Nr. 244. Abonnements- Bedingungen: = Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags Nummer mir illuftrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. PonAbonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Post- Beitungs Preisliste für 1900 unter Br. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für bas übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 17. Jahrg. Dte Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel getle ober deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. leine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für Die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in der& rpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fefttagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Xernsprecher: Rmt I, Mr. 1508. Telegramm- Adresse: Bocialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Der Kanzler der Weltpolitik. " Ein Extrablatt des Reichs- Anzeigers" beröffentlichte am Donnerstagmorgen diese Bekanntmachung: Seine Majestät der Kaiser und König haben Allergnädigst geruht: dem Reichskanzler, Präsidenten des Staatsministeriums und Minister der auswärtigen Angelegenheiten Fürsten zu Hohenlohe Schillingsfürst, Prinzen von Ratibor und Corvey, die nachgesuchte Entlassung aus seinen Aemtern unter Verleihung des hohen Ordens vom Schwarzen Adler mit Brillanten zu erteilen und den Staatsminister und Staatssekretär des Auswärtigen Amts Grafen v. Bülow zum Reichstanzler, Präsidenten des Staatsminister und Minister der auswärtigen Ange= Legenheiten zu ernennen." Die Verabschiedung des Grafen Caprivi im Oftober 1894 geschah inmitten höfischer Wirrnis und lauter Erregung. Neue Männer wurden berufen. Aber die Reichspolitik unter der neuen Kanzlerschaft des Fürsten Hohenlohe beharrte in den alten GeLeiſen. Der jetzige Kanzlerwechsel vollzieht sich in aller Stille, tein neuer Mann übernimmt die oberste Leitung der Reichsgeschäfte. Dennoch bedeutet der Uebergang vom Kanzler des Verhinderns zum Kanzler der Weltmachtpolitik ein Neues: die Politik des größeren Deutschland wird endgültig Regierungspolitik, wird eigentlicher und höchster Inhalt der Aufgaben des Reichs. Herr v. Bülow, der zur Grafschaft emporstieg, als er die Karolinen einhandelte, wird Reichskanzler auf Grund seines chinesischen Wirkens. Nicht Herr von Miquel, der so lange als Anwärter des Kanzlerpostens galt, nicht ein Vertreter des gegewärtigen Kurses der inneren Politik ist Hohenlohes Nachfolger. Die China und Weltpolitik wird durch Bülows Erhöhung als oberstes Interesse des Reichs verkündet. Wir hatten kaum je Fehde gegen den Fürsten Hohenlohe zu führen, obschon seine Regierungszeit eine Beit ununterbrochener und bösartigster Reaktion war. Dieser Reichskanzler, der als Greis von 75 Jahren in fein Amt trat, war nicht der Urheber der Politik, die er verantwortete. Wie er, der einst liberale Ministerpräsident von Bayern, als Statthalter von Elsaß- Lothringen die Ungerechtigkeiten des Diktaturparagraphen walten ließ, so hat er als Kanzler alle Zügellosigkeiten der tonservativen Scharfmacher und der agrarischen Beutelust geduldet. Er begann seine Kanzlerschaft mit der Erbschaft des Umsturzgesetzes; unter seinem Namen ging jenes kleine Socialistengesetz in Preußen und das Zuchthausgesetz im Reich; er ließ die Seuche der Majestätsbeleidigungs- Prozesse verheerend um sich greifen, und die Zeit, in der er Kanzler war, ist gezeichnet durch die Prozesse von Essen und Löbtau. Er ließ die freie Wissenschaftslehre an den Universitäten ersticken und setzte seinen Namen unter den Entwurf des Heinzegesetzes. Doch für all das war der greise Mann nicht ernsthaft verantwortlich zu machen. Es war für ihn wohl oft ein Freudentag, wenn seine Gesegesvorschläge vom Reichstag zurückgewiesen wurden. Er leitete nicht die Politit, sondern sah seine Aufgabe im Hemmen des Schlechteren. Es mag sein, daß Fürst Hohenlohe als Hemm schuh wirkliche Verdienste um das Reich besigt. So schwierig die Vorstellung noch wilderer Bidzadklinien und excentrischerer Entgleisungen ist, als sie der Reichskurs der neuesten Epoche beschrieb, so mag dennoch Fürst Hohenlohe aus den Hemmungen und Milderungen, die er zu er reichen im stande war, die Lust zur Fortführung des Amts gewonnen haben. " Freitag, den 19. Oftober 1900. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Gegeben im Schloß zu Homburg v. d. Höhe, den 16. Ottober 1900. ( L. S.) Wilhelm. Fürst zu Hohenlohe. Der Kaiser Mein lieber Fürst! den Verkauf des Restes seines russischen Besizes zum Abschluß Urkundlich unter unsrer höchsteigenhändigen Unterschrift und beizu bringen. Aber ist nicht auch Fürst Bismard einen gedrucktem taiserlichen Infiegel. erheblichen Teil des Jahres, und zwar häufig sehr viel länger von Berlin abwesend gewesen als Fürst Hohenlohe, und wer Hätte dem ersten Kanzler aus diesem Grunde nachsagen tönnen, daß er die Zügel der Regierung nicht in der Hand hatte, hatte, sondern zu sondern zu Gunsten der Chefs der Reichsämter abgedankt habe?! Fürst Bismarck hat eben, hat, wie üblich, ein sehr freundliches Handschreiben an den scheidenden mochte er sich in seinen Befizungen oder im Bade aufhalten, stets Reichskanzler gerichtet: in regster Verbindung mit Berlin gestanden, Vorträge entgegengenommen, Weisungen und Entscheidungen erlassen, zu welchem Zwecke er regelmäßig von entsprechenden Hilfskräften begleitet war. Genau so hält es aber auch fürst Hohenlohe. Fern von Berlin bedeutet für den Reichskanzler überhaupt nichts weniger als procul negotiis( fern von den Geschäften). Ihn begleiten nicht nur stets Chiffreure, sondern bei ihm ist auch regelmäßig ein Vertreter des Auswärtigen Amtes oder der Chef der Reichskanzlei. So bleibt der Reichskanzler nicht nur bezüglich aller wichtigen Fragen der Reichspolitik, auch wenn er außerhalb Berlins weilt, stets auf dem Laufenden, es wird auch kein Beschluß von Bedeutung gefaßt, ohne vorgängig seinen Rat einzuholen, so daß auch in solchen Zeiten die dem Reichskanzler verfassungsmäßig obliegende Verantwortung voll gewahrt bleibt. In seiner Hand laufen, mag Fürst Hohenlohe in Berlin oder außerhalb weilen, die Fäden der Reichspolitik zusammen, und die Chefs der einzelnen Reichsämter haben keine andre Stellung, als sie Reichsverfassung und Stellvertretungsgesetz ihnen einräumen." Und sehr aufklärend wirkt nachfolgende heutige Aeußerung der , Berliner Neuesten Nachrichten": So ungern ich Sie auch aus Ihren bisherigen Stellungen im Reichs- und Staatsdienst scheiden sehe, so habe ich doch geglaubt, mich nicht länger dem Gewicht der Gründe, welche Ihnen die Befreiung von der Bürde Ihrer verantwortungsreichen Aemter wünschenswert erscheinen lassen, verschließen zu dürfen. Ich habe daher Ihrem Antrage auf Dienstentlassung mit schwerem Herzen stattgegeben. Es ist mir Bedürfnis, Ihnen bei dieser Gelegenheit, wo Sie im Begriffe stehen, eine lange und ehrenvolle Dienstlaufbahn abzuschließen, für die langjährigen treuen und ausgezeichneten Dienste, welche Sie in allen Ihnen übertragenen Stellungen dem Reich und Staat sowie meinen Vorfahren und mir mit aufopfernder Hingebung und unermüdlicher Pflichttreue unter den schwierigsten Verhältnissen geleistet haben, meinen wärmsten Dant noch besonders auszusprechen. Möge Ihnen nach einer so thatenreichen Vergangenheit durch Gottes Gnade ein langer und glücklicher Lebensabend beschieden sein. Als äußeres Zeichen meiner Anerkennung und meines dauernden Wohlwollens verleihe ich Ihnen den hohen Orden vom Schwarzen Adler mit Brillanten und lasse Ihnen dessen Infignien hierneben zugehen. Ich verbleibe Ihr wohlgeneigter und dankbarer Kaiser und König Wilhelm, I. R. Homburg v. b. S., ben 17. Oktober 1900. Keine Ueberraschung! ,, Wenngleich es an Anzeichen nicht fehlte, daß die Jahre des Fürsten Hohenlohe seinem amtlichen Wirken in nicht allzu langer Beit ein Ziel sezen würden, so ist die so schnelle Entscheidung selbst amtlichen Kreisen unerwartet gekommen. Für ſt Hohenlohe hatte noch zu Ende der vorigen Woche sich dahin ausgesprochen, daß er für seinen Rücktritt, sofern der Kaiser ihm sein Vertrauen bewahre, keinen Anlaß Das ist die Grundgebantenlosigkeit, mit der sich die Bresse mit sehe, ja daß ein Rüdtritt im gegenwärtigen dem Kanzlerwechsel zumeist abfindet. Irplöglich hat man entdeckt, Augenblick ihm als Fahnenflucht erscheinen würde. daß Fürst Hohenlohe 81 Jahr alt sei, daß er ein Recht habe, müde Noch am Sonnabend sah er es als seine selbst zu sein, daß er bisher nur aus patriotischem Pflichtbewußtsein ausverständliche Pflicht an, daß er dem Reichstag geharrt habe. Auf einmal braucht er also nicht mehr patriotisch wegen der Nichteinberufung in diesem Sommer Rede zu auszuharren. stehen habe. Die Ueberzeugung, daß er seinen Jahren nunmehr den Tribut zollen müsse, den das Alter von ihm fordert, kann mithin erst am Sonnabend und Sonntag Play gegriffen haben." Gewiß, leberraschungen giebt es bei uns überhaupt nicht, weil wir längst berlernt haben, irgend ein Geschehnis überraschend zu finden. Es ist alles überraschend oder, was dasselbe ist, nichts überraschend. Wenn es aber noch möglich war, die Politik der UeberDer schnelle Sinneswechsel des Fürsten Hohenlohe nach seiner raschungen zu steigern, so ist es der jezige Rüdtritt Hohenlohes, in Ankunft in Homburg ist nur aus seiner Erkenntnis zu erklären, daß einem Augenblick, wo er berufen war, die unter seiner Firma geer die Wirkungen nun nicht mehr ausüben tönne, triebene Chinapolitik vor der Volksvertretung zu verantworten. Niemals die ihm bisher die Bürde des Kanzlerpostens erträglich erscheinen ist ein Staatsmann unter so wenig rühmlichen Umständen aus dem ließen. Die jäh dahinjagende Weltpolitik verträgt den Amt gefallen wie Fürst Hohenlohe. Niemals hätte für den alten, müden Hemmschuh nicht mehr. Herrn, der alt und müde ist, seitdem er Kanzler, eine zwingendere der Weltpolitik. Graf Bülow wird Reichskanzler als gefügiges Werkzeug Pflicht bestanden, noch ein wenig auszuharren, wie gerade jetzt. Hat Die Offiziösen begrüßen den neuen Herrn mit man denn gar kein Gefühl dafür, wie sehr man den Charakter befohlenem Jubel als die jugendliche Straft, die befähigt sein werde, Hohenlohes verdächtigt, wenn man ihm nachredet, sein Rücktritt ernstlich als