Nr. 15. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags: Nummer mir illuftrierter Sonntagss Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Post Beitungss Preisliste für 1901 unter Mr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. = Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rofonete zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: " Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Das sociale Königtum. Heute vor zweihundert Jahren ist das preußische Königtum gegründet worden, als eine rein höfische Institution, nicht einmal im Interesse des damaligen Absolutismus, sondern als ein kostspieliges Spielzeug, bestimmt der nichtigen Eitelkeit eines nichtigen Fürsten zu dienen. Eine Höfische Feier dieses höfischen Gedenktags mag gleichwohl angezeigt sein; höfische Empfindungen liegen uns so weltenfern, daß wir uns darüber kein sachverständiges Urteil erlauben tönnen. Freitag, den 18. Januar 1901. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. sich der preußisch- brandenburgische Staat den Formen des modernen Schein von Macht, dringend abrieten. Nach endlosen Intriguen, Absolutismus anbequemen mußte, von den Junkern nur dadurch, und nicht ohne Hilfe von Jesuiten, erteilte der Habsburgische daß er ihnen die Bauern mit Haut und Haaren auslieferte, die Kaiser im November 1700 endlich die Erlaubnis, daß der Erlaubnis, ein stehendes Heer zu unterhalten und ständige Steuern Surfürst sich in dem Herzogtum Preußen, das nicht zum zu erheben. In dem Landtagsrezeß von 1653 liegt dies erhebende deutschen Reiche gehörte, als König krönen lassen dürfe. Uebereinkommen urkundlich vor. Hauptgrund seiner Nachgiebigkeit war, daß er die brandenburgischen Truppen für seine habsburgischen Haustriege brauchte. In der That mußte Friedrich III. auf eine Reihe von Jahren hinaus jede selbständige Bolitik aufgeben und sich ohnmächtig in die wohl wollende Gnade seiner Nachbaren schicken, für den Genuß, den König zu spielen; die brandenburgischen Landestinder verbluteten derweil auf den Schlachtfeldern des spanischen Erbfolgekriegs, der sie in aller Welt nichts anging. " Die Es war Am 17. Januar stiftete der Kurfürst den hohen Orden vom Die Junker machten den Paft so niet- und nagelfest, daß die preußischen Könige des 18. Jahrhunderts, so unbeschränkt ihr Abfolutismus zu sein schien, doch immer nur am junterlichen Gängelbande marschieren konnten. Da sie das Blut des Bauern für ihre Heere und seinen Schweiß für ihre Steuertassen brauchten, so haben Ja noch mehr: es tväre auch nichts dagegen zu fagen, fie freilich an der Erbunterthänigkeit und Leibeigenschaft gerüttelt, wenn die herrschenden Klassen als solche den heutigen Tag aber mit verschwindend geringem, um nicht zu sagen gar keinem feierten. Zwar bietet er selbst für diese Klassen, so weit ihnen Erfolge, und am allerwenigsten für socialreformatorische" 8wecke. daran liegt, von ihrem beschränkten Klassenstandpunkt aus Könnte der alte Friz das Lied des socialen Königtums" hören, das Die Krönung am 18. Januar 1701. wenigstens eine leidliche Figur in der Geschichte zu spielen, seine heutigen Bewunderer in seine arglose Seele hineindichten, er Kaum hatte der Kurfürst den sogenannten Kronenvertrag vom auch nur niederziehende Erinnerungen: die oftelbischen Junker haben würde mit seinem Krücstod unter fie fahren. Nach seiner Steuer- 16. November 1700 in der Tasche, als er sich mitten im Winter auf schließlich doch noch andre Kerle gestellt, als das traurige Höflings- verfassung, wie sie verbrieft vorliegt, mußte der Bauer bluten, den Weg machte, um sich in Königsberg krönen zu lassen. pack, das heute vor zweihundert Jahren die preußische Königstrone daß er gerade nur noch aus dem letzten Loche pfiff; nur sollte ihn eine der größten Kavalkaden, die Deutschland je gesehen hatte. Um aus der Taufe hob, und das deutsche Bürgertum ist unter den der Junker nicht so sehr schinden, daß nicht noch ein Ertledliches fich überhaupt fortbewegen zu können, mußte sie in vier Abteilungen Hohenzollern, vom ersten Kurfürsten Friedrich I. bis zum ersten für den König zum Schaben übrig blieb. zerlegt werden; außer den aus Berlin mitgeführten Pferden waren Kaiser Wilhelm I., so durchaus aufs Vorzimmer angewiesen Kam der Tag von Jena, wo eine gerechte Nemesis die jahr- 30 000 Vorspannpferde nötig, die natürlich die armen Bauern stellen gewesen, daß schon ein beträchtliches Maß staatsmännischer" hundertelangen Sünden strafte, die das preußische König und mußten. Entsagung dazu gehört, wenn die bürgerliche Klasse Höfische Junkertum an den arbeitenden Klassen begangen hatte. Litaneien zur Feier höfischer Erinnerungsfeste anftimmt. schmerzende Peitsche der Fremdherrschaft entriß den preußischen Schwarzen Adler, als erster Ordenskanzler fungierte der Graf Kolb Immerhin aber: wollen die Herrschenden Klaffen ihre Feste Königen und Junkern einige notdürftige Reformen, aber als dann von Wartenberg, von dem wir gleich mehr hören werden. Am feiern, wie sie fallen, so kann uns das schon recht sein, und doppelt die preußische Bevölkerung unter ungeheuren Opfern das Joch ber 18. Januar erfolgte dann die Krönung, in deren Schneiderpracht der recht, wenn sie ihre nationale" Begeisterung an föniglichen Fremdherrschaft zerbrochen und das preußische Königtum wieder eser vielleicht einen flüchtigen Blid thun mag:" Der König trug Gedenktagen auflodern lassen. Dann wäre eine friedlich- schiedliche hergestellt hatte, begann unter dessen Aegide jenes etle Schauspiel ein Scharlachtkleid, deffen Knöpfe Diamanten, je 3000 Dukaten an Trennung zwischen ihren und unfren Gedenktagen sehr schnell durch der Bauernbefreiung", das, sich volle fünfzig Jahre hinschleppend, Wert, waren, und einen Mantel von purpurfarbenem Sammet. Der geführt, fintemalen wir nur die Erinnerungstage großer Kultur- unzählige Bauern besiglos gemacht und dem verschonten Nest gegen eine Mantel war über und über mit in Gold gestickten Kronen und fortschritte feiern, deren auch nicht einer auch nur von fern mit einem Bahlung von nahezu einer Milliarde Mart lastenfrei einen Teil des Adlern bestreut und wurde von einer prachtvollen Agraffe von drei Erinnerungstage des preußischen Königtums zusammenfällt. Lands zurüdgegeben hat, auf dem seine Vorfahren als freie Leute großen Diamanten, eine Tonne Goldes Wert, zusammengehalten. Jedoch, wie bekannt, lassen es die herrschenden Klassen an der gefeffen hatten. Wenn das eine Glanzleistung des preußischen In diesem Ornate bestieg der König den Thron im Saale des nötigen Selbstbescheidung fehlen und gebärden sich, als ob der Königtums sein soll, so hat die menschliche Sprache kein noch so Königsberger Schlosses und setzte sich die vom Oberkammerherrn zweihundertste Geburtstag der preußischen Königstrone ein Tag sei, überschwengliches Wort, das auch nur annähernd die Weisheit der b. Kolb auf den Knien präsentierte Strone auf. Nach diesem Akt den die deutsche Nation, und in erster Reihe ihre große Maffe, die französischen Revolution erschöpfen könnte, die in einer einzigen dieſe au frönen. Sie trug ein Kleid von Goldstoff. mit Bonceauder Selbstkrönung begab er sich in die Zimmer der Königin, um Arbeiterklasse, in dankbarer Erinnerung zu feiern habe. Die hiesigen Sommernacht die französischen Bauern wirklich zu befreien wußte. städtischen Behörden haben fogar den gloriofen Einfall gehabt, Mit dem Ende der preußischen Bauernbefreiung" fiel zu Blumen durchwirkt, an dem alle Nähte und die ganze Brust mit den man für eine beißende Fronie halten könnte, wenn es nicht ein fammen die Geburt der deutschen Socialdemokratie. Es ist ihr aus. Diamanten bedeckt waren, dazu trug sie noch rechts an der Brust abgeschmackter Servilismus wäre das Andenken des ersten Hohen- schließliches Verdienst, wenn es seitdem zu einigen socialen Reformen einen Strauß der schönsten Perlen und übrigens einen Purpurmantel zollernkönigs durch eine„ fociale Stiftung" zu verherrlichen, die als auf deutschem Boden gekommen ist, und es ist die ausschließliche empfing sie von ihm knieend, aber mit so völliger Unbefangenheit, mit goldenen Kronen und Adlern, ganz wie der König. Die Krone folche die pure Kinderei ist, aber den städtischen Steuerzahlern das Schuld der herrschenden Klassen, wenn diese Reformen verhältnis- daß sie während der langweiligen Ceremonie durch eine Prise sich empfing sie von ihm knieend, aber mit so völliger Unbefangenheit, hübsche Sümmchen von einer Million fostet. Nicht zu gedenken der mäßig noch so blutwenige find. Das hat kein andrer zahllosen Festschriften, die hier und anderswo auf Regiments Un- als Bismard in einem unbewachten Augenblicke zugestanden. tätische König sehr übel vermerkte und dem Unterfangen durch eine eine angenehme Berstreuung zu machen versuchte, was der gravitoften in den Schulen vertrieben werden, um die empfänglichen In feinen bewachten Augenblicken hat er freilich desto Gemüter der Arbeiterkinder mit Legenden zu vergiften, die im eifriger die Trommel gerührt für die rois des gueux, die Könige der Beschreibung der firchlichen Einsegnung, die darauf folgte, wird Burechtweisung seinen wohlverdienten Lohn zukommen ließ." Nach Interesse der herrschenden Klassen erfunden worden sind. Hiergegen der Bettler, die nach seiner höchst furiosen Behauptung die Hohen- der Beschreibung der kirchlichen Einsegnung, die darauf folgte, wird der Leser wohl kein Verlangen tragen. zu protestieren, ist die Pflicht der Arbeiterpresse, die allen Heul- zollern von Anbeginn gewesen sein sollen. Der historische Wert der Leser wohl kein Verlangen tragen. meiern zum Trotz erfüllt werden muß. Es liegt weder in unsrer dieses geflügelten Worts wird hinlänglich beleuchtet durch seinen Macht noch in unserm Willen, die Feste der herrschenden Klassen historischen Ursprung: unter boshafter Anspielung auf die finanzielle zu stören; unsertwegen mögen sie iubilieren und tanzen, wenn es Blusmacherei seines Vaters meinte der alte oder vielmehr junge ihnen sonst beliebt, auch auf einem Vulkan. Dagegen liegt es in Frig, er werde ein König der Bettler sein, wenn er zur Regierung unsrer Macht, und weil es unsre Pflicht ist, auch in unserm Willen, fäme, was ihn natürlich nicht gehindert hat, als er zur Regierung ausgespendet, der neue König unaufhörlich als zweiter Salomo" die Arbeiter darüber aufzuklären, daß sie dem preußischen Königtum tam, die finanzielle Plusmacherei seines Vaters in noch gesteigertem Schwelgereien reichlich zwei Monate; erst am 6. Mai zog er durch gefeiert. Für die Rückreise brauchte er unter unaufhörlichen nicht den geringsten Dank schulden, daß alles, was ihnen heute Umfange fortzusetzen. Es waren rechte Schäfer, der preußische darüber von den Sophisten und Sykophanten der herrschenden Klassen Säkularmensch des 18., wie der preußische Säkularmensch des fieben Ehrenpforten in Berlin ein. Nun folgten neue Feste und Luftbarkeiten, bis am 22. Juni ein großes Dante, Buß- und Betfest vorgeredet werden mag, nichts als Sand ist, der ihnen in die Augen 19. Jahrhunderts. gestreut werden soll. den ganzen Trubel beendete, der dem ausgefogenen Land mindestens fechs Millionen Thaler gekostet hat, was damals natürlich eine ganz Eine Wirklichkeit hat die sociale Mission" der Hohenzollern niemals hinter sich gehabt. Als Legende aber ist sie entstanden mit Wir der modernen Arbeiterbewegung; sie ist der Schatten dieser Bewegung, so wie er sich den herrschenden Klassen in dem verzerrenden Hohlspiegel ihrer Gewissensangst darstellt. Einen Riesen über seinen verzerrten Schatten stolpern zu lassen: das ist die erquickende Aufgabe, an die heute unendlich viel staatsmännische" Druckerschwärze und Lungenkraft verschwendet werden wird. Dann aber wurde die neue Krone durch prunkende Feste un unterbrochen bis zum 8. März verherrlicht; in Anreden und Predigten bilder nach dem Bombast- Stil der Zeit in überschwenglicher Fülle wurden teils biblische, teils griechisch- römisch- mythologische Grotest andre Summe war als heutzutage. Der neue Salomo. Der König Friedrich I. füllte seine Tage nunmehr mit dem lächerlichsten Etikettewesen aus, nach dem Muster des französischen Hofs. Während an diesem Hof aber doch immer noch große politische Interessen mitspielten, fehlten sie gänzlich am preußischen Hof, der ja eben auf die Politik verzichtet hatte, um mit der Krone zu spielen. Die niedrigsten Kabalen des Hofgefindes drängten sich um den neuen Salomo, der darin vergnügt als in seinem eigensten Elemente Um dies sofort zu erkennen, braucht man nur einen rückschauenden Blick auf die Geschichte des preußischen Königtums zu werfen. sehen dabei von der Regierung des gegenwärtigen Kaisers ab, die unsern Lesern in frischer Erinnerung und zudem noch nicht für die historische Würdigung reif ist. Aber auch die verstorbenen Träger des preußischen Königtums find wir weit entfernt, etwa so Schwarz in Schwarz zu malen, wie sie von den heutigen Festpredigern Weiß in Weiß gemalt werden. Nicht nur unsre vollkommene Gleich- Der Riese aber bläst mit einem Hauch der historischen Wahrheit gültigkeit schüßt uns vor jeder Parteilichkeit, wie sie von Haß oder das ganze Gaukelspiel auseinander, und wenn er ja ein übriges Liebe erzeugt werden mag, sondern noch weit mehr unsre Geschichts- thun will, so geht er zu seinem weltgeschichtlichen Tagewert über auffaffung. Die Hohenzollern waren Dynasten, wie andre auch, mit dem lakonischen Dichterwort: So viel Arbeit um ein plätscherte. den historischen Bedingungen ihres fürstlichen Handwerks unter- Leichentuch! worfen, und eben diesen Bedingungen, nicht aber den persönlichen Fehlern der Hohenzollern ist es zuzuschreiben, daß die Geschichte dieses Dynastengeschlechts reicher an Schattenseiten sein mag, als die Geschichte dieses oder jenes andern Dynaftengeschlechts. Die Stellung der Fürsten muß günstiger sein, wenn sie mehrere Um den 18. Januar. I. Wie die Krone erworben wurde. Seinen Oberkammerherrn, den Grafen Kolb v. Wartenberg, be soldete er mit einem Jahresgehalte von 100 000, nach andern gar 123 000, den Obermarschall v. Bringen mit jährlich 40 000 Thalern. Diesen beiden obersten Hofwürdenträgern folgte ein ganzes Gevölk von Kammerherren, Kammerjunkern und Kammerdienern, die alle für ihr Nichtsthun mit unerhörten Gehältern belohnt und alle Augenblicke mit der unsinnigsten Pracht neu eingekleidet wurden. Dabei suchte man nicht etwa die Anfänge der preußischen Industrie durch Aufträge zu fördern, sondern bezog all den kostspieligen Tand aus Paris, da der neue Salomo wünschte, daß auch das Ausland etwas von seinem splendiden Glanz abbekäme. Wenigstens an einer Probe mag gezeigt werden, wie er sich huldigen ließ. Als seine erste Enkelin getauft werden sollte, befanden sich die Könige von Dänemark und Polen bei ihm zum Besuch. Ein adliger Höfling verglich nun in einem Gedicht die neugeborene Prinzessin mit dem Christkinde und die drei Könige mit ben Königen aus dem Morgenlande, die gekommen feien, es anzubeten. Das machte einen so tiefen Eindruck auf den König, daß er dem„ Dichter" ein Geschenk von tausend Dukaten reichen ließ. Die philosophische Königin. herrschende Klaffen, ungünstiger, wenn sie nur eine herrschende Klasse Der erste Anstoß zur Erwerbung der preußischen Königstrone hinter sich haben. In jenem Falle können sie eine dieser herrschenden ging von dem französischen Könige Ludwig XIV. aus. Er riet dem Klassen gegen die andre ausspielen, in diesem Falle sind sie von der Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der in seinem Solde einen herrschenden Klaffe ganz abhängig. Der moderne Absolutismus stand, sich die Königskrone aufzusetzen, um so das heilige römische entstand dadurch, daß er in der anwachsenden Bourgeoisie eine Stütze Reich deutscher Nation noch mehr zu zerrütten, als es schon zerrüttet gewann gegen das Junkertum, das die mittelalterlichen Fürsten ganz war: je mehr das Reich in kleine selbständige Staaten zerfiel, um so zu seinen Kreaturen gemacht hatte. Nirgends aber war das Junker ohnmächtiger war es gegen die Eroberungsgelüfte des französischen tum so allmächtig und so lange gegen die aufkommende Bourgeoisie Despotismus. Jedoch der Kurfürst Friedrich Wilhelm, so unbedenkgeschützt, wie in den ostelbischen Landschaften. Als die Hohenzollern lich er sich mit französischem Gold für seinen Reichsverrat bezahlen ins Land kamen, um die Sprechweise der Juuker zu gebrauchen, ließ, hatte Verstand genug, einzusehen, daß die Königstrone für sein hatten sie gar keine Wahl, selbst wenn sie von all dem blutarmes Ländchen von noch nicht 2 Millionen Einwohnern eine überschwenglichen Edelmut beseelt gewesen wären, den ihnen unerträgliche Last sein würde, und daß er mit guten Finanzen und die Herren Wildenbruch und Lauff andichten; fie mußten Soldaten mehr im europäischen Staatenkonzerte bedeute, als mit tanzen, wie die Junker pfiffent, sie mußten ihre fürstliche dem leeren Brunk eines föniglichen Hofstaats. Gewalt hergeben an einem Hammer, der in der Hand der Junker Diese bescheidene Einsicht vererbte sich leider nicht auf seinen die Freiheit und das Recht der bäuerlichen Bevölkerung zertrümmerte. Sohn, den Kurfürsten Friedrich III., einen fleinen verwachsenen Die einzige leidliche Figur an diesem Hofe war die Königin Unter dem Dugend hohenzollernscher Kurfürsten giebt es nicht einen, Mann, von ungemessener Eitelkeit, aber höchst bemessenem Verstande. Sophie Charlotte. Von Geburt eine hannoversche Prinzeß, hatte sie der sich jemals der Bauern gegen die Junter angenommen, giebt es Gein einziges Trachten ging nach der Königskrone, obgleich ihm längere Zeit in Frankreich gelebt, im Verkehre mit zwei kaum einen, der die Bauern nicht noch tiefer, als es sein Vorgänger feine Minister, feineswegs aus idealen Beweggründen, aber aus der originellen und vorurteilslosen Damen ihrer mütterlichen Verschon gethan hatte, unter das Joch der Junker gebeugt hätte. Der ganz, realpolitischen" Erwägung heraus, daß eine Hand voll wirt- wandtschaft: der durch ihre ehrlich- zhnischen Briefe bekannten letzte dieser Kurfürsten erhielt nach dem dreißigjährigen Striege, als licher Macht immer noch beffer fei, als ein noch so blendender Herzogin Lise- Lotte von Orleans und der Aebtiffin Louise Hollandine dem er anfangs fein Tagblatt in feinen Staaten hatte dulden wollen, gestattete er nachher das Erscheinen der Berliner Zeitungen wieder, weil er die rühmlichen Thaten seines Heers bekannt gemacht haben wollte. Freilich standen diese Blätter unter sehr strenger Genfur". Wer die höfifche Verschwendung bezahlt hat. bon Maubuiffon, die trotz ihrer geistlichen Würde am liebsten auf p ihren Leib zu schwören pflegte, der vierzehn natürliche Kinder geVielmehr jah Friedrich I. in seinen geliebten Unterthanen" nur tragen habe, und die bis in ihr beschaulich- vergnügtes Alter von Objekte der Ausbeutung, denen an jedes Glied Schröpftöpfe an 86 Jahren ihr Kloster wohl regierte. Jedoch die Hoffnungen zusehen seien, um die Millionen und aber Millionen zu gewinnen, Sophie Charlottens auf die Hand eines französischen Prinzen ger- beren seine unersättliche Verschwendungssucht bedurfte. Jeder dent- Die Regierungsweise Friedrich Wilhelms I. war nicht nur, wie schlugen fich; fie mußte fich mit ihrem preußischen„ Aesop" begnügen, bare Gebrauchsgegenstand wurde besteuert, von den Karoffen und die aller deutschen Fürsten seiner Zeiten, militärisch polizeilich, wie fie thren budligen Eheherrn