Nr. 289. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags Nummer mit tlluftrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Bfg. Poft Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Boft Bettungs Preisliste für 1900 unter Br. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich aufer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebühe beträgt für die fechsgespaltene Solonet zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 fg. ..Bleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bte nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Erpcottton ist an Wochentagen bts 7 Uhr abends, an Sonn- und Fefttagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Mernsprecher: But I, Mr. 1508. Telegramm- Adresse: Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Quiffung. Mittwoch, den 12. Dezember 1900. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Politische Mebericht. Berlin, den 11. Dezember. Graf Posadowsky. Die heutige Nede des Grafen Posadowsky im Reichstag bedeutet eine wahre Reinkultur von Unrichtigkeiten und Ver drehungen. Im Namen strenger Gerechtigkeit" will Graf Posadowsky die Schamlosigkeit des berüchtigten Cirkulars der See- Berufsgenossenschaft beschönigen. Herrn Laeisz giebt Aber die der Staatssekretär preis, denn er ist tot. Lebenden, die zur Verantwortung gezogen werden können, gefeßliche Bindungen aller wichtigsten Etatsposten jede Möglichkeit Einbrud nicht erringen, nachdem die freisinnige Boltspartei sich durch ernsthaften Sparens ausgeschlossen haben. Aber auch jetzt, im die Bewilligung der Chinavorlage der ernsthaften Gegnerschaft gegen Jm Monat November gingen bei dem Unterzeichneten folgende gleichen Augenblid, da sie über die trübe Finanzlage seufzen, fahren die heillose Entwicklung der Dinge im Reiche begeben hat. Barteibeiträge ein: Eine Rede Liebermanns v. Sonnenberg, der selbst die sonst Apenrade, Barteibeitrag durch den Vertrauensmann 10,-. t. Centrum und andre bürgerlichen Parteien fort, ihrer wahrhaftigen Apenrade, Barteibeitrag durch den Vertrauensmann 10,- Alt- Bewilligungswut die Zügel schießen zu lassen. Heuchlerisch üblichen Späße fehlten, schloß die heutige Debatte, die am Mittwoch Warthau, vom socialdemokr. Verein 30,-. Aachen, X. S. 100, Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 1. Streis 200,- 2. Streis 400,- ist das Gerede, daß die Socialpolitit viel Geld koste, denn für diese fortgesezt wird. ( darunter vom Leseklub West" 20,-, Uebersch. v." Wahren Jatob" 8wede wird nur ein minimaler Bruchteil von den Anfwendungen für durch Schröder 3,-, amerikanische Auktion auf einer roten Hochzeit unproduttive Zwecke verausgabt. Abzuweisen ist der gleiche Vorwurf des Bergmannstraße, durch Ehmer 6,20, Süd" 1,-.) 3. Streis 500,- Herrn Müller- Fulda, daß die Socialdemokratie für neue Postgebäude ( darunter F. H., Geschenk des Arzthonorars 5,-) 4. Kreis Osten zu viel Geld bewilligt habe. In scharfer Prägung rief Bebel den 2000,-( darunter vom aufgelösten Lese- und Diskutierklub Ost" Militär- und Chinareaktionären des Centrums die kulturelle Losung 21,65, Tischlerei Klinte, Waschauerstr. 78 20,-, vom 185. Stadt zu: Hundertmal beffer schöne Postgebäude als bezirt 4,75, von der Tischlerei Kümmel 30,-, Bierprozente Safernen, Panzertoloffe und Zuchthäuser! Bebel Tischlerei Weidenweg 10,-, aus dem goldenen Schwein für notleidende Agrarier gesammelt in Altenburg 2,46, desgleichen ging sodann mit eindringender Sachkenntnis die einzelnen Etatsin Berlin 95 und-45, Sa. 8,86). 4. Streis Gübost 2000,- pofitionen durch, allenthalben unerbittlich die Folgen der jegigen ( darunter Lese- und Diskutierklub„ Südost" 200,-. Polirpadden von Finanzwirtschaft aufdeckend, die durch Militarismus und Weltpolitik Spinn 2,25). 5. Kreis 200,- 6. Kreis Moabit 523,18( darunter zum Zusammenbruch treibt, sowie die Schuld an dieser unBierprozente bon Plaz P. durch Br. 10,-. Geburts- feligen Entwicklung der Dinge insbesondere dem Centrum auf tags- Feier bei Rothe durch Witting 5,30. Werkstatt Erlich, ladend, daß nichts weiter mehr ist als der Schleppträger der Stronenstr. 31 10,- 2. G. 1, 3. G. 3,-. Ein Stuffe-60.) Regierungspolitit. 6. Kreis, Rosenthaler Borst. und Gesundbrunnen 700,-( darunter Ihren Gipfel erreichte die Bebelsche Rede in der Behandlung deren Unterschrift das Cirkular ziert, fie dürften sich- sagt durch Trenn 3,-). 6. Kreis, Schönhauser Vorstadt 900,-( darunter der Abweisung des Präsidenten von Transvaal. Bebet Graf Posadowsky, dessen Verteidigerfähigkeiten auch Herr A. B. Mister 1,-, Buzerkolonne Kotlinsti durch Schönfeld 5,-, zur Wahlagitation von einem Bauführer durch N. 3,-, 5 Statspieler, billigte den Nichteinmischungsgrundsatz des Reichskanzlers, fowie Sello beneiden darf- wohl nur mit dem sachlichen Teil des Stargarderstr. 3, durch M. 2,45, durch Trenn 2,-, gest. Mal 2,48, das Bestreben, mit England gute Beziehungen zu wahren; dieses Cirkulars haben identifizieren wollen, nicht aber mit der VerReferat bei den Bauarbeitern Moabit durch Augustin 6,-). Bestreben müsse auch innegehalten werden, obschon die höhnung des Unfallverhütungswesens und dem Motto: mundus 6. Kreis Wedding und Oranienburger Vorstadt 1600,-( darunter englische Kriegführung in Südafrika, die englische Raubpolitit vult decipi, die Welt will betrogen sein! Die strengste GerechtigGrabständchen von Nordwacht" 7) Berlin, diverse Beiträge: überhaupt höchst verwerflich ist. Aber gerade von diefem feit ist diejenige, die auf dem Grunde der standalösesten Missethat Alter Genosse A. 8., Schönhauser Allee 5,-. Bierprozente vom grundsäglichen Standpunkt aus sei die schonungslose die reinste Tugendhaftigkeit entdeckt. Dabei fühlt sich Graf Bau Oranienſtr. 95 5,-. Geburtstagsfeier d. Kugelwirts, Kastanien Abweisung des Oberhaupts des tapferen, nun in Todeszuckungen Posadowsky von jeder Voreingenommenheit für das UnterAllee 3,-. W. G. 2,-. Dr. 2. A. 50,-. Von sämtlichen Arbeitern der Möbelfabrik G. Klug, Warschauerstr. 13 54,80. 1. Soiree des E. Pahlschen ringenden Boerenvolks aufs schärfste zu verurteilen, insbesondere nehmertum frei. Wie muß diese Unternehmerdienstbarkeit das Doppelquartetts 10,35. A. S. 30,-. Ergebnisse einer sonntäglichen Stat- nachdem gerade Deutschland durch seine Haltung im Jahre 1896 die Wesen des Reichsamts des Innern erfüllen, wenn partie 1,25... 50,-... 50,-.... 15,-. Cigarren- Boeren in ihren Unabhängigkeitsbestrebungen bestärkt hatte. Bebel geheuerlichste Parteilichkeit als höchste Gerechtigkeit erscheint! fabrit v. R. Schulze, Friedrichsfelderstr. 21, 5,-. Kleiner Naute, schilderte mit beißender Satire und im Namen der Gerechtigkeit und Weiter. Graf Posadowsky flagt über unsre Vorwürfe ,; Brandenburgstr. 3, Fabrit S. u. A., Hornftr. 71,50. Gesammelt Menschlichkeit die Sünden des deutschen Zickzackturses in der Boeren- daß in der Socialpolitik nicht genug geschehe, und fragt von den Arbeitern der Berliner Meffingiverfe 4,50. Bleisteg 1, frage während der letzten Jahre. Wir haben uns, so rief er aus, Genossen Bebel, ob er denn gar keine praktischen Begriffe Un. 2,50. Segerpersonal des Reichs- Adreßbuch N. Mosse 17,- die Sympathien der Völker so sehr verscherzt, wie es fein Feind davon habe, was für eine Riefenarbeit allein durch die UnfallVergnügte Buchbinder a. d. Gewerkschaftshaus 2,38. Bertabteilung Deutschlands schlimmmer winifchen könnte! und Invaliditätsversicherungs- Geseze geleistet ist?" Min b. May Bading 20,- Amerit. Auft. Lotterieklub Glückschw. 4,10. Rote Buchbinder Grünstraße 5,-. Bromberg, von den Parteigenossen Weiter behandelte Bebel die Bollpolitik und demmnzierte den Graf Pojadowsky noch ernst genommen werden, so ist seine Der Redner Frage eine dreiste Herausforderung. Die Arbeitsleistung des durch den Vertrauensmann 30,-. Bern 50,-. Charlottenburg, W. E. fatholischen Arbeitern das fornzöllnerische Centrum. 1. Mai 3,- Cottbus 100,-( darunter für einen Vortrag des Gen. forderte von der Regierung Auskunft die an diesem Tage noch Reichsamts des Innern in Sachen der Socialpolitik ist von Arons 20,-) Charlottenburg, amer. Auft. Geburtstagsf. Lutherstr. 45, nicht gegeben wurde über die Meldungen von der beabsichtigten uns nicht nur gewürdigt, sondern oft schwer beklagt worden. 5,62. Dresden, 5. fächs. Reichstags- Wahlkr.( Dresden- Altst.) 300,- Einführung eines neuen Infanteriegewehre und neuer Kanonen, Denn diese Arbeitsleistung wurde nur allzusehr im Dienste Döbeln, Romanus 34,-. Dresden, socialdem. Verein des 4. fächf. desgleichen über die dem Budgetrecht des Barlaments wider- des Unternehmertums verrichtet. Wie viel Zeit konnten: Reichstagswahlkreises 300,-. Dresden, G. Sch. 1- Dresden sprechende Annahme Beamten des Grafen Privatgeldern zu Posadowsky ersparen, Marinezwecken die Schweineglück b. Valten 17,-. Dresden, Es ist erreicht" 1000,- burch den Kaiser. fie sich des Zuchthausgesetzes famt Dent Zum Schluß stellte Bebel in parallelen wenn Dresden, freiwilliger Parteibeitrag der Gewerkschaften 270,29. Wie vic der zu Erfurt, Wahlkreis die Unkultur padendem schrift und Nachdenkschrift erwehrt hätten. jezigen, mur Erfurt Schl. Ziegenr. 50,-. Falten Gegenfat wurde vergeudet, da Vorlagen neu ausberg( Oberschl.) 3,-. Flomersheim( Rheinpfalz) Parteibeitrag 20,- Finanzwirtschaft die wahrhaften Kulturaufgaben des Arbeitskraft wurde bergeudet, Gießen, E. K. 10,- Haftedt bei Bremen, v. Parteigenoffen 10,- teichs, die jetzt unbefriedigt bleiben, die zu lösen die bürgerliche gearbeitet und neu im Reichstag borgelegt werden mußten, sobald das Unternehmertum unzufrieden war. Im übrigen: Helmstedt 50,-. Hannover 1000,-. Hamburg, im Monat No- Gesellschaft sich unfähig erweist. Tragen wir Socialdemokraten Schuld, daß die Kommission für Arbeiterstatistit zur Schattenkommission herabgedrückt und daß unsre Forderung eines Reichs- Arbeits. a mts nicht durchgeführt wurde? W " = T -vont vember in der Expedition des" Echo" eingegangen 126,85. Haß- In diesem letzten Abschnitt seiner Nede hatte Bebel auch den furt a. M., L. R. 3,-. Hamburg, Geträufeüberschuß in 2 Raten socialpolitischen Stillstand im Reiche gebrandmarkt und dabei von durch N. Hagemann 37,10. Köln, durch den Vertrauensmann von Stadt Köln 120,-. Lahr, 12 000 Mart- Affaire herausgefordert. Hohenstein- Ernstthal, C. B. 5,50. neuem den Grafen Posadowsky zur Aeußerung über die Altvater 5,-. Leipzig, 12. und 13. sächsischer Reichstags- Wahlkreis 2000, Memel, v. aufgelösten Lese- u. Diskutierklub„ Vorwärts" Graf Posadowsky mußte das lang bewahrte Schweigen 46,50. Meerane, Kindtaufe eines freien Turners 2,25. Mainz, brechen. Seine verspätete Verteidigungsrede wirkte überraschend selbst von den Parteigenossen 200,-. München, Waldläufer 5,- auf denjenigen, der von den Beschönigern und Klebern des ReichsNürnberg, socialdemokratischer Verein Nürnberg Altdorf 20,- amts des Innern viel erivartet hatte. Sie bedeutet eine verNienburg a.., vom socialdem. Wahlverein des 2. Hannov. Reichs- blüffende sensationelle Selbst bezichtigung wider willen tags- Wahlkreises 100,- Offenburg i. B. v. einem alten Offen hinter deren Ungeheuerlichkeit selbst der ursprüngliche 12 000 Markburger 2, Pforzheim, von badischen Genossen 50,- Paris, 2. Fall verblaßt. 11. 5. B. 20,- Birna, Parteibeitrag des 8. sächsischen ReichstagsWahlkreises 100,-. Rheydt, durch den Vertrauensmann 20, Remscheid 100,-. Schwelm 100,-. Sonneberg S. m., durch den Vertrauensmann W. 15,-. Tambach- Dietharz, Volts berein, 5,-. Württemberg 50,-. Wolfenbüttel, vom socialdemotratischen Arbeiterverein durch den Vertrauensmann N. 30,-. Waldheim, Doppeltopf- 55. Wiesbaden, A. H. 5,-. Zeiß, Wahlkreis Beiz- Weißenfels Naumburg, durch den Kreis Vertrauensmann - 100,-. D In der Quittung in Nr. 264 des Vorwärts" vom 11. November dieses Jahrs muß es unter den Einzelbeiträgen, die in der vom 6. Berliner Wahlkreis( Schönhauser Borstadt) abgelieferten Summe bon 1400, enthalten sind, nicht heißen Stauchtlub Feigenblatt" 1,-, sondern 4,80. Berlin, den 7. Dezember 1900. Für den Parteivorstand: A. Gerisch, Kreuzbergstr. 30. Die Etatsberatung Der Reichskanzler hatte in der socialdemokratischen Interpellationsdebatte uneingeschränkt das Vorkommnis im Reichsamt des Innern als Mißgriff preisgegeben und die Verhütung seiner Wiederholung zugesichert. Jetzt verleugnet der mühsam entschuldigte Sündiger seinen Fürsprecher und verteidigt die That des Reichsamts des Junern in herausforderndem Trozz. Es war nur eine gewisse bureaukratische Aengstlichkeit", wenn Herr Woedtke die 12 000 Mart nicht aus dem Fonds für Preßangelegenheiten entnahm, sondern sich an den Centralverband der Industriellen wandte. Der jämmerlich erniedrigende Bettel der Regierung bei den Centralverbändlern verwandelt sich in übergroße bureaukratische Sorgfältigkeit, für die dem Thäter besondres Lob gebührt! " " unGraf Posadowsky hat redlich versucht, seine Unabhängig. keit vom Unternehmertum durch folgende Ausführung zu beweisen: „ Es ist nun bei der Interpellation gesagt worden: da sehe man, wie das Reichsamt des Innern schon seit 1879 bom Centralverband abhängig sei. Betrachten Sie doch einmal gütigst die Thatsachen. Sie haben vor kurzem mit vollkommenem inrecht behauptet, daß die Invaliden- und UnfallversicherungsGesetzgebung zurüdgestellt sei wegen des Widerstands: des Centralverbands. Nein, meine Herren! Ich will hier niemand zu nahe treten, es war aber ein Fehler, 3ivei so ungeheuer umfangreiche Geseze in einer Session ein zubringen. Der Reichstag war gar nicht im stande, sie zusammen durchzuberaten. Diesen Fehler wollte ich vermeiden, als ich in das Amt eintrat. Auch war es selbstverständlich, daß, als ich. im Juli mein Amt übernahm, ich erst einige Zeit brauchte, um mich über diese beiden Gesetze zu informieren, ehe ich neue Gefeße vorlegte." Die Unrichtigkeit dieser Darstellung des Grafen Bofadowsky wird schlagend bewiesen durch den Grafen Posadowsky selbst. Als am 16. Dezember 1898 im Reichstage Bebel die Nichtvorlegung der UnfallversicherungsNovelle kritisierte, erwiderte Graf Posadowsky wörtlich: Die frühere Erklärung des Grafen Bülow ersuchte Jn bemnität und läßt das Bewußtsein begangener Ver fehlung im Reichsamt des Innern annehmen. Die jetzige Erklärung des Grafen Posadowsth beweist die reuelose Berstodtheit der Schuldigen. Im Ressort des Grafen Bofadowsky fehlt das Gefühl der Unwürdig teit deffen, was gethan wurde. Die Unterthänigkeit unter gewann am zweiten Tage durch zwei große Reden aus der Opposition die Macht der Kapitalistentlasse steckt den bestellten Fürsowie durch die Herauslockung des Grafen Posadowsth aus dem sorgern für die Wohlfahrt der Arbeiterklasse so tief im 12 000 Mart- Versteckt die höhere politische Bedeutung, die ihr am Blut, daß fie wenn sich ihrer nicht bewußt zu werden vers ersten Beratungstage abging. mögen. Nur die Selbstverständlichkeit dieses Abhängigkeitsverhältnisses Bebel leitete die Sigung durch eine umfassende Kritik der Ge- läßt es erklären, daß Graf Pojadowsky von neuem das Zuchtsamtheit unsrer öffentlichen Zustände ein. Die frühere Chinadebatte haus Gesetz als ein Gesetz zum Besten der Arbeiter hatte das gewaltige Antlagematerial, das die Tollheit der neuesten feiern konnte, daß er bereit ist, die ekle Verhöhnung der Unfallpolitischen Entwicklungen bildet, keineswegs erschöpft, und die heutige verhütungs- Bestimmungen durch den Vorstand der See- BerufsRede Bebels glich einem zweiten Aft zu seiner großen Chinarede, genossenschaft mit dem Mantel christlicher Liebe zu bedecken. der sie an rhetorischer Wucht in nichts nachgab. Das Haus, das im Die Rede des Grafen Posadowsky hat die 12 000 Mark- Affaire Anfang der Rede einige Unruhe zeigte, geriet aber bald in den nicht beglichen, sondern zu neuer, noch größerer Bedeutung erhoben, Bann des Anklägers der Gegenwart, des Verkünders der Zukunft, als sie bisher schon besaß. und es folgte dann der Rede in lautloser Aufmerksamkeit bis zum Schluß. Nach dem Grafen Bosadowsky sprach Herr v. Kardorff, der fich vergeblich bemühte, die Kritik Bebels irgendwie abzuschwächen. Herr Richter hielt sodann eine sehr bemerkenswerte kritische Was das Unfallversicherungs Gesetz im besonderen betrifft, fo fragen Sie: Warum ist uns auch dieses ausgezeichnete Geset nicht wieder vorgelegt worden? Meine Herren, es mag darüber zu streiten sein, ob man die Unfallversicherungs- Gesetzgebung auf die Berufsgenossenschaften basieren sollte, oder ihnen eine andre Grundlage geben. Aber gegenwärtig beruht sie auf der Verfassung der Berufsgenossenschaften, und es ist höchst wichtig, daß, dies Gesetz ordnungsmäßig fungieren soll, wir es so einrichten, daß auch die Leiter der Be rufsgenossenschaften freudig an seiner AusGegen die Bes arbeitung mitarbeiten. schlüsse des hohen Hauses sind aber so ernste und weitgehende Einwendungen erhoben worden, daß wir uns unzweifelhaft in einen akuten Gegensatz mit den Vorständen der Berufsgenossenschaften gesetzt hätten, wenn wir das Gesetz so, wie es hier beschlossen ist, Ihnen von neuem vorgelegt hätten. Das sind die innereu Gründe, warum wir auch die Unfallversicherungs Geseze in dieser so in Anspruch genommenen und nach ihrem gefeßlichen Endpunkt nur kurzen Session nicht wieder vorgelegt haben." Die Berufsgenossenschaften sind ebenso eine Ausstrahlung Bebel ironisierte zunächst die Sparforderungen der bürgerlichen Parteien, welche im Laufe der vergangenen Jahre die Nachlese zum Etat und zu den Reden aus dem Hause. Seine durch tolle Verschwendunaswirtschaft nicht nur selbst betrieben. fondern durch reichliche wikioe Bemerkungen gewürate Rede tonnte jedoch tieferen der Unternehmerherrschaft wie der Centralverband; es find Es ist peinlich, daß nicht alle Leute bezüglich der Unternehmerdienstbarkeit des Reichsamts des Innern so kurzen Gedächtnisses sind wie Graf Posadowsky selbst. " Presstimmen zur Bülow- Rede. Die Deutsche TagesBeitung" schreibt: vielfach dieselben Personen, die dort wie hier den Zon an- selbst eingefehen habe, daß diefer Brief in seiner Form nicht ihr versichert, daß die regierende Klaffe Transvaals eine recht geben. Graf Posadowsky gestand selbst, daß nicht übermäßige torrett und seinem Verhältnisse zu dem Feldmarschall nicht an bestechliche war, und wer sich von Leuten, die lange unter den Boeren Arbeitsmenge, wie er jegt einreden will, sondern der Wider- gemessen gewesen sei, habe nicht gezögert, dieser Erkenntnis in gelebt haben, näheres wahrheitsgetren berichten läßt, wird bald einsehen, daß deren Frömmigkeit eine sehr äußerliche ist; daß von Fleiß stand des Unternehmertums den inneren Grund der Nicht- loyalfter Weise Ausbrud zu geben. Die Khatipreffe erklärt damit den 8 wischenfall für er bei den Boeren nur wenig die Rede sein kann, wie der Zustand im Gegensatz zu benen bon beutschen wiedervorlegung der bereits in der Reichstags Kommission redigt. Das ist er unsrer Ansicht nach durchaus nicht ihrer Farmen, fertig gestellten Unfallvorlage gebildet hat. Denn wenn auch der amerikanische General die Form seines und englischen Farmen beweist, und daß sogar der angebliche HelbenProtestes für unforrett erklärt hat, so hat er damit seinen mut nur bei sehr wenigen zu finden ist... Wenn man alles dieses Brotest felbst noch feineswegs zurüdgenommen. Und dieser zusammenfaßt, fann man nur zu dem einen Urteil kommen, daß die Protest wird auch unbedingt von Bülow als berechtigt ans Boeren eher ein Hindernis für die weitere Ausdehnng von Kultur erfannt werden müssen. Wir stellen deshalb die Frage: Soll es und Civilisation und für eine gesunde Weiterentwicklung der Verwirklich geduldet werden, daß chinesisches Eigentum von hältnisse in Südafrika find." Rein Koalitionsrecht für Bergarbeiter. Mit fast denselben Worten hat das Blatt auch den Einbruch unfren Chinatruppen rechtswidrig als Beute heimgeschleppt wird? ,, ber Europäer in China gerechtfertigt, auch die Chinesen Der Zwidauer Bergarbeiterstreit, der unter den wirtschaftlichen wie fiberhaupt alles, was Kämpfen in diesem Frühjahr besonders durch die Drangfalierungen 15. Januar seine Sigungen beginnen. Der preußische Landtag soll, wie mitgeteilt wird, am sind ihm ein Kulturhindernis, sich der Ausbeutungsfucht des Kapitals nicht willig fügen will: und Verfolgungen hervorragte, unter denen die Ausständigen zu leiden hatten, bat schon ziemlich deutlich gezeigt, wie es mit dem Auch ein Zeichen der Zeit. Soeben ist der erste Band der im Innern die Socialdemokraten, nach außen die Völker, die sich Koalitionsrecht der fächsischen Bergarbeiter steht. Es war empörend, zweiten Auflage des Staatslegitons der Görres zur Wehre ſezen, wenn die Chamberkahn und Billow ihnen das zu sehen, wie Unternehmer und Behörden sich die Hände reichten Gesellschaft erschienen. Wie fich die Görres- Gesellschaft die Joch der kapitalistischen Ausbeutung auf den Nacken legen wollen. zur Niederdrückung des Streifs, wie der Minister v. Metsch mit den Pflege der Wissenschaft im tatholischen Deutschland zum gwed Die wahre Kultur ist nur bei der regierenden Slafie in Europa, beKohlenbaronen konferierte und darauf, ohne nur den Versuch zu gesetzt hat, so dient auch das in ihrem Auftrage herausgegebene fonders in Deutschland. Im Gegensatz zu der in Transvaal ist sie machen, auch einen Arbeiter anzuhören, für die Streitenden Staatslexikon der Behandlung der socialen, ökonomischen und unbestechlich, innerlich fromm, fleißig und heldenhaft. Wer follie machen, auch einen Arbeiter anzuhören, für die Strettenben politischen Erscheinungen vom katholischen Standpunkt aus. Die daran zweifeln angesichts der Affaire Rosadowsky- Bueck und der Gendarmen schickte, wie mit Versammlungsverboten und Ausweisungs- Neuauflage des Staatslegifons hatte mun, wie es in einem niedlichen Standalprozesse daheim und der Hunnenpolitik da draußen befehlen operiert wurde und es auf diese Weise gelang, die Artifel in der„ Kölnischen Bollszeitung" heißt, mit der Schwierigkeit in Oftafien? Reihen der Ausständigen zu verwirren, so daß fte zu den alten zu kämpfen, daß sie den Umfang der ersten Auflage nicht fo day the Bedingungen zur Fron zurüdtehren mußten, fo weit sie wieder auf- überschreiten sollte, andrerseits aber zahlreiche neue Ergebnisse der Forschung zu verwerten und nene Stichworte aufzunehmen waren. AusDie Kohlenbarone rächten sich schwer für die Auflehnung der Der dazu nötige Raum ist gewonnen worden durch geluechteten Kohlensklaven wider ihre Herrschaft. Viele, viele, die fcheidung alles Ueberflüffigen" und dadurch daß die allzu starte Heranziehung mancher Materien", jahrzehntelang die schwere Fron getragen, ihre Kraft und Gesund- bie in der ersten Auflage„ unangenehm empfunden" worden war, heit in der Grube gelaffen und für einen Jammerlohn den Kapitalisten vermieden wurde. Dagegen" so heißt es in der Kölnischen Volksglänzende Dividendengewinne gefördert hatten, wurden erbarmungszeitung". ist Sorge getragen für die Erweiterung des biographischen los auf die Straße geworfen. Die Brutalität der Kohlenherren schrie Teils, in in dem neben hervorragenden Vertretern der staatsden hervorragend sten zum Himmel; es war eine öffentliche Kalamität in den Kohlen- wissenschaftlichen Theorie auch der Gegenwart im gräberdörfern entstanden, da die Gemeinden nicht wußten, Bolitifern Artikel gewidmet werden follen". Gegen was sie mit den vielen Erwerbslosen anfangen sollten. In ver- Bager furze die Aenderung in der Verteilung und Berücksichtigung des schiedenen Gemeindeverwaltungen fam es zu lebhaften Erörterungen Stoffs läßt sich ja an sich bei einem legitalischen Wert nichts sagen. und es wurde sogar von Gemeindewegen der Versuch gemacht, die Es ist aber merkwürdig, daß zu den Artikeln, die in der neuen AufUnternehmer zur Zurücknahme der Entlassungen zu bewegen. Lage des Staatslegitons der Görres- Gesellschaft eine Aenderung Vergebens! Der Stlave muß fühlen, daß er sich seinem Herrn zu erfahren haben, auch der Artikel ,, Arbeiterfrage" gehört! Er umfaßte beugen hat. Die Unbotmäßigen mögen verhungern! in der ersten Auflage 166 Spalten, ist aber jetzt auf 120 Spalten gekürzt worden! Nun möchten wir ein Gebiet wissen, was in den letzten Jahren an Umfang und an Bedeutung mehr zugenommen hat, als die Arbeiterfrage. Freilich, das Centrum bat gegenwärtig als regierende Partei mehr Jutereffe für Weltflotten- und Hurrapolitik, als für die Socialpolitik, und die biographische Beleuchtung seiner hervorragendsten Politiker der Gegenwart," der Herren Lieber, oeren, Dasbach usw. ist ohne Zweifel von größerer Wichtigkeit als die Berücksichtigung der Arbeiterinteressen. In der nächsten Ausgabe der Görres- Gesellschaft wird der Artikel„ Arbeiterfrage" wohl in einer Fußuote abgethan werden. genommen wurden. sds Den Hinausgeworfenen wurden aber überdies ihre Beiträge zur Knappschaftstasse vorenthalten. Das sind nicht nur Pfennige; bei den meisten handelte es sich um 500 bis 700 Mart, bei mehreren älteren Bergarbeitern sogar um über 1000 Mark. Also nicht nur arbeitslos gemacht, nicht nur der färglichen, durch jahrzehntelange schwere Steuer erivorbenen Hoffnungen auf einen Rotpfennig im Alter beraubt, nein, auch dieser Steuergroschen selber beraubt waren diese Aermsten. Das Knappschaftstassen Gesetz besagt, daß Bergleute, die nach fünfjähriger Mitgliedschaft entlassen werden, ihre Beiträge zurückerhalten. " Das fächsische Berggefet(§ 80 Abs. 2 8iff. 5) schreibt aber vor, daß sofort ohne Kündigung entlassen werden kann, wer ohne Urlaub oder triftige Entschuldigung länger als einen Tag bon der Arbeit fortbleibt". " tatholischen Heimkehr der ersten Chinatruppen. Die erften 1000 Mann der Ostasientruppen find Dienstag früh in Wilhelmshaven an Bord des Lloyddampfers Köln" eingetroffen. An Bord befanden sich eine Anzahl Offiziere, 243 Unteroffiziere und 782 Mann, ihrer Mehrzahl nach den Stammformationen der Matrosen und Werftdivisionen an gehörig, ferner etiva 60 Mann vom 8. Marine- Infanterie- Bataillon Das Knappschaftskaffen Gesetz und das Knappschafts- Statut aus Efingtau, unter ihnen acht Leute, die an der Verteidigung der dabei schreiben aber ferner vor, daß die Beiträge nicht zurückgezahlt Gefandtschaften in Beling teilgenommen haben und werden, wenn die Entlassung auf Grund von§ 80, Abs. 2 giffer 5 Invalide geworden sind. Ferner befanden sich an Bord eine Anzahl Kranker sowie einige militärische Arrestanten. Von den des Berggesetzes erfolgt. Mannschaften des Transports sehen elf Unteroffiziere und 505 Mann Die Bergarbeiter haben sehr wohl mit diesen Gesegesparagraphen ihrer Entlassung zur Reserve entgegen; givei Unteroffiziere gerechnet und sich in den Versammlungen vor dem Streit ein- und 50 Mann scheiden als dauernd dienstuntauglich aus dem Militärgehend damit beschäftigt. Sie kamen jedoch einmütig zu der Ueber- dienst aus. Mit der„ Köln" sind etwa 50 Mann vom Jltis" in zeugung, daß die Ausübung des ihnen reichs gesetzlich der Heimat eingetroffen, die an der Eroberung der Taku- Forts mitzustehenden Rechts ein wichtiger Entschuldigungsgewirkt haben. Auf dem Ererzierplay, wo ein offizieller Begrüßungsaft stattgrund im Sinne des§ 80 des Berggefeges sei. Um aber ganz fand, wurden 15 Mann vom Iltis" mit militärischen Ehrenzeichen ficher zu gehen, meldeten sie sich vor dem Streit noch ab und glaubten bekoriert. nun dem Berggesetz Genüge geleistet zu haben. Die Arbeiter mochten das glauben. Kann man aber annehmen, daß Unternehmer, die herrschgewohnten Kohlenherren die Ausübung des reichsgesetzlich gewährleisteten Koalitionsrechts als triftigen Entschuldigungsgrund oder als Urlaubsgrund ansehen sollen? Sie thaten es natürlich nicht, erklärten die Entlassungen als begründet aus§ 80 des Berggesetzes und verweigerten deshalb auch die Aus zahlung der Kassenbeiträge, des Eigentums der Arbeiter. Eine Streitstrafe von 500, ja von 1000 und mehr Mark! Was ist dagegen das Kontrattbruch- Gesetz z. B. in Braunschweig! Die Arbeiter fezten ihre Hoffnung auf die Gerichte. Sie flagten beim Berg- Schiedsgericht. Abgewiesen! Sie wandten sich ans Landgericht. Abgewiesen! Sie wandten sich ans Oberlandesgericht. Abgewiesen! Wohl hat er das Recht, weiter zu steuern. Woher sollen aber gerade die ältesten Bergarbeiter das Geld dazu nehmen, die nirgends mehr ein Unterkommen finden, weil sie schon bergfertig" find; ebenso wenig können die an Weitersteuern denken, die auf außer sächsischen Gruben Arbeit erhalten, denn sie müssen dort ihre Beiträge entrichten und wieder von neuem anfangen, denn nur auf einzelnen Gruben werden die bereits in andren Bergwerksbetrieben geleisteten Beiträge angerechnet. Wegen zwanzig Einzelfällen von Mißhandlungen gegen einen untergebenen hatte sich am Dienstagvormittag der Ünteroffizier Breits vom Garde Küraffier- Regiment vor dem Oberkriegsgericht des Garde- Corps zu verantworten. Der Angeklagte war bereits von dem Kriegsgericht der Garde Kavallerie- Division dieser Bergehen halber zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Gegen dieses jedoch hatte der zuständige Gerichtsherr, Generallieutenant v. Moßner, Berufung eingelegt und damit motiviert, daß nicht, wie dies bei dem erstinstanzlichen Kriegsgericht angenommen, nur 15, sondern 20 Fälle von Mißhandlungen abzuurteilen seien. Außerdem sei eine der Mißhandlungen eine so schwere gewesen, daß sie nicht wie die übrigen mit Mittelarrest, sondern mit Gefängnis zu ahnden sei. In der gestrigen Verhandlung wurde dem Gerichtshof durch den Verhandlungsführer, Ober- Striegsgerichtsrat Bever, der Thatbestand aufgerollt. Im Juli d. J. wurde der Kürassier Heine von der 2. Eskadron des oben erwähnten Stegiments plöglich von Tobsucht befallen und mußte nach dem Garnisonslagarett II Der Verdacht wurde rege, daß in Tempelhof übergeführt werden. 4 In der gestrigen Reichstagssigung ist der Reichskanzler Graf Bülow zunächst vom Abg. Dr. Sattler wegen der Stellungnahme der Regierung zum Besuch des Präsidenten Krüger um Aufklärung ersucht worden, und Graf Limburg Stirum hat sodann diese Anfrage in die präcise Form gebracht: Warum ist dem Präsidenten eines befreundeten Staats nicht diejenige Achtung erwiesen worden, die ihm gebührt? Das ist in der That der Kernpunkt der Sache. Graf Bülow hat darauf geantwortet; er hat, wie wir zugeben müssen, sich wieder einmal als ein geschickter Redner gezeigt, aber seine Geschicklichkeit doch nur dadurch an den Tag gelegt, daß er es fertig brachte, um den Punkt, auf den es eigentlich aufam, in weitem Bogen herumzugehen. ... Und haben wir Unrecht, wenn wir aus allem, was geschehen ist, den Schluß ziehen, daß wir Südafrika preisgegeben haben, um dafür die Unterstützung Englands in China zu gewinnen? Heute wieder spricht sich ein englisches Blatt, die Saturday Review", dahin aus: DeutschLand bedürfe der freundschaftlichen Mitwirkung Großbritanniens im fernen Osten, und dagegen müsse Krügers Schicksal zurücktreten." " Graf Bülow fragt, welchen Nutzen uns der Empfang Krügers gebracht hätte. Unfre Stellung in der Welt hätten wir dadurch nicht verbessert." Nun, wir veriveisen auf Frankreich! Die Vergleiche, die heute da draußen in der Welt zwischen Frankreichs Stellung und der unsren gezogen werden, lauten gerade nicht schmeichelhaft für uns. Zum mindesten hätte der Besuch Krügers in Berlin unfre Stellung in der Welt nicht verschlechtert, während die Abweisung Krügers sehr begreifliche Zweifel an unsrer Neutralität und Unabhängigkeit wachgerufen hat, die auch die stärksten Worte des Grafen Bülow nicht zu zerstreuen vermögen." Auch die, Kreuz 8eitung" schließt sich diesen letzten Aus führungen des agrarischen Organs völlig an. " " Und die Volts 8eitung' würdigt die Schieds. gerichtsfarce im Haag treffend, indem sie ausführt: " Gegen den Schluß der gestrigen Sigung des Reichstags gab Graf Bülow über die Affaire England Krüger" die erivartete längere Erklärung ab. Nach den reichlichen offiziösen Andeutungen der letzten Zeit und nach der summarischen Erläute rung des Grafen Posadowsky wußte man vorher ganz genau, in welchem Sinne die Deklaration der Unverleglichkeit Englands gehalten sein würde. Die Rede hat denn auch nach dieser Nichtung hin nicht einen einzigen neuen Gesichtspunkt eröffnet, nicht ein einziges nenes Moment beigebracht, es sei denn die aus= drückliche Feststellung der Thatsache, daß keine einzige Großmacht je daran gedacht hat, in den Kampf in Südafrika, nachdem er einmal ausgebrochen war, zu Gunsten der Transvaal Republik einzugreifen. W Das unvereinigte Europa hat sich damit England gegenüber ein trauriges Armutszeugnis ausgestellt. Diejenigen einzelnen Nationen, die vielleicht etwas Ernstliches hätten thun wollen, fönnen nicht dafür verantwortlich gemacht werden; der Tadel hat diejenigen Staaten zu treffen, die für eine einheitliche und gemein fame Aftion nicht zu haben waren und damit vor der Weltgeschichte befundet haben, daß an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts der schmach vollste Krieg vom Zaun gebrochen werden konnte, ohne daß dieses Welt- Ünrecht" von der Gesamtheit der gefitteten Staaten verhindert werden konnte. -O Das ist das Facit einer Kulturentwicklung, an der das Menschengeschlecht seit 6000 Jahren arbeitet!" Wo blieben die Allteutschen? Diese naheliegende Frage richtet die allteutsche„ Deutsche Zeitung" an die Herren Hasse und 2ehr: Seit längerer Zeit plante der„ Albeutsche Verband" die Ueber reichung einer Adresse an den Präsidenten Krüger. Da der Staatspräsident nicht nach Berlin tommt, hat man beschlossen, von Düsseldorf aus, wo am 8. und 9. Dezember Sigung des geschäftsführenden Ausschusses war, die Huldigungsfahrt anzutreten. Daß man diesen Beschluß unter Anwesenheit aller an wesenden Reichstagsmitglieder im Vorstand ausgeführt hat, nachdem inzwischen auf den heutigen Tag die Etatsberatung angesetzt war, erregt unsre lebhafteste Verwunderung. Man erwartete für heute doch die Nede des Grafen Bülow ist Sachen der Abweisung Präsident Krügers. Inzwischen hat der Abg. Sattler, der Fraktionsgenosse der Herren Abgg. Hasse und Lehr, die Regierung indireft verteidigt. Uns erschien es da als ho ch notwendig, daß die Herren Abgeordneten, die doch an erster Stelle nicht Frattionsmitglieder, sondern Vertreter des„ Alldeutschen Verbands" sind, in solchen Stunden und Tagen am Plaze wären. Die Ueberreichung der Adresse ist natürlich sehr ers freulich, aber die Erfüllung dieser Aufgabe läuft doch nicht fort. Daß die Vertreter des„ Alldeutschen Verbands" morgen im Reichs= fage anwesend sein mögen, ist die Hoffnung, mit der wir schließen. Die Herren Haffe und Lehr waren auch am zweiten Tage der Etatsdebatte noch nicht im Parlament anwesend. Ob sie am dritten Tage zur Stelle sein werden? Das Berg- Schiebsgericht erklärte, daß den Arbeitern die Beiträge. die Krankheit durch Mißhandlungen erlitten zu Recht vorenthalten worden sind, das Landgericht erklärte sich für habe, umso mehr, als der Patient in der Retonvalescenz führer, mit dem Dedengurt geschlagen worden sei. Die unzuständig, das Oberlandesgericht fällte am Sonnabend seinen angab, daß er von dem Unteroffizier Breits, feinem KorporalschaftsSpruch und bezeichnete ebenfalls das Landgericht als unzuständig. fofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß in der That der Es bleibt bei dem Spruch des Berg- Schiedsgerichts: Die Arbeiter unteroffizier Breits diesen seinen Untergebenen sind mit ihren Forderungen auf Herausgabe der Kaffenbeiträge etwa fünfzehn bis zwanzigmal, teils mit der flachen hand, teils mit der geballten Faust oder abzuweisen. on Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, daß für mit dem Dedengurt gezüchtigt habe. Breits wurde num diese Bergarbeiter bas Recht zu streiten, so am 27. Oftober vor ein Striegsgericht geftellt und in der oben erwähnten Form verurteilt. gut wie aufgeoben ist. Welcher Bergmann wird es In dem gestrigen Termin wurden die Gutachten der ärzt= noch wagen zu streiten, wenn es ihn seine Alterspension, die lichen Sachverständigen verlesen. Sie lauteten alle Witwen- und Waisenpension, und obendrein die Spargroschen eines darin übereinstimmend, daß Heine ein nicht geistig ganz ganzen Lebens tostet! normaler Mensch sei und daß die Krankheit desselben sich als ein heilbarer Erschöpfungszustand des Gehirns herausgestellt habe, die durch Mihhandlungen nicht hervorgerufen worden fei. Zu dem Ausbruch des Leidens möge die Ungewohnheit des Dienstes und der Wechsel der Lebensführung beigetragen haben. Eine Wiederherstellung der Gesundheit sei mur dann möglich, wenn H. in seine Heimat auf das Land entlassen werde. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten zu einer Gesamtstrafe von sechs Monaten Gefängnis unter Abrechnung von sechs Wochen Untersuchungshaft zu verurteilen. Dieses Urteil, das der sächsischen Rechtsprechung nicht zum Dem Unteroffizier käme bei diesem Strafmaß als MilderungsEine Proteftversammlung gegen den Boerenkrieg und die Nuhme gereicht, lenkt übrigens die Aufmerksamkeit wieder sehr ernst- grund zu gute, daß Heine ihn durch seine Unsauberkeit, welche dentiche Krüger- Politit des Jahres 1900 fand am Sonnabend in haft auf die Berg- Gesetzgebung. Es dürfte kein Gesetz existieren, das dem Vorgesetzten sogar einmal eine Strafwache eingetragen, auf das München unter riesiger Beteiligung statt. Die Professoren Grueber, solche Urteile auch nur scheinbar gerechtfertigt erscheinen läßt. Ein äußerste gereizt habe. Aber der Schlag mit dem Sattelgurt, Quidde, Günther, sowie mehrere Berwandte bekannter Boerenführer, der doch immerhin den Ausbruch der Krankheit bei.. a. ein Wetter de Wets und eine Konfine des gefallenen Neichs- Berggesetz muß geschaffen werden, das mit den rückständigen beschleunigt haben könne, sei ein Att von Roheit, den Transvaalobersten de Billiers, geißelten in den schärfſten Ausben. ein Unteroffizier, noch dazu, nachdem wiederholte Mahnungen von Das deutsche Koalitionsrecht ist noch immer ein höchst zweifel- allerhöchster Stelle bezüglich guter Behandlung der Untergebenen brücken den englischen Raubkrieg und die Haltung, die die deutsche haftes papiernes Recht! erlassen worden, nicht hätte begeben dürfen. Der Verteidiger des Regierung Ohm Krüger gegenfiber einzunehmen beliebt hat. Folgende Resolutionen gelangten einstimmig zur Annahme: Angeflagten, Rechtsanwalt Crome, bezog sich zu Gunsten seines Die von 7000 Münchener Männern und Frauen besuchte Klienten auf§ 367 Abt. 2 des Militär- Strafgefegbuchs und plädierte Versammlung bringt den Boeren beider Republiken zu deren auf mildernde Umstände. Bewiesen seien dem Unteroffizier nur drei beispiellosem Heldenmute und selbstverleugnendem Kampfe Fälle von Mißhandlungen. Das übrige fei approximative ihre unbegrenzte Bewunderung und tiefinnerste Sympathie zum Die Affaire Waldersce- Chaffee erledigt. Aus Peking wird Ausbrude.( Brausender Beifall.) 8ugleich legt die Versammlung gemeldet, daß die Differenz, die zwischen dem Feldmarschall Grafen Schäßig. Der Gerichtshof fabloß fich im großen und ganzen den Ausführungen des erstinstanzlichen Kriegsgerichts an und beließ feierlich Verwahrung ein gegen eine Kriegsführung, welche Waldersee und dem amerikanischen General Chaffee wegen der von es bei dem Urteil von drei Monaten Gefängnis, gegen Frauen und Kinder der Boeren, deren bewegliche und unbeweg den Deutschen und Franzosen dem Betinger Obfervatorium wovon sechs Wochen der bisherigen Untersuchungshaft abzurechnen liche Habe gerichtet eine schreiende Verlegung aller Regeln entnommenen Instrumente entstanden war, in be zivilifierter Kriegführung ist und das fittliche und menschliche Gefühl friedigender Weise beigelegt worden set. Chaffee hatte, wie bekannt, Von den Boeren spricht die Kölnische Zeitung" jetzt in dem aller Nationen aufs tiefste empört." in dieser Sache an den Oberfommandierenden ein Schreiben ge= richtet, das diefer wegen des darin angeschlagenen Tons un- felben Tone wie von den Chinesen. Von einem Deutschen, der in beantwortet zurückschickte. Der amerikanische General, der inzwischen Transvaal thätig ist und gegenwärtig in Deutschland weilt, wird Deutsches Reich. feien. Die Versammlung spricht die feste Erwartung aus, daß die europäischen Mächte auf baldige Beendigung des Kriegs und Parlamentarisches. die Erhaltung der völligen Unabhängigkeit der beiden südafrika-| Bevölkerung wählen, sondern, wie dies vielfach auf dem Festland nitanischen Republiken Hinwirken." der Fall, von den Munizialvertretungen in London dem Graf. Die Versammlung giebt der nationalen Beschämung über schaftsrat aus beren Mitte ernennen za laffen. Zur Zeit herrscht Die Wahlprüfungs- Kommiffion des Reichstags beschloß in die dem Präsidenten Krüger zu teil gewordene ohnehin in der Schulverwaltung Englands ein erhebliches Durch- ihrer gestrigen Sigung, die Wahlen der Abgeordneten it bef Behandlung Ausbruck und erwartet, daß Reichs- einander. Die höheren Schulen find dem Einfluß der örtlich gewählten( Dortmund) und Graf v. Dönhoff Friedrichstein( stönigstag und Reichsregierung den begangenen Fehler Schulräte fast ganz entzogen, die Sorge für die technischen Schulenberg- Land) für gültig zu erklären. Gegen diese Wahlen waren durch Empfang des Präsidenten Krüger in Berlin mittleren Ranges liegt zum Zeil bei den Graffchaftsräten und and feiner Beit Proteste eingegangen und Erhebungen beschlossen worden. gut machen werben." das neue Reglement über die Sekundarschulen weist den Grafschafts- Septere haben mittlerweile stattgefunden, aber nur eine teilweise Krüger und der Dompropft. Wir übernahmen vor einigen räten oder Ausschüssen derselben ein Mitbestimmungsrecht hinsichtlich Bestätigung der Proteftaugaben gebracht. der Verwaltung 2c. dieser Schulen zu Andrerseits streben aber die Tagen aus der Deutschen Zeitung" die Schilderung des Dom vorgeschritteneren Schulräte dahin, das Programm der Elementarichulen Berliner Wahlkreise wurde gestern von der V. Abteilung des ReichsDie Wahl unfres Parteigenossen Ledebour im sechsten befuchs des Präsidenten Krüger, demzufolge die hohe Geistlichkeit immer mehr zu erweitern und die Fortbildungsinstitute, Setunbar tags, welcher die Prüfung der Wahl überwiesen war, ebenfalls für völlig durch Abwesenheit geglänzt haben sollte. Der anwesende Dompropst sollte sich sogar beim Erscheinen Krügers schleunigst schulen usw. organisch mit der Elementarschule zu verbinden, bezw. gültig erklärt. zurüdgezogen haben. Die Köln. 8tg." behauptet demgegenüber, einheitlich mit ihr zu regeln. Das hat zu allerhand Reibungen daß der Dompropst nicht nur nicht verschwunden sei, sondern speciel zum Empfang Krügers anwesend gewesen sei und demselben denn auch die üblichen Honneurs erwiesen habe. 4 Die Wertschätzung des freien und gleichen Wahlrechts zeigte sich anläßlich der Volkszählung vom 1. Dezember in einer neuen Weise im Lande Baden. Dort blieb seiner Zeit vor dem Vandalismus der nationalliberalen Partei das allgemeine und direkte Gemeinde Wahlrecht nur den Gemeinden mit weniger als 1000 Einwohnern erhalten, auf dessen Ausübung dieselben noch einen berechtigten Bauernstolz haben. Daher kam es, wie uns glaubwürdig mitgeteilt wird, vor, daß in Gemeinden, die an die Erreichung jener Einwohnerzaht heranrückten, eine Anzahl Personen fich veranlassen ließen, die Nacht zum 1. Dezember bei Verwandten in einer benachbarten Stadt zu verbringen. In einem speciellen Fall wurden so mur 997 Einwohner festgestellt und das Klassen wahl- System abgewendet. zwischen ihnen und den andren Körperschaften geführt und vielfach unnötigen Aufwand von Arbeit und Geldmitteln verursacht. Gerade wo auf beiden Seiten lebhafter Reformeifer Herrscht, ist wiederholt Stillstand die Folge dieser anarchischen Verteilung der Gewalten gewesen. So oder so muß dem Durcheinauder jedenfalls ein Ende gemacht werden. Dänemark. Partei- Nachrichten. Gemeindewahlen. In folgenden fächsischen Gemeinden wurden focialdemokratische Vertreter gewählt: In Niederhaßlau 2, in Borna bei Chemnitz sämtliche Standidaten mit allen Stimmen, in Vogtsberg bei Delsuig 2, in Schönefeld bei Leipzig 2, in Stötteri 1 und ebenfo je einer in Nanlig, Gommern, Kleingraupa und Niederau. Die Revisionsvorschläge der focialdemokratischen Partei zu dem Altersversicherungsgefes stehen gegenwärtig zur In Eberswalde steht bei der Ergänzungswahl für einen Beratung im Follething. Die Partei verlangt darin die Aufstellung ausgeschiedenen Stadtverordneten unser Genoffe Herrlich mit 219 fefter Minimaltagen und eine vorgeschriebene steigende Skola für die Stimmen in Stichwahl. 3 Gegner erhielten 246, 22 und 13 Stinumen. Unterstügungen. Der 1899 eingereichte Antrag wurde einer Kom Eine Parteiversammlung für Nandow Greifenhagen miffion überwiefen, deren Bericht der Minister an die ländlichen beschäftigte sich mit der dort bevorstehenden Landtags- Ersaßwahl. und städtischen Gemeinderäte zur Begutachtung fandte. Diefe sprachen Unter voller Anerkennung der Pflicht, den Beschluß des Parteitags sich mehr oder minder günstig dafür aus, die ländlichen, in denen die gut respektieren, tam man doch nach eingehender Diskussion zu dem Großbauern und Agrarier die Mebrzahl haben, ablehnend. Die Beschlusse, diesmal, da es sich nur um eine einzelne Erfahwahl Erhöhung der Gemeindebeiträge, von denen hauptsächlich die Städte handle, von der Beteiligung abzusehen. Zum Kohlenwucher. Mit dem rheinisch- westfälischen Kohlen- betroffen würden, würde 5-20 millionen betragen. Unser ParteiPolizeiliches, Gerichtliches ufiv. fyndilat hat die preußische Staatseisenbahn- Verwaltung die Lieferung genosse Knudsen wies an einer Reihe empörender Beispiele die Wegen Beleidigung eines Pfarrers wurde in Gotha von rund 3 Millionen Tonnen abgeschlossen für das Jahr 1901/1902 gegenwärtigen unmöglichen Verhältnisse nach. Ein Vertreter der zu Preisen, die von den für das laufende Jahr be- Rechten, der 1891 für das Gesek gestimmt hatte, erklärte das der Redacteur unfres dortigen Parteiblatts, Genoffe Joes, zu M. willigten nicht abweichen. Princip desselben für unheilvoll". Minister Bramsen hoffte," daß 25 m2. Geldstrafe verurteilt. Die Herren vom grünen Tisch suchten bekanntlich die Klagen bei einer Kommissionsberatung etwas Annehmbares herauskommen über den unerhörten Kohlenwucher damit zu beschwichtigen, daß sie werde, da das Gesetz der Verbesserung bedürfe. Der Antrag infolge der zu erwartenden geringen Nachfrage ein Sinten der wurde dann einer Kommission überwiesen.Kohlenpreise in Aussicht stellten. Nichtsdestoweniger läßt sich das Wucherer Syndikat vom Staat noch auf Jahre hinaus Wucherpreise bezahlen! Frankreich. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. g Von den Segnungen der Zwangsinuung scheint die Mehrs Zu einer scharfen Scheidung zwischen Republikanern und zahl der Handwerksmeister doch nicht so fest überzeugt zu sein, wie Die Melinisten ist es in Frankreich gekommen. Zu einer gemeinsamen von den Inmungsschwärmern immer behauptet worden ist. Aus Heffen.( Eig. Ber.) Die 3 weite Rammer hat nach Borberatung des Gefeßentwurfs über die Genoffenschaften, Ver- Drechsler Jnnung von der wir schon mehrfach zu berichten wußten, zweitägiger lebhafter Debatte die Aufbesserungsvorlage für die bindungen und Vereine, der das Ordenswesen regeln soll, waren daß die Mitglieder vereinsmüde sind, hatte vor einiger Zeit eine Gemeindeforstwarte erledigt. Der Gegenstand hat die Rammer alle republikanischen Parteigenossen" eingeladen worden. Sämtliche Generalversammlung anberaumt, um Statutenänderungen vorzuseit 20 Jahren beschäftigt. Die Art der schließlichen Erledigung ist Gruppen bis zur äußersten Linfen waren der Einladung gefolgt. nehmen. Es waren aber von den 700 Mitgliedern nur 60 er charakteristisch für die Situation der Regierung und die Zustände inner- Aber nicht nur sie, sondern auch die Progressisten", die Welinisten, schienen, so daß zum 3. Dezember eine neue Versammlung einhalb der nationalliberalen Regierungspartei. Die seitherigen Bezüge hatten als„ Republikaner" an der Vorbesprechung teilnehmen wollen. berufen werden mußte, weil das Statut vorschreibt, daß Statutender Forstwarte waren zum größten Teil geradezu skandalös Da sie nicht zugelassen wurden, inscenieren sie nun einen Orkan der änderungen nur mit Zweidrittel- Mehrheit beschlossen werden dürfen. niedrig, und die Regierungsvorlage bot gerade Entrüstung. Durch die vorgenommene Scheidung befinden sich jetzt In der zweiten Versammlung waren 87 Mitglieder anwesend, die das, was man als Mindestmaß deffen bezeichnen muß, auf der einen Seite 320 Republikaner, während die reaktionären nun das Recht haben, Statutenänderungen zu beschließen. twas zur Durchbringung einer Familie nötig ist. Troy Gegner des Kabinetts einen Haufen von 260 Mitgliedern bilden.- Von einer weiteren Ausdehnung der Immung auf die Vororte dem fand die Vorlage feine Mehrheit im Ausschuß, da wollte man nichts wissen; dagegen sollen diejenigen Meister, welche: gewissen Vertretern der Landgemeinden eben jeder Zwang zu an England. nicht auf eigne Rechnung, sondern für Tischlereien 2c. arbeiten, mit ständigerer Bezahlung der Kommunalbeamten verhaßt ist. Das ver- Chamberlains Geschäftspolitik vor dem Parlament. zur Junung herangezogen werden. Kritisch wurde die Sache bei aulaßte den Abg. Gutfleisch, dessen Kompromißkunst ja seiner Zeit auch während der Adreßdebatte brachte am Dienstag Lloyd George ein Beratung des§ 15, der dahin abgeändert werden sollte, daß die im Reichstag Triumphe gefeiert hat, eine goldene Mitte" ausfindig Amendement ein, in welchem erklärt wird, Minister dürften fleinen Weister entlastet und die größeren Unternehmer mehr als. zu machen, die auch den Gegnern der Vorlage schmackhaft war, weil sie weder direkt noch indirekt an Firmen, die sich um bisher zu den Kosten herangezogen werden sollten. Da erklärten Die vorgesehenen Besoldungsbeträge um 30 Broz. türzte und es den Lieferungen für die Regierung bewerben, inter- denn die Großen einfach: Die Jinnung ist uns recht lieb und wert, Kreisausschüssen zudem anheimstellte, auch noch weniger als das essiert fein. Der Antragsteller sowie andre raditale Redner aber tosten darf sie uns nichts. Wenn wir zu solch enormen zu gewähren. Dieser Betteltompromiß fand die Zustimmung der Hoch- tritisierten ausführlich die behauptete Berbindung von Chamberlain Sosten" herangezogen werden sollen, so treten wir lieber aus. Der weisen Regierung, die zu Beginn der Plenarverhandlungen ihre und dessen Verwandten mit Gesellschaften, die§ 15 wurde abgelehnt. vordem reiflich erwogene" Borlage mit schwerem Herzen" zurüd Lieferungen für die Regierung erhielten, betonten aber, Bezüglich der Innungs- Krantentasse ist das Jntrreffe zog. Da die socialdemokratische Fraktion daraufhin die Regierungs- daß sie nicht den Vorwurf persönlicher Stor der Meister noch geringer." Nach dem Statut haben die Meister vorlage sofort wieder aufnahm, so ergab sich das interessante ruption erheben wollen. Chamberlain erhob sich 43 Delegierte zur Generalversammlung zu wählen, bei ber Schauspiel, daß die Socialdemokratie gegen die Regierung für voller Erregung und erklärte, es handle sich hier um seine Rormierung der Kandidaten waren aber nur 6 Meister, bei einer die Regierungsvorlage in die Schranken trat. Sie that dies durch die persönliche Ehre. Eine Verschwörung zu verleumderischen zweiten Versammlung nur 5 Meister erschienen. Und troydem hatte Abgeordneten David und Ulrich mit solchem Erfolg, daß die Reihen Jufinuationen liege vor, die so betrieben werde, daß er nicht die Jumung die seiner Zeit vom Gesellenausschuß beder Nationalliberalen ins Schwanken gerieten und ihr Führer, Ab- gerichtlich dagegen vorgehen könne. Seine Verwandten fchloffene Auflösung der Strantentaffe nicht bestätigt. geordneter Schmeel, einen der ursprünglichen Regierungsvorlage jedoch, die angegriffen worden feien, beabsichtigen ge= nahe kommenden Antrag einbrachte. Aber siehe da, bis zum richtlich vorzugehen. Während seiner ganzen politischen Au die Barbiere und Friseurgehilfen Weißenfees! nächsten Morgen hatten es sich diese wackeren Volksfreunde wieder Laufbahn habe er weder jemals seinen Einfluß gebraucht, noch fei Sollegen! Am 10. d. Mis. fand eine Bersammlung der Geanders überlegt, sie zogen ihren Antrag zurück und rutschten auf dem er darum angegangen worden, um auf unangemessene Weise bilfen statt, in der der Kollege Karl Müller, Königschaussee 38, Gutfleischschen Kompromiß hinunter. Die Folge war, daß die pekmiären Gewinn zu erlangen für sich oder für seine Brüder. als Vertrauensmann gewählt wurde. Derselbe nimmt Anträge an Socialdemokraten nun auch noch den nationalliberalen Antrag als( Lauter Beifall.) Austen Chamberlain erklärte, er habe als Civil- behufs Aufnahme, tassiert Beiträge ein usw. Um bei der im Früh Eventualantrag wieder aufnahmen, und das verstoßene Kind der word der Admiralität nichts mit der Zuteilung von Lieferungen für jahr beginnenden Preiserhöhungs- Bewegung der Herren gegen seine Rabeneltern verteidigten. Das Blamable dieser die Regierung zu thun gehabt. Campbell Bannerman bemerkte, er Selbständigen gewappnet zu sein, ist es notwendig, daß sich Situation konnte durch alle Redensarten nicht mastiert werden und stimme im Princip dem Amendement George zu. Balfour sprach die Kollegen Mann für Mann der Organisation anschließen. Der Vertrauensmann. J. A.: P. Liere. die Herrschaften atmeten ersichtlich auf, als die Abstimmung sich gegen dasselbe aus, da es einen Angriff gegen Chamberlain fie aus der Klemme befreite, in die ihre staatsmännische Weisheit bedeute. Das Amendement wird hierauf mit 269 gegen 127 Wie die Arbeiterschutz- Bestimmungen von den Unterfie gebracht hatte. Nach Ablehnung der socialdemokratischen Regie- Stimmen abgelehnt. Nunmehr gelangt die Adresse mit 265 gegen rungsvorlage gegen 16 Stimmen fand der Ausschußantrag Annahme. 23 Stimmen zur Annahme. Die Forstwarte sehen sich dadurch wiederum in ihren berechtigten Erwartungen getäuscht. Der Socialdemokratie werden diese Werhandlungen nicht zum Schaden gereichen. Ausland. Die Londoner Schulrats- Wahlen. Der Biedermann Chamberlain hat also, wie ja nicht anders zu erwarten war, den Sieg davongetragen, allerdings einen Sieg, auf den ein Politiker mit empfindlicher Moral nicht fehr stolz zu fein braucht. Ob feine edle Sippe eine ähnliche Genngihuung erhält, werden die angestrengten Prozesse lehren. Für das Amendement würden vermutlich bei weitem nicht ein mal soviel Stimmen abgegeben worden sein, wenn darin nicht Aus London wird uns unterm 4. Dezember geschrieben: Chamberlains persönliche Ehrenhaftigteit betont worden Die Neuwahlen für den Londoner Schulrat sind, am wäre. Das Gros der Oppofition meint es gar nicht so bös mit 29. November unter absoluter Teilnahmslosigkeit der dem Geschäftspolitiker, ihre Führer stehen sogar mit Chamberlain auf großen Masse der Bevölkerung verlaufen. Es wurden im dem freundschaftlichsten Fuße. Wie sehr derartige gesellschaftliche ganzen 832 069 Stimmen gezählt, hinter denen aber, Beziehungen den Schneid politischer Aftionen lähmen fönnen, beweist da jeder Wähler im Durchschnitt fünf Stimmen hatte, nur der schwächliche Vorstoß gegen Chamberlain. etwa 160 000 bis 170 000 Wähler standen. Das ist das ganze Kontingent derjenigen Wähler der Riesenstadt, 27 Progressisten, 2 römische Katholiken, 1 Vertreter der Arbeiterpartei, 25 Gemäßigte es bei Afrika. nehmern beachtet werden, davon legt der Bericht der„ Lokaltommission für Arbeiterschutz" in Spandau über eine von dieser in voriger Woche vorgenommene Bautenkontrolle recht beredtes Beugnis ab. Die Baubu den, soweit solche überhaupt vorhanden waren, befanden sich in einem höchst jammervollen Bustande, es fehlte meist der Fußboden, das Dach war durchläffig. in einer Baubude fehlte sogar ein Fenster, eine Baubide war zwar mit einem Ofen versehen, diefer war jedoch ohne Abzugsrohr. Die Buden scheinen fast durchweg von den Unternehmern nur mehr der Form wegen aufgestellt worden zu sein, denn sie sind fast alle sehr wenig geräumig und werden einesteils auch als Lagerraum benutzt. In einem kaum beschreiblichen Zustand befanden sich die Aborte auf den meisten Bauten. In dem Neubau fehlte sogar das Treppengeländer. Der von der Sommission veröffentlichte Bericht bedeutet ein geradezu wuchtiges Anflagematerial gegen Bolizei und Unternehmer. Auf Veranlassung des Regierungspräsidenten hatte die Spandauer Polizeibehürde vor einiger Zeit Erhebungen über die in Versammlungen und in der Bresse laut gewordenen Slagen anzustellen gehabt; wie obige Thatsachen beweisen, ist jedoch alles beim alten geblieben. Deutsches Reich. dieser Wahl der Mühe für wert fanden, von ihrem Stimmrecht Abermals keine Nachrichten. Aus Kapstadt wird berichtet, Gebrauch zu machen. Ein erheblicher Rückgang gegen die daß keine neuen Einzelheiten über den Kampf zivischen den Truppen Wahlen von 1894 und 1897, wo je 1 595 989 und 1 098 514 Stimmen der Generale De Wet und Knog, welcher an der Grenze der Kapgezählt wurden. tolonie stattgefunden hat, eingetroffen sind, weil die telegraphiDen größten Verlust erlitten die Progressisten, scheu Verbindungen vollständig unterbrochen eine aus Radikalen, Socialisten und schulfreundlichen Konservativen find. Wie verlautet, dauert der Stampf noch immer fort. Die Breslauer Konjum- Vereinsbäcker und das Koalitions: zusammengesetzte Koalition, deren Stimmen 605 190 in 1897 auf 440 607, Zur Jagd auf De Wet schreibt der Daily Graphic": Wird recht. Ans der Bäckerei des genannten Vereins, deren Leitung fich 5. 5. um über 160 000 zurüdgingen. Die Gemäßigten, deren Wahl- De Wet abermals auskommen?" Die Jagd ist aufregender als je in bürgerlichen Händen befindet, find dieser Tage drei Gefellen entprogramm fich in das Wort Sparpolitit" zusammenfassen läßt, als er den Kaledon- Fluß am letzten Mittwoch bei Starcepoort- Drift laffen worden, die Witglieder des Bäckerverbands sind und schon Sie waren beverlieren etwas über 100 000 Stimmen( 358 000 Stimmen gegen überschritt, begab er sich in ein Dreieck, dessen Basis der Oranje- jahrelang in der Vereinsbäckerei beschäftigt waren. 463 000 Stimmen in 1897), nahmen aber den Progressisten fünf Size Fluß, deffen Ostseite die Gebirge an der Grenze des Basutolands fchuldigt, im Verbandsorgan Artikel gegen den Betrieb veröffentlicht ab, während diese ihnen nur einen Sig abzugewinnen vermochten und dessen Westseite der Kaledon- Fluß bilden. Er scheint gedacht zu haben, was fie aber in Abrede stellen. Vermittlungsversuche, die Alles in allem wurden gewählt: zu haben, daß General Senor ihm infolge der Geschwindigkeit, mit von feiten des Arbeitersekretariats unternommen wurden, wies der Ser der Kaledon- Fluß stieg, nicht folgen fönne. Snor kam jedoch Herr Direktor ab. Die organisierten Breslauer Arbeiter, die in zeitig genug an der Furth an, um den Uebergang zu bewert. ziemlich großer Anzahl Mitglieder des Konsumvereins sind, werden stelligen, und folgte De Bett nach Odendaal am Oranje- Fluß. De Wet sich wohl mit dieser Augelegenheit zu beschäftigen haben. batte wohl die Garden bei Odendaal zu wachsam gefunden und begab Die ,, aufgelöfte" 12000 Mart- Affaire. Der polizeilichen Da die Römisch- katholischen außer in Religionsfragen gewöhnlich sich, statt zu versuchen, bei jener Stelle in die Sapkolonie zu dringen, Auflösung verfiel am legten Sonntag eine öffentliche Holzmit den Progressisten stimmen, haben diese auch im neugewählten den Fluß entlang nach Osten bis zur Brücke bei Aliwal North. arbeiter Versammlung zu Mülhausen i. Elf.. als ein Schulrat eine Mehrheit, die aber als ziemlich prefär gelten muß. Hier abermals enttäuscht und Knox dicht auf den Fersen wissend, Rebner fagte, das Verhalten der Polizei, die einem Kollegen aus Außer dem als Vertreter der Arbeiterpartei bezeichneten Mitglied, fcheint er jede Idee, in die Stapkolonie einfallen zu können, Straßburg das Sprechen in der Versammlung untersagte, illustriere Mrs. Bridges Adams, zählt der neue Schulrat noch vier fabianische aufgegeben zu haben. Nach Norden durch Rouxville ziehend, hoffte in feiner Art ebenso sehr die Stellung der Behörden in dem Socialisten in seiner Mitte, die auf der offiziellen Liste der Pro- er, aus der alle zu gelangen, wenn er bei der Kumiffie- Brücke den Konflikt zwischen Kapital und Arbeit, wie die bekannte 12 000 Markgreffisten standen, während Frau Adams zwar von den Progreffiften Kaledon- Fluß überschritt. Aber die Brücke war von den Briten be- Affaire. unterstützt wurde, aber außerhalb der Koalition blieb. sezt und De Wet war gezwungen, vor knog in die Spitze des Dreiecs In Halberstadt bereitet sich ein größerer Kampf vor zwischen Ganz getrennt von den Brogreffisten und als deren Gegner zu fliehen. Sein Entkommen scheint teilweise vom Zustand des den Handschuh- Fabrikanten und ihren Arbeitern. fandidierten diesmal 4 Socialisten gegen 5 im Jahre 1897. Staledon bei Wepener und teilweise von den Bewegungen der Briten Sie erhielten zusammen 29 844 Stimmen, ein Durchschnitt von jenseits dieses Fluffes abzuhängen. Augenscheinlich ist sein Ende Fabrikanten haben einen Teil ihrer Gehilfen ausgesperrt, weil 7711 Stimmen, während 1897 der Durchschnitt nur 6,028 Stimmen thatsächlich sehr nahe, aber er ist so oft aus unseren Fallen ent- Die Gehilfen haben beschlossen, sämtlich zu fündigen. diese sich weigern, die genügende Zahl Lehrlinge auszub- ilben. betrng. Gewählt ist teiner von ihnen, doch brachte es der kommen, daß es voreilig wäre, fich zu seiner Gefangennahme zu Kandidat der unabhängig kämpfenden Socialisten von Chelsea, gratulieren, che wir ihn wirklich in Händen haben." F. G. Jones, auf 10 718 Stimmen, nur 1290 Stimmen weniger als Das meinen wir auch. ber legte der dort gewählten Schulräte. Boeren Auswanderung. Ans Lourenço Marques wird geDie Gleichgültigkeit der Masse der Wähler erklärt sich zum Teil meldet: Die Zahl der aus Transvaal und dent Oranjefreistaat ausaus der Thatsache, daß die Wahl in zu kurzer Frist auf die wandernden Boeren der besseren Stände hat einen so Parlamentswahlen und die Wahlen zu den Bezirksgemeinden folgte. großen Umfang angenommen, daß die Pläge der nach Europa Es ist denn auch in der Presse die Frage aufgeworfen worden, ob fahrenden Dampfer schon lange vor dem Tage der Abfahrt bees, bei der offenbaren Abneigung der Wähler, an einer Vielheit von legt find. Wahlen fich beteiligen, nicht zwedmäßiger sci, die Danach brächten also die Besitzenden, patriotisch wie immer, Schulausschüsse nicht mehr in besondrer Wahl von der ihre Haut in Sicherheit! Die Bei den Gewerbegerichtswahlen in Gotha hatten sich die Hirsch Dunderschen hinter den Getverbeverein versteckt und mit diesen zufammen eine Lifte aufgestellt. Während aber die Hauptliste der Gewerkschaften 467 und die Reserveliste der Getverkfchaften 187 Stimmen erhielten, fielen auf die offiziell vom Gewerbeverein aufgestellte Lifte ganze achtunda wanzig Stimmen. Nicht einmal der zehnte Teil der eignen Mitglieder beider Organisationen haben für ihre Liste gestimmt. Deutlicher fonnte die Gesamtarbeiterschaft Gothas ihre Mißbilligung ber Harmonie- Duselei nicht ausdrüden. Ausland. Die dänischen Konfrttiouöarbciterinne» organisieren sich Der Verband der Näherinnen hat in der vorigen Woche in Kopen Hagen fünf öffentliche Versammlungen einberufen, die sich mit den Verhältnissen der Arbeiterinnen dieses Fachs befaßten. Die in der Herrenkonfektion beschäftigten Arbeiterinnen sind gut organisiert und haben im vorigen Jahr einen Accordtarif den Unternehmern gegen über durchgesetzt, der ihnen eine Lohnerhöhung von über 25 Proz gebracht hat. Der Verband der Herrenschneiderinne hat über tausend Mitglieder, dagegen ist es mit der Organisation der Arbeiterinnen der Wäsche-, Blusen», Mäntel und Handschuh-Branche noch sehr schlecht bestellt und dem entsprechend sind die Lohnverhältnisse sehr traurige. Allgemein herrscht hier die Heimarbeit. Der Wochenverdienst beläuft sich auf 6 bis 8 Kronen(6,70 bis 9 M.) bei angestrengtester Thätig keit. Die Versammlungen waren gut besucht und haben den Erfolg gehabt, daß sich ein großer Teil der Anwesenden der Organisation anschloß._ VevlÄmmlungvn. Die Former und BerufSgenoffen hielten am Sonntag im Kolberger Salon eine öffentliche Versammlung ab, in der Alwin Körsten über:»Die Arbeitslosigkeit und der Niedergang im Metallgewerbe unter Berücksichtigung unsreS Berufs" referierte. Nach einer allgemeinen Schilderung des Auf. und Niedergangs der Konl junktur unter specieller Berücksichtigung der Verhältnisse in der Metallindustrie betonte Redner die Vorteile einer einheitlichen Organisation; er plädierte für den Zusammenschluß des Centralvereins der Former mit dem Metallarbeiter- Verband und verwies darauf, daß gerade in der Krisis eine gute, fest geschlossene Organisation notwendig ist und daß nur durch ein einheitliches Vorgehen aller in der Metall> industrie beschäftigten Arbeiter zunächst wenigstens eine weitere Ver schlechterung der Lohn- und Arbeitsbedingungen verhindert iverde» kann.— Dem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine kurze Diskussion, in der das Verhalten der Kühnemänner und Genossen und insbesondere die gesetzwidrigen Maßregelungen der Arbeiter durch das bekannte schwarze Kabinett in der Gartenstraße einer lebhaften Kritik unterzogen wurden. Außerdem wurde angeführt, daß bei den Entlassungen außerordentlich rigoros vorgegangen wird. Auf eine Wiedereinstellung können ältere Ar> beiter fast gar nicht mehr rechnen, weil meist die Bestimmung be» steht, daß über 40 Jahre alte Arbeiter und solche, die vom Ver- trauensarzt nicht für ganz gesund befunden werden, überhaupt keine Arbeit in diesen Betrieben erhalten. Alle Redner forderten zum Zu- sammenschlntz in der Organisation auf und zur regen Agitation für die Verbreitung der Arbeiterpresse.— Als Delegierte zur Berliner Gewerkschaftskommission wurden sodann Kähne und Zernicke gewählt. Als internationaler Vertrauensmann wurde der in Vor schlag gebrachte Kollege sanktioniert. Zum Schluß der Versammlung gab P l a t h noch bekannt, daß von der Zwangsinnung der Tischler eine Generalaussperrung zum Frühjahr geplant sei und daß es auch Aufgabe der Former und Berufsgenossen sein muß, sich für alle Eventualitäten und zwar auch finanziell, zu rüsten. Die Brauerei-Arbeiter hatten am Sonntag eine öffentliche Versammlung, in der Fräulein Jm l e einen beifällig aufgenommenen Vortrag über paritätiiche Arbeitsnachweise hielt. Dem hierauf fol- genden Bericht der Mitglieder im Kuratorium des Arbeitsnachweises der Ringbrauereien ist zu entnehmen, daß während der letzten zwei Jahre 6 Sitzungen stattgefunden haben. Es wurde dahin gelvirkt, daß die nach einer Stelle geschickten Arbeiter dort nicht, wie es vor- gekommen ist, 3 bis 4 Stunden warten müssen, sondern gleich ab gefertigt Iverden. Ferner wurde gegen das Handeln mit oen Hilfsarbeitern um die Lohnhöhe eingeschritten und muß nun bei jedem Gesuch um Zuweisung von Arbeitern der zu zahlende Lohn angegeben werden. Äm 13. Januar soll die Wahl zum Kuratorium stattfinden. Norruslber plädiert dafür, daß, weil ein Teil der Brauer durch eine gleichzeitig statt sindende Kassenversammlung verhindert ist, von der Aufstellung der Kandidaten Abstand genommen werde. Die folgenden Redner wenden sich gegen diesen Vorschlag. Darauf werden nach längerer Debatte die folgenden Personen als Kandidaten aufgestellt: für die Brauer: Tröger, Heyden, Schwedter und P r e u ß. und für die Hilfsarbeiter: Carl, Jordan, Fürstemann, Jendrinski. Fuge und Schubert. Der 3. Punkt der Tagesordnung:»Das Verhalten der ringfreien Brauereien zum Arbeitsnachweis" wurde wegen Zeitmangel von der Tagesordnung abgesetzt. In die Agitationskommission wurden Schüler, Neumann, Thomas, Schulz und Fuge gewählt. Die Rollkutscher und Speditionsarbeiter hielten am Sonn tag, den 2. Dezember, im Englischen Garten eine Versammlung ab. in welcher Adolf Hoffmann einen mit reichem Beifall auf genommenen Vortrag hielt über„Auf was wir stolz sind". Eine Diskussion fand nicht statt. Rein referierte sodann über„Die Er- Hebungen der Reichskommission für Arbeiterstatistik im Transport- gewerbe". Nach längerer Diskussion über dieses Referat wurde nachstehende Resolution einstimmig angenommen: Die Versammlung beschließt: In Erwägung, daß die Arbeitsverhältnisse im TranSportgewerbe tief traurige und besonders die Arbeitszeit der Angestellten eine übermäßig lange, in keiner Weise beschränkte ist. In fernerer Erwägung, daß durch die lange Arbeitszeit eine vollständige Erschlaffung der Kräfte der Transportarbeiter eintritt, so daß, wie die Polizeibehörden bezeugen können, die Führer von Transportfahrzeugen aus Uebermüdung bei ihrer Thätigieit ein- schlafen und dadurch sich nicht nur selbst, sondern auch den Straßen- verkehr aufs höchste gefährden. In weiterer Erwägung, daß die größere Mehrzahl der Un- glllcksfälle auf der Sttaße den geschilderten Thatsachen zuzu- schreiben ist, erachtet es die Versammlung im Interesse der Sicherheit aller Staatsbürger für unbedingt notwendig, daß eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit der Transportarbeiter herbeigeführt wird. Die Versammlung ersucht daher die Reichskommission für Arbeiterstattstik dringend, baldigst eingehende Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse in den verschiedenen Brancken des Transport- gewerbeS vornehmen zu lassen und das gewonnene Material den gesetzgebenden Körperschaften zwecks Schaffung einer entsprechenden Novelle zur Gewerbe-Ordnung zu übermitteln. Die Mehlkutscher Berlins hielten Sonntag, den 0. ds. MtS., bei Schneider, Belforterftraße 15, eine öffentliche Versammlung ab, um zu der Antwort der Mehlhändler, Fuhrherren und Bäcker- innungen Stellung zu nehmen. Der Referent Martini führte unter andrem aus, die Angelegenheit bezügliib des Abtragegelds liege insoweit für die Kutscher günstig, als die Mehlhändler in einem Schreiben erklärt hätten, daß sie die Vermittlung gern übernommen und sich mit den Bäckerinnungen in Verbindung gesetzt hätten. Es erscheine daher geboten, das Resultat dieser Verhandlungen abzu- warten. Gegen diesen letzteren Passus wandten sich mehrere Redner und plaidierten unter lebhaftem Beifall eines großen Teils der Versammlung für sofortigen Eintritt in den Streik. Diesen Auslassungen trat der Vorsitzende entschieden entgegen und warnte vor übereilten Schritten. Nach längerer erregter Dis- kussion wurde die Lohnkommission beauftragt, mit dem Vorstande der Mehlhändler weiter zu verhandeln und abzuwarten, was letzterer bei den Bäckcrinnungen erreiche» wird. Der Centralverband der Handels-, Transport- und BerkehrSarbeitcr hielt am Dienstag, den 4. Dezember, eine außerordentliche Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Versammelten das Andenken der ver- storbenen Kollegen Nehm und Dörflinger durch Erheben von den Sitzen. Hierauf hielt Rein leinen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Ein Rückblick auf die Fortschritte unsrer Organi- sation in den letzten zehn Jahren". Von der Wahl eines Kassierers I an Stelle des Kollegen Rein wurde Abstand genommen und der Kollege S t e i n i ck e vorläufig provisorisch mit diesem Amte betraut. Zum Schluß wurden noch einige interne Angelegenheiten erledigt. Der Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend hielt am Mittwoch, den 5. d. M. eine Ver- sammlung bei Stechert. Andreasstr. 21. ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken der verstorbenen Mitglieder Gottlieb Teichert und Hermann Schulz von den Ver> sammelten in der üblichen Weise geehrt. Dann hielt Herr Dr. Wehl einen lehrreichen Vortrag über Kranken- und Unfallversicherungs Gesetz. Die Diskussion bewegte sich im Sinne des Referats und wurde hierauf die von der Centraikommission der Krankenkassen Berlins vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen. Alsdann wurde beschlossen:'Der Schlußtenuin der diesjährigen Sammlungen zum Streik- und Agitationsfonds wird auf den 8. Dezember 1900 seftgesetzt. Alle Karten, welche bis dahin nach den VersammlungS beschlüssen in Ordnung sind, müssen im Bureau Grenadierstr. 33 zur Abstempelung sowie zum Eintragen in die Bücher vorgelegt werden. Zur Erleichterung der Abstempelung verpflichten sich die Baudcputicrten, die Karten bautenweise im Bureau vorzulegen. Die Beitrags- fammler haben die Pflicht, am 10. Dezember 1900 Geld sowie Marken und Listen abzuliefern, und werden vom 10. Dezember er. für die Kollegen, welche noch mit den Zahlungen im Rückstände sind, nur im Bureau Marken verausgabt. Der Vorstand wird beauftragt, die Jahresrechnung aufzustellen, nachdem die Revisoren dieselbe g* prüft, drucken zu lassen und dann der ordentlichen Generali Versammlung vorzulegen. Darauf wurden noch eine Reihe von Vereinsangelegenheiten erledigt. Die EtuiSarbeiter waren am Montag zahlreich versammelt. Paul Jahn hielt einen mit reichem Beifall anfgenommenen Vor trag über„Die geschichtliche Entwicklung des Proletariats". Trapp berichtete namens der bisherigen Lohnkommisfion über den Verlauf und die Kosten der Lohnbewegung der EtniSarbeiter. Während des 14tägigen Ausstands wurden von den vom Buchbinder- Verband ge- lieferten 2400 Mark rund 2335 Mark als Unterstützung an die ausständigen Arbeiter und Arbeiterinnen gezahlt. Wein- s ch i l d erläuterte noch in einigen Ausführungen daS Ver- halten der Fabritanten. Günstiger ist selten eine Lohnbewegung ver- laufen, als die der bis dahin nicht organisierten Etuisarbeiter, deren geschlossenes einheitliches Vorgehen einen schnellen Sieg ermöglichte. Pflicht der Etuis-Arbeiter müise es nunmehr sein, auch fernerhin treu zur Organisation zu halten. Mehrere andre Redner äußerten sich in gleicher Weise. Eine längere und rege Auseinandersctzuug zeitigte die Angelegenheit Röhl, dernachAngaben einiger Kollegen Streikbrecherarbeiten verrichtet haben soll. Der von der Versammlung angenommene Vorschlag, die Regelung der Sache dem Vertrauensniann in Verbindung mit einer dreigliedrigen Konimission zu überweisen, wurde dadurch hinfällig, daß Röhl in überlauter Weise seinen Austritt aus dem Verband erklärte. Trapp und Weinschild ersuchten zum Schluß die vom Buchbinder« Ver- band verausgabten Fragebogen genau auszufüllen und bis zum Sonnabend, den 15. Dezember, dem Bureau der Buchbinder. Engel-Ufer 15, zuzustellen. Verband der Graveure und Ciseleure. Am Dienstag, den 4. Dezember er. hielt die hiesige Filiale des Verbands der Graveure und Ciseleure ihre Versammlung im Dresdener Garten ab. Rechts- anwalt Dr. Victor Fränkl hielt einen Vortrag über„Die Ge- schichte des russischen Nihilismus" und fand lebhafte Anerkennung. Sodann gab E. Brüchner einen Bericht über den Arbeitsnachweis. Er bedauerte sehr die Nachlässigkeit vieler Kollegen in betreff des Nachrichtengebens. Auch verurteilte er das Anfragen vieler Kollegen bei de» Meistern. Ter Bericht Thurows über seine Thätigkeit als GewerbegerichtS-Beisitzer mußte der vorgerückten Zeit wegen ver- tagt werden. Um 12V2 Uhr schloß die von etwa 90 Kollegen bei suchte Versamnilung, nachdem noch unter Verschiedenem bekannt ge� geben worden ivar. daß die Kollegen der Finna Fismcr sich»och immer im Streik befinden. Die Vertrauensmänner der Musik-Jnstrnmentcnmachcr (Holzarbeiter-Verband) hielten am 5. d. MtS. eine Versammlnng ab, in der sie die Berichte der Obmänner entgegen»ahmen. Es kam zur Sprache, daß in vielen Fabriken Ueberstunden gemacht werden, während noch genügend Arbeitskräfte zu haben sind. Es ergeht da- her an alle Vertrauensmänner die Aufforderung, es sofort der Kom misston milzuteilen, wenn an die Kollegen daS Ansinnen gestellt wird, Ueberiiunden zu machen. Arbeiter-Sängerbund. Am 2. Dezember fand eine Ausschuß itzung des Bunds statt. Aufgenommen wurden die Vereine Bruderbund" und„Linde". Von zwei Vereinen gestellte Unter' wurden abgelehnt mit der Motivierung, daß es kleinere Vereine nicht halten könnten, sie sich auflösten. Dem Wunsche des Komponisten Weißheim er Rechnung tragend, soll zum Liederabend am 18. März 1901 eine Aufführung unter dessen Leitung stattfinden, sofern dem Bunde keine besonderen Unkosten dadurch entstehen. Die mit der Abrechnung vom Sängerfest restierenden Vereine wurden dem Ausschuß bekannt ge- geben und aufgefordert, umgehend abzurechnen. Betreffs des Frage bogens über die Organisationsfrage der Mitglieder der Bundes vereine ist der Beschluß gefaßt, daß die ausstehenden Vereine daS Cirkular im Zeitraum von 3 Wochen eingesandt haben müssen.— Zur Sprache kam dann noch die Anfeindung des Bunds durch einzelne Mitglieder im Wahlverein Südost. Johannisthal. Hier tagte am Donnerstag, den 6. Dezember, eine öffentliche Parteiversammlung. Die zahlreich Erschienenen, daninter viele Frauen, folgten mit regem Interesse dem Vortrag der Genossin M e s ch über das The, na:„Hat die Frau die Pflicht, am proletarischen Klasienkampf teilzunehmen?" Die auf den mit Beifall ausgenommenen Vortrag folgende Wahl der Delegierten zur Kreiskonferenz ergab als Gewählte: Mann, Claus und Weber. Eine Verfügung des Ortsschulinspektors, wonach einigen Kindern, welche in Ermangelung jeder Turngelegenheit in hiesiger Schule am Turnunterricht in der freien Turnerschaft Johannisthals teil nehmen, dieses verboten wird, wird von Mann verlesen und gleichzeitig bemerkt, daß die in Frage kommenden Eltern ihre Kinder ruhig weiter znr fteien Tunien'chaft schicken sollen, da sich niemand außerhalb der Schule um die Kinder zu kümmern habe. Ein vor einiger Zeit an den Pfarrer Schlickt in Rudow gestellter Antrag, den KonfirniotionSnnterricht im hiesigen Dorfe abzuhalten, um den Kindern den fast eine Stunde langen Weg nach Rudow abzunehmen. hat der Herr einfach abgelehnt. Mann forderte daher die Elten, auf, ihre Kinder nicht zum KonfinnationSunterricht zu schicken. Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Eine provisorische Negierung der Mächte. Ein internationaler Ausschuß zur Venvaltung von Peking ist laut Mitteilung des deutschen Oberkommandos unter Vorsitz dcS Generals v. Gayl am Montag zusammengetreten. Zu dieser Nachricht über die Einrichtung einer Verwalwngsbe- Hörde in Peking berichtet die„Moniingpost" noch, Graf Waldersee bildete eine internationale Kommission unter deutschem Vorsitz zwecks Herstellung von Bestimmungen für die Aufrecht- erhaltung der Ordnung. Einziehung der Steuer» und Zölle, Einführung sanitärer Maßregeln, Verhaftung von Personen, die eines Verbrechens beschuldigt find, und Bestrafung von Uebel- thätern, sowie für freie Verteilung von Reis in Peking unter Mit- Wirkung chinesischer Beamten. Jedes Kontingent werde ein Mitglied ernennen. Graf Waldersee bezwecke, Reibungen zu vermeiden und die Uebertragung der Verwaltung der Stadt an die Chinesen nach der Rückkehr deS Hofes anzubahnen. Einer andren Meldung zufolge weigern sich die Franzosen, die Konferenz zu beschicken und bestreiten WalderseeS Recht zu dessen Berufung. Der amerikanische General Chaffee verweigerte brieflich seine Zustimmung zu dem Vorschlag, daß die Kommission unbeschränkte Kontrolle über das städtische Territorium haben und öffentliche Bauten beginnen solle. Daß die Khakimächte die Absicht hegen, die Provinz Petschili völlig unter ihre Verwaltung zustellen und wie in einem annettierten Gebiet Steuern zu erheben, muß allerdings höchlichst in Er- staunen setzen. Mit welchem Rechte man sich das alles anmaßt, ist unerfindlich. Heber eine neue Boxerstreife wird aus Peking vom Sonntag gemeldet: Kolonne Gündell (I. Bataillon 2. Jnfanterie-RegimentS, das in Schanhaikwan ver- bliebe» war) hat am 7. Dezember auf dem Marsch nach Peking über Vungpingfu die Gegend von Aütienhsien(etwa 125 Kilo- meter gleich 5 Tagemärsche östlich von Peking) erreicht. Russische Alarmnachrichte». Die»PeterSburgskija Wjedomosti" veröffentlichen einen ihnen auS Tientfin zugegangenen telegraphischen Bericht, welcher die Situation in China als äußer st bedrohlich schildert. DaS schroffe Auftreten WalderseeS, sowie das Bemühen mehrerer Verbündeten, jede ernstliche Friedens- Verhandlung mit Li-Hung-Tschang zu ver- hindern, machen unter den Chinesen, die gern Frieden schließen möchte», äußerst böses Blut. ES drohe ein all- gemeiner Aufstand, und da die Verbündeten sich infolge deS ZnfrierenS der Flüsse schwerlich bis zum Frühjahr ernähren könnten, so sei eS leickt möglich, daß der Dezember oder Januar den Mächten im fernen Osten schreckliche Ueberraschungen bringen wird. tützungSgesuche wurde» lesser wäre, falls sich I« Lichtenberg- FriedrichSberg fand am S. Dezember im Lokal von Höflich eine Volksversammlung statt, in welcher Ledebour in einer zweistündigen Rede über.153 Millionen und 12 000 Mark" referierte. Reicher Beifall lohnte dem Redner nach Beendigung seines Referats. Nachdem in der Diskussion Litfin die Ausführungen deS Referenten ergänzte, gelangte einstimmig eine Resolution zur Annahme, in der die Versammelten ihr Einverständnis mit den Aus- uhrnngen des Vortragenden bekundeten und namentlich auch sich verpflichteten, bei den kommenden Wahlen zur Gemeindevertretung dahin zu wirken, daß womöglich die ganze dritte Abteilung für uns erobert werde._ China. Neue Reibungen � Der„Franks. Ztg." wird aus New Jork gemeldet: DaS Durchzugsverbot des Generals Chaffee gegenüber plündernden Truppen durch die von Amerikanern besetzten Thore wird von Washington als instruktions- mäßig bezeichnet, da die Amerikaner nur bei Gesamtoperationen der Verbündeten unter Waldersee stehen. Uehke Llnifzeichtett und Vepefchen. Die italienische Kammer über die Ehinawirre». Rom, 11. Dezember.(W. T. B.) Bovio beanttagt namenS einer Gruppe von Deputietten der äußersten Linken, daß die italienischen Truppen auS China, wo die Civilisation verletzt worden sei, zurückberufen werden sollen. Ministerpräsident Saracco bekämpft den Antrag als unangebracht. Abgesehen davon, daß die klimatischen Verhältnisse jetzt die Rückberufung schwierig machen würden(Heiterkeit), würde dieselbe unklug und nicht zu recht- fertigen sein im jetzigen Augenblicke, wo über den Frieden unter- handelt werde und Italien daS Recht zustehe. auS seiner Teilnahme an dem Vorgehen der Mächte in China die entsprechenden Vorteile zu ziehe». Der Redner hebt die musterhafte Führung der italienischen Truppen in China hervor und dankt dem Antrag« ttagsteller dafür, daß er dieselbe anerkannt habe. Die italienische Regierung wünsche lebhaft, daß die FriedenSuntcrhandlungen mit größtinöglichster Beschleunigung fortschreiten und trage zur Erreichung dieses Zieles bei. Er werde die Truppen gerne zurückberufen, sobald die Interessen und die Würde Italien? es er- lauben; inzwischen aber bitte er daS HauS, den Antrag Bovio ab- zulehnen. Die Kammer verwirft darauf den Antrag in namentlicher Abstimmung mit 196 gegen 37 Sttmmen. Ans dem englischen Unterhaus. London, 11. Dezember.(W. T. B.) Sir Howard Vincent fragt an, ob die Regierung Kenntnis habe von einer Bewegung in Deutschland zu Gunsten einer Erhöhung der Zölle auf Stahl und zwar in einer solchen Ausdehnug, daß die Zollerhöhung den Handel von Sheffield stark beeinträchtigen würde. Der Präsident deS Handelsamts Gerald Balfour erwidert, die Regierung habe von der erwähnten Bewegung Kenntnis erhalten. Die ganze An- gelegenheit des Ablaufs der deutschen Handelsverträge sowie die wahrscheinliche Wirkung auf den britischen Handel werde sorgfältig verfolgt. Kriegsminister Brodrick bringt die NachttagSforderung für das Heer in der Höhe von 16 000000 Pfund Sterling ein und sagt, die Erwartungen, welche man bei Aufstellung � des letzten Budgets gehegt, seien nicht erfüllt worden. Man müsse sich bis 31. März auf'eine Ausgabe gesaßt machen, welche wenig geringer sein werde. als diejenige des gegenwärtigen Finanzjahrs. Auf die Lage in Südafrika übergehend, sagte der Minister, durch den Guerillakrieg werden die Feindseligkeiten noch eine gewisse Zeitlang andauern können, allein ohne Hilfe von außen werde der Guerillakrieg schließlich keinen Erfolg haben. Brodrick weist ferner hin auf die Erfahrungen, welche andre Völker bei Znendeführung von Guerillakriegen gemacht. Es sei deshalb nicht auffallend, daß England hierbei auf Schwierigkeiten stoße in einem Lande, das so groß sei als Spanien, Kuba und die Philippinen zusammen. Die Regierung könne gegenwärtig auf die Dienste der in Südafrika stehenden Freiwilligen nicht verzichten. Der Kampf müsse mit aller Kraft fortgeführt werden. Diese Politik werde das Land schneller friedlichen Verhältnissen zuführen. Die Regierung habe gehofft, beim Wiederzusammentritt des HauseS in Bezug auf die Rückkehr der Truppen befriedigendere Eröffnungen machen zu können. Harcourt tadelt die Regierung wegen ihres Mangels an Voraussicht. Repräsentantenkaminer in Belgien. Brüssel, 11. Dezember.(W. T. B.) Auf eine Interpellation von feiten der Socialistcn betreffend die aufgegebene belgische China- Expedition erklärt der Minister des Innern de Trooz, die Chinese» hätten, nachdem sie die Europäer zum Bau von Eisenbahnen ins Land gerufen, die Verträge gebrochen und belgische Staatsangehörige an- gegriffen. Wegen der Frage, woher die Initiative zu der Expedition rühre, möge sich der Interpellant an die Bürger- ineister wenden, die den Plan angeregt hätten. Dieser sei jedoch der Ermutigung würdig gewesen und die Regierung habe ihn von Anfang an innerhalb der verfassungsmäßigen Grenzen er- mäßigt und ihre Befugnisse nicht überschritten. Man dürfe, da dock Landsleute angegriffen worden seien, der Regierung keinen Vorwurf machen, daß sie dieselben habe verteidigen wollen. Darauf wird die Debatte über diesen Gegenstand geschlossen. KrllgerS erfolglosen Bemühungen. Haag, 11. Dezember.(Meldung deS„Reuterschen Bureaus".) In einer Unterredung. welche Präsident Krüger und Dr. LeydS heute mit dem Ministerpräsidenten Pierson und den, Minister des Aenßern de Beaufort hatten, betonte Krüger nochmals, daß der Zweck seiner Reise sei, einen Schiedsspruch z» erlangen. Die niederländischen Minister hoben in ihrer Erwiderung hervor, daß die niederländische Regierung hierbei eine passive Rolle spielen müsse und daß die Initiative den Groß- mächten zukomme. Wenn diese ihren Entschluß gefaßt haben würden, könne die niederländische Regierung sehen, was sie thun werde. Eine für heute abend zu Ehren Krügers in Aussicht genommene Serenade der hiesigen Schüler wurde verboten, weil die Polizei Störungen der Ruhe befürchtet. Verantwortl. Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilagen«. llnterhaltungSblatt» r. 289. 17. Fabrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mitos, 12. Dezember 1900, Reichstag. 17. Sigung am Dienstag, den 11. Dezember 1900, 1 Uhr. Um Bundesratstische: Graf Bofabowsky, v. Tirpig, b. Gozler; später der Reichskanzler Graf v. Bülow. Die erfte Lesung des Etats für 1901 wird fortgesetzt. Abg. Bebel( Soc.): M Mittwoch, die Reichsschulden des alten Krüger auf das allerschärffte, weil die deutsche laffen müßten. Herr Müller- Fulda hat dem Bundesrat vorgeworfen, einer Weise engagiert werde, die von den verhängnisvollsten Folgen er habe seine Aufgabe schlecht erfüllt. Ich habe hier schon wieder für die Zukunft sein müßte. Damals wurde von allen Seiten mit holt erklärt, daß ich es als einen großen Fortschritt Ausnahme der Freisinnigen gegen meine Ausführungen Stellung betrachten würde, wenn der Bundesrat gar nicht existierte, genommen. Als ich jenen Protest erhob, herrschte auf allen das heißt, wenn wir statt der Vielheit der Seiten lebhafte Unruhe und heute nach vier Jahren haben Staaten ein einheitliches großes Reich hätten wir die Genugthung, zu hören aus dem Munde des höchsten Reichs( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Aber das ist beamten, daß unsre auswärtige Politik diejenigen Bahnen eins im Augenblick nicht zu schaffen. Auf der andren Seite hat aber nach geschlagen hat, die wir damals als durchaus berechtigt und notoben hin der Bundesrat seine Aufgabe gut erfüllt. Man fann dem wendig bezeichnet haben. Ich bin ganz damit einverstanden, daß wir Bundesrat nicht die Schuld an den großen Ausgaben beimeffen. mit England uns auf freundschaftlichen Fuß stellen, was selbsta Der Herr Reichs- Schatzsefrätär hat gestern Verwahrung dagegen Wir sind hier die Volksvertretung und in erster Linie dazu berufen verständlich nicht bedeuten kann, daß wir uns in ein Abhängigkeitseingelegt, daß er seine Rede, die er in der Budgetkommission über die den Daumen auf den Beutel zu halten, wenn es sich um unnötige verhältnis zu England begeben, daß wir uns die Freiheit der Aktion gesamte Finanzlage des Reichs gehalten hat, als Schwarzmalerei be- Ausgaben handelt. Der Bundesrat kann nur etwas bewilligen, was irgendwie beschränken lassen. Aber die Interessen der deutschen Nation zeichne. Ich will nicht sagen, daß der Herr Staatssekretär mit Absicht wir selbst bewilligt haben. Wenn also der Abg. Müller- Fulda dem und die Weltinteressen, die wir ja auch zu vertreten haben, verlangent schwarz in schwarz gemalt habe. Die Schilderungen aber, die er gab. Bundesrat vorwirft, er habe unnötigen Ausgaben zugestimmt, so hat ein derartiges freundschaftliches Verhältnis bei aller Verurteilung des waren ein Gemälde schwarz in schwarz, und selbst die so vorsichtig er mit andren Worten hier erklärt, der Reichstag selbst habe un Vorgehens der Engländer in Transvaal. Unfre Presse und ich haben gehaltene Erklärung, die er gestern über die Finanzlage abgab, hat nötige Ausgaben bewilligt. Und da Sie, Herr Abg. Müller- Fulda, wiederholt gegen die Kriegführung der Engländer und ansbei den Rednern zweier großer Parteien, den Abgg. Wüller( Fulda) den Ausgaben selbst zugestimmt haben, sind Sie der erste Attentäter. gesprochen. Ich betrachte sie als eine barbarische, völkerund Dr. Sattler den Eindruck erweckt, daß seine Darstellung, obgleich( heiterkeit.) rechtswidrige, als eine, die eines Kulturstaats unwürdig ist, grau in grau gemalt, noch zu rosig sei. Herr v. Thielmann hat Alle drei Redner des gestrigen Tags haben erklärt, mit der für die seine höchsten Beamten vor einem Weltgericht zur Verant darauf hingewiesen, im Sommer dieses Jahre sei eine rückläufige Weltpolitik seien sie zufrieden, die Heer- und Marine- Ausgaben wortung gezogen werden müßten, wenn ein solches Weltgericht Bewegung der wirtschaftlichen Entwidlung eingetreten. Nun, es giebt haben fie gar nicht angeschnitten, also obgleich sie alle erklärten, man existiert. Wir verurteilen diese Raubpolitik ebenso wie unfre ziemlich viel Leute, welche behaupten, daß das chinesische Abentener müsse sparsam sein, so haben sie sich doch mit all den Ausgaben, an in China, die im wesentlichen die gleiche ist. Aber wie nun die den ersten und Hauptanstoß zu jener rückläufigen Bewegung ge- denen allein eine Sparsamkeit überhaupt möglich wäre, einver Dinge gekommen sind! Da sich einmal das fleine Boerenhäuflein geben habe, und weil man vielfach dieses Glaubens ist, daher erklärt standen erklärt. Sehen wir uns doch einmal den Etat näher an. nach furchtbarem Stampf gegen die englische Armee geschlagen hat sich auch der Zorn und die Erregung, die bei einem Teil der rheinisch- Ich habe mir eine Aufstellung gemacht, die ein Bild giebt von unsren und nun Präsident Krüger nach Europa kommt und westfälischen Großindustriellen über das chinesische Abenteuer besteht. Ausgaben für Militär, Marine, Pensionsfonds und Reichsschuld, so- den Versuch macht, bei einer der Nationen, die sich, ja allesamt Daß die jahrelange Profperitätsepoche bald ihren Höhepunkt erreichen weit die Zinsen dafür bezahlt werden müssen. Diese Aufstellung christlich nennen, ich weiß nicht in welcher Form, einen Eingriff mußte, darauf ist in diesem Hause schon mehrfach hingewiesen. charakterisiert in drastischer Weise die Wirtschaft, in die wir im Lauf in die Transvaalangelegenheit zu veranlassen, so ist es Wenn Herr v. Thielmann sich damit tröstet, daß diefer Umschwung der letzten Jahre hineingekommen sind. Das Reichsheer erfordert menschlich begreiflich und von seinem Standpunkt gerechtfertigt. nicht wie vor 25 Jahren durch einen großen Krach ein- ca. 680 Millionen, die Marine ca. 211 Millionen, der Ich verurteile, und das ist der Punkt, in dem ich mit dem Herrn geleitet worden ist, dann ist das ein sehr geringer Bensionsfonds, soweit er sich auf den Militär- und Reichskanzler nicht übereinstimme, die schonungslose Abweisung Trost. Mag sein, daß die großartigen Unternehmerverbände Marine Etat bezieht 69 Millionen, der Syndikate und Ringe einen gewissen moderierenden Einfluß aus- zinsen, soweit sie für Militär- und Marineschulden gezahlt Politie fich dadurch den Anschein der Trenlosigkeit gegeben geübt haben; jedenfalls ist der Umfang und noch viel weniger die werden müssen, 72 Millionen Mart. Wir haben also für hat. Das will ich Ihnen beweisen. Einmal mußte auf Grund des Dauer der jezigen Krisis nicht abzusehen, und die Erfahrung hat diese vier Etats im Laufe des nächsten Jahrs die lolossale Summe ichon erivähnten Telegramms die Boerenbevölkerung glauben, daß stets gezeigt, daß, je großartiger ein Aufschwung gewefen ist, die von circa 1032 Millionen Mart zu zahlen; sind also über das der deutsche Kaiser gewillt sei, wenn das Wölflein einmal um seine nachfolgende Depression um so heftiger und langandauernder zu sein erste Tausend Millionen hinaus, während ich vor einem Jahre noch Existenz zu kämpfen haben werde, ihm mit seiner Macht materiell pflegt. Das ist durch die einfache Thatsache zu erklären, daß während hier sagte: wenn wir so weiter wirtschaften, dann werden wir im oder moralisch zu Hilfe zu kommen. Genau so, wie wir vor der des Aufschwungs die bestehenden industriellen Unternehmungen Jahre 1903 über das erste Tausend Millionen hinauskommen. Vor Wegnahme von Kiautschou in China die am meisten beliebtefte durch neue Maschinen, neue Werkzeuge usw. ihren Betrieb ver- zehn Jahren, im Jahre 1890, als das Centrum noch zur Nation waren, namentlich infolge unsres Berhaltens bein größern und daß eine große Zahl neuer Konkurrenzbetriebe entsteht. Opposition gehörte, hatten wir eine Ausgabe bon circa Friedensschluß von Chimonoseti zwischen Japan und China, wir ohne Jedenfalls können wir sagen, wir sind vom Jahre 1900 ab in eine 502 Millionen Mark, die Ausgaben haben sich also um wo Sondervorteile für uns für China eina Krisis eingetreten, die von der verhängnisvollsten Wirkung circa 580 Millionen Mark, das heißt um 106 Proz. ver- traten, während jetzt nach dem Umschlage unsrer Handlungsauf die Reichsfinanzlage sein wird. Schon jetzt wird behauptet, mehrt.Steht mit dieser Vermehrung der Ausgaben irgendwie weise die allergrößte Mißstimmung gegenüber Deutschland in China daß die Einnahmen in Bezug auf Bölle, auf Steuern, die Ein- die Steigerung des Nationalwohlstands im richtigen Verhältnis? Herricht, genau so ist es auch in Transvaal. Auf Grund der Depesche nahmen auf Buder zu hoch bemessen sind, und daß es wahrscheinlich Die Ausgaben für Solonien haben sich noch gesteigert, dadurch, daß glaubte die Boerenbevölkerung, daß der deutsche Kaiser seinen ganzen ist, daß wir mit erheblichen Mindereinnahmen zu rechnen haben. im dritten Nachtragsetat eine Reihe von Ausgaben für Tsintau als Einfluß einsehen werde, und dieser Eindruck mußte noch durch die Dabei find die Ausgaben nicht nur von Jahr zu Jahr gestiegen, Striegskosten verlangt sind, die in ihrer weiteren Wirkung eine be- am 13. Februar 1896 hier gehaltenen Reden in Transvaal verstärkt sondern auf Grund der Beschlüsse, die die Majorität des Hauses ge- beutende Steigerung der Mehrausgaben für Kiautschou zur Folge werden ein Beweis dafür ist schon die Antwort des Präsidenten faßt hat, werden sie mit Notwendigkeit weiter steigen. Dabei macht haben werden. Dort werden 4 Millionen für notwendige Neu- Krüger auf das Telegramm des Kaisers, wie er den innigsten, tiefes den Eindruck der reinen Ironie, wenn Sie beiden Redner anschaffungen verlangt zur Unterkunft von Soldaten. Es werden also gefühlten Dank für den aufrichtigen Glückwunsch sagt und ausspricht, zweier großer Parteien, durch deren Bustimmung alle diese mit Hilfe dieses Nachtragsetats bereits die Vorkehrungen getroffen, daß es ihnen mit Gottes Hilfe weiter möglich sein werde, für die Ausgaben ermöglicht sind, sich jetzt auf einmal hin um die sogenannte Kolonialarmee unterbringen zu können. Diesen Aufrechterhaltung der teuer bezahlten Unabhängigkeit einzutreten. stellen und flagen über die traurige Finanzlage und Konsequenzen dürfen Sie sich nicht verschließen, wenn Sie nicht ge- Ich war wohl der erste, der die Angelegenheit hier im Reichsunisono erklären, wir müssen sparsam wirtschaften, Ach, wiffenlos als Boltsvertreter handeln wollen,( Sehr richtig! bei den tage zur Sprache brachte, und der damalige Staatssekretär des meine Herren, die Erkenntnis tommt au spät.( Sehr Socialdemokraten.) Wenn ein Privatmann in dieser Weise wirt- Auswärtigen Amts Herr v. Marschall antwortete mir, daß Deutschrichtig! bei den Socialdemokraten.) Wir haben seit langem auf die fchaftet, würde man ihn einen liederlichen Kerl nennen, land die legitimen Intereffen der Boeren zu schützen bereit Folgen hingewiesen, aber wir haben tauben Ohren gepredigt. Jegt, einen Verschwender, der mit dem Gelde nicht umzugehen ist und das größte Juteresse an der Erhaltung der Selb wo die Folgen eingetreten sind, thun Sie scheinbar ganz entfest, versteht. Und wer ist derjenige, dem wir das alles zu verdanten ständigkeit der Transvaalrepublik habe. Herr v. Marschall sprach daß die Dinge so gekommen sind, wie sie liegen. Herr v. Thiel haben? Das Centrum!( Schr richtig! bei den Soc.) Das Centrum dann über die englischen imperialistischen Bestrebungen und mann wies darauf hin, daß wir in die schwierige Lage gekommen ist als leitende und treibende Kraft an Stelle der Nationalliberalen meinte, in dem Siege dieser Bestrebungen würden wir eine schwere Schädigung unsrer find infolge der langjährigen großen Ausgaben der Reichs- Haupt- getreten. Die Wirtschaft der Nationalliberalen war ja schon arg, Deutschen kaffe für die Unfall- und Altersversicherung, die sich auf fast aber die Wirtschaft, die das Centrum jetzt treibt, ist noch viel ärger. 3ntereffen erbliden. In ganz ähnlichem Sinne äußerten Alle diese 100 Millionen belaufen und noch steigen werden. Auch daran sind( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) In dieser Beziehung habe sich Herr Dr. Lieber und Herr v. Kardorff. wir nicht schuld. Wir haben bei der Unfallversicherungs- Vorlage in ich vor den Nationalliberalen geradezu Respekt( Heiterfeit 1), denn Verhandlungen sind den Boeren bekannt geworden. War es da der letzten Session gefordert, daß diese Vorschüsse des Reichs an die sie haben doch wenigstens das Budgetrecht zu wahren gewußt; nicht selbstverständlich, daß der alte Mann, der den letzten Versuch großen Unternehmer- Verbände aufhören. Aber die Majorität des unter Führung des Centrums ist dieses jetzt Stüd macht, die Existenz seines Vaterlands zu retten, hier in Berlin eine Reichstags und die Regierung haben nicht auf uns gehört. für Stüd verloren, und wir treiben einer wahren freundliche Aufnahme zu finden gehofft hat?( Sehr richtig! links.) Die Ausgaben für die Invaliditäts- und Alters. Budgetanarchie mit aller Macht entgegen.( Sehr richtig! bei und wenn wirklich keine weitere Antwort möglich war, als fie versicherung belaufen sich im Lauf dieses Etatsjahrs 1901 auf den Socialdemokraten.) Herr Dr. Lieber hat in der Kommission erklärt, gestern der Herr Reichskanzler angedeutet hat, so gebot es das Mitrund 34 Millionen, auf über 4 Millionen mehr als im vorigen meine Aeußerungen hier im Reichstag über seine Worte auf dem gefühl, die Höflichkeit, den Präsidenten Krüger unter allen UmJahre. Aber die Dinge so darzustellen, als ob die Invaliditäts- Katholikentage seien nicht richtig gewesen. Ich fonstatiere dem- tänden, unter allen Umständen, sage ich, zu empfangen. Es und Altersversicherung quafi die Ursache der traurigen Finanzlage gegenüber, daß ich in meiner zweiten Rede zum dritten Nachtrags- war ein Akt der Humanität, ein Akt der Pflicht!( Sehr richtig! Es ist sehr schlimm, daß der Nichtempfang nota des Reichs sei, dagegen müssen wir uns ganz energisch verwahren. etat seine Rede auf dem Bonner Katholitentage auf Itnts.) Auch wenn das Reich die ganzen 34 Millionen für das Etatsjahr 1901 Grund des Berichts der Frankfurter Zeitung", diskutiert habe. Da wendig bösesten Eindruck bei dem Boerenvolle machen muß. vollständig gestrichen hätte, auch dann wäre die Finanzlage des Reichs heißt es, das Centrum habe es verstanden, eine wenn auch nicht wie in China mit der Wegnahme von Kiautschon ein Umschlag noch sehr traurig. Auf der andren Seite ist aber gerade die Versicherung maßgebende, so doch ausschlaggebende Position der deutschen in der Gesinnung der chinesischen Bevölkerung gegen Deutschland zu beständig das Paradepferd, das man uns vorhält, mit dem man Reichs Gesetzgebung fich 8t schaffen. Den Lurus einer verzeichnen war, so wird dieser Umschlag auch jetzt beim Boerenbolt im In- und Auslande Parade macht, und hiervon hören wir mit selbständigen Politik es freilich brangeben müssen. gegen uns eintreten.( Bravo! bei den Socialdemokraten.) Unfre einem Male, wie trübe und böse diese Einrichtung auf die Finanz- Das ist doch sehr klar und deutlich; es ist auch gar nichts Neues, answärtige Politik verscherzt fich die Sympathien der fremden lage des Reichs einwirkt. Es war ein sehr bezeichnendes Wort, das sondern nur das Bekenntnis einer schönen Seele!( Heiterkeit.) Denn Völker eben in einem Grade, wie es nur ein Feind Deutschder Abgeordnete Paasche bei Gelegenheit der Beratung des dritten was Herr Lieber hier gesagt hat, weiß jeder, der die Verhandlungen lands wünschen kann. Präsident Krüger ist in Paris von Loubet Nachtragsetats für die China- Expedition in der Budgetkommission dieses Hauses verfolgt hat. Wie sind wir denn in die Situation empfangen worden und auch der deutsche Kaiser hätte ihn aussprach, er habe die Finanzlage des Reichs zwar hineingekommen? Keine Finanzvorlage in diesem Hause fann je empfangen müssen. Er hat Beit dazu( Heiterkeit), er muß die Zeit als trostlos angesehen, aber für so trost los, wie angenommen werden, ohne daß das Centrum sich dafür entscheidet. haben.( Große Heiterfeit und Bravo! links.) Statt deffen erhält fie nach den Angaben des Reichsschapietretärs Ohne das Centrum ist gegenüber der Regierung nichts zu machen! Strüger eine Benachrichtigung, daß er nach den bereits getroffenen jei, habe er sie doch nicht gehalten. Wenn All die großen Ausgaben, die jetzt namentlich in den letzten 8 bis Dispofitionen nicht empfangen werden könne. Ich gehöre nicht zu ein Vertreter der nationalliberalen Partei, die doch bis 4 Jahren durch den geradezu unerhörten Umfall des Centrums in den Don Quichotes, die gegen jede englische Windmühle anrennen allen Ausgaben zugestimmt hat, ein solches Urteil der Flottenvorlage und in der Militärvorlage geschaffen wollen, von denen gestern der Herr Reichskanzler gesprochen Im Gegenteil, ich habe stets ein Zusammengehen mit in der Budgetfommission fällt, dann muß es in der That worden sind, sie hat das Centrum in erster Linie auf dem Gewissen, hat. weit gekommen sein. Es hat auch wenig Eindruck auf uns gemacht, das bleibt an seinen Rodschößen hängen! Und ich wiederhole: Sie England befürwortet, aber gerade deshalb bin ich gegen und Schwächen der englischen als die Herren von der Rechten und von der nationalliberalen( zum Centrum) find heute nichts weiter, wie Schleppträger der die Fehler In Eng Bartei hier erklärten, man müsse zu der alten Sparsamkeit Regierungspolitik! Die ausschlaggebende Rolle, die Sie jetzt Politit ein unnachsichtiger Richter. zurückkehren. Wir, oder vielmehr Sie denn wir Socialdemo- haben, treiben Sie ja noch weiter. Wir werden es ja beim nächsten land jubelt man jezt; man hofft auf die Nachfolge andrer kraten sind ja daran nicht beteiligt sind in den letzten Jahren Nachtragsetat mit einer Resolution des Centrums zu thun be- Nationen, nachdem Deutschland einmal vorangegangen ist. In in eine solche Bewilligungswnt hineingeraten, daß ich sagen kommer, worin verlangt wird, daß in dem Vertrag mit China Deutschland sind sehr bittere Urteile laut geworden. Nicht mit fann, hier giebt es kein gurid mehr, um so mehr, als Sie die Freiheit der christlichen Religion anerkannt werde. Wir Unrecht schreibt ein Amsterdamer Blatt: Die deutschen Fürsten sich bei den Hauptetats in einer Weise festgelegt haben, daß Sie wollen den Japanern zumuten, für die Freiheit des christlichen fürchten Gott und ihre Großmütter.( Große Heiterkeit links.) nicht mehr frei verfügen können.( Sehr richtig! bei den Social- Bekenntnisses einzutreten, den Russen dasselbe zumuten, die bisher Ich felbst habe einen großen Haufen Buschriften voller Ent demokraten.) Daher war es mir außerordentlich interessant, daß der teine Missionare nach China geschickt haben. Wir sollen auf Drängen rüftung bekommen, und nicht Parteigenossen sind die Schreiber; Abg. Müller- Fulda, der im Namen seiner Partei die Finanzlage des des Centrums eine Politik weiter treiben, die bis jetzt die Haupt- denn diese wenden sich in solchen Dingen nicht an uns, sie wissen, Reichs zu kritisieren hatte, von all' den zahlreichen Etats, die der schuld an den Wirren hat, während heute doch schon kein Zweifel daß wir unsre Pflicht und Schuldigkeit thun; fondern die Briefe Reichsetat enthält, nur den Bostetat herauszugreifen wußte und darüber besteht, daß dieses erste große weltpolitische Aben- stammen and bürgerlichen Kreifen, ihr Juhalt ist gar nicht verlangte, daß da gespart werden sollte. Es ist ja zuzu teuer mit einem allgemeinen débacle geendet hat. Schritt wiederzugeben. geben, daß die Mehrausgaben die Mehrausgaben des Postetats, Der Herr Reichskanzler hat dann gestern von den aussichtsdes Postetats, namentlich für Schritt ist unsre Politit zurückgewichen, sogar die décision Die einmaligen, vergleichsweise groß find. Aber von allen irrevocable ist aufgegeben. Wir hören Kolonien Deutschlands in Afrika ge= in den Zeitungen, reichen Etats, die der Reichsetat präsentiert, ist der Bostetat wie die Mächte sich nicht einigen tönnen, wie von all den sprochen. Ich weiß nicht, ob ich diese Bemerkung ernst mit derjenige, der am meisten die kulturellen Interessen großen Worten, die wir im Sommer gehört haben, im Grunde nehmen soll. Denn ich habe von diesem Reichtum noch nichts entdeckt. fördert, und für derartige Interessen sind wir Socialdemokraten genommen nichts mehr übrig bleibt, kurz, daß wir in China einem Der Kolonial- Etat ist wieder um 5 Millionen erhöht worden. Der immer eingetreten. Es ist uns vorgeworfen worden, daß wir die deutschen Transvaal entgegengehen; und damit fomme ich mit Bidzadfurs in unfren Kolonien ist der alte: fortwährend tritt ein Summen bewilligt haben, die zum Bau von Postgebäuden gefordert ein paar Worten auf das wirkliche Transvaal. Meine Freunde und Wechsel in den Aemtern ein, sowohl der Gouverneur sowie der find. Ja, zu derartigen Ausgaben sind wir stets bereit, umsomehr, ich sind gestern in der ausnahmsweisen Lage gewesen, daß wir fast Direktor der Kolonialabteilung haben erst jüngst gewechselt. als diese Ausgaben aus den Einnahmen des Post- Etats selbst gedeckt Wort für Wort all dem zustimmen fonnten, was Behandlung der Eingeborenen ist die denkbar verkehrteste. Je länger werden. Wir erkennen, daß solche Bauten ein Verkehrserfordernis der Herr Reichstanzler in Bezug auf die Haltung wir im Besitz der Kolonien sind, desto mehr Revolutionen kommen Nur die Ausgaben steigen, die Einnahmen gehen von und daher kulturfördernd sind und wir wollen viel lieber der auswärtigen Politik gegenüber Transvaal dort vor. schöne Posthäuser als Kasernen haben.( Sehr richtig! und England ausgeführt hat. Ich sage fast Wort Jahr zu Jahr zurück. Ohne Zuschüsse sind die Kolonien überhaupt den Socialdemokraten.) ich Wie man also angesichts dieses Zustands von Es ist dem Reichsschazsekretär für Wort", auf die Abweichungen noch zu nicht lebensfähig. der Vorwurf gemacht worden, daß die Vorlage des sprechen. Ich erinnere daran, daß am 3. Januar 1896 Kaiser aussichtsreich sprechen kann, das ist ein Optimismus, der nur selbst Gesetzes betr. die Schaumweinsteuer noch nicht gemacht ist. Nun Wilhelm II. an den Präsidenten Paul Krüger das folgende Tele- bei dem so optimistischen Herrn Reichskanzler bedenklich erscheint. Wie wir den steigenden Ausgaben meine Herren, die Vorlage wird kommen, vielleicht schon im Laufe gramm sandte:" Ich spreche Ihnen meinen aufrichtigen Glückwunsch( Sehr richtig! links.) werden sollen, ist mir überhaupt ein Rätsel. dieser Session und wenn es gut geht, dann wird sie eine Mehrein aus, daß es Ihnen, ohne an die Hilfe einer befreundeten Wacht zu gerecht Hauses hegen die stille offe nahme von 8 Millionen Mark ergeben, die jedenfalls für das große appellieren, gelungen ist, gegenüber bewaffneten Scharen, die als Biele Mitglieder dieses Reichsfaß, das gefüllt werden soll, wenig bedeuten( Heiterkeit). Das Friedensstörer in ihr Land eingedrungen sind, mit eigner Kraft fich mung, die Löcher mit erhöhten Industrie- und Lebensist auch der Fall bei der Stempelsteuer, die eine Mehreinnahme von zu wehren." Dieses Telegramm wurde in der Sizung vom mittelzöllen zuftopfen zu können. Aber ich sage Ihnen: das ist 47 Millionen ergiebt. Trotzdem konnte das Deficit der Reichsfinanzen 13. Februar hier im Reichstage besprochen, und da erklärte ich im für unsre Zukunft sehr gefährlich.( Sehr richtig! links, Lachen rechts.) nicht gedeckt werden, sondern es mußte eine neue Anleihe von über Namen meiner Partei mich entschieden gegen den provokatorischen Ton Daß die Getreidezölle erhöht werden sollen, habe ich ja von den 16 Millionen begeben werden. dieses Telegramms. Wir waren damals der Meinung, daß, wie sehr Einflußreichsten der verschiedenen Parteien gehört. Wir müssen das her allen bei tomme Die Der Abg. Müller- Fulda hat sich veranlaßt gesehen, in der auch der Jameson- Einfall zu verurteilen sei und wie sehr die deute mit rechnen, wie mit einem Gewitter bei schwüler Witterung. Herr Budgetfommission den Einzelstaaten quafi einen Vorwurf zu schen Interessen in Transvaal interessiert seien, die Situation in Müller- Fulda hat zwar gesagt, die Gelder aus der Getreidezoll- Er machen wegen der schlechten Finanzlage des Reichs. Es tönnte ge- Europa nicht derart beschaffen sei, daß durch Kundgebungen der aller- höhung soll für die Witwen- und Waisenversicherung der Arbeiter fchehen, daß sie sich eine Erhöhung der Matrikularbeiträge gefallen höchsten Person, wie in diesem Telegramm, die deutsche Politik in verwendet werden. Das ist ein schönes Versprechen. Ob es erfüll werden kann, ist eine andre Frage. Schließlich wird es die Finanzlage nicht erlauben.(Sehr richtig I links.) Glauben Sie(zum Centrum) auch nicht, daß Sie damit die katholischen Arbeiter einfangen. Selbst die katholischen Arbeiter fangen an zn denke».(Lachen im Ccntrum.) Aus ihre» Kreisen sind schon recht bedenkliche Aeußerungcn gefallen. So hat auf dem Gewerkschaftstnge in Frankfurt a. M. ein Führer der katholischen Arbeiter in München gesagt: Mehr wie uns die ganze Arbeiterversichcrung genützt hat, hat unS die Erhöhung der Getreidezölle geschadet.(Zuruf rechts: das ist doch nicht der Fall.) Es kommt doch nicht darauf an. was Sie (nach rechts) glauben, sondern was die katholischen Arbeiter glauben.(Heiterkeit.) Und die katholischen Arbeiter bilden einen erhebliche» Bruchteil der deutschen Arbeiterbevölkerung über- Haupt. Die Arbeiter leiden bereits unter den Folgen Ihrer Fleisch- beschau-Politik. Ganz abgesehen, daß auch Amerika dadurch ver- stimmt ist. Glauben Sie denn überhaupt, daß sich Amerika und Rußland Ihre neue Zollpolitik ge- fallen lassen werden? lRufe rechts: Ja I Ja. Heiterkeit.) Das wollen wir noch sehr abwarten. Der Handels- politische Zustand, den Sie wünschen, der kann Ihrer ganzen Gesellschaftsordnung noch recht gefährlich werden.(Rufe rechts: Abwarten I) Ja. warten Sie es nur ab.(Heiterkreit.) Die deutschen Arbeiter sind in der eigentümlichen Lage, die doppelt Geschädigten zu sein. Die Lebensmittelpreise werden erhöht, die notwendigen Ge- brauchsmittel steigen im Preise. Brot, Salz, Zucker, Spiritus, Kohle, Petroleum werden teurer. Durch die wirtschaftliche Krisis sinken die Löhne. Dabei tverden die Wohnungsmieten immer höher. Das ist Ihre(nach rechts) Wirtschaftspolitik. Der deutsche Arbeiter hat nach keiner Richtung einen Vorteil.(Sehr richtig I bei den Soc.) Graf Limburg-Stirum hat gestern gesagt, der ganze Aufschwung wäre nur der Industrie, nicht der Landwirtschaft zu gute gekommen. Das ist einfach nicht wahr und bei den Zolldebatten werden wir Ihnen den Beweis dafür erbringen. Es ist auch nicht wabr, daß die Zahl der Subhastationen auf dem Lande gestiegen ist. Die Zahl der Bankrotte in der Stadt ist viel größer und wird noch wachsen, wenn erst die Krisis da ist. Graf Limburg- Stirum hat gestern auch eine Statistik aufgemacht. Sie ist sehr roh und wissenschaftlich total unbrauchbar.(Große Heiterkeit). Er hat alle kleinen Städtchen mit 2— 3000 Einwohnern zur Landbevölkerung gerechnet, andrerseits giebt es große Industrie- dörfer auf dem Lande, die ebenfalls in der Statistik des Herrn Grafen als Landdörfer figurieren. Für die Beurteilung unsrer Handels- politischen Zukunft ist nichts geeigneter als die Botschaft, die Mac Kinlcy neulich veröffentlicht hat. Während es da von Frankreich und Amerikas Beziehungen zu Frankreich beißt, daß sie gut und angenehm seien, heißt es von Deutschland, daß es von gutem Willen beseelt ist, von angenehnien oder guten Beziehungen ist hier nicht die Rede. Mac Kinley will bloß behaupten, daß kein böser Wille vorhanden ist. Er betonte ja ausdrücklich, daß der Erlaß des Fleischbeschau- Gesetzes und des Fleischeinfuhr-Verbots das gute Verhältnis zivischen Deutschland und Amerika stark beeinträchtigt habe. Auch das ist eine Frucht Ihrer(nach rechts) Wirtschaftspolitik.(Sehr richtig I links.) Während wir im Zeichen des Verkehrs stehen sollen, sperren wir unsre Grenzen gegen das Ausland ab. Mit Bezug auf China bin ich mit dem Grafen Stirum einmal einverstanden. Auch ich habe auf die furchtbare Konkurrenz hingewiesen, die uns China noch manchen wird. Ich komme nun zu den einzelnen Etats und bemerke zunächst, daß ich vergeblich gesucht habe, wo die IS«00 Mark, die vom Centralverband deutscher Industrieller in das Rcichsamt des Innern geflossen sind, im Etat eingestellt worden sind.(Gr. Heiterkeit links.) Die 12 000 Mark wäre» auf dem Wege der Indemnität nach- zusuchen, aber ich hätte es doch als einen Akt des Entgegenkommens anerkannt, wenn sie im Etat mit Einnahme und Ausgabe gebucht worden wären. Jetzt muß ich von neuem die Frage stellen: wann Graf Posadowsky von dem Anstichen um die ILVVtt Mark seitens des Herrn v. Wvcdtke Kenntnis erlangt, an welchem Tage hat er die Einnahme dieser Summe erfahren und wo sind die IS 000 Mark hingcwandert? Ich frage weiter, ob er gegen die durch die Ent- büllungen des Abg. Raab bloßgestellten Mitglieder der See- Berufsgeuofscnschaft eingeschritten ist, welche Maßnahmen er ge- troffen hat wegen des schamlosen Briefs, der ani Schluß die Wendling enthielt: mnnckus vult dieipi. Ich frage den Grafen Posadowsky': Sind dir Betrüger und Schwindler in dieser so Volks- freundlichen See-Bernfsgrnossenschaft zur Berantwortnng gezogen worden? Ich frage ihn: Sind diese Leute mit Schimpf und Schande aus dem Vorstand der Berufsgenossen- schaft weggejagt worden? 14 Tage sind ja seit der Enthüllung ver- gangen. Sind diese Herren noch auf ihrem Posten? Wir wissen, daß sämtliche Vorstandsmitglieder den Brief unterzeichnet haben Es�sind die Herren LaeiSz, John Meyer, Schiff ans Elsfleth, der berühmte Versaffer der Depesche:«Schiff verloren. Mannschaft leider gerettet". Wie kann man ein solches menschliches Un- geheuer als Vertrauensmann im Vorstande der See- Berufs- genossenschaft lassen. Ich erwarte eine klare und positive Erklärung, was in Bezug auf diese Leute geschehen ist. Es ist gestern von feiten des Herrn Abg. Sattler dem Staats- sekretär Grafen Posadoivsky ein allgemeines Lob in Bezug auf seine Thätigkeit auf dem Gebiet der ArbeilerwohlfahrtSpflege erteilt werden. Herr Dr. Sattler, uns gegenüber ist dies Lob iii de» Wind gesprochen. Die 12 000 Mark- Affaire und das Vorkommnis in der Sec-Berufsgenossenschaft haben uns in der ärgsten Weise die Augen geöffnet. Die Verschlechterungen der Bäckerei- Verordnung werden noch später bei den eüizelnen Punkten des Etats besprochen werden. Mit dem Reichsamt deö Innern sind wir gründlich fertig. (Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Der Mstjtäretat zeigt eine Mehrausgabe von 18 411 000 Mark. ES ist schon gestern darauf hingewiesen worden, daß diese Mehr« ausgaben entstanden sind durch die Verstärkungen der Armee. Es wundert mich, daß dem Abg. Müller-Fulda bei seiner Sparsamkeits- theorie diese Mehransgabe ganz entgangen ist. Es wundert mich, daß der Herr Abg. Müller-Fulda auch nicht gefunden hat, daß im Etat das Reichsheer verstärkt ist um über ZOOO Mann und über KOO Pferde. Herr Abgeordneter, das ist die erste Portion der 7000 Mann, die noch rückständig sind.(Heiterkeit bei den Social- demokraten.) Es scheint, daß der Herr Kriegsminister sich Portions- weise das holt, von dem er sich sagt, daß er es im ganzen nicht bekommt. Der Herr Graf Limburg- Stirum hat eS nicht unterdrücken können, aus der Thatsache, daß die tapferen Boeren gegen England nicht aufkommen können, zn schließen, daß dies ein Ding der Un- Möglichkeit sei, weil sie eben nur eine Milizarmee hätten. Herr Limbnrg-Stirum scheint ein schlechter Leser seines Leitfadens der«Kreuz-Zeitung" zu sein, sonst würde er gefunden haben, daß dort noch in den letzten Tagen das höchste Lob der Boeren gesungen worden ist. Die Schuld an den Mißerfolgen der Boeren wird nicht auf deren Armee geschoben, sondern auf die Thatsache, daß 30 000 bis 40 000 Boeren über ein Jahr lang gegen 260 000 Engländer im Felde stehen. Zeigen Sie mir aus der Ge- schichte aller stehenden Armeen ein Beispiel, daß sich 30 000 bis 40 000 Mann ein Jahr lang gegen 260 000 Mann behauptet haben. und Sie sollen mit Ihren Argumentationen dann recht haben. Obendrein sind ja die Boeren auch gar keine Milizarmee in unsrcm Sinne. Die Boeren haben ja eine gewisse militärische Ausbildung, aber sie haben keine feste militärische' Organisation, wie z. B. die Schweizer. Und trotzdem haben sie so Außerordentliches geleistet. Wenn Sie also die Boeren gegen«nsern Gedanken der Milizannee anführen, so können Sie damit die Unzweckmäßigkcit der Einrichtung einer solchen durchaus nicht beweisen. Graf Limburg-Stirum hat sich auch gegen die zweijährige Dienstzeit erklärt und die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit gefordert. An den Ernst dieser Ausführungen glaubt ja kein Mensch. Sie können die dreijährige Dienstzeit gar nicht wieder bekommen, weil dann die Mehrausgaben pro Jahr mehr als ;L00 Millionen Mark betragen würden, wenn die jetzige Präsenz aufrecht erhalten werden soll. Und jetzt hat das Reich schon nicht Geld genug. Außerdem müßten Sie wieder so und so viel Land- arbeiter jährlich mehr hergeben. Nein, eher bekommen wir unsre Milizarmee, als Sie die dreijährige Dienstzeit.(Große Heiterkeit.) Ich bin dann genötigt, einige Anfragen an den Herrn Kriegs- m i n i st e r zu richten. Im letzten Sommer sind verschiedene Ge- rüchte aufgetaucht über bevorstehende große Umwandlungen in der Armee. Zuerst bezüglich einer Neubewaffnung der Artillerie. Hier ist die neueste Erfindung die sogenannte Wiegekanone. Die Zapfen- lagerung des Rohrs fällt fort und letzteres wird statt dessen in eine Wiege gelagert. Es ist nun behauptet worden, daß schon Probe- bestellungen' für das neue Geschütz gegeben sind, und ich möchte den Herrn Kriegsminister fragen, ob das richtig ist. Weiter hat verlautet, daß eine große deutsche Fabrik sich England ver- pflichtet hat, England eine Anzahl Geschütze ganz neuer Kon- struktion zu liefern, um den Boeren vollends den Garaus zu machen. Ich frage, wie steht eS da mit der Neutralität? Wir sehen hier etwas ganz Aehnliches wie in China. Nach China hat Herr Krupp die neuen Schnellfeuer- Kanonen geliefert, dieselben Geschütze, mit denen unsre Soldaten auf dem„Iltis" in Grund geschossen worden sind. Da möchte ich denn doch die Herren von der Negierung fragen, ob der„wirkliche Geheimrat", zu dem Herr Krupp im Sommer dieses Jahres ernannt wurde, erfolgt ist aus Dankbarkeit, daß er den Chinesen die Kanonen lieferte, mit denen unsre Soldaten nieder- kartätscht wurden?(Sehr wahr! links.) Es ist ein merk- würdiges Zeichen von Takt, den Kanonenkönig zum Wirklichen Ge- heimrät zu ernennen, während sich alle Zeitungen über ihn be- schwerten. Man versteht wirklich manchmal nicht, wie eS in unfern oberen Regionen aussieht.(Sehr gut! links.) Ich glaube, es wird manches darüber gemunkelt.(Heiterkeit.) Der„Vorwärts" hat jüngst mitgeteilt, ein Norweger habe ein neneS Gewehr erfunden, das bei Ehrhardt bereits fabriziert wird. Der„Vorwärts" hat aber auch weiter berichtet, der Kaiser habe be- fohlen, eine der Divisionen des hannoverschen 10. Armeecorps probeweise mit dem neuen Gewehr auszurüsten. Ich stelle an den Kriegsminister die Frage, ob thatsächlich eine solche Bestellung gemacht worden ist, wo doch kaum das 97 er Gewehr eingeführt ist. (Sehr richtig I links.) Ich frage weiter, woher das Geld kommt und wie eS mit dem Budgetrcckit des Reichstags steht? Hat der Kriegs- minister etwa wieder heimlich Ersparnisse gemacht, wie vor der Ein- führung der neuen Geschütze, wo mit einemmal 28 Millionen Ueberschuß da waren, von denen der Reichstag keine Ahnung gehabt hatte, weil er in seiner Beivillignngswut mehr bewilligt hatte, als gebraucht wurde?(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Nun noch einige Worte zum Marine-Etat- Die ordentlichen und anßerordentlicken Ausgaben für die Marine betragen in diesem Jahre mnd 49 Mill. Mark mehr. 1899 betrugen die Mehrausgaben über die bewilligten Summen hinaus im Marine-Etat 11 Millionen. Ein modernes Schlachtschiff kostet jetzt 24 860 000 M.. das sind 8 Millionen mehr als 1890. Auch die großen Kreuzer kosten jetzt über 3 Mill. mehr als früher Allein die Koste» der Armierung sind von 3 auf 4 Mill. für das Schlachtschiff gestiegen. Auch die kleinen Kreuzer sind teurer geworden. Ich habe nun eine Frage an den Herrn Staatssekretär der Marine. Aehnlich wie dem Reichsamt des Innern 12 000 M. von de» Industriellen zur Verfügung gestellt worden sind, hat der Flottenverein dem Reichsamt'der Marine und dem Kaiser viele Hunderttausende für den angeblichen Bau von Schiffen z»r Verfügung gestellt. Zunächst soll ein Kanonenboot für die chinesischen Flüsse davon gebaut werden. Der Kaiser hat aber nicht das Recht, derartiges Geld in Empfang zn nehmen für Militär- und Marinezwccke.(Lebhafte Zustinimung links.) Das Geld muß in die Reichskasse fließen, und der Reichstag hat darüber zu be- schließen.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Sonst liegt eine schwere Verletzung und Umgehung u n s r e s Budgetrechts vor lBravo l links), die zu den andren Ver- letzungen hinzukommt. Wir befinden uns in der reinen Budget- anarchie. Hierüber verlange ich Auskunft. Der Reims- tag müßte die Mannschaften, die Unterhaltungskosten für gär nicht bewilligte Schiffe bewilligen, die das Flotten- Programm verändern. Da stoßen wir wieder auf das alte: sie' volo, sie jubeo! Dem müssen wir endlich Einhalt gebieten. (Bravo! bei den Socialdemokraten.) Der Reichstag sollte sich er- mannen und sich auf seine Manneswürde besinnen. Eine derartige Wirtschaft darf nicht weitergehen!(Lebhafte Zustimmung bei den Socialdemokraten.) Ich komme nun ans die Socialpolitik. In der Thronrede hat hierüber sehr wenig gestanden. ES ist eine Statistik aufgenommen worden über die' geivcrbliche Kinderarbeit. Die Resultate liegen vor, wir hätten also eine Vorlage auf dieseni Gebiete er- warten können. Ebenso ist eine Statistik aufgenommen über die Beschäftigung verheirateter Arbeiterfrauen, aber auch nach dieser Richtung hin ist keine Vorlage zu envarten. Weiter hat Herr Sattler es gestern schon bemängelt, daß das Krnnkenversicherungs- Gesetz für diese Session nicht angekündigt ist. Hat aber Herr Dr. Sattler etwa den Glauben, daß diese Vorlage eine arbeiter- freundliche sein würde?(Abg. Dr. Sattler: Ja!) Dann ist das ein Köhlerglanbe.(Große Heilerkeit.) Wir haben ja bereits gehört, was kommen wird. Es wird den freien Hilfskasien an den Kragen geben, während man die auf das schärfste zu verurteilenden Betriebskassen am Leben erhalten will. Also eS wird eine Vorlage kommen, die wiederum beweist, daß die Interessen des Großkapitals maßgebend sind. Seit vielen Jahre» wird ferner von der gcsaniten örganisierten Arbeiterichaft verlangt, daß endlich ein Gesetz für die Anerkennung der Gcwcrk- schaften erlassen werde. Die Unternehmerverdände haben den frciesten Spielraum, dagegen wird gegen die Gewerkschaften überall polizeilich vorgegangen, man verbietet ihre Ven'ammlungcn, erst in den letzten Tagen hat man eine solche aufgelöst. Auf die Bäckerei- Verordnung habe ich schon hingewiesen. Obgleich die Fabrik- und Geiverbe-Jnspektoren allesamt erklärt haben, es könnten auf Grund der früheren Bundesrats- Verordnung keinerlei berechtigte Beschwerden der Bäckernleister anerkannt werden, obgleich die Bäckerci-Arbeiter in vielen Eingaben»achgewiese» haben, in welch' unerhörter Weise seitens der Bäckermeister die Bäckerei-Verordnung nicht innegehalten wird. Trotzdem spricht man von einer Veränderung dieser Bäckerei- Verordnung, die wieder eine Verschlechterung für die Arbeiter bedeutet. Nach all' diesen Richtungen zeigt sich der arbeiterfeindliche Geist, der im Reichsamt des Innern herrscht. Es ist ferner dringend nötig, daß für die öffentlicheGe- snndheitspflege nicht Tausende von Mark, sondern Hunderte von Millionen aufgebracht werden. Neben der Koblennot besteht ferner die Bildungsnot. Wir haben zu wenig Volksichulen und zu wenig Volksichullehrer. Die Einzelstaaren müssen kolossale Summe» für die Volksschulen aufbringen. Hier wäre ein subsidiäres Eintreten des Reichs dringend notivendig. Man hat auf die Wohnungsnot hin- gewiesen. Wir werden bei der Debatte darüber dieselbe Antivort bekommen wie bei der Kohlennot:„Keine Hilfe seitens der Reichs- regicrung." Stattdessen erleben wir die bitrerste» Vcrhvhmingc» der armen Arbeiter durch die Agrarier in diese,» Hause. In Berlin herrscht die ärgste Wohnungsnot, so daß selbst der Magistrat sich veranlaßt' gesehen hat einzugreifen. Die Mieten sind außerordentlich gestiegen, und was geschieht da? Auf einem Stiftungsfest, das vor einigen Tagen ein Grundbesitzerverein im Osten Berlins, wo hauptsächlich Proletarier wohnen, abhielt, ist folgendes Gedicht vorgetragen und gesungen worden:„ES gedeihe unser Osten— Der so lang verrufen war— Sind tvir alle auf dem Posten— Herrlicher in jedem Jahr— Mieter, die nicht gern bezahlen— Kommen in das schwarze Buch— Die, die viele Kinder haben— Bringen schnell wir auf den Zug." Das ist doch eine Brutalität, wie man sie sich nicht ärger denken kann und wie sie nur die bürgerliche Gesellschaft erziehen kann. Wir sehen ja auch eine ungeheure Zunahme der Sittlichkeitsverbrechen, be- sonders in den Kreisen der Protest antischen und katholischen Geistlichen, eine zunehmende Korruption der Polizeibehörde«, wie wir sie im Prozeß Leckert-Lützow, Tausch, und jetzt in so kraffer Weise im Sternberg» Prozeß beobachten können, lind das ist doch nur ein ganz kleiner Zipfel von dem,»vaS hinter den Kulissen sich abspielt. Wir sehen ans dem Harm- lose n- Prozeß, wie in einer Nacht junge Leute Summen verspielen, die Arbeiterfamilien bei fleißiger Arbeit in einem ganzen Jahre nicht zu erwerben im stände wären. Wir sehen also als die Folge der Kapitalistenwirtschaft auf der einen Seite finanzielle Mißwirtschaft, auf der andren Seite allgemeine D e m oft a l i s e r u n g. In den nächsten Tagen wird es ja wieder in tausend Kirchen heißen: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Ich glaube, daß angesichts der bösen Zustände im Lande manchem das Wort im Halse stecken bleiben wird. Wir stehen jetzt in den letzten Tagen des 19. Jahrhunderts, das groß und gewaltig in seinen Errungenschaften, in der Ent- Wicklung der Wissenschaften, aber auch groß in der Schaffung der Klassengegensätze wie nie ein früheres gewesen ist. Neben den schärfer'werdenden Klassengegensätzen schen wir die wachsenden Nationalitätsgcgensätze. und' die bürgerliche Gesellschaft un- fähig, alle" diese Widersprüche irgenwie zu lösen. Wenn je, so können wir jetzt am Ende des neunzehnten Jahr- Hunderts sagen, die bürgerliche Gesellschaft ist mit ihrem Latein zu Ende.(Große Unruhe und Lachen rechts, im Ccntrum und bei den Nationalliberalen.) Herr v. Bötticher hat einst erklärt: Wir arbeiten ja nur für Sie. Sie, meine Herren, arbeiten nur für uns!(Bravo! bei den Social« demokraten.) Herr v. Goßler bat neulich gesagt: Gottes Mühlen mahlen langsam. Ich sage: Tie socialdcmokratische» Mühlen mahlen rasch; unser Weizen blüht, unser ist die Ernte, nicht die Ihre, meine Herren Konservativen, wie Ihnen Herr Oertel neulich in Dresden verkündet hat. Sie sehen die großen Siege unsrer Parteigenossen jetzt wieder in Württemberg, überall Fortschritte der Socialdemokratie. Unser ist die Ernte, unser der Sieg! Das ist Ihre Arbeit! Daher nife ich: Es leben unsre Freunde, die Feinde!(Lebhaftes Bravo k bei den Socialdemokraten.) Staatssekretär Graf v. Posadowsky: Als der Reichstag die Debatte über die Interpellation deS Herrn Abg. Albrecht schloß, hörte man den Ruf: und Graf Posadowsky. Herr Abg. Singer, von dem dieser Ruf ausging, hatte sich wahr- scheinlich nicht überlegt, daß nach dem ganzen Inhalt dieser Intel- pellation es mir damals nicht möglich war, das Wort zu ergreifen. ES konnte nur antworten der Herr Reichskanzler. Wer mich kennt, weiß, daß ich Furcht nicht kenne(Bravo! rechts), daß ich der letzte bin, der irgend eine Verantwortung von sich ablehnt und den Kampf mit der Partei scheut, die mir hier gegenüber sitzt. Ich bin dem Abg. Bebel geradezu dankbar dafür, daß er die sogenannte 12 000 Mark-Affaire als eine partie remise betrachtet hat. Ich erkläre vor dem gesamten Reichstage und dem ganzen Lande, daß es voll- kommen nebensächlich ist,'ob ich von diesem Eingriff des Central- Verbands der Industriellen etwas gewußt habe oder nicht. Ich trage die Verantwortlichkeit für das, was in meinem Amt ge- schieht, und ich werde sie niemals von mir abschütteln. Und nun zur Sache! Die Frage hängt ja eng zusammen mit dem Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen, und in einem großen Teil der Presse hat man auf dies Gesetz' einen vollkommen falschen Schein geworfen. Das Gesetz war nicht zum Besten der Arbeitgeber, es war auch zum Besten der Arbeiter!(Lautes Lachen bei den Socialdemokraten.— Zuruf bei den Socialdemokraten: Darum die 12 000 M.?) Präsident Graf Vallcstrcm: Ich bitte den Herrn Staatssekretär nicht zu unterbrechen! Graf PosadowSky(fortfahrend): Herr Bebel, ich habe Sie so- fort und so aufmerksam und so lange angehört, bitte haben Sie die Rücksicht, auch meine parteilosen Erklärungen zuhören. Wir sind hier nicht im Konvent, wir sind im deutschen Reichstag!(Bravo rechts I Lachen bei den Socialdemokraten.) DaS Gesetz war von dem Gedanken ausgegangen, den der Minister einer fremden Republik vor kurzem öffentlich geäußert hat. Er erklärte, das Recht jedes einzelnen Arbeiters, der arbeiten will, gelte ebensoviel, wie derjenige aller übrigen Arbeiter, welche nicht arbeiten wollen. Auf dieser Grundlage war das Gesetz ausgearbeitet. DaS hat man bei der ganzen Agitation wegen dieser 12 000 M. ver- schwiegen, in der man sagt, es ist ein Gesetz zn Gunsten der Unter- nehmerinteresien. Nun eine zweite thatsächliche Bemerkung. Der Bei- trag, den der Centralverband geleistet hat, der von ihm erbeten ist zur Verbreitung des Gesetzes in der Oeffentlichkeit ist verwendet worden, um Ausgaben zu decken, welche entstanden find durch Verbreitung lediglich anitlichen Materials, d. h. Auszüge aus der Denffchrift und der hier vom Bundesratstisch gehaltenen Reden. Daß die Absicht dieser Publikationen nicht sein konnte, das Gesetz durchzubringen, das ist'klar. Jedem war nach der ersten Lesung klar, daß es keine Aussicht hatte angenommen zu werden, daß es sich nur darum handelte, ob es im Plenum abgelehnt wurde oder an eine Kommission kam. Aber dadurch, daß man in der socialdemokratischen Presie fort- gesetzt den Arbeitern gepredigt hat, dies Zuchthausgesetz soll soll jeden Arbeiter treffen, der überhaupt streikt, und ver- schwiegen hatte, daß nur derjenige bestrast werden solle, der ungesetzliche Mittel anwende, und daß dieses Gesetz sich auch be- fonders gegen die Arbeitgeber wenden solle, weil man diese Thatsachen verschwiegen hatte, war eine ungeheure Auf- reguug und Mißstimmung in der Arbeiterbevölkernng ent- standen, und die socialdemokratische Presse hat nichts da- gegen gethan, um diesen Irrtum aufzuklären, sie hat im Gegenteil dazu beigetragen, diese Aufregung zu vermehren. (Lachen bei den Socialdemokraten.) Da war es allerdings eine wichtige Sacke, daß man durch die Verbreitung amtlichen Materials. wie es von verschiedenen Seiten verlaugt wurde, soweit wie möglich in die große Mafse des Publikums die Wahrheit trug(Lachen bei den Socialdemokraten). daß man durch Verbreitung lediglich amt- lichen Materials der großen Masse klarlegte, welche Thatsachen Ver- anlassung zn dem Gesetz gegeben hatten und Ivos das Gesetz anstrebe. (Unruhe bei den Socialdemokraten.) Präsident Gras Ballcstrem: Ich bitte in einer Debatte, die in einer gewissen Ausregung vor sich geht, iveder durch Zwischenrufe den Widerspruch, noch Zustimmung kundzugeben.(Lebhaste Unruhe bei den Socialdemokraten. Ruf: Hier ist doch nicht eine Kaserne?) Graf Posadowsky(fortfahrend): Um zur Linderung dieser Aufregung beizutragen, darum sind jene Veröffentlichungen erfolgt. Nun kann man ja über die politische Opportunität streiten. In einem süddeutschen demokratischen Blatt wurde darauf hingeiviescn, daß das Reichsamt des Innern seinen Dispositionsfonds für diese Zwecke zur Verfügung gehabt hätte, und daß die Regierung derartige? amtliches Material verbreitet, das wird ihr niemand zum Vorwurf machen. Es würde auch wohl kein Vorwurf erhoben sein, tvemi von einem Beamten des Ceutralverbands angeregt worden wäre, seiner- seits das amtliche Material zur Beschwichtigung der Arbciterinassen zu verbreiten. Angegriffen ist nur, daß nia'n diese Kosten vom Centrnlverbande der Industriellen erbeten hat. Ucber die politische Opportunität dieser Maßregel kann man wie gesagt streiten. Der Herr Reichskanzler hat ja sein Urteil bereits abgegeben. Aber alle die Angriffe, welche darauf basiert sind, sind durchaus unbegründet. Der Druckkosteufonds des Rcichsamt deS Innern beträgt 190 000 Mt. und die Abrechnungskanimer würde es wohl nicht moniert haben, wenn man diese Mittel zur Verbreitung des amtlichen Materials benutzt hätte. Wenn das nicht geschehen ist, so mag die Ursache eine größere burenukratischc Aengstlichkeit ge- ivescn sein(Heiterkeit) oder es mag der Gedanke obgewaltet haben, daß der größte industrielle Verband, den wir in Deutschland haben ein so großes Interesse(Hört! hört! bei den Socialdemokraten)— bitte lassen Sie mich aus- reden— daran hatte, auf Grund des amtlichen Materials die Arbeiter über den wirklichen Inhalt des Gesetzes aufzuklären, so daß man ihm auch die Kosten auferlegen konnte. Das ist der einfache Sachverhalt. Was aber die Angriffe gegen das Rcichsamt des Innern, gegen meine Person und gegen einen andren Beamten, de, sich die höchsten socialpolitischen Verdienste seit Jahren erworben hat, (Lachen bei den Socialdeniokraten)�betrifft, so muß ich dabei an dasWort des französischen Kriminalisten denken, der da sagte: Geben Sie mir zwei Zeilen von der Hand eines Manns und ich basiere ein Kapitalverbrechen darauf. Wie wenig iibrigens beim Reichsamt des Innern der Gedanke matzgebend war, daß man durch diese Publi« kation noch das Gesetz durchbringen könnte, dafür kann ich eine amt- liche Thatsache anführen. Wir hatten inzwischen noch große Mengen von Material von Gerichten und Verwaltungsbehörden zur Begründung des Gesetzes zum Schutz der Arbeitswilligen bekommen. Wir haben' auch daraufhin eine Nachtragsdenkschrift ausgearbeitet(Hört I hört! bei den Socialdemokraten), die wir aber dem Reichstag nicht mehr vor- legten, weil wir der Ansicht waren, daß es bei der Stimmung des Hauses doch vergeblich war.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten. Heiterkeit.) Ich kann versichern, daß ich nach den Angriffen des Reichstags nochmals an sämtliche Regierungen geschrieben habe, die Material geliefert haben, daß dieses einer sorgfälligen Durchsicht unterzogen ist, aber sich nur in ganz unwesentlichen Punkten Irrtümer herausgestellt haben.(Lachen bei den Socialdemokraten.) Es ist nun bei der Interpellation gesagt worden: da sehe man, wie das Reichsamt des Innern schon seit 1879 vom Centralverband abhängig sei.(Sehr richtig bei den Socialdemokraten.) Betrachten Sie doch einmal gütigst die Thatsachen. Sie haben vor kurzem mit vollkommenem Unrecht behauptet, daß die Invaliden- und Unfall- versicherungs-Gesetzgebung zurückgestellt sei wegen des Wider- stands des Centralverbands. Nein, meine Herren! Ich will hier niemand zu nahe treten; es war aber ein Fehler, zwei so ungeheuer umfangreiche Gesetze in einer Session einzubringen. Der Reichstag war gar nicht im stände, sie zusammen durcbzuberatcn. Diesen Fehler wollte ich vermeiden, als ich in das Amt eintrat. Auch war es selbstverständlich, daß. als ich im Juli mein Aint übernahm, ich erst einige Zeit brauchte, um mich über diese beiden Gesetze zu informieren, ehe ich neue Gesetze vorlegte. Was nun die Abhängigkeit vom Centraiverband betrifft, so bin ich ja in dein Jnvalidenversicherungs- Gesetz viel weiter gegangen, als das hohe Haus. Ich habe Rentenstellen konstituiert, die Sie nicht acceptiert haben. Gegen den heftigsten Widerstand des Central- Verbands wollte ich die besonderen Gerichte für die Unfallversicherung aufheben und schlug vor, diese Gerickte mit denen für die Invaliden- Versicherung zu verbinden. In der Presse des Centralverbands bin ich auf das schärfste wegen der Vertretung dieser Vorlagen im Reichstag angegriffen worden. Und daß diese Gesetze im übrige» keine schlechten waren, geht am besten daraus hervor, daß das Jnvalideugesetz gegen 3 Stimmen der Rechten unter Zustimmung der Socialdemokratie angenommen ist, und daß die Social- demokraten auch dem UnsaNversichenmgs-Gesetz zugestimmt habe». Also eine Abhängigkeit vom Centralverband zu konstruieren, ist eine historische Unrichtigkeit. Es ist mir weiter vorgeworfen worden, daß ich in große Per- sammlungen des Centralverbands gehe. Ich kann mich nicht ent- sinnen, das in letzter Zeit gethan zu haben. Meine Beaniten waren wiederholt dort. Aber Sie werfen uns ja immer vor, ivir arbeiten vom grünen Tisch. Wenn wir nun unter die Leute des praktische» Lebens gehen, dann heißt es, wir sind abhängig von Unter- nehmern.(Zuruf bei den Socialdemokraten: Arbciterkongresse!) Uebrigens ist es mir durchaus nicht angenehm, in solche Ver- sammlungen zu gehe». Wenn ich dort schweige und eL werden extravagante Anträge gestellt, so wird mir aus' meinem Schweigen ein Vorwurf gemacht. Wenn ich nnch dazu äußere, so komme ich leicht dazu, den Standpunkt der Regierung zu präjudizicreu. Ich habe mich übrigens gewundert, daß die Socialdemokratie alles,>vas der Regierung unangenehm ist, veröffentlicht, dagegen alle die Regierung günstigen Nachrichten unterdrückt. Dann ist mir auch vor kurzer Zeit vorgeworfen, daß ich mich in der Versammlung der Gast- Ivirtsgehilfeu nicht habe vertreten lassen. Verschwiegen ist aber dabei, daß ich kurze Zeit nachher auch eine Einladung der Prinzipale abgelehnt habe, weil die arbeiterstatistische Kommission darüber Beschluß gefaßt hat. Der Bundesrat hat sich nunmehr schlüssig zu machen, und es war nicht meine Sache, in dieser Angelegenheit'mich noch weiter belehren zu lassen. Man hat die Verzögerung deS Krankenversichcrungs- Gesetzes bemängelt. Die Regelung dieser Materie liegt ehe» lediglich in den Händen der Eiuzelstaaten. und ich habe von vielen derselben das Material noch nicht bekommen. Dagegen muß ich mich auf das allcrentschiedenste verwahre», daß wenn irgend ei» Beamter seine persönliche Ansicht über die künftige Gesta'ltmig dieses Gesetzes in einer Zeitschrift veröffentlicht, man diese Ansicht der Rcichsregicrung zur Last legt. Das sind Privatansichten, die auf die Gestaltung des Gesetzes keinerlei Einfluß haben. Herr Bebel hat auch auf den Brief des Herrn Laeisz wieder hin- gewiesen. Der Mann, der diesen unvorsichtigen Brief geschrieben hat, ist der Verantwortung entzogen. Es handelte sich bei der Sache um Unfallverhütungs-Vorschriften bei einem Kochapparate auf einem Schiffe. Der Germanische Lloyd hatte sein Gutachten dahin ab- gegeben, daß diese Vorschrift nicht nötig sei, weil auf allen große» Schiffen ähnliche Einrichtungen vorhanden seien, und da hat der Vorsitzende in diesem Rundschreiben befürivortet, die Vorschriften doch zu genehmigen, allerdings mit diesen äußerst bedauerliche» Bemerkungen, und dahaben die übrigen Mitglieder der See-Berufsgenossenschaft einfach darunter geschrieben: einverstanden. Ebensowenig aber, wie man bei einem Erkenntnis, niit dessen Tenor man einverstanden ist, sich mit den Gründen identifiziert, so wird man, wenn man streng gerecht sein will, diejenigen Herren, die ihre Zustimmung zu dem positiven Vorschlag gegeben haben, nicht auch ohne weiteres imputieren, daß sie sich diese bedauerlichen Bemerkungen zu eigen gemacht hätten. Im übrigen führt das ReichS-VersichernngSamt die Aufsicht über die Sec-BerufSgenossenschast und es wird abzuwarten sein, wie dasselbe sich dazu stellt. Herr Bebel hat weiter beniängelt. daß in der Socialpolitik nicht genug geschähe. Hat denn Herr Bebel gar keinen praktischen Begriff davon, was für eine Riesenarbeit allein durch die bcioen weittragenden Gesetze, die Reform der Unfall- und Jnvalidi- tälsversichcrnngs- Gesetze, geleistet ist? WaS den Schutz der Arbeit verheirateter Frauen anbetrifft, so sind wir eben damit beschäftigt, über diese Frage eine besondere Denk- schrift auszuarbeiten; sie wird die Grundlage fein für weitere Matz- regeln. Eine Abänderung der Bäckereiverordnung besteht noch nicht. Ich habe also keinen Anlaß, mich darüber zu äußern. Herr Bebel hat schließlich auf unser Verhältnis zu Amerika hin- gewiesen. Seine Angaben darüber sind irrig. Der Präsident der Republik hat uns dieselben zollpolitischen Vorteile wie Frankreich eingeräumt. Ich kann nicht zugestehen, daß Amerika Grund zu berechtigten Beschwerden hat. Es ist selbstverständlich, wenn ein großes Reich wie Deutschland vor der Neuregelung handelspolitischer Beziehungen zu der ganzen Welt steht, daß da alle Jnteressentengrnppen sich regen. Einen Rat aber möchte ich doch geben: die Debatte nicht so zu führen, daß man die eigne Regierung angreift, bevor man weiß, was die eigne Regierung thut. Sonst füllt man dem Feinde die Kriegskasse. (Bravo! rechts.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Eine Rede, wie die des Abg. Bebel, die eine solche Flut von Gegenständen berührte, habe ich in meiner langen parlamentarischen Praxis doch noch nicht erlebt.(Heiterkeit.) Dabei war sie doch ein- tönig. indem er zunächst seine Partei, dann aber sich selbst beständig glorifizierte. Immer hieß es: DaS habe ich schon vor Jahren ge- sagt. Von dem großen Kladderadatsch sprach er zu meinem Be- dauern diesmal nicht.(Heiterkeit.) Herr Bebel hat ein weites Gesichtsfeld, in manchen Dingen weiß er allerdings nur ober- flächlich Bescheid, aber es' hört sich doch gut an. Wenn er sich nun selber so glorifiziert, dann hat er freilich die Entschul- digung, daß ihm von seinen eignen Parteigenossen so viel Weihrauch gestreut wird, daß ihm der Kopf schwindlig werden mutz.(Heiter- keit.) Seine Selbstüberhebung hat jetzt einen hohen Grad erreicht. (Unruhe bei den Socialdemokraten.) Er leidet an einem Grade von Größenwahn, der noch bedenkliche Folgen haben kann.(Unruhe links, Heiterkeit rechts). Was nun den Fall Krüger betrist, so mutz ich offen be- kennen, daß Herr Bebel der allgemeinen Meinung inDeutschland den richtig enAusdruck gegeben hat. Ich selbst war erschrocken, als ich die Ablehnung des Besuchs las. Wenn Frankreich sich nicht fürchtet, sich mit England zu bronillieren, warum find wir denn so ängstlich? DaS ist die Stimme des großen Publikums. Und auch Herrn Bebels Vortvurf über unsre veränder- liche Politik den Boeren gegenüber spielt in der Beurteilung mit. Die Leute fragen sich: hat Deutschland durch seine Haltung an Achtung gewonnen? Andrerseits muß man aber bedenken, daß der Herr Reichskanzler von seiner hohen verantlvortungSvollen Stellung aus die Sache doch anders beurteilen muß als das große Publikum. Auch in Rußland war der englische Einfluß mächtig und die Situation ist für Deutschland insofern anders als wie für Frankreich, als Krüger bei seiner Reise durch Frankreich hindurch mußte, aber nicht durch Deutschland. So wie die Sachen liegen, war es im Interesse derBoeren und Krügers, daß er hier nicht empfangen ivurde. Denn wenn ivir zu Gunsten der Boeren nach England einen freundschaftlichen Rat geben, haben ivir mehr Chancen, daß dieser Rat befolgt wird, als wen» wir Krüger festlich empfangen und England dadurch gereizt hätten. Herr Bebel hat die rückwärtige Bewegung der Konjunktur auf den chinesischen Zug zurückgeführt.''Das ist ein Irrtum. Der wirkliche Anlaß hierzu ist das gigantische Anwachsen der amerikanischen Industrie. Auch unsre Finanz- läge ist nicht so trostlos, wie Herr Bebel sie hin- gestellt hat. Für die Landesverteidigung giebt Deutschland pro Kopf weniger aus als andre Großmächte. Ganz falsch ist die Behauptung, daß für Kulturzwecke bei uns nur minimale Summen ausgegeben ivürden. 1879 betrug der StaatSzuschuß zu den Volks- schulen 4 Millionen Mark, 1899 war er auf 81,7 Millionen Mark gestiegen.(Hört! hört! rechts.) Seit 1833 ist die Zahl der Schul- kiuder um 88.3 Proz., die der Lehrer aber um 139 Proz. gestiegen. 1879 wurden 39Pf. pro Kopf der Schulkinder ausgegeben, jetzt 2,93 M. Da kann man wirklich nicht behaupten, daß bei uns für Kulturzwecke nichts geschieht. Dem Gedanken des Herr» Abg. Müller-Fulda, die Matrikular- beitrüge etivaS zu erhöhen, um die Herren vom Bundesrat selber etwas lebendig und sparsam zu mache», stehe ich gar nicht feindlich gegenüber.(Abg. Rickert: Sehr gut!) Wir ivaren sonst Gegner einer Erhöhung der Matrikularbeit'räge, aber nach den Erfahninge» dieses SomnierS ist es doch»otwcnd'ig, den Herren vom Bundesrat etlvas das Gewissen zu schärfen.(Abg. Rickert: Sehr richtig I) Redner lobt dann iveiter die amerikanische Schutzzollpolitik, die zu einer überaus günstigen Handelsbilanz geführt und die Ameri« kaner zu den Baukiers der ganzen Welt gemacht hätten, während bei uns die Handelsbilanz sich seit den Handelsverträge» außer« ordentlich verschlechtert habe. Es ist ja auch eine Antikornzoll-Liga gegründet worden. Ich bedanre nur. daß die Versammlung nicht nn Zoologischen Garten getagt hat; da wäre der richtige Ort ge- Wesen.(Heiterkeit rechts.) Ich hoffe nicht, daß diese Liga Erfolg haben ivird. Werden aber die Gctreidezölle erhöht, so werden die Zollkredite noch gesähr- sicher als sie jetzt schon sind. Die Zollkredite müssen also so schnell als möglich aufgehoben werden. Die Z n ck e r p r ä m i e n können nur international beseitigt werden. Den Prämien ver- dankt Deutschland seine blühende Zucker- Industrie.(Sehr richtig! rechts.) Daß das Saccharin- Gesetz noch nicht über die Erwägungen hinaus gekommen ist, bedauere ich. Wir iverden es schließlich selbst mache» müssen, wenn die Regiennig ans der Erwägung nicht herauskommt. In den Kolouialgebieten muß jetzt wirtschaftlich mehr gethan werden, vor allem müssen Bahnen gebaut werden. Wir verlange» weiter eine sofortige Vorlegung des Kricgsmvaliden-Gesctzes. Graf Ssirum hat die 2jährige Dienstzeit berührt. Ich glaube, Herr Bebel hat Recht, daß ivir sie nicht mehr los werden. Ich schließe mit dem Wunsche, daß es den» neuen Reichskanzler gelingen niöge, seinein Vorbild, dem Fürsten Bismarck, nachzueifern. Dann wird eS für Deutschland segensreich sein.(Bravo! rechts.) Abg. Richter(frs. Vp.): Ich muß mich zunächst in den Streit Graf Posa- dowskh-Bebel wegen der 12 999 Mark-Affaire ein wenig einmischen. Ich betrachte die Angelegen- hcit nämlich nicht als«ine Partci-Angelegenheit der Social- demokratie. Sic geht u»S nämlich alle an.(Sehr richtig l links.) Für den Grafen P o s a d o w s k h wäre es meines ErachtenS besser gewesen, wenn er auch diesmal dem Herrn Reichs- kanzler seine Verteidigung überlassen hätte. Es sind vom Reichsamte des Innern Gelder vereinnahmt worden, die der Reichstag niemals bewilligt hätte, denn die Zuchthaus- Vorlage ist von ihm abgelehnt worden. Wenn man trotzdem gegen den Beschlutz des Reichstag» Propaganda gemocht hat, so richtet sich diese auch gegen den Reichstag selbst. (Sehr richtig! links.) Nun sagte Graf Posadowsky, wenn man im Reichsamt des Innern nicht so bnreaukratisch verfahren wäre, so hätte man die Gelder einfach aus dem Druckr sachenfonds nehmen können. Nein, das durste man nicht.(Seh richtig I links.) Preßfonds sind keine Drucksachen- fondS und wenn man eS nicht gethan hat, handelte man nur pflichtgemäß. Der Reichstag hat auch einen Drucksachenfonds. Wie wäre eS, wenn er für feine Ansichten auf ähnliche Weise Propaganda gemacht hätte. Amtliches Material sind die Reden,' die von uns Abgeordneten gehalten werden, auch.(Sehr richtig und Heiterkeit, links.) Der Reichskanzler hat das Vor- geben deS ReichSamtS des Innern als einen M i ß g r i ff bezeichnet iino erklärt, es solle nicht wieder vorkommen. Graf Posadowsky hat heut gesprochen, als habe er v o ll st ä n d i g korrekt gehandelt, er hat sich auch völlig mit Herrn v. Woedtke indenti- f i z i e r t. sich also grundsätzlich und generell zu dem Herrn Reichskanzler in Widerspruch gesetzt. In der Transvaal. Affaire bin ich von der Erklärung des Reichskanzlers voll befriedigt. Ich kann von seiner Rede nichts abnehmen, will auch nichts hinzu- setzen. Nur, daß sich die Minister in letzter Zeit so gebessert haben, diesen Satz möchte ich so ohne weiteres nicht unterschreiben. (Große Heiterkeit.) Herr Bebel hat die Erklärung deS Reichskanzlers getadelt und sich auf das Telegramm des Kaisers berufen. Von >m§ ist diese» Telegramm damals vernrieilt worden, wir haben eS für einen schweren politischen Fehler gehalten, wir würden aber jetzt denselben Fehler begehen, wenn wir jetzt für eine neue Kundgebung in der 93er Richtung eintreten würden. Wir sind nicht immer gegen die Regierung, wie sie es auch machen mag. Dagegen scheint dies bei Herrn Bebel der Fall zu sein. Diesen ZickzackknrS der Socialdemokratie aber können wir nicht mitmachen.(Sehr richtig! links.) Wir tvollen nicht, daß sich die Politik der Regierung von solchen Stimmungen und Strömungen im Volke beeinflussen lasse. Was wir aber vom Monarchen verlangen, das verlangen wir auch vom Volk. Eine falsche Polisik ist nicht deshalb richtig, weil sie einmal von unten empfohlen wird, sie bleibt falsch, mag sie auch oben einmal gebilligt worden sein. Es handelt sich bei der Reise des Präsidenten nicht bloß um eine Sympathiekundgebung für ihn, sondern um eine Nnchsuchung um Intervention, daß Frankreich ihn empfangen hat, will ich weiter nicht kritisieren. Wenn zwei dasselbe thun, so ist eS deshalb noch nicht dasselbe. Bei uns hätte man ihn, auch nichts als leere Worte sage» könne». Die Depresston, die dann gefolgt wäre, wäre dann um so schlimmer gewesen.(Sehr richtig! links.) Ich will den Gegenstand verlassen; den Höhepunkt hat die Diskussion über die TranSvaal-Affair« noch nicht erreicht, der wird erst eintreten, wenn Herr Haff« von seiner Audienz aus dem Haag zurückkehrt.(Heiterkeit.) Die richtige Stimmung wird erst dann über uns kommen, wenn er die Lanze einlegt.(Große Heiterkeit.) Graf Limburg- Stirum hat dem Grafen Bülow für die Kon- servativen eine Liebeserklärung gemacht. Das ist noch bei jedem neuen Kanzler(große Heiterkeit) der Fall gewesen. Rachher kam eS anders. (Erneute große Heiterkeit.) A btsfel Lieb und a bissel Treu und a bisse! Falschheit ist alleweil dabei. Graf Limburg-Stirum sprach seine Freude über die einheitliche Leitung im Reiche aus. Das ist doch bis jetzt nur nach der formellen Seite der Fall, denn der Reichs- kanzler sagte ja selbst, wir kennten ihn noch gar nicht, wir tollten abwarten. Das kann übrigens auch nur in Deutschland vorkommen,. daß ein Mann zuni Reichskanzler gemacht wird, den das Volk in Bezug auf innere politische Fragen noch gar nicht kennt. Graf Limburg-� Stimm mahnte den Reichskanzler auch, er möge dafür sorgen, daß die königliche Autorität nicht leide. Ich glaube, dre königliche Autorität hat in letzter Zeit weniges gelitten als die Autorität der verantwortlichen Mini st er den, König gegenüber.(Sehr gut I links.) Vielleicht hat der Graf Limburg- Stimm aber an den preußischen � Landtag gedacht und hat scharf machen wollen, damit die so oft für. den Kanalbau eingesetzte königliche Autorität dort nicht mehr leidet.(Große Heiterkeit.) Graf Limburg will, daß der Zolltarif nicht vorzeitig veröffentlicht werde. Die Herren rechts scheinen eine Kritik dieses Tarifs zu scheuen. Herr Müller- Fulda ist für die Getreidezölle eingetreten; d,e Mehreinnahmen daraus will er aber für die Witwen- und Waiscnversorgnng der Arbeiter verwendet wissen. Aehnlich ist vor ihm schon der heilige Crispin verfahren; der machte Schuhe für die Armen aus dem Leder, das er den Reichen stahl. (Heiterkeit.) Nach agrarischer Anschauungsweise ist aber aus den Getreidezöllen überhaupt noch gar keine Erhöhung der Einnahmen zu erwarten. Wenn der Getreidezoll richtig normiert ist, dann soll ja die Einfuhr fremden Getreides überhaupt aufhören, dann soll ja die einheimische Landwirtschaft den Bedarf allein decken können. (Sehr richtig! rechts.) Wie können Sie also dann Versprechungen machen aus den sehr in der Luft schwebenden Einnahme-Erhöhnngen? Einem mit diesen Ausführungen übereinstimmende» Standpunkt hat auch das Ehrenmitglied der Agrarier, Herr v. Miguel, eingenommen; auch er hat einmal ausgesprochen, daß eine starke Getreidezoll-Einfühmng zur Verminderung der Einnahme» führen mutz. Herr Miiltcr-Fntda will einen Schutz der Landwirtschaft, der die Exportfähigkeit der Industrie nicht schädigt. Das ist ja gerade der Zwiespalt. Wir beziehen gerade von Ländern Getreide, an die wir Jndnstrie-Artikel verkaufen. Graf Limburg-Stirum hat gestern hier eine Statistik über Stadt und Land aufgemacht. Sie ist bereits vom Äollegez, Bebel richtig charakterisiert worden. Stadt und Land ist nicht Industrie und Landwirtschaft. Es giebt in der Stadt Leute, die ihr Einkommen vom Lande her beziehen, und umgekehrt. Ein höherer Gctreidezoll bedeutet erhöhte Reineinnahmen, diese wieder bedeuten mehr Grundrente und mehr Grundrente höhere Güterpreise. Die gegenwärtigen Gutsbesitzer haben einen Vorteil, aber die Käufer und Nachkommen haben leinen Vorteil mehr, sondern Nachteil, weil sie ein höheres Anlagekapital hineinstecken müssen. (Sehr richtig! links.) Das Bild, das der Schatzsekretär vor der An- »ahme des Flottengesetzes von der Finanzlage gab, war ganz anders als sein diesmaliges. Er ineinte danrals: Nene Steuern sind nicht notwendig. Herr Müller-Fulda empfand eine gewisse Genngthunng, daß er recht mit seiner Anschauung be- halten hätte: Nene Steuern sind doch notwendig. Der Gang der Dinge hat diese Anschauung bestätigt. Ich empfahl auch Stenern, aber andre, und ihre Bewilligung immer nur auf ein Jahr. Die Rechnung des Schatzsekretärs ausUeberschüsseauSdenStcuer» undZöllen hat sich als falsch criviesen. In diesem Jahre haben die Mehreinnahmen aus Steuer» und Zöllen statt 39 Millionen nur 22 Millionen be« trage» und von diele» 22 Millionen ist gar nichts für die aus dem Flottcngcsetz herrührende» Ausgaben verwendet worden. � D i e Mittel hierfür fließen aus den in diesemSommer bewilligten neuen Steuern.(Hört! hört I) Damit ver- gleiche man die damalige Aeußerung des Schatzsekretärs, er wisse gar nicht, wo er mit dem Gelde hinsolle. Damals erschien za auch Herr v. Miguel hier plötzlich aus der Versenkung, um sich niit Herrn Lieber auseinanderzusetzen. Dabei sagte er: Finanziell habe» wir nichts zu befürchten. Steuererhöhungen werden durch die Vermehrung der deutschen Flotte nicht notwendig werden, .soweit man in die Zukunft sehen kann', setzte er Vorsicht, g hinzu. Nun, ein F i n a n z m i n i st e r mutz in die Zukunft >v eju i g st e n s von sechs Monaten blicken können. (Sehr gut! links.) Und danach erscheint eS doch fraglich, ob Miguel wirklich ein so großes Finanzgcnie ist. Herr v. Thielmann beruft sich darauf, daß die Geschäfts- konjunktur seit dem Sommer abwärts gegangen sei. Er hat aber kein Recht, sich für seinen Etat von 1991 auf diese Wendung im Sommer zu berufen, denn dieser Etat ist aufgestellt nach der Schablone der beiden Vorjahre. Man sollte doch endlich einmal ein- sehen, daß die Aufstellung eines Etats nach der mathematische» Schablone des Durchschnitts der beiden Vorjahre ganz verkehrt ist. Be, absteigender Konjunktur erreichen die Einnahmen nicht die Vor- anschlöge, wie sich das auch bei den neuen Steuer,,, bei der Erhöhung der Börsensteuer, der Schiffahrtsabgaben zeigt. Nur der verdoppelte Lotteriestempel, der Dummheits- stcmpel, hat die Erwartungen nicht getäuscht.(Heiterkeit.) Nun wird hier das Lied von den Ersparnissen gesungen. Sie können ja gar nicht mehr sparen» seit Sie sich die Hände durch das Quinauennat und die beiden Flottengesetze geHunden haben.(Sehr richtig I links). Wenn die Regierung diese Gesetze nicht hätte, dam, würde sie wahrscheinlich selbst nicht in diesen Jahren die Erhöhung der Präsenzstärke und neue Formationen verlangen. Graf Limburg empfahl die Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit. Nun, die Wähler werden wissen, wessen sie sich von konservativer Seite zu ge- wältigen haben. Daß den älteren Offizieren die zweijährige Dienstzeit unbequem ist. erscheint ganz natürlich. Wie kommt eS aber, daß trotz der kürzeren Dienstzeit noch immer so viel Soldaten zu Dienstleistungen verwendet werden, die niit der Ausbildung zum Kriege nichts zu thun haben. Graf Limburg rühmte, daß die Truppen in Ostnsicu die alte militärische Tüchtigkeit bewiesen hätten. Wir haben aber gehört, daß die meisten nach China geschickten Soldaten erst eine scchSmonatliche Ausbildung hinter sich hatten.(Hört! hört I) Der Boerenkrieg hat manche militärische Erfahrung geliefert, die mit den Ansichten übereinstimmt, die bisher die linke Seite ver- treten hat, z. B. von der Wertlosigkeit großer Kavallerie- Attacke», wie sie noch beim letzten Manöver exekutiert worden sind. Da ist dann weiter die Einführung der grauen Farbe für die Unifonnen, die wohl nur von der Damenwelt nicht als Fortschritt betrachtet werde» wird.(Große Heiterkeit.) Redner wendet sich zu Einzel- heiten deS Militäretats und vermißt eine Uebcrsicht, wie es mit den Festungsbanten steht. Durch das Niederlegen der Umwallimgen müssen doch eine Menge Kaufwcrte entstanden sein, die sich bisher im Etat nicht bemerkbar gemacht haben.(Sehr richtig I links.) Der Kriegsminister sollte auch die Anfrage Bebels nach der Neubetvaffnung klarstellen. Die Perspektive auf solche Aus- gaben würde doch sehr beunruhigend wirken. Wenn fortgesetzt Gelder für neue Geschütze und Gewehre gebraucht werden, dann bewahr- heitet sich der Satz im Zarenmanifest:.Hunderte von Millionen werden für furchtbare Zerstörunas- Maschinen ausgegeben, die heute das letzte Wort der Wissen« schaft sind und morgen wertloses Eisen sein können infolge neuer Fortschritte. Nun zur Marine. Hier ist der Reichstag nur eine Art Revisor, der darauf achtet, ob man nicht über das Flottengesey hinaus- geht. Schon jetzt aber übersteigen die Mehrkosten die Anschläge. Die Mehrkosten bei der Armierung betragen bei Durchführung deS Flottengesetzes 87 Millionen. Hierzu kommen 14 Millionen für den Umbau der Sachsenklaffe. Das Flottengesetz sah eine Summe von 299 Millionen für notwendig werdende Mehrausgaben voraus. Im ersten Jahr aber haben die Mehrkosten von den 299 Millionen, die für zwanzig Jahre dienen sollte», bereits 199 Mill. fort» genommen. Auch mit denLandbanten steht es ähnlich. Die neue Hafen- einfahrt in Wilhelmshaven kostet 39 Millionen; neue Hafenanlagen in Kiel 19 Millionen. Beim Flottengesetz aber wurden die jetzigen Hafenanlagen al» auörrichend bezeichnet.. mann steht.( Große Heiterfeit.) Was " 800 Fürth, 9. Dezember. od md von der Idee der Arbeiterbewegung und Liebe zum Vaterlande" hielt der bekannte finnische Führer Dr. phil. Urfin. Das neue Haus des Tammerforsschen Arbeitervereins tostete 70 000 m., von denen 40 000 m. fchon bezahlt sind. Interessant ist noch, daß die Maurerund Malerarbeit von den Arbeitern unentgeltlich ausgeführt wurde. lungen, eine Lesehalle usw. Aus der Frauenbewegung. Auch die Kosten für die oftastatische Station haben sich erhöht. Ich hierauf wird ein Bertagungsantrag angenommen. Sociales. Persönlich fann überhaupt nicht begreifen, wozu wir noch 24 KriegsAbg. Dr. Lieber( C.): Bolkszählungs. Ergebnisse. Ueber die Ergebnisse der letzten fchiffe auf der ostasiatischen Station halten. Sie haben doch nichts andres zu thun, als Salut zu als Salut zu Herr Bebel hat es für gut befunden, eine Aeußerung, die ich Boltszählung liegen aus verschiedenen Orten bereits vorläufige fchießen; alle Augenblide begegnen sich ja Admirale( Große auf dem legten Katholikentage gethan haben soll und die er mir Zusammenstellungen vor, die wieder vielfach ein starkes Anwachsen Heiterkeit), und noch immer giebt es fein Reglement, das schon in der Budgetkommission Gelegenheit gegeben hat, richtig zu der größeren Städte und der Industrieorte in der Nähe der großen dieses tostspielige Knallen einschränken würde.( Sehr gut! stellen, wiederum nach seiner Quelle der Frankfurter Zeitung" vor- Städte aufzeigen. So ergiebt sich für Frankfurt a. M. eine lints.) Die Erfahrungen in Ostafien find ganz geeignet, die zutragen. Danach sollte ich gesagt haben, das Centrum habe gegen: Bevölkerungszahl von 287 813 gegen 229 279 im Jahre 1895, wobei geschwollenen Begriffe über den Wert der Marine für die Macht über der Regierung auf den Lurus einer selbständigen Politit ver- allerdings unterdes einverleibte Vororte sind. Nürnberg verentfaltung in überseeischen Gebieten einzuschränken. Trotzdem wissen zichtet. Ich bin dieser Tage in den Besiz des unforrigierten mehrte sich mit Einverleibungen von 162 386 auf 260 743. stieg bon 105 399 auf 140 384, auf 140 384, Offens wir gar nicht, was auf dem Gebiet der Marine noch alles erfolgen Stenogramms meiner damaligen Rede gekommen. Ich werde Mannheim kann. Wenn ich die Staffeleien in der Reichstags- mir erlauben, die Stelle zu verlesen und überlasse die burg( Baden) von 9741 auf 13 640. Magdeburg wuchs der Richtigkeit der Ausführungen halle fehe, dann wird mir immer ganz anders zu Beurteilung des Herrn mur 214 000 auf 229 732. Leipzig nahm zu von Mute.( Große Seiterkeit.) Ist doch auch jüngst das Wort ge- Bebel dann jedem verständigen und loyalen Hörer. Gewiß wäre 399 969 auf 455 089, Dresden von 354 285 auf 395 349. Von fallen, wir sollten eine Kette von Kreuzern um den Erdball bilden. es schade", so führte ich aus, wenn die deutschen Katholiken den einigen Industrie- Orten in der Nähe Dresdens feien genannt( die Auf dem Ocean follte es wohl so ähnlich aussehen wie in Anspruch an ihre Glaubensgenossen erhöben, in allen politischen Zahlen für 1895 in(): Blase wig 7349( 6304), lauen 12144 Berlin, tuo an jeder Ecke bei einer Obstfrau ein Schuß Fragen einig zu sein. Dieser Anspruch wird nicht erhoben,( 10 164), Niederhäßlich 3287( 2860), Döhlen 4236( 3388), 200 000 Mart, ft niemals erhoben worden und darf nicht erhoben werden. Birtigt 1418( 986), Botschappel 8000( 5550), Cotta 12 533 die die im Ausland lebenden Deutschen gespendet haben, Trotzdem ist es gelungen, in der zunehmenden Entfaltung( 9599), Loschwiz 5777( 4668), Niederfedlis 2312( 1435), anlangt, so hätte die Regierung meines Erachtens die Genehmigung der politischen Thätigkeit des deutschen Ratholizismus auch beidenau 4113( 1155). Die Stadt Birna i. S. vermehrte ihre für die Annahme des Gelds zunächst einholen und dann erst fragen eine politische Einigkeit unter uns herbeizuführen, um die uns die Einwohnerzahl von 15 670 auf 18 213, Aue von 8415 auf 15 180, sollen, ob ein Kanonenboot gebaut werden soll oder nicht. Katholiken der ganzen Welt beneiden. In dem Maße, in welchem Blauen i. V. von 55 197 auf 73 908, 8 widau von 50 391 auf Nun zur Poft! Wir sollten Herrn v. Podbielski nicht noch bas Centrum insbesondere in der Gesetzgebung des Deutschen Reichs, 55 572, Chemnih von 161 018 auf 206 584. alle hatte im fistalifcher machen, als er ist. Thatsächlich ist der Postetat sehr wenn auch nicht die maßgebende, so doch die ausschlaggebende Bartei Jahre 1890 101 401 Einwohner und zählt jetzt 156 631. günstig. Denn das Anlagekapital der Post wird um 48 Millionen geworden ist in dem Sinne, daß eine pofitive Reichspolitit Die Stadt Bremen stieg von 141 894 auf 160 823, das erhöht. Nur die Poftassistenten merken von der günstigen Finanzlage sehr ohne das Centrum ein Ding der Unmöglichkeit ist, in ganze bremische Staatsgebiet von 194 817 auf 220 447. wenig. Zu einer Regelung ihrer Gehälter ist es auch in diesem Jahr dem Maße ist auch das Bedürfnis und bas Bedürfnis und die Erkenntnis Lübed zeigt eine Steigerung von 69 874 anf 81 517, Danzig noch nicht gekommen. Der Reichstag will selbst, daß 11/2 bis in uns allen mächtig geworden, geworden, daß wir in scheinbar von 125 639 auf 138 108. annover vermehrte fich von 209 535 2 Millionen für die Gehaltszwischenstufen zwischen dem Anfangsgleichgültigen Dingen auf den Lugus einer selbständigen auf 284 986. Eine riesige Zunahme zeigt Ludwigshafen a. Mh., gehalt 1500 M. nnd Endgehalt 3000 M. ausgegeben werden. Das politischen Ueberzeugung vielfach im Interesse der Gesamtheit ver- nämlich von 39 799 auf 61 696. Starlsruhe hob sich von 84 000 hat der Reichstag wiederholt gefordert. Aber der Vater aller zichten müssen." auf 98 000, Offenbach a. M. von 40 000 auf 50 000. Hindernisse scheint auch hier dahinter zu steden. Herr Ich habe zu Katholiken geredet von dem Verhältnis der Ein Arbeiterhans in Finnland. Am 18. November wurde v. Miquel fürchtet, daß irgend ein Beamter in Katholiken unter einander in Bezug auf ihre politische leverzeugung: in Tammerfors, dem finnischen Manchester, ein Arbeiterheim eröffnet. Breußen Konsequenzen aus dieser Bulage für die Poſtaſſiſtenten Ich habe die Binsenwahrheit ausgesprochen, daß eine politische Partei Die Eröffnungsfeier verlief glänzend. Es waren Delegierte der ziehen könnte, und sein mächtiger Arm reicht hinüber in das Reich. an ihre Mitglieder häufig die Zumutung stellen muß, in gleich- Wosaschen, Helsingforsschen, Tawashusschen und andrer finnischen Die Weltpolitik greift auch in die Ausgaben für die Poſt ein. Die gültigen Dingen auf den Lugus einer selbständigen politischen Heber Arbeitervereine anwesend. Die Festrede lleber den Zusammenhang Ausgaben für Telegraphenanlagen in den Kolonien sind jetzt auch zeugung zu verzichten. Daraus hat Herr Bebel nun die Beschuldigung auf den Bostetat übernommen worden. Und dann das Weltkabel- gemacht, die Sie alle gehört haben! netz! Noch vor wenigen Monaten wurden uns in diefer BeNächste Sizung: Mittwoch 1 Uhr.( Fortsetzung der Debatte.) ziehung beruhigende Erklärungen von seiten der Reichspost- Verwaltung Schluß 62 Uhr. abgegeben, es sei noch nichts bestimmt. Nun hat aber neulich eine Soiree im Lichthof des Reichspost- Museums stattgefunden. Dort hielt 5. Bayrischer Parteitag. Das Arbeiterhaus enthält in sich einen großen Saal für Verſammein hoher Beamter der Reichspost- Verwaltung einen Vortrag, der darin austlang, wir bedürften eines Welttabelneges, weil es nicht angehe, daß wir auf die Gefälligkeit des Auslands bei Beförderung Zum Bericht der Landtagsfraktion spricht zunächst v. Vollmar, wichtiger telegraphischer Nachrichten angewiesen feien. Also was vor der auf den sog.„ Kuhhandel" mit dem Centrum zurüdfommt, daß furzem noch gar nicht vorauszusehen war, das ist im Lichthof des dies keine Kompromisse, sondern taktische Augenblicksverbindungen Reichspostmuseums plötzlich ganz hell. Das Licht muß da waren und uns durch das ungerechte Wahlsystem aufgezwungen Der Verein der Plätterinnen Berlins hielt feine allgemeine wohl von oben gekommen fein als eine plögliche worden seien. Derartige Mittel sind gefährlich und um sie anzu Mitgliederversammlung am 5. Dezember in Feind's Lokal, WeinErleuchtung.( Gr.Heiterfeit, sehr gut! links) Jetzt ist es soweit gekommen, wenden, muß die Partei eine gewisse Reife und Stärke erlangt haben, straße 11, ab. Nachdem die Versammlung eröffnet war, hielt Gedaß wir auch nicht mehr im Ausland vom Ausland abhängig fein um sich nicht die Finger zu verbrennen; wir haben gezeigt, daß man noffe Kogte einen Vortrag über:„ Warum organisieren wir uns sollen. Die Zuschüsse für die Kolonien find um das Dreifache ge- fich durch solche Mittel die Finger nicht verbrennen und daß der wachsen. Herr v. Thielmann fagte dazu:„ leider, ich kann es aber Partei der größte Erfolg gesichert werden kann. Hätten wir ein und welche Ziele erstreben wir?" Von der Diskussion wurde Abstand genommen. Zum Schluß teilte eine Blätterin mit, daß sie nicht ändern." Er scheint also mit seinem Einfluß bei dem Herrn einigermaßen vernünftiges Wahlsystem, so würde niemand daran ge- von der Firma Jordan, Markgrafenstraße, gemaßregelt und hinausReichskanzler nicht durchgedrungen zu sein. In der Kolonial- dacht haben, solche Mittel anzuwenden. verwaltung begrüßen wir ja jezt wieder einen neuen Mann. Anzu- Was das Centrum betrifft, so ist es geradezu wünschenswert, geworfen wurde. Das medizinische Frauenstudium in Deftreich. Seitens erkennen ist ja, daß er nicht bloß die Ostsee, sondern noch etwas daß wir ein offenes ultramontanes Regiment haben; bisher mehr kennt, aber es bemächtigt fich meiner auch in diesem Falle hat die Regierung ja auch immer nach der ultramontanen Pfeife der t. t. Unterrichtsverwaltung ist die Bulaffung von Frauen zu den wieder ein gewisses ängstliches Gefühl: Was wird der uns mun getanzt. würde Wasser auf unsre Mühlen treiben medizinischen Studien, zur Erwerbung des Doktorats der gesamten und die Linksliberalen zu Schritten drängen, vor denen Heilkunde sowie zum pharmazeutischen Berufe ausgesprochen worden. wieder alles bieten!( Heiterkeit.) Auch einen neuen Militärheute noch zurüdschrecken. Das Land würde ein Die betreffenden Verordnungen sind mit dem Studienjahre 1900-1901 gouverneur haben wir in Ostafrika bekommen. Es ist fie gewiß ein tüchtiger Militär und hat auch weite Reifen gemacht, feine offenes ultramontanes Regiment nicht lange erdulden. Uebrigens in Straft getreten unter Anwendung der völlig gleichen Studienbor wirtschaftliche Befähigung, auf die es hier vor allem an- herrschen im Centrum selbst starke Intereffengegenfäße, es ist feine fchriften wie bei den Studierenden männlichen Geschlechts, wobei tommt, hat er aber noch nirgends zu beweisen einheitliche Partei; auf der einen Seite ist die agrarische Richtung, allerdings in Betracht kommt, daß die Vorbedingungen nicht die Gelegenheit gehabt. Er wird auch seine Tapferkeit und auf der andern wächst das Arbeiterelement in die Höhe, und es be ganz gleichen sind, weil den Mädchen keine öffentlichen MädchenSchneidigkeit in großen Expeditionen zu beweisen fuchen. ginnen schon im eignen Lager Leute gegen die agrarische Richtung gymnafien zur Verfügung stehen. Diefe Streifzüge bringen ihm aber höchstens nene Orden, aufzutreten. Die Macht des Centrums ist feineswegs gewachsen, die für die Erweiterung des Handelsverkehrs in der Kolonie find Sache ist nicht verschlechtert worden. Das Centrum muß jetzt Farbe fie wertlos, ja schädlich.( Sehr richtig! links.) bekennen. Den sehr großen moralischen Einfluß, den wir im Landdie Danu Eisenbahnen! Für die Centralbahn hat der Reichstag im tage ausüben, danken wir unsrer intensiven Arbeit und wir werden Weizen, gut borigen Jahre die Vorarbeiten abgelehnt, in diesem Jahre vers auch im neuen Landtage in derselben Richtung in verstärktem langt gleich man die erfte Rate für den Baut der Maße weiter arbeiten, Müller München berichtet über die Wahlreform. Bahn! Dabei ist die betreffende Strecke länger als die Es folgt hierauf eine furze Diskussion, worauf sich der Parteitag Entfernung von Berlin bis Basel. Der Kostenanschlag mit der Thätigkeit der Fraktion einverstanden erklärt. für die sambarabahn ist in zwei Jahren In der Nachmittagssigung wird der 3. Punkt: Unfre Auf 60 bis 70 roz. gestiegen.( hört! hört! links.) Graf Limburg- Stirum meinte, wenn man Kolonien habe, müsse man gabe in den Gemeindevertretungen verhandelt. Hierzu spricht auch für Eisenbahnen in denselben sorgen. Wenn aber Herr Graf Abg. Ehrhart: Nachdem unsre Partei sich nach langer Limburg- Stirum auf seinem Gute ein vollkommen unfruchtbares Abstinenz auch zu pofitiver Arbeit in den Gemeinden anschickt, ergiebt Stück Land hat, wird er dann auch Millionen darauf verwenden, sich die Notwendigkeit eines gemeinsamen Programms. Die ParteiEs existieren schon einige um es zu fultivieren, bloß weil es zu seinem Besiz gehört? Für so litteratur auf diesem Gebiet ist dürftig. unwirtschaftlich halte ich ihn nicht.( Heiterkeit.) Sehr merkwürdig ist auch, solche Programme, wie in München und in Sachsen, das letztere iſt Grüfen daß dieselben Herren, die so für den Bau von Eisenbahnen in Afrika ein- die beste derartige Arbeit. Es existieren auch zahlreiche Streitfragen Speisebohnen treten, in Preußen den Kanal nicht bauen wollen.( Sehr richtig! links.) fommunaler Natur, die erst geklärt werden müssen. Redner ent- Binsen Darüber sind wir alle einig, die Pumpwirtschaft tann widelt die Grundzüge, nach denen die Genossen in den Gemeindeso nicht weitergehen. Nur über das Wie gehen die Ansichten vertretungen sich zu richten hätten. Diese sind als erster Grundsatz auseinander. Von einer Erhöhung der Matrikularbeiträge wollen das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, Regelung der Streit hier viele nichts wissen. Sie sagen, die Matrikularbeiträge drücken frage, ob Ein- oder Zweikammersystem, proportionelles Wahlrecht, ben reichen Hanseaten nicht mehr wie die armen Thüringer. Gut, Erleichterung der Erwerbung des Heimats- und Bürgerrechts, leberso mögen doch die Einzelstaaten einige ihrer Steuern dem Reichenahme der Armenpflege durch den Staat, Abschaffung der Ausgaben übertragen: die Erbschaftssteuer, die Vermögensstener. Aber für kirchliche und religiöse Zwecke, Regelung der Anstellung der die Gemeinden mit die Matrikularbeiträge wollen die Einzelstaaten nicht erhöhen, Lehrer, Ueberantwortung der Polizei an die Steuern wollen fie dem Reiche nicht überweisen. Disciplinarrecht, Schaffung eines Wohnungsgesetzes, eines Er Wo soll das Geld für das Reich herkommen? Die Hauptsache ist, propriationsrechts für die Gemeinden, Einführung von Bezirks damit nicht eine einzige Bartei eine brutale daß wir keine Schulden machen, daß wir aufhören mit neuen Sol- wahlen, Eine Streitfrage sind auch die indirekten daten, neuen Schiffen und neuen afrikanischen Bahnen.( Sehr richtig! Herrschaft ausübt. links.) An Stelle der phantastischen Weltpolitit muß wieder das Steuern. Die Beseitigung kostet viel Geld, die Umlagen würden alte, nüchterne Einmaleins treten. Der Glanz des Monarchen, auch riesig in die Höhe schnellen. Grundsäglich ist ihre Beseitigung zu nicht die Macht des Reichs ist die Hauptsache, sondern die Wohlfahrt verlangen, aber man muß fuccesfive vorgehen. Ferner sind zu fordern des Volts.( Lebhafter Beifall links.) eine vernünftige Steuerreform, Regelung des Schulwesens, Befreiung der Lehrer von der Kirche, Schulgeldaufhebung, Lehrmittelfreiheit, M. L., W. bei Waldenburg. Dergleichen Lügen werden in der Einführung von Schulärzten, Errichtung von Ferienkolonien durch Amtspresse fortgesetzt folportiert. Es lohnt nicht, sich dagegen zu wehren, Ich begrüße den neuen Herrn Reichskanzler, im ganzen Lande die Gemeinden, Rekonvalescententenheime, Gemeinde- Apotheken, da unsre Entgegnungen in jenen Blättern doch niemals Aufnahme finden. Herrscht Genugthuung, daß wir wieder einen wahren, leibhaftigen Bade- Anstalten, Lebensmittelkontrolle, und als Hauptfrage: eine Reichstanzler haben,( Heiterkeit) an den man sich halten kann, der vernünftige Wohnungspolitik zur Steuerung der Wohnungsmifere. sich selbst wehrt, wenn man ihn angreift.( Erneute Heiterkeit.) Es ist eine Wohnungsinspektion mit Aerzten zu verlangen zur Be Einige Wünsche habe ich aber doch an den Herrn Reichskanzler. feitigung der Besthöhlen. Der Wohnungspreis muß beeinflußt Leopold Lier Ich möchte ihn zuerst an das Militärpensionsgesetz erinnern. werden. Die Gemeinden haben Komplexe anzukaufen. Dann zum heutigen Geburtstage die besten der Verkehrsmittel, Sanalisation, Glückwünsche. Es muß noch wir Ausdehnung in dieser Seffion vorgelegt werden. Zur fordern Chinafrage tann ich unr fagen, wenn wir nur unfre Wasserleitung, Monopolisierung der Elektricität, Regelung des A. Z. L. Sch. E. G. O. B. F. P. Max. Leute heil zurück hätten und das Geld wieder bekämen. Submissionswesen. das Geld wieder bekämen. Submissionswefen. Die Socialpolitit bietet eine Fülle von AufAbg. Liebermann von Sonnenberg( Autis.): 11 m Das Marktpreise von Berlin am 10. Dezember 1900 nach Ermittlungen des fgl. Polizeipräsidiums. D.- Ctr. Startoffeln, neue, D- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch Schweinefleisch mittel gering Safer, gut 111111828384||||| Kalbfleisch Hammelfleisch Butter 6,-4, 1,60 1,20 1,30 1, " 1,60 1,10 1,80 1, " 1,60 0,90 5-3, 2,20 1,20 mittel " " gering " *) oggen, gut 14,10 " mittel gering Gerfte, gut " 15,40 14,60 $ 14,50 13,70 2,80 2, Eter 60 sina " " 13,60 12,90 16, Karpfen 1 kg Aale 2,50 1,40 mittel gering Bander 2,60 1,20 14,20 13,40 Hechte 1,80 1, Nichtstroh Hen Barsche 1,60 0,80 40, 25, 45, Schleie Bleie Krebse 3,-1,20 1,40 0,70 per Shot 12, 2,50 " *) frei Bahn. " 15,20 15,10 14,30 †) frei Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt vom 11. Dezember. Der Getreidemartt verfehrte in schwacher Haltung, das Geschäft hielt sich in fehr engen Grenzen. Das Andauern der milden Witterung, die matteren Berichte aus DestreichUngarn, Holland und Nordamerika wirkten sehr ungünstig auf die Tendenz ein, und die Folge war, daß Weizen und Roggen 2 M. im Preise nach gaben und auch im weiteren Verlauf keine Erholung im Preise zu ver zeichnen hatten. Die Angebote vom Inlande und Auslande, namentlich den Donauländern waren reichlich im Warkt, find aber zur Zeit noch unrentabel. Hafer, Mais, Rüböl bei sehr stillem Geschäft unverändert. Spiritus notierte für 70er Locoware 45,20 m. Briefkasten der Redaktion. Weber. Als Adresse genügt Zehlendorf bei Berlin. Socialdemokratie. Frank hat recht. Dem vaterlandslosen Gesellen 15446 Sühne haben wir genug, unfre Fahne weht auf der großen Mauer. gaben: Gleichstellung der Gemeindebediensteten mit den Beamten Socialdemokratischer WahlRedner beantragt, eine Kommission einzusehen, die dem nächsten Parteitag einen Entwurf vorzulegen hat. verein für Lichtenberg. Am Sonnabend, den 8. Dezember, verstarb in der Anstalt Herzberge der Genoffe Eduard Enseleit im vollendeten 31. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 12. Dezember, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Lichtenberger Gemeindefriedhofs aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 14/9 Am Sonntag, den 9. d. Mts., morgens 3 Uhr, entschlief nach Laugem Leiden unser lieber Kollege, der Schriftsetzer Emil Künzel im 30. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 12. b. Mts., nachmittags 21/2 Uhr, von der Leichen: halle des Bartholomäus- Kirchhofs in Weißenfee, Faltenberger 362L Chauffee, aus statt. Das Personal der H. S. Hermannschen Buchdruckerei. Danksagung. Der Nichtempfang Krügers hat in weitesten Boltstreifen Erhebung der Gemeindebetriebe zu Musteranstalten, Notstands verstimmt. Ich habe mich gefreut, daß der Reichskanzler nicht arbeiten( aber mit Maß!). Hier ist ein weites Feld der Thätigkeit die Etiquettenfrage als Grund für den Nichtempfang angegeben hat. für die Gewerkschaften. Doch muß nicht alles auf einmal verlangt, Es ist unglaublich, daß ein solcher Grund offiziös angegeben werden sondern systematisch vorgegangen werden. Bei Schaffung eines Profonnte. Es ist die reinste Majestätsbeleidigung zu sagen, gramms darf nicht alles über ein Snie brechen will, es ist zu der Kaiser, der einen Cecil Rhodes empfangen hat, habe erwägen, was für die Stadt und das Land taugt. teine Beit, Krüger zu empfangen. Wir haben einen Militär- Attaché zu den Engländern, aber nicht zu den Boeren geschickt. Wir haben dann den mit Recht so beliebten Prinzen von Wales Hieran schließt sich eine sehr lebhafte Diskussion, in der sich Einen mit militärischen Ehren empfangen.( Große Heiterfeit.) Es zahlreiche Stimmen für und wider die Vorschläge erheben. ist Zeit, daß der brutalen Gewaltpolitik Englands Einhalt viel umstrittenen Punkt bildet die Frage, ob es angängig fet, unter gethan wird. Ein Bolt darf nicht seine Macht so mißbrauchen. Der den jezigen Verhältnissen die indiretten Steuern abzuschaffen, wobei Reichskanzler sagt, der Empfang hätte Herrn Krüger nichts genußt. besonders auch die Haltung der Fürther Genossen in der Gemeinde Weite Boltskreise sind entgegengesetter Meinung. Man hat den vertretung dieser Frage gegenüber tritifiert wird, die teilweise den alten Balastdiener hier mit fürstlichen Ehren empfangen. Um wie Standpuntt vertreten, daß die Abschaffung der indiretten Steuern viel mehr hätte Krüger den Empfang verdient. Der Empfang in auf die Lebensmittelpreise ohne Einfluß bliebe. Frankreich hat Krüger getröstet. Graf Bülow hätte es nicht beffer, Sodann wird der Landesvorstand beauftragt, mit dem Rechte aber wenigftens eben so gut wie Herr Delcassé machen sollen.( Heiter der Stooptation ein Kommunalprogramm auszuarbeiten. Der nächste feit.) Die Pflichten der Gastfreundschaft hätten wir bei unserer Parteitag findet im August 1902 in Ludwigshafen statt und es werden Unabhängigkeit gegen England ruhig erfüllen können. Mit zur Tagung zwei volle Tage angesetzt. diefer Unabhängigkeit scheint es also nicht weit her au sein. Hierauf wird der Parteitag mit einem Hoch auf die internationale Ich hoffe, daß die Würdigung der deutschen Boltsfeele den Herrn Socialdemokratie geschlossen. Reichskanzler dazu veranlassen wird, allmählich seine Bolitit in allmählich seine Bolitit in Der nach unfrem gestrigen Bericht ungewiß gebliebene Beschluß andre Bahnen zu lenken. Das Volt ist überzeugt, daß unire Politik zur Beitragsleistung an die Haupttasse geht, wie wir heut feststellen nur in einem glüdlichen Lande geführt werden kann unter der lönnen, dahin, daß 20 Proz. der Einnahmen an die Hauptkaffe nach Devise: Los bon England! matin Berlin abgeliefert werden.doi. Ishid is Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inferatenteil verantwortlich: The Glocke in Berlin. Drud und Verlag von May Bading in Berlin. Sollege Der Vorstand. Für die rege Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes Franz Henze fage hiermit insbesondre den Herren Am 10. Dezember verstarb unser Chefs der Firma H. S. Herrmann, 15476 5. B. B. Buchdrucker und Schriftgießer, Gesangverein, sowie den Kol Bekannten meinen innigsten Dank. 15406 Wilh. Christoph.en, Freunden und Die Beerdigung findet am Donners 2me. E. Henze nebst Kindern. tag, den 13. Dezember, nachmittags VP. beliebige 3 uur, von der Leichenhalle de Zahn- Klinik Teilzhlg. Neuen Rixdorfer Kirchhofs statt. Die Arbeiter der Pianofabrik Görs& Kallmann. 85/14] Invalidenftr. 145. Frau Olga Jacobson, Dent. DB Zweite Kochrenz der soeialdemokratischen Eeweindt- Vertreter der Provinz Brandenbnrg. Auf der am 27. Dezember 189S abgehaltenen Konferenz der socialdemokratischen Gemeindevertreter der Provinz Brandenburg wurde der Beschlutz gefatzt, alle zwei Jahre eine solche Konferenz stattfinden zu lassen und eine Kommisston mit den Vorarbeiten für die nächste Konferenz beauftragt. Die Kommission beruft nunmehr die Konferenz für den S7. und S8. Dezember d. I.» vormittags 10 Uhr, nach dem Gewerkschaftshause in Berlin, Engel-Ufer lS(großer Saal), ein. Als Tagesordnung wird vorgeschlagen: t. Kommunale WohnnngSpolitik. Berichterstatter: Stadtv. H i r f ch- Charlottenburg. 2. a) Die Reform des preutzischen Kommunal-WahlgesetzeS. b) Die Entscheidung des Ober-Verwaltnngsgerichts in Bezug auf die Hausbesitzer. Berichterstatter: Stadtv. P f a n n k u ch- Berlin. 3. Die Aufgaben der Gemeinden auf dem Gebiete der GesundheitS- pflege. Berichterstatter: Stadtv. Dr. Freudenberg- Berlin. 4. Welche Rechte bietet die Landgemeinde- Ordnung den Ge- meindevertretern? Berichterstatter: Gemeindevertreter G erstenb erger« Weitzensee. 5. Die nächsten Aufgaben der socialdemokratischen Gemeinde- Vertreter in den Landgemeinden. Berichterstatter: Gemeindevertreter Sonnenburg- Friedrichshagen. 6. Der Erlaß von Ortsstatuten auf Grund der Gewerbe-Ordnung. Berichterstatter: Stadtv. Koblenzer- Berlin. 7. Anträge. Für die Verhandlungen ist in Aussicht genommen der 27. und 28. Dezember bis mittags 12 Uhr. Am Nachmittag sollen dann noch einige städtische Einrichtungen Berlins besichtigt werden. Anträge für die Konferenz müssen bis spätestens den SS. Dezember an den Genossen B. Bruns, Berlin SO., Ratiborstr. 2, eingesandt werden. Für billiges und gutes Nachtquartier(76 Pf.) ist gesorgt, doch ist vorherige Meldung beim Genossen Bruns notwendig. Die Kommission hat sodann beschlossen, der Konferenz den nach- folgenden Antrag zur Annahme zu empfehlen: Die Konferenz der socialdemokratischen Gemeinde- Vertreter der Provinz Brandenburg beanftragt die Agi- tationSkommisfio» für die Gemeindewahlen, in zwei Jahren eine Konferenz der socialdemokratischen Gcmeindcvertreter deS Königreichs Prenftcn cinznbernfcn. Socialdemokratische Gemeindcvertreter aus andren Teilen deS Reichs find als Gäste willkommen. Im Auftrage der Kommission. B. Bruns. Berliner Partei-Zlngelegetiheiten. Ausschluß anö der Partei. Der Gastwirt A. Voigt, Oranien- stratze 134, wurde durch einstimmigen Beschlutz von einem auf gnind § 2 des neuen Organisationsstatuts gebildeten Schiedsgericht aus der Partei ausgeschlossen. Der Antrag auf Ausschlutz war von einer Parteiversammlnng des 4. Berliner Rcichstags-Wahlkreises gestellt. Voigt hatte unter andenn, wie durch einivandsfreie Zeugen- aussage festgestellt wurde, in unerhörter Weise sich die gröblichste Beschimpfung der Partei, sowie grundlose Verleumdungen gegen eine Anzahl ehrenwerter und erprobter Genossen zu Schulden kommen lassen. Charlottenbnrg. Der Wahlverein Charlottenbura hält am Donnerstag, den 13. Dezember, abends 8l/s Uhr, in der Gambrinus- brauerei eine außerordentliche Generalversammlung ab. Die TagcS- Ordnung ersehen die Mitglieder aus der Anzeige in der Donnerstag- nummcr des„Vorwärts". Um zahlreichen Besuch der Versammlung ersucht Der Vorstand. An die Mitglieder deS socialdemokratischen Vereins „Vorwärts" zu Rixdorf. Die Kreiskonferenz für unsren Wahl- kreis hat am letzten Sonntag als Zeitpunkt der Umwandlung der Wahl- und Bildungsvereine unsres Kreises in die Centralisation den 1. Januar nächsten Jahres bestimmt. Um nun eine pünktliche, ordnungSmätzige Abrechnung unsres Vereins zu ermöglichen, werden diejenigen unsrer Mitglieder, welche ihre Beiträge noch nicht bis Neujahr bezahlt haben, gebeten, dieses möglichst bald zu thun. In den Zahlstellen werden für dieses Jahr nur noch bis zum 24. Dezember Beiträge entgegengenommen. Die dann noch restierenden Beiträge können fortan nur noch beim Kassierer G. Müller, Bergstr. 55/SS, III. Aufgang, 4 Treppen, beglichen werden. Der Vorstand. Friedrichsfelde. Den Genossen zur Nachricht, daß die Monatsversammlung des Wahlvereins ausfüllt; an deren Stelle findet am Mittwoch, den 1ö. d. M., eine Volksversammlung bei Bube statt. Dr. Karl Liebknecht spricht über die politische Lage. Die Bezirksführer haben Sonnabenabend bei Lohse die Flugblätter in Empfang zu nehmen. Rege Agitation erwartet Der Vorstand. AdlerShof. Arbeiter-BildungSverein für Adlershof. Donners- tagabend 8'/? Uhr bei Schmauser, außerordentliche General- Versammlung. Köpenitk. Die Parteigenossen, welche bei der bevorstehenden Stadtverordneten-Stichwahl von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen wollen, werden ersucht, ihre Stimme für den Photographen Hans m�a n n abzugeben. Der Vertrauensmann. Nommunsles. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag, den 13. Dezember 1900. nach- mittags 5 Uhr. Die Akten betr. die Wahl des Kaufmanns Oskar Giese, Hoher Steinweg 2/3, und des Fabrikbesitzers. Handelsrichters Friedberg, Lindenftraße 44, zu Stadtverordneten.— Wahl je eines Mitglieds in den Ausschuß zur Borprüfung der Gültigkeit der S t a d t v e r o r d n e t e n w a h l e n. in die Armen-Direktion, in die Deputation für die Krankenanstalten und die öffentliche Ge- sundheitspflcge— und in die Sanitätskommission.— Berichterstattung über den Autrag von Mitgliedern der Versammlung, an den Landtag das Ersuchen zu richten, daß bei der Ab- önderung des Kommunal-WahlgesetzeS die Ein- führung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahl- rechts auch für die Gemeindewahlen beschlossen werden möge.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung, betreffend die Lebens- mittelzölle.— Vorlagen, betreffend die unentgeltliche Lieferung von Wasser zum Betriebe der vier am BiSmarck-Denkmal zu errichtenden Fontainen,— die Feier des Geburtstags des Kaisers und Königs,— die Beteiligung der Berliner Feuerwehr an der im Juni und Juli 1901 Hierselbst stattfinden internatinnalen AuS- stellung für Feuerschutz- und FeuerrettungSwesen,— die Teilung des Bezirks der 162 o. Armen-Kommission,— den Jahresabschluß der städtischen Kanalisations werke und Rieselfelder für das Etatsjahr 1399,— die Verleihung deS Ehren- bürg errech ts an den Stadtschulrat, Geheimen RegierungS- rat Professor Dr. Bertram,— die Nachweisung der Flammen zur öffentlichen Beleuchtung, sowie des Umfangs der Gasproduktion und des Gasverbrauchs im Viertel- jähr Juli/September 1900,— die Erhöhung des Tages- l o h n s der bei der städtischen Straßenreinigung aushilfs- weise beschäftigten Arbeiter,— die Verwandlung der Brausezellen 1. Klasse in den städt. Volksbadean st alten in Moabit und an der SchillingSbrücke in Brausezellen 2. Klasse,— die Versetzung des S t a d t s ch n l r a t S, Geh. Regierungsrat Dr. Fürstenau, in den Ruhestand. Nichtgenehmigung von Straßenbahnlinien. Die städtische Zustimmung zu einzelnen Straßenbahn-Verbindungen war der Großen Berliner Stratzenbahn-Gesellschnft in dem mit der Stadtgemeinde Berlin abgeschlossenen Vertrage vom 19. Januar 1893 erteilt worden. Zu diesen Linien gehörten auch die Anschlußstrecken: von der Behren- durch die Markgrasen- und die Junkerstraße, ferner von der Museums- straße über den Lustgarten und die Schloßfreiheit nach dem Schloß- platze(für welch letztere der Stadt ein einmaliger Pauschalbeitrag von 20 000 M. gezahlt werden sollte) und die Abzweigung von der Westlichen Vorortbahn: Königin Augustastraße über den Hafcnplatz, durch die Dessauer- und Bernburgerstraße nach dem Askanischen Platz. Diesen drei Linien ist nun von der Verkehrspolizei die Ge- nehmigung versagt worden, weil ein Bedürfnis zum Bau und Betrieb dieser Anschlußstrecken für vorliegend nicht erachtet werden könne. Da nun Z 15 des erwähnten Vertrags, im Falle die staats- behördliche Genehmigung versagt wird, dem Magistrat daS Recht giebt, namens der Stadtgcmeinde die Zustimmung für die betreffende Linie zurückzuziehen, so ist der Gesellschaft von der städtischen Verkchrsdeputation jetzt mitgeteilt worden, daß der Magistrat nun- mehr von diesem Recht Gebrauch mache. UoKktles. Die Gefahren des GroßbazarS. Die Interessenten der göttlichen Weltordnung lassen sich von einer feinen Witterung leitei», wenn sie über die Großbazare herziehen. Es ist nicht die Sorge um den Kleinbesitz, um das ehrsame Handwerk, das die Agrar- und Jndustriebarone leitet, wenn sie ihren Preßuntergebenen Anweisung flebcn, auf Tietz und Wertheim zu schelten. Das Kleinhanwerk kann ihretwegen zehnmal zu Grunde gehen; liefern sie selber doch ein gut Teil Nägel zu seinem Sarge. Was den Haß gegen das Warenhaus in solchen Vertretern der Ordnung weckt, das' ist die demokratische Tendenz dieses Instituts, seine Zugänglichkeit für jedermann, die ihnen schwer im Magen liegt, weil sie der Uebel schlimmstes, die Begehrlichkeit, schon im Kinde wecken muß. Jetzt gerade zur Weihnachtszeit läßt sich diese Wirkung be- obachtcn. Schauen konnke das Proletarierkind freilich auch vordem. Aber es war doch etwa? andres, als die Spiegelscheibe noch die un« durchdringliche Grenze war zwischen denen, die sich draußen auf der Straße mit dem Betrachten des Schaufensters begnügen mußten und denen, die kraft ihres wohlgefülltcn Portemonnaies den Ladenraum betreten konnten. Damals schieden sich zwei Welten— jene vor und hinter der Glasscheibe. Diese Grenze aber hat der Großbazar verwischt. Seine Pforten öffnen sich jedem, mag er auch nur für einen Sechser Zwirn, ja mag er gar nichts kaufen wollen. Die weiten, lichterfllllten Räume locken Arm und Reich heran, und manche Mutter, deren Bescherungsetat sich nur auf wenige Mark beläuft, will doch ihren Kleinen den Genuß verschaffen, sich das, was sie nicht besitzen können, in nächster Nähe anzusehen. Alles, was das Kinderherz begehrt, steht nun mit Händen greifbar da; und während die Mutter überlegt, ob eS wohl zu einer Fünfzigpfennig-Puppe reicht, sieht das Kind, wie neben ihm hier das schöne Schaukelpferd und dort das riesige Puppentheater von einer Dame im Seidenkleid erhandelt wird. Und das soll das Kindergemüt nicht anregen, über die Herrlichkeit der heutigen Orgnung nachzudenken? Da lassen die Besitzenden vom Schulmeister und Pastor unausgesetzt daS Lob der Zufriedenheit und Demut predigen und ein einziger Besuch bei Tietz oder Wertheim wirft im Proletarierkinde die Absichten aller preußischen Gemeindeschul- Regulative über den Haufen. Ist somit nicht der ordnungsstützende Verdacht gerechtfertigt, daß die Groß- bazare beinahe ebenso gefährlich sind wie die Socialdeinokratie? Der Dreschgraf Pückler wollte am Montag in einer Anti- semitenversammlung, die nach dem Concordia-Saal' in der Andreas- straße einberufen war, wieder eine Vorstellung im Judenhetzcn geben. Diesmal schien aber dem übcrlvachenden Polizeilieutenant die„bilder- reiche Sprache" des Antisemitenhäuptlings doch zu starker Tabak zu sein, denn er fuhr dem Dreschgrafen, nachdem der Menschenfreund erst wenige Sätze gesprochen hatte, in die Parade und löste dieVer- sammlung auf. Pückler hatte seinen antisemitischen Freunden erzählt, er habe in Halle und Dresden tüchtig auf die Juden los- gedroschen, und er hätte erwartet, seine Freunde würden inzwischen in Berlin die Judenbande ordentlich„v e r b a in st" haben, waö leider nicht geschehen sei. Dann richtete der Antiscmitengraf die recht christliche Aufforderung an seine Getreuen, es sollten' sich aus ihren Reihen 20—30 kräfsige junge Leute zusammenthu», um die I u d e n b e n g e l ö aus den Lokalen der FriedriHstraße herauszuholen und sie gehörig zu vertobaken. Nach dieser liebenswürdigen Aufforderung, die der Dreschgraf mit wohlgefälligem Lachen und seine Freunde mit tosendem Beifall be« gleiteten, erfolgte die polizeiliche Auflösung. Die Versanmilungsleiter mitsamt dem Redner machten zunächst recht verdutzte Gesichter. Sie waren eben an ihre bisher unbehelligt gebliebene Dreschfreiheit so ge- wöhnt, daß sie wegen des polizeilichen Einschreitens ganz.baff" waren. Nachdem sich die deutschen Männer vom ersten Schreck erholt hatte», riefen sie dem Polizeilieutenant zu:.Wir protestieren dagegen I Sind wir denn Staatsbürger zweiter Klasse?" Die Versammlungsbesucher gaben ihrer Enttäuschung über die vereitelte Dreschvorstellung lärmenden Ausdruck durch Hochrufe auf Pückler und kräftige Schimpfworte gegen die Juden. Die Beamten benahmen sich der lärmenden Gesellschaft gegenüber so zurückhalteud., daß wir nur wünschen können, die Polizei möge, wenn sie sich veranlaßt sieht, gegen Veranstaltungen der Arbeiter einzuschreiten, ebenso ver- ständig und besonnen vorgehen. Auf der Suche nach dem zuständigen Schiedsmann befand sich mehrere Wochen lang ein Kläger, der eine Beleidigungsklage anhängig machen wollte und vorerst den vorgeschriebenen Sühne- versuch beim Schiedsmann zu veranstalten hatte. Am 26. September wollte der Kläger den Schiedsmann des in Betracht kommenden Bezirks aufsuchen, er erfuhr aber, daß der Inhaber dieses Amts bereits vor mehreren Wochen ge starben war. Der Kläger ging nun zum Stellvertreter des Schiedsmanns. Kausinann Busch, Schäferstr. 8. Dieser war verreist und konnte auch bei wieder« holten Besuchen vom Kläger nicht angetroffen werden. Jetzt wollte sich der Kläger Rat auf den, Polizei-Revier-Bureau holen. Da wurde ihm der Bescheid: Kausinann Busch müsse die Sache er- ledigen. Da Busch aber immer noch nicht von der Reise zurück- gekehrt war, so wies die Frau B. den Kläger an den zweiten Stell- Vertreter, Kaufmann Grashold in der Gchmidstraße. Der Kläger begab sich nun dahin und fand, daß Herr GraShold nicht mehr in der Schmid-, sondern in der Bülowstraße wohne. Gleichwohl trug er ihm sein Anliegen vor, aber auch Herr Grashold wies den Kläger ab mit dem Bemerken, daß er das Amt des stellvertretenden Schiedsmanns niedergelegt habe. Da bei dieser Suche schon einige Wochen ver- gangen waren, so fürchtete der Kläger, die Verjährungsfrist könne verstreichen, ehe es ihm gelinge, den zuständigen Schiedsmann zu finden. Der Kläger wandte sich nun an einen ihm bekannten Stadt- verordneten, und dieser gab ihm den Rat, zum Schiedsmann des benachbarten Bezirks zu gehen. Dieser erklärte sich aber für unzuständig und lehnte die Ansetzung eines Sühnetermins ab. Nunmehr begab sich der Kläger nach dem Rathause, um beim Magistrat anzufragen, ob denn nicht endlich für den verwaisten Bezirk ein Schiedsgericht bestellt werde. Es gelang dem Kläger, auch den für solche Sachen zuständigen Stadtrat zu sprechen, aber mit dem Schiedsmann war es immer noch nichts. Vom Magistrat wurde der Kläger an das Amtsgericht gewiesen, und nach mehrfachen Kreuz- und Querzllgen durch einige in verschiedenen Stadtgegenden liegenden Bureaus gelangte er auch endlich an die Stelle, wo er sein Anliegen vortragen konnte. Wieder verging einige Zeit, dann erhielt der Kläger vom Amtsgericht den Bescheid, daß am 17. November in der Person des SanitätSrats Dr. S ch w e r i n ein Schiedsmann für den betreffenden Bezirk bestellt werden würde. Als sich nun der Kläger bald nach dem 17. November zu Schw. verfügte, teilte ihm dieser mit, daß er sich noch nicht mit der Angelegenheit befassen könne, da noch nicht alle Formalitäten der Bestallung erledigt seien. Am 6. Dezember erhielt der Kläger endlich den Bescheid von Herrn Schw., daß er nunmehr seine Sache anhängig machen könne.