Nr. 242. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Wierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mir illuftrierter Sonntagss Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PontAbonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Poft Beitungs Preisliste für 1900 unter Mr. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. 1 Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an GSonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Kernsprecher: Rmt I, Mr. 1508. Telegramm Adresse: ,, Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Mittwoch, den 17. Oktober 1900. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. nachmittags zusichern soll; denn§ 6 derselben Be- erklärung des Mandats des Herrn v. Löbell, der in seiner Die Durchführung der Arbeiterschutz- ſtimmungen hebe diese Bergünstigung wieder auf, indem er Person eine der unangenehmsten Mischungen von LandratsGesetze in Preußen. III. Die Buchdruckerei- Verordnung fönnte auch besser durchgeführt werden. Ueber die Nichtbeachtung der betreffenden Bestimmungen heißt es im Bericht aus Potsdam: Ueber die im§ 4 Abs. 1 und 2 festgesette Zeit Konservativismus und Junkertum repräsentiert, die im Reichsdürfen Arbeiterinnen über 16 Jahren an 60 Tagen im Jahre tag aufzuweisen ist. beschäftigt werden." Es könnte also ein Unternehmer seine Arbeiterinnen an allen 52 Sonnabenden im Jahre 13 Stunden meistens üblich sei. bis 10 Uhr abends beschäftigen, wie es in Danzig leider auch Sehr wenige Konfektions- Werkstätten scheinen von den Aufsichtsbeamten aufgesucht zu werden, was sich aus mehr fach angeführten Gründen erklärt, aber im Juteresse der des Schutzes am meisten bedürftigen Arbeiter außerordentlich zu bedauern ist. Schluß. vorwiegend handelte es sich um mangelhafte Be schaffenheit der Setzerpulte sowie unzureichende Säuberung der Fußböden...." Der Gewerberat für Posen hielt beim Besuch von Buchdruckereien vielfach Erinnerungen und Eingriffe in Bezug auf Reinlichkeit für erforderlich. Die Revision der Buchdruckereien im Regierungsbezirk Arnsberg ergab Das Ergebnis eines genauen Studiums des letzten Jahresmehrfach Verstöße. Vielfach fehlte es an ordentlichen Wasch- berichts der preußischen Regierungs- und Gewerberäte ist, borrichtungen und Kleiderablagen, oft entsprachen auch daß das Vertrauen der Arbeiter in die Gewerbe- AufsichtsFußböden, Wände und Decken sowie die Reinhaltung beamten nicht gewachsen ist, daß die Durchführung der der Räume den Bestimmungen der Bundesrats- Ver- Arbeiterschutzbestimmungen gegen das Vorjahr keine Fortordnung nicht. In einer In einer Druckerei im Regierungsbezirk schritte gemacht hat, daß eine auch nur einigermaßen geKoblenz diente der Sehraum gleichzeitig als Schlafraum für nügende Kontrolle, inwieweit den verschiedenen Bundesratseinen Gehilfen. Im allgemeinen scheint aber die Buchdruckerei Verordnungen nachgelebt wird, unmöglich ist, da die verordnung besser durchgeführt zu werden, wie die Bäckerei Aufsichtsbeamten schon jetzt sehr überlastet sind. verordnung, was zum nicht geringsten Teil wohl auf die An reichlichem Stoff zur Kritik der Durchführung der ausgebildetere Organisation der Arbeiter im Buchdrucker- Arbeiterschutzbestimmungen wird es in der nächsten Reichstagsberufe zurückzuführen sein dürfte. session nicht fehlen. Trotz der Milzbrand- Verordnung tamen Fälle fürchterlicher Milzbranderkrankungen noch immer Unruhen in Süd- China bor, ja trotz aller Versicherung der Agrarier über die größere werden jetzt Tag für Tag in grellen Farben angekündigt. Der Gesundheit unfres Viehbestands ist auch durch Bearbeitung Zweck der Alarmnachrichten ist durchsichtig: Man will beweisen, daß von Haaren und Häuten reichsdeutscher Tiere Milzbrand auf Graf Waldersee doch noch eine Mission habe. die Arbeiter übertragen worden. So schreibt der Gewerberat Daß die europäische Politit geeignet ist, die Gärung des für den Regierungsbezirk Frankfurt a. D., der über 18 chinesischen Volts zu steigern, daran ist kein Zweifel. Nur dürfte in den Jahren 1898 und 1899 in Kirchhain vorgekommene der entscheidende Aufstand nicht jetzt und auch nicht in der nächsten Milzbrandfälle zu berichten hat, daß Beweise vor Bukunft losbrechen, sondern erst dann, wenn man es für möglich liegen, daß auch Häute inländischer, an Milzbrand halten wird, mit den fremden Eroberern endgültig und gründlich gefallener Schafe in den Handel kommen. Man er abzurechnen. sieht hieraus, daß auch unsre in der Zollpolitik eine so große Rolle spielende Veterinärpolizei nicht über alle Zweifel erhaben ist. # Will man wirklich friedliche Verhältnisse in China, dann muß man die kriegerischen Operationen einstellen und die Truppen zurückziehen. China ist tein Land, das sich der völkerrechtswidrigen blutigen paraden der Weltpolitik auf die Dauer gefallen lassen wird. Die Flucht des Kaisers. * In einem Betriebe des Regierungsbezirks Breslau, in dem kurz vor dem Erlaß der Bundesrats Verordnung ein schwerer Milzbrandfall vorgekommen war, kostete es den Aufsichtsbeamten sehr viel Mühe, die neuen Vorschriften Nach einem Telegramm der Frankfurter Beitung" aus Shanghai durchzuführen und den Unternehmer zum Gebrauch eines ist Kaiser Kwangfü in Singanfu eingetroffen. Dampf- Desinfektionsapparats zu bewegen. In den BürstenAngebliche Unrnhen. machereien des gleichen Regierungsbezirks wurden stark mit Die Times" melden aus Hongkong vom 15. d. M.: Die Milzbrandsporen inficierte Schweinsborsten gefunden und fest- chinesischen Behörden sind anscheinend nicht in der Lage, den gestellt, daß Borsten in dem Backofen(!) einer benachbarten Aufständischen die Spitze zu bieten, obwohl gemeldet wird, daß Bäckerei(!!) getrocknet wurden. 10 000 Mann aus den Bogueforts von Kanton zum Gefecht mit ben Empörern ausgerückt sind. Die Erhebung scheint den Zweck zu verfolgen, die Reformer zu unterstützen, welche die Mandschus stürzen wollen. Gewaltthätige Räubereien nehmen in Kanton überhand. Die Lage ist Besorgnis erregend. Leider scheinen trotz der großen Milzbrandgefahr mancherorts Erleichterungen bei der Durchführung der Verordnung des Bundesrats gewährt worden zu sein, die sich umsoweniger recht fertigen, als der Beweis geliefert erscheint, daß selbst bei strenger Durchführung der Verordnung die Arbeiter der Roßhaarspinnereien, Gerbereien, Pinsel- und Bürstenfabriken gegen diese schwere Gefahr für ihr Leben und ihre Gesundheit nicht genügend ge- gesellschaft, veröffentlicht in seiner letzten Ausgabe eine Unterredung schützt sind. Ein chinesischer Gesandter über China. Concord", das Journal der internationalen Friedensseines Redacteurs mit dem chinesischen Gesandten bei der englischen Regierung. Der Gesandte bestätigt alles das, was seither von wirk Ob die Bekanntmachung vom 26. April 1899 betreffend lichen China- und Chinesenkennern, wie Herrn v. Brand und die Minimalruhezeit in Getreidemühlen überall eingehalten andern, über Land und Leute des himmlischen Reichs gesagt wird, ist, wie der Gewerberat für Ostpreußen meint, für die worden ist. Minimalruhezeit in Getreidemühlen. Aufsichtsbeamten schwer festzustellen, weil sie nicht häufig Die Ursachen des Aufruhrs sieht auch Chib Chen Lo Fang genug die sehr weit zerstreut liegenden Mühlen zu Gesicht uh in erster Linie in dem Auftreten der Missionare, die sich nicht bekommen. Mehrmals wurde in Windmühlen dieser darauf beschränken, ihre Lehren zu predigen, sondern sich in alle Proving getlagt, daß nicht selten Arbeitsperioden vor- möglichen Dinge mischen. Der Wahlkreis gehört zum alten fortschrittlich- freisinnigen Besitzstand. 1871-1878 war er durch einen Fortschrittsmann vertreten, 1878 kam dann ein Konservativer durch, 1881-1893 wurden Freisinnige verschiedener Färbung gewählt, nach einem nationalliberalen Juterregnum( 1893-96) wurde Genosse Peus der Abgeordnete des Kreises. Der diesmalige Wahlkampf wird von den Konservativen mit den elendesten Mitteln geführt. Ihre Flugblätter und Reden wimmeln von groben Beleidigungen der Socialdemokratie, denen es unmöglich gemacht wird, auf dem Lande Versammlungen abzuhalten. Dennoch bleibt es dem„ platten Landrundreisenden" Herrn v. Löbell nicht erspart, in seinen Geheimberhandlungen an die Existenz der Socialdemokraten erinnert zu werden. Genosse Hoffmann- Berlin unterzieht sich dieser schönen Aufgabe mit großer Ausdauer. Und es entspinnt sich in jeder Versammlung ungefähr folgende Scene, die wir in der„ Brandenb. Ztg." wiedergegeben finden: ,, Wünscht jemand das Wort?" fragt der Vorsitzende, mit dem Herr v. Löbell gar nicht zufrieden zu sein scheint. Hoffmann- Berlin:„ Darf ich bitten?"( Nun muß Herr v. Löbell das schwere Amt des Souffleurs übernehmen.) Vorsigender: Wo sind Sie her?" Berlin." " Ja, dann haben Sie hier nichts zu reden!" Herr v. Löbell mußte sich nun gefallen lassen, daß Hoffmann des Herrn eigne Worte benugt, und mit Hinweis auf die Angriffe gegen die Socialdemokratie sagte: " Was hier über meine Partei gesagt ist, sind absolute Unwahrheiten! Auf diese Weise werden Sie feine Geschäfte machen. Wenn Sie meine Partei, so wie es hier geschehen, angreifen und dann nicht das Wort gestatten, so ist das nicht würdig eines anständigen Menschen, mit solchen Mitteln zu fämpfen!" Herr v. Löbe II( erregt):" Seit Tagen wiederholt sich nun diese Scene, Sie reisen mir fortwährend nach." Hoffmann:„ Um Ihre unwahren Behauptungen festzunageln." Herr v. Löbelt:„ Sie sollen hier schweigen." Hoffmann:„ Damit Sie immer recht behalten." b. Löbell:„ Halten Sie doch selbst Versammlungen ab." Hoffmann: Sie haben ja als Landrat mit dafür gesorgt, daß uns das auf dem Lande unmöglich ist." v. Loebell( wütend): Mit Ihnen diskutiere ich nicht! Jch diskutiere überhaupt nicht mit Ihnen." Borsigender zu Hoffmann:„ Wenn Sie nicht schweigen, weise ich Sie hinaus!" Hoffmann:„ Dann behalten Sie recht." Genosse Schnelle- Brandenburg:" Ich bitte ums Wort!" Vorsißender: Wo sind Sie her?" " Schnelle:„ Brandenburg." Dann bekommen Sie nicht das Wort, Sie können es in Brandenburg verlangen, wenn Herr v. Löbell dorthin kommt!" Schnelle:" Da erhalten wir's ja auch nicht." Vorsitzender:" Das ist ganz egal, Sie haben zu schweigen, oder ich weise Sie hinaus." Schnelle:„ Das ist unerhört." Vorsitzender: Jch fordere die beiden Herren auf, das Lokal zu verlassen!" Hoffmann:„ Weil Herr v. Löbell seine Behauptungen nicht vertreten tann: am 18. Ottober erhalten Sie die Antwort!" Einige Dorf- Herrengrößen brüllen: Raus, haut fie!" Ein sehr beleibter Herr fuchtelte mit einem Bierglas in der Luft herum und drohte dem Genossen Hoffmann den Schädel zu spalten. Hoffmann:" Regen Sie sich nicht auf, dicke Menschen sterben bei großer Aufregung leicht am Herz= schlag!" Die Umgebung lacht, der mutige Patriot läßt sein Glas sinken. Als die unbequemten Frager aus dem Saal find, meldet fich ein Wähler aus dem Orte zum Wort, der dem Herrn v. Löbell Tagte:„ Wenn Sie teine Gegenprobe stattfinden lassen, können wir nicht für Herrn v. Löbell stimmen, wir wollen uns orientieren und wünschen Gegenprobe!" Man weiß ganz genau, daß der Mann „ Gegenrede" meint, suchte ihn aber verwirrt zu machen und macht ihn schließlich lächerlich und erklärt, man wisse nicht, was der Mann wolle. nur noch schlimmer. So wurden in Wachow die socialAehnlich geht es in den andren ländlichen Versammlungen demokratischen Genossen von den Getreuen Löbells nicht nur mit den üblichen Rufen„ Raus" und" Haut sie" regaliert, Lausejungen, Lausebengel, sondern man schimpfte auch Schnauze halten usw. tommen, in denen die Müller in 24 Stunden Der Gesandte erläutert sodann, daß es in China eine fremdennicht zur Ruhe kommen. Der Gewerbe- Inspektor in Danzig feindliche und eine fremdenfreundliche Partei giebt. Er fügte hinzu, bezeichnet es mit Recht als einen Mangel, daß die Sonntags- daß es vor allem die Mandarinen sind, welche im Gegensatz zu dem ruhebestimmungen des Bundesrats vom 26. April 1899 nur größten Teil des Bolts gegen die Fremden und gegen moderne den in Dampfbetrieben beschäftigten Arbeitern eine 10stündige Einrichtungen sich wenden. Diese lettere Richtung hätten die Sonntagsruhe sichern. In seiner Inspektion giebt es große Europäer stüßen müssen, anstatt es mit der rückständigen Mandschu- zu, Wassermühlen, welchen eine so große Menge Wasser zur Ver- partei und den Beamten zu halten. fügung steht, daß in ihnen ebenso gleichmäßig gemahlen wird Dem Gerede von der erstarrten Kultur" Chinas trat als in den Dampfmühlen. Zwei Mühlenbefizer wurden er mit Entschiedenheit entgegen. Es giebt, so versicherte er, eine Menge δα bestraft, weil sie ihre Arbeiter an fast allen moderner chinesischer Litteratur.„ Heutzutage reisen viele Europäer nach Sonntagen des Jahres beschäftigt hatten. Die fleineren China, aber sie nehmen sich nicht die Mühe, unsre Institutionen und Mühlen im Regierungsbezirke Breslau beachten die Ver- unsre Litteratur zu studieren. Die Herren in Shanghai wissen nicht, ordnung noch wenig, ähnliche Klagen kommen aus dem Re- daß Jahr um Jahr Bücher, Dichtungen, Eſſays in Menge er gierungsbezirke Oppeln. Es heißt da, daß in den Kleinsten scheinen, sie glauben, daß wir uns noch immer in den Ideengängen Mühlen die Arbeitszeit am längsten währt und daß man in von vor 2000 Jahren bewegen. den fleinsten Mühlen das Arbeitspersonal systematisch verringert, was natürlich die Durchführung der BundesratsVerordnung nicht fördert. Die Konfektions- Verordnung Politische Webericht. Berlin, den 16. Oktober. Die Brandenburger Wahl. Wahlagitatoren auf; nicht etwa, daß sie Herrn v. Löbell ins Auch die Herren Pastoren treten auf der Kanzel als Kirchengebet aufnehmen und um glückliche Entbindung von feinem Mandat flehen, sondern sie predigen zu seinen Gunsten. Im Kirchenzettel des" Brandenburger Anzeiger" findet sich, wie wir der Boltsztg." entnehmen, die folgende Notiz: " Fohrde. Vorm. 10 Uhr P. Wagner.( Predigt- Text 2. Chron. 20,20! Glaubet an den Herrn, euren Gott, so werdet ihr sicher sein, und glaubet seinen Propheten, so werdet ihr Glück haben" mit Bezugnahme auf die bevorstehende Wahl eines Reichstags- Abgeordneten.) Daß Herr v. Löbell trotz seiner anscheinend nicht jüdischen in ihrer Durchführung zu kontrollieren ist nach Meinung des Gewerberats für Westpreußen noch schwieriger, wie bei der An diesem Donnerstag findet die Reichstags- Wahl im Bäckerei- Verordnung, weil an 60 Tagen ohne weiteres Ueber- Streise West- Havelland statt. Der Wahlkreis ist in der Nacharbeit bis zu 13 Stunden erlaubt ist, und nur die Bedingung wahl 1896 im zweiten Gang mit 9720 gegen 9685 tonser- Abstammung unter die Propheten Gottes aufgenommen der Eintragung in das Ueberarbeitsbuch gestellt wurde. Voll- vative Stimmen zum erstenmale von der Socialdemokratie worden ist, muß sein vermutlich antisemitisches Gemüt start ständig illusorisch aber werde, so führt der Gewerbe- Inspektor erobert worden. Leider ging der Kreis 1898 in der kränken. Die Socialdemokratie aber wird trotz dieser sondervon Danzig aus, der Absatz 2 des§ 4 der Bestimmungen, Stichwahl wieder verloren; unser Kandidat unterlag mit baren Heiligung des Herrn v. Löbell dafür zu sorgen bemüht welcher den Arbeiterinnen an den Sonnabenden mur 10 542 gegen 10 708 tonservativen Stimmen. Die Beschränkung der sein, daß dieser Prophet in seinem Vaterland eine zehnstündige Arbeitszeit bis höchstens 5 Uhr Deffentlichkeit bei der Wahlhandlung führte zur Ungültigkeits- nichts gilt. Verbrecherische Ausbeutung. Die Skrupellosigkeit des Ausbeutertums, das sich nicht scheut, mit allen Mitteln unter falschen Vorspiegelungen Arbeiter nach Deutschland zu locken, hat zu einem blutigen Verbrechen geführt, über das unser Lübecker Partei-Organ wie folgt berichtet: Auf der Jutefabrik in S ch i f f b e ck haben etwa 20 gewissenlose Agenten aus Deutsch- Böhmen herangelockte Weber und Weberinnen die Arbeit niedergelegt, weil sie bei dem Hunger» lohne von 7—8 Marl wöchentlich nicht ihr Dasein fristen konnten. Bon der Fabrikleitung wurden die Leute auf da» schnödeste behandelt, und da? Gewerkschaftskartell mußte durch ein» Geld- spende die Bedauernswerten, welche dem östreichischen Textil- arbeiterverbande angehören, vor dem Aergsten zu schützen suchen. Bedauerlicherweise haben die Differenzen zu einer scheußlichen Blutthat geführt. Am Freitagabend, als die Fabrikpfeife Feierabend ankündete, begaben sich drei Oestreicher auf den zur Fabrik führenden Fußsteig, um dem Agenten K r u m p, der sie nach hier gelockt und der jetzt als Bor» richter auf der Fabrik thätig ist, feine Schlechtigkeit vor Augen zu führen. Wir folgen im weiteren der Darstellung, wie sie vor dem Amtsvorsteher zu Protokoll gegeben wurde. Die drei Oestreicher riefen ihrem früheren Landsmann und jetzigen Borrichter K r u m p zu: Wir wollen uns verabschieden und uns dafür bedanke», daß Du uns nach Deutschland hin- eiugeschwindelt hast. Krump: Ihr seid zu dumm, weshalb laßt Ihr Euch beschwindeln. Mit den Worten: Was Ihr wollt, das weiß ich. zog Krump ein Messer aus der Tasche. Der eine Oestreicher erhob seinen Stock und versetzte dem Krump einen Schlag, weil er glaubte, daß dieser zustechen werde. In dem- selben Augenblick bohrte ihm Krump daS Mrffer in die Brust. Die beiden Oestreicher sprangen hinzu und wollten dem Krump daS Messer cutreißen. Dieser st ach blindlings mit der Mordwaffe umher und verletzte den einen Oestreicher an der Schulter, während dem andern durch Messet st iche der Rock zerfetzt wurde. Inzwischen war der verwundete Arbeiter zu Boden gesunken, ein dicker Blut ström entquoll seiner Brust. Seine beiden Kollegen hoben den Bewußtlosen auf die Schulter und trugen ihn fort. Die Ortsbehörde wurde sofort hier- von in Kenntnis gesetzt. Der hinzugezogene Arzt stellte fest, daß die Messerklinge sechs Centimeter tief in die Lunge eingedrungen ist. Nach Aussage des Arztes ist die Verletzung tödlich. Weil der Verletzte nicht transportfähig ist, konnte er nicht dem Krankeuhause zugeführt werden. Die beiden Oestreicher wurden vom Amtsvorsteher ersucht, nicht nach der Heimat abzufahren, da er sie als Zeugen zur Hand haben müsse. Die andre» Oestreicher sind bereits auf dem Wege zur Heimat. Während die Scharfmacher jede einzige Ausschreitung eines Arbeiters zum Vorwand nehmen, um nach Zuchthausvorlagen zu schreien, fällt es ihnen nicht ein, zu fordern, daß dem entsetzlichen Menschenhandel mit Gesetzen entgegen zu treten sei, der mit aus- ländischen billigen Arbeitskräften getrieben wird. Der unmittelbar Schuldige, der die fremden Arbeiter unter lügenhaften Versprechungen dem Unternehmer in die Arme geführt hat, hat in der Erregung seines schlechten Gewiffens sich bis zum Totschlag hinreißen lassen. Schuldiger aber als er sind seine Auf- traggeber, die gegen die heimischen Arbeiter willen- und wehrlose Lohndrücker aus dem Ausland unter schwindelhaften Vorspiegelungen importieren. Aeutsches Zieich. Höfische Mysterien. In dem MajestätsbeleidigungS-Prozeß gegen Maximilian Harden, welcher am 8. d. M. unter Ausschluß der Oeffeutlichkeit stattfand, ist, wie ein Eingeweihter in östreichischen Blättern erzählt, manches gesagt worden, das Juteresse hat. Von Bedeutung sind die Zeugenaussagen Dr. Schweningers, des Leibarztes Bismarcks. Von den Fragen seien folgende mit- geteilt: Frage:„Ist eS wahr, daß ein Mitglied deS KaiserhanscS dem Geheimrat Schweninger gegenüber feine Anerkennung über den unter Anklage gestellten Artikel HardenS in der„Zu- kunft" ausgesprochen und daß dieses Mitglied des Kaiserhauses gesagt hat, es sei wünschenswert, daß der Kaiser den Artikel zu lesen bekomme?— Schweninger: „3a." Frage:.Ist eS wahr, daß dieses Mitglied des Kaiser- hauseS, deffen Name nicht genannt werde» soll, denselben Vater und dieselbe Mutter hat, wie der Kaiser 1"— Schweuuinger: „Ja." Frage:„Ist es wahr, daß Fürst Bismarck den Angeklagten Harden einen guten Rohalisten genannt hat?"— Schweninger: «Ja.' Er fügt hinzu, daß Fürst Bismarck die freimütige Kritik, die der Angeklagte zu üben pflege, gerade vom Standpunkt eines guten Royalismus gebilligt habe. Frage:„Ist es wahr, daß Fürst Bismarck die Flasche SteinbergerKabinett, die ihm der Kaiser geschickt hatte, mit dem Angeklagten ausgetrunken hat?' — Schweninger:„Ja." Frage:„Ist es wahr, daß Fürst Bismarck bei dieser Gele«»» heit zu dem Angeklagten gesagt habe:„Ich weiß, Sie meincßföjfE mit dem Kaiser ebensogut wie ich?"— Schweninger:„Ja."�� Frage:„Ist es wahr, daß sich der Vorgang in folgender Weise zugetragen hat: Fürst Bismarck, Herbert Bismarck. Schweninger und Harden saßen an der Tafel des Fürsten. Der Fürst sagte zu Harden:„Es ist eigentlich das erste Mal, daß Sie hier mit Herbert zusammen sind. DaS sollte doch besonders gefeiert werden." Darauf wandte sich der Fürst zum Diener und gab Befehl, die Flasche Steinberger Kabinett hereinzubringen. War dies der Her- gang?"— Schweninger:„Ja." Frage:„Ist es war, daß Harden einige Tage, nachdem er wegen MajestätSbeleidiguug in Anklage gesetzt und vom Berliner Landgericht unter Vorsitz des Landgerichts-Direktors Schmidt frei- gesprochen worden, beim Fürsten Bismarck dinierte und der Fürst bei der Tafel Harden zutrank, und zwar auf das Wohl des Landgerichts-DirektorS Schmidt?