Ur. 261. Kdoimemt«,-zedtngungr«: Abonnements-Preis prinumerand«: Pierteljährl. ZLV Mr., monatl. l,l0Mr., wöchentlich 23 Pfg. frei ins Hau». Tuuelne Numm'r 5 Pfg. Sonntags- Nummer Mi»»luNrterier Sonntag»- Beilage..Die Reue Welt" lv Pfg. Post- Abonnement: 3,90 Marl pro Quartal, Eingetragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für>00» unter Ar. 7071. Unter ltreujband für Deutschland und Oesterreich-Ungar» st Marl, für da» übrig« Ausland st Marl pro Monat. Erscheint Ugltch«her Montag«. Verltnev Volksblakk. 17. Jahrs- Dt» Zaftrttmls-GMtzr beträgt für die sech»gespalten«»olone». «eile oder deren Raum so Pfg., für politisch« und gewertschaftliche Bereini- und«ersammlung«> Anzeigen 20 Pfg. „Ktewe Anselgeu" jede« Wort 5 Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserat« für dt« nächste Nummer müssen bt» t Uhr nachmittag« tn d-rExpedilion abgegeben werden. Di« Expedition ist an Wochen- tage» bt» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bttSUhr vormittag» geössnet. Fernsprecher: Amt l,»r. IVOS. Telegramm-Adresse: „SorialdemoKrat Verlin" Csntrawrgan der focialdemokrattschen Martei Deutschlands. Kedalltion: 19, Veuth-Stratze 2. Fernsprecher: Amt l, Str. 1K08. Donnerstag, den 8. November 1SOO. Expedition: SW. 19, Beuch-Strahe 3. Fernsprecher» Amt l, Str. S1S1. Die amerikanische Präsidentenwahl.' Die Wahl Mac KinIehS ist nach den letzten Nachrichten nicht nur völlig gesichert, sondern der gegenwärtige Präsident hat sogar einen noch vollständigeren Sieg über seinen Nebenbuhler davongetragen als bei der letzten Präsidentewahl 1886. Mac Kinleh hat nänilich 306 Wählerstimmen auf sich vereinigt, während auf Brhan nur 142 entfallen find, wogegen 1886 auf den ersteren nur 271, auf den letzteren 176 Eleltoreiistimmen entfielen. Die Zahlen der Urwählers stimmen ist noch nicht bekannt. Mac Kinley siegte in 28 Staaten, darunter New Uvrk(mit einer Mehrheit von 140(100 Stimmen), Illinois, Maine, Newhampsire, Vermont, Connecticut, MasiachufiettS, Indiana, Kalifornien, Maryland, Newjersey, Ohio, Wisconsin. Delaware, West-Virginia und Michigan, während Bryan in 16 Staaten, darunter Nord-Carolina, Virginia und Texas durchdrang. Bekanntlich hatte Bryan die Wahlkampagne unter dem Schlag wort der Bekämpfung des Imperialismus geführt. Der Ausfall der Wahl beweist wenigstens daS, daß von einer starken antiimperialistischen Strömung in den Vereinigten Staaten keine Rede sein kann, wenn auch berücksichtigt werden muß, daß Mac KinlehS klug zurückhaltende Chinapolitik Bryan den Wind aus den Segeln genommen haben mag. Dafür hat Brhan den Philippinenkrieg weidlich zu fruktifizieren gesucht, wobei dann in den letzten Tagen vor der Wahl gefälschte Aguinaldo» Telegramme, die von beiden Seiten verbreitet wurden, eine Rolle spielten. Wenn auch bei dem Wahlkampf das wirtschaftliche Pro grarnrn der beiden Präsidentschafts-Kandidaten den Ausschlag gab. so sei doch nochmals betont, daß unsre bereits im Sep tcmber geäußerte Auffassung, daß bei dem Jingoismus der Amerikaner die antiimperialistische Propaganda BryanS keine» stärkeren Wellenschlag hervorrufen werde, durch den Ausfall der Wahl ihre Bestätigung erfahren hat. Als wirklich ernsthaft antiimperialistisch können nur die Anhänger Karl Schurz' und und die socialistischcn Wähler angesehen werden. Wer im übrigen für BryanS Wahlmännner stimmte, that das aus allgemein wirt> schaftlichen Motiven, wie umgekehrt auch nicht alle Wähler Mac KinleyS als unbedingte und enragierte Imperialisten angesehen werden dürfen. Such in sofern schließlich spielte die Frage deS Imperialismus bei der Wahl nur eine sekundäre Rolle, als man vielfach die anti- imperialistische Kriegserklärung BryanS nicht ganz ernst nahm. Man hielt ihn zum Teil für einen Demagogen, der den Anti-JinpcrialiSmuS nur als Mittel benutze, um den Präsidentensitz zu erlangen. Und selbst wenn eS Bryan aufrichtig gemeint'hätte, würde er ja ver- nmtlich durch Repräsentantenhaus und Senat daran gehindert worden sein, mit dem überkommenen System der Expansionspolitik gründlich zu brechen. Auch die wirtschaftlichen Programmpunkte BryanS erwiesen sich als nicht zugkräftig. BryanS Eintreten für die Silberwährung, von dem ein Teil seiner Anhänger nicht allzuviel Aufhebens gemacht wissen wollte, das aber durch die Aufnahme der«16 zu 1" Silber Planke in die demokratische Platform zu einem der wesentlichsten Programmpunkte gestempelt worden war. vermochte dessen Popularität über die Kreise der Silberminenbcsitzer und der Farmer hinaus nicht zu erhöhen. Die augenblickliche günstige wirtschaftliche.Konjunktur hat im Gegenteil daS Interesse an der Wähcungsfrage gegen früher zurücktreten lasten. Auch daS programmatische Gelöbnis des Kampfs gegen die volkSauSsaugenden Trusts und Ringe ist jedenfalls durch diese günstige Konjunktur in seinem Eindruck abgeschwächt worden, wenigstens zeigt der Wahlausfall nicht von einem allznstarken Zufluß von Srbeiterftimmen nach der demokratischen Seite hin. Schon früher wurde an dieser Stelle betont, daß die Masse des amerikanischen Volks in seinen politische:: Stimmungen von der momentanen wirtschaftlichen Situation abhängig ist. Ohne sich lange in tiefere, principielle Untersuchungen einzulassen, schreibt man die KrisiS oder die Prosperität dem augenblicklichen politischen Regime zu. So wurden als der stärkste Widersacher BryanS die»guten Zeiten' bezeichnet— wie der Wahlausfall be- weist, mit gutem Fuge. Ein Moment, das für Bryan günstig hätte in die Wagschale fallen können, der große Kohlenarbeiterstreik, wurde für den Wahlkampf dadurch ausgeschaltet, daß die Unternehmer, sicher nicht ohne eine Einwirkung von republikanischer Seite, sich zu Zugeständnissen herbeiließen und dadurch die Beilegung des Aus- stands herbeiführten. Hätten die Unternehmer nicht die Hand zur Einigung geboten, hätte der Streik sich infolge des Starrsinns der Kapitalisten in die Länge gezogen und wohl gar nach amerikanischem Brauche zu einem Mastacre der nach ihrer Gewohnheit Massen- demonstrationen veranstaltenden Streikenden geführt, so hätte sich die Erbitterung der Arbeiter im ganzen Lande aller Wahrscheinlichkeit in der Abstimmung zu Gunsten der Demokraten Luft gemacht. Klugerweise vermieden cS aber die Republikaner, ihren Gegnern diesen ersehnten Agitationsstoff zu liefern. Mac Kinley siegte. Und durch ihr bedingungsloses Werkzeug die Industriellen, die großen Kaufleute, die Schutzzöllner, die Börseaner, die Imperialisten' Das Interesse an der Goldwährung und das spießbürgerlich kritiklose Behagen au den„guten Zeiten' ließen BryanS Parole gegen die weltpolitische Abcnteurerei und den un- geheuren Unfug der Massenausplünderung durch das kartellierte Großkapital erfolglos verhallen. Durch die Wahl Mac KinleyS— die eigentliche. durch die Elektoren zu voll- ziehende Wahl wird allerdings erst im Januar nächsten Jahres erfolgen— und die republikanische Mehrheit deS Kongresses ist die Fortdauer des gegenwärtigen Systems der inneren und äußeren Politik der Vereinigten Staaten für eine Reihe von Jahren fest- gelegt. Daß der Imperialismus sich in Freudenrausch über die ihm durch die Wahl zu teil gewordene Sanktionierung in neue große Aktionen einlassen wird, ist nach Mac KinlehS vorsichtiger Haltung in der Chinafrage fürs erste allerdings kaum zu befürchten. Auf die Einzelheiten der Wahl, das Verhältnis der Stimmen zahl der Urwähler, die Verschiebungen der Stimmenverhältnisse in den einzelnen Staaten usw., wird nach dem Einlaufen genauer Nachrichten noch zurückzukommen sein. Nach den Erfahrungen der früheren Wahlen, bei denen einer relativ großen Differenz der be beiderseitigen Wahlmännerstimmen die Differenz der Urwählerstimmen durchaus nicht zu entsprechen braucht, wurde doch 1833 Harrison mit 233 gegen 168 Elcktoren-Stimmen gewählt, obwohl auf dessen Gegenkandidaten Cleveland ca. 100000 Urwahlstimmen mehr ent« fallen waren, könnte die allgemeine Stimmenvcrschiebung auch dies mal eine nicht allzngroße sein. Auch die diesjährige Wahl beweist wie die früheren, daß die amerikanischen Wähler politisch unreif genug sind, um kleinen aber kapitalmächtigcn Jnteressentenkliquen willig Vorspanndienste zu leisten. Auch von der Arbeiterschaft in ihrer Masse gilt das. Der unerquick liche Eindruck der politischen Zustände wird noch verstärkt durch den barnumistischen Wahlspektakel, durch das System der Bestechungen, kurz durch den ganzen Wahlunfug, durch den die Wähler eingefangen werden. Der Geist der Wahlen spiegelt sich in den: äußeren Charakter derselben. Die fortschreitende wirtschaftliche Entwicklung, die auch für Amerika nicht lauter fette Jahre bringen wird, wird indes auch hier der principielle», zielbewtzßten Politik, der Klassen- Politik den Weg ebnen. Abiveichend von dem oben erwähnten Wahlergebnis, das vom »Dolffschen Depeschen-Bureau mitgeteilt wurde, meldet das Depeschen- Bureau»Herold' folgende Zahlen: New Dork, 7. November. Nach neueren Feststellungen wurde Mac Kinley mit 282 Stimmen zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, während Bryan 165 Stimmen erhielt. Mac Kinley besitzt in 27, Bryan in 18 Staaten die Majorität. politische Mebeefichi. Berlin, den 7. November. PosadowSky-Woedtkc und Herr v. Meerschcidt-Hiillcsscm. In polizeilichen Kreisen herrscht eine so große Nervosität, daß man sogar auf den Gedanken verfallen ist, die Polizei zu reinigen, wenigstens äußerlich. Was der Prozeß Sternberg, so schlimm er an sich ist, an Unsauberkeiten durch die bisherigen Zeugenaussagen aufgestöbert hat. ist nicht hinreichend, diese Nervosität ganz zu er- klären. Man muß vielmehr annehmen, daß man mehr weiß, als bisher zu Tage getreten ist. Und freilich, wenn sich ein einfacher Kriminalschutzmann vennißt, eine Reihe von Vorgesetzten zum Purzeln bringen zu können, dann muß in den Polizeistuben so großes Anklagematerial aufgehäuft sein, daß die ganze Institution ins Wanken geraten dürfte, wenn ein paar subalterne Beamten init Geständnissen drohen. Als erstes Opfer ist der öffentlichen Meinung der Polizeidircktor v. Meerscheidt-Hüllessem dargebracht worden. Die»Berl. Korresp.' verkündet mit schneidiger Schärfe: »Nach dem Ergebnis der gestrigen gerichtlichen Vernehmung des Polizeidirektors v. Meerscheidt- Hüllelsem im Stern- bergschen Prozeß ist dem genannten Beamten sogleich die weitere Ausübung dienstlicher Funktionen untersagt worden." Diese vorläufige Suspendierung findet stets statt, wenn gegen einen Beamten ein DiSciplinarverfahren anhängig ist; für eine spätere wirkliche Amtsentfernung wird damit nichts entschieden, daS hängt von dem Urteil deS DisciplinarhofS ab. Die gewaltige Feinftthligkeit, die man plötzlich an den Tag legt, hat aber doch etwas UeberraschendeS. E» steckt ein gute« Stück gesellschaftlichen Man-so-thunS in diesen Aktionen der Reinigung. Gewiß, Herr v. Meerscheidt-Hüllessem hat fich gesellschaftlich kompro- mittiert, nicht weil er mit einem Millionär verkehrte, der schmutzigen Gelüsten ftöhnt«, sondern weil Herr Gternberg, mit dem im übrigen die»feinste Gesellschaft' Beziehungen unterhielt. daS Pech hatte, aus Anlaß seiner Leidenschaften mit den Strafgesetzen in Konflikt zu ge- raten. Die Affairen de« Millionärs wurden ruchbar, sonst hätte kein Mensch den Verkehr n:it ihm meiden brauchen, auch wenn man insgeheim noch so viel gewußt hätte. So will es die bürgerliche AnstaudSlüge. Weiter hat auch der Polizeidirektor mit dem Millionär finanziell Beziehungen unterhalten. Aber selbst ivenn sich aus diesem Verhältnis gewisse günstige Vorurteile seitens der Polizei für den Sünder er- geben hätten, so wäre das vom Standpunkt unsrer socialdemokratischen Moral zwar schwer zu verurteilen, aber ein derartiges Korruptiönchen wäre ein Nichts gegenüber den Thaten. die die Polizei sonst ans dem Gewissen hat. Um wie viel abscheulicher ist es, wenn Polizei- liche Lockspitzel anständige Männer ans Messer liefern, als wenn ein gefälliger Beamter sich einem ausschweifenden Millionär liebenS- würdig erweist. Durch solche Manipulationen wird schließlich nur ein einzelner Mensch seiner Strafe entzogen, ein Einzelner Beamter diskreditiert. Was für eine winzige Schuld gegenüber dem Verfahren einer Re- gierung, die im D ienste und in finanzieller Abhängigkeit von einer AuSbeuterklique es unternimmt, eine große, hoffnungsreiche Kulturbewegung, wie sie das Proletariat in die Welt gerufen hat, mit Gesetzesknebeln zu würgen. Herr v. Meerscheidt- Hüllessem hat einen Verstoß gegen den Beamten-Komment begangen. die Herren PosadowSky und v. Woedtte haben daS Princip des Staats selbst, daS die bürgerliche Gesellschaft in ihren Worten als Grundlage deS Staats anerkennt, preisgegeben— der Polizeidirektor wird vom Amt suspendiert, die Leiter des Reichsamt des Innern sitzen fest auf ihren Stühlen. Und Wunder über Wunderl Dieselben Blätter, die eben die PosadowSky und Woedtke als unerschlltterte Stützen des Staats gepriesen, sie zetern über die Zustände in der Polizei. Die„P o st' rafft sich dazu auf, zu schreiben, daß der Schutzmann Stierstädter nach Auffassung seiner Kollegen für Wahrheit und Recht eintrete und gegen den»Triumph des G eldsackS' kämpfe. Triumph des Geldsacks— daS klingt ja geradezu wie socialdemokratische Verhetzung; die Postredacteure mögen sich vorsehen, daß sie wegen dieser Anleihe anS dem socialdemokratischen Sprach- schätz nicht einen der bekannten Liebesbriefe von ihrem Herrn und Meister Stumm erhalten. Als die PosadowSky und Woedtke 12 000 Mark von der Industrie entnahmen, um den Triumph deS Geldsacks der Scharfmacher zu vollenden, da lodette die»Post" voll sittlicher Empörung gegen die, welche gegen den Triumph des Geldsacks kämpften. Die»Post' aber ist jetzt von einem fanatischen SittlichkeitSdrang beherrscht; wenn nicht noch manche Rückfälle in die weltliche Sünde zu erwarten ivären, so könnte man bereits annehmen, sie sei zur alten Betschwester geworden. Indessen, eS handelt sich vorläufig nur um probeiveise Gebetsübungen: „Wie n:an jetzt erfährt, genoß Sternberg auch als Geschäfts- mann kein besonderes Ansehen. Schon daS hätte einen hohen Be- amten, der auf Reinlichkeit zu sehen hat, abhalten müssen, mit diesem Mann in irgendwelche Berührung zu kommen. Daß aber Direktor v. Meerscheidt-Hüllessem trotz seiner genauen Kenntnis über den Ruf SternbergS noch mit ihn: verkehrte und daß er Geschenke von ihn: annahm und schützend die Hand über ihn zu halten suchte, da« ist ein Verhalten, das ein sofortiges und unnachsichtiges Einschreiten der Regierung dringend zur Pflicht macht. Die heilsame Wirkung auf die ganze Beamtenschaft wird dann auch nicht ausbleiben; denn die Bande der DiSciplin habe» sich ja hauptsächlich deshalb gelockert, weil die Untergebene» von den Beziehungen zu Stcrnberg wußten und daher den inneren Zusammenhang seiner Verfügungen in der Sternbergsache leicht erraten konnten. Steht an der Spitze der Kriminalpolizei wieder eine energische und sittlich einwandsfreie Persönlichkeit, dann wird hoffentlich auch ein neuer Geist in die Beamtenschaft wieder einziehen.' Eine prächtige Komödie der Tugend nach einem Leben voll tiefster Dirnenhaftigkcit ist die fulminante Anklagerede der„Post'. Schade nur, daß sie nicht ein paar Tage früher gekommen, als es den finanziellen Verkehr des RcichSamtS deS Innern zu würdigen galt. DmnalS wäre das Objekt wxrt eincS solchen Aufwands von Moral gewesen. Es ist eben noch immer das probateste Mittel, die großen Leute laufen zu lassen, indem man die kleinen— suspendiert.—_ Die Kleber. Herr v. PosadowSky ist noch im Amt, nicht einmal Herr v. Woedtke hat das Bedürfnis empfunden, daS Ministerium zu räumen. Der Socialdemokratie ist es nur lieb, wenn sie mit den Herren persönlich abzurechnen Gelegenheit erhält, aber für die Moral der herrschenden Gesellschaft ist dies Faktum charakteristisch. Es giebt Leute, die sich wundern, daß die beiden Beamten, nachdem sie in ihrer Abhängigkeit von einem Unter- nehmer-Verband entlarvt worden sind, noch den Mut haben. auf ihrem Posten zu bleiben. Aber das ist eine so wenig wunderbare Erscheinung, daß sie vielmehr ganz selbstverständ- lich ist. Ein Minister, der freiwillig geht, ist bei uns eine Unmöglichkeit. Personen, die eS in unsrem Staatswesen bis zum Minister gebracht haben, sind längst so beschaffen, daß sie keinen andren Grund für ausreichend halten, das Amt zu verlassen, außer die Kündigung seitens der staatsrechtlich allein dazu befugten Gewalt. Alle diese Herren haben ein wattiertes Gemüt, und in der Geschichte der letzten zehn Jahre ist der Fall überhaupt nicht vor- gekommen, daß ein Kanzler oder Minister freiwillig gegangen wäre. Sie kleben auf ihren Sesseln, bis ihnen von oben Gesundheitsrücksichten, hohes Alter, Ruhebedürfnis oder sonst was anbefohlen wird. Mag die öffentliche Kritik sie stäupen, mag das Parlament ihre Vorlagen an den Schand- pfähl schlagen, mögen ihre Handlungen noch so bedenklich sein, ihr Sitz- und Klebefleisch wird darum durchaus nicht nervös. Die öffentliche Meinung und das Parlament haben ja kein Kündigungsrecht, man ärgert sich vielleicht über sie, aber man fügt sich nicht. Graf PosadowSky und Herr v. Woedtke haben keinen Augenblick daran gedacht, ihre Entlassung ernstlich einzureichen. Ihr ganzes Bemühen war vielmehr darauf gerichtet, ihrer Herrschaft nachzuweisen, daß sie noch immer dienstfähig und amtswürdig seien. Herr v. PosadowSky und Herr v. Woedtke sind nicht ge- kündigt worden, deshalb bleiben sie und werden auch die zu erwartenden Schläge des Reichstags geduldig auf sich nehmen. Wenn die Züchtigung erst einmal vorüber, ist das Ungemach schnell vergessen. Wer wird aus Furcht vor einer unver- meidlichen Strafe sein ehrenvolles Amt opfern! Ein bürgerliches Blatt, der„Iserlohner General-Anzeiger", stellt über diese Zustände recht treffende Betrachtungen an. Nachdem ausgeführt, daß es das sicherste Mittel sei, einem Minister sein Amt zu erhalten, wenn man ihn angreift, fährt daS genannte Blatt fort: " 2 Nicht durch Ansichten, Ueberzeugungen, Südfichten auf das| stola diese Jfoliertheit tragen, bewußt ihrer hohen Verantwortung| Revision eine Anzahl Arbeiterinnen in einem Rellerraum einschloß, allgemeine Wohl wird ihre Haltung bestimmt, sondern fast aus vor der Kultur. Die Weltgeschichte wird einst ihr Urteil fällen, wenn um sie den Blicken des revidierenden Beamten zu entziehen, da wollte der Herr Kommissar plöglich Namen wissen, was natürlich fchließlich durch den heißen Wunsch, im Amt zu diese finsteren Zeiten überwunden sein werden. bleiben. Ihm opfern sie alles leichten Herzens, Das Organ der Scharfmacher, die von Krupp ausgehaltenen stürmische Seiterkeit und ironische Burufe:" Namen dürfen nicht auch die Achtung seitens ihrer Mitbürger. In seinen Berliner Neuesten Nachrichten", finden diese Greuel genannt werden 1" zur Folge hatte. Selbstverständlich wurde dent Dienst ist auch die Agitation gestellt worden, deren Kosten die noch nicht einmal ausreichend. Sie sind der Meinung, daß das Ein- Mann der Namen der in Betracht kommenden Firma trotzdem„ privatim" Industriellen zu tragen hatten. Die maßgebende Stelle hatte die schreiten gegen die Boger und ihre Begünstiger( Weiber und mitgeteilt. Eine gegen die derzeitigen Zustände in der oberelsässischen Buchthausvorlage der Nation angekündigt und niemand in Rinder. Red. d.„ Vorw.") gar nicht streng genug fein Fabrifinspektion gerichtete Resolution, über welche die Versammlung Zweifel darüber gelassen, wie viel ihr daran lag, daß sie zum tann. Alles was militärisch notwendig" sei, müsse erlaubt sein, abstimmen sollte, brachte den Groll des Kommissars zum UeberGesetz erhoben wurde. Grund genug für die Herren Handlanger, eine Expedition nach China ist eben fein Sonntagsausflug in den laufen: er löfte die Versammlung furzer Hand auf und machte dadurch dem grausamen Spiel ein definitives Ende. alle Hebel, einwandfreie wie fragwürdige, in Bewegung zu Grunewald". fegen. Den einzigen Lichtblick in diese geradezu jammervollen poli Die Industriellen ließ diese Agitation falt, weil Diese Chinafahrt wird ein deutsches Jena, dessen unheilvolle fie fich von ihr wenig oder gar nichts versprachen. Wer anders Wirkungen für lange Zeit verspürt werden. Sie bedentet das tischen Zustände Elfaz- Lothringens gewährt die Thatsache, daß als der Herr Staatssekretär des Innern og moralische Todesurteil für die ganze Gesellschaft, die dieses Abenteuer unfre reichsländischen Parteigenossen sich mit den evigen Pladereien trefflich abzufinden und ihnen mit echt allemanischem Humor stets aus ihr den Nuzen? Herrn Bued, dem General- veranlaßt, verteidigt und unterstügt hat. auch eine luftige Seite abzugewinnen wissen.