nicht verschlossenen Ueber- wege bei Bude 4 der Strecke Halberstadt-Hendeber von einem Güter- zuge erfaßt und zertrümmert. Der Geschirrführer und dessen Sohn wurden vom Wagen geschleudert und verletzt. Ein Pferd getötet. Ueber ein neu entdecktes Gräberfeld in der Nähe von Königsberg wird der„Königsb. Hart. Ztg." geschrieben: Am vorigen Sonntag wurden unter der Leitung des Professors Dr. Hcydeck und des Herrn Rittergutsbesitzers Bchrend-Arnan auf dem sogenannten „Käppchen" bei Pr.-Anian Nachgrabungeu angestellt, welche höchst überraschende Ergebnisse lieferten. Der ganze Hügel,„Käppchen" genannt, ist ein bisher unberührtes Gräberfeld aus den ersten Jahrzehnten christlicher Zeitrechnung. Man kann sich eine gute Vor- stcllung von dem Alter dieser Grabstätten machen, wenn man die Baumriesen betrachtet, welche über den Gräbern stehen. Fünf dieser Grabstätten, runde, etwas gewölbte Steinlager, welche 1— IVe Meter tief in zwei Schichten übereinander liegen, ivurden ausgegraben. Die Ausbeute der darin gefundenen Gegenstände war Verhältnis- niätzig gering, wie es bei diesen ältesten Grabstätten gewöhnlich zn sein scheint. Einige kleine Knochenreste, Asche, mehrere Thonscherben mit erkennbarer Modellierung, ganz verivitterte Thonscherben, drei stark verrostete, ziemlich grotzc Messer resp. Lanzenspitze», zivei Reste von Schnallen, in deren einer ein winziges Stückchen Leder befestigt ist, das war vorläusia alles, was gefunden wurde. Wie weit das Gräberfeld sich erstreckt, ist noch nicht ermittelt worden. Mädchcmnord. Das zu Hammermühle bei DroSka», unweit Sarau, wohnhafte IZVefährige Schulmädchen Klara Fcchncr, ivelches sich am Soimtagvormittag aus der elterlichen Wohnung ent- fernt hatte, wurde am Montag von Arbeitern an einem Futzweg, welcher durch die sumpfige Waldschlucht hinter dem Park der Hammernnihle führt, etiva hundert Meter seitlich von der Fahr- stratze, in einer Blutlache ermordet aufgefunden. Der Mörder hat sein Opfer anscheinend erst durch einen wuchtigen Schlag in die Stirngegend betäubt und ihm dann mit einem Beil zwei klaffende tiefe Wunden in die Schödeldecke beigebracht. Von dem Thätcr fehlt noch jede Spur. Man nimmt an, datz eS sich um einen Lust- mord handelt. Opfer der Bergkraxclci. Aus Berchtesgaden ivird gemeldet: Die beiden feit dem 5. d. M. vermitztcn Münchener Studenten Georg Älctle und Otto Scheer ans Dresden sind Mittwochnachmittag von mehreren Bergführern am Watzmann tot aufgefunden worden. Beide Leichen waren bereits stark in Verwesung übergegangen. Den äußeren Verletzungen nach zu schließen mutzte der Tod sofort ein- getreten sein. Von den Geheimnissen der Polizeiwachen. Ans Wies- baden, 19. Juni, schreibt man der„Franks. Ztg.": Auf einer hiesigen Polizeiwache soll sich ein geradezu unglaublicher Vorgang abgespielt haben. Am vorigen Freitag nachmittag 4 Uhr Uhr lvnrde CeMl-Wliiid kt Bmm Am Sonntag, .Armiuh allen (Zahlstelle Berlin). den 24. Juni, vormittags 10 Uhr, im Lokal »linh allen", Kommaudantenstr. SO: Mitglieder- Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen tSrenipe über:„Technische Fortschritte im Baugewerbe". 2. Wahl eines Vergnügungskomitees zum diesjährigen Stiftungsfest. 3. Verschiedenes.— lim zablreiches Erscheinen ersucht 254/14 Her V«reitn»ampferpartlen! 7|im CnnrtohflllO" in Ziegenhals bei Zcnthcn. �uUlll u}jUl lullflUu(Vorortstation derGörlitzcr-».Stadtbahn. Xeu eriilTnet! Günaslich renoviert! ZM- Herrlich am Wald und Wasser gelegen. 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Jnni bei Obst auf- merksam gemacht. Vortrag: Religion ist Privatsache. Genosse Käter. Vereinsangelegenheiten._ Der VorMtand. Rixdorf. iH Deutschl (Zahlstelle Nirdors). Zonnabend, den 2Z. Juni 1000, in LanknerS Festsäle», Bergstraße Nr. 131—152; 11. Stifinn�s-Fest. Austreten der beliebten Gesangs-Theatcr-Gciellschaft Strzelewlcz.— Die Musik wird ausgeführt von der Organisation der Bcrufsmusiker. Nach der Vorstellung: Grotzvo Vrrll. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nacki. Anfang«Vi Uhr.-»O[254/13] SM- Bittet 25 Pf. Hierzu ladet ergebenst ein Da». Haiiiitee. II eutsche Schnh-F abrik vorm. G. Markus& Co., Ges. IN. Lcsclir. H. Erfurt Ilversgehofen Renommiertes Fabrikat. Beste Zuthaten. Wir empfehlen: Herrea-Tugstierel, gewalkt, Speeialität... 7 M „„„ ohne Naht, Spiegel 8,50 M „„ Besatz u. Knopfverziernng ii.00, 4.50, 5,50, O.SO, 7,50 bis 15 M. „ Agraffentztierci. Besatz. 6,50, 7,50, 8,50 bis „ Schniic-, Xug-, Hans-, Kellnerschuhe in den verschiedensten Dessins und Preislagen. 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Apollo-Theater. Rlxdorf. Heimaiiiistr.48-50. Sonntag» den 24. Inni 1900: Großes Säuger-Iest veranstaltet von den Gesangvereinen Mllilerchor I, Miimlerchor ll, Melodia, Schneeglölkcheil, Freie Ziiltger (Mitgl. d. A.-S.B.) und dem Mnstitverei» Einigkeit. � Austreten der«ehrttder Xeahert�.— Von 4 Uhr an im S-ale: BXLL. Die Kaffeeliiche ist von 2 Uhr an geostnet. jg5/l8f Entree 20 Pfennig Alle Bundesfreunde sind zu diesem Fesi�freundlichst eingeladen. Bas Komitee. Grösstes Geschäft der SchSnhauser- u. Prenzlauer- Vorstadt für Herren- n. Knaben- Garderoben. Bollständig neit umgebaut«nd ganz bedeutend vrrgröstcrt. Sämtliche Sachen nach Matz sowie sürS �'ager werden in eignen Werkstätten angefertigt. Tie Preise sind sehr billig aber fest, ohne jeden Abzug.— Stoffe zur Maganfertigung liegen in ganzen Stucken zur Ansicht. 4K21L» Hugo Opilz, Schneidermeister, Berlin N., Franseckistrasse 13, ___ nahe der Schultheih Brauerei. Junge«taare, sprechen, pfeifen. 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Juni, nachmittags 5 Uhr, in der„Brauerei Friedrichshain", Am Königsthor: Großes Sommerfest. Konzert des Berliner Sinfonie-Orchesters. (40 Künstler.) Gesang-Yerein Schildhorn. Torftihraogen ans'Wilhelm Bäschs Werken: Der heilige Antonius von Padua und Jnlchen(mit Lichtbildern). Derliiier Ulk-TrI».- IntniticrMchts-M. BilletS für Mitglieder und Gäste a 30 Pf. sind in nachstehenden Zahlstellen zu haben: Norden: sstttz Schräder, Stralsunderstr. 63, E. Dleke, Rest., Ackers». 123. Krech, Rest., Chausfek» straffe 64. E. Knapp, Rest., Grünthalerstr. 5. E. Schmidt, Rest., Treskowstr. 22. Vollmer, Rest., Ackerstr. 93. Löhr, Ackerstr. 38 II C. Kovacowls, Vegetarisches Speisehaus, Müllerstr. 4. Nordost: W. Schrolle, Friseur, Landwehrstr. 3. Spaet, Rest.. Georgenkirchstr. 65. H. Neft, Georgenkirchstr. 24 a. Nordwest: Hermann Becker, Gotzkowsknstr. 9. H. Gebauer, Rest., Birkenstr. 25. Südwest: C. Wetting, Zoffenerstr. 32. H. Landgraf, Neuen- burgerstr. 15. J. Pech, Möckernstr. 120(Schuhgeschäft). 