Ihr. 197. Abomirmrnts-Kcdwznngcn: «bonnewent«• Stets pränumerando: Cictletlädtl. 3,80 Mb, ntonalt. I.lOMb, wochenllich 28 Pfg. frei inS Hauß. Slnselne Numm»r k Psg. Sonntags- ?I»inmet mii ittuniicrl-r tSonnIagS- Vellage„Tie Neue Well" 10 Pfg, Post- Vbonnement: 3�0 Mark pro Quatlal. Pwgeltageu in der Post> ZeiluugS- PrelSliste für ieou unter Bs, 7W71. Unter Kteuzbtmd fttr Teurfchland und Lest erreich. Ungarn»Mari, sür daS ndrige Ausland 3 Mari pro Monat, «iftljeUti»glich au stet Monlag». Devlinev VolKsblstk. 17. Jahrg. Dt« Znferttons.Sedilhr beträgt für die sechsgespalten« Koloner- »eile oder deren Raum so Pfg., stlr politische und geivetischaftliche Vereinsund versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Zluseigen" jedes Wort 3 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Mummet müssen bis s Uhr nachmittags In derSr?edittou abgegeben werden. Die Erptditto» Ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Lonn- und Festtage» biSSUHr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Bs. 1008- Telegramm- Adresse: „Porialdemokrat Berlin" Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Ledalttian: L�V. 19, Veuth-Stratze 2. Foritsprrcheri Slmi l. Nr. ISO«. Sonnabend, den 25. August 1900. Expedition: SW. 19, Veuth-Strafze 3. Fernsprecher: Zimt l. Nr. IHLI. Die rumänisch-bulgarische Krisis. Kaum Hut sich, wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit, die schwüle Lage in Ostasien etwas geklärt, so ziehen sich schon wieder on einer andern Stelle des politischen Horizonts über der Balkonhnlbinscl, drohende Gewitterwolken zusammen Zwar scheint sich die Dtcldung der„Agcnce Roumaine" daß das bulgarische KriegSmiuistcrium die Mobilisierung der Tivisioneu in Widdin, Rustschuk und Schumla angeordnet Hobe, nicht zu bestätigen, aber die schon seit langem zwischen Rnmänteil und Bulgarien vorhandene Spannung hat sich in den letzten Tagen mehr und mehr verschärft. Der Ton der osfiziöscu Presse ist auf beiden Seiten der denkbar schärfste, und es fehlt nicht an schönen tilraftansdrückcn wie Ganner, Räuber usw. Den äußeren Anlaß zu diesem Zwist hat die Slffaire Michailcanu gegeben. Seit einigen Jahren geht das Streben der bulgarischen Bourgeoisie, nachdem sie das eigne Land rücksichtslos ausgebeutet hat, dahin, das maccdonischc Gebiet zu annektieren, um es als ncucS AusbcutnngSobjekt dem bulgarischen Reich einzuverleiben. In den hauptsächlichsten Plätzen Macedouiens existieren geheime Komitees und Vereine, die sich die Agitation für den Anschluß der maccdonischen Bevölkerung an Bulgarien und die Verteilung von Waffen an die gewonnene Anhängerschaft zur Aufgabe machen. Die Waffenübungen finden meist jenseits der Grenze auf bulgarischem Gebiet statt und zwar nicht selten unter der Aufsicht aktiver bulgarischer Lsfizicre. Gc> leitet wird die Bewegung von einem Aktionskoniitec in Sofia, an dessen Spitze ein bulgarischer Rescrve-Lffizier, Boris Sarafow, steht und zu dessen Leitern auch der Komma tidaut von Rustschuk, Oberst Äopatschew, gehört. Begünstigt von der bulgarischen Regierung hat erst vor einigen Tage wieder dieses sogenannte maeedonische Komitee in Sofia eine öffentliche Tagung abgehalten, in der über die Ziele der Bewegung verhandelt und berichtet wurde, daß das Vercinsverniögen auf ungefähr 160000 M. angewachsen sei. Das Geld stammt teils aus freiwilligen Beiträgen, teils wird es einfach von den bcssersituiertcn„Maccdonicrn" erpreßt. Das Aktionskomitee, das auch ein eignes Vereins blatt unterhält, legt einfach den Begüterten unter Drohungen Zwangsleistungen auf, denen sich zu entziehen für diese die übelsten Folgen haben kann. Erfft kürzlich wurde ein Ru- niiine, Krodscha, der dem Befehl des bulgarischen Komitees nicht uachkonlmeii wollte, in Sofia auf offener Straße er niordet. Tie maccdonischc Bevölkerung besteht keineswegs nur aus Bulgaren und Türken, neben ihnen sind rumänische, griechische, serbische Elemente vorhanden. Unter ihnen widersetzen sich besonders die Rumänen den bulgarischen Annektionsgelüsten; einesteils weil sie fiirchtcn. daß unter bulgarischer Herrschast ihre wirtschaftlichen und nationalen Interessen noch weit mehr gefährdet sein werden, als heute unter türkischer Oberhoheit, audernteils aus Widerwillen gegen Rußland, dessen Einfluß seit einigen Jahren wieder in Bulgarien allmächtig ist und das in Vcr folgiing seiner bekannten Absichten die„nationalen" bulgari scheu Pläne einer Anglicderuiig Maccdonicns an Bulgarien und Schwächung der türkischen Macht bereitwilligst unterstützt. Der extrem russophile Teil der bulgarischen Blätter, voran der„Preporetz" KarawelowS, sind die Hanptschürer.der Annektionslust. Dieser Widerstreit der Rumänen gegen die bulgarischen Expansionsbestrebungcn und die willkürliche Zwangs- bcstcucrung der Sarafowschen Maffia hat schon wiederholt zu Reibungen zwischen beiden Seiten geführt, die verschiedentlich ein blutiges Ende fanden, nicht nur auf dem eigentlichen Kampfplatz, sondern auch auf rumänischem Boden. Aus letzter Zeit sind drei solcher Morde aus politischen Motiven de- kannt geworden; der Mord des Bulgaren Fitofski, der Geheimnisse des bulgarischen Komitees verraten haben soll, der Mord cineS gewissen Stelian Stefauowitsch in Braila und neuerdings(am 23. Juli) der Mord des rumänischen Professors Michaileanu. Ter Mörder deS letzteren, der bulgarische Schneider Stojan Dimitrow, wurde jedoch gefaßt und legte in der Untersuchung das Geständnis ab, daß er im Auftrage deö bulgarischen Aktionskomitees, und zwar im direkten Auftrage Sarafows, gehandelt habe. Seine Enthüllung führte zu neiieu Verhaftungen und Beschlagnahme von Briefen, aus denen sich klar ergab, daß nicht nur dieser Mord, sondern auch der des Titofski von Sarafow angestiftet sei. Angesichts solcher klaren Beweise richtete der rumänische Minister deö Aciißeren, Marghiloman, an die bulgarische Regie- rung die energische Forderung, Maßregeln gegen die Leitung des bulgarischen Komitees zu ergreifen und die Schuldigen zu bestrafen. Zugleich wandte sich der Minister um Unterstützung an Oestreich- Ungarn sowie an Deutschland und Italien. Die bulgarische Regierung erteilte erst eine aus- weichende Antwort; nachdem jedoch eine noch schärfere Note der rumänischen Negierung ergangen war. gestand sie zu. die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen zu wollen. Das rumänische ausw artige Amt hat vorläufig von dieserZusage Notiz genommen und die Hoffnung ausgedrückt, die Untersuchung werde eine strenge sein. Ob damit die Sache erledigt ist? Die Sprache der Negicrnngvblätter ist auf beiden Seiten eine äußerst erbitterte. Vorläufig ist indes noch wohlbegründete Aussicht vorhanden, daß es nicht zur Kriegserklärung kommt. Bulgarien steht vor dem finanziellen Bankerott, sein Protektor aber hat genug in Ostasien zu thun und steckt zudem selbst in argen Finanz- nöten. Ebensowenig ist Oestreich oder die Türkei in der Lage, Rumänien zu unterstützen. So dürfte vorläufig die An- gelegenheit in der Schwebe bleiben. aber wesentlich zur Verschärfung der Gegensätze auf der Balkan- Halblnsel beitragen. Im Grunde genommen ist cS Rußland, das hinter den bulgarischen Expansionsbestrcbnngen steht. Seit etwa fünf Jahren ist unter der Herrschaft der verkommenen bulgarischen Bourgeoisie, bic an Rückständigkeit und brutaler Profitwut fast die süditaliemsche noch übertrifft, Bulgarien mehr und mehr zum Vorposten russischer Interessen auf der Balkan-Halbiusel geworden. Wie in Petersburg gepfiffen wird, wird in Sofia getanzt. Die russische Politik verfolgt klar ersichtlich den Zweck, einerseits in Bulgarien russische» Einfluß zu stärken, andrerseits aber das bulgarische Volkiu Atom zu halten und seinen Gegensatz gegen die Pforte in jeder Weise zu vor- schärfen, um es als Vorfechter für das russische Interesse zu gebrauchen. DaS hat Rumänien, daS sich zwischen Rußland und dem russischen Bulgarien eingekeilt sah, dazu getrieben, nur umsomchr Anschluß a» Oestreich, Deutschland uud Jtalieil zu suchen. Mögen auch die Zustände Rumäniens vieles zu wünschen übrig lassen, im Vergleich zu Bulgarien ist es nicht nur daS kulturell überlegene Land, sondern auch der Verfechter der westeuropäischen politischen Interessen gegen die mosko- witische». Tie einstige Ansicht, daß selbständige kleine Balkanstaaten wie Bulgarien, den besten Wall gegen die russischen Ansprüche auf daS europäische Gebiet der Türkei bildeten, hat sich alS völlig irrig erwiesen; niemals hat Rußland solchen Einfluß in Bulgarien besessen, Ivie heute, selbst nicht in der ersten Zeit nach der sogenannten„Befreiung". Es fehlt ihm nur zur völligen Ansiuitzung seiner Stellung— das Geld. ES vermag wohl die bulgarische Armee mit Offizieren zu versorgen, nicht aber Bulgarieu das zu liefern, lvaS dieses in seiner Verschuldung, die bereits zur Verpfändung der verschiedenartigsten Staatseinkünfte an östreichische und deutsche Banken geführt hat, am alleruötigsten braucht._ China. Es liegen keinerlei Nachrichten von Bedeutimg vor. Aus Shanghai kommen Meldnuge» von angeblichen größeren Truppen- nitsanimliipgcn der Cliiiiesen bei Ticitlsiti. doch sind diese Meldungen gleich früheren aus derselben Quelle uuglaubivnrdig. In Peking herrscht Ruhe. Die Leiche des Freiherr» o. Kettclcr ist aufgefunden worden. In Peking. Aus japanischer Qitellc ivird aus Tieutsiu gemeldet: Militärische Vcrlvaltniig in Peking eingerichtet, be st e h e i> d ans je einem Vertreter der verbündete» Mächte. Am 12. August ist die kaiserliche Familie nut den Muistem aus Peking entflohen. General Tung mit einer ESlorte von 8000 Mami begleitete die Flüchtlinge. Petersburg, 24. August. Ein Telegramm deS VieeadmiralS Alexcjes an den Aerwescr des Marinemimsteriums ans Tschisn vom 22. August meldet: Jti misrer Gesandtschaft alleö lvobl. Bon Landungstruppen gefallen b. verivtmdet.20 Matrosen. Offiziere gesund. Gesandt- Ichaft in schwieriger Lage, fast täglich angegrifie».»auientlich die letzten beiden Tage mid am Tage deS EturtneS. Der Direktor der nifsisch-chiiiesischen Bankabteilimg in Peking meldet vom 14. d. M.: Nach zweimonatiger Belagerung sind wir heute befreit; im ganzen sind 75 Mann gefallen, verwundet sind 120, darmilcr 7 Sinsseit tot. 15 verwundet. Die rnsjisch-chinesische Bant wurde von Boxern zerstört. London, 24. August. Dein„Neitterschcn Bureau" wird anS Peking vom 10. d. M. gemeldet: Gestern griffen die Amerikaner die kaiserliche Sladt au und nahmen fünf Thore. Hierauf wurde eine Konferenz der Generale abgehalten, und die Truppen wurden zurückgezogen, nachdem ein Offizier und fünf Manu gefallen und 18 Mann verwundet waren. Heute früh wurde die Peitsang-Kathedrale im Norden der Stadt. in welcher sich eine Besatzung von 30 Franzosen und 10 Italienern befand, die seit dem Beginn der Belagerung mit den übrigen Fremden keine Verbindung mehr hatten, von Japanern. Eng- ländern und Franzosen entsetzt. Die Berteidigimg der Kathedrale ist höchst heldenmütig gcivesen. Die kaiserliche Stadt wurde heute von kombinierten Streitkräften angegriffen, welche jetzt die Stadt vom Feinde säubern und die Palastgebäude mit internationalen Wachen besetzen, um Plünderuitgeu zu verhindern. ES ist noch nicht bekanut, vohtn die Kaiserin-Witwe geflohen ist, man glaubt, daß sie sich nach innngsu begebe» hat. Deutsche Rngelrgenhcitcn. Tientsin, 21. August. Kapitän Pohl mit deutschem M a t r o s e ii d e t a ch e m e n t am 18. A tt g tt st i n P e k t n g ein» getroffen; gestern befand sich daS deutsche S e e b a ta i ll o n in H o s i w u. Wie dem„L.-A." gemeldet wird, verriet am Tage nach der Einnahnie von Peking ein Chinese einem Deutschen die Stelle, wo K e t t e l e r begraben worden war. ES war ein chinesischer Grabhügel in der Nähe der Mordstclle. Die deutschen "eesoldatcn deckten den Hügel ab und stießen bald ans einen chinesischen Sarg, den sie öffneten. Er enthielt in der That die Leiche des ermordeten deutschen Gesandten. Freiherr von Ketteier wird nun am Sonnabend nach christlichem Brauch beigesetzt werden. Der Kaiser hat dem deutschen Geschäftsträger in Peking v. B e l o w tclcgraphisch den Roten Adlervrdcn vierter Klaße mit Schwertern verliehen und Anträge zur Dekoriernng der übrigen Mitglieder der Gesandtschaft erbeten. Sensationsnachrichten. „Standard' meldet ans Shanghai vom 23. d. M,: Wie berichtet wird, ließ der Vtcekvttig von Wutschnng, klang- chitung. 30 sremdeufreundliche Chincsen verhaften. Zivci derselben, von denen bekannt geworden, daß sie sich von den geheimen Ge- sellschaften mid vom Angriff aus die Fremden im Jangtsethale zurückgehalten hatten, wurden enthauptet. Dasselbe Blatt meldet anS Tientsin ohne Datum über Shanghai vom 23. d. M.: Der Feind hat zwei große Lager mit Kavallerie im Südwesten. Alle hiesigen Trtwpen erhielten heute nach- mittag Marschbefehle. Es wird ein Gefecht erwartet. Die VerbindmigSIinie mit Peking ist in keinem befriedigenden Zustand und die zur Verfügung stehende Truppeiunacht, welche dieselbe hält, ist n n z u r e i ch e n d. London, 24. August. Konsnlardepesche» ans Shanghai melden, die Kaiserin Witwe und Prinz Tnan rüsten eine starke Armee ans, deren Ztvcck die Erlangung günstiger FnedenSbedüigmigen sei. Die Haltung der Mächte. Wien, 24. August. Einer Pariser Meldung der„Pol. Eorr.' zufolge ivird die miliiärische Aktion der Mächte in China erst nach vollständiger Ilnierdrückttiig des AtifstandS und Wiederherstelltttig dauernder normaler Zustände ihr Ende erreichen. Lieserhalb sei eine längere militärische Besetzung Pekings, der Provinz T s ch t l i. sowie sämtlicher wichtiger chinesischer Häfen seitens der Mächte unvcnneidlich. London, 24. Angnst. Wie die„Daily NeivS" aus Washington melden, hat General Chaffee sich dahin geäußert, daß sich die Notwendigkeit herattsfiefle» könnte, die amertkmiischen BesatzniigS- trnppen den ganzen Winter i tt Cbina zn belassen; die Verbündeten seien verpflichtet, das Werk der Sicherung des Friedens ztt imternehmc». Washiitgton, 24. 8liigit[t._ DaS Krieg» in i n i st e r i tt m hat den amerikanischen Konsul in S a g a sa i angewiesen, den VesehlS- Haber» der Pioniere mid Kavallerie, welche ans dem Transportschiffe „Maeda' dort eintreffen werden, mitzuteilen, daß sich dasselbe nach Manila nnd nicht nach Takn zn begeben hat. Brüssel, 24. August. Der Präsident deS Organi- s a i i o n S- 5l o m i t c c S dcr belgischen China-Expedition, General Berstraete», machte dem»HavaS-Reuterschen Bureau" die Mitteitmig, daß er angesichts der politische» Ereignisse in China die weiteren Schritte zur Organisation einer belgischen ExpeditivuS- truppc vorläufig eingestellt und dem Mmisierpräsidenie» hiervon Milteiking gemacht habe._ politische Mebevslchk. Berlin, den LI August. Tie Schuldigen. Man ruft nach Rache. Nicht eher soll Frieden mit den Chinesen werden, bis nicht alle Schuldigeu gefaßt mid schwerer Strafe tuiter- worfen sind. Aber wer sind die Schuldigen I Natürlich— die Chinesen. Sie haben da» Völkerrecht gebrochen, sie haben den deutschen Gesandten getötet, sie haben viele andre Europäer getötet, sie haben europäisches Eigentum vernichtet, sie haben Europa zum Aufgebot kostspieliger KriegSriistimg genötigt. DaS alles muß gesühnt werden: Auge um Auge. Zahn um Zahn. In diesem ebenso moralisch erhabene» wie poliiisch ticsstmiigen Gedanken dcr Rache erschöpft sich für die Regiemiig wie für die Presse die Forschung nach den Schuldigen. Ein führendes Blatt des Liberalismus, die«Voss. Ztg." erklärt: Die Negierung null die deutschen VerkehrSmleressen in Ehina wahren; sie ist' außerdem genötigt, Genugthnung für eine barbarische Verletzung deS Völkerrechts zn fordern, die uns durch die Erniordnng des' deutsche» Botschafters zugefügt worden ist. Soweit die Negierung diese Ziele versolgt, hat sie. wie wir über- zeugt sind, die Stinunnng deS ganzen deutschen Volk» hinter sich. D i e e i g e ii t ü m l i ch e Anschauung, daß China der im Recht befindliche T e t l und»vir d i e u n r e ch t- mäßigen Angreifer sind, wird sehr wenige Anhänger haben; sonderbare Leute giebt eS natürlich überall und zu jeder Zeit." � Wir sind solche„sonderbaren Leute". Wir sind fern von Ueberschätzung der Chinesen. Wir bemerken an ihnen mannigfache llitvollkommenheiteti, Fehler nnd Schlechtigkeiten. Aber wir verwahren uns gegen die pharisäische Nichtachtung der eigenen Nnvollkommenheileii, Fehler und Schlechtigkeiten. Die Chinesen haben Unrecht begangen, aber ihr Unrecht ist die Folge tt n s e r e S Unrechts. Zahlreiche Beweise sind erbracht worden für die Schuld der Missionen. Aber niemand spricht davon, daß die Fehler der Missionen, die selbst ein langjähriger deutscher Gesandter am Pekinger Hof aufgedeckt hat, gründlich bekämpft werden sollen. Wie das Unrecht, das geistliche BekehrnngSsucht und im henchlkrischen Kleide deS Christentums schreitende EriverbSbegierde in China begingen, in Zukunft gebessert und beseitigt werden soll, davon schweigen die ob chinesischeii Unrechts Entrüsteteit. Es ist die moralisch und politisch wichtigste Aufgabe. die Vcr- fchlungen