Nr. 4. AbenntMtnt«-Krdlngungtn: «bonnement»• Preit pränumerando: vterteljährl. 3,30 MI,, monatl. 1,10 MI-, wöchentlich 28 Pkg. fiel Ins©aus. Qitueine Numw'r 6 Psg. Sonntags. Nummer mir MuNrierler Sonntags» Beilage.Tt« Neue Welt- 10 Pfg. Post. Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. (Eingetragen tu der Post- Zeitungs» Preisliste für 18 01 unter 2r. 7671. Unter lkreuzdand für Deutschland und Oesterreich-Ungarn» Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. «rfcheiul tngilch«uster Zvonlsg«. Vevlinev VolKsblstt. 18. Jahrg. Die Jnftrtlons-Ge?lly» beträgt für die sechsgcspallene Kolonel» »eile oder deren Raum SO Psg., für pollttsche und gewerkschaftliche Vereins» und Versammlungs- Anzeigen 20 Psg. ..Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächst» Nummer müssen bis 1 Uhr nachmittags in derSxpedilion abgegeben werden. Die ErpcdUion ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Tonn- und FesttaAenbtSSllhr vormittags geösfntt. Telegramm-Adresse: »«orinldemvstrai verlin» Centraiorgan der sociatdemokratischen Partei Deutschtands. Kedslikion: 19, Veulh-StraKv 2. Fernsprecher: Amt l, Nr. 1508. Sonnabend, den F. Januar 1901. Expedition: sw. 19, Veutlz-Strasze 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. Sl21. Geschichtsfälscher und Scharsmacher. Als Wilhelm I. nach der glorreichen dynastischen Revolution von 1S6S, die selbständige Staaten von der Landlarte strich und alte Fiirstenthrone zertrümmerte, zum erstenmal die LandcSliniversität deS eroberten Kurfürstentums Hessen besuchte, begrüßten den frisch angestammten Landesherrn am Bahnhof weißgeNeidete Jungfrauen mit einem schwungvollen Hymnus. Vor einigen Jahren wurde nun festgestellt, daß ein mit satirischer Menschenverachtung begabter Professor und bedeutender Gelehrter sich mit den Weißgekleideten Wilhelms I.«inen grimmigen Scherz erlaubt hatte: er hatte ein älteres Empfangsgedicht, mit dem die Jungfrauen die Gattin— des wälschen Königs Jerome einst feierten, einfach in der Weise um- gearbeitet, daß er statt de? Namens jener Königin Wilhelm I. setzte und daS Weibliche ins Männliche transponierte. DaS war eine grausame, aber außerordentlich treffende Ver- höhnung des byzantinischen Monarchenkults, der jedes in Macht befindliche gekrönte Haupt und sein ganzes Geschlecht anbetet, um treulos sich irgend einem neuen Götzen zuzuwenden, wenn das Ge» schick den alten von der Höhe gestürzt hat. Unsre Monarchisten der Heuchelrasse— wir wissen nicht, ob es welche giebt, die nicht zu dieser Rasse gehören— verfolgen mit ihren eklen Schwärmereien für die lebenden Fürsten und ihre Ahnen keinen andern Zweck, als den Träger der höchsten Staatsgewalt für ihre niedrigsten und schmutzigsten Interessen zu gewinnen. Dieselben Leute, die heute daS Hohen- zollerntum bis zur vollendeten Tobsucht preisen, würden auch irgend eine andre Fürstenfamilie vergöttern, wenn sie bei uns zur Herrschaft gelangen würde: die Weifen oder die Romanows oder auch die Obrenowitsche, denen Seine Exmajestät Milan entsprossen. Sie würden aber auch für die Republik fanatisch eintreten. wenn sie bestände und mit weit geöffnetem Munde die dunklen Zeiten der früheren Monarchie schmähen. Kein Zweifel auch, daß gerade unsre deutsche Bourgeoisie im Grunde ihres Herzens einem republikanischen Staatswesen, das ihnennoch freiere Möglichkeiten der kapitalistischen Carriere bieten würde, zuneigt, wie denn darüber bei einsichtigen Leuten keine Unklarheit besteht, daß der Feudaladel nur so lange einen Monarchen.über" sich duldet, als er unter die Junkerschaft sich beugt. Diese HerzenSstimmung wird ja nicht selten ausgesprochen, wenn«S gilt, durch rüde Drohungen und Einschüchterungen Klassenprivilegien zu erpreffen. Die»Köln. Ztg." erklärte einst, daß das Bürgertum seine monarchische Gesinnung revidieren müsse, wenn die— Steuer- dcklaration zur Durchführung gelangte. Und die agrarische »Deutsche Tageszeitung" drohte erst jüngst— am 17. De- zember 1S00—, triebe die Regierung leinen Brotwucher, so sei es mit dem deutschen Fürstentum vorbei:»Ohne den landwirtschaft liche» und kleinbürgerlichen Mittelstand find die Fürstenthrone nicht zu halten. Ihre Füße stehen nur in dem gewachsenen Boden dieses Mittelstands fest.... ES gärt ganz gewaltig unter den Bauern, die sonst still waren und still hielten. Werden sie nochmals in ihren berechtigten Hoffnungen getäuscht, dann befürchten wir daS Schlimmste. An die Stelle der jetzigen Bewegung, die trotz ihrer Entschiedenheit durchaus loyal, trotz ihres Freimuts königS treu bis in die Knochen ist, wird eine andre treten, die ihre Führer zu grundsätzlicher Opposition treiben und zwingen wird." Indessen gerade weil der ganze Monarchismus nur eine äußer liche Sache der brutalen Spekulation ist, weil all das Psalmodieren und Weihräuchern eitel Heuchelei ist. darum wird die erlogene Ge- sinnung mit so widerlichem und läppischem Schwulst zur Schau ge- tragen, darum giebt man sich den Anschein einer feinnervigen Empfindlichkeit, die kein Wort der Kritik gegen die Monarchie und den Monarchismus dulden zu könne» vorgiebt. die in Krämpfe ver- fällt, wenn selbst ein vor Hunderten von Jahren verstorbenes Mit« glied des angestammten Fürstenhauses unter die Lupe der geschicht- lichen Wahrheit genommen wird. Denn nicht nur dem lebenden Fürsten gilt die spekulative Abgötterei, sondern die Jobber des Monarchismus huldigen, wenn eS gewünscht wird, einem monarchischen Ahnenkult, dessen in China sich jeder Gebildete schämen würde. Weil die stets bereiten Revisoren der monarchischen Gesinnung daS Bekenntnis zum Kronenglauben lediglich unter die Gefühls- spcsen des geschäftlichen Profits buchen, und den Aufwand an solcher Gesinnung ganz nach der augenblicklichen Konjunktur bemessen, darum halten sie eS auch für ein erlaubtes Kampsmittel gegen gegnerische Parteien, die Vertreter einer ehrlich antimonarchischen Ueberzeugung der begreiflichen Empfindlichkeit maßgebender Personen zu denunzieren. Sollte sich tiicht ein kleines Geschäftchen machen lassen— denken die Heuchler deS Monarchismus— wenn man die politischen Ketzer zur Verbrennung empfiehlt? � Sollte sich nicht die Arbeiterbewegung, die lästige, profitbeschränkcnde, knebeln lassen, indem man wieder einmal den Monarchen wider die Gegner der Monarchie scharf macht? Zwar find die Denun- zianten selbst höchst ungläubig, das hindert sie aber nicht, sondern drängt sie im Gegenteil, die offenen Bekenner deS Unglaubens, die sie— n i ch t wegen ihrer republikanischer Anschauung— hassen und fürchten, in gleißnerischer Empörung des Hochverrats zu beschuldigen und ihre gewaltsame Ausrottung zu heischen. In dieser Hinsicht bietet der Preßspektokel, der sich anläßlich der letzten Sitzung der Berliner Stadtverordneten erhoben hat, ein halb komisches halb ekelerregendes Schauspiel. Die elenden jour- nalistischen Kreaturen des Unternehmertum«, die sich, wenn sie unter sich sind, an böslichen Monarchenwitzen vergnügen, denunzieren die Socialdemokratie in plumper Spekulation auf die psychologische Natur deS gegenwärtigen Kaiser», weil ihr« Vertreter es gewagt haben, gegen den gcschichtsfälschenden Byzantinismus aufzutreten. Sie glauben so der heißen Sehnsucht ihrer Soldgeber nach einem inneren Hunnentnm einige Hoffnung spenden zu können. l Die socialdemolratischen Mitglieder der Berliner Stadtverord- neten- Versammlung haben es abgelehnt, zur Schulverteilung einer Festschrift Beihilfe zu leisten, die dem 200 Jahr- Gedenktag der Selbstkrönung Friedrich I. von Preußen gewidmet ist. Sie hätten sich einfach darauf berufen können, daß es ja bekanntlich der städtischen Körperschaft verboten sei, politische Angelegenheiten zu behandeln; wenn man für die Märzgefallenen keine Ehrung be- willigen dürfe, so sei es auch unzulässig, eine politische Demonstration für das Haus Hohcnzollern zu fördern. Jene Festschrift aber sei offenbar eine politische Kund gebung. die mit geschichtlicher Wissenschaft nichts zu thun habe, sie sei eine dynastische Agitationsbroschüre!; ein solches Werk aus städtischen Mitteln zu unterstützen, sei ein Verstoß nicht nur gegen die Pflicht, die Kinder zur Wahrhaftigkeit zu erziehen, sondern vor allem gegen die Anschauungen des Potsdamer Oberpräsidcnten, der derlei politisch gefärbte Kundgebungen wiederholt untersagt hat. Unsre Redner haben ein übriges gethan, sie haben das geschicht liche Gcwiffen und die gerade Vernunft gegen den Götzendienst der Byzantiner verteidigt. Es ist lindisch, die Geschichte für das Werk großer Männer zu halten. Wer aber gar die Geschichte zu der Schöpfung von Personen machen will, die der Zufall der Geburt auf einen Thron verschlage» hat, der ist kein Kind mehr sondern ein geriebener Schwindler. DaS ist eine so einfache Wahrheit, daß darüber lein Zweifel sein sollte. Trotzdem begannen die Freisinnigen deS Stadtparlamentö monarchistisch zu rasen ijMptre Redner den simplen Satz aussprachen, daß Deutschland nicht durch die Hohen zollern»gemacht" sei. Unsre Freisinnigen aber behaupten, dieser Meinung zu sein. Nur wegen unsrer Friedrich I., Friedrich Wilhelm I.. II.. III. und IV. haben wir es so herrlich weit gebracht. Und wenn die Republik der Vereinigten Staaten, die durch kein angestammtes Fürstenhaus zu herrlicher Größe geführt worden ist, unsre Entwicklung an Glanz und Kraft und Schnelligkeit weit übertrifft, so ist das eben nur eins jener Rätselwunder, die unser schwacher Menschenverstand nicht zu begreifen vermag. Der gestrige Hohenzollemfanatismus unsrer Freisinnsmannen wird heute von den Scharfmachern mit plmnpem Uebereifer aufgenommen. DaS Organ der Herren Krupp, Jencke und Bueck will die Ver- brcitung geschichtlicher Wahrheit durch ein-- Socialistengesetz unmöglich machen. »Daß derartigen Leuten", schreibt daS edle Blatt,»überhaupt «ine Wählbarkeit zu öffentlichen Vertretungen beiwohnt, ist sehr zu bedanern und unser Volk wird in Zukunft noch oft an die unheilvollen Folgen des Umstands zu denken haben, daß im Jahre 1878 das Popularitätsbedürsnis der liberalen Parteien die dauernde Geltung des Socialistengesetzcs verhindert hat. Seine Bewilligung auf Zeit, mit den immer wieder erneuerten verblendeten Debatten, hat der Socialdemokratie immer neuen Agitationsstoff, seine schließliche Aufhebung einen Machtzuwachs zugeführt, der mit der Erhaltung staatlicher Ordnung und des monarchischen Ansehens von Tag zu Tag unerträglicher wird." Und die»Post" traut nicht einmal der Entrüstung der Frei- sinnigen und meint, diese Braven würden bald doch wieder nach der Pfeife der Singer und Genossen tanzen. DaS riesige Aufgebot stürmischer Hohenzollern-Begeisterung hat also den Freisinnigen nichts genützt. Mag Herr Bueck wieder einmal 12 000 M. spendieren— dann findet sich vielleicht ein Minister, der eS auf sich nimmt, die dynastischen Interessen des Herrscherhauses, von denen Graf Bülow nichts wissen will, in der Weise zu schützen, daß es durch ein Ausnahmegesetz unmöglich gemacht wird, über Friedrich I. anders zu urteilen, als daß man ihn den genialen Schöpfer der deutschen Weltmacht nennt. Dann wird man in Friedrich Wilhelm 1., dem prügelfrohen Vater der langen Kerle, einen tiefen Philosophen, in Friedrich II. statt deS Atheisten einen Heiligen sehen, Friedrich Wilhelm II. wird nicht an der Wassersucht, sondern an der Arbeit fürs Volk sterben, Friedrich Wilhelm HI. wird aus dem geschichtlichen Hemmer der nationalen Boxererhebung zum großen Schutzherrn Schills wachsen und vom Bilde Friedrich Wilhelms IV., des gekrönten sxsut provocateur, wird der Wahnsinn bis zum letzten Rest getilgt werden. Dann hat der tolle JnquisitionSwahn der Scharfmacher endlich einmal gesiegt— vor dem jähen Zusammenbruch seiner Schreckensherrschaft. Die Socialdemokratie hat die Pflicht, die der Volksschule An- vertrauten vor der geistigen Verderbnis einer dynastischen LegendemvirrniS zu bewahren, wenigstens sie nicht zu fördern. Sonst haben wir gar nichts dagegen, wenn die Herrschenden ihre Feste feiern, wie sie wollen, ihre Geschichte nach ihrem Geschmack Willkür« lich verhunzen. Wir könnten sogar eine gewisse boshafte Genug- thuung dabei empfinden, daß diese Bourgeoisie gerade«ine Feier des Andenken? eines Friedrich l. für zeitgemäß hält, jenes Fürsten, den einst jemand so charakterisierte:„König Friedrich I. von Preußen war ein Fürst von sehr beschränktem Verstände, dabei gut, aber schwach.... Er liebte Prunk und Pracht, und war freigebig, selbst bis zur V e r s ch w e n d u n g. Die Lobsprüche, die man Ludwig XIV. reichlich erteilte, machten Eindruck auf ihn, und er glaubte, wenn er sich diesen König zuin Muster wählte, so würbe er auch seinerseits unfehlbar gepriesen werden. In kurzem wurde der Berlmer Hof der Affe der Bersailler; man ahmte alles nach, das Ceremoniell, die StaatLreden, die abgemessenen Schritte, die abgezählten Worte, die xrands inousquetaires.,, Derselbe Gewährsmann schmäht das Andenken diese« Hohenzollern, indem er selbst vor dem Tode nicht Halt macht, sondern geifert, er sei»in seiner falschen Größe beerdigt, die nach seinem Willen nur in eitelemPomp und der prunkvollen Schau st ellung leerer Ceremonten bestand". Mögen die Freisinnigen und Scharfmacher diese Schändung des Heiligsten nach Gebühr strafen. Leider ist der Frevler nicht mehr am Leben und auch kein Socialdemokrat. Jene Urteile über den Helden vom kommenden 13. Januar stammen— von F r i e d r i ch II., den man nennt den Großen! VolUifche Mebevfichk. Berlin, den 4. Januar. Die Wahlen in Oestreich. In keinem der westeuropäischen Staaten ringt die Social- demokratie unter unsäglicheren Schwierigkeiten als in Oestreich. In diesem Staate, der der nationalen Zerklüftung preis- gegeben ist, dessen