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Stadtrat Zabel ist wegen Verlegung seines Wohnsitzes von Berlin aus dem Magistratskollegium ausgeschieden. Die Ausschüsse für die Vorlagen, betreffend die Niederlegung des Scheunenviertcls, das Feuerwehr-Denkmal ans dem Mariannenplatz und die Vorbereitung der Wahlen für den Bezirksausschuß zu Berlin find vor der Sitzung gewählt und haben sich konstituiert. Gegen die Entscheidung der Versammlung in Sachen der Gültig keit der Wahl im 44. Bezirk III. Abteilung(Stadtv. Glocke) ist von einigen Protesterhebern die Klage im Verwaltungsstreitverfahren er- hoben worden. Die Versammlung wird durch den Rechtsanwalt Hugo Sachs vertreten werden. Die Vorlagen betr. die Beschaffung zweisitziger Banktische für einige im Bau begriffene Gemeindeschulen und betr. die Festsetzung einer neue» Baufluchtlinie längs der Grundstücke Neue Schönhauser- strasje 3—6 werden ohne Debatte angenommen. Zwischen der Straffe Alt-Moabit und der Spree soll eine neue Verbindungs st raffe geschaffen werden, die das Grund- stück der Schomburgschen Porzellanfabrik, Alt-Moabit S5/97, durch- schneidet. Herr Schomburg hat 1893 die Anlegung dieser neuen öffentlichen Straffe 13.Ä. Abt. VII des Bebauungsplans beantragt; die Erledigung der Angelegenheit hat aber dadurch eine Verzögerung erfahren, datz Herr Schomburg nachträglich auf� der Verbindung der neuen Straffe durch eine Fahr- drücke mit dem Holsteiner Ufer bestand, während die Stadt nur zur Errichtung einer Fuffgängerbrücke bei gelegener Zeit bereit war. Neuerdings hat sich nun Herr Schomburg bei letzterer Brücke beruhigt, zu deren Kosten er 20 000 M. beitragen will, wie er sich auch verpflichtet hat, die 18 Meter breite Straffe, für die er ebenso wie für die künftige Uferstraffe das von seinem Terrain erforderliche Grundstück unentgeltlich abtritt, zu regulieren, zu pflastern, zu entwässern und während der ortsstatutarischen Frist zu unterhalten, zu beleuchten und zu reinigen. Die bezügliche Vorlage datiert schon aus dem September v. I. Der für siie nieder- gesetzte Ausschuff, der Ende Januar zum erstenmal zusammentrat, hat nach neuerlichen langwierigen Verhandlungen mit Herrn Schom- bürg jetzt der Versammlung empfohlen, der Vorlage mit der Maff- gäbe zuzustimmen, daff die neue Straffe bis auf 30 Centimeter an das Kelch'sche Grundstück nach Westen verschoben lvird, die Stadt- gemeinde aber den Brückenbau so zeitig in Angriff nimint, daff er zugleich mit der Straffe fertig gestellt wird. Ohne Diskussion genehmigt die Versammlung die Ausschuh- antrüge. Der Antrag Singer: „Den Magistrat zu ersuchen, schleunigst Vorkehrungen zu treffen, um der zum Schaden der kleinen Abnehnier seit längerer Zeit erfolgten E i nschränkung der Abgabe von Cooks aus den städtischen Gasanstalten abzuhelfen", ist von dem niedergesetzten Ausschuff„in Rücksicht auf die von dem Magistratsvertreter Stadtrat Namslau abgegebenen Erklärungen" mit 6 gegen 3 Stimmen abgelehnt worden, desgleickien ein ahn- sicher Antrag des Stadtv. Pretzel. Auch ein im Ausschuh gestellter Antrag: „Den Magistrat zu ersuchen, die städtischen Werke anzuweisen, soweit angängig, die Coaksfeuerring einzustellen, um der Kohlennot der kleine» Leute zu steuern, diese Coaksmengen aber nur im Einzelverkauf abzugeben", hat den Beifall der Ausschuhmehrheit nicht gefunden. Referent ist Stadtv. Gerstenberg. Stadtv. Z u b e i l hat den im Ausschuff eingebrachten Antrag mit der Modifikation wieder aufgenommen, daff die Coaksfeuenmg «für dieses Jahr" eingestellt und das dadurch freiwerdende Quanwm nur in kleineren Quantitäten im Einzelverkauf abgegeben werden soll, und führt dazu folgendes aus: Im Ausschuff hat man das Verfahren des Gaskuratoriums mit dem strengen Winter, den politischen Verhältnissen, welche die Zufuhr aus England ausschlössen, und mit dem böhmischen Streik entschuldigt. Alle diese Verhältnisse waren aber dem Kuratorium schon im vorigen Herbst bekannt, wie aus einer Antwort des Stadtrats Namslau an den Bund der Handel- und Gewerbetreibenden in Berlin zweifellos hervorgeht. Es ist deshalb um so unverständ- sicher, wie das Kuratorium dazu kam. noch 300 Waggons Cooks im Januar abzuschlieffen. An den Verträgen, welche ja bis Ende des Jahres laufen, ist nichts mehr zu ändern; in den Sommer- Monaten wird ja auch die Nachfrage etwas geringer sein; der Winter setzt doch aber nicht erst im Januar, sondern oft schon im Oktober und November ein, wie es im letzten Jahre geschehen ist, und dann kann dieselbe Coa.�kalamität sich wiederhole». Wäre es da nicht möglich, in unsren städtischen Anstalten wenigstens ausnahmsweise die Coaksfeuerung einzustellen und mit Steinkohlen zu feuern, damit die kleinen Leute nicht wieder zu so enormen Preisen Cooks zu kaufen brauchen? Die Brennmaterialien- Deputation hat ja schon für alle Fälle über 300 000 Ccntuer Steinkohlen abgeschlossen. Das Kura- torium hat ja auch zugestanden, daff nicht ganz richtig gehandelt worden ist. Wenn auch die meisten andren städtischen deutschen Gasanstalten den Cooks nur sn gros abgeben, so ist das noch lange nicht mahgebend für Berlin. Der Abnehmerkreis für das Gas wird immer gröffer; demgegenüber hat die Verwaltung auch dafür zu sorgen, daff den Abnehmern genügend Cooks zur Verfügung steht. Zum Herbst werden zahl reiche Petitionen an die Versammlung gelangen, welche den Ge danken der Festsetzung eines bestimmten Preises anregen werden, event. wenigstens für die Zeit bis April, damit nicht diese kolossalen Preise für Cooks weiter gezahlt zu werden brauchen, von denen der Stadtrat im Ausschusse erklärte, daff sie im Herbst sogar noch weiter steigen dürften. Stadtv. I a c o b i ist erstaunt. daff trotz der Ausschuff Verhandlungen Herr Zubeil immer noch an seinen Ausstellungen fest hält. Der Gedanke der Feststellung eines Coakspreises sei un- gcheuerlich. Wenn der Cooks in Berlin 80 und in Hamburg bloh 70 Pf. koste, dann bleibe er doch der Stadt auf dem Halse. Dänach sei der Standpunkt des Herrn Zubeil nicht zu begreifen.