99 Nr. 28. Erscheint täglich außer Montag& Abonnements Prets für Berlin: Bierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Belt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 30 Mr.pro Quartal. Unter Kreuzs end: Deutschland u. Desterreichgarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. ader Post- Zeitungs- Preislifte für 1892 unter Nr. 6652, Vorwärts 9. Jahrg. Snfertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Baum 40 Pfg., für Vereins unb Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr Abends, an Sonnund Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. Sern( pred- Anschluß: 3mt VI, Nr. 4106. Berliner Bolksblatt. Bentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Beuth- Straße 2. Windmühlenkampf. Donnerstag, den 28. Januar 1892. Expedition: Beuth- Straße 3. " das sich liebelos für eine Million hingiebt, nicht um gegen Unflätherei. Hier lag eine bestimmte, greifbare, Ieben, sondern um vornehm"," standesgemäß" leben zu konkrete Handlung vor die gepackt werden konnte. Der Sinn für's Lächerliche ist weiten Kreisen der Be- können, steht moralisch weit tiefer, als das Weib, das sich Und sie wurde gepackt. Doch völkerung leider abhanden gekommen. Das wird in diesem um ein paar Groschen hingiebt, um I e ben zu können, d. h. Wie wo ist die Unsittlichteit?" Augenblick recht lebhaft bewiesen durch den internationalen um nicht zu verhungern. ist dieses Abstraktum zu faffen? Wer will es faffen? Feldzug gegen die" Unfittlichkeit"( Prostitution, Zuhälter- Also die Prostitution, welche getödtet werden soll, be- Wer kann es faffen? Bismarck, der in seinen hohen thum u. f. w.) Wenn vor 150 Jahren irgend ein Minister steht darin, daß ein Weib seine Liebe, oder richtiger seinen Rürassierstiefeln hinter den sozialistischen Ideen herlief, um das Pech gehabt hätte, auf einen so windigen Windmühlen- Körper, verkauft. Und das soll heute bestraft werden, wo die sie einzufangen und dabei zu Fall fam, hat keine lächerfampf zu verfallen, er wäre von Voltaire moralisch Geld- und Konvenienzheirathen in der„ guten" Gesellschaft die lichere Rolle gespielt, als Diejenigen spielen werden, die geschunden und der dritten Abtheilung des Pantheons der Regel sind, und wo Jemand, der dieser Form der jetzt in den Krieg gegen die Unfittlichkeit ziehen wollen. Unsterblichkeit einverleibt worden. Es giebt nämlich drei Prostitution sich widersett, aus seiner Klasse Was sie auf dieser Wildgans Jagd) fangen werden, das Sorten der Unsterblichkeit und drei Abtheilungen des verstoßen wird? Und diese Gesellschaft, die wissen wir nicht. Gewiß nicht die Unfittlichkeit. Und ebenso Bantheons: die Unsterblichkeit des Schönen und Guten, ihren Mitgliedern erlaubt, sich Maitressen nach Herzenslust gewiß nicht die Sittlichkeit. die Unsterblichkeit der Infamie und die Unsterblichkeit des zu halten, sie aber verstößt, sobald sie das Verbrechen einer Lächerlichen und jede hat ihre eigene Abtheilung, und in Liebesheirath" begehend. h. einer Heirath, die keine der dritten sind die, welche sich unsterblich lächerlich gemacht. Konvenienzheirath ist, diese Gesellschaft der ProHeute haben wir keinen Voltaire, aber desto mehr Kan stitution soll Gesetze erlassen gegen die Prostitution? " bibaten für die dritte Abtheilung des Pantheons. Das Man greift fich unwillkürlich an den Kopf. Und dabei Politische Uebersicht. 0 Berlin, den 27. Januar. Lächerliche scheint auf gewisse Leute eine anziehende, statt wollen wir gar nicht von den anderen Seiten, Formen eine abstoßende Kraft auszuüben. Vor dreißig und vierzig und Eigenschaften der Prostitution reden, durch welche Jahren schon war in England das social evil das soziale fie fich flipp und klar als organischen Theil der respektablen, Der zweite Berathungstag des VolksschulUebel", d. h. die Prostitution und die Prostituirten das hochachtbaren, bürgerlich adlig kapitalistischen Gesellschaft Gesetzes gehörte Herrn Eugen Richter. So spannend Lieblings- Steckenpferd aller Muthigen, die vor der Lächer- bekundet und kennzeichnet. und geschickt auch die Rede war und so weit sie auch die lichkeit keine Furcht hatten. Welch' gewaltigen Lärm voll- Mit dem zu hälterthum ist's eine kaum minder übrigen Reden überragte, ihr fehlte die Kraft und Ent führten sie, und wie mächtig hoben fie aus zu zermalmenden bedenkliche Sache als mit der Prostitution. Ist das Buhälter- schiedenheit, mit der man den Ansturm auf den letzten Rest Schlägen- der Lärm ist vorüber, die Schläge sind in die thum etwa auf die Kreise der niedersten Dirnenkreise bes der Gewissensfreiheit und der geistigen Entwickelung ab Luft gegangen und das social evil lebt, wächst, blüht und schränkt? Das zu behaupten wäre ein großer Frrthum zuweisen hat. Bei solchen Kämpfen giebt es keine andere gedeiht. Vor einigen Jahren, als Stead seine Auf- oder eine arge Heuchelei. Was ist ein Buhälter? Ein und würdigere Vertheidigung als den Angriff. Es handelt fäße über den Jungferntribut" schrieb, entstand Individuum, das von der Prostitution eines Mädchens sich denn doch um etwas mehr als eine kleine gleichgiltige wieder ein gewaltiger Lärm und wieder ward ausgeholt oder einer Frau Vortheile zieht. Was will aber der ge- Plänkelei. Was hilft es, der Reaktion Widersprüche nach: zu zermalmenden Schlägen, und ganz mäuschenstill strenge Richter antworten, wenn ein" Buhälter", dem er in zuweisen. Sie weiß, was sie will, und läßt den Gegnern gingen die Unfittlichkeitstödter nach Haus, denn sie hatten fittlicher Entrüstung ein paar Jahre Gefängniß auf- gerne den logischen Sieg, wenn sie ihren Willen nur durchsich überzeugt, daß die von Stead enthüllten Greuel zubrennen im Begriff steht, ihn anredet: setzt. Die Berufung der Regierung auf die oktroyirte Verfassung überall obwalten und, freilich mit dem Feigenblatt Gleiches Recht für Alle! Ich gebe zu, daß ich nicht von 1848, die 1849 von einem auf Grund eines oftroyirten konventioneller Heuchelei zugedeckte parties honteuses*) der fittlich" gehandelt habe. Allein, wenn ich strafbar bin, Wahlgefezes gewählten Landtag noch weiter ins Reaktionäre Der groteste Mißerfolg hat nicht abgeschreckt. Das bann muß auch Herr von X. und Herr von Y., und dieser revidirt und in welcher ein Unterrichtsgesetz verheißen Lächerliche muß für viele Leute einen unwiderstehlichen und jener vornehme Herr, die Ihnen sämmtlich bekannt war, erscheint nach 42 jähriger Unterlassung wenig ernst zu Bauber haben. In England, Frankreich, Deutschland ist sind, bestraft werden, denn diese Herren haben ihre blühen- nehmen. Herr Richter hat ganz Recht, wenn er darauf man jetzt daran, die Unfittlichkeit" gesetzgeberisch zu den Töchter um blankes Gold an reiche Wüstlinge verkauft hinweist, daß die Verfassung ein Gesetz verheiße, welches tödten das heißt, man sagt fo ob's Giner glaubt, und sich dadurch ihre Stellung in der„ Gesellschaft" erhalten. ben gesammten Unterricht regele, während das vorliegende daß sie zu tödten" sei, das möchten wir wirklich bezweifeln Es ist wahr, die blühenden Töchter wurden verheirathet, Gesez nur die Volksschule behandle. Aber was hilft ihm trotz alledem. indeß daß die Ehe zur Beschönigung und dieses Recht haben? Die Regierung wählt sich den ihr Die„ Unsittlichkeit" tödten! Ja, aber was ist Unfittlich- Sanktionirung der Prostitution miß- passenden Zeitpunkt, um gefeßlich die Voltsschule zu teit? Unfittlichkeit ist die Prostitution. Gut. Und was braucht wird, das dünkt mir eher ein erschwerender, feffeln, wie sie es in der Praxis auch ohne Gesetz bisher ist Prostitution? Daß ein Weib seine Liebe verkauft. als ein mildernder Umstand." gethan hat, und sie wird bei passender Gelegenheit auch hat auch Recht in dem Meisten, was er über die Ueberer über wie der Prostitution. Und es giebt eben so viele Formen des Zuhälterthums, lieferung der Schule an die Kirche, was das Verderbliche des konfessionellen Charakters der Schule spricht, aber es führt zur Beschönigung des wie der Prostitution. Herr von Chirac mit seinem weiblichen Mitschwein in man das jetzige Schulgesetz gewissermaßen als etwas unAls dieser Tage das antisemitische Schwein bisherigen thatsächlichen reaktionären Schulregiments, wenn respektablen bürgerlichen Gesellschaft sind, die sich ihrer flatschte ganz Frankreich in die Hände. Das Urtheil war*) Englisch Wildgoose- Chase Jagd auf wilde Gänse, schämt, aber ohne sie nicht sein fann. vielleicht nicht logisch, aber es war ein gesunder Protest die bekanntlich hoffnungslos ist. Wohlgemerkt: verkauft. Das heißt, sich ohne Liebe- Was könnte der Richter antworten? Nichts. Oder das Ihrige thun betreffs der höheren Schule. Herr Richter preisgiebt um Geld, Rang, sonstige Vortheile. Und wenn es um wenig Geld und geringe materielle Vortheile geschi eht, ist die Unmoralität doch sicherlich drum nicht größer. Im Gegentheil die Aermlichkeit und Armuth sind schuldmindernde Momente. Das Weib der guten Gesellschaft, Theile, Dinge, deren man sich schämt. Feuilleton. Nachbruck verboten.]• Am Webstuhl der Zeit. [ 23 Sophismen. Baris zu 15 Monaten Gefängniß verurtheilt wurde, Geschwätz unbehelligt fortsetzen lassen; so aber fühlt man sich einmal Ihren Berufskreis ins Auge faffen. Wenn der schwach und will durch künstliche Mittel die Achtung erzwingen. Staat von jedem geschlachteten Rind einen gewissen SteuerDazu hält man eine Armee von Schullehrern und Geist betrag erhebt, so bezahlt den nicht der Schlächter, sondern lichen, die Alle nach der Schablone auf die Geister von das Publikum, welches dem Schlächter ablauft; denn der Kindern und Erwachsenen einwirken müssen, wenn sie nicht Erstere schlägt die Steuer auf den Preis der Waare: das von Amt und Brot gejagt sein wollen. Und weil das Pfund Fleisch, welches Sie kaufen, toftet infolge dessen so Alles jetzt nicht mehr ausreichen würde, hält man große und so viel mehr, und da die Zahl der Unbemittelten die stehende Heere und unterstützt Alles mit dem Bajonett. So weitaus größte ist, so müssen auch die Unbemittelten den ist es schließlich immer wieder der Beweis der Gewalt, weitaus größten Theil der Steuer bezahlen. Der Schlächter welcher Recht behält. Und da zuweilen die unterdrückten schlägt auch einen Theil der Steuer auf die Haut des Thieres, Diesem System entsprechend werden die Gesetze nach Klassen denselben Beweis durch Tumult und Aufruhr 5. h. er zieht ihn von dem Gerber ein. Der Gerber belastet den Bedürfnissen der Bevorrechtigten eingerichtet und anzutreten versuchen, so muß man von Zeit zu Zeit die den Schuhmacher, der Schuhmacher seine Kunden. Wer bezurechtgedrechselt, und damit ja die große Masse stehenden Heere vermehren. Wir haben jetzt in Europa zahlt also die Schlachtsteuer? Der arme Bigarrenmacher damit nicht einverstanden sein sollte, es vermeidet, an beinahe vier Millionen Soldaten zur Aufrechterhaltung ebenso gut, wie der reiche Bankier. diesem Werke zu rütteln, werden wieder besondere Gesetze der Ordnung". Und woher nimmt man die Soldaten? Zeitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster. zum Schutze dieser Gesetze gemacht, und das geht so weit, Selbstverständlich auch aus den Reihen Derer, die mit dem womit jedoch nicht behauptet werden soll, daß nicht viele „ Das ist, Herr Draht, das Wesen der indirekten Steuer, daß man selbst mißliebige Aeußerungen über dieselben bestraft. herrschenden System nicht einverstanden sind. So wird ein womit jedoch nicht behauptet werden soll, daß nicht viele Wenn Herr Draht einen Schuh gemacht hat, welcher drückt, Theil der Armen bezahlt, um den anderen Theil zu über unter dem Titel" direkte" laufende Steuern diefelbe Wirdann ist dem Besteller oder Eigenthümer unbenommen, wachen mit dem Gewehr in der Hand. Und wer bezahlt tung haben. Bei der Grundsteuer z. B. wird der Betrag weiblich über die schlechte Arbeit zu schimpfen und zu diese Heere? Der Arbeiter und immer wieder der Ar- auf den Preis der Bodenprodukte und auf die Miethen ge räfonniren, ja er tann sogar die Zahlung dafür beiter." beanstanden. Wenn aber die Juristen ein faules Gesetz erWenn es nicht in der That und Wirklichkeit so wäre, funden haben und es findet die Genehmigung Derer, die barüber zu befinden haben, so muß man es nicht nur be- würde man es für unmöglich halten, so widerfinnig, so folgen, sondern sogar mit Achtung besprechen, selbst wenn fabelhaft kommt es Einem vor, wenn man es sich recht veres Biele schädigt und nach einigen Jahren wieder aufge- gegenwärtigt," meinte Barth. Nun, ganz so, wie Herr Frank es hinstellt, ist es doch hoben werden muß. Und doch, wie in aller Welt kann sich Jemand herausnehmen, dem Andern zu verbieten, nach wohl nicht," warf Meister Draht bescheiden ein. seiner ihm eigenthümlichen Weise etwas zu besprechen? Vermögenden müssen doch viel mehr Steuern bezahlen, Würden die Gesetze durch den Willen der Mehrheit von als wir." " schlagen. Nun stellen Sie sich einmal vor, der Staat muß wegen vermehrter Militär- Bedürfnisse Anleihen machen. Millionen werden gebraucht. Der Staat bekommt sie geliehen, weil er die meisten Garantieen bietet. Was ist die Folge solcher Anleihen für unproduktive Zwecke? Das Gelb wird schwerer erreichbar für produktive Anlagen. Um die benöthigten Darlehen zu erhalten, muß man höhere Zinsen und Ber" Die mittelungsgebühren anbieten, und da ist es wieder der Kapitalist, welcher gewinnt. Kurz, Sie können die Sache ansehen, wie Sie wollen, von oben oder unten, fie anfassen an jedem beliebigen Punkte, es ist eine Schraube ohne Ende, es kommt immer wieder auf dasselbe heraus." allen Staatsangehörigen festgestellt, so würde man nicht so" Nicht so viel, wie Sie sich vorstellen, Herr Draht," iel Ursache haben, über ihre Mangelhaftigkeit zu klagen, entgegnete der Schriftsteller. Es fehlt Ihnen die Kenntniß und die wenigen Räsonneure würde man ihr unschädliches von dem Wesen und Wirken der Steuer. Lassen Sie uns # " Ja, und das Ende," rief Frank. Was wird das erhörtes und Neues hinstellt, von dem ans erst die Reaktion ausgehe. Herr Richter ruft seinen Gegnern zu:„Wenn Sie den konfessionellen Standpunkt so betonen, dann kommen Sie zur konfessionellen Armenpflege, zu konfessionellen höheren Lehranstalten, ja schließlich zu konfessionellen Truppen." Damit scheint Herr Richter zu meinen, den Vogel ab- geschossen zu haben. Aber, Herr Eugen Richter, wo leben Sie denn? Als ob das, was Sie erst kommen sehen, nicht schon lange soweit ausgebildet worden ist, daß zur Vollendung kaum mehr als das Tipfelchen auf dem i fehlt. Selbst, was solche Heiterkeit erregte, der Hinweis auf konfessionelle Truppen der Zukunft, ist heute bereits verwirklicht. Oder meinen Sie, Herr Richter, daß ein Lieutenant in der preußischen Armee möglich wäre, der nicht der Konfession angehörte, der vielleicht Dissident oder Frei- dcnker wäre? Wir leben thatsächlich in einem konfessionellen Staate. Oder Herr Eugen Richter, können Sie uns im ganzen preußischen Staate einen Volks-Schullehrer 'der einen Geistlichen an einer Landeskirche rennen, der es offen erklärt, daß er nicht an die über- ratürliche Geburt Jesu glaube? Sie können uns keinen nennen; und wäre er noch so freisinnig-protestantenvereinlich, am Sonntag verliest er doch öffentlich das apostolische Glaubensbekenntniß. Was heute die Reaktion wagt, vermag sie nur infolge der Feigheit und Schwäche des bürgerlichen Liberalismus, der es zu danken ist, daß der Konfessionalisnuls von der Reaktion als Standpunkt der ganzen Ration mu wenigen Ausnahmen hingestellt werden kann. Wie viele Leute giebt es denn wohl in Berlin und in anderen Städten, die auf dem Boden de? apostolischen Bekenntnisses stehen? Und im Reichstage selbst— wie steht es mit dem konfessionellen Glaiiben der meisten Abgeordneten? Aber die liberalen und freisinnigen Herren lieben es wohl, sich im intimen 'kreise oder im Verkehr unter sich als Freidenker zu zeigen, so wie es sich aber um das Volk handelt, um die Religion, die dem Volke erhalten werden soll, dann verschließen sie ihr Freidenkerthum in dem innersten Schrein ihres Herzens. Wie die Redner des ersten Tages, so stellte sich Herr Richter persönlich als gleichfalls auf dem Boden des RonfesstonaliSmus stehend hin. Wo der gesammte bürgerliche Liberalismus seinen religiösen Freisinn verbirgt, da kann denn auch Herr Stöcker sich als den Mann de? Tages betrachten. Nachdem der Kultusminister Nichtssagendes Herrn Richter erwidert, trat Herr Stöcker auf, mit dem ganzen protzigen Hochmuth des pfäsfischen Zeloten, als der Bannerträger des herrschenden kirchlichen Regiments. Herr v. Kardorff suchte noch ein wenig Kulturkampf zu treiben; von der Freigebung der Privatschulen befürchtet er nicht nur, daß die Ultramontanen sie sich nutzbar machen werden, sondern daß auch die Sozialdemokraten, die be- kanntlich das meiste Geld hätten, die großen Städte mit sozialdemokratischen Privatschulen überziehen werden.— Herr v. Bennigsen wird von Herrn Eugen Richter in der„Freisinnigen Zeitung" heftig poussirt. Die„Kreuz- Zeitung" nimmt ihn stark in's Gebet wegen seiner Rede bei der EtatSberathung im Abgeordnetenhaus, in welcher er gegen das Volksschul-Gesetz alle Liberalen, auch die Freisinnigen„auf die Schanzen" rief. Dieser Ruf hat freilich so wenig zu bedeuten, als der gleiche Ruf, den seiner Zeit Herr v. Forckenbeck erhob, und ebenso wie dieser wird sich Herr v. Bennigsen baldigst wieder hinter die Schanzen zurückziehen. Die„Kreuz-Zeitung" thut, als ob sie den Ruf Bennigsen's ernsthaft nehme und fragt, wie diese Drohung sich mit der Stellung desselben als Oberpräsident vertrage. Herr Eugen Richter, dem der Bennigsen'sche Lockruf es angethan hat, wirst sich nun zum Ritter Bennig- sen's auf. Am Tage nach der Benuigsen'schen Landtagsrede erwiderte er den Lockruf Bennigsens» mit den Worten: „Zwischen der natioualliberalen Partei und uns giebt es Fragen, in denen wir als Parteien einander an: nächsten stehen, vielleicht im Abgeordnetenhause noch mehr als hier." DaS Letztere hat seinen guten Grund, nämlich in der Rücksicht auf die Wahlen. Bei den Wahlen zum Reichstage gilt das allgemeine gleiche Stimmrecht, und die Rücksicht auf den Stimmenfang der Massen nöthigt die Freisinnigen, im Reichstage den Mund zeitweise recht voll zu nehmen und den Radikalen herauszubeißen. DaS ist im Abgeordnetenhause nicht nöthig, denn da gilt das Kliffen- Ende solcher Zustände sein müssen? Stellen Sie sich nur einmal vor, was unsere Arbeiter schaffen! Sonst beliebte man, wenn man aus die Roth der arbeitenden Klassen zu sprechen kani, zu sagen:„Ach das faule Volk ist genuß- süchtig, lüderlich und arbeitsscheu!" In beinahe allen modernen Kulturländern ist man sogar zuweilen daran gegangen, sie zusammenzuschießen, weil sie sich nicht mehr ruhig ausbeuten laffen wollten; und Gott weiß, wie weit die Rachsucht der erschreckten Bourgeoisie in Paris nach Niederwerfung des Kommunc-Ausstandes ge- gangen wäre, wenn nicht die heikle Frage: wen beuten wir aus, wer arbeitet dann für unS? die vom Blut berauschten Köpfe wieder ernüchtert hätte. Machen Sie sich einen Be- griff von der Arbeitsleistung der arbeitenden Klaffen. Nehmen Sie einmal Alle weg, die nichts arbeiten, so vor allen Dingen die Reichen, welche bloS von den Zinsen ihrer Kapitalien leben; bedenken Sie, daß der Kaufmann nichts produzirt, daß das Heer von Beamten, Geistlichen, Advo- katen u. s. w. keine neuen Werthe schafft; daß die große tälfte des Menschengeschlechtes, die weibliche, zum guten heile außer Stande ist, sich ausreichend zu erhalten; daß die Kinder ernährt werden müssen, die noch nicht arbeiten können, es auch nicht sollen, daß für die Kranken, Krüppel und Invaliden gesorgt werden muß, und machen Sie sich daraus ein Exenipcl, wie groß der Prozentsatz Derer sein kann, denen die ungeheure Aufgabe zufällt, sich und die Anderen zu ernähren, die Bedürfnisse des Staates zu decken und trotzdem auch noch den sogenannten Nationalreichthum zu vermehren. Und doch würde das Exempel noch lange nicht stimmen, wenn Sie außer Berechnung ließen, daß man gerade aus diesen Ernährern Aller die Tüchtigsten aus Jahre für militärische Zwecke herausnimmt, so daß sie die große Arbeitslast noch vermehren müssen, statt sie erleichtern zu Helsen. Was für Zustände'." „Ja, und umi noch dabei zu denken," fiel Lange ein, „daß dieser abnorme Zustand, der schließlich nur zu einer entsetzlichen Revolution zu führen droht, bei einigem guten Willen oder durch Rückkehr zu natürlichen Grundsätzen vermieden werden könnte, doch, trotz aller warnenden An- zeichen drohender Gefahr, ausrecht erhalten wird unter den Wahlrecht, da geben die besitzenden Klaffen den Ausschlag, und da kommt es darauf an, deni ehrsamen Bürger und Philister, dem die Angst vor allem Radikalen in den Glie- dern steckt, das beruhigende Gefühl seiner staatsmännischen Mäßigung beizubringen. Wer im Reichstage noch mit Wasserstiefeln auftritt, versieht sich im Abgeordnetenhause daher mit Wadenstrümpfen. Das ist der Sinn der Eugen Richter'schen Worte.