zu nennen pflegte. Sie trug Berrüden bis zu den Schweinsborsten, und die Säge wurden so fondern auch rücksichtslos despotisch. Seine Rechtspflege und seine ihr trauriges Los mit philosophischer Heiterkeit und Würde; hoch getrieben, daß in Berlin noch der ärmste Bettler von seinem Bolizei hatten etivas Türkisches an sich; denn über Eigentum und mur wenn die„ schrecklichen Kissen" kamen, d. h. wenn der neue Lebensunterhalte jährlich sechs Thaler indirekte Steuern zahlen Leben der Unterthanen entschied der Wille des Königs, Salomo das eheliche Lager in den Gemächern der Königin rüften sollte. Dazu wurden bei jeder passenden oder unpassenden Gelegen- welcher dabei zwar von gesundem Verstande, mitunter aber auch von bloßer Laune geleitet ward. Friedrich Wilhelm mischte sich, ließ, brach das„ Opfer" in lautes Wehllagen aus. heit neue Stenern ausgefchrieben, so im Jahre 1702 eine Krönungsfo oft es ihm einfiel, in die Kriminalgerichtsbarkeit wie in die GesetzSophie Charlotte war nicht frei von manchen Fehlern, eine echte steuer, die sich für die Kurmart allein auf 5000 Thaler belief, bloß gebung, und verordnete, was ihm beliebte, ohne auf die bestehenden Welfin im Guten und im Schlimmen, aber sie stand intellektuell und zu dem Zwecke, den ersten Jahrestag der Krönung würdig" zu feiern, Gefeße, auf das Herkommen oder auf Menschlichkeit Rücksicht zu moralisch hoch über der Umgebung, in der zu leben sie verdammit so eine auf zwölf Jahre verteilte Schloßbausteuer im Gesammtbe- nehmen. Er verhängte die grausamsten Torturen war. Die preußische Königstrone war ihr in der That nicht mehr trage vou 864 000 Thalern. und Strafen. Personen, die durch irgend etwas sein Mißfallen wert als die Prise Schnupftabat, die sie bei der Krönung nahm. Dann verschmähte dieser treffliche König auch nicht, seine auf sich zogen oder seinem Begriff von Keuschheit und seinem Eifer An den unsinnigen Verschwendungen des Hofs hatte sie keinen An Truppen an auswärtige Despoten zu verkaufen: außer der Königstrone für die eheliche Treue entgegen handelten, wurden zu den grauteil; fie verkehrte gern mit den armen Leuten und half ihnen, wo selbst brachte ihm dieser Menschenhandel 14 Millionen Thaler soge- famſten Strafen verurteilt oder auch von ihm persönlich gezüchtigt. ste konnte, so daß sie im Wolfe sehr beliebt war. Am liebsten 30g nannter Subsidien ein. Dazu wurde alle paar Jahre eine General- König aus der Ferne kommen sahen, weil er die Gewohnheit hatte, Alle Leute, besonders Frauen und Kinder, zitterten, wenn sie den fie fich ganz vom Hofe zurüd, in ein Landhaus, das fie sich in razzia über die ganze Bevölkerung gehalten, d. h. eine Generaltopf die ihm Begegnenden über ihre Geschäfte oder ihre Kleidung zur in ein her fie fich in eine die oder ihre fel, Liegenburg, dem heutigen, nach ihr benannten Charlottenburg hatte steuer, zu der alle Bewohner des Königreichs bis zu den Ruhbirten Rebe zu stellen und, wenn das eine oder das andere ihm mißfiel, bauen laffen, wo sie mit Leibniz und andern geistig hochstehenden und Gänsemädchen einen Teil ihres Einkommens abladen mußten. eigenhändig mit dem Stock zu strafen. Die Flucht in solchen Fällen Männern verkehrte. Wie die erste, so ist sie die einzige preußische Neben diesen Generalrazzias liefen Specialrazzias der Judenschaft war nicht immer ratsam; denn der König sandte sofort jemand Königin, die auf geistlichen Trost und Zuspruch verzichtete. Sie ließ einher, Die alle Augenblide für bie, Beſtätigung“ ihrer Privilegien hinter den Fliehenden her. Seine Strafen waren entfeylich hart. gern gescheitelte und geschorene Pfaffen in ihrer Gegenwart disputieren, blechen mußten. Natürlich spielte auch der Aemterlauf eine große Er ließ Kindesmörderinnen in Säden, die sie selbst verfertigen mußten, ertränken, und junge Leute, die ihre habe verschwendeten, ins Zuchtdoch nur wie jene, von Heine befungene Donna Blanka den Rabbi Rolle unter den sauberen Finanzpraktiken dieser Regierung. haus bringen. Er ließ Mägde, die nicht weiter dienen wollten, und den Mönch. hd digid to od niss Zuletzt als die ärgften Erpressungen doch nicht so viel abwarfen, in Zucht oder Spinnhäuser setzen, und mißhandete Damen, Die Königin starb bereits 1705, erst 36 Jahre alt, und ganz um einen unerfättlichen Schlund zu füllen, verlegte sich der König welche der Mode zu gefallen eine nach seiner Meinung unanständige plöglich; innerhalb dreier Tage war sie gesund und tot. Aber der aufs Goldmachen. Er glaubte ehrlich an diese Kunst und ließ sich kleidung trugen." Tod überraschte die Philosophin nicht; als ein Geistlicher an ihr von einem italienischen Abenteurer, den Grafen Ruggiero, der ihm Sterbebette treten wollte, lehnte fie dankend seinen Beistand ab: Gold zu machen versprach, jahrelang ausbeuteln. Als der König " Ich habe über die Religion zwanzig Jahre lang ernstlich nach endlich begriff, daß er genasführt worden war, befahl er, den Abengedacht und die Bücher, die sich darauf beziehen, aufmerksam gelesen. teurer in einem mit Flittergold gezierten Aleide an einen mit GoldEs bleibt mir deshalb nicht der geringste Zweifel übrig, und Sie papier beklebten Galgen zu hängen. Man muß gestehen, daß der können mir also nichts sagen, was mir nicht schon bekannt ist. Ich geprellte Thor sich nicht geistreicher an dem geriebenen Gauner rächen versichere Ihnen heilig, daß ich ruhig sterbe". Und zu einer ihrer konnte. Hofdamen gewandt, fügte sie hinzu: Beklagen Sie mich nicht, Etwa zu gleicher geit, wo sich diese Tragikomödie abspielte, denn ich werde jegt meiner Neugier genug thun über den Grund der Dinge, den mir Leibniz nie erklären fonnte, und ich verschaffe dem Könige den Anblick eines Leichenbegängnisses, das ihm Gelegen heit geben wird, alle Pracht zu entfalten." Sie kannte ihren traurigen„ Aesop", und die tote Königin fügte dem armen Volt das Leid zu, das die lebende ihm gern erspart hatte: ihr Leichenbegängnis toftete Unsummen. Des ersten Königs Ende. indem er Diefer( Peter der Große) schickte ihm große Leute für seine Garde, er ließ dagegen Stahlschmiede aufheben und durch Soldaten nach Rußland bringen, damit sie in Peters Fabriken dienten. Er bestimmte ferner die Tracht der Leute und sogar den Preis des Getreides durch Geseze. Niemand durfte z. B. einen Haarbeutel tragen, und die Korneinfuhr war, selbst wenn Mangel war, verboten, weil man das Getreide aus den töniglichen Magazinen zu bestimmten Preisen nehmen mußte. quittierte eine fürchterliche Best, die Hunderttausende der gewaltsam„ Er benutzte die Thorheit seiner Zeit in Hinsicht auf das und Rangwesen für seinen 8wed, verelendeten Bevölkerung dahinraffte und ganze Provinzen entvölferte, Titel. über das erste Jahrzehnt des preußischen Königtums. Sie gab das für drei bis sechshundert Thaler jeden Titel verkaufte. Signal zum Sturze der drei Wehen; so eine Best, die schließlich die Trauriger als dieses war der Handel, den er mit den Stellen trieb. Ein solcher Handel war freilich damals in den meisten hochgeborensten Leichname nicht schont, weiß auch in die umwölkteſten deutschen Staaten gebräuchlich; allein er wurde nirgends Schädel einen Schimmer besserer Einsicht zu werfen. jo arg als in Preußen unter Friedrich Wilhelm I. getrieben. Hier zahlten zum Beispiel Sackträger, denen ihre Stelle Die Maitreffe als Schmuck der Krone.asdir chil Ehe die drei Wehen von der Bildfläche verschwanden, verflochten nicht mehr als zehn Thaler monatlich eintrug, sechshundert Thaler für dieselbe...! Zu dem Glanze der neuen Krone gehört nach der Meinung des sie den König noch in ein beilloses Abenteuer, in eine nochmalige Ehe Was des Königs Soldaten- Liebhaberei betrifft, so ward Friedrich neuen Salomo in erster Reihe eine Maitresse. Der fleine schwäch mit einer medlenburgischen Prinzeß, die bis dahin durchaus keinen gott- Wilhelm freilich durch sein findisches Wohlgefallen an langen und liche König war kein Sünder auf geschlechtlichem Gebiete, und als seligen Lebenswandel geführt hatte, aber sich nunmehr nach dem be- gepußten Spielpuppen zum Abscheu und Spott seiner Zeit. heiliger König aus dem Morgenland bezähmite er gewiß auch sein fannten Sprichwort auf die fromme Seite legte. Es begreift sich, daß die Dabei verfuhr er in betreff der Retrutierung seines Heeres ganz unetwaiges bißchen Sinnesluft. Aber da Ludwig XIV. feine Maitreffe lutherischen Pfaffen, die unter der philosophischen Königin so gar menschlich, indem er nicht nur die Leute, ohne irgend eine Rüdsicht hatte, so mußte auch der König von Preußen eine haben. nicht ihr Recht erhalten hatten, wie die Teufel hinter der armen zu nehmen, ausheben ließ, sondern auch einen förmlichen Menschenkauf und Menschenraub einrichtete." Er wählte sich dazu ein ganz schreckliches Weibsbild, eines Seele her waren und sie namentlich aufstachelten, den reformierten " Ebenso roh zeigte Friedrich Wilhelm sich in seiner unmäßigen Weinschenken Tochter und eines Kammerdieners Fran, die dann der König wieder orthodox- lutherisch zu machen. Darüber brach bei der Liebe zur Jagd, in betreff deren er ein Abbild der rohen Landjunker Oberkammerherr Graf Wartenberg heiratete, als Schanddeckel für Königin religiöser Wahnsinn aus, und sie mußte in ihren Gemächern feiner Zeit ward. Er behielt nicht allein alle die kostspieligen Eindie Staatsmaitreffe. Obgleich der König nach der glaubwürdigen eingesperrt werden. Eines Morgens jedoch gelang es ihr zu entrichtungen, welche sein Vater für die Jagd gemacht hatte, bei, sondern Versicherung der preußischen Hiftorifer mit der Gräfin Wartenberg tommen, und sie stürzte ins Zimmer des Königs, in weißem Hemd er hatte auch seine Freude an den abscheulichen Barforcejagden..." nur platonische Beziehungen gehabt hat, so beherrschte sie ihn dennoch und Unterrod, mit fliegenden Haaren, funkelnden Augen und blutenden( XVI, III ff.) bin vollständig. Sie hatte bei Hofe den Rang vor allen unverheirateten Armen, die sie sich beim Einschlagen der Glasthür zerschnitten hatte. oder nicht an regierende Fürsten verheirateten Prinzessinnen. Wo Der König glaubte, die Weiße Frau zu sehen, die nach der Sage den ihr der Vortritt bestritten wurde, erzwang sie ihn sich durch Fanst- Hohenzollern den Tod ankündigt, und der' abergläubische Schred tämpfe, wie sie deren einen mit der Frau des holländischen Ge- tostete ihm ein paar Tage darauf, am 13. Februar 1718, das Leben. fandten ausfocht. Die Königin Sophie Charlotte bändigte die So erbaulich starb der neue Salomo. rabiate Person in ihrer heiter- philosophischen Weise, indem sie mur franzöfifch mit ihr sprach, was die Gräfin Wartenberg nicht verstand. sun nanot Für Entsagung, bie Maitreffe bung, die ihr der stönig auferlegte, entſchäbigte isos Friedrich II., der Große. Friedrich würde den Namen des einzigen großen Regenten seines Jahrhunderts schon bloß aus dem Grunde verdienen, weil er seiner Zeit vorauseilte und den überlieferten Vorurteilen militärisch trotte... Als Schöpfer einer neuen protestantischen Hauptmacht in Europa tämpfte Friedrich, geſtüßt auf seine Geistesüberlegenheit, auf seine Kriegserfahrung und auf die dessen Wohlfahrt und Ruhm er Aus Schloffers Weltgeschichte. Singebung eines Bolts, für bellen of Fe, bet& faffen thätig war, gegen Haß der Höfe, der und der Feudalaristotraten."( XVI, 276.) " Auch hatte Friedrich keinen Begriff von einem Recht des Bürgers, welches über jeder Willtür und Gewalt, felbst über des Staatsoberhauptes, erhaben sei, und griff mitunter mili. tärisch in die Rechtspflege ein."( XVI, 277.) netolldog fich durch unzählige Buhlschaften mit den Hofleuten. Ihr Hauptgalan war der englische Gesandte, Lord Raby. Neben( Citiert nach der Originalausgabe, Frankfurt a. M. 1856.) un den Millionen, die ihr Zuhälter von Ehemann unter ihrer Beihilfe Friedrich III.( I.) Dieser Fürst jagte schon seit 12 Jahren erräuberte, trug fie für ihren Anteil einen Juwelenschatz im Werte dem föniglichen Titel nach, und fand es jetzt endlich möglich, den von einer halben million Thaler davon. Hiermit und mit den von selben anzunehmen, da Rußland, Polen, Sachsen und Dänemark ihn Am 9. September( 1756) rüdten die Breußen in Dresden ein. ihrem sogenannten Gatten ererbten Millionen lebte fie später als in diesem Augenblick nicht beleidigen fonnten, der Kaifer aber und Allerweltsdirne in Paris. Von ihrem Lasterleben finden sich in den die beiden Seemächte der preußischen Truppen gegen die Franzosen Hier wurde sogleich das geheime Archiv, trop des persönlichen bedurften".( Band XVI, S. 38.) Widerstands der Königin, gewaltsam erbrochen, um Briefen der Herzogin Lise- Lotte von Orleans die erhebendsten Georgs( Königs von Hannover) Tochter Sophie Dorothea, bie Originale der Briefichaften, deren Kopien Einzelheiten. So pflegte die Gräfin Wartenberg denjenigen ihrer wurde im Jahre 1706 mit dem nachherigen preußischen König Friedrich durch Menzel erhalten hatte, wegzuLiebhaber, die sich in ihren Armen böse Krankheiten zugezogen Friedrich Wilhelm I. vermählt, und bei dieser Gelegenheit wetteiferten nehmen. Die daselbst gefundenen Papiere vermochten freilich, da hatten, bis 50 000 Frant Schmerzensgeld zu zahlen. Diese groß- Georg 1. und Friedrich Wilhelms Bater, Friedrich L., der an fie die angebliche Verbindung Sachsens und andrer Mächte zur Ber und Verschwendung es einem Auguft II. gleich mütige und mildthätige Verwendung ihrer der preußischen Be- Brachtliebe und Verschwendung es preußischen Königs nicht zu rechtfertigen."( XVI, 287). völkerung abgezwadten Schäße sichert der Gräfin Wartenberg einen authun fuchte, mit einander in thörichtem Aufwande. Georg ließ nichtung Preußens keineswegs bewiesen, den feindlichen Angriff des feine Tochter mit einem so großen Gefolge nach Berlin bringen, " Bugleich wurden die sächsischen Bauernsöhne zum hervorragenden Ehrenplatz in der Geschichte der fürstlichen Kebse. daß zur Fortschaffung des ganzen Bugs auf jeder Hannoverischen Kriegsdienste gegen ihren eignen Fürsten ge Poft fünfhundertzwanzig Pferde bereit gehalten werden mußten. Bon Berlin aus schickte man zum Empfange der Prinzessin eine ungen, und wenn einer von ihnen sich dieser Zumutung durch Abteilung des Hofftaats entgegen, für welche allein breihunderte die Flucht entzog, so mußten es seine Eltern und Verwandten mit ihrer Habe büßen."( XVI, 288.) daß fünfaig ferde nötig waren, jo bag auf brandenburgischem Gebiete ihrer Habe büßen."( XVI, 288.) „ Die Mehrzahl der( deutschen) Fürsten stand im Solde der Brautzug nicht weniger als achthundertsiebenzig Pferde brauchte. Frankreichs. Dies ist bis ins einzelnste durch das in der Um die Bedürfnisse der Küche und des Kellers in Berlin zu be- franzöfifchen Revolution veröffentlichte sogenannte rote Buch, das friebigen, wurden damals in den einzelnen preußischen Provinzen aus einem offiziellen Verzeichnis der geheimen Ausgaben Frankreichs starte Lieferungen ausgeschrieben, die Reumart zum Beispiel mußte unter Ludwig XV. besteht, unwidersprechlich bewiesen allein sechshundertvierzig Kälber, achttausendfiebenhundertzwei worden."( XVI, 289). Hühner usw., die Provinz Preußen Humbert fette Ochsen liefern, " In Sachjen verfuhren( 1758) die Preußen ganz nach Art der ohne daß eine Entschädigung dafür gegeben Türten. So wurde z. B. einst in Leipzig, um mit Gewalt Geld ward."( XVI, 106 2c.) herauszupressen, der ganze Magistrat auf die Pleißenburg gebracht, wo die ersten Staufleute der Stadt schon seit mehreren Wochen ohne Licht, ohne Stühle, ohne Betten und sogar ohne Stroh saßen." ( XVI, 298). follten. Die drei Wehen. shado madis Da die Seele des preußischen Königtums zur Beit Friedrichs I. der Hof war, so war der Oberkammerherr, Graf Kolb von Wartenberg, zugleich allgewaltiger Premierminister. Zu seinen Gehilfen wählte er den Grafen Wittgenstein als Leiter des Finanz-, und den Grafen Wartensleben als Leiter des Kriegswesens. Das Bolt nannte diese drei Grafen wegen ihrer maß- und schamlosen Erpressungen die drei Wehen des Lands. Graf Wartenberg hatte sich von dem Könige das schriftliche Verfprechen geben lassen, daß er niemals für öffentliche Unterschleife und Veruntreuungen, die unter seiner Verwaltung vorkämen, zur Rechenschaft gezogen werden dürfte. Dies Versprechen hielt der König, der es sonst mit seiner Friedrich Wilhelm I. Friedrich Wilhelm I. war weder edel fürstlichen Barole durchaus nicht genau nahm, auch wirklich, noch liebenswürdig; im Gegenteil, er war ein geiziger und Man würde feine( Friedrichs des Großen) fortwährende il nter als Graf Wartenberg nach dreizehnjähriger Raubwirtschaft tyrannischer Regent, und unter ihm fand nicht nur eine unſelige in der ausgepowerten Bevölkerung nichts mehr zu plündern fand Vereinigung der Verwaltung und Gerechtigkeitspflege statt, sondern ftübung des güterbesigenden Adels auch als eine Bes und sein Bankrott nicht mehr zu verhindern war. Der König entließ er selbst machte sich auch durch seinen Geiz lächerlich und gehässig. günstigung des Landbaues entschuldigen tönnen, wenn Friedrich seine ihn vielmehr mit einer Jahrespension von 24 000 Thalern, die allein seine Zeit erheischte eine Diktatur oder Despotie, wie er fie reichen Spenden bloß dem reicheren Teil des Adels zugewendet, und übte, und sein Geiz erschuf, gerade als Verschwendung bei den nicht zugleich die bürgerlichen lassen durch Steuern, nach dem Tode des Grafen auf die Gräfin Wartenberg übergehen Fürsten an der Tagesordnung war, für seinen Sohn und Nachfolger 8ölle und Accifen hart gebrüdi hätte."( XVI, 421.) die Mittel, durch welche nachher der zum Spott der Völker ge Die Voltsschulen wurden von ihm zur Versorgung. seiner Invaliden und Unteroffiziere benugt, und Kunft und Wissenschaft. tmbo worbene deutsche Namen wieder in Ehren gebracht wurde." Von Völlerei, von Maitreffen und genialer Lüderlichkeit, von trotz aller Gegenbemühungen des Ober- Schulfollegiums mußten diese Es ist eine hinfällige Behauptung byzantinischer Historiker, daß fremden Stünften und Künstlern war an Friedrich Wilhelms Hofe zum Teil ganz unfähigen und rohen Leute als Dorfschulmeister an unter den finnlosen Verschwendungen Friedrichs I wenigstens teine Rede, aber freilich auch von feiner Bildung und feinem Streben, gestellt werden."( XVI, 422.) Kunst und Wissenschaft geblüht haben sollen. Allerdings befand beffen Biel nicht das unmittelbar Nübliche war." Am ärgsten zeigt sich die Geringschäßung, mit welcher Friedrich sich unter den Hoffünstlern, die für die Verherrlichung der Nichtsbestoweniger würde seine Frömmigkeit mit seinem ganzen auf den Bürgerstand herabsah, sowie sein Mißbrauch der Hoffeste zu sorgen hatten, ein genialer Baumeister und übrigen Wesen im Widerspruch zu stehen scheinen, wenn nicht die monarchischen Rechte in dem von ihm eingeführten berriichtslos Bildhauer, Andreas Schlüter, aber er wurde sehr bald neuesten Erfahrungen uns zeigten, daß die Verbindung von System indiretter Abgaben und in der rücksichtslos ein Opfer des höfischen Neids und mußte in dem barbarischen Roheit mit der tiefsten äußerlichen Frömmigkeit tyrannischen Weise, mit der er dasselbe durchführte. Rußland seine Zuflucht suchen. Wie mit der Kunst, so mit der und mit einem Glauben, dem fein Punkt der über Seite von Friedrichs Verwaltung ist um so mehr Wissenschaft. Die Berliner Akademie war ein lächerliches Berrbild lieferten Dogmatit zu fwierig ist, eine Eigenheit bervorzuheben, da sie einer Zeit angehört, in welcher liberale Begriffe vom Staatswesen sich bor der Pariser Akademie, und die Universität Salle entstand aus des deutschen Lebens zu fein fcheint." Er ließ daher auch die damals für Dentschland ganz unpassende bereiteten, und gerade dasjenige Finanzsystem, dynastischen Eifersüchteleien mit dem sächsischen Königshause; ihr Berliner Akademie... bloß aus dem Grunde bestehen, weil sie zur welches Friedrich einführte, durch die Schriften Stiftungsfonds belief sich auf die enorme Summe von Anfertigung des Kalenders diente. Er machte... feinen Zeitungs- der Oekonomisten aufs heftigste bekämpft wurde. 