(Stadtv. Stadthagen ruft: Das ist doch kein Grund, daff Sie etwas nicht begreifen! Heiterkeit.) Die Preise aller Feuerungsmaterialien feien gestiegen. In Bezug auf Kohleneinkauf habe die Gaswerke- Verwaltung auherordcntlich glücklich operiert. Die Ablassnng von 300Waggons an einen Grotziudustriellen im Januar sei Thatsache, aber der Betreffende habe seinen Fabrikbetrieb, um der Stadt als Abnehmer entgegenzukommen, auf Coaksfeuerung eingerichtet, und das jyuan- tiun sei bloh 1 Proz. der gesamten Produktion. Die Feuerungs- Einrichtungen in den Schulen könne man doch nicht nach einem Jahr schon wieder abändern. Nach Ablehnung des Antrags Zubeil beschlieht die Versammlung gemäff dem Antrag des Ausschusses. Nach den Ausfchutzanträgen soll die Errichtung der Säule mit dem springenden Roff auf der neuen Roffstrahen-Brücke nach dem Modell des Bildhauers August Vogel genehmigt werden, auch im übrigen die architektonische Ausgestaltung der Auffen- und Innenseiten der Brücke in der vorgeschlagenen Weise erfolgen. Die Versammlung beschliefft dementsprechend ohne Debatte nach dem Referat deS Stadtv. L a d e w i g. Die Vorlage wegen anderweiter Regelung der Gehalts- bezüge der Zeichenlehrer an den städsischen höheren Schulen entspricht einem seit zwei Jahren von der Versammlung in wiederholten Resolutionen geäußerten Wunsche. Stadtv. Preuff befürivortet Ausschuffberatung, da nachgeprüft werden müsse, ob nicht durch Erhöhung der Pflichtstundenzahl auf 24 die Zeichenlehrer zu vollbeschäfsigten technischen Lehrern gemacht werden könnten und man so hinsichtlich der Gehaltsfrage ganze Arbeit zu machen in der Lage sei. Die Stadtvv. Schwalbe und Glatze! sind damit ein- verstanden. Die Vorlage geht an einen Ausschuff. Eine umfangreiche, von uns bereits wiederholt skizzierte Magistratsvorlage bezweckt, das Einverständnis der Versammlung dafür zu erlangen, daff in Zukunft grundsätzlich neue Straffenbahnlinien für Rechnung der Stadt- gemeinde gebaut und betrieben werden, sowie daff die Verwaltung des städtischen Straffenbahnwesens einer be- sonderen Deputation übertragen wird, ivelche die gleiche Selbständigkeit und die gleichen Befugnisse wie die sonstige» Verwaltungs« Deputationen gcniefft, das Personal für Bau und Betrieb annimmt und en'tläfft, auch für die Feststellung der Fahrpläne zuständig ist. Auf den städtischen Straffenbahnen soll der Einheitstarif von 10 Pf. sofort zur Einführung gelange». Den oder die Betriebsleiter anzunehmen behält sich der Magistrat unter Air hörring der Versammlung vor; über die Errichtung einer Pcnsions- lasse sollen die Gemeindebehörden befinden. In der Begründung heifft er:«Wir tragen kein Bedenken, die Vorlage trotz der vorgerückten Zeit noch kurz vor Eintritt der Sommerferien der Versammlung zu unterbreiten, denn es wird da durch am einfachsten ermöglicht, jedem Mitgliede Gelegenheit zu einer längeren und eingehenden Prüfung zu gewähren". Stadtv. G e r st e n b e r g meint ini Anschluff an diese Auslaffung, daff der Magistrat damit der Versammlung eine Ferienarbeit auf- geben wolle, und beantragt die Vertagung der Beratung bis zum i. Oktober. Ohne weitere Debatte wird demgemäh beschlossen. Schluß 7'/» Uhr._ Berliner Partei-Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Verschiedene Geschäftsinhaber der Utrechtstraffe veranstalten in dem gesperrten Lokal von Krause in der Scharrn weberstraffe zu Reinickendorf ein sog. Volksfest, zu welchem Karten in Arbeiterkreisen vertrieben werden. Die Parteigenossen wollen von dieser Mitteilung Notiz nehmen. Die Lolalkommission. Ter Wahlverein für den zweiten ReichStagS-Wahlkrcis veranstaltet zum Sonnabend einen Ausflug nach der Treptow- Sternwarte. Abends 9 Uhr wird ein Vortrag gehalten, sodann erfolgt die Besichtigung des Fernrohrs. Treffpunkt vor der Stern- warte. Billets sind zum ermäßigten Preise von 50 Pf. erhältlich. Arbeiter-Bildnngsschule. Sonntag, 1. Juli, Familien- Ausflug nach Baumschulenweg mit Besichtigung der L. Späthschen Baumschule. Treffpunkt in Treptow, Restaurant Regelt»(vormals Zenuer), mittags 1 Uhr. Einladungen durch Karte ergehen nicht. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee. Lalmles. Die Stadtverordneten-Versammlung hatte gestern eine ungewöhnlich lange Tagesordnung zu erledigen. In der öffentlichen Sitzung ivar über nicht weniger als 41 Punkte zu verhandeln, aber das meiste davon wurde rasch und ohne vieles Debattieren abgethan. So kurz vor den Ferien hat eben nie- mand mehr Lust zu langen Reden. Auch mit der Angelegenheit des oaksmaugels bei den städtischen Gasanstalten mochte die Mehrheit der Versammlung nicht viel Federlesens machen. Den Ausschuß, dem der in dieser Angelegenheit vor mehreren Wochen v o n u n s e r n Genossen g e st e l l t e A n t r a g zur Vorberatung überwiesen worden war, hatten die vom Magistratsvertreter ab gegebenen Erklärungen so. befriedigt, daß er zu dem Ergebnis gelangt war, der Versammlung die Ablehnung des An trags zu empfehlen. Die Versammlung erhob nicht nur mit sehr großer Mehrheit diesen Vorschlag zum Beschluß, sondern erklärte sich auch gegen die Forderung, für die nächste Zeit wenigstens auf den städtischen Werken die Coaksfeuerung einzustellen und die dadurch frei werdende Coaks menge a n kleine Abnehmer abzugeben. Gegenüber diesem von der socialdemokratischen Fraktion gestellten und vom Genossen Zubeil begründeten An trag machte sich Herr I a c o b i zum Verteidiger der Maßnahmen des Gaskuratorinms. Auf den Vorwurf, daff noch im Januar an einen Großunternehmer dreihundert Waggons Coat verkauft Ivorden seien, erwiderte er, man habe gegen den Mann«nicht so rigoros vorgehen kö n n e n ihm die weitere Coakslieferung zu verweigern, nachdem er seine Feuerungs- anlagen eben erst für Coaksfeuerung eingerichtet hatte. Die Be� Handlung, die die Verwaltung der Gaswerke den kleinen und kleinsten Abnehmern den ganzen Winter hindurch hat zu teil werden lassen, ist nach Ansicht des Herrn Jacobi natürlich weit davon entfernt,«rigoros" zu sein. Mit welchem Erfolg der„religiöse Notstand" Berlins in neuerer Zeit bekämpft worden ist, darüber bringt der letzte Jahr- gang des„Statistischen Jahrbuchs der Stadt Berlin" eine nicht un- interessante Zusammenstellung. Die Angaben reichen leider erst bis 1897. In einem Zeitraum von nur 5 Jahren, von 1392 bis 1897, stieg in den zur evangelischen Landeskirche gehörenden Gemeinden Berlins die Zahl der Kirchen und Kapellen von 70 auf 83, der darin vorhandenen Sitzplätze von gestellten Geistlichen von 144 auf sank die Zahl der Einsegnungen 10 452, der Taufen von 36 777 unter Mitwirkung eines Geistlichen 54 978 auf 75 435, der an- 178. GIcichzeisig stieg bezw. von Ehen von auf 36 771, der von 10 749 auf 9270 auf Begräbnisse 11382(bei betreffenden auf 22 614, überhaupt 23 666 bezw. 26 084 Begräbnissen in den Gemeinden), die Zahl der Konfirmationen von 23 505 der Kommunikanten von 206 056 auf 213 901. Ob die Freunde der Kirchenbauerei auf diese Zahlen sehr stolz sein werden? Anlaß dazu haben sie vielleicht im Hinblick auf die Zunahme der kirchlichen Ein- fegnungen von Ehen und der Mitwirkung von Geistlichen bei Be- grabnisscn. Dagegen dürfte ihnen die Abnahme der Kon- f i r m a t i o n e n eine schmerzliche Enttäuschung bereitet haben. Auch die Zunahme der Kommunikanten kann bei ihrer Geringfügig- keit, zumal da inzwischen ja auch die evangelische Bevölkerung Berlins zugenommen hat, schwerlich befriedigt haben. Aber gerade nach der Beteiligung