Extra- Ausgabe. Abonnements- Bedingungen: Abonnementspreis pränumerando: Bierteljährl.3,30 mt., mon. 1,10mt., wöchentlich 28 Bfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5Pfg. Sonntags Nummer mit tuftrierterSonntags. Betlage ,, Die neue Welt" 10Pfg. PostAbonnement: 8,30 mt. pro Quartal. Eingetragen in der Poft- Beltungs. Preisliste für 1900 unter Dr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland u. Defterreich Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mr. pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgefpalt. Kolonelzeile oder deren Raum 40 Bfg., für politische u. gewerkschaftl. Vereinsu. Versammlungs- Anzeigen 20 ẞfg. ,, leineAnzeigen" jedes Wort 5 fg. ( nur d. erste Wort fett). Inferate für b. nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachm. in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ift wochentags bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vorm. geöffnet. Telegramm- Adresse: ..Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Bruth- Straße 2. Fernsprecher: Amt L. Nr. 1508. Montag, den 13. August 1900. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Der leßte Gang. Im Jm Trauerhans. Bier Treppen hoch--vier Treppen.. wieviele, die jünger find als er, hätten das nie gethan. Er Der Vierundsiebenzigjährige stieg sie mehrmals am Tage. übertraf fie auch hierin der Vierundfiebenzigjährige. Das hätten Deine Nachbarn da braußen in den stillen, breiten Straßen des Westens, toter Freund, nicht gedcht, daß Dir Berlins Bevölkerung, ja, das ganze deutsche Volt, einst ein solches Leichenbegängnis bereiten würde! Behn Jahre lang hatte der bescheidene Mann, oft jahrelang in demselben anspruchslosen Gewand, tagtäglich die Strede zwischen seinem Heim und dem benachbarten Stadtbahnhof zurückgelegt. SchließDiese vier Treppen leiteten vom frühen Morgen an eine lich war er wohl allgemein bekannt geworden in seinem endlose Kette von denen, die ihm noch den letzten stummen Stadtteil, der alte Herr, der, mit dem berben Stod Struß von Angesicht zu Angesicht bieten wollten, hinauf vor den Earg. Die große Pforte war jedem geöffnet. das verschnürte Beitungspaket am Kein Schmuck vor dem Thor, kein Schmuck auf den Arm, so rüstig voranschritt. Aber daß der alte Mann einen felbst die Wohnung ohne Dekoration. Und gerade solchen Schatz von Liebe in den Herzen des Volks besaß, wie Treppen er sich heute offenbarte, am Tage, da man ihn zur letzten Ruhe das war die letzte Dekoration, daß man die Stätten, an denen hinaustragen wollte, das hatten die Herrschaften doch wohl er viele Jahre gearbeitet, an denen er sich im Kreise der nicht geahnt, die da oben so erstaunt hinter den Gardinen Familie erfrischte, kräftigte und ruhte, daß man diese nicht durch standen, die so neugierig von Balkonen und aus Loggien das einen verhüllenden Schmuck verdeckte, daß man seine Er schier unermeßliche, nicht endenwollende Zusammenströmen der innerungen und Andenken, sein Arbeitsgerät nicht durch düsteres Grün verdrängte. Menge bestaunten. in der Rechten, Sie hatten Grund zum Staunen. Man darf behaupten, seinen daß Berlin ein solches Begräbnis noch niemals gesehen hat, wie es am Sonntag dem toten Führer von Genossen bereitet wurde. Nicht Könige und Kaiser erfahren solche Ehren, solche Liebe, wie der alte Rebell, der sein ganzes Leben lang nicht anders gelebt hatte, als der bescheidenste Proletarier auch. Wo ist der oteutat, bei dessen Tode in jedem Arbeiterhause, in jedent abrifjaal freiwillige Ependen der Liebe zusammengebracht werden, um dem Toten einen Kranz aufs Grab legen zu fönnen Welche rührende Anhänglichkeit der Massen an ihren toten Führer und Befreier drückte sich aus in diesem mehr als fünf stündigen Marsch durch die Straßen zum großen Friedhof hinaus. Kein Schaugepränge hatte die Massen verlodt, ihren Sonntag zu opfern; selbst den Sarg konnten nur die wenigsten sehen. Und doch waren sie herbeigeeilt aus dem Osten und Norden und Süden Berlins, aus der näheren Umgebung, aus dem weiteren Deutschland, aus den Ländern, wo Proletarier fremder Bungen wohnen, nicht um Sensationen zu genießen, nicht um zu sehen oder gesehen zu werden sondern um in dem Zug der Hunderttausend mitmarschieren zu dürfen, der den toten Liebknecht zum Grabe hinaus geleitete. In den Morgenstunden hatte es geregnet. Dann brach die Sonne durch, und vor dem Hause in der Kantstraße, wo Liebknecht gewohnt hatte, wo es sonst so stille war und wo dicht unter seinem Fenster jede Minute der Stadtbahnzug vorüber brauste, begann es sich zu beleben. Deputationen tamen mit Kränzen, Freunde kamen, den geliebten Toten noch einmal zu sehen. nur Blumen, Kränze und Sträuße aber lagen in jenem Zimmer, in dem seine Ueberreste zum letztenmal uns sichtbar waren. Blumen über dem Sarg, über den Stühlen, auf dem Tisch, dem Sofa, an den Wänden gelehnt, gehäuft an der Erde alles überschwemmt mit Blumen, die ihm die Augehörigen und nächsten Freunde dargebracht. Vom dunkelsten Not der Rosen bis zum hellsten Feuer der Nelten. Keine Kerzen, nur das milde Licht der Augustsonne. Es kann nicht mehr aus seinen Augen widerstrahlen. Ueber die geschlossenen Lider sind weiße Tücher gebreitet. Der Tod fordert seine Rechte. mehr in unser Gedächtnis einmeißeln, wenn wir es nicht schon Wir fönnen sein Angesicht nicht mehr betrachten, es nicht früher gethan. Nur die martigen Züge können wir noch in uns aufnehmen. Die kann auch das Tuch nicht ganz verdecken. Sie drängen sich durch das Gewebe. dieser Wegsteine feines Lebens, rubte er die letzten Tage in In dem Museum all' feiner Erinnerungen und Andenken, dieser Wegsteine feines Lebens, ruhte er die letzten Tage in seinem Heim. filbergeschmückte Kranz vom Tage der Silberhochzeit. Ueber Drüben, zur Rechten über dem Sofa, der verbräunte, dem Kranz ein Bild aus seinen stärksten Jahren. Der Blick so zuversichtlich, begeistert und drohend hinweg über all die Blumenspenden und Widmungen. In einer Ede am Fenster ein Aquarium. Die glänzenden Goldfische tummeln sich rastlos. Er hat es einst in der Zeit einer Verbannung in Leipzig von seinem Freund Fritzsche erworben für seine Kinder. Ueber dem Schreibtisch blickt der Kopf Engels gerade herab aus schlichtem Rahmen. Erinnerungen über Erinnerungen!.. neben ihm Tussy, die Tochter von Mary, und bei den beiden Da eine Aufnahme von seiner Amerikareise: Er selbst, Aveling. Ueber den dreien im einfachsten Rahmen der alte Liebknecht, wie wir ihn in den letzten Jahren gesehen. Dort eine Uhr, von Silberkaryatiden getragen, gewidmet von der Fraktion; ein Silberschiff, Basen und auf dem Ofenfims Korallenstücke, die ihm ein Matrose, ein Parteigenosse, aus der Südfee mitgebracht. Der Bronzekranz, den ihm seine Mitstreiter im Reichstage zum siebzigsten Geburtstag ge= widmet. Und noch mehr solche Gaben der Liebe und Würdigung. unzählige. Die Geschichte eines Lebens, die Geschichte eines bedeutungsvollen Lebens. Sonst hat das Zimmer nichts Eigenartiges. Aber so etwas war ihm gleichgültig, fonnte ihm gleichgültig sein. Hatte er doch das Eigenartigste selbst hineinzustellen jene Widmungen. Persönlicheres giebt es nicht. llud sie liehen auch heute dent Naum eine besondere Stimmung, eine feierliche Weihe. So ohne alles Gepränge, ohne Prahlerei, ohne Dekoration und Theatereffekt. Und ebenso die Besucher. Bestürzt, ergriffen, flumme lage in den traurigen Augen. Aber nirgends unwahres Pathos, erheuchelter Schein, erquältes Jammern. Würdig, wie es Männern ziemt, tamen sie langsamen Schrittes die Stufen herauf in Reihe, givei Schritte hinein furzer Blick über die reckenhafte Gestalt in das Trauergemach, vorbei an seinem Sohn nur ein die das Zimmer schier zu einem südlich üppig überwucherten Garten machen langsam wieder hinaus. Kein unmännliches, sllavisches Niederknien. Kein Verneigen. Aufrecht. über die Blumen, Aufrecht traten sie ihm noch einmal gegenüber, wie mur Menschen sich gegenübertreten, die einander achten und sich richtig bewerten Neben dem scharfen Gesicht der Buchdrucker und Metallarbeiter das vom Wetter gestählte des Maurers, hinter ihnen blasse Köpfe, Tischler und Schneider; erschütterte Frauen, ihren Schmerz in sich hineindrängend bei dem packenden Anblick, die aufsteigenden Thränen zurückhaltend. Ein Dienstmann in blauer Bluse, die rote Müge in der Das Büffett rechts am Eingang ist ein Geschenk von Partei- Hand, seine Tragstricke im Aermel. Einen Augenblid bleibt er stehen die Müge vor dem Gesicht einen furzen Satz genossen. Seine schlichte, alltägliche Renaissanceschnitzerei bildet murmelt er eine verzweiflungsvolle Geberde- rasch wendet Dann begann auch schon das Zusammenströmen der Massen. einen guten Hintergrund für all die Krüge, Humpen, Becher Gegen 11 Uhr bildeten sich bereits in den Seitenstraßen die und Gläser, die Freundschaft, Verehrung und fröhliche Stunden er sich. Züge nach der Ordnung, die vorgeschrieben war, uni die Masse zusammengetragen. Wunderliche Formen, sonderbare Farben. zu gliedern. Die Anordnungen der Vertrauenslente wurden allgemein befolgt und bewährten sich vortrefflich. An den Eden Gedenken an manch ein leidenschaftliches Gespräch, an gcistder Seitenstraßen standen Genoffen mit schwarzumflorten Tafeln, vollen Wig und Humor. Ein andrer Mann sagt mit schmerzzerriffener Stimme: Der ging zu früh von uns!" Sonst mur Stille. Ueberwältigende Stille. Eine Huldigung im Schweigen. Mit welcher Lautlosigkeit die Hunderte und Taufende heraufdie in großer Schrift zeigten, welcher Wahlkreis oder welche Und zwischen den feuchtfröhlichen Gefäßen seine Geliebte, Gewerkschaft sich hier oder dort aufzustellen habe, um