— Schweninger:„Ja." Frage:„Der Angellagte behauptet, der Kaiser sei manchmal nicht richtig informiert worden. Ist es beispielsweise wahr, daß der Kaiser dem Geheimrat Schweninger gegenüber die Aeußerung gethan, Für st Bismarck sei nicht mehr im stände, die Amtsgeschäfte zu versehen, weil er dem Mor- phiniSmnS verfallen sei? Geheimrat Schweninger erwidert, er möchte auf diese Frage keine Antwort geben, weil sie den Kreis der ärztlichen Berufspflichten berühre. Die notwendigen Erläuterungen zu diesen Andeutungen dürsten im Volke, wie die Prozeß-Aussagen selbst, unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgen. Hohenlohe» Auferstehung. Im neuesten„Simplicifsimus" hat Thomas Theodor Heine einen vlelbelachten Reichskanzlerwitz gezeichnet. Es ist eine Ministerialfitzung. Die edlen Herren sitzen auf ihren Stühlen. Da wird der Reichskanzler vermißt. Die Unterschrist des Bildes lautet:„Bitte, meine Herren, sitzt einer von Ihnen vielleicht auf dem Herrn Reichskanzler?" Die Illustration stellt den Moment dar, wo die Minister der Aufforderung gemäß eifrig ihre Stuhlsitze absuchen. Gleichzeitig mit dem Erscheinen de» Blatts dementiert der Telegraph den Witz. Fürst Hohenlohe ist plötzlich wieder aufgetaucht und zum Kaiser nach Homburg gereist. Wir haben also doch einen Reichskanzler. Inzwischen stellt der Berliner Bülow-Liebling der„Frankfurter Zeitung" fest, daß der Fürst Hohenlohe an der China-Politik nicht teilgenommen habe und er vermehrt seinerseits die Kanzler- Anekdoten um den folgenden Scherz: Der Reichskanzler habe alles in der chinesischen Aktton erfahren, denn er lese— Zeitungen. DaS einzige politische Ziel, da« demnach Fürst Hohenlohe zu verfolgen scheint, ist daS, den Beweis der Ueberflüsstgkeit des Reichskanzleramts zu führen. Vordem konnte man glauben, der alte Herr unterzöge sich in einem gewissen Opfermut deshalb der Unannehmlichkeiten seines Postens, weil er— besorgt um das Geschick des Reichs— seinen Nachfolger mög- I i ch st lange zu verhindern bestrebt sei. Jetzt darf man aimehmen, daß er einer noch höheren Aufgabe lebt: Er will alle seine Nachfolger kompromittieren, indem er durch die That beweist, daß die Welt ganz gut ohne einen Kanzler bestehen könne, daß ein Kanzler nur eine Atrappe sei. Mit dem Autoritätsglauben rückständiger Bevölkerungskreise ist in den letzten Jahren gründlich aufgeräumt worden. Diese Toten- gräberpolitik ist der Fortschritt in der Stagnation der inneren Ver- hältnissr.— Khaki-Bildung muß im Volk verbreitet werden! Der KulwS- minister hat die Oberpräsidenten ersucht, bei den auS staatlichen Mitteln unterstützten Volksbibliotheken darauf hinzuwirken, daß bei der Auswahl der Bücher auch darauf Rücksicht genommen werde, das nteresse für die vaterländischen Kolonien und ür die lv eitere Entwicklung der deutschen Flotte durch die Aufnahme geeigneter Schriften zu beleben. Als Ergänzung schlage» wir den Ankauf von gediegenen Werken über die Hunnen und die Geschichte des byzantinischen Reichs vor. Auch sonst bemühen sich die Behörden als Agenten buch- händlerischer Erzeugnisse. So empfiehlt der Landrat von Soltau amtlich ein Berliner Wurstwochenblatt zur Anschaffung. Wir sollen eben wieder zum Volk der Dichter und Denker erzogen werden I— Chiuaflaue. Die verzückte Begeisterung der Chinaprcsse ist verflogen. Die Hoffnung auf heroische Thaten im fernen Osten ist vernichtet und angstvoll mit leeren Händen tritt die Weltpolitik vor den Reichstag, der mit vollen Händen zahlen soll. Wie kleinlaut lispelt es jetzt auS den Spalten der„Münchener Allg. Ztg.", die vor kurzem noch lärmendes Alldeutsch trompetete: „Die klerikal-demokralischen und namentlich die socialdemo- kratischen Kritiker der deutschen China-Politik lhun das Gegenteil von dem, was das einzig Richtige ist, wenn sie zu verlangen fortfahren, wir sollten so schnell wie möglich aus China herausgehen. Sie stellen die Sachlage auf den Kopf, iniofern sie glauben machen, es komme irgend jemand in Deutschland darauf an, daß Graf Waldersee und das ihm unterstellte deutsche Exp e d iti o N« c o rp S nach blutigen Schlachten lorbergekrönt heimkehre. Die militärische Macht- entwicklung deutscherseits in China dient am letzten Ende nicht kriegerischen, sondern eminent fried- l i ch e n, kulturellen und national ivirtschaftlichen Zwecken. Denn eS liegt uns daran. den Austausch von Gütern mit China vermittelst unsrer Schiffahrt nach Möglich- keit zu heben. beziehungsweise ihn in dem Maße zu sicher», wie das nur dann angeht. wenn der Schutz der Fremden in China mit dem Bölkerrccht im Einklang steht. Unser Haupt- intereffe liegt in dem freien Handels- und Schiffahrt»- verkehr mit China. Deshalb legen wir Wert darauf, daß an dem Princip der offenen Thür festgehalten werde. Die Abfuhr gewisser Produkte des deutschen Gewerbe- fleißcs nach China liegt nicht nur im Interesse der Großindustrie. sondern auch in dem der Arbeiter. Dies den letzteren klarzulegen, wäre Pflicht der socialdemokratischcn Presse, wenn diese die wirk- licken Interessen der handarbeitcndcn Klassen verträte." Leider bedeutet die gesamte deutsche Chinapolitik von der„Pachtung" Kinutt'chouS bis zur Waldersee-Cxpedition das Gegenteil solcher Maßnahmen, die zur Erreichung friedlicher Ziele führen könnten. Leider steht der Erfolg der handelspolitischen Absichten in China im umgekehrten Verhältnis zurj militärischen Machtentwicklung. Außerdem aber ist„die Abfuhr gewisser Produkte de» deutschen GewerbefleißeS" nach China für die Arbeiter weit weniger wichtig als die Frage, wie die deutschen Arbeiter in höherem Maße zum Genüsse der von ihnen unter hundertfältiger Entbehrung geschaffenen Produkte zu gelangen vermögen.— Die grundsatzlose, greisenhafte Resoluttott zur China- Politik, zu der Eugen Stichler sich für den Börlitzer Parteitag ver- standen hat, sucht die„ffreistnuige Zeitung' damit zu bemänteln, daß u»sre Ausfaffuug„in keinem Parlament der Welt bei der Beschluß- fassung über die Chinakredite aufgetreten, auch nicht unter den sociäldemokratischen Abgeordneten des gesetzgebenden Körpers in Pari S". Die„Freisinnige Zeitting" sollte doch nun endlich wissen, daß unsre Anschauung über Wellpolitik und Chmafrage von der gesamten internationalen Socialdcmokratie geteilt ivird; insbesondere haben unsre französischen Genossen, wie Sembat auf dem internatioiialen Kongreß erklärte, gegen die Chinakredite gestimmt und zwar die ganze Fraktion einstimmig. Die ganze Politik des Freisinn» bedeutet nachgerade nur ein mühseliges Schaufeln des eignen Grabs. Und sein Totenhemd ist khakifarben.— Pachtung einer Kohleustatton. Wie die„Agence HavaS' aus Aden meldet, pachtete Deutschland von der Türkei die kleine JnselWroan im RotenMeer für 30 Jahre zur Errichtung einer Kohleustatton. Die Weltpolitik fordert die Erwerbung von Kohlenstattonen in allen Erdteilen und Oceanen heraus. Da stnd unabsehbare Möglich- leiten zum Geldverpulvern gegeben. Aber was bedeutet:„Deutschland pachtete"?<„Deutschland" kann nichts pachten ohne Bewilligung der Kosten durch den Reichstag. Es handelt sich also doch wohl erst nur um Pachtungs- a b s i ch t e n. Oder soll der Reichstag in allen Angelegenheiten der äußeren Politik vor vollendete Thatfachen gestellt' werden?— In der Zwickmühle. Die„Köln. Volks-Ztg." ist durch die„Erläuterungen" deS Freiburger Bischofs in eine arge Zwickmühle gekommen. Sie muß zugeben, daß der Kommentar gegen die Gewerkschaften über- Haupt gerichtet ist. Die„Köln. Volks-Ztg." und ein Teil der Centrums-Socialpolittker müssen nun aber wohl oder übel für die katholischen Gewerlschasten eintreten und somit die Ansichten des Erzbischofs bekämpfen. Einem so hohen Kirchensürsten aber Irrtum vorwerfen, das geht doch nicht an. In sehr gewundener Sprache bringt sie denn zum Ausdruck, daß die Rat- geber des Herrn Erzbischofs Seine Ehrwürden falsch beraten haben. Wir hätten erwartet, daß die Redacteure der„Köln. Volks- Ztg." mit besseren Ausreden„gesegnet" wären. Aber das rheinische Katbolikenblatt muß noch viel mehr zu- aeben, nämlich, daß auch der HZirtenbrief selbst ver- schiedenen Deutungen Raum läßt. „Vielleicht kommt man der richttgen Deutung am nächsten, wenn man sagt: der Hirtenbrief sei nicht gegen die christlichen Gewerkschaften als solche, wohl aber gegen gewisse G e- fahren in der christlichen Gewerkschaftsbewegung gerichtet. Daß es deren giebt, muß auch der wärmste Freund der christlichen Gewerkschaftsbewegung anerkennen. Wir haben uns darüber mehr als einmal eingehender geäußert. In Organen wie in Versammlungen der christlichen Gewerkschaften sind mehrfach sachlich recht bedenk- liche oder wenigsten» mißverständliche Bemerkungen gefallen, und die Polemik gegen anders denkende, der christlichen GewerkschaftS- bewegung an sich nicht feindlich geyenüberstehende katholische Kreise ist mehrfach in sehr ungehöriger, persönlich gehässiger Weise geführt worden, was unter allen Umständen zu vermeiden gewesen wäre. Es erklärt sich das aber aus der Jugend der Bewegung und der noch nicht hinlänglichen Schulung mancher daran beteiligten Persönlichkeiten, deren gute Absicht sonst nicht zu bezweifeln ist. Eine Mahnung von bischöflicher Seite, die Bewegung von Ausschreitungen frei zu halten, war also gewiß am Platze." Diese Deutung ist eine sehr geschraubte; die„gewissen Gefahren", das ist die Besorgnis des Centrums, daß die gegen die Socialdcmokratie als„Bolliverke" errichteten Gcwerkvereine sich zu Organisationen herausbilden, die sich mehr und mehr von der Centrumspolitil lossagen.—_____ DaS schlechte Gewissen. Die polizeilichen Ovationen, die bei Fürstenbesuchen arrangiert werden, hatten uns gestern, anläßlich des Hildesheimer Polizei-Programms, zu einigen Bemerkungen Anlaß gegeben. Dazu schreiben nun die„Berliner Neue st en Nach- richten"— zu dumm, als daß man es schurkisch nennen könnte: „Ein geringeres Matz von Schutz gegen die Meuchelmörder als die von den Polizeibebörden in dem Hildesheimer Falle au- geordneten Borkehrungen ist überhaupt nicht denkbar. Geht dies den Socialdemokraten schon zu weit, so würde darin nur ein neuer Beweis für ihren Wunsch zu erblicken sein, den Mördern völlig freie Ausübung ihre» ruchlosen Gewerbes zu sichern." Ueber den Kretinismus und die Gemeinheit dieser Be- schuldigung kein Wort I Aber das möchten wir, die wir jedes Menschenleben respektieren, den„Neuesten Nachrichten" allerdings zu geben: Die Mörderfurcht der Polizei und des Kruppblattes ist psychologisch durchaus erklärlich in einer Zeit, wo gerade die autoritäre, die gutgesinnte Presse mit Leidenschast den Menschen- mord predigt und Minister, gekrönte Häupter, Fürsten von Gottes Gnaden verächtlich wie schädliches Un- geziefer behandelt. Nicht die Socialdemokraten sind eS, welche Massenmetzeleien predigen, die Köpfung hoher Staatsbeamten und die Mißhandlung erlauchter Herrscher stürmisch fordern. Diesen „anarchistischen Kanipf gegen alle göttliche und menschliche Autontät" führen nicht wir, sondern die Parteigänger de» Krupp- blatts. Da» mag die MordS-Hallucinationen des edlen Organs der Schweinburger erklären— man fürchtet sich jetzt selbst vor dem Blutkultus, den man so brünstig anbetet— i» China!— Zum Küchenzettel der AnficdlungSgüter wird uns noch ge- schrieben: Die Veröffentlichung der„Verl. Korr." bestättgt also, daß bei der Aufstellung des Küchenzettels der Speisen-Etat für die Strafanstalten zum Muster gedient hat. Wenn außerdem behauptet wird, daß die Militärverpflegung al« Grundlag« heran- gezogen sei. so ist da« falsch, denn der Küchenzettel ist bis auf ganz geringe Einzelheiten eine wärt» l i ch« Abscbttft de» Speise- Etats für dt» bei Arbeiten in landwirtschaftlichen Meliorationen beschäftigten Gefangenen auS den Strafanstalten(Zuchthäusern). Was wir Ende August als eine Berinutuug auSiprachen, hat sich denn auch durch Erkundigung als Thatfache ergeben: Der Küchenzettel ist dadurch veranlaßt, daß die Ansiedlungsbehörde durch Beschäftigung von Gefangenen mit dem großartigen Etat der letzteren bekannt wurde. Nun behauptet die amtliche Korrespondenz, daß der Küchen- zettel nur eine Art allgemeiner Anweisung bilde. Diese AuSrede ist ebenfalls gänzlich falsch. Denn wie die„Welt am Montag" am 27. August mitteilte, hat der P r ä s i d« n t der AnsiedlungSkommisfion auf die Beschwerden von Gutsverwaltcrn verfügt:„Ich verlange» daß meine Verfügung strikte durchgeführt wird. Die Er- fahrung hat gelehrt, daß es sehr wohl möglich ist, für den Durchschnittspreis von 40 Pf. täglich einen erwachsenen Arbeiter gut und ausreichend zu beköstigen." Das amtliche Organ spricht ferner von einem vierten Fleisch- tage, der bewilligt sei. Die„Welt am Montag" hatte auch von dieser Bewilligung �insgesamt V» Pfund wöchentlich höchstens 1 1) schon Notiz genommen;_ aber die_ amt- liche Korrespondenz verschweigt, daß der Präsident den nächsten Fleischtag durch Ersparnisse an den Brot- und Fett- r a t i o n e n wieder einzuholen befohlen hatte. Von den Kosten für Feuerung, Herdeinrichwng und Geschirr wollen wir ganncht reden; dieser Posten, den da» amtliche Organ aufschlägt— ebenso der Lohn für eine fremdländische Köchin— macht für die Arbeiter den Kohl nicht fetter. WaS die angeblich in reicher Menge auS dem GutSgarten ge- lieferten Saisondelikatessen angeht, so ist auch dieser Posten falsch in die neue Rechnung gestellt. Solche Gemüse treten dann an die Stelle der gekauften des Küchenzettels. Die Ausreden sind also nichts al» eben— Ausreden. Das einzige, was an der grandiosen„Berichttgung" etwa» reeller aussteht, ist die Bezugnahme auf die„privaten Nachbar- betriebe". Die Landwirte im Ansiedlungsgebiet sind damit von einer Behörde bezichtigt, daß sie ihre Arbeiter nach dem Muster des Etats für Strafgefangene beköstigen. Ist das wahr? Was sagt die„Deutsche TageSztg." zu dieser amtlichen Bezichtigung?— Die alte Geschichte. Beginnt eine günstige GeschäftSkonjunktur. so ist die Unternehmerklasse sofort dabei, die Preise der Waren zu erhöhen, erst zuletzt und in der Regel erst nach einem voraus- gegangenen stärkeren Druck der Arbeiter bequemt sich die Unter- nehmerklaffe, auch die Löhne der Arbeiter zu erhöhen. Beginnt da- gegen eine geschäftliche Depression, so sucht die Unternehmerklasse die Preise der Waren so lang« als möglich hochzuhalten, aber sie be- ginnt sofort mit Arbeiterentlassungen und Lohnreduktionen. Die beginnende Krise liefert hierfür wieder die Beispiele in Hülle und Fülle. Ren aber ist, daß diese Geschäftspraktik in einem Unter- nehmerorgan der Unternehmerklasse enipfohlen und nicht nur empfohlen, sondern auch zu rechtfertigen versucht wird. So schreibt die Nr. 25 der„Deutschen Bergwerks-Zeitung' vom 7. Oktober, nnckdcm sie die Schwierigkeiten hervorgehoben, die der Bildung des Ftinblech-Syndikats entgegenstehen sollen: „Bei Lichte betrachtet wäre es gar nicht so schlimm. wenn namentlich die kleineren und mittleren Werke si ch t h a tsä ch li ch zu Lo h n r e d u kt i o n en ent- sckließ en wollten, um ans eine mäßigere PreiSbasiS zurückzukommen. Wahrscheinlich würde fich auf dieser eine bemerkenS- werte Belebung des Geschäfts einstellen. Die Lohnrate ist schließlich, da die RohproduktionS-Syndikate noch mit den Preisen standhalten, der einzige Faktor, der zunächst einer Berbiligung fähig i st, und die Arbeiter werden sich nicht beklagen dürfen und werden sich in Wirklichkeit auch kaum beklagen, wenn die W er k l e i tu n g e n, um v o n A r b e i t e r- E n tl a s su n g e n abzustehen. Lohnregulierungen vornehmen. Der Arbeitspreis ist in den letzten Jahren rapide bis zu einer sehr ansehnlichen(?) Höhe gestiegen und bei maßvollen Kürzungen bleiben immer noch Lohnsätze, die einen recht guten standwä of lifo ermöglichen Außerdem ist es nicht mehr als billig, daß die Arbeiter an den Schicksalen ihrer Werke teilnehmen." Dieser Versuch einer Rechtfertigung don Lohnreduttionen ist ein» fach unverschämt, aber auch sehr lehrreich. Diese Darstellung zeigt, woher der Mehrwert kommt, den der Unternehmer schluckt; sie zeigt aber auch wieder der Arbeiterklasse, datz es in dem Kampf zwischen Kapital und Arbeit nur eine wirkliche Lösung giebt: die Nieder- werfung deS Kapitalismus und die Veriviiklichiing deS SocialiSmuS. Kaum haben die Arbeiter die Gunst der wirtschaftlichen Lage für sich, ein wenig ausgenutzt und schon beginnt der wirtschaftliche Niedergang, der ihnen wieder zu nehmen droht, waS sie eben erst errungen haben und als Zugabe folgt: MictSsteigerungen und Erhöhung der Lebens» mittelpreise in nie zuvor gekannter' Höhe. Die Geduld und der Mut der Arbeiterklasse werden in den nächsten Jahren auf eine harte Probe gestellt werden.— Amtliches Wahlergebnis der ReichstagS-Ersatzwahl im Wahlkreise Rinteln-Hofgeismar-Wolfhagen am 11. d. M.: Stichwahl zwischen dem Bürgermeister und Landwirt LippoldeS zu Weibeck sk.) mit 2636 Stimmen und dem praktischen Arzt Rudolf Vogel zu Oberweiler sAntis.) mit 2353 Stimmen.— KohlenanSfnhr-Verbot in Sicht? Ein hiesiges Blatt will erfahren haben, dah die Regierung entschlossen sei, bei weiterer Steigerung der Kohlenpreise ein Kohlenausfuhr-Verbot bis auf weiteres zu erlassen. Ob diese Nachricht sich bestätigt, ist bei der bekannten Unter- nehmerfreundlichkeit untrer Regierung sehr zu bezweifeln. Wie sehr eine solche Maßnahme geeignet wäre, die Kohlen- not zu vermindern, geht aus den Zahlen hervor, welche die Kohlen- Ansfuhrstatistik nachweist. So sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahrs dreimal so viel Braunkohlen ins Ausland gegangen als im vorigen Jahr. Nämlich 328 110 Doppelcentner, während im selben Zeitraum 1839 nur 83 310 Doppelcentner in Frage kamen. Hingegen sind in den ersten fünf Monaten dieses Jahrs nur 22,4 Mill. Dvppelcentncr gegen 34 Millionen in 1893 nach Deutschland ein- geführt worden. Die gesamte Kohlenausfuhr Deutschlands ist in den ersten sieben Monaten 1300 auf 88 Millionen Doppelcentner angelvachsen, .während sie 1893 im selbe» Zeitraum nur 77 Millionen Doppcl- 'centner betragen hat. Und wie die„Kreuz-Zeitung" neuerdings Nlitteilte, war diese Ausfuhr im August d. I. um 870 000 Doppel- centNer höhet als im vorigen Jahre.' Wenn alle diese Kohlen im Inland« blieben, so würden die Wucherpreise sicher um etwas hinabgedrückt. Auch das fade Gerede der Untcrnehmervresse und einiger Manchcstcrblättcr, daß ein solches Verbot gegen oie Principien des freien Verkehrs verstoße Und die Gefahr in sich berge, daß auch das Ausland ähnliche Repressalie» gegen uns anwenden könne, sollte die Regierung nicht länger abhalte», schleunigst zu thun, was sie schon längst hätte thun sollen. Protest gegen das Flcischcinfnhrverbot. In Brisbane sOueenSlano) ist eine Bersamnilmig von Vertretern der deutschen lKolonie, denen sich zahlreiche Interessenten aus den am Flcisch- tzport beteiligten Kreisen angeschlossen hatten, abgehalten tvorden, »lin zu den deutschen F l e i s ch e i n f u h r v e r b o t c n Stellung zu nehmen. ES wurden hierbei nachstehende R e- s o I u t t o n e n gefaßt: 1.„daß die Versammlung ihr Bedanern über daS vom deutschen Reichstag unlängst genehmigte Gesetz betreffend doS Verbot von o u st r a I i s ch e m Fleisch in Deutschland auS- drückt und der Ansicht ist, daß Schritte gcthan werden sollen, um «ine Abänderung de« Gesetzes zu erlangen, 2. daß diese Versammlung das Vorgehen des Komitees der deutschen Einwohner gutheißt, welches mit der Ausarbeitung einer Mon st erPetition an das deutsche R e i ch s am t d e S Innern beschäftigt ist. um gegen daS auf die Einfuhr von austra- lischem Fleisch gelegte Embargo zu protestieren, und daß das Komitee ersucht tverden soll, sich mit den deutschen Kolonisten in den andren Kolonien in Verbindung zu setzen, um deren Mitwirkung zu er- langen." Im Anschluß an diese Versammluiig hat sich weiterhin, wie der „Franks. Ztg." auS Sidney berichtet wird, eine Abordnung zum Premierminister begeben und von diesem mit Hinblick auf die bei den deutschen Behörden anhängig zu machenden Vorstellungen die fornrelle Zusicherung erbeten, daß dic'Q u e e n s l ä n d e r F l e isch- beschau ebenso streng gehandhabt ivird, als daS Gesetz selbst vorschreibt. Diese Zusage rst ohne ivciteres erteilt tvorden, ivobei der Premierminister außerdem bemerkte, daß die Queensländer Behörden es in dieser Beziehung sehr genau nähmen. Kein Fleisch, das auch nur den geringsten Flecken zeige, dürfe gefroren oder zu Konserven verarbeitet werden, und ivie bisher, so werde daS Gesetz auch in Zukunft mit der größten Strenge gehandhabt werden, was zu dem Ergebnis gc- führt habe, daß aus allen Weltteilen nur günstige Urteile über das Queensländer Fleisch vorlägen. Di» deutschen Behörden kauften in der Kolonie lebendes Vieh an, während da« zur Ausfuhr gelangende Fleisch denn doch sicherlich ebenso gut sei als jenes.— GcsctzeSverwiichtcr. Bei Deutsch-Eylau in Ostpreußen fand zivischen einem Rittergutsbesitzer und einem Artilleriehauptmann ein Duell statt. Der Rittergutsbesitzer erhielt einen Schuß ins Bein. Gefordert wurde der Rittergutsbesitzer von dem Hauptmann, weil er das Offiziercorps beleidigt hatte. Der Hauptmann war aus- gelost worden, um Sühne für die Beleidigung zu fordern.