der Bevölkerung an der Ceremonie des Abendmahles läfft sich mit• einiger Sicherheit_ beurteilen, ob das kirchliche Leben reger geworden ist. Bei Taufen, Konfirmationen, kirchlichen Trauungen und kirchlichen Begräbnissen sprechen oft ganz andre Umstände mit als die Frömmigkeit. Bedauerlich ist übrigens, daff wir keine Statistik des Kirchenbesuchs haben. Sie lietze sich mit geringer Mühe aufstellen. Den maßgebenden Kreisen mag freilich sehr wenig daran siegen, daß einmal eine Zählung der Kirchenbesucher vorgenommen wird. Wozu braucht alle Welt zu er- fahren, wie leer die Berliner Kirchen an den gewöhn- xichen Sonntagen sindl Zerstörungswut. Die«Verl. Ztg." berichtet von einer«ganz neuen Kinderunsitte", die darin besteht,„ans reiner Zer- törungswut" das Pflaster neben den Granitplatten der Bürger st eige aufzureißen und die kleinen Steine zu verschleppen. Diese„Kinderunsitte" ist nach unfern Beobachtungen nicht„ganz neu", sondern schon ziemlich alt. Neu dürfte höchstens das sein, daß Zerstörungen des Pflasters in so großem Umfang— in einem Fall auf 5 Meter Länge— vorgekommen sind, wie die „Verl. Ztg." angiebt. Auch über das Wesen und die Be- deutung dieser«Kinderunsitte" befindet sich die»Berl. Ztg." unsres Erachtens in einem Irrtum. Was ihr als„reine Zerstörungs- wut" erscheint, dürfte in der Regel nichts andres sein als der Wunsch, sich Gelegenheit zum„Buddeln" zu verschaffen. Im weitern Verlaufe des Zerstörungswerks mögen sich allerdings noch andre Umstände geltend machen, aber den ersten Anstoß dazu giebt sicherlich meist der„Buddeltrieb". Kinder m ü.s s e n„buddeln"— das wird hoffentlich von keiner Seite be- zweifelt. Wo haben aber unsre Berliner Kinder Gelegenheit zu dieser nützlichen und notwendigen Beschäftigung? Die paar Plätze, auf denen hier und da mal ein Sandhaufen aufgeschüttet ist, kommen gegenüber den Hunderttausenden von Kindern kaum in Betracht. Die Kinder helfen sich angesichts dieses Mangels auf ihre Art, d. h. sie zerwühlen in verzeihlichem Unverstand den Boden rings um die in den Straffen angepflanzten Bäume oder sie gehen noch weiter und reißen, wie gesagt, das Pflaster auf, um auf diese Weise zu dem Sande zu gelangen. Wir Erwachsenen sind rasch geneigt, hier über„Zerstörungswut" zu schreien, aber was wir so nennen, das ist— bei Licht besehen— nur irre geleiteter Thätigkeitstrieb. Die Schuld daran, daff der Thättgkeits- trieb unsrer Kinder so oft irre geleitet wird, liegt bei uns. selber. Die Nächstfchuldigen sind in der Regel wir Eltern. In dem vorliegenden Fall fällt aber die größere Hälfte der Schuld auf die st ä d t i s ch e Verwaltung. Unsre Parkanlagen und Schmnckplätze sind ja sehr schön, das ist wahr;� aber sie bieten leider den Kindern viel zu wenig, namentlich den Kleinsten. Es muff immer und immer wieder gefordert werden, daff die Spiel- Plätze v e r m ehrt und auch reichlich Sandhaufen für die Kleinsten aufgeschüttet werden. Wenn das geschähe, würden unsre Parkanlagen und Schmuckplätze vielleicht weniger sauber aussehen, aber sie würden desto größeren Nutzen stiften. Und wir Erwachsenen brauchten weniger über„Zerstörungswut" unsrer Kinder zu klagen. Gegen die Bestätigung der Wahl unsreS Parteigenossen Glocke zum Stadtverordneten haben der Amtsgerichts-Kanzlist Glesse und der Kohlenhändler Ernst Lehmann beim Bezirksausschuß Klage erhoben. Die diesjährige Jnfluenza-Epidemie hat an Ausdehnung und Heftigkeit alle andern, von denen Berlin in neuerer Zeit heim- gesucht worden ist. weit übertroffen. Die meisten Opfer forderte sie im Februar und März, aber selbst im April und Mai ist diesmal eine für diese Jahreszeit nicht gewöhnliche Zahl von Todesfällen durch Influenza verursacht ivorden. Erst der Juni dürfte die Epidemie ivirklich zum Erlöschen gebracht haben. Im Januar, Fe- bruar, März. April, Mai starben an Influenza 47, 275, 129, 60, 23, zusammen 534 Personen, das sind in fünf Monaten mehr als hier jemals in einem ganzen Jahre dieser Krankheit erlagen. Die bisher beobachteten Höchstzahlen ivaren 363, 426, 473 Sterbefälle in den Jahren 1839, 1891, 1895. Wie Fabrik- Landpartien zuweilen veranstaltet werden, lehrt folgender Fall. Sonnabend soll in der Metallknopffabrik von Leopold Stern ein solches Fest vor sich gehen. Auf eine vorher herum- gereichte Liste zeichneten sich, wie nicht anders zu erwarten war, alle Beschäftigten ein, jedoch wurde ein Ausschuß, wie er sonst bei solchen Gelegenheiten für unerläßlich gehalten wird, nicht gewählt. Dafür ward das Fabrikpersonal durch eine von oben herab erlassene Bekanntmachung erfreut, wonach den Arbeitern 1 M. 50 Pf., den Arbeiterinnen hingegen 75 Pfennig zur Deckung der Un- kosten abgezogen werden mußten. Mochte dies immer noch angehen, so fühlte sich ein beträchtlicher Teil der Arbeiterschaft auf das empfindlichste- in seinen Anschauungen gekränkt, als bekannt wurde, daff die Partie nach dem gesperrten Lokal von Rutkowski in Rauchfangwerder gehen solle. Obgleich verschiedene Arbeiter er- klärten, daß sie sich von einer solchen Veranstaltung ausschlictzen würden, erhielten sie ihr Geld nicht zurück..Durch die Eigen- Mächtigkeit der Leitung ist somit erreicht worden, daß das geplante Fest, statt Freude zu erwecken, Mißstimmung hervorgerufen hat. Sollten die Unternehmer nicht endlich zu der Einsicht gelangen, daff man die Veranstaltung derartiger Vergnügen den Arbeitern überlassen muff, wenn sie ihren Zweck erfüllen sollen?! Droschkenfundsachcn. Auf eine Anfrage des Vorstands vom Verein Berliner Droschkenkutscher hat das Polizei- Präsidium geantwortet, daß in Fundangelegenheiten eine Droschke als öffentiichcs Verkehrsinstitut nicht angeschen werden kann. Diese Entscheidung ist insoweit günstig für die Droschenkutfcher, als ihnen vorkommendeufalls der Finderlohn zusteht, auf den die Straffenbahnangestellten ic. nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch keinen Anspruch erheben dürfen. Droschken-Fuudsachen haben ein Jahr hin- durch auf der Fundabgabestelle zu lagern, gehen dann aber� bei Nichtreklamierung ohne weiteres, d. h. ohne vorheriges gerichtliches Ausgebotverfahren, in den Besitz der Finder über. Die Landeö-Versichcrungöanstalt Berlin hat einen Beschluß gefaßt, wodurch zwei neue wichsige Arbeiter-Wohlfahrts- Einrichtungen ins Leben gerufen werden sollen. Dieser Be- schluff betrifft den Aulauf des Parkgrundstücks in Lichtenberg, Dorf- straffe 23, wo eine Heilstätte für Geschlechtskranke und ein Invaliden- haus für tuberkulöse Rentenempfänger errichtet werden sollen. August Scherl als Wohlthätcr. Dem Elmshorner Krankcnhause hat der deutsche Zeitungs-Barnum, Herr Scherl, wie die„Schleswig-Holst. Volks-Ztg." mitteilt, 110 Hefte der von ihm herausgegebenen