Nr. 253. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags Nummer mit illustrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. PoftAbonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Poft- 8eitungs Preisliste für 1900 unter Br. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für bas übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Kernsprecher: Rmt I, nr. 1508. Telegramm Adresse: " Borialdemokrat Berlin Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Dienstag, den 30. Oftober 1900. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Parteigenossen des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises! Arbeiter, Handwerker, Bürger! Wenn dieses Blatt in Eure Hände kommt, ist der Wahltag angebrochen. Eine lekte Mahnung ergeht an Euch, Euer Wahlrecht auszuüben. Uns steht im sahlkampf die reaktionäre Mischmasch- Partei der Konservativen und Antisemiten gegenüber, sowie ein Sonderkandidat der Centrumspartei. Der konservativ antisemitische Kandidat, Herr Ulrich, hat sich zu einer Erhöhung der Kornz ölle bekannt. Wie seine Parteigenossen ist auch er also bereit, den Interessengruppen der agrarischen Brotwucherer neue verstärkte Liebesgaben in die gierig ausgestreckten Hände gleiten zu lassen. Nach der agrarischen Forderung eines 10 Mart Zolls bemessen, würde das auf eine Brotsteuer von etwa 85 Mark für jede Familie jährlich hinauskommen. 。 So etwas wagt man der Bevölkerung einer Großstadt zu bieten unter der Maste: Rettung des Mittelstands, des Mittelstands, der genau so gut wie die Arbeiterschaft ausgeplündert werden würde durch diesen ungeheuerlichen Beutezug. Arbeiter, Handwerker, Bürger je den Berufs! Empfindet Ihr die Verpflichtung, Euch zu wehren gegen diese schamlosen Pläne, so stimmt gegen die Brotwucherer- Schutztruppen der konservativ- antisemitischen Reaktion und des Centrums, stimmt für die Socialdemokratie, die allein in diesem Wahlkreis die Sache des Volfs vertritt! Sogar für die Wiederbelebung der Zuchthausvorlage hat sich und seine Partei der konservativ- antisemitische Kandidat verpflichtet. Daß die Reaktion es wagt, mit einem solchen freiheitsmörderischen Mach wert abermals zu drohen, sollte den Zorn in der Brust jedes Arbeiters auflodern lassen. Ist doch dieser Tage ans Licht gekommen, mit welch verwerflichen Mitteln die Scharfmacherei im Interesse eines arbeiterfeindlichen Unternehmertlüngels betrieben wurde. Gegen erschnorrte Stumm- und Krupp- Pfennige werden die Schleifsteine in Schwung gebracht. Arbeiter! Protestiert gegen die Schmach des früheren Zuchthausgesetzes und gegen die doppelte Schmach seiner angedrohten Wiederbelebung! Protestiert dagegen durch Abgabe eines socialdemokratischen Stimmzettels am 30. Oktober! Arbeiter, Handwerker, Bürger! Wollt Ihr, daß noch mehr deutsches Gut und Blut verfassungswidrig in überseeischen Abenteuern bergeudet werde? Billigt Ihr die Hunnenthaten deutscher Truppen in China? Oder wollt Jhr, daß Deutschland sich von überflüssigen Militär last en befreie, wahre Menschlichkeit übe auch andren Völkern gegenüber, wie Ihr Freiheit und Wohlfahrt des Volks auch zur Richtschnur der inneren Politik gemacht sehen wollt, wollt Ihr dem socialistischen Gedanken der Beseitigung jedweder Ausbeutung und Unterdrückung in aller Welt Bahn brechen, so stimmt am heutigen Tage Mann für Mann für den Kandidaten der Socialdemokratie Schriftsteller Georg Ledebour in Berlin. Ein überwältigender Protest muß das Wahlergebnis werden, ein Protest gegen das gesamte Treiben der Reaktion! Einen neuen Schritt vorwärts auf der Siegesbahn der Socialdemokratie müssen am 30. Oftober 2iebknechts alte& ampfgenoffemin 5. Berliner Reichstags- Wahlkreise machen! Auf zur Wahl unter der Parole: Ratlose Verlegenheit! Gegen Hunuentum, Brotwncher und Zuchthauskurs! Für den völkerbefreienden Socialismus! Die reaktionäre Presse ist nicht erfinderisch in den Notmitteln, , die socialdemokratischen Enthüllungen über die Korruption in der Negierung abzuwehren. Sie wiederholt in den verschiedenen Etappen der Affaire Bueck- Posadowsky- Woedtke immer dasselbe Manöver: Erst ratloses Schweigen dann haltloses Gerede von Mystifikationen und Fälschungen- keine Notwendigkeit, daß die Regierung zu antworten brauche weiter Lamentationen über Intriguen und endlich wieder schüchterne Versuche, zum Anfang zurückzukehren und zu leugnen. So geschah es nach der ersten Veröffentlichung des Bueck- Briefs, dieselbe Reihenfolge der Finten stellt sich jetzt wieder ein, nachdem fonstatiert worden ist, daß der von dem Reichsamt des Innern ge= beichtete Fall nicht identisch sei mit der im Bueck- Briefe angedeuteten Angelegenheit. " # Und aus Beitung" aufgeklärt war und sonach die Darstellung nicht mehr„ Die focialdemokratische Leipziger Boltszeitung" ist durch ihren Vertrauensmann aufrecht erhalten werden konnte, als habe die Regierung 12 000 m. dem Centralverbande deutscher gefordert, um damit eine künstliche Stimmungsmache für einen Industrieller in die Lage versetzt, zu erklären, daß der vielnoch nicht vorhandenen Entwurf zu arrangieren, da hat er trotz- besprochene Brief des Generalsekretärs Bueck am 3. August 1898 dem die Sache so dargestellt, als habe sich die Regierung von dem nicht 1899 geschrieben sei. Das ist auf keinen Fall richtig; Bunde der Industriellen mißbrauchen lassen. Es ist geradezu mu- er kann wohl, vielleicht versehentlich, falsch datiert gewesen begreiflich, daß bürgerliche Blätter in dem ziveiten Stadium sein; allein daß er aus dem Jahre 1898 nicht stammen der Angelegenheit die Korruption bei der Socialdemokratie tann, geht aus seinem ganzen Inhalt, der von der Agitation unbesprochen ließen, denn nur durch die Datumsfälschung für einen erst 1899 fertiggestellten Gesezentwurf handelt, hervor. der Leipziger Volkszeitung" war das Volk irregeführt Uebrigens hat die Leipziger Volkszeitung" bezw. deren worden, als ob die Regierung ihre amtliche Thätigkeit Gewährsmann den Schluß des betreffenden Briefs nur durch eine verkauft, als ob sie, wie der Vorwärts" sich höchst gebildet aus- punttierte Beile angedeutet; es wäre jedenfalls von großem Interdrückte, für 12 000 m. einen Gesezentwurf im Ramsch über- effe, das vollständige Schreiben zu kennen. Weshalb ist nommen" habe. Das ist allerdings ein Schweineglück" für die der Schluß unterschlagen worden? U. A. w. g." Socialdemokratie, daß bürgerliche Blätter dem Träger einer hohen Wir glauben schon, daß die„ Konservative Korrespondenz" bor Amtsstelle im Zusammenwirken mit dem Vorwärts" einen Matel Neugierde brennt, zu erfahren, was wir wissen. Aber es genüge andichten wollen, während sie für offene moralische Schäden der ihr vorläufig die Wiederholung der Erklärung, daß der Brief auch verlogenen und fälschenden Socialdemokratie keine Augen und nicht versehentlich falsch datiert ist. Versehentlich falsch feine Zunge haben." datiert hat nur das Reichsamt des Innern seine Erklärung. Als die Erklärung der Berliner Korrespondenz" erschien, deren Am Montag freilich war der voreilige Jubel der" Post" wieder Niemand irrt sich ja auch so sehr im Datum, daß er im Tölpelhaftigkeit uns geradezu verblüffte, obwohl wir an sich keine völlig verstummt, als das Blatt merkte, daß man ganz genau August 1899 plöglich 1898 schreibt. Uebrigens entspricht übertrieben hohe Meinung von den regierenden Intelligenzen haben, über das Datum des Bued Briefes unterrichtet war. nicht nur die Jahreszahl sondern auch der Monat nicht den Anbestand für uns zunächst nicht das mindeste Interesse, sich mit der Schweigen senkte sich wieder auf das Organ des ungöttlichen gaben der amtlichen Darstellung. Wenn das Reichsamt des Junern Merkwürdigkeit der auffallenden Zeitdifferenz zu beschäftigen. Wir Dulders v. Zedlik der Fall Bueck Posadowsky- Woedtke wurde beabsichtigte, mit dem Gelde„ der Industrie" eine Agitation zu hatten einstweilen genug zu thun, die moralische und politische Be- mit einem Worte erwähnt, obwohl abermals eine telephonische An- Gunsten der vom Reichstag in der ersten Lesung förmlich gedeutung dessen zu würdigen, was da in beispielloser Harmlosigkeit frage beim Generalsekretär des Centralverbands der Industriellen schundenen Zuchthausvorlage zu betreiben, so konnte Herr v. Woedtke amtlich zugestanden war. Später ließ sich in Muße das Bersäumte Telephonnummer Amt VI 2527!