- dodat sekretär des Centralverbands Deutscher Industrieller, erschien das Ersuchen des Reichsamts des Innern um eine Beisteuer von 12 000 m. eigentümlich; d. h. er wunderte sich über dieses. Die Kollegen des Grafen Posadowsky werden es vielleicht für durchaus selbstverständlich gehalten haben.... Von der Wirtschaftspolitik des Kaisers hatte Herr v. Miquel in Hildesheim gesprochen. Da von der Wirtschaftspolitik des Kaisers nur bekannt ist, daß er seiner Zeit den russischen Handelsvertrag eine rettende That genannt hat, war diese Berufung auf den Kaifer den Agrariern einigermaßen unangenehm. Jetzt erklärt num die Deutsche Tageszeitung" mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung, ihr Miquel habe von der Wirtschafts politit des Staisers überhaupt nicht gesprochen. Wovon hat er denn gesprochen? " " Ausland. Frankreich. ale spind Wenn der deutsche Philifter sich in seiner Zeitung die innerDie Stellung der Socialisten zum Ministerium. In der politischen Zustände Frankreichs schildern läßt, rümpft er regel mäßig die Nase. Sind die unftigen aber etwa befier? Jit Kammer ist die erste Sigung, die fast ganz durch die Inter etiva die Berliner Preffe weniger verlogen und weniger gewiffenpellation Bazeille über die allgemeine Politit des Minifteriums Walded Rousseau ausgefüllt wurde, sehr los als die Pariser? Ist nicht auch bei uns für die regierenden ruhig verlaufen. Der Ministerpräsident hatte die fofortige Beant Kreise die nadte Selbstfucht die fast alleinige Triebfeder für alle Prinz Arenberg ist nach den Berl. N. N." zur Abbüßung wortung der Interpellation beantragt. Die Interpellationen find ihre Handlungen und Erwägungen? Wahrlich, auch sie flammern feiner 15jährigen Gefängnisstrafe in das Gerichtsgefängnis in Hannover im franzöfifchen Parlament das beliebteste Mittel, Miniſterſtürze sich nicht um des Vaterlands willen an das Amt." herbeizuführen. In diesem Falle war dies von dem Einbringer Und gegen diese Kleberei giebt es ja auch kein Mittel. eingeliefert worden. Wir leben in schein- konstitutionellen Verhältnissen. Ein Ritualmörderisches. Vor einigen Tagen veröffentlichten wir wohl auch nicht beabsichtigt, jedenfalls dürfte das im gegebenen Ministerverantwortlichkeits- Gesetz existiert nicht, das das Thun im Feuilleton eine fleine Charakterstudie über den Stotter- Anton", Moment auch nicht leicht gelingen; das Ministerium Waldedben und Handeln der Herren einigermaßen einzuschränken ber den Konizer Ritualmordzeugen, die uns von kulturhistorischem Rousseau scheint sogar gestärkt aus den Ferien zurüdgekommen möchte. So können die Minister ganz nach Belieben ihre Ge- gefunden. Darüber ist nun die Staatsbürger- Zeitung" außerordent- Von den socialdemokratischen Abgeordneten nahm in der Interesse schien. Die Stizze hat die Beachtung des Konizer Gerichts zu fein. schäfte treiben, nichts vermag sie vom Blake zu drängen fich empört. Anstatt auf die wunderbaren Ritualmordgeschichten Diskussion zuerst Viviani, ein Anhänger Millerands, das Wort. außer ein Machtwort von oben. Die Charakterlosigkeit der ber Staatsbürger- Beitung" beruft sich ein deutscher Staatsanwalt Seine Ausführungen sind durch das„ W. T. B." so unklar bürgerlichen Parteien, die vor jedent ernsthaften Konflikt auf den Vorwärts"! Der Born verschönt den Stil, und so lieft wiedergegeben, daß wir sie hier nach der Frankfurter Zeitung" wiederholen: Die Socialisten haben das Bedürfnis, für die zurüdbeben, begünstigt das Streber- und Klebertum in der man heute in dem Blatt des Herrn Bruhn die folgenden Gedichte Zukunft freie Sand zu behalten, aber sie übernehmen die BerRegierung, die nichts fürchtet außer die Kündigung. in Profa: Anton Hellwig, ein echter, förperlich und geistig durchaus antwortung für Vergangenes und bedauern nichts. Als Walded gesunder deutscher Landwirt, der in des Kaisers Garde mit Ehren an die Mitarbeit eines Socialiften appellierte, hatte Millerand das gedient hat, in seiner Gemeinde sowohl wie in weiter Umgegend stolz auf das, was er gethan.( Lebhafter Beifall links.) Die poliRecht und die Pflicht, dem Ruf zu folgen, und feine Freunde find bei Hoch und Niedrig tadellofen Ruf genießt, nichtern, far, ber- ſtolz ständig, dessen ihm geistig ebenbürtiger Bruder ein hochangesehener tische Situation ist heute rubiger, der persönliche Fauftlampf von Pfarrer ist, dieser Anton Hellirig hat, gleichfalls nach Gottes gestern hat aufgehört, man darf hoffen, daß der moralische Stampf Willen, von den furchtbaren Borbereitungen dieses der Idee gegen Jdeen beginnt. Die Republit fängt an, fich politisch ( Lebhafter Beifall links.) furchtbaren Mords etwas von jüdischen Leuten angedeutet mir begrüßen das Schulgesetz der Regierung sowie das und ökonomisch zu reorganisieren. gehört, die das bedrängte, nach vertrauter Mitteilung ringende Bereinsgefez, um den Staat im Schutz der Gewissensfreiheit gegen Gewiffen, vereint mit erstaunlicher Unvorsichtigkeit, schwazhaft die Kirche zu unterstützen. Wir begrüßen das Vorgehen gegen die gemacht hatte." * sin Deutsches Reich. Chinakrieg und innerer Feind. Der Kaiser hat bei der Truppenvereidigung in Berlin am Mittwoch an die Refruten eine Ansprache gehalten, in der er nach den Blättern ausführte: " Ihr habt Eurem König und obersten Kriegsherrn soeben einen heiligen Eid geschworen und feid munmehr des Königs Soldaten geworden. Der Militärstand ist ein besonderer Stand und Alfo ein Mensch, der verdiente, Redacteur der Staatsbürger- Orden, schon weil wir für die Ilmwandlung des Eigentums find.( Lärm rechts. Die konservativen Antisemiten Massabuan stellt besondere Anforderungen und Anstrengungen an den Körper Beitung" zu werden. Im„ Borwärts" freilich lautete die Charakteristik und Lafies werden zur Ordnung gerufen.) Viviani betont und den Geist. Ihr müßt Euch insbesondere gewöhnen, Euch unter dieses Mustermanns ein wenig anders und der Staatsanwalt hatte die Notwendigkeit, daß die Regierung auf der vorgeschlagenen zuordnen, Euch einzufügen in ein Ganzes. Ohne die Unter fich auf den Vorwärts" berufen. Angesichts solchen Ereignisses die Notwendigkeit, daß die Regierung auf der vorgeschlagenen Unter- fich Steform der Kriegsgerichte besteht, und fragt, ordnung fann fein Gebäude bestehen. Ihr habt den Eid der wird die Staatsbürger- Beitung" geradezu märchenhaft schön: Höre es, deutsches Volt! es giebt unter Dir einen Erften ob fie fich den von Millerand gemachten Vorschlag obligatorischer Trene geschworen Eurem Kriegsherrn. Eure Brüder jenseits des Staatsanwalt, der sich auf einen völlig haltlosen Ulf- Artikel eines Schiedsgerichte bei Streits aneignen werde. Das Projekt einer Arbeiter Altersversicherung begrüßen die Socialisten Cecaus haben bereits Gelegenheit gehabt, Proben ihrer jüdisch- socialdemokratischen Blatts stigt, um einen völlig unTrene abzulegen. Ihr habt den Feind niederzukämpfen, bescholtenen, deutschen Landwirt, der im ehrlichen Glauben an als die Erfüllung einer lange geforderten Reform. Wir unterwerden uns bemühen, bie beIhr habt auch im Junern die Ordnung aufrecht zu halten. feinen Gott die Wahrheit beschwört, unglaubwürdig zu machen! ftligen alle Reformen und treffenden Borlagen zu verbollständigen. Wir unterstützen bie Diese Fahnen werden Euch unbefledt übergeben, Ihr habt dafür zu sorgen, daß sie in Zukunft unbefleckt bleiben. Ich habe Euch taßt uns schweigen! Wir stimmen der Staatsbürger- Beitung" au: Söret es und Regierung, so oft fie von den Reaktionären angegriffen wird, und wahren uns die volle Freiheit, die Lehren unsrer Partei im Bande ein schönes seleid geschenkt, macht Euch deffen würdig. zu verbreiten.( Stürmischer Beifall bei den Socialisten.) Der Kaiser hielt während dieser Ausprache in der Rechten den Feldmarschallstab. Auch in dieser Ansprache kehrt die Wendung wieder, daß das Seer den Kaiser gegen den äußeren und inneren Feind zu schützen habe. So hat er bei der Truppenvereidigung in Potsdam am 23. November 1891 gesagt: " Bei den jetzigen socialistischen Umtrieben kann es vors fommen, daß ich Euch befehle, Eure eignen Verwandten, Brüder, ja Eltern niederzuschießen was ja Gott verhüten möge, aber auch dann müßt Ihr meine Befehle ohne Murten befolgen." Die heutige Ansprache Klingt ja aber formell ein weniger milder. Aber die unmittelbare Zusammenstellung des chinesischen Kriegs mit der Ordnung im Innern läßt den alten Gedanken eher noch verschärft erscheinen. Wenn die Soldaten so die Ordnung im Innern aufrechterhalten sollen, wie die Khatitruppen in China, so gelangt man noch zu einer Verstärkung der Weisung von 1891. Deutsche Greuel. Das Wochenblatt für den Streis Tecklenburg", ein amtliches Kreisblatt, veröffentlicht einen neuen Sunnenbrief. Er stammt von dem Seefoldaten Friedrich Hischemöller aus Weftercappeln und ist aus Tfimo, ben 10. September, datiert. Ju diesem Briefe heißt es unter anderm: Eine kleine Marinevorlage wird angekündigt, nachdem soeben erst die große Flottenvorlage angenommen ist. Außer den bewilligten 5 Milliarden verlangt man das Geld für folgende Marine- Anlagen: Nach längerer Rede Massabuans erklärt Vaillant namens der dissentierenden Socialisten, daß fie auch fernerhin der Regierung das Vertrauen verweigern, die nur eine Regierung zur Verteidigung des Kapitals sei. In Danzig soll für 312 Millionen Mark der Bau eines Der Handelsminister Miller and erklärte: Zwischen ihm und Kriegsschiffbassins auf dem Holm ausgeführt werden, das in Waldeck- Rousseau bestehe ein Gegensaz. Seit 1893 habe ich einer Länge von 500 Meter, einer Breite von 300 Meter und stets bekannt, daß die Reformen weder durch Gewalt noch durch einer Tiefe von 7,5 Meter ausgegraben und durch eine Wunder geschehen. durch eine Wunder geschehen. Als Walbed mich ins Ministerium berief, 100 Meter breite Einfahrt mit der toten Weichsel verbunden verlangte er feinerlei Opfer meiner Meinung. Ich werden soll. In Kiel son ein großer Kriegsschiff- übernahm die Vertretung ganz bestimmter Interessen liegehafen angelegt werden, ferner ein großer Torpedo und diefe habe ich immer verteidigt. Was das Schiedsgericht bebootshafen am gegenüberliegenden Ufer, der Raum für trifft, erftrebe ich nur ein Gefeß, das den Arbeitern einen Modus 60 nene große Torpedoboote bieten soll. Wie in Stiel soll nach ermöglicht, ihren Willen zu offenbaren. Dieses Gesetz wird Ihnen der Rheinisch Westfälischen Beitung" auch der Kriegshafen in vorgelegt.( Lebhafter Beifall lints.) Wilhelmshaven erheblich erweitert werden. Wie in Kiel, " V sollen auch in Wilhelmshaven zwei große Trockenbods bie gebaut werden, Afrika. gefangene Büge wird gemeldet: den größten Linienschiffen Aufnahme Im Zerstören von Eisenbahnzügen entwideln die Boeren zu gewähren vermögen. Die Liegepläge follen bergrößert, je länger, je mehr ein besondres Geschid. Ueber zwei neuestens abeine dritte und vierte Einfahrt geschaffen werden. Außerdem ist in Danzig, Kiel und Wilhelmshaven eine Erweiterung der Werkstätten, eine Vermehrung der Betriebsmittel, wie Schleppdampfer, Brähme, Krähne, Wafferfahrzeuge, eine Ber Brennöl, Schmiermaterial und schließlich eine Vermehrung der mehrung der Ausrüftungsmaterialien für die Schiffe, wiej Stohlen, Magazine und Schiffskammern geplant. Die neue Marinevorlage ist natürlich nur neben der großen millionen erfordern! Milliardenvorlage eine kleine", fie wird viele Dupende bon maishub the 2 Cradock, 4. November. Ein von einer Maschine gezogener agenzug mit Vorräten, welcher sich von Kimberley nach Boshof bewegte und der unter Bebedung von 10 Mann vom 20 Boeren angegriffen. Die Boeren nahmen den Wagenzug, ohne Stimberley- Regiment stand, wurde 9 Meilen von Kimberley von daß ein Schuß abgegeben wurde, und sprengten die Maschine in bie Luft. die Boeren hätten einen aus Pretoria fommenden Bug am London, 7. November. Die Morgenblätter melben aus Durban, legten Montag in der Nähe von Standerton zum Entgleifen gebracht, wobei ein Heizer getötet wurde. Amerika. Mene Militärforderungen werden von den Jahrbüchern für Armee bataillone zu je brei Compagnien pro Armecorps verlangt und Marine" angekündigt, und zwar sollen zwei neue Pionier werden. Die Kosten dieser Wehrforderung, die mit einer notwendigen New York, 6. November. In einem Wahlbezirk in PhilReform des Jugenieur- und Bioniercorps motiviert wird, sollen abelphia tam es heute au u hestörungen. Ein Demokrat ehr bedeutend sein. wurde durch einen Messerstich ernstlich verwundet. An einer andren J ,, Am nächsten Morgen ging's wieder welter; nachmittags gegen 6 Uhr lamten wir in Tsimo ant, zogen gleich in den Tempel und der Mandarin mußte 4000 Zaels Strafe zahlen. Is wir etwa 1000 Meter davon entfernt waren, hörten wir den Nachtwächter, der zwei hohle Stäbe hat und damit des Nachts alle Stunden schlägt, fchon tappern, als wir jedoch noch näher heranlamen, da fing er mit feinen Stöden an Alarm zu klappern. Als wir in das Dorf marschierten, Für die politischen Zustände in Elfa Lothringen, ins. Stelle in demselben Bezirk wurde eine Anzahl Neger, die das tamen uns die Einwohner mit Lanzen, Säbeln und allerhand besondere für diejenigen auf dem Gebiete des Wersammlungswahllofal betreten hatten und versuchten, ihre Stimmen widerrechtlich Waffen entgegen; fte begrüßten uns mit Schüffen, daß die Kugeln wesens, war der Verlauf einer öffentlichen Bersammlung fehr abzugeben, abgewiesen; fie zogen darauf Revolver Hervor und gaben uns um die Ohren pfiffent. Da wir uns infolgedeffen nicht mehr charakteristisch, die die Gewerkschaften Mülhausens dieser Tage ab Schüsse ab. Als Wahlrichter fungierte ein berufsmäßiger Faustficher waren, wurde gesammelt und wir gingen an den Seiten hielten. Wie immer, war dieselbe durch einen Polizeibeamten, den tämpfer. Derfelbe wurde durch einen Revolverschuß am Kopf ernstlich bes Dorfs entlang. Der eine Chinese, ben wir bei uns hatten, Rommiffar du bert, überwacht, der seine Aufgabe als Staats- verlegt. Drei Neger wurden verhaftet.d bezeichnete uns ein Haus, in dem viele Waffen fein retter besonders ernst zu nehmen gewohnt ist. Eben war einer der verlegt. Drei Neger wurden verhaftet. follten. Sofort schlug Gefreiter Bröckel die halbe Thür Versammlungsreferenten, unser Müthanser Reichstags Kandidat In Wilmington( Delaware) geriet eine Schar von Negern wegen ein, erhielt aber von dem Chinesen, der in diesem Haufe Emmel, dazu übergegangen, an ber hand von Beispielen aus einer Verzögerung bei der Eröffnung des Wahlraums in Wut und wohnte, einen Schlag ins Auge, daß er nicht mehr sehen der jüngsten Bergangenheit zu zeigen, wie das Stapital den Arbeiter eine Anzahl Weißer brang, deren Beispiel folgend, in den Wahlwohnte, einen Schlag ins Auge, daß er nicht mehr sehen nicht bloß ausbeute, sondern ihn auch in menschenmwürdiger Weise raum ein, zerstörte die Wahlzellen und verlegte einen Wähler, konnte. Ich war noch einige Schritte zurück, als ein Chinese eine behandle und selbst feiner ureigensten bürgerlichen Rechte beraube, einen Aufseher und einen Schuhmann schwer. In Caseyville Ballbüchse los schoß, aber zu hoch, das Feuer ging mir über den und hatte zu diesem Zwed an den Erlaß erinnert, in welchem die( Indiana) tam es gestern abend zu einem Zusammenstoß zwischen Kopf, au meinem Glid, sonst wäre ich nicht mehr am Leben. Nun Firma R. Böding u. Cie.( Salberger Hütte) ihren Meistern mit Angehörigen beider Barteien, wobei eine Person getötet und acht bieß es: Kehrt marsch nach dem Wall! Bor uns liefen zehn Entlaffung droht, falls sie wagen sollten, ohne Erlaubnis ihrer Arbeit verwundet wurden. Von den letzteren ist einer ein Amerikaner, die Chinesen, auf die Schnellfeuer gegeben wurde. Jezt wurde das geber zu heiraten. Emmel stellte dann fest, daß dieser großkapitalistische verwundet wurden. Von den letteren ist einer ein Amerikaner, die übrigen sind Oestreicher und Italiener. Bei einem wegen poliSeitengewehr aufgepflanzt und unser Oberlieutenant befahl, Polizei- Utas vom Schwager des„ Königs Stumm" herrühre, und übrigen sind Oestreicher und Italiener. alles was vorkommt, niederzuschicken und niederzustechen. wollte eben den Namen des lekteren nennen, als der Herr Stommiffar tischer Fragen ausgebrochenen Streit in Lid Creek( Illinois) wurde In dieser Nacht wurden viele Chinesen getötet, auch eine ich erhob und den Redner aufforderte, diese Namens festgestern abend ein Demotrat getötet. stellung unter allen Umständen zu unterlassen. Frau und ein Kind. Am Wall blieben wir, bis es Tag wurde. Als Emmel dann, in feinem Referat fortfahrend, als Beleg dafür, Um 5 Uhr gingen wir in das Dorf und sahen da die Toten im daß die Kapitalisten in guten Beiten den Profit allein in die Tasche Blute liegen. Eine Frau faß bor ihrem Mann, steden, während sie in schlechten sofort die Löhne brliden, die Dividenden ber gefallen war, und hatte ein leines Rind auf aufzählen wollie, die einige Mülhauser Fabriten in den letzten Ginige hochintereffante Ereignisse brachte noch die Verhandlung dem Schoß; den Gefallenen hatte sie auf ein Jahren gezahlt haben, ba verhinderte ber ueberwachenbe bom Dienstagabend. Bunächst trat ein Zwischenfall ein, der auf die Brett gelegt und ihm ein Riffen unter den Kopf auch hier burch Unterbrechung des Stebners jebe weitere Fest- Gesinnung der Geschworenen wieder beachtenswerte geschoben. Dem Mann waren zwei Kugeln durch den Stopf stellung; denn auch in diesem Falle dürften, wie er erflärte, Schlüsse zuläßt. Geschworener Oberlehrer Meyer, der sich beund eine durch die Brust geschossen worden, er war total mit Blut tamen nicht genannt werden. Nachdem so die Ehre des tanntlich des öfteren in der Verhandlung bemerkbar gemacht hat, überschüttet. Dies ficht wohl schauerlich aus, aber man wird kapitalismus gegen die Angriffe der„ Nörgler" gerettet war, galt es nahm das Wort zu der folgenden im Namen der Geschworenen abfür den Kommissar, die elfäffische Fabrilinspettion in Schug gegebenen bies alles gewohnt. Wie lange wir noch hier bleiben, weiß zu nehmen, mit der sich die Versammlung nunmehr befaffen wollte. Erklärung: ich nicht." Ein Redner bemängelte die geringen fachlechnischen Kenntnisse des Bereits am Sonnabend hat die Zeugin Nofina Meyer die be Und diese Thaten werben in einem Lande begangen, mit dem Aufsichtsbeamten, was zur Folge habe, daß er nur allzu oft von den fotvorene Aussage einer andren Beugin Quatfch" genannt. Heute wir uns nicht einmal im Striege befinden, in dem wir fiberhaupt Fabriflettern an der Nafe herumgeführt werde. Auch er berist es vorgekommen, daß ein Zeuge die beschworene Aussage eines gar nichts zu suchen haben. Die dreißigjährige moralische" Er- fiel bem polizeilichen Schweigegebot, da man andren Lüge genannt hat. Die Geschworenen fühlen sich dadurch in einem ziehung im herrlich- geeinten Deutschen Reich trägt nun ihre Früchte. in folcher Weise von Beamten der Regierung ihren religiösen Gefühlen getränkt. Im Namen der Und die bürgerlichen Barteien werden sich zum Mitschuldigen diefer nicht sprechen dürfe". Elle dagegen ein weiterer Redner Geschworenen ersuche ich daher den Herrn Bräsidenten: derartige Borkomminiffe machen, indem sie die Gelber bewilligen. Die Social einen Ball aus seiner persönlichen Erfahrung anführte, in Bemerkungen fünftig zu rügen. Bräf.: Ich habe darauf zu be demokratie wird allein stehen in ihrem Stampf, sie wird freudig und dem ein Fabrikdirektor anläßlich einer unverhofften nächtlichen merken, daß ich in beiden Fällen eine Rüge erteilt habe. Meineidsprozeß Maßlof in Koniz. Zier„Vorwiirt»" tm Maßlof-Prozest. Hierauf bemerkte Erster Staatsanwalt Settegast: In einer Berliner Zeitung, dem focialdemokratischen„Vorwärts', ist ein Artikel erschienen, in dem behauptet wird: der Zeuge H e l l w i g glaube an Spukgeschichten und habe einmal erzählt, er habe den Teufel aus dem Schornstein kommen sehen. sHerterkeit.) Der Artikel ist auch in andre Zeitungen übergegangen und mir anonym zugesandt worden. Wenn auch der.Vorwärts' keine maßgebende Zeitung ist, so halte ich es doch für notwendig, über den Inhalt des Artikels Beweis zu erheben.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Vogel: Nackdem wir mehrere Zeugen über den Leumund des Hellwig gehört haben, halte ich eme'weitere Beweisaufnahme über den Fall Hellwig für überflüsfig.— Erster Staatsanwalt: Der Ar- tikel, der einen Herrn Paul John zum Berfasier hat, stellt Be- hauptungen auf, die man nicht ganz unbeachtet lasten kann. Ich muß daher beantragen, darüber Beweis zu erheben.