Zeitschrift„Die Woche" geschenkt. Ein Skandalprozest in Aussicht? An den Eingängen des Zoologischen Gartens hat am Dienstagnachmittag eine zweistündige Revision aller Aktionär- und Abonnements- karten stattgefunden. Anlaß dazu waren Anzeigen an den Vor- stand von einem größeren Unfug, der mit den Karten neuerdings getrieben sein sollte. Wie begründet diese Maßregel war, erhellt ans der Beschlagnahme von 50 Karten in dieser kurzen Zeit. Bei einem Teil der Karten war die Einziehung nur durch ordnungS- widrige Beschaffenheit veranlaßt. Diese Karten werden dem- entsprechend den Eigentümern zurückgegeben; bei den übrigen Beschlagnahmen infolge von mißbräuchlicher Benutzung durch Unbefugte soll Anzeige an die Staatsanwalt- ch a f t erfolgen. Auf Grund des Ergebnisses hat der Vorstand eine häufige Wiederholung der Revisionen an- geordnet. Zum Aktionär oder Abonnenten des Zoologischen Gartens bringt man es in der Regel nur, wenn man sich einer gc- wissen Wohlhabenheit erfreut. Mit der Moral in Sachen des Mein und Dein mutz es in den in Betracht kommenden gutsituierten Kreisen gerade nicht zum besten bestellt sein, wenn dort derartige Mogeleien systematisch geübt oder begünstigt worden sind. Die an der' Direktion des Zoologischen Gartens verübten Betrügereien werden bei dem geläuterten Rechtsempfinden der deutschen Justiz um so schwerer beurteilt werden, als sie nur aus frivoler Habgier, ohne geglichen zwingenden Grund begangen sein können. Ucber die Sonntagsruhe in Blmnenbindcreien erläfft der Polizeipräsident die nachstehende Verordnung: Eine Beschäftigung von Arbeitern in Blmneubiudereien nach Schluff der für den Ver- kauf freigegebenen Zeit ist für nicht mehr als 12 Sonn- und Fest- tage im Jahre nur für solche Arbeiten gestattet, die erforderlich sind, um auf vorherige Bestellung Blumen und Pflanzen zur Ausschmückung ur Feste und Feierlichkeiten, die an den Sonn- und Festtagen nach Schluff der Berkaufszeit stattfinden, an dem Ort des Festes oder der Feierlichkeit fachgemäß anzubringen. Einen Unfug, der mit der Jahreszeit zusammenhängt und regelmäßig in jedem Sommer austritt, kann man auch gegenwärttg wieder häufig sehen. Die Bahnhöfe sind mit Brunnen oder Leitungen versehen, an denen ein Trinkbecher befestigt ist. Manche Fahrgäste haben nun ohnehin keine grohe Neigung, diese Becher zu benutzen, wenn sie eS vermeiden können. Ganz verekelt aber wird ihnen die Einrichtung. trenn sie sehen müssen, wie rücksichtslose Leute sie ganz ungeniert benutzen, um ihre Hunde zu tränken. Besonders sind es Damen, die ihre Schoßhündchen gern ans diesen Trinkbechern sanfen lasten und sich noch entrüsten, wenn ihnen jemand vorhält, daß das doch im höchsten Grade unappetitlich und für die Gesundheit nicht un- gefährlich ist. In Spandau kam es jüngst zu einem unliebsamen Auftritt. als eine Familie eines solchen Unfugs wegen darauf ver- zichten mußte, ihren durstenden Kindern zu trinken zu geben. Der Feststellung ihrer Persönlichkeit wußte sich die Dame zu entziehen. Epidemische Augenkrankheiten. Wie daS„Kl. Journal" er« fährt, ist eine beträchtliche Anzahl von Lehrern am Berliner Seminar an Bindehaut-Katarrh erkrankt. Der Anstaltsarzt Dr. GeseniuS hat sich genötigt gesehen, bei den geringsten Anzeichen schon den Er« krankten aus dem Internat nach Hause zu entlasten, um die weitere Ausbreitung der ansteckenden Krankheit zu verhindern, und schließlich auch der drohenden eghptischen Augenkrankheit vorzubeugen. Sollte die Krankheit größere Ausdehnung annehmen, wird der Seminar« direktor die Anstalt schließen müssen. Der Bau der elektrischen Hochbahn hat in der letzten gelt am Halleschen Thor bedeutende Fortschritte gemacht, nachdem eine längere Zeit insofern ein gewisser Stillstand geherrscht hatte, als auf beiden Seiten der Belle-Alliance-Brücke lediglich Ufer- und Pfeilerbauten vorgenommen wurden. Diese sind nun nahezu voll- endet, und auf der östlichen Seite ist der Eisenbau schon dicht an die Brücke herangerückt. Für das letzte Joch steht daS Gerüst schon da. Gestern ist auf der Westseite nach langer Pause auch wieder ein neue? Joch in Angriff genommen. In einigen Tagen wird man auch von dieser Seite aus die Brücke erreichen. Dann bleibt als letztes Glied in der Kette nur noch die Ueberbrückung der Brücke selbst. Die Bernehmnna deS Eönczl in der Gipsschultzeschen Erb- schaftS-Angelegenheit hat, wie angekündigt, gestern im UnterfuchungS- gefängnis stattgefunden. Gönczi erklärte, dem„Berliner Tageblatt" zufolge, wiederum, am Mord unbeteiligt zu sein und nichts darüber aussagen zu können, ob die alte Frau Schultze oder deren Stief- tochter zuerst ermordet worden sei. Seine Ehefrau sagte ans, daß sie gleichfalls über diese Frage nicht unterrichtet sei, da ihr Mann ihr nichts mitgeteilt habe. Ruf behördliche Beranlaffung aufgeschoben worden ist die Beerdigung der Leiche deS 32 Jahre alten Bierfahrers Friedrich Dorn aus der Emdenerstratze, die gestern Donnerstagnachmittaa um 4 Uhr auf dem HeilandS-Kirchhof in Plötzensee stattfinden sollte. Dorn, der seit 5 Jahren in der Moabiter Abteilung der Patzenhofer Brauerei beschäftigt war. wurde am Montagvorm �ag um 11 Uhr, als cr bei einem Kunden ablud, von einem Brulsturz befallen. Dieser wiederholte sich am Nachmittag in der Wohnung noch zweimal. Um 4 Uhr starb Dorn unter den Händen eines Arztes. Eine große Anzahl Kunden, die der Berstorbene bedient hatte, namentlich Gastwirte, fanden sich gestern nachmittag am Tranerhause ein, um ihm das letzte Geleit zu geben. Sie mutzten wieder umkehren, da die Beerdigung verschoben worden war. Die Leiche war am Abend vorher zur Feststellung der Todesursache nach. dem Schauhause gebracht worden, um dort geöffnet zu werden. Die Angehörigen glauben, daß Dorn, der eine Frau und ein, Kind hinterläßt, sich durch„Ueberhebeu" bei der Arbeit den Tod ge« holt habe. Straßensperrungen. Die Südseite des Platzes am Opern- Hause, von der Straße Unter den Linden bis zum Platz am Zeug« Hause, unter Ausschluß der Straßenkreuzung mit der östlichen Straße am Opernhause wird wegen Asphaltierung von heute ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Die gleiche Sperrung tritt von morgen ad für die Triftstratze von der Sparr- bis zur Tegelerstratze ein. Fenerbericht. Vollständig feuerftei war Berlin am Donners- tag, doch mußten am vorhergehenden Abend drei kleine Brände ab- gelöscht werden. Die Eisenbahnbrücke auf dem Bahnhof Wedding hatte durch Funken aus der Lokomotive Feuer gefangen. das indes im Keime erstickt werden konnte. Fricdrichsfelderstr. 11 war ein gimmerbrand und Weydingerstr. 