sich später der er bis in den Tod treu gedient: Die Freiheit. Eine Kleine in guter Ordnung dem Zuge angliedern zu können. Run kamen die Genoffen der Bororte, die einzelnen Gewert- Elfenbeinfigur mit stolz erhobenem Kopf, lühn vorgefeptem fommen, mit welcher Lautlosigkeit sie hereintreten und herausFuß und flatternder Fahne in fester Faust. Unter einem gehen die Treppen hinab! schaften herangezogen. Die Eisenbahnzüge wälzten unaufhörlich schützenden Glassturz; von einem Frankfurter Kunstschniger. Keine ordnenden Rufe, teine schußmännischen Weisungen neue Massen heran. Die Menge wuchs von Minute zu Minute. Etwa tausend Ordner mit roten Armbinden sorgten für das Auch über dem Schreibtisch, so einem richtigen, bürgerlichen brauchen die Weihe des Hauses zu stören. Jeder weiß, wie er richtige Einschventen der heranziehenden Trupps, für den Schreibtisch, den er nie benutt, an den er sich nie zur Nieder- sich zu bewegen hat. Wie in einem Strom jede Welle der richtigen Anschluß der in größeren oder kleineren Gruppen schrift seiner Gedanken niedergelassen, auch dort hängt ein Ab- andern nachfließt, wo nichts verloren geht, alles in seinem Ilfer tommenden Genossen der Wahltreise. Die zahlreich auf- bild jener Freiheit, wie sie alle, die sie ersehnen, und lieben, still und gewissenhaft dahinwandelt so selbstverständlich begebotenen Polizeimannschaften verhielten sich zurückhaltend und die Glückseligkeit, den himmlischen Frieden auf Erden bringt wegt sich der Zug der Besucher an der Bahre vorbei und bringt forgten mehr für das Freihalten des Straßenverkehrs. nur die Dunkelgeister wenden sich, von ihrem Lichte geblendet, fein Beileid dar. Und alles ging gut. Keine Störung. Keine Stauung, von ihr ab. fein Gedränge. Während alle andern Abteilungen halten Neben diesem Stich find Photographien jener Häuser in mußten, bis das Zeichen zum Einschwenken gegeben wurde, tamen die Genoffen des 6. Wahlkreises, dessen Vertreter Liebfnecht war, schon mehr als eine Stunde vor Abgang des Buges in Bewegung. Dieser Wahlkreis sollte dem Sarge auf ber Wanderung zum Friedhof vorauschreiten. Borsdorf, in denen der Tote in den Beiten des gerechtigkeitslofesten aller Geseze, in den Tagen der Ausweisungen, der Verbanmungen ein Obdach, einen Ruheort zum Schaffen gefunden. Nicht weit davon eine Abbildung einer Büste von Lassalle, Ueberall fanden wir unter den Parteigenossen, die die Franz Mehring besigt. Auf dem Schreibtische ein paar gefommen waren, dem toten Führer das letzte Geleit zu Bücher, altes Leder, abgegriffen. Die Geschichte der Deutschen geben, die ernst este und feierlichste Stinumung. Ueberall von Wirth. Celluloidbilder, Kabinetts, fleine Nippes. Es wurde vom Alten" erzählt. Alle tannten ihn ja; die meisten fehlen über dem Schreibtisch die beiden starken Bände, die ihm hatten ihn wohl wiederholt in Versammlungen sprechen hören. Viele wußten fiber persönliche Erlebnisse mit dem Verschiedenen fein Freund Singer zum 70. Geburtstag verehrt hatte, in denen zu berichten. Und alle erinnerten fich des Jünglings im weißen die Stenogramme sämtlicher Reden Liebknechts im NordHaar, der so anfeuernd zu reden verstand, mit der gleichen Liebe deutschen und im deutschen Reichstage zusammengebunden sind; und Begeisterung. sie sind ausgeliehen worden für die Schilderung von Liebknechts parlamentarischer Thätigkeit, die der Borwärts" gegeben. Und es tommen nicht nur die Männer im Feierkleid. Manch einer, der in der Nacht scharwerken mußte, manch ein Sausdiener, der auch Sonntags für das Geschäft unterwegs sein muß, tommt herauf. Im Arbeitsrod, auf dem noch die Spuren seines Fleißes. Ohne Vorhemd und Krogen. Keiner fühlt sich dadurch verlegt. Er entehrt die Feier wahrlich nicht. Sein Gesicht findet seine Trauer, sein Leid, daß ihn berechtigt zur letzten Ehrung. Und wollte ihn einer zurückweisen und jener der dort stumun und starr liegt, tönnte noch aufstehen und reden- er würde nicht mur reden, sondern gewaltig donnern. Und es kommen nicht nur die Männer der Händearbeit. Alle, wie sie schaffen Da sind auch die Handlungsgehilfen. Hier und da blasse, überstudierte Gesichter. Später Delegationen der Ungarn. Delegationen der Engländer; ernste, hohe und schlanke Gestalten. Kränze kommen immer wieder. Sie werden ins Neben Sie zimmer getragen. Da sind die Angehörigen beifammen. trösten cinander. Ach und dabei ist jeder selbst so trestbedürftig! Am meisten aber seine Gefährtin und Mutter seiner Kinder. Sie sind zart und aufmerksam zu ihr und pflegen sie mit diefer Bartheit.. Und eins richtet sie wieder auf: die übergewaltige, liebevolle Huldigung. Ab und zu öffnet sich die Thür vom Nebenzimmer. Männer kommen mit schweren Schritten nach der Bahre, treten in die Reihe und schauen wehmütig herüber. Sie haben noch in der lepten Schlacht neben ihm gestanden, fest und start in Reih und Glied im Reichstagsgebäude. Stelle. Die Menschen hatten sich nur selbst gebracht. Sie allein schmückten die Straßen. Sie allein füllten die Straßen. Nicht blendende Dinge und Schausucht fonnten sie zusammengeführt haben. Und dann ein markanter, schivarzer Stopf: Ein Genoffe aus und Magdeburg hatten, abgesehen von der näheren Umgebung aus den Fenstern, herabhängend über die Hausfronten. Keine Mähren, der Grüße von den dortigen Deutschen und Czechen ge- Berlins, sehr starfe Sontingente zu der Trauerversammlung Fahrten auf Halbmast. Keine maßlose Vergeudung von Flor oder Aus Leipzig waren über 300 Genossen, aus Dresden schwarzem Strepp. gestellt. meinsam überbringt. mehr als 130, aus Hamburg, und Halle Magdeburg Sowohl Arbeiter herübergekommen. je annähernd hundert die politischen Organisationen wie auch die gewerkschaftlichen hatten Abgeordnete entsandt. So waren aus Leipzig Vertreter der Baugewerbe, der Metallarbeiter und der Holzarbeiter anwesend, ja selbst die in den fönigl. preußischen Eisenbahn- Werkstätten zu Leipzig be- Und doch diese undurchdringlichen Reihen und doch dieses dichte schäftigten Arbeiter hatten es sich nicht nehmen lassen, eine Ab- Spalier, diese lebendige Hecke, herrlicher, als alles Holz mit Schaumordnung nach Berlin zum Trouerzug zu fchiden. Ju Dresden hatten gold überpinselt, prächtiger, als alle Papierblumen in Gewinden.... Aus den Fenstern der vornehmen Häuser sah die Intelligenz die größeren industriellen Etablissements Deputationen gewählt, ebenso der Konsumverein; hier wie aus den übrigen Städten waren und der Reichtum herab auf diese gewaltigen Massen. Vor vielen die politischen wie auch die gewerkschaftlichen Organisationen zur Fenstern waren die Jalousien herabgelassen. Die Wohnungsbefizer befanden sich noch auf Reisen, in der Sommerfrische, an der See, Die nachfolgende Liste kann auf Vollständigkeit natürlich nicht im Gebirge. Aber jene, die bereits wieder in Berlin waren, fie füllten die den geringsten Anspruch machen. Bei der Fülle der Gesichter" war es nicht möglich, die einzelnen Persönlichkeiten und ihre Vertretung Fenster. Das unerwartete Schauspiel, diese überraschende, lärmlose festzustellen. Aber wen der Berichterstatter feststellen konnte, das sei Massendemonstration zwang auch sie herbei, ihren Tribut dem Enthier aufgeführt. Dick vertrat die württembergische Parteigenossen- schlafenen zu zollen vor ihm den Hut zu ziehen. Und gerade diese Echlichtheit, diese Einfachheit, dieses Verachten schaft. Frohme mit Thomas Altona. Der 8. und 10. EchleswigHolsteiner Wahlkreis hatte Hogreve- Wandsbek mit der Vertretung äußerlicher Dinge, das Weglassen jeder Kulisse, jeden Theatereffetts, betraut. Aus dem ersten Hamburger Kreis waren Grünwald und das auf um so größere innigere Junerlichkeit deutete, das packte. Diefer Anblick der endlosen, dicht aufeinander geschlossenen neben und Stubbe, vom„ Echo" Bérard entsandt worden. Jens- Marschreihen der Proletarier in diesen Straßen des Westens, wo Ottensen, Beusic- Ottensen vertraten den Wahlkreis Elmshorn man sie sonst nur frühmorgens findet, wenn die Sonne aufgeht und Pinneberg, Grothe und Wild- Ottensen die Maurer und Zimmerer niemand sonst von den Bewohnern als ein spät heimkehrender NachtAltonas, Benfer war von den Frauen Altonas deputiert worden, bummler au sebeu ist abends, wenn die Bauten Feierabend gemacht, während Theodor Müller von den Bauarbeitern Altonas entfandt durcheilen die Arbeiter worden war. R. Calver vertrat seinen Wahlkreis Holzmünden, Haase so viel geputzte, spazierende Damen begegnen. Sie wollen noch den und Streckert, früher in Königsberg, feit furzer Zeit in Berlin, die Ost- Bug erreichen, um zeitig zu ihrer Familie in den Vororten und marken, Bollmar Südbayern mit der Metropole München, L. Cohn die Arbeiterquartieren zu fonimen. Aber heute! Diese Tausende und Münch. Post", Gg. Bock den socialdem. Verein München, während Zehntausende. Dieses so sichere, ruhige Verhalten. Nürnberg und Franten ihren Reichstagsvertreter Dr. Südekum aus Das gab einen unvergeßlichen Eindruck. Und so mancher feine Herr, den nur die Neugier hergeführt in Dresden beordert hatten. Aus Dresden war neben Dr. Südekumt Georg Ledebour, der langjährige Freund des„ Alten", erschienen. Die Ketten der Proletarier, so manche feine Modedame sahen erDie offizi- Ne Delegation von Elbflorenz führte der Vertrauensmann griffen drein. Nur das Gebläse zischt an der Fuge des Sarges. Sindermann. An der Spitze der Leipziger Delegation standen Klec- Alle, die gekommen, hatten stundenlang zu warten, mußten mann, Grenz und Seiffert. Jakob, Beyer und Schneider Leipzig stundenlang auf ihrem Platz aushalten, bis endlich der Sarg passiert Die Angehörigen hatten schon früh Abschied von ihm