- genügt hätte, das Blatt über nicht erst Anfang August dieses eigentümliche Verlangen" die neue socialdemokratische Fälschung" zu unterrichten. Indes es stellen, weil damals bereits das nachholen. ganze Agitationsmaterial Es war für uns ein Schauspiel von seltenem Reiz, zu beobachten, herrschte offenbar eine fatale Leitungsstörung sowohl beim Fern der Flugblätter und Gelben Hefte" im Lande verbreitet worden wie die Presse der Scharfmacher sich allmählich von ihrem ersten sprecher des Blatts wie in dessen Centralnervensystem: Zunge und war. Der Vorwärts" wurde schon seit Anfang Juli mit der Schreck erholte; erst war es den braven Leuten sehr beklommen zu Hand war gelähmt. Zusendung der Buchthaus- Flugblätter und gelben Hefte überschwemmt, Mute: Was mag wohl diese verdammte Socialdemokratie wissen? Und mit der" Post" schwiegen die Berliner Neuesten die uns entrüstete Arbeiter von allen Seiten einschickten. Wir stellten Hat sie Beweise, hat sie unanfechtbare Papiere?" Nachrichten" Krupps, die, Berliner Politischen Nach- damals über die Quelle dieser Agitation Recherchen an, die einige Wie nun aber zunächst keine Aufklärung von uns über die richten" Schweinburgs, das offiziöse Organ der Regie- Zeit beanspruchten; und bereits in der Nummer vom 16. Juli 1899 Datumdifferenz tam, da schöpften die Organe deutscher Treue und rung, die Norddeutsche Allgemeine Beitung" und fonnten wir das Resultat unsrer Nachforschungen mitteilen, Ehrlichkeit, die nichts außer Gott zu fürchten notwendig haben, die offiziellen Blätter der Ministerien, der, Steichs- Anzeiger" indem wir wenigstens die Namen der Personen mitteilten, die allmählich wieder Mut, indem sie sich dem schönen Traum hingaben, und die Berliner Korrespondenz". Endlich war auch formell für das Unternehmen hafteten. Soll man etwa die socialdemokratische Presse wisse auch nichts Rechtes, sie habe die Kreuz- 8eitung", das Hauptorgan der Konservativen, annehmen, daß die Herren Bosadowsky und Woedtke diese Agitation feine schlüssigen Beweise. Am Sonnabendnachmittag hatte sich z. B. von dieser bedauerlichen Epidemie allgemeiner Lähmung befallen. im Juli aus ihrer eignen Tasche bezahlt und das Risiko auf sich gedie" Post" so weit von ihrer Beklommenheit erholt, daß sie in Nur der Nürnberger Trichter, mit dem die konservative Provinz nommen hätten, daß die Industrie" sie dann im Stich ließe? Bockihrer Sonntagsnummer gleichzeitig mit den neuen Feststellungen preffe erleuchtet wird, die ons. Korefp.", trat am Montagabend beinig war sie ja ohnehin wegen des eigentümlichen Verlangens". der Leipziger Volkszeitung" und des„ Vorwärts" mit Falstaff- schüchtern in Funktion und spendete zwei Notizchen tiefster Verlegen- So reich find auch die Herren Bosadowsky und Woedtke, trotz der Tapferkeit in die Offensive überzugehen begann und folgende Kriegs- heit. Erstens sei es teine Leibeigenschaft, wenn die Regierung von den hohen Löhne, die sie beziehen, nicht, daß sie in ihrer Begeisterung für erklärung gegen die Korruption der Socialdemokratie Scharfmachern Geld nehme, sonst wäre ja auch die Socialdemo- die Zuchthausvorlage das finanzielle Risiko einer solchen Agitation fratie in der Leibeigenschaft der Börse, sintemalen sie be- auf sich genommen haben würden. Nein, der Wortlaut des BueckHätte die bürgerliche Presse sich von Anfang an diesem fanntlich sehr reichliche Geldunterstüßungen von der Börse erhalte", Briefs, der von einer erst einzuleitenden Agitation sprach, stimmt socialdemokratischen Sensationsstüc ch en gegen- und zweitens beim Kommune- Aufstand 1871 Plünderungen durch eben so wenig, wie die amtliche Erklärung, daß Herr v. Woedtke die über die kühle Ruhe des objektiven Kritikers bewahrt, dann hätte Aufstellung von Schildwachen vor dem Hause Rothschilds verhindert 12 000 M. zivecs Verbreitung des Zuchthausmaterials von der der Fall nicht zu einer Wahlparole für die Socialdemokratie habe; wir können aus diesem Predigtmärlein nur das eine ent- Industrie beansprucht habe, zu der unzweifelhaften Thatsache, daß werden können. Diese braucht ja für ihre unterwühlende Thätig: nehmen, daß die konservativen Freunde der Bückler- Drescherei nicht im August diese Propaganda bereits geschehen war. teit die Erschütterung des Vertrauens in unser Beamtentum und vor den Geldschränken der Kapitalisten Halt machen, sondern sie Wenn aber der Konservativen Korrespondenz" dieser schlagende ist darum stets bereit, unwesentliche Dinge zu verallgemeinern hunnisch ausrauben würden, wenn ihnen einst die Ausraubung des Beweis nicht genügen sollte, daß die amtliche Erläuterung zu bem und den Frosch zum Ochsen aufzublajen. Jm Bued hat der Vorwärts" mit vollen Baden in die Welt Volks durch gesetzlich geförderten Bucher nicht mehr möglich sein Bueck- Briefe ganz und gar nicht paßt, daß das Datum weder pofaunt, für 12 000 m. sei auf Bestellung" ein Gesez ge- sollte und ste demzufolge andre Mittel in Anwendung bringen gefälscht noch versehentlich verschrieben sei, so brauchte sie ja mur arbeitet worden, und als die Fälschung der Leipziger Volks- I würden. Die zweite Notiz lautet: iamt VI 2527 anzuklingeln. riskierte: " " " " " " Die agrarische„Deutsche TugeSzcitung" flüchtet sich wieder zu ihrer freihändlerischen Posadowsky-Jntrigue; sie hat also die be- neidenswert phantasiereiche Vorstellung, daß von den paar hoch- schutzzöllnerischen Adressaten und Mitwissern des Bueck-BriefS einer die Socialdemolratie benutzt habe, um den gleichfalls hoch- schutzzöllnerischen Grafen PosadowSkh im Interesse des Freihandels zu stürzen. Weiter aber ist das Blatt in prächtiger Bauern« schlauheit bemüht, von unS zu erfahren, wie weit und wie zuverlässig wir in die Geheimnisse der Zuchthauspatrone eingeweiht seien; es schreibt nämlich: „Zunächst ist die Frage interessant, woher die„Leipz. Volks- zeitnng" auf einmal erfahren haben soll, datz daS Datum, daß sie am Tage vorher selbst noch für fehlerhaft hielt, richtig sei. Es ist nur anzunehmen, daß der Briefdieb oder der Briefh'ehler, der die gemeine Jntrigne insceniert hat, der„Leipz. Bolksztg." die Mitteilung über die angebliche Richtigkeit der ursprünglichen Datierung des Briefs gemacht hat. Ist dies aber der Fall, so muß jener Brief« stehlcr entweder den Originalbrief noch zur Hand haben oder doch mindestens irgendwelche Gelegenheit zur Nachprüfung haben; denn wenn er nur eine Abschrift zur Hand hat, so kann er bei dieser Abschrift sich ebenso verschrieben haben, wie auch, um das nebenbei zu sagen, die Möglichkeit einer Berschreibung seitens des Herrn Bneck vorliegt. Die ganze Datierungssache und die Art, wie sie jetzt verwendet wird, muß nachgerade den blindesten und blödesten Politiker davon überzeugen, daß es sich um weiter nichts handelt, als um eine ebenso gemeine wie grobe Jntrigue." Verschrieben hat sich in der That jemand; der Empfänger der 12 000 Mark hat sich mit Kopf und Kragen„der Industrie" ver« schrieben. Weiter wiederholt dann die„Deutsche Tageszeitung' die Wendung aus dem ersten Akt der Bueck-Affaire, daß das Reichsamt des Innern nicht nötig habe, sich zu äußern: „Ob das Reichsamt des Innern Gelegenheit nehmen werde, sich gegen diese neueren Aus st reuungen zu verteidigen, muß abgewartet werden. Für unmittelbar notwendig halten wir da« nicht, weil die Beschnldtguugen so gegenstandslos find und so in der Luft schweben» oaß es kaum möglich ist, eine sachliche Berichtigung irgendwie zu ver- fassen. Wollen aber die socialdemokratischen Helfershelfer und ihre sie am Gängelband führenden Hintermänner, daß ihre neueren Beschuldigungen ernst genommen werden, so müssen sie mit greif- baren Dhatsachen vor die Oesientlichkeit treten, nicht mit dunklen Andeutungen, die das Gepräge des Gemachten an der Stirn tragen." Die„Deutsche Tageszeitung" stellt sich übermäßig dumm. Ist das wirklich noch keine„greifbare Thatsache", wenn wir flipp und klar die Behauptung aufstellen: Der Bueck-Brief bezieht sich nicht auf eine Agitation im Sommer 1899, wie die amtliche Korrespondenz behauptet, sondern auf eine„Agitation" im August 1398. Aber die „Deutsche Tageszeitung" scheint zu wünschen, daß das Reichsamt des Innern diesmal schweige, damit es nicht wieder— aus dem Schatz seiner Erfahrungen— sich einer Schuld zeihe, deren eS gar nicht angeklagt war und von der wir gar nichts wußten. Nur der konservative„ReichSbote" ist klug genug, volle Auf« flärung zu verlangen: „Jeder reichstreue Bürger muß dringend wünschen, daß die Sache feiten« der Regierung rückhaltlos klargestellt wird; trifft das ReichSamt keine seine Integrität verletzende Schuld, so kann desto leichter und wirksamer der socialdemokratischen Agi- tntion entgegen getreten werden, und es liegt im Interesse der Regierung und des Reiches, daß dieser Agitation sobald als irgend möglich ei» Ende gemacht wird,— haben aber die Herren im Reichsamt die ihnen zur Last gelegten Fehler begangen, so erheischt es das Staatsiuteresse, datz' die Regierung die Klarlegung der Sache selbst übernimmc und es nicht der übertreibenden oder entstellenden socialdemokrati- scheu Nmsturzpresse überläßt; trifft die in Betracht kommenden Beamten eine Schuld, so können sie selbstverständlich nicht in einem solchen, ein hohes Matz von Vertrauen erfordernden Amte bleiben; denn dasselbe muß intoAer erhalten werden. So sehr man wünschen muff, daß die an der Spitze dcö Rrichsamts stehende» Männer in ihre» Aemtern bleiben können, zumal jetzt, wo es sich um Fragen handelt, wie die Zollfragen, tu deren Detail sie sich seit längerer Zeit eingearbeitet haben, so geht doch die Integrität des Amts über alleS. Beamte, denen diese Eigenschaft feh lt, sind in so hohen Aemtern einfach unmöglich, zumal als Vertreter der Regierungspolitik im Parlament, wo die Oppositionsparteien es ihnen jeden Augenblick ins Gesicht sagen würden, daß man k ei n Ver- trauen zu ihnen haben könne. Und wenn die positiven Parteien solche unlautere Dinge beschönigen und verteidigen wollten, wnS aber nicht zu erwarten ist, so würden sie die Sache des Staats nur noch vcrschlinimern. Wa» nicht zu billigen ist, das darf man auch nicht zu billigen versuchen, sonst lädt man selbst einen Teil der Schuld auf sich— und es geschähe heute den Umsturzparteien nur der größte Gefallen, wenn von den staatserhaltende» Parteien Dinge, die nicht rein sind, in Schutz genommen würden; denn das würden sie nur dazu aus- nutzen, auch diese Parteien mit der schuldigen Sache in Verbindung zu bringen und zu verdächtigen." Das Blatt schließt mit der dringenden Aufforderung nach einer rückhaltlosen Klarstellung der Sachlage: „Beamte wie Graf Posadowöky, welche bezüglich ihres Ein- treteus für die Interessen der Arbeiter ein so gutes Gewissen haben können, sollten nicht einen Augenblick zöger», eine» solchen Fehler, wie den ihm zur Last gelegten, offen darzulegen. Alles Verdunkeln könnte die Sache nur verschlimmern." Bisher ist auf konservativer und RegierungSfeite keinerlei Neigung hervorgetreten, in den Beichtstuhl zu steigen. Die Reinigung scheint eben unmöglich. Die Lawine ist im Rollen. Ganz im Gegenteil schlagen sich auch die Liberalen, die anfangs teilweise Reinigungsbedürfnisse zeigten, jetzt in das Lager der Vertuschungsagenten; die Angelegenheit wird ihnen jetzt