oberster Beamter die Politik des Reichs zu leiten. im jezigen Augenblic fei nicht überraschend? Hätte man Graf Bülow wird die Reichspolitit leiten, wie sie in der Zeit dem Kangler nicht wenigstens die ehrende Gunst der Vermutung an geleitet werden kann, da das Kanzlertum zum Schatten- gedeihen lassen sollen, daß er gehen mußte! fanzlertum geworden ist. Graf Bülow ist gewiß nicht Weltpolitiker wider Ueberzeugung. aber er entdeckte seine weltpolitische Ueberzeugung erst, als er fein Amt übernahm. Graf Bülow tönnte gewiß dem Reichstag mit angenehmer Stimme wohlgerundete Tafelreden vortragen in Vertretung einer andern Politik als der Weltpolitik, die er jegt als höchstes Ziel deutschen Strebens verkündet. Wenn jezt Fürst Hohenlohe nicht länger im Amte verweilen wollte, so ist dies feinesfalls so harmlos zu erklären, wie mit Bülow tritt die Geschmeidigkeit in das höchste Reichsamt, die Hohenlohe mochte den Ueberschwang stürmender Thatenluft sänftigen. die Blätter fast aller Richtungen versuchen. Es wird gesagt, Fürst alles tann, was ihr aufgegeben wird. Die Zeit duldet nicht Hohenlohe sei zu alt und gebrechlich, um sich den zu erwartenden ernsthafte Staatsmänner von individueller Prägung. Dem müh Kämpfen im Reichstag über die Chinafrage auszusehen. Aber alt felig beschwichtigenden Greise folgt der schmiegsame junge Mann, und gebrechlich war der Fürst bereits am Tage der Uebernahme des der mit der Gabe dürftiger Gemeinplägigleit an die größten Kanzlerpostens und stets haben die Staatssekretäre im Reichstag Probleme der Geschichte herantritt und das Reich immer weiter in für ihn eintreten müssen. Es heißt den Fürsten Hohenlohe die Dede einer unfruchtbaren und aussichtslosen Allerweltspolitik zu tief einschätzen, wenn man meint, daß er leicht und frei treibt. willig verzichtet hat, die schwere Verantwortlichkeit Vielleicht vermeint Graf Bülow durch den Trumpf der Kanzlervor dem Reichstag und dem deutschen Volk zu tragen, die er seit schaft den verbleichenden Glanz seiner Weltpolitik zu erneuern und dem Beginn der chinesischen Wirren auf sich gemit vermehrtem Gewicht den verfassungsmäßigen Grundrechten des nommen. Hat auch Graf Bülow als Stellvertreter des deutschen Volts zu trogen? Vielmehr aber erkennt das Kanzlers die Chinapolitik geführt, der Verantwortlichkeit deutsche Volt in der Alleinherrschaft, die nun die weltfonnte der Kanzler fich nicht entziehen. Er trägt die Verantwortlichkeit politische Unkultur gewinnt, das ungeheuerliche Anwachsen der Gefür die Irrungen und Verfehlungen der deutschen Chinavolitit politische Unkultur gewinnt, das ungeheuerliche Anwachsen der Gefahr, die ihm droht. wie für die schmähliche Mißachtung der verfassungsmäßigen Rechte Wir bewillkommnen die weltpolitische Kanzlerschaft des Grafen des Reichstags durch die Regierung. Wenn Fürst Hohenlohe diefer Bülow. Unter Hohenlohe blieb der Feind, den wir bekämpfen, noch Berantwortlichkeit sich flüchtend entzieht, so kann diese Flucht nur im Versted. Jetzt erscheint er in voller Größe auf dem Kampfplan. eine erzwungene sein. Fürst Hohenlohe konnte sich oft einen Das deutsche Volt sieht den Feind und wird ihn zu treffen guten Abgang sichern, warum sollte er jetzt den schimpflichsten gewissen! wählt haben? Noch kurz vor dem Abgang des Fürsten Hohenlohe wandte sich die badisch offiziöse„ Süddeutsche Reichskorrespondenz" gegen V die Auffassung, als ob Fürst Hohenlohe gewillt sei, die Mitwirkung an der Reichspolitik aufzugeben. Die wohlunterrichtete Storrespondenz schrieb: " Hohenlohes Abschied. Berordnung, betreffend die Einberufung des Reichstags. Vom 16. Oktober 1900. Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Genau so wie zu Zeiten des Fürsten Bis Preußen 2c. verordnen auf Grund des Artikels 12 der Verfassung, mard wird jezt in Bezug auf die Vertretung des im Namen des Reichs, was folgt: Reichslanzlers verfahren. Allerdings ist Fürst Hohen- Der Reichstag wird berufen, am 14. November d. J. in lohe nicht immer in Berlin anwesend und er hat in diesem Berlin zusammenzutreten, und beauftragen wir den Reichskanzler Sommer einen längeren Aufenthalt in Werti nehmen müssen, um mit den zu diesem Zwede nötigen Vorbereitungen. Die toufervative und agrarische Presse verhehlt in ihren stark ironischen Betrachtungen zwar nicht, daß sie dem immer noch zu liberalen und anständigen alten Herrn keine Thräne nachzuweinen babe, sie ist aber doch ziemlich besorgt, ob Graf Bülow, der als auswärtiger Minister die internationalen Beziehungen bevorzugt, für eine Handelssperrpolitik den nötigen fanatismus befize; diefes Vordrängen der Weltpolitik wird den Schüßern der nationalen Arbeit unheimlich. Posadowsky wäre ihnen lieber gewesen. Die freisinnigen und freihändlerischen Blätter verfichern den Grafen ihrer Huld, aber sie ermahnen ihn, vor allem gute Handelsverträge zu machen. Merkwürdig fühl äußert sich über ihren einstigen Liebling das„ Berliner Tageblatt"; Mosse schmollt offenbar dem Grafen Bülow, daß er„ Bokal- Anzeiger" und" Kölnische Zeitung" mit Nachrichten bevorzugt. Die ausländische Bresse pfeift die den Bülow- Offiziösen aufgetragene Weise: Keine Ueberraschung kein politisches Ereignis bobes Alter- Nuhebedürfnis- jüngere, bewährte Kraft usw. Graf Bülow hat seine Leute gut an der Leine. Was Wolff von ausländischen Breßäußerungen telegraphiert, ist immer der gleiche Bülow- offiziöse Text. Wenn man die d ,, Kölnische Zeitung" lieft, weiß man ungefähr, was die ganze Bülow- Presse schreibt. Die Kölnerin meint: Für die Stellung Deutschlands in China, sowie zu den übrigen Mächten konnte die krisis keine bessere Lösung finden. Wenn lediglich die chinesischen Dinge bei dem Reichstanzlerwechsel in Betracht gekommen find, darf man wohl sagen, daß keine andre Lösung möglich war. Durch die Wahl des Grafen Bülow wird der Schein vermieden, als ob ein Schwanken oder Unsicherheit in die Haltung Deutschlands gekommen ist. Die Lösung, die der Kaiser schon gefunden, als der una bänderliche Entschluß des Fürsten hohenlohe, von seinem Bosten zurückzutreten, bekannt wurde, beweist, daß Deutschlands Politik in China in derselben sachlichen, alle Interessen gerecht abwägenden Weise fortgeführt wird, wie bisher. Die Person des Grafen Bülow verbürgt, daß Deutschland in China seinen Platz behauptet, ohne sich in Abenteuer zu stürzen. Auch die Chinesen, die für die Beurteilung von Persön= lichkeiten und deren Einflüsse feine Empfindung haben, werden die Bedeutung dieser Wahl bald erfassen." ßai den Rücktritt des Fürsten Hohenlohe anbelangt, so ver- sichert die„Köln. Ztg." gegenüber der Ansicht des„BorwärtS". wonach in dem Rücktritt die Kundgebung der Stimmungen liege, wie sie in den meisten Einzelstaaten herrschten, mit der Stimmung d'er Bundesfursten habe der Rücktritt tveder als Symptom noch sonstwie das mindeste zu thun. Fürst Hohenlohe habe lediglich der Thatsache Rechnung getragen, datz er bei dem fortschreitenden Alter nicht im stände sei. den parlamentarischen Kampf gegen die Gegner der Reichspolitik mit derselben Energie zu führen, wie sein jüngerer Nachfolger. Wenn die»Köln. Zeitung' so gefliffentllch ableugnet, baß mit Hohenlohe der Vertrauensmann der außerpreußischen Bundesstaaten ausscheidet, so beweist das nur die Richtigkeit unsrer Anficht. Wir müssen diese Meinung nur noch verschärfen: Wenn nicht alles trügt, hat Hohenlohe, geradeweil er diese Vertrauensstellung einnahm, noch länger im Amte bleiben wollen und gerade deshalb das plötzliche Ruhebedürfni» empfinden müssen. Die„Germania", deren Partei mit dem Fürsten Hohenlohe trotz besten einstiger Gegnerschaft gegen den Klerikalismus in Bavern gute Beziehungen gehabt hat, ist mit uns der Anficht, daß stch der Kanzlerwechsel nicht ohne erhebliche Reibungen vollzogen habe: „... Aber daß der Rücktritt nun plötzlich erfolgt ist, und der Zeitpunkt, den Fürst Hohenlohe für seine Demission ge- wählt hat, diese Umstände drücken der ReichSkanzler-Krisis ihren besonderen Stempel auf. Sie enthalten mit der Ueberraschung zugleich Rätsel, die bis jetzt noch nicht gelöst sind, und so lange nicht gelöst werden können, bis über die Gründe, welche den Fürsten Hohenlohe zu seinem plötzlichen Rücktritt Uli« mittelbar nach der Einberufung des Reichstags veranlaßt haben. zuverlässige Aufklärung gegeben ist. Aller und Ruhebedürfnis oder auch der Wunsch seiner Anverwandten geben für den plötzlichen Rücktritt gerade in diesem Zeitpunkt keinen ausreichenden Erklärungsgrund; es müssen besondere Griinde vorgelegen haben, vielleicht auch nur ein einziger ausschlaggebender Grund, die zu dem über- raschenden Entschlüsse des Rücktritts geführt haben... Ein andres Moment, das als bestimmend für den Rücktritt des Fürsten Hohenlohe angesehen werden kann, ist die unfreundliche Stellung, welche gerade die mittel- parteilichen und zum Teil auch die offiziösen Blätter in der letzten Zeit gegen ihn eingenommen haben... Biel bedenklicher für den Fürsten Hohenlohe, vielleicht auch viel„wirksamer' waren Angriffe auf seine Amtslhätigkeit, wie sie in letzter Zeit in mittelparteilichen Blättern wie in der„Post" und in der„Münchener Allgemeinen Zeitung" erfolgten. An Angriffe von dieser Seite war Fürst Hohenlohe freilich nicht gewöhnt; vielleicht hat er dieselben ignoriert, vielleicht aber auch deshalb zu Herzen genommen, weil er persönlich die„Quelle" dieser„Kanzler stürzerei" kannte oder vermutete. Aber alle diese Umstände reichen unsres Erachtens nicht aus, den plötzlichen Rücktritt des Fürsten Hohen- lohe gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt zu erklären...." Ueber den neuen Kanzler schreibt das Ccntrumsblatt: „... Unter allen„Kandidaten" für die Nachfolgerschaft im Reichskanzleramt ist Graf v. Bülow, bei dessen Ernennung zum Staatssekretär des Auswärtigen Amts schon von einem„Dauphin des Reichskanzlers" gesprochen wurde, jedenfalls diejenige Persönlich- keit, die nach der allgemeinen öffentlichen Meinung als der„geborene Nachfolger" des FürstenHohenlohe galt. Aber der Reichskanzler Graf v. Bülow wird zugleich auch der Leiter der inneren Politik im Reiche sein und zudem preußischer Mini st er- Präsident. Auf dem Gebiete der inneren Politik aber ist Graf v. Bülow ein noch vollständig unbeschriebenes Blatt. Seiner Person bringen wir ein