genommen. vertraten das Gewerkschaftskartell der Pleißestadt. Die Namen der war. Und geduldig und ohne Murren rührte man sich nicht. Ohne Heroisch überwinden sie sich und meistern ihren Gram, ihre Ber- Eisenbahner wollen wir aus naheliegenden Gründen verschweigen. durch schallende Musik, ohne durch blinkende Uniformen zuſammenzweiflung. Kottbus Spremberg hatte eine Abordnung von sechs, Breslau gehalten zu werden, ertrugen alle freudig die Qual des Zusammens cine jolche von acht Mann mit Julius Bruhns ant der gedrängtseins. Spize entsandt. Aus dem erst jüngst fieghaft behaupteten Nicht nur allein die Arbeiter und ihre Angehörigen. Auch Gewar Wahlkreis Waldenburg schlesischen Deputation schäftsleute, auch mancher, den seine sociale Stellung sonst zum von Bergleuten in schmucker Knappen- Uniform gekommen, die sehr Feinde der Socialdemokratie gemacht. Viele solche standen im Mit der Vertretung der Wahlkreise Grünberg. Besten zwischen denen, die den Heimgegangenen liebten und beachtet wurde. Freistadt. Solingen und Danzig war gubeil betraut worden. Hoff verehrten. und Langer- Chemnitz führten 30 Genossen aus dieser Und wenn je einer gezweifelt von uns hat es nie einer fächsischen Industriestadt hierher wo sich ihnen ihr Ab- heute mußte ihm offenbar werden: dieser Mam ist geliebt, ehrlich Nur die Liebe ist im stande, geordneter geordneter Schippel anschloß. Offenbach a. M., die Stadt, und wahrhaftig geliebt worden. des socialistischen Gemeinderegiments, hatte außer Ulrich, dem unter solchen Umständen die vielen Hunderttausende auf die Beine Reichstags- Vertreter, die drei Stadtverordneten Eißnert, Heilmann zu bringen. bekommit. Und nun ist es eine Stunde vor dem Beginn des Zugs. Die Thüren werden geschlossen. Nur die Angehörigen dürfen noch Herein. In Gruppen stehen sie auf dem Flur und sprechen gedämpft. Drinnen dber werden die Blumen vom Sarg genommen. Jezt kommt der Augenblid, wo ihn niemand mehr zu sehen Herab von der Erhöhung. Da steht schon der Mann in blauer Bluse, seinen Lötkolben mit dem fast schadenfroh- rauschenden Gebläse in der Hand. Der Deckel wird über den Körper gestülpt. Reiner von seinen nahen und allernächsten Angehörigen kommt. Seiner stört die Arbeit durch Wimmern oder Schluchzen und Jammern. -Dann tragen ihn die Arbeiter hinunter. Vorbei am Arbeitszimmer er an dem schnuclofen Pult stand. Links ein Stich über den Studentenstreit von Gießen, an dem er sich auch, aufsässig gegen philisterhafte Polizei und Bürger, beteiligte. Am einfach verhängten Fenster ein Glasfasten: Blätter vom Grabe seines Jugendfreundes Tortu, der früh sein junges Leben für die Freiheit gelassen. Sonst die Wände bis zur Decke voller Regale, dicht gestopft mit Schriften, gesammelten Ausschnitten und Büchern. Nichts weiter. Eben nur ein Arbeitszimmer. Was war ihm neben seiner Arbeit alles andre! Jezt noch das Pult bedeckt mit Papieren und Blättern. Auch Briefe, die kamen, als er sie nicht mehr öffnen fonnte. Und da hängt auch sein grauer Mantel und da steht sein Stock. Gerade, als wolle er ausgehen -uns begleiten Unten, im Hausflur, wurde der Zinfsarg in den schweren braunen Eichenfarg gesetzt. Die Kränze seiner liebsten Freunde und seiner Familie wurden darauf gelegt. Dann hinaus durch zwei Reihen Männer, die mit Palmzweigen und Lorbeer Spalier bildeten. Auf den Wagen. Hinter ihm die Söhne und entfernten Verwandten, sich mit Blicken tröstend und stützend. Oben, hinter demi Gitter der Loggia still lagende Frauen. Ein letter Blick aus seinem Heim, von den liebsten Augen ein letztes Winten. Der Trauerzug. -Sturz nad 1/21 11hr setzte sich der Zug in Bewegung. An der Spize vor dem Sarge marschierten in unübersehbarer langer Folge die Genossen des 6. Wahlkreises. man N eine M ind Zeisig, abgeordnet. Aus Halle tamen mit Thiele beinahe hundert Und was alles zusammengeströmt war, das fonnte man am Mann. Aus Lüberf waren neben Schwarz, den Abgeordneten, der besten in den größeren, wichtigeren Nebenstraßen, in den sonstigen politische Vertrauensmann Pape und der Vorsitzende des Gewerk- Verkehrsadern sehen. An andern Sonntagen durchfluteten die Ausſchaftstarielts Ehlers gekommen, aus Braunschweig der Ortsver- flügler fie dicht, folgten einander die Tripps und Schaaren von trauensmann Ohlendorff und der Landesvertrauensmann Riete. Wald- und Feldlufthungrigen wie in einem Triebwerk ein Kettenglied Abgeordneter Stolle Gesau führte eine zehn Mann starke dem andern. Die Händler wurden bestürmt im letzten Augenblid. Heute Deputation aus Zwickau und Crimmitschau. Der Wahlkreis Glauchau- tümmierte sich keiner mehr darum, ob er noch Eßwaren bekommen Meerane hatte 3 laun entsandt. Vertretungen waren auch aus den werde, ob er noch Speise und Trank daheim habe. Selbst die Versächsischen Städten Rötha, Groizsch und Würzen erschienen. Aus fäufer standen vor Zug hatte, bemußte man auch jedes Fenster, Rosted waren mit dem Redacteur Groth der Mostocker Vertrauens- einen Ausblid auf den Türen. Und in jenen Straßen, wo man mann Bell und der mecklenburgische Landesvertrauensmann Erdbeer jeden Balkon, jeden Erter. Und wer nicht in einem höheren Stod erschienen. Der Wahlkreis Delizich- Bitterfeld hatte eine Deputation werk wohnte und auch nicht sein Geschäft verlassen durfte, der von 10 Mann beordert, Reißhaus vertrat die thüringischen Lande fletterte auf Stühle, Vänke oder Tische und versuchte aus der Ferne mit August Kilian aus Erfurt. mit einem Opernglas für sich den Eindruck zu gewinnen und fest. Sturz, alle größeren Städte, alle Barteiorganisationen, alle Gewert zuhalten. schaftsverbände, zahlloje Arbeitervereine batten ihre Vertreter nach Wie merkwürdig diese breiten Straßen, diese großen Häuser so öde in der Sommersonntags Berlin geschickt, um dem toten Genossen Liebknecht, der ihnen allen züge so still und einsam in ihren Stämpfen geholfen hatte, die letzten Grüße zu bringen. Die Sonne. O. sie meinte es gut. Fast zu gu Sodann tamen die Genossen des fünften und in nicht endenwollendem die Berliner Reichstags Mittagswärme! Wie fing fie an zu plusen und zu heiz wabitrelics. Der Arbeiterbildungsschule, bie mum wie ſtach fie manchen mit ihren gredden Strahlen in die Augen. folgte, hat Liebknecht von den Berliner Organisationen besonders nabe Aber feiner wich, feiner wankte. Nur wenige verließen die Reihen, gestanden. Er hat sie gegründet und sie auch alle die Jahre hindurch bis die letzte Gruppe sich eingereiht, bis die Turner mit ihrem in ihrem Besteben gefördert. festen Schritt vorbeigezogen. jonne. 1 Jolitan I ind Hier schlossen sich die aus dem dritten, zweiten und ersten Wahlkreis erschienenen Genossen an, ebenso waren die Mann. Immer zu sechs, in geschlossenen Reihen. beiden Berlin benachbarten Streise Teltow Beeskow und Niederbarnim überaus zahlreich vertreten. Ueber zwrei Stunden von der Spige des 8uges bis zum legten Dieses Bild fesselte jeden. In den gewagtesten Stellungen Harrten sie aus: Dienstmädchen, die in den Fenstern aufgerichtet standen, wie sie es vom Fensterpugen gewöhnt. Photographen auf den Kandelabern der Gaslaternen. Junge Burschen auf Mauerpfeilern und Schuppendächern, auf Bretterzäunen. Ueberall, wo ein Play zum Schauen. Dem Sarge folgten auf mehreren flachen, schwarzdrapierten Wagen die Kränze und Blumen, die in der Wohnung eingetroffen Die Gewerkschaften, die sich in der Gegend des Wittentvaren. Das wunderbare Blumenarrangement der Reichstagsfraktion bergplages dem Zuge anschlossen, machten den Beschluß; voran das Tag auf dem Sarge. Einige Wagen führten die näheren Verwandten Baugewerbe, dann die Bekleidungs-, Nahrungsmittel- Industrien, des Verschiedenen dem Sarge nach. Es folgten sodann noch im die graphischen Gewerbe, die Holzarbeiter, die Metall Wagen eine Deputation von Berliner Parteigenossen, die einen aus arbeiter und die Verkehrs und V Die Handelsgewerbe. Und als der Zug an der Vorfstraße das Viertel der Besitzenden, weißen Goldbandlilten geflochtenen Kranz der Berliner Social- legten Gewerkschaften setten sich 21/4 11hr in Be das Viertel jener verließ, die fast obne Ausnahme die Gegner der Und das demokratie mit sich führten und in einem ziveiten Wagen einige Verwegung. Bedenkt man. daß der Sarg pünktlich um 121,2, Teilnehmer sind da verdoppelten sich die Reihen. treter des sechsten Wahlkreises mit einem rotgehaltenen Kranz. Alle wie es programmmäßig vorgesehen, abgefahren war und Allerschönste, was dem Verstorbenen bargebracht werden konnte: übrigen Teilnehmer folgten zu Fuß. daß der vor dem Sarge marschierende sechste Wahlkreis eine halbe Viele Arbeiter hatten ihre Kinder zum Zuge geführt, auf daß Voran die alten Waffengefährten Liebknechts, Enunde lang war, so ergiebt sich die Länge des Zuges auf weit über ihnen der Anblick ein Trieb mehr werde für die späteren Tage der die bekannten Gestalten, die alle ohne Liebknecht fast nicht zu denken zwei Stunden, d. H. ein am Wege stehender Zuschauer mußte von Kämpfe, für die späteren Schlachten. find, die alle ohne ihn nicht das geworden wären, was sie sind, dem Zeitpunkt an. wo die Spize des Zuges an ihm vorüber zog, Eine finnigere Ehrbezeugung fonnte ihm nicht bewiesen und die nun verwaist hinter dem Sarge des Rufers im Streit über zwei Stunden stehen, wenn er das Ende des fieben Kilometer werden, als daß ihm die Zukunft, unsre Zukunft und Hoffnung, daherschritten. langen Zuges abwarten wollte. den Gruß auf den letzten Geleite gab. Unfrem Parteiführer nabe folgten die beiden liberalen ReichstagsUnd welche Fülle von Köpfen, Arbeiterköpfen überall. In jedem Abgeordneten Röfice- Dessau und Dr. Pachnicke, die einzigen bürgerlichen