zu kompromitticrlich für das ganze System. Die liberale„National- Zeitung", die eben noch mit der eignen parteioffiziellen „Nationalliberalen Korrespondenz" in Fehde gelegen, weil diese den 12 009 Mark-Leuten Hehlerdienste geleistet, fällt heute selbst um— sofern das nicht eine berechnete Taktik sein sollte—, indem sie schreibt: „Es bleibt abzuwarten, was seitens deS ReickSamtS des Innern hierauf erwidert wird. Bis auf weiteres glauben wir nicht, daß die halbamtliche Erklärung in der„Berk. Korr." in einer Art abgegeben worden, die ebenso unklug wie unehrlich gewesen wäre— mußte doch vorausgesehen werden, daß eine etlvaige Entstellung des Sachverhalts alsbald zu neuen Enthüllungen von socialdemokratischer Seite führen würde. Wir messen bis auf weiteres der Erklärung in der„Berl. Korr." mehr Glauben bei. als einem unbekannten Gewährsmann des Leipziger socialdemokrati- schen Blatts. Der„Vorwärts" bemitzt die unbewiesene Behauptung. daß eS sich um zwei verschiedene Fälle der Inanspruchnahme deS Centralverbands für socialpolitische Agitationszwccke handele, um von neuem von dem deutschen„Panama" zu reden: wenn nicht im Jahre 1899, so seien doch im Jahre 1898 unehrenhafte Dinge vorgekommen. Dafür ist nicht die Spur eines Beweises bei- gebracht. Die Angelegenheit steht nach wie vor so. wie sie von Anfang an beurteilt werden mußte. Das Reichsamt des Innern hat einen schweren Mißgriff begangen; von einem „Panama" zu reden, ist aber sinnlos." Die Frage, an der die„National- Zeitung" ängstlich vorüber« huscht, ist aber die, ob der„schwere Mißgriff" im Jahre 1893 oder 1899 begangen worden ist. Hat denn auch die„National« Zeitung" keine Verbindungen mehr mit Herrn Bneck oder will sie diesmal nur vermeiden, mit Rücksicht auf die Agrarier, allzu deutlich ihre Genugthuung zu äußern? Allerdings war die «National« Zeitung' auch halb und halb Freund der Zuchthaus- vorläge, warum sollte sie nicht auch ihre Entrüstung über die Korruption nach den Vorschriften de« liberalen Dualismus halbieren? Am auffälligsten aber benimmt sich wieder das Centralorgan deS EentrumS; für die„Germania" existiert der Fall gar nicht mehr, e« übertrifft an Schweigsamkeit fast die„Post" und die„Berliner Neuesten Nachrichten". DaS Centrum, das focialpolitisch„vor« geschrittene' Centrum ist in seinem agrarischen Fanatismus nun so weit entartet, daß eS der schlimmsten Korruptton der Scharf- macherei Vorschub leistet. Es paßt ganz gut zusammen: der katholische Klerus schleudert den Bannstrahl gegen die katholische Arbeiter- bewegung und des Centrum hat nichts Sonderliches gegen das dienstlich-finanzielle Verhältnis einzuwenden, in das die Regierung den Scharfmachern gegenüber getreten ist. Am Sonntagmorgen war in der„Norddeutschen Slllgemeinen Zeitung" die folgende offiziöse Zkundgebnng zu lesen: „Die Müuchener„Allgemeine Zeitung" schreibt: Die„Deutsche Tageszeitung" bringt unter der Spitzmarke „Die Karten werden aufgedeckt" die Behauptung, daß die Ver- öffentlichung des Schreibens Bnecks vielleicht zu dem Zweck erfolgte, den für manche Kreise unbequemen Grafen Posa- dowsky zu stürzen. Wir sind natürlich nicht in die Geheimnisse der Herkunft dieses Schrift- stückS eingeweiht und wissen daher auch nicht, ob eS sich Ivieder nur um Sensationsmache mit entwend eten Schrift st ücken handelt; oder ob wirklich Hintermänner vorhanden sind, die noch einen b e- sonderen Zweck mit dem begangenen Vertrauens- bruch verfolgt haben. Läge wirklich die Absicht vor, PosadoivSky z» stürzen, so würde dieser Erfolg voraussichtlich nicht in Er- scheinung treten. Denn wir glauben bestimmt zu wissen, daß Reichskanzler Graf Bülow alsbald nach seiner Ernennung dem Grafen Posadowsky die Hoffnung ausgedrückt hat, daß ihm dessen hervorragende Erfahrung und Sachkenntnis bei Führung seines verantwortungsvollen Postens zur Seite stehen werde." Dies„voraussichtlich" ist ein köstlicher stilistischer Einfall des Blatts, dos vorsichtigerweise bemüht ist, auch den Eventualitäten gerecht zu werden, die eine nahe Zukunft bringen kann. Das offiziöse Organ wechselt schnell feinen Herrn, es übt darum immer Treue unter Vorbehalt. Voraussichtlich wird Graf PosadowSkh in Amt und Gehalt bleiben. Aber wer kann Genaues wissen— das geht über norddeutschen allgemeinen Menschenverstand. Fassen wir zusammen: Bis jetzt ist keine Rechtfertigung auf die schwere Anklage erfolgt, welche die Socialdemolratie anfs neue er- hoben hat. Nicht einmal ein ernster Versuch der Wicderlegung und Aufklärung ist unternommen worden. Alle direkt Beteiligten schweigen, alle Wissenden schweigen— mit Ausnahme der Social- demokratie. Glaubt man wirklich, durch Schweigsamkeit das verlorene Spiel retten zu können I Man würde einen solchen Versuch nicht ivagen, hätte man nur ein wenig Kenntnis von den Einpfindungen und Stimmungen des Volks; keine Minute würde man unnütz verstreichen lassen. Das können wir den Herren versichern, denen plötzlich— ganz gegen sonstige moderne Gewohnheit— die Zunge den Dienst versagt: Niemals zuvor ist die Arbeiterschaft so in ihren tief st en Tiefen aufgewühlt worden, wie durch diese Enthüllungen über die finanziellen Ge- heim nisse der Zuchthausvorlage. Polikifche Mvbevflchk. Berlin, den 28. Oktober. Der chinesische Katzenjammer. China ward verkündet als das Märchenland, aus dem Europa gewaltige Reichtümer gewinnen werde. In China sollte die europäische Thatenlust sich ungeni essen entfalten. In wilder Rache- bcgeisterung wurde der Kreuzzug gegen China unternommen, da die Chinesen sich erkühnten, den europäischen Ueberfall nicht in christ- licher Demut ertragen zu wollen. Wie übermütig traten noch vor wenigen Monaten die mehr oder weniger alldeutschen Uebersee- und Weltpolitiker auf und wie anmaßend glaubte man die Warnungen der socialdemokratischen Presse verleumden zu dürfen. Das alles ist heut ganz anders. Der Rausch ist im Ver- fliegen und das große graue Elend naht. Gar nicht mehr heroisch, so kündigt die Münchner„A l l g. Z t g." an. werde das Auftreten der Regierung sein, wem der Reichstag zusammentritt. Die Regierung wird in aller Bescheidenheit um die Nachsicht deS Parlaments bitten. Kann ste doch die von ihr verübte Mißachtung der ReichstagSrechte nicht einmal durch den Schein eines chinesischen Erfolgs verschönen. Und immer neue Zeugnisse werden"erbracht, welche die ganze Lächerlichkeit der Chinahoffnungen offenbaren und geeignet sind, auch die hitzigste WelteroberungS-Begeisterung auf den Gefrierpunkt herabznkühlen. Wir citiertcn bereits, wie sich Sir RobertHart in der „Fortnightly Review" über das chinesische Problem ausspricht. Unsre Weltpolitiler schen mit Erschrecken, datz dieser hervorragende Chinakenner, dessen Autorität sie selbst stets feierten, Anschauungen über das Vorgehen Europas in China äußert, die denjenigen sehr nahe kommen, wegen denen man uns mit unerhörten Schmähungen verfolgt hat. Die Londoner„Times" haben allerdings bereits die Möglichkeit entdeckt, wie sie sich an diesen, peinlichen Mahner vorüberstehlen können; Sir Robert Hart, sagen die „Times", habe sich so intensiv mit dem Chinesentum beichäftigt, daß er ganz in seinen Bannkreis gezogen und ein„fatalistischer Orientale" geworden seil Wir vervollständigen die von uns schon wiedergegebenen Aeußerungen Haris nach einem uns vorliegenden Auszuge seine? Artikels noch durch folgende sehr beachtenswerte Bemerkungen: Sir RobertHart spricht in dem Artikel die Ueberzeugung aus, daß die Boxerbewegung eines Tags trium- phieren müsse. Er gicbt zu, datz die Bewegung das Ergebnis amtlicher Inspiration sei, aber zugleich doch auch der Ausfluß des einen Gefühls, welches in China allgemein vorherrsche: Stolz auf chinesische Einrichrungen und Verachtung für die fremden In st itutio n e n. ES ist das. erklärt Sir Robert Hart, eine rein patriotische F r e i m i l l i g e n b e w e g u n g, die den Zweck verfolgt, China zu stärken und einem chinesischen Programm zum Siege zu verhelfen. Die 400 Millionen Chinesen, sagt Hart, be- trachten die Beziehungen zur übrigen Welt, in die sie durch oktroyierte Verträge hineingezwungen worden sind, als Demütigung. Sie erblicken in denselben'ke inen Vor- teil und erivarten sehnsüchtig den Tag, an dem sie stark genug sein werden, zu ihrem früheren Leben zurückzukehren und den Verkehr mit den Fremden sowie deren Einmischung abzuschaffen. Die Rebellion beweise, wie sehr daS Volk bereit fei, einem solchen Ruf zu folgen. Die Boxer der Zukunft, fährt Hart fort, werden die besten Waffen haben, die für Geld zu bekommen sind. und dann werden ste ihre Pläne allen Ernstes ausführen: christ- liche Konvertiten und daS Christentum selber ausrotten, um daS Land vom.anfaulenden Einfluß eines fremden Kultus" zu befreien. Den Fremden selber, meint Hart, werden die Chinesen keine leibliche Unbill zufügen, nur aus dem Lande hinausschrecken werden sie dieselben,»m China von fremden Uebergriffen, fremder Ansteckung und Demiitigtmg zu säubern." Die Kinder und Kindeskinder der heutigen„Frei- willigen" werden, sagt Hart, zu diesen Bestrebungen auferzogen werden und sie werden in aller Wahrscheinlichkeit erfolgreich sein. In fünfzig Jahren werden Millionen gedrillter und wohlbewaffneter Boxer zur Verfügung der chinesischen Regierung stehen und die Zukunft der Welt gefährden. Nur eine Teilung Chinas oder eine wunder- bare Verbreitung des Christentums in seiner besten Form könnte nach Ansicht Harts diese Katastrophe abwenden. Beides aber er- achtet er als außer dem Bereich der Möglichkeit liegend. So ge« langt er zu dem Schlüsse, daß der gegen w artig eAufst and verziehen werden und die Mandschn-Dynastie mit allen Kräften unterstützt werden müsse." Aus den Anschauungen Robert Harts sind aber sicherlich außer der Folgerung, daß der letzte Aufstand nicht durch eitel Rache- fordernngen beantwortet werden dürfe, noch weitere Schlüsse zu ziehen. Eine sorgfältige Prüfung der Methoden ist nötig, ver- mittelst deren die europäischen Staaten, der europäische Kaufmann, Missionar und Diplomat sich der chinesischen Welt zu nähern ver« suchten. So lange die chinesische Bevölkerung berechtigt ist, im Ein- dringen der Fremden Uebergriffe und Demütigungen zu empfinden, so lange sind die großen Gefahren, die Robert Hart anzeigt, unaus- bleiblich. Nicht uninteressant sind ferner einige Bemerkungen, die sich in einem„Stimmungsbild ans Shanghai" des„B. L.-A." finden. Der Korrespondent dieses Blatts ergeht sich zwar reichlich in kriegerischen Drohungen gegen das rebellische China. doch sind ihm allerlei Be- denken aufgestoßen, ob ans China wirlich so viel„zu holen" sein werde, wie man bei uns anzunehmen pflegt. Der Korrespondent schreibt: „China mit seiner bedürfnislosen Bevölkerung ist nicht der große Marktplatz für enropäische Waren, als der es so lange galt. Wohl mögen einige Wenige hier große Vermögen erworben haben, aber ihre Zahl wird immer geringer, denn was diese Wenigen ihalen, was sie konnten, das ihnen so gut bezahlt wurde, daS hat ihnen der Chinese längst abgeguckt und er wird nun selbst reich, statt den Europäer» den Gewinn zu über- lassen. Es wird nicht bedacht, daß der Chinese, sollte er in der That zum Beispiel in das Wesen unsrer Industrie tiefer eindringen, bei seiner natürlichen Begabung für alle mechanischen Verrichtungen, seinem außerordentlichen Nach- ahmungstrieb und seinem überaus billigen Arbeitsmarkt bald' die europäischen Konkurrenten aus dem Felde schlagen und, statt als Konsument fremder Waren als siegreicher Konkurrent auf dem Weltmarkt in Wettbeiverb trete ic dürfte. Gott sei Dank, daß dieser Fremdenhaß, diese Ver- achtung alleS Nichtchinesischen besteht, sonst würde sich die Konkurrenz Chinas schon längst sehr empfindlich bemerbar gemacht haben, Gott sei Dank, daß'der Chinese alle unsre Erfindungen mit einem überlegenen Lächeln von sich weist und unsre Waren verschmäht, sonst dürften wir bald� auf dem Gebiete der Industrie erleben, was der Kanfmam: in China schon jetzt erfährt, nämlich, daß selbst der Euro- päer den chinesischen Händler dem eignen Lands- mann vorzieht. Selbst die fremden Regierungen bevorzugen schon jetzt in Shanghai einen Chinesen— er nennt sidh Cheap Jack— als Lieferanten für ihre Kriegsschiffe und die Geschäfte, die dieser unter andren auch mit der deutscheil Marine macht, belaufen sich auf Millionen. Wie gesagt, wir können recht froh sein, daß der bedürfnislose Chinese, der von Reis und Thee lebt und französischen Chan, pagner und holländische Austern verschmäht, für unsre Dampfmaicbinen und elektrischen Erfindungen nur das Lächeln über eine hübiche Spielerei hat. Ein Bedürft, is dafür existiert nur im europäischen China, nicht aber im Innern, wo die ungezählten Millionen konservativer Mongolen Hausen, wo die menschliche Arbeitskraft so ausgebildet ist, daß sie selbst die Hilf- der Arbeitstiere ent- behren kann." Europa ivird gut thun, seine Chinapolitik von Grund auf zu revidiere»!— Der Etat für das NeichS-Schatzamt ist dem Bundesrat gegangen. Für die Verwaltung und llnterhaltuiig des Kaiscrpalasles in Straßburg sind 24 000 M. ausgeworfen, als Beitrag zur Deckung der laufenden Ausgaben der Universität Straßburg 400 000 M. Der Disposttioiisfonds des Kaisers zu Gnaden- bewilligimgen ist wie innner ans 3 000 000 M. festgesetzt. Zu Prägekosten und sonstigen Ausgaben für die Unterhaltung de? Münzmnlaufs sowie zu Präinien für die Entdeckung von Münzverbrechcn sind 2 15S 000 M. angesetzt. Im Extra-Ordinarium sind 100 000 M. gefordert zur Einrichtuna einer elektrischen Be- leuchtungsanlage im Kaiserpnlaft zu Straßburg. Die Ueberweisungen an die Bundesstaaten sind angesetzt auf 570 933 000 M.. das heißt 55 993 000 M. mehr als für das Jahr 1900. und zwar aus dem Ertrag der Zölle und der Tabak- stcner 360 995 000 M.. auS dem Ertrag der ReichS-Stempclabgaben 100 170 000 M.. aus dem Ertrag der Verbrauchsabgabe für Brannt- wein 109 768 000 M.— Khakipocfie. Der Elberfelder„Freien Presse" teilt ein Leser mit, daß als Dekoration sich jüngst an einem Hanse Elberfelds ein Schild befand mit einem Bilde, auf dem ein Deutscher einen Chinesen übers Knie zieht und ihn gründlich verhaut. Uuter diesem Bild stand folgende geschmackvolle Inschrift: 'Wartenur.DuBiest. Du Ivirst noch geköpft und gespießt. Man sieht, wie der KhakipatriotiSmuS den Geschmack verfeinert und das Gemüt veredelt!— Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" äußert auch eine eigene Meinung über den Bneck- Brief, freilich an sehr versteckter Stelle. Ucber das Feuilleton der Soniitagsnummer setzt sie nämlich als Motto folgenden Satz von Jeau Paul:„Je mehr Schwäche. je mehr Länge; die Kraft geht gerade."— Aus dem Reiche Hülle. Das Amtsgericht K o t t b u S veröffentlicht folgende Bekanntmachung vom 25. Oktober 1900: In unsrem Firmenregister ist unter Nr. 333 bei der Firma „Evangelisckie Vereinsbuchhandlung' folgendes vermerkt: Die Vorstandsmitglieder Philipp Schwartzkopff. Vetter und Fahrenhorst sind aus dem Vorstande ausgeschieden. Dafür sind in den Vorstand eingetreten: Assessor Dr. G e r l a ch, Baurat Ernst Schwartzkopff und Redacteur Dr. P a n k o w. Vorsitzender ist Professor Dr. Lasson, sein Stellvertreter ist Dr. G e r l a ch. Die obige Firma ist augenscheinlich eine Filiale deS Hülle- Woedtkeschen, Unternehniens zur Hebung der Scharfmacherei. Den Herrn Fahrenhorst aber scheint man nicht mehr für würdig zu halten, im Vorstand des frommen Geschäfts zu sitzen.— Militärjustiz. Das Militärgericht der Ostseestation in K i e l verurteilte den Matrosenartilleristen Hohl. der in der Trunkenheit seinen Vorgesetzten, den Signalmaaten Reitz, durch einen Fanstschlag niedergeworfen und die Wache mit gezücktem� Messer bedroht hatte, in öffentlicher Sitzung zu sechs Jahren Gefängnis.— Die BreSlaner LandtagSwahl. Bei der am Montag statt- gefundenen Wahl von drei Abgeordneten wurden dieselben liberalen Kandidaten gewählt, deren Mandate in, März d. I. von der Majorität des Abgeordnetenhauses für ungültig erklärt worden waren, nämlich die Herren Schmieder, Goihein, Wetekamp. Die Konservativen und Klerikalen hatte vergeblich versucht, Wahlmänner sei es durch Drohungen, sei es durch Ver- sprechungen zu beeinflusseii. Schmieder erhielt 650, sein Gegen- kandidat, ein CentrumSmann, 615 Wahlmäiiner- Sti»»»en; die Majorität des fuisinuigen Kandidaten ist von 17 im Jahre 1398 auf 85 gestiegen. Gothen, erhielt eine Majorität von 44 Stimmen gegen 21 im Jahre 1898. Für Wedekainp liegen die genauen Zahlenangaben noch nicht vor. 1. Einführung des allgemeinen gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zum Landtage, Verbesserung des Wahlrechts zur Ge meinde, insbesondene Beseitigung der öffentlichen Abstimmung und der Klassenwahl. berbände. Belgien. Die Kandidaten der freifinnigeu Parteien hatten gegenüber berechtigung wird der eine nicht mehr das Werkzeug in der Hand| Rechte garantiert sind, wie den andren Parteien. Herr Wagner Bat unfren Parteigenossen die Erklärung abgegeben, daß die folgenden des andren sein. einen Strich durch unsre Hoffnungen gemacht und hat der hiesigen Bunfte demjenigen politischen Standpunkte entsprechen, den fie was sie Das Ende des Kapitalismus und damit das Ende der Lohn- Arbeiterschaft gezeigt. in Zukunft von ihm zu gegebenenfalls im preußischen Landtage vertreten würden: fnechtschaft sagt also auch Deschanel voraus. gewärtigen hat. Vielleicht hegt er die tollkühne Hoffnung, die hiesige Arbeiterbewegung durch solche Vergewaltungen nach Wurmbschen Rezept lahm legen zu können. Wir wollen ihm diese naive Hoffnung Die Regierungen dreier Länder gegen einen Jungen. nicht rauben; dessen möge er sich aber versichert halten, daß wir den Wir berichteten in der Sonntagsnummer von der Verhaftung uns aufgezwungenen Stampf mit allen uns zu Gebote stehenden Sipidos in Paris. Sipido hatte bekanntlich den Dummen Mitteln im Rahmen des Gefezes aufnehmen. Wer dann aus diesem jungenstreich, nämlich das Attentat auf den Prinzen von Wales, Kampf als Sieger hervorgeht, wird die Zukunft lehren." ausgeführt. Das Gericht hatte ihn freigesprochen, jedoch Ein totgefagter Lebender. Unser Karlsruher Partei- Organ verfügt, daß er einer Besserungsanstalt überwiesen werden solle. hat ben vor furzem verstorbenen Genossen Michael Fleischmann mit Dieser Aussicht hatte sich Sipido durch die Flucht entzogen. Wie es dem früher in Karlsruhe ansässigen Genossen Emil Fleischmann, der heißt, sei die englische Regierung sehr unzufrieden ge= wesen mit dem Urteil feiner Zeit auch als Kandidat unsrer Partei in Wiesbadener Wahlder belgischen Richter und freis aufgestellt war, verivechfelt. Diesem Irrtum sind auch wir belgische Regierung sei bemüht, die Engländer wieder zu versöhnen. Fast hat es den Anschein, als ob diese schon öfter aus zum Opfer gefallen und können wir heute mir berichten, daß sich gesprochene Vermutung belgischer oppofitioneller Blätter zuträfe, der Genosse Emil Fleischmann in Frankfurt a. M. des besten Wohlseins erfreut. wenn man die Berichte über die Verfolgung Sipidos liest. Polizeilichtes, Gerichtliches usw. 2. Bolle Selbstverwaltung der Gemeinden und der Gemeinde 3. Bolle Sicherung der Vereins- und Versammlungsfreiheit. 4. Beseitigung der Gesinde- Ordnung und volle Sicherung der Freizügigkeit. 