Nr. 7. Abonnements Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 fg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illuftrierter Sonntage Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 8,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Post Beitungss Preisliste für 1901 unter Br. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erfthelut täglich aufer Montage. Vorwärts Berliner Volksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions- Gebaye beträgt für die fechsgespaltene Rotonet zelle oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in berExpedition abgegeben werden. Die Erpedition ift an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: " Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, str. 1508. Quiffung. Jm Monat Dezember gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Mittwoch, den 9. Januar 1901. heiten in der Ausstattung mit Mitteln für den Wegebau; sie wird bemüht sein, dem Landtage noch in seiner gegenwärtigen Tagung eine entsprechende Vorlage zu machen. Die bei den Verhandlungen des Hauses der Abgeordneten über die Kanalvorlage Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Auffallend ist an der Thronrede, die den Schivung einer gerichtlichen Zustellung zeigt, vor allem die laue, fast gleichgültige Art, mit der die Sanalvorlage angekündigt wird. Die Staatsregierung giebt sich der Hoffnung hin, daß die erweiterte Vorlage Augsburg, U. durch G. 1. i. St. 20, Achim, rote Geburtsdie Zustimmung der Landesvertretung finden wird." Diefer matte tagsfeier 2, Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 4. Streis, Ost, 1000, Ton, nachdem die Regierung vor Jahren so gethan hat, als ob von dem ( darunter Statspiel- Versuchsanst. 3,60, Lese- i. Diskutierklub„ Avanti" 10,-). 4. Kreis, Südost, 1000,-( bar. von H. Brüdern 10,-, Stat- des Jahres 1899 ausgesprochenen Wünsche haben der Staatsregierung Schicksal des Kanals das Wohl und Wehe des preußischen Staats flub Namenlos 10,-) 5. Streis 100,- 6. Streis Rosenthaler Vor- Veranlaffung gegeben, einen neuen und erweiterten Plan aufzu- abhängt. Oder hat Graf Bütow etwa die Vorlage schon sicher stadt und Gesundbrunnen 500,-. 6. Kreis Wedding und Oranien- ftellen, der bestimmt ist, den Bedürfnissen der verschiedenen Landes- unter Dach und Fach gebracht? Haben sich ihm die bisherigen burger Vorstadt 900,-( barunter Lichtgeld vom Bau durch Gerisch teile der Monarchie auf dent Gebiete der Wasserwirtschaft durch Kanalgegner vielleicht um den Preis eines hohen Getreidezolls ver1,20. 6. Kreis Moabit 876,48( barunter J. G. 3,-, 2 Destreicher den Bau von Kanälen und Verbesserung der Flußläufe gerecht zu fauft? Haben sie ihm gar die kriminelle Bestrafung des und 1 Belgier-, 60.) Berlin, diverse Beiträge: Von Mitgl. d. U. Dr. werden. Der dem Landtag alsbald vorzulegende Gefeßentwurf kontrattbruchs ländlicher Arbeiter abgehandelt? Die in zwei Raten 8,30. Dr. L. A. 50, Gefangverein Sanges fügt demgemäß dem Rhein- Elbe- Kanal hinzu: den Bau eines Groß- Thronrede schweigt von dieser Vorlage, die der LandwirtschaftsIuſt I 6,- 2. 23. und 2. 2., Alexandrinenſtr. 27, 20, G. Dschiffahrtswegs von Berlin nach Stettin, die Herstellung minister im vorigen Jahre als sicher bevorstehend angekündigt hat. Honorar für ein Referat im Verein deutscher Schuhmacher am 27. 12. 1900, 6,-... 50,-. P. S., 50,-... 50,-. Jule, einer leistungsfähigeren Wasserstraße zwischen der Oder und der hält die Regierung fie als Stompensationsobjekt zurlick, um fie den Ritterstr. 85, 26,20. St. 50,-. A. Quast, Böchstraße, 4- eichsel und die weitere Regulierung der Warthe von braven Junkern, sobald sie über den Stock gesprungen sind, auf den Pfleglinge von Malchoto 4,80. Note Buchbinder, Grünstraße, 5,-. der Mündung der Netze bis Posen, die Verbesserung der Präsentierteller anzubieten? M. G. 2,-. Gasmesser Mariendorf 10,-. Tegel 71, 10,-. Vorflut in der unteren Oder sowie in der unteren Daß die Thronrede auch die herrschende Wohnungsnot. Stattlub Hurra 4,-. Ges. durch Frau Reich auf gemütlicher Sil- avel und den Ausbau der Spree. Zuni lebin den Kreis ihrer Betrachtungen ziehen würde, war vorausvesterfeier 3,75. Von den Mitgliedern der Gewerkschaft der Buch- haften Bedanern der Staatsregierung haben die Ermittelungen zusehen. Aber wie sie es gethan hat, das dürfte selbst druder im Vorwärts" 20,-. Von den Mitgliedern des Verbands darüber, ob und in welcher Gestalt der Masurische Schif- den bescheidensten Ansprüchen nicht genügen. Statt sich zu wirklich deutsch. Buchbrucker im„ Borwärts" 150,- Gracchus 8,-. Bremen, von Parteigenossen 300,-. Bern 50,-. Braunschweig, v. d. Gen. fahrts Kanal zur Ausführung zu bringen sei, noch nicht durchgreifenden Reformen zu entschließen, statt etwa auf dem Wege der Stadt Br. durch den Vertrauensmann D. 200,-. Buxtehude, zum Abschluß gebracht werden können, da über den wirtschaft der Landesgesetzgebung unfauberen Grundstückswucherern ihr Handvon den Alten durch Weber 3,-. Bochum, Wahlkreis durch den lichen Wert einer solchen Anlage in der Provinz Ostpreußen selbst werk zu legen oder den Gemeinden die Möglichkeit zur Ergreifung Kreisvertrauensmann 100,- Breslau, focialdemokratischer Verein noch gewichtige Zweifel bestehen und aus Rücksichten der Landes- wirksamer Maßnahmen zu geben, begnügt sich die Regierung mit 50,- Chemniß, 16. fächs. Reichstags- Wahlkreis in 2 Naten 300,-. fultur große, bisher nicht beseitigte Bedenken gegen den Bau er der Ankündigung eines lokalen Gesetzes, das im Wege töniglicher Charlottenburg, W. G. 5, Dresden, L. Sch. 1,-. Dresben, Gs hoben worden sind. Um die Werbefferung ber Waffer Verordnung auf ihren Antrag auch auf andre Gemeindent ist erreicht" 1000,-. Rosemann und Schneider 1,-. Delmenhorst, straßen zwischen Oberschlesien und Berlin weiter zu ausgedehnt werden tann. Auf das Gefeß selbst zurüc 2 Genossen 2 Elbthal, Unbekannt 10,-. Ellenfeld. B., fördern und die dafür geeigneten Mittel- Anlegung von Stau gutommen wird sich ja noch Gelegenheit bieten, i. gesammelt bei einem roten Schlachtefest durch M. 5,-- Erfurt, beden und teilweise stanalisierung oder Nachregulierung des Ober uns der angekündigte Entwurf im Wortlaut vorliegt. Wahlte. Erf.- Schleus.- Biegenrüd 25,- Faltenberg( Oberfchl.) 2Gaarden, von den Parteigenoffen d. d. Bertrauensman 50,-ftroms zu erproben, wird die Bewilligung eines hierfür aus eine aber läßt sich heute schon mit ziemlicher Sicher heit sagen, sagen, daß eine Beseitigung oder Milderung der Gera( Reuß) 100,-. Sastebt bei Bremen, von Parteigenossen 10- reichenden Betrags gefordert werden. Wohnungsnot von der preußischen Regierung auch nicht entfernt ins Auge gefaßt ist. Ueber die Kohlennot und den stohlen wucher äußert die Thronrede tein Wort! 2. " wenn Das Halle a. S., Parteibeitrag 300,-. Hartha 50,- Haßfurt Die Durchführung der erwähnten Projekte wird ein zusammen am Main, L. Richter 3, Hamburg, im Monat Dezember hängendes, die großen vaterländischen Ströme verbindendes in der Expedition des Echo" eingegangen 117,60. Jena, dritter Netz von Wasserstraßen schaffen und der Landeskultur wie den Berweimarscher Wahlkreis 30,- Lichtenstein- Sallenberg, v. d. Partei- fehrsinteressen dienen. Die Staatsregierung giebt sich der Je weniger die Regierung ihren Kulturaufgaben gerecht wird, genoffen, 20,- Lahr, Altvater 5, Landsberg a. W., Beitrag Hoffnung hin, daß die erweiterte Vorlage die Zustimmung um so eifriger ist sie auf der andren Seite auf eine Ausdehnung von einem aus dem Holzarbeiter- Verband ausgeschiedenen Mitglied der Landesvertretung finden wird. und Erweiterung der polizeilichen Befugnisse bedacht. Die Spree10,90. München, Waldläufer 5,- Nürnberg, socialdem. Verein Nürnb. Altb. 20, Ohligs, durch C. Sch. 30,- Oelsnitz i. B., Dem Landtag wird der Entwurf eines Gesezes, betreffend die Präfettur, die in den letzten Wochen wiederholt angekündigt und b. d. Parteigenossen durch den Vertr. 50,- Pforzheim, von Imlegung von Grundstücken ebenso oft dementiert ist, soll nun greifbare Gestalt erlangen. Der badischen Genossen 50,- Potsdam- Osthavelländischer Wahltr. durch in Frankfurt a. M. zugehen. Der Entwurf verfolgt im Anschluß Landtag wird um seine Mitwirkung zur völligen Bernichtung den Kreisvertr. P. in Velten 100,-. Pierwagen, A.. 2, an frühere Berhandlungen beider Häuser den Zwed, der in dieser der Selbstverwaltung Berlins gebeten. Dagegen erwähnt die Thronrede Schiffbeck, socialdemokratischer Verein durch H. Sch. 100, Stadt herrschenden Wohnungsnot durch die Schaffung von Bau- mit keinem Wort die in den jüngsten Prozeffen an die Deffentlichkeit Stuttgart, G. u. 10,-. Solingen, durch den Kreisvertrauensmann C. Sch. 100,-. Teltow Beestow Storlow- gelände abzuhelfen. Wenngleich die Vorlage sich zunächst nur auf gebrungenen fchweren Wißstände auf dem Gebiet der KriminalCharlottenburger Wahlfreis 1000,-. Torgau, Wahlkreis Torgau die Stadt Frankfurt a. M. bezieht, so erhält der Gesezentwurf, ber poltzet. An eine Reform der Kriminalpolizei wird also Liebenwerda d. b. Kreisbertr. 14,10. Wechselburg, Silvester- Aultion bom Provinzial- Landtage der Provinz Hessen- Naffau einstimmig ge- anscheinend nicht gebacht. billigt worden ist, dadurch eine allgemeinere Bedeutung, daß sein 3,60. Zabrze G. R. 1,50. Von den übrigen angekündigten Vorlagen ist nur noch die Berlin, den 8. Januar 1901. Geltungsbereich auch auf andre Gemeinden, falls Setundärbahn Vorlage und die zur Ausführung des dies von ihnen beantragt wird, im Wege fönig- Reichs Seuchengesetzes zu erwähnen. Von einer Besserlicher Verordnung wird erstreckt werden können. ftellung der kleineren Beamten, die trotz der allgemeinen Wenn hiernach eine für eine einzelne Stadt und ein bestimmtes Teuerung doch mit ihrem bisherigen fargen Gehalt auskommen Gebiet der Wohnungsfürsorge besonders dringliche Frage vorab müssen, von einer Hebung der Boltsschule, von einer Für zur Erledigung gebracht werden soll, so erheischt doch die Ge- forge für die staatlichen Arbeiter hört man nichts. Dafür staltung der hat Herr v. Miquel tein Geld- trotz der günstigen Finanzlage. Wohnungsverhältnisse, Zum Schluß fordert die Thronrede dazu auf, festzuhalten und namentlich in den dichtbevölkerten und überwiegend industriellen auszubauen, was in langer und schwerer Arbeit für Preußens Größe Gegenden weitere, die verschiedensten Gebiete kommunaler und und Wohlfahrt errungen ist. Stolz können auf die bisherigen staatlicher Fürsorge berührende Maßnahmen. Die Staatsregierung Errungenschaften in Preußen nur diejenigen sein, denen der äußere ist in der Erörterung darüber begriffen, welche Anordnungen Schein alles, der innere Wert aber nichts ist. 2Birklich groß aber Se. Majestät der Kaiser und König haben mich mit der Er- im Verwaltungswege zu treffen und welche einer gesetzlichen wird Preußen erst dann werden können, wenn die erste Vorauss öffnung des Landtags der Monarchie zu beauftragen geruht. Für den Parteivorstand: A. Gerisch, Kreuzbergstr. 30. Die preußische Thronrede. Der preußische Landtag wurde gestern von dem Reichsfangler Grafen v. Bülow durch Verlesung der nachstehenden Thronrede eröffnet: Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags! Die ist fortdauernd günstig. Finanzlage des Staats Das abgeschlossene Rechnungsjahr 1899 hat, ebenso wie die vorangegangenen Jahre, trotz des starten Steigens der Ausgaben auf allen Gebieten staatlicher Thätigkeit, einen beträchtlichen Weberschuß ergeben. Für das laufende Jahr darf ein Gleiches erwartet werden. Der Staatshaushalts- Etat für 1901, deffen Entwurf Ihnen alsbald vorgelegt werden wird, hält in Einnahme und Ausgabe das Gleichgewicht. Eine erhebliche Vermehrung der Einnahmen, zu welcher wie in den Vorjahren überwiegend die eignen Betriebsverwaltungen des Staats neben geSteigerten Steuereinkünften beitragen, hat es gestattet, dem Ausgabebedarf aller Verwaltungszweige in weiterem Umfange Rechnung zu tragen und insbesondere einmalige und außerordentliche Aufwendungen in reichlichem Maße vorzusehen. Die wirtschaftlichen und finanziellen Ergebnisse der Staats- Eisenbahnen find zufriedenstellend und auch für das nächste Jahr ist ein günstiges Resultat zu erhoffen. Zur Erweiterung und Vervollständigung des Staatseisenbahn- Netzes und aur Förderung von Kleinbahne Unternehmungen werden wiederum erhebliche Mittel von Ihnen er beten werden. Regelung zuzuweisen sein werden, um die hervorgetretenen Miß- feßung dazu erfüllt und der Junkerherrschaft ein Ende gemacht sein stände zu mildern und namentlich dem Wohnungsbedürf- wird, die zu brechen auch unter der Führung ruhmreicher Fürsten in nisse der minder bemittelten lassen bemittelten lassen nach zwei Jahrhunderten nicht gelungen ist. Möglichkeit abzuhelfen. Die Heranziehung gewerblicher Unternehmungen zu Vorausleistungen für den Wegeban foll für die ganze Monarchie thunlichst einheitlich und gleichmäßig geregelt werden. Ein hierauf gerichteter Gefeßentwurf wird Ihnen voraussichtlich noch in dieser Tagung unterbreitet werden können. Auf dem Gebiete des Medizinalwesens wird Sie eine Vorlage zur Ausführung des Reichs Seuchen gefeßes beschäftigen. Die besonders geartete Entwicklung der Haupt- und Residenzstadt Berlin und ihrer größeren Vororte, die bereits im vorigen Jahre zu einer umgestaltung der polizeilichen Verwaltung geführt hat, läßt eine den örltichen Verhältnissen angepakte Neuordnung auch auf den übrigen Gebieten der allgemeinen Landesverwaltung erforderlich erscheinen. Ihre Mitwirkung hierzu wird erbeten werden. Meine Herren! In wenigen Tagen werden zwei Jahrhunderte vollendet sein, feitdem das Königreich Breußen erstand. Diese Erinnerung mahnt uns, festzuhalten und auszubauen, was in langer Die Steigerung der und schwerer Arbeit, unter der Führung ruhmreicher Provinzialabgaben Fürsten, für Preußens Größe und Wohlfahrt errungen ist. Seine erfordert in Verbindung mit der durch Kreis- und Gemeindesteuern Majestät der König ist sicher, daß es hierzu an der hingebenden und hervorgerufenen Belastung die ernste Beachtung der Staatsregierung. verständnisvollen Mitwirkung des preußischen Volks und seiner verAuf eine Abhilfe hinzuwirken ist um so mehr geboten, als diese Be- faffungsmäßigen Vertretung niemals fehlen wird. lastung in den an sich wirtschaftlich schwächeren Landesteilen be Seine Majestät hofft, daß es mit Gottes Silfe Ihnen gesonders in die Erscheinung tritt und sich infolge der schwierigen Lage lingen möge, auch die bedeutsamen Aufgaben der kommenden Session der Landwirtschaft in verschärftem Maße fühlbar macht. Die zu glücklicher Erledigung zu führen. Staatsregierung beabsichtigt daher in Ergänzung der Dotations- Auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers und Königs erfläre ich gesetzgebung den Provinzen für bestimmte Zwecke weitere Staats- den Landtag der Monarchie für eröffnet. renten zu überweisen, insbesondere zur Ausgleichung der Verschieden Politische Neberlicht. Berlin, den 8. Januar. Der Reichstag hat die Hoffnung auf ein beschlußfähiges Haus, die der Präsident vor Beginn der Weihnachtsferien auszudrücken wagte, natürlich nicht erfüllt. Die erste Sigung im neuen Jahre fand vor ganz leeren Bänken statt. Nur einem paar Dutzend Abgeordneten konnte der Präsident seinen diesmal erheblich byzantinisch gefärbten Neujahrsgruß entbieten. der Die Neuordnung des Verlags- und Urheberrechts, die den Reichstag am Dienstag in erster Lesung beschäftigte, umfaßt zwei durchaus getrennte Materien. Die Verhandlungen boten deshalb im ganzen und in den einzelnen Reden ein recht unzusammen hängendes Bild. Bei dem Verlagsrecht handelt es sich um den Interessengegensatz stvischen Verlegern und Autoren, auch von den bürgerlichen Vertretern der der wirtschaftlichen Harmonie in diesem Falle zugegeben wird. Im Urheberrecht wieder kommt die Interessengemeinsamkeit zwischen Verlegern und Autoren bem Publikum gegenüber zum Ausdruck. Daß der Schriftsteller dem Verleger gegenüber der wirtschaftlich Schwächere. ist, bedarf keines Nachweises. Dennoch trägt der Entwurf diesem Gedanken so gut wie gar keine Rechnung. Und selbst wenn seine Bestimmungen viel durchgreifender wären, als sie es that fächlich find, wilrden sie doch in der Luft schweben, weil ihre Aufhebung burch besondren Vertrag Vertrag zwischen Verleger und Autor zulässig ist. Das Gesetz kann nur einen in seiner Wirkung sehr pessimistisch zu beurteilenden moralischen Einfluß auf die Verleger ausüben, beim Vertragsabschluß nicht allzu sehr von dem Recht des Stärkeren Gebrauch zu machen. Dazu kommt, daß die Verleger selber eine außerordentlich starke Organisation be= fizzen, die ihre Wünsche mit großem Nachdruck im Reichs- Justizamt vorzutragen verstanden hat. Den Schriftstellern selbst fehlt so gut gesagt worden, jedoch lohnt sich wohl noch daran zu er- Petersburg aus gleichzeitig eine europäische Tamerlan- Feier organia wie jede wirksame Organisation. innern, daß der glorreiche Beschluß nicht einmal ein sieren, für die sich auch in Deutschland ein Zweigkomitee bilden Mit vollem Recht forderte unser Genoffe Diez, der heute Originalgewächs, sondern eine verheuchelte Kopie eines von dem dürfte. Man plant zur finnigen Huldigung für den großen Eroberer für die Fraktion sprach, in einer fachkundigen Rede, in der er sich, feligen Nationalverein vor vierzig Jahren gefaßten Beschlusses ist. die Errichtung einer gewaltigen Schädelpyramide im Herzen der selber ein hervorragender Verleger ist, durchaus auf den Stand Aus genau denselben Gründen, um diplomatische Hin- und Her- von Europa, zu der das Material die frisch gedüngten Schlachtfelder punkt der produzierenden Autoren stellte, die Schriftsteller auf, sich facelei nicht durch ehrliche Arbeiterpolitit stören zu lassen oder von China und Südafrika liefern werden. Der Berliner Magistrat zu organisieren. Stein Interesse an dieser Organisation haben nur diplomatisch ausgedrückt, um sich nicht der Möglichkeit zufälliger, erwägt bereits die Verteilung einer Tamerlan- Festschrift und eine die 60 oder 70 stars( erste Größen), die von der Gunst des lesen die 60 oder 70 stars( erste Größen), die von der Gunst des lefenden Publikums getragen, den Verlegern ihre Bedingungen diftieren von lokalen Verhältnissen beeinflußter Majoritäten" auszusetzen, Tamerlan- Stiftung zu Zweden eines Asyls für invalide Kagen. verschloß der Nationalverein seine Thür den Arbeitern; nur Eine Umwälzung in der Marine- Artillerie fündigt der Mit beißender Ironie kritisierte Dietz einige merkwürdige daß er so ehrlich war, zu sagen:„ wir sind eine Bourgeois- Kieler Korrespondent des Hamb. Fremdenblatts" an. Die von dem Bestimmungen des Entwurfs; so den, daß der Fistus das Erbe flique und wollen es bleiben, und demgemäß die Arbeiter mit dem früheren französischen Kriegsminister Lockroy mitgeteilte Thatsache, eines ohne Erben verstorbenen Verlegers antreten solle. Sehr chnischen Hohnworte abzuspeisen, sie könnten sich ja, wenn sie daß es Strupp gelungen sei, 28 Centimeter- Schnellfeuer- Kanonen hers scharf wandte er sich gegen den Vorschlag, das Verlagsrecht an wollten, als geborene Ehrenmitglieder des Nationalvereins be- zustellen, ein technischer Erfolg, den man noch vor kurzem für uneinen Dritten übertragbar zu machen. Wenn es Herrn Sternberg trachten. fönnen. vor möglich gehalten habe, werde in furzem diese Umwälzung der artilleristischen Bewaffnung unsrer Marine nach sich ziehen. Lockroy irre jedoch, wenn er meine, daß diese Geschütze für die der Vollendung nahen Kreuzer bestimmt feien, denn in erster Linie würden mit ihnen die neuen Schlachtschiffe der Marine in Betracht kommen, welche jetzt als größte Geschüße mur 24 Centimeter- SchnellfeuerKanonen führten. einfiele, unter die Verleger zu gehen, was würde Herr Stöcker, so Hören wir darüber Herrn Sombart- Dennoch! in den Feuilletons, fragte er, dazu fagen, wenn der Verlag seiner Missionsschriften die er vor fünf Jahren zur Nasführung der deutschen Arbeiter verdurch Kauf in die Hände dieses Mannes gelangen würde. Für öffentlichte. Nachdem er das deutsche Bürgertum lang und breit notwendiger als die Neuordnung des Verlagsrechts bezeichnete unser heruntergeputzt hat, weil es eine seltsame Furcht Redner die Reform andrer Seiten der Gesetzgebung, die sich auf den dem roten Gespenst" hege, darüber„ Bürgerstolz und BürgerVerlag beziehen. Vor allem die Beseitigung der durch das jetzige trog" verliere und„ mitleiderregende Schriften" produziere, Brezgesetz geschaffenen Verantwortlichkeit des Verlegers und Druckers, benen„ jedes Verständnis für die Forderungen und Bewegungen der hat die Brandenburg"-Division bereits 28 cm- Geſchüße, die durch den Entwurf noch verschlimmert werden soll, indem es Proletariats" fehle, findet er den Gipfel dieser„ Unfähigkeit" in der nach der Vorlage den Verlegern unter Strafe verboten wird, an dem Wortlaut eines ihnen zur Veröffentlichung übergebenen Manuskripts etwas zu ändern. Die andren Redner aus dem Hause, die heute zu Worte tamen, Herr Spahn für die Centrumspartei, Herr Esche für die Nationalliberalen, Herr Dr. Arendt für die Freikonservativen und Herr Haußmann für die süddeutsche Volkspartei, beschränkten sich auf die Kritik einzelner Punkte des Entwurfs. Für die lebertragbarkeit des Verlagsrechts traten die Herren Spahn und Esche mit Gründen ein, die der schroffen römisch- rechtlichen Vorstellung von der freien Verfügung über das Eigentum entsprachen. Ein Regierungsvertreter nahm noch nicht das Wort. Herr Nieberding behält sich eine längere Rede zur Verteidigung des Entwurfs, an dem offenbar sehr viel juristischer Fleiß verwendet worden ist, wohl für Mittwoch vor, wo die Beratung fortgesetzt werden soll. Sie wird mit der Verweisung der Vorlage an eine Kommission enden, die heute schon beantragt worden ist. Auf die Tagesordnung gesezt ist die zweite Lesung der ersten Etatsteile, doch erscheint es zweifelhaft, ob man schon am Mittwoch damit wird beginnen können. Preußischer Landtag. 9 Beide Häuser des Landtags hielten am Dienstag kurze gemeinschaftliche Sigungen ab. Das Abgeordnetenhaus brachte das übliche Kaiserhoch aus und vertagte sich dann auf Mittwoch, wo das Präsidium gewählt und der Etat eingebracht werden soll. Das Herrenhaus war fleißiger; es begnügte sich nicht mit dem Kaiserhoch, sondern nahm auch noch den Namensaufruf vor und wählte sein bisheriges Präsidium wieder. Am Mittwoch wird sich das Hohe Haus mit der Frage der oftpreußischen Südbahn und mit der Zigeuner plage befassen. Anlaß dazu geben zwei Interpellationen der Herren Graf Klindowström und Graf Schlieben. Frösche. Es war einmal ein deutscher Dichter, der hieß Johann Wolfgang Goethe und versah im Nebenamte das Ministerium des damaligen Herzogs und heutigen Großherzogtums Sachsen- Weimar- Eisenach, das den gewaltigen Umfang von 66 Geviertmeilen und an Einwohnern vielleicht den sechsten Teil so viel wie die Stadt Berlin hat. Ueber die Zustände des von ihm regierten Lands schrieb Goethe am 17. April 1787 an seinen Freund Knebel:" So steig' ich durch alle Stände aufwärts, sehe den Bauersmann der Erde das nötige abfordern, das doch auch ein behaglich Auskommen wäre, wenn er nur für sich selbst schwigte. Du weißt aber, wenn die Blatt: läufe auf den Rosenzweigen fizen und sich hübsch dick und grün gesogen haben, dann kommen die Ameisen und saugen ihnen den filtrierten Saft aus den Leibern. Und so gehts weiter, und die haben's so weit gebracht, daß oben immer in einem Jahr mehr verzehrt wird, als unten in einem beigebracht werden fann." Goethe zielte damit auf die Vergnügungssucht und Berschwendung des damaligen Herzogs Karl August, dem eine liebedienerische Geschichtsschreibung den Nuf eines großartigen Mäcen zurecht gemacht hat. Als seine humanen Bestrebungen an der Unverbesserlichkeit dieses Landesvaters" scheiterten, verzichtete Goethe auf seinen Ministerposten, mit dem melancholischen Geständnis: Karl August hat mich nie verstanden" und dem noch pacenderen Stoßseufzer:" Der Frosch ist für's Wasser gemacht, wenn er gleich auch eine Zeitlang sich auf der Erde befinden kann." Goethe ist tot, aber seine Nachfolger Rothe, v. Pawell und v. Wurmb find am Leben, Nachfolger zwar nicht auf dem Parnaß, aber doch im Ministerium der Großmacht Sachsen- Weimar- Eisenach. Diese Herren veröffentlichen eine Proklamation des neuen Großherzogs, die in einem Stile abgefaßt ist, als schrieben wir nicht 1901, sondern 1787, wo deutsche Landesväter" ihre gehorsamen Unterthanen" wie Schlachtvieh an ausländische Militärdespoten verkauften. Es heißt in der Proklamation:" Zu allen Unsern treuen Unterthanen versehen wir Uns, daß sie das Andenken ihres dahingeschiedenen hochherzigen Landesfürsten dadurch hochhalten und bewahren, daß sie Uns, seinem Enkel und Nachfolger, dieselbe Ergebenheit und gleichen Gehorsam bezeigen." Da die Herren Rothe, v. Pawell und v. Wurmb auf die Ministerstühle eines deutschen Bundesstaats gelangt sind, so muß man bei ihnen ein gewisses Maß staatsrechtlicher Bildung voraussetzen, und da sollten sie doch wissen, daß es im Deutschen Reiche feine Unterthanen, sondern Staatsbürger giebt, die nicht den Fürsten, sondern nur den Ges fezen Gehorsam schulden. Statt Goethes melancholisches Wort gleich an seinem dunkelsten Ende zu bestätigen, indem sie mitten in den Sumpf mittelalterlichen Devotionsstils zurüdhüpfen, hätten die Herren Rothe, v. Pawell und v. Wurmb flüger daran gethan, durch die Wiederherstellung des verfassungsmäßigen Versammlungsrechts zu zeigen, daß sie sich auch eine Zeitlang auf der Erde befinden" fönnen. So ein hundert Jährchen blieben sie damit ja doch noch hinter der heutigen Zeitrechnung zurück. Nicht just um hundert aber doch um gute vierzig Jährchen ist am vorigen Sonntag ein Haufe höchst notabler Frösche in den Sumpf zurückgehüpft. Die„ Deutsche Gesellschaft für sociale Reform" hat den famosen Beschluß gefaßt, ihre irdische Dornenbahn damit zu beginnen, daß sie sich selbst kastrierte; auf Vorschlag des berühmten Herrn Sombart- Dennoch!, der es endlich aus sehr triftigen Gründen aufgegeben hat, die Arbeiter mit gleißnerischen Redensarten zu blenden und nun in dankenswerter Reue gleich ganz die Maske fortschleudert, die doch keinen Menschen mehr täuscht, hat jene Gesellschaft beschlossen, daß ihre Generalversammlungen teine bindenden Beschlüsse fassen dürften, da man sich nicht der Möglichkeit zu fälliger, vou lokalen Verhältnissen beeinflußter Majoritäten aus jezen wolle. Es ist darüber schon das Nötige an dieser Stelle " Antwort, die im Jahre 1862 eine Arbeiterdeputation aus Leipzig von den Führern des Nationalvereins erhalten habe. Hier meldete sich die Arbeiterschaft zur Teilnahme am politischen Leben; man wollte über die Form einer selbständigen Bethätigung ihrer Führer verhandeln und was wurde den Fragenden als Antwort zu teil? Daß die Arbeiter die geborenen Ehrenmitglieder des Nationalvereins seien." Nun, diese chnisch ehrliche Antwort gab der Nationalverein aus demselben Grunde, aus dem die.„ Deutsche Gesellschaft für sociale Reform" auf Vorschlag des Herrn Sombart- Dennoch! beschlossen hat, daß ihre Generalversammlungen feine bindenden Beschlüsse fassen dürfen. Glücklicherweise ist diese Politik um so unfähiger", je verheuchelter sie ist. Glücklicher oder auch unglücklicherweise! Denn wie der Nationalverein Hunderttausende deutscher Arbeiter zur Socialdemokratie bekehrt hat, so könnte die neugegründete Gesellschaft noch Tausende bekehren, wenn sie nicht ein gar so schwindsüchtiges Geschöpf wäre. Wir gönnen ihr gern größere Lebenstraft, als sie mit ihrem fläglichen Anfang bewiesen hat. Dann werden Herr Sombart- Dennoch und seine Kumpane den politisch noch nicht klaren Arbeitern in Deutsch land schon die Weisheit von Goethes geflügeltem Wort einpaufen: Der Frosch ist fürs Wasser gemacht, wenn er gleich auch eine Zeit lang sich auf der Erde befinden kann." 9 # Deutsches Reich. aber ohne Schnellfeuer- Einrichtung. Die Anwendung des 28 cmSchnellfeuer- Geschützes ist auf artilleristischem Gebiete ein ganz enormer Fortschritt, denn Deutschland gewinnt einen gewaltigen Vorsprung vor allen andren Seemächten, denn zur Stunde hat feine andre Seemacht der Erde die im Jahre 1896 in der deutschen Marine eingeführten 21 und 24 cm- SchnellfeuerKanonen sich zu eigen machen können. Die Vereinigten Staaten sind mit 20,3 cm- Schnellfeuer Kanonen noch am weitesten, Frankreich ist nur bis 16,5, England gar nur Welcher bis 15,2 cm schnellfeuernder Kanonen gekommen. Wert aber gerade den schnell arbeitenden Geschützen beigemessen wird, braucht wohl nicht näher ausgeführt zu werden. Die Treffficherheit bleibt sich gleich. Ob aber ein Geschütz in zwei Minuten einen Schuß abzugeben vermag oder in zehn Minuten nur einen, das ist ein ganz gewaltiger Unterschied." Welch ein Triumph der deutschen Mordindustrie. Die andren Mächte werden, falls sie Krupps neue Erfindung nicht nachmachen können, durch Vermehrung ihrer Schiffe den artilleristischen Vorsprung Deutschlands wieder auszugleichen versuchen, was natür lich wiederum nicht ohne Rüdwirtung auf Deutschlands Flotten rüstungen bleiben wird. Außerdem wird die Armierung mit den Schnellfeuergeschüßen größeren Kalibers sich schwerlich auf die neu vom Stapel zu lassenden Linienschiffe beschränken. Krupps neue Erfindung wird. deshalb schon an und für sich die deutschen Steuerzahler Millionen kosten. 10 396 Orden sind nach der„ Magdeb. Zeitung" im Jahre 1900 vom König von Preußen verliehen worden. Die goldene Hand. Die„ Dresd. N. N." erhalten von ihrem Die ,, vaterlandslosen Gesellen" als Germanisatoren. Londoner Korrespondenten Mitteilungen zu der Bestechungsaffaire Aus Straßburg i. E. wird uns geschrieben: Den Vätern der De Beers Company. Danach hat zunächst der Sekretär der sowohl wie den Nachbetern jenes vielgenannten Worts, das die Gesellschaft dem Korrespondenten in fehr auffälligen Formen erklärt, deutschen Socialdemokraten zu vaterlandslosen Gesellen" In strengstent daß in den Berichten der De Beers Company nichts von den behaupteten stempelte, ist ein schweres Mißgeschid widerfahren. Angaben enthalten sei und daß, wenn ein Geheimbericht Gegensatz zu ihrer Auffassung von dem mangelnden Empfinden neben den offiziellen Berichten kursiere, darüber nichts gesagt werden jener Rotte von Menschen, die nicht wert find, den Namen Deutſche würde, weil es eben ein Geheimbericht sei. Auf das dringende Er zu tragen", hat ein deutscher Professor an einer deutschen Hochschule suchen des Korrespondenten, doch eine absolut flare Auskunft zu den für die Feinde der Socialdemokratie geradezu niederschmetternde geben, verweigerte der Sekretär die Antwort. Entdeckung gemacht, daß die Socialdemokratie der einzige Macht: Damit hatte die Unterredung ihr Ende. Einige Zeit später ersuchte faktor im Reiche ist, dem es gelang, deutsche Kultur in die seit nuns aber der Vorsitzende des Aufsichtsrats der de Beers Company den mehr dreißig Jahren mit Deutschland vereinigten elsaß- lothringischen Korrespondenten um Entgegennahme folgender Erklärung: Lande zu tragen und dort das Wert der Germanisation, " Die ganze Bestechungsgeschichte ist rein erfunden. Die der Gewinnung der Bevölkerung für die Teilnahme am geistigen, De Beers Gesellschaft hat niemals irgend einer Zeitung focialen und politischen Leben des Reichs zu fördern. Der Unglüd direkt oder indirekt irgendwelche Zuwendungen gemacht, felige, der es wagt, den Vernichtern der Socialdemokratie in folch tolpelbesonders aber keinem deutschen Blatt, und die Gesellschaft hafter Weise das Konzept zu verderben, ist Herr Professor Wittich ist erfreut, daß die Köln. 8tg." durch die Anstrengung des Pro- von der schredlicher Gedanke! Kaiser Wilhelms- Universität zefses des Dr. Liman in die Lage gefeßt ist, die Grundlosigkeit Straßburg. In seinem bereits fürzlich erwähnten Aufsatz Deutsche des falschen Gerüchts öffentlich darzulegen. Der Sekretär der und französische Kultur im Elsaß", den die" Illustrierte Elsässische De Beers- Gesellschaft ist nicht ermächtigt gewesen, Ihrem Kor- Rundschau" gegenwärtig veröffentlicht, kommt er auch auf die respondenten die vorstehend mitgeteilte Erklärung abzugeben." wirtschaftliche Stellung der Altdeutschen im Die Angelegenheit wird durch diese Meldungen keineswegs flarer. Das Verhalten des Sekretärs der Gesellschaft erweckt mindestens erhöhtes Mißtrauen und es gewinnt den Anschein, als habe der Vorsitzende von der Auskunft des Sekretärs des Aufsichtsrats, nachdem er gehört, im Schreck über die Schlüsse, die zweifelsohne daraus ge30gen werden würden, sein Dementi erlassen. Dieses Dementi ist aber ebenfalls höchst bedenklich. Es spricht wiederum lediglich von " Zeitungen" und Blättern", die keine Bestechungsgelder empfangen haben sollen. Diese, wie es scheint absichtlich unbestimmte Bezeichnung läßt für alle möglichen sonstigen Vermutungen Raum offen." Scharfmacherei der Brotwucherer. In Ermangelung eines fleinen Attentats oder eines niedlichen Bombenschwindels versuchen die Treiber der Volfsausbeutung diesmal für ihre wucherischen Absichten die historische Auffassung der Socialdemokratie über die preußischen Fürsten und die Monarchie im allgemeinen zu verwenden. Die Herren find offenbar in großer Verlegenheit, wie fie den roten Schrecken fabrizieren sollen, in dem es sich am besten für die eigne Tasche arbeiten läßt. In der Not frißt der Teufel Fliegen, und so schreibt denn das offizielle Organ der konservativen Partei, für die der Monarchismus ja nur eine Bollfrage ist: Es ist ein bedeutsames Symptom von der Dreistigkeit und Ungeniertheit jener Richtungen, daß fie es wagen zu dürfen glauben, auch an diesem politischen Gedenktage, wie seiner Zeit an der Centennarfeier des großen Kaisers, die vaterländischen Gefühle des Volks zu verletzen und der Monarchie den Fehdehandschuh hinzuwerfen. In den Kreisen schlichter Leute wird man es nicht begreifen können, daß der König“ der: gleichen duldet; man wird an der Staatsgewalt, die nicht die Mittel hat, gegen solche Nichtswürdigkeiten und solche offenen antimonarchischen Kundgebungen einzuschreiten, zweifeln." Die schlichten Leute", wie sie sich die Konserb. Korrespondenz" denkt, haben es wohl noch weniger verstanden, wie der König" bulden" konnte, daß tönigstreue Männer in der Kanalfrage des von dem Monarchen verkündeten unbeugsamen Willens spotteten und fich gegen die Staatsgewalt und die monarchischen Kundgebungen offen auflehnten! Agrarischer Vorwit. Die Herren lindo w ström und Gen. haben dem Reichstag zum Etat des Reichskanzlers eine Resolution unterbreitet, in der eine den Agrariern günstige Neuregelung der Getreidefrachtfäße im zukünftigen deutsch- russischen Handelsvertrage gefordert wird. Es ist eine echt agrarische Ünverfrorenheit, bem Reichstag zuzumuten, schon jezt einen Teil des Schlußprotokolls des zukünftigen Handelsvertrags der Negierung aufzuzwingen. Vielleicht verlangen die Herren demnächst Sie Annahme einer Resolution, daß der Getreidezell nicht unter 7 oder 8 M. bleiben darf. Der Reichskanzler scheint den Herren Agrariern recht weit entgegengekommen zu sein, daß sie solche Zumutungen zu stellen wagen. Elsaß zu sprechen und stellt dabei fest, daß, im Gegensatz zum Unter- Elsaß, wo es verhältnismäßig viele altdeutsche Unternehmer in Industrie, Handel und Verkehr giebt, im Ober- Elsaß der erwerbss thätige Altdeutsche fast ausnahmslos mur als Arbeiter, nicht aber als Unternehmer an der Produktion und dem Eriverb beteiligt fei. Dann fährt der Herr Professor wörtlich also fort: " So wenig nun das Ansehen des Einzelnen in dieser namens losen Masse ist, so bedeutsam hat die altdeutsche Arbeiterbevölkerung des Oberelfasses als Ganzes in die sociale Entwicklung des Lands eingegriffen. Denn es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß das Eindringen der Socialdemokratie in die oberelsässische Arbeiterbevölkerung auf das altdeutsche Element in dieser Arbeiterbevölkerung zurückzuführen ist. Allerdings besitzt hier die Bewegung nicht die Stärke und Nachhaltigkeit wie in Altdeutschland. Wie die nach bielen Erfolgen erlittenen Wahlniederlagen im Sommer 1900 bewiesen, verhält sich die Masse der Arbeiterbevölkerung schwankend. Aber bernichtet ist die Socialdemokratie im Oberelsaß durch diese Niederlagen noch nicht. Höchstens tönnte man sie als den Anfang eines Niedergangs deuten. Aber darüber kann nur die Zukunft entscheiden. Sicher ist nur, daß die Socialdemokratie als ein Produkt deutschen Geistes von Altdeutschen aus Altdeutschland nach dem Oberelsaß gebracht worden ist, und daß fie dort in den zahlreichen deutschen Arbeitern ihre treuesten Anhänger gefunden hat und noch heute besitzt. Es ist ferner sicher, daß sie von zahlreichen Altelsässern mit größerer oder geringerer Nachhaltigteit aufgenommen worden ist. Man mag über die Socialdemokratie denken wie man will, sie ist unstreitig das einzige Produkt deutscher Kultur, das ein beträchtlicher Teil der oberelsässischen Bevölkerung freiwillig aufgenommen hat. Als solches Produkt deutscher Kultur übt die Socialdemokratie auch einen germanisierenden Einfluß auf die altelfäffische Arbeiterbevölkerung and. Der für dieselbe gewonnene Alt- Elsässer hört deutsche Redner, er lieft deutsche Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, er tritt mit deutschen Parteigenoffen in engern Verkehr, er gewinnt Intereffe für das wirtschaftliche, sociale und politische Leben in Altdeutschland. Grade der, trog aller gegenteiligen Versicherungen, specifisch deutsche Charakter der Socialdemokratie bereitet der Partei die größten Schwierigkeiten im Land und steht der nachhaltigen und allgemeinen Verbreitung der Lehre unter der altelsässischen Arbeiter schaft entgegen. Man stelle sich vor: Die Socialdemokratie nach dem Urteil eines deutschen Profeffors ein Produkt deutschen Geistes und deutscher Kultur, und als solches ein Förderungsmittel der Germanisation, der Verdeutschung Elsaß- Lothringens! Ünd dazu noch das einzige deutsche Geistes- und Kulturprodukt, das unsre wiedergewonnenen Brüder" freiwillig aufgenommen haben! Aber, Herr Profeffor! Welch' beschämendes Zeugnis stellen Sie damit in Ihrer echt echt professoralen Berstreutheit und Ungeschidlichkeit unfrem reichsländischen Dittaturregiment aus, das fcit nunmehr 30 Jahren mit all den Machtmitteln des preußischjunterlichen Polizeigeistes an der Germanisation Elsaß- Lothringens arbeitet! Also nichts, gar nichts ist bisher damit erreicht worden! Und was in dieser langen Zeit allen den großen und kleinen Butt Vor einiger Zeit würde Europa noch Anstoß an diese Kulturthat lammern im Lande nicht gelang, troß der außerordentlichen Ges des großen Timur genommen haben. Die gesittete Welt von heute walten", mit denen man sie ausgestattet hat, das soll in kaum einem Jahrzehnt denn länger kann bei uns von einer nennenswerten jedoch wird ein größeres Verständnis für die geschichtlichen, welt- socialistischen Propaganda keine Rede seinden vaterlandslojen politischen Notwendigkeiten haben als die fentimentalen Leute von Gesellen" gelungen sein, obwohl gerade fie die Wirkungen jener gestern, So wird man denn, wie man hört, von London und unbeschränkten Polizeigewalt am meisten zu spüren bekamen! Ein zeitgemäßes Jubiläum bietet sich im Laufe dieses Jahres den Festesfrohen dar. Es war vor einem halben Jahrtausend, als Timur Tamerlan Bagdad eroberte und bei dieser Gelegenheit 95 000 wehrlose Menschen abschlachten ließ. Das ist zu viel des Schmerzes, den Sie da unsren Gegnern zufügen, Herr Professor! Warum fühlten gerade Sie als erster sich zum Nacbweis dafür berufen, daß das bekannte„Schweincglück", das der Socialdemokratie im alten Jahrhundert lächelte, ihr auch in, neuen treu bleiben wird?— Chronik der MajestätsbcleidigungS- Prozesse. Ilm sich ein Unterkommen für die kalten Wintertage zu der- schassen, hat der„Arbeiter" Otto Pelz, der gestern vor der VII. Strafkammer des Landgerichts I Berlin stand, zu dem beliebten Mittel der Majestätsbeleidigung gegriffen. Der Angeklagte ist ein arbeitsscheuer Mensch. Als er wieder einmal beim Betteln abgefaßt wurde und nach der Polizei gebracht werden sollte, stieß er Schimpfworte gegen den Kaiser aus. Er erzielte dadurch, daß er eine Strafe von sechs Monaten Gefängnis und vier Wochen Haft erhielt.— Ausland. Qestreich-Ungarn. Selbstmord des früheren HandclömimsterS Bela LukarS. Der Exminister und Regierungskommissar für Ungarn auf der Pariser Weltausstellung Bela Lukacs hat sich am Dienstagnachmittag durch einen Sprung von der Franz Josephsbrücke in die Donau entleibt. Lukacs befand sich während der letzten Zeit in einer Nervenheil- austalt, ans der er entsprungen war, um den Selbstmord auszuführen. Seine Aufregung soll auf die, wie versichert wird, unbegründete Kritik der Presse an der finanziellen Seite seines Pariser Kommissariats zurückzuführen sein.— Nach Meldungen czechischcr Blätter beabsichtigt der Minister- Präsident v. Körber noch vor Zusamnientritt des Reichsrats niit den Deutschen und Czechen zu konferieren, um den nationalen Frieden herbeizuführen.— Schweiz. Zürich, 4. Januar.(Eig. Ber.) Ein doppeltes Gesicht zeigt das verflossene Wirtschaftsjahr. Auf der einen Seite eine so reiche Ernte der Land- und Obstwirtschaft, ivie. seit langen Jahren nicht mehr- auf der andren Seite der industrielle Niedergang mit Betricbseinschränkungen, Lohnrcduktionen. Arbeiterentlassungen, Arbeitslosigkeit, Not und Elend von Tausenden. Dieses Doppelgesicht offenbart deutlich die schlechte Ordnung des Kapitalismus und die Arbeitermassen könnten daraus viel lernen, vor allem das, daß sie nicht diennndeste Ursache haben, demselbenhelfend zur Seite zu stehen. Müssen sie sich doch jetzt schon vielfach dagegen wehren, daß ihnen der ohnehin nicht reichliche Arbeitslohn nicht noch weiter geschmälert wird. So brachten denn auch die letzten Monate des verflossenen Jahrs eine ganze Reihe von Abwehrstreiks und defensiven Lohnbewegungen. Im übrigen sind aus der Arbeiterbewegung keine besonderen Ereignisse zu erwähnen, weder aus der politischen,»och ans der getverkschaftlichen. Die vielfach mit hochgespannten Erwartungen be- schlossene Neutralität des Gewerkschaftsbunds hat sich als ein Schlag ins Wasser erwiesen, die katholischen Arbeiter kamen nicht nur_ nicht in die Gewerkschaften, ihre Führer find im Gegenteil seit Monaten mit größter Rührigkeit am Werke, den be- stehenden Arbeiterorganisationen Konkurrenzvereine entgegenzusetzen, die von katholischen Geistlichen und Schwestern sorgsam gepflegt und von geriebenen Unternehmern großmütig unterstützt werden, da sie den Vorteil dieser katholischen„Theile- und Herrsche-Politik" für sich sofort herausznsinden"verstehen. „Feinde überall!" Das ist die Signatur der Lage, in der sich die schweizerische Arbciterbeivegung befindet. Demgegenüber heißt es, mnso rühriger und beweglicher zu sein, um alle Hindernisse zu überwinde». Frankreich. Ihren Kampf gegen die Regierung führen die Nationalisten zur Zeit rinter Ausspielung des französisch-russischen Bündnisses fort. Im„Echo de Paris" sagt heute ein angeb- licher Russe, der Zar fei trotz der zudringlichen Einladung der Re- gierung nicht zur Ausstellung gekommen, weil er die Hand einem Manne, wie dem jetzigen M a r i n e m i n i st e r L a n e s s a n. nicht reichen könne, der seiner Zeit in einer Volksversammlung die Mörder Alexanders II. gerühmt habe. Kriegsminister Andrö strebe zur Zeit den zweijährigen Heeresdienst an, um sich beliebt zu machen, gehe aber die Maßregel durch, so werde der Vertrag mit Rußland von selbst hinfällig.— Spanien. Die Partei der republikauischen Föderalisten in Madrid hat an die Kammern eine Kundgebung gerichtet, in welcher beantragt wird, Spanien solle sich der ersten Forderung nach einem Schieds- gericht in Sachen des südafrikanischen Kriegs anschließen, möge diese von Holland oder irgend einer andren Nation ausgehen. Sollte eine solche Forderung aber nicht gestellt werden, so müsse Spanien dazu die Initiative er- greifen.— Der Scuat nahm die Beratung der Vorlage, betreffend das Abkommen mit den Inhabern der äußeren Schuld' wieder aus. Der Finanzminister legte dar, daß die Regierung gesetzmäßig verfahren habe. Die Beratung wird morgen fortgesetzt! In der Kammer erklärte Silvela, die konservative Partei müsse am Ruder bleiben, uni das Werk der nationalen Wiedcrcrhebuug zu sichern und die Militärfrage zu lösen.— Der Boeren- Krieg. Weitere Ausbreitung der Boeren. Eine Boerenabteilung von 1500 Mann steht nach einer Meldung der„Daily Mail" aus Magersfontein 4 Meilen nördlich von Sutherland, etwa 100 Kilometer südwestlich von Fräser- bürg. Vermutlich wird es zwischen diesen und den bereits bei Piq'uetberg angelangten Boeren und zwei Kapstädtischen Frei willigencorps, die schleunigst gebildet und gegen Piqnetbcrg vorgerückt sind, demnächst zu einem Zusammenstoß kommen. Die in C a l v i n i a eingetroffene Boerenabteilung wird bereits in Elan William<100 Kilometer nördlich von Piquetbcrg und nur 50 Kilometer von der Westküste) erwartet. Auch diese' Abteilung dürfte im Fall eines Angriffs der Engländer mit den beiden andren Corps zusammen operieren. In Calvinia, Clanwilliam. Malmesbury, Tulbagh, Paar! und Stellenbosch ist das Kriegsrecht verkündet worden. Während die Boeren dergestalt fast die ganze Käpkolonie occupiert und die Engländer unter Preisgabe aller andren Orte sich auf die Punkte an de» Bahnlinien konzentriert haben, muß sich das Kriegsamt damit begnügen, einen angebliche» Erfolg in Transvaal zu verkünden. Nach einem Telegramm aus Johannesburg vom 7. Januar marschierte General Babington am 6. Januar aus Ventersdorp mit etwa 1500 Mann nordwärts und stieß fünf Meilen südlich von den M e g a I i e S b e r g e n bei Naauwpoort und Randfontein auf den Feind unter D e l a r e h. Der Feind wurde aus Witewatersrand vertrieben, von Babington bei Naauwpoort und von Oberst Gordon bei Randfontein und 15 Meilen weit verfolgt; der Feind schien etwa 800 Man.» stark zu sein. Wie wenig dieser„Erfolg" bedeutet, beweist folgendes spätere Telegramm: Boerenabteilungen unter Delarey. Steenkamp und B o s h o f f zeigten sich in bedeutender Stärke am 1. Januar in der Umgebung von Büffel spoort, ihre Zahl wurde ans ZOvtt geschätzt. Paget und andre Truppenteile rückten aus. um die Boeren zu umgehen und abzuschneiden. Diese zogen sich zurück, die Mehrzahl' rückte durch Breedtnek. Es scheint sicher zu sein, daß der Feind in diesem Gebiet bedeutende Ver- stärkungen aus Waterberg erhalten hat. Ein Kaffern- Häuptling meldet, daß 3000 Boeren durch die Zoutpans- d r i f t nach den Magaliesbergen vorgerückt sind. Die Magalies» berge selbst bieten dem Feind große Vorteile, ihr Besitz ist 1000 Mann wert. Da Delarey bei seinem kürzlichen Siege bei Nooitgedacht (MagalieSberg) über 2500 Mann verfügt haben soll, kann sich der„Kampf"' Babingtons nur auf eine Unterabteilung DelareyS be- ziehen, die infolge ihrer Minderzahl einem ernstlichen Zusammenstoß einfach ausgewichen ist. Dieser Erfolg ist also ein sehr zweifelhafter. Nach den jetzt vorliegenden offiziellen Angaben be- trugen übrigens die englischen Verluste bei Nooitgedacht annähernd 300 Mann. Es sind im Kampfe gefallen S Offiziere und 63 Mann. verwundet 11 Offiziere und 183 Mann. 18 Mann werden noch vermißt. Die englischen Gesamtvcrlustc beziffern sich nach der am 4. Januar vom Kriegsamt veröffentlichten Statistik bis Ende Dezember auf 12128 gefallene oder gc- storbene Offiziere und Mannschaften; die Zahl der als In- valide nach Hause geschickten Offiziere und Mannschaften beläuft sich auf nahezu 381000; was diese Ziffern z» bedeuten haben. wird recht klar, wenn man in Betracht stellt, daß die Kriegsstärke der Boeren zn keiner Periode des Kriegs höher als 45 000 Maiin war. In Ermangelung kriegerischer Aktionen versucht es England jetzt fortgesetzt mit NcbcrredungSkünsten. So„verlautet" aus Bloemfontem, daß eine aus einflußreichen Personen bestehende F r i e d e n S k o m n, i s s i o n in Bildung be- griffen sei, um De Wet, Steijn und andre Boerenführer im Oranje-Freistaat aufzusuchen, denselben die Bedingungen der Proklamation Lord Kitcheners in Bezug auf'die' frei- ivillige Ergebung der Burghers auseinanderzusetzen und sich zu bemühen, dieselben zur Ucbergabe zu überreden. Wenn die Boeren mir daran dächten, sich unter liebenswürdigem Zureden die Waffen ans den Händen winden zu lassen, würden sie schwerlicki in die Kapkolonie eingefallen sein, das sollte doch auch Lord Kitchener einsehen._ Nsrkei-MNitzvichtVN. Arbcitersekretariate. Nachstehend veröffentlichen wir die Adressen der zur Zeit in Deutschland errichteten Arbeitersekretariate. Die Veröffentlichung soll periodisch erfolgen; jedesmal bei Beginn eines neuen Quartals. Wir ersuchen die Interessenten, uns in der Vervollständigung des Verzeichnisses zu unterstützen und von einer Adreffenändenrng uns rechtzeitig Kenntnis geben zu wollen. Arbeitersekretariäte bestehen in: Alten bürg stock Honorar für ihre Thätigkeit als Privat- detektivin erhalten hat. Die Hauptverhandluiig ergab auch noch weiter, daß Dr. Rosenstock selbst intime Be- Ziehungen zu Frau Thiel unterhalten hat. Das Landgericht hat jedoch nicht als festgestellt erachtet, daß Dr. Rosenstock Frau Thiel gerade zum Ehebruch verleiten ivollte. Es hat deshalb den Wahrheits beweis als nicht erbracht angesehen und verschiedene Beweisanträge der Angeklagte» abgelehnt. Hauptsächlich über die in dieser Ab- lehnung der Beweisanträge liegende Beschränkung der Verteidigung beschwerten sich die Angeklagten in ihrer Revision. Das Reichs- gericht e-tsprach dem Antrage des Reichsanivalts und erkannte wie vorhin angegeben. In der Urteilsbegründung wurde betont, daß es für den Wahrheitsbeweis nicht darauf ankomme, sämtliche juristischen Thatbestandsmerkmale der Kuppelei nachzuweisen. Es genüge, wenn die behaupteten Thatsachen sich an der Grenze besten bewegen, was im Volke als Kuppelei angesehen wird. Unter der Anklage der versuchten räuberischen Erpreffung stand gestern der Anwaltsschreiber Hans K a l l w e i t vor dem Schwurgericht des Landgerichts I. In der Nacht zum 11. März hatte der 19jährige Angeklagte mit zwei Freunden eine Schankwirtschaft in der Andreasstraße in angetrunkenem Zustande verlassen. Auf der Straße trafen sie einen jungen Menschen, der in- folge eines verkrüppelten Beins mühsam einherhumpelte. Der Ange klagte fragte ihn, woher er komme und wohin er wolle. Der Gefragte er- widerte treuherzig, daß er aus Oberschlesien sei, in Hannover gearbeitet habe, dort zu Schaden gekommen sei und nun nach der Heimat zurückkehren wolle. Er sei auf dem Lehrter Bahnhof angekommen und wolle nun nach dem Schlesischen Bahnhof, um weiter zu reisen. Auf weiteres Befragen gab der Fremde an, daß er gegen 13 Mark Geld bei sich führe. Der Angeklagte erbot sich, ihn auf dem kürzesten Wege zum Schlesischen' Bahnhof zu führen und der Fremde,' der Arbeiter Pschichon, nahm das Anerbieten mit Dank an. Die Freunde des Angeklagten hatten sich in- zwischen entfernt. Kallweit führte nun den Pschischon kreuz und quer durch mehrere Straßen. Dem letzteren fiel es schließlich auf, daß die Gegend immer einsamer wurde. Er fragte seinen Führer, wo sie sich befänden. Nun sprang der Angeklagte plötzlich vor ihn, zog einen Revolver aus der Tasche, richtete die Waffe gegen Pschichons Brust und rief ihm zu:„Verfl... Hund, Dein Geld will ich! Gieb es her oder Du bist eine Leiche!" Pschichon bewahrte die Geistesgegenwart. Mit raschem Griff packte er den Arm des Bedrohers und bog ihn beiseite. Es entstand ein heftiges Ringen, während Pschichon fortgesetzt um Hilfe schrie. Es kamen zwei Herren hinzu, die auf de» Angeklagten einHieben, als sie sahen, daß er mit einer Schußwaffe hantierte. Der Angeklagte ergriff die Flucht, wurde aber von einem entgegenkommenden Schutzmann auf- gehalten und dann zur Wache gebracht. Dem Beamten fiel es auf, daß fich bei dem Sistierten plötzlich die Anzeichen hochgradiger Trunkenheit bemerkbar machten. Der Beamte hielt dies für Heuchelei. Im Verhandlungstermin behauptete der An- geklagte. daß er thatsüchlich sinnlos betrunken gewesen sei und von dem ganzen Vorfall nichts wisse. Der Staats- anwalt wies darauf hin, daß der Angeklagte die begreifliche That wohl unter dem Einflüsse des Alkohols begangen haben könne, aber gegen die Sinnlosigkeit spreche sein ganzes Verhalten. Der Spruch der Geschworenen lautete auch auf Schuldig im Sinne der Anklage unter Zubilligung mildernder Umstände, worauf der Angeklagte zu neun Monaten Gefängnis verurteilt wurde.'_ Versammlungen. Eine«mfferordentliche Mitgliederversammlung der Etueea- teure vom 3. Januar beschäftigte sich mit der jüngsten Lohnbewegung bei den Firmen Jäckel und Hänska. Hänska hat inzwischen die Forderung, Accord zu arbeiten, zurückgezogeu, Jäckel aber alle Unter- andlungen mit der Lohnkommisfion schroff zurückgewiesen. Die Kollegenschast ist sich darüber einig, daß mit dieser Aussperrung Bresche in die Errungenschaften der letzten Jahre geschlagen werden oll, und auch andre Firmen sogleich die Accordarbeit wieder ein- ühren würden, wenn es in diesem Fall gelingt. Die Ausgesperrten ind entschlossen, unter keinen Umständen nachzugeben. Folgende Resolution wurde angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit den ausgesperrten Kollegen der Finna Jäckel solidarisch. DeS weiteren verpflichten sich die Anwesenden, mit aller Energie für die Durchführung der Lohnarbeit einzutreten." Hierauf beschloß die Versammlung, eine Anzahl Kollegen auf 2 Jahre aus dem Verbände auszustoßen, weil sie als Streikbrecher gearbeitet haben. Der Untcrstützungsverein der Fensterputzer hielt am Januar 1901 bei Busle, Grenadierstr. 33. seine Mitglieder- Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stand u. a.'„Warum müssen sich die Arbeiter organisieren?" Das Referat hierüber hatte Genosse Wels übernommen,. der in trefflicher Weise eine Be- antwortung der Frage gab. Sodann erledigte die Versammüing einige interne Bereinsangelegenheitcn. Der Verband der Bau-, Erd- und gewerblichen HilfS- arbeiter nahm in der Mitgliederversammlung am 7. Januar den Kassenbericht vom 4. Quartal 1900 entgegen. Danach beträgt die Einnahme 2958,24 M., die Ausgabe 2293,83 M. Das Guthaben bei der Hauptkaffe beziffert sich auf 600 M., der Lokalkassenbestand ist 364,36 M. Hierauf sprach Theodor Metz n er über das Thema: Die Krisen, ihre Ursachen und ihre Wirkungen.— Nach Erledigung innerer Angelegenheiten erfolgte Schluß der Versammlung. Johannisthal. Am 6. Januar hielt der socialdemokratische Verein für Johannisthal und Niederschönweide seine Generalver- sanimlung bei Seuftleben ab. Zu dem Bericht des Vorstands wies der Vorsitzende Claus darauf hin, daß im vergangenen Quartal 5 Versammlungen und eine Generalversammlung stattgefunden haben. Zur Zeit zählt der Verein 54 Mitglieder. Der Kaffenbericht ergab eine Einnahme von 03,10 M. und eine Ausgabe von 16,55 M., sodaß ein Bestand von 81.55 M. verbleibt. Der Bibliothekar klagte wiederum über die schwache Benutzung der Bibliothek. Hierauf beschloß man einstimmig den Anschluß an den Centtal- Wahlverein für Teltow-Beeskow-Charlottenburg. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl des Vorstands wurden gewählt: Claus und Mann zu Vorsitzenden, Schirmhoff zum Kassierer, Swiatkowsky zum Schriftführer, Krüger zum Beisitzer, Mertins zum Bibliothekar. Als Revisoren wurden Piilicke, Düring und Braun bestimmt, während die Zeitungsspedition sich in den Händen des Genossen Mann befindet. Zu Lokalkommisstons- Mitgliedern wurden die Genoffen Mann und Düring gewählt. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner. Mittwoch, den 9. Januar 1901, abends 8»/, Uhr Generalversammlung in®. Feuersteins Festfiile», Alte Jakobstr. 7b. Landsleute sind willkommen. China. Eine neue Intervention Amerikas? „Daily Mail" meldet aus Washington, die amerika» nische Regierung habe den Vertretern der Mächte vorgeschlagen, die Friedensverhandlungen in Washington fort- zusetzen. Man glaubt, daß dieser Vorschlag von russischer Seite inspiriert worden ist. DaS Schicksal der Note ist noch immer unentschieden. Der französische Minister deS Auswärtigen Delcassv teilte zwar im Ministerräte mit, daß der Kaiser Kwangfü seine Zustimmung zu der Note erklärt habe, auch sollen sich die chinesischen Unterhändler abermals bereit erklärt haben, die Note zu unterzeichnen, jedoch erst dann, wenn der Vertrag ihnen vorliege. Die Mächte verlangen aber gerade, daß die vorläufige Note unterzeichuet werde, während Tsching und Li-Hung-Tschang stets von dem definitiven Friedensvertrag spreckcii. Weniger optimistisch als Delcaffs beurteilt der aus Peking nach Rom zurückgekehrte Gesandtschaftsattachö Herzog Caetani die Lage. Derselbe erklärte in einem Interviews der Friede mit China werde Europa noch schwere Sorgen bereiten. Auch die „Haupträdelsführer" sind noch keineswegs der ihren zugedachten Strafe verfallen.--- Nach einer weitereu Shanghaier Meldung befindet sich der General Tungfuhfiang in Ning-Hia, an der Grenze der Mongolei. Er steht in ständigem Verkehr mit dem Prinzen Tuan. Zur Lage in Schantung. Waldersee sprach dem Gouverneur Juanschikai von Schantung telegraphisch seine Anerkennung für die Energie ans, mit welcher derselbe die Deutschen in Schantung beschützt habe, und sicherte ihm zu, daß dieDeutschen nicht zum Zweck von Repressivmaßregeln in das Gebiet Juanschikais einrücken werden. Boxerjagdrn werden fortgesetzt. General-Feldmacschall Graf Waldersee lehnte es ab, dem Ersuchen der chinesischen Friedensbevollmächttgten nachzukommen, von jeder militärischen Operation während der Verhandlungen ab- zustehen. Ein Telegramm aus Peking vom 6. Januar besagt, Graf Waldersee habe sich geäußert, das Ersuchen Chinas durch seine Vertreter an den ausländischen Höfen, daß die militärischen Operationen eingestellt werde» sollen, könne gegenwärtig nicht bewilligt werden. Waldersee habe hinzugefügt, es seien keine Expeditionen ohne Grund aus- gesandt worden. Dorthin, wo blutige Auftritte und Unordnung vor- gekommen seien, hätte man Truppen abgeschickt, um einzuschreiten. als das einzige Mittel, weitere Ausschreitungen zu verhindern! die Expeditionen seien nicht zu Strafzwecken erfolgt, sondern lediglich, um polizeiliche Thätigkeit auszuüben und Leben und Eigentum zu schützen._ Uehke Nachvichkett und VepeflLzen. Rcichsratö-Wahlen in Ocstrcich. Resultat der heutigen ReichSratS-Wahlen in den Land- gemeinden: In Oberöstreich find 7 Kandidaten der katho- tischen Volkspartei geivählt; der Besitzstand bleibt nn- verändert. In Steiermark sind 3 Kandidaten der katholi- scheu Volkspartei, einer der deutschen Volkspartei, 3 Slovenen ein Bauernbüudlcr gewählt i aus einem Wahlbezirk fehlt das Resultat noch. Die katholische Vollspartei verliert das Judenburger Mandat an die Bauernbündler. In Mähren sind gewählt 7 Jung- czechen, 1 klerikaler Czeche, 1 deutscher Kompromiß-Kandidat. In Znaim ist eine Stichivahl erforderlich. In Neutitfchei» und Ölmütz verlieren die Juiigczechen und die Christlichsocialen bisher je 1 Mandat. Aus Böhmen sind von 30 Wahlen bisher 22 Resultate bekannt: gewählt sind 6 Deutschradikale, 7 Jung- czechen, 6 czcchische Agrarier. 3 Deutschfortschrittliche. Die Jung« czechen verlieren bisher 5 Mandate an die Agrarier, darunter das Jiciner-Mandat, welches bis jetzt Kramarsch' innehatte, der aber nicht wieder kandidierte. Die Deutfchfottschrittlichen verlieren das Karlsbader, Leitmeritzer und Trautenauer Mandat an die Deutschradikalen. Unter den Wiedergewühlten befinden sich Schönerer. Edard Gregr und Pacal. Stichwahlen sind in Böhmisch» Leipa und Krumau notwendig. In Meran kandidiert für die morgigen Landgemeiude-Wahlen für die Konservativen an Stelle des zurückgetretenen Kandidaten Trogmann der Baron Dipauli. Wien, 7. Januar.(W. T. B.) Der aus Steiermark noch ausständige Bezirk wählte den konservativen Kandidaten wieder, sodaß also dort vier Anhänger der katholischen Volkspartei geivählt sind. Die Landgemeinden Böhmen? ergeben einschließlich der Sichwahlen folgendes Gesamtresultat: 11 Jungczechen, 7 Dentschfortschrittliche, 6 czechische Agrarier. 6 Deutschradikale. Die Jungczechen verlieren 5 Mandate, die Deutschfortschrittlichen verlieren 3 Mandate und gewinnen eins von den Christlich-Socialen, die Agrarier gewinnen 5, die Dcutschradikalen gewinnen 3 Mandate. In Mähren ergaben die Stichwahlen in Neutitschein und Olmütz die Wiederwahl der bisherigen Abgeordneten von der deutschen Vollspartei. Haniburg, 8. Jamiar.(W. T. B.) Im Prozeß der Post« und Telegraphen-Afsisteuten(Albrecht und 40 Genosien) in Hamburg gegen de» Reichspostfiskus hat, wie der„Hamburger Korrespondent" meldet, der RcichspostfiskuS gegen das zu Gunsten der Kläger lautende Urteil des hauseattschen Ober-LandeSgerichts Revision beim Reichsgericht eingelegt. Frankfurt a. M., 8. Januar.(B. H.) Die„Frankf. Ztg." meldet aus New gork: In Rochester ist in der vorigen Nacht das Waisenhaus niedergebrannt, wobei zwei Frauen und 17 Kinder ge« tötet und 7 Personen schwer verletzt wurden.— Nach einer der „Frankf. Ztg." aus London zugehenden Privatdepesche ist dort die Meldung eingettoffcn, daß bei dem Brande deS Habbel Park-Waisen- Hauses gcgeu 20 Insassen umgekommen und über 100 verletzt worden sind. Kopenhagen» 3. Jamiar.(W. T. B.) Wie„RitzauS Bureau" erfährt, hat der zuständige Ausschuß des Senats in Washington be- schloffen, die Ratifikation einer zwischen der dänischen und der amerikanischen Regierung abgeschlosseneu Zollkonventto« betreffend die westindische Insel St. Croix zu empfehlen. Paris, 8. Januar.(W. T. B.) Senat. Senator Wallon, welcher als Alterspräsident den Vorsitz führt, drückt in seiner Be- grüßungsansprache den Wunsch nach Wiederherstellung des Friedens unter den Franzosen aus. Die Wahl deS Bureaus wird am Don- nerStag stattfinden. PariS, 8. Januar.