— AuS Ostprenste«. Der ungünstige finanzielle Stand der LaudeS-Versicherungsanstalt Ostpreußen hat zu lebhaften Er- örterungen geführt. Die Verwaltung mußte selbst zugestehen, daß neben verschiedenen andren Gründen auch die Beitrags- Hinterziehung vieler Arbeitgeber an dem schlechten Stand der Kasse schuld war. Nachdem die Arbeitgeber genügend aufgeklärt wurden, sollte aber dann das masseuhafte Hinterziehen der Beiträge aufgehört haben. Wie weit das richtig ist, ersieht man auS Angaben, ivelche in letzter Zeit über Bestrafungen von Arbeitgebern gemacht sind, die nicht geklebt habe». Im Monat September wurden allein im Kreise In st er- bürg über Arbeitgeber, die nicht rechtzeitig Beitragsmarken geklebt haben, 501 M. Strafen verhängt. Bei einigen Arbeitgebern muß man eine etwas nachdrückliche Aufmunterung für nötig gehalten haben, denn sie mußten 50 M. blechm. Mit Sicherheit ist anzunehmen, daß durchaus nicht alle Bei- tragshinterzieher ermittelt und in Strafe genommen wurden. Es handelt sich also noch immer um ganz beträchtliche Summen, um die die Kasse der Versicherungsanstalt gebracht wird. Ein eigenartig strenges Verfahren wird in L h ck in Ostpreußen gegen den Redacteur der. Gazeta Ludowa", Hugo B a h r k e, geübt. Das genannte Blatt hat eS sich zur Aufgabe gemacht, die nationalen Interessen der Masuren zu vertreten. Schon zur Zeit der letzten Rcichstagswahl wurde gegen das Blatt mit auf- fälliger Schärfe vorgegangen. Der damalige Redacteur, ein Bruder des jetzigen, wurde so rasch hintereinander mit hohen Strafen be- dacht, daß er eS vorzog, weiteren Verurteilungen aus dem Wege zu gehen. Er flüchtete ins Ausland. Sein Bruder übernahm die Leitung des Blatts. Kürzlich ist derselbe wegen Aufreizung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.� Er legte Revision ein. Am Freitag, den 12. d. M. ist er aber plötzlich wegen Fluchtverdachts in Hast genommen worden. Bei einer Strafe von zwei Monaten ist das jedenfalls ein auffälliges Verfahren. AuS Oftelbien schreibt uns ein Landmann: Land auf. Land ab wird nach Wiedereinführung der Prügelstrafe geschrien wegen der zunehmenden Verrohung, daß aber diejenigen, die diese Strafe fordern, am meisten zur Verrohung beitragen, indem sie die Schule aufs schlimmste vernachlässigen, wollen sie nicht Wort haben. � Angeblich besteht der Schulzwang, thatsächlich ist es bei uns so. daß es im Belieben der Eltern steht, ob fte ihre Kinder zur Schule schicken oder nicht. Strafen wegen Versäumnis der Schule giebt eS hie r s e i t Jahren nicht mehr. Nur in polnischen Gegenden ist eS anders. Dort werden 60 Pfennig Strafe für jeden Tag Schulversäumnis erhoben, um das Rationalisterungswerk zu fördern. Aber hier in einer deutschen Segend wird die Schule hintangesetzt. damit man die Rinder als Arbeitsvieh verwenden kann. Die Folge ist, daß Eltern und Kinder moralisch verlottern, Groß und Klein ergiebt sich dem Trunk und jeder Sonn- und Feier- tag fördert Scenen zu Tage, die jeder Beschreibung spotten. Aber wir leben in einem christlichen Lande und nicht bei den heidnischen Chinesen, die uns unsre heiligsten Güter rauben wollen.— 3« den TyphuSerkrankungrn in rheinischen Infanterie- Regimentern wird un» geschrieben: Ja einer Reihe rheinischer Orte liegen Typhuskranke, die den Keim der Seuche nach der beendeten Dienstzeit mit In die Heimat genommen haben. So liegen in Bonn allein sieben Reservisten de» SS. Jnfanterie-Regimeiit«. UnsreS Wissens sind bis jetzt elf Todesfälle von thphu»'kra»len Soldaten bekannt geworden. Die Seuche hat auch auf die Civilbevölkerung übergegriffen und dort Todesfälle herbeigeführt. In der Sonntag- nacht starb tn Aachen der Assistenzarzt Dr. Dahmes am ThphuS, den er sich bei der Pflege kranker Soldaten geholt hat.-» Die revisionspflichtigen Anlagen ,»id die Arbeiterzahl in Preußen haben sich, wie wir in Ergänzung unsrer Artikel über den Fabrikinspeltoren-Bericht nachtragen wollen, folgendermaßen ver- mehrt. Die Zahl der Anlagen ist von 137 238 im Jahre 1833 auf 142 033 im Jahre 1833, also um 4801, die Zahl der in diesen be- schäftigtcn erwachsenen Arbeiter von 2 136 579 auf 2 221 560, die der jugendlichen 155 287 auf 181 200 gewachsen, somit beträgt die Zunahme der Arbeiterzahl 110 834, wovon 25 913 auf die jugend- lichen Arbeiter entfielen.—-_ Zu unsrer Berichtigung über den Jahresabschluß der „Aktiengesellschaft für Eisen» und Kohlen» industrie in Differdingen-Dannenbaum" wird uns von unsrem Korrespondenten aus Elsaß-Lothriugen geschrieben; Die Redaktion des„Vorwärts" hat meine unter der Stichmarke»Ein Beitrag zum Kapitel der Kohlcnnot wiedergegebene Mitteilung vom 9. d. M., daS Differdinger Werk habe in der am 6. Oktober statt» gehabten Generalversammlung der Aktionäre die AnSschüttung einer Dividende von 50 Proz. beschlossen, bereits dahin richtig gestellt, daß es anstatt dessen fünf Prozent heißen müsse. Der Irrtum ihres Korrespondeuteu, dem dabei natürlich jede Absicht einer tendenziösen Entstellung der Thatsachcn fern lag, ist auf eine falsche Angabe in dem Bericht zurückzuführen, den die„Lothringer Bürger- zeitung" in Metz, also ein in nächster Nähe deS i» Frage kommenden Werks erscheinendes und deshalb mit den einschlägigen Verhältnissen als wohl vertraut zu erachtendes Blatt am 8. Oktober als erstes über jene Berhandlungsbeschlüsse gebracht hat. In dem- selben ist(die betreffende Nummer wurde uns von unsrem Kor- respondenten übermittelt. Die Red. d.„V.") ausdrücklich von einer Soprozeutigcn Dividende die Rede, und eine später erfolgte Berichtigung dieser Angäbe erschien nicht rechtzeitig genug, als daß meine in Nr. 237 des„Vorwärts" enthaltene Korrespondenz daraufhin noch hätte inhibiert iverde« können. Eine genauere Nachprüfung meiner Angaben war schon aus dem Grunde im Momente nicht möglich, weil der erwähnte, an leitender Stelle der„Lothr. Bürgcrztg." erschienene ausführliche Generalversammlungsbericht iveder über die Höhe des Aktienkapitals noch über die absolute Höhe der erzielten Geschäftsgewinne deS Differdinger Werks zahlenmäßige Nachweise enthielt.(WaS wir be- stätigk». Die Red. d. ,V.')— Wie die bisher genannten, so waren a»ch alle meine übrigen Angaben über den allgemeinen Geschäfts- gang, die gesteigerte Kohlenförderung, die weitere Steigerung der Ucberschüssc im laufenden Geschäftsjahre Zc. den Mitteilungen der „Lothr. Bürgerztg." entnommen. Dieselben sind bisher von keiner Seite angefochten worden, dürften also wohl den Thatsachen eist- sprechen.— Ausland. Belgien. Die Demonstratio», welche unsre Brüsseler Genossen am Tage de» Einzugs de» kronprinzlichen Paars zu Gunsten des gleichen Wahlrechts und der A m n e st i t abhalten wollten, ist NUN a»f de» 11. November, den Tag vor der Eröffnung des Parlaments, verlegt. Dieser Tage hat in Brüssel eine Versammlung der socialdemokratischen Partei stattgcfuilde», in welcher Over die Verlegung der Straßenkundgebmig verhandelt wurde. Einige deutsche Blätter behaupte» nun,' datz den Führern in jener Versammlung wegen der Abbestellung der Manifcstalion starke Vorwürfe gemacht Ivorden seien. Dem ist nicht so, es ist nur die Frage ventiliert Ivordcn, ob die Führer entgegen dem früheren Parteibeschluß so handeln durften. Es wurde' anerkannt, daß der Ausnahmefall solches Vorgehen der führenden Genossen heischte.— Frankreich. Amnestie. Der„Voss. Ztg." wird au» Paris gemeldet: Es bestätigt sich, daß die Regierung bei Zusammentritt der Kannnem eine erweiterte Amnestievorlage einzubringen gedenkt, die wahrschein- lich die vom StaatSgertchtShof Verurteilten einbegreifcn wird. Eine offensichtlich bestellte, jüngst von der„Patrie" veröffentlichte Unterredung mit Döroulöd«, worin dieser seinen Wein verwässerte, seiner Partei Fehler vottvarf und jede Gemeinschaft mit den monarchische» Nationalisten verurteilte, läßt vermuten, daß Döroulöde die Amnestie erwartet und sich auf seine Rückkehr vorbereitet.— Ter Zusammentritt der Kammern ist vom Ministerrat auf den 6. November anberaumt.— Portugal. Kolonialscgen. DaS portugiesische Kolonialamt rechnet schon seit Jahren mit Defizit; im letzten Jahre hatte es die Höhe von beinahe 5�/e Millionen Mark erreicht. Dein soll jetzt abgeholfen werde» durch schärfere Kontrolle der Ausgaben, die für die Kolonien gemacht werden. Die Bezirks- und Provinzgouverueure sollen von dem Finanzministerium direkt revidiert werden.— Das ivird natür- sich alles bitterwenig helfen; das beste Mittel, daS Defizit zu ver« meiden, ist, die unrentablen Kolonien einfach aufzugeben. In Spanien hat, seitdem es einen erheblichen Teil seiner Kolonien loS geworden ist. bereits eine Gesundung der Finanzen begonnen.— Ruhland. AuS Russisch-Polen wird uns geschrieben: Der„Vorwärts" berichtete seiner Zeit von der s o c i a l i st i» s ch e n M a n i f e st a t i o n, die bei dem Begräbnis des Genossen Wegrzynowicz auf dem Friedhof veranstaltet wurde. 93 Per- sonc», darunter 33 Frauen, wurden verhaftet und in der Warschauer Citadelle eingeschlossen. Jetzt sind die Urteile gekommen. Die Ver» hafteten wurden alle aus Warschau verbannt— entweder nach ihrem Geburtsort, oder in das Innere Rußlands auf drei Jahre. Die Demonstrationen bei den Begräbnissen der Genossen, die immer öfter vorkommen(zuletzt wurde wieder bei einem Begräbnis in Zyrardow demonstriert, haben die Polizei stark beunruhigt. Von jetzt an tverden nicht nur die lebenden, sondern auch die toten Arbeiter unter Polizeikontrolle stehen. Denn die Polizei achtet jetzt peinlich darauf, daß kein Arbeiter, dessen socialistische Gesinnung sie auch nur vermutet, bei Tage begraben werde. DaS Begräbnis am Tage wird einfach ver» boten und der Berstorbene bei Nacht und Nebel zu Grabe geführt. Etliche Nachtbegräbnisse haben schon unter dem Schutze der Polizeischergen stattgefunden. In L o d z läßt sich die Polizei den Tod eines jeden Arbeiters über 15 Jahre von den Fabrikanten melden. Inzwischen steht Warschau, die Hauptstadt Rusfisch» Polens, unter dem Eindruck fortgesetzter Verhaftungen, die seit Anfang des Jahres ohne Unterbrechung stattfinden. Hunderte Arbeiter und Arbeiterinnen werden eingeschlossen. Die Gefängnisse sind von unsren Genossen überfüllt. Mitte September hat man wieder einige Verhaftungen vorgenommen, von denen diesmal bürgerliche Kreise bettoffen wurden. Von den Verhafteten können wir nennen: den Bankbeamten Ezarnowsli, die Schriftsteller SlonSkt und SmaczynSki, den Fabrik- direttor Latkiewicz, den Maschinisten Tarnowicz und die Ingenieure Adolf DominkowSki, Wojciechowski und S u r a S k i. Außerdem wurde eine ganze Reihe von Haus- such un gen vorgenommen, u. a. bei dem bekannten Schriftsteller St. Pienkowski. Unter dem Eindruck der gewaltigen Ausbreitung der socialistischen Bewegung in Polen hat die russische Regierung den Kopf verloren. Sie verhastet aufs gerade Wohl die ruhigsten Leute, die dann zu ihren unerbittlichsten Feinden werden. Die neuesten B l u t u r t e i l e der Regierung gegen sieben Mit- glieder der„ S oeialisttschen Partei Polens"(siehe „Vorwärts" Nr. 236) haben nicht nur in Polen, sondern auch tn den weitesten Schichten des russischen V o I k S ge- walliges Aufleben erregt. Die Thatsache allein, daß die zarische Regierung in ihrem>offiziellen Organ das Bestehen der geheimen Oraanisasion der„Socialistischen Partei Polens" zugiebt und auch der bürgerlichen Presse erlaubt, diese Thatsache abzudrücken, somit also mit ihrer langjährigen Taktik des öffentlichen Totschweigens der socialistischen Bewegung bricht, giebt viel zu denken. Die Arbeiterschaft ist über die Urteile aufs äußer sie empört. Die Empörung macht sich auch nach außen in gewaltiger Weise Luft. So hat die„Social- demokratische Partei Rußlands" au» ihrer geheimen Druckerei einen Aufruf herausgegeben, der in glühenden Worten die Barbarei des Zarats brandmarkt, die Solidarität der russischen Ar- beiter mit den polnischen Genossen energisch betont und die russischen Genossen zum Protest gegen das Urteil durch Sammlungen für die. Familien der Verurteilten auffordert. Dies schöne Zeichen der. socialistischen Solidarität wird seinen Eindruck nicht verfehlen I— Rumänien. Zwei befreite Märtyrer. Nach Verbüßung von 1 Jahr und 3 Monaten Gefängnisstrafe sind die Genosse» J. T. Banghereanu und Th. V. gicstnescu vorige Woche auf freien Fuß gesetzt worden. Sie waren zu so harter Strafe verurteilt worden, weil sie, dem nnnäNischen Gesetz und Ver- fgssung trauend, sich aufs Land begaben, um das proletarisierte und halb proletarisierte Bauerntum über seine gesetzlichen Recht« und Pflichten aufzuklären und für die Arbeiterpartei zu gewinne». Die herrschend« Klasse, welche in jeder Aufklärung des analphnbtte» und unterjochten rumänischen Bauers den Anfang des Endes ihrer Macht sieht und nichts mehr fürchtet als dir Vermehrung der damaligen 300 Bauernorganisationen, schäumte vor Wut angesichts der Bauern- agitation der'genannten Genossen und sann darauf.>vie sie dieselben in das Gefängnis bringe» nnd unschädlich machen könne. Ein ZuchthauS-Gcsetz giebt es in Rumänien nicht; im Gegenteil, die dortigen Gesetze sind in Bezug aus Presie, Versammlungen und Vereine die denkbar frciesten. Es mußte also irgend ein andres teuflisches Mittel ergriffen werden, um der verhaßten Beweaiing ein Ende zu bereiten. So wurden denn die Genossen aus die Anklage- bank wegen— Betrug« gebracht. Diesen Betrug sollten sie ße- gangen haben, indem sie den Organisationen Bücher ec. verknust haben, deren realer Wert geringer gewesen sein soll als der ver- langte und aufgedruckte Preis. Wenn ein Buch z. B. für den Preis von 1 Fr. verkauft wurde, so hat der StaatSamvslt den Preis mit 80 EentiincS festgesetzt, also ei» Betrug von 20 EentimeSt Und für diesen„Betrug" haben unsre Genossen 1 Jahr 3 Monat» im Gefängnis geschmachtet. Außer den genannten Genossen waren noch wegen desselben„Betrug»" 8 Genossen und 00 Bauern zu je 6 Monaten Gefängnis verurteilt ivorden. Jetzt sind die Märtyrer wieder frei, tn der Partei ist ihr Platz unbesetzt gebliebe», sie werden sicher sich mit derselben Begeisterung wie früher in die Reihen der Partei stelle», zum Trotz der Macht- Haber und zum Wohle der Arbeiterschaft, für welche sie ein so großes Opfer ihrer Freiheit gebracht haben. Wir reichen diesen„Betrügen," herzlich die Hand und rufen ihnen ein ermunterndes„Frisch ans Werk" zu. � Afrika. A»S Transvaal. Lord llioderts meldet ans Pretoria von einer Reihe Zusammenstöße zivischen den Boeren und oen Engländern: General Frech ging mit der ersten und der vierten Kavallerie- Brigade von Mnchadodorp gegen Heidelberg vor, um daS bis jetzt noch nicht durchstreifte Gelände aufzuklären. Oberst Mahon, Kommandeur der berittenen Infanterie, ivurde am 13. Oktober in ein Gefecht verwickelt, das erfolgreich war; die Verluste an Toten nnd Verwundeten Ware» jedoch schlver. Tot sind 8 Offiziere und 8 Mann, verwundet 3 Offiziere und 25 Mann. General French hat Carolina gestern besetzt. Die CarabinIerS erbeuteten auf ihrem Marsch einen Convoi der Boeren.— General Lyttlcton setzte seinen Marsch von Lhdenbura»ach Middelburg fort.— Gencral Rundle be- richtet, ein britischer Convoi sei am 11. Oktober auf dem Wege von Standerton nach Brede angegriffen Ivorden. Der Feind sei indeflei, zurückgeworfen ivorden.— Settle hat Bloemhof besetzt und 50 Gc- fangene gemacht.— AuS Kroonstadt wird berichtet: Eine von dem Obersten LeaallaiS befehligte Kolonne traf gestern hier ein. Dieselbe hatte die Distrikte von Heilbron, Reitz und Frank- fort durchstreift und häufige Begegnissr mit kleinen fetnd- lichen Abteilungen zu bestehen gehabt. Einen Kapitän und 3 Mann von der berittenen Infanterie verlor sie durch Gefangennahme. Kundschafter stellten die Anwesenheit von 1400 Boeren im Kroon- stad-Disttikt fest. Aus diese» Meldungen ist ersichtlich, daßdieBoeren, so sehr auch ihre Cadrcs dezimiert sind, so wenig sie aucb auf wirkliche Erfolge rechnen können, sie dennoch ihre Waffen nicht strecken. Ihre KampfeSweife ist geeignet, den EngländeM trotz ihrer Uebermacht ungeheuren Schaden zuzufügen. Wütend über die Ohnmacht der großen cngli- schen Heere gegenüber den Guerillas der Boeren ttltt denn der „Standard" für drastische Maßnahmen zur schleunigen Beendigung deS Guerillakriegs in Transvaal und prompte, erbarm ungS- lose Bestrafung jedeS aufständischen Bürgers, der mit den Waffen gefangen werde, ein. DaS Blatt sagt:„Wir können nicht einen Trupp Reiter außerhalb jeder Farm halten, aber wir können deren Insassen zeigen, daß sie etwaS mehr als Freiheit oder Eigentum aufs Spiel setzen, wenn sie die Waffen gegen die englische Krone ergreifen. Die Reichsregierung braucht sich mcht zu fürchten, mit Energie zu handeln. ES ist keine Entschuldigung für eine Zauderpolitik vorhanden." Um diese blutrünstige» Maßnahmen zu rechtfertigen, macht das Regierungsblatt die Boeren, die nichts verbrochen haben, als daß sie ihr Land verteidigen, zu„Aufständischen". Solange aber die von den Boeren anerkannte und somit zu Recht bestehende Regierung den Frieden mit den Engländer» nicht unterzeichnet hat, besteht der Kriegszustand weiter und die Kämpfenden sind keineswegs Stebellen und Räuber, zu welchen die Engländer sie stempeln möchten, sondern Krieger. Die Brutalität, welche England in Südafrika bekundet bat, wird selbst in Rußland scharf verurteilt. Die„Nowoje Wremja" schreibt zum Jahrestage des BoerenkriegS: „Die Engländer halten sich natürlich für die Sieger, da sie da« Territorium jener Staaten, mit denen sie den Krieg be- gannen. zu den Besitzungen der englischen Krone geschlagen haben. Man darf aber nicht vergeflen. daß diese Annexion von niemand anerkannt ist und der Gesandte der Südafrikanischen Republik, Dr. Leyds, nach wie vor von allen Staaten, bei deren Höfen er accrediticrt ist, als der Vertreter eines unabhängigen Staats betrachtet wird. Die südafrikanischen Vorgänge sind vom Standpunkte der elementarsten GerechtigkeitS- und Anstandsbcgrisfe so empörend. daß es jetzt beinahe sonderbar erscheint, vom Völkerrecht, von den Regeln und Gebräuchen des Kriegs ,c. zu reden. Mit einer schonungslosen Kraft der Ueberzengung haben die Engländer deiviesen, daß alles das. was nach den Konventionen und Deklarationen von den Mächten als obligatorisch anerkannt ist, von jedem Beliebigen in jedem beliebigen Moment verworfen werden kann. Das ist eines der wesentlichsten negativen Resultate des südafrikanischen Kriegs. Da Europa zu dem Trauerspiel geschwiegen hat, welches sich in Südafrika abspielt, so hat es jenes Gebäude der Humanität, welches es mit so viel Mühe errichtet hatte, selb st zerstört. Das Recht der Willkür und groben Gewalt ist laut verkündet worden und kein Protest hat sich erhoben. Augenscheinlich hat die Haager Konferenz an die moderne Diplomatie zu große Anforde rungen gestellt. Von der erhabenen Idee dieser Konferenz hat sie ganz vorzüglich gesprochen, aber nicht genug schöpferische Kraft besessen, um von Worten zu Thaten überzugehen." Diese Peitschenhiebe, die da aus dem halbbarbarischen Rußland gegen das civilisierte und gutchristliche England fallen, sind wohl- verdient und sie werden es auch nicht weniger durch den Umstand, daß die Russen zu einem guten Teil nur aus Haß und Neid gegen das siegreiche Albion die Sache der Humanität vertreten. Die Abreise des Präsidenten Krüger von Laurenyo Marques an Bord des niederländischen Kriegsschiffs„Gelderland" soll am Donnerstag erfolgen. Die D eputation der Boeren wird demnächst von Haag aus einige europäische Hauptstädte besuchen. Amerika. New Jork, 16. Oktober. Die politische Lage zeigt keine merk» bare Veränderung. Nur sind die unparteiischen Beobachter mehr als je überzeugt, daß Mac KinleyS Wahl, von Zufällen abgesehen, Gewißheit ist._ Partei"Ulaitir idjtciu Polilrilichrs, Gerichtliches usw. Eine gruselige Geschichte k In Düsseldorf wohnte seit Jahren ein biederer Posamentierer, 24 Jahre alt, Socialdemokrat und aus Wien gebürtig. Strohschneider ist sein Name. Der Mann hat die Gewohnheit, aus seinem Herzen keine Mörder- grübe zu machen, plaudert also frisch drauf los. daß er ein Roter sei. Wodurch die folgende Geschichte entstand, das entzieht sich unsrer Kenntnis, Thatsache ist nur, daß ihm die Polizei seit einiger Zeit auf den Fersen saß. Am letzten Sonnabend kam nun plötzlich die Polizei auf die Arbeitsstätte des Arbeiters und verhaftete ihn. Der Polizist soll dies wie folgt begründet haben: Der Arbeiter sei von Wien aus denunziert worden, er habe ein Attentat vor, müsse darum dingfest gemacht werden und werde nun wohl als„lästig" über die Grenze spediert iverden. Bis zur Stunde sitzt der Mann noch fest, ob man ihn festhalten will, b iS d e r Ka i serb es uch in Elberfeld möglicherweise zum zweitenmal aufgeschoben wird? Jedenfalls ist die ganze Geschichte in den Augen der Polizei äußerst gruselig, der Alten täter in sxo behauptet, er sei unschuldig. Polizeiprakttken gegen die Gewerkschaften. Während die Unternehmerorganisationen sich sortgesetzt der großen Fürsorge der Behörden erfreuen, ungehindert ihren Bestrebungen zur Unterdrückung der Arbeiter nachgehen können, haben die Arbeiter in ihren Gewerk- schaften mit allen möglichen Plackereien zu käinpfen. Besonders sind es die Behörden in kleinen Städten, wo man vielfach versucht, den Gewerkschaften Schwierigkeiten aller Art zu bereiten. Eine Aus nähme in der Beziehung macht die Polizeibehörde in Frankfurt a. M. die seit einiger Zeit mit Vorliebe alle die kleinen Polizeimittelchen, die sonst nur Amtsvorsteher und Landrat zieren, gegen die Gewerk- schaften hervorsucht. Wiederholt hat das Gericht diesem Eifer ein Ziel gesetzt, aber die Frankfurter Polizei hält an der einmal gehegten Neigung unerschütterlich fest, daß die Verfehlungen der Gewerk- schaften keine Grenze kennen. So hatte sich am Sonnabend ein Mitglied des Verbands der nichtgewerblichen Arbeiter vor Gericht zu verantworten, weil er bei einer Festlichkeit dieser Gewerkschaft entgegen dem Verbot des Gendarmen einige Festteilnehmer zur Fortsetzung deS Tanzes aufgefordert hatte. Die Tanzerloubnis war von der Behörde versagt. Der Angeklagte sollte sich deshalb eines Vergehens gegen§ 116 des R.