Kr. 304. Aboimrmeitt«- Kedingunzen: Abonnements- Preis pränumerando: Pterteljährl. 3,30 Mb, monatl. 1,10 Mb, wöchentlich LS Psg. frei in» Haut. Sinzelne Numm-r 3 Psg. Sonntags- Nummer mir illuNrUrier Sonntag»- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Pos»- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»» Preisliste siir 1900 unter XU. 7971. Unter«reu, band siir Teutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da« adrige Ausland» Marl pro Monat. 17. Jahrg. Erscheint leglich nutzer ZAonkng«. Vevltner Volksblstt. Ate Instrtwns- Gebühr deträgt für die sechsgespaltene Kolon«. »eile oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen L0 Psg. „Kleine Anseigen" jede» Wort S Psg. liS geben, welche der Politik der kaiserlichen Regiening v o l l k o m m en fremd sind. Sobald in der Mandschurei die dauernde Ordnung»vieder hergestellt sein»vird und auch die unumgänglichen Maßregeln zum Schutz der Eisenbahn ergriffen sein»vorden, deren Bau noch eines besonderen formellen Einvernehmens mit China bezüglich der Kow- zesiion bedarf,»velche der Gesellschaft der chinesischen Ostbayn verliehen»verde»» soll, wird auch das Nachbarrcich Rußland nicht ermangeln, seine Truppe» auS diesen Gebieten zurückzurufen, vorausgesetzt, daß die Handlungsweise andrer Mächte dem nicht im Wege steht. ES ist ostenbar. das die Interessen der andren anSlvärtigen Mächte und»nternationalen Gesellschaften in dem von Rußland besetzten, für den inter- nationalen Handel offenen Hafen Mutschivang,»vie auch auf den Eisenbahnlinien, die von unsren Truppen»viederhergestellt»vorden sind, unverletzt bleiben und völlig gesichert sind. Durch die Einnahme Pekings ist die erste Hauptaufgabe. welche sich die kaiserliche Regierung setzte, nämlich die Be- freiuna der Vertreter der Mächte mit allen sich in der belagerten Stadt befindlichen Ausländern erreicht. Die ziveite Aufgabe, die Mitlvirkung einer gesetzlichen Central-Regierung zur Herstellung der Ordnung und regelmäßiger Beziehungen zu den Mächten erscheint bisher schivierig infolge der Ab- reise des Kaisers, der Kaiserin-Regentin und des Tsu»g-li- Damens aus der Residenz. Unter solchen Bedingungen findet die kaiserliche Regierung nicht einen hinlänglichen Grund, daß die Gesandtschaften weiter in Peking verweilen. Sobald eine gesetzliche chinesische Reg,erung neuerdings die Zügel i»i die Hände nimmt, und ihre»nt Boll- machten versehenen Vertreter zu Verhandlungen mit den Mächten ernannt haben»vird,»vird Rußland nach der Einnahme mit allen ausivärtigen Regierungen seinerseits nicht ermangeln, zu diesem Zivccke einen Bevoll»nächtigten nach jenem Oiste zu senden, Ivo die Verhandlungen stattfinden»verde». Indem ich Ihnen anempfehle, alles dies der Regierung, bei der Sie akkreditiert sind, zur Keiuitnis zu bringen, hoffen»vir, daß dieselbe unsre An- sichten theilen»verde.* Infolge deS oben»nitgeteilten CirknlarS an � die auswärtigen Mächte»vurde dem Wirkliihen Staatsrat v. GierS sowie dem Gencrallicutenant Lenelvitsch befohlen, für die Verivirklichung der allerhöchsten Absichten bezüglich der U c b e r f ü h r u n g der kaiserlichen Gesandtschaft, der russichcn Unterthanen und der russischen Truppen von Peking n a ch T i e n t s» n zu »virken,»vobei ztveifellos alle Lokalbedingungen berücksichtigt»Verden. Frankreich. Ans Paris wird der„Voss. Ztg.* telegraphiert: Die diploinatische Lage ist augenblicklich sehr ernst, Frankreich unterstützt bedingungslos de» auch von Nordamerika Angenommenen Vorschlag Rußlands, die europäischen Truppen auS Peking znrückzuziehc», Englands Zustimmung »vird noch hente erivanet, an gcivissen Stellen besteht»uiverkemrbar die Absicht. Deutschland zu vereinzeln und es allein das chinesische Abenteuer bestehen zu lassen. Englische Verstimmungen. London, 1. September. Mit alleiniger AnSnahme de«„Daily- Telegraph*, der eine Verständigung mit der Kaiserin von China für unvermeidlich hält, sprechen sich alle andren Zeitungen gegen die Zurückziehung der Truppen aus Peking aus wegen der mcht »vieder gut zu machenden moralischen Wirkung,»velche ein solcher Rückzug a»lf die Chinesen ausüben würde.—„Daily News" sagen,»velchcs»veitere Ziel der Kaiser von Rußland auch ver- folgen, möge, so scheine seine nächfte Absicht, so viel»vie möglich die frühere Regierung in China»vieder herzustellen. Gras Waldersee sei aber nicht nach China gesandt»vorden, um dabei behilflich zu sein, die Kaiserin»vieder einzusetzen. Die Einigkeit der Mächte sei oberflächlich.— Die„Morning Post* erklärt. daß amerikanische Memoranduin enthalte viele fromme Hoffnungen. Dasselbe könne nicht ernster genommen»verde,,. — Der„Standard* bezweifelt, daß der russische Borschlag praktischen Wert habe und fragt sich, ob es leicht sei, mit dem Tsui»g-Ii-Van»en zu verhandeln, wenn die Truppen zurück- gezogen»vorden seien. Das Blatt. sieht voraus, daß die Besetzung eines Teils des chinesischen Gebiets seitens der verbündeten Truppen eine Zeitlang nötig sein»verde, um die von China zu leistende Kriegsentschädigung sicher zu stellen. London, 1. September. Englands Antwort auf die amerikanische Note geht, nach einem Washingtoner Telegramm des„Daily Chranicle', nicht auf den Inhalt ein und konstatiert nur, daß Lord Salisbury abiveseud sei, bestätigt den Empfang und per- langt Zeit zur Erwägung. Deutsche Machtentfaltung. Der„Kölnischen Zeitung*»vird ans Kiel geineldet: DaS Deutsche Reich sei nunmehr in Ostasien unter a l l e p Mächten durch die größte Anzahl Linienschiff« vertreten. Auf dem Kriegsschauplatze sind 17 000 Main» Verstär- kungen angekommen. Jin indischen Occan schwimmen noch sieben TranSportdampfer, darunter zivei mit allein 4000 Mann. Nachrichte» auS Ostasic». Tokio, 31. August. An der Besetzung von Peking nahmen die Truppen der Alliierte» in folgender Stärke' Anteil: Japaner: 6500 Fußtruppen, 220 Kavallerie, 450 Genietruppen, 53 Geschütze. Russen: 3300 Fußtruppen, 180 Mann Kavallerie, 22 Geschütze. Engländer: 1832 Fußtruppen, 400 Manu Kavallerie, 13 Geschütze. Fräuzosen: 400 Mariiicsoldaten, 18 Geschütze. Amerikaner: 1600 Fußtruppen, 150 Marinesoldatcn 75 Man» Kavallerie, 6 Geschütze. Amoy, 31. August. Von hier und von Kulaugfu wurde imö japanische LandnngScorpS zuriickgezogen. ES verbleibt nur eine Schutzwache von 80 Mann an Land, die aber, wie auch die gestern gelandeten 60 englischen Marinesoldaten, vermutlich ebenfalls bald zurückgezogen werden kann. Japanische Truppen, die von Formosa hierher unterwegs waren, erhielten Befehl, um- ukehren. Der japanische Konsul wurde nach Tokio berufen. ie hiesige Lage gilt wieder als normal. Taht, 28. August. Die Pliindernng der Stadt Peking dauert in großem Maßstabe an.(Wer plündert- D. Red.) Eine Abteilung chinesischer Katholiken hat sich etwa drei Monate laug in der be- nachbarten Stadt Paotiiigfn gegen die Angriffe chinesischen regulären Militärs und der Boxer gehalten und den dortigen englischen Missionar und seine Familie beschützt. ZMikifche Mebevstchk. Berlin, den 1. September. Anarchtsten-Bekämpfung. Der Anarchismus und seine Bekämpfung ist der«OrdnnngS- presse" ein liebgewordeucs Kapitel, das sie möglichst oft, möglich breit, möglichst erschreckend für den Philister abhandelt. Wir haben zwar in Deutschland keine Anarchistcu von der Art der italienischen, aber nichtsdestoweniger muß auch bei uns aus Anlaß des Prozesses gegen Bresci Strafrecht. Verwaltung und Polizei zur Bekämpfung des Anarchismus aufgeboten werden. Fast zu gleicher Zeit geben zwei Juristen ihre Ansichten zum besten,' einmal der Herr UniversitatSprofcssor Kahl in den„Preußischen Jahrbüchern", so- dann der bekannte Oberregierungsrat v. M a s s o w- Potsdam in der „Deutschen Juristen-Zeitung". Professor Kahl schlägt' gegen die Anarchisten nach mancherlei Wenn und Aber die P r ü g e l st r a f e vor und stößt damit ans viel Verständnis bei allen im fern Reaktionären. Abg. Oertel wird sicher- lich nicht verfehlen, bei der nächsten Prügeldeba'tte im Reichstag sich auf die Autorität des Berliner KirchenrechtSIehrers Prof. Kabl zu bc- nifen. Kenner des Anarchismus, sowie Autoritäten auf dem Gebiet deS Strafvollzugs werden indessen die abschreckende Wirkung des PrügelnS auf fanatische Naturen ganz entschieden bestreiten. Nachdem erst vor kurzer Feit im Reichstag dir Prügelstrafe ziemlich allgemein und "»nmentlich gerade von juristischer Seite verworfen wurde, erübrigt es sich, Herrn Professor Kahls Prügelvorschlag noch einmal zu widerlegen. Schlimmer vielleicht noch ist sein Vorschlag, ein Stück Preß- f r e i h e t t zu opfern, um dadurch den Anarchisten das Handwerk zu legen. Professor Kahl verlangt eine Bestimmung, durch die eS verboten wird, Bildnisse von anarckiistischen Verbrechern und Nachrichten über sie zn verbreiten. Nun sind wir der Meinung, daß jede Einschränkung der Prcßfreiheit, so- weit eine solche überhaupt besteht, von vornherein zn verwerfen ist, ganz besonders noch, wenn die vorgeschlagene Bestimmung gänzlich wirkungslos ist. Denn wenn auch bei vielen Anarchisten die Eitelkeit eine große Rolle spielt, daS ausschlaggebende Motiv, einen Fürsten- niord zu begehen, ist sie nie und nimmer. Dazu gehören außer der Eitelkeit noch einige andre Charaktercie/nschaften. Wie soll aber heutzu- tage der Publizistik der Mund verboUF werden können, über die Thaten der Anarchisten und diese selbst zu öcrichtcn? Und was würde erst gar die Polizei ohne Hilfe dieser Publizistik anfangen, wenn sie sich auf die Jagd nach Anarchisten begeben will? Wir glauben nicht. daß Professor Kahl im geheimen Einverständnis mit den Anarchisten sich befindet, aber sein Vorschlag hat vom Standpunkt der anarchisti- scheu Propaganda sehr viel für sich: je weniger die Presse sich im, sie kümmert, desto ungenierter vermag sie sich zu entfalten. Also schon aus diesem Grunde glauben wir nicht, daß der Vorschlag des Herrn Prof. Kahl ernst genommen werden dürfte. NebrigeuS, wenn die anarchistische Berichterstattung der Zeitungen verboten werden soll, warum verbietet man nicht die b y'z a n t i n i s ih e Berichterstattung, durch welche törichte Köpfe zu übertriebenen Vor- stellungen von der Bedeutung der Fürsten in der Geschichte und zu dem Wahn verführt werden, daß die Hinivegrnuminig des gefeierte» Einzelnen von historischem Belang sein könne? Freilich Herr Kahl ist immer noch ein Waisenknabe gegen Hern, v. M a s s o w, der einen ganz genial-reaktionären Vorschlag macht. Er stellt folgende Gesetzesbestimmungen zur Erörterung: „Wer zu erkennen giebt, daß er den auf Uinsturz der be- stehenden Ordnungen durch Gcwaltthaten gegen den Repräientauten der obersten Macht gerichteten Lehren derart huldigt, daß man sich von ihm der Begehung solcher Akte oder der Unterstützung anderer, die sie begehen wollen, oder der Anreizung zu solchen Allen v e r- sehen darf, kann der persönlichen Freiheit für verlustig erklärt werde». Das Urteil, welches die Entziehung der persönlichen Freiheit ausspricht, wird von einem auS sieben Mitgliedern zusammengesetzten Gerichtshof gefällt. Den Vorsitzenden und zwei Richter ernennt der Kaiser auf Vorschlag deS Bundesrats ans der Zahl der Mitglieder de» Reichsgerichts, die vier übrigen Mit- glieder wählt der Reichstag au« der Zahl der richterlichen Personen. Spricht da» Urteil die Entziehung der persönlichen Freiheit auS, so ist der Verurteilte in Gewahrsam zu nehmen. In demselben ist ihm m ö g l i ch st freie Bewegung und eine seinem bisherigen Lebenslauf entsprechende Beschäftigung, auch, wenn er die Mittel dazu besitzt. Selbstbeköstigung zu gestatten. Seinen Angehörigen ist im Bedarfsfalle eine angemessene Unterstützung zur Be- streitung ihres Unterhalts zuzuwenden. Die Wiederaufhebung des Urteils erfolgt, wenn das Ver- halten de» Verurteilten die Annahme begründet, daß die gedachten Begehungen von ihm nicht mehr zu erwarten sind." Herr von Massolo geht so gründlich zu Werke, daß er die Tragweite seiner Bestimmungen gar nicht erkannt hat. Die Anarchisten will er einfangen und thatsächlich finge er alle „sogenannten Führer" der Socialdemokratie. Denn wie leicht ist eS, für die geschworenen Feinde der Socialdemokratie juristisch nach- zuweisen, daß die ganze Agitation derselben geeignet sei. fanatische Naturen zum Fürstenmord anzureizen. Das wäre ja famoS: ein Anarchistengesetz gegen die Socialdemokratie. auf Grund dessen alles, was nicht Order pariert, bis an sein Lebensende eingesperrt werden kann I Außer Herrn v. Massow wird niemand diese Phantasie der Sommerhitze ernst nehmen.—_ Parteitage in O estreich. —st— Wien, 31. August. Am Sonntag tritt in Graz der Parteitag der deutschen, am 10. September in BudwetS der der czechischen Socialdemo- kratie zusammen. Dieses Jahr ist also den autonomen Nationen gewidmet, wogegen nächstes Jahr, so wie im vorigen, der Gesamt- Parteitag aller Nationen abgehalten werden wird. Es ist der zweite deutsche Parteitag, der auf Grund der neuen Organi- sation stattfindet, und wenn auch die Scheidung und Sonderung der Nationen gewisse Schwierigkeiten erzeugt hat: im großen und ganzen hat sie sich aufs glücklichste bewährt. Trotz der Gemeinsamkeit der Ziele und Wege, trotz der Identität der Taktik, hat jede Nation ihre eignen Sorgen und insbesondere ihre specifischen Gegner, so daß die Konstituierung der nationalen Parteitage ein wirkliches und wesentliches Be- dürsnis erfüllte. Wohl mögen sie sich im Bereich der inter- nationalen Socialdemokratie auf den ersten Anschein etwas fremdartig ausnehmen; in Wirklichkeit sind sie aber eine Folge der gut internationalen Gesinnung der östreichischen Proletariats, die keine bloße Sache der Theorie, sondern ein Bekenntnis des unmittelbaren praktischen und politischen Lebens ist. Das Bedürfnis, den Teilen deS Ganzen eine gewisse Selbständigkeit zu geben, waltet übrigens überall, wo die Socialdemokratie eine größere Entwicklung erreicht hat, und in Oestreich sind eben nicht die Länder, sondern sind die Nationalitäten diese Teile. In der Geographie lehrt man zwar noch immer, daß Oestreich aus Kronländern bestehe; in Wirklichkeit besteht es aus Nationen, deren Zusammenhang über die farbigen Striche der Land- karte reicht. Es ist also ganz selbstverständlich, daß sich die Socialdemokratte über die berüchtigten„historisch- politischen Individualitäten" hinweggesetzt hat, und an Stelle der Rechte, die sich wie eine ewige Krankheit fortgeerbt haben, das lebendige Recht der Völker stellt. Tie„Teilung" in Nationalitäten hat den Zusammenhang, der auf den tiefsten Lebensinteressen beruht, nicht nurnichtgelockert. sondern, indem es ihn auch das wirklich Gemeinsame stützte, nur gefestigt. Trotz der verschiedenen Parteitage ist die östreichische Social- demokratle nach außen ein einiges und geschlossenes Heer. Der diesjährige Parteitag wird ausschließlich dem inneren Leben der Partei gewidmet sein. Ans der Tagesordnung stehen außer den Berichten über Partei- Angelegenheiten drei Dinge: Gemeinde- Wahlrecht, Alters- und Jnvaliditätsversicherung und Landagitation. Der zweite Punkt soll die Forderung präcisieren, der dritte ein Schema für die Agitation aufstellen. Die Diskussion über das Gemeinde- Wahlrecht ist dagegen durch ein Praktisches Bedürfnis notwendig geworden. Daß die Partei auch für die Gemeinde das allgemeine und gleiche Wahlrecht fordert, ist selbstverständlich und bedurfte natürlich keiner neuen Feststellimg. Nun ist es jedoch nicht möglich, diese Forderung sofort durchzusetzen; dazu ist in einem Staat, dessen Parlament noch fast ganz aus dem Privilegium und Census hervor- geht, gar keine Aussicht vorhanden. Tie Partei kann es also nicht unigehen, damit zu rechnen, daß ihr ein langer Umweg nicht erspart bleiben, daß sich die Reform der alten Gemeinde- ordnungen nicht auf Basis des gleichen Rechts erzlvingen lassen wird. Tie Reform vollzieht sich vielmehr so, daß den in Oestreich üblichen drei Wahlkörpern ein vierter an- gegliedert wird, und die Frage ist nur die, ob es den Inter- essen der Arbeiterschaft entspricht, wenn dieser neue Wahl- körper als unverfälschte Interessen- Berttetnng eingerichtet, also auf die bisherigen NichtWähler beschränkt wird, oder ob nach dem Muster von Wien ein Wahlkörper des allgemeinen Stimmrechts— die neuen Wähler und die alten, die ihre privilegierten drei Wahlkörper aber unversehrt behalten sollen— vorzuziehen sei. Diese taktische Frage hat schon in der Presse maiinigfache Diskussionen hervorgerufen und sie wird wohl auch auf dem Parteitag eine größere Rolle spielen. Die Eni- scheidung ist trotzdem ganz einfach: Der Parteitag wird ebenso energisch aussprechen, daß die Partei an der principiellen Forderung des gleichen Stimmrechts festhält, wie er es ablehnen wird. sich die falschen Auslegungen unsres Princips— daß die Karrikatur des gleichen Wahl- rechts der Beginn der Verwirklichung des PriuciPS ist— aufdrängen zu lassen. Daß den Parteitag keine aktuelle politische Frage be- schäftigen wird, ist kein Zufall; auch das ist eine Folge des traurigen Stillstands, dem dieses Reich auf allen Ge- bieten verfallen ist. Einer Wüste gleichen die letzten vier Jahre, und vor dem Blick liegt die gleiche Oede und Trostlosigkeit. Gegenüber dieser völligen Lähmung der staat- licheii Kraft, dieser Verschüttung aller Quellen der Entwicklung sind die Socialdemokratcn natürlich machtlos. Sie thun wohl daran, den aufgezwungenen Stillstand zur Festigung und Kräftigung ihres inneren Lebens zu benutzen, die Erkenntnis zu vertiefe», praktische Kleinarbeit zu leisten. Die Zeit der Ernte wird schon kommen! »» Deutsches gleich. Eine Riindbeiiierkung de» Kaiser». Die„Leipziger Neuesten Nachrichte»" wollen authentisch erfahren habe», daß nach den ersten Berichten über die Ereignisse in China Kaiser Wilhelm in der Form einer Randbemerkung angeordnet habe: „An Bendeman» telegraphieren, er soll fitr jeden er- mordeten Deutschen eine chinesisch« Stadt bombardieren." Den Bemühungen de« Auswärtigen Amts soll eS gelungen sein, die Uebermittlunng und die Kon- equenzen dieses kaiserlichen WillenSauSdruckS zu verhindern.