Ettropas in China im ganzen Umfang« überhaupt erst einmal festzustellen. Jetzt weiß man, daß viel ge- sündigt wurde. Aber jeder, der teil hat an den vor- gekommenen Mißgriffen und Derfehlitngeii, kennt nur die Schuld deS andern. Die kalholischen Missionare beschuldigen die •• rrfcflfiiitifräcji>iiib üiiificTi'Brt. Die deutsche Mission deschiildiqt die euaiüfltf und fiaiiiüsifchc». f. f. Und schließlich geben die Missionare die ihnen von lveliliche» Kritikern gemachten VoNujirfe diesen sefbst zurück. Im„NeichSbioten" veröffentlicht der bekannte Missionar Mau? einen„Offenen Brief an Herrn v. Brandt". Dieser offene Bei bestreitet die Schuld der protestantischen Missionen und bestatsgt da bei die S ch u l d der Diplomaten und P o l i t i k c r. l?s sind recht beinerlensrvcrte Aeuszerungen dcS Missionar Maus, der lange Jahre in China getvirkt hat. Er sagt u. a.: „Während e? doch vor aller Welt klar ist, datz die Gesandten ilttd Diplomaten der Mächte viel durch ihre» Neid und ihn Eifersucht unter einander beigetragen haben zu de» Wirreu, »»b_ chinesische Beamte und französische kmhvliichc B kälter dem A i s cci v s von A n z e.r d i e S ch u l d an ch e n Wirre n zu- schreiben, und ein. Blatt aus dem Vatikan Teutschland durch die Ve.sitzcrgretfuug von Kiautschou schuld an den Wirren sein laffi, während jeder, der die Verhältnisi, draußen kennt, weiß, das; die„fremden Teufel" verhaßt ivnren. durch die schmäl�lichc Behandlung» die die Chinesen zu er- duldru hatten, von dem crstcu Tag ihrer Bekanntschaft mit Portugiesen niid Holländern biS auf den heutigen Tag» ja ehe die cvangeiijche» Missionare da waren, ichieven Sie den evangellscheii Mjsiouareu die Schuld zu!. Wer aber weiß daß Politik und Zeitmigsnachrichten fortwährend Chino austeilen, ivew feiner weiß, daß die Eisenbahnen aufgezwungen und von den Russcn unter dem Schutz der ftosaleii gebaut wurden und daß auch von T s i n jtzt a u(Kinntschon) aus des öfteren S t r a f e x p c d i t i o n e n zum Schutz von Eisenbahnen und Bergwerken gemacht worden sind, der glaubt Ihnen daS Märlein von der Schuld der pro- tcsiaulischcn Missionen wohl nicht eher, als bis Sic eine erdrückende Fülle von Material gebracht haben, das den klaren BeiveiS liefert, daß die englischen und amerikanischen Missionen wirklich schuld sind an doli Wirren... Wer aber in einem Glashause wohnt, soll den andern nicht mit Steinen werfen. Ist denn das Verhalten der Gc sandten. Konsuln und K a u f l e n t e so r ü ck s i ch t s voll a n f d i c ch i n e s i s ch e n S t t t e n u n d ch i n e s i s ch e S C e r e m o n i e l l? Was müssen die Missionare nicht alles hören im Lande über die ltnsittiichkcit der Europäer!... Ich kann Sic also nur auffordern, den ThatbeweiS anzutreten für alle Ihre Behaupliulgen. Können Sie Fälle nennen, die zu rügen sind, so werden wir Ihnen dankbar sein für eine gerechte Kritik. Ich meine zwar, soviel sei heute schon klar, datz Politik und V e r g n t ck n» g von Mission und Politik die Hauptschnld tragen an den traurigen Ereignissen und vor allcni sollte man sich an die rechte Adresse wenden und dem katho- l i s ch e n Bischof A n z c r den Dank abstatten, dnh er die Pachtung von tliantschon veranlaßt hat; denn das hat doch dem Faß den Bode» ausgeschlagen. Aber wenn die Diplomaten das eingeständen, würden sie ja ihre eigne Schuld M i t b e k e n n en müssen!... Selbst in der„P o st" findet sich eine Acnßcrnng eines Geist- lichen, die aus den Quell der Schuld weist. Auch in Abwehr gegen v. Brandt schreibt der Pfarrer Strümfel: „..... Ich glaube kaum, daß irgend ein Diplomat oder Gcschäftsniaim mit chinesischen Sitten vertrauter ist und sie schonender behandelt als nnsre Missionare. Wenn bei den erzwungenen Eisenbabnbantc», Bergwerken und Industrien Gräberfelder gestört und die Wind- und Wasserlehre der chinesischen Gcomanten sdaS Fnngschni) verletzt wird, so ist das doch viel schliimner als alle Predigte» evange- lischer Missionare gegen den Götzendienst. Und wie lvenie R ü ck s ich t die in Ehina lebenden Europäer gemeinhin an die ch i n e s i s ch c Sitte nehmen, das dürfte docki bekannt sein. So mancher Europäer in Hafen orten gebrrdct sich toie ein Herrscher» der Chinese duckt sich, aber im Herzen schwört er Rache." Keiner miter de» europäische» Kulinrbringern sieht den Balken im eignen Auge. Jeder bekennt nur die Schuld deS andren. Die Bülow-Diplomatie aber will das chinesische Unrecht rächen, in- dem sie ihr eignes früheres Unrecht fortsetzt und überholt. Man beklagt� den Ausbruch des FremdeuhasscS und häuft neuen Zündstoff zu künftigen, weit gefahrvolleren Explosionen. Wir lind so„sonderbare Leute", Einkehr bei u n S z» fordern. Wenn wir unser Unrecht in China erkennen und seiner Wieder- Holling vorbeugen, dann nur ist zu erwarten, daß die Berührung und Verbindung der europäischen mit der ostasintischen Welt ohne gemalt- sinne Erschütteruiige» sich vollziehen kann. Nach Reust und Anhalt— Sachsen. D i e B e st r a f u n g des K o n t r a k t b r u ch s l a n d w i r t schaftlicher Arbeiter plant nach einer Meldung jetzt auch S a ch s e n. Die Meldung lautet: „Die sächsische Regierung hat beschlossen, gesetzlich gegen den Kontraktbruch landwirtschaftlichcr Arbeiter vorzugehen. Die Bezirksausschüsse sind zur U n t e r b r c i t n n g g e eignet e r Vorschläge aufgefordert." Die Lorbeeren Anhasts und Renß j. L. haben also das klassische Land der Reaktion nicht länger ruhe» lassen. DaS vernichtende Urteil, de-S alle großen Parteien des Reichstags mit Ausnahme der Junker über dieses v e r f a s s u n g S w i d r i g e A u S s p i e l e n der Landtage gegen den Reichstag gefällt haben, hat die sächsische Regierung völlig kalt gclaffen. Tie Russordernng des nationalliberalen Abgeordneten Basse r in n» n und dcS CcntrnmS- Abgeordiickrn Dr. Spahn an den Reichskanzler, gegenüber so « k l a t a n t e n V e r l e tz ii n g e n d e S R e i ch S r e ch t S energiscki ein- zuschreite», warnntürlich in den Wind gesprochen. Die damals geäußerten Befiircht» ngen. daß andre Bundesstaaten das Borgehen von Renß und Anhalt alsbald nachahmen und dergestalt entgegen Versasimig und Reichsrecht allmählich für ganz Deutschland jenes Z n ch t h a n S g e s e tz einführe» würden, da? die Majorität des Reichstags vor kurzem in so eindringlicher Weise verivorsen, waren alsv mir zu berechtigt. Daß der sächsische Landtag die Re- gicrniic;Svorlage, für die setzt in den BezirkSanSschiissen die rasfinierteste Fassung ausgeklügelt ivird, annehmen wird, steht bei dem Charakter dieser Vertretung de§ rückständigsten Spießer- niid rücksichtslosesten UnteriiehmertiiNrS außer Frage. DaS Vorgehen Sachsens beweist die Ohnmacht des Reichstags den E i ii z e l st ii a t e n gegenüber. Durch die verächtliche Art, wie der Reichstag die Znchthänsvorlage in den Orkus beförderte, bewies er deutlich, welche Art reaktionärer Gesetzcsmacherei er nicht wolle. Nichtsdestoweniger schmuggelt 3!cnß j. L., Anhalt und Lübeck die Zuchthansvorlage ans Schleichwegen ein. Run fällte der Reichstag abermals in schärsster Form sein Urteil über die Ans- nahmegesetze und zugleich die illoyale Art ihrer Durch- drnckniig. Das geschah im Juni, miinittelbar darauf also erließ die sächsische Regierimg ihre Umfrage an die Bezirksausschüsse. Da? mutz der Reichstag sich gcsallen lassen! Nachdem Sachsen? Vorgehen dem Faß den Boden ausgeschlagen bat. wird der Kamps min erst recht beginnen. Nicht ohne äußerste Abwehr kaiin es geduldet werden, daß die Geldsackvertretiingeii der Eiiizelstaaten die Rechte der Vollsvertreumg mit immer dreisterer Hand usurpieren.— Aemlches Weich. Hüter der ParlniiicntSrcchte. Die„Schief. Ztg." will von einer„mit den Absichten der Regicriing meist wohl vertrauten Seite" erfahre» haben, die Rcgierinig beabsichtige nicht, den Reichstag vor Mitte Oktober einzuberufen, da sie sich mit PcrtrnncnSinämicrn der Mehrheitspnrtricu ins Ein- bernehinen gesetzt und von diesen die Zusicherung erhalten habe, daß auch innerhalb der für die parlamentarischen Eiitscheidmigeii maßgebenden Kreise eine Session zur Zeit nicht für erforderlich und versassung-Smäßig ge- boten erachtet wird. Ist diese Mittcilnuz richiig, so müßten auch die Führer der Nationalliberalen und des C e n t r u m s sich für die Ans- schaltimg des ReichSiags ausgesprochen haben. Die Bläiter dieser Parteien, die zumeist, früher oder später, die Noiwendigkeit der schleumgen Einbcrnfnng dcS Parlaments zugegeben haben, sind ver- pflichtet, sich zu der Behanplimg der„Schlesischen Zeitung" zu er klären.—_ Wcllpolitischc Demokratie. Aus Baden wird uns geschrieben: ES ist erstaunlich, welche siiiiwerwirrende Wirkung der Welt- niackitS-Koller nachgerade selbst in den Köpfen derjenigen zu üben beginnt, die ans Grmid ihrer demokratischen Ueberzeiigimg bisher Gegner des sich in Prenßen-Deutschland breit machenden persönlichen Regiments waren und demgegenüber eine erhöhte Respektierung der in Parlament und Presse sicki äußernden BolkS« nici.iuiig verlangten. Die chiiiasresicrjsche Patenipatriotenpresse inisrcs Landes geht gegenwärtig nnt einem Artikel der frei sinn- demokratischen Mannheimer„Neuen Badischen Landes- zeitnng" krebsen, der„die auswärtige Politik n n d die öffentliche M e i n u n g in Deutschland" behandelt, daS Vorgehen der ReichSregierung in der Chinafrage, entgegen den bis herigen Anschanmigen der süddenlschen Volkspartei, in allen Punkten billigt und die Bchanptnng aufstellt, dasselbe „stehe durchaus im Einklang mit den Anschanungeu deS weitaus überwiegenden Teils der Bcvölkermig". Man täusche sich auch. wenn man glaube, die starke persönliche Initiative des Kaisers finde in der Bevölkerung„jene tiefgreifende griuidsätzliche Anti- palhie", die man nach dem Raum, den diese Seite der Sache in den publizistischen Anseinandersetzmigen einnchm«, ver- muten möchte. Wir können uns diesen Ansführnngen des „demokratischen" Blatts gegenüber den NachlveiS ersparen, datz der ivcita»? größte Teil der in Industrie und Landwirtschaft werk- thätigen Bevölkerung des Reichssüdens der Gcwaltaktion gegen China inShesondere seit dem Zeitpunkt kühl bis ans Herz hinan gegenüber- steht, wo daS dabei in erster Linie in Betracht kommende allgemein- menschliche Motiv der Gcsandtcnbefreiimg durch die militärischen Erfolge der verbündeten Truppen gegenstandslos geworden ist. WaS uns an dem Elaborat des Organs der badischen Börsen- demokratie weit mehr interessiert, da§' ist die Rolle, die eS der V o I k s in e i n ii n g, dem Volks willen und der ö f f e N t« lichen Kritik in Wort und Schrift dem politischen Abenteuer gegenüber zuweist, in welches das Programm deS chinesischcn Rache zngcs daS Deutsche Reich zu verwickeln droht. Die„demokratische' Ueberzengung des Mannheimer Blattes erstrahlt dabei im hellsten Lichte. Es hätte zwar die Einbcrnsimg des Reichstags„zum Zwecke der gegenseitigen Aussprache" für„wünschenswert" gehalten empsichlt im übrigen aber dem deutschen Volk, vorerst die Rache- niäiincr in der Rcichsregierung ruhig gewähren zu lassen und zu allen ihren Maßnahmen verträncnsvoll st i I l z u s ch w e i g e n. „... Die ehrenwerten Gründe, die zu einer Mißbilligung deS gegenwärtigen Stadiums der Chinapolitik führe» können. sollen durchaus nicht verkannt werden. Wer hätte nicht Bedenken! Kein Vaterlandsfrennd kann sich der ernsten Sorge entschlagen angesichts einer Sache, deren Ausgang unabsehbar ist. Aber wo man ctwaS erreichen will, muß man auch einen Einsatz riskieren und nachdem einmal Deutschland dabei engagiert ist— und zwar nnsreS ErachtenS mit Recht infolge seiner poli- tischen Bedeutung und seiner materiellen Interessen—, dann halten wir eine Bcschränknng in der Kritik, ein Ver- meiden alles desien. Ivos die schwierige Lage noch erschweren könnte, für unbedingt geboten. Wir sind noch jung in diesem Geschäft der auswärtigen Dinge und köniiten darin von England oder Frankreich, wo man doch auch etwas auf Freiheit und freie MeinuligSäiißermig hält, einiges lernen. Jetzt kommt zuerst das Vaterland, erst nachher die Kritik!" Wir fürchten sehr, daß„nachher" nicht mir die Kritik, sondern auch das Zahlen und so manches andre kommen wird, waS auch den„Demokraten" der„Neuen Badischen Landeszeitiing" sehr nnangciiehm sein dürfte. Dann werden diese„Volksfreunde" an ihren bisherigen Anhängern ihr blaues Wunder erleben.—. Tropenkoller. Zur Beobachtung seines Geistes- z u st a n d e S und wegen eines körperlichen Leidens wurde der Hauptmann Kalle n der g von der o st a f r i k a n i s ch e n S ch u tz t r ii p p e vom Militär- Arresthans l, wo er sich in Unter- snchuiigshnft befand, nacki dem G a r n i s o n- L a z a r e t t l in der Schariihorstslraße übergeführt. Dort hat er eine Krankenstube für 'ich allein, die durch einen„Arrcstantenposten" bewacht wird. Hanplmann Kallenberg wird, wie seiner Zeit berichtet wurde, deS Mordes an einer Negerin und an ihrem Kind beschuldigt und befindet sich seit Anfang April in Untersuchung. Bekanntlich ist gegen Hanptinan» Kallenberg erst vorgegangen worden, nachdem Bebel im Reichstag die Schändlichkeiten deS- elben vor die Oeffentlichkeit gebracht hatte. Jetzt ist der Herr Hauptmann anscheinend vom„Tropenkoller" besessen und wird für die scheußliche Blntthat vielleicht überhaupt nicht verantwortlich gemacht.— Noch ein Schulpalast. Eine eigentümliche Ucberraschung wurde, wie man der„Lolks-Zeitnng" meldet, dem Lehrer Rzakiecki in Storkowo bei Wöllstein in Posen am 21. d. M. zu teil. Nachts wurde er plötzlich durch ein gewaltiges Gepolter und einen Hagel von Brettern. Balten und Mörtelstücken nnangenehm aus dem chlafe geweckt. Als ein rasch angezündetes Licht die Kalastrophe beleuchtete,»ahm er wahr, daß inmitten eines Schiitthansens sein Dienstinädchen sich ausrichtete. daS samt seinem Bette durch die Decke in den parterre gelegenen Schlafrainn des LchrerS durchgebrochen war!— Nach der„Ost- deutschen Presse" befinden sich die Kinder der auf einer Weichsel- ' n s c l belegenen Gemeinde Korcenick ohne Sckmlunterricht. Da wegen der isolierten Lage der Gemeinde eine Einschulung in eine andre Gemeinde immöglich war, hatte der Staat vor 6 Jahren eine cinklassige Schule eingerichtet, die aber jetzt wegen Erlrantung de? Lehrers verwaist ist. Die Regiermig beabsichtigt, die Schule über- Haupt eingehen zu lasten. Posen besitzt ohnehin neben Ost- n»d Westpreußen die meisten Analphabeten.— NeucS zur GermanisieruiigSpolitik. AuS der Stadt Posen nid binnen kurzem vierzehn polnische Lehrer nach dem Westen Deutschlands versetzt worden. Man behandelt also die Lehrer genau so wie die Rekruten.— Die Beseitigung der kirchlichen Schnlanfsicht verlangt in einem Artikel der„N. Chr. Welt" ein ehemaliger holsteinischer Pastor, der ausführt, daß sowohl die evangelische' Kirche wie auch die Schule unter der durch Geistliche ausgeübten Schnlinspektton zu leiden hätten. Der Geistliche vernachlässige notgedrungen unter der Bürde dieses Ehrenamts seine eigentlichen Benlfspflichte», während der Geistliche, der zu den wisienschaftlichen Hanplfächern des Lehr- Plans seiner Ausbildung nach mir in entfernten Beziehungen stehe, ick andrerseits zum Schuliiispektor auch gar nicht einmal lesonders qnalificiere.— Es hätte längst im Jntereffe unsrer Volks- 'chule gelegen, die Schulinspektion ausschließlich schultechnisch ge- bildeten Beamten zu übertragen.— Nochmals die Lage im Krefelder Jndnstriebezirk. Der Konfektionär" beichäftigt sich mit einem Artikel des„Vorwärts" vom 7. August, welcher von der Lage der Krefelder Seidenstoff- Webereien handelt. Der Artikel des �Vorwärts" sei gecignct, ein falsches Bild von der Situation im Krefelder Jndnstriebezirk zu geben. Thalsache sei vielmehr, daß eine große Zahl der hiesigen Etablissements gut beschäftigt sei. Woher der„Koiiseltionär" diese Fnforinaliaii haben will, ist uns unbegreiflich. Sogar das Fach- blatt„Seide", eine in Kiefeld selbst' erscheinende Zeitung für die Industrielle», bezeichnet die Lage als sehr u n g ü n st i g und besorgniserregend. Arbeiterentlassniigen finden in sämtlichen Seidensloffivebereien und Färbereien, und zwar en masse statt. Als die Arbeiter bei Krahne» u. Gobbers, der größten Stoffwcberei im Krcfelder Bezirk, dahin vorstellig wurden, die Arbeitszeit im allgemeinen zu verkürzen, statt Arbeiter zu entlasien, wurde ihnen erklärt, es würde das wahrscheinlich außer den Eni- lassungcn noch eingeführt. Keine einzige Fabrik, ob Seide oder Sommet, ist vollbeschäftigt. Die hunderte beschäftigungsloser Ar- beiter ans den Straßen geben das beste Bild von der wirtschaftlichen Stagnation. Ein vollständig richtige? Bild hat also der„Vorwärts" ge» geben, wenn es auch de» Wcltpolitikern sehr unangenehm ist.— Agrarische Bescheidenheit. Eine Erhöhung de? Getreidezolls auf mindestens 6—7 M, erklären die konservativen„Dresdener Nachr." im„landwirtschaftlichen LebenSintercsse für unbedingt notwendig". Außerdem wird noch die Nencinführung von Zöllen auf alle übrigen landwirtschaftlichen Erzengnisse verlangt. Weiter nichts?— Die Sklaverei in Deutsch-Ostafrika. Da unsre bürgerliche Presse sich gegenwärtig so sehr darüber entrüstet, datz England ans Sansibar»iiier falschen Vorspiegelungen 1500 Neger angeworben hat, die in Wirklichkeit für den Äschamiefeldzug verwendet werden sollen, so ist eS nicht ganz unangebracht, daran zu erinnern. daß, auch in D e u t s ch- O st a f r i k a die Sklaverei»och als geietzkiche Institution besteht. In einem Bericht der„Deutsch-Ostafrika- Zeitung" über einen—„Jmnbentag" eine Zusammenkunft der Ge- meinde-Vorsteher— heißt eS nämlich: „Alsdann folgte die Besprechung der Sklavenfrage. Es wurde auf die Unzulässigkcit der Verpfändung f r e i e r L e n t e hin- gewiesen und auf Anfrage betont, daß sämtliche auf diese Weise ver- p f ä n d e t e n F r e i e n zurückgegeben seien, während dicGeldfordernng auf- recht erhalten würde, vorbehaltlich etwaiger Bestrafung. Sklaven- Verkäufe finden nur in D a r- c s- S a l a a m statt, doch ist den Akiden nnd Oberjumben nachgelassen, in besondcrn Fällen vor- läufig Bescheinigungen auszustellen, die jedoch bindende Kraft erst durch die Eintragung beim Bezirksamt er- halten. Mütter und Kinder dürfen mich im E r b g a n g nicht von einander getrennl werden, sondern der Ausgleich der Erben hat durch Geld stattznfindcn; eventuell sind Mutter und Kinder g c- m e i n s ch a f t l i ch zu verkaufen." ES besteht also in Deutsch-Ostafrika sogar noch Sklaven- Handel, indem Dar- eS- Salaam zum Sklavcnmarkt eingerichtet worden ist. Diesen unleidlichen Zustand enipfand der Reichstag derart, daß er bereits 1895 eine Resolution annahm, wonach die verbündeten Regierungen einen Gesetzentwurf vorlegen sollten, der in den deutschen Schutzgebieten die unter den Eingeborenen herrschende HauSsklaverci einer ihre Beseitigung vorbereitenden Regelung nnterwcrfe» sollte. Diese Beseitigung der Sklaverei liegt anscheinend noch in ebenso weiter Ferne wie 1895.— Ausland. Oestreich-Ungarn. Anflösnng de? Parlaments? Aus Wien wird gemeldet; In parlameiitarischeii Kreisen beurteilt man die Aktion dcS Minister- Präsidenten von Körber zur Sanierung des Parlaments sehr skeptisch. Auch Körber selbst habe wenig Hoffnung und treffe bereits Vor- bereitungen für die Auflösung des Parlaments.— Rustland. Väterchens Tiener. In wie unerhörter Weise die rnssi- scheu Beamten in Polen wüten, erfahren wir wieder ans einer Kor- reipondenz, die dein Londoner„Przedswit", Organ der socio- listischen Partei Polens, auS Lodz, dem polnischen Manchester, zu- geht. Wir entnehmen ihr folgende Einzelheiten: Unter der Herr- schaft deS Polizeibeamten Chrzanowski ist alles möglich: der fried- liebendstc Bürger kann geprügelt werden. In Lodz prügelt jeder, der Uniform trägt. Chrzanowski hat einen Expedienten, der Pakete vom Wagen warf, eigenhändig auf der Straße verprügelt. Kommiffare, Revierbeamte, Polizisten prügeln Droschkenkutscher, Arbeiter und Hausmeister, diese wieder Inden, Bettler usw. In den Arbeitervierteln wird abends Jagd auf die „Ansrührer" abgehalten. Die Gehaßten werden abgeführt und miß- handelt. Wer sicki nicht legitimieren kann, kommt nicht mit heiler Haut davon. Die Polizei geht Arbeiterwohnnngen ab und vertreibt die Leute, die zusammen sind, mit Peitschen. In letzter Zeit hat der Gcndarmerieleiter G n o i n S k i wieder Verhaftungen unter der Schuljugend angeordnet. Der Gendarm will die Spuren einer geheimen Schiilerverbindung entdeckt haben. Eine Pension, in der einer der verdächtigen Zöglinge der Hand- Iverkerschnle wohnte, wurde kurzerhand behördlich geschlossen,„well dort Revolutionäre erzogen werden". 14 Schüler hat man stunden« lang aus der Polizei ausgefragt. Gninski drohte mit Gefängnis, erfuhr aber nichts.— Afrika. Vom Boerenkricg. Ein Telegramm des Feldmarschalls Roberts weiß diesmal von einem kleinen englischen Eizolg zu berichten. In dem Telegramm heißt es: . Baden- Powell hat am 22. dS. 100 Gefangene befreit und 25 Boereii gefangen genomineii, darunter den Hauptmann van der Merve von der StaatSarlillerie, einen Artillerie- Offizier und ciiicn Feldkornet. Patrouillen, welche nack Brandwater gesandt waren. entdeckten dort Vorräte von 140000 Mausergcschosscn, 12 Granaten nnd 200 Pfund Dynamit. Iii auffälligem Gegensatz zn der gestern mitgeteilten Anffassiing Lord Roberts, daß die Zahl der Boerenkämpfcr auf ein kleines Häuflein zusanmicngeschinolzeii sei, das iiiimöglich noch er- heblichen Widerstand leisten könne, steht die Darstellung deS„Stau- dard" von der Situation, die nach einer ihm am 22. August aus Pretoria ziigegangenen Mitteilung folgendermaßc» aussieht! Die Zahl der im Felde stehenden Boeren beträgt noch immer 20 000 Mann. Die Linien ihrer Tetnchements ziehen sich genau westlich von Belfast bis zum Krokodikfluß und decken so die Zu- gänge zum Buschveldt. Ivo Viehhcerden von Tausenden von Stück sich' befinden. Zwischen Belfast nnd Machadodorp stehen 5000 Boeren, von denen sich 2000 Mann westlich von Dalmanatha befinden, wo Botha den Bau von Verteidiginigswerken leitet. Eine zweite starke Streitmacht mit einem 6zölligcii Geschütz steht im Norden von Belfast. Präsiden r Krüger befindet sich in Drnctivatcr südlich von Rooscnkral. 5000 Heidelberger Boeren stehen in der Nähe von Nooitgcdacht. Erasmus befindet sich 18 Meilen nörd» lich von Bronkehorst-Station. Im Südivesten von Transvaal zeigen sich die Boeren angriffslustiger und feindseliger als je seit lein Entsatz von Mafeking. was eine Folge deS Vorgehens de MetS nnd DelareyS ist. Visier ist mit 1000 Mann in Kiimana, wo die Gegenwart des FeiiidcS unter den Eingeborenen Unruhe erzeugt. Deroit ftcbt mit einem starken Kommando bei Wolniaranstadt. Die Londoner Presie meldet vom 24. ans Pretoria. Lieute« n a n t C o r d n a sei wegen Teilnahme au der Verschwörung gegen Lord Roberts vom Kriegsgerichte zum Tode verurteilt worden. Lord Roberts habe daS Urteil bestätigt. Lord Roberts würde seinem Ruf einen schweren Stoß versetzen. wenn er wirklich das Urteil bestätigt hätte. Handelte es sich doch bei der berühmten Verschwörung um den Anschlag eines Alkoholikers. der durch den Detektiv Gano, einen zgent provocateur, zu seinem thörichten Plan angestiftet ivorde» war.— Ein Chinese über die Chinawirren. Wir enrähute» bereits den Brief deS chinesischen Gesandten Dang- D u, der in Petersburg und Wien beglaubigt ist, an Herr» ix S u i t n e r� Es verlohnt sich, den Brief vollinhaltlich »nitzutcilen; er ist geeignet, in diesen Tagen, da man die Chinesen als Räuber und Barbaren hinzustellen beliebt, ein ruhigeres und objektiveres Urteil anzubahnen. Der Brief lantet: Raiserlich chinesische Legation. Petersburg, 4./17. August 1900. Mein lieber Baron! Die traurigen Ereignisse, welche sich gegenwärtig in meinem Lande abspielen, lenket, oft meine Gedanken auf die Friedensfreunde und auf solche unter ihnen, die ich die Ehre gehabt habe, im Haag kennen zu lernen. Ihr Brief vom.8- d. hat mich tief gerührt, und ich bin über- zengr, das; ihnen(d. h. der Friedensbewegung. D. Red.), obwohl sie, wie Sie sagen, cihc,„Quantite negligeable- sind, schließlich der Sieg und die Herrschaft beschicden sein wird. Von dieser Quantite negligeable wird das Licht aussiröincn, und eS wird ein Funke ge- »«gen,»in für inmier den Leuchtturm des Friedens zu entzünden. Könnten sich nur das Schwert und die Kanone, von denen Sie sprachen, bald in Pflugscharen verwandeln! Es ist sonnt eine heilige Pflicht für die Friedensfreunde, diese edle Sache uiit unerschütterlicher Festigkeit, Energie und Ileberzengnng zu ver- tcidigcn, ohne sich jenials entmutigen zu lassen und ohne müde zu > Verden, ihre Stimme zu erheben. Ich wäre sehr glücklich, wenn ich durch Mitteilung meiner An- sichten und meiner persönlichen Eindrücke einigermaßen zu den, von Ihnen unternommenen humanitären Werke beitragen könnte. Ich habe sowohl in meinem Berufe, wie auch in Studienreisen die Vereinigten Staaten von Amerika, Peru nud andre südamerikanische Länder, Oestrcich-Ungaru, Deutschland, England, Spanien, Frankreich, Holland. Japan und Rußland besucht; überall, wo ich gewesen bin, habe ich die Sitten der Völker studiert und micb be- sonders für das Heerwesen, den Handel und Ackerbau interessiert, welche ich mit der höchsten Vollkommenheit verwaltet gesunden habe. Ich habe mir alles, was diese Verwaltungen von den unsren unterscheidet und was Gutes daran ist, all notam genommen, um es meinem Lande zu nutze zu machen. Aber— soll ich cS sagen— die ewige Rivalität und Eifersüchtelei, welche sich bei den Völkcni kund thun, schädigen ein wenig jene Vollkommenheit. Wenn ick einen Wunsch auszudrücken habe, ist eS der, alle Völker sich über diese Empsindungen erheben zu sehen, um immer in gutem Einvernehmen zu leben,' wodurch ihnen dauernder Friede gesichert wäre. Der Konflikt, welcher gegenwärtig zwischen China und den fremden Mächten besteht, hat größtenteils seinen Ursprung i n beiderseitigen Mißverständnissen. Ich bin fest überzeugt, daß weder China noch sonst eine der Mächte ihre guten Beziehnngen gänzlich abbrechen wollen; die Dinge sind so weit getrieben worden infolge der N a ch I ä s s i g k e i t der chinesischen Funktionäre und dank den dnrch Ehrgeiz ver- blendeten militaristischen Parteien. Es ist höchste Zeit, diese Mißverständnisse zu beheben und die alten Beziehungen wiederherzustellen; wenn das nicht geschieht, so würde nicht nur China dem größten Elend preisgegeben sein, sondern es könnten daraus auck noch internationale Kämpfe entstehen, was jedenfalls gegen das Interesse der ganzen Menschheit wäre. Ich hoffe, daß die Lenker aller Staaten die Notwendigkeit, diesem Zustand ein Ende zu »lachen, nicht aus den Augen verlieren. Die erste Ursache, die den gegenwärtigen Konflikt vorbereitet und herbeigeführt hat, liegt in dem Haß, den das chine- fische Volk den Christen geschworen hat. Allerdings das Ziel der fremden Missionare, andern Gutes zu erweisen, ist sehr lobenswert. Doch im allgemeinen wollen die gntdenkcnde» Chinesen um nichts in der Welt die Religion aufgeben, die ihnen von ihren Vätern kommt, um eine andre anzunehmen, welche ihnen voll- konimen fremd ist; daraus folgt, daß die Neubekehrteu leider in großer Zahl unehrliche Leute sind, welche sich unter dcm Dcckinantcl der Kirche ver- bergen, um sich ihren bösen Leidenschaften hinzu- geben, als da sind: gefahrlos Prozesse anzuhängen und ihre Landsleute zu schädigen und zu berauben. Die Empfindungen de? Volks, die anfänglich nur Zorn und Entrüstung waren mid nicht von gestern stammen, haben sich nun in einen u n e r b i t t- lichen Haß gewandelt, dessen WutauSbrüche man nicht mehr ein- dämmen kann. Die Chinesen wollen sich ebensowenig zum Christen- tum bekehren, als sich die Europäer zu den Lehren des KonfuciuS bekennen wollten. Meine persönliche Ansicht ist, daß die Handelsbeziehungen zwischen China und den auswärtigen Mächten s o weit e n t- tv i ck e l t w c r d e n k ö n n e n, a l s man nur will, aber ivas die religiöse Frage betrifft, so wäre es klüger, jeden seinen G l a u b e n r e s p c k t i e r c n z u I a s s e n,' w i e er e S w i I l; dies wäre geeignet, die Zukunft vor weiteren Konflikten zu be- wahren. Ich weiß nicht, ob die fremden Regierungen endlich die ganze Wichtigkeit dieser Frage erkennen werden, u m auf jene Bestrebungen ein- für allemal zu verzichten. Ich glaube, alle Ihre Fragen beantivortet zu habe» und gebe Ihnen die Versicherung, daß ich stets erfreut sein werde, mich Ihnen gefällig und nützlich zu erlveisen. Empfangen Sie usw. Der Minister von China: Dang-Du. Eine bemerkenSwertc Tranerkundgcbung für Wilhelm Liebknecht veranstalteten am 14. August die Parteigenossen in New D o r k. In zwei von der Socinldemokratische» Partei einberufenen Ver- sammlungen wurden unter enormem Andränge engliscke und deutsche Ansprachen gehalten von Matchell, Lee, Balkanu Hillquit. Jonas, Schlüter und Pattberg. Arbciter-Gesangvcreine erhöhten durch Gesänge die Weihe der Feier. In beiden Versammlungen wurde, von den Anwesenden stehend angehört, das nachfolgende„Memorial an die Zlrbcitcr Amerikas", das uns in deutscher llcbersetzung zugeht, verlesen und acccptiert: Wir, die socialistischcn Arbeiter der Stadt New Dork, am 14. August 1900 in Massenversammlung vereinigt und von dem Wunsche beseelt, unsren Gefühlen über den schwere» Verlust, den die proletarische Bewegung durch den Tod Wilhelm Liebknechts erlitte» hat, passenden Ausdruck zu geben, richten bei dieser Gelegenheit das folgende„Memorial" an die Arbeiter Amerikas: Mitarbeiter, der Tag hat plötzlich von dem Schlachtfelde, auf welchem der Kämpf zwischen Arbeit und Kapital ausgefochten wird, den hervorragendsten Streiter für die Rechte der Arbeit entfernt: Wilhelm Liebknecht. Selbst während misres ununterbrochenen Kampfes um unsre Existenz gegen unsre Ausbeuter muß jeder Arbeiter und jede Arbeiterin sich den Namen Wilhelm Liebknecht gegenwärtig halten und sich dessen erinnern. Der nun Dahingeschiedene hätte seine Fähigkeiten und Talente in den Dienst unsrer Herren stelle» und alle Annehmlichkeiten des Lebens genießen können. Aver er sah die Müßigäiiger in Macht und Reichtum schivelgcn und die Armen in Not und Elend leiden, und er wandte sich av und ivcihte sein Schicksal dem Geschick ilnsrer enterbten Klasse. Sein flammendes Wort für die Befreiung der Arbeiterklasse von der Mühseligkeit der Lohnarbeiterschaft umkreiste den Erdball und erweckte Millionen unsrer Mitsklaven. Fünfzig Jahre seines Lebens widmete er unsrer Sache. Sei» Lohn war Verfolgung in jeder Forni seitens unsrer Ausbeuter. Oft eingekerkert, auf ein Jahrzehnt ans seinem Vaterland verbannt, von seiner Familie getrennt, und welche Leiden er sonst noch für die Sache der Arbeiter erduldet hat. Aber furchtlos und unerschrocken und imincr geivaltiger tönte sein Ruf an das Ohr der Arbeiter- klaffe-.Arbeiter, vereinigt Euch gegen Eure AuS- »guter! Organisiert Euch alsKIasse!" In den Reihen der Kapitalisten verursachte der Rame Wilhelm Liebknecht Schrecken und Verwirrung, denn dieser Klasse gegen- über war er ebenso unversöhnlich wie voll von Hingabc für die nnsrige. W i lh e Im L ieb.kn c cht ist nicht mehr! Erstarb. Er war ein Koloß in der öffentlichen Arena. Aber die Rc- gienmgen der Welt werden wegen seines Todes wahrlich keine Trauer-Choräle anstimmen, noch desivcgen ein düsteres Trauer- Gepräge entfalten. Auch die Presse, die Handlangerin de§ Kapitalismus, wird nicht viel Aushebens davon machen. Der Kapitalismus wird keinen Kummer empfinden. Der Kapitalisnms wird frohlocken! Aber der Name Wilhelm Lieb- knecht wird ein Ruhmeswort in allen Zungen, und die Thaten seines Lebens iverden noch ein Antrieb zu edler Nachciferung sein in allen Landen, lange nachdem der Kapitalismus überwunden ist. lind ewig wird sein Gedächtnis leben in den Herzen von Millionen Arbeitern, welche jetzt trauernd an seinem frischen Grabe stehen. Der Vorposten der Revolution ist zur ewigen Ruhe eingegangen. Und für uns Socialistcn, welche wir Wilhelm Li e b kn ech t in schweren Stunden stets mit Rat und That an unsrer Seite fanden: welcher Schmerz für uns, unsren geliebten Genossen und bewährten Führer verloren zu haben! Von den Photographien von Liebknechts Leichenbegängnis ist jetzt in der B» ch h a n d l u n g Vorwärts eine größere Ausgabe zu 1 M. pro Blatt erschienen. Diese Aufnahmen, mit der prächtigen Oberbaumbrücke ini Hintergnmde, sind ihrer Größe wegen natürlich»och deutlicher und schärfer als die kleinere Ausgabe; sie geben in sehr guter Reproduktion die nachstehenden vier Gruppen wieder: 1. Die Eröffnung des Zuges durch den sechsten Wahlkreis mit Musik und Banner. 2. Die Leichen- und Kranzwagen mit dem Trnnergefolge. 3. Parteivorstand, ReichStags-Abgeorductc, Stadt- verordnete zc. Ausländische Delegierte. Zur Geschäftsordnung deS Parteitags. Ein Parteigenosse ersucht uns um Veröffentlichung des Folgenden: Gelegentlich der Wahlen znm Mainzer Parteitag hat Genosse Znbcil darauf hingewiesen, wie mißlich eS sei, daß auf den Parteitagen die Wahlkreise mit großen socialdeniokratischen Mitgliedschaften von denen mit einer kleinen Anzahl von Parteigenossen überstimmt iverden können. Besonders bedenklich erscheint das bei Fragen, wie die der Beteiligung an den LandtagSwahlcn. Es könnte leicht dahin komme», daß nach erfolgtem Majoritätsbeschluß für die allgemeine Beteiligung seitens der Gegner der Beteiligung der Einwand erhoben würde, die Majorität der Parteitags- Delegierten habe in der That nur eine Minorität der Parteigenossen vertreten. Eine solche Rechnung wäre nicht ohue weiteres von der Hand zu weifen, eine ganz ähn- liche ist z. B. socialdcmokratischericits aufgestellt worden, alS eS nachzuweisen galt, daß trotz der für die Mili'tärvorlage stimmenden Majorität im Reichstag doch die Majorität deS deutschen Volks gegen dieselbe sei— man addierte einfach die Wahlstimnie». DaS gleiche Verfahren würde i» mlserm Fall nicht anzuwenden sein, da die Wahl der Delegierten nicht von der Stellungnahme zur Land- tagswahlfrage abhängig gemacht werde; aber auch im andern Fall ginge es nicht an. da ja dann z. B. die Versammlungsminoritäten, die für einen Anhänger der Beteiligung gestimmt hätten, nicht be- rücksicktigt wären. Hieraus ergicbt sich schon die große Schwierigkeit, eine ein- tvandsfreie Abstimmungsform zu finden. Jimnerhin könnte man ver- suchen, dnrch eine Bestimmung der Geschäftsordnung de» größeren Wahlkreisen gerecht zu iverden. Schon auf dem Bres'lauer Parteitag wurde diese Frage angeregt. Man könnte z. B. in der Geschäfts- ordnung bestinnnen: „Auf Antrag von 50 Delegierten hat die A b st i m m n n g na ch Wahlkreisen stattzufinden. Ein solcher Antrag geht einem eventuell auf namentliche Abstimmung gestellten vor. Bei der Ab- slimniung nach Wahlkreisen hat jeder Kreis mit weniger als 2000 Wählern bei der letzten allgemeinen Haiiptwahl znm Reichstag eine Stimme, von 2000—5000 zivei Stimmen, von 5000—10 000 drei Stimmen und für jedes iveitcre volle 10 000 eine weitere Stimme. Hat der betreffende Kreis mehr als einen Delegierten entsendet, so haben sich diese über einen Stinnnsührer zu einigen. Kommt bei der Vertretung durch zivci Delegierte eine Verständigung nicht zu stände, so enthält sich der Kreis der Abstimiining. Hat ein Delegierter mehrere Mandate, so darf er trotzdem nur für einen Wahlkreis Stimmführcr sein." Gegen diese oder ähnliche Bestimmungen können eine Reihe von Einwendungen gemacht werden: Man hat angeführt, hierbei bleibe» die Thcilnehmcr am Parteitag snamcntlich die ReichstagS-Abgeord- nete»), die kein besonderes Mandat besäßen, von der Abstimmung ans- geschlossen. Angenommen, das sei ein Fehler, so ist ihm leicht abzuhelfen, indem man dcn auwesendcnNeichStags-Abgeordneten je eine Stimme zu- billigt, das würde etwa darauf hinauskommen, daß man den Einfluß derjenigen Wahlkreise verstärkt, in denen die Socialdemokralie bei der letzten Wahl die ausschlaggebende Partei war. Man hat iveiter gesagt, das Verfahren sei undemokratisch, da es Delegierte verschiedenen Grades schaffe. Dem ist entgegenzuhalten, daß es nicht darauf ankommen kann, den demokratischen Schein im AbslimmnngSsnal zu wahren, sondern dem demokratischen Mnjoritäts- princip möglichst nahe zu kommen. Ich füge hinzu, daß auf diese Weise ein Fehler gut gemacht wird, dessen Vorhandensein der Reicks- regicnmg zur Last fällt. Würde, wie es die Verfassung vorschreibt, für je 100 000 Seele» ein ReichstagS-Abgeordneter gewählt, bildeten also 100 000 Seele» einen Wahlkreis, so würde zuni Beispiel Hamburg heut sechs Wahlkreise statt dreier bilde», und würde auf Grund des OrganisationSstatnts das Recht haben, zum Parteitag 18 Delegierte zu entsenden, ivnhrcnd es sich heute nur durch neun Personen vertreten lassen darf. Soll man warten, bis die ReichSregiening sich entschließt, die längst erforderliche Wahlkreis-Einteilung' vorzunehmen? Es scheint nach alledem billig, den oben gemachten Vorschlag wenigstens ernst- lich zu crtvägen. Ein Zeitverlust dürfte dem Parteitag selbst kaum ertvachsen, da eine Abstimmung nach Wahlkreisen höchstens dann be- antragt werden wird, wenn man sonst eine namentliche Abstimmung herbeigeführt haben würde._ x. Eine Parteiversammliing in Stuttgart beschäftigte sich mit dem Entwurf de§ Parteivorstaudes zur Abänderung des Organi- sationsstatuts. Nach längerer Debatte faßte man einen Beschluß, der die neue Bestimmnng über die Bedingung der Parteizugehörig- kcit ablehnt, während die neue Kusscklußbestimmung gebilligt wurde. Weitere Beschlüsse zum Parteitag wurden nicht gefaßt. Polizvilichrs, Grriciltlichrs nslv. — Von der Strafkammer in Glogan wurde Genosse Stolpe in Grüuberg zu einem Monat Gefängnis verurteilt, weil er An- gestellte der Firma Benchelt in Grünberg durch eine VcrsammlungS- rede beleidigt haben sollte. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Gefängnis beantragt, trotzdem Stolpe für die Gerichte noch ein unbeschriebenes Blatt Papier ist. Das Urteil erster Instanz hatte auch auf einen Monat Gefängnis gelautet.— — Zwei Prehbclcidignngsprozessc wurden am Donnerstag von der Strafkammer in Halle gegen den Rcdacteur des„Volksblatts", Genossen Thiele, verhandelt. In dem einen Fall handelte eS sich um Beleidigung der Mitglieder des Oberlandesgerichts und der Staatsanwaltschaft Naumburg und im andren Fall um Beleidigung des Diakon»? Pallas in Herzberg. Der Staatsauwalt beantragte c ch S Wochen und drei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 300 Mark ev. 30 Tage Gefängnis und 600 Mark ev. 60 Tage Gefängnis nebst Publikationsbesngnis und Unbrauchbar- machung der in Betracht kommende» Nunimern deS„Volksblatts".— Gemevksrszstfkliözes. Achtung! Bnchbiitzpcr, Koutobucharbriter und verwandte Berufsgenossen. Kollegen und Kolleginnen! Sammelt heute abend i» allen Werkstuben rege auf die Listen des Widerstaudsfonds! Die Lohnkommission. Deutsches Reich. Dcu Tarifbestrebniigcn der Buchbinder Ivird seitens der Prinzipale nicht das nötige Entgcgeukomineu gezeigt. In Leipzig wurde nach der Lohnbewegung von 1896 zwischen Gehilfen und Prinzipalen im Jahre 1897 ein Tarif vereinbart, der bis 3t. August dieses Jahres Gültigkeit hat. Mit Ablauf dieses Terniins beabsichtigen die Gehilfen mit dein in neuerer Zeit erstandenen Unternehmer- Verband einen für ganz Deutschland gültigen Tarif zu ver- einbaren. Die drei für den Buchhandel hauptsächlich in Betracht komiueudeu Städte: Leipzig. Berlin und Stuttgart haben bereit? eine Revision der bisher bestehenden Tarife den Prinzipalen eingereicht, konnten aber erst nach wiederholtem Drängen mid ans eine Anfrage der Centrallcitung des Buchbinder-Verbands eine Antwort van den Unternehmern erhalten. Der Vorstand des Bnchbindereibesitzer- Verbands erklärte, mit der AnSarbeituitg eines.neuen Tarifs auf ganz neuer Grundlage beschäftigt zu sein und nach Fest- stellnug desselben— die voranSsichttich. bis September erfolgt sein soll-— den Gehilfen bekannt zu geben. Die Arbeiter»nd Arbeiterinnen erblicken in diesem Vorgehen eine beabsichtigt« Verschleppung der Tarifbewcgung und deshalb habe» in den drei oben genannten Städten, sowie auch in einigen kleineren Städten die Buchbinderei- Arbeiter und-Arbeite- rinnen Forderungen gestellt, um deren Bewilligung es in de»»üchslen Tagen währscheinlich zu einer Arbeitsniederlegung konnnt. Die Leipziger Fabrikanten beabsichtigen uenerdingS, durch ein den Arbeitern zugehendes Cirkular diese durch Unterschrift zu ver- pflichten, den alten Tarif bis 31, März ItzOl als zu recht bestehend aiiznerkeimen, falls ein neuer Tarif nach Ablauf deS bisherigen nicht zur allgemeinen Aimahme gebracht iverden kann. Die Arbeiter werden gut thun, auf keinerlei Sonderabmachungen einzugehen. Achtung, Holzarbeiter: Die in den Trebbincr LnxiiSmöbel« fabrikcn beschästigten Drechsler, Tischler, Bildhauer und Maschinen- arbcitcr haben bei ihre» Unternehmern eine Forderung auf Ver« kürznng der Arbeitszeit, Lohnzuschlag, Vermeidung der Nachfcierabend- arbeit, sowie Anbringung von Ventilation in den Arbcitöräumcu eingereicht. Deshalb bitten wir die Kollegen der obengenannten Berufe, den Zuzug nach Trebbin fernzuhalten. Die O r t s v c r>v a l t u n g. I. A.: Albert TrcbuS. Die Differcnzc» in EberSwalde auf dem Bau deS Steinsetzer- meisters Hiller sind zn Gunsten der Steinsetzer erledigt. Auf An- raten des VcrbandSvorstands haben dieselben das Anerbietendes Herr H., 55 Ps. Stundenlohn zu zahlen, accepiiert und gestern die Arbeit wieder aufgenommen. Jedenfalls dürfte der betreffende Unternehmer aus diesem Vorfall die Lshre gezogen haben, daß eS nicht gut ist, Arbcitcr unangemessen zu. behandeln, besonders wenn dieselben organisiert sind. Tie Maurer i» Danzkg, die im Streik standen, haben ihre Forderungen siegreich durchgesetzt. Der Streik ist damit beendet. Der Verband der Holzindnstrirlle» in Leipzig will die gegenwärtige ungünstige GcsckäftSlage zu einem Schlage gegen die neunstündige Arbeitszeit bcuützen. In der Piauofortefabrik von Zinnuermann in Mölkau wurde, so berichtet die„Leipz, Volksztg.", ivie in andern Fabriken der Betrieb wesentlich ejugeschränkt. ES wurden solvohl Arbeiter entlassen, als auch den verbleibenden das Arbeitspensum so beschränkt, daß sie nur fünf Tage in der Woche Arbeit batteil. Dafür aber wurde am Sonnabend bekannt gemacht, daß die tag- liche Arbeitszeit um 3/4 Stunden verlängert werde. Tie'Arbeiter waren über diese Bekamttmachuug ganz„baff". Der Fabrikausschuß hielt es für augebracht, die Herren Gebrüder Zimmermaun darüber zu interpellieren, worauf diesem von Herrn Ziumiermami erklärt wurde, daß sich dies nicht ändern lasse, er sei zu diesem Schritt gezwungen und zwar durch de» Verband der Holzindustriellcn. Gestern Mittivochabend fand nun eine We'rkstattversaminlung statt, in der energisch gegen das Vorgehen der Arbeitgeber protestiert wurde; außerdem wurde eine Komnnssion gewählt, die mit der Geschäfts- lcitnng wegen Einhaltung der vereinbarten täglichen neunstündigen Arbeitszeit in Verhandlmig treten soll. Nach der Vcrhaitdlnng hatte diese Kommission der Verwaltung der Holzarbeiter sofort Nachricht zu geben. Als nun die Geschäftsleitung von der geplanten Fabrikvcrsam'mlung Kenntnis erhielt, ließ sie durch einen Bcanf- lraglen dein Fabrikansschuß mitteilen, daß sie nichts ändern könnten, sie müßten dem Beschluß deS Verbands der Holzmdnstriclle» gerecht iverden, auch würde in der Fabrik der Herren Feurich, Bliithncr usw. vom Montag an dieselbe verlängerte Arbeitszeit eingeführt werden Die Arbcitcr werden sich diesem Plan energisch widersetzen. Ter Streik der Lederarbeiter in Mainz, an dein 500 Malm beteiligt sind, nimmt insofern besondres Interesse in Anspruch, als er einen der vielgerühmten patriarchalischen Musterbetriebe betrifft. Die„Mainzer Leder werke", deren erster Chef der Geheim« Kommerzienrat St. C. Mayer, StandcSherr, Haiidelskammerprästdettt, Stadtverordneter, vielfacher Aktionär und Millionär ist, haben es Jahrzehnte hindurch verstanden, sich durch alle nur erdenkliche» iogenannten WohlfahrtSeinrichtungen in der Oeffcutlichkeit den Ruf lauterster Arbciterfrenndlichkeit zu erwerben; aber ebensogut ver- standen sie es, die Arbeiter von jeder Gelverkschaftsorganisation fernzuhalten. Die Kehrseite der„WohlfahrtSeinrichtunge»" war ein durch- schliittlicher Tagclohn von 3 M, bei 11 stündiger Arbeitszeil. Das endlich öffnete auch den Arbeitern dieses Musterbetriebs die Augen; �/s derselben organisierten sich und wandten sich mit Gesuchen um Anfbessernng ihrer Lage an die Direktion. Die.Direktion hielt es nicht der Mühe ivcrt, zu antworten. Da wurden' Forderungen gestellt: lOstündige Arbeitszeit; 10 Proz. Lohn- aufschlag; 25 Proz. für Ueberstunden-»nd Sonntagsarbeit; 50 Proz. für Nachtarbeit; Einsetzung eines ArbeiterausschiisseS, hervorgegangen ans geheimer Wahl. Antwort: Ent- la.ssuiig von 20 Iiis 25 Arbeitern, darunter die Vorstandsmitglieder des Verbands der Fabrik- sc. Ar« bciter, dem die Arbeiter angehören. In einem Schreiben, zu dein sich die Firma jetzt noch herbeiließ, verbat sie sich jede Ei»- »lischung des Verbands in„ihre Arbeiternngelegenheiten". Gleich- zeitig wurde nach berühmten Mustern ein allerhöchster Erlaß an« geschlagen, daß jeder, der nicht mittags 1 Uhr pünktlich zur Arbeit komme, als cutlasseii zu betrachten sei und laut Fabrikordnung den Wochcnlohn verwirkt habe. Der Erfolg war ein nnerivarteter. In einer sofort einberufenen Bcrsanlmlung, an der sämtliche Arbeiter teilnähme», wurde die so- örtigc Arbeitsniederlegung beschlossen und nur, 12 Arbeiter kehrten zur Fabrik zurück. Die Streikenden riefen nun durch den Vorsitzenden deS Verbands der Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter und den Vor- ätzenden des Gewerkschaftskartells das Geiverbegexicht Mainz als EinigmigSamt an. In einem Schreiben bedeutete jddoch die Direktion der Lcdcrwerke dem Gewerbegerichts- Vorsitzenden. da„wir bereit? mit ilnsrcn Arbeitern direkt miterhandeln" und außerdem da?' Geiverbegericbt auf Ansuchen außerhalb ihres Betriebes stehender Personen angerufen sei, lehne sie das G.ewerbegcricht als EinigmigS« amt ab. Doch nochmals wandte sich das Gewcrhegericht an die Direktion. mmmchr auf Verlangen der Streikenden direkt, aber b i§ zurStunde harrt es noch vergeblich an feine Antlv ort, Dagegen erhielt ein Mitglied der Streikkonimission eine Zuschrift der Firma, worin sie den Wegfall der elften Arbeitsstunde sowie für Ueberzeit eine» zchnprozentigen Aufschlag anbietet bei Wieder-. aufnähme der Arbeit am nächsten Montag, Diese durchaus un- genügendc» Zngestäiidnissc vermöchten jedoch nicht, die Arbeiter von ihren Fordermigen abzubringen, Sie find fest entschlossen, anSz»- harre» bis zur Bewilligmig des Geforderten. Arbeitswillige sind nicht zn verzeichnen und es ist zu hoffen, daß daS Solidarität?- gcfühl der dentschcu Arbeiter dies auch ferner verhindern tvird. Etwa die Hälfte der Ansstäildigen hat vorläufig Beschäftigung bei Erdarbeiten gefunden. Sociales. Die Slvbcitölosigkcit in der Textilindustrie. Eine stark besuchte Geueralversanimliing des„christlich« socialen Tcxtilarbciter-Vcrbaiids für Aachen- Burtscheid und Umgebmift" be- fastte sich mit der Rnsis im Textilflciverbe in Aachen. Es wurde fcstflcstcllt, das; über 2000 Textilarbeiter, meistens Familienväter, be« schaftigungSlos sind. Nach einer längeren Debatte wurde eine Neso- lntion dahingehend angenommen: Die VcrbandSleitnng solle beim Fabrikantenverein vorstellig werden, und dort den Wunsch ausdrücken, die Arbeitszeit so weit als nötig einzuschränken und zu verkürze», damit alle Arbeiter in Arbeit und Verdienst bleiben, und die Zahl der Arbeitslosen nicht noch durch weitere Entlassungen vermehrt würden. Auch soll die sociale Kommission und die Stadtverwaltung an« Gegangen werde», zur Lindcrunng der Not beizutragen. Mit der Bitte um Abdruck erhalten wir folgende Znschrist: In Nr. lOö des„Vorwärts" bringen Sie unter der Notiz über den V e rbandstag der Orts-Krankenkassen-Beamten die Mitteilung, dah„im Interesse des Friedens eine Halbierung der Berwaltnng sowohl als der Beiträge wünschenswert wäre". Dieser Pasins ist nicht nur nicht de» Thatsachen entsprechend, sondern es «st sogar nach dem Antrag des Schreibers dieses auf dem Verbands- tag beschlossen worden: .. Die Halbierung der Beiträge ist strikte abzulehnen, dagegen die Zweidrittelteilung der Beiträge der Arbeiter festzuhalten, da nur diese Teilung das Selbstverwaltnugsrecht im Sinne, der Ver- sicherten wahrt. Magdeburg. 23. Anglist 00._ Erich Wendland t. Wir musstcn uns selbstverständlich mif den uns zugegangenen Bericht verlassen, bemerken aber, dag noch eine ganze Anzahl andrer Blätter unabhängig von uns dasselbe berichtet haben. Klus dov Frttttenbcmeguntg. Die Bnchbinderinneu in der Lohnbewegung. Eine sehr gut besuchte Versammlung der Buchbindcriiincn fand emr 23. d. M. im großen Saal des Gcwerkschaftsbauscs statt, um zu der begonnenen Lohnbewegung Stellung zu nehmen. Der neue Tarif, welchen die organisierten Arbeiter den Unternehmern unter- breiteten, enthalt einige Erhöhimgen, angesichts der herrschenden Teuerung eine durchaus gerechtfertigte Forderung, die wohl als Mindestmaß gelten kann. Die Bestimmungen, welche die Arbeiterinnen am meisten angehen, wurden nochmals in der Haupt- fache dargelegt. Die genauen Angaben für Accordarbeiten find für Berliner Verhältnisse weniger wichtig, weil hier meist im Wochenlohn gearbeitet wird. Hier stellen sich die Forderungen für Frauenarbeit nach dem Mininialtnrif: Für geübte Arbeiterinnen 12 M., für � ungeübte 10 M., für Arbeiterinnen an Draht- und Fadenheftmaschinen, soivie für Goldaufträgerinncn 20 M., für Ar- beiterinncn an der Falz- und Universal-Hcftmaichine 17,öO M. Bei Aushilfe- Arbeit bis zu 14 Tagen muß ein Zuschlag von 15 Proz. gewährt werden. Ueberzcitarbeit ist nach Möglichkeit zu vermeiden und niuß init 33«/z Proz, Zuschlag berechnet werden. Für Sonnabend und Montag, sowie auch für Sonntags- arbeit beträgt der Zuschlag 50 Proz. Die in dem Tarif angeführte» Arbeiten dürfen nur durch Arbeiter ausgeführt werden, welche ent- sprechend diesen Fcststellnngcu entlohnt werden. Wenn Gehilfenarbeit durch Mädchen migeferOgt wird, müssen sie nach Gehilfenpreisen ent- lohnt werden. _ Falls Mädchcnarbeit von Gehilfen ausgeführt wird, ist ein Zuschlag von 25 Proz. zu zahlen. Bei aller Ueberzciigung von der Gerechtigkeit der Forderungen wurde die Wahrscheinlichkeit eines ernsten Lohnkampfs von dem Vorsitzenden. Herr,, BytomSki, und Frl. Becker, beide Mitglieder der Lohukommission, nicht verschleiert; sie wiesen nur auf die dringende Notwendigkeit eines festen Zusainmeusteheus hin, als bester Bürg- schaft für de» Erfolg der guten Sache. Das Thema der Neferentin, Frau Ihrer:„Wer schützt die Ar- beltcriu vor Not und Gefahr?" schloß sich eng an die brennende TageSfrage an. Eine seltsame Frage in einem Kulturstaat. dein ivir doch angehören sollen. Daß eS seine Aufgabe nicht unr, sondern Jeiii eigenster Zweck ist, die Schlvachen zu schützen, bedürfte keiner näheren Ausführung; doch ist unser Staat zunächst Klassen- staat, und damit verschieben sich auch seine Ziele und Aufgaben. Er hat zu viel mit dem Schutz der Vornehmen, der Neichen zu th»n, nm Kraft und Zeit für die Äermsten. zu behalten. So wäre der nächste, der Schutz bietet, der Arbeitgeber, der sich ja gern den Brotgeber nennt. Aber geben nicht vielniehr ihm die Arbeiter das Brot— freilich ein reichlicheres als ihnen zu teil wird. Lebt nicht der Millionär von der Arbeit der vielen Hände derer, die er so wenig schützt, daß eine besondere Schutzgesetzgebung nötig wurde, um die zahlreichste Klasse des Volks vor der drohenden gänzlichen AuSsaiigung und Vernichtung zu schützen? Der Schutz, der einzige, der dein Arbeiter bleibt, ist die Selbsthilfe. Freilich nicht die des einzelnen Schlvachen und Ver- lorenen, sondern die der Koalition, soweit sie sich derselben anschließen können. Seite an Seite arbeiten Mann und Frau, mögen sie auch so kämpfen für Besserung ihrer Lage. Nicht länger halte die Arbeiterin sich zurück, in Angst vor dem„Herrn", dessen Befehle ihr als Zwang erscheine», dem sie sich nicht entziehen mag. Kein Wunder, daß sie als Arbeiter gesucht und vorgezogen wird, besonders die Verheiratete, die Faniilieilinutter. Denn sie erhält nicht nur geringen Lohn, sie arbeitet auch eifriger, unermüdlicher— ist es doch Brot für die hungernde Kiuderjchar, dessen sie bedarf. Die Belichte der Fabrik- inspektoren lassen hierüber keinen Zweifel. Der Vorivnrf, sie wolle nur nicht ruhig in ihrem Heiin bleiben, ist so grundlos, als beute bei den bestehenden Verhältnissen die Forderung thöricht, man solle ihr die Arbeit verbieten. Dann befehle man doch zuerst den Arbeitgebern. Löhne zu zahlen, welche es dem Mann möglich machen, die Familie ohne weirere Beihilfe zu erhalten. In der Großindustrie süber 20 Arbeiter im Betriebe) waren im Jahre 1875 81 233 Flauen beschäftigt, im Jahre 1895 schon 134 017. Hiervon entfieleii auf die Papierbrauche 1882 30 054, im Jahre 1395 43 046 iveibliche Arbeiter, unter ihnen 6390 verheiratete. Die Kinder- fterblichkcit von 50 Proz. unter der Fabrikbevölkerung redet deutlich genug, so auch die Krankeukassen-Berichte von der furchtbaren Not der Lage. Aber nur sie selbst, nur die Arbeiterin, kann sich helfen, und nur durch Anschluß an die ihr Zunächststehenden. Denken Sie ja nicht gering von der Organisation und ihren Macht- mittel». Nehmen Sie z. B. ihren eigenen Verband. Seine Ausgaben im Jahre 1899 betrugen: Verbandsorgan.. 12 830 M. Agitation.... 2842 M. Streik im Beruf.. 3 626. Für andre GeWerke 3 205„ Reise-' und Arbeits- losen-llnterstützung 13 62�„ Und dies bei eiiier Mitgliederzahl von 6080 männlichen und 1587 weiblichen. Diese Zahlen zeigen Ihnen, welche Macht einer Vereinigung innewohnt, wenn sie auch nur einen Teil der Arbeitsgenosse» umfaßt. Wie viel kräftiger aber wird die Zunahme an eifrigen Mitglieder» die Abwehr üud den Kampf gestalten I Sie arbeiten in ihrer Organisation zu ihrem eigensten materiellen Wohl, aber dicS ist nicht alles. Sie arbeiten zugleich an der Hebung ihrer Klasse und somit auch des ganzen Volks. Das kleine Opfer des wöchent- lichen Beitrags kann sie nicht reuen, wen» sie der weit größeren Opfer denkt, die ihr an Strafgeldern, an Abzügen oft ab- gepreßt werden, so lange sie in ihrer Hilflosigkeit ein' willenloses .Werkzeug in der Hand des Unternehmers bleibt. In der bewußten freien Mitarbeit an der Besserung Ihrer Lage, welche Ihnen in dem Rahmen der Organisation gestattet ist, können Sie sich allein die *) Hier muß ein Irrtum vorliegen. Es erscheint kaum möglich, daß in einer gemischte» Gewerkschaft die Lohnzahlung für die gleiche Arbeit nicht auch die gleiche für alle Arbeitenden sei. sDer Berichterstatter. Verantwortlicher Redacteur: Willielm Schröder in Wilmert Gleichberechtigung erwerben, welche Ihnen auch bei der fleißigsten Arbeit versagt bleibt, so lange diese dein Unternehmer zu Gute kommt, der sie rücksichtslos auspreßt— würde er Ihnen sonst niedrigere Löhne geben für gleiche Leistung als den männlichen Kol- legen? Kämpfen Sie für Ihre gemeinsamen Rechte, für Ihren An- spruch auf freies Menschentum. In der lebhaften Diskussion, welche folgte, ertönte stets aufs neue der Anfrnf zmn Beitritt in den Verband. Das Recht der Koalition ist für Einsichtige zugleich eine Pflicht sowohl für sich selbst als den Genossen der Arbeit gegenüber. Vielfach wurden auch Mißstände gerügt, die in den verwandten Berufen vorkommen, z. V. der LuxuSpapier-Branche, deren Arbeiter so rückständig sind, daß sie es zn keiner Lohnbewegung bringen. Ein ganz besonders drastischer Fall von Untemehiner-Noheit sei ans der Fülle der Klagen mitgeteilt: In einem Geschäft wurde ein Mädchen unter 16 Jahren mit 5 M. Wochenlohn angestellt, erhielt aber nur 3 M. Als die Mutter dem Unternehmer klagte, sie könne das Mädchen für 3 M. nicht ernähren, gab ihr der Gemütsmensch zur Antwort:„Dann mutz s i e die Röcke hochheben und das Straßenpflaster treten." Herr Bytom-ki teilte einen Bericht der„VolkS-Zeitung" über eine stattgehabte Versammlung der Unternehmerorganisatioiien mit, bei welchem auch die Innung vertreten war. Auch der Ausschuß der Arbeiterorganisation habe nach diesem Bericht den Verhandlungen beigewohnt. Dies bezeichnet er als unrichtig. Sie hätten allerdings 4 Mitglieder dorthin abgeordnet, um erforderlichenfalls den Ver- band zu vertreten. Aber sie blieben in den Restaurationsräumen; man bedurfte ihrer nicht bei den Herren.— Daß der Tarif, wie er stehe, angcnomnien werde, sei nicht zu erwarten; eS werde vielleicht einen sehr ernsten Kampf geben. Um so nötiger sei es. daß alle Arbeitenden sich der Organisation anschließe». Daun könne man mit Bestimmtheit darauf rechnen die Sache siegreich durchzufechten. In einem Schlußwort faßt die Rcfcrentin nochmals das Ergebnis der Besprechung zusammen: In Ihrer Hand, der Hand der Frauen, liegt das Schicksal der begonnenen Lohnbewegung. Sie können zum Siege oder zur Niederlage mitwirken. Denn auf Sie hofft der Unternehmer, er rechnet darauf, daß Sie. oder doch die große Mehrheit unter Ihnen als Arbeitswillige ihm behilflich sind. wenn er die Forderungen Ihrer Genossen ablehnt. Sie sind das Zünglein an der Wage;— sorgen Sie, daß die Wage auf die Seite der Gerechtigkeit neigt. Der oft stürmische Beifall, welcher die Ausführungen begleitete, läßt hoffen, daß die Anwesenden, soweit sie noch nicht organisiert waren, den Wink des Vorsitzenden benutzten, welcher mitteilte, das Bureau der Gewerkschaft befinde sich im Ecwerkschaflshaus und sei bereit, Beitrittserklärungen entgegenzunehmen. Möchte der EnihnsiasinnS nachhaltig genug sein, um einen siegreichen Kampf durchzuführen. Mit einem begeisterten Hoch auf die Organisation schloß die Versammlung._ Vevsamttrlttngen. Für die Maler von Berlin, Rixdorf und Charlottenbnrg hatte das Agitationskomitee der Bereinigung der Maler ic. am Donnerstag eine Versammlung nach dem GewerkschaftshauS ein- berufen. Es bandelte sich um die Frage, ob die Maler eine Lohn« bewegnng einleite» wollen.— Nachdem mau das Andenken des ver- lorbenen Genossen Liebknecht in der üblichen Weise geehrt halte. nahm Link zu einem einleitenden Referat das Wort. Er wies darauf bin, daß zwischen dem Jimungsvorstand und dem Gc- bilfen- Ausschuß eine Vercinbarimg getroffen ist. wonach der Mimmallohn für Malcrgchilfcn fünfzig Pfennig betragen ioll. Diese Vereinbarinig gilt bis zum Ablauf dieses Jahres. Sie ist aber, wie der Redner weiter ausführte, von einem Teil der Geschästsinhader, auch von größeren Firmen, nicvl innegehalten worden. Nicht selten sei es vorgekommen, daß. wenn Gehilsen sich ans diese Vereinbarung bcriesen und 50 Pf. ver- langlen, der betreffende Meister ihnen sagte: Wemi Sie 50 Pf. baden wollen, dann kann ich Sie nicht beschäftigen. In ander» Fällen seien immer diejenigen Gebiifen. die ans Jmiehnkrung der Vereinbarung bestanden, beim Nachlassen der Arbeit zuerst entlasse» worden.— Unter allen Bauarbeitern, init Einschluß der»»- gelernten Hilfsarbeiter der Manier, seien die Maler am schlechteste» gestellt. Während alle Übrige» Kategorien dcS Baugewerbes in den letzten Jahren dank ihrer guten Organisation ihre Löhne verbessern konnten, hätte» nur die Maler nichts erreicht. Es sei deshalb z» erwägen, ob die Mater nicht endlich eine Bewegnng zur Auf- besserung ibrer Lage einleiten und nach Ablauf der Vereinbarung einen Stundenlohn von 60 Pf. fordern wollen. Tie neue Ver- einbannig init de» Meistern dürfe aber nicht ivieder zwischen der Innung und dem Behilfenausschuß stattfinden, sondern sie müsse mit der Organisation, der Vereinigung der Maler, und zwar den Filalen Berlin. Rixdorf und Charlottenbürg abgeschlossen werde». Leider hätten sich die Maler bisher zu ivenig um ihre Organisation gekümmert und deshalb auch nichts erreicht. Jetzt müsse vor allem div Organisation gestärkr werden, den» ohne stmkc Organisation sei cinO Bei besierung der Lohn- und Arbeilsverbältnisse nicht denkbar.— Den Aus- ührunge» des Referenten folgte eine lange Diskussion, die znm großen' Teil mit Erörterung der Gegensätze zwischen der centralen und der seit kurzem bestehenden lokalen Organisation ansgcsiillt wurde. Mit der Forderung eines Stundenlohns von 60 Pf. waren die Vertreter beider Richtungen vollkommen cinverstanden. auch darüber herrschte Uebereinstimmnng. daß, wen» die LSetvegmig erst greifbare Gestalt annehme, beide Richtungen ziSainmcnwirke» würden. MeinimgSverichiedenheit in Bezug ans die Lohnbeivcgnng trat nnr darin hervor, daß diese nach dem Wunsch« der Lokalisten von Anfang an in öffentlichen Versammlungen behandelt iverden olle, während die Cemraliste» dafür eintraten, daß ihre Organiiatio» die vorbereitenden Schritte thne und die endgültige EntsÄcidung einer öffentlichen Versammlung vorbehalten bleibe. Es wurde be- schloffen, daß das Agitationskömitec in Verbindung mit den Filial- vorständen von Berlin, Rixdorf und Charlottenburg die den Meistern einzureichenden Forderungen ausarbeiten soll. Die Heizungsmonteure und Helfer beschäftigten sich in einer zahlreich besuchten Versammlung am Donnerstag avcrmalS mit der Tariffrage. Bekanntlich ist mit der Innung der Gas-, Wasser- und Heizungs-Fachmänner bereits ein Lohnlarif vereinbart worden. Da- gegen hatten die Verhandlungen mit dem Verband deutscher Central- heiznugS-Judustrieller bisher noch keinen Abschluß gesunde». Nachdem ei» Tarifuorschlag des UntemehmerverbandS von den Arbeitern ab- gelehnt worden war. haben neue Verhandlungen zu einem neuen Vorichlag geführt. N ä t h e r und T h o r m a n n referierten über den Gang der Verhandlungen und erläuterten die einzelnen Punkte des neuen TarifentivnrfS. Nach einer lebhaften Debatte stinunte die Versammlung diesem zu mit Ausnahme des Punktes 2. Der Enttvurk sieht vor: .1. Neunstündige Arbeitszeit einschließlich Material- Empfang von morgens 7 Uhr bis abends 6 Uhr mit zweistündiger Pause. Diejenigen Firmen, welche alS Mitglieder des Gesamt-VerbandS deutscher Metall-Jndnstricller bczw. eines seiner Lokalverbände ans eine andre Arbeitszeit verpflichtet sind, behalten diesem Beschluß gegenüber freie Hand. 2. HeizungS-Montenre erhalten, wenn sie neu angestellt werden. einen Stundenlohn von 50 Pf. Bereits im Geschäft thätige Monteure erhalten einen solchen Stundenlohn, daß der bisherige Tagesverdienst auch bei neunstündiger Arbeitszeit mindestens erreicht lvird. Infolge der Lohnbeivegung bereits gewährte Zulagen kommen hierbei in Anrechnung. Für Hilfsmontenre findet dieselbe Lohnberechmmg auf Grund eines MinimallohuS vo» 40 Pf. pro Stunde statt. Hefter erhalten nicht unter 35 Pf. pro Stunde. 3. Ueberstunde» von 3 Uhr abends bi» 6 Uhr früh werden als Nachtarbeit mit 50 Proz. Zuschlag bezahlt, ebenso die Arbeiten an Sonn- und Festtagen, diese ober ohne ZuschMg für Nachtarbeit. 4. Bei Accord-Arbeit lvird der festgesetzte Stundenlohn gesichert. 5. Landzulagen für Monteure 3 M. pro Tag. für Helfer 2 M. Die Landznlage wird auch bezahlt für Sonn- und gesetzliche Feiertage. -orf. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck> Wird Kost und Logis gewährt, so treten besondre Verein- bannigen ein. Die Reisezelt wird laut Lohntarif vergütet, jedoch ohne Zu- schlüge und Landzulage. DaS Fahrgeld wird für die dritte Wagenklasse verrechnet. 6. Sobald die Arbeitsstelle 3 Kilometer vom Geschäft entfernt ist. wird das verauslagte Fahrgeld vergütet. Für Arbeitsstellen. welche mehr als 6 Kilometer entfernt sind, ist Fahrgeld und Fahr- zeit zu vergüten. 7. Am Zahltag findet die Lohnzahlung von 5 Uhr ab und vor den Feiertagen von 4 Uhr ab im Comptoir oder ans dem Bau statt. Die Besperpause füllt an diesem Tage aus. 8. Ans den Bauten ist ein verschließbarer, mit Heizvorrichtnng versehener Raum zur Verfügung zu stellen. 9. Sämtliche Werkzeuge sind in gutem Zustande zu liefern, desgleichen Eimer und Putzlappen. Hierfür erforderliche Auslagen iverden vergütet. 10. Maßregelungen wegen Durchführung des Lohntarifs dürfen nicht stattfinden." Die unter 2 festgesetzten Minimallöhne erklärte die Lersamm» sting in einem Beschlüsse für völlig ungenügend. Die Kommission nnd die Verbandsleitung wurden beanftragt, mit dem Ausschutz dcS Verbands deutscher CentralhcizungS-Jndustrieller von neuem wegen Festsetzung andrer Miuimalsätze in Verhandlung zu treten und dann am Sonntag, den 2. September, in der Versammlung bei Keller in der Koppenstraße Bericht zu erstatten. Diese Lersammlung soll endgültig entscheiden.— In der Debatte hatten sich die meisten Redner, entgegen den« Vorschlage der Industriellen, für einen Mindest stimdenlohn von 65 Pfennig für Heiznngsmontcure. vo» 45 Pfennig für HilfSmontenre und von 40 Pfennig für Helfer aus- gesprochen.— Im Laufe der Diskussion wurde die Notwendigkeit deS Auschlnffe« au die Organisation energisch betont. Verschiedene Redner, besonders Nälher, zogen gegen die bürgerliche Schund- und Schmntzpresse zu Felde und empfahlen das Abonnement auf das Arbeiterblatt, den„Vorwärts". Kirchenba», RathanSban nnd Gewerbegericht lautete die TageSordnimg, mir der sich am 21. Angnst eine im Schloß Weiße» see abgehaltene Versammlung beschäfftgte, zu der samt- liche Gemeindevertreter unsreS Vorortes eingeladen waren. Unser Parteigenosse G e r st e n b e r g e r, der der Gemeindevertretung an- gehört, kritisiert das Verhalten seiner bürgerlichen Kollegen in scharfen Worten. Als es sich um die Beihilfe von 80 000 M. zum Bau einer Kirche gehandelt habe, hätten nur zwei bürgerliche Gemeindeverlrcter gegen die Forderung zu stimmen gewagt. Hätte die Socialdemokratie gegen den RathanSban an sich auch nichts einzu- wenden, so müsse sie um so schärfer den Streit bürgerlicher Grund» besitzer um die Frage, wer das RathauS möglichst in der Nähe seines Auwesens errichtet haben sollte, auf seine niedrigen, von habsüchtiger Spckulationswut eingegebenen Motive znn'ickfiihren. Wie anders sei die Angelegenheit deS Eewerbegerichts in bürgerlichen Kreisen behandelt worden! AlS die Gemciudcvcrtrciung im Februar d. I. die Errichtung dcS überaus»otwendigen Gericht? endlich mit 12 gegen 8 Stimmen beschlossen hatte, sei man' ans bürgerlicher Seite verdutzt gewesen und richtig wäre dann auch die Augelegcuheit in einer der letzten Sitzungen mit allen gegen die Stimmen unserer und zweier bürgerlickier Vertreter auf ein Jahr vertagt worden. Be- zeichnend seien die Grunde geivesen, die dreien Beschluß rechtferiigen tollten: Man habe keine juristisch gebildete Person am Orte, die das Institut leite» könne, es jehlten Räume zur llnierbringuug dcS Gerichts; ja der Gemeindevorsteher habe sogar mit dürren Worten er- klärt, daß eS, soi.mgc er an der Spitze der Gemeinde stehe, i n W e i ß e n s e e k e i» G e w e r b e g c r i cb t gebe. Sämtliche Diskussionsredner erklärte», daß. da alle zur Er» richtnug eines GeiverbegerichtS notwendigen gesetzlichen Formalilätcn erfüllt seien, nichts übrig bliebe, als der Klageweg. den die Vertreter der öffentliche» Gcwerkichafien nunmehr beschieiten müßten. Recht intereffaut waren die AnSfübnmgen des Gemeinde- Vertreters S w o b o d a. deS einzigen aus bürgerlichen Kreisen, der der Einladung gefolgt war. Der Herr teilte mit, daß eS sich beim KircheNbau nicht im, 80000 M.. sondern mit Zinsen. Amortisation hin 200 000 M. handle. eine Summe, die die Steuerzahler in 60 Jahren abzutragen bätlcn In der Frage des Gcwerbegerichts schloß Herr Swoboda sich der Meinung der Vorredner au. Rein forderte zun, Schluß die Anwesende» ans. die Arbeiterpresse mehr als bisher zu beriicknchtigon. Vor Einlritt in die Tagesordnung hatte die Versammlung das Andenken unsreS Liebknecht in würdiger Weise geehrt. Die Graveure, Cikelenre je., Filiale Berlin, hielten am DienSrag im Dresdener Garten eine Versammlung ab, in der Dr. Wehl in einem lehrreichen und bcisä/lig aufgeiiommciieu Vor- trag über AlkoholiSiuns und Arbeilerbcwcgnng sprach. Tetzke UtochvUfzkvtt und Depeschen. China. Wien, 24. August.