Nr. 269. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Dtt., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonntagsNummer mir luftrierter Sonntagss Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PoftAbonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Poft Bettungs Preislifte für 1900 unter Br. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebaye beträgt für die fechsgespaltene Rofoner geile oder beren Raum 40 fg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Kleine Anzeigen" jedes Mort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fefttagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Kernsprecher: Emt I, nr. 1508Telegramm Adresse: Borialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Die bürgerlichen Parteien Sonnabend, den 17. November 1900. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. " Für die Sicherung der staatlichen und gesellschaftlichen Ord- Man beachte den Stil dieser Verlautbarung: es ist darin nicht, mung ist die Achtung und Handhabung der verfassungs- wie bei uns, von einem Kruppschen Projekt die Rede, auch nicht von mäßigen Rechte und Freiheiten unerläßlich." militärischen Versuchen, sondern es wird hier bündig von der AusIn der That, so ist es! Wie aber, wenn die Nicht- Achtung und rüstung der Artillerie" gesprochen, die den eingeweihten " und die Minister- Verantwortlichkeit. Nicht- Handhabung der Verfaſſung gar nicht von Rechts wegen mit militärischen Streifen keineswegs unerwartet komme. Strupp 3 Angesichts der Komödie, als welche sich die bürgerliche Opposition gegen die Verfassungsverlegung der Regierung je länger je mehr in der That entpuppt, ist es doppelt wertvoll, möglichst deutlich immer von neuem an urkundlichen Belegen Schein und Wirklichkeit bürgerlicher Politit aufzudecken. Bleibt für alle wirklichen Anhänger einer parlamentarisch- konstitutionellen Macht überhaupt und bei dem heutigen Stande der Dinge besonders, ernsthaft als Kampfziel nur die Durchsetzung eines specialisierten Minister Verantwortlichkeits- Gesezes, so mögen die bürgerlichen Parteien daran erinnert werden, daß ein Teil von ihnen diese Forderung ausdrücklich in seinem Programm hat und sobald sicherlich keine bessere Gelegenheit haben wird, diese Programm- Bunfte" als Forderungen in das Feld parlamentarischer Kämpfe vorrüden zu lassen als gerade jetzt. Beginnen wir mit der äußersten" bürgerlichen Linken, der Deutschen Volkspartei. Wir schenken ihr das ernsthaftere Programm vom September 1868 und stellen uns einmal für diesen 8wed mit ihr auf ihr Programm vom 21. September 1895; nachdem sie sich hier zu den demokratischen Grundsägen der Freiheit und Gleichheit" bekannt, fordert fie die gleichartige Mitwirkung aller Staatsbürger bei Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung, die Durchführung der Selbstregierung des Volts im Staate." Nicht übel! Und sodann werden ebenso wörtlich gefordert: ,, Gesetze zur Verwirklichung der Verantwortlichkeit der Minister gegenüber der Volksvertretung für ihre gesamte amtliche Thätigkeit im Reich, Einzelstaat und Bundesrat." Nicht minder deutlich verlangt die freisinnige Bolts partei in ihrem Eisenacher Programm vom 24. September 1894 unter Ib: Entwickelung eines wahrhaft konstitutionellen Berfassungslebens im Reich und in allen Einzelstaaten: Sicherstellung und Kräftigung der Rechte der Boltsvertretung, Berwirklichung der Ministerverantwortlichkeit. Und schon im Programm der früheren geeinigten Deutschen Freisinnigen Partei vom 5. März 1884 tonnte man als ersten Saz lesen: " Entwicklung eines wahrhaft konstitutionellen VerfassungsLebens in gesichertem Zusammenwirken zwischen Regierung und Boltsvertretung und durch gesetzliche Organisation eines verantwortlichen Reichsministeriums." Die nationalliberale Partei nun, das ist bekannt, brüstet sich wie feine zweite bürgerliche Partei bei allen möglichen und unmöglichen Gelegenheiten mit ihrer Verfassungstreue, und man fann schwer leugnen, daß sie zu diesem Brüsten nicht wenigstens ihren historischen Grund hat. Es war am 26. März 1867 im Reichstage des Norddeutschen Bunds, als über die Ministerverantwortlichkeit beraten wurde, und die nationalliberale Partei ihre besten und besonders staatsrechtswissenschaftlich gebildetsten Mitglieder für die Ministerverantwortlichkeit und ihre juristische Fundamentierung ins Feld schickte. Kein Geringerer wie Gneist erklärte damals: " Trotz einiger rasch gesprochenen Worte fann ich mich nicht überzeugen, daß diese hohe Versammlung gering denken sollte von der rechtlichen Verantwortlichkeit der Minister. Es wäre das in großem Maße gegen die deutsche Natur. Die rechtliche Berant wortlichkeit der Minister ist nötig, um überhaupt das Verhältnis zwischen Gesez und Verordnung zu regeln. Diese rechtliche Verantwortlichkeit grundsäglich negieren, hieße überhaupt wollen, daß der Staat nicht nach Gesetzen regiert werde..... Mit einem Worte: die Verantwortlichkeit gründjäglich negieren, heißt den Rechtsstaat selbst negieren." Und Herr v. Bennigsen forderte eine Verantwortlichkeit, die gegenüber dem Bundesrat, gegenüber dem Reichstag stattfindet, die auch, wenn das Verfahren vollständig geordnet wird, innerhalb gewiffer Formen geltend gemacht werden soll. Strafe bedroht ist und gar nicht geahndet werden kann?! Und in seinem programmatischen Wahlaufruf vom Jahre 1893 erklärt der Vorstand der Centrumsfraktion mit der ihm eignen Phraseologie: " Nicht Augenblics- Rüglichkeit, Gerechtigkeit ist Fundament der Reiche. Was der Gerechtigkeit entspricht, ist einzig wahrer Vorteil; und wahrer Nachteil, was ihr widerstreitet. Wir halten für geboten, dies ursprüngliche Motto der Partei auch heut wieder voran, der Politit bloßer 8wedmäßigkeit oder Gewalt diejenige des ewigen Rechts gegenüberzustellen. #" „ Das oberste Gesetz ist die Verfassung. Sie vor allem muß in der Ehrfurcht und in der Sitte der Nation fich befestigen; ihre Bestimmungen müssen allseitig geachtet werden."" In diesem feierlichen Wort unfres erhabenen Dulderkaisers Friedrich ist unsre ganze Haltung seit der Gründung der Partei bestätigt. Ohne gewissenhafte Achtung der Verfassung find alle andreu Errungenschaften auf die Dauer wertlos, ist jede staatliche und gesellschaftliche Ordnung, die innere und äußere Sicherheit des Reichs gefährdet." Artillerievorlage scheint danach in Offizierstreifen bereits als offizielle Vorlage angesehen zu werden. Für wie wichtig man die neue Konstruktion hält, geht auch daraus hervor, daß es die„ bestunterrichtete Quelle" für ganz unglaublich erklärt, daß Krupp seine Erfindung bereits Rußland angeboten habe. Interessant ist auch, daß Krupp mit der neuesten Konstruktion bereits seit Jahren experimentiert haben soll, während doch erst 1897 die letzte Artillerie- Ausrüstung, die 44 Millionen verschlang, stattgefunden hat. Krupp scheint uns demnach alle paar Jahre ein neues Feldgeschütz bescheren zu wollen. Und wer garantiert nun, daß Krupps erfindungsreiche Ingenieure nicht bereits eine allerneueste Konstruktion ausgetüftelt haben, mit der sie erst nach 2 bis 3 Jahren, nach Einführung des jetzt besten Geschüßes, herausrücken werden? Die Deffentlichkeit im Militärgerichts- Verfahren. 16 Man schreibt uns aus Dresden, 16. November: Die Oeffentlichkeit im Militärgerichts Verfahren ist durch den Man sieht: wenn der Schein der Sprache auch nur ein wenig§ 283 der Gerichtsverfaffung sehr wesentlich durchlöchert worden, da die Wirklichkeit der That verbürgte, man müßte vom Centrum mit neben der Gefahr für die öffentliche Ordnung auch angebliche Gezuerst ein energisches und zweifelloses Eintreten für ein Minister- fährdung militärischer Dienstinteressen einen Grund zur geheimen verantwortlichkeits- Gesetz in schärfster Form erwarten, für ein Gesetz, Berhandlung bilden kann. Was die Militärrichter aus dieser Bedas die Verfassung, wie immer wiederholt werden muß, erst end- stimmung aber zu machen verstehen, zeigte sehr deutlich eine Verhandlung gültig fundamentiert. gegen den Lieutenant Klemm aus Bauz en vor dem Kriegsgericht Daß den konservativen Parteien und ähnlichem fosfilen zu Dresden. Dieser Herr war, wie wir durch Augenzeugen erfuhren, Gelichter ein Ministerverantwortlichkeits- Gesez nicht in den Kram am Abend des 29. Oktober mit dem gezogenen Säbel auf paffen wird, bedarf teiner ausdrücklichen Betonung; aber das bliebe einen ruhig des Wegs kommenden Bürger losgegangen; eine zweite durchaus gleichgültig, wenn nur die übrigen, nach ihren Programmen Brüsewißthat verhinderte wohl nur die rechtzeitige Ueberwältigung hier sfizzierten bürgerlichen Parteien gesonnen wären, mit allen des Lieutenants durch Civilpersonen. Der Vorfall war gestern parlamentarischen und verfassungsmäßigen Mit- Gegenstand einer Gerichtsverhandlung vor dem Dresdener Kriegsteln ein solches Gesez durchzubringen. gericht. Die Bürgerschaft Baugens blickte natürlich mit Interesse auf die Verhandlungen und es durfte eine öffentliche Klarstellung folcher leider nicht so seltener Vorkommnisse auch im allgemeinen Interesse liegen. Die Dresdener Militärrichter aber waren andrer Meinung: sie tamen vielmehr zu dem rätselhaften Beschluß, daß durch die Verhandlungen militärische Intereffen gefährdet werden fönnten und schlossen die Oeffentlichkeit aus. Ja, man trieb die Rücksichtnahme soweit, selbst die Feststellung der Personalien und die Begründung des auf 2 Monate Festung lautenden Urteils hinter verschlossenen Thüren vorzunehmen; auch war es nicht möglich, den Namen des Angeklagten bei der Urteilsverkündung mit Sicherheit feststellen zu können. Ihre Programme zwängen sie dazu, und es wird ein Schauspiel für Götter werden, wie weit sie nun auch in diesem Falle die Komödie der Opposition zu spielen versuchen werden. Denn daß die Regierung auch nur irgendwie ohne ernst est en 8wang einen Buchstaben eines Ministerverantwort lichkeits- Gesezes acceptieren wird, ist sonnenklar. Das war in Preußen- Deutschland schon so, als eine selbstherrliche Regiererei noch nicht so offensichtlich mit der Verfassung spielte wie heute. Schon 1884 erklärten die verbündeten Regierungen gegenüber der oben citierten erneuten Forderung von verantwortlichen Reichsministerien im Programm der deutschfreisinuigen Partei folgendes: „ Die Einrichtung verantwortlicher Ministerien im Deutschen Reich ist nicht anders möglich als auf Kosten der Summe von vertragsmäßigen Rechten, welche die verbündeten Regierungen gegenwärtig im Bundesrat ausüben. Die wesentlichsten Regierungsrechte der Bundesstaaten würden von einem Reichsministerium absorbiert werden, dessen Thätigkeit durch die Art der ihnen auferlegten Verantwortlichkeit dem maßgebenden Einfluß der jedesmaligen Majorität des Reichstags unterliegen müßte. Man wird nicht fehlgehen, wenn man in der von der neuen fortschrittlichen Partei erstrebten Einrichtung eines solchen Ministeriums ein Mittel zur Unterwerfung der Regierungsgewalt im Reiche unter die Mehrheitsbeschlüsse des Reichstags erblidt." Das hieß mit andern Worten: von einer wirklich parlamentarischtonstitutionellen Macht des Reichstags soll feine Rede sein! Wir wissen sehr gut, daß es in diesem Sinne seit 1884 nur noch schlimmer geworden ist: Grund umsomehr für alle Parteien, die die Verfassung nur von verantwortlichen Leuten gehandhabt wissen wollen, mit aller Energie und Rücksichtslosigkeit vorzugehen! Man wird bald sehen, ob die deutsche Socialdemokratie wieder die einzige, wirklich ernsthafte Bortämpferin ur sprünglich auch bürgerlich- freiheitlicher Forderungen sein wird! Politische Neberlicht. Berlin, den 16. November. Krupps neue Militärvorlage. Schon damals gab also die nationalliberale Partei mehr oder minder offen zu, daß mit einer politischen oder gar moralischen" Berantwortlichkeit der Minister gar teine Gewähr für die Ahndung irgend welcher Bergehen derselben gegeben sei, daß vielmehr die Es scheint also seine Richtigkeit mit der neuen Gewähr für die stritteste Innehaltung der Verfassung nur durch ein Artillerievorlage zu haben, die wir vor einigen Tagen an specialisiertes Ministerverantwortlichkeits- Gesez gewährleistet werden fündigten. Mit Bezug auf unsre Meldung lassen sich nämlich die kann, das hohe und höchste Strafe von unabhängigen Richtern gegen Dresdener Neuesten Nachrichten" aus„ bestunterrichteter Quelle" die Minister für die Verfassungsverlegung in irgend welcher Form schreiben: erfenuen tann. Wenn demnach die nationalliberale Partei später in ihrer sonst fo berüchtigten Heidelberger Erklärung" von 1884 „ die Förderung der gemeinsamen Angelegenheiten des deutschen Bolts auf dem bundesstaatlichen Boden der Reichsverfassung nach wie vor als ihre vornehmste Aufgabe" betrachtete und noch zuletzt auf ihrem Allgemeinen Delegiertentag" vom 31. Mai 1891 erklärte, „ nach jeder Seite unabhängige Haltung zu bewahren und insbesondere die alten liberalen Grundsätze zu pflegen," " so müßte gerade diese Partei der Verfassungstreue" zuerst und mit allen parlamentarischen Mitteln für ein strenges Gesez eintreten, das die Verfassung erst endgültig in einen besonderen Schutz vor ihren ureigensten Verwaltern stellt. Wir ſagen wohlweislich, die nationalliberale Partei müßte für ein solches Gesetz sein.... Und nun gar erst die regierende Partei, das Centrum! In seinem ersten eigentlichen Programm vom Juni 1878 kann man es also lesen: D Dieser Vorfall veranschaulicht recht deutlich den Wert der neuen Militärgerichts- Reform. Vergeblich sucht man nach Momenten die eine Gefährdung militärischer Interessen hervorrufen könnten. Gefährdet konnte durch eine öffentliche Darlegung der Lieutenantsattade nur das Ansehen des Lieutenants selbst werden, sonst nichts. Deutsches Reich. ilhelm II. in Breslau. Bei dieser Gelegenheit hat sich ein Unfug einer Geistesgestörten. Gestern, Freitag, war Kaiser wifchenfall ereignet, über den das offiziöse Wolffsche Telegraphenbureau folgendes berichtet: 8 Der faiserliche Sonderzug traf um 123/4 Uhr auf dem Oberschlesischen Bahnhof ein, wo der Polizeipräsident und der Präsident der Eisenbahndirektion zugegen waren. Der Kaiser in KürassierUniform entstieg dem Salonwagen; ihm folgten die erbpringlich meiningschen Herrschaften. Nach herzlicher Verabschiedung von der Erbprinzessin fuhr der Kaiser mit dem Erbprinzen von SachsenMeiningen in offener Equipage nach der Küraffterfaserne in Kleinburg. Auf der Fahrt ereignete sich an der Ecke der Garten- und Teichstraße( nahe am Bahnhof) ein Zwischenfall. Eine an scheinend geistes gestörte Frau namens Selma Schnapte aus dem Publikum warf mit einem furzen Handbeil in der Richtung des Wagens des Kaisers. Sie hatte im Publikum auf der Seite des Wagens gestanden, wo der Erbpring bon Meiningen saß. Das Beil fiel hinter dem Wagen zur Erde, ohne daß irgend jemand Schaden genommen hätte. Die Frau wurde verhaftet. Eine spätere Depesche besagt: Die Verhaftete stand in einer der vordersten Reihen des Publikums und zwar auf der Seite des Wagens, auf welcher der Erbpring von Meiningen saß. Als der Wagen vorüberfuhr, schleuderte sie das turze Beil nach demselben. Es prallte an dem Wagen ab und fiel unmittelbar hinter demselben nieder. Die Menge stürzte sich auf die Frau, welche sogleich von Schußleuten festgenommen wurde. „ Die Ausrüstung der Feld artillerie mit dem neuen Schnellfeuer- Feldgeschüz Wiege- Lafette" tomme für Beil, mit dem sie den Unfug verübte, wird Die Geistestrante soll in Italien geboren sein; über das bon einem militärische Kreise durchaus nicht unerwartet, Sensationsblatt gemeldet, daß es ungebraucht" gewesen sei. da Krupp schon seit Jahren mit der Konstruktion eines Das Blatt weiß weiter ชน berichten, daß die Frau derartigen Geschützes beschäftigt ist und bereits umfangreiche Schnapte auf dem Transport nach dem Polizeirevier in Versuche sowohl auf seinem Schießplage Meppen wie der Ernststraße davon geredet habe, daß fie aufgehetzt" worden sei. auch auf dem Schießplaze Kummersdorf vor den Mit- Nach einer andren Zeitungsmeldung ist nach dem Zwischenfall sofort gliedern der preußischen Artillerie Prüfungs- bie Breslauer Garnison alarmiert worden, das Militär tommiffion vorgenommen hat. Ganz unglaublich klingt habe den Weg, den der Kaiser genommen, absperren müssen. Heute es indessen, daß Strupp seine neu tonstruierten Geschüße der morgen jagt der Kaiser in Groß- Strelig. Aus Breslau wird am Abend noch gemeldet: Die Angaben russischen Regierung angeboten habe. Wer die Verhält- hiesiger Extrablätter, daß die während der Wagenfahrt Sr. Majestät nisse bei Strupp feunt, weiß, daß Krupp seine sämtlichen Neu- des Kaisers verhaftete Frau eine Italienerin oder daß es ein Konstruktionen zunächst dem preußischen Kriegsministerium anbietet. Wenn sich wirklich russische Offiziere zur Seit in Effen aufhalten, so geschieht das lediglich zur Abnahme der seitens der russischen Regierung bei Krupp in Auftrag gegebenen 24 Centimeter und 28 Centimeter Küsten- Geschüße, weil Nußland Geschüße so großen Kalibers selbst nicht herstellen fann." als Frau verkleideter Mann sei, sind unwahr. Die Frau ist eine hiesige Händlerin Namens Schnapka. Die amtlichen Ermittelungen haben ergeben, daß fie offenbar geistesgestört ist. Wer trägt die Schuld? Der Berliner Bülow- Offiziöse der demokratischen Frankfurter Zeitung", der sich auch bemüht, die bürgerliche Indemnitäts Komödie in den Vordergrund zu spielen, 0 sucht auf eine eigenartige Weise seinen Helden zu entlasten. Er schreibt: .Die jetzt ausgesprochene und anch richtige Erwartung, daß der Reichstag die nachträgliche Bewilligung aussprechen wird, allerdings mit geringerer Mehrheit, ist auch keine Entschuldigung dafür, daß man ihn so spät beruft, denn es trifft ja bei den meisten großen Forderungen, au» denen der Etat besteht, von vornherein zu, daß der Reichstag sie bewilligen wird. Die Angelegenheit wird daher wie man fich heute schon im Reichstag überzeugen konnte und wie schon die Haltnng der Parteipresse andeutete, etwas emster aus 8 e faßt, als sie in der Thronrede behandelt ist. vielleicht auch des alb, weil man weiß, daß der jetzige Reichskanzler und frühere Staatssekretär des Auswärtigen für die Einberufung des Reichstags im Lauf des Sommers war und weil man die dunNe ver- mutung bat, baß den Ausschlag für die Richtberufung viel leicht eine Instanz gegeben hat, der gegenüber eS gut und notwendig ist, daß der Reichstag recht streng auf den verfassungsmäßigen Rechten der Volksvertretung besteht und auch dann keine Verletzung derselben ungerügt läßt, wenn sie vielleicht einer gewissen gehobenen kriegerischen Stimmung entsprungen ist. in der man glaubt, unter Patrioten sei das egal, ob die an sich nicht ? weifelhafte verfassungsmäßige Genehmigung ein paar Monate rüher oder später eingeholt werde." Diese bemfene bürgerliche Strenge, die eS bei ein paar harten Worten bewenden läßt und vor der einfachsten Konsequenz zurück bebt, wirkt ebenso grandios wie der naive Entschuldigungszettel, der dem Grafen Bülow ausgestellt wird. Wenn der Reichskanzler im Sommer davon überzeugt war, baß der Reichstag einberufen werden müsse, und er, der zwar nicht die formelle aber die materielle Ver- antwortung trug, hat trotzdem irgend einem nicht verantwortlichen Wunsche nachgegeben, anstattdieAngelegenheitzu einer Frage seines Verbleibens im Amte zu machen, so würde das beweisen, daß der Reichskanzler nicht die elementarsten Pflichten der Verantwortlichkeit kennt und dem Reichstag keinerlei Gewähr einer verfassungsmäßigen Regierung bietet. Graf Bülow mag sich vor seinen Freunden und Berteidigem in acht nehmen.— .. Die Vertagung der Vorlage deS Zolltarif« hält die .Kölnische Zeitung" für sicher. Angeblich soll die Vertagung aus Rücksicht auf das Ausland erfolgen, das möglichst lange im un« klaren über die deutsche Zollpolitik gelassen werden müffe. Natürlich sind für diese Verschleppung Motive der inneren Politik maßgebend. Man will nicht, daß in einer Zeit schwierigster auswärtiger Politik die Khakiparteien durch inneren Hader in ihrem Eifer gelähmt werden. Die Agrarier finden so schon die ganze Weltpolitik„gräßlich".- Nicht« gelernt und alle« vergeffen. Die„Rheinisch- Westfälische Zeitung", die sich über unsre Wür digilng der„döcision irrövocable* ärgert, schreibt u. a. „Nächstdem ist dem„Vorwärts" am peinlichsten, daß China an Staat und Private Entschädigungen zahlen soll. Kein Wunderl Denn das Geschrei über die gerade letzt vom Reichstage geforderten 123 Millionen Mark muß sich angesichts der Wahrscheinlichkeit baldiger Wiedererstattung dieser Summe durch China selbst vor den Ohren der urteilslosen Maffe erheblich eindrucksloser gestalten." Wir antworten der.Rhein.