—_ Waldersees Reisespesen. Dem„Oberkommandireiiden" i» China. Grafen Waldersee, ist. wie eine Korrespondenz meldet, während der Dauer seines Aufent- haltS in Ostasten eine Remuneration von 2000 M. pro Monat und an Repräsentationskosten eine Summe von mouat- lich 10 000 M. bewilligt worden. Der etatsmäßige Arbeitslohn des Grafen in seiner Stellung als Armee-Jnspecteur beträgt pro Jahr Z0 000 M. Mit jenen neuen Bewilligungen würde Gras Waldersee, so lange die Chinareise dauert. 174000 M. Einkommen beziehen. Man kann nicht gut Einwendungen gegen eine so hohe Zahlung machen. Graf Waldersee wird in China sicherlich einige VergnügungS- zartieen machen wollen, um Land und Leute kennen zu lernen. Er wird die Offiziere der„verbündeten Mächte"— vorausgesetzt daß deren noch vorhanden sind— zu Gaste laden müssen; das alles kostet Geld. Nun, eine kleine Frage haben wir zu erheben: Wer»be» willigt" denn da eigentlich derartige Summen? ES ist gewiß sehr liebenswürdig, wenn der Herr Kriegs- minister den einzigartigen Generalfeldniarschall mit reichlicher Reisezebrung ausrüstet. Aber er sollte nicht vergessen, daß die Aus- gaben, über die er verfügt, nicht seiner, sondern deS Reichs- tagS Bewilligung unterliegen.— Bei de« Neuregelung de»«pothekenwefen», die von der Regierung geplant wird, erstreben die Apothekenvesitzer nach be« rübmtem junkerlichen Muster, sich in erhöhtem Maße auf Kosten der Gesamtheit zu bereichern. Im letzten Geschäftsbericht des Deutschen Apothekervereins sind die„Grundsätze" veröffentlicht, nach denen jene Herren ihren Beutezug auf die Taichen der Kraulen vorzunehmen wünschen. Es ist just daS Gegenteil von dem, was unsre Partei in Bezug auf daS Apolhekenwesen fordert I Wir verlangen Verstaatlichung der Apotheken, um dadurch zu er- möglichen, daß die Arzneien ohne Bereicherung eines Unternehmers zum Selbstkostenpreise dem Publikum geliefert weiden. Durch die Berstaatlichung wird das Interesse der Gesamtheit wahr- genommen— das der Apotbekenbesitzer und solcher, die es werden wollen, allerdings nicht, denn die Bereicherung derselben, wie sie heute mitunter in kolossalstem Maße durch den Arzneihandel stattfindet, fällt dann fort. Der Apothekerverein erstrebt das strikte Gegenteil unsrer Forderungen: er will die Volksmasseu einigen Apothekenbesttzern auslieferii, die dann mit ihrem Privilegium des Arzneiverkaiifs geradezu Wucher treiben können. Zimächst soll naca den„Grundsätzen" des Apothekervercius die Konkurrenz noch mehr eingeschränkt werden, indem für die Errichtuiig einer neuen Apotheke „das örtliche Bedürfnis soivie die Lebensfähigkeit derselben und der beteiligten Nachbarapothelen unter Mit- Wirkung einer aus freier Wahl des Apotheker st auds hervor- gegangenen Sachverstöiidigeii-Koiiiniission geprüft werden soll. Da auch diejenige» Apothekeubesitzer, welche durch die Neuerrichtung der Apotheke„geschädigt" werden, vorher mit ihre» Einivenduugeu zu hören sind, so wird»ach dem bewährten Grundsatz, daß eine Krähe der andern die Augen nicht aushackt, jede Konkurrenz möglichst ferngehalten bleiben— n n b e k ü m m e r t darum, ob für das Publikum das Bedürfnis der Errichtung einer ueneu Apotheke vorliegt oder ob eS, wer weiß wie weit seinen Krankheits- Ablaßzettel, genaimt Rezept, zu tragen hat! Der Neiikoiizessioiiar soll nach den Grundsätzen de? Apotheker- Vereins erst nach dreijährigem Besitz seiner Apotheke von dem jeweiligen Reiiigewilin eine entsprechend progressiv zu steigernde JahreSabgabe zahlen, die ersten drei Jahre also davon frei bleiben— wieder ein»e»es Privileginin, das sich die Apotheker sichern ivollen. Toß eine Eiiischräiikimg des jetzt oft maßlose» Apotheken- Wuchers notwendig ist, sieht selbst der Verein ein und will daher das Recht, Apotbckeii zu veräußern oder zu vererben, erst zehn Jahre nach Konzesstonieriing derselbe» in Kraft treten lassen. Dafür sollen aber die bestehenden Personal- Koilzessioilen, d. h. solche, die nur auf die konzessionierte Person ausgestellt und jetzt nicht verkäuflich oder vcrerbkar sind, i» vererbliche und veräußer- lichc Apotheken unigewandelt werben, wenn sie jene»ach dem Gewi»» zu erhebende Jahresavgabe bis znm Höchstbetrag von 10 JahreS- raten nachzahlen I Nur nicht mehr als dreimal darf sich ein Apotheker eine Nenkonzessioii verschaffen— aber dreimal seine Apotheke zu verkaufen und eine neue zu errichten, soll ihni gestattet sein. Da die Nenregelung im preußischen Abgeordnetenhanse und nicht im Reichstag vorgenonutie» werden soll, ist leider zu befürchten, daß den Apothekern ein großer Teil ihrer genieiiischädlichen Wnniche noch zu de» bestehenden Privilegien hinziigewährt wird. Die Junlcr werden an de» Apothekerforderunge» Geist von ihrem Geist er- keniieii und es als konservativ begrüßen, daß ans die Bedürfnisse und Interessen des Publikums keine Rüchicht genommen wird. Auch die nicht kapitalkräftigen Jünger des ApothekerberufS würden durch Annahme der.Gnmdsätze" geschädigt, denn sobald erst alle bestehenden Apothekern vererblich nnd verSutzerlich find, wird ei nur noch' dem sehr begüterten Provisor möglich sein, Apothekeubesitzer zu werden, während er jetzt doch hin und wieder durch Erlöschen einer Personalkonzession eine Neukonzesfion erhaschen kann... Davon, daß den Krankenkassen daS Recht eingeräumt wird, für ihren Bedarf Apotheken zu errichten. ivollen iveder Apotheker noch Regierung etwas wissen, so notwendig es im Interesse der Verbilligung der Heilmittel wäre. Bekehrt sich die Regierung z» dem Grundsatze des Apothekerverein«, dann können sich die Kranken»ach wie vor in dein Bewußtsein erfreum. daß sie durch ihren Arzneibedarf einer kleiuen. aber auSerwählten Gesellschaft: einen Ricsengewiim ennöglichen l— Die 47. Generalversammluna der Katholi?«« Deutsch- lands wird am Sonntag in Berlin beginnen. ES liegt eme: Zahl von Anträgen vor, in denen die Weltherrschast deS Papstes, die Aufhebung des Jesuitengesetzes, konfessionelle Schulen, die Bei- beHaltung des Religionsunterrichts in den polnischen LandeSteilen in der Muttersprache usw. gefordert weroen. Weitere Anträge beziehen sich auf die sociale Frage, die Agrargesetzgebung, die Handelsverträge, daS Aliswandenlngswesen usw. Dem Vernehmen »ach iverden in den össentlichen Versammlungen auch die brennenden Tagesfragen, wie die Stellung des Centrum« zu den chinesischen Wirren, zu der Nichteiiibenlsung deS Reichstag» usw. gestreift werden.— Heinze-Zoll. Die katholische„Märkische VolkSzeitung" will von einem Zoll auf ausländische Bücher nichts Wiste», macht dafür den reizvollen Vorschlag eine« UnstttlichkeitS« Zolls: „Dagegen sind wir allerdings der Ansicht, dah auf eine be- stimiiite Art Litteratur ein recht hoher Zoll gelegt werden solltet auf die unsittlichen Schrift- und Bildwerke, auf dl«»he- bruchsromane und-Dramen, wie sie namentlich aus Frankreich m so großen Massen bei uns eingeführt werden. Ein solcher Zoll hätte dieselbe Bedeutuna, wie ein Gesetz gegen die Ein- schleppnng ansteckender Krankheiten; denn die Seuche, welche durch Werke erwähnter Art eingeschleppt ist. ist schlimmer und verderblicher, als Cholera. Pest und Aussatz; sie richtet die un- sterblichen Seelen zu Grunde, während jene Krankheiten nur den Leib zerstören." Wir schlagen vor, daß zur Ausmusterung der Bücher, die die unsterblichen Seelen zu Grunde richten und den UnsittlichkeitS-Zoll tragen sollen, Herr Roeren bestellt werde.__ ' Unter so guter Alifstcht würde der Krei» der durch Zollschutz 'erngehaltenen Lektüre sich bald auf fast die gesamte künstlerische und' wissenschaftliche Litteratur de« Ausland» erstrecken mit Ausnahme des katholischen TraktätchengeschäftS.— Die„StaatSbürger-Zettnnz" hat noch nicht genug. Sie giebt jetzt zu. daß wir die Mitteilung über die Lohnabzüge beim Waren- baus Barrasch in Beuthen schon am 23. August gebracht haben. Aber darauf käme es nicht an. Gewiß kommt eS darauf an. Die „StaatSbürger-Zeitung" hatte ohne Kenntnis der Dinge frech be- hauptet, wie hätten den Vorgang einfach totgeschwiegen. Wenn wir demgegenüber konstatieren können, daß wir ihn früher als andre ge- bracht haben, so kommt es g e r a d e d a r a u f an. Worauf es ankomme, sei, welche Stellung ivir z» jener Lohn- drückerei und Lohnsklaverei eingenoinnien hätten. Da stellt nun die „Staatsbürger-Zeitung"„fest, daß der„Vorwärts" kein Wort des Tadels für diese Lohndrückerei gehabt." Wir stellen demgegenüber fest, daß daS ebenso unwahr ist, wie die Behauptung, wir bätten die Sache einfach totgeschwiegen. Im übrigen haben wir doch wahrlich nicht nötig, uns gegen den Vorwurf zu verteidigen, daß wir schlechte Löhne und Lohndrückerei billigten. Wir sagen das natürlich nickt, um der„Staatsbürger- Zeitung" zu be- weisen, daß wir„reine Wäsche" haben: wir wollen nur zeigen, mit welcher Ungezivimgeiiheit dieses Blatt Dinge behauptet, von denen es entweder nichts' weiß, von denen es aber das Gegenteil wenigstens wissen sollte.— Von der dentsch-französischen Greuze schreibt man uns: Die Einfuhr von Schlachtvieh aus dem benachbarte» Frankreich ist bekanntlich immer noch gesperrt. Doch hat man eS der Bevölkerung in den Ortschafte» der Grenzbezirke gestattet, für ihren eignen Bedarf Fleisch in Mengen bis zu zwei Kilogramm zoll- frei einzuführen. Wo» dieser Vergiinsligiing mackt die zahlreiche, unter besonders ungiinsligen wirtschaftlichen Verhältnissen lebende Arbeiterichast in der'Industrie der Vogesenthäler«inen auSgedehnteu Gebrauch und sichert sich damit erhebliche wirtichaftliche Vorteile, da die Schlächter jenseits der Grenze daS Fleisch zun, Preise von 28 bis 36 Pf. pro Pfund fetlbieten, während ihre deutschen Kollegen um die Hälfte mehr zu verlancten gewohnt ivaren. Die Konkurreiiz zwang sie. auch ihrerseits mit den Preisen heravzugehen. Um sich nun den unbequemen französischen Wettbewerb vom Halse zu schaffen, wandten sich die Herren Schlächtermeister unsrer Grenzgebiete mit einer Petition an das Ministerium, m der sie die Aufhebung der erwähnte» Eiiifuhrvergünstigung forderten. Die Regierung zeigte jedoch ver- nünftigeriveise für diese Sorte socialer Grenzzollpolitik kein Ver» ständnis, beschied vielmehr die Eingabe abschlägig mit der Bc« grtindiiiig, die angestellten Ermittelungen hätten ergeben, baß seitens der Grenzbewohner ein Mißbrauch mit der bekämpften Zoll« erleichterung nicht getrieben»vorden sei. Das billige französische fleisch ist also für unsre Grenzbevölkening gerettet. Im Jimexn deS Landes dagegen harrt man immer noch vergebens der Aufhebnng der Grenzsperre für Schlachtvieh, die längst jede Berechtigung ver- lore» hat._ „Soctaldemokratische Marine-Sachverstiindige." Ans Kiel wird uns geschrieben: Unter diesem Titel sucht die«Nord- Ostsee- Zeitung", die wir schon vor einiger Zeit einmal arg auf die Finger klopfen mujjten wegen ihrer Angriste ans unsre Darstellung von Mistständen bei der Marine, jetzt abernials mit uns anzubinden. Aus dem Umstand, daß bisher die nach Ostasien entsendeten Schiffe„ohne jeden Unfall oder Störung" ihre Reise gemacht haben, folgert das Kieler Blatt, dnh die Eigenschaften der Schiffe glänzend seien und die Sachverständigkeit des„Vorwärts"« Korrespondenten miserabel. Wie genügsam doch mit einem Mal die Marinepreste geworden ist I Wie weing dazu gehört, dah sie vor Freude aus dem Häuschen gerät! Ist das denn eine Musterleistimg, wer weiß wie groß, wenn in 40 Tasten. 7—3 Aufenthaltstage abgerechnet, bei 9 bis 19 Knoten Durch?chnittsqeschwindigkeit die Panzer 8700 Seemeilen zurücklegten und jetzt vielleicht in Honkong sein mögen? Es wäre ein Skandal sondergleichen, wenn die Schiffe dieses in der besten Jahreszeit, ohne von Slürnien oder sonstiger Unbill heimgesucht zu werden, nicht ermöglicht hätten und die Konstrukteure des Marineamts könnten sich samt und sonders begrabe» lassen. Niemand ist mehr erfreut als wir, daß bis dato die Mehrzahl der Schiffe ihre Fahrt gut vollführten. Das kostbare Gut an taufenden jungen, blühenden Menschenleben, die sich an Bord befinden, ist denn doch ein zu hohes, als daß auch nur ein Mensch etwas anderes wünschen könnte. Und deshalb ist auch wohl niemand mehr bekümmert als wir über das traurige Unglück an Bord des„Bussard", das die„N.-O.-Ztg," nicht in den Vereich ihrer Betrachtungen zieht. Und man bleibe hübsch zu Hanse mit der Bemerkung von den „sehr guten" Schiffen. Wann hatte die amtliche Bezeichnung wohl anders gelautet? „Sehr gut" ist der Panzer Oldenburg gewesen, trotzdem man ihn nur benutzt hat, um ihn einnrnl nach„Kreta" torkeln zu lassen, Die„febr guten" Brandenburgschiffe werden durch die„sehr guten" Schisse der„Kaiser Friedrich"-Klasse ersetzt. „Sehr gut" waren die Küstenpanzer und sind eS noch, trotzdem man nach 4 Jahren beim„Hagen" das„sehr gut" noch zu steigern versucht und„sehr gut' ist der„Fürst Bismarck", trotzdem inan um alles in der Welt kein Schiff dieses Typs mehr bauen wird.„Sehr gnt" find Überhaupt alle deutschen Schiffe. Ganz unwillkürlich be- stätigt uns ja die„N.-O.-Ztg.", daß„noch nie ein Schiff so unvor- bereitet sei, als wie der„Bismarck", man wisse nichts darüber, wie sich daS außerordentlich hochborbige Schiff etwa im freien Wasser, oder gar bewegter See halten werde", wie wir seiner Zeit schrieben. Die Zeitung gesteht ja zu. daß das Schiff unter Abbrechung seiner Probefahrten hinausgesandt wurde. Wie konnte man denn da die Kennwis über daS Schiff haben, die wir vermißten? Warte man erst das weitere ab und laste sich nicht an einer Sommerfahrt genügen.. Uns war auch die Hinaussendung von Torpedobooten„etwas gewagt" erschienen und wir wiesen auf die Unfälle mit den bis- herigen Booten hin. Weil die Boote bis jetzt nur nach Aden gelaugten. findet auch die„N.-O.-Ztg." jetzt die Begründung, weshalb die Unfälle erfolgen.„Eigentümliche, gerade in flacheren Gewässern— nicht auf hoher See— vorkommende besondere Verhältnisse" waren es. die den Untergang der kleinen Torpedoboote veranlaßten. Hätte man doch nie die Boote in diese Verhältinsse hineingeführt! Drei der neuen großen Torpedoboote hat man nach China cnt- sandt. Da» war. als wir unsre Bemerkungen schrieben, nicht bekannt, ebenso wenig der„Nord-Ostsee-Ztg.". als sie am 30. Juni d. I. schrieb:„Zudem find die SL kleinen deutschen Torpedoboote durchaus ungeeignet zur überseeischen Entsendung, die zehn vorhandenen größeren Divisionsboote müssen aber auS militärischen Gründen im heimischen Flottenverbande bleiben." _ Aber auch trotz der Entsendung von großen Booten müstcn wir ber unsren Worten bleiben. Kann es eine bessere Bestätigung der- selben geben, als die Thatsache, daß man die entsendeten Boote erst ganzlich ihres Charakters als Kriegsschiffe entkleidet hat. um sie entsenden zu können. Die Torpedoarmienlng ist den Schiffen ab- genommen und an Bord des dieselben begleitenden Transport- dampfers„Gera" gegeben, der wie ein Huhn die Küken, die Torpedoboote beschützen soll. Um für die Mannschaft die Fahrt nicht gar zu sehr zur Höllenfahrt werden zu lassen, haben die Boote eine Segeltuchbedachung erhalten, welche die tropischen Sonnenstrahlen abhalten solb DaS Deck ist mit einer Berieselungsanlage versehen. um den Aufenthalt in den Räumen nach Möglichkeit erträglich zu gestalten. Und dem gleichen Zweck dienen auch noch extra für die Ausreise an- gebrachte elektrisch betriebene Bentilatoren. Selbstverständlich ist dieses alles im Jntereste der Mannschaft mit Freuden zu begrüßen, aber es ist doch auch nur geschehen, weil gleich uns der Martneverwaltung die Entsendung„etwas gewagt" Kustand. Gegen die kapitaltstischr Kolonialpolittk. SuS Pari» wird uns berichtet: Da» Generalkomitee der soetalistischen Partei hat in seiner letzten Sitzung vom L9. August auf AllemaneS Vor- schlag folgende Resolution gegen die Kolonialpolitik einstimmig votiert: „In Erwägung, daß die Kolonialexpeditionen zum einzigen Zweck haben, das Blut deS europäischen Proletarier zu opfern dem Bedürfnis, in der Ferne neue Absatzmächte für den durch die in- dustrielle Ueberproduktion geschaffenen Ueberflnß zn eröffnen und dadurch innerhalb der Länder Europas die kapita- listische Herrschaft zu befestigen und zu verlängern; daß die socialistische Partei die Pflicht hat, den Kapitalismus unter dieser wie unter allen andern Formen zu bekämpfen; daß die Arbeiterklasse jeder Nation keinen andern Feind kennen darf als die internationale Bourgeoisklasse, die von ihrer Ausbeutung lebt; daß der Piratenkampf, den die englische Regierung gegen die Unab- hängigkett de» Transvaal führt, keine andre Ursache hat als die wachsende Gier der Spekulanten nach den Goldgruben; daß der von den Regierungen beider Welten gegen China provozierte Krieg unter dem Vorwand. die Civilisation zu verteidigen nichts andres bc- wirkt hat als die Enieuerung der schlinimsten Greuel vergangener barbarischer Zeiten;— erklärt das Generalkomitee, daß alle Socialisten verpflichtet sind, gegen die Infamie derartiger Kriege zu protestieren und deren Fortführung so weit als mögliich zu verhindern; sendet seine» Brudergruß den Arbeitern aller Nationen, die in Asien und Afrika in Mctzelei-Werkzeuge verwandelt worden sind; entbietet den Ausdruck seiner SoltdaritätSgefühle den Socialisten Englands, die gegenüber dem durch die Chamberlaine entfesselten IingoiSmuS mutig den Protest deS englischen Proletariats haben verlauten lasten, und erklärt, daß einzig die sociale Revolution im stände sein wird, durch die Vernichtung der Herrschaft deS Kapitals dem.Verbrechen der Kolonialkriege ein Ende zu setzen und der Welt einen Zustand dauer- haften Friedens zu geben."