- Str.- G.- B. schuldig gemacht haben. Dieser Paragraph besagt, daß iver vor einer Menschenmenge zum Ungehorsam gegen behördliche Anordnungen auffordert, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft wird. Der Gerichtshof kam zu einer Freisprechung unter folgender Begründung: Die Anwendung des§ 110 des Reichs-Strafgesetzbuchs sei nicht statt- Haft und zwar stütze sich das Gericht auf die Reichsgerichts-Entscheidung vom S. Oktober 1884, die den folgenden Wortlaut hat:„Die Amtshandlungen und Aufforderungen bloßer Vollzugsorgane in einem konkreten Falle sind nicht obrigkeitliche Anordnungen in gleicher Weise wie Gesetze oder Verordnungen. Da Träger der Staatsgewalt schon gegen bloße Provokation zur Mißachtung geschützt werden sollen, sind im Sinne des§ 110 nur solche Organe der Staatsgewalt zu verstehen, welche in einem gewissen Umfange die Staatsgewalt selbständig auszuüben haben und zum Erlasse allge- meiner verpflichtender Vorschriften berufen sind." Ein polizeiliches Vollzugsorgan sPolizeioffiziant, Ivelcher etwa zum Auseinander- gehen auffordert) ist keine solche Obrigkeit; seine Amtshandlungen sind demnach nicht Anordnungen der Obrigkeit im Sinne des§ 110. Es müsse deshalb auf Freisprechung erkannt werden; die Kosten fallen der Staatskasse zur Last. Die Stuccateure hielten gestern, Dienstag, eine gut besuchte öffentlicbe Versammlung ab, in der über das Resultat der Einigungs Verhandlungen berichtet wurde. Nach dem Bericht, den der Wer- trauensmann D a s ch ü t t erstattete, haben bisher 2 Sitzungen der Lohnkommission mit den Unternehmern stattgefunden. Während die erste Sitzung gänzlich resultatlos verlaufen ist indem die Unternehmer, ohne dafür wirklich stichhaltige Gründe anzuführen, durchaus neben der Lohnarbeit die Accordarbeit bei behalten wollten, ist in der zweiten Sitzung doch eine gewisse An Näherung der beide» Parteien erfolgt. Der Redner berichtete wie die übrigen Kommisfionsmitglieder über die Einzelheiten der Verhandlungen in ausführlicher Weise. Um zu beweisen. so lautete namentlich die Begründung, daß die Arbeiter den Frieden wollen und bereit find, den Unternehmern möglichst entgegen zu kommen, wurde nach langer Debatte mit großer Majorität folgende Resolution beschlossen:„Die Versammlung beharr nach wie vor auf die Einführung der Lohnarbeit doch ist die Lohnkommission berechtigt, den' Unternehmern bezüglich der jungen erst ausgelernten Kollegen Konzessionen zu machen." In der Diskussion, in der sich mehrere Redner gegen die Reso lution wandten, wurde wiederholt betont, daß weitere Konzessionen unter keinen Umständen mehr gemacht werden dürfen und mehrfach Zweifel erhoben, daß die Unternehmer die event. Abmachungen wirklich halten und nicht wieder bei einer ihnen günstigen Gelegew heit brechen. Alle Redner plädierten für den' festen Zusammen. schlnß in der Organisation und ersuchten, auch für finanzielle Mittel zu sorgen, um für alle Fälle gerüstet zu sein und um, wenn not- wendig, den Kampf im vollen Umfange ausnehmen zu können. Von den 19 Firmen, die Aussperrungen vorgenommen, haben bis zum gestrigen Tage 13 die Forderungen bewilligt, so daß nur noch 21 Stuccateure von 6 Geschäften ausständig sind. Es ist aller. dings nur ein Waffenstillstand, der auf der Grundlage geschaffen ist, daß die Unternehmer unterschristlich erklärten, bis zum Abschluß der beiderseitigen Verhandlungen die Accordarbeit nicht einzuführen. Deutsches Reich. Der Ausstand der Stuccateure in Leipzig, den wir in der Sonnkagsnummer als ins Aussicht stehend ankündigten, ist in der That eingetreten. Mit ihnen streiken um die Fensterfrage die Töpfer.' Die Maler und Lackierer, die sich ebenfalls mit der Angelegenheit beschäftigten, haben von einer Arbeitsniederlegung abgesehen, den Stnccat'eurcn und Töpfern aber die weitgehendste Unterstützung zugesichert.— Stuccateure und Töpfer mögen Leipzig meiden._ Sooialo Vechtspflvgv. Krankheit oder Uufall als Todesursache. Dem Brauerei. arbeiter Falkenhagen hatte eine eiserne Riemenscheibe die Brust ge- quetscht. Bald darauf, im Dezember 1898, verstarb F. Seine Hinterbliebenen gingen die Brauerei-Berufsgenossenschast um eine Unfallrente an; sie wurden aber abgewiesen. Ihre Berufung hatte ebenfalls keinen Erfolg. Es wurde angenommen, daß der Tod nicht eine Folge jenes Unfalls sei. Die Aerzte führten die Todesursache vielmehr auf ein chronisches Nieren leiden des Manns zurück, das ihrer Meinung nach wieder in einer schweren Brustfellentzündung vom Jahre 139ö seine Ursache hatte. Das Reichs-Versicherungsamt als Revisionsinstanz hörte noch den Professor Dr. Renvers. Dieser führte in seinem Obergutachten aus: Nach eitrigen Brustfellentzündungen käme es durch die Verwachsungen oft zur Schwächung des Herzens, mit der verschiedene Nieren- krankhciten znsanimciihinge». Derartige Kranke könnten relativ schwere Arbeiten leisten, so lange kein Mißverhältnis eintrete zwischen der Herzschwäche und der erforderlichen Krastanfwendung. Nun sei dem Verstorbenen die eiserne Riemenscheibe gegen die Brust gekommen und habe auch das Herz getroffen. Das genüge, um vor- handene Herzschwäche so zu oermehren, daß F. die bis dahin ge- ivohnte Arbeit nicht mehr leisten konnte. Da er nun dessen- ungeachtet seine Thätigkeit weiter fortgesetzt habe, so hätte das Herz und damit die Lebenskraft schließlich ganz versagen muffen. Auf diese Weise habe der Unfall vom Dezember 1893 wesentlich bei der Herbei- führung des Tods mitgewirkt. Der Vertreter der Berufsgenossenschaft wünschte noch ein zweites Obergutachten von einer andren medizini- scheu Autorität. Das Reichs-Versicherungsamt unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten I a u p entschied indessen gleich, und zivar wurde die Bcrufsgenosscnschast zur Renten gewährung der- urteilt. Wie der Vorsitzende mitteilte, hat sich der Senat dem überzeugenden Gutachten des Herrn Renvers angeschlossen und eine weitere Beweiserhebung für überflüssig erachtet, weil Professor Renvers ein hochangeseheuer Obergutachter sei. Gerichts-'Seitung. Der Postprozeß gegen die„Mecklenburgische VolkSzeitnng hat mit einer Freisprechung geendet. Bekanntlich hatte die mecklen- burger Behörde die Austragung unsres Rostocker Partei-Organs am Sonntag auf Grund der Gewerbe- Ordnung, betreffend die äußere Heilighaltung deS Sonntags, verboten. Da nun die Post die Be- rechtigung hat, am Sonntag zu expedieren, so gründeten unsre Parteifreunde eine Privatpost, um so das Blatt an die Leser ge- langen zu laffen. Die Rostocker Strafkammer, vor der die An- gelegenheit am 6. Oktober verhandelt worden, verkündete am 13. das Urteil. Die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Urteil des Rostocker Schöffengerichts wurde verworfen, da die Strafkammer festgestellt hat, der Be- weis, daß der Verleger der„Mecklenburgischen Volkszeitung" das frühere Postgesetz übertreten habe, sei nicht erbracht. Aber auch die Berufung der AngeNagten, soweit sie aus Ersatz der ihnen er- wachsenen notwendigen Auslagen gerichtet war, hat die Strafkammer verworfen; denn die Angeschuldigten hätten den Nachweis des Nichtschuldig nicht erbracht, vielmehr sei ein gewisser Verdacht, daß das alte Postgesetz verletzt worden sei, beim Gericht zurück- geblieben; Ivorauf sich dieser Verdacht stütze, das werde die Straf- kammer in der schriftlichen Ausfertigung des Urteils näher darlegen._ Gemerkt s-chafklilszcs. «erlitt«nd lliiigegend. Zum Generalsekretär deS Verbands der katholischen Arbettervcrcine Nord- und Ostdeutschlands ist an Stelle des zum Professor an der Universität Münster ernannten Dr. Hille Dr. Will gewählt worden. Dr. Hille war seit 1896 in diesem_ Amt in Berlin thätig und war hier ein eifriger Förderer und Organisator der christlichen Gewerkschaften, die im katholischen Arbeiterverein ihre besonderen Fachsektionen bildeten. Achtung, Leder-«nd Galanterie-Arbeiter k Vor ca. 14 Tagen erhielten die Arbeiter und Arbeiterinnen der Lederwarenfabrik von S. Brenner u. Co., Ritterstraße 13, auf ihre Forderung 10 Prozent Lohnerhöhung bewilligt. Am letzten Sonnabend wurde den Arbeitern bedeutet, daß in der nächsten Woche der Zuschlag wegfalle, da Herr Brenner mit der Bewilligung übereilt gehandelt hätte. Der Kom- Mission des Verbands wurde,' als sie mit Herrn Brenner verhandeln wollte, die Thür gewiesen. Daraufhin legten sämtliche Kollegen die Arbeit nieder und erwarten wir von den übrigen Kollegen, daß sie die Werkstube meiden. Der Vertrauensmann: H. Weinschild. Ei» sauberer Unternehmer. Unsittliche Attacken eines Arbeit- gebers ans mehrere in seinem Betrieb beschäftigte Arbeiterinnen kamen gestellt vor dem hiesigen Schöffengericht zur Sprache. Wegen wiederholter thätlichcr Beleidigung hatte sich der Buchdruckereibesitzer Louis Mösl er, Inhaber der Buch- und Steindruckerei von Louis Borchardt, Wilhelmstr. 119, zu verantlvorten. Dem Vernehmen nach bekundeten in der unter Ausschluß der Ocffentlichkcit geführten Verhandlung mehrere Zeugen, daß sich der Angeklagte schon in mehreren Fällen gegen Ar beiterinnen, die zur Erledigung irgend einer Angelegenheit bei ihm im Comptoir zu erscheinen hatten, ungehörig benomnien und sie unzüchtig berührt habe. Eine Strafverfolgung ist in diesen Fällen nicht erfolgt und es ist inzwischen Verjährung eingetreten. Durch die gestrige Verhandlung wurde festgestellt, daß sich der An- geklagte in 6 Fällen gegen eine bei ihm beschäftigte Frau W. durch unzüchtige Berührungen vergangen hat. Staatsanwalt B ö t t g e r geißelte das Verhalten des Angeklagten scharf und beanttagte gegen ihn eine Geldstrafe von 1 300 M., während Rechtsanwalt Lieb- knecht als Vertreter der Nebenklägerin das Verfahren dieses Arbeitgebers für ganz unentschuldbar erachtete und die Verhängung einer Gefängnisstrafe beantragte. Der Angeklagte selbst leugnete jede Schuld,' sein Verteidiger Jnsttzrat Kleinholz mußte gegen- über der Beweisauftiahme zugeben, daß der Angeklagte wegen Be- leidigung sich strafbar gemacht, glaubte aber, daß nur eine äugen- blickliche sinnliche Aufwallung ihn zu den Ungehörigkeiten getrieben habe und die letzteren von der Nebenklägerin in ihrer Erregung wohl übertrieben würden. Das Schöffengericht war der Ansicht, daß in diesem Falle eine Geldstrafe nicht am Platze sei. Wenn ein un- gebildeter Arbeiter— so verkündete derVorsitzende— sich in solch' unsitt- licher Weise vorgehe, so werde er in das Gefängnis gesteckt. ES liege gar kein Anlaß vor, mit dem Angeklagten anders zu verfahren. Im Gegenteil sei es um so strafwürdiger, wenn sich ein Mann, der den gebildeten Klassen angehören wolle und dem als Arbeitgeber immerhin ein gelviffes GeivaltSverhältniS gegen seine Arbeiter zusteht, zu solchen unsittlichen Exzessen hinreißen lasse. Der Gerichts- Hof habe deshalb auf 4 Wochen Gefängnis erkannt. AlS ei» verschmitzter Betrüger zeigte sich der 26jährige Bautechniker Karl Arendt, welcher gestern der zweiten Straf- kammer des Landgerichts I vorgeführt wurde. Der Angeklagte soll in einem Fall einen Gannerstreich ausgeführt haben, der an Dreistigkeit seinesgleichen sucht. An einem Julivormittage wurde der Briefträger Schlottke vom Postamt 39 auf dem Wedding mit einem Beutel voll Briefe nach dem Postamt auf dem Bahnhof Friedrichftraße geschickt, um die Briefe mit dem nach etwa einer halben Stunde fpäter ab- gehenden Zug zu befördern. Der Beamte benutzte die Pferdebahn. An der Ecke der Jnvalidenstraße sprang ein andrer Postbeamter in vorschriftsmäßiger Uniform auf den Wagen und redete seinen Kollegen mit den Worten an:„Ich komme vom Postamt 39, geben Sie mir den Beutel, den ich nach dem Bahnhof bringen werde und kehren Sie eiligst nach dem Postamt 39 zurück. es ist etwas vergessen worden I" Das Auftreten des angeblichen Kollegen war so sicher, daß Schlottke keinen Verdacht schöpfte, sondern dem ihm gewordenen Befehl nachkam. Auf dem Postamt 39 erfuhr er, daß er das Opfer eines Schwindlers geworden sei. Der Briefbeutel nebst Inhalt ist nicht wieder zum Vorschein gekommen. Es befanden sich in dem Beutel auch vier Einschreibebriefe mit je 42 M. Inhalt. Die Postbehörde hat dem Absender den Schaden ersetzen müssen, zieht dem armen Briefträger das Geld aber. ratenweise von seinem Gehalt ab.(I!) Der Angeklagte bestritt entschieden, mit dem Schwindler identisch zu sein, und obgleich der Betrogene ihn mit ziemlicher Bestimmtheit wiederzuerkennen glaubte, hielt der Gerichts- Hof den Angeklagten doch nicht für hinreichend überführt, sondern sprach ihn wegen dieses Falls frei, obgleich auch der zweite, von dem Angeklagten eingeräumte Fall dem ersten in der Ausführung ähnelte. Arendt war eine Zeitlang bei der Firma P. u. Co. angestellt gewesen. Wenige Tage nach seiner Entlassung, an einem Sonnabend, paßte er dem Lehrling, der an jedem So'nnabendnachmittag den Lohn für die Arbeiter nach der Baustelle zu bringen hatte, auf. Er sprang zu ihm auf den Pferdebahnwagen, nahm ihm den Beutel ab und schickte ihn unter dem Vorwand, etwas Vergessenes zu holen, nachdem Bureau zurück. Der Lehrling wußte nicht, daß der Angeklagte entlassen war, er händigte ihm den Beutel aus. Es befanden sich darin 2014 M. Der Angeklagte hat den ganzen Betrag innerhalb zwei Wochen ver- gendet. Dann wurde er ergriffen. Der Angeklagte wurde außerdem noch mehrerer andrer Schwindeleien überfühtt. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu drei JahrenZuchthauS, fünfjährigen Ehrverlust und 150 M. Geldstrafe. Spekulation auf den Khaki- Patriotismus. Einen ausge- dehnten Schwindel mit Sammellisten für die Familien der nach China entsandten Truppen scheint der Schreiber Wilhelm Günther geplant zu haben, der gestern vor dem Schöffengericht sich zu verantworten hatte. Der Angeklagte hatte sich Sammellisten anfertigen lassen, durch welche zu Beiträgen für den gedachten patriotischen Zweck aufgefordert ivnrde. Die Prospekte trugen die Ueberschrift„Mit höchster Geneh- migung" und die Unterschrift„Günther. Beamter im Reichs- Patentamt". Als die Listen schon an einige Prsonen verschickt waren, kam dem Angeklagten die Kriminalpolizei in die Quere. Der Kriminalwachtmeister Otto ermittelte, daß der Angeklagte ein erst kürzlich zu vier Monaten Gefängnis verurteilter,' gänzlich mittel« loser Mann ist, der niemals Beamter im Reichs- Patentamt war und keineswegs im Besitz einer„höchsten Genehmigung" ist. Eine bei ihm vorgenommene Haussuchung förderte ein langes Verzeichnis von Personen zu Tage, an die sich der Angeklagte wenden wollte. Er behauptete im Termin, daß er thatsächlich für die Familien der China-Truppen sammeln, sich damit einen Namen machen und daraufhin einen Erlaß seiner viermonatigen Gefängnisstrafe anstteben wollte. Der Gerichtshof hielt ihn aber für einen durchtriebenen Schwindler und verurteilte ihn wegen versuchten Betrugs zu sechs Monaten Gefängnis. Sittlichkeitsverbrechen. Der Schuldiener Ludwig Markus von der katholischen G e m e i n d e s ch u l e in der Lützowstraße zu Charlottenburg stand gestern vor der ersten Strafkammer am Landgericht II, Iveil er sich ans weiblichen Konfirmandinnen einen Harem gebildet hatte. In zahlreichen Fällen hatte er sich auch der thätlichen Beleidigung von ISjährigcn Mädchen schuldig gemacht. Der Angeklagte wurde zu acht Monaten Gefängnis ver- urteilt, wovon zwei Monate auf die Untersuchungshast'angerechnet wurden. Deutsches Sklavendafein im Jahre ISOO. Auf Grund des Ausnahmegesetzes gegen das Gesinde vom 24. April 1854 war das Dienstmädchen Ueckert in eine Geldstrafe genommen worden, weil äe den am 1. April 1900 angetretenen Dienst bei dem Geschäftsmann Klein in Köslin bereits am 10. April wieder verlassen hatte. Das Mädchen legte Beruftmg ein und machte geltend, sie sei zum Verlassen des Dienstes berechtigt gewesen. Beim Reinigen des Geschäftslokals und der vier Zimmer habe sie auf den Knien liegen müssen, so daß ihr diese angeschivollen seinen. Die Kost habe der schweren Arbeit durchaus nicht entsprochen. Um nicht zu hungern, habe sie sich Essen kaufen müssen.— Der Dien st Herr wurde als Zeuge vernommen. Er sagte aus. die Angeklagte hätte den Umfang der Arbeit gekannt. Wenn sie nicht satt gewordeil sei. hätte sie mehr verlangen sollen.— Ein r ü h e r e s Dienstmädchen des Zeugen, die ebenfalls vernommen wurde, hat das Essen„ausreichend" gefunden. Das Laichgericht ver- warf die Berufung der Angeklagten mit Rücksicht auf jene Zeugen- aussagen, indem es annahm, ein gesetzlicher Grund zum Verlaffen des Dienstes habe nicht vorgelegen. Die Angeklagte legte Revision ein und erschien persönlich zu der Verhandlung vor dem Kamnicr- gericht. Auf eine Frage des Präsidenten fiihrte sie u. a. aus: Die Kost sei schlecht und gering gewesen. DeS Morgens habe sie, die schon sehr früh aufftehen mußte, nur i n e Semmel oder Stulle erhalten, und damit habe ie bis zum Vkittag aushalten müssen. Das Mittageffen habe wenig Kraft gehabt. Statt Kaffee sei ihr nachmittags Cichorienbrühe verabreicht worden und abends habe sie auch wieder nur eine Stulle bekommen. Mit der Aussage dcS andren Dienstmädchens fei das eine„eigne Sache". Von' diesen, Mädchen habe ihr Frau Klein gleich nach ihrem Dienstantritt er- zählt, daß es von ihrem Manne in jeder Weise bevor- ugt worden sei und daß ihr Mann sie selber wegen jenes Mädchens vernachlässigt habe. Die Aussage der Zeugin könnte also nicht ins Gewicht fallen. Das Kammergericht verwarf die Revision._ Uotzto Llachrichten und Depe�hen. Leipzig, 16. Oktober.(W. T. B.) Die Tarifverhandlungcn zwischen den Buchbindcrcibcsitzern und den Buchbiudergehilsc» werden heute zu Ende geführt; bis auf einige umveseutliche Puutl« wurde eine Einigung erzielt. Die Wahlen in England. London, 16. Oktober.(W. T. B.) Die Wahlen sind beendet. nur das Resultat der Wahl auf den Orknehiiffeln steht noch aus. Geivählt wurden 332 Konservative, 69 liberale Unionisten. 186 Liberale und Arbeitervertreter. 82 irische Nationalisten. Die Regierung hat eine Majorität von 132 Stimmen. China. London, 16. Oktober. Abendblätter melden aus Washington von heute: Ter amerikanische Gesandte Conger telegraphierte, der Kaiser von China werde unter amerikanischem Schutze nach Peking zurückkehren. PariS, 16. Oktober.(SB. T. T.) Heute Nachmittag wurde durch die deutsche Botschaft die Antwort Deutschlands auf die Note Delcassös überreicht. Mehrere Blätter wollen wissen, daß Delclassö demnächst eine ueue Note an die Mächte richten werde, in welcher er ein Resum- der Antwotten der Mächte auf die erste französische Note geben wird. Die Absendung dieser zweiten Note würde einen Meinungsanstausch der Mächte über die ihren Verttetem in Peking zu erteilenden Instruktionen zur Folge haben. Paris. 16. Oktober.(W. T. B.) Aus den Papieren, welche heute bei einer Haussuchung in dem früheren Hause der Antisemite»- liga in der Rue Chabrol gefunden wurden, soll hervorgehen, daß die Liga sich von Neuem gebildet hat und daher das Strafgesetz auf sie zur Anwendung kommt. Trient, 16. Ottober.(B. H.) Trotz des polizeilichen Verbots legte die hiesige Bürgerschaft anläßlich der Dantc-Feier eine große Anzahl Kränze am Dante-Monument nieder, sperrte die Geschäfts- lokale und versuchte Straßenumzüge zu halten. Die Gendarmerie nahm mehrere Verhaftungen vor. Bukarest, 16. Oktober.(B. H.) Heute früh um 3 Uhr fand hier ein heftiges Erdbeben statt. Berantwortl. Redacteur: Heinrich Wci'kcr in Groß-Lichterselde. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«loste u> Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin- Hierzu S Beilagen u. llnterhaltungehlatt. Br. 242. 17. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 17. Oktober 1900. Aus Italien. sid für die Schlacht, die er zusammen mit den Kollegen von der äußersten Entstehung der Besohlanstalten und führte dann aus: Während Linken zu Gunsten der Freiheit geliefert hatte. Ferri hielt bei dieser vor zehn Jahren, als sich die ersten Besohlanstalten auf 40 Rom, 10. Oftober. Gelegenheit eine wahrhaft politische Rede als Antwort für die thaten, der Preis für ein Paar Herrensohlen 2,50 M. beDie italienische Polizei ist bekannt als brutal und gewaltthätig. Reaktionäre, die in der letzten Zeit, da sie eingesehen haben, daß trug, sei derselbe jetzt infolge der wachsenden Zahl der und Verhaftungen und Weißhandlungen von ruhigen Bürgern, Gesetzes der Weg der brutal- gewaltthätigen Reaktion weder bequem noch Besohlanſtalten der dadurch hervorgerufenen scharfen widrigkeiten aller Art find an der Tagesordnung. Diese Art von nußbringend ist, da diese Methode durch die wachsame Energie Konturrenz auf 1,60 m. zurückgegangen. Reelle Arbeit könne für wird, fich in die Maste solchen Preis natürlich nicht geliefert werden, und die Arbeitslöhne Polizeiverbrechen laufen in Italien unter dem Namen, Frezzate", seitdem der Volksparteien Der erste unter diesen ist der in den Besohlanstalten beschäftigten Arbeiter seien so gedrückt, Frezzi vor einigen Jahren im Gefängnis San Michele in Nom bon Reformatoren hüllen. tot aufgefunden wurde. Die Polizei gab damals vor, daß er am der Baron Sonnino, der spiritus rector der reaktionärsten daß ein einigermaßen ausreichender Berdienst gar nicht erzielt werden Schlaganfall gestorben wäre, thatsächlich aber konnten an seiner Maßnahmen während der Obstruktionsperiode, der sich jetzt geradezu könne. Nicht selten verdienen derartige Arbeiter nur 9-15 m. in Leiche die evidenten Merkmale eines Falls aus der Höhe und von als Socialist aufspielt, indem er Reformen in Vorschlag bringt, die der Woche. Die Arbeitszeit sei gänzlich ungeregelt. Während erlittenen brutalen Prügeln und Stößen fonstatiert werden. Jetzt die Reibung zwischen Kapital und Arbeit zu mildern den Zwed anfangs der der Woche wenig wenig zu thun sei, werde in den hat sich ein andrer derartiger Fall in Neapel ereignet. Ein armer haben. legten Tagen der Woche bis spät in die Nacht hinein Junge, Mariano Picardo, wurde von den Schutzleuten am Abend Wenn", sagte Ferri, man wirklich eine Politik der Reformen gearbeitet. Angesichts dieser Verhältnisse sei es notwendig, daß des 14. September arretiert. Tags darauf wurde die bedauerns- einschlagen will indem man ehrlichen Nutzen aus der Lektion zieht, sich die in Besohlanstalten beschäftigten Schuhmacher der Organisation werte Mutter in fliegender Eile nach der Krantenabteilung des die die allgemeinen und lokalen Wahlen, sowohl politische wie ad- anschließen, um eine Verbesserung ihrer Lage herbeizuführen. Es Gefängnisses gerufen, 100 sie ihren Sohn sterbend vor- ministrative gegeben haben so muß das Experiment vor allem müsse gefordert werden: Eine geregelte tägliche zehnstündige Arbeitsfand. Das bemitleidenswerte Opfer wies tiefe Nägeleindrüde vollständig und ehrlich gemeint sein. zeit, ein fester Minimal- Lohntarif etwa 1,20 m. für genagelte, an der Kehle, blaue und grüne Flecken an der linken Wange, und Man rufe die Parteien ans Ruder, die immer in ihrem Programm 1,50 M. für genähte Herrensohlen, 1,00 M. für genagelte Damen große blutunterlaufene Stellen am linken Ohre auf, unwiderlegbare eine Reformpolitit hatten, man greife bis zu den Radikalen der fohlen usw. Lieferung sämmtlicher Buthaten durch die Anzeichen von Vergewaltigungen und Versuchen ihn zu erstiden. Einen äußersten Linken, aber als Regierungspartei und löse nicht etwa Arbeigeber. Dent Referat folgte eine längere, mitunter Tag später war der Junge tot. Obgleich das Verbrechen in die eine einzelne Persönlichkeit zu diesem Zwecke von der Fraktion äußerst lebhafte Aussprache. Einige Inhaber von Besohl= Augen springend war, wäre natürlich wie gewöhnlich alles im Sande los, dann wird die Haltung der Volksparteien und die der Social- anstalten behaupteten, die Löhne der Gesellen seien erheblich höher, einer Untersuchung verlaufen, die selbstverständlich die Unschuld der demokratie speciell nicht mehr die einer abfoluten Opposition, sondern als es der Referent angegeben habe. Dagegen tonnte ein Redner, Polizei, die den Tod einer Bronchitis!!! zuschob, fonstatiert die einer wachsamen Kontrolle und eines wirksamen Ansporns sein. der in einer Besohlanstalt als Geselle gearbeitet hat, berichten, daß. hätte, wenn sich die neapolitanischen Socialisten nicht der Sache an- Getreide golls in Vorschlag zu bringen und zu bewilligen, um einer Arbeitszeit von 70 Stunden. Ein Jnnungsmeister, der durch Man beginne damit, die umgehende Abschaffung des er durchschnittlich nur 18 M. pro Woche verdient habe, aber bei genommen hätten. 1. Wie der gall in one zu um Wie der Fall Frezzi in Rom zuerst bomben verhungerten Brovinzen einen neuen Blut- Frühling zu ersparen; die Besohlanstalten das Schuhmacherhandwerk geschädigt flieht, Avanti" der Oeffentlichkeit übergeben wurde, so wurde, so wurde bie eine erste Untersuchung des neapolitanischen Falles von der man reduziere den Preis des Salzes zum mindesten auf die Hälfte, stellte den Gefellen in einem Kampfe gegen die Besohl= socialistischen Propaganda" vorgenommen, deren Redacteure einen dann wird man thatsächlich und wahrheitsgetreu von einer Reform- anstalten die Unterstützung der Jnnung in Aussicht. Andre andren Jungen, der an demselben Abend mit Picardo zusammen politik reden können. Redner, sowohl Gesellen wie Kleinmeister, stimmten dent arretiert worden war, ausfragten. Von Sonnino all dies zu erwarten, wäre sicherlich illusorisch. Referenten hinsichtlich der geschilderten Mißstände durchaus au Aber auf alle Fälle ist diese Meinungsänderung Sonninos bemerkens- und betonten, daß die Gefellen, wenn sie ihre Lage verbessern. wert genug und es ist evident, daß die Strömung liberaler Ideen, wollen, fich nicht auf die Hilfe der Innung, sondern vielmehr auf die ihre Bufpigung in Giolitti haben, sich unter der von den Volks- fich selbst und ihre Organisation verlassen müssen. Die Ver parteien und speciell den Socialdemokraten immer angespornten sammlung nahm eine Resolution an, welche sich mit den AusBourgeoisie Bahn bricht. führungen des Referenten einverstanden erklärt, die Arbeiter zum Beitritt in den Verein deutscher Schuhmacher und die anwesenden Arbeitgeber zur Unterstützung der Bestrebungen der Arbeiter verpflichtet. Dann wurde eine aus 7 Personen bestehende AgitationsKommission gewählt, welche in allen Stadtteilen agitationsversammlungen für die Arbeiter in Bejoylanstalten abhalten soll. Der Junge erzählte, daß er zusammen mit drei andren verhaftet worden war, und daß man sie gegen 112 Uhr in das Zimmer des Marschalls( entspricht ungefähr unsrem Polizeiwachtmeister) hinaufgeführt hatte. Marschall Ferrara fragte fie: Wo ist die Uhr?" ſte: Die Jungen antworteten im Chor: ing ng Wir wissen nichts von einer Uhr." Ferrara wurde wütend, er warf die armen Jungen gegen die Band, dann mußten sie sich auf die Erde segen und unter Mithilfe des Brigadiere( ungefähr unser Sergeant) begann er sie zu maltraitieren, indem er immer unter Faustschlägen und Fußtritten wiederholte: • Ich werde es Euch schon beibringen, das Nichts- wissen! Darauf, ermattet und erschöpft, schäumend vor Wut, segte er sich nieder, rief einen etwas dickbäuchigen Schußmann mit schwarzem Schnurrbart und sprach mit ihm mit leiser Stimme. Der Schutzmann pacte Mariano und brachte ihn ins Nebenzimmer. In jenem Zimmer wurde dem armen Verstorbenen der Rest gegeben: es hagelte nur fo Mißhandlungen aller Art über ihn. Ferrara fagte zu ihm unter Fußtritten: Pfui Jubel ' n Bfut Deubel, was bist Du häßlich, ich glaube Du bist Picardo flehte jammernd um Barmherzigkeit und jene Infamen ließen ihn allein, als fie saben, daß es mit ihm zu Ende ging. Darauf wu Darauf wurden der Reihe nach die andren auch in jenes Zimmer geführt und schließlich alle in das Gefängnis zurüdgebracht. Spline130 Den unglüdlichen Picardo warf man auf die Britsche, wo er wie ein Toter liegen blieb, nur daß hin und wieder herzzerreißendes Hammern zu hören war. Bergeblich suchten ihn seine Genossen im Unglüd zu ermutigen, indem sie mit ihm zu scherzen versuchten, der Mißhandelte antwortete mit fadendünner Stimme: von Marschall hat es mir so Laßt mich in Ruhe, jenes gegeben, daß ich mich sterben fühle." Die gesamte größere Presse ist zur Zeit faft gänzlich in den Händen von Männern von der Jdee Giolittis. In den letzten Tagen ist das bedeutendste Organ der italienischen Bourgeoisie, früher das berüchtigte Reptil Crispis und der Crispinianer, von piemontesischen Finanzmännern gekauft worden und wird Giolittischen Charakter bekommen. Sociales. Hierauf machte ein Mitglied des Gesellenausschusses Mitteilungen; über die Beratung des Statuts der Innungs- Krankenkasse. Er führte aus, daß nach dem vom Innungsvorstand ausgearbeiteten Statut den Arbeitern fast gar kein Einfluß auf die Verwaltung der Kasse eingeräumt sei. Nach kurzer Besprechung nahm die Versammlung eine Resolution an, welche sich gegen das bezeichnete Statut erklärt. Nun Die Entwicklung zum Großbetrieb läßt sich am besten in unfren Großstädten studieren, so z. B. in Mannheim. Eine statistische Busanmenstellung der industriellen Entwicklung Mannheims ergiebt für die kurze Periode bon 1896 bis 1899 ein Wachstum der der Berlins und Umgegend hielt am 14. Oftober eine GeneralverDer Vercin zur Wahrung der Interessen der Maurer Gewerbe- Aufsicht unterliegenden Betriebe um 18 Proz., der darin fammlung in Quargs Grand Hotel, Alexanderplatz 46/48 ab. Bor beschäftigten Arbeiter aber um 46,3 Broz. Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenten der verstorbenen über die wohnungsfürsorge für die arbeitenben Klaffen in den geehrt. Dann wurde Megte als Stellvertreter des 1. Borfizenden Arbeiterwohnungen. In einer fleißigen Zusammenstellung Mitglieder Wilhelm Schure und Franz Köhler in der üblichen Weise württembergischen Jahrbüchern für 1899( Stuttgart, Juli 1900) stellt Geht gewählt, da letzterer wegen Strankheit die Geschäfte Dr. Trüdinger zusammen, was bisher von den verschiedenen Seiten nicht weiterführen kann. legte Kollege Kaufmann in der Wohnungsfürsorge geschehen ist. Es wurden Familien- die Abrechnung vom 3. Quartal 1900 vor, woraus sich eine Einwohnungen für Arbeiter erbaut nahme von 5670,25 M., eine Ausgabe von 2865,98 M., also eine Mehr- Einnahme von 2804,27 M. ergiebt. Das Vereinsvermögen Die beträgt am Schluß des 3. Quartals 1900: 15 996,91 m. Revisoren prüften Bücher und Belege, erstatteten demgemäß Bericht und wurde hierauf dem Kassierer Decharge erteilt. Alsdann wurden die Kollegen Domte, Stade, Jsmer und Rölle als VergnügungsKomitee zu dem am 5. Januar nächsten Jahrs stattfindenden Maskenball gewählt und wurde beschlossen, die Abrechnung dieses Komitees von den jezt fungierenden Revisoren revidieren zu lassen. Weiter wurde des beschlossen, die Angelegenheit unter vom Staat von der Gemeinde Ulm andren Gemeinden " " " " privaten Unternehmern • " " Baugenossenschaften. 398 984 seit 1869 204 1888 22 1868 1523 1819 1869 B " gemeinnügigen Vereinen in Stuttgart 1169 1861 B " andren Städten 238 1859 " Stiftungen...". 18 • " " 1871 zusammen 4556. Bourgeoisblättern mit Anklagen, daklelbstverständlich von den Vorteile in ihrer Errichtung für die Arbeiter erkennen dürften, wozu die Kollegen Herforth, Megke, Dams, Wilhelm Busch und Kater als Zwei Tage darauf var er eine Leiche. Infolge dieser Beschreibung der Vorgänge, die das focialistische nach jeder Richtung zweddienlich ansehen wollten, wenn wir nur wiederholter Aufforderung nicht bezahlt hat. Hierauf wurden Wenn wir auch alle diese Wohnungen für mustergültig und Leitung des Bibliothekars Blaurock verloren gegangenen Bibliothekbuchs ad acta zu legen, da Blaurock das Buch trop so wären diese Leistungen Antrag an und so fort, überhäuft. Die Gerichtsbehörde hingegen hat die Ver- mit dem Wohnungsbedürfnis der arbeitenden Klassen doch nur haftung des Marschalls Ferrara und des Gefreiten Lacavia an- lächerliche Maßnahmen, die alles beweisen, nur nicht die Fähigkeit gewiesen, auf der Grundlage des bestehenden Statuts Abänderungsgeordnet und sieht sich schon in die Notwendigkeit versett, des heutigen Staats und der herrschenden Klasse, die Wohnungsfrage für einen Tag die Unterstützung zugesagt, weil derfelbe für bevorschläge zu machen. Nach diesem wurde dem Kollegen Lehmann einzugestehen, daß jener Ferrara schon versucht hatte, die übrigen zu lösen.Jungen und ihre Angehörigen einzuschüchtern und zu bestechen, stehende Uebelstände eintrat und deswegen gemaßregelt wurde. damit sie ihre schon gemachten Aussagen widerriefen und ihn nicht Geffen und Geffen- Raffan tagte am Sonntag, den 14. d. Mts., in und Befchel auf Antrag des Ausschusses wegen Accordarbeit von der Eine Bauarbeiterschutz- Konferenz für das Großherzogtum Ferner wurden die Kollegen August Schwefel, Bassermann, Gericke antlagten. Aber das war vergebene Liebeßmüh. Ermutigt und gestützt von den Socialisten des Segretariato Diehl- beschlossen, Ermutigt und geftügt von den Socialisten des Segretariato Offenbach a. M. Beschickt war dieselbe aus 16 Orten mit Versammlung aus dem Verein ausgeschloffen. Nach diesem wurde del Popolo( Bolls- Sekretariat) haben jene Zeugen nicht nachgegeben, 27 Delegierten. Der Vorfizende des Dachdecker- Verbands Diehl beschlossen, die Beiträge zum Fonds in der nächsten Versammlung und es ist zu hoffen, daß über jene Angelegenheit flares Licht ver: Frankfurt a. M. hielt an Stelle des verhinderten Genossen Heinke- durch Beschluß zu regeln. Kollege Megte teilt einige Firmen mit, mit, breitet werde. Ich wiederhole, größtenteils verdankt man diese der Hamburg ein Referat über den Bauarbeiterschutz in Hessen und bei welchen der jetzt gültige Stundenlohn noch nicht gezahlt wird und neuen Einrichtung des Segretariato del Popolo, welches sich ge- Hessen- Nassau, das hauptsächlich in der Förderung der reichsgefeßlichen wurden einige weitere Streitfälle der Kommiffion zur Schlichtung überRegelung der Bautenkontrolle aus Arbeitertreisen und durch wiefen. Zum Schluß wurde bekannt gemacht, daß von jetzt ab jebe bildet hat, um die Bürger unentgeltlich gegen die Vergewaltigungen der Behörden zu verteidigen. Diese Institution hat sich das Ver- greifendere Arbeiterschutz- Bestimmungen, befferer Pflege der Unfall- Sonntagsversammlung Puntt 10 ühr und jede Wochentagsund jede Wochent trauen des Volts bereits in hohem Maße erworben. statistik und Abschaffung des Submissionswesens bezi. Einführung versammlung Bunft 8 Uhr eröffnet wird. Aber im letzten Augenblick, während ich schreibe, ist ein neuer entfalten, sei das von Hamburg aus in Kassel für die hessischen der Regiearbeit gipfelte. Um eine bessere Agitation als bisher zu Die an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbetter: Skandal geschehen. Ein Aftenstück, das die ersten Ergebnisse der Lande eingesegte Landeskomitee zu verlegen. Eine entsprechende Re- Berlins und Umgegend hielten am 8. d. M. im Gewerkschaftshause Voruntersuchung enthielt und das von dem Untersuchungsrichter an den Prätor des Thatorts, einer Vorstadt von Neapel, gesandt worden solution, in der auch die Bildung von Arbeiterschutz- Kommissionen ihre Generalversammlunglab. Der Kaffierer gab die Abrechnung vom war, ist auf diesem Wege spurlos verschwunden! Es wäre nicht an allen Orten gefordert wird, findet einstimmige Annahme. Ebenso 3. Quartal. Danach beläuft sich die Gesamteinnahme auf 10 921,40 das erste Mal, daß die Polizei, um sich zu retten, auf ihrem Wege Frankfurt a. M. beschlossen. Als Mitglieder desselben wählt die dem Kassierer Decharge erteilt. Die Mitgliederzahl beträgt 1158. das erste Mal, daß die Polizei, um sich zu retten, auf ihrem Wege einstimmig wird die Verlegung des Landeskomitees von Kaffel nach Mark. Nach dem Revisionsbericht wurde auf Antrag der Revisoren von Verbrechen aller Art fortfährt. Ich werde später über die Details dieser Angelegenheit be- Konferenz: Diehl( Dachdecker), Borfigender, Brückenstr. 31; Kaiser Ein vom Vorstand eingebrachter Antrag, den§ 12 des Statuts rightent. แลน ( Bimmerer) und Knauf( Weißbinder). Die durch die zu betreibende dahingehend abzuändern, daß nicht wie bisher in der JanuarAgitation entstehenden Kosten sollen dadurch gedeckt werden, daß pro Generalversammlung sämtliche Kommissionen 2c. gewählt werden, Mitglied und Halbjahr 5 Pf. von allen in Betracht kommenden auf sondern in der Januar- und Juli- Generalversammlung je die Hälfte, Die reaktionären Blätter führen jetzt einen wahren Cancan auf, den Bauten beschäftigten Bersonen erhoben werden soll und wird fand feine Annahme. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Als fie freuen sich über den Austritt des Dr. A glietti, Stadtrat in dabei besonders auf die Mithilfe der betr. Gewerkschaftsbeamten ge: 1. Vorsigender wurde Ludwig Hoffmann, Wrangelstr. 49, als Florenz, aus der socialistischen Partei. Sie flagen die Socialisten rechnet. Sollte durch die eingehenden Gelder eine völlige Kosten- 1. Schriftführer Kollege Gober gewählt. Als Delegierten für die an, die Gedanken- und persönliche Freiheit zu tyrannisieren. Der That Deckung nicht erfolgen, so bofft man von den im Bezirk bestehenden Berliner Gewerkschaftskommission wählte man die Kollegen Sauerbestand ist folgender: Als man im Stadtrat von Florenz die Ehren Gewerkschaftskartellen einen entsprechenden Zuschuß zu erhalten, den zapf, Bräunig und Jafte, als Revisor Hannemann. In die Rechtserweisungen für den von seiner Polarexpedition zurückgekehrten Herzog dieselben in Anbetracht der Thatsache, daß sie allgemein wenig von schuß- Kommission wurden die Kollegen Franz, Nicolai und Lange der Abruzzen diskutierte, schlug Aglietti allein ein Beifallsvotum für den Bauberufen in finanzieller Beziehung in Anspruch genommen gewählt. Von den übrigen Wahlen mußte man der vorgerückten Zeit Luigi von Savoia vor und setzte dadurch die Reaktionäre in Ver- wurden, wohl auch leisten dürften. Der erste Halbjahresbeitrag foll wegen Abstand nehmen und soll zu ihrer Erledigung am Donners wunderung, die sich der einzigen Thätigkeit, die ihnen geblieben ist am 1. Januar 1901 erhoben werden. Im allgemeinen wurde tag, den 18. d. M., im selben Lokal eine außerordentliche Generalund die sie aus dem ff verstehen: den Fürsten Beifall zu zollen und konstatiert, daß es mit der Durchführung der bestehenden Schutz versammlung stattfinden. für fie Gebentfeiern zu veranstalten, beraubt faben. Die Folge vorrichtungen sehr schlecht bestellt sei und namentlich fehre man sich diefer Handlungsweise Agliettis war, daß das socialistische Central an dieselben an fleineren fomitee ihm anempfahl, fünftig, ehe er sich auf Handlungen ein nicht, und ländlichen Orten fast gar da in diesen die ließe, welche Principienfragen berührten, sich erst mit dem Central felben so gut wie nicht zu eriſtieren scheine. Alage wurde polizeiliche Ueberwachung der fomitee auszusprechen, eine Mahnung, die, wie man flar sieht, logisch besonders auch über die große Lässigkeit geführt, die bei den und natürlich ist. Aglietti, verärgert, reichte feine Demiffion als Arbeitern der Baubranche in Bezug auf Bessergestaltung des ArbeiterStadtrat ein und trat aus der Partei aus.. Selbstverständlich unter schutzes noch herrsche. Eine lebhaftere Agitation zur Aenderung dem dröhnenden Beifallstrampeln der reaktionären Breffe. dieses Zustands soll deshalb betrieben und sonst auch alle geeignet erscheinenden Schritte zur Verbesserung der vorhandenen SchutzDas Wert der Partei- Organisation nimmt feinen lebhaften und bestimmungen unternommen werden. Angeregt wurde u. a. auch, wirlfamen Fortgang. Man ist im Begriff, eine weitgehende Agitation beim Heffischen Landtag die Forderung der Anstellung von Bauten unter der Arbeiterklasse hervorzurufen, um das Parlament dazu zu Controleuren aus Arbeiterkreisen zu stellen. Die nächste Konferenz zwingen, eine Vorlage zur Disfuffion und Annahme zu bringen, die foll im Frühjahr 1901 stattfinden. Mit einem anfeuernden Schlußdie Frauen- und Kinderarbeit regelt, ein Projekt, das von der wort des Genoffen Diehl, in dem er vor allem zur allseitigen Unterthätigen Anna Sulica off schon entworfen und dem Socialisten- ftügung des neugewählten Landeskomitees aufforderte, fand die tongreß vorgelegt wurde. In Turin wird auf Initiative der Konferenz ihren Abschluß. Socialisten des Orts die erste Università popolare( Volkshochschule) in Italien eröffnet werden. 4 營 • 8030 Isman Derlammlungen. Der Centralverband deutscher Textilarbeiter( Filiale Berlin I) hielt am 10. Oftober eine Monatsversammlung ab. Der über„ Bahn- und Mundkrankheiten". Die Einnahmen vom 8. Quartal Bahntechniker Herr Gedicke hielt einen sehr intereffanten Vortrag 3. betrug 1122,13 M., die Ausgabe 689,71 M. Es bleibt somit ein Bestand von 432,42 M. Unter Berschiedenes tam die Aufnahme berfchiedener Kollegen von der Firma Feibisch und das Weihnachts vergnügen zur Sprache. eibiſch und Der Bäckerverband hielt am 2. Oftober im Gewerkschaftshaus eine Mitgliederversammlung ab. Der Raffierer gab folgenden Kaffenbericht: Einnahme 1140,50 M., Ausgabe 453,27 M., bleibt ein Kassenbestand von 693,23 m., welcher von dem Revisor geprüft und für richtig befunden ist. Dem Kassierer wurde einstimmig Decharge erteilt. Kollege Hets hold gab einen kurzen Bericht über die bevor stehende Gaukonferenz, welche am 28. Oftober in Eberswalde stattfinden wird. Als Delegierte von der Mitgliedschaft Berlin wurden Hetschold, Höpfner, Briestorn, Sulow, und als Stell vertreter& ehnert einstimmig gewählt. Sierauf wurden verschiedene Anträge zu der Gaukonferenz gestellt und unter Punkt Verschiedenes wurden mehrere Vereinsangelegenheiten erledigt. Legten Sonntag hat in Mantua ein bemerkenswertes politisches Die in Besohlanstalten beschäftigten Schuhmacher sowie Fest stattgefunden. Die Bollsparteien des Orts, als Vertreter die Inhaber solcher Anstalten waren vom Vertrauensmann der bei dieser Gelegenheit der gesamten Volksparteien Italiens, über- Schuhmacher am Montag zu einer Versammlung nach dem Eng- Rigdorf. Am Montag tagte die regelmäßige Versammlung reichten Enrico Ferri, dem tapferen Führer der lischen Garten" eingeladen und auch zahlreich erschienen. Der der Möbelpolierer, Bahlstelle Rigdorf, bei Babenschneider. Reperau Obstruktion, eine goldne Medaille, als Zeichen der Dankbarkeit Referent Hermann erläuterte die wirtschaftlichen Ursachen der der zugesagt hatte, einen Vortrag über Völkerrechte zu halten, hatte " 1 Centralverband der Konditoren.