7 ein Fußboden- und Balkenbrand zu beseitigen. Eine geisteskranke Frau verübte Unfug am öffent- lichen Melder auf dem Potsdamer Platz und rief dadurch zwei Löschzüge herbei. Sie wurde ergriffen und auf Veranlassung der Polizei nach Dalldorf gebracht. Aus de» Nachbarorten. Rixdorf-Britz. Arbeiter! Genosten I Vor kurzem schon be- Mltzten wir den Raum des„Vorwärts", um aus Anlaß des am 14., 15. und 16. Juli in unfern Orten stattfindenden Kreisturn- festes deS Arbeiter-Turnerbunds einen Appell an Eure Gastfreundschaft zu richten. Leider scheint dies vielfach über- sehen worden zu sein, und wir bitten Euch daher nochmals reckt dringend um Eure Unterstützung in der für uns so schwer zu lösenden Qu a r ti e rfr a g e. Springe jeder helfend ein, dem es irgend möglich ist, ein Plätzchen— und sei es noch so bescheiden— in seiner Wohnung zu schaffen, um den von auswärts kommenden Genossen ein Unterkommen zu gewähren.— Der äußerste Tennin für Anmeldungen ist der 25. Juni. Wir ersuchen nochmals um möglichst zahlreiche Meldungen an folgende Adressen: Hugo Keil, Rixdors, Hermannstr. IIS, III; Marie Rieke, Rixdorf, Witz- mnnnstr. 11, Hof II; Gustav Winkler. Rixdors. Richard- platz 11, IV: Otto Klein, Rixdorf, Prinz Haudjerhstr. 44/4S, II; Otto Giese. Berlin, Lausitzerstr. 20, Seitenfl. IV; John, Britz, Chansseestr. 112, II. Der Wohnungsausschnß. Die Charlottenburger Stabtderordneten-Bersammlnng beschäftigte sich vorgestern mit der Uebernahme einer G arant ie lei srun g für den Grotzschifffahrtsweg Stettin-Berlin. De- batteloS und einstimmig gelangte der Antrag des Magistrats zur An- nähme:„Die Stadtgemeinde Charlottenburg beteiligt sich an der Auf- bringung der jährlichen Unterhaltungs- und Betriebskosten, sowie der Verzinsung und Tilgung eines Teils des Baukapitals für den Groß-Schiffahrtsweg von Stettin nach Berlin und übernimmt der Stadt Berlin gegenüber die Gewähr für die Aufbringung von 10 Prozent des auf die Stadt Berlin entfallenden Gesamt- ersordernisseS, jedoch unter der Bedingung, daß die Plötzenseer Schleuse zwischen dem Spandauer Schiffahrtskanal und dem Berlin-Charlottenburger Verbindungskanal für den Verkehr von Schiffen mit 600 Tonnen Tragfähigkeit umgebaut wird." Bon großer Bedeutung sind die bezüglich der Erweiterung des Straßenbahnnetzes der Berlin-Charlotten- burger Straßenbahn gefaßten Beschlüsse. In Aeberein« ftimmung mit dem Antrag des Ausschusses erteilte die Versammlung der Gesellschaft die Genehmigung für folgende Linien: a) durch die Leibnizstraße von der Berlinerstratze bis zur Kantstraße, d) durch die Wilmerödorferftraße vom Stuttgarter Platz bis zur Weichbildgrenze am Kurfürstendamm, c) durch die Holtzendorffstraße von der Leon- hardstratze bis zur Weichbildqrenze an der Küstrinerstraße, unter der Bedingung, daß die Gesellschaft sich verpflichtet, innerhalb eines Jabres nach polizeilicher Genehmigung die Linie durch die Holtzen- dorffstraße mindestens bis zum Bahnhof Halensee, die Linie durch die Wilmersdorferstraße mindestens bis zum Rathaus in Wilmersdorf zu führen. Gleichzeitig ersuchte die Versamlung den Magistrat. 1. bei den Vertragsverhandlungen darauf hinzuwirken, daß die Straßenbahngesellschaft sich zur baldigsten Einführung eines durch- gehenden Verkehrs für die Strecke Spandauer Bock— Kupfergraben beziehungsweise Lützowplatz verpflichtet, 2. die Gesellschaft zur baldigsten Einrichtung einer Pensionskasse für ihre Angestellten anzuhalten, 3. im Einvernehmen mit Berlin und' den sonst in Betracht kommenden Vororten ein- schließlich Spandaus einen Plan über das fiir absehbare Zeit im Interesse der Kommune auszubauende Straßen- b a h n n e tz aufzustellen und demnächst darüber der Stadtverordneten- Versammlung eine Vorlage zu machen. In der Debatt» wurde von verschiedenen Seiten die Not- wendigkeit betont, bereits jetzt mit dem Bau von Straßenbahnen in eigener Regie vorzugehen und keine Linien mehr an Privatgesellschaften zu vergeben. Das öffentliche Anschlag- iv e s e n wurde, enftprechend der Magistratsvorlage, dem bisherigen Unternehmer, Buchdruckereibesitzer Gertz, bis zum 1. April 1S01 verpachtet. Von diesem Termin ab soll das Anschlagwesen gemeinsam mit dem Berliner Anschlagwesen vergeben werden. Schöneberg. Eigentümlich scheint es in hygienischer Hinsicht mit der T r i n k g e I e g e n h e i t in den hiesigen Volksschulen bestellt zu sein. Wie nämlich der Vorsitzende eines Bllraervercins in einer Vereinsversammlung mitteilte, sind die zum Wastertrinken dort vorhandenen blechernen Becher derart verrostet, daß es un- möglich ist, sie zu benutzen. DaS schönste dabei ist, daß den Kindern daS Mitbringen von Milch in Flaschen streng verboten ist! Anläßlich der Mobilmachung zweier Scebataillone und der kriegsmäßigen Ausrüstung von Schiffen herrscht in den Spandauer'Militärwerkstätten eine vermehrte Thätig- keit. Die Versendung des Kriegsbedarfs für die jetzige Expedition hat bereits begonnen und ist in wenigen Tagen vollendet. Mittwoch noch spät abends erfolgte die Zustellung der E i n b e r» f u n g S- o r d e r s an die Reservisten der Marine, die Befehle wurden durch Polizeibeamte ausgetragen. Gestern ist auch bei den Truppenteilen in Spandau Umfrage gehalten worden, wer bereit sei, freiwillig mit nach China zu'gehen; eS haben sich angeblich alsbald zahlreiche Mannschaften gemeldet; so z. B. 6 Mann von der 8. Compagnie des ö. Gardc-Regiments z. F. Der BootSnnfall gegenüber der Abtei, über den wir in unsrer Dienstagnummer berichteten, hat noch ein Menschenleben gefordert. Der Mechaniker Erikson, der noch lebend aus dem Wasser gezogen wurde, ist gestern gegen Abend an einer Lungenentzündung, die offenbar eine Folge des unfteiivilligen Bades war, in seiner Woh- nung gestorben. Er hinterläßt eine Witwe und ö Kinder. Vom Kriegsschauplatz in Adlershof wird uns berichtet: Einen eigenartigen Eindruck von den friedlichen Zuständen Hierselbst müssen die Berstner Ausflügler erhalten haben, welche am Sonntag unfern Ort besuchten. Nachdem erst am Sonnabendabend während der öffentlichen Versammlung im Schmauser scheu Lokal die Gendarmerie aus der Umgegend zusammengezogen war, mußten am Sonntag wiederum eine größere Anzahl Gendarmen, Amtsdiener und Gemeindediener ihre Sonntagsruhe unterbrechen und in der Nähe des genannten Lokals durch Anwesenheit glänzen. Die Ver- anlassung zu diesem Schauspiel gab die hiesige Maurer- Filiale, welche in friedlicher Weise ein geschlossenes Vereinsvergnügen abhielt. Nachdem dieses Vergnügen rechtzeitig vom Vorsitzenden beim Amtsvorsteher v. O p p e n angemeldet war, erhielt im Lauf des Sonntags der Gast- wirt Schmauser eine Verfügung, daß der Amtsvorsteher die Filiale des Manrervcrbands nicht als ein Verein im Sinne deS Vercinsgesetzcs ansehe und deshalb die Tnnzlnstbarkeit verbiete. Trotz dieses Verbots