— Verteidiger Rechtsanwalt Hunrath: Ich muß mein Bedauern aussprechen. daß sich der Herr Vertreter der königlichen Staatsanwaltschaft von dem focialdemokratischen.Vorwärts' Direktiven geben läßt und auf Grund derselben Anträge stellt.— Erster Staatsanwalt Sette- g a st sheftig): Die Bemerkung des Herrn Verteidigers, daß ich mir von dem focialdemokratischen.Vorwärts" Direk- tiven geben laste, muß ich mit voller Entschiedenheit zurückweisen.— Verteidiger Rechtsanwalt Hunrath: Ich will meine Behauptung gern dahin einschränken, daß der Herr Vertreter der königlichen Staatsanwaltschaft von dem focialdemokratischen „Vorwärts" Direktiven empfängt. DaS ist zweifellos der Fall, wenn der Herr Erste Staatsanwalt auf Grund eines Artikels dieses Blatts Beweiserhebung beantragt. Wir sitzen nun fast 14 Tage hier. Wenn wir über jeden Zeitungsartikel, der über diesen Prozeß erscheint. Beweis erheben wollen, dann wäre überhaupt ein Ende des Prozesses nicht abzusehen.— Erster Staatsanwalt: Ich bin entfernt, auf Grund jedes Artikels Beweiserhebung zu beantragen. Da aber der Artikel deS.Vorwärts" in eine Reihe andrer Zeitungen übergegangen ist und doch sehr wichtige Behauptungen über den Zeugen Hellwig enthält, so halt« ich im Interesse der Klarstellung der Sache eine Beweis- crhebung für notwendig.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Bogel: Zum mindesten dürfte eS genügen, wenn wir noch emmal den Zeugen Hellwig vorladen.— Verteidiger Rechtsanwalt Hunrath: Dannt erkläre ich mich einverstanden und beanttage wieder- holt, den Pfarrer und Organisten aus Konarczhn vorzuladen.— Nach kurzer Beratung beschließt der Gerichtshof, dem Antrage des Rechtsanwalts Hunrath stattzugeben und auch nochmals den Besitzer Johann Hellwig aus Görsdors als Zeugen zu laden. Hierauf wird die Verhandlung auf Mittwoch vormittag« S Uhr vertagt. In der Verhandlung vom Mittwoch wurde der Besitzer Anton Hellwig aus Görsdorf nochmals vernommen. Präs.: Herr Hellwig, haben Sie einmal zu jemand ge- sagt: Sie hätte» den Teufel aus dem Schornstein fahren sehen. Sie wüßte», wie der Teufel aussieht. Ihnen sei einmal Vieh verhext worden?— Zeuge: Nein.— Präs.: Haben Sie daS niemals zu jemand gciagt?— Zeuge: Nein.— Erster Staats- antwalt Settegast: Sie sollen daS bei Ihrer Vernehmung in Berlin zu den John schen Eheleuten gesagt haben?— Zeuge: Nein, ich kenne John nicht.— Präs.: Haben Sie in Berlin mit niemand eine ähnliche Unterhaltung gehabt?— Zeuge: Nein.— Er st er Staatsanwalt: Und Die kennen die John schen Eheleute nicht?— Zeug«: Rein.— Präs.: Der Zahntechniker Metbaner hat sich gemeldet mit dem Bemerken: er habe noch etwa« Wichtige» mitzuteilen. Er soll eintreten, f— Zahntechniker M e i b a u e r teilt noch mit: Der Untersuchungsrichter sagte zur Frau Roß: „Wenn Sie nicht betreffs des Knechtsj Appel hineinfallen, dann werden Sie betreffs Linden st ran ß doch meineidig." Dies Verhalten des UntersuchungSrichterö macht doch einen eigentümlichen Eindruck. Ich habe dann noch einen Punkt zu erwähnen.— Präs.: Sie sind hier als Zeuge und dürfen vur Thatsachen vortragen. Urteile abzugeben steht Ihnen nicht zu. Haben Sie noch That- fachen anzuführen?— Zeuge: Thatsachen nicht.— Nunmehr wird der Kriminalinspektor Braun-Verlin vernommen. Derselbe bekundet: Ich habe mit Maßlos mehr- fache Versuche über besten Wahrnehmungen gemacht. Maßlos hat sich vielfach widersprochen. Maßlos sagte bei einen, der Versuche auf meine Frage:„wieviel Personen er' aus dem Keller kommen sah?„eine". ES waren aber zwei, nämlich KriminalkonnnissariuS Wehl, und Schutzmann Beyer II mit der Lampe. Der Zeug« M erbau er sagte mir von vornherein:„Nacb M a ß l o fS Bekundungen besteht kein Zweifel daniber, daß die Mörder Inden waren. Maßlos schien aber selbst B r u h n nicht glaubhaft. Der Verleger B r u h n kam zu mir und sagte:„Ich habe jetzt zu Maßlos gesagt:„Ihre Angaben sind nicht glaubhaft. Sie haben jedenfalls dort etwas stehlen wollen. Reine Neugier konnte Sie nicht veranlassen, so lange Beobachtungen zu mächen. Gestehen Sie, daß Sie eine» Diebstahl ausführen wollten. Der Plan eine» Diebstahls ist nicht strafbar." Darauf hat Maßlos zugestanden, Fleisch gestohlen zu haben. Ich bemerkte:„ES ist nur auch jetzt nicht glaubhaft. Wenn er fünf- bi» sechsmal verschieden aussagt, dann ist er überhaupt nicht glaubhast'. B r u h n sagt»:„Sie müssen die Sache vom poltttschen Standpunkt auS betrachten". Ich sagte, daß ich das nicht verstehe. Bruhn sagte:„Wenn Sie nicht einseitig sein wollen, dann müsten Sie die Sache vom politischen Standpunkt behandeln, Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Vogel: Sind Sie noch heute der Meinung, daß der Thatort in der Nähe deö MönchfeeS liege?— Kriminalinspektor Braun: Jawohl. Wenn der Mord an einem entfernteren Ort stattgefunden hätte, hätte sich der Mörder nicht die Mühe gemacht, die Leichenteile nach dem Mönchsee zu tragen. Dem Mörder ist augenscheinlich die schnelle Ent« dcckung unangenehm gewesen; deshalb hat er den Arn, auf den evangelischen Kirchhof und den Kopf außerhalb der Stadt getragen. Dem Mörder wird es auch angenehm gewesen sein, daß der Verdacht auf die Juden fiel, da alsdann die Spuren ab- gelenkt wurden.— Verteidiger Rechtsanwalt Zielrwski: Haben Sie schon einmal die Untersuchung in einer Mord- fache geführt, wo der Verdacht gegen die Juden vorlag, einen Ritualmord begangen zu haben?— Kriminalinspektor Braun: Nein.— Verteidiger Rechtsanwalt Z i e l e w s k i: Kannten Sie die Litteratur über das jüdische Blutritual, als Sie nach Könitz kamen?— Kriminalinspektor B r a u n: Jawohl.— Ver- teidiger Rechtsanwalt Z i e l e w s t i: Sind Sie dadurch nicht auf den Gedanken gekommen, es könnte ein Ritualmord sein?— Kriminalinspektor Braun: Nein. Ich bin u n t e r I u d e n a u f- gewachsen, habe selbst Juden im Orient kennen gelernt, habe aber niemals davon gehört.— Ein Geschworener: Weshalb hatten Sie auf Lewy keinen Verdacht? Kriminalinspektor B r a u n i Weil die Motive fehlten.— Verteidiger Rechtsanwalt H« y e r: Sie sind überhaupt nicht der Meinung, daß eS ein Mord war?— Kriminalinspektor Braun: Nein. Ich halte eS nur für Totschlag. Ich bin der Ansicht, daß nicht«in Tropfen Blut geflossen i st.— Verteidiger Rechtsanwalt H e y e r: Trotz des Sachverständigen- Gutachtens?— kriminalinspektor Braun: Ja« wohl.— Zeug« Verleger der„StaatSbürger-Zeitung" Wilhelm Bruhn: Kriminalinspektor Braun hat mich vielfach mißverstanden. Ich habe nicht gesagt, er müsse vom polittschen Standpunkt ausgehen, sondern nur: da»«s ein p o l i t i f ch e r Mord sei, sei dieser Punkt nicht ganz außer acht zu lassen.— Zeuge SaSanstaltS'Zirektor«fchke: Maßlof ist am IS. März bei mir in Arbeit getreten. 3—4 Tage später hat Maßlof mir seine Wahrnehmungen von der Nacht vom 12. zum 13. März erzählt. Ich fragte dann meine andren Arbeiter nach M a ß l o f S Charakter. Sie hatten alle nichts Nachteilige» über ihn gehört.— Präs.: Haben Sie der Polizei davon Mitteilung gemacht?— Zeuge: Nein.— Präs.: Weshalb denn nicht. Das war doch sehr wichtig l— Z e u g e: Ich glaubte, Maßlof würde selbst zur Polizei gehen.— Präsident: Er ist auch am 24. März zur Polizei gegangen. Hat Ihnen aber Maßlos er- zählt, daß er Fleisch stehlen wollte?— Zeuge: Nein. Ich habe ihm gesagt: er habe vielleicht etwa» stehlen wollen. Er solle eS nur sagen. Er werde nicht aus der Arbeit kommen. Maßlof verneinte aber.— Präsident: Maßlos, weshalb haben Sie dem Herrn Direktor nicht gesagt, daß Sie Fleisckj stehlen wollten? Sie hatten doch keine Ursache, das zu verschwngen?— Angekl. Maßlof: Ich befürchtete Strafe.— Präs.: E3 ist Ihnen doch gesagt worden, daß Sie nicht bestrast und auch nicht aus der Arbeit entlassen würden?— Maßlof: Ich wollte es aber nicht sagen.— Präs.: Bei der Polizei und dem Untersuchungsrichter haben Sie auch niemals gesagt, daß Sie Fleisch stehlen wollten?— Maßlos: Nein, aus Furcht vor Strafe.— Polizeikommissar Kriescht: Maßlof hat sich bei mir am 24. März gemeldet. Mir kam die Erzählung sehr unglaubwürdig vor.— Präs.: Maßlos, der Herr Kriminalkommissar hat auch Ihre Erzählung für sehr unglaubwürdig gehalten. Weshalb haben Sie Ihre wichtigen Wahrnehmungen nicht sofort nach der Auffindung der Leichenteile der Polizei angezeigt?— Maßlof: Ich hatte meine Wahr- nehmungen der Frau Lewy mitgeteilt. Frau Lewy hatte mich gebeten, nichts zu sagen. Sie werde mir etwa» schenken.— Präs.: DaS ist ja ganz neu. Weshalb haben Sie denn bisher nichts davon gesagt?— Maßlof: DaS hatte ich ver- gcssen.— Präs.: Sie sind doch eingehendst vernommen worden und haben bi» zu diesem Augenblick kein Wort davon gesagt?— Maßlos: Ich hatte das vergessen.— Präs.: Hat Ihnen Frau Lewy denn ettva» geschenkt?— Maßlof: Frau Lewy ist bei un» gewesen und'meiner Frau gesagt: ich solle hinkommen. Ich ging hin. Sie gab mir eine Wurst, packte dieselbe ein und sagte:„Nach Ostern werbe ich Ihnen die Sachen von meinem Sohne Moritz schenken. Als ich nach Hause kam, wickelte ich da» Wurstpaket auf und da war eme schimmelige Wurst drin. Ich ging wieder zu Lewy zurück und sagt«:„Wenn Sie mir keine andre Wurst schenken wollen, dann lieber gar keine." ?rau Lewy gab mir nun eine gute Wurst. Nach den Feiertagen olte ich mir den Korb von Lewy. bekam aber keine Sachen. Winters Taschentuch. Amtsrichter P a n k a u bemerkt auf Befragen noch: Maßlof sagte:„Ich habe.„gebabbert" und..Gebrüssel"" gehört."— Zenge §olizeikommissar Block: Am 18. April hat Frau Roß mir die eschichte von dem Knecht mitgeteilt und gesagt, der Knecht werde wohl wiederkommen. Am 26. April kam die Roß wieder zu mir und sagte, sie habe L e M y S Wäsche gewaschen und darunter ein„15. W." gezeichnetes Taschentuch gefunden. Sie könne allerdings nicht lesen; aber ihre Tochter habe ihr daS Taschentuch gezeigt. Ich habe ihr dann m lateinischer Schrift ein„E. W." aufgemalt. Sie sagte: „So war eS". Winters Taschentuch sei aber„verschlungen" ge- zeichnet gewesen. Ich habe bei Lewy sofort Nachforschungen ge- halten. Zunächst hatten 4 oder S Taschentücher gefehlt. Frau Lewy hat aber sofort die fehlenden Tücher gebracht. AlSdann stimmten die Taschentücher mit dem Waschzettel. Frau Roß sagte: CS fehlt noch da» Taschentuch mit: ,E. w.''. Frau Lewy brachte dann noch mehrere ganz neue ungezeichnete Taschentücher.