( Mitgliedschaft Berlin.) Heute fich frankheitshalber entschuldigt; man fchritt deswegen sofort zur| wohl möglich ist, da der Konfumverein dem Kaufmann gegenüber in Erledigung von Verbandsangelegenheiten. Zunächst berichtete der einer Reihe von Fällen im Vorteil ist. In der Refolution, welche abend pünktlich 82 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Schiller, RosenthalerBibliothelar und bedauerte, daß leider viele Kollegen den Wert einer fast zur einstimmigen Annahme gelangte, sprach die Versammlung ftraße 57. Landsmannschaft der Schleswig Holsteiner. Mittwochabend Bibliothek noch nicht erkannt haben. Dann folgte der Bericht des ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Referenten aus, hielt Raffierers Bagerig über die Entwicklung der hiesigen Zahlstelle und sich bon der Notwendigkeit der Gründung eines Konsum- 8 Uhr: Versammlung mit Frauen in G. Feuersteins Festfälen, Ate zeigte, daß die Zahlstelle tüchtige Fortschritte gemacht hat. Ferner vereins am Orte überzeugt, und verpflichtet sich, dem- Jakobstr. 75. wurde darüber Klage geführt, daß die Werkstatt- Kontrollkommission selben beizutreten und ihn nach Kräften zu fördern. in keiner Weise ihre Pflicht thut. Zum Schluß machte er Vorsitzende auf die am nächsten Dienstag stattfindende Ersatzwayl eines Gemeindevertreters aufmerksam und forderte die Anwesenden auf, bei den Agitationsarbeiten und an der Wahlurne auf dem Posten zu sein. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( zwei Buchstaben oder eine Zahl anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die legte abonnements quittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant wortet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 1hr abends statt. Ober- Schöneweide. Am 13. Oktober hielt der hiesige Arbeiter Bildungsverein seine Generalversammlung ab. Der Verein zählt 57 Mitglieder und hat einen Kassenbestand von 52,25 M. Die Neuwahl des Vorstands ergab folgendes Resultat: Grunow, erster Bor Hellenbrandschen Lokal eine Boltsversammlung statt, in welcher Zehlendorf. Am Sonntag, den 14. Oktober, fand hierselbst im figender; Delbed, Kassierer; Peter, Schriftführer; Süßte, Bibliothekar. Als Hilfspersonen: Funke, Wiener, Mohrmann. Dem Fräulein Ida Altmann über:" Frauenleben und-Streben" Bibliothekar wurden zur Neuanschaffung mehrerer Werke 80 M. über- Bortrag anschließenden Diskussion sprachen verschiedene Redner im bem entstehenden Brei die Rizen der Wände, Dielen und Möbel bestrichen, 30 referierte. In der sich an den mit großem Beifall aufgenommenen E. S. 1900. Angefaulte Gurken durch ein Sieb getrieben und mit wiesen. Sinne der Referentin. Unter Verschiedenes" verweist Franz foll alles ingeziefer vertreiben. Steglitz. Am Donnerstag, 11. Oktober, fand in den Kaiser- einrich auf die demnächst stattfindende örtliche Wohnungsenquete D. G. Der Vertrag ist nur dann gültig, wenn der Betreffenden von hallen" eine von dem Verein zur Gründung einer Konsumgenossen- seitens des Socialdemokratischen Vereins" und ersucht um genaue ihrem Vater ein Arbeitsbuch ausgestellt war. schaft einberufene öffentliche Versammlung statt, in welcher Herr Ausfüllung der zugesandten Fragebogen; auch fritisiert Redner die liches Kind erlangt durch Ihre Heirat mit seiner Mutter die rechtliche Rechtsanwalt Steinschneider einen interessanten Vortrag über Schulgeldfrage im Orte. Nachdem noch Bielte die Mitteilung Stellung eines ehelichen Kinds. Jedoch ist es zweckmäßig, daß Sie bereits Konsumgenossenschaften hielt, der ihm den Beifall der Versammlung gemacht, daß das Schwarzsche Lokal( Alsenstr. 25) fortan den Ge- vor der Heirat Ihre Baterschaft zu notariellem, standesamtlichem oder gerichteinbrachte. In der sich anschließenden Diskussion bezweifelte noffen zu Versammlungen zur Verfügung steht und gleichzeitig auf lichem Protokoll erklären oder bei der Heirat Ihre Vaterschaft zu ſtandesamtlichem Protokoll erklären und Umschreibung seines Namens beantragen. Mohr, daß es möglich ist, einen Ueberschuß von durch die daselbst am 28. Oftober stattfindende öffentliche Gewerkschafts- M. 19. Der Fuhrmann ist in vollem Umfang schadensersatzpflichtig. schnittlich 10 Prozent, wie der Referent anführte, zu er- versammlung hingewiesen, wurde die interessante Versammlung gielen. Die darauf folgenden Redner Spörer, Müde, Frante, mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Socialdemokratie Buständig für die Klage ist das Amtsgericht, in deffen Bezirk er wohnt, Scharnberg und der Referent in seinem Schlußwort wiesen nach, daß es geschlossen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Ver antwortung. Theater. Mittwoch, den 17. Oktober. Opernhaus. Der fliegende Hol länder. Anfang 712 11hr. " Deutscher B. E. 77. hr vorehe: Gin kräftiger Kleiner Nixdorfer if Socialdemokratischer Wahlverein für Teltowangekommen! 545b RANIA Holzarbeiter- Verband. Dr. Silberstein u. Frau Toni Taubenstr. 48/49. abends 8 Uhr: , Plan und Aufgabe der deutschen Südpol- Expedition." Von prof. von Drygalski. Invalidenstr. 57/62. der Rollege Tischler Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Albert Maurer 108/16 Schauspielhaus. Der wilde Reut- Tägl. Sternwarte. Sirchhofs in Wilhelmsberg auß statt. lingen. Anfang 72 Uhr. Neues Opern Theater( Kroll). Der Mikado. Anfang 72 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 72 Uhr. Leffing. Johannisfeuer. 712 Uhr. Anfang Berliner. Die strengen Herren. Anfang 72 Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 7 Uhr. Neues. Die Butterseite. Anfang 7 Uhr. Westen. Der Zigeunerbaron. Anfang 7 Uhr. Schiller. Das Glück im Winkel. Anfang 8 Uhr. Secessionsbühne. Der gnädige Herr. Anfang 71/2 Uhr. Central. Der griechische Slave. Anfang 71/2 Uhr. Nachmittags Uhr: Die Puppe. Thalia. Der Liebesschlüssel. Anfang 72 Uhr. Quisen. Die guten Freunde. Anfang 8 11hr. Friedrich Wilhelmstädtisches. 72 Nachmittags 5-10 Uhr. CASTANS PANOPTICUM Die neuen lebenden Photographien. Graf Waldersee. Kampf mit chinesischen Boxern. Konzert der russischen Nationalkapelle aus Kiew, Kapellmeister Semaschko. Illusionen Kasperl- Theater Irrgarten- Schreckenskammer. Apollo- Theater. Zum 3. Male: Novität! Novität! Der Zugendring, infang 7 Uhr. Fräulein Loreley. Carl Weiß. Belle- Alliance. Schulze auf der Pariser Weltausstellung. Burleske- Ausstattungs- Operette Anfang 8 Uhr. in 1 Akt und 6 Bildern von Bolten- Bäckers. Musik von Paul Lincke. Ferner: Die schöne Millibäuerin von Tegernsee. Anfang 8 Uhr. Neu! Neu! Metropol. Specialitätenvorstellung. Riccardo und Benedetto. Der Mandarin von Ting- ling: ting. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Fräulein Loreley. Anfang 8 Uhr. am 15. d. m. verstorben ist. Die Be erdigung findet am Donnerstag, den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs: Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Todes- Anzeige. Allen Freunden, Verwandten und Genossen die traurige Nachricht, daß meine liebe, unvergeßliche Frau geb. Nathan. Nixdorf, 15. Oktober 1900. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes [ 5516 Hermann Wiebach' fagen allen Freunden und Bekannten, insbesondre bem Gesangverein Sänger Beeskow- Storkow- Charlottenburg. Donnerstag, den 18. Oktober, abends 81/2 Uhr, in der Gambrinus Brauerei, Wallstraße 94: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstands. 2. Neuwahl des Vorstands. 3. Vortrag des Genoffen Paul Hirsch über die Charlottenburger Fabritinspektion. 250/14 4. Diskussion. 5. Vereinsangelegenheiten. Zur Verteilung gelangt das Protokoll des Mainzer Parteitags. freis der Muffinftrumentenarbeiter, Der Zutritt ist nur Mitgliedern gestattet. meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe Sophie Wiebach. Danksagung. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. ,, Gewerkschaftshaus", Engel- llfer 15: Für die zahlreiche Beteiligung bei Minna Fechner der Beerdigung meines lieben Mannes plötzlich verstorben ist. Die Beerdigung fage ich dem Direktor und Meistern Heute, Mittwoch, den 17. Oktober 1900, abends 8 Uhr, im findet am Donnerstag, den 18. Oft., sowie den Kollegen der Firma Spinn, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen den Genoffen des IV. Berliner Wahl halle des Schöneberger Kirchhofs, freises( Südost) und dem Deutschen Marstraße, aus statt. ( 5536 Metallarbeiter- Verband meinen innig: Karl Fechner nebst Kindern, sten Dant. Schöneberg, Hohenfriedbergstraße 23. 5315 Witwe Martha Hahn. Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter. Vertrauensmänner- Versammlung für sämtliche Bezirke und Branchen. Tages Ordnung: 1. Streifzüge durch die Pariser Weltause stellung. Referent: Kollege Koblenzer. 2. Der§ 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. 3. Bericht über Streits und Differenzen. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Mitgliedsbuch mit Vertrauensmännerkarte legitimiert. Donnerstag, 18. Oktober, abends 8% Uhr, im Gewerkschaftshaus, 108/14 Engel: lfer 15, Saal I: Außerordentliche General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Fortsetzung der Tagesordnung der leßten General Versammlung ( Wahlen). 2. Die Aufnahme einer Statistit. 3. Verschiedenes. Die Versammlung wird Bunft 81/2 Uhr eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. 83/9 Der Vorstand. Palast Theater Reichshallen früher Feen- Palast, Burgstr. 22. Adele Moraw Sensations- Oktober- Progr. Paloft. Specialitäten Borstelling. 8 erstklass. Specialitäten. Der olle Muckebold. 72 Uhr. Reichshallen. Anfang 8 Uhr. Anfang Stettiner Sänger. Paffage Panoptikum. Specialis T täten- Borstellung. und Anfang 8 Uhr. W. Noacks Theater. Brunnenstraße 16. Urania. Invalidenstr. 57/62. Hente, Mittwoch, den 17. Oftober: Täglich abends von 5-10 thr: Die Waise aus Lowood. Taubenstr. 48/49. Abends 8 Uhr ( im Theatersaal): Plan und Aufgabe der deutschen Südpol Expedition. Schiller Theater ( Wallner Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Schauspiel in 3 Atten v. Hermann Sudermann. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die goldne Eva. Freitag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Central Theater Heute, nachm. 3 Uhr bei halben Preisen: Auf vielseitiges Verlangen: Kinder- Vorstellung.. Bum 187. Male: Die Puppe. Abends 71/2 Uhr: Der griechische Sklave. Operette in 3 Atten von S. Jones. Morgen und folgende Tage: Der griechische Sklave. Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Die Geisha. Metropol- Theater. # Der größte Operetten Er: folg dieser Saison. Eduard Steinberger a.G. Der Mandarin von Tsing- ling- ting fowie das neue phänomenale. Oktober- Special.- Progr. Jane Pierny. Bonhair- Truppe. Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Schauspiel in 4 Aufzügen von Charlotte Birch- Pfeiffer. Donnerstag: Der Bureaukrat. Thalia- Theater Heute und folgende Tage: Der Liebesschlüssel. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz. Hauptdarsteller: Thomas, Thielscher, Helmerding, Junkermann, Paulmifiller und die Damen Milton, Schäffer, Banovius, Junker- Schatz, Wehling. Anfang 7 Uhr. Noch nie dagewesener Erfolg! 8 Uhr. Nen! 8 Uhr. Der olle Muckebold. Emanuel Muck, Rentier: Direttor Richard Winkler. Durchweg lauter Schlager! Amiéla Koncewicz, Chansonetten- Diva Mr. Richard, großartige Pyramide auf Flaschen. Stettiner Sänger. Zum Schluß zum 147. Male: Excellens kommt. Der phänomenale Bassist Plättner m. seiner Großen u. Kanten- Oftave Anfang 8 Uhr. Tagesfaffe 11-1. Jeden Sonntag: 2 Borstellungen. Anfang der Nachm.- Vorst. 31/2 Uhr. Anfang der Abend- Vorst. 71/2 Uhr. In beiden Vorstellungen: Mitwirfung sämtlicher Herren. Die Ortsverwaltung. Verein focialdemokratischer Gaft- und Schankwirte Berlins und Umgegend. Freitag, den 19. Oktober, uachmittags 5 Uhr: General- Derlammlung im Lokal des Kollegen Wernau, Schwedterstr. 23/24. Tages Ordnung: 1. Die Mittagstischfrage. 2. Kaffenbericht. 3. Ergänzungswahl bes Borstands und der Rechtsschutzkommission. 4. Aufnahme neuer Mitglieber. 5. Bereinsangelegenheiten. Zu zahlreichen Besuch ladet ein 69/19 Der Vorstand. J. A.: Ferdinand Ewald. Achtung, Maurer! Freitag, den 19. Oktober, abends 8%, Uhr, im Lokale des Herrn Sitzenstock, Gneisenaustraße 61: Mitglieder- Versammlung der Zahlstelle Berlin II Außerdem: 12 Betons- Nummern. Sanssouci des Central- Verbands der Maurer 2c. Anfang: Wochent. 72, Sonnt. 7 Uhr. Entree: 50 Pf. Cirkus Busch Mittwoch, den 17. Oftober cr.: Abends 7/2 Uhr: Gross. Sports- Gala- Abend. Beginn der Pantomime 10 Uhr. CarlWeiss- Theater Berliner Landpartien Gr. Frankfurterstr. 132. Müller und Schulze auf der Pariser Weltausstellung. Anf. 8 Uhr. Morgen: Dies. Vorstell. Sonnabend, den 20., nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung. Hänsel u. Gretel." ult über ult. Tolle Streiche zu Wasser und zu Lande in 2 Aften. Besonders hervorzuheben: Das Kentern eines mit Musikanten besetzten Boots. Debut der berühmten Nolfiel- Truppe Troika, 3fache hohe Schule, geritten Cirkus Alb. Schumann. Seute, Mittwoch, den 17. Ottober, 23 2 Heute, Mittwoch, den 17. Oktober: große außerordentliche Vorstellungen. Nachmittags 312 Uhr: I. gr. Familien- u. Kinder- Borstellung mit einem extra zur Belustignng der Jugend eingerichteten Programm. In beiden Vorstellungen, nachu. und abends: Auftreten der 9 Colibris. Kgl. Liliput. Hoffünstler. Die neun fleinsten Menschen. Ein Blick in die Märchenwelt. Ferner: Neu! Les deux Rinaldis. Neu! Mlle. Lopzina. Neu! Sascha und Jean. Neu! Les 5 Balaguers. Die beiden vorzüglichen Schulreiterinn. Frl. Cécile Kasprzakow und Mile. Adrienne. In beiden Vorstellungen Dir. Alb. Schumanns an erkannt unerreicht dastehende Originaldreffuren. Nachm. 31/2 Uhr: 1 Kind bis zu 12 Jahren frei auf allen Blägen, jebes weitere Rind halbe Preise( außer Galerie). Abends 71/2 Uhr: CHINA. Größtes Manegen und Waffer: Schauftück der Gegenwart. Täglich Vorführung der neuesten Ereignisse in China durch den Kine matographen. von n. Burkhardt- Foottit. Senfationell! Noch nie dagewesen! Die Akrobaten zu Pferde! Europäische Kavallericen auf 16 Schulpferden. Kottbuserstrasse. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Anfang Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Von 5-7: Unterhaltungs- Musik. Wochentags 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Wochentags Tanz frel. Vereins- und Vorzugsbillets wochentags gültig. Säle zu Festlicht. u. Versammlungen. Deutsche Tages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen P. Winzler über:„ Boltsbildung und Klaffenbewußtsein." 2. Diskussion und Gewerkschaftliches. Regen Besuch erwartet Die Verbandsleitung. Achtung, Kontobuch- Arbeiter und-Arbeiterinnen! Heute, Mittwoch, den 17. Oktober 1900, abends 8 Uhr, Große öffentliche Versammlung im ,, Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer 15. Tagesordnung: 1. Welche Vorteile hat uns die Lohnbewegung gebracht? Ref.: Bernh. Jost. 2. Wahl der Mitglieder des Schiedsgerichts. 3. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung müffen sämtliche Kollegen und Kolleginnen bestimmt erscheinen. Niemand darf fehlen! 26/10 Der Vertrauensmann. Konzerthallen Adtung! Drechsler. Spandauer Brücke. 4 Täglich 4 ausländische Kapellen Gr. Theater- Vorstellung. Wo amüsiert man sich grossartig? Hasenhelde 21 und Jahnstr. 8 in Schnegelsbergs Festsälen, Inb.: Max Schindler. Telephon: Amt IV Nr. 1132. Hente: Grosser Ball, ats Specialität: Gigarren- Regen, verbunden mit Schlangen- u. Bonbon- Regen u. diversen Ueberraschungen. Täglich: Specialitäten- Vorstellung. Entree frei. Empfehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken 2c. meine Säle, 300 und 1200 Personen faffend( mit Bühne) [ 57412* zu Versammlungen und Festlichkeiten jeder Art. Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Wochentags 7 Uhr. Karlstrasse, Nur erstklassige Sonntags 6 Uhr. Specialitäten. Direktion: J. M. Hütt. Jeben Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Achtung! Donnerstag, den 18. Oktober, abends 8 1hr: Branchen- Versammlung der Drechsler in Stecherts Festsälen, Andreasstraße 21. Tages Ordnung: 1. Bericht über die Lage unfres Streits. 2. Diskussion. 3. Wie tonnen wir das Errungene aufrecht erhalten? Um rege Beteiligung aller Kollegen ersucht 108/17 Die Lohnkommission. Marmor- u. Granitarbeiter. Donnerstag, den 18. d. Mts., abends 8 Uhr, im Lokal von Herrn Hoffmann( Engl. Garten), Alexanderftr. 27 e: Oeffentliche Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bierteljahrsabrechnung und Abrechnung vom Streit. 2. Vortrag des Kollegen Mitschke über: Sociale Gesetzgebung und Arbeiterorganisation. 275/11 3. Gewerkschaftliches. Der Vertrauensmann. Zahlreichen Besuch erwartet Achtung! Achtung Cementierer und Berufsgenoffen. Mittwoch, 17. Oftbr., abends 8 1hr, bei Nümann, Brunnenstr. 188: Große öffentliche Versammlung der Cementterer u. Berufsgenoten Tages Ordnung: 1. Die jeßige Lage der Arbeiter. Referent: Gen. Klesel. 2 Distuffion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. 57/16 Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist erforderlich. Der Einberufer. blo ab A. Jandorf& Co deix C. Spittelmarkt 16| 17. SW. Leipzigerstr. 64. SW. Belle- Alliancestrasse 12. Tapisserie, Dau 20 pasislari. vorgezeichnet. X Eisdeckchen mit Saum:: Stick 5 Pg. Staubtuchtaschen aus Filz mit Ring Tablettdecken mit Saum. Grösse 1 ::: Stück 2 3 4 5 9 13 16 23 36 Pfg. Kaffeewärmer aus Filz zweifarbig circa 120 cm lang Stück 50 Pf. Tastenläufer aus Filz Tischläufer mit Saum.. Stuben- Paradehandtücher mit Saum... 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Die Stadtverordneten-Versammlung hat in ihrer Sitzung am Donnerstagnachmitiag S Uhr u. a. folgende Gegenstände-iü beraten: Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemelndebeamten.— Vorlagen, betreffend den Bau und Be- trieb neuer Strastenbahnlinien für Rechnung der S ta d t g em e i n d e und die Uebertragnng der Verwaltung des stadtischen Strahenbahnwesens an eine besondere Depmation nach Z S9 der Städte-Ordnung,— den Austausch zweier Parzellen in der Fischer- strage,— den Neubau eines Familien- und Schnitter-Wohnhauses aus dem Gute Hellersdorf,.—.den Jahresabschluß der Hanpt-Stif- tungskasse für das Etalsjahr 1899,— die Teilung der Stadtbezirke 66, 190, 193, 261a, 290, 292a und 306,— den fpeciellen Entwurf für ein Pflegehaüs für Ehepaare bei der städtischen Siechenanstalt rn der Fröbelstraße— die Veränderung der Ausstattung der beiden Schutzinseln westlich und östlich des Schloßbrunnens,— die Beteiligung der Stadtgemeinde Berlin an der nächstjährigen Kunstaus- stellung— die Errichtung einer einheitlichen elektrischen Belenchtuna der Leipziger st raße und des Spittelmarkts und die der Großen Berliner Straßenbahn erteilte staatsbehördliche Ge- »ehmigung.— Vorlagen, betreffend: die Neuwahl eines Bürger- deputierten für die Waisenverwaltung.— die Wahl von Schieds- Männern bei Abschätzung seuchenkranker. oder seuchenverdächtiger, auf polizeiliche Anordnung zu tötender Tiere für das Jahr 1901'— und den Ablauf der Wahlzeit eines Bürgerdcputicrten bei der Spar- raffe.— Eine Remunerationssache. Eine erfreuliche Offenheit bekundet der Magistrat in seiner Borlage über eine kleine Aenderung des Plans zur U m g e st a lt u n g des Schloßplatzes. Es war beschloffen worden, die großen Schutzinseln, dse zu beiden Seiten des Brunnens angelegt worden sind, nur mit Mosaikpflafter zu versehen. Hinterher ist man aber un Magistrat zu der Ansicht gekommen, daß es sich doch besser machen würde. wenn die Inseln als schmuckplatzähnliche Anlagen ausgestaltet werden. Für diese Aenderung sucht der Magistrat die Genehmigung der Stadtverordneten-Versammlung nach. In der Bgründung der Vorlage findet sich der Satz:„Nicht unerwähnt lassen wollen wir. daß uns der Herr Polizeipräsident mitgeteilt hat, daß auch Se. Majestät der Kaiser und König die Dimensionen der beiden großen Jnselperrons rechts und links vom Schloßbrunnen so groß finde, daß dieselben in der Mitte sehr wohl eine mit reichem Blumenschmuck versehene gärtnerische Anlage ver- tragen würden."— Wir vermuten, daß es gar nicht erst dieses Zusatzes be- dürft hätte, um in der Stadtverordneten-Versammlung eine Mehrheit für die gärtnerischen Anlagen zu finden; fie dürsten sich auch wirklich schöner ausnehmen als das kahle Mosaikpflaster. Immerhin ist es aber sehr dankenswert, daß der Magistrat in dem vorliegenden Falle offen sagen zu müssen geglaubt hat, von welchen Rücksichten er sich leiten läßt. Wir wünschten nur. daß er auch bei andren, wichtigeren Gelegenheiten sich immer derselben Offenheit befleißigt und seine Rücksichtnahme auf die Wünsche der Krone unumwunden zugestanden hätte. Mancher Beschluß der Stadtverordiketen-Versammlung würde dann vielleicht doch etwas anders ausgefallen sein. UoKsles. Achtung, 6. Wahlkreis! Den Genossen und Genossinnen zur Nachricht, daß am Donnerstag, den 18. Oktober, abends 8� Uhr, drei Volks-Äersammlungen stattfinden. Ju der Ver- sammlung bei MLudner, Bergstr. 12. spricht der Kandidat des Kreises, Genoffe Ledebour, im„Swinemünder Gcscllschaflshails-, Swinemünderstr. 42. Genosse Schippe! und im„Belforter Salon". Belforterstr. 16, Genoffe T u tz a u e r über:„Die Bedeutung der diesmaligen N a ch w a h l. Zahlreichen Besuch erwartet Das socialdemokratische Wahlkomitee. Ein neuer Treubund ist zur Zeit im Werke. Seinem Wesen nach ist er ähnlich, wie die seelige Bereinigimg. die sich vor gut 50 Jahren zum Schutz des Königshauses gegen die Revolution etablierte. Das erste Zeichen ihrer Loyalität will die neue Brüderschaft, die in der Aera des Byzantinismus offenbar einem dringenden Bedürfnis entspricht, durch eine Gratulationsadresse an die Kaiserin von sich geben. Selbstverständlich ist es der bekannte Beschluß der Stadt- verordneten-Versammlung. der zu dieser hübschen Demonstration den Anlaß giebt, und die„Post" motiviert die Daseinsberechtigung der Treubündler durch folgende Kundgebung: Durch den Beschluß, von einer Glückwunschadresse Abstand zu nehmen, sucht die freisinnige, von der Socialdemokratie natnr- gemäß unterstützte Stadtverordneten-Mehrhcit den Charakter der Ergebenheitskundgebnng im Sinne des ultraliberalen Schein- Monarchismus zu verändern. Sie soll offenbar nur bei einwandsfreien Beziehungen zwischen Hof und Stadtverordneten- Kollegium zugestanden werden. Die Stadt- vcrordnetenmehrheit hat jedoch die Bürgerschaft gar nicht hinter sich. Eine sDurch Orden? D. Red.) glänzende und starkbesuchte Versammlung patriotischer Männer beschloß gestern abend, gegenüber dem LoyalitätS streik der Stadtverordnctenmehrheit die Gefühle unverbrüchlicher Treue, Liebe und Verehrung in einer Jmmediatadresse an die Kaiserin zum Ausdruck zu bringen. So wird dieser als die Bethätigung einer gewissen Volkssouveränetät ge- dachte Beschluß der Stadtverordnetenmehrheit eine eklatante, aber auch wohlverdiente Niederlage der freisinnigen Schein- Monarchisten herbeiführen.... Durch die Initiative der Bürgerschaft selbst ist den freisinnigen Machthabern im Roten Hause deutlich klar gemacht, daß auch die vorsichtigste Taktik mcht im stände ist, das vielleicht da und dort gewünschte Mißverhältnis zivilchen dem kaiserlichen Hause und der allezeit royalisti- schem und hohenzollerischen Berliner Bevölke- rung herbeizuführen. Was man auch sonst gegen die hinter verschlossenen Thüren ge- plante Demonstration einwenden mag, der Idealismus ihrer Arrangeure verdient Anerkennung. Es giebt am Ende 600 Hof- lieferanten und zehnmal so viel Schutzleute in Berlin. Diese braven Männer nebst ihren respektiven Ehegattinnen und sonstigem für die Adresse, in Betracht kommenden Anhang als die Volkssouveränetät, als die allezeit royalistische er. Bevölkerung an sich auszugeben, das zeugt von einem enorm hohen Mut. Es ist wahrlich nichts Kleines, dieser tapferen Heldcnschar gegenüber die erdrückende socialdemo- kratische Mehrheit der Berliner Bevölkerung zum wesenlosen Scheine verflüchtigen zu lassen._ Zur Nachwahl im sechsten Reichstags- Wahlkreise. Sehr bennerkt wird folgende Mitteilung in der„Voss. Ztg.": „Die erste Wählerversammlung der nationalen Parteien im 6. Berliner ReichStags-Wahlkreise fand am Sonnabend in den Germania- Sälen statt und erklärte sich einstimmig für die Kan- ' didatur des Rechtsanwalts Ulrich." Man hat ivohl nicht ganz unrecht, ivenn man diese Mitteilung als einen, wenn auch verschämten Anfang der Reklame für den— „nationalen" Kandidaten Ulrich betrachtet. Daß die„Voff. Ztg." dabei für ihre eigne, die freisinnige Partei auf das bisher ängstlich in Anspruch genommene Beiwort„national" verzichtet, ist ver- stäub lich in Anbetracht der Bescheidenheit, mit der sich diese Partei jetzt im sechsten Reichstags-Wahlkreis eingeschätzt hat. Mit der Empfehlung des Antisemiten Ulrich kommt die„Voss. Ztg." ja auch nur der Stimmung ihrer freisinnigen Leser entgegen. die zum überwiegenden Teil in Ermangelung eines eignen Kandidaten für den Mann der„Staatsbürger-Zeitung" stimmen werden, gerade so. wie sie es vor Jahresfrist ohne Unterschied der Religion bei den Stadtverordnetenwahlen gethan haben. Uns regt ein solches Verhalten des freisinnigen Blatts und seines Publikums nicht weiter auf. Fördert es doch unverkennbar die weitere Zersetzung des Liberalismus. Daö WohnungSelend. Eine erschütternde Schilderung der durch die Wohnungsnot hervorgerufenen Zustände im städtischen Familienobdach gab in der am Montagabend stattgefundenen Sitzung des freisinnigen Bezirksvereins der südlickien Friedrichstadt, Herr Stadtverordneter E ck a r d t. In der letzten Sitzung des Kuratoriums des städtischen Obdachs, welchem der Redner angehört, wurde fest- gestellt, daß 1300 Personen, darunter 800 Kinder, sich noch im städtischen Obdach befinden. Ihre Unterbringung macht ungeheure Schwierigkeiten, da man einen großen Teil der Familien in den für diese Gattung Obdachloser' bestimmten Räumen nicht ein- quartieren konnte. Vielmehr hat man zehn Schlaf säle der ambulanten Obdachlosen in Familiensäle um- wandeln niüssen, und es mußten, da man nicht über genügend eiserne Bett st eilen verfügte, Frauen und Kinder, eng aneinander gepfercht, in den bettstellartigen Holzmatratzen schlafen. Das Kuratorium hat sich nun kurzerhand entschlossen, baldigst und rationelle Abhilfe zu schaffen. Es geht von der Ansicht aus, daß zum April kommenden Jahrs ein noch weit größerer Andrang obdachloser Familien zu erwarten sein wird und es ist vollkommen ausgeschlossen, daß unter den heutigen Verhältnissen bei einer derartigen Verkehrssteigerung eine Unterbringung der sämtlichen Wohnungslosen im städtischen Asyl zu ermöglichen ist. Das Kura- torium läßt nun zehn neue Schlafsäle für obdachlose Familien einrichten, und um den hierfür erforderlichen Raum zu schaffen, werden in der st ä d t i sch e n Markthalle XII (Gesundbrunnen), die für den Marktverkehr bekanntlich geschlossen ist, Lagerräume für das Mobiliar der Wohnungölosen errichtet. Zu all dem Elend kommt noch, daß mehrere Kinder der Obdachlosen an den Masern erkrankt sind, und daß hierdurch eine Epidemie unter den Kleinen der Aerniften der Armen entstehen kann. Von der Verwaltung sind zwar die umfassendsten Maßnahmen getroffen worden, um einer Verseuchungsgesahr vor- zubeugen; die Erkrankten wurden sofort in Krankenhäuser geschafft. Tritt jedoch eine Epidemie ein, so sind die Folgen derselben gar nicht abzusehen. Ein weiterer, sehr wesentlicher Uebel- st a n d ist, daß d e r S ch u l u n t e r r i ch t. der bisher den Kindern der Obdachlosen zu teil wurde, infolge des Massen- andrangs nicht nrehr aufrechterhalten werden kann, da hierfür geeignete Schulräume nicht vorhanden sind. Die Kinder laufen unbeaufsichtigt auf den Spielplätzen umher! Das Allerschlimmste aber ist, daß der allergrößte Teil der Obdachlosen auf Monate hinaus die Gastfreundschaft des städtischen Obdachs in Anspruch nehmen muß. Die Unglücklichen bemühen sich redlich, Wohnungen zu finden..Die stereotype Antwort, die sie von den Hauswirten erhalten, ist:„Wir nehmen nur kinderlose Familien ins Haus." Der Hunger treibt's runter!" sagt mancher im Scherz, der, vor einem guten Happen sitzend, gefragt wird, wie's ihm schmeckt.„Der Hunger treibl's runter!" Dieses Scherzwort ver- wandelt sich in bitteren Ernst, wenn man sieht, wie mancher Arme sich von wertlosen und selbst von widerwärtigen Nahrungs- mittelabfällen nährt, nur weil sie wenig kosten und umsonst zu haben sind. Was der Hunger alles„runtertreibt", davon hat der Satte keine Ahnung. Die Nahrungsmittelhändler, die ihre alt gewordene Ware zu stark herabgesetztem Preise an Arme losschlagen oder gar verschenken, die konnten davon erzählen! Eine der ärgsten Proben, die uns je vorgekonimen ist, beobachteten wir am Dienstag in der Kaiser Wilhelmstraße. Wer hier am frühen Vonnittag an der Centralmarkthalle vorbeigeht, der wird mit Ekel die Abfalle bemerken, die auf dem Damm und zum Teil auch auf dem Bürgersteig umherliegen, bis die Fuhrwerke das Feld geräumt haben und die Straßenrciniger mit Besen, Schippe und Karren antreten können. Angefaultes Obst und verdorbene Gemüse- reste aller Art bilden mit schmutzigem Papier und Stroh, mit Fleischabfällen, Blut und Pferdekot ein widerwärtiges Gemisch. Schon bei dem bloßen Anblick dieser Unrathaufen kann einem übel werden, wenn nian nicht daran gewöhnt ist. Und doch giebt es Leute, die selbst in diesem Unrat noch nach „Genießbarem" spähen! Aus einem Haufen fauliger Pflaumen, die ein Obsthändler aus seinem Vorrat aus- gesondert zu haben schien und auf die Straße geworfen hatte, sahen wir eine des Wegs kommende dürftig gekleidete Frau ein paar Hände voll aufraffen. Man möchte so etwas fast nicht für möglich halten, wenn man nicht wüßte, wie der Arme mit dem Pfennig rechnen muß. Pflaumen sind doch gewiß kein Luxusartikel, namentlich nicht in diesem Jahre; aber selbst der billige Preis, den sie gegenwärtig haben, ist für viele Arme noch zu hoch. Ob die Frau die aus dem Kot aufgelesenen Pflaumen für sich und ihre Kinder als Zukost zu trockenem Brot mitgenommen hat, oder ob sie Pflaumenmus daraus bereiten wollte, wer weiß es! Aber in dem einen wie in dem andren Fall wird's ihnen der Hunger„runter- getrieben" haben. Verantwortlichkeit des Geschäftsfiihrers für Prcffdeliktc. Am 18. d. M., um lOVa II Hr. gelangt vor der Strafkammer des Landgerichts I eine Gerichtssache zur Verhandlung, die trotz der vielfachen merkwürdigen Erscheinungen, mit denen die deutsch- chinesischen Rcchtspflege-Einrichtungen den nicht juristischen Staats- bürger zu überraschen pflegen, ein ganz besonderes Interesse in Anspruch nimmt. Unter Anklage steht ein Flugblatt, das aus Anlaß der Verhängung einer Sperre über die Kunst-Töpferei-, Ofen« und Kochherdfabrik E. Schöffe! im Juni 1900 in Berlin verbreitet wurde. Durch dies Flugblatt sollen die Töpfermeister Eduard Schöffe! und Wilhelm Stein beleidigt sein. Dies Flug« dlatt ist von dem Töpfergesellen Hugo David redigiert und verlegt, bei Gustav Witzel(vonn.' M. Schrinner). Berlin. Brunnenstr. 164 gedruckt. Angeklagt find wegen des Inhalts dieses Flugblatts z u n ä ch st der Redacteur und der Verleger David und serner, ähnlich wie in dem bekannten von allen un- parteiischen Juristen und vom Reichsgericht als unvereinbar mit dem Preßgesetz gekennzeichneten Falle Schulze-Bading der Drucker? Nein/diesmal der Prokurist der Druckerei, der Geschäftsführer Eugen Ernst. Die von jedem Fachkundigen in ihrer Selbstverständlichkeit für wahr gehaltene Behauptung dieses Angeklagten, daß er das Flugblatt gar nicht gelesen und den Inhalt nicht gekannt habe, ist nach Meinung des Staatsanwalts„offensichtlich" unwahr. Man darf auf den Ausgang dieses Falls gespannt sein. Zur Frage der Mtlchvcrteuerung wird berichtet: Die für Berlin in Aussicht gestellte Milchverteuerung kann als vorläufig g e- scheitert betrachtet werden. Viele Milchhändler, die Anfang dieses Monats den Preis für das Liter Vollmilch um 2 Pf. frei Haus erhöht hatten, sind infolge Widerstands ihrer Abnehmer schnell wieder zu dem alten Preis von 20 Pf. für das Liter zurückgekehrt. Andre find infolge der Konkurrenz noch weiter gegangen und bieten heute das Liter guter Vollmilch ichon für 18 Pf. an. Wenn die Bevölke- rung der' Preiserhöhung weiteren Widerstand entgegensetzt, wird nicht nur die jetzige Mi'lchvertenerung, sondern auch die für das nächste Jahr geplante weitere Erhöhung auf 24 Pf. nicht durchgesetzt werden können. Der Leicheufund in der Schulzendorferstraße ist nunmehr nach einer Richtung aufgeklärt. Das Ergebnis der Leichenöffnung, aus das die Kriminalpolizei mit Spannung wartete, läßt keinen Zweifel bestehen, daß Frau Nerger eines gewaltsamen Tods gestorben ist. Frau Nerger ist demnach durch Hineinstoßen des Tuchs in den Mund getötet worden, also erstickt. Das Tuch war so weit und so fest hineingestopft, daß die Frau es unmöglich selbst eingeführt haben kann. Es ist auch, wie die Leichenöffnung ergab, mit solcher Gewalt geschehen, daß ihr einige Zähne ausgestoßen wurden. Außerdem hat die Ermordete einige Kratzwunden am Hals und am Kinn. Der mutmaßliche Mörder ist in der Person eines am 14. Juli 1867 zu Berlin geborenen Arbeiters Richard Müller, der früher Klempner war. bei der Durchsuchung der Kaschemme in der Fennstraße am Montagabend ermittelt und fest-. genommen worden. Er war am Sonnabend bei einem Klempner in der Mllllerstraße zur Aushilfe beschäftigt und wurde zunächst mit dem Zimmermann aus der Antonstraße verwechselt. Müller ist es, der am Sonnabendabend mit der Frau Nerger von 3 bis 11 Uhr bei Schirmer und dann bis 1 Uhr in andren Lokalen kneipte. Zwei Frauenspersonen sahen ihn nun Ifs Uhr in der Lindowerstraße mit der Nerger gehen, die er fest umschlungen hielt. Er bestritt zunächst alles und wollte um 1 Uhr nachts im Asyl in der Wiesensttaße Aufnahme gefunden haben. Es wurde ihm aber nachgewiesen, daß dort bereits um 6Vs Uhr abends die letzte Aufnahme stattgefunden hatte. Nun erklärte er, daß er sich geirrt habe; er habe keine Aufnahme gefunden und habe sich daher in der Gegend des Asyls die Nacht umhergetrieben. Es sind Zeugen vorhanden, die bekunden, daß Miller mit Frau Nerger das Haus Schulzendorferstraße 7 betreten habe. Dazu kommt. daß er ein Halstuch, das er vorher trug, jetzt nicht mehr hat. Vermutlich ist es dasselbe, das Frau Nerger in den Mund gestopft worden ist. Müller hat auch leichte Verletzungen an der Hand. Er behauptet, diese bei den Klempnerarbeiten in der Müller- straße bekommen zu haben, die Kriminalpolizei dagegen nimmt an, daß er sie sich beim Einstoßen des Tuchs in den Mund zu- gezogen habe. Müller ist wegen Raubes, schweren und leichten Diebstahls mit Zuchthaus bestraft und befand sich im Jahre 1883 unter dem Ver- dacht, gegen einen Knaben sich vergangen zu haben, in Untersuchungs- hast, wurde jedoch entlassen, weil' das Verbrechen ihm nicht bestimmt nachgewiesen werden konnte. Beim Schluß des Verhörs gab er gestern abend zu, mit Frau Nerger bis 1 Uhr in der Lindowerstraße zusammengewesen zu sein. Er räumte auch ein, daß er die Frau umschlungen habe. Uni 1 Uhr aber sei ein Unbekannter gekommen, habe ihm seine Begleiterin ab- genommen und sei mit ihr weitergegangen. Ueber einen bedauerlichen Theaterskandal, dessen Schau- platz die S e c e s s i o n s b ü h n e am Sonntagabend war, wird be- richtet: Zur Ausführung kamen die beiden Komödien des Andreas Gryphius,„Peter Squenz" und„Die geliebte Dornrose". Es erwies sich aber als ein gefährliches Beginnen, diese beiden niehr litterarhistorisch interessanten Werke dem Sonntags- Publikum zu bieten. Kaum waren die ersten Scenen des„Peter Squenz" vorüber, so setzte schon eine wütende Opposition ein und störte die Vorstellung. Bei dem zweiten«tück wurde es noch schlimmer. Der Dialekt mag vielen unverständlich geblieben sein. Sie rächten sich dadurch, die Vorstellung durch Pfeifen. Johlen und laute Zwischenbemerkungen zu unterbrechen. Als der Vertreter des Arendator, der Schauspieler Roso, auftrat und, seiner Rolle getreu, vor sich hinpfiff, war das ein Signal zu einem Pfeifkonzert, an dem sich fast die gesamte Galerie beteiligte. Dazwischen schrien und johlten andre Zuschauer. Geräuschvoll verließen viele Besucher das Theater und verlangten an der Kasse ihr Geld zurück. Der Kampf zwischen den Schauspielern, die sich bemühten, das Stück wenigstens zu Ende zu führen, und der Opposition nahm inzwischen seinen Fortgang. Bei dem letzten, Scenenwechsel sprang plötzlich ein Herr aus dem 1. Parkett auf und schrie mit Stentorsttmme dem Greger Kornblume entgegen:„Sagen Sie Ihrem Direttor, es ist eine Frechheit, uns so etwas zu bieten!" Auf die Zurufe, sich hinzusetzen, wiederholte er seine beleidigenden Worte einigemal und verließ mit seinen Freunden das Theater. Unter Lärni, Johlen und Pfeifen wurde das Stück mühsam zu Ende gebracht. Für die Figur deS„Bogenschütze»", welche von der Stadt Berlin für 10 000 M. angekauft worden ist, hat ihr Schöpfer, Prof. E. M. Geyger, einen Platz im Hnmboldthain ausgewählt. Das Werk soll dort auf einer der Wiesen stehen. Zunächst wird Professor Geyger noch im Auftrage der Stadt für die Figur ein großes Postament auS Laaser Marmor herstellen, das er mit Seerosen und andren Blumenornamenten zu schmücken gedenkt. Eine mehrstündige Verkchrungsstörung im Straßenbahn- betriebe entstand gestern Abend gegen'/a8 Uhr im Westen der Stadt, durch welche der gesamte Betrieb nach Schöneberg respekttve nach Charlottenburg lahm gelegt wurde. Um diese Zeit war im Speise- kabel Kurzschluß entstanden, wodurch die Stromzuführung in die Oberleitungsanlagen unterbrochen wurde. Zwar machte man den Versuch, den Betrieb mittels Accumulatoreuwagen aufrecht zu er- halten, doch erwies sich dies schließlick als unmöglich, da allzu viel auf Oberleitungsbetrieb angewiesene Motorwagen die Strecke besetzt hielten. So lammelte sich bald eine endlose Wagenburg an, die sich von der Hauptstraße in Schöneberg bis nach dem Leipzigerplatz erstreckte und hier wie in der Bülow-, Lützowstraße usw. beide Geleisreihen besetzt hielt. Zwar war der Defekt gegen 9 Uhr abends beseitigt, jedoch infolge der von dem gesamten Wagenpark gleich- zeitig' stattfindenden Stromabnahme und der hiermit verbundenen Ueberlastung der Oberleitung brannten an verschiedenen Stellen die Ausschalter aus und erst nach 10 Uhr abends konnte der ordnungs- gemäße Betrieb wieder aufgenommen werden. In dem ErmittelungS- Verfahren wegen Soldaten- Mißhandlung, das gegen den Unteroffizier B r e i tz von der zweiten Schwadron des Garde-Kürassier-RegimentS schwebt, fand gestern eine Reihe von Verhören durch den Kriegsgerichtsrat Kährn vom Kriegsgericht der Garde-Kavallerie-Division, welcher die Unter- suchung leitet, statt. B. Ivird, wie bereits mitgeteilt, beschuldigt, den Kürassier Karl Heine, der im zweiten Jahr bei derselben Schwadron dient, derartig geschlagen zu haben, daß das Gehirn gelitten hat. Heine, der Anfang September in das Garnison-Lazarett II nach Tempelhof geschafft wurde, ist noch immer nicht vernehmungsfähig, dagegen wurden gestern die Angehörigen des Beritts, welcher von dem Unteroffizier B. kommandiert wurde, vernommen. Die Aussagen der Zeugen gehen alle dahin, daß ihr ehemaliger Berittführer ein leicht erregbarer Mann gewesen sei. B. habe alle ihm in den Weg kommende Gegenstände im Jähzorn dazu benutzt, um damit seine Untergebenen zu schlagen. In solchen Momenten habe B.. der sonst ein gerechter und mild denkender Vorgesetzter ge- wesen, mit der Reitpeitsche oder dem Pallasch blindlings zugehauen. Den H. habe er, wie ein Zeuge aussagt, mit dem Sattelgurt deS Pferdes au den Kopf geschlagen, so daß der Kürassier, der stets ein pflichtgetrcuer und tüchtiger Soldat gewesen, bewußtlos zusammen- S gebrochen sei. Die Verhöre werden in den nächsten Tagen beendet ein, so daß B. bereits Anfang nächsten Monats vor das Kriegs- gericht der Garde-Kavallerie gestellt tverden kann. Von einem Schlächterwagen überfahren und getötet wurde gestern nachmittag ein unbekannter Mann an der Ecke der Kaiser Wilhelm- und Spandauerstraße. Der Mann stand betrunken stunden- lang an der Ecke, konnte infolge seines Zustandes einem Schlächter- wagen nicht ausweichen, wurde umgestoßen und durch Ueberfahren innerlich so schwer verwundet, daß er auf dem Flur des Hauses Kaiser Wilhelmstr. 8 nach wenigen Minuten starb.— Ebenfalls von einem Schlächterwagen wurde der Schlosser Josef Kabel in der ver- gangenen Nacht in der Köpnickerstraße überfahren. Der übermäßig schnell fahrende Wagen warf den jungen Mann, als er den Damm überschreiten wollte, um und ging über ihn hinweg. Kabel erlitt einen Schädelbruch. Ter Herbststurm, der seit zwei Tagen über Berlin braust und in der vergangenen Nacht seineu Höhepunkt erreichte, hat vielen Schaden angerichtet. Am Dienstagmorgen waren zahlreiche von Landschlächtern und sonstigen Händlern in den Markthallen gepachteten Stände unbesetzt. DieLeute hatten zum Teil mit ihren Waren unterivegs Unfälle erlitten, oder waren aus Besorguis solche zu er- leiden, erstgar nicht weggefahren. Der Schiffsverkehr auf derSpree ruhte wegen des Sturms fast'ganz. Die Schiffer haben angestrengt zu thun, um die Kähne vor Anker zu halten. Am schlimmsten zu leiden hatten unter der ungünstigen Witterung die Straßenhändler, namentlich die Obstverkäufer. Die Käufer blieben aus und der Regen verdarb die Waren. Da die Laternen an den Handwagen der Straßenhändler dem Winde nicht standhielten, mußten die Leute schon bei Eintritt der Dunkelheit den Handel einstellen. Die Zahl der fortgeflogenen Hüte und vernichteten Regenschinne ist unzählbar. Mit dem herbst- lichen Schmuck der Bäume hat der Sturm stark aufgeräumt. �hre Fahrten eingestellt haben bis auf weiteres die elektrischen Omnibusse der beiden Linien Stettiner Bahnhof— Anhalter Bahnhof, von denen die eine durch die Friedrich die andre durch die Königgrätzerstraße fuhr. Die an den beiden Bahnhöfen gelegenen beiden Ladestellen werden nämlich umgebaut, da sie bis jetzt zu wenig Strom lieferten, so daß immer nur ein Wagen geladen werden konnte. Jetzt sollen die Stationen so ein- fierichtet werden, daß zu gleicher Zeit zwei Wagen mit Strom der- ehen werden können. Der Schankwirt König aus der Mariannenstrahe, der am 8. Oktober ein Attentat auf seinen Hauswirt, den Rentier und Hauptmann des uniformierten Kriegervereins, Schulz, ausgeübt hat und dann nach dem Tiergarten flüchtete, ist dort um eine große Geldsumme bestohlen worden. Nach langem Umherirren hatte sich König auf eine Bank in der Nähe des Goldfischteichs ge setzt und war bald eingeschlafen. Als er von Kriminalbeamten geweckt wurde, faßte er alsbald nach seiner Brusttasche und entdeckte, daß ihm alle mitgenommenen Wertsachen entwendet worden waren und zwar: 11 OVO M. in Tausendmark- Scheinen, 400 M. in Gold und Silber, soivie goldene Uhr und Kette im Werte von 360 M. König erinnert sich, kurz vor dem Einschlafen einen Mann im grauen Ueberzieher gesehen zu haben. Ein weiterer An- Haltspunkt, der zur Ermittlung des Diebs führen könnte, fehlt bis jetzt. Rechtsanwalt Alfred Brobecker, Königstraße 24, der die Ver- teidigung Königs führt, bereitet einen umfangreiche» Beweis in be- treff dessen Unzurechnungsfähigkeit vor. König, der sehr gefaßt ist, bestreitet nach wie vor geschossen zu haben. Er will den Hauswirt Schulz nur geschlagen haben, die Verletzungen müsse sich Schulz durch Fallen zugezogen haben. Der Hauswirt ist bereits soweit hergestellt, daß er gestern Personen, die mit ihm wegen Wohnungsangelegen- Helten verhandeln wollten, empfangen konnte. Zeuge» gesucht. Die Herren, welche am Montag, den 8. Oktober d. I., abends von 6 bis 7 Uhr, im Lokal von König, Wrangelstr. 