großes Maß von Ver- trauen entgegen; seiner Wirksamkeit in den neuen Aemtern werden wir wohlwollend, aber auch krittsch nS gegenüberstellen." Nolikiplsze Mebevficht. Berlin, den 18. Oktober. BerfaffungSbruch. In einem Entrcfilet, das aussieht, als sei eS nach dem 12,50 Mark-Satz gearbeitet, beschäftigt sich die„Post" von neuem mit der Anregung des„Vorwärts", daß eZ gerade die Pflicht der konstttutionellen liberalen Parteien gewesen wäre, gegen die ver- fassnngswidrige Ausschaltung des Reichstags durch eine Protest- Versammlung der Reichstags-Abgeordneten laut und unzweideutig Stellung zu nehmen. Die„Post" nennt ein solche« Verfahren„einen Umsturz der konstttutionellen Verfastung zu Gunsten des Parlaments oder, um es ungeschminkten Worts zu sagen, einen ersten Schritt auf dem Wege, als dessen Ziel der Socialdemokratie die Diktatur des Proletariats gilt." Da« Scharfmacherorgan versucht eS vergeblich, die Wahrheit auf den Kopf zu stellen. Unsre Anregung bedeutet so wenig einen Ver- faffungSbruch, daß sie vielmehr einen Weg wie«, Recht und Gesetz zu wahren gegenüber der Diktatur einer ver- antwortlichen Regierung, von der niemand weiß, durch welche Personen sie thatsächlich verwaltet wird. Die China- «ktton ist von Anfang an nicht nur ein Hohn auf da« Völkerrecht. fondern auch auf die deutsche ReichSverfassung. Man kann die« Ver- fahren geradezu eine Generalprobe für einen Staatsstreich großen Stils nennen, und wenn es die bürgerlichen Parteien. in ihrer müden Feigheit und Unentschlossenheit oder in geflissent- lichem Volksverrat, diesmal ablehnen. dem Recht des Reichstags Geltung zu verschaffen, so ist das nichts andres als eine Aufforderung an die Regierung, bei jeder Gelegenheit die Verfassung außer Kurs zu setzen. Hätte der Reichstag in seiner Mehrheit auch nur eine Spur von Bewußtsein seiner Würde und Verantwortung, so würde er jeden Pfennig für die China- Attion ablehnen, um so weniger als die große Mehrheit des Volks von dem ganzen Unternehmen nichts wissen will. Für die bürgerlichen Parteien steht bei den bevorstehenden Verhandlungen viel auf dem Spiel: Protestieren sie nicht durch die Ablehnung der Chinaforderungen gegen die verfaffungswidrige Verausgabung, so geben sie damit das konstitutionelle Princip preis. ES wird der Socialdemokratte gewiß nicht zum Nachteil ge- reichen, wenn das Volk erkennt, daß die Socialdemokratte nunmehr auch die einzige Partei sei. welche ernsthaft gewillt ist, die Ver- fassung und die bürgerlichen Rechte gegenüber diktatorischen Gelüsten der Regierung zu hüten. Nur die unergründliche Verlogenheit der„Post" vemiag es fertig zu bringen, die Socialdemokratte, die in diesem Falle nur als Hüterin konstitutioneller Rechte dasteht, zu beschuldigen, daß sie die Verfaffung umzustürzen auffordere. Bielleicht verrät eS uns die„Post", welche Bestimmung der Verfaffung eS den ReichStags- Mitgliedern verwehrt, sich zu einem Protest gegen einen Verfaffungs« bruch zusammen zu finden. DaS wäre ja auch eine seltsame Ver- fassung, die der Regierung erlaubt, nach Willkür zu thun oder zu lassen. waS ihr beliebt, die dagegen dem Parlament versagt, auch nur eine Demonstration gegen ein verfassungswidriges Verhalten der Regierung zu veranstalten. Natürlich können die Mitglieder des Reichstags mit genau demselben Rechte sich zu einer Protest- Versammlung in Berlin einfinden, wie sie ettva zur Einweihung des Leipziger Schlachtdenkmals geladen werden. Das ist ihr Recht, das keiner Berfaffungsbestimmung entgegen ist, es wäre auch ihre Pflicht. Die Anschauungen der„Post' fteilich, die der Regierung erlauben die Verfaffung nach Herzenslust zu übertreten, den Volksvertretern aber untersagen, auch nur von ihrem gesetzlich zustehenden Ver- sammlungsrecht Gebrauch zu machen— diese Anschauungen zeigen der preußischen Regierung einen schönen ebenen Weg, den Mittel« land-Kanal zu bauen. Die Regierung hat einfach nichts weiter nötig, als den Kanal fettig zu stellen und dann, nachdem er vollendet ist, dem Landtag die Kostenrechnung zu präsentieren— ganz nach dem Vorgang der China-Sktton. Die Konservativen werden fich dann nicht über solche« Verfahren beklagen dürfen; denn fie selbst haben eS ja gebilligt. Mag Herr v. Thielen den Weisungen deS Herm v. Zedlitz folgen.—_ Im Kastanienwäldchcn zu Berlin holt der strömende Regen das farbige Laub von den Bäumen. Es ist Todesstimmung. Melancholisch schaut Herr v. Miauel durch daS Fenster: Laß fahren alle Hoffnungen I Es ist doch nicht erreicht I Das Ziel seines Ehr- geizes, die Kanzlerschaft, ist für immer entwichen. Der bürgerliche Emporkömmling ist nicht würdig befunden worden, auf den Sessel des höchsten Beamten zu steigen'. Außerdem ist Preußen längst nicht mehr Mode. Unsre Zukunft liegt am Peiho— und überhaupt innere Politik: wen vermag das noch zu interessieren! Und nun ist dieser Salongraf, der von der inneren Politik doch so viel versteht wie von der chinesischen Sprache, gar noch Minister- Präsident in Preußen geworden. Nicht einmal das ist ihm gelungen, in Preußen die Spitze zu gewinnen, geschweige im Reich. Armer Miguel! Er ist ein vergessener Mann, ein ausgebrannter Glühstrumpf— ein kleiner Stoß und das ganze leuchtende Gewebe zerfällt iu Asche. Dieser Bülow, der doch bisher nichts geleistet hat, als ein paar komische diplomattsche Noten, wird Kanzler und Ministerpräsident, er, Miguel, aber wird diesem öligen Redner untergeordnet! Die Börse, die die Ernennung BülowS mit einer weiteren Kurs- senkung beantwortete, hat trübielig Verständnis für das Gemüts- leben eines gesunkenen Finanzministers und indem sie annahm, daß Miguel den Bülow unmöglich überleben könne, ernannte sie ihm flugs einen Nachfolger, der natürlich kein andrer sein kann, als der Börsenphilosoph und Bankdirektor weltpolitischen Anstrichs Siemens. Geh. Miguel, und räume Siemens das Feld. Die Börse hat eine solche kleine Aufmunterung wahrlich nötig. Im Kastanienwäldchen fällt das Laub I— Herbert Bismarck bringt sich in eigentümlicher Weise in Er- innerung. Die„Berliner Neuesten Nachttchten" bemühen sich, die unbequemen Aussagen Schweningers im Prozeß Horden abzu- leugnen, nach der Art, in der dies geschieht, soll auf Herbert Bismarck als auf den Urheber des Dementis hingedeutet werden. Zufällig ist gerade ein Ministerposten frei, der des Auswärtigen Amts. Zufällig deuten die„Berl. Neuesten Nachr.' gerade jetzt an, daß es einen Mami gebe, der sich sehr nützlich machen könnte, wenn er als Staatssekretär des Auswärtigen Amts Gelegenheit fände, ! Kenntnisse— nicht zu verwerten. Herbert Bismarck langweilt sich, Herbert Bismarck erklätt sich bereit, die indiskrete Rache seines Vaters diskret zu vereiteln. Herbert Bismarck sollte Minister werden!— Der Kölnische Bülow- Anzeiger entläßt bereits Herrn v. Mquel in Ungnaden. Die„Kölnische Zeitung" schreibt: „Je mehr dann Herr v. Miguel sich von den ein- seitigsten und extremsten Agrattern widerstandslos vorwärts- drängen ließ, umsomehr verlor er den inneren Zu- sammenhang und damit das Vertrauensverhältnis zu der Mehrzahl der übrigen preußischen Aachminister. Und so konnten jene verworrenen Zustände eintreten, die nament- lich bei der Vertretung der Kanalvorlage, bei der Disziplinierung der landrätlichen Abgeordneten und ihrer späteren ungewöhnlichen Beförderung in die Erscheinung getreten sind.' Ein nationalliberaler Eselsfnßttitt gegen einen Nattonal- liberalen!— Die Kultur der Nilpferdpeitsche. Vor der Erfurter Strafkammer wurde am 16. d. M. gegen den früheren verantwottlichen Redacteur der„Tribüne", Genossen May verhandelt. J» der Nummer vom 7. Mai hatte er einen Attikcl unter der Spitzmarke„Ein K u l t u r b i l d aus O st- a f r i k a" gebracht, worin nach einer in der bündlettschen„Deutsch. Tageszeitung" abgedruckten Skizze Vorgänge geschildert waren, die tich zwischen dem Lieutenant Oskar' Fischer und seinem schwarzen Diener Jonnes HaschinS abgespielt haben sollten. Es ivar darin behauptet worden, Förster habe seinen Diener, der durch vornehme Damen des Berliner Westens ver- Ü b r t worden sei. öfters mit der Nilpferdpeitsche gezüchtigt. Lieutenant Förster, der selbst als Zeuge erschienen war, gab an, er habe, als er bei der Schutztruppe m Ostafrika diente, den schwarzen Diener in seine Dienste genommen. Herr Lieutenant Förster legte zunächst den Vertrag. den er mit dem damals 13jährigen Negerburschen abgeschloffen hatte, vor. Aus demselben ging hervor, daß der Lieutenant stch das viiterliche Züchtigungö- recht vorbehalten hatte. In Afrika sei er mit dem Boy sehr zufneden gewesen, so daß er sich entschloß, ihn mit nach Europa zu nehmen. In Berlin haben sich aber bald„un- günstige Einflüsse" geltend gemacht. Der Neger jsei häufig lange ausgeblieben, habe auch kleine Geldbeträge unterschlagen usw. Wegen dieser Verfehlungen habe er den Boy wohl vier- bis sechsmal mit einer einen kleinen Finger starken Reitgerte ans Ntipferdhaut gezüchtigt. Die Schläge seien aus den Rücken verabfolgt worden; doch habe sich' der Boy das in einem Falle nicht ruhig gefallen lasten, sodatz ihn deshalb ein Schlag am Halse, der eine blutige Spur hinterlassen, getroffen habe. Er, der Lieutenant, habe daraufhin bei der nächsten Züchtigung befohlen, sich auf den Teppich niederzulegen und habe ihm dann seine Schläge aufgezählt. Auf die Frage des Präsidenten, ob diese Behandlung nicht eine besondere Härte darstelle, erklärte der Lieutenant, daß in Afrika noch viel härter gestraft werde. Die Wirtin des Herrn Lieutenants, Frau Wünsch, die darauf an der Zeugenbarre Platz nehmen muß. erklätt. baß sie von der Behandlung de« Negers nichts gesehen, da der Lieutenant die Thür stets verschlossen gehalten, sie habe aber das Schlagen gehört. Die Nachbarsleute seien durch das Wehegeschrei des Dieners in der Ruhe gestört, diese machten ihr Borhaltungen, und sie versuchte deshalb, — leider vergebens— den Lieutenant zu einer andren Behandlung seines Dieners zu bestimmen. Der Neger habe einmal blutige Ttriemeu am Hals und au der Hand gehabt, sie habe auch die blutigen Itricmeu von 35 Schlägen auf dem Rücken des Boy gesehen, die diesem sein Herr nach erfolgter Entblößung des Rückens aufgezählt habe. Der dritte Zeuge, der ehemalige Offizierbursche, mit dem der Boy verkehrte, bekundet, HaschinS habe ihm gesagt:„Lieutenant nicht gut, Lieutenant viele Haue." Ihm habe der Neger die Nilpferd stocke gezeigt, mit welchen er geschlagen worden sei, er habe auch die Berlctzungen an Hals und Hand gesehen. Der Gerichtshof hielt die„Qualität" der Schläge noch nicht genügend festgestellt; auf Antrag der Betteidigung beschloß er die Ladung weiterer Zeugen, die bekunden sollen, ob der Boy bei der Prozedur geschrien oder ob der Herr Lieutenant den kroch verursachte. Ferner sollen die Züchtigungsinstrumente, die Peitschen und Stöcke verschiedener Art dem Gericht vorgelegt werden. Diele Gerichtsverhandlung bildet wieder einen würbigen Beitrag zu der Charakteristik unsrer afrikanischen Kulturträger. Der Staats- anwalt hat. indem er im„öffentlichen Juteresse" Straf- anttag stellte, den schneidigen Aftikacivilisatoren einen sehr schlechten Dienst erwiesen.