— An- geklagte Roß: Von dem waS der Kommissar hier sagt, ist nicht ein Wort wahr. sHeiterkeit.) Präs.: Weshalb nicht?— Angeklagte Roß: Frau Lewy wollte die fehlenden Taschentücher nicht vorbringen. Sie brachte zunächst nur Taschentücher, wie sie vom tuden' kommen. Ich hatte großen Streit mit Frau Lew y. .iese schmiß alsdann noch 4 oder 5 Taschentücher auf den Tisch. Ich sagte:„Aber das Taschentuch mit„E. W," ist nicht dabei." Es war auch feiner, als die andren.— Präs.: Hat Ihnen die Roß am 26. April noch ettvaS von dem Knechte erzählt?— Polizei- kommistar Block: Nein. Die Angeklagte Frau Roß giebt zu, daß Sie am 28. April die Wahrnehmungen M a tz l o f S kannte. Bei Wiederaufnahme der Verhandlung nach der Mittagspause wird auf Veranlassung der Verteidiger festgestellt, daß Rechtsanwalt Hahn aus Charlottenburg und der Zeuge Oberlehrer Hof- richter bei dem Pfarrer zu KonarSzhn waren. Als erster Zenge bekundet sodann der Polizeisergcant Wasilowsky: Maßlof erzählte mir, er habe bi» 11»/» Uhr bei Berg Karten gespielt. AlSdann habe er am Lewy schen Hause„Gebabbre" ge- hört. Er sei deshalb neugierig geworden. Da er wenig hören konnte, sei er nach der Manerstrabe gegangen. Dort habe er lange auf der Lauer gelegen. Da habe er einen Mann mit schwarzem Anzüge und schwarzem Cylinderhute aus dem Keller kommen sehe» und auch Lichtschimmer gesehen. Er habe dann noch eine halbe Sttinde auf der Lauer gelegen und se, alSdann nach Hause gegangen, da es ihm zu lange gedauert habe. Ich fragte ihn: weshalb er nicht länger beobachtet habe, dann hätte er doch etwa? gesehen, so sei da» doch gar nichts. Maßlof sagte darauf: er wollte nicht länger beobachten, da er sonst einen Bierteltag versäumt hätte, der ihm abgezogen würde. Ich sagte:„Sie hätten dann aber doch eine großartige Belohnung bekommen."— Maßlof sagte:„Ich wollte den Bierteltag nicht versäumen."— Präs.: Erzählte Maßlof. daß er aus dem Thorwege Männer mit einer Last habe treten sehen?— Zeuge: Rein.— Präs.: Nun, Maßlof. Iva» sagen Sie dazu?— Maßlof: Ich weiß mich nicht darauf zu erinnern.— Präs.: Sie geben aber doch zu, vom Zeugen vernommen worden zu sein?— Maßlof: Jawohl.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Bogel: Weshalb haben Sie da» nicht früher angezeigt?— Zenge: Ich hatte der Erzählung bisher keine Bedeutung beigelegt. Letzter« ist mir jetzt erst klar geworden.— Erster Staat»- anwalt Settegast: Wie ich soeben gehört habe, ist da» Johnsche Ehepaar au» Berlin eingetroffen. Ich beantrage die sofortige Vernehmung der Eheleute John.— Der Gerichtshof beschließt, dem Antrage stattzugeben. Es wird nun zunächst der Redacteur de».Vorwärts" Paul John auS Berlin in den Gerichtssaal gerufen. Derselbe bekundet: AuS eigner Wiffenschaft weiß ich nichts. Meine Frau ist aber in GörSdorf geboren. AI» die Aussagen HellwigS durch die Zeitungen bekannt wurden, hat mir meine Frau gesagt, Hellwig sei nicht glaub- würdig. Er sei abergläubisch. Er glaube ebenso wie seine ganze Familie an Hexen. Er habe einmal erzählt: Er habe den Teufel beladen auS dem Schornstein fahren sehen. In Görsdorf sei über- Haupt der Hexenglaube zu Hause. Hellwig» Vater habe seine Pferde, ehe er fortgefahren sei, mit dem Besen ge- segnet.— Präs.: Herr Zeuge, wie kommen Sie hier- her?— Zeuge John: Ich habe gestern abend von Rechtsanwalt Sommerfeld eine Depesche bekommen.— Verteidiger Rechtsanwalt Hunrath: Wer hat Ihnen die Reisekosten bezahlt?— Redacteur I o h n: Rechtsanwalt Sommerfeld depeschierte:„Reisekosten ersetzen."— Verteidiger Rechtsanwalt Hunrath: Kennen Sie den Rechisanwalt Sommerfeld?— Redacteur John: Ich habe ihn soeben im Hotel P r i e b e gesprochen.— Verteidiger Rechts« anwalt Hunrath: Wtffen Sie, welches Interesse Rechtsanwalt Sommerfeld an ihrer Vernehmung hatte?— Redacteur John: Rein.— Es folgt alSdann die Vernehmung der Fr«m Joh«. Diese bemerkt: Ich bin 186» in GörSdorf geboren und bis 1888 in GörSdorf gewesen. Ich bin mit Hellwig, der drei Jahre jünger ist, wie ich, zusammen in die Schule gegangen und habe auch mit ihm gespielt. Hellwig, der als Knabe die Kühe hütete, hat oftmal» von Hexen erzählt; er habe einmal den Teufel, stark beladen, aus dem Schornstein kommen sehen.(Heiterkeit.)— Präs.: Wie alt war Hellwig damals?— Zeugin: Etwa 11 Jahre.— Zeuge Besitzer Anton Hellwig aus Görsdorf: Ich kenne die Zeugin nicht. Ich erinnere mich auch nicht, solche Erzählung gemacht zu haben. Ich glaube auch nicht, daß ich mit der Zeugin in die Schule gegangen bin.— Frau John: Ich erinnere mich aber ganz genau, mit Dir in die Schule ge- gangen zu fein.— Hellwig: Ich erinnere mich nicht.— Präsident: Herr John, haben Sie vielleicht jemand die Nummer des„Vorwärts" nach hier geschickt?— Redacteur John: Nein. Zeuge Bürgermeister Deditiu»(Könitz): Die Frau Roß kam eines Tags zu mir und erzählte: sie habe in der Lewy schen Wäsche ein Taschentuch deS Ermordeten gefunden. Auf meine Frage: wo denn das Taschentuch fei. sägte sie: sie habe dasselbe mit der Wäsche an Lewy» abliefern müssen. Ich sagte:„Das erscheint mir wenig glaub-, hast. Wenn man so etwaS Wichtiges hat, dann behält' man das doch und reicht eS der Polizei ein. ES werden' doch viele Gegenstände eingereicht. Auf meine Frage: wie daS Taschentuch gezeichnet gewesen sei. sagte sie: mit„P". Ich wurde ärgerlich und sagte:„Sie scheinen mich narren zu wollen."—: Präs.: Frau R o h, was sagen Sie dazu?— Angeklagte Roh: Der Bürgermeister hat mich sofort grob angefahren und gesagt: „Was wollen Sie? Ich habe mit dieser Sache nicht» zu thun. Gehen Sie nach dem Gericht."— Bürgermeister Deditiu»: Ich erkenne die Angeklagte nicht wieder. Es ist aber unwahr, daß ich sie angefahren habe.' Der Präsident läßt darauf da» Protokoll der Vernehmungen der Angeklagten vom Juni verlesen. ES werden verschiedene Wider» spräche in den Aussagen der einzelnen Angeklagten und der An- geklagten unter einander festgestellt. Die Verhandlung wird auf Donnerstag S Uhr vertagt. Die Wohnungsnot und die Kohlen- tenerung. Die in letzter Zeit besonders in der Arbeiterbevölkerung so schwer empfundene Steigerung der Preise für unsre notwendigsten Ge« brauchsarttkel führt uns die heutige Ordnung der kapitalistischen Welt wieder einmal lebhaft vor Augen. Besonder» ist«S der WucherzinS, der von unsren Wohnungen eingefordert wird und'die Preistreibereien der Kohlenmagnaten, die heute die Arbeiterfamilie schwer bedrücken, und nicht nur daS, bei der eingetretenen Wohnungsnot sind auch zahlreiche arme Familien um ihr Ob- dach gebracht worden. Damit ist die Frage um so brennender geworden und eS gilt innerhalb der kapttalistischen Gesellschaft Mittel und Wege zu finden, um die Bevölkerung vor dem WohnnngSwncher, den Syndikatstreibereien und der zügellosen. Ausbeutung der Großhändler zu schützen. Diese Auswüchse de» kapitalistischen Regimes ganz zu bescittgen, hegen wir keine Hoffnung. sie sind in der kapitalistischen Produktionsweise begründet; aber e» heißt hier da» freie Au»beutung»gtbiet einzuschränken. Dazu hat der Staat, die Gemeinde ihre Machtmittel einzusetzen. Di« am meisten Bedrängten haben ein Recht fich an diese Fattoren um Schutz zu wenden, wir werden gleichzeitig dabei prüfen können, wie weit man gewillt ist, hier der Lrbeiterllaffe Schutz an gedeihen zu lassen. Diesem Zweck dienen die 10 Versammlungen, die heute abend von der focialdemokratischen Partei einberufen sind, sie sollen die politischen Machthaber an ihre Pflicht erinnern und laut Protest er- heben gegen die gewiffenlose wucherische AuSnützung der Notlage der ärmeren Bevölkerung durch privattapitalistische Spekulationen. Der Kundgebung liegen folgendeR e so luti o n en zu Grunde: I. Die kapitalistische Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft schafft auf dem Gebiete de» Wohnungswesen» Zustände, die für die breiten Volksmassen die schwersten Schädigungen in gesundheitlicher, fittlicher und materieller Hinsicht herbeiführen. Um eine durchgreifende Aenderung dieser Verhältniffe zu be» wirken, bedarf es der LoSlösung deS Grund und Boden» von kapi» talistifchen Jntereffen, da diese einzig auf AuSwucherung de» Grund und BodenS und möglichste Steigerung der Grundrente hinzielen. Erst auf dem in Gemeinbesitz befindlichen, nicht dem Kapitali»mu» dienstbaren Grund und Boden können Einrichtungen geschaffen werden, ivelche gesunde und zweckmäßige Wohnräume für die All» gemeinheit sichern. Die zur Zeit in Berlin herrschenden WohnungSverhältniff« er« heischen nicht nur soforttge Bereitstellung angemeffener städtischer Räume für obdachlose Familien, sondern auch die Schafsting kommunaler Einrichtungen, welche geeignet find, die auf dem Ge- biet« de» Wohnungswesen» herrschenden vollSschädlichen Zustände zu bekämpfen. Al« solch« Maßnahmen fordern wir: 1. Erwerbung von möglichst umfangreichem Grundbesitz durch die Gemeinde; 8. Ausschließung de» gemeindlichen Grundbesitze» durch Straßen- und BerkehrSanlagen; S. Verwendung von Gemeindeterrains zur Errichtung von Häusern, die allen Forderungen der Vollswohlfahrt ent« sprechende Wohnungen enthalten, welch« der Bevölkerung— insbesondre der Arbeiterklasse— zu Miet«preisen zur Ver- fügnng zu stellen sind, bei denen nur die Verzinsung und Amortisation de« aufgewendeten Kapital» sowie die aus der Instandhaltung der Gebäude entstehenden Kosten in Ansatz gebracht werden; 4. Einrichtung von städtischen Wohnungsämtern und Anstellung von WohmmgSinspektoren. II. In Erwägung, daß der für bi« groß« Maffe der Bevölkerung unerschwingliche Preis für ein» der notwendigsten Lebensbedürfnisse, der Kohle, verursacht wird, einesteils durch die schamlose Preistreiberei fetten» der Kohleniverkbesitzer mit Hilfe ihrer Syndikate, andrerseits durch einen von diesen Syndikaten begünstigten räuberische» Zwischen- Handel, verlangt die Versammlung: 1. Schleunige Expropriation der im Privatbesitz befindlichen Kohlenwerke und Uebergang derselben in da» Eigentum des Reich»; 2. Vermittelung der Kohlenlieferung durch die Gemeinden zum Selbstkostenpret« für den Hausbedarf; S. Aufhebung der AuSnahmetarife für die Ausftlhr von Kohlen; 4. Herabsetzung der Eisenbahnfrachten für Kohle. O» » lieber den Verlauf der Versammlungen gehen nn» folgende Berichte zu: In der Versammlung des ersten Kreises bei Cohn, Beuth- strahe, hatte Stadtverordneter