amüsierten sich aber die Mitglieder des genannten Vereins wie ihre Gäste beim Tanz. Nachdem gegen 6 Uhr schon zwei Gendarmen erschienen waren, um den Tanz zu inhibieren und die selbstverständliche Erfolglosigkeit ihrer Mühen dem Amtsvorsteher berichten konnten, erschien am Abend ein ganzes Aufgebot von Gendarmen, Amtsdiencr und GcMeindcdienern, um mit Gewalt dem Vergnügen ein Ende zu bereiten. Aber auch dies Aufgebot mußte unverrichteter Sache abziehen, da sämtliche Zugänge zum Saal vom Verein geschlossen ivaren. Nachdem auch die behördlichen Bemühungen, einen Schlosser zum Oeffnen des Saals zu bewegen, erfolglos geblieben waren, begnügten sich die Beamten damit, als Posten vor dem Lokal zu figurieren. Wie aber solche Polizeizustände selbst in den zum Schutze der persönlichen Freiheit berufenen Organen ihre Stütze finden, zeigt ein Schriftstück, welches vorher auf'eine Anzeige gegen die Beamten wegen HausftiedensbruchS ergangen ist. Darin heißt es:„Ob im vorliegenden Falle der angewendete Zwang notwendig gewesen ist, kann dahin gestellt bleiben. Zum ThaObestande des Hausfriedensbruchs ist erforderlich, daß der Thäter(hier v. Oppen resp. seine Beamten) daS Bewußtsein der Widerrechtlichkeit seiner Hand- lungen gehabt hat. Dieses muß vorliegend verneint werden, wenn der Amtsvorsteher als Polizcibeamter objektiv berechtigt war. Zwang anzuwenden und im einzelnen Falle nach pflichtgemäßem Ermessen sich berechtigt hielt, die Anordnungen der Polizei mit Gewalt durch- zusetzen." Dem Schankwirt Lindenhayn in Grünau hat der Kreis- ausschuß auf Betreiben des Amtsvorstehers v. Oppen dieser Tage die Schankerlaubnis entzogen. In Mariendorf hat die B ä ck e r i n n u n g, die außer diesem Vorort noch Südende und Tempelhof umfaßt, beschloste», wegen der Erhöhung der Gesellenlöhne, der Holz- und Kohlenpreise zc. vom 1. Juli d. I. ab die Sonntagszugabe abzuschaffen und für dil Haus- bäckerei ein erhöhtes Backgeid(für jeden Kuchen 20 Pf.) zu berechnen. Die Meister haben sich bei einer Kanvcntionalsirafe von 150 M. für jeden Fall zur Jnnehaltung dieser Beschlüsse verpflichtet. Zu dem Raubmord bei Werneuchen an dem Maurer Otto Tiede aus Wesendahl erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Tiede, ein 38jähriger, verheirateter Mann, der bei dem Maurer- meister Blankenburg in Strausberg angestellt war und sich des größten Vertrauens seines Chefs erftcute, hatte am Sonntagnachmittag auf seinem Zweirad einen Ausflug nach Werneuchen unternommen. Abends gegen �/»10 Uhr fuhr Tiede nach seiner Behausung zurück. Er verfolgte bis Hirschfelde die KreiSchaussec und bog gleich hinter dem letztgenannten Dorf in die direkt nach Wesendahl führende Land- straße ein. Hier wurde er kurz vor der Wesendahler Heide über- fallen und zu Boden geschlagen. Tiede, der verheiratet und Vater zweier Kinder war, hatte sciner Frau versprochen, spätestens bis 10 Uhr abends zurück zu sein. Da der Maurer ein sehr ordentlicher Mann war und nie über Nacht vom Hause weg blieb, so wurde die Frau auf das höchste beunruhigt. Am Montag früh begab sich die geängstigte Frau Tiede zu dem OrtSvorsteber Fleischer, dessen Sohn mit Tiede in Werneuchen zusammen getroffen war, um diesem von dem Ausbleiben ihres Manns Anzeige zu erstatten. Herr F. ver- anlaßte sofort die Absuchung der Chaussee, und so wurde der Vermißte an der Gemarkung von Wesendahl und Hirschfclde, etwa 10 Meter von dem Landweg entfernt, an einem Lupincnfelde vergraben aufgefunden. Der rechte Arm und die Füße ragten aus dem Erdreich empor. An dem Kopfe der sofort sreigelegtcn Leiche wurde eine klaffende Wunde entdeckt. Der Schädel war durch einen einzigen wuchtigen Hieb zertrümmert worden. Der Er- mordete ist anscheinend, nachdem er durch den einen Hieb betäubt worden war, von dem Verbrecher lebendig begraben worden. Gestohlen worden ist daS Fahrrad, eine wettlose silberne Cylinderuhr und ein Geldtäschchen, in dem sich etwa 3 bis 4 M. befunden haben. Der That verdächtig erscheint ein Mann, der sich etwa vier Tage vorher zwischm Wesendahl und Wenieuchen vagabondierend ausgehalten hat. Inzwischen ist tn demselben Bezirk ein neuer Raubmord- versuch verübt worden, dessen Opfer der Schlächtermeister Mattin g aus Hirschfelde wurde. Der Thäter scheint identisch mit der zweifelhaften Persönlichkeit, die mit dem Tiedeschen Morde in Ver« bindung gebracht worden ist. Herr Matting hatte am Dienstag ge- schäftlich in dem etwa eine Meile entfernten Dorfe Tiefensee zu thun und kehtte abends 7 Uhr auf seinem Zweirade nach seinem Wohn- orte zurück. Etwa einen Kilometer vor Hirschfelde stieg M. von der Maschine ab und führte diese. Plötzlich wurde er hinterrücks angefallen, zu Boden gerissen und dann versuchte der Räuber, seinem Opfer die Kehle zuzudrücken. Der Fleischer wehrte sich verzweifelt, doch gelang es ihm nicht, den Angreifer abzuschütteln, und er wäre verloren ge- wesen, wenn sich nicht glücklicherweise ein Fuhttverl genähett hätte. Der Räuber ergriff die' Flucht und entkam. Der That an dem Maurer Tiede dringend verdächtig ist ein angeblicher Chaussee-Arbeiter Karl Schmidt aus Eberswalde, der auch ein- auf diesen Namen lautende Invalid enkarte bei sich führt. Derselbe ist beinahe 50 Jahre alt. 1.80 Meter groß; er träot einen schwarzen Rock, schwarze Weste, englisch- lederne Hose schwarzen weichen Hut und lange Stiefel. Er hat ein längliches Gesicht, dunkle Augen, hellen, blonden, kurzgcschnittenen Vollbart und langen Schnurrbart. In einem Sack trug er einen Spaten bei sich, dessen Stiel er als Stock benutzte; er hätte einen schwarzen lieber- zieher mit blanken Knöpfen. Aus der Innenseite des rechten Unter- arnis hat er die Zahl 1851 tätowiert, außerdem soll er an der äußeren rechten Handseite zwischen Daumen und Zeigefinger auch noch tätowiert sein. Versa, nnilungen. Der Wahlbercin des 3. Berliner ReichStagS-WahlkreiscS hielt am Dienstag im Lokale von Hertzberg, Alte Jakobstraße 75, seine Mitglicder-Versammlung ab. Herr Dr. Ratkowsky hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Die Bevölkcrungs- zunähme und ihr Einfluß auf den Kampf ums Dasein." Eine Diskussion wurde nicht beliebt und erfolgte hierauf Schluß der Versammlung. Der sorialdemokratische Wahlverein für den 4. Wahlkreis hielt am 19. Juni bei Graumann, Naunynstraße, eine Versammlung ab. Vor dem Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken des kürzlich versiorbenen Genossen Z e p p in der üblichen Weise. Dann erörterte man verschiedene Vereins- angelegenheiten. Insbesondere führten Klagen darüber, daß eS bei der letzten Flugblattvetteilung in einzelnen schwach organisierten Bezitten nicht ganz geklappt habe, zu einer Diskussion. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, die Mitglieder möchten sich mehr als bisher an der praktischen Arbeit in ihren Bezirken be- teiligen, damit die einzelnen möglichst entlastet würden. Hierauf folgte eine Besprechung der Borarbeiten für die Gewerbegerichtswahlen. Nunmehr nahm Stadtv. Cnrt Freudenberg das Wott zu einem Vor- trage, tvorin er die Stellung der Patteien zum allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrecht kritisch beleuchtete. Mit den offenen Gegnern dieses Wahlrechts war Redner bald fettig, seinen unehrlichen Feinden. den Freisinnigen der verschiedenen Schattierungen, widmete er'dagegen längere Ausführungen. An der Hand geschichtlicher und neuester That- sach'en, unter anderm der Vorgänge in der Berliner Stadtverordneten« Versammlung, wies er nach,' wie wenig auf die freiheitlichen Programmsätze jener Partei zu geben sei. Für den bekannten Pcti'tionsautrag der Socialdemokraten sei von der großen Fraktion der Linken nicht ein einziger gewesen. Und selbst Herr Preutz von der neuen Fraktion der Linken habe erklärt, eS sei„nicht angängig, für die Stadtverordnetenwahlen dasselbe Wahlrecht ein- zuführen, das für die Reichstagswahlen bestehe; es müßte mindestens ein längerer Wohnsitz gefordert werden". DaS wäre aber entschieden eine plutokratische Verschlechterung des Wahlrechts. Nachdem Genosse Frendenberg die vielen Einwände deS Freisinns und seiner Presse gegen die Einführung des allgemeinen Wahlrechts in der Kommune treffend widerlegt halte, schloß er mit einem Hinweis darauf, daß das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht treue Freunde nur in der Socialdemokratie finde.(Leb- hafter Beifall.) Eine eigentliche Diskussion entspann sich nicht. Die Versammlung erreichte alsbald ihren Schluß. Der Wahlverein für den 6. Wahlkreis hielt am Dienstag im Schönhauser Viertel in der Belforterstraße eine stark besuchte Versammlung ab. P a u l I a h n referierte über„die materialistische Geschichtsauffassung" unter lebhaftem Beifall der Anwesenden. Dem Wunsche eines Genossen, die Sitzungen beziv. Versammlungen des Wahlvereins möglichst abwechselnd in allen Bezirken deS Wahlkreises stattfinden zu lassen, versprach der Vorsitzende Sternkopf möglichst nachkommen zu ivollen. Vom Vorsitzenden wurde darauf aufmerksam gemacht, daß Einlaßkarten zu dein am 30. Juni stattfindenden Besuch der Sternwarte in Treptoiv noch an den bekannten Stellen zu haben sind. Die Genossen wurden ferner ersucht, eine rege Agitation zum Anschluß an den Wahlverein, sowie für Verbreitung der Parteipresse im sechsten Wahlkreis zu entfalten. Klose verivies insbesondere auf die bevorstehenden G e w e r b«- g e r i ch t s- W a h l e n. in der Erwartung, daß namentlich der 31. Bezirk wieder von den Genossen erobert werde. Infolge erner Anregung des Genossen Guttmann: Die Kleingewerbetrelbe«den in ihren Irrtümern Über die eigentliche Bedeutung der Gewerbe- gei ichis-Wahlcn aufzuklären, entspann sich eine längere recht ledhaste Erörterung über diese Frage, woran sich abwechselnd Mars, Fischer, Klose, Guttmann und Sternkopf beteiligten. Im allgemeinen wurde gewünscht, daß die Kleingewerbetreibenden darauf bedacht sein mögen, in ihrem eignen Interesse, auch für die Ärbeiterfordernngen einzutreten. Im Verband der Vcrgolder hielt am 18. d. M. der Genoste Hirsch einen Bortrag über:„Christentum und Kirche". Die Ab- rechnung vom Stiftungsfest ergab einen lleberschuß vo-n 130 M. Unter Verschiedenem wurden den Schuhmachern in Wilna 50 M. be- ivilligt. Der Vorsitzende macht bekannt, daß am 26. Juni eine Verlraneusmänner-Sitzung bei Merkowsk! stattfindet. Die Juli- Versammlung fällt aus.'Erinnert wurde die an die rechtzeitige Ein- tragung in die Wählerlisten für Beisitzer des GctverbegettchtS, wozu Anträge beim Vertrauensmann Ferdinand Steide!, Fnedrichsberger- straße 20, v. I. zu haben sind. Die Fliesenleger beschäftigten sich in einer am 19. Juni im Lokal Grenadicrstr. 33 stattgefundenen Versammlung mit der Durchführung bezw. dem weitereu Ausbau ihres Lohntarifs. Es gelangte eine Relolutio» zur Annahme,»ach welcher vom 1. Juli ab ein Stundenlohn von 75 Pf. gezahlt werden soll. Die Konjunktur wurde als außerordentlich günstig bezeichnet, so daß die Forderung wahrscheinlich nicht auf Schwierigkeiten stoßen dürfte. Alle weiteren Maßnahmen wurden des schwachen Besuchs wegen einer späteren Bcrsaminlung überlassen._ Marktpreise von Berlin am SO. J«ni 190« iinrt) Ernilltluiigen des tgl. PolizeipriisidiiniiS. Welzen, gilt D.-Ctr. « niittel .. genug Noggc», gut „ niittel gering *) Gerste, gut „ mittel gering *) Hasti, gut „ mittel . geling NIchtstroh Heu Erbse» Speisebohnen Ltusen 14,70 14,10 13, 50 IS, 70 14.90 14,10 7,32 9,80 40,- 46,— 10,- 14,20 13,60 13,10 15,— 14,20 i;:,B0 6,82 6,20 25,- 20,- 30,- Kcnwfjei», neue, D-Ctr. Nindsteisch, Keule 1 kg fco. Bauch, Schweiiicsteisch„ Kalbfleisch Haimnelflelsch„ Butter Eier Karpfen Aale Zander Heckte Barsche Schiel« Blei- Krebse »0 Slilä 1 kg per Schock 8- 1,60 1,20 1,60 1,60 1,60 2,40 8,60 2'80 2,60 2,40 1,80 2,80 1,40 15,- 6,- 1,20 1,- I,— >.- I- 1,80 2,20 140 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3- ») frei Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt vom 21. Juni. Am heutigen FrllhmarNe _____________________ ,,----—,—--------- setzte Getreide fest ein auf höhere amerikanische Preise. Da aus Oestreich-Ungarn und England gleichfalls Hausse gemeldet wurde, so konnte sich die stramme Haltung des hiesigen Markts auch Mittags behaupten. Russische Offerte» waren für baldige Lieferung klein, für spätere Termine reichlich vorhanden; wländischcs Angebot war nicht von Bedeutung. Der Berkehr nahm trotz der festen Tendenz keinen großen Ilmfang an. Weizenlieserungen waren 2.50 bis 3 M. höher gehalten, Roggen, hierdurch gestützt, 1 bIL 1,50 M. an- zteheud. Auch Mehl notiette etwas fester. Futterartilel wurden nur wenig gehandelt. Für Hafer macht sich einiger Mangel an inländischen Offerten zu acceptablen Preisen geltend. Daraufhin waren Lieserungeu 1,75 bis 1 M. höher gehalten. Die Locopreise für Hafer und Mais waren nominell be- hauptet. Rüböl notierte 0,30 höher. Spiritus Ioco unverändert.— Kartoffelfarik ate. Is.. reine Kartoffelstärke disponibel 20,25 bis 20,50 M., Juli-August 20,50 M. Abfallende Prlma-Oualitäten Stärke mid Mebl disponibel und Juli-August 17,50—18,50 M. ver 100 Kilogramni.- Ei erb er ich t vom 21. Juni 1900. Normale Eier je nach Qualität vo« 2,40 M. bis 2.70 M. per Schock. Aussortierte kleine Ware je nach Qualität von 2,10 M. bis 2,20 M. per Schock. Tendenz: Still._ Vcrantwortltcher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil veramwortltch: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin.