Nr. 292. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PoftAbonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Post- Beitungs Preisliste für 1900 unter Br. 7971. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 2 Mart, für bas übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. an. Vorwärts Berliner Volksblatt. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebaye beträgt für bte sechsgefpaltene Kolonel geile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bte nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Grpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Jernsprecher: Bmt I, Mr. 1508, Telegramm Adresse: Bocialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Aus Italien. Die moralische Ausmistung dauert dank der Arbeit der Socialdemokratie Avanti! De Felice. Der Einsturz der Mauern des TiberQuais und der Verdienst der Unternehmer. Geheimfonds und Herr Die beiden Strömungen: Sonnino- Giolitti. Die äußerste Linke. Die Socialisten. Rom, 9. Dezember. Saracco. Es ist ein großer Augiasstall, der in unsrem Lande ausgemistet werden muß und man muß anerkennen, daß die einzigen, die sich mit Mut und Glück dieser Riesenarbeit der moralischen Reinigung widmen, die Socialisten sind. Sonnabend, den 15. Dezember 1900. 03 Und überall ist eine wahre Hochflut von Korruption, die alle focialen Organe unsrer geliebten Bourgeoisie verpestet, und ehe es gelingen wird, diese Infektion zu desinfizieren, wird noch mancher Tropfen Wasser den Tiber herunterfließen. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Und diesen. Unterbeffen, wie schon gesagt, wurstelt die Regierung Saracco weiter, die sich hält, weil sie zu viel Feinde hat, die sich untereinander wieder nicht grün sind. Diese Regierung hat ein finanzielles Programm angekündigt, das ein wahrer gouvernativer Nihilismus ist: Dafür ein weiterer Beweis andrer Art: Die kolossalste und Man kann nicht zu einer durchgreifenden Steuerreform schreiten, weil nüßlichste Unternehmung, die die Regierung im dritten Rom zu das zu einer Unordnung in den Staatseinkünften führen könnte, stande gebracht hat, ist die Einschließung des Tiber zwischen zwei und man kann auch keine Amputation an den Ausgaben für militägewaltige und feste Riesenmauern aus Travertin, welche die Ueber- rische Zwvede vornehmen, weil das eine Pflichtvergessenheit wäre. schwemmungen abhielten, die vorher beständig die tiefgelegenen Da nun neue 50 Millionen erforderlich sind, von denen 32 für die Stadtteile beschädigt hatten. Dieses toloffale Wert wurde auf dem Marine, so wird man zu neuen fistalischen Härten schreiten, welche Wege der öffentlichen Ausschreibung an den Mindestfordernden ver- die Werttitel auf Inhaber im Inlande treffen werden. geben und hat bis jetzt und es ist noch nicht einmal gänzlich wunderbaren Schlußdruck bringt man in dem Moment, wo die Abvollendet ca. 120 Millionen gekostet. schaffung des Getreidezolls gebieterisch gefordert wird, um den Die Leser des„ Borwärts" kennen schon das Resultat des Pro- Nun gut, es hat nur ein etwas größeres Hochwaffer als geschwindelndhohen Brotpreis herabzuseßen und so den Ausbruch der ( Der Brot zeffes Casale, der durch die Anklagen der Socialisten zu Neapel pro- wöhnlich gebraucht, und das ist in den letzten Tagen eingetreten, drohenden gewöhnlichen Hungerrevolten zu vermeiden. voziert wurde und mit dem moralischen Tode jenes Ober- Häuptlings um nicht nur viele Stadtteile unter Wasser zu sehen, weil man nicht konsum ist in Italien bei der ungeheueren Paupertät der überder Camorra endete, sie sind über die Ergebnisse des Prozesses wegen für die nötigen Kanalisations- und Drainage- Arbeiten seitens der Stadt wiegenden Mehrzahl der Einwohner ein so immenser, wie man sich der Ermordung des Commendatore Notarbartolo informiert, sie haben Sorge getragen hat, sondern auch jene oben erwähnten Mauern, in Deutschland taum einen Begriff machen kann, in natürlicher von der neuen Untersuchung, die infolge der Anzeigen, Anklagen und kaum vor 15 Jahren gebaut, die die Bürgerschaft anstaunte, Konsequenz dieses tolossalen Brotkonsums ist Billigkeit des Getreides Aussagen der parlamentarischen Socialisten gegen den ehemaligen find in einer Länge von verschiedenen Hunderten von Metern ins das vitalste Interesse für Italien und wichtiger wie für alle andren Abgeordneten Palizzolo eröffnet wurde, gelesen, der in den letzteren Wasser gestürzt. Jezt sind neue Millionen erforderlich, um die ein- Länder.) Tagen in den Affisen als verdächtig erklärt wurde, als Auftraggeber gestürzten Quais wieder aufzubauen und deren frühere Erbauer, die bei zwei Morden fungiert zu haben, sie sind nicht in Unkenntnis sie vom Staate durch Ausschreibung zur Konstruktion vergeben erüber die Anklage, die die neapolitanischen Socialisten gegen zwei halten hatten, genießen in feligem Frieden die gestohlenen Millionen, Polizeibeamte erhoben haben, welche lettere schuldig sind, einen da inzwischen auch die gefeßlichen zehn Jahre, während deren diese jungen von ihnen arretierten Menschen zu Tode malträtiert zu ehrlichen Bauleute gerichtlich hätten verfolgt werden können, verhaben und die deswegen in furzem der Prozedur werden unterworfen flossen sind. werden. Das waren drei große Schlachten, die die Socialisten mutig in der Preffe engagierten, und die vor dem Richter schon ihren für die Socialisten triumphreichen Epilog hatten, oder in Bälde haben werden. Aber noch andre Kämpfe hat die Socialdemokratie an andren Bunkten Hesperiens eröffnet. In Verona wurde eines Tags die zerstüdelte Leiche einer leichtlebigen Frauensperson, die die Geliebte eines aktiven Offiziers war, in der Etsch gefunden. Der Offizier wurde sofort unter Anflage versezt und verhaftet, aber auf Bression der Militärbehörden, die einesteils, um die Ehre des Offiziercorps zu wahren, andrerseits aus Corpsgeist den Offizier salviert sehen wollten, wurde derselbe noch vor dem Urteil befreit und feierte unter Kameraden und Damen Triumphe. Die Veroneser Socialisten haben mun einen wahren Polizeidienst organisiert und es ist ihnen geglückt, derartige Daten, Beweise und Zeugnisse gegen jenen Offizier zusammenzutragen, daß man gezwungen ist, gezwungen ist, die Procedur zu eröffnen, und daß es notwendigerweise in den Mysterien dieses traurigen Dramas Licht werden muß. Das wird vielleicht die erste große Schlacht sein, die in Italien gegen den Militarismus zu liefern möglich sein wird, und gegen das Heer, das als unberührbare Staatsgewalt angesehen wird. " Ferner, während in Mailand der Prozeß Notarbartolo verhandelt wurde, der dann abgebrochen wurde, um eine neue Untersuchung gegen den Hauptschuldigen Palizzolo zu eröffnen, enthüllte und kommentierte der Abgeordnete De Felice im Avanti" alle die Gewalthaten, Präpotenzen, Beschimpfungen und Bestechungen, die die Maffia in Sicilien zur Zeit der Wahlen zu Gunsten der Regierungsparteien ausübte, während der Senator Codronchi als königlicher CivilGouverneur die Geschicke jener Insel leitete. Und De Felice erklärte flar und deutlich, daß dieser selbe Codronchi für alle diese Schweines reien verantwortlich sei, der sich der Maffia bediente, um dem Regierungs- Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Cobronchi erhob die Klage und seit einer Reihe von Tagen prozessiert man vor dem Tribunal in Rom gegen De Felice und den Chefredacteur des„ Avanti", eine Prozedur, die allem Anschein nach so bald noch nicht beendet sein wird. Aus den unter Eid abgegebenen Zeugenaussagen will ich einige Episoden anführen. Und die Regierung, und das Parlament, oder richtiger gefagt, die Majorität im Parlament? Sie sind nicht besser als die, die sie vertreten. Gerade in den letzten Tagen hat ein Journalist publiciert, den Ministerpräsidenten Saracco verklagt zu haben, weil dieser einen monatlichen Zuschuß von 2000 Lire fufpendiert hat, ein Subfidium, das der Herr Ministerpräsident dem Journalisten zugesichert hatte, damit dieser in seinem Journal nicht die geliebten Freunde Allerhöchftseiner Excellenz angriffe. Sarocco, diesbezüglich in der Kammer interpelliert, erklärte mit edlem Freimut, die Geheimfonds heißen gerade deshalb Geheimfonds, weil der Minister nicht verpflichtet ist, über ihre Verwendung der Kammer Rechenschaft zu geben. Enrico Ferri hat in einer seiner meisterhaften Reden in der Kammer das Generalprogramm der Regierung diskutiert und dabei das politische Problem Italiens llar definiert: Italien leidet hauptsächlich durch das Hin- und Herschwanken zwischen ExpansionsVon der einen hat es unfruchtbare und Sammlungspolitik. Belleitäten, von der andren nie eingelöste Versprechungen. Man muß mun endlich einmal zu einem festen Entschluß kommen und resolut feststellen, daß bevor man zu einer Expansionspolitik schreiten fann, man eine Präparationspolitik treiben muß. Das war die Handlungsweise der großen Nationen, die wir heute an der Spitze der Civilisation und des Fortschritts marschieren sehen." Die Sammlungspolitik muß von einer langen Reihe tiefgreifender Reformen begleitet sein, für deren Ausführung viele Millionen nötig find, die durch die Zinsen der Staatsschuld und durch die Ausgaben für militärische Zwecke zu decken wären. Hingegen dauert die schwankende Politik an, und die Regierung hat, um sich die Verantwortlichkeit für neue fistalische Lasten vom Halfe zu schaffen, eine parlamentarische Kommission ernennen laffen, die jene neuen Lasten diskutieren und natürlich annehmen soll. Die Diese reizende Rechtfertigung ist das würdige Gegenstück zu der äußerste Linke jedoch hat auch nicht den geringsten Teil jener Vera Eueres Bülow bezüglich des Plagens der 12000 Mark- Röhre und antwortlichkeit übernehmen wollen und sich volle Freiheit vorbehalten, ein deutlicher Beweis dafür, daß Alter nicht- schützt davor, in im Lande für tiefgreifende Reformen des herrschenden Steuersystems mancher Beziehung trowie hädel behauptet seniler Gehirn- au agitieren. Rüdbildung, dennoch ein gelehriger Schüler zu sein. --Ein guter Teil der Presse schweigt sich über diesen Standal gründlich aus, denn zahlreich wird die Zahl der Journalisten, die nicht aus den verschiedenen ministeriellen Krippen fressen, gerade nicht sein. ver Die socialdemokratische Partei steht immer im Vortrab der 100 Kämpfer der äußersten Zinten. Zahlreich und regelmäßig im Besuch der Sitzungen haben die socialistischen Abgeordneten den Erfolg gehabt, eine Tagesordnung durchzubringen, die die Res. gierung auffordert, obersten die Militärgerichte und den die Marine abzuschaffen. Während ein Und weiter! In Neapel ist der Posten, den der Camorrist Gerichtshof für Casale vacant lassen mußte, neu zu besegen; die Regierung präsentiert Gefeßentwurf verhandelt wurde, der die in Trusts und unterstüßt nun einen Kandidaten, der nichts andres ist, als der einigten Schiffahrtsgesellschaften verhindern sollte, nach ihrem Fahrgebühren für die Auswanderer nach Ausdruck der casalistischen Schweinebande, die immer noch nach wie Belieben die vor lebendig ist und von einem Teil der öffentlichen Meinung be- Amerika zu erhöhen, haben die Socialisten dafür gestritten, daß das günftigt wird. Die neapolitanische Bresse thut ihr möglichstes, um die öffentliche Aufmerksamkeit von diesen Standalen abzulenten, und dabei kommt ihr die Aeußerung„ niedriges Jtalien" sehr gelegen, die der socialistische Abgeordnete Pescetti erzürnt und angeetelt von all' dem stinkenden Unrat gethan hat. Natürlich brandmarken die biederen Pfefferfad- Journale den Besceiti als Antipatrioten, was in das„ geliebte Deutsch" übertragen so viel bedeutet wie„ Reichsfeind". Die Stammer scheint sich in einen toten, stagnierenden Sumpf verwandelt zu haben und die ganze Aktivität der BourgeoisPolitikaster beschränkt sich auf Korridor- Intriguen. Die Regierung Saracco hält sich immer noch auf den altersschwach torkelnden Beinen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil feiner seiner zahlreichen Feinde dasselbe angutasten wagt, einerseits aus mangelndem Kraftgefühl, andrerseits aus Furcht, anstatt Saracco irgend einen Freundnachbarn zu treffen. Während der Wahlen zu Giarre 1897 am Morgen der Wahl organisierte der Delegat De Ferio an der Spize von circa 100 mit Meffern, Stöden und Revolvern bewaffneten Personen einen wahren Streifzug, indem er alle antiministeriellen Wähler im gefamten Wahlkreis bedrohte und einschüchterte. Er besetzte die Wahllokale und die Bläge einiger Vorstädte mit einigen von seinem Gefindel und hielt dann seinen triumphierenden Einzug in Giarre, wo Aber unter all den Fraktionen und Frattiönchen, welche unsre er sich im Wahllofal festfezte, in dem in der Gegenwart von Kammer zerteilen, zeichnen sich jest 2 Hauptströmungen immer Soldaten und Gendarmen die es bezeugten- die Parteigänger des deutlicher ab; an der Spize der einen steht Giolitti, der andren Sonnino. ministeriellen Kandidaten betrügerisch ihre Stimmzettel in die Urnen Die erstere tann man als wenigstens formell respektvoll gegen die warfen. Ein gewiffer Banebianco, wegen Raubs zu sechs Jahren tonftitutionellen Freiheiten und als demokratisch in der SteuerGefängnis verurteilt, hatte eine zahlreiche wahlberechtigte Familie. reform bezeichnen; die zweite bedeutet mehr oder weniger mastierte Man versprach nun von seiten der Regierung dem Herrn Banebianco Reaktion, Konservierung des politischen und Steuer- Status quo die eifernen Gardinen zu ersparen, wenn seine Verwandten zu und als Anhängsel mehr oder weniger aufrichtige sociale Reform Gunsten des ministeriellen Kandidaten ihre Stimme abgeben würden. Absichten in aristokratischem Sinne. In diese lettere Strömung er Zwei Brüder Barbagallo, gegen die ein Stedbrief erlassen worden gießen sich der Großgrundbesitz, das Großkapital, die Bant war und die sich deshalb verborgen hielten, erschienen plöglich am wirtschafter und alle Barafitenkasten, das Bett der ersteren ist die Morgen der Wahl in Giarre, um zu stimmen und um auf die liberale Bourgeoisie, der Kleinbesig und Kleinhandel. Diesen beiden Wähler durch Gewalt einzuwirken. Der Polizeidelegat hatte den gegenüber steht fest geschlossen die äußerste Linke mit einem ProHaftbefehl in der Tasche, aber dem Stations- Kommandanten der gramm der Freiheit von Steuerreformen und Verminderung der Carabinieri, der ihn fragte, warum die beiden Jndividuen nicht ver- Militärausgaben, und sie kann sich mit Recht als Schiedsrichter in der haftet würden, antwortete er, daß man das nicht thun brauche, Zukunft der beiden oben erwähnten Tendenzen bezeichnen. Und that da die beiden Brüder während der Wahlen in seinen Diensten sächlich ist ein ans Ruder fommen tommen Sonninos oder einer und unter seinem Schutze ständen. Bei andren administrativen reaktionären Regierung in seinem Sinne ein Ding der Unmöglichkeit, Wahlen, wurde ein Teil der Gelder, die für Wahlausgaben bestimmt so lange die jetzige äußerste Linke und das jetzige System der waren, um zu Gunsten der Regierungsliste, auf der sich auch der Stimmenabgabe besteht. Um lebensfähig zu werden, mußte er die intellektuelle Mörder Pallizolo, Häuptling der Lokal- Maffia, befand, Stimmenabgabe beschränken, was soviel heißt, als den Aufstand im Stimmung zu machen, von Codronchi selbst verteilt, andernteils aber Lande provozieren. wurde der Stimmenkauf von Polizei- Agenten vorgenommen. So könnte ich noch in lieblicher Folge lieblichere Thatsachen aufzählen und dabei find wir noch nicht mal bis zur Hälfte des Prozesses gediehen. Giolitti seinerseits ist ohne die Unterstügung der äußersten Linken unmöglich und das heißt so viel, als eine tiefgreifende Steuerreform, Reduktion der Ausgaben für das Heer und Wahlen auf dieser Grundlage. einzige Heilmittel darin bestände, daß der Transport von Auswanderern über See vom Staate übernommen werden müßte. Da diese Idee verworfen wurde, so haben sie es wenigstens durchgesetzt, daß in das Gefeß verschiedene Garantien für die Auswanderer aufgenommen wurden. Während im Lande die Agitation und Propaganda für Aba fchaffung des Octrois auf Getreide andauert, werden die Socialisten einen lebhaften Kampf für Reformen des Steuersystems: progressive Einkommensteuer mit Befreiung der geringsten Quoten, Reduktion des Salzpreises und der Ausgaben für Militärztvede entfesseln. Politische Uebersicht. Berlin, den 14. Dezember. Der Boerenkrieg flammt mit neuer Leidenschaft auf, das beweisen die englischen Telegramme, die heute vorliegen. Während der imperator triumphans Lord Roberts sich auf der Heimreise befindet und das mächtige Deutschland aus Furcht vor dem Stirnrunzeln Englands, gegen das nach den offiziellen Verlautbarungen im Anfang des Jahres 1900 fich die deutschen Flottenrüstungen richteten, dem Transvaalpräsidenten die Thür vor der Nase zuschlug, rücken die Boeren selbst den englischen Truppen mit Die aus Boerenquellen allem Nachdruck auf den Leib. stammenden Mitteilungen von der Ohnmacht der Engländer und der großen Zahl der noch immer im Kampf stehenden Boerenstreiter mußten dem steptischen Beobachter vielfach übertrieben erscheinen: allein das, was sich aus den heute an einem Tag vorliegenden englisch en Nachrichten entnehmen läßt, läßt nunmehr keinen Zweifel darüber, daß die Annexion der Boerenstaaten erst auf dem Papier vollzogen ist, und daß die Boeren, die sich noch auf dem Kriegspfad befinden, keine gehezten, zersprengten Haufen sind, sondern zahlreiche und kampfentschlossene Kolonnen, die die Offensive ergreifen. Stellen wir die heutigen Nachrichten kurz zusammen: Lord Kitchener telegraphiert aus Pretoria vom 13. Dezember: General Elements wurde heute bei Nooitgedacht am Magaliesberg von den Kommandos Delareys und Beyers, insgesamt 2500 Mann angegriffen. Der erste Angriff der Boeren wurde abgeschlagen, es gelang den Boeren indessen, den Gipfel des Magaliesb erges zu nehmen, welcher von vier Kompagnien Northumberland-Füsilieren verteidigt. war. Die Boercn beherrschten somit das britische Lager und General Clements zog sich nach Heckpoort zurück und nahm auf einem Berge mitten im Flußthal Stellung. Der Kamvf war sehr heftig, ein Oberst und drei Hauptleute stelen. Ver- stärtungen sind sofort von Pretoria ab- gegangen. Die Brigade Broadwoods stand im Norden des Magalicsberges, 7 Meilen westlich von der Position Clements. Ein andres Telegramm Kitcheners spricht von fünf g e- fallenen Offizieren; die übrigen Verluste seien noch nicht bekannt. Wenn 5 Offiziere gefallen sind, kann die Zahl der gefallenen Mannschaften und der ver- wundeten Offiziere und Mannschaften keine geringe sein. In London verbreitete Gerüchte behaupten auch die G e- fangennahme von mehreren hundert Mann. Dieser Kamps spielte sich bei den Magaliesbergen ab, im Herzen Transvaals, einige 75 Kilometer westlich von Pretoria. Ein Reuter-Telegramm meldet ferner vom 14. Dezember von Lourenyo Marques: Die Lage in Komatipoort ist ernst. Eine ISOV Mann starke Boerenstreitmacht befindet sich in der Nähe und man erwartet einen Sturmangriff aus Komati- Po ort. Die britische Kavallerie ist nach dem Sab ie- Fluß abgegangen. Alle Truppen haben Befehl, in Bereitschaft zusein. Komatipoort befindet sich ganz an der Ost grenze Transvaals. Ein weiteres Telegramm deS Lord Kitch ener besagt. daß die Boeren die Orte Lichtenburg, Bethlehem, Brede und V r y h e i d angegriffen haben, ohne indessen Erfolge gehabt zu haben. Vor Lichtenburg wurde der Boeren- General Limmer getötet. Dieser Kampfschauplatz befindet sich im südöstlichen Zipfel Transvaals, reichlich 300 Kilometer entfernt von den vorher genannten Lokalitäten. Aber damit nicht genug. Auch aus M a f e k i n g wird über die Bocrenoffensive gemeldet, daß eine englische Ab- teilung, die von den Boeren bei Modderfontein an- gegriffen wurde, letzteren große Verluste beibrachte. Lord Methuen sandte eilig st Verstärkungen ab, welche gleichfalls von den Boeren mehrmals angegriffen wurden. Letztere sollen erhebliche Verluste erlitten haben. Es handelt sich hier höchst wahrscheinlich um eine mit DeWet kooperierende Boerentruppe, die den angegriffenen Engländern vermutlich schwer zu schaffen macht, obgleich nach der famosen Abfassung der englischen Depeschen die Boeren ja als die Unterlegenen erscheinen. Wenn man aber trotz einer schon vorher erlittenen Schlappe ein heraneilendes HilfseorpS angreift, so muß man trotz angeblich er- ltttener schwerer Verluste noch recht aktionsfähig fein. Ueber De W e t selbst liegt abermals keine Nachricht vor, er ist abermals entkommen und wird baldigst wieder von sich hören lassen. Rechnet man nun, daß De Wet 2500 Mann komman- dierte, daß bei den Magali- Bergen ebenfalls 2500, bei Komatieport 1500 Boeren kämpfen, so macht das schon 0500 Mann. Da die Boeren ferner bei Modder- fontein und Vrhburg zum Angriff übergingen, so greift man wohl nicht zu hoch, wenn man annimmt, daß allein aus den erwähnten Orten mindestens 10 000 Boeren an den Aktionen teilnahmen. Angesichts dieser Thatsachen erscheint eine baldige Beendigung des Kriegs ausgeschlossen. K i t ch e n er verlangt denn auch fortwährend neue Verstärkungen. England ist nur leider nicht in der Lage, Verstärkungen zu schicken. Es kratzt in der Eile zusammen, was es an Truppen auftreiben kann, allein viel ist das nicht, wie folgendes Telegramm aus London beweist:„Etwa 800 Mann be- rittener Infanterie in Aldershof haben den Befehl er- halten, sich Anfang Januar nach Südafrika einzuschiffen; von Malta sollen, wie berichtet wird. 40v Mann berittener Infanterie sich Mitte Januar einschiffen." Wenn es aber den Boeren gelingt, den Guerillakrieg gleich den Philippinos noch ins Unabsehbare hinaus- zuziehen— und diese Möglichkeit scheint thatsächlich zu bestehen, so könnten selbst die riesigen finanziellen Hilfsquellen Englands versiegen und es nötigen, in ernste Friedensunterhandlungen einzutreten. Denn auf Jahre hinaus kann England doch nicht V* Million Soldaten in Südafrika unterhalten. Dazu soll der englische Verlust monatlich 3— 4000 Mann betragen. Wie wenig den englischen Angaben über die Boerenverluste zu trauen ist, erhellt daraus, daß ihnen zufolge De Wet allein schon 24 000 Pferde und 50 Millionen Patronen verloren haben soll. Wenn die Boeren nicht an sich selbst verzlveifeln, ist ihre Sache vielleicht trotz alledem noch nicht verloren!— Wider de» Brotwncher. Die agrarische Presse versucht die ihr äußerst unbequemen Dar- legungen des Herrn Professor Konrad über die Zollfrage, die wir kürzlich besprachen, totzuschweigen. Die„Deutsche Tageszeitung" leistet sich den Scherz, den Inhalt der Konradschen Ausführungen für nicht diskutierbar zn erklären, weil er keine—„neuen" Gesichts- punkte bringe; auf diese Art darf das biedere Blatt die Konradschen Darlegungen seinen Lesern kurzer Hand unterschlagen. . Angesichts dieser Unterschlagungen seitens der agrarischen Presse und der Bedeutsamkeit der Konradschen Darlegungen erschemt es wichtig, einige weitere Citate zu den früher mitgeteilten hinzu- zufügen: Ueber die Hauptwirkung der Getreidezölle sagt Professor jtonrad: „Der Schlverpunkt der Wirkung de» Getreidezolls liegt aber in der Belastung der Konsumenten. In dem grötzten Teile von Deutschland ist noch der Roggen das hauptsächlichste Nahrungsmittel, in Frankreich dagegen der Weizen. Der Roggenzoll belastet mithin hier die grohe Masse der ärmeren Bevölkerung. Die Kaufkraft de» Lohn» de» einfache» Arbeiter» wird dadurch ver- ringert, was namentlich gegenüber dem Auslande auch in der Zeit ins Gewicht fällt, wo ein allgemeiner Preisrückgang den Zoll cinigermahen ausgleicht. Ein neu aufgelegter Zoll wird de»- halb gleichbedeutend mit einer entsprechenden Lohn- reduktion sein» und die Erfahrung hat gelehrt, daß cS einer längeren Zeit und für den Arbeiter günstiger Konjunkturen bedarf,«m eine Lohnerhöhung für den Ar- beiter zu erwirke» und diese» anszngleichc». Nur auf Grnnd harter Kämpfe und vieler Entbehrungen ist eine solche Ausgleichung zu bewirken." I Im einzelnen kommt Konrad in dieser Frage auf Grund des bisherigen Ertrags der Zölle auf Getreide, Hülsenfrüchte und Malz in Deutschland schon zu folgendem Resultat: „Eine Arbeiterfamilie in der Stadt mit 5 Köpfen zahlt hier- nach allein an Getreidezöllen durchschnittlich 11—13 M. Nimmt man den Verdienst auf 900 M. an, wovon ö M. als Existenzminimum anzusehen find, so zahlt dieselbe hierin allein über l.b Proz. de» Einkommens, aber S Proz. de» freie» Einkommen». Da min außerdem der Arbeiter in Deutschland noch für Petroleum, Kaffee. Schmalz und Fleisch, auf Heringe, Tabak, ganz ab« gesehen von dem Zoll auf Baumwollen- und Wollen- >v a r e n. Zoll zu zahlen hat, so erhöht sich derZoll auf 6 Mark pro Kopf, und rechnet man die Salz- und G e- tränkesteuer hinzu, so crglebt sich ei» Ncbcrmaß der Stenerbelastung für die unteren Klaffe» durch die in- direkten Steuern» welche durch den Getreidezoll in ganz bedeutendem Maße gesteigert wird. Sie ist mir erträglich geblieben, glaubt Professor Konrad hinzufügen zu müssen, durch den allgemeinen Preisrückgang und die Steigerung der Löhne." Wie es mit dieser„Erträglichkeit" und ihren„Gründen" in Wahrheit bestellt ist, wird dem Herrn Professor jede Arbeiterfamilie nur allzu deutlich sagen können! Uebrigcns muß aber Konrad selbst an derselben Stelle fortfahren: „Die Belastung ist aber damit natürlich nicht vollständig be- rechnet, denn der Konsument zahlt nicht nur den Zoll, sondern, wie ivir sahen. außerdem«inen höheren Preis an den produzierenden Land- wirt, dem Zolle annähernd entsprechend und ginäß seine? Konsums. Man rechnet im Durchschnitt für den Haushalt 10 Doppelcentner Broigetreide. Berechnen wir pro Cenwer nur 3 M.. statt 3>/e. so würden immerhin 30 M. Pro Hans- Haltung und, natürlich im ganzen inkl. der Abgabe, infolge des Getreidezolls entrichtet>v erden; bei einer größeren Kinderzahl ivürde sich dieser Betrag, namentlich in den Städten noch nicht un- bedeutend erhöhen. Wie viel für andre Agrar- zolle hinzuzurechnen ist, besonders fürSchmalz, Speck zc., entzieht sich der Bestimmung." Wir geben der„D. TagcSztg." gern zu, wesentlich„neue" Gesichtspunkte sind dies in der That nicht, aber dafür sind sie und bleiben ste wahr und merkenswert im Kampfe gegen die Brotwuchererl— ** » Deutsches Iieich. Schlimmer al» die Socialdeinokratcn nach dem Zeugnis de« Bülow-offiziösen Hamb. Korrespondenten' die-- guten Alldeutschen. In Hamburg hat nämlich eine Kundgebung zu Gunsten der Boeren stattgefunden. Die Versammlung war ziemlich stürmisch, und die Herren äußerten sich teilweise recht derb. Ein Herr Justus Pape wandte sich gegen den Grafen Bülow. Wer, wie er, es wagt, in dieser Frage niit einigen Witzen vor den Reichstag zu treten, der ei für»hn nickt mehr Reichskanzler. sStürmischer Beifall.) Herr Jacobsen führte ans: Ich habe erfahren, daß da« hiesige englische Generalkonsulat sich an ein Privat-Detektivinstitut gewandt hat. um uiisre Versammlung zu überwachen. lStürmische Pfuirufe. Rufe:„Fenster einwerfenl") Möge es denn erfahren, daß das ganze deutsche Volk die englische Politik verdammt.(Stürmischer Beifall.) Reichskanzler Graf Bülow hat im Reichstag ein frivole? Spiel getrieben. Er hat Witze gerissen über eine Angelegenheit, die die deiitsche Volksseele in ihren Tiefen aufregt. Und er ist nicht wahr gewesen. Haben wir denn wirklich den Boercn gegenüber Neutralität geübt? Hat der Kaiser nicht jene Reise nach Eng- land gemacht, die das deutsche Volk nicht verstanden hat?... Auch die Chinapolitik ist Kabincttspolitik. die man gemacht bat. obue das Voll, ohne den Reichstag zu fragen. Präsident Krüger kommt, um sich sein Recht zn holen, das ihm ans dem Haagcr Vertrag zusteht. Die ritterlichen Franzosen bade» ihm die Hand gedrückt, aber wir..., und über alles dies geht Graf Bülow hinweg. Hätte er gesagt, eS giebt Gründe, die ich nicht nennen kann, so hätte man das verstanden. Aber er hat eL nicht gethan und deshalb soll er auch nicht sagen, wir sind unabhängig. Die kleine Königin von Holland(stürniischer Beifall) hat es gewagt, dem mächtigeit Albion zu trotzen, wir aber haben es nicht gewagt" usiv. Der„Hamburgische Korrespondent" behandelt diese Versammlung mit der ganzen Niederträchtigkeit, die den Offiziösen ziert, der eine chlechte Sache verteidigen muß. Er schreibt in einem Leitartikel über die„undeutsche" Versammlung: „Das möchten wir mm die Herren alles Ernstes fragen: Empfinden Sie es nickt selb st als eine Sck mach, tvie gestern das persönliche Thnn und Lassen unsrrs Kaiser» besprochen, geschmäht und verhöhnt morden ist? Nicht von den Rednern selbst natürlich, dazu ist man ja im allgemeinen zu vorsichtig, aber durch die Reden zusammen mit den Zwischenrufen, mit den provozierten Zivischenrnfen? Wir stehen nickt an, zu erklären, daß die Socialdemotratie im ganzen letzten Jahrzehnt keine vaterlandslosere, keine un deutschere Versammlung abgehalten hat als die gestrige, daß sie selbst in der höchsten Er- regniig über die Oeynhanser Rede u. a. mehr vaterländischen Takt, mehr Selbstzucht beiviesen hat... Die gestrige Versanmilung hat mit der Büste Bismarcks paradiert. Wir halten das geradezu für eine Blasphemie. Wer auch nur eine blasse Ahnung bat von der Persönlichkeit und der Politik des Fürsten Bismarck, der muß sich sage», daß er in diese Gesellschaft hineingewettert hätte mit eiserner Faust, so unerbittlich und so göttlich grob, daß ihr Hören mcd Sehen vergangen wäre. Die Leute freilich, die sich als die Erbpächter seiner Staarsweisheit geriereu, drücken sich um die Ehrenpflicht, die ihnen aus dieser Sachlage erwächst, herum, weil sie den augenblicklich gegen die Regierung wehende» Wind der Volksmeinung ftir ihre schlaffen Segel auffange» wollen." Wenn der Philister wild wird, gerät er erfahnmgsgemäß in« Grenzenlose. So braucht man die alldeutsche Kundgebung nicht allzu erusthaft aufzuuehmen. Gegenüber dieser schmutzigen TenunziationSwut des offiziösen Organs ist man aber fast geneigt, mit den Alldeutschen zu sympathisieren, die ja übrigens nur ausgesprochen haben, worüber— abgesehen von der Bülow- Barde— das ganze Volk einig ist.—_ \ Bülow- Kritiken. Während die liberale Presse den glücklichen Bernhard Bülow lvieder ob seiner Ärügerreben mit Huldigungen überschüttet und das Wölfische Telegraphenbureau ganze Körbe voll ausländischer LobeS- timmen herautelegraphiert. ist sich die unbeeinflußte öffentliche Meinung einig darüber, daß es dem Kanzler nicht gelungen ist, die Unmöglichkeiten der deutschen Politik irgendwie zu rechtfertigen. Besondersschrilltönt eS auS der agrarischen Preise, die aber offenbar weniger wegen Krügers Abweisung verstimmt ist als deshalb, weil der Reichskanzler mit keinem Worte«in handelspolitisches Bekenntnis abgelegt hat; man schiebt das ideale Interesse vor, um das materielle zu verfechten. Um von den Stimmen des Auslands, die ssgolff nicht über- mittelt, eine Probe zu geben, sei mitgeteilt, was der Pariser . FransaiS" sagt: „Frankreich hat Krüger Hochrufe gewidmet. DaZ ist aber auch alles, Ivos eS ihm geben wird. Deutschland hält es damit ebenso wie Frankreich. öS sieht dem scheußlichen Krieg mit ver- schränkten Armen zu. Herr Delcassö ist ein kluger uud erfahrener Staatsmann. Ich bin auch einer." Verzeihen Sie, Herr v. Bülow. Sie irren sich. Es besteht ein kleiner Unterschied zivischcn dem Kaiser Wilhelm und dem Herrn Präsidenten Lonbet, zwischen Ihnen und Herr» Delcasso, zwischen Deutschland»nd Frankreich.' Wir haben Krüger empfangen. Wir haben ibm zugejubelt. Wir hoben ihn angehört. Unsre Minister, nnsre Volksvertreter haben ihn besucht und geehrt... Er hat gesehen. wie man seine Thränen grüßte, er hat ein ganzes Volk eifrig be- flissen gesehen, ihm«in Lächeln zn entlocken, indem es die frischen Erinnerungen von Metzeleien und Mordbrennerei seinen Blicken mit Blumen verschleierte. Sein Heldenmut hat unsre Seelen so entflammt, unsre Herzen so bewegt, daß alle Welt bei uns die Vorsicht hintansetzte und daß wir un« erst darauf besannen. Nnq z» sein, nachdem wir unbedenklich gastfreundlich und gm gewesen waren. Das haben weder Deutschland noch Sie, mein Herr, gethan. Da haben Sie den ganzen Unterschied... Können Sie'leugnen, daß sich in Europa, in der Welt etwaS geändert hätte, wenn Präsident Krüger in Berlin wie in Wien empfangen worden wäre, wenn er die Ehre gehabt hätte, Ihrem Herrscher die Hand zu drücken, wenn er einige Augenblicke mit Ihnen selbst hätte plaudern können? Habe» Sie von Ihrem Land eine so schlechte Meiming. daß Sie ihm nicht zutrauen, wie das unsrige Maß halten zu tönnc»?... Warum haben Sie sich enthalten, warum haben Sie sich gedrückt, warum haben Sie sich verkrochen, wenn es zwischen Deutschland und England kein Bündnis, kein haarstarkcS Band giebt, wie Sie sagen? Sie sehen, Herr Reichskanzler, es giebt zwischen unsre» Ländern einen Unterschied:„Wir haben unsre Schuldigkeit gethan, Sie die Ihrige nicht." Ein Korrespondent des„TenipS". der die Reisen KrügerS begleitete, telegraphiert, nach einer Meldung der„Franks. Ztg.", aus dem Haag, daß man in der Umgebung Krügers sehr erstaunt ist über die Rede BülowS. Die Erklärung deS Reichskanzlers, daß er Krüger die nämliche Antivort hätte geben müssen wie Delcasse, könne nur ein Schcingrund sein, denn erstens bätte Krüger wahr- scheinlich in Berlin noch andre Dinge zu erzählen gehabt als in Pari« und zweiten« habe Delcass«, wie man annehmen dürfe, b e st i m in i e r geantwortet, a l S Bülow zu wissen glaube. Delcasss habe besonderes Gewicht darauf gelegt, daß eS im Interesse von Transvaal liege, wenn nicht Frankreich die Initiative zu einer Intervention ergreife, sondern eine andre Macht. Sehr abfällig äußert sich die russische Presse. Der Peters- burger„Herold" sieht in der Rede nur den Mangel einer wirk- lichen Aufklärung über die politischen Fragen. Die„N o w o st i führen aus, daß die Neutralität Deutschlands durch einen Empfang Krügers nicht verletzt worden wäre. Durch den Krüger gegebenen Rat. er solle nicht nach Berlin kommen und Deutschland sofort verlassen, habe Deutschland aber seine Neutralität gebrochen zn Gunsten Englands. Deutschlands Handlungsweise sei nickt zu rechtfertigen. Die „Russija" sagt, die geschickte Rede BülowS sei eine von den vielen Reden, die häufig zur Verteidigung dessen gehalten würden, waö z u verteidigen unmöglich sei. Die „Oirshewyja Wedomosti" bezeichnen die � Rede als ein neues Traucrblatt, das in den Lmialen des geeinigten Deutschen Reichs eingefügt sei. Aus der Rede spreche die Furcht vor England. Die Rede BülowS werde daS sittliche Prestige Deutsch- lands nicht heben. Dieses Prestige habe in den Auge» der Völker gelitten, die nicht mit ihren Gefühlen handeln. Wen» diese Aeußerungen auch von der polnischen Tendenz diktiert lind, so mindert da» nicht ihre Schlagkraft. Die russisch» Presse braucht eben nur die Wahrheit zu sagen.— Nebelpolttik. Bülow scheint nun auch schon unter die Journalisten gegangen zu sein, oder aber die„Kölnische Zeitung" bat sich so in die Art Bülowschen Denkens hineingelebt, daß ste Bülows Gedanken sogar in seinem Geiste stilisiert. DaS Blatt verteidigt die von Büloiv proklamierte Politik der Grnndsatzlofigkeit mit folgenden Scherzen: �.Wir mögen die Boeren. die um ihre Freiheit ringen, noch jetzt mit den besten Wünschen begleiten; aber unser Wuns ck- zettel wäre damit noch lange nicht erschöpft. Wir möchten, daß die Balten und Finnen nicht bedrückt werden, daß unsre Brüder in Oestrcich-Uiigarn frei atmen könnten; wir wünschen daß die Deutschen in den Vereinigten Staaten ihr Volkstum treu beivahrcn möchten; wir hätten gern Kolonien, wohin man den Auswandrerstrom lenken könnte; wir sähen gern, wenn der Reichskanzler Bebel irgendwo in der Welt in einem Duodez- staat den SocialismuS einführte und praktisch erprobte; wir sähen gern, wenn olle unsre Volksgenossen in der weiten Welt konfessionell denselben Hnt trüge» und wenn die Jesuiten in dem schönen Lande säßen, wo der Pfeffer wächst, tlnd wenn der Teufel die Chinesen holte, wenn eine wohlgefügte Brücke zum Mond emporführte, wenn wir den Mar? mit seinen Kanälen einmal ganz in der Nähe besehen könnten, � wenn das Unendliche faßbar ivürde und die Englein unS durch einen Spalt der Himmelsthür blicken ließen, so hätten wir nicht» dagegen. Die Politik aber befaßt sich mit dem Erreichbaren und M ö g- l i ch e n." Das ist genau derselbe Verzicht auf politische Princtpien und vernünftige Grundsätze, den auch Herr v. Bülow im Reichstag als die höchste staatsmännische Weisheit gepriesen hat. Die Moralphilosophie ist bei dem Reichskanzler ebenso schlecht angeschrieben wie dte Bierbank- Politik. Politische Ideale sind ihm Illusionen. Er befaßt sich nur mit dem Erreichbaren und Möglichen. Ob daS Erreichbare auch erstrebenswert ist, gilt ihm gleich. Die Walderseesche Weltfeldherrnschast, der Dirigentenstab in dem verstimmten ostasiatischcn Orchester erschien ihm erreichbar, er setzte sich dieses imaginären Erfolg« wegen den ärgsten Blamagen aus, nicht eines bestimmten Ziels ivegen, sondern weil es sich gerade so machte und weil er einem stärkeren Willen nicht widerstehen mochte. Diese Politik ohne Ziel, ohne Steuer und Konipaß behauptet dann, den höchsten nationalen Interessen zu dienen. Nickt der Zufall, sondern der Zug wahlverwandter Seelen chgte es. daß Bülow gerade die rheinische Wetterfahne zu seiner Häuptoffiziösen erkor.— Verleumden ist CciitrumSsachc. Im Centnim empfindet man noch immer sehr unangenehm die Rede nnsres Parteigenossen v. Vollmar zum Toleranz-Antrag. auf deren schneidende Angriffe Herr Pichler so gut als nichts zu erwidern wußte. Und ganz besonders zuwider ist dem Centrum die Festnagelnng der üblichen AgitationS- lüge, daß die Socialdemokratie den Satz„Religion ist Privat- ä ch e", nicht e r n st m e i n e. Mit dieser Lüge hat das Centriim manches ihrer Schäflein vor der Socialdemokratie gehütet und mit Bange sieht es ihre Wirkungen entschtvinden. So versucht denn auch setzt wieder die. G e r m a n i a" die Erltärungen Vollmars in Un- Wahrheiten umznfälscheii. Vollmar hatte gesagt, baß, wenn hier und da Verstöße gegen enen Programmsatz vorgekommen seien, so seien dafür lediglich die einzelnen' Redner oder' Schriftsteller verantwortlich zn machen, nickt aver die gesamte politische Partei, die für«ine beftimmt« Auf- iassung der Weltanschauungsfrage sich nicht festlegen könne und wolle, sondern dies Gebiet der Ueberzengnng jedes Wnzelnen überlasse. Das EentrumSorgan sticht nun, dieser ihr unbequemen Darlegung VollmarS mit einigen reizvollen Jesmtereien entgegenzuwirken. ES erklärt t „Denn wie oft hat nicht daS offizielle Central- organ der Socialdemokratie, ver„Vorwärts". den Programmsatz„Religion ist Privatsache" durch Angriff« auf die christlich« Religion— Juden und Chinesen werden vom „VorN'ärtS" nicht verunglimpft— verletzt? Wie oft Haider „Bowärts" nickt für den Austritt aus der Kirche Propaganda gemacht?" Der antifemitelnde Einschlag stellt sich bei der„Gerntanta" stets ein, ivenn fie mit allen andren Kniffen zu Ende ist. Und sie ist zu Ende. In obigem Satz ist jede Behauptung eine Lüge, eine b e- loußte Lüge. Die, Germania" mag den„Vorwärts" sehr eifrig durchblättern, sie wird da keine Beweisstelle finden, in der die christ- liche Religion verletzt worden wäre; sie wird aber sehr zahlreiche Nationalliberales Hunnentum. der Bezüge anStellen finden, in denen die christliche Religion vor ihren aus Kapitalzins, Lohn und Besoldung Berfälschern und heuchlerischen Ausnußern zu hat. Die Nationalliberale Fränkische Morgenzeitung" beschäftigt sich gestellt Der gwed der der damit eingeleiteten durch des reichsländischen Steuersystems ist niedrigen Zwecken der Herrsch- und Gewinnsucht geschüßt wird. Des- in ihrer Nummer vom 12. Dezember mit der Fränkischen Tages greifenden Reform gleichen ist es eine fausidicke Lüge, daß der Vorwärts" für den Austritt post", die die Hunnenthaten deutscher Soldaten in China nach Ge- in erster Linie die gerechtere Verteilung der Staatslaften mittels aus der Kirche Propaganda gemacht habe. Das ist nicht geschehen; bühr gewürdigt hatte. Das nationalliberale Organ tommt zu Aufhebung der ungerechten und veralteten ersonal- Mobiliarwäre es aber auch geschehen, so sollte das Centrumsorgan sich nicht folgendem Schluß: steuer und Herabsetzung der Grundsteuer auf Roften des einbilden, den Unterschied zwischen Religion und Kirche Moralisch sind also diese Vertreter der idealsten Partei" betweglichen Kapitals, deffen einzige direkte Heranziehung zu den hinwegdieben zu können. Teine geringeren Scheufäter als die Chinesen Lasten des Staats bisher die Erbschaftssteuer darstellte. selbst. Sie wären wohl wert, daß man thnen sämtliche Im Gegensatz zu der ursprünglichen Absicht der Regierung, die Beine einzeln ausrik und sie dabei höflich fragte: Sie sind Rapitalzinsen durchschnittlich mit nur zwei vom Hundert zu bedoch nicht figlich?" fteuern, schlägt der gestern veröffentlichte Entwurf eines St a pitalite uer Gefeges als Regel eine Steuer von drei Broz. bes Binjenertrags bor. Steuerfrei sollen die Erträge aus Kapital und Menten bleiben, sofern sie die Summe von 100 m. jährlich nicht übersteigen; ebenso die Erträge der Gewerbetreibenden aus den in ihrem Gelverbe angelegten und zu deffen Betriebe erforderlichen Kapitalien. Die Stener wird erhoben nach einem Stufentarif, deffen degreffive Stala den vollen Satz von 3 Proz. erst bei einem Jahresbetrag von 4000 M. zur Antvendung bringt, darunter aber Ermäßigungen bis zu zwei Fünftein dieses Gages zuläßt. Die Veranlagung der Sapitalteuer erfolgt auf Grund einer Erklärung des Pflichtigen auf Pflicht und Gewissen über die für ihn zutreffende Tarifftufe. Die Germania" will endlich einen Beweis unfrer Intolerang gegen die Religion in der Aufnahme der Buschrift aus Diffidentenkreisen I unfrer legten Nummer erblicken. Thatsächlich aber bethätigen wir Dadurch lediglich diejenige Duldsamkeit in religiösen Angelegenheiten, die vorgeblich der Toleranz- Antrag des Centrums für das Reich durchführen will. Allerdings unterscheidet sich unsre Toleranz ein wenig von der des Centrums, das nur für seine Religion so lange gleiches Recht fordert, bis es start genug ist, m andren das gleiche Recht zu verwehren und sie im Namen des alleinseligmachenden Glaubens zu verfehmen und ihrer Habe zu berauben. Zu den Landtags- Stichwahlen in Württemberg erläßt der Landesausschuß der Volkspartei folgende Erklärung: " In der Stichwahl muß sich diesmal die Abstimmung der Anhänger der Boltspartei mit Notwendigkeit nach der größeren oder geringeren Zuverlässigkeit der Kandidaten hinsichtlich des von allen versprochenen Eintretens für die verschiedenen Reformen richten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß neben der Volkspartei der Vertreter der socialdemokratischen Partei mit einer Entschiedenheit und Wärme für die sämtlichen Reformen eingetreten ist, die leider auf der andren Seite zu vermissen war. Wir erachten es deshalb, ganz abgesehen davon, wie ungerecht und turzsichtig es wäre, eine angemessene Vertretung der Arbeiter partei grundsäglich auszuschließen, für geboten, daß in den Stich wahlen, in denen die Bollspartei die Entscheidung mit abzugeben berufen ist, unsre Parteigenossen entschloffen ihre Stimme für den Socialdemokraten als den zuverlässigen Anhänger der Reformen abgeben." Hoffentlich folgen die Wähler dieser Parole ihrer Führer. Nach einer als Resultat amtlicher Ermittlung bezeichneten Zufammenstellung der Zahlen von der Hauptwahl haben im ganzen Land von 443 005 Wahlberechtigten 815 680 71,26 Proz. ihr Wahlrecht ausgeübt. Bei der Wahl 1895 waren es 399 881 Wahlberechtigte, von denen 295 266= 78,88 Proz. abstimmten. Die abgegebenen Stimmen verteilen sich auf die Parteien wie folgt: Nationales" Kartell Centrum Volkspartei Socialdemokratie = 1895 1900 100 493 77 279 95 516 69926 94 705 32 269 77 523 58 666 Genau fann diese Rechnung noch nicht sein, denn das Gesamtergebnis der den einzelnen Parteien zugezählten Stimmen harmoniert nicht mit der Gesamtzahl der Abstimmenden. So viel steht aber fest, daß die Zunahme der„ nationalen" und der Centrumsstimmen nur etwa der gestiegenen Wählerzahl entspricht, wogegen der Anteil der Socialdemokratie von 10,94 Proz. auf 18,58 Proz. gestiegen ist. Das ist das Hauptmerkmal der diesmaligen Wahl. Ein Beitrag zum Toleranzantrag. In Melun hat ein franzöfifcher Offizier eine geschiedene Frau geheiratet. Die Ehe war ftandesamtlich legitimiert, entbehrte aber natürlich ber kirchlichen Weibe. Infolgebeffen mieden die Herital gesinnten Stameraben den Offizier wie einen Aussäßigen, bis der Kriegsminister dem Skandal ein Ende machte und die pfäffischen Offiziere versetzte. Bir aweifeln nicht, daß gewisse chriftliche Ordnungsmänner an ihren Parteigegnern im Baterlande dasselbe Hunnentum zu üben lechzen, daß in China zur Einführung gelangt ist. " Geheimnisse einer konservativen Redaktion. In den konser bativen Tages- Nachrichten" in Hannover ist ein Redaktionsatvist ausgebrochen, in Berfolg dessen der Redacteur Leisner einige vertrauliche Mitteilungen über die Zustände in einer konservativen Redaktion gemacht hat. Für weitere Kreise von Interesse ist von den Ausführungen, die Herr Leisner in einer Versammlung machte, folgendes, das wir nach dem Hann. Volksw." wiedergeben: Der Lohn und Besoldungssteuer unterliegen die „ Necht intereffant ist sicher auch die Mitteilung des Herrn Bezüge aus einem öffentlichen oder privaten Dienstverhältnis folvie Leisner, daß kein Geringerer als der Herr Polizei- aus wiffenfchaftlicher, fünstlerischer und schriftstellerischer Thätigkeit; präsident Graf v. Schwerin es gewesen, der die sie beträgt im Durchschnitt 1,90 vom Hundert des steuerbaren ersten Schritte gethan hat, 11 m bie preußisch Betrags. tonservative Partet hier ins Leben zu rufen. Der Gefeßentwurf gewährt dem mobilen Kapital des Lands Das läßt wirklich sehr, sehr tief blicken! Ueberhaupt drehten sich insofern noch eine kurze Galgenfrift, als die neuen Steuern erst mit die Ausführungen des Herrn Leisner, so weit sie Bezug auf die dem 1. April 1903 in Straft treten follen. Bis dahin werden nabe: Tages- Nachrichten" hatten, fast nur um Handlungen des au 20 Jahre verflosien sein, seit im Landes ausschuß Polizei und des Regierungspräsidenten, des Landrats v. Woyna- für Elfaß Lothringen zum erstenmal das Verlangen Neustadt a. Abg. und des Baron v. Alten- Goltern, des Vorsitzenden nach einer Reform unfres social höchst ungerechten des Aufsichtsrats. Letzterer scheint indes mehr eine detorative Steuerfystems laut wurde. Was der großtapitalistische Klingel Stellung einzunehmen. Eine der interessantesten Mitteilungen des des reichsländischen Rentnerparlaments damals als einen frevelHerrn Leisner war jedenfalls die, daß es bei den Tages- Nachrichten" haften Angriff auf das Kapital", eine socialistische Forderung eine Beit gegeben hat, in welcher ein Redacteur jeden bezeichnete, das wird nun binnen kurzem Gesetz sein. Morgen mit der Mappe unterm Arm zum Regierungs- bezw. Polizei- Präfidium habe gehen müssen. In Dieser Zeit habe eine absolute Censur à la Russien bestanden, und der Rotstift habe dann manches anders gestaltet, als es die Redaktion hätte haben wollen." Sonst sind die konservativen Rekruten genügend gedrillt, daß sie felbst nichts schreiben, was bei der Behörde irgendwie Anstoß erregen tönnte. In Hannover mußte erst der nötige Schliff anerzogen werden. Profeffor Lipps hat an seine ihm für sein Auftreten in der Münchener Krüger- Bersammlung eine Ovation bereitenden Hörer folgende Worte gerichtet: Ausland. Oestreich- Ungarn. Bei den Reichsratswahlen aus der allgemeinen Wählerklasse in Galizien behauptete der Bolenklub 9 Mandate, die er bisher besessen hat. Er verlor 3 Mandate und gewann 8. Die Socialisten verloren das Mandat von Borszczow. Int Kratau wurde Genosse Daszynski mit 18 158 von 22 108 abgegebenen Stimmen gegen den Antisemiten gewählt. In Lem berg errang der radikale Socialist Ernst Breiter mit 14 057 von 23 888 abgegebenen Stimmen den Sieg. Schweiz. " Meine Herren! Ich glaube nicht irre zu gehen, wenn ich dieses heute ungewöhnlich verstärkte Geräusch als Dant Jhrerseits für die Bern, 12. Dezember.( Eig. Ber.) Die ant 3. Dezember hier von mir am Freitag geäußerte Ueberzeugung auffafie, und freue mich über Ihre Anteilnahme an den Ereignissen, die heute die Aufmert eröffnete Bundesversammlung wirft mit ihren Verhandfamkeit der ganzen civilifierten Welt auf sich Tenten. Meine Herren, lungen teine großen Wellen im Lande. Im Nationalrat wurde die die Freiheit der Nationen beruht auf der moralischen Thätigkeit mit der Beratung der Vorlage betreffend die elettri.. Gesundheit aller ihrer Glieder, und diese Gesundheit kann sich ichen Anlagen begonnen. Ueber deren Ausdehnung wurde einnirgends beffer zeigen, als in der Bethätigung der leitend mitgeteilt, daß 1895 in der Schweiz 121 Einzelanlagen, d. h. Mensch Itchfeit! Diese wollen wir uns von niemand in solche, die nicht an dritte Kraft abgeben, mit über 100 Lampen ober ber Belt berbieten laffen. Auf Ihnen, meine Herren, rubt 10 Bferbekräften bestanden, ferner 1899 Elettricitätswerte mit Strombas autünftige Sidfal ber Nation, und ich bege zu abgabe für Motore und Beleuchtung 110, für Beleuchtung allein Ihnen das Vertrauen, baß Sie meinem Stat folgen und in ber freien ca. 70. Glühlampen waren angefchloffen ca. 500 000, Glettromotoren Ausübung der Menschlichkeit die freieste That des Menschen und ca. 2400 mit ca. 27 000 Pferdeträften. eines ganzen Volts erbliden." Profeffor Lipps hat damit zwar einen allzu großen Optimismus bewiesen, allein angesichts der jetzt üblichen seichten Verspottung aller politischen Ideale berührt diefer Optimismus und Idealismus eines tapferen Mannes doppelt sympathisch. Die Civillifte des Großherzogs von Oldenburg zu erhöhen wird dem dortigen Landtag angesonnen. Das erregt aber Opposition bis tief hinein in die staatserhaltenden" und monarchischen Kreise. " Der Nationalrat behandelte ferner die Motion Gobat betreffend: bie Unterstügung der Volksschule durch den Bund.; Mit diesem Fall beschäftigt sich heute die katholische Märkische Freunde derselben sind außer den Radikalen noch die Mitglieder der Boltszeitung" in höchst erbaulicher Weise. Indem sie frech die focialpolitischen Gruppe, während die Liberalkonservativen der Motion Staatsgefeze verhöhnt, bezeichnet sie die Civilehe als Stontubinat reserviert gegenüberstehen und die Ultramontanen diefelbe ablehnen. und schreibt:" In Mélun lebt ein Offizier der Garnison mit Die Motion wurde mit 80 gegen 28 Stimmen erheblich erklärt. einer geschiedenen Person zusammen." Mit feiner die bereits den Ständerat paffiert hat, zur Behandlung. Bundesrat Endlich gelangte auch die a ager Friedenstonferenz, Silbe deutet das Blatt an, daß dies Busammenleben ein staatlich beund Ständerat stimmten einer Anzahl der im Haag gefaßten Be glaubigtes Cheverhältnis ist. Aber für das katholische Blatt ist eben die Civilehe immer noch ein Konkubinat und sie nennt es, In einer Versammlung in Butjadingen beschlossen nach dem schlüsse zu, nicht aber der Uebereinkunft, betreffend die Gesetze und die christliche Moral gröblich mit Füßen treten, wenn man eine ge- Bareler Gemeinnügigen" 20 der angesehenſten Butjadinger, An- Gebräuche beim Landkrieg. Darin find nämlich, wie bekannt, Beschiedene Frau heiratet. gehörige der nationalliberalen, freisimmigen und agrastimmungen enthalten, welche für die Schweiz unannehmbar find, da rischen Partei", eine Petition, in der sich einige Stellen gegebenenfalls, in Augenblicken höchfter Gefahr, das ganze Volt finden, die wiedergegeben zu werden verdienen. wie ein Mann aufstehen und zu den Waffen greifen. würde, wobei es unmöglich wäre, die Vorschriften der Konvention zu befolgen und infolgedessen diese Patrioten, wenn sie in die Hände des Feinds fallen sollten, sich den Kriegsgerichten überliefert jähen. Die Zustimmung zu den Beschlüssen des Bundes- und Ständerats erfolgte hierauf einmütig. Aber mit dieser Aeußerung einer wahren Inquisitions- und Scheiterhaufen- Toleranz begnügt sich das Leumundsorgan nicht. Es fährt vielmehr fort: Wir haben bekanntlich, wie die Franzosen, die Civilehe, auch eine richtige Kulturfampfs- Bescherung. Nur unter dem starten, moralischen Druck, den der Fürst Bismard auf Kaiser Wilhelm I. ausübte, gab legterer seine Zustimmung zu derselben, sprach aber die Erwartung aus, daß fein Offizier der Armee sich mit der Civile he begnügen werde. Und diese Erwartung wurde später zu der Androhung, daß ein nur civiliter verbundener Offizier aus dem Heere entfernt würde. Thatsächlich ist es bis heute noch nicht vorgetommen, daß ein Offizier der preußischen und man fann wohl sagen: der deutschen sich mit der Civile he begnügt hätte, obschon es gewiß den einen oder andern giebt, der damit genug gehabt hätte. Und es unterliegt auch keinem Zweifel, daß preußische Offiziere mit einem nur civiliter verbundenen Kameraden teinerlei Verkehr pflegen würden. Armee Die französischen Offiziere, welche den moralisch Befleckten mieden, thaten also nur, was Wilhelm I. von den preußischen Offizieren forderte und was ganz gewiß auch Wilhelm II. bon ihnen fordert." Wir wissen nicht, ob die„ Märkische Bolkszeitung" recht hat, daß jeder deutsche Offizier gemieden werden würde, der sich mit der Civilehe begnügt. Das aber wissen wir, daß kein deutscher Offizier gesellschaftlich unmöglich wird, wenn er ohne bürgerliche und ohne firchliche Trauung mit Frauen und Mädchen zusammenlebt, wie auch Katholische Pfarrer in ähnlichen Verhältnissen durchaus würdige Diener des Herrn bleiben, so lange es nicht gerade zu einem öffentlichen Skandal kommt. Die Märkische Boltszeitung" aber schätzt das Konkubinat offenbar höher als die Civilehe, und sie macht sich damit einer beispiellos dreisten Verächtlichmachung von Staatseinrichtungen fchuldig. Das katholische Verlangen nach einer Pfaffendiktatur über den Staat tritt hier wieder einmal ganz nadt zu Tage. Die fatholische Toleranz" erscheint als das, was sie ihrem Wesen nach ist, als fanatische Unduldsamkeit. Wenn der Toleranz- Antrag des Centrums in zweiter Lesung den Reichstag beschäftigt, wird man sich an die Meinung des katholischen Organs des Herrn Dasbach über die Civilehe erinnern. Söfifche Politik. Die Köln. Volksz." erzählt: # In der Einleitung heißt es: weisen. Bon " Der dritten Versammlung des 27. oldenburgischen Landtags ist die Vorlage zugegangen, welche die Erhöhung der Sustentation des großherzogl. Hauses um 200 000 m. verlangt. Eine genügende Begründung für diese große Mehrforderung ist von der Regierung Die am 1. Dezember stattgefundene Volkszählung hat für nicht gegeben worden. Nach Ansicht der Betenten ist eine Erhöhung der Civilliste nicht erforderlich. Die Hälfte alle industriellen Kantone und Gemeinden eine zum Teil nicht under gesamten vom Oldenburger Staat aufgebrachten erhebliche Weitervermehrung der Bevölkerung ergeben, während die Einkommensteuer fließt jept bereits in die kasse Landgemeinden und Landkantone vielfach weiteren Rüdgang aufdes Landesfürften. 660 000 m. ist wahrlich eine Summe, So stieg die Bevölkerungszahl der Stadt Zürich von die ausreichen sollte auch zur Führung eines fürstlichen Haushalts. 94 129 im Jahre 1888 auf 150 228, des Kantons Zürich von Dazu kommt ein Einkommen aus Haus- und Privatvermögen 337 188 auf 481 868; der Stadt Bern von 47 150 auf 64 863; von 413 000 m., so daß die jährlich dem Großherzog zum Ge- des Kantons Basel- Stadt von 74 245 auf 112 691 ufw. 192 Gemeinden des Kantons Zürich erfuhren 103 eine brauch zur Verfügung stehende Summe eine Million Mart weit übersteigt. Die Finanzlage unfres Lands Vermehrung und 86 einen Rüdgang der Bevölkerung. war nach Aussage der Regierung in den letzten Finanzperioden Zunahme der Einwohnerzahl wird erhebliche Aenderungen in der bis zum Tode des Großherzogs Nikolaus Friedrich Beter stets Buſammensetzung der Behörden zur Folge haben. So wird ber eine wenig günstige. Jest mit einem Schlage ändert Züricher Wahlkreis in Zukunft 9 statt 6 Vertreter in den Nationalsich das Bild, andre Interessen treten in den Vordergrund, die rat zu entfenden haben, Zürichsee und Winterthur je 5 statt 4, Basel 6 statt 4 usw. Den bürgerlichen Parteien wäre da schöne und be Minister wechseln und die Finanzlage wechselt mit." Ganz gut ist auch folgende Bemerkung: queme Gelegenheit gegeben, gegenüber den Socialdemokraten politische Gerechtigkeit zu üben. Doch darf man sich bei der bekannten Herrschsucht und Brutalität der Radikalen feinen 3llusionen hingeben. Durch eine neue perfide Wahlkreisgeometrie werden fie frühzeitig dafür sorgen, daß die Minderheiten wiederum um eine gerechte Vers tretung betrogen werden. Frankreich. Die Ueber die Amnestiedebatte sprechen die radikalen Blätter ihre Befriedigung aus, das sie eine Genugthuung für das öffentliche Gewissen bilde. Die Amnestievorlage, die an und für sich ein Fehler sei, habe den Republikanern doch wenigstens Gelegenheit gegeben, ben General Mercier und Genossen an den Pranger zu stellen und Wird die Bewilligung erfolgen, so wird alsdann die Negierung das Klagelied über die schlechte Finanzlage und notwendige Sparsamkeit wieder anzuftimmen sich verpflichtet halten. Und es wird das eintreten, was für den Kulturfortschrit in unfrem Lande das größte Hindernis bedeutet. Stein Geld für Schaffung neuer Verkehrswege, kein Geld für weitere Hebung der Bolksschule, kein Geld für langsame Erhöhung der Gehälter schlecht befoldeter Beamten, kein Geld überhaupt für Zwede, die wegen ihrer Wichtigkeit im Interesse des ganzen Lands, des gesamten Volks weit eher in Betracht kommen müssen, als eine Erhöhung der Civilliste des Großherzogs von 660 000 m. auf 860 000 M. Man wird den Weg neuer Steuern beschreiten müssen, wo schon jeẞt die Staatsabgaben mit den Abgaben der Gemeinden vereint in 3u zeigen, welche flägliche Rolle Meline in der Dreyfus- Sache gespielt habe. unserm Lande überaus hohe sind... Die Betenten können keinen Vorteil für das Land darin erblicken, wenn es dem regierungsfeindlichen Deputierten, welche gegen§ 1 der Vorlage gestimmt haben, auf, auch gegen die ganze Vorlage zu regierenden Fürsten durch Erhöhung der Civilliste ermög- stimmen, da die gestrige Debatte gezeigt habe, wie wenig es den licht wird, auf Kosten der Gesamtheit seine ofhaltung umfangreicher und kostspieliger zu gestalten. Dreyfusiften um Beruhigung und Versöhnung zu thun sei. Im Gegenteil ist es unsre Ansicht, daß durch die Erhöhung der Civilliste und durch die Vergrößerung der Einflußsphäre des Fürsten noch mehr Nahrung der Abhängigteit, der Liebe bienerei im Lande geschaffen wird, wodurch die freie, selbständige Meinung, der Grundpfeiler der schaffenden Kraft, immer mehr erlahmt." " Die nationalistischen Blätter fordern die Afrika. Neue Strafexpedition" im Kongoftaat. Brüssel, 14. Dezember. Kongostaatlichen Meldungen zufolge ist eine 450 Mann starte Kolonne tongolefischer Truppen am 12. Oktober unter dem Befehl des Distriktskommandeurs Berbuffen nach dem Mongallagebiet abgegangen, um die Kannibalenstämme zu züchtigen. Amerika. Der Abg. Windthorst hat es sehr unangenehm empfunden, daß er systematisch vom Kaiser ferngehalten würde, und doch war faum jemand weniger wie er von dem Streben befeelt, eine Von welchem Einfluß die Hofhöfische Rolle zu spielen. Tuft auf die Gestaltung auch der innerpolitischen Ver Den Butjadinger Dithmarsen fehlt offenbar die rechte monarchische hältnisse ist, hatte glüdlicherweise Fürst Bismard in aller Gefinnung. Die wahren Monarchisten, wie beispielsweise unfre Schärfe erfaßt, wie feine fortgesezten Frittionen mit der ver- Junker um Sahn und Dertel, opfern in bekannter deutscher Treue Nach der Präsidentschaftswahl. Aus New Yort wird uns storbenen Kaiserin Augusta gezeigt haben. Die weitgehenden Be- gern den letzten Heller für das angeftammte Fürstenhaus". gefchrieben: Die Niederlage ber demokratischen Partei bei den Bundeswahlen hat, obwohl die republikanische Majorität der Voltsfürchtungen Herm. v. Mallindrodts, der in der Hize des Kulturkampfs stimmen im Verhältnis zur Gesamtzahl teine bedeutende ist mit Landesverweisung der parlamentarischen Führer und andren Ungeheuerlichkeiten rechnete, hätten sich vielleicht erfüllt, wenn nicht ( circa 650 000 bei 15 Millionen Wählern) die Frage der Reorganisation die Kaiserin ihre gegenteiligen Anschauungen Aus Straßburg wird uns vom 12. d. Mts. geschrieben: ersterer Partei in Fluß gebracht, und zwar nach zwei Richtungen. geltend zu machen verstanden hätte. Bei der Ordens- Mit der Besteuerung des mobilen Kapitals, dem man bisher ein Buerst erschienen in dem Teil der demokratischen Breffe, welche das gefeggebung hat sie ganz bestimmt mäßigend eingewirkt, sonst social höchst ungerechtes Privileg eingeränmt hatte, scheint man in Interesse der demokratischen Großkapitalisten vertritt, darauf bezügliche bätten vielleicht auch die frankenpflegenden Genoffenschaften den Elfaß- Lothringen mun endlich Ernst machen zu wollen. Die amtliche Artikel, welche es als notwendig erklärten, das rabiate" Element Beg über die Grenze nehmen müffen. Straßburger Korrespondenz" veröffentlicht soeben den Entwurf| abzuschütteln und eine Reorganisation unter Führung von Lenten Diese Erinnerungen sind nicht uninteressant. Aus folchen Er- eines Gesezes über die Kapital sowie die Lohn- und Bewie Cleveland, Whitney( den Straßenbahn Magnaten und Hauptfahrungen erklärt es sich, warum das Centrum alle Grundsäge foldungssteuer. Diefer ist das Refuttat der umfangreichen eigentümer der neuentdeckten mächtigen Eisenerzlager auf Neufund Eines ber leitenden rupublitanischen und Gesinnungen preisgiebt, um persönlichen Einfluß zu ge- Ermittelungen, die die Regierung auf Grund eines Beschlusses land) ust. vorzunehmen. bon Ende 1897 unfres Landesparlaments über die Höhe Blätter, der„ Record" in Boston meinte dazu, wenn dieser Plan jur winnen. Die v. Schrautsche Steuerreform in Elfak- Lothringen. Ausführung gelange, so würde dies einen riesigen„landslip* (Erdrutsch) von dieser Partei auf die Seite der DebS-Partei zur Folge haben, und das demokratische Blatt„News" in Lhnn antwortete darauf, es sei diese Kalkulation die richtigste, die das Blatt je ge- macht, denn eine auf solche Weise„reorganisierte" Partei sei weiter nichts, als eine republikanische Partei„junior". Die wahre und einzige Hoffnung für die Demokratie sei in der Social- demokratie.(Die„News", im übrigen lleinbürgerlichen Kalibers. tvar bei der stattgehabten Wahl für die letztere Partei eingetreten). Neuerdings kommt eine Reorganisations- Anregung von entgegen- gesetzter Seite, und zwar im Organ des bekannten Populisten- führers Georg Donelly,„The Representative", welches einen(zwar nicht von D. selbst. sondern von seinem Assistent- Redacteur Twitchell unterzeichneten) Artikel enthielt, in welchem eine Ber- «iniaung der„Bryan-Demokraten", Populisten und Socialdemokraten empfohlen wird, und zwar unter Abstreifung desjenigen Elements unter den letzteren, welches aus der„Socialist Labor Party" herüber» gekommen. Eins der Organe der„Social Democratic Party"(d. h. derjenigen Richtung, welche gegen die Vereinigung gestimmt und ihre Organisation, mit dem Vorstand und dem offiziellen Organ „S. D. Herald" in Chicago, aufrechterhalten hat. auch auf ihrem Wahl- zettel nur den Präsidentfchafts-Kandidaten Debs, nicht aber den Vice» Präsidenten Kandidat Harriman führte), die„Wahrheit"» Milwaukee, hat schon angefangen, jene Idee zu propagieren.— Da aller guten Dinge drei sind, hat ein andrer Populistenführer, Bundessenator Pettlgrew, die Bildung einer ganz neuen demokratischen Organisation unter dem Namen„Social Party" in Vorschlag gebracht. Es ist also in Aussicht, daff sich in den nächsten Jahren noch manche„Schiebung" vollziehen wird! UebrigenS darf man bei Beurteilung der hiesigen Parteiver- hältnisse nie aus dem Auge verlieren, datz es sich in den groß- und kleinkapitalistischen Parteien um je zwei Dinge handelt: die Interessen der betreffenden Kapitalistengruppen und diejenigen der„gewerbsmäßigen" Politikanten. Letztere treten zwar im allgemeinen in den Legislaturen und diversen öffentlichen Aemtern für die Interessen dieser Gruppen ein, da sie ja von den- selben dafür„geschmiert" werden; andrerseits haben sie aber dafür Sorge zu tragen, daß sie in diese Legislawren und Aemter ge- wählt werden, und müffen sich also infolge dessen die große Masse der Wählerschaft, die nichtsbesitzende Arbeiterklasse„warm halten". So lange diese in dem alten, so sehr fest eingewurzelten Vorurteil der«Harmonie zwischen Kapital und Arbeit" steckt, hat dies freilich keine großen Schwierigkeiten und es genügen die alten Finten, in denen die Politiker durch die lange Uebung eine außer- ordentliche Routine erlangt haben; aber immerhin können sie nicht in der vom Ausbeutertum gewünschten rücksichtslosen Weise vorgehen und müssen unter Umständen sogar gegen dessen Interessen handeln, oder doch„so thun".(In de» Legislaturen wird dies in der Regel so gehandhabt, daß in dem einen HauS von den„Legislaturkomitees" der gewerkschaftlichen Arbeiter- Organisa tionen oder sonstwie im Interesse der Arbeiter angeregte Gesetzes vorlagen angenommen, in dem andren Haus dagegen entweder gar- nicht verhandelt oder abgelehnt werden, und— wenn eS sich um wirklich wirksam seien könnende Gesetze handelt, nur in dem Fall beide Häuser passieren, wenn der Wortlaut derart zurecht- gedrechselt ist, daß man ihre Ungültigkeits- Erklärung seitens der Gerichte als„unkonstitntionell" erwarten kann. Wenn man dieser Umstände bei der Lektüre amerikanischer Vorkommnisse auf politischem als auch ökonomischem Gebiet stets gewärtig ist, fo hat man auch stets den Schlüssel zu denselben. Nsvkei-Marhviiszten« Gemeindewahleu. Bei den Stadtverordneten- Stichwahlen in Magdeburg, bei denen es sich noch um 2 Mandate handelte, sind unsre Genossen leider unterlege»; die socialdemokratischen Kan- didaten erhielten über 800 Stimmen weniger wie in der Haupt- Wahl. Der Vorsprung der Gegner beträgt, über 1400 Stimmen. Aus Sachsen liegen wieder eine Reihe von Sicgcsnachrichten vor. Es wurden die von der Partei aufgestellten Kandidaten gewählt in folgenden Orten: Cotta ö, Potfchappel 2 und S Ersatz- männer, Gröba 2, Reichenbrand 2. Wittgensdors2, Oberlungwitz 2, Holzhausen 1 und 1 Ersatzmann, Knautkleeberg 4 und 1 Ersatzmann, Neudörfel 2, Gablenz 1. Harthau i. E. sämtliche Kandidaten. Die„Brandenburger Zeitung" richtet an die älteren Partei genossen, die in den Zeiten des Socialistengesetzes in Brandenburg thätig waren, die Bitte, ihr zu ihrem bevorstehenden Jubiläum einiges aus ihren Erfahrungen in den Kämpfen jener Tage mit- zuteilen. Die Adresse der Redaktion in Brandenburg ist Kurftr. 73. Unser Budapester Parteiblatt„Nepfzava"(Volksstimme) wird einen Prozeß über sich ergehen lassen müssen ivegen Be- leidiaung des ungrischen Parlaments. Das Blatt hatte einen Artikel veröffentlicht, der sich mit den„Geschäften" der Herren Abgeordneten beschäftigte. Bekanntlich ist es in Ungarn einem Abgeordneten ver- wehrt, an einem Unternehmen beteiligt zu sein, daß'mit dem Staat irgendwie in Verbindung steht; die Stelle eines Lieferanten des Staats und eines Abgeordneten sind unvereinbar. In einem Artikel der„Ncpszava" ist nun gesagt worden, der dafür eingesetzte Ausschuß desfAbgeordnetenhauses hat, indem er in 55 ihm vorgelegten Fällen von Zuwiderhandlung gegen das Verbot frei- sprechende Urteile fällte, handgreifliche Lügen' ausgesprochen, ivegen der man im Privatleben der öffentlichen Verachtung preisgegeben wäre. Den Abgeordneten wurde vorgeworfen, daß sie mit ihre» Mandaten schmutzigen Schacher treiben und eine Jnteressen-Genossen- schaft bilden. Deswegen ersuchte der Staatsanwalt das Abgeordnetenhaus um seine Zustimmung zur straftechtlichen Verfolgung der„Volksstimme". Nach heftiger Debatte, in der die Opposition die Anklagen der „Volksstimme" unterstützte und noch verstärkte, beschloß das Haus, seine Zustimmung zu der Strafverfolgung zu erteilen. Sonntagsruhe in der Glasindustrie. Der Verband der Glasarbeiter Deutschlands hat durch seinen Vorstand an den Unternehmerverband das Ersuchen gerichtet, in gemeinsamer Ver- Handlung von Abgeordneten beider Teile die Frage der Sonntags- ruhe in der Glasindustrie zu regeln. Die Errichtung eiueS GeWerbegerichtS hat der Gemeinderat zu K o S w i g beschlossen. Bei den GewerbrgerichtSwahlen in Esten siegte die Liste deS blau-schwarzen Mischmasch mit 2500 Stimmen über die Liste der Gewerkschaften, die es nur auf 1650 Stimmen brachte. Der Maurerstreik in Halle dauert noch immer fort. Die Unternehmer bemühen sich. Arbeitswillige heranzuziehen. Kürzlich hatten sie solche von Köln herbeigelockt; diese erklärten aber in der Versammlung, nicht als Streikbrecher dienen zu wollen, sondern sie würden wieder abreisen. Die evangelischen„Arbeitervereine" hatten auf ihrem letzten Verbandstage nach einem Referat des Pfarrers Naumann be- schloffen, die Gewerkschaftsfrage auf dem nächsten Verbandstage noch einmal zu erörtern. Nun hat aber der Ausschuß des Gesamt- Verbands vor mehreren Wochen in Erfurt die Tagesordnung des nächsten Delegiertentags(Speyer) festgesetzt und dabei laut Protokoll beschlossen:„...daß von jeder theoretischen Er- örterung über die gegen lvärtigen Gewerkschaften und ihre ettva in der Zukunft erfolgende Aende- rung oder Neutralisierung schlechthin abgesehen werden soll, da hier unvereinbare Meinungsgegensätze vorliegen. — Da« bedeutet also die Abdankung der evangelischen„Arbeiter- vereine". Sortales. Die Beschäftigung von Arbeiterinnen und Jugendlichen in Motorwerkstätten erfährt vom 1. Januar an eine ausführliche Regelung auf Grund des§ 154 der R.- G.- O. Der preußische Handelsminister hat zu den vom Bundesrat darüber erlassenen Bc stimmungen Ausführungsvorschriften erlassen, die jetzt im„Reichs- Anzeiger" veröffentlicht werden. Wir werden in den nächsten Tagen das Wissenswerteste aus den Vorschriften mitteilen. Den Erlaß eines WohnungSpflege-Gesetzes Plant eine Senatsvorlage in Lübeck. Die Behörde soll sich aus dem Chef der Polizeibehörde, einem zweiten Mitgliede des Senats und acht bürger- lichen Deputierten zusammensetzen' Um nun den Hauseigentümern und Wohnungsinhobern Zeit zu geben, sich den Bestimmungen dieses Gesetzes entsprechend einzurichten soll dieses erst sechs Monate nach seiner Verkündigung in Kraft treten. Alters- und Jnvalidrnversichernng für die städtischen Ar beiter und Angestellten in Zürich. In der Stadt Zürich wird in endlicher Ausführung der bezüglichen Bestimmungen der Ge meinde-Ordnung die Einführung emer solchen Versicherung geplant, welche für alle ca. 2300 in Betracht kommenden Personen obligatorisch sein soll. Der Anspruch auf Pension soll nach 33 Dienst jähren oder noch erreichtem 60. Altersjahr oder beim Eintritt gänzlicher Arbeitsunfähigkeit erhoben werden können. Die Pension beträgt bei gänzlicher Arbeitsunfähigkeit vom 6. Dienstjahr an 25 Proz. der Jahresbesoldung und sie steigt dann um 1 Proz. pro Jahr, so daß die Rente mit den, 31. Dienstjahr das Maximum von 50 Proz. der Besoldung erreicht. Besoldungen über 5000 Fr. iverden nur bis auf 5000 Fr. angerechnet. Die Pension wird nach dem Tode des Ver- sicherten de» Hinterlasse»«,»och für drei Monate ausgezahlt. AuS- tretende erhalten die Prämie» ohne Zins zurück. Die Versicherung übernimmt die Stadt. Die jährliche Prämie der Versicherten beträgt 3 Proz. ihrer Besoldung. Die Stadt ergänzt die Prämie auf den erforderlichen Prozentsatz. Arbeitslosigkeit in der Schweiz. In Zürich waren im Monat November nach dem Bericht des städtsichen Arbeitsamts ca. 2000 Arbeitslose vorhanden, indem 2570 Arbeitsgesuche und nur 694 offene Stellen z» verzeichnen waren. Vermittelungen konnten nur 462 erzielt werden.— In Basel wurden am 1. Dezember in Verbindung mit der Volkszählung 1446 arbeitslose Personen gezählt, gleich 1,32 Proz. der Bevölkerung.— In Ben, meldeten sich bei der städtischen Arbeitslosen-Versicherung, die jeweilen von, 1. Dezember an ihre UnterstiitznngS thätigkeit aufnimmt, bis zum 8. Dezember 172 versicherte Arbeits lose, während die Zahl der Arbeitslose» überhaupt natürlich eine viel größere sein dürfte. Die Mitglieder der städtischen Arbeitslosen- Versicherung erhalten nach sechsinonatlichcr Beitragsleistung von je 70 Cts. für die Dauer von sechs Wochen 2 Franks täglich wenn ver- heiratet, 1,50 Franks wenn ledig.— Ferner werden von überall- her Gefchästsstockungen, Arbeits'niangel und Arbeiterentlassungen ge- meldet._' Gerirlrks Wann verjähren Vergehen gegen K 11 deS Reich ö- PreßgesctzcS? Der Redacteur M a„ k e hatte in einem landwirt- schaftlichen Anzeiger die Preise mitgeteilt, welche die Proviantämter während eines bestimmten Zeitraums für inländisches Getreide zahlten. Das Kriegsministerium sandte ihm darauf eine Berichtigung. Diese wurde aber weder in der nächsten, noch in einer der folgenden Nummern des„Landwirtschaftlichen Anzeigers" abgedruckt. Herr Mauke alS der verantwortliche Redacteur wurde deshalb wegen Uebertretung deS§ 11 des Preßgesetzes angeklagt. Das Land- geeicht erkannte auf Einstellung des Verfahrens, weil Verjährung eingetreten sei. Das Landgericht nahm an, daß die dreimonatliche Verjährungsfrist von dem Tage des Erscheinens derjenigen Nummer der Zeitung ablaufe, für die die Berichtigung bestimmt war, das heißl, der n ä ch st f o I g e n d e>, Nummer. Der Staatsanwalt legte Revision ein und machte geltend: Wenn die landgcricht- liche Auffassung zuträfe, dam, wäre allerdings Verjährung eingetreten. Sie sei aber falsch, denn das Vergehen gegen K 11 sei ei» Dauerdelikt und bleibe strafbar, so lange die Ausnahme der Berichtigung ausbleibe.