s Nr. 275. deras tires le bon mater mod dis Abonnements- Bedingungen: S Abonnements Brets pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags Nummer mit tauftrierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. Bofts Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Boft- 8eitungs Breislifte für 1900 unter Br. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. 019 0142 to cold and Jobb and dialin Vorwärts Erfcheint täglich außer Montage.sh pin 1719 dri 17. Jahrg. Die Insertions- Gebaye beträgt für die fechsgespaltene Kolonet praetle oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. leine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bie nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in derGrpedition abgegeben werden. Die Erpcditton ist an Wochentagen bts 7 Uhr abends, an Sonn- und Fefttagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. * 99 madogo ni bernspredjer: Rmt I, nr. 1508. Berliner Volksblatt. Zelegramm Adresse: Borialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Und Posadowsky? aid st Sonntag, den 25. November 1900. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Ferusprecher: Amt I, Nr. 5121. Und 6 waren entlarvt als Hörige einer Unternehmerflique, bei der fie der Interpellation feststellte, laut in den Saal hineinrief: demütig betteln gehen. tuna Bosabowsky?" Aber in der Regierung muß man einen Grad von Abhärtung Posadowsky bleibt! Das ist die Antwort. Er vermag sich nicht erreicht haben, den man nicht für möglich halten sollte; man hat sich zu rechtfertigen, aber er bleibt. anscheinend den moralischen Nerv töten lassen, um nicht durch Schmerzen in der Verwaltung der Geschäfte gestört zu werden. Graf Bülow fonnte so in seiner Beantwortung der Interpellation seine Freude über die Mäßigung der Auerschen Rede aussprechen. Ja, was muß man denn dieser Regierung sagen, damit ihr das Empfinden eines schweren, unerhörten Vorwurfs erweckt werde, wenn selbst folche Anklagen, in dieser Wucht formuliert, ihr noch sanft erscheinen! Er bleibt, mit einer unerhörten Schuld beladen, er muß bleiben, als der sichtbare Träger eines Systems, das nicht zu reinigen und zu retten ist. Er darf nicht verschwinden, das ist der bannende Fluch, der auf ihm lastet, damit die Erinnerung an die 12 000 Mart- Affaire lebendig und wach erhalten werde! Politische Webersicht. Nach der deutschen Weltpolitik die deutsche Socialpolitik auf der Anklagebant! Auf beiden Gebieten ist ein verwerfliches System mit verfaffungs- und rechtswidrigen Mitteln gefördert worden, in beiden Fällen versucht die schuldige Regierung, durch Preisgabe der Form die Sache zu retten, durch ein billiges Indemnitätsgesuch die Anklage zu entwaffnen. Der ohne Geldbewilligung des Parlaments unter nommene Chinafeldzug und die 12000 Mart Affaire, die am Sonnabend auf Veranlassung der socialdemokratischen Interpellation Der St Der Reichskanzler erwies sich auch diesmal als der gute den Reichstag beschäftigte, find dergestalt nur zwei verschiedene Er- Ker!", der er mun einmal ist und sein will. Er bekannte sich zu dem Berlin, den 24. November. scheinungsformen derselben Politit. Die äußere und die innere Scharf edlen Programm, daß die Regierung hoch über den Parteien zu Das Verantwortlichkeits- Gesek. macherei, die internationale und die nationale Unterdrüdungs- und stehen habe, keiner Interessengruppe dienstbar sein dürfe. Und darum Wir haben in einem früheren Artikel den Nachweis ge Ausbeutungspolitit, in deren Durchführung das konstitutionelle Ge- bezeichnete er die 12 000 Mart Bettelei als einen Mißgriff der be- führt, daß alle liberalen Parteien in ihrem Programm die wiffen wie die Moral gleichermaßen mißachtet werden, find völlig teiligten Beamten. Die Verantwortlichkeit des Grafen Posadowsky Ministerberantwortlichkeit fordern. Die Notwendigkeit, daß wesensgleich. fleugnete er nicht, gab sie freilich auch nicht ausdrücklich zu, aber Geseze geschaffen werden, wodurch die gegenwärtig auf dem Hatte der derzeitige Kanzler in der Chinadebatte den Ber- fein liebevolles Gemüt nötigte ihm noch ein fast nefrologisch ver- Papier stehende Verantwortlichkeit des Reichskanzlers und der faffungsbruch unumwunden zugestanden und dann mit heiterer züdtes Loblieb auf den bedrängten Grafen Bofadowsky ab, der bleich. Staatsminister in die That umgesetzt wird, wird allseitig anSiegeszuversicht die beleidigten Volksverteter gebeten, Bardon zu in krampfhafter Selbstbeherrschung, neben seinem tanglerierenden erkannt. Mit Leichtigkeit wäre eine Fülle von Aeußerungen zu geben, um die Weltpolitit selbst zu sichern, so gestand Graf Bülow Gönner saß, wie angenagelt auf den ach so weichen, unentbehrlichen hervorragender Parlamentarier aus der parlamentarischen auch gestern bereitwillig zu, daß das Verfahren des Reichsamts des Ministersessel. Geschichte zusammenzutragen, Junern, das von Interessenten Agitationsgelder erbettelte, ungehörig Der liebe treffliche Posadowsky und der liebe treffliche Woedtke auf welche sich diese sei und nicht wieder vorkommen dürfe. Aber dieses Bugeständnis werden solche Geschichten gewiß nicht wieder thun das war der je einen bis ins einzelne ausgearbeiteten Gefeßentwurf Forderung beziehen. Indes hat noch hat noch keine Partei war eine leere Form, ein schönes Tugendbekenntnis, das ganze Jnhalt der Erklärungen des Grafen Bülow. Zulegt aber eingebracht, wie dies jetzt durch die socialdemokratische Partei nicht die selbstverständlichen Konsequenzen zu ziehen wagte. fuchte Graf Billow auch der Brotwucher- Mehrheit des Reichstags, geschehen ist. Mit der Beteuerung, daß man sich bessern wolle, fuchte man die mit dem offenen Bekenntnis des Mißgriffs" nicht ganz zufrieden die röllige Freisprechung zu erschmeicheln ein bequemes Verfahren, schien, noch einen Gefallen zu erweisen. Der Kanzler acceptierte feit der Ministeranklage grundsätzlich für die Fälle der Die preußische Verfassung hat im Artikel 61 die Zulässig das den Sündern, die vor Gericht erscheinen müssen, sehr plausibel das von der agrarischen Presse erfundene Märchen von der Intrigue, Verfassungsverlegung, der Bestechung und des Verrats anerscheinen möchte. Die Minister dürfen, das wissen wir jegt, die und er beteuerte mit pathetisch erhobener Stimme, er werde deshalb erkannt. Die näheren Bestimmungen über die Fälle der Verfassung brechen, fie dürfen sich in die finanzielle Abhängigkeit von weiteren Maßnahmen gegen die schuldigen Personen absehen, Verantwortlichkeit, über das Verfahren und über die Strafen" einer Kapitalistentlique begeben was thut's, fie erklären, daß sie weil er sich vor Jutriguen nicht beuge, vor unlauteren Machenschaften wurden einem besonderen Gefeß" vorbehalten. formell einen Mißgriff begangen, und alles bleibt beim alten. Die nicht zurückweiche. Da johlte die Rechte vor Entzücken, die ja das fondere Gesetz" ist nie erlassen worden und so schwebt die Das be Rechts und Moralberlegung ist damit aur alleinige Recht auf Intriguen für sich selbst beansprucht. Staatseinrichtung erhoben worden. ganze Ministerverantwortlichkeit in der Luft. In jedem Diese Aeußerung des Grafen entsprang einerseits der Verlegenmodernen Staatswesen Der socialdemokratische Antrag ist angesichts des eigenist es es die erste Forderung, die beit, zu rechtfertigen, warum die geständigermaßen schuldigen Beamten mächtigen Verfahrens der Regierung in der Chinapolitik hochman an verantwortliche Beamte stellt, daß sie ihre Stellen nicht aus dem Amte gejagt würden, fodam dem Bedürfniß, den wichtig, und für die Parteien, welche in ihren Programmen verlassen müssen, wenn sie sich einer Pflichtwidrigkeit schuldig ge- Agrariern etwas Angenehmes zu sagen. Der Reichskanzler hat die Forderung der Ministerverantwortlichkeit stellen, wird der macht haben. Bei uns schert man sich um solche Kleinigkeiten nicht. damit in recht interessanter Weise bekundet, in welcher Weise er die Antrag einen Prüfstein bilden. Es wird sich zeigen, ob Man versteht sich dem Barlament gegenüber zu einer Beichte und Pflicht ausübt, Behauptungen zu beweisen. Als in den vorher auch diese alte Forderung wie so manche andrebon Entschuldigung, damit glaubt man denn das Notwendige gethan zu gehenden Tagen die Himmenbriefe verlesen wurden, die zu Dugenden den heutigen Liberalen" verleugnet werden wird. Fast hat haben. Durch den Personenivechsel in andren Staaten will man übereinstimmend die gleichen Grenel berichteten, da war der anspruchs- es den Anschein, wenn man die National- 3tg." lieſt. zeigen, daß die Korruption nur in Personen, nicht im System hafte. vollen Regierung dieses authentische Material immer noch nicht glaubIm Deutschen Reich hält man einen Personenwechsel, selbst beim würdig genug. Heute begründet der Graf Bülow eine bedeutsame Unter- mit Entschiedenheit forderten, eine" politische Spielerei". Die Sie bezeichnet das Gesez, das einst Gneist und v. Bennigsen. Eingeständnis schwerster Verfehlungen, für unnüz. Damit bekennt laffung auf die Behauptung einer Intrigue, das heißt auf eine principielle Frage der Erweiterung der bestehenden man unzweideutig, daß es sich um Gebrechen des Systems handle, bon agrarischen Blättern aus der Luft gesogene Tendenzphantafie. politischen Verantwortlichkeit des Reichskanzlers zu einer die man nicht durch personelle Reinigung heilen könne, selbst wenn woher weiß der Graf Bülow, daß die Veröffentlichung des Bueck- urist is ch en läßt die National- 8tg." beiseite. Darum aber Briefs auf eine„ Machenschaft" zurückzuführen ist? Welche Beweise handelt es sich ja gerade. Was nüßt die„ bestehende In der gestrigen Verhandlung vertrat zunächst Genoffe Auer hat er dafür, welche Urkunden? Wir fürchten, sein ganzes Beweis- politische Verantwortung"? Wie viele Male haben die die Anlage gegen das Reichsamt der Socialpolitik. In ruhigem material bildet das verlegene und verlogene Geschwätz der um Herren Minister schon mehr oder weniger deutlich erklärt, Ton, aber mit um so gewichtigeren Beweisen erörterte er die ihren Bosadowsky bangenden Presse der Zollwucherer. Auf solch daß sie sich moralisch nur ihrem kaiserlichen Herrn" gegen 12 000 Mart- Affaire als ein bloßes Symptom jener dauernden Ab- ein Nichts gründet dieselbe Regierung ihre Behauptungen, der in über für verantworlich halten? Der socialdemokratische Anhängigkeit der Reichsbehörden von einer fleinen Gruppe von Groß- großer Anzahl urkundlich veröffentlichte Briefe nicht genügen. tapitalisten. Hätte der Bueck- Brief nur einen Fall persönlicher Vertrag will dem Reichskanzler Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber dem Lande, gegenüber den Steuerzahlern aufzwingen. fehlung aufgedeckt, so wäre mit der Beseitigung des Schuldigen die Gerade der politischen Spielerei", der heute„ bestehenden Angelegenheit erledigt. Hier aber handle es sich um weit Schlimmeres politischen Verantwortlichkeit" des Reichskanzlers soll ein Ende und Schwereres, die Korruption eines Systems. Auer charakterisierte einer großen Zahl gemacht werden. bon Fällen den zunehmenden Graf Bülow hatte natürlich bei feinen Getreuen wieder einen Einfluß, die dominierende Stellung des Centralverbands deutscher großen Erfolg. Der Mann fann thun und sagen was er will, esschen Entwurf erklärt sich die Vossische Zeitung". Sie Im wesentlichen einverstanden mit dem socialdemokratiJudustrieller. Die Regierung beeilt sich, alle Wünsche der ist unter allen Umständen großartig. Herr Büsing war namens der schreibt u. a.: Unternehmer zu erfüllen. Sie läßt sich von ihnen informieren, fie Nationalliberalen tief gerührt über die Erklärung des Reichskanzlers, Eine besucht ihre Versammlungen und Diners, während fie die Arbeiter- er mißbilligte mit ihm den„ Mißgriff". äußerte aber auch ein bißchen lleber einzelne dieser Vorschläge fann man rechten. ähnliche Richtung aber wird jeder Gesezentwurf, der denselben vereinigungen völlig ignoriert. Und die Unternehmer behandeln Sehnsucht nach der verscharrten Zuchthausvorlage. Mit feiner 8wed verfolgt, nehmen müssen, ganz gleich von welcher Partei denn auch ihre Regierung mit einer grenzenlosen Hochnäfigkeit. Im Ironie verspottete dagegen der freisinnige Mundel die Bescheidenheit er ausgeht. Im wesentlichen dieselben Bestimmungen sind auch März 1899 überschüttete Herr Bued in einer Versammlung des des Reichstags und die Unzulänglichkeit der Bülowschen Zugeständnisse. in den Ministerverantwortlichkeits Gesezen andrer Staaten ent Centralverbands den früheren Vorgesetzten des Herrn v. Boedtle, In scharfsinniger und amüsanter Weise klassifizierte er die Handlung halten. den Unterstaatssekretär v. Rottenburg, wegen seiner socialpolitischen Woedtkes juristisch und wies auf den besonders beschämenden Um Ueberall erfolgt die Anklage durch die Volksvertretung. Die Bemühungen mit Hohn und Spott und im August des Jahrs stand hin, daß das Reichsamt des Innern gar fein Gefühl für die Entscheidung ist vielfach einem besonderen Staats- Gerichtshof crschien v. Woedtke bei demselben Bueck und bettelte ihn um die Tragweite seiner Handlung gehabt habe. zugewiesen; eine Reihe Verfassungen oder Ausführungsgesetze 12 000 Mart an. Auer rief eine starke Wirkung im Hause hervor, fichert der Volksvertretung einen wesentlichen Anteil an der als er auf dieses Schauspiel von Beamten- Solidarität hinwies. Besetzung dieses Gerichtshofs. Der socialdemokratische Antrag b. Karborff erklärten sich zwar äußerlich für die Anschauung nimmt diese Besetzung für die Voltsvertretung allein in Anspruch. Auer that ferner das ablenkende Geschwäß von der freihänd- des Reichskanzlers, thatsächlich aber gingen fie weit hinter dessen In einzelnen Staaten dagegen hat die Krone ebenso viel Mits Terischen Intrigue gegen den Grafen Posadowsty mit schneidendem Mißbilligung zurück und beschönigten ganz unverhüllt das Verfahren glieder zu ernennten wie der Landtag oder jedes Haus des Land Sarkasmus ab. Die Socialdemokratie habe gar kein Interesse, des Herrn v. Woedtke. Das that nun zwar der Führer des Centrums, tage. Hin und wieder ist, wie in Sachsen- Weimar, der Präsident Minister zu stürzen, im Gegenteil, sei es für sie wertvoll, wenn die Herr Lieber nicht, aber er urteilte auch nicht schärfer über den Fall des Gerichtshofs ein für allemal bestimmt. Für Sachsen- Weimar Schuldigen der 12000 Mart- Affaire im Amte blieben, damit man sie als Graf Bülow und er war mit ihm einverstanden, daß keine ist es der Präsident des Oberlandesgerichts zu Jena." bei jeder Gelegenheit fragen tönne, in wessen Diensten ihre Hand- weiteren Konsequenzen zu ziehen seien. Herr Lieber fühlt sich nicht socialdemokratischen Entwurf: Volle Anerkennung zollt die Berliner Bolts- 3tg." dem lungen geschehen und wer die Agitation bezahle. mehr bloß als Führer der regierenden Partei, sondern als die Regierung selbst. Er trat heute als Souffleur des Grafen Bülow auf und fagte für ihn, was er auf die Angriffe Mundels zu antworten hätte. Ein groteskes Bild! man es wollte. ant Die logische Thorheit der Bülowschen Argumentation hat Schoen lant in seinem Schlußwort schlagend gekennzeichnet: Der Reichstangler hält es für unnötig, ein Vergehen zu ahnden, wenn ihm das Mittel seiner Entlarbung nicht gefällt. Der Konservative v. Levego w und der Reichsparteiler Unser Redner erinnerte dann weiter daran, wie sich auch die protestantische Geistlichkeit auf das Kommando Stumms jeder socialpolitischen Thätigkeit begeben habe, wie neuerdings auch die fatholischen Kirchenfürsten dem Beispiel gefolgt seien. Jetzt tlagten die Von der freisinnigen Vereinigung ging Herr Bachnide scharf Agrarier über die unverantwortlichen Natgeber des Kaisers; die gegen das Verfahren des Reichsamts des Junern vor. Dann hatte Jumter seien bisher gewohnt, allein das Ohr des Monarchen zu Genoffe Schoenlant das Schlußwort. Er zerzauste das diplohaben, jezt litten sie unter der industriellen Konkurrenz. daher die matische Gespinnst des Grafen Bülow und präzisierte hauptsächlich Beschwerden. Die Arbeiter aber fühlten seit langer Zeit die Wirkungen die Frage nach der Mitverantwortlichkeit des Grafen der falschen Unterrichtung des Kaisers. Auer schloß mit einem Pojadowsty. Diese flar und zwingend gestellte gestellte Frage Appell an alle ehrlichen Lente, die mit der Socialdemokratie in den hätte ebenso wie die historischen Ausführungen über das UnterNuf einstimmen müßten: Fort mit diesem System und den Personen, thänigkeitsverhältnis zwischen Regierung und Scharfmachern unbedingt die derartige Dinge verschulden. eine Antwort vom Bundesratstisch gefordert. Aber Graf Bülow rührte sich nicht, Graf Posadowsky, den es vor allem anging, blieb reglos und Herr v. Woedtke war überhaupt abwesend. Eine schwerere Anklage, wie sie Aner gegen das Neichsamt des Innern richtete, ist sicherlich niemals im deutschen Reichstag erhoben worden. Das war in schärffter Form die Zerstörung der Legende Dieser Verzicht auf eine Rechtfertigung wirkte verblüffend, und von der Unparteilichkeit der Regierung. Die ganze fonservative Genosse Singer gab dem allgemeinen Empfinden einen prägnanten Socialpolttit stand am Branger, die verantwortlichen Männer Ausdrud, als er in dem Augenblick, da der Präfident die Erledigung " # " In der That, so muß ein Verantwortlichkeitsgesetz aussehen, wenn die Verantwortlichkeit ernst gemeint ist. Den Staatsgerichtshof bildet nach diefem Antrage ein außerhalb des Reichstags stehendes Schwurgericht, da der Reichstag nicht aufläger und Richter zugleich sein kann. Es ist bedauerlich. daß die freisimmigen Barteien auch hier wieder der Socialdemo tratie den Vortritt lassen. Die Ministerverantwortlichkeit ist eine der ersten und ältesten demokratischen Forderungen. Auch von dem Sprecher der freifinnigen Volkspartei bei der ChinaDebatte ist die Notwendigkeit Notwendigkeit der Verantwortlichkeit des Reichskanzlers anerkannt Der focialdemokratische Antrag tommt dem Verlangen nach einem verantworts lichen Reichskanzler in weitestem Umfange nach. In England sind schon vor Jahrhunderten nach einem ähnlichen Ver fahren Minister zur Verantwortlichkeit gegezogen werden. Der focialdemokratische Autrag will also nichts Neues und nichts Unerhörtes. worden. An der Haltung der Parteien gegenüber diesem Antrag wird man einen Maßstab gewinnen für die Echtheit oder Unechts heit ihrer oft behaupteten Boltsfreundlichkeit. Die Presse der andern Parteien hat sich dazu noch nicht geäußert. Ein Antrag auf Errichtung eines„Staats g c r i ch t s h o f s" ist übrigens auch vom Centrum gestellt worden.—_ Verunglückte Jonglierkiinste. Einen der Höhepunkte der gewaltigen Rede Bebels am Freitag bedeutete zweifellos der Teil derselben, in dem er sich mit dem Reichskanzler auseinandersetzte, der die Erklürung abgegeben hatte, daß er die V e r a n t w o r t u» g für die beiden vielerörterte, Reden in Wilhelmshaven und Bremerhaven bereit willigst übernehme, denen die scharfe Kritik Bebels gegolten hatte. Die Rede in Wilhelmshaven war am 3. Juli gehalten worden und hatte wegen ihres Tones zu lebhasten Erörterungen der Presse Anlatz gegeben. Die an die nach China abgehenden See bataillone gehaltene Rede hatte folgende Stellen enthalten: „Mitten in den tiefsten Frieden hinein, für mich leider nicht unerwartet, ist die Brandfackel des Krieges geschleudert worden Ein Verbrechen, unerhört in seiner Frechheit schaudererregend durch seine Grausamkeit, hat meinen bewährten� Vertreter getrosten und ihn dahingerafft. Die deutsche Fahne ist beleidigt und dem Deutschen Reiche Hohn gesprochen worden. Das verlangt exemplarische Bestrafung und Rache.... Ihr habt gute Kameradschaft zu halten m,t allen Truppen, mit denen Ihr dort zusammenkommt, Russen, Engländern, Franzosen, wer eS auch sei: sie fechten alle für die eine Sache, für die Eivilisatiou. Wir denke« auch noch an etwas Höheres, an unsrc Religion.... An dieser Rede hatte Bebel in seiner ersten Anklagerede ein gehendste Kritik geübt. Herr v. Bülow, der mit Worten mindestens ebenso gut jonglieren kann als mit den Thatsachen, hatte nun die Rede des Kaisers höchst einfach zu der Rede des Soldaten gestempelt und geglaubt, dadurch den sehr eiudrncksvollen Ausführungen Bebels die Spitze abbrechen zu können. Worauf Bibel am Freitag richtig entgegnete, daß ein Monarch nicht einmal als Diplomat und ein andermal als Soldat reden könne, daü vielmehr der Kaiser stets als Kaiser rede und seinen Worten stets die weittragende Bedeutung bei gemessen werden müsse und auch thatsächlich beigemessen werde. Herr v. Bülow versuchte eS daraufhin als gewandter Fechter mit einer andren Finte. Die Wilhelmshavener Rede, führte er am Freitag aus, habe sich deshalb in so überaus scharfen Aus drücken bewegt, weil der Kaiser erst zehn Minuten voche die Nachricht von der Ermordung des deutschen Besandten erhalten habe und unter dem erschütternden Eindruck dieser That gestanden habe. Diese neue Darstellung entspricht aber ebenso wenig den Thatsachen. Die Rede ivurde am 3. Juli gehalten und bereit« Ende Jmti war die Nachricht von der Ermordung K e t t e l e r S zuverlässig bekannt geworden. Die Depesche vom 3. Juli, die Herr von Bülow meint, brachte nur die Bestätigung durch den Boten Sir Robert HartS. Doch war die Ermordung Keltelers bereits seit mindestens einer Woche allgemein als feststehend angesehen worden. Nur Herr v. Bülow muß die Nachricht solange für un glaubwürdig gehalten haben. Die sogenannte Hunnenrede wurde am 27. Juli, weitere S'/t Wochen später in Bremerhaven gehalten. Ueder ihre psy. chologischen Entstehungsgründe verbreitete sich Herr v. Büloiv am Freitag folgendermaßen: „Ich erkläre auf da» allerbestimmtcste, daß, als diese Rede in Bremerhaven gehalten wurde, alle Welt überzeugt war, die Europäer in Peking waren alle bis au den letzten Mann niedergemacht»vorden. Das Ivnrde damals von der ganzen europäischen Diplomatie an- genommen, in allen chinesischen Hafenstädten angenomnien, von allen Kabinetten geglaubt, eS waren ja damals schon an ver- schiedenen Stellen für die Unglücklichen Tranergottesdienstc gehalten worden. Also wenn der Herr Abgeordnete Bebel über diesen Punkt besser informiert war als wir— v,e leicht hatte er� direkte Nachrichten auS China—(Heiterkeit) s o hätte er mich informieren sollen." Auch hier springt Herr v. Bülow in einem Anfall momentaner Gedächtnisschwäche wieder äußerst willkürlich mit den Thatsachen um. Allerdings war durch die in Shanghai etablierte englische Fabrik für Sensationsnachrichten das Gerücht ausgesprengt worden, daß in Peking sämtliche Mitglieder der Legatione» niedergemetzelt worden seien, ja es waren sogar über die heroisch-schauerlichen Bor» gänge dieser Massenabschlachtiing detaillierte Schilderungen verbreitet worden, die einen Ehrenplatz in der Kolportagclilteratnr verdient hätten, die sich geschäftsbeflissen der chinesischen Vorgängebemächtigthat. Aber bereits am 20. Juli wurde die Schauermär von dem Masten- mord in Peking von hundert Seiten dementiert. So vom Gouverneur von Echan tuna, vom amerikanischen Konsul in Tschifu, vom Eisenbahndirestor G ch e n a usw. usw. Alle diese Telegramme, deren Zahl in den folgenden Tagen stetig wuchs, beteuerten, daß den Legationen kein Haar ge- krümmt sei. Und in der der chinesische* Gesandtschaft in Berlin am 24. Juli zugestellten Note B ü l o w s(!) ist n u r von der Ermordung K e t t« l e r s die Rede, während im übrigen von den„in Peking eingeschlossenen fremden Gesandtschaften' gesprochen wird. Und nach einer Meldung der„Agence HavaS', die der„Vorwärts" am 27. Juli wiedergab, hieß eS, daß die ver- schiedenen Kabinette der Meinung seien, daß die L e g a t i o n» n in Peking als Geiseln, aber sonst wohlbehalten zurück behalten würden. Und trotz alledem behauptete Herr von Bülow. die Kaiserrede am 27. Juli, in der auf die Hunnen exeniplificiert wurde, sei von der Boraussetzung ausgegangen, daß sämtliche Gesandt- schaften ermordet seien. So wenig eS aus die Stimmung ankommt, aus der heraus die fraglichen Reden gehalten wurden, so wichtig ist eS doch, die Wichtigkeit all der kleinen Redekünste des als Debatter so über die Hutschnur gepriesenen neuen Reichskanzlers aufzudecken. Siachdem die Unrichtigkeit der Thatsachen nach- gewiesen ist, mit denen Herr v. Bülow operierte, nehmen sich die kleinen Scherze von dem wohl direkte Verbindungen unter- haltenden Bebel um so.'unscheinbarer aus. Bebel konnte natürlich nicht wissen, daß der Leiter der auswärtigen Politik über China schlechter unterrichtet war, als der Leser des abgelegensten Kreisblatts. Genost« Bebel wird also aus den von Bülow vorgebrachten Gründen kein Wort seiner Reden zurückzunehmen geneigt sein. Herr t>. Bülow sollte aber künftig etwas weniger wagehalsig jonglieren.— Gine neue Vlamagc. In der von Deutschland eingeschlagenen Chinapolitik folgt Ivirllich mit tödlicher Sicherheit Niederlage auf Niederlage. Unter dem Stabe der Weltfeld marschallschaft steht außer Deutsch- kand jetzt glücklich noch eine Nation: England. Amerika, Japan und Rußland habe» fich zurückgezogen und Franlreich scheint ihrem Beispiel demnächst ebenfalls folgen zu wollen. Die berüchtigte Bülow- Note wollte den Eintritt in die Friedensverhandlungen— von der Hinrichtung der Haupträdclsführer dcS Aufslands abhängig ge- macht haben. Die Haupträdelsführer erfreuen sich noch ihres Lebens, ihrer § reihest, ja selbst ihrer Macht, und doch hat man sich auf riedenSverhaiidlimgcn mit China eingelassen. Dann kam die „döcision irrevocable" der Mächte, die zwar nicht vor Eröffnung !dcr Friedensverhandlungen, aber doch als Frieden? bedingung die Köpfe der Tua». Tungfuhsiang usw. verlangte. Aber auch diese im Bülowschcn Geiste formulierten„unwiderruflichen' Forderungen haben je länger je weniger Aussicht, acceptiert zu werden. Daß China sie nicht acceptleren laiin, war für jeden Einsichtigen von vornherein klar. Aber auch verschiedene andre Mächte erhoben Ein- spruch gegen die Politik der Demütigung, der Provokation. Nachdem zunächst Amerika und' Rußland Einspruch er- hoben hatten, haben sich nach englischen Meldungen jetzt auch Japan und Frankreich dem Protest angeschlossen. Damit wäre der„äsoisioll irrovoesble" endgültig das Schicksal der Bülow-Note bereitet. Und schon beginnen die Offiziösen auch abzuwiegeln. So bringt die„Köln. Ztg.", die alle Witterungsumschläge der deutschen China- politst prophettsch anzukünden pflegt, einen Artikel, in dem sie. nach einigem Schimpfen auf die„seltsame' Haltung Rußlande und Amerikas, sich schließlich zu der Ansicht bekenm, daß die Be- strafung der Rädelsführer wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit sei. Erweise sich aber dieserArtikelL der Friedens- bedingungen als undurchführbar, so könne auch niemand Deutschland den Vorwurf mangelnder Thatkraft machen, wenn es ihn fallen lasse. Ferner giebt das Blatt zu verstehen, daß die Khakimächte auch über die Höhe der von Rußland und Amerika beanstandeten KriegSentschädignng mit sich handeln ließen. Die groteske Wiederholung deS allen Spiels! Unsre Kritik sinnloser Forderungen wird erst aus allen Tonarten als Vaterlands- los geschmäht, um dann durch das tapfere Zurückweichen der Re gierung als berechtigt anerkannt zu werden. Wie wurden wir wegen unsrer Stellungnahme zu der„(Wcision irrevocable* angegriffen. Selbst die„Freis. Ztg.' bezeichnete die Forderungen als sehr maßvolle. Und nun beginnen schon die Biilow-Offiziösen zu begreifen, daß die Hauptforderungen fallen gelassen werden müssen. Hoffentlich setzt die deutsche Regierung ihrer Politik der Retirade dadurch die Krone auf, daß sie fich gleich Rußland und Amerika von der Hunnenpolitik völlig lossagt. Daß Amerika bei seiner passiven Haltung nicht schlecht fahren wird, bestätigt eine Rede des chinesischen Gesandten in New gork Wutingfang, der im kommerziellen Klub in Cincinnati eine Rede hielt, in der er das Verhalten der Amerikaner rühmend anerlaiinte. die immer die Chinesen höflich behandelt hätten. Sie würden davon auch bald große Vorteile haben. Wenn die derzeitigen Unruhen erst beigelegt seien, werde in China, welches viele wertvolle Konzessionen an AnSländershndilate erteilen werde, Amerika die Vorhand haben. Aber nur d i ejenigen würden wirkliche Erfolge erzielen, welche den Chinesen ohl wollen entgegenbrächten. Deshalb würden die Amerikaner bessere Aussichten haben als andre, ei» Recht auf materielle Anerkennung von den Chinesen zu erlangen. Die Chinesen würden die kommerziellen Vertreter Amerikas stets mit offenen Armen aufnehmen. Noch kann Deutschland fich in der zwölften Stunde vor schwerem Schaden bewahren! »* » Deutsches Zteich. AuS dem ReichShauShaltS-Etat, der. wie wir schon mit- geteilt, in Einnahme und Ausgabe mit 2 240 847 301 M. abschließt, seien folgende Einzelheiten mitgeteilt: Von den Ausgaben entfallen l 912 609 8SS M. auf die fort- dauernden, 224 582 751 M. aus die einmaligen Ausgaben des ordent- lichen EtatS und 103 754 695 auf die einmaligen Ausgaben deS außer- ordentlichen EtatS. Zur Bestreitung der einmaligen cnißerordeutlichm Ausgaben ist eine Anleihe im Betrage von 97362 545 M. vorgesehen. Von den fortdauernden Au S g a b e n entfallen auf den Reichstag 699 250 M., auf den Reichskanzler und die Reichskanzlei 233 280 M.. auf das A u s w ä r t i g e A m t 13307 507(-t- 798 849). auf daS Reich samt des Inner» 54 423 941 i-h 5 635 266, davon 4.4 Millionen Mark als Zuschuß ur Invaliden- und Altersversorgung), auf die Verwaltung des eichSheerS 559 932 683(->- 18 411 590), auf die kaiserliche Marine 79 331 422(� 5 929 780), auf die Reichs- Justiz-Verwaltung 2 133 234, auf das Reichs- Schatzamt 578 195 680'(+. 57 900 965, da« Mehr entfällt im Betrage von 55 993 000 auf die llederweisungen an die Bundes» taaten», auf vas ReichS-Eisenbahnamt 394 470, ans die RcichSschuld 86 308 000(4- 8 607 500, der größte Teil der Mehr- ausgaben, über 8V» Millionen, ist bei dem Kapitel Verzinsung an- gesetzt), auf den Rech n un gs Hof 914 710, auf den allgemeinen P e n s i o n S f o n d S 70 994 638(4- 2 830 508), auf deir Reichs- JnoalidenfondS 29 329 689(— 746 537), auf die Post- und Telegraphenverwaltung 864 269 420(4- 21 774 294), auf die R e i ch S d ru cke r e i 5 613 651(4-308 760), auf die E i s e u- bahn-Ber waltung 65 515 400<4- 7 080 100). Von den ein- maligen Ausgaben des oldentlichen Etats entfallen auf da« Aus- ivärtige Amt' 26 396 607(4- 5 233 728, das ganze Mehr entfällt auf die Äoloiiialverwaltung), auf das Reichsamt des Innern 5112 500 4- 1716 700). auf die Post- und Telegraphcnverwallnng 18 125 213 (-f 4 710 289), auf die ReichSdruckerei 386 322(— 1869 591), auf die Verwaltuuq des ReichShcers 90012 229(— 8 377 961). auf da« Reichs- Militärgerickit 18 000, auf die Verwaltung der Kaiserlichen M a r i n e 72 112 150<4- 24 113 660). auf das R e i ch s s ch a tz a m t 100 580, auf die Reichs,'chuld 425 000(4- 425 000). auf die Eisen- bahnverwaltung 8 522 000(4- 467 000), aus die Verminde- rmig der Reichsschuld 3 372 150(4- 1 080 512). Die einmaligen Ausgaben deS außerordentlichen Etats sind eingestellt bei der Verwaltung des ReichsheereS mit 30157 965(—48 716), bei der Kaiserlichen Marine mit 59 623 000(4- 19 002 000), davon sind 47 623 000(-s- 12 522 000 Ml.) Zuschuß zu de» ei»n,aligeii Aus- gaben iin ordeutlichen Etat, bei der Eisenbahiiverwaltuiig mit 13 974 000(+ 983 000 M.) Die Einnahmen sind veranschlagt bei den Zölle» und Berbrauchssteuern aus 810 330 850 20 606 350 M.). Es entfalle» davon ans Zölle 473 978000 (4- 5 758 000), Tabakssteuer 11960 000(— 183 000), Zuckerstcuer 111380000(+ 9 371000), Salzsteucr 48 943 000(4- 1 133 000), Maischbottig- und Braiustweinmatericilsteuer 18 037 000(— 401 000), Verbrauchsabgaben von Branntwein 109 768 000(4-3 955 000), Brausteuer 31186 000 M.(4- 971000). Die Einnahme au« Reichs- Stempel-Abgaben ist auf 114 020 000 M. veranschlagt(4-47 537000). Das Mehr setzt sich zusammen an« 16 008 000 bei dein Stempel ür Wertpapiere. 6 355 000 bei dem Stempel für Kaufs- und onsttge AnschaffungSgeschäste, 19 331000 bei de» StaatS- lotterien, aus 3 268 900 bei den Privatlotterien und aus der neu zur Erhebung lommeuden Stempclabgabe für die Schiffsstacht- Urkunden im Betrage von 1500 000 M. Die statistische Gebühr ist ans 1000 000 M. veranschlagt. Die Einnahmen au? der Post- und Telegraphenverwaltung sind'mit 420162 950(4- 26 958 020), Reichsdruckerei 7 777 000(4- 261 000), Eisenbahiiverwaltung 98 676 000 l 4- 7 501000), Bankwesen 14 713 800 M. veranschlagt.' Verschiedene Verwaltungseinnahmen sind auf 26 465 024 sst* 7 910 961). Reichs- Jnvalidenfond« 29 329 689<— 746 587}, Veräußerung von Festungsgrundstücken 389 972 M. veranschlagt. Hierzu lo, innen der Ueberschuß des Reichshollshalts von 1899 mit 32 606 031 4- 1 879 147) und die zuin Ausgleich für die nicht alle» Bundes- 'taateii gemeinsamen Einnahmen eingesetzten Beträge in Gesamthöhe von 16 788 283(4- 1202 416). Die Matrikularbeiträge sind mit 570 933 000<4- 43 270626) M. eingestellt.— im Jahre 1301. Von dem Mehrbedarf entfallen auf Ostasrika 2 416 940 M.. auf Kamerum 123 800 M., auf Togo 614 000 M, aus Südwestafrika 2 197 800 M.. auf Samoa 94 000 M.— Vermehrung deS Heeres. Nach dein Etat für 1901 soll das Reichsheer um 295 Offiziere, 3125 Unteroffiziere und Gemeine, 25 Aerzte und 1556 Dieiistpferde vermehrt werden. Für da» preußische Kontingent sollen zur Fortfühnmg der durch da? Gesetz vom 2ö. März 1899 angeordneten Aenderungen in der Organisation neu gebildet werden 5 Eskadrous Jäger zu ' Zserde in Posen mit zugehörigem Stabe. 1 Fnßarttllerie-Regiments- lab, 1 Fuhartillerie-Balaillon, 1 Pionier-Bataillon. Ebenfalls zur Fortführung der in dem Gesetz vom 26. März 1899 angeordneten Aenderung in der Organisation werden oin . Oktober 1901 im sächsischen Kontingent neu gebildet 2 Feldartillerie- Brigadestäbe, 2 Feldartillerie- RegimentSfiäbe. 2 Feldartillerie- AbteilungSstäbe, 6 sahrende Batterien mit niedrigein Etat, 1 Be- kleidungsamt für das 19.(2. K. S.) LrmeecorpS. Außerdem sollen Maschineng« wehr-Sbteilungen gebildet werden.— Der Seniorenkonvent hat in Gemeinschaft mit dem Präsidenten über die Geschäfts- läge des Reichstags beraten und folgende Dispositionen verabredet. Zunächst sollen die Interpellation Ver Nattonalklberalen betr. dtl Militärinvaliden, die Seemannsordnung und das Gesetz über die privaten VersicherungS- Unternehmungen zur ersten Beratung ge- langen. 4W AlSdann gelangt— frühestens am 2. Dezember— der Etat pro 1901 zur ersten Beratung. Hieran soll sich die Beratung eines Antrags betr. die Einführung der verufung in Strafsachen(Antrag Rintelen) schließen. Bis zu diesem Zeitpunkt hofft die Budgetloimniifion— welche am Montag mit ihrer Thätigkeit beginnt— mit der jBeratung des China-Rachtragetats fertig zu sein. ES wird dann die zweite und dritte Beratung der Millionen- forderung für die Chinapolitik im Plenum des Reichstags erledigt werden. Von dem Abg. Singer wurde angeregt, den Initiativanträgen mehr Zeit wie bisher zu widmen und vorgeschlagen, nicht nur einen Tag der Woche, sondern mehrere Tage hintereinander die von Mir- gliedern des Reichstags gestellten Anträge zu beraten. Wenn die Geschäftslage es zuläßt, sollen die WeihuachtSferien am 14. Dezember beginnen und bis zum 8. Januar dauern. Tic Znschiiffe für unsre Kolonie» neuen Etat von 20553079 M. im Jahre erhöhen sich nach den» 1900 auf»S V47 8V7 Zur Frage der Kohlennot hat der freisinnige Nürnberger Stadtmagislrat Stellung nehmen müssen, nachdem eine am 15. Ottober stattgefundene, von Tausenden besuchte Volksversamm- lung an ihn die Aufforderung gerichtet hatte, sofort Mittel und Wege zu luchcn, damit die Bevölkerung billige Kohlen erhalte. Diese Stellungnahme ist denn auch so ausgefallen, wie man sie nach de» früheren soeialpolitischen Thaten dieses Magistrats erwarten mußte — er hat den Antrag einstimmig abgelehnt, da er keine Kohlen- not im„Sinne eines Kohlenmangels' anerkenne, wohl aber eine Kohlenteuerung. Der direkte Bezug von Kohlen sei unmöglich und auch nicht geeignet, die Kohlenpreise zu reducieren; wäre die Vermiitelung von Kohlen möglich, so mußte die Ver- Mittelung auch bald auf andre Lebensbedürfnisse ausgedehnt werden, da- durch würden die Gewerbetreibenden geschädigt. Es bestehe auch keine Verpflichtung zum Eingreifen; soweit die gesetzliche Pflicht vorhanden sei,»verde für die Armen gethan, was ihnen gebühre. Man wird diese socialpolitische Erleuchtung des freisinnigen Magistrats erst dann richtig würdigen können. wenn man sich daran erinnert, daß mit dem Empfange von Armeuunterstützung— und dazu gehört auch die Abgabe von Heizmaterial an Arme— der Entzug des Wahlrechts verbunden ist. Etwas aber will man doch ihun, nämlich an den Staat die Bitte richten, daß er aus seinen Werken und Wälder»» Kohlen und Holz zum Weiterverkauf an die Gemeinden abgiebt. Außerdem soll die Unterstützung eventuell sich bildender Kohlen« EmkaufSgeuossenschaften in„wohlwollende Erwägung' gc- zogen werden.—_ Eine neue Kaiserrede. Bei der Matrosenvereidigung in Klel hat Wilhestn II. am Freitag eine Rede gehalten, die mit ver neuerdings üblichen Verspätung vom Wolffschen Deveschenbureau bekannt gegeben wird. „Nach langer Friedensarbeit sei seit wenigen Monden ein Streit hereingebrochen, der alle gesitteten christlichen Völker im Dienste deS Glauben« in die Ferne zu gemeinsamem Borgeheu getrieben habe. Mit Stolz und Freude könne er sagen:„Meine Söhne, die i»ir den Fahneneid geleistet und jetzt draußen kämpfen, haben ihn nicht gebrochen.' Der Kaiser hob weiterhin rühmend hervor. daß als ein neues Koiuniaudo zuerst aus dein Munde eineS fremd- läxdischen Heerführers die Worte erschallten:„Gerwaas to tho front!'„Euren Brüdern', fuhr der Kaiser fort,„ist es gelungen. ihre Kameraden ans der Schar der Feinde herauszuhanen, iveil sie an ihren Fahneneid dachte». Tic jungen Soldaten sollen ebensalls auf Wegen ivandel», die sie vor Gott»nid ihren» Kaiser verantworten können." sofern die von Lucanus der Veröffentlichung freigegebenen Bruchstücke der Rede deren Gedankengang erkennen lassen, ist der Kaiser also noch immer der Meinung, daß der Krieg im Die»ist c des Glaubens geführt werde. Nack Herrn v. Bülow ist Deutschlands soldatische Ehre das Haüptmofiv für die übrigen Nationen die durch den Krieg vermeintlich zu sichernden materiellen Interessen._ Die Anwerbung ausländischer Arbeiter wird von den Bergwerksbesitzern des Ruhrgebiets noch inuner fortgesetzt, obwohl cit langem für jedermann offensichtlich ist, daß wir uns in ab- st eigen der Konjunktur befinden. Im Juli d. IS. war der Steiger eines BcrgwerkSbesitzers deS Dortmunder Bezirks, der zur An- Werbung von Bergarbeitern nach Ungarn entsandt worden war, dort von den ungrischen Behörden ver- haftet und nach beendeter Untersuchung d»»rch Ver« mittlung deS deutschen Generalkonsulats zu Pest wieder über die LandeSgrenze abgeschoben»vorden. Wie die Ermittlungen der Botschaft in Wien ergeben haben, waren die ungrischen Behörden zu ihre»» Vorgehen gegen den Steiger berechtigt, weil die Anwerbung uugrischer Arbeiter für das Ausland nach den in Ungarn geltende» Vorschriften verboten ist und unter Strafe steht. Da eS nicht ausgeschlossen erscheint, daß auch andre BergwerkSbesitzcr ähnliche An- iverbimgen in Ungarn in Aussicht gcnoinmen haben, teilt das könig- liche Ober-Bergamt in Dortmund auf Anregung des Handels- Ministers die oben geschilderte Erfahrung dem Verein für die bergbaulichen Interessen für de» Ober-BergamtSbezirk Dortmund mit dem Ersuchen mit, in geeigneter Weise für Verbreitung zu sorgen und dadurch die beteiligte» Kreise angesichts der Strafbarkeit des Aniverdens uugrischer Arbeiter zu warnen.— Freiwillige vor? In dem Bacchus-Haine Durbach, wo der vorzüglichste badische Wein heuer in Hülle und Fülle geriet, fand kürzlich K ö n t r 0 l l- B e r s a m m l u n g statt. So glücklich fühlten fich die Rebbauern seit longer Zeit nicht mehr, als jetzt bei den hohen Einnahmen, die sie aus dein Rebensaft machen. Da soll iiui» der uniformierte Gebieter, der vom BezirlSkominando der Kreisstadt herüberkam, um die Mannschaften des Be- urlflubtcnstaudeS zu bettachten, eine Werberede für China- freiwillige erfolgreich über die Lippen bringen?— Er muß, den» eS ist befohlen!— Staunen erfaßt den Offizier, als nach der Anregung zivei Männer auS der Reihe seiner Tivilisten vortraten und ihre Bereitwilligkeit zum Hunnendienst« bettmdeten. Doch verwandelte sich die angenehme Empfindung in eine schmerzende Ent- tänschung, als festgestellt wurde, der eine sei ein übelbeleumundetes, bestraftes Individuum, der andre ein Geistesgestörter.— Tie Frücht« de« RachefeldzugS beginnen zu reifen. Mau schreibt uns auS Baden: Unsre Handelsbeziehungen zu China und Japan hoben die rasche Folge gezeitigt, daß die auf dem Schwarz- Wälde eingebürgerte Jndusuie der Ssrohflechterei,»velchc besonders in den 80 er Jahren einen wesentlichen Teil der Haus- iudustrielleii Thätigkeit jeuer Bevollerimg bildete, auf de» Aussterbe- Etat geriet. Infolgedessen ist die von der Regierung eingerichtete Flechterschule vor kurzer Zeit aufgehoben worden.— Da« fluchwürdige Attentat. Ter Kaiser erhielt folgendes Telegramm:....... „Ter Lorstand und der Aufsichtsrat der Haudwerlerbaul Beutheu O.-S. giebt seiner Entrüstung über da» fluchwürdige Attentat Ausdruck und vereinigt sich mit allen Deutschen in dem imiiuen Wunsche: Gott schütze ferner Ew. Majestät l' Der Bcilwurf einer notorisch Irrsinnigen ein„fluchwürdiges Attentat", das grenzt selbst schon an patriotischer Uebergeschnappt» heit. Der Kaiser selbst bezeichnete in seinem Antworttelegramm das Attentat als einen„einer ern st en Bedeutung glück- licherweise entbehrenden Vorfall".— Ein neneS Ritunlmord-Opfcr. Der Erste Staats- anwalt Settegast in Könitz wird mit dem 1. Dezember nach Limburg an der Lahn versetzt. Die antisemitische Presse schreibt diese Versetzung dem Umstand zu, daß Settegast in der Konitzer Affaire zu judenfreundlich vorgegangen sei. Sie verlangt von der Justizbehörde, daß auch der Untersuchungsrichter Dr. Zimmer- >n a n n versetzt werde, damit die Konitzer Bürgerschaft völlig von dem Alp befreit werde. Hoffentlich wagt die Justizbehörde der Konitzer Bügerschaft nur solche Beamte zu präsentieren, die vom Ritualmord im allemeinen und dem Konitzer Ritualmord im be- sondern überzeugt sind.— Doppeltes Vaterland. Von einem überaus traurigen Schicksal wurde ein E I s ä s s e r betroffen, der sowohl vom Deutschen Reich wie von Frankreich als Staatsangehöriger reklamiert wird. Der Metallarbeiter T., verheiratet und Vater von zwei Kindern, ist der Sohn eines Mülhauscr Bürgers, der 1871 für Frankreich optiert hat. Ms junger Mann arbeitete er in Frankreich und wurde dort zu nr Militär eingezogen. Nachdem er fünf Monate gedient hatte, kaufte ihn sein Bruder los. Er arbeitete noch eine Zeitlang in Frankreich und kam später, als es drüben an Arbeitsgelegenheit mangelte, nach Mülhausen zurück. Kaum hier angekommen,' wurde er in den Soldatenrock gesteckt und muffte dreiJahre inPreußen dienen. Als diese Dienst- zeit um war, erhielt der junge Mann wieder in Mülhausen bei der Elsässischen Maschinenban-Gesellschaft Arbeit und fühlte sich e»dlich wohl. Vor etlichen Wochen wurde ihm nun seine Arbeit ge- kündigt, ihm aber zugleich mitgeteilt, er könne, wenn er Lust dazu habe, sofort bei der französischen Werkstätte der Gesellschaft in Belfort in Arbeit treten. T. begab sich auch an einem Montag nach Beifort, meldete sich dort polizeilich an und wollte Dienstag früh zu arbeiten anfangen. An diesem Tage wurde er aber in' aller Frühe durch einen französischen Gendarm aus dem Bett heraus verhaftet, weil er eine 28 tägige Hebung nicht gemacht habe und in Frankreich demnach als fahnenflüchtig angesehen werde. Jetzt sitzt der Mann in Belfort in Militäruntersuchung,'während Frau und Kinder in Mülhausen dem Elend entgegensehen. Bemerkt sei zu dem Fall, daß nicht' etwa der Bedauernswerte selbst, sondern fem Vater seiner Zeit iür Frankreich optiert hat. Wer bürgt dem Manne jetzt dafür, daß, während er gewaltsam in Frankreich festgehalten wird, nicht auch hier in Deutschland für ihn ein militärischer Gestellungstermin verstreicht und ihm bei seinerRückkehr über die Grenze dasselbe Schicksal nicht nochmals zu teil wird, das er jetzt in Frank- reich über sich ergehen lassen muß? Das ist ein durchaus unhalt- barer Zustand, und es wäre dringend zu wünschen, daß der Fall im Reichstag zur Sprache käme. Wenn der Mann, wie seine Ein- ziehung zum preußischen Militärdienst beweist, diesseits als deutscher Staatsangehöriger betrachtet wird, dann ist das Reich auch ver- pflichtet, thm jetzt seinen Schutz zu gewähren; ist er aber nicht Deutscher, wie kam man dann dazu, ihn in die deutsche Armee zu stecken?- Chronik der Majestiitöbcleidigungcn. Vor der Essener Strafkammer hatte sich der Händler Sonnenschein wegen Majestäts« beleidigung zu verantworten. Obwohl zwei Zeugen, die ehemalige verlobte de» Angeklagten und deren jetziger Liebhaber im Sinne der Anklag« bekundeten, hielt das Gericht, in der Annahme, daß der Denunziation ein böswilliger Rachealt zu Grunde liege, die Frei- sprechung für geboten. Ausland. Oestreich-Ungar». Ncber die Abschaffung der ZuckcrauSfuhr-Prämie» wurde am Donnerstag im Finanzministerium verhandelt. Dabei wurden auch die Beschlüsse bekannt, welche ans der Pariser Konferenz ge- faßt worden sind. Die dort zum Abschluß gebrachte Vereinbarung zwischen Frankreich, Deutschland und Oe streich- Ungarn geht dahin, daß Frankreich als Gegenleistung für die vollständige Ailshebnng der Prämie seitens Deutschlands und Ocstreich-Ungarns außer der Anfhcbnng seiner direkten Ausfuhrprämie �anch die indirekte Prämie herabfetzt und die Zuckerausbeute über 10'/, v. H. dem vollen Steuersatz unterwirft. Voraussetzung für das Zustandekommen eines verbindlichen Uebcr- einkoinmeiis ist, daß die auf der Brüsseler Zuckerkonferenz im Jahre 18S8 vertretenen Staaten ein gleichwertiges Opfer bringen. Nach eingehender Erörterung sprachen sich d'ie Sachversländigeii für diese Grundlage einer internationalen Regelung aus.'er- klärten aber, daß sie die endgültige Stellungnahme von dem Ver- lause der bevorstehenden Brüsseler Konferenz abhängig machen muffen. Schweiz. In Bern tritt am S. Dezember die BundeSbersammlnng zur Wintersession zusammen. Die Geschäftsliste cnihält unter anderm folgende Nummern: Haager Konferenz. Erleichterung der Ein- bürgerung, AuSliefmmgSvertrag mit den Vereinigten Staaten, Lohnzahlung, Arbeitszeit an Sonnabenden, internationaler Arbeiter- schütz, Lohn- und AustellungSverhältiiisse der eidgenössischen Arbeiter, Arbeitszeit beim Betriebe der TranSportanstalten. Mehrere dieser Geschäfte sind bereits alte, ausgewachsene Seeschlangen, die sich regelmäßig von Session zu Session weiter schleppen und so jedem neuen Geschästsverzcichnis einen falschen socialpolitischen Anstrich geben. �sraukreich. Präsident Krüger traf um»/eil in Paris ein. Beim Herannahen des Zugs brach das auf dem Perron versammelte Piibliknin, das zumeist aus Mitgliedern des Gemeinderats und GeneralratS sowie aus Parlamentariern und Journalisten bestand, in laute Hochrufe auf Krüger und die Boeren aus. Noch stürmischer wurden die Ovationen, als Krüger sichtbar wurde und auf einen Diener gestützt den Salonwagen verließ. Erozier, der Einführer des diplomatischen Corps, begrüßte im Namen des Präsidenten der Republik mit einer Ansprache Krüger, worauf dieser dankte und erklärte, er sei nach Europa gekommen, um die Rechte seines Volks zu verteidigen und Gerechtigkeit zu suchen. Der Präsident des Gemeinderats hieß Krüger namens der Stadt Paris willkommen und versicherte ihm, daß er in Paris ebenso begeisterte Kundgebungen ftnden werde, wie in Marseille. Ter ungerechte, brutale Krieg, der gegen die Boeren untemormnen wurde, habe bei dem französischen Volke die größte Entrüstung erregt. Krüger erwiderte, er gebe die Hoffnung nicht auf. daß die Südafrikanischen Republiken ihre Unabhängigkeit be- toahren würden; er kenne den Wahlspruch der Stadt Paris„üuotus.t uca werxivur» und versichere, daß auch das Volk der Boeren nicht untergehen ivcrde. Nur mit Mühe koimte für Krüger ein Weg zu dem Landauer gebabnt werden, in dem er mit dem Präsidenten des Pariser Gemeinderats Platz nahm. DerWagen wurde vonKürassieren eskortiert. Die tansendköpsige Menschenmenge brachte Krüger begeisterte Ova- tionen dar. die sich auf dem ganzen Wege über die großen Boule- vards fortsetzten. Dem Zuge wurden von Mitgliedern der Boeren- lomitces französische und TranSvaalfahnen vorangetragen. Einzelne Trupps junger Leute, die von der Polizei verdrängt wurden, brachten Schmährufe auf England aus. Die Demonstrationen ver- liefen jedoch ohne ernstliche Störung der Ordnung. Afrika. Der Boercukrieg nimmt für England wieder sehr unangenehme Dimeiisionen an. Las Feuer der Empör, mg flackert wieder allenthalben auf. Präsident S t e j n und De Wet sollen zwischen ilbin und MarrianS die englischen Linien mit 10C00 Mann durchbrochen haben. Man hält in Londoner Kreisen die beabsichtigte Verstärkung der englischen Truppen um 10 00V Mann für unzureichend, umsomehr. da sich unter den kolonialen Truppen eine große KriegSunlnst bemerkbar mache. Ein Berliner Blatt, das sich schon verschiedentlich boerenoffiziöser In- spirationen gerühmt hat, behauptet sogar, daß heute mehr Boeren im Felde ständen, als zu Beginn des Kriegs. Es sei angesichts einer solchen Lage gar nicht ausgeschlossen, daß Krüger wirklich noch eine Mission auszuführen habe. Bei Barberton und E d i n b u r g fanden schwere Gefechte statt, die nicht direkt als Niederlagen der Boeren bezeichnet werden. Nach einem Telegramm aus Pretoria hat General Broadwood am Donnerstag in einem Gefecht den Tod gefunden.— NÄvlttmenkÄsviMVS. Die Durchführung der Religionsfreiheit im Deutscheu Reiche bezweckt ein Antrag Lieber an den Reichstag. Der vom Centrum unterstützte Antrag Dr. Lieber verlangt volle Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der häuslichen und öffentlichen Religions- Übung für jeden Reichsangehörigen. Die Kindererziehung bei gemischten Ehen richtet sich nach der Vereinbarung der Eltern. Freie Wahl des Glaubensbekenntniffes nach zurückgelegtem zwölften Lebensjahr. Anstritt aus einer Relionsgemeinschaft erfolgt durch mündliche oder schriftliche Erkläning an das Ämtsgericht. Religionsgemeinschaften, welche in einem der Bundesstaaten staatlich anerkannt sind, genießen freie und öffentliche Ausübung ihres Kultus im ganzen Reichsgebiete, sie können Kirchengemcinden und Kirchen- ämter nach freiem Ermessen errichten. Alle landesrechtlichen Be- schränkungen in Bezug auf die Spendung der Sakramente und in Bezug auf die Abbaltung von Missionen sind aufgehoben. Religiöse Genossenschaften(Orden) bedürfen zu ihrer Gründung und Thätigkeit keinerlei Genehmigung._ Dttvkvi-Mschxvichken. Gemeindrwahle». In Leipzig wurden am Donnerstag die ErgänzungSwahlen zum Stadtverordueten-Kollegium in der dritten Klaffe vorgenommen. Gewählt wurden in zwei Kreisen fünf social- demokratische Stadtverordnete und ein Parteigenosse als Ersatzmann. In den beiden andren Wahlkreisen wurden vier bürgerliche Stadt- verordnete gewählt. Im ganzen wurden 7529 socialdemokratische und 6890 bürgerliche Stimmen abgegeben. Ob das Ergebnis der Wahl eine Veränderung unsres Besitzstands im Gemeindekollegiuin bedingt, ist aus dem Bericht der„Leipziger Vollsztg." nicht deutlich zu ersehen. Unsre Gesamtstimmenzahl hat sich seit der vorigen wenig verändert, trotzdem unser Leipziger Parteiblatt zu klagen hat über„gewisse Quertreibereien, wonach unter den heutigen Verhältnissen nicht ge- wählt werden dürfe". In Untermhaus bei Gera errangen tinsre Genoffen einen beachtenswerten Sieg. Es wurden fünf Parteigenossen und nur drei bürgerliche Gcmciuderatsmitglieder gewählt. Ebeiifalls siegreich ivaren die Genossen in Löbtau bei Dresden. Dort ist der Sieg um so beachtcnsivertcr. als mau der Social- demolratie vor Jahren durch Einführung der Städte-Ordnung, die entgegen der Landgeincinde-Ordnung eine besondere, mit Schwierig- leiten und Kosten verknüpfte BürgerrcckitS-Erwerbung vorschreibt, die bis dahin besessenen Mandate entreißen zu können hoffte. DaS hatte auch jahrelang Erfolg. Jetzt haben die Genossen durch eifrige Vorarbeit für die Biirgerrechts-Eriverbung die Scharte ivicdcr ans- gewetzt. Es wurden alle 3 Socialdemokraten geivählt, und die Partei ist im Gemeindcrat jetzt durch 6 statt bisher 3 Mitglieder vertreten. Von 1180 Wählern stimmten 1091 ab, ein Beweis dafür, daß die Wabl eine Kraftprobe war. In Crimmitschau verloren wir leider 2 Sitze und verfügen nunmehr nur noch über 6 Mandate. In Greiz verloren wir den einzigen bisher innegehabten Sitz. In Debschwitz bei Gera wurde von der socialdemokratischen Liste nur ein Genoffe gewählt. In den Dörfern Rubitz, Frankenthal und Triebes, sämtlich Reich j. L., wurden die Pnrteikandidaten glatt gewählt. Zur Frankfurter Stadtdcrordneten-Wahl wird uns ge- schrieben: Endlich ist es der Frankfurter Arbeiterschaft gelungen, Bresche in den demokratisch-forlschriltlich-iiationalliberalen Stadt- verordnetcii-Klüngcl zu lege». Bei den am Donnerstag statt- gehabten Stichwahlen ist, wie bereits telegraphisch berichtet, Genosse Dr. Qnarck in Bockenheim, das seit einigen Jahren Frankfurt ein- verleibt ist. mit 558 Stimmen gegen den Kiiddelniuddel-Kandidatcn, Schncideruieister Grein, gewählt worden. Welche Bedeutung diesem Wahlsieg beizumessen ist, das erhellt om besten aus einem Artikel, den die„Frankfurter Zeitung" in ihrer Nr. 324(Drittes Morgenblatt) ihm widniet. Seit Jahren ist die Frankstirter Arbeiterschaft bemüht, in das Stadtparlament einzudringen, aber bisher war alle Mühe vergebens. Ein plutokratiiches Wahlrecht, das Preußen Frankfurt als letzten Rest seiner freireichSstädtischen Herrlichkeit gelassen hat, und das einen Steuercensns von 1200 M. voraussetzt, che jemand wahlberechtigt ist, schließt den größten Teil der arbeitende» Be- völkerung, kleine Beamte und Kleingewerbetreibende vom Wahlrecht ans. Wozu noch kommt,' daß jeder Wahl- berechtigte Preuße sein und mindestens ein Jahr lang diesen Steuersatz bezahlt haben muß. Alle Versuche, die Härten dieses Wahlrechts zu beseitigen, den CensuS auf 900 M. herab- zusetzen, sind bisher an der Hartnäckigkeit der Stadtverordneten- Mehrheit gescheitert. Ganz erklärlich I Die Hernr fürchten von einer Enrieiterung des Wahlrechts den Einzug von zu viel Socialdemo- kraten in das Stadtparlament. Als im Jabre 1899 verschiedene politische Korporationen wie der Demokratische und Fort- schrittSverein, der Socialdemokratische Verein, die Katholischen und Evangelischen Männervereine usw. eine Petision an den Magistrat bezw. das Abgeordnetenhaus richteten, da spielte sich bei ihrer Beratung in der Stadtverordneten- Bersamm- lung daS gottvolle Schauspiel ab, daß ein Führer der Frei- sinnigen, Dr. Geiger, dagegen sprach und die Petition mit Hilfe seiner Freunde zu Falle brachte. Von den 24„Demokraten" fehlten in jener denkwürdigen Sitzung 11 Mann, und von den wenigen An- wescndcn stimmte wgor einer(und noch dazu ein Vorstandsmitglied des Demotratischen Vereins I) gegen eine Herabsetzung des Census und zwei drückten sich vor der Abstimmung. Das dürfte die Frank- furter Freisinn-Demokratie zur Genüge charakterisiere». Aber es kommt noch besser I Als die diesmaligen Stadtverordneten- Wahlen herankamen, da wurde von der socialdemokratischen Partei an die Demokraten und Fortschrittler in ehrlichster Absicht der An- trag eines Bündnisses gestellt und zwar sollten sich die Freisinn- Demokraten zn nichts verpflichten als zum Eintrete» für eine gründ- liche Wohnungsreform, für Erweiterung deS Wahlrechts und Bezahlung der städtischen Arbeiter»ach den von den Gewerkschaften errungenen Nonnallöhnen. Dafür beanspruchten wir höchstens vier Mandate; eventuell wären wir sogar mit zweien zufrieden gewesen. Aber auch diese überaus günstigen Bedingungen lehnten die Freisinn-Demo- kralen ab. Und weshalb? Weil sie sich den Nationalliberalen verpflichtet fühlten und lieber Rational liberale auf ihren Stimmzettel nehmen wollten, statt ein paar Socialdemolrate». Dabei muß man wissen, wie die Demokraten die ganze Zeit die Socialdemokratie umschmeichelten und bei jeder Gelegenheit erklärten, wie gern sie es sähen, wenn ein paar Socialdemokraten in die Stadt- verordneten-Versammlung einzögen. Auch in der„Frkf. Ztg." wird bekanntlich immer_ ein Znsamnienschlliß aller linksstehenden Elemente gegen die Reaktion gepredigt. In der Praxis freilich will Herr Sonnemann von einem solchen Zu- annnenschluß nichts wissen da unterstützt er lieber die Natioiialliberalen... Aber nicht genug mit diesem Komödienspiel: Bei der Rominienmg der Kandidaten zeigte sich auch, daß die Freifinn- Demokratie bestrebt war, möglichst politische Nullen aufzustellen, damit die Herrschaft Löb Sonnemanns im Frankfurter Rathaus un- geschmälert bleibt. Aber gerade dieses Soniiemann-Geigersche Re- giment hat in den letzten Jahren Frückte gezeitigt, über die in vielen Kreisen der Bürgerschaft Mißstimmung herrscht. Und so kam es. daß sich diesmal alle kleinbürgerlichen Ele- mente zusammenschlössen, um dieses Regiment zu stürzen. ES darf sicher alS ein Novmn bezeichnet werden, daß Handwerker mit und ohne Zopf aus freien Stücken die Socialdemokraten unter- stützten und mit auf ihren Zettel nahmen, weil sie sich sagten, daß allein Socialdemokraten das Zeug haben, gegen die Vettern- und Cliquenwirtschaft, wie sie in der Frankfurter Stadtverord»eten-Ver- sammlung besteht, Front zu machen. Und dieser Wahlhilfe hat auch Qnarck zum Teil fein Mandat zu verdanken. AuS Anerkennung für diesen handwerkermeisterlichen Freimut und um den Demokraten zu zeigen, daß sich die Frankfurter Arbeiter- schast nicht länger von ihnen am Narrenseil führen läßt, wurde denn unsrerseits für' die Stichwahlen die Parole onsgegeben, die Hand- Werkerkandidaten zu wählen, was denn auch geschehen ist. Die Freisinn- Demokratie hat dadurch eine schmähliche Niederlage er- litten, was ihr von Freund und Feind gegönnt wird. Die „Frankfurter Zeitung" ist natürlich über diesen Reinfall wütend. Sie erhebt den Vorwurf des Principienverrats und mangelnder Parteimoral, weil wir„Realtionäre" unterstützt hätten. Das sagt dasselbe Blatt, das 1898 bei der Reichstags- wähl es' gebilligt hat, daß sich die Demokraten mit den Freisinnigen und Nationalliberalen verbündeten, um uns den Reichstagssitz wegzunehmen und das auch bei diesen Stadt- verordne'tenwahlen das stille Bündnis mit den Nationalliberalen billigte. Die Frankfurter Arbeiterschaft hatte den Demokraten in ehrlichster und uneigennützigster Weise die Hand geboten zur Be- kämpfimg der nationalliberalen Reaktion, die Herren haben sie aus- geschlagen; nun haben sie keine Ursache, uns für ihren Reinfall ver- antwortlich zu machen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Partei-Oraanisation. In Wittenberg wurde ein social- demokratischer Wahlverein gegründet. Einen Kongreß für Kommunalpolitik veranstalten die badischen socialdemokratischen Gemeindevertreter am 2, Dezember in Karlsruhe. Es soll ein Genieindeprogramm für Baden beraten werden, wofür ein Entwurf vorliegt. Internationales Sekretariat. Von der polnischen Partei- Organisation in London wird uns mitgeteilt, daß der Genosse B. A. I e d r z e j o r s k i nicht mir Vertreter der östreichischen Polen, sondern der Organisationen der östreichischen. russischen und preuhi- scheu Polen im internationalen Sekretariat ist. Polizriliches, Gerichtliche» uftv. — Zu ZOO M. Geldstrafe wurde der Redactenr deS„Zwickauer Volksblatts", Genosse Albert, verurteilt. Er soll durch einen Gerichtsbericht einen Fabrikanten beleidigt haben. — Gegen den Redactenr und den Verleger der„Bergischen Arbeiterstimme" in Solingen ist bekanntlich ein Verfahren wegen Majestätsbeleidigung anhängig. Jetzt ist das Verfahren auch aus den zweiten Expedienten, Genossen Wüsthoff, ausgedehnt worden, der bisher in der Voruntersuchung als Zeuge vernommen worden war._ Aus der FvAnenbemvgung. Weibliche Fabriklufpcktoren. Die Thätigkeit der weiblichen Mittelsperson zwischen Arbeiterinnen und Fabrikinspektion in O f f e n b a ch hat sich als sehr nützlich erwiesen. Bekanntlich' wurde Genossin Tröger von den Offenbacher Gewerkschaften mit der Aufgabe betraut, Be- schwerden der Arbeiterinnen über Gesetzwidrigkeiten und Mißstände in ihrem Arbeitsverbältnis entgegen zu nehmen, zu prüfen und event. zur Kenntnis der Gewerbe- Aufsicht zu bringen. Leider wurde, wie die Genossin Tröger berichtet, die geschaffene Beschwerde-Jnstanz nicht in einem Umfang in Anspruch genommen, der im Verhältnis zu den vielfach vorhandenen kulturwidrigen Arbeitsbedingungen und den Jnter- effen der Arbeiterinnen steht. Schuld hieran trägt vor allem, daß sehr zahlreiche Arbeiterinnen die gesetzlichen Vorschriften zu ihrem Schutze gar nicht kennen und deshalb die Gesetzesübertretungen der Arbeitgeber als etwas Unvermeidliches hinnehmen, statt ihnen gegenüber ihr Recht zu suchen. Immerhin wurden eine Reihe schwerer Miß- stände zur Kenntnis der Mittelsperson und durch diese zur Kenntnis der Fabrikinspektion gebracht. Im Laufe des Jahrs 1899 liefen bei Genossin Tröger von Arbeiterinnen 14 Beschwerden ein. Die Beschwerden waren der verschiedensten Art und bezogen sich zum Teil ans die ärgsten Mängel in Hinsicht von Sitte und Anstand. Die Thätigkeit der weiblichen Vertrauensperson hat das Ihrige dazu beigetragen, widerstaudsschwachen und furchtsamen Arbeite- rinnen zu ihrem Rechte zu verhelfen. Sie hat in förderlicher Weise das Wirken der Gewerbe-Aufsichtsbeamten nnterstützt, und ihr Wert ist deshalb rückhaltlos in den Berichten der hessischen Fabrik- inspcktion anerkannt worden. Hinzugefügt sei noch, daß die Beziehungen zwischen den Beamten und der Vertrauens- Person die besten waren. Assistentin wie Fabrikinspektor nahmen die von Genossin Tröger übermittelten Beschwerden jederzeit anstandslos entgegen, ließen sich ihre gewissenhaste Prüfung angelegen sein und schritte« zum Schutze der Arbeiterinnen ein, ivann ihnen das Gesetz die Möglichkeit dazu bot. Eine ganze Reihe von Mißständen— darunter solche recht schwerer Art— sind in der Folge beseitigt worden. Die Erfahrungen. die in Offenbach betreffs der Thätigkeit der weiblichen Vertrauensperson der Gewerkschaften vor- liegen, sollten die organisierte Arbeiterschaft allerorts aneifern, Frauen ol» Mittelspersonen zwischen Arbeiterinnen und Gewerbe- Aufsicht aufzustellen und ihre Thätigkeit in jeder Hinsicht zu fördern. Zu letzterem Zweck ist besonders eine rege Agitation nötig, welche die Arbeiterinnen über die geltenden gesetzlichen Bestimmungen auf- klärt und sie auf die Beschwerdestelle aufmerksam macht, so daß sie im Fall von gesetzwidrigen Arbeitsbedingungen ihr Recht suchen. GcioovkMzttftlMzes. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Sämtliche Arbeiter und Arbeite- rinnen der Firma Gebr. Rothmann in Rixdorf haben infolge von Lohnreduktionen die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Orlsverwaltung Berlin des deutschen Mctallarbeiter-Berbands. Deutsches Reich. Undank ist der Welt Lohn. Vor ca. 2 Jahren gründeten Agitatoren des Centrunis in München einen Trambahner- Verband, der zur Zeit 900 Mitglieder zählt— und eine Sektion deS Vereins Arbeuerschiitz bildete. Die Trambahn» müssen aber in der ultromontanen Freundschaft wohl ein Haar gefunden haben, denn in einer überaus stark besuchten Versainmlnng, die vorigen Mittwoch stattfand, erklärten fte offiziell ihren Abfall vom Centrum. Zur Begründung dieses Schrittes wurde ge- sagt, daß man an die ultramontane Cciiiralkasse wohl bedeutende Zahliingen leisten müsse, aber keine entsprechenden Gegenleistungen dafür erhalte. DaS Geld sei„förmlich z u m F e n st e r hinaus- geworfen" und die Mitgliedschaft bei der christlichen Organisation sei für die Trambahnangestellten eher von Schaden, alS von Nutzen gewesen I Der Münchener Kettnrrinuen-Veretn, eine Gründuno bürger- licher Socialpoliliker, hielt dieser Tage eine Versammlung ab, in der Arbeitersekretär Timm ein Referat über die ReichSversichernngs- Gesetz erstattete. In der Diskussion erhoben sich Klagen, weil ver- schiede»« Kellnerinnen wegen ihrer Zugehörigkeit zum Verein gemäß- regelt wurden. Um die geradezu unerhörte AnSbeuttmg der Kellnerinnen durch die VerniietnngsbureanS endlich aus der Welt zu schaffe» beschloß die Versammlung, die Gastwirte und die Kellnerinnen anf- zuforderii, unter Umgehung der geiverbsmäßigen Vermittleniincii nurmchr das städtische Arbeitsamt in Anspruch zu nehmen. Endlich wurde noch über die Anträge verhandelt, die an den Reichstag be- Hufs Regelung der Arbeitszeit und Unterstellung unter die Gewerbe- Inspektion gerichtet werden sollen. Die Aeschlüffe der Kommission für Arbeiterstatistik wurden als ungenügend bezeichnet. In elnigcu Wochen soll über diese Materie weiter verhandelt werden. Lohnabzüge. Die zumeist sehr frommen Aktionäre der K r e f e l d e r Baumwollspinnerei halten es für angedracht, den Spinnern und Fleicherinnen einen Lohnabzug von 15 bis 25 Proz. anzukündigen. Diese Reduzierung soll am 1. Dezember d. I. in Kraft treten. Die Arbeiter sind fest entschlossen, sich von dem ohne- bin niedrigen Lohn nichts niehr abziehen zu lassen. Der Zuzug von Spinnern und Ansetzern soll deshalb fern gehalten werden. Der Streik bei der Finna Schope» u. ter Meer in Hüls bei Krefeld ist nach fünfwöchentlicher Dauer mit einem vollständigen Erfolg für die Arbeiter beendet. Nicht allein bezahlt die Firma wieder die alten Löhne, sondern sie entläßt auch die Streik- brecher. Auch einige kleinere Uebelstände in der Fabrik wurden beseitigt. Ttreikvergehen. Bor dem Schöffengericht in Mainz hatten sich sechs streikende Weber wegen Streikvergchen zu verantworten. Ihnen war zur Last gelegt, einen Arbeitswilligen im August und September, der selbst erst für den Streik agitatorisch thätig war und Streikgelder empfangen hatte, durch Drohungen, körperlichen Zwang und Verrufserklärungen bestinimt zu haben, daß er am Streik weiter teilnahm. Das Gericht sprach vier Angeklagte frei, während zwei nur wegen einfacher Beleidigung zu je 10 M. Geldstrafe verurteilt wurden. Ausland. Wie ein focialistischer Bürgermeister mit einer Tramway- Gesellschaft umgeht. In Saint-Etienne(Departement Loire) streiken die Tramway-Bediensteten. Die Direktion der Tramway-Gesell- schaft weigert sich, mit ihren Angestellten in Unterhandlungen zti treten. Das streikende Personal schickte nun vor ein paar Tagen zu dem Bürger« weister, dem Genossen Ledin, um zu erfahren, was die Gemeinde angesichts dieser Sachlage thun werde. Der Bürgermeister erwiderte, daß er der Gesellschaft noch drei Tage Zeit lassen werde, sich eines Bessern zu besinnen;»ach Ablauf dieser Frist werde er nach den Be- stitmnungen des Vertrags, den die Gemeinde mit der Gesellschaft abgeschlossen, gegen diese vorgehen; dos heißt, er werde sie vor die Alternative stellen, entweder den Verkehr wieder aufzunehmen oder ihre Konzession zurückzustellen. Wie jämmerlich nimmt sich demgegenüber das Verhalten der freisinnigen Stadtverwaltung in Berlin ans. Von den Versprechungen, die die Direktion der Straßenbabn-Gesellschaft in Gegenwart des Bürgermeisters Kirschner bei Beendigung des Streiks gegeben hat, ist keine in Erfüllung gegangen, im Gegenteil, die Mißstände sind arger geworden. Aber so verhält es sich mit den Vertrags- bcstiinmunge», die die städtische Verwaltung mit der Straßenbahn- Gesellschaft in Bezug auf die Gestaltung des Arbeitsverhältnisses der Angestellten eingegangen ist. Die ganze» Vereinbarungen schweben in der Luft, und die Gesellschaft braucht nicht zu befürchten, daß in so energischer Weise ihr gegcnübergetrcte» wird, wie es in Saint-Etienne der socialdemokratijche Bürgermeister that. Vevfammlungvn. Die km Chaisen- und Leichenfuhrwescn beschäftigten Kutscher und Stnllleute beschäftigten sich am Freitag in einer stark besuchten Versammlung, die vom Verband der Handels-, Transport- und BerkehrSarbciter einberufen war, mit ihrer Lohnbewegung. Der Referent Werner teilte mit. daß mehrfach versucht worden ist. die betreffende» Unternehmer zn Verhandlungen mit der Lohn- kommission zu bewege». Ein Teil der Unternehmer hat sich auch zu einer Sitzung mit der Lohnkommission eingefunden, ein andrer Teil hat dagegen die Verhandlungen abgelehnt. Auch der an die Fuhr- Herren ergangenen Einladung hat keiner derselben Folge geleistet. Einzelne Uuternehmer hoben ihren Kutschern geringe Zugeständnisse gemacht, die jedoch weit hinter den Fordeningen zurückbleiben und deshalb uicht angenommen werden können. Der Referent sowohl, wie die Diskussionsredner detonten, daß, nachdem sich die Mehrheit der Unternehmer auf eine» ablehnenden Standpunkt gestellt haben, kein andrer Weg übrig bleibe, als durch einen Streik die Forderungen zur Geltung zu bringen. Eine Resolution, die einstimmig an- genommen wurde, besagt: Die Versammlung bedauert, daß die Unter- nehmer eS abgelehnt haben, mit der Lohnkommissio» zu verhandeln. Eine Verhandlung wäre schon deshalb vorteilhaft ge- Wesen, Iveil die Fuhrherre» sich bei dieser Gelegenheit hätten über- zeugen können, daß ihre Behauptung, die Lohnkommission übe eine verhetzende Thätigkeit aus, nicht zutreffend ist. Die Versammelten halten an den aufgestellten Forderungen fest, und werden die Ver- trauensleute der Betriebe beauftragt, den Fuhrhcrren am Sonn- abend, den 2t. d. M., die Forderungen vorzulegen. Wenn bis Montag, d e n 26. d. M., annehmbare Zu geständnisse nicht gemacht werden, so ist die Arbeit nieder- zulegen. Wie vor der Abstimmung festgestellt wurde, waren die Kutscher aller in Frage kommenden Betriebe in der Versammlung vertreten. — Die Lohiikoninlission ist am Montag früh im Restaurant Ladewig, Kommandantenstr, 65, anwesend, um Meldungen über das Resultat des Vorgehens entgegen zu nehmen. Die Bananfchläger hielten am Freitag eine öffentliche Ver- fammlung im Gcwerkschaftshause ab, in der M a x K i e f e l über: Zweck und Nutzen der Organisation referierte. Eine Diskussion über den interessanten, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag wurde nicht beliebt. lieber die Thätigkeit der Berliner Gcwerkschaftskommission berichtete der bisherige Delegierte F-ndius in ausführlicher Weise. Nach einer längeren DiSkiission über die Aufnahme der in der Gewerkschaftskommstsion angeregten Arbeitslosenstatistik wurden A. Schröder als Delegierter und A. P l i e t als Stellvertreter zur Gewerkschaftskommission gewählt. Unter„Verschiedenes" wurde darauf hingewiesen, daß einzelne Unter- nehmer die im Tarif vereinbarten Bedingungen nicht erfüllen und deshalb von den Anschlägern die Arbeit eingestellt werden mußte. Damit jedwede Unregelmäßigkeiten vermieden und eine genaue Kontrolle geübt werden kann, soll in allen Fällen die Vennittelung der Arbeit durch die bestehenden Arbeitsnachweise erfolgen. Der Centralverbaud der Töpfer, Filiale Berlin. hielt am 16. November eine stark besuchte Generalversammlung ab, in der zunächst ein vom Vorstand ausgearbeiteter Entwurf/ betreffs der Reorganisation der hiesigen Filiale, beraten und von der Versantm- lung angenommen wurde. Der vom Kassierer verlesene Kassenbericht ergab für die Ver- bandSkasse eine Einnahme von 5316,25 M., der eine Ausgabe von 4610, gg M. gegenübersteht. An den Centralvorstand sind abgeführt 3150 M. Die Lokalkasie wies eine Einnahme von 3101,20 M., eine Ausgabe von 2020,25 M. auf. Das Gesamtvermögen heträgt inkl. des alten Bestands 6550,07 M. Für den Fensterstreik wurden ausgegeben an Unterstützung und Bankontrollen 1367,60 M, An dir streikenden Militärsattler wurden 150 M. gegeben. Sodann gab der Vorsitzende den bisherigen Verlauf des Streiks der Leipziger Kollegen bekannt und teilte mit, daß die Leipziger Unternehmer es fortgesetzt versuchen, Streikbrecher aus Berlin zu erhalten, unter andrem von dem hiesigen Jnnungs- Arbeitsnachweis. Ehren- Pflicht aller Kollegen sei es, dafür zu sorgen, daß niemand sich verleiten läßt, den Leipziger Kollegen in den Rücken zu fallen. Eine Resolution, die den Streikenden volle Sympathie so- wie moralische und finanzielle Unterstützung zugesichert, fand ein- stimmige Annahme. Als vorläufige Unterstützung bewilligte die Ver- fammlung 1000 M. Nachdem die Tarifkonimission durch die Wahl zweier. Vertreter ergänzt und verschiedene VereinSangclegcnheiten geregelt waren, erfolgte Schluß der imposanten Versammlung. Die Stiiccatcnre hielten am 19. November eine General- Versammlung bei Buske, Grenadicrstraße 33, ab. Im ersten Punkt wurde die Abrechnung vom dritten Quartal verlesen sowie eine Ab- rechnnng der diesjährigen Streikbewegung, die gedruckt vorliegt, ge« geben. Sodann wurde das Amt des Kassierers, welches der Kollege Schwarz abgegeben hat, dem Kollegen Scheck übertragen und an Stelle des Kollegen Krebs Kollege K e r b e r als Revisor gewählt. Im dritten Punkt wurde nach lebhafter Erörterung folgende Arbeits- zeit als geltend angenommen: Vom 1. März bis 31. Oktober Verautwortl. Redacteur: De. Georg Gradnauer in Groß-Lichterselde. Kür S'/l Stunden, und zwar von 7—5 Uhr einschließlich V2 Stunde Frühstück und 1 Stunde Mittag. Vom 1. November bis Ende Februar 7 Stunden, und zwar von 8— 4 Uhr einschließlich Ve Stunde Frühstück und Vj Stunde Mittag. Nach einigen Beschwerden, die sich gegen die Ueberstundeuarbeit richteten, gelangte folgende Resolution zur An- nähme: Die heutige Generalversammlung verurteilt wiederum die Ueber- stundenarbeit, welche bei den Firinen Hauer und Kraus gemacht worden ist. Die Allgemeinheit sieht absolut kein Bedürfnis für eine systematische Ueberstundenarbeit; jedoch nimmt die Versammlung davon Abstand, infolge der Ueberstunden einige Kollegen auszu- schließen; aber sie beschließt, daß für die Folge nur dann Ueber- stunden zn machen gestattet ist. wenn die Lohnloimnission ihre Zu- stimmung dazu gegeben hat. Die PerwaltnngSstclle Berlin dcS Deutsche» Metall- arbciter-Vcrbands hielt am Sonntag, den 18. November, bei Buggenhagen die ordentliche Generalversammlung ab. Zunächst wurde der Kassenbericht für das 3. Quartal vom 1. Juli bis 30. September gegeben. Die Einnahmen für die Hanptkasse betrugen 59 567,60 M., die Ausgaben 20 869,45 M., verblieb ein Bestand von 38 698,15 M, Für Arbeitslosen-Unterstütznng ivurden 4317,88 M. verausgabt. Die Einnahmen für die Lokalkasse betrugen inkl. des Bestands vom 2. Quartal 147 270,44 M. Die Ausgaben be- trugen 24 930,60 M., verblieb ein Bestand von 122 339,84 M. Zur Unterstützung dcrHambnrger Werftarbeiter wurden 5586,75 M, und für die streikenden Sattler 500' M. verausgabt. Die Mitgliederzahl der Verwaltungsstelle Berlin betrug nach den Berechnungen 10 Wochen- beitrüge pro Quartal 19 775 Personen. Bezüglich der Arbeitslosen- Unterstützung wurde berichtet, daß sich die Ausgaben bierfür im 4, Quartal infolge der Krise mindestens verdoppeln dürsten. Die Erledigung der weiteren Punkte der Tagesordnung niußte, da der Saal überfüllt und Hunderte von Personen keinen Einlaß fanden, vertagt werden; es findet deswegen am Sonntag, den 2. Dezember, im.Feenpalast" eine weitere Generalversammlung statt. Der Verband des technische» Bühnenpersonals erörterte in seiner letzten Versammlung am 17. d. M. den Antrag der Hamburger Kollegen, eineil Centralvorstand zu wählen. Einzelne Kollegen äußerten sich dahin, daß der Vorstand deS hiesigen Vereins zugleich als Centralvorstand gewählt werden könnte; nur wäre die Wahl eines neuen Kassierers sowohl wie zweier Revisoren notwendig. Eine dementsprechcnde Resolution wurde einstimmig angenommen. Die zu diesem Zweck einzuberufende außerordentliche General- Versammlung findet am 8. Dezember statt. Der dicsbezüg- liche Nachtrag im Statut wird von der Agitationskommission ausgearbeitet. Als Ersatzmann für ein aus der Agitations- kommission ausgetretenes Mitglied meldete sich ein Kollege freiwillig. Die Kollegen der Sccessionsbühne sind wegen Ver- Weigerung ihrer Unterschrift unter einem Cirkular plötzlich entlassen worden. Dasselbe hatte folgenden Wortlaut: Zur besseren Aufrecht- erhaltung der Ordnung ist der Jnspicicnt beaustragt, sämtliche Un- regclmätzigkeiten, die während der Proben und Vorstellungen durch Versehen und Unaufmerksamkeit des technischen Personals entstehen, der Direktion zur Anzeige zu bringen; ferner ist seinem Ruhegebot Folge zu leisten. Zwei Rollegen Namens F r i t s ch und M a ch 0 t k a wurden wegen ihres unsolidarische» Verhaltens aus dem Verband ausgeschlossen. Vier Abendarbeitcr, welche das Schriftstück unter- zeichnet haben, sollen zur nächsten Versammlung schriftlich eingeladen werden, da dieser Fall noch nicht richtig aufgeklärt werden konnte. Aufnehmen ließen sich 9 Kollegen. Der Fachvcrein der Holz- und Bretterträger Berlins und Umgegend sowie der Verein der Brett schneide! hielte» am 18. d. M. eine kombinierte Mitgliederversammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Besprechung über den künftigen AnSbau des Vereins zwecks Verschmelzung beider Vereine. 2. Vorlegung der neuen Statuten. 3. Gewerkschaftliches.— Zum ersten Punkt der Tagesordnung sprach Hinze sich dahin ans, daß wenn es gelingt beide Vereine zn vereinigen, wir die Lokalfrage im Auge behalten müssen. Dem wurde zugcstinimt. Dann gab Görtz einige Auf- klärungen über die Vcrmögensverhältnisse des Vereins der Brett- 'chneider und meinte, auf die Lohnforderung eingehend, daß es sehr zweckmäßig wäre, wenn sich die Vereine' zusammenschlössen. S t r a s s e r trat ebenfalls sehr für die Verschmelzung ein. Die Verschmelzung wurde einstimmig beschlossen. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung nahmen Strasser, Lücke, Trapp und T e u r i g Gelegenheit, die wöchentliche Beitragsleistung zu enipfehlen, Hinze, Glöde.Karnal und Görtz sprachen sich für einen monatlichen Beitrag aus, was gegen 6 Stimmen angenommen wurde. Es kam dann' noch zu einer regen Debatte über ein obligatorisches Vereinsorgan, was vor der Hand abgelehnt wurde. Nach Erledigung einiger'gewerkschaftlicher Angelegenheiten schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch und dem Wunsch, daß der Verein ferner gedeihen möge. Drechöler-Versamnilung. Am Dienstag, den 20, d. M., tagte eine Branchenversammlnng der Drechsler des Deutschen Holzarbeiter- Verbands für Bezirk Norden in Neumanns kleinem Volksgarten, Der Vortrag des Hern, Dr. Wehl: Wie schütze ich mich vor der Lungenkrankheit? wurde von der gut besuchten Versammlung mit großem Beifall aufgenommen. Nachdem gab Michaelis noch- innls einen kurzen Rückblick über den stattgehabten Streik, wobei er klarlegte, wie es möglich ist, das Errungene festzuhalten. Des weiteren kritisierte Michaelis das Verhalten einzelner Kollegen während des Streiks und fand es zu gleicher Zeit bedauerlich, daß verschiedene Kollegen immer noch so mit ihrer Arbeitskraft hausieren gehen. Charlotteubnrg. In der am 18. November bei L e h d e r ab- gehaltenen Mitgliederversammlung des Central- Verbandes der Maurer sprach man sich sehr mißliebig über das Vorgehen der Lokalkommission auS. Die Freigabe der Lokale wurde für nicht korrekt gehalten. In der jetzt ichwebenden Lokalstage hält die Ver- sannnlnng, um ollen Kalamitäten mit den Wirten aus dem Wege zu gehen, für den gangbarsten Weg, ein gemeinsames Vereins- und Versammlungslokal zu errichten. Wegen Vergehen gegen die Ver- tragSbcstimmungen erhielten einige Kollegen eine Rüge. Dem Kollegen Hamann, welcher sich des gleichen Vergehens schuldig machte, wurde der Revisorposten entzogen und an dessen Stelle G r a h s gewählt. Im weiteren wurde da? Gerücht, welches ver- schiedenerseitS verbreitet wird, daß 6000 Kollegen arbeitslos seien, als horrend übertrieben bezeichnet, da laut Bericht der Verbands- leitung prozentual zu den jetzt hier anwesenden Kollegen die Zahl der Arbeitslosen eine nicht so große ist, wie um denselben Zeitpunkt vergangenen JahrS. Beschlossen wurde, 100 Exemplare des„Merk- büchlein. Rechte und Pflichten des gewerblichen Arbeiters nach dem neuen Gesetzbuch" von Rich. Szipinski anzukaufen und zum Selbst- kostenpreis den Kollegen abzulasieu. Ferner wurden die Kollegen ermahnt. Mann für Mann dem Wahlverein beizutreten. Nachdem nun noch ein kurzer Bericht über die Verhandlungen der 31er Kommission folgte, wurde die Versammlung geschlossen. Schöneberg. Am Montag, den 19. November, tagte hier bei O b st eine Versammlung des Socialdemokratischen Vereins. Die- selbe beschäftigte sich mit einem Vortrage des Herrn Stenz über: „Die Vivisektion und die Arbeiter". Die Anivesenden stinimten den Ausführungen des Referenten zu. Unter Vereinsangelegenheiten stand die Angelegenheit Obst nochmals zur Verhandlung. Die in der vorigen Versammlung eingesetzte Kommission unterbreitete eine Resolution, wonach die Handlungsweise des Genossen Obst aufs schärfste verurteilt und ihm ein Mißtrauensvotum erteilt werden ollte. Die Versammlung lehnte aber diese Resolution ab und ließ es bei einer einfachen Rüge bewenden. Lichtenberg-FriedrichSbrrg. Der Socialdemokratische Wahl- verein von Lichtenberg-Friedrichsberg hielt am 2V. November 1900 eine gut besuchte Generalversammlung ab. Bevor in die Tages- ordinmg eingetreten wurde, forderte Ä r a n e r die Genossen, welche Mitglieder der hiesigen Orts-Krankenkasse sind, auf. sich mehr als den ZnseratenteU verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag vi bisher um die Leitung dieser Kakse zu bekümmern, da selbige jetzt unter kommissarischer Verwaltung steht. Sodann erstattet Welk Bericht über die Kreiskonferenz. Diskussion wurde nicht beliebt. Die von der Statuteuberatungs-Kommission ausgefertigten Paragraphen wurden mit kleinen Aenderungen angenommen. So- dann'forderte Grauer die Genossen auf(da nunmehr der Zeit- Punkt gekomme»), recht kräftig in die Agitation für die Gemeinde- Vertreter-Wahlen einzutreten, damit sämtliche Kandidaten der dritten Wählerklasse in die Kommune gewählt werden. Die darauf folgende Wahl eines 1. Vorsitzenden fiel auf Liesegang. China. Neuer Protest Amerikas. Das.Herold"-Bureau meldet: Die amerikanische Regierung sandte eine neue identische Note an die Mächte über die China- Angelegenheit. Die Vereinigten Staaten weigern sich darin ent- schieden, den Maßregeln,'welche von den Vertretern der Mächte aufgestellt sind, ihre Zustimmung zu geben. In betreff der Bestrafung der Schuldigen und der Zahlung einer Geldcntschädigung schlägt die Regierung vor, da zwischen den Vertretern der Mächte hierüber ernste Meinungsverschiedcubciten ausgebrochen sind, neue Grundlagen zur Lösung dieser Frage in Erwägung zu ziehen. Mchrere'Mächte, darunter England, sollen bereits ihre Zustimmung zu diesem neuen Vorschlage gegeben haben. Auch Frankreich soll sein Veto gegen die Forderung der Hin- richtung der„Schuldigen" eingelegt haben. Die Situation am kaiserlichen Hofe in Singanfu schildert die„Morning Post" nach einem Privatbricfe wie folgt: DerKaiser und dieKaiserin befinden sich im Damendes Gouverneurs. umgeben von 250 Mann, welche ihre persönliche Leibgarde bilden. Allein rings um dieselbe ist ein Cord on vo n d en Truppen Tung- f u s i a n g s aufgestellt, welche die ganze Stadt besetzt halten. Tungfnsiang überschreitet die„geheiligte" Grenze so oft ihm beliebt und läßt alle Zeremonien dem Kaiser gegenüber beiseite. Die einzige Hoffnung des Hofs beruht auf dem m u s e l m a n i s ch e n General M a, welcher über 5000 Mann außerhalb Singaufus verfügt und welcher Rachepläne gegen Tungfnsiang wegen der Ermordung eines Vetters von Ma hegt. Prinz Tu an hat sich nach N i n g h s i a in K a n s u begeben, um da- selbst Truppen für Tnngfusiang auszuheben und eine Festung zu errichten für den Fall, daß Tungfusiang von den Ver« bündeten zurückgeschlagen würde. Jeder Versuch der Kaiserin- Witt lve, den Prinzen Tuan verhaften zulassen, wäre a l s 0 u n s i n n i g. Prinz Tschwang, welcher in Singanfu verhaftet wurde, ist lediglich der Sündenbock für den Prinzen Tuan. Es ist also klar, daß der Hof nicht nach Peking zurückkehren wird. Er kann während des Winteri nur voni Dangtse-Thale aus angegriffen werden. Eine Sensationsmeldung ist es aber jedenfalls nur. wenn dasselbe Blatt auS Shanghai be» richtet, der deutsche Generalkonsul Dr. Knappe habe dcinVicekönig mitgeteilt, daß die Verbündeten beab« sichtigten, e'ine Expedition durch das Dangtfe« Thal zu unternehmen, um auf diesem Wege Singanfu zu erreichen. DaS gelbe Bündnis. Köln, 24. November. Die„Kölnische Zeitung" erhält auS London folgende Depesche: Wie ich ganz zuverlässig erfahre, hat die japanische Regierung noch kurz vor der Unterzeichnung der gemeinsamen Note in Peking nachträglich die Forderung einer besonderen Sühne wegen der Ermordung des japanischen Kanzlers erhoben. Hält man diese Forderung, die nur die Wirkung haben kann, die gemeinsame Aktion der Mächte zu hemmen, mit dem stüheren japanischen Antrag gegen strenge Bestrafung Tuans und andrer Rädelsführer zusammen, so wird man in dem Eindruck bestärkt, daß Marquis Jtv den von ihm schon früher gepflegten Gedanken des„Gelben Bündnisses" auch als Ministerpräsident zur Richtschnur nimmt. Letzte Meldungen. London, 24. November.(W. T. B.) Die Abendblätter melden auS Shanghai, den 23. November: Wie aus sehr guter Quelle be« richtet wird, haben Admiral Seymour und Generalkonsul Warren die Besuche bei den Vicekönigen des AangtsegebietS auf eigne Ver- antwortung unternommen. Sie wollen versuchen, Liukurni und Tschongtschitnng dazu zu bewegen, daß dieselben einer Entsendung englischer Truppen den Aangtse aufwärts zustimmen, welche weitere Zufuhren a» de» Hof zu' Singanfu zu verhindern hätte». Petersburg, 24. November.(W. T. B.) Der.Regierungsbote" und der„Russische Invalide" bringen eine ausführliche Schilderung der Entwicklung der Ereignisse in China, die zur Mobilisierimg und zu militärischen Operationen russischer Truppen Anlaß gaben und sagen zum Schluß folgendes: Bei der gegenwärtigen beunruhigenden Lage in der Mandschurei ist es nicht möglich, daß nur eine Schutz» wache der Eisenbahn, wenn sie auch bedeutend verstärkt würde, auf einer Linie von 2000 Werst die Ruhe und Ordnung aufrechterhalten und besonders die Bahn vor neuen Beschädigungen schützen könnte. Deswegen verbleibt zeitweilig ein Teil unsrer nach der Mandschurei gesandten Truppen daselbst. Zunächst während des jetzigen WinterS werden in der Mandschurei die erste, vierte und fünfte ostfibirische Schützen-Brigade mit entsprechenden Teilen andrer Waffengattungen einquartiert, dann werden diese Streitkräfte je nach dem Maße der Benihigung jener Gegenden vermindert. Es ist Hoffnung vorhanden, daß es schon in der ersten Hälfte des künftigen Jahres möglich sein wird, eine der in der Mandschurei zurückgelassenen Brigaden nach dem amurischen Militärbezirk zurückzusenden. Infolge der Beendigung der militärischen Operationen in der Provinz Petschili ist angeordnet ivorden, die Zurücksendnng unsrer Truppen nach dem Kwantung- Gebiet und dem amurischen Militärbezirk in Angriff zu nehmen. WaS den Rücktransport der Truppenteile betrifft, die auS dem euro- päischen Rußland nach dem fernen Osten gesandt worden sind, so kann man hoffen, daß alle Teile in der ersten Hälfte deS künftigen Jahrs sich bereits in ihren früheren Staudquartieren befinden werden._ Letzte Haitzeiitzfctt und Depepitzen. Loubet empfängt Krüger. PariS, 24. Noveniber.(W. T. B.) Nachmittag 4 Uhr wurde Präsident Krüger vom Präsidenten der Republik empfangen. Im Hofe des Elysöe-Palastes erwies ein Bataillon Infanterie die mili- tärischen Ehren, die Musik spielte die TranSvaal-Hymne. Krüger wurde von dem Einführer des diplomatischen Corps Crozier in den Botschaftersaal geführt, wo Präsident Loubet mit dem Minister deS Aeußern Delcafss ihn erwartete. Tie Unterhaltung dauerte etwa 10 Minuten. Um 4Vj Uhr begab Präsident Loubet sich zur Er- widernng des Besuchs in das Hotel Scribe, das er nach ungefähr 10 Minuten wieder verließ.— Belgrad, 24, November.(Meldung des Wiener k. k. Telcgr.» Korr.-Bureans.) Der frühere Krcispräfckt Miodrap Protitsch ist gestern abend in Krnsevac erschossen worden. Der Thäter ist bis jetzt nicht erniittelt. Es wird angenommen, es handele sich um einen Nnchenkr, Protitsch war früher Gerichtspräsident in Cacak und Vor« sitzender in dem bekannten Heidukenprozeß. New Uork, 24. November.(W.T.B.) Der„New Dork Herold" meldet aus Washington, der Vocbericht der Jsthmiis-Kanal-Koniinission befürwortet die Nicaragna-Ronte gegenüber allen andren Plänen und spricht sich für einen Kanal von 30 Fuß Tiefe bei einem Kosten- aufwand vo» 120 Millionen Dollar ans, betont jedoch, daß die Dämme so breit angelegt werden müssen, daß der Kanal, wenn der Verkehr eS erfordert, um 6 Fuß vertieft werden kaum_ n Max Babing in Berlin. Hierzu 5 Beilagen u. lluterhaltungsblatt. logo and as a quilt pa Nr. 275. 17. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt, Sonntag, 25. November 1900. 1192190 The Reichstag. " druj Das Wort zur Begründung der Interpellation erhält Abg. Auer( Soc.): hr. Stagebilligt werden kann, eine irgendwie illoyale Handlung war es Tausende, ja Hunderttausende von Mitgliedern zählen.( Sehr nicht. Hier dagegen handelt es sich um ein Ausnahmegesetz gegen richtig, bei den Socialdemokraten.). Auf die Kongresse von 7. Sigung. Sonnabend, 24. November 1900, 1 Arbeiter, das dahin gerichtet war, die Arbeiter für die Wahr Arbeitervereinigungen ist noch nie ein Vertreter der Re Am Bundesratstische: Reichskanzler Graf v. Bülow, Graf nehmung ihrer berechtigten Interessen ins Buchthaus zu bringen. gierung gefandt worden, dazu haben die Herren keine Zeit.( Sehr Bofadowsky, Freiherr v. Richthofen. ( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Weiter ist auch zu be- richtig, bei den Socialdemokraten.) In den nichtamtlichen Drucksachen, Zunächst wird ein schleuniger Antrag Albrecht( Soc.) auf Ein- achten, daß bei dem damaligen Vorgang das Geld von die uns zugegangen find, findet sich das Protokoll des Kongresses das Stellung der gegen den Abg. Zubeil( Soc.) schwebenden Straf- wurde, man weiß nicht genau, ob das Anerbieten angenommen dieses dem Fürsten Bismarc dirett angeboten der Gastwirtsgilde. E3 ist bekannt, wie gerade verfahren debattelos angenommen. Getverbe unter besonders großen Schäden leidet. Es folgt die Interpellation Albrecht und Ge- Geld erbettelt durch einen Vertreter der Regierung bei nicht eins hat auch nur einen Beamten für eine Stunde lang wurde. Hier aber ist direkt von der Regierung das Fast alle Reichsämter sind zu dem Kongresse eingeladen, aber auch noffen( Soc.): Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichs. Privaten, es handelt sich um ein von Erfolg begleitetes Bittgefuch für diesen Kongreß zur Verfügung gestellt, alle haben sie ablehnend tanzler gegen die Beamten des Reichsamts des der Frage geradezu Partet war.( Sehr richtig! bei den Social- für Handel und Gewerbe in Preußen, der sein Nichterscheinen lebhaft eines hohen Beamten gerichtet an eine Verbindung, die in geantwortet.( Bewegung links.) Da ist zuerst der Herr Minister Innern zu ergreifen, welches von einer Interessenten gruppe, dem Centralverband demokraten.) Deutscher bedauert.( Heiterfeit.) Dann das Reichs Gesundheitsamt, das in Industrieller, die Summe von zwölftausend ob sie von dem Angebot Gebrauch machen oder es ablehnen wollte. Der Vorsigende für Arbeiterstatistik hatte Jm Bismarckschen Angebot konnte die Regierung sich entscheiden, etwas freundlichem Tone, aber auch ablehnend antwortet. Auch Mart gefordert und erhalten hat, um damit die In dem jezigen Falle ist aber von einer freien Entscheidung nicht den Arbeiterstatistik hatte keine Zeit für Agitation für den vom Bundesrat dem Reichs mehr die Nede. Die Regierung hat sich von vornherein in eine ab- ist folgendes Schreiben gekommen: Rongreß, und aus dem Reichsamt des Innern tage am 26. Mai 1899 vorgelegten Entwurf eines hängige Stellung begeben, da sie als Bittstellerin auftrat.( Sehr ich ergebenst, daß die Lage der Dienstgeschäfte im Reichs" Dem Ausschuß erwidere Gesezes zum Schuß des gewerblichen Arbeitsverhältnisses zu betreiben. richtig! bei den Socialdemokraten,) In diese abhängige und amt des Innern es verhindert, einen Vertreter nach meiner Auffassung unwürdige Stellung fonnte der Bitt zum Kongreß zu entfenden. J. A. v. Woedtke.( Große steller oder seine Auftraggeber nicht kommen, wenn man in ma ßheiterfeit.) Bei Unternehmerzufammenkünften haben die Herren gebenden Kreisen nicht von vornherein entschlossen gewesen doch Zeit, anwesend zu sein. Da halten sie auch Neden, bei Der Brief, der unsrer Interpellation zu Grunde liegt, blieb zu wäre, die Mittel der Scharfmacher gegen die Arbeiter zu bennten. denen man sich nur wundern muß, daß solche Worte aus dem nächst tage lang von berufener Seite unbeantwortet,( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Es ist eine interessante Munde eines Regierungsvertreters fließen fönnen. Wenn Herr endlich aber als der Ruf nach Aufklärung immer allgemeiner, Erscheinung: bei uns, wo das preußische Königtum herrscht, v. Stumm seine Getreuen eingeladen hat, so ist nicht einer von den intensiver von allen Seiten erfolgte, da tam die Aufklärung, die nur das angeblich alle Beit ein Königtum der Armen ge- Regierungsherren dabei, sondern immer eine ganze Anzahl von ihnen. Es eine Bestätigung der Angaben des Briefes bildete. In diesem wesen sein soll( Lachen bei den Socialdemokraten), wendet man sich mag ja auch angenehmer sein, parlamentarischen Tagen des Herrn Moment schlug das Urteil der Presse um. Ein Teil der Presse hatte an die Großzindustriellen, um 12 000 M. zu verlangen zur Agitation v. Stumm beizuwohnen und da zu potulieren, als Arbeiterzunächst den Brief als eine Fälschung bezeichnet; man erflärte es für ein Gesez, dessen ausgesprochener 8wed es ist, tongreffen.( Sehr richtig! lints.) 28enn aber die Unternehmervers für unmöglich, daß ein solcher Vorgang sich abgespielt habe. den Armen, den Enterbten das Koalitionsrecht zu bände so gut behandlt werden, so wäre es doch einfach Pflicht und Nun erklärte dagegen dagegen der Leil der Presse, der die nehmen.( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Um Schuldigkeit der Regierung, die Arbeiterverbände mit gleichem Maß Interessen der beteiligten Streise wahrzunehmen hat: an der diesen das Koalitionsrecht zu nehmen, ihnen zu messen. Es macht einen bösen Eindruck im Lande, und man ganzen Sache ist ja eigentlich nichts dran. Der vor die einzige Waffe stumpf zu machen, um das Koalitions: fragt sich, wer denn eigentlich in Deutschland regiere.( Sehr her als unmöglich hingestellte Vorgang wurde nunmehr zu einer recht unwirksam zu machen, dazu erscheint Herr Direttor gut! links.) Noch auf ein andres Moment möchte ich hinganz nebensächlichen Angelegenheit herunter von Woedtte mit dem Klingelbeutel vor der Thür weisen. Wenn es sich z. B. um Uebertretungen der zudrüden gesucht. Wir haben ja dieselbe Erscheinung auch der Großindustriellen.( Sehr richtig! bei den bei andren Angelegenheiten beobachtet. Social Gewerbeordnung von Unternehmern handelt, dann legen Ich erinnere an die demokraten.) Meine Herren, das ist eine sehr traurige Erscheinung. die Behörden bei Bestrafung dieser Uebertretungen eine Milde an Beurteilung der bekannten innenrede. Auch hier hieß es zu Und die Bertreter der Scharfmacher haben ja auch nicht widerstehen den Tag, die im grellen Widerspruch steht zu der Bragis, nächst, fie fönne unmöglich gehalten sein, weil ihr Juhalt tönnen. Sie verstehen es, zur rechten Zeit Geld aus dem Beutel zu die gegen die Arbeiter geübt wird. Aber das ist ja auch allem Christentum, aller Humanität entgegenstehend thun, wenn sie dadurch Vorteil erlangen können. natürlich. Wenn eben die Behörden sehen, welchen Einfluß die als es fich nachher herausstellte, daß die Hunnenrede Man hat dann den Versuch gemacht, die Angelegenheit auf das Großindustriellen auf die Regierung haben, dann scheuen sie sich, so gehalten war, wie sie von unparteiischer Seite zuerst in die persönliche Gebiet zu spielen. Man hat den Verdacht von sich diese Leute anzufassen. Was aber die Folge von all diesen Zuständen Oeffentlichkeit tam, da wurde von allen Kreisen, die die Hunnenrede gewiesen, daß ein Beamter in einem Reichsamt der Be sein soll, das überlegen Sie( nach rechts) fich einmal, die Sie ein Interesse vorher aus christlichen und Humanitätsgründen für unmöglich ge- te dung zugänglich fei. Nein, nicht um eine persön an der Aufrechterhaltung dieser Staats- und Gesellschaftsordnung haben! halten hatten, dieselbe als eine weltpolitische That ge- liche Beftechung handelt es sich, das ist auch unsre feste Wie es mit der Hochnäfigkeit ich finde feinen andren Auspriefen.( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Also der Brief, der Ueberzeugung. Aber um was es fich handelt, das ist druck( Sehr gut! bei den Socialdemokraten) des Centrale unfrer Interpellation zu Grunde liegt, ist echt; darüber ist kein noch viel schlimmer.( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Daß verbands steht, dafür ein Beispiel. Bekanntlich herrscht in diesen Zweifel mehr möglich. Er lautet: einmal ein Einzelner der Versuchung nicht widerstehen kann, das Sereisen große Entrüstung über Herrn v. Berlepich. So lau Das Reichsamt des gunern hat mir persönlich fann vorkommen. Wir haben im Prozeß Sternberg die Erscheinung, dessen socialreformerische Bestrebungen auch waren, den Großgegenüber den Wunsch geäußert" ich mache daß auch bei uns Dinge vorkommen, von denen wir alle wünschen industriellen gingen sie doch zu weit. Einer feiner verhaßtesten Beamten darauf aufmerksam, daß hier gleich am Eingang vom fönnen, daß fie nicht wiederkehren. vom fönnen, daß sie nicht wiederkehren. Wir haben in dieser An- war Herr v. Rottenburg. Gegen ihn richteten sie ihre giftigsten Reichsamt des Innern die Rede ist daß 12 000 Mark gelegenheit nicht mit einem Einzelnen zu thun, sondern Angriffe. Vor mir liegt Nr. 182 der Verhandlungen und Mitteilungen zum Zwed der Agitation für den Gesetzenttvurf zum Schutz mit Erscheinungen auf einem weiten Gebiete des Centralverbands. Erscheinungen auf einem weiten Gebiete des Centralverbands. Es wird darin über den Jahresbericht des gewerblichen Arbeitsverhältnisses zur Verfügung gestellt der Regierung. Ich will da auf etwas aufmerksam referiert, den der überall in die Erscheinung tretende Herr Bueck erwerden mögen. Ich habe diese Angelegenheit dem stellvertretenden machen. In der offiziösen Erklärung heißt es am Schluffe: stattet hat. Darin spottet er über Herrn v. Rottenburg Borsigenden des Centralverbands, Herrn Geheimen Finanzrat Die Belege für die richtige Verwendung der 12 000 Mart und sagte ihm nach, er treibe Sport: Zende unterbreitet, der es aus naheliegenden Gründen für zwed-( Große Heiterfeit bei den Socialdemokraten) befinden sich in den So wie der eine segelt, der andre rabelt, so treibt Herr mäßig erachtet hat, dieses etwas eigentümliche Ver Händen des Herrn Direktors. Für die Bedeutung des ganzen Vor- von Rottenburg als Sport die Socialpolitik und tummelt langen nicht zurückzuweisen. Herr Geh. Rat Jende hat für die gangs nach der moralischen Seite hin scheint man in Regierungs- als Rosinante die, Sociale Pragis". Das Wort des Firma Krupp 5000 M. zur Verfügung gestellt." gez. A. H. Bued. freifen gar kein Verständnis zu haben.( Sehr richtig! bei den Staatssekretärs des Innern von dem unberufenen Hier wird also nackt ausgesprochen, daß seitens des Reichsamts Socialdemokraten.) Was ist denn dabei, die Belege find ja da! Dilettantismus paßt auf niemand besser als auf des Innern an den Centralverband der deutschen Industriellen ein( Stürmische Heiterfeit bei den Socialdemokraten.) Herr Direktor Rottenburg. Sein geistiger Hochmut steht in gar Gesuch gerichtet um die Hergabe von 12 000 m., um mit diesem v. Wocdife hat von den 12 000 Mart nicht einen Pfennig für sich Geld eine Agitation zu betreiben zu Gunsten der bekannten verbraucht!( Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten, sehr Der Bericht verzeichnet hier, Heiterkeit und Lebhafter teinem Verhältnis zu seinen geistigen Fähigkeiten." Vorlage, die hier als Gesetz zum Schutz des gewerblichen richtig!) So wie wir den Fall darstellen, so stellt er sich auf Grund Beifall." So urteilt der bezahlte Agitator der GroßArbeitsverhältnisses bezeichnet, im Bolt als Zuchthansvorlage der offiziösen Darstellungen dar, und er ist schlimmer, als wenn ein ein- industriellen über den Mann, der vor nicht allzulanger Zeit noch Diefer Herr, der den Brief schrieb, hat, wie zelner Beamter gestrauchelt ist. Das haben wir gar nicht behauptet, an hervorragender Stelle stand und mit Erfolg thätig ges bekannt, fehr lange gewartet, fich zu der Verfügung zu äußern. bas glaube ich auch nicht. Was uns diefer Borgang zeigt, das ist wesen ist, die Socialpolitik zu fördern. So urteilt er unter dem Erst sehr spät fam eine offigiöse Erklärung in der der ungeheure Einfluß der Interessenvertretung und vor Klatschen und Beifall seiner Bezahler.( Sehr gut! bei den Berliner Korrespondenz", die ja bekanntlich vom Minifterium des allem des Centralverbands deutscher Industrieller. Dieser Socialdemokraten.) Und wann war die Versammlung des CentralJunern inspiriert wird. Dort heißt es: Gegenüber den zum Teil geradezu dominierende Einfluß der Interessenvertretung, der wird verbands, wo diese Worte fielen? Im März 1899! Und im sehr tendenziösen Entstellungen in der Oeffentlichkeit erschien es ins- ja von den verschiedensten Seiten und nicht nur von den Arbeitern August 1899 erscheint Herr v. Woedtke bei diesem Mann, der befondere in industriellen Kreisen nach der im Reichstage erkannt. Auch aus industriellen Kreisen ist die Klage über diesen in dieser Weise über seinen Kollegen und Vorgesetzten geurteilt vollzogenen ersten Lesung des Gesetzentwurfs zum Schuße Einfluß laut geworden. Ueberall begegnet man dem Centralverband hat.( Bewegung! Bravo! bei den Socialdemokraten.) Was find des gewerblichen Arbeitsverhältnisses unbedingt notwendig. Deutscher Industrieller. Und dieser Einfluß ist auch nach oben das für Zustände! Welchen Blick läßt es auswerfen auf die Ber die weitesten Kreise möglichst umfangreich darüber aufzuklären, welche hin ein geradezu überwältigender.( Sehr richtig! bei den Social- hältnisse im Reichsamt des Innern! Wenn auch nur ein unte Thatsachen den Gefeßentwurf veranlaßt hätten und welche Gründe bemotraten.) Ist es doch kein Geheimnis, daß selbst die Regierung von Solidaritätsgefühl( Abg. Bebel: Anstand!) die Vertreter der Regierungen bei der Verteidigung der Vorlage im Vorlagen, die sie für notwendig gehalten hat, zurüd( Glode des Präsidenten) im Reichsamt des Innern herrschte, wenn Reichstage vorgebracht hätten. Zum Schluß heißt es, auf Angezogen hat und im Reichstag nicht mehr durchzuführen wagte, auch mir ein& unte des in der preußischen Armee so hochgeschäßten regung des Dr. v. Woedite, hat der Generalsekretär Bueck weil der Centralverband Einspruch erhob und erklärte: fameradschaftlichen Geistes vorhanden wäre, dann würde eine Summe von 12 000 m. zur Verfügung gestellt, die zur Be- Wir wollen das nicht". Ist es doch notorisch, daß in diesem Hause es für Herrn v. Woedtke unmöglich gewesen sein, zu Herrn Bueck zahlung von Drudtosten verwendet ist, die durch Ver- von feiten des Vertreters des Reichsamts des Innern, nachdem der zu gehen und ihn in dieser Weise anzubetteln.( Bravo! bei öffentlichung des oben bezeichneten Materials entstanden find. Bersonenwechsel stattgefunden hatte, die Erklärung abgegeben wurde, den Socialdemokraten.) " Es steht also fest, einmal die Echtheit des Briefs durch wieder daß man jetzt der deutschen Nation eine Schonzeit auf dem Um die Ungeheuerlichkeit des Falls zu verschleiern, holte Erklärungen des Schreibers desselben. Es steht auch fest, daß Gebiete der socialen Gesetzgebung geben müsse. Darin hat man behauptet, es handle fich bei der Veröffentlichung des die Angaben zweifellos richtig sind. Das ergiebt sich aus der ist deutlich die Mitwirkung der Unternehmerklaffe zu Briefs um eine freihändlerische Intrigue. Die offiziösen, im Ministerium des Innern selbst redigierten Gr- sehen( Sehr wahr! bei den Socialdemokraten). Der Dank für Socialdemokratie hätte sich dem Freihandel zur Disposition gestellt Härung. Damit ist also zugegeben, daß, wie Herr Bueck das Verhalten der Regierung ist dann von Herrn Bueck direkt aus- und werbe für ihn. Gin thörichterer Einwand kann gar behauptet, im Namen des Reichsamts des Junern gesprochen worden, indem dieser erklärte: Es ist unserem Einfluß zu nicht gemacht werden. Wenn es uns darauf ankäme, die moralische Dinge vollbracht sind, die, wenn man sie recht höflich verdanken, daß in der Entwicklung der socialpolitischen Gesetzgebung und ethische Grundlage des Reichs zu untergraben, dann könnte es bezeichnen will, man nicht anders bezeichnen taun, als mit Halt gemacht wird. Daß die beiden kaiserlichen Erlasse, die sich mit uns ja nur recht sein, wenn so fadenscheinige Vertreter im Handlangerdiensten, die den großindustriellen Scharfmacher: der Entwidlung der socialpolitischen Gesetzgebung beschäftigen, heute Ministerium fäßen( Heiterkeit bei den Socialdemokraten), und wir Freifen von seiten eines Reichsamts geleistet find.( Sehr richtig! noch nicht verwirklicht sind, das verdanken wir auch nur dem Wider- hätten keinen Aulaß, dem Freihandel Dienste zu erweisen. Das links.) Es bleibt noch ein Widerspruch zwischen den Angaben des spruch des Centralverbands. Auch die Reform unsres Kranken Gegenteil hätten wir thun müssen. Es handelt sich aber eben um Briefs und der offiziösen Erklärung. Dieser Widerspruch ändert kaffen Gesetzes, die in Borbereitung ist und die nach keine derartige Intrigue. Ich weiß nicht, wie die Leipziger aber an den Thatsachen nichts. Herr Bued schreibt, daß die allen Mitteilungen, die laut geworden sind, als einen der Volkszeitung" in den Besitz des Briefs gekommen ist( Lärm rechts) Summe zur Ueberraschung der Industriellen vom Reichs- Hauptzwecke den hat, das Recht der Arbeiter auf diesem und wenn ich es wüßte, würde ich es Ihnen auch nicht sagen! amte gefordert ist. Nach der Berliner Korrespondenz" Gebiet zu beschränken, verdanken wir den Unternehmern.( Heiterkeit.) Aber soviel ist klar, wenn keine Remedur eintreten hat Herr Bued fie zur Verfügung gestellt. Wie start die Interessenvertretungen dominieren, darüber sind ja bei sollte, wenn der Fall Woebtle damit erledigt wäre, daß man Es scheint mir, daß das Reichsamt des Innern durch einen seiner den Verhandlungen über die Profite der Kanonen und sagt, er habe ja die Belege für die Verwendung des Gelds in seinem Vertreter mindestens die Summe verlangt hat, und daß dann Herr Stahlplatten Lieferanten in der Budgetkommission ein- Bortefeuille, nun uns soll es recht fein! Aber das fage Bued sie zur Verfügung gestellt hat aus Gründen, die er ja selbst leuchtende Beweise geliefert; und die 8uderprämien, die es ich, in unsren Neden und unsrer Presse wird dann bei jeder genannt hat. ermöglichen, daß im Ausland der Zucker billiger verkauft wird, als Gelegenheit, wo wir in Opposition treten, bie Frage aufge Nachdem diese Thatsache festgestellt war, daß Gelder des Central ihn der deutsche Arbeiter bezahlen muß was sind sie anders als worfen, in weffen Diensten geschieht die Handlung und wer verbands benutzt sind zu Zweden der Agitation für das Zuchthaus eine Begünstigung der Zuderproduzenten? Die Lebensmittel bezahlt die Agitation.( Lebhafte Zustimmung bei den Social gefeß unter Vermittelung des Reichsamts des Innern, fuchte Bölle find doch auch nur möglich durch die Macht der demokraten.) man natürlich nach einer Ausflucht. Einer dieser Ablenkungs- Interessentenvertretungen; und wie anders ist der Kohlen Wenn jemand ein Intereffe daran hat, daß hier Remedur ge versuche bestand darin, daß man sagte, dieser Vorgang steht ja durch wucher zu erklären als durch die Uebermacht der Interessen schaffen wird, und daß die Personen, die zur Verantwortung zu aus nicht vereinzelt da, auch in früheren Zeiten sind solche verbände? Die Regierungs- und die Staatsgewalt foll, wie ziehen find, auch zur Verantwortung gezogen werden, dann find es Dinge passiert. Und zum Beweise wurde auf die Vorgänge bei der es scheint, bei uns ganz in den Dienst des Unternehmertume gerade Sie( nach rechts), Sie, die Schußzöllner, die alle Hoffnung Berufung des Volkswirtschaftsrats durch Bismarck hingewiesen und gesagt, heruntergedrückt werben. Das Wort des Herrn v. Bötticher in darauf stellen müssen, daß auf den Bundesratsbänken Vertreter daß auch damals die zu dieser Berufung notwendigen 16000 M. aus Privat einer Unternehmerversammlung:„ Meine Herren, wir arbeiten ja nur figen, die wenigstens den Anschein der Unabhängigkeit mitteln dem Reichstanzler Fürst Bismard zur Verfügung gestellt waren. für Sie!" bildet die richtige Beleuchtung für die Zustände. Es er haben.( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Sie müssen dafür Mit der Erinnerung an diese Vorgänge follten die Dinge so dar- hellt den Abgrund beinahe ebenso deutlich wie der Brief, der unsrer forgen, daß die Bundesratsbänte nicht zu Armen gestellt werden, als sei es in Deutschland eine ganz heutigen Interpellation zu Grunde liegt. Der Geh. Ober- Sünder Bäntchen werden. Sehr gut! bei den Social herkömmliche Praxis, daß die Regierungsfreise zur finanzrat Jende, der Oberkommandierende in dem demokraten.) Erreichung ihrer 8wede fich privater Mittel Centralverband der Industriellen, rühmt sich ja oft Die Herrschsucht und der Uebermut der Scharfmachergilde hat die bedienen. Die Vorgänge beim Volkswirtschaftsrat fönnen aber feiner guten Beziehungen nach oben. In allen Be bedenklichsten Folgen für die Arbeiterklassen, deren Interessen wir mit den heutigen gar nicht verglichen werden. Schon der Zweck der richten wird über diese Beziehungen Mitteilung gemacht. Ueberall ist wahren. Schon behaupten fie in voller Anmaßung, sie allein Geldbergabe ist in beiden Fällen ein himmelweit verschiedener. Da- da zu lesen, daß fortwährend von der Regierung Gutachten eingeholt repräsentierten Besitz und Bildung. So weit ist ihr mals bei Berufung des Volkswirtschaftsrats handelte es sich für den worden sind. Hochmut gestiegen und es wird die Herren der Rechten interessieren, Fürsten Bismarck, der damals für seine Umwandlung aus einem Frei- Wir sind weit entfernt, der Regierung daraus einen Vorwurf zu wenn ich daran erinnere. Hat nicht ein Organ jener Richtung händler in einen Schutzöllner im Parlament nicht das genügende Ber- machen, daß sie überhaupt mit den Interessenvertretungen in Ver- auch gesagt, ihr monarchisches Gefühl beruhe nur auf ständnis fand und, wie es bei seiner impulsiven Natur immer gewesen ist, bindung tritt, um Informationen einzuholen. Das ist selbst Vernunfts- Erwägung und könne auch revidiert nicht warten konnte, bis auch im Parlament der Umschwung der verständlich, daß sie sich erkundigt, ehe sie die Gesetzgebungsmaschine werden?( Unruhe rechts. Nufe: Kölnische Zeitung!") Seit der Ansichten sich vollzog, darum, seinen Anschauungen rascher Geltung in Bewegung fegt. Aber was wir beklagen, worüber wir uns be- Alleinherrscher im Saarrevier gegen Sie socialen zu verschaffen. Er suchte im Volkswirtschaftsrat sich einen außer schweren, das ist die Einseitigkeit, mit der die Informationen ein- Empfindungen protestantischer Pastoren seinen Bannstrahl schleudert, ist ordentlichen parlamentarischen Beirat zu schaffen, vermöge dessen geholt werden.( Sehr gut! bei den Soc.) Die Arbeitervereini- die Bewegung geschwunden vor dem Machtgebot des Gewicht er glaubte, seine Ansichten rascher durchdrücken zu gungen werden von der Regierung ständig ignoriert, sie werden er en von Neunkirchen, sind die Pastoren still wie tönnen. Das mag ein Streben gewesen sein, das bom nicht gefragt, auch wenn es sich um die vitalsten Interessen der Ar- das Grab geworden. Soweit reicht fein Einfluß in proa Standpunkt eines streng tonftitutionellen Manns aus nicht beiter handelt, auch wenn Organisationen vorhanden sind, die testantischen Kreisen. Sein und feiner Erwerbsgenossen Einfluß in kathos Itfdjen Kreisen reicht nicht soweit. Aber böse Beispiele verderben gute Sitten! Und so haben wir die Erscheinung, daß die Fürsten der Katholischen Kirche, die Bischöfe in ihrem Fulda er Rundschreiben gegen die Gewerkschaft der katho- Irschen Arbeiter gewarnt haben. Der protestantische Geistliche schwieg, weil Herr v. Stumm eö befahl und ebenso fügte stch daö katholische Episcopat.' , Sehr interessant war es ja. daß vorgestern der Führer des Bundes der Landwirte, Frhr. v. Wangenheim, von dieser Stelle aus den Schmerzensschrei los ließ, daß nicht bloß mehr Junker und Junkergenosscn die Hintertreppen zu gewissen Stellen hinauffinden, sondern daß ihnen auf diesem Gebiet jetzt Kon- kurrenz gemacht wird.(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Freilich. die Herren Junker' sind es ja seither gewöhnt, daß alle höheren Beamtenstcllen mit ihren .Blutsgenossen besetzt werden, und daher mag es ihnen schon sehr unangenehm sein, wenn sie nun durch die Hochfinanz zum Teil ver- drangt werden. Diese Herren müssen es doch wohl besser verstehen, stch unentbehrlich zu niachen, ihre Waren müssen mehr Anklang 'finden.(Heiterkeit links.) Daß solche Einflüsterungen statt- finden, ist jetzt wohl als sicher anzusehen, nachdem selbst Herr b. Wangenheim es behauptet hat. Wir Vertreter der Arbeiter Deutschlands empfinden jes schon lange auf das bitterste. day die Arbeiter fortgesetzt die Opfer derartiger falscher Informationen sind, daß sie sich fortgesetzt Bc- urteilungen aus hohem Munde gefallen lassen müssen, die nur auf von A— Z erfundenen Informationen beruhen können. Der Fall der Werftarbeiter, den ja auch Herr v. Wangenheim vorgestern anführte, ist nur eine Einzelerscheinung, die neben vielen andren ihren Grund hat in dem in Deutschland in übermächtigem Maß sich regenden Byzantinismus(Sehr richtig! bei den Social- demokraten). Angesichts dieser überwuchernden Macht des Kapitalis- ■ mus erleben wir nun das Schauspiel, daß ein hoher Beamter sich als Bittsteller an die Industrie wendet und dort Mittel flüssig i zu niachen sucht für ein Unternehmen im Interesse des Kapitalismus. Ein solcher Vorgang ist bisher meines Wissens in Deutschland unerhört gewesen und deshalb haben wir zu dem Mittel der Jnter- pellation gegriffen und richten an den Herrn Reichskanzler die Frage, wie er über den Fall denkt, und wer die V e r a n t Iv o r t u n g für dies Vergehen des Herrn v. Woedkte und des RcichSamts des Innern trägt. Alle ehrlichen Leute müssen mit uns einst imnien in den Ruf: Fort mit einem System, das solche Vorgänge zeitigt und hinaus mit den Personen, die sich derartiges zu Schulden kommen ließen. (Lebhaftes Bravo! hei den Socialdemokraten.) Reichskanzler Graf Biilow: Die trotz einiger obligaten und wohl auch für den Abg. Auer unvermeidlichen scharfen Ausdrücke verhältnismäßig ruhige Forni, in der der Interpellant seinen Antrag begründet hat, stand in bei- nahe pikanten, Gegensatz zu der Art und Weise, wie der in Rede stehende Vorfall in der den, Herrn Interpellanten nahe- stehenden Presse behandelt und ich kann wohl sagen, ausgeschlachtet worden ist. Ich bin schon ziemlich weit herumgekommen, aber so etwas von Uebertreibung wie bei Behandlung dieses Falls durch die socialdemokratische Presse ist mir doch noch nicht vorgekommen.(Sehr richtig! rechts.) In dem ersten Artikel im„Vorwärts" über diesen Fall fand ich zweimal das Wort „P a n a m a", und im anderen Artikel war von der M a f f i a die Rede. Du lieber Gott! Ich habe doch auch die zeitgenössische Eni- Wickelung verfolgt, ich versichere Sie, Panama war wirklich anders.(Sehr richtig! rechts.) Und die Anhänger der Maffia sehen anders aus, als diejenigen, die hier schuldig sein sollen. Ueber - solche Vergleiche wird niemand mehr lächeln als' unsre intelligenten und sympathischen Nachbarn jenseits der Alpen und Vogesen. Der Zweck all dieser Uebertreibungen, und ich muß leider sagen Entstellnnge» war natürlich der, den Glauben zu erwecken, als ob wir in einem Staat lebten, in dem die Regierung abhängig sei von bestimmten Gruppen. (Zuruf bei den Socialdemokraten: Sehr wahr!) Mit einem Wort, der Abg. Auer hat es ja selbst gesagt, in einem Klassenstaat. (Sehr wahr! bei den Socialdemokraten.) Schon die Wahrnehmung. welchen Agitationsstoff die Herren von dort drüben(z. d. Soc.) aus der Behandlung dieses Falles geschöpft haben, müßte mich nachdenk- lich stimmen, würde nfich bedenklich stimmen in der Beurteilung des seiner Zeit durch Verbreitung amtlicher Drucksachen eingeschlagenen Weges. Denn ich bin der Ansicht, daß jede deutsche'Re- giernng dem Gemeinwohl um so besser dient, je mehr sie sich stellt über die verschiedenen Interessengruppen, über die Parteien.(Sehr wahr! bei den Socialdemokraten) über die Wirtschaft- lichen und politischen Gegensätze. Ich bin davon durch- drungen, daß es die Aufgabe jeder deutschen Regierung ist, das Wohl der Gesamtheit im Auge zu haben.(Sehr wahr! und Lachen bei den Socialdemokraten.)(Zu den Soc.) Warum wider- spreiben Sie mir? Sie keimen mich ja noch gar nicht genug, weder persönlich noch politisch, um ein abschließendes Urteil über mich abgeben zu können. Politisch bin ich noch nicht lange genug am Werke, als daß Sie mich beurteilen könnten, höchstens wenn Sie sich auf den Standpunkt eines ihrer Anhänger von 1848 stellen: Ich kenne die Ansicht des Ministers nicht, aber ich miß- billige sie.(Sehr gut! rechts.) Persönlich kennen Sie nnch auch noch nicht. Ich bedaure das, bedauern Sie es auch. Ein ab- schließendes Urteil über mich zu fällen ist mindestens oberflächlich. Das habe ich zunächst konstatieren wollen. Ich bin aber der Ansicht, daß die Regienmg sogar den Anschein vermeiden muß, in Abhängigkeit von irgend welcher besonderen Gruppe zu sein, daß sie sogar jedem solchen Verdacht entgehen uiuß. Darum stehe ich nicht an, trotz des guten Glaubens, in dem die beteiligten Beamte» meinten, einer Vorlage der verbündeten Regierungen zu dienen, den dabei eingeschlagenen Weg al'S einen Mißgriff zu bezeichnen.(Lebhaftes Bravo.) Der in Rede stehende Vorfall hat sich ereignet, ehe ich die veranttv ortliche Leitung des ober st en Reichsamts übernommen hatte. Wäre ich damals um meine Meinung gefragt worden, so würde ich von der Anwendung des für die Ver- breitung amtlicher Drucksachen gewählten Mittels abgeraten haben und ich werde, wenn, so lange ich verantwortlicher Reichs- kanzler bin, die Absicht einer solchen Maßnahme zu meiner Kenntnis gelangt, die Ausführung einer solchen Absicht zu inhibieren wissen.(Bravo I> Im vollen Einverständnis mit dem Herrn Staatssekretär des Innern, dessen eminente Arbeitskraft, d e s s e n G e s ch ä f t s e r f a h r u n g. dessen Kenntnisse, dessen Charakter(lebhaftes Bravo I rechts) ich gleich hoch st e l l e. bin ich der Ansicht, daß derartige Wege in Zukunft nicht ivieder eingeschlagen werden sollen. Ueber diese meine AnfassuNg und diese meine Willensmeinung als des allein im Reich leitenden Ministers, ist das beteiligte Ressort nicht im Zweifel gelassen worden.(Bravo I) Zu weiteren Maßnahmen sehe ich mich nicht veranlaßt.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Sie scheinen, wie ich aus dem Hört l hört I entnehme, solche erwartet zu haben. Ich will aber weitere Maßnahmen nicht treffen und zwar aus folgendem Grunde. Der Herr Abg. Auer hat gesagt, daß er nicht wisse, wie ein gewisser Brief in eine gewisse Leipziger Zeitung gekommen ist. Vielleicht weiß es der Abg. Dr. Schoenlank(Heiterkeit). aber ich habe vorläufig noch nicht den Eindruck, daß er geneigt sein wird, uns das verschleierte Bild zu Sais zu enthüllen.(Heiterkeit.) Das hat in mir den Eindruck bestätigt, den auch die Ausführungen des Herrn Abg. Auer machten, und das wird auch, glaube ich, bei der Mehr- heit der Mitglieder des Hohen Hauses den Eindruck hervorrufen, daß die Art und Weise, wie dieser Vorfall in die Oeffentlichkeit gebracht worden ist, weniger inspiriert zu sein scheint von löblichem Eifer für das öffentliche Wohl, als von Tendenzen gegen gewisse wirtschaftliche Rich- 1 u n g e n.(Andauernde Unruhe links.) Vor Jntrigucn beuge ich mich nicht(Lebhaftes Bravo! rechts. Unruhe links.) und vor unlauteren Machenschaften weiche ich nicht zurück. (Bravo I rechts. Unruhe links.) Ich hoffe, daß ich die Mehrheit dieses hohen HauseS auf meiner Seite habe, wenn ich erkläre, daß ich solchen Treibereien und Machenschaften keinen Einfluß einräume auf mein amtliches Verhalten und meine amtlichen Entschließungen. (Bravo! rechts.) Im übrigen, meine Herren, können Sie versichert sein, daß ich mich bemühen werde, den Herren von jener Seite nie wieder ähnlichen Agitationsstoff zuzuführen.(Zurufe bei den Socialdemokraten: Das glauben wir! Lebhaftes Bravo! rechts.) Abg. Büfhig(natl.): Zu meiner großen Freude hat der Herr Reichskanzler den Vor- gang, um den es sich handelt, gemißbilligt und gesagt, daß unter seiner Amtsführung solche Dinge sich nicht wiederholen werden. Die Beurteilung, die der Vorgang durch den Herrn Reichskanzler ge- fundcn hat, deckt sich so ziemlich mit der Auffassung, die im allge- meinen auch von meinen politischen Freunden geteilt wird. Auch wir sind der Meinung, daß in der Presse die Dinge in etwas ungebührlicher Weise auf- gebauscht worden sind. Es ist da von Panama gesprochen worden, und was heißt das anders, als die Integrität unsrer Reichs- beamtcn in Frage ziehen? Wir weisen diese Verdächtigung zurück und setzen unser absolutes Vertrauen in die Integrität unsrer Reichs- beamten. Was nun den Vorgang selbst betrifft, so sind meine politischen Freunde einmütig der Ansicht, daß er entschieden zu miß- billigen ist. Es kommt dabei besonders in Betracht, daß es sich um ein socialpolitisches Gesetz handelt, welches mit Straf- b e st i m m n n g e n eingreifen sollte in den Gegensatz zwischen Arbeit- nehmern und Unternehmern. Dieser Gegensatz ist in der letzten Zeit immer schärfer geworden. Er beherrscht sozusagen unser politisches und wirtschaftliches Leben und es hätte besondere Ver- a n I a s s u n g für die Regierung gegeben, auch den l e i s e st e n Schein einer einseitigen Parteinahme zu ver- meiden. Das Gesetz war kein Parteigesetz.(Widerspruch bei den Socialdemokraten.) Ich bestreite das, daß das Geietz den Arbeitern das Koalitionsrecht rauben soll�-.(Widerspruch bei den Socialdemokraten.) Es sollte die Arbeitswilligen gegen Gewalt und Bedrohung schützen und dem Terrorismus auf beiden Seiten begegnen.