— Also es kriselt auch in Preußen, wie wir gestern schon andeuteten. Herr Miquel hat parlamentarische Reminiszenzen gehabt und seine Demission eingereicht— sie ist inveß noch nicht angenommen, und es wird wohl auch nichts weiter daraus werden. Ter bei uns herrschende politische Marasmus ist so groß, daß es zu einer recht- schaffenen Krise gar nicht mehr kommen kann. Zwar reden fortschrittliche Blätter von einer„Scheidung der Geister", die sich anläßlich des Volksschul-Gesetzes vollziehe, allein wir sehen weder die„Geister" noch die„Scheidung". Wenn die„Kreuz-Zeitung" in einem Augenblick mucke- rischer Ekstase den Abgeordneten Bennigsen mit den„Juden und Judengenossen" zusammenkoppelt und zum Gegenstand eines fxommen Tenunziatiönchens macht, so hat das doch blos eine psychiatrische— d. h. den Irrenarzt angehende— Bedeutung, und erscheint als wesenlose, schattenhafte Halluzination gegenüber der Thatsache, daß die Kreuz- zeitungsleute und die Bennigsen'sche» Jahre lang im „Kartell" Hand in Hand gegangen sind— und, unter dem Zwang der Verhältniffe, auch demnächst wieder zusammen- gehen werden. Die„Scheidung der Geister" heißt, in das Deutsch der praktischen Politik übersetzt: Krakehl der Kartellbrüder. Und Kartellbruder schlägt sich, Kartellbruder verträgt sich — das wissen wir aus alter Erfahrung. Das Volksschul- Gesetz wird„amendirt" werden, d. h. die Benuigsen'schen werden mit einigen Phrasen zufrieden gestellt, die Scheidung der Geister endet mit einen: faulen Kompromiß, und Herr Miquel bleibt im Amte.— Ei» warmes Herz fiir die Kinder offenbarte der preußische Kultusminister in der gestrigen Sitzung des Ab- geordnetenhause», indem er den zwangsweisen Religions- Unterricht der Kinder auch gegen den Willen der Eltern vertheidigte. Er sagte: „Ich weiß mich frei davon, einen Zwang ausüben zu wollen: ick, will nur die Wohlthat, die mir widerfahren ist, auch den Kindern zu Thetl werden laffen, denen keine Mutler die Hände zum Gebet gefaltet hat." Bsneüm non obtruduntur! Wohlthaten werden nicht mit Gewalt aufgedrängt. Wenn Herr v. Zedlitz dankbar der Wohlthaten, die er als Kind erfahren, gedenkt, so möge er sich auch der Wohlthat erinnern, stets gute Nahrung, warme Kleidung, freundliche Wohnung und liebevolle Pflege erhalten zu haben, und möge er dafür sorgen, Zustände zu schassen, in denen die Wohlthaten, die er empfangen, auch den Kindern der Arbeiter von ihren Eltern gewährt werden können. Tie„Wohlthat" der Zwangs- Religion werden ihnen die hungernden Kinder und deren Eltern sehr gerne schenken!— Die Antisemiten unter sich. In Leipzig, wo die Jndenhctz-Gcsellschaft ihr Hauptquartier aufgeschlagen hat, seit ihr Zuhälter Bismarck sie nicht mehr in Preußen be- schützen kau», sind die„Führer" der sauberen Sippe arg aneinander gerathen uno einer derselben, ein gewisser L u ck o, hat soeben eine Broschüre mit Enthüllungen ver- öffentlicht(„Ein Jahr im Zentrum der deutsch-sozialen Partei"). Für den Kenner des Antisemitismus bringt Herr Lucka nichts Neues— Schmutz, Schmutz und nichts als Schmutz. Amüsant ist das Urtheil, welches der bekannte, einst wild-antisemitische Wilhelm M a r r fällt. Der- selbe schreibt in einem Brief vom Juli deS vorigen Jahres: „Im Uebrigen, nachdem wir von liavv und hoc geplaudert haben, lasse» Sie mich in Ruhe mit der„Juden- frage". Ter moderne Antisemitismus— rsoto Fabrikgeschäfts- schwindel-Antisemitismus ist für mich„gegeuslandslos" ge- worden. Er belügt sich selbst, um andere zu belügen und zu be- schwindeln. Er bläht sich auf, wie der Frosch in der Fabel und wird wie dieser platzen. Seufzern und Thräneu einer mißhandelten Menschheit! Möchte man da nicht mit Donner und Blitz in«ine solche Staatsmaschine einschlagen? Aber Herr Frank, Sie waren wohl mit den nöthigen Darlegungen der Situation zu Ende und wollten mit einem praktischen Vorschlage enden?" „So ist es in der That; doch muß ich befürchten, die Ermartnngeu zu hochgespannt zu haben; denn wenn ich die Größe des Nebels bedenke, wie es sich mir gkeichsain wie von selbst jetzt vor Augen gestellt hat, so erscheint mir das Auskunftsnüttel, welches ich Ihnen empfehle» wollte, viel zu klein, und ich muß mir schließlich sagen, daß nur im Großen und Ganzen durch den Slaat, d. h. durch die Ge- sammtheit der Staatsbürger, geholfen werden kann." „Lassen Sie sich trotzdem nicht abhalten, mit Ihrem Vorschlage herauszutreten," mahnte Lange. „Das will ich auch nicht; denn ich mußte mir auf der anderen Seite sagen, daß wir mit dem bloßen Wünschen und Begehren, Agitiren und Belehren auch nicht zum Ziele gelangen. Praktische Versuche müssen daneben hergehen; es wird imS und Anderen dadurch Viele» klar werden; und wenn ich auch glaube, daß kein wirklich ge- bildeter und aufgeklärter, kein gerecht denkender und wahr- hafter Volksfreund den Bestrebungen der arbeitenden Klassen zur Hebung ihrer Lage fernbleiben kann, so wird doch das praktische Beispiel, die tyatsächliche Beweisführung für die behaupteten Möglichkeiten wesentlich zur Unterstützung der resormatorischen Bestrebungen beitrage». „Was das Auge sieht, das glaubt das Herz", heißt's beim Volke; und darum, meine Herren, benützen wir unser zufälliges Miteinanderbekauntwerden an diesem Orte dazu, um mit ungeheurer Ironie an einem solchen Brennpunkte moderner sozialer Zustände dem Zeitgeiste ein Schnippchen zu schlagen. Gründen wir eine» Verein für's Leben, eine Brüderschaft zu gegenseitiger Unterstützung und Förderung, auf Grundlage des ersten, einfachsten, gerechtesten und natürlichsten Gesellschaftsvertrages, wie wir uns denselben im Anfang« vorgestellt haben. Und so weit ist, Gott sei Dank, die heutige Gesellschaft noch nicht verschroben, daß ein Gesellschastsvertrag, wie ich ihn vorschlagen will, kri- Sei ihm die Erde so schwer als möglich, daß er sobald nicht wieder ausstehen kann." Und in einem anderen Briefe: „Ich bin ein alter Parteigänger, aber nie habe ich meht Erzschelmenbande gefunden als unter den heutigen Geschäfts-Antisemiten. Das aber dürfen Sie privatim er- klären, daß ich nach dreißigjährigem Judenkrieg mich mit Ekel bis zum Erbrechen abwende von dem ganzen hentigen Geschästsschwindel-AntisemittsmuS. Ich werde diese Behauptung nicht widerrufen."— Ter Präsenzstand der himmlischen Heerschaare» ist nach dem wohlunterrichteten Dichter der„Kreuz-Zeitung" trotz der überall vermehrten Heeresmacht, derselbe wie vor tausend Jahren geblieben. Auch heute läßt sie zum Schutze des Kaisers von des Himmels reisigen Schaaren nur Zehn- tausend zur Rechten, Zehntausend zur Linken anfmarschiren. Ter Militarismus säicmt also nur auf Erden die Eigenschaft zu haben, den„Pr«stnzstand" immer und immer zu ver- mehren.— Lieber Hirsche als Menschen. In kapita- l i st i s ch e n Blättern finden wir, ohne irgend ein Wort des Kommentars, folgende Notiz: „In Schottland sind seit 1883 2Va Millionen Acres Land für Jagdzwecke in Hirschparks umgewandelt worden, auf denen Jagdliebhabern zu enorm hohen Preisen die Erlaubniß zur Jagd ertheilt wird. Es lohnt sich für die Grundbesitzer besser, c�ls wenn sie das Land für landwirthschaftlicheZwecke benutzen oder verpachten. Die unglücklichen Bauern wurden einfach ausgetrieben und sind ent- weder verhungert oder ausgewandert." Tie Thatsache ist richtig und den Lesern deS„Kapitals" von Marx wohl bekannt. Und keine Thatsache beleuchtet Heller und greller die Gemeinschädlichkeit des Privateigen- thumS an Grund und Boden— dem wichtigsten aller Pro- duktionsmittel. Wenn es dem Grundbesitzer(Landlord) profitabler erscheint, jagt er die Menschen fort und ersetzt sie durch wilde Thiere— die sortgejagten Menschen mögen ver- hungern. Und dabei jammern die englischen und schottischen Landlords, daß so viel Getreide von außen eingeführt wird — d. h. zollfrei. Denn beständen Kornzölle, die den Brot- preis künstlich vertheuertcn und ihnen die Einkünfte ver- mehrten, dann hätten sie nichts einzuwenden. Dank dem Privateigenthum an Grund und Boden ist es möglich, daß die englischen Landlords alle» zur Er- nährung des Volkes nöthige Land in Wildparks verwan- dein, die nur dem Vergnügen einiger Weniger dienen. Ebenso wie dank dem Prioateigenthum an Minen und Bergwerken die Grubenbesitzer Kohlen und Eisen dem Volk vorenthalten können, wenn es ihrem Privatinteresse dient.— Die italienische Regierung will auch in Sozialpolitik machen— das gehört zur Mode. Sie hat einen Gesetz- eutwurf zur Einrichtung gewerblicher Schieds- g e r i ch t e vor die Kammer gebracht. Ein Korrespondent der„Vossischen Zeitung" schreibt darüber aus Rom ck. ck. 24. Januar: „Um wenigstens«inen schwachen Anfang einer Arbeiter- Gesetzgebung aufweisen zu können, hat die Regierung der Kammer eine Vorlage, betreffend die Einrichtung gewerblicher Schiedsgerichte, unterbreitet, nachdem schon im Jahre 1378 ein ähnliches Gesetz durch die von Crispt ernannte Kommission für Maßnahmen izegen die Arbeitseinstellungen beantragt worden war. Der Minister Chimirri, der die mit dem Kammer- ausscbuffe vereinbarte Vorlage vertheidigte, bekannt« selber, daß der beabsichtigt« erste Schritt sehr b e h u t s a vi sei und nicht weit greife, daß man dagegen schon den Vorwurf übermäßiger staatlicher Einmischung, unzureichen« der Machtvollkommenheit der Schiedsgerichte und nach- theiliger Beschränkung auf die gewerblichen Arbeiter— unter Ausschließung der landwirthschaftlichen— erhoben habe. Nach dem Minister ist aber der Zweck der Vorlage überlegter Maßen sehr bescheiden. Man darf nicht hoffen. die groben gewerblichen Streitfragen zu lösen, die großen Schäden der gewerblichen Zustände zu beseitigen, sondern muß zufrieden sein, wenn mau gewisse kleine Ursachen der Reibung ans der Welt schafft, häufige leichte Anlässe zu Zusammen- stoße» und Versemdungen beseitigt, die alltäglichen Zwistig- teilen und Migversländniße zwischen Arbeitern und Arbeit- aebern nach Möglichkeit friedlich und billig löst. Die Arbeiter- Schiedsgerichte sollen keineswegs die Zuständigkeit und Thätig- keit der ordentlichen Gerichte beschränken oder für gewiss«®«- biete ausschließen, sondern dieselben nur ergänzen, wie die minell verfolgt werden könnte. Wir können ohne Furcht vor Polizei- und Gcrichtshudeleien unsere Verschwörung am hellen Tage in Szene setze». Die Grundbestimmung unseres Vertrages lautet:„Ich helfe Dir, Du hilfst mir nach Kräften." Wir stehen uns in allen Nöthen und Drangsalen des Lebens ge- treulich zur Seite und wirken außerdem mit vereinten Kräften an der Verwirklichung unserer Ideale in der großen Welt. Jeder wirbt Gesinnungsgenossen, wo immer es sich thun läßt: ordentliche, vernünftige Leute, die vollständig mit uns Harmoniren. Sobald mehrere Gesinnungsgenossen von einem Fache sich gefunden haben, vereinigen sich dieselben zu einer Genossenschaft, die sobald die ausreichenden Mittel vor- Händen, mit anderen Organisationen ebenso in Verbindung tritt, wie die einzelnen Mitglieder unseres Bundes es unter- einander sofort thun sollten. „Großartige Schwierigkeiten mögen sich erheben; aber wenn wir Alle wissen, was wir wollen, und Alle wollen, was wir können, dann kommen wir dahin. Wir machen es ivie die Flüffe: legt man denen einen Felsen vor, so gehen sie um denselben herum und kommeil doch zum Meere; will man sie aber auf weite Strecken ungebührlich ein- dämmen, so schwellen sie an und fließen darüber hinweg, sosern sie die Dämme nicht gar zerreißen. Zunächst wenden ivir uns gegenseitig unsere Kundschaft zu. Sie sollen bald sehen, wie das ineinandergreifen wird. Herr Draht, tch lasse mir morgen meine Stiefel von Ihnen vorschuhen. Sie, Herr Streit, führen uns unsere Rechtssachen. Sie, Herr Mandel, richten uns unsere Geschäftsbücher ein und helfen uns sonst mit Ihrer Geschäftserfahrung. Wir werden ein Pro- gramm, eine» Gesellschaftsplan drucken lassen: diese Arbeit be- kommen Sie,Herr Barth, sowie die Ausführuiig aller Drucksachen und Lithographieen. Wir werden einen Verkaufsladen für unsere Mitglieder einrichten, durch welchen ein gerechter Austausch der Arbeitsprodukte vermittelt werden kann; wir werden eine Vereinskasse gründen, in welcher wir das niederlegen, was wir früher dem Wucherer, dem Kapital, dem Spekulanten, dem Schmarotzer und Gott weiß wem abgeben mußten; wir werden dazu kommen, eine kleine Kreditbank für uns zu errichten, wir.... doch ich w'll nicht Martha mit dem Milchtopfe spielen und zunächst 100 bestehenden Schiedsmänner für Privatstreitigkeiten es thun.[ der Redakteur des Jiyu Shimpo" noch in den Anfängen Für die jugendlichen Arbeiter( Lehrlinge) ist die Arbeitszeit Andernfalls würden die Schiedsgerichte ein Nachtheil für die europäischer Bildung steckte. Daß sich hier zu Lande ein größtentheils eine noch längere, da dieselben nach gethaner Arbeit Arbeiter geworden sein, welche sich den Weg zu den ordentlichen Offiziöser vom Leben zum Tode gebracht hätte, weil er zum Austragen, Saufiren der fertiggestellten Waaren heranGerichten verschlossen gesehen hätten. Der Einfluß der Gelder von der Regierung angenommen hatte, ist ganz un- gezogen werden. So wie das hier angeführte Resultat aus 667 Regierung beschränkt sich auf die Ernennung erhört. Im Gegentheil, eine stattliche Reihe von offiziösen Betrieben wird auch das gesammte Reſultat sein. der Borsigenden der Schiedsgerichte, welche aus Amtliche Erhebungen würden das Gesammtbild sicher noch Gründen der Unparteilichkeit weder den Arbeitern noch den Schriftstellern wartet nur sehnsüchtig der Stunde, in welcher ungünstiger gestalten. Die Arbeitszeit ist an Sonn- und Festtagen Arbeitgebern entnommen werden dürfen und durch königliches die gute Gesinnung" durch eine" Subvention" unterstützt mit wenigen Ausnahmen eine noch ängere. Defret ernannt werden. Die Ausdehnung auf die landwirth- wird. Mit der Zeit wird die Kultur sicherlich auch in Japan Daß die lange Arbeitszeit, verbunden mit schlechter Ers schaftlichen Arbeiter war noch nicht möglich, weil es an solche Fortschritte machen, daß ein Soldschreiber der Re- nährung und ungefunden Schlafräumen der Arbeiter, frühes Stechallen Vorarbeiten und Beispielen ähnlicher Einrichtungen sowie gierung nicht nur den Selbstmord, sondern sogar das Er- thum für die Betheiligten zur Folge hat, ist wohl erklärlich. an Organisation der Landarbeiter und einem landwirthschaft röthen verlernt. Das, möchten wir die Bossische" er- Man findet unter den Bäckern selten Leute, die das 30. Lebenslichen Gesetzbuche fehlt. Einen Ersatz kann für jetzt die Ergänzend hinzufügen, bringen schließlich nicht nur Sold- jahr vollendet haben. Wie dem Bundesrath auch wohl bekannt höhung der Urtheilsbefugniß der Schiedsmänner auf Streit gegenstände bis zu 100 Sire bieten. Hierdurch und durch schreiber der Regierung, sondern auch solche von Lessing's bie meisten zum Militärdienst untauglichen Beute. Erweiterung des fostenlosen Rechtsweges wird auch auf dem Erben fertig.Lande für ausreichenden Zivilrechtsschuh selbst der Nichtbesitzenden gesorgt werden. Die Kammer nahm gestern die erften acht Artikel der Vorlage an. Die beantragte Bählbarkeit der Vorsitzenden der Schiedsgerichte wurde abgelehnt. Parteinachrichten. sein wird, befinden sich unter den Bäckerei= Arbeitern Die Berufs- Krankenkassen der Bäcker sind durch Brust, Lungenund Typhustranke überlastet. Die jugendlichen Arbeiter werden durch die überlange Arbeitszeit in ihrem Wachsthum, in ihrer geistigen und körperlichen Entwickelung behindert. Es ist weiter in Erwägung zu ziehen, daß bei den angeführten Thatsachen es sehr nahe liegt, daß viele Krankheitsfeime,& B. die der Lungenschwindsucht, auf das herzustellende Produkt übertragen werden, und so die Bäckerei- Betriebe zu VerDie„ Post", das eble Blatt der Edelsten der Nation", schleppungsheerden ansteckender Krankheiten werden. hält es wieder einmal für nöthig, öffentlich zu beweisen, daß ihr Mit diesen Thatsachen glauben wir bewiesen zu haben, daß im Kampfe gegen die Arbeiter das fragwürdigste Mittel gerade die Voraussetzungen des§ 120 e Abs. 3 der Gewerbe- Ordnung gut genug ist. Unverfroren wie sie ist, giebt sie sich den Anzutreffen. rozeß verurtheilte Bergmann Nite und feine Genossen Sozial allein berechtigt, sondern auch fchein, als wenn sie selbst daran glaube, daß der im Buerer Wir glauben ferner bewiesen zu haben, daß wir nicht demokraten seien. Und was führt sie zur Begründung deffen an? Interesse Tausender von Staatsbürgern, welche in Bäckerei- Beverpflichtet sind, im Der Bergmann Nite soll nach dem Kapitalisten blatt trieben beschäftigt sind und durch diese Zustände einem frühen Rhein.- Bestfäl. 8tg." bei der Frage, ob er gegen das Urtheil Siechthum verfallen; sowie im Interesse von Millionen von Berufung einlegen wolle, mit gleichmüthigem Grinsen gefagt Staatsbürgern, welche die in den Bäckereibetrieben hergestellten haben: Produkte genießen, im Jnteresse der Volkswohlfahrt und guter fanitärer Bustände vom Bundesrath fordern zu dürfen, von dem ihm im§ 120 e Abs. 3 der Gewerbe- Ordnung gegebenen Recht Gebrauch zu machen, und dem oben angeführten Ersuchen Rechnung zu tragen. " Das ist nicht nöthig, in längstens sechs Jahren haben wir doch das Regiment und dann werden mich meine Kameraden im Triumph aus dem Zuchthaus holen" einfach tiefer au hängen. Es genügt fonach, die blödsinnige Argumentation der„ Post" Diese Schiedsgerichte sind, wie man sieht, ein Meffer ohne Stil und Klinge. Daß die Regierung im Inter effe der Unparteilichkeit" die Vorsitzenden wählt, kann nur als ein Scherzchen betrachtet werden. Die Unparteilich keit" besteht darin, daß die Werkzeuge der Arbeitgeber statt von diesen selbst, von der Regierung gewählt werden also indirekte Wahl statt direkter. Es giebt keine Regie rung, die so vollständig unter dem Einfluß der Arbeitgeber und Kapitalisten stünde, wie die italienische, die stets in Geldverlegenheit ist und vor der Arbeiterbewegung eine wahrhaft lindische, nur aus totaler Unkenntniß zu erklärende Angst hat. Eine Regierung, die am 1. Mai eine harmlose Arbeiterfundgebung als einen Aufstandsversuch ansehen und gegen die Theilnehmer den skandalösesten politischen Prozeß Der Neuzeit anzetteln konnte, hat von vornherein keinen Anspruch darauf, daß ihre sozialpolitischen Experimente ernst genommen werden. Sie soll erst einmal den Skandal des Es würde weiter nothwendig sein, die Arbeitszeit der LehrMaiprozeffes fich vom Hals schaffen und nach Möglichkeit linge auf eine kürzere Zeit denn 12 Stunden zu beschränken, In Liebenthal( Kreis Niederbarnim) erstattete neulich der sowie Bestimmungen zu treffen, daß die Zeit des Besuches ber das verübte Unrecht fühnen. Dußende von unschuldigen Reichstags- Abgeordnete Arthur Stadthagen, Bertreter Fortbildungsschule nicht außerhalb der täglichen Arbeitszeit, sonMännern sind seit fast 9 Monaten im Gefängniß, und die Ste- jenes Kreises, über seine Thätigkeit im Reichstage seinen Wählern bern in dieselbe fällt." gierung, nachdem die erste Prozeßkomödie so jammervoll Bericht. In der Diskussion wurde vom Genossen 8111mann mißglückte, ist außer Stand ein gesetzliches Mäntelchen für auf das ftetige Wachsthum unserer Partei feit dem Jahre 1871 Die Mannheimer Gewerkschaften haben zur Gründung ihr ungefeßliches Vorgehen zu finden, aber auch ohne den hingewiesen, während der Genosse Stegemann das Nicht- eines Bentral Arbeitsnachweise Bureaus eine ihr ungefeßliches Vorgehen zu finden, aber auch ohne den moralischen Muth, ihren Frrthum einzugestehen und den erscheinen Bismarcks im Reichstage der gebührenden Beleuchtung siebengliedrige Kommission gewählt, welche die nöthigen Vorunterzog und darauf aufmerksam machte, daß die Abgeordneten arbeiten zu besorgen hat. Opfern ihrer Unwissenheit und Willkür die Freiheit zurück der anderen Parteien die öffentliche Berichterstattung über ihre zugeben hat die Welt jemals ein kläglicheres und schmach. Thätigkeit unterlassen, trotzdem das Gegentheil ihre Pflicht und Nach fiebenmonatlichem Warten hat der Fach verein volleres Schauspiel gesehen? Schuldigkeit wäre. Gegner meldeten fich trog wiederholter Auf- der Bimmerleute von Mülhausen i. E. jetzt endlich seine forderung nicht zum Wort. Die Versammlung stimmte der Statuten genehmigt bekommen. Ruffifches. Ueber das Schicksal der zu Beginn des Thätigkeit Stadthagens und der ganzen sozialdemokratischen Nothstandes nach Sibirien ausgewanderten russischen Bauern, Reichstagsfraktion voll und ganz zu und erklärte, daß nur durch Die beim letzten Bergarbeiterstreik von den Bechendie dort, wo die Ernte gut gerathen war, Lohnende Arbeit eine Voltsvertretung wie die sozialdemokratische es ist, etwas verwaltungen nach Rheinland- Westfalen gelootften Sachsen find beim Bau der fibirischen Bahn zu finden hofften, berichtet Gutes und Nügliches erreicht werden könne, weshalb unsere zumeist jetzt übel baran. Bei den fortwährenden Einschränkungen die Boffische Zeitung". Die Auswanderer geriethen, da Bartei mit allen Sträften unterstützt werden müsse. Dann besprach der Förderung und den daraus hervorgehenden Arbeiterdie Arbeiten zum größten Theil eingestellt sind und auch Ordnung und forderte zu thatkräftiger Betheiligung an den Ge- Aussicht, Beschäftigung zu erhalten. Arbeitslose, welche um Herr Meinhard aus Friedrichsberg die Landgemeinde- entlassungen haben sie, einmal außer Stelle gekommen, feine nur Sträflinge und Ansiedler beschäftigt werden konnten, meindewahlen auf. Nach dem noch zum fleißigen Abonnement Arbeit nachfragten, erhielten von den Bechenbeamten einfach die bald in Noth. Diejenigen, welche auf dem Seewege nach auf das Volksblatt für Niederbarnim" angeregt worden war, Wladivostok gelangten, fonnten wenigstens, da sie meist in welches Blatt alles für Arbeiter Wissenswerthe enthalte, ging die Besitze von Geldmitteln waren, auf dieselbe Art den Rück- Bersammlung mit einem braufenden Hoch auf die Sozialweg antreten; schlimmer erging es Denjenigen, welche den demokratie und mit dem Gesang der Arbeitermarseillaise ausmühsamen Landweg über den Ural wählten. Aus Petersburg, den 27. Januar wird jetzt telegraphisch der„ Voss. 8tg." gemeldet: Hier gingen traurige Berichte ein über das Schicksal der 14 000 Bauern, welche aus den nothleidenden Provinzen nach Sibirien auswanderten und durch Armuth gezwungen waren, in Tjumen Halt zu machen. Typhus, Scharlachfieber und Masern wüthen unter ihnen, Hunderte sind bereits gestorben und die Uebrigen leben im schrecklichsten Elend ohne genügendes Obdach gegen die bittere Stalte. Und in Petersburg sitt in seinem Balaste der Bar, brütet Kriegspläne aus, schmiedet Unterdrückungsmaßregeln über das eigene Bolt, und vergeudet für diese Zwecke die den verhungernden Volke ausgepreßten Gelder. Den Namen dieses Baren einem Attila oder Dschingischan zur Seite zu stellen, hieße diesen Unrecht thun.Wie weit Japan noch in der Kultur zurück ist, beweist folgende Mittheilung der neuesten Nummer des " Ostasiatischen Lloyd":" Der Redakteur ber Jinu Shimpo", eines der einfluß reichsten japanischen Blätter, bat Selbstmord begangen, weil er barüber Reue empfand, von der Regierung eine Subvention angenommen zu haben. Man sieht, bemerkt hiezu die Vossische Zeitung", daß einander. Soziale teberfidit. Gegenfrage zur Antwort, wie viel Ueberflüffige sie noch von den Bechen mitnehmen wollten. Es ist deshalb jedem Bergmann aburathen, nach Rheinland- Westfalen überzufiebeln. Die besten Geschäfte machen daselbst jetzt die Herbergen und PfandleihAnstalten. Nach dreißigjähriger Thätigkeit in einer und derselben Fabrik wurde in Halle a. S. nach einer Mittheilung des dortigen Boltsblattes" ein Arbeiter entlassen. Der Mann ist fest 60 Jahre alt. Wer wird für ihn sorgen? Vermuthlich dieselbe Christenliebe", welche seine Entlassung zuließ. Die vereinigten Gewerkschaften der französischen Deutschlands hat im Auftrage des am 24. bis 26. Juni v. J. Flaschenglas- Arbeiter( Siz Garmaux, Departement Tarn) Die Agitationskommiffion der Bäckerei- Arbeiter zu Altenburg stattgehabten Kongresses dieser Branche an den Bundesrath das Ersuchen gerichtet, auf Grund der ihm nach $ 120 e Abs. 3 der Gewerbe- Ordnung zustehenden Befugniß 1. Die höchste zulässige Arbeitszeit für Bäckerei Betriebe auf 12 Stunden täglich inkl. der zum Essen u. f. w. noth wendigen Pausen festzusetzen; 0 2. Die Nachtarbeit jugendlicher Arbeiter, Lehrlinge unter 16 Jahren zu verbieten; erstatten in einem Schreiben für die aus Deutschland er haltene Streitunterstügung ihren Dank ab. Das Schreiben lautet in feinen bemerkenswertheſten Stellen folgendermaßen: Frankreich 60 Gemaßregelte verblieben, die wir aber mit der Zeit Unfer allgemeiner Streit ist beendigt. Leider find in ganz unterzubringen hoffen. Im Namen fämmtlicher Glasarbeiter Frankreichs sprechen wir Ihnen für die uns erwiesene Solidarität den herzlichsten Dank aus. Ihre Hilfe hat uns in vielen Glas den Streit das Recht, die Ausschußwaare, die früher dem Ver3. Die Bäckerei- Betriebe der Aufsicht der Fabrit Inspektorenhütten einen kleinen Sieg ermöglicht. Wir erkämpften uns durch zu unterstellen. Zur Begründung wird angeführt: Die erstatteten Situationsberichte der Delegirten auf dem lauf übergeben wurde, vernichten zu dürfen. Weitere Erfolge Rongreß, fowie die in letzter Beit erfolgten statistischen Erfind: die Lohnzahlung findet aller 14 Tage ftatt, Sonntagss bebungen über die Lage der Arbeiter in ben Bäckereien, auch rube ist eingeführt, Seizmaterial wird gratis geliefert, Arbeitszeit von 14, 16, 18 und sogar von 20 Stunden üblich ist erhöhung. Endlich verpflichteten sich die Unternehmer zur Anunfere eigenen Erfahrungen ergeben, daß im Bäckergewerbe eine die Familienväter erhalten bis 6 Franken Beitrag zum monatlichen Hausgins, ferner alle Arbeiter eine kleine Lohnso ergiebt z. B. die im Jahre 1889 erfolgte statistische Erhebung, beren Resultat vom Reichstags- Abgeordneten A. Bebel zusammen- erkennung unserer Gewerkschaften( Syndikate). Diese Vortheile haben gestellt und in einer Broschüre( Die Lage der Arbeiter in den wir, wie angedeutet, nur durch die Solidarität der übrigen ArBäckereien) der Deffentlichkeit übergeben ist, daß in den 667 Be- beiter erlangen können. Wenn die Solidarität einmal allgemein trieben, welche zusammen 2494 Arbeiter, und zwar 1974 Gesellen, richtig verstanden sein wird, dann werden die Landesmarken und 490 Lehrlinge und 30 Hilfsarbeiter beschäftigen: Völker wird das herrschende Prinzip sein. Wir entbieten. sämmt4 Betriebe 20 Arbeiter mit einer tägl. Arbeitszeit von 20 Std. lichen Kollegen Deutschlands brüderlichen Handschlag! fragen, ob mein Vorschlag im Prinzip bei Ihnen Anklang findet?" Ein solcher Versuch ist interessant und belehrend zu gleich", rief der Schriftsteller, deshalb bin ich dabei, zumal ich hier intelligente und gutgesinnte Elemente für eine solche Verbindung finde, was immerhin die Aussichten verbessert. Ich schwärme zwar nicht für Konsumvercine, Produktiv Genossenschaften und ähnliche Unternehmungen zur Betämpfung der Ausbeutung in unserer heutigen Gesellschaft, weil sie nur zeitweilige Auskunftsmittel sind, aber es wird in diesem Falle ein Kern gleichgesinnter und solidarisch verknüpfter Gesinnungsgenossen gebildet, der mit der Zeit eine große Stätte entwickeln mag. Glücklicherweise bin ich, um die erwachenden Hoffnungen zu beleben, in der Lage, Die in München im Jahre 1890 erfolgte statistische Gr- leistung erfordert, warum nicht hinweg mit dem Posten? So Ihnen, Herr Draht, die Kundschaft der Barth'schen hebung ergiebt von 174 Betrieben, welche 657 Arbeiter beschäftigen wenigstens macht man es mit Arbeitern, wenn nichts zu Druckerei und vieler anderen Schriftsetzer und Buchdrucker( 605 Gesellen und 52 Lehrlinge), Folgendes: in Aussicht stellen zu können, vorausgesetzt, daß Sie bann Ihre Gehilfen nicht ausbeuten, sondern ihnen nach billigen Grundfäßen einen Antheil am Geschäftsertrag gewähren." Es ist mir noch nicht Alles klar geworden," meinte der alte Meister, aber ich fühle heraus, daß Sie etwas Gutes wollen, und die alten Berhältnisse haben mich nicht sehr weit gebracht. Ich werde mich also von Ihrem Stathe Leiten Laffen." " Da sind wir nun schon brei," bemerkte Frank, denn ich gehöre selbstverständlich zum Bunde. Wie steht es mit Ihnen, Herr Mandel?" " Ich weiß so wenig, wie es in der nächsten Zeit mit mir gehen wird," meinte der Kaufmann, daß ich nichts weiter erklären fann, als daß mich Ihr Vorhaben interessirt und ich zur Beihilfe erbötig bin." " Das sind vier," notirte Frant," Sie, Herr Barth, brauche ich wohl nicht erst zu fragen?" Meine Ansichten sind Ihnen zur Genüge bekannt," erklärte der Buchdrucker, welcher während der vorangegangenen Darlegungen das lebhaftefte Intereffe zu erkennen gegeben hatte. ( Fortsetzung folgt.) 18 " 39 61 151 19 # " 10 18 " " " " " " 78 57 833 17 " " " " " 303 16 " " " " 88 349 15 " " 142 494 14 " " 89 311 13 " " " 99 345 12 35 " " " " 104 11 n # " " " # " 26 110 10 " " " " " W 8 13 " " weniger denn 10 Stunden arbeiten. Gs arbeiten: 3 Gesellen und 2 Lehrlinge täglich 8 Stunden, 10 1 9 " " 17 10 " " " 84 11 " " 38 12 " 49 18 " 72 14 " 154 15 " " 1 120 16 " 74 17 " 25 18 " " " " " 10 19 " " # 1 20 " " 82483722 12 Der Hauptsekretär: Marius Rauzier, Rue St. Barbe in Carmaux( Tarn) Frankreich." Soziale Kontraste. Das Londoner, Daily Chronicle" theilt mit, daß durch den Tod eines Prinzen der Posten eines Gouverneurs und Befehlshabers des Rundthurmes auf dem Schlosse Windsor mit einem Gehalt von 1200 Pfd. Strl.( 24 000 M.) und teinen Dienstleistungen" erledigt sei und der Königin zur weiteren Verfügung stehe." In dem Arsenal von Wolwich", bemerkt dazu der Trade Unionist"," müssen die Arbeiter für wöchentlich 17 M. arbeiten. Wenn ein Posten teine Dienst= thun ist"." Sprechfaal. Die Redaktion stellt die Benutzung des Sprechfaals, soweit der Raum bafür abzugeben ist, dem Publifum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; fie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt deffelben identifizirt zu werden. Auf den Sprechfaal- Artikel der Herren Ph. Schmitt und A. Faber und der Frau Sabat in Nr. 21 des Vorwärts" vom 26. Januar erwidere ich Folgendes: Gerüchte find meinerseits nicht verbreitet worden, sondern meine Aeußerungen that ich in einer Versammlung, die von Ver tretern der Kommission besucht war. Sierbei ist zu berücksichtigen, daß diese Zahlen nur die ge= Um nun das Für und Wider zu erledigen, lade ich die möhnliche Arbeitszeit betreffen. Außer Diefer Arbeitszeit ist unterzeichner fenes Sprechfaal Artikels ein, in der zu diesem Jahrmärkten Zweck auf Mittwoch, den 3. Februar, Abends 8 Uhr, einberufenen fast in allen Orten Deutschlands vor Festzeiten 1. dergl. Die Arbeitszeit eine bebeutend längere. So werden 8. B. Bffentlichen Versammlung der Hilfsarbeiter und Arbeiterinner in Hamburg 8 bis 10 Wochen vor Weihnachten täglich 2 bis 4 bei Gratweil, Kommandantenstr. 79, zu erscheinen. Stunden Tänger gearbeitet, ähnlich ist das Verhältniß Ostar Krüger, Elifabethufer 28. Dresden, Leipzig u. f. w. in G3 ist ferner Bis zum Austrag der Sache bitten wir alle Arbeiter Berlins, Grwägung zu ziehen, baß diese Arbeitszeit meist in die mit ihrem Urtheil über diefelbe zurückzuhalten; und im Uebrigen Nachtzeit fällt, und in gesundheitsschädlichen, von Wiehlstaub ge ausgesperrten Buchdruckergehilfen auch ferner so thatkräftig zu von der Natur für den Menschen bestimmte Ruhezeit, in die, sowohl die ausgesperrten Buchdruckerei Hilfsarbeiter wie die schwängerten, jeder Ventilation entbehrenden Räumen vollbracht ausgesperrten Buchdruckergehilfen auch ferner so thatkräftig zu Redaktion des„ Borwärts". wird, und dies oft bei einer Temperatur von 25 bis 35 Grab unterstüßen wie bisher. in Reaumur. Theater. Donnerstag, den 28. Januar. Opernhaus. Cavalleria rusticana, Vorher: Der Barbier von Sevilla. Schauspielhaus. Die Büste. Eine alte Schachtel, Leffing- Theater. Der Unerbittliche. Vorher: Unter vier Augen. Deutsches Theater. Kollege Crampton Berliner Theater. Othello. Residenz- Theater. Madame Mongodin. Vorher: Modebazar Violet. Wallner- Theater. König Krause. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Das Sonntagskind. Thomas- Theater. Cacao. Bellealliance- Theater.' 3 Nullerl. Ostend- Theater. Am Altar. Adolph Ernst Theater. Tanzteufel. Alexanderplak- Theater. Berliner Pflaster. Feenpalat. Spezialitäten- Vorstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spezialitäten- Vorstellung. Theater der Reichshallen. Spezialitäten- Borstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- Borstellung. • Der Konkordia- Palast- Theater. Spezialitäten- Borstellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Ciskeller. Theater und SpezialitätenVorstellung. Gratweil'sc he Bierhallen. Kommandantenstr. 77-79. Heute sowie täglich: Auftreten der Unserem Freunde Karl Mannorh Circus Renz genannt Rigdorfer Stoppelbruder zu Karlstraße. Donnerstag, den 28. Januar 1892, Abends 714 Uhr: ,, Auf Helgoland" B ober: Ebbe und Fluth. F Große hydrologische AusstattungsPantomime in 2 Abtheilungen mit National- Tänzen( 60 Damen), Aufzügen. Neue Einlage: Die GardeHusaren. Fernere Einlage: Die Tscherkelen zc. Dampfschiff- u. Bootfahrten, Wasserfälle, Riesenfontänen mit allerlei Lichteffekten. Neu! Die Grottenbeleuchtung 2c., arrangirt und inszenirt vom Direktor E. Renz. Außerdem: Die eisernen Ritter des Mittelalters, dargestellt von 12 Herren mit hierzu eigens dressirten Schulpferden. Coriolan, geritten von der Schulreiterin Fräulein Oceana Renz. Horaz und Mercur zusammen vorgeführt von Herrn Ernst Renz( Entel). Mlle. Theresina auf dem 20 Fuß hohen Drahtseil.. Gebrüder Briatore, Afrobaten. Auftreten der vorzüglichsten Reitkünstlerinnen und Reitfünstler 2c. Komische Entrees u. Intermezzos von sämmtlichen Klowns. feinem Wiegenfefte ein donnerndes Hoch! Seine Freunde aus dem S. 1173b A. R. A. M. H. K. R. Todesanzeige. Heute Nachm. 3 Uhr entschlief sanft nach langen Leiden mein innigft geliebter Gatte, der Hutmachermeister Franz Sporreuter. Um stilles Beileid bitten 1163b Die Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donnerstag, Nachm. 3 Uhr, von der Zeichen= halle des Georgen- Kirchhofs( am Königsthor) aus statt. Berlin, den 25. Januar 1892. Todesanzeige. Am Montag verstarb nach kurzem Krantenlager unfer Kollege, der Rohrlegergehilfe F. Rochel. Die Beerdigung findet heute( Donnerstag) Nachmittag vom Krankenhause Bethanien aus nach dem GaruisonDer Vorstand 389/11 des Verbandes aller in der MetallTäglich: Auf Helgoland. Sonntag 2 Vorstellungen. Nach- Kirchhof in der Hafenhaide statt. mittag 4 Uhr( 1 Kind frei). Auf vielfeitiges Verlangen: Die lustigen Heidelberger. Abends 71/2 Uhr: Auf Belgoland." E. Renz, Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich- Karl- Ufer, Ecke Karlstr. Donnerstag, den 28. Januar 1892, Abends 71/2 Uhr: Grosse BrillantVorstellung. 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Die Hervors form der Krongardisten, Potsdamer Diese Schrift eines Theologen und 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gardisten, Ziethen- Husaren, Garde- sozialdemokrat. Parteigenossen dürfte Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. Infanterie und der kaiserlichen Ma- fich besonders zur Verbreitung unter rine, sowie österreichischer und italie- benen empfehlen, die wahres Christen- Wittchow, Elsasser- u. Kl. Hamburgerstr.- Ece; Fris Berndt, Neue NB. Die Zahlstellen des Vereins sind Wagner, Neue Königftr. 89; nischer Kavallerie. Vollständig neue thum und Sozialdemokratie für un- Schönhauserstr. 18. Hier werden zu jeder Zeit Beiträge und neue Mitglieder Ausstattung von Kostümen, Requisiten vereinbar halten. Sie zeigt einen Weg aufgenommen. zur einzig erfolgreichen Bekämpfung und Dekorationen. 385/10 Morgen: Große Vorstellung. Ber- alles Nachbetens von Pfaffen und Verband der Geschäftsdiener, Pader und Berufsgenossen. liner Leben. Antipfaffen und aller Intoleranz. 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Abrechnung vom Wintervergnügen. 8. Wahl eines 2. Vorfizzenden. 4. Bericht der Herbergs- Kommission. 5. Beschlußfassung über event. im Sommer abzuhaltende Vergnügungen. 6. Beschlußfassung über die an den Vorstand gelangten Anträge. 389/10 Zahlreicher Besuch erwünscht.-Mitgliedskarte legitimirt. Der Vorstand. Deffentliche Versammlung Wiederverkäufer, fowie Vereine erhalten bei Abnahme einer der Weißgerber u. Berufsgenossen größeren Anzahl von Exemplaren Rabatt. Die Arbeiterinn en Berlins find hiermit besonders darauf auf. mertfam gemacht. Probenummer gratis. Nr. 1 und 2 sind bereits erschienen. Damen Steppdeken!! Allen Genossen u. Bekannten empfehle mein Weiß n. Bairisch- Bier- Lokal. Vereinszimmer noch einige Abende zu vergeben, E. Siegemund, Metallschleifer a. D., Eisenbahnstr. 20. Vereinszimmer, 15 u. 50 Pers faff. zu vergeb. Flick, Simeonftr. 23. Großer Saal ist Sonntags und Wochentags zu vergeben. Böhow- Brauerei, Prenzlauer- Thor. 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Alle Kollegen und Arbeiter sind hierzu eingeladen. ftraße 128/9, Ogb. 3 Tr., Ferntheil. Schlafft., möbl., fep., 3. v. Dresdener im gr. Saale des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee 11-13. Mbl. Schlfft., Frl. Henschke, Naunyn 1164M ftraße 64, v. 42r. Ein Sohn ehrlicher Eltern sucht als Bierverlag nebst Ausschank für Adlershof. 19252 fofort. Der Einberufer: C. Teufert. G. Wodara, 6000 M. bei 300 M. Anzahlung( altes Bestellungen auf Vorwärts", Bolts Reinickendorferstr. 28, Dg. 1 Tr. Verein der Arbeiterinnen an Geschäft zu verk. Off. sub. I. R. 177 blatt für Teltow". f. w.," Volks: Wickelmacherin v. Meißner, Linienſtr. 35. Buch- u. Steindruck- Schnell- Arbeiter, welche bei dem Töpfermeister Aufruf! Alle diejenigen Töpfer und 1170b Tribüne" sowie Annoncen in geMaurergesellen, welche gewillt sind Freitag, 29. 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Sie müssen sich ja glücklich fühlen, wenn sie während eines Tages ein paar Groschen verdienen. Kommen sie an dieses Glück nicht heran, dann müssen sie hungern, sie haben kein Obdach, kurz und gut, für sie bleibt als letzter Weg nur ein Sprung in die Spree. Ehe sie aber den wagen, werden sie nach einer Arbeit grei cn und sei sie auch noch so schlecht bezahlt. Diese Spekulation be- währt sich denn auch in sehr vielen Fällen. Die Menschen hängen so sehr am Leben... Das. ist ihr höchstes Gut und sie werfen es nicht von sich, wenn sie noch einen Ausweg, eine Rettung zu finden wissen. Diese Spekulationen auf billige Arbeitskräste geben sich sehr oft in der kleinlichsten Art. Der Arbeitgeber handelt und drückt auf den Groschen, als ob an demselben sein ganzer Grundbesitz hinge. Ein kleines Beispiel für die unglückliche Pfennigfuchserei der Besitzenden sei hier an- geführt: Zwei Arbeitslose wurden in der Nähe der R.-Straße von einer Frau angesprochen, welche dieselben fragte, ob sie Arbeit haben möchten. Natürlich wurde diese Frage freudigst bejaht. Die Frau wünschte den Bürgersteig ihres Hauses von Schnee gereinigt zu haben, es war eine große Fläche, der Schnee lag fest wie Eisen. Zwei Stunden wurde gearbeitet. daß es eine Art hatte und als es endlich ans Bezahlen kam, sollten zwei Mann zusammen 60 Pf. erhalten, macht also pro Mann und pro Stunde 15 Pf. Das war denn doch etwas zu wenig und deshalb wurde dringend um Mehrzahlung nachgesucht. Und nicht ohne Erfolg, die Arbeiter erhielten eine baare Mark bewilligt. Freilich that die Hausbesitzerin sehr wehleidig, sie meinte, wenn schon die Arbeiter so viel verlangten, wüßte sie gar nicht, was sie eigentlich ihren Miethern abfordern sollte. Die armen Miether! Wahrscheinlich wohnen sie halb umsonst und wenn das wirklich der Fall sein sollte, dann können sie sich auf «ine gewaltige Steigerung gefaßt machen, denn— die Haus- besttzerin hat zwei Arbeitern für Schneeschippen eine Mark bezahlen müssen! Der Moniteur von Spandau, der steisinnige„Anzeiger für das Havelland", hat. wie wir schon in einer unserer letzten Nummern mitlheiltcn, seinen schweren Kummer darüber, daß das friedliche Städtchen Spandau jetzt so oft von„Vagabunden und Strolchen" heimgesucht wird. Die armen Obdachlosen haben es mit dem„freisinnigen" Blättchen so gründlich verdorben, daß dasselbe die Hausbesitzer und Eigenthümer zu einem großen Kampf gegen das„Stromerthum" auffordert. Jetzt hat das Blatt wieder die Entdeckung gemacht, daß diese Obdachlosen„schon häufig die Urheber von Feuersbrünsten gewesen sind" und schreibt von diesem Grundsatze ausgehend: Besitzer von Bauhöfen und ähnlichen Anlagen. welche leicht brennbare Materialien enthalten, müssen jetzt gegen den Besuch obdachloser Personen auf der Hut sein. Die heimlich nächtigenden Individuen sind schon häufig, meist aus Fahrlässigkeit, die Urheber von Feuersbrünsten gewesen. Die betreffenden Eigenthümer lassen denn auch Abends und Nachts ihre Baulichkeiten des Oefteren revidiren. Gestern wurde bei einem solchen Rundgang unter einem Schuppen der Holz- bearbeitungs-Fabrik des Herrn Pcrrin ein verdächtig aussehender Mensch angetroffen, welcher sich zur Nachtruhe niedergelassen hatte. Derselbe führte keine andere Legitimation bei sich als Entlassungsscheine aus Strafanstalten und Arbeitshäusern. Er wurde der Polizei zugeführt und von dieser dem Amtsgericht übergeben. Damit war Spandau vom Untergang gerettet, denn nach dem„Anz. für das Havelland" konnte der verruchte Obdachlose, dieser„verdächtig aussehend« Mensch" nichts weiter im Sinne führen, als den Schuppen in Brand zu stecken und so, wenn irgend möglich, ganz Spandau durch eine Feuersbrunst vom Erdboden zu vertilgen. Daß der arme Teufel nur bezweckte, für die eine Nacht ein Unterschlupf zu finden, deshalb in den Schuppen gekrochen und sich„zur Nachtruhe niedergelassen"— das ist dem freisinnigen Blatt gar nicht denkbar. Ohne den allergeringsten Beweis für die Wahrheit seiner Behauptung zu haben, stempelt es den Obdachlosen flugswegs zum Mordbrenner und Brandstifter, was ihm um so wahrscheinlicher erscheint, als der„Mensch" nicht das geringste Sparkassenbuch als Legitimation bei sich führte, sondern nur Entlassungsscheine aus Strafanstalten und Arbeitshäusern. Das war Beweis genug, daß es sich wieder um ein arges Verbrechen handeln mußte und so wurde der arme Kerl zur Polizei transportirt und diese übergab ihm dem Amts- gericht. Das wird seines Amtes in einigen Tagen walten und aus Grund irgend eines Paragraphen des Strafgesetzbuches den Obdachlosen zu einer längeren oder kürzeren Hajtstrase ver- urtheilen. Derselbe ist dann um einen Entlassungsschein aus einem Gefängniß reicher. Wenn es nach dem berühmten Epandauer Lokalblatt ginge, müßte dem Missethäter wegen ver- suchter Brandstiftung der Prozeß gemacht werden und sein Loos wäre mindestens der Galgen.... Nachdem so der„Anzeiger" den Spandauer Spießbürgern vor den Altentaten der Obdachslosen graulich gemacht hat, entdeckt er plötzlich sein gutes und mitleidsvolles Herz. Direkt unter der Eingangs erwähnten Notiz finden wir nämlich die folgende: Einen mitleidswerthen Eindruck machte ein armer S ch n e i d e r g e s e l l e, der sich in der vergangenen Nacht im Rathhause obdachlos meldete und auch Unterkommen erhielt. Der Mann war öS I a h r e alt und befand sich, da er arbeitslos ist. aus der Wanderung. Er war von Berlin fortgegangen und wollte nach Nauen. In Spandau überfiel ihn jedoch g r o ß e Ermattung, so daß er seinen Weg nicht sortzusetzen vermochte. Heute früh nahm der nur dürstig gekleidete Mann seine Wände- rung wieder auf, bei seinem vorgeschrittenen Alter sicherlich kein beneidenSwerthes Loos. Ja, das ist wahrlich kein beneidenswerthes Loos! Ein alter Mann von 63 Jahren muß im Winter wandern von Ort zu Ort und froh sein, wenn er auf der einen oder anderen Polizeiwache die Erlaubniß erhält, so lange zu rasten, bis ihn, seine Kräfte gestatten, den Wanderstab wieder weiter zu setzen. öS Jahr ist für den Bourgeois das Alter, in welchem er sich von seinen®e- schäften zurückzieht, um frei von Kummer und Sorgen einen behaglichen Lebensabend zu genießen. Er kann sich das lelstcn, denn er hat in der. Zeit genug„verdient", um für den Rest seines Lebens rasten zu können. Wie anders der Proletarier. Eine trostlose Jugend liegt hinter ihm, im besten Mannesalter hat er gerade so viel verdient, daß er nicht zu hungern brauchte, im Alter wird er hinausgestoßen aus die Landstraße, er kann zu- sehen, ob sich jemand seiner erbarmt, geschieht das nicht, dann steht es ihm frei, hinter einer Hecke oder Strauch sein nutzloses Dasein auszuhauchen.— er hat sich's aber so einzurichten, daß der Gemeinde durch den Transport und die Bestattung der„Armenleiche" nicht zu große Kosten erwachsen. Proletariers Ende! Nur keine Ueberstürznngi„Es giebt noch keinen Roth- stand", dekretirte der Magistrat,„und wenn ein solcher wirklich einmal eintreten sollte, dann werden Maßregeln getroffen werden, um ihm wirksam und rechtzeitig zu steuern." Um zu zeigen, daß er nicht blos den Mund vollzunehmen versteht, hat Magistratus denn in der That auch schon einige„Maßregeln" getroffen, wie Erhöhung des Armengeldes, Ueberweisung von Geld an Wohl- thätigkeitsvereine u. s. w. Ob diese Mittel so wirksam sein werden, wie es die von den sozialdemokrattschen Stadtverordneten vorgeschlagenen, aber von der„freisinnigen" Majorität ver- worfenen gewesen wären, wird sich im Laufe des Winters zeigen. Daß mit diesen Mitteln einem Nothstand nicht rechtzeitig gesteuert werden kann, ist schon jetzt und von vornherein für Jeden klar, der den bei der Verwaltung des städtischen Armenwesens und bei den Wohlthätigkeitsvereinen üblichen Büreaukratismus und die vorsichtig- umständliche BeHand- lung der Unterstützungs- Gesuche kennt. Wir haben diese Art der Behandlung schon des öfteren beleuchtet. Neuer- dings ist aber von kompetentester Seite eine noch viel schärfere Be- und Verurtheilung des in der städtischen Armenpflege be- liebten Verfahrens erfolgt, nämlich von Seiten der Armen- kommissions-Vorstcher, welche in dieser Beziehung geradezu als klassische Zeugen gelten können und als Inhaber eines städtischen Ehrenamtes überdies schwerlich in den Verdacht kommen werden, daß sie, dem Beispiel der bösen Sozialdemokraten folgend,„die vortrefflichen Einrichtungen unserer Stadt" nur aus Gehässigkeit und zu Agitationsziveckei, angreifen. In einer Versammlung der Armenkommissions-Vorsteher, deren Protokoll das vom Magistrat herausgegebene„Gemeindeblatt" mittheilt, sind verschiedene Punkte namhaft gemacht worden, welche darauf hindeuten, daß die Langsamkeit, mit welcher die Unterstützungsgesuche erledigt werden,„schon nicht mehr schön" ist, und zwar nicht blos bei der deshalb angegriffenen Armendirektion, sondern, was das Interessanteste dabei ist, auch bei den angreifenden Kommissious-Vorstehern. Die letzteren haben ihre liebe Roth mit den Akten, welche sie nicht mit gewünschter Schnelligkeit von der Armendirektion zugesandt erhalten.„Die Klagen, daß Akten so schwer zu erlangen seien", sagt der Bericht,„werden immer allgemeiner und dringender, weshalb die Armendirektion ersucht wird, Abhilse zu schaffen." Es müßte eigentlich heißen: „endlich Abhilfe zu schaffen"; denn denselben Klagen begegnen wir bereits in der Vorsteher-Versammlung vom Mai vorigen Jahres, wo es in genau demselben dringenden Tone hieß,„hier müsse entschieden Wandel geschaffen werden, um diesen von sämmtlichen Vorstehern empfundenen Uebelstand zu beseitigen." Andererseits ersuchte Herr Magistrats-Assessor Kuno die Armen- kommissionen, die ArmuthSatteste doch recht schleunig auszustellen, damit die Bittsteller vor Schaden bewahrt würden. Auch bei Miethsunterstützungen. wenn Exmission bevorstehe, könnten größere Beträge bewilligt oder deren Bewilligung bei der Armendirektion mitttelst besonderen Berichts beantragt werden, um die betreffenden Personen dem städtischen Obdach fernzuhalten. An einem Spezialfall wurde nachgewiesen, wie durch rechtzeitige Gewährung einer Unterstützung von etwa 30 M. andere Kosten von beinahe 300 M. hätten vermieden werden können. Auch diese Klagen sind bereits in der Mai-Versammlung vorgebracht worden, aber augenscheinlich ebenfalls ohne Erfolg. Angesichts solcher Zustände muß man sich fragen, wie sich denn da der Magistrat die Bekämpfung des Nothstandes„im Rahmen der Wohlthätigkeits- und Armenpflege" eigentlich denkt. Wenn es, laut amtlichem Bericht im„Gemeindedlatt",„häufig noch vor- kommt, daß Gesuche oft nach 2—3 Monaten von einzelnen Armenkommissionen trotz wiederholter Erinnerungen nicht zu er- halten sind", dann hört eben einfach Alles auf. Man wird dabei an das Volkslied„Ach Mutter, Mutter, mich hungert!" erinnert, welches mit den Worten schließt:„Und als das Brot gebacken war, da lag das Kind auf der Todtenbahr'!" Ueber Straßenhygiene in Paris und London bielt am Montag Abend in der deutschen Gesellschaft für öffentliche Ge- sundheitspflege Privatdozent Dr. Th. Weyl. der im Austrage des Berliner Magistrats eine Studienreise nach jenen beiden Städten gemacht hat, einen interessanten Vortrag, in welchem er unter vergleichender Berücksichtigung der Berliner Verhältnisse beson- ders die Fragen des Pflasters, der Bedürfnißanstalten, der Schneeabfuhr und des Verkehrs beleuchtete. Dem Fremden fällt in Paris und London das in großem Maßstabe angewandte Holzpflaster auf. In Paris übernahm 1889 die Stadt selbst die Holzpflasterung, die früher in der Hand von Aktien-Gesellschaften lag. Zu den in Paris bereits»ut Holz gepflasterten Straßen (448 000 Quadratmeter) sollen bis zum Jahre 1393 noch 270 000 Quadratmeter hinzukommen, die auf 800 000 Frcs. veranschlagt sind. In Berlin waren Ende März 1891 im ganzen 70 678 Quadratmeter Holzpflaster vorhanden. Die Besprengung der Straßen geschah in beiden Städten bis vor Kurzem, wie noch jetzt bei uns, mittelst der Sprengwagen, die man dort aber wegen der großen Kosten mehr und mehr auf- giebt. Die neue Methode heißt„k la lance." Aus den Straßen befinden sich in kürzeren Zwischenräumen Hydranten, au die man große, mit einem Ausgußrohr versehene Schläuche spannt. Von einem solchen Hydranten können größere Straßenstrecken aus- kömmlich besprengt werden. Der damit Betraute geht dann zum nächsten Hydranten. schraubt hier seinen Schlauch an und besprengt in gleicher Weise die nächste Strecke. So besorgt ein Mann in derselben Zeit und mit gleicher Wirkung eine Strecke, zu der bei uns zwei Leute, ein Pferd und der schwerfällige Sprengwagen nöthig sind. In der neuesten Zeit benutzt man anstatt der biegsamen Schläuche Metallröhren, die durch Leder- tbeile verbunden sind und auf beräderten Böcken leicht von einem Ort zum andern transportirt werden können. Was die Bedürfniß- anstalten betrifft, so ist die Pariser Art zu tadeln, weil sie vor Allem der Reklame dienen und nicht nachahmenswerth erscheinen; denn meist sind es wenig dezente Dinge, die dort Tag und Nacht durch Transparent sichtbar gemacht werden. Die besten Verhältnisse in diesem Punkte bestehen in London. Dort sieht man keine Bedürfnißanstalten auf der Straße: das wäre dem wenigstens äußerlich zur Schau getragenen Anstandsgefühl der Engländer zuwider. Man hat sie unter dem Erdboden er- richtet, als einmal früher von Unternehmern oberirdische Anstalten erbaut wurden, klagten die Hausbesitzer wegen Entwerthung ihrer Grundstücke und kamen damit durch. So entstanden die„Underground Convenients". Für Benutzung der Anstalt einschließlich Waschtoilette zahlt man 25 Pfg. Aber die Anlagen sind nicht billig: die wohlfeilste kostet 11 900 M., die theuerste(am Picea- dilly-Zirkus) 72 400 M., dieselbe wurde 1391 von 379 742 Per- sonen besucht und brachte einen Ueberschuß von 11 320 M. Die in den ärmsten Gegenden eingerichtete» Anlagen, so im berüch- tigten Whitechapel, sind ganz umsonst. Sämmtliche Anstalten sind mit elektrischem Licht versehen und haben auch sonst viele Bequemlichkeiten. Bezüglich der Müllabsuhr herrschen in Paris die unglaublichsten Zustände. Dagegen muß rühmend hervorgehoben werden, daß es nicht, wie bei uns, gestattet ist, den Müll zu beliebiger Zeit abzuholen. Auch gegen einen zweiten Punkt wandte sich der Vortragende, gegen die Art, wie bei uns die Straßen gefegt werden. In Paris und London kommt es nie vor, daß eine Straße gefegt wird, wenn sie nicht zuvor hin« reichend gesprengt worden ist. Nun leitete der Vortrag zur Schnee-Abfuhr über, die in Berlin ungeheure Summen verschlingt. Die letzte Rechnung betrug 380 000 M. Die Pariser und Londoner haben es billiger. Die an der Seine und Themse ge- legenen Theile werden dadurch gesäubert, daß man Schnee und Schneewasser direkt in die Flüsse befördert; in den anderen Stadtheilen benutzt man die senkrechten, zur Kanalisation führenden Schachte, in die zwei Mann hinabsteigen, um mit Kratzen die hineingeworfenen Massen in der Richtung des Kanal- stroms abzuleiten. Verstopfungen der Röhren sind nirgends vor- gekommen, zumal darin«ine ziemlich gleichmäßige Temperatur von 8 bis 10 Gr. herrscht und die Reinigung in einer Zeit vorgenommen wird, wo von den Häusern möglichst viel warmes Wasser in die Leitungsröhren fließt. Bei uns ist allerdings bis jetzt ein Abladen der Schneemassen, die immer mit Erde vermischt sind, in die Spree nicht möglich; denn diese gehört dem Fiskus, der das der Stadt- Verwaltung nicht erlauben würde, da das Flußbett öfter ge- baggert werden müßte. Schließlich gab der Bortragende noch über den Verkehr in London folgende interessanten Daten: Die Riefenstadt besitzt mit ihren Vorstädten 5 600 000 Einwohner; diese Zahl wächst täglich um 300, die Häuser vermehren sich täglich um 24. Man hat ausgerechnet, daß jeder dritte Londoner einmal am Tage nach der City, dem Herzen Londons, sich be- geben muß. So verweilen dann in dem engen Stadttheil, wo nur 33 000 Menschen wohnen, zur Geschäftszeit nicht weniger als 750 000, und 350 000 halten sich dort den ganzen Tag auf. Dieser außerordentliche Verkehr wird durch dre innegehaltene Ordnung vollkommen beherrscht. Hierzu trägt vor allen Dingen die streng durchgeführte Regel bei:„Links gehen und fahren!" (In ganz England weicht man links aus, auf dem Kontinent be- kanntlich rechts.) Die Straßen sind durch in der Mitte auf- gereihte Laternen, Droschken, kleine Erfrischungsstcllen für die Kutscher, durch Feuerwehr und ihre Requisiten streng in eine rechte und eine linke Hälfte getheilt, so daß ein unregelmäßiges Kreuzen der Straße durch ein Fuhrwerk gar nicht geschehen kann. Der Polizei spendet einer unserer Abonnenten eitel Lob, indem er uns schreibt: Als ich am Sonnabend Abend zwischen 5 und 6 Uhr vor der städtischen Gasanstalt vorüberging und die Prenzlauer Chaussee passtren wollte, wurde ich durch ein Kohlenfuhrwerk aufgehalten, welches nur sehr mühsam vorwärts konnte. Als ich einige Augenblicke stehen blieb, hörte ich ein Wimmern und sah etwa 30 Schritt von mir entfernt auf der Chaussee einen Menschen sich umherwälzen. Ich eilte hinzu und frug einen Jungen, der sich mit dem Stöhnenden zu schaffen machte, was denn los sei. Ich erhielt die Antwort, der Mann hätte das Kohlenfuhrwerk schieben helfen, sei dabei ausgeglitten, hingefallen und überfahren worden. Der Verwundete war im Begriff ge- wesen, nach dem Asyl zu gehen, um dort zu nächtigen und hatte sich bei dem Fuhrwerke behilflich gemacht, weil er gesehen hatte. daß die Pferde durch den hohen Schnee nicht mehr so recht vor» wärts konnten. Ich habe nun ganz deutlich gesehen, daß noch drei Mann bei dem Fuhrwerk waren, der Kutscher, ein Kohlen- träger und noch ein Mann. Diese fuhren ruhig ihres Weges weiter und ließen den Hilflosen stöhnend im Schnee liegen. Das war die Dankbarkeit dafür, daß dieser geholfen hatte, den Wagen vorwärts zu bringen. Wie ich mich bald überzeugte, waren dem armen Menschen die Räder des schweren Kohlen- wagens über einen Fuß gegangen, welcher zerbrochen und zer- rädert war. Vor allen Dmgen hoben wir den Verunglückten auf, brachten ihn von der Chaussee weg und lehnten ihn mit dem Rücken gegen einen Baum. Ich versprach, auf alle Fälle Hilfe herbeizuschaffen und lies nach dem nächsten Polizeibureau, Ecke Wörther- Platz und Weißenburger- straße. Der Lieutenant war gerade auf der Wache, und ihm meldete ich den Vorfall. Ohne Verzug beorderte derselbe einen Wachtmeister und einen Schutzmann, mit mir zu gehen und für den Verunglückten zu sorgen, sowie den Sachverhalt festzustellen. Der Wachtmeister wollte erst noch einige Worte schreiben, aber der Lieutenant duldete daS nicht, das habe bis morgen Zeit, der arme Verunglückte gehe vor» also: Vor- wärts, sofort zu ihm! In einer Minute waren die Leute an- gezogen, und im Lausschritt ging's nach der von mir bezeichneten Stelle. Ich bin gewiß kein großer Freund von der Polizei ans Gründen, die ich hier nicht näher erörtern will. Aber das Vor- gehen des Lieutenants hat mir so gefallen, daß ich mich ver- pflichtet halte, Ihnen den Vorfall mitzutheilen. Ich weiß, daß Sie nicht nur zu tadeln verstehen, sondern auch mit Ihrer Anerkennung nicht zurückhalten, wo dieselbe am Platze ist. Die Polizeimannschaften hatten denn auch in kürzester Zeit dafür Sorge getragen, daß der Verunglückte nach dem Siechenhaus transportirt wurde, wo die Aerzte sofort ihr Möglichstes thaten, um einen regelrechten Verband anzulegen und die Schmerzen zu lindern. Für das Leben des Vernnglückten sollen Gefahren nicht bestehen, vielleicht heilt auch der Beinbruch so aus, daß derselbe vor dem traurigen Schicksal bewahrt bleibt, für den Rest seines Lebens als Krüppel einherhinken zu müssen. Ich verzichte auf jeden Dank, denn ich habe nur gethan, was die Menschlich- keit erforderte, derselbe gebührt also in erster Linie dem folizeilieutenant, welcher die Hilfeleistung so energisch in die and nahm. Ueber Berlin als kosmopolitische Stadt giebt die neueste Nummer der„Statistischen Korrespondenz" an der Hand des Volkszählungs- Ergebnisses vom I.Dezember 1890 Auskunft. Danach leben in Berlin jetzt Reichs- Ausländer im Ganzen 17 704 Personen, davon 10 558 männlich und 7146 weiblich. Bis auf etwa 1500 sind sie sämmtlich Europäer. An ihrer Spitze marschirt Oesterreich in runder Zahl 7300 Seelen, darunter 4500 Männer, eine sehr stattliche Kolonie, die auch in zahlreichen Verbindungen und Wohlthätigkeitsanstalten sich ineinanderschließt und verstärkt wird durch 900 Ungarn. Folgen wir der politischen Konstellation und erwähnen zunächst Italien mit 560 Seelen (440 Männer) und die handelsbefreundete Schweiz mit 740 Seelen Als eine andere Gruppe lassen sich Russen und s sammenfassen. Die ersteren sind immer noch sehr statt! 