— Oestreich-Ungarn. Tie Auflösung deS ReichSratS ist nun bei der Regierung beschloffene Sache. Der Ministerpräsident verhandelt« nochmals mit dem Obmann der Czechen P a c a k, gelangte aber z» der Heber« zeugung, daß ein Aufgeben der czcchischen Obstruktion nicht zu er- hoffen sei. Ueber den Zeitpunkt der Auflösung des Parlaments und der Neuwahlen ist noch nichts bestimmt worden.— Schweden. Stockholm, 29. August.(„Franks. Ztg.") Wie in der„Franks. teiwng" unlängst erwähnt wurde, find hier zu Lande im Lauf des ahres ungewöhnlich viele Mordthaten und Raubmord- versuche verübt worden. Während der letzten zwei Monate sind nicht weniger als vier Todesurteile gefällt worden, von welchen zwei bereit« vollstreckt wurden. Der eine der kürzlich hin- gerichteten Verbrecher war ein ganz junger Eisenbahnbeamter. ivclcher einen etwas älteren Freund und Kollegen ermordet und beraubt hat. Der höchste Gerichtshof verurteilte ihn selbstverständlich zum Tode, empfahl ihn aber gleich- eitig ein st immig der Gnade des Königs, was bisher amit gleichbedeutend war. daß der König die Todesstrafe in. lebeus- längliche Kerkerstrafe umwandelte. Diesmal hatte man sich indeffen verrechnet; der König lehnt««Sab, den Verbrecher zu be- gnadigen, der somit hingerichtet wurde. Noch vor dieser Hinrichtung hatte der höchste Gerichtshof einen andern Raubmörder zum Tode verurteilt, ihn aber ebenfalls der Gnade des König» empfohlen. Als der Gerichtshof nun erfuhr, daß seine jüngste Begnadigunqs- Empfehlung vom König unberticksichtigt gelösten worden war. beschloffen die Richter sofort, ihr letztes Todesurteil zu kassieren und auf lebenslänglichen Kerker zu erkennen. Diese Entscheidung hat be- rechtigteS Aussehen erregt, weil der Gerichtshof damit so deutlich wie nur möglich bekundet hat, er kün n e e s d u r ch a u s n i ch t g e- statten, daß der König es unterlasse, die richte r- llchen Empfehlungen zu berücksichtigen. Wenn der König es nicht versteht, daß er sich in dieser Hinsicht dem höchsten Gerichtshof deS Landes unterordnen müsse, wird dieser den König schon belehren, und z w a r i n e m p f i n d I i ch st e r W e l s e. Wie aus bestunterrichteter Quelle verlautet, hat daS Vorgehen des Gerichtshofs auf den König einen tiefen Eindruck gemacht. Afrik«. Boerenkrieg. London, 31. August. Eine Depesche des Feldmarschalls Roberts aus B e l f a st von heute bestätigt die Freilassung von 1800 gefangenen E u g lä n dr r«durch die Boeren, doch sollen dir Offiziere nach Babcrton gebracht worden sein. Gefangene berichten, daß die Präsidenten Krüger und S t e y n sowie die Gcnsale Botha, Schalk-Burger und L u c a s M e e r e r am 29. August mit der Bahn nach Nelspruit abgereist seien. Kommandant Grobler hat, wie Roberts weiter meldet, 34 englische Gefangene, die er noch in seiner Gewalt hatte, an Paget zurückgeschickt. Die Boeren scheinen sich nach verschiedenen Richtungen zu zerstreuen.—(Me Zerstreuten werden sich schneller wieder finden, als es Lord RobettS gefällt.) Maser», 31. August. Hier geht das Gerücht, daß IM) Boeren mit zwei Kanonen bei Meqnatlingsnek in der Nähe von Clocolan stehen. Die Garnison von Ficksburg ist verstärkt worden. Die bis zum 28. August geführte Liste der englischen Verluste zeigt folgende Zahlen: Gefallen 281 Osfizicre. 2899 Unter- offfziere und Mannschaften; au Wunden gestorben 79, 732; vermißt und. gefangen mit Ausschluß der Wicdcrbefreiten und Wieder- aufgefundenen Sö, 2778; in Gefangenschaft gestorben 1, 85; an Krankheit gestorben 148, 5215; verunglückt 1, 90; als Invalide heimgeschickt 1188, 27 309(davon 133 gestorben, 359 als dienst- untauglich entlassen und 990 im Hospital); summa summarum also 1753 Offiziere und 38 603 Unteroffiziere und Mannschaften; un- gerechnet alle diejenigen, die trank oder verwundet noch in britischen Hospitälern in Südafrika liegen.— RÄvkei-Mtwhviifzken. Parteitagsbcschliiffe und PartcidiScipli». Man schreibt uns von bernsener Seite: Ueber den. Wert von ParteitagStzeschlüffen und die Partei» Disciplin finden wir in einem Artikel:„Die Aufgaben des Mainzer Parteitags" des„Sächsischen Volksblatt"»achfolgende eigentümlich klingende Ausführungen. Da» genannte Parteiblatt, das von jeher eine ablehnende Haltung gegen die Beteiligung an den sächsischen Landtagswahlen unterm Dreiklasienwahlsysteni beobachtet hat, führt jetzt in dem genannten Artikel aus, daß es sich nicht nur danim handelt, daß über die Wahlbeteiligung in Preußen und Sachse» Uebercinstiinmung erzielt wird, und die direkte Bekämpfung der WahlbeteiligungSanhänger unterbleibt, soiidcrn daß zur Erzieluug von Erfolgen direkte und energische Beteiligung auch der Beteiligungs- gegner in unserin Lager eintritt. Kann das. so fragt der Artikel, der Parteitag mit seinem Be- schlusse erzwingen? und beantwortet dann diese Frage in folgender Weise: Kann der Parteitag erzwingen, daß WahlbeteiligiingSgegner die praktische Kleinarbeit bei der Wahl mit leisten, begeisterte Flugblätter für die Wahl gegen ihre Ueberzeugung verfassen und sich für die Beteiligung sonst' inS Zeug legen, obwohl diese Gegner dabei mit ihrer llcbe'rzeuguiig in Widerspruch geraten? DiSciplin ist nötig, doch Ansichten über die Erfolge bei Wahlen unter so traurigen Parteiverhältnissen wie z. B. in Sachsen und unter solchen Wahl- gesehen, wie eS da» preußische und sächsische Dreiklasten-Wahlrecht ist, sind kein Dogma. Dergleichen Leistungen können nicht ver- langt werden und sei eS von einem Parteitag unsrer Gesamlpartei. Käme es in Mainz zu einem Mehrheitsbeschluß für die Be- teiligüng, so ist allerdings di« Minorität besiegt; ob sich diese da- gegen so fügt, wie oben vorausgesetzt worden und nicht etwa durch Lässigkeit und Unterlassung, wie auch direkt durch Auflehnung sündigt,— das ist eine andre Frage. In letztere» Fällen mutz aber dann der Wahlerfolg leiden, und das wirkt um so schlimmer, als ein Beschluß der Gcsamtpartei zum Teil unbeachtet und unausgeführt bliebe und die Autorität der höchsten Instanz in unsrer Partei in Frage gestellt würde. Wird man es in' Mainz darauf ankommen lassen? So umer Zwickauer Brudcrorgan I Wir müssen gestchen, daß seine Eimvürfe und Bedenken uns einfach unverständlich sind. Was soll dann aus unsrer Partei werden, wenn die Minoritäten, die es ja bei der Entscheidung über fast alle Fragen giebt, daS Recht in Anspruch nähmen, einfach zu erklären: wir thun nicht mehr mit, weil wir in der Minorität geblieben sind? Hätte es denn überhaupt noch einen Sinn, allgemeine Partei- tage zu berufen, wenn der Standpunkt zu Anerkennung käme, Partei- tags-Beschlüste seien nur dann allgemein auszuführen, wenn sie e i n st i>n m i g beschlossen sind? Wir sind weit davon entfernt, in jedem Parteitagsbeschlilß ein Dogma zu erblicken. Es sind Fälle denkbar— und wir haben solche schon erlebt, wir erinnern nur an den St. Gallener Wahlenthaltungs- beschluß— wo es einfach das Partei-Jntereste verlangt, daß frühere Parteitagsbeschlüsse außer Kraft gesetzt werden. Aber deswegen nun den Satz zu proklamieren, daß, wenn in einer wichtigen Frage eine Einigkeit nicht zu erzielen ist, von bündigen Beschlüssen überhaupt abgesehen und eS jeder Gruppe überlassen werden solle, so zu handeln, wie eS ihr beliebt, das hieße da» Kind mit dem Bade aus- schütten. Gewiß hat die Partei kein Mittel, nach einem bezüglichen Parteitagsbeschluste den eiiizelnen Genoflen zu ztvingen, bei den nächsten Landtagswahlen in Preußen und Sachsen agitatorisch thätig zu sein ,md zur Wahl zu gehen. Wer aber zu einer Handlung, die durch die oberste Instanz der Partei zu einer Parteipflicht erklärt worden ist, erst gezwungen werden mutz, auf dessen Beihilfe mußte unsre Partei schon bisher verzichten und wird sie auch in Zukunft guten Muts verzichten können. Die Stärke unsrer Partei und da» Geheimnis unsrer Erfolge liegt außer in den erhabenen Zielen die wir erstreben, in der frei- willigen DiSciplin unsrer Genossen. An dieser wird eS auch in Zukunft nicht fehlen. Aufgabe des Parteitags ist eS, auch in der Landtagswahl-Frage klare Stellung zu nehmen, entweder für oder gegen. Ist dies geschehen, dann folgen wir dem aufgerollten Banner und von„Lässigkeit" und„Auflehnung" kann keine Rede mehr fein, Zur Frage der LandtagSwahlen nahm eine Partei. Versammlung für Düsseldorf folgende Resolution an: „Die Düsteldorfer Parteigenossen lehnen es unter den hier ob- waltenden Umständen ab, sich an den preußischen LandtagSwahlen zu beteiligen, sie überlassen es jedoch den Genosten anderSwo und in den Bundesstaaten, wie man sich dort zu den LandtagSwahlen zu stellen hat. Keiner der in Düsseldorf befindlichen Gegner ist würdig, daß ihm daS klassenbewußte Proletariat die Hand reicht oder mit ihm Kompromisse schließt. Gegen das Dreiklassen-Wahlshstem in Presse, Flugblattern und Protest-Versammlungen lebhast zu agitieren, dürfte für' die proletarische Bewegung überhaupt erfolgreicher sein, als einem sogenannten„Liberalen" die Stimme zu geben. Die Parteigenossen in Nürnberg sprachen sich für die Bc- teiligüng an den preußischen Landtagswahlen auS, und eine Partei» Versammlung im 8. sächsische» Wahlkreise nahm eine Resolution an, die sich im allgemeinen für Wahlbeteiligung aus- spricht. Die Parteigenosten in Magdeburg beantragen die Beteiligung an de» Landtagsivahlen nach oen Grundsätzen der in Hamburg an- geilommenen Resolutton Bebel. DaS LandtagSwahl- Programm der württembergischei, Socialdemokratte wird in der„Schwab. Tagwacht" veröffentlicht. Nach einer kurzen Einleitung, die im allgemeinen in Anlehnung an das Parteiprogramm darlegt, welche Ansprüche die Socialdemokratte an die Staatsorganifatton stellt, werden in 14 Abschnitten die Einzel- fordcrungen aufgeführt, die unsre Parteigenossen im württeni- bergischen Landtage zu vertreten gedenken. Neben den be- kannteren, auch in andren Landtagsivahl- Programmen enthaltencn Forderungen sind daraus zu erwähiieii die Abschaffung der Lebensläiiglichkeit deS Ortsvorsteheramts unter Rückwirkung auf die jetzt in, Amt befindlichen Ortsvorsteher. Unter dem Punlt.Pflege der Wissenschaften" wird die Zulassung jeder wissenschaftlichen Richtung an der Landesichiversität gefordert. ES lautet dann Punlt 11: Nenregewng de» FabrikinspektoratS und Heraiiziehung von Aerzten. sowie niännlichen und weiblichen Arbeiter» zu demselben. Strengere Ueberwachung der Gewerbe- betriebe. Erricbtung einer Centrälstelle für Arbeitcrangelegenheiten. Die staatlichen Betriebe sind als Mnsteranstalten eii,z,irichtel, mit anstniidtger Behandlung und ausreichender Entlohnung der Arbeiter und Einführung einer Arbeitszeit von höchstens 48 Stunden in der Woche. Privatunternehmer, die für den Staat arbeiten, sind zu verpflichten, ihren Arbeitern die gleichen Ecdmgungen zu gewähren wie der Staatsbetrieb. Punkt 12: Hebimg des Ackerbaues, de« Obst- und Weinbaues und der Biebzucht. Pflege des landwirtschaftlichen BildungS- und Bersicherungsiveicns. Punkt'14: Wahrung ber vollen Selbständigkeit des württem- bergischey Eisenbahn- und PostbetriebS, so lange eine auf gesunden Grriiidlngen beruhende Bereinheitlichung durch ReichSbetrieb nicht durchzuführen ist. Verkehrserleichtnngen auf den Eisenbahnen, ins- besondere durch Herabsetzung der Pcrsonentarife. Möglichste Aus- dchnling des Eisenbahnnetzes, Bau und Betrieb aller Eisenbahnen durch den Staat; Festsetzung der Tarife unter Mitwirkung des Landtags. Schaffung eines schiffbaren Wasserwegs bis in daS Innere des Landes.• Das Programm verlangt ferner, daß die Regierung Württembergs für ihr Verhalten im BiuideSrat den, Landtag verantwortlich sein soll, damit auch an dieser Stelle der Wille des württembergischen Völks zur Geltmig gelange. Es werden auch hierunter eine Anzahl Einzelforderungen auf- gezählt, auf die im Bundesrat hinzuwirken die wiirttembcrgische Regierung durch den Landtag veranlaßt werde» soll. Außer den unsrem Programm ensvrechendei, Forderungen auf Abschaffung der Lebens- mittclzölle it. sind zu erwähnen: Freie demokratisch« Einrichtungen in allen Einzclstaaten durch Schaffung entsprechender Ncichßgcsetze. Eingreifen der ReichLgewalt, sofern in einzetnell Bundesstaaten Gesetze oder Berordnungen bc- stehen, beziehungsweise geschaffen werden, welche den ReichSgesetzen widersprechen. Eintreten gegen GcsetzcSvorschläge oder Auslegungen, welche das freie Denken und Forschen oder die stete Ausübung der Kunst bedrohen. Die Löticncr Kcttcnaffatre jährt sich am 9. September zum dreißigstcnnialc. Die Geiioffen in Brannschweig gedenken de» Tag � durch eine würdige Veranstaltung zu begehen. Fiir jüngere Parteigenossen sei daran erinnert, daß es sich dahet um die Heldcnthat des Generals Vogel v. Falckenftcin handelt, der den Partei-AuSschuß in Brannschweig' verhaften und mit Ketten belastet Nach der oft-: preußischen Festtnig Lotzen bringen ließ, weil die Partei am 5. September, in, Anschluß an den Fall SebanS, ein Manifest erließ, worin der ChaiiviniSmnS zur Besonnenheit anfgerufeii, gegen die Annexion Elsaß-Lothringens protestiert und für Frankreich ein ehrenvoller Friede verlangt wurde unter Hinweis auf die Jntcreffen-Solidarilät zivische» den beiden Kulttirlänoern. Diese von hoher politischer Einsicht zeugende Forderung, die geradezu eine Kulturthat genannt werden muß, benutzte der Säbel- raffeler Falckenstcin, dem der herrschende Belagerungszustand die höchsten Vollmachten verlieh, dazu, die Partelhäupter unter schimpflichen Umständen einzusperren, meinend, damit gegen die Partei einen ver- nichtenden Schlag zu führen.— Er hat ihr so wemg geschadet wie die vielen andeni Schläge, die man später noch gegen sie geführt hat. Dem Andenke« LaffalleS widmeten die Parteigenossen Breslaus am 31. August, wie alljährlich, ihre Gaben. Schon am frühen Morgen kamen Deputattonen der Partei-Organisationen wie auch vieler' Getverkschasten, um Kränze mit entsprechenden Wid- inungen niederzulegen. Auch sonst kamen viele Genossen, um dem entschlafenen Führer ein stilles Gedenken zu weihen. Ihnen gesellte sich auch die Polizei, die in vielen Einzelexemplaren vertreten war. Auch der Sängerchor der israelitischen Gemeinde veranstaltete eine Trauerfeier am Grabe. Poliietlickles, Gerichtliche»»ist». — Freigesprochen von der Anklage der Gotteslästerung nach Z 163 des Strafgesetzbuchs wurde am Sonnabend von ber Straf- kammer in Halle der Redacteur Genosse S w, e n t y vom„Volks- blatt". Es handelte sich um daS bekannte Gedicht„Die Magd". Die Verhandlung entzog sich der Oeffentlichkeit. Genkvvksickzaftliktzrs. «erlin und Umgegend. Achtung, Tapezierer! Die gesamten Kollegen der Finna W e g.e l e b e n, Grüner Weg 82, sind ausgesperrt worden, weil sie die von der Achtzehner- Kommission aufgestellten Bestjinmungen an- erkannt wissen wollten. Wir erwarten von den Kollegen, daß sie diese Werkstatt unter allen Umständen meiden. Die Verbandsleitung. I. A.: Leo Schmidt. Deutsches Reich. Rtickstiindige Arbeiter. In Duisburg fanden dieser Tage die Vertreterwahlen zu der Generalversammlung der OrtS-Kranken- käste der Handwerker statt. Bon annährend 30V0 Mitgliedern waren 27 erschienen,»cm an der Wahl teilzunehmen. Gewiß ein startes Stück von JndifferenttsmuS. Erwähnen ivollen wir noch, daß von den Arbeitgebern es einzig nur der Vorfitzende der Mühe wert hielt, sich an der WahUzn beteiligen. Rückständige Anschauungen äußerten auch die Vorstande der Orts- Krankenkassen von Trier und den Bororten zu der Reform der Krankenversicherung. Sie sprachen sich für Ausdehnung der Ver- sickierungSpflicht auf die Dienstboten aus, aber gegen Einbeziehung der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter. Um die Beseitigung der! Gemeinde- Krankenkassen hätten stch nur die) dabei interessierten Personen zu kümmem. Bon einer zwangs- iveisen Einführung der Centralisatton der Orts-Krankenkasten wollen sie auch nichts wissen. Wenn die Beteiligten nicht selbst eine Aende- nmg wünschten, soll eS bei der Zersplitterung bleiben. Den geschlechl- iltdE) Erkrankten dürfe kein Krankengeld ansgezahlt lverden. Es liege kern Anlah vor, die Armenverbände zu entlasten, überhaupt würde es dem Rechtsgefühl der Arbeiter lviderstreben, wemr derartig Er- krankte mit den andern gleichgestellt würden. Besitz und Bildung. Die Zeugdrucker der Firma Görtz u. Clerh in Odenkirchen stehe» schon mehrere Wochen im Streik. Sie wandten sich nun in einem höflichen Schreiben an den Kommerzienrat Görtz. Inhaber der Firma, und ersuchten um eine Unterhandlung. Der„gebildete" Herr sandte als Antwort einen Fetzen von einem Frachtbrief ohne jede geschriebene Zeile. Wie oft liest man nicht in bürgerlichen Zeitungen'lange Artikel über die mangelnde Bildung der unteren Klassen. Wir meinen, ein dcr> artiges Benehmen streikenden Arbeiten gegenüber ist nicht allein hochmutig, sondern auch ungebildet. Die Bildhauer in Hannover befinden sich wegen folgender Forderungen im Ausstand: Minimallohn von 24 M. pro Woche und 10 Proz. Lohnerhöhung für alle diejenigen, welche schon jetzt 24 M. und darüber bekommen. Außerdem werden für Ueberstunden bis 8 Uhr 15 Pf. Aufschlag pro Stunde und von 8 bis 10 Uhr 30 Pf. Aufschlag pro Stunde gefordert. An den Tagen vor den hohen Festtagen soll um 4 Uhr nachmittags Feierabend gemacht werden ohne Lohnkürzung. Die bisherige 8Vestündige Arbeitszeit bleibt bei- behalten. ... Bnchbinderbcwegnng in Stuttgart ist mit einem temvelsen Erfolg für die Arbeiter beendet. Die unter dem Gewerbe- richter Dr. Sigel stattgehabte Verhandlung mit der Lohnkommission der Arbeiter und den Unternehmern hatte das Ergebnis, daß Zu- Geständnisse erreicht wurden, die sich den Arbciterforderungen ganz bedeutend näherten. Auch die Union, die VerlagSanstalt. sowie Stähle u. Friede! hatten einigermaßen anständige Zugeständnisse gemacht. Die entscheidende Verfammlirng der Arbeiter stimmte den Vorschlägen zu,� besonders in Rücksicht darauf, daß bei der Auf- stellung eines für ganz Deutschland gültigen TansS die jetzt herab- gesetzten Forderungen wieder geltend gemacht werden können. Ausland. Der Streik der Pariser Droschkenkutscher hat nach beinahe brerwöchentlicher Dauer erfolglos geendet. Die Forderung der Ausständigen, den täglichen Durchschnittsertrag, den die Lohn- kutscher an die„Allgemeine Gesellschaft" abzuführen haben, von etwa 20 auf 16 Franken herabzusetzen, bleibt unerfüllt, ebenso wie die weitere Forderung, den Ertrag im voraus für 15 Tage festzu- stellen sanstatt der alltäglichen Aenderungcn), wie das in der „Urbaine"- Gesellschaft nach der letzten Lohnbewegung erreicht wurde. In der Resolution, die den Streik für beendet erklärt, heißt es, daß dieser Beschluß gefaßt wurde„an- gettchtS der mangelnden Unterstützung und der Verfehlungen einiger Renegaten, die die Arbeit wieder aufgenommen haben, sowie um zu verhüten, daß die Kämpfenden zum Opfer ihrer Hingebung an die allgemeine Sache fallen." Immerhin hat der letzte Streik Fort- schritte der Solidarität und der Organisation gezeitigt, die für die Zukunft den Arbeitern Erfolge versprechen. Die Slandhaftigteit der organisierten Lohnkutscher hat der Compagnie-Verwaltung Respekt eingeflößt, so daß sie selbst von der Maßregelung der Streikführer Abstand nehmen mußte.— In der letzten Strcikversammlung wurde noch nebst einem DankcSbotum an die focialiftische Presse die Brand- markung der nattonalistischen Presse beschlossen, die meist gegen die Streikenden Partei ergriff. DaS ist um so erfreulicher, als der Nationalismus unter de» Kutschern bis dahin stark verbreitet war. Soeittles. ÄHz wenn und aber hat die Stadtverwaltimg von Wies- vaden die Aufnahme der Streikklausel in die Bauvertrage abgelehnt. Sie hat den Unternehmen! mitgeteilt, daß sie keine Veranlassung habe, in den zwischen Unternehmern und Arbeitern sich abspielenden Lohnkämpfen Partei zu ergreifen. Wer sich jedoch durch diese erstaunlich klingende Objektivität allzu sehr rühren ließe, würde sehr rasch wieder abgekühlt durch den Nach- satz:„Wir glauben vielmehr mit Bestimmtheit annehmen zu dürfen, daß die Arbeitgeber auch künftig vertrauen werden, daß die Stadt- Verwaltung bei vorkommenden Differenzen sich von gerechten und sachgemäßen Gesichtspunkten leiten lassen wird." Gegenüber den Arbeitern, die gegen das Verlangen der Unter- nehmer die Resolutton einer Versammlung bei der Stadtverwaltung eingereicht hatten, hat diese eine solche Versicherung sachgemäßen und gerechten Verhaltens nicht für nötig gefunden. Drsibe Aussichten hat. ivie überall, auch dieDüsseldorfer T e x t i l- I n d u st r i e. In der Kammgarnspinnerei arbeiten mir noch 300 von über 700IPersonen und nur die Hälfte der Maschinen ist in Thätigkeit. In der Spinnerei von Mathes u. Funke arbeiten die Leute nur 4Va Tag pro Woche. In den kleineren Spinnereien ist seit Wochen eine so arge Flauheit, daß zahlreiche Familien dadurch einen recht bitteren Sommer haben. Und der Winter naht heran und mit ihm Not und Elend in vergrößertem Maßstäbe. Ueber Tuberkulose in den Zuchthäusern berichtet Bezirks- arzt Dr. Schäfer in München auf Grund 15jähriger Erfahrung als Arzt der Strafanstalten zu Kaisheim und München in den„Blättern für Gefängnisk." Daß der Strafvollzug in den Zuchthäuseni das Auftreten der Tuberkulose begünstigt und daß die Tnberkulosen-Er- krankungen unter de» Strafgefangenen viel häufiger als unter der freien Bevölkerung sind, ist bekannt. Es liegen darüber Untersuchungen A. BaerS vor. Viel größer aber als bisher angenommen wurde,' ist »ach Dr. Schäfers Feststellung die Verbreitung der Tuberkulose, soweit die Beobachtungen in Kaisbeim in Betracht kommen. In das Lazarett des Zuchthauses kamen wegen Tuberkulose 18 Proz. der Gefangenen. Eine planmäßige Durchmusterung aller Gefangenen in Kaisheim ergab, daß fast die Hältte von ihnen an Tuberkulose litt. ES finden sich die verschiedensten Formen der Tuberkulose, Tuberkulose, die unter dem Bilde der Blutarmut auftritt, die Tuberkulose der Lungen, die Drüsentuberkulose, die primäre Darmtuberkulose, die Lungenentzündung, hinter der sich Tuberkulose verbirgt. Für die Verschleppung der Tuberkulose innerhalb der Strafanstalt führt Sckäfer mehrerlei an, was dabei mitwirkt. Besonderes Geivicht legt er auf die sogenannte Fütterungs- Tuberkulose, bei der die Tuberkel- bazillen mit dem Esten in den menschlichen Organismus gelangen. Es ist Schäfer gelungen— diese Beobachtung ist sehr wichtig—„in den umgebogenen Rändern der Kochschüsteln, selbst nachdem sie ab- gespült worden waren, keimfähige Tuberkelbazillen zu finden". Zur Bekämpfung der Tuberkulose in den Gefängnissen schlägt Schäfer nächst peinlicher Sauberkeit die Anlage von ländlichen Kolonien für tuberkulöse Strafgefangene und die Absonderung der tuberkulösen Strafgefangenen von den andern vor. letzteren vorgestellt worden sein und dann alle Schriftstücke, die er bei der Durchfechtung der Klage gegen den Schweden bei Gericht einreichte, flottweg mit dem Namen des Vormunds unterzeichnet haben. Er soll sich auch eine eigenarttge Methode ersonnen habe, um die Schwierig- keit, daß dem Beklagten die Klage zugestellt werden könnte, zu über- winden. Er wandte sich zu diesem Behufe an eine ihm bekannte Zimmervermieterin und bat diese, einen etwa unter der Adresse des Schweden bei ihr eintreffenden Brief anzunehmen und anzugeben. daß der betteffende Herr bei ihr wohne. Auf diese Weise ging die „Zustellung" von statten und eS erfolgte darauf die Verurteilung des Beklagten in seiner Abwesenheit. Des letzteren harrte aber noch eine andre Ueberraschung. AIS er von den gegen ihn unternommenen Schritten Kunde erhielt, eilte er aus Schweden hierher und wandte sich an einen hiesigen Rechtsanwalt. Der An- geklagte aber, der hiervon Wind bekommen haben mußte, sorgte dafür, daß vor dem Bureau des Rechtsanwalts ein Gerichtsvollzieher den Ankömmling erwartete und auf Grund der ausgeklagten Forderung und des Vollstreckungsbefehls dem Bedauernswerten seine ganze Barschaft abnahm. In dieses Geld sollen sich alsdann beide Angeklagte geteilt haben. Der Angeklagte bestritt seine Schuld entschieden. Inwieweit sich der mitgeteilte Sachverhalt mit den Thatsachen deckt, konnte gestern nicht festgestellt werden, weil sich bezüglich des Angeklagten Horn Schwierigkeiten besonderer Art ergaben.' Er behauptete, unbestraft zu sein und er- klärte die in den Akten befindlichen Strausauszüge, wonach er in Stettin und Magdeburg wiederholt Zuchthaus st rasen erlitten haben sollte, für irrtümlich.„Wenn er bestraft wäre, würde er ja moralisch verpflichtet sein, eS zu sagen." Er blieb ferner mit großem Nachdruck dabei, in den Jahren 1879—82 bei den Königin-Kürassieren in Pasewalk gedient zu haben. Nach der ans Pasewalk erhaltenen amtlichen Auskunft ist diese Angabe absolut ersunden. der Ange klagte hielt aber unentivcgt daran fest und erklärte wiederholt mit großem Pathos:„Ich sehe mich heute noch im Geiste in der Regiments-Uniform". Aus den Akten ivurde festgestellt, daß er im Jahre 1889 einen schweren Unfall erlitten hat, 70 M. Unfallrente monatlich bezieht und längere Zeit, bis zum 15. Februar 1892, in Dalldorf zugebracht hat. Er hält sich selbst für vollkomnien gesund und hat schon wiederholt vergeblich die Aushebung seiner Entmündigung beantragt. Bei dieser Sachlage be- antragte Staatsanwalt Liebcnow nach Anhörung des SanitätSrats Dr. Mittenzweig, den Angeklagten auf seinen Geisteszustand beobachten zu lasten. Rechtsanivält Ulrich wider- sprach diesem Antrage und wünschte den Eintritt in die Beweis aufnähme, weil er glaubte, daß der Angeklagte ans Grund des objekttven Thatbestands freigesprochen werden müsse. Der Gerichts Hof entschied nach dem Antrage des Staatsanwalts dahin, daß der Angeklagte Herrn zur Beobachtung seines Geisteszustands auf die Dauer von b ö ch st e n s s e ch s W o ch e n in die C h a r i t s zu bringen sei. Um das Gewicht der von ihm verkauften Waren etwas knapp zu machen, sollte der Schlächternieister Robert Knapp zu einem Mittel gegriffen haben, ivelches ihn gestern unter der Anklage des Betruges vor das Schöffengericht führte. Eine Frau Menge kaufte bei dem Angeklagten ein Pfund Fleisch, das sie gleich darauf nach- wiegen ließ, wobei festgestellt wurde, daß 50 Gramm fehlten. Die Wage des Angeklagten wurde untersucht. Man fand unter der« jenigen Wiegeschale, die zur Aiifnabme der Ware bestimmt war, zwei Kupfermünzen, die mittels eir.e. Speckscheibe an der»nteren Seite festgeklebt waren. Hierdurch wurde das Mindergewicht des Fleisches erklärlich. Der Augeklagte gab im Termin an, daß seine Wäge auf der einen Seite beschwert werden müsse, um daS richtige Gleichgewicht herzustellen, ein Einivaud, der vom Gericht weder als stich- haltig noch als glaubwürdig bezeichnet ivurde. Trotzdem im vor- liegenden Falle der erzielte unredliche Gewinn nur 8 Pfennige betrug, beantragte der Staatsanwalt doch eine Gefängnisstrafe von einer Woche, während der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Werthauer. um Zubilligung mildernder Umstände bat. Das Urtetl lautete auf z>v a n z i g M a rk Geldstrafe. Vevlttnrmlungvn. Gevichks--Jeikung. Auch ein Rechtsbeistand. Interessante Einblicke in daS Ge- triebe einer Winkelkonsulenten-Praxis sollte eine Anklage wegen fortgesetzter Urkundenfälschung und Betrugs eröffnen, die gestern gegen den Privatdetektiv Karl Jul. Alb. Horn und eine Witwe L u i s e E i ch e n h o I z vor der II. Ferien-Strafkammer des Landgerichts I zur Verhandlung anstand. Die Angeklagte E. ist die Großmutter eines Mädchen, das hier ein Liebesverhältnis mit einem inzwischen in seine Heimat Schweden zurückgekehrten Mann unterhalten hatte. Um den letzteren zur Erftillung seiner Vaterpflichten anzuhalten, nahm Frau E. die Hilfe des Angeklagten Horn in Anspruch, der ein Rechtsbureau unterhielt und die Sache in äußerst verschlagener Weise in Angriff nahm. Es wird ihm vorgeworfen, daß er durch eine ganze Reihe von Winkelzügen und dreisten Urkundenfälschungen zum Ziele zu gelangen und eine Verurteilung des Schweden zur Alimentenzahlung herbeizuführen geivnßt habe. So soll er durch die Mitangeklagte dem Vormund des Mädchens als der Bruder des Die Berliner Grwcrkschastskommission hielt am Freitag eine Delegiertenversammiung ab. Zunächst erstattete S a s s e n b a ch Bericht über den Streik der Militäreffekten- Sattler. Er bemerkte unter anderm, an dem Streik, der jetzt bereits drei Wochen dauert, seien 470 Personen beteiligt. Das sei etwa ein Zchiitel der gesamten Organisation. Wenn die Streikenden noch einige Zeit aushalten können, sei auf einen Sieg zu rechnen. Da aber die Organisation der Sattler bei längerer Dauer des Streiks die erforderlicheu Mittel nicht aus eignen Kräften aufbringen könne, so ersucht der Redner um die Unterstützung der Gewerkschaften.— K ö r st e n führte hierzu ans: Die Delegierten ivürden sich vielleicht wundern, daß sie nicht schon vor dem Ausbruch des Streiks um die Genehmigung desselben ersucht worden sind. Wenn dies nicht ge- schehen ist, so liege das daran, daß die Organisation der Sattler annahm, es werde ohne Ausstand zu einer Vereinbarung kommen. Die Unteniehmer hätten aber die Vereinbarung vor dem Geivcrbe- gericht abgelehnt und der Ausschutz der Gewerkschaftskonimission habe dann»ach Lage der Sache nicht umhin können, den Streik zu sanktionieren. Ohne iveitere Diskussion erteilte die Versammlung auch ihrer- seits dem Streik die Sanktion. Hierauf gab Brückner einen Bericht über die Lohn- beweg un g der Buchbinder. Nach einer Darlegung des aus dem Versamnilungsbericht in der Sonnabeiid-Nilmmer des„Vorw." bekannten Sachverhalts wies der Redner darauf� hin, daß von etwa 2—3000 in Berliner Buchbindereien beschäftigten Arbeiterinnen 1500, und von etwa 3500 männlichen Arbeiten! 1800 organisiert seien. Der Kassenbestand des Verbandes bettage 200 000 M. Wenn es zum Ausstand kommen sollte, so könne also der Verband einige Wochen lang die Streikunterstützung aus eignen Mitteln zahlen. Für den Fall eines längeren Streiks werde auf die Unterstützung der Ge- iverkschaften gerechnet. Ohne Diskussion beschloß die Versammlung, die Lohnbewegung der Buchbinder moralisch und materiell zu unterstützen. Börner machte Mitteilung von der Beendigung des Streiks der Finsterwalder Tavakarbeiter und sprach allen, welche diesen Streik unterstützt haben, den Dank der Tabakarbeiter- Organisation, besonders der Finsterwalder aus. Hierauf wurden einige vom Ausschuß vorgeschlagene Aenderunqen des Regulativs zur Debatte gestellt. Es handelt sich um das Regulativ, welches in seinen Gnindzügen vor etwa 1�/» Jahren von der Geiverkschaftskommission festgesetzt und dem Ausschuß behufs Formulierung des Wortlauts überwiesen ivorden ist. Bezüglich einiger redaktioneller Aenderungen, die der Ausschuß jetzt empfahl, wurde be- schloffen, daß dieselben den Delegimeii gedruckt zugestellt und in der nächsten Versammlung da! über beraten werde. Diskuiiert wurde dagegen über zwei vom Ausschuß vorgeschlagene principielle Seuderungen. In dem Regulativ heißt eS:„Von allen durch das Bureau gehenden Geldern find 3 Proz. für Unkosten in Abzug zu bringen."— Der Ausschuß beantragt, diese Bestimmung zu streichen, weil verschiedene Ge- Iverkschaften mit derselben nicht einverstanden seien und weil sich auch bei Ausstellung des Etats des letzten Halbjahres herausgestellt habe, daß die Erhebung der 3 Proz. zur Erhaltung des Gcwerk- schafts-Bureaus nicht erforderlich seien. Dasselbe könne vielmehr. selbst wenn zwei Beamte angestellt ivürden, mit den regelmäßigen Beittägen der Gewerkschaften(10 Pf. pro Kopf und Jahr) aus- kommen. Der Antrag des Ausschusses wurde angenommen. Zu dem Passus des Regulativs, welcher lautet: „Die Mittel zu einzelnen Werkstättenstreiks müssen von den Arbeitern des betreffenden Gewerbes selbst aufgebracht werden. Erst wenn der Ausstand allgemein wird, tritt die Unterstützung der Berliner Arbeiterschaft ein und dies auch erst dann, wenn die beteiligten Gewerbe aus eigner Kraft dazu nicht im stände sind," beantragt der Ausschuß folgenden Zusatz:_ „jedoch muß jede Organisation in der Lage sein, den Kampf mindestens zwei Wochen aus eignen� Mitteln zu führen, ehe sie die Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft beanspruchen kann." Dieser Antrag rief eine längere Debatte hervor. Gegen die An- nahine desselben' sprachen verschiedene Vertreter kleinerer Gewerk- schasten. Sie meinten, den kleinen Gewerkschaften werde das Streiken unmöglich gemacht, wenn man verlange, daß sie zwei Wochen lang die Unterstützung selbst aufbringen sollten.— Andrerseits wurde für den Antrag geltend gemacht, daß er eine durchaus notwendige Schutzwehr gegen planlose und un« überlegte Streiks bilde. Uebrigens würden durch Annahme des Antrags die großen Gewerkschaften schwerer betroffen, wie die kleinen. Von einer Benachteiligung der letzteren könne gar keine Rede sein. DaS müsse aber unter allen Umständen erwartet werden, daß kein Angriffsstreik— nnd nur für solche gelte ja die Bestimmung— ins Werk gesetzt werde, wenn die betreffende Organisation nicht in der Lage sei, die Unterstützung für die ersten 14 Tage selbst auf- zubringen. Sollte der Antrag nicht angenommen werden, dann würden die Delegierten in Zukunft bei der Bewilligung von Streiks mit um so größerer'Vorsicht zu Werke gehen. Körst en bemerkte, der Ausschuß habe sich bei seinem Antrage nur von praktischen Erwägungen leiten lassen. Die Sammlungen würden doch erst nach Ausbruch eines Streik« eingeleitet. und in der Regel vergehen die ersten Wochen, ehe nennenswerte Beträge einlaufen. Wenn also die Gewerkschaftskommission schon in den ersten zwei Wochen eines Streiks UnterstützungSgeldcr liefern solle, so könne das mir auf dem Wege der Anleihe geschehen. Schulden zu tilgen sei aber bekanntlich sehr schwer. Also schon mit Rücksicht auf diesen Umstand empfehle sich die Annahme des Antrags. Der Antrag des Ausschusses wurde schließlich gegen 4 Stimmen angenommen. Ohne Entschuldigung fehlte der Vertreter der Maschinisten nnd Heizer. China- Das Konzert. Köln, 1. September. Gegenüber den vereinzelten Behauptungen, die Einheit der Mächte sei nunmehr in die Brüche gegangen, betont ein Berliner Telegramm der„Köln. Ztg.", daß es sich bei der russischen Note nur um einen Vorschlag handle, über den gegenwärtig zwischen den Mächten verhandelt ivird. So lange aber diese Verhandlungen, ivie eS thatsächlich geschehe, in durchaus freundschaftlichem Sinne geführt werden, habe man kein Recht zu behaupten, der Bruch sei vollzogen. Es sei die Aufgabe der Diploniatie, die Schwierigkeiten und Meinungsverschiedenheiten auszugleichen. Die Grundlagen für eine solche Thätigkeit lägen gegenwärtig nicht ungünstig, da es heute keinen einzigen Staat gebe, der leichten Herzens in eine Politik hineintreibe, die zu ernsten Spaltungen und Zerwürfnissen führen könne. 4»» Trotz aller guten Absichten lassen sich Dissonanzen nicht in Harmonien umdeuten. Am DangtseNang. Frankfurt a. M.» 1. September.(©. H.) Aus Shanghai wird der„Frankfurter Zeittmg" von einem Special-Korrefpondenten gemeldet: Im Thale des Aangtsettang ivird die Lage bedrohlicher, da aus vielen Orten Unruhen gemeldet werden und überall Aufregung herrscht. Waffen und Munitipn werden der Bevölkerung auf dem Aangtse zugeschifft und dgS auS dem Arsenal von Wusung unter der Nase der euro- päischen Kriegsschiffe. Ein deutsches Geschwader, unterwegs von Batavia. wird erwartet. Das Fort Wusung hätte genommen werden können, wenn der„Jaguar" hier gewesen wäre. Jetzt sei die Sache gefährlicher, da die Bevölkerung des Aangtse-Thals sich erheben und alle Europäer ermorden würde. 4» 44 44 Das sind offenbar die Folgen der übermäßigen Truppen« und Kriegsschiffs-Zusammenziehungen in und um Shanghai.' l Abreise der Botschafter. Wie«, 1. September. sB. H.) Nach Meldungen auS Taku haben bereits mehrere Gesandte mit ihrem Personal, darunter der östreichisch-ungrische Geschäftsträger, Peking verlassen und be- finden sich auf dem Wege»ach Tientsin. Kämpfe in der Mandschurei. Petersburg, 1. Scptbr.(W. T. B.) Nachrichten de? General» stabes aus Chaborowsk von heute melden: General Grodekoss telegraphiert: Am 28. Aiigust vertrieb das Mokolsker Detachement den Feind von dem rechten Ufer des Mudandjan, wobei vier Geschütze erbeutet wurde». Am 29. Angust überschritt eS den Fluß, nahm am 30.. August Ningnta ein und verfolgte den Feind. Ninguta und die Dörfer' in der Umgegend sind unversehrt; die Bevölkerung lehrt zurück. Petersburg, 1. September. sW. T. B.) Der.Regienmgs- böte" meldet: General Grodekow telegraphiert unter dem 31. August: General Rcnnenkampf habe am 28.»ach unbedeutender Gcgenivehr mit 460 Kosacken und einer Batterie Artillerie die Stadt Tsiitsikar eingenommen. Dsjan-Ziun-Scheu, der vor einem Monat sich brüstete, er iverde Chaborowsk nehmen und in Brand stecken, floh. Am 29. wurden Rekognoscierungen, dem General Orlow entgegen, aus- geschickt. Nach Eintreffen der Infanterie wird General Nenucnkampf selbst im Rücken des Feinde« operieren, der die Abteilung OrlowS aufgehalten hat. Die mnndschnrische Hauptlinie kann man für be- freit ansehen; die erste Periode der mandschurischen Campogne dürfte beendet sein.____ Wetzte Mscheichten und Depeschen. Anarchisteukonfcrenz. PariS, 1. September.(B. H) Der Minister des Innern empfing heute vormittag die Cirknlarnote der italteuischen Regierung betreffend die Einberufung einer internationalen Anarchistenkonferenz._ PariS, 1. September.(SB. T. B.) Nach einer Meldung der Blätter aus Narbonne wurde ein dort aus Buenos Aires eilige- troffener Anarchist Guiappa verhaftet. Die Berhaftuilg geschah auf die Anzeige eines Reisegefährten, daß Guiappa einen Anschlag gegen den Kaiser von Oestreich plane.(?!) Glasgow, 1. September.(W. T.».) Ein dreizehnter Pest- verdächtiger wurde heute ftüh in das Hospital aufgenommen. Jetzt sind 83 Personen unter Beobachtung. Die Frau, welch» zuerst von der Pest befallen war, ist auf dem Wege der Besserung. Die Leichen der beiden der Krankheit erlegeneu Patienten sind verbrannt worden, nachdem die katholische Geist- li-bkeit ihren Widerspruch zurückgezogen hatte. Der Zollkommissar weigert sich, den ansreisenden Schiffen reine Gesundheitspässe an«» zustellen. Der Ott, wo die Pest ausgebrochen ist, ivurde für gesundheitsgefährliches Areal erklärt; die Hänser wurden desinficicrt und alle Hänsliere daselbst zur Vorsicht vernichtet. Rom, 1. September. iW. T. B.) Nacfc� einer hier beim Seminar für auswärtige Mission eingegangenen Depesche aus Haukau ist im südlichen Schansi der Missionär Alberico Crcscitelli i» grau- sanier Weise ennordet worden; die ganze Mission befindet sich in äußerster Gefahr. Tunis, 1. Sept.(W. T. B.) Der Scheich al Islam Si Mohamed Bairam ist gestorben. New Jork, 1. September.(W. T. B.) Das Gesundheitsamt giebt bekannt, daß alle aus Glasgow kommenden Schiffe zwölf Tage — von dem Tage ihrer Abreise von Glasgow an gerechnet—- uuteö Beobachtung gestellt werden sollen._ Verantwortlicher Redacteur: H. Ströbel in Berlin. Für dm JnseratenteU verantworUtch: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu a Beilage»». llnterhaltnngSdlatt. ».«m. n i.i.» l. MM des„vswlirls" Kniim WsdlM- s.M>» i»«° Berliner Partei-Angelegenheiten. Freie Volksbühue. Heute nachmittag 91k Uhr ist die ErösstmngS-Vorstellung dieser Saison im Lessing-Theater sür die I. Abteilung. Zur Aufführung gelangt unter der artistischen Leitung Fritz Witte-Wilds mit dem Ensemble des Lessing- Theaters:„Die Macht der Finsternis", Drama in 5 Akten von Leo Tolstoj(deutsch von August Scholz). Die Vorstellungen der 2.-7. Ableilung folgen am 9., 16., 23., 30. September, 7. und lt. Oktober.— Die neuen Mitgliedskarten der Winter- saison 1900/1901 müssen bis 2. September ans den Zahlstellen abgeholt werden, da dieselben sonst an neue Mitglieder verausgabt werden müssen.— Neuaufnahmen können nur noch für die 7. Abteilung in allen Zahlstellen täglich durch den Vorstand erfolgen. (Siehe heute Inserat.) I. A.: G. Winkler. Feuersteins Festsäle, Alte Jakobstr. 73. stehen der Arbeiter- schaft unter den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Rtxdorf. Am 4. September findet eine Mitglieder-Ver- sammlung des Frauen- und Mädchen-Bildungsvereius im Apollo- Theater, Hermaunstr. 59, statt. Herr Dr. A. Bernstein hält einen Vortrag über Gesundheitspflege. Fricdrichöfelde. Die Genosten werden nochmals auf den heute, Sonntag, stattfindenden Familienausflug nach Karlshorst, Restaurant Waldschenke, aufmerksam gemacht. Gemeinsamer Ab- marsch nachmittags 2 Uhr von Bube. Nachzügler werden in der Waldschenke erwartet.' Der Vorstand. Arbeiterverein für Pankow uud Niedcrschönhanfen. Dienstag, abends 3 Uhr, Lese-Abend bei Großkurt, Berliner- straße, Tagesordnung: Verlesung und Diskussion der Broschüre.- „A. Bebel, Gewerkschaftsbewegung und politische Parteien". Zur Verteilung an die Mitglieder gelangt die Broschüre„Kein Kom- Promis}, kein Wahlbündnis von Wilhelm Liebknecht." Tchöneberg. Die Versammlung des focialdemokratischen Vereins findet Montag, abends 8 Uhr. bei Obst, Grunewald- straße 110 statt. Tagesordnung: Die Politik in den Gewerkschaften. Referent: Genosse R. Küter. Wilmersdorf. Die nächste Versammlung deS socialdemo- kratischen Vereins findet Mittwochabend 8V2 Uhr im Volksgartcn, Berlinerstr. 70 statt. Tagesordnung: Unsre Organisation. Arbeiter-VildungSderein für Mariendorf-Tempelhof und Umgegend. Am Dienstag, abends 8�2 Uhr. findet im Lokal des Hern» Gerth, Tempelhof, eine Gedächtnisfeier zu Ehren unsres Wilhelm Liebknecht statt. LoKäIvs. Erntefest. Die Vorbereitungen machen nicht ivenig Mühe. Hunderte von bunten Papierwimpeln sind kunstgerecht aiisznschneiden und an der Strippe zu befestigen. Allerdings ist das Arbeit für die heran- wachsende» Kinder; aber ohne Anordnung deS Vaters geht die Gc- schichte doch nicht recht. Dann die Lampions, die neu angeschafft »verden müsse»; alles in allem eine gar nicht geringe GeldauSgabe. Aber viele wenig machen ei» viel, heißt es auch hier, vereinte Kräfte führen zum Ziel. Die letzten Vorbereitungen werden an» Sonnabend- abend erledigt; alles ist sauber zurecht geputzt; die Hansfrau bringt die neugewaschene Fahne heran, die Lampions sind aufgehangen, die Wimpel flattern im Winde und fürsorglich prüft man auf ihr» Haltbarkeit die Strippe, die von einen» Ende bis zum andern der Laubenkolonie nach allen vier Himmelsrichtungen gezogen ist. Apropos, Strippe— daß sie auch jauicht zum Weiß- bier vergesten»verde I Ein derbes Fäßchen Schultheiß rollt heran; einige ganz erfahrene Kolonisten aber raimen einander schmunzelnd zu, daß eS nun wohl an der Zeit sei, die in die Erde vergrabene Märzweiße auf ihren Wohlgeschmack zu prüfen. Wenn nur daS Wetter nicht alles verdirbt. Aber daS Wetter hält sich; die Luft weht zwar schon etwas herbstlich frisch, aber wenn die Sonne vom Himmel lacht, giebt'S doch ein Leben wie im Sommer. Angenehm überrascht bleiben die Ausflügler und Spaziergänger am Sonntag vor der festlich geschmückten Kolonie stehen, in der nunmehr die Pächter mit Weib und Kind versammelt sind, Die Kleinen thun sich an Kaffee und Kuchen, auch wohl an etlichen harmlosen Leckereien gütlich; und kaum ist das alles verputzt, so muß Mutter schon mit der Stulle herausrücken. Landluft zehrt. Und durstig macht sie auch. Es gilt eine tüchtige Attacke auf Lager- bier, Weiße und Strippe, und nicht lange dauerts, so ist das jüngere Volk in Stimmung, zum Klange von Hannonika und Zither ei» Tänzchen zu riskieren. Die Hausväter aber find beim Bier zu ernstem Ueberschlag ver- sammelt. Zieht man das Fazit des diesjährigen Sommers, so kommt vielleicht eine halblvegS befriedigende Mittelcmte heraus. Die Kartoffeln find einigermaßen geraten, Bohnen, Gemüse gingen auch an; von» Kohl aber bleibt von wegen der jetzigen Raupcuplage verteufelt wenig übrig. Vom Morgen bis zum Abend konnte man das Zeug absammeln und doch waren am nächsten Tage die Blätter wieder angcfresten. Anch die Frauen sind, der Not gehorchend, wie dem eignen Trieb, auf recht ernste Dinge geraten. Wie soll man nur mit dem Arbeitsverdienst, mit dem Hausstandsgeld reichen? Die Kohlen sind gerade doppelt so teuer wie im vorigen Jahr und sollen zum Winter noch viel ärger in die Höhe gehen; der Hauswirt hat die Miete u»n etliche Mark für den Monat aufgetrieben, Butter zum Brot ist nicht zu erschwingen, und das neueste ist. daß jetzt auch der Zucker um fünf Pfennige im Preise grstiege» ist und. wie die Kanfleut» er- zählen, zum Winter auf 50 Pf. daS Pfund kommen wird. Wo soll daS noch hinaus? Hat der Main» sich darum in seiner Gewerkschaft fünf Pfennige Stundenlohn mehr errnnge»», damit das Geld doppelt und dreifach den Grundstücks- und Nahrungswucherern in den Hals gejagt werden soll? Das Gespräch der Männer geht auf Beschwernisse früherer Tage über. Mühe genug hat man sich oft gemacht, dem Arbeiter sein bißchen Freude an seiner Sommerrestdenz zu verekeln. Wie noch, als vor vier Jahren die arme Klara Galle in einer Laube bei Rixdorf ermordet wurde und ein polizeifromme» Gemüt damals mit dein genialen Einfall herauskam, z»,r Vermeidung solcher Unthaten sämtliche Lauben um Berlin herum aufzuheben. Und dann, wie später einmal sich die Kolonisten zur Beratung über das Erntefest zusammengethan hatten und plötzlich ein Kriminalbeamter mit der Blechmarke»mter ihnen erschien, um die»unangemeldete Ber- sammlung" aufzulösen. Und heute noch die Scherereien, die von manchem Polizeirevier aus von wegen der roten Fahnen gemacht werden l Aber eine viel dringendere Gefahr giebt es noch zu erörtern: die der MietSkasmien. Jahr für Jahr»vird Straßenzug um Straßenzug gebaut, eine Landfläche nach der andern»vird dem Grundstücks- Wucher überantwortet oder wie es in gebildeter bürgerlicher Sprache heißt, der Bebauung erschlossen, und der Kolonist muß das Fleckchen Erde, auf das er so viel Mühe, soviel Liebe verwendet bat. auf dem gerade jetzt ein von ihm gepflanzteS Kirschbäumchen zu gedeihen anfängt, dem Spekulanten, dem Baulöwen überlassen. Mit den bunten Lampions beginnt auch die Fröhlichkeit des jungen Volks allgemach zu verlöschen. Man macht sich auf den Heimweg. Bielleicht, daß man auch hier heute zum letztelimal das Erntefest gefeiert hat._ Im städtischen Obdach sieht man, wie ein hiesiges Blatt mitteilt, dem 1. Oktober mit einiger Beklemmung entgegen. Es wird befürchtet, daß der Michaelis- umzug die Zahl der Obdachlosen ganz außer- ordentlich steigern wird. Die Befürchtnng ist leider sehr begründet. Wir haben bereits vor Monaten und seitdem wiederbolt darauf hingewiesen, daß seit etwa einem Jahre eine starke Zunahme der Obdachfrequenz zu bemerken»st und daß diese Erscheinung hauptsächlich in der gegenwärtigen Lage des WohnungS marktS ihre Ursache hat. Der Mangel an kleinen Wohnungen und die fortgesetzten, manchmal geradezu unver- schämten Mietssteigerungen, die sich die BcrlinerHausbesitzer infolge dieses Mangels leisten können, haben eine immer größere Zahl von Familien ins Obdach getrieben. Nun ist die Anstalt zwar nur für vorübergehende Unterkunft bestimmt, aber unter den augenblicklichen Verhältnissen ist eS den meisten ihrer Insassen wenn überhaupt, so erst nach längerer Zeit möglich, sich eine neue Wohnung zu beschaffen, Von den Familien, die schon beim Osterumzug obdachlos wurden, befinden sich viele noch jetzt in der Anstalt. Und jetzt steht bereits wieder der Michaelisumzug vor der Thür! Er wird dem Obdach neue Scharen zuführen; im Winter aber wird es diesen Unglüch lichen vollends unmöglich sein, wieder eine eigne Wohnung zu nehmen, Vielleicht wird die An st alt schon in wenigen Monaten an der Grenze ihrer Lei st ungs- fähigkeit angelangt sei»». WaS soll aber dann werden? Wird die Obdachverwaltung etwa»vieder zu dem Mittel greifen, daS sie schon einmal in der ersten Hälfte der 90er Jahre angewendet hat,»im sich des wachsenden Zudraugs zu erwehren— zu dem Mittel einer schärferen Auwendung der ohnedies in manchen Punkten eines Gefängnisses würdigen Hausordnung? Zum Sedan-Ruinmel. Während in» allgemeinen der künstlich gezüchtete Sedan-EuthusiasmuS endlich abzuflauen beginnt, treibt er an einigen Berliner Schulanstalteu doch noch recht eigenartige Blüten. So hat man es z. B. an einen» hiesigen Realgymnasium für angemessen gehalten, behufs Erhöhung deS Sedanfeier-NiveauS ein nichts weniger als klassisches Liedchen in das Programm deS Tages aufzunehmei». Auf Veranlassung eincS der Herren Professoren, eines Lehrers der französischen(!) Sprache, hat der Herr Gesangs- lehrer sich der verdienstlichen Aufgabe unterzogen, die Schüler in die sprachlichen und musikalischen Geheimnisse des trivialen„Liedes" „Stolz weht die Flagge schwarz-wciß-rot" einzuweihen. Das Flaggcnliedchen weist keinerlei Eigenschaft auf, die eS geeignet machen könnte, den» SangcSschatze eines Berliner Gymnasiasten einverleibt zu»verden. Allerdings— als Vorbereitung auf die dereinstige Mililärzeit giebt das kleine Chanson allerlei interessante Belehrungen, so z, B.: Und dringt ein feindliches Geschoß In eines Seeinamis Herz, Nicht klagt der Ivackre Kampfgenoß, Ihn» macht eS keine» Schmerz.(!?