-Westf. Ztg." mit nachstehenden vor- trefflichen Ausführungen, die der.Vorwärt«" am 17. Juli der.Rhein. westf. Ztg." entnahm: .Ob China ferner faktisch allen Mächten eine volle Krieg« entschadigung zahlen können wird, das ist auch sehr fraglich ES hat bereits 11 Anleihen zu 4 bis 8 Proz. in Höhe von 1200 Millionen Frank gemacht, für die jährlich etwa 80 Millionen Zinsen zu zahlen sind. Japan erhielt seiner Zeit für den zweijährigen Feldzug eine Kriegskostcn- Entschädigung von 3CX1 Millionen Urn(1 Denn— ca. 2,10 M.) oder etwa 770 Millionen Frank. Die verbündeten Mächte werden vermutlich viel mehr Truppen ins Feld führen, als Japan im Jahre 1894. Wenn sie dann zusammen ebenfalls 770 Millionen Frank Entschädigung beanspruchen, wäre das vielleicht viel zu knapp gerechnet. wo man sich jetzt so unsicher fühlt, diese aber leihen? Und wie soll es die Z i n s e n das bringen, die bei S Proz. schon fast 40 Mill. Frank er wird China e Summe f ü r a u f Proz. schon fast 40 Mill. Frank betrügen? Denn Chinas Gesamteinnahmen aus Zöllen aller Art sSeezöllen' betragen nur 22>/s Millionen Haikvan Taels sa2.S4M.) oder etwa 83 Millionen Frank, die nur zur Verzinsung der bisherige» Anleihen reichen. Oder soll man die fünfprozentigen Scezolle erhöhen? Aber die„Politik der freien Thür" würde durch solche Zollerhöhungen wenig gefördert und die Wareneinfuhr aus Europa erschwert werden. zumNachteildeSHandels. dessent- wegen die M a chte sich hier ja hauptsächlich nur festsetzen. Die Aussichten deS Handels sind aber für die nächste Zukunft infolge der europner- feindlichen Boykott- bewegung im Reiche der Mitte, durch die Ermordung der Fremden und der einheimischen Christen, durch Zerstörung der Eisenbahnen Handelsniederlassungen und sonstigen europäischen Anlagen ohne- hin recht traurig."— Politik und Handel. Wie sehr die vernünftige Politik der Vereinigten Staaten von Amerika gegenüber China seit langem schon dem ameri kanischen Handel gedient hat, ist oft bewiesen worden, ebenso oft wie das Gegenteil: die rückläufige Bewegung z. B. des deutschen Handels mit China seit der Khaki-Politik. Die im ReichSamt des Innern herausgegebenen„Nachrichten für Handel und Industrie" übernehmen soeben aus dem»llourual vk Commerce and Comraercial Bulletin" die neuesten amtlichen chinesischen Zahlen, die von neuem den enormen Vorteil beweisen, den der amerikanische Handel aus der vernünftigen Politik seiner Regierung davongetragen hat. Nach der amtlichen chinesischen Stati st ik entwickelte sich hiernach in den letzten fünf Jahren die Einfuhr der Vereinigten Staaten nach China in folgender Progression: 1896... 6 093 182 Haikwan Taels 1896... 11929853, 1897... 12440302., 1898... 17163 312 1890... 22 288 745 In einem Zeitraum von fünf Jahren hat sich also die amerikanische Einfuhr nach China mehr als vervierfacht! In derselben Zeit stieg die Einfuhr aus Großbritannien nach China von 33 950060 Haikwan Taels(1895) auf 40 161 115 H. T. (1899) und die Einfuhr auS dem europäischen Festland außer Rußland von 7 552 090 H. T.(1392) auf 10 172 393 H. T. (1899). Während also die Einfuhr auS Großbritannien in diesen fünf Jahren um 18 Prozent zugenommen hat und diejenige auS dem europäischen Festlande außer Rußland um 35 Proz., zeigt die Einfuhr auS den Vereinigte» Staaten eine Steigerung um 337 Proz. Wenn man überhaupt noch daran im entferntesten auch nur denken dürfte, die bornierte Vorstellung unsrer Khaki-Politiker, daß der Handel durch die Khaki-Politik gefördert werde, durch die Ver- nunft der Thatsachen zu belehren und zur Umkehr zu bringen, so könnten es auch diese amtlichen, vom Reich samt de» Innern, wie gesagt, verbreiteten Zahlen... JndeS— laßt alle Hoffnung draußen 1—_ Die 18000 Mark-Affaire. Die„Post" weiß bereits, daß der Reichskanzler die sofortige Beantwortung unsrer Interpellation abgelehnt hat, und sie freut sich dieser Galgenftist: „Es wäre in der That ein Skandal ersten Rangs gewesen, wenn die Session mit der Besprechung einer Interpellation be- gönnen hätte, an der nicht nur der Schmutz widerrechtlich an« geeigneter Privatbriefe haftet, sondern welche auch ein Glied einer politischen Aktion bildet, durch welche die Socialdemokratie mit der größten mala Lde, und mit arglistiger Verlogenheit den Glauben zu erwecken versucht, daß die Reichsregierung in Wirklichkeit von der Großindustrie beherrscht werde." Die„Post" verwechselt Zukunft und Vergangenheit. Bisher ist der Reichstag noch gamicht befragt worden, er hat auch nicht ant- Worten können. Immerhin ist eS möglich, daß Graf Bülow die China-Affaire für weniger blamabel hielt, als die 12 000-Mark-Ge- schichte und darum als würdigeren Anfang der Sitzungen die in seinem Kopf aufgespeicherte Khaki-Rede losznwerden wünscht. Wir teilen diese Schätzung des Kreuzzugs nicht im mindesten; auch die Abrechnung mrl der a u S w ä r t i g e n Politik der Regierung wird sich moralisch und intellektuell zu keinem Triumph deS Grafen Bülow gestalten, wie feig und urteilslos auch die bürgerlichen Parteien in dieser Frage sich benehmen mögen. Die„Post" nennt unsre Behauptung eine Lüge, daß sie zu gestanden habe, die ZuchthauSvorlaae sei eine Liebesgabe für die Unternchmer gewesen, sie hätte im Gegenteil dargelegt, sie hätte im Interesse der' Arbeiter gelegen. Die„Post" ist undankbar. Wir hatten ihr gestern die Gunst erwiesen, daß sie logisch denken könne und hatten deshalb die idiotische Beteuerung, daß die Arbeiter ein Interesse an der ZuchthauSvnrlage gehabt hätten, schonend über gangen; denn sie widersprach dem Gedankengang deS übrigen Artikels und sie schien uns deshalb als ein nachträgliches unüberlegtes Ein 'chiebsel eines ängstlichen RedacteurS. Der Artikel selbst vertrat ja die Ansicht, daß die Regierung amtlich von Privatleuten Agitationsgelder nehmen könne, nament lich wenn e« sich um die Berücksichtigung besonders interessierter Kreise handle. DaS ReichSamt de« Innen, hat Geld von den Scharfmachern genommen, folglich mußte die„Post" nach den ' tzen der Logik zugestehen, daß diese an der ZuchthauSvorlage interessiert waren. Wenn die„Post" jetzt nachträglich diese Schlußfolgerung ablehnt. giebt sie damit entweder ihre gestrige Beweisführung preis oder die Logik. Wir lassen ihr die Wahl.— Die Bildungöfeindlichkeit de« Eentrnm« ist bekannt. Aber nicht alle Ultramontancn geben ihre Rückständigkeit so offen zu er- kennen, wie das der LandtagS-Abgeordnete Pleß dieser Tage in einer Stadtrats- Wählerversammlung in Mülheim a. Rh. gethan hat. Nach einem Berichte des dortigen Kreisblatts erklärte Herr Pleß: „Ich für meinen Teil mache gar kein Hehl daraus, daß ich ein persönlicher Gegner der Fortbildungsschule bin. Der Knabe soll in der Schule das lernen, wa« er fassen kann, und nicht mit zehn bis vierzehn Sachen belastet werden. Früher wurde in den Schulen nur in 4 Fächern: Lesen, Schreiben, Rechnen und Religion unterrichtet, und eS wnrde etwas Tüchliges gelernt. Jetzt werden sie mit gar vielen Gegenständen belastet, so daß selbst die Pädagogen sagen: das können die Jungen nicht alles fassen I Es wird heute nur eine Halbbildung 36 M., Gefreite 16,50 M., Gemeine 13,50 M. Für die Ausreise des Armee- OberkommandaS ab Genua mit dem ReichSpostbampfer „Sachsen" wurden bezahlt rund 168 000 M. Ein Lieutenant erhalt demnach 18 mal so viel, wie ein Gemeiner, und der Oberkommandierende Graf Waldersee 51 mal so viel lv:e ein Lieutenant oder die Löhnung von 926 Gemeinen. Dafür hat Graf Waldersee aber auch die schwere Last der Vorschuß-Lorbeern zu tragen. Der L e i b k o ch des Grafen Waldersee rangiert seinem Ge- halt nach in der Gehaltsstufe eines Bataillonskommandeurs. Strafexpeditionen in Kamerun. Nach dem„D. Kok.-Bl." hat die Gtrafexpedition nach den Croß-Schnellen nach mehreren schweren Gefechten mit der völligen Unterwerfung der Eingeborenen- stamme geendet, die an der Ermordung de« Lieutenant« v. Queis und de« Forschungsreisenden Conrau beteiligt waren. Zwei ein- geborene Gefreite fielen und Hauptmann v. Besser wurde verwundet. Wie viele Dörfer niedergebram, t wurden, wird nicht mitgeteilt. Eine„Adamaua-Expedition" soll im nächsten Frühjahr zur Ausführung gelangen. Außerdem sind im Bau e- gebiet neue Unruhen ausgebrochen, nachdem glücklich daS B a l i l a n d„beruhigt" worden ist. Unsre Kolonial- Politik bestand bisher überhaupt nur in einer nicht ab- gerissenen Reihe von Strafexpeditionen. Die kriegerischen Erfolge waren ebenso üppige, wie die kulturellen und merkantilen Erfolge über alle Maßen dürftig.— Austand. Schweiz. Wahlsieg. Man schreibt uns auS Zürich, 14. November: Bei den am letzten Sonntag im Kanton Genf stattgefundenen Regie- rungS- oder Staatsratewahlen hat die gemeinsame Liste der Social- demokraten und Radikalen gesiegt, so daß unser Genosse Thiebaud wieder gewählt ist. Er erhielt aber mit 7664 Stimmen die geringste Stimmenzahl, etwas weniger noch als der erste Führer der Radikalen, Favon, auf den 8384 Stimmen fielen. Die Konservativen hätten gerne beide gesprengt und hatten sie darum nicht auf ihre Liste genommen. Ihre Kampfkandidaten erhielten 6177 Stimmen, worin also ihre Stärke besteht. Die meisten Stimmen erhielt der Radikale Fazh mit 14 163, der auf ollen Listen stand. Ter neue Staatsrat besteht wiederum wie sein Vorgänger aus 4 Radikalen, 2 Konservativen und 1 Socialisten.— Erwerbung de« Bürgerrecht«. Im Großen Rat wurden in voriger Woche diesbezügliche Anregungen gemacht, die auch die Ein- ührung eines gewissen EinbürgerungSz wange« statuiert wissen möchten. Dringend notlvendig ist, das muß immer wieder gesagt werden, die bedeutende Herabsetzung der Einkaufsgebühren, die heute in den meisten Gemeinden und Kantonen viel zu hoch sind, ö daß es nur beffersituierten ausländischen Arbeitern, die doch die große Mehrzahl der Ausländer in der Schweiz ausmachen, möglich ist, sich das Schweizerbürgerrcckit zu erwerben. Gerade hier sollte mit dem unschönensGrundsatz:„Kein Geld, kein Schweizer", gebrochen werden.— Frankreich. lieber den Millerandschen Streikgesetzentwnrf läßt fich die .Franks. Ztg." telegraphieren: Der von Millerand der Kammer vor- gelegte Gesetzentwurf über Arbeiter-SchiedSgerichte ist sehr umfang- reich; er betrifft sämtliche mehr als fünfzig Arbeiter und Angestellte �• M.»,...«. y Y___ 1 IvlUj f vi. WvVHjl»| WllllHiy v t.'ravift'va ÄÄ"Ä..nr,K;" ülsk1............................. mitsprechen. Wäre eine allgemeine gediegene Bildung möglich, dann wäre da« sehr schön. Aber wo soll e» hin, wenn der Schüler bis zum vierzehnten Jahre nicht auslernt, dann noch bis zum sechzehnten Jahre die Fortbildungsschule besuchen muß. Da« nach wird man dann auch das siebzehnte und achtzehnte Jahr noch hinzunehmen." Herr Pleß ist ein eifriger Bcju..„orter der JnnungSbewegung; eS thut ihm offenbar leid um jede Minute, die der Lehrling der handwerksmeisterlichen AuSbeutuug entzogen wird. UcberdieS aber glaubt -r, daß diejenigen, die nur in den genannten vier Fächern unterrichtet werden, die z u v e r l ä s i g st e n C e n t r u m s iv ä h l e r sind. Vor einigen Monaten hat Herr Pleß im preußischen Landtag ausgeführt, daß„zuviel Wissen" Gefahren in sich berge; vor allem in den ländlichen Schule» dürften nicht zuviel Gegenstände gelehrt werden; die junge» L a n d l e u t e brauchten nur ein beschränktes Wissen: Lesen. Schreiben, Rechnen und Religion. Nach solche» Offenherzigkeiten kann man sich ausmalen, wohin eS mit der Volksbildung käme, wenn die Ultramontanen völlig das Heft in Händen hätten.— Militärjustiz. Vor de». Düsseldorf. Kriegsgericht halle sich der Sergeant Hangs von der 1. Comp. Regiments 39 zu verantworten. Die Anklage wirft dem H. vor. zu Eppeln i. W, woselbst daS Regiment manövrierte, den a n f Posten be- findlichen Füsilier Schölten thätlich angegriffen und schiver mißhandelt zu haben. H., der schon mehr- mals, auch wegen unvorschriftSmäßiger Behandlung Untergebener bestraft ivorden ist, bestritt den ganzen Vorfall. Än dem genannten Tage sei er selbst von Civilpersonen mißhandelt worden. Der Füsilier Schölten sagte dagegen mit großer Bestimmtheit auS, daß H. ihn mißhandelt habe. Der Sergeant sei auf ihn, nachdem er abends gegen l/,10 Uhr auf Posten gezogen sei. zugekommen und habe ihn angefahren:„Wo willstDuLump hin?" und habe ihn am HalS gefaßt. Nachdem Sch. ge- antwortet, er stehe auf Posten und wisse was er thue, habe ihn der Sergeant gegen den Mund geschlagen, die Unterlippe sei ihm dadurch total gespalten. der Unterkiefer lädiert und die Zähne ge- lockert worden. Auf Wache habe er die Sache er- zählt, andern morgens aber habe er. Iveil ihn der Sergeant so gebeten, die Sache doch nicht anzuzeigen, dem Hauptmann Wellinghoff gegenüber den Fall so geschildert, als ob er auch von Eivilisten mißhandelt fein könne. Der Sergeant habe ihm noch ver« 'prochen, ihm daft'ir auf der MontierungSkammer mit leichterer Ar- beit beschäftigen zu wollen. Heute aber, unter Eid, wolle er doch lieber die ganze Wahrheit sagen. H. bestritt alles, auch die Unter- redung mit Sch. Die BeiveiSaufnahme war eine sehr umfangreiche, Zeugen traten auf, die daS diametrale Gegenteil bekundeten, so daß der amtierende Richter sagte, einer von Euch muß einen Meineid geschworen haben. Festgestellt wnrde erner durch den Oberstabsarzt, daß Sch. die ftaglichen Verletzungen zehabt hat. ferner, daß der A n g e k I a g t e an jenem Abend etwas detrunken gewesen ist. Während die Anklagebehörde gegen den Sergeanten 3 Jahre 2 Monate Gefängnis sowie Degradation bean- tragre, kam daS Gericht zu einem freisprechenden Er- k e n n t n i S. DaS Urteil bedarf indessen noch der höheren Be- tätigung, weshalb der Angeklagte in Untersuchungshaft zurückgeführt wurde.— Die LSHnungSskala der Khakitruppcn. Ueber Graf Walder- ees Gehalt ist viel in den Zeitungen gestritten worden; laut der amtlichen Nachweisung erhält der Gras monatlich 2500 M. Feld- besoldung, gleich 30 000 M. jährlich, ferner 10 000 M. Dienstznlage monatlich, gleich 120 000 M.; also insgesamt 150000 M.; er erhielt außerdem noch 12000 M. einmaliges Mobilmachungsgeld. Generallieutenant v. Lesiel bezieht monatlich insgesamt 6120 M. und zivar 2120 M. als Divisionskommandeur und 3000 M. Dienstzulage als Kommandeur des ExpedittonScorps. Sein einmaliges Mobilmachungsgeld betrug 2830 M. Die Brigade- kommandeure erhalten ein monatliches Gehalt von 1420 M.(ein- maligcs MobilmachungSgeld 2400 M.), die Regimentskommandeure 1120 M. iMobilmachimgsgeld 1800 M.), die BaiaillonSIommandeure, Abteilungskommandeure, Stabsoffiziere beziehen monatlich 865 M., die Hauptleute. Rittmeister 600 M.. die Oberlieutenant« und Lieutenants als Companieführer oder als Adjutanten eine« Regiments oder bei höheren Kommandobehörden 425 M. monatlich, die Oberlieutenants im Frontdienst 300 M., die Lieutenants im Frontdienst 240 M.: das MobilmachungSgeld betrug bei allen letztgenannten Chargen 1440 M.. nur die OberlieutenantS und Lieutenants imFrontdienst bekamenl200M. ! ieldwelbel, Wachtmeister beziehen monatlich 90 M. und 30 M. Dienst- zulage, Bicefeldwebel 57 M.. Sergeanten 49,30©?., Unteroffiziere fakultativ, al» die gedruckte Fabritordnung auSdriicklich erwähnen muß, ob sich die Unternehmer ihnen unterwerfen oder nicht. Da» Gesetz bestimmt, daß die Arbeiter ständige Schiedsrichter wählen, die ihre legitimen Vertteter bei den Unternehmern find. Gelingt bei Differenzen keine Einigung, so berufen die Schiedsrichter die Arbeiterschaft, die nach der Majorität über den Streik entscheidet. Dieser Streik ist obligatorisch. Stimmberechtigt sind nur ftanzöfische Arbeiter und Arbeiterinnen sowie Angestellte über achtzehn Jahre. Besondere Abschnitte behandeln daS Verfahren bei der Wahl der Schiedsrichter, das Stimmverfahrcn beim Streik und Straf- bestimmungen.— Die kärglichen Angaben lassen eine Beurteilung de« Millerandschen Gesetzes einstweilen noch nicht zu.— England. Eine 1000 Millionen Mark-Anleihe. In Londoner Finanz- kreisen wird versichert, daß die Regierung beschlossen hat, eine dreiprozenttge Anleihe von 50 Millionen Pfund Sterling zur Deckung der Kriegslosten zu machen. Der EmissionSkur» soll 96 bis 97 Prozent bettagen. Afrika. Die Pest ist in Südafrika ausgebrochen— das ist die neueste Hiobspost vom Kriegsschauplatz. Borläufig allerdings erst unter den Eingeborenen. Die' Gefahr der Verschleppung aus die weiß« Be- völlening ist jedoch bei den Kriegsunruhen und dem regellosen Lagerleben nicht ausgeschlossen. Die Reutersche Meldung lautet: Unter den Eingeborenen in Szinvoka in der Nähe von KingwilliamStown ist, wie hierher berichtet wird,«ine Seuche ausgebrochen, von der man annimmt, daß es die Pest ist; sie ist unter den Familien- angehörigen eine« Manns zum Ausbruch gekommen, der kürzlich vom ArveitSdepot am Modder River zurückgekehrt ist.«cht Personen sind erkrankt; von diesen sind drei bereit« gestorben, der vierte liegt im Sterben. Der Kolonial- Sekretär erklärt, er zweifle kaum daran, daß eS sich u m Bubonenpest handelt. Bisher ist die Seuche auf Eingeborenen- Ansiedelungen begrenzt; die Weißen sind gegenwärtig nicht gefährdet. Alle Vorsichtsmaßregeln sind ge- troffen worden.— Die vandalische Kriegsführung der Engländer wird durch folgenden Brief eines Sergeanten der Ueomanry beleuchtet: „Wir macken zwei bis dreimal in der Woche kleine Märsche von unsrem Ouartier aus, wechseln ein paar Schüsse mit den Boeren, brennen einige Farmen nieder und nehmen alles, was wir an Schlachtvieh. Geflügel, Korn ic. finden können, mit uns zurück. In der vorigen Woche waren wir drei Tage unrer General Barton unterwegs. Wir haben während dieser Zeit ungefähr 20 Farmen niedergebrannt, viele mit sehr schöner Ausrüstung an Möbeln:c., mit herrlichen Piano» und Orgeln, sodatz eS uns oft in der Seele weh that, so die Mordbrenner spielen zu niüssen. E» war oft mehr al« wir erttagen konnten, wenn wir die armen Mütter mit zuckenden Gesichtern vor ihren brennenden Heimstätten stehen sahen, wobei ste manchmal ihre kleinen Söhne, die sich ganz wild und tapfer gegen uns betrugen, mit ein paar Worten beruhigten. Von Bothas Farm nahmen wir für über 100000 M. Werl mit uns fort. d. h. an Vieh, Getreide, Fourage, Wagen ic. Später am Tage führte ich den Befehl über«ine kleine Abteilung, die eine andre Farm in der Nähe zu besuchen und— zu ver- nichten hatte. Wir fanden dort eine reizende� alte Dame mit schneeweißem Haar, drei allerliebste junge Mädchen, die jeder englischen Gesellstbast Ehre gemacht hätten, und einen blond- köpfigen kleinen Buben, der ttotzig seine Fäustchen gegen unS ballte, als die armen Frauen uns auf den Knien baten, von unsrem grausamen Beginnen abzustehen. Aber was konnte daS helfen; ich muß bekennen, daß mir selbst die dicken Thränen die Backen herunterliefen, al» ich sah, wie meine Kerle, wenn auch nur widerwillig, da» ganze prächtige Mobiliar einschließlich eines schönen Flügels vorschriftsmäßig mit Aexten in Stücke schlugen und dann Feuer an da« Haus legten. Da« ist keine ehrliche Soldatenarbeit, und ich werde im Leben nicht vergessen, wie die alle Dame mit den drei jungen Mädchen weinend sich in das Unvenneidliche schickte und schließlich in ihrer Bibel Trost suchte. Man hat ja doch schließlich auch Mutter und Schweiler zu Hause." Unsre Khakiblätter entsetzen sich natürlich über diese englischen Barbareien. Wie würde der englische Sergeant, den schon vaS Zertrümmern von Mobiliar zu Thränen rührt, aber erst über die oft- asiatischeHunnenarbeit urteilen I— Neue Hutmenbriefe. In der Khakipresse begegnet man oft dem Vorwurf, daß die von der oppositionellen Presse veröffentlichten Hunnenbriefe apokryph seien. Heute können wir mit einem Brief aufwarten, dessen Ab« sender genau zu ermitteln ist. Wir begehen keine Indiskretion, wenn wir den Namen nennen, da derselbe bereits von dem.GebirgS« boten' in Glatz genannt worden ist. Letzterem entnehmen wir auch den nachfolgenden Brief. Der Brief ist dem genannten Blatte, das übrigens zum Centnim gehört, von dem Vater des bei einem See« bataillon dienenden Absenders, dem Arbeiter Ernst Faber auf dem Dominium Nieder-AltwilmSdorf, Kreis Glatz, zur Verfügung gestellt. Der Brief lautet: Peking, den S0. August 1000. Liebe Eltern und Geschwister! Fern von der Heimat gedenke ich wieder einmal an Euch, liebe Eltern. Ihr werdet gewiß Angst haben um mich, aber daS braucht Ihr nicht, denn der Krieg ist größtenteils vorbei. Wir haben nur ein paar kleine Gefechte mit Boxern gehabt, das Ivar aber nicht schlimm. Mit aufgepflanztem Seitengewehr ging's im Laufschritt mit Hurra auf sie' los, und da rückten sie ans. Am Sonntag, den 26.. haben wir 84 Boxer gefangen. Diese mußten ein Loch graben» dann haben wir sie tot geschossen. Acht Mann ließen wir leben; diese mußten die Toten hineinwerfen und zudecken. Am Montag haben wir den letzten Rest von Peking genommen, die eigentliche Äaiserstadt. Diese ist so stark mit Mauern um« geben, daß«S bei uns nicht möglich wäre, sie zu nehmen. Aber die Chinesen sind ja ein so feiges Volk, wir gaben nur immer ein paar Schuß ab, dann ging's im Lauffchritt darauf loS und da räumten sie die stärksten Mauern. Als wir einzogen, habe ich gezählt 70 Schritt durch ein Thor; das ist also eine 50 Meter breite Mauer. Wir landeten am 16. August in Taku, dann ging eS mit der Bahn bis Tientfin, von dort aus war sie zerstört und wir legten den Weg in Eilmärschen zurück, weil die Verbündeten schon bis Peking vorgedrungen waren. Der Marsch ging flott vorwärts, nur einige Male wurden wir von umhertreibenden Boxern aufgehalten, welche uns aus irgend einem Versteck be« schössen, aber die trafen ja nicht. So legten wir täglich über 60 Kilometer zurück. Aber überall lag das Bild der Ver- Wüstung vor unsren Augen. Städte und Dörfer waren niedergebrannt. Haufenweise lagen die Leichen von Tieren und Menschen umher. Zuerst war dicS ein graulicher Anblick für uns, aber jetzt stört uns das gar nicht mehr, es wird ganz einfach darüber weggeschritten; stürzt auch oft einer darüber.