1358 Männer und 1053 Frauen, während Frankreich uns am 1. Dezember 1S90nur400Stadtgenossenstellt-. HollandmitS00 Seelen hat Belgien überflügelt. Letzteres hat in Berlin nur 160 Staats- angehörige. Dagegen ist die Zahl der Skandinavier im Zu- nehmen begriffen. Wir haben in unserer Mitte ständig 650 Dänen. 220 Norweger und nahezu 600 Schweden. Halbasien ist merk- würdiger Wels« nicht so stark vertreten, als man allgemein glaubte: 5 Bulgaren. 120 Bürger der europäischen Türkei. 240 Rumänen und 12 Serben, das ist Alles. Spanien und ortugal sind mit zusammen 75 Seelen vertreten und nur drei tasten mit gar keiner Seele: Liechtenstein, von dem es nicht wundern darf, denn es kann wahrscheinlich Niemanden entbehren, Bosnie». das uns nur hin und wieder etwas von seiner Schweine- zucht zuwendet, ohne uns mit seinen Bürgern in nähere Be- rührung zu bringen, und Monaco: Desto fleißiger gehen manche Berliner dorthin. Bleibt von Europa noch Großbritannien zu er- wähnen, als Uebergang zu den Amerikanern. Wir haben also nach der letzten Zählung 520 Engländer und 653 Engländerinnen in Berlin— das weibliche Uebergewicht erklärt sich durd, die Vorliebe für englische Gouvernanten. Die Amerikaner sind zahl- Franzosen ttlich vertreten, »u- reicher alZ die Engländer. Die statistische Aufnahme weist <592 Herren und 770 Damen auf. Dann kommen aus süd- amerikanischen Staaten zusammen noch 160 Seelen, aus Afrika nur 20, aus Alien und China 23 Männer und 6 Frauen und ans Brasilien ob Männer und 1 Frau. Australien endlich ist im Ganzen nur durch eine Dame vertreten. Soweit die Liften. Indessen können sie als erschöpfend nicht angesehen werde». Sie stellen nur fest, daß 17 704 Ausländer am 1. Dezember 1890 gezählt worden sind, schweigen aber erstens von den Ausländern, die zwar in Groß-Berlin, aber außerhalb der Weichbildgrenz« wohnen und dann von denen, welche bei der Volkszählung nicht ausgenommen worden, weil weder sie noch ihre Wirthsleute mit den fragereichen Formularen bezüglich der Ausländer sich be- fassen mochten. Ein Vergleich mit den Zahlen von 1885 zeigt, daß die Zahl der in Berlin(und in Preußen) wohnenden Russen sich in den letzten Jahren um 10 000 vermindert, die der Oester- reicher um 5000 vergrößert hat. Aus einer Statistik auS dem Berliner Verkehrsleben ist ersichtlich, daß in den sieben Jahren 1831—1883 der rasche Hinzutritt von 966 Pferdebahnwagen und 5192 Pferden zur Be- spannung derselben auf das den Straßenverkehr sonst noch dienende Fuhrwerk nicht sehr vermindernd gewirkt hat. Während im Jahre 1881 die Zahl der Pferde in Berlin 28 877 betrug, wurden im Jahre 1888 nicht weniger als 33 081 gezählt— uu- terechnet in beiden Zahlen die dem Staate gehörenden Pferde. >ie XJlilnibus-Wageii sind von 134 auf 217, die der Droschken von 4631 auf 4695, die der Thorwagen von 290 auf 373, und die zur Bespannung dieser Kategorien dienenden Pferde von 8795 auf 9531 gestiegen. Bei den Droschken und Thor- wagen ist hiernach die Zunahme gering und es ist wahrscheinlich, daß hierin auch weiterhin keine Aenderung eintreten wird. Im Omnibusverkehr hat sich dagegen in den 7 Jahren eine Steigerung von 63 Wagen— 62 pCt. und in der beförderten Personenzahl eine Vermehrung von 9 690 774 auf 23 487 355 oder insgesammt um 13 791 031 Per- sonen oder 142 pCt. gezeigt. Ein nur unbedeutender Bruchtheil des Berliner Personenverkehrs wird durch die Dampfschifffahrt vermittelt. 243 734 im Jahre 1381 und 394 173 im Jahre 1833. Mit der im Gange befindlichen Durchbrechung der Spree am Mühlendamm wird aber die Grundlage zu einer fast unabsehbaren Entwickelung gerade dieser Verkehrsart geschaffen. Die Personen- beförderuug auf der Berliner Stadt- und Ringbahn stieg von 9 347 650 im Jahre 1831 aus 29 294 767 im Jahre 1888. Man darf hiervon vielleicht 30 pCt. in Abzug bringen, welche nicht Ortsverkehr im engeren Sinne sind; alsdann zeigt es sich, welch verhältnißmäßig geringer Bruchtheil von den Lokomotiv-Eisen- bahnen der Eiadt bewältigt wird. Der Omnibusverkehr kommt diesem Verkehr gleich, der Pserdebahn-Verkehr betrug mehr als das Sechssache. Die erinnerungsreichen Stätten alten Berliner Lebens schwinden inehr und mehr. Zum ersten April wird wieder ein Gebäude niedergelegt, dessen Entstehung in das graue Mittelalter zurückgreift— die Reste des ehemaligen Hofes der Kalandsbrüder an der Ecke der Kalandsgasse und der Kloslerstraße. Schon infolge der Verbreiterung der Reuen Friedrichstraße hatte das Grundstück vor einigen Jahren eine erhebliche Einbuße erlitten, und jetzt wird eine,» Neubau auch der letzte Ueberrest, jenes Haus an der Klosterstraße, welches sich tief»ach hinten erstreckt, weichen. Wenige Häuser dürsten in Berlin noch zu finden sein, wo sich das Alte in der ganzen Anlage und in gewissen Theilen in solcher Weise erhalten hat. wie dort. Seit dem Anfcng« deS 14. Jahrhunderts diente der Hof den Kalandsbrüdern zum Aufenthalte. Als sich in der Brüderschaft, die eigentlich Wohlthätigkeits- zivecke verfolgt?, aber arge Mißbränche einstellten, hob Papst Eugen IV. auf Veranlaffuna Kursürst Friedrichs II. sämmtliche Kalande in der Mark auf. Im Jahre 1698 ward der Verkauf des Kalandshoses mit landesherrlicher Bewilligung an den Rath von Berlin beschlossen. Dieser verwendete den Hof nach einem Neubau zum Sladtgefängnisse. Nachdem man aber im Jahre 1797 ein neues Stddtgefängniß in den Hintergebäuden des Hauses .Molkenmarlt Nr. 1" eingerichtet hatte, wurde der nach der Klosterstraße gelegene Theil des KalandShoseS an den Maurermeister Adler verkaust, während das an der Königsmauer belegene Hintergebäude zu Wohnungen der Stadtdiener benutzt wurde. Adler vertauste einen Theil seines Besitzes im Jahr« 1801 an den Geh. Ober-Finanzralh Schomer, und aus dieser Zeit mag auch die im Empire-Geschmack gehaltene hübsch« Front deS eingeschossigen Baues Klofterstr. 91 herrühren. Die Besitzer wechselten alSdann verschiedene Male. Jetzt ist Sigenthümer der Schlächtermeister Breslauer. Im Laden sieht man ein prachtvolles Sterngewölbe, sich stützend aus vier gewaltigen Pfeilern. Es ist das richtige Kalandgewölbe. ganz gehalten im Charakter des 14. Jahr- Hunderls und übereinstimmend mit dem Gewölb« deS vor zwei Jahren am Köllnischen Fischmarkt niedergelegten Baues, sowie mit den Gewölben anderer märkischer Kalande, wie beispielsweise in Spandau und in Bernau. Aus jenem Ueberrest in der Klosterstraße, wie aus der Anlage der Keller ergiedt sich, daß der Neubau, welchen der Rath von Berlin zu Slnsang des 13. Jahrhunderts vorgenommen, im Wesent- lichen ein Umbau gewesen ist, der welchem Keller und Erdgeschoß des alten Gebäudes ziemlich geschont worden sind. Die Keller sind mit mächtigen Tongewölben überspannt— einer von ihnen liegt mit der Sohl« um einig« Meter tiefer wie die anderen. Die Wände bestehen aus mächtigen märkischen Granitfindlingen, zu welchem später als Flickwerk Ziegel in großem Format hinzugetreten sind. Aus solchen Findlingsblocken scheint das ganz« Fundament zu bestehen. Trotz shrer tiefen Lage dringt nicht das geringste Grundwasser in dies« unterirdischen Gelasse hinein. Ein Gang, welcher von hier nach der Marienkirche führte, ist in späterer Zeit zugemauert worden Dies« ganze Subkonstruktion niacht einen cnklopenhasten und alterthumUchen Eindruck. Es ist schade um den alten, schönen und interessanten Bau, der nun auf immer dahingeht. Zu er- warten steht, daß sich dein» Abbruch noch mancher bemerkens- werthe Fund ergeben wird. Schon vor einigen Jahren ist dem Märkischen Museum eine daselbst gefundene eiserne Wettersahne aus der Mitte des 17. Jahrhunderts übergeben worden. Der Verkauf von Bahnstelg-Karten mittelst Automaten, wie er seit drei Wochen auf Bahnhof Friedrichstraße eingeführt nzorden ist. scheint sich nicht z» bewähren. Die Absicht der Bahn- Verwaltung, den Andrang zu den Schaltern durch Aufstellung des Automaten zu vermindern, ist als mißlungen zu betrachten, - und auS diesem Grunde wird von der Aufstellung weiterer Auto- uiaten auf anderen Etadtbahnhösen Abstand genommen werden. Ein Bcgräbniff mit Hindernisse«, wie es wohl in Berlin noch nicht vorgekommen ist, fand am 14. d. Mts. auf dem Nazareth-Kirchhof statt. Als am genannten Tage Nachmittags 3 Uhr die Leiche des Böttchers Balkmeister beerdigt werden sollte und das Trauergefolge mit der Leiche am Kirchhof angelangt war, war die Thür des Friedhofes merkwürdiger Weise noch verschloffen. Es blieb unter diesen Umständen nichts Anderes übrig, als den Sarg niederzusetzen und die Klingel zun, Friedhofs- Verwalter in Bewegung zu setzen. Nach wiederholte», Klingeln erschien denn auch der Verwalter und wunderte sich höchlichst über den Trauerkondukt. Nach längerem Hin- und Herreden stellte es sich denn heraus, daß für die Leiche überhaupt»och kein Grab hergestellt worden war. Jetzt war guter Rath theucr. Sollte man mit dem Tobten wieder umkehren? Das war nicht thunlichst und so entschloß man sich, zuerst auf die Such«„ach Kirchhossarbeitern zu gehen. Die waren aber nirgends zu finden und so wurde der Sarg zunächst nach der Leichenhalle aeschanl. Dann ging es unter Vorantritt des Verwalters nach der Stelle des Kirchhofes, in welcher der Tobte hätte ruhen sollen. Ein Theil der männlichen Leid: tragenden entledigt« sich der Röcke und nun begann«in Hacken und Graben, als wenn es gelte, Festungswälle aufzuwerfen. Endlich war im Schweiße des Angesichts die vorgeschriebene Tiefe von 6 Fuß erreicht, die Leidtragenden legten Hacke und Schaufel bei Seite, zogen ihre Röcke wieder an und zetzt endlich war es möglich, den Tobten bestatten zu können. Daß sich dieser Akt besonders weihevoll gestaltet hätte, konnte Niemand behaupten, dazu waren die Umstände, welche der Beisetzung vorangegangen waren, wahrlich nicht angethan. Beim Verlassen des Friedhofes machte sich auch der Groll in manch' heftigen Worten Lust und allgemein wurde die Frage aufgeworfen: Wer trug die Schuld au diesem unliebsamen Ereigniß? Auf Seiten der Angehörigen des Verstorbenen konnte dieselbe unmöglich liegen, denn dieselben hatten Anmeldungen jc. durchaus vorschriftsmäßig besorgt. All- gemein machte sich die Ansicht geltend, daß die Kirchhofsverwaltung, ganz besonders den Kirchhofsverwalter selbst die Schuld treffe. Mag nun die Eintragung an falscher Stelle oder an falschem Tage erfolgt sein oder mag ein sonstiges Versehen vorliegen, der Verwalter ist verantwortlich für den höchst peinlichen Zwischenfall. Daß die Leidtragenden ohne Weiteres die Erlaubniß erhielten, selbst das Grab auszuschaufeln, spricht auch nicht dafür, daß diese ein Ver- 'chulden trifft. Es blieb eben nichts Anderes übrig, als daß diese elbst kräftig mit Hand anlegen mußten, wenn anders die Be- erdigung überhaupt von Stalten gehen sollte. Somit ist das Ver- sehe» ohne Zweifel auf Seite des Friedhossverwalters gewesen. Das ist aber sonst ein sehr strenger Herr, der weiß, was er seinem Amte schuldig ist. Als»eulich ein Parteigenosse auf dem- selben Friedhof beerdigt wurde, wollte der Gesangverein der Töpfer das Lied:„Ein Sohn des Volkes" am Grabe singen. Der Verein halte aber die Rechnung ohne den Verwalter ge- macht, welcher das Singen dieses Liedes strengstens verbot. Möge der Verwalter in Zukunft immer so auf dem Posten sein, wie in diesem Falle! Seit einiger Feit ist bei den hiesigen höheren Lehr- anstalten ein Lehrbuch eingeführt worden, welches sich betitelt: „Vollständiger Lehrgang zur leichten, schnellen und gründlichen Erlernung der englischen Sprache von H. Plato, vormals ordentlicher Lehrer an der Realschule zu Bremen, erste Elementarstufe." In der 51. verbesserten Auflage dieser Gram- matik nun sind die einzelnen Sätze der Lektionen durch Striche oder Zahle», wie es sonst wobl üblich ist, nicht von einander getrennt worden, und man begegnet daher in dem Lehrbuch ganz merkwürdige» Zusammenstellungen. So heißt es in Lektion 55: „Man vermutyet, daß der König im Monat August hierher- kommen werde. Als ich den Menschen wieder sah, erkannte ich sogleich, daß er derselbe Schurke war, der meinen Freund betrogen hatte!" und an einer anderen Stelle weiter:„Die Alten bildeten sich ein, daß die Sonne sich um die Erde bewege. Du kannst nicht leugnen, daß Deine Nachlässigkeit die Ursache dieses Unglücks ist." Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich am Montag Abend auf der hiesigen Stadtbahn. Als vorgestern Morgen die Beamten der Station Thiergarten ihren Dienst antraten, be- merkten sie auf dem Externgeleise hart an der Bahnhofshalle den buchstäblich in Stücke zerrissenen Leichnam eines Mannes. Bis auf weite Strecken hin fand man noch Fleischtheile vor. welche der Zug, der den Mann überfahren, mit sich fortgerissen hatte. Gestern nun ist die Leiche als diejenige des 35 Jahre alten Fabrikanten Max Josephsohn, welcher unter der Firma Friedländcr u. Joseph- söhn eine Fabrik von Lowries und Schmalspurdahnen Seller- straße 6 in Berlin betrieb, rekognoszirt worden. Der unver- heirathete Fabrikbesitzer, welcher Kolhenerstraße 48 bei seiner Mutter wohnte und in den besten Verhältnissen lebte, ist am Montag Abend von Potsdam nach Berlin gefahren. Er muß, dem Verbote entgegen, auf der Plattform des Wagens gestanden haben, als der Zug um 10 Uhr 16 Minuten durch die Station Thiergarten fuhr, ist voraussichtlich hier abgestürzt, gegen das eiserne Geländer des Viadukts geschleudert und dann von dem Zuge erfaßt worden. Die Leiche ist dem Charlottenburger Schau- hailse überwiesen worden.— Ein anderes Unglück auf der Bahn hat fich gestern in Spandau ereignet. Tort zermalmte, wie uns gemeldet wird, ein Vorortzug einen russischen Auswanderer. Ein gefährlicher Messerheld ist der Maurer Schilling, welcher in der Nacht zum 24. d. M. verhaftet wurde. Er hatte in dem Lokal von W. in der Kurfürsteniiraße mit mehreren un- bekannten Männern Karten gespielt, wobei ihm falsches Spiel vorgeworfen worden war. Schilling soll darauf erwidert haben, er pfeife aus die Redlichkeit. Hierdurch ist es zu Streitigkeiten gekomme», die sich nach Schluß deS Lokals auf die Straße ver- pflanzte» und hier in Thätlichleiten ausarteten. Schilling zog dabei sein Messer und sprang aus«inen Mitspieler, welcher sich aber an ihm nicht thätlich vergriffen hatte, den Maler Kiesewetter zu und stieß ihm das Messer mit solcher Gewalt unter dem linken Auge in die Wange, daß die Klinge abbrach und ein großes Stück derselben in der Wunde haften blieb. Auf der Samtäts- Wach« konnte dasselbe nicht aus der Wange entfernt werden, und eS mußte dem Verletzten in der Klinik dieserhalb der linke Ge- sichtslnochen aufgemeißelt werden. Ob das linke Auge erhalten bleibt, ist fraglich: jedenfalls ist die Verletzung eine sehr gesähr- liche, da das Gehirn getroffen worden ist. Unglücksfall oder Verbrechen? Ueber das geheimnißvolle Verschwinden eines Agenten wird u»S folgendes auS dem bei Köpenick belegene» Dorfe Rudow gemeldet. Der daselbst wohnende Llgent Adolph Bartholo eutsernte sich am Sonntag früh 3 Uhr aus seiner Wohnung, um in Köpenick, AdlerShof, Grünau Rechnungen einzukassiren und bat allem Anschein nach 400 bis 500 M. bei sich gehabt. B. ist nun bis heute nicht zurückgekehrt und da der Agent als ein fleißiger, solider Mann galt, so nuithmaßt man, daß demselben«in Unglücksfall zugestoßen oder B. das Opfer einer Blutthat geworden ist. Am Sonntag Abend um 7 Uhr ist nämlich B. noch in dem Restaurant von Leopold in Adlershof gewesen und dort haben sich zwei unbekannte Männer ihm zugesellt, mit welchen der Agent schließlich das Wirthshaus verlassen hat, um»ach Rudow zurückzukehren; seit dieser Zeit hat Niemand mehr de» Agenten gesehen und auch die Begleiter deS Letzteren haben sich trotz Aufforderungen und Recherchen der Köpenicker Polizei noch nicht gemeldet. B. befindet sich im kräftigsten Mannesalter. Polizei-Bericht. Am 26. d. M., Morgen?, wurde ein Ar- beiter anf dein Abort des Hauses Linienstr. 35 erhängt vorgefunden.— Abends versuchte«in geisteskranker Feilenhauer mit seiner Frau, als er aus dem Stadtbahnhof Börse«inen Zug versäumt hatte, aus den Geleisen entlang zu gehen. Sln der Kaiser- Wilhelmstraße wollte er sich aus die Straß« hinabstürzen, wurde jedoch durch zwei Männer, welche infolge der Hilserufe der Frau den Bahnsteig erstiegen hatten, daran verhindert. Von einein in- zwischen voruberfahrenden Zuge wurde er und seine Frau erfaßt, zur Seite gestoßen und beide am Kopf verletzt. Er wurde auf Anordnung de« BezirkS-Physiku? nach der Charit«? gebracht.— Zu derselben Zeit versuchte ein Seidenwirker in seiner Wohnung, Am Ostbahnhof 2. sich mittelst Rasirmessers die Adern an beiden Handgelenken zu d"rchsch>,eid«n.