(Lachen bei de» Socialdemokraten.) Ein Teil meiner Freunde, und ich gehörte dazu, wollten den be- rechtigtcn Kern aus der Regierungsvorlage ausschälen. Ich gebe die Versicherung, daß, wenn auch nur ein einziger von uns die Vorlage als ein Partcigesetz aufgefaßt hätte, daß wir nicht den mindesten Versuch gemacht hätten, auch nur ein einziges Wort davon zu retten. Aber wir geben zu: in weiten Kreisen des Volks, nahezu in der ganzen Arbeiterklasse und auch weit in die bürgerlichen Kreise hinein ist das Gesetz, wenn auch fälschlicher- weise als ein Partcigesetz aufgefaßt worden, und dos ist das Gravierende bei einem solchen Gesetz. Es durfte kein hoher Rcichsbeamter von einem Privatverbande. der ausschließlich Unternehmcrinteressen vertritt, Geldmittel zur Agitation annehmen. Dieses Verhalten des hohen Rcichsbeamten ist absolut unzulässig, einmal aus konstitutionellen Gründen, weil er sich in den Besitz von Geldmitteln gesetzt hat, die nicht vom Reichstag genehmigt worden sind, dann auch im Interesse unsres Reichsbeamtentums selbst, weil dadurch übelwollenden Elementen Gelegenheit gegeben wird, die Integrität unsres Beamtenkörpers in Zweifel zu ziehen und drittens, weil die Regierung über den Parteien stehen soll. Meine politischen Freunde müssen deshalb das Verhalten deS Herrn v. Woedtke in ernstester Weise mißbilligen. Abg. Munckcl(frs. Vp.): Einen gewissen Grad der Befriedigung habe auch ich bei der Rede des Reichskanzlers empfunden. Aber ist denn jemand im Hause, der weniger erwartet hatte?(Sehr gut! links.) Hat denn irgend jemand geglaubt, der Reichskanzler werde seine Billigung aussprechen, den Vorgang beschönigen oder entschuldigen? Wer, um den schönen Aus- druck zu gebrauchen. mit der Erklärung des Reichskanzlers „voll und ganz" zufrieden ist, der muß von so rührender Bescheidenheit beseelt sein, wie sie der Reichstag ja in letzter Zeit bewiesen hat. Zufrieden kann nur der sein, der das Anerbieten, das Wort„Indemnität" in eine Vorlage zu schreiben, als volle Genugthuung betrachtet hat.(Sehr richtig I links.) Die beiden Dinge die in den letzten Tagen und heute das Haus beschäftigt haben, sind einander recht ähnlich.(Heiterkeit.) Die 153 Millionen und die 12 000 M. sind beide ohne Bewilligung des Reichstags aus- gegeben worden. Graf v. Lerchenfeld hat ja hier erklärt, daß kleine und große Summen staatsrechtlich gleich zu behandeln sind. Ich habe mich gefreut, daß gerade von dem bayrischen Vertreter dies ausgesprochen ist, denn wenn es der bayrische Bundesbevollmächtigte, der Vertreter des zweitgrößten Bundesstaats, sagt, so ist das nicht nur großmütig, londern auch klug.(Heiterkeit.) Dort sind große Ausgaben gemacht worden, um die man den Reichstag hätte erst fragen sollen, hier sind kleine Ein- nahmen gemacht worden, die man nicht hätte einnehmen dürfen, ohne den Reichstag darum zu fragen. Die Befragung des Reichstags wäre freilich nicht möglich gewesen, denn der Uebernahme auf den Etat hätte man sich thatsächlich schämen müssen. (Sehr gut I links.) Wenn man sich aber schämen muß, dann ist die Bedeutung der Sache genügend charakterisiert. Was soll nun mit den 12 000 M. geschehen? Sind sie zu Unrecht vereinnahmt, dann müßten sie zurückgegeben werden.(Heiterkeit.) Das wäre vielleicht das richtigste, wir geben sie mit bestem Dank Herrn Bueck zurück.(Erneute Heiterkeit.) Vielleicht nimmt sich der preußische Fiskus der Sache an; es handelt sich um die Hergäbe von Geldmitteln zu unerlaubtem Zweck, er konfisciert sie einfach und gicbt sie dann an das deutsche Reich zurück. So hätten die 12 000 Mark einen anständigen Ursprung, jetzt haben sie ihn nicht.(Große Heiterkeit und lebhafter Beifall links.) Schon aus dem Umstand, daß die Regierung Beträge einnimmt — ob cS sich nun um einen großen oder kleinen Betrag handelt, kommt nicht in Frage, die Herren haben es ja auch zu großen Beträgen— also Beträge einninunt, bei denen wir nicht befragt werden, sieht man, welche Bedeutung diesen, Parlament beigemessen wird.(Sehr richtig! links.) Das allein schon ist der Beachtung wert, diese wiederholte Mißachtung der Rechte des Reichstags, den man an- fangen möchte, als gnautitä nögfligeabls zu behandeln. Der Herr Reichskanzler hat gesagt, so lange er im Amte wäre— wie lange das sein tvird, weiß ich nicht. (Heiterkeit),— würde so etwas nicht mehr vorkommen. Befriedigt hat mich seine ausdrückliche Anerkennung, daß die Rede des Kollegen Auer über die Beurteilung des Falls ihm maßvoll erschienen ist. Auer hat eine Verurteilung aus- gesprochen, und sie ist verdient. Gegen Personen richten sich diese Angriffe nicht, obwohl es ja Personen sind, die es gethan haben; denn das Reichsamt des Innern als Behörde kann nichts Derartiges thun. Die Angriffe richten sich gegen die Sache, und je weniger sie sich gegen Personen richten, desto schlimmer ist es, je mehr bona.£608 bei den Personen vorausgesetzt wird, desto schlimmer ist es für uns. (Sehr gut l links.) Einen Mann, der mala kicko« ge- handelt hat, den schickt man einfach fort(Sehr gut! links). und dann ist die Sache erledigt. Daß,»au aber bona kiäes gehandelt hat, daß man in einem der höchsten Reichsämter keiiren Begriff von der Tragweite gehabt hat, das ist das Bedenkliche.(Bravo! links.) Wenn man Gelder annimmt zu Regierungszwecken— und es handelt sich doch um den Regierungs- zweck, die Vorlage dem Publikum mundgerecht zu machen— von einer Partei, so stellt man sich in den Dienst dieser Partei. Der Reichskanzler sagt, eine Regierung ist desto besser, je höher ihre Unparteilichkeit steht. Ich füge hinzu, eine Rc- gierung ist desto schlechter, je tiefer sie im Dienst einer Partei steht. Und um so schlimmer liegen die Dinge, da es sich hier um eine lumpige Bagatelle handelt, wenn man um 12 000 M. bei Millionären betteln geht und die Entwürdigung gar nicht empfindet, daß man sich in den Dienst einer Klasse stellt, die ein für sie vorteilhaftes Gesetz haben will. Und wenn man es vorher nicht gewußt hätte, daß die Großindustriellen an diesem Gesetz interessiert sind— und da verstehe ich die Milde des Kollegen Büsing nicht, der das Gesetz als ein harmloses, allen Klassen dienendes hingestellt hat—, damr müßte es in dem Moment, wo man die 12 000 M. bekam, klar sein, wer den Vorteil hatte. Ueber den Verdacht sind die Herren erhaben, daß sie die 12 000 Rt. gegeben hätten, um die Lage ihrer Arbeiter zu verbessern.(Große Heiterkeit links.) Es sind Geschäftsleute, Geschäftsleute, denen das Geschäft über alles geht(Sehr gut! links), und weil es ihnen ins Geschäft paßte, haben sie den Vor- gänger des Herrn v. Woedtke schlecht gemacht, so wie sie ihn selber schlecht machen lverden, tvenn sie ihn nicht mehr brauchen.(Lebhafter Beifall links.) Der ganze Vorgang muß Miß- trauen in die Gesetzgebung überhaupt erwecken. Welches Vertrauen soll man in sie noch setzen, wenn eine Vorlage mit solchen Mitteln gefördert wird. Der einzige mildernde Unistand in diesem Falle ist, daß das Gesetz, um das es sich handelte, in seinem Wert überhaupt nicht mehr heruntergesetzt werden konnte. (Sehr gut I links.) Man hat die Regierung kompromittiert. Der Herr Reichskanzler sagt: Ja. es soll aber nicht wieder geschehen. So verzeiht man Kinder», wenn sie Besserung geloben.(Sehr gut I) Es ist ein eigentümliches Ding mit der iguorcuitia juris(Unkenntnis der Gesetze) in unsrer Gesetzgebung. Wenn ein Polizeibeamter seine Befugnisse überschreitet, dann sagt das Gericht: Er hat es nicht besser gewußt. Thut es aber das Publikum, dann wird das nicht gesagt,' dann heißt es: Du mußt das Gesetz kennen.(Sehr gut! links.) Ich würde die Ausdehnung dieses Grundsatzes auf unsre höchsten Behörden nicht gerne sehen. Der Herr Reichskanzler hat versprochen, daß. so lange er im Amte ist, ähnliches nicht wieder geschehen soll. Ich möchte ihn fragen, welche Vorkehrungen er. nicht in den Personen, sondern in den Institutionen treffen will, um die Wiederkehr solcher Fälle zu verhüten.(Sehr gut! links.) Und dann möchte ich, daß er sich auch noch darüber ausläßt: Was machen wir mit der Summe, die die Finger der Regierung beschmutzt hat.(Sehr gut! links.) Wenn ich über diese beiden Fragen eine ausreichende Auskunst erhalte, dann werde ich ebenso befriedigt sein, wie mein Vorredner.(Leb- haster Beifall links.) Abg. v. Levetzow(Rp.): Nach den Erklärungen des Herrn Reichskanzlers könnte ich auf das Wort verzichten. Auch die Rede des Herrn Interpellanten zwingt mich zu keiner Erwiderung, soweit sie sich mit dem Gegenstand be- schäftigt hat. Nur zwei Bemerkungen! Es ist nicht richtig, daß die Vorlage eine Schädigung der Arbeiter und die Aufhebung des Koalitionsrechts' gewesen wäre.(Ruf bei den Social- demokraten: Was denn?) Nun, Sie haben doch den Gesetz- entwurf betitelt„Gesetzentwurf" zum Schutz der Arbeits- willigen.(Stürmische Heiterkeit links.) Dieser Entwurf war sehr nötig wegen der Hetzereien der Socialdemokraten. Viele im Land, auch viele Arbeiter haben ihn gebilligt.(Rufe bei den Socialdemo- kraten: Welche denn? Wo denn?) Zweitens habe ich zu erklären. daß der betreffende Beamte des Reichsamts des Jauern sich um das Wohl der Arbeiter wohl verdient' gemacht hat.(Stürmische Heiterkeit links.) Es handelte sich nicht mehr darum, die Ver- abschiedung des Entwurfs im Parlamente durchzusetzen; fem Schick- sal war längst entschieden; es handelte sich nur darum, die Ein- briuger und diejenigen, die manchen Teilen des Gesetzentwurfs zu- stimmten, gegen die Verdrehungen zu schützen, denen sie in Volks- Versammlungen und in der Presse ausgesetzt waren. Eine solche Verteidigung mußte denen am Herzen liegen, die den Entwurf eingebracht haben und denen, die ihn zum Teil gebilligt. Wenn dieser Beamte den Versuch gemacht hat, diese Verdächtigung von der Hintertreppe her auch von der Hintertreppe zu bekämpfen, so kann ich das nicht billigen. Ich kann mir aber denken, daß jemand verleitet werden kann, die Hintertreppe zu benutzen, und finde darin die Entschuldigung für das Vorgehen deS be- treffenden Beamten. Sein Vorgehen war- nicht vorsichtig und nicht politisch schlau(Rufe bei den Socialdemokraten: Er war nicht schlau genug, er hat sich fassen lassen!) Er mußte sich sagen, daß ihm Unwissenheit und Böswilligkeit einen Strick daraus drehen können. Jetzt ist der Strick gedreht worden.(Rufe bei den Socialdemokraten: Er hängt aber noch nicht! Große Heiterkeit.) Wenn alle Stricke zum Hängen gebraucht werden sollten, dann müßten viele Leute hängen.(Rufe bei den Socialdemokraten: Das stimmt!) Was die Angriffe auf den Verband der Industriellen betrifft. so mutz ich betonen. daß manche ihrer Mitglieder sehr für ihre Arbeiter sorgen; es ist ein Unrecht, sie in Gegensatz zu den Arbeitern zu bringen. Ich kann deshalb nicht zugeben, daß man sich an eine bestimmte Partei ge- wandt hätte. Ich gebe nicht zu, daß die Arbeitgeber die Feinde der Arbeiter sind. Ich behaupte das Gegenteil. Ich berufe mich auf ein ziemlich langes Leben, das in ständiger Verbindung mit den Arbeitern gestanden hat. Ich bin mit den Arbeitern gut Freund. Die Social- demokratie aber will aus Freunden Feinde machen. Meine poli- tischen Freunde sind der Ansicht, daß die Remedur genügt.(Bravo! rechts.) Abg. Dr. Lieber(C.): Meine politischen Freunde haben eine abweichende Stellung vom Vorredner zur Vorlage eingenommen. Wir nehmen sie auch ein zu dem Vorgang der uns heute beschäftigt. Wir haben das unsrige gethan, jenen Entwurf, den wir für wohlthätig für die Arbeiter nicht halten konnten, so rasch wie möglich zu beseitigen. Niemand wird erwarten. daß wir Bemühungen gut heißen, die darauf abzielten, dem Entwurf, wenn auch nur von der Hinter- treppe her, zu Hilfe zu kommen. Wenn wir aber so die Vorgänge durchaus verurteilten. wenn wir lebhaft wünschten, daß so etwas nie im deutschen Beamtentum vorgekommen wäre, so sind wir doch der Meinung, daß die würdige Er- klärung des Reichskanzlers im wesentlichen unsre Beschwerde gegenüber diesem Vorgange er- ledigt hat. Ich bin einverstanden mit dem Herrn Reichskanzler, wenn' er in hohen Tönen das Lob des Herrn Staatssekretärs deS Reichsamts des Innern gesungen hat. Der verehrte Herr ist von dem Interpellanten selbst über jegliche persönliche Angriffe hinmisgehoben worden. Wir haben ihn bei den gemeinschaftlichen Arbeiten als einen Mann kennen gelernt, der von Herzen arbeiter- freundlich' gesinnt ist und vollkommen unabhängig denjenigen Kreisen gegenübersteht, an die sein nachgeordneter Beamte sich gewandt hat. Dem Umwillen, den»vir empfinden, ist durch die Erklärung des Reichskanzlers Genüge gethan. Er hat die Versicherung abgegeben, daß, so lange er im Amt sein wird, sich ein solcher Vorgang nie wiederholen werde. Wir freuen uns, daß er diese Erklnnmg in vollständigem Ein- Verständnis mit dem Staatssekretär des Innern abgegeben hat. Herrn Mnnckel erschien diese Erklärung nicht hinreichend, er fragt, welche Vorkehrungen der Reichskanzler treffen will, um die Wieder- kehr solcher Dinge ganz und für immer auszuschließen. Ich kann nicht in der Seele des Reichskanzlers lesen und habe auch nicht den Beruf, an seiner Stelle Antwort zu geben. Ich glaube aber, der Reichskanzler würde, wenn er überhaupt die Frage beantwortet. sagen müssen, daß dies eine Sache der inneren Verwaltung des Reichs wäre und daß er eine solche Einmischung'des Parlaments in die innere Verwaltung nicht dulde» dürfe.(Sehr gut I rechts,) Wir, die wir eifer- süchtig über die Rechte des Reichstags wachen, haben stets auf diesem Standpunkt gestanden, daß eine Einmischung in die innere Verwaltung des Reichs durch die Volksvertretung nicht zulässig ist. Zweitens hat Herr Munckel gefragt: Was machen wir mit der Summe? Auch hier kann ich nur sagen: Der Herr Reichskanzler wird wohl sagen. ich werde die Frage beantivorten, wenn Herr Mnnckel mir sagen kann, wo all das Geld hingekommen ist.(Lachen rechts.) Wir sind durch die Antwort des Reichskanzlers in allen wesentlichen Punkte» be- friedigt, und ich will nicht versäumen, nochmals hervorzuheben, daß wir nach dieser Erklärung den lebhaften Wunsch hegen, daß der Herr Reichskanzler recht lange in feinem Amt bleibe.(Lautes„Aha" l links.) Wir verlangen nicht, daß ander Person des Beamten Sühne oder Rache gen onimen tvird. (Heiterkeit.) Die Sache ist für mich und meine Freunde erledigt, besonders auch, weil der Reichskanzler die Grunde anqegebcn hat,' die für ihn maßgebend sind, keine persönlichen Weiterungen an die Angelegenheit zu knüpfen. ES bandelt sich hier um dunkle Machen- schaften, und wir geben uns nicht zu Henkersknechten für Jntrignen her. Nu» hat Herr Auer das Fuldaer Hirtenschreiben hier in die Debatte gezogen und es in einen gewissen, wenn auch ent- fernten Zufanimenhang mit dem Freiherrn v. Stumm und dessen angeblicher Arbeiterfeindlichkeit gebracht. Er sagte, bisher sei man derartige Vorgänge bei den katholischen Kirchenfürsteu nicht gewöhnt gewesen, aber böse Beispiele verderben gute Sitten und so habe das böse Beispiel des Herrn v. Stumm, der die evangelischen Arbeitervereine angegriffen hat, auch auf den Fuldaer Bischof gewirkt und seine Stellungnahme gegen die katholisch- christlichen Gewerkschaften hervorgerufen. Nichts ist ungerechter, als das Fuldaer Pastoralschreiben arbeiterfeindlich zu nennen. Der Bischof hat nur die christlichen Arbeiter vor der Gefahr der Neutralität gewarnt. Er ist dabei lediglich in den Grenzen seiner Zuständigkeit geblieben und bat auch lediglich im Interesse derArbeiter selbst gehandelt. DerGeistliche ist der berufene Wächter dafür, daß der christliche Glaube in der christ- lichen Arbeiterschaft erhalten bleibt. Das Ideal der Arbeiter- Verbrüderung muß sich auf christlichem Boden, bei Katholiken auf katholischem Boden aufbauen. Wir erkennen in religiösen Dingen nur den Papst als Autorität an, erwarten also auch von dem katholischen Arbeiter nichts andres, als daß er sich nach den päpstlichen Vorschriften richtet.(Abg. Bebel ruft: Und die Arbeitgeber?) Es paßt ja in Ihren Kram, bei dieser Gelegenheit zu versuchen, Arbeiter ans den christlichen Gewerkschaften zur Social- demokratie herüberzuziehen. Aber ich sage, diese Agitation wird ein Fehlschlag sein. Es wird Ihnen nicht gelingen, die Arbeiterfreund- lichkeit nnsrer Partei bei den Arbeitern in Zweifel zu ziehen.(Beifall im Ccntrum und rechts.) Abg. v. Kardorff(Rp.) schließt sich den Ausführungen des Herrn von Levetzow an. Er will nur den angriffenen, aber abwesenden Herrn v. Stumm verteidigen. Der Streik in Hamburg hat die Voranssagungen des Herrn von Stumm bestätigt. Er hat imnier darauf hingewiesen, daß sich die Arbeitgeber gegen die Arbeiter koalieren werden und das ist das Verhängnisvollste für die Arbeiter.(Abg. Bebel ruft: die Koalitionen sind ja schon lange da.) Sind erst Arbeitgeberkoalisionen da, so sind die einzelnen Arbeitgeber gezwungen, sich nach der Koalition zu richten und können ihren Arbeitcni nicht selbständig Vorteile zuwenden. Den Centraiverband der Industriellen habe ich ins Leben gerufen. (Singer: Er ist auch danach! Große Heiterkeit.) Er ist nicht so obenhin anzugreifen, er ist eine große wirtschaftliche Institution und hat vielen Arbeitern eine erhöhte Lebenslage verschafft, iveil er den wirtschaftlichen Aufschwung sich zu nutze gemacht hat. Eine Horde von Ausbeutern und Räubern ist der Verband nicht. Was den Vorfall selbst anlangt, so hätte die Regierung ihren Zweck viel ge- schickter erreichen können, als sie es versucht hat. Durch die Er- klärung des Reichskanzlers ist die Sache für mich erledigt.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Pachtticke(frs. Vg.): Wir halten die Sache trotz der Erklärung deS Reichskanzlers nicht für erledigt. Ich ftoge mich, welche That denn dem Tadel folgen soll. Herr Graf von Bülow will keine weitere Konsequenzen ziehen. Aber vielleicht erleben wir noch eine Ueberraschnng. Vielleicht nimmt der B e a m t«, der hier von allen Seiten eine§0 entschiedene Mißbilligung erfahren hat. selber Veranlassung. die Konsequenzen zu ziehen, die ein andrer nicht ziehen will.(Sehr gut! links.) Der Herr Reichskanzler sagt, man habe in der Presse sehr übertrieben. Nun, bei einer' solchen Ge- legenheit ist es doch begreiflich, wenn, um einen Ausdruck des Grafen Bülow selbst zu gebrauchen, einem das Blut etwas rascher durch die Adern rollt.(Sehr gut! links.) Es ist auch von einer Jntrigue gesprochen worden. Mir scheint, man sieht hier Ge- spenster am hellen lichten Tage. Ich kann nur sagen, wir sind durch die Mitteilung des Briefs ebenso überrascht worden, wie Sie auf der rechten Seite des Hauses. Was sollte uns denn bestimme», einen Beamten verdrängen zu wollen. Das Schicksal der Handelsverträge hängt nicht von dem guten oder bösen Willen eines Staatssekretärs ab. Der Reichskanzler ist der einzig Verantwortliche, an ihn werden wir uns halten.(Sehr richtig! bei den Freisinnigen.) Wir halten uns von jeder Uebertreibung bei der Beurteilung' des Borfalls fern, mißbilligen aber das eingeschlagene Verfahren und bezeichnen es als einen groben politischen Fehler. Der Fehler ist um so größer, als es sich um ein Gesetz handelte, daß auch nach der Ansicht der großen Mehrheit deS Reichstags sich gegen die Arbeiter wandte. Aber auch grundsätzlich und für alle Fälle ist das Vorgehen des RcichsamtS des Innern zu verurteilen. Die Regierung soll die Diagonale der Kräfte btlden, die Allgemeinheit vertreten, das Wesen der Monarchie besteht gerade darin, daß sie die in den Par- teien sich kreuzenden verschiedenen Richtungen vereinigt. So haben auch die einzelnen Organe der Regierung zu handeln, in diesem Fall haben sie es leider verabsäumt, sie haben leider nicht das uusrer Beamtenschast nachgerühmte genis administrative bewiesen. Wir hoffen, daß sich die Fälle nicht wiederholen, damit das Vertrauen zu der Regierung nicht erschüttert wird.(Beifall links.) Abg. Gchocttlattr(Soc.): Der Reichskanzler hat das Kampffeld ein wenig zu verschieben gesucht. Statt auf die Substanz der Frage einzugehen, ans die Thalsache, daß ein rechts- und v e r f a s s u n g s Iv i.d r i g e s Snbsidiarverhältnis eines Reichsamts zu einer Unternehmergruppe besteht, hat er gefragt, wie wir in denBesitz dieses Briefs gekommen sind. Ich bin erstaunt, daß ein so alter und erfahrener Diplomat wie er eine solche Frage überhaupt auswirft, die ich bei einem Bnreankraten verstehen würde. Ein Diplomat wie Graf Büloiv wird sicher niemals Kanäle, aus denen vielleicht noch etwas Weiteres fließen kann, ver- st 0 p f e n.(Sehr gut! links.) Graf Bülow hat Iveiter erklärt, er würde die Handlnng mißbilligt hoben, tvenn er sie erfahren hätte, und er werde dafür sorgen, daß solche Hand- lungen nicht wieder vorkommen. Aber er werde keine weiteren Maß- nahmen außer dieser seiner schön stilisierten Erklärung treffen, und zivar deshalb nicht, weil nach seiner Anschauung die ganze Enthüllung die Konsequenz einer Gegner- oder Machenschaft sei. Er sagt also, es konimt für die Beurteilung eines Delikts darauf an, wie die Strafthat etttdrckt wurde.(Sehr gut! links.) Tie H e r r e n v. M e e r s ch e i d t- H ü l l e s s e m und Thiel sind jetzt, der eine in Haft, der andre in Disciplinaruntersuchung, iveil man ihnen bestimmte schwere Vergehen nachgewiesen hat. Wird nun der Vorgesetzte dieser Herren erklären: Die Leute haben sich von dem reichen alten Wüstling mit Geld knrrnmpieren lassen, aber ich toerde keine weiteren Maßnahmen gegen diese Herren treffen, weil die ganze Geschichte die Wirkung einer Jntrigue ist! (Sehr gut! links.)— Die Veröffentlichnng hat fest- gestellt, daß das ReickiSamt dos Inner« ans Schleich- wegen die öffentliche Meinung zu beeinflnsscn gesucht Hai, indem es solche Veröffentlichungen in die Provinzpresse lancieren ließ, ohne das? die Leser ahnen konnten, daß es sich um gouvernetnetitale Mache handle. Das Reichsamt hat ferner das rechts- und budgetividrige Finanzverhältnis zugeben müssen zum Centralverband der deutschen Industriellen.(Sehr richtig I links.) Das heißt zu dem größten und einflußreichsten Unternehmer- verband, der in der ganzen Socialpolitik die der- hangniSvollste Nolle spielt.(Sehr richtig! links.s Eine höchste Rcichsbehörde, die dazu berufen wäre, nach dem berühmten Wort ein unparteiischer Hüter deS Rechts zu sein, hat Partei ergriffen in dem großen Kampf zwischen de» Interessen der Arbeiterschaft und den Interessen eines kleinen Klüngels von Groß-Unternehlnern(sehr richtig! links), und zwar Partei ergriffen in einer Form, die geradezu blamabel ist für die autoritative Stellung der Regierung.(Sehr wahr! links.) Es ist ein Bitt- und Bettelgang. so degradierend. wie er für rin Amt des mächtigen Deutschen Reichs sich nicht schickt. Und ein Bittgang um welchen Betrag? Um einen Betrag, der das Reichsamt, das über den Parteien stehen soll, als den Partei- g ä n g e r nicht bloß, sondern als das Gesinde des Unternehmer- tnmS erscheinen läßt.(Sehr gut! links.) Diese Thatsache zeigt, daß die Beamten, die diese That vollbracht haben und der Leiier dieses Amts, der die Verantwortung für die ihm unterstehenden Be- amten zu übernehmen hat(Sehr richtig I links), sich in einer Weise vergangen haben, daß kein wahrhaft selbständiger Mann es wagen kann, die Handlung zu verteidigen. Die Personenfrage spielt natürlich für unS keine Rolle, aber eine wichtige Frage hat der Kanzler nicht braut- wortet: In welchen Beziehungen steht der Staatssekretär deö Reichsamts des Inner» Gras PosadowSky(Sehr richtig!) zu dieser ganzen Affaire, zu dieser Klingelbeutelgeschichte? Ist er beteiligt durch Handlungen oder Unterlassungen?(Sehr richtig! links.) Können Sie sich vorstellen, daß ein alter geschulter Bureau- chef nach Schema? wie Herr von Woedtke es wagen könnte, auf eigene Faust aus dem Handgelenk heraus diesen Bittgang zu thun, um die Regierung vor aller Welt zu'kom- promittieren.(Sehr richtig! links.) Diese Frage muß be- antwortet werden, weil die Beurteilung deS ganzen Falls davon abhängt.(Sehr richtig! links.) Wir müssen eine präcise Antwort darauf bekonnpen: Wann hat Graf Posadowskh von dem Vorgang erfahren, ist er vorher davon unterrichtet gewesen und wenn er nach- her davon unterrichtet worden ist, w a s h a t e r d a n n g e t h a n? Die preußische Bnreankratie und die deutsche, die nach preußischem Muster doch aufgewachsen ist, hält doch sonst auf strenge Disciplin und schneidige Aufrechterhaltung der Autorität in den Aemtern. Glauben Sie wirklich, daß der Beamte, der den Bittgang gethan hat, heute noch in seinem Amt säße, wenn G r a f P 0 s a d 0 w s k y eS hätte erleben müssen, daß ohne sein Wissen über seinen Kopf hinweg eine so kompromittierende Handlnng vorgenommen ist? (Sehr gut! bei den Socialdemokrateii.) Glaubt man aber, daß der Leiter des Reichsamts von einer außerordentlichen Vertrauens- seligkeit gewesen ist, was ftir Zustände müßten dann im Reichsamte des Innern herrschen? Wo ist dann die Pünktlichkeit. die Ordnung. die Disciplin, was ist das für eine Verwaltung(Sehr richtig, links), was sind das für Zustände I Nach dem Briefe des Herrn Bncck hat das Reichsamt des Innern, wie er ausdrücklich sagt— und ein so alter erfahrener Scharfmacher, wie Herr Bneck, tveitz, was das Reichsamt des Innern ist—, sich an ihn persönlich geivendet, um das Geld aufzubringen. Das Reichsamt des Innern wird vertreten durch seinen Chef, durch den Grafen Posadowskh, und wenn ein ihm nach- geordneter Beamter sich gegen die Vorschriften der Disciplin und der einfachsten Zustände der Verwaltung vergeht, ja was geschieht dann? Entweder er hat es gewußt, und geschwiegen, oder er hat es zu spät erfahren, aber dann herrschen Zustände, die einfach anarchisch sind in der Verwaltung.(Sehr wahr! links.) Die Subvention ist thatsächlich erbeten und verwendet worden für die Agitation im Interesse der ZnchthauSvorlage. Und das hat Graf Posadowskh nicht gewußt? Er ist immer so wie ein Parzival durchs Reichsamt des Innern gegangen, der taube Thor, der gar nichts weiß von dem, was ihn umgtebt I So leichtgläubig sind wir nicht, das zu glauben. Was würden Sie dazu sagen, wenn etwa die Regiernug Geld verlangte von den Gewerk- schaften, um ein ernsthaftes Arbciterschutzgesctz einzubringen. (Sehr gut! links.) Ja, die thcorelische Möglichkeit besteht, und was würden Sie sagen, wenn plötzlich dieNachricht durch die Presse ginge, daß das Reichsämt des Innern sich erwärmt hätte' für die ForderungeneinessolchenIimonadensüßenVereinS. wie der, für Handelsfreiheit; würde man da nicht rufen: S e h t, hier wer den die Geschäfte des Freihandels besorgt! Der objektive Beobachter muß sagen, was hier geschieht, kann anch einmal bei einem andren Staatssekretär bei einer andren Angelegenheit geschehen.(Sehr richtig! links.) Wäre es nicht möglich, wenn man plötzlich erfährt, daß der 10 Markzoll, dieses Desiderium der Bündler, bewilligt wird, sdann auch von dieser Prä- misse auszugehen: Nun natürlich, da haben die Herren vom Bund auch mal in dieTasche gegriffen.(Zurufe.).— Ich habe ja nur von einer theoretischen Möglichkeit gesprochen.— Also meine Herren, es steht fest. Herr Woedtke ist fechten gegangen beim Centralverband für die Znchthausvorlage.(Heiterkeit.) Nun wird die Frage dadurch nicht beantwortet, daß man einen Sünden- bock in die Wüste schickt. Ja, wenn dieser hier beobachtete Standpunkt sich erweist als die Folge eines Systems, eines alten freundschaftlichen Alliance- Verhältnisses zwischen Scharfmacher und Regierung, wenn man sagt, das hier ist bloß einmal vorgekommen, wir wollen eS wahrhaftig nicht wieder thun. so ist das die alte Geschichte von der Juiigsran, die bloß ein Kind, aber ein ganz kleines bat.(Große Heiterkeit.) Die Regierung ist konipromittiert und es zeigt der Vorgang, der erst als Erfindung bezeichnet und dann als ganz belanglos hingestellt ist, daß große Jntereffengrnppen in der deutschen Gesetzgebung eine Rolle spielen, die uns an die Zustände im Staate New Dork erinnern, an den Tamany-Ring. Aber dieser Tamanh-Ring in New Dork und der Centralverband in Deutschland sind verschieden an Bedeutung, denn der letztere betrifft die Gesetzgebung eines ganzen Lands, der erstere beschränkt sich auf ein kleines Territorium. Ist es denn so etwa» Neues mit der intimen Freund- f ch a f t zwischen oen Herren vom ReichSamt des Innern und dem Centralverbande? Am 2. April 1899 brachte die „Nordd. Allgem. Ztg." den berühmten Bericht über ein Tiner des CentralvcrbandS, zu dem eine ganze Reihe Bundesrats- Mitglieder, an der Spitze Herr v. B ö t t i ch e r, er- schienen waren und wo anch sehr feucht-fröhliche Reden gehalten wurden. Der Vorsitzende des Verbands, Herr v. Haßler, dankte dem„hohen Gönner" der Industrie, Herrn v. Bötticher, daß die Regierung sich wie bereits bei ftnheren Gelegenheiten auch hier— es handelte sich um die Altersversicherung— von dem Ge- danken habe leiten lassen, der Industrie nicht mehr aufzubürden, als sie tragen könne.(Hört! hört!) Und Herr Jencke, der Leiter der Kruppschen Werke, wurde bei dieser Gelegenheit geradezu sentimental und elegisch. Er sagte, Herr v. Bötticher sei der Mann, der ftir die berechtigten Klagen und Forderungen der Industrie immer ein offenes Ohr habe.(Hört, hört! links.) Das offene Ohr hat Herr v. Bötticher damals gehabt, die offene Hand hatte das ReichSamt des Innern lS<»v.(Sehr gut! bei de» Socialdemo- kraten.) Die Beziehungen des Centraiverbands zum Reichsamt des Innern haben, wie die Geschichte der socialen Gesetzgebung beweist, an Intensität von Tag zu Tag zugenommen. Die kleine Trübung von feiten des Herrn v. Berlepsch ist rasch vorüber gegangen, und die Innigkeit ist ge- wachsen. Die Forderungen des deutschen Tamanh-Rings sind immer rücksichtsloser geworden und gegenüber einer so hoch- gestellten Behörde von einer gewissen R u p p i g k e i t gewesen.(Große Heilerkeit! links.) Die BureauS des CentralverbandS in Berlin sind die eigentliche Stelle für Socialpolitik und das berühmte Amt in der Wilhelmstraste ist nur eine Filiale.(Sehr gut! bei den Socialdemokrateii.) Es steht fest, daß der Centralverband, der einer Organisation des Arbeiters Trutz bieten will, der den Arbeitern ausdrücklich die bürgerliche Gleichberechtigung versagt, der immer für das Socialittengesetz, da? Umsturzgesetz und Ausnahmegesetz eingetreten ist, die wichtigsten Bestimmungen der Znchthausvorlage schon seit mindestens 10 Jahren energisch verlangt hat. Schon 1880 enthielt die berühmte Gewerbe Novelle einen Paragraphen, der sozusagen der Embryo der ZuchthauS- Vorlage gewesen ist.(Sehr richsig I links.) In der Kommission für die Gewcrbenovelle fiel jener Z 158, und Herr v. Berlepsch drohte, wenn der Reichstag diese Forderung der Regierung nicht bewilligt, werden wir bald gezwungen sein, mit neuen gesetzlichen Matzregeln an ihn heranzutreten. Den Scharfmachern aber dauerte die Zeit zu lange. Schon 1891 regte der Centralverband an, schon jetzt im Jntereffe der Sicherheit der gesamten Industrie die damaligen Vorschläge wieder aufzunehmen. Schon damals verlangten sie den sogenannten Schutz der Arbeitswilligen d. h. die Knebelung des Koalitionsrechts der Arbeiter von der Regierung. In einer damaligen Eingabe sprechen sie offen aus, daß die Hetzer und Agitatoren frühzeitig unschädlich gemacht werden müßten, um so der Bewegung die Spitze abzubrechen.(Hört! Hört! bei den Socialdemokraten.) Schon 1893 servierte der Centralverband das Znchthausgesetz. Wie charakteristisch ist eS, daß die Regierung bei der Reform der Unfallversicherungsgesetzgebung vor dem Centralverband unrühmlich kapituliert hat, wie 1806 die preußischen Festungen vor den Franzosen vor der Brutalität des Großunternehmertums. Der Redner geht die Phasen, die die Reform der Unfallver- sichernng durchgemacht hat, im einzelnen durch und verliest die ver- schiedenen Resolutionen, die der Centralverband in der An- gelegenheit gefaßt hat. Er führt den Nachweis, daß Graf Posadowskh f i ch V 0 r den Wünschen deS CentralverbandS einfach gebengt hat.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Wegen dieser Stellungnahme ist Graf Posadowskh von den vor« geschrittenen Socialreformern und auch von der„Socialen Praxis" angegriffen worden, die offen aussprach, daß hier un- berechtigte Einflüsse auf da? Reichsamt des Innern gewirkt hätten. Graf Posadowskh aber trat immer als die reine nackte Un- schuld, als das weiße Lämmchen auf.(Heiterkeit links.) Herr Bueck aber verkündete triumphierend, daß die Leute, die überstürzende Arbeit auf dem Gebiet der Socialreform gewollt hätten, abgesägt seien(Hört! hört! links.) und daß Männer gekommen wären, die einer ruhigen und nüchternen Auf- fassnng der Dinge huldigten. Welchen Einfluß der Scharf macher verband übt, das geht auch daraus hervor. daß 1893 das Direktorium des Cen« tralverbands bei dem Bundesrat vor st ellig wurde und durchsetzte, daß die A r b e i t e rsch u tz b e st i m- mungen für jugendliche Arbeiter in Spinnereien, wonach ihnen eine Nachmittagspause vor den hohen Festtagen be- willigt war, beseitigt wurde. Auf dem Verordnungswege setzte der Bundesrat einfach fest, daß diese jugendlichen Arbeiter bis b'/i. Uhr abends an den Vortagen der Feste zu arbeiten hätten.(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Nun, das sind kleine Accidentien, der Einfluß der Scharfmacher kulminiert im Zuchthansgesetz.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Welche Rolle sie dabei gespielt haben, ist ausführlich dargestellt. Im letzten Augenblick wurde noch der Versuch gemacht, die Znchthausvorlage zu retten, als das Gesetz bereits ein Aussehen erhalten hatte, daß es ein Skandal war, als es sich bereits im Stadium der Verwesung befand.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Und wie klagte Graf Posadowskh! Bis zu Thränen gerührt war er, als er sagte, so schlecht sei noch nie eine Vorlage der Regierung behandelt worden. Nicht einmal die Ehre eines Kommisstoiis- begräbnisseS wurde ihr gewährt. Am 17. November, drei Tage vor der Verscharrung der Zuchthausvorlage, waren die Herren vom Centralverband in Berlin zusammen und faßten eine feierliche Resolution zu Gunsten deS Zuchthansgesetzes. Sie empfanden eben Vaterschmerzen.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Es war ihnen ein Kind sozusagen als Frühgeburt gekommen und sie wurden nun zu dem Schmerz über seinen Verlust heimgesucht durch den Bittgang des Herrn von Woedtke um die 12 000 Mark. Eine kostspielige Alimcntationsgeschichte.(Heiterkeit.) Die Situation, in die die Enthüllung des Bneck-Briefs die Regierung gebracht hat, ist keine beneidenswerte. Graf Bülow hat übernommen alte Papiere und alte Thaten, und er hat in dieser Zwangslage die heute abgegebene Er- klärung gemacht. Ist dieser Vorgang bloß so ein u n- bedeutendes Zwischenspiel. ein Intermezzo? Ach nein! Dies Subsidienverhältnis zwischeu der Regierung und den Scharfmachern ist nur ein Symptom für die Präponderattz der Jniereffcn der Grost- Unternehmer über die Wohlfahrt des Volkes und die höchsten und bedeutsamsten Interessen der Arbeiter. Es zeigt sich, daß die Regierung die Geschäfte die herrschenden Klaffen-besorgt und nur das Konntee, die Beauftragte des Unternehmertums ist, möge es ihr als Großgrundbesitz oder als Großindustrielle oder als Groß- kapitalismus gegenüberstehen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Wo bleiben denn die berühmten Phrasen von Kultur- und Rechts- staat? Die Erscheinungen, welche wir hier kritisieren, zeigen die sanken Flecke an diesem sogenannten Kultur« und Rechtsstaat, der in Wirklichkeit ein Polizei-, Junker- und Kapitalistenstaat ist.(Rufe links: So ist es!) Aus dem gesellschaftichen Zusammen- leben der oberen Klaffen erklären sich solche Vorkommnisse. Man hat sich gegen persönliche Bestrebungen verwahrt, aber diesen Vorwurf hat niemand erhoben. Die hier in Rede stehende Kor- ruption ist nur viel ärger. Wir haben leider keine konsti- tutionrllen Zustände, sondern nur eine dekorative Klasse. In einem parlamentarisch regierten Staate wäre die Regierung, die sich so etwas zu Schulden kommen ließe, mit dem Augenblick des Bekannt« Werdens unmöglich; Ivir aber leben in der Zeit eines persönlichen Regiments und die verschiedenen Reichs- ämter sind nichts andres als Organe sehr hoher und einflußreicher Kreise.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Sie sprechen von Jntrignen und Machenschaften, aber nicht, daß so etwas geschehen ist, bedauern Sie. sondern nur, daß es bekannt wird. Sie nennen es eine Machenschaft, wenn man solche Dinge aufdeckt.(Sehr gut! links.) Sie sagen: Wir wollen Minister stürzen? Was liegt uns daran, ob ein Staatssekretär so oder so heißt, der eine kommt, der andere geht! Derselbe Faden, nur eine andre Nummer I(Sehr richtig! links.) Nein, wir wollen nur zeigen, wie die Geschäfte von feiten der Regierung geführt werden im alleinigen Jntereffe der Schlotjwikcr!(Lebhaftes Bravo bei den Socialdemokraten.) Präsident Graf Ballestrem: Die Diskussion schließt hiermit. Wir verlassen den Gegenstand. Abg. Singer: Und Graf PosadowSky!!(Große Heiterkeit. Viele Rufe lims.) Er schweigt!(Erneute große Heiterkeit.) Präsident Graf Ballestrem vertagt die Sitzung. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr.(Interpellation Oriola betreffend den Jnvalidenfonds. Erste Lesung des Entwurfs einer Seemanns- Ordnung.) Schluß 5 Uhr. Berliner Partei-Angelegettheiten. Zur Lokalliste. Die Parteigenossen. welche die„Urania" besuchen, werden darauf aufinerksam gemacht, daß der Inhaber des neben dem Theater belegenen Lokals Tauben st ratze 47, in unzweideutiger Form sich dahin geäußert hat. daß ihm der Besuch socialdemokratischer Arbeiter wenig genehm sei. Die Arbeiter- schaft wird hieraus die Konsequenzen ziehen. Die Lokalkommission. Erster Berliner ReichStagS-WahlkreiS. Heute, Sonntagabend 6 Uhr, findet in„Cohns Festsälen" große öffentliche Ver- sammlung statt. Genosse Dr. B e u t l e r spricht über„Die politische Lage". Nachdem gemütliches Beisammensein. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Die Vertrauensleute. Etralau. Den Parteigenossen zur Kenntnis, daß am heutigen Sonntag die Parteiversammlung wegen der Totenfeier verboten ist und daher am Sonntag, den 2. Dezember stattfindet. Köpenick. Dienstag hält der Socialdemokratische Verein eine Mitgliederversammlung ab, in welcher Dr. Ratkowski referiert. Wilmersdorf. Am Mittwochabend 8Va Uhr findet im Volks- garten, Berlinerstr. 40, eine außerordentliche Versammlung des Socialdemokratischen Vereins statt. Da wichtige Gemeinde-Angelcgen- heiten. die Neuorganisation deS Kreises beraten sowie Ausgabe der Parteitags-Protokolle stattfindet, ist das Trsck>-'n-'t"p-- Mitglieder nötig. od Warenhaus A.Wertheim. Vor der Eröffnung Extra- Verkauf unsrer Neubauten 94 Jsigji 100 ind Alle Waren sind im Preise ermässigt. 13 a jubile 100 zu ausserordentlich herabgesetzten Preisen in sämtlichen Abteilungen unsres Geschäfts. Ausgenommen sind nur vereinzelte Artikel, deren allgemeine Preislage eine Die Extra- Preise sind neben den bisherigen auf den Preiszetteln vermerkt. Herabsetzung nicht zulässt. Spielwaren. Kochmaschine 40, 90 P. 1,40,| Gesellschaftsspiele 40- 70 Pt. 2,85 M. Damenbrett 42 90 PP. Blechhausrat 40, 85 Pf., 1,25 M. Kommode Eiche 95, 1.75 M. Stickkasten 38 Pf. Küchenmöbel Karton 90 Pf. Puppensportwagen 1.65 a. 2,85 M. Musikpuppen 90 PL. 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Keilllge des„Wmjlrts" Kerlim Wlksblat!. �«'--.2�°°.�».««». Prozeß Steruberg. Landl,enchtsdirettor Müller eröffnet die Sitzung um 9V2 Uhr und setzt sofort die Zeugenvernehmung fort. Frnu Marie I a r c y n S k a ist vorgeladen worden, weil sie in enem Hause der Alexandrinenstratze wohnt, von wo aus sie in die Küche der Magarete Fischer hineinsehen konnte. Sie kann mir de- runden, dast die Angeklagte Wender vielfach in unzureichender Be- kleidung am Fenster sich gezeigt und dadurch bei der Zeugin Aergernis erregt hat. o a Die nächste Zeugin ist die Kassiererin Frau Kother. Sie hat sich im Auftrage des Direktors Luppa in der Keibelstraße in dem Hflirie, m welchem Blümkes wohnen, eine Stube gemietet und hatte die Aufgabe, zu beobachten, wer in dem Hause au?'.".n� eingehe. Sie habe die Frieda Woyda nur als ein aiistandiges, gutes Kind kennen gelernt, sich aber mit ihr über die worgange in der Fischerschen Wohnung nie unterhalten, da ihr dies verboten worden sei. Sie habe nicht viel ermittelt, sondern nur gc- sehen, dag gut gekleidete Herren, auch Polizeibeamte ab- und zu- gingen. Sie bekundet ferner, dost sie eiues Tags gesehen habe, daß Fricoa ein besteresKleid getragen habe und als sie fragte, ob sie etwa das große Los gewonnen habe, habe das Mädchen ihr gesagt, sie habe 0 Sttetia Woyda bestreitet, so etwas gesagt zu haben. — Die Zeugin Frau Kother wird vom Staatsanwalt Braut befragt, was ste denn für ihre Ermittelungsdienste bezogen habe. Sie er- wcndnngei/�®mn �uppa für persönliche Auslagen und Auf- . �.. täglich 20 M. erhalten habe, welche ihr im Sternbergschen Bureau ausgezahlt wurden. Sie habe namentlich auch die Aufgabe gehabt, Ernütte- lungen nach dem Leumund der Mädchen Ehlert und Collis anzu- stellen, habe nach dieser Richtung hin viele Gänge und Wege gemacht und auch vielerlei Auslage» gehabt. Die Ergebnisse ihrer Ernrittelungen habe ste mündlich und schriftlich Herrn Luppa mitgeteilt. Aus Be- sragen erklärt die Zeugin, daß sie bei ihren Ermittlungen etwas Herni Sternberg Belastendes nicht erfahren habe. Staatsanwalt TtJ.?"