7000 Thalern. Der bekannte Gelehrte Pufendorf sollte zwar für ein, referenten Gundling, der... wegen seiner Pedanterie, feines Friedrich führte zu derfelben Zeit, als er den begüterten im dynastischen Interesse geschriebenes, Geschichtswerk 10 000 Thaler Cynismus und seiner feltfamen Sitten als eine Art von Hofnarr Adel durch große Summen unterfügte, die Regie und Accise Honorar erhalten; schade nur, daß er sie nie gesehen hat. angesehen wurde, nicht nur zum Präsidenten dieser Akademie, sondern ein, welche vorzugsweise auf den ärmsten Klaffen lasteten Seine Witwe verhungerte, während der Hof seine prafsenden Feste er überhäufte ihn auch mit allen möglichen Titeln und Würden. Nur und diesen auch den kleinsten Genn verkümmerten. Er einmal, als er bei einer wunderbaren Genesung den Zusammen- machte Salz, Kaffee, Tabat und ähnliche dringende Bedürfnisse der hielt. Daß außer der angeblichen Förderung von Kunst und Wissen hang der Naturwissenschaften mit der Medizin erkannte, schenkte er Armen zu einem Regierungsmonopol und verfuhr bei dem Berkauf schaft unter der Regierung Friedrich I. je das geringste für die der Akademie eine fleine Summe." diefer Gegenstände wie bei der Erhebung der Zölle mit der größten geistigen oder materiellen Intereffen der Bevölkerung geschehen sei, Eine freie Aeußerung über Staatssachen duldete Friedrich Wilhelm Härte."( XVI, 422.) für Schule, Aderbau, Handel, Industrie, Verkehr und so weiter, wagen freilich nicht; es fiel aber auch damals feinem Deutschen ein, im selbst die byzantinischen Historiker nicht zu behaupten, post Widerspruche mit der Obrigkeit eine Meinung zu haben.... Nach " Diese " Der Berlauf allen gebrannten Kaffees sowie des ungebrannten unter einem Pfunde war bei Geldstrafe und, wenn diese nicht auf gebracht werden konnte, bei Leibesstrafe verboten. Die Reichen konnten, da sie eine größere Quantität zu kaufen im stände waren,. einen Brennschein lösen und sich also eine bessere Sorte verschaffen; die Annen dagegen, welche ihren Bedarf nur in kleineu Quantitäten kauften, waren genötigt, die überaus schlechte und teure königliche Ware zu nehmen. Dabei wurde, um jede Umgehung der harten Vor« schriften zu verhindern, ein förmliches Spioniershstem eingerichtet. Es mußten nämlich die Accise-Beamten sowie eine Anzahl Invaliden... bei Tag und Nacht in den Straßen umhergehen, um durch den Geruch auszuspüren, ob irgendwo Kaffee ohne vorherige Lösung eines Brenn- scheins gebrannt oder gebrannter Kaffee verkaust werde. Diese und ähnliche Maßregeln lassen sich bei Friedrich II. nur daraus er- klären, daß er wie Voltaire daö gemeine Volk verachtete, und wie Bonaparte die Nbgöttcrci, die dasselbe mit ihm trieb, zu seinen Zwecken mißbrauchte. Sie waren in einer Zeit möglich, in welcher nicht nur das Volk seinem Regenten noch unbedingt ergeben war, sondern auch die servile Gesinunng der Leute, welche über Regiernngsmaßregeln schrieben, dem Herrscher eine über de» Verstand aller Ünterthanru hinausreichende Erleuchtung, oder, wie einer von Friedrichs Lobrednern sich ausdrückt, die Fülle aller Erkenntnis des ganzen Lands zuerkannte."(XVI, 423.) Friedrich Wilhelm II.„König Friedrich Wilhelm II. war wie Ludwig XV. schon in seinen jungen Jahren durch Erziehung und Ver- führung sittlich verdorben, und sank sogar noch früher als dieser, tief herab. Er war wie Ludwig eine durchaus sinnliche Naturs und hatte mit diesem schlechtesten aller französischen Könige auch noch zwei andre Charakterzüge gemein. Er suchte nämlich bei seinen fleischlichen Sünden im blinden Glauben und in der sogenannten Kirchlichkeit Beruhigung und Trost, und geriet ganz in die Gewalt seiner Maitressen und ihrer Verwandten. Das erstere ward von den Frömmlern ... benutzt, um den Radikalismus in der Theologie aus- zurotten und die alte Kirckenlehre mit Gewalt aufrecht zu er« halten.... Was Friedrich Wilhelms Maitressen bettifst, so... genügt die Bemerkung, daß die Frau des Kämmerers Rietz als Gräfin Lichtenau in Berlin die Rolle der Pompadour spielte, daß der preußische Hofadel in gleichem Grade, wie der französische, mit stolzer Verachtung gegen alles Bürgerliche erfüllt war. und daß dm für 17S2 und 1806 das preußische Volk im Kampfe mit den Franzosen schwer büßen mußte."(XVIl, 50 f.) *# « Friedrich Wilhelm III..Der neue König war sittlich rein, allem Prunke abgeneigt und gleich einem guten Hansvater auf Zucht und Ordnung bedacht; er war aber dabei auch ä n g st l i ch und bedachtsam, vermied jeden entscheidenden Schritt, und strebte in den erschütternden Kämpfen einer tiefbewegten Zeit seinen Staat neutral zu erhalten. Er selb st war wie seine Umgebung , nittelmäßig, scheute jedes überlegene Talent, und ließ sich von Männern leiten, die seiner unwürdig tv a r e»."(XVII, 445 f.) „König Friedrich Wilhelm mußte sich... dazu hergeben, ein Diener der französischen Polizei zu werden. Friedrich Wilhelm sah sich nämlich genötigt, nicht nur das Gebot geheimer Verbindungen wieder einzuschärfen, sondern auch seinen Offizieren das Besprechen politischer Gegenstände zu verbieten."(XVIII, 181.) Meinungen des„alten Fritz". Ueber Religion, fttrche usw..Worauf denn der Kronprinz hoch und teuer versicherte, daß er nunmehr ganzsSeiner Majestät ch Frau machen, was' sie wiU,"'und thue s e i t s. w a s j r gefällt. Es l e b c d s e g r e i, m e r n e meiner, �..-„.. heitl"(An den General v. Grunibkow,». Sept. 1732.) Die Schuldigen der Eisenbahnkatastrophen? Im Abgeordnetenhaus wurden am Donnerstag scharfe Angriffe gc�en die Minister v. Miguel und V.Thielen gerichtet, deren übertriebener Sparsamkeit die Schuld an so vielen Eisenbahnunfällen zuzuschreiben ist. Aus Anlaß der letzten furchtbaren Katastrophe bei Osfenbach hatten die beiden Vertreter von Frankfurt a. M. die Regierung interpelliert, welche Schritte sie zu thun gedenke, um in Zukunft ähnlichen Unfällen vorzubeugen. Der Haupt- schuldige, Johannes v. Miguel, war der Verhandlung fern- geblieben; nur sein Mitangeklagter v. Thielen war erschienen. Mit Recht suchte der Begründer der Jnterpellatton, Abg. Funk(freis. Vp.), die Schuld an diesem Unfall wie an so vielen andren dem System Miguel- Thielen zuzuschreiben, das die Eisendahnen lediglich als Einnahmequelle für den Staat, nicht aber alS ein Mittel zur Be- friedigung der Verkehrsbedürfnisse betrachtet. Diesem System zuliebe unterbleibt jede Reform, werden die Fort- schritte der Technik unberücksichtigt gelassen, werden keine Neuerungen eingeführt, wird an dem Beamtenpersonal geknausert. Erschüttert unter der Wucht des Anklagematerials versuchte Herr v. Thielen eine Verteidigungsrede. Mit leiser Stimme brachte der Minister, der sonst über ein kräftiges Organ verfügt, ein paar Worte hervor, die im wesentlichen darauf hinausliefen, daß die preußischen Eisenbahnen die vor- züglichsten von der Welt sind und daß von einem System der Sparsamkeit unter seiner Verwaltung gar keine Rede sein könne. Den Herren von der Rechten, die dem Minister Beifall klatschten, war die Situatton unangenehm, sie machten den Versuch, eine Besprechung der Jnterpellatton zu hintertreiben. Aber vergebens l Der Antrag auf Besprechung fand die genügende Unterstützung, so daß der zweite Jnter- pellant, Abg. Sänger, Gelegenheit hatte, scharf mit der Prositwut und Plusmacherei der Eisenbahnverwaltung zu Gericht zu gehen und die Trennung dieser Vcrwaltting von der eigentlichen Staatsverlvaltung zu fordern. Der Minister erwiderte nicht mehr. Die Debatte wird in einer der nächsten Sitzungen fortgesetzt. Zunächst stehen am Montag einige kleinere Etats zur zweiten Beratung.— Deutsches Ueich. Der Adlerflug. J>r der von Berlin aus offiziös bedienten » M ü ii ch e n e r Allgemeinen Zeitung" findet sich ein sehr merklvüröiger Artikel über«Die Person des Monarchen und die Kritik", dem die folgenden Darlegungen entnommen seien: „Das in Berlin erscheinende„Kleine Journal", das politisch ohne jede! Bedeutung, mit Ausdauer und einem für die Kenner der lin Betracht kommenden Verhältnisse einigermaßen be- fremdlichen Erfolge bestrebt ist, sich mehr und niehr zu einem Organ des Hofes, bezw. gewisser höstscher Kreise herauszubilden, weiß zu berichten, daß für die Galavorstellung im königlichen Opernhause aus Anlaß der Zweihundertjahr-Fcier der Er- Hebung Preußens zum Königreiche ein„ A d l e r f l u g" betiteltes Festspiel vorbereitet wird, das Herrn Joseph Laufs zum Verfasser hat und„seine Entstehung einer Anregung des Kaisers verdankt". Gegen die Thatsache, daß in dem Programm der Säkularfeier, die ohne Zweifel einen glänzenden Verlans nehmen wird und zu der Abgesandte aller europäischen Staaten und Herrscher- Häuser in der preüßisch-deutschen Hauptstadt angemeldet worden sind, auch eine Fcstvorstellnng seitens der Hofbühne vorgesehen ist, läßt sich gewiß nichts einwenden. Auch der Umstand, daß dabei ein acl hoc verfaßtes Festspiel mit schön klingendem, viel verheißendem Titel zur Vorführung gelangt, kann an sich die Kritik nicht herausfordern, denn die Hofpoeten sind aus ähnlichen Anlässen immer und überall mobil gemacht worden, und in Berlin ist z. Z. Herr Joseph Laufs der zur Lösung einer solchen Aufgabe durch Neigung und Begabung prädestinierte Mann.... Unangebracht aber erscheint uns der Schlußsatz der Meldung, die Be- merkung, daß das in Rede stehende Festspiel einer s p e c i e l I e n Anregung des Kaisers seine Entstehung verdanke. Entweder will diese Notiz etwas sehr Naheliegendes, im Grunde Selbstverständliches konstatieren und, dann war sie überflüssig, oder sie bezweckt eine Art von Enthüllung, ein Avis an den Leser oder Hörer des Festspiels, nnd in diesem Fall hätten wir sie lieber unterdrückt gesehen. Daß der hohe Herr, der, wie alle Welt iveiß. ein Freund der schönen Künste ist und einzelnen derselben in den bei der Fülle der Regierungsgeschäfte ihm sicherlich recht knapp zugemessenen Mußestunden als Liebhaber selbst obliegt, auch mit dem die letzten zwei Jahrhunderte der Geschichte seines Hauses und seines Staats verherrlichenden Festspiel sich beschäftigt und über dessen ungefähre Gestaltung zum Dichter oder zu andern sich geäußert haben wird, liegt so nahe, daß man es wirklich kaum zu sagen braucht. Der Umstand, daß ein Blatt. das seinen Ehrgeiz darin setzt, nicht nur über die Borgänge, sondern auch über die Intentionen bei Hofe besonders gut unterrichtet zu sein, expressis verbis bemerkt, die Dichtung„Adlerflug" verdanke ihr Entstehen einer Anregung des Kaisers, soll und wird jedoch in den weitesten Kreisen die Vermutung wachrufen, daß eigentlich Se. Majestät der Dichter oder, wenn nicht der Dichter selbst so doch dessen Inspirator gewesen sei, daß Herr- Joseph Lauff also einen erlauchten Mitarbeiter gehabt habe. Und das Erwecken einer solchen, obenein schwerlich zutreffenden Annahme. erscheint nichts weniger als wünschenswert. Man kann den Flug deö preußische« Aars ja nicht schildern ohne zugleich derer zu gedenken, deren Bahne» er gekreuzt und mit denen er vielfach auf Tod und Leben, gekämpft hat. Unter den vielen für st lijchen Abgesandten aus allen Teilen unsres Kontinents. die der Vorstellung beiwohnen werden, befinden sich auch[bic Vertreter solcher Staate» und Dynastie», deren Wappentiere einst brüllend, fauchend oder zischend gegen den einköpfigcn schwarzen Adler sich erhoben und ihm den Weg zu verlegen ge- sucht haben; sie werden das, was man ihnen zu sehen und zu hören giebt, mit kritischerem Blick und schärferem Ohr entgegennehmen, als das altpreußische Gros des Auditoriums. Wir wollen aufrichtig wünschen, daß es gelungen seni möge, das Festspiel so zu gestalten, daß es den Ruhm der preußischen Monarchie und ihrer Beherrscher verkündigt, ohne bei einem der hohen und höchsten Herren vom Ausland Anstoß zu erregen oder peinliche Erinnerungen zu wecken... Scheitert aber dem Auslande, vielleicht auch dem Jnlande, d. h. dieser oder jener politischen oder örtlichen Gemeinschaft gegenüber, der Dichter Joseph Lauff an irgend einer heimtückischen Klippe, so hat das, trotz seiner Eigenschaft als Hofpoet, verhältnismäßig wenig zu sagen, hat sich dagegen im Publikum einmal die Annahme verbreitet, daß der Kaiser selbst an der Abfassung des Festspiels einen besonderen Anteil genommen habe, so gewinnt jede mit Recht oder Unrecht un- liebsam vermerkte Aeußerung eine weit größere Tragweite.... „Der jetzige Kaiser ist, infolge seiner temperamentvollen, zu lebhafter persönlicher Initiative und zum mutigen Sich-Exponieren neigenden Eigenart auf dem politischen Gebiet schon weit mehr als andre Monarchen den Pfeilen der Kritik ausgesetzt, und zwar vielfach einer gesucht schroffen, tendenziösen Kritik; man sollte daher in gut kaiserlich, gut monarchisch fühlenden Kreisen doppelt bemüht sein, alles zu vermeiden, was den anders Gesinnten Anlaß bieten könnte, mit der Person und dem Thun des hohen Herren in einer ihren Zwecken dienlichen, der Sache des Monarchen und dem monarchischen Gedanken daher nicht gerade fördersamcn Weise sich zu beschäftigen." Es ist niehr wie auffällig, daß das Münchener Blatt die byzantinische Bemerkung des„Kleinen Journals" einen so ausführlichen Artikel widmet. Sollte die P r e u tz e n feier im bayrischen„Ausland" so stark verstimmt haben, daß selbst reichsdeutschnationalliberale Organe wie die„Allgemeine Zeitung"— partikularistisch werden?— Begnadigung von Kammerherren. Dem„Hann. Courier wird aus Berlin gemeldet, daß die wegen ihres Verhaltens in der Kanalfrage in Ungnade gefallenen Kammerherren rehabilitiert werden sollen. Man erwartet auch sonst ans Anlaß des Krönungs- jubiläums mancherlei Gnadenakte. Einen Kronjubiläums- Artikel liefert auch der«Reichs- Anzeiger". Das Lob der preußischen Monarchie sei ihre Geschichte.„Ohne Ueberhebung dürfe ausgesprochen werden, daß „die Nachkommen der Burggrafen von Nürnberg sich niit ihren Brandenburgern und Preußen die Königskrone redlich haben ver- dienen müssen. Preußen hatte, über den Rahmen eines Kurftirsten- tums hinaus, echt königliche Aufgaben zu erfüllen." ES wird dann weiter dargestellt, wie Preußen unter Führung seiner Fürsten den deutschen EinheitStraum erfüllt habe. Der Artikel hätte mit einigen Abänderungen nach Stil, An- schauung und Wahrheit auch von einem Hofgeschichtenerzähler vor zweihundert Jahren geschrieben sein können.— Die Schnyzoll-Tynastie. Ein seltsame? Lob spendet Schwein- bürg in den„Berk. Polit. Nachr." zur Preußenfeier. Er glaubt sich zu der Auffaffung berechtigt, „daß die S ch ü tz z o l l p o l i t i k, unter der die deutsche Industrie sich zu herrlicher Blüte und zu so mächtiger Kraft entwickelt hat. im vollsten Sinne des Wortes Hohen zollern- Politik ist. Das Kaiserwort von dem gleichmäßigen und wirk- samen Schutze aller Zweige der nationalen Arbeit knüpft an diese Hohenzollern-Wirtschaftspolitik Kaiser Wilhelms des Großen be- deutsam an und zeigt, daß der Enkel auch in diesem Punkte den Bahnen zu folgen gedenkt, welche, wie einst der große Kur- f ü r st und der große Friedrich, so jetzt auch Kaiser Wilhelm der Große der deutschen Wirtschaftspolitik vorgezeichnet hat." Wir bekennen, daß keines der preisenden Worte,� die in diesen Tagen hergestellt werden, zutreffender sein dürfte, als diese Schtveinburgsche Bemerkung.— Die Pommcrnbank schweigt! Auf die fatalen Fragen der „Morgenpost" hat sie keine Antwort. Die übrige Presse hüllt sich in Schweigen. Der Kurs der 3Vsproz. Pfandbriefe der Pommernbank war am Mittwoch 84 bezahlt und Gebot sGeld), während die gleich verzinslichen Pfandbriefe andrer Banken 87—91 notierten. Auf die Pfandbriefbesitzer haben also die Veröffentlichungen noch keinen großen Einfluß gehabt. Es würde ja ohne Zweifel auch diese Be- sitzer am meisten schädigen, wenn sie ihre Papiere jetzt in Massen auf den Markt werfen wollten. Dagegen erscheint es uns an- g e b r a ch t, die Aufsichtsbehörde auf die Notwendigkeit hinzuweisen, daß sie nicht erst den Aufruf der allgemeinen Beunruhigung ab- wartet, sondern ohne Verzug die Verhältnisse der Bank einer Prüfung unterzieht: die„Morgenpost" giebt am Donnerstag An- deutungen über den Verkauf von Hypotheken, den die Bank vor- genommen hat. Sie teilt ferner ans sicherer Quelle mit, daß der Landwirtschaftsminister in keinerlei Zinsherabsetzung der Pfandbriefe der Preußisch en Hypothekenbank(Sanden) willigen wird. Das ist ein Strich durch die schönen Rechnungen der„Treuhand". Wie wird es aber mit den Grundschuld-Obligationen? Und mit den Erben des Baron Cohn? Man hört nichts.— Die Aussichten der Kanalvorlage steigen. Sicherem Ver- nehmen der„Schles. Ztg." zufolge sind die Vertreter der oberschlesischenMontanindustrie, ebenso die Mitglieder der Oppelner Handelskammer für die erweiterte Kanal- vorläge, sofern dieselbe Schlesien diejenigen Kompensationen gewährt,' wie sie der aus den Debatten über die erste Kanalvorlage bekannte Antrag des Grafen Strachwitz enthält. Wie verlautet, werden die sämtlichen industriellen wirtschaftlichen Vereine und die Handelskorporationen Oberschlesiens schon in allernächster Zeit dies- bezügliche öffentliche Erklärungen abgeben und sich mit ihren Abgeordneten in Verbindung setzen.— Ungesetzliche Geldvcrwcndung von Bcrufsgenossenschaftc». Der Abg. R ö s i ck e hatte im Reichstag darauf hingewiesen, daß eine Anzahl Bernfsgenosscnschaften die Mitgliedschaft des Centralverbands der Industriellen erworben hätten und widergesetzlich Gelder für Mitgliedsbeiträge verwenden. Die„Berliner Neuesten Nach- richten" bringen jetzt von bernfsgenossenschaftlicheq Seite eine Zuschrift", in der die Bchauptnng Dr. Rösickes durchaus be- stätigt wird. Wenn die betreffende Zuschrift die Ungesetzlichkeit dieses Verhaltens bestreitet, so setzt sie sich über den klaren Wort laut de?§ 31 des Gcwerbe-Unfallversichernngsgesetzes hinweg. An- solche kleine Ungesetzlichkeiten kommt es offenbar den Unternehmern centralvcrbändlicher Denkweise nicht an.— Die Zuwiderhandlungen gegen das Einkommenstener-Gesetz und das Ergänzungssteuer-Gesetz haben sich vom 1. Oktober 1899 bis 39. September 1309 gegen das Vorjahr etwas verringert, sind aber imnier noch recht hoch.' Es sind einschließlich diejenigen Straß verfahren, welche schon im Vorjahre anhängig, aber noch nicht be� endigt waren, in Preußen im ganzen 1499 Strafverfahren anhängig genincht. Davon sind sogleich zur gerichtlichen Entscheidung ab- gegeben 193 Fälle, wovon 199 rechtskräftig entschieden sind. Es ivurde auf 21 94S M. Geldstrafe erkannt. In b4 Fällen erfolgte Freisprechung, während noch 78 Fälle schweben. Vorläufige Straß festsctznngen durch die Regierungen wurden 1396 erlassen, die fest gesetzte Strafsumme bclief sich auf 495 64S M. In 1975 Fällen wurde die Strafe mit insgesamt 366 292 M. bezahlt. 