5. Besserung der Arbeiterlöhne und Kürzung der Arbeitszeit in den staatlichen Betrieben. Die socialdemokratischen Wahlmänner haben infolge dieser Erflärungen, entsprechend einem wiederholt gefaßten Parteibeschluß geschlossen für die liberalen Kandidaten gestimmt. Die Breslauer Genossen werden die Thätigkeit der von neuem gewählten freifinnigen Herren im Abgeordnetenhause aufmerksam begleiten. Sie haben ein Recht zu fordern, daß die Erklärungen der Herren nicht leere Worte bleiben. Bum Unterftaatssekretär im Auswärtigen Amt ist das Yangjährige Mitglied des letzteren, der Wirkliche Geheime Legationsrat Dr. v. Mühlberg ernannt worden. " In Kiantschon waren Unruhen ausgebrochen. Es wird nun gemeldet, daß am 28. Oftober seitens der Deutschen ein Dorf Namens Kelan erstürmt worden sei. Dieses Dorf sei der Sammel punkt der Aufrührer" gewesen. Die Erstürmung zeigt gute Wirkung". Durch was die gute Wirkung erzielt worden ist, wird nicht mitgeteilt; in den Kolonien wird gewöhnlich eine mehr oder weniger große Anzahl der Einwohner niedergemacht und damit ist die„ Ruhe wieder hergestellt". Ob man in den, Pachtungen" ebenso verfährt, ist, wie gesagt, noch nicht festgestellt. Ausland. Frankreich. " Sipido war freigelassen worden und hatte die Freiheit benüßt, um fich ins Ausland zu flüchten, da er begreiflicherweise teine Lust hatte, in die Besserungsanstalt zu gehen. Er ging nach Paris und, wie der Brüsseler Peuple" in der Lage ist mitzuteilen, hat er seitdem fast immer Arbeit gehabt. Er wohnte in Paris bei seinem Onkel und war als Klempner thätig. Wegen Mangel an Aufträgen wurde er aus dem Betrieb„ Auer" vor nicht langer Zeit entlassen und konnte bisher trotz aller Mühe, die er sich gab, noch keine Arbeit wieder finden. -O fann, zeigt ein Prozeß, den der Bogtländische Anzeiger", ein Blatt, Wie leicht ein fächsisches Amtsblatt beleidigt werden das wenig wählerisch in Ausdrücken gegen die Socialdemokratie ist, gegen den Genossen Albert, den verantwortlichen Redacteur des 8ividauer Boltsblatt" angestrengt hat. Das" Vogtländische Amtsblatt" hatte bekritelt, daß Mylauer Genoffen Liebknecht in einem Bei leids- Telegramm als„ Soldaten der Revolution" bezeichnet hatten, was unsrem Bruderorgan Veranlassung zu einigen kritischen Bemerkungen gab, die die Herren vom„ Vogtländischen Anzeiger" so ärgerten, daß sie zum Kadi liefen. Das Schöffengericht zu Blauen verurteilte unsren Genossen auch zu 200 M. Geldstrafe. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Nach den Versicherungen des Onkels ist Sipido nicht bloß fleißig und arbeitsam gewesen, er hat auch auf Anraten desselben feinerlei Versammlungen besucht.. Der offiziöse Telegraph aber meldet, Sipido habe in Paris Beziehungen zu den Anarchisten unterhalten und sich während des internationalen Socialistens tongresses an mehreren Rundgebungen beteiligt. Man habe ihn in Paris für einen Anarchisten der That gehalten und die französische Regierung habe wahrscheinlich wegen seines Verhaltens feiner Auslieferung nach Belgien zugestimmt. Die Mehlfutscher in Berlin beabsichtigen durch eine Lohn. Diese Darstellung flingt im höchsten Grade unwahrscheinlich. belegung die Wiedereinführung der sogenannten Abtragegelber Durchaus falsch ist, Sipido sei deswegen ausgeliefert worden, weil herbeizuführen. Diese Gelder wurden in noch nicht allzuferner Beit er als Anarchist bekannt geworden sei. Die französische Regierung feitens der Bäckermeister für jeden abgetragenen Sad Mehl bezahlt. ftigt sich vielmehr auf einen Vertrag, wonach Belgien und Die Gebühr pro Sad betrug 5 f. und ist die Forderung in diefer Höhe wieder gestellt. Für das bloße AbEine Programmrede Waldeck- Rousseaus. Bei dem am haben. Die„ Betite République" bezeichnet die Verhaftung Sipidos, iezen des Wehls Frankreich Minderjährige sich angeblich gegenseitig auszuliefern auch Sonntag von der Toulouser Municipalität dem Minister: haben. Die Petite République" bezeichnet die Verhaftung Sipidos, ießen des Mehls in den Hausflur verlangen die Kutscher Die präsidenten Walded Rousseau gegebenen Bankett hielt dieser die übrigens burch belgische und französische Polizei vorgenommen nichts. Die Forderung ist um so gerechtfertigter, als die Kutscher feine längst angekündigte Rede. Er gab einen Ueberblick über die wurde, als einen Bruch des freien Aufenthaltrechts. Sipido ist vielfach auf allen Vieren den Mehlsad auf dem Süden rückwärts bie Thätigkeit seines Ministeriums. Er führte u. a. aus: während seines Aufenthalts in Paris fortgesetzt von Geheimpolizisten Kellertreppen zu den Mehlkammern der Bäcker triechen müssen. Außerdem find meistens die von den Kutschern bei der Die Aufgabe war schwer; die Zustimmung der gewählten verfolgt worden. zu benutzenden Treppen bon berartiger Körperschaften beweist es ebenso wie das Zusammenkommen der Es ist in der That schwer zu begreifen, warum sich die belgische Abtrage Arbeit 22 000 Waires, welches das Jahrhundert mit der glänzendsten Regierung so außerordentliche Mühe gegeben hat, dieses jungen Beschaffenheit, daß sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr Es ist gewiß Weihe schloß, die jemals einer Regierung zu teil wurde. Manns Habhaft zu werden, dessen That von aller Welt als ein für die heilen Knochen der Kutscher bilden. fein großes Vergnügen, derartige Treppen 60 bis 70 mal am Tage Das Wert, welches eine solche Bewegung hervorrief, fonnte nur das Dummerjungenstreich betrachtet wird. mit dem 2 Centner schweren Mehlsack auf dem Rücken passieren zu Wert aller Republikaner sein. Redner giebt sodann ein müffen. Unter solchen Umständen ist das Verlangen der Kutscher auf Bild von der Lage beim Amtsantritt des Kabinetts und fährt fort: 5 Pf. Abtragegeld pro Sad Mehl gewiß sehr bescheiden. Auf die Eingabe der Nutscher an die Fuhrherren hat nur einer geantwortet, daß sich die Fuhrherren erst mit den Mehl- und Getreidehändlern in Verbindung setzen müssen. Drei Fuhrherren ist seitens der Kaufleute angeraten worden, unter keinen Umständen auf die Forderung der Kutscher einzugehen und es lieber zur Arbeits einstellung fommen zu laffen. Augenscheinlich wird seitens der größeren Firmen im Stillen beabsichtigt, durch die Arbeitseinstellung ber Kutscher die kleineren Fuhrherren an die Wand zu brücken und dadurch die längst schon unangenehme Konkurrenz zu beseitigen. Fraglich ist, ob die kleinen Fuhrherren die ihnen drohende Gefahr noch rechtzeitig wittern werden. Die Bäcker berfuchen schon jetzt das Abtragegeld wieder den Kaufleuten anzurechnen, während diese es wieder den Fuhrherren aufbürden wollen. Die Stutscher sind gesonnen, mit Hilfe ihrer Organisation, dem CentralVerband der Handels-, Transport- und Verkehrs- Arbeiter, ihre Forderungen mit allem Nachdruck zur Geltung zu bringen. Spanien. Man hätte bei der Zusammensetzung des Kabinetts ein Unrecht madrid wird vom 29. Oktober gemeldet: In Badalona( Provinz Die Karlisten sind, wie es scheint, wieder an der Arbeit. Aus begehen können, wenn man die einträchtigen Elemente vereinigte und Barcelona) verfolgten Gendarmen eine Schar von 24 farlistischen diejenigen ausschloß, die das Kabinett entzweien konnten, man schuf Barteigängern und töteten einen derselben. Der farlistische General deshalb ein Werk der republikanischen Bereinigung, Solivar und eine andre Person wurden festgenommen unter dem welche sociale Reformen in sich schließt. Es haben zahlreiche Ausstände stattgefunden; den ernstesten hat die Regierung geschlichtet. Berdacht, gemeinsame Sache mit den tarlistischen Parteigängern zu Was die Dreyfus Affaire betrifft, so hat die Regierung die Lösung derfelben der bollkommenen Unabhängigkeit des machen. Afrika. " Richters anvertraut, dessen Urteile respektiert wurden. Hierauf Vom Kriegsschauplatz liegen heute wiederum Nachrichten vor, wurde aber auch der Menschlichkeit genügt durch Maß- welche zeigen, daß von einem vouständigen Frieden noch lange keine regeln ber Guade; die Regierung beantragte beim Senat ein Gesez Rede sein kann. Die Boeren sollen noch 15 000 Mann requlärer der Tilgung, das endgültige Beruhigung schaffen soll, und wird Truppen im Felde haben, davon beinahe die Hälfte in der Oranje ein solches Gesetz bei der Kammer beantragen. River- Kolonie. Die" Daily Mail" meldet vom 27. d. Mts. aus Redner kam dann auf die auswärtige Politit zu sprechen und St apstadt: Die Kappolizei- Truppe hatte am 24. d. M. in der Nähe führte aus: Nach außen hin hat unsre Lage sich gekräftigt. Als die von Hoopstad mit zwei Boerenkommandos ein ernſtes Gefecht. Die Ausstellung eröffnet wurde, hielt die Regierung zur Verherrlichung britische Truppe hatte zwei Schnellfeuer Magimgeschüße. Die der Arbeit einen Waffenstilstand für nötig, und alle Wölfer fonnten Boeren unter Dutoit, Viljoen, Potgieter und Devilliers griffen in eine Bilanz des Fortschritts der Wissenschaften und des socialen der Stärke von 10: 1 zweimal an, umzingelten die britische Antisemitische Arbeiterfreunde. Die in der Treibriemen Fortschritts ziehen. Jezt aber bedrohen noch zahlreiche Truppe allmählich, indem sie ihr große Verluste beibrachten, und Gefahren die Republik; um sie zu bekämpfen, wird die Regierung republikanische Aktionspolitik vertreten. Sie wird vor allen Dingen ihr Vertrauen nur denen zuwenden, von welchen sie entschlossene, loyale Mitarbeit erwarten darf. richteten ihr Feuer hauptsächlich auf die Maximgeschütze, die aufgegeben wurden. Die Polizeitruppe wurde kurz vor Eintritt der Dunkelheit durch Yeomanry) verstärkt. Die Engländer hatten 7 Tote und 11 Berivundete; 11 wurden gefangen genommen. Präsident Krüger wird am 11. November in Marseille erwartet. Er begiebt sich von dort über Lyon nach Paris. Ueber einen neuen Versuch Dewets, in Oranje einzubringen, meldet Roberts aus Pretoria vom 29. Oktober: Amerika. und Militäreffekten- Fabrit von Brezel u. Cie. beschäftigten Sattler leben seit Beendigung des Militäreffektenjattler- Streits mit Herrn Brezel in beständigem Kleinkrieg. Herr Brezzel, der den vor dem Gewerbegericht geschlossenen Vertrag, vorbehaltlich der Verkürzung der Arbeitszeit unterschrieben hat, muß zur Erfüllung desselben von seinen Arbeitern Schritt für Schritt gedrängt werden. Da die Arbeitszeit in allen andren gleichartigen Betrieben auf 9 resp. 91/2 Stunden herabgesetzt ist, suchen auch die Arbeiter dort dieses Vorteils teilhaftig zu werden. 