Fenster vier, fünf und mehr. Aus Dachluken und Mansarden. Die Barlamentarier, die in dieser Weise ihre follegiale Pflicht beihätigten. Unire Reichstagsfraktion war start vertreten. Wir sahen außer den An äußerem Schmuck war der Zeichenzug Wilhelm Liebknechts nüchternen Fassaden der Arbeiterviertel belebend. Auch auf den Kohlenhaufen der englischen Gasanstalt bei der Bärwald- Brücke die bereits erwähnten Genossen des Parteivorstands, denen noch sehr arm. Vor der den Zug eröffnenden Musik wurden Palmen- Schlepper und Feuerer, wie sie in ihrem Arbeitswert schnell einen Pfannkuch und Gerisch hinzuzufügen sind, die Genossen Antrick, webel getragen. Der Mujit folgte ein Wagen mit einem roten, Sprung von ihrem Plaz thun komiten. Im Eisengespinst der HochNeben dem einfachen Leichenwagen Calver, Dick, Fischer- Berlin, Frohme, Geyer, Dr. Graduaner, schwarzumbüllten Banner. Dann kamen noch die erwähnten bahn Burschen und Jungen, wie die bunten Punkte einer gewaltigen, Haase, Heine, Herzfeld, Hoch, Hofmann, Horn, Klees, Moltenbuhr, schritten zwölf Palmenträger. Neißhaus, Rosenow, Schippel, Schwarz, Stadthagen, Stolle. Wagen mit Kränzen, zwischen die einzelnen Marichabteilungen ein- modernen Guirlande. In den wenigen Hinterhäusern, die noch nicht Dr. Siedekum, Thiele, Tutzauer, Ulrich, v. Vollmar, Wurm und geschoben, einige Mujifcorps und ganz hinten bei den Gewerkschaften ganz verbaut, jeder Play, jeder Ausguck besetzt. Zubeil. Die socialdemokratischen Frauenorganisationen waren durch die führten die Berliner Schuhmacher das schwarz- rot- goldene Sturmbanner Genofsinnen Ihrer, Baader und Betlin vertreten. Ihnen hatten sich mit sich, daß sie noch aus dem Jahre 1848 befizen. Kränze wurden im einige liberale Politiker, Dr. Bernstein, der Vorsitzende des frei- Buge fast gar nicht getragen, so daß das äußere Bild ein sehr ernſtes finnigen Wahlvereins in Charlottenburg, und Dr. Natban, der und schmuckloses war, wie es dem Charakter des Manns, den sie Herausgeber der liberalen Wochenschrift Nation", angeschlossen. hinaustrugen, entsprach. " Es folgte die Medaktion des ,, Vorwärts", die Und doch wirkte der Zug so machtvoll, wie noch kein Leichenzug Geschäftsleitung, das Beamtempersonal der Expedition selbst- in Berlin gewirkt haben mag. Es war die ungeheure Summe an verständlich in corpore. Dankbarkeit und Liebe, die da in ungezählten Proletarierherzen war Still Den Hut ab Der Sarg Unterwegs. Und alle freuten sich über die roten Schleifen, die nicht ganz bom Flor oder von Blumen verdeckt waren, wie es die Polizei in freundlichem Ersuchen gewünscht. Einzelne der roten Bänder waren Nicht einer äußerte einen Laut des Unwillens. hervorgerutscht. In den Arbeiterquartieren. Dann fam die lange, lange Reihe der ausländischen vorüberzog. und auswärtigen Delegierten. Oestreich batte Victor Je tiefer der Zug in die eigentliche Arbeiterbezirke eindrang, Adler und Ferdinand Skaret für die deutsch- östreichische Socialje dichter wurden die Menschenmauern, die ihn umfäumten. Waren demokratie entsandt, Josef Krapfa vertrat die czechischen, Nemec den die spalierbildenden Massen vorher in zwei und dreifachen Reihen Bravo lidu" in Prag und die Prager Genossen zusammen mit aufgestellt, so wurden es allmählich zehn- und zwanzigfache Toujar, Jobann Emittta die öftreichische Gewerkschaftskommission, Reihen. Das gesamte spalierbildende Publikum vom TrauerIgnaz Daschusti tam für die polnische Parteigenossenschaft, hause bis zur Friedhofspforte wird auf eine halbe Million Dr. Czech für die mährische. Die parlamentarische Frattion der die Abg. KieseVon Menschen geschätzt. neben Daschnski durch Destreicher der Gegend des Görlitzer Bahnvertreten. Die Menge, die geduldig geharrt, bis der erste, fast eine hofs ab bekam der Leichenzug fast ausschließlich proletarische wetter und Krainz für Reichenberg in Böhmen Berfus vertrat die socialistische Partei Russisch- Polens. Aus Stunde lange Teil des Zugs vorüber, schweigt ernst. Hier und da auch unterwegs nur die Zuschauer, die hier immer mehr zu wirklichen Teilnehmern Frankreich waren gekommen Baul Lafargue, der Schwiegersohn weht ein Taschentuch über den Köpfen an der Leichenfeier wurden. Am Görlizer Bahnhof waren die von Karl Marx, für die Guesdisten, Gérault Richard, der Chef- lautlose Huldigung. redacteur, und Téjeante, der Eekretär der Petite République". Und alle, die ihm vorher nicht ihre Huldigung darbringen Mauern des Bahnterrains mit Menschen besät, in den Querstraßen Die Arbeiter von Lille hatten Ronnard entsandt und Leopold Segner fonnten, alle, die keinen Platz im Zuge gefunden, sie hatten sich hinter der Menschen- Mauer waren Wagen aufgestellt, die als Tribüne Anderwärts waren förmliche Gerüste aufgebaut, und vertrat die in Paris lebenden Ungarn, während aus Ungarn selbst in dichten, oft zehnfachen Reihen zu beiden Seiten der Trauerstraße, dienten. überall die Häuserreihen und entlang Tische, Stühle Borth und Ackermann gekommen waren. Belgien war durch Anseele des Wegs, den der Leichenzug nehmen mußte, aufgestellt. Bänke, 11111 auch den und Hardyns aus Gent( Vooruit) sowie Serwvh aus Brüssel( conseil Zuspätgekommenen zu ermöglichen, Von allen Seiten, aus allen Nebenstraßen drängten sie noch dem hier so wohlbetammten alten Kämpfer noch einen lezten Gruß géneral du parti ouvrier belge) vertreten, Holland durch van Kol und Troelstra, schließlich Dänemark durch B. Kundjen, unablässig herbei; immer dichter wurden die Reihen, die sich ständig nachwinken zu können. Die Fenster jetzt noch voller, teilweise die die Schweiz durch Manns und die Socialdemocratic Federation verstärkten und verdoppelten. durch Sounders Jacobs, West Ham, und Herbert Burrows= Nirgende konnte man eine Verschwendnng in fünstlicher Aus- Dächer mit Menschen besetzt. Am Wege im Gedränge sehen wir schmückung schen. Nirgends Obelisken, nirgends Wimpel oder junge Mütter stehen mit schlafenden Kindern im Arm; sie haben London. Aus Deutschland war fast jede größere Stadt, fast Statafalte mit brennenden Schalen, nirgends Guirlanden oder Topf- niemand zu Haus, der bei den Kindern bleiben könnte, und Keine Teppiche teilnehmen wollten sie doch auch an der Proletarierfeier. Ueberjeder Wahlfreis vertreten. Hamburg. Leipzig, Dresden, Halle gewächse in ungeheuerlich verblüffeuden Mengen. D = " Nirgends war eine Lücke. aus Paupt fieht man jezt mehr in der tole das ganze Bild sich aus Lille von den dortigen Parteigenoffen, den andern beiterflaffe gewidmet. 53 Jahre hindurch hat er im öffent mannigfaltiger gestaltet. Männer im Werftagsrod und Arbeiter spendet die Föderation des Nordens Frankreichs dem Veteranen lichen Leben gestanden. Als junger Mann von 21 Jahren frauen, wie sie eben die häusliche Thätigkeit verlassen haben. Stunden- der internationalen Demokratie. In Lille und Roubaix fanden kurz war er bereits in der Schweiz im Arbeiterverein thätig, mit lang hatten die teilnehmenden Menschen am Wege schon ausgeharrt, bor dem Londoner internationalen Kongreß bei Liebinechts und 22 Jahren eilte er nach Deutschland; als die Revolution ausbrach, als der Zug in der vierten Stunde diese Gegend passierte. Singers Anwesenheit jene Demonstrationen französischer Nationalisten schloß er sich dieser Bewegung an. Gefangen und befreit ging er statt, die an der Thatkraft unsrer französischen Genossen clend Ueber die Oberbaumbrücke führt man die Leiche Liebknechts scheiterten. Die prachtvollen Kränze, die gerade aus diesem Teil wieder, um mit der Flinte in der Hand für die Freiheit und Ein hinweg, vorbei an den großen Anlagen für den Endbahnhof der Frankreichs tommen, belunden, daß wenigstens bei den Arbeitern heit Deutschlands zu kämpfen. Leider ging die Bewegung zu Grunde, neuen elektrischen Bahn. Alles ist noch neu oder unfertig, alles der beiden Kulturnationen auch nicht eine Spur eines nationalen er mußte ins Eril, und lehrte erst nach 13jähriger Berbannung zurück. trägt noch den Stempel der intensiven menschlichen Arbeit, die hier voll- Gegensatzes borbanden ist. In 87jähriger Thätigkeit hat er dann jene großartige Aufklärungsführt wird. So recht das Milieu für den Leichenzug eines Arbeiterführers. Daneben wurdens zwei hohe Balienarrangements von Vertretern arbeit vollzogen, die wir alle tennen gelernt haben. Es giebt feinien Und auch die Massen im Zuge sind hier heimisch in dem Element des Leipziger Gewerkschafts- Kartells und der Socialdemokratie aus unter uns, der ihm nicht Anregungen und Belehrungen verdankt, der der Arbeit. Dann durch die wie frisch aus der Erde gewachsene Neuß. j.. gehalten. Der Platz der Leichenhalle gegenüber aber ist eine mehr, der andre weniger ich, der ich in 35jähriger FreundWarschauerstraße, auf einigen Neubauten find alle Gerüste und alle neiblos den ausgesperrten Hamburger Werftarbeitern schaft und Stampfgenossenschaft mit ihm verbunden war, vieleicht Etagen bis zum Dach mit Menschen gefüllt. Glod a D über bem eine Sie bringen ein mächtiges weißes Kissen aus Aftern, Das, alter Freund, sei Dir herzlich Beim Einbiegen in die Frankfurter Allee richten sich aller Blide kräftig das Not der Bänder ab, die in goldenen Buchstaben einen gedantt. eine Balme emporsteigt; aus den weißen Blumen hebt sich am meisten. auf ein Eckhaus, dessen Dady in lebensgefährlicher Weise mit zu Scheibegruß an den alten Rebellen von den vaterlandslofen Ge- Wo immer die Partei einen Kampf zu führen hatte, stand er Dach schauern bedeckt ist. Auch die Frankfurter Allee ist da draußen fellen" tragen. Bu diefer Gabe hat keiner der Ausgesperrten niehr an der Spize, sei es im Parlament, sei es in der Presse, sei es in