— Wenn die schiedSmannslose Zeit noch 14 Tage länger angehalten hätte, dann wäre die Verjährungsfrist für die vorliegende Beleidigung verstrichen gewesen. Unverständlich ist an der Sache das eine, weS- halb die Stellvertreter des verstorbenen Schiedsmanns, die doch ge- rade für solche Fälle ernannt sind, hier nicht ihres Amtes walten konnten. Der Sternberg-Prozeß neigt sich dem Ende entgegen, aber als ob er gestern begonnen hätte, so erregt er noch immer das ungeteilte Interesse in allen Bevölkernngsschichten. Trotzdem die Oeffentlichkeit von den Ver- Handlungen ausgeschlossen ist. sind doch im Laufe der Wochen nach und nach so viel Personen durch Gerichtsbeschlutz zugelassen worden. daß der Zuhörerraum des großen Schwurgerichtssaals bis auf den letzten Platz gefüllt ist. so daß der Zutritt selbst zugelassenen Personen wegen Ueberfüllung oft verweigert wird. Gerade an den jetzigen trüben Tagen, wo'die Vorhänge der hohen Bogenfenster zugezogen sind und der Saal von zahlreichen Armleuchtern künstliches Licht empfängt, machen die Verhandlungen einen besonders feierlichen Eindruck. Am Dienstag wurde der jetzt in Untersuchungshaft genommene Polizeikommissar Thiel vernommen, der sich von dem Stern- bergschen(Seide verblenden ließ und für wenige Tausend Mark seine Existenz geopfert hat. Seine Aussage war für die früher kompromittierte Verteidigung sehr günstig, indem er betonte, daß dieser der amtliche Ursprung der an Luppa gelieferten Berichte nicht bekannt gewesen sei. Thiel hat unter andern, Vorstrafenverzeichnisse über Belastungszeugen geliefert. Derartige Mitteilungen scheinen jedoch öfters in die Oeffentlichkeit zu gelangen. Im Harmlosen- Prozeß beklagte sich der Angeklagte Wolf darüber, daß sich daS „Berliner Tageblatt" in dessen Enthüllungsartikeln über seine in früher Jugend erfolgten Vorstrafen genau unterrichtet gezeigt habe. Mit einer Schießprilgelei wollte Jnstizrat Bella, wie ein hiesiges Blatt meldet, den Staatsanwalt Braut beglücken, weil dieser in der Freitagssitzung deS Sternberg-ProzesseS sich angeblich beleidigend über den Rechtsanwalt geäußert hatte. Der Staatsanwalt hat die„schwere Pistolenforderung" mit der Motivierung abgelehnt, daß er nicht die Absicht gehabt habe, Justizrat Dr. Sello persönlich zu beleidigen, und daß die Aeußcrung dienstlich gefallen sei. Eine Thorheit, wie die von Herr» Dr. Sello verübte, war gerade noch notwendig, um die bedenkliche Stimmung des Publikum? gegen einige der Herren Verteidiger zu kräfttgen. „Belohnungen" im Reiche deS Herrn Thielen. Vor einigen Tagen meldeten dieZeituugen die Belohnung von 66 Berliner Eisenbahn- arbeiten, für langjährige Dienste. Wie hoch die einzelnen Beträge waren, wurde nicht gesägt. Nicht ohne Grund schätzten wir sie sehr niedrig. Wie uns von' informierter Seite mitgeteilt wird, erhalten nach den Bestimmungen des Lohnetats Arbeiter bei„befriedigender" Führung nach langjähriger Dienstzeit eine Belohnung in Form einmaliger Lohnzulagen und zwar betragen dieselben nach 26 jähriger Veschäftigmig 30 M., nach 30 jähriger 60 M. und nach 60 jähriger 100 M. Eine solche„Belohnung" ist allerdings mehr als bescheiden und brauchte nicht besonders ausposaunt zu werden. DaS Wirken deS Arbeitsnachweises im Bureau des Vereins zur Besserung der Strafgefangenen wird in der bürgerlichen Presse gar oft über den grünen Klee gelobt. Wir haben mehrfach darauf hinweisen müssen, daß der Vorteil, den der Verein bietet, weit mehr den„notleidenden Landwirten"� denen an billigen Arbeits- kräften gelegen ist, als den Strafgefangenen zu gute komnit. Diese fühlen sich besonders über die Bedingungen beschwert, unter denen der Berein ihnen eine Stellung besorgt. Es soll weniger davon geredet werden, daß der„entlassene Strafgefangene" sich schriftlich verpflichten muß, dem Herrn Arbeitgeber sowie dessen Vertreter unbedingten Gehorsam zu leisten. Als sehr drückend wird jedoch die Bestinimung empsimden, daß der Arbeitgeber den für Reise, Verpflegung, Porto jc. vom Verein verauslagten Betrag vom Lohn abzü ziehen und für das Bureau des Vereins ein« zubehalten hat. Den Unglückliche», die sich auf die Wirksamkeit deS Vereins angewiesen fühlen, fehlt eS vielfach am Notwendigsten, und daher ist wohl die Frage am Platz, ob in dem Fall, daß der Verein selber nicht die Unkosten zu tragen im stände ist, sie dem Unter- nehmer nicht zugeschoben werden können? Schon der Umstand, daß der Arbeitgeber infolge des niedrigen Arbeitslohns, den er dem aus t?m Gefängnis kommenden Mann zahlt, immer noch auf feine Kosten krmmen wird, sollte für eine solche Milderung des LoseS �der ent« lcssencn Strafgefangene» maßgebend sein. In der Herberge deS GewerkschaftShanfeS reisten im Monat November 909 Personen zu. die zusammen mit den am 1. November anwesenden 138 Schlafgästen 4847 mal übernachteten. Bon den Zureisenden waren 668 organisiert. Bäder wurden 1682 verabreicht, gereinigt wurden 32 Personen. Es stellt sich immer mehr heraus, daß die Verbindung einer Badegelegenheit mit einer Herberge eine unbedingte Not- wendigkeit ist. Für Leute, die wochenlang gereist sind ohne jemals Gelegenheit zur gründlichen Reinigung gehabt zu haben, bedeutet ein Bad eine große Erfrischung. Man sieht auch, daß die Reisenden diese Einrichtung zu schätzen wissen, denn während die Hausordnung nur ein einmaliges Baden bei der Aufnahme vorschreibt, wofür ein- schließlich Seife und Handtuch 6 Pfg. zu zahlen sind, haben eine ganze Anzahl freiwillig mehreremal gebadet. auch gestern noch an. " M Warsinsti bon Der Reichstags- und Landtags- Abgeordnete Rektor Ropsch| er erklären sollte, nicht recht angepakt. Man sprach wenigstens in[ um 30 577 Röpfe vermehrt. Wilmersdorf, das größte Dorf ist am Sonntag auf der Straße am Halleschen Thor von einem den ernsten Bildern fast so gefchraubt, wie in einem Sensations- Preußens, hat nach dem Volkszählungs- Ergebnis 30 982 Einwohner. Iutsturz befallen worden, so daß er ohnmächtig zu Boden fiel. drama. Es ist am Ende in einem Leitartikel, aber nicht in Bei der Zählung im Jahre 1895 wurden 14 159 Einwohner festDie erste Hilfe wurde ihm auf der Unfallstation in der Wilhelm- einem Märchen zu entschuldigen, wenn der Prinz schwärmte, daß gestellt, die Zunahme der Bevölkerungsziffer beträgt mithin 118,81 Proz straße geleistet, von wo aus der Kranke in seine Privatwohnung in er eine hohe Mission" zu erfüllen habe. In solcher Sprache redet der Dieffenbachstraße gebracht wurde. Die Schwindelanfälle hielten man nicht zu Kindern und vor allem nicht im Weihnachtsstück. Was„ Berl. 3tg." Die Erregung über die skandalösen Verhältnisse bei Ueber zwei Gesellschaftsftüken in Potsdam berichtet die hier Unrechtes geschah, suchte man jedoch durch die Ausstattung ben Spielhagen- Banten ist namentlich in Potsdam, wo wieder gut zu machen. Unser Lebtag hätten wir nicht gedacht, daß das sowohl der Direktor der Preußischen hypotheten Der unerhörte Vorfall, daß ein elfjähriger Knabe wegen Carl Weiß- Theater so glitzernde Elfengewänder und so stimmungs- ttienbant, Kommerzienrat Sanden, wie der Direktor Majestätsbeleidigung" von einer hiesigen höheren Schule verwiesen volle Veilchenhaine schaffen könnte, wie in diesem Märchen. Da war worden ist, hat sich in der That ereignet. Der Schüler ist ein Sohn alles reizend bis auf das zum Ueberfluß gespendete eigentümliche ihren Wohnsiz haben, sehr groß, da bort viele Personen aus der Deutschen Grundschuldbank des Rechtsanwalts L. aus der Französischenstraße und besuchte das Surrogat des Veilchendufts, das mancher Nase nicht bekömmlich war. dem Kleinbürgerstand, die ihre Ersparnisse ver hiefige königliche Wilhelms Gymnasium. Er hatte, wie die" Post" trauensvoll in Papieren dieser Banken anlegten, empfindliche schreibt, aus Anlaß des Breslauer Attentats eine thörichte Bemerkung Aus den Nachbarorten. Verluste erleiden. Beide Direktoren gehören zu den höchsten gemacht und außerdem beleidigende Karikaturen gezeichnet. Der Schöneberg. In der letzten Sigung der Stadtverord Steuerzahlern der Stadtgemeinde Potsdam und namentlich Direktor hat die Entfernung des Kinds vom Gymnasium angeordnet. neten Versammlung wurde der Bericht des Aus- Kommerzienrat Sanden genoß infolge seiner Frömmigkeit Dem ferneren Vernehmen nach hat der Kultusminister den schusses für die Errichtung eines Krantenhauses" großes Bertrauen bei vielen Leuten, so daß er auch zum StadtRelegierten von der Aufnahme an jeder andren höheren Schule Berichterstatter Stadtverordneten Kuzniky hervorgehoben, daß die der Stadtverordneten- Versammlung und bisher hat man noch nicht einer eingehenden Beratung unterzogen. Zunächst wurde vom verordneten gewählt wurde. Er ist Mitglied der Finanzkommission Breußens ausgeschlossen! Daß man der Aeußerung eines elf- Aufstellung des generellen Projekts durch die hiesige Bauverwaltung gehört, daß er sein Mandat infolge des Krachs der von ihm geleiteten jährigen Kinds diese Bedeutung beilegt, bezeugt nur, wie weit wir erfolgen soll und daß je nach Umständen eine Begutachtung durch die Banken niedergelegt hätte. Mit dem Oberhofmeister der Kaiserin, in Deutschland in den Byzantinismus hineingeraten sind. Stadtverordneten vorbehalten bleibt. Eine ziemlich ausgedehnte Debatte Herrn v. Mirbach, stand Herr Sanden auf besonders gutem Fuß, zeitigte die verschiedenartige Auslegung über die Art der Ausführung des und er spendete größere Summien für Kirchenbauten, insbesondere Gegen die Errichtung der Milchcentrale" in Berlin, die Bauprogramms. Während der Bürgermeister Dr. Gerhard sie zum Bau der Erlöserkirche in Potsdam, was ihm auch eine Ordensin der vorgestrigen Versammlung der märkischen Milchproduzenten dahin interpretierte, daß außer den Wirtschaftsgebäuden, die ja schon betoration einbrachte. In seiner prächtig eingerichteten Billa beschlossen wurde, wollen die Milch händler Protest einlegen. in der ersten Bauperiode für das ganze Krankenhaus zu errichten auf dem Mühlenberge bei Sanssouci( Marienstr. 10-11) errichtete Die Centrale foll zwischen Produzent und Pächter in der Weise ver- feien, nur die Erbauung der Pavillons für vorläufig er eine austa pelle, in welcher wöchentlich mehrmals Gottesdienste mitteln, daß sie den Absatz der Milch mit 18 Pf. pro Liter garantiert. 800 Betten zu beschließen sei, vertrat der Referent den Standpunkt, abgehalten wurden. Was den Direktor Warfinski, der in der Wörther Milch, die nicht in Berlin untergebracht werden kann, wird von den daß die Stadtverordneten die Pflicht hätten, den Bauplan des ganzen straße zu Potsdam eine größere Villa gemietet hat, anbelangt, so an die Centrale angeschlossenen Molkereien übernommen und Krankenhauses festzusetzen, trotzdem in der ersten Bauperiode nur die befindet er sich mit Frau und Kind bereits im Auskande. Er dort zu Butter und Käse verarbeitet. Zur Deckung der Kosten Hälfte der 300 Betten eingerichtet werden sollten. Auch in der Special- soll sich aus Gesundheitsrücksichten in Meran aufhalten und hatte wird ein Betrag von 1/2 Pf. pro Liter vom Produzenten erhoben. diskussion tam es wiederholt zu Meinungsverschiedenheiten, sich vor seiner Abreise drei Wochen Urlaub geben lassen, um seine Die Milchhändler, welche Abnehmer bei der Centrale die auf den aufmerksamen Zuhörer den Eindruck machten, als Verhältnisse zu ordnen. find, dürfen Vollmilch nur für 20 Pf., Halbmilch überhaupt ließe es der Magistrat an der nötigen Sachlichkeit fehlen. So wurde nicht verkaufen und müssen die Rabattgewährung thunlichst be von dem Stadtv. F. Richter in durchaus logischer Weise der schränken. Bisher haben sich Produzenten, die zusammen Standpunkt vertreten, daß bei dem heutigen Stand der medizinischen 315 000 Liter liefern, der Vereinigung angeschlossen; man rechnet Wissenschaft bei dem Bau eines Krankenhauses die Errichtung damit, daß bei Beginn des neuen Jahres die Zahl der Lieferanten eine 3 medico- mechanischen Instituts ganz selbst soweit gewachsen sein wird, daß sie drei Viertel des gesamten Milch verständlich erscheine. Genoffe Obst ergänzte die Ausführungen. verbrauchs in Berlin, gleich 450 000 Liter, repräsentieren; dann wird Bei einem solchen Objett könnten auch die benötigten 25 000 M. Die Milchcentrale ihre Thätigkeit beginnen. Inzwischen bereiten die teine Rolle spielen. Auch müsse er gestehen, daß ihm die Milchhändler eine Protestbewegung gegen die Milchcentrale vor, die Hergabe eines größeren Raums für diesen 8wed viel nach ihrer Ansicht dazu bestimmt ist, dem Milchhändlerstand den wichtiger dinte, als, wie man es beabsichtige, die er Garaus zu machen. Heute findet eine Generalversammlung des stellung eines Betiaals. Diese ganz selbstverständlichen Vereins der Milchpächter Berlins statt, in der über die weiteren Folgerungen gingen unfrem Stadtoberhaupt gegen den Strich. Schritte beraten werden soll. Der automatische Verkauf von Eisenbahnfahrkarten hat fich bei der Stadt- und Wannseebahn außerordentlich nüglich erwiesen. Insgesamt verkauften 152 Automaten im Jahre mehr als 30 Millionen Karten. Auf den Stadtbahnhöfen Zoologischer Garten und Friedrichstraße werden monatlich etwa 200 000 Karten durch die Automaten ausgegeben. Gerichts- Beifung. " Bötticher, hatte sich gestern wegen Beleidigung des RealschulDer Redacteur der ,, Staatsbürger Zeitung", Dr. Paul direktors zu Kattowig, Dr. Hacks, vor der zweiten Straffammer des Landgerichts I zu verantworten. In der Nummer der StaatsbürgerZeitung" vom 20. September d. J. erschien ein aus Rattowig batierter Artikel mit der Ueberschrift Mit der Wurst nach der Speckfeite", in der dem Reftor eine die religiöse Toleranz preisende Rede zum Vorwurf gemacht wurde. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 150 Mark Geldstrafe. " Während er dem Stadtv. Nichter damit drohte, daß der Magistrat Eine Paftorsfrau ist dieser Tage in Magdeburg wegen einem solchen Beschluß nicht beitrete, gab er Obst zur Antwort, daß meineids zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. es nicht maßgebend sei, was er von dem Beetsaal halte. Tros Es ist die Frau des Bastors Heinemann zu Kröchern in der dieses scharfen Vorgehens wurde der Herr Bürgermeister darüber Provinz Sachsen, die als 20jähriges Mädchen 1882 von dem damals belehrt, daß die Stadtverordneten die Errichtung eines solchen 50jährigen Pastor heimgeführt wurde. Frau Bastor liebten aber Instituts wünschten, indem ein entsprechender Antrag Annahme fand. die Veränderung in der Liebe und schenkten so ziemlich jedem, der Kein erfreuliches Bild von dem Zustand unsrer Volksschulen ihr in den Weg kam, ihre Gunst, ohne daß der Gemahl darum wußte. Die Polizeibehörde verwahrt sich in einer Entgegnung gegen hälter für Lehrpersonen in den Etat 1901. Bur führungen des heute noch bildschönen Weibs, mußte aber dennoch zeigte die Vorlage des Magistrats betr. Einstellung der Ge- Nur der verheiratete Lehrer des Orts, Herr St., widerstand den Verden Vorwurf, daß das Polizeipräsidium beabsichtige, die Verwendung Begründung dieser Forderung sagt der Magistrat folgendes: 8073 im Dorfe manches Gezischel über sich ergehen lassen. Als er diesertvon Keller und Dachgeschoß- Räumen für Geschäfts- Kinder werden zur Zeit in 156 Klaffen von 161 Lehrpersonen wegen einige Dorfbewohner wegen Beleidigung vor Gericht be und Arbeitszwede zu verbieten, wie überhaupt die Verivendung unterrichtlich versorgt, was einer Klassenfrequenz von etwa langte, standen die Aussagen des Lehrers und der Frau Pastor so dieser Räume für den dauernden Aufenthalt von Menschen aus- 51,69 Schülern entspricht. zuschließen, und daß zur Zeit namentlich für die großen Geschäfts- Berlin, Charlottenburg. Wilmersdorf, Friedenau und Steglis eides schuldig sein mußte. Sowohl der Herr Lehrer als die Frau In allen anliegenden Gemeinden: sehr mit einander in Widerspruch, daß einer von beiden des Meinhäuser, Warenhäuser usw. dahingehende besonders harte Be tommt eine geringere Schülerzahl auf eine Klasse. Es ist deshalb Bastor wurden unter Auflage gestellt. Der Lehrer, der sich ins stimmungen im Polizeipräsidium ausgearbeitet würden. Diese unsre Aufgabe, auch eine Berringerung der Durchschnitts- Schülerzahl zwischen auch disciplinarisch zu Behauptungen find völlig unzutreffend; für die Beurteilung der Klaffen anzustreben. Offenbarte die Motivierung der Vorlage Sie verantworten hatte, erhielt der Frage, ob Keller- und Dachgeschoß- Räume zu Geschäfts- und schon die Unhaltbarkeit der Zustände, so führte der Stadtverordnete wurde, die Pastorin wurde jedoch von Genugthuung, daß er glänzend freigesprochen Arbeitszwecken oder überhaupt zum dauernden Aufenthalt von Dr. Richter mit vollem Necht an, daß sich dieses Bild noch trauriger unter Bubilligung mildernder Umstände schuldig befunden und den Geschwornen Menschen benutzt werden dürfen oder nicht, sind und bleiben viel gestalte, wenn man sich vor Augen führe, daß in den höheren Klaffen zu der vorhin mitgeteilten Strafe verurteilt. Allgemeine Bewegung mehr allein maßgebend die Vorschriften der Baupolizei- Ordnung für vielleicht 35 Schüler, in den unteren dagegen häufig gegen 70 fäßen. Diese erregte es, als der nunmehr pensionierte Gatte der Angeklagten, ein den Stadtkreis Berlin. Das Polizeipräsidium erläutert dann des Klarstellung schien nicht nach dem Geschmack des Bürgermeisters, indem alter Herr mit weißem Haar, erklärte, daß er bereits nach Einleitung längeren diese Bestimmungen. Die Hauswirte können also sich ruhig er betonte, daß man doch von Mängeln laum sprechen könnte. Auch des Meineidsverfahrens gegen seine Frau diese wieder zu sich ge schlafen legen. der Herr Vorsteher wollte diese nicht gelten lassen, doch mußte ernommen habe und bereit sei, sie nach ihrer Freilassung ebenfalls fich von seinem Stellvertreter wiederholt eines Besseren be aufzunehmen. Inzwischen werde seine 17jährige Tochter bei den lehren lassen. Zur Annahme gelangte die Forderung der Einstellung beiden übrigen Kindern, die der Ehe noch entsproßen sind, einem von 5 Lehrern und 6 Lehrerinnen von Ostern 1901, sowie 1 Nektor, zwölfjährigen Mädchen und einem achtjährigen Knaben, Mutterſtelle 5 Lehrern und 2 Lehrerinnen von Michaelis 1901. In der außerordentlichen Generalversammlung der Paket: fahrt- Gesellschaft wurde der Antrag auf Liquidation genehmigt. Das Geschäft geht vom 1. Januar 1901 ab an Herrn Direktor Starde über, welcher für Wagen, Pferde, Mobiliar und Kundschaft 250 000 Mart bar zahlt und das Grundstück auf zwei Jahre unter Tragung der sämtlichen Hypothekenzinsen und Grundstücslasten für einen Netto- Mietspreis von jährlich 62 500 M2. mietet. neuer Lehrfräfte an den hiesigen Schulen wird anerkannt, Neu- Weißenfee. Die Notwendigkeit der Anstellung aus Mangel an Geldmitteln ist es jedoch nicht möglich, Vermehrung der Schuhmannschaft. Wie ein hiesiges Blatt diese Notwendigkeit durchzuführen." So lautete der Beschluß meldet, find im nächstjährigen Etat drei Majorsstellen nebst Adjutanten der Mehrheit der Gemeindevertretung, die über einen Antrag, zum vorgesehen. Von den bestehenden 12 Hauptmannschaften sollen je 1. April 1901 die vorhandenen Lehrkräfte zu verstärken, verhandelte. bier einem Major unterstellt werden. Auch soll der Schußmanns. Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf die Bewilligung von bestand um rund 300 Mamu verstärkt werden. Die Quantität unfrer Geldmitteln für eine unter den Schulkindern zu verteilende est Schußmannschaft genügt nach der Meinung der meisten Einwohner fchrift zur Zweihundertjahr Feier Des preußischen durchaus. Die Qualität läßt sich allerdings im Verwaltungsetat Königtums; der Einspruch unsrer Genoffen gegen die Be nicht gut heben. willigung von Geldern aus Gemeindemitteln zu folchem Zweck hatte keinen Erfolg; hierzu waren nach Ansicht der Mehrheit die Mittel vorhanden. Gott sei dant, wir werden unser Königtum hoch halten!", äußerte der Gemeindeverordnete Rothe unfren Genossen gegenüber, die eine solche Festschrift als vollständig entbehrlich bezeichnet hatten. " vertreten. Witterungsübersicht vom 11. Dezember 1900, morgens 8 Uhr. Stationen winemde. 770 S Hamburg Bertin 772 SW Franff./m. 774 NO Winchen 77330 Wien Wetter Stationen Wetter 3 bededt 4 paparanda 753 N 1wollent.- 12 770 W 2 bedeckt 4 Betersburg 2 bedeckt 3 Cort 762 WSW 5 Regen 11 1 bedeckt 2 Aberdeen 751 SW 35lb.bed. 8 3 Nebel-3 Baris Nebel 11? 775 Still Wetter: Prognose für Mittwoch, den 12. Dezember 1900. Etwas wärmer, zeitweise aufflarend, vorwiegend trübe mit Regenfällen und frischen füdwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, der Kirche in Weißensee nachträglich die Summe von 6478 M. beiDie fortgesetzte Weigerung der Gemeinde, zum Eriveiterungsbau zutragen, hat eine Verfügung des Ministers der geistlichen Angelegenheiten zur Folge gehabt, in welcher auf Grund des§ 709 des Allgemeinen Landrechts die Pflicht der Gemeinde, zu diesem Bau beizutragen betont und bei erneuter Weigerung Bivangsetatifierung diefer Summe in Aussicht gestellt wird. Es wird beschlossen, bei find Sie nicht verpflichtet. der ablehnenden Stellungnahme zu beharren und gegen eine etwaige Bähler iſt. zwangsweise Einstellung dieser Summe in den Etat der Gemeinde ben Klageveg zu beschreiten. Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 1hr abends statt. Fr. Wegner, Ebelingstraße. Dem Zähler die Karte hinzutragen Sie können ja gar nicht wissen, wer der Notlage Geld geliehen erhalten können, sind wir auch nicht in der Lage A. D., Straßmannstraße. Woher Sie in einer vorübergehenden Ihnen zu sagen. E. B. 38. Die Art des Brands ist auf die Meldeprämie ohne nicht bekannt. Einfluß. Ob jedoch in Charlottenburg auch eine solche gezahlt wird, ist uns ftraße 19-23. In der Droschke sich zu erschießen versuchte Dienstagnach mittag ein junger Mann, der sich Georg Rackwit aus Dresden Blasewitz, Kaiser Allee 23, nannte. Der etwa 22 Jahre alte Mann ftieg an der Ecke der Gneisenaus und Bellealliancestraße bei dem Droschkeufuhrherrn Wilhelm Reinhold aus Schöneberg ein und ließ fich nach der Charité fahren. Aus dieser kam er nach 10 Minuten wieder heraus, gab als nächstes Biel dem Kutscher Luisenstr. 19 an, ließ ihn aber an der Ecke der Schumann- und Unterbaumstraße wieder umkehren, nachdem er aus einer Pistole einen Fehlschuß auf fich abgegeben hatte, von dem der Kutscher glaubte, daß er von den spielenden Kindern herrühre. Vor dem Hauptportal der Charité fiel num ein zweiter Schuß, und num sah man, daß der Fahrgast sich cine Kugel in die rechte Schläfe gejagt hatte. Der Schwerver wundete, der in das Krankenhaus gebracht wurde, bat auf einem Zettel, seine Verwandten zu grüßen. Er wolle fühnen, was er ihnen angethan habe. Lichtenberg. Auf Grund einer Berständigung zwischen den Die Direktion des Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinder- bürgerlichen Gemeindeverordneten und dem Gemeindevorstand erfuhr Krankenhauses ersucht uns um Veröffentlichung folgender Mit- nahrung) in der legten Gemeindeverordneten- Sigung eine Ans der§ 45 der Landgemeinde- Ordnung( Begriff der Acker: S. W. Wiederholen Sie, bitte, Ihre Frage. teilung: Der Direktion ist die Meldung zugegangen, daß eine Dame legung, die weniger der Abficht einer Erweiterung des GemeindeP. M. 6. Wenden Sie sich an die Ober: Postdirektion, Spandauer: mit einer Sammelliste für das Krankenhaus umhergeht und Wahlrechts entsprang, als dem Bedürfnis der bürgerlichen Majorität, Menzel. Solche Mitteilungen befinden sich zerstreut in der Breffe, ein dabei angiebt, fie sei im Krankenhaus angestellt. Wir haben mit fich die gegenwärtige Poſition auch für die Zukunft zu sichern. besonderes Blatt, das solche Mitteilungen sammelt, giebt es nicht. Die dieser Sammlung nichts zu thun, wiffen von einer solchen nichts Beide Parteien von„ Befiz und Bildung", die sich bisher in Aus- Sociale Praxis" könnte am ehesten Ihren Zweden dienen. und bitten, im Betreffungsfall die Person amtlich feststellen nügung der Vollmachts- Mißwirtschaft bei den Gemeindewahlen zu Bibliothet nachschlagen, auch in der juristischen Sprechstumbe in der Redaktion M. p. 100. Sie fönnen ben Wortlaut der Paragraphen in feder zu lassen. Ungunsten der Gesamtheit überboten, einigten sich am Ende dahin, einsehen. Es ist räumlich unmöglich in dem Briefkasten den Wortlaut der Ehelicher Zwift hat den 46 Jahre alten Graveur Wilhelm daß nur die Stimmte eines solchen Forensen gelten solle, dessen in gerichtlichen Berfügungen in Bezug genommenen Paragraphen anzuSchoenbed aus der Dresdenerstraße 105 in den Tod getrieben. Befit mindestens vier Morgen groß ſei, sei, d. h. wenigstens führen. 1. 77. 1. Pfingsten 1876 fiel auf Sonntag den 4. und Montag Schoenbeck, der aus erster Ghe einen 17 jährigen Sohn und eine 40 000 m.„ schwer" ist. Unfre Genossen Grauer und den 5. Mat. 2. Erbrechtsfragen lassen sich nur beantworten, wenn mit: 13 Jahre alte Tochter besaß, lebte mit seiner zweiten Frau in Une II wiesen unter Betonung ihrer principiellen Forderung geteilt wird, wann( in welchem Jahr) und wo der Tod eingetreten ist, ob frieden, da er dem Trunk ergeben war. Wiederholt mißhandelte er auf Einführung des des allgemeinen, geheimen und direkten ein Testament und ob ein Ehevertrag vorliegt. 3. Ja, falls nicht nachseine Frau, vor acht Tagen so schwer, daß sie die Hilfe der Polizei Wahlechts auch für die Kommunalwahlen den gewiesen wird, daß der Betreffende vor dem Erblasser verstorben ist. Führer H. H. Beide Fragen sind zu verneinen. Streitigkeiten darüber, ob in Anspruch nehmen mußte und bei Verwandten ein Unterkommen det bürgerlichen Mehrheit, den Reichs- und Landtags- Kandidaten, bie Eltern threm ehelichen Rinde gegenüber ihr Erziehungsrecht mißbrauchen, suchte, während die beiden Kinder bei ihrem Vater blieben. Gestern antiteltor Polenz, auf das Widerspruchsvolle seines Bestrebens hat das Amtsgericht zu entscheiden. Osterfeld. 1. An die Ge abend nahm der Mann in seiner Wohnung, auf dem Sofa fized, hin, das Wahlrecht an bestimmte Voraussetzungen zu binden, während werbe- Deputation, Stralauerstraße 3/6. 2. Falls das Kaffenftatut Chantali und starb nach kurzer Zeit. Ein Arzt, den die Kinder seine politischen Freunde in Breslau, welche mit Hilfe der Social- teine Frist enthält, ist Ihre Beschwerde an teine Frist gebunden. holten, konnte nicht mehr helfen. bemokratie in den preußischen Landtag gewählt worden sind, unter- E. Kerber. 1. Sie müßten auf Herausgabe flagen. 2. Ja. 3. Das schriftlich zur Einführung des allgemeinen geheimen und direkten Rückforderungsrecht besteht seit diesem Jahre nicht mehr. 3. 100. Die Leiche eines neugeborenen Mädchens wurde gestern Wahlrechts auch für die Kommunalwahlen sich verpflichtet haben. Schicken Sie ihm ben Rest; ein Recht, daß Ihre Frau die Restzahlung morgen im Tiergarten unweit der Rüfter- Allee im Strauchwert ge- Die namentliche Abstimmung, Eduard Sch. 1. Nein. bringe, hat der Betreffende nicht. 2. Ja. bei der unsre Genoffen sich der 3. Die wirklich entstandenen Kosten können verlangt werden. 4. Der Richter funden und der Polizei übergeben. Ob das Kind gelebt hat 1.18 Stimme enthielten, ergab das mitgeteilte Resultat. eines gewaltsamen Tods gestorben ist, bedarf noch der Feststellung geheimer Sizung wurde beschlossen, den langwierigen Prozeß wegen famten Summe gepfändet werden. In ist nicht berechtigt, Rentenzahlungen zu bewilligen. Es fann wegen ber ge2. 100. Sie sind nicht zur Zahlung Aeußerlich find Spuren einer Gewaltthätigkeit nicht wahrzunehmen. Hebernahme des Lichtenberger Wasserwerts der kontinen- der von Ihrem Sohne gemachten Schulden verpflichtet, es sei denn, daß talen Wasseriverks- Gesellschaft auf die Gemeinde eventuell durch Vergleich diese Schulden notwendig waren, um den Unterhalt Ihres minderjährige n Das Carl Weiß Theater hat gestern mit der Aufführung des üb- unter bestimmten Bedingungen zu beendigen. Das Resultat dieses Sohne zu bestreiten, und daß Sie abgelehnt hatten, den Unterhalt zu gewähren. lichen Weihnachtsmärchens begonnen. Es heißt„ Die Veilchen= prinzessin" und handelt von Elfen, Feen und verkannten Bergleichs, daß der finanziell sehr schwachen Gemeinde ein Tribut Königskindern, die ihrer vornehmen Abtunft nicht bewußt, arm und von nahezu 1 Million Mark an einen Privatunternehmer auferlegt wird, muß eine Warnung für diejenigen Gemeindevertretungen sein, verkannt das Land durchziehen, dann aber durch Wunder- die noch heute geneigt sind, entgegen aller socialpolitischen Einsicht traft zu hohen Ehren und fröhlicher Hochzeit gelangen. einem solchen Stüd findet das Kindergemit gemeinnügige Unternehmungen Privatunternehmern zur schrankenauf lange Beit Anregung, wenn die Märchenwelt heiter und von gelindem ofen Ausnutzung zu überlassen. Humor durchweht an ihm vorüberzieht. Solches geschah gestern Das Volkszählungs- Ergebnis für Nigdorf beträgt 90 514 durchweg. Nur war der Text des Märchenspiels den Vorgängen, die Einwohner. Die Bevölkerung hat sich in den letzten fünf Jahren In M. 1. Eine bestimmte Höhe fezt das Gesetz für Alimente nicht fe ft. Es ist der notdürftige Unterhalt zu zahlen. Als folchen nimmt das Gericht einen Sak zwischen 18 und 24 Wt. monatlich an. 2. Als angemeffe ner Bauschaljaz für Entbindungskosten usw. wird 60 m. erachtet. 3. Ja. 4. Nein. Das Kind hat auch dann Alimente zu verlangen, wenn seine Mutter seinen Erzeuger nicht heiraten will. Das Erziehungsrecht steht nicht dem Erzeuger, sondern der Mutter zu. Der Vater des außerehelichen Kindes hat also feinen Anspruch darauf, das Kind zu erziehen und ist feines: wegs berechtigt, die Alimentenzahlung abzulehnen, wenn ihm die Erziehung nicht übertragen wird. Patzenhofer MARINE BRAU Ges drichshöhe Patzenhofer erlin Fürstenwalde Spandau zur Patzenhofer Marine- Bräu, ist ein vollmundiges Bier, aus feinstem Hopfen und edelstem Malz, von ausgezeichneter Bekömmlichkeit.[ 5393L* Preis frei Hans: 30 Fl. 1/8 To. 1/10 To. M. 3, M. 3,25 M. 2,65 Patzenhofer Brauerei NO., Landsberger Allee 24/27. 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Geldstrafe Genosse Lübbering wegen Beleidigung eines Streitbrechers. Braunschweig. Wegen Beleidigung in drei Fällen Genosse Duisburg. Maurer Gohlte 30 M. Geldstrafe wegen Be" " Heymann 900 M. Geldstrafe. leidigung eines Streifbrechers. 8. Solingen. Je 15 M. Geldstrafe 2 Arbeiter wegen unerlaubten Sammelns. Hamburg. 3 Arbeiterinnen 3 bezw. 5 Tage Gefängnis wegen Beleidigung von Streitbrechern. Dresden. 14 Tage Gefängnis Genosse Riem wegen Beleidigung eines Gemeinderats. " 9. Bremen. Genosse Klawitter wegen Beleidigung 1 Monat Gefängnis. D " leidigung von Streifbrechern. Düffeldorf. 4 Dachdecker je 1 Monat Gefängnis wegen BeDresden. Wegen Beleidigung in 2 Fällen Genosse Fischer 100 bezw. 75 M. Geldstrafe. 12. Berlin. 1 Woche Gefängnis die Arbeiterin Schleich wegen Bergehens gegen§ 158 der Gewerbe- Ordnung. wegen Beleidigung in 2 Fällen. 12. Danzig. Maurer Otto wegen Mißhandlung eines Poliers 3 Monate Gefängnis. 13. Erfurt. 3 Monate und 4 Wochen Gefängnis Genoffe Pappe 15. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Korn- Kiel wegen Beleidigung in 2 Fällen 2 Monate Gefängnis und 200 M. Geldstrafe. „ Harburg. Ein Metallarbeiter wegen Streifpoftenstehens 20 M. Geldstrafe. Halle. Für das gleiche Vergehen ein Schlosser 10 M. GeldStrafe. 19. Leipzig. In der Neb " F 19. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Levy- Erfurt 1 Jahr Gefängnis wegen Majestätsbeleidigung. Dresden. Genosse Rohrlad Berlin 8 Tage Haft wegen Verübung groben Unfugs. 20. Chemniz. Wegen Beleidigung eines Stadtrats Genoffe Schöpflin 120 M. Geldstrafe. " 99 alsh Stillschweigen verpflichtet. Vorf.: Callis gehört hatte, wirklich war sei. Darauf wurde der gemeinsame Besuch von mir, Münchhausen und Luppa in der Wohnung der HausBors. Hat denn Luppa den Herrn Justizrat Dr. Sello direkt mann bei der Callis gemacht. Ich hatte mich mehrere Stunden lang gewehrt, weil ich wußte, daß dies der Anfang vom Ende sein mußte. Stierstädter schon erzählt, daß ich mit Dr. Sello in der Erbschaftsgenannt? Beuge: Nein, feineswegs. Ich hatte doch Herrn Bestimmte Abschlüsse mit Herrn Luppa darüber, was ich bekommen bei der Gelegenheit sollte, wenn ich Privatdetektiv- Dienste verrichtete, habe ich mit Zuppa fache meiner Frau zu thun hatte, nicht getroffen gehabt. Noch im letzten Augenblide, als wir zur Callis habe ich den Namen Dr. Sellos genannt. Wissen Sie, was aus Ihren Berichten geworden ist? gehen wollten, wurde es mir leid und ich wollte wieder weggehen, Beuge: Nein, Herr Luppa nahm sie mit und stedte sie in seine Herr Münchhausen fam mir aber nach und ich konnte nun nicht mehr anders. Als wir die Callis verließen, machte diese ein so merkwürdiges Brieftasche. Bors.: hat er Ihnen nicht gesagt, wie er sie ver wertet hat? 3euge: Nein, Herr Zuppa war immer sehr verGesicht, daß ich gleich dachte: Sie hat Dich erkannt. Ich beschloß vorsichtig zu sein. Schon am nächsten Tage erschien Herr mungen über die Verwertung der Berichte zu treffen?