— Zur freisinnigen China-Resolution schreibt die freisinnige „Volks-Zeitung": „Daß nur die Socialdemokratie gegen die Bewillignna dcr China-Rosten stimmen und dadurch ihren Protest gegen den China- Kurs zum Ausdruck bringen ivird, dürfte leider zutteffen. Die verwäffertrn Resolutionen deS Freisinns für den Görlitzcr Parteitag, die sich sogar des wärmsten Beifalls der khakifrohen „Münchener N. N." erfreuen, lassen den Schluß zu, daß die Frei- sinnige Volkspartei im Reichstag eine ebenso verwässerte Haltung beobachten wird." Eugen Richters Organ fteilich fähtt fott, patnotisch zu schwärmen. „Als jämmerlich würde," so schreibt daS Blatt,„die Socialdemokratie allseitig verurteilt werden, wenn sie, im Falle sie darüber befragt worden wäre und den Ausschlag zu geben gehabt hätte, Gelder wurde verweigert haben, um das in Peking mit dem Tod bedrohte Gesandtschaftspersonal durch militärische Machtmittel zu entsetzen.' Das ist schon der reine Kriegervereins-Patriotismus. Uebrigens sind unsres Wissens die deutschen Truppen an der Rettung des Ge- sandtschaftspersonals gänzlich unschuldig!— Bei den Anttsemiten geht eS jetzt, seitdem der schlestsche Dreschgraf Pückler wider das Volk Israel aufgestanden ist, etwas lebhafter zu. Sie haben bei ihren Versammlungen volle Säle und erzielen mit dem 20 Pfeimig- Enttee schöne Einnahmen. Wenn Ahlwardt daS hört, wird er sich zu Tode grämen; ersten? wegen der Erfolge des Grafen Pückler, gegen den er doch nur ein Waisenlnabe ist, und dann wegen der schönen Einnahmen. Graf Pückler ist ein Mann von kerniger deutscher Att. Er macht zwar ein halbes Dutzend sehr elegante Verbeugungen, wenn er beim Betteten deS SaalS und beim Erscheinen auf der Bühne mit Beifalls- salven empfangen wird. Auch ist sein Programm, mit dem er Er- folge erzielt, nur ziemlich klein. Er gebraucht abwechselnd die Wendungen, daß man jetzt endlich„dazwischen hauen" müsse und daß fie„der Teufel holen' werde. Etwa jeden dritten Satz des Grafen ziett eine dieser Ver- sicherungen, die dann jedenfalls durch den brausenden Beifall der erschienenen Repräsentanten des deutschen Volks bestätigt wird. Dabei wird der Hauptverbündete und Vertrauensmann deS Grafen Pückler, der Teufel, nach deS Grafen Versicherung demnächst die ver- schiedensten Volksgenossen holen. Hauptsächlich und mit dcr größten Beschleunigung natürlich die Juden und die Social« demokraten, dann aber auch die deutsche Regierung, wenn sie nicht bald antisemitisch wird, und schließlich das deutsche Volk selbst, wenn eS nicht endlich„dazwischenhaut". Nach diesem Rezept war auch wieder die Rede gearbeitet, die der Graf Pückler am Mittwochabend in den Konkordia-Sälen hielt. Er gab diesmal die Bemerkung zum besten, daß während deS Socialistengesetzes die socialdemokratische Bewegung immer mehr zurückgegangen, nach der Aufhebung desselben aber wieder gewachsen ei. Die Anarttiisten müssen wie Bestien behandelt und „zn Tode geschunden" werden. Jetzt werden sie ja häufig nicht einmal hingerichtet. Ueberhaupt müsse in das ganze jüdische und revolutionäre Gesindel dazwischengehauen werden, daß sie alle der Teufel holt. DaS sei jedenfalls besser, al» wenn die deutschen BundeSfüttten fottwährend in Gefahr schweben müßten und ihres LebenS nicht froh werden könnten. Diese Ausführungen leiteten zu dem Höhepunkt det Versammlung über. Vom Vorsitzenden wurden der Berlinerl Stadtverordneten-Versammlung wegen der Verweigerung einer GratnlationS< Adresse an die Kaiserin einige Esels« ußtritte versetzt. Irgend jemand machte eine Zwischenbemerkung. Sofort erhob stch gewaltiger Lärm.„RauSl Juden rauSl RauSI Raus! RauSl" schtte eS von allen Seiten. Drohend erhoben sich Stöcke und Fäuste. Menschenmassen knäulten sich zu- sammen. Und dann wurden zwei Juden durch den Saal ge« stoßen und mit feierlichem Triumphgehäul rauSgeschmissen. Jemand schrie: Es waren ja gar keine Juden! Aber ein Führer interpretierte die Stimmung der Versammlung dahin, daß eS dann Judenknechte gewesen seien. Nun wurde die Gratulationsadresse an die Kaisettn aufgelegt und von einem großen Teil der Versammelten mit pattiotischen Ge- uhlen unterzeichnet. Es folgten noch zwei Votträge über den vlutmord in Könitz und über die W a r e n h ä u s e r. Dr. B a ch I e r von der .Staatöbürger-Zeitung' variiette den schönen anttsemitischen Vers: „Die Juden haben einen Christen geschlacht". Im übrigen habe der bisherige Gang der Untersuchung ihm die Ueberzeugung verschafft, daß der Mord zwar nichtvondenKonitzer Juden, sondern nur unter deren Beihilfe von den ausländischen Juden vollfühtt worden sei. die heimlich über die Grenze kommen, um sich da« Blut der deutschen Kinder zu holen. Unbegreiflich sei eS. daß Israels« freigesprochen wurde, denn er habe nicht beweisen können, daß er den Kopf von Ernst Winter nicht im Sack gehabt habe. Jedenfalls werde das Blut der deutswen Kinder an den Juden furchtbar heimgesucht werden. Reichstags-Abgeordneter Bindewald empfahl als Mittel gegen die Warenhäuser eine gesetzliche Bestimmung, wonach diese gezwungen sein sollen, sämtliche Waren zu den ausgezeichneten Preisen auch in größeren Partien an christliche Wiederverkäufer ab- zugeben. Wir resümieren also die Quintessenz de» neueren Antisemitismus: Die Warenhäuser werden ausgekauft, Christen- blut wird nicht mehr geliefert und Graf Pückler haut dazwischen, daß alle der Teiifel holt. Doch nun noch eine ernste Bemerkung: Armer Mittelstand, der fich bei seinem Kampf um die Existenz von solchen politischen HanS- Würsten ins Schlepptau nehmen läßt, wie es die antisemitischen Wott- führer sind!—_ Demokratisch!„ES giebt keine gehobenere Würde, als die eines mit Gott verbundenen Mannes, nur m dieser Verbindung er- hält sich der Mann seine ganze männliche und menschliche Würde. Das erhabenste Beispiel nach dieser Richtung hin giebt un« unser Kaiser. Ter Hohenzollernkaiser ficht auf einer ge- wältigen Höhe, kein Monarch, der sich mit ihm vergleiche», keiner, der sich über ihn erheben dürfte. Und doch lieist die höchste Größe seiner Würde, der herrliche Glanz seines Kaisertums in seinem offenen Bekenntnis, ein Christ zu sein. So hat nicht etwa Herr Dr. Leon Leipziger, der Christ, im „Kleinen Journal' geschrieben. So hat Herr Lieber, der CentrumSdemokrat, in einer Rede gesprochen! Er kriecht eben immer noch in Gottes Staat, der Herr Dr. Lieber.— „Ein bißchen Kohlennot und ein bißche» Kohlcnwucher ist nicht so schlimm." Der Oberbergrat a. D. Wachler soll diesen Ausspruch in Oppeln gethan haben. Ein hiesiges Blatt schreibt dazu: „Herr Wachler gehört keiner Behörde mehr an, vielmehr ist er als Privatmann' in dieser Sache interessiert. Er bekleidet A u f s i ch t s r a t s st e l l e n in der Dresdner Bank, der Deutschen Grundlreditbank. der Kattowitzer Aktiengesellschaft für Bergbau und Eisenhiittenbettieb, der Schlesischen Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinkhüttenbetrieb, der Lauchhammcr vereinigte» vormals Gräflich Eiusicdelschen Werke, der vereinigten Königs- und Laurahiitte und der Berliner SpedittonS- und LagerhauSaktien- -S gesellschaft. Wir tönnen dem Herrn Wachler nachfühlen, daß für ihn| Erinnerung daran, daß der Verlobte unsrer Königin ein Deutscher ist. Imeine, fie wird sich bewußt gewesen sein, daß fie das ein bißchen Kohlenwucher nicht schlimm ist, im Gegenteil, je größer die Die bürgerliche Presse enthält sich sorgfältig, diesem Umstand poli- allgemeine Wohl im Auge behalten muß.( ufe: Au!) Bei Kohlennot und der Kohlenwucher, um so größer die Tantiemen. Wie tische Bedeutung beizumessen. Sie begnügt sich, den alten Stammbaum Angelegenheiten, welche das allgemeine Wohl, das das Zurückist es nur möglich, daß Beamte ob im Dienst oder außer des Herzogs zu demonstrieren, sie hebt seine Verwandtschaft mit treten von Privatinteressen verlangen, müssen auch bestehende Diensten sich in der Weise mit feisten Gründerpfründen auf dem Hause Oranien hervor und überbietet sich besonders in lyrischen Verträge weichen, vorausgesetzt, daß das, was auf diese päppeln lassen! Welchen Zeiten gehen wir eigentlich entgegen! Lobspendungen an die Königin, weil diese dem Drang ihres Herzens Weise genommen wird, entschädigt wird. Eine offiziöse Notiz hat Der Tanz ums Goldene Kalb wird wilder und schlimmer Folge geleistet habe. diese Ansicht vor einiger Zeit ausgeführt. In dieser Beziehung stehe als je." Nach seiner Heirat bekommt der Herzog den Titel eines Prinzen ich auf dem Standpunkt des Kollegen Preuß. Im übrigen hat Dieses Blatt ist die Kreuz- Zeitung", die dafür aber für Gemahls, wahrscheinlich bekommt er dabei vom Parlament noch meine Fraktion erhebliche Bedenken gegen die Vorlage. Die KonKornwucher eintritt. einige Hunderttausend Gulden Jahrgeld geschenkt; und auch eine hohe zeffionsverlängerung hat eine ganz andere Lage geschaffen. Für die militärische Würde wird ihm wohl aufgetragen werden. Regieren Uebernahme in eigne Regie habe ich in der Verkehrsdeputation nicht barf er aber nicht; wenn auch der erfte, so bleibt er doch Unter- gestimmt; auch die Mehrheit für diesen Vorschlag im Magistrat than der Königin. Sein erster Sohn wird aber erblicher ist nur eine sehr geringe gewesen. Jm allgemeinen hätten wir doch Kronprinz usw., vorausgesetzt, daß die Heirat von der Bolts Arbeit in Hülle und Fülle für unsre städtischen Beamten und sollten vertretung gutgeheißen wird. Die 8weite Rammer hat aber schon dem Magistrat nicht noch neue Arbeiten aufbürden.( Unruhe.) und find heute von einer Ablehnung Abfland genommen. Den Bericht der Ver- wir denn so sehr Praktiker, so sehr sachverständig für eine Leitung solcher lobung hat sie unmittelbar mit ehrfurchtsvollem Glüdwunsch beant Straßenbahn Unternehmungen, die den privaten Gesellschaften die wortet; die Mitglieder erhoben sich dabei von ihren Sitzen und Stange hält und die Interessen des Publikums wahrt? Eine solche Verhörten stehend die königliche Botschaft an. Nur die drei Social- waltungsdeputation muß langsamer, schwerfälliger, bureaukratischer Demokraten beteiligten sich nicht an einer so boreiligen Demonstration arbeiten und ist nicht in der Lage, schnell entscheidende Entschlüsse zu fassen. und blieben fizen.Der Direktor der städtischen Straßenbahn soll in der Deputation Spanien. fogar nur beratende Stimme haben; ein großes Gehalt werden wir bauenden Linien und bei Betriebsstörungen werden erst recht die Schwierigkeiten auftreten; über das finanzielle Resultat baben wir gar keine Sicherheit, wohl aber stellen wir die 2 Millionen sichere nehmen ziehen, ins Ungewisse. Ich beantrage daher die Verweisung Einnahmen, welche wir jezt jährlich aus dem Straßenbahn- Unterder Vorlage an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Die empfindliche Hilfe". Dem nationalsocialen Wochenblatt scheinen unsre Betrachtungen über das Revolver- Christentum so wenig gefallen zu haben, daß es sich sogar entschließt, ein wenig Fronie gegen uns zu verpulvern. Merkwürdig, wie zartfühlig das Blatt ist, wenn seine schimpf liche Anschauung mit einem schimpflichen Ausdruck gekennzeichnet wird; in solcher derben und deutlichen Charakteristik nationalsocialen Wesens sieht dasselbe Blatt einen Mangel an echter Menschenliebe, das es gut heißt, wenn 50 000 Gefangene niedergemezelt werden. Nur nicht so weichlich, zartfühliges Organ für Gottes- und Bruder hilfe. Die Mordsucht als politische Weltanschauung ist nun einmal das Abscheulichste, was Menschensinne auszuheden vermögen. Da ziemt sich keine fäuselnde Schonung! abei Yautete: schaft in Krakau sandte eine Adresse 2c. 4 Madrid, 17. Oktober. Die Sortes werden am 20. November ihm auch nicht auswerfen können. Bei der Auswahl der neu zu zusammentreten. worden ist. Afrika. Kommunales. = Stadtverordneten Versammlung. nachmittags 5 Uhr. Wie man Märthrer schafft. Als Fräul. Omaidowska, welche wegen Erteilung von Unterricht unbemittelter Kinder in der Zur Abreise Krügers wird der Frankfurter Zeitung" aus polnischen Sprache in Haft genommen worden war, am Sonntag London vom 17. d. Mts. gemeldet: Der" Daily Mail" wird aus aus dem Gefängnis fam, war sie Gegenstand großer Kund Lourenço Marques gemeldet, daß die englischen Behörden unzugebungen. Kaum erschien sie auf der Schwelle, so brachten frieden sind mit der fruchtlosen Durchsuchung der amerikanischen Hunderte von Polen, die sich dort versammelt hatten, ihr ein Hoch Barke„ Litchfield" nach Krügers Gold, welche Durchsuchung wedmäßigkeitsgründen seiner Beit für den Umwandlungsvertrag Stadtv. Singer: Wir haben nicht etwa, wenn wir aus aus. Einige Herren überreichten ihr Blumensträuße. Zu Hause die portugiesischen Behörden vorgestern vornahmen. Sie werden wurden ihr verschiedene Adressen überreicht. Eine derselben wahrscheinlich darauf bestehen, daß unter englischer Aufsicht eine gestimmt haben, unsern principiellen Standpunkt irgendwie verlassen. Wir haben auch der Verlängerung des Vertrags um 8 Jahre zuWir Arbeiter Posens senden unsre aufrichtigste An- genauere Durchsuchung vorgenommen werde. erkennung für Ihre große Opferwilligkeit hinsichtlich unsrer Lord Roberts wird, wie„ Daily Expreß" meldet, den Bosten gestimmt, weil wir damit außerordentlich nüßliche Dinge erreichten, ben Einheitstarif, die Pensionskasse, die Pensionskasse, die Magimalarbeitszeit Kinder. Das ist ein Martyrium für eine edle That, die wir nie eines Generalissimus der englischen Armee nicht annehmen, vergessen werden. Wir sind nicht reich und können kein finanzielles weil die Regierung ihm die Attionsfreiheit, welche er bei der An- eben auch teine principielle, sondern bloß eine Zweckmäßigfür die Wagenführer; die Verlängerung um 8 Jahre war Opfer bringen, aber unsre Herzen sind von Hochachtung für Sie ernahme des Postens verlangt, nicht gewährt hat. General Buller feitsfrage. Unfren principiellen Standpunkt haben wir dadurch füllt 2c." Berschiedene Telegramme tamen aus verschiedenen Pro- werde infolgedessen zum Generalissimus ernannt werden. vinzen, eines sogar aus Straßburg i. E. Die christlichsociale Gesell- Der Central News" wird aus Durban berichtet, daß der gewahrt, daß wir tonsequent gegen jede neue Stonzeffionierung deutsche Missionar Prozesty des Hochverrats gestimmt haben. Die Behauptung, daß unsre Zustimmung zu dem Wenn man einen Preis darauf gesetzt hätte, wie es zu machen schuldig erklärt und zu 12 Monaten Gefängnis und 500 Pfund Bertrage etwa ein principieller Fehler gewesen sei, würde somit hinfällig sein. Herr Cassel hat sich über den Schritt der fei, den Bolen das Deutschtum gründlich zu verekeln, man hätte keine Geldstrafe oder dafür zu weiteren neun Monaten verurteilt Regierung bezüglich der Konzession sehr verwundert, wie ich besseren Mittel wählen tönnen. meine, mit Unrecht. Die Verlängerung der der Konzession bis 1949 ist ein direkter Schlag gegen die Selbstverwaltung. Nichts kann uns stärker dazu veranlassen, die Vorlage anzunehmen und den Magistrat zu bitten, schleunigst mit der Durch muß hier doch auf die Kontinuität hingewiesen werden, welche in führung vorzugehen, als diese Behandlung der Stadt Berlin. Es den Maßnahmen der Regierung gegenüber der Stadt zu erkennen der Stadt hinweg eine faiserliche Berordnungerist. hat doch Siemens u. alste über den Kopf wirkt, die erste Untergrundbahn in Berlin zu bauen, An erster Stelle der Tagesordnung steht die Beratung ber vom und hat nicht bie Straßenbahn- Gesellschaft über den Kopf Magistrat schon Ende Juni gemachten Vorlage betreffend den Bau der Stadt hinweg auf Anordnung des Kaisers die Stadtgemeinde und die leberführung der Verwaltung des zu befeitigen wegen der Unzulänglichkeit und der Unwirtund Betrieb nener Straßenbahn Linien für Rechnung der Ermächtigung erhalten, den Accumulatorenbetrieb städtischen Straßenbahn Wesens an eine besondere gemischte schaftlichkeit dieses. Betriebs", wie es ausdrücklich in der Berordnung Aus dem Großherzogtum Sachsen- Weimar schreibt man Deputation. Die Beratung der Vorlage war von der Versammlung heißt?! Dieser Hinweis auf die Unwirtschaftlichkeit in einer Verfügung uns: Endlich ist der Bann über die Frage: Wann finden die in der letzten Sitzung vor den Ferien auf den Monat Ottober ver- auf faiserliche Veranlassung ist sehr intereffant.( Sehr richtig!); Landtagswahlen statt? gebrochen. Für den ersten und dritten tagt worden. Den Inhalt der Vorlage dürfen wir als bekannt fo wahrt man an jenen Stellen die Rechte der Selbstverwaltung! Berwaltungsbezirk find von den zuständigen Bezirksdirektoren die voraussetzen. Wenn wir nicht, gestützt auf unser gutes Recht, unsern Verkehr Urwahlen auf Freitag, den 26. Ottober, festgesetzt und es Betreffs der Konzessionsverlängerung für die Straßenbahn- auf den Straßen und Plägen felbft regeln, tönnen wir lange darauf steht nunmehr fest, daß an diesem, natürlich aus leicht begreiflichen Gesellschaft bis 1949, wie sie von dem Polizeipräsidium auf Ber- warten, den Einfluß privattapitalistischer Unternehmungen zu brechen. Gründen für die Arbeiterschaft ungünstigsten Tage allgemein die anlaffung des Ministers unter Uebergehung der Stadtgemeinde er-( Sehr richtig!) Es ist also die höchste Beit und Notwendigkeit, mit Entscheidung darüber stattfindet, ob die Wahlagitation der vereinigten teilt ist, liegt ein Antrag Preuß vor, gegen diese Verfügung folchen Verhältnissen aufzuräumen. Kollege Preuß will an den Oppofition erfolgreich ist. Auffällig ist es auch, daß die Frist bis Beschwerde an den Minister der öffentlichen Arbeiten einzu- Minister eine Beschwerde richten, d. h. er will beim Minister über zum Wahltage so sehr kurz bemessen ist.legen. den Minister Beschwerde führen, ben Teufel bei bei seiner Beide Angelegenheiten werden gemeinsam verhandelt. Großmutter verklagen.( Große Heiterfeit.) Dazu ist mir Alkohol und Armee. Den Gestellungspflichtigen des 16. Armee- Stadtv. Cassel: Die Vorlage ist eine der wichtigsten, die uns die corps ist, wie reichsländische Blätter melden, mit der Einberufungs jemals beschäftigt haben. Stadtv. Cassel: Die Vorlage ist eine der wichtigsten, die uns die Sache und bie Stellung der Versammlung zu wert Die überwiegendste Mehrheit meiner voll, um einen Schritt zu unternehmen, der schließlich die Stadt nur orbre gleichzeitig der Befehl zugegangen, teinen Schnaps mit näheren Freunde ist für Annahme derselben ohne vorgängige lächerlich machen und erniedrigen würde. Der Kampf um die auf die Reise zu nehmen. Zuwiderhandelnde feien hier bestraft Ausschußberatung. Im wesentlichen leiten uns dabei die Er- Selbstverwaltung muß von der Stadt selbst entschieden: worden. Der Befehl wird auf den Grafen Häfeler zurückgeführt, wägungen, welche die Verkehrsdeputation und den Magistrat geleitet werden, indem sie, auf sich selbst gestützt, thut, was sie für recht der ja auch den Schnapsausschant in der Kantine verboten hat. haben; keineswegs aber nehmen wir dabei etwa die Stellung hält; und wenn dann die Regierung in ihrer hohen Weisheit findet, Ueber den Majestätsbeleidigungs- Prozeß Harden, der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführt wird, bringt die " Zukunft" einen Bericht, der im wesentlichen bestätigt, was bisher in den Zeitungen befannt geworden ist. Zur Abänderung des Krankenversicherungs- Gesetzes. Aus dem Kreise der Handelskammern ist nun der Wunsch laut geworden, daß diesen gesetzlich zur Vertretung von Industrie und Handel berufenen Körperschaften rechtzeitig Gelegenheit gegeben 28. Gigung vom Donnerstag, den 18. Oftober 1900, werde, sich über die beabsichtigten Aenderungen zu äußerit. Der Borstand des des deutschen Handelstages hat diesen Wunsch als berechtigt anerkannt und, wie die von dem deutschen der gestern bereits mitgeteilte Antrag die Wohnungsnot be Von den socialdemokratischen Mitgliedern der Versammlung ist Handelstag herausgegebene Beitschrift Handel und Gewerbe" mitteilt, den Staatssekretär des Junern um Erfüllung des Wunsches treffend eingebracht worden. gebeten. Nötig ist vor allem, daß man die zunächst und zumeist Interessierten, nämlich die Strankenkassen Mitglieder um ihre Meinung befrage. " " F bon tvie Und eines bußfertigen Sünders ein, die uns ein vielgelesenes daß die privatkapitalistischen Gesellschaften solche Unternehmungen Berliner Blatt aus diesem Anlaß unterschieben will. Die beffer betreiben, dann wird es vollends offenbar, daß wir Schutz Minorität, welche seiner Zeit gegen den Umwandlungsvertrag für unsre vitalften bürgerlichen Interessen auch bei den höchsten; mit der Straßenbahn- Gesellschaft stimmte, wurde von Mitgliedern Instanzen nicht finden, da diese ihre Straft eben aus den kapitalistischen aller nichtsocialdemokratischen Parteien gebildet, welchen einzelne Interessen ziehen.( Sehr richtig!) Der Direktor des Wolfffchen Telegraphenbureaus äußerte sich bestimmte Vorschriften des Vertrags nicht paßten, aber niemand von Die Vorlage selbst begrüßen wir mit einer gewissen Genugüber die Verbreitung der Bremerhavener Kaiserrede. Von dem an ihnen war ein principieller Gegner. Auch die Socialdemokraten thuung. Bußfertige Sünder begrüße ich persönlich immer mit großer geblichen Eingreifen des Grafen Bülow habe er nur aus den Zeitungen haben ja dem Vertrag zugestimmt. So sind wir auch jetzt aus Freude( Heiterkeit); nur das eine aber muß hier doch gesagt werden: erfahren; dienstlich sei ihm davon nichts bekannt geworden. Die vom Zweckmäßigkeitsgründen für die Annahme der gegenwärtigen Vor- Wie schlimm müssen es solche Gesellschaften treiben, wenn der tommt, W.. B. der Preffe übermittelten beiden Terte seien dem Bureau von lage. Auf demselben Standpunkt steht die Verkehrsdeputation; fie Berliner Magistrat bazu zu sagen: Das ist dem nach Bremerhaven geschickten Berichterstatter telegraphiert worden. hat ursprünglich die Uebernahme des städtischen Netzes in eigene nicht mehr auszuhalten!( Stürmische Heiterkeit.) der That, Nur der zweite Text habe die Stelle über das Bardonverbot, feine von Stegie gar nicht in Aussicht genommen gehabt. Es war in einer in die rücksichtslose Art, die Gesell Stadt jeher die und bas Publikum bebeiden den Satz über Ezel und seine Hunnen enthalten; ob dieser Subkommission mit verschiedenen Gesellschaften verhandelt worden, schaft Saß wirklich gesprochen sei, wisse er nicht. Herr Dr. Sufe be- wobei die Frage eine Hauptrolle spielte, wie es zu vermeiden sei, handelt, die zunehmende Gefährlichkeit des Betriebs, welche antragte, den Berichterstatter der„ Neuen Hamburger Beitung" au der neuen ginien in die Hände bekomme. Während die Direktoren gegen die Forderungen, welche die Stadt auf Grund bes Berdaß die Berliner Straßenbahn- Gesellschaft schließlich doch die Leitung eine notwendige Folge des Divibenbenhungers ist, die Mifachtung bernehmen, der dicht neben dem langsam und mit erhobener Stimme sprechenden Kaiser gestanden und jedes Wort dieses der Continentalbahn- Gesellschaft zu Nürnberg mit Emphase erklärten, frags stellt, das alles muß endlich dem Faß den Boden ausschlagen. Sages deutlich gehört habe. Der Gerichtshof erklärte diese Ver- eine Fusion sei schon wegen der Gegensäglichkeit der Interessen gänzlich Wir stimmen für die Vorlage. nehmung für überflüssig, da der von Harden angegebene ausgeschlossen, traten schon in den nächsten Tagen ganz bestimmte Der Vertrag mit der Gesellschaft muß ja selbstverständlich Wortlaut der Rede nicht bestritten werde. Nachrichten von Fusionsbestrebungen zwischen der Löwe- Gruppe und gehalten werden; aber die Stellung der Gesellschaft und des wird doch bei uns allmählich die Frage In seinen auch sonst beobachteten Charaktereigentümlichkeiten der Continental- Gesellschaft auf. Das mußte uns in der Subkommission Staats zu uns rücken, ob es nicht beffer ist, bie zeigte fich als Zeuge der Berliner Philosophieprofessor Friedrich natürlich stußig machen. Wir halten es für unbedingt notwendig, in den Vordergrund Paulsen. Dieser Mann, der einmal Kant eines timiden"( furcht der Straßenbahn- Gesellschaft gegenüber einen Wettbewerb eintreten zu gauze Gesellschaft, wenn auch mit Opfern, anszukaufen, als mit Man braucht ja bloß an die samen) Wesens geziehen, hatte in der Hilfe" einen Brief veröffent- lassen: und da er uns nicht absolut gesichert werden konnte, so sind ihr jahrelang Krieg zu führen. licht, der allgemein als eine Kritik der Hunnenrede aufgefaßt wurde. meine Freunde jegt dazu gekommen, nicht bloß für eigne städtische Fusionsbestrebungen zu denken, um sich zu überlegen, ob man nicht Herr Paulsen aber bewies, daß er wenigstens nicht timide geartet Straßenbahnen, sondern auch für den Betrieb in städtischer Regie zu wenigstens die Unternehmungen, welche noch nicht mit der Gesellsei; denn er leugnete unter seinem Eide, daß er gegen die Kaiser- stimmen. Die Annahme der heutigen Vorlage ist nur eine schaft fufioniert sind, erwerben sollte.( Sehr richtig!) Dem Kapital rede habe protestieren wollen; sein Brief habe sich nur gegen ihre principielle Entscheidung; aus der Erfahrung späterer Jahre wird gegenüber sind und bleiben wir machtlos. Schon heute verUebersteigerung" durch Naumann gerichtet. Ein deutscher Philosoph! erst zu entnehmen sein, ob es zweckmäßig ist, sämtliche fügt die Gesellschaft über einige 60 Millionen; wie lange Profeffor Schweninger machte die bereits bekannten Aussagen. Straßenbahnen Berlins in eigne Regie zu nehmen. Auch die wird es dauern, bis Siemens u. Halste usw. unter derselben Der Kirchenhistoriker Herr Professor Dr. Friedrich Nippold aus Jena sonstigen Verhältnisse drängen uns gebieterisch dazu, einen solchen Firma fahren! jagte aus, die Reec des Staiſer babe guided prionalen Verfuch zu machen, so vor allem der Staub der Berhandlungen der Opfern, reinen Tisch machen und die Geſellſchaften von unsten ftrenggläubigen Streisen ernste Bedenten erregt. Der Glaube an die Straßenbahn- Direktion mit der Staatsregierung über die Ver Straßen und Blägen auf diese Weise wegschaffen. Die Aufgaben der Wunderwirkung von Massengebeten werde zwar von manchen ortho- längerung der Konzession über 1919 hinaus. Selbst angenommen, städtischen Verwaltung find also mit dieser Vorlage noch nicht era dogen Theologen noch aufrechterhalten, von dem größten Teil der es hätte der Regierung freigestanden, die Konzession zu verlängern, schöpft. Wie unwürdig ist es übrigens, daß wir burch diese wichtigen Dinge erst wissenschaftlich Gebildeten aber nicht mehr als bindend anerkannt. ehe die Zustimmung des Wegeunterhaltungspflichtigen gegeben war, alle diese wichtigen Die Verquidung politischer mit religiösen Fragen entspreche nach seiner handelt es sich hier um eine Frage des tiefsten Lebensinteresses der Beitungen erfahren, obwohl ein Mitglied des Ansicht nicht dem tiefsten Sinn des vom Heiland gebrachten Stadt, um eins der wichtigsten Rechte der Selbstverwaltung, Aufsichtsrats der Gesellschaft im Magistrat sigt! Evangeliums. wo es der Regierung wohl angestanden hätte, vorher wenig( ört!) Es sollten doch Schritte gethan werden, um sicher zu stellen, Gin recht bedenkliches Mittel wandte schließlich die Verteidigung stens die Meinung der Stadt Berlin zu hören.( Sehr richtig 1) daß Verhandlungen über das Eigentum der Stadt Berlin immer an, er beantragte, einzelne nicht inkriminierte Artikel verlesen zu Ich kann für diese ganz unverständliche Verlängerung einen unter Zuziehung von Vertretern der Stadt Berlin geführt werden. laffen, um zu beweisen, was, bevor Harden seinen Artikel schrieb, Grund überhaupt nicht ausfindig machen. Jedenfalls hat die Re- Wir sind ja nicht in der Lage, ähnliche Stanäle zu befizen, wie sie die in Deutschland über die Kaiserrede gedruckt, verbreitet und nicht ver- gierung die Pofition der Gesellschaft der Stadt Berlin Gesellschaft mit den Behörden thatsächlich verbinden, und ich halte das für folgt worden sei. gegenüber dadurch erheblich verstärkt. Wir müssen nunmehr ein Glück, aber um so mehr muß man versuchen, Schutz vor dieser Art von Eine Privat- Attiengesellschaft bauti Da für alle diese Artikel die Verjährungsfrist noch nicht ein zeigen, daß wir nicht willenlos die Dinge gehen lassen wollen. Wir Nebenregierung zu finden. getreten, so scheint es uns nicht angemessen, daß ein Verteidiger stehen doch 1919 nach dem Wortlaut des Vertrags der Gesellschaft Linien da, wo der Verkehr ihr große Einnahmen sichert; die oder ein Angeklagter den Staatsanwalt auf solche noch nicht ver- ganz anders gegenüber wie jezt und können unsre Bedingungen Gemeinde hat andre, sie hat sociale Verpflichtungen, sie hat Linien folgten Aeußerungen hinweist. Das muß wie eine Denunziation stellen, auch wenn wir nicht zu eignem Regiebetrieb übergehen da anzulegen, wo die Gegend dem Verkehr erschloffen werden muß; wollen. Auch die Verkehrsverhältnisse haben sich derart ge- zu diesem Zweck muß aber die Stadt auch die lukrativen Linien ändert, daß aus der Annahme der Vorlage ein Schaden für in ihren Besitz bekommen. Herr Kyllmann spricht von praktischen Ausland. die Stadtgemeinde überhaupt nicht befürchtet werden kann. Bedenken, seine Bedenken liegen aber lediglich auf dem Gebiet der Aus allen diesen Gründen dürfen wir uns unsre Rechte aus dem Unentschloffenheit, des Mangels an Selbstvertrauen und einer Frankreich. Vertrage auf keine Weise verkümmern lassen. Um unserm niedrigen Einschätzung der Eignung der städtischen Behörden für Wenn er dieses Urteil für Beschlusse größeren Nachdrud zu geben, halten wir solche städtischen Aufgaben. die Annahme der Vorlage ohne Ausschußberatung für ge- Magistrat und Stadtverordnete allgemein hegt, so muß ich boten. Die allgemeinen Interessen müffen schließlich doch den Vor- mich wundern, daß er überhaupt in diese Versammlung eins rang gewinnen über eine Straßenbahn- Gesellschaft, auch wenn sie getreten ist.( Heiterkeit.) Braktisch tritt Herr Khllmann lediglich für fich statt eines Ministerialdirektors a. D. deren die Interessen des Privatkapitals ein. Wir haben doch schon zahlAmsterdam, 17. Oftober.( Eig. Ber.) Die Verlobung drei anstellt, um eine tüchtige Leitung ihres Unternehmens zu reiche Städte, welche diesen Verkehr von Gemeinde wegen betreiben, der Königin Wilhelmina wird in Holland mit Paraden erreichen. und das sollte für Berlin zu schwer sein? gefeiert. Nächsten Sonnabend wird das neueste Panzerschiff, das Stadtv. Kyllmann: Ich weiß ebenso wenig wie der Vor- Herr Kylmann spielt auf die schwache Mehrheit im Magistrat für die holländische Kriegsflotte gebaut wird, den Namen des Herzogs redner, welche Gründe die Regierung schon 19 Jahre vor Ablauf an; woher hat er diese Kenntnis? Auch die große Minorität Heinrich von Mecklenburg Schwerin erhalten. Das ist die einzige der Konzession für die Verlängerung bis 1949 gehabt hat; ich des Magistrats wird durch die thatsächlichen Erfolge belehrt werden. wirken. Paris, 18. Oftober. Der Kriegsminister hat eine Verfügung erlaffen, nach welcher sämtliche Blätter, auch die nationalistischen, in den Militärklubs wieder zugelassen werden. Holland. bie Eine AuSschußberatmig hakte tch für ganz überflüssig. Wäre eS nicht Herr Kyllinann und nicht ein Mitglied der Versammlung, so könnte mau fast auf den Glauben kommen, da& der Stntrag auf Ausschußberatung mißbräuchlich benutzt wird, um in- zwischen vielleicht noch mir einer weiteren Verordnung gegen die Stadt herauszukommen. sSehr gut!) Die Vorlage ist außerordent- uch vollständig, die Frage spruchreif. Möge der Magistrat sofort nach Annahme der Vorlage an die Ausführung gehen, das ist das einzige Mittel, aller Hintertreppenpolitik gegen die Stadt ;Cin_ Ende zu machen. Wenn wir dann die Erträge zu großen socialen Zwecken verwenden, zur Beseitigung der Wohnuugsnot(Beifall und Lärm) und zu ähnlichen kommunalen -zwecken, so werden wir etwas Besseres gethan haben, als wenn wir dem Privatkapital immer wieder die Millionen in den Rachen werfen! (Lebhafter Beifall.) Stadtv. R o s e n o w widerlegt in längerer Ausführung die Ein- Wendungen des Stadtv. Kyllman», die ihm absolut nicht ausreichend er>cheinen, um die Verzögerung durch eine Ausschußberatung zu recht- fertigen. Es müsse dafür gesorgt worden, daß in allerkürzester erste Spatenstich zu einer städtischen Berliner Straßcnbahnlrnie gemacht werden. Stadtv. Hugo Sachs: Die einfache Annahme des Magistrats- antrags, wie sie sich heute vollziehen wird, ist als ein Protest gegen die der Stadt zu teil gewordene Behandlung zu be- i grüßen. Schon die ersten Nachrichten über die Stellungnahme der Staatsbehörden habe ich als einen Angriff auf die Selbst- Verwaltung aufgefaßt. Ich habe über die Konzessions- Verlängerung eine Denkschrift verfaßt, welche beim Magistrat so wenig Beachtung fand, daß sie. obwohl sie auf Veranlassung des Vorstehers gedruckt war, im Magistrat nicht zur Verteilung ge- langte. Das mindert aber meine Freude nicht. Ich habe in jener Denkschrift auszuführen gesucht, daß das Verfahren deö Ministers geictzwidrig ist, daß es sich einfach um eine Ausschaltung der Selbstverwaltung handelt. Keine offiziöse Feder hat sich gerührt. den Minister gegen diesen Vorwurf zu verteidigen; statt dessen kam der Regierungsrat Tage, der in einem Vortrage ausführte, die Zustimmung sei zwar erforderlich, aber nur die abstrakte Zustimmung, die Dauer der Ausübung werde von der Genehmigungsbehörde bestimmt! iDas heißt doch die Zustimmung verewige» und die Dinge auf den Kopf stellen. Nun behauptet man weiter, wir seien auch gar nicht einmal berechtigt, Konkurrenzlinien zu bauen, so wird aus dem Kleinbahngesetz gefolgert, und zwar nicht bloß Niveaubahnen, sondern auch Untergrund- und Hochbahnen sollen in demselben Sinne unter das Kleinbahn- gesetz gebracht werden; also alles, was da kreucht und fleucht, liogar was auf dem Wasser schwimmt— denn auch durch eine Dampferlinie könnte der Straßenbahn Konkurrenz gemacht �werden—- hätten wir nach den Künsten dieser Ausleger verloren. Das ist die bittere Lehre des Nach meiner Erinnerung war das Stimm- Verhältnis etwa: 1/3.(Hört! hört!) Im übrigen bin ich für die Behandlung der Vorlage durch die Versammlung dankbar; daß dabei einige kleine Nadelstiche gegen den Magistrat untergelaufen sind, entspricht nur einer lieben Ge- wohnheit.(Heiterkeit.) Recht>nuß Recht bleiben. Es hat sich nicht darum gehandelt, ein neues Engagement mit der Gesellschaft zu schließen, sondern ein bestehendes zu verlängern; und man hat auf allen Seiten damals nichts andres geivollt, als daß die Stadt 1919 freie Hand zur Entschließung nach allen Seiten haben sollte.(Sehr richtig!) Wenn die Gcgenkontrahenten die Hand aufs Herz legen und der Wahrheit die Ehre geben, so werden sie das selbst zugeben müssen. Ein solches Recht der Stadt kann nicht durch Konzessionserteilungen beschränkt werden. Aus diesem Gesichtspunkte heraus, glaube ich, daß 1919 schon beim Ergänzungsverfahren die Frage aufgeworfen werden muß: Kann jemandem, der sich verpflichtet hat, den Betrieb nicht fortzusetzen, wenn eS der andre Kontrahent nicht will, dieser Wille des andren.ergänzt" werden? Daß übrigens ein wirtschaftlicher Betrieb nunmehr von Stadt wegen nicht mehr nach wirtschaftlichen, sondern nach andren Gesichtspunkten geführt lverden soll, i st nicht die Meinung des Magistrats; der erblickt im Gegenteil in einer solchen Auffassung, die in ge- wissen Stadtteilen vage Hoffnungen erwecken muß, eine Gefahr. Aber allerdings werden wir ernstlich bemüht sein, mit allen Kräften den Vorschlag unsrer Verkehrs- deputation, wenn ihn die Versammlung annimmt, baldigst zur Aus- führung zu bringeu.(Beifall.) Ein erneuter Schlußantrag findet jetzt die Mehrheit. Der Antrage Preuß wird abgelehnt, die Vorlage in namentlicher Abstimmung mit 11.? gegen 9 Stimmen an- genommen. Die Minorität besteht aus den Stadtverordneten Buchow, Gelpke, Fr. Goldschmidt, Körte, Kyll- mann, Lemke, Schmeisser, Spinola und Z y I i c z. Die Vorlage wegen N e u b a u s eines Familien- und Schnitterwohnhauses auf dem Gute Hellersdorf will Stadtv. Stadthagen einem Ausschusse von 10 Personen über- wiesen wissen, da ihm die Lage und Größe der projektierten Zinnner, besonders der Schlafräume, nicht den berechtigten An- forderuugen zu entsprechen scheint; der Mehraufwand an Kosten würde unerheblich sein. Unter Ablehnung dieses Antrags wird die Vorlage an- genommen. Der specielle Entwurf für ein PflegehauS für Ehe- paare bei der städtischen S i e ch e n a n st a l t in der Fröbelstraße wird nach kurzer Debatte genehmigt. #) Wer vom Papste ißt, muß sterben._ Verantwortl. Redacteur: Heinrich Wetzker in Grob-Lichterselde. Für den An der nächstjährigen Großen Kunstausstellung soll sich auch die Stadt Berlin mit einer in der Maschinen- halle unterzubringenden Separatausstellung von Architektur- und Skulpturmodellen, Plänen usw. der im Bereich der städtischen Kunst- und Baudeputation zur Ausführung gelangten Werke beteiligen. Die Kosten für Einrichtung, Transport und Auf- bau sind unter Annahme der einfachsten Ausstattung auf 38 000 M. veranschlagt. Nach längerer Erörterung, an der sich auch der Oberbürger- m e i st er beteiligt, wird die Vorlage unverändert angenommen. Auf Antrag Körte wird indes beschlossen, daß diese Ausstellung dem Publikum unentgeltlich zugänglich gemacht werden soll. Tie aus dem Schloßplatze angelegten beiden Schutzinseln östlich und westlich des Schloßbrunneus sollen nach einem neuerlichen Vorschlage des Magistrats, da sie dazu genügend Raum bieten, mit gärtnerischem Schmuck versehen werden. Die Begründung der Vorlage führt u. a. an,.daß uns der Herr Polizeipräsident mitgeteilt' hat, daß auch Se. Majestät der Kaiser und König die Dimensionen der beiden großen Jnselperrons rechts und links vom Schloßbrunnen so groß finde, daß dieselben in der Mitte sehr wohl eine mit reichem Blumenschmuck versehene gärtnerische Anlage ver- tragen würden." Besondere Kosten würden nicht entstehen, da die für die' durchgehende Befestigung mit Mosaikpflaster bewilligten Mittel für die beabsichtigte Schmuckanlage ausreichen. Stadtv. Borgmann: Ich möchte darauf hinweisen, daß seiner Zeit ein Terrainstreifen vom Schloßplatz an die Schloß- Verwaltung abgetreten worden ist zur Anlage eines Rasenstreifens im Niveau. Jetzt hört man. daß dort eine Rampe angelegt werden wird, daß die Hofverwaltung einen Betrag von 300 000 M. ausgeworfen hat und daß dort eine S a n d st e i n- B a l u st r a d e zu stehen kommen soll. Unser Beschlutz aber ist s. Z. ausdrücklich dahin gegangen. daß dort ein Rasenstreifen angelegt wird. Die beabsichtigte Aenderung scheint mir nicht durchführbar ohne Beschlutz der Versammlung. (Zurufe.) Mit der Begründung, daß sie schön sei, läßt sich dieses Bedenken doch nicht abthun. Stadtbaurat Krause: Die Bedenken wegen der Anlage einer Terasse an der fraglichen Stelle sind schon bei der früheren Beratung zurückgewiesen ivorden. Es wird ein Vorgarten errichtet im Terrain, bekommt aber eine Einfriedigung von Sandstein, die sich bei dem Abfall des Terrains auf 1,25 Meter er- heben und an der höchsten Stelle auf 1,79 Meter steigen soll. Solche Sandstein-Einfassungen sind nichts Neues, denken Sie nur an den Schultheißschen Garten am Potsdamer Platz. Die bezüglichen Pläne des Hofmarschallamts sind uns erst vorgestern zugegangen. Auf allerhöchsten Befehl soll erst ein Modell hergestellt werden. Ein Beschluß der Versammlung über die Höhenlage ist nicht gefaßt worden. Stadtv. Borgmann: Dem Sinne nach ist die Zustimmung zu der Abtretung des Terrains nicht gegeben worden, damit der Nasenstreifen von einer Sandsteinbalustrade von 1,25— 1,90 Meter Höhe eingefaßt werden soll und die Passanten nunmehr nichts von diesem Rasenstreifen mehr zu sehen bekommen. Wir müssen doch darauf sehen, daß das. was wir bei der Beschlußfassung wollten, auch wirklich zur Ausführung gelangt. Stadtv. C r e m e r: Es wird bloß dem monumentalen Schloß eine monumentale Einfriedigung gegeben. 1,25 Meter ist nicht hoch. Ich begreife nicht, was Sie da große Reden machen.(Unruhe.) Stadtv. H. Sachs: Der Streifen ist von uns thatsächlich nur abgetreten worden unter der Bedingung, daß die Anlage im Niveau bleibt, und dazu gehört auch die Umrahmung.