1 Das Ziel einer Politik der republikanischen Attion muß sein, der Demokratie vernünftige Einrichtungen zu geben, die fich dem Ideal der Revolution möglichst nähern. Redner zählt dann die Arbeiten auf, welche den letzten Teil General Dewet bemühte sich, nachdem ihm General Barton Bor 8 Wochen faßten sie in einer Werkstuben- Versammlung den der Legislaturperiode der Kammer ausfüllen sollen und betont be- am 25. Oftober bei Frederikstad übel mitgespielt hatte, den Vaal Beschluß, um Verkürzung der Arbeitszeit um täglich 1/2 Stunde resp. fonders das Gesetz über die Vereine. In dieser Beziehung müsse wieder zu überschreiten. Da er den Weg aber versperrt fand, ging Sonnabends 1 Stunde vorstellig zu werden. Ein derartig abgefaßtes man der Gefahr zu begegnen suchen, die daraus erwachie, daß sich er nach der Lindeques- Drift weiter. In der Nähe der Rensburg Schriftstück sollte, mit der Unterschrift sämtlicher Arbeiter versehen, von in einer demokratischen Gesellschaft immer mehr eine Vereinigung Drift stellte ihn General Knor. Die Boeren suchten nach Südosten einer gewählten Delegation Herrn Brezel vorgelegt werden. entivicle, welche darauf ausgehe, unter der Maske einer religiösen zu entkommen, aber die von Knox entfandten berittenen Truppen Dies geschah und Herr Brezel ließ sich nach vielem Gerebe herbei Einrichtung in den Staat eine politische Körperschaft ein- boten ihnen die Spize. Die Boeren wandten sich dann nach Parijs. man staune die Arbeitszeit des Sonnabends um 12 Stunde zu zuführen, welche bezweckt, völlige Unabhängigkeit zu erlangen und Sie hatten starke Verluste und ließen zwei Geschüße und drei Wagen verkürzen. Der Merger des Herrn war aber erwacht und er mußte alle Autorität an sich zu reißen. Redner weist dann auf das Gine in den Händen des Generals Knor. Die einbrechende Dunkelheit demselben Luft machen. Die Delegation mit Ausnahme von einem, bringen der Kongregationen in das Unterrichtswesen hin. und ein heftiger Sturm fegten der Verfolgung ein Biel. Die ferner der Vertrauensmann der Triebriemenarbeiter erhielten bald Diefe Kongregationen", sagt Walded- Rousseau, haben sogar Engländer erlitten keine Verluste. darauf die Kündigung, angeblich wegen Arbeitsmangel. Es ist die Sühnheit, fich über die Anordnungen der Würdenträger aber schwer erklärlich, warum gerade diese Arbeiter bei etwaigem der Kirche hinwegzuſeßen, welche sich nicht zu ihren Vasallen Arbeitsmangel entlassen werden sollten, denn sie gehörten nicht zu machen wollen. Den Kongregationen ist es zuzuschreiben, wenn Bur Präsidentenwahl. Bryan macht in den letzten Tagen den Jüngsten, die ja sonst gewöhnlich dieses Los trifft, sondern waren die Jugend in zwei Teile zersprengt wird, die nebeneinander große Auftrengungen. Am letzten Sonnabend folgte er einer Ein meist schon jahrelang im Betrieb beschäftigt. Die Maßregelung liegt aufwachsen, ohne fich zu temnen, bis sie sich eines Tags so ladung der Nationalvereinigung der demokratischen Klubs. Die Ver- aus diesen Gründen flar zu Tage und Herr Prezel hat es andren unähnlich wiederfinden, daß sie Gefahr laufen, sich gegenseitig nicht sammlung gestaltete sich zu einer großartigen Demonstration für den Arbeitern gegenüber auch offen eingestanden. Er erklärt, die Geger mehr zu verstehen. Das sind die Folgen, wenn sich im Staate eine Führer der Demokraten. Am Sonntag hielt Bryan Ansprachen in hätte er nun heraus, er werde sich jetzt überhaupt um derlei mit diesem rivalisierende Macht aufrichtet." Walded- Rousseau spricht einer Maſſenversammlung im Madison Square Garden und Sachen in seiner Fabrikt mehr bekümmern, es müsse anders werden. dann ausführlicher über die Arbeiter Altersversorgungs in fünf kleineren Versammlungen; in einer derselben sprach Herr Brezel, der als bürgerparteilicher Stadtverordneter und antitassen und schließt mit den Worten:" Die Krisis, die wir soeben er zu 4000 Italo- Amerikanern, in einer andren zu 3000 Deutsch femitischer Boltsredner nicht genug sein Wohlwollen mit den unteren überstanden haben, war eine Strise des Wachstums. Wir haben die Amerikanern. In der legtgenannten Versammlung erklärte Bryan, Bollstlaffen betonen fann, beweist hier seine Arbeiterfreundlichkeit in einen Augenblick gestörte Eintracht wieder errungen. Eine große was die Finanzfrage betreffe, so stehe er auch heute noch auf dem der Praxis. Halten die Arbeiter treu und fest zur Organisation, demokratische Partei konnte sich bilden mit dem Wahlspruch: Standpunkt, den er 1896 eingenommen; nichtsdestoweniger sei gegen- dann wird Herr Pretzel sich in Zukunft zu einer andren Behandlung Größere Geschäftigkeit der Regierung, größere Festigkeit der Staats- wärtig der Imperialismus die Hauptstreitfrage. Die Zahl der der Arbeiter bequemen müssen und nicht mehr Arbeiter, die ihm einrichtungen, mehr Freiheit, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit!" Zuhörer in diesen Versammlungen belief fich insgesamt auf eine Bittschrift überreichen, auf die Straße sezen dürfen. Nach Beendigung der Rebe zollten die Anwesenden dem Redner leb. 50 000 Personen; etiva 150 000 waren in den Straßen, wo die Deutsches Reich. haften Beifall und brachen in die Rufe aus: Es lebe Walded Meetings abgehalten wurden, versammelt. Rousseau! Es lebe die Republik!" V Der Verband Deutscher Berg- und Hüttenarbeiter befindet Auf den Philippinen. Aus Washington wird unterm sich in der erfreulichsten Entwicklung. Als er auf seiner legten Die französische Presse beurteilt die Rede Waldecks fehr ver- 29. Oftober berichtet: Einer Depesche aus Manila zufolge ist eine Generalversammlung den Beitrag erhöhte, da glaubten viele, es fchieden. Die republikanischen Blätter äußern ihre lebhafte ameritanische Truppenabteilung von 400 mit Gewehren bewaffneten würde bergab gehen. Die Annahme hat sich als unrichtig erwiesen. Befriedigung und heben mit besonderem Nachdruck die gegen die und unter dem Befehl eines Weißen stehenden Aufständischen an Im Ruhrrevier schreitet die Organisation tüchtig vorwärts, wie fich politischen Treibereien der Kongregationen und ihre Thätigkeit im gegriffen worden. Nach einem zweistündigen Gefecht schlugen die aus den monatlichen Abrechnungen im Verbandsblatt ergiebt. Unterrichtswesen gerichteten Stellen hervor. Die fozialisti merifaner die Aufständischen zurück. Von den Aufständischen Durchschnittlich hat der Verband im letzten Jahre 12-13 000 m. fchen Organe erklären, von der Rede enttäuscht zu fein; ins- wurden 75 getötet, die Amerikaner hatten nur unerhebliche Ver- Monatseinnahme. Die neueste Abrechnung quittiert für September besondere seien die Ausführungen über die socialen Reformen un lufte. bestimmt und zaghaft. Man habe fast den Eindruck gewonnen, als sogar eine Einnahme von über 16 000 m. ob der Ministerpräsident sich verpflichtet fühle, das Verbleiben Mille rands im Kabinett zu entschuldigen. Die nationalistischen Partei- Nachrichten. Die Steinbildhauer auf dem Werkplatz von Ehnig in Leipzig haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Blätter meinen, die Rede habe nichts Bemerkenswertes gebracht; Neue Besen kehren gut. Der neue zweite Bürgermeister in Aus Schwarzburg- Rudolstadt. Eine taum glaubliche Auffie sei nur ein neuer Beweis dafür, wie wenig es dem Ministerium Jena, der vor wenigen Wochen von der weimarischen Regierung der regung hat sich der guten alten Stadt Rudolstadt bemächtigt. In um wirkliche Beruhigung der Gemüter zu thun sei. Die Regierung Jenaer Bevölkerung aufoktrohiert wurde, hat sich bereits durch ein der Nacht vom Freitag zum Sonnabend wurden in der Weimarischen wolle eine Amnestie für die Anhänger von Dreyfus, aber nicht für seiner Regierung wohlgefälliges Wert eingeführt. Eine am Sonn- Straße ein Schußmann, sowie turze Zeit später einige ArbeitsDéroulède. Sie verlegte überdies die Mehrheit der Katholiken durch abend einberufene Boltsversammlung wurde von ihm mit folgender willige" aus der Porzellanfabrit Schäfer u. Vater thätlich angegriffen. die Verfolgung der Kongregationen. Begründung verboten: Natürlich konnte das nach Ansicht der löblichen Polizei niemand Das Ende der Lohnsklaveret. Nach Miller and hat sich Die Abhaltung der für Sonnabend, den 27. d. M., abends anders gethan haben, als die Streikenden. Und so wurden denn am der französische Kammerpräsident Deschanel in einer Nede, die 82 Uhr angemeldeten Versammlung wird hierdurch behördlicherseits Sonnabendvormittag neun Verhaftungen vorgenommen. Vier der Verer in Bordeaug hielt, dahin ausgesprochen, daß die Zeit der verboten, da in derselben Dr. Mag Quard aus Frankfurt, dessen hafteten mußten im Laufe des Tags wieder entlassen werden und man Lohnknechtschaft eine vorübergehende sein werde. Die Lohnarbeit, so aufreigende Sprechweise hinlänglich bekannt ist, auftreten soll, auch hoffte auf seiten der Streikenden, daß auch die übrigen bald folgen fagte er, ist, wie die gegenwärtige Ordnung der Dinge überhaupt, das gewählte Thema zu Bedenken Anlaß giebt. würden. Da wurden am Sonntag wiederum fünf Verhaftungen eine borübergehende Erscheinung. Ganz gewiß, die gegenwärtige Der 11. Bürgermeister. vollzogen und zwar befand sich darunter einer, der Tags zuvor ent Ordnung der Dinge bedeutet einen großen Fortschritt gegenüber Dr. Wagner. lassen worden war. Auch nicht die Idee eines Beweises, daß die früheren Zuständen, aber sie wird sich umgestalten, um einer höheren Unser Erfurter Parteiorgan bemerkt hierzu:" Unser Ober- Streifenden resp. die Verhafteten an den zweifellos zu verurteilenden Etappe zu weichen, einem Zustande Platz zu machen, wo die bürgermeister Singer, der uns in der legten Beit teine Bersammlung Prügelscenen beteiligt waren, liegt nach Ansicht der noch auf freiem Menschen, welche produzieren, nicht mehr in einem Abhängigkeitsverboten hat, befindet sich momentan auf Urlaub. Wir lebten schon Fuße befindlichen Streifenden vor. Trotz dieser Vorgänge stehen die berhältnis zu einander stehen, sondern in einem Genossenschafts- in der guten Hoffnung, daß für unser Jena die früheren Verhältnisse übrigen Ausständigen fest. Die Polizei verhaftet blind drauf los, berhältnis: bei der dann obwaltenden Gleichheit und Gleich wieder Platz gegriffen haben und der Arbeiterschaft wieder dieselben ruhig ihres Wegs Gehende werden von der Straße weg zur Wache genommen. Man erwartet noch weitere Verhaftungen und die frei- finnige Presse faselt bereits von einer bevorstehenden Anklage wegen Landfriedensbruchs. Ausland. Französische Streikstatistik. Nach der Veröffentlichung der deutschen Streikstatistik haben wir vor einigen Wochen auch die Hauptzahlen der östreichischcn und italienischen Streikstatistik wieder- gegeben. Heute liegen uns in dem„Bulletin de l'Ofsice du Travail" die entsprechenden französischen Zahlen vor. Es haben danach während des Jahrs 1899 in Frankreich statt- gefunden 749 Streiks, an denen im ganzen 176 826 Arbeiter, und zwar 143 367 Männer. 23 417 Frauen und 10 042 Kinder beteiligt waren. Betroffen wurden 4290 Unternehmungen, und im ganzen waren 3 560 734 Streiktage zu verzeichnen. Auf die einzelnen Jndustriegruppen verteilen sich die Streiks folgendermaßen: Zandwirtschast zc.... Bergwerke..... Steinbrüche..... Nahrungsmittel'.... Themische Industrie.. vuchdruckerei zc.... Leder....... Textilindustrie.... Schneiderei, Reinigung zc. lunst-Tischlcrei.'... Holzindustriehr ein frisches Talent steckt. Fenerbericht. Montagnachmittag erfolgte Oranienstraße 184, wo Fußboden und Balkenlage hatte. Am Sonntag waren Kottbuserstraße IS und Wohnungsbrände zu beseitigen, die Betten und Manteuffelstraße 101 brannten Kellerverschläge und ein Alarm nach Feuer gefangen 'marktstraße 37 öbel zerstörten. Görlitzer-Ufer 37 und Spener- __________ viaat Kisten. Außerdem wurden von Biesenthalerstraße 13 straße 2Y noch unbedeutende Brände gemeldet. Orgelkonzert. Der Orgelvortrag in der Marienkirche am Mittwoch 12 Uhr ist wiederum ein Bach-Konzert. Ein Naubmorddersnch ist am hellen Tage in Spandau gegen den Installateur Müder in der Neueudorserstraße begangen worden. Dieser befand sich, wie die„SP. Korr." schreibt, am Sonn- abend in seinem Comptoir allein mit dem Mempnergesellen August Simon ans Berlin, der einige Zeit bei ihm gearbeitet hatte und ab- gelohnt werden sollte. Nachdem der Lohn ausgezahlt worden war, packte Simon den Mäder an der Kehle und suchte ihn mit den Worten:„Deine letzte Stunde ist gekommen", zu erwürgen. Mäder wehrte sich und biß dabei den Gegner in den Daumen der rechten Hand. Dann kamen die Frau und die Schwägerin Mäders hinzu, die diesem nach Kräften Beistand leisteten, so daß der Angreifer schließlich von seinem Opfer abließ und aus dem Hause flüchtete. Herr Mäder ist der Ueberzeugung, daß der Geselle es darauf ab gesehen hatte, ihn unschädlich zu machen und dann die auf dem Tisch stehende Geldkassette zu rauben. Simon, der zuletzt Koppeiv siraße 86 in Berlin gewohnt hat. ist seit diesem Vorfall verschivunden; vermutlich hält er sich jetzt unangemeldet in Berlin auf. Alsdann giebt der Gerichtschemiker Dr. Bischof(Berlin) sein Sachverständigen Gutachten ab. Er erklärt: Es wurden mir Speisereste ans dem Magen des Ermordeten zugesandt. Ich habe darin Kartoffeln, Gurken und Fleischreste gefunden. Die Speisen waren ziemlich gut er- halten. Der Ermordete sollte Schweinebraten genossen haben. Das ist der mikroskopischen Untersuchung nicht entgegen. Wenn er um 1 Uhr gegessen hat. so hat die Verdauung bei normalem Verdauungssaft bis 4 Uhr gedauert: wenn aber Fleisch nicht die Hauptnahrung gewesen ist, so hat die Ver- dauung bei normalem Verdanungssast S bis 6 Stunden längstens aber bis 7 Uhr gedauert.— Sachverständiger KreiSphhsikus SanitätSrat Dr. Mittenzweig: Ich kann im allgemeinen der Erklärung des Herrn Dr. Bischof nur beipflichten. Herr Dr. B i s ch o f hat aber nicht die Bewegung deS Mageninhalts mit dem Magensaft in Betracht gezogen. Jeden- falls bin ich auch der Meinung, daß spätestens nach 6 Stunden die Verdauung beendet war.— Sachverständiger Kreisphysikus Dr. Puppe(Berlin): Ich schließe mich den Gutachten der Herren Dr. Bischof und KreisphysikiiZ SanitätSrat Dr. M i t t e n z w e i g an. In sechs Stunden längstens ist die Verdauung vollzogen. Der Tod ist spätestens um 7 Uhr abends erfolgt. Erster Staatsanwalt: Im Rachen des Ermordeten hat man eben- falls Speisereste gefunden. Sind diese durch anämische Krämpfe aus dem Magen dorthin befördert worden?— Kreisphysikus Sanitäts- rat Dr. M i t t e n z w e i g- Berlin: Das ist möglich. Da aber nicht alle Körperteile vorhanden sind, so ist es nicht möglich, die Todesursache genau festzustellen. Es ist nur eine Wahrscheinlichkeits- diagnose möglich. Ich halte den Tod durch Verblutung für wahr- scheinlich, da' äußere Erscheinungen dafür sprechen. Der Mörder muß 2 Schnitte am Halse gemacht haben.— Der Sachverständige zeigt dann an Modellen die wahrscheinliche Art der Tötung.— Kreisphysikus Dr. P u p p e: Ich kann mein Gutachten nicht ändern. Wenn Speisereste durch anämische Krämpfe in den Nachen gekonimen sein sollten, dann hätten sich solche auch im Kehlkopfe finden müssen. Die Erscheinungen für den Verblntungstod find unsicher. Der Hals- schnitt gleicht allen andren Schnitten. Alle Erscheinungen sprechen für den Erstickungstod. Die Verhandlung wird auf Dienstagvormittag vertagt. Meineidsprozeß Maßlos in Könitz. Am Montag bemerkte bei Eröffnung der Verhandlung der G e- s ch w o r e n e Oberlehrer M e h e r: Im Namen der Geschworenen ersuche ich den hohen Gerichtshof, festzustellen: wo der Fleischer- meister Adolf Leloh am Nachmittag und am Abend des 11. März gewesen ist. Die Geschivorenen sind erstaunt darüber, daß Lelvh bei seiner Veritehmung am Sonnabend genau über seine Thätigkeit und seinen Aufenthalt' am Sonntag, den 11. März d. I., vormittags Auskunft gegeben hat.' In betreff des Nachmittags und deS Abends hat er aber nur an- gegeben, daß er im Restaurant. Falke nberg" gewesen sei. Es ist doch wunderbar, daß nicht e i» Stammgast deS Restaurants „Falkenberg" als Zeuge geladen worden ist, Inn die Wahrheit der Angaben Adolf LewyS zu prüfen?— Erster Staats- anwalt: Die Stanmigäste des Restaurants„Falkcuberg" sind vernommen worden. Sie wissen nicht mehr genau, ob der Zeuge Adolf Lew y am Nachmittag und Abend des 11. März dort wcir/ Sie können sich auf den fraglichen Sonntag nicht mehr genau er- innern. Ich werde aber die Stammgäste laden. Die gestrige Verhandlung drehte sich weiter darum, wo die Familie Leloh sich Sonntag, 11. März, aufgehalten habe. Kauf- mann Aronheim. der Nachbar Lcwys zur' Rechten, glaubt, am Spätnachnnttag Adolf Lewy bei Falkenberg gesehen zu haben. Ei» Berliner Kriminalkommissar habe ihn früher darüber auf der Straße vernommen.— Zeugin Arbeiterfrau Medoch: Adolf Lewy at am 11. März, nachmittags 3 Uhr, von mir ein alb gekauft, aber nicht mitgenommen. Mir ist an ihm nichts aufgefallen.— Erster Staatsanwalt: Weshalb nahm er das eugin: Das weiß ich nicht.— wegen der Sonntagsruhe?— Kalb dem, nicht gleich mit?— Erster Staatsanwalt: Wahrscheinli Zeugin: Das kann ich nicht sagen. Einer Anzahl Zeugen jüdischer Konfession giebt der Präsident vor ihrer Vernehmung bekannt, daß sie das Zeugnis verweigern könnten, wenn sie sich einer Strafthat schuldig glaubten. Keiner macht von diesem Recht Gebrauch. Ein Geschäftsfreund des Lewy. Kaufmann Brünn wird vom Staatsanwalt befragt, ob er vielleicht sagen könne, wie der Sack, in dem sich die Leichenteile befanden, aus dem Besitze des Schneiders P l a t h gekommen sei?— Zeuge: Nein, das kann ich nicht sagen.— Husar Fett eck: Am 11. März war Moritz Lewy nachmittags 3 Uhr auf„Wilhelminenhöhe" und ist bis 5 Uhr da- geblieben.— Präs.: Woher wisse Sie so genau, daß das am 11. März war?— Zeuge: Weil damals gesagt wurde, daß die Juden den Mord begangen hätten.— Verteidiger Rechtsanwall ZielewSki: Wurde dort auch gesagt, daß Lewy den Mord be- gangen habe?— Zeuge: Jawohl.— Verteidiger; Fiel Ihnen an Lewy etwas aus?— Zeuge: Lewy, der sonst sehr heiter war, war an dem Sonntag sehr still.— Ein Geschworner: Hat Lewy mit Ihnen über Ihr Zeugnis gesprochen?— Zeuge: Kurz vor meiner ersten Vernehmung hat Lewy mich gefragt, ob ich noch wüßte, daß er auf„Wilhelminenhöhe" gewesen sei.— Präs.: Weiter nichts?