(W. T. B.) Von dem östreichisch-nngarischen Schiff„Maria Teresia" traf ein Telegramm ei», nach ivelchem nm 19. d. Mts. bei Ticntfi» ein Gefecht stattfand. Die Chinese» wurden von japanischer und amerilanischer Kavallerie mehrmal« zurückgeworfen. London, 24. August. sW. T. B.) Eiue in Tschifu am 23. d. M. vom General Gascler aufgegebcncS Telegramm besagt: Tie Verluste der Engländer sind sehr gering, die der Japanese» schwer. Nach Aufzähümg von Einzelheiten über die Teilnahme von Kämpfen der verschiedene» Regimenter erklärte Gascler, es seien nnr noch sehr wenig Lebensmittel vorhanden; aber eS seien Ver- anst>iltn»ge» für Zufuhren getroffen, es sei heute(den 16. Kugnst) ein Angriff auf die kaiserliche Sradt beabsichtigt. Petersburg, 24. August. sW. T. B.) Dem General st ab sind nachstehende Nachrichten zugegangen: General Orlow meldet unter dem 17. d. M.. daß sich der Feind bei Chorgo sammelt»nd in drei Kolonnen Chnilar vorrückt. Zwei Schivadroncn wurden in dieser Richtung zur Rekognoscierung vorgeschickt, die nur Mongolen mit ihren Viehherden vorfanden.— AuS Kuldscha, den 22. d. M. wird gemeldet: Der Gouverneur ließ unlcr die Kal- mücken 1000 Magäzingclvchre verteilen nnd schickte eine bewaffnete Abteilung einem Warcntransport auS Unnnifchi entgegen. Die Be- völkernna verhält sich ruhig. Russische Dampfschiffe, die auS Eharbin nach CbabarowSk am 18. und 19. d. MtS. kamen„berichten", daß die Schiffahrt auf dem Sungari vollkommen frei ist und die Einwohner zu ihren Arbeiten zurückkehren— General Sacharow rückte am 15. d. M. von Eharbin gegen Aschecho vor, wo sich chinesische Truppen sammeln. Eharbin lvird befestigt; Ingenieure stellen die Bahn nach Osten zu wieder her. DaS vierte Schützenregimcnt hatte auf dem Wege nach Eharbin bei Bajanfum ein Gefecht mit Chinesen, die mit bedeutenden Verlusten zurückgeschlagen wurden und flohen. Die Ruffen hatten keine Verluste. Washington, 24. Angnst.(Meldung deS„Rcuterschcn Bureaus".) General Chaffee telegraphiert aus Peking vom 18. d. M.. er werde mit den andern Koi'ninandnnte» dahin wirken, daß die Eisenbahn von Tak» nach Peking znm Gebrauch der Verbündeten wieder hergestellt Ivcrde._ Konstantinopel, 24. Angnst.S.k>S M. Redner fordert a»i Schlnsic seines Vortrags auf. jeder Delegierte wöge an de» Bericht rüasichtSloS und öffentlich Kritik üben, daniit die Vcr- Handlungen für die Zukunft von Vorteil und zum Nutzen für den verband sein möge». Nach dem von, Kossirer Slii», i»g gegebenen Kassenbericht beziffert sich die Gesamteinnahme vom L. Quartal 1833 bis inkl. 2. Quartal IlXX» auf 250 2Ü0.V7 M.. die«uSjinbc auf 167 008,16 M. Darauf gab der Vorsitzende deS LlnSjchusseS Mögell-Mauuheim den Bericht über die Thätigkeit dieses Instituts und dann wurde ivic üblich Entlastung erteilt. Als be jouders bemerkenswert verdient noch hervorgehoben zu werden, da Strafen und Kosten für Angehörige der Organisation ganz be deutend gestiegen sind. Diese Steigerung wird»m Recht an ocii neuen Kurs zurückgeführt. Bei der Beendigung der Vormittags sitzuug winde ein Glückivimschschreibeii vom Vorstand dcS Schweizerischen Verbands verlesen. Uebcr Punkt 7 der TagcSordiinng:„D a S Unter n» tz n it g S iv e f c n, referierte ebenfalls K ä m i n g. Er wies darauf hin, das; cS noch Kollegen gebe, die da sagen, je n>chr daS Untcrsiiitznngsweien ausgebaut werde, um so mehr verliere die Qr ganiiatiou den Eharaktcr der ÄanipfeSorgauisalio». Bei dem Vcr band der Schneider habe sich das Gegenteil herausgestellt. Denn nach der Einführung der Kraiikrnünterstützuug im Verbände habe die Zahl der Mitglieder und auch die Zahl der wirtschastlichen Kämbsc ganz bedeutend zngenonnnen. Ntich einer AbschicdSrede dcS französischen Delegierten und sihhsi ,�vlvuScnu,3 voisitzcnden wurde dann die Sitzung gc- Ltflmles. DaS 0orbfti.crgniigru dcS viertel, Wahlkreises t�st) findcl ani morgigen Sonntag bei Keller, Koptzenstraße 20, ltatt. Das VergnügungSkomitee hat alles aufgeboten, um dicS Fe'l zu einen» ganz besonders interessanten zn gestalten; die Dar- biet», ige» verschiedener erster Kräfte, wie des Berliner Ulk-Trio. cuicr Anzahl hervorragender Gesangvereine ec. sind geeignet, das Iiiteretie weiter Kreise zu criveckc». Zahlreichen Besiich crlvartci, _ Die veriranenSleute. lieber die städtische WohlthäligkciiStzstrgc finden wir in dem kürzlich cnchumciwi, drilten Teil dcS.Berichts über d, e G e m e i n d e v e r w a l t n» g der Stadl Berlin in den Jahren 1880 05" einige sehr bcmcilciiSwcric AuSsührungen. �ci- VeiiiivgenSnackivciS ergiebt, das; die abgelaufene Berichts- £fl,.lLlC-J'11 �'c st��stlhcn Tliftniige» eine„reich gesegnete" ivar ?�vcudni!gcn sueg daS Vermögen der Stifinngen von l/'.e Millionen Marl auf 2Sl.e Millionen..Aber so groß das S t> f t n n g s v e r m ö g e n a u sich auch g e w o r d e u i st tagt h'crz» der Bericht.„nnd so reich die anS demsclbc» ptcfcciucii$hücl zur Liuderung der Not a!lch scitt Ulöncn lo und oicicMcn doch lallte u ich t acnnqend, alle an die S t i s t u n g S» D e b n t a t i o» herantretenden n n d sich fortgesetzt mehrenden Hilter st ü tz n» g S- antrage in wünschenswerter Weise zu beriick- sichtigen. Nur zu oft sehen wir uns zu unsrcm Bedaneru lvegen Mangels an Mitteln genötigt. Anträge zurück- wei, eu zu müsse», welche hinfichllich der Bcdürfrigkeil' nnd Wnrdig- kcit der Aniragftellcr ivolil hegründet sind und B e r ü ck s i ch r i q»» g v e r d i e n t c n," Da« Mihvcrhältiiisz zirnschcn der Znbl der Hilfe- inchenden nnd der Höhe der verfügbaren Mittel wachst namentlich dauu ms Uiigcmesscne. wenn bei einer Siinimg die voischrift besteht, vor Verteilung der Unterslützuiigen eine vfientlichc Anssordcnmg zur Beivcrbuiig zu erlassen. Infolge einer solchen Anffordernug gingen bei dem Knratorinm der Therese Leizmann-Slislnug, ans der nur 46 Ilnteistütznngen zu verteilen waren, in eiiiei» Jahre mebr ol« 2000, in einem andren über 2400 BewerbmigSgesnche ei» Tie Annahme, vorläufige Durchsicht, erdming»nd Katalogisierung dieier vielen Gesuche, die notwendigen Erhebungen über Person- lickie Verhältnisse. Würdigkeit und Bedürftigkeit der Bewerber, die Ennittelniigcn darüber, ivic weit die Bewerber etwa von andrer Scilc� bereits nntcrslützt worden sind oder noch unlerstiitzt werden, vernriachen stets eine bedentcnde Arbeitslast nnd nehinen eine grotzc Zahl von Arbeitskräftc» in Anspruch, durch deren Besoldung der städlischcn Verivallimg erhebliche Ausgaben auferlegt werde». Sind nun alle diese vorarbeiten erledigt, so werden die aufgestellten Listen mit den Gesuchen nnd den eiiigeholtcn Berichte» der Bezirks- vmstchcr usw. de» Mitgliedern der Stistungsdeputation bezw, der Kuratorien vorgelegt, damit diese die zu berücksichtigenden Persoue» auswählen.„Welche Mühe, Sorgfalt und Zeil", so klagt der Bericht,«ja welche G e w i s s e n s l ä m p f e es den Mitgliedern verursacht, aus einer so grojzen Anzahl v o>> B e- w c r b e r» d i e würdigsten und b e d n r f t i g st e n a u S z u- wählen, ist mn'chwcr zu beurteilen."— Diese Schildernng ist nicht übertrieben, sondern cutspricht leider den Thatsachen. Die Klage über die Ilnznlänglkchkcit der Mittel beschränkt sich auch nickit blotz auf die sindtischc WohIthätigkeitSpflege. Die gleich»,. Zustände>vie hier herrschen einerseits in der si ä d t i f ch e» A r m c» p f l c g e, anderseits in de» P r i v a t e n W o h l t h ä t i g k e i t s- B c r e i i, e u. Es ist immer und überall dieselbe Geschichte— die verfügbaren Mittel reichen, so groß sie sind, dennoch nicht im entferntesten auS, da S Vorhand» e Elend zu lindern. Dah es so ist, daö wird nicht immer so offen zugegeben, wie in dein erivnhnten Bericht. Wenn von s o ei a l d e m o l r a t i s cher Seite gefordert wird, das; die Stadtgemeinde sich zur Erfüllung ihrer sociale» Pflichten nicht blosz mit der Arnienpflege begnügen nnd höchstens noch niit der Wohllhäligkeitspflege ein biffchen' nachhelfen, sonder» sich zu einer vernünftigen kommunalen Social- Politik aufraffe« soll, dann erschallt es aus der andern Seite iin Chornö: Die städtische Arnienpflege»nd die städtische Wohltbätigkeitspflege reichen vollkommen ans. nnd wenn sie nicht ansreichen, dnmi bleibt immer noch die private Hilfe der Wohl- tbätigkeits-Bereine! CS verursacht manchen Leuten, wiewohl sie die Zustände ans eigner Aiischanuiig kciiiic», angenscheinlich nicht die geringsten„GelvisscuSkämpfe", in dieser Weise der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen. Die in der Zliiarchlstciibcrsaiiimliing verhafteten find alle entlassen. Dempivolf wurde am Mittwvch dem Uiiterstichinigsrichtcr vorgeführt, dan» aber auf freien Fusz gesetzt. AnS welchem Grimde die verhaftimg aufrechterhalten wurde,' ist wirklich ganz unverständ- lich, den» Strafbares liegt in der Aeufferung, die dein Beamten Anlaff ziir Auflösung der Bersammlniig gab, keiiieSlvegs, Ein..Hängruder" Garte» ist jetzt nahe de>n KönigSthor zu sehen. Er befindet sich hinter dem Hanse Rene Königstr, 5 nnd ist durch den Abbruch dieses HanseS, das durcki einen Neubau ersetzt wird, vorübergehend bioffgelegt lvorden. Das Grundstück hat eine grotze Tiefe nnd reicht bis zum von der Nikolai-, der Marien» und der Klosterktrche gemeinsam benutzten alten Begräbniöplatz an der Ecke der Prenzlauer Allee und der Friedensiraffe. Es liegt hier hinten beträchtlich höher als vorn an der Ncnen Königstraffe; der Unterschied beträgt etiva neu» Meter. Dort oben.häng," ein aller, jetz, ver- wüstcter Garte», desfe» steil abfallende Böschnng auf steiiierne» Treppen erstiegen wird. Aehnlichc Gärten haben sich auch noch Himer den Nachbargrniidslückcn erhalten, deren Vodciigestaltnng von gleicherArt ist. Der hoch gelegene rückwärtige Teil dieser Gnuibslücke gehört mit dem aiigreiizendcn in gleicher Höhe litgendeii Teil des Friedhofs zu der au- sehnlichen Bodciicrhebniig, die sich zwischen der Prenzlaner Allee nnd der Reue» König- bczw.GrcifSivaldcrsiraffe nordostwärts erstreckt. Diese Bodenerhebmig, der sogenante«Prenzlaner Berg", steigt a» der Stelle, wo die Friedenstraffe darüber hinivegsührt, bis zu rimd 471/3 Meter über, dem Normal-Nnllpunkt der Berliner Sternwarie a», während der Platz vor dem Königsthor knapp 80 Meter über dem Norliial-Nnllpnnkt liegt, vor Zeiten befaiiden sich hier an der Ncnen Königstraffe ebenso wie ans den gleichfalls hügeligen Läiidcrckll der gegenüber liegenden Seite dieser Straffe bedeutende Weinberge. El» höchst aninasjcudcS Beiichnici, trug während des? Streiks der Kohlenarbeiter der Gastwirt Fehse, Schönebcrgerstraffe, 13. zur Schau. Der Mann nahm 18 Kohlcnarbeitcrii. die bei ihm verkehrten, die Bücher des Verbands der Handels-, Transport-»nd Verkehrs- arbeiter ab, in» die Arbeiter zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen. Dabei schimpfte der Herr weidlich auf die Orgaiiisotion. Dem Vor- trcicr deS Verbands gelang ei nicht, die Herausgabe der Bücher zu erlangen und daher werden gegen den Gastlvirt andre Schritte nnter- iiomnien werden niüsic». So viel scheint sicher, daff der Herr den Verkehr von organisierten Arbeitern nicht gern sieht. Herr Wernickc. Liegnitzerstr. 4. bittet uns, zu berichtige», daff die Angabe eines Berichterstatters in Nr. 105 unsrer Zeitung, wonach der Vergolder Meriiicke ans der Straffe einen Selbst», ordben'nch nntcrnalim. iiiirichtig ist. W. hat in der Werkstatt ans Versehen anstatt Wasser Saliniak getrnnken. Die dadurch hervorgerufene Cr- kranknng war nur ugbedentend. Eine furchtbare Fahrt machte vorgestcri, der Kutscher Kühl. der bei der Baugesellschaft Schwarz in Tegel aiigestellt ist. K. hatte vorgestern nachmittag eine Ladung Bretter auf einem zweispännigen Wagen vv» Spandau nach Tegel zu bringen. Als sich daö Geiährt auf der clivaö abschüssigen Stiaffe zwischen Haselhorst iind Tegel befand, verschob sich die Ladung nnd die Pferde wurde» scheu. Der Kutscher, der sich auf den Brettern nicht zn hallen vermochte, ivurde vom Sitz geschlendert. ES gelang ihm jedoch, sich mit beiden Händen an der vorderen Wagcnrnnge anzuklammern nnd so wurde Kühl. an dem Gefährt herabhängend, milgerisse». Schlicfflich drängten die scheue» Tiere seitlich nnd min wurde der unglückliche Kutscher fortgesetzt gegen die an der Chaussee entlang stehenden Bäume geschleudert. Erst iu der Nähe deö Barteljchcu LleftaurantS gelang es Berliner Ausflügler», die Pferde zunr Stehen zu bringen. Kühl, der»ach der Befreiung aus seiner schrecklichen Lage sofort die Besinnuug verlor, tvnrde nach der Gastivirtschast gebracht und Herr Barte! ersuchte tclephoulsch das Genicinde-Amt in Tegel, einen Arzt zn entsenden. Dies geschah auch, nachdem sich der Menschenfreund- tichc Gastlvirt bereit erklärt hatte, die Kosten zu übernehmen. Kühl, lcr schillere Qnclschungcn davongetragen, miiffte in fast hofjnnngs dosen, gilstande dem Paul Gcrhard-Stist zugeführt werben. Die NiitcrsnchnngSsachc gegen Tnnbt) n»b Genossen wegen Falschmünzerei nnd Vertrieb von falschem Geldc, die in dem Prozeß gegen den Einbrecher Neumann zur Sprache kam, ist noch nicht ab- geschlossen, vielmehr ist die Behörde bemüht, mehrere iiintmafflich Mitschuldige, die ans Verlin verschlvnnden sind, zn ermiitel»»nd frstznnchmen. Gegenwärtig befinde» sich 21 Perione» i» Unter- suchniigShaft. Dnndy. nach dem die UiitersiichnngSsache benamit ist, ivar die Seele der Bande, die zwar drei selbständige Werlftellen milerhielt. trotzdem aber gemeinsam bei dem Vertriebe der Falsifikate operierte. Ter Teilnahme dringend verdächtig erschien auch ein ivohlhabcnder Handelsinani, ans Weiffensee, in dessen Pferdestall ein Siegel und eine Müiizforin vor- gefunden ivurden. Dieser ist' jedoch nnr, ivie sich später heraus stellte, der Mitwisserschaft verdächtig, hat sich jcdo.v weder bei der Herstellung»och bei der Ausgabe der falschen Münzen beteiligt. Er wurde infolgedeff'cn wieder aus der Haft eiitlasien Der Vertrieb der Falsifikate ivar vorzüglich organisiert. Tic Veronsga billig derselben fand abwechselnd in den ver- Ichicdcne» Stadtlcilen»»d Vororten statt. Die Verbreiter lniiftcn irgend eine Kleinigkeit und baten den gefälligen Vcr- tänfer bei dieser Gelegenheit, doch noch ein 10 oder 20 Mark- stück gegen kleinere Münze»mivcchsel» zu wollcii. Hier bei dieser Gelegenheit ivnrden dan» stels einige Falschstnckc nntergeschobe». Seiten« der Behörde war aiich die Möglichkeit i» Betrnch'l gezogen ivorde», daff jener bisher immer noch nicht rckognoScierte Verbrecher, der gelegenilich seiner in Brandenburg a. H.'erfolgten Verhaftung einen Schuff ans den Polizeibeamten abgab nnd sich dan» selbst lötete, mit der jetzt verhaftete» Bande in Verbindung gestanden habe. Jedoch erklärten die sünitlichcn Verhasteten, denjetben nicht gekannt zu haben. Einen tödlichen Absturz erlitt Freitag ftiih gegen 8 Uhr der etiva 40 Jabre alte Maler Knopp ans der Loudsbergerstraffe. DaS Cafö„Friedrichshof". Ecke Koch-»nd Friedrichstraffe, das zur Zeit renoviert wird, ist rnnduin mit eine», bis über das Dach reichenden Leitergerüst umgeben, auf dem zahlreiche Maler mit dem Anstreichen der Fafiade beschästigr sind. Knopp befand sich in D a ch h ö h e, als angeblich eine Strebe des Gerüstes brach, Ivo bei der Maler den Halt verlor nnd in die Tiefe stürzte. Hierbei schlug er wiederholt auf Bretter ans und kam dann mit zerbrochenen Glied- maffcn und schwere» iimereii Vcrlctznngei, unten an. Zwei Acrztc waren bald zur Stelle, leider aber dauerte es fast*/4 Stunden, bevor ein K> ankeuwagcii den Schwerverletzten nach der köiiiglichei, Klinik in der Ziegelstraffc überführte. Dort wurden eine schwere Gehirnerscbüttcrnng. ein Bruch beider Beine und ein rechtsseitiger Aniibnlch festgestellt. In, Polizcigeivaljrsau« vom Tode ereilt wurde der 42 Jahre alte Arbeiter Karl Müller, der zn jener Klasse gehörte, die keine feste Wohiumg besitzt und auch nicht arbeitet. Er war auf der Straffe wegen Bettelns aufgegriffen und bis zu seiner Vorführung vor den Richter im Gewahrsam untergebracht worden. Dort starb er Plötz lich, oh»« daff ein Arzt die Ursache zu erkennen im stände war. Wieder ei» Todesfall durch de» Hufschlag cinrS PfcrdcS. Er betrifft den 35 Jahre alten Arbeiter Winkler ans der Tresckoiv- iraffe 14, der am DonnerStaguormittag um IG/, Uhr auf dem Lagerplatz der Groffen Berliner Strahenbahn-Gesellschaft an der Ecke der Lynar- nnd Tegelerstratze ein Pferd anschirren ivollte. Da- bei erhielt er einen Huffchlag vor die Brust und blieb besinimiigSloS liegen. Da er»och zu leben schien, brachte man ihn nach der Unfallstation in der Lindoweritrahe, wo aber der Tod festgestellt ivurde. W. hinterläfft eine Witwe und zwei Kinder in dürftigen Verhältnissen. Selbstmord im UntersnchnngSgefängniS. Vor der ersten Serien- Strafkammer am Landgericht 11 wurde am Donnerstag- nachmittag der Arbeiter P u h l in a n n wegen SittlichkeitSverbrechenS zn zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Der in reiferen Jahren lehende domicillofe Mensch hatte sich in der Umgegend Berlins an einem Kinde fchiver vergangen. In vergangener Nacht hat er seinem Leben ein gewaltsanieS Ende gemacht. indem er sich in seiner Zelle an seinem Leibriemen aufhängte. Als man ihn heute früh fand, war die Lcichcnstarre bereits eingetreten. Einen tödiiche« Ausgang habe» die Verletzungen genommen. die dem Bildhauer Fritz Pilz«uö der Schönhauser Allee, wie be- richtet, in der Nackt zum letzten Montag beigebracht wurden. P.. der mit einem Fräulein K. ein Erntefest besuchte, hatte dort die Bekanntschaft eine« andre» Mädchens gemacht und war mit der K. darüber in Uneinigleit geraten. Er ging infolgedessen etwa 300 Meter hinter ihr her, ol« sie den Heinnveg antraicn. An der Jinmaiiuelkirchstraffe und Rykeftraffe tauchte ei» Mann bei ihm auf, der ihm mit einem Gegeiiftand, den er aus der Tasche holte und später wieder darin verschwinden lieff, Schläge oder Stiche am Kopf, im Rücken nnd an der Brust beibrachte, dann aber durch die Jniinauuellirch« straffe enlfloh, als P. blutend znsamtneubr.ich. Pilz starb im Krankcnhause am FriedrichShaii, und die am Donnerstag stattgehabte gerichtsärztliche O e f f n u» g seiner Leiche ergab, daff der Tod infolge der V c r l e tz n n g e n ciiigetreten ist. Daher ivurde em Stra'svcrfahrcn gegen den Thätcr cingelcilet, dieser aber nicht er- mittext. Eine einwandfreie Zeiigiu hat den entkonimen«» Mann der Krim inalpolizci als»ntcrsctzr und miltclgroff beschrieben. Die Klei- dnng soll ans einem schwarzen Rock, gelblich-graucn Hosen und einen, weiche» Filzhut bestanden haben. Für die Untersuchung wäre von Wichtigkeit, wenn sich Zeugen bei der Krimiiialpolizei meldeten, die in jener Nacht um 2 Uhr den Thätcr in der Jiinnaiiucltirchstraffe gesehen haben. Mit Morphium vergiftet hat sich die 55 Jahre alte Ehefrau Luise des Schneidermeisters Roffberg ans der Pallisadeuslr. 