149 Fälle schweben noch, da die Zahlungsftist noch nicht abgelaufen ist. 89 Fälle sind zur gerichtlichen Entscheidung abgegeben. Hiervon sind 53 Fälle rechtskräftig entschieden und die Gesetzesübcrtrctcr zu 2975 M. verurteilt, 19 Fälle wurden durch Freisprechung erledigt. Die Gesamisnmme der festgesetzten Strafen und Nachsteuern beträgt 698 137 M. gegen 724 511 im Vorjahre. Die Thatsache, daß es sich hierbei nur um Leute mit Einkommen von mehr als 3999 M. handelt, wirft ein charakteristisches Bild auf die Bourgeoisie, die wohl gern den Arbeitern alle möglichen Lasten anfwälzt, aber selbst nicht einmal ihren gesetzlichen Pflichten nachkommt.— Eine Abänderung des VermögenSstener-GesetzeS beantragt Graf Mirbach im Herrenhause. Die Steuer soll für-- landwirtschaftliche Vermögen herabgesetzt werden. Die Herren denken offenbar: Da sie einmal aus den Arbeits- groschen des Volks mittels Zöllen und Liebesgaben ihr Vermögen und Einkomnien erwerben, so sei es überflüssig und sinnlos, einen Teil davon wieder in Gestalt der Steuern für allgemeine Zwecke zurückzugeben. Warum beantragt man nicht gleich Steuer- reiheit?— Der Centralvcrband deutscher Industrieller wird am 6. und 6. Februar in einer Delegiertenversanimlung Stellung zu den Handelsverträgen, insbesondere den Getreidezöllen, owie der Kanalvorlage, nehmen. Dann wird Posadowsky reden können!— Anwesenheit der Mannschaften verrät? Opfert man die blanken Knöpfe, so wird man alle blanken Metallteile der Uniform samt dem ganzen bunten Flitter beseitigen müssen. Sei es auch zum bitteren Schmerze mancher Jungfrau und manches Unteroffiziers, dessen Virtuosität im Hervorsprudeln von militärischen Koseworten sich gerade angesichts mangelhaft geputzter Uniformteile am glän- zcndsten bewähren konnte.— Ausland. Frankreich. Paris, 17. Januar. Vertreter der genösse n schaften hielten gestern in eine Versammlung ab, in welcher einstimmig beschlossen wurde, keinerlei Subvention bei der nationalistischen Mehrheit des Ge meiderats nachzusuchen.— meisten Arbeiter« der Arbeiterbörse Auf dem Kriegöpfad gegen die Gewerkschaften wandelt wieder einmal das Berliner Krnpporgan. Nachdem es einen Artikel der„Times" über den industriellen Wettkampf Englands auf dem Weltmarkt abgedruckt hat, reproduziert es in durchschossener Schrift eine Auslassung der„Morning Post" über dasselbe Thema, in dem es heißt: „Einzeln genommen mag der britische Arbeiter so gut, wenn nicht besser sein als ein andrer, nnd so fähig, wenn nicht fähiger, ein gewisses Quantum guter Arbeit in gegebener Zeit fertig zu stellen: in der M a ss e soweit er durch seinen G e w e r k verei n repräsentierrt wird, grübelt er nur darüber, wie wenig Arbeit er für so viel Geld als möglich thun kann. Das Spotten über die Gewerkvereine verbessert sie weder noch vermindert es sie, höchstens trägt es zur Vermehrung� ihres Ein- flnsses auf die Arbeiter bei. Es ist so sicher, daß die Ge- werkschaften den Handel langsam unterminieren, als das Wasser den Berg hinunter läuft. Wir könnten Industrien bezeichnen— zum Beispiel die Glasbläserei— die einzig durch die Aktion des Gewerkvereins aus dem Lande getrieben worden sind und andre Industrien werden ihnen zweifellos dorthin folgen, von wo es keine Wiederkehr giebt, wenn nicht durchgreifende energische Maßnahmen ergriffen werden, den tödlichen Prozeß aufzuhalten. Eine not- wendige Vorbedingung jeder derartigen Maß- nähme ist eine gründliche und amtliche Unter- suchung über die Verhältnisse und das Treiben der Gemerkvereine". Natürlich handelt eS sich für da? Scharsmacherorgan nicht um eine schadenfrohe Beleuchtung angeblicher Mißstände im englischen Jndustrieleben, sondern um eine Nutzanwendung auf die deutschen Verhältnisse. Die englischen Gewerkveieine unterminieren England? industrielle Suprematie, und auch in Deutschland existieren Gewerkschaften mit den gleich destruktiven Tendenzen, folglich... Eine Widerlegung de? thörichten Kapitalistengeschwätzes, daß eine Erhöhung der Lebenslage einen Niedergang der Industrie ver- chulde. verlohnt sich nicht. Nur die Scharfmacherabsicht sei ver- merkt.— AuS China liegen heute zur Abwechselung einmal keinerlei Nachrichten vor. Die für die oft asiatische LinienschiffS-Division bestimmten Ablösungsmannschaften haben die Ausreise der Wilhelmshaven angetreten.— Das Centrum alS agrarischer Treiber. Im w ü r t t e m- ergischen Landtag hat das Centrum die Anfrage an die Regierung gerichtet, ob die Regierung gewillt ist, im Bundesrate ür eine genügende Erhöhung der Einfuhrzölle auf 'etreide und zwar besonders auch auf Ger st e und Hafer einzutreten.— DaS Ende der blanken Knöpfe soll nun endlich, wie im Anschluß an die Nachricht von der Einführung neuer Uniformen für die Armee mitgeteilt wird, bevorstehen. An die Stelle der blanken Knöpfe sollen künftig dunkle Knöpfe treten, die unter dem Tuch angebracht werden. Und die blanken Helmspitzen, die glänzenden Säbelscheiden, deren Gleißen schon meilenweit die England. Lord Roscbery gegen den Imperialismus. In der Handelskammer zu Wolverhampton hielt Lord Rosebery am Mittwochabend eine Rede, in welcher er ausführte, die Handelskammern müßten die Rolle von Vigilanz- Ausschüssen spielen, um Vorbereitungen zu treffen für den großen inter- nationalen Kampf, der sich nahe. Die englische Nation eile mit Macht einer Zukunft entgegen, von der man nichts wissen könne. Ganz Europa starre von Waffen, Millionen würden verausgabt für militärische Versuche, die wenig einbrächten. Der Preis, der für die Er- lv erbung von Landgebietcn mit Hilfe eines Kriegs bezahlt werden müsse, übersteige bei weitem den Wert des etwa erworbenen Gebiets. Es lohne nicht der Mühe, daß irgend ein Volk sich in einen Krieg einlasse, um Landgebict zu erwerben. Redner hofft daher, daß im Fall des Ausbruchs einer Krise der Krieg nicht in Frage kommen werde, weil der Krieg gewöhnlich aus der Leidenschaft entstehe, während Handels- und industrielle Angelegenheiten, welche die Wohlfahrt der Völker bedeuten, in der Vernunft ihre Grundlage hätten. Rosebery fügte hinzu, daß.solange die Vernunft die Nationen leite, ein Krieg wenig wahrscheinlich sei. Im zwanzigsten Jahrhundert könne es sich nur um einem Kampf auf d e ni Gebiete der I n d u st r i e handeln, hier würden die Vereinigten Staaten und Deutschland die am meisten zu fürchtenden Konkurrenten Englands sein. Redner zollt den beiden Ländern seine Anerkennung und tritt schließlich energisch für die Verbesserung der Methoden des k o m m e r- ziellen und technischen Unterrichts in England ein.— Spanien. Amnestie. Anläßlich der Vermählung der Prinzessin von Asturien werden 16 999 Fahnenflüchtige begnadigt werden. Die Finanzlage Spaniens. Nach einer amtlichen Mitteilung betrugen die Schatzeinnahmen ivährend des vergangenen Jahres 964.5 Millionen Pesetas, d. i. 83,6 Mill. über den Voranschlag und 18.7 Mill. mehr als 1899, wo die 25 Mill. für die Abtretung der Südseeinseln an das deutsche Reich zu buchen waren und 28' Mill. durch die Kriegssteuern aufgebracht wurden. Nachdem Spanien den korrumpierenden Ballast der Kolonien verloren hat, scheint sich seine Lage ernstlich bessern zu wollen. Asien. Die Pest in Indien. Laut Briefen eines Zürichers aus Mysore(Engl. Ind.) wütet in der Provinz Mysore die Pest in fürchterlicher Weise. In einer Reihe von Städten sind fast olle Häuser geschlossen. Auf den Straßen sind nur halb verhungerte Bettler zu finden. Die andre Bevölkerung ist auf das Land ge« flüchtet und kampiert unter Hütten. letzte Mathvichtett und Vezrepchen. Zum Boerenkrieg. London» 17. Januar. Das„Reutersche Bureau" meldet auS Standerton von heute: Wilhelm Steyn, der Delegierte der Boeren von hier und Umgegend, welcher abgesandt war, um seine Lands« leute zur Uebergabe zu bewegen, wurde gefangen genommen und nach Pict Retief gebracht. Er wird wegen Hochverrats angeklagt werden._ Köln, 17. Januar.(W. T. B.) Wie die„Kölnische Volks- zeitung" meldet, traten die drei größeren Werke an der Sieg nnd an der Lenne, welche Grobbleche in größeren Mengen herstellen, aber seither dem Verbände noch fernstanden, dem Grobblechverband am 16. d. M. bei. indem sie sich verpflichteten, unter dem Mindestpreis von 149 M. pro Tonne nicht mehr zu verkaufen. Bei der be- absichtigten Verlängerung des Grobblechverbands auf drei Jahre, die bis Ende März zu geschehen hat. werden die betreffenden Werke end- gültig der Vereinigung beitreten. Frankfurt a. M., 17. Januar.(W. T. B.) Wie die„Frank- ürter Zeitung" aus Konstantinopel meldet, ist es nach dort aus Sofia eingetroffenen Depeschen Halin, dem Mörder Stambulows, gelungen, ans dem Gefängnis auszubrechen. PariS, 17. Januar.(W. T. B.) Die socialistische Deputierten- gruppe brachte zum Vcreinsgesetz einen Zusatzantrag ein, nach welchem sämtliche beweglichen und unbeweglichen Güter der Kongre- gationen unverzüglich als Staatseigentum erklärt, und jene Immobilien, welche die Kongregationen mit. Hypotheken belastet haben oder als Mieter bewohnen, so lange sequestriert werden sollen, bis die rechtmäßigen Besitzer dieser Immobilien in unzweifelhafter Weise festgestellt sind. Der Forschungsreisende Gentil, über dessen Schicksal hier be- unruhigende Nachrichten umliefen� traf nach einer beim Kolonial- Ministerium eingegangenen Depesche aus dem Scharigebiet wohl- behalten in Brazzaville ein. PariS, 17. Januar.(W. T. B.) Depntiertenkammer. Die Beratnng der Gesetzesvorlage betreffend die Vereine und Kon- gregationen wird fortgesetzt. Piou kommt auf eine Rede VivianiS vom Dienstag zurück und drückt seine Befriedigung darüber auS, daß Viviani so offen habe durchblicken lassen, daß die Gesetzes- Vorlage der Verfolgung der Kongregationen und der Kirche dienen solle. Die Republikaner vergäßen das Konkordat, welches den katholischen Religionsdienst sicher stelle und ebenso klipp und klar das Bestehen der religiösen Orden anerkenne. Redner fordert am Schluß seiner Ausführungen Duldsamkeit und Freiheit für alle.(Beifall auf der Reckten.) Der Berichterstatter Trouillot ergreift das Wort zur Erwiderung, verbreitet sich in großen Zügen über den Gesetzentwurf und hebt die Gefahren hervor, welche die Kongregationen und ihre in der toten Hand� angesammelten Reichtümer für den Staat bedeuteten. Redner kritisiert die Moral der Jesuiten und bittet schließlich um Annahme des Entwurfs im Namen der Freiheit und der nationalen Interessen.(Beifall links.)— Darauf wird die Sitzung aufgehoben. London, 17. Januar.(B. H.) Wie aus Port Louis(Mauritius) gemeldet wird, ist der englische Dampfer„Cassarie" in der Nähe der Insel Reunion gesunken, 25 Mann der Besatzung sind ertrunken. New Pork, 17. Januar.(W. T. B.) Dem„New Dork Herald" wird aus Washington gemeldet: Die Vereinigten Staaten werden, wenn nötig, die unrechtmäßige Vertreibung der„Relv York and Bermndez Company" von ihren Asphaltkonzessionen in Venezuela mit Gewalt verhindern. Das Nordatlantische Geschwader wird in Bereitschaft gehalten, nach Venezuela zu gehen._ Berantwortl. Redacicur: Robert Schmidt in Berlin. Für dm Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu S Beilage» u. llnterhaltungSblatt. Ur. 15. 18. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Freitag, 18. Januar 1901. Reichstag. Am Bundesratstische: Graf Bosabowsky. Präs. Graf Ballestrem wird fortgesetzt.( Titel Staatssekretär.) Abg. b. Salisch( f.): Im vorigen Jahre hat der Reichstag einstimmig eine Resolution angenommen, die die Regierung auffordert, für die ersicherung derjenigen Seeleute zu sorgen, die beim Netten Schiffbrüchiger und Bergen gestrandeter Schiffe verunglückt sind. Was ist in dieser Sache bisher geschehen? opios noms Abg. b. Kardorff( Np.): geit. " 〃 auf die Motive des betreffenden Redacteurs hier nicht ein- bekannte bischöfliche Erlaß geht ja von denselben Gedanken aus laffen, es ist ja Geschmadsache, einen Streit auf diese Weise aus wie Herr Rintelen.( Widerspruch in Centrum.) Im Namen der zutragen, aber jedenfalls sind die Herren am allerivenigsten berufen, Religion wird den katholischen Arbeitern verboten, die Koalitions28. Sigung vom Donnerstag, ben 17. Januar 1901, fich über ein solches Vorgehen aufzuhalten, die selbst auf dem freiheit zu benutzen.( Widerspruch im Centrum.) Ja, warum ver 2 Uhr. Duellstandpunkt stehen.( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) bieten beim die Bischöfe nicht den tatholischen Unternehmern, sich zu Und die Herren vom Centrum, die vorhin so herzlich lachten, toalieren?( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) follten fich lieber an die Brust schlagen und sich sagen: Formal richtete sich die Zuchthausvorlage- darin hat Graf mea culpa, mea maxima culpa( eiterkeit), wenn sie daran denten, Posadowsky recht gegen Arbeiter und Unternehmer. Aber geübermittelt dem Hause den Dank des Kaifers für die Glidwünsche wie Herr Roeren dem Herrn Dasbach gedroht hat, ihm troffen würben mir die Arbeiter worden sein, denn der Agitations des Reichstags zum 200jährigen Jubiläum des Königreichs Preußen, rechte und links einige herunterzuhauen, und wie diese boden ist für Unternehmer und Arbeiter doch ganz verschieden. die der Monarch" huldvollst" entgegenzunehmen geruht" hätte, Ohrfetgengeschichte der Freundschaft zwischen ben beiden Die Unternehmer brauchen keine Streitposten, feine öffentlichen Die zweite Beratung des Etats des Reichsamts des Innern b. b. Eoc.) Herr b. Starborff meinte weiter, die focialdemo Bojabowsky so oft schon ins Treffen geführt hat, daß hie Borlage Herren nicht ben mindesten Eintrag gethan hat.( Sehr Bersammlungen usw. Und selbst wenn der Gedanke, den Graf gut! fratische Agitation und Auffaffung sei tief unmoralisch. fich gegen Unternehmer und Arbeiter gleichmäßig gewendet hätte, Jah fann nur fagen, avischen der Woral der Laurahütte richtig wäre ist nicht hier vom Regierungstisch das Wort gefallen: und ber Socialdemokratie ist ein so großer Gegensaß, daß Wenn gwei dasselbe thun, ist es nicht basselbe? Selbst wenn sich ein jede Distuffton darüber unmöglich ist. Ji ber 12 000 Mart Affaire Staatsanwalt gefunden hätte, der auf Grund der Zuchthausvorlage haben sämtliche Parteien dieses Hauses ihre Mißbilligung ausge- einen Unternehmer verklagt hätte, glauben Sie, daß die sprochen, und Herr v. Karborff muß also wohl meinen, daß durch Richter ihn verurteilt hätten? Die Fabrikinspektoren be fein Auftreten allein die Rechtfertigung des Grafen Bofadowsky eine lagen fich ja, daß lebertretungen der Gewerbe- Ordnung gerichtlich glänzende werbe. Das ist ja Auffassungsfache, aber ich glaube, er mit fo geringen Geldstrafen an den Unternehmern geahndet würden, Es hat mich mit Befriedigung erfüllt, daß der Herr Staats- ist am allerwenigsten berufen, hier den Staatssekretär zu verteidigen, daß die Strafen wie eine Prämie auf die Uebertretungen wirkten. sekretär Posadowsky zugab, durch die Bäckeretverordnung nachdem er seiner Zeit von der Discontogesellschaft Subfidien( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Auch jetzt richtet sich§ 153 würden viele Bäckermeister ruiniert, wenn ihnen nicht eine genügende gelder angenommen hat, wie er damals geschrieben hat, weil er der Gewerbe- Ordnung auch gegen die Unternehmer, aber Bebel hat lebergangsfrist gewährt würde. Das beweist wieder, daß in der sonst seine Thätigkeit im Reichstag nicht ausüben tönne. Ich thue f. 8. festgestellt, daß in 80 Jahren gerade ein Unternehmer zu 20 m. Socialpolitit nicht zu schnell vorgegangen werden ihm wohl tein Unrecht, wenn ich amiehme, daß er diese Gelder Geldstrafe verurteilt worden ist. Unter der Aera Posadowsky aber find darf. Redner betont nochmals, daß Freiherr v. Stumm die sociale empfangen hat, um fein parlamentarisches Amt im Dienste der Arbeiter wegen Erpreffung zu 6, 8, 9 Monaten, ja zu 2 Jahren Gefängnis Gesetzgebung inauguriert habe. Der Abg. Rosenow fei noch ein zu Distontogesellschaft auszuüben. verurteilt worden, weil sie zum Unternehmer gesagt haben: Wir junges Mitglied des Hauses, um das zu wiffent. Die Ausführungen. Auch Dr. Oertel wandte fich gegen unser Vorgehen gegenüber stellen die Arbeit ein, wenn nicht der Lohn erhöht wird." 3ft einer bie hier gemacht werden, daß wir darauf ausgehen, die Arbeiter au dem Grafen Bofadowsky. Nun, wir sind keine Ministerstürzer unter Ihnen, der da glaubt, ein Unternehmer würde wegen Er Intechten, jinb mur bestimmt, auf diejenigen in der Arbeiter wie die Konservativen, wir treiben auch feine Raubpolitit in die preffung zu Gefängnis verurteilt werben, der da zu ben Arbeitern fchaft draußen au wirten, die leider nicht alle eigne Talche nach dem Muster: Stein Stanig, teine Stäbne".( Sehr fagt:" Von morgen ab zahle ich Euch nur so und soviel; tem's verden. Uebrigens wie sieht es denn in der Socialdemokratie gut! bei den Socialdemokraten.) Uebrigens hat die Deutsche Tages- uicht paßt, fann gehen?" Wo die Geseze gegen die Arbeiter nicht felbft aus! jettung", deren Nebacteur bekanntlich Herr Oertel ist, sich fiber die auslangen, da wird durch Interpretation, Berordnungen und NichterIch erinnere an die Vorgänge in Leipzig. Ihr Princip ist es, 12 000 Mart- Affaire fehr mißbilligenb ausgesprochen. Aber in der fprüche nachgeholfen. Daß wir so weit schon gekommen sind, hat der Arbeitgeber darf sich um die politische Stellung feiner Angestellten Bruft des Abg. Dertel wohnen eben zwei Geelen, mit der einen ist auch der frühere Reichsgerichtsrat Mittelstädt anerkannt. nicht flimmern.( Sehr wahr! bet ben Socialdemokraten.) Nun, Herr er Redacteur ber Deutschen Tagesztg.", mit ber andern konservativer Die Auslaffungen bes Staatsfetretärs über die Schoenfant thut das Gegenteil.( 8urufe bei den Socialdemokraten.) Abgeordneter.( Seiterkeit und sehr gut bei den Socialdemokraten.) Soalitionen in Deutschland habe ich durchaus torrekt nach Die Erklärung, die der Partetvorstand gegen ihn abgegeben hat, Herr Röfide bat fich sehr aufgehalten über meine Bemerkungen dem Stenograamm seiner Rebe vom 13. Dezember 1897 wiedergegeben. war doch recht matt.( Lachen bei den Socialdemokraten.) Sehr be- gegenüber den Flottenprofefforen. Ich denke ja nicht über die Es handelte fich bei ihm um eine staatspolitische Auffaffung, als zeichnend ist auch folgender Vorfall. In dem Korresponden a Profefforen wie der König von Hannover über sie gedacht hat, fie er erflärte, erklärte, in feinem Lande seien die Arbeiterkoalitionen blatt der Buchdrucker wurde eine Notiz veröffentlicht, wonach und eine sehr minderwertige Menschentlasse seien immer für Geld zu weniger zuzulaffen als in Deutschland mit seinem demokratischen Herr Schoenlank einen nicht zielbewußten Mitredacteur haben. Ich habe ihnen auch nicht vorgeworfen, daß sie hier bewußt Wahlrecht. Diese Auffaffung entsprach ganz bem Bolizeigeist, mit geohrfeigt habe. Kurge Beit darauf erschien dann eine gegen thre Ueberzeugung bezahlte Arbeit geleistet hätten, aber im dem er sein Amt antrat. Seine heutige Auffaffung, daß die Berichtigung des Herrn Kazenstein, worin diefer erklärte, er lönne übrigen fann es doch auch Herr Röfide nicht für unehrenhaft halten, Arbeiterfoalitionen einen ganz natürlichen Borgang darstellten, steht Beugen dafür nennen, daß das Gegenteil wahr sei, er selbst habe wenn deutsche Profefforen für die Vertretung ihrer Ueberzeugung mit feiner damaligen in schneidendstem Widerspruch. Seine Annämlich Herrn Schoenlaut geohrfeigt.( Seiterfeit rechte.) Dad fich etwa bezahlen laffen. Möge er boch bei Seren Paasche an fchanungen haben sich eben im Laufe der Zeit umgemodelt. ift ein Joyll aus dem Zukunftsstaat.( Große Heiterleit bei den fragen, ob er es für unehrenhaft findet, wenn er auf Kosten der Gegenüber den Enthfillungen des Bueckbriefe über die Bor Socialdemokraten.) Ich erinnere auch an die Zustände in dem Buckerindustriellen eine Studienreise nach Amerita macht und als gänge beim ruffischen Handelsvertrag hat der Staatssekretär focialdemokratischen Konsumverein in Leipzig. Dort Abgeordneter die Intereffen der Buderindustriellen vertritt.( Sehr erklärt, er habe darüber in feinem Amt nichts erfahren fönnen. Den giebt es farge Löhne und dafür Ueberstunden und ausgedehnte Arbeits- gut! bei den Socialdemokraten.) Herr Röside hat fo gethan, als Vorgang selbst tonnte er nicht in Abrede stellen, er ist uns ja dann Hier im Hause donnert die Socialdemokratie ftets gegen feien wir die Stnoten, die von der deutschen Wissenschaft nichts auch von dem Herrn Abg. Möller- Duisburg bestätigt worden. Herr das Großkapital und den Mammonismus. Ihr Genosse hielten. Aber dieser Vorwurf trifft nicht zu. Die Professoren, Size hat also kein Recht, von Renommistereien des Herrn Bued Arons aber der fagt: Kapital und Socialdemo- die gegen die Umsturz vorlage und gegen den zu sprechen, es handelt sich in der That um pofitive Thatsachen. Ich tratie find ganz natürliche Verbündete zum Brotwucher sich erklärt haben, fie werden von der will auf die Sache selbst nicht weiter eingeben, jedenfalls ist durch mstura der bestehenden Gesellschaftsordnung. Regierung nicht belohnt werden. Der Herr Staatsjekretär die Erklärung des Grafen Posadowsky das Reichsamt des Innern Eine ähnliche Aeußerung hat auch Herr Bebel hier im Reichstag gethan. hat sich auf das Vertrauen des Monarchen berufen und noch mehr kompromittiert.( Sehr wahr! bei den Socialdemo Religion erklären sie für Privatsache, führen aber einen grundfäglichen gemeint, der Reichstag hätte nicht das Recht, fich darum zu kümmern, traten,) Man kann daraus nur schließen, daß die Vorgänge fich Kampf gegen das Christentum, Der Herr Staatssekretär wollte wer die von der Regierung bier eingebrachten Vorlagen hier verträte. entweder hinter dem Rücken des Herrn Staatssekretärs abgespielt noch mehr thun, um die Arbeiter zufrieden zu stellen. Aber daran Staatsrechtlich mag diese Auffassung über allen Zweifel erhaben sein; haben, oder aber, daß das Verhältnis zwischen Centralverband liegt Ihnen ja gar nichts, Sie leben ja von der Unzufriedenheit praktisch aber ist keine Regierung so stark, dem Hause einen Minister und Reichsamt des Innern ein so intimes ist, daß die Beamten der Arbeiter. Ihre ganze Agitation ift tief unmoralisch. aufzuzwingen, mit dem die Mehrheit nicht verhandeln will. gar nicht mehr feststellen können, was von dem einen und Lachen bei den Socialdemokraten, Zuruf: Das glauben Sie doch( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Die Minderheit muß sich was von dem andren veranlaßt wird.( Sehr gut! bei den selbst nicht!) Dann würde ich es nicht sagen! Ich sage eben mur, ja bescheiden, aber daran ist nicht die starke Regierung schuld, Socialdemokraten.) was ich glaube.-Für die Einbringung der Resolution sondern das ist eine Folge des parlamentarischen Systems. Wir Graf Posadowsky meinte schließlich, es werde den Unterzur 12000 Mart Affaire bin ich der Socialdemokratie haben ja auch wirklich kein Mittel, eine Antwort zu erzwingen, aber gang des Reiches herbeiführen, wenn einmal einer feiner Dankbar. Dadurch wird uns Gelegenheit gegeben, durch diefer Umstand kann den Reichstag nicht hindern, die Schritte zur Nachfolger unsern Beifall finden Freilich müßte Ablehnung derselben dem Grafen Bosadowsky ein glänzendes Aufklärung der 12 000 M.- Angelegenheit zu thun, die wir in unirer dieser Nachfolger ganz anders handeln als Graf Bosadowsky, wenn Vertrauensvotum auszustellen. Die Antwort des Staatssekretärs Resolution vorschlagen, wenn er nur den Mut der Konfequenz bat. er unfren Beifall finden wollte. Im übrigen aber glaube ich auch auf unfre Frage, ob die Handelsverträge rechtzeitig gekündigt Ist die Mehrheit der Meinung, mit der Erklärung des Reichstanzlers nicht, daß das Deutsche Reich auf so schwachen Füßen steht, daß seine werden, hat bange Zweifel in uns erweckt, ob denn die Kündi: fei die Sache erledigt, so fönnen wir auch daran nichts ändern. Existenz abhängig ist von der Frage, ob Graf Bofadowsky Minister gung wirklich erfolgen wird. Wir wünschen eine flare Antwort. Wir müssen uns damit begnügen, unsre Pflicht zu erfüllen. ist oder ein Mannt, der sich dem Centralverband der Industriellen In der Landwirtschaft bestehen Zweifel, ob es der Regierung auch Graf Posadowsky hat sich beklagt, als hätte ich ihn als den anders gegenüberstellt und es nicht für ein Unglück hält, wenn die wirklich ernst ist damit, ihr zu helfen. Schöne Versprechungen arbeiterfeindlichsten Mann der ganzen Erde und speciell Deutschlands Forderungen der deutschen Arbeiterklaffe im Vordergrunde stehen. haben wir schon seit 1890 immer zu hören bekommen. Aber hingestellt. Ich habe nichts weiter gethan, als eine Reihe feiner Wit solchen Prophezeiungen pflegt es gewöhnlich anders zu kommen wir wünschen jetzt endlich weiter zu kommen. Die Landwirtschaft Sandlungen zusammengestellt und aus unbestrittenen Thatsachen als der Prophet meint. Ich erinnere nur daran, daß Friedrich hat ein Recht darauf zu verlangen, daß die Regierung endlich meine Schlüffe gezogen. Wenn das ein unangenehmes Bild gegeben Wilhelm IV. feiner Beit fagte:" 8wischen mich und mein einmal fich klipp und klar ausspricht: Sollen die Zölle erhöht hat, so foll er nicht den Spiegel verklagen. Der Spiegel ist ganz gut, nur Bolt soll sich nie ein Blatt Papier drängen" und nachwerden oder nicht?( Bravo! rechts.) das Bild taugt nichts!( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Das her doch nicht umbin konnte, die Verfassung zu untergute Herz des Herrn Ministers in allen Ehren, aber es ist doch zeichnen. Auch erklärte er, er daß nicht die Krone Ich muß noch einmal auf das Verbot des Streifpofteuftehens Arbeiterfreund. fein Maßstab. Herr v. Stumm hält sich ja auch für einen aus Dreck und Letten annehmen werde, während dieselbe zurüdtommen. Man hat daraus, daß in der sogenannten Zuchthaus Betriebe, die die patriarchalischen Wohlthaten genießen, fragen wollte, Staatssekretär sollte statt solcher Kassandrarufe lieber die Erklärung Wenn man aber die Arbeiter im Stummschen Strone später von Wilhelm I. mit Stolz getragen wurde. Der borlage ein ausdrückliches Verbot des Streitpostenſtehens enthalten und Herr v. Stumm verspräche dabei, auf seine socialen abgeben, daß solche Zustände, wie sie der Bueck- Brief aufgedeckt hat, ist, gefolgert, daß ein solches Verbot jetzt nicht beſtehe. Diese Machtmittel zu verzichten, so würden sie sicherlich die freie Aus- fünftighin im Reichsamt des Innern unmöglich sein würden. Herr nie Gesetz geworden. In der Gewerbe- Ordnung ist die Koalitionsübung ihrer politischen und wirtschaftlichen Rechte den Wohlthaten Hize meinte, wir tönnten damit zufrieden sein, daß jetzt das freiheit gesichert, aber das bedeutet doch noch lange nicht einen vorziehen, die ja doch nur ein Tropfen aus dem Goldstrom sind, Lischtuch zwischen dem Centralverband und der Regierung zer Koalitionszwang. Das Streifpoftenstehen ist aber nichts ben fie erzeugen!( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Der schnitten ist. Garantien dafür, daß diese Mißstimmung anhält, find andres als ein solcher Zwang. Auch die Herren von der Linten Herr Staatssekretär ist eben auch ein Teil der Macht, die stets das uns nicht gegeben und deshalb werden wir uns nicht davon abhalten werden nicht bestreiten, daß das Streitpostenstehen nur den 8wed Gute will und doch das Böse schafft!( Bravo! bei den Social- laffen, die Schritte zu thun, die wir im Interesse der Arbeiterklasse Hat, Arbeitswillige am Arbeiten zu verhindern. Sie halten das für notwendig halten.( Lebhaftes Bravo! bei den Socials Streifpoftenstehen für eine Garantie der Koalitionsfreiheit. Es ist aber ftaatsrechtliche Stellung und lege ihm persönlich zur Last, was Der Herr Staatssekretär hat behauptet, ich verkennte seine demokraten.) Abg. Zwick( frf. Vp.): ein Verstoß gegen die Freiheit derjenigen, welche sich der Koalition nicht anschließen wollen. Deshalb muß ich mich unbedingt für das Sache des Bundesrats sei. Ich verkenne die Schwierigkeiten Die Erhebungen über die gewerbliche Befchäftigung der Verbot aussprechen! nicht, die sein Amt bietet, an das er mit voller Un- inder haben ergeben, welche traurigen Verhältniffe auf diesem befangenheit des des oftelbischen Granden herangetreten ist. Je Gebiete herrschen. Besonders in der Hausindustrie müssen die mehr er sich in die Arbeit bersentt hat, desto mehr ist Es ist der Wunsch geäußert worden, die 12000 Mark er von feinen haltlofen, anachronischen Auffassungen, die er zuerst bis 9, 10 Uhr arbeiten. Kinder oft 2 Stunden vor der Schule und dann noch abends Affaire nun endlich ruhen zu lassen, da sie durch die Antwort des hatte, zurückgekommen, die ganz übereinstimmten mit den arroganten gesetzgeberisch vorgegangen werden. Gegen solche Zustände muß unbedingt Herrn Reichskanzlers erledigt sei. Es ist das aber nicht geschehen, Forderungen des Scharfmacherverbands. Gewiß mag er wiederholt Redner wünscht weiter Einschränkung der gewerblichen Thätigkeit denn es sind in der Verhandlung eine ganze Reihe neuer Gesichts- versucht haben, an den Ketten zu rütteln! Ich spreche ihm meine verheirateter Frauen. punkte aufgestellt. Der Reichskanzler ist von der Annahme aus Hochachtung für den Mut aus, mit dem er vor dem ganzen Lande gegangen, daß es sich um einen einzelnen Fall handelt. Es handelt erklärt, daß der Bundesrat es ist, der jeden Fortschritt Abg. Dr. Dertel( fons.): fich aber nicht um einen einzelnen Fall, sondern um ein Syftem. in der focialen Gesetzgebung hindert!( Sehr gut! bei den Social- Ganz furg will ich nur die historischen Reminiscenzen des Herrn Es ist einfach unsre Parteipflicht, Rechenschaft von der Regierung demokraten.) Daraus ist aber nicht für uns der Schluß zu ziehen, Abg. Fischer berühren. Friedrich Wilhelm IV. hat nur gemeint, zu verlangen, Stellen Sie sich den umgekehrten Fall vor, daß unser Urteil über die von ihm vorgelegten Gefegesvorlagen fich daß sich durch die Verfassung sein Verhältnis zum Volle niemals daß Sie den Nachweis bringen könnten, daß wir bringen könnten, daß wir einmal ändern müffe. Gewiß stammen die Vorlagen vom Bundesrat, aber trüben werde, und was die Ablehnung der Kaiserkrone anlangt, in unsren Beschlüssen, in unsrer Stellung zu Regierungsvorlagen, ausgearbeitet werden sie im Reichsamt des Innern unter der Leitung so sagte er sehr geistreich zu dem Bantier Heckscher, der sie ihm in unfrer Opposition von fremden Interessen abhängig wären. des Staatsiekretärs von Geheimräten, die ein Amt, aber feine präsentierte, beschnittene Stronen pflegen Sie doch auch nicht anzu Da würde doch kein einziger von Ihnen zu behaupten wagen, daß Meinung haben. Geheimrat Werner hat mit einer Schneidigkeit, nehmen.( Seiterfeit rechts.) Was die Prophezeiung des Grafen er fich mit der einfachen Erklärung von uns zufrieden geben würde; die mehr seiner früheren Thätigkeit als Staatsanwalt als seiner Posadowsty anlangt, 10 glaube ich nicht, daß wir das wäre ein Mißgriff, der nicht wieder vorkommen solle. Es muß jezigen entspricht, dabei gegen die Meinungslosigkeit protestiert besser fahren würden, wenn etwa Herr Bebel uns schon gestattet sein, die Frage so ausführlich zu behandeln, in einer Form, die eine schwere Ehrenkränfung für uns oder Herr Herr Schoenlant ant feiner Stelle fizzen figen würden, wie wir es in unfrem Interesse für notwendig halten.( Sehr richtig! einschließt. Thatsächlich hat er als Geheimrat seine( Heiterkeit rechts.) Dann würde eben der Geist Schoenlants links.) Meinung uns zu sagen, wenn er gefragt wird. walten, und das sagt jezt noch mehr als der Geist des Herrn Herr v. Kardorff ist dann wieder auf den Leipziger Fall zurüd( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Ich glaube auch nicht, daß v. Stumm. Im übrigen brauche ich den Grafen Bofa gelommen und hat gemeint, unsre Parteileitung habe diesen Borfall der Bundesrat die Vorlagen so verschlechtert hat, daß aus arbeiter bowsth nicht ausführlich zu verteidigen. Die große Mehrnicht genug gemißbilligt. Redner verliest die Erklärung des Partei- freundlichen arbeiterfeindliche geworden find. Wenn der Herr Staats- heit des Reichstags bringt ihm ihr volles Vera vorstands gegenüber den Leipziger Vorgängen. Dort heißt es: fetretär so arbeiterfreundlich nnd der Bundesrat ebenio arbeiter tranen entgegen( Lebhaftes Bravo! rechts) und wünscht Die Fraktion ist von jeher unter 8 ustimmung der gangen feindlich ist, dann hätte er die Konsequenzen seiner Auffassung ziehen ihm so viel Widerstandskraft, um derartigen Angriffen gegenüber Partei dagegen aufgetreten, wenn die Leiter von Staats- oder und längst zurüdtreten müffen. Uebrigens hat er die sein Amt noch recht lange zum Segen nicht zum mindesten auch der Brivatbetrieben Arbeiter entließen, weil sie einer ihnen mißliebigen gehäffige Stimmung der Buchthausvorlage so verteidigt, als wenn er deutschen Arbeiterschaft fortzuführen.( Bravo rechts.) Ein Gegensatz Partei angehören. Von diesem Gesichtspunkt aus fann die Frattion ber Urheber wäre. zwischen mir als Redacteur und Abgeordneter besteht nicht. Ich habe in es auch nicht billigen, daß die Nichtzugehörigkeit der Buchdruder zur Daß die Zuchthausvorlage gegen die Arbeiter gerichtet war, meiner Zeitung nur darauf hingewiesen, daß, wenn die 12000 Mari- An focialdemokratischen Organisation bei ihrer Kündigung oder Entlaffung darüber brauche ich kein Wort zu verlieren. Handlungen sollten gelegenheit zu verurteilen wäre, dann noch vielmehr zu verurteilen entscheidend sei. Die Fraktion spricht deshalb die Hoffnung aus, daß alles durch fie unter Strafe gestellt werden, die nirgends als unmoralisch wäre der Vorgang beim russischen Handelsvertrage, weil es sich aufgeboten werde, um die Differenzen beizulegen." Mehr fonnte gelten. Ich muß dem Centrum überlaffen, wie es sich mit dem damals um die Intereffen großer Erwerbszweige handelte. Auf den die Fraktion auch nicht thun. Daß im einzelnen Falle Fehler vor Standpunkt abfinden will, den Herr Nintelen heute zum Fall Schoenlank habe ich keinen Grund einzugehen. Ich gebe den tommen, ist unvermeidlich; die Hauptsache ist, wie sich die Partei Streitpostenftehen eingenommen hat. Er hat es für einen Herren( zu den Socialdemokraten) zu, daß Sie sich korrekt be dazu stellt. Ausfluß des Terrorismus, des Streitawangs erklärt. Er nommen haben, tann aber nicht begreifen, daß ein Parteigenofie, Herr v. Kardorff sprach dann auch von der Ohrfeigen- Affaire scheint diese Erklärung nicht für feine Person, sondern der so wider die Fraktion fündigt, nicht in der üblichen zwischen zwei socialdemokratischen Redacteuren. Ich will mich für das Centrum abgegeben zu haben.( Abg. Size: Nein.) Der Flugbewegung die Partei verlassen muß.( Seiterkeit) git " Abg. Rintelen( C.): Abg. Fischer- Berlin( Soc.): demokraten.) würde. Eine rechts.) Vielleicht geschieht das noch, das ist nicht unsre Sache.| daure, daß der Einfluß des Staatssekretärs nicht ausge-| D- Wagen nicht grundsätzlich. Die starkgebauten D- Wagen halten Ebenso wenig ist es unsre Sache, ob die Herren das blutige Duell reicht hat, daß diese Untersuchung auch ausgedehnt werde auf die einen starken Anprall leichter aus als die leichter gebauten. nunmehr durch Ohrfeigen ersetzen wollen. Jedenfalls wird man, angestellten im Verkehrsgewerbe, den Schreiber Frage ist, ob nicht eine Asbestbekleidung die Brandgefahr verringern so lange Schoenlant der Fraktion angehört, angehilfen bei Rechtsanwalten 2c. Redner schildert die Aus- könnte, ob nicht mehr Thüren angebracht werden sollten. Aber es nehmen müssen, daß Sie seine Handlungsweise Behmung, die das Verkehrswesen der Straßenbahnen in den letzten kommen ja nicht bloß die D- Wagen in Betracht, die Wagen nicht ganz verurteilen.( Sehr richtig! rechts.) Jahren gewonnen hat und beziffert die Zahl der Angestellten in vierter Klasse, die, was die Thüren anlangt, ähnlich wie die Redner verteidigt des weitern die Berichte der sächsischen diesen Betrieben auf 40 000. Diese Arbeiter stehen sozusagen D- Wagen, nur viel leichter gebaut find, bergen eine noch Fabrikinspektoren. Herr Bebel hat über die Bäckerei- rechtlos einem ungeheurem mächtigen Unternehmerring gegenüber, größere Gefahr in sich, schon wegen der vielen Verordnung schon etwas verzichtend gesprochen.( Widerspruch des dem es nur darauf ankommt, recht hohe Dividende zu zahlen. Von Personen, die gewöhnlich in einem Wagen sich be= Abg. Bebel.) Nicht? Nun, dann habe ich mich getäuscht. Jedenfalls der Leipziger elektrischen Straßenbahn verdienen die Arbeiter monat- finden. Wichtig ist auch die Beleuchtungsfrage. So lange Gas glaube ich aus der Erklärung des Herrn Staatssekretärs ent- lich 70-90 m. und hatten exorbitante Sirafen zu zahlen. In Berlin angewandt wird, bleibt die Explosionsgefahr bestehen. Warum wird nehmen zu dürfen, daß dieses Schmerzenskind des Herrn betrug vor dem Ausbruch des Straßenbahnarbeistreits die Durchschnitts: nicht elektrisches Licht in größerem Umfange angewandt? Bebel die längste Zeit gelebt hat. Von dem Bundesrat hat Arbeitszeit 13-14 Stunden. Der Jahreslohn stand etwas über Die Kurzschlußgefahr ist geringer wie diejenige einer Gasexplosion. ja der Herr Bebel eine sehr hohe Meinung gezeigt, ich meine aber, 1000 M. Jm letzten Jahre haben sich die Arbeiter verschiedentlich Die Sache kostet 35-40 Millionen, wenn man die Gasbei solch wichtigen Angelegenheiten muß die Stimme des aufgerafft und gestreift. Aber beim Streik stand die Staatsgewalt beleuchtung durch elektrische ersetzen will, und diese Ausgabe scheint Reichstags als der Volksvertretung gehört werden. Was würden stets auf feiten der Unternehmer. Beim Streit in Hannover sette man zu scheuen. Ein weiterer Bunkt, der ins Auge gefaßt werden Sie dazu sagen, wenn wir den Spieß, undrehen würden. Das fällt der preußische Eisenbahn- Unglücks- Minister Thielen die Verkehrs- muß, sind die Vorsignale; diese sind bisher nur bei der Einfahrt uns zwar nicht ein, denn wir find viel fonftitutioneller als Sie da vorschriften außer kraft. Im Abgeordnetenhause drohte ein preußischer in die Bahnhöfe, nicht auf den Blockstationen, und man hat gejagt, drüben.( Große Heiterkeit bei den Socialdemokraten.) Wer im Minister mit Vorgehen gegen diejenigen Betriebe, die sich auf die sie auch hier einzuführen, geht zu weit.. Von den Lokomotivführern Glasbause fizt, soll nicht mit Steinen werfen. In einer Bäckerei- Forderungen der Arbeiter einließen. Deshalb sollte man sich von werden aber die Vorsignale verlangt und diese sind doch die nächsten genossenschaft, deren Leiter Ihnen sehr nahe steht, wurden fo Reichs wegen mit der Regelung der Verhältnisse der Verkehrsarbeiter zu, fie führen den Bug mit eigner Verantwortlichkeit. standalöse Zustände festgestellt, daß man zur Gründung einer neuen beschäftigen, denen jetzt von den Unternehmern das Koalitionsrecht Nun zur materiellen Seite der Affaire. Auf der Blockstation Genossenschaft schreiten mußte. Ich erinnere auch daran, daß der nicht nur in der Praxis, sondern gefeßlich streitig gemacht wird. war tagsüber nur ein einziger wärter angestellt. Mit diesem Dresdener Konsumverein im letzten Jahr 800000 M. Dividende zahlte, In einem Blatte für die Klein- Eisenbahnen und Straßen: Spariystem muß gebrochen werden.