— Zeuge: Nein. Resnltatlos bleiben infolge des Wideripruchs der Zeugen die Vernehmungen darüber, wann am Spätnachmittag des 11. März bei LewyS Licht gebrannt habe. Handelsmann Lindenstrauß war an dem Sonntag mit seiner Frau nach einem Nachbarort gefahren, während Helene Lewy in seinem Hanse auf die Kinder achtete. Er bekundet, daß er um 8V„ llhr zurückgekommen und wohl nicht mehr bei Falkenberg gewesen sei. Der Verteidiger des Maßlos will Be- weise dafür beibringen, daß Lindenstrauß schon um 6 Uhr zunick- f ewesen sei, ein andrer Zeuge sagt, es müsse etwa 7'/» Uhr gewesen ein. Wiederum konstatieren andre Zeugen, daß sie zu später'Stunde bei Lewy kein Licht gesehen hätten. GerirTzks-'Deikung. DaS Ober-VerwaltungSgericht gegen de» Berliner Eenfor. Die öffentliche Aufführung des Lustspiels„Der Außenseiter" war bekanntlich dem Direktor des L e s s i n g- T h e a t e r s untersagt worden. Das Polizeipräsidium sah das von Richard Jaffö verfaßte Stück„seinem ganzen Inhalte nach aus sittenpolizeilichen Gründen" als zur öffentlichen Aufführung ungeeignet an. Nach Ver- werfung der Beschwerde des Dichters und des Direktors durch den Ober- Präsidenten kam die Angelegenheit vor daS Ober-Verwaltungsgericht. Wir berichteten über die Verhandlung, insbesondere über das Debüt des Censors. Regierungsrat D u in r a t h. Das Gericht beschloß»ach langer Beratung, die Entscheidung auszusetzen und das Urteil den Parteien schriftlich zuzustellen. Das ist nunmehr geschehen. Das Ober- Verwaltnngsgericht hat das Stück, das das Lotterleben in gewissen Kreisen der sogenannten vornehmen Welt be- handelt, zur öffentlichen Aufführung freigegeben. Ans oen Gründe» ist hervorzuheben: Wegen des Wortlauts der Verbotsverfügung handle eS sich hier nicht um die Beurteilung von Einzelheiten, sondern uni die Beurteilung des Stücks als Ganzes. tierbel sei davon auszugehen, daß es nicht außerhalb des reifes der Aufgaben der Schaubühne liege, wirkliche oder vermeintliche Schäden, sei es der Gesamtheit des Volks, sei es einzelner Teile desselben, zum egenstand der Darstellung zu machen und da- durch zu ihrer Aufdeckung und. wenn möglich, z u ihrer Ueberwindung beizutragen. Also könne nicht jede Darstellung sittenwidriger Verhältnisse das Verbot eines Theaterstücks rechtfertigen, da andernfalls Schilderungen sitt- licher Mißslände auf der Bühne überhaupt nicht möglich wären. Es könne daher auch die Darstellung eines Gesellschafts- krcises, der auf dem Gebiete des Verhältnisses zwischen den Geschlechtern und speciell der Ehe gelockerten moralischen Anschauungen huldigt, nicht schon an sich ausgeschlossen sein. Worauf es viel- mehr für die Zulässigkeil ankommt, ist die Tendenz des Stücks. die A r t jd e r Darstellung und die sich daraus ergebende Wirkung d e r A u f f ü h r u n g auf die Zuschauer. Der k ü n st- leris che Wert komme bei dieser Beurteilung nicht in Betracht.— Im„Außenseiter" seien nun die Sitten und Anschauungen des Kreises, zu dem der idealistisch beanlagte Lieutenant v. Ottsried in Gegensatz gerät, in klar erkennbarer Weise als diejenigen solcher Leute geschildert, die durch Ucppigkcit und Nichtsthnn auf Abwege und in sittlichen Verfall geraten seien. Licht und Schatten seien im Stück nicht so verteilt, daß die Entsittlichnng im be» steckienden Gewände aufträte und auf unbefangene Zuschauer einen verführerischen Reiz auszuüben vermöchte. Es bleibe vielmehr an keiner Stelle unklar, welcher der beiden im Stücke auf- einander stoßenden Anschauungsweisen die alleinige Be- rechtigung zukomme. Auf der' Seite. auf welcher Lieutenant v. Otttried als Vertreter idealistischer Auffassungen und eines reinen Sittlichkeit?- und Ehrbegriffs stehe, befinde sich ausnahmslos auch die Sympathie der Zuschauer.— Es könne sich somit n u r n o ch fragen, ob daS Verbot berechtigt fei, weil die Aufführung des Stücks geeignet erscheine, die Zuschauer wenn auch nicht zu augenblicklichen Ausschreitungen zu veranlassen, so doch in gefährlicher Weise gegen einen bestimmten Stand oder eine bestimmte Gesellschaftsgruppe aufzureizen. Der Umstand allein, daß sich einzelne Kreise, seien es niedere oder höhere. unliebsam berührt fühlen durch die Darstellung, vermöge das Verbot nicht zu rechtfertigen. Denn darin liege noch keine Gefahr für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit des Publikums, beziehungsweise einzelner seiner Mitglieder. Von einer gefahrdrohe ndenAufreizung könnte indessen höchsten» dann die Rede sein, wenn der zum Gegenstand der Schilderung gemachte Personenkreis dem Zuschauer als Typus einer bestimmten Gesellschaftsklasse, hier also der vornehmen Gesellschaft Preußens oder Deutschlands überhaupt, oder doch wenigstens Berlins vor- geführt werde. Daß aber Zuschauer mit nur einigem Urteils- vermögen— und auf Urtcilslose könne es nicht an- kommen diesen Eindruck von dem„Außenseiter" gewinnen könnte», sei nicht anzunehmen; dazu sei die Gesellschaft, die hier auftrete, in zu erkennbarer Weise zusammengesetzt. Berliner EicherheitSzustände. Eine wüste nächtliche StraßHp- scene lag der Verhandlung zu Grunde, die gestern vor der ersten Strastammer des Landgerichts I stattfand. Auf der Anklagebank befanden sich fünf junge Leute: der Schuhmacher Emil Engel, Möbelpolier Karl Harbach, Darmschleimer Adolf M i e tz und die Arbeiter Albert Ortelbach und Lorenz P a w l a ck. Sie waren sämtlich der schweren Körperverletzung. Marbach und Pawlack außer- dem der vollendeten bezw. versuchten Erpressung beschuldigt. In der Nacht zum 15. Juli waren vier Tischlergesellen auf dem Heim- weg begriffen. In der Petersbnrgerstraße hatten sie das Unglück, einer aus zehn bis zwölf Köpfen oestehenden Rotte junger, angetrunkener Burschen zu begegnen. Sofort wurden sie umringt und unter schweren Drohungen wurden sie bestürmt, Geld zu Schnaps herauszugeben. Als die Handwerker sich weigerten, fiel die Uebermacht über sie her und mißhandelte sie. Am schlimmsten erging es dabei dem Tischler Wehling. Er wurde zu Boden ge- schlagen und sein Körper von allen Seiten mit Füßen getreten. In seiner Todesangst flehte er:„S ch l a g t m i ch nur n icht tot, ich habe Familie! Ich will Ench'ja gern einen Thaler geben!" Nun ließ man von ihm ab und Wehling rettete durch Hergabe des Thalers. den Harbach in Empfang nahm, vielleicht sein Leben. Noch im Termin vermochte der Zeuge den Richtern die Narbeneindrücke von den Stiefelabsätzen seiner' Peiniger zu zeigen. Während sich ein Teil der Angeklagten mit Wehling beschäftigte, hatte Pawlack sich einen andren der Tischler vorgenommen. Er hielt über dessen Kopf einen schweren Blumentopf und rief:„Ich schlage den Topf auf Deinen Kopf in Scherben, wenn Du mir nicht 6 Mark giebst l' Der Bedrohte blieb von diesem Schicksal verschont. denn jetzt kamen, durch den Lärm herbeigerufen, Schutzleute hinzu und die ganze Rotte ergriff die Flucht. Es gelang leider nur, die fünf Angeklagten dingfest zu machen. Der Gerichtshof erkannte wegen der an Straßenraub grenzenden Ausschreitung auf harte Strafen. Harbach und Pawlack wurden zu je zwei Jahren, M i e tz wurde zu einemJahr drei Monaten, Oertelbach zu einem Jahr und Engel zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Vevfttmmlungen. Der Verband der Tapezierer hielt am 23. d. MtS. in den Arminhallen" eine kombinierte Versammlung ab. Bevor der Vor- sitzende P ö n n i ck e die Versammlung eröffnete, teilte er mit, daß unser Hauptkassierer Kollege H ä b e r l e in Hamburg nach langer Krankheit verstorben ist. Die Versammlung ehrte den Verstorbenen durch Erheben von den Plätzen. Hierauf erstattete der Kassierer der iliale Norden, Kollege M o s k o p f. den Kassenbericht. Die iesamtnusgabe betrug inkl. Bestand vom vorigen Quartal 762,43 M., die Gesamtausgabe 154,21 M.. somit bleibt ein Bestand von 608,22 M. An Stelle des abwesenden Kassierers der Filiale Süden erstattete Kollege Sander den Bericht. Die Gesamteinnahme betrug dort inkl. Bestand vom vorigen Quartal 1225.36 M., die Gesamtausgabe 131,60 M., bleibt ein Bestand von 1043,76 M. Dem Kassierer Engel wurde seiner Abwesenheit wegen die Decharge versagt und dieselbe bis zu seiner Anwesenheft ausgesetzt. — Den Bericht der Agitationskommission erstattete Kollege P ö n n i ck e. Die Gesamteinnahme betrug vom 10. Juni bis 20. Oktober 1955,27 M., die Gesamtausgabe' 1057,89 M., bleibt ein Bestand von 897,39 M. Der Berichterstatter führte an, daß die Einnahme eine sehr gute sei, dieselbe wäre noch besser ausgefallen, wenn die Kollegen ihrer Pflicht besser nachkommen würden. Kollege Leo Schmidt gab der Versammlung einen umfangreichen Bericht von den Arbeiten der Gewerkschaftskommission. Infolge der dort gefaßten Beschlüffe, daß Gewerkschaften mit über 500 Mitglieder zwei Delegierte �u senden haben, wurden die Kollegen Leo Schmidt und Otto Pönnicke dazu gewählt. Außerdem wurden noch die Kollegen N i lisch und i r t'h in die Achtzehner-Kommission an Stelle der ausgeschiedenen ollegcn Kirchner und Vogel gewählt. Vermischtes« Seenot. Das Bremer Viermasterschiff. H. B i s ch o f f", mit Salpeterladnng an Bord, ist bei Groß- Vogelsand gestrandet. Ein Teil der Mannschaft wurde gerettet. Ein Rettungsboot kenterte. Der Verbleib der übrigen ist unbekannt. Mehrere Schlepper sind, wie ans Hamburg berichtet wird, zur Hilfeleistung abgegangen. kvkarklprclse von Berlin am 27. Oktober 1900 nach Ermittlungen des(gl. PolizeiprSsidimuS. 14,30 1B,60 14,70 13,90 16,- 15- 14— 7,50 7,30 40,— 45,— 70,— 14,80 14,- 13,30 15,10 14,10 13,30 6,82 5,30 25,— 20,— 30,— .(arIofIeIii,neue,D-Ctr, N!»d!(rlsch, Keule 1 kg do. Bauch„ Schweinefleisch„ Kalbfleisch„ Hammelfleisch„ Butter Weizen, gut D.-Etr. , mittel gering »)Nogge», gut , mittel genug ß) Gerfli, gut . mittel gering t) Haler, gm . iniliel gering Richlflroh He» Erbse» Speisebohnen Linien ») ab Bahn. �, f) srei Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt vom 29. Oktober. Der Verkauf dcö heutigen Ver- kehrs war unregelmäßig. Während Welzen auf flaue europäische und schwache auierikanüche Preisnachrichten sowie auf fortgesetztes starkes An gebot aus dem Inland in matter Haltung verlehrte, war R einigen Teckungsbedarf sowie Käufe hiesiA-r Mühlen hin gut Tie vorliegenden russischen Offerten enmesen sich als unrentabel. Jin wetteren Verlauf blieben die Umsätze geringer. Hafer verkehrte ruhig aber ziemlich fest. Rübvl gab auf Pariser Verläufe 0,60 M. nach. Spiritus. 70 er Locolpiritus notiert» 47,50 M. oder 40 Pf. utedrieger. Eier Karpfen Aale gande« Hecht» Barsche Schleie Bleie Krebs« «0 Stück lk« per Schock 6,- 1,60 1,30 i«u 1,80 1,60 2,80 480 2,20 2,50 2,60 2,- 1.80 3,- 1,40 12,- 4,- 1,20 X- I 20 I- 1,10 2- 3,- 1,20 1,20 I,- 0,80 1.20 0,80 2,60 en aus ehauptet, «vltternngSllberffch« vom ÄS. Oktober Ivo«, motgciis 8 lltzt. Stationen Swnieiiidc Hamburg Berit» FranifM. 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