reines Proletarierviertel. Die Häuserreihen zu beiden Seiten lichten als 5 Pf. beisteuern dürfen und doch sind etwa 200 M. zusammen Vereinen und Versammlungen. Niemals versagte die Thätigkeit sich schon. Die Menschenreihen nicht. Und immer bebt eine mächtige gekommen. Liebknechts, immer war er bereit, sein Bestes zu leisten, und er hat Bewegung durch die Massen, wenn der Zug nahtoni niser bermöchte die Pracht und Schönheit der einzelnen Stränge sein Bestes geleistet. Um so schmerzlicher mußte daher die Nachricht diser Hier draußen im äußersten Osten Berlins haben die Straßen zu schildern? Das Grandiose dieser Manifestation der Liebe und ein Bestes geleistet. Um so schmerzlicher mußte daher die Nachricht schon in den Vormittagsstunden gezeigt, daß das Bolt einen Verehrung lag ja auch hier nicht so sehr im Einzelnen, wie in der von seinem Tode uns alle berühren. Ihn, der in einem Alter, wo schon in den Vormittagsstunden gezeigt, daß das Bolt einen unerhörten Masse. Das feelenaufrüttelnde Rot überwvog in der andre längst das Arbeiten aufgegeben haben, mit einer geradezu Trauertag hat. Unaufhörlich haben die Deputationen die von der Farbe der Blumen wie der Bänder. Note Rosen und Chrysanthemum. bewundernswürdigen Lebensfreudigkeit und Energie noch thätig war, Liebe des Volks dargebrachten Kränze hinausgefahren. Wagen auf Astern, Gladiolen und Georginen, das waren die Blumen, die den ihn traf wie ein Blizz der Tod. Und nicht allein der deutschen Wagen rollte zum Thore, hinaus vom Morgen bis in die dunkelgrünen Lorbeer und das hellere Grün der Balmen erwärmten. Arbeiterklasse ist Liebknecht Vorfämpfer gewesen, Nachmittagsstunden, dem alten Kämpfer die Blumen zu bringen, die Und auch die Mehrzahl der Schleifen war rot. Hin und wieder sah auch dem internationalen Proletariat. Er war die Inkarnation er so liebte geschmückt mit der roten Farbe, unter der er ein man ganz schwarze und ganz weiße Schleifen; einige Gewerkschaften des internationalen Gedankens, was nicht verhindert, daß halbes Jahrhundert gefochten hatte. hatten das Schwarz gewählt, und die sächsischen Organisationen, die er Hinter der Ringbahn hören die Häuser langsam auf. 8wifchen eine außerordentliche Menge von Kränzen entfandt hatten- Lieb- gleichwohl ein guter Deutscher war, nicht im Sinne des offiziellen, bort in fo Are sondern des demokratischen Deutschlands. Die Arbeiter aller Länder hatten das Weiß bevorden Lücken fleht man hu höre man über freies Feld hinaus. Hier und da eine necht hat dort ja so lange Jahre gewirkt zugt. Die Erfurter Genossen hatten ein prächtiges Arrangement haben zu ihm emporgeschaut, ihn um Stat gefragt. Sein reiches Fabrit. Links eine Laubenkolonie, wo die Arbeiter ihre bescheidenen gesandt, zwei umgekehrte Fadeln und dazwischen ein L in roten Wissen befähigte ihn zu der Stellung, die er belleidete. Keinen giebt Sommerfreuden genießen. Die Wimpel und Flaggen der Lauben und weißen Astern. Von der Lüneburger heide war ein prächtiger es, der ihn zu ersehen im stande ist. stehen auf Halbmast. Immer und immer wieder die Stätten der Kranz, aus Heidekraut gewunden, geschickt worden. Die Gaben der Und nicht allein ein großer Parteimann, ein Parteiführer Arbeit und der Arbeiter, 11111o8jindic Genossen aus Chemniß, die viele Kränze gesandt hatten, zeichneten sich war Liebknecht, er war auch ein großer Mensch. Ein reiches Menschendurch die goldgestickten Inschriften aus. Prächtig waren die Spenden der leben ist in ihm dahingegangen, ein treuer Freund, ein guter Hamburger und Berliner Parteidruderei; schön die Kränze, die Kamerad. Einen besseren Kameraden wie ihn fannten wir nicht Ed. Bernstein und Motteler aus London geschickt hatten. Einen und werden wir nicht kennen lernen. Aber nicht nur das. Er, der Riefenkranz hatte das Gewerkschaftshaus dem Aiten gewidmet. Ein Teil der Kränze ist in den Bäumen und Sträuchern auf- Führer einer Partei, die nach Ansicht unsrer Gegner die Ehe und gehangen, die die Grabstelle umfäumen. Sie liegt nicht weit vom Familie zerstören will, an der der beste Ehemann, der liebevollste Eingang rechter Hand, und von dem erhöhten Hügel, den der Vater, ein Ehemann und ein Vater, der als Ideal dastehen lann, berausgeschaufelte Sand bildet, sieht man himmter an den letzten als ein Muster und Beispiel für Tausende seiner Gegner, die die Proletarierhäusern der Vorstadt und auf der Eisenbahnstrecke, die Ehe und Familie zu verteidigen vorgeben. Ein unauslöschliches unten vorbeiführt. Sier also wird der Alte seinen ewigen Schlaf Denkmal batter sich im Herzen des Proletariats gesetzt. Als wie vor vier balten. Es ist ein schöner Blaz, mit dem Blick in die freie Ebene. Jahren seinen 70. Geburtstag, seinen großen Ehrentag, feierten, da Diefer große Berliner Gemeindefriedhof hat nicht das Er- Die zwei Meter tiefe Gruft ist durch Bohlen abgegrenzt; vorn liegen fchredende, Stolte und Furchtbare so vieler andrer Bestattungs- die beiden schwarz gestrichenen Balken darüber, auf denen der Sarg fahen wir, wie von allen Seiten Zeichen der Anerkennung, der Liebe ſtätten. Wie ein arteg frischen Nasenpläßen da; die Gräber Grube... Bart liegt er mit seinem grünen Buschwert, seinen stehen wird, und die vier weißen Senttücher überspannen schon die und Verehrung in seiner Wohnung zusammenströnnten. Aber noch schattigen mehr haben diese letzten Tage Kunde von der Verehrung Liebknechts versteden sich fast hinter den Heden, fie fügen fich stid j gegeben. Tausende von Liebeszeichen aus allen Ecken der Welt ervor allem in seinem vorderen Teil, der vor der Leichen- and dil me blickten wir hier, Hunderte von Delegierten nicht nur aus Deutschland, Dann kam Friedrichsfelde und dann trugen sie unfren Alten hinein in das grüne Gefilde, von wo es teine Wiederkehr giebt. Es war 3/46, die milde Nachmittagssonne lag über dem Felde und spielte durch das Laubwerk hindurch auf dem Rasen des Friedhofs, als der Sarg durch die Pforte zog. I sfre Auf dem Friedhof. this marmornen madodana und Ordner eilen hin er war es sondern aus faſt allen Kulturländern Europas ſtehen heute schmerzGrbbegräbnisie wie eine Störung empfunden werden. N Die Aukunft des Tranerzugs. Nur die erfüllt an seinem Sarg, um Zeugnis abzulegen von der Liebe und Ruhe, die über diesen, weiten grünen Gefilden, über diesen einsamen Banmgängen liegt, giebt ihm das Feierliche. Heute spannt sich ein fationen stehen hinter ihren Stränzen, geduldig, unerschütterlich; die von denen einige selbst in diesen Tagen nicht unterlassen konnten, 19 Die Stunden vergehen. Alles erwartet den Zug. Die Depu- Achtung, deren er sich erfreute. Das mag unsren Gegnern, lichter blauer Himmel über das Gräberfeld, der nur unruhig wird durch die vereinzelten weißen Wolfen, die über ihm hinwegziehen, manche einen Auftrag erfüllend. her, eine Nachricht bringend, ihn zu schmähen und zu verunglimpfen, ein Zeichen dafür sein, wie Draußen vor dem Friedhofstore tief ihn das Volk im Herzen trägt. ein wenig dintel gefärbt und regendrohend, andre nur leicht und dünn wie Dunst. Wenn die Auguftsonne vorbricht, dann hebt sich stauen fich Wagenburgen auf, und dicke Menschenmauern umfäumen der gelbe Backsteinbau des Portais besonders träftig aus dem auch hier die Straßen. Die Dächer der niedrigen Stationsgebäude in so reichem Maße ausgeworfen, funflen Grün ab, und die große stuppel ber Zeichenjane ficht wie find dicht beſeyt, ein paar Jungen möchten auf dem Friedhof zaun wird weiter aufgehn, sein Name ist mit goldenen Lettern sich einen Platz erringen. Und die Stunden vergehen. Blei aus. 190 der Blick über die Ebene, aus der ein paar Mietstasernen, die Der Same, den er und in die Geschichte der Arbeiterbewegung eingeschrieben. Er fann getrost von hinnen gehen, das Saatkorn, das er gestreut, wird reiche erreicht werden. Früchte bringen, das Ziel, das er gesteckt, wird durch seine Nachfolger So lebe denn wohl, Du treuer Freund! Ewig werden wir Deiner gedenken und uns bemühen, Deinem Beispiel zu folgen. Ruhe in Frieden! Wir gedenfen Dein! Die Juternationalen. Nach Bebel ergreift als Vertreter der östreichischen Genossen Victor Adler das Wort: Gegen 10 Uhr vormittags tamen die ersten Büge der Genossen die Straße hinunter, die von Friedrichsberg Buge voraus. Eine Biertelstunde später taucht das erste, umflorte Es ist fünf Uhr. Da trägt der Wind die ersten Mufilklänge vom aus über einen mäßigen Hügel hinab zum Friedhof führt. Barteibanner am Horizont auf, und es geht wie ein Ruck durch Links breiten sich fich table abgeerntete Felder aus, rechts unten läuft der Schienenweg deo Ostbahn. Darüber wieder schweift die Maffen. Nun steigt das Banner den Hügel hinunter, und die drei Führer des Zuges langen am Bortal an. Die Musik verstummt, legten proletarischen Ausläufer von Lichtenberg Friedrichsberg, auf die die Ehre des Vortritts hatten, ordnen fich in gleichmäßiger Bend die Genossen des 6. Wahlkreises, tauchen. Die Ordner find es, die zuerst ankommen. Der 4. Wahlkreis hat sie für den Dienst vor und auf dem Friedhof wegung spalierbildend zu beiden Seiten der Straße. Aber rasch gestellt. Der Osten hat 200, und ebensoviel der Südosten, feiner vergeht eine halbe Stunde, bevor der Leichenwagen in den Friedhof erprobteften und zuverlässigsten Genossen gestellt, die suun, die einlenft und den langen, regenfeuchten Weg, wo das Wasser schmale rote Binde um den linken Arm, ihres freiwilligen Amts zu noch in den Scheisen steht, emporfährt bis zur Leichenhalle. Und nan hält er, und eine große Stille liegt walten beginnen. Kaum sind die Aufgaben verteilt und die Posten auf der Masse, während der schwere Sarg hinunter