63. Sie litt seit zwei Jahren a» nervöser Erregiiiig. die mit Schmerzen ver- bunden ivar. Zur Linderinig der Qualen hatte ihr ein Arzt vor 14 Tagen Morphinmtropfei, verordnet. AIS sich nun der Ehemann »cichinitlags»n» 3 Uhr zur Ablieserung von fertigen Waren»ach eiiicin Geschäft begeben hatte, nah», sie gegen ihre Schmerzen iviedermil Morphinin. Dabei hat sie zuviel getrunken, sodaff sie von dem alsbald eintreffenden Arzt besiininngSlos auf ihrem Bett liegend angeiroffc» wurd. Nach Aiiivcndiing von Gegeiimittel» lieff der Arzt sie in einem Lückschen Wagen eine», Krailkenhanse zu- führen. An, Hitischlag gestorben ist ein bisher unbekamit gebliebener Maiiii, der sich anscheinend von seiner Arbeitsstelle in der Gegend dcS NorduferS auf dem Heimwege besand und durch die Feiinstraffe ging. Tort brach er vorgestern plötzlich zusamineil. Andre Arbeiter brachten ihn nach der Uilfallstalion>» der Lindoiverstraffe, von Ivo er nach dem Moabiter Krankenhaus übergesühri wurde. Dort ist er dem Hitzschlag erlegen. Zlvrl Kindcrlriche», ivnrden am Donnerstag früh gegen O'/a Uhr durch die Polizei anfgefundeii: die eine mäniilichen Äe- schlecht« im Gesträuch deS Tiergartens am östlichen Rand, die andr« ivciblichen G-schlcchtS am Luiscnufer im Kanal. Beide Kinder haben anscheinend gelebt. Fcucvbericht. Ein gröfferer Dachftiihlbrand. der Freitag- nachmittag Pankstr. 456 zum Ansbrnch kam, beschäsiigte die Wehr fast zwei Stund»». Drei Rohre mufften unausgesetzt Wasser geben.! »n, das Feuer zu isolieren. Ein erheblicher Teil des Dachstuhl« ist zerstört. Die EntslehniigSursache ist nicht ermittelt. Ein weiterer Dachstiihlbrand war in der vorhergehenden Nackt Urbanstr. 6 zu beseitigen. Kurz darauf explodierte Marinmieiistr. 2 eine Petroleumlampe n»d verursachte einen Zimmerbraild. Die WohmingSinhaberin trug leichte Brnndivnndei, davon. Anfferdein war Wilhelmftr. 48 »och ein Küchenbraiid abzulöschen, der Kleider nnd Möbel ein« äscherte. Zeugen gesucht. Diejenigen, die am 6. August, vormittags 1/aS Uhr. mir aiisohen. wie vor dem Hanse Nr. 6 in der Arlickcn- straffe von der clektrischcn Bahn cin Maiiii überfahren ivurde. werden ersticht, bei Witive Hcbcnstreit, SlummelSburg. Prinz Albertstr. 5, v. III.. ihre Adrcffe abzugeben. Im Zoologische» Garte» ist eine Truppe Sianiejeu aiigelaugt. Sie besteht ans 23 weiblichen mid 12 uiännlichm Mitgliedern. Am Somitaz findet die erste Schaichcllilng statt. LlnS den Nachbarort«». Wcisjcnsce. Soniitag, den 26. August, veranstaltet der Social- dcinokralijche Arbeiterverein im Cafo Rettig, Berlinerstr. 11, unter Milwirknng der Gesellschaft Strzclewicz. deS SchnellmalerS Otto Fuchs, sowie der Gesangvereiiic„Freiheit" und Klinkinüllerschcr Mäniierchor die diesjährige Lassallcfcier. Um zahlreiche Beteiligung ersucht das Komitee. JohanniSthal-Nicdcr-Schönrtvcidc. Die„Freie Turiierschaft Johnnnislhat" begeht ou> Sonnabend, den 25. d. M.. im Johannis- lhaler VolkSgarten von Senftleben die Feier ihres drilten Stistnii»«- festes, bestehend in Konzert. Schauturnen derMäniier-, Damen- nnd Schüler-Abteil, mgen. Freunde der Sache sind frenndlichst ein» geladen. Mit der Einfiihrnng deS 8 Uhr-Ladcuschlnffr» beschäftigte sich eine sehr stark besuchte Versammlung, die am DoinlerStagabend in GröblerS Salon. Bcrgftraffe 147, m Nixdorf stnltfanb. Der Verein der selbständigen Kaufleiite der Kolonialbrnnche hatte diese Versammlung einbenifen nnd zu dieser den Verein der deutschen Kanslente, Orlsverein Nixdorf, eingeladen, der auf Ersuchen deS Vorstands als Referent Herrn Nedacteur Paul Tröger entsandt. hatte. Anfferdein ivaren auch Vertreter vom dcutschliationalen Handlnngsgchilfen-Verbaild erschienen. Der sticserent. ivie auch die' nachfolgenden Otedner plädierten für den 3 Uhr-Lade»schluff nnd ge- langte in diesem Sinne einstiminig eine Liesolution zur Annahutc. Auö Rixdorf. Ein schwerer Straffcnbah»- Unfall spielte sich am Donnerstagabend in der Slcinnietzstraffe ab. Der 4jährige Sohn des Schriftsetzers Jankowski ans der Steinmetzstr. 52 wurde beim Ueberjchreiten des Fahrdaninis von dem Motorwagen Nr. 1777 der Linie Dönhoffplatz— Nixdorf(Knescbecksiraffe) überfahren, wobei dem bedauernSwerlen Knaben das linke Bein glatt vom Rumpfe getrennt ivurde. Man brachte das verunglückte Kind nach der nahen Uufallstation, von wo es nach Anlegung eines Notverbands nach dem KraukenhanS am Urban gebracht wurde. Nach Angabe von Aligeiizengeii trifft den Wagenführer keine Schuld. Teinpelhof. Die Vorarbeiten zur Verbreiterung der Berliner- straffe sind nnnnichr in Angriff geupMnieii. Die alten Lindcnbäume, welche die Straffe so lange zierten, iverden jetzt gefällt. An ihrer Stelle werden»ach erfolgter Regnliermig jimge Bäume angepflanzt. Auch die Vorgärten werde» ganz oder teilweise vcrsckwinden, den» m» der Straffe eine geregelte Fluchtlinie geben zu können, müssen die Hansbesitzer an einzelnen Stellen ganz bedeutende Sticifen Land abtreten. Die Eigeiilümer haben sich verpflichtet das Gartenland nnentgeltlich an die Gemeinde abzntrelen. Wo »och Gartenland übrig bleibt, läfft die Gemeinde die Zäune einrücke»» Die Kosten für die spätere Nenpflafternng deS Bürger» sieigS tragen die Hausbesitzer selbst. Die Lerlinerstraffe wird von der Ringbahn bis zur Mariendorfer Grenze asphaltiert. Wegen der lderbreiterung der Straffe läfft auch die ElcttricitätLgescllsckalt die alten bogenförmigen Träger. welche zn beide» Seiten der Straff« aufgestellt sind,»m den elektrischen LeituiigSdraht über die Mitte der Straffe fortzuführen, ausgraben, und an Stelle» dessen unter« irdische Kabel anlegen. Die junge Ortschaft lvorsigwalde bei Tegel hat daS Tempo ihrer Entwicklung so überraschend schnell genommen, daß sie biiiiie» kurzem ihre ältere Schwester, die Gememde Dalldorf, zu der sie politisch gehört, an Eimvohnerzahl übertreffe» wird. Zur Zeit zählt die genannte Kolonie bereits mehr als 1200 Einwohner. Da mm am 1. Oktober weitere vierhundert Berfonen in 63 nene Mohmmgcn einziehen Iverden, so wird Dalldorf von Borsigwalde dann überflügelt sei». Die dreiklnssige Gemeinde- schule Borsigwalde wird nach Fertigstellimg des im Bau begriffenen neuen SckjrilhauieL scchöklajsig, im näcksten Jahr achtklassig iverden. Für einen Friedhof ist ebenso ivie für eine evangelische Kirche mit Pfarrhaus bereits ein geeigneter Platz anSgeivählt worden. Ter Posivcrkchr wird vom Tegeler Postamt ans besorgt. Die Gas- beleiichlung dürfte zum Wimer fertiggestellt sein; die Rohrleitungen werden augenblicklich schon i» de» Straffen von Borsigwalde gelegt. Die Lieferung des Gases erfolgt von Reinickendorf ans. Hansrrbau ohne Zirgel. Auf dem zwischen de» V>,l'0llcli Tcgc� und Slnibuuiunäluft im Walde licciciibrii, SO Mor�cu fivojjen freien Tcirciii, lüht die Vmigenosseiischnst„Freie Schelle" eine Wobubäuler sür kspini' L�piito K» ............ LidtIcheit ,>»t ihren Boraärten inncheu in dein sie»inc,ede»den Walde einen äußerst aiijsenehmen Eindruck. Da? Interessanteste an ihnen ist aber, das; die zu ihrer Erbaunttg Verivendnnq findenden Steine i? eich an Orr und Stelle»ach einer eicieirärtigen Methode hergestellt werden, daß sonach diese Bauweise die lliinz-- l'che Einaneipation von den Ziegeseien bedeutet.'Man sieht ans der Baiistelle neben einem Sack Gciiient eiserne Formen von V2 Nieter Hohe und Manerstärke stehen. Arbeiter der- dünnen den Cement mit Wasser, bringen die Mischung in die Form, ,ind nach geinigendem Trocknen werden die gegossenen Blöcke, die übrigen? iimen hohl sind, herausgenommen, imr alsbald zur Er- rrchtung der Wände bemitzt zu werden, die bei der Größe und Handlichkeit diese? � die Ziegelsteine ersetzenden Baumaterial? über- raichend schnell ansgesiihrl werden können. Die Blöcke gleichen in der Farbe dem Elbsandftein. Ciirc aufrcgeudc Badesccue ereignete sich am Donnerstag- nachniittng gegen ä Uhr am Tegeler See. Eine junge Dame, Fräulein B., halte sich beim Baden zu lveit in den See gewagt imb verlor den Boden»uter den Füßen. Ans ihre Hilferufe eilte» Badegäste und der Badeivnrter Pieper herbei, denen es gelang, die bereit? vewntztlo? gewordene Dame dem sichern Tode zu entreißen. Unter den Nettern befand sich zum Glück ein Arzt, dessen Wieder- vclebnngSuersnche nach geraumer Zeit von Erfolg gekrönt ivaren, ?o daß der Dame das Srliicksal erspart blieb, da? vierte der Opfer zu werden, die der Tegeler See in diesem Sommer an Menschen leben bereits gefordert hat. Nach Anweisimg dcö Treschgrafeu. Die„Staatsbürger Zeitung" berichtet über folgende Gerichtsverhandlung vor der Straf- tammer in Könitz:„Hep-Hep-Machol hatte die Frau de? Arbeiter? Loseph Krajetzki aus Melanenhof dem jüdischen Handelsmann Joseph �.andecker ans Kamin nachgerufen, al? dieser anr lst. Juni d. I. fruhinorgen? gleich nach 6 Uhr ans dem Gntsgehöste Melanen- Hof � erschien, nm Felle zu karifen. Durch den Hep-Hep Ruf gereizt, erhob Tanddcker seinen Stock und drohte damit. Doch schon nahte auch Joseph Krajctzki mit einer Forke und hieb damit auf Landecker ein. Nach den Zeugenaussagen hat Laudecker drei Hiebe über den Nücke» und einen Hieb über den Kopf erhalten, so daß derselbe fast besiminngslos zn Boden fiel. Bei dem letzten Hiebe über den Kopf ist sogar die Forke zerbrochen. Der binzugekonnnene Gutsbesitzer Herr Lück rief dein Krajetzki zu. er möchte den Inden flehen lassen, ließ durch seineu Schäfer denr blutüberströmten Landecker den Kopf abwaschen lind ibn mit dein Fnhnverk nach Kamin zrnn prakt. Arzt Dr. Eschner, von dort nach dem katholischen Borromänsstifte in Könitz schaffen. Anr 19. Juni kam Landecker au? dem Kranken- bonie zur Entlassung. Nachträglich zeigten sich Spuren von Geiste?- »rankheit. Da aber Landecker bereits friiber schwachsinnig gewesen Verletzung wurde Krajetzki zu vier Jahren Gefängnis ver- urteilt. Eine ül'ermi'ltigc Handlung, wodurch beinahe ein Menschen- leben vernichtet wurde, führte gestern den Steinsetzer Panl Grabitz bor die sechste Strafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war im Herbst vorigen Jahres zu einer militärischen Uebnng nach Steitiil eingezogen wordru. Es zeigte sich, daß er dienstunfähig war und wieder entlassen werden mußte. Am Nachmittag des 8. Oktober befand der Angeklagt« sich im Bureau dcS Zahline'siers um seinen Militärpaß in Empfang zu nehmen. Er traf hier mit� dem Reservisten Noack zusammen, der zn dcmselbeii Zweck erschienen war. Beide mußten im Bureau eine Zeitlang ollein warten, da der Zahlmeister sich in den Ncbcnrmun begeben hatte. Grabitz, der etwas angetrunken war, nahm ei» Nadiennesser, das auf dem Tische dc§ Znhlincisters lag, in die Hand und führte im Scherz damit eine Bewegung gegen die rechte Bmstseite seine? Kameraden. Dieser stieß gleich darauf einen leise» SchnmzenSrnf «ms. Der Angeklagte hatte nicht die Spitze und Schärfe de? Messers in Betracht gezogen, sein Stoß war auch heftiger gewesen, als er beabsichtigt hatte. Dein Getroffenen quoll ein Bhitstrom an? Her Wunde, er mußte sofort nach dem Lazarett gebracht werde», konnte erst nach acht Wochen wieder entlasjen werden und bat nach dein Gutachten des ärztlichen Sachverständigen voraussichtlich»och tauge unter den Folge» der Verwnndnng zu leiden. Grabitz, der die Thal auf? tiefste bedauerte, ist vom Schöffengericht unter Zubilligung Dode»-.4ii Allen Freunden, Verwandten und Belaunten zur Nachricht, daß ineine liebe Frau Ottilie Kcicliel geb. 9 1 e fj r ni n 11» am 23. August ge- starben ist.— Die Beerdigung findet Sonntag, den 26. d. M., nachm. 2 Uhr, von der Charit? nach dem Charito- Friedhof, Scestrast«, au? statt. s2b01b Der trauernde Gatte � llorninnn Kelchel. Allen Bekannten nnd.gallige» zur Nachricht, daß am 22. August im Krankeiihause Friedrichkhani mein lieber Mann, der Tischler .Io«epk Axmann verstorben ist. Beerdigung: Sonntag, ?6 d. M., fi Uhr nachm., von der Leichenhalle de? Pill?-Kirchhof? in WilHelmSberg. 24071) Die traiicrube Witioc. Todes- Anzeige. Nach langem schweren Leiden entschlief am Mittwoch, den 22. Anglist, früh'■< Uhr, meine liebe Frau, Schwieger- und Großmutter JoliamsaKaasch im 58. Ledensiabre. Um stille? Beileid biltet im Namen Scr Hüiterbliebeneu Karl Ii an seil, Restauratenr,{ Weißcnburgerstr. 35. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 26. August, vor- mutags'l l Uhr, von der.Letchen- \ balle de? Eentral-Friedhols z» > Fneditchsfeldc an? statt.. j5302L! vkutseliei' ISelgllAfbeiter-Vek'banll. TodeS-Auzeige. Am Mittwoch, den 22. August, ver- starb on der Schivindsucht uufer Mitglied, der Dreher Richard Grüner. Ehre seinem Sliifcciifcit! Die Beerdigung findet Sonntag, den 26. August, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle der MarkuSgemeinde in WilHelmSberg au? statt. 117/10 Tie Ortsverwaltung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MannS, NNsttS guten VaterS, Schwieger- und Großvater? allen Freunde» und Be- kannte» sowie dem Berel» der Kimmer- lente hiermit unlren tiesgefnhlten Dank. 240ßb W>v. Woitschähke neb st_,Dtnb er». Ich ersuche alle befreundeten Buch- und Zeitiingsverleger, mir ihre Ber- lagSkataloge gütigst zuzilsenden, in welche» Litbknechtsilie Rtdeu, AblilliidlMgen. Tkijjtll w- enthalten sind, da ich mir alles be- schaffe» will, um? von uuirem Meister erlangbar ist, weil ich seinen Charakter als Denker nnd als Knnstler de? Worts in Schrift it»d Rede zu zeichnen suchen will. 152001!* Manfred WiKich, liClpzIsr. Kochstrasso 27. Pnrteigenoffc, 24 Jahr alt, früh. b. Rechtsanwalt, arb. sich spät. im Buchhandel(Verlag u. Sortiment) ein, zur Zeit in Annönttn- Expedition lhätig, sucht, gestützt ans gute Zeugnisse. Stellung bei Nechtsauwatt oder in Zeitungs- Expedition ze. Derselbe ig auch ge- eignet als Berufs- Berichterstatter für Zeitung?- Redaktion, da er gelegentlich al? Berichterstatier fungiert hat. 52472« Gesällige Angebote erbeten unter K. 6 an die Expedition de? „Borwärts".__________ Redakteur-Gesuch. Die erste Redalteurstelte au der„Rheniisch-Westsälischen Arbeiter-Zeitimg" in Dorlunind soll zum 1. Oltober d. I. neu besetzt werden. Bewerbungen werden unter N. 6 au die Expedition de?„Borwärt?", Berlin, Beuthstr. 3, erbeten. 