Genosse Bruns das Referat über- nommen. Au der Hand eines reichhaltigen Thatsachenmaterials schilderte der Redner die derzeitigen' schlechten Wobnnng»- Verhältnisse, er erörterte die Ursache» der tvUcherischen Kohlen- teuernng und die Folgen dieser Zustände, unter denen namentlich die unbemittelte arbeitende Bevöllerung sehr schwer zu leiden habe. Der Referent kritisiert in treffender Weise da» Verhalten der Regierung. die. statt zur Beseitigung der socialen Uebelstänbe beizutragen, emfig damit beschäftigt ist, das Koalitionsrecht der Arbeiter zu beschränken und die Wünsche der„notleidenden" Agrarier und Großindusticllen zu erfüllen; ferner kritisierte er den Mangel socialpolitischer Einsicht bei den kommunalen Behörden. An der interessanten Diskussion über den mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag beteiligtem sich die Genossen W e tz k e r. Täterow, Bruns uud der nationalsociale Herr v. G erla ch in seiner Eigenschaft als Bodenbesitzreformcr, der sich übrigens aber ebenfalls im Sinne des Referats aussprach. Die beiden Resolutionen wurden einstimmig angenommen, hingegen«in Erlveiterungsantrag des Genossen Wetzk'er, zu der die Wohnungsfrage betreffenden Resolution abgelehnt. Zweiter Wahlkreis. Der riesige Saal der Bockbrauerei war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, und die Versammlung nahm einen sehr interessanten Verlauf.' Der Bortragende Richard Fischer wurde vielfach von Beifall und Aeutzerungen der Zu- stimmung unterbrochen. Bemerkenswert war, daß sehr viele Frauen in der Versammlung erschienen waren. Fischer besprach zuerst die Wohnungsnot, unter der das Proletariat gegen- wärtig in zahlreichen Städten zu leiden hat. Allen schlimmen Erschemungen der Wohnungsnot steht die bürgerliche Gesell- schast ziemlich ratlos gegenüber und in den Gemeinde- Verwaltungen und bei der Regierung ist nicht einmal der ernste Wille vorhanden, wenigstens das zur Linderung der WohnungS- not zu thun, was innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft möglich wäre. In scharfen Ausführungen geißelte der Redner sodann den K o h l e n w u ch e r; die Kohlensyndikate haben sich zu einem regelrechten AuswucherungS-Feldzug verbunden, und die Regierung thut ebenfalls nichts, um dem entgegenzutreten. Nach dem mit allgemeiner Zustimmung und lebhaftem Beifall auf- genommenen Vortrag wurden die Resolutionen einstimmig angenommen. Im dritte« KreiS sprach in der Ressource Stadtv. Hinze. Der Redner geht von der Vermehrung der Zahl der Obdachlosen im städtischen Asyl aus. Redner zeigt, wie Gesundheit und Sittlichkeit unter der Wohnungsnot leiden und beweist, daß die Ursachen dieser Kalamität im WohmmgSwucher zu suchen sind. Eine radikale Abhilfe ist nur zu erzielen, wenn die Stadt selbst dazu übergeht, Familienhäuser zu bauen. Vor allem ist aber zu fordern: die Errichtung einer Wohnungsinspektion und unent- geltliche WohnungSnachwelse. Um gründliche Reformen durch- zusetzen, muß die Einführung des allgemeinen gleichen und direkten Wahlrechts für die Gemeindeverttetung verlangt werden. In seinen Ausführungen über die Kohlennot bringt Referent den Beweis, daß nicht die nur um 3 Prozent gestiegenen Löhne der Arbeiter es sind, die die ungeheure Steigerung der Kohlenpreife hervorgerufen haben, sondern daß diese verursacht ist durch die ruch- losen Preistreibereien der Syndikate.— Nach kurzer Diskusston wurden die beiden Resoluttonen einstimmig angenommen. In der Versammlung des vierten Wahlkreises(Südost) in der„ U r a n i a" referrerte Z u b e i l vor etwa 1000 Männern und Frauen. Vielfach von Beifall unterbrochen, geißelte der Redner in treffenden Worten den jetzt wie in der Gründer- Periode in den siebziger Jahren verübten Wohnungswucher, durch welchen allein die Wohnungs not künstlich erzeugt und die Arbeiterschaft am meisten geschädigt werde, wie aus der amtlichen wie privaten Statistik hervorgehe. In ähnlicher Weise werde durch den Kohlenwncher die Kohlennot geschaffen, um das Volk zu schröpfen, wogegen die gesamte Arbeiterschaft energisch protestieren müffe. Redner empfahl am Schluß seiner, mit anhaltendem Beifall aufgenommenen Ausführungen die beiden Resoluttonen, deren An- nähme einstimmig erfolgte. Die Parteigenoffen deS Ostens waren in Kellers großem Saal versammelt; der Saal war dicht besetzt und auch auf der Galerie waren dichte Menschenscharen versammelt. Das Referat hatte Hehmann übernommen. Der Redner schilderte im einzelnen die Ursachen der Kohlenteuerung und der Wohnungsnot und die Mittel, ivelche geeignet fein können, auch teilweise schon in der heutigen Gesellschaftsordnung diese Mißstände zu beseitigen. Er kritisierte insbesondere den Zustand, daß durch die Tarifpolittk die deutsche Kohle im Auslande billiger ist als im Jnlande und die Maßnahmen des Berliner Magistrats «auf dem Gebiet der Wohnungsfrage. In der Diskussion wurde an einzelnen Beispielen die Wohnungsnot illustnert. Nach dem Schluß- wort de? Referenten wurden die beiden vorgelegten Resolutionen einstimmig angenommen. Im fünften Wahlkreise referiette Ad. Hoffmann im „Schweizergarten" vor bOO Personen. Der Referent legte unter eingehender Berücksichttgung der thatsächlichen Verhältnisie dar, daß die akute Wohnungsnot nur mit der Wohnungsfrage selber zu Beseitigen sei und daß letztere endgültig erst mit der privatkapitalistischen Spekulation aufhören werde zu rxistteren. Entrüsttingsrufe ertönten, alS Redner aus dem Briefe einer armen Näherin mitteilte, daß diese in einer mühsam für tö M. erhaltenen Stube, in der sie mit Mäusen zusammen Hausen mußte, nicht einmal ihre Nähmaschiue habe benutzen dürfen. Nachdem Redner die Kohlenfrage unter großem Beifall treffend ge- würdigt hatte, nahm Robert Schmidt das Wort, um einige Aenderungen der allgemeinen Resolutionen zu befürworten. Seinem Antrage gemäß wurden die Resolutionen einstimmig mit folgenden Aenderungen angenommen. In der Wohnungsresolutio» wurde dem PassuS unter Nr. 1 hinzugesetzt:„und Bau von Wohn- Häusern auf Kosten der Gemeinde und Verivaltung durch diefelbe". In der andren Resolution wurde der Passus, die Ex- propriation usw. betteffend, g e st r i ch e n und statt dessen gesetzt: „Gesetzliche Fe st legung eines MaximalpreiseS für Kohlen und eines Minimallohns der Berg- arbeit er."— Auf Antrag von dritter Seite wurde noch die Besteuerung des Baugrunds nach dem jeweiligen Spekulationswert gefordert. Sechster KretS. Der Saal von PeterS GesellschaftS- h aus in Moabit war beim Beginn der Versammlung bereits bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach dem ausführlichen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referat des Genossen Glocke wurden die von ihm vorgeschlagenen Resolutionen widerspruchslos an- genommen. Dann kam eS zu einer längeren Debatte zwischen dem Nationalsocialen Tischendörfer, der in der Wohnungs- frage den bodenreformerischen Standpunkt vertrat und dem Referenten, der ihn unter dem Beifall der Versammlung, die bis '/s12 Uhr währte, widerlegte. Im KöSliner Hof war der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt, namentlich die Frauen waren in starker Anzahl erschienen. ReichStags-Abgeordneter Genosse Arthur Stadthagen hatte das Referat übernommen. In IVs stündiger interesiantcr Rede geißelte er den Grundstückswucher und das verwerfliche volksschädigende Treiben der Kohlenbarone, welche sich auf Kosten deS arbeitenden Volks in geradezu unverschämter Weise die Taschen füllen. Es sei jetzt an der t" eit, daß die arbeitende Bevölkerung entschieden Protest gegen dieses reiben erhebt. Stürmischer Beifall lohnte dem Redner für seine Aus- führungen. In der Diskussion sprach ein Redner im Sinne des Referenten. Die Resolutionen wurden einstimmig angenommen, desgleichen zwei Zusatzanträqe Stadthagens. Hierauf schloß der Vorsitzende Genosse Eugen Ernst mit einem dreimaligen Hoch auf die völkerbefreiende Socialdemokratte die stark besuchte Versammlung. Der große Ball schmiedersche Saal in der Badstraße, in dem Genosse ReichStags-Abgeordneter Wurm referierte, war von mehr denn 2000 Personen besetzt. Der Referent schildert ansführlich an der Hand statlstischen Materials, daß die Steigerung der Preise an Grund und Boden und die hierauf folgende Wohnungsnot eine Frucht der heutigen großkapitalistischen Gesellschaftsordnung find. Jedoch werden Staat und Kommune unter den heutigen Wahlgesetzen— die den Arbeiter abseits stellen — die Uebel nicht beseitigen, so lange nicht wahre Volks- Parlamente gute Gesetze schaffen. Dem Berliner Magistrat ließ Redner für seine lächerlichen Vorschläge eine derbe Lektton zukommen. Zum Punkt Kohlennot beleuchtete Redner das wucherische Treiben der Kohlenshndikate unter großem Beifall. Die beiden Resolutionen wurden ohne Debatte einstimmig angenommen. Mierkes Salon, Schönhauser Allee, war bis auf den letzten Platz besetzt. Besonders zahlreich waren die Frauen vertteten. Der Referent Stadtverordneter Genosse Koblenzer beleuchtete in seinem einstündigen Referat in erster Linie die Wohnungsfrage nach allen Richtungen hin, besprach die Mittel zur Abhilfe der derzeitigen Wohnungsnot unter Betonung des principiellen Stand- Punkts der Socialdemokratte. Er unterzog das Verhalten des Berliner Magistrats, der mit seiner„Stiftung" von einer ganzen Million dem'Wohnungselend zu Leibe rücken wolle, einer verdienten Kritik. Sodann entwickelte Redner die wahren Gründe der jetzigen Kohlenteuerung. Nach dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage erfolgte die einstimmigeAnnahme beiderReso- lutionen. Soctale». Fahrpreisermäßigung für erkrankte Mitglieder der Kranken- kaffen und der Invaliden- Versicherung. Mit Wirkung vom 1. Januar 1S01 an ist erkrankten Mitgliedern von Krankenkassen, ebenso kranken Verficherten der Jnvaliden-Verficherung. die auf An- ordnung dieser Kaffen bezw. der Versicherungsanstalt Württemberg in Heilanstalten, Bäder und Lustkurorte(ErholungSstattonen) aufgenommen werden, bei der Reise an solche Orte, sowie zur Rückreise m die Heimat die Benutzung der dritten Wagenklaffe aller Züge zum Militärfahrpreis(I.S Pf. für das Kilometer) gestattet. AlS Ausweis für die Erlangung deS ermäßigten Fahrpreises dient die nach dem vorgeschriebenen Muster ausgefettigte Bestätigung der Vorstand- schast der