-8euge: schwiegen. Vors.: Hielten Sie Luppa für fähig, selbst Bestim ganze Vernehmung der Callis verraten sein müsse. Ich zog mich das weitere den Detektivs überlassen. Vors.: Hat Luppa Ihnen v. Tresckow in meinem Bureau und teilte mir mit, daß die Da es sich im wesentlichen um Personalien handelte, hat er vielleicht nun etwa 4 Wochen von Luppa zurück. Da fügte es ein unglücklicher Zufall, daß Luppa mich eines Tags, als er auf dem Polizei- gesagt, daß er häufig mit Dr. Werthauer fonferiere? 8euge: Vori. Hat er auch gesagt, in welcher Weise die Konpräsidium zu thun hatte, in dem Bureau erblickte und mich erkannte. Jawohl! Er gab mir einen Wint mit den Augen, ich mußte ihm auf den erklärt der Zeuge, daß er furchtbare Angst gehabt habe, daß die ferenzen stattfanden?- 8euge: Nein. Auf weiteres Befragen Korridor folgen. Callis etwa einen Meineid leisten würde. Der Gedanke sei ihm furchtbar gewesen, daß man vielleicht ihn dann noch beschuldigen konnte, jemand zum ndalur seiner Hand. 111111 aften aufbewahrt werden? Dresden. Der Maurer Hepp 5 M. Geldstrafe wegen Luppa hatte mir Streifpostenstehens. 24. Chemniß. 5 Wochen Gefängnis der Former Helbig wegen Bedrohung von Streifbrechern. " " " e Mehleden. Genosse Brann wegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz 20 M. Geldstrafe. Görlig. 100 m. Geldstrafe Genoffe Iüß wegen Berübung groben Unfugs. Geldstrafe. Dresden. 5 15 Men. Wegen Beleidigung des Vorsitzenden der Ortstranten taffe Genosse Deinhardt 500 M. Geldstrafe. Brandenburg. Vier Wochen Gefängnis Genosse Thier wegen Lehrerbeleidigung. 9w sollte. wenn ich den Nachweis liefern könne, daß Frl. Pfeffer die Frieda Boyda beeinflußt habe. Diesen Betrag sollte ich mit Stierstädter, den ich erst für mich gewinnen sollte, teilen. Präs. Nun teilen Sie mir mit, was zwischen Ihnen und Stierstädter paffiert Meineid angeftiftet in " 149 sluth Luppas moralische Entrüstung. daß ein föniglicher Polizei- Kommissar folche Geschichten Hier sagte mir Luppa, daß ich erkannt sei, es sei doch unerhört, mache, es sei zu erwägen, ob es nicht angebracht sei, der Staatsanwaltschaft hiervon Mitteilung zu machen. Ich zu haben und dies sei auch mit der Grund zu seinem Geständnis bat ihn himinelhoch, mich zu schonen und schilderte ihm meine Not- gewesen. Luppa habe nur im allgemeinen gesagt, es ständen sich aber ablehnend und ich war ganz in Hunderttausende zur Verfügung, wenn Sternberg nach seinem Bureau und erklärte dort, daß ich ihm Dienste leisten furchtbare Angst hatte, vielleicht doch bereidigt zu werden, habe er Ich ging noch am Nachmittag desselben Tags freigesprochen werde. Am Tage nach seiner Vernehmung, wo er würde. Ich erhielt gleich ich glaube es waren 500 Mart und Herrn Luppa himmelhoch gebeten, ihm Geld zu geben, damit er ins von dort an zwischenräumen Beträge in verschiedener Höhe, Ausland gehen fönne. as hatte keinen Erfolg. Nach es mögen im ganzen 7-8000 Mart gewesen sein. Bras. dieser Zeit habe er noch einmal 1900 M. zur Bezahlung dringender Welcher Art waren 3euge: Ich hatte beim Einwohner- Meldeamt Erkundigungen über larvung haben die Begegnungen geführt, die er mit Zuppa in einer die Dienste, die Sie leisteten? Schulden an ihn verabfolgt. 28eiter erklärt er: zu seiner Ents Bersonen einzuziehen, die als Bengen benannt waren, ferner die Charlottenburger Konditorei hatte. Zuppa habe nach seiner Meinung Vorstrafen derselben zu ermitteln und Herrn auch hiervon schon eine Ahnung gehabt, er habe überhaupt vielerlei gewußt, ohne daß er andeutete, woher die Wissenschaft stammte. So Luppa sofort Nachricht zu geben, fürchtete er seine Wiederverhaftung und habe ihm( 8eugen) aufwenn etwa ein neuer Berdacht gegen Sternberg auftanden forte, gegeben, fich danach zu ert er vertate. Or mußte alſo erkundigen, aber abzuwarten, bis die Sache Bräf.: Sie hatten Zutritt zu der Registratur, in der die Personal- erst eingegangen sei, damit er sich nicht verrate. Sie nun die gewünschten Auszüge daraus? -3euge: Jawohl.- Präs.: Machten - 8euge: Ich andre und beffere Verbindungen weigerte mich längere Zeit, etwas Schriftliches aus den Fingern haben. Aehnliche Kenntnis habe Luppa auch gehabt, als es sich um zu geben, als Luppa aber darauf bestand, schriftliche An- die Unterbringung Frieda Woydas handelte. Staatsanwalt: gaben zu erhalten, schrieb Berlin. Buchbinder Brauße 1 Woche Gefängnis wegen Notiz etwa: Schulz ist an den und den Datum von dem lichkeiten noch hinter den Coulissen gearbeitet hätten. Ist dem ich mit verstellter Hand eine Hier ist auch angedeutet worden, daß juristisch sehr gewandte Persön Bergehens gegen§ 153 der Gewerbe- Ordnung. und dem Gericht wegen eines bestimmten Bergehens zu so und so Bengen hiervon etwas bekannt? „ Duisburg. 30 M. Geldstrafe Genosse Stahl wegen Streit viel Strafe verurteilt worden. Diese Zettel erhielt Luppa. Etwa erklärt auch auf Befragen des Vorsitzenden: er wisse nicht, wer 3euge: Nein. Der Zeuge postenstehens. Bier Maurer wegen Verbreitung von Flug- neu auftauchenden Verdacht gegen Sternberg sollte ich durch meine Herrn Luppa telephonisch sofort mitgeteilt habe, was die Callis auf blättern an öffentlichen Orten 15 bezw. 10 M. Geldstrafe. Kollegen zu erfahren suchen. 23. Leipzig. In der Revisionsinstanz Genosse Rhein- Bremen beschreiblich, meine Stellung war eine erniedrigende, Thätigkeit des Herrn v. Meerscheidt Hüllessem in dieser Ich litt durch dies Verhältnis un der Polizei ausgesagt hatte. Bors.: Haben Sie irgendwelche 3 Monate Gefängnis wegen Beleidigung des Senats. ich mußte mir, wenn Not an Mann war, häufig kleine Be Sache bemerkt? Vors: 8euge: Nicht im allergeringsten. Zwickau. 300 M. Geldstrafe Genosse Albert wegen Beträge von ihm erbetteln, und häufig genug hat er mir haben Sie Herrn Stierstädter Auskünfte über die Vermögensleidigung eines Fabrikanten. einen Hundertmarkschein, um den ich ihn himmelhoch bat, abgelehnt. lage des Herrn v. Hüllessem erteilt? 8euge: Nur ganz im allgemeinen, was ich nach dem Tode der Frau v. H. gehört hatte. 30 000 m. versprochen, Vors.: Wissen Sie über die Flucht Näheres? 3euge: Nein. Ich erfuhr davon nur von dritter Seite. Einen nervösen Eindruck machte mir Zuppa nur insofern, als er vieles, was er mir versprach, nicht hielt. Auch meine Angst machte auf ihn gar keinen Eindruck. Justizrat Dr. Sello: Wann haben diese Unterhaltungen mit Stierstädter zum Zwecke des Versuchs, Herrn Stierstädter zu beein 30. Gera. Wegen Beleidigung Genoffe Seifarth 15 M. flussen, und die darauf bezüglichen Unterhaltungen mit Zuppa statt - ift. 8euge: Herr Präsident, es ist alles wahr, was gefunden? 8euge: Die erste Unterhaltung mit Stierstädter Genosse Riem wegen Offiziersbeleidigung Stierstädter angegeben hat. Ich mußte zunächst mir das fand am ersten Sonnabend des September, die zweite 8 Tage darauf 200 M. Geldstrafe. Vertrauen Stierstädters erwerben. Ich lud ihn verschiedentlich zu statt. Justizrat Dr. Sello: Sie haben bestätigt, daß ich Sie Busammenkünften in Restaurants ein, trattierte ihn und stellte ihm auf Ihre allgemeine Andeutung bringend gewarnt habe, solche Wege gelegentlich eine Stelle bei der Loge in Aussicht. Dann brachte nicht zu betreten. Es scheint aber, als ob meine Warnung ich das Gespräch auf den Fall Sternberg und empfahl nicht von Erfolg war und Sie fofort fortgefahren haben, dessen Schonung, indem ich darauf hinwies, daß der moralische mit Herrn Luppa bleiben. Verbindung zu Auf • Ottensen. Vier Genossen je 8 M. Geldstrafe wegen Ver- Schaden, den Frieda Woyda erlitten, doch nicht so groß weiteres Befragen des Justizrats Dr. Sello bestätigt der Zeuge, gehens gegen die Heilighaltung des Sonntags. sei. Darauf verliefen unsre späteren Gespräche so, wie Stierstädter daß er auch die Vorstrafen der Callis und der Schnörwange anRostock. Ein Arbeiter wegen Beleidigung eines Streifbrechers es geschildert hat. Präf.: Hatte Luppa denn so große Summen gegeben habe. Die Verteidigung legt darauf Gewicht, weil es schien, 10 M. Geldstrafe. in Aussicht gestellt?-8euge: Ja, im Falle einer Freisprechung. als sollte der Verteidigung ein Borwurf daraus gemacht werden, daß Meißen. Wegen Verübung groben Unfugs ein Genosse 6 M. " Geldstrafe. ein Genoffe 6 M. 22. Bräs. Sie erfuhren von der Zeugenaussage des Stierstädter, sie von diesen Vorstrafen Kenntnis hatte. Staatsanwalt Braut: als Sie sich auf einer Dienstreise befanden?- 3euge: Ja. Ich waren die Berichte, die Sie an Luppa über die Borstrafen einer oder Insgesamt wurde erkannt auf 2 Jahre, 6 Monate und fämpfte schwer mit mir, ob ich die Flucht ergreifen oder zurückkehren mehrerer Personen erstatteten, von Ihnen so ausgefertigt, daß man 5 Wochen Gefängnis und 2958 M. Geldstrafe. sollte, mit Rücksicht auf meine Familie entschloß ich mich zu lezterem ihnen ansehen konnte, daß sie von einer Amtsperson herrührten? Berlin, den 7. Dezember 1900. Er habe einfache Bettel mit seinen Schritt. Präf.: Hatten Sie den Eindruck, daß Luppa von der Der Zeuge bestreitet dies. Unschuld Sternbergs überzeugt war? Zeuge: Luppa war stets Notizen ausgefüllt, ohne seinen Namen zu unterschreiben. Luppa so vorsichtig, daß ich nicht wußte, ob er heuchelte oder nicht. Außer- habe ihm gefagt, er lasse die Berichte in seinem Bureau, so weit er dem habe ich in dieser Zwischenzeit anders gelebt, unt fie gebrauchen könne, durch die Schreibmaschine abschreiben. Was mich zu betäuben, meine Beobachtungsgabe war getrübt. fonst mit den Berichten vorgenommen würde, habe Luppa ob und Bors.: Nach Ihrem Geständnis im Ermittelungsverfahren wollen nicht gesagt. Er habe keinerlei Kenntnis davon, 32. Verhandlungstag. Sie Herrn in welcher Form diese Berichte in die Hände der Verteidigung Landgerichts- Direktor Müller eröffnet die Sigung um 91/2 Uhr. Justizrat Dr. Sello gelangt feien. Auf weiteres Befragen des Rechtsanwalts Der Andrang solcher Personen, die versuchen, Zulaß zum Gerichts- schon im März mitgeteilt haben, daß Sie ein bestochener Beamter Callis im wesentlichen nur an Luppa das wiedererzählt habe, was Fuchs erklärt der Zeuge, daß er nach dem Besuche bei der faale zu erlangen, ist heute ein ganz gewaltiger. find.- 3enge: Das doch nicht! Ich bin bei Dr. Sello gewesen Staatsanwalt Braut beantragt die Bernehmung zweier Frauen, und deutete ihm an, daß in einer Straffache eine Beeinflussung verer auf seinen dienstlichen Gängen und in seinem Bureau gesprächss denen die Frieda Woyda nach der ersten Verhandlung erzählt haben sucht worden, und daß ich von der Pflicht abgewichen sei, indem ich weise von Beamten und Kollegen gehört habe. Die großen Geldsoll, was sie mit dem Angeklagten Sternberg vorgehabt habe. Ferner bei einem Mädchen gewesen sei. Instizrat Sello holte sofort das versprechungen des Luppa habe er nicht für ernst genommen. teilt der Staatsanwalt mit: er habe den Beugen Müller ermittelt, Strafgesetzbuch herbei und warnte mich vor den hohen Aussagen vor dem Untersuchungsrichter bestimmter gelautet haben. Der Präsident macht den Zeugen darauf aufmerksam, daß seine der schon vor zwei Jahren mit der Zeugin Ehlert verkehrt haben Strafen, indem er mir dringend riet, meine Der Beuge giebt dies als möglich zu und als Grund dafür noch will. Da nach der ihm gewordenen Mitteilung der Verdacht be- Finger von solchen Sachen zu lassen. Ich hatte stehe, daß der Vater Ehlert sich bei dieser Gelegenheit einer Er- damals mit Dr. Sello in einer Erbschaftsangelegenheit zu thun und mals an, daß er sich in begreiflich hoher Erregung befunden pressung gegen Herrn Müller schuldig gemacht habe, so behalte er bin nochmals bei ihm gewesen. Das nächste Mal sagte ich Herrn der Vernehmung des Justizrats Dr. Sello durch den Untersuchungs habe.- Präs.: Wie mir mitgeteilt wurde, sind Sie nach sich nähere Feststellungen nach dieser Nichtung hin und die Ent Justizrat, the hägere nach der Sichtungen Water Ehlert denn zumi Glüd habe mich das be- richter aus dem Nebenzimmer hervorgekommen mit der Frage: treffende Mädchen nicht refognosciert. Dr. Sello warnte mich, " Hat er den Eid geleistet?" Das Geständnis des Kommissars Thiel. ich solle mich ja hüten, vom Pfad der Pflicht abzuweichen. Ich erAls geantwortet wurde: Noch nicht!" sollen Sie die Worte Erster Zeuge ist Kommissar Thiel, der vom Vorfizenden auf- läre hiermit ausdrücklich, daß ich Herrn Dr. Sello nicht gesagt habe, ausgestoßen haben: Gott sei Dant!" Der Zeuge erklärt, daß dies gefordert wird, sein im Ermittelungsverfahren abgelegtes Geständnis daß ich ein bestochener Beamter fei, ich erkläre ferner, daß ich den in der größten Erregung geschehen sei und er nichts mehr davon hier zu wiederholen und zu sagen, wie er mit der Sternberg- Sache Stierstädter von Anfang bis zu Ende gemißbraucht habe. iei Dant!" gesagt haben solle.- Rechtsanwalt Fuchs I beantragt, Namen des Justizrats Dr. Sello in meinen Unterhaltungen mit wisse. Jedenfalls wüßte er teine Veranlassung, warum er Gott in Verbindung gekommen sei. Beuge Thiel: Ich habe mich in sehr ungünstiger Vermögenslage befunden. Ich hatte 4-5000 m. ori. Haben Sie Herrn Dr. Sello nicht gesagt, daß Sie als Be- sei Dank!" gesagt haben solle. den Justizrat Sello als Beugen zu bernehmen. Staatsanwalt Kapitalschulden und 2000 M. andre Schulden. Am 1. Januar hatte amter in der Wohnung der Hausmann gewesen seien und die Callis Braut widerspricht diesem Antrage. R.-A. Dr. Werthauer ich von meinem Gehalt so viel zu bezahlen, daß mir nur noch dort verhört haben? Beuge: Nein, ich weiß nicht, ob ich über20-30 M. übrig geblieben. Ich hatte mich auch noch verrechnet, in Haupt Namen genannt habe. Justizrat Dr. Sello hat sofort das hält es für unzulässig, das in einer andern Ermittelungsbekam. Nun hatte ich gehört, daß Herr Zuppa bei zwei Kollegen gestochener Beamter fei, habe ich sicher nicht gefagtu dem ich die Forderungen, die für mich noch ausstanden, nicht ein- Strafgesetzbuch herbeigeholt und es ist durchaus möglich, daß er ſache entstandene Aktenmaterial in dieser Sache zu vers Einzelheiten meiner Worte gar nicht gehört hat. Daß ich ein be- werten. Einwendungen der Verteidigung.c wesen war, anscheinend, um sie zu bestimmen, für ihn thätig zu sein, dh tann nur noch einmal fagen, daß ich glaube, ganz im und da kam mir der unglückselige Gedanke, daß ich mich Auch Justizrat Dr. Sello macht auf das Bedenkliche auf bon einer vielleicht retten könnte, allgemeinen ich mich der Stern wenn Verfehlung meinerseits gesprochen merksam, daß der Gerichtshof von einem nebenher laufenden Unters als berg- Partei anbot, haben. zu Der Staatsanwalt hält dem Zeugen vor, daß er fuchungsverfahren aus dem Altenmaterial Kenntnis nehme und hier thätig zu sein. Ich hatte die Idee, daß ich demnächst in seiner Aussage vor dem Untersuchungsrichter viel bestimmtere An- verwerte, ohne daß die Verteidigung in die Lage komme, auch ihrers abgehen und mir inzwischen so viel sparen könnte, daß ich später ein Detektiv- gaben gemacht habe. Der Zeuge meint, daß er bei jener Aussage, feits davon Kenntnis zu nehmen, das heiße nicht mit gleichen Waffen wo er nun sah, daß alles zusammenbrach, natürlich furchtbar auf- fämpfen und Licht und Schatten gleichmäßig verteilen. Ueber die Bureau aufmachen und meine Familie ernähren könnte. Ich ging geregt war. Er fönne nicht beschwören, daß er gesagt habe, seine Frage der strafprozessualen Zulässigkeit dieses Verfahrens entwickelt sich also zu Luppa nach der Wilhelmstraße und bot mich, ohne mich zu Berfehlung sei in der Sternbergschen Angelegenheit geschehen. eine längere Kontroverse zwischen dem Präsidenten, dem Staatsanwalt nennen, an. Luppa fagte weder ja noch nein, sondern fragte, wer ich wäre. Ich konnte ihm dies natürlich nicht gleich sagen, sondern orf.: Justizrat Dr. Sello hat ja zugegeben, daß er eine Ahnung und den Verteidigern. Der Präsident erklärt, daß er diese Sache nur meinte, ich sei ein Polizei- Agent und in der Lage, Privatdetektiv davon hatte, daß Sie in dieser Angelegenheit sich schuldig gemacht zur Sprache gebracht habe, weil Dr. Sello nach der Vernehmung Der Zeuge meint, daß sich Justizrat Sello dies Stierstädters die bekannte Erklärung abgegeben habe. Die Erklärung dienste zu thun. Er hielt mich hin und fragte mich nach Dingen vielleicht daraus kombiniert habe, da bekannt geworden war, daß wird verlesen. Dies hat mich fährt der Präsident fort aus, die schon im allgemeinen bekannt waren. Dies war am 2. oder bei der Callis auch ein Unbekannter gewesen sein sollte. laßt, mit Rücksicht darauf, was mir der Untersuchungsrichter Brandt 3. Februar, ich war dann noch zwei bis dreimal da. Luppa be- Staatsanwalt Braut: Sie haben hier soeben das mitgeteilt hat, diesen Punkt zur Erörterung zu bringen. Ich habe zweifelte meine Fähigkeit zu dem Geschäft und bat mich, doch mit offenem Bifier vorzugehen, ich verhielt mich immer noch ab- Geständnis abgelegt, daß Sie es über sich haben gewinnen dem Zeugen Thiel Gelegenheit geben wollen, fich darüber zu äußern. lehnend, bis ich dann das Unglück hatte, im Zimmer des Herrn v. Tresckow fönnen, den Namen eines geachteten Rechtsanwalts in doch recht Damit halte ich die Sache für erledigt." Der Zeuge Thiel wird darauf wieder abgeführt und die Mittagss der Vernehmung der Callie beizuwohnen. Nun mußte ich Ernst schnöder Weise zu mißbrauchen und wider befferes wiffen Herrn Justizrat Dr. Sello bloß zu stellen. Wie sind Sie zu diesem Vor- pause tritt ein. machen, denn ich wußte nicht mehr, gehen gekommen? Beuge: Luppa hatte mir gesagt, ich sollte Nach der Pause werden einige Zeugen über die Glaubwürdigs nur dem Herrn Stierstädter sagen: wenn Stierstädter eine An- feit der Frieda Woyda vernommen, ohne Besonderes mitteilen zut näherung an die Sternberg- Partei nehmen wollte, dann sollte er nur tönnen. Ein früheres Dienstmädchen des Angeklagten fagt über zu den Berteidigern gehen, diese seien zum dessen Kleidung aus. 63 Der Parteivorstand. Prozeß Sternberg. handle und ob dieser zu verhaften sei. Privatdetektiv wo ich Geld hernehmen sollte. Luppa erklärte mir, ich sollte nun mal meine Befähigung beweisen, er wollte wissen, ob das, was er über die Vernehmung der überfung be ich hoffte, daß meine Gewissens bisse noch einmal haben dürften. veran Nochmals der moralische Irrfinn. ausDie unschuldige Frau Miller. wesen zu sein, aber nicht angenommen worden zu sein einen Lehrer fälschlich einer unzüchtigen Handlung beschuldigt. Hierauf werden der Frau Miller( Margarete Fischer) mehrere Gin zweites Mal sei sie nicht mehr hingegangen. Im übrigen bleibt Sie war aber im Stopf fehr klar. Prediger Waß muth bat die von ihr an ihre Schwester Clara und Herrn v. Treschow gerichtete die Bengin Ehlert trop wiederholter Vorhaltungen seitens des Vor- Beugin Ehlert im Konfirmations- Unterricht gehabt, sie ist schließlich Briefe vorgehalten, welche Stellen enthalten, die mit der Aussage fizenden und des Staatsanwalts dabei, daß ihre früheren belastenden weggeblieben, ohne konfirmiert zu werden. Damals- vor zwei Jahren fonnte sie die Bedeutung und Heiligkeit des Eids wohl der Beugin in Widerspruch zu stehen scheinen. Die Zengin erklärt Bekundungen erlogen seien. erfaffen. Ein junger Mann, Willy Bodenberg, bekundet dies wiederholt damit, daß ihr viele anonyme Briefe und Zeitungseinen Vorfall aus dem Jahre 1898, wo er mit der Ehlert in ausschnitte zugesandt worden seien, nach welchen angeblich Stern Die Ehlert sei dabei so berg fehr belastend gegen sie ausgesagt haben sollte. Da sei sie Phyfitus Puppe wird vom Vorsitzenden aufgefordert, auch Sonflitt gekommen fei. ihr ein Paar Ohrfeigen ber= fehr empört gegen Sternberg gewesen und habe in den Briefen seinerseits ein Urteil über die Persönlichkeit der Ehlert abzugeben. fallend geworden, daß er manches übertrieben dargestellt. Unter Verweigerung ihrer Er erklärt, ein abschließendes Urteil ohne genaue törperliche abfolgt habe.( Heiterkeit.) Die Beugin Ehlert protestiert Einige Aussage auf einzelne ihr vorgelegte Fragen bleibt sie dabei, Untersuchung nicht abgeben zu können. Was er bisher von ihrem hiergegen. Sie habe ihm eine Ohrfeige gegeben. daß sie selbst sich nicht als Berbrecherin fühle. Sie habe Auftreten gesehen, deute allerdings darauf hin, daß ein gewisser andre Beugen bekunden Dinge, die darauf hindeuten sollen, daß die thatsächlich gedacht, Sternberg treibe vielleicht aus Liebhaberei Schwachsinn bei ihr vorliege; wie groß derselbe sei, tönne er nicht Ehlert ins Gelache hinein unwahrheiten fage. Das behauptet Malerei und erfreue fich an jugendlichen Modellen; sie habe feinerlei bestimmt sagen. Physitus Dr. Störmer geht in seinem Gut- namentlich ein Schlächtergeselle Adolf Megner, der ihr das Zeugnis Ahnung davon gehabt, ob oder daß der Angeklagte mit diesen achten weiter; nach seiner Ansicht ist die Ehlert eine Imbecille ausstellt:„ Lügen thut sie ja ausnahmsweise sehr." So habe sie Modellen unzüchtigen Verkehr pflegte. Sie würde so etwas nicht comme il faut. Bei dieser Ungebühr- Scene sei ste nach seiner An- erzählt, ihr Vater habe die Mutter erstochen, ihre Cousine habe sich geduldet haben und glaube nicht, daß es passiert sei. Die Zeugin sicht nicht Herrin ihres Willens gewefen. Der Staatsanwalt vergiftet 2c. Die Zeugin Ehlert erklärt, hiervon nichts zu fucht die krassen Ausdrücke in den Briefen, welche auf ein schweres hält troz dieser Gutachten seinen Antrag auf volle Verbüßung der über wissen; wenn sie so etwas gesagt haben würde, würde es nicht wahr Schuldbewußtsein hindeuten, abzuschwächen. Sie habe sich nur die Ehlert verhängten Ordnungsstrafe aufrecht. Der Gerichtshof gewesen sein; sie habe ihre Eltern ja schlecht gemacht, aber in der fchwere Vorwürfe gemacht, daß sie überhaupt weggegangen fei. behält sich eine Beschlußfassung hierüber vor. Die nochmals behaupteten Form glaube sie so etwas nicht gesagt zu haben. Der Der Borsigende erklärt wiederholt, daß dem Gerichtshofe doch nicht vorgerufene Callis bestreitet, daß die Ehlert überhaupt bei der Beuge sei ihr feindlich gefinnt; fie ging" früher mit ihm. zu viel Leichtgläubigkeit zugemutet werden solle. Die Fischer war. andrer 8euge bestätigt die abenteuerliche Erzählung, die die Ehlert Beugin wird mit der Ehlert, der Frieda Woyda, der Teichert, Hierauf werden einige Zeugen über die Persönlichkeit der über ihre Eltern gemacht habe. Sie habe aus reinem Vergnügen der Schnörwange, der Callis konfrontiert und ihr Wider- Beugin Ehlert vernommen. Reftor Brüning, in dessen unwahrheiten gesagt, u. a. auch, daß ihre Mutter ihre jüngste sprüche zwischen deren und ihren eignen Aussagen vorgehalten. Schule die Ehlert unterrichtet wurde, erklärt, daß er Schwester vergiftet habe, obwohl sie überhaupt keine jüngere richtet wurde, erklärt, daß er Sie erklärt, daß sie sich überhaupt nicht enfinnen fönne, ob die ein sehr betrübendes Bild von dem Charakter der Ehlert Schwester habe. Die weitere Berhandlung wird hierauf auf MittMädchen bei ihr waren. Beugin Ehlert bestreitet noch- entiverfen könne. Sie sei ein ganz verdorbenes Mädchen ge- woch 91/2 vertagt. mals, überhaupt bei der Fischer gewesen zu sein; auf wieder- wesen, die sich des Diebstahls, allerlei Betrügereien 2c. holten Vorhalt des Vorfizenden giebt sie zu, doch einmal dort ge- schuldig gemacht Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 12. Dezember. Opernhaus. Rain. Die Abreise. Bergißmeinnicht. Anfang 72 Uhr. Schauspielhaus. Agnes Bernauer. Anfang 72 Uhr. RANIA nur Sie habe auch in einem Falle W. Noacks Theater. Theater. Thalia- Theater Brunnenstraße 16. Dresdenerstr. 72. Heute und folgende Tage: Taubenstr. 48/49. Am Weihnachtsabend. Amor von heute. Im Theater abends 8 Uhr: Auf den Wogen des Oceans. Im Hörsaal: ,, Das Gärungsproblem" von Prof. Buchner. Invalidenstr. 57/62. Neues Overn Theater( roll). Tägl. Sternwarte. Geschlossen. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 72 Uhr. Leffing. Wie die Blätter. Anfang 7 Uhr. Nachmittags 5-10 Uhr. Berliner. Die ftrengen Herren. An Passage- Panopticum. fang 72 Uhr. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 72 Uhr. Neues. Die Liebesprobe. Anfang 712 Uhr. Weften. Romeo und Julia. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Sneewittchen bei den sieben Zwergen. Central. Die Geisha. Anfang 712 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kinder- Borstellung: Hänsel und Gretel. Seceffionsbühne. Anfang 7/2 Uhr. Der Leibalte Schiller. Der Maschinenbauer. Anfang 8 Uhr. Thalia. Amor von heute. Anfang 71 Uhr. Luisen. Der Millionenbauer. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Bettelstudent. Anf. 71/2 Uhr. Carl Weiß. Die Beilchenprinzessin. Anfang 8 Uhr. Belle Alliance. Der Geigenmacher von Mittenwald. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Eine tolle Nacht. Anfang 71/2 Uhr. Apollo. Specialitäten- Borstellung. Fräulein Loreley. Anf. 8 Uhr. Palaft. Specialitäten Vorstellung. Der Säugling. Anfang 72 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Baffage Wanoptikum. Speciali täten D Borstellung. Anfang nachmittags 3 Uhr. Urania. Taubenstr. 48/49.( 3m Theatersaal) Abends 8 Uhr: Auf den Wogen des Oceans". Im Hörsaal:" Das Gährungsproblem". Von Prof. Buchner. Juval idenstraße 57/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Schiller Theater ( Wallner Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Bum Die Maschinenbauer. Bosse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern Don A. Weirauch. Musik von A. Lang. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Freitag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Neu! China in Berlin. Krao, Bindeglied zwischen Mensch und Affe. Liza, das 12jähr. Riesenmädchen. Eintritt einschließl. Theater 50 Pf. Passage- Theater Unter den Linden 22. -Vorstellung ( Nachmittags 3 Uhr bis abends 11 Uhr. Tägl. Auftreten Gertrude Barrison Jenseits der krummen Lanke. 2. Seebataillon 3 Compagnie 16 Nummern. Eintr.( soweit der Raum reicht) inkl.Panopticum 50Pf. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. ES Neu! Dahomey- Dorf. Neu! 38 wilde Weiber von der Leibgarde des Königs Behanzin. Kriegs- u. 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Die Neue Einlagen: faufende Bootsfahrt die 100 Fuß lange und steile Cascade hinab. Erftürmung der großen chinesischen glatten Mauer. Sensationelle Bravourleift. Boltsstück mit Gesang in 3 Aften von Große Ausstattungspoffe mit Gefang Th. Kolbe. Musik von R. Thiele. Donnerstag: Am Weihnachts. abend. und Tanz. Anfang 72 Uhr. Ein Socialdemokratischer Wahlverein für den 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. = Donnerstag, den 13. d. M., abends 82 Uhr, im Alten Schükenhause, Linienstraße 5: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten G. Ledebour über:„ Die politische Lage." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Vorstand. Metropol Theater, Cirkus Busch Deutscher Kolzarbeiter- Verband. Behrenstr. 55/57. Henry Bender als Debüt. Mit vollständig neuer Ausstattung Fine tolle Nacht. Berliner Ausstattungspoffe in 5 Bildern. Vorher: Das Dezember Specialitäten: Programm. Brüder Pantzer. Renard. Mlle. Bacha. Anfang der Specialitäten 1/28 Uhr, Anfang der„ tollen Nacht" 1/29 Uhr. Rauchen überall gestattet. Morgen u. d. folgenden Tage: Eine tolle Nacht. Cirkus Jansly. Schöneberg, Hauptstrasse. vis- a- vis dem Rathaus. Mittwoch, 12. Dezbr., nachm. 4 Uhr: Schüler, Kinder und Familien: Vorstellung. Mittwoch, 12. Dezember, abds. 71/2 Uhr: Grosse Vorstellung. Bahlstelle Berlin. ,, Die eiserne Maske". Donnerstag, 13. b. M., abbs. 8 Uhr, bei Schiller, Rosenthalerstr.57 99 Branchen- Versammlung der Stellmacher. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genoffen Ad. Hoffmann über: Auf was wir stolz sind. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. 285/1 Großes histor. Manegen Schaustück in 4 Aften und 2 Hauptbildern. I. Aft: Ludwig XIV. als Allein: herrscher. II. Aft: Zelle in der Bastille. III. Aft: Einnahme von Straßburg. IV. Aft: Der Staats streich. V. Aft: Eine Falkenjagd bei Fontainebleau. VI. Att: Der Mann mit der eisernen Maske. VII. Att: Das letzte Fest im heute, Schloffe Vaug le Comte. Direttor Busch mit seinen vor Mittwoch, züglichsten Freiheitsdreffuren. Lichtbilder12. Dezbr., Die Kommission. Männervortrag Kommandantenstraße 20, im großen Saal, abends 82 Uhr Brothers Damm, excentrische Afrobaten über:„ Geschlechtsleben und Schwangerschaft" Miss Ada mit ihren wunderbar dressierten Forterriers. ,, The little Toney", der fleine 10jähr. Wunderjockey. Vorzüglichste Programmnummern! Avis! Sonntag, 16.Dezember, nachm. 4 Uhr: Bertiner Landpartien. Sanssouci Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Anfang Sonntags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Von 5-7: Unterhaltungs- Musik. Wochentags 8 Ühr. Entree 30 Pf. Nach jed. Soiree: Tanzkränzchen. Wochentags Tanz frei. Vereins- und Vorzugsbillets wochentags gültig. Säle zu Festlichkeiten und Versammlungen. ( Bedeutend ermäßigte Preise.) Bum Schluß: Verteilung eines Riesenkuchens, welcher mit 4 Bonys in die Manege gefahren wird. Jedes Kind erhält seinen Anteil, soweit der Vorrat reicht. Abends 8 Uhr: Hauptvorstellung. ( Gewöhnliche kleine Preise.) Neu! Die bogenden und ring kämpfenden Pferde August und Muczi. Original- Meisterbreffur des Direktors Jandly. nener Künstler.( Näheres durch Komödie in 3 Aften v. Lothar Schmidt. Tageszettel und Anschlagsäulen.) Morgen: Dieselbe Vorstellung. Auftreten Seceffionsbühne. Alexanderstr. 40. Der Leibalte. Wo amüsiert man sich grossartig? Hasenhelde 21 und Jahnstr. 8 in Schnegelsbergs Festsälen, Inb.: Max Schindler. Telephon: Amt IV Nr. 1132. Heute: Grosser Ball, als Specialität: Cigarren- und echten Weichselspitzen- Regen verbunden mit Schlangen- u. Bonbon- Regen u. diversen Ueberraschungen. Täglich: Specialitäten- Vorstellung. Entree frei. Empfehle den geehrten Gewerkschaften, Vereinen, Fabriken 2c. meine Säle, 300 und 1200 Personen faffend( mit Bühne) zu Veriammlungen und Festlichfeiten jeder Art.( 57418* Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Wochentags 7 Uhr. Karlstrasse. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. Specialitäten. J. M. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Zähne 2 M., Abteilung 10 Jahre Garantie, Vollkommen schmerzl. Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 M. Teilzahl. wöchentlich bom Naturheilt. Grundmann. Gäfte 20 f. Mitglieder: u. Kranken- Aufnahme in Naturheilanstalt Brückens, Neanderstr. Köpnickerstr. 72 aturärztl. Spr. 11-2, 6-8. Central- Verband der Töpfer. ( Filiale Berlin). Mittwoch, den 12. Dezember, abends 51/2 Uhr, bet Dr äfel, Neue Friedrichstraße Nr. 35: Versammlung. Tages- Ordnung: Der Streit in Leipzig. Gewerkschaftliches. Da wichtige gewerkschaftliche Angelegenheiten zu erledigen sind, muß jeber Kollege erscheinen. Der Vorstand. ( 196/18] Verein socialdemokratischer Gaft- und Schankwirte Berlins und Umgegend. Freitag, den 14. Dezember, nachmittags 5% Uhr Versammlung beim Kollegen Klingenberg in Pankow, Kaiser Friedrichstr. 12. Tages Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereins: Angelegenheiten. Der Vorstand. 3. A.: Ferdinand Ewald. Die schönsten und paffendsten WeihnachtsGeschenke find gut gearbeitete [ 2759* Steppdecken. Am besten und billigsten direkt in der Fabrit Bernh. Strohmandel, Berlin S., 72. Wall- Strasse 72. Wo auch alie Decken aufgearbeitet werden. bekannt Künstl. Zähne 2 Mark vorzügl. Plombieren. Schmerzloses Zahnziehen. Reparaturen in 2 Stund. Sprechz. 8-8. Blumenstraße 25, 1 M. Alfred Apenburg, Invalidenstrasse 33, R. Lange, Ede Martusstraße. Nähe Stettiner Bahnh. Spr. 9-7. Reparat. sofort. Deutscher Weingrosshandlung Cognac angenehm mild im Geschmack a Literflasche M. 2,10, 2,50, 3,-. Amt IV. Eugen Neumann& Co. 9676. Neue Friedrichstr. 81. Belle- Allianceplatz 6a. Genthinerstr. 29. Oranienstr. 190. Grüner Weg 60. Elsasserstr. 71. Putbuserstr. 35. Wilsnackerstr. 25. Schöneberg, Hauptstr. 129. Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 48. Steglitz, Albrechtstr. 18. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Borher: Konzert. Deutsche Konzerthallen Spandauer Brücke. Täglich 4 ausländische 4 Kapellen Gr. Theater- Vorstellung. Größte schönste Weihnachtsmesse und Ausstellung im Messpalast Alexandrinenstr. 110. Täglich Konzert v. 5 Kapellen. Illusionen. Variétés. Mysterium des 20. Jahrhunderts. Erscheinung aus Raiser: der übersinnlichen Welt. Panorama. Hölle u. Nordpol. Höllen: Variété. Sonntags: Gr. Ball bet Entree 20 Mann starfer Kapelle. frei und 10, 20, 30 Pf. Dir. Kranz. Verantwortlicher Redacteur: Robert Schmidt in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in Berlin.