1, anwesend waren und gehört haben, daß ein Mann erzählte, er habe wegen der Uebernahme des Schanklokals mit dem Hauswirt Schulz verhandelt und könne sich den Kontrakt demnächst holen, werden ersucht, baldigst bei Frau König, Wrangelstraße 1 vorzusprechen. � Im Seminar für orieutalische Sprachen wird Dr. K. W Müller private und unentgeltliche chinesische Unter richtSkurse für junge Kaufleute, Bankbeamte und andre Personen sowie praktische Einführung in die chinesische Umgangssprache leiten Das Apollotheatcr hat gestern eine neue Ausstattungsoperette anS Licht gebracht.„Fräulein Loreley" heißt das Stück, zu welchem der Text von Bolten-Bäckers gedichtet, die Musik aber von dem seit etlichen Jahren in der Findung musikalischer Motive be währten Hauskapellmeister Herrn Paul Vincke komponiert worden ist. Inhaltlich ist das neue Werk insoweit bemerkenswert, als man aus ihm den in seiner Unwiderstehlichkeit allmählich unausstehlich ge� wordenen forschen Berliner einigermaßen ausgeschaltet hat. Hoffeüt lieh hat der Edle nunmehr auf lange Zeit in der Rumpclkanimer ein angemessenes Quartier gefunden. Die Handlung im neuen Stück dreht sich um einen Küustlerscherz. Ein Maler hat sein Modell ge heiratet und wird dafür von seinem alten Erbonkel boykottiert. Im Künstlerverein beschließt man, den alten Herrn mürbe zu machen und das geschieht, indem man ihn an den Rhein lockt, dort ziemlich ge- waltsam eine Spirilistensitzung arrangiert, in welchem dem Philister frei nach Goethe von Hoch- bis Rüdesheim hinunter die Gabe. Geister zu unterscheiden, beigebracht werden soll. In einer mit blendender Pracht ausgestatteten Rhein- und Weingeistessitzung wird dem Alten nämlich suggeriert, daß er die Lorcleh von ihrem lang welligen Felsen herabgcschwatzt habe, um sie in Berlin einem lockeren Leben entgegeiizuführen. Als er hoch und heilig versichert daß er der Leichtsinnigen immerdar nur ein lieber Onkel sein wolle. enthüllt sich der Spuk und der versöhnlich gestimmte Alte erblickt in der Loreley und ihrem Ritter das verstoßene junge Ehepaar. Der niedliche Gedanke des Stücks wird nach dem im Appollo. Theater geübten Brauch fast erstickt in einer Fülle von Dekorationen, Wandelbildern, Beleuchtungseffekten, Tanzgruppierungen und andren Dingen fürs Auge, die ja eben die Stärke unsrer Bühne ausmachen. Das nimmt man gern und dankbar hin. Weniger angenehm sind etliche Ausbrüche widerlicher Sentimentalität, die wir, ivie in dem Vorhergegangenen Ausstattungsstücke, so auch in diesem bedauerlicher weise wiederfinden. Der Verfasser sollte Mitleid mit dem Publikum haben und hinfort den in Romanzenton gestimmten Melodien einen fidelen Text unterlegen. Die Mllsik erschien uns nicht ganz so frisch wie die in„Venus" oder«Frau Luna", doch steht uns darüber kein Urteil zu, da sich ihre Popularität erst auf dem Tanzboden bewähren soll. Herrn Vincke zu Ehren muß aber konstatiert werden, daß die Lorbeeren, die ihm am Schluß der Vorstellung ziemlich massenhaft überreicht wurden, vor andren neuerdings in Schwang gekommenen Spenden das eine voraus haben, daß sie keine„Vorschuß- Lor- beeren' sind. Das Passage-Panoptikum ist gestern abend geschlossen worden um am Donnerstag, 1. November, vormittags 11 Uhr, erneuert und umgestaltet unter der neuen Direktion wieder eröffnet zu werden. Das Panoptikum wird räumlich wohl verbunden, aber in seiner künstlerischen Leiwng getrennt, zwei Abteilungen erhalten. Der Verein zur Förderung der Kunst hatte am Montag im Bürgersaale des Rathauses einen Recitationsabend Wiener Autoren arrangiert, der viel Anregung bot und einen guten Verlauf nahm. Nach einigen einleitenden Worten des BereinSvorsitzenden, der mit- teilte, daß der Vereinsvorstand anläßlich der letzthin so zahlreich er- folgten Censurvcrbote bei dem zuständigen Ministerium vorstellig geworden sei und eine tröstliche und befriedigende Antwort erhalten habe, begann Herr Marcel S a l z e r mit der Recitation des vierten Akts der„Familie Wawroch' von NdamuS, worauf einzelne Scenen aus dem Stück„Der letzte Knopf" von Ludassy folgten. Beide Dramen, die teilweise und ganz sowohl von der Wiener wie auch von der Berliner Eensur verboten sind, spielen in Arbeiter- kreisen; in der„Familie Wawroch" erschießt anläßlich eine« öst- reichischen Bergarbeiter-Streiks der Sohn feinen Vater, während in dem Stück„Der letzte Knopf", einem nur auf Brutalität aufgebauten Drama, die schlechte wirtschaftliche Lage Ehebruch und Trunksucht in die Arbeiterfamilie hineinträgt. Der Recitator verstand es vorzüg- lich, die einzelnenZPersouen in Ton und Eharakter zu treffen und erntete reichen Beifall. Einige Parabeln von Marie Ebner-Eschenbach und eine Humoreske von Hermann Bahr, die eine großartige Wirkung erzielte, bildeten die Schlußvorträge des Rccitationsabends. Im wissenschaftlichen Theater der Urania spricht heute, Mittwoch, Herr Professor Dr. von Drygalskt über„Plan und Aufgaben der deutschen Südpolar- Expedition". An allen übrigen Tagen gelangt der neue dekorative Ausstattungsvortrag von Reinhold Werner„Aus den Wogen des OceanS, Bilder aus der Entwicklungsgeschichte des Seewesens" zur Auf- führung._ CirkuS Schumann. Heute, Mittwoch, finde» 2 Borfiellungen statt, um ZV, Uhr und 7Va Uhr. Zur Nachmittags-Vorstellung hat jeder Er- wachsen- das Recht, ein Kind im Alter biS zu 12 Jahren frei einzuführen. In beiden Vorstellungen treten die neun EolilriS auf. Feuerbericht. Ein Kohlenlager von 700 Ctr. war Dienstag früh 6 Uhr im Keller der Firma Langenscheidt in der Reinickew dorferstr. 23b durch Selbstentzündung in Brand geraten. Die voll ständige Ablöschung desselbenlwar erst gegen Mittag beendet. Vorher war Oranienburgerstr. S8 ein Kellerbrand zu beseitigen, der Möbel, Körbe und Holz einäscherte. Kottbuser Damm S hatte Petroleum in einem Laden Feuer gefangen, das aber im Keime erstickt werden konnte. Kleinere Brände wurden außerdem von Beuthstr. 17, Schicklerstr. 1 und Straßburgerstr. 37 gemeldet. AuS den Nachbarorten. Die Wohnungsnot in Neu-Weißensee.„Welche Maßregeln will die Gemeinde angesichts der herrschenden Wohnungsnot er- greifen?" Also lautete ein Antrag unsrer, der Gemeindevertretung cmgehörenden Parteigenossen. Am Montag stand dieser Antrag ai der Tagesordnung der Gemeindevertretersitzung. Der Genos e Schillert schilderte zunächst an der Hand von Thatsachen das Elend und die Uebelstände, denen Gemeindemitglieder durch die Wohnungsnot unterworfen waren und noch unter worfeu sind und forderte sofortige Abstellung einiger besonders krasser Fälle. Der Gemeindevorsteher erwiderte hierauf, daß die Schuld am Fehlen eines Unterkommens in den meisten Fällen die Betroffenen selbst sich zuzuschreiben hätten, da gegangen sie nicht mit der notwendigen Energie daran feien. Unterkunst für sich und ihre Familie zu beschaffen. Gerstenberger sSoe.) wies darauf hin. daß die Wohnungsnot von niemand bestritten werde, daß jedoch die bis jetzt zur Linderung dieser Not angewandten Mittel ungenügend, ja sogar zu ver- werfen seien. Die Freigabe von bisher von der Polizei als unbewohnbar angesehenen Wohnungen sei ein Verfahren, das schon aus gesundheitlichen Rücksichten nicht zur Anwendung gelangen dürfe. Die Maßregeln, welche die Gemeinde hierzu ergreifen müsse, seien ungefähr folgende: 1. Ausimhme einer von der Gemeinde vorzunehmenden Statistik über die Zahl der obdachlosen Familien; hinzuzurechnen seien alle die, welche in gesundheitsschädlichen Räumen Unterkunft gefunden haben; 2. die unverzügliche Inangriffnahme des Baues von Wohn Häusern aus Gemeindemitteln und unter Beaufsichtigung der Gemeinde; 3. eventuelle Kreditgarantie für baulustige Private resp. Ver- Mittelung von Baugeldern durch die Gemeinde; dies jedoch nur dann, wenn die Gemeinde eS ablehnt, selbständig vorzugehen. Die Anttäge seien aus dem Empfinden heraus gestellt, daß deren Verwirklichung sofort möglich sei. wenn der gute Wille nicht fehle und die aus Hausbesitzern bestehende Mehrheit der Vertretung die Konkurrenz der Gemeinde nicht fürchte. Der Redner appellierte an das sociale Empfinden der Vertretung, diesen Anträgen zuzustimmen. Die Gemeindevertreter Rothe, Warthul, Böttcher u. a. erkannten an,', daß ein Mangel an Wohnungen vorliege, doch erklärten sie den vorgeschlagenen Weg ftir nicht gangbar, vielleicht könne man diesem Uebel steuern, wenn das Armenhaus vergrößert werde. Die prekäre Lage eines Hausbesitzers zu schildern übernahm der Gemeindevertreter Kühn.„Wenden Sie(zu den Socialdemokraten) doch die Hunderttausende und die Millionen welche von Ihnen für W a h l z w e ck e usw. ausgebracht werden, an zum Bau solcher Wohnungen, aber verschonen Sie uns d a m i t I" Sprach's und mit der Weisheit war's zu Ende. Den bürgerlichen Bertretem wurde von Taubmann(Soc.) in tempe ramentvoller Weise entgegengetreten, das Verfahren der Hau& besitzet, bei Vermietung von Wohnungen nach der Zahl der Kinder, nach der letzten Steuerquittung und nach allem Möglichen und Unmög- lichen zu frageu. in der gebührenden Weise gegeißelt und daran erinnert. daß das Sprichwort:„Hochmut kommt vor dem Fall I" vielleicht auch hier Anwendung finden könne. Schilling(Soc.) zeigt an Beispielen, wie selbst sogenannte„gute" Mieter unverschuldet obdach los werden können. Beschlossen wurde von oer Mehrheit, dem Gemeindevorsteher aufzugeben, sofort für Unterbringung der noch jetzt obdachlosen Familien Sorge zu tragen. Hinsichtlich der übrigen Anträge wurde Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Im Vorort Neu-Weiftcnsee hat gestern die Gemeinde vertrelimg beichlossen, sofort beim Ministerium des Innern den An� trag auf Erteilung der S t a d t r e ch t e zum April nächsten Jahres zu stellen. I» der gestrigen Sitzung der Schönebcrger Stadt- Verordneten-Versammlung gelangten zwei Resolutionen zur Kenninisnahme. von deren die eine sich mit dem Verhalten der englischen Gasanstalt betreffend die Abgabe von Cooks an Schöneberger Bürger befaßt. In der Resolution protestieren Bürger aller Stände gegen das Gebahren der Gesellschaft, aus- märtige größere Abnehmer mit CoatS zu versorgen, während die hiesigen Einwohner leer ausgehe». Sie richten an die Stadt- verordneten-Bersammlung das Ersuchen, die Interessen der Bürger- schaft zu wahren und vor allen Dingen dahin zu wirken, daß bei der Coaksabgabe in erster Linie die Bürger berücksichtigt und fl e- n ü g e n d e Quantitäten z u annehmbaren Preisen bereit gehalten werden.— Die andre Resolution be- handelt das Vorgehen der hiesigen Polizeidirektion gegen die Schöneberger Re st aurateure. Sie spricht den Stadtverordneten den Dank dafür aus, daß sie das Verlangen der Polizei, die Einführung eines Ortsstatuts betreffend„Nach Weisung des Bedürfnisses bei Konzessionierung von Gast- wirtschaften" abgelehnt haben und protestiert gegen die von der Polizeidirektion beliebte Kennzeichnung des GastwirtsstandS als aulen und bequemen Berufs, und weiter gegen die beabsichtigte Einführung der 10 Uhr-Polizeistunde. Wegen der Benutzung von vier leerstehenden Klassenräumen in der Hohenzollern- chule für die Volksschulen, welche durch das enorme Anwachsen der Stadt überfüllt find, werden 1223 M. zur Anschaffung von Subsellien verlangt und bewilligt. Bekanntlich hatte sich bei einer ähnlichen Vorlage der Leiter dieses Gymnasiums gegen eine derartige Maßnahme ausgesprochen, weil er von dem„Jnberührungkommen" dieser ver- 'chiedenartigen Volksslbichten einen unheilvollen Einfluß befürchtete. Hoffentlich überzeugt er sich nun recht bald, daß das Gegenteil ein- treten wird. Rixdorf. Der Porteigenoffe Uhrmacher Hennig, der am letzten DonnerStag in sieben Bezirken zum Stadtverordneten gewählt worden ist, hat sich für Annahme des Mandats für den 1. Bezirk entschieden. Ueber den Termin der somit neuerdings erforderlichen Ersatzmahl in den übrigen 6 Bezirken, wo Hausbesitzer zu wählen änd, ist noch nichts besannt geworden.— Die Stadtverordnelen- ttzung, die für diese Woche geplant war. findet erst in der nächsten Woche statt. In dieser Sitzung wird die Auslosung eines Drittels der Stadtverordneten vorgenommen werden, da im November die regelmäßigen Ergänzung»wählen fällig sind. Der Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung, Stadt- verordnete und MagisttatSmitglieder von Submissionen und Lieferungen auszuschließen, eine der ersten Thaten der Versammlung, hat bekanntlich seiner Zeit auS formellen Gründen die Zustimmung des Magistrat» nicht erhalten. ES wurde damals eine gemischte Kommission gemäß ß 36 der Städte-Ordnung. eine ogenannte VerständigungSkommisfion. eingesetzt. Nach mehreren resultatlosen Sitzungen entschied sich die Mehrheit der Kommission ür» Warten. Das war im Juli 189S. Gestern ist nun endlich wieder eine Einladung an die Kommissionsmitglieder zu einer Sitzung am nächsten Donnerstag gelangt. Die lange Zwischenzeit ist mit„Erhebungen" ausgefüllt worden. Wie es heißt, oll die Angelegenheit bald nach der KommisfionSsttzung wieder vor das Forum der Stadtverordneten-Verfammlung gebracht werden. Diese Eile erscheint, nachdem man eS bisher gar nicht eilig hatte. auffällig. Die sechs Socialdemokraten, die im April 1838 an jenem denkwürdigen Beschluß mitgewirkt haben, stehen jetzt außerhalb der Versammlung. FriedrichShagen. Nachdem der Bau des 24klasfigen Mädchenschulhauses vollendet, ist das Haus am Dienstag seiner Bestimmung übergeben. Das imposante Gebäude erhebt sich auf einer Grundfläche von 660 Quadratmeter und hat eine Höhe von 30 Meter. Es besteht aus Kellergeschoß, Erdgeschoß, drei Stock- werken und Dachgeschoß. Das Kellergeschoß enthält u. a. eine Brausebad-Anlage mit 12 Ständen und Ankleideraum, Räume für die Erteilung von Kochunterricht sowie die Centralheizungs-Anlage. Die Brausebäder ermöglichen es bei einer täglichen Benutzung von vier Stunden, daß jedes Kind mindestens einmal in der Woche baden kann. Sämtliche Räume, Thülen, Fenster, Korridore usw. sind den neuesten Vorschriften und der heutigen Technik entsprechend ausgeführt. Die Baulosten be- tragen circa 227 000 M._ Eingegangene Druckschriften. „Der Arbeitsmarkt", Halbmonatsschrift der Centralstelle für Arbeits- martt-Bettchte(Herausgeber Dr. I. Jastrow), Berlin, Verlag von Georg Reimer. Die als Organ des„Verbands deutscher Arbeitsnachweise" er- scheinende Zeitschrift enthält in Nr. 2 des 4. Jahrgangs u. n.: Rundschau über die Lage des Arbeitsmartts.— Situationsberichte aus einzelnen Gewerben.— Situationsberichte aus Plätzen und Ländern.— Statistisches Monatsmaterial. Arbeitsnachweise. Krankenlasien. Streikverzeichnis für Deutschland, Oestreich-Ungarn, Schweiz.— Lebensmittelpreise. Konsum: Ringbildungen in der Lebensmittelbranche. Wohnungsnot in Berlin. VermiMkes» Doppelhinrichtung. Der Kulturhistoriker späterer Tage wird. wenn er die Sittenzustände unsrer Zeit schildern will, ein besonders krasses Phänomen in der Zunahme der Hinrichtungen erblicken. In Metz sind Dieustagmorgen im Hofe des Unter- suchungsgefängnisseS zwei Verbrecher auf einmal vom Leben zum Tode befördert worden. Es waren zwei Arbeiter, die wegen Raub- mords, den sie am 30. Juni v. I. an zwei alten Damen in Reichers- berg bei Diedenhofen begangen hatten, vom Schwurgericht zu Metz zum Tode verutteilt worden sind. Ans Breslau wird berichtet: Dienstagmorgen wurde auf der Sandstraße der Arbeiter Weiß durch zwei Messerstiche in den Unter- leib ermordet aufgesimden. Der Thäter ist mutmaßlich der Arbeiter Paul Waroczek, welcher vorgestern von seinem Arbeitgeber wegen Trunkenheit entlassen worden war und' unter seinen Käme- raden als jähzorniger Mensch gefürchtet war. Der Thäter ist flüchtig. Rettung auS Seenot. Die Rettungsstation Warnemünde der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet: Am 16. Oktober von dem hier gestrandeten norwegischen Dampfer loncordia", Kapitän Diesen, mit Kohlen von Methil nach Rostock bestimmt, 12 Personen durch das Rettungsboot der Oststation gerettet. Ter Aufstieg des Zeppelinschen Ballons,"der gestern statt- finden sollte, ist wieder aufgeschoben worden. Es wird darüber aus Friedrichshafen berichtet: Nachdem offiziell der Aufstieg des Ballons des Grafen Zeppelin auf Montag festgesetzt war, traf am Sonnabend aus der Garnison Weingarten eine Abteilung Truppen als Hilfsmannschaft hier ein.' Gleichzeisig kamen auch die zum Dienst beorderten Offiziere und die übrigen Teilnehmer der Fahrt an. Mit der Füllung des Ballons ward schon Sonntagvormittag begonnen, bald mußte aber infolge eintretender ungünstiger Witterung abgebrochen werden, Regen und starker Wind hinderten teilweise die Zufahrt, eintretende Kälte verursachte Gasverluste, so daß bis zur Stunde alles liegen bleiben mußte, trotzdem die übrigen sämtlichen Vorbereitungen fertig zur Fahrt liegen. Die getroffenen Abänderungen sind ganz wesentlicher Natur. Wie man uns mitteilt, wird der Aufstieg, wenn endlich ein Wettenimschlag erfolgt, frühestens Mittwochmorgen erfolgen. Eine Familien-Tragödie spielte sich am 13. d. MtS.. wie man der«Voss. Ztg." sckreibt, in dem Kurorte Groß-Tabarz bei Gotha ab. In der Nähe des Kurhauses, an der oberen Straße nach Friedrichroda, besitzt der praktische Arzt Dr. med. v. ChelstowSki, der auch in San Nemo ein Sanatorium leitet, ein reizend gelegenes Etablisiement„Schloß Zimmerberg". In einem Anfall von Geistes- störung oder Nervenüberreizung feuerte der Arzt auf seine Frau zwei R e v o l v e r s ch ü s s e ab, die glücklicherweise nicht trafen, dann richtete er die Waffe gegen sich selbst mit tödlichem Erfolg. Der rasch herbeigerufene Arzt Dr. Müller von Groß-Tabarz konnte nur den inzwischen eingetretenen Tod feststellen. Dr. v. ChelstowSki war ein sehr beliebter Arzt und großer Kunstfreund. Seine Frau, eben- 'alls ausübende Künstlerin, war in erster Ehe mit einem in Bad Thal lebenden Kapitän verheiratet gewesen, die Ehe war aber ge- 'chiedcn worden. Marktpreise von verlin am 15. Oktober 1900 »ach Ermiiiiuiigc» des tgl. Polizeipräsidiums. Kartoffel», neue, D-Ctt. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch. Schweinefleisch. Kalbfleisch Hammelfleisch, Butter 1,60 1,30 1,60 1,80 1,80 2,80 4,80 2,40 2,50 2,60 2,- 1,80 3,- 1,40 13,- 120 1- 1,20 1,- 1,10 2,20 3- 1,20 1,20 1,20 1,- 0,80 1,20 0,80 2,60 »Welzen, gut D.-Etr. 15,50 15,46 mittel„ 15,42 15,38 „ gering, 15,34 15,30 »Rogge», gut, 14,40 14,38 mittel„ 14,36 14,34 „ gering, 14,32 14,30 ■•) Gerflc, gut, 15,60 14,90 , mittel„ 14,80 14,10 Eier 80 Stück , gering. 14,— 13,30 Karpse» 1kg f) Haser, gut, 15,80 14,90 Aale . mittel, 14,80 13,90 Zander , gering« 13,80 12,90 Hechte Nichislrvh, 6,82 6,32 Barsch, Heu» 7,40 5,— Schleie Erbse». 40.- ab,- Bleie Speisedohnen, 45,- 20,- krebse per Schock Linsen. 70,— 30,— *) ab Bahn, t) frei Wagen und ab Bahn, Produkten», arkt vom 16. Oktober. Getreide. Infolge der matte» Notierungen für Weizen von den nordamerikanischm Plätzen eröffneten owohl Weizen als auch Roggen tu schwächerer Haltung. Weiterhin machte ffch geringe Kauflust geltend auf die eingetretene kalte Witterung, und die Preise zogen etwas an. DaS Angebot war nur mätzig. Ewe Roggen« ladung wurde ab Petersburg zu 99 M. per Dezember auf Stettin gehandelt. In zweiter Stunde trat eine neuere Abschwächung ein. In Hafer waren die Umsätze belanglos, Rllböl auf Part» weiterhin um 20 Pf. anziehend, dagegen notierte 70er LocosptrituS zu 49,40 M. um 10 Pf. niedriger. «ttterungSNberflcht vom 16. Oktober 1900. morgen» s ttyr. Stationen Swinemde Hamburg Berlin frankf.M. iiunche» Wien weller 4 Regen 4 Regen 5 bedeckt 4 wolkig öbedeckt 3>volkenl 5" «4 Stationen haparanda Petersburg Eort Aberdee» Paris LS L E I« ß 737 Still 743 SSW 754 SSW 759 W 762 SSW Wetter ck« Regen 25(6. beb 6 Regen 1 heiter 2. wolkig 3 5 14 5 6 ........... lr Mittwoch, den 17. Oktober 1S00. Zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit etwas Regen, mätzigen üblichen Winden und steigender Temperatur. Berliner Wetterb urea ii. Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Wetiker in Grob-Lichterselde. Für dm JuseratmteU verautwottlich:«0.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.