— Das Kammer- g e r i ch t verwarf die Revision der Stantsanwaltschaft mit folgender Begründung: Der Senat könne die in seiner Entscheidung vom 28. Februar 1887 ausgesprochene Ansicht, daß die Uebertretung des § 11 des Preßgesetzes ein D a u e r d e l i k t sei. nicht mehr auf- recht erhalten. Aus dem Absatz II des Z 11 gebe hervor, daß der Abdruck der Berichtigung in der»ach Empfang der Einsendung nächstfolgenden Nummer erfolgen miissc. Danach ist mir de». Erscheinen dieser Nummer die Straftbat vollendet, wen» dann die Berichtigung nicht enthalten sei. Es muffe deshalb auch die Verjährung mit dem Erscheine» dieser nächst- folganden Nummer beginnen. Offenbar gehe auch§ 19 in seiner Fassung davon aus, daß nur die Nichtaufnahme in der n ä ch st e n Nummer strafbar und das Delikt damit vollendet sei. Bezüglich der Kommnnal-Stichwahlen besagen die Städte- Ordnung für die östlichen Provinzen und die Rheinische Städte- Ordnung übereinstimmend: Zu der zweiten Wahl werden die Wähler sofort oder spätestens innerhalb 8 Tage» aufgefordert. Der Magistrat und die Stadtverordneten in Neuß legten diese Bestimmung so aus, daß die Stichwahlen spätestens acht Tage»ach der Haupt- wähl stattzufinden hätten. Das Ergebnis einer siebe» Tage nach der Hauptwahl stattgehabten Stichwahl in Neuß war der Sieg eines gewissen Better. Sein Mandat wurde angefochten, und im Gegen- satz zur Stadtverordneten-Versammlung erklärten auch der Bezirks- ausschnß und das Ober-Verwattungsgericht die Wahl sürungültig. indem sie von folgenden Erivägungen ausgingen: Die angeführte Bestimmung habe lediglich die Bedeutung, daß der Termin für die Stich- wähl spätestens innerhalb 3 Tagen bekannt zu geben sei. Eine Frage sei die, welcher Zeitraum zwischen der Bekanntgabe der Wahl und dieser selbst liegen müsse. Da komme nicht nur für die Hanptwahl, sondern auch für die Stich« wähl die Bestimmung in Betracht, wonach 14 Tage vor d e r W a h l die Wähler zu den Wahlen berufen würden.(§ 23 der östlichen Städte-Ordnung und Z 22 der rheinischen Städte-Ord- nu»g.) Die Wähler hätten also auch zu der Stichwahl 14 Tage vorher einberufen werden müssen, was nicht geschehen fei, da die Sttchwohl ja bereits 8 Tage nach der Hauptwahl stattgefunden habe. Deshalb sei die Wahl ungültig. Vortammlungen. Der Wahlverein für den fünften Wahlkreis hielt am Donnerstag eine stark besuchte Versammlung im„Alten Schützen- HauS" ab. Bor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Air- wesenden daS Andenken der verstorbenen Mitglieder En, il Fried ei und August Bummert durch Erheben von den Plätzen. Genosse Ledebour besprach in einem l�/estiindigen Vorwog, vielfach von Beifall unterbrochen. die politische Loge. Eine Diskussion knüpfte sich an den Vortrag nicht. Dagegen zeitigte die schon in frühere» Versammlungen erörterte Angelegen- heit Willner eine mehrstündige und vielfach erregte Auseinander- fetzung. Die Versammlung beschloß mit einer Mehrheit von zehn Stimmen, die endgültige Regelung der Sache einer 13gliedrigeii Kommission zu überweisen. Das Ergebnis deren Verhandlungen oll alsdann der im Januar d. I. stattfindenden Generalversammlung unterbreitet werden. Eine öffentliche Tischlerversammlung tagte am Donnerstag im Lokale Königsbank. Sie war seitens der lokalorganisierten Tischler einberufen zu dem Zweck, P r o t e st zu erheben g e g ejn die von der Tischler-Jn nung beabsichtigte Einführung eines Kontrollbuchs, wodurch die Rechte der Gesellen beein- trächttgt werden sollen. Ueber diese Absicht der Innung haben wir bereits in Nr. 284 des„Vorwärts" nähere Mitteilungen gemacht. Lerantwottllcher Redacteur Robert Schmidt in Berlin. Für den Jnseratentell verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug tu Berlin. Fritz Kater, der in der Versammlung über diese An« gelegenheit referierte, unterzog das Vorgehen der Innung einer ebenso sachlichen wie zutreffenden Kritik und sagte zum Schluß: Nach Lage der Verhältnisse könne diese Versammlung nicht beschließen, die Unterschrift unter die von der Innung diktierten Bedingungen zu verweigern, denn dazu müsse man die Massen der Berufsgenossen hinter sich haben. Es komme jetzt darauf an, eine lebhafte Agitation gegen die Absichten der Innung zu betreiben, die Berufsgenössen für' ein gemeinsames Vorgehen zu gewinnen. und die, welche in der Berliner Tischlerbewegung das Heft in Händen haben und sich bisher schweigend ver- hielten, herauszulocken aus ihrem Winkel.— An der Diskussion beteiligten sich eine Anzahl Redner, die dem Referenten znstimmten. Es wurde auch bemerkt, daß in verschiedenen Werk- stellen die Arbeiter bereits die neue Arbeitsordnung unterzeichnet haben sollen. Ein Verbandsmitglicd führte aus, daß der Holz- arbeiter-Verband zweifellos Stellung gegen die Matzregeln der Innung nehmen werde.' Tischlermeister P e e g e, der ebenfalls das Wort nahm, sagte: Der Ukas der Innung sei ein Ausdruck der wirtschaftlichen Machtverhältnisse. Ein Jahrzehnt lang hätten die Gesellen die Arbeitsbedingungen diktiert. Jetzt, mit dem Eintritt einer ungünstigen Geschäftskonjunktur, scheine da« Geczen- teil einzutreten. Er(Redner) halte die Einführniig schwarzer Listen für schädlich und unmoralisch. Daß ein solcher Ukas, wie der vor- liegende, überhaupterlassenwerden konnte, daran hätten die Gesellen auch einen Teil der Schuld, denn sie hätten seiner Zeit den Kampf, der aus den Reihen der Meister gegen die Einführung der Zwangsinnungfge- führt wurde, nicht unterstützt.— Nach Schluß der Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung der Tischler Berlins(Vertrauensmänner- Centralisation) beschließt, bezugnehmend auf die Ausführungen des Referenten, eine rege Agitation gegen die von der Innung be- schlosiene neue Arbeitsordnung, die am 1. Januar 1901 in Kraft treten soll, zu entfalten. Die Versammlung erwartet von der Leitung des Holzarbeiter-Verbands(Filiale Berlin), daß auch sie in die Oeffentlichkeit treten wird, um gemeinsam den Schlag abwehren zu können. Eine öffentliche Mnsiker-Versammlnng tagte am Dienstag. den 11. d. M.. in Schulz Lokal, Grenadierstr. 33. Der Gewerk- schafts-Delegierte erstattete, weil er persönlich uicht anwesend sein konnte, durch ein Schreiben einen Bericht. Darauf folgte der Bericht der Agitations-Kommission. Von der Neuwahl des Delegierten zur Gewerkschafts-Kommission sowie der Agitations-Kommission wurde Abstand genommen und sollen dieselben aus dem Rahmen der Freien Vereinigung gewählt werden. Die Gelder sowie Marke» wurden der Freien Vereinigung überwiesen. Unter„Verschiedenes" kritisierte Korn den von den Berliner Musikern neu in Aussicht genommenen Tarif. Der Propaganda für die KonsnmvereinSbewcgnng diente eine Volksversammlung, die am Dienstag im Lokal„Südost" in der Waldemarstratze tagte. Frau Steinbach aus Hamburg legte in fast zweistündiger Rede das Wesen der Genossenschaftsidee dar und betonte, daß die Konsumvereine nicht nur materielle Vorteile für die Mitglieder bringen sollen, daß es vielmehr in erster Linie darauf ankomme, durch derartige Einrichtungen den genossenschaftlichen Geist unter den Arbeiten, zu wecken und zu fördern, um durch Organi» sierung der Warenverteilung, und daran anschließend auch der Pro- duktion die wirtschaftliche Macht der Arbeiterklasse zu stärken. Denr beifällig aufgeuomnienen Vortrage folgte eine zustimmende Aus- spräche, sowie zahlreiche Aufnahmen neuer Mitglieder in den Konsum- verein Berlin-Rixdorf. Wilmersdorf. Hier tagte am 12. Dezember in„Wittes Volks- garten" eine gutbesuchte außerordentliche Mitgliederversammlung. In derselben erstatteten die Delegierten Bericht von der Kreis- konferenz. Der Bibliothek wurden zur Erweiterimg 50 M. über- wiesen und dann folgende Resolution angenommen:„Der heute am 12. Dezember tagende socialdemokratiiche Verein für Deuffch- Wilmersoorf erklärt seine» Aiischlntz an den Socialdemokratischen Central-Wahlverei» für Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg mit dem 1. Januar 1901.— Die Mitglieder werden ersucht, mit dem Kassierer wegen des 3. Quartals vor Eintritt des neuen Jahres abzurechnen.'_ China. Amerika wird nngrdnldig. Die amerikanische Regierung ersuchte ihren Ver« treter in Peking. Conger. telegraphisch, seinen Einfluß bei den übrige» Vettrelern dahin geltend zumachen, datz die Friedens- Verhandlungen mit den chinesischen Unterhändlern sofort beginnen. Auch die Kaiserin soll übrigens jetzt ihre Friedensvorschläge präciser mitgeteilt haben. ES wird über das chinesische Friedensangebot mitgeteilt: Ein„Standard'-Telegramm aus Shanghai, den 12. d. MtS. besagt: Tschongtschihtung hat die Mitteilung erhalten, die Kaiserin- Witwe habe sich mit folgenden Friedensbedingungen einverstanden erklärt: BaldigeRück'kchr desKaisers nach Peking; Zahlung einer Entschädigung i» Höhe von vierzig Millionen Pfund Sterling; Einführung einer Schutzwache von 2000 Mann für jede fremde Gesandtschaft und Einsetzung von je einem fremdländischen Berater für jede Provinz des chinesischen Reichs. Von einer Bestrafung der Rädelsführer ist also keine Rede. Rußland räumt Pctschili. Ein Telegramm der„TimeS" aus Peking vom 11. d. M. sagt: Zum zweiten male hat Rußland dem Grafen Waldersee offiziell die Absicht kundgegeben, alle russischen Soldaten aus der Provinz Tschili zurückzuziehen und die Tientsin-Schanhaikwan-Eisenbahn an die verbündeten Streitkräfte auszuliefern. Die Zurückziehung der Truppen solle noch vor dem russischen Neujahr erfolgen. Vergebene Müh'. Der„Franks. Ztg." wird aus Ticntsin telegraphiert: Die Expedition unter dem deutschen Oberst von Rohrscheidt, welche nach dem Südwesten abgeschickt war, ist mit 14 Feldgeschützen und 4 andren hierher zurückgekehrt. Die chinesischen Truppen ließen sich auf kein Gefecht ein. Hier und in Paotingfu sind Boxer verhaftet worden._ Uetzte Ttachvtazken und Depeschen. AuS dem englischen Unterhaus. London, 14. Dezember.(W. T. B.) Auf eine Aufrage, be- treffend die Erledigung der Chinafrage, erklärt Balfour, die Regienmg hoffe, daß diejenigen Fragen, welche erledigt werden müßten, bevor die Verhandlungen beginnen könnten, auf einem Punkte angelangt seien, der ihre Genehmigung stitcns der Mächte erwarten ließe. Die Regierung habe keine Nachricht bezüglich der Rückkehr der chinesischen Souveräne nach Peking. 4 Der Kampf mit De Wct, London, 14. Dezember.«W. T. B.) Einem Telegramm deS Ebening Staudard" zufolge habe General Knox im Zusammen- wirken mit der Abteilung von Rcddcrsburg De Wct gezwungen, Stand zu halten. Ein Kampf sei im Gange, viele Boeren seien gefangen._ Bochum, 14. Dezember.(B. H.) Wie der„Bochumer Anz." meldet, sind auf der benachbarten Zeche„Karolinenglück" heute nach- mittag fünf Mann der Belegschaft verunglückt. Das Unglück wurde dadurch hervorgerufen, datz eine Bremse an dem Bremskorb versagte. Die teilweise schwer Verletzten wurden alsbald dem Krankenhause„Bergmannshcil" in Bochum zugeführt.__ Hierzu 2 Beilagen. Sr. 292. 17. Um*. 1. Ifillljje Prozeß Sternberg. 35. Verhandlungstag. Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichts« Direktor Müller teilt Physilus Dr. Stürmer mit, daß er sich bei einer Obduktion eine Lymphgefäßentzündung am Finger zugezogen habe, die einige Schonung fordere. Dadurch wird die Disposition deS Borsitzenden wieder verschoben; es können heute die Gutachten der Sachverständigen noch nicht erstattet werden und Sonnabend muß eine Sitzung stattfinden. Tctektivdircktor Schulze wird über seine Thätigkeit vernommen: Er habe seine Dienste zu Recherchen angeboten und habe durch Justizrat Dr. Sello Aufträge nach dieser Richtung hin erhalten. Er habe die strenge Weisung erhalten, streng' reell vorzugehen und nur wahre Thatsachen zu ermitteln. Es handelte sich damals um die Fälle ErHardt, Fournayon, Woyda. Er habe von selbst den Gedanken gehabt, daß das Wichtigste die Ermittlung des Vorlebens der Mädchen und ihrer Familien sei und er habe deshalb Ermitte- lungen in den Schulen, bei den Lehrer», Rektoren usw. angestellt, wobei er und seine Angestellten Pieske, Jänicke und O b st thätig waren. Für die jetzige zweite Verhandlung der Sache habe er seine Aufträge vom Rechtsanwalt Dr, Werthauer erhalten. Er habe unter anderm schwere Arbeit damit gehabt, die ErHardt_ zu ermitteln und habe den taubstunimen Schneider Paß aufgesucht und vernommen. Die Berichte über seine Er- mittlungen habe er an den Justizrat Dr, Sello, den Rechtsanwalt Dr. Heinemann und an das Bureau Sternberg abgesandt. Ermittlungen nach Vorstrafen von Zeugen und auf dem Einwohner- Meldeamt habe er seines Wissens nicht angestellt. Er behauptet— im Gegensatz zu dem vernommenen Obertelegraphen- Assistenten Schulz—, daß ihm dieser gesagt habe, Stierstädter sei beim Militär wegen Gehorsamsverweigerung bestraft worden. Der Gerichtshof be- schließt, den Zeugen Schulz sofort herbeiholen zu lassen. Zeuge Detektiv- Direktor Schulze bestreitet, daßer in denBeckerschen Weinstuben in einem besonderen Zimmer Konferenzen mit seinen Detektivs abgehalten habe. Er habe in letzter Zeit mehnnals in den Beckerschen Weinstuben von Dr. W e r t h a u e r kleine Aufträge erhalten, da er im Bureau des Dr. W. immer zu lange warten mußte. Er giebt aus Befragen zu. daß in den ersten!>/, Wochen feine Agenten im Gerichtsgebäude sich aufhielten, um zu beobachten, ob Zeugen auf den Wandelgängen mit einander sprechen und becinflugt werden. Er selbst und' seine Leute hätte» »ieinand belastet.— Vors.: Wer hat Ihnen den Auftrag gegeben, solche Beobachtungen anzustellen und iiamenilich auch Herrn Stierftädter zn observiere»? — Zeuge: ES war beobachtet worden, daß Herr Stierstädter in Gesellschaft der Frau Hausmann und des Fräulein Brauer im Restaurant„Servus" zusammen saßen. Davon bade ich wohl Mit- teilung gemacht und ich habe wohl vom Rechtsanwalt Dr. Werthaner den Auftrag erholten, nach dieser Richtung hm aufzupassen,— Der Staatsanwalt bemerkt dazu: Es scheine ja allerdings die persönliche Auffassung des Rechtsanwalts Dr. Werthaner JlVi gehe aus einem von demselben unterschriebenen Schnftstülk hervor, welches seiner Zeit eingereicht worden und in welchem von der Thätigkeit von Polizeivigilanten die Rede sei.— Rechtsanwalt Dr, Werthauer protestiert dagegen, daß der Staatsanwalt das, was in einem von ihm unterschriebenen Schrift- stück stehe, als seine persönliche Annahme bezeichne. Sämt- liche Schritte, die in dieser Strafsache unternommen tvordcn seien, seien in Konferenzen festgestellt worden und er sei doch nur der die Beschlüsse ausführende Teil gewesen.— Vor- sitzender: Wir sitzen nun sieben Wochen hier, ich entsinne mich aber keiner einzigen Andeutung, daß Polizeivigilanten thätig gewesen seien.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Ja wohl, seiner Zeit bestand die Annahme, daß Frau Hausmann Polizei- vigilantm sei. ebenso ein Droschkenkutscher,— Rechtsanwalt Fuchs: Auch in der Verhandlung find wiederholt derartige Andeutunge» gemacht worden.— Rechtsanwalt Dr. W e r t h a ü e r: Ich mutz nun aber ganz dringend um Schutz dagegen ersuchen, daß ich hier personlich mit den EingabenderVerteidigungidentifiziert werde. DicVer- teidignng mutz selbstverständlich die Gedanke» des Angeklagten wieder- geben, die Eingaben bedeuten die Schritte der gesamten Verteidigung, und wenn ich nach außen hin in die Erscheinung trete, so liegt' dies daran, daß ich der a u s f ü h r e n d e Teil der Konferenzbeschlüsse gewesen bin,— Auf Beftagen bestreitet der Zeuge Schulze, daß er jemals Konferenzen mit seinen Agenten in einem reservierten Zimmer des Beckerschen Weinrestaurants gehabt, er habe auch nicht von Dr, Möhring Aufträge erhalten, auch nie mit Wolf oder Frau Stabs etwas zu thun gehabt.— Staatsanwalt Braut: Ist es richtig, daß Sie den Herrn Stierstädter durch Ihre Agenten haben beob- achten lassen?— Zeuge: Jawohl, aber wie lauge Zeit weiß ich nicht, ich müßte erst meine Akten einsehen.— Präs.: Sic wußten doch, daß Sie heute vernommen wurden?— Zeuge: Ja, ich bin aber so nervös, daß ich nicht vor Gericht erscheine» kann.— Präs.: Sie sind ja doch hier.— Auf Befragen erklärt der Zeuge, daß er vier Agenten beschäftige und daß der Agent Voigt den Auftrag erhalten habe. Stierstadtcr zu beobachten. Nach dem 12. November habe er noch mehrere Aufträge in der Sternbergschen Sache erhalten. Er habe sich vor nllensDingen»ach der Vergangenheit Stierstädters erkundigen müssen und erfahren daß er der Sohn eines achtbaren, ehrenwerten Mannes sei. Der Zeuge erklärt ferner, daß er sich den, Metteur der„Post" genähert habe, iveil er den Verfasser des Artikels, in welchem er selbst aufs schärfste angegriffen worden war, ermitteln wollte.— Staatsanwalt Braut: Und Sie haben dies in» Wege der Bestechung oersucht?— Zeuge: Ich hielt mein Vorgehen nicht für strafbar. Staatsanwalt Braut: Strafbar ist es ja nicht, aber vom mo- ralischen Standpunkt aus können Sie dies Verfahren doch nicht billigen.— Präsident: Wie hoch belaufen sich bis jetzt Ihre Einnahmen aus der Sternbergschen Sache?— Zeuge: Aach meinen Büchern habe ich 12'200 M. erhalten. Es war zuerst vereinbart, daß ich 50, dann daß ich 100 M. täglich erhalten sollte. Nach einiger Zeit kamen Differenzen, ich hatte noch rückständige 500 M. zu bekommen, wollte schon klagen und meine Thätigkeit ein- stellen. Dann erhielt ich den Rest im Sternbergschen Bureau ausbezahlt. — Präs.: Sind Ihnen denn sonst noch Versprechungen gemacht worden?— Zeuge: Ja, ich sollte im Fall eines Erfolgs 50 000 M. erhalten.— Präs.: Wer gab Ihnen dies Versprechen?— Zeuge: I u st izrat Sello.— P-r ä s.: Und wie war der Fall eines Erfolgs aufzufassen?— Z e u g e: Falls ich genügendes Material beschaffe.— Staatsamvalt Braut: Sagen Sie doch einfach, im Fall einer Freisprechung.— Zeuge: Nein, das nicht, ich stehe auf dem Standpunkt, daß mir die 50 000 M. unter allen Umständen zukommen.— Präs.: So hoch bewerten Sie Ihre Ermittelungen? Was haben Sie den» eigentlich ermittelt?— Zeuge: Ich habe thatsächlich außerordentliches Material beschafft. Ich ermittelte beispielsweise aus dem Borleben der Frieda Woyda, daß sie schon in der Jugend Un- sittlichkeiten betrieben hatte.— Präs.: Und das schlagen Sie hoch an? Meine» Sie denn, daß Justizrat Sello dies auch als den Erfolg betrachtete, an den er gedacht hatte?— Z e u g e: Ja, das glaube ich.— Präs.: Wissen Sie, daß Dr. Werthauer noch andren D e t e k t i v- B u r e a u s in der Sternbergschen Sache Aufträge ge- geben hat?— Z e u g e: Ja, Weien hat einmal einen kleinen Auf- trag, ich glaube von 3000 M,. erhalten, während der Zeit als ich mich mit meinen Auftraggebern in Differenzen befand. st»„Kmirls" Kriminalkommissar v. TreSckow:» Der Zeuge hat bekundet, daß er vom Rechtsanwalt Dr. Werthauer beauftragt worden sei, Polizeibeamte zu observieren, ob sie etwa Zeugen beeinflussen. Ich möchte Herrn Dr. Werthauer fragen, ob er unter diesen Polizeibeamten auch meine Person gemeint hat. Die Konsequenzen würde er zu ziehen haben.— Rechtsanwalt Dr. Werthauer: Die Vermutung des Zeugen ist absulut aus- geschlossen.— Zeuge Stier st ädter: Auch er frage, ob er darunter gemeint sei.'— Rechtsanwalt Dr. W e r t h a u e r: Es ist ja bekannt, daß gegen den Zeugen ein gewisser Verdacht obwaltete, der nach einiger Zeit gefallen ist.— S t i e r st ä d t e r: Ich denke doch, daß außer Polizeibeamten kein Mensch befugt ist, andre Personen zu observieren, s!)— Die Vernehmung des Zeugen soll beendet werden und seine Vereidigung steht in Frage.— Zeuge Schulze wird beauftragt, aus seinen Büchern die Namen der von ihm vorübergehend beschäftigten Personen festzustellen. Hierauf wird Frl. Pfeffer welche augenscheinlich krank ist. in den Saal genifen, um zunächst über den bei ihr beschlagnahmten Brief der Frau Miller ver- nommen zu werden. Auf dem abgerissenen Stück habe nicht ein Wort davon gestanden, daß der Brief die Unwahrheit enthielt. Sie habe noch mehrere Briefe von Frau Miller(Fischer) erhalten, in den- selben habe aber von Frieda Woyda nichts gestanden, außer in diesem beschlagnahmten Brief.— Frau Miller wird mit der Zeugin konfrontiert und tritt ihrer Behauptung entgegen. Sie bleibt nachdrücklichst dabei, daß sie die Wahrheit gesagt habe und daß auf der abgerissenen Stelle gestanden habe: man solle den Brief der Verteidigung mitteilen und ihn dann zerreißen, denn der Inhalt sei unwahr.— Die Zeugin Pfeffer bleibt dabei, auf dem ab- gerissenen Zettel habe nur gestanden:„Wenn Sternberg meine Schwester und Herrn Schneider nicht in Ruhe lassen und die un- wahren Behauptungen nicht zurücknehmen sollte, so..." Es kommt hierüber zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen den beiden Zeuginnen. Clara Fischer unterstützt die Ans- sagen deS Fräulein Pfeffer, Frau Miller weist dieselben als unzutreffend mit großem Nachdruck zurück. Das Falsche gehe schon auS der Thatsache hervor, daß Frl. Pfeffer das Stück ab- gerissen habe. Wenn das darin gestanden hätte, was Frl. Pfeffer behauptet, so läge doch gar kein Grund vor, das Stück abzureißen. Frl. Pfeffer kann einen bestimmten Grund nicht angeben.— Zeugin Clara Fischer: Frl. Pfeffer habe ihr auch erzählt, sie habe Dr. Werthauer von der Existenz dieses Briefs in Kenntnis ge- setzt. Dr. Werthauer habe ihr 1000 M. für die Herausgabe des Briefs bieten lassen. Dann habe man. ihr gesagt, sie solle nichts über dieses Angebot verlautbaren lassen. denn er würde vielleicht dann sein' Mandat verlieren. Dies hätten Herr Poppe und Frl. Suchard ihr gesagt, die behauptete», daß sie aus dem Werthauerschen Bureau kämen?— Die Zeugin Pfeffer bestätigt dies.— Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Zeuginnen Miller, Pfeffer und Clara Fischer über die Briefaffaire werden von diesen sehr temperamentvoll unter einander auSgesochten, Die Zeugin Miller, welche ans Beschluß des Gerichts eine Schriftprobe machen muß, um festzustellen, ob der von ihr behauptete Satz auf dem abgerissenen Stück überhaupt gestanden haben könne, behauptet mit unveränderter Bestimmtheit, daß Frl. Pfeffer nicht die Wahrheit sage: sie habe den Brief lediglich zu dem Zweck ge- schrieben. Sterubcrg zu bewegen, ihr Geld z» senden. Es habe in dein Brief gestanden, daß der Inhalt nicht wahr sei.— Frl. Pfeffer bestreitet dies entschieden und bleibt auf dringenden Vorhalt des Vorsitzenden dabei, daß sie bereit sei, ihre Behauptung zu be- schwören. An einer Stelle der Bekundung des Frl. Pfeffer greift Frl. Clara Fischer sehr erregt ein und' hält der Zeugin vor: sie habe ja auch ihr gesagt, daß sie den fehlenden Teil mit Absicht abgerissen habe. Frl. Pfeffer: Der Teil sei ohne Slbsicht abgerissen. Sie habe erst den ganzen Brief zerreißen wollen,' aber eine Ahnung habe ihr gesagt, sie sollte ihn doch lieber aufbewahren, denn bei all' den Schändlichkeiten, durch die man sie vernichten wollte, könnte er ihr vielleicht noch einmal als Waffe dienen. Man habe sie mit allen möglichen Machinationen verfolgt und nur der Ehrlichkeit und Beihilfe des Herrn Stierstädter habe sie es zu ver- danken, daß sie heute nicht auch da sitze, wo andre Leute sitzen.— Vors.: Fräulein Pfeffer, Sie sind ja wohl schlecht behandelt worden. Sie sind sich aber doch bewußt, daß Sie hier einen Eid leisten sollen? Sie müssen sich frei machen von aller Erregung und von allen Gefühle» des Hasses und mm frage ich Sie: Wollen Sie das beschwöre», was Sie hier gesagt haben? Ist das alles ivahr?— Zeugin: Ich habe nichts an meiner Aussage zu ändern.— Vors.: Jeder, der den Brief liest, wird wohl zu der Ueberzeugung kommen müssen, daß die Anklagen darin nicht erhoben werden zum Zwecke der Erpressung. Gerade das Stoßweise der Be- kenutnisse spreche dagegen.— Staatsanwalt Braut: In einem anonymen Briefe ist mir mitgeteilt, daß Sie eine unglaubliche Angst vor Sternberg haben. So weit ich und die preußische Staatsamvaltschaft in Berlin zn thun habe, kann ich Sie beruhige» und Sie auffordern, sich in allem vertrauensvoll an uns zu wenden.— In der weiteren Aussage, die die Zeugin in großer Erregung und mit einer Schnelligkeit macht, die es»'rnmöglich erscheinen läßt, ihr auch nur annähernd zu folgen, beklagt sie sich darüber, daß der Angeklagte Stcrnberg in ihrer Wohnung gewesen sei und sie ernstlich bedroht Hube, er würde sie durch die Zeitungen schleifen zc.— Vors.: Welche Folgen das haben kann, hat ja schon wieder Ihre Schwester Frl. Hildegard Pfeffer er- fahren müssen, welche leider aus ihrer Stellung entlassen worden ist, nur weil sie hier im Prozesse als Zeugin vernommen worden ist.(Murren im Publikum.) Zeugin P feffer: Als sie bei Dr. Werthauer erschien, habe sie ihm gesagt, sie wünsche nicht in die ganze Sache verwickelt zu werden, sie könne nichts über den Fall Woyda mitteilen und wisse nichts davon, man solle sie in Ruhe lassen. Sie habe dann all' die schamlosen Angriffe und Machinationen, die gegen sie unternommen würden, Wort für Wort mit- geteilt. Dr. Werthauer habe darauf gesagt, er wolle das ja gar nicht wissen, sie habe aber erwidert, er solle es wissen und es Herrn Sternberg vorhalten und ihm sagen, daß er sie in Frieden lassen solle, dann werde sie ihn auch in Frieden lassen. Dr. Werthauer habe sie darauf hingewiesen, daß Sternberg doch jetzt selbst sehr im Unglück sei, sie möge doch ihre gereizte Stimmung gegen ihn aufgeben, ob eS ihr nicht möglich fei. auf die andre Seite zu gehen, Sternberg würde ihr unendlich dankbar sein. Sie habe getagt, und wenn man ihr eine Million bieten würde, würde sie nur das sagen, was sie wirklich wisse. Einschüchterungen und Drohungen. AuS den weiteren Aussagen der Zeugin Pfeffer scheint sich folgendes zu ergeben: Es möge im September gewesen sein, als sie von der Frau Suchard aufgesucht und von ihr überredet worden sei, mit ihr ein Glas Bier zu trinken. Sie seien nach Habels Brauerei gegangen. Nach einiger Zeit habe sich der Direktor Poppe zu ihnen gesellt, der bald angefangen habe, von der Sternbergschen Angelegenheit zu sprechen. Er habe sie an diesem Tage bloß gebeten, doch fteundltch und friedlich zu sein. Am folgenden Tage habe sie Frau Suchard besucht, wo sie wieder mit Poppe zusammengetroffen sei. Er habe sie gebeten, ihm den Brief der Margarete Fischer zu überlassen und als sie sich geweigert habe, habe Poppe ihr 1000 Mark geboten. Auch dies habe sie abgelehnt. Nach einigen Tagen habe Frau Suchard ihr gesagt, sie möge sür die käufliche Ueberlassnng des Briefs doch 3—5000 M. fordern,' Als sie sich lviederum ablehnend verhalten habe, sei kurze Zeit darauf Herr Poppe wieder bei ihr , Ämadeid, Is.DkjmderlSVV. erschienen mit demselben Anliegen und habe gleich einen schriftlichen Kaufvertrag mitgebracht. Sie habe das aufs entschiedenste zurück- gewiesen und nun habe man von weiterem Bemühen, de» Brief zu erhalten. Abstand genommen. Es sei aber dann der Versuch gemacht worden, durch Drohungen mit Verhaftung u, dergl. auf sie einzuwirken und schließlich habe man sich aufs Bitten gelegt und auf diese Weise versucht, sie für Sternberg zu gewinnen. Sie sei dann krank geworden und habe vom Kraukenbett aus mit Bleistift einen Brief' an Dr. Werthauer geschrieben, worin sie ihm geschildert habe, wie sie von Poppe und andren Anhängern Stern- bergs drangsaliert werde. Sie bitte ihn, seinen Einfluß auf Stern- berg dahin geltend zu machen, daß man sie in Ruhe lasse. Sie habe keinen Haß gegen Sternbera, wolle aber endlich Frieden haben. Herr Poppe sei bald darauf mit einem Bouquet bei ihr erschienen, ein Vorkommnis, welches ebenso wie die gleiche Aufmerksamkeit. die ihr Herr Stierstädter erwiesen, zu ihrem Nachteile ausgelegt worden sei.— Es wird dann wieder die Briefgeschichte erörtert, Die Zeugin bleibt mit aller Entschiedenheit dabei, daß der ab- gerissene Teil des Briefs nicht ein Wort von dem enthalten habe, wie von der Zeugin Margarete Miller behauptet wird. Wiederum kommt es über diesen Punkt zwischen den Zeugen Frl. Pfeffer, Frau Miller und Frl. Clara FisöT' zu lebhaften Auseinandersetzungen. Rechtsanwalt F u ch S I ßviragt die Zeugin Pfeffer, ob Dr. Werthauer auf sie eingewirkt habe, zu Gunsten Sternbergs etwas zu thun. Ferner: ob sie den Brief zn Dr. Werthauer mitgenommen habe,— Die Zeugin ant- wartet: Sie habe den Brief das erste Mal nicht mitgenommen, aber doch augedeutet, daß sie einen solchen habe und daß etwas Belastendes in der Woyda-Sache darin stehe. Dr. Werthauer habe ihr, wie sie wiederhole, gesagt, sie solle doch ihre erregte Gesinnung gegen Sternberg aufgeben und sich doch einmal überlegen, ob es nicht möglich für sie sei, auf seine Seite überzugehen. Frau Suchard habe ihr im Vorzimmer vorgehalten, sie solle doch nicht so gehässig gegen Stcrnberg sein, der arme Kerl sitze ja schon im Un- glück. Sie' habe geantivortet, sie könne ihm nicht helfen. Herr» Dr. Werthauer habe sie gesagt, er solle nur Herrn Sternberg mit- teilen, was in dem Briefe stehe.— Staatsanw. Braut: Hat denn Dr. Werthauer an Sternberg eine solche Mitteilung gelangen lassen?— Recktsanw. Dr. W e r t h a u e r: Wenn ich darauf antworten soll, dann bitte ich, mich ganz formell als Zeugen zu vernehmen und mich im Zusanimenhange meine Bekundung abgeben zu lassen. Dies geschieht. Rechtsanwalt Dr. Werthauer äußert sich dahin: Er sei erst nach dem April mit dem Angeklagten Sternberg zwecks Ein- tritts in die Verteidigung in Verbindung getreten und sei über die ganze Sachlage von Sternberg persönlich informiert worden. Dieser sei in allen Stadien und bis heute sehr ernstlich bei der Ver- sicherung geblieben, daß er mit der Woyda nichts zu thun gehabt habe. Als er ihm dann sagte, er müffe irgendwie begrimden, warum das Kind eine falsche Beschuldigung aufstellte, sei man in vielstündigen ernsten Konferenzen dazu gekommen, daß Frl. Pfeffer vielleicht bei der Sache ihre Hand im Spiele haben könnte, ferner vielleicht Frl. Fischer und Herr Stierstädter. Gerade die Hartnäckig- keit, mit welcher der Angeklagte darauf verharrte, war ausschlag- gebend, anzunehmen, daß er in dem Woyda-Falle thatsächlich un- schuldig sei. Frl. Pfeffer sei dann in seine Sprechstunde gekommen, sie habe sich in sehr erregtem Zustande befunden, was im einzelnen gesprochen worden, wisse er nicht mehr. Es sei auch möglich, daß er sich populär ausgedrückt und gesagt habe: Können Sie nicht auf unsre Seite treten? Diese Unterredung war etwa am 8. Juni, der fragliche Brief sei vom 14. August, in der Zwischenzeit habe er iveder direkt oder indirekt von Frl. Pfeffer etwas erfahren oder i mit ihr gesprochen.— Vors.: Haben Sie jemand zur Pfeffer ent- � andt, um den Brief zn kaufen?— Zeuge: Niemand auf der Welt!— Zeugin Pfeffer erklärt, daß Poppe ihr geraten habe, wenn sie � kein Vertraue» zu Herrn Werthauer habe, sich an Rechtsanwalt Modler zu wenden. Sie habe diesen Rat besolgt und demselben gesagt, daß sie wegen der Briefe, die etivas Belastendes gegen Sternberg enthielten', bedrängt werde. Rechtsanwalt Modler habe ihr gesagt, sie möge nach einigen Tagen wiederkommen und als sie, dann aus sein nochmaliges Befragen, ob sie die Briefe ver- kaufen wolle, versichert habe, daß ihr dies nie eingefallen sei und sie darin auch nicht andren Sinns»verde, habe Rechtsanwalt Modler ihr geraten, sie solle bei dieser Ansicht beharren und ruhig abreisen. Zeuge Stierstädter bestätigt»och auf Wunsch des Fräulein Pfeffer, daß Luppa, den er gelegentlich in der Elsasserstraße getroffen. ihn gefragt habe, ob Fräulein Pfeffer ihm nicht zur Ermittelung der Frieda Woyda behilflich gewesen sei. Der Zeuge habe dies aufS entschiedenste verneint. Fräulein Pfeffer erklärt noch, daß sie den Rechtsanwalt Modler von der Pflicht der Amtsverschwiegenheit ent« binde, sie wird vereidigt und darauf entlassen. Es tritt um 3�/s Uhr eine Mittagspause von 20 Minuten ein. Zeugin Collis wird noch einmal über das Verhalten deS inzwischen verhafteten Zeugen Wolff in der dem Kriminalgebäude gegenüberliegenden Konditorei vernommen. Die Zeugin wiederholt, daß Wolff mehrfach laut, so daß eS die übrigen Gäste hören mußten, zu ihr und der Teichert gesagt habe:„Daß Ihr vor Gericht nur die Wahrheit sagt I' Leise habe er dann hinzugefügt: „Ihr könnt ja doch sagen waS Ihr wollt!" Es wird sodann wieder der Detektivdirektor Schulze, der sich aus seinen Büchern unterrichtet hat, vernommen. Er bekundet, daß er insgesamt 12 Angestellte in der Sternbergschen Sache verwendet hat. von denen einSeil allerdings nur aushilfsweise beschäftigt war. Insgesamt habe er 12 2S0 M. ausbezahlt erhalten, davon vielleicht die Hälfte auf Antveifungen von Dr. Werthauer. Bon dieser Summe sei lviederum etwa die Hälfte nach Beginn der zweiten Verhandlung gezahlt worden. Dr. Werthauer stellt nach wie vor in Abrede, daß diese Zahlungen init seine,» Bureau irgend etivas zu thun hätten, sie seien sämtlich durch Luppa erfolgt und er habe nur bescheinigt, daß Schulze einen ihm gewordenen Auftrag erledigt habe, wenn dieser mit Luppa in Streit geraten sei. Es seien von ihm somit keine Antveifungen. ondern nur Anordnungen erteilt worden. Der Zeuge Schulze giebt zu. daß Wolff wiederholt im Wartezimmer des Dr. Werthauer verweilt habe. Der Vorsitzende verliest sodann die eidesstattliche Versicherung, welche Frau Miller am 24. Oktober in New Jork ausgestellt und mit einem Brief vom 5. November an Justizrat Dr. Sello gesandt at. Es heißt darin:„Alle von meiner Seite gemachten Aussagen elastender Art sind univahr und nur gemacht, weil er eine von mir begehrte Geldsumme nicht gezahlt hat. Dagegen sind alle entlastenden Aussagen der Wahrheit entsprechend." Sie mache, heißt es weiter, diese Aussageii aus freiem Antriebe. um falschen Aussagen entgegen zu treten und um ihr Gewissen zu entlasten.— Der Vorsitzende meint, daß eS doch charakteristisch sei, daß die Zeugin gleich zwei eidesstattliche Versicherungen in sich wider- sprechendem Sinne abgegeben habe.— Zeugin Miller erklärt, daß ihr Eugen Friedmann den Text vorgeschrieben habe.— Angeklagter Sternberg: Die dem Briese. beigelegten Zeilen an ihn lauteten etwa: Ich schicke Ihnen jetzt meine Aussage, ohne daß ich etivas dafür haben will. Ich knüpfe keine Bedingung daran, aber ich hoffe, daß Sie sich Ihres Versprechens erinnern, mir zu helfen. Nachdem noch der Portier des Hauses, in welchem Dr. Romen, wohnt, ganz belanglose Bekundungen über einen Herrn gemacht, der ihn aushorchen wollte, schließt der Vorsitzende um VV« Uhr die � Die Fortsetzung der Verhandlung findet Sonnabend ausnahms- weise erst um lOVe Uhr statt. Für den Inhalt der Inferate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, 15. Dezember. Opernhaus. Mignon. Anfang 71 Uhr. RANIA** Taubenstr. 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: ,, Die Weltausstellung in Paris". Invalidenstr. 57/62. Schauspielhaus. Der wilbe Reut Tägl. Sternwarte. lingen. Anfang 72 Uhr. Neues Opern Theater( Kroll). Wie Klein- Else das Christkind suchen ging. Anfang 3 Uhr. Deutsches. Die Macht der Finsternis. Anfang 712 Uhr. Lessing. Wie die Blätter. 7 Uhr. Anfang Berliner. Ueber unsre Kraft. Anfang 7 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Frauenherrschaft. Residenz. Die Dame von Maxim. Anfang 72 Uhr. Neues. Die Liebesprobe. Anfang 71 Uhr. Westen. Der Zigeunerbaron. Anfang 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 712 Uhr. Seceffionsbühne. Der Leibalte. Anfang 7 Uhr. Schiller. Fauft. II. Teil. Anfang 8 Uhr. Anfang Thalia. Amor von heute. 712 Uhr. Luifen. Der Roland von Berlin. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Tugenbring. Anf. 7 Uhr. Carl Weiß. Die Beilchenprinzessin. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Hänsel und Gretel. Belle Alliance. Der Dorfbader. Anfang 8 Uhr. Nachmittags 5-10 Uhr. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Neu! Dahomey- Dorf. Neu! 38 wilde Weiber von der Leibgarde des Königs Behanzin. Kriegs- u. Gefechts- Scenen, Exercitien, Nationaltänze. Vorstellung.: 12 Uhr mittags, nachm. von 3-10 Uhr stündl. ,.Allerseelen", neue Illusion! Russ. Damenkapelle Zarina. Entree 50 Pf. Militär u. Kinder 25 Pf. fich Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. Sonntag, den 16. Dezember: Extra- Konzert von Mitgliedern des Berliner unter Sinfonie- Orchesters Leitung des Herrn Maximilian Fischer. Entree 50 Pf. Anfang 6 Uhr. ( infl. Garderobe und Tanz). Cirkus Schumann. A Sonnabend, 15. Dezbr., ab. 71/2 Uhr: Grande Soirée High- Life. Rendez- vous der Sportwelt Berlins. Letztes Auftreten des 1 Löwen Baron. Rawsone u. June. Gastspiel des berühmten Reittkünstlers Mons. Alfons Althoff. 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Sonnabend, abends 8 Uhr: Fanst bon Goethe, der Tragödie II. Teil. ( 1. Abend. Das Reich der Mütter.) Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Ehre. Sonntag, abends 8 Uhr: Das Glück im Winkel. Montag, abends 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Wieder- Eröffnung Dienstag, den 25. Dezember 1900. Feiertags- Programm! Passage- Theater Unter den Linden 22. -Vorstellung ( Nachmittags 3 Uhr bis abends 11 Uhr. Tägl. Auftreten Gertrude Barrison Jenseits der krummen Lanke. 2. Seebataillon 3 Compagnie. 16 Nummern. Eintr.( soweit der Raum 50Pf reicht) inkl.Panopticum Cirkus Busch Sonnabend, den 15. Dezember 1900, abends 72 Uhr: Carl Weiss- Theater Prank- und Gala- Abend. Gr. Frankfurterstr. 132. Kinder Vorstellung. Nachmittags 4 Uhr( fleine Preise): Hänsel und Gretel. Abends 8 Uhr: Die Veilchenprinzessin. Ein Märchenspiel mit Gesang in 5 Aften von W. Lang. Zu diesen Vorstellungen hat jeder Erwachsene das Recht, auf einen Plaz zwei Kinder frei einzuführen. Sonntag: Die Veilchenprinzessin. Anfang 8 Uhr. Sonntag, den 23. Dezember, zum erstenmale: Der Herenmeister. Berliner Sensationsstück mit Gesang in 4 Atten von W. Fernau. Mufit von Fr. Lehner. Thalia- Theater Dresdenerstr. 72. Heute und folgende Tage: Amor von heute. Große Ausstattungspoffe mit Gesang und Tanz. Anfang 712 Uhr. Seceffionsbühne. Alexanderstr. 40. Der Leibalte. Komödie in 3 Atten v. Lothar Schmidt. Morgen, nachmittags 3 Uhr: Die Bildschnizer. Hockenjos. Abends 71/2: Der Leibalte. ..Die eiserne Maske Sonntag, Montag und Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Anfang Sonntags. 7 Uhr. Entree 50 Pf. Von 5-7: Unterhaltungs- Musik. Wochentags 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nach jed. Soiree: Tanzkränzchen. Wochentags Tanz frei. Vereins: und Vorzugsbillets wochen: tags gültig. Säle zu Festlichkeiten und Versamuilungen. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Borher: Konzert. Großes hiftor. Manegen Schauftück Größte Weihnachtsmesse in 4 Aften und 2 Hauptbildern. I. Att: Ludwig XIV. als Alleinherrscher. II. Aft: Zelle in der Bastille. III. Aft: Einnahme von Straßburg. IV. Aft: Der Staats: ftreich. V. Att: Eine Falkenjagb bei Fontainebleau. VI. Aft: Der Mann mit der eisernen Maske. VII. Att: Das letzte Fest im schönste und Ausstellung im Messpalast Alexandrinenstr. 110. Täglich Konzert v. 5 Kapellen. Illusionen. Variétés. Mysterium des 20. Jahrhunderts. Erscheinung aus Kaiser: der überfinnlichen Welt. Schloffe Vaux le Comte. Panorama. Hölle u. Nordpol Höllen: Signor Corradini als Schulreiter. Variété. Sonntags: Gr. Ball bei & rl. Martha Mohnke, Schulreiterin, 20 Mann ſtarter Kapelle. Entree frei und 10, 20, 30 Pf. als Weiße Dame" und mit dem Rapriolenspringer, Wicked broij". Dir. Kranz. Direttor Busch mit seinen vor: züglichsten Freiheitsdreffuren. Ferner: Gala- Programm. Morgen, Sonntag, nachmitt. 4 Uhr: Berliner Landpartien, wozu jeder Erwachsene 1 Stind frei hat, weitere Kinder die Hälfte. Freitag, den 21. b. M., abbs. 7 Uhr: Festvorstellung zum Besten des Invalidenheims der Kaiser WilhelmStiftung bei Neu- Babelsberg. Apollo- Theater. Um 8 Uhr: Fräulein Loreley. Central Theater Milli Capell, Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Weihnachtsvorstellung: Hänsel u. Gretel. Logen 2,10 M., Parkett 1,10 M., I. Rang 80 Pf., II. Rang 55 B3f. Abends 7/2 Uhr: Die Geisha. Sonntag, nachm. 3 Uhr, zu halben Breisen: Weihnachts Vorstellung: Die Puppe. Abends: Die Geisha. Sonnabend, ben 22. Dezember, zum Burlest- Operette in 3 Atten v. Benno erstenmal: Die Schöne v. New York. Jacobson. Mufit von Gustav Kerter. Bläge zur Premiere und zu den Weihnachtsfeiertagen find schon jetzt zu haben Cäcilie Carola, Mlle. Bresina, Deutsche Konzerthallen Spandauer Brücke. Täglich 4 ausländische Kapellen 4 Gr. Theater- Vorstellung. Kaufen Sie Francois Gerard nicht früher, bevor Sie sich von den und 10 sensationelle Specialitäten. Kasseneröffn. 7 Uhr. Anf. 8 Uhr. Gelegenheitskäufen der Firma Chic Cirkus Jansly. Schöneberg, Hauptstrasse. 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" ist vor einigen Tagen wieder eröffnet worden. Pünktlich am 11. Dezember, wie alljährlich, sind die ersten Händler erschienen und haben ihre Buden aufgebaut. Früher wußte in Berlin jedermann, Die Uraniasäulen erregen neuerdings wieder Aergernis. Bielan welchem Tage der Weihnachtsmarkt zu beginnen hatte, und nicht fach sind die Zifferblätter mit Papier beklebt; feit Wochen tragen bloß die Jugend, sondern auch mancher Erwachsene freute sich im 3. B. die Uhren am Memeler Part, auf dem Belle- Allianceplaz und boraus darauf- heute lassen sich die meisten erst durch die an der Ecke der Charlottenstraße die Umhüllung. Woran liegt es, Beitungen daran erinnern und beachten es auch dann kaum. Die daß die Reparaturen sich so lange Zeit hinziehen? älteren und ältesten Berliner haben sich von dem Weihnachtswahrt marit vergangener Tage eine freundliche, heitere Erinnerung beden jüngeren und jüngsten schwebt nur das trübfelige Bild vor, das er heute bietet. So haben sich die Zeiten geändert! Zu der Angelegenheit des Heiratsschwindlers Gravenhorst wird weiter mitgeteilt, daß Fräulein v. D. einstweilen aus der Haft entlassen worden ist. Bei der Schöneberger Kriminalpolizei fanden gestern wiederum Vernehmungen statt. Fräulein H., bei der Gravenhorst wohnte, konnte zu dem Auftritt mit dem Revolver nichts befunden. Ein Zufall wollte es, daß sie sich zu der Zeit, als dieser fich abspielte, gerade bei der Polizei befand, um gegen den Schwindler Anzeige zu erstatten. Gravenhorst hatte ihr nämlich gedroht, daß er sie erschießen werde, wenn sie ihm nicht Geld verschaffe. Der Schwindler, der noch nicht gefaßt ist, gab sich für den Erben eines Barons von Gravenhorst aus, der vor Jahren in Hamburg viel gebaut hat und seitdem verschwunden ist. Er hat bei seiner Flucht auch verschiedene Papiere zurüdgelaffen. Möglich ist jedoch, daß er auch noch andre besitzt. Verständiges von Herrn v. Podbielski. Der Staatssekretär des Reichspostamts macht bekannt: Beim Herannahen des Neujahrsfestes nehme ich Veranlaffung, die Amtsblattverfügung Nr. 103 vom 30. Dezember 1890, in welcher dem Wunsche Ausdruck gegeben ist, Zeugen gesucht. Die Personen, welche am Sonntag, 23. Seps Sie haben sich nicht ganz ohne äußeres Buthun geändert. aus Anlaß des Jahreswechsels daß die Herren Beamten der förmlichen Beglückwünschungen tember, abends zwischen 11 und 12 Uhr, an der Ecke der SchinckeGewiß steht unter den Ursachen, die den Niedergang des Berliner durch Abgeben oder Uebersenden von Karten sei es durch Besuch, sei es straße und des Kottbuser Damms den Streit beobachtet haben, sich enthalten Weihnachtsmarkts herbeigeführt haben, die moderne Entmöchten, von neuem in Erinnerung zu bringen. der sich zwischen einem Droschkentutscher erster Klasse und einigen wicklung von Gewerbe und Handel an erster Stelle. Der Herr Staatssekretär lägt fich offenbar von dem Gefühl Fahrgästen abgespielt hat, werden gebeten, ihre Adresse im VereinsAber von nicht zu unterschäßender Bedeutung ist dabei auch der andre leiten, daß manche dieser Glückwünsche doch nicht recht von Herzen bureau der Berliner Droschkenkutscher, Schüßenstr. 58, abzugeben. Umstand, daß man vor nun einem Jahrzehnt den Weihnachts- tommen mögen. markt aus dem Innern der Stadt in die Außenbezirke verwiesen hat. Er ist überhaupt viel umbergeschoben Der Weihnachtsbaum- Detailhandel hat mit dem gestrigen in all den Jahrhunderten, Tage seinen Anfang genommen. Von den Händlern wird fast die er nun besteht, hat er wohl ein halbes Dugend Mal seinen Play allgemein über die hohen Engrospreise geflagt. Selbst minderwechseln müssen aber er blieb doch immer im Centrum Berlins, wertige Ware wird mit 50-60, mittlere mit 70-90, beffere mit immer war er von allen Teilen der wachsenden Stadt gleich bequem 100-120 M. für das Schock Bäume bezahlt. Jufolgedessen stellen zu erreichen. Man pilgerte aus der Vorstadt nach der inneren sich auch im Einzelverkauf die Bäume erheblich teurer als im Bors Stadt, um den Weihnachtsmarkt zu sehen. Wer wird sich aber heute jahre. Für die gewöhnliche Durchschnittsqualität werden 2,50 bis au gleichem Zweck in die Vorstadt hinausbemühen? Es wird behauptet, 3,50 m. verlangt, während selbst die geringste Sorte auf 1,50 m. im Innern der Stadt feien die Budenreihen im Laufe der Zeit tommt. Es wird jedoch in den nächsten Tagen ein allgemeiner zu einem Verkehrshindernis geworden, es sei nicht länger Preisrüdgang erwartet, da noch täglich neue Waggonladungen mit möglich gewesen, sie auf dem Schloßplaß und im Lustgarten zu Weihnachtsbäumen in Berlin eintreffen. dulden. Andre meinen: daß er den Straßenverkehr behinderte, das habe man dem Weihnachtsmarkt nicht so sehr übel genommen worden, der Berliner Weihnachtsmarkt Feuerbericht. Gestern waren verschiedene Schaufensterbrände abzulöschen und zwar Dresdenerstraße 117, Alexanderstraße 22, Große Frankfurterstraße 141, Prinzen- Allee 10 und Weidenweg 63. In sämtlichen Fällen fonnte das Feuer noch im Entstehen erstickt werden. Kleine Zimmerbrände erfolgten Bethanien- Ufer 6, Möckernstraße 133, Tegelerstraße 50 und Oppelnerstraße 16, während Stallschreiberstraße 57 Kisten und Körbe in einem Lagerraum eingeäschert wurden. Aus den Nachbarorten. Rigdorf. Die Parteigenossinnen und Genossen werden auf die heute abend 81/2 Uhr im Apollo- Theater, Hermannstr. 48/49, stattEine Erhöhung der Grundtage für Tagameterdroschken findende Volksversammlung aufmerksam gemacht. Auf der Tagesdem Schlosse habe er zu nahe gestanden, hauptsächlich Droschfen- Fuhrherren Berlins, welche gestern abend eine Barteispedition, Bericht des Vertrauensmanns und der Lokal, von 50 auf 60 oder 70 Pfennig herbeizuführen, beabsichtigen die ordnung steht: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht über die darum habe er fortgemußt. Das ist wohl möglich und sogar start besuchte Versammlung im„ Prälaten" abhielten. Zur Be- fommission. 4. Aufstellung der Kandidaten zur Stadtverordnetensehr wahrscheinlich. Ja, die Zeiten haben sich wirklich geändert! handlung stand die Frage: Wie stellen wir uns zu der Miets- Ersatzwahl. Der Unbeteiligte hat es leicht, hier die Achseln zu zucken und erhöhung der Tarameterfabriken?" Ein großer Teil der Redner Ein Volkstheater will fich die Stadt Schöneberg zulegen. die Sache mit einem gleichgültigen Helf' er sich!" abzuthun. erkannte die Notwendigkeit der Erhöhung der Mietspreise an. Es Der Magistrat ersucht die Stadtverordneten- Versammlung um zu Denen, die es angeht, ist anders zu Mute, wenn sie an den wurde in der Debatte von allen Seiten darauf hingewiesen, daß sich stimmung zu folgendem Beschluß: Die Stadtgemeinde ist im Niedergang des Berliner Weihnachtsmarkts denken. Wenn man die Betriebskosten für die Droschken ungemein erhöht hätten. Preise Princip nicht abgeneigt, einen Teil des Winterfeldplates draußen in der Vorstadt jetzt durch die gar nicht mehr dichten Buden- für Pferdefutter. Stallungsmiete, Unkosten bei Stellmachern und von etwa 2000 Quadratmeter Grundfläche zum Bau eines Volks reihen geht und dem vorläufig noch sehr träge dahinschleichenden Ladierern seien in letzter Zeit ganz enorm gestiegen, während die theaters herzugeben, wenn ein leistungsfähiger Unternehmer sich verMarktleben zuschaut, dann findet man es begreiflich, daß manchen Durchschnittseinnahmen der Droschken zurückgegangen seien. E3 Standinhaber ein Gefühl der Bangigkeit beschleicht. Es sind wurde eine aus 19 Personen bestehende Kommission gewählt, welche Million Mark Baukosten zu bauen und für Hergabe des Bauplages pflichtet, dort ein monumentales Theatergebäude für etwa eine auch recht große Händler darunter, die jahraus jahrein von einem fich mit den Tarameterfabriken in Verbindung setzen und wegen Er- bei einer Verpachtung auf 45 Jahre eine Jahrespacht von Markt auf den andren ziehen und es am Ende verschmerzen können, höhung des Tarifs bei dem Polizeipräsidium vorstellig werden soll. 30 000 m. zu zahlen. wenn sie in Berlin nicht mehr so viel wie früher verdienen. Aber die fleinen und fleinsten Händler, namentlich auch die Bei der Straßenbahn hat gestern vormittag um 92 Uhr die zahlreichen um diese Zeit beschäftigungslosen landespolizeiliche Abnahme der Verlängerung der Linie SpittelReute, die nur vor Weihnachten handeln, nur vom Weih- markt- Friedrichsfelde bis zur dortigen Kirche stattgefunden. Die nachtsmarkt ihr bißchen Verdienst erwarten die Eröffnung des Betriebs erfolgt Sonnabend. Gleichfalls Sonnabend empfinden es recht bitter, daß nun auch hier nichts mehr zu holen ist. erfolgt die Eröffnung des elektrischen Betriebs auf der Linie Wenn das Weihnachtsgeschäft beinahe für alle Geschäftsleute das Charlottenstraße- Reinickendorf, die am Donnerstag abgenommen Hauptgeschäft ist, auf das mancher seine ganze Hoffnung setzt, so be worden iſt. deutet es für viele der kleinsten Händler geradezu den legten Rettungsanter. Ein schlechtes Weihnachtsgeschäft, ein leerer Weihnachtsmarkt macht diesen Leuten den Winter noch reicher an Sorge und Entbehrung, als er es ohnedies für sie zu sein pflegt. Eine beachtenswerte Neuerung tritt heute für den gesamten Verkehr in den Central Markthallen ein. Entsprechend den Bestimmungen der jüngsten Gewerbeordnungsnovelle hat das Polizeipräsidium durch die Marktpolizei angeordnet, daß fortan der Großmarkt erst um 5 Uhr beginnt, während er bisher in den Wintermonaten um 4 Uhr begami. Für die Zufuhr von Waren ist die Groß- Markthalle schon von 4 Uhr ab geöffnet. In der Berliner Stadtfernsprech- Einrichtung hat die Gefamtzahl der Sprechstellen bereits 50 000 überschritten. Wie die Dtsch. Vert.- 8tg." erfährt, belief sich nämlich schon Ende Oktober Schöneberg. Einem gräßlichen Unglücksfall ist der 40 Jahre alte Schloffer F. Straßmann erlegen. St. war in der Mariendorfer Filiale der Fabrit von Braß u. Hertelet, Streuzbergstr. 42, beschäftigt. Dort tam er durch Versehen der Transmission zu nahe, er wurde vom Riemen erfaßt und mit so furchtbarer Gewalt um die elle geschleudert, daß sein Kopf buchstäblich in Stücke zerrissen wurde. Ein Arbeitskollege, welcher ihn retten wollte, wurde ebenfalls von der Maschine ergriffen, tam aber, wenn auch mit schweren Verlegungen, so doch mit dem Leben davon und liegt im Krankenhause danieder. Aus Rigdorf. Einen graufigen Fund machten am Donnerstag nachmittag mehrere Personen in einer hiesigen Laubenkolonie. In einer Laube lag in einer Blutlache die Leiche des 32 Jahre alten Maurers Emil Schäfer aus der Falkstraße 21. Wie die Unterfuchung ergab, hatte sich der Bedauernswerte durch mehrere Revolverschüsse in die rechte Schläfe getötet. Die benachrichtigte Polizei ließ die Leiche nach der Leichenhalle schaffen. Das Motiv Für den socialdemokratischen Antrag auf Einführung des geheimen gleichen und allgemeinen kommunalwahlrechts haben am Donnerstag von den liberalen Stadtverordneten nur zwei gestimmt. Die„ Berliner Zeitung" fagt, im Vorwärts" sei das mit Genugthuung" festgestellt worden. Wir haben in unsrer Besprechung des Verlaufs der Stadtverordneten: die Zahl der Hauptanschlüsse in Berlin auf 30 000 und die Zahl der der That ist in Echwermut infolge eines unheilbaren Leidens zu Sigung vergeblich nach einem Ausdruck geforscht, aus dem die, Berl. 8tg." Nebenanschlüsse auf 11 000. Inzwischen entwickelt sich das Riesen- fuchen, welches Schäfer als Folge eines Bauunfalls zurückbehalten hatte.die behauptete Genugthuung" herausgelesen haben könnte. Vielleicht fernsprechnetz der Reichshauptstadt, das jetzt schon etwa 100000 Stilo- Als Ladendiebin wurde eine Frau Schmidt, geb. Baschin aus der Hermannstr. 51 entlarvt und festgenommen. Bei einer Hausnennt sie uns einen! Eigentümlich" haben wir nicht ge- meter Leitungen umfaßt, unausgesetzt weiter. suchung wurden in der Wohnung der Verhafteten eine ganze Anzahl " 0 Ein Theater. funden, daß Stadtv. Ullstein mit den übrigen Mitgliedern der Mit falschem und ausländischem Gelde wird gegenwärtig Sachen vorgefunden, die vermutlich ebenfalls aus Ladendiebstählen Neuen Fraktion der Linken" für den Antrag Preuß ein- viel operiert, da der starke Verkehr in den Geschäften sowie an den herrühren. Da die Sch. augenscheinlich meist in Berliner Geschäften getreten ist, sondern daß er und die meiſten ſeiner Freunde gegen Verkaufsstellen des Weihnachtsmarkts eine genauere Kontrolle und ihre Thätigkeit ausgeübt hat, so ist fie der Berliner Kriminalpolizei ben socialdemokratischen Bufa gantrag gestimmt forgfältigere Beobachtung der in Zahlung gegebenen Münzen verübergeben worden.- Vermißt wird seit ca. 8 Tagen, der 35 Jahre haben. Sachlich kommt das ja allerdings, das ist wahr, hindert. An Falsifikaten sind vorwiegend Ein- und Zweimartstücke alte Buchdrucker Anton Arnold, welcher Knesebecstr. 