— das macht nichts. Unser Marsch ging längs des Peiho- Fluffes, hier lagen die Leichen dutzendweise bei einander m Waffer. Die Sonne brannte furcht- bar vom Himmel herab, unsre Feldflasche war bald leer, und da wurde eben ganz einfach aus dem Peiho getrunken. Wo die Leichen im Wege waren zum schöpfen, wurden sie eben mit dem Kolben weggestoßen. So langten wir nach fünftägigem Marsch in Peking an. Als nun hier alles fertig war, da haben wir's uns in einem Götzentempel bequem ge« macht. Hier ist ja alles prächtig ausgemalt und mit feinen gold- und filbergestickten Decken ausgeschmückt. Aber da liegen blo� die Offiziere. Wir liegen in den Nebengebäuden de« Tempels. Die standen voll von Särgen, die habe» wir ganz einfach in den Garten gestellt und nun wohnen wir hier. Einige Särge haben wir aufgemacht, da lagen feine Decken drin. Da»og jeder über«inen Kasten her, aber da waren dann 1» den meiste« Tot«. Die stehn nun überall so herum, daS rührt«ine« gar nicht mehr. Wir leben jetzt eben f» ins vlane hinein, wtffen kaum«och welchen Tag und Datum wir habe«. Euer Sohn Franz Faber. Hoffentlich sehen wir uns im Juli oder August 1S01 wieder. dann habe ich genug gesehen. Wie man sieht, bestätigt dieser Brief, dessen Absender und Adreffat genau angegeben ist, vollständig den Inhalt der bisher veröffentlichten Hunnenbriefe. Man gab den Boxern kein Pardon; man schoß sie massenhaft nieder. Städte und Dörfer waren nieder« gebrannt. Der Peiho war voll Leichen, wollte man schöpfen, so wurden sie eben mit dem Kolben weggestoßen. Im Götzen« t e m p e l machte man sich's bequem. Was lag daran, daß den Chinesen diese ebenso heilig sind, wie den Deutschen die Kirchen. Es wurde sogar in aller Gemütlichkeit Särge geplündert! Und die entsetzliche Gleichgültigkeit, die Abgcstumpftheit, die den ganzen Brief durchweht l •» » Der Sohn des Polizeiwachtmeisters Klein in Ludwigshafen a. Rh., Herrmann Klein, der als Gefteiter in der 1. Comp, des 2. Seebataillons den Hunnenkrieg mitmacht, hat unterm 27. September aus Tong-chou bei Peking an seine Eltern «inen Brief gerichtet, den sein Vater voller Stolz auf solchen Sohn in den LudwtgShafener Lokalblättern veröffentlichen ließ. Wir ent« nehmen demselben folgende Schilderung deutscher Kulturverbreitung: Anfangs voriger Woche hatten wir«inen Provianttransport von Tientfin nach Peking. Die Fahrt ging mit chinesischen Booten, sog. ZampanS, auf dem Peiho vor sich, da die Russen noch am Bau der Eisenbahn nach Peking beschäfttgt sind. Unter» wegS hatten wir ein kleines Gefecht mit Boxern. Wir lagen, da wir nachts nicht fahren konnten, am Ufer fest. Wir fahren im ganzen 11 ZampanS mit 12 Mann Besatzung und ungefähr 2ö chinesischen KuliS. Gegen Morgen um 4 Uhr wurden wir durch Alarmrufe des Doppelposten« geweckt. Es hatten nämlich so ungefähr SO— 40 Mann mit Speeren«nd Messer» bewaffnete Boxer Lust verspürt, mit unsrem„Modell S8' nähere Bekanntschaft zu machen. Nun, dieLustsollteihnen gründlich vergehen. 14 Stück kitzelten wir mit dem Bajonett, daß sie daS Aufstehen vergasten, während noch weitere 8 blaue Bohnen schluckten, die sie nimmer ver- dauen werden. Der Rest flüchtete in die Reisfelder und war e« nicht ratsam, ihnen dahin zu folgen. Nun. wir haben rhnen wenigstens anf gut deutsche Art heimgeleuchtet. M Tage vorher hatten wir einen Sturmangriff auf eine 50 Kilo« weter hinter Pesing gelegene Festung lChing-Li-Lizun). Die Boxer schössen miserabel aus den Schießschanen der ge- wältigen Mauer. Bald waren die Thorr gesprengt und als wir eindrangen, sahen wir nur wenig Bewaffnete, aber viele Kuli«. Letztere waren aber nur verkleidete Boxer. Sie irrten sich aber sehr mit ihrer Verkleidung. Wir machten all-S «ieder, keine Mau« blieb leben, dan« steckten wir da« Nest an. Auf unsrer Seite hatten wir nur einen Toten und drei Verwundete.,.. Die Vorgänge hier erfährt ihr ja auch au? den Zeitungen und macht e» mir und Euch später mehr Spaß, wenn ich meine Erlebnisse mündlich er- zählen kann.' Wie man au« diesem Brief ersieht, paart sich bei den Khaki- Helden die hunnische Mißachtung des fremden Lebens mit einer sehr ausgeprägten Wertschätzung des eignen Lebens. Nur mit Messern bewaffnete Boxer mit dem Bajonett sanft zu Tode zu kitzeln ist auch entschieden angenehmer, als in einem Reisfeld sich mit ge- stelltem Menschenwild in einen Kampf auf Tod und Leben einzu- lassen. ES ist daher auch verständlich, daß daS nattonalliberale Blättchen in Ludwigshafen, dem der Brief zuerst zur Verfügung gestellt worden war, aus Schonung für den weiblichen Teil der Leser die charakte« ristischen Stellen fortließ. Erst der dortige.General« Anzeiger' gab sich zum Künder des Hunnenruhms des stolzerfüllten Ver- fasserS her.— � Navramenkavipches. Initiativ- Anträge. Die Nationalliberalen haben einen Antrag betr. einen Gesetzentwurf über die Sicherung der Bauforderungen eingebracht, ferner wünschen sie besondere Gerichte für Rechtsstreitigkeiten aus dem kaufmännischen Dienst- vertrag.— Ein Antrag der Freisinnigen Vereinigung fordert die Errichtung von Arbeitsnachweisen. Es sollen im Be- dürfnisfalle die Kommunalbehörden von der Landes-Centralbehörde angewiesen werden können zur Errichtung und Unterhaltung gemein- nütziger Arbeitsnachweise, wobei in der Verwaltung Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in gleicher Zahl unter dem Vorsitz eines Unparteiischen zu beteiligen sind. Ferner ist wiederum die Er- richtung eines ReichS-ArbeitSamtS beantragt, welchem die Untersuchung und Feststellung der Arbeitsverhältnisse im Reich unter Hinzuziehung von Vertretem der Arbeitgeber und Arbeitnehmer obliegt. Rickert hat da» Gesetz zur Sicherung der Wahl« freiheit(Abgabe von Stimmzetteln, welche in ein ab- gestempelte« Couvert in einen verdeckten Raum gelegt werden) wieder eingebracht. Die Elsaß-Lothringer wiederholen den Antrag auf Auf- Hebung des Diktaturparagraphen.— Narkei-MÄihviltzken. Ans de» Partei-Organisationen. Das AgitationSkomitce für den 12. und 13. sächsischen ReichstagS-WahlkreiS(Leipzig) erstattet den Geschäftsbericht für daS abgelaufene Geschäftsjahr. Die Ge- noffen dieser Kreise haben ihre Organisation reorganisiert und damit gute Erfahrungen gemacht. Für den ausgedehnten Landkreis werde» die Wahlen zu allen Komitees, Delegationen usw. durch eine Kommission von 4S Personen vorbereitet und daS hat sich gut be- währt.— Es wurden 80 000 Flugblätter gegen die Flottenvorlage und in den Landorten 11 OOOAgitationslalender verbreitet, außerdem 9000 solcher Kalender den Äenoffen deS 11. und 14. Kreises zur Verfügung gestellt. Die Einnahme betrug einschließlich des Vortrag« von 1009 M. 14858 M. Davon wurden 4000 M. an die Hanptkafle in Berlin gezahlt. Die Parteigenossen im Wahlkreise Mülheim-WipperZ- fürth-GummerSbach haben beschlossen, an Stelle des VertrauenSmännersystemS dem focialdemokratischen Volksverein für Mülheim und Umgegend die Wahrnehmung der Parteigeschäfte zu übertragen. Bei den Stadtverordneten- Wahlen in Magdeburg- Neustadt und Sudenburg wurden die drei freigewordeucn Mandate von unser» Parteigenoffen mit noch größerer Mehrheit wieder erlämpft wie bei den vorigen Wahlen. Gemeindcwahlen. In Dessau fand eine vom Hausbesitzer- verein cinbenifene Bürgervcrsammlung statt, die den Zweck hatte, die Kandidaten zur bevorstehenden Stadtverordnetcnwahl auf- zustellen. In dieser Versammlung waren unter 500 Anwesenden etlva 200 Parteigenossen. Zn wählen sind 17 Stadtverordnete. Die Nominierung der Kandidaten erfolgte durch Zettelabstinnming. Dabei wurden auch die vier von unsren Parteigenossen vorgeschlagenen socialdemokratischen Kandidaten Pens, Franke, Stolzer und Christian in die Liste aufgenommen. Ob sie gewählt werden, ist damit freilich noch nicht gesagt. Bei den Gcineindcwahlcn in Rensefeld(Oldenburg) siegte die socialdcmokratische Liste mit übergroßer Mehrheit. Es wurden alle sechs socialdemokratischen Kandidaten gewählt. Der Fall Lütgenau. Wir berichteten bereit«, daß der Termin zur BernfungSverhandlnng in der Beleidigungsklage Lütgenau gegen Bredenbeck vertagt worden ist. Bredenbeck hat, veranlaßt durch daS Auftreten Lütgenau«, gegen diesen bei der Dortmunder Staat«- anwaltschaft eine Anzeige wegen BetnigS und Unterschlagung ein« gereicht. Anf Grund dieser Anzeige beantragte Bredenbeck die Ver- tagnng der Verhandlung. Das Gericht erholte sich Auskunft über den Stand dieser Sache vom Vertreter der Staatsanwaltschaft. Dieser teilte mit, daß er der Anzeige noch keine Folge gegeben habe, weil er erst den Ausgang der Beleidigungsklage abwarten wolle. Bredenbecks Bertcter, Rechtsanwalt Wallaev, machte darauf aufmcrkiain. daß die Strafanzeige das Verfahren in der Privatklage ohne weiteres aufhalten.(Str.-G.-B.§ 164.) Darauf beschloß das Gericht auch»ach kurzer Beratung die Ver- tagnng deS Termins bis zur Erledigung der Strafanzeige. Eifriger wie gegen Lütgenau war übrigens die Staatsanwalt« schaft auf eine Anzeifle Lütgenaus gegen Gerisch. Lülgenau hat nämlich die Dreistigkeit gehabt. Genossen Gerisch deS Betrugs in Sachen des Essener Fonds zu beschuldigen und darauf ist ein Ver- fahren gegen Gerisch auch wirklich eingeleitet worden. Gerisch wird übrigens darauf mit einem Strafantrag wegen wissentlich falscher Anschuldigung antworten; Lütgenau war ja bekanntlich Mitglied deS Komitees für die Effener Verurteilten und weiß deshalb ganz genau, daß seine Beschuldigungen gegen Gerisch jeder Grundlage entbehren. Polizeiliches, Gerichtliches usw. — DaS Beschwerderecht in Sachsen ist gewiß nicht viel wert, weil eS nicht durch ein kontradiktorisches Berwaltnngsstreitverfahrcn ergänzt wird. Die Entscheidungen der Behörden stützen sich imnier nur auf die einseitigen Darstellungen der Beamten, über deren Amts« Handlungen man sich beschwert. Der Beschlverdeführer kommt nie- inalS in die Lage, dem Beamten gegenübergestellt zu werden, mn dessen Angaben eventuell richtigzustellen. Daher fällt selten ein Bescheid zu Gunsten der Beschlverdeführer aus. Trotzdem wird jetzt der Versuch gemacht, dieses mangelhafte Recht dadurch noch mehr zu ver- schlechter», daß man für die behördliche Entscheidung Kosten zu be- rechnen versucht. Der Arbeiterverein in Löbtau bei Dresden hatte sich über die Maßnahmen eines überwachenden Beamten beschivert. war aber mit der Beschwerde von der Amtshauptmannschaft DreSden-A. abgewiesen worden und sollte außerdem für den abweisenden Bescherd 5 M. Kosten bezahlen. Auf Rekurs bei der Kreishauptmannschaft entschied auch diese in der Sache zu Ungunsten der Beschlverdeführer; in der Kostenfrage er- klärte sie, daß im vorliegenden Falle zwar von einer Kostenforderung abgesehen werden solle, daß aber die Behörde an sich ein Recht zur Kostenerhebung habe. Sie beruft sich dabei auf eine Gebührentaxe. Auf ein Gesetz kann sie sich nicht berufen. Dagegen könnten sich die Be- schwerdeführer auf die Verfassung berufen, in der die Pflicht der Behörde zur Bescheiderteilung ausdrücklich festgelegt ist. — Polizeilicher Ueberetfer. Ein Parteigenoffe in Meißen (Sachsen) wurde vom Gendarm festgehalten, als er die Broschüre GöhreS:„Wie ein Pfarrer Socialdemokrat wurde' verbreitete. Der Gendarm nahm ihm die Broschüren weg und ging ander» TagS zu dem Arbeitgeber deS Manns, um dort Nachfrage über dessen Personalien zu halten. Dabei teilte er dem Arbeitgeber mit, daß der Arbeiter sorialdemokratische Schriften verteilt habe. In diesem Falle hotte ja das eigentümliche Verfahren des Polizisten nicht die Entlassung des Arbeiters zur Folge, aber daran gebührt dem Beamten kein Verdienst. Der wahricheinlichere Erfolg eines solchen durch nichts gerechtfertigten Schritts wird immer die BrotloSmachnng deS Arbeiters sein. DaS weiß doch wohl der Gendarm? — Der Arbeiter- Gesangverein in Oespel bei Dortmund ist von dem Schöffengericht Dortmund für politisch erklärt worden. Die Polizeiverwaltung hat s. Z. von dem Vorsitzenden deS Vereins Mitgliederlisten verlangt. deren Einreichnng verweigert wurde. Darauf erhielt der Borsitzende ein Strafmandat über 30 M. zudiktiert, das von dem Landrat auf 40 M. erhöht wurde. Der Vorsitzende beantragte gerichtliche Entscheidung. wurde aber zu 30 M. Geldstrafe bezw. 10 Tagen Haft verurteilt. Den.politischen Charakter' deS Vereins folgert das Gericht aus dem Unistande, daß der Verein dem Arveiter-Sängerbund für Westfalen angehöre und in seinen Statuten die Bestimmung enthalte, daß bei Auflösung de« Vereins das Vereinsvermögen dem Bergarbeiter-Verband zufalle. Wie politisch aber dieser Verein ist. erhellt auS§ 1 seiner Statuten: .Zweck des Vereins ist. die Mitglieder in freundschaftlichen Verkehr zu bringen und vierstimmige Männerchöre beliebigen In« haltS einzuüben'. Interessant war e», baß der Amtsanwalt als strafverschärfend hervorhob, daß der Angeklagte sich einem„behördlichen Strafbefehl' nicht gefügt habe l Der Vorsitzende erwiderte, daß eS ja da« gute Recht deS Angeklagten war, gerichtliche Entscheidung zu beantragen. Gvnievkfchttftlidies. Berlin und Umgegend. Wie die Unternehmer Verträge halten. Der Streik der Tapezierer im Frühjahr 1900 hatte den Erfolg, daß neben der Er- höhung der Löhne eine Verkürzung der Arbeitszeit eintrat. Die näheren Bestimmungen waren durch Verhandlungen vor dem EinigungSamt deS Berliner GewcrbegerichtS in einem Vergleichs- vertrag festgelegt und sollten Streitigkeiten über den Vertrag von einer auS beiden Parteien gebildeten Achtzehner-Kommisston geschlichtet werden. Den Berliner Tapezierer-ZwangSinnungSmeistern scheint dieser Vertrag schon lange unbequem zu sein, aber erst nach dem geistreichen Referat des Herrn Plitzkow-Berlin auf dem Bundestag der Tapezierer-Jnnungen in Hannover Ende Juli dieses Jahr? über die Frage: Wie stellt sich der deutsche Tapeziererbund zu einem Schutzverband gegen ungerechtfertigte Streiks der Tapezierergehilfen, um nicht deren Willkür ausgesetzt zu sein, faßte man den Mut zu einer entschlossenen That, man setzte sich einfach über die Vertrags- bestimmungen hinweg. Zunächst wurde gegen die Achtzehner-Kommisston Sturm ge« laufen. Die Kommission wollte man auflösen und ihre Funktion dem Jnnungsvorstand und dem Gesellenausschuß übertragen. ES war klar vorauszusehen, daß diese Körperschaft gar nicht in der Lage sein konnte, derart einzugreifen, wie die Kommission, die seit ihrem Bestehen in ca. 30 Fällen zur Zufriedenheit Differenzen beigelegt hatte. Der JnnungSvorstand beschloß nun, die Arbeiigebervertreter auS der Kommission zurückzuziehen. Man gab sich wohl der Hoffnung hin, daß auch die übrigen Mitglieder der Arbeitgeber, die ihre Mandate nicht vom JnnungSvorstand erhalten hatten, gleichfalls zurücktreten würden. Es ist aber anders gekommen. Am 15. d. M. fand eine Sitzung dieser Kommission unter dem Vorsitz des Gewerberichters Dr. Schalhorn statt, in welcher einstimmig erklärt wurde, daß 1. der Beschluß des JnnungsvorstandS eine Verletzung des VcrglcichSvertrags ist; 2. daß sich die bisherigen Vertreter beider Parteien nach wie vor an der Thätigkeit der Achtzehner- Kommission zu beteiligen haben; 3. daß die auS der Thätigkeit dieser Kommission entstehenden Kosten von beiden Parteien zu gleichen Teilen zu tragen sind, daß jedoch die Innung von den außerhalb derselben steheiiden Firmen einen Zuschuß zu verlangen berechtigt ist. Gegen diese Erklärung steht beiden Parteien daS Recht zu, innerhalb drei Tagen das EinigungSamt deS Berliner Gewerbe« gcnchts anzurufen. Der JnnungSvorstand hatte eS abgelehnt, zu dieser Sitzung zu erscheinen. Man wird nun weiter abwarten müssen, ob die Innung ihren offenen Vertragsbruch fortsetzen wird. Achtung, Kleber! Die Bauten Lychenerstr. 17—18 sind ge« sperrt(wegen Nichtzahlung des Tarifs). General-Unter» n e h m e r: Tapetenfabrikant E i ch w a l d, Kastanien-Allee 37. wifckienmeister: Innung? meist er Daniel, Kastanien« llee 86. Die Lohnkommisfion. Deutsche» Reich. DaS Maßregeln der Magdeburger Etsenbahn-Arbeiter nimmt lustig seinen Fortgang. In der Hanptwerkstatt Buckau wurde wieder vier Arbeitern, die an der Zusammenkunft in Sudenburg beteiligt waren, die Kündigung bis zum 27. November übermittelt. Wie unser Magdeburger Partei-Organ mitteilt, gehört incht einer von den vier Gemaßregelten dem Verband deutscher Eisenbahner an. Die Leute waren an jenem Abend zufällig bei der Zusammen- kunft zugezogen und müssen dieses„Verbrechen' mit Dienstentlassung büßen. Die Dresdener Polizei hat abennals eine von den Metall« arbeitern einberufene Versammlung Arbeitsloser verboten. In der Begründung heißt es: „Bei der Tagesordnung ist anzunehmen, daß daS Wort Arbeitslosigkeit dazu benutzt werden wird, um den Staat und die Ge- selllchaftSordming dafür verantwortlich zu machen und so anfreizend zu Gesetzesübertretungen gewirkt werden kann. DeS weiteren soll der an der Spitze der Socialdemokratischen Partei Dresdens stehende, wegen seiner aufreizenden Reden hinlänglich bekannte Karl Smder« man» reden, so ist anzunehmen, daß die Versammlung nur social- demokratischen Zwecken dienen soll. Es wird deshalb auf Grund des§ 12 des sächsischen Vcreinsgesetzes die Versammlung ver- boten." Die sächsische Polizei ist helle, sie weiß schon im voraus was geschehen könnte. Das fehlte noch, den Staat für die Arbeits- lofigkeit verantwortlich zu machen, der Unschnldsvolle, er soll pe- schützt werden vor diesem Vorwurf. Nur sonderbar, weshalb nicht die Polizei ihrer Begründung noch die Lehre hinzusetzt: Wer arbeiten will, findet auch Arbeit. Damit beruhigt sich so mancher Kapitalist, der nie in seinem Leben gearbeitet hat. Der Streik der Maurer tn Halle wird von den Arbeitern mit großer Entschiedenkeit fortgesetzt, die Zahl der Ausständigen hat sich auf 590 erhöht. Die Unternehmer find durch den gewaltsam herbeigeführten Konflikt in arge Verlegenheit gekommen, denn der erhoffte Zuzug von Streikbrechern ist trotz der nicht gerade günstigen Konjunktur im Baugewerbe ausgeblieben. Dl« unerhörte Zn- »mtung an die Arveiter, daß sie ihren Bertrag, der bis zum 1. April 1901 die Löhne festsetzte, aufgeben und zu medrigeren Löhnen arbeiten sollen, wird mit allen Mitteln bekämpft werden und den Herren Unternehmern dürfte schon jetzt einleuchten, daß sie den Kampf unüberlegt heraufbeschworen haben. AnSland. «IS ständiger Sekretär der Arbeiter-Union schweizerischer TranSportanstalten ist in der Urabstimmung einstimmig, d. h. mit allen abgegebenen 1935 Stimmen. Genosse Brandt in Winterthur gewählt worden, der den Posten neben demjenigen des Winterthurer irbeitersekretärS versieht. A«S Dänemark. Der Streik der Bahnarbeiter, der mn 16. Juni begann, ist nun naib etwa fünfmonatlicher Daner ein- gestellt worden. Ungefähr 500 Mann waren ausständig. Sie hatten einen Tagelohn von 1.80 Kr. bis 2,40 Kr. und forderten, daß der Staat ihnen denselben Lohn bezahle, als die Privatunternchiner der betreffenden Gegend. Nach einer Erklärung, die der Minister des Innern. Bramsen, im Frühjahr dieses Jabrs abgegeben hat, hätte man glauben sollen, daß es bald zu einer Einigung gekommen iväre. Aber der neue HanbelSminister, Baron Jnul-Rysenfteen, widerfetzte sich aufS äußerste den Forderungen der Provinz-Bahnarbeiter. Er fürchtete, daß die Lohnerhöhung die Gutsbesitzer auch nötigen würde, ihren Landarbeiten, höhere Löhne zu zahlen. Der Streik wird zum Sommer von neuem erklärt werden, wenn nicht den Arbeitern ihre geringen Fordenmgen bi« dahin freiwillig bewilligt werden, oder die Volksvertretung die Administration der StaatSoahnen dazu zwingt._ Socinleo. Ostelbische Schulzustände in Sachsen. Dem„Bautzene, Tageblatt' wird aus dem Dorfe Seidau berichtet, daß dort die unterste Mädchenklasie zwischen V-4 und'/«6 Uhr unterrichtet wird und zwar bei Stearinlichtbeleuchtung. Jedes Schul- «nSdchen hat ein Stearinlicht mitzubringen, das der den Unter- richt haltende Lehrer bei Eintritt der Dunkelheit den Kindern anzündet, so daß es dann aussieht, als wenn daS Schulzimmer illuminiert sei. Die Schulmcidchen der armen Eltern, die den Kindern kein Licht mitgeben können, müssen nun sehen, daß sie von den Mit' schülerinnen etwas Licht bekommen. Der Ort zählt etwa 3000 Einwohner. Für eine Lampe sollte es doch wirklich noch reichen. Aerztliche Wünsche bei der Revision des Kranken» bersicherungs-Gesetzes. So lautete ein Punkt auf der Tagesordnung der letzten Versammlung des ärztlichen Bezirksvereins Leipzig-Land. Nach den gefaßten Beschlüssen begrüßt die Versammlung die Vorschläge der Regierung mit Freuden: namentlich die Neugestaltung der Orts- krankenkasse»- Vorstände. Zur Behandlung von Kranken seien nur approbierte Acrzte zuzulassen. Es soll versucht werden, die freie Arztwahl einzuführen. Die Errichtung vonBetriebS-Krankenkassen soll befürwortet werden.— Auch der ärztliche Kreisverein Leipzig, der sich auf die 5kreizhauptmannschaft Leipzig erstreckt, beschloß,"sich im Sinne der bekannten Vorschläge des Regierungsrats Dr. Hofsmann-Berlin aus- zusprechen. Die Aerzte sind in ihrer Mehrheit immer bei der Re- aktion zu finden und doch hätten sie eigentlich sehr wenig Ver- anlnssung dazu. In der Bremische« Bürgerschaft hatten unsr« Genossen folgenden Antrag eingebracht: Die Bürgerschaft erachtet für alle in staatlichen Betrieben be- schäftigten Arbeiter die Festsetzung eines Minimallohns von 4 Mark Pro Tag und eine vorläufig neunstündige Arbeitszeit täglich für notwendig. Bei Vergebung von staatlichen Arbeiten und Lieferungen wird den Unternehmern die Jnnchaltung genannter Arbeitsbestimmungen zur Bedingung gemacht. Für ständige, nicht ruhegehaltsbercchtigte Angestellte ist eine an- gemessene Hinterbliebenen-Versorgung einzurichten. Der Aittrag wurde am 14. November verhandelt und nach anderthalbftündiger Debatte von der liberalen Mehrheit der Bürger- schaft glatt abgelehnt. Die Liberalen halten es für Socialismus, wenn Arbeiter nur neun Stunden täglich arbeiten sollen und dafür 4 M. Lohn bekommen._ Vikkeravifchrs. Almanach deS deutschen Holzarbciter-VerbandS f ü r d a s Jahr 1S01. Im vorigen Jahre erschien von TheodorLeipart, dem zweiten Vorsitzenden des Holzarbeiter-Verbands bearbeitet, ein Kalender in Taschenformat, der für die Arbeiter der dem Verband angeschlossenen Berufe berechnet war. Im zweiten Jahrgang, für das Jahr ISOt bestimmt, hat das nützliche Büchelchen manche Erlveiterung erfahren und es ist zu einem Rat- gebcr gelvorden, der kurz alle' wichtigen Gebiete der Gewerkschaften, der Arbeiterversicherung, der sonstigen Rechtsfragen und der speciellen Fachverhältnisse behandelt. Die Anschaffung des recht hübsch aus- gestatteten Buchs ist sehr zu empfehlen. Gevichcks-Zeitung. Eine Korrektur der Spandaner Justiz. Die Spondauer Gewer begerichtS-Beisitzer waren von dem Maurer Lennne zu einer Zusammenkunft eingeladen worden, die den Ziveck haben sollte, ein besseres Einvernehmen und vor allem eine Belehrung in Rechtsfragen zu erzielen. Da nur 8 bis 10 Beisitzer erschienen, kam es nicht zu einer regelrechten Besprechung. Die Behörde witterte eine Versanimlung, die auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezwecke und bedachte Lemme mit einem Strafmandat, weil er die„Versammlung" nicht polizeilich angemeldet habe. Das Land- aericht II erhielt die Strafe aufrecht und führte aus: Es handele sich um eine Versammlung, da eine nicht zu geringe Personenzahl zu einem im Voraus bestimmten Ziveck zusammen gekommen sei. Unerheblich wäre dabei, daß es nicht zur Erfüllung des Zivecks kam. Auch sei eine Einwirkung auf öffentliche Angelegen- heiten anzunehmen. Die Interessen des Gewerbegerich'ts und deffen Rechtsprechung seien öffentliche Angelegenheiteu und eine Einwirkung darauf sei mit jener Besprechung und Belehrung be- absichti�t worden. Lemme hätte deshalb die Zusammenkunft polizeilich anmelden müssen.— Auf die Revision des Angeklagten hob das Kammergericht die Vorentscheidung auf und sprach L. mit folgender Begründung frei: Die§Z 1 und 12 des Vereinsgesetzes seien zu Unrecht angewendet worden. Der Vorderrichter habe den Begriff der öffentlichen Angelegenheiten verkannt. Es handle sich hier weder um die Interessen der Gewerbegerichte überhaupt, noch um die Interessen des S p a n d a u e r Gewerbegerichts, sondern ckusschließlich um die Interessen der Beisitzer, also einer begrenzten, durch be- stimmte persönliche Beziehungen mit einander verbundenen Personen- zahl. Durch die Ausbildung für ihr Amt würden s i e gefördert in den Fähigkeiten, ordnungsmäßig bei der Rechtsprechung mitzuwirken. Das sei aber eine Privatangelegenheit,' ivie jede Ausbildung von Beamten, wenn auch möglicher- weise den S t a a t s i n t e r e s s e n dadurch gedient iverde.— Da in diesem Falle eine schwierige Rechts- frage zu entscheiden war, wurden auch die Kosten der Verteidigung der Staatskasse auferlegt. Der Raubuiordprozest Krüger wurde an, Freitag zu Ende geführt. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten des Mords und des Straßenraubs mit Waffen und Todesfolge schuldig. Der Gerichtshof erkannte hierauf auf die Todesstrafe. würdig an der Verband der Kleinhändler, der auch seinen Profit haben will. Die Zeche bezahlen die Konsumenten. Was ist diesem Kohlenwucher gegenüber geschehen? Seitens der Regierung so gut wie gar nichts. Was kann man auch von einer Regierung erwarten, die getreu dem Grundsatz, daß kleine Geschenke die Freundschaft erhalten, den Grubenbesitzern 2�/2 Millionen durch Frachterlaß giebt und sich dafür ein andermal wieder 120 M schenken läßt! sLebhafter Beifall.) Wir müssen uns selbst Helsen. zunächst indem wir den Bezug der Kohle im großen in die Hand nehmen. In dieser Beziehung könnten die Gemeinden viel lhun, und wenn die Gemeinden die Frage nicht lösen können, dann muß die Arbeiterschaft selbst ihren Konsum organisieren und durch Konsum vereine Kohlen im großen einkaufen. Will man aber gründlich mit dem Kohlenwucher ausräumen, so bleibt als einziges Mittel die Ver staatlichung der Bergwerke übrig. Natürlich dürfen wir nur dann für eine solche Maßregel sein, wenn den Bergarbeitern das Koalitionsrecht sicher gestellt ist. Bei einer Verstaatlichung der Gruben könnten die Preise nicht so hoch geschraubt werden wie jetzt. es könnte dann nicht in so unverantwortlicher Weise Raubbau ge trieben werden, und auch im Interesse der gesunden Glieder unsrer Bergarbeiter wäre eine Verstaatlichung nicht von der Hand zu weisen. Wenn wir auch das Treiben der Grubenbesitzer scharf verurteilen. so können wir doch von ihnen lernen, was für eine Macht die Einigkeit ist. Möge auch die breite Macht des Volks fich orga nisieren, auf der einen Seite als Konsumenten, auf der andern Seite als Produzenten! Dann wird nicht mehr der Bergmann den Pfennig für sich nehmen und den Thaler in die Taschen der Dividenden schlucker schicken, nein, dann wird es heißen: Dem, der die Arbeil thut, den Thaler und dem, der nichts thut, der seine Hände faul in den Schoß legt, auch nicht einen Pcnnig l Dem mit lebhaftem Beifall ausgenommenen Vortrage folgte eine rege Diskussion, in welcher namentlich die Genossen R u p p und S a b l o tz k i aus eigener Erfahrung das Treiben der Grubenbarone und die elende Lage der Bergarbeiter schilderten. Einstimmig nahm die Versammlung die bekannte, in den Berliner Parteivcrsammlungen gefaßte Resolution mit der Acndraing an. daß bei der Forderung der Verstaatlichung der Bergwerke hinzugefügt wurde:„unter Wahrung der'vollen'Koa litionsfreiheit der Bergarbeiter", und daß ferner als neuer Punkt die Organisation des Bezugs durch Konsumvereine gefordert wurde. Ebenso gelangte einstimmig eine von B a a k e und Hirsch eingebrachte Resolution zur Annahme. die das Verhalten der bürgerlichen Stadtverordneten Charlottenburgs gegenüber dem von unsrer Seite eingebrachten Antrag auf Bezug von Kohlen durch die Gemeinde niißbilligt und die Anivesenden ver- pflichtet, mit aller Kraft für eine Stärkung der Socialdemokratie im Stadtparlament einzutreten. Nachdem noch Genosse Dr. B o r ch a r d t zum Beitritt in den Konsumverein aufgefordert hatte, schloß der Vorsitzende Sellin die imposante Versammlung niit einein brausenden Hoch auf die Socialdemokratie. Die Dekateure hielten am Mittwoch bei Feuerstein eine öffenb liche Versammlung ab, in der berichtet wurde, daß in letzter Zeit Arbeiter gemaßregelt worden sind, welche sich hervorragend für die Organisation bethätigen und daß weitere Eittlassungen unliebsamer Arbeiter im größeren Umfange von den Unternehmern geplant werden. Von mehreren Rednern wurde angeführt, daß verschiedene Unter nehmer außerdem— wahrscheinlich auf Anregung in ihrer Ver einigung— auch in andrer Weise recht provokatorisch vorgehen, an- scheinend um die Arbeiter in der gegenwärtig stillen Geschäfts konjunktur in einen Streik zil drängen.->tach einer längeren Diskussion über die derzeitigen Arbeitsverhältnisse wurde den Gemaßregelten die volle Unterstützung zugesichert und dem Vorstand der Filiale III des Textilarbeiter-Verbands aufgegeben, das weitere Vorgehen der Unternehmer zu beachten und eventuell die geeignete» Maßnahmen zu treffen. Einer herben Kritik wurden sodann noch die Lohn- und Arbeitsbedingungen bei der Firma Gottschalk u. Laske unter- zogen. Es wurde u. a. behauptet, daß nicht nur die Arbeitszeit eine außerordentlich ausgedehnte ist und entgegen den Abmachungen mit der Uuternehmer-Vereinigung vielfach die höhere Bezahlung der Ueberstnnden verweigert wird, sondern daß den Arbeitern auch sonst bei dieser Firnia eine ganz unwürdige Behandlung zu teil wird. Eine Branchenvcrsammlung der Parkettbodenleger tagte am 13. d. M. im Gewerkschaftshaus, lieber die Regelung deS Arbeitsnachweises entspann sich eine lebhafte Debatte und nmrde folgender Antrag angenommen: Die Kollegen sind verpflichtet, sich am ersten Tage der Arbeitslosigkeit auf dem Arbeitsnachweis zu melden und einen Tag um den andern sich dort zur Konirolle zu stellen. Sollte ein Kollege eine Karte vom Arbeitgeber erhalten, io ist die- selbe dem Arbeilsnachweis zu übermitteln, damit es dem Arbeits' vennittler überlassen wird, solche Angelegenheit nach seinen Verbands' Vorschriften zu regeln.— Die Versammlung war von ca. 100 Mann besucht._ China. VevsÄmmtungen. Ucber den Kohlcnwucher, die Arbeiterfrauc« und die Socialdemokratie sprach Genossin Käte Duncker ans Leipzig am Donnerstag in einer von Männern und Frauen äußerst zahlreich besuchten Volksversonunlung in der Gambrinusbrauerei zu Char- lotteuburg. Rednerin tvies in ihren 1>/estLndigen, oft von lebhaftem Beifall ünterbrochcneli, interessanten Ausführungen an der Hand eines reichhaltigen Materials die großen Gefahren nach, die nament- lich dem Proletariat aus dem Kohlenwucher erwachsen. In natür- lichen Verhältnissen sei die Kohlennot nicht begründet, denn unsre Kohlenbergwerke könnten die Bedürfnisse vollauf noch auf 100 bis 200 Jahre hinaus befriedigen. Der Grund der Kohlennot sei der, daß die Kohle, die das Gemeingut aller sein sollte, sich in der Hand von ganz wenigen Leuten befinde, die sich noch dazu zu Syndikaten zusammengeschlossen hätten, um auf diese Weise den Arbeitern und Konsumenten ihre Bedingungen diktieren zu können. Diese Kohlenmagnaten schränkten die Förderung künstlich ein. Aber nicht genug damit! In einem Moment, wo infolge des Kohlenmangels der deutsche Arbeiter feiern muß, wo in Dresden zum Beispiel sogar die Schulen geschlossen werden mußte», da führen die deutschen Kohlenbarone Kohle ins Ausland, und zwar in viel größerem Maße als in den Jahren znvor. tPfui!) Arbeiter, die die Arbeit niederlegen, um bessere Lebensbedingungen zu erlangen, werden als vaterlandslose Gesellen bezeichnet, aber Kapitalisten, die so künstlich den Kohlenwucher erzeugen, sind die Stützen unsreS Vaterlands, das sind diejenigen, die im Flottenverein die erste Violine spielen.(Sehr gut!) Und der gute Vater Staat giebt den Kohlenbaronen sogar noch eine Prämie dafür, daß sie die Kohle ins Ausland schaffen.' Die 2Vs Millionen, die die Eisenbahn- Verwaltung den Kohlenbaronen durch Frachterlaß geschenkt hat, muß natürlich der Steuerzahler aufbringen. Die Jntereffenten behaupten, daß die Kohlenteuerung nur den horrend gestiegenen Löhnen und der Faulheit der Bergarbeiter zuzuschreiben' sei. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil, in horrender Weise sind die Dividenden der Aktionäre gestiegen, während die Arbeitslöhne nur eine geringe Aufbesserung erfahren haben, und auch das nur infolge gesteigerter Arbeitsleistung des einzelnen. Neben den Grubenbesitzern versieben cs auch die Großhändler, einen Teil des Profits in ihre Tasche fließen zu lassen, und dem Ring« der Großhändler schließt sich Amerika fügt sich. So bekundet wenigstens der Telegraph. Die Union habe die Schleifung der Forts v o n T a k u, die Unterhaltung einer ständigen S ch u tz t r u p p e für die Gesandtschaften und die Anlegung von M i l i t ä r st a t i o n e n zwischen Peking und dem Meere„gebilligt". Das soll wohl heißen, daß Amerika momentan keine Möglichkeit sieht, die Khalithorheiten der Mächte zu paralysieren. Wie eS über das Vorgehen der Mächte denkt, bewies die Zurückziehung seiner Truppen, die Antwort auf Delcassss Vorschläge und beweist seine allgemeine Haltung den„Friedensbedingungen" gegenüber. Englische Scharfmacherei. Der„Standard" meldet aus Shanghai vom 14. d. M.: Der V i c e k ö n i g in Wu tschang Tschangtschitung soll be- schäftigt seim noch 10000 Mann mobil z u m a ch e n. Er bat dem Vicekönig L i u k u n j i in Nanking vorgeschlagen, ihre Truppen zu vereinigen und gemeinsam den Verbündeten entgegen zu st eklen, falls letztere die I a n g t s e- H ä f e n als Basis' von Operationen gegen Schensi benutzen sollten.— Die chinesischen Behörde» in Sutschonfn bei Shanghai treiben von allen dort ansässigen wohlhabenden Chinesen große Summen Geldes ein. Nach Meldungen der Morgenblätter aus Shanghai vom 14. d. M. besagt ein Bericht auS zuverlässiger chinesischer Quelle, daß Prinz T u a n und General Tungfuhsiang in Kansu die Fahne des Aufstand» erhoben haben. Den„Daily News" wird dagegen aus Shanghai vom 14. No- vember gemeldet: Der Taotai Scheng teilt mit, er habe heute ein geheimes Edikt empfangen, durch welche? die Prinzen Tuan und Tschuang zu lebenslänglicher Gefängnis st rafe und D u h s i e n zur Verbannung und Zwangsarbeit ver- urteilt werden. Sie werden nach der äußersten Grenze des Reichs gesandt werden. Tschaotschutschao ist abgesetzt worden. Die Verfahrcnheit der Lage erhellt aus einem Artikel des„Matin": Der chinesische Gesandte Dukeng sagte einem ,Matin"-Milarbeiter. die Mächte wissen zur Zeit nicht, mit wen: sie verhandeln. Li-Hung-Tschang und seine Kollegen seien völlig ohnmächtig. Leisten sie Wider- stand, so setzen sie sich Härten seitens der Mächte aus; geben sie nach, so ist ihr Geschick am chinesischen Hof besiegelt. Ihre Unterschrift unter einem Vertrage wäre eine Förmlichkeit, keine Lösung. Eine der Bedingungen Europas wäre das Waffen« einfuhrverbot; dieses sei jedoch unausführbar. Das einzige, was Europa zu thun habe, sei, den Kaiser nach Peking zurück- zubringen und die Äaiserin-Witwe unschädlich zu machen: alles andre sei nutzlos. Dieser gute Rat. deffen Ausführung übrigens die Chinakriie auch keineswegs beseitigen würde. läßt sich nun allerdings nicht so leicht befolgen. Die Kaiserin soll nämlich eine Flucht nach Tscheng-l-u(Provinz Szetscheinan) beabsichtigen. wohin sie vermutlich den Kaiser mitnehmen wird. Die Jagd auf den chinesischen Hof könnte sich bei den Dimensionen des Rieienreichs sehr lange ausdehnen. Die beabsichtigte Flucht des Hofs wird auch durch folgende Nachricht des„Daly Telegraph" be- stätigt: Dem„Daily Telegraph" wird aus Shanghai vom 14. November gemeldet: Zuverlässigen Privatmeldungen aus Tschangking zufolge hat Prinz Tuan den Provinzialbeamten von Tschengtu den Befehl gegeben, schnell für den Empfang der Äaiserin-Witwe Vorbereitungen zu treffen. Abzug der Japaner. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus Petersburg, der dortige erste Sekretär der japanischen Gesandtschaft äußerte einem Berichterftatler der„Rossija" gegenüber, daß die japanische Regierung gleichfalls beschlossen habe, ihre Truppen aus Peking zurückzuziehen. Der Beschluß soll ver« w> r k l i ch t werden, sobald die Verhandlungen darüber zu Ende ge- führt sind, wieviel Soldaten in der Residenz zum Schutz der Ge- sandtschasten zurückbleiben sollten. Wenn über diesen Punkt eine Einigung zu stände gekommen, würden die japanischen Truppen so- fort in die Heimat befördert. Nach Ansicht Japans würden bestimmt die bis zum Frühjahr dauernden Friedensverhandlungen be- schleunig«, wenn alle Mächte dem Beispiel Rußlands folgte«. Letzte Meldungen. Washington. 16. November.(Telegramm deS„Renterschen Bureaus") Der hiesige chinesische Gesandte erhielt ein Kabel- telegramm des Taotär Schang folgenden Inhalts: Ein voni 13 November datiertes kaiserliches Dekret entkleidet die Prinzen Tuan und Tschwang ihres Rangs und ihrer Aemter und befehle. daß beide aus Lebenszeit gefangen gesetzt werden. Das Dekret ordne ferner an. daß Prinz Jih und der Prinz zweiten Grads Jing gefangen gesetzt werden, daß der Prinz zweiten Grades Lien seines' Ranges entkleidet werde, daß der Herzog Thailan und Jingnien im Range herabgesetzt werden, daß Tschaotschnschiao degradiert, aber als Be- amter beibehalten werde, und daß Jühsien nach der fernsten Landes- grenze verbannt werden soll. Bezüglich Äangjis heißt es in dem Dekret, daß. da er ja todt sei. keine Strafe mehr über ihn verhängt werden könne._ Uetzke Nschvichkett und Depesttzen. Die Beerdigung der Opfer des Offenbacher Eisciibahnnnglücks. Offenbach a./M., 16. November. Zu der Beerdigung der Opfer des V-Zug-Brands, die heute nachmittag stattgefunden hat, war der Andrang deS Publikums ein ungeheurer. Die elf einfach geschmückten Särge waren in der Leichenhalle aufgebahrt. Die Feier begann um 2l/, Uhr mit der Einsegnung der Leichen der beiden Russen durch den ErzPriester Protöpopoff. Nachdem sprach der katholische Geistliche Peter für den verstorbenen Dr. Fuchs aus Homburg und nach diesem der evangelische Geistliche Zauditz. Am Grabe sprach noch Rabbiner Dr. Goldschmidt und Eisenbahn-Präsident Thome, welcher mehrere Kränze niederlegte zum Zeichen tiefsten Schmerzes, von dem die Eisenbahndirektion zurch das Eisenbahnunglück erfüllt worden sei. Explosion. Auerbach i. B., 16. November.(B. H.) Heute nachmittag änd in der Deutschmühle, welche in das Terrain deS Eisenbahn- Erweiterungsbaues hineinragt, eine Dynamitexplosion statt. Zwei Personen wurden dabei zerrissen, eine verwundet. Die in der Nähe befindliche Mühle wurde demoliert. Französische Deputiertenkammer. Paris, 16. November. In der heutigen Nachmittags-Sitzung interpellierte der Socialist Coutant wegen des Eisenbahn- Unglücks bei Choisy- le- Roi. Redner verlangt Bestrafung der Eisenbahn- Gesellschaft, welche dadurch. daß sie die Zahl ihrer Beamten zu sehr verringert habe, die wahre chuldige sei.(Beisall auf der äußersten Linken.) Coutant bringt eine Tagesordnung ein. in welcher gefordert wird, daß die Eisen« bahn-Gesellschaften zu Maßregeln gezwungen werden sollen, welche zur Gewährleistung der Sicherheit der Reisenden erforderlich seien. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, B a u d i n, erwidert, die amtliche Untersuchung betreffend das Eisenbahnunglück bei Choisy- le-Roi sei eingeleitet. Der Minister erklärt, er sei entschlossen, alle chuldigen gerichtlich zu verfolgen und nimmt die TageS» o r d n u n g C o u t a n t S an. Dieselbe wird darauf auch von der Kammer angenommen. Pourquery interpelliert darauf wegen der Wieder« röffnung einer Kapelle der Jesuiten. Der Minister» Präsident Waldeck-Rousseau erwidert, wenn er nicht die Dekrete vom Jahre 1880 in Anwendung gebracht habe, so liege das daran, daß die Gesetzgebung in dieser Materie ohnmächtig sei. Die erst aufgelösten Kongregationen hätten sich von Neuem gebildet. Die Regierung habe Gesetzentwürfe etrefsend die Kongregationen eingebracht; die Kammer werde in nächster Woche über dieselben abslinmien können.— Der Deputierte Cbawonnat bringt eine Tagesordnung ein, welche besagt, die Kammer rechne darauf, daß die Regiening das ihrige dazu beitrage, daß die Abstimmung über das Gesetz betreffend die Assoziationen zu einem günstigen Ergebnis führe. Diese TageS- ordming, welche Waldeck-Roussean annimmt, wird sodann auch von der Kammer mit 316 gegen 1S2 Stimmen angenommen. DaS nene Gesetz Millerands. Paris, 16. November. Die n a t i o II a l i st i s ch e n Blätter kritisieren den vom Handelsminister Millerand ausgearbeiteten Gesetz« enlwurf über die ob�ligatorisckien Schiedsgerichte in der schärfsten Weise. Sie erklären, daß insbesondere die Be« timmnng betreffend die Ausstände eine geradezu uncrirägliche Ver- lctzung der individuellen Freiheit bilde. Die nationalistischen Blätter drücken gleichzeitig ihr Erstaunen darüber aus. daß Ministerpräsident Waldeck-Rousseau einem derartigen Gesetzentwurf seine Zustimmung gegeben habe. Wettbewerb der Nationen? GlaSgow, 16. November.(W. T. B.) Roiebery. welcher Rektor der hiesigen Universität ist. hielt an die Studenten eine Ansprache, in der er sich über„das Britische Reich" aussprach. Er führte aus: Die Engländer, welche einst eine Art Monopol besaßen, hätten jetzt um ihre Existenz zu känipfen. Das zwanzigste Jahrhundert werde eine Periode scharfen, ja fast erbitterten Wettbewerbs unter den Nationen sein, und zwar wahrscheinlich noch mehr auf dem Gebiete der Werke des Friedens als des Kriegs. Die Nation müsse daher noch kaufmännischer werden, ganz gleich, ob es sich um Krieger, Kausleute oder Staatsmänner handle. Berlin, 16. November.(B. H.) Die hiesige russische Botschaft teilt über daS Befinden deS Zaren mit. daß nach dem letzten, hier eingetroffene» Telegramm die Krankheit in»nlder Forin aufgetreten ist und bis jetzt einen ganz regelmäßigen und günstigen Verlauf nimmt. Bukarest, 16. November.(Mord- und Komplottprozeß. Fortsetzung.) Alexow, der der Mitschuld an der Ermordung deS Pro- effors Michaileanu angellagt ist, erklärt, er sei ein macedonischer Rumäne. Auf Anfsorderung Trifanows sei er in die geheime Gesell- chaft eingetreten. Er habe von Jkonow dessen wahren Namen er a»- angs nicht gekannt habe,«in Paket mit Gift sowie einen Brief erholten, in welchem von der Todesstrafe, die das Komitee über Trifanow ver- hängte, die Rede war. Dimitrow teilte dem Jkonomow mit. er wolle Michaileanu, ferner einen angeblichen türkischen Spion Jaschar und einen andren Bulgaren töten. Auf die Frage, warum er dies der Polizei nicht angezeigt habe, erklärie der Angeklagte, er habe e» auS Furcht vor dem macedonischen Komitee unterlassen, daS die Verübung des Verbrechens angeordnet habe. � vtraktwortlich» Redactem: D».«eora Gradnaurr in Groß-Ltchterselde. Für den Inseratenteil verantwortlich:»h.«locke in Berlin. Druck und Verla» von Mar Babing In Berlin. Hierzu» Beilagen. St. 26». 17. mnm. 1 Dtllllge Prozeß Sternberg. Nach Eröffnung der Sitzung teilt der Vorsitzende Landgerichts- Direktor Müller mit, dah ein großer Teil der Zeugen bis DienS- tagmittag 12 Uhr beurlaubt werden kann. Am Montag sollen die N i ch t e r, der Staatsanwalt R o m e n, Justizrat Kleinholz usw. vernommen werden. Wie Margarete Fischer reisen will. Staatsanwalt Braut erbittet sich zunächst das Wort zu folgender Erklärung: Die Staatsanwaltschaft hat sich behufs Ladung der Margarete Fischer telegraphisch nach New-Uork gewandt und vom dortigen Generalkonsulat ist eine telegraphische Antwort an das Aus- wärtige Amt eingegangen. Danach hat sich Margarete Fischer bereit erklärt, sofort zu reisen, aber unter folgenden Bedingungen: 1. freies Geleit; 2. Zahlung einer Summe von 5000 M.; 3. freie Fahrt II. Klasse und freie Verpflegung für sich und ihre Begleiterin Helene Fischer. Der Staatsanwalt bemerkt, daß er bereit sei, soweit dies innerhalb der gesetzlichen Grenzen geht, die Hand dazu zu bieten, daß die Fischer hier in Berlin an Gerichtsstelle er- scheint. Es werde sich fragen, ob der preußische Staat, unter dessen Steckbrief die Margarete Fischer stehe, es erfüllen kann. Ganz unerfüll- bar erscheine ihm die Zahlung von 5000 M. Es bestehe keine gesetz- liche Möglichkeit, eine derartige Summe zu zahlen, denn in Frage könne bloß die Anwendung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige kommen, und wenn auch bei weiten Reisen in dieser Beziehung großes Entgegenkommen gezeigt werden kann, so ist doch die Zahlung einer derartigen festen Summe völlig ausgeschlossen. Dagegen ist es angängig, freie Her- und Rückfahrt II. Kajüte zu ge- währen. WaS die Forderung des freien Geleits betrifft, so ist folgendes zu erwägen: Die öffentliche Klage gegen Margarete Fischer sei seines Wiffens noch nicht erhoben ,' vielmehr ist gegen sie im Vorverfahren vom Amtsgericht I ein Haft- befehl erlassen worden. Nach seiner Meinung würde die Strafkammer befugt sein, der Margarete Fischer freies Geleit zu gewähren. Die Staatsanwaltschaft würde eventuell in der Lage sein, ihrerseits den amtsrichterlichen Hastbefehl aufzuheben, diese Aufhebung würde aber für die Staatsanwaltschaft gleich- bedeutend sein mit der Nichtverfolgung eines Verbrechens und des- halb würde er sich zu einer solchen Aufhebung nur für befugt halten, wenn die Strafkammer beschließt, daß, um das Herkommen der Zeugin zu ermöglichen, ein solcher Schritt unternommen werden soll.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Für Herrn Sternberg würde es keine große Sache sein, die Svvv M. selbst zu geben, er würde es aber jedenfalls nur dann thun, wenn es der Gerichts- hos ausdrücklich für zulässig erklärt, damit nicht wieder der Verdacht einer Beeinflussung entsteht.— Rechtsanwalt Fuchs: Die Ver- teidigung, welche selbst die Ladung der Margarete Fischer beantragt hat, hat gegen die Vorschläge des Staatsanwalts nichts einzuwenden. — Rechtsanwalt W r o n k e r bittet, die Entscheidung darüber, ob Herr Sternberg die 5000 M. aus eigenen Mitteln hergeben soll, bis morgen zu vertagen, da alsdann der heute nicht anwesende Justiz- rat Sello wieder zur Stelle sein wird.— Staatsanwalt Braut: Principiell scheine ihm das auch nicht angängig, daß der Staat in einem solchen Strafverfahren ein derartiges Geschenk annimmt, es würden aus dieser Hergäbe der Summe durch den Angeklagten auch neue Bedenken bezüglich der Glaubwürdigkeit der Zeugin sich er- geben.— Angekl. Sternberg: An den 5000 Mark würde ihm an sich nichts gelegen sein, aber er habe doch die Vermutung, daß, wenn er die Summe hergebe, wieder der Verdacht entstände, daß die Fischer beeinflußt sein und nicht mehr als unbefangene Zeugin erachtet werden könnte. Giebt aber der Staatsanwalt die 5000 M., so würde sich die Fischer sagen: Das ist ja himmlisch, ich werde wegen eines Verbrechend steckbrieflich verfolgt und so wie ich die Bereitschaft zur Reise erkläre, erhalte ich nicht nur freie Fahrt für mich und eine angebliche Gesellschafterin, und bekomme noch ei» kleines Vennögen von 5000 M. sowie freies Geleit. Sie wird sich sagen, daß sie' einem solchen Staatsanwalt sehr obligiert und dankbar sein muß und daraus ergebe sich wieder die Gefahr. daß sie etwas aussagt, was sie nicht verantworten kann. Wenn ihr in so phäno- menaler Weise entgegengekommen werde, müsse ihre Zeugenaussage bedenklich erscheinen.— Staatsanwalt: Der Angekl. Sternberg hat hier soeben ein sehr feines Gefühl für die Einwirkung des Gelds auf Zeugen bekundet, das ist mir sehr intercffant gewesen. WaS ich gegen die Fischer auszusetzen habe, hat der Angekl. Sternberg wieder- holt. Auch ich glaube, daß sie auf alle Fälle eine so wenig intakte Zeugin ist, daß auf ihre Aussage kein großes Gewicht zu legen sein dürfte.— Angeklagter S t e r n b e r g: M i r ist kein Fall bekannt. daß auf Zeugen mit Geld eingewirkt worden ist. Nur der Herr Staatsanwalt wittert in jeder Ermittelung, die von unsrer Seite angestellt wird, eine Beeinflussung, und hält schon jeden, der mit einem Detektiv spricht, für verdächtig.— Nachdem die Zeugin Clara F i scher auf Befragen angegeben, daß eine Verwandte Helene Fischer in New Aork überhaupt nicht existiert, zieht sich der Gerichts- bof zur Beratung zurück. Der vom Vorsitzenden verkündete Beschluß geht dahin: Der Gerichtshof weist die Zumutung, einer als Zeugin vorgeladenen Person gewisse Bedingungen zu erfüllen. zurück, namentlich auch die Zumutung, ihr einen Betrag von 5000 M. zu zahlen oder mit dem Angeklagten Sternberg in irgend eine Erörterung darüber zu treten, ob und in welcher Form dieser zur Hergabe der 5000 M. bereit sei. Der Gerichtshof erklärt sich ferner für unzuständig, die Gewährung freien Geleits zu beschließen, weil die Strafsache Fischer erst im Vorverfahren sich be- findet und eine Verbindung dieser Sache mit der Affaire Sternberg durch die Strafkammer nicht beschlossen werden kann. Der Ge- richtShof giebt dem Staatsanwalt anHeim, die Aufhebung des Haft- befehls durch das Amtsgericht herbeizuführen, und ist bereit, die- jenigen Gebühren anzuweisen, welche angemessen und gesetzlich sind; dazu sind auch die Gebühren für die Mitreise einer Gesellschafterin zu rechnen. Hierauf wird die gestern unterbrochene Vernehmung der Frau ValeSka Hausmann fortgesetzt. Sie verbessert ihre gestrige Aussage dahin, daß das Mädchen Collis, gegen die die Zeugin offenbar sehr gereizt ist. ihr schon vor deren erster polizeilicher Vernehmung den Namen Sternberg genannt habe. Die Eallis bestreitet diese Behauptung mit großer Entschiedenheit, die Zeugin bleibt ebenso entschieden bei ihrer Angabe und beide Zeuginnen treten sich scharf gegenüber. Die Zeugin HauSmann erklärt ferner auf Befragen, daß der Angeklagte Luppa auf sie nie Beeinflussungsversuche gemacht habe, die letzteren vielmehr nur vom.Kapitän Wilson' ausgegangen seien. Letzterer habe sich auf dem GerichtSlorridor an dem Tage, als sie vor dem Untersuchungsrichter vernommen wurde, an sie herangemacht und in einem offenstehenden.Zimmer der Angeklagten' recht viel Bier getrunken. Kapitän Wilson habe sie und die Collis alsdann in die Weinstube von Peter Becker zum Diner geführt, dort viel von der Mitschuld StenibergS gesprochen und gesagt, die Teichert sei schon durch Hmgabe von 500 M. gewonnen worden. Der freigiebige Kapitän. Sie habe sich mit dem Kapitän Wilson Brüderschaft getrunken und man habe aus daS Wohl des An- g e k l a g t e» S t e r„ b e r g angestoßen. Di- Zeugin erzählt dann ausfuhrlich die schon bekannten sonstigen Einwtrkungsverfuche des Kapitän Wilson bis zu der Hergäbe der 300 M. durch ihn. Kapitän Wilson habe dabei gesagt, daß das Geld von Herrn Luppa herstamme. Sie will die 300 M. darum zurückgegeben haben, weil sie dem Wilson einen Schuldschein über die ganze Summe gegeben hatte und nun befürchtete, daß sie auf diese ganze Summe verklagt werden könnte, während sie vorgeschriebenermaßeu der Collis 150 M. abgeben sollte. Daß der Kriminalschutzmann Stier st ädter öfter des Jonrätte" in ihrer Wohnung gewesen und auch über den Prozeß Sternberg mancherlei gesprochen hat, giebt die Zeugin zu, verweigert aber ihre Aussage über ihren intimen Verkehr mit Stierstädter. Richtig sei es, daß Stierstädter mit der Zeugin Brauer in unzüchtigem Verkehr gestanden hat. Frau Hausmann bestreitet entschieden, daß der Kapitän Wilson einen Revolver gezeigt und damit gedroht habe, die Zeugin Collis bleibt aber auch bei dieser Behauptung. Ans den weiteren Bekundungen der Zeugin Hausmann ist noch folgendes zu erwähnen: Nachdem die Episode mit der Zurückgabe der 300 M. schon geschehen war, habe sie Kapitän Wilson eines Nachmittags wieder nach dem Architektenhaus bestellt und dort zu ihr gesagt: „Ihr habt ja gepfiffen, ich schlage Ihnen die Backzähne entzwe:!' Trotz dieser freundlichen Gesinnung soll der Herr Kapitän doch noch den Kaffee ans seinen Mitteln bezahlt und sich dann entfernt haben. Die Zeugin hatte ferner eines Tags mit Herrn Stierstädter den Plan verabredet, unter dem Vorgeben, eine Reise nach Holland machen zu wollen, den Kapitän Wilson nach dem Bahnhof zu locken, wo ihn dann Stierstädter verhaften ivollte. Sie ist dann zu dem auf einem Bureau des Herrn Sternberg damals thätig gewesenen Rechtsanwalt Dr. M ö h r i n g gegangen und hat ihm die Absicht zu verreisen mitgeteilt. Dr. Möhring habe ihr darauf gesagt, es wäre sehr gUt, wenn sie nach Holland gehe; wenn sie drüben sei, würde er ihr eine Liqueur-Stube schenken; wenn sie wollte, würde er den Kapitän Wilson abends auf den Bahnhof schicken. Als sie abends mit Herrn Stierstädter zum Bahnhof kam, haben sie vergeblich auf Wilson gewartet und seien unverrichteter Sache nach Hause gegangen. Auf den Vor- halt des Staatsanwalts, daß sie doch eigentlich ein seltsames Doppel- spiel gespielt und augenscheinlich die sittliche Vergehung des Herrn Stierstädter der Sternberg- Partei verraten habe, bestreitet die Zeugin das letztere. Die Männer, die fort und fort sie auszuholen sich bemühten, hätten all' die Dinge schon gewußt. Wiederholt seien solche Männer bei ihr gewesen, eine ganze Zeit lang seien sie mit der Bitte an sie herangetreten:„Haus- Männchen, wir müssen unbedingt Ihr Bild haben'. Was man mit diesem Bilde eigentlich wollte, wisse sie nicht; eines Tags sei sie sehr überrascht gewesen, als sie auf der Straße plötzlich von einem Angestellten des Direktors Schulze photographiert werden sollte. Als Gesamtsumme, welche die Zeugin bei verschiedenen Ge- legenheiten von einzelnen Vertretern der„Partei Sternberg' erhalten, giebt sie etwa 83 M. an. Dies sollte nur für die Hergabe der Photographie bestimmt sein. Bestimmte Angaben darüber, ob der Angeklagte Luppa mit dem Kapitän Wilson' bekannt gewefen, kann die' Zeugin nicht machen. Auf Wunsch des Staatsanwalts giebt die Zeugin eine ungefähre Personalbeschreibung des angebliche» Kapitän Wilson, ivonach derselbe ein mittelgroßer Mann mit blondem vollen Spitzbart gewesen sei. Auf weiteres Befragen des Staatsanwalts konimt die Zeugin nochmals auf den Besuch zurück, den der Angeklagte Luppa in Ge- sellschaft zweier andrer Herren ihr bezw. der Callis an dem Tage nach der polizeilichen Vernehmung gemacht hat. Wie schon gester» erwähnt, hatte sich der Angeklagte Luppa mit der Zeugin Hansmann in ein Zimmer zurückgezogen, während die beiden Herren mit der Callis besonders sprachen. Letztere soll dann der Hausmann erzählt haben, daß der eine große Herr sehr informiert gewesen sei; sie glaube fast, daß es derselbe Mann sei, der bei ihrer Vernehmung bei Herrn v. Tresckow in demselben Zimmer gesessen habe.— Staatsanwalt Braut: Und wer soll dieser Mann gewesen sein?— Zeugin: Der Kommissar Thiel. Die Zeugin will dann noch geiagt haben, daß es ihr höchst un- angenehm sei, wenn man ihr»un etwa auch noch die Polizei ins Haus bringe.— Zeugin Callis giebt zu, daß sie gesagt habe, der Herr, der so informiert scheine, sehr dem Mann ähnlich sähe, der in dem Zimmer des Herrn v. TreSckow bei der Vernehmung mit zugegen war und sich auf einem Blatt Papier Notizen gemacht habe. Sie habe denn mich gleich Herrn v. Tresckow erzählt, daß ein Mann, der Herrn Thiel ähnlich gesehen, bei ihr gewesen sei.— Herr v. Tresckow kann sich darauf nicht besinnen. Richtig sei es, daß Kommissar Thiel am Tage der Vernehmung der Callis in dem Zimmer, in welchem ja immer sehr viele Leute aus- und eingingen, a n w e i e n d war.— Angekl. Luppa erklärt, daß er den Kam- missar Thiel erst hier auf dem Gericht zum erstenmal gesehen habe. Die Persönlichkeit des betreffenden Herrn will er nicht kennen und erklärt auf wiederholtes eindringliches Befragen, daß nach seiner Anficht der betreffende Mann" ein Detektiv, ein Zeitungs- reporter oder dergleichen war. Der andre Herr sei ein Maler Münch- hausen gewesen.— Der Staatsanwalt beantragt und der Gerichtshof beschließt die Ladung des Malers Hermann Münchhausen. Der Vorsitzende macht den Angekl. Luppa darauf aufmerksam, daß seine Angaben über den zweiten Herrn wenig Wahrscheinlichkeit für sich haben.— Die Zeugin Callis erklärt auf Befragen noch: Der Herr sei so informiert gewesen, daß sie ihm gesagt habe:„Sie scheinen ja alles zu wissen, das kommt mir sehr seltsam vor; Sie haben wohl bei der Vernehmung an der Thür gehorcht." Darauf habe der fremde Mann gesagt, er sei verheiratet und habe Kinder, sie solle ihn nicht etwa verraten. Frau Hausniann dagegen hat. wie sie bekundet, bei jener Gelegenheit im Vorbeigehen ein Wort des betreffenden Herrn vernommen, der der Callis sagte: „wenn sie nicht die Wahrheit sagte, würde sie ins Arbeitsbaus kommen.'— Ueber die Behauptung der Zeugin Callis, daß Frau HauSmann auf sie zu Ungunsten Sternbergs eingewirkt habe, kommt es zwischen dieser und Frau Hausmann zu lebhaften Aus- einandersetzungen. Nach einem alsdann erstatteten Gutachten des Schreib-Sach« verständigen Rcchnungsrat Junge rühren die beiden anonymen Briefe, welche die ganze Straffache in Fluß gebracht haben, nicht von der Hand des Herrn Stier st ädter her. Die Schrift- form und Schriftlage des letzteren sei eine wesentlich andre. Aller- dingS sei in den anonymen Briefen die Schrift verstellt, Herr Stier- städter besitze aber selbst die technische Fähigkeit nicht, solche Schnörkel zc. zu machen.— Einwendungen gejjfcn das Gutachten werden nicht erhoben. Eine neue BelastungSzeugi«. Die nächste Zeugin ist die 16jährige Martha Schnör- wange, die auf Anregung der Zeugin Callis auch bei der Fischer verkehrte. Sie bezeichnet den Angeklagten Sternberg bestimmt als den Mann, den sie dort getroffen und mit dem sie unsittliche Hand- lunqen vorgenommen habe und behauptet, daß auch die Callis wissen müsse, daß Herr Sternberg der Maler ans Frank- furt a. O. gewesen.— Auch dieser Behauptung widerspricht die Callis nachdrücklichst und es kommt zu einem heftigen Wortgefecht zwischen den beiden. Auch die Teichert soll der Schnörwange allerlei über ihre Erlebnisse mit dem Maler erzählt haben. Den behaupteten Inhalt dieser Erzählung bestreitet die Teichert energisch; ihre Er- regung gegen die Zeugin steigert sich so, daß sie ihr zuruft: „Das ist nicht wahr, lüge hier nicht so frechl' Auf eine Rüge des Präsidenten erklärt die Teichert, daß sie sich so etwas nicht gefallen lasse.— Präsident: Angeklagter Sternberg, was sagen Sie zu der Aussage der Schnörwange?— Angeklagter Sternberg: Es wiederholt sich hier dasselae, wie mit der Ehlert. Alles was die Zeugin gesagt hat, ist von A bis Z erfunden und unwahr; es ist genau so unwahr, wie viele andre genaue Einzelheiten, die das Mädchen früher zu Protokoll gegeben hat und die sie heute selbst als unwahr zugiebt.— Zeugin Schnörwange giebt zu. diese Unwahrheiten trüher zu Protokoll gegeben zu haben, behauptet aber, daß die E h l e r t ihr diese weiteren Unwahrheiten an die Hand gegeben habe. Nun tritt die Ehlert wieder vor, um die Zeugin der Unwahrheit zu zeihen, und eS kommt auch zwischen dieien beiden Zeuginnen zu gereizten Auseinandersetzungen. Die Schnörwange bleibt trotz eindringlicher Zumlitill!, 17Jovtnliti 1900. Verwarnung vor dem Meineide bei ihren Behauptungen. Eingewirkt sei auf sie insofern, als eine Frau Stabs mit Herrn Wolf bei ihr gelvesen sei; letzterer habe ihr gesagt: sie solle nur die Wahrheit sagen und wenn alles gut gehe, würde sie ihr Gutes haben. Während der jetzigen Gerichtsverhandlung habe Frau Stabs, die mit Fenstermoos handle, mehrere Male in der Konditorei für sie und eine Anzahl andrer Mädchen die Zeche in Höhe von 3 M. bezahlt. Auch Frau Wolf habe den Zeuginnen Teichert und Callis in der Konditorei etwas spendiert.— Auf Befragen des Rechtsanwalts Heinemann behauptet die Schnörwange, daß ihr die Ehlert sehr zugeredet habe, die Unwahrheit zu sagen und Herrn Sternberg gehörig hinein- zulegen, denn es sei ja niemand dabei gewesen und es könnte ihr ja nichts passieren, wenn sie einen Meineid l e i st e.— Zeugin Ehlert erklärt dies für„Lügen".— Die Schnörwange bleibt dabei und setzt hinzu: die Ehlert habe noch gesagt,„wenn sie für einen kleinen Diebstahl 9 Monate Gefängnis bekommen habe, so könne Sternberg auch ordentlich hineinfallen.— Präs.: Haben Sie denn wegen Diebstahls 9 Monate Gefängnis abgebüßt?— Zeugin Schnörwange: Jawohl!— Zeugin Ehlert(weinend): Um die Schnörwange habe ich 6 Monate wegen Hehlerei bekommen, sie hat mich bloß unglücklich gemacht!— Die tcligi» Ehlert behauptet nochmals, daß sie nicht nur bei der ischer, sondern auch bei der Töpfer mit Herrn Sternberg zusammen- gekommen sei. Sie erinnert die Schnörwange daran, daß sie sogar von dem betreffenden Herrn eine silberne Streichholzbüchse erhalten habe, die mit den Buchstaben A. St. gezeichnet gewesen sei. Die Schnörwange behauptet dagegen, daß diese silberne Büchse nur eine Art Studentenwappen gehabt habe; diese silberne Büchse sei ihr von einem alten Herrn mit weißem Haar, aber nicht von Herrn Sternberg geschenkt worden. Sie sehe denselben Herrn noch täglich in der Passage. Sie selbst habe diese Büchse in der' Bergmannstraße verkauft.— Die Zeuginnen Ehlert und Schnörwange treten sich fortgesetzt entschieden gegenüber, letztere bleibt auf Befragen des Rechtsanwalts F u ch s I dabei, daß alle Unwahrheiten, die sie im ersten Termin bekundet, auf die Einflüsterungen der Ehlert zurückzuführen seien. Es sei auch unwahr, daß sie vor dem ersten Termin von 8000 M. ge- sprachen habe, die bei der Sache Sternberg zu verdienen seien, wenn alles gut gehe. Die Ehlert behauptet dagegen, daß die Schnör« wange überhaupt gar nicht gewußt habe, wie es bei der Fischer in der Wohnung aussah, sie habe sich diese vielmehr erst von ihr beschreiben lassen.— Auf Befragen des Rechtsanwalt Dr. Werthauer wirft die Schnörwange der Ehlert alles mögliche Schlechte vor und erzählt, daß diese im Gefängnis häßliche Lieder gesungen und allerlei Zeug erzählt habe. Die Ehlert ant- wortet:„Das müßte ja ein fideles Gefängnis sein! Ich habe nur ein einziges Mal gesungen und habe gleich vier Wochen in den Keller gemußt!" Einen Antrag des Dr. Werthauer auf Protokollier'nng eines bestimmten Passus in der Aussage der Ehlert lehnt der Gerichtshof ab,„weil es bis ins Unendliche führen würde, wenn man all die zahlreichen Widersprüche, die sich hier bei den Zeugenaussagen ergeben, protokollieren ivollte".— Die Widersprüche zwischen den' beiden Zeuginnen, die sich heftig bekämpfen, können nicht ausgeglichen werden.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer behält sich iveitere Anträge bezüglich der silbernen Büchse vor. Angekl. Sternberg beantragt die Ladung des Unter- suchungsrichters, der seiner Zeit die beiden Mädchen in Kottbus vernommen, bezw. die Verlesung des Protokolls, in welchem der Untersuchungsrichter eine persönliche Bemerkung über die Mädchen gemacht hat. Die Ladung des betreffenden Richters als Zeugen wird von dem Gericht beschlossen.— Hierauf wird Frau Augnste Teichert, die Mutter der T. darüber vernommen, ob ihr oder ihrer Tochter von irgend welcher Seite Geldversprechungen gemacht worden sind. Sie bestreitet dies, wiederholt aber die gestern von ihrer Tochter gegebene Erzählung, daß Herr'Stierstädter eines TagS bei ihr gewesen sei und ihrer Tochter einen Konfirmations- anzug, ihr selbst Leinenzeug zc. in Aussicht gestellt habe. Dabei habe er von Sternberg gesprochen und ihre Tochter ermahnt, die Wahrheit zu sagen. Richtig sei es, daß Herr Stierstädter dabei auch geäußert habe,' sie solle sich auf nichts einlassen, wenn sich irgend' jemand an sie herandrängen und sie aushorchen wolle. Stierstädter habe ihr das Kind zweimal ohne ihr Wissen zur Polizei- lichen Vernehmung mitgenommen. Das erste Mal habe man ihr auf der Polizei Schinkenstullen gegeben und Herr Stierstädter habe, als er sie zurückbrachte, gesagt: Das Mädchen sei noch nicht verdorben, es müsse in guter Obhut behalten werden. Das zweite Mal habe man dem Mädchen keine Schinkenstullen gegeben, sondern eS als„freches Frauenzimmer" und dergleichen bezeichnet. Was ihre Tochter bei der Fischer gemacht, habe diese ihr nicht ge- sagt, sie habe aber später bestritten, daß Herr Sternberg der be- treffende Mann sei. Herr Stierstädter sei auf alle Fälle schon bei ihr gewesen, ehe ihre Tochter polizeilich vernommen wurde, und habe schon bei dieser Gelegenheit von„Herrn Sternberg" gesprochen. Die R.-A. Fuchs und Dr. Mendel halten es für sehr wichtig. festzustellen, daß Herr Stierstädter am Tage vorher, als die Teichert das erste und einzige Mal auf der Polizei Herrn Sternberg rokog- »osciert hat, hei den TeichertS gewesen ist und den Namen Sternberg genannt hat.— Die Zeugm Teichert erzählt noch auf Beftagen, daß jetzt im Oktober mal ein älterer Mann bei ihr gewesen sei. der verschiedenes von ihr hören wollte. Sie habe die Vermutung ausgesprochen, daß dies ein Abgesandter von Herrn S t i e r st ä d t e r sei und stchauf nichts eingelassen. Staatsanwalt Braut macht zum Schluß noch folgende Mit- teilung: Soeben sei ihm ein Fahnenabzug der„Post" zugegangen mit einem längeren Artikel best, den Fall Sternberg.— Den Inhalt des Artikels über die neuen Bestechungsversuche geben wir im lokalen Teile wieder. An diese Mitteilungen knüpfte der Artikel der„Post' eine Reihe von Betrachtungen mit Ausdrücken der Empörung darüber, wie zu Gunsten Sternbergs gearbeitet werde.— Im Anschluß hieran fragt der Staatsanwalt den Angekl. Sternberg: ob er den Kapitän Wilson nennen wolle?— Der Angeklagte erklärt, daß nach seiner Ueberzeugung Wilson ein Pseudonym sei, hinter welchem sich möglicherweise irgend einer seiner Freunde verstecke, der in wohlgemeinter, aber ungeschickter Weise das Ilster- esse für ihn. den er für unschuldig halte, wahrzunehmen trachte. Jedenfalls stehe er selbst diesen Bestrebungen vollständig fem. Hier handle es sich um Artikel, die eine auffallend tiefe Kenntnis aller Vorgänge verrieten und so gehässig gegen ihn gehalten seien, daß man in Besprechungen über diese Thatsache wohl der Vermutung Ausdruck gegeben habe, daß Leute in amtlicher Stellung vielleicht ein Interesse daran haben, die Presse in ungünstigem Sinn zu bearbeiten. Daraus mag der Wunsch entsprungen sein, nach dem Verfasser dieser Artikel zu forschen. — Der Vorsitzende versucht vergeblich eine Auskunst darüber zu er- langen, mit wem solche Besprechungen stattgefunden haben und wie etwas darüber nach außen hin gedrungen sein sollte.— Die Ver- teidiger Rechtsanwälte Mendel und Fuchs I betonen, daß ihnen die betreffenden Artikel bisher gänzlich unbekannt waren und s i e auch nicht das geringste Interesse daran hätten, den Ver- fasser zu erforschen.— Rechtsanwalt Dr. W e r t h a u e r beantragt, außer dem schon bezüglich einiger Artikel m der .Morgenpost' geladenen Redacteur Bettauer auch den Chef- redacteur der„Post". Herrn K r o n s b e i n, als Zeugen darüber z u vernehmen, von wem die überaus ungünstigen Artikel verfaßt sind. Der Gerichtshof behält sich die Beschlußfassung über den Anstag vor. Hierauf wird die Sitzung auf Sonnabend 9�» Uhr vertagt. Voksles. Zweiter Wahlkreis. Die Parteigenossinnen und Genossen werden aus die am 20. d. M.. abends S Uhr. Friedrichftr. 23«(früher Marlens) stattfindende Versammlung noch besonder» aufmerksam gemacht. Genosse Göhre, Pastor a. D., spricht über„ C h r i st e n. tum und Socialdemokratie'. Recht zahlreichen Besuch erwarten_ Die Vertrauensleute. Zu der gegen den Stadtverordnete» Marggraff verübten MajestatSbeleidignngS-Denunziatton meldet die.vottS-Zeitung', datz die Denunzianten in den Kreisen der Berliner Frommen zu suchen sind, denen der Stadtverordnete Rechtsanwalt Marggra wegen seiner Führerschaft in der liberalen kirchlichenBe» w e g u n g in Berlin verhaßt ist. Merkwürdigerweise ist von der Einreichung der Denunziation wegen Majestätsbeleidigung gegen Herrn Marggraff dem Stadtverordneten-Vorstehcr Dr.Langcrhans durch ein »Stockmann' unterzeichnetes Schreiben vom 12. Nov. 1900 Kenntnis gegeben worden. Nach Ausweis des Berliner Adreßbuchs giebt eS in Berlin ungefähr 30 Personen des Namens Stockmann. Trotzdem braucht noch keine dieser Personen mit dem Denunzianten gemein» same Sache gemacht zu haben. Denn es ist nicht ausgeschlossen, daß der Name von einem andren mißbräuchlich unter die dem Stadt derordneten-Vorsteher zugegangene Anzeige gesetzt worden ist. Interessant für die Beurteilung der Motive des Denunzianten dürste ein anonymer Brief sein, den der Stadtverordnete Marggra am Sonnabend, den 10. November d. I., an dem Tage vor den ollgemeinen Kirchenwahlen in Berlin. erhalten hat. ES wird darin deutlitb zum Ausdruck gebracht, daß er als„Häuptling der Liberalen' durch diese Denunziation wegen Majestätsbeleidigung konipromittiert und.beseitigt' werden solle. Nach diesen Mitteilungen scheint das Berliner Kirchentum ja liebliche Blüten zu treiben. Unter den„Liberalen' finden sich, wie die„Kreuz« Zeitung' feststellte. Personen. die auf dem Wege der Sä l s ch u n g e n Stimmen werben, und orthodoxe Zeloten beschmutzen ch durch die niedrige Denunziation eines ihrer Gegner. Und da wundert man sich, daß die Arbeiterschaft Berlins von kirchlichen Dingen nichts wissen Willi Mit dem Elend der Berliner Briefträger wird sich der Reichstag auf Grund einer Eingabe zu befassen haben. Die f etenten weisen darauf hin, daß die Postboten jetzt lediglich auf ein agegeld von 2,50 M. angewiesen sind, womit sich selbst in einer kleinen Stadt kaum auskommen läßt, geschweige denn in Berlin angesichts der hohen Mieten und der gesteigerten Preise aller Lebens mittel. Nach der ersten Zulage beträgt das Monatsgehalt eine» Postboten 78 M. Von dem üblichen WohnungSgeldzuschuß sowie der Teuerungszulage ist diese Beamtenkategorie bis jetzt gänzlich ausgeschlossen, so daß daß Einkommen eines Berliner Briefträgers in den ersten Jahren seiner Thätigkeit kaum den ortsüblichen Tage» lohn erreicht. Dabei hat ein erheblicher Teil der Postboten noch für eine Familie zu sorgen. Die Briefträger ricktcn nun an den Reichstag daS Ansuchen, falls eine allgemeine Erhöhung der Tagegeld sätze nicht durchgeführt werden kann, ihnen mindestens eine Teuerungszulage zu gewähren. Zum Achtuhr-Ladenschluff. Der„Verein Berliner Lederhändler hat in seiner gestrigen Generalversammlung nahezu einstimmig den Achtuhr-Ladenschlnß beschlossen und den Vorstand beauftragt, an das königliche Polizeipräsidium zwecks Durchführung dieses BeschluffcS eine Eingabe zu richten. Bemerkenswert ist, daß die Anregung zu dem Vorgehen von den„ChefS" ausgegangen und dieses die erste Korporation in Verlin ist, die den Achtuhr- Laden schluß in ihrer Branche einführt. Der Kaiser und daS Kirchenpatronat drS Magistrat». Die katholische„Mark. Volksztg.' spottet über den Magistrat hiesiger königlicher Haupt- und Residenzstadt:„Der Berliner Magistrat ist den hohen staatlichen Behörden und dem Hofe gegenüber ini allgemeinen allerdings weit loyaler, als die rauhbeinigere Stadtverordneten- Versammlung; aber im Interesse des guten Einvernehmens mit letzterer darf auch er die freifinnig manneswürdigen Traditionen doch nicht so ganz und gar außer �Hebung setzen. Daß er daS nicht außer acht läßt, erfährt nian «beu aus dem städtischen Verwaltungsbericht über daS Jahr 1898. in welchem der Hofprediger F a b e r vom Käser zum General- superintendenten und„Probst an der St. Nikolai» und St. Marienkirche' ernannt wurde. Für letztere Stelle hat der Magistrat daS Patronat, und er nahm auch die Bestallung vor: aber er beklagt sich,„daß ihm nicht, wie in früheren Fällen. Zeit und Gelegenheit gegeben worden sei, seine Wünsche in Bezng auf die für daS gesamte kirchliche Leben der Stadt Berlin so hochivicklige An- gelegenheit zum Ausdruck zu bringen'. Welchen Eindruck diese„ge- treueste' Verwahrung an betteffeuder Stelle gemacht hat— steht nicht dabei.' lieber Bestechungsversuche in der Gternberg-Uffaire weiß „Die P o st" recht interessante Einzelheiten zu melden. Danach ist der Metteur der Druckerei des Blatts, Herr G r o t h. in der Nacht zum Donnerstag dieser Woche von einench Herrn, der sich T a n n e r nannte,-ingeladen worden, sofort oder nach Beendigung seiner Arbeit in einem Weinrestaurant in der Wilhelmstraße zu erscheinen, wo auch der ExpeditionSchef de» Blatts anwesend sei. AI« Herr L r o t h ahnungslos der Einladung entsprochen hatte, fand er zu seinem Erstaunen den Expeditionschef Großcourt nicht vor. Wohl aber fand er. so berichtet die.Post' wörtlich weiter, im Wein- restaurant den Jnseratenagentcn W o l f f, den er von früher her kannte, und deffen Frau sowie einen Herrn, der ihm als Assessor O b st vorgestellt wurde. Die Herren ließen Sekt und Cigarren vor- fahren und gingen gleich in mockiss reo und auf ihr Ziel loS. Nachdem sich Herr Tanner und Frau Wolff in ein andres Zimmer begeben hatten, versprach der al» Assessor Obst vorgestellte Herr sofort Herrn Groth dreihundert Mark, wenn er den Namen deS Verfassers des Leitartikels nenne, den die„Post" in Nr. 634 über die Sternberg-Affaire gebracht hat. Eine nicht mißzuverstehende Bewegung nach der Brieftasche zeigte die Bereit- Willigkeit, sofort die genannte Summe zuzahlen. Als Herr Groth darauf hinwies, daß dies gegen seine Pflichten verstoße und ihm große Un- annehmlichkeiten eintragen könne, suchten ihn die Herren durch weitere Versprechungen zu ködern. Solche Stellung, wie er sie gegenwärtig habe, könnten sie ihm sofort besorgen und für alle Unannehmlichkeiten und etwaige pekuniäre Nachteile werde er reichlichst entschädigt werden. Die» solle in einem n o t a- riellen Kontrakt niedergelegt werden. Es solle über- Haupt für seine ganze Zukunft gesorgt werden. Herr Groth suchte auszuweichen. er sei überhaupt im unklaren, welchen Srttkel die Herren meinten. Darauf besuchten die Herren gemeinsam daS Cafö Klose, wo Herr Wolff den betreffenden Artikel Herrn Groth über den Tisch reicht«. Da Herr Groth nicht zu wissen vorgab, w e r der Verfasser diese» Artikels sei. bat ihn der Herr„Assessor", am nächsten Morgen — also Donnerstag um>/»9 Uhr wieder mit ihm im Cafö Klose zusammentreffen. Bis dahin sollte sich Herr Groth aus den ab- gelegten Manuskripten Gewißheit darüber verschafft haben, wer diesen den Prozeß deS Angeklagten Sternberg beleuchtenden Artikel geschrieben habe. Zur vereinbarten Stunde sandte Herr Groth dem im Cafö Klose wartenden„Assessor Obst" einen Dienst- mann mit einem Zettel, der nur die Worte ent« hielt:„Kann und will indieserSach» keine Au». kunft geben!" So dte vom Stummblatt mitgeteilten Thatsachen, die gewiß Aufsehen erregen werden, und um deren sittlichen Wert es ähnlich bestellt ist, wie um die Spionierereien in der»BorwärtS"-Redaktion. die die .Post' sich vor«inigen Jahren mit mehr Eifer al» Glück allerding« behaglich zu nutze machte. Das Blatts begleitet seine heuttgen Mitteilungen mit AuS« drücken tiefster Entrüstung und fordert, daß der TerroriSmus, den die Millionen der allmächtigen Scharfmacherklique— pardon, die Millionen eine? Sternberg ausüben, gebrochen werde. Weiter meint das Blatt:„Wir zweifeln nicht daran, daß ähn- liche Anenbietungen, wie an unsren Metteur, auch an andre Be- amte ergangen sind oder noch ergehen werden. Hoffentlich findet der Bestechungsversuch überall dieselbe scharfe Zurück- Weisung, und die Preffe und durch sie der hohe Gerichtshof kommt allmählich in die Lage, die Namen der Männer zu kennen und fe st zunageln, die sich auf solche Weise ihren Sekt verdienen.' Das wird jeder anständige Mensch wünschen. Bedauerlich bleibt. daß die„Post' selber sich nicht daran gemacht hat, die beiden für die Beurteilung und Aufhellung der Sternberg-Affaire außerordent- lich wichtigen Ehrenmänner auf frischer That zu stellen. Es wäre doch, so weit aus den Mitteilungen der„Post" ersichtlich, allem Anschein nach ziemlich einfach gewesen, die Polizeibehörde sofort von der Angelegenheit zu benachrichtigen, und am Donnerstagmorgen statt des harmlosen DiensttnannS unter geschickter Führung des Herrn Groth ein paar Kriminalbeamte inS Cafö Klose zu schicken. Daß solche» nicht geschehen, erscheint uns als eine schwer zu entschuldigende Unterlasiungssünde.— Eine Einkaufskommission für den Verband der K o n s u m- vereine der Provinz Brandenburg soll in nächster Zeit hier in Berlin gebildet werden. Auf die Anregung des Berliner Konsum- verein» ist von der VerbandSdirektton der schon oft ins Auge ge- faßte Plan des gemeinschaftlichen Einkaufs auf dem Börsentag. den die Vertteter der im Verbände vereinigten Konsumvereine kürzlich abhielten, zur nochmaligen Verhandlung vorgelegt worden. Das Vorhaben fand allgemeine Zustimmung: es zeigte sich, daß die leitenden Kräfte der älteren Vereine vollauf die' Bedeutung eines solchen Schritts zu schätzen wußten. Bei der Besprechung ivurde auf die einschlägigenVerhältnisse hingewiesenund betont, daßma'n sich im Anfang darauf beschränken müsse, gemeinsame Bezugsquellen zu schaffen und einheitliche Einkaufspreise zu erzielen. Durch die allmähliche Weiter entwickeluug könnte man dann dazu kommen, in Berlin ein Centrailager zu errichten. Auch wurde betont, daß man so- viel als möglich die Vermittlung der Hamburger Großeinkaufs- Genossenschaft benutzen werde. Den Anfang sollten die in und um Berlin ansässigen Vereine machen. Eine Kommission, bestehend au» fünf Vereinen, und zwar dem Konsumverein„Biene'-Berlin, den Konsumvereinen Brandenburg und Friedrichshagen, dem Berliner Konsumverein und dem Verein Bcrlin-SLd, wurde mit den Vorarbeiten beauftragt. Die ersten drei ge- hören dem Verband an. Man hofft, daß es bald gelinge, das Vor- haben zur praktischen Ausführung zu bringen. Die Konkurrenz der Blinden. Eine Deputation an den Oberbürgermeister hat die Berliner Bürstenmacher« Innung abgeordnet. Es wurde dem Stadtobcrhaupte gegenüber wegen der Konkurrenz Klage geführt, welche die Zöglinge der städti- scheu Blindenanstalten, die sich zum großen Theil mit der Biirstenfabrikation befassen, den selbständigen Berliner Bürsten- niachern bereiten. Besonders beschwerten sich die unter Führung ihres Obermeisters erschienenen JnnungSmitglieder darüber, daß die Blindenarbeit zu billigeren Preisen abgegeben werde, als 'ie von den mit Steuern und andren Unkosten belasteten Handwerkern geliefert werden könne. DaS Bürstenmacher- Gewerbe leide, so Ivurde von der Deputatton ausgeführt, um so mehr unter der Konkurrenz der Blinden, als dos kaufende Publikum schon aus H'imanitätsrücksichten die Blindenarbeit bevorzuge. Ter Ober- bürgermeister erklärte, der Angelegenheit nähertreten zu wollen, ohne edock der Deputatton eine bestimmte Zusage im Sinne ihrer Wünsche zu geben. DaS Ehrrnbürgerrecht ist dem Stadtschulrat Bertram in geheimer Sitzung der Stadtverordnete»- Versammlung gegen die Stimnien der socialdemokratischen Fraktion und der Fraktion der Neuen Linken verliehen worden. Etenerbchörde und Straßenbahn. Eine eigentümliche Ant- wort erhielt der Grunddesitzerverein Nordost, welcher bei der hiesigen Steuerbehörde wegen Errichtung emer Stempelsteuer-Verteilungstelle vor dem Landsberger Thor vorstellig geworden war. Das Gesuch wurde damit begründet, daß der ganze ausgedehnte und stark bebaute Nordosten keine derartige VetteilungSstelle besitze und daß die vielen Tausende von Anwohner« im Bedarfssalle bis zur nächsten Distributioii Entfernungen bis zu einer halben Stunde zurückzulegen haben. Die Antwort des Steuerdirektors lautete dabin, daß die Behörde das BedürsiiiS für eine neue Stempel- verleilungsstelle nicht anerkennen tonne, um so weniger, als die Anwohner mit Hilfe der Straßenbahn ganz bequem die nächste Dcstributton in der Landsbergerstraße erreichen könne» 1 1 Der genannte Grundbesitzerverein verttitt aber die Ansicht, daß die Steuerbehörde nicht das Jntcreffe der Großen Berliner Straßen bahn, sondern dasjenige der Allgenieinheit wahrzunehmen habe. Er will weitere Schritte zur Erlangung einer DestributtonSfiliale für die nordöstliche Vorstadt unternehmen. Gegen das Rabatt- System hat die Berliner Fleischer- Innung in ihrer letzten Versammlung Stellung genommen. In den Schlächterläden sollen Plakate zum Aushang komnien, in denen ausdrücklich darauf hingewiesen wird, daß der Rabatt in Fortfall kommt. Die Bäcker haben ein ähnliches Borgehen in Aussicht ge- nommen. Von einem scharfen Vorgehen der Behörde« gegen die Anarchisten berichten die Zeitungen. Danach ist der Redacteur der eilschrift„Neues Leven', Tischler Otto Alb recht, aus Anlaß der letzten Konfiskation des Blatts verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte wegen eines im„Neuen Leben" ver- öffentlichten Artikels mit der Ueberschrift»Polizeidiltatur'. Die •estnohme des StedacteurS geschah in seiner neuen Wohnung in der . ruchtstratze 22 zu Berlin. Albrecht ist nach Moabit in Untersuchungs- aft gebracht word«u Ans der Unfallstatton. Uns wird berichtet: Am Donnerstag. den 8. November, kam der Kutscher Albert Heinecke, Alt-Moabit 73 wohnhaft, nach der Unfallstation Alexandrineustr. 81. um bei seinem chwcren Bruckleiden— der Bruch war ausgetreten— hier Hilfe zu uchen. Der Patient kam um'/zg Ubr nachmittags auf die Unfall- Station und wurde von hier>/«S Uhr mit dem Krankentransport- wagen nach der Klinik der Unfallstation am Mariannenplatz geschickt, weil der Arzt in der Unfallstation einen operativen Eingriff für notwendig hielt. Hier blieb der Pattent bis Ve6 Uhr, ohne daß ein Arzt ihn untersuchte oder Linderung in seinem Leiden verschaffte. Der Kranke entfernte sich deshalb kurz entschlossen, ließ sich mittels Droschke heimbringen und Herrn Dr. Wolf rufen, der in einigen Minuten den Bruch zurückbrachte und den Pattenten somit von seinen Leiden befteite. Kometen und Sternschnuppen heißt der Vortrag, den der Direktor der Trcptow-Sternwatte Herr G. F. llrchenhold heute abend in Keller» Festsälen. Koppenstraße. hält. Der Bortrag wird von zahlreichen Lichtbildern begleitet. Da außerdem vor dem Vor- trag und während der Pausen ein großes Jnstrumentalkonzert statt« indet(stehe heutige» Inserat), sowie ferner künstlerische Borttäge auf dem Mustel-Harmonium(erste öffentliche Vorführung) ge- halten werden, so dürfte der Bestich ein so zahlreicher werden, daß der gute Zweck, einen Betrag zum Baufonds der Freireligiöse» Gemeinde zu erwerben, damit erreicht wird. Ans der Sternwarte Urania findet heute und an den 'olgenden Sonnabenden von S Uhr ab ein astronomischer Abend tatt. Derselbe soll denjenigen, die sich für die gegenwärtig ficht- iaren Objekte besonders interessieren, Gelegenheit bieten, dieselben eingehender und ungestörter zu studieren, al» e» sonst bei stärkerer Inanspruchnahme der Sternwarte möglich ist. Die Anzahl der Teil- nehmer darf höchstens 20 betragen. Als Eintrittspreis wird 1 Mark erhoben. Eine Elite-Matinee der Jntemationalen Artisten-Genossenschaft zum Besten ibrer Unterstützungskasse wird am Sonntag, den 18. Navember, mittags 12 Uhr, in den Reichshallen eine Anzahl hervorragender Kräfte zu einer Künstlerkonkurrenz vereinen. Ein ebenso gediegenes wie reichhaltiges Progamm dürste den Besuchern dieser Verstellung recht genußreiche Stunden bieten, da auch die Stettiner Sänger mit hervorragenden Nummern mit- wirken werden. Der Eintrittspreis für die unteren Räume bettägt nur bst Pfennige. Theater. Im Central-Theater gebt heute, Sonnabend, die Novität„Der Brautvater', GesangSposs« in 3 Akten von Adolf Rosse, Musik von Heinrich Platzbecker, zum 1. Mal in Scene.