besez, so beginnt schon die Arbeit. Die Friedhofsverwaltung und der mistoitcher laffen es nicht an Entgegenkommen fehlen. Auj gehoben und, von sechs Balmenträgern geleitet, hineingeführt wird ihre Anordming wird aus dem Bretterzaun, der den Friedhof rechts in die Halle zum schwarz verhangenen Katafalt, auf den er niedergesetzt gegen die Straße abgrenzt, die zwischen ihm und den Eisenbahndanım gelegt wird mitten in ein dichtes Lorbeergebüsch hinein, aus dem in Im Namen der östreichischen Arbeiter aller Nationen stehe ich gegen die Straße abgrenzt, die zwischen ihm und den Eisenbahndanim sechs vielarmigen Leuchtern die Kerzen still und ernst hervorleuchten. hier an der Bahre Liebknechts, um ihm zu danken für das, was läuft. ein Teil herausgebrochen, um den Maffen, wenn fie am und langfam füllt das Trauergefolge die Halle. Einige Stühle sind wir alle zusammen und jeder persönlich durch ihn geworden. Wer Grabe vorbeigezogen find, Ausgang und Abzug zu schaffen. Die Arbeiter Sainoriter- Kolonne erscheint und baut ihr neues weißes aufgestellt, auf denen die schmerzgebeugten Angehörigen, Söhne. heute hier heraufgezogen ist und dieses Schauspiel gesehen hat, wer das Volk in seinem wahren Schmerz und seiner echten Trauer geBelt mit dem roten streuz nicht weit vom Eingang auf einer Wiese Töchter, Verwandte, sich niederlassen. Im Friedhof auf. Drinnen wurden zwei Betten aufgeschlagen, die durch Aus dem Seitenraum dringt Gesang hervor, ein tiefer, voll- fehen hat, wer da weiß, wie es in den Herzen des Berliner Volks Borhänge von dem übrigen Teil abgetrennt sind. Der Wachstuchtisch wire 6. Streife taben schlichte Volkslieder gewählt. tönender Männerchor. Die vier Arbeiter- Sängervereine aus den aussieht, wie es heute überall aussieht, wo es Arbeiter giebt, die sich aufgestellt, ber die notwendigsten Meditamente und Juftrumente Gräber" heißt das erste, das sie singen. 8um Neich der als Menschen fühlen, und wer da weiß, daß Liebknecht jede trägt und die Genossen und Genossinnen, die im Samariterdienst ausgebildet sind, harren in ihren weißen Abzeichen und Schürzen daß ihm die ersten Worte kaum aus der stehle wollen. Und nun tritt Bebel vor und wendet sich, selbst so erschüttert. Minute seines Lebens dafür eingesetzt hat, daß sich dieses gemeinsame Empfinden bei allen Völkern bildet der weiß, was wir in der Arbeit hoffentlich sind es nur leichte Fälle, die ihre Hilfe Liebknecht begraben. Es giebt in der Geschichte der Arbeitererfordern. bewegung feiner Nation irgend einen großen, bedeutenden Fortschritt, an dem nicht in irgend einer Weise Liebknecht mit beteiligt gewesen wäre, seit 50 Jahren. Wir können nichts andres an seinem Sarge thun, als ihm Dant sagen. Sein Name und sein Werk ist un sterblich. Als Adler geendet, tritt nial tidaksid hoid wid aldat Bald erscheinen auch die ersten Deputationen, die Kränze nach dem Friedhof bringen. Bis 12 Uhr tommen fie noch vereinzelt und in Zwischenräumen; dann aber werden die Scharen Ansprache Bebels. Paul Lafargue der Kranztragenden immer dichter, und schließlich ist es ein ununterbrochener Strom, der sich in den Friedhof ergießt. Zu Fuß Veehrte Trauerberfammlung! Es ist ein tiefschmerzliches tommen fie und zu Wagen; hier langt der Kremser einer Ereignis, das uns heute hier zusammenführt, ein Ereignis, das die Fabrit an, der einen Riesenkranz bringt, so schwer, daß Arbeiter der ganzen Kulturwelt auf das tiefste erregt. Wilhelm givei starte Männer Mühe haben ihn zu tragen; Liebknecht, unser großer Führer, unser fühner Vorfämpfer, er ist dort blitt ein rotes Banner, die Fahne einer Gewerkschaft, auf nicht mehr. Wie der Blitz aus grauer Wetterwvolte herniederfährt an den Sarg, um mit bewegten Worten die unvergänglichen VerTroschken und Equipagen rollen heran. Aus Charlottenburg und die fühn aufstrebende Eiche zerschmettert, so hat der Tod diese dienste des Toten zu schildern. Er ist nicht der deutschen Socialtrifft eine lange Wagentolonne ein, 23 agen waren notwendig. Eiche gefällt, plöglund unerwartet für uns alle. Als am 7. August Welt. Er gehört zu denen, die nach Kräften dazu beigetragen haben, demokratie allein gestorben, sondern der Socialdemokratie der ganzen um den Kranzschmid der politischen und gewerkschaftlichen Organi und den folgenden Tagen die Nac.icht von dem Tode unfres teuren sationen dieser Stadt zu befördern, die Liebknechts langjähriger letter Wohnort war. Liebknecht durch die ganze Welt ging, da erregte sie das tiefste Beileid, die Grenzen zu beseitigen, die jetzt noch die Völker trennen. Redner Nach 1 hr wird der Andrang der Deputationen so start, daß den tiefsten Schmerz, aber auch gar manche Zweifel. Bu den erinnert an die Vorgänge in Marseille, wo es am deutlichsten zum es unmöglich wird, sie vollzählig auf den Friedhof zu lassen, fie Zweifelinden gehörte ich selbst. Ich, der in jenen Tagen mit Freunden Ausdrud lam, daß das franzöfifche und das deutfche Proletariat auf. allein würden die Wege drin füllen. Nur ein Mann, der eigentliche in den Hochgebirgen der Schweiz, die Todesnachricht durch die ewig geeint feien. Für die Tochter von Karl Marg, seine Frau, Träger des Kranzes darf hinein, höchstens zwei, wenn die Last gar Beitung erhielt. Ohne Stommentar hieß es da turz:„ Liebknecht ge- überbringt Lafargue die leßten Grüße an den Freund ihres Vaters; zu schwer ist. In ununterbrochener Reihe wandert Stranz auf Kranz storben." Liebknecht gestorben? Das ist ja unmöglich, sagte ich allen Kindern von Marg habe Liebknecht wie ein Vater zur Seite durch die kleine Seitenpforte des schlichten weißen Holzgitters, das mir. Hast du denn nicht in denselben Tagen in Zeitungen gelesen, gestanden, er, der mit Marg zusammen die Leiden und Kümmernisse das Friedhofsthor bildet, hält das Rot der Schleifen und Bänder wie er in Versammlungen fühn das Wort ergriff? Weißt du nicht, des Grils geteilt habe. Adieu, Du guter Kamerad, seinen Einzug. Können Zahlen eine Vorstellung von der Größe diefer Kranz- daß er in diesen Tagen nach dem schönen Zürich tommen will, um dieu, Du Vortämpfer der Internationale! Im Namen der Petite République" ruft deren Chefredacteur flut geben, die sich nun auf einem Wege von fast tausend Schritten von dort aus in derselben Stunde, in der wir hier versammelt sind, auf rechts und links im Halbbogen von der Leichenhalle hinzieht? dem Nollen eine Rede zu halten zu Ehren der Verbrüderung der Gérault- Richard Sind es 1500, find es 2000 Stränge? Aus Berlin fehlt schweizer, deutschen und öftreichischen Arbeiter? Alles das ging mir sicherlich keine politische, teine gewerkschaftliche Organisation der durch den Sinn. In meinen Zweifeln wandte ich mich an den bem verstorbenen Streiter herzliche Worte des Abschieds zu. Liebknecht Arbeiter. Aber auch große und fleine Fabriten haben es sich nicht Borwärts", um zu hören, ob sie denn wahr sei, die unerhörte hat nicht für Deutschland allein, er hat für die ganze Welt gekämpft. nehmen lassen, daneben noch besondere Kränze zu weihen. Tanu unglücksnachricht. Leider war sie wahr, leider ist der Mann, dem als ich durch die Straßen ging, hörte ich eine Frau sagen:„ Da Die Sache des internationalen Proletariats war es, die er verfocht. kommen die vielen Städte im Reich, aus denen die politische Partei die Arbeiter aller Länder so unendlich viel verdanken, für immer und die Gewerkschaften oft sogar eigne Vertreter mit den Kränzen von uns geſchieden, sein beredter Mund ist geschlossen, die Feder, tragen sie den Alten zu Grabe!" So hieß es auch, als Blanqui zugleich entfandt haben, au Und auch aus dem Ausland find Kränze gekommen. Die die so scharf au schreiben verstand, ist seiner Hand entglitten, fein 8 Grabe geleitet wurde; auch er war der Alte". Liebknecht hat für uns alle, er hat für den Fortschritt der Menschheit gearbeitet. Freitreppe, die zu dem von zwei dorischen Säulen getragenen Vor- Arm für immer erlahmt. Der Trauer der polnischen Genossen giebt das Mitglied des raum der Leichenhalle führt, ist zum eigentlichen Mittelpunft dieses Was Liebknecht uns, der deutschen Arbeiterklasse, den Arbeitern Reichsrats Kranzmeers geworden. Links unten ragt der größte und einer der der ganzen Welt gewesen ist, das zu schildern ist nicht meine Herbert Burrows, schönsten Stränge empor, der Kranz, den der 6. Wahl Aufgabe, das werden Bessere und Berufenere übernehmen. Noch in freis seinem geliebten Vertreter weiht. Auf der andern diesen Tagen trug fich der Verstorbene mit der Absicht, eine große Delegierter der Socialdemokratischen Föderation Englands: Seite. der Treppe wird der fast ebenso große Aranz Die deutsche socialdemokratische Partei und die Vertreter des des 4 Kreises gehalten und dicht aneinander gereiht agitationsreise nach dem Süden zu machen; er, der vierundsiebzigsteigen die Kränze empor bis zum Flur. Hier links liegen die jährige Mann übernahm bereitwilligst das, wovor wir Jungen beut Socialismus fast aller Kulturländer drücken sich heute an dem offenen Kränze, die das Ausland gesandt, Schweden und Ungarn, Bestreich zutage scheuen, er betrachtete als Erholung, was wir als Mühe Grabe unsres Liebknecht kameradschaftlich die Hand. In seinem Tode Sein Arbeit ansehen. und Amerika, England, Rußland und Polen. Zwei gewaltige rote und Leben ganzes hat noch spricht Liebknecht ebenso beredt zu uns, wie in seinem Leben. Immortellen- Räder lehnen an den Säulen; der eine tommt er dem Wohle der Menschheit und besonders der Ar- Daß unsre Stimmen seinem liebenden Weibe und seinen trauernden schwere " Das sei unser Dant, das sei unser Gelübde. Und damit laffet uns Abschied nehmen von unserm großen