? hält der Zeugin vor, daß nach der Dauer ihrer Ermittler- thatigkeit sie über 3000 M. bezogen haben müsse. Die Zeugin memt, dag ste fa auch recht viele Auslagen gehabt habe. Es soll dann der Schriftsteller Stockhausen vernommen werden. Er ist derjenige, auf den sich der Schutzmann R a u p a ch sOrdounanz des Polizeidirektors v. Meerscheidt- Hüllesscm) als Quelle seiner Kenntnis dafür berufen hatte, daß Stierstädter mit Blümkes korrefpondiere. Die Berteidiger bitten, mit der Vernehmung des Zeugen zu warten, bis Justizrat Dr. S e I l 0, der seit einigen Tagen an der Influenza krank danieder liege, der Vernehmung bei- wohnen kann. Auch würde die Anwesenheil des Direktors v. Meer- scheidt-Hüllessem notwendig sein. Der Staatsanwalt schlägt vor, die Vernehmung des Zeugen am Dienstag stattfinde» zu lassen; der Polizeidirektor v. Meerscheidt-Hüllessein halte sich jederzeit zur Ver- fügung des Gerichts. Der nächste Zeuge ist der Barbier Sandmann, der in dem Hause Alexandrinenstr. 1b seine Barbierstnbe hat und die Leute beobachten kann, die in das HauS hineingehen. Er hat beobachtet, daß in der Wohnung der Fischer ein bedenkliches Treiben stattfinden müsse und hat nun näher aufgepaßt. Er habe zunächst Herm Sternberg, den er im vorigen Jahre wiederholt— gewöhnlich wöchentlich zweimal— in das Haus habe hineingehen sehen, nicht dem Namen nach gekannt. Er habe selbst festgestellt, daß derselbe zur Fischer ging. Einmal habe er von einem andren Herrn, den er mit Sternberg sprechen saß. gehört, daß es Herr Sternberg sei. Er habe anch beobachtet, daß, wenn Herr Slernberg kam, die Angeklagte Wender wegging und bald darauf mit einem oder zwei Mädchen ans einfachem Stande zurückkehrte. Dieselben seien nach einiger Zeit wieder aus dem Hause gegangen und hätten ihm einen scheuen Eindruck gemacht. Die Mädchen hätten zwar ziemlich lange Kleider getragen, dürften aber doch nicht älter wie 13 bis 14 Jahre gewesen sein. Er habe auch einmal ei» solches Mädchen gefragt, was sie denn in der Fischerschen Wohnung machte und eine ausweichende. etivas verschämte Antwort erhalten. Auf Befragen des Staatsanwalts erklärte der Zeuge, daß er aar' nicht so viel andre Herren zur Fischer habe hinaufgehen sehen, einmal habe er festgestellt, daß ein Offizier in voller Uniform hinaufgegangen sei.— Außer den Verteidigern richtet Angeklagter Sternberg noch eine ganze Reihe von Fragen an de» Zeugen, die seine Behauptung stützen sollen, daß er nicht so häufig, wie der Zeuge behaupte, bei der Fischer gewesen. Auch er betont, daß der Zeuge früher über das Alter der Mädchen, die er z» der Fischer habe gehen sehen, andre Aussagen gemacht habe. Er verwahrt sich entschieden gegen die Unterstellung. als ob er gewissermaßen ein„Etablissement Masseuse Fischer" unterhalten habe. Er sei gelegentlich dort gewesen. wie Dutzende andrer auch. Das habe er von Anfang an zugegeben, er habe auch zugegeben, daß er mit Mädchen verkehrt habe— niemals aber mit Mädchen im strafbaren Alter. Er verweist auch darauf, daß, wenn die Fischer wirklich mit ihm in so nahen Be- Ziehungen gestanden hätte, wie hier fortgesetzt behauptet werde, er dieselbe sicher nicht in der Notlage gelassen hätte, daß sie das Versatzamt mehrmals in Anspruch nehmen mußte. Der Vorsitzende verioeist demgegenüber darauf, daß er doch auch für die Zeugin Pfeffer auch sehr ungenLgend gesorgt zu haben scheine. Der Angeklagte bestreitet dieS. Er sei zunächst vor IS bis 17 Jahren nicht annähernd in dem Vermögensstande gewesen wie heute, habe für die Pfeffer, auch nach ihrem Scheiden aus seinem Hausstande sehr ausreichend für sie gesorgt und erst damit aufgehört, als die Erpresserbriefe von ihr kamen. Aber auch danach habe er ihrer Mutter noch 300 M. gezahlt. Rechtsanwalt Dr. Mendel teilt Folgendes mit: ES habe sich bei der Verteidigung ein Dr. med. Ludw. Hahn gemeldet, der bekunden wolle, daß der Angeklagte Sternberg einen Doppelgänger haben muffe, der diesem überraschend ähnlich sehe. Er selbst habe während dieser Prozeßverhandlung Herrn Sternberg im Gerichts- saal gesehen und sei sehr erstaunt gewesen, vor wenigen Tagen an her Paffage einen Herrn zu sehen, der dort bei dem Zeiwngshändler Zeitungen kaufte und Herrn Sternberg frappant ähnlich sah. Er habe ihn sogar für Sternberg gehalten und sich gewundert, wieso derselbe während des Prozesses nach der Friedrichstraße kommen konnte. Ihm sei diese Thatsache etwas bedeutsam erschienen, als er aus dem Zeitungsbericht vom gestrigen Tage ersehen, daß ein m oder bei der Passage flanierender Mann eine Rolle spielt. Rechts- anwalt Dr. Mendel hält dies für so wichtig, daß er die Vor- ladung des Dr. med. Hahn beantragt.— Staatsanwalt Braut erachtet es dagegen für wenig wichtig, ob jemand vorhanden ist, der Herrn Sternberg ähnlich sieht.— Der Gerichtshof behält sich einen Beschluß vor. Hierauf wird der taubstumme Arbeiter Paß durch Vermitttelung der Taubstnmmen-Lehrerin Frau Schenk ver- nvmmen. Derselbe ist seiner Zeit wegen eines Sittlichkeitsdelikts zu « Monaten Gefängnis verurteilt worden und bei der Hauptverhand- lung figurierte Frieda Woyda als Zeugin. Aus der Vernehmung scheint sich zu ergeben, daß bei dieser Gelegenheit Frieda Woyda einen von dem Arbeiter Paß damals und auch jetzt zugegebenen unzüchtigen Angriff anf sie selbst bestritten, dagegen fälschlich be- hauptet hat, Paß habe sich an einem andern kleinen Mädchen sittlich vergangen. Patz ist wegen der angeblichen Attacke auf das andre Mädchen freigesprochen, dagegen wegen der unzüchtigen Berührung der Frieda Woyda venirteilt worden. Nach einer unwesentlichen Aussage des Zeugen H ö p p n e r, bei dem Margarete Woyda im Dienst gewesen, teilt der Vorsitzende mit, daß für nächsten Mittwoch in Aussicht genommen worden ist, die Sitzung ausfallen zu lassen. Es stehen für diesen Tag Ver- nehmungen an. die wahrscheinlich eine Unterbrechung der Sitzung notwendig machen würden. Frau Brause, gleichfalls eine frühere Dienstherrin der Margarete Woyda, bekundet über den Bestich, den die Angeklagte Scheding einmal bei ihr gemacht habe, um mit der Margarete Woyda zu sprechen. Sie habe dabei gesagt, es handle sich darum, daß die Frieda ja Unmenschliches ausgesagt habe. Später haben mehrere- nial Männer bei ihr geklingelt, die da die Margarete warnen wollten, sich auf nichts einzulassen, wenn sich ihr irgend iver nähern sollte. Zeuge Kaufmann Arthur W i ß m a n n soll darüber Auskunft geben, ob auf Blümkes durch Geld oder Versprechungen eingelvirkt worden sei. Er erklärt, nichts darüber bekunden zu können. Der nächste Zeuge ist der Barbiergehilfe Max Iking er. Er ist seiner Zeit im Geschäft des Schwiegersohns der Schindlerschen Eheleute thätig gewesen und bat in der Schindlerschen Wohnnna in der Küche geschlafen. Anf die Frage, ob er mit der Frieda unzüchtige Handlungen vorgenommen, verweigert der Zeuge nach geschehener Belehrung durch den Vorsitzenden zunächst sein Zeugnis. Es stellt sich durch iveitere Fragen und Vorhaltungen heraus, daß der Zeuge die Be- lehrung des Vorsitzenden wohl' mißverstanden bat, denn er erklärt, nachdem die vorgerufene Frieda bekundet, daß sie mit ihm ja nichts vorgehabt habe, daß er die Frieda Woyda n i e unsittlich berührt habe. Von unanständigen Ausdrücken Friedas weiß der Zeuge nichts. Die Verhandlung wird hierauf bis Montag OV2 Uhr ausgesetzt. Der Prozetz gegen die Harnilosen s. Tag. Nachdem der Präsident, Landgerichtsdirektor Oppermann, die Sitzung um St/2 Uhr eröffnet hat, wird die Zeugenvernehmung fort- gesetzt. Kaufmann L i n d e m a n n ist vor etwa fünf Jahren in die Spielergesellschaft hineingekommen, hat sich aber nur in einigen Fällen am Spiel beteiligt. Der bereits erwähnte Zeuge v. Rad ecke hat einmal einige Herren zu sich eingeladen, zu denen auch der Angeklagte v. Kayser gehörte. Dort sei gespielt worden. Der Zeuge Lindemann hat an v. Kayser ö700 M. unbar verloren, außerdem einige hundert Mark bar. Der Präsident hält dem Zeuge» vor, daß er in einem Briefe an v. Kayser sich dahin äußere, daß er, der Zeuge, seine Spiel- schulden doch pünktlicher reguliere, wie v. Kayser. Was damit gemeint sei?— Zeuge: Herr v. Kayser war mir einmal beim Spiel 300 M. schuldig geblieben, er hat diese Summe aber nicht bezahlt, sondern er hat sie bei einer Gelegenheit abgespielt.— Präs.: Also Sie geslatleten ihm, unbar zu spielen, während er von Ihnen unbare Einsätze ablehnte.— Zeuge: Jalvohl.— Prä s.: Hat v. Kayser Ihnen „Tretbriefe" geschrieben?— Zeuge: Ja, er drohte mit Anzeige beim Regimentskommandeur. sZeuge ist Reserve- Offizier.) Mein Vater erhielt auch ein anonymes Schreiben, worin ihm meine Spielschuld offenbart wurde. Ich nehme au, daß Herr v. Kayser zu diesen: Briefe in Beziehungen stand.— Auf Befragen des Oberstaatsanwalts Dr. Jsenbiel räumt der Zeuge ein, daß er bis jetzt noch nichts von seiner Spielschuld an v. Kayser abgezahlt habe. Der folgende Zeuge, Bicekonsul Moos, hat alle Lokalwechsel der Spielergesellschait mit durchgemacht. Am ersten Abend, als Wolff mit Mr. Murrey bei Hecht erschien, habe Wolff die Bank gehalten. Dr. Kornblum, der fast allein gegen Wolff pointierte, habe gegen 2S00 M. verloren. Ter Angeklagte v. Kayser habe den Eindruck eines besonnenen, kaltblütigen Spielers gemacht, der mit bescheidenen Sätzen anfing, sich dann aber hinreißen' ließ, 4 bis 500$?. zu setzen. Der Zeuge hat dem Angeklagten v. Kayser wiederholt kleinere Dar- lehne gegeben, die zum Teil bar znrückbezablt, teils abgespielt wurden. Einmal habe der Zeuge an v. Kayser 1500 M. unbar ver- loren. Als längere Zeit verstrichen war. ohne daß der Zeuge im stände Ivar, zu zahlen, habe v. Kayser den Wunsch ausgesprochen, als Deckung Wechsel zu erhalten. Der Zeuge habe seine Accepte gegeben, die dann prolongiert und später ausge- klagt wurden. Da die Zwangsvollstreckung fruchtlos aus- fiel, wollte der Angeklagte v. Kayser den Schuldner zum Offenbarungseide treiben. Der Zeuge hatte in einem Schreiben an v. Kayser darauf hingewiesen, wie rigoros derselbe, dem er so manchmal geringe Darlehen gegeben habe, gegen ihn vorgehe und daß es ja eigentlich kein Gebrauch sei, für Spielschulden Wechsel zu geben und zu nehmen. Würde v. Kayser ihn zum Offenbarungseid zwingen, so würde er ihn nicht mir bei seiner Behörde anzeigen. sondern auch die Oeffentlichkeit in Anspruch nehmen. Der An- geklagte wieS in einem Antwortschreiben darauf hin, daß der Vice- konsul Moos sich eines Erpressungsversuchs schuldig gemacht habe. Er werde sich in seinen Maßnahmen nicht beirren lassen. Der Angeklagte hat dann aber doch den gegen den Zeugen bereits erwirkten Haftbefehl zurückgenommen. Der Zeuge bestreitet unter seinem Eide, daß er zu den Artikeln im„Berliner Tageblatt" in irgendwelcher Verbindung stehe.— Der Angeklagte v. Kayser hatte bei seiner Vernehmung angegeben, daß u. a. auch ein Dr. Schröder ihm ein Darlehn von 3000 M. gegeben habe. Der Ober- staatSanwalt wünscht zu wissen, ob der Angeklagte v. Kayser deffen Aufenthalt anzugeben vermag. Dr. Schröder sei nämlich als ? Falschspieler entlarvt worden, der dies Gewerbe Jahre indurch mit seltener Frechheit betrieben habe. Es sei doch interessant zu erfahren, wie dieser Mann in ein Gläubiger- Verhältnis zum Angeklagten treten konnte. Der Angeklagte erklärte, daß ihm diese Thaftache erst nach dem Verschwinden des Dr. Schröder bekannt geworden sei. Derselbe sei seines Wissens Rcgierungs- Referendar gewesen, habe sich dann reich verheiratet und sei ins Ausland gegangen. Seinen Aufenthaltsort kenne er nicht. Der folgende Zeuge, Lieutenant der Reserve v. R a d e ck, giebt gleichfalls eine eingehende Schilderung der Spielabende. ES habe oft Mißfallen erregt, daß v. Kayser beim Spiel gesenkt, d. h. einen Teil des gewonnenen Gelds vom Spieltisch in die Tasche gesteckt habe. Es folgt die Vernehmung mehrerer Zeugen, die ebenfalls die Spielabende bei Hecht, im Central-Hotel usw. besucht haben. Sie bekunden, daß v. Schachtmeyer so lange vorsichtig und niedrig spielte, wie bares Geld gesetzt wurde und sich erst zü größeren Summen verstieg, wenn unbar gespielt wurde. In einer Nacht zum Sonntag war eine größere Spiclergcsellschaft in einem Lokal zusaimnengewcsen.$?an rüstete sich zum Aufbruch, und einer der Herren steckte den Rest des ihm gebliebenen Gelds, kaum eine Mark, in die Tasche. Einer der andren Herren rief ihm zu: Herr v. M. Sie haben ungefähr noch gerade soviel Geld bei sich, wie ich, wollen wir nicht die beiden Posten gegeneinander setzen?* Das Anerbieten wurde angenommen, andre aus der Gesell- schast beteiligten sich und es enttvickelte sich daraus wieder ein leb- Haftes und großes Spiel, das sich bis zum Mittag des folgenden Tages ausdehnte. Es wurde unbar gespielt, v. Kayser verlor 6000 M. und ein Herr v. Gerödorf 3000 M. v. Kayser wollte dadurch regulieren, daß er andre Guthaben auf den Gewinner zu übertragen wünschte, der letztere ging aber nur teil- weise anf das Anerbieten ein. Er erklärte den beiden Schuldnern, daß er ihnen einen großen Teil ihrer Schuld erlassen würde, wenn sie ihm zu einem bestimmten Termin je 1000 M. abzahlen würden. Keiner von beiden habe Wort gehalten, v. Kayser aber dennoch den Erlaß für sich in Anspruch genommen und seine Schuld erst in kleineren Raten und nach längerer Zeit beglichen. Dr. Kornblum wird von den Zeugen als ein Mann geschildert, der wenig sympathische Eigenschaften besaß, aber schwer„abzuwimmeln" war. Der Vorsitzende vertagt darauf die Verhandlung bis Montag- vormittag 9l/2 Uhr._ UoltAles. Totensonntag. Kränze und Blumen! Das hastige, unruhevolle Berlin erscheint an einem Tag im Jahr zu feierlich stiller Andacht geschmückt. Wohin das Auge heute blickt, gewahrt es Männer, Frauen und Kinder im dunkle» Gewand mit Spenden für die lieben Tobten in der Hand. Selten ein Hervorthun mit großen protzigen Palmenwedeln und Jmmortellenkreuzen, wie sie hinter dem Leichenwagen der Vornehmen einhergetragen werden. Das schlichte Tannengewinde überwiegt, ein Zeichen, daß die Pietät heute Volksbedürfnis ist, daß sie ivie mit sonst keiner politischen und religiösen Partei so auch mit der offizielle» Kirchenfrömmigkeit keinerlei Gemeinschaft hat. Wer am kulftir- historischen Kleinkram Gefallen hat, wird leicht herausfinden, daß die stille Ehrung, die den Verstorbenen gewidmet ist, daß die Gabe, die an den Gräbern niedergelegt wird, kaum in besonderem Zusammenhang mit jener Religion steht, deren Stifter das Wort sprach:„Lasset die Toten ihre Toten begraben". Der Toten- und Ahnenkult ist von Urbeginn mit der Menschheitsgeschichte verwachsen, er findet sich bei Griechen und Römern, bei den Errichtern der Hünengräber, wie bei dem Volke im Osten, das sich jetzt gegen die christlichen Eindringlinge empört, welche ihm in ihrem blinden Zelotismus sein heiligstes Gefühl aus dem Herzen reißen wollen. Daher ist es auch eine wunderliche Inkonsequenz, wenn gerade der Totensonntag von den Frommen zur Agitation auserkoren wird, wenn Herr Stöcker an den Berliner Friedhöfen eine halbe Million seiner geschmacklosen Traktätchen verteilen läßt. Man soll die gute Sitte der Totenehrung um ihrer selbst willen gelten lassen. An keinem Tage tritt mehr wie an diesem ein Bedürfnis nach Ruhe auf dem Friedhof hervor, wo Socialdemokraten lvie Patrioten, Frei- denker wie Gottesglänbige unbekümmert um einander und doch gemeinsam einem ehrwürdigen Volksbrauch genügen. Wer an diesem Tage am Ruheplatz der Toten eine Agitation entfaltet, wie sie in den letzten Jahren sich zum Aergernis vieler breit gemacht hat, der zerrt am unpassenden Ort und zu unpassender Stunde an den Leidenschaften und darf sich nicht beklagen, wenn er unfreund- liche Abweisungen erfährt und gefragt wird, was das denn für ein Christentum sei, das sich mit dem China-Kreuzzug identificiert, das in Berlin auf der einen Seite forciert in äußerer Frömmigkeit macht und auf der andren Seite die bekannten Sabbatschändungen zuläßt, die an hohen Feiertagen in Kirchen, sowie in königlichen und staatlichen Gebäuden begangen worden sind? Keinem Socialdemokraten ist es bisher wohl eingefallen, am Totensonntag für die ihm heiligen Ideen vor dem Friedhofsthor eine Flugblatt- Agitation zu entfalten. Sollte man da auf andrer Seite nicht ebenso viel Schicklichkeitsgefühl besitzen und sich sagen, daß es unziemlich ist, die Leute, welche das Andenken ihrer teuren Verstorbenen ehren wollen, für Angelegenheiten zu animieren, die ihnen wie im Werkeltagsgetriebe so auch zu dieser der Pietät ge- weihten Stunde vielfach unsympathisch sind? Allerdings ist die Berliner Bevölkerung viel zu verständig, als daß sie sich durch die Propaganda der Kirchenfrommen sonderlich in ihren Empfindungen stören ließe, und durchiveg tvird das Gefühl, das sie beim Anblick der fronunen Jünglinge empfindet, sich nur zu einem von gelindem Spott getragenen Rkitleid steigern. Ob ein solcher Erfolg den Zivecken der Orthodoxie entspricht, da? zu entscheiden ist nicht unsre Sache. Möge die Bevölkerung Berlins heute ihren Totensonntag pietätvoll begehen— trotz der unziemlichen Traltütchen-Agitation. Die Große„beffert" sich. Aus dem Kreise der organisierten Straßenbahner schreibt man uns: Wir hatten am Dienstag die Thatsache festgestellt, daß von der Betriebsleitung der Straßenbahn die anläßlich der Lohnbeivegnng zugestandene Beschwerdckommission noch niemals zusaminenberufen worden ist. Dies Versäuninis ist nun am Freitag schleunigst gut gemacht worden. Sonderbar ist nur, daß vergessen worden ist, die beiden Delegierten vom Bahn- Hof XII zu laden; diese hätten nämlich mitteilen können, daß der Fahrturnus dieses Bahnhofs vor einigen Tagen zu U n g u n st e n der Angestellten geändert worden ist, indem die Dienstzeit um etwa eine Stunde verlängert wurde. Ferner ist auf demselben Bahnhof das Ueberstundenbuch'kassiert und den Angestellten erklärt worden, daß es von nun an keine Ueberstunden mehr gebe. Die Angestellten wundern sich außerdem darüber, baß die Lieferung von Regenmänteln noch nicht aus dem Versuchsstadium herausgekommen ist. ES ist ihnen dieS um so un» begreiflicher, als die kürzlich der„Großen" einverleibte Charlqtten- burger Straßenbahn schon seit länger als einem Jahre für das Fahrpersonal Regenmäntel angeschafft hat, die sich recht gut be« währt haben. Es scheint als ob die»Große" von den Lieferanten dieser Regenmäntel keine Ahnung hat. Von einer bevorstehenden Lohnbewegung ist den organi« sierten Straßenbahnern nichts bekannt. Die betreffende Reporter» »otiz, die diese Woche die Runde durch die TageSblätter machte, be» ruht auf freier Erfindung. Die Straßenbahner trompeten, wenn sie in eine Lohnbewegung eintreten wollen, dies nicht ein halbe« Jahr vorher in alle Welt hinaus. Postalische Erleuchtung. Vom Postamt 21 in der Turmstraße wird uns der folgende Vorfall mitgeteilt: Vor einigen Tagen wurde den Briefträgern durch den aufsichtsfiihrenden Beamten eine Ver- fügung des Vorstehers vorgelesen, nach welcher für das betreffende Amt, dem Beispiel andrer Postämter folgend, Laternen für die Briefträger beschafft werden sollten und zwar— fünf Stück für 62 Briefträg erl Es hieß dann weiter in der betreffenden Verfügung, daß nunmehr bei etwaigen Unfällen auf dunkele» Treppen die Briefträger selber die Verantwortung zu trage» hätten. Natürlich erhoben die Briefträger Einrede wegen der gänzlich unzureichenden Anzahl der Laternen' und gaben zu verstehen, daß man ihnen unter diesen Umständen doch wohl nicht die Verantwortung für etivaige Unsälle aufbürden könne. Der aufsichtführende Beamte hat nun wohl den Vorsteher de« Postamts die Meinung der Briefträger mitgeteilt, denn am nächsten Tage wurde ihnen abermals eine Verfiigung verlesen, wonach nun« mehr jeder Briefträger eine Laterne bekommen soll, jedoch hätte dann jeder Briefträger seine Laterne stets bei sich zu tragen. Wer ohne Laterne betroffen würde, hätte ohne weitres 1 M. Strafe zu zahlen. Außerdem könnten sich die Briefträger darauf einrichten, daß der Dienstantritt täglich um so viel früher an» gesetzt würde, als nötig sei, um die Laterne in Stand zu setzen I Der Stadtderordneten-Vorsteher Dr. Paul LangerhanS, Ehrenbürger von Berlin, feiert heute das 25jährige Jubiläum als Stadtverordneter. Di« ausgedehnteste Paketannahme Berlins wird Sonntag in dem neuen Posthause in der Kommandantenstraße auf dem ehe« maligen Grundstück des Vereins der Wassersreunde eröffnet, Die Paketannahme heim Postamt IS in der Beuthstraße, deren Räume längst nicht mehr den wachsenden Anforderungen genflgen. werden Sonnabendabend geschlossein Auch die Annahmen für Wertbriefe sind von der Benthstratze nach Kommandantenstratze verlegt, nachdem bereits die Drucksachenstelle und die Geldbriefabfertignng dorthin übergesiedelt ist. Die bisherige Paketannahme in der Beuthstraße ■tvird am 15. Dezember die neue Verkaufsstelle für Kolonial-Brief- «Norken aufnehmen. Am Totensonntag sind die beiden Urnenhallen des Vereins für Feuerbestattung auf dem Centralfriedhof in Friedrichs- felde und ini Park von Treptow von 11—3 Uhr nur für die An- gehörigen derjenigen geöffnet, deren Asche in den Hallen beigesetzt ist. Ein Liebknecht- Bild(Brustbild, Oelgemälde) ist auf einige Wochen im Restaurant des Gewerkschaftshauses ausgestellt. Haltung und Ausdruck des CbarakterkopfeS erinnern an die Photo- graphie. nach der unlängst die„Neue Welt" einen Schnitt herstellen ließ. Gemalt hat das Bild Fräulein B e r t h o l d. Tie freireligiöse Gemeinde ersucht uns um Aufnahme folgen- der Zuschrift: Wer seinen Austritt aus der Kirche bewirken will und nicht weiß, wie dieses anzustellen, wende sich, gleichviel ob er der freireligiösen Gemeinde beitreten will oder nicht, um Auskunft an den Vorstand dieser freien Neligionsgesellschaft, welche jeden Sonntag ,n der Aula der Gemeindeschule. Kleine Frankfurterstr. 6/6. Vor- lesungen und Vorträge veranstaltet zum Zweck der Erbauung und Erhebung durch Wissenschast und Kunstgenuß. Auch bieten die' Vor- träge Anleitungen zur Erziehung der Jugend auf natürlich- ver- nünftiger Basis. Die Vorlesungen um v Uhr und die Vorträge um 10�/« Uhr sind jedermann zugänglich. Daselbst findet auch Mit- «liederaufnahme statt und wird jede entsprechende Auskunft und Er- klärung bereitwilligst erteilt. Präsident Kriiger soll den Mittellungen einer Korrespondenz zu folge Anfang Dezember in Berlin eintreffen. Die Nachricht bedarf wohl noch sehr der Bestätigung. Zu einer recht geschmacklosen »Huldigung" des alten Krüger wird au den Anschlagsäulen auf- gefordert. Ein geschäftskundiger Unternehmer bietet„Krüger-Post- Iarten", das Stück zu 10 Pf. an, mit denen der Präsident iii Massen behelligt werden soll. Emer«nsrer Mitarbeiter, der Berichterstatter Joh. Wachtel. i ist am 21. November an den Folgen der Influenza unerwartet im ! �Jüdischen Kranlenhause gestorben. Herr Wachtel bearbeitete vor- uehnilich kommunale Angelegenheiten und wird als„Magistrats- berichterstatter" auch diesem und jenem parteigenössischen Stadt- � verordneten bekannt gewesen sein. Zuverläsfigkeit und Gewissen- haftigkeit zeichneten in hohem Maße den Mann an«. der im Verkehr mit den Zeitungen sich zwar strengster Un- Parteilichkeit befleißigte, deffen Herz aber auch noch in alten Tagen immer bei der Demokratie war. Diese einzige Herzens- Neigung des alten Junggesellen hatte aber auch ihren sicheren realen Untergrund. Denn Wachtel ist dereinst Revolutionär gewesen, Revolutionär mit der Flinte in der Hand. Geboren 1830 zu Gostyn iu der Provinz Posen als Sohn eines dortigen Arztes, des Sanitäts- rats Wachtel, schloß er sich 1863 der polnischen Erhebung an, die vornehmlich Dank der Haltung Preußens das bekannte tragische Ende nahm. Gern erzählte er wohl später gelegentlich beim Glase Bier von der Romantik der damaliger Kämpfe.' Jetzt ist er dahin- gegangen als stiller ober standhafter Vertreter jener immer rarer werdenden bürgerlichen Schicht, die sich nicht dazu verstehen konnte, ihre Ideale im schmutzigen Wasser des Hurrapatriotismus jju ertränken. Das Andenken des liebenswürdigen Mannes, der auch in der letzten Zeit noch so ftifch aussah, daß man ihn für einen an- gehenden Fünfziger halten konnte, werden wir in Ehren halten. Qsitttn heftigen Zusammenstoß gab es gestern vomüttag um 11 Uhr in der Luisenstraße zwischen einem elektrischen Straßenbahn- wagen und einem Kohlenwagen. Als der Wagen Nr. 1384 der Linie Nollwldorfplatz-Schönhauser Allee in voller Fahrt nach der Kronprinzenbrücke zufuhr, wollte ein Wagen der Kohlen- Handlung von F. W. Otte an der Ecke der Schnmannstraße seine Bahn kreuzen. Dem Führer Gustav Achclbcin ans der Lychenerstraße 12 gelang es nicht mehr, den elektrischen Wagen zum Stehen zu bringen. eS erfolgte vielmehr ein sehr heftiger Zusammenstoß. Achelbein kam dabei am schlimmsten weg. Ihm wurden drei Finger der rechten Hand abgequetscht, so daß er sofort nach der nahe gelegenen Chantö gebracht werden mußte. Der Kutscher des Kohlenwagens wurde vom Bock geschleudert, erlitt aber nur unbedeutende Verletzungen. Die beiden Pferde wurden umgeworfen und zogen sich starke Quetschungen und Hautabschürfungen zu. Eines geriet unter den elektrischen Wagen und konnte von Droschkenkutschern nnd Straßenbahnbeamten nur mit Mühe befreit werden. Als die Feuerwehr, die zu seiner Rettung gerufen wurde, ankam, war man gerade mit der Arbeit fertig. An dem Straßenbahn- wagen, dessen Vorderteil zertrümmert wurde, lagen die Räder so f-slgebremst, daß man ihn erst nach geraumer Zeit wieder flott bekam. Durch eine Explosiv« im Etraßenbahnwaae»« entstand estem, Sonnabendnachmittag. gegen 3 Uhr unter den Passanten in er Nähe des Rathauses große Aufregung. Der Sammlerwagen Nr. 1632, welcher auf der Linie Danzigerstraße— Nollendorfplatz ver- lehrt, fuhr, von der Königstraße kommend, in die Spandauerstrahe hiiiciu, als plötzlich ein heftiger Knall ertönte und gleichzeitig der Straßenbahnwagen in dichte Stauchwolkcn gehüllt wurde. Beim Laden der Accumulatoren hatte sich in der Batterie eine starke Gas- onsammlung aus den Säuren entwickelt, die wohl nicht genügend Abzpg fand. Infolge dessen explodierte die Batterie und zwar mit solcher Gewalt, daß die zum Schutz des Wageninncrn eingelegten eisernen Platten zersprangen und die Sitzbänke gehoben wurden. Eine der großen Scheiben wurde durch den Luftdruck zertrümmert und die Wageninsassen zu Boden geschleudert. Einer der Passagiere, der Kaufmann B., erlitt hierbei anscheinend leichtere Verletzungen, während die Übrigen Fahr- gäfte mit dem bloßen Schrecken davonkamen. Der Wagen wurde natürlich außer Betrieb gesetzt. Fenier wird uns der Brand eines Straßenbahnwagens gemeldet. Ein Sammlerwagen der Linie Schlesisches Thor— Schön'eberg war. von der ersteren Endstation lomniend. am Spittelmarkt auf Accumu- latorenbetrieb gestellt worden. In dem Augenblick, als der Wagen- führer Strom gab,«ntzündeten sich die Säuren der Batterie und zu beiden Seiten des Wagens loderten die Flammen empor. Der Fahrgäste bemächtigte sich eine Panik und alles drängte wild dem Ausgange zu. Dem Betriebspersonal gelang es, das Feuer mit einigen Eimern Wasser zu löschen, worauf der Wagen seine Fahrt fortsetzen konnte. Zahlreiche Schankasten-Einbrüche find in letzter Zeit im Centrum Berlins vorgekommen und haben die Eigentümer schwer geschädigt. Die Diebstähle wurden in der Nacht mit großem Raffinement ausgeführt und scheinen alle auf einen und denselben Thäter zurückzuführen zu sein. Besonders sind Ladenbesitzer in der Wallstraße nnd den ihr benachbarten Straßen von derartigen Dieb- stählen betroffen worden. Die Diebe haben es hauptsächlich auf solche Kästen abgesehen, in denen Goldwaren, Handschuhe, Kupfer- schmiede-Fabrikate und Stahlwaren zur Ausstellung gebracht wurden. Einen recht empfindlichen Schaden hat unter andren die Stahl- waren-Firma von Hugo Görndt in der Wallstr. 21/22 erlitten. Der Zoologische Garte« hat zwei Löffelhunde ans Deutsch- Südwesiafrika von dem bekannten Großkoufmann Hern, J. Sichel zun, Geschenk erhalten. Es sind kleine, sehr spitz. schnauzige Füchse, mit gewaltig großen, löffelförmiacn Ohren. Ihre Fiiß« sind dunkelbraun, die ganze Unterseite spielt ins Gelbliche, die Rückenfärbling ist anscheinend je nach dem Gebiete, welche? sie be- wohnen, bald grau und weiß meliert, bald grünlich gelb mit grauem Ton. Der Löffelhnnd unterscheidet sich im Gebiß von den echten Wildhundcn, den Wölfen, Schakalen und Füchsen vornehmlich dadurch, daß er vier oder sogar hänsig sechs Backzähne mehr besitzt; deshalb haben ihn die Zoologen in einer besonderen Gattung ab- gelrennt. Sie neiiiien ihn Otoc�ou msxalotis(Desur). Er lebt gesellschaftlich in der Buschsteppe, haust in den von Erdferkeln, Stachelschweinen und Erdhörnchen durchwühlten alten Termitenhaufen und nährt sich von kleinen Thieren aller Art, von de» Eiem der an der Erde brütenden Vögeln und namentlich auch von Heuschrecken. AuS de« Nachbarorten. Der VerwaltungSbericht der Charlottenburger Rrmen- dtrektlon für das Jahr 1833/1300 weist, ebenso wie der Bericht des Vorjahrs, auf die außerordentlich� starke Inanspruchnahme der Annenverwaktnng hin. Die im Boranschlage aus- geworfenen Mittel mußten wiederum ni&t unerheblich überschritten werden. Gründe der Hilfsbednrftigkeit sind auch diesmal, wie die statistische Aufnahme zeigt, überwiegend Krankheit und Altersschwäche gewesen. Eine große Rolle spielte ferner die Wohnungsnot. Die Zahl der leerstehenden Woh- nungen von einen, Zimmer ist von 221 im Mai 1898 ans 13 im November 1339 heruntergegangen. Die Schwierigkeiten für die Armcnvcrwalwng sind dadurch fortgesetzt gewachsen. Die vor- handenen Wohnbaracken sind das ganze Jahr hindurch überfüllt ge- wesen. Auch die übrigen vorhandenen Räume loarcn nahezu bis zur äußersten Grenze besetzt. Insgesamt ist 307 Personen Unter- kunft, daneben zahlreichen Familien eine Beihilfe zur A b w e n- dung der Exmission oder zur Beschaffung eines neuen Unterkommens gewährt worden. Unter den Obdachlosen befanden sich, wie der Bericht ausdrücklich hervorhebt, auck> Familien, deren Haupt ständige Beschäftigung hatte, denen es aber wegen großer Kinderzahl unmöglich war, eine Wohnung zu erhalten. Die daneben hergehende fortgesetzte sehr erhebliche Steigerung aller Mieten hat in zahlreichen Fällen die Erhöhung der Unterstützungen notwendig gemacht. Auch für die Zunahme der Zahl der Pflege- linder bezeichnet der Bericht die Wohnungsot als eine der dabei mitwirlendei, Ursachen, insofern als der WohmmgSmaugel mehrfach zur Unterbringung vo» Kindern Anlaß gegeben hat. Die Zahl der im Berichtsjahre Uliterstütztcn belief sich auf 4643, d. i. 2,53 Proz. der Einwohner, die Gesamtausgabe auf 572 354 M., d.». 8,11 M. pro Kopf der Einwohnerzahl. Von Interesse ist es. daß trotz der außerordentlichen Gesamtsteuerkraft Charlottenburgs nach den letzten vorliegenden Zahlen 1838/33 56.06 Proz. aller er- mitteiten Censiten wegen eines Einkommens von Iveniger als 300 M. ganz steuerfrei geblieben und weitere 20,96 Proz. von einen. Ein- kommen von weniger als 1200 M. besteuert gewesen sind. Es ge- hören also 77,02 Proz., d. h. mehr als drei Viertel aller selbständigen Einzelpersonen oder Familienvorstände, zu Familien, deren Ein- kommen weniger als 1200 M. beträgt. A»S Nixdorf. Ein entsetzlicher Vorfall spielte sich Freitag- nachmittag in der Laubenkolonie„Friedrichsthal" an der Wilden- bruchstraße ab. Daselbst hat der Erkstraße 8 wohnhafte Maschinist Heinrich Mathias einen Hundezwinger eingerichtet. Als die Hunde am Freitagnachmittag durch die 13jährige Tochter des M. gefüttert wurden, kam' deren Ivjähriger Bruder mit einem gleichaltrigen Spielgefährten hinzu. Letzterer, der Sohn des Pannierstr. 14 wohnhaften Maurers Ran. neckte die Hunde mit einem Stock, worauf er von zwei großen Doggen angefallen und an, ganzen Körper furchtbar zerfleischt wurde. Nachdem der Knabe in der Unfallstation die erste Hilfe erhalten, wurde er in hoffmmgS- losem Zustande nach dem Britzer Kreis-Krankenhause gebracht. Pankow. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung hatte sich wesentlich mit der Schule zu beschäftigen. Bewilligt wurde für die Einführung vo» wöchentlich sechs Handarbeitsstunden flir die Ge- meindcschule in der Kaiser Friedrichstraße die Summe von 100 M. Der seit zwei Jahren von der Gemeinde angestellte Schularzt hat nun endlich von sich hören gemacht, indem er unfrer seit Jahren gestellten Forderung beigetreten ist. Er beantragt täglicheReini- guna der Volksschulen. Nach laiiger Debatte, in welcher die „kolossalen Kosten" besonders hervorgehoben und man der Befürchtung Ausdruck gab, daß die.Fußboden nicht mehr trocken würden", wurde beschlosseu, statt der bisherige,, zwcinialigen Reinigung eine solche dreimal in der Woche stattfinden zu lassen; zu diese», Zweck wurden für jede Schule jährlich 100 M. bewilligt. Damit die Realschule nicht zu kurz komme, wurde auch dort die Neiiiigung geregelt und zu diesem Zweck 550 M. für das Jahr bewilligt I" Da durch Einführung des elektrischen Betriebs in der Klär- station große Mengen Kohlen disponibel geworden sind, wurde durch unfte Vertreter der Antrag gestellt, die Kohlen zun, Selbstkostenpreise in kleineren Mengen an die ärmere Bevölkerung zu verkaufen und auch andres Brennmaterial anzukaufen uiid zum Einkaufspreis abzugeben. Ter Antrag wurde durch den Hinweis erledigt, daß die Kesselkohle sich nicht zur Klein- feuerung eignet und ferner durch den Beschluß, daß andre Brenn- Materialien nicht auzukaufen sind. Trotzdem wurde ein Autrag angenommeii, wonach lowryweise die Kohlen zum Selbstkostenpreise abgegeben werden sollen, was bedeutet, daß industrielle Unternehmer billige Kohle bekommen.«» So treibt man kom- muuale Socialreform l Ein großes Fener zerstörte in der Nacht zum Sonnabend ein fünf Meter langes GießhauS der Freiindschen Eisenlverke in der Fra»klinstraße zu Charlottenburg. Als die Hauptwache der Feuer- ivehr um 12 Uhr genifen wurde»i»d unter Branddireltor Kiesel auf der Brandstätte eintraf, stand das Gebäude bereits ganz in Flammen. Der Branddirektor ließ„Großfetler" nachmelden, so daß die Wehr nach Ankunft der Ortswache unter Brandmeister von Lenpold mit sieben Standrohren und zivei großen Rohren der Dampfsvritze das euer bekämpfte. Die eine'Dampfspritze ivar drei Sniliden in hätigkeit, die andre noch länger. Erst um B9/« Uhr konnte die Wehr wieder abrücken. Das zweistöckige Gebäude brannre vollständig ab. die Nebengebäude wurden dagegen gerettet. Zerstört wurden liamentlich Modelle; Maschinen, die im löbergeschoß standen, hielten sich zwar auf den eisernen Trägern, wurden' aber stark beschädigt. Der Schaden ist beträchtlich, die Ursache des Brands nicht ermittelt. Die Sti»dtge«,ei»de Nixdorf, welche schon seit vielen Jahren auS Staatsniitteln einen Zuschuß von jährlich 20 000 M. für die Unterhaltung der Kommunolschulen bezieht, war bei dem Miiiisterinni für Unterrichtsangelcgenheiten um eine Erhöhung des Zuschusses eingekommen und begründete da« Gesuch damit, daß sich die Unter- Haltungskosten der Schulen in den letzte» Jahren außergewöhnlich erhöht' haben. Sie erfordern jetzt«inen Zuschuß in Höhe von 63 000 M. Das Ministerium teilte hierauf mit, daß da« Bittgesuch nicht nur keine Bewilligung finde, sondern daß vielmehr der bisher gegebene JahreSzuschuß um 10 000 M. vermindert werde und daß die Restsumme von 10000 M. als Zuschuß zu den Echullasten auch »nr noch ein einziges Mal zur Auszahlung gelange. Die städtische Schuldeputation in Rixdorf hat auf Grund diese» Bescheids be- schloffen, bei dem Minister für UnterrichtSwesen persönlich vorstellig zu werden. Zur Beschaffung vou Wohnungen für die minderbe- gütertc» Klaffen beantragt der Magistrat zu Charlotteuburg bei der Stadtverordnetenversammlung ihn zu ermächtigen, ein der Luisenkirche gehöriges, am Fürsteiibrunner Weg belegenes, 6 Hektar. 32 Ar, 5 Quadratmeter(ca. 4760 Quadratrute») großes Gelände für eine Million Mark anzukailfen. Da der Kirckenrat der Luisen-Gemeinde sich nur bis zum 31. Dezember dieses Jahres ge« Kunden, hat der Magistrat wegen der Kürze dieser Frist einen Be- schluß der neueingesetzten gemrsSten Deputation zur Beratung über die Frage der Beichaffung von Wohnungen für die minderbegüterten Klaffen vor Einbringung der jetzigen Vorlage nicht herbeiführen könne». In Charlotieubnrg, an der Ecke der Berliner« und Kirchstraße, ereignete sich gesten, mittag um 12 Uhr«in Zusammenstoß, der noch schwerere Folgen hatte, als der in der Luisenstraße. Ein elektrischer Wagen zertrümmerte einen Sandwagen von Dove, Zwei Personen, Emma Korb und Karl Schröder, beide au« der Ruheplatz- straße 22. wurden dabei schwer verletzt. Emma Korb wurde von einer Backe das Fleisch vollständig abgequetscht, Schröder erlitt mehrere Verletzungen am Kopfe. Beide klagen' auch über innere Verletzungen, die noch nicht näher festgestellt sind. Ein Koppsckicr Rettungswagen, der noch bor der ebenfalls zu Hilfe genifencil Feuerwehr eintraf, brachte die Verunglückten nach dem Charlotten- burger Kranlenhaus. Das Pferd des Saudwagens wurde getötet. Der Verkehr war längere Zeit unterbrochen. Der Stcncrkafse»- Buchhalter Wolny in Spandau, welcher sich der Unterschlagung von etiva 2300 M. eingezogener Steuer- gelber, der Urkundenfälschung und der Veiseiteschaffung eines Kassen- manuals schuldig gemacht hat, ist am Donnerstag in Unter- s u ch u n g s h a f t genommen worden. Von der ulilerschlagenen Summe sind 1500 M. durch die Amtskaution des W. gedeckt. R«S der Stadtverordneten-Sitznng In Spandau. Bei der vom Magistrat beantragten Nachbewilligung von Mitteln zur uiicnt- geltlichen Gewährung von Schulbüchern an arme Gemeindeschüler wies Genosse Ducks'ch auf die Berechtigung des von den social- demokratischen Stadtverordneten bereits mehrfach gestellten, jedoch stets abgelehnten Antrags hin,„sämtlichen Schülern der Gemeindeschuleil die nötigen Lehr- und Lernmittel rnif städtische Kosten zu liefern; die in den Etat hier eingestellten Mittel, die leider nur für die ännsten Kinder bestimmt sind, reichten für diesen Zweck bei weitem nicht zu, ivas die fortwährende, i Nachbewilligungen beweisen. Stadtv. R i e g e r(Soc.) führte darüber Klage, daß die unentgeltliche Her- gäbe von Schulbüchern heute sehr oft mit Krälikungen und schroffer Behandlung der betreffenden Kinder durch die Lehrer verknüpft sei. Dies müsse unter allen Umständen unterbleiben. Redner kündigte für die nächstjährigen Etatsberatungen zu diesem Thema wieder den bekannten Antrag seiner Freunde an. Die geforderten Betröge wurden bewilligt. In geheimer Sitzung wird hierauf die Einlegung der Revision gegen ein auf die Klage des Abdeckereibesitzers Bock gegen die Stadt Spandau vom Kammergericht ergangenes Urteil in Höhe von 21 000 M. beschlossen und die vom Magistrat nachgesuchte Beivilligung einer Entschädigung von je 300 M. an den Oberbürgermeister Költze und den Bürgermeister Wolf für die Ver- tretung des beurlaubten Stadtrats Martins abgelehnt. Gevirijks"Beif ttttfl« Ein dritter Riesenprozeß, der wiederum eine Strafkammer viele Tage hindurch beschäftigen soll, beginnt am Montag, den 26. d. M. vor der dritten Straf- kammer des Landgerichts I. An diesem Tage nimmt die erneute Hauptverhandlung des Prozesse» gegen den ehemaligen„Bank- direktor" v. Kriegsheim ihren Anfang. Den Porfitz führt wiederum Landgerichts-Direktor R ö S I e r, die Verteidigung liegt in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Schwindt, Morris und Leonh. F r i e d m a n n. Der Angeklagte befindet sich seit dem 1. Juli 1898, also fast LVe Jahre in Untersuchungshaft, ein Fall, der wohl einzig dastehen dürfte. Ursprünglich er» folgte die Verhaftung des Angeklagten nur in vier Fällen. später wurde jedoch die Untersuchung von feiten des Untersuchungsrichters von Amtswegen auf weitere 63 Be- schuldigungen ausgedehnt. Am 5. Dezember 1839 wurde da? Berfahre» gegen den Angeklagten in 26 Fällen durch Beschluß der Straftnmmer'eingestellt, ivähr'end hinsichtlich der restlichen 41 Be- schuldigungen das Hauptverfahren eröffnet wurde. Durch Urteil der 3. Strafkammer vom 16. Februar et. wurde der Angeklagte in 26 Fälle»— darunter waren die schwersten Beschuldigungen— frei- gesprochen, vier Fälle wurden abgesondert und in 11 Fällen erfolgte Verurteilung. Er wurde damals zu einer Gesamtstrafe von 6 Jahren Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Auf die von den Verteidigern eingelegte Revision hat das Reichsgerickt die Ge- sonitstrafe, solvie die Werurteilmig auf Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte, ferner die Eiuzelstrase» und Feststellungen in den vier Haupt, fällen, die 3 Jahre 9 Monate ausmachen, aufgehoben, während in drei übrigen Fällen, für die 3 Jahre 6 Monate Emzelstrafen in Betracht kommen, die Revision verworfen wurde. DaS Reichsgericht hat in drei Osfiziersfällen die von der Verteidigmig geltend ge- machte Rechtsansicht aiierkaimt. daß in der freiwilligen Erfüllung einer nicht rechtsiuirksamen Verpflichtung eine BermögenSbeschädigung im Sinne des§ 263 Str.-G.-B. nicht geftmden werden kann und daß der Angeklagte nicht Bevollmächtigter im Sinne de» 8 266 Str.-G.-B. war, sondern eigene Rechte wahrnahm. Der vierte Fall ist aus formellen Gründen aufgehoben worden. Es handlt sich hier— wie noch erinnerlich sein dürste— um den Abfindungsschein, den der An» geklagte s. Z. seiner damaligen Geliebten grau Korb vor 10 Jahren gegeben hat. Auf dem Schein soll sich außer seiner eigenen Unter- schrist auch noch die eines Herrn v. Jena befunden haben. Der An- geklagte hat in der früheren Verhandluiig bestritten und bestreitet dem Vernehmen nach noch jetzt, daß diese nicht mehr vorhandene Urkunde jemals«ine zweite Unterschrift ge- getragen hat. Er behauptet, daß hier eine Verwechslung seitens der Frau'Korb vorliege» muß und es dürfte über diesen Punkt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem Angeklagten und der Frmi Korb und zu einer umfangreichen Beweisaufnahme kommen.— Zu den vier abgesonderten Fällen, die zum erstenmal zur Ver- haiidlimg komme», gehört auch der Fall, in welchem der bekannte Gras vo» und zu E g l o f f st e i n. der zur Zeit in Plötzensee den Rest seiner Strafe verbüßt, geschädigt sein soll. In einem der Fälle, in denen die Revision verworfen ist. schwebt zur Zeit daS Wiederanfnahme-Verfahren. Der Antrag des Angeklagten, auch in allen Fällen«ine erneute Beweisaufnahme lediglich mit Rücksicht auf die Bemessung der neu zu bildenden Gesanitftrafe und mit Stück- ficht auf die Frage, ob aus Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen ist, ist' bisher abgelehnt worden. Dem Vernehmen nach soll der Antrag in der Hauptverhandlimg wieberholt werden, Vermischtes� Zu Pen TyPhuSerkrankungen im 17. Jnfanterte-Regiment in Germersheim wird gemeldet: In den letzten Tagen sind noch drei an gastrischem Fieber leidende Soldaten hinzugekommen, so daß gegenwärtig 29 Soldaten an Typhus und fünf an aastrischem Fieber erkrankt sind. Von den Typhuskranken sind drei schwer krank, bei einem von ihnen ist Besserung eingetreten. Von einem Raubmord berichtet die„Rh.- Wests. Ztg." auZ Esten: Am Freitagabend fand die Polizei, als sie mit Gewalt in einen hiesigen Laden eingedrungen war. ans weichem Geschrei von Kämpfenden erschallte, den 17jährigen Ladmaehilfe» Müller, welcher als Wächter in dem Laden schlief, mit enier klaffenden Wunde sterbend vor; neben ihm lag der Mörder, dem anscheinend mit einem kleinen Taschenmesser eine Pulsader durchsckrnitten war, ohnmächlig am Boden. Müller starb nach einer Viertelstunde. Der Mörder, der noch lebt, wurde ins Krankenhaus geschafft. Briefkasten der Kedaklion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte Abomumeiltsquittimg beizulegen. Fragen ohne solche werden mcht leant- wortet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Die juristische Sprech!,»»de findet Vtoutag. TlenStag, DonnerSing„nd Freitag uo» 7—9 Ahr abends statt. Stralsunderstrabe. Mittel zur Förbening des Haarwuchses giebt es nicht, e« sei denn, nian betrachtete die gewöhnliche und sorgsältige Pflege und Reinhaltung des«vpseS alS solche. Wegen der Beseitigung von Schinnen, die verschiedene Ursache haben tönnen, sollten Sie sich an elueu. Arzt wende». Nr. 3». Uns ist kein« Adresse dort bekannt. Wenden Sie sich an den Geuossen Paul Ringe in Dresden, Fallenstr. 13, den Verleger des„Armen Teufel", dort erfahren Sie-ine Adresse. W. R. SS. Genosse Wolfgang Heine wohnt in Berlin IWV., Rathenowerstr. 1. Pfeil. Ter Gesetzentwurf betreffend daS Urheberrecht soll Sestnimt in dieser Session dem Reichstag vorgelegt werden. Allgemeine Familien- Sterbe- Kaffe. Heute Bahttag Aderstr. 1231 Hammel 62-66, b) ältere Masthammet 50-57, c) mäßig genährte Verlauf und Tendenz. Das Rindergeschäft widelte sich in guter bei Dieke und Marianuenstr. 48 bei Liebehenschel von 3-6 Uhr. Hammel und Schafe( Merzschafe) 44-48, d) Holsteiner Niederungs- Ware ziemlich glatt, in mittlerer und geringer Ware ruhig ab. Es bleiben schafe( Lebendgewicht) 00-00. Schweine: a) vollfleischige der feineren nur wenige Stücke unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete sich ziemlich Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1 Jahren 56-57, glatt. Bei den Schafen war der Geschäftsgang ruhig; es bleibt nur unb) fchwerere, 280 Pfd. und darüber( Käser) 57-58, c) fleischige 54-55, bedeutender Ueberstand. Der Schweinemarkt verlief glatt und wurde d) gering entwideite 51-53, e) Sauen 51-53. Für 100 Pfd. mit geräumt. Marktpreise von Berlin am 23. November 1900 nach Ermittlungen des *) Welzen, gut D.- Ctr.| 15,20| 15,16 mittel 4) Gerste, gut " mittel tgl. Polizeipräsidiums. Startoffeln, neue, D- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch Schweinefleisch Montag 26. Der Barbier von Bagdad. Die roten Schuhe Dienstag 27. Der Ring des Nibelungen Das Rheingold Die Welt, Wintermärchen in der man sich Der Ring des Nibelungen Die Walküre Der wilde Reutlingen Mittwoch Donnerstag 28. 29. Cavalleria rusticana Bajazzi Die Tochter des Erasmus Freitag 30. Sonnabend 1. Der Ring des Nibelungen Siegfried Torquato Taffo Mignon Agnes Bernauer Geschlossen Geschloffen Rosenmontag 6,-4, 20 Proz. Tara. " mittel gering " 15,12 15,08 1,60 1,20 " 15,04 15, 1,30 1, Wochens " *) Doggen, gut 14,20 14,16 1,60 1,10 Spielplan. Sonntag 25. " " " 14,12 14,08 " Kalbfleisch 1, " gering 14,04 14, " Hammelfleisch 1,60 1, Opernhaus Lohengrin " " 15,40 14,60 Butter 2,80 2, " 14,50 13,80 Fier 60 Sa 4,80 3, gering 13,70 13, Karpfen 1kg 2,20 1, Schauspiel Faust 16,20 15,20 Aale 2,50 1,40 haus " " mittel 15,10 14,20 Bander 2,60 1,20 " gering 14,10 13,20 " Hechte 1,80 1, Neue Oper " Nichtstroh 7,32 " 6,66 Barsche 1,60 0,80 ( Kroll) Nathan der Weise Die Fledermaus Geschlossen 7,60 5,20 Schleie 3, 1,20 Erbsen 40, 25, Bleie 1,40 0,80 Deutsches Speiscbohnen 45, n 20, Krebse Rosenmontag per Schod 12 ,. Rosenmontag 2,50 Theater Die Macht der Finsternis Rosenmontag Linsen " 70, 30, Berliner Ueber unsre Kraft Die strengen Herren Die strengen Herren Ueber unsre Kraft Die strengen Herren Safer, gut " " Hen Leffing Theater langweilt Geschlossen Johannisfeuer Johannisfeuer Johannisfeuer Johannisfeuer Rosenmontag Wie Die Bildschniger Die Bildschniger Daheim Der Bär die Blätter Königssöhne Königssöhne Königssöhne Daheim Der Bär Schiller: Thenter Faust II. Teil ( 2. Abend) Faust II. Teil ( 1. Abend) Fauft II. Theil ( 2. Abend) Die Welt, in ber man sich Ephraims Breite langweift Hoffmanns Erzählungen Nachut.: Orestie ( Tegernsee'r) ( Tegernsee'r) Prozeßhanf'l ( Tegernsee'r) Prozeßhans't ( Tegernsee'r) B'widerwurzu Die Fledermaus Die Macht der Finsternis Die deutschen Kleinstädter Johannisfeuer Der Tod des Tintagiles. Ein Heiratsantrag Ephraims Breite Ueber unsre Kraft Wie die Blätter Der Leibalte Ephraims Breite Martha La Traviata Die Hugenotten Nachm. 3 Uhr: ( Tegernsee'r) 8'widerwurzn ( Tegernsee'r) 8'widerwurzn Sneewittchen Der Geigen macher von Mittenwald Sonntag 2. Fidelio Mitt. 12 Uhr: Matinee Der wilde Reutlingen Turandot Mitt. 12 Uhr: Mufitaufführung Die Macht der Finsternis Nm.: D. verf. Gl. Die strengen Herren Wie die Blätter Der Leibalte Das Glück im Winkel La Traviata Der Geigen macher von Mittenwald Auf den Mogen des Oceans +) frei Wagen und ab Bahn. *) ab Bahn und frei Mühle. Produktenmarkt vom 24. November. Getreide. Auch heute zeigte fich auf dem Getreidemarkt schwächere Tendenz auf die niedrigeren ausländischen Notierungen, auf vermehrtes inländisches Angebot sowie auf große russische Roggenofferten. Außerdem drückten Dezember: Regulierungen. Weizenlieferungen stellten sich durchweg ca. 75 Pf. niedriger, Roggen vordere Lieferungen gaben um 0,75 M., Mai um 0,50 M. nach. Hafer war nur schwach behauptet. Rüböl ließ auf Realisierungen 30 Pf. nach. Spiritus. 70 er Locospiritus notierte 45,90 Mart oder 10 Pfennige niedriger. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 24. November 1900. Amt: licher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 3652 Rinder 1073 Rälber, 7206 Schafe, 7951 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark( beziehungsweise für 1 Pfund in Pf.): Ochsen: a) vollfleischige, ausgemäftete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 62-67, b) junge fleischige, nicht aus: gemästete und ältere ausgemäßtete 57-61; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 54-56; d) gering genährte jeden Alters 50-54. Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwerts 60-63; b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 55-59; c) gering genährte 48-54. Färsen und Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwerts 00-00; b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 54-55; c) altere ausgemäßtete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färfen 52-53; d) mäßig genährte Kühe und Färsen 47-50; e) gering genährte Kühe und Färsen 43-45. Kälber: a) feinste Mast fälber( Bolmilchmast) und beste Saugkälber 80-82, b) mittlere Maftkälber und gute Saugfälber 70-74, c) geringe Saugfälber 50-58, d) ältere, gering genährte( Freffer) 38-45. Schafe: a) Maftlämmer und jüngere Mast Socialdemokratischer Innungs- Krankenkasse der Theater. Secessions: Bühne Theater des Westens Belle: alliance: Theater Urania: Theater Die Jüdin Der Freischütz Lucia von Lammermoor Auf den Wogen Im Hochgebirge Die Weltaus: des Oceans von Baltistan stellung in Paris 8'wiberwurzn Samoa, Deutschlands neueste Rolonte Auf den Wogen Die Weltaus: des Oceans stellung in Paris Sonntag: Die Gloden von Corneville. Montag bis infl. Sonnabend: Der Brautvater.- Thalia Theater. Diesen Sonntag( Gastspiel des Ständiges Repertoire: Residenz- Theater. Diesen Sonntag: Fernando. Alle Abende: Die Dame von Marim. Central Theater: Residenz- Theaters): Jugend. Alle Abende: Amor von heute. inkl. Donnerstag: Die Fledermaus. Freitag und folgende Tage: Die Strohwitwe. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Sonntag: Der Troubadour. Montag bis Landfriedensbruch. Montag: Berlin, wie es weint und lacht. Carl Weiß Theater. Sonntag, Dienstag: Fauftrecht und Specialitäen. Alle andren Abende außerdem: Fräulein Loreley. Mittwoch und folgende Tage: Der rechte Schlüssel. Apollo Theater. Heute: übrigen Tage: Dem Ahnl sein Geist. Bellealliance Theater: Sonntag, Montag, Dienstag; Prozeßhant'l. Die Metropol Theater. Heute Gastspiel des Lessing- Theaters: Die übrigen Tage: Der Zauberer am Nil. Socialdemokratischer Wahlverein f. den 6. Berliner Drechsler- Innung. Wahlverein für den 6. Berl. Reichst.- Wahlkreis. Den Parteigenoffen zur Nachricht, baß unser Mitglied, der Arbeiter Karl Michaelis, Freienwalberstr. 19, am 21. b. ts Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des neuen Paulskirchhofs in Plößensee aus statt. Zahlreiche Be teiligung erwünſcht [ 248/20 Der Vorstand. Ehre seinem Andenken. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß unser lieber Sohn und Bruder, der Maschinenmstr. Wilhelm Richter nach langen schweren Leiden ver: storben ist. 12006 Die Beerdigung findet Montag, den 26. d. M., nachm. 4 Uhr, von der Dienstag, d. 27. November 1900, abends 82 Uhr, im Königstadt Kasino, Holzmarkt: straße 72: Versammlung. 1. der großjährigen Kaffen: Reichstags- Wahlkreis. Die Vorstands- Sigung findet statt am Mittwoch, den 28. November, abends Punkt 129 Uhr, bei Berg mann, Bajewalterstr. 3.[ 249/1 J. A.: Fahrow, Hochstr. 35. Rostockerstraße 20, Filiale der Kochanstalt vom Central Viehhof. 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Dezember 1900, abends 7 Uhr, Andreasstr. 26, bei Wilfe, findet die Wahl von 17 Delegierten der Arbeitgeber für die Periode 1901-1902 ftatt. Als Legitimation bient die letzte Anmeldung. II. Geschäft: Dresdenerstr. 15. Herrn Bekleidung, elegante Ausführung tabelloser Sit, werden bei nur geringer Teilzahlung vergeben. J. Kurzberg, Reichenhalle des Georgen Kirchhofs, Wahlversammlung. krantenfaffenbudur groblarige HO., Landsbergerstr. 13, Um 8 Uhr, in demselben Lokal, findet die Wahl von 49 Delegierten Arbeitnehmer statt. Legitimation großjährige Die trauernden Eltern u. Schwester. mitglieder: Wahl von 86 Vergroßjährigen Kaffen: Kaffenmitglieder haben Butritt. Berlin, den 25. November 1900. Todes- Anzeige. verfammlung. tretern( Delegierten) zur General: 274/13 Der Vorstand. Landsberger Allee, aus statt. 1. der Allen Verwandten, Freunden und 2. der Innungsmitglieder, welche Bekannten die traurige Nachricht, daß für die bei ihnen beschäftigten Ber unfre liebe Mutter, Schwieger- und sonen Beiträge aus eignen Mitteln Großmutter zahlen: Wahl von 43 Vertretern( Dele: Henriette Abendroth sterten) zur Generalversammlung. nach langen Leiden im 76. Lebens: jahr verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, ben 27. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichen: Halle des Elisabeth- Friedhofs, Prinzen1240b Allee, aus, statt. Um ftille Teilnahme bitten Adolf, Karl u. Paul Abendroth. Für die zahlreiche Teilnahme am Begräbnis meines lieben Manns sage allen Verwandten, Bekannten und Freunden sowie für die vielen Stranzspenden meinen tiefsten Dant. Die trauernde Witwe Anna Schirmer geb. Schirmer, Brunnenstraße 80. [ 11976 Für die zahlreichen Kranzspenden und rege Teilnahme bei der Beerdi gung meines lieben Mannes Hermann Klein fagen wir allen unfren verbindlichsten Dant. 11986 Witwe Klein nebst Kindern. Am 4. Dezember beginnen drei neue Abendkurse f. Elektrotechnik, Maschinen: bau und Praktikum. Keine Vorkenntnisse erforder lich. Anmeldungen schleunigst, auch Sonntags bis 12 Uhr. Prinzen ,, Elektra", ftrae 55. Die Versammlungen der Kaffenmitglieder und der Innungsmitglieder finden in getrennten Räumen statt. Für die Kassenmitglieder legitimiert das Kaffenbuch. Für die Innungs mitglieder legitimiert die letzte Beitrags- Quittung zur Krankenkasse. Der Vorstand. H. Toermer, Borsigender. Ortskrankenkasse der Drechsler Die 1. verw. Gewerbe. ordentliche Generalversammlung findet am Montag, den 3. Dezember, abends präc. 8 Uhr, in den ,, Armina hallen", Kommandantenstr. 20 statt, wozu die Herren Vertreter der Kaffe, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, eingeladen werden. Tagesordnung: Neuwahl von drei Vorstandsmitgliedern, 1 Arbeitgeber, 2 Arbeitnehmer.( Die Wahl muß nach§ 38 des Statuts für Arbeit geber und Mitglieder getrennt geführt werden.) Hierauf um 82 Uhr: 11896 Generalversammlung fämtlicher Vertreter. Tagesordnung: 1. Bericht der Sta tutenberatungs- Kommission. 2. Wahl des Rechnungsausschusses pro 1900. 3. Statutenänderung,§ 55 des Statuts. 4. Regelung der Beamtengehälter. 5. Geschäftliches. Der Vorstand. J, A.: Paul Bünte, Vorsitzender. Freunden eines wirklich guten und sehr wohlbekömmlichen Traubenweins empfehle ich meinen garantiert unverfälschten[ 44/1 1898er Rotwein. Derselbe kostet in Fässern v. 30 Str. an 58 Bfg. pr. Ltr. u. in Kisten von 12 Fl. an 60 Pf. pr.Fl. von ca. 34 Ltr. Inhalt einschl. Glas. Als Probe versende ich auch 2 Fl. nebst ausführl. Preisliste per Post. Zahlreiche Anerkennungen liegen vor. Carl Th. Oehmen, Coblens a. Rh. Weinbergsbefiger u. Weinhandl. 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Druck und Verlag von War Bading in Berlin.. Nr. 275. 17. Jabrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 25. November 1900. Anträge der socialdemokratischen Fraktion an den Reichstag. vier Wochen vor dem zur Wahl bestimmten Tage Jahrzehnt hat schon mehrmals die Zahl der Todesfälle die zu jebermanns Einsicht auszulegen, und ist dies Geburten übertroffen, so 1890 um ca. 38 446, 1891 um hubor öffentlich bekannt zu machen. Wer bis 10,505, 1892 um 20 041, 1895 unt 17 813, 1890-1895 ift zum Lage vor der Wahl feine Wahlberechtigung der Ueberschuß der Todesfälle über die Geburten über 40000 nachweist, ist in die Wählerliste einzutragen. Gesetz betreffend Abänderung des Gesezes über die Gewerbe: gerichte vom 29. Juli 1890.( Wiederholt.) An Stelle der§§ 1, 2, 3, 4, 5, 10, 18, 62, 70, 78 treten folgende Bestimmungen, ferner wird hinter§ 62 ein neuer§ 62a eingeschoben: § 62. Der Anrufung ist folge zu geben, wenn sie von beiden gewesen. Würde in Frankreich die Zuwanderung die AbTeilen erfolgt und bie beteiligten Arbeiter und Arbeitgeber- leytere, wanderung nicht übertreffen, hätte es mit einer ähnlichen fofern ihre Zahl mehr als drei beträgt Bertreter bestellen, welche Abwanderung zu rechnen gehabt wie das Gebiet des mit der Verhandlung vor dem Einigungsamt beauftragt werden. Deutschen Reichs bis in die ersten 90er Jahre, so wäre die; Als Vertreter fönnen nur Beteiligte bestellt werden, welche französische Bevölkerung nicht bloß relativ, sondern absolut § 1. Für die Entscheidung von gewerblichen Streitig grokjährig find, sich im Besize der bürgerlichen Ehrenrechte be- zurückgegangen. teiten zwischen Arbeitern einerseits und ihren Arbeitgebern andrer- finden und nicht durch gerichtliche Anordnung in der Verfügung über Die Furcht der Franzosen vor dem steigenden Bevölkerungsseits, sowie zwischen Arbeitern desselben Arbeitgebers find Gewerbe- ihr Vermögen beschränkt sind. gerichte zu errichten. Soweit Arbeiter in diesem Alter nicht, oder nicht in genügender borsprung Deutschlands vor Frankreich illustrieren die folgenden Anzahl vorhanden sind, können jüngere Vertreter zugelassen werden. Bahlen. Die Bevölkerung im Gebiete des Deutschen Reichs Die Zahl der Vertreter jedes Teils soll in der Regel nicht mehr betrug als brei betragen. Das Einigungsamt tann eine größere Bahl von Bertretern zulassen. Die Errichtung erfolgt für den Bezirk einer Gemeinde durch Ortsstatut nach Maßgabe des§ 142 der Gewerbe Ordnung. Die Entscheidung der höheren Berwaltungsbehörde über die Genehmigung des Statuts ist binnen sechs Monaten zu erteilen. Die Entscheidung, durch welche die Genehmigung versagt wird, muß mit Gründen verscheidet das Einigungsamt nach freiem Ermessen. Ob die Vertreter für genügend legitimiert au erachten sind, entfehen sein. Mehrere Gemeinden können sich durch übereinstimmende Orts-§ 62a( neu). Erfolgt die Anrufung nur von seiten einer Partei, ftatuten zur Errichtung eines gemeinsamen Geiverbegerichts für ihre so hat der Vorsitzende hiervon einer oder mehreren der ihm als Bezirke vereinigen. Für die Genehmigung der übereinstimmenden Vertrauensmänner der andern Partei bekannten Personen Kenntnis Ortsstatute ist die höhere Verwaltungsbehörde zuständig, in deren 8 geben und zugleich nach Möglichkeit dahin zu wirken, daß auch Bezirk das Gewerbegericht seinen Siz haben soll. die andre Partei sich zur Anrufung des Einigungsamts bereit findet. Weigert sich die andre Partei, so hat das Einigungsamt alsdann öffentlich den Schiedsspruch über den Streitfall abzugeben, wobei es die Partei bezeichnet, die sich dem Einigungsversuch ent30gen hat, und die ihm für diese Handlungsweise bekannt gewordenen Gründe angiebt. bestehenden oder später errichteten Gewerbegerichts begründet ist. 24 888 000 Seelen im Jahre 1816. 1820 26 294 000 # " 1840 1860 1880 82 787 000 87 747 000 45 286 000 " " 1890 49 428 000 . 1895 52 279 868 Dagegen betrug die Bevölkerung des jeweiligen Gebiets von Frankreich im Jahre 1821. 30 461 000 Seelen 1841. 34 250 000 1861. 87 886.000 " # " H 1881 1891. 1896. 87 672 000 " 88 848 000 " 38 517 000 " " Jugleichen kann ein Gewerbegericht für den Bezirk eines weiteren Kommunalverbands errichtet werden. Die Errichtung erfolgt in diesem Falle nach Maßgabe der Vorschriften, nach welchen Angelegenheiten des Verbands statutarisch geregelt werden. Die Buständigkeit eines solchen Gerichts ist ausgeschlossen, soweit die Zu Auch in andren Fällen soll der Vorsitzende bei Streitigkeiten der ständigkeit eines für eine oder mehrere Gemeinden des Bezirks in§ 61 bezeichneten Art auf die Anrufung des Einigungsamts hin- Bet diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, daß Frankreich § 2. Als Arbeiter im Sinne dieses Gefeges gelten diejenigen zuwirken suchen und dieselbe den Parteien bei geeigneter Beranlassung im Jahre 1860 durch die Einverleibung von Savoyen und Gefellent, Gehilfen, Fabritarbeiter und Lehrlinge, auf welche Titel 7 nahelegen. Nizza einen Bevölkerungszuwachs von 689 000 Seelen, im der Gewerbe- Ordnung Anwendung findet, ferner alle imfonen vorzuladen und zu vernehmen. Er kann hierbei für den Fall Abnahme von 1 597 000 Seelen erfuhr. Der Vorsitzende ist befugt, an den Streitigkeiten beteiligte Ber- Jahre 1871 durch den Verlust von Elsaß und Lothringen eine Bergbau, in der Land Forstwirtschaft, imbes Handel und Verkehr oder als Gesinde beschäftigten Beröffentlichung des Nichterscheinens androhen. Gegen die Feſtſeßung Die Volkszählungen an dieser Jahreswende dürften zeigen, des Nichterscheinens eine Geldstrafe bis zu tausend Mart und die Abnahme von 1 597 000 Seelen erfuhr. Perfonen. Desgleichen gelten als Arbeiter im Sinne dieses Gefeßes der Strafe findet Beschwerde nach den Bestimmungen der Civil daß das Deutsche Reich um ca. 17 Millionen Einwohner mehr Betriebsbeamte, Wertmeister und mit höheren technischen Dienst Prozeßordnung statt. haben dürfte wie Frankreich, oder mit andren Worten, daß leistungen betraute Angestellte, deren Jahresarbeitsverdienst an Lohn Staatsbehörden oder des Vorstands des Kommunalverbands, für der Niederlande, der Schweiz, Norwegens und eines Tells § 70. Das Gewerbegericht ist verpflichtet, auf Ansuchen von neben der Kopfzahl der französischen Bevölkerung, die Belgiens, oder Gehalt zweitausend Mart nicht übersteigt. Als Arbeitgeber im Sinne dieses Gefeges gilt welchen dasselbe errichtet ist, Gutachten über gewerbliche Schwedens in unfren Grenzen wohnt. jeder selbständige Gewerbetreibende, auch wenn Gutachten müssen Ausschüsse aus der Mitte des Gewerbegerichts Boltsvermehrungstendenzen diesseits und jenseits der Vogesen dragen abzugeben. Zur Vorbereitung oder Abgabe derartiger Diese Gegenüberstellungen scheinen für ganz verschiedene §3. Die Gewerbegerichte find ohne Rüdsicht auf den Wert des gebildet werden. Streitgegenstands zuständig für Streitigfeiten: er teine Arbeiter beschäftigt. Diese Ausschüsse müssen, sofern es sich um Fragen handelt, zu sprechen, sie lehren aber soviel wie gar nichts über die 1. wegen der aus dem Arbeitsverhältnis folgenden welche die Interessen beider Theile berühren, zu gleichen Teilen aus Ursachen dieser Erscheinungsreihen und über die Schlüsse, die Verpflichtungen und Entschädigungsansprüche, wegen Arbeitgebern und Arbeitern zusammengefeßt sein. der Politiker aus ihnen zu ziehen hat. Weber im Deutschen Nichterfüllung derfelben oder nicht gehöriger Erfüllung, lichen Fragen, welche die seiner Gerichtsbarkeit unterstehenden Be- Landestellen gleichmäßig; wir finden in Deutschland Gegenden In gleicher Weise ist das Gewerbegericht berechtigt, in gewerb Reiche noch in Frankreich ist die Volksvermehrung in allen insbesondere der Ansprüche über den Antritt, die Fort- lichen jezung oder die Auflösung des Arbeitsverhältnisses, über die triebe berühren, Anträge an Behörden und an Vertretungen von mit starker und mit schwacher Bevölkerungszunahme, wir Aushändigung oder den Inhalt des Arbeitsbuch s Kommunalverbänden zu richten. finden in Frankreich Departements mit großen Geburtenüberoder 8eugnisises, sowie über die sonstigen Leistungen und Die Borsitzenden der Gewerbegerichte find verpflichtet Entschädigungsansprüche aus dem Arbeitsverhält diese Ausschiffe einzuberufen, wenn der vierte Teil der Beischüssen und andre mit starkem Ueberwiegen der Todesfälle über die Geburtenziffern. nis, über Bahlung einer Stonventionalstrafe, über fiter des betreffenden Gewerbegerichts es beantragt. Das Gewerbegericht ist berechtigt, auch an gefengebende Betrachten wir die Gegensätze in Deutschland, so ergiebt Ridgabe aus Anlaß des Arbeitsverhältnisses übergebener Beng Körperschaften Petitionen, Anträge und Gutachten über Gesetzes: fich für die lange Periode von 1816. bis 1895 im Durchschnitt vorlagen zu senden. eine jährliche Bevölkerungszunahme in Prozenten: im Königreich Sachsen Rheinland. Das Nähere bestimmt das Statut. • 2,75| in Bayern rechts des heins 0,75 " . 2,12 Medlenburg- Schwerin.. 1,19: 1,82 Mecklenburg- Strelig..0,53 " Aneignung der Arbeitszeugnisse oder durch Berlegung Borschriften über das Verwaltungszwangsverfahren au boll. hochindustriellen Gebiete, die mit schwacher Bevölkerungs2 § 4. Bur Buständigkeit der Gewerbegerichte gehören ferner Streitigkeiten der im§ 3 Nr. 1-2 bezeichneten Art zwischen Personen, welche für bestimmte Personen außer halb der Arbeitsstätte der letzteren mit Anfertigung gewerb licher Erzeugnisse beschäftigt find( Heimarbeiter, Hausgewerbetreibende), und ihren Arbeitgebern, sofern die Beschäftigung auf die Bearbeitung oder Verarbeitung der den ersteren von den Arbeitgebern gelieferten Rohstoffe oder Halbfabrikate beschränkt ist. Das gleiche gilt von Streitigkeiten der im§ 3 Nr. 3 bezeichneten Art zwischen folchen Hausgewerbetreibenden untereinander. Streitigkeiten der jenigen Hausgewerbetreibenden, welche Rohstoffe oder Halbfabritate selbst beschaffen, unterliegen ebenfalls der Zuständigkeit der Gewerbegerichte. Bevölkerungsfrage und IndustrieEntwickelung. bon nisse, Bücher, Legitimationspapiere, Urkunden, Gerätschaften, Kleidungsstü de oder Raution und dergleichen, sowie die Ansprüche auf Entschädigung wegen ber weigerter oder verzögerter Aushändigung dieser§ 73. Die vor dem Gemeindevorsteher geschlossenen Vergleiche, Sachen oder wegen Ausstellung inhaltlich unrichtiger Beugnisse; sowie die rechtskräftigen oder vollstreckbaren Entscheidungen des in Anhalt. 2. wegen vorfäßlicher Schadenszufügung in einer felben find, sofern die Partei es beantragt, auf Ersuchen gegen die guten Sitten verstoßenden Weise, insbesondere durch des Gemeindevorstehers durch die Ortspolizeibehörde nach den Die Gebiete mit starker Bevölkerungszunahme find die der Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisie, sowie ftreden. Ein unmittelbarer Zivang zur Vornahme einer Handlung zunahme haben überwiegend Landwirtschaft treibende Be wegen lleberlassung, Benugung oder Räumung von ist nur im Falle des§ 130 der Gewerbe- Ordnung zulässig. Wo ein völkerung. In Frankreich hatten 1895 nur 29 Departements Wohnungen, die vom Arbeitgeber bem Arbeiter Verwaltungszwangsverfahren nicht besteht, finden die Bestimmungen einen Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle, in den entgeltlich oder unentgeltlich überlassen werden, und über die Zwangsvollstreckung in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten An- übrigen 58 Departements überwogen die Todesfälle die Gewegen Zahlung des Wietspreises oder Herstellung wendung. von Reparaturen für diese Wohnungen. Auf die Vollstreckung der Entscheidungen findet 8 888 burten! Die zwei hochindustriellen Departements Nord und Auf die Vollstreckung der Entscheidungen findet§ 888 Bas de Calais trugen 1882-1886 26 Broz., 1886-1890 53 Proz. 3. Wegen der Ansprüche, welche auf Grund der Uebernahme der Civilprozekordnung Anwendung. einer gemeinsamen Arbeit von Arbeitern, desselben Arbeitgebers Alle diesem Geseze entgegenstehenden Bestimmungen treten zum gesamten französischen Bevölkerungszuwachs bei und. gegen einander erhoben werden. außer Kraft. 1891-1894 war ihr Ueberschuß der Geburten über die Lodesfälle 84 000, während der ganz Frankreich sich auf bloß 16 000 bezifferte! Diese Zahlen lehren, daß die industrielle Entwickelung und die Bevölkerungszunahme in einem Zusammenhange stehen, der den so militärfrommen und Staatsschuß in und Staatsschutz in allen Formen Unter allen Großstaaten weist Frankreich allein das fordernden Agrariern unbequem sein muß und von ihnen des-. Phänomen einer fast stationären Bevölkerung auf; während halb so gerne, wenn auch erfolglos, bestritten wird. Erwägt, England, Deutschland und die Vereinigten Staaten mit über man, daß in Deutschland der prozentuale Anteil der Bandaus rasch zunehmender Bevölkerung rechnen, ist der Abstand wirtschaft( 1895) nur 39,9 Proz., in Frankreich dagegen( 1891) der Volkszahl Frankreichs von der Deutschlands von Jahr 44,8 Proz. der Bevölkerung ausmachte, so dürfte die Be zehnt zu Jahrzehnt größer geworden. Ohne die Zuwanderung deutung der rascheren und langsameren Entwicklung zum belgischer, deutscher und italienischer Arbeiter ließe sich die Industriestaate für die Volksvermehrung nicht von der Hand Produktion im französischen Bergbau und in seiner Industrie zu weisen sein. England, des ersten Industriestaats riesige nicht aufrecht erhalten, der große Kolonialbefiz Frankreichs in Bevölkerungszunahnie und Irlands Entvölkerung sind, wenn Algier, Tunis, Dahomey, Tonking 2c. erfordert Menschenmassen, auch andre Ursachen dieses Gegensatzes daneben bestehen, hier die Frankreich auf die Dauer nicht abgeben kann. All' das sind auch anzuführen. große Sorgen für die französischen Staatsmänner; nicht die wichtigste aber die brennendste vom Gesichtspunkte des Wettrüstens ist die Unmöglichkeit, auf die Dauer mit der deutschen Heeresvermehrung gleichen Schritt zu halten, da man selbst bei größter Strenge der Rekrutierungskommissionen nicht die gleichen Massen für den Heeresdienst ausheben fann wie im Deutschen Reiche. Die Vertreter der, grande nation" bangen Die im§ 32 des Gerichtsverfassungsgefeges bezeichneten Berordentlichen Zurückbleibens der Geburtenzahl hinter andren um die Großmachtsstellung ihres Lands, wegen des außer fonen fönnen nicht berufen werden. § 13. Bur Teilnahme an den Wahlen(§ 12) ist ohne Ländern. Gerade jekt, wo den Franzosen auf der Unterschied des Geschlechtsberechtigt, wer das Pariser Weltausstellung die großartige wirtschaftliche Ent21. Lebensjahr vollendet und in dem Bezirk des Gewerbe- wickelung des Deutschen Reichs vor Augen geführt wurde, gerichts Wohnung oder Beschäftigung hat. Die im§ 32 des werden die Bedenken über die Zukunft Frankreichs immer Gerichtsverfassungsgeseges benannten Personen sind nicht wahl lauter geäußert. Erst in der letzten Woche hat der französische Senat, eine der ersten Arbeiten nach seinem Zusammentritt, Ist die Zuständigkeit des Gewerbegerichts auf bestimmte Arten eine Kommission eingesetzt, die Vorschläge unterbreiten foll, von Gewerbes oder Fabrikbetrieben beschränkt(§ 6 Abs. 1), fo find nur die Arbeitgeber und Arbeiter dieser Betriebe wählbar und wahl. welche eine bedeutendere Hebung der Volkszahl herbeiführen berechtigt. tönnten. Seit fast vierzig Jahren haben sich in Frankreich Die nähern Bestimmungen über die Wahl und das Verfahren Parlament und Regierungen, politische Parteien, gelehrte wie bei derselben werden durch das Statut getroffen. Es tann ins- gemeinnütige Gesellschaften, Männer der Wissenschaft und Kurbesondere festgesetzt werden, daß bestimmte gewerbliche Gruppen je pfuscher mit der Frage der Volksvermehrung beschäftigt. Ist in einen oder mehrere Beisiger zu wählen haben. England die Zahl der Neomalthufianer sehr groß, so haben in In Gemeinden oder weiteren Rommunal- Frankreich alle Nationalökonomen, die den Lehren des Malthusiaverbänden, für welche ein Gewerbegericht be- nismus weite Verbreitung gegeben hatten, aufgehört, die Besteht, dürfen Innungsschiedsgerichte nicht er richtet werden. Besteht ein Innungsschiedsschränkung der Geburtenzahl als ökonomisch und socialpolitisch zentration der Bevölkerung zu den Großstädten. 1801 lebten in gericht, so ist dasselbe, wenn ein Gewerbegericht müßlich zu bezeichnen. Der Ueberschuß der Geburten über die Frankreich blos 1699 000, 1896 6 212 000 Einwohner in errichtet wird, aufzuheben. Todesfälle bleibt in Frankreich seit langem hinter andren Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern. Im Deutschen Reiche § 5. Durch die Zuständigkeit eines Gewerbegerichts wird die Zuständigkeit der ordentlichen Gerichte ausgeschlossen. Bereinbarungen, durch welche der Zuständig. teit des Gewerbegerichts unterliegende Streitig teiten der Entscheidung dieses Gerichts entaogen werden, sind nichtig. § 10. Bum Mitglied eines Gewerbegerichts soll ohne Unter schied des Geschlechts mur berufen werden, wer das 25. Lebensjahr vollendet, in dem der Wahl vorangegangenen Jahre für sich oder seine Familie Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln nicht empfangen oder die empfangene Armenunterstüßung erstattet hat und in dem Bezirk des Gerichts seit mindestens einen Jahr wohnt oder beschäftigt ist. berechtigt. " Wohl klingt noch vielfach in der öffentlichen Diskussion die Rousseausche Ansicht nach, daß die Großstädte den Staat erschöpfen und seine Schwäche verursachen, daß das Dorf die Bedeutung des Lands und die ländliche Bevölkerung die Nation geschaffen habe, aber die Unrichtigkeit dieser Auffassung ist für Deutschland und England ebenso erwiesen wie für Frankreich. Wohl möchte Miquel heute mit feiner Colbert Weuster nachahmen, der unter andren Maßnahmen eine Wohnungsgefeggebung" fettes großen franzöfifchen Vorgängers Erhöhung der Municipalitäten durchführen wollte, um den Landleuten sowie den Handwerkern der Kleinen Städte den Aufenthalt in Paris und andren Großstädten zu erschweren oder gar unmöglich zn machen und auf diese Weise der Entvölkerung des platten Lands vorzubeugen. N Aber die Politik Colberts hat sich nicht bewährt, die Miquels, wird auch nicht den erwarteten Erfolg haben. Frankreich wird bei Fortsetzung seiner agrarischen Hochschutzzoll- Politit, seiner langsamen industriellen Entwicklung feine Kenderung seiner Bevölkerungsbewegung herbeiführen können und das Deutsche Reich würde bei Erfüllung der Ideale der Miquel, Kanik, Oertel und Genossen die verhängnisvollsten Rückschritte machen, seine wirtschaftliche und politische Macht würde sich nicht steigern, sondern vermindern. Immer stärker wird in Frankreich wie bei uns die KonDie Gemeindebehörde hat eine Liste der Wahl- Ländern zurück, diese Erscheinung beunruhigt die Franzosen wohnten 1871 von je 1000 Einwohnern 48, 1885 95, 1890 114 berechtigten aufzustellen. Bolizeibehörden, um so mehr, als dieser Ueberschuß immer geringer in in Städten über 100 000 Einwohnern, 1890 wohnten in den 24 Krantentajien, welche im Bezirk des Gewerbe Frankreich, immer größer in andren Ländern wird. Er Städten mit über 100 000 Einwohnern 5 631 014 Personen. gerichts bestehen, oder eine örtliche Verwaltungsstelle haben, betrug in Frankreich 4,0 Broz.( 1841 bis 1850), 2,3 Pro3. Am 2. Dezember wohnten schon 7080 580 Einwohner in den find verpflichtet, der Gemeindebehörde auf 23 er( 1851-1860), 2,6 Proz.( 1861-1870), 1,7 Pro3.( 1871-1880) Städten mit über 100 000 Bewohnern, somit von je 1000 Tangen bie für die Fertigung der Wählerliste Arbeitgeber und Arbeitnehmer erforderlichen und nur noch 0,2 Broz.( 1881-1890); dagegen im Gebiete gezählten Personen 136. Immer mehr nimmt der Anteil der Ausfünfte zu geben, insbesondere Einsicht des Deutschen Reichs in den gleichen Jahrzehnten 9,4, 9,0. städtischen an der Gesamtbevölkerung zu und gleicherweise geht der Mitglieder Verzeichnisse bezw. Gewerbe 10,3, 11,9 und 11,7 Broz. und in Großbritannien( ohne der Anteil der ländlichen zurück. Immer größere Bevölkerungs Anzeigen zu gewähren. Die Liste ist während Frland) 10,2, 11,9, 12,7, 14,0 und 13,3 Proz. Jm legten teile werden industriell beschäftigt, so daß die Erhaltung der Woltstraft von dem Wohlbefinden der in den Städten und Fabriken sich anhäufenden Arbeitermassen abhängt. Zwei Lehren ergeben sich aus diesen Betrachtungen für den praktischen Politiker: Bevölkerungszunahme und IndustrieEntwicklung stehen im engsten Zusammenhange, zur Erhaltung der Volkskraft ist Sicherung der industriellen Arbeiterbevölkerung vor zu großer Ausbeutung und vor den un gefunden Einflüssen großer Menschenansammlungen erforderlich, also freies Stoalitionsrecht und wirksame Arbeiterschutz- Geseze sowie Rücksicht auf die sociale Hygiene bei allen Maßnahmen der städtischen Verwaltungen. Bei uns denkt man aber an ganz andre Dinge, an Chinapolitit, 10 Mart- 3ölle für Getreide und Fesselung der Landbevölkerung an die Gutsbezirke unsrer Junker. Sociales. machten, stimmten alle überein, daß sie noch auf keinem Schiffe so Es entspann sich eine rege Diskussion, in deren Verlauf ein fchlechte Zwischendeckverhältnisse angetroffen hätten, wie auf" Kaiser alter Parteigenosse das Vorgehen der Fraktion nicht scharf genug Wilhelm der Große". Und dabei ist das, was ich mitgeteilt habe, fand. Wie die Distufionsredner, so widerlegte auch der Referent nur eine einzige Auslese, da es mir meine Zeit nicht erlaubt, mich im Schlußwort derartige unbegründete Behauptungen. Die socialdamit näher zu beschäftigen." demokratischen Abgeordneten träten durchaus nicht zimperlich auf. Kajüten für die Wohlhabenden aufs luxuriöseste ausgestattet sind irgend möglich sei. Durch ein brüskes Auftreten der Partei täme So wird das Volk auf den Schiffen befördert, auf denen die Sie gingen gerade so weit, wie es in Anbetracht der Sachlage nur und die Verpflegung der Kajütenpaffagiere eine überüppige ist. man auch nicht weiter, wie heute. Eine fortwährende Agitationswärts helfen und unserm Ziele näher bringen.( Lebhafte Zus und Organisationsthätigkeit werde uns in treuer Kleinarbeit vorstimmung.) Agrarier atvei Fliegen mit einer Klappe: Sie bekommen billige Bei der Verwendung von Kindern zur Arbeit schlagen die Arbeitskräfte, das ist eine Linderung des Arbeitermangels; zweitens tommen die Kinder nicht in die Schule, was ganz nach dem Herzen der Herren Landwirte ist, denn die dümmsten Arbeiter sind die besten." Mit großer Mehrheit nahm der landwirtschaftliche Ortsverein in Stannaiffen fürzlich eine Resolution an, in der der landwirtschaftliche Centralverein für Ostpreußen ersucht wird, dahin zu wirken, daß nach dem Muster der Hütescheine für Knaben für das Sommerhalbjahr auch Losscheine( Freischeine) für Mädchen verabfolgt werden. Die Mädchen sollen mehr im Haushalt als zum Hüten Verwendung finden. Während die Schulknaben den Hirt, sollen die Mädchen die Mägde ersetzen. Wahlverein des vierten Kreises( Often). In der Ver sammlung am Dienstag gab der Vorsitzende zunächst eine Erklärung für den Genossen S. ab, dem man den Vorwurf des Streifbrechens gemacht hatte. Dann hielt Ingenieur Grempe einen Vortrag über Berbesserungen im Verkehrswesen". Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag wird nochmals über die Anglegenheit des Genossen K. verhandelt und nach längerer Debatte eine fünfgliedrige Kommission gewählt, die die Sache nochmals untersuchen soll. Ein Antrag des Genossen Penn, eine Berufsstatistik der Genossen des 4. Wahlkreises aufzunehmen, wird dem Vorstand zur Durchführung überwiesen. Die Herabsehung der gesehlich zulässigen Arbeitszeit in In der Debatte wurde von einem einsichtigen Mann wiederStunden ist zur Zeit Gegenstand einer miniſteriellen Umfrage und Erziehung durch die Schule auf die Mädchen wirken und wie Salon die wegen der Ersatzwahl zurückgestellte Generalversammlung Bleifarben: und Bleizucker: Fabriken auf ſechs oder acht holt darauf hingewiesen, wie nachteilig der Mangel an Unterricht Im socialdemokratischen Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis fand am Dienstagabend im Stolberger Das hat die rheinischen Bleiweiß Fabrikanten zu einer anscheinend umfangreichen Agitation veranlaßt. Sie gefährlich eine solche Ausbeutung derselben für Gesundheit und Ge- statt, Nach Erledigung geschäftlicher Formalitäten wurde das Anhaben eine Eingabe gegen die geplante Arbeitszeitverkürzung ver- itung werden müsse. Die für Kinderarbeit und Volksverðummung benten der verstorbenen Parteigenossen Gustav Siebert, Baul anstaltet, und es ist ihnen gelungen, mehrere Körperschaften, darunter kämpfenden Herren ließen sich nicht irre machen. sogar Handelskammern, zur Unterstützung dieser Eingabe zu bestimmen. Die Handelskammer in Mülheim a. Rh. hat, wie es in deren offiziellen Verhandlungsbericht heißt, auf Grund von Unterlagen, die ihr von den rheinischen Farbenfabriken unterbreitet wurden, sich davon überzeugt, daß ein Bedürfnis für eine Herabsetzung nicht vorliegt, und im Interesse der in ihrem Bezirk vorhandenen sehr bedeutenden Bleiweißfabrikation die rheinischen Farbenfabriken durch eine Eingabe an den Minister für Handel und Gewerbe in ihrer Stellung nahme gegen die Herabfezung der Arbeitszeit unterstützt". " Dersammlungen. Steinwächter, Wilhelm Schure, Wilhelm Pormann, Hermann Krawczat, Wilhelm Albrecht und Wilhelm Knuth in der üblichen Weise geehrt. Den Bericht des Vorstands gab Kiesel. Er führte aus, daß der Wahlverein für den 6. Kreis in der lezten Zeit vielleicht durch die Wahlagitation, höchst wahrscheinlich aber noch mehr infolge der Das Thema: Christentum und Socialdemokratie stand am Einführung der Aufnahmescheine, eine welche intensive Donnerstag wieder auf der Tagesordnung einer vom ersten Wahl- Agitation in Haus und Werkstatt gestatten, eine bemerkenswerte verein nach den Arminhallen einberufenen öffentlichen Versammlung. Steigerung der Mitgliederzahl zu verzeichnen habe. Während Der Andrang zu derselben war so start, daß Saal und Nebenräume am Schlusse des vorlegten Quartals 5738 Mitglieder ge überfüllt waren und das Lokal polizeilich abgesperrt wurde. Der zählt wurden, ist diese Mitgliederzahl am Schlusse des Auch die Handelskammer in Köln nimmt einen ähnlichen Stand- Referent, Genosse Göhre, leitete seine Ausführungen mit der Be- legten Quartals auf 6616 gestiegen und auch im vorigen punkt ein, und hierbei ist es von ganz besonderem Interesse, mertung ein, daß er nicht aus eignem Antriebe schon wieder Monat find noch 376 Mitglieder neu hinzugekommen. Da man welche Rolle bei der Stellungnahme zu dem Schutz der über das erst am Dienstag behandelte Thema spreche, also mit der Einführung der Aufnahmefcheine, die jetzt vergriffen gesundheitlich fo schwer bedrohten Bleiweißarbeiter ein sondern daß das auf Wunsch der Genossen des ersten find, sehr zufrieden sein könne, so habe der Vorstand beschlossen, Mitglied des provisorischen Komitees zur Wahlkreises geschehe. In feinem Vortrage vertrat Genoffe folche Scheine von neuem anfertigen zu lassen, womit sich die VerBildung einer deutschen Settion der Inter- Göhre denselben Standpunt, den er am Dienstag im zweiten Wahl- fammlung einverstanden erklärte. Während des letzten Quartals find nationalen Vereinigung für gefeßlichen Arbeiter- treise eingenommen hatte. Mit aller Schärfe betonte er, daß er 11 Versammlungen abgehalten worden, von denen einige öffent fchu" gespielt hat. Dieses Mitglied ist der Syndikus unterscheide zwischen Christenthum und Kirche, daß er liche waren, um den Frauen Gelegenheit zu geben, daran teilder Kölner Handelskammer, Herr Birminghans, deffen Name die lettere entschieden bekämpfe, daß er aber, da die in Parteikreisen nehmen zu können. Schiedsgerichte find zwei zusammengetreten, mit unter der Einladung zur Bildung der bezeichneten deutschen über das Christentum herrschende Anschauung veraltet sei, von der die aber beide nur persönliche Streitigkeiten zu erledigen Sektion steht. Herr Birminghaus trug nach in Kölner Partei eine Revision dieser Anschauungen fordere, sowie die hatten. Gegen verschiedene Parteigenoffen und Mitglieder des Blättern enthaltenen Mitteilunben als Berichterstatter der fonsequente Bethätigung des Grundfakes: Religion ist Privatsache." sechsten Wahlvereins ist Beschwerde erhoben worden, daß sie bei borberatenden Kommission in der betreffenden Handelskammer- Diese Stellung sei die Partei ihrem eignen Interesse schuldig, der Nachwahl nicht gewählt haben. So sei gegen den Vorstand der Sizung vor: Die Behauptung, daß die Gefahr für die Gesundheit denn viele, die mit den ökonomischen und politischen Be Organisation der Lithographen und Steinbruder, Otto Gillier, in Bleifarben- und Bleizuckerfabriken ebenso groß sei wie in den strebungen der Socialdemokratie vollkommen einverstanden sind, scheuten dieser Vorwurf erhoben worden; es sei aber feſtgeſtellt, daß Accumulatorenfabriken, für die eine Arbeitszeit- Beschränkung bereits den Uebertritt zur Partei nur wegen der feindlichen Tendenz der Sillier wegen eines in Rheydt plötzlich ausgebrochenen Streifs in dem bon dem Minister ins Auge gefaßten Umfange felben gegen das Christentum. Der Redner griff auf einige am Tage der Wahl von Berlin abreisen mußte und deshalb besteht, sei unerwiesen(?). Der Grund, daß die Erkrankungen in Aeußerungen Fischers in der Dienstag- Bersammlung zurück und auch nicht wählen konnte. So tönne es auch in andren den Bleifarbenfabriken zugenommen haben, liege in dem häu- meinte, die Revision der socialistischen Schriften, die sich mit dem Fällen liegen und deshalb müßten die Parteigenoffen diesbezügliche figen Wechsel der Arbeiter. Es sei zu erwägen, ob nicht durch Christentum befassen, gehe doch nicht nur wie Fischer sagte Vorwürfe dem Vorstand zur Untersuchung überwiesen. Tauschel eine strengere Beachtung der bestehenden Vorschriften eine Besse- die Theoretiker an, sondern sie sei insofern eine Sache der Partei, erstattete den Stassenbericht. Nach demselben beliefen sich die Einnahmen rung herbeizuführen fei. Die bisher gefeßlich zulässig höchste als die Parteigenossen ihr Wissen über Christentum und auf 3723,02 und die Ausgaben auf 3137,75 M., so daß ein Kaſſenbestand von Arbeitszeit bon 12 Stunden werde in jenen Betrieben Religion aus diesen Schriften schöpfen und nun zu falschen 585,27 m. verblieb. In der auf diese Berichte folgenden Diskussion gar nicht erreicht, vielmehr dauere die Arbeitszeit durchgehends Anschauungen kommen, weil diese Schriften den neuesten Forschungen wurde besonders die Art und Weise der Aufstellung der Kandidatur nur(!) 91/2 bis 10 Stunden, und davon komme noch die Zeit für nicht Rechnung tragen. Darin habe Fischer recht, daß die bei der Reichstagswahl einer Stritit unterzogen. Gegen den jetzigen das Umkleiden und Waschen in Abzug. Eine weitere Arbeitszeit- Partei die in der genannten Litteratur vertretene Strömung sich Vertreter des Kreiſes ſei absolut nichts einzuwenden, aber die berfürzung fönne nur dann in Betracht kommen, wenn die Erkrankung nicht zu eigen gemacht hat. Zum Schluß forderte der Vor- Parteigenoffen in ihrer Gesamtheit hätten ein Recht, bei der auf das Verweilen der Arbeiter, in ungesunder Luft zurückzuführen tragende: Größte Achtung vor dem jegt wieder neu entdeckten Nominierung des Kandidaten der ausschlaggebende Faktor zu sein. Das sei. Das sei aber feineswegs der Fall bei Beobachtung der in Urdhristentum, aber Kampf gegen jeden Mißbrauch sei jetzt nicht der Fall gewesen. Es wurde eine größere Selbständig diefer Beziehung bestehenden Vorschriften; vielmehr beruhe bie desselben. feit und eine höhere Initiative der Bezirksführer gefordert. Eine Erkrankung stets( 1) auf der Berührung der schädlichen Stoffe ohne Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine längere Debatte entspann sich auch über den vom Charlottenburger die Benutzung der vorgeschriebenen Handschuhe und ohne die Beob- lange Debatte. Die Genossen Manasse, Regge, Kolbe, Wahlverein ausgehenden Antrag, Accordmaurer fünftighin aus achtung der sonstigen Schutzvorschriften. Die Kommission habe Frau Gibert und andre polemisierten unter lebhaftem Beifall den politischen Organisationen auszuschließen. Dem Vorstande wurde daher Bedenken gegen eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit, um- gegen Göhre. Kurz zusammengefaßt war der Gedankengang aufgegeben, die beiden Delegierten vom 6. Wahlverein zu der dieferTomehr, als dies die Konkurrenzfähigkeit der Industrie im Auslande der Redner ungefähr der: Das Christentum sei, gleich andren halb stattfindenden Konferenz aller focialdemokratischen Wahlvereine in Frage stellen würde. Die Regierung sei zu ersuchen, vor einem Religionen, ein Produkt der Verhältnisse, entstanden aus unklaren Berlins und Umgegend dahin zu instruieren, daß statt Accordmaurer etwaigen Vorgehen Sachverständige und die Interessenten selbst zu religiösen Vorstellungen einer geistig nicht entwickelten Bevölkerung, Streitbrecher gesagt wird. In seinem Schlußwort berichtigte Stiefel Die Kammer schloß sich diesen Darlegungen an. und ausgebaut und benutzt zum Zwed der Unterdrückung. Was an einige Mißberständnisse aus der Diskussion und wies einige unDie Aufgaben der Internationalen Vereinigung für gefeßlichen Gutem, Edlem und Wahrem im stern der christlichen Religion ent- parlamentarische Ausdrücke zurück. Bei der Wahl des GesamtArbeiterschutz" bestehen halt auch nicht darin, daß die Mitglieder für halten ist, das finde man auch in den Bestrebungen der Social- vorstands wurden gewählt bez. wiedergewählt: Fahrow, erster eine energische Herabsetzung der Arbeitszeit im eignen Laud kämpfen, demokratie, welche die Religion wahrer Menschenliebe sei. Gegen Vorsigender, Kaiser, zweiter Borsigender, Tauschel, erſter sondern pomphafte Reden halten, wie der Arbeiterschutz im Aus- das Christentum sei die socialdemokratische Partei nie aggressiv vor- Staffierer, Melzer, atveiter Kaffterer, Dolz, erſter Schrift lande beschaffen sein müßte. Es ist die bekannte„ internationale" gegangen, fie habe deshalb auch nicht nötig, ihre Stellung zum Christen- führer, Steiniger, zweiter Schriftführer, und Sauerweier, Methode, nach der die Arbeiter bis auf den St. Nimmerleinstag tum zu ändern. In der Debatte wurde auch, besonders von Manasse Bittorf, Seise als Beifizer. Bu Revisoren wurden warten und darüber recht gründlich verkümmern könnten. Inter- und Regge betont, daß, wenn man mit Göhre über das Christentum bestimmt Ernst Seydel, Richard Lohse und Bartloff. nationaler Arbeiterschutz ist sehr gut, aber haben müssen wir ihn diskutieren solle, er sagen müsse, wie denn sein Christentum aus- Aus der Wahl der Abteilungsführer gingen hervor für Moabit: im eignen Lande. fehe. Im großen und ganzen tam in der Debatte eine entschieden Schröder, für den Wedding: Behrend, für Gesundbrunnen: Im Zwischendeck eines Lloyd- Dampfers. Ueber seine Er- ablehnende, ja mitunter eine feindliche Tendenz gegen das heutige liesche, für Schönhauser Borstadt: Handke und für die Rosenoffizielle Christentum zum Ausdruck. Zwei Redner, deren Namen thaler Vorstadt: Brandt. Die Abteilungstaffierer sollen in fahrungen im Zwischendeck eines dem„ Norddeutschen Lloyd" gehörigen wir nicht verstehen konnten, waren im allgemeinen mit Göhre ein- den einzelnen Vorstädten selbst gewählt werden. Unter VereinsDoppelschrauben Schnelldampfers schreibt ein Reisender, Herr I. verstanden. Schereschewsky, der„ Elberfelder Freien Breffe" einen Brief, aus dem Die meisten Redner hätten ihn nicht verstanden und deshalb nicht ſtellt, Im Schlußwort führte Genosse Göhre aus: angelegenheiten waren eine lange Reihe von Anträgen geüber die ihrer Mehrzahl ohne Debatte zur wir die wichtigsten Stellen mitzuteilen für angebracht halten. Herr Eine ausgedehnte Dis zur Sache gesprochen. Sie hätten Kirche und Christentum für Tagesordnung übergegangen wurde. Sch., der am 18. September seine Reise nach den Vereinigten Staaten identisch gehalten. Redner präcifierte nochmals seinen Standpunti fussion entspann sich noch über die Frage der Abschaffung des antrat, schreibt: Obgleich man allseitig der Meinung und erklärte, daß sein Christentum seine Privatsache sei, und daß Vertrauensmännersystems. Das zwischended ist in drei Abteilungen eingeteilt. Abteilung 1 er darüber niemals in irgend einer Parteiversammlung reden werde. war, daß die politische Thätigkeit sich in der Zukunft im Wahlverein für ledige Frauen, 2 für Familien, 3 für ledige Männer. Nr. 2 ist Er dente gar nicht daran- wie in der Diskussion gesagt wurde vertörpern müsse, wurde doch betont, daß sich diese Andie entsetzlichste Abteilung. Sier liegen 50 bis 60 Familien, mit die Partei in religiöser Hinsicht reformieren zu wollen. Er sei der gelegenheit nicht übers Knie brechen lasse, sondern daß dazu reifliche fleinen und großen Kindern bis 20 und mehr Jahren beiderlei Ge- Bartei beigetreten, um in ihr ökonomisch und politisch zu wirken. Ueberlegung gehört. Schließlich einigte man sich auf folgenden Anschlechts wild durcheinander. Man braucht kein lex Heinze- Mann zu Er halte es aber für seine Pflicht, nicht nur ausgetretene Bahnen trag, der dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen wurde: sein, um sich über einen solchen, aller Sittlichkeit und Kultur hohn zu wandeln, sondern geistig mitzuarbeiten an der Fortentwicklung sprechenden Zustand aufs tiefste zu empören." Von der Zusammendrängung der Passagiere im Zwischended der Partei.( Beifall.) hören. " V J. Die heutige im Kolberger Salon tagende Generalversammlung des socialdemokratischen Wahlvereins für den 6. Berliner ReichstagsWahlkreis beschließt: Abschaffung des Vertrauensmännersystems im fann man sich einen deutlichen Begriff machen, wenn ich entsprechend Der focialdemokratische Wahlverein für den 4. Berliner 6. Berliner Reichstags- Wahlkreise. Sämtliche politische Funktionen den Thatsachen mitteile, daß 700 Passagiere der ersten und zweiten Wahlkreis( Südost) hielt am 20. November bei Brüder in der üben der Wahlverein resp. der Vorstand des Wahlvereins aus. Selasse 7/8 und 700 Zwischendeck- Passagiere 1/8 des Schiffs einnehmen! Waldemarstraße eine sehr gut besuchte Versammlung ab. Reichstags- Nachdem die Bezirksführer mit ihren Bezirksgenossen über diese Ein Borfall, der ein grelles Licht auf die Zustände im Zwischended Abgeordneter Fritz Kunert referierte über die politische Situation. Frage sich eine Meinung gebildet haben, soll in einigen Wochen eine wirft, sei hier noch mitgeteilt. Von Deck aus kann man direkt in Er gab zunächst eine lebendige Schilderung von den letzten Veröffentliche Parteiversammlung stattfinden, in welcher weitere BeAbteilung 2 hineinsehen. Es war am dritten oder vierten Tage handlungen im Reichstag und meinte, alle bürgerlichen Parteien schlüsse in dieser Frage gefaßt werden sollen. Ein Antrag Bernau, den der Reise abends. Plöglich entstand Bewegung und rohes Gelächter würden jetzt zweifellos bewilligen, was die Regierung fordere. Beitrag im Wahlverein von 20 auf 30 Pf. pro Monat zu erhöhen, wurde unter den Männern, die den Niedergang zu Abteilung 2 umſtanden. Darin läge das Hoffnungslose der augenblicklichen politischen abgelehnt. Der Vorsitzende Kiefel forderte die Anwesenden noch Dadurch aufmerksam gemacht, ging ich ebenfalls dahin und schaute Situation. Das gesamte Bürgertum sei widerstandslos geworden, feine zu reger Agitation für die Arbeiterpresse auf und warnte vor jenen hinunter und fah, daß eine franke Frau, die im oberen Bett Energie gebrochen. Die oppofitionelle Last ruhe ausschließlich auf Beitungen, die unter dem Dedmantel der Arbeiterfreundlichkeit und lag, ihr Bedürfnis in eigenartiger Weise verrichtete. Diefes war der Socialdemokratie. Darum sei es so schwer, in dem Kampfe für der Arbeiterbegönnerung Verwirrung anzuftiften suchen. Er wies der Grund zu der rohen Ausgelassenheit der umstehenden Männer. Recht und Kultur vorwärts zu kommen. Wenn es einmal Ernst insbesondere auf den mit Hello unterzeichneten letzten Leitartikel Ein mir auf der Reise bekannt gewordener Parteigenosse aus London werde, wenn es sich um Thaten handle, dann sei selbst auf viel der Welt am Montag" hin. Mit einem begeistert aufgenommenen machte dem Standal dadurch ein Ende, daß er einen Matrofen genannte Führer des Bürgertums, die donnernde Reden hielten, kein Hoch auf die Socialdemokratie wurde die gut besuchte Versammlung bewog, einzuschreiten. Das Empörendste an der Sache ist, Berlaß. geschlossen. daß man derartigem von Deck aus zusehen kann. Was die Nach einer fritischen Bezugnahme auf das 12 000- Mart- Gefchent Ventilation im Zwischended anbelangt, so ist diese überaus des Reichsamts des Innern stellte Redner fest, daß die socialdemo Eine Versammlung der Krankenkaffen- Vorstände und Ver: mangelhaft... Am ersten Tage war die Luft noch ver- fratische Frattion bestrebt sei, die Regierung wieder in das waltungsbeamten tagte am Dienstag. Bum ersten Gegenstand hältnismäßig gut, aber am zweiten und folgenden Tage von ihr seit langem verlassene Gebiet der Socialreform der Tagesordnung: Bericht über den Verbands Krankenkassenänderte sich dieses ganz schrecklich. Nie werde ich diese Luft hineinzudrängen. Es sei zu erwägen, ob es nicht zweckmäßig sei, Kongreß der Ortskrankenkassen Deutschlands in Nürnberg" sprach vergessen, die einem entgegenströmte, wenn man den Niedergang zum den gesetzlichen Zehnstunden- Arbeitstag als Sprungbrett zum Acht: Dr. Friedeberg. Redner gab eine detaillierte Uebersicht der Ver Zwischended hintersteigt. Jetzt schüttelt es mich noch, wenn ich daran stundentag zu verlangen. Gewiß wäre der Fraktion der gefeßliche handlingen und Beschlüsse des Kongresses, über welche der Vordente. Die meisten bekommen auf diesem Wege die Seekrankheit". Achtstundentag lieber, was sie ja oft schon bewiesen habe. Es wärts" feiner Zeit eingehend berichtete und empfahl der VersammIn den letzten Tagen wurde die Luft auch im Niedergang besser, handle sich aber darum, die bürgerlichen Parteien, insbesondre das lung, fich der in Nürnberg gefaßten Protest Resolution gegen jede doch kann ich die Gründe dafür nicht angeben. Von der Be- Centrum, das bei den Debatten über den Achtstundentag von einem Beschränkung der freien Selbstverwaltung der Ortskrankenkassen antöftigung will ich weiter nichts sagen, doch darf man daraus nicht zu großen Sprunge sprach, in Bewegung zu setzen. zuschließen, was seitens der Versammlung geschah. schließen, daß sie gut ist. Nur sei noch mitgeteilt, daß die- Auch die Verbesserung der Einigungsämter werde wieder in Den Bericht über den im Jahre 1901 zu veranstaltenden Cyklus jenigen, die das Essen genießen tönnen, meistens feinen Platz haben, Anregung gebracht werden. hygienischer Vorträge erstattete Dr. Lehnhoff. Redner führte aus, fich beim Essen zu setzen, sondern diese schöne Verrichtung entweder Hierauf geißelte Redner unter Verwertung eines guten statistischen daß in erster Linie dafür gesorgt werden müsse, Krankheiten möglichst stehend oder zusammengekauert in einem Winkel üben. Materials, in trefflichen Ausführungen den Militarismus und zu verhüten. Dieser Zwed folle dadurch erreicht werden, daß für die Jm großen und ganzen bin ich durch meine Reise um Marinismus mit seinen schädlichen Folgen, sowie auch die preußisch- Berficherten hygienische Vorträge gehalten würden. Der Anfang sei eine Erfahrung reicher geworden. Ich wählte gerade zu meiner deutsche Kolonialwirtschaft. Er schloß seinen interessanten Vortrag in diesem Jahre mit acht Vorträgen seitens Berliner Aerzte in den Reise das neueste Schiff des Norddeutschen Lloyd" in der mit einem Hinweis darauf, daß die socialdemokratische Fraktion auch von der Stadt Berlin überlassenen Schulräumen gemacht worden. Voraussetzung, daß im neuesten Schiff auch die Zwischendeck- im Reichstag nach unserem Programm Handele und daß ihr, wie der Für 1901 fei ein neuer Cyklus in Aussicht genommen, der ebenVerhältnisse der Zeit entsprechend die besten sein würden, aber Partei, stets das große Endziel vorschwebe: Die Befreiung des falls 8 Vorträge umfassen solle. Die sächlichen ziemlich hohen Soften sämtliche Mitreifenden, die die Oceanfahrt schon mehrere Male Proletariats aus den Fesseln des Kapitalismus!( Lebhafter Beifall.) Beleuchtung, Heizung 2c. habe bisher die Centralkommission der Krankenkassen Berlins tragen müssen. Mit Rüdsicht auf den gemein- Regelung der Arbeitszeit im Schlächtergewerbe Sorge zu tragen. Ilottenburg). Schubert Schöneberg hielt einen mit großem Beifall nügigen Zwed und der geringen Mittel der Kommission habe Redner Ferner verpflichten sich alle Schlächter, allen Machinationen gegen aufgenommenen Vortrag über die Organisationsbestrebungen des mit Herrn Oberbürgermeister Kirschner Rücksprache genommen und den Neunuhr- Ladenschluß energisch entgegen zu treten. Proletariats. Unter Verbandsangelegenheiten wurde ein von der um Uebernahme dieser sächlichen Kosten auf die Kommune nach: gesucht. Herr Kirschner billigte durchaus das Ziel der Kommission, Gewerkschaftskommission gestellter Antrag, zur Deckung der Kosten Die Rabizputer hielten am Mittwoch eine gut besuchte Ver- der Gewerkschaftskommission pro Mitglied und Quartal 5 Pf. prädem er sympathisch gegenüberstehe. Leider sei er aber nicht in der sammlung in den Arminhallen ab, in der zunächst P. Winzler über numerando zu zahlen, einstimmig angenommen. Es wurde sodann Lage, felbständig in der Sache zu handeln, da durch orts Volksbildung und Klaffenbewußtsein" referierte. Dem beifällig auf ein weiterer Antrag angenommen, vom 1. Dezember 1900 zur Anstatutarische Bestimmung der Ersatz der sächlichen Kosten, die genommenen Vortrage, in dem Redner insbesondere die vielfachen Mängel legung eines örtlichen Unterstützungsfonds pro Mitglied und Monat nicht direkt mit dem Schulwesen in Verbindung ständen, verlangt würde. im Boltsschulwesen, sowie die Ausbeutung der Frauen- und Kinder- 20 Pf. zu zahlen und aus demselben Gemaßregelten zur VerbandsunterEs würde sich empfehlen, daß die Kosten die Krankenkassen arbeit sehr zutreffend kritisierte und darauf hinwies, daß für die ftügung eine Zulage zu gewähren, damit hierdurch der ortsübliche tragen. Auf die Bemerkung, daß diefe aber die Beanstandung Arbeiterschaft die Bildung eins der besten Mittel im Klassenkampf Tagelohn erreicht wird. folcher Ausgaben bei den Revisionen befürchteten, äußerte Herr bedeutet, folgte eine kurze Diskussion. Hierauf gelangte ein In Groß- Lichterfelde fand am verflossenen Sonntag eine weil die Vorträge im Interesse der Kassenmitglieder Verhandlungen mit den Arbeitervertretern über die mitgeteilten Be- öffentliche Versammlung der Arbeiter der südlichen Rieselfelder statt, gehalten würden und die in Betracht kommenden Summen nur schwerden einstweilen ablehnen. In der darauf folgenden welche trotz der außerordentlich ungünstigen Witterung und des geringfügig wären. Redner bemerkte ferner, er hege die Hoffnung, Diskussion wurde auch an das bo vom Vorwärts" am weiten Wegs der Versammlungsbefucher verhältnismäßig gut besucht daß die kostenfreie Ueberlaffung der Aulen bewilligt werden würde. Dienstag veröffentlichte Rundschreiben des Arbeitgeberbunds war. Bruno Pörsch referierte über die wirtschaftliche Lage der Die sächlichen Ausgaben seien ziemlich hoch gewesen; fie betrugen für das Baugewerbe, nach welchen italienische Arbeiter in in Gemeindebetrieben beschäftigten Arbeiter und forderte die AnMaffen herangezogen werden sollen, erinnert und zum festen wesenden auf, dem Verbande der Gemeindearbeiter beizutreten. Der Beginn des Cyklus soll im Monat Januar erfolgen; bis Zusammenschluß in der Organisation und zur regen Agitation für Eine Diskussion fand nicht statt. Dem Verbande schlossen sich dahin müsse persönlich und insbesondere durch die Preise eine dieselbe aufgefordert, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Nach 45 Arbeiter an. Vertrauensmänner wurden gewählt für Schenkenfräftige Agitation für den Besuch der Vorträge entfaltet werden. längerer Debatte wurde sodann beschlossen, die Sammlungen zum dorf( Vorwerk), Sputendorf und Gütergok. In der Diskussion sprachen sich Hohl, Sohn, Dr. Friedeberg, Streiffonds mit der Woche vom 10./15. Dezember zu beenden, aber Albrecht, Ebert, Stuhlmann und andre dahin aus, daß die Kranken- mit der Woche vom 7./12. Januar wieder zu beginnen und zwar Tassen nicht für den gedachten Zwed Gelder bewilligen tönnten. wieder mit einem Beitrag von 50 Pf. pro Woche. Um die Der Centralfommission wurde aufgegeben, sich deshalb an die Mitgliedsbücher mit einer Ortsnummer zu versehen, sollen dieselben Krankenkassen zu wenden. bald, spätestens aber bis Mitte Dezember sämtlich eingezogen werden. ca. 400 M. Ueber Wohnungsnot und Kohlenteuerung hielt in einer am Freitag, den 16. d. M., stattgefundenen Baudeputierten- Versammlung der Maurer Berlins und Umgegend( Centralisation) ReichstagsRohtabak. Größte Auswahl. Billigste Preise. Guter Brand! Borzügliche Qualität. S. Gröbel, 181 Brunnenstraße 181 teppdecken ten und billigſten Stepp kauft man am nur direkt in der Fabrit B. Strohmandel, Berlin S., Gründung eines Verbands beſchließen sollte. Der bazu beſtimmte Abgeordneter Antrid einen beifällig aufgenommenen Vortrag. Roh- Tabak 72, Wall- Strasse 72, der " 1 E. Nauen nahe der Schwedterstraße. Roh- Tabak E. Erbe August- Strasse 36. Noh- Tabak [* 188 Brunnen: strake 188, 49 jetzt vorn i. Keller. M. Herholz, Einige Zwischenmeister der Wäsche und Schürzenbranche hatten am Montagabend eine Anzahl ihrer Berufskollegen durch vertrauliches Cirkular zu einer Versammlung eingeladen, die über die Raum in einer Destillation in der Megerstraße erivies sich als zu In der Diskussion schloß sich Silberschmidt den Ausführungen flein und es mußte die Versammlung nach dem Pfefferberg verlegt des Referenten an. Die Kollegen mögen diese Frage auf ihren Bauplägen werden. Hier fanden sich etwa 66 Personen ein, darunter recht rege diskutieren. Auch sei es Pflicht eines jeden, sich der 15 Damen. Es wurden Statuten verteilt, auf denen politischen Organisation anzuschließen. Alsdann gab Banser den jest Templinerstr. 3, Verband der Wäsche= und gewerbs Bericht von der am 10. Oftober stattgefundenen Baukontrolle, welche berwandten Arbeitnehmer respektive Betriebs folgendes Resultat hatte: Kontrolliert wurden insgesamt: 807 Bauten werkstätten Inhaber von Berlin und Vororten" als bereits am 12. November begründet bezeichnet wurde. Es waren 731 Poliere nebst 794 Lehrlingen. Die Arbeitszeit betrug 10 Stunden mit 8287 Kollegen bei 439 Unternehmern; außerdem waren beschäftigt aber bisher nur 4 bis 12 Personen an dieser Gründung beteiligt auf einem Bau mit 4 Kollegen, 9 Stunden auf 63 Bauten mit und das Ganze wurde in der Versammlung als ein Provisorium be- 315 Kollegen, 81/2 Stunden auf 719 Bauten mit 7567 Kollegen. zeichnet. Als Zweck des Verbands wurde angegeben: a) Aufbesserung Die Höhe des Lohns gestaltete sich folgendermaßen: 70 Bf. erhielten und Einigung in den Lohnverhältnissen, b) Gründung einer 31 Kollegen auf 17 Bauten, 671/2 f. 79 Kollegen auf 15 Bauten, Krantentasse, c) Arbeitsnachweis und d) Unterstügungen 65 Pf. 7629 Kollegen auf 752 Bauten und 62/2 Pf. 97 Kollegen bei eintretenden Arbeits- und Verdienststockungen. Eintrittsgeld soll 1 Mart betragen, der Wochenbeitrag 25 Pf. 401 Accordmaurer wurden auf 24 Bauten gefunden. Im weiteren Das auf 26 Bauten. Unter 621/2 Pf. arbeiteten auf 13 Bauten 50 Kollegen. und von jedem Arbeiter sollen 10 Pf. wöchentlich für den Unterteilt Panser, entgegen andren Nachrichten, mit, daß zur Zeit stügungs- Fonds entrichtet werden. ungefähr 800-1000 Maurer arbeitslos sind und daß das Verhältnis „ Gute Arbeiter, die sechs Monate Mitglieder find, lönnen gegen das Vorjahr prozentual noch günstig sei. Nachdem noch unter Roh- Tabak. zur Unterstützung auf deren Wunsch berücksichtigt Berschiedenem einige weniger wichtige Sachen erledigt wurden, erwerden." Dieser Entwurf, sowie das bisherige Vorgehen der leitenden folgte Schluß der gut besuchten Versammlung. 57L2*] H. Kurnicker, Personen begegneten lebhaftem Widerspruch. Einer der Anwesenden trat energisch für den Anschluß Der Verein zur Wahrung der Intereffen der Maurer Lothringerstr. 8, aut Prenzlauer Thor ant den Verband der Berlins und Umgegend hielt am Sonntag, den 18. November 1900, Schneider und Schneiderinnen ein und erklärte, man müsse seine Mitgliederversammlung in den Borussiasälen, Ackerstraße 6/7, Roh- Tabak Forderungen an die Unternehmer stellen und darum müsse ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken der man fich einer leistungsfähigen Organisation anschließen. Dem verstorbenen Mitglieder Albert Schröter und Franz Altgegenüber erklärten andre Redner, man müſſe bitten und den städt von den Versammelten in der üblichen Weise geehrt. Dann Herren die Wünsche vortragen; man dürfe nicht fordern. Nach hielt der Stadtverordnete Genosse Lankow einen Vortrag über längerem Hin und Herreden wurde von der Gründung eines Ver- Schulwesen und Junkertum", welcher von den Anwesenden sehr beibands und der Wahl einer Vorstandschaft abgesehen und beschlossen, fällig aufgenommen wurde. In der Diskussion äußerte man sich im eine 11 gliedrige Kommission zu wählen, die die Agitation zu leiten Sinne des Referenten. Zum 3. Punkt der Tagesordnung dementiert und eine demnächst einzuberufende öffentliche Versammlung vor der Vorsitzende ein umlaufendes Gespräch, wonach die Arbeitszubereiten hat. Es entstand dann noch eine lebhafte Streiterei über losigkeit so groß wäre. Er. Größte Auswahl. Mette, fönne konstatieren, Billigste Preise die Vertretung der einzelnen Branchen innerhalb der Kommission. daß sich der vorigen Woche noch keine 300' Guter Brand! Borzügliche Qualität Doch wurden schließlich 9 Herren und 2 Damen gewählt, darunter als arbeitslos angemeldet haben. Aus Furcht vor Entlassung lassen Sämtliche[ 56322* Vertreter der Schürzens, Wäsche und Badekostüm- Branche. ſich nun viele Kollegen hinreißen, Ueberstunden zu machen. Diese leidige Unfitte muß aufhören, denn dadurch hat nur der Unternehmer den Vorteil und wir haben den Schaden. Alsdann wurde ein Antrag eingebracht betreffend Schluß des Sammelns zum Streif fonds und wurde man fich einig, diesen Punkt in der nächsten Bersammlung auf die Tagesordnung zu seßen, Dann machte Megke noch bekannt, daß die Friedrichsberger Kollegen am 1. Dezember cr. daselbst im Schwarzen Adler" eine Versammlung mit Frauen einberufen, in welcher A. Hoffmann einen Vortrag über Glaube und Vernunft" halten wird. Die Gewerkschaft der Maler und Berufsgenoffen( lokale Richtung) hatte zum Donnerstag drei Agitationsversammlungen nach den verschiedenen Stadtteilen einberufen. " Mann Bei Nümann, Brunnenstraße, referierte Weise über: 3wed und Nugen der Organisation. Der Redner erläuterte die Bestrebungen der Arbeiterbewegung, er beleuchtete das das Verhalten der Hirsch Dunderschen und der sogenannten christlichen Arbeitervereine und plädierte schließlich für den Anschluß der noch nicht organisierten Kollegen an die auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Organisa- amt 18. Rovember bei Gohn, Beuthstr. 20, ſeine regelmäßige MitDer Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend hielt tion, die lokale Gewertschaft. Dem beifällig aufgenommenen Vortrag gliederversammlung ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung brachte folgte eine längere Distusfion, in der auch mehrere Redner die Vorteile der centralen Organisation erörterten und zum Zusammenschluß Das Andenken an den Verstorbenen wurde durch Erheben von den der Vorsitzende das Ableben des Mitglieds Kirchhof zur Kenntnis. in derselben aufforderten. Bei Wilke, Andreasstraße, referierte Genz über dasselbe Pläßen geehrt. Alsdann hielt Frommelt einen sehr interessanten Thema. In längeren Ausführungen kritisierte er das Verhalten der Vortrag über:" Streifbilder von der Pariser Weltausstellung". Unternehmer, das reaktionäre Vorgehen der herrschenden Klasse der Nach Beendigung desselben wurden noch mehrere fleine Arbeiterschaft gegenüber und wies nach, daß die Arbeiter von keiner teilt der Vorsigende Hinrichsen mit, daß am Donnerstag, Fragen gestellt, die der Referent beantwortete. Nun Seite irgendwelche Unterstügung zu erwarten haben, sondern auf den 8. November eine Geschäftskommiffions Sigung stattgefunden sich selbst angewiesen sind und sich nur durch eine kräftige, klaffen hat. In derselben wurde festgestellt, daß für die Zimmerer noch ein bewußte Organisation bessere Lebensbedingungen schaffen fönnen. Guthaben von 1330 M. vorhanden ist, welches später verrechnet Rach einer längeren Debatte, in der es ebenfalls lebhaften Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der lokalen und wird. Unter Verschiedenes bemerkt Fischer, daß das Blakdeputiertender centralen Richtung fam, wurde folgender Antrag einstimmig System immer noch besser ausgebaut werden muß und stets ein beschlossen:„ Die öffentliche Versammlung der Maler und Berufs- macht Slot- Weißensee bekannt, daß die Unternehmer in Weißensee Vertreter von jeder Arbeitsstelle zur Sigung zu senden ist. Ferner genossen beauftragt das Bureau, den Altgehilfen unverzüglich die Streiflausel einführen wollen und ersucht die Kameraden, ganz aufzufordern, so bald wie möglich eine öffentliche Versammlung durch den Gehilfenausschuß einzuberufen, in der die beiden Lohn- entschieden dagegen zn protestieren. tarife zur Beratung gestellt werden." S Der Verband der Möbelpolierer( Filiale Often) hielt am In der Versammlung bei Obst, Grunewaldstraße, wurde des 19. 6. M. seine Mitgliederversammlung ab. Rechtsanwalt Stein schwachen Besuchs wegen von einem Vortrage Abstand genommen schneider hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die und sofort in die Diskussion über die beruflichen Verhältnisse ein- moderne Gennssenschaftsbewegung, an welchen sich eine rege Diskussion getreten, wobei allseitig die Notwendigkeit einer starten Organisation anschloß. Hierauf wurden die Kandidaten zur Jnnungs- Krankenkasse vorgeschlagen. anerkannt wurde. billigste Preise[ 56340* Max Jacoby Nr. 52. 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Frau Dr. Wey I sprach scheinen verhinderten Genoffen Moltenbuhr, referierte Paul Jahn über: Proletarierkinder". Die Referentin erntete großen Beifall. unter großem Beifall der Anwesenden über„ Sociale Gesetzgebung". Eine Diskussion fand nicht statt. Unter Verbandsangelegenheiten und Keslinte machte noch darauf aufmerksam, daß der Verband der Verschiedenem wurden einige interne Angelegenheiten erledigt. Schlächtergesellen" zum besseren Verständnis für seine Mitglieder Hierauf erfolgte Schluß der außerordentlich start besuchten Verin Bezug auf die Arbeitergesetzgebung das„ Merkbüchlein" gratis sammlung. Baletots, Kaisermäntel, Joppen, verteilt. Eine sehr rege und längere Besprechung zeitigte der zweite Hofen, Herren- und Knaben- Anzüge, Punkt der Tagesordnung, die Frage der Regelung der Englischen Garten eine gut besuchte tombinierte MitgliederversammDer Verein deutscher Schuhmacher hielt am 21. d. M. im Stoffer, Operngläfer, Teppiche, effet, Arbeitszeit im gesamten Schlächtergewerbe. Revolver, Teschings, A. Mohs und Sidert ausführten, Bien, lung ab, in welcher Reichstags- Abgeordneter G. Rosenwuhren, Stetten, Ninge, Regulatoren, unentgeltlich lagern. hat die zu diesem einem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über: Aus der Bithern usw. zu spottbilligen 8wed feit längerer Zeit von der Gesellenschaft begonnene Entwidlungsgeschichte des Menschengeschlechts" sprach. Eine wesent Preisen. Reißzeuge, Harmonitas, Geigen, Agitation bei der überwiegenden Mehrheit der Meister ze. nicht nur liche Diskussion schloß sich an diesen Vortrag nicht an. Eine längere 54412* tein Entgegenkommen, sondern vielfach heftigen Widerstand gefunden. Debatte entspann sich dann über eine interne Vereinsangelegenheit Die Beantwortung der verausgabten Fragebogen ist stets entweder und wurde zum Schluß noch bekannt gegeben, daß das für Somm unrichtig oder man sucht sie ganz zu bereiteln. Immerhin habe diese Agitation für eine geregelte und verkürzte Arbeitszeit bereits tag, den 2. Dezember, geplante gesellige Beisammensein Umstände in mehreren großen Städten gute Früchte gezeitigt, so daß der end halber nicht stattfinden kann. gültige Erfolg nur eine Frage der Zeit ist. A. Körsten In der Vergolder- Versammlung am 19. November hielt wünscht namens der Berliner Gewerkschaftstommission der Genosse Megner einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über: Gesellenschaft den besten Erfolg. An diese Ausführungen Die Ursachen der wirtschaftlichen Krisis". Eine Diskussion fand schloß fich die Aufforderung der beiden Mitglieder bom nicht statt. Beim dritten Punkt: Stellungnahme zum obligatorischen Gesellenausschuß, Graul und Soltau, daß, wenn sich auch die Lokalfonds, wurde gegen 2 Stimmen angenommen, vom 1. Samar Fortuna- Haematogen Januar Inmung ablehnend verhalte, über Regelung der Arbeitszeit zu ber- 1901 an eine Busagmarte von 10 Pf. auszugeben; dieses Geld bleibt handeln, die Gesellen ihren Forderungen mehr Nachdruck verschaffen Bestand der Mitglieder Berlins. follen. Die Wahl von organisierten Gesellen in den Ausschuß fönne später unbehindert erfolgen; übrigens sei es auch notwendig, Die Mitglieder der Orts- Krankenkaffe der Maschinenbauer fich allgemein an den Krankenkassen- Wahlen zu beteiligen.( Leb- nahmen in einer Versammlung am 18. d. M. eine Protestresolution hafter Beifall.) Eine genauere Aufklärung darüber, ob die gegen die von der Regierung geplante Aenderung des Krankenelftündige Ruhepause für für die Betriebs- und sogenannten versicherungs- Gesetzes an. 0 Blockgesellen gleichmäßig fei, foll später noch gegeben werden. Charlottenburg. Am Dienstag, den 18. November, tagte in Schließlich gelangte einstimmig eine Resolution zur Annahme, wonach der„ Gambrinus Brauerei", Wallstr. 94, die von ca. 200 Personen in llebereinstimmung mit dem Referenten die Anwesenden die Auf besuchte Mitgliederversammlung des Verbands der Fabrik-, Landforderung an die Regierung richten, alsbald für eine gefeßliche und Silfsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands( Bahlstelle CharFordert für Mark 1,50 die Flasche von 4 Ko. Inhalt. Aerztlich erprobt und empfohlen. 34/ 18* Vorzüglich. Stärkungsmittel f. Bleichsüchtige, Blutarme, Reconvalescenten, schwächliche, zurückgebliebene Kinder etc. Zu haben in allen Apotheken und Droguerlen; wo nicht erhältlich ab Fabrik pharmaceut. Präparate, Berlin C., Dragonerstrasse 6 a. auch für Lehrlinge aller Branchen. 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" " Man muß zugeben, daß die Gesetzgebung, wenn sie Be stimmungen zum Schutz der außerhalb der Fabriken gewerblich bedrei Mit Recht hat die Erhebung über die gewerbliche Kinderarbeit schäftigten Kinder treffen will, ein Gebiet socialer Fürsorge betritt, auf drei Broschüren erschienen, die einander bis zu einem gewissen Grade außerhalb der Fabriken die Frage rege gemacht, was zum Schuge dem bisher noch keine Erfahrungen und Beispiele aus andern Ländern ergänzen und darum wohl eine gemeinschaftliche Besprechung rechtder Kinder geschehen könnte. Es ist unzweifelhaft eins der vorliegen. Das Statistische Amt hat in einem Anhang zusammengestellt, Von Gotha bis Wyden" hat J. Auer zum Verschwierigsten Probleme in dem großen Gebiet der Arbeiterschuß was an Schutzbestimmungen über die gewerbliche Beschäftigung Gesetzgebung, das hier seiner Löſung harrt. Und leider wohl noch von Schulkindern in einigen Staaten des Auslands vorhanden ist. faffer," Die deutsche Gewerkschaftsbewegung" Karl recht lange harren wird, wie wir in berechtigtem Pessimismus ſagen Doch beziehen sich die Bestimmungen überall nur auf Fabriken Regien und" Die Genossenschaftsbewegung" Adolf müssen. Seit zwei Jahren liegt dem Reichsamt des Innern das und Werkstätten, die bei uns unter Abs. 3 und 4 des§ 154. Elm. Alle drei Schriftchen sind Niederschriften je eines VorResultat der Enquete vor. Es hat Vertreter des preußischen Handels- der Gewerbe- Ordnung fallen, bieten also keinen Anhalt, wie man handlung des Gegenstands erklärt, durch die sie sich sämtlich austrags der Verfasser aus dem Mai d. J., woraus sich die knappe Beministeriums, Ministeriums des Innern und Kultusministeriums den Mißständen in der Hausindustrie beikommen fönnte. Nur Eng- handlung zeichnen. hinzu gezogen und die von ihm ausgearbeiteten Vorschläge zur land scheint weiter zu gehen, denn zu den workshops gehören Von Gotha bis Wyden": Ein Stück Geschichte unsrer Regelung der gewerblichen Kinderarbeit außerhalb der Fabriken auch die domestic workshops, d. h. alle Betriebe, in denen ohne Partei in Deutschland, erzählt aus dem reichen Schaze persönlicher beraten lassen. Diese dem Bericht des Statistischen Amts ent- mechanische Kraft gearbeitet wird und in denen nur Mitglieder der Erlebnisse des Verfassers wohl geeignet, zu nachdenklicher Benommene Mitteilung läßt ein Wort vermiffen: statt Regelung" hätte in diesen Räumen wohnenden Familien beschäftigt find. In diesen trachtung zu stimmen und zur Belehrung zu dienen den Jüngeren es heißen müssen, gefeßliche Regelung!" dürfen Kinder nur nach dem System halb tägiger Arbeits- trachtung Das Fehlen dieses Worts giebt zu denken. schichten und zwar entweder vormittags zwischen 6 bis 1 Uhr wie den Aelteren. Wie brutale Gewalt die mühsam geschaffenen Organisationen Es zeigt, offen gesagt, an, daß die Beratungen im Reichsamt des oder nachmittags zwischen 1 bis 8 Uhr( Sonnabends Innern sich fürs erste nicht zu gesetzgeberischen Vorschlägen für 4 Uhr), jedoch nicht länger des kaum geeinten fämpfenden Proletariats zerstörte und gleichzeitig als fünf Stunden ohne Kinderschutz verdichten werden. Ja, es scheint fast, als ob von vorn- Pausen beschäftigt werden, fie müssen außerdem die Vorschriften männer geächtet wurden, die nichts gethan, als ihre Stimme zu er die wirtschaftliche Existenz vieler Hunderte vernichtete, wie die herein nicht die Absicht bestanden hat, die Volksvertretung zur über den Schulbesuch beobachten. Das ist, wie man auf den ersten Mitarbeit an Schutzbestimmungen gegen die Ausbeutung der Blick sieht, herzlich wenig, selbst unter Berücksichtigung der heben für eine höhere Kultur, die das Proletariat aus dem Kinderarbeit hinzuzuziehen. Man fürchtet ohne Zweifel ebenso- Thatsache, daß Kinder unter 11 Jahren überhaupt nicht in Fabriken materiellen, geistigen und sittlichen Elend erheben wollten und die Herrschende Klasse an ihre sehr den Widerstand des Unternehmertums wie die energische und Wertstätten beschäftigt werden dürfen. In einigen Gewerben ist wie sie geächtet wurden Sünden mahnten, Kritik der Arbeitervertreter, bon der Staatsgewalt, geächtet die auch bei dieser Gelegen die Kinderarbeit durch besondere Gefeße geregelt, so beim Bergbau, von der bürgerlichen Gesellschaft, gemieden und verleugnet heit, wie ſtets, ganze Arbeit verlangen werden. Und in der Pfandverleihung, in Ladengeschäften und im Schornsteinfegerbas ift ein Verlangen, wofür man im Reichsamt des Innern noch Gewerbe, außerdem ist die Ausbeutung von Kindern durch Ber- oft von den besten Freunden, denen der Bekennermut in schweren nie Be, rständnis gefunden hat. Es hat ja auch schon ganz deutlich wendung beim Betteln, Singen, Spielen und Feilhaften von Gegen- Beiten fehlte; wie dann unter beständigen Gefahren, unter Not und wie es diese Frage zu behandeln gedenki! In dem ständen auf öffentlichen Plätzen mit Geld- und Gefängnisstrafen geknüpft, die desorganisierten Waffen wieder geordnet und mit neuem Entbehrungen und Verfolgungen die geriffenen Fäden wieder neu Rundschreiben des Reichskanzlers, das im Reichsamt des Innern bedroht. ausgearbeitet ist, heißt es an einer Stelle:„ Auf Grund dieser Begefagt " 0 jenigen besonderen Rücksichten auf Gesundheit und Sittlichkeit zu nehmen, die durch das Alter dieser Arbeiter geboten sind. Die Ausdehnung dieses Paragraphen auf die Beschäftigung von Kindern würde nur bedeuten, daß man wieder einmal den Schafpelz der Unternehmer waschen will, ohne ihn naß zu machen. Man scheint vor allem das große Gebiet der Hausindustrie völlig beiseite laffen zu wollen. an " der In Frankreich dürfen Kinder in den dem Gesetz unterstellten Vertrauen erfüllt wurden, bis schließlich den verblüfften Machthabern ſtimmung( des§ 120c der Gewerbe- Ordnung) ist man bereits an Betrieben erst nach dem vollendeten 18. Jahre beschäftigt werden; eine stärkere, besser organisierte, in der Schule des Leidens gestählte mehreren Orten durch Polizei Verordnungen nicht ohne mit Hilfe eines ärztlichen Attestes auch schon von 12 Jahren. bei der schlichten Erzählung Auers, die den Stempel des Selbst Kampftruppe gegenübertrat das alles tann man nachempfinden Erfolg gegen die mißbräuchliche gewerbliche Beschäftigung von Kindern Aber die Hausindustrien, in denen ausschließlich Familienglieder erlebten an der Stirn trägt. eingeschritten und könnte auch der Erlaß allgemein gül befchäftigt und keine mechanische Kraft verwandt wird, sind aus tiger Vorschriften im Wege einer Bundesrats- drücklich ausgenommen. Auer erwähnt am Schluß feines Vortrags eine Aeußerung In Oestreich herrscht ein solcher Wirr- Mehrings Verordnung in Frage kommen." warr, daß das Statistische Amt sich darauf beschränkt, hervorzuheben, Mehrings in feiner Geschichte der Socialdemokratie", wo er in dem Da steht es ganz deutlich, was man im Reichsamt des Innern es seien vielfach Zweifel über die rechtliche Stellung ber Gewerbs Rapitel über den Parteitag in Wyden sagt, daß nicht die Führer, beabsichtigt: man will die Bestimmungen des§ 120c der Gewerbe- thätigen vorhanden und außerdem fänden wie in England die Ein- sondern die Massen die Situation gerettet hätten. Dem fügt Auer Ordnung durch eine Bundesrats- Verordnung auf die Arbeit der schränkungen der gewerblichen Kinderarbeit praktisch wenig Beachtung. hätten gethan, was man nur von ihnen verlangen konnte. Aber, hinzu, daß er dieser Ansicht nicht widersprechen wolle. Die Massen Kinder unter 14 Jahren ausdehnen. Der§ 120c verpflichtet Unter- n den Niederlanden ist sowohl im Kleingewerbe nehmer, welche Arbeiter unter 18 Jahren beschäftigen, bei der Ein- wie in der Hausindustrie die Arbeit von Kindern so fährt er fort, wenn auch den Massen für ihre Treue alle] Hochrichtung der Betriebsstätte und bei der Regelung des Betriebs die unter 12 Jahren verboten. Aeltere Kinder dürfen nicht achtung gezollt werden soll, so möchte ich doch sagen, daß, wie die länger als 11 Stunden täglich( 1) und nicht zwischen 7 Uhr abends Massen, so auch die Führer in jener schweren Zeit ihre Schuldigkeit und 5 Uhr morgens beschäftigt werden. besteht der Kinderschutz nur in der Einführung des Schulzwangs. In allen andren Staaten gethan haben." Ich muß dem durchaus beistimmen. Ohne hingebende, pflichttreue und opferbereite Führer mit offenem Blick für das, was den Und das gilt nicht nur von den industriellen Bezirken, sondern noch Massen alle ihre Opfer nichts genügt. Und was heißt überhaupt Biel weiter erstreckt sich ja auch bei uns der Kinderschutz nicht. Jutereffen des Proletariats in jener Lage dienlich war, hätten den weitaus mehr von den rein landwirtschaftlichen Gegenden, in denen Massen" in diesem Zusammenhang? Gewiß wird niemand daran auf Verlangen der Agrarier der Unterricht im Sommer auf die Auch aus andren Stellen des Rundschreibens geht dies hervor. Halbtags- oder Hüteschule beschränkt wird. Wie wenig Neigung bei denken, den paar Männern, die in der Oeffentlichkeit Da ist die Rede von§ 154 Absatz 3 und 4, die eine Ausdehnung der den Einzelstaaten vorhanden ist, an die bestehenden Zustände die jener Zeit. Zeit hervorgetreten find, das alleinige Verdienst Schutzbestimmungen für gewerbliche Kinderarbeit in a briten auf bessernde Hand zu legen, ergiebt sich daraus, daß nur drei und ihrem im allgemeinen richtigen Handeln zuzuerkennen; der Erhaltung der Widerstandsfähigkeit Partei Werkstätten zulassen, in denen( Absatz 3) regelmäßig Motore Staaten die Frage erörtern, was zur Abhilfe geschehen könnte. es gehörten dazu in der That mehr wie zehn oder hundert und verwendet werden, oder( Absatz 4) auf solche Werkstätten, in denen Bayern hält den§ 120c der Gewerbe- Ordnung für ausreichend, etliche. Aber was man von einem höheren Standpunkte aus leicht nicht ausschließlich Familienglieder des Arbeitgebers beschäftigt erklärt sich aber mit gewundenen Worten gegen jeden Eingriff in werden. Mit der Anwendung des Abfazes 4 hat man schon einen Verhältnisse der Hausinduſtrie. Bei der höchst, miglichen Lage der als Masse" anzusprechen geneigt ist, das spielt doch den Massen des fleinen Anfang gemacht, indem durch Verordnung vom 31. März 1897 mit Hausindustrie beschäftigten Bevölkerung sei die größte Borsicht Proletariats gegenüber gewissermaßen auch nur eine Führerrolle und die§§ 185 bis 139 und 139b auf die Werkstätten der Kleider- und bei Schußmaßnahmen geboten, auch biete die Ueberwachung dieser zwar sowohl im allgemeinen als mehr noch in den besonderen hier Wäschekonfektion ausgedehnt worden sind. Dagegen will man den Betriebe kaum überwindliche Hindernisse. Deshalb empfehle es sich, in Mede stehenden Zeiten in weit höherem Grade, als derjenige an absag 3 des§ 154 augenscheinlich nicht anwenden. Das Rund- den„ notwendigsten Schug" der Kinder vor Schädigungen der Ge zunehmen geneigt sein mag, der niemals in die Massen hinabzutauchen fchreiben des Reichskanzlers teilt zivar mit, daß Erhebungen über fundheit im Wege der landesgesetzlichen Vorschriften Notwendigkeit und Art seiner Ausführung veranlaßt find, die in herbeizuführen. Also man will nur den notwendigsten, nicht völligen zwischen, nachdem drei Jahre verflossen sind, wohl beendigt sein Schutz der Kinder. Man will den fehlerhaften Zirkel, in dem sich fönnten. Aber an andrer Stelle heißt es:" Die Frage, ob und diese Frage betwegt, nicht unterbrechen; man beruft sich auf die inwieweit dann etwa ein Vorgehen auf Grund der zur Aus- höchst mißliche Lage der Hausindustrie, anstatt der Ausbeutung der führung des§ 154 Abfaz 3 der Gewerbe Ordnung angestellten Erstinderarbeit entgegenzutreten, deren jämmerliche Entlohnung sehr Socialistengesetzes und giebt schließlich eine Uebersicht über die gegen mittelungen einstweilen aufzuschieben(!) ist, tann wesentlich zu dieser höchst mißlichen Lage beiträgt! späterer Erwägung vorbehalten bleiben!" Anzuerkennen dagegen ist die Haltung von Sachsen- wärtige Stärke der Organisationen und ihre innere Einrichtung. Die schränkung der gewerblichen Kinderarbeit für geboten erachtet, solvie erwähnt und dabei der bekannte Standpunkt des Verfassers, den meiningen, das eine reich 3 gefeßliche Regelung und Be- Kämpfe um die Organisationsform, die zum Teil den äußeren Ausdruck des Kampfs um die gewerkschaftliche Taktik bilden, werden das Gutachten des Fabrikinspektors von Koburg- Gotha, der auch ich für richtig halte, vertreten, daß die Gewerkschaften keine folgende wohlgemeinte, wenn auch unzulängliche Vorschläge macht: politischen Parteiorganisationen, sondern Arbeiterklassenorganisationen Die gewerbliche Thätigkeit der Kinder darf: hören des Arztes, a) erst nach Vollendung des 9. Lebensjahrs und erst nach An- schlechtiveg sein sollen. von allem nur das Nein!" Und aus dieser gewundenen Phrase " Bergeblich sprichst Du viel, um zu verfagen; der andre hört hört man nur das eine heraus, daß die Anwendung der Schuß bestimmungen für Kinderarbeit in Werkstätten mit Motorenbetrieb einstweilen aufgeschoben, deutsch gesagt, auf die lange Bank geschoben werden soll. Das Reichsamt des Innern will also einige Punkte der Frage durch Bundesratsordnung auf Grund von jetzt schon bestehenden Vorschriften der Gewerbe- Ordnung regeln und das Uebrige der Polizei der Einzelstaaten überlassen, die nach dem Zeugnis des tanzlerischen Rundschreibens an mehreren Orten nicht ohne Erfolg" gegen die mißbräuchliche gewerbliche Beschäftigung von Kindern eingeschritten ist. Laffen: b) nicht früh vor den Schulstunden beginnen, c) täglich nicht länger als 4 Stunden dauern, unterbrochen werden, d) sie muß durch arbeitsfreie Perioden oder Arbeiten im Freien e) in geeigneten Räumen, Gelegenheit hatte. Schrift Legiens über die deutsche Gewerkschaftsbewegung. Geschichtlichen und informatorischen Charakter trägt auch die Sie schildert uns in großen Zügen die Anfänge und die Entwicklung der deutschen Gewerkschaftsorganisationen in ihren verschiedenen Formen, berührt dabei erklärlicherweise gleichfalls die Zeiten des fleine, awei prämiierte Preisarbeiten enthaltende Schrift des Grütli- zufahren: Kinderausbeutung in der Hausindustrie suchte, erhoben hat. Die Elm ist bekannt als eifriger Befürworter und Förderer des Ge= nossenschaftswesens und zeigt sich deshalb in seinem Vortrage auch gut unterrichtet über die Geschichte der Genossenschaften. Man kann nun den hohen Wert der Genossenschaften gebührend anerkennen, ohne in ihrer Schäzung dem Genossen Elm überall zu folgen. Elm glaubt nicht, daß man eines Tags f) nur unter Aufsicht der Eltern im Hause, nicht gemeinschaftlich socialistische Gesellschaft organisieren kann". Gewiß, das braucht im Besize der politischen Macht von einer Centralstelle aus die ganze Vorstehende Zeilen find schon vor einiger Zeit geschrieben unter fremden Menschen in fremden Häusern ausgeübt werden, worden. Sie treffen aber, wie man jetzt ersieht, die Sachlage vollständig! Unser Mißtrauen gegen die Art und Weise, wie das unter der Entschuldigung, fie feien frant, vom Schulbesuch ab- alaben g) nicht mehr als Vorwand benutzt werden, um die Kinder man nicht zu glauben, aber deswegen braucht man ebensowenig 111117 die Konsumbereine die einzig mög Reichsamt des Junern„ Kinderschutz" ausüben will, war durchaus zuhalten. Man kann ja ſo. Ueber diesen Punkt müssen Angaben oder vielmehr Be- liche Form dieser Organisierung sein werden. Herechtigt. Der Herr Graf Pojadowsky denkt gar nicht daran, diese schwerden vorgelegen haben, die man freilich in den Resultaten der viel glauben! Umfomehr, je größere Zeiträumte man sich für das Materie durch ein Gesez regeln zu wollen. Sonst hätte er eine Enquete vergebens sucht. Biel feines Glaubens setzt. bevorstehende Vorlage in der Thronrede erwähnen lassen. Zum Ueberfluß hat er noch durch seine Offiziösen folgende Notiz verbreiten denken, wird das Reichsamt des Junern wohl bei Beratung seines schaften um Beeinflussung der Produktionsbedingungen, neben dem Wie die Vertreter der arbeitenden Klassen über Kinderschutz Genossenschaftsbewegung berufen, neben dem Kampf der GewerkElm citiert Kautsky: Früher oder später ist in jedem Lande die eines Etats zu hören bekommen. Vorher könnten Graf Posadowsky und Kampf des Proletariats um die Macht in Gemeinde und Staat " Der auf Grund umfassender( 1) Erhebungen im Reichsamt des seine Geheimräte sich schon mit den Forderungen vertraut machen, nach Ausdehnung und Vermehrung der von ihnen beherrschten und Innern ausgearbeitete Entwurf betreffend die weitere Regelung der die der schweizerische Grütliverein auf dem Wege einer verwalteten Produktionszweige, eine nicht unwichtige Rolle im Beschäftigung schulpflichtiger Kinder ist den Bundesregierungen nun- Breisaufgabe, die nach Mitteln und wegen zur Bekämpfung der Emanzipationskampf der Arbeiterklasse zn spielen." Um dann fort mehr zugegangen." Die sorgfältige Vermeidung des Begriffs„ Gesetz" in diefer Notiz zeigt deutlich, daß nur eine bundesrätliche Verordnung ge- vereins bringt viel, was auch bei uns für ähnliche Verhältnisse paßt Gebiet noch eine ganz gewaltige Arbeitssumme vor uns. Die großen " In Deutschland haben wir speciell auf genossenschaftlichem plant ift. und beherzigt zu werden verdient. Und die dort aufgestellten Wie wenig von dem Eingreifen der Polizei zu er- Forderungen, die sehr maßvoll gehalten sind, fönnen ohne weiteres Arbeitermassen ermangeln noch des Verständnisses für die weitere warten ist, das zeigt ein Blick auf die bis jetzt erlassenen polizei- die Richtschnur für eine deutsche Reichsgesetzgebung abgeben. Sie Entwicklung derselben, deren Vorbedingung zunächst die Pflege des lichen Bestimmungen über gewerbliche Kinderarbeit außerhalb der verlangen eine weitgreifende Einschränkung der Erwerbsthätigkeit der solidarischen Geistes in den Genossenschaften ist." Fabriteu. Sie richten sich in der allergrößten Mehrzahl nur gegen Kinder zu Hause. A) Jm allgemeinen: die Beschäftigung der Kinder während der Nachtzeit, den späten Abend- und allzu frühen Morgenstunden, gegen die Benutzung der Hausindustrie und auch in der Landwirtschaft. 1. Staatliche Aufsicht über die Beschäftigung der Kinder in der Kinder zum Kegelauffezen bis spät in die Nacht hinein, zu öffent2. Aufnahme einer Statistik über die erwerbsmäßige Arbeit lichen Schaustellungen, sowie gegen die Beschäftigung in Wirts schulpflichtiger Kinder zu Hause. Wiederholung dieser Erhebung in häuſeru. Polizeiverordnungen solcher Art find in fast allen nicht regelmäßigen Beitabständen und Ausdehnung derselben auch auf allen preußischen Regierungsbezirken, in Bayern, Sachsen, die Arbeit in der Landwirtschaft. Heffen, Sachsen- Meiningen, Altenburg, Schwarzburg- Rudolstadt und Sondershausen, Reuß 1. L., Gera, Bremen und Hamburg erlassen; fie regelmäßigen Schulbesuchs durch Rücksichtnahme auf erwerbsmäßige B. Jm besonderen: 1. Verbot jeder Beeinträchtigung des fehlen also nicht nur in manchen Staaten noch gänzlich, sondern Beschäftigung der Schulkinder. Tassen auch da, wo sie bestehen, einheitliche Gesichtspunkte vermissen. Ausnahmen sind natürlich auch noch vorgesehen. An die Mißstände Jahren ist zu verbieten. 2. Jede erwerbsmäßige Beschäftigung von Kindern unter zwölf in der Hausindustrie hat sich noch fein Staat ernstlich herangewagt. Ganz schwache Versuche sind gemacht worden im preußischen Re- Schule und an Sonntagen. 3. Ebenso die Arbeit älterer Kinder morgens vor Beginn der die 3 Broschüren nicht empfehlen, dagegen sind sie wohl geeignet zu der häufig geübten Verteilung an die Mitglieder der Organisagierungsbezirk Arnsberg, tvo das Nähnadelschleifen bor vollendetem 14. Jahre und die Verwendung von Kindern unter acht möglichst furz zu bemessen. Bei der Arbeit müssen diejenigen be- zum Nachdenken an. Der Preis beträgt 20 Pf. für jede. 4. Die Dauer der regelmäßigen täglichen Beschäftigung ist fionen. Sie wirken in vielfacher Beziehung belehrend und regen Jahren beim Aufschnüren von Nadeln gänzlich verboten ist; die Re- fonderen Rücksichten auf Gesundheit und Sittlichkeit genommen gierung von Düsseldorf gestattet den Hausindustriellen und werden, die durch das jugendliche Alter geboten find. Heimarbeitern die Beschäftigung von Schulkindern nur in der Zeit 5. Streng zu verbieten ist, schulpflichtige Kinder im Wirtschaftszwischen beendetem Nachmittagsunterricht und 7 Uhr abends( bei gewerbe und bei Schaustellungen zu verwenden. Anfertigung von Wäsche und Kleidungsstücken und bei Herstellung von 6. Die staatliche Aufsicht über die Beschäftigung der Kinder in Bündholzschachtelu). In welcher Weise die Befolgung dieser Ver- der Hausindustrie und auch in der Landwirtschaft ist einer besonderen bote fontrolliert wird, ist leider nicht mitgeteilt. Endlich be- Abteilung der Gewerbe- Inspektion zu übertragen. stimmt in Sachsen- Weimar eine Ministerial- Verordnung bom 5. Mai 1897, daß Kinder erst nach gänzlichem Schluß der Ausführungen über die Fragen des Kinderschußes geschwiegen, dafür Die sonst so geschwäßigen Offiziösen haben zu unsren bisherigen Schulstunden mit anstrengenderer Hans- oder Feldarbeit beschäftigt wird den Herren vom Reichsamt des Innern bei der Etatsberatung werden dürfen. Dabei sollen ihnen aber mindestens 2 Stunden zur reichlich Gelegenheit geboten werden, sich über diese Dinge gründlich Anfertigung der Schularbeiten und zur Erholung gewährt werden. auszusprechen. In gewissen gewerblichen Anlagen, die nicht näher angegeben sind, I nur Pflege des solidarischen Geistes! Ich habe die Erfahrung ge macht, daß die Konsumvereine den solidarischen Geist, den Parteiund Gewerkschaftsorganisationen etwa mühsam erweckt, gar leicht zerstören fönnen, wo er noch nicht allzutief eingedrungen ist. Die öde Dividendenjägerei, der Krämerfinn, der Egoismus gewinnen mit zu leicht die Oberhaus tragen wiespalt in die Reihen ber bisher Geeinten und vernichten, was in langer forgfamer Erziehungswird auch nicht immer eintreten, aber die Gefahr ist vorhanden, arbeit geschaffen worden. Das braucht nicht immer einzutreten, mag sie auch um so geringer werden, je länger an einem Orte die zur Solidarität erziehenden Faktoren wirken. Zur Maffenverbreitung zu Agitationsaweden möchte ich Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, h. w. Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 Uhr abends statt. P. 2. Ueber die Arbeiter- Bildungsschule giebt Ihnen der Vorsitzende Lammé, Hafenhaide 72, die erforderliche Auskunft. St. 95. Können Sie durch die Buchhandlung Vorwärts beziehen. ausführlich beantwortet. H. S. Wir haben die Frage erst in unsrer Nr. 250 vom 26. Oktober P. G. 28. 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Verantwortlicher Redacteur: Dr. Georg Graduauer in Groß- Lichterfelde. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in Berlin lEduard Bernsteins »t.275. 17. mm. 5. Ktilllge des„MmMs" KMtt MlksblM. sM-gHsmOttM». AAe Gellml-VersmmlNg der Vercilligllilg der deutslhen Maler. Würzburq, den 24. November ISOO. Die Sicrkitenberatnng wird fortgesetzt; ein wichtiger Punkt ist die Regelung der Slreikunterstiitzung. Genehmigte Streiks werden iimii dritten Tage an von der Hauptkasse unterstützt. Bei Abwehr- fireiks und Aussperrungen vom ersten Tage an. Die Unterstützung beträgt für Ledige pro WocheSM. oder 1,50 M.Pro Tag, für Verheiratete pro Woche 12 M. oder 2 M. pro Tag, für jedes Kind unter 14 Jahreii pro Woche dt) Pf., für 3 Tage nur 25 Pf. Ebenso sinder folgende Resolution in namentlicher Abstiuunung gegen 10 Stimmen Annahme: Die örtlichen Streilfouds sind der Hauptkasse zu überweisen; in Erwägung dessen sind sämtliche vorhandene Streikschuldcn der Filialen zu erlassen. Die- je-ligen Mitglieder, die für 1900 noch nicht für 3 M. Streikmarken gelöst haben, sind verpflichtet, diesen Betrag, welcher an die Haupt- lasse abzuführen ist. noch nachzuzahlen. Die noch nicht an die Hauptkasse abgelieferten Streitbeiträge sind ebenfalls an die Haupt- lasse abzuführen. Krankciigeld-Zuschub wird wie folgt geregelt: Der Borstand kann an Mitglieder bei eintretender Krankheit einen Krankengeld-Zuschutz gewähren: Nach einjähriger Mitglied- schaft pro Tag 55 Pf. während 25 tägiger' Dauer und steigt bei jedem Jahr um 5 Pf. pro Tag. Die Unterstützung in jedem Jahre um 5 Tage, so daß die Höchstzahl der Unter- stützungstage 70 mit pro Tag 1 M. beträgt. Ebenso wird ein Antrag auf Gewährung eines Sterbegeldes nach einjähriger Dauer der Mitgliedschaft von 15 M. bis zu 60 M. nach zehnjähriger Mit- gliedschaft angenommen. Des weiteren wurde folgender Antrag an- gcnontmen:.Die Generalversammlung ermächtigt den Hauptvorstaud, denjenigen Filialen, welche 250 und mehr Mitglieder habe» und in- folge ihrer ausgedehnte» Organisationsform durch Einführung der Hauskassierung usw. mit den 25 Proz., die am Orte bleiben, nicht ausreichen, je nach Lage der örtlichen Verhältnisse einen Znschuh zu geivähren. Der Hauptvorstand erlangt dadurch das Recht, in diesen Filialen bei wichtigen Fällen mitzusprechen.' Ebenso wird folgender Antrag in namentlicher Abstimniung mit 42 gegen 23 Stimmen bei 8 Enthaltungen angenommen:„Dem Hauptvorstand und Ausschutz wird das Recht zuerkannt, in denjenigen Agitationsbezirlen, wo sich die Notwendigkeit herausstellt, datz die Agitation dadurch gefördert wird, Kollegen anzustellen, oder einen Beitrag zur Besoldung zu gewähren".' Damit ist die Statuten- bcratung beendet. Es folgt die Festsetzung der Tagegelder für die Delegierten und wird dieselbe auf 12 M' pro Tag bemessen und Fahrgelder 3. Klasse. Die Gehälter für die Beamten wurden auf 2000 M. pro Jahr festgesetzt und wird denselben ein zehntägiger Urlaub bewilligt. Als Vorsitzender wird T o b l e r und als Kassierer W e n t k e r per Acclamation einstimmig wiedergewählt. Zum zweiten Vorsitzenden wird Krüger ernannt. Als Redacteur wird Mark per Acclamation wiedergewählt. Als Sitz des Vorstands wird Hamburg, als Sitz des Ausschusses Stuttgart wieder bestimmt. Sodann erstattet H u tz den Bericht über den 3. deutschen Gewerk- schaftSkongreh. Die Generalversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Kongresses einverstanden. Päplow von der Generalkommission ergänzt die Ausführungen und verbreitet sich namentlich über die Gewerkschaftskartelle; die Thätigkeil derselben mutz arg begrenzt werden, vor allem müsse ihnen die Befugnis über Gelderhebungen und Entscheidungen über die Streiks genommen werden. Sodann wird beschlossen,. zum Gewerksckaftskongretz je einen Ver- treter des HanptvorstandZ und des Ausschusses, die übrigen Delegierten durch Urabstimmung zu wählen. T o b l e r referiert über die Stellung zu den ausländischen Bruderorganisationen. Redner empfiehlt/ mit den französischen, dänischen, östreichischen und schweizerischen Malern ein Gegenseitigkeitsvertragsverhältnis abzuschlietzen. Die Versammlung beschlietzt demgemätz. So- dann gelangt folgende Resolution einstimmig zur An- nähme:„Die Generalversammlung protestiert im Namen ihrer 15 000 Mitglieder entschieden dagegen, datz das Reichsamt des Innern sich nicht nur in einem ausfälligen Abhängigkeitsverhältnis zu dem unter dem Namen der„Scharfmacher" weithin bekannten „Verband deutscher Industrieller gestellt, sondern sich von diesem Verband auch noch Geld zur Agitation für die Zuchthausvorlage erbettelte, um für diese Vorlage agitieren zn können. Die Generalversammlung erblickt in diesem Vorgang einen Akt der Korruption, wie er schlimmer von einer solchen Regicrnngsabteilung nicht erdacht werden kann. Aus diesem Grunde erklärt die Generalversammlung, zu einer der- artigen Regierung nicht das mindeste Vertrauen zu besitzen." Nach einem begeisternden Schlutzwort seitens des Vorsitzenden T o b l e r wird die achte Generalversammlung der Vereinigung der Maler mit einem brausenden Hoch auf die Organisation geschlossen. Ehester. SeccssionSbiihne: KönigSsöhne von Helge Rode. Deutsch von Anna Leistikow.— Zwei Kvnigssöhne flehen einander gegenüber. Der eine ist frisch, thatkräftig und schönheits- trunken. Er liebt das Leben in matzlosem Drang, liebt glühende Farben und schöne Frauen. Der andre ist ein Philosoph, der das Leben verachtet und sich im Anschauen des Tods und der Ewig- feit darüber hinwegsetzen möchte. Er will seine Seele von allein reinigen, was klein, irdisch und vergänglich ist. Als der alte König Macht und Würde niederlegt, bestimmt er den lebensfrohen Sohn zu seinem Nachfolger— der Philosoph steht finster beiseite und empfindet Neid. Eigentlich scheitert seine erhabene Verachtungs- Theorie schon an' diesem Punkte. Im weitereu Verlauf des Stücks verliebt er sich so Schmach!) noch in ein hübsches Mädchen und wird schließlich gar zum Mörder aus Eifersucht, woraus man ersehen mag, datz das Leben doch nicht so ganz zu verachten ist, zumal ivenn die Weiber ins Spiel kommen. Dem lebensfrohen Bruder geht es zunächst besser. Er erficht Siege, reinigt das Reich von Korruption nnd wird gefeiert. Schlietzlich aber kommt er zu der unanfechtbaren Erkenntnis, datz wir alle sterben müssen. Einmal kommt die Zeit, wo die Haut welk wird und auch das schönste Weib wird einmal so alt, datz sie keinen mehr verführt. Mit der schrankenlosen LebenSbejahnng ist es eben auch nichts, so wenig wie mit der schrankenlosen Lebensverachtung. Eine ganze Existenz lätzt sich weder in dem einen noch in dem andren Extrem führen. Was also dann? Das Kompromitz. Gehen wir an unsre menschliche Arbeit und legen wir die Grotzmaunssucht beiseite. So ungefähr habe ich da? Stück verstanden, was gar nicht aus- schlietzt, datz meine Kollegen, das Publikum und der Dichter es ganz anders verstehen. Jedenfalls macht meine Auffassung klar, wie Ibsen das unbedeutende Stück empfehlen konnte. Der Kompromitzgedanke kehrt bei ihm ja immer wieder, ist gar nicht Helge Rodes, sondern vielmehr sein Gedanke. Im übrigen trifft man den Charakter der Arbeit am besten, wenn man sie als ein philosophierendes und deklamierendes Epigonendrama bezeichnet. Was soll uns das?— E. 3, —„Urber unsre Kraft", II. Teil, von Björnson, ist von der Censnr freigegeben worden. Das Drama wird am Berliner Theater im Januar in Scene gehen.— Witterimgsübersicht vom«4. November 190V, morgens 8 llhr.Z Wetter-Prognose für Sonntog. de» 25. November 1VVV. Mild und zeitweise heiter, vielfach nebelig mit leichten Regensällen und schwachen südöstlichen Winden. Berliner Wetterb urean. �Vaarenkaus tiermann Tietz Leipzigerstrasse 46, 47, 48, 49— Krausenstrasse 46, 47, 48, 49. SpkIwaareD-flusstelluDg der zu diesem Zwecke neu eingerichteten 3. Etage ist eröffnet. ie umfasst den grössten Flächenraum einer Spielwaaren-Abtheilung Europas— enthält die reichste Auswahl vom einfachsten Spielzeug bis zum complicirtesten mechanischen Kunstwerk. Der Andrang 'z. unserem photograph. r Atelier ist vermöge rder klinetlerisch aus- �geführten Bilder, Insbet. rder des Kunstlicht-Ateliers '0. R.-P. 69417 ein derartig 'grosser, dass wir Im Interesse pünkt Richer Lieferung— für Weihnachtsbilder— rechtzeitigen Besuch empfehlen. Um dem voraussichtlich erheblichen Andrang vor Weihnachten vorzubeugen, laden wir das Publikum zum frOhzeltlgen Einkauf ein und haben Vorkehrungen getroffen, alle von jetzt ab gekauften Waaren bis zum 18. December aufzubewahren, um sie alsdann auf Wunsch abzuliefern, Unsere Spielwaaren- Schaufenster!— Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, den 25. November. Freie Volksbühne. Keine Vorstellung. Opernhaus. Lohengrin. Anfang 712 Uhr. Montag: Der Barbier von Bagdad. Die roten Schuhe. Schauspielhaus. Faust.( 1. Teil.) Anfang 72 Uhr. Montag: Wintermärchen. Menes Opern Theater( Kroll). Nathan der Weise. Anfang 72 Uhr. Montag: Die Fledermaus. 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Montag: Specialitätenvorstellung. Der Zauberer am Nil. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Anfang 72 Uhr. Mentag: Specialitätenvorstellung. Fräulein Loreley. Palast. Specialitäten: Vorstellung. Die Seemannsbraut oder: Die Rückkehr aus China. 7 Uhr. Anfang Montag: Specialitätenvorstellung. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 7 Uhr. Passage Panoptikum. = N Speciali täten D: Borstellung. Anfang mittags 12 Uhr. Urania. Taubenstr. 48/49.( Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: Auf den Wogen des Oceans." Juval idenstr. 57/62. Die Welt: ausstellung in Paris. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Montag: Im Hochgebirge von Baltistan". Von Mrs. Bullock Wortmann- Boston. Jur Hörsaal:„ Röntgen- Strahlen". Von Dr. Donath. Schiller Theater ( Wallner Theater). Sonntag, abends 8 Uhr: Faust von Goethe, der Tragödie II. Teil. ( 2. Abend: Fausts Tod und Erlösung). Montag, abends 8 Uhr: Faust. II. Teil. ( 1. Abend. Das Reich der Mütter.) Dienstag, abends 8 Uhr: Faust. II. Teil. ( 2. 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November, abends 8 Uhr, im Kösliner Hof, Köslinerstr. 8: Partei- Versammlung. Partei- Versammlung. Tages Ordnung: Vortrag des Genossen Dr. Beutler: und Brestommiffions- Mitglieder und Neuwahl derfelben. Die politische Tage. Nach dem Vortrage: Gemütliches Beilammensein. 208/5 Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Die Vertrauensleute. III. Wahlkreis. Soc.- dem. Wahlverein. Mittwoch, den 28. November, abends 81/2 Uhr, im Lokal Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag über: Häckels Welträtsel". Referent Herr Dr. Steiner. 2. Diskussion. Gäste willkommen. 241/4 Der Vorstand. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Socialdemokratischer Wahlverein 1. Abrechnung der Vertrauensleute und Neuwahl derselben. Berichterstattung der Agitations, Lokal: 2. Vortrag des Genossen G. Ledebour. Zahlreichen Besuch erwarten Die Vertrauensleute. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. 221/14 Sonntag, den 2. Dezember, vormittags präc. 10 Uhr, im Saale der Brauerei Friedrichshain: Ausschuss- Sitzung. Tages Ordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Beschlußfassung über die an den Vorstand gelangten Anträge. 3. Ver: fchiedenes. Vereine, welche vom Sängerfest nicht abgerechnet haben, werden bekannt gegeben. Die ausstehenden Formulare( Fragebogen) sind umgehend einzusenden. Präcise 11 Uhr: Uebungsstunde für alle Bundesvereine. Lieber: Bundeshymne, Mutterherz, Sehnsucht, Drei Ehrengrüsse. für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. find verpflichtet, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Bundes- Mitgliedstarte legitimiert. = Sonntag, den 25. November, abends 6 Uhr, bei Möhring, Märkischer Hof, Admiralstraße 18c: [ 241/3 Gemütliches Beilammensein. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. Achtung! Achtung! Die Kreiskonferenz 1 16/18 Die Vereine Der Vorstand. Orts- Krankenkasse der Tabakfabrik- Arbeiter 12076 Mechaniker, Optiker und verwandten Gewerbe. Ordentliche General Derſammlung am Montag, den 3. Dezember, abends präc. 71/2 Uhr, in Cohns Festfälen, Beuthstraße 20/21. Tagesordnung: In getrennter Wahlversammlung. 1. Für die Vertreter der Arbeitgeber: Wahl von einem Mitglied zum Vorstand. 2. Für die Vertreter der Arbeitnehmer: Wahl von zwei Mitgliedern zum Vorstand. In gemeinschaftlicher Versammlung. 1. Wahl des Ausschusses zur Prüs fung der Jahresrechnung pro 1900. 1900 gewählten Kommission( Beitrags2. Berichterstattung der aut 30. 4. erhöhung betreffend). 3. Antrag des Vorstands auf Fest: fetzung von Beamtengehältern. 4. Beschlußfassung über Abschluß eines Dienstvertrags mit den Kaffenbeamten. 5. Verschiedenes. Sollte in dieser Versammlung die Tages- Ordnung nicht erledigt werden, so findet am Montag, den 10. Deember d. 3, abends 8 Uhr, im gleichen Lokale die Fortsetzung der Donnerstag, 6. Dezbr., abends 8 Uhr, General- Versammlung statt, zu welcher im Staffenlofal Weinstrasse 11: besondere Einladungen nicht ausDeutscher Holzarbeiter-Verband.be Reichstage Wahlkreises Teltow interet Womans 13 Zahlstelle Berlin. Branchen- Versammlungen Tischmacher der am Montag, den 26. November 1900, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Beeskow- Storkow- Charlottenburg findet am 9. Dezember 1900, nachmittags 1 Uhr, im Gewerkschafts: hause( Saal 5), Engel- Ufer 15, statt. [ 204/ 18* Tages Ordnung: 1. Die Centralisation der Wahl- und Bildungsvereine des Kreises. 2. Statutenberatung und Wahl des provisorischen Vorstands. 3. Bericht tions- und Lokalfommissionen. 5. Kreisangelegenheiten. General- Versammlung Tagesordnung: 1. Statutenveränderung. 2. Kaffen: bericht. 3. Neuwahl des Vorstands und der Revisoren. Hierzu ladet ergebenst ein 43/20] Der Vorstand. und Abrechnung des Kreisbertrauensmanns. 4. Bericht der Breß, Agita Achtung! Gleichzeitig mache ich auf§ 3 des Organisations Statuts des Kreises aufmerksam: Jeder Ort kann bis 3 Delegierte zur Kreiskonferenz ent Hierzu find die Kollegen der Werkstatt von Bökel, Mustauerstr. 28, fenden; die Wahl findet in öffentlichen Parteiversammlungen statt, jedoch ganz besonders eingeladen. Sihmöbel- Tischler am Dienstag, den 27. November 1900, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15. Küchenmöbel- Tischler am Dienstag, 27. November, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraße 27c. Telephon- Tischler 1 fowie derjenigen, welche auf telegraphische, photographische und chirurgische Apparate beschäftigt find, am Mittwoch, 28. November, abends 8 Uhr, im Märkischen Hof, Admiral- Straße Nr. 18 c. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Kontrollkommissions- Mitglieder über die Werkstatt- VerHandlungen. 2. Wie gestaltet sich die gegenwärtige Situation in der Branche. Es ist Pflicht eines jeden in der Branche beschäftigten Kollegen, zu erscheinen. müssen die Delegierten politisch organisiert sein.- Anträge, welche auf der Kreistonferenz ihre Erledigung finden sollen, müssen bis spätestens 5. De zember in Händen des Unterzeichneten sein. Die Kreiskonferenz wird pünktlich eröffnet. Der Kreisvertrauensmann: Wilhelm Eberhardt, Charlottenburg, Wilmersdorferstraße Nr. 38 a. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Berlin, ben 24. November 1900. gegeben werden. Der Vorstand. J. A.: Erh. Schlenker, Vorsitzender. Beschwerden, zu deren Erledigung die Einsicht der Kaffenatten erforder: lich ist, sind bis zum 27. November schriftlich im Kaffenlokal einzureichen. Achtung! Große öffentliche Versammlung für sämtliche in der Pianoforte- Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen am Montag, den 26. November, abends 82 Uhr, im Lokale des Herren Stechert, Andreasstraße Nr. 21. Tages Ordnung: Montag, den 26. November cr., abends 8%, Uhr, in den Armin: 3. Verschiedenes. hallen, Kommandantenstraße 20: 1. Die Entwicklung der deutschen Pianoforte- Industrie, die Lage der Arbeiter und der Vorfämpfer für Einführung der Frauenarbeit in der Berliner Pianoforte- Industrie, Herr Fabrikant Neumeyer. 2. Diskussion. NB. Die Kollegen der Fabriken Neumeyer, Schleifer, Menzel, 284/ 5* Die Branchen- Kommission der Musikinstrumenten- Arbeiter des Deutschen Holzarbeiter.Verbands. Die Agitations- Kommission des Fachvereins der Musikinstrumenten- Arbeiter Berlins u. Umg. Vortrag des Herrn Paul Göhre über: Sebite, Gaft u. Co. u. a. find befonders eingeladen. 59/1 99Erziehungsfragen". Der Vorstand. Knaben und Mädchen, anzugeben, welche an der am 28. Dezember statt Wir bitten unsre Mitglieder, die Zahl ihrer Kinder, wieviel findenden Weihnachtsfeier, verbunden mit Kinderbescherung, teilnehmen wollen. Achtung! Achtung! Rummelsburg. Dienstag, den 27. November, abends 8½ Uhr, bei Stechert, Am Mittwoch, den 28. November, abends 81/2 Uhr, im Café Andreasstraße 21: Branchen- Versammlung Bellevue( großer Saal): Herren- Schreibtisch- u. Büffett- Tischler. Partei- Versammlung Tages Ordnung: 1. Die gegenwärtigen Arbeits- und Lohnverhältnisse in unsrer Branche. 2. Diskussion. ist Tages Ordnung: Centralverband der Töpfer Deutschlands ( Filiale Berlin). Bezirks- Versammlungen: Süd- Ost: Dienstag, den 27. November, bet Brüder, Waldemarstraße 75. Schönhauser Vorstadt: Donnerstag, den 29. November, bei Ramlow, Schönhauser Allee 135. Charlottenburg: Am Donnerstag, den 29. November, Bismard- und Sesenheimerstraßen- Ecke. Tagesordnung in allen Versammlungen: Wahl der Bezirksleitung. 1. Die deutsche Weltmachtspolitik und was hat die Arbeiterklaffe von 196/15 ihr zu erwarten? Referent Genoffe Paul Göhre. 2. Diskussion. Gewerkschaftliches. Der Vorstand. Es in plicht, daß sämtliche Tischler dieser Branche in der Ber: 3. Bericht des Vertrauensmanns, der Reviſoren und der Lokalkommiſsion Achtung! Bauarbeiter. fammlung erscheinen. Mittwoch, den 28. November, abends 8 Uhr, im Weddingpark, Müller- Straße 178: Branchen- Versammlung ber Modell- u. Fabriktischler, sowie Modelldrechsler. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Weyl: Wie fann ich mich gegen die Lungenkrankheit schützen?" 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Branche der Korbmacher. Montag, den 26. November 1900, abends 82 Uhr, bei Wilke, Andreasstraße 26: Versammlung. Tages Ordnung: derselben. 4. 223/8 Die Parteigenossinnen und Genoffen werden um zahlreiches Erscheinen Der Vertrauensmann. Bur Dedung der Untoften 10 Pf. Entree. ersucht. Achtung! Kistenmacher. Achtung! Achtung! ( Gruppe der Puterträger.) Montag, den 26. November, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraße 27 c: Am Montag, den 26. November, abends 8% Uhr, im Lokar Mitglieder- Versammlung. des Herrn Stechert, Andreasstraße 21: General- Versammlung. Tagesordnung: Tages Ordnung: 1. Unfre Stellungnahme zu dem Arbeitssystem der sogenannten„ Harms lofen" Buzzer. 2. Bericht von der Konferenz. 3. Verbandssache. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. 1. Abrechnung vom 1. und 2. Quartal. 2. Wahl der ausgeloften Vor: 43/14 standsmitglieder. 3. Wahl der Lohn- und Agitations tommission. 4. StatutenAenderung. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 188/1 Textilarbeiter- Verband( Dekateure) Berlin III. J. A.: Karl Judel, Rummelsburg, Kantstraße 49, 2 Tr. Diejenigen Kollegen, welche noch Billets vom Stiftungsfest in Sente, Sonntag, den 25. November cr., abends 6 Uhr, bei Sänden haben, werden ersucht, in dieser Versammlung abzurechnen. D. D. 1. Die Zustände in der Kugelforbbranche. 2. Verschiedenes. 3. Bran Achtung! Angelegenheit. Umt zahlreichen Besuch bittet 284/ 8* Die Kommiffion. Deutsch. Metallarbeiter- Verband ( Verwaltungsstelle Berlin). Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Dienstag, den 27. November, abends 81/2 Uhr: Versammlung der Gold- u. Silberarbeiter u. Berufsg. im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Dr. Weyl über:" Der Alkoholismus und die moderne Arbeiterbewegung." 2. Disfuffion. 3. Verbandsangelegenheiten. Die Bibliothek befindet sich im Verbands- Bureau, Engel- Ufer 15 1, Janascht, Inselstraße 10: Rixdorf. Achtung! Versammlung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen Waldeck Manasse über: Unfre Toten. 2. Diskussion. 3. Verschiebenes. 197/11 Pünktliches, zahlreiches Erscheinen erwünscht. Nachdem: Gemütliches Der Vorstand. Dienstag, den 27. November, abends 8 Uhr, bei Hollbach, Germannstr. 120: Beifammensein. Mitglieder- Derlammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Dr. Silberstein. 2. Abrechnung vom Stiftungsfeft. 3. Anträge und Wahl eines Delegierten zum Gautag. 4. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. + Samariter- Kursus für Arbeiter und Arbeiterinnen. 284/9 Heute abend 6 Uhr im Vereinslokal ,, Dresdner Garten", Schneider und Schneiderinnen Berlins! Dienstag, den 27. November, abends 82 Uhr: und iſt täglich während der Bureauſtunden von 9-1 Uhr vormittags und Große öffentliche Versammlung 4-7 Uhr nachmittags geöffnet; Dienstags und Donnerstags außerdem pon 7-9 Uhr abends. Sonnabend nachmittags ist die Bibliothet geschlossen. 121/16 Die Ortsverwaltung. Tapezierer. im Friedrichstädtischen Kasino", Friedrichstraße 236. Tages Ordnung: 1. Die in der Deutschen Mode" angekündigte schwarze Liste des Arbeitgeber- Verbands und die Stellung der Kollegenschaft dazu. Referent: Rollege Ritter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! In Eurem eignen Intereffe liegt es, für einen außerordent Dienstag, den 27. November, abends 8½½2 Uhr, in Cohne lichen Besuch dieser Versammlung allerorts zu agitieren. Einem zahlreichen Besuch sieht deshalb entgegen. Festsälen, Beuthstraße Nr. 21: Der Vertrauensmann. Oeffentliche Versammlung Berliner Ressource, aller im Tapezierergewerbe beschäft. Personen. Tages Ordnung: 1. Die Mißstände in unfrem Lehrlingswesen und wie sind dieſelben zu Beseitigen. Referent Sollege Otto Pönicke. 2. Diskussion. Der Gehilfen- Ausschuss. J. A.: Paul Schmidt, Altgehilfe, Kleine Frankfurterstraße 10. 192/3 Kommandantenstrasse No. 57. Dresdenerstr. 45: Versammlung. Tages Ordnung: Vortrag des Herrn Dr. Ratkowski über: Darwinismus und Socialismus". 155/15 Nachher gemütliches Zusammensein. Gäste willkommen. Morgen abend 9 Uhr Uebungsstunde in der Filiale Brunnenstraße 150. Bortrag über: Knochenbrüche, Verrenkungen und Der Vorstand. Verstauchungen". Lichtbilder-Männervortrag von Otto Grandmann, prakt. Naturheilkundiger Dienstag, 27. Nov., Kommandantenstr. 20, abends 81% Uhr: Entstehung u. Verhütung der Chebedenklichkeiten in Schwangerschaft, socialen Verhältniffen. 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