— Im T h a l i a- Theater wird heute, Sonnabend„Der LiebeSschlüssel' zum 7S. Mal gegeben: morgen findet die letzte Sonntags-Vorstelluna statt. Für die Premiere der neuen Ausstattungsposse„Amor von heut«', die am Donnerstag zum 1. Mal in Scene geht, ist der Vorvertaus bereits eröffnet.— Das Passage-Panoptlkum ist durch die Eröffnung des neuen Abnormitäten-Saals und des Anatomischen Museums um eine weitere zugkräftige Sehenswürdigleit bereichert worden.— Im Carl Weih-Theater gelangt heute nachmittag ein neues Kindermärchen zur Aufführung:„Rübezahl und Schneider Beneditt' oder„Das Suserl vom Niesengebirge". Zweimal wegen«ineS DachstnhlbrandS in Anspruch ge- nommen wurde die Feuerlvehr am Freitagabend. Gegen 7 Uhr entstand auf nicht ermittelte Weise auf dem Boden de» HauseS Ecke Ramler« und Putbuserstraße Feuer, das schnell mehrere mit allerlei Hausrat gefüllte Bodenkammern ergriff und diese samt einem Teil deS Dachstuhls einäscherte. Kaum waren die drei alarmierten Löschzüge in ihre Depot« zurückgekehrt, al« sie von neuem nach der alten Brandstelle gerufen wurden. Eine ernste Gefahr war jedoch nicht vorhanden.— Vorher war Franseckistr. 6 in einer Kaffeerösterei ein Schadenfeuer abzulöschen, daß durch Ent- flammung von Kaffeehülsen entstanden war. Kleinere Brände wurden außerdem von der Dresdenerstr. 82, Steglitzerstr. 89, Weberstr. 7 und Kolbergerstt. 8 gemeldet. AnS den Nachbarorten. Schöneberg. Sonntagnachmittag 4Ve Uhr findet bei Ernst Obst, Grunewaldstr. 110, eine Volksversammlung für Frauen und Männer statt, in welcher Fran Käthe Duncker aus Leipzig folgenden Vorttag hält:.Kohlenwucher, Arbeiterftauen und Socialdemokratte'. Zahlreicher Besuch wird erwartet! Echöneberg entwickelt sich immer mehr zur Weltstadt. Dem Bedürfnis, sich von Berlin zu emancipieren, ist gestern sogar durch Errichtung eines TirkuS genügt worden, den man in der Haupt- straßc, dem Rathause gegenüber aufgeschlagen hat. Mit einigen Be« denken gingen wir hin, aber die im elektrischen Licht strahlenden Thatsachen straften uns gründlich Lügen. Der Besitzer, Herr Direktor I a n S l y zeigt, daß ein kleiner Mann auch ein Mann ist, und was die eigentlichen Cirkuslünste betrifft, sich keineswegs vor den Großen zu schämen braucht. Die Reiter- und Dreffurkunststücke wurden mit anerkennenswerter Sicherheit ausgeführt und verdienten vollauf den Beifall, den das Publikum ihnen spendete. Vor allem führte der Direktor selber sowohl als Dreffeur wie als Schulreiter den Zuschauern ausgezeichnete Leistungen vor. Auch an komischen Küiifieii fehlt eS nicht, und der bekannte Elown Cheever» erregte durch die Leistungen feines Esels wie an andren Orten so auch hier Aufsehen. Ein stattliches Ballett, sowie eine Quadrille am Schluß sprachen besonders an. Die Nixd orfer Stadtverordneten-Bersammlung erklärte in ihrer letzten Sitzung die Wahlen der Stadtvv. Wanzlick(1. Ab- teilung) und H e n n i g(Soc., 3. Abteilung) für gültig. Ein« sprüche gegen die Wahlen sind nicht erhoben worden. Der Stadt- verordnete Dohrmann(Soc.) hat aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt. Die Versammlung ist damit einverstanden. Den Magistratsbeamten und Lehrern werden 200M.alSZiischußzu denKosten der ersten Einrichtung ihrer Sterbekasse bewilligt; ferner wurden ihnen als laufender Zuschuß zu den Beiträgen jährlich 400 M. wider- ruflich zugesichert. Eine Vorloge, Straßen Pflasterung be- treffend, führte zu einer ausgedehnten Debatte darüber, welche Straßen mit Rücksicht auf die zur Verfügung stehenden nicht sehr zahlreichen Mittel zuerst gepflastert werden müßten. E» wurde eno- lich beschloffeu, im Jahre 1901 die Juliusstraße und die Kopfftraße mit neuen Reiheiistcinen pflastern zu lassen. Die Erhöhung der Gehälter der technischen Subaltern» und U n t e r b e a in t e n will der Magistrat demnächst beanttagen. Der Wahlausschuß soll die Vorlage vorberaten und zu diesem Zweck auf lö Mitglieder verstärkt werden. Nach dem Vorschlag deS Redner« der vereinigten bürgerlichen Gruppen wollten diese den Social« d e m o k r ä t e n in dem Ausschuß nur 3 Sitze gewähren. Stndtv. Wach(Soc.). der dem Ausschuß bereits angehört, erhob namens seiner Freunde Anspruch auf 4 Sitze, indem er rednerisch nackivieS, daß sie als 10 von 42 Stadtverordneten bei anstands- mäßiger Abrunduiig von Bruchteilen darauf ein Recht hätten. Redner sprach die Hoffnung anS. daß die Herren von der Rechten Wert darauf legten, bei seinen Freunden und ihm als anständig zu gelten. Diese Erwartung wurde dem Redner von der Mehrheil und schließlich auch vom Vorsteher so ausgelegt, als habe er ihnen dadurch Unanständigkeit vorgeworfen. Er erhielt einen Ordnungsruf: der bekannte Herr Beiß feierte seine Gesiiininigsgenoffen als Erbpächter von Sitte, Anstand, Wohlwollen iiiid Gerechtigkeit; Herr Abraham redete wieder einmal von „Macht zeigen" und es gab eine dramatisch bewegte Scene. Er- regte Worte flogen von rechts nach links und von links nach recht», an eine ordnungsmäßige Debatte war zeitweilig nicht zu denken. Stadtv. Preßler(Soc.) trat Herrn Beiß entgegen, weil dieser davon gesprochen hatte, daß die Socialdemokraten, im Gegen» satz zu ihrem Verhalten im Plenum, in den Kommissionen mit den andren Mitgliedern„ein Herz und«ine Seele' seien. Gerade Herr Beltz— der Urheber der bekannten verwaltungSgerichtlichen Entrechtung der 3. Wählerklasse— sei eS, der in den Kommisstonen sich an die Socialdeinokraten herandränge und bald einmal sage:„Sie wiffen ja gar nicht, wie sehr ich mit Ihnen einverstanden bin.' Nach dem heuttgen Auftreten des Herrn Beiß müsse Redner sagen, daß er sehr gcrnaufdessen liebedieneris ch en Verkehrverzichte.— Damit hatte denn auch Preßler seinen Ordnungsruf weg. R e tz e r a u(Soc.) verwies darauf, daß erbitterte Debatten, wie die augenblickliche. überflüssig wären, ivenn man den Socialdemokraten eine gerechte Beteiligung an den Kommiisionen nicht verivehre. Stadtv. Schmidt und Stadtverordneten-Vorsteher Sander mahnten zum Frieden und Katen für den Vorschlag Wachs«in. wobei sie— unnötigerweise— betonten, daß sie selbstverständlich mit der Socialdemokratte nichts zu thun hätten. Die von Wach vorgeschlagenen Stadtvv. Retzerau, Hennig und Münzer wurden dann in den ver« stärkten Ausschuß gewählt, so daß diesem nun thatsäcklich die ver» langten vier Socialdemokraten angehören. In die Konnnisfion zur Durchberatung der Straßenpolizei-Verordnung wurden auch Wach(Soc.) und Herrmann(Soc.) delegiert. Retnickendorf. Die Gemeindeverketung wählte den Schöffen Rasch, deffen AmtSperiode am 27. Rovbr. abläuft. wieder in die» Amt.«u« der Wahl von S G e w e r b«g e ri ch t s- B eist tzern aus dem Kreise der Arbeitnehmer gingen folgende Personen hervor: Kuschnik, Schrcy, Drähler, Wanke und Räthle. Ans Abenteuer scheint der S8 Jahre alte Milchhändler Karl Drag aus der Pfalzbiiigerstr. 54 zu Wilmersdorf ausgegangen zu fein. Drag, der mit seiner 50jährigen Frau seit 20 Jahren in kinderloser Ehe lebte, gab trotz seiner 53 Jahre seiner Frau wieder- holt Anlaß zur Eifersucht. Als die Frau am Mittivochmorgen in der Küche zu thun hatte, ging er in Sonntagskleidern weg. ohne ihr zu sagen, wohin er sich zu begeben beob- fickttge. Frau Drag glaubte ziinächst. daß er Kunden besuchen wolle, entdeckte aber nachmittags zu ihrem Schrecken, daß er die ganzen Ersparnisse, 8000 M. in barem Gelbe, 15 Einhundert- marticheine und 500 m. in Wertpapieren mitgenommen hatte. Ber geblich wartete ste auf seine Rüdkehr und zeigte schließlich das Berschwinden ihres Mannes der Polizei an, um vielleicht mit ihrer Hilfe das Vermögen noch zu retten. Da die Leute in geordneten Verhältnissen lebten, Drag aber Liebesabenteuern nicht abgeneigt ist, so nimmt man an, daß er in weiblicher Begleitung Berlin verYaffen hat. Versammlungen. Rigdorf. Die am 11. November hierselbst im Apollo Theater abgehaltene allgemeine Buchdruderversammlung nahm den Bericht des bisherigen Gewerkschaftsdelegierten entgegen. Der Bericht, der in furzen Zügen die Thätigkeit des Gewerkschaftstartelle im verflossenen Jahre wiedergab, zeigte deutlich die Nüglichfeit dieser Institution, andrerseits aber auch, daß es mit der Organisation bei verschiedenen Branchen noch sehr trübe aussieht, und daß dem Kartell also hierdurch noch ein reiches Arbeitsfeld winkt. Die Versammlung war einstimmig für weitere Beschickung des Kartells und wurde der bisherige Delegierte Kollege Bath wieder- und Kollege Truppte als Stellvertreter neugewählt. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 18. November, vormittags 83%, Uhr, in der Aula der 69. Gemeindeschule, Kleine Frant furterstr. 6: Versammlung. Freireligiöse Borlesung." Um 10 Uhr bormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille: Das Unvergängliche." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Die Allgemeine Ortsfrankenkasse gewerblicher Arbeiter und Arbeiterinnen Berlins hält am Sonntagvormittag 10 Uhr eine mit. gliederversammlung in den Arminhallen", Kommandantenstr. 20, ab. Tagesordnung: Vortrag über Krantenfassen und Invalidengesez. Referent: Dr. Freudenberg. Dermilchkes. Tallout Ueber das furchtbare Eisenbahnunglück in Südfrankreich, libfrankrei über das wir gestern unter Depeschen berichteten, liegende folgende nähere Meldungen vor: Die Zahl der Personen, die bei dem Unfall des Süd- Expreßzugs unweit Dag ums Leben kamen, wird nunmehr auf 17, die der Verlegten auf 30 angegeben. Die meisten Reisenden befanden sich, als die Entgleisung erfolgte, im Speisewagen; die Lokomotive fuhr über die Böschung hinaus noch etwa 200 Meter weit in das anstoßende Feld. Bisher find fieben Reichen, darunter die einer Frau rekognosciert. inter den Toten befinde sich, heißt es, der peruanische Gesandte in Paris Canebaro, dessen Gattin schwer verlegt sei. Nach einem andren Gerücht wäre der italienische Specialgesandte Carnera, der dem König von Spanien die Thronbesteigung des Königs Victor Emanuel notifizierte, ums Leben gekommen. Ein Toter hat einen deutschklingenden Namen Alfred Elfter. Der von Hagen tommende Güterzug 3804 fuhr gestern morgen 6 Uhr auf der Strecke Hattingen- Blankenstein auf eine Rangierabteilung. Mehrere Wagen entgleisten; der Packwagen geriet in Brand und verbrannte vollständig. Ein Zugführer und ein Heizer leicht verlegt. Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Opfer des Grubenkapitalismus. Aus Brüg wird gemeldet: Von den bei der Explosion im Plutoschachte Schwerverletten, deren Zahl nicht, wie ursprünglich angegeben neun, sondern nur acht beträgt, ist gestern der vierte gestorben. 8wei früher als vermißt angenommene Arbeiter befinden sich unter den Leichtverletzten. Marktpreise von Berlin am 15. November 1900 nach Ermittlungen des tgl. Polizeipräsidiums. Allgemeine Kranken und Sterbefaffe der Metallarbeiter ( E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 1. Mitgliederversammlung am Sonntag,*) Welzen, gut D.-tr.| 15,30 15,26 den 18. November, vormittags 11 Uhr, in Habels Brauerei, Bergmanns Straße 5-7. mittel Kartoffeln, neue, D- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg bo. Bauch Schweinefleisch Hammelfleisch Butter Eier Karpfen " gering 15,22 15,18 15,14 15,10 Filiale Berlin 3. Mitgliederversammlung am Sonnabend, 17. Novbr.,*) Moggen, gut abends 8 Uhr, bei Bergener, Reichenbergerstr. 157. 14,30 14,28 " Filiale Berlin 4. Mitgliederversammlung am Sonnabend, 17. Novbr., abends 8 Uhr, bei Friz Wilte, Andreasstr. 26. mittel gering 14,26 14,24 " Kalbfleisch " †) Gerfte, gut Filiale Berlin 5. Mitgliederversammlung am Sonnabend, 17. Novbr., abends 81/2 Uhr, bei Stiller, Rosenthalerstr. 57. " mittel gering Filiale Berlin 6. Mitgliederversammlung am Sonnabend, 17. Novbr., abends 9 Uhr, bei Dieke, Aderstr. 123. t) afer, gut " mittel gering 14,22 14,20 15,40 14,70 14,60 14, 13,90 13,30 16,20 15,20 15,10 14,20 Aale Bander 14,10 13,20 Hechte Filiale Charlottenburg. Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 17. November, abends 81/2 Uhr, bei Leber, Bismardstr. 74. Nichtstroh gen 6,82 7,20 5, 5,82 Barsche Schleie Erbsen Speisebohnen Linsen 40, 25, 45,- 20, 70,-30, Bleie Krebse Steglit Friedenau. Diskussionsabend des„ Arbeiter- Bildungsvereins" Dienstag bei Grube in Friedenau. Filiale Berlin 9. Mitgliederversammlung am Sonntag, 18. November, bormittags 10 Uhr, bei Gundlach, Waldenserstr. 24. Filiale Nixdorf. Mitgliederversammlung am Sonnabend, 17. Novbr., bei Tilice, Kirchhofstr. 41. II. Wahlkreis. *) ab Bahn und frei Mühle. +) frei Wagen und ab Bahn. 6, 1,60 1,20 1,30 1, 1,60 1,10 1,80 1, 1,60 1, " 2,80 2, 60 stud 1kg 4,80 3, 2,20 1,20 2,50 1,40 2,60 1,20 1,80 1, 1,60 0,80 2,80 1,20 1,40 0,80 Probultenmarkt vom 16. Stobbr. Die Getreibepzeife fchwächten fich weiter ab unter dem Cinfluffe bes fich schwierig gestaltenden Mehl abfazes bei reichlichen Zufuhren aus dem Inlande und auf ruffisches Angebot. Die Stäufer hielten sich sehr reserviert, zumal günstige Ernteberichte aus Argentinien die Wirkung höherer amerikanischer Preisnotierungen para lyfierten. Weizenlieferungen und Roggenlieferungen waren vorn 0,50 M., für Mai 0,25 M. niebriger. Im späteren Verlaufe waren Frühjahrssichten für beide Artitel leicht erholt infolge höherer östreichisch ungrischer Preismeldungen. Hafer war ziemlich fest. Rüböl wich auf die gestrige Baisse in Paris um 0,80 m. Spiritus. 70er loco war zu 50,60 m. unverändert. = Witterungsübersicht vom 16. November 1900, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer fland mm Wind 750 SO 753 SO richtung Windstärke Wetter winemde 754 SSO 3ebel Hamburg Berlin Grants./M. 7513bebet München Wien 756 Still 2 bebect 2 bedeckt wolfig 766 Still Nebel Temp. n. C. 5° C. 4° R Stationen Barometerstand mm Wind richtung Windstärke Wetter 2Schnee 4 Haparanda 759 6 Petersburg 764 SSD 2bedeckt 4 Cort 742N 7wolfig 7 Aberbeen 750 ONO 8bebedt 3 Paris Temp. n. 6. 12060 6°.= 4° R. 9 Wetter Prognose für Sonnabend, den 17. November 1900. Gin wenig fühler, ziemlich trübe und regnerisch bei mäßigen nordwests lichen Winden. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Donnerstag und Freitag von 7-9 1hr abends statt. Dienstag, J. B. K. Unter Angabe Ihrer Adresse wenden Sie sich mit Ihren Wünschen an den Metallarbeiter- Verband zu Berlin, Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. 5. A. 47. Die focialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten bekommen von feiner Seite Gehalt. F. B., Stralau. Ihrem Wunsche ist bereits vor Wochen bei der Besprechung des neuen Ausstattungsstücs genügt worden. 2. E. Um Einlaßkarten wenden Sie sich an bas Bureau des Reichstags. Die Karten müssen Sie am Tage, an welchem die Situng stattfindet, abholen. R. 350. Merseburg hat nach der letzten Boltszählung 17 669 Einwohner. Die Zahl der abgegebenen socialistischen Stimmen können wir Ihnen nur für den ganzen Wahlkreis angeben; für diesen betrug sie 6274. G. N. 82. In allen preußischen Universitätsstädten wird unfres Wissens die Hebammenkunft gelehrt. Bis zum 29. Jahre wird man in Berlin zur Erlernung der Hebammenkunft zugelassen. Man meldet sich beim per Shot 12, 2,50 Bezirksphysikus Schulz am Tempelhofer- Ufer 29. Während der Lehrzeit, die vom 1. Oftober bis 31. März dauert, muß man in der Charité wohnen; die Kosten belaufen sich, Wohnung, Verpflegung, Instrumente und Ans bildung eingeschloffen, auf etwa 300 M. Ueber unentgeltlichen Unterricht ist uns nichts bekannt. Orts Krankenkasse Vereinzur Wahrung der Achtung! RixdorfAchtung! Strumpfwirker. Intereffen der Maurer d. Montag, den 26. November d. I., Dienstag, den 20. November, abends 8 Uhr, Friedrichstrake 236 Montag, den 19. Nov., abends 8 Uhr, im Apollo- Theater, abends 8 Uhr, in Feinds Salon, ( früh. Martens): Hermannstraße 48/49: Große öffentliche Verſammlung Volks- Versammlung 1. Bortrag des Genoffen Göhre, Paftor a. D. über:" Christentum und Socialdemokratie". 2. Diskussion. 210/8 Recht zahlreichen und pünktlichen Besuch erwarten Die Vertrauensleute. Centralverband der Maurer etc. Bezirk Süden. Sonntag, den 18. November, abends 5 Uhr: Versammlung mit Frauen im Lokale Schönleinstraße Nr. 6. Tages Ordnung: Tages Orbnung: Weinstraße 11: General- Versammlung 1. Ersatzwahl zweier ausscheidender 2. Wahl des Rechnungsprüfungsausschusses f. 1900. 1. Wohnungsnot, Kohlenwucher und die bevorstehende Stadtverordneten: Borstandsmitglieder. Ergänzungswahl. 2. Diskussion. 3. Aufstellung der Kandidaten zur bevorstehenden Stadtverordneten: Ersatzwahl. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist ein zahlreiches Erscheinen der Genossinnen und Genossen erforderlich. 204/18 Das Wahlkomitee. Lederarbeiter, Tohgerber, Weißgerber, Tederfärber etc. Montag, den 19. November, abends 8 Uhr, im Lokal ,, Marienbad", Badstr. 35: Bortrag ber Genoffin Frau Mesch über:" Gat die Frau bie Berlammlung. fich am proletarischen Klaffenkampf zu beteiligen?" 190/14 Nach dem Vortrag: Gemütliches Beijammensein mit Tanz. Um rege Beteiligung bittet Die Verbandsleitung. Verein der Tischler Berlins und Umgegend ( Vertrauensmänner- Centralisation.) Sonntag, den 18. November, vormittags 10 Uhr: Ausserordentliche General- Versammlung bei Thiel, Fruchtstraße Nr. 36 a. Tages Ordnung: Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Ad. Hoffmann über:" Auf was wir stolz find". 2. Diskussion. 3. Regelung der Unterstügungsfrage. 4. Berschiedenes. HF Anträge wolle man rechtzeitig schriftlich dem Unterzeichneten zu gehen laffen. Da wichtige Fragen erledigt werden sollen, ist zahlreiche Be: teiligung eines Jeden Pflicht. 10876* Der Vertrauensmann: W. Brinkmann. Chefredacteur. 3. Verschiebenes. Die Delegierten werden hierzu ein geladen. 274/6 Der Vorstand. Ort8- Krankenkasse der Berlins Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied Ernst Altstädt Bosenerstr. 29, gestorben ist. den 18. November, nachm. 31 Uhr, Die Beerdigung findet am Sonntag, Kirchhofs in Wilhelmsberg aus statt. von der Beichenhalle des St. Andreas: Um rege Beteiligung bittet 130/4 Der Vorstand. Orts- Krankenkaffe Messerschmiede, Schwertfeger der Battler u. Verfert. chirurg. Instrumente. Sonnabend, den 24. November 1900, abends 9 Uhr,[ 274/7 bei Schiller, Rosenthalerstraße 57: Ordentliche und verwandten Gewerbe zu Berlin. Sonnabend, den 24. Movember, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal I, Engel fer 15: Generalversammlung. Ordentl. Generalversammlung Tagesordnung: 1. Wahl von 3 Vorstandsmitgliedern ( 2 Arbeitnehmer, 1 Arbeitgeber). 2. Wahl eines Kassierers. 3. Wahl von 3 Ausschußmitgliedern zur Ab. nahme der Jahresrechnung. 4. Ver: schiedenes. Der Vorstand. Orts- Krankenkasse für das Für ein süddeutsches Parteiblatt wird ein wissen- Gewerbe der Verfertigung schaftlich gebildeter und durchaus zur Leitung be= 1. Wahl bes Bertrauensmanns und Bericht über bie Geschäftsfähigter Chefredacteur gesucht. Stellung dauernd W tommiffions Versammlung. 3. Verschiedenes. 2. Statutenberatung und Beschlußfaffung. und angenehm. Offerten unter G. I an die unter G. an die Expedition des Vorwärts". Ausgabe der Billets zum Stiftungsfest. Mitgliedsbuch legitimiert. S Das Erscheinen aller erwartet der wichtigen Tagesordnung wegen Der Vorstand. Adtung! Vergolder. Atung! 1182* von Musik- Instrumenten. Sonnabend, den 24. November 1900, abends 81/2 Uhr, bei Schulz, früher Buste, Grenadierstraße 23: General- Versammlung sämtlicher Vertreter der und Tanzlehrerverein ,, Solidarität".itgeber 110 Brbeitnehmer. Dienstag, den 20. November 1900: Verband der im Vergoldergewerbe befchäft Arbeiter 8. Stiftungsfest und Arbeiterinnen Deutschlands. Filiale Berlin. Montag, den 19. November, abends präc. 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20( gr. Saal): Mitglieder- Versammlung. Tages: Ordnung: in Kliems Festfälen, Hafenheide 13-15. Um 12 Uhr: Pause, nach derselben große Festpolonaise, verbunden mit verschiedenen Ueberraschungen. 200/ 2* Zur Aufführung gelangen die neuesten Rund- und Gesellschafts tänze, 1. Vortrag des Genoffen Theodor Metzner über:„ Die Ursachen. a. Huldigungs- Reigen, Gavotte Louis XIV., Rokoko Rhein ber wirtschaftlichen Krise." länder. Anfang 9 Uhr. Hierzu ladet ergebenst ein Der Vorstand. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzl. Zahnziehen 1 Mk. Plomben 1,50 Mk. Tellzahlung wöchentl. 1 Mk. Zahn- Arzt Wolf, Leipzigerstr. 130. Spr. 9-7.* 2. Disfuffion. 