52802« von mildernden Umständen zn 309 M. Geldstrafe verurteilt worden. Dein Staatsanwalt schien die Strafe zu gering, er legte Berusliilg ein und beantragte im gestrigen Termin vier Monate Gefängnis. Der Bertheidiger, Nechtsainvalt Dr. Davidsohn, beantragte in erster Linie die Veriversnng der Bernsimg, andernfalls aber Bertagnng vi? zur Rückkehr des Oberstabsarztes Albrecht von der China- Erpedition. Dieser werde bekunde», daß Noack schon früher wegen Lnngenleiden? von militärischen Ileknnigen entbunden worden sei und daß der Stich keineswegs so schwere Folgen gehabt habe, wie jetzt angenommen iverde. Der Gerichtshof beschränkte sich darauf, das erste Erkenntnis zu bestätigen. Unter der Anklage der wissentlich falsche» Anschuldigung und der Beleidigung standen gestern der Stneeatenr Wilhelm Henning und dessen Ehefrau Anna Henning vor der ll. Strafkammer des Landgerichts I. Die Angeklagten haben 11 lebende Kinder, von denen nur die drei ältesten im stände sind, etwas zn verdiene». Seit 9 Jahren bezieht die Familie ans der städtischen Nrnienkasie ttnterstntznng in barem fflelde lind Naturalien, znmeist in Höhe von 59 SN., bisweilen aber mich bis 100 M. monatlich. Der Vorsitzende der Berliner Slnneiidirektio», Stadtrat Miinsterberg, bekundete, daß die Angeklagten der Ariiienverwaltmig trotz der ihnen gewährten hohe» Unterstützung ungeheuere Schivierigkciten machten. Der Zeuge hat feststellen lassen, daß Henning in den letzten Vi Jahren 746 Mark Unterstützung ans städtischen Mitteln erhalte» hat, lvoz» Noch eine Unfallrente von monatlich 20 Rk. gekommen ist. In den Monaten Mai bis Angnst habe die Familie Henning monatlich SO M. er- halten, dann habe die Direktion der zuständige» Sinnen» koiifmission aber die Anweisung erteilt, die Untersiützung ans 2S M. zn beschranken. Sinn hatte der Armenkomniissions- Vor- sicher Rordinann der Ehefrau Henning aber bereits im voraus für den laufenden Monat ausgezahlt, er' erklärte ibr daher, daß er ihr die zuviel gezahlte» 2S M. in zwei Raten van den folgenden Unter- stützmigen in Abzug bringen würde. Frau Henning>var auch damit einverstanden, als dann aber der Abzug erfolgte, gerieten die Eheleute in Harnisch nnd richteten an Dr. Münsterberg die Anzeige, daß Stordmmm sich einer Unterschlagung schnldig gemacht und den ihnen gekiirzieii Betrag in seine Tasche gesteckt habe.?lIS Nordmann gelegentlich eines Besuches in der Wohnimg der An- geklagten der Ehefrau Henning ivege» ihrer ungerechtfertigte» Anzeige Vorhaltungen machte, kam der Ehemann Heiining hinzu und überschüttete ihn mit den gröbste» Schmähungen Er beichimpfte auch die gesamten Nrnienkoininissions- Borsteher in der gröbsten Welse. Die Slngcklagten blieben auch in dem Termiit dabei, daß Nordmann sie übervorteilt habe, Tie bätlen einmal 500 Stück Preßkohlen von der Armen- direktion erhalten, die von einem GrünkraniHändler geliefert worden seien. Es sei die schlechteste Sorte gewesen. Als sie den Lieferanten gefragt hätten, wie der Preis der Kohlen sei, habe derselbe er- »'idert:„Herr Nordmann sagt, das geht Sie gar nichts an. Sie be- zahlen die Kohlen ja doch' nicht." Ferner behaupteten die Sln- geklagten, daß sie an Nordmann eine Qnittnng über drei Kindcranziige hätten ausstellen müssen, lvährend sie nur zwei Anzüge erhalten hätten. Obgleich dem Vorsieher Nordinmm vom Stadtrat Münsterberg das Zeugnis aris- gestellt wurde, daß derselbe einer der zuverlässigsten und ge- ivissenhasteste» Beamten bei der städtischen Armenpflege sei, stellte der Verteidiger. RechiSaulvalt Dr. Schivindt,- doch noch Anträge auf Ladung weiterer Zeugen nnd auch der Staatsanwalt hielt eine völlige Slnsllärnng im Interesse dcS so schwer beleidigten Zeugen Nordmaim wünschenswert. Der Gerichtshof gelangte zur Uever- zengung von der Schuld beider Slngellagten, der Ehemann Henning wurde zn 3 Monaten, die Ehescail zn 6 Wochen Gefängnis ver- urteilt._ VevsÄinuNnttgett. Die Marmor- und Granit Arbeiter waren am Donnerstag versammelt, um über die Folgen der verfkosieiieii Lohnbewegimg z» verhandeln.! G e r st e 11 b e r g e r berichtete zunächst über den Ausstand bei der Finna Jäger, wo sämtliche, auch ältere bis z» 25 und 30 Jahre dort thäligc Arbeiter, bis auf zwei neu eingestellte Streikbrecher. bis heute keine Arbeit für die Firma verrichteten. Ter Haupterfolg bei dieser ZlrbeitSeinstellnng bestehe wesentlich darin, daß die Heimarbeit in diesem Berns, bisher mir von dieser Finna mit ungenügender Arbeit betrieben, für Berlin wieder beseitigt sei. Der für Herni Jäger entstandene Schaden sei allein bisher viel größer, als die von ihm verlangten Bewilligungeii dcS Lohntarifs. Seine Voraussage:„Lieber die Firma zu Grunde gehen lasten, als die Arbeiterfordernngeu brlvilligen!" könne sich wögtichenveiie bald erfüllen, da Herr Jäger überhaupt keine tüchtigen SlrbcitSkräfte mehr erhalte. Tie»och in den letzten Tagen gepflogenen Bcrbandlungen der gemeinsamen Tarifkommission hätten ivirder den Beweis erbracht, daß eS den Unternehmern bei ihrer NücksichtSlosigkeit gegen lusikiiistrumsnten-Ärbeiter. TieuStag. den 28. August er., abend? Punkt S'/s Uhr, im Gcwerk- schastSkau?. im grosien Saale: \r evsäiiia inlnn�. Tage?-Ordnung: 1. Abrechnung und Bericht der Schuldentilgung?-Kommission. 2. Dor- trag über unsre gewerbliche Lage. 142,8 Die Tchuldeutilgiings-Kommission. Verlid der Sattler und m. Uerufsp. BrMen-BttsümlWcll öce Lttlinee MitMer: Sitliitf« I Geschirr-, Wagen- und Galanterie-Arbeiter. Sonn- QtllUll I, abend, den 25. August, abend? 8% ubr, im„Engl. Hos", Neue Roßftr. 3. Tagesordnung: 1. Die materialistifcve Äei'chichtSanffafinng. Reserent: Genosse P. Jahn. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Ä!il!i»l» llk Taschen- und Kofferarbeiter. DienStag, 28.«Ilgiift, fzllllllr III, abends 0 Uhr, INI„GewerkschasiShanS", Engel-IIser 15. IV Sonnabend, den 25. August, abends S'/j Uhr, in den qUIUIi II.„Anniiihallen",.ssouimandantenstraße 20. Tagesordnung wird in der Berkaimnlunq bekannt gegeben. Äsiriass V Teppich- und Linolcnnileger. Jeden ersten Montag fflllUU I,»ach dem 1. und 15. eines jeden MonatS Versammlung in den„Arminhallen", KoiniiiandaiUeuftrabe 20. Gaste sind in allen Bersamnilnugen willkommen und werden überall auch neue Mitglieder ausgeuommen. Um zahlreiche» und pünktlichen Besuch ersuchen___ Die Borständc. Achtilug! Seittlev. Acbtllng! Am Sonnlag, den 9. September, nachmittags 5 Uhr, findet in der „Urania", Taubenstr. 48/49, eine Extrn-Borstellung statt. Zur Ans- sührung gelangt daS neueste AnSstattiingSstück:„Auf den Wellen de? Occans". Billets ä«0 Pf. sind in allen Versammlungen und bei den bekanmen Kollegen zu haben.___ 100/7 Verband der Möbelpolierer. Montag, den 27. Angnst, abends 81/. Uhr: IM" yersammlung"MZ bei ldülirlng, Adiniralstrasie Nr. 18 e. ' Tag es-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Metasner: Weltmacht, Politik rnid die arbeitenden Kloffen. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 147/10 Der Borstand. Hohlwein's Keglersciilösschen. Köpenicker Landete. 27, 3 Minuten vom Bahnhof Trcpiow. Halteft. d. eleltr.Bah» Siemens u.Halske. Großer schaltiger Garten.— Saal zu Festlichkeiten— Kasfeeküche.— Vier neue Kegelbahnen.— Marionelteu-Thealer und andre Volksbelustigungeii. Lagerbier Glas 10 Pf., große Weiße 20 Pf. 501 IL' Treptow. alle Arl'eiierfordenmgen geradezu unmöglich ist, zu einem ebjektiven Urteil zn gelongen. Da diese Herren auch untereinander mcht einig sind, bleibe den Arbeiten,, deren Tarif die Unternehmer vor dem Gewerdegcricht zu vereinbaren ablehnten, nichts übrig, als bet der demnächst beginnenden Saison genau wie im vorigen Lahre zu ver- fahren. Im übrigen ist er wie Wolf der Meinung, den unSstand bei Jäger für beendet zn erklären und, über die Firma die Sperre zu verhängen! Letzterer Antrag wurde aber von den meisten hierauf.folgenden Rednern für zwecklos erachtet, weil organisierte und tüchtige Arbeiter bei der Firma Jäger über- Haupt nicht arbeiten wollen. In diesem Sinne beschloß auch die Bersammlulig, nur den Ausstand bei der Firma Jäger für beendet zu erklären.'— Bezüglich des Verhaltens der Arbeiter den andren Fabrikanten gegenüber wurde nach längerer Erörterung beschlossen, nach Verlans von etwa 14 Tagen eine neue Versammlung mit der entsprechenden Tagesordnung einzuberufen. Wolf ersuchte alle BerufSgenost'cii, sich rege an der Entnahme und dem Einkleben von Marken zum Streikfonds zu beteiligen. Den Rest der Verhandlungen bildete die Besprechung innerer Angelegenheiten. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 26. August, vorm. V/z Uhr, im oberen Snal de?„Englischen Gartens", Mexanderstr. 27c: Versammlung Freireligiöse Vorlesung. Um IG/, Uhr ebendaselbst: Vonrag des fern, Profefior Dr. Albert Gebrke:„Das Freidenkertum der Dichter. äste, Damen und Herren, sehr willkommen. . Lese-I.und Distntierklub der Freunde tagt ,eden Donnerstag 0 Uh, abends bei Bachgänger, Swinemünderstr. 34. Gäste willkommen. VermilÄztes« Pesterkraukung. A»§ Konstantin opel wird gemeldet: ?l»f dem von der Insel Syros lommenden Schiff„Niger" der „Massagerie? maritimes" wurde bei einem vierzehnjährigen Armenier Pest konstatiert. Das Schiff ging mit dem Kranken an Bord wieder in See... Explosion eines Pnlverschuppeus. Ein gräßliches Unglnck ereignete sich Mittwochnachmittag in I n o iv r a c l a w in der Nahe des Schützengartens, wo mehrere Kanstente einen Bretterschnppen besitzen, in dem sie Pnlvervorräte aufbewahren. Um ihn sollte eine Mauer gezogen iverden, womit dxei Leute beschäftigt waren. In leichtsinniger Weise rauchten sie dabei Cigaretten. Einer warf noch dozu einen brennenden Stummel in das dürre Gras. Ta die Thür des Schuppens offen stand, kamen Funken bis in die Pnlverpoi'räte. Es erfolgte ei» doimerähnlicher Krach und Dach»»d Wände slogeit nach allen Richtnngei! auseinander. Zur Zeit dcS Unglücks befanden sich in der Nähe der Maurerpolier Michalski und der Maurer Zarne- wiez. Beide erlitten Brandwimden am ganzen Körper. Der erstere verschied unter gräßlichen Schmerzen nach wenigen Stunden und hinterläßt eine Fenn nnd sechs Kinder. Marktpreise von Berlin am SZ. August IlkOO -----<*...............•>-» kgl. PöiizeipräfidiiimS. Kortosseii!, nen«,D-Ctr. gsindiikisch. Keule 1 stg: do.'Stauch„ Schmeincsscisch„ Kalbfleisch. Hommeisteisch„ Butter Eicr Karpse» Aale Zander> Hechle. Barsche. Schleie Bteic Krebse per Schoo 60 Sili.t 1 ü-t 6�- I 60 l 20 1 60 1,70 1,60 2,80 4,— 2,10 2,80 2,60 2,20 1,80 2 50 1.40 24 00 4- 1 20 1- 1,10 1,— 1,20 2,- 2,40 1,40 1,40 1,20 1,20 080 1,20 0,80 2,50 Weizen, gut D.-Etr, iniitel gering '/äiogge», gut „ initiel gern:« »Weifte, gut Mittel gering ») bas«r,.,»> milict gering Nichlftroh Heu Erbse» Speisebohnen Lwien ') frei Wage» u»o no-o»»». Produktenmarkt von, 24. Augu». Im heutigen Getreideverkehr zeigten Weizen und Roggen z» Beginn feste Tendenz unter dem Einsluße der Steigerung der Breile nn den anierikanische» Märkten und infolge einiger Sailfordred au? der Provinz. Später gingen die Importeure mit Abgabe» vor, lo daß eine Abichreibiing eintrai. die durch günstige Einteberichte aus der Provinz»och gefordert wurden. Weizen notierte fchlitblich»»i 25 M. höher. Roggen ging auf den gestrigen Stand zurück. Juiändifche Kahn- ladungen waren ciwaS mehr am Markt, zeigten aber zu hohe Preise, Haser sttll und eher schwächer, da neue Ware mehr angebolen ist. Rüböl schwach Briefkasten der Redaktion. H. H.?on Berlin bis Koiel find es etwa«5 Meilen, von Berlin biS Natibov 69 Meilen(genau 515,4 Kilometer). cffenbarh. Ihre Karte haben wir wohl erhalten, doch ist eS unS un- möglich, von allen Wahllreis-Konserenzen Notiz zu nehmen. tDriier- Broanose liit- Sonnabend, den Ä5. Slngust>900. Wann liiid vielsach heiter, zeitweise wollig bei meist nur schwachen süd> lichcu Winden und etwas Netgung zu Gewittem. edactenr gesucht! Bei der„Brandenburger Zeitung" ist die Stelle des leiteuden Nedaeteur? zum I. Januar oder auch früher zu besetzen. Bewerbungen mit GehaltS- aiisprücho» sind zu richten an liarl Fpancke, Brandenburg a. H.. Binuieiistrabe 14._ btzglL' AMum! Kistenmacher. Sonnabend, den 185. Angnst. abends«'/- Uhr: Große öffentliche Uersammlnng im GewerkschaftShause. Saal I, Engel-ttfer Nr. 15. Tagesordnung: 1. Bericht über die Lage unsreS Streiks. 2. Verschiedenes. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht 95/9 IM« StrelklioiiiniUnlon. NB. Laut Belchluß der öffentlicheu Versammlung vom 19. d. M. Hot jeder arbeitende Kollege pto Woche 1 Mark an den StreilfvndS abzuiühren. D. O. iPotsdam. Sonntag, den 20. Angnst 1900, mittags 12 tthr: Beffenlliclie Stuccateur-Versammlung. Die Maurer Potsdams werden hierzu crgcbcnst eiiigeladeii.-H 1(9/3 l*cr Elnbcrufer. Kein Knnfxivnns: Einsegnungs-Anznge aus den feiilft. u. dauerhaltcst. Stoffen, elegant in eig. Schneiderwerkstatt nur von Gesellen gearbeitet zu staunend billigen n. festen Preisen. L Wormann, �re�cucrjlr.�r�"611- �0- ■■ Streng reelle Bedienung Haus d. Skalitzerst, Umtausch gestattet! ivür Seit Inhalt der Anserate ülieriiiivmt die Redaktion dem Publikum aegeiiiiber keinerlei Perantinorliiiig� Thentov. Sonnabend, den 25. St» g�u st Lpernhans. gibetio Stuf. T'j Ufiv. Schauspielhaus. Auf Sttafiirlanb. Ainang 71/, l>»n Neues Lpern> Theater«Kroll). Ter Mikado. Uifann 7� Uhr. Tentiches. Ter Probetandidal. Au- iang 7V, Uhr. Lessing. Die Sklavin. Ansang 7'.. Uhr. Residenz. Die Dame von Maxiin. Anfang 7>/z Uhr. Neues. Der weihe Hirsch. Vorder: Ein Interview. Ausaua 7>/, Udr. Westen. Orvheus in det Untenvekt. Ansang 7i/z Uhr. Schiller. Undiue. Ansang 7> z Uhr. Central. Berlin nach Elf. Anfang S Uhr. Luisen. Maddlene. Ter Damen- krieg. Anfang 8 Uhr. Carl Weis». Die Borer in China. Ansang 8 Uhr. Belle-jlllianee. Pension Schöller. Im Garte»: Speeialitäten-Vor- slemptg und Konzert. Ansang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmstädtisches. Im Garten: Specialitäten-Vor- siellung. Metropol. Specialitsitenvorsiellung Der Zauberer am Ril. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten-Borstellung. BenuS auf Erden. Anfang 8 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr Passage- Panoptikum. Specials- täten-Lorsiellung. Urania. Inpalideustr. 57 62. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte. Tanbenftr. 4« 4». Abends 8 Uhr /, Uhr bei halben Preisen: llnUIn». Romantiich-koinische Oper in 4 Akten von Albert Lorhing. Sonntag, nacbiiilttags3Uhr, bei halben Prellen: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonntag, abends 7i/z Uhr Gastspiel Helurich Bötet. t»«? I'astlII»» von k-on�ninonn. Montag, abendS 7t/, Uhr, bei halben Preisen: Der Trompeter von Säkklugen. Freitag: T-et-to Opern-Vorotellang. Sonnabend: Crösfnung der Schauspiel-Saison Erntvttl-T Sensationeller Lacherfolg!! Zum ISS. Male: Kerlin nach Elf. HlH?- Ansang 8 Uhr,' TfOg Ar, Posse in glänzender Audstattung. Die sensationellen Schlager: Llvovdalw- YnartoU I Cordula. Aatzag der ParfaniN. Morgen und folgende Tage: Berlin»ach«lf. W. Noacks Theater. Bruiiiienslrahe Ifi. Heute, Sonnabend, den 25. August: Gr. Ertra-Benefiz-Borstelluiig sür den Charakter-Komiker Willy Reusche. Nur einmalige Aufflihnmg: Gewonnene Herzen oder: Nord nnd Snd. Leiensbild in 3 Akten v. Hugo Müller. Nach der Borstellimg: Tanzkränzchen. Apollo-Theater. Täglich um v'/, Uhr: Venns auf Erden. ksrnor: 8 dervori'SAenlle 8peeialitiit. kobent Tteiell mit uousm Uovsrroiro. Anfang 8 Uhr.' Voranseige! Montag, den 27. Augnat: Zum 200. Male: Venus auf Erden. Dienstag, den 28. Auguet er.: er. WohlthätlgkeitS' Vorst. zum Besten der in Cliina k ämpfenden deutschen Truppe n. 'Puhlmanns' YaudeYille-Thealer. SchDnliaueer-AIIee 148. Kaetanlen-Allee 97—99. TiigUrh: tto n» ert. Theater und Dpectalitäte»- Borstelluiig. Künstler A. Ranges.— Im renovierte» Saale: Äroher Ball.— Ansang 4 Uhr. I-eI>inann. Urania Taiibcii«trassc 48/49. Im Theater ahends 8 Uhr: Eine Wanderung: durch die Pariser Weltausstellung. Invalidcnstr. 57,02. Tägl. Sternwarte. Nachmittage 5-10 Uhr._ « CASTANS■■ PANOPTICUM Neue plastische'Gruppe: Kampf eines deutschen Seesoldaten mit Boxern bei Tientsln! Die sensationellen lebenden Ptaotographion: Ausfahrt des Chinagescliwadersn. a. m. Die Tiroler Slngergeeellschaft „Almrausch". l'erwaltungsi-l2 Uhr, iiachuitttags von 3—5 Uhr und abends von 7 Ubr ab bis 15 Minuten vor Abgang des Zugs am Srettiner Bahnhof erhältlich.' Die Abfahrt erfolgt lv Uhr 35 Min. ab Stettiner Bahnhof, jedoch werden die Teilnehmer ersucht, sich bereits um 10 Uhr daselbst einzufinden, 117/11____ Dlo OrtsvevwaUnng. Passage-Panoptlcum. Marokkaner Ol Mädchen, 8 Männer, 3 Kinder). Vorstellung Htüiidlicla. Von 7 biTTo'/j Uhr; Theätre variete. ol i Täglich 9 Uhr 10 Min.; M Zauberer n i mib das hrillante August-Specialitäten-Progr. O�tbnliii- l*ark Hormnnn linbn 71 Siüdersdurfer Dtraste 71 am Küstriner Plan. Täglich 1 healer- und Sperinlitätcn-Bvrstcllnng. Nur erstklassige Nummern. Auf.: Soniilagö 4 Uhr. triitrec 20 Pf. Äinder lOPf. Sperrsitz Nachzahl. LOPf. Auf.: Wocheitt. 5 Uhr. Sntrce 10 Pf. Kinder lOPf. Sperrsitz'Nadizahl. lOPf. Hermann Jmbs. Direttor. Prater-Vheater. IH»»ttsnlen-AIIe« 7— S. Täglich: Ijebeiiswcllen. Dolks- friW mit Gesang und Tanz in 3 Akten. von Hugo Schulz, Musik von R, Bial. Dallett unter Leitung der Ballett- ineisterin Frl. Döring. Auftreten der Excentric- Chansonnctte Molly Vorch, d. Arotesque-Duettislen Gebr. Mllardo, Tauma-Quartett. The Mtltons, Turner am dreijachen Reck, The Gladenhecke, Krastgladiatoren, The»ervoode, Neger-Excentrics.— Konzert. Im Saale: Ball.— Ansang 4 Uhr. Güllritt 30 Pf. Num. Platz 50 Pst Kulbo. Louis Kellers Fesisale Koppen-Strasse 29. Sonntag, von 36. Nugnst» nochknitfags 4 Mhv: Grosses Herbst-Vergnügen-p*- mangint voll htll Pilrteigtlloßtll lits l Berliner ReilliZtags-Mhlkreises Wen). UIIÄ lW«tA'Uiz,SIKtnK-I�«,IS?QA't. Anftreten des Berliner Ulk-Trio. Nachher: Großer Ball. Eistr«« 25 Pf. Billets find nur an der Kasse z» haben. vn» lioinitee. OnR'l HiV�I�«-Thoäter Gr. Frankfurterstr. 132. Tie Boxer in China Ansang 3 Uhr. Morgen: Dieselbe Porstellung. Im Garten: Sommernachts- Fest. Theater, Spccialitätcu. Ans. ött? Uhr Victoria-Brauerei. 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Verantwortlicher Redacieur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Jnierateutetl veraulwortUch: Tb. Glocte in Lerliu. Druck mW Verlag von Mar Bading in verlin.