— Im Laust des Tages fanden 4 kleine Brände statt. Merickks-Äeikung. „Adel verpflichtet'." In der Anklagesache gegen den Agenten Abrahamson. in welcher der Kammerherr Graf v. Gers- dorff die Hauptrolle spielt, ist«in neuer Termin zur Haupt- Verhandlung auf den 25. Februar angesetzt worden. Bezüglich der von dem letzteren in die Zeitungen lancirten„Berichtigung" macht unS unser Gerichts-Benchterstatter folgend« Mittheilungen, zu welchen er von dem Rechtsanwalt Dr. Fr. Friedmann aus» drücklich autorisirt ist: Um jede Annahme auszuschließen, ms ob jener sogenannten Berichtigung gegenüber irgend eine derjenigen Behauptungen zurückgezogen würde, welche vem Berichte gemäß von dem Vertheidiger m der ofientlichen Verhandlung des Abrahamson'sches Prozesses ausgestellt sind, hält der Vertheidiger dieselben vollinhaltlich aufrecht, lroy der von berufener und unberufener Seite seit dem Erscheinen des Grafen G. in Berlin gegen den Anwalt unternommenen Ein- schüchterungs-Verfuche. Es wird betont, daß die Behauptungen ausgestellt sind trotz der vorher verlesenen. in ihrer Art woyl einzig dastehenden Depesche des Zeugen Graf G., in welcher dieser per Telegramm von Wien aus seine früheren Aussagen eidlich erhärtete. Bei dem Umfang der Angelegenheit und der Divergenz der von dem Grasen m seinem sogenannten Be- richtigungsschreiben herausgegriffenen Punkte, kann im Allgeinemen nur die mundliche Verhandlung Aufklärung verschaffen und es wird sich da zeigen, ob der Zeuge eidlich den Inhalt seines Berichtigungs- schreibens bestätigen wird. Im Allgemeinen bemerkt der Rechtsanwatt Dr. Fr. zu den von dem Grafen aufgestellten Punkten kurz folgendes: Die Erwartung, daß der Zeuge nur dann nach Berlin konimen könne und iverde, wenn er seine Schulden vorher be- glichen, sei, wie leicht, nachzuweisen, berechtigt gewesen und w«de der Zeuge wohl mittheilen können, welche Zahlungen er geleinrt, seitdem er in Berlin eingetroffen. Dr. Fr. hat sich nämlich Kenntniß von den inzwischen gemachten Zahlungen verschafft Dem letzteren erscheint es ferner unerfindlich, mit welchem Recht es Graf G. für unwahr erklärt, daß ihn hier oficue Ordres erwarteten. Am Tage der gerichtlichen Verhandlung m Sachen Abrahanison warteten auf das Erscheinen des Grafen zwei Gerichtsvollzieher, der eine vor dem Sitzungszimmer der Strafkammer, der andere auf der Treppe des Gerichtsgebäudes. Inwiefern gegenwärtig auf die Möglichkeit, eine solche offene Ordre zu vollstr-cken, die Immunität der Abgeordneten einwirkt, ist Rechtsfrage. Auf die direkt den Abrahamson'schen Prozeß be- treffenden Behauptungen des Grafen will der Vertheidiger, um nicht der vom Gerichtshofe vorzunehmenden Beweisaufnahme vorzugreifen, nicht eingehen. Außerhalb dieses Rahmens giebt aber der Vertheidiger, nachdem ihm trotz der ihm vor- liegenden Pfändungen und Arrestbriefe Unwahrheit vorgeworfen worden und nachdem sich das demselben von allen Seiten freiwillig zugehende Material täglich vermehrt, von der Art, in welcher Gras G. Exekutionen zu vermeiden weiß- folgende Probe, die er m der Hauptverl, andlung beweisen will: In einer Prozeßsache hatte Graf G. 1250 M. zu zahlen. Als der Gerichtsvollzieher bei ihm erschien, legte er demselben»ur Abwendung der Exekution einen Postschein vor. wonach er den Betrag an den Kläger abgesandt haben wollte. Der Gerichts- Vollzieher stand infolge dessen von der Pfändung ab und be- richtete dem entsprechend dem betreffenden Rechtsanwalt: „daß Schuldner am heutigen Tage 1250 M. laut vorgelegtem Briefpostschein an den Klager abgesandt habe." Thalsächlich aber hatte der Graf uicht etwa 1250 M. baar abgesandt, sondern in ein Kouvert ein 3.Monats- Akzept auf sich über diese Summe gelegt, auf dieses Kouvert„Inliegend 1250 M." geschrieben und dementsprechend einen Postschein er- halten. Der Brief, dessen Adresse von dem Grasen selbst geschrieben ist, ist mit 5 Siegeln und mit dem gräflichen Wappen als Geld- brief gesiegelt und wird im Hauptverhandlungs-Termine vorgelegt werden. Außerdem wird auch der Empfänger jenes Briefes und der Gerichtsvollzieher g-iaden werden.— Alle weiteren Wider- legungen der Graf G.'schen„Berichtigung" will sich der Ber- theidiger zur Hauptverhandlung vorbehalten. Tie gehässige Gesinnung einzelner Kutscher gegen die Belocipedfahrer zeigte sich wiederum in einer Verhandlung, welch- gestern vor der VII. Strafkammer des Landgerichts I gegen den Arbeiter Hermami Trebuth stattfaiid. Derselbe war der fahrlässigen und vorsätzlichen Körperverletzung sowie der Sachbeschädigung beschuldigt. Am 23. September v. I. fuhr der Restaurateur L. auf seinem Dreirad durch die Sebastianstraße. An der Kreuzung der Alexandrinenstraße begegnete ihm der An- geklagte, der einen leeren Kohlenwagen führte. L. hielt sich vor- schriftSmäßig auf der rechten Seite und da der ihm entgegen- kommende Angeklagte, der ebenfalls auf der rechten Seite fuhr. keine Miene machte auSzubiegen, sondern dem Winken L.'s nur ein höhnisches Lachen entgegensetzte, war der Letzlere der Meinung, daß der Angeklagte in die Alexandrinenstraße einbiegen, und zu diesem «wecke einen größeren Bogen auf der sonst vollständig freien traße beschreiben wollte. L. brachte deshalb sein Dreirad zum Stillstand. Der Angeklagte bog indeffen keineswegs aus und ob- gleich L. sich mit seinem Dreirad hart an der Bordschwell« hielt, ivurde sein Gefährt von dem Wagen des Angeklagten angefahren und vollständig zertrümmert. L. fiel auf den Bürgersteig und erlitt erhebliche Verletzungen. Er sprang auf und verfolgte den Angeklagten, der eiligst davon zu fahren versuchte. Als L. dem Pferde in die Zügel fiel, ließ der An« geklagte eine Menge Peitschenhiebe auf ihn niedersausen, der Gemißhandelte hielt aber trotzdem fest, bis«in Schutzmann ihm zu Hilfe kam. Da der Angeklagte behauptete, daß das Anfahren nicht vorsätzlich geschehen sei und ihm das Geaentheil nicht bewiesen werden konnte, so blieb es in Betreff dieses Punktes bei der Fahrlässigkeit. Der Staatsanwalt be- antrete gegen den Angeklagten eine Gefängnißstrafe von sieben Monaten. Der Gerichtshof hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß der Angeklagte den Restaurateur L. vorsätzlich angefahren hatte und bei der Rohheit seines ganzen Verhaltens eine empfind- licht Strafe verdiene. Es wurde auf ein Jahr Gesängniß und sofortige Verhaftung des Verurtheilten erkannt. Durchstechereien mit einem Fahrgaste haben den Eisen- bahnschaffner Karl Hofsmann eine Anklage wegen Betrugs zugewgen, welche gestcrn vor der Berufungsinstanz des Land- äerichtS I gegen ihn verhandelt wurde. In erster Instanz war Hoffmann für überführt erachtet und zu einer Geldstrafe von 20 M. verurthcilt worden. An einem Dezcinbertage 1890 fand der tontrollirende Verkehrsbcamte in Stettin einen 12jShrigen Knaben als einzigen Fahraast in einem Wagen l. Klaffe. Der Angeklagte, der den Zug. der nur Wagen 1. und 2. Klasse führte. bediente, erklärte auf Befragen, daß er den Knaben, der nach Stargard reisen wolle und eine Fahrkarte 2. Klasse gelöst habe, wegen Raummangels in der ersten Klaffe habe unterbringen müssen. Daß diese Angabe unwahr war, wurde bald erwiesen und in der gestrigen Verhandlung der Sachverhalt ebenso fest- gestellt, wie m der ersten Instanz. Der detreffende Knabe ist der söhn eines Restaurateurs in Staraard, der während der Ferien bei Verwandten in Berlin zum Besuch- gewesen. Er hatte nur eine Fahrkarte vierter Klaffe gelöst. Als der Knabe an jenem Morgen zur Rückkehr nach Stargard auf dem Stettiner Bahnhofe eintraf, wurde er von dem Angeklagten w Empfang genommen und in einen Wagen erster Klaffe gesteckt. Wie der Knabe zugab, hatte er unterwegs dem Augeklagten Trinkgeld gegeben und sei der Letztere auch bei einem späteren Besuche in der Restauration des Vaters belohnt worden. Der Gerichtshof zweiter Instanz zweifelte ebcnsalls nicht an der Schuld des Angeklagten, sondern bestätigte das erste Urtheil. Det stnd von vorne heri« drei Theile, us die ick meinen Standpunkt berufe. Del sind mein jutet Jewissen, meine straN- freien Handakte», der Parajraf so und so— ick jloobe, er H«P* Nummer 198 von't königlich preußische Jesctzbuch—, Grund dessen ick mir voll un lanz in die berechtigte Wahrnehmung meiner Jntereffen befunden habe un schließlich det Jerechtigteils« jesühl von den hohen Herrn Jerichtshof. So der Töpfer B..•» der sich wegen Hausirisdensbruchs und Sachbeschädigung vor dem Schöffengerichte zu verantworten hatte. Vors.(seufzend): Das kann ja nett werden. Angeklagter, das sind ja vier Theile. ich denke aber. Sie verlassen sich einfach auf daS Ergebniß der Beweisaufnahme, Gerechtigkeit wir» /lüt Ihnen werden. Wir werden die Sache, die an sich ja einfach ist, ruhig und ohne Umschweife miteinander de- sprechen, ich frage und Sie antworten, damit kommen wir am weitesten.— A n g e k l.: Na. Herr Präsident, die Sache is doch en apartiger Fummel mit cn jewissen Dolus, wie die Herren Juristen sage», ick muß doch voll un janz uff meine Frei- sprechung plaidiren.— Vors.? Also. Sie bestreiten Ihre Schuld? — A n g e k l.: Voll un janz.— Vors.: Am 30. September befanden Sie sich in dem Lokale des Schankwirths M. in der Prinzenstraße?— An gell.: Voll un— nee. wat ick sagen wollte, ick war da, aber blos als Jaft.— Vors.: Nun natür- lich. Sie geriethen mit den übrigen Gästen in Streit?— A n g e k l.: So war et nu doch nich, aber wenn ick det nich erzählen derf, denn kann mir der Parajraf 133 ja jarnischt nutzen.— Vors.: Nun, dann meinetwegen, aber mache» Sie's kurz!— A n g e k l.: Am 30. September treffe ick nach längere Zeit mit meinen alten Freund, den Stubenbohner S. zusammen. Wir klagen uns jejenseitig über die schlechten Zeitverhältnisse wat vor und jehen so weiter, bis wir an die„Stille Liebe' sind.— Vors.: Stille Liebe? Was soll das heißen?— Angekl.: Del is en Kellerlokal. Wat mein Freund is, der meent:„Komm ,nit runter, wir wollen uns für'n Jroschen andere Jedanken koofen."„Is gut, sage ick, da bin ick voll und janz mit einver- standen.' Wir denn runter, wo wir uns jeder en jroßen„Liebe mit Jefühl' inschenken ließen. Del is en sehr schöner Schnaps. den der Wirth selbst ufsetzen dhut. det is aber noch det eenzige, worin er voll un janz meine Beipflichtung besitzen dhut. Meiner Ansicht nach, is da en bisken ville Kalmus mang, aber— Vors.: Kommen Sie zur Sache selbst.— Angekl.: An eenen jroßen runden Tisch saßen en Stückener fünf, sechs Jäste un et war'ne sehr heftig« Unterhaltung, eener hatte den Mordprozeß Heintze vorjelesen un nu konnten sie nich dadrieber einig wer'n, ob der Heintze et jewesen war, oder nich. Einije meenten, det er unrettbar verloren wäre un die Anderen sagten wieder, er könnte jarnich vermöbelt wer'n. indem det keen hin« reichendet Indizium jejen ihn vorhanden wäre. Det jing so rüber un'nüber un een Jeder blieb bei seine Meinung, bis ick mir ooch an die Unterhaltung betheilije.„Meine Herren!' sage ick, »ich weil der Heintze jewissermaßen en Kolleje von mir is. denn ick bin ooch Töpper, aber ick habe dadrieber eene andere Ansicht. Sehen Sie, zum Beispiel er is et jewesen un et kann ihm»ich bewiesen wer'n, denn wird er nich voll un janz freijesprochen, nee, durchaus un durchum nich, denn stvenn et ihm bewiesen wird, det er eenen kennen dhut, der wieder eenen kannte, der jesagt hat, det er dabei jewesen wäre, als sie den Braun um die Ecke brachten, denn kann er wejen Theilnahme rinschliddern. Aber hinjericht' wird er nich, indem die Sache nich hinreichend usjeklärt is. Nu sagen Sie selbst. Herr Jerichtshof, hatte ick Recht, oder hatten die Un- recht?— Borsitzender: AnS dieser Unterhaltung entspann sich nun ein Streit, der Wirth wies Sie hinaus und Sie gingen nicht?— Angekl.: Als ick die Dussels det in vernünftiger Weise ausenander jesetzt hatte, riefen sie Alle: Wat is det for'n Quals chkopp? wodruf ick ruhig sagte: Meine Herren, ohne Sie zu schmeicheln, aber jejen Dummheit kämpfen Töpper selbst ver- lebens. Nu wollten sie mir verhauen, der Wirth trat aber zwischen und wies mir raus. Ick sagte ihm denn nu, det er weder Liebe noch Jefühl hätte, det wollte ick ihm voll un janz schriftlich jeden, un so jab een Wort det andere, bis sie denn Alle über mir herfallen dhaten un mir rausschmissen.— Vorsitzender: Sie sollen dabei aus Wuth eine der Thürscheiben eingestoßen haben.— Angeklagter: Nich aus Wuth, fondern aus Versehen mit Wahrnehinung berechtigter Interessen. Wenn zehn Mann eenen rumzerren un ick will nich mit'n Wuppdich un mit Wehemevenz uf det Straßenpflaster hinschlagen, denn muß ick mir rückwärts jejenstemmen un dabei mag et denn woll jekommen sind, det der Wirth seine„liebe un jefühlvolle Behandlung' mit 'ne zerbrochene Fensterscheibe belohnt jekriegt hat. Ick for meinen Theil muß dabei bleiben, det ick voll un janz unschuldig bin. Der Angeklagte wird nur wegen HailSfriedenSdruchs mit einer Geldstrafe von S M. belegt. VevsÄmmlungen. Die Berliner Lotalkommiffion erstattete am 26. d. M. in einer Volksversammlung im Feenpalast Bericht über ihre Thätig keit. Berichterstatter war Wernau. Derselbe bemerkte, daß nach dem Parteitage die Lokalkommission neu gewählt worden sei, weil, nicht aus Müdigkeit, sondern auS anderen Gründen, mehrere Mitglieder aus der Kommission ausgetreten wären. Die selbe sei sich dahin schlüssig geworden, fernerhin nur«ine „Boykottliste' zu veröffentlichen, d. h. die Namen derjenigen Lokale, welche für Arbeilerversammlungen nicht zu haben sind. Die anderen Wirthe hätten sich fchristlich verpflichtet, ihre Säle für Arbeiterversammlnngen kostenlos herzugeben. Bis jetzt feien einhundertundelf Unterschriften eingegangen, doch schwebten noch Unterhandlungen mit etlichen Wrrthen. Die Kommission habe diesmal bei den Wirthen größeres Entgegenkommen ge sunden. Beabsichtigt sei von der Lokalkommission, in Partei- lokalen später genaue Listen von arbetterfreundlichen Wirthen zu Jedermanns Einsicht auszuhängen. Wenn auch die Direktive der Lokalkommission im Allgemeinen Beachtung gefunden hätte, so sei doch seitens verschiedener Verein, bezw. Personen derselben ent gegcngehandelt worden. So kritisirte Referent besonders den Be such des boykottirte» Keller'schen Lokales in der Köpnick-rstraß- seitens der Genossen Tutzauer und Apelt gelegentlich eines Ver gnngens des Vereins Berliner Mödelhändler, dessen Mitglieder die genannten Genossen seien. Die Denkart verschiedener Wirthe beleuchtete Referent in drastischer Weise, ermahnte die Partei- genossen, das Ihrige zu thun, um die noch widerstrebenden Wirthe eines Besseren zu belehren, und empfahl im Anschlüsse hieran die Vereinigung der Zivil- Berufsmusikcr der Berücksichtigung, diese Empfehlung in«ingehendster Weise begründend und die traurige Lage des Musikergewerbes klarlegend. Im Anschlüsse an den Bericht Wernau's erhielt Abgeordneter Auer daS Wort zu einem Vortrage über das Thema:„Der Boykott und seine Bedeutung sür die Arbeiterbewegung.' Der Redner knüpfte an die Mnsikerfrage an und empfahl jenen Beamten, die infolge ihrer schlechten Bezahlung das Musikergewerbe als Nebengewerbe betreiben, keinen Vor- wurf hieraus zu machen, vielmehr dahin zu agtttren, daß diese kleinen Beamten vom Staate auskömmlich bezahlt werden. Zum eigentlichen Thema seines Vortrages übergehend, erläuterte Redner zunächst die Entstehung und das Wesen des Boykotts, dieses jüngsten Kampfmittels der Arbitter in Deutschland, dessen praktische Anwendung, besonders auf politischem Gebiete, in anderen Ländern schon sehr alten Datums sei. Nach und nach sei der Boykott auch hineingetragen worden m die sozialen Kämpfe, die zwischen Unternehmern und Arbeitern stattfinden. In längeren Ausführungen veranschaulichte der Vortragende die Boykottirung sozialdemokratischer Arbeiter, wie sie seitens der Unternehmer und staatlicher Betrieb« in Szene gesetzt wurde, lange bevor die Arbeiter ihrerseits den Boykott m Anwendung brachten. Hierzu sind die Arbeiter erst durch die bekannt« Saalabtreiberei unter dem Soziallitengesetze ge- drängt worden. Dieser Vorgang gab dem Referenten Gelegenheit, die Abhängigkeit der Loralbesitzer von der Po.>zei, ivelche mit dem Inkrafttreten des TrunksuchtSgesetzes ganz erheb- lich vermehrt werde, deS Näheren zu beleuchte». Die Furcht vor der Polizei sei mit das zur Lokalvenveigerung twbende Motiv. nicht eine Arbeiterfreundlichkeit der Gastwirthe. Diese suhlten den auf ihnen lastenden Druck sehr empfindlich und der bedeutende Erfolg deS seinerzeitigen Gastwirthsboykotts fet zum großen Theile auf dieses Unbehagen der Gastwirthe zuruckzufuhren. denen der Boykott sehr gelegen kam. Ein derartiger, eine Lebens- frage für die Arbeiterorganisationen betreffender Boykott sei durchaus gerechtfertigt und gar nicht zu vergleichen mit den Boykotts der Unternehmer. Redner warnt indeß vor einer all- gemeinen Hinüberführung des Boykotts in das bürgerliche Leben. Ferner dürsten nur solche Boykotts beschloffen werden, welche durchführbar sind. Keinesfalls dürfe ein Boykott zu einer Vergewaltigung abweichender politischer oder wirth- schaftlicher Gesinnung ausarten, wie schon der Parteitag in falle in einer Resolution ausgesprochen habe. Der Boykott der ntisemiten gegen die Juden sei deshalb verwerflich. Aus einen solchen Boden dürfe sich die Partei nicht stellen. In einzelnen Fällen ist der Boykott zu empsehlen, nicht aber sür Alles schlechtweg. Redner beantragte folgende Thesen: 1. Der Boykott ist für die Arbeiterklasse nur unter be- sonderen Voraussetzungen und im beschränkten Umfange ein brauchbares Kampfesmittel. 2. Ter Boykott darf unter keinen Umständen zu einem Mittel der politischen oder wirlhschaftlichen Vergewaltigung werden zu dem Zwecke, die persönliche Ueberzeugung zu strafen oder Heuchelei zu erzwingen. 3. Der Boykott ist aber überall da berechtigt, wo es für die Arbeiterklasse gilt, a) die auf materielle oder polittsche Schädigung gerichtete« Bestrebungen ihrer Gegner zurückzuweisen; b) in besonders gearteten Fällen auch da, wo es sich für die Arbeiterklasse darum handelt, ihre soziale und politische Lage innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zu verbessern.' In der Diskussion verwahrtesichZubeil gegen einen wider seine Person gerichteten, im Moniteur der„Unabhängigen' erschienenen albernen Schmähartikel. Nachdem Fräulein W a b n i tz gesprochen. erbat sich Block Auskunft über den angeblichen Boykott der Wille'schen Schriften. Auer erwiderte, daß infolge der von den „Unabhängigen" gegen die Parteileitung erhobenen Beschuldi gungen.dezw. um jedem Verdachte einer materiellen Uevervortheilung vorzubeugen, das Kommissions- verhältniß der Verlagshandlung des„Vorwärts' zu Dr. Wille, und nur dieses, gelöst worden sei/ die Wille'schen Schriften aber auf Verlangen, wie jedes andere Druckwerk, durch die Buch Handlung des„Vorwärts" selbstverständlich besorgt würden. Ein Boykott der geistige» Produkte Wille's liege also in keiner Weise vor. Grauer befürwortete hierauf die Thesen Auer's namentlich im Hinblick auf den erfolglosen Boykott der Philharmonie. T ä t e r o w beantragte unter motivirter Begründung den einen Protest gegen den behördlichen Boykott sozialdemokratischer Arbeiter in Staatswerkstätten, war der Meinung, daß der Boykott nicht gänzlich fallen gelaffen werden könne und er- mahne besonders, die Lokalkommission thatkrästigst zu unter stützen. Bäcker Pfeiffer wünschte in Uebereinstimmung mit einem Vorredner auch die Veröffentlichung derjenigen Lokale, die für Arbeiterzwecke zu haben sind, befürwortete den Boykott in Ge- stalt der Kontrollmarken und bat um Unterstützung der Genossen schaftsbäckerei. Pötzsch prophezeihte dem Boykott für die Zukunft eine noch größere Bedeutung, als derselbe gegenwärtig hat und bestritt, daß das Erkennungszeichen sür die Mitglieder des Vereins Berliner Gastwirthsgehilsen besiinmit sei, einen Einfluß auf die politische Gesinnung der Kellner auszuüben. Der Redner wies auf die menschenunwürdigen Zustände im Kellnergewerbe hin und befür wartete den Bezug von Kellnern aus dem kostenlosen Arbeits nachweise. Er beantragte eine entsprechende Resolution. Gegen die vielen Resolutionen einzelner Gewerkschaften wandte sich Z a ck und legte, entgegen der Meinung Auer's. auf die öffentliche Meinung keinen Werth. Hiernach wurde dw Diskussion geschloffen. Ueber die ver schiedenen eingelaufenen Resolutionen entspann sich eine weitere längere Debatte. Durch eine eingelaufene Frage, wie sich die Versammlung zu dem Beschluffe des 1. Wahlvereins, die„Unab- hängigen' in der Lokalfrage nicht zu unterstützen, stelle, erklärte Wernau, daß die Lokalkommission den Unabhängigen sehr kühl gegenüberstehe und auch der Referent fand keine Veranlaffung, stchfür jene Feinde der Partei zu erwärmen. Von den eingelaufenen Re- soluttonen gelangten die folgenden zur Annahme: I. Die heulige Volksversammlung protestirt gegen die That fache, die der Minister v. Bötticher im Reichstage offiziell mit- theilte, nämlich daß in verschiedenen Staatsbetrieben Sozial« demokraten keine Beschäftigung erhalten und erklärt diese Maß- regeluna als«inen Boykott, der mit den in der Verfassung ge- wahrleisteten Rechten für alle Staatsangehörige nicht zu verein- baren ist, da die Pflichten an Gut und Blut in dem heutigen Staate von Allen ohne Unterschied der Parteistellung verlangt werden. 2. Die beute im Feenpalast stattfindende Volksversammlung beschließt, die Berliner Lotalkommission ganz energisch dadurch zu unterstützen, daß die Berliner Arbeiter die Vergnügungen nicht besuchen, welche in den Lokalen stattfinden, die auf der Boykottliste stehen, damit die betreffenden Wirthe gezwungen werden, auch ihre Säle zu Versammlungen herzugeben und erklärt sich im Uebrigen mit der Taktik der Lokalkommission«in- verstanden. 3. Die heut« pp. Versammlung verpflichtet sich, in Zukunft nur noch Zivil-Bernssmusiker bei Vergnügungen zu berücksichtigen und den wirthschaftlich sichergestellten Beamtenmnsikcrn ihre Unter- stützung zu versagen. 4. Die heutige Volksversammlung beschließt: In Erwägung, daß durch dl« schlechte Bezahlung der Wirthe einerseits und dnrch das Kommissionärunwesen andererseits die Kellner in doppelter Weise ausgebeutet werden, bei Arbeiterfesten und Versammlungen den Wirth zu bestinimen, seine Arbeitskräfte nur dem kostenlosen Arbeitsnachweise deS Vereins Berliner Gastwirthsgehilsen, Annen. straße 14. zu entnehmen, womit gleichzeitig die Gewähr geleistet ist, daß die betreffenden Kellner eine tarifmäßig« Bezahlung er- halten. Ferner wurden die Thesen Auer's angenomnien, dagegen folgende vom Buchdrucker Philipp Schmitt beantragte Resolution abgelehnt: „Die heute im Feenpalast tagende Volksversammlung be- schließt, den Boykott über alle Konzert-, Theater- und sonstige Kunst- und wissenschaftliche Institute aufzuheben.' Nachdem noch Auer, veranlaßt dnrch eine Anfrage, die in Sachen der Buchdruckergehilfen umlaufenden Gerüchte bezüglich der Bading'schen Buchdruckerei richtig gestellt hatte, schloß der Vorsitzende Wernau die von gegen 2000 Personen besuchte Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie. Die Vereinigung der Drechsler Deutschlands it., Filiale Berlin, erklärte m ihrer Versammlung am 17. Januar ihren Anschluß an die Union und wählte den Kollegen Dost zum Delegirten für den Gewerkschaftskongreß. Der VoltSbildungSverclu für Britz und Umgegend hatte nach dem in der letzten Generalversammlung gegebenen Kassen- bericht im vorigen Vierteljahre eine Einnahme von 84,8V M., während die Ausgaben 8L,S0 M. erforderten, so daß ein Defizit von 3,6S M. zu verzeichnen war. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu erwähnen, daß im abgelaufenen Quartal 4 Versammlungen und 6 Vorstands- sitzungen stattgefunden haben und Statutenbücher, Quittungs- marken sowie eine Bibliothek von 23 Bänden angeschafft worden sind. Bezüglich der Restanten wurde der Vorstand mit der Regelung deauftragt und beschl-ffen, alle in Zukunft über drei Monate restirenden Mitglieder vor der Streichung erst zur Zah- lung aufzufordern. Auf Antrag schloß man dann diejenigen Mitglieder, ivelche erklärt hatten, nicht auf dem Boden der Er- furter Patteibeschlüsse zu stehen(die Herren Kleist, Meinz und Jakobs) mit 2S gegen 6 Stimmen aus dem Berein aus. An Stelle deS hierdurch ausgeschiedenen Herrn Kleist wurde Herr B ö w e n zum Kassirer und an Stelle des infolge von Zeitmangel zurückgetretenen Herrn Barkenthin Herr F a b e r zum Bei-- sitzer gewählt. In der Generalversammlung deS Vereins der gewerblichen Hilfsarbeiter, welche am 19. Januar tagte, führte der Reichslags-Abgeordnete Förster den Hilfsarbeitern an der Hand drastis-ber Beispiele vor Augen, wie nothwendig ein fester Zusammensch-uß der Arbeiter ist, und empfahl ihnen unter großem Beifall, sich der zu schaffenden Union anzuschließen, denn ver- einigt seien sie Alles, zersplittert aber der Spielball der Unter- nehmer. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Marasas, Thal, Solisch u. A. Die Versammelten er- klärten sich dann voll und ganz mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und versprachen, fest zu der Organi- satlvn der gewerblichen Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend zu halten. Ter hierauf vom Kassirer W. Arndt gegebene Kassenbericht konstatirt eine Einnahme von 99 M. 94 Pf., eine Ausgabe von 43 M. und einen Bestand von S6 M. 94 Pf. Das Weihnachtsvergnügen brachte 28 M. 60 Pf. Ueberschuß; derselbe wurde den Kollegen Thal und Steinmetz überwiesen. Die Versammlung ertheilte dem Kassirer auf Grund des Berichts der Revisoren Techarge und beschloß, demnächst ein Vergnügen ab- zuhalten, dessen event. Ueberschuß dem seit längerer Zeit kranken Kollegen Karl Adolf und dem Kollegen Steinmetz verabfolgt werden soll. Zum Schluß wurden die Kollegen vom Vorsitzenden zu recht reger Agitation für den Verein ermahnt. Lackirer, Filiale IV. In der Versammlung am 18. Januar en Vortrag über den Buchdruckerstreik, hielt Herr Apelt einen wofür er lebhaften Beifall erntete. In des der Diskussion sprach Kollege Rauten haus im Sinne des Referats. Derselbe Kollege wurde hierauf zum Teleginen nach Frankfurt a./M. ge- wählt; auf Antrag des Kollegen C. Müller bewilligte man ihm 10 M. Diäten pro Tag. Zum Ersatzmann wurde Kollege Jungermann bestimmt. Der Delegirte wird Sonntag, den 14. Februar, in Röhlig's Lokal, Neue Friedrichstr. 44, Bericht erstatten. Die Kollegen sind ersucht, in dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. Der Verband der deutsche» Gold- und Gilberarbeiter (Zahlstelle Berlin) hielt am 19. Januar bei Feuerstein eine Ge- neralverfammlung ab, in welcher Theodor Metzner unter großem Beifall über das Thema sprach:„Die wirthschaftliche age und ihre Folgen." Nach dem vom Kassirer vorgelegten Quartalsabschluß betrugen die Einnahmen inklusive Bestand vom 31. September 1891 618,30 M., die Ausgaben 270,4S M., der Bestand 347,8S M. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf 3S2. Auf Antrag der Revisoren wurde der Kassirer entlastet. Aus den: Bericht der Berg. ugskommission ist mitzuteilen, daß beim letzten Vergnügen ein Ueberschuß von 230,0S M. erzielt wurde. Beim Punkt„Gewerkschaftliches' entstand eine längere Diskusston über die Organisationsfrage, an welcher sich die Kollegen Brückner, Schröder und Faber betheiligten. Der vor- geschrittenen Zeit wegen konnte jedoch dieser Punkt nicht erledigt werden. Man beschloß in der nächsten Versammlung einen dies- bezüglichen Vortrag über das Thema zu hören und dann die Diskussion fortzusetzen. In der Vereinigung der Drechsler und Berufs- genossen Deutschlands. Zahlstelle Rixdorf, legte am 16. Januar der Kassner die Abrechnung vom vierten Quartal vor. Dieselbe war von den Revisoren für richtig be- sunden worden, da letztere aber nicht erschienen waren, so wurde die Techarge- Ertheilung ausgesetzt. Der Kollege Rasehorn berichtete hieraus über die öffentliche Versammlung der Drechsler Berlins, welche zu Gunsten der Zentralisation ausgefallen ist. Kollege Dost sprach zu Gunsten der Gründung einer Union, da nur konzentrirte Arbeitern, äffen der Macht des Kapitals erfolg- reich entgegen ivirken könnten. Es>vnrde noch verschiedentlich für und gegen die Gründung einer Union gesprochen, bis schließlich die Abstimmung erfolgte, welche eine große Majorität für die Gründung einer Union ergab. Als Kandidat zum Ge- werkschaftskongreß wurde Kollege C. D o st(Berlin) einstimmig gewählt. Dem kranken und arbeitslosen Kollegen Jordan bewilligte man 10 M. Unterstützung aus dem Reservefonds. In der öffentlichen Versammlung der Lederarbeiter, welche an» 24. Januar stattfand, berichtete Herr Z ander über die vermittelst des lO-Pfennig.Bazars und aus anderen Quellen erzielten Einnahmen der Agitationskoininission. Dieselben be- liefen sich in der Zeit vom März bis 1ö. November v. I. auf 164,25 M. Ausgegeben hat die Kommission während dieser Periode 54,25 M.: es blieb am 15. November v. I. also ein Bestand von 110 M. in den Händen de? Kassirers. Demselben ivurde einstimmig Decharge ertheilt. Hierauf hielt Genosse Robert Schmidt qneii mit lebhaftem Beifall aufgenoinmenen Vortrag über die„Organisationsfrage', in welchem er betonte, daß die Organisation schlechlhin sowie der Geist, welcher in ihr herrsche, die Hauptsache sei und die For»» nebensächlich wäre. Infolge dessen müsse auch der Streit um die Organisationsform als etwas niehr oder minder Unnützes betrachtet werden. Die Staatsgewalt habe die Macht, jede Organisation im entscheidenden Moment zu zertrümmern. Wo einer Zentralisation keinerlei Hin» dernisfe im Weg ständen, sei sie die zweckmäßigste Form der Bereinigung der'Arbeiter, ebenso der Zusammenschluß verwandter Branchen. Aber dieser Grundsatz dürfe nicht aus jedes Gewerk zur Anwendung gebracht werden; es sprächen oft spezifisch« Ver- Haltnisse bei der Wahl der Organisationsform mit und darum wäre es das Beste, jeder Gewerkschaft die Bestimmung hierüber selbst zu überlassen. An de» Vortrag knüpfte sich eine sehr rege Debatte, welche sich wesentlich um den schon so oft diskutirten Zusammenschluß der den Buchbindern verwandten Branchen drehte. Es betheiligten sich daran die Herren Richter, Haunschild, Zander, Christen(Lederarbeiter), Marwitz(Buchbinder). Greif« nberg, Drews(Karton- arbeiter) und Freudenreich(Sllbumarbeiter). Schließlich wurde eine Resölution angenommen, welch« die Auflösung der bestehenden Branchenvereine zu Gunsten einer allgemeinen Organisation der in der Leder-, Galantene-, Papier- und Kartonfabrikation beschäftigten Arbeiter einpfiehlt und es verurtheilt, daß die Buchbinder- Vereinigung den anderen Branchen in ihrem Streben nach Zu- sammenschluß die von diesen geforderten Konzesstonen nicht gewährt. Hr. Zander berichtete dann noch über die Versuche der Agitationskoinmission, sich mit den Kollegen anderer Orte zu verständigen. Große Erfolge seien in dieser Beziehung nicht zu verzeichnen. Nachdem derselbe Redner noch kurz über die Thätig- keit der Streik- Kontrollkommission referirt hatte, wurden dieser znr Unterstützung Streikender und Ausgesperrter 30 M. bewilligt. Die freie Vereinigung aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Berufsge nossen hielt am 19. Januar ihre Generalversammlung bei Seefeldt bei zahlreicher Betheiligung ab. Zunächst schilderre der Vorsitzende Kollege Schmadicke die Thätigkeit des Vorstandes, sowie die des Ver- eins überhaupt und schloß unter lebhaftem Beifall mit den Worten: Möge ein jeder Kollege eingedenk sein, zu welcher Klaffe er gehört und sich de», gemäß der moderne» Arbeiterbewegung an- chließen; denn nur dadurch ist es möglich, bessere Lebens- bedingungen zu erkämpfen. Kollege Schuster erstattete hierauf den Jahresbericht. In, verflossenen Jahre wurden insgcsammt eingenommen 1554,42 M., dazu Kaffenbestand von 1890 185,95 M.. in Summa 1740,37 M. Die Ausgabe belief sich auf 1570,47 M.. bleibt Bestand 169,90 M. Davon sind an Unterstützungen ge- zahlt worden 448,50 M., die übrige Summe ist für den Berein verwendet worden. Nach kurzer Debatte wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten: dieselbe hatte folgendes Resultat: Schmadicke, I. Borsitzender, Schuster. Kalsirer. Nöhel, Schriftführer. Bu Stellvertretern: olubarich, Brenice, Diskussion sprachen auch zwei„ Unabhängige"( Grünenberg und Mitglieder- Aufnahme. Gäfte rotnommen.- Raudtlub Dbneforge" Rauchflus Borenz. Zu Beisitzern: Beuhte, Förster, Adamschefsti. Bankow), und zwar erregte das Betragen dieser beiden Herren, Donnerstag, Abends br, Roblenufer 3, toege's Bierbaus Zu Revisoren: Müller, Knobel, Gläser. Die Ver- besonders des letteren, infolge ihrer persönlichen Angriffe derart fraße 113 a bet kablert. Gäfte willkommen. Jeden Donnerstag, Abends 8% Uhr, ReichenbergerUrfidele Heils- Armee. sammlung sprach dem Vorstande ihr Vertrauen aus und hoffte, den Unwillen der Versammlung, daß sich der Vorsitzende veran- Sigung jeden Donnerstag, Abends 9 Uhr, bet Kowald, Drantenſiv. 126. Säfte, daß er sich im neuen Jahre bewähren wird. 5. März Einweihungsfest. Neue Heils Kollegen Brückner über die Bibliothek erstatteten Bericht ging Wort zu entziehen. Sodann wurde eine Resolution, die sich für stunde Montag und Donnerstag Waßmannstr. 9. Aus dem vom laßt sah, denselben unter Zustimmung der Versammlung das Damen und Herren willkommen. brüder werden aufgenommen. Tambourverein, or Met", nebungsSonntag Gigung. Junger hervor, daß diefelbe fleißig benutzt wird und sich reger Theil die Betheiligung an der Wahl aussprach, gegen 7 Stimmen an- Mann als Dirigent willkommen. 13. Februar Kränzchen. Theaterverein nahme erfreut. Zu Bibliothekaren wurden die Kollegen genommen. In das Wahlkomitee wurden Jakobs, Reinhardt, Bergerstr. 31. Gäfte, Damen und Herren, freundlich willkommen. Bessing", jeden Donnerstag Abend 9 Uhr Sigung bei Musehold, LandsBrückner und Lucke gewählt. Tambour Nachdem noch verschiedene Werner, Müller, Löhnert, Franke und Kielblock gewählt. Hierauf verein Wacht am Rhein". Jeden Donnerstag von 8% Uhr Uebung Redner über die Verhältnisse in der Branche gesprochen hatten erstattete Gampe als Lokalfommissionsmitglied Bericht und theilte stunde im Restaurant Müder, Mariannenstr. 46. und den Kollegen ans Herz gelegt war, immer und immer der Versammlung mit, daß Bergel und Forwit ihr Amt niederfür die freie Vereinigung zu agitiren, bis auch die letzten noch gelegt hätten; jedoch nahm die Versammlung von einer Eraußenstehenden Kollegen zur Organisation gehören, wurde die gänzungswahl bis zur nächsten Volksversammlung Abstand. Versammlung geschlossen. " B " Vermischtes) Der Deutsche Tischlerverband, 3 a hlstelle Berlin, und Niederschönhausen eine von 200 Personen besuchte BoltsPankow. Am 20. Januar hielten die Arbeiter von Bankow hielt am 20. Januar seine erste Wanderversammlung im Norden versammlung in Grosjean's Elysium ab, in welcher Baumeister Nietleben bei alle in der Arbeiterkantine ein Arbeiter soDurch eine explodirende Dynamitpatrone wurden in ab. Dieselbe bot einen Vortrag des Herrn Josepf über das Reßler über die neue Landgemeinde- Ordnung referirte. Redner fort getödtet und der Wirth und die Wirthin schwer verletzt. Thema„ Sllaverei in Deutschland früher und jetzt". Im Schluß erläuterte in larverständlicher Weise die einzelnen Paragraphen wort streifte Redner den Organisationsentwurf der General dieses Gesetzes und kam schließlich zu der Frage, ob sich die Be- aus Diefferten aus dem Personenzug in dem Augenblick heraus, Um ein Stück Wegs zu ersparen sprang der Müller Abel kommission und forderte zum Beitritt zu den Gewerkschaften, theiligung an den Gemeindevertreter Wahlen für unsere Orte als der Zug über eine Brücke seiner Mühle gegenüber fuhr. fowie zu reger Agitation für dieselben auf. In der Diskussion empfehle. Sprachen die Kollegen Mertens, König und Ahrens. obgleich die Arbeiter hinsichtlich des Wahlrechts höchst stief- trennten. Von den folgenden Rednern wurde betont, daß, Er stürzte unter die Näder, die ihm den Kopf vom Rumpfe Kollege Baschgänger beantragte dana, im Lotal Lothringer mütterlich behandelt find, sie ihr wenn auch winziges Recht voll straße 67 eine weitere Beitragsammelstelle zu errichten, als deren und ganz ausnuten sollen, da sie ja zu den Steuern sehr ge- Dampfer, Patrie" aus Nantes. Untergegangen mit Mann und Maus ist bei Tunis der Berivalter wurde Kollege Hahn vorgeschlagen. Die Bestätigung wissenhaft herangezogen werden. Die Versammlung erklärte sich muß in der Generalversammlung erfolgen. Gerettet im Meer wurde die schiffbrüchige Mannschaft der Die Mitglieder darauf mit allen gegen 3 Stimmen für die Betheiligung an der am 21. Dezember im atlantischen Ozean verloren gegangenen werden dringend ersucht, ihre genaue, ausführliche Adresse dem Wahl. Die Einleitung der nöthigen Schritte und die vorschlags- norwegischen Bark Frigga" und zwar durch den Dampfer Beitragsammler oder dem Kassirer mitzutheilen, widrigenfalls sie weise Aufstellung von Kandidaten wurden einer Rommission Santos". es sich selbst zuzuschreiben haben, wenn sie die Neue Tischler übertragen, welche aus den Genossen Schockel, Prüfer, Hamburg. Die Schiffbrüchigen landeten am Montag in Beitung" nicht erhalten. Dieselbe wird den Mitgliedern fosten- Koh, Bilz, Hublow, Riehle und Rißmann besteht. los durch eigene Spediteure zugestellt. Im Prozeß gegen die Wiener Dienstmädchen- Mörder, Hierauf wurde zum regen Abonnement auf das Volksblatt für das Ehepaar Franz und Rosalie Schneider, hat die StaatsNieder Barnim hingewiesen, der Referent und jetzige Redakteur anwaltschaft eine Nachtragsanklage erhoben. Die erste Anklage trat hierfür in warmen Worten ein. Nachdem noch von einigen lautete auf Franz Schneider auf dreimal verübten meuchlerischen Genossen örtliche Uebelstände gerügt, auch einige Vorgänge, die Raubmord, gegen seine Frau auf Theilnahme am Raube in Betreff sich bei der Beerdigung des hier verstorbenen Predigers Rettig der Kleinrath und auf entfernte Mitschuld und Theilnahme an ereignet hatten, zur Sprache gekommen waren, wurde die Ver- der Ermordung der Marie Hottwanger und der Vincenzia Zoufar, sammlung vom Vorsitzenden mit einem Hoch auf die Sozial begangen durch Einverständniß mit dem Thäter und mannigfache demokratie geschlossen. Unterstützung deffelben. Die Nachtragsanklage lautet gegen schaft der Morde, angeblich durch Narkose der Opfer. Die Rosalia Schneider auf Urheberschaft und unmittelbare thäterEheleute, die mit einander die grauenhaften Verbrechen beriethen und nach der einen wie nach der andern Version die Ausführung mit einem faft gewerbsmäßigen Eifer betrieben, werden sich nun voraussichtlich in dem Kampfe um ihr eigenes Schicksal als Todfeinde gegenüberstehen. Die Zahl der vorgeladenen Zeugen bes trägt 105; außerdem wird eine Anzahl von Zeugenaussagen zur Berlesung gelangen. = Die Filiale des Verbandes deutscher Korbmacher hielt am 18. Januar eine Mitglieder Versammlung ab. Dieselbe bot zunächst eine Vorlesung des Kollegen Brückner aus der Berliner Arbeiter- Bibliothek, und zwar aus dem Heft Technisch wirth. schaftliche Revolution der Gegenwart". Der Vortragende erntete reichen Beifall. Die hierauf gegebene Abrechnung vom 4. Quartal ergab folgende Einnahmen: Oktober 20,35 M., November 12,40 m., Dezember 39,75 M., in Summa 72,50 M.; die Ausgaben betrugen: Oktober 5,40 M., November 6,49 M., Dezember 17,65 M.; tag, ben 28. Januar, Abends 9 Uhr, außerordentliche Gigung in Schröder's Verein ehemaliger Schüler der 99. Gemeindeschule. Heute, Donners: in Summa 29,54 M.; sonach blieb ein Ueberschuß von 42,96 M. Saal, Stegligerstraße 18. Erscheinen sämmtlicher Mitglieder dringend nothDer Kassirer wurde entlastet. Es kam dann zur Sprache, daß wendig. der Arbeitsnachweis zu wenig benutzt werde Kommission freier eingeschriebener Hilfskaffen zu Berlin und erhielten durch denselben Arbeit; nur 8 Kollegen Umgebung. Heute, Donnerstag, den 28. Januar, Abends 8 uhr, Gigung bei man beschloß deshalb Feuerstein, Alte Fatobftr. 75, im Tunnel. einstimmig, jeden Unternehmer durch Zirkular auf den Lese- und Diskutir- Klub„ Süd- Os". Heute, Donnerstag, den 25. Jan., unentgeltlichen Arbeitsnachweis aufmerksam Abends 8% Uhr, bet Tollsdorf, Gorlizerstr. 58: Vortrag des Genoffen Spar zit machen; feld über:" Lungenhygiene". Gäste willkommen. die hiermit verbundenen Kosten sollen aus der Verbandskasse ge- Musik- Pergnügungsverein Deutsche Treue". Heute, Donnerstag, deckt werden. Die Zahl der Mitglieder beträgt gegenwärtig 70. ben 28. Januar, Abends 9 Uhr, Uebungsstunde in Kürschner's Restauration, 40 Mitglieder haben im Vorjahre leider wegen Resten gestrichen Dalldorferstr. 40. Gäfte willkommen. werden müssen. 12 neue Mitglieder wurden aufgenommen. Im Donnerstag, den 28. Jan., Abends 8 1hr, im Lotale des Herrn Bolzmann, Schneider und Schneiderinnen( Bahlstelle Berlin). Bersammlung am Weiteren ersuchte man die fehlenden Statistikbücher zur nächsten Bahlreiches Erscheinen erwünscht. Andreasstr. 26. Tagesordnung: Stellungnahme zum Gewerkschaftstongreß. Versammlung mitzubringen oder an den Vorsitzenden Herrn Tabakarbeiter und Arbeiterinnen. Heute, Donnerstag, den 28. Jan., Vogt, Dranienstr. 9, IV, abzuliefern, damit dieselben endlich Abends 8 Uhr, bet Feindt, Weinstr. 11: Deffentliche Versammlung. Tages nach Hamburg abgesandt werden können. Die nächste Versamm- ordnung: Der Kongreß in Halberstadt, Wahl einer Wahlprüfungs- Kommission, lung findet am 22. Februar bei A. Roll, Adalbertstr. 21, statt. und Normirung eines Kandidaten zur Delegirtenwahl. Im Fachverein der Holz- und Bretterträger Berlins und Umgegend legte der Kassirer Schönwald folgende Abrechnung vor: Alter Bestand vom III. Quartal 171,93 M., Einnahme im IV. Quartal an Beiträgen 128,50 M., vom Familienfränzchen am 17. Oftober 146 M., Summa der Einnahmen 446,43 M.; Ausgabe im IV. Quartal 253,52 M., bleibt Bestand 192,91 M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Dem seit langer Zeit tranfen Kollegen Sasse erließ man für die Dauer seiner Krankheit die Beiträge und beschloß, die Todesanzeigen der Kollegen fünftig durch den Vorwärts" zu veröffentlichen. Die Versammlung ging mit einem dreifachen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung auseinander. " " Die heutige sozialdemokratische Volksversammlung erklärt sich nach dem vom Reichstags- Abgeordneten Schmidt gegebenen Ueberblick von 1878 bis heute mit der jetzigen Taktik der sozialdemokratischen Partei vollständig einverstanden." " willkommen. straße 54, bet Wuttke. 9-11 Uhr. Gäste willtommen. " " " Männerchor St. Depeschen. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Madrid, 27. Januar. In Bilbao fand gestern ein Bus sammenstoß zwischen streikenden Bergleuten und Gendarmerie ftatt, wobei es zur Anwendung von Waffengewalt tam. Gine Arbeit in allen Gruben eingestellt ist, so hat die Gendarmerie die Person wurde verwundet, mehrere leichter beschädigt. Da die Bewachung der Hochöfen, sowie verschiedener öffentlicher Gebäude übernommen. ( Depeschen des Bureau Herold.) Köln, 27. Januar. Die„ Köln. Volts- Zeitung" meldet aus Duisburg: Die große Buller'sche Lackfabrik brennt. Große Gefahr herrscht, da das Stadtviertel eng ist. In der Nähe der Brandstätte befinden sich die Hüttenschule und die Tabakfabrik von Carstanjen. Noble Belohnung für eine Lebensrettung. Zwei der letzten Tage trotz der aufgestellten Warnungszeichen auf den Knaben im Alter von 6 bis 10 Jahren begaben sich an einem sogenannten Kainzer Teich in Guhrau( Schlesien); auf der Mitte desselben angekommen, brach der eine derselben ein und verschwand unter der Eisdecke. Ein anderer zirka 13 Jahre alter Knabe, der den Vorgang mit angesehen, schaffte einen FeuerBentral- Kranken- und Sterbekaffe der deutschen Wagenbauer. haken herbei und versuchte mit besonderer Geistesgegenwart damit s uhr, im Lotal des Herrn Zubeil, Naunynftr. 86. Raffenbericht. Berlin, Bezirk 4. Versammlung heute, Donnerstag, den 28. Januar, Abends das Rettungswert, was ihm auch unter eigener Lebensgefahr ge= lang. Als Belohnung dafür erhielt er von dem Vater des Ge Lese- u. Diskutirhlubs. Donnerstag. Wahrheit", Markusstr. 31. Deine" in Rigdorf, Ecte nesebeck- u. Hermannstraße, Resíaurant Beyler. retteten 15 Reichspfennige und von seinen Eltern dafür, daß er Gäste willkommen. Neue Beit", 8% Uhr, Boyenstr. 40. Gäfte haben Zutritt. vollständig durchnäßt war, eine Tracht Prügel. Süd- Ost", 8% Uhr bei Toltsdorf, Görlizerstr. 58. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Vom Gelde. Nach einer dem Bundesrath zugegangenen Lese- und Diskutirklub Fester Wille", abends 8% Uhr, bei Schulz, Gartenstr. 70. Gäfte durch Wittglieder eingeführt Vorlage waren bis Ende Dezember 1891 an die einzelnen Bundes haben Zutritt. geden. Donnerstag von 8% Uhr abends ab" bei Aug. Ulrich, Beibnizstr. 78. münzen im Werthe von 510 892 523,41 M. überwiesen worden. Lese- und Diskutirtlub Ma i wu ch 3" Charlottenburg. staaten im ganzen Eilber, Nickel- und Kupfers Damen und Herren tönnen als Gäste eingeführt werden. Lese- und Disfutirklub" Gerechtigkeit". Jeden Donnerstag, Abends 8% Uhr, im Lotale Hiervon entfallen auf Silbermünzen: 75 454 495 m. an Fünfwiller. Soffmann, Waldemarjir. 61. Gäste, burch Mitglieder eingeführt, martstücken; 106 637 656 M. an zweimarkstücken; 179 701 334 M. Lese- und Diskutirklub Dieggen". Jeden Donnerstag an Einmarkstücken; 71 486 552. an Fünfzigpfennigstücken und Abend bet Schröder, Wiesenstr. 39, Sigung. Gäste willkommen. Leseklub Sozialdemokrat". Jeben Donnerstag, Abends 8% Uhr, im Sotale 20 710 922,80 Mark an zwanzigpfennigftücken. Ferner auf Stirchbachstr. 7 bei Schnide. Gäste willkommen. 4 005 284 Serweg h", Abends Nickelmünzen: Mart an Zwanzigpfennigstücken, In Rigdorf fand am Sonntag eine starkbesuchte Volks- 8% uhr, im Lokal von Otto Linke, Forsterftr. 45. Gäste willkommen. versammlung statt, in welcher der Reichstags Abgeordnete stunde Abends 9 Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder. 28 451 835,60 M. an Zehnpfennigstücken, 14 050 637,05 m. an Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Donnerstag. Uebungs: Fünfpfennigstücken. Auf Kupfermünzen: 5088 697,44 m. an ZweiM. Schmidt einen Vortrag über Programm und Taktik der urban", Annenstraße 9, bei Prog. Gefangverein Unversagt" pfennig- und 5 305 109,52 M. an Einpfennigstücken. fozialdemokratischen Partei hielt. Redner zeigte die Vorzüge des Köpenickerstraße 127a, bet Rüfter. Gefangverein Kornblume", Blumen neuen Programms vor dem alten und erklärte, daß das erstere traße 5, bet Bartel. Gefangverein Frühlingsluft", FlottwellGesangverein Bregelschluß", Annenftr. 16, die Ziele des Sozialismus sowohl wie die Erkenntniß der heutigen bei Reßner. Arbeiter- Gefangverein" ,, Weiße Rose", Reinickendorf, Gesellschaftsverhältnisse präzis zum Ausdruck bringe. Zur Aende- tefidenzftr. 101, bei Carus.- Gefangverein Morgenroth 1", Rummels burg, Berlinerstr. 9, bei Friesecke. rung der Taktit, durch welche wir so große Erfolge errungen, Wilmersdorf, Berliner- u. Auguftftr.- Ede bet Schulz.- Gefangverein ,,& cho 2", Gefangverein Dorfglödlein", läge absolut tein Grund vor. Die freie Meinungsäußerung, die Alte Schönhauserstr. 42, bet Reimann. Gefangverein Einigteit( Hut uns Sozialdemokraten bereits zur zweiten Natur geworden, dürfe macher), Bappel- Allee 3-4, bei Krause. Gefangverein 8utunft 1" Steglig, Kurhaus Friedenau. nicht in persönliche Angriffe ausarten und derjenige, der sich mit Dorfstr. 10, bet Gerth. Gesangvereinbarmonte", Tempelh of, Gefangverein Beilchen blau", Rottbuser der Majorität nicht einverstanden erklären könne, habe noch nicht Damm 39, bet Jakob. Sängerchor der Töpfer Berlins, Gipsstr.3, bet das Recht, gegen die Partei zu arbeiten. Einig, frei von jeder preußischer manner- Gefangverein", Jüdenftr. 55, bei Pyrtec.- Gesangverein ,, 8ukunft 2", Nieder- Schönhausen, Lindenstr. 25.Boreingenommenheit, unter dieser Devise wollen wir weiter Frischmann. Landsleute find willkommen. Gesangverein Edelweiß", Tämpfen für die Befreiung des Proletariats; mit diesen Worten Melchiorstraße 15, bet Stehmann. Gefangverein Borar", Admiral schloß der Redner feinen Vortrag, welcher den lebhaften Beifall fraße 38, bet Qúlow.-" Seeger'scher Gefangverein", Blumen der Versammlung fand. Ein Unabhängiger" brachte hierauf ftraße 67, bet Springftubbe. ftraße 46, bet Weick.- Gesangverein ,, Maiglöckchen 2", S.-D., ManteuffelGefangverein Felfenburg", Blumendie schon bis zum Ueberdruß gehörten Schlagwörter vor. Er traße 21á.- Gefangverein Eintracht" Glienicke bei Adlershof, wurde vom Referenten gründlich widerlegt. Gegen 10 Stimmen bei steller. Gefangverein Ginigteit 3", Groß- Lichterfelde, Amalten: ftraße, bet Hann. fand dann folgende Resolution Annahme: Gefangverein Hoffnung 3", Brandenburg, Neuft. Markt 2, bei Weybmers. Gefangverein Freie Sänger angeftr. 108, bet Neblin. Gefangverein 38 utunft 3", Belten, bei B. Grunow. Gefangverein Frete Sänger" jeden Donnerstag, Abends monte", Lindenstr. 106 bet Poppe. Gefangverein Kreuzberger Har Gesangverein Nordstern", Rom, 27. Januar. Der Minister hat alle Arbeitermeetings Müllerstr. 7 bei Reichardt. Gefangverein, Morgengrauen"( Bäcker), im Freien verboten. Alsdann erstatteten die Revisoren Bericht. Dieselben er- 3 bis 5 Uhr Nachmittags Landsbergerstr. 31 bei Musehold. Männer- Gefangflärten, bei den früheren Vertrauensleuten Alles in Ordnung be,, Stedes Echo", Reichenberger- und Forsterstraßen- Ecke bet Madrid, 27. Januar. Jm Bezirke von Bilbao haben große funden zu haben, worauf denselben Decharge ertheilt wurde. Unruhen stattgefunden. Streifende Bergarbeiter durchschnitten Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Das Förderseil(!) der Grube in Orfonoda und hielten die EisenBeim Bericht der Vertrauensleute ersuchte der Vertrauensmann, man Donnerstag: Humorist. Berein, Bautenfchwengel", Stallschreiberstr. 58.möge in den Versammlungen doch den Punkt„ Verschiedenes" fallen Musikdilettantenverein ,, animo", bei Schmidt, Wrangelfir. 141.Privat- Theatergesellschaft Fidelio", 9% Uhr, bei Gaillard, Prinzenfir. 87. bahnzüge an. In Galdamar verfolgten dieselben die nicht feiern Lassen, da derselbe vollständig zwecklos wäre. Ferner ersuchte Berein Grüne Giche"( vor dem Salle'schen Thor), Solmsstr. 1. Gefelliger den Arbeiter mit Stöcken. Zwischen Gendarmen und Streitenden Redner diejenigen Genossen, welche noch von früher her mit gnügungsverein Silaritas", bet Tempel, Breslauerstr. 27. Bertam es zum Kampfe, wobei es 12 Verwundete gab. Heute Abend PrivatZahlungen im Rückstande sind, sich doch wenigstens einmal bei Adalbertstr. 8. Theaters und Pantominengesellschaft ie beter Geif", bet Schneider, wird der Belagerungszustand erklärt werden. Bergnügungsverein, Ginigteit", bet Linfe, Forsterstr. 45. ihm sehen zu lassen, anderenfalls er sich gezwungen sähe, ihre Gesang-, Turn- und gesellige Vereine. Donnerstag. Stat Namen bekannt zu machen. Dann theilte Genosse W. Krüger lub Rüdwärts", Abends 8% Uhr, im Restaurant Boberte, Pallisadenmit, daß der sozialdemokratische Verein Vorwärts" von Dienstag, abends 8 Uhr, bet Linneken( Flötenwirth, Beuffelftr. 57. Mitglieder wer ftraße 47.- Statklub Null ouvert ,, Moabit. Jeden Donnerstag, Briefkaffen der Redaktion. den 2. Februar an Unterrichtsabende, ähnlich wie die Arbeiter- ben aufgenommen. Bildungsschule, veranstaltet; er ersuchte die Genossen, sich recht Lübeck'scher Turnverein, Männer- Abtheilung, Abends 8-10 Uhr, von Ihnen überhaupt nicht zugegangen. In allen Dingen, welche E. B., Pankow, Schulzestraße. Und ist eine Einsendung rege daran zu betheiligen. Versuchsweise würden 4 bis 6 Unter- lings- Abtheilung, Abends 8-10 Uhr, Blumenftr. 63a. Elisabethstr. 57-58, Königstädt. Gymnasium. Turnverein D sten", Lehrrichtsabende stattfinden, an welchen vorläufig über National- Turngenossenschaft, 1. Lehrlings- Abtheilung, Abends 8-10% uhr, die Lokalkommission wenden. Wir haben kein Recht, einseitig Berliner die Lokalfrage betreffen, wollen Sie sich ausschließlich an Defonomie unterrichtet werden würde. Mit einem brausenden Mirdorf.( Eigene Turnhalle, Biethenstr. 72 a.) Heute Abend von 8-10 Uhr Aenderungen in der Lokalliste vorzunehmen. Männer- Enrnverein" Jahn" dreifachen Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Damen- Abtheilung. Männer- Ge fangverein R. K. Wir veröffentlichen in den nächsten Tagen noch einen Deutsch- Wilmersdorf. In der letzten Bersammlung der Gneisenauftr. 88. Crescendo", Abends 9 Uhr, bei Körting, Aufsatz über das schöne Institut, in welchem Ihre Mittheilungen Verein 8 id 8a d", Sigung mit Damen 9 Uhr in Krösches örtlichen Berwaltungsstelle der Zentral- Kranten- und Gesellschaftshaus, Fichtestr. 29. Gefelliger Verein Regina", jeben Donnerstag ebenfalls Verwendung finden werden. Vorläufig sagen wir Ihnen Sterbekasse der Tischler und anderer gewerb Sigung mit Damen, Abends& Uhr, im Reichsgarten, Alexandrinen für dieselben unsern besten Dant. licher Arbeiter legte der Kassirer die Abrechnung vom Schleife", Bantow, Schönholzerstraße Nr. 11 bei Kuhnert. ftraße Nr. 110, bet Wohllebe. Gäste willfommen. Gefangverein Blaue " J. Laube. Ihre Frage ist nicht verständlich. 4. Quartal 1891 nor. Nachdem Vorstand und Revisoren deren verein, Mandoline", Neue Friedrichstraße 44, bei Röllig. Gefang Pfropfen- G. F. Unseres Wissens existirt eine städtische Sprach- HeilNichtigkeit konstatirt hatten, wurde dem Kassirer Decharge ertheilt. verein Wedding", Abends 8 Uhr bet K. Helterhoff, Antonftr. 5. Ber- anstalt überhaupt nicht. Hierauf verlas derfelbe den§ 10 des Statuts und ermahnte die nigungsverein, Blau- Weil chen", Abends 9 Uhr, Fennstr. 6 bet Krüger. Aufnahme neuer Mitglieder, Gäste willkommen. S. Die Poliklinik des Herrn Dr. A. Blaschko befindet sich Vergnügungsverein Mitglieder, welche wegen Arbeitslosigkeit ihre Beiträge jetzt nicht Gaprice", ab. 9 Uhr, Sigung mit Damen im„ Marienbad", Badstr. 35-36, Röpnickerstr. 102. Sprechstunde 11 bis 12 Uhr. entrichten fönnen, um Stundung derselben nachzusuchen; ferner bei Braun, Oranienftr. 183. Nach der Sigung Tanz und Fidelitas. Gäfte will werden, werden entweder verkauft oder vergiftet Saal 1 Tr. Bergnügungsverein" Bei Ichen", 9% Uhr, Sigung mit Damen M. H. Die Hunde, die vom Thierschutzverein gefangen machte er darauf aufmerksam, daß Mitglieder, welche verziehen tommen. Privattheater- Gesellschaft offnung", Abends 8% Uhr, im foviel mir und die Ab- bezw. Anmeldung, versäumen, eine Strafe von 50 Pf. lubhaus, Ohmgaffe 2. Gäste willkommen. Berein ehemaliger wenigstens in Erfahrung bringen fonnten. Bu Genußzwecken verwirken. Die Versammlung beschloß hierzu einstimmig, daß Schüler der 98. Gemeindeschule. Jeden Donnerstag, Abends 9 Uhr, im dürfte dort also Hundefett nicht verkauft werden. Die Heilkraft Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen im Rückstande sind und Schul- sollegen, berglich, Sr. Frankfurterſtr. 30. Säfte, insbesondere ehemal. des Hundefettes wird übrigens auch bedeutend überschätzt. einen Mahnzettel bekommen haben, die Portokosten tragen müssen. 23. Gemeindeschule. Sigung, Abends 9% Uhr, bei Gaeger, Grüner Weg 29. C. K. Lodz ist eine Kreisstadt im russisch- polnischen Der Bevollmächtigte ermahnte die Mitglieder noch zu recht schule bei Schröder, Stegligerstr. 18. Gäfte willkommen.- Berein ehemaliger Warschau. Gäste willkommen. Berein ehemaliger Schüler der 22. Gemeinde- Gouvernement Piotrkow, etwa 120 Kilometer im Süd- Osten von fleißiger Agitation für die Kaffe. Schüler der 85. Gemeindeschule. Heute Sigung im Restaurant Noll, Bür Kornblume", Andreasftraße 3, Beginn 9 Uhr. Ehemalige Schüler der Wo und wann tagt der Musikverein„ Glocke"? 85. Gemeindeschule und Gäste find ungferntrans", Weidenweg 12. Tambourverein Bergnügungsverein Bruder= bund". Jeden Donnerstag, Abends 9 Uhr, Andreasstr. 3 bet Noll: Sizung mit Damen. Nachdem Fidelitas. Gefelliger Klub Blau Veilchen", Geselliger Berein, Freiheit", Donnerstag Abend bet Thierbach, SchwedterDonnerstag 9 Uhr, Drantenftr. 153, 1 Tr. Gäfte( Serren) willkommen. Briefkaffen der Expedition. ftraße 44. Sonntag: Gefelliger bend. Kirchheim. Die Frage fönnen wir Ihnen nicht beant Rauchklub„ Dezimal- Waage". Abends 9 Uhr bei Infinger, Krauts- worten, da die Poſt von uns täglich die gewünschte Anzahl ers borferstr. 8. Rauchtlub, ernipige", Abends 8% Uhr bet A. Bohl, Rübers: hält, nach welchen Orten dieselben gehen, wissen wir nicht. Rauchflub Collegia", Abends 9 Uhr, in Bernhardt's DeftillaRauchtlub„ Borwärts", abends 9 Uhr, bei Tempel, 17 M. tönnen Sie durch unsere Buchhandlung, Adresse: Verlag Abonnent Schmidstraße. tion, Staligerstr. 41. Mary, Das Kapital, 2 Bbe, traße 71. Rauchflub Arcona", Abends 9 Uhr Reichenbergerabends 9 Uhr, im Restaurant von Sendte, Gesundbrunnen, Brtezenerftr. 6. 2 Bücher besorgt Ihnen jede Sortiments- Buchhandlung. Arbeiter- Rauchflub ,, Nordpor". Sigung jeden Donnerstag des Vorwärts", Berlin SW., Beuthstr. 2, beziehen. Die anderen Verantwortlicher Redakteur: August Enders in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. " Weißensee. Am Freitag, den 22. b. M., fand hier im Lokale des Herrn Sengbeil eine Voltsversammlung statt, in welcher Herr Keßler über das Thema sprach: Wie stellen wir uns zur Wahl von Gemeindevertretern?" Der Referent er= läuterte die neue Landgemeindeordnung und machte der Versammlung klar, wer wählen darf, wie gewählt werden muß und wen man zu wählen hat, dabei ausführend, daß allerdings bei diesem Gesetz für das Proletariat sehr wenig übrig bleibt; jedoch müsse man einem jeden Arbeiter vor Augen führen, daß auch er ein Wort mitzusprechen habe, und befürwortete demgemäß die Betheiligung an der Wahl. In der sehr lebhaften Spindler. " im Leffing- Gymnasium, Pantstr. 9-10. ftraße 48. Breslauerstr. 27. " Werein ehemaliger Schüler der willkommen. =