—) Sogar der bösen Socialdemokratie»vird heimlich, ganz heimlich ein? ausgeivischt in dem schönen Licdlein: Und treibt des»vildeir Sturms Gelvalt Uns an ein Felsenriff, Gleichviel in Ivelcherlei Gestalt Gefahr droht unserm Schiff,(!) Wir wanken und wir weichen nicht.... So geschehen am 1. September 1900 an einem Berliner Reab Gymnasium. Demnächst aber sollen,»vie»vir hören,„Die Sänger von Finsterlvalde" und ähnliche klassische Kompositioile» in de» Sanges-Lehrstoff der betreffenden Anstalt aufgenominen»verde». Der»ncntivcgte PatriotiSinns der freisiunigei« Komumnal- verwaltung hat ein Wunderlverk zu stände gebracht: Die Asphaltier»»ig der Schloßfreiheit, die erst vor kurzem begonnen wurde, ist bereits beendet. Bürgerliche Blätter fragen, »voher diese Fixigkeit, Ivo doch an andern Straßen mit viel stärkcrem Berkehr monatelang gebuddelt werde. Wie man sich nur so dumm stellen kann. Mit der Bebauung deö Geländes deS ehemalige» Wasser- Werkes vor dem Stralaner Thore»vird jetzt der Anfang gemacht. Der erste Bau, der hier in Angriff genommen»vird, ist eine D 0 p p e l- G e m e i n d e s ch u I e. Sie kommt zwischen den beiden neuen, vorläufig noch»mbenaimten Straßen zu liegen, die zur besseren Verivertnna deS Geländes von der Stralaner Allee anS darüber hiniveggeführt»vorden sind. Bei den Ausschachtungen für den Schulbau sind alte, im Erdboden verbliebene Grnndmauern von abgebrochene» Bauliöhkelte» des ehemaligen WasseriverkS bloßgelegt »vorden. Ihre Beseitigung»vird zunächst längere Zeit beanspenchcn. Neber die Mißstände im Jrrenweseu hielt ain Freitag Herr Karl Sch neidt im GelverkschaftShause einen Vortrag. Er erzählte die Geschichte einiger der bekanntesten EntmündigungS- fälle, die im Laufe der letzten Jahre die Oeffentlichkeit mit Recht erregt haben, und teilte mit, daß er über dieses Thema noch eine größere Reihe von Vorträgen halten werde, im» eine Bewegung gegei» die Mißstände in» Jrrenivcsen hervorzurufen. Solche Vorträge zu halten ist gewiß sein gutes Recht, und auf dein Gebiet des Jrrenwesens ist sehr viel zu reformieren. Aber es muß hier doch gesagt werden, daß diese Vorträge in irgend welcher Verbindung mit der Ärbcitcrbeivegnng nicht stehe»». Und weim Herr Schneidt. wie er sagte. anf den Anschluß der socialdemokratischen Partei hofft. so kann nur gesagt»verde», daß die Vergangenheit dieses Herrn keine derartige ist, um der Arbeiterpartei eine Ber- bindnng»nit seiner Person erwünscht zu machen. Die geplante Fahrordnuilg für Automobilen soll nach der D. Stravcn- und Kleinbahn-Zeitung"»vesentlich folgende Bestimmung en haben: Es ist eine Fah'rgeschlvindigkcit von 14 Kilo- meter in der Stunde vorgesehen, die et>va dem schlanken Trabe ent- spricht, auf Landstraßen darf die Geschwindigkeit etlvaS gesteigert »verde». Die Laternen dürfen,»vie die von andren Fahrzeugen, nur »veißeS Licht führe». DaS rote mid grüne Licht ist ausgeschlossen, da der Eisenbahn-Minister fürchtet, eS köiinte», Verwechselungen mit den gleichfarbigen Signallaternen der Eisenbahn eintreten. Preußische Gastfreundschaft. Als„lästige Ausländer' sind durch Verfügung des Berliner Polizeipräsidiums aus Preußen aus- gewiesen»vorden: Der Oekonom Mendel und der Handlungsgehilfe Eichhorn, beides östreichische Staatsangehörige, soiuie der Schlächter Radbinowitsch aus Rnßlaiid.— Des Reicksgebiets verwiesen find zehn Personen, sieben östreichische, ein französischer, ein russischer und ein italienischer Staatsangehöriger. Die große Herbftparadc ist gestern vormittag unter dem üblichen Zulauf abgehalten»vorden. An die beiden ostasiatischen Jägcrkoinpagnien, die an der Parade teilnahmen, hielt der Kaiser eine kurze Ansprache ohne politischen Inhalt. Die nächste Feldpost«ach Oftasten verläßt Berlin am Montag, den 3. September. Briefe und Postlarten. die an An- gehörige des ostasiatischen ExPeditionScorpS bestimmt sind, müssen (pätestens Montag früh in den Postbriefkastcn gelegt»verden, damit sie bis 10 Uhr vormittags dem Marine-Postbureau zugestellt »verde»» können. ES einpfiehlt sich, die Feldpostsendungen schon Son>»tagabend der Post zu übergeben. Briefsendungen an die Be- satzung'der Kriegsschiffe könne»» noch bis Montagnachmittag zur Post gegeben»verden, so daß sie spätestens bis«m 5 Uhr dem Marine» Pöstburean vorliegen. Alle Sendungen, die rechtzeitig befördert »verde» sollen, müssen die vollständige Adresse des Empfängers tragen. Dazu gehört Name, Dienstgrad und Truppenteil, Regiment, Bataillon, Compagnie, Kolonne, Schlvadron 2c. Staatsanwaltschaftsrat Plaschke, der bisher am hiesigen Landgericht I thätig»var, ist an das Breslaner Oberlandesgericht ver- setzt worden. Herr Plaschke vertrat die öffentliche Anklage in mehreren Berliner Sensationsprozessen, z. B. in den Prozessen gegen den Schneider Guthinann und den Raubmörder Gönczi. Ein großer Dachstuhlbrand wütete gestern früh Albrechtstr. 24, Ecke Karlstraßc, und»ahm die Wehr fast 6 Stunden lang in An- spruch. Bei den» Feuer entging ein 17jährigcr junger Mann mit knapper Not dem Verbrennungstod. Er hat im 4. Stock des Vorder- Hauses bei dem Schriftsetzer Reppenhagen eine Schlafstelle inne. Kurz vor 3 Uhr tvurde er durch ein heftiges Knistern und Knacken ans dem Schlaf geweckt und aus dem Bett gescheucht. Noch bevor er über die eigentliche Ursache klar geworden»vor, stürzte die Zimmerdecke teillveise ein und überschüttete das Bett mit brennenden Holzteilen. Es gelang ihin jedoch, seine Kleider zusammenzuraffen und den Ausgang zu geivinnen. Noch lagen die meisten der Haus- bewohner in tiefem Schlaf, als die von de» Straßenpassanten alarniierte Fenerlvehr anrückte lind über zwei mechanische Leitern gegen das Feuer vordrang. Obgleich zivei Dampfspritzen in Thätig-� keit traten, dauerte es geraume Zeit, bis den Flammen der Weg verlegt wurde. Ein großer Teil des Dachstuhls ivurde eingeäschert, auch hat die vierte Etage stark gelitten. Die Aufräumungsarbeitei» lvaren erst gegen 9 Uhr beendet. Die Entstehungsursache deS auf. dem Trockenboden ausgekommenen Brands ist ilicht ermittelt. Zur Feststellung der Persönlichkeit einer Leiche, welche am 21. Juni d. I. im Walde bei Jüterbog unter merklvürdigei» Um-, ständen aufgefunden und bis jetzt noch nicht rekognosciert»vorden� ist, hat sich die dortige Polizeibehörde an das Berliner Polizei-; Präsidium gewandt, in der Annahme, daß der Tote früher Be- ziehungen zu Berliner Beivohnern gehabt hatte. Die Leiche»var iin� Jagen'33 der kgl. Oberfvrsterei zu Zinna bei Jüterbog erhängt a»lf-. gefunden worden. Der Mann»var etwa 40 Jahre alt, mit einem bannilvollenen, gelblich-tveißen Hemd, hellgrünen Hosen mit Hosen-! träger»», gleichfarbiger Joppe(Farbe und Stoff der modernen Sport-! anzüge),' Schaftstiefeln, nach Art der Gcbirgsschuhe mit kleinen! Nägeln beschlagen, und grünem Filzhut bekleidet. Der Tote� trug hellbraunen Vollbart, ebensolches Kopfhaar, etlvas Glatze, hatten hohe Stirn und trug eine Brille»nit gelber Metalleinfassung. Bei! der Leiche lagen mehrere zerrissene Papierstückchei», aus denen sich u. a. noch herauslesen läßt: 1..... lehrer Federow... Lichts...! ... 2. Berlin... asserthorstr.... parterre. 3. Bandeler.— 1 Auf andern Stückchen sind Namen von Pferden oder Kühen ver-. zeichnet. Nach allem scheint der Verstorbene Landivirt oder der«' gleichen gewesen zu sein. Alle diejenigen,»velche über die Per- � sönlichkcit des Toten Auskunft geben können,»verden ersucht, sich bei der IV". Abteilung des Polizeipräsidiums, Eingang V, an der Stadt-'. bahn. Z immer 249 zu 4436. IV. 27. 00 zu melden oder an dieses Dienststelle schriftliche Nachricht einzusenden. Ein jugendliche»: Dieb. Ein stark belastetes Conto weist trotz seiner Jugend der Gelegenheits- Arbeiter Karl Weiß auf, der bei dem Diebstahl eines Fahrrads überrascht und festgenonunen»vnrde. Bei einer Leibesvisitation des 19 jährigen McnmeS wurden mehrere Portemonnaies, die ziveifellos ans Taschendiebstählen herrühren,! 30 M. Bargeld, eine goldne Uhr, solvie mehrere Ringe, über deren■ Herkunft W. genügende Angaben nicht zu machen vermochte, vor- gefunden. ES besteht der dringende Verdacht, daß der Festgenommene sich nicht mir auf dem Felde des Taschendiebstahls beivegt, sondern sich auch als„schiverer Junge" versucht hat und bei verschiedenen Einbruchsdiebstählen beteiligt war. W., der bereits mit einem Ver« »veise und 14 Tagen Haft bestraft ist, hat fünf Fälle von Eigentum» vergehen zugestaiiden. Arbcitcrrislko. Schwer verletzt»vnrde um Freitagabend de» Zimmermann Schön wald aus der Stvinenlünderstraße 121 in das LazaruS-KrmikenhauS eingeliefert. Schönwald war in der Maschinenfabrik von Hoppe, Gartcnstraße 9 mit der Anbringung eines Schutzdaches beschäftigt. Hierbei stürzte er aus dem ersten Stock mit der Brust auf im Maschinenteil und zog sich derartig schivere Verletzungen zu, baß an seinem Aufkommen geziveifelt »vird. Die beiden internationalen Taschendiebe haben eine noch »vclt größere Thätigkeit entlvickclt, als bisher angenommen werden konnte. Fortgesetzt' laufe» bei der Kriminalpolizei neue Anzeigen ein. Die beiden Verbrecher Antonio Botta und Antonio Rodrigniz haben iiicht bloß auf Bahnhöfen und in„Eisenbahnzügel» gearbeitet". oiidern ihre Thätigleit auch auf Schiffe ausgedehnt, die den Rhein befahren, auf Vergnügungsdampfer, die von Stettin, Satznitz und Stubbenkainmer in der Ostsee und nach Schiveden und Norivcgen Fahrten unternehme»». Beide arbeiteten so miteinander, daß Botta den Abreisenden spielte,»vährend Rodrigniz von seinem scheidenden Freunde zärtlichen Abschied nahm. Dabei rannten sie fremde Per« soiien an, die dann bei den Entschuldigungen um ihre Brieftaschen kamen. Die beiden Gefangenen haben auf Gr»lnd solcher Anzeigen bei den, UiltersuchniigSrichter scharfe Kreuzverhöre zu bestehen ge- habt und schließlich eingeräumt, gewerbsmäßig unter Anwendung "olcher Kunstgriffe in Deutschland, Frankreich und Italien Taschen- diebereien aiisgefllhrt zu haben. Nach einem Geschäftsgang verschwunden ist vor einer Woche der 15 Jahre alte Kleinpnerlehrliiig Richard Albuins aus der Wienerstr. 20. Er lernte bei dem Meister Sander in der Wiener- traße 18 und sollte auf einem Handivagen Waschlvannen ii» der Brunnenstraße abliefern. Gleichzeitig erhielt er zilr Ausführung einer Besorgung 3,50 M. Die Wannen hat er abgeliefert, ist aber nicht zurückgekehrt. Den Handivagen fand man in der nächsten Rächt in »er Jnselstraße am Wasser. Ueber den Verbleib des Knaben fehlt "ede Nachricht. Um LS SSV Mark bestohlen wurden nach einem SensationS- blatt gestern zwei Damen beim Ueberschreiten der Friedrichstraße. Sie trugen da? Geld leichtsinnigerweise in einer ledernen Damen- tasche. Für die Wiedererlangung des Geldes haben die Berlllst» trägerinnen eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt. Meldungen nimmt die DiSkonto-Gesellschaft in der Tharlottenstraße 35 entgegen. Im Bllffelgehege deS Zoologischen GartenS in ein erfreu- sicher Zuchterfolg zu verzeichnen. Bor einiger Zeit schenkte Herr Rentier Vogler in Berlin> ein prächtiges Paar der gewaltigen A r n i« B ü f f e I. Diese üidischen Büffel zeichnen sich durch sehr lange und sehr flache nnd breite Hörner auS,»velche in weitem Bogen fast in derselben Ebene nach außen und hinten»»nd mit den Spitzen»vieder nach innen geschwungen sind. Ein sehr schönes Bull- kalb ist nunmehr zur Welt gekominen und erregt durch sein munteres Wesen die Anfmerksamkeit der Besucher. Der Arni-Büffel findet sich in einzelnen Gegenden von Nord- und Hinter-Jndien sowie auf den Samoa-Jnseln und Philippinen in mehreren geographischen Abarten noch»vild. Da er seit langer Zeit gezähmt worden»st, so erscheint es nicht unmöglich, daß z. B. auch der westafrtkanische Wildbnffel, welcher in Kamerun und Togo noch recht zahlreich ist, für den Dienst des Mensche», ii» absehbarer Zeit geivonnen wird. Ein solcher Büffel ist übrigens augenblicklich auch lebend im hiesigen Zoologischen Garten vertreten.— Bemerkt sei, daß heute 25 Pfennig- Sonntag ist. Treptow- Sternwarte. Am Sonntagnachmtttag 5 Uhr spricht Direktor Archenhold über„Die Bewohnbarkeit der Welten", um 7 Uhr abends über„Der Mond im Treptower Riesenfernrohr". Dieser wird während der ganzen Woche von R Uhr an betrachtet. Am Montagabend wird von 8 Uhr 40 Minuten bis 9 Uhr 21 Minuten eine Saturnbedeckung stattfinden. Die Beobachtung des allmählichen Verschwindens und Wiedererscheinens des Saturns am Mondrand ist besonders interessant. N»S de» Nachbarorte». Der Magistrat von Charlottenburg beabsichtigt nach dem Vorbilde andrer Städte für Charlottenburg einen Freiwilligen Er- ziehungsbeirat für schulentlassene Waisen in engem Anschluß an die amtliche Waisenpflege ins Leben zu rufen. Die Errichtung einer Reichsbank-Nebenstclle soll am I. Oktober d. I. in Charlottenburg erfolgen. Zu ihrer Unter- bringung werden die im Hause Berlinerstr. 87s belegenen Räumlichkeiten des Erdgeschosses vorläufig auf fünf Jahre gegen einen jähr- lichen Mietspreis von 2000 M. auf städtische Kosten gemietet. Lichtenberg. In der am 30. August stattgehabten Gemeinde- bertreter-Sitzung wurde der Ankauf eines nördlich der Frankfurter Chaussee auf dem Gebiete der Terraingesellschaft„Franks. Chaussee" gelegenen Grundstücks zwecks Errichtung eines Anitsgerichtsgebäudes beschlossen. Eine Etatsüberschreitung von 11 000 M. wurde von der Gemeindevertretung mit 14 gegen 14 Stimmen sber Vorsitzende gab den Ausschlag) gutgeheißen, nur wurde bedauert, daß der Gemeinde- vorstand das vom Rittergutsbesitzer Röder bei dem Bezirksausschutz wegen zu hoch veranlagter Grundwertsteuer anhängig gemachte Streitverfahren schon in der zweiten Instanz, dem Kreisausschuß, durch Vergleich beendigt habe, ohne die Gemeindevertretung zu befragen. Die Errichtung eines Gewerbegerichts ist für unsre Gemeinde wieder in weite Ferne gerückt. Alle Hinweise unsrer Ge- nosse» auf daS segensreiche Wirken dieser Gerichte in andern Orten, auf die fortschreitende Entwicklung der Industrie in unsrem Ort und die dadurch unziveifelhaft sich mehrenden Streitfragen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern hatten keinen Erfolg. Mit allen gegen die drei Stimmen unsrer Genossen wurde die Errichtung auf längere Zeit vertagt.— In Verfolg einer von einer Volks- versamnilung angenommenen Resolution, die gegen das Benehmen des neuangestelltcn Straßen-Jnspektors Kranz protestierte, der be- waffnet mit Stock, in Begleitung eines Hunds seine Arbeiter beaufsichtigen soll, wurde in der Diskussion, die von Treue fSoc.) eingeleitet war, auch von andrer Seite das Unpassende dieses Be- nehmens zugegeben, aber die vorgebrachten Angaben bezweifelt. Rur der Gemeindevertreter Stiller verteidigte den Inspektor. Reinickendorf. Die Entscheidung der Justizverwaltung über die Frage, ob das Amtsgericht Berlin 1�. in Reinickendorf oder in Berlin erbaut werde» soll, ist immer noch in der Schwebe. Die hiesige Gemeindevertretung bemühte sich sehr in dieser Angelegen- heit; aber das Angebot der Berliner Behörden, den Steinstätteplatz in der Pankstraße in einen Park umzuwandeln und darin das Gericht zu erbauen, scheint doch für den ganzen Stadtteil von so weittragendem Vorteil, daß die Grundbefitzervereine in Petitionen die Stadtbehörden unterstützen. Es wäre zu wünschen, daß unsrem Ort wenigstens die Anlage des Nordparks sowie die Beseitigung der Abdeckerei bewilligt lvürde.— Die Baulichkeiten der K l S r st a t i o n und des Wasserwerks sind in letzter Zeit derartig gefördert worden, daß der Anschluß der Grundstücke am 1. Oktober d. I. vor sich gehen kann. Vielfach ist unter den Hauseigentümern die irrige Ansicht vorhanden, daß der Anschluß dem freien Ermessen der Eigen- tümer überlassen bleibt. Neues Radfahrverbot für Berlin— Pankow. Das Be- fahren des Seitenwegs längs der Straßenbahngeleise der Strecke Schönhauser Thor— Pankoiv ist vom Kilometerstein 4,9—8,9 sPan- kower Gebiet) für Radfahrer verboten. Grund für die Verordnung sollen verschiedene Radunfälle sein, die auf dem bezeichneten Wege vorgekommen sind. Der Weg ist nur Vi Meter breit und ivird auf der einen Seite von denk Chausseegraben, auf der andren durch das Geleise der Straßenbahn begrenzt, könnte also überhaupt nur für sichere Fahrer in Betracht kommen. Tie Banthntigkcit in Grost-Lichtcrfclde ist in diesem Jahre eine so überaus rege gewesen, wie seit langen Jahren nicht. Nicht weniger als 113 neue villenartige Gebäude sind im Laufe des Sonimers fertig geworden, oder im Bau soweit vorgeschritten, daß sie noch vor Beginn der schlechten Jahreszeit vollkommen unter Dach und Fach gebracht werden können. Bau und Betrieb der Straßenbahn von Köpenick nach Niederschöneweide sind der„Gesellschaft für den Bau von Unter- grundbahnen in Berlin" vom Regierungspräsidenten genehmigt worden. Die der Gesellschaft erteilte Konzession läuft, wie bei der Großen Berliner Straßenbahn, erst am 31. Dezember 1949 ab. Auf die Passagierdampfer der Oberspree ist in den letzten Tagen, wie die„Berl. Ztg." meldet, wiederholt scharf ge- schössen worden. Die Schüsse sind, soweit festgestellt ivcrden konnte, von den Schiffern verschiedener Fahrzeuge, die bei Ostend am rechten Spree-Ufer lagen, in der Dunkelheit abgegeben. In einem Falle schlug eine Kugel gegen den Stand des Kapitäns eines Touren- dampfers der Sterngesellschaft. Aus Rixdorf berichteten wir am 30. August, daß der elfjährige Sohn Bruno des Reisenden Albert Götze dem Arbeiter Casparenthüs acht Schweine, mit Streichhölzern vergiftet habe. Zu dieser Meldung teilt uns Herr Götze mit, daß die Schweine mit Ausnahme eines einzigen, das an Lungenkrankhcit krepiert sei, eines ganz natürlichen Tods durch Schlächters Hand gestorben wären. Sein Sohn habe zwar gemeinsam mit andren Jungen ein paar Streichhölzer in den SSweinetrog geworfen, doch hätten diese den Tieren keinen Schaden gelhan; auch sei nicht im geringsten die Rede davon, daß sein ordentlich erzogener Junge einer Zwangserziehungsanstalt über- wiesen werden solle. Vernrijtkzkcs. Ueber den Fund einer neuen Andrse-Boje, die zwar eine schriftliche Meldung der Luftschiffer, aber keine Nachricht über deren hrtiinf ItPrtt m!