Krankenkaffe oder Versicherungsanstalt über die Zugehörig- keit zur Kasse bezw. Invalidenversicherung und») bei der Hinreise über die erfolgte Gewährung der Aufnahme in die Heilanstalt(Bad, Lustkurott), d> bei der Rückreise über den Aufenthalt in der An- stalt w. und deren Bemitznng zum Kurgebrauch. Die Formulare zu den Ausweisen sind gegen Kostenersatz von der Generaldirektton der Staatseisenbahnen zu beziehen. Auf Begleiter der Kranken erstreckt sich die Ermäßigung nicht. Freigepäck wird nicht gewähtt. Die Fahrpreisermäßigung wird auch in Fällen der ambulanten Be- Handlung durch einen auswärtigen Arzt gewähtt. Hierbei ist bei der Hinreise in dem Ausweis der Zweck der Reise genau anzugeben; für die Rückreise ist in dem zur Hinreise benutzten Ausweis von dem behandelnden Arzt das Eintreffen des Pattenten bei ihm zu bescheinigen. Bei öfters sich wieder- holenden Besuchen genügt ein Ausweis für sämtliche Reisen; in diesem Falle hat der Arzt den jeweiligen Besuch und beim letzten Besuch die Beendigung des Heilverfahrens auf dem Ausweis zu be- scheimgen. Diese anerkennenswerte Einttchtung geht nicht etwa von der preußischen, sondern von der württembergischen Staatsbahn- Verivaltung aus. In Preußen ist daS ausdrücklich abgelehnt worden, ja man hat sogar die früher gestaltete Benützung von Arbeiter- Fahrkatten nach Erholungsheimen in der Umgegend von Berlin wieder aufgehoben. Zu einer Freisprechung auS merkwürdigen Gründen kam das Landgencht Plauen am vergangenen Sonnabend gegenüber dem Kaufmann Scheibner, der angeklagt war, an verschiedenen Tagen etwa 20 Arbeiterinnen bis abends 9 Uhr beschäftigt und somit gegen Z 137, 1 der Gewerbe-Ordnung verstoßen zu haben. Scheibner fühtte zu seiner Entschuldigung an, daß er zu dieser Beschäftigung aus Grund seiner Arbeitsordnung, die der Stadtrat zu Plauen geprüft und genehmigt habe, berechtigt sei. In der Arbeitsordnung fand sich denn auch die Bestimmung, daß für die in Frage kommenden Arbeiterinnen die Arbeitszeit im Winter von morgens 8 Uhr bis abends SVs Uhr festgesetzt sei. Der Stadtrat zu Plauen bestätigte auch durch ein Schreiben, daß er diese Arbeitsordnung infolge eines Versehens seiner Zeit bestätigt habe. Sowohl das Schöffengericht als auch auf eingelegte Berufung seitens des Staatsanwalts daS Landgericht kam zu dem Freispruch, weil ein persönliches Verschulden des Angeklagten»m gegenwärtigen Falle nicht vorliege. Als Staats- ongehöriger habe er die von einer vorgesetzten Behörde genehmigten Bestimmungen anzuettennen und sich danach zu richten. Devssunrnlungen. In einer Versammlung der Gold- und Silberarbeiter sprach am 30. Oktober Dr. Vrctor Fränkl über das Thema: Etwas aus der Rcichsverfassung. Sodann gab Brückner den Bericht der AgitationSkonimission. Redner bemerkte, daß daS Jahr 1900 mit zu den ereignisreichsten in der Branche zähle. Vor allem sei es gelungen, den neunstündigen Arbeitstag zu erttngen. Ferner haben in deni verflossenen Jahre 12 Versammlungen, 10 Werkstatt-Ver- trauensntännervcrsammlungen, 25 Wcrkstattsversammlnngen und 12 Sitzungen der Agitationskommission stattgefunden. In den letzten sechs Wochen find über 100 Mitglieder dem Verband beigetreten. Die hierauf vollzogene Reuivahl der Agitationskommission ergab die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder.' Zu Verschiedenem wurde auf die durch hiesige bürgerliche Blätter gegangene Notiz, die Löhne der in der Gold- und Silberwaren- Branche beschäftigten Arbeiter be- treffend, hingewiesen und beinertt, daß der betreffende Bericht, was die Löhne anbelangt, sehr aufgebauscht war. Ueberhaupt so ziemlich nichts enthalten war, waS den Thalsachen entsprach- China. Die deutschen Kulturträger tu China. Wenn man die Kricgsdepeschen verfolgt, namentlich die von den Spettalberichterstattem gegebenen Darstellungen über die Kriegszüge der europäischen Truppen, da fragt man sich verwundert, was denn all dies Morden, Sengen und Brennen eigentlich für einen Zweck haben soll. Bald wirb voii Peking oder Tientfin nach dieser, bald nach jener Seite ein Ausfall nach dem Innern des Lands gemacht, um auf Boxer zu jagen. Bald sind eS deutsche, bald englische Offiziere, die sich an die Spitze eines Trupps Soldaten stellen und fott geht eS, um der Abenteuerlust und der Ruhmessucht, wohl auch dem Rachedur st zu genügen. Was bei dieser Att der Kriegführung— ohne Kriegserklärung allerdings— eigentlich erreicht werden soll, bleibt, wie gesagt, un- erfindlich. Als der Feldzug unternommen wurde, war, wenn man von dem überschivänglichen Rachegeschrei, daS die Khakipresse anstimmte, absieht, das Ziel die Befreiung der Gesandten. Dies Ziel wurde erreicht, längst bevor der Graf Waldersee und die Masse der deutschen Truppen in China an- kamen. Selbst wenn die Mächte das Recht hätten, die Bestrafung der„Schuldigen" zu verlangen, so ist doch Prinz T u a n, der der Hauptschuldige sein soll, ins Innere des Lands geflohen, er ist, wie berichtet wird. als buddhistischer Pnester verkleidet, auf der Flucht; für die Europäer jedenfalls unerreichbar. Auch die übrigen„Schnldiaen" dürften wohl nur mit Hilfe der chinesichen' Behörden selbst festzunehmen ein. Jedenfalls ist mit dem planlosen Herumwüsten, dem Niederknallen von Chinesen nichts erreicht. Im Gegenteil, die Wut der Chinesen gegen die Fremden wird immer größer, die Boxer- massen werden verstärkt durch die von den modernen Hunnen von Haus und Hof Verjagten. Anstatt der Soldaten, sollten die Diplo- male» in Aktion treten, vor allem sollte— selbst vom Standpunkt der Mächte aus, die das Recht zu haben meinen, das Land militä- risch besetzt zu halten dürfen— der Waffenstillstand eintreten, der den Heeresführern einfach von ihren Regierungen ge- boten zu werden brauchte; Unterhandlungen mit den Chinesen sind da nicht nötig, da ja„offiziell" Krieg gar nicht besteht. Die euroropäischen Gesandten find zwar in Peking versammelt, aber ihre Arbeiten gehen trotz der Bemühungen Li-Hung-Tschangs nicht vorwätts. Bis jetzt ist man noch nicht über die „Vorläufigen" Verhandlungen hinausgekommen. Bei der letzten Zusammenkunst der Gesandten wurde ein Vorschlag deS englischen Gesandten beraten, welcher dahin geht, daß der vorläufige Friedensvertrag eine Klausel enthalten solle, der zufolge China sich ausdrücklich verpflichten müffe, die Handelsverträge umzuformen. Dies hat den Zweck, China zu zwingen, viele Unzuträglich- ketten zu beseitigen, welche den Handel jetzt behindern. Obwohl China bereits seine Bereitwilligkeit zu dieser Reform ausgesprochen hat, so stieß dieser Vorschlag doch heute auf Widerspruch, und es ist zweifelhast, ob derselbe dem vorläufigen Friedensvertrag eingefügt lverden wird, obwohl jede handeltreibende Nation später neue Handelsverträge durchsetzen will. Wer mag an den Verzöge- rungen die Schuld tragen? „Nur nicht so weichlich." Fast gewinnt es den Anschein, als ob die Deutschen auch in China ffch als die„kriegerischste" Natton zu zeigen bestrebt sind. Von ihnen werden die meisten Kttegsthaten bekannt. Bei den wichtigeren Akttonen des FeldzugS, der Eroberung der Taku-FortS, der Erstürmung Pekings, waren die Deuffchen nur wenig vettreten. Wollen sie jetzt nachttäglich ihre Lorbeeren ernten und den andern Nationen unter allen Umständen zeigen, daß auS dem„weichlichen"„Volk der Denker" ein Hunnenvolk geworden ist? Jedenfalls kann man nicht bloß in der deuffchen bürgerlichen Preffe jetzt alle Tage Hunnenbnefe lesen, auch daS Ausland fängt an, sich damit zu beschästigen. Schon gestern brachten wir im Auszug eme Korrespondenz deS Bureau Lassan auS Peking. Der„Frankfutter Zeitung" geht über diese Korrespondenz aus London eine noch viel drastischere LeSatt zu. Danach werden die deutschen Berichte über Unruhen in vielen Gegenden als zweifellos sehr übertrieben gekennzeichnet. Die deutschen Offiziere flogen beständig darüber, daß bei Dangffun und Tungchow auf ihre Flußboote gefeuett wird, und ihre Wachen antworten immer damit, daß sie einige Chinesen erschießen. Seit dem Vorrücken der Verbündeten zum Entsätze Pekings sind SOO Chinesen am Fluffe erschoffen worden. Die Beschuldigung, daß sie auf die deutschen Boote geschossen hätten, war oft ungerechtfertigt. Die Erschossenen waren meist Kulis, die auf den Feldern arbeiteten. In einer Beschwerde gegen das unterschiedslose Schießen der Deutschen dem Flusse entlang und unter Anführung besondrer Fälle von Tötung unschuldiger Chinesen werden die ver- bündeten Generale gebeten werden, den Grafen Waldersee zu ersuchen, das Schießen einstellen zu lasten. Während die Deutschen benchten, daß aui ihre Boote geschossen wird, ist seit dem Vorrücken nicht ein einziger Angttff auf englische, amerika- n i sch e oder japanische Boote unternommen worden. Die Be- völkcrung ist freundlich und arbeitet, wenn eS ihr gestattet wird. In der Umgebung des Hauptquartiers des Grafen Walder- see wird jede Nacht geschaffen. Die Chinesen mißverstehen häufig de« Befehl stillzustehen, und eS wird dann auf fie ge- schaffe«. Letzte Meldmtgen. London, 7. November. Nach Meldungen auS Shanghai soll eS dem chinesischen Kaiser mit Hilfe von Freunden gelungen sein, seiner Bewachung zu entkommen. Derselbe befinde sich auf dem Wege nach Peking. Berlin, 7. November.(W. T.B.) Ueber daS Gefecht bei Tsn- Kungkwan giebt eine Meldung des General-Feldmarschalls Graf Walders'ee nachfolgende Einzelheiten: Der Feind war etwa 2000 Mann stark, an Toten wurden bei ihm 3 Offiziere 78 Mann auf« geftinden. Diesseitiger Verlust: Major v. Förster leicht ver« ivundet, 4 Mann tot, 2 schwer, 3 leicht verwundet. Bei der Verfolgung noch ein Schnellfeuergeschütz erbeutet. Rom, 7. November. Der„Agenzia Stefan!" wird a N S Peking gemeldet: Eine gemischte, aus Deutschen und Italienern bestehende' Kolonne unter dem Befehl des Obersten Garioni, ist von Paotingfu hierher zurückgekehrt. Die Kolonne. die nur auS 350 Mann bestand, griff mit großer Kühnheit die be- festigte Stadt Kuanhsien an, welche von 1500 mit Gewehren be- waffneten Chinesen und Artillerie vetteidigt wurde. Nach einem heftigen Kampf besetzte die gemischte Kolonne die Stadt, entwaffnete die chinesischen Soldaten und erbeutete acht Kanonen. Von der Kolonne wurde nur ein Mann schwer verwundet, einige andre wurden leicht verwundet. Uetzte Maä|vi