3. Stellungnahme zur Einführung der obligatorischen Lokalfonds. 4. Verschiedenes. 226/4 Zähne 2 M.. Die Kollegen der Rahmenbranche werden besonders zu dieser Versamm Tung eingeladen. Die Versammlung wird pünktlich 8 Uhr eröffnet und ist vollzähliges Erscheinen sämtlicher Mitglieder und Frauen erwünscht. Der Vorstand. Orts- Krankenkaffe für das Verband der Möbelpolierer. Goldschmiede- Gewerbe. Montag, den 19., abends 82 Uhr, Andreasstr. 26: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Rechtsanwalt Steinschneider über„ Die moderne Genoffenfchaftsbewegung". 2. Distuffion. 3. Aufstellung von Kandidaten sur Innungs- Krankenkasse. 4. Verschiedenes. 148/4 Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mitzubringen. Am 27. Dezember, nachm. 4 Uhr: Vorstellung in der Urania. Der Vorstand. Verein der Maschinisten, Heizer u. Berufsgenossen Berlins und Umgegend. Sonntag, d. 25. November, vorm. 9 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdener: Straße 45: Ordentliche ber Orts- Krankenkasse Uhrmacher Berlins. Dienstag, den 20. Novbr., abends 9 Uhr: Ordentliche 1. Borstandswahl, Wahl zweier Arbeitnehmer. 2. Wahl des Rechnungs: ausschusses zur Prüfung der Jahres: rechnung für 1900. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. 274/8 Orts- Krankenkasse der Klempner. Am Montag, den 26. Nov. d. J., abends 81% Uhr, findet im ,, Gewert schaftshause", Engel- Ufer 15, Saal I, eine Versammlung der groß jährigen Mitglieder unsrer Staffe behufe Wahl von 150 Bertretern pro 1901 ftatt. Um eine einheitliche Kandidatenliste bazu aufzustellen, findet zuvor am Montag, ben 19. nov., abbs. 8½ Uhr, der in den Wahlversammlungen vom 13. und 15. Ottober 1900 gewählten Vertreter der Kaffenmitglieder und Arbeitgeber. Tagesordnung: 1. in getrennter Wahlversammlung: a) für die Vertreter der Arbeitgeber: Ergänzungswahl von 1 Mitgliede zum Vorstand 1900-1901; Ergänzungswahl von 2 Mit: gliebern zum Vorstand 1900 bis 1902; b) für die Vertreter der Arbeitnehmer Ergänzungswahl von 1 Mitgliede zum Vorstand 1900-1901; Ergänzungswahl von 4 Mitgliedern zum Vorstand 1900 bis 1902; 2. in 2. gemeinschaftlicher GeneralVersammlung: 1. Wahl des Rechnungsausschusses; Beschlußfassung über den für schließenden Bertrag; 1901 mit den Aerzten abzu 3. Antrag des Vorstands, betreffend Abschluß eines Dienstvertrags mit unfren Kaffenangestellten, event. Aenderung des§ 54 des Statuts; 4. Verschiedenes. Nur die mit Legitimation event. Mitgliedsbuch versehenen Vertreter haben Zutritt. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand der Orts- Krantentaffe der Sattler und verwandten Gewerbe zu Berlin. Im Auftrage: H. Werner, Vorsitzender. SO. Manteuffelstr. 29. J. Rühlke, Schriftführer, N. Weinbergsweg 6. NB. Sofern in dieser Versammlung findet am Mittwoch, den 28. November, bie Tagesordnung nicht erledigt wird, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, Am Mittwoch, den 28. Nobbr. cr., Fortsetzung derselben statt. 274/9 abends 81% Uhr, findet bei Mundt, ebendaselbst eine Vorversammlung der großfährigen Mit lieber from In beiben Versammlungen legitt miert das Quittungsbuch. 274/10 General- Versammlung fung der Arbeitgeber, weiche Bei- General- Versammlung im Saale bes Herrn Spiegelberg, fedents General- Versammlung Sebaftianstr. 39. fämtlicher Vertreter der Arbett geber und Raffenmitglieder. Tages Ordnung: Tages Ordnung: 1. Wahl des Vorstands( 6 Arbeit nehmer, 3 Arbeitgeber). 2. Wahl der Revisoren. 1. Bericht des Vorstands. 2. a) Für 3. Abänderung des§ 37 d. St. bie Vertreter der Kaffenmitglieder: 4. Wahl von 5 Mitgliedern zum Vor- 5. Streichung des Abs. 2§ 17 b. St. $ 10 stande; b) für die Vertreter der Arbeit: 6. Verschiebenes. geber: Wahl von 2 Mitgliedern zum Hierzu ladet ein Vorstande. 3. Wahl von 3 Revisoren Der Vorstand. zur Prüfung der Jahresrechnung pro G. Lätsch, Vorsitzender. Sonntag, den 18. d. M., nachmittags 5 Uhr, in Cohns Fettsälen, 1900. 4. anschreiben der Aufsichts= Beuthstraße 20: Versammlung. Tages Ordnung: Besprechung der laut Protokoll gepflogenen Ver Der Vorstand. handlungen auf dem Verbandstag in Nürnberg. 139/4 [ 1086b bekannt behörbe betr. den§ 16 bes Statuts. Süntl. Zähne 2 Mark borstigt Um pünktliches Erscheinen ersucht Berlin, den 16. November 1900. Der Vorstand. E. Davidshäuser, Vorsitzender. Plombieren. Schmerzloses Bahnziehen. Reparaturen in 2 Stund. Sprechz. 8-8. Blumenstraße 25, Schriftführer. R. Lange, Ede Markusstraße. träge für angemeldete Mitglieder zu der Vertreter der Arbeits unfrer Staffe leisten, behufs Wahl von 75 Vertretern pro 1901 statt. nehmer für die Mitglieder Um eine Ranbibatenliste bazu auf der Orts Krankenkasse der zustellen, ersuchen wir diejenigen Arbeit Gelb und Zinngießer hier, geber, die gewillt sind, die Wahl pro 1901 anzunehmen, ihre Adresse bis findet am Sonntag, 25. Stobbr. er.. einsenden zu wollen. aum 22. November er. im Kaffenlotal vorm. 10 Uhr, im Votale des Herrn Jannascht, Inselstr. 10, statt, Die Arbeitgeber fönnen sich auch wozu sämtliche Vertreter der Arbeit burch ihre Geschäftsführer oder Benehmer hiermit eingeladen find. triebsbeamte vertreten laffen. 10886] 512 Der Vorstand. Pfd. Brot 50 Pfg. 2 H. Albrechts Bäckerei Wrangelfir.9, Krautftr. 19. Faldensteinftr. 28, Laufikerstr. 2. Tagesordnung: 1. Berlesung der Protokolle. 2. Wahl von vier ausscheidenden Borstands mitgliedern. 3. Wahl des Ausschusses für die Prüfung der Rechnung des laufenden Jahrs,§ 48, Siffer 1 bes Statuts. 4. Berschiedenes. Berlin, den 16. November 1900. 11846 Der Vorstand. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Ein RANIA Apollo- Theater. Taubenstr. 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: Rückblick auf die Um 9 Uhr: Fräulein Loreley Sonnabend, ben 17. November. Weltausstellung in Paris. Chavita. Opernhaus. Wilhelm Tell. An fang 72 Uhr. Schauspielhaus. Die Welt, in der man fich langweilt. Anfang 712 Uhr. Neues Opern Theater( Kroll). Im Hörsaal: Ausbreitung des Lichtes von Dr. Donath. Invalidenstr. 57/62. Ferner: Madge Ellis. The Josephis ( die Unfesselbaren.) Cäcilie Carola Il Barbiere di Siviglia. An Tägl. Sternwarte. und 8 hervorragende Specialitäten. fang 72 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 71/2 Uhr. Leffing. Die Mission. Anfang 71/2 Uhr. Berliner. Die ftrengen Herren. Anfang 7 Uhr. Residenz. Die Dame von Marim. Anfang 72 Uhr. Neues. Die Liebesprobe. Anfang 712 Uhr. Westen. Undine. Anfang 71% Uhr. Schiller. Die Welt, in der man sich langweilt. Anfang 8 Uhr. Seceffionsbühne. Die Bildschnitzer. Daheim. Der Bär. Anfang 71/2 Uhr. Central. Der Brautvater. Anfang 71 Uhr. Thalia. Der Liebesschlüssel. Anfang 7½ Uhr. Enifen. Meine Tochter. Borher: Mein Stern. Anfang 8 Uhr. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Der Tugendring. Anf. 72 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Weihnachts- Schüler: Vorstellung: Aladin oder die Wunderlampe. Carl Weiß. Faustrecht und Landfriedensbruch. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Rübezahl und Schneider Benedict oder: Das Suferl vom Riesengebirge. Belle Alliance. Grad' a Todsünd wert. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Der Zanberer am Nil. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Borstellung. Fräulein Loreley. Anf. 8 Uhr. Palast. Specialitäten: Borstellung. Nachmittags 5-10 Uhr. Passage- Theater Unter den Linden 22. D- Vorstellung. Jenseits der krummen Lanke. 3. Seebataillon 2. Compagnie. Die Katze u. d. Engel. Kolossaler Success The Brazil girl Zavan der fabelhafte Laternenmann 12 Debuts. Entree 50 Pf. inkl. Panoptikum, Cirkus Schumann. Heute, Sonnabend, den 17. November, abends präc. 71/2 Uhr: Grande Soirée High- Life Rendezvous d. Sportwelt Berlins u. a.: Dirett. Alb. Schumanns anerkannt unerreicht dastehende Original: dreffuren. Neu! Neu! Neu! Die Regimentsnummer. Anfang Rawsone und June". 7 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage Panoptikum. Speciali täten Borstellung. = China in Berlin. Anfang mittags 12 Uhr. Urania. Taubenstr. 48/49.( Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: Ein Rückblick auf die Welt: Ausstellung in Paris. Jm Hörsaal: „ Ausbreitung des Lichts". Von Dr. Donath. Invalidenstr. 57/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Schiller Theater ( Wallner Theater). Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Welt in der man sich langweilt. Luftspiel in 3 Aufzügen von Eduard Bailleron. Deutsch von A. Tuhten und Karl Friedrich Wittmann. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Die goldene Eva. Montag, abends 8 Uhr: Die Welt in der man sich langweilt. Central Theater Anfang 72 Uhr. Novität! Novität! Zum erstenmal: Der Brautvater. Gesangspoffe in 3 Atten von Adolf Rosée. Mufit von H. Blazbecker. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, zu halben Preisen: Die Geisha. Abends 72 Uhr: Der Brautvater. Carl Weiss- Theater 33 Auftreten des Löwen- Baron. Um 92 Uhr: CHINA. 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Drud und Verlag von May Bading in Berlin. 1379* Ir. 269. 17. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 17. November 1900. Erster deutscher Handwerks- und Gewerbekammertag. Berlin, den 16. November 1900. Abg. Obermeister Megner- Neustadt O.- S.: Er könne dem Antrage nicht zustimmen, da derselbe in den socialdemokra tischen gutunftsstaat führe.( Lautes Oho!) D zuſtellen und an dieſe Zeugniffe außerdem die Bergünstigung der morgen zu wählenden geſchäftsführenden Ausschußſe überwiesen. ficherungen des Wohlwollens der ſtaatlichen und städtischen Ver. und aller Wenn ein Antrag von der Kölner Schuhmacherinnung 2c. auf Er- Förderungsmittel der Genossenschaften, dabei bildet jedoch das Vorrichtung von Fachschulen keine Berücksichtigung gefunden habe, dann handensein der Selbsthilfe die Voraussetzung. 10. Welche Mittel müssen gewichtige Bedenken dagegen vorgelegen haben. Schmiede- sollen die Handwerkskammern anwenden, um die Durchführung der Heute beschäftigte sich der Kammertag zunächst mit dem und Fortbildungsschulwesens, man meister Karſchuck- Gumbinnen: Er sei ein großer Freund des Fachwirtschafts- genossenschaftlichen Organisation mit allen verfügbaren müsse aber auch auf die Mitteln zu fördern?" Fortbildungs- und Fachschulwesen. Gewerbekammer- Meister Rücksicht nehmen. Diese seien nicht im stande, ihre Lehrlinge Syndikus, Rat Dr. Hampte- Hamburg, befürwortete folgenden An- zu jeder Jahreszeit und noch dazu am Tage in die erwähnten redner an und beantragte, den Leitfäßen hinzuzufügen: die verObermeister Nagler München schloß sich vollinhaltlich dem Vor trag:„ Der erste deutsche Handwerks- und Gewerbekanumertag ist Schulen zu schicken. Er ersuche daher, das Wort„ obligatorisch" zu bündeten Regierungen zu ersuchen, durch Zuwendung von staatlichen der Ansicht, daß bei den großen Anforderungen, welche die innere streichen.( Heftiger Widerspruch) Maurermeister Schödel- Magde- Arbeiten die Handwerker- Genossenschaften zu unterſtügen. wirtschaftliche Entwicklung an den Handwerkerstand stellt, neben der burg: Er fei ein großer Anhänger der Fach- und FortbildungsWerkstattlehre auch ein ausgedehnter Fach- und Fortbildungs- schulen, er halte es aber für notwendig, dafür zu wirken, daß die Schulunterricht für die Heranbildung des jungen Handwerkers er Handwerker die Fachschulen in Händen behalten. In Magdeburg forderlich ist. Der erste deutsche Handwerks- und Gewerbe- verlangen die städtischen Behörden für Hergabe der Unterrichtsräume Sekretär Korthaus Osnabrüd: Er müsse dem Vorredner ers, tammertag ersucht daher diejenigen deutschen Staaten, in Einfluß auf die Leitung der Fach- und Fortbildungsschulen. denen dies bisher noch nicht geschehen ist, widern, daß die Bildung von Genossenschaften gerade den socialen den Unterricht Schornsteinfeger- Obermeister Megner- Neustadt D.-S. bezeichnete es Busammenbruch verhindere.( Beifall.) Die Leitfäße Korthaus ge für die gewerbliche heranwachsende Jugend bis zum 18. Jahre in für notwendig, zunächst Meister auszubilden, die im stande feien, langten danach mit dem Zusagantrage des Buchbinder- Obermeisters den Fortbildungsschulen, die fachlich zu organisieren sind, obligatorisch den Fachschul- Unterricht zu leiten. Deshalb möge man vorläufig Nagler- München einstimmig zur Annahme. Den folgenden Gegenzu gestalten und für einen weiteren Ausbau der Fachschulen Sorge davon Abstand nehmen, das Fach- und Fortbildungsschulwesen stand bildete das Submissionswesen. zu tragen." obligatorisch einzuführen. Gewerbekammer- Sekretär Dr. Mühlpfordt( Halle a. S.) be Von der Stettiner Handwerkstammer ist folgender Antrag gestellt worden:" Der erste deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag Epp- Stettin u. a. Obermeister Faster- Berlin bemerkte: Die Berliner dem ersucht wird, bei Vergebung von Submissionsarbeiten in erster Es sprachen noch Hassenstein- Hildesheim, Korthans- Osnabrüd, fürwortete einen langen Antrag der Halleschen Handwerkskammer, in beschließt: 1. dem preußischen Herrn Minister für Handel und Handwerkskammer stimme gegen den zweiten Teil des Hamburger Reihe die Handwerker zu berücksichtigen und bei einem Ausstande die Gewerbe die Einführung von einheitlichen Abgangszeugnissen in den Antrags, daher werden sich die Vertreter der Berliner Handwerks- Lieferungszeit um die Dauer desselben zu verlängern und eine durch Fortbildungsschulen zu empfehlen und ihm vorzuschlagen, die tammer der Abstimmung enthalten. Der Antrag Hamburgs ge- denselben erzielte Lohnerhöhung verhältnismäßig im Preisanfchlag Handwerkskammern mit der Ausführung dieser Bestimmung zu langte darauf mit allen gegen 6 Stimmen mit der Aenderung zur in Rechnung zu bringen. Am Schluß des Antrags heißt es: Sollte beauftragen; 2. den Handwerkskammern nahezulegen, neben den Annahme, daß vor den Worten: bis zum 18. Jahre" eingeschaltet die Regelung des Submissionswesens feitens der Behörden nicht Abgangszeugnissen der Fortbildungsschulen noch besondere Ehren- wird: in der Regel". Die Anträge von Stettin und Köln wurden balb erfolgen, so müßte das deutsche Handwerk alle bisherigen Verzu Es folgte das Genossenschaftswesen im Handwert. tretungen als knüpfen, daß ihre Inhaber bei der Vergebung von Stipendien Sekretär Korthans- Osnabrück befürwortete namens der Osnabrücker Entschiedenheit auf eine andre Zusammensetzung derselben durch die Handwerkskammern bevorzugt werden sollen." Rat Handwerkskammer folgende Leitsäge: 1.„ Die Genossenschaft ist ein wich hinarbeiten." Gewerbekammer- Syndikus Dr. Brehmer( Lübeck) Dr. Hampte führte u. a. aus: Wenn die Fortbildungsschulen für tiges Mittel zur Förderung und Kräftigung des Handwerts in sittlicher beantragte, über den Antrag zur Tagesordnung überzugehen. Der die Heranwachsende Handwerkerjugend einen Vorteil haben sollen, und wirtschaftlicher Beziehung, sie ermöglicht den Handwerkern, die Antrag sei schon des Schlußsages wegen unannehmbar. dann müssen dieselben fachlich organisiert und obligatorisch werden. Vorteile der andern Wirtschaftsordnung auszunuzen und sich den ge- Abg. Jacobsfötter- Erfurt beantragt die Ablehmung des Antrags und Auch müsse der Tagesunterricht in den Fortbildungsschulen an- gebenen Verhältnissen anzupassen. 2. Nicht allein der Kampf gegen diesen Gegenstand der Tagesordnung dem geschäftsführenden And gestrebt werden, denn es sei kaum zu verlangen, daß die jungen das Großkapital kann die wirtschaftlichen Schäden im Handwerk beschuß zur näheren Berücksichtigung zu überweisen. Dr. MühlpfordtLeute nach angestrengter Tagesarbeit noch einige Stunden auf seitigen. Es ist anzustreben, das Kapital mehr als bisher dem Hand- Halle erklärte schließlich, daß er den Antrag zurückziehe und be= merksam in der Fortbildungsschule sein sollen. Ebenso wie das wert mußbar zu machen. Auch für den Handwerker muß das Kapital antrage:" Der Kammertag erachtet die anderweite Regelung des allgemeine Boltsschulwesen Breußen und Deutschland stark und groß die Grundlage des Unternehmens bilden. 3. Wegen des Mangels an Submissionswesens für dringend notwendig und beauftragt den gemacht habe, so werde zweifellos das obligatorische Fach- und Fort- Kapital fehlt dem einzelnen Handwerker ein ausreichender Geschäfts- geschäftsführenden Ausschuß, unter Uebergabe des Halleschen Antrags, bildungsschulwesen das deutsche Handwerk stark und groß machen. tredit. Die genossenschaftliche Organisation vermittelt beides. Die diese Angelegenheit in die Hand zu nehmen. Der zweite Vorsitzende, Er ersuche, dem Hamburger Antrage zuzustimmen.( Lebhaftes Kreditgenossenschaft ist deshalb die unentbehrlichste Genossenschaftsart Obermeister Faster- Berlin läßt jedoch über den Antrag Jacobstötter Bravo Schuhmacher- Obermeister Figge Köln befürwortete fol- für den Handwerker. Den Beitritt zu derselben gebietet der abstimmen. Dieser Antrag gelangt mit Mehrheit zur Annahme. genden Antrag: eigne Vorteil, und ist für jeden Handwerker eine moralische Gegen diese Abstimmung werden von mehreren Delegierten " Der Kammertag beschließt: 1. Daß die Ministerien für Handel Pflicht. 4. Die Rohstoff- Genossenschaft gewährt dem Handwerker die Proteste erhoben. Dr. Mühlpfordt erklärte: Es war unzulässig über und Gewerbe ersucht werden, in den Fachschul- Kuratorien eine Vorteile des Einkaufs im großen, fie ermöglicht ihm die Einführung seinen Antrag abzustimmen, da derselbe zurückgezogen war. größere Bertretung des Handwerks eintreten zu lassen und 2., daß einer im Wirtschaftsleben als vorteilhaft anerkannten Geschäfts- Nach längerer Geschäftsordnungsdebatte wurde über den Antrag alle zu Gebote stehenden Mittel angewendet werden mögen, damit ordnung in seinem Betriebe. 5. Die Werkgenossenschaft bietet ein des Dr. Mühlpfordt nochmals abgestimmt. Der Antrag gelangte Anträge auf bestehende und zu errichtende Fachschulen in Preußen sicheres Mittel zur Vermehrung der Konkurrenz und Leistungs- darauf mit großer Mehrheit zur Annahme. bei der Staatsbehörde mit viel größerem Wohlwollen entgegen- fähigkeit. Die Möglichkeit der zweckmäßigen Ausnutzung der Maschinen- Schuhmacher Obermeister Figge Köln befürwortete hierauf genommen und behandelt werden und eine beschleunigtere Er- fraft ist für viele Handwerker eine Gristenzfrage. 6. Die Magazin folgenden Antrag der Kölner Handwerkskammer:" Die deutschen ledigung erfahren." Der Redner beklagte es, daß das Handels- genossenschaft ermöglicht die Ausstellung der Handwerkserzeugnisse Handwerkskammern beantragen, daß diejenigen einzuführenden ministerium den Bitten des Schuhmacher Unterverbands für in angemessener Form und macht diese verkaufsfähiger.. Sie erschließt ohmaterialien, deren Erzeugung im Inland in unzureichendem Rheinland und Heffen Nassau betreffe Errichtung von dem Hand: verter ein größeres abfahgebiet und erhöht feine Konkurrenz Maß erfolgt, mit niedrigen Zöllen, dagegen die Halb- und Ganz Schuhmacher Fachschulen in 4% Jahren feine Berücksichtigung fähigkeit gegenüber den Warenhäusern. 7. Genossenschaftliche Arbeit Fabrikate des Auslands, welche eine erhebliche Schädigung deutscher habe zu teil werden lassen. Geheimer Regierungsrat bringt die Handwerker auch als Menschen einander näher. Die Arbeit im Gefolge hat, mit entsprechenden Eingangszöden beleg Graf Dönhoff: Er sei über die Klage des Vorredners nicht unter- Genossenschaft erweckt bei ihren Mitgliedern erst das rechte Verständnis werden, damit das deutsche Handwerk konkurrenzfähig erhalten richtet. Hätte der Vorredner angekündigt, was er hier vorbringen und Gefühl für die Gleichartigkeits- Interessen, sie ist eine Erzieherin bleibe. Ferner möge der Herr Reichstanzler und der preußische werde, dann würde der Decernent, Geh. Regierungsrat für ein geordnetes, sittliches und wirtschaftliches Leben. 8. Einen Handelsminister ersucht werden, bei Beratung der Handelsverträge Schumann erschienen sein und Aufklärung gegeben haben. Jeden vollen Erfolg sichert auf genossenschaftlichem Gebiete erst der Bu- Bertreter des Handwerks zuzuziehen und die Handwerkskammern in falls bringe das preußische Handelsministerium dem Fach- und sammenschluß aller besseren Kreise im Handwerk. Eine Verbreitung ihrem Gutachten zu hören." Nach kurzer Besprechung gelangte der Fortbildungsschulwefen das größte Wohlwollen entgegen, so daß die der genossenschaftlichen Idee ist mit allen Mitteln anzustreben. Antrag einstimmig zur Annahme. Danach wurde die Berhandlung vom Vorredner beantragte Erklärung vollständig unnötig erscheine. 9. Die preußische Central Genossenschaftstasse ist ein wichtiges auf Sonnabend vormittags 9 Uhr vertagt. = 4 V V Grosser Ausverkauf wegen Geschäfts- Auflösung! Paletots. Spott billig! I Joppen. O Arbeiter- Kleidung Anzüge. Ecke ,, Fortuna", Herren- und Knaben- Garderobe, Kastanien- Allee 93, Oderbergerstrasse. Busstag. Grosses Schlachte- Fest. 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