§ fnTnpiTht»' hnr• „Der Landeshauptmann Grendahl in Finmarken lNorwege») meldet am 31. August dem„Aftonbladet" aus Skjervö: A n d r s e S Boje Nr. 4 ist hier gefunden worden; sie enthielt folgende Mit- teilung: „Boje Nr. 4, die erste, die ausgeworfen ist. am 11. Juli(1897), 10 Uhr nachm., Greenwich, mittlere Zeit. Unsre Reise ist bisher gut verlaufen; wir befinden uns ungefähr 280 Meter hoch. Richtung anfangs Norden, 10 Grad Osten(Kompaß nicht abweichend), später Norden, 43 Grad Osten(Kompaß nicht ab- weichend). Es wurden 4 Uhr 80 Min. nachm.— Greenwich mittlere Zeit— Brieftauben abgesandt. Dieselben fliegen gegen Westen. Wir befinden uns jetzt über dem Eis, das sehr zerklüftet ist. Das Wetter ist herrlich, die Stimmung ausgezeichnet. Andröe, Strindberg, Fränkel." Ueber den Punkt, den Andree zu der Zeit erreicht haben dürfte, als er diese Boje in die Tiefe warf, ist Geheimrat v. Richthofen folgender Ansicht:„Andrse hat sich etwa an der Stelle befunden. oder sich ihr doch bedeutend genähert, ander Parry auf seiner Nord polfahrt den höchsten Punkt erreicht hatte. Es ist dies der 82,48 Grad nördlicher Breite. Wenn die Luftschiffer schon am ersten Tage ivieder über Eisflächen schivebten, so hatten sie in der That allen Grund guten Muts zu sein. Denn dann müssen sie eine tüchtige Strecke vorwärts gekommen sein, weil für den Aufftieg eine Zeit gewählt war, in der das nördliche Eismeer, wie man rechnen darf, bis September auf große Flächen hin eisfrei ist." Eine Boje, die Andrse eine Stunde später als die jetzt aufgefundene abgesandt hat, wurde, wie erinnerlich, am 14. Mai 1899 an der Küste von Island geborgen. Die letzte kurze Nachricht von den Luftfahrern überhaupt brachte eine Brieftaube, die zwei Tage nach dem Aufstieg das Fahr- zeug verlassen hatte; es hieß darin nur:„Alles gut". Später sind lediglich leere Bojen mit abgeschraubtem Deckel aufgefunden worden. Acht Arbeiter verunglückt. Aus Münster i. W. wird be richtet: In Marienhafe sind infolge des Bruchs eines Gerüstes an der Freesenborgsche» Mühle sieben Personen abgestürzt. Ei» Anstreichergehilfe blieb tot, Müller Freesenburg und ein Geselle sind schwer, fünf Anstreicher leicht verletzt. DaS deutsch- amerikanische Kabel über die Azoren nach New Jork ist gestern dem Betrieb übergeben worden. Gleichzeitig ist das Kabel Emden— Valencia(Irland) außer Betrieb gesetzt worden. Die Pest in Glasgow breitet sich weiter aus. Freitagabend erkrankte ein junger Mann von achtzehn Jahren, der seit einigen Tagen unter Beobachtung war. an der Beulenpest und wurde ins Hospital geschafft, wo er der zwölfte jetzt unter Behandlung befind- liche Pestkranke ist. Außer den zwei gemeldeten Fällen haben bisher keine Todesfälle staitgefunden. Die Behörden stellten fest, daß schon am 3. August ein Pestfall in Glasgow vorlag. Man hat die Verbrennung der an der Pest Verstorbenen verfügt, ferner wurde in einer Sitzung des Magistrats und des Specialkomitees zum Schutz gegen die Pest beschlossen, gewisse Distrikte von Glasgow unter sanitäre Kontrolle zu stellen, was eine zwangsweise Desinfektion, die Reinhaltung der Häuser und die Beobachtung der Bewohner bedingt. Sobald das Pasteursche Serum aus Paris eintrifft, soll der ganze sanitäre Stab inoculiert und auch den Einwohnern die Jnocnlation angeboten werden. Viele Aerzte und Forscher reisen nach Glasgow, um die Seuche zu studieren.— Die amerikanische Regierung hat eine Bekanntmachung erlasien, wonach die Pest in Glasgow ausgebrochen ist und sämtliche Schiffe, die von dort kommen, einer Quarantäne unterworsen werden. Von den ausländischen Marktpreise von Berlin am ZI. August 1000 »ach Eriinltliiiigen des tgl. PolizeiprSfidimuS. f) Welzen, gut Z „ mittel gering fj'Zioggen, gut „ mittel gering »)Gerfie, gut „ mittel gering «)Has«r, gut. „ mittel . gering Nichlstroh He» Erbsen Speisebohnen Luisen -f) ab Bahn. ») frei Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt vom 1. September. Aetreidemärkten kamen heute vorwiegend niedrigere Preismeldungen, welche auf den hiesigen Verkehr nicht ohne Einfluß blieben. Am Frühniarkte war die Tendenz schwächer, konnte sich jedoch niittags kräftig erholen, da erneute Klagen über schlechten Ausfall der Kartosselemten, namentlich aus Posen vorlagen. Dieses stimulierende Momeiit kam in erster Linie dem Roggen- markte zu gute, der außerdem aus einer Verteuemng der russischen Ofierten und dauernder Knappheit des Jnlandsangebots profitierte. Der Artikel be- festigte sich dann nach anfänglichem Rückgange und schloß eine Kleinigkeit höher als gestern. Weizen, der ebenfalls schwächer einsetzte, erreichte sein geringes Niveau wieder, konnte seine Preise jedoch nicht voll behaupten, da Realisationen drückten, namentlich für nahe Sichten. Essektive Ware beider Artikel war etwas zu haben und fand zu guten Preise» leicht Unterkunft, Fntterartikel blieben fest. Rüböl gut behauptet. Spiritus. Spiritus unverändert. 70er loco 51 M. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 1. September 1900. Amt- sicher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 4223 Rinder, 1445 Kälber, 13 844 Schafe, 9384 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pf): Ochsen: a) vollfleischige. ausgemästete, höchste» Schlacht- wertes, höchstens 7 Jahre alt 66— 70, b) junge fleischige, nicht aus- gemästete und ältere ausgemästete 61—65; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 56—58; ck) germg genährte jeden Alters 50— 54.— Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwertes 61—65; b) mäßig genährt« jüngere und gut genährte ältere 57—60: c) gering genährte 50— 52.— Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachlwerts 00—00; b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 54—55; o) ältere ausgeniästete Kühe und wenig gut entwickelle jüngere Kühe und Färsen 51— 52; d) mäßig genährte Kübe und. Färsen 46—50; o) gering genährte Kühe und Färsen 42—45.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Vollmilchmast) und beste Saugkälber 69—72, bl mittlere Mastkälber Ständiges Repertoire: Residenz- Theater. Alle Abende: Die Dame von Maxim.— Central-Theater. Alle Abende: Die Beisha.— Carl Weifj-Theater. Alle Abende bis Freitag: Die Boxer in China. Sonnabend: Unbestimmt.— Metropol-Theater. Alle Abende: Der Mandarin von Tsing-ling-ting.— Bellealliance-Theater. Alle Abende: Madame Bonivard.— Urania. Alle Abende: Eine Wanderung durch die Weltausstellung in Paris. und gute Saugkälber 64-6g, c) geringe Saugkälber 55—60, d) ältere, gering genährte(Fresser) 40—48.— Schafs: a) Mastlämmer und jüngere Mast- Hammel 66—70, b) ältere Masthammel 57—62, c) mäßig genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) 49—55, d) Holsteiner Niederungsschafe(Lebendgewicht) 27—35.— Schweine: a) vollfleischige der feineren Raffen nnd deren Kreuzungen im Alter bis zu IV« Jahren 53—54, b) Käser 00—00, c) fleischige 51—52, d) gering entwickelte 47—50, e) Sauen 48— 49. Tendenz. Das Rindergeschäft wickelte sich in besserer Ware ganz glatt, in mittlerer und geringer ruhig ab; es bleibt nur kleiner Ueberstand. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig, schwere Ware erzielte nicht immer die höchsten Preise. Bei den Schafen war der Absatz in Schlachtware gut, Magervieh hinterläßt Ueberstand. Der Schweinemarkt verlies ruhig, schwere fette Ware war gesucht. Es wird nicht ganz ausverkauft. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag nnd Freitag von 7— S Uhr abends statt. A. M. 1. Kein Entlassungsgrund. 2. 14tägige Kündigungsfrist gilt. — P. H. IVO. Sie müssen die Leiche noch auslösen,— Entschädigung. Er kann alle Aufwendungen zurückfordern, die er für die Witwe mit Rück- sicht auf die künftige Verheiratung gemacht hat, sofern wirklich eine Ver- heiratung von beiden Seiten in Aussicht genommen war.— P. F. Der Sonntag zählt nicht mit.- H. Krämer, Pasewalk. Die Konzession mutz nachgesucht werden, wenn m dem Saal Gastwirtschaft betrieben(z. B. Bier ausgeschänkt) werden soll; ob an Vereine oder in öffentlichen Ver- sammlungen ist gleichgültig. Die Konzession kann verweigert werden; es steht Ihnen dann frei, im Verwaltungs-Streitverfahren auf Erteilung der Konzession zu klagen.— M. 31. 1. Ja. 2. Nein.— E. B. 100. Nein. rSttternngStibersich« vom 1. September 1900. morgen»«»Hr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin Frankf.M. München Wien Welter ä a II §» tri 2hlb.b-d. bedeckt 2wolkenl ghedeckt 2 wölken! — �wölken! Stationen «!> S o» S h aS Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris 749 766 760 N SM 3 bedeckt 1 heiter «Zetter-Prognose für Sonntag, de» 8. September 1900. Zeitweise heiter, vorherrschend wolkig, mit leichten Regensällen mäßigen westlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner W e t t e r b u r e a u. unl Todes-Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau, unsre gute Mutter und Großnuitter, Frau(53608 Paullne Jaenlcke, geb. Wernike, am 29. August, früh ö1/. Uhr, im 57. Jahre verstorben ist. Die Beerbt- gung findet Sonntag, den 2. September, nachmittags 2Vz Uhr, von der Leichenhalle der Heiligen Kreuz-Ge- meinde in Mariendorf statt. Die trauernden Hinterbliebenen A. Jaenlcke nebst Kindeni, Mariendorferstr. 19._ Deutscher Dolmbetter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege, Tischler Herzlichen Dank allen für die herz- liche Teilnahme am Begräbnis unsrer sieben Tochter Elsbeth.(53598 «natav Schiller nebst Familie. Danksagung. Für die vielen Beweise und die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau| Johanna Kaaseh sage ich allen Freunden und Bekannten sowie den centrali- sierten Zimmerern, Bezirk 8, meinen herzlichsten Dank. CsH Kaasch 2665b) nebst Verwandten. ani 30. August verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag- nachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle des Thomas-Kirchhoss, Herinannstraßc, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 106/12 Die Ortsverwaltung. Deutscher Dolzarbetter- Verband. Vorwaltungaatalls Berlin. Todes- Anzeice. Am Mittwoch, den 29. August, ver- starb unser langjähriges Mitglied, der Dreher 117/16 Otto kootd. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. September, nachinittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in Tegel aus statt. Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die ttaurige Nachricht, daß am Freitag, früh 6-/, Uhr, mein lieber Mann, unser guter Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Onkel und Schwager, der Arbeiter kriearieh Behnto im Alter von 62 Jahren seinen langen schweren Leiden erlegen ist. Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Montag, den 3. d. M., nachmitags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorfer Kirchhofs aus, daselbst statt. 2661b Am 31. August d. I. entschlief nach langem, schwerem Leiden meine inniggeliebte Frau, unsre herzensgute, treue Mutter, Schwägerin und Tante Vilhelimne Röhn, geb. Werlltz, im 56. Lebensjahre.[26676 Berlin, Breslau, Gr. Strehlitz. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag, den 3. September, nachm. 4 Uhr, von der Leichen- Halle der St.Golgatha-Gemeinde, Barfusslraße, aus statt. Ortskrankenkasse der Stein- drucker und Lithographen Berlin. Am 30. August cr. verstarb unser Mitglied, der Steindrucker u. Kranken- Coittroleur Herr .Alv. Bencker. Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 2. September er., nach- mittags ZV, Uhr, von der Leichenhalle der Zionsgemeinde, Nieder- Schön- hausen aus.(2672b Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. Ich habe mich Warschiunkrahe 22 niedergelassen. Dr. Alfred Hendelson, 26466 prakt. Arzt._ II Zur Erinnerung an 52628* Porttäts mit und ohne Rahmen in allen Größen und Preislagen empfiehlt die Glaserei und Bilder- rahmenfabrik von Carl Scholz, 110 Wrangelatrasse 110. Abendkurse* Elektrotechnik uMaschmen- bau beginnen neue 0. Sept.. wie seit 26 Jahren, Borkenntnis nicht erforderlich. Methode bewirft, daß Unbegabtheit kein Hinder- niS. Abgangsprüfung. Diplom- Zeugnis. Prospekt kostenlos. Man beschleunige Meldung im Jngenieur-Bureau: 5346L* Zimeonstraße 2L 11 links. Rohtabak. Größte Auswahl. Guter Brand! Vorz Billigste Preise. Qualität. m3. Gräbel, 101 Brunnen st raste 101« I Dlilhllorper unerreicht in Leuchtkraft und Haltbarkeit, fertta z. 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Zahlstelle Charlottenburg. DienStag» den 4. September, abends 8 Uhr, in der Gambrinns-Brauerei, Wall-Straße 94. �ussenewIentliclHe_ WM" Mitglieder- Versammlunga Tagesordnung: 1. Vortrag über den korporativen Arbeitsvertrag. 2. Diskussion. 3! Gewerkschaftliches.— Kollegen! Die Wichtigkeit der Tagesordnung bedingt ein zahlreiches Erscheinen der Kollegen in die Versammlung. 189/14 Die örtliche Verwaltung. Socialdemokratischer Mahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Mahlkreis. Den Vorstandsmitglieder» zur Nachricht, daß die Sitzung am Dienstag ausfällt. Der Vorstanck. IPoIsn! Sonntag, den L. September lOOO, nachmittag« 1 Uhr, im Saale de« Herrn Stechert, Andreaastr. 21: V olks• V er Sammlung. Tages-Ordnung:- 1. Die nenestc Verordnung des prenssischen Kultusministers Studt gegen den polnischen Unterricht. 2. Diskussion...-154/1 Deutscher Holzarbeiter-Verband. Montag, de« 3. September. abds.7V- Uhr. im Gcwerkschaftshaus. Engel-Ufer lö: 106/11 Vtrtrmnsmöllnrr-Uerslimmliillg der Bautischler. Tages-Ordnung: Die Darifberatung mit der Meisterkommission und unser ferneres Verhalten. HS. Jede Bauwerkftätte muh durch einen Vertrauensmann ver- treten fein. Karte und Mitgliedsbuch legitimiert. 196/11_ Die Ortsverwaltung. Fliesenleger!!! Donnerstag, den«. September, abends 8 Uhr: Außerordentliche General- Versammlung des Vereins der Fliesenleger Berlins und Umgegend. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu dem Antrag der öffentlichen Versammlung:„Wahl der Kommission". 2. Wahl des ersten Kassierers. 3. Gewerkschaftliches. Mitgliedskarte legitimiert.»B DaS Erscheinen eines jeden Mitglieds ist notwendig. 56/7 Der Vorstand. Central-Vn dar dfiutscfien Böttcher. (Filiale Berlin.) DienStag, den 4. September, abends S'/a Uhr, bei Wilke, Andrcasstraße 26: Vereins- VevLnrnmiung. Tages-Ordnung: 1. Der Ausstand in der Böttcherei von Stcpcl und Brückenstein(Vittoria- Speicher). 2. Ausstellung eines neuen Lohntarifs in der Packsah-Branche. Dos Erscheinen sämtlicher Kollegen ist dringend notwendig. Nicht- Mitglieder haben Zutritt. 39/19 Der Vorstand. U. Klapwchn«. Boeckhstraße 49 Verein der Tischler Veriins n. Umg. Dienstag, den 4. September, abends 8 Uhr, bei Franke, Pallisadenstrahe 9: 26716 _ �ertranensmätttter-Sitzung. Aclitnng, Rlxdorf! Die Vorträge des prakt. Naturbcilk. Grundmann beginnen Montag. de» 3. Sept., abends 8� II Hr. Bergstr. 147, wozu wir grauen und Mädchen einladen. Naturheilv. Rixdorf. Ceiitralverband der Bande s-, Transport- lind Verkehrsarbeiter Deutschlands' (Verwaltungsstelle Berlin.) Bureau und Arbeitsnachwels Engel-Ufer 15, U,(Ce werk sahaltt haue). Tel. Amt 7. No. 3348. Sonntag» den 2. September 1900, abends 6 Uhr, in Cohns Festsäle», Beuthstr. 19— S1: Gensrnl- Verselmmlnng. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Arbeitsnachweisbericht. 2. Diskusston. 3. Antrag auf Wiederaufnahme des früheren Mitglieds Oswald Grauer. 4. Ge- schäftliches. Zuttitt haben nur Mitglieder, die nicht länger als 19 Wochen mit ihren Beittägen rückständig sind. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreichen Besuch ersucht 68/3___ Die Ortsverwaltung. Andreas-Festsäle, Antosirms 21 ' am AndreaSplatz. Bringe den geehrten Vereinen und Gewerkschaften meine Säle, 199 bis 1599 Personen fassend, zu Festlichkeiten jeder Art und öffentlichen wie Vereins- Versammlungen in empschlende Erinnerung. 5399L» __ Carl Stechert. Amt VII. 6323. Cinacren gegen 3-6 Monat Ziel vom Lager oder ab Fabriken ohne jeden Zwischen- Handel, von 18—199 M., liefert nur an Cigarrenhändler Cigarren-General- Agentur und Kommission 8. Bund, Gr. Frankfurterstr. 52.[52892* Orts-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin. Die Vertreter der Orts-Krankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin werden zu der am Montag, den 1V. September, abends S1/, Uhr, im Neue» Klubhaus, Komman- dantenstraße 72, stattfindende» außerordentlichen Generalversammlung hierdurch eingeladen. Tages-Ordnung: 1. Beschluvfassnng über die Kün- digung. der. freien Arztwahl zum 1. Januar 1991. 2. Abänderung der Berhaltungs- maßregeln. Berlin, 2. September. 1999.. Frau Belmann, Vors., Eisenbahnstr.33. Helene Grllnberg, S Grifts., Köpenickcr- strahe 2652b Socialistische Monatshefte Internationale Revue. Soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Heft IX des VI. Jalirgangs. pr Kongress-'N ummer."MI ........................... und Inhalt; Dr. Eduard David: Parteitag internationaler Kongress. Kurt Eisner: Liebknechts Erbe. Dr. Conrad Schmidt: Socialismus und Ethik. Wolfgang Heine: Zur Abänderung des Organisationsstatuts der socialdemokratischen Partei. Ignaz Auer: Zur Wahlbeteiligung in Preussen. Max Schlppel: Die Handels- und Wirtschaftspolitik und die Arbeiter. Eduard Bernstein: Der Socialismus und die Kolonialfrage. Paul Göhre: Weltfrieden, Militarismus und stehendes Heer. Paul Kampffmeyor: Es bleibt bei der Expropriation! gemeines W ahlrecht xesetzgebung durch Kartelle und Otto Lang: Allp u. direkte das Volk. Richard Calwer: Trusts. Carl Legten; Maximalarbeitstag und Minimallohn. Dr. Ladislaus Gumplowlcz; Kom- munalsocialismus. Dr. Max Quarck;„Probleme" der Gewerkschaftsbewegung. Wilhelm Bälsche: Kreuziget den Naturalismus! Selma Lagerlöf: Brüder. Rundschau: Oeffentliches Leben — Wissenschaft— Kunst— Bücher— Eevuen. SUeqMWTWI Das Heft enthält ein Portrait von Wilhelm Ulebknecht aus dem Jahre 1849. Für alle Genossen, die sich mit der Wissenschaft des Socialismus und der Taktik uns.erer Partei beschäftigen, ist die Lektüre der„Socialistischen Monatshefte" unerlässlieh. Probe-Hefte gratis und franco durch die Expedition: Gleditsch-Strasse 23, Berlin W._ Fritz Raus Parkrestaurant, Johannisthal, Parkstrasso, 53108* früher: Berlin, Skalitzerstrahe. Jeden Sonntag: Gr. Bali. Kaffee- küche. Kegelbahn. 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September ISOtz. l» der Gambrinns-Brauerei, Wallstrafie 00: Äusserordentliehe General- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Der Streik der Berliner Militärcffekten-Sattler. Referent: Kollege Hoffmann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 169/9 Der Vorstand. Frankes Speisehalle Neue Grünstrahe 39(zw. Kommandanten- und Sehl Jeden Tag 12 verschiedene Gerichte I Speisczcit nnunterbrochen vi zum Preise von 19—39 Pf. I mittags ll>/,— 19 Uhr abe i«r- Bier V,» 19 Pf..-/.» ö Pf. Kaffee 5 Pf. Milch 5 Pf.- Colins Festsäle, Beuttistrasse 19 20. Empfehle meine Haie zu Versammlungen. September und Oktober noch einige Sonnabende und Sonntage frei.[4899L't \T olksg'ai'ie o ftuherWeimattttsVoltsgartett,Badstr.F6 Auskunst über Vermietung, zu VcreinSjesllichkeitcn. jetzt. 51392* Verwalter Meysel. Pankstrafie 25 II. O Mir hat's geholfen! O VkrtiiigMmer und Kksklbahnkn sind noch einige Tage in der Woche zu vergeben. 5270L* Hochachtungsvoll Conls Keller, Koppettstr. 39. 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Dem Andenken Ferdinand LafsalleS waren vier Volks- Versammlungen gewidmet, welche die Vertrauensleute des sechsten Wahlkreises zum 31. August in den verschiedenen Stadt- bezirken einberufen hatten. Ferdinand Lassalle und die Entwicklung der deutschen Socialdemokratie lautete das Thema in allen Ver- sammlungen. Im.Moabiter Gesellschaftshause'', Alt-Moabit, hatte der Genosse Fr. Zubeil das Referat übernommen. Die Ver- sammkung war austerordentlich gut besucht. Vor Eintritt in die Tages- ordnung wurde von den Gesangvereinen Freier Männerchor Nord-West und Vereinte Sangesbrüder Moabit das Lied„Hoch Ferdinand Lassalle" zum Vortrage gebracht. In einem l�stündigeil Vortrage schilderte der Referent dann in grasten Zügen die Verdienste Ferdinand Lassallcs um die Arbeiterklasse. Ihm sei es in erster Linie zu danken, daß die Arbeiter sich loslösten von der alten Fortschrittspartei und sich dadurch zu der Macht und Stärke entwickelten, welche heute durch die socialdemokratische Partei repräsentiert wird. Er zeigte ferner, wie Lassalle es gewesen, der die Arbeiter aufforderte, sich die politische Macht zu erobern. Aber auch der andern Toten gedachte der Referent in seinen Ausführungen; viele schwere Ver- luste hat die Partei im Laufe der Jahre zu verzeichnen und den schwersten erst in den letzten Wochen durch den Tod ihres un- erschrockenen Vorkämpfers W. Liebknecht. Aufgabe der Genossinnen und Genossen wird es sein, die Lücke, die in unfern Reihen gerissen. durch verdoppelte Thätigkeit für die Partei wieder auszugleichen. Lebhafter Beifall lohnte den Redner. Nachdem die Gesangvereine noch die Lieder„Festgesang" und„Freiheit" vorgetragen hatten. schlost der Borsitzende Genosse Pfarr mit einem begeistert auf- genommenen Hoch auf die intemationale Socialdemokratie die imposante Versammlung. Im Swinemünder Gesellschaftshause war der Saal von Versammlungsbesuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Einleitend trug der Gesangverein„Nord" zwei Lieder vor. woraus der Vorsitzende Leid dem bisherigen Vertreter des 6. Kreises. Genossen Liebknecht, einen tiefempfundenen Nachruf widmete. Das Referat hatte hier Frau E. Ihrer übernommen, die eingehend darlegte, was Ferdinand Lassalle den Arbeitem war und ist. Sie erörterte sodann die Entwickelung der deutschen Socialdemokratie und erinnerte hierbei an' die schweren Kämpfe, welche die Arbeiterbewegung durchzumachen hatte, sich aber trotzdem von einer verachteten zu einer Achtung gebietenden Partei entwickelte. Das Gedächtnis des ver- storbenen Vorkämpfers zu würdigen, so führte die Referentin unter stürmischem Beifall der Versammelten aus, heiste: an der Entwick- lung mitarbeiten, jeden Proletarier an die Aufgabe seiner Klasse zu mahnen, geistige Waffen zu sammeln ohne Rast bis ans Ziel. Nachdem noch ein Gedicht von Heuckell„Ferdinand Lassalle" vor- getragen war, schlost die würdig und schön verlaufene Feier mit nochmaligem Gesang und einem brausenden Hoch auf die inter- nationale Socialdemokratie. In Mierkes Volksgarten in der Schönhauser Allee sprach Genosse R o s e n o w vor einer grasten Besuchermenge, die den grosten Saal gefüllt hatte. Die Versammlung wurde vom Genossen Wünsch geleitet. Zu Beginn sang ein Männerchor mehrere stimmungsvolle Lieder, welche die Versammelten mit grostcm Beifall entgegen nahmen. Darauf schilderte der Referent Leben und Wirken Lassalles, wobei er namentlich auch Inhalt und Wirkung des „Offenen Antwortschreibens", Lassalles Verdienste um das allgemeine Wahlrecht und die politische Organisation zutreffend hervorhob. Der anderthalbstündige Vortrag fand lebhaften Beifall, worauf, nachdem noch ein Lied des Männerchores verklungen war, die imposante und so schön verlaufene Versammlung mit einem begeisternden Hoch auf die Partei geschlossen wurde.— Die Laffalle-Feier im Kolberger Salon erfreute sich des zahlreichen Besuchs der Parteigenossinnen und Parteigenossen. Nach- dem der Gesangverein„Maiglöckchen" in stimmungsvoller Weise wei dem Charakter der Feier angemessene Gesänge vorgetragen atte, wofür er den lebhaftesten Beifall der Versammlung erntete, erhielt Genosse S t r ö b e l das Wort zu seinem Vortrag über das Thema.Ferdinand Lassalle und die Eni- Wickelung der deutschen Socialdemokratie." In l�/sstiindiger Rede gab der Referent ein Bild der fesselnden, impo- nierenden Persönlichkeit und des außerordentlichen politischen Wirkens des grasten Agitators. Als der Redner nunmehr in einem kurzen Abriß die ruhmreichen, erfolggekrönten Fortichntte der Partei anfeuernd betonte, daß zwar Gewaltiges schon erreicht sei, daß jedoch der schwerste Teil des Kampfes erst noch gekämpft werden müßte, um an die Stelle des kapitalistischen Staates die socialistische Gesellschaftsordnung zu setzen, erhob sich plötzlich zum all- gemeinen Erstaunen aller der überwachende Polizeilieutenant, um vom Vorsitzenden Genossen Ernst zu verlangen, dast er dem Reder ver- biete, in der bisherigen Weise fortzufahren. Genosse Ernst sah sich natürlich nicht veranlaßt, diesem sonderbaren Wunsche zu willfahren, und Genosse Ströbel wies das total unbegründete Verlangen sogleich unter donnenidem Beifall mit ironischer Schärfe zurück. Seine Aus- führungen hätten sich strengstens innerhalb der Grenze selbst der preußischen Redefreiheit gehalten. Oder ob der Beamte vielleicht geglaubt habe, der Begriff„Kampf", den er mehrfach angewendet. bedeute den Kampf mit Mistgabeln und Dreschflegeln? Das wäre ein betrübendes Zeichen für das Verständnis, mit dem der Beamte seinen Ausführungen gefolgt sei. Er habe es mit Socialdemokraten zu thun, die den Kampf mit geistigen Waffen führten, nicht, wie er vielleicht irrtümlicherweise angenommen habe, mit staatserhaltenden Agrariern, die ja erst jetzt wieder zum Kampf mit Knüppeln aus- gefordert hätten, oder dem Dreschgrafen Pückler. Mit der Auf- sorderung, mit der Begeisterung und der Thatkrast LassalleS für die heilige Sache des SocialismuS zu kämpfen, schließt Redner unter stürmischem Beifall. Nachdem der Gesangverein„Maiglöckchen" aber« mals in vollendeter Weise zwei Lieder gesungen, erfolgte mit einem dreifachen Hoch auf die Socialdemokrane, in das die Versammelten enthusiastisch einstimmten, Schluß der prächtig gelungenen Fest« Versammlung. Samariter-KurfuS für Arbeiter und Arbeiterinnen. Morgen, Montag, abends 9 Uhr, letzte Uebungsstunde in der Centrale, Dresdenerstr. 45. Vortrag über Krankenpflege. Anmeldungm zum Winterkursus könne» schon dort geschehen. Müller und Mühlenarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 2. September, nachmittags 3 Uhr, Versammlung im Lokal von Noacf, Manteuffelstr, 9. Tagesordnung: Wie stellen sich die Berliner Müller und ivtühlenarbeiter zum Centralverband der Mühlenarbeiter Deutschlands? Referent: Kollege Bartels- Lübeck, Vorsitzender deS BervandsauS>schuffeS, Der Einberufet. i\ Die Preise sind streng fest, sehr billig and in Zahlen an de» Tfaaren geieichnet » Die 19� Preisliste 1900 (Auflag. 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Der Mandarin von Tstng-Iing- twg. Ansang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Specialitäten-Borstellung. Benus auf Erden. Ansang 'V, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichshallen. Stettiner Tanger. Ansang 7 Uhr. Passage> Panoptikum. Specialt- täten-Vorstellung. Urania. Juvalideustr. 67/««. Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. Taubenstr. 48/49. AbendS 8 Uhr (im Tbeatersaal): Eine Wanderung durch die Pariser Welt- auSftellung. Montag: Dieselbe Vorstellung. ■■ CASTANS"" PANOPTICÜM Neu! Graf Waldersee in der Tropen-Uniform. Kampf eines deutschen Seesoldaten mit Boxern bei Tlcntsln! Die sensationellen lebenden Photographien: Russische Nationale Streichkapella. roDol-Iiifiater. Zum 2. Male: Der Mandarin von Tsing-llng-ting. Eduard Steinberger als Gast. Borher: Bianca& Desroche. La ßharmeroy. Rudinoff. Sisters Denbar. Les 3 Keziahs. Woodsou. Anfang Vj8 Uhr. Rauchen überall gestattet. SchillttAitDter tWallner-Theaier). 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Ströbel in Berlin. Für dm Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke tu Berlin. Druck und Berlag von Mar Babing in Berlin. pt. 204, 17. läürpi?. 3. Ktjlllge des„Dmärtg" Sttlim Mldsllllltt. 2 StMdn isoo Soetsle Vechtspflegv. Unfall beim Maikäferfammeln als Betriebsunfall. Zur Flugzeit der Maikäfer werden in Westpreutzcn, wie auch in andern Gegenden, vom ForstfiZkns jedem, der sie bringt, für den' Liter Maikäfer 30 Pfennig gezahlt. Der 12 jährige Schulknabe Pähl war beim allgemeinen Maikäfersammeln im Regierungsbezirk Marienwerder von einem Bannr gefallen und hatte sich nicht unerheblich verletzt. Sein Vater nwchte dem- nächst für ihn einen Anspruch auf Unfallreutc geltend, wurde aber vom preußischen Forstfiskus, vertreten durch die Regierung zu Marien- iverder, abgewiesen. Das Schiedsgericht als Berufungsinstanz wies ihn ebenfalls ab. indem es ausführte, der verletzte Junge habe offenbar nur zu seinem großen Vergnügen Maikäfer gesammelt und Bäume erstiegen. Der Vater legte Rekurs ein und das Reichs-Versicherungsamt erhob darauf Beiveis. Es wurde festgestellt, daß gewisse Wn'lddörfer an den Hauptflngtagen der Maikäfer, auf die behördlicherseits aufmerksam gemacht wird, ziemlich entvölkert sind. Sllles geht auf die Maikäfersuche, besonders aber die Schuljugend, denn die Schulen werden dann auf Veranlassung der Schulabteilung der Regierung geschlossen. Die Bevölkerung kennt die Flngjahre schon und harrt der behördlichen Bekannt- machungen. 189S haben einzelne Familien an einigen hervor- ragenden Fangtagen Verdienste bis zu 8 M. erzielt. Es lvird von den Forstbeamten gestattet, daß Jungen die Bäume besteigen, um die Käfer herunter zu schütteln, die dann von den übrigen Familienmitgliedern aufgesammelt werden. Ein Oberförster bekundete, daß die" Aufforderung zum Sammeln der Käfer im forstfiskalischen Interesse ergangen sei. Das ReichS-Versichernngsamt gab dem Rekurse statt und verurteilte den Forstfiskus zur Renten- gewährung. Es wurde begründend ausgeführt: Das Gericht nehme keinen Anstand, den zwölfjährigen Schnlknaben im vorliegenden Falle als Arbeiter anzusehen. Und zwar müsse angenommen werden, daß der Knabe Pähl als Arbeiter in den Betrieb des Forstfiskus eingetreten gelvesen sei. Hierfür spreche insbesondere der Schluß der Schulen auf Anordnung der Re- gierung, die auf Veranlassung der Regierung den Kindern gelvordene Anleitung, wann und wie die Tiere am besten gefangen würden, sowie die Mutmaßung, daß die Forstverwaltung eine gewisse Aufsicht und Kontrolle geübt habe. Da nun der Junge bei einer dem Betriebe des ForstfiökuS dienenden Thätigkeit, der Be- seitigung der Waldschädlinge, verunglückt sei, stehe ihm die Unfall- reute zu._ Eingegangene Drnckschrifte». Die„Social istischen Monatshefte�(Administration: Berlin W., Gleditschstr. 2Z) haben soeben dasSeptember-Heft ihres 6. Jahrgangs erscheinen lassen. Dasselbe bringt ein hochinteressantes Portrait von Wilhelm Liebknecht, das ihn alS Freischärler deS badischen Anf- standS darstellt, nach einem alten Oelgemälde aus dem Jahre 1849. Im übrigen ist daS Heft zum grü&ten Teil den BerhandlungSgegenständen des Mainzer Parteitags und des Pariser internationale» Kongresses gewidmet, die in einer Reihe von Artikeln behandelt werden. Wir heben aus dem Inhalt hervor: Dr. Eduard David: Parteitag und internationaler Kongreß.— Cnrt Eisner: Liebknechts Erbe.— Dr. Conrad Schmidt: Sodalismus und Ethik.— Wolfgang Heine: Zur Abänderung des Organisationsstatuts der socialdemokratt- schen Partei.— Jgnaz Auer: Zur Wahlbeteiligung in Preußen.— Max Schtppel: Die Handels- und Wlrtschastspolitik und die Arbeiter. — Eduard Bernstein: Der Sodalismus und die Kolonialsrage.— Paul Göhre: Weltfrieden, Militarismus und stehendes Heer.— Paul K a m p s f m e y e r: Es bleibt bei der Expropriation!— OttoLang: Allgemeines Wahlrecht und direkte Gesetzgebung durch das Volk.— Richard Calwer: Kartelle und Trusts.— Carl Legten: Maximal- arbeitstag und Miuimallohn.— Dr. Ladislaus Gumplowicz: Kommunal-Socialismus.— Dr. Max Quarck:„Probleme" der Gewer-7. schaftsbewegung.— Wilhelm Bölsche: Kreuziget den Naturalismus! — Selm« Lagerlös: Brüder.— Rundschau(Kommunale Social- Politik.— Gewerkschaftsbewegung.— Genossenschastsbewegung.— Natur- Wissenschaft und Technik.— Architektonische Zeitbetrachtunzen.— Professor Drehers Grundlagen der exakten Naturwissenschaft.— Moritz von Egidy. — Phantasien eines Realisten.— Kapitalismus und Selbstmord.— Religion und Sodalismus.)— Der Preis des Heftes beträgt b0 Pfennig; pro Quartal 1,50 M. Zu bezichen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und Postanstalten(Post-Zeiwngs-Katalog Nr. 7217), sowie direkt durch die Expedition Gleditschstr. 23, Berlin W. 30.(Zusendung in offenem oder geschlossenem Couvcrt.) Probe-Heste aus Verlangen gratis und franco durch-die Expeditton. Vemitevn Sie die günstige Gelegenheit zum Einkauf. Passende Einsegnungsgeschenke. Infolge des geringen diesjährigen Exports, wegen der ansländischen ernsten Compliottionen haben sich gäUZ 61301*1116 Waaren-Vorräthe angehäuft. Um annähernden Absatz dafür zu finden, haben wir beschlossen, für die meisten Artikel folgende XlabattsStze festzusetzen, welche unter Berufung anf diese Offerte bis auf weiteres gewährt werden. 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