Kapitalismus,„gemildert durch die Schlamperei", die Massen in politischer Entnervung hält, dessen Bevölkerung in leichter Lebensart den ernsten Fragen der Politik teilnahmlos fernsteht, dessen Wahlrecht die Herrschaft der besitzenden Klassen verbürgt— in diesem Oestreich türmen sich der Partei der freien, modernen politischen Entwicklung Hindernisse über Hindernisse. Wenn trotz alledem die östreichische Socialdemokratie mit Ehren aus der Wahlschlacht hervorgeht, so ist dies eine be- wunderungswürdige Leistung, für die die Arbeiterklasse aller Länder den östreichischen Genossen dankt, für die insbesondere die deutsche Socialdemokratie, die in allen Nöten und in allen Siegen brüderlich mit der nachbarlichen Arbeiter- bewegung fühlt und kämpft, die allergrößeste Hochachtung empfindet. Noch läßt sich das Wahlergebnis nicht völlig übersehen und ein Vergleich mit der 97er Wahl nicht ziehen. Diese 97er Wahl, die e r st e Wahlschlacht des östreichischen Prole- tariats, brachte unsrer Partei ungeahnt große Erfolge. Die jetzige Wahl brachte verlustvolle Rückschläge in denjenigen Gebieten des Lands, in welchen mittlerweile weiten Kreisen der Bevölkerung die Hoffnung in den Staat Oestreich verloren ge- gangen und der nationale Fanatismus emporgewuchert war. Wo Deutsche und Czechen in nationaler Verbitterung und empörter Konkurrenz auf allen Lebensgcbieten einander tot- feindlich gegenüberstehen, da hat die Socialdemokratie, die für den friedlichen Ausgleich der Klassengegensätze, für das Recht beider anstatt der Herrschaft des einen streitet, vielen Ohren vergeblich gepredigt. Haß und Unvernunft obsiegten über die Idee der Gerechtigkeit, die doch schließlich allein das nationale Chaos Oestreichs zu beruhigen vermag. Wir verloren in Böhmen 6 und in Mähren 1 Mandat. Diese schmerzlichen Verluste werden jedoch aufgewogen' durch die großen Erfolge in Niederöstreich und insbesondere in der Hauptstadt Wien. In Wiener- Neustadt wurde Genosse Perner st orfer gewählt, der schon früher, als er noch Demokrat war, tapfer im Reichsrat gestritten hatte, aber bei der vorigen Wahl als Socialdemokrat unterlag; sein jetziger Sieg ist um so erfreulicher als sein Gegner, das Landesausschußmitglied Steiner, eine der Haupt» stützen des klerikalen Antisemitismus war. In Wien selbst eroberten wir von 5 Wahlbezirken 2 und in einem dritten steht Genosse Adler in Stichwahl. Ge- wählt sind Dr. Ellenbogen und Schuh meier, die manchem reichsdeutschen Genossen von unsren Parteitagen als Gäste bekannt sind. Fast bedeutsamer als der doppelte Mandatsgeivinn er- scheint die Entwicklung der S t i m m e n z a h l e n selbst. Trotz der Zunahme der Wählerzahl seit 1897 um fast M 090 für ganz Wien erzielten die Christlich-Socialen gegen 14000 Stimmen weniger als bei der vorigen Wahl; ihre Stimmenzahl sank von 117000 auf 103000. Die Zahl der socialdemo- kratischen Stimmen dagegen ist von 88000 auf gestiegen. Wir haben nicht nur in zwei Wahlkreisen gesiegt. sondern in allen Kreisen sind wir den Gegnern dicht an die Fersen gerückt. Selbst Herr L u e g e r. der vergötterte Führer der Christlich-Socialen. der Oberbürgermeister von Wien. hat nur noch mit geringer Mehrheit von eineinhalb Tausend Stimmen sein Mandat zu bewahren Vermocht. Der Wiener Sieg hat eine Bedeutimg weit hinaus über die gewonnenen Mandate. Er bedeutet den Anfang vom Ende der für unüberwindlich gegoltenen Herrschaft der demagogischten aller Parteien, der Luegerei. welche die Politik zur Hätz herabgewürdigt und die Herrschaft des volkSver- dummenden Klerikalismus aufgerichtet hatte. Wien, die zweite Hauptstadt deutschen Lebens, das durch Luegers Herrschaft zum Gespött aller gebildeten Menschen geworden war, hat seine Ehrenrettung erfahren durch den glänzenden Vor- marsch der klassenbewußten Vorkämpfer für Fortschritt und Freiheit. Wenn also die Socialdemokratie aus diesem unendlich schwierigen Wahlkampf ehrenreich und zu neuen Hoffnungen gestärkt hervorging, so kann dieses Ergebnis ebenso wenig wie überhaupt der Ausgang der Wahlen an der allgemeinen VerkommniS der östreichischen Verhältnisse irgend etwas ändern. Da die Krankheit des Parlaments aus seinem Wahl- recht entsteht, das die Zersetzung, zu der in der nationalen Verschiedenheit die traurigen Bedingungen gegeben sind, inimer mehr verstärkt und aus dem Parlament einander fremden Parteien Sine bloße Wiederholung der Parlaments nichts ändern. Wenn man es zehnmal wählen ließe: es wäre immer dasselbe, nur freilich immer entkräfteter. Denn in den Curien und Privilegien sind die Quellen der Zersetzung deS Parlaments und des nationalen Chauvinismus gegeben; jede neue Wahl hat dem Parlament Leben und Kraft genommen. Das Parlament wird zusammentreten, einige vergebliche Gehversuche anstellen und nach zwei, drei Wochen wird es wieder entkräftet zu Boden sinken. Dann wird man mit dem Z 14 wieder das Loch stopfen, und so wird sich an die vier Jahre des Elends und der Schmach ein neues und wieder ein neues anreihen. ** Das Wahlergebnis wird durch das„W. T. B." folgendermaßen mitgeteilt; Von den am Donnerstag zur Besetzung gelangten 47Neichsrats- Mandaten der allgemeinen Kurie in den verschiedenen Kronländern hatten die Socialdemok raten 12 inne. Sie verloren in Böhmen 6, in Mähren und Steiermark je 1, gewannen dagegen in Niedcr-Ocstreich 3, in Schlesien 1 und gelangen in Wien(2. Wahl- kreis) und Brünn(Stadt) in die Stichwahl. Die Jungczecfien hatten bisher neun Mandate in Böhmen, drei in Mähren inne; sie verloren in Böhmen definitiv zwei; das Ergebnis in Prag steht noch aus. Sie verloren in Mähren ein Mandat. Die czechisch- nationalen Arbeiter eroberten in Böhmen 4, in Mähren ein Mandat. Die Deutsch-Radi- k a l e n. welche bisher in der fünften Kurie ein Mandat inne hatten, verloren dasselbe an die Socialdemokraten; sie eroberten da- gegen in Böhmen 5 Mandate. Die deutsche Fort- schrittsvartei, welche bisher 2 Mandate in Böhmen inne- hatte, verlor einen Bezirk an die Dcntsch-Nadikalen und gelangt in Brünn mit einem Socialdemokraten in die Stich- wähl. Die katholische Volkspartei, welche bisher 5 Mandate innchatte, verlor eins. Die Christlich-Socialen ver- koren von ihren 10 Mandaten in Nicder-Oestrcich endgültig 3 und konimen in zwei Bezirken in Stichivahl, in einem mit den Social- demokraten, im zweiten mit der deutschen Volkspartei. England am Abgrund. Die Situation in der Kapkolonie hat sich für England noch verschlechtert. Ueberall dringen die Boerenkommandos mit überraschender Schnelligkeit bor. Zwei Drittel der Kap- k o l o n i e sollen bereits von. den Boercn überschwemmt sein, die die Bahnlinien nach K a p st a d t, Port E I i z a b e th und E a st London besetzt halten, de Aar und K i m b e r l e y isoliert und die Drahtverbindung mit dem englischen Hauptquartier abgeschnitten haben. Sie stehen vor Grafreinet, C r a d o ck und Beaufortivest und fordern deren Uebergabe, sie haben Fraserburg erreicht, Ivohin in aller Eile alle ver- fügbaren englischen Truppen getvorfen worden sind. Daß England selbst für Kapstadt fürchtet, wird bestätigt. Angesichts der drohenden Haltung eines Teils der Bevölkerung sind die Kriegsschiffe klar zu in Ge- f e ch t in Position gebracht worden, so daß ihre Kanonen den Hafen und die Unterstadt beherrschen. Die Marinetruppen brachten Schiffsgeschlltze an Land und besetzten die Arsenale. Die Garnison steht unter Waffen, die Straßen werden abpatrouilliert! In der Stadt herrscht also Gänuig und die Boeren stehen nur noch vier Tagemärsche entfernt I Wird es den Boeren gelingen, die Kapholländer zur allgemeinen Erhebung zu bewegen? Die junge Generation der holländischen Kapbevölkerung soll bereit sein, sich dem Aufftand anzuschließen, während die ältere Generation sich nur schwer zu kriegerischen Aktionen entschließen können soll. Kommt es zur all- genieinen Erhebimg, so kann England das Spiel getrost ver- koren geben, denn dann wird es ihm durch Aufgebot all seiner Kräfte nicht gelingen, die Flammen zu ersticken. Reichte doch die nach Südafrika gerufene Viertelmillion Soldaten nicht einmal aus, mit den beiden Boerenrepubliken fertig zu werden. Von dieser Viertelinillion sollen nach Berichten der„Noivoje Wrenija" freilich 60 000 verwundet oder krank sein und weitere 75 000 den nicht mehr aktiven Schutztruppen zugerechnet werde» müssen, io daß die große Armee gewaltig zusammengeschmolzen ist und sich völlig in die Defensive gedrängt sieht. Die noch im Kampf stehenden englischen Truppen sollen dazu völlig kriegs unlustig fein. Nach den Auslassungen eines englischen Offiziers im„Truth" haben die Kolouialtruppen gemeutert und die Deomanrhs sind wütend darüber, nicht in die Heimat entlassen zu werden. Die ungeheuren Strapazen des Kriegs, der fortwährend Eilmärsche notwendig macht und den Truppen gar keine Zeit zum Verschnaufen gewährt, haben der englischen Soldateska alle Kriegsbegeisternng ausgetrieben. Die Boerentruppen stellen dagegen nach den überein- stimmenden Meldungen aus Südafrika ein weit besseres Material dar. als zu Anfang des Kriegs. Die Lässigen und nur geztvnngen den Krieg Mitmachenden sind ausgesondert tvorden; was jetzt noch die Waffe trägt, gedenkt den Kampf bis zum Aeußersten fortzusetzen, gleichviel, ob ihnen von außen Hilfe kommt oder nicht. Diese Kerntruppen sind, waS ihnen die Ueberlegenheit über die Engländer verleiht, alle vortrefflich beritten und ohne alle hemmende Bagage. Korrespondenten behaupten, daß England IVVOVtt Mann frischer Truppen nach Südafrika schicken müsse, um den Krieg zu beendigen. Bringe das England nicht fertig, so würden die Boeren den Krieg noch Jahre lang in die Länge ziehen. 100 000 Mann wird aber England, trotz der Versicherung der australischen Kolonie, abermals starke Truppenkontingente zur Verfügung stellen zu wollen. schwerlich aufzubringen vermögen. LordKitchener, der Schlächter von Onidurman, der durch die Schule der Kolonialbrutalitäten gehärtete Kriegsknecht, verzweifelt bereits so sehr an dem Erfolg seiner bisherigen Taktik, daß er nun- mehr durch eine seinem Wesen ganz fremde Milde die Boeren zur Waffenniederlegung zu bewegen versucht. Er ist sogar unter die Redner gegangen, um i» der Sitzung eines in Pretoria zu- sammengetrommelten Friedenskomitees die Boeren von der Aus- sichtSlosigkeit eines ferneren Widerstands zu überzeugen. Um seinem Liebeswerben mehr Nachdruck zu geben, hat er den Befehl gegeben, das fernere Niederbrennen von Farmen ein- z u st e l l e n. Obschon das Komitee, dem als Lockvogel auch ein Bruder Cronjes einverleibt worden ist, dem hohen Redner für seine„Ritterlichkeit" gedankt und eine Resolution auf schleunige Einstellung des Kriegs angenommen haben soll, dürften die im Felde stehenden Boeren diesen Sirenentönen wenig Beachtung schenken.—_ Sie säen Wind und werden Sturm ernte». Mit diesen Worten schließt Dr. D i l l o n in der englischen Zeitschrift„The Contemporary Review" eine Betrachtung über das Vorgehen der Mächte in China. Dr. Dillon ist Augenzeuge der Scheußlichkeiten gewesen, welche die europäischen Soldaten nach der Einnahme von Peking vollführten. Mit„psychologischem Interesse" hat er die Grausamkeiten der Kulturträger verfolgt und leiden- schaftslos, kühl erzählt er sie seinen Lesern. Von Vorgängen in T n n g t s ch a u sprechend, sagt Dr. Dillou: „Mitten unter einer wehrlosen Bevölkerung, die bei dem Anblick eines Gewehrs, eines Revolvers bis in die tiefste Seele hinein vor Furcht erzittert, hat man ein Regiment des Schreckens errichtet, für das jedes vernünftige Motiv fehlt. Selbst wenn sich alle Chinese» innerhalb der Mauern der Stadt gegen die Fremden empört hätten, wäre es diesen doch ein leichtes gewesen, sie ohne große Anstrengung zu bewältigen. Keines Chinesen Leben oder Eigentum war auch nur einen Augenblick sicher vor Vernichtung. Leute, mit denen ich noch zu Mittag gesprochen, lagen bei Sonnenuntergang schon in der Grube und kein Sterb- sicher wird jemals wissen, warum. Der Blutdur st hatte die Europäer wahnsinnig gemacht.— Der unbedeutendste, verächtlichste Bursche, der zufällig das Tageslicht in Europa erblickt. hatte unkontrollierte Gewalt über Leben und Eigentum des gebildetsten Chinesen der Stadt. Gegen seine Handlnngen gab es keinen Rekurs, kein Chinese wußte, was der nächste Augenblick ihm bringen konnte. Vielleicht wurde er zur Arbeit kommandiert, um nach 12, 14stnndiger Plackerei zusammenzubrechen, vielleicht auch, daß er ohne weiteres nieder- geschossen wurde. Der Grund wurde ihnen nicht gesagt. Ich sah, wie ein Ehepaar, das sich nach gethaner Arbeit nach Hanse begeben wollte, von den Soldaten festgenommen wurde. In einem kleinen Boote am nahen Fluß war Feuer ausgebrochen, sie waren die nächsten, die aufgegriffen wurden; bei der Fran fand man Streich- Hölzer, niemand, auch der BootSwöchter nicht, Haie sie bei den Booten gesehen, trotzdem— 15 Minuten später waren sie schon eingescharrt." An andrer Stelle erzählt Dr. Dillon(die englische Tages- zeitung, aus der wir citieren, scheut sich, die folgende Geschichte in vollem Umfange wiederzugeben): „Was in des Himmels Namen ist das?" fragte ich eines Tags meinen Begleiter, als ich in dem Hause eines reichen Chinesen, der wohl jetzt in Abrahams Schöße lag, auf einem großen schwarzen Kasten stieß. Es war in einem der größten Zimmer und dem dunklen Winkel entstieg ein scheußlicher Gestank.„Es sind die Mädchen, drei Mädchen!" sagte mein Begleiter, ein Europäer.„Ihre Leichname liegen in dem K a st e n", erklärte er: „Wer schaffte sie da hinein?" „ES waren Offiziere!" „Sind Sie deffen ganz sicher?" „Jawohl, mein Herr! Ich war hier, als eS geschah!' „Sahen Sie die jungen Mädchen selbst?" „Jawohl! Es waren die Töchter des Besitzers dieses HanscS." WaS mit diesen jungen Mädchen geschah, ist hier nur angedeutet, aber es ist doch deutlich genug. Die europäischen Lüstlinge stillten erst ihre Begierde und dann mordeten sie ihre Opfer. Dillon versichert, daß das, was mit diesen Mädchen geschah, ehe man sie tötete, noch vielfach auch anderwärts geschehen ist. „Ich kannte einen Mann sehr genau, mit dessen Frau in der oben beschriebenen Weise verfahren tvorden war und die dann mit ihrem Kinde getötet wurde. Der Mann gehörte zu den„guten und loyalen Leuten", der sich mit den Christen aufs beste stand, aber wenn er jemals Gelegenheit bekommt, sich an den Fremden zu rächen, wird er diese sich so leicht nicht entgehe» lassen. Ich kenne andre, deren Frauen und Töchter sich aufhängten oder sich an den Garteumauern den Schädel einrannten, um Schlimmerem zu entgehen. Die chinesischen Frauen sind fest davon überzeugt, daß ihnen nichts Schlimmeres passieren könne, als lebendig in die Hände von Europäern uud Christen zu fallen.(!!R. d.„V.") Das Schlimmste ist, daß sie recht haben. Jawohl, Buddha und Konfncius haben ihre Märtyrer der Keuschheit, deren heroische Thaten keine Martyriologie jenials erzählen wird. Etliche dieser Frauen stürzten sich in das Wasser, uud, da dies nur bis an die Knie ging, tauchten sie den Kopf unter das Wasser, bis der Tod das Siegel auf ihr Lebensopfcr drückte.... Aber viele dieser unglücklichen Ge- schöpfe sielen doch lebend in die Hände der verbündeten Truppen. Ich sah einige in Peking und Tung tschau, aber schon tot mit klaffenden Wunden in der B r u st. oder den Schädel eingeschlagen und mit furchtbar verstümmeltem Körper". Dillon konstatiert mit Genugthunug, daß. so weit er in Er- fahrung bringen konnte, englische und deutsche Offiziere und Sol- baten an den Scheußlichkeiten, die cm Frauen verübt worden, nicht beteiligt gewesen sind. Im übrigen schildert Dr. Dillon noch viele Einzelheiten über die an Chinesen begangenen Grausamkeiten und Bnitalitäten, die nur bestätigen, was in den zahlreichen von uns veröffentlichten Hunnenbriefen enthüllt ivorden ist. Wenn diese Enthüllungen unsrem Volke bekannt werden— so agt das englische Blatt—, so wird sicher ein lauter Schrei der Ent- rüstung anheben über solche Grausamkeiten, die da im Namen der Civilisation begangen wurden. Hoffen auch Ivir es. Wir in Deutschland haben leider diese Erfahrung nicht gemacht. Die Scheusäligkeiten der Hunnenbriefe lassen das„V o l k d e r Denker" unberührt. Das Knlturgcwissen ist nicht erwacht: noch steht in Deutschland die Socialdemokralie allein in dem Kampf gegen die UiMwnschlichkeitcn, welche die Civili- iatoren im fernen Osten begehen. *»* Aeutsches Aeich. Der focialpolitische Goethe-Bnnd. Morgen findet in Berlin der Zusammentritt der„Ge- sellschast für sociale Reform" statt, zu dem im Dezember ein von Angehörigen aller bürgerlichen Parteien von Sonnemann bis Stöcker unterschriebener Aufruf einlud. Erhoben sich zu- nächst nur tadelnde Stimmen gegenüber der Social- demokratie, die der Veranstaltung ebenso kühl gegenüberstand, wie der„Internationalen Vereinigung für Arbeiterschutz", deren nationaler Ableger die neue Gesellschaft sein soll, so fangen jetzt auch liberale Socialpolitiker au. Bedenken zu äußern. In einem sür die neue Gesellschaft im ganzen ziemlich sympathisch gestimmten Aufsatz des„Lotsen" schreibt Dr. I a st r o w: „In eiliem Lande, in dem kein Arbcitersohn Minister oder auch nur Landrat wird; in dem Hnnderttausende von Kindern in überfüllten Klassen sitzend um den Unterricht betrogen werden, der ihnen ermöglichen soll, sich im späteren Leben emporzuarbeiten; wo eigene Hüteschulen errichtet iverden, damit die Kinder in erster Linie Zeit zum Viehhüten haben und nur in der freigelassenen Zeit die Schule besuchen; wo die'mächtigste gegenwärtig bestehende politische Bewegung eine Bewegung zur Verteuerung des täglichen Brotes ist; wo noch fast überall das kommunale Wahlrecht so gestaltet ist, daß der größte Teil der Bevölkerung von der kommunalen Verwaltung ferngehalten wird; wo in dem größten Bundesstaate auch nicht ein einziger Arbeiter ins Parlament gelassen wird—, in einem solchen Lande wird eine Gesellschaft fiir sociale Refonn begründet, und erklärt von vornherein mit beredten» Schweigen, daß für sie die nächsten Aufgaben einer socialen Reform lediglich folgende fünf Punkte sind: „der Ausbau des ArbeiterschutzeS und der Gewerbeaufsicht; die Förderung des Arbeitsnachweises; die Fortbildung der Einrichtungen zur Verhütung und Bei- legung von Streitigkeiten ans dem Arbeitsverhältnis; der Ausbau der Arbeiterversichenmg im weitesten Sinne; die Förderung der Bestrebung der Arbeiter, in Berufsvereinen und Genossenschaften ihre Lage zu beffern." Mit Ausnahme des Freiherrn v. Stumm und des engsten— allerdings auch nur des allerengsten— Kreises seiner Anhänger, kann jeder Deutsche dieses Programm unterschreiben. Wenn Graf PosadolvSky Humor besäße, so könnte auch ersichz um Ein trittmelden. Hiermit soll nich! etwa gesagt sein, daß die linksstehenden Elemente in dieser Gesellschaft zu einer unangenehmen Position verurteilt seien. Im Gegenteil, alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß sie gehätschelt iverden. Wie es bei der englischen Kabinettsbildung feststehende Tradition ist, das extremste Mitglied, das irgendwie dafür zu haben ist. in daS Kabinett mit hineinzunehmen, so wird ohne Ziveifel die Organisation der Gesellschaft so gestaltet werden, daß die Linksstehenden sich in keiner Weise zu beklagen haben. Man kann ihnen jeden Einfluß zugestehen, da eine Wirksamkeit dieses Einflusses durch die programmatische Beschränkung— nur das zu nehmen, ivas den Parteien g e- me infam ist— von vornherein ausgeschlossen ist." Der Socialdemokratie brauchte diese Erkenntnis nicht erst aufzudämmern; ihr Urteil wurde bereits gefällt, als sie bei Gründung der„Internationalen Vereinigung für Arbeiter- schütz" den Beitritt zu jenem Gemisch bürgerlicher Social- rcformer ablehnte. Die bisherige Erbitterung dieser Gründung hat die Berechtigung dieses Verhaltens vollauf erwiesen.— Die Schntzvercinignug von Pfandbriefinhabern der Preußischen Hypotheken-Aktien- bank hat sich der beiden Hypothekenbanken. wie wir berichtet haben, vollständig bemächtigt. Sie hat in den beiden Angstversamm- lungen Beschlüsse zu stände gebracht, die jedem einzeln en Pfand- briefinhaber die Geltendmachung seiner Rechte verwehren und die Gläubiger beider Banken nebst den Aktionären gebunden in die Hände der hohen Bank liefem. Diese Taktik kommt noch unverhüllter ans Licht in dem Statut der Schutzvereinigung. Nach diesem Statut haben sich die der Schutzvereinigung bei- getretenen Mitglieder, die eine Pfandbriefsumme von 300 Millionen vertraten, geradezu aller Rechte begeben. Sie haben keinen Vorstand zu wählen, sondern dieser hat sich ihnen selbst präsentiert; er besteht aus Direktoren der Bank für Handel und Industrie, der Berliner Bank, der Deutschen Bank, der Diskontogesellschaft, der Nationalbank, des Schaafhausenschen Bankvereins, einigen großen Bankiers und zwei Anwalten. dem Justizrat Kempner und dem Syndikus des HauseS Bleichröder. Dieser Vorstand hat das Recht, mit den 300 Millionen zu schalten, als wäre er der Eigentümer. Keine Instanz der Welt kann dem Vorstand das ein- mal ihm übertragene Mandat wieder nehmen, denn die Rückgabe der hinterlegten Papiere kann»ach Artikel 7 nur auf Antrag des Vorstands erfolgen l Der Vorstand will nötigenfalls in seinem eignen Rainen, aber auf Kosten der Pfandbriefinhaber Ver- gleiche schließen, Konkurse erledigen. Häuser kaufen und selbst wenn an Stelle der alten Pfandbriefe neue treten, auch alle Rechte. Ansprüche und Gerechtsame aus diesen in Anspruch nehmen; für Handlungen mid Unterlassungen, die in gutem Glauben geschehen, lehnt der Vorstand jede Haftung ab. Eine AufsichtS- instanz wird n i ch t gebildet.— die Prüfung der Rechnungen soll mit verbindlicher Wirkung für die Mitglieder von dem AufsichtS- rat der Hypothekenbank, also des Instituts, das den Mit- gliedern 300 Millionen schuldig ist, bewirkt werden. Wenn dieser Auf- sichtsrat keine Erinnerungen zieht, so hat auch die General- Ver- sammlung der Mitglieder kein Recht dareinzureden! Diese Ver- samnclung soll zwar nach einer fettgedruckten Bestimmung im Ar- tikel 13 beschließen über alle Maßnahmen, die einen Verzicht auf Rechte der Mitglieder anS den hinterlegten Pfandbriefen einschließen,— nach Artikel 8 hat sich aber auch der Vorstand daS Recht vorbehalten, rechtsgültig eine Beschränkung der Aufgabe von Rechten der Pfandbrief-Jnhaber zu beivirken; es verhält sich damit, wie mit der ebenfalls an die General» Versammlung gegebenen Befugnis, über Herausgabe der hinterlegten Pfandbriefe zu beschließen, denn dieser— Beschluß soll nach Art. 7 nur zulässig sein auf Antrag deS Vorstands. Kurz: die geängsteten Pfandbriefinhaber haben sich auf un« begrenzte, allein in den, Belieben des ihnen aufgenötigten Vorstands abhängige Dauer mit ihrem Eigentum in die Hände der hohen Bank' gegeben. die ganz nach Gefallen mit den anvertrauten Millionen schalten kann und ohne Zweifel aus den Trümmern der beiden Banken eine neue schaffen will und dies auf Kosten der Pfandbriefinhaber thun wird. Es scheint, daß die Absicht besteht, die Regierung zu einer schleunigen Aendernng deS Hypothekenbank-Gesetzes zu veranlassen, um die Zulässigkcit eines Verzichts auf Kapitalansprllche durch eine Dreivicrtel-Mehrheit der Pfandbriefinhaber einzuführen. Zum Vorsitzenden deS AufsichtSratS bei der Grundschnldbank wurde der von unS bereits kurz gewürdigte Dr. Wittenberg gewählt. Dr. Wittenberg ist Herausgeber eines Montagsblatts. Justizrat Kempner, der ihn in der Aktionärversammluug der Grundschuldbank geradezu bloßstellte, empfahl doch seine Wahl in den AufsichtSrat um der Beziehungen zur Presse willen. Die Aktion der hohen Bank im Hypothekenklüngel ivird neuerdings kaum noch auf lebhafte Unterstützung in der Presse rechnen dürfen, aber die Ber- Mittelung deS Dr. Wittenberg wird ganz und gar nicht geeignet sein, die Willigkeit der Presse zu erhöhen.— Finanzminister v. Miqnel hat. wie der Berliner Vertreter der „Franks. Ztg." erfährt, sich dahin ausgesprochen, daß er nicht länger als bis zum Frühjahr im Amt bleiben wolle. Die„Freis. Ztg." erörtert in einem Leitartikel die übern, ächtige Stellung, die sich' Miqnel durch die Leitung der offiziösen Presse. insbesondere der Schweinburgschen„B. Pol. Nachr." geschaffen hat. »nd die eine einheitliche Gesamtpolitik des Reichskanzlers durch- kreuze.— Die Wolke. Als Herr v. Wangenheim im Reichstage von der Wolke sprach, die sich zwischen den Junkern und der Krone gelagert hätte, wollte er auf gewisse Personen von der Waterkante gezielt habe». Hoffentlich betrübt es den Ritter vom Bund der Landwirte nicht allzu sehr, wenn er erfährt, daß Generaldirektor B a I l i n, der Leiter der Hamburg-Amerika-Linie! oeben den Kronenorden II. Klasse mit Brillanten erhalten hat. Danach ist Herr Ballin offenbar nicht jene Person ge- Wesen— wie man vielfach annahm— die den Kaiser über die letzte Hamburger Aussperrung so fälsch unterrichtet hat, daß Wilhelm II. die Arbeiter statt die Unternehmer für vaterlandslose Gesellen erklärte!— Zu dem Gnadengesuche für die Löbtauer Verurteilte» er- fährt die„Sächsische Arbeiter-Zeitung", daß der Urheber deS Gesuchs der kaiserliche RegierungSrat Dr. zur. Schanze, Docent der Gehe- Stiftung in Dresden ist. Dr. Schanze, der als«in hervorragender Jurist gilt, gehörte der Geschwornenbank an, die Über die Unglück- licht,, damais das schwere Schuldig unter Versagung mildernder Umstände fällte. Der Herr soll sich große Mühe um d,e Sache ge- geben haben, da das Strafmaß selbst die Geschwornen entsetzt habe. Rocholl und Wereschagin. Das„Kleine Journal" deS Sanden- freundeö, des Frhrn. v. Mirbach, findet es ganz begreiflich, daß der nach China entsandte Maler Rocholl abgeschnittene Köpfe und ahn- liche Dinge interessant und amüsant findet. Auch einem Wereschagin seien ja die schrecklichen Seiten eines Kriegs intereffaM erschienen. Wenn Herr Rocholl der Goria oder der Wereschagin des chinesischen Hunnenzygs werden will, wen» er also sich zu dielen wirksamsten und furchtbarsten Anklägern des Kriegs gesellen sollte. so werden wir ihm aufrichtig huldigen. Nur hat Wereschagin d,e = Mit offenem Hohn trattiert man die deutsche Staatskunst in England. Von den Witblättern ganz zu schweigen, denen die deutsche Schönrednerei ein willkommener Gegenstand ist, die ernsthaften Zeitungen machen ihren Lesern von Zeit zu Zeit das Plaister, Deutschland als den Dupe Englands ganz offen zu bezeichnen. Die St. James Gazette" spricht es gegenüber dem russischchinesischen Abkommen wegen der Mandschurei ganz geniert aus, daß Deutschland nur erfüllt habe, indem es sich als Puffer gegen Rußland in Kiautschou habe einschieben lassen. Das Vordringen Rußlands nach Süden gehe nun nur über den Leichnam Deutschlands. Es gehörte nicht viel dazu, dies von vornherein einzusehen, selbst der verrannteste Weltpolitiker hätte erkennen sollen, daß für eine deutsche Weltpolitit aus allen in Betracht zu ziehenden Gründen der Nordpol noch weit geeigneter wäre als China. " Kriegsgreuel feineswegs als interessant empfunden, sondern vielmehr nicht tötlich getroffen, der eine liegt noch im Lazarett, und der solcher auch offizielle Aftenstüde unterzeichnet. Weiter schreibt als die tiefste Schmach der Menschheit. andre läuft in Ketten vor einem Wagen, um Sand zu transportieren. das Blatt:„ Richthofen ist ein unternehmender Polizist. Er Er hat 5 Jahre 8wangsarbeiten bekommen und jede befißt das Talent, seine Dienste schätzbar zu machen und ebenso Woche 25 Bamboshieben, wenn der andre heil ist wird er das weitere, sich seiner Rivalen zu entledigen Richthofen verdasselbige bekommen. Ich selber bin stets mit einer tehrt direkt mit dem Palais von Konstantinopel über die Stöpfe der Mauserpistole bewaffnet, da ich eben außerhalb Tsingtau bin. diplomatischen Agenten und Konsuln hinweg. Juzwischen ist es ihm Bin aber hier mit drei Mann zusammen. Der richtige gelungen, Genf und die Schweiz mit dem Interditt zu belegen. Es Krieg wird jedenfalls erst nach 3 Monat los fann sich in unsrem Land fein türkischer Unterthan mehr aufhalten, gehen. ohne in die Listen der Verdachtspersonen eingetragen und gezwungen Die beiden Angreifer werden also in den fünf Jahren Zwangs- zu werden, nach Konstantinopel zurückzukehren. Richthofen hat auch einen Wunsch Englands arbeit je 6500 Bambushiebe erhalten und dadurch zweifellos eine neue Tattit angewandt, um die revoltierenden türkischen Untervon der höheren Kultur der rothaarigen Barbaren überzeugt thanen zum Gehorsam zu zwingen. werden. Er signalisiert sie der Palastpolizei und läßt die in der Türkei zurückgebliebenen Familien der Ein gekränkter Geschäftspatriot. Herr Herm. Ehrhardt, Flüchtlinge verfolgen. Bedroht in ihrer Perfon, in ihrem Vermögen der Leiter der Düsseldorfer Firma, die die 18 Batterien Schnelfeuer- und im Leben ihrer Verwandten, haben fast alle Jungtürken, die Geschüße an England geliefert hat, sendet der„ National- 3tg." mit nach Genf geflohen waren, diese Stadt verlassen, um weiter nach der Bitte um Veröffentlichung einen langen Brief, in dem er sich dem freien England zu fliehen. Auf Schweizerboden ist vielleicht noch ein halbes Dugend zurüdgeblieben." Das ist eine erfolg mit Emphase darüber beschwert, daß auch auch die deutsche reiche Thätigkeit des deutschen aristokratischen Bolizeispiels. Wird Rückständige Asiaten. Wie der Ethischen Kultur" Presse Notiz bon den englischen Preßstimmen genommen aus London berichtet wird, ist der dortige chinesische Ge- habe, wonach seine Fabrikate minderwertig seien und ihn der Bundesrat nicht endlich packen und aus der Schweiz aussandte ein regelmäßiger Besucher der Vorträge Dr. Washington nicht den Beifall des Bestellers gefunden hätten. Die Geweisen? Sullivans, eines ehemaligen irischen Priesters, der zur ethischen schütze, die bei dem Probeschießen in Deutschland allen Anforde Bewegung übergetreten ist und in seiner„ Ethical Religion Society" rungen entsprochen hätten, seien in England noch gar nicht geprobt auf der Basis Kants und Emerions allfonntäglich vor einem Publikum worden. aus den höchsten Londoner Gesellschaftstreisen über ethische Fragen spricht. Lebhaft zu bedauern ist und bleibt, daß durch diese Der Chinese soll Dr. Sullivan gesagt haben: der Standpunkt der Agitationen weitere Geschäfte nach England durch das ethischen Gesellschaft sei genau derjenige des Confucius und er freue Ausland ausgeführt werden müssen und daß Tausenden sich eines solchen Zusammentreffens der höchsten westlichen und öst- unsrer deutschen Arbeiter dieser Verdienst ente lichen Kultur.- Ebenso erfährt das Blatt aus New York, daß der zogen wird, den sie gerade jezt und in der nächsten Zukunft chinesische Gesandte Wu Ting Fang an einem der ersten recht gut gebrauchen könnten. Sonntage des neuen Jahrs in der dortigen Gesellschaft für ethische Kultur einen Sonntagsvortrag über die Lehre des Confucius halten wird. " Die ethische. Fererei der chinesischen Gesandten verrät wieder grell die kulturelle Rückständigkeit der Asiaten, die noch nicht gelernt haben, gleich den Gesandten der westlichen Kulturstaaten ihre Repräsentationsgelder standesgemäß auszugeben. Man denke sich deutsche Gesandte als Interpreten der Kantischen Ethit welche Absurdität! " im Für die Aufrechterhaltung der mir unterstellten Betriebe ge: brauche ich vor allem andern zunächst Arbeit, Arbeit, Arbeit! Rußland. Die Peft. Aus Petersburg wird vom 4. Januar gemeldet: Die Kommission zur Verhütung und Bekämpfung der Best macht bekannt, daß im Dorfe Wladimirowtaim 3arewstische n Bezirk des Gouvernements Astrachan vom 17. November bis 16. Dezember in einer Bauernfamilie 9 Personen geftorben find. Es sind sofort Maßregeln zur Bekämpfung der Epidemie ergriffen worden. Gegenwärtig befinden sich in Wladimi rowfa 4 Strante und 12 Perfonen, die mit den Stranten in Berührung gewesen, zur Beobachtung in einer isolierten Räumlichkeit. Asien. " Diese Arbeit muß ich zum großen Teile aus dem Auslande heranholen, was mir jedoch durch diese nutzlofen Amerikanische Mißerfolge auf den Philippinen. Wie man Agitationen erschwert oder gar unmöglich ge- der Wiener Polit. Korr." aus Paris schreibt, find dortigen Permacht wird. sönlichkeiten Berichte zugegangen, welche die Lage auf den Philippinen Herr Ehrhardt beschwert sich hier nur gegen die„ nuglosen als eine für die Amerikaner höchst ungünstige darstellen. Die Agitationen" gegen die nicht zulegt auch im focialen Intereffe Eingeborenen der bon Inseln wollen der amerikanischen geübten Geschäftspraktiken der ihm unterstellten Betriebe, die Herrschaft nichts wissen und sehen den Guerilla Abdruck englischer Preßäußerungen bestanden. Da nicht fampf unermüdlich fort. Der Korbmacher Fischer scheint katholisch geworden und in anzunehmen ist, daß ihm die viel zahlreicheren und noch sich große Garnisonen befinden, fügen sich allerdings scheinbar dem Die Städte, in denen die Redaktion der Germania" eingetreten zu fein. Wenigstens viel weniger schmeichelhaften Aeußerungen der deutschen neuen Regime, außerhalb derfelben wird jedoch alles Amerikanische atmet es den Geist dieser bewährten Straft, wenn die Germania" Bresse und die im Reichstag abgegebenen Erklärungen des mit größter Feindseligkeit verfolgt. Die Auflehnung gegen die Um in einer Erörterung unfres Neujahrsartikels als schlagenden Beweis Regierungsvertreters, die feine Geschüßlieferungen an wandlung der Philippinen in eine amerifanische Kolonie hat sich gegen die socialdemokratische Weltanschauung die Billa" des England als Att der Schäbigkeit und Neutralitäts- nicht nur nicht abgeschwächt, sondern in der jüngsten Zeit Rentiers" Bebel, das glänzende Einkommen des früheren bruch des früheren bruch qualifizierten, unbekannt geblieben sein können, Sattlergehilfen" Auer und sogar das Gehalt unfres in mur anzunehmen, daß ist derart verschärft, daß man dem Ziele der Pacifizierung der er auf diese Art zwifchen verstorbenen Liebknecht anführt. Die Germania" weiß pfeift. Ein Geschäftspatriot wie er ist nur gegen Geschäfts- hafe.. der Kritik Insel ferner steht, als in irgend einer früheren benn auch ganz genau, daß viele socialdemokratische Führer und schädigungen empfindlich, was man über seinen Patriotis auch folche, die es werden wollen, ein behagliches und wirtschaftlich mus denkt und spricht, läßt ihn vollständig kalt. gutfituiertes Dasein haben, wie es der focialdemokratische 8 u= funftsstaat niemals gewähren tönnte" was diese dummen Kerle von Führern nicht abhält, den„ Zukunftsstaat" lieber heute als morgen einzuführen. " is " " " Da England mit Herrn Ehrhardt bereits wegen weiterer Geschlieferungen fest abgeschlossen hat, ist es Sache der Regierung, mit dem Herrn nochmals ein ernstes verlassen. Wörtchen zu reden. Auf dessen Loyalität darf sie sich jedenfalls nicht Afrika. feien nachstehend die wichtigsten registriert: Vom Kriegsschauplatz. Von den eingelaufenen Telegrammen Kapstadt, 3. Januar. Von den Kriegsschiffen wurde eine Anzahl Mannschaften gelandet, um die Zahl der für die Ortsverteidigung bestimmten Truppen zu vermehren und andre Truppen für den Dienst im Norden der Kolonie freizumachen. Auch einige Geschüße wurden gelandet, die, wie man glaubt, landeinwärts gesandt werden sollen. Die im Westen der Kolonie eingedrungenen Boeren wurden Die Germania" mag über die Zustände im Himmel und in der Hölle, über Teufel, Heren, die Wirkungen der ScheiterHaufen und Ritualmorde ja außerordentlich gut unterrichtet Chronik der Majestätsbeleidigungs: Prozeffe. fein. Wenigstens fezzen wvir boraus, δαβ niemand ant einem fatholischen Blatt angestellt wird, wenn er nicht jene gerichts Glatz vorgeführt der etwa 18 Jahre alte, aus Saibusch in Aus der Untersuchungshaft wurde der Straffammer des Landschöne aufklärende überweltliche Litteratur beherrscht, die der Erjefuit Galizien gebürtige Ochsenknecht Joseph Miska. Der Angeklagte hatte heute in Fraserburg erwartet; die Engländer befesten inGraf Hoensbroech neuerdings in einem dicken Buch mit großem Fleiß in Schwebeldorf, Kreis Glaz gedient. Dort soll er sich gelegentlich beffen die Stadt. Der Feind scheint jetzt auf Williston, nordzusammengestellt hat. Die Straf westlich von Fraserburg, zu marschieren. Mehrere Boeren Germania" leider gar nichts, wohl weil er so ganz von dieser fammer verurteilte auch M. zu der gesetzlichen Mindeststrafe. Die tommandos erschienen in Griqualand- West. Es verlautet, Welt ist und weder etwas mit kulturschändenden Greueln noch mit Berhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Die ihr Ziel sei Griquatown, das von den Engländern besetzt ist. berwüstendem Aberwiß zu thun hat. Das katholische Centralorgan Untersuchungshaft wurde dem seit dem 20. November vorigen Jahrs Pretoria von vorgestern ist dort ein Boeren Friedens mag auch über das Vermögen des Herrn Dasbach oder über die in Untersuchungshaft befindlichen Verurteilten angerechnet. London, 4. Januar. Nach Meldungen der Morgenblätter aus wirtschaftliche Lage des Papstes und der hohen Würdenträger der Kirche vortrefflich unterrichtet sein, aber Somitee gegründet worden, welches aus vier ehemaligen Mitvon den Ber gliedern des Volksraad und dem Bruder des Generals Cronje hältnissen unsere Parteiführer kennt sie offenbar nur die besteht. Das Komitee soll die im Felde stehenden Boeren mit der Agitationslügen", die in dem neuen ABC- Buch des thatsächlichen Lage belamt machen, namentlich mit der Abficht Centrums aufgestapelt sind. Diesen Führern geht es zu ihrem und Kitcheners, die Boerenfamilien, welche sich ergeben, mit all ihrem der Arbeiter Bedauern nicht entfernt so gut, wie die„ Germania" in hab und Gut in Lagern in besonderen Distrikten unterzubringen ihrer liebevollen Besorgnis um die materielle Anerkennung opferund sie unter militärischen Schutz zu stellen. Lord Kitchener hat williger und gemeinnüßiger Arbeit hofft und annimmt. dem Komitee persönlich seine Pläne eingehend dargelegt. In allen Distrikten find Unterausschüsse errichtet worden. " Seitdem die Germania" in dem ABC- Buch eine Quelle für polemische Späße gewonnen hat, wird ihre schriftstellerische Original thätigkeit wohl öfter und reicher in die Erscheinung treten als bisher in diesem federfcheuen Blatt zu beobachten war. Wir werden die Villa des Rentiers Bebel, das üppige Dasein des Sattlergehilfen Auer und das Gehalt des toten Liebknecht noch oft wiedersehen, namentlich wenn das Prunk- und Paradestück kapitalistischer Propaganda, der bedauerliche Konflikt in Leipzig, an dem die Germania" ihr besonderes Wohlgefallen hat, durch seine befriedigende Erledigung dem Blatt geraubt sein wird. Der Glanz des Führer daseins wird für die Germania" nie erlöschen. " F " Zur wirtschaftlichen Rage. Melbourne, 4. Januar. In der Kolonie Victoria werden zur Beit Leute ausgehoben für das neue Kontingent, welches die Kolonie nach Südafrika entsenden will. Bisher find schon tausend Meldungen eingegangen. Man hofft, daß bis Ende Januar 400 Mann vollständig ausgerüstet und zur Abreise bereit sein können. In SüdAustralien haben sich bereits 600 Mann gemeldet und in Neuseeland 2000 Mann. Queensland ist im stande, jede gewünschte Zahl von Mannschaften zu entsenden. Partei- Nachrichten. " Aus dem rheinisch- westfälischen Industriegebiet wird uns geschrieben: Der vor einigen Tagen eingesetzte Frost kommt dem preisschraubenden Kohlensyndikat und den Händlern als natürlicher Bundesgenosse zu Hilfe. Das Geschäft wird blühen troß des unheimlichen Niedergangs im gesamten wirtschaftlichen Leben. Lohnreduktionen und Betriebseinschränkungen, hierzu der Frost, das find Fattoren, die die Existenz tausender Arbeiterfamilien empfindlich bedrohen. Die Arbeiter, denen man besonders am 1. Mai den gewaltigen Verlust an Lohnausfall für eine freiwillig gefeierte Schicht vorrechnet, jezt sind sie dazu verurteilt, in manchen größeren Betrieben durchschnittlich 1-3 Tage die Woche zu feiern. Dabei werden sie durch Lohnabzüge noch weiter geiroffen. Und wehe dem, der sich mudt er fliegt aufs Pflaster. Dazu sind die Aussichten für die Zukunft trostlos. Der soeben herausgegebene Jahresbericht der Eisener Kreditan st a It tonstatiert für das zu Ende gegangene Jahr: Hochstand in den ersten vier Monaten, dann mit Wie immer auch die„ Germania" über den focialistischen kurzer Unterbrechung fortgesetter Niedergang und am Jahresschluß " Zukunftsstaat" besorgt sein mag, von einer Eigenschaft dieser vollständige Kaufunlust auf dem Papiermarkte. Für das Baugewerbe neuen Gesellschaft tann sie überzeugt sein: Unser Zukunfts- fint, die Aussichten auch nichts weniger wie tube. Neubauten find sta at wird in nichts jenem tatholischen Vergangenheits- und bisher nur in ganz beschränkter Zahl angemeldet. Dem bisherigen Gegenwartsstaat gleichen, dessen Wesen der frühere Ordensbruder Mangel an Arbeitskräften wird in diesem Frühjahr sicher ein ganz der Gesellschaft Jefu, Graf Hoensbroech, in einem soeben erschienenen enormes Ueberfluten des Arbeitsmarkts gegenüber stehen. Das sind Auffaz der Preußischen Jahrbücher" über ultramontane Stritit in den Aussichten, die sicher nicht zur Jubel- und Festesstimmung anreizen. Worten schildert: Trotzdem glaubten es die verschiedenen Stadtverwaltungen ihrer Ich habe( in meinem Buch) bewiesen, daß die Stell. patriotischen Pflicht zu schulden, Gelder zur Hohenzollern- Feier altenstein ist der Genosse Peter Breuer in die Redaktion die ,, Stell: aus vertreter Chrifti" jahrhundertelang an der Spike eines verordneten stellten zu dem genannten Zwed fogar 6000 Mart zur der Vogtländischen Volkszeitung" eingetreten. dem allgemeinen Sädel zu bewilligen. Die Bochumer Stadt Raub und Mordsystems gestanden haben, das wie fein zweites Fluch und Verderben über die blühendsten Rummel, tausende Mart schöpft man aus dem allgemeinen Sädel Verfügung. Hunderte Millionen werden geopfert für den Chinas Länder Europas gebracht hat; ich habe bewiesen, für Prunkfeste, und ein großer Teil des arbeitenden Bolts, das alle dak bie Statthalter " Chrifti" jahrhundertelang diese Mittel aufbringen muß, fieht sich in seiner Existenz durch einen Aberwin gezüchtet haben, der so schändlich, so Arbeitsmangel, Lohnreduktion und Zeuerung in gefährlichster Weise pornographisch( inzüchtig) gemein ist, daß er buchstäblich bedroht. zum Himmel stinkt; ich habe bewiesen, daß die ,, Statthalter Chrifti" diefem fluchwürdigen Aberwige Tausende von Menschenleben unter den furchtbarsten Dualen geschlachtet haben. Diese unwiderleglichen geschichtlichen Thatsachen zer schmettern mit dem ganzen Gewicht ihrer blutdurchtränkten Wahr heit den Anspruch des Papsttums, eine göttliche Einrichtung zu sein." Der Krach. Am 29. Dezember ist in London eine Spetulantengruppe, an gebrochen. Insgesamt sind 29 Börsenbesucher bankrott, ein Makler deren Spize die London and Globe- Company steht, zusammenmit 10 Millionen, zwei andre mit je 5 Millionen Verbindlichkeiten. Die London and Globe- Company, an deren Spize der ehemalige Vicekönig von Indien Lord Dufferin steht, hatte ein Grundkapital von 40 Millionen Mark. Die Gruppe hatte ungeheure Engagements in weftaustralischen Goldminenaktien; diese erlebten gleichzeitig einen fchiveren Kursrüdgang. Parteipreffe. Aus der Redaktion der Volts wacht" in Breslau ist der Genosse Bruhns ausgetreten. In die Redaktion der Schleswig- Holsteinischen Boltszeitung in Kiel ist der Genosie Köpfe aus Hamburg vertretungsweise eingetreten, da Genöffe Korn eine Gefängnisstrafe von 7 Monaten zu verbüßen hat. Au Stelle des schwer erkrankten Genossen Hans Künzel in " Eine Kreiskonferenz für den Wahlkreis FriedebergArnswalde fand am 30. Dezember in Drieser statt. Die Konferenz war sehr zahlreich besucht. Für die Agitationskommission der Provinz Brandenburg war der Genoffe Jöchel aus Berlin anwesend. Bor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken des Genossen Liebknecht sowie des in Schlanow verstorbenen Genossen Paul durch Erheben von den Plätzen. Die Abrechnung ergab eine Einnahme von 187 M. und eine Ausgabe von 125 M. Der Vertrauensmann Genosse Liebrandt gab Polizeimaßregeln, unter denen die Parteithätigkeit, namentlich bei den Geschäftsbericht und beschäftigte sich dabei besonders mit den Berbreitung des Agitationskalenders zu leiden hatte. Darauf wurde Liebrandt einstimmig wieder als Vertrauensmam gewählt. Aus den Berichten der Bezirksvertrauensleute sind gute Fortfchritte und besonders eine gute Aufnahme des Landkalenders bei der ländlichen Bevölkerung zu konstatieren. Auch die Bezirks- Vertrauenslente perbleiben auf ihren Bosten. Aus unsrem oftafiatischen Pachtgut veröffentlicht unser Kieler Bruderorgan den Brief eines Kieler Werftarbeiters, der der feiner Zeit nach Kiautschou gesandten Arbeiterfolonne angehört. Borausgefchickt sei, daß der Arbeiter, der im Dienste einer Hamburger Die Bank von England hat den Diskont erhöht, und der Bon der Konferenz wurde es sehr mißfällig vermerkt, daß der Firma in Kiautschou verunglüdte und dauernde Lahm deutschen Reichsbank wird nichts übrig bleiben, als diesem Beispiel als Reichstags- Kandidat in Aussicht genommene Genoffe, der die heit davonträgt, mit der Klage auf Schadenersatz abgewiefen zu folgen, zumal fich in letzter Woche die Metallvorräte um Annahme der Kandidatur zugesagt hatte, den vor geraumer Zeit worden ist und nun in einem um 3/2 Centimeter verkürzten Bein 75 Millionen verringert haben. In New York hat die günstige schon für die Konferenz zugefagten Vortrag in letter Stunde wieder eine stetige, aber nichts weniger als angenehme Erinnerung an den Konjunktur, die der großen Spekulation ungeheuere Gewinne ge- abgefagt hatte und nicht erschienen war. Plaz an der Sonne mit nach Hause bringt. bracht hat, bis Donnerstag angehalten. An diesem Tag schlug die Nach lebhafter Diskussion über die Frage der Kreisorganisation Welle des Londoner Krachs nach Amerika hinüber, und es erfolgte wurde befchloffen, bei dem alten System zu bleiben. Damit war ein schwerer Kurssturz in Eisenbahnaktien.- 1.01 nadie Tagesordnung erledigt und die Konferenz wurde geschlossen. Aus dem vom 10. November datierten Brief geht hervor, daß die Bewohner des Schutzgebiets so wenig Geschmad an den deutschen Kulturfegnungen gefunden haben, daß auch sie durch eine Erhebung die deutsche Patronage abzuschütteln suchten. Der Arbeiter schreibt: Ausland. Schweiz. Aus der Frauenbewegung. Frauen als Parlamentarier. In das Unterhaus des Unions. Utah wurde je eine Frau gewählt. Vor 6 Tagen war ich Angenzenge, wie drei Dörfer niedergeschossen wurden. Es waren Aufständige, es war schrecklich, wie Zürich, 1. Januar.( Eig. Ber.) Ein deutscher Junker nach der Ergebung die halbtoten Kinder und Frauen an der als türkischer Polizeispizel in der Schweiz. Als flaats Colorado, ebenso wie in das Parlament des Unionsstaats Erde lagen, die während des Schießens von den eignen bei der Budgetberatung in der verflossenen Dezembersession der Water und Angehörigen getötet wurden, Radikale Gobert- Bern die Aufmerksamkeit des Bundesrats auf die damit sie nicht von uns getötet würden, es lebten schändliche Polizeiwirtschaft des sogenannten türkischen Generalnoch natürlich viele davon, es tamen ca. 500 Kulies( Boyers) konsulats, das nichts andres als eine türkische Polizeiftation ist, hindabei um, die andern Dörfer ergaben sich. Es war inner- lenfen wollte, wurde er vom Bundespräsidenten Haufer in geradezu halb des Schußgebiets, zu Fuß zwei Stunden von mir entfernt." Der Briefschreiber teilt dann weiter mit: Auch ich bin schon in der Lage gekommen 2 Chinesen niederzuschießen, da sie mir nach 9 Uhr abends angriffen, fie find aber groben Worten abgefertigt. Nun kommt die in Lausanne erscheinende " Gazette, de Lausanne" mit den nettesten Enthüllungen über die Zustände dieses Generalkonsulats in Genf. Danach ist dessen eigentlicher Leiter der deutsche Baron v. Richthofen, der sich ohne das Exequatur zu besigen, als türkischer Generalfonful geriert und als Einen Kursus für Rechtskunde, an dem auch Frauen teilnehmen können, erteilt Frau Natalie Fuchs im Berliner Handwerkerverein. Der Kurfus, der vornehmlich die sociale Gesetzgebung berücksichtigen wird, wird vom nächsten Montag an jedem Montag, abends von 9 bis 10 Uhr, im Konferenzzimmer des Vereinshauses, Sophienstr. 15, abgehalten werden. Das Houorar für den ganzen Kursus beträgt 1 M. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. GOLLZ Dersammlungen. Verein der Buchdrucker und Schriftgieker für Nigdorf Brik. Sonntag, den 6. Dezember, nachm. 1 Uhr, Vereinsversammlung im ApolloTheater, Hermannstraße 48-50. Tagesordnung: Geschäftliches. Jahres Abrechnung. China. Die Friedensverhandlungen. Nach einem Washingtoner Telegramm aus Beting hat am Eine Konferenz der Provinz- Filialen des Verbands der Achtung, Töpfer! Die durch den Frost arbeitslos gewordenen Sattler und verwandter Berufsgenossen tagte in den Arminhallen Kollegen brauchen sich nicht als arbeitslos zu melden, es genügt, am 25. Dezember v. J. Anwesend waren 26 Delegierte, 19 verwenn beim Witterungswechsel die Arbeit wieder aufgenommen wird, traten 10 Filialen der Provinz Brandenburg, 2 Einzelmitglieder und daß der Baudeputierte mit den Mitgliedsbüchern sämtlicher auf dem Bau 5 Mitglieder der Agitationskommission. Nach dem Bericht der Agibeschäftigten Kollegen nach dem Bureau Neue Friedrichstraße 20, tationskommission wurden 14 Agitationstouren nach der Provinz tommt, um dieselben abstempeln zu lassen. unternommen, die den Erfolg hatten, daß 61 Mitglieder dem Ver Der Vorstand der Filiale Berlin. band zugeführt wurden. Ferner wurden 3 Filialen gegründet, 3. Januar eine Versammlung der Gesandten stattgefunden. In in Forst, Frankfurt a. O. und Spandau; lettere giug leider derfelben wurde mitgeteilt, Li- hung- Tichang und Tiching Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter. Durch Verweigerung wieder ein. Die Kommiffion hatte eine Einnahme von 786,81 m., feien bereit, das Friedensabfommen zu unterzeichnen, der Unterschrift sind die Kollegen von 8 elter u. Plathen, Fraut eine Ausgabe von 535,25 M. zu verzeichnen, bleibt mithin ein Be- sobald dasselbe wirtlich fertig vorliege. Li- Hung Tichang furter Allee 117, in den Ausstand getreten. Gesperrt ist noch außer stand von 251,56 M. Der Bericht der Kommission, sowie der ein- wünsche, an den Verhandlungen bis zum Schluß persönlich teildem Helmich, Bergstr. 36/37. Die Differenzen bei se lug find zelnen Lokalkommissionen war ein zufriedenstellender, denn die Mit zunehmen. Die Aerzte feien der Ansicht, daß er nach der spanischen bis zum Schiedsspruch des Einigungsamts beigelegt. Die Kollegen gliederzahl in der Provinz Brandenburg hat sich mehr als verdoppelt. Gesandtschaft geschafft werden könne, wo die Konferenzen abgehalten werden ersucht, etwaige Arbeit für gesperrte Firmen zurückzuweisen. Am 31. Dezember 1899 betrug der Mitgliederbestand 722, am werden sollten, wenn das Wetter günstig sei. Der Vorstand. 30. September 1900 ftieg fie auf 1584. Zu diesem Mitglieder- AufDeutsches Reich. schivung hat besonders der Berliner Militäreffekten Sattlerstreit Der New York Herald" meldet in seiner Bariser Ausgabe, biel beigetragen. Es wurden sodann einige wichtige Beschlüsse über unter der Mannschaft des britischen Admiral. Organisation und Agitation gefaßt. Nach einigen Abänderungen des schiffs Barfleur" fei eine Meuteret ausgebrochen. Die Reglements für die Agitationstommission erfolgte der Schluß der Matrosen, welche sich darüber beschwerten, daß sie von der in Beting Verhandlungen. gemachten Beute nicht den ihnen gebührenden Anteil erhielten, hätten Kanonenlaffetten ins Meer geworfen und einen Offizier verwundet. Fünfzig von den Meuterern feien verhaftet worden. Die schwere Pulverexplosion Die Anträge der Knappschaftsältesten im Ruhrgebiet auf Befferstellung der alten Berginvaliden sind von den Werksbefizern famt und fonders abgelehnt worden. Dagegen stimmten die Aeltesten sämtlich, sowohl die Mitglieder des Verbands, als die der ( katholischen) Gewerkschaft für die Anträge. Ausland. D " Meuterei auf einem englischen Schiffe. General Die Sattler, Täschner, Linoleumleger und Buchbinder nahmen am 3. Januar Stellung zu der Maßregelung bei der Firma Golembiewsti. Sturz vor Weihnachten wurden der Werkführer und mehrere Arbeiter plötzlich entlassen, ohne daß ein triftiger Grund vorgelegen hätte. Ferner hatte der Arbeitgeber geäußert: nach Neu- wird heute auch deutscherseits offiziell gemeldet. jahr würden noch andre hinausfliegen, Darauf legten die übrigen lieutenant v. Lessel telegraphiert aus Tientsin: die Arbeit nieder. Wiederholte Verhandlungen mit den beiden Arbeit- Beim Salutschießen um Jahreswende im Peitang- Fort wurden gebern führten dahin, daß diese das Versprechen abgaben, von 2. Batterie schwerer Feldhaubitzen und 3. Pionier- Compagnie die Arbeiter bis auf einen zu Neujahr wieder einzustellen. 6 Mann getötet, 15 verwundet. Sie hielten aber dies Versprechen nicht, was um so mehr zu verurteilen ist, weil beide Verbandsmitglieder sind. Nach längerer Debatte, in der das Verhalten der Firma in scharfer Weise kritisiert wurde und Herr Golembiewski vergebens versucht, dasselbe zu recht- Telegramm gesendet: fertigen, gelangte die folgende Resolution zur Annahme: " Die Versammlung spricht den gemaßregelten Kollegen ihre bolle Sympathie aus und verpflichtet sich, die betreffenden Kollegen moralisch zu unterstüßen. Sodann verurteilt sie das frivole Vorgehen der Firma Golembiewski gegen die Stollegen auf has schärfte und beauftragt den Vorstand der Linoleumleger, die Herren Golembiewski und Zug aus der Filiale 5 auszuschließen." Waldersee geht es vortrefflich. Der Weltfeldmarschall hat dem Magistrat von Hannover folgendes Beting, 14. November 1900. J- luan- tien, zu deutsch: Kaiserlicher Winterpalast. Bum Jahreswechsel meinen herzlichen Glückwunsch meinen lieben Mitbürgern mit der Meldung, daß es mir vortreffllich 8eht. Hannovers Liebesgaben thun uns sehr wohl, werden aber in ihrer Mehrzahl noch für die Beit der großen Stälte aufgehoben. Ihnen, berehrter Herr Stadtbirektor, für Sie und die Thrigen ganz besonders gute Wünsche. Hoffentlich auf Wiederfehn in nicht zu ferner geit! A. Waldersee, Feldmarschall und Ehrenbürger. Die wichtige Nachricht, daß dem Grafen Waldersee die Han Eine neue Aussperrung in Sicht. Der dänische Fabrikanten Verband der Eisenindustrie hielt am 20. Dezember eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der beschlossen wurde, den Arbeit geber Verband aufzufordern, fämtliche in den zum Verband gehörenden Fabriken beschäftigte Mitglieder des Verbands der Arbeitsleute auszusperren. Veranlassung dazu hat der Streit bon 15 Eisengießerei Arbeitern gegeben. Diese berlangen, statt der bisher gezahlten 28 Dere, 30 Dere( 331/2 Bf.). Der Fabrikantenverband hat aber seinen Mitgliedern jede Lohnerhöhung seiner Arbeiter verboten. Die Arbeitgeber erklären, daß dieser Streit ein Bruch der Abmachungen vom 5. Geptbr. 1899 sei. Es sollen nun so viele Mitglieder der Arbeiter- Organisationen ausgesperrt werden, als nötig sind, um diesen Streit zu unterdrüden. Große Arbeitslosigkeit in Dänemark. Nach einer vom geschäftsführenden Ausschuß der centralisierten Gewert fchaftsverbände aufgenommenen Statistit waren in 67 Gewerkschaften mit zuſammen 79 602 Mitgliedern im November 18 808 arbeitslos oder 17,34 Prozent. 57 Organisationen haben die Bahl ihrer Arbeitslosen für das Jahr 1899 mitangegeben. Bei einer Mitgliederzahl von Der Verein zur Wahrung der Intereffen der Maurer 77 287 zählten sie im November 1899 5442 Arbeitslose, ca. 7 Proz.; im November 1900 Berlins und der Umgegend hielt am 30. Dezember 1900 eine 12 868 oder 16,66 Proz. Am größten ist die Zahl der Arbeitslosen Mitgliederversammlung in den Borussia- Sälen, Aderstr. 6/7 ab. Bornoverschen Liebesgaben vortrefflich bekommen, wird auch von der im Baufach; sie beträgt 24 Prozent. Danach tommen Eintritt in die Tagesordnung wurde das Andenken der verstorbenen Nation mit der gebührenden Genugthuung aufgenommen werden. die ungelernten Arbeiter mit 22,56 Broz., während in Mitglieder Gottlieb Burach, Gustav Burdad, August Bohl und Die Sühne- Gesandtschaft nach Deutschland. den übrigen Organisationen 11,9 Prozent der Mitglieder ar- Thomas Gulla von den Versammelten in der üblichen Weise geehrt. Wie ein Drahtbericht der„ Times" aus Beling vom 2. b. M. beitslos find. Die absolut höchste Zahl Arbeitsloser hat der Da der Referent am zeitigen Erscheinen, verhindert war, wurden Betreffs der Ver- berichtet, wird wahrscheinlich für die Sühne- Gefandtschaft nach Verband der Bäcker aufzuweisen und zwar 33 Prozent der zuerst einige Vereinsangelegenheiten geregelt. Mitglieder. Doch das ist hier weniger der schlechten Konjunktur, breitung der Einigkeit" für das Jahr 1901 beschloß die tagende Deutschland Prinz Lu, das Haupt einer der acht großen pringlichen Häuser, der im Range höher steht als Prinz Tsching, auserwählt als vielmehr der in diesem Gewerbe Herrschenden LehrlingsVersammlung: züchterei zuzufchreiben. Außerdem ist die Zahl der Arbeitslosen bei Vereinskollegen zu bleiben, werden in jedem Biertel von den 1. Um in agitatorischer Hinsicht in enger Fühlung mit den werden. Die Wahl würde sehr glücklich sein. den Schneidern 24 Proz., den Seeleuten 26 Broz., BuchTeilungsgelüfte. bindern 12 Broz, Buchdrudern 6 Prog. Im allgemeinen ist eine Sollegen Zeitungsverbreiter bestimmt( womöglich Vereinskollegen). sehr starte Zunahme der Arbeitslosigkeit zu fonstatieren. Ohne 2. Dieselben sind gehalten, für pünktliche Verbreitung Sorge zu Zweifel haben sich die Verhältnisse seitdem noch verschlimmert, tragen und erhalten dafür eine Entschädigung von 25 Pf. pro namentlich wird sich die Zahl der Arbeitslosen im Baufach noch be- Nummer und Quartal. Extravergütigung wird nicht gezahlt. Der Vorstand. deutend gesteigert hahen. Inzwischen war der Vortragende Dr. Bruno Wille erschienen, Der Antwerpener Dockarbeiterstreit ist beendet. der in recht lehrreicher Weise über das Thema: An der Schwelle Donnerstagabend fand eine Versammlung der Ausständigen statt; des Jahrhunderts" sprach. Hierauf ging die Versammlung wieder es wurde beschlossen, die Arbeit unter den neuen, von den Unter zur Regelung der Vereinsangelegenheiten über. Bum Schluß ersuchte nehmern aufoftrohierten Bedingungen am Freitag wieder aufzubas Bergnügungskomitee die Kollegen, den am 5. Januar statt findenden Maskenball recht zahlreich zu besuchen, und wurde hierauf beschlossen, daß an diesem Sonnabend die Hilfetassierer des Vereins feine Beiträge entgegen zu nehmen haben. nehmen. Am In Genua drohen neue Ausstände, da die Unternehmer viele Entlassungen vorgenommen haben. Sociales. tennen Der Temp 8" bringt einen Aufsehen erregenden Artikel über den zwischen China und Rußland abgeschlossenen Vertrag bezüglich der Mandschurei. Das Blatt jagt, die Errichtung eines Postens in der Mandschurei stehe im offenen Widerspruch e mit der Basis der Politik, zu welcher die Mächte sich dem chinesischen Reiche gegenüber gegenseitig verpflichtet haben. nicht der Aufteilung des chinesischen Reichs. Diese Basis bestehe bestehe in der Selbstlosigkeit ihrer Politit, Rußlands zwinge die Mächte zu der Notwendigkeit, sich gegen nicht des Dieses Vorgehen Rußlands zwinge die Mächte zu der Notwendigkeit, sich gegen upland zu verbinden. Mit dem betreffenden Protektorat habe Rutland sich einige Vorteile gesichert und England und Deutschland müßten Mittel und Wege ausfindig machen, den russisch chinesischen Vertrag rüdgängig au machen. Hierzu gäbe es zwei Wege: Entweder ers Die lokalorganisierten Maurer berieten am Sonntag in einer die Mächte die vollendete Thatsache des russischgutbesuchten Versammlung zunächst über: Die Entschädigung der chinesischen Vertrags an und beteiligen fich ihrerseits Aufteilung Chinas, oder aber Berbreiter des Fachblatts" Die Einigkeit". Nach kurzer Debatte ge- ander England und langte ein Antrag des Vorstands zur Annahme, wonach, um in Deutschland legen die Grundlagen einer gemeinsamen Aktion der agitatorischer Hinsicht in reger Fühlung mit den Vereinskollegen zu bleiben, in jedem Stadtviertel Berbreiter der„ Einigkeit" für das Mächte in China fest, um Rußland zu zwingen, den abgeschloffenen Jahr 1901 gewählt werden sollen und zwar möglichst Vereins- Bertrag rüdgängig zu machen. Angesichts dieser beiden Hypothesen mitglieder. Als Entschädigung werden pro Nummer und Quartal sei es unmöglich, sich dem Ernst der Lage zu entziehen und die 25 f. gezahlt. Extra- Entschädigungen werden nicht gewährt. Darauf weittragenden Folgen, welche dieser Vertrag nach sich ziehen werde, wurde beschloffen, daß einem gemaßregelten Kollegen, trotzdem er sich einen zu übersehen. Danach scheint man auch in Frankreich ebenso wie in England Tag nicht gemeldet hatte, die Unterſtügung ausnahmsweise noch für Appetit auf ein Stück des chinesischen Kuchens zu haben. Eine Aufweitere fünf Tage gezahlt werden soll. Ferner wurde über zwei Zur Bekämpfung der Tuberkulose. Bei Gelegenheit des Fälle plöglicher Entlassung von Vereinsmitgliedern verhandelt, von teilung Chinas würde aber zweifellos die ohnehin zum Spott geBerliner Tuberkulosetongresses wurde von zwei Berliner Menschen denen der eine als Maßregelung anerkannt wurde, während der wordene Einigkeit" der Mächte völlig in die Brüche gehen laffen. freunden ein Preis von 4000 Mart für die beste Broschüre über das andre nochmals vom Vorstand an Ort und Stelle untersucht werden Diese Preßstimmen beweisen jedenfalls, daß die ostaſtatische Wetterobige Thema gestiftet und das Preisrichteramt über die eingelaufenen soll. Dann hielt Dr Wille einen mit Beifall aufgenommenen Vor- wolte sich durchaus noch nicht zerteilt hat. Arbeiten von einer Reihe hervorragender Gelehrten übernommen. trag. Am Schluß wurde noch bekannt gemacht, daß am nächsten Unter 81 Bewerbern ging aus diesem Wettstreite fiegreich hervor der Sonnabend des Maskenballs wegen von den Hilfskaffierern teine Lehte Nachrichten und Depeliften. in New Yort ansässige Arzt Dr. Knopf, dessen Schrift das Motto Beiträge entgegengenommen werden. trägt:„ Um die Schwindsucht erfolgreich zu bekämpfen, bedarf es des gemeinsamen Wirtens einer weisen Regierung, tüchtig geschulter Merzte und eines intelligenten Bolts." Die Arbeit ist jetzt vom deutschen Centralfomitee zur Errichtung von Heilstätten für Lungenfranke im Drud herausgegeben worden. " Bäckermeisterschuh. Zu der geplanten Rüdwärtsrevidierung der Bäckereiverordnung erfährt man durch eine Veröffentlichung der " Fränkischen Boltstribüne", daß durch die Behörden Umfragen bei " besonnenen" Meistern und vertrauenswürbigen" Gehilfen über die Durchführbarkeit der Verordnung veranlaßt werden. Die organisierten Bäderei- Arbeiter mögen, so weit es möglich ist, darauf achten, daß den Behörden verständige und wahr heitsgemäße Auskunft erteilt wird. Ver" Die goldene Hand. Der Verband der Möbelpolierer verhandelte am 2. Januar Leipzig, 4. Januar.( B. H.) In den„ Leipz. N. N." erläßt über die Frage: Was bedeuten die Kontrollbücher für uns Möbel- Dr. Liman die Erklärung, daß er gegen die Köln. 3tg.", da polierer? In längerer Rede erläuterte der Vorsitzende Schulz I den biefelbe sich andauernd weigere, gegen ihn gerichtlich vorzugehen, Kollegen den Inhalt der Kontrollbücher und kam zu dem Schluß, Der Wert der Einführung der Schulärzte geht auch aus daß nach seiner Ansicht der Passus, der von der Regreßpflicht des nunmehr die Beleidigungsklage anstrengen werde. 8ngleich einem Bericht hervor, den die in Offenbach a. M. angestellten Arbeiters handelt, ungeseßlich wäre und die Kollegen sich hüten weist er gegenüber einigen in der Presse erhobenen Einwürfen drei Aerzte über ihre Thätigkeit im Jahre 1899/1900 der Bürger sollten, zu unterschreiben. Nach einer äußerst lebhaften Debatte darauf hin, daß es fich um einen Bericht aus der zweiten Hälfte des meisterei erstatteten. Vor allem wird eine Abnahme gewiffer Strant entschloß man sich, in der Frage noch keine Entscheidung zu treffen, Jahrs 1899 handelt, der, wie eine vorliegende eidesstattliche Erklärung heiten konstatiert, was darauf zurückgeführt wird, daß die sondern es einer späteren Generalversammlung zu überlassen. eines vertrauenswürdigen Gewährsmanns besagt, ein gedrucktes Heft Eltern durch die rechtzeitige Benachrichtigung des Arztes bei Zeiten Maßnahmen geeignete zur Abwendung drohender Charlottenburg. Am 28. Dezember tagte hier eine Ber. bildet, an deffen Spize fich das Wappen der„ De Beers Company" befindet. Der Bericht habe die Form der gewöhnlichen englischen Krankheiten anwandten und so dieselbe schon im Steime er sammlung mit der Tagesordnung der Toleranzantrag des Centrums". sticken tonnten. Dies wurde besonders bei Erkrankungen des Nasen- Der Referent, Genosse Frizz Bubeil, entledigte sich seiner Aufgabe Amtsblätter und enthalte die bereits der Deffentlichkeit übergebenen rachenraums beobachtet. Eine ebenfalls nicht zu unterschäßende unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden. Da eine Distuifion Bahlen. Er trage die Unterschrift Lionel Philipps" und befand sich Befferung wurde seit der Installierung der Schulärzte in betreff der nicht stattfand, gab hierauf Sellin feinen Jahresbericht als Ber im Gouvernementsgebäude zu Pretoria, als er eingesehen wurde. Sauberkeit der Kinder beobachtet. So ging beispielsweise die Bahl trauensmann. Danach betrug die Einnahme 8323,77 M., Der Herr, der ihn in Gewahrsam hatte, sei Gouvernementsbeamter Ser unsauberen und mit Ungeziefer behafteten Kinder der 1. Mädchen die Ausgabe 3235,47 m. Am heutigen Tage Eingang Sluyter. schule von 726 auf 105 zurüd. Das freilich manche der von den 28,80 M., Bestand 117,10 m. Da mit dem 1. Januar Aerzten gegebenen Anregungen auch noch auf unfruchtbaren Boden 1901 eine Reorganisation der Parteigeschäfte in Straft tritt, Köln, 4. Januar.( W. T. B.) In der heutigen Versammlung Halbzeug- Verbands waren fiel, zeigen die Klagen über die Vernachlässigung der Augen und Zahn- ist die Wahl eines Vertrauensmannes überflüssig geworden. des fämtliche Werke einschließlich pflege, der freilich von seiten der Eltern mehr Beachtung geschenkt werden Da der Spediteur Genosse Scharnberg nicht anwesend war, stellte derjenigen der neu beigetretenen Mosel- Gruppe vertreten. Für follte, obgleich nicht zu verkennen ist, daß heutzutage, wo in vielen Genosse Stiefenhofer fest, daß in der Volksversammlung über den neue Abschlüsse wurde eine Herabsehung der Preise Fällen Vater wie Mutter ihrem Broterwerb nachgehen müssen, dies Bericht des Parteitags der Bericht über die Spedition schon beschlossen, die der heutigen Marktlage Rechnung trägt. Scharnberg eben sehr erklärlich ist. Daß die Thätigkeit der Aerate in ganz gegeben ist und Entlastung erteilt wurde. Sinfichtlich der alten Abschlüsse wurden den Werken Nach besonderer Weise auch den Lehrern zu gute tommt, beweisen die Der Bericht der weiblichen Vertrauensperion hielt sich in engen läffe anheimgegeben, so daß durch dieselbe in Verbindung mit fortgesetzten Hinweise auf die chronische Ueberfüllung der Klassen Grenzen. Fräul. Vogel schloß ihre Ausführungen mit der Hoffnung, einer gleichzeitig beschlossenen Ausfuhrvergütung den reinen Walzsowie deren Einrichtungen in Bezug auf Heizung, Ventilation 2c. das neue Jahrhundert möge auch unter der weiblichen Bevölkerung werken der Wettbewerb im In- wie im Auslande wieder möglich Derartige fortgesette Monitas können doch unmöglich seitens der Charlottenburgs ein reges Interesse an der politischen Bewegung fein wird. Behörden völlig unberücksichtigt bleiben. ad bringen. An Sammelgelbern find von Fräulein Vogel an den Ber- Saarbrücken, 4. Januar.( B. H.) Ein amtlicher Bericht über Ein Programm für die Verwaltung der nordamerikanischen trauensmann 19,45 M. abgeliefert. Bei der Neuwahl wurde Fräul. einen Eisenbahnunfall meldet: Heute morgen gegen 7 Uhr find Städte wurde von einem speciell zu diesem Zwecke eingesetzten Bogel einstimmig wiedergewählt. Auf Antrag Görke wurde ein- 5 beladene Kohlenwagen des Güterzugs Nr. 671 von der Station Romitee der National Municipal League" ausgearbeitet. Der stimmig beschlossen, der Spediteur soll für die Zukunft seinen Bericht Merschweiler nach Station Brefeld( Fischbachbahn) zurüdgelaufen und auf den dortselbst haltenden Personenzug Nr. 581 aufgestoßen. Entwurf, der den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt wird, im Vorwärts" veröffentlichen. basiert auf demokratischen Principien. Das Hauptgewicht wird darauf gelegt, die staatliche Gesetzgebung auf ein Minimum zu benutzung für jebermann. Berlin, Alexandrinenstr. 26, Gartenhaus. Geöffnet Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be. 25 Personen find verlegt. Der Bersonenverlehr ist nicht gestört. München, 4. Januar.( W. T. B.) Die Volkszählung ergiebt schränken, und die Selbstverwaltung der Städte in möglichst vollwerttäglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 für Bayern eine Einwohnerzahl von rund 6 150 000 Seelen; gegen tommenem Maße zu erreichen. Die Stadt wird immer mehr zum und 3-6 Uhr. Reichhaltige Bibliothek und nahezu 410 Beitungen und Beit über der Zählung 1895 mit 5 818 544 Seelen ist dies eine Zunahme von rund 331 000 Seelen oder von 5,7 Broz. ausführenden Organ des Staats innerhalb ihrer Grenzen und soll schriften jeder Art und Richtung. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 6. Januar, vormittags Budapest, 4. Januar. aufhören, eine Gemeinschaft mit beschränkter Macht zu fein; es foll ( W. T. B.) Jm Bibliotheliaal des ihr alles gestattet werden, was für ihre Einwohner nüßlich und 8 Uhr, in der Aula der 69. Gemeindeschule, Kleine Grant Abgeordnetenhauses ist ein Brand ausgebrochen, der etwa 1500 Bände Um 10% Uhr vernichtete. notwendig ist. Die städtische Legislatur ist von einem Rat aus- furtersir. 6: Versammlung. Freireligiöse Vorlesung." bormittags ebendaselbst: Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wine: Die zuüben, der auf Grund des allgemeinen und gleichen Wahlrechts zu Welt als stunstwert" Gäfte, Damen und Herren, sehr willkommen. wählen ist. Die Verwaltung ist von diesem vollständig abhängig. Verband deutscher Mühlenarbeiter. Sonntag, den 6. Januar, Der Rat wird auf fechs Jahre gewählt; ein Drittel der Gewählten nachmittags 3 Uhr, Köpeniderstr. 68: Bersammlung. Tagesordnung: Vor: fcheidet alle zwei Jahre aus; der Bürgermeister darf nur auf trag der Genoffin Jmle. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammen zwei Jahre gewählt werden; die Verwaltungsbeamten werden von sein. Bahlreichen Besuch der Kollegen mit ihren Damen steht entgegen Die Lokalverwaltung. ihm ernannt. " London, 4. Januar.( B. T. B.) Die Admiralttät veröffentlicht eine Note, in welcher sie erklärt, es sei nicht richtig, daß die Besatzung des Kriegsschiffs„ Berfleur" im äußersten Osten gemeutert habe; es hätten nur einige Mann sich einer unbedeutenden Unordnung schuldig gemacht, die von der übrigen Besagung nicht gutgeheißen worden sei. Drei Mann seien verhaftet worden. Verantwortlicher Redacteur: Paul John in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von Mag Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage. «m. i8. mnm. Keilltßt des„lotmiiils" feiltet Mtedlllü. 5 1«««« Von der britischen Gewerkschaftsbewegung. London, 30. Dezember. DnS Jahres- oder, nach hier geltender Anffassung, Jahrhundert» Ende findet die englische Arbeiterbewegung in verhältnismäßiger Ruhe. An Konfliktsstoff fehlt es zwar nicht, und örtliche Streitigleiten giebt es immer, aber von größeren Bewegungen ist zur Zeit wenig zu verspüren. Mit großer Hartnäckigkeit wird der Kampf der Londoner Ladeschiffer fortgeführt. Die verbündeten Arbeitsherren haben gegenüber den sich wiederholenden Anerbietungen um Bennittelung nur ein stereotypes Nein, indem sie behaupten, daß die Arbeiter gegen einen in Geltung befindlichen Schiedsspruch kontraktbrüchig seien. Die Arbeiter ihrerseits aber wollen fich ohne neuen Schieds- spruch nicht auf die von den Arbeitsherren gebotenen Bedingungen einlassen. Unter diesen Umständen läßt sich ein Ende des Kampfs. der immer mehr den Charakter eines Rechtsstreits annimmt, noch gar nicht absehen. In erster Reihe trägt diesen Charakter auch der schon seit mehreren Wochen andauernde Ausstand der Schieferbruch- Arbeiter der sogenannten Bethesda-Brüche des L o r d P e n r h y n in Nord- Wales. ES handelt sich dabei bor allem um daS Recht der Vertretung der Arbeiter durch einen gewerkschaftlichen Central-Ausschuß bei Vcrhand lungen mit der Betriebsleitung, Schutz gegen willkürliche Maßregelungen und gegen unhöfliche Behandlung durch die Betriebsbeamten, sowie um Abschaffung unbilliger Lohn- abzüge für OrdnungSvergehen. Wirtschaftliche' Forderungen der Arbeiter sind: direkte Uebernahme von Brucharbciten durch Arbeiter- gruppen auf Grund kollektiver Verträge und unter Aus- schluß von Unternehmern, Sicherstellung eines Mindest- l 0 h n s v 0 n i Shilling 4 P ence pro Tag, Bewilligung eines jährlichen Specialfeiertags. Nachdem die Arbeiter in eindrucksvoller Weise ihren Entschluß kundgegeben hatten, unter keinen Umständen zu den alten Bedingungen die Arbeit wieder aus zunehmen— gegen siebenhundert haben schon anderweitig Be� schäftigung genommen—, hat sich der Gcschäftssührer des Lord Penrhyn, Mr. Foung, zu Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeiter bereit verstanden, und als Frucht dieser Konferenzen ist am 21. Dezember eine Antwort von ihm erfolgt, über deren Annahme oder Ablehnung am 8. Januar abgestimmt werden soll. Hinsichtlich der Kontraktsrage, der Bußenfrage und der Frage des Benehmens der Beamten macht sie de» Arbeitern Zugeständnisse, in Bezug auf andre Fragen wird die Entscheidung vertagt, dagegen wird die Bestimmung des ge- forderten Mindestlohns und die Verhandlung'mit dem Centralausschuß abgelehnt. Nach wie vor sollen die Arbeiter mit der Verwaltung nur durch Vertreter der speciellen Be- rufsklasscn verhandeln dürfen. Ob die Arbeiter sich darauf einlaflen werden, ist ziemlich zweifelhast. Alles in allem zeigt der Text der Antwort, daß in jenem entlegenen Distrikt ein halb patriarchalisches, halb feudales Betriebssystem sich gegen den Einzug des Geistes der modernen Arbeiterbewegung sträubt. So wird unter andrem das Verbot aufrechterhalten, im Schieferbruch Versammlungen zu veranstalten und Geldsammlungen vorzunehmen, die andern als WohlthätigkeitSzwecken dienen und nicht von der Verivaltuug ge- nehmigt find. Selbst wenn die Arbeiter sich für den Moment mit den erwähnten Zugeständniffen begnügen sollten, steht es außer Frage, daß auch>n den andern Punkten schließlich die moderne Auf- faffung den Sieg behalten wird. Während einzelne Industriezweige auch in England bereits die Rückwirkungen der derzeitigen Stockung auf dem Weltmarkt sehr merkbar verspüren, halten andre vorläufig noch ziemlich gut aus. Mit am besten die Kohlenindustrie, deren emporgeschraubte Preise noch keine nennenswerte Einbuße erlitten haben. Was für P r o f i t e sie abwirft, zeigt eine Meldung aus Lancashire, nach der zwölf derartige Gruben im abgelaufenen Jahr aNein 40 Millionen Mark Reingewinn abgeworfen haben sollen. Allerdings find auch die Löhne gestiegen. Mit Ausnahme einiger überfüllter Reviere ist der DurchschnittSverdienst der Bergarbeiter Lancashires jetzt 7—8 Schilling pro Tag. Der Verband der dortigen Bergarbeiter arbeitet jetzt darauf hin. den Mindestlohn für Heuer auf 7 Schilling p r o T a g zu normieren, und zu den Gruben, die sich dazu bereit erklärt haben, gehören die des Bridgewater Fond, der allein über 3000 Arbeiter beschäftigt. Auf einer Konferenz des Bundes der schottischen Bergarbeiter, auf der 68 000 Bergarbeiter vertreten waren, stellte der Vorsitzende. R. Smellie. ebenfalls fest, daß die Löhne zur Zeit befriedigende wären, erklärte aber auch zugleich, daß die Preise im Verhältnis zu den Löhne» zu hoch seien und ein Preisfall im Anzug sei. Sollten die Unternehmer ver- suchen, ihn zum Anlaß einer Lohnreduktion zu benutzen, so würde dies zu einem ernsthaften Konflikt führen. Er hoffe jedoch, daß es nicht dazu komme. Der zur Zeit eingesetzte Einignngs-Ausschuß habe sich als eine höchst segensreiche Einrichtung erlviesen. Sehr Abfällig äußerte sich Smellie dagegen über daS jetzige Unfall- Entlchädigungsgesetz. Die Konferenz sprach sich u. a. dafür aus, die Arbeitstage pro Woche auf fünf zu normieren, doch soll zunächst eine Urabstimmung darüber vorgenommen werden. Nach einer soeben veröffentlichten Statistik des Gewerbe- Ministeriums hat sich die Zahl der registrierten Gewerkschaften im Jahre 18SS von 1310 auf 1262 ermäßigt, die ihrer Mitglieder dagegen von 1 649 231 a u f 1 802 618 erhöht, was eine nennenswerte Konsolidierung der Bewegung anzeigt(Anschluß von kleinen an große Organisationen). Der Löwenanteil des MitgliedcrzuwachseS entfällt auf die Organisationen der Bergwerks- und Steinbruchs- arbeiter, die um 71084 Mitglieder zugenommen haben. Der fabel- hafte Aufschwung der Kohlemndustnc ist aber bekanntlich kein un- gemischter Segen. Es wird in dieser Hinsicht ein Raubbau betrieben, dessen Rückwirkungen sich eines TagS sehr unangenehm fühlbar machen werde», und es häufen sich denn auch die Stimmen, die Maßregeln gegen die steigende KohlenauSfuhr verlangen. Ausrichten werden sie sreilich nichts. Am 6. Januar feiert der große Gewerkveretn der Vereinigten Maschinenbauer seine» fünfzigsten Geburtstag. Der Verein zählt jetzt 37 690 Mitglieder und verfügt über ein Vermögen von über 376 000 Pfd. Sterl.(71/» Millionen Mark). Er steht somit finanziell erheblich besser als vor Ausbruch des großen Ausstands von 1897 98, wo er bei etwaS größerer Mitgliederzahl rund 360 000 Pfd. Sterl. Vermögen hatte. Daß er den damaligen Aus- fall so schnell wieder ausgeglichen hat, ist teils dem Umstand ge- schuldet, daß die eingesetzten gemischten Ausschüsse sehr ziir Verminderung von Ausständen beigetragen haben, und ward außerdem durch daS Mittel von Ex t r a st e u e r n erzielt, die sich die Mitglieder freiwillig auferlegten. Diesen Extrasteuern ist eS aber auch zuzu- schreiben, daß sich die Mitgliederzahl langsamer hebt als daS Vermögen. Gerade. jetzt hat der Verein wieder mit Mehrheit eine Extrasteuer von drei Pence pro Woche beschlossen. Außerdem haben die Mitglieder über den Vorschlag ab- zustimmen, wöchentlich 3 Pence Extrasteuer für die Tüll- und Spitzen- arveiter von Calais zu erheben. Ein Gegenvorschlag, der mit zur Abstimmung kommt, will, daß ihnen für die Dauer des Ausstands wöchentlich 20 Pfund auS der Centraikasse der Gewerkschaft gezahlt werden. Von dem VereinSvermögen gehören 121 300 Pfund dem für die Jnvalidenkafse der Gewerkschaft bestimmten Reservefonds an. Der Verein zahlt an 3679 Mitglieder Invaliden- bezw. Alterspension, die sich von 7 bis 10 Schillinge die Woche bemißt(der Durchschnitt ist 9 Sch.). Ei" Teil dieses Reservefonds ist in Form von hopothe- karisch sichergestellten Bauo orschü sse.n an Vereinsmitglieder an- gelegt. Vor einiger Zeit hat der Verein, der, wie auch andre Ge« Werkschäften, Schwierigkeiten hat, seine Gelder vorteilhaft und sicher anzulegen, das Ausleihen solcher Gelder für den Erwerb oder Bau eigner Häuser beschloffen, und bis Ende Sep- tember hatten 165 Mitglieder Vorschüsse im Wert von zusammen 49 000 Pfd. erhalten. Für sich selbst hat der Verein ein neues Amtsgebäude errichtet. daS soeben fertig geworden ist und mit dem Grundstück 9500 Pfd. Sterl. gekostet hat. ES befindet sich in einer Hauptstraße Süd-Londons, und besteht in einem schönen, solid auS- geführten Vau mit zwanzig hellen Räumen, deren größter ein geschmack- voll eingerichteter Sitzungssaal für den Vorstand und Delegiertcnkonfe- renzenist. Alles in allem legt dieses Haus einsprechendes Zeugnis für die Erstarkung der Arbeiterbewegung ab, und wenn der Geist des MaschinenbauerverciuS auch in manchen Punkten noch zu ivünsche» übrig läßt, so kann man dieser Organisation doch zu ihren» Jubelfest von ganzem Herzen gratulieren. Sie hat in den letzten zehn Jahren nicht nur bedeutende materielle Fortschritte gemacht, sondern auch viele innere Reformen im Sinne modernerer Auffassungen vollzogen und wird sicher auf diesem Wege nicht stehen bleiben. Motmnmmlvs. Aus der Magistratssitzung vom Freitag. Der Ober- bürgermeister K i r s ch n e r teilte zu Beginn der Sitzung mit, daß a», 29. und 30. Januar der preußische Städtctag hier zusammentreten werde. Die Stadt Berlin wird durch 9 Delegierte, 4 Magistratsmitglieder und 6 Stadtverordnete vertreten sein. Auf der Tagesordnung standen zur Beratung:«Die Bedeutung des K l e i n b a h n e n- G e s e tz e s für die Städte",»die Beteiligung der Frauen an der offenen Armenpflege", und die Für- sorge für schulentlaffene Waisen" und„das Gesetz über die Zwangserziehung". Das Kollegium beschloß, die Stadt- verordneten- Versammlung um Genehmigung zum Ankauf von zwei Grundstücken zu Schulzwecken zu ersuchen, und zwar zur Erbauung einer Gemeinde- Doppelschule das Grund- stück in der Pappel- Allee 41 durchgehend bis zur Lychcner- straße mit einer Grundfläche von 4616 Quadratmeter und das Grundstück Koppenstr. 75 und 76 mit etlva 7000 Quadratmeter wovon rund 4000 Quadratnieter zum Neubau des Andreas- Realgymnasiums verwendet werden und der übrige Teil zu andren Schulzwecken Verlvendung finden soll.