Toten. Sei gegrüßet, Unsterblicher! Noch einmal tönt es:" Da unten ist Frieden". Dann schlägt die Erde leise auf den Sarg auf, die Kinder- und Freundeshand hinuntergleiten läßt. Kränze folgen, und der Raum ist bald gefüllt, und nun häufen sich ganze Berge von Kränzen links und rechts auf. Die Schleifen sind abgetrennt; sie werden der Familie ein teures Andenken sein. Kindern auch nur den zehnten Teil des Schmerzes übermitteln uns vereint. Nun, wo er von uns geschieden ist, trägt er etwas von uns nicht mehr beschieden ist, den Tag des Sieges zu erleben, könnten, den wir über den umersetzlichen Verlust empfinden, der uns allen mit sich fort. Hier ist nicht nur ein Mensch, sondern mit ihm dann werden andre an unsrer Stelle das Werk fortsetzen, das Du sie und uns betroffen hat. Wenn es für solchen Verlust einen Trost eine Phase der Geschichte des Proletariats gestorben. Unter den begonnen. giebt, so ist das Bewußtsein, daß sich in diesen Tagen ein Strom von Sternen des internationalen Socialismus neben Marg und Engels Sympathiebezeugungen von der ganzen socialdemokratischen Welt wird auch Wilhelm Liebknecht leuchten. Er hat uns den Weg gezeigt, ergossen hat. Von England bis Italien, von Frankreich bis den wir zu gehen haben, er hat die Aufgabe, die zu lösen ist, für Rußland, von Oestreich bis Holland, bon Spanien bis uns leichter gemacht, so daß wir heute, wo wir den Tod des Belgien, von der Schweiz bis Dänemark und Skandinavien, Tapfersten und Besten beweinen, gleichzeitig auch unsre Augen auf von Anterika bis zu dem fernen Australien und selbst von Südafrika den Tag unsrer Befreiung richten können. Wenn die internationale bis Japan trauert das Proletariat um den toten Freund und Arbeiterpartei dereinst triumphiert sein redlich Teil hat er dazu Führer. beigetragen. Aber wenn unser geehrter Soldat des Socialismus noch ein- Namens der czechischen Socialdemokratie spricht mal zu uns sprechen fönnte, er würde uns daran erinnern, daß wir selbst angesichts des Leids an die Lebenden uns wenden müssen. Er würde uns fagen, daß unsre Gedanken mit den Armen, den Unterdrückten sein müssen, für die er gelebt und sein ganzes Leben gekämpft hat. Es war dies ein fürstliches, ein tönigliches Begräbnis in des Wortes bestem Sinne. Nicht kommandierte Truppen mit Säbel und Bajonetten sind es, die ihn zur letzten Ruhe geleitet haben, sondern es waren die ungezählten Tausende des Bolks, mit dem er gelebt und für das er gestritten. Nemeç- Prag dem Dahingeschiedenen für das, was er für das Proletariat der ganzen Welt geleistet, den tiefgefühltesten Dank aus mit der Versicherung, daß die czechischen socialdemokratischen Arbeiter immer des Genossen Liebknecht und seiner großen Verdienste gedenken werden. Porth- Budapest Es war bald nach 7 Uhr, als die Ersten wieder den Friedhof verließen. Dann begann der Vorbeimarsch. Lautlos schritten die Massen in geordnetem Zuge am Grabe des Führers vorüber. Schon während der Sarg noch in der Halle war, hatte ein Der sechste Wahl1 großer Teil des Bugs den Friedhof betreten. treis, der erst vor der Pforte Spalier gebildet hatte, um den Sarg widmet dem toten Freunde folgende Worte: Dein Feuereifer, Deine hindurchzulassen, schloß sich zunächst den Gruppen der dem Todten näher Thatkraft hat das Proletariat der ganzen Welt begeistert. Du hast stehenden Leidtragenden und Freunde an. Dann folgten in der Liebknecht würde uns, wenn er jetzt zu uns sprechen könnte, es geführt und Du hättest es noch länger führen müssen. Leider alten Ordnung die übrigen Gruppen des Zuges. hinwegschicken von seinem Grabe, fort von der Stätte der hat das tückische Schicksal es anders bestimmt, wir müssen Dich zu Bis in die zehnte Stunde hinein schritt der Bug der treuen Ge Toten hin zu den Lebenden. Dort zu wirken wie er Grabe tragen. Ich bringe die letzten Grüße der ungarländischen nossen am Hügel des treuen Kämpfers vorüber. gethan, agitiren zu wie er, bis die Biele des Socialdemokratie dar. Lebe wohl! Dann wurde es still um den Alten. Socialismus erreicht sind. Als letzter Redner spricht Nun tonnte er schlafen.? Und so, teurer Kamerad, indem wir Dir das letzte Lebewohl bicten, kehren wir zurüd an unfre Arbeit, entschlossen und mit So wird kein Fürst begraben; er war mehr, er stand neuer Kraft. Dein Leben, Deine Ideen, Deine Deine Thaten höher, er war der Vorkämpfer für die Armen, Kleinen und g werden uns neue Kraft verleihen. Dein Erbe wird 11: 3 weitergeführt und unfren Kindern und Kindestindern vererbt werden, bis der große Tag gekommen, an welchem alles Unrecht, alle Unterdrückung ihr Ende erreicht hat, und an deren Stelle die Gerechtigteit, Gleichheit und Brüderlich teit waltet. von Dir. dur seeds van Kol, der Vertreter Hollands: von Elenden. In Wilhelm Liebknecht ist unser ältester Kämpfer gefallen, Kränze und Widmungen. Teurer Kamerad, in diesem Sinne nehmen wir Abschied Daschnski in tief empfundenen Worten Ausdruck: Wilhelm Liebknecht war für uns nicht der Fremde, nicht der Deutsche, er war für uns die Verförperung der Gerechtigkeit und des Völkerfrühlings von 1848. In seiner Jugend kämpfte er mit uns gegen die allgemeine Reaktion und bis an sein Lebensende war er der stärkste und beste Hasser des Zarismus; er war unser Verbündeter, unser Kampfgenosse in dem großen Kampfe europäischer Civilisation und Kultur gegen das Zarentum in allen seinen Gestalten in allen Ländern Europas. So marschierte er an der Spize in dem großen Krieg gegen die Unterjochung der Völker Europas. Noch lange dachten wir mit ihm fämpfen zu lönnen. Er hat an uns die sichersten und treuesten Freunde gehabt. Die Kunde von seinem Tod hat bei uns Hundert tausende von Herzen erschüttert. Die Herzen aller wollten in dem großen Wort der Liebe Erleichterung suchen; so bin ich entsandt, um das Wort der Treue und Liebe dem Andenken des Toten zu Serwy- Brüffel weihen. spricht im Namen der belgischen Bruderpartei. Das socialistische Deutschland beweint einen seiner treuesten Söhne, die internationale Socialdemokratie cinen ihrer glühendsten Apostel. Arm geboren ist er arm gestorben und wie die Seinen, die Proletarier, hat er viel geliebt und viel gelitten. Als Schriftsteller verstreute er mit übervollen Händen die Gaben seines Geistes und seine enthusiastische Glut. Als Politiker hatte er nur einen Gedanken, die Partei, als Socialist nur ein Ziel, des Volkes Wohl. Ewig wird er uns als Mann der That, als Wecker der Gewissen ein leuchtendes Vorbild sein. Hierauf nimmt der Vertreter der dänischen Bruderpartei, Reichstags: Abgeordneter das Wort: an. Knudsen, = TUD 1150 sarteileitung und Reichstagsfraktion der focials demokratischen Partei Deutschlands: Dem unvergeßlichen Freunde und Führer. si Gothaische Landtagsfrattion: Bir aber wahren Dir die Treue bis über den Tod hinaus.baldai dlsodat Die Parteigenossen Berlins: m gefallen inmitten des Kampfes, dem er sein Leben gewidmet, gefallen, das Schwert in der Hand, das Haupt stolz empor gerichtet wie eine fräftige Eiche durch den Blizz gefällt wied. Er hat gelernt, daß nur der das große Ziel erreichen kann, der mit leidenschaftlicher Begeisterung aufzutreten weiß. Das Feuer, das ihn beseelte, hat er in die verschiedensten Länder gebracht, auch nach Holland ist in ein Funken geflogen, auch unserm Dasein hat er Jdeal und Würde verliehen. Wir, die wir jetzt im Mannesalter stehen, haben info unsrer Jugend zu seinen Füßen gesessen, und auch der neuen Jugend war er ein Lehrer und hat ihre Herzen mit Begeisterung erfüllt. Jetzt hat er Ruhe gefunden, da, wo er allein Ruhe finden konnte, und wir, die wir schmerzerfüllt an seiner Bahre stehen, wir rufen ihm zu: Wilhelin Liebknecht, Du hast nicht vergebens gekämpft, Du hast nicht vergebens gelobt! # Der Gang zum Grabe. 20 So eint Euch denn, Ihr Treuen um die Bahre, Das Banner hoch, das seiner Hand entfiel, Laßt's mutig wehen, daß rings fich zu uns schaare, to Wer mit uns fämpfen will für gleiches Ziel. Die Rechte hoch, die starke, eisenfeste. Geschickt zur Kunst, gestählt zum Tagewerke! Laßt frei ertönen unsern Schnur zur Beste, Daß jeder neu zum nahen Kampf sich stärke. I. Berliner Reichstags- Wahlfreis: An Wissen reich, gesättigt mit Genie, Begriffst Du, wie das Recht nach Geltung schrie. II. Berliner Wahlkreis: Was Du mit schufest, wird am Leben bleiben, Was Du mitfäest hoch und höher treiben, Wenus jetzt auch rohe Füße niedertreten. Die Parteigenossen des III. Berliner Reichstags. Eine Kleine Pause. Dann flingt es wieder aus dem Seitenraum hervor:" Wenn sich zwei Herzen scheiden" heißt das Lied, das die Sänger jegt fingen. Die legten weichen Töne des Abschieds schwingen noch in der Luft, da ist der Sarg schon emporgehoben, die Menge, die dicht gedrängt die Kapelle füllte, bildet einen schmalen Zwischenraum, und der Sarg wird von neuem hinaus- ahltreifes: getragen ins Freie. Draußen haben sich wieder die tausende von Köpfen entblößt, und die Gesichter schauen empor zu dem Sarge, der die Stufen hinabgetragen wird. Und die Mlufit spielt: " Ich hatt' einen Kameraden." Vielleicht war das der erschütternste Augenblick. In hunderte von Männeraugen traten die Thränen bei diesem schlichten alten Lied vom toten Kameraden. ,, Einen beffern find'st Du nit." So geht es zur Grabstelle, voran die Parteifahne, während die grün und rot wogende Flut der Kränze dem Leichenwagen folgt. Das Ziel ist erreicht. Schon steht der Sarg, noch einen Augenblick sichtbar, über dem Grabe. Aber die Männer fassen nach den Sentund tüchern, der Sarg sinkt hinab, während die sich mit Fahne, die ihn deďte, zu ſenten scheint. Tröstlich aber flingt aus dem Gebüsch, hinter dem die Gesangvereine Auf stellung genommen haben, das allen ans Herz gewachsene Lied: „ Ein Sohn des Volkes will ich sein und bleiben." Das war wieder ein unvergeßlicher Augenblick. Die taufende und abertausende Männer und Frauen, die auf dem weiten Rasenfelde vor dem Grabe in stummer Ergriffenheit standen, die leuchtenden Kränze und dazu das Gold eines Sonnenuntergangs in den Bäumen am Horizont. An das Grab tritt Namens der Socialdemokraten Dänemarks rufe ich unserm dahingeschiedenen Freund, Kampfgenossen und Führer ein herzliches, tief empfundenes Wort des Dantes nach. Die Socialdemokratie ist international, und so sehen wir Liebknecht auch als unsern Führer Wir können das um so speciell dic mehr, als Singer deutschen und die dänischen Socialdemokraten verwandt sind. und ruft dem Freunde den letzten ergreifenden Scheidegruß zu: verwandt sind. und ruft dem Freunde den letzten ergreifenden Scheidegruß zu: Die deutschen Genossen haben viel dazu beigetragen, den Socialismus Nun sind wir gerüstet zum letzten Abschied von einem Manne, in unserm kleinen Lande zu fördern, und namentlich unser ver- den die Liebe des Volts zu Grabe getragen, von einem Manne, storbener Freund hat sich darin hervorgethan. Troß der gewaltigen dem das Volk ein Leichenbegängnis bereitet, deffen kein Mächtiger der Arbeit, die er in Deutschland leistete, ließ ihm sein mächtiger Geist Erde sich rühmen kann.. Zum legten Abschied! Was könnte dieser letzte noch Zeit, für unser dänisches Partei- Organ belehrende Artikel zu Abschied anders sein als ein Wort des Danks, des heißen, innigen schreiben. Seine Agitationsschriften haben wir in unsre Sprache Dants für all' das, was Wilhelm Liebknecht für uns, für alle geübersetzt und uns auf diese Weise seine Arbeit zu nuße gentacht. than hat! Mit uns flagen heute die Millionen der Enterbten, die Besonders leistete er uns im vorigen Jahre in dem schweren Kampf Millionen der Bedrückten, denen Wilhelm Liebknecht die Arbeit seines mit unsern Ausbeutern Beistand, durch seine zündenden Agitations- ganzen Lebens geweiht hat. Die Hunderttausende, die heute die reden hat er in unsrer deutschen Bruderpartei Inter- Straßen Berlins gefüllt haben, die Tausende, die hier auf esse und Sympathie für unsern Kampf erweckt. Aber diesem Plage versammelt sind, sie sagen es durch mich der tiefnicht nur nur der dänischen Socialdemokratie, sondern unserer gebeugten verehrten Lebensgefährtin, sie sagen es den Kindern, sie ganzen Nation hat Liebknecht aufs etlatanteste bewiesen, daß fagen es den Enkeln: Euer Schmerz ist der unire. Und uns. die Durchführung des Gedankens der internationalen Social den Schülern des großen Toten, den Kampfgefährten, denen er Lehrer einzige Gewähr die ist für nationale war, den Mitstreitern, den Kollegen uns tönt heute Freiheit, denn eine socialistische Gesellschaft hat fein aus der ganzen arbeitenden Welt, deren Vertreter wir gehört haben, Interesse daran, andre Nationen zu unterdrücken. Diesen uns tönt heute über das Weltmeer allüberall auf dem ganzen Gedanken hat unser verstorbener Freund tief in unsre Herzen Erdenrund, wo es Arbeiter giebt, die sich ihrer Klaffenlage beeingeprägt und hierfür weiß ihm unsre ganze Nation Dant. Wir wußt sind, die wissen, daß sie fämpfen müssen, um das Ziel zu wollen seinen Lehren und seinem Beispiel folgen, unerschüttert wollen erreichen, wo seit fünfzig Jahren der Name wir in seinem Sinu fämpfen, bis das hehre Ziel erreicht ist und Wilhelm Liebknecht als leuchtendes Vorbild, als Banier voranschwebte, die Völker durch den Socialismus vom Kapitalismus befreit sind. allüberall tönt es uns, seinen Mitkämpfern, seinen Mitstreitern, Den Manen Liebknechts bringen wir unsre Liebe und Achtung dar. seinen Freunden, seinen Schülern entgegen: Euer Schmerz ist Namens der schweizer Arbeiter ergreift der letzte verantwortliche der unsre. Redacteur der ehemaligen Berliner Freien Bresie" und auch des Züricher Socialdemokrat", demokratie die Manz- Zürich, allüberall da, Wir stehen an einem Grabe, an dem die arbeitende Welt trauert. Kanu der letzte Dank, den ich dem Dahingeschiedenen spende, in etwas andrem bestehen, als in dem festen Vorsatz, in dem unbeugfamen Willen, in seinem Sinne, in seinem Geiste weiter zu kämpfen und weiter zu streben? Das letzte Wort, das er an die Genossen wvir So gingst Du hin! Nun fchlaf in Frieden! Wir wissen, daß Dein Geist nicht stirbt! Ist auch kein Lenz uns noch beschieden, Das Samentorn uns nicht verdirbt! IV. Berliner Reichstags- Wahlkreis( Osten): Das kommende Jahrhundert wird bedauern, Daß er so früh ins Nichtsein hingefunten, Die Nachwelt wird als Vater ihn betrauern, Zu Flammen fachen seines Geistes Funken. IV. Berliner Reichstags Wahlkreis( Südosten): Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen! In diesem Wahlspruch fämpfte er, In diesem laßt uns weiter fämpfen. Die Genossen des V. Berliner Reichstags. Wahlkreises widmen ihren Kranz: Dem tapfern Kämpen Wilhelm Liebknecht. Die Parteigenossen des VI. Berliner ReichstagsWahltreifes: Obwohl Du uns verließest, Unvergeßlicher, der Unfre bleibst Du doch. Socialdemokratischer Wahlberein für ben I. Berliner Reichstags- Wahlfreis: Wissen ist Macht. Wahlverein des UI. Berliner Reichstags- Wahlfreises: Unfrem unvergeßlichen Wilhelm Liebknecht, dem unerschrockenen Stämpfer für Freiheit und Recht. Socialdemo! ratischer 23ahlverein des III. Ber. liner Reichstags- Wah!! reises: Was Du auch mitschufest, wird am Leben bleiben, Was Du mitjatest, hoch und höher treiben; Wir, die wir sind des edlen Toten Erben, Wir wollen auch so unentwegt einst sterben. Der Wahlverein des vierten Berliner Reichs. tags Wahlkreises( Osten) trägt die Inschrift: Dem unerschrockenen Soldaten der Revolution. Wahlverein für den vierten Berliner Wahl. Freis( Südost): Dem unerschrockenen und unerschütterlichen Vorfämpfer des internationalen Proletariats. Wahlkreis: Wahlverein für den V. Berliner Reichstags. Dem Senior unfrer Partei, dem Genossen Wilh. Liebknecht. Die Parteigenoffen des socialdemokratischen Wahlvereins für den VI. Berliner Reichstags- Wahlkreis widmen einen Kranz: Ihrem„ Alten", dem verehrten Führer, Lehrer und Borkämpfer Wilh. Liebknecht mit folgenden Bersen: Gleich einem leuchtenden Meteor am Firmament Standst hehrer Führer Du in unfrer Mitte, Ein Gigant an Geist und Größe. Und ob auch Not, Gewalt, Gefahren ringsum dräuten, Du standest fest, ehrlos, wer's wagt, daran zu zweifeln. Ward's Dir im Leben auch recht schwer gemacht, Du standest tühn und fest, warst immer auf der Wacht. Vorwärts war stets Dein Losungswort! Ob Du auch tod, Dein Geist lebt fort. An Deinem Grabe schwören wir, ob Bater oder Sohn: In Deinem Sinn zu kämpfen, tapferer Streiter, Soldat der Revolution! Dein Jenseits. Redaktion des Vorwärts": Des Bolles Butunft Berichterstatter des Borwärts": Dein Ziel sei Buchhandlung und Expedition des Vorwärts": Redaktion und Verlag der Socialistischen Monatshefte": Dem Borlämpfer des internationalen Socialismus. das Wort: Wenn der Verstorbene, um Erholung zu suchen, oder um uns Anregungen zu geben, nach der Schweiz fam, erregte sein Kommen jedesmal großen Jubel und Freude bei uns, und mit Berlins richtete, das Wort„ Es ist keine Zeit zu verlieren", dies Wort soll Sehnsucht erwarteten wir ihn. Auch heute sollte er bei uns Mahnung und Anfporn sein, weiter zu lämpfen, weiter zu uns erscheinen, um in Zürich zu sprechen, und schon rüstete streiten. In dieser gramerfüllten Stunde ringt sich aus schmerz fich die schweizerische Arbeiterschaft, ihm einen glänzenden bewegtem Herzen das Gelübde empor: Wir wollen die Wege, wollen gleich Empfang zu bereiten. Es sollte eine Zusammenkunft sein, wie wir die Du uns gewiesen, weiter wandeln, sie lange nicht erlebt haben: mehr als 3000 aus der Ferne und Dir unerschütterlich, unerschrocken, tampfgerüstet Tag für Tag zahllose Arbeiter aus der Umgegend fanden sich auf dem Rollen dafür eintreten, daß das, wofür zu kämpfen Du uns gelehrt, von das unsre. cin zu einer republikanisch- socialistischen Kundgebung. Leider fam uns wirklich erkämpft und errungen wird. unser Freund nicht: der jähe Tod hat ihn überrascht. Wir danken Wir treten das heilige Erbe, das Du uns hinterlassen hast, an, Dem Freunde und Führer. ihm für alles, was er uns gethan. Wir danken Dir, lebe wohl, wir werden die Mission, die Dir voll zu erfüllen nicht teurer Freund! mehr vergönnt war, weiter führen. In uns, in der gesamten Arbeiterschaft aller Kulturländer, so weit sie die große befreiende Idee des Socialismus erkannt haben, in uns wirst Du Deine Testamentsvollstreder sehen. Die Waffe, die der Tod Deiner treuen, Wie oft hat Liebknecht uns Belgier mit seinem Enthusiasmus er tapferen Hand entriffen, wir nehmen fie auf, und unter dem roten, Banner, das Du mit loser uns so lange Jahre füllt und Begeisterung in unsere Herzen gegossen! Er war einer fiegreichen der besten von uns und sicherlich der kosmopolitischte von allen. so großem Erfolge vorangetragen, werden wir weiter fämpfen und Unser Herz und Hirn erfüllte er mit der internationalen Idee, die nicht eher aufhören, als bis der Sieg errungen ist. Und wenn es Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Injeratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Eindringlich flingen die Worte, die nun Anseele- Gent in französischer Sprache dem Toten weihte: # e daktion der Berliner 8eitung": Dem Vorbilde unerschütterlicher Ueberzeugungstreue und selbst Opferfreudigkeit im Stampf für Freiheit und Wolfsrecht. Ein weiteres Verzeichnis der Kranzfpenden wird folgen. Drud und Berlag von Max Badina in Berlin.