72 hierfelbſt auf dasselbe hinaus; denn der socialdemokratische Antrag forderte vorhanden. Ausländische Münzen und zwar östreichische Gulden, wohnt und in Berlin bei Sittenfeld in Arbeit stand. Die Frau, eben das allgemeine Kommunal- Wahlrecht, der Antrag Preuß russische Silberrubel und französische Fünffrankſtücke werden als Ein- welche sich mit ihren Kindern in großer Notlage befindet, befürchtet, aber forderte es nicht und gerade auf diesen Punkt kam es an. und Zweimartstüde reip. Thaler in Zahlung gegeben, entsprechend daß ihrem Manne ein Unglück zugestoßen ist. Daß die Neue Fraktion der Linken" nicht für den Ausschuß ihren Größenverhältnissen, durch die sie dem deutschen Gelde vor antrag gestimmt hat, wollen wir der Berliner Zeitung" gern allen Dingen ähneln. Ebenso werden vielfach 10- und 20- Frankſtücke bestätigen, aber an der Haltung dieser Fraktion zu der Frage des als deutsche Kronen- resp. Doppeltronen verausgabt. Schließlich sei allgemeinen Kommunal Wahlrechts wird dadurch nichts geändert. Die„ Berliner Beitung" bestätigt ihrerseits, daß diefe und Zweipfennigftüde, welche als Fünf- resp. Behnpfennig in größerer auch noch auf vernickeltes Stupfergeld aufmerksam gemacht. Forderung wirklich keine freisinnige ist. Wir nehmen oe. Die Tegernseer. Wer seinen abgespannten Nerven eine davon Kenntnis und werden von nun an nicht mehr daran Bahl im Verkehr sind. Ruhepause gönnen will, soll ins Bellealliance Theater zweifeln. Das Kunstgewerbe- Museum hat im oberen Bestibül eine gehen. Wohliges Behagen bereiten die Tegernseer dort; all die häß Die Heimkehr der Sieger. In der gestrigen Magistrats- Entwürfen dafür eröffnet. Den größeren Teil bilden poetische und wollen, machen fie für einige Stunden vergessen. Und die Wirkung In der gestrigen Magistrats- Ausstellung von fünstlerisch ausgestatteten Büchern und künstlerischen liche Aufregung, die uns peinigt und die wir doch nicht entbehren Sigung wurde mitgeteilt, daß am Sonntag die aus China heimgelehrten Marine und Seefoldaten, nachmittags gegen 3 Uhr, auf brosaische Dichterwerte neuerer Dichter, die in verschiedenster Aus- ihrer Naturfrische ist dieselbe, ob sie ernst oder vergnügt mimen, raufen. Selbst Stücke, die sich ein dem hiesigen Lehrter Bahnhof eintreffen und von dort aus ihren stattung und von der Hand bekannter Buchkünstler anziehend ge- ob sie schuhplatteln oder Einzug durch das Brandenburger Thor in die Reichs. Schmidt find. Zu den Zeichnungen von Künstlern wie J. V. Ciffarz, bischen ins salontirolerische oder in die Dorfgeschichtenmanier verhauptstadt halten werden. Zugleich wurde in dem Schreiben der Bogeler, Müller- Schönefeld, Fidus, Lechter, Engels, Lippisch u. a. lieren, verderben nichts an den Bayern, deren gesunde Natur Bunsch ausgesprochen, daß die Truppen am Brandenburger find die Drucktypen und die äußere Ausstattung der Bücher überall sozusagen dem Dichtwert zum Trog ein Verfallen ins Gezierte gar in Einklang gesezt. nicht zuläßt. Durch sich selber sind die Tegernseer etwas und nicht Thor durch eine Deputation des Magistrats begrüßt werden. durch die von ihnen aufgeführten Bühnenwerke, die ja ohne die Es wurde beschlossen der Aufforderung Folge zu leisten. Die Die Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Eisenbahn- Dialektkünstler überhaupt nicht existieren würden. Darum wollen Deputation wird aus den Herren Oberbürgermeister Kirschner, rückfahrtskarten zur Weihnachtszeit besteht darin, daß alle am wir auch über den neuesten Schwant, der Der Dorfbader" Bürgermeister Brinkmaun, Stadtfyndikus Meubrind, Stadtrat Bohm 18. Dezember und an den folgenden Tagen gelösten derartigen Starten heißt, nur wenig sagen. Der von Veni Glas mit possierlicher und Wirkt. Geh. Ober- Regierungsrat Friedberg bestehen. mit sonst fürzerer Geltungsdauer zur Rückreise bis einschließlich den Komit dargestellte Held ist ber in fleinen Verhältnissen Nachdem schon im August dieses Jahrs die berühmten Vorschuß- 8. Januar 1901 berechtigen. Diese Vergünstigung erstreckt sich auf wohlbekannte Allerweltskerl, zu dem Mensch und Vieh Lorbeeren an den Grafen Waldersee verteilt worden sind und auch den Verkehr mit preußischen und den übrigen norddeutschen, sowie Bertrauen hat, nicht allein in Krankheitsfällen, sondern auch der Ausmarsch der China- Truppen nach offiziöser Darstellung sich den östreichischen Bahnen, nicht aber mit süddeutschen Bahnen. Auf in andren Nöten des Lebens. Unter Aufbietung eines wunderbaren zum Triumphzug gestaltet hat, ist nicht recht ersichtlich, wie diese den letzteren haben die Rückfahrtkarten nur die daselbst allgemein Latein legt der Herr Doktor dem Verletzten einen antisemitischen Ver folennen Veranstaltungen nunmehr bei der Heimkehr der jawohl übliche Geltungsdauer von 10 Tagen. band an, furiert die Infulenzia anastasia, läßt die medizinische " fieggekrönten Truppen noch überboten werden sollen. Und daß An- Die Bronzewaren werden auch teurer. Wie Herr Gustav Fatalität in ihre Rechte treten und empfiehlt dem Kranken Schonung, strengungen gemacht werden müssen, noch mehr zu leiſten wie willert, Obermeister der Gelbgießer Jumung, mitteilt, dürften zum damit sich nicht die Redaktion dazu schlage und er ein corpus da bamals, steht doch eigentlich außer Zweifel. Ein schwieriger Fall. 1. Januar die Bronzewaren einen Aufschlag im Preise erfahren, da liegt er werde. Wir erfahren auch wie das junge Volt sich Anläßlich des Einmarsches aus China zurückgekehrter Marinetruppen infolge der anhaltenden Breissteigerungen des Metalls und der in Liebesränken beim Bader Rat holt und wie der werden am 16. d. M., nachmittags etwa von 1 Uhr ab bis nach anbren Materialien, sowie auch der Löhne(?) die Vereinigung alte Junggeselle am Ende gar selber an einem mehr energischen als Schluß der Feier im Zeughaus für den Fahr- und Fußgängerverkehr Berliner Metallgießereien" in ihrer Versammlung vom 7. d. M. be- schönen Weibsbild hängen bleibt. nach Bedarf gesperrt die Fahrdämme der Bläge am Opern- und fchloffen hat, daß ihre Mitglieder, um bestehen zu können, die Guß- Das alles geht vor sich untermischt mit Schuhplatteln, Gefang am Zeughause, sowie des Lustgartens und die Schloßbrücke. preise zu erhöhen gezwungen find. und Bitherspiel, und wenn's zu Ende ist, sieht man am Ausgang lauter fröhliche Gesichter, die sich erst wieder in Falten verziehen, Aus der Magistratsfitung vom Freitag. Bei der Fort Polizeipräsident v. Windheim ist gestern vom Untersuchungs- wenn die Elektrische dahergeheult tommt, und der Schaffner durch fegung der Beratung des Einzeletats wurde berichtet, daß der Etat richter Brandt, der bekanntlich das Verfahren gegen den Kommissar fein geschäftsmäßiges besetzt meine Herrschaften" uns daran er des Statistischen Amts in Ausgabe mit 418 000 m. abschließt Thiel führt, vernommen worden. Wie verlautet, hat sich die Verinnert, daß wir die Kultur der Großstadt immer noch in vollen und 2630 M. mehr angesetzt sind, wobei zu bemerken ist, daß nehmung auch auf die Untersuchung erstreckt, die zur Ermittelung Bügen genießen. 17 ständige Hilfsarbeiterinnen jezt mehr angestellt sind. Für das jener zweiten Quelle eingeleitet ist, welche nach Thiels Be im Martthallen Gebäude, 3immerstraße 90, untergebrachte fundungen schneller und besser, als er es vermochte, Herrn Luppa Märtische Provinzialmuseum wurden 25 746 M. in Einzelheiten aus der Untersuchung gegen Sternberg verschafft hatte. Ausgabe gestellt. Der Armenetat, der in Einnahme mit 660 000. und in Ausgabe mit 9660 000 M. abschließt, Seinen Verlegungen erlegen ist der 47 Jahre alte Kutscher erfordert einen Zuschuß von 8 994 000 M. Die Unter- Ernst Bohl aus der Langestr. 65, der am Sonntagabend um 61/4 Uhr ftügungen durch die Armentommissionen erforderten auf der Straßenbahn verunglüdte. Bohl hatte in Rigdorf einen 7 355 000 m. und die Unterstützungen, die unmittelbar bewilligt Besuch gemacht und wollte dann mit einem Wagen der Linie wurden, 163 000 m. während für besondere Unterstügungen Nixdorf- Dönhoffplatz nach der Reichenbergerstr. 58 fahren, um sein 346 000 M., in Ausgabe bewilligt wurden. Die Besoldungen der Pferd zu füttern. Als er vor dem Hause Nr. 56 vom AnhängeArmenärzte erforderten 128 300 M., die Heilmittel 183 000 m. wagen abstieg, setzte sich der Zug schon wieder in Bewegung. Bohl und die Kur- und Verpflegungskosten rund 1 Million Mark. Fast tam zu Fall und wurde ein Stüd Wegs mitgeschleift. Schiver ver: unbedeutend erscheint dagegen der Etat für das Turn wesen, legt wurde er mit einer Droschke nach dem Krankenhause am Urban ber in Einnahme mit 18010 m. und in Ausgabe mit 170 169 M. gebracht. Dort starb er an den Folgen eines Schädelbruchs. Versammlungen. Die Möbelpolierer der Filiale Nord hielten am 10. d. Mts. ihre regelmäßige Versammlung ab. Nitsche hielt einen mit Beifall aufgenonmmenen Vortrag über„ Die Religion und die organisierten Arbeiter". Die Diskussion über den Vortrag war eine sehr lebhafte. Unter Verbandsangelegenheiten nahm Faustmann Stellung gegen das Vorgehen der Tischler Zwangsinnung den Arbeitern gegenüber und forderte die Anwesenden auf, sich auf einen eventuellen Kampf gefaßt zu machen. Auf Antrag Gläsel und Genossen wird eine neue Bahlstelle errichtet. Als Staffierer wurde Reinhold Knoll gewählt. Milreis? Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 16. Dezember, vormittags| einen Seite des Schiffs hindrängten, sei dieses umgefchlagen. Von| fragen, um portugiesische oder brasilianische Währung und um Reis oder 8 Uhr, in der Aula der 69. Gemeindeschule, Kleine Frant den 400 Passagieren feien über 200 ertrunken. J. H. Wenden Sie sich an das Regiment, um zu erfahren, wohin der furterstr. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung." Um 10 Uhr bormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille:„ Chinesische Mann abgegangen ist. Schöneberg 216. 1000. Weisheit( Confutse)." Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter ( E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin 3. Sonnabend, den 15. Dezember, abends 8½ Uhr, Mitgliederversammlung bei Bergener, Reichenbergerstr. 157. Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 15. d. M., abends 82 Uhr, Mit gliederversammlung bei Frizz Wilfe, Andreasstr. 26. Tischlerverein, Melchiorstr. 15. Heute, Sonnabend, 81% Uhr, General: bersammlung. Wahl des Vorstands. Die Mitglieder der Centralkranken und Sterbekaffe der Tischler, welche in den Orten Johannisthal, Nieder- und Ober: Schöneweide wohnen, wollen sich am Sonntag, den 16. De zember, vormittags pünktlich 10 Uhr, im Lofal von Franz( früher Strecker) in Nieder- Schöneweide, Grünauerstraße 5, einfinden behuje Gründung einer eignen Verwaltungsstelle. Der provisorische Bevollmächtigte. Vermischtes. Aus Trelleborg, 18. Dezember, wird gemeldet: Das Kanonenboot Svensksund" geht morgen früh von hier ab, um dem gestrandeten Dampfer" Svea" Hilfe zu leisten. Marktpreise von Berlin am 13. Dezember 1900 nach Ermittlungen des tgl. Polizeipräsidiums. Weigen, gut " Roggen, gut " t) erfle, gut " 1,20 D.- Ctr. Kartoffeln, neue, D- Ctr. 6, mittel gering " Rindfleisch, Keule 1 kg 1,60 " do. Bauch 1,30 1, " " Schweinefleisch 1,60 1,20 " mittel gering Kalbfleisch 1,80 1" " Hammelfleisch 1,60 0,90 " 15,40 14,70 Butter 2,80 2, mittel gering 14,60 13,90 Gier 60 Stüd 5,- 3, 13,80 13,10 " Karpfen 1kg +) Bafer, gut " 16,- 15,20 Aale mittel gering 15,10 14,30 Bander 14,20 13,40 Hechte 6,66 " 6,32 Bariche 7,20 " 40, 25, 5,50 Schleie Bleie 45, 70, 25, Krebse 30, " Nichtstroh Heu Erbsen Speisebohnen Linsen 2,20 1,20 2,50 1,40 Sonderzug. Fragen Sie Lehrter Bahnhof bei der Direktion beziv. bei dem Portier nach. Pankow 71. Ein Grad= 15 Meilen; das übrige ersehen Sie aus der Landkarte. 47 F. R. 1. Das kommt auf die näheren Umstände an. Die nächste juristische Sprechstunde am Montag, 7-9 Uhr. 2. 1000 millionen 3. 55 focialdemokratische Mitglieder des Reichstags. Veritas. Bitte, Frage zu wiederholen. Abonnent aus der Ackerstraße. Unterbreiten Sie diese Beschwerden zunächst Ihrer Organisation. Wenn diese Ihre Angaben nachprüft, sind wir zur Veröffentlichung bereit. P. 3. 19. In beiden Fällen wäre das Amtsgericht zur Erteilung der Genehmigung zur Auszahlung beziehentlich zur Bestellung des Ehemanns zum Vormund zuständig. Adoptieren könnte der Mann das Kind zur Seit nicht, wohl aber ihm seinen Namen geben. Die Anträge hätten Sie also 2,50 1,20 an bas Vormundschaftsgericht zu richten. M. B., Rigdorf. Nein. 1,80 1, 1,60 0,80 " " 3, 1,20 1,40 0,70 F. J. W. Sie sind zur Zahlung verpflichtet. 6. S. 99. 1. Für die Gerichtsfoften, die Ihrer Frau auferlegt sind, haben Sie nach zutreffender allerdings bestrittener und vom Reichsgericht noch nicht entschiedener Ansicht nicht zu haften. 2. Die notwendigen Kleidungsstücke, Wäsche, per Schot 12, 2,50 Betten, Hausgerät usw. sind nicht pfändbar. 3. Sollte Ihr Eigentum wegen der Schulden Ihrer Frau gepfändet werden, so beantragen Sie Aufhebung der Pfändung beim Amtsgericht und erheben Jnterventionsklage. Eine neue Spur in Konik? Dem„ Berl. Tagebl." wird aus Konig geschrieben:" Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Mehr als je find Hoffnungen vorhanden, daß der graufige+) frei Wagen und ab Bahn. Mord seine Sühne findet. Bei der Behörde ist nämlich vor einigen Produktenmarkt vom 14. Dezember. Auf dem heutigen Getreide: Tagen von einer Person eine Anzeige gemacht worden, deren Ver- martte machte sich Neigung zur Schwäche bemerkbar infolge des äußerst folgung gravierende Momente gefördert hat, so daß in der That die geringen Begehrs von Ware und schwächerer amerikanischer Notierungen. Untersuchung in ein ganz neues Stadium getreten ist. Bei Günftige argentinische Ernteberichte, sowie zunehmende Zufuhren aus dem Inlande übten gleichfalls einen Truck aus. Lieferungspreise für Weizen dem vorliegenden Verdacht gilt ein Totschlag als wahrscheinlich, gaben um 1 M., für Roggen um 0,60 m. nach. Hafer war vernachlässigt. ebenso wird als sicher hingestellt, daß eine Eifersuchtsscene die Rüböl wich auf Baris um 30 Pf. 70er Bocofpiritus gab infolge gransige That gezeitigt hat. Im Interesse der streng geheim geber amtlichen Statistit, die große Bestände aufweist, um 20 Pf. nach und führten Untersuchung kann nur so viel mitgeteilt werden, daß die notierte 44,90 Mt. Mordstelle in der Nähe des Konvikts, also unmittelbar am Mönchsee belegen ist. Wie schon angedeutet worden ist, hat die Packleinewand die Handhabe zu der neuen Untersuchung gegeben." Schiffsuntergang. Eine Meldung des„ Reuterschen Bureaus" aus anton befagt, daß in der Nähe von Hokou am Westfluß ein Passagierdampfer untergegangen sei. Ein Mann soll über Bord gefallen sein, und als die Bassagiere alle nach der Briefkasten der Redaktion. Witterungsübersicht vom 14. Dezember 1900, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Windrichtung Windstarte Wetter Dienstag, München Wien Swinembe. 762 23 Hamburg 766 WSW 5H16. bed. Berlin 766 WSW 4wolfig Frantf./M. 773 SW 773 Still 772 SO 5 wolfig 4 bedeckt -wolfig 1 Nebel Die juristische Sprechstunde findet Montag, Donnerstag und Freitag von 7-9 Uhr abends statt. Ruppinerstr. 1. Wette. Storfow hat keine Garnison und es könnte sich daher höchstens um eine vorübergehende Einquartierung handeln. W. B. 50. Handelt es sich bei der Münze, um deren Wert Sie ans I mäßigen südwestlichen Winden. Temp. n. 6. GL 5° 4° R. Stationen 7 Haparanda 5 Petersburg 6 Cort 4 Aberdeen 1 Baris Barometerstand mm Wind rightung Windstärke Wetter 1 Zemp. n. 6. 16° C.= 4°. --1876723 4woltig 11 756 SSW 5wolfig Wetter- Prognose für Sonnabend, den 15. Dezember 1900. Mild und zeitweise heiter, vorherrschend wolkig mit etwas Regen und Berliner Wetterbureau. Stiller's Schuhwaarenhaus Jerusalemerstr. 40, am Dönhoffplatz. Potsdamerstr. 2, am Potsdamer Platz. Schuhe und Stiefel gehören zu den nützlichsten Weihnachts- Geschenken! Für den Weihnachtstisch besonders geeignete Artikel sind in allen Abteilungen ausgelegt. Dauerhafte widerstandsfähige Herrenstiefel in modernen Façons M. 6.50, 7,50, 8,50, 9.50, 10 50, 11,00, 12.50, 14,50, 16,50 etc. Preiswerte elegante Damenstiefel in modernen Façons M. 7.50, 8.50, 9.50, 10.00, 10.50, 11.00, 12.00, 12.50, 13.00 etc. Haus- und Morgenschuhe für Damen, Herren und Kinder in geschmackvollen Ausführungen aus verschiedenartigen Ledersorten und feinen Filzstoffen. Billige Preise! Filzschuhe Filzpantoffel Filz- und Tuchstiefel für Damen und Herren mit und ohne Lederbesatz für Haus- und Strassengebrauch. Lederstiefel mit Wollfutter für Damen, Herren und Kinder. 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M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Lichtenberger Kirchhofs, am Krugsteg, aus statt. 15966 Die trauernde hinterbliebene Witwe nebst Kindern, Eltern u. Geschwistern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher und aufrichtiger Teilnahme, die mir anläßlich des Hinscheidens meines lieben Manns zu teil geworden sind, spreche ich allen Verwandten sowie feinenkollegen und den Herren Chefs der Firma H. S. Hermann meinen tief: gefühlten Dant aus. 1585b Berlin, 14. Dezember 1900. Frau Bertha Künzel. Jul. Michow, Berlin SW.. 6. Friedrichstr. 6. Erstes Geschäft v. Belle- Allianceplatz. MICHOW Friedrichstr Auf meine, mit Staatspreis, diversen goldenen u. filbernen Medaillen ausgez. selbstgezüchteten Har zer Hohl u. Klingelroller mache ich auch in diesem Jahre ganz besonders aufmerk fam. Liederpfeif. Dompfaffen. Große Auswahl g. sprechender Grau- und GrünPapageien. In und ausländische Vögel. Alle Arten Vogelkäfige und Aquarien. Spec.: Bestes doppelt gereinigtes Bogelfutter. 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Mitgliedsbuch legitimiert. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Verband der Möbelpolierer. Kollegen! Um Irrtümer zu vermeiden, teilen wir mit, daß in dem Jahresbericht wieder die Namen der Mitglieder und wie viel Wochen beiträge dieselben bezahlt haben, verzeichnet wird. Betreffs der Streif marken werden nur die verzeichnet, welche 20 Marten a 50 Pf. bezahlt und dafür Quittung erhalten haben. Montag, den 17. Dezember, abends 7 Uhr, Blumenstr. 38, Außerordentliche Vorstandsfihung. Daselbst auch Abrechnung von sämtlichen Urania- Billets. Die Versammlung findet um 81/2 Uhr Andreasstraße 26 statt. Tagesordnung: 1. Die Einführung der Kontrollbücher von seiten der Innungsmeister. 2. Wahl. 3. Verschiedenes und Entgegennahme von Beiträgen. 148/9 Der Borstand. Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und -Arbeiterinnen Deutschlands. Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 16. Dezember 1900, abends 5%, 1hr, bei Raabe, Kolbergerstraße Nr. 23: Versammlung. Tagesordnung: Vortrag des Fri. Ida Altmann über: Er: werbs: und Familienleben. 1584b Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Um recht zahlreichen Besuch bittet Die Ortsverwaltung. mein Fiſch, Wild- und Geflügel Verein der Maschinisten, Heizer und Berufsgenossen Geschäft Landsbergerstr. 6, Laden. 386L* A. Radecke. Zum Weihnachtsfeste macht man der Braut die größte Freude mit einem Derlobungsring wie ich solche in meiner Werkstatt selbst anfertige. 15906 R. Zippel, Goldarbeiter, Cöpenick, Grünftraße 30. 000000 Weinbergsweg 15 b, E. Riek, Optiker, zweites Geschäft vom Rosenthaler Thor. ( vorm. H. Richter.) Bitte genau auf Firma zu achten, Neugold um sich vor Nachteil zu schützen. Pincenez Rathenower Neugold- Brillen und Pincenez von Gold nicht zu unterscheiden M. 2,50 " 99 2, 390L* Operngläser 1,-rein achromatisch, klein M. 6, mittel 8,-, gross 10, do. in Perlmutter von M. 8,- an. Specialität Nickel- Brillen, Pincenez" do., feinste Qualität Rathenower Stahlbrillen Brillen u. 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Tagesordnung: Vortrag des Herrn Haedicke über: Filtrier Apparate." Bericht des Bergnügungsfomitees. Fortſegung der Berhand lungen vom 18. November cr. 139/6 Der Vorstand. J. Brünn ( Bahnhof Börse) Hackescher Markt Nr. 4. Billige Weihnachts- Geschenke. Nach beendeter Engros Saison gelangen nunmehr große Lagerbestände meiner Teppiche! Gardinen! Steppdecken! Portieren! au außergewöhnlich billigen Preisen ชน aum Ausverkauf! Einzelne fehlerhafte Exemplare für die Hälfte des Wertes. üte** Tros ber folossalen Steigerung in ber Sutfabrikation verkaufe noch zu den alten Preisen.[ 55200* Otto Gerholdt. Dresdenerstrasse No. 2, Ede Stalizerstraße. Großes Lager in Schirmen, Mügen, Krawatten. Rote Lose + Ziehung in Berlin vom 17.- 21. Dezember 1900.[ 104/ 4* Haupttreffer: 100 000, 50 000 etc. Mk. bar. Originallose Mk. 3,50. Porto u. Liste 30 Pf. extra. Ausland 60 Pf. Berlin W., Peter Loewe, Marburgerstr. 7. Glückspeter Telegr.- Adr.: Berlin. Gnädige Frau! 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