(Lebhafter Wider- spruch). Oberbürgermeister Kirsch»er: Ich glaube, der Vorgarten wird in Niveauhöhe angelegt werden, soweit man das Projekt bis jetzt übersehen kann. Eine Abgrenzung des Rasenstreifens muß doch erfolgen, eine kleine Erhöhung ist also unvermeidlich. Die erwähnte» 300 000 M. sind keineswegs bloß für den Streifen bestimmt. So hoch, daß man nicht darüber wegsehen könnte, wird die Balustrade keineswegs. Stadtv. Borgmann hält die Sache nicht für aufgeklärt und beantragt deren Absetzung von der beutigen Tagesordnung. Stadtv. H a b e r l a n d: Für solche Anlagen errichtet man in der Regel einen Sockel von 70 Centimeter und stellt darauf ein Gitter von 1,30 Meter. Hier soll die Balustrade im Maximum bis zur Oberkante nur 1,79 Meter Höhe haben. Nach nochmaliger Verteidigung der Balustrade durch den Stadtv. C r e m e r wird die Vorlage unter Ablehnung des Antrags Borgmann angenommen. Die von der Versammlung schon vor llVe Jahren befürwortete einheitliche elektrische' Beleuchtung der gesamten L e i p z i g e r st r a ß e bis zum Spittelmarkt(sür Ivelche im Etat ur 1899 bereits 63 840 M. bewilligt waren, soll nunmehr. nachdem sich die provisorische Beleuchtungsanlage mit über der Mitte der Straße aufgehängten Lampen bewährt hat, nach diesem System in der Straße und mit den durch die räumliche Gestaltung des Platzes gebotenen Modifikationen auch auf dem Spittelniarkt zur Durchführung ge- langen. Eine kleine Etatsüberschreitung wird dabei nicht zu ver- meiden sein. Der Magistratsantrag gelangt ohne Debatte zur Annahme. VevsÄnrmlttngen» Eine Mitgliederversammlung der Staker tagte am 14. Ok- tober bei Jannaschk, Jnselstr. 10. C h r i st o p h referierte über: „In welcher Weise fördern wir am besten unsre Organisation?" Seine Ausführungen fanden den ungeteilten Beifall der Kollege». Sämtliche Diskussionsredner sprachen sich in demselben Sinne aus. Nach Erledigung mehrerer Verbandsangelegenheiten wurde ein Antrag B e r n d t angenommen, die Firma A. Schneider- Charlottenburg seitens der Staker vorläufig zu meiden. Ferner machte der Ver- tranensmann bekannt, daß er jedeir Sonntagvormittag von 10 Uhr ab im Lokal von H. Dambeck, Danzigerstr. 71, Beiträge zum Streik- sonds entgegen nimmt._ Auch Frankreich wünscht den Frieden! da« ist der Sinn einer neuen französischen Note. Wie das „Bureau Reuter" au« Washington vom M i t t tv o ck> meldet, überreichte der ftanzösische Geschäftsträger dem Staats« sekretär Hay ein Memorandum der französischen Regierung, in welchem verlangt wird, daß die Friedensverhandlungen mit China in Uebereinstimmung mit der günstigen Aufnahme, welche die ftanzösische Note in dieser Angelegenheit bei den Mächten ge- funden habe, sofort beginnen. Damit schließt sich auch Frankreich der nissisch- amerikanischen Polisik an, die von Bülow und seinen Offiziösen so hartnäckig be« kämpft und verhöhnt worden ist. Inzwischen hat ja auch Deutsch- land klein beigegeben. Uebrigens haben Frankreich und Amerika auch die— an sich belanglose— russische Anregung acceptiert, die Frage der Eni- schädigung dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten. Inzwischen haben sich die Verhältnisse in China so gestaltet, daß im wesentlichen nur noch Deutschland größere Truppenmassen kriegsbereit hält; Japan. Rußland, Amerika haben ihre Truppe» zurückgezogen. Den Feldherrn-Ehrgeiz WalderseeS, dessen Asbest- Haus nun nach Peking nebst seinem Besitzer transporttert ist, wird diese Isolierung hoffentlich hinreichend abkühlen. *** Waldersee in Peking. Aus Peking wird unter dem gestrigen Datum telegraphiert: Feldmarschall Graf Waldersee ist in Pesing eingetroffen und mit allen militärischen Ehren empfangen worden.(Gott sei Dank!) Eine internationale Begleitmannschaft geleitete den Feld- n, arschall nach dem Palast der Kaiserin-Witwe._ Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berliu. Druck und Verlag von Die Pekinger Kolonne der Paotingfu- Expedition traf am 16. d. M., ohne Widerstand zu finden, an einem Punkt sechs Meilen südlich von Tso- tschou ein. Auf den Wällen dieser Stadt wurden die Köpfe von 14 Boxern gesehen. Woran sind die Köpfe von Boxern zu erkennen? Der Telegraph macht sich nachgerade über die europäischen Heldenthatcn lustig. Der chinesische Gesandte in Washington unterbreitete Mc. Kinley die Uebersetzung eines Telegramms, welches der Kaiser von China an Mc. Kinley gerichtet hat. Das Telegramm, welchem dort großer Wert beigelegt wird, soll angeblich eine Billigung der von Mc. Kinley in China eingeschlagenen Politik seitens des Kaisers enthalten. Der„New Jork Herald" veröffentlicht einen Artikel, worin er Mc. Kinley auffordert, sofort sämtliche amerikanischen Truppen aus China zurückzuziehen._ Zwei Neichstagserfatzwahlen, an denen die socialdemokratische Partei hervorragend be- teiligt war, fanden am Donnerstag statt. Brandenburg. DaS Mandat des konservativen Abgeordneten v. L ö b« I l wurde vom Reichstag für ungültig erklärt wegen zahlreicher Verstöße gegen daS Wahlgesetz. Der Wahlkreis(West-Havelland) umfaßt die Städte Branden- bürg a. H.. Rathenow. Friesack, Plaue zc. und eine größere Anzahl Dörfer. Der Kreis war bis 1890 in freisinnigem Besitz. In diesem Jahre siegte der freisinnige Kandidat in der Stichwahl durch konservative Hilfe mit 7550 Stimmen gegen 7051 socialdemokratische Stimmen. Seitdem gingen die freisinnigen Stimmen zurück und der Kreis wurde heiß umstritten durch Konservative und National- liberale einerseits und Socialdemokraten andrerseits. 1893 erhielten: Nationalliberale 5533; freisinnige Volkspartei 4121; Socialdeniokrat 7712 Stimmen. Stichwahl: Sieg des Ratio- nalliberalen mit 9026 gegen 8951 socialdemokratische Stimmen. Bei der Nachwahl 1896 siegte zum erstenmal der Socialdeniokrat (Genoffe Pens) mit 9720 gegen 9685 konservative Stimmen. 18S8 ging der Wahlkreis unsrer Partei wieder verloren. Im ersten Wahlgang: Kons. 7275, Lib. 4002, Soc. 9263. Stichwahl: Kons. 10 708, Soc. IV 542. Bei der gestrigen Wahl erhielten nach einem uns zu- gegangenen Privaitelegramm Pens 9511, der konservative Kandidat von Löbell 7007 und der liberale Kandidat Bode 3420 Stimmen. Die Resultate von zwei Orten fehlen hierbei noch, an dem Endresultat, der Stichwahl zwischen Pens und Löbell, kann das aber nichts ändern. Jedenfalls haben wir seit der letzten Wahl wiederum Stimmen gewonnen, die Libe- ralen haben wieder an Stimmen verloren. Das Resultat der Stich- wähl läßt sich bei dieser Sachlage jedoch nicht voraussehen. Im Wahlkreis Wanzleben waren bis 1893 die Nationalliberalen unbestrittene Herren. Erst 1898 gelang es unsren Genossen, mit ihnen in die Stichwahl zu gelangen. Die Nationalliberalen erhielten damals 7151, Freif. Vereinigung 2050, Socialdemokratie 6409 Stimmen. In der Stichwahl verbanden sich die Wähler der Freisinnigen Vereinigung mit den Nationalliberalen. Es siegte der nationalliberale Kandidat D r. H e i l i g e n st a d t mit 887« gegen 0974 socialdemokratische Stimmen. Durch das Aufrücken des Dr. Heiligenstadt zum Präsidenten der Seehandlung wurde die Neuwahl nötig.— lieber das Ergebnis der gestrigen Wahl meldet W. T. B., daß nach den bisherigen Feststellungen unser Kandidat Gerlach 0048, der Freisinnige Schmidt 5100 und der Landrat v. Kotze 3751 Stimmen erhielt. Stichwahl zwischen unserm und dem frei- sinnigen Kandidaten ist auch hier das sichere Schlußergebnis. Uetzkv Machvichten und Depeschen. Das Urteil im Konttzer Krawallprozeh. Könitz, 18. Oktober.(W. T. B.) Die Geschwornen bejahten die Schuldsrage in betreff des Arbeiters Kniebel wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, ferner in betreff des Arbeiters Gatz sowie der Lehrlinge GierschcwSki und Werner wegen einfachen Landfriedensbruchs unter Berücksichtigung, daß diesen Lehrlingen die erforderliche Ein- ficht in die Strafbarkeit ihrer Handlungen gefehlt habe, und schließ- sich in betreff des Knechts Gohr wegen schiveren Landfriedens- brucbs; allen wurden mildernde Umstände zugebilligt. Das Urteil lautete: gegen Kniebel auf 5 Monate Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft, gegen Gatz auf 5 Monate Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten Untersuchungshaft, gegen Gohr auf 9 Monate Gefängnis. Die beiden Lehrlinge wurden ihren Familien überwiesen. Tie andren Angeklagten wurden freigesprochen. Das lenkbare Luftschiff. FricdrichShafen, 18. Oktober.(W. T. B.) Der Forschung«. reisende Eugen Wolf, welcher an dem gestrigen Aufstieg des Luft- schiffs des Grafen Zeppelin teilnahm, berichtet darüber folgendes Nähere: Die Probefahrt dauerte eine Stunde zwanzig Minuten; der Aufstieg gelang vorzüglich. DaS Luftschiff bewegte sich beinahe beständig in 300 Meter Höhe und ging gegen den Wind an. Sämtliche Steuer- versuche bewiesen die Zweckmäßigkeit der neuen Einrichtungen. Das Luftschiff gehorchte den Steuermanövern, nachdem Graf Zeppelin die Unsicherheit der ersten Stcuerversuche überwunden hatte. Die Stabilität de« Luftschiffs war in Bezug auf seine Längsachse wunderbar zu nennen. Die Neigungen wurden durch handliches Verschieben de« Laufgewichts genommen. Die Geschivindigkeit des Luftschiffs war derart, daß die Motorboote auf dem See, als das Luftschiff gegen den Wind anfuhr, nicht folgen konnten. Die Eigengeschwindigkeit deS Luftschiffs ergiebt bei ruhiger Luft mindestens 8 Meter die Sekunde, ein gänzlich unerwartetes Ergebnis. Wir landeten in voller Fahrt in der Richtung der Luftschiffhalle, jedoch ziemlich im- erwartet schnell infolge bis jetzt völlig unaufgeklärten vollständigen Gasverlustes eines der Ballons im vordersten Abteil des Luftschiffs. Eine Havarie von wesentlicher Bedeutung ist bei der Landung nicht erfolgt, so daß der weitere beabsichtigte Aufstieg innerhalb einer Woche stattfinden dürste. Sämtliche anwesenden Fachleute waren sehr befriedigt._ Hafenarbeiter-AnSstand. London, 18. Oktober.(W. T. B.) Infolge der Interpretation der Londoner Handelskammer behufs Beilegung des Hafenarbeiter- Ansstandes hat der Bund der Ausländer sich bereit erklärt, eine» Teil der strittigen Punkte der Entscheidung der Londoner Handels- kammer zu unterbreiten, und, sobald diese Entscheidung gefallen. sofort die Arbeit wieder aufzunehmen; die andren Streitpunkte sollen durch den Spruch einer schiedsrichterlichen Kommission erledigt werden._ Pardubitz i. B., 18. Oktober.(B. H.) Die hiesige Aktien- brauerei St. Vorreden ist in der letzten Nacht niedergebrannt. Der Schaden beträgt eine Million Gulden. Madrid, 18. Oktober.