( Sehr richtig!) aber ein Durchschnittslohn von 930 m. dort besteht.( Hört! hört! bahnen Gesellschaften hat jüngst ein Professor ein Gesez verlangt, Am Personal darf am wenigsten geknaufert werden. Das Sparrechts.) Im übrigen bitte ich Sie, möglichst bald das Gehalt des durch welches der Vertragsbruch im Verkehrgewerbe unter schwere system spielt bei unsrem Eisenbahnsystem eine zu große Rolle. Herrn Staatssekretärs des Reichsamt des Innern zu bewilligen. Strafe gestellt und das Vereinigungsrecht der Arbeiter für Betriebe Wie viele solcher Unglücksfälle bedarf es noch, ehe man die Folge( Heiterkeit und Bravo! rechts.) ausgeschlossen werden soll, auf die die Gewerbe- Ordnung unanwendbar rungen aus dieser Erkenntnis zieht? Der Worte find genug geStaatssekretär Graf Pofadowsky: ist. Es wird also die volle Rechtlosigkeit der Verkehrsarbeiter ver- wechselt: Laßt uns endlich Thaten sehen!( Beifall.) langt. Desto dringender wird die Untersuchung ihrer Lage von Minister v. Thielen: Reichs wegen. Der Anregung des Herrn v. Salisch gegenüber kann ich erklären, daß ich die Frage der Entschädigung solcher tapferen Seeleute, die bei der Bergung von Schiffbrüchigen thätig gewesen find, im Auge behalten werde. Herr v. Kardorff hat meine Erflärung über die Handelsverträge nicht präcise genug gefunden. Ich konnte ihm aber nicht sagen, daß die Verträge rechtzeitig gekündigt werden würden, denn sie können auch uns gekündigt werden. In einer Frage, die auf das diplomatische Gebiet übergreift, tamu man sich auch nicht so präcise ausdrücken, wie in einer innerpolitischen Frage. = Endlich ist noch die reichsgefeßliche Regelung der Verhältnisse Auch ich bin schwer über die Graufigkeit des Unfalls hinwegder Gehilfen bei Rechtsanwälten geboten. Notwendig ist hier ein gekommen und habe mich sofort gefragt, welche Lehren aus ihm Sofort hat auch das Reichs Eisenbahnamt gesetzlicher Maximalarbeitstag, Vorschriften über die Zulässigkeit der zu ziehen find. Beschäftigung jugendlicher Personen, Verbot der Sonntagsarbeit und an fämtliche Eisenbahnverwaltungen die Aufforderung gerichtet, sich über diese Lehren und die Verhütung solcher Mißstände zu Sanitäre Vorschriften. Die Verfügung des Staatssekretärs auf Grund des Artikels 8 äußern. Demnächst wird eine Konferenz der Bertreter der einzelder Gewerbe- Ordnung über die Siggelegenheit für das staatlichen Bahnverwaltungen zusammentreten. Unfrer Verwaltung Verkaufspersonal in Geschäften hat viel Kritik hervorgerufen. wird Fiskalität vorgeworfen. Gerade auf dem Gebiet der BetriebsHerr Fischer hat meine staatsrechtliche Auffassung über das Die Beschaffung einer ausreichenden Siggelegenheit würde nicht nur sicherheit wenden wir teine Sparsamkeit an. Das wäre auch das Deutsche Reich und die verbündeten Regierungen bekämpft. Es bie Strankenkassen entlasten, sondern auch wirklich die Gesundheit Gegenteil der Tugend Sparsamkeit. Auf mir lastet die Arbeitsbürde der Angestellten fördern. Es müßte aber auch bestimmt lange nicht so, wie das Gefühl der Verantwortung, das ich für sechs tann aber keinem Zweifel unterliegen, daß die verbündeten Negierungen es find, die die Vorlagen einbringen und auf diesem werden, wie viel Size zum mindesten angeschafft werden Millionen Menschen habe, die täglich von den über 26 000 Zügen müssen, sonst hat die Verordnung feinen Wert. Was der Staatsbahn befördert werden. Ich bin kein auf Tantiemen ihrem Recht auch in Zukunft bestehen werden, weil sie die Absicht den Neunuhr Ladenschluß anlangt, so liegen gestellter Betriebsdirektor und weiß, daß falsch geübte Sparfamkeit haben, im Deutschen Reich ein dauernder und erheblicher staatsrechtlicher allem Klagen der Apotheker vor, die vor die ebenfalls Berschwendung ist. Die Betriebssicherheit ist fortgesetzt erhöht worden, Faktor zu bleiben. Ich gestehe offen, daß ich mein Concept vom Bundesrat oft gründlich durchkorrigiert zurückbekomme. fleineren Städten haben die Apotheken sehr lange auf und die gesetzliche Weichenstellungen sind ausgebildet. Die elektrische Blockinſtanz ist gründlich durchkorrigiert zurückbekomme. Einbeziehen in den Neunuhr- Ladenschluß verlangen. Besonders in den der Unter- und Oberbau ist verstärkt, die Signalvorrichtungen, Allerdings, wenn der Reichskanzler oder ein Staatssekretär ein vom Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf die Angestellten dieses Berufs ist bis jetzt für den allgemeinen Betrieb nicht verwendbar. Ich wollte Bundesrat vorgeschlagenes Gesetz verteidigt, dann übernimmt er daher dringend geboten. Desgleichen verlangen die Barbier- und unsre Verantwortung keineswegs ablehnen, am allerwenigsten die selbstverständlich die Verantwortung dafür. Wenn aus jeder Aenderung, die der Bundesrat vornimmt, immer eine Kabinettsfrage gemacht würde, Friseurgehilfen gefeßliche Einführung des Neunuhr- Ladenschlusses. civilrechtliche für den Schaden. Ein einziger Mann auf einer Station dann würde die Regierungszeit eines Chefs oder eines Staatssekretärs Diese haben in sehr ichlechter Luft zu arbeiten, 80 Proz. der angemeldeten kann die Gedanken viel leichter zusammenhalten als wenn er mit nicht so lange dauern, wie der Schnee im Winter. Wenn Mitglieder Krankenfälle sind aufLungenkrankheit zurückzuführen und außerdem haben einem zweiten sich unterhält. Verläßt der Blodwärter den Block Auf wegen eines anderen Dienstgeschäftes, so ist das schlimmste, was diese Angestellten auch jeden Sonntag bis 2 Uhr zu arbeiten. des Zollbeirats eine Broschüre veranlaßt haben, so kann mich doch den Arbeiterschutz auf der Bariser Weltausstellung will ich nicht pafsiren kann, daß die Züge vor dem Block halten müssen; herein nicht die Verantwortung dafür treffen, wenn ich heute nicht mehr näher eingehen. Jedenfalls hat mein Parteigenosse Legien, der die können sie nicht, es kann also auch kein Unglück paffiren. Die Vorfeststellen kann, wer die Veranlassung zu dieser Broschüre gegeben hat. Ich habe allerdings erklärt, wenn ein Staats- Ausstellung besucht hat, festgestellt, daß dort vielfach irrtümliche fignale werden gewünscht. Sie werden heute den Blocksignalen vor= sekretär den Beifall des Herrn Fischer ungeteilt haben würde, Angaben über die in Deutschland bestehenden Verhältnisse zu finden gezogen. Der Bundesrat aber war anderer Meinung und hat sie Was das Tempo der Socialreform anlangt, so können uns i. 8t. absichtlich nicht vorgeschrieben. Auch ich habe die Frage so würde das eine Eristenzfrage für das Deutsche Reich sein ( Sehr richtig! rechts.) Ich begreife nicht, warum mir die Herren wir im Interesse der Arbeiterschaft nur immer wieder eine mög- erwogen und ich theile die Bedenken gegen die Vorsignale. Bei den Wagen bedarf es einer eingehenden Abwägung ihrer Socialdemokraten darin nicht zustimmen, denn die Socialdemokraten lichste Beschleunigung desselben wünschen.( Bravo! bei den SocialVorzüge und Nachteile, ehe man sie verdammt. Der D- Wagen bietet machen zu meinem Bedauern nie ein Hehl daraus, daß sie An= eine weit größere Sicherheit als die andren Wagen. Gerade das der republikanischen Staatsform find. Das hänger Offenbacher Unglück hat die starke Widerstandskraft der D- Wagen ist ein schwerer Irrtum. Ich hoffe, die Herren werden zu der gezeigt. Der zweite Wagen war überhaupt intakt geblieben. Unser Ueberzeugung gelangen, daß es nicht von der äußeren StaatsBeleuchtungsgemisch aus Acetylen und Fettgas ist unter keinen form abhängt, daß den unteren Klassen ihr Recht wird, sondern von Umständen explosibel. dem Geist, in dem die Monarchie geleitet wird( Sehr richtig! rechts). Daß die preußische Monarchie so geleitet worden ist, daß den unteren Klassen ihr Recht wird, davon redet jede Seite der preußischen Geschichte.( Bravo! rechts. Widerspruch bei den Socialdemokraten.) Meine Erklärung war also ganz torreft, so lange die Socialdemokratie, ich hoffe ja, fie bekehrt sich noch, ihre arbeiterfreundlichen Bestrebungen absolut berquickt mit ihrem Verlangen nach einer republikanischen Staatsform. Nach dem Wortlaut der Reichsverfassung ist es ganz unbestritten, daß das Deutsche Reich hervorgegangen ist aus dem Bunde der deutschen Fürsten. So bald im Deutschen Reich eine politische Richtung mit republikanischen Bestrebungen das Schwergewicht erhält, ist die Eristenz des Deutschen Reichs damit nicht mehr vereinbar.( Bravo! rechts.) Abg. Rosenow( Soc.): Herr Dr. Dertel hat die Gewohnheit, in einer halben Stunde zwanzig verschiedene Dinge, natürlich nur sehr oberflächlich zu besprechen. So hat er heute gesprochen über den Fall Schoenlaut, wie er ganz unberechtigterweise den Leipziger Konflikt getauft hat, die Bädereiverordnung, Friedrich Wilhelm IV., die Arbeiter in Konsumvereinen und die Handelsverträge. Ich wundere mich nur, daß er nicht auch über den Untergang der Welt gesprochen hat.( Große Heiterkeit.) Für meinen Fraktionsgenoffen Schoenlant habe ich zu erklären, daß Schoenlant mit der Auseinandersetzung zwischen der Geschäftsleitung resp. den Leipziger Parteigenoffen und den Buchdruckern nicht das allermindefte zu thun gehabt hat.( Ah, Ah! rechts.) Er hat sich in die ganze Angelegenheit nicht eingemischt und ist der Aus einandersegung völlig fremd gegenüber.( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.). werden würde. Damit hat er aber waren. demokraten.) Hierauf wird ein Vertagungsantrag angenommen. Persönlich bemerkt Abg. Röficke- Dessau( wildlib.): Herr v. Kardorff, meinte, ich hätte ihn gestern einen Betrefalt genannt und bezeichnete mich dem gegenüber als Molluske. Ich habe den Ausdruck Betrefakt nicht gebraucht, wenn Herr v. Kardorff aber den Unterschied von Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit in der Socialpolitik zwischen uns mit dieser Gegenüberstellung hervorheben wollte, so habe ich meinerseits dagegen nichts einzuwenden.( Abg. v. Kardorff: Na, dann ist's ja gut); ( Große Heiterfeit.) Abg. Hitze( C.): In der Frage des Streifpoftenstehens hat Herr Rintelen nur für seine Person gesprochen. Die Stellung des Centrums in dieser Angelegenheit ergiebt sich aus der einmütigen Ablehnung der Zuchthausvorlage seitens des Centrums. Auf Antrag des Abg. Sänger( Hosp. der freif. Bp.) beschließt das Haus eine Besprechung der Interpellation. Abg. Sänger( Hosp. der freif. Bp.): In den Darlegungen des Ministers habe ich etwas über die Maschine vermißt, die vor dem D- Bug hergefahren ist. Diese hat sich auf dem Bahnhof Offenbach 15 Minuten aufgehalten. In während man ein Offenbach soll, den D- Bug erwartete, Güterzug rangiert worden sein. Der Offenbacher Bahnhof ist dazu zu klein und diese Kleinheit ist die Schuld des Unglücks. Abg. Rintelen( C.): Gewiß habe ich nur für meine Person Bei dem chronischen Nebel empfiehlt sich das Vorsignal gesprochen, aber auch Herr Hige hat heute nur für seine Berfon auf der Blodstation. Der Minister meinte, die Schnelligkeit der Büge gesprochen... sci es, die die Gefahren vermehre. Das mag sein, bei dem Offen Präsident Graf Ballestrem: Das war nicht mehr persönlich. bacher Unglück fam die Schnelligkeit nicht in Frage. Ich ( Heiterkeit.) bin ein Anhänger der Staats- Eisenbahnen, aber gerade deshalb wünsche ich ihre Verbesserung und bin gegen das übertriebene Sparsystem. Wir ernten jezt in den Unglücksfällen die Früchte unsrer früheren Fiskalität. Beschwert hat sich ein Teil der verwundeten Reisenden, daß man sich um fie gar nicht bes fümmert hat und sie in der Nacht ziemlich unfreundlich herumgeschickt hat. Das Unglück von Offenbach schreibt sich auf das Konto der Plusmacherei und des Profithungers, das seit Jahren in der preußischen Centralleitung unsrer Eisenbahnen herrscht. Damit muß gebrochen werden, sollen solche Unglücksfälle nicht wiederkehren.( Beifall.) Abg. Hitze( C.): Ich habe nicht gesagt, daß ich in diesem Augenblick, wo ich Herrn Rintelen entgegentrat, mehr als für meine Berson gesprochen habe, sondern ich habe mich auf eine offizielle Stellungnahme meiner Frattion bezogen. Nächste Sizung Montag 1 Uhr.( Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats des Reichsamt des Innern.) Schluß 53/4 Uhr. Abgeordnetenhaus. 6. Sigung vom 17. Januar, 2 Uhr. Präsident v. Kröcher Die weitere Beratung wird vertagt. Nächste Sigung Montag, den 21. Januar der Sonnabend soll mit Rücksicht auf die Budgetkommission frei bleiben 11 Uhr( Rechnungssachen, zweite Lesung des Etats: Kleinere Etats, Forstetat). Schluß 5 Uhr. Parlamentarisches. eröffnet die Sigung mit der Mitteilung, daß der Kaiser die Glückwünsche des Hauses von dem Präsidium zur 200jährigen Feier des Bestehens des Königreichs entgegengenommen habe und dem Hause Von der Bäckerei Verordnung hat Herr Dertel gemeint, dante. Der Kaiser habe hinzugefügt, daß er sich sehr wohl es würde ihm leid thun, wenn er dabei nicht mehr der sein würde, deffen bewußt sei, daß die preußischen Könige das Königreich der zuletzt lacht. Er glaubt also, daß die Bäckerei- Verordnung nicht zu der Blüte hätten bringen können, wenn sie nicht ein wieder aufgehoben Die Budget- Kommission sette am Donnerstag die Beratung gegen seine eigne Fraktion gesprochen und ich wundere mich nur so vortreffliches Volk hinter sich gehabt hätten, das Offiziere über den Reichs- Eisenbahn- Etat und zwar über die Ausgaben über die Zustimmung, die sie ihm gezollt hat, denn das Recht des und Soldaten wie überhaupt alle Beamten in kaum zu über: fort. Buerst gab es eine Debatte über die baulichen Veränderungen, Bundesrats, solche Verordnung zu erlassen, ist nicht bloß mit unfren treffender Vorzüglichkeit geliefert habe. Wir, die Vertreter des die in Straßburg durch Beseitigung von Niveauübergängen nötig Stimmen, sondern mit den Stimmen der Parteigenossen des Herrn deutschen Volts wollen alles daran sezen, das Königreich Preußen Dertel geschaffen worden.( Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) auf seiner geschichtlichen Höhe zu erhalten und wir bekräftigen das Das Thema von der Ausbeutung der Arbeiter der Konsum- am besten mit dem Rufe: Seine Majestät der König, er lebe hoch, bereine schenkt er sich niemals. Er sieht in allen bürgerlichen hoch, hoch! Betrieben nur Licht, in allen Arbeiterbetrieben nur Schatten und Das Haus tritt in die Tagesordnung ein. Am Ministertisch Kommissare. Zur Beratung steht die Interpellation wegen des Offenbacher Eisenbahnunglücks. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Abg. Fund- Frankfurt a. M.( frs. p.): waren. Die Redner, die Elsässer Hauß und Preuß, MüllerSagan( frf. Vp.), Singer( Soc.) und Prinz Arenberg( C.) sprachen fich für die Beseitigung der Berkehrsstörungen im öffentlichen Interesse durch die Bahuverwaltung aus, während die Reichs- Eisenbahnverwaltung auf dem Standpunkt steht, daß die Stosten der Einrichtungen, die wesentlichen den Städten zu gute kämen, durch Zuschüsse von den Gemeinden gedeckt werden müssen. Singer bertrat namentlich die Ansicht, daß der fiskalische Standpunkt, den die Eisenbahnverwaltung der Niveau- Uebergänge im Juteresse des Publikums müſſe ſo hereinnimmt, aufgegeben werden müsse. Die notwendige Beseitigung fönne auch in Rüdficht auf die Bahnverwaltungen von Forderungen gestellt werden, daß die Stadt davon keinen Schaden habe. Man Abstand nahmen, die in Bezug auf die Bequemlichkeit der Bewohner notwendig erscheinen. Die Abgeordneten hatten sich während der Ansprache des Präfi: ebenso schenkt er uns niemals die absolut unrichtige Behauptung, daß die denten von ihren Sigen erhoben und stimmen dreimal in den Konsumbereine socialdemokratische Betriebe seien. Wir haben wiederholt Ruf ein. erklärt, daß wir als Partei nichts mit den Konsum bereinen zu thun haben. Das Bestreben der Arbeiter, find anwesend: Minister der Eisenbahnen von Thielen und ihre Lebenslage zu verbessern, unterstützen wir auch, wenn es sich um Arbeiter handelt, die von Konsumvereinen beschäftigt werden. Thatsächlich werden aber die Angestellten von Konsumvereinen im Verhältnis besser bezahlt als die Angestellten in tapitalistischen Betrieben. Herr Oertel wundert sich über das geringe Dann wandte sich die Diskussion zu dem Kapitel, in dem die Durchschnittsgehalt von 930 m. Sehe er sich doch einmal die Zustände im Handelsgewerbe an. In Berlin werden Mädchen mit 20, 25 und 30 M. Er giebt einleitend eine Schilderung der bekannten Vorgänge. Gehälter der Beamten der Reichs- Eisenbahn festgesett monatlich bezahlt. Im Durchschnitt werden durchaus nicht 930 m. jährlich Der Minister habe erklärt, daß einem Beamten eine Schuld nicht werden. Bei dieser Gelegenheit wollte beim entsprechenden Titel verdient. Bei dem Durchschnitt handelt es sich nicht bloß um gelernte treffe. Wenn er auch die Empfindung habe, daß dies zutreffe, so sei Abg. Miller Sagan über Petitionen referieren. Aus diesem AnArbeiter, um Lagerhalter, sondern auch um allerlei Hilfskräfte, es doch vielleicht nicht richtig gewesen, eine solche Erklärung vor der laß wurde auf die Verhandlungen zurückgegriffen, die vor einigen um Mädchen, die nur mit Abwiegen beschäftigt sind. Und wie gerichtlichen Untersuchung abzugeben. Redner fährt dann fort: Es Jahren wegen des Verhaltens des Reichs- Eisenbahnamts gegen die werden die Arbeiter in den Staatsbetrieben bezahlt, die Herr Dertel ist lange nicht ein so großes Eisenbahnunglück passiert und der Vor- petitionierenden Beamten geführt worden sind. Das Reichs- Eisenbahnamt als freiwilliger Regierungskommissar doch fennen müßte! fall hat große Erregung hervorgerufen. In der hessischen Kammer hatte damals nach Kenntnisnahme der von seinen Beamten an den 2 m. bis 2,50 M. erhalten fie täglich. In Ihrem Wahlkreise, Herr ist die Affaire besprochen worden. Allgemein ging die Meinung dort Reichstag gesandten Petitionen eine Anzahl Beamter deswegen Dertel, würden viele Arbeiterfamilien in der Hausindustrie froh dahin, daß wenn auch keine persönliche Schuld festzustellen ist, doch gemaßregelt. In einer lang ausgedehnten Diskussion wurde naments sein, wenn sie ein Durchschnittseinkommen von 930 M. hätten. Sie das System schuld an dem Unglück hat. Die Verhältnisse lich von Singer, Bebel und Müller Sagan im Interesse müssen mit 450-500 m. jährlich sich durchschlagen. Damit des Offenbacher Bahnhofs sind schlecht und räumlich unge- des Petitionsrechts der Beamten betont, daß man zwar von dem harmoniert es ja durchaus, daß Sie für Verteuerung des Brotes nügend. Für die Blockstation ist nur ein einziger Mann Inhalt der Petitionen der Regierung Kenntnis geben, aber die und Fleisches eintreten. Damit möchte ich mich von Herrn angestellt, das erscheint zu wenig bei dem riesigen Zugverkehr, der Namen der Betenten nicht ausliefern dürfe. Die eingegangenen Dr. Dertel abwenden. in Offenbach herrscht. In der Hessischen Kammer hat deshalb die Petitionen wurden als Eigentum des Reichstags bezeichnet und die ( Abg. Dr. Oertel, der bisher angehört hatte, wendet sich gleich- Aeußerung des Herrn Ministers Thielen, daß force majeure vor Forderung der Regierung, auch von den Namen der Petenten falls ab. Heiterkeit.) liege, eine gewisse Erbitterung hervorgerufen. Es find Stimmen laut Kenntnis zu bekommen, als unzulässig hingestellt. Der Regierungs Ich freue mich, daß die statistische Kommission mit der Lage des geworden, die befürchteten, die Regierung wolle sich mit der force vertreter Geheimrat Höckner, forderte als Recht der Regierung, auch Personals an Comptoirs und Lagern, die nicht mit offenen majeure den materiellen Entschädigungsverpflichtungen entziehen. von den Namen Kenntnis zu bekommen, weil die Verwaltung Handelsstätten in Verbindung stehen, befaßt werden soll. Ich be- Biel ist gegen die D- Wagen gesagt worden. Ich verwerfe die nicht darauf verzichten könnte, gegen die Beamten, die in ihren Petitionen an den Reichstag Angriffe gegen die Regierung erhöben. I ministerium hat mun zwar abgelehnt, die Streitklausel a II- Der Verband deutscher Lederhandschuh- Fabrikanten hat disciplinarisch vorzugehen. Auf Vorschlag Singers wurde dann gemein einzuführen, da das nicht im staatlichen Interesse 317 Halberstädter Handschuharbeiter, die von den Unternehmern aus angenommen, den Referenten zu überlassen, die Regierungsvertreter liegt", aber im übrigen können die Unternehmer mit der gesperrt sind, auf die schwarze Liste gesetzt. = durch Eröffnung über den sachlichen Inhalt der Petitionen in die ministeriellen Antwort wohl zufrieden sein. Es heißt dort u. a., Ausland. Lage zu bringen, sich sachlich darüber zu äußern, dagegen von einer daß mit Rücksicht auf die schwierige Lage", in der sich das Lohnbewegung in der Kopenhagener Schuhwaren. Uebergabe der Petitionen im Wortlaut mit den Namensunter- Baugewerbe insbesondere auch beim Eintritt von Arbeits- Industrie. Im Herbst vorigen Jahrs tündigte der„ Dänische schriften Abstand zu nehmen. Nächste Sigung am Dienstag- einstellungen befindet, schon bisher in allen den Fällen, wo infolge Schuhmacher- Verband" den im Jahre 1896 eingegangenen Tarif. vormittag. von Streifs Verzögerungen in der Fertigstellung von Bauausführungen Die Kündigungsfrist währte bis zum 15. Januar d. J. Durch die Die Kommission für die Vorberatung des Gesetzentwurfs in Aussicht standen, den Ausführenden in thunlichster Verhandlungen, die in der Zwischenzeit zwischen den Bertretern des über das Urheberrecht begann am Donnerstag ihre Beratungen Weise entgegengetommen worden ist. Verbands und der Fabrikantenvereinigung stattfanden, war es nicht und erledigte unter Verzicht auf eine Generaldebatte die ersten neun Dieses Entgegenkommen soll, wenn erforderlich und falls die möglich, eine Einigung zu erzielen. Der Schuhmacher- Verband hat Paragraphen der Vorlage. Eine längere Debatte entspann sich über Verhältnisse es gestatten, auch in Zukunft beibehalten die Sache dem geschäftsführenden Ausschuß der„ Centralisierten § 9, der die Umstände regelt, unter denen einem Verleger Aende- werden." Gewerkschaftsverbände" unterbreitet und dieser hat in einer gemeinrungen an dem ihm übergebenen Manuskripte des Autors erlaubt Mein Liebchen, was willst du noch mehr! Allgemein, als famen Sizung mit dem Ausschuß des" Dänischen Arbeitgebersein sollen. Princip wird zwar die Streitklausel nicht eingeführt, dafür aber in Verbands", an der auch die Vertreter der beiden Parteien teilnahmen, jedem einzelnen Fall angewandt. beschlossen, daß die Arbeit nach acht Tagen zu den alten Bes Die chriftlichen Arbeiterfreunde. In Rees a. th. find von dingungen fortgesetzt wird, um der Fabrikanten Vereinigung" und den christlichen Fabrikanten eine Anzahl Mitglieder des christ- dem Schuhmacher Verband" nochmals Gelegenheit zu geben, sich, lichen Cigarren- und Zabalarbeiter Verbands wenn möglich, über die zukünftigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse wegen ihrer Zugehörigkeit zur Organisation gemaßregelt worden. des Fachs zu einigen. Der Kampf zwischen den christlichen Unternehmern und den christlichen Gewerkschaften nimmt überhaupt einen erbitterten Charafter an. N Partei- Nachrichten. = Parteiorganisation. Im Wahlverein des 12. fächfifchen Reichstags Wahlkreises( Leipzig Stadt) beschloß die General versammlung, den noch nicht gewerkschaftlich organisierten Partei genossen zu empfehlen, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Es sollen zu Vertrauensämtern solche Genossen berufen werden, die auch gewerkschaftlich organisiert sind. Polizeiliches, Gerichtliches usw. Wegen Beleidigung des Kriegervereins wurde der Nedacteur des„ Volksblatts für Anhalt", Genosse Günther in Dessau, zu 300 m. Geldstrafe verurteilt. Dasselbe Urteil war in dieser Sache schon einmal gefällt worden. Das Reichsgericht hatte das Urteil wieder aufgehoben, weil die Verurteilung aus § 186( Behauptung einer unwahren Thatsache) erfolgt war, nach Lage der Sache aber die Aeußerung des Angeklagten, der Kriegerverein habe mit frecher Stirn das Gesetz übertreten" nur als Beleidigung aus§ 185( einfache Beschimpfung) eintreten könne. Die Straftammer, die wiederholt über den Fall verhandelte, kam auch bei der Beurteilung aus§ 185 zu demselben Urteil. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Die Vertrauensmänner des Holzarbeiter- Verbands, die gestern abend vollzählig in der Brauerei Friedrichshain versammelt waren, nahmen die vor dem Gewerbegericht abgeschlossenen Einigungsbedingungen, nachdem Glocke dieselben empfohlen hatte, ohne jede Debatte fast einstimmig an. Nur einzelne Hände erhoben sich dagegen. Damit ist der durch die Maßnahmen der Innung hervorgerufene Konflikt nunmehr beendet. Deutsches Reich. Die Arbeiter der Panther- Fahrradwerke zu Magdeburg find ausständig. Am vergangenen Sonnabend wurden 35 Mann an= geblich wegen Arbeitsmangel entlassen. Die übrigen Arbeiter vers langten die Wiedereinstellung der Entlassenen und erklärten sich bereit, fürzere Zeit zu arbeiten. Dies Auerbieten wurde abgeschlagen; es handelte sich eben um eine Maßregelung, nicht um Arbeitsmangel, die 35 Entlassenen sind durchwegs gewerkschaftlich organisierte, zum Teil hervorragend thätige Leute. Die Direktion lehnte jede Unterhandlung schroff ab, worauf die Arbeiter in geheimer Abstimmung mit 173 gegen 29 Stimmen beschlossen, am Dienstag früh die Arbeit nicht wieder aufzunehmen. Der Beschluß ist ausgeführt worden und die Direktion bemüht sich nun, durch Inserate Arbeitswillige heranzuziehen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Streifflaufel. Der Arbeitgeberverband des Baugewerbes hatte sich auch an das sächsische Kriegsministerium gewandt, um die Einführung der Streifklausel bei den von dieser Behörde zur Ausführung gelangenden Bauten zu erlangen. Das sächsische KriegsFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 18. Januar. Opernhaus. Fest- Borstellung. An fang 7 Uhr. Schauspielhaus. Aus eignem Recht. Anfang 7 Uhr. Neues fönigl. Opern: Theater. Hohenzollern Festspiel. Anfang 712 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 712 Uhr. Lessing. Flachsmann als Erzieher. Anfang 72 Uhr. Berliner. Prinz Friedrich von Homburg. Anfang 72 Uhr. Residenz. Frauen von heute. Anfang 72 Uhr. Neues. Liebesprobe. Hierauf: Die Hand. Anfang 712 Uhr. Alessandro Westen. Anf. 7 Uhr. Stradella. Central. Die Schöne von New York. Anfang 7 Uhr. Secessionsbühne. Ueberbrettl. Anf. 72 Uhr. Schiller. Die Anfang 8 Uhr. Maschinenbauer. Thalia. Amor von heute. Anfang 712 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Obersteiger. Anfang 72 Uhr. Carl Weiß. Der Brandstifter. An fang 8 Uhr. Luifen. Die Brautschau des Kron: prinzen. Aufang 8 Uhr. Belle Alliance. Margarine und Comp. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Eine tolle Nacht. Anfang 72 Uhr. Apollo. Specialitäten Vorstellung. Des Löwen Erwachen. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitäten Borstellung. Eine tolle Nacht. Anfang 712 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage Panoptikum. S V Specialis täten D Vorstellung. Anfang nachmittags 3 Uhr. Irania. Taubenstr. 48/49.( Im Theatersaal) Abends Mittelmeerfahrten". 8 Uhr: Jm Hörsaal: Die Nahrungsstoffe des Menschen". Prof. Müller. Invalidenstraße 57/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Dies beweist der„ Christliche Textilarbeiter", Organ des Centralverbands der christlichen Textilarbeiter. Derselbe schreibt am Schlusse eines Artikels, in dem das Vorgehen der christlichen Unternehmer gegen die organisierten Arbeiter scharf gegeißelt wird: „ Oder entspricht es etwa der Devise:" Für Wahrheit, Recht und Freiheit", wenn man in seinem Blatt für wirtschaftliche Hebung des Arbeiterstands, überhaupt für Arbeiterrechte eintritt, aber sein eignes Geschäft als das Kräutchen Rühr mich nicht an betrachtet? Ein ehrlicher Gegner ist den Arbeitern denn doch lieber, als solche guten Freunde"." In Bocholt in Westfalen beantragten verschiedene Arbeitervereine die Errichtung eines Gewerbegerichts. Die Behörde war für den Antrag, dagegen stemmiten sich aber die Bocholter Unternehmer, welche durchweg Centrumsanhänger sind. Bissig schreibt dazu das christliche Blatt: 1 V Aus der Frauenbewegung. Frauen im Schulrat. Der dritte Schulrat des VII. Bezirks in Budapest ergänzte sich anläßlich seiner jüngsten Ausschuß- Sizung mit einer aus 12 Mitgliedern bestehenden Frauenkommission, deren Aufgabe hauptsächlich die Aufsicht über die dem Schulrat unterstehenden Kindergärten sein wird. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 1hr abends statt. F. Sch. Wien. Mit verdünntem Tabaksfaft begießen. P. F. Nach dem vom Tarifamt herausgegebenen Tarif neb st Sommentar besteht ein Beschluß des Tarif- Ausschusses vom 15. Mat 1899, der für 2-3 stündige Ueberzeit- Arbeit eine Viertelſtunde Baufe, bet mehr als 3 stündiger Ueberzeit- Arbeit eine halbe Stunde Pause gewährt. Sie finden den Bassus auf Seite 105 der oben angegebenen Quelle. Schröder. Das Niederwald- Dentmal ist am 28. September 1883 ents hüllt worden. Der Bazarbrand in Paris war am 4. Mai 1897. Feld= marschall v. Blumenthal starb am 22. Dezember 1900. bor. " Zu welcher politischen Partei sich die Herren Wehl und Kommerzienrat Herding bekennen, wissen wir nicht, glauben aber, daß der letztere den Vorwurf der Arbeiterfeindlichkeit zurückweisen E. F., Lübeckerstr. 24. 1. Leider steht Ihrer Mutter ein Anspruch würde. Weshalb erklärte sich derselbe dann aber gegen die Errichtung auf Pension nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht zu. 2. Falls die eines Justituts, durch welches es den Arbeitern leichter gemacht wird, erforderliche Anzahl Marken geklebt ist, steht der Frau ein Anspruch auf ihr Recht und weiter nichts zu erhalten? Die Herren Hölscher, der juristischen Sprechstunde vor. Altersrente zu. Sprechen Sie gelegentlich mit den Quittungsfarten in R. 32. 1. Die Klage hätte Aussicht ten Hompel und Beckmann sind als„ Centrumsgrößen" in auf Erfolg. 2. Ihr Wahlrecht ist Ihnen geblieben, weil ja die KrankenhausBocholt bekannt und dennoch Der letztgenannte pflege länger als ein Jahr zurückliegt. Bezahlt hat die Stadt und wird Herr ist sogar lange Jahre Reichstags- Abgeordneter nichts erstattet verlangen. 2. B. 200. Sie inußten sich spätestens und Mitglied der Centrumsfrattion geivefen, er war in diesem Monat- an die Kreis- Ersatzfommission wenden. Zwei Wettende noch Abgeordneter in den Jahren 1889 90, als das heutige 1201. Darüber besteht kein Gesetz: damals hatte er eine Dede. Gewerbegerichts- Gesez im Reichstage beraten wurde und zu stande S. N. 27. Sprechen Sie gelegentlich in der juristischen Sprechstunde tam. Das Centrum hat für das Gesetz gestimmt N. 100. Nach Ihrer Darlegung ist der mündliche Vertrag gültig ob Herr und könnten Sie auf Einräumung der Wohnung oder auf Schadensersag Beckmann damals in Berlin anwesend war, wissen wir nicht flagen. 2. I. Leider ist uns das nicht möglich. Wedding 100. das Centrum ist seitdem mehrfach für die Verbesserung des Sprechen Sie mit den etwa in Ihren Händen befindlichen Papieren, welche Gesezes und möglichste Verbreiterung der Gewerbe- sich auf die Angelegenheit beziehen, in der juristischen Sprechstunde vor. gerichte eingetreten, auf allen Katholikenversammlungen werden 23. F. Beide, strafbar wäre freilich nur der Arbeitgeber. Wiesen: Resolutionen zu Gunsten der Gewerbegerichte, unter Anerkennung straße. 1. Ja. 2. Nein, eventuell müßte er doppelt zahlen. 7. R. 31. ihrer Thätigkeit gefaßt und hier, wo die schönen Worte in die 1. Das ist uns nicht befannt. 2. Die Ehefrau haftet nicht für die Schulden That umgesetzt werden sollen, erklären sich die Herrschaften dagegen frau die Interventionsflage erheben und den Antrag auf Einstellung der Zwangss des Ehemanns. Werden ihre Sachen dennoch gepfändet, so würde die GheWissen diese Herrschaften vielleicht, was man in Arbeiter vollstreckung stellen fönnen. 3. Ja.-N. 86. A. E. An den Magistrat, Rathaus. freisen von ihnen denkt und spricht? Wir wollen es ihnen in F. R. 40. Soweit ersichtlich, liegt feine strafbare Handlung Ihrerseits höflicher Form verraten; man iagt: Ja, die sind eben nur so und außerdem Berjährung vor, wenn das Strafmandat von der Polizei, Tange Centrum 2c., als es sich nicht in der Praxis um die nicht vom Gericht, erlassen ist. F. K. 30. 1. Nein. Ein Sachse, der Förderung der Arbeiterrechte handelt; kommt es so weit, daß ihre die Aufnahme in den preußischen Staatsverband erlangt hat, bleibt Sachse, Macht ein wenig in Gefahr ist, oder gar noch etwas mehr, dann falls er nicht aus dem sächsischen Staatsverband austritt. Er ist also hört eben alles auf, dann ist Theorie und Praxis zweierlei." gleichzeitig Sachse und Preuße. 2. Der Antrag ist an den RegierungsAus all diesem geht hervor, daß an eine Einigung fast nicht präsidenten zu Potsdam zu richten. 3. Vom vollendeten 24. Lebensjahre ab. H. N. 1. Ja, gegen den Verbrecher müßte lage erhoben werden. mehr zu denken ist. Es ist traurig für das Centrim, daß es sich 2. Nein. 3. Ja. 4. Nein. C. S. 1. Ihre Forderung wäre nicht vervon den eignen Anhängern seine Heuchelei vorhalten lassen muß. jährt. 2. Nein. 5. K. 200. Ihr Lehrvertrag ist für Sie nicht bindend. RANIA Schiller Theater ** Taubenstr. 48/49. Im Theater Freitagabend 8 Uhr: ( Wallner Theater). Freitagabend 8 Uhr: Die Maschinenbauer. Boffe mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern Mittelmeerfahrten. von A. Weirauch. Mufit von A. Lang. e Im Hörsaal: Prof. Müller:„ Die Nahrungsstoffe des Menschen." Invalidenstr. 57/62. Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5-10 Uhr. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Grosse WeihnachtsAusstellung! Die ,, Trinklust" der Germanen, sensationelle plastische. Gruppen aus Deutschlands Vorzeiten! Kriegstrophäen aus Transvaal. Damenkapelle Zarina. Die wilden Weiber aus Dahomey u. vieles andre mehr! Passage- Theater Unter den Linden 22. D- Vorstellung** v. 3 Uhr nachm. b. 11 Uhr nachts. The two Cirnocs Die Ueberwinder Houdinis. Sonnabendabend 8 Uhr: Freiwild. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Jungfrau von Orleans. Sonntagabend 8 Ubr: Das Glück im Winkel Metropol Theater. Behrenstr. 55/57. Täglich 29 Uhr: ine tolle Nacht. Berliner Ausstattungsposse. Das sensat. Debut der Carl Weiss- Theater Gr. Frankfurterstr. 132. Wegen plöglicher Erfrantung der Frau Pauli kann die angekündigte Borstell. Die Anne- Life" nicht stattfind., dafür oh Cirkus Busch abends 72 Uhr: Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Kinder: Gr. Gala- Feft- Abend. Der Brandfifter. Freitag, den 18. Januar 1901, Anfang 8 Uhr. Vorstellung, fleine Preise: Tausend und eine Nacht. Sonntag: Die Anne- Lise. Passage- Panopticum und Theater. Nen! 12 unverbrennbaren Fakire Eintritt einschließl. Theater 50 Pf. Huldigungs Aft in 4 Bildern. Außerdem: Europäische Kavallerien, große Quadrille auf 16 Schulpferden. Auftr. der neu engagierten Künstler und Künstlerimen. Zum Schluß: Bum 51. Male: Die eiserne Maske. Gr. historisches Manege: Schaustück in 4 Atten und 3 Hauptbildern. Original- Pantomime des Cirkus Busch. Besonders hervorzuheben: Gine veritable und Palast- Theater früher Feen- Palast, Burgstr. 22. Das durchweg neue und phänomenale Januar- Programm! Neu! 9 Uhr: 9 Uhr: Boffe mit Gesang in 2 Atten von Anno. Eine tolle Nacht! Blech, Posaunist: Dir. Rich. Winkler. Cécil St. Germain und Mile. Therese. Neu! Im Neich der Illusion! Neu! The 3 Hanlons, staunenerregende Kraft Produktionen. Dazu 12 Schau- Nummern I. Rangs. Sonntags 7 Uhr. Anfang: Bochentags 7 Uhr. Entree 50 Pf. Sanssouci der feenhafte Golpakt mit der Reichshallen Donnerstag, Sonntag und Montag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: American Zouaven Tanzkränzchen. und das vollständig neue Jannar Specialitäten Programm. Anfang 28 Uhr, der„ Tollen Nacht" 1/29 Uhr. Rauchen in allen Räumen gestattet. Sonnabend, 19. Januar: Zweiter grosser Metropol- Theater- Ball. Ravizetta d'Aragon Apollo- Theater. Der Herr von Maxim 17 realitäten 17 Eintritt einschliesslich 50Pf. Specialitäten Panopticum Phänomenaler Erfolg: Valentine Petit Helene Gérard Rachettas Minstrels parisiens Salambos Miss Zelia Quartett Légay Rob. Steidl Messters Kosmograph: Chinabilder. Central- Theater. Des Löwen Erwachen. Abends 72 Uhr: W. Noacks Theater. Die Schöne von New York. Brunnenstraße 16. ( The belle of New York.) Burleske Operette in 3 Atten v. Benno Die Grille. Jacobson. Weusit von Gustav Kerter. Ländliches Charakterbild in 5 Aften von Charlotte Birch- Pfeiffer. Keine Sonnabend: Morgen und folgende Tage: Die Schöne von New York. Sonntagnachm. 3 Uhr zu halb. Breifen: Geisha.- Abends 71/2 Uhr: Kom.Operette in 1 Aktv. J.Brandt. Anfang 8 Uhr. Thalia- Theater Heute und folgende Lage Dresdenerstr. 72. Amor von Heute. Gr. Ausstattungsposse m. Ges. u. Tanz. Anfang 7 Uhr. Morgen zum 50. Male: Amor Vorstellung. Die Schöne von New York. von Heute. Lustige Vagabonden. Wunderfontaine. Sonntag, 20. Januar, nachmittags 4 Uhr: Berliner Landpartien", wozu jeder Erwachsene auf allen Siz plägen 1 Kind frei hat; weitere Kinder bie Hälfte. Sonntag 21 Uhr Schlesische Brücke Strandschloß Müggelsee.( Schlitt schuhe mitbringen.[ 11/3 Cirkus Schumann. Heute Freitag, den 18. Januar 1901, abends präcise 7½ lthr: Große außerordentliche Gala- Fest- Vorstellung.** Gala- Parforce- Programm. Revue des gesamten Personals. Auftreten sämt licher neu engagierten Specialitäten. Vorführung der anerkannt unerreicht dastehenden Schul- und Freiheits- Dreffuren des Dir. Albert Schumann. Zum Schluß zum 118. Male das mit so tolossalem Beifall aufgenommene größte Manegen- und Wasserschaustück der Gegenwart: 600 Mitwirkende. China. 2 mafit.Corps. 2 Mafit Corps. Der Saison- Schlager. Sämtl. neuen Einlagen. Verwend. d. ganzen Marstalls. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nachm. 312 Uhr und abends 72 Uhr. Nachm. zum 8. Male bie neu einstudierte Kinderpantomime: Goliath und David. Nachmittags ein Kind frei. Abends 72 Uhr zum 120. Male: China. Metropol- Theater Behren- Strasse 55/57. Sonnabend, den 19. Januar 1901 Zweiter gr. Metropol- Theater- Ball. 4 Musikkapellen. Vorzügliche Weine. Exquisite Küche. Anfang 11 Uhr. Rauchen in allen Räumen gestattet. Alles Nähere besagen die Plakate. Stettiner Sänger. Zum Schluß: Weihnachten in China. Nur noch kurze Zeit. Anfang 8 Uhr. Militär Konzert Deutsche Konzerthallen Spandauer Brücke. Täglich 4 ausländische Kapellen 4 Gr. Theater- Vorstellung. Mühlhausen. Geld- Lotterie Ziehung schon 25. Januar. Hauptgew. 100 000 Mk. bar. Original- Lose à 3,30 Mk. empfiehlt die Glückskollekte J.Rosenberg 51 Kommandanten- Strasse 51. Porto u. Liste 30 Pf. extra. Achtung! 6. Wahlkreis! Adtung!| Achtung! ( Schönhauser Vorstadt.) Sonntag, den 20. Januar, abends 51/2 Uhr, bei Mierke, Schönhauser Allee 101/102: Volks- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Adolf Hoffmann: Auf was wir stolz find? 2. Diskussion. Nach dem Vortrage: Gemütliches Beisammensein. Um rege Beteiligung ersucht Zimmerer! Sonntag, den 20. Januar, vormittags 10 Uhr, Achtung! Deutscher Metallarbeiter- Verband. Todes- Anzeige. Am 15. Januar verstarb unser langs Franz Maiwald. bei Cohn, Beuthstraße Nr. 20, 1.