— Bei der Beratung der Einzeletats tvurde die Einnahme der städtlschen Volksbibliotheken und Lesehallen auf 147 400 M. und die Ausgaben mit 107 935 M. festgesetzt, so daß ein Zuschuß von 103 236 M. erforderlich wird. Dem Etat für daS Arbeitshaus in Rummelsbnrg ist die Zahl der täglich sich dort in Verpflegung befindlichen Häuslinge und Hospitaliten von 1850 zu Grunde gelegt. Die Einnahme wurde auf 186 917 M. und die Ausgabe auf 654 231 M. festgesetzt, so daß ein Zuschuß von 367 314 M. erforderlich ist. Die Verpflegung und Bekleidung erforderte 350 000 M. Bei der Beratung des bekaimlen Antrags des Stadtv. K a l i s ch. betreffend die Getreidezölle usw., beschloß der Magistrat, dem Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung zur Bildung einer gemischten Deputation, bestehend aus fünf Magistratsmitgliedern und zehn Stadtverordneten, beizutreten. UokÄles. Die Wohnungsnot nimmt erschreckend zu. Den Umfang der zu Neujahr stattgehabten Kündigungen, die für den Umzug im April maßgebend sind! respektive der Mietssteigerungen, zeigt am besten die Zahl der am 27. vorigen Monats auf den hiesigen Postanstalten auf- gegebenen Einschreibebriefe. Einzelne Hauswirte gaben gleich- zeitig 16 Einschreibebriefe und mehr an den Postschaltern auf, kün- digten rcsp. steigerten also die gesamten Bewohner ihres HanseS. lieber 200000 Einschreibebriefe sind auf den verschiedenen Postämtern Berlins an dem kritischen Tage aufgegeben worden, weit über die Hälfte derselben ivaren Stadtbricfe und dürften zweifellos Kündigungen enthalten haben. Es ist leider nur zu sicher, daß die Folgen der Wohnungsnot sich zum i. April noch viel schlimmer fühlbar machen werden als vor einem Vierteljahr. Wie beruhigend muß es da auf die Bevölkerung wirken, daß der M a g i st r a t durch die Gründung der berühmten König F r i e d r i ch st i f t u n g daS Seinige gethan hat. Die strenge Kälte macht die bekannten Mängel im Straßen- bahnbetriebe wieder fühlbar. Während die Wagen der Stadt- bahn durchweg gut geheizt find, hält die Große in ihrer Rück- stchtslosigkeit eS auch heute noch nicht für erforderlich, zur Einführung von Heizvorrichtungen auch nur einen Finger zu rühren, und die Fahrgäste holen sich wie früher in dem Straßenbahnen den Keim zu schweren Erkrankungen. Viel schlimmer noch als daS Publikum haben die Angestellten unter den scharfen Frost zu leiden. Anderswo sind für die Führer an den Wagen GlaSschntz- wände eingerichtet; die Große probiert seit langen Monaten immer noch an den ztvei oder drei mit solchen Einrichttmgen versehenen Wagen herum. Auch sonst thnt die Direktion nichts, um den Angestellten den jetzt besonders schweren Dienst zu erleichtern. Wer seine Füße vor dem Erfrieren schützen will, muß sich bei einem elenden Einkommen für sein eignes Geld besonderes Schuhwerk kaufen; von der Verwaltung hat er keinerlei Beistand zu erwarten. Wie die Große Berliner auf Ilmwegen den Z e h n p f e n n i g- t a r i f aufhebt, zeigt folgender Fall. Die Strecke Nieder- Schönhau sen-Nixdorf soll, wie alle andren Strecken auch 10 Pf. kosten. Man kann aber für diesen Preis nur dann fahren. wenn man in Nieder-Schönhausen oder Pankow aufsteigt. Wer jedoch umgekehrt vbn Nixdorf nach Nieder-Schönhausen will und in den vordersten Wagen einsteigen muß, weil der Anhängewagen, was zumeist der Fall, besetzt ist, der hat zweimal zehn Pfennig zu entrichten, weil der elektrische Wagen nur bis zum Ringbahnhof Schönhauser Allee führt und der Schaffner auf höhere Anordnung erklären muß. daß nunmehr eine neue Fahrt für diezenigeii Passagiere beginne, die nicht schon vorher in dem für den Rest der Fahrt von Pferden gezogenen Anhängelvagen gesessen haben. Da auf der Linie Nixdorf— Nieder-Schönhausen zum lieber- fluß auch noch daS elendeste Wagcnmaterial benutzt wird, kann man sich vorstellen, wie sehr die Passagiere dieser Strecke von der Tarif- reform erbaut sind.. Eine Lcichcnvcrstümmelung. Eine auffehenerregende Meldung bringt die»Berk. Ztg." als weitere Aufklärung über eine dieser Tage von uns veröffentlichte Mitteilung: In der städtischen Anstalt für Epileptische in Wuhlgarten bei Biesdorf starb vor einigen Tagen ein Ibjähriges, vollständig idiotisches Mädchen. In Gegenwart der aus Berlin gekommenen Eltern fand das Leichenbegängnis auf dem Anstaltsfriedhof statt, aber wenige Stunden später, bei Mondenschein, wurde der Leichnam wieder aus dem Grabe geholt und feines Kopfes be« raubt. Dies geschah, wie festgestellt ist, mit Wissen de» Anstaltsdirektors Herrn Dr. H e b o l d. Herr Direttor Hebold erblickt, wie er erklärt, darin nicht» Außerordentliches. Daß die Ab- trennung des Kopfs nicht gleich auf dem Secierttsche und vor der Beerdigung der Mädchenleiche vorgenommen wurde, begründet Herr Dr. Hebold mit der Rücksicht, die man den Eltern gegenüber üben mußte. Man habe ihnen doch, als sie kamen, um ihr Kind daS letzte Mal zu sehen, nicht den kopflosen Rumpf zeigen können? Deshalb und auch zur Vermeidung aller unnützen Redereien in der Anstalt 'elbst sei die Operation an der Leiche erst nach der Beerdigimg und zurRachtzeit vorgenommen worden. Die Eltern habe man freilich um ihre Einwilligung nicht besonders gefragt;«s bestehe in solchen Anstalten die Ansicht, daß, ivenn nicht ein ausdrückliches Verbot eitenS der Angehörigen von Verstorbenen erfolge, eine Secierung beziehungsweise die wissenschaftliche Bewertung einzelner Teile der Leichname gestattet sei. In dieser Sache hat die Staatsanwaltschaft daS E r Nt i t t e.l u n g s v e r f a h r e n eingeleitet. Herr Direktor Dr. Hebold, sowie einzelne Beamte der Anstalt„Wuhlgarten" sind für den 7. d. M. zur Vernehmung vor daS Amtsgericht Alt-Lands- berg vorgeladen. Ein heftiger Znsammenstoß zwischen zwei Motorwagen der Berliner Straßenbahn erfolgte gestern vormittag 10 Uhr an der Ecke Potsdamer- und Pallasstraße. Um diese Zeit versuchte ein sogenannter Uebungsmotor, der mit angehenden Fahren» besetzt war, aus der Göben« in die Pallasstraße zu fahren. Hierbei ließ eS der Wagenführer an der nötigen Vorsicht fehlen und fuhr auf der Kreuzung auf einen von Schöneberg kommenden Motor. Bei dem starken Anprall wurde beiden Wagen der Vorderperron zerstört und der Lehrwagen außerdem aus den Schienen geworfen. Die Motoren mußten aus dem Verkehr gezogen werden. Ernstliche Verletzungen von Personen hat der Zusammenstoß glücklicherweise nicht ver- ursachl. Zu einem abgefeimte« Schwindel hatten sich vier junge Männer, die stellungslosen Kaufleute Krön, E b e n st e i n, Arnstein und Cohn, zusammengethan. Ebenstein hatte ein Ab- gangszeuguis von einem Geschäfte, von dem er Ivutzte, daß eS mit einen, hiesigen großen Seidenhause in Verbindung steht. DaS Zeugnis trug rechts die Unterschrift des Geschäftsinhabers und links unten dm Firmenstempel. In Verbindung mit Krön kam min er auf den Gedanken, das Papier so durchzuschneiden, daß der eine Teil nur noch den Firmenstempel enthielt, der nun in der Ecke oben links stand. Dann füllte er den freien Raum mit einer Bestellung an das SeidcnhauS aus und fälschte darunter die Unterschrift des Geschäftsinhabers, die er auf dem oberen Theile des Zeugnisses vor sich hatte. Auf diesen Bestellschein erhielten die Schwindler an- standslos für 500 M. Seide. Als sie mit der Beute das Haus ver- ließen, stießen sie auf den ihnen bekannten Arnstein, der gleich erkannte, daß sie a»if Abwegen gingen, und sie zwang, ihn am Ge- win» teilnehmen zu lassen. Nachdem Cohn die Beute mitergebracht hatte, teilten sie sich den Erlös und gingen alle vier in eine Wirt- schaft und spielten so lange, bis zwei Mann wieder„blank" waren. Diese beschlossen daher, am nächsten Tage mit einem andren Zeug- Iiis das Geschäft noch einmal zu machen. Dabei wurden sie jedoch abgefaßt und nun kamen alle vier nach Moabit. Otto Erich Hartlebe», der Verfasser des Schauspiels„Rosen- montag", hat dem„Neuen Wiener Tageblatt" zufolge wegen eines schweren Nervenleidens eine Heilanstalt aufsuchen müssen. Un» den Gesundheitszustand des Schriftstellers soll eS recht ungünstig stehen. Eine längere NcchtfertignngSschrist sendet Herr Justizrat Dr. Sello uns mit dem Ersuchen um Veröffentlichung zu. Nach- dem Herr Dr. Sello mitgeteilt, daß am 28. Dezember die Vor- Untersuchung wegen angeblicher Begünstigung in Sachen Sternbcrg gegen ihn eröffnet und er am 29. von» Untersuchungsrichter über diese Beschuldigung vemommen sei, führt er als Grund seiner Pnbli- kationen die Thatsache an, daß eine Berliner Zeitung in der Lage gewesen sei, die Behauptungen der Staatsanwaltschaft ihren Lesern zu unterbreiten. ES heißt'dann weiter in der Zuschrift: Die Verteidiger Sternbergs würden einfach ihre Pflicht versäumt haben, wenn sie es Unterlässen hätten, das Vorleben der Frieda Woyda zu erforschen. Den Behörden war dies mindestens nicht ge- lungen; ob sie es versucht haben, ivciß ich nicht. Im Fall Woyda ist eine gerichtliche Voruntersuchung überhaupt nicht geführt worden, und Herr Kriminalkommissar von TreSckow hat in der ersten Hauptverhandlmig gegen Sternberg ausdrücklich erklärt, daß die Polizei nach seiner Ansicht nur die Aufgabe habe, diebelastenden T h a t s a ch e n zu s a m n, e l n. Daß der Direttor des Instituts„ I u S" Herr Schulze, der deshalb mit der Erniittlung der etwa vorhandenden entlastenden Thatfachen betraut wurde,'eine erhebliche Vergütung beanspruchen durste, liegt für jeden, der die Verhältnisse einigermaßen kennt, auf der Hand. Sternberq war in Hast, konnte also nicht selber mit Herrn Schulze verhandeln. Jchhatte borgeschlagen, ihm angemessen hohe Tage- gclde r zu bewilligen, habe mich aber den sachlichen Bedenken meines Klienten, der feine Verpflichtung irgendwie begrenzen lvollte, nicht verschlossen. Ich habe dann lediglich Herrn Schulze die von Herrn Sternberg vorgeschlagenen Bedingungen mitgeteilt. Das Maß der Vergütung halte ich bei der glänzenden Vermögenslage des Angeklagten und dem Umfange der viele Monate umfassenden Arbeit auch heute noch für durchaus gerechtfertigt. Mancher andre Be- schuldigte würde in ähnlicher Lage gewiß geni bedeutend höhere Opfer gebracht haben. Uebrigens sind diese niemal« bestrittenen Thatfachen der königl. Staatsanwaltschaft seitungefähr neun Monaten bekannt gewesen; schon im April v. I. sind sie von der königl. Oberstaatsantv altschaft dem Vorstande der Anwalts kämm er mitgeteilt worden. Die zuständigen Be- Hörden haben die Sache schon damals eingehend geprüft; der� Vorstand der AnwaltSkammer hat mich darauf im Mai amt- sich beschieden, daß er sich im Einverständnis mit der könig- lichen Oberstaatsanwaltschaft nicht veranlaßt sähe, gegen mich vorzugehen. Ich habe diesen Verlauf der Sache schon am ersten oder zweiten Tag der zweiten Haupt- Verhandlung wider Sternberg dem Gerichte ausführlich vorgetragen, auch in aller Form beantragt, die Akten deS Vorstands der Anwaltskammer einzufordern. Das Gericht hat damals— soviel mir erinnerlich ist— nicht hierüber befunden. Da aber meiner Dar- stellung von keiner Seite, auch nicht von dem anwesenden Vertreter der mit der Sachlage genau bekannten königl. Staatsanwaltschaft widersprochen wurde, so habe ich annehmen dürfen, daß niemand die Richtigkeit meiner Angaben bezweifle, und habe deshalb nicht auf der förmlichen Erledigung meines Antrags bestanden. Die zweite Anschuldigung betrifft einen Brief, den mir Frau Margarete Miller mit der Bitte übersendet hat. ihn Herrn. Sternberg verschlossen ausziihändigen. Ich habe diese Bitte nicht erfüllt: vielmehr ist der Brief auf SternbcrgS Wunsch von einem seiner drei Verteidiger in Gegenwart der übrigen geöffnet und gelesen worden. Er iviederholte nur die Bitte im» Geld. DieS haben wir unfern» Klienten kurz mitgeteilt. Ich habe den Brief der Frau Miller nicht beantwortet und sie, als sie nach einigen Tagen um Geld an mich telegraphierte, tclcgraphisch ablehnend be- schieden. DaS ist alles. Ucber meine Ivcnigen Begegnungen mit dem Kriminalkommissar Thiel endlich habe ich niick schon in meiner öffentlichen Erklärung vom 21. Dezember ausgesprochen. Ich erkläre es hiermit nochmals und nachdrücklich nicht bloß für unwahr, sondern für eine Verleumdung, daß ich Herrn Thiel jemals mittelbar oder unmittelbar veranlaßt hätte, in irgend einer Weise für Stern» berg thätig zu sein, oder daß ich eine solche Thätigkeit irgendwie geduldet hätte. Thiel selber hat dies auch niemals behauptet. Als ich im März v. I. erfuhr, daß er am 13. Februar bei der Befragung der CallieS zugegen gewesen sei. habe ich ihn in seinem Interesse und als sei n Rechtsbeistand eindringlich geivarnt, sich mit solchen Dingen z» befassen. Es ist nicht meine Schuld, daß er diese Warnungen verschmäht hat. Bon seinen angeblich erneuten Verfehlungen habe ich bis zu seinem Geständnis nichts geahnt und bin daran völlig schuldlos. Alle meine Mühe. jetzt wenigstens nachträglich auch nur eine bestimmte That- fache zu erfahren, die von Thiel an Luppa berichtet worden wäre, ist bisher ohne Erfolg gewesen. Thiel selbst ist mir jede bestimmte AuSkunst hierüber schuldig geblieben. Dies ist in den entscheidenden Punkten, soweit er mich betrifft, der einfache und klare Sachverhalt im Falle Thiel. Ich habe dasjenige, was ich— und zwar nur als, e» n Rechtsbeistand— von seiner Thätigkeit im Falle CallieS erfahren hatte, nicht eher offenbaren d ü r f e n, als ich in der Strafsache wider ihn als Zeuge vemommen wurde und er mich auf mein ausdrückliches Verlangen von der Pflicht der Amtsverschwiegenheit entbunden hatte. Echlieblich noch eins: Ich weiß nicht, wer die böswillige Be- hauptung erfunden hat, daß ich im Prozeß Sternberg irgendwie und irgendwann auf Thiels V e r e i d i g u n g hingewirkt oder sie gar beantragt hätte. Diese Behauptung ist in der Gerichtsverhandlung eingehend erörtert und von allen Seiten, schließlich auch von Thiel, als unrichtig anerkannt worden. Ihre Wiederholung müßte ich da nach als eine bewußt wahrheitswidrige Verunglimpfung be- zeichnen. GroßeS Unheil richtete gestern nachmittag um 4 Uhr ein Brauereiwagen aus Weitzensee an der Ecke der Tiergarten- und Regentenstraße an. Borschriftswidrig schnell um die Ecke jagend, riß er den 47 Jahre alten Straßenrciniger Wilhelm Gundler' aus der Zietenstraßc 19 um, überfuhr ihn und zermalmte ihm den rechten Oberschenkel. Während ein Schutzmann sich des Verunglückten an- nahm und ihn mit einer Droschke nach der Charita brächte, suchte der Bierfahrer zu entkommen, indem er aus Leibeskräften auf sein Pferd einschlug. Dabei stieß er in der Regentenstraße nrit einer Droschke zusammen und überfuhr deren Pferd. Nun stürzten aber auch seine eignen Pferde, und so gelang es Straßen gängern und Polizeibeamten, ihn einzuholen und festzustellen. Die Tischler-