( groker Saal): fähriges Mitglied, der Klempner Erste General- Versammlung. [ 219/2 S Der Vertrauensmann. des Vereins der Zimmerer Berlins und Nmgegend. Tages Ordnung: 257/1 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1900 und der Sternwarte. 2. Bereinsangelegenheiten. 3. Jahresbericht über die Thätigkeit der Organisation. 4. Neuwahl des gesamten Vorstands. 5. Gewerkschaftliches. pünktliches Central- Verband der Elektromonteure u. Berufsg. vanttiches Erscheinen der Witglieder. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert vollzähliges und Deutschlands( Sektion Berlin). Sonntag, den 20. Januar, vormittags 9% Uhr, Großer Frauen- Vortrag im großen Saale des„ Gewerkschaftshauses", Engel- Ufer 15: Freitag, den 18. Januar, abends 8½ 1hr, in Ballschmieders General- Versammlung. [ 58/1 Tages Ordnung: 1. Wahl des 1. Vorsitzenden. 2. Bericht des Raffierers. 3. Bericht der Revisoren. 4. Bericht des Bibliothekars. 5. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. J. V.: Reichardt. Verband des technisch. Bühnen- Personals Sonnabend, den 19. Januar, abends 11 Uhr, Neue Rokstr. 3: General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Staffenbericht. 2. Streit im Friedrich Wilhelmstädtischen Theater. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes.[ 190/1 Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. 285/7 Festfälen( großer Saal), Gesundbrunnen, Badstraße 16. Thema: 1. Erkrankungen vor und während der Ehe. 2. Ist in bestimmten Fällen der Frauenschutz geboten? Der Vorstand. Kranken- u. Sterbefaße für aller gewerblichen Arbeiter Schöneberg und Berlin. ( E. H. K. Nr. 115/132.) Sonntag, ben 27. Januar 1901, Dormittags 10 Uhr, im Saale von E. Obst, Grunewaldstr. 110: Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonnabend, ben 19. Januar, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Michaelfirchhofs in Mariendorf aus statt. Die Ortsverwaltung. 110/13 Danksagung. Allen Verwandten, Genossen, Freun den und Bekannten, insbesondere dem Gesangberein Nordwacht" für den schönen Gesang, dem Wahlbezirk 650 bes Socialdemokratischen Wahlvereins bes 6. Berliner Wahlkreises; ferner den Genoffen des Socialdemokratischen Wahlvereins des 6. Berliner Wahl: treises, dem Metallarbeiter- Verband, Zahlstelle Berlin und den Mitarbeitern des. G. Saal 10 für die rege Behteiligung und reichen Kranzspenden unfren herzlichsten Dank. 6532 Witwe Fiedler nebft Sohn. 3. Was ist Frauenschutz? Sierauf: Fragebeantwortung. Rednerin: Frau A. Pickel, Berlin. Eintritt nur 15 Pf. Broschüren, Flugblätter c. gratis. General- Versammlung. Der Vorstand des Neuen Naturheilvereins Charlottenburg- Berlin( 560). Deutsch. Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- lifer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. 81/2 Allgem. Kranken- u. Sterbekasse der Metallarbeiterte Freitag, abends 81% Uhr, im Gewerkschaftshaus. Engel- Ulfer 15: ( E.. 29 Hamburg). Filiale Berlin 5. Sonnabend, ben 19. Jannar, nbends 8 lthr, bei Schiller, Rosenthalerstraße 57: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Raffenbericht. 2. Jahresbericht. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erfucht 2129b] Die Ortsverwaltung. Verband der im Vergoldergewerbe beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Filiale Berlin. Achtung! Vergolder! Achtung! Montag, den 21. Januar, abends präc. 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 20( großer Saal): Außerordentliche General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Jahresbericht des Vorstands vom Jahre 1900. 2. Bericht über den Arbeitsnachweis. 3. Abrechnung vom 4. Quartal 1900. 4. Neuwahl des Filial- Vorstands. 5. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Mitglieds, zu erscheinen. In dieser Versammlung findet die Ausgabe der Billets zum Stiftungsfest statt. Außerdem können diejenigen, welche noch nicht im Besize der Lokalfondskarten sind, dieselben in Empfang nehmen. 225/1] Der Vorstand. Verein der Tischler Berlins u. Umgegend ( Vertrauensmänner- Centralisation). Greitag, ben 18. d. M., abends 8 Uhr, bei 2. Keller( fl. Saal), Koppenstraße 29: General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht des Borstands, Staffterers unb ber Agitation Segon. 2. Der Spruch des Einigungsamts. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. [ 186/3 Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Karlstrasse. Nur erstklassige Wochentags 7 Uhr. Direktion: Sonntags 5 Uhr. Specialitäten. J. M. Hütt. Tagesordnung: 1. Jährlicher Kaffenbericht. 2. Be richt des Vorstands. 3. Neuwahl des gesamten Borstands. 4. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. Pünktliches und zahlreiches Er scheinen ist unbedingt nötig. Mitgliedsbuch Tegitimiert! 207/ 7+ Der Vorstand. für Berlin und Umgegend E. G. m. b. H. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die schönen Stranzspenden bet dem Begräbnis meines so früh verstorbenen lieben Mannes sage ich allen meinen besten Dank. Frau Witwe Mücke nebst Kindern. in Waidmannsluft. Sonntag, den 20. Januar Wurst effen, wozit freundlichst einladet Der Wirt. Donnerstag, den 31. Januar 1901, 21186 nachmittags 6 Uhr: Ordentl.Generalversammlung Königs- Säle Neue Königstrasse No. 26. Sigung der Ortsverwaltung Freie Bäderei- Genossenschaft Kuhns Schweizerhäuschen mit den Bezirksleitern u. Agitationskommissionen. Sonnabend, den 19. Januar, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Fischer, Waldstraße Nr. 8: Vertrauensmänner- Konferenz für Moabit. Sonntag, den 20. Januar, vormittags 10% Uhr, im Lokale des Herrn Meißner, Chauffeestraße Nr. 72: Versammlung der Feilenhauer. Montag, den 21. Januar, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15: Allgemeine Vertrauensmänner- Versammlung. 110/14] Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute, Freitagabend 81/2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Sonntag, d. 20., vorm. 10 Uhr, Rosenthalerstr. 57 bei Schiller: Branchen- Versammlung der Stellmacher. = Tages Ordnung: bei Merkowski, Wallner- Theaterstr. 20. Tagesordnung: 1. Beschlußfassung über die Bilanz. 2. Neuwahl des Borstands und des Aufsichtsrats. Der Vorstand. Sämtliche Räume, großer und Kleiner Saal, find Umstände halber Jum 2. Osterfeiertag frei geworden. Tischlerei, 21206 Gentral- Kranken- u. Sterbe- ca. 20 Bänken, mit feinſter fester tasse der Tischler u. andrer gewerblicher Arbeiter. Filiale A. Sonntag, den 20. Januar 1901, eine feit 30 Jahren bestehende, von Kundschaft, ist Todes halber für den Inventarwert sofort zu verkaufen. Eventuell würde der Sohn mit im Geschäft bleiben. 104/9 A. Krüger, Britzerstr. 7. Oldenb. 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Quartal Agitations- Kommission der Brauerei- Arbeiter Berlins angelegenheiten und Verschiedenes. und Umgegend. J. A.: Richard Schüler. Neue Mitglieder von 16-45 Jahren werden jeden Sonntag nach dem 1. 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzl. Zahnziehen vormittags von 9-11 Uhr beim Ge Zähne 2 M., 1 M. Plomben 1,50 M. Teilzahl. wöchentlich noffen Erbe, Cuvryftraße 25, und 1 M. Alfred Apenburg, Invalidenstrasse 33, ieben Sonntag nach dem 15. vormitt. Nähe Stettiner Bahnh. Spr. 9-7. Reparat. sofort. von 10-12 Uhr im Lokal Langestr. Reparaturen in 2 Stunden. Plombieren von 1 M. an. Nr. 65 bom Rendanten Karl 37/1 Jeben Sonnabend nach der Borstellung: Tanz ohne Nachzahlung Zähne 2 M. Schmerzioſes Bahnziehen. Sprechz. 8-8, Sonntag 8-4. De redder aufgenommen. Jedes Wort: Pfennig. Nur das erste Wort fett. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Borjährige elegante Herren- Winterpaletots und Anzüge aus feinsten Stoffen 25-40 Mart. Verkauf Sonnabend und Sonntag. 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Man fürchtet in England, daß De Wet einen besonders bedeutsamen Streich zu führen beabsichtige.„Daily Mail" weiß einen vollständigen Operationsplan De Wets mitzuteilen, wonach dieser überJamestown, Stormberg und Molteno nach Graassernet im Herzen derKapkolonie vorzustoßen beabsichtigt habe, jedoch durch die eng- lisch- Wachsamkeit an der Ausführung dicses'Opcrationsplans gehindert worden sei. Diese Kenntnis des englischen Blatts von den geheimsten Absichten des Boerengeuerals erscheint jetzt nach der Nachricht von dessen plötzlichem Auftauchen in Transvaal doppelt fragwürdig. De Wet, der wahrscheinlich so gut wie die andren Boercukoloiiiien hätte nach Süden durchbrechen können, hatte augenscheinlich ganz andre Absichten. Erwähnenswert an der Darstellung der„Daily Mail" ist, daß De Wets Corps aus 4000 Mann mit 12 000 Pferden bestanden habe. Lord Kitchener meldet aus Pretoria vom 16. Januar: Drei- tausend Boeren sind, wie gemeldet wird, bei Carolina vereinigt. Colvilles mobile Kolonne hotte in der Nähe von Vantonders H o e k ein Gefecht mit Boeren, die mit schweren Verlusten zurückgetrieben wurden. 300 Boeren zogenge st ern in Aberdeen, südwestlich von Graaf Reinet, ein und plünderten die Läden. 100 Mann Infanterie und einige berittene Leute trafen am Nachmittag ein. Als die Boeren derselben ansichtig wurden, gingen sie zurück. Unterbrochene Bahnverbindungen. Nach den Berichten englischer Specialkorrcspondenten sind die Bahnlinien zwischen Pretoria und Middelburg undP r e t oria und Johannesburg resp. Bloemsontein vollständig unter- krochen. Bei Kaalfontein gelang es den Boeren, zwei esnq- tische Proviantzüge von je einer halben(englischen) Meile Länge wegzunehmen. AuS der Kapkolonie liegen folgende Nachrichten vor: London. 17. Januar. Die Admiralität erhielt ein Telegramm, welches meldet, daß das Kanonenboot„Sybille", welches Blaujacken landen wollte, um den Boeren den Weg zu ver- legen, bei S t e i n b o ck f o n t e i n, nahe bei der Lamberts- Bai, gestrandet ist. Hilfe ist abgesandt. Das amtliche Telegramm spricht nicht von einem Scheitern des Schiffs. Die Lamberts-Bai liegt 200 Kilometer nördlich von Kapstadt westlich von Clamwilliam. Die Boeren sind also bis zur W e st küstc vorgedrungen. Ferner wird dem„Renterschcn Bureau" aus Matjesfontein vom heutigen Tage gemeldet: Etwa hundert Boeren zogen in Sutherland ein. schnitten den Telegraphendraht ab und pliin derten die Läden. Die Verbindung mit der Stadt ist unterbrochen. Die Boeren sind also so ziemlich Herren der Kapkolonie. wo sie nach De Wets mutmaßlicher Meinung einstweilen auch ohne ihn keinen Fährnissen ausgesetzt sind. Die Engländer sind nach wie vor völlig auf die Defensive, die Verteidigung einiger von ihnen besetzter Punkte der Bahnlinie angewiesen. Und das wird auch einstweilen so bleiben, denn über die englische» Nachschübe läßt sich der„Hamb. Korr." aus London schreiben: „Das Kolonialamt erließ ein quasi empörtes Dementi, es sei nicht wahr, daß das Rekrutieren für Baden- Powells Polizeitruppe eingestellt sei. Es werde in London wie auf jeder Rekrutierungs- station des Königreichs fortgesetzt, und zwar solange, bis die verlangte Anzahl Mannschaften aufgebracht s e i. Chamberlain vergißt nur zu verkünden, wie lange es noch dauern soll, bis der Zweck erreicht ist. Mau greift nun noch zu einer andren Maßregel, um zwei Fliegen mit emer Klappe zu schlagen. Das Mißvergnügen der Deomen iir Südafrika hatte auch darin seinen Grund, daß für sie kein eigcnt- sicher Ersatz festgelegt war. Die zur Ausfüllung der Lücken gelegent- lich eingeschobenen Leute waren keine Aeomen, kein homogener Ersatz. und wie waren die Compagnien geschwunden? Von 12S Mann waren vielfach nur noch 30— 40 der Zur Borgeschichte der Gründung des Königreichs. Am 18. Januar 1701 wurde aus dem bisherigen Kurfürstentum Brandenburg ein„Königreich Preußen". Der Kurfürst von Brandenburg, der seinem Hause die Königs kröne erwarb, war Friedrich III., der Sohn Friedrich Wilhelms, des sogen.„Großen Kurfürsten". Friedrich stammte aus der ersten Ehe des Großen Kurfürsten, und seine Stiefmutter verfolgte ihn mit ihrem Haß, weil sie ihren eignen Söhnen gern die Regierung zugrwcndet hätte. Es wird von einem Vergiftungsversuch erzählt, den' sie auf den Prinzen gemacht habe: und auch die junge Frau des Kur- Prinzen, die im Verdachte stand, Nachkommenschaft zu bekommen, starb unter verdächtigen Umständen innerhalb drei Tagen. Eins gelang der liebevollen Stiefmutter jedenfalls: Sie be stimmte ihren Gemahl dazu, ein Testament zu hinterlassen, durch welches das während der Regierungszeit des Großen Kurfürsten hinzu„erworbene" Dritteil des Staates den Söhnen aus letzter Ehe vermacht wurde, so daß dem Erbprinzen von den Eroberungen seines VaterS nichts zu gute kommen sollte. Das Testament wurde beim Kaiser in Wien hinterlegt, der die Durchführung zn- sagte. Heimlich trat er jedoch mit dem brandenburgischen Kurprinzen in Verbindung und ließ ihm versprechen, daß die ihm ungünstigen Bestimmungen des Testaments nicht durchgeführt werden sollten, wenn der Prinz verspreche, nach dem Tode seines Vaters einen Teil von dessen Erwerbungen, nämlich den Schwiebuser Kreis, wieder heraus zu geben. Der Prinz gab einen ReverS dieses Inhalts, und nach dem Tode des Großen Kurfürsten wurde gemäß der Verabredung verfahren. Für die Verfechter des dynastischen Gedankens ist es gewiß recht betrübend zu sehen, welche erbärmliche Rolle sämt- l i ch e bei diesem Handel beteiligte Personen spielen. Der Große Kurfürst, der angeblich im Interesse und zur Sicherung des Staats Eroberungen macht und die erworbenen Teile durch Testaments- Verfügung dann wieder absplittert. Die patriotische Landesmutter. die den Kurfürsten zu dieser das Staatsinteresse mit Füßen tretenden Verfügung beschwatzt. Der deutsche Kaiser, der dem Kurfürsten ver- spricht, für Durchführung des Testaments zu sorgen, dem Kurprinzen aber zusagt, das Testament über den Haufen zu werfen. Endlich der Kurprinz selbst, der schon als junger Mann mit dem Kaiser konspiriert lind einen Teil von des Vaters Erwerbungen wieder herausgiebt. Eine erlauchte Gesellschaft! Im Jahre 1688 starb der Große Kurfürst, und nun begann für seinen Sohn Friedrich die schöne Zeit, wo er seinen Neigungen freien Lauf lassen konnte. Hochzeiten, Kindtaufen, Fürstenbesuche gaben Gelegenheit, Hunderttausende zn verschwenden. Es wurden Schlösser gebaut, neue Prunkregimenter, neue Hofämter gegründet. Schließlich fiel eS diesem Fürsten denn auch ein, daß sich an einem ursprünglich Eingetretenen pro Compagnie vor- Händen. Jetzt nun will man, wenn möglich, mehrere Tausend Deomen zum Ersatz nach Südafrika senden. Das Dementi des Kolonialamts bezieht sich auf ein Durch- einanderwerfen beider Rekrutierungen durch die Bericht- crstatter. Die Deomen sollen für eine beschränkte(?) Zeit, die Kon- stabler für eine lange dienen. Für die K o n st a b l e r sollen aus England 5000 gestellt werden, andre aus Kanada, andre an Ort und Stelle geworben werden, im ganzen 10000. Die Australier senden 3000 Mann Nachschub, die' reguläre Armee 3000 Kavalleristen und berittene Infanteristen. Man rechnet ferner, daß pro Monat 8000 Pferde in Südafrika eintreffen. So glaubt man„in wenigen Wochen" 20 000 Mann frische Truppen in Südafrika zu haben. Das ist der helle Wahn- sin n. Die 3000 Mann Reguläre sind als schwere neu- bewaffnete Kavallerie ohne Felddiensterfahruiig, als berittene In- fanterie ohne jede genügende Ausbildung vorläufig über- Haupt zu nichts zu gebrauchen. Von den 10 000 Mann sind 5000 Mann eine überhaupt fragliche Größe, von den englischen 6000 sind in drei Monaten 600 Mann zusammengekommen. Was ist nun„in wenigen Wochen" zur Hand, die 3000 Australier ausgenommen? Hat eine englische Abteilung den geschlagenen Feind wirklich wohl einmal bis aufs letzte verfolgen können? So lange die Briten das nicht fertig bekommen, werden die Boeren stets mit ihnen spielen wie bisher." «* » Eine Zusammenkunft zwischen Krüger und dem Zaren? Aus dem Haag wird gemeldet: Hier verlautet, daß sich der Großfürst Wladimir darum bemüht, eine Zusammenkunft zwischen dem Zaren und dem Präsidenten Krüger herbeizuführen._ MonnnunAles. Stadtverordneten- Versammlung. 3. Sitzung vom Donnerstag, 17. Januar 1001, nachmittags 6 Uhr. Die Verhandlungen leitet für den noch nicht wiederhergestellten Vorsteher Dr. Langerhans der Stellvertreter M i ch e l e t. In die Vertretung der Stadt Berlin auf dein am 29. und 30. d. M. hier stattfindenden 3. Allgemeinen preußischen S t ä d t e t a g sind vor der Sitzung durch die Abteilungen gewählt worden die Stadtv. LangerhanS, Michelet. Singer, Kaiisch und P r e u ß. Der gemischten Deputation zur Beratung geeigneter Maßnahmen zur Abwehr der Erhöhung der Le b e n s m ittelz ö ll e werden angehören die Stadtvv. C. Goldschmidt, Fr. Gold- schmidt, Cassel, Perls, Nathan, Singer, Es mann, Heilmann, Friedberg und K a l i s ch. Als letzter Gegenstand steht der schon besprochene Magistrats- antrag wegen Ankanfs der Aktien der Siemens und Halskeschen beiden Berliner elektrischen Straßenbahnen für 6 Millionen Mark zur Beschlußfassung. Auf Antrag Kreitling wird die Erörterung dieser Vorlage vorweggenommen. Von drei verschiedenen Seiten ist Ausschutz- beratung beantragt. Stadtv. Lüben(Fr. Mommsen): Die Vorlage, die uns etwas überraschend konimen mutz, kann bei ihrer Bedentsamkeit nicht ohne Ausschuß beraten werden. Die Ueberführung über die Linden, der Kaufpreis, das muß alles genau geprüft werden. Das bißchen elektrische Bahnen kann uns auch nicht auf einen grünen Zweig bringen, denn wir wollen doch Pferdebahnen(Große Heiterkeit)... elektrische Bahnen bauen.(Widerspruch von mehreren Seiten.) Man muß doch auch an den Vorgang in Köln denken. Ueberlegcn wir uns die Sache im Ausschutz; die Aktien wird man uns auch noch ein paar Tage nach dem 31. Januar gern überlassen. Stadtv. Prcuß(N. L.): Mit dieser Vorlage feiert das Princip der Uebernahme von Verkehrsanlagen durch die Kommune seinen zweiten Sieg. Wenn heute selbst Anhänger der Manchestertheorie für diese Vorlage sich erklären, so ist das die Frucht der bitteren Erfahrung und das Resultat der Bemühungen unsrer großen Lehrnieisterin, der Großen Berliner Straßenbahn. D i e absolute Un Haltbarkeit des Privatmonopols ist durch das Gebahren dieser Gesellschaft gründlich dargethan worden, daß nian schließlich dazu überging, uns auf unsrem eignen Boden den Betrieb von städtischen Linien konzessionieren zu wollen und damit das natürliche Verhältnis umzukehren, das hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Ein Teil der heutigen Schwierigkeiten rührt aus Königsbof noch viel flotter leben und daß sich da noch weil mehr Luxus entfalten lasse, als am Hofe eines brandenburgischen Kurfürsten. Die regelmäßigen Staatseinnahmen hatten schon in den voran- gehenden Jahren bei weitem nicht gereicht, um Friedrichs kostspielige Neigungen zu befriedigen. Der neue Fürst verstand eS jedoch sehr gut. den Unterthanen das damals sehr knappe Geld abzupressen, damit der Hof schwelgen konnte. Die Staatseinkünfte, die 1688 beim Regierungsantritt l1/* Millionen Thaler betragen hatten, waren schon nach drei Jahren auf SVe Millionen Thaler hinaufgeschraubt. Freilich mußten die sonderbarsten Mittel angewandt werden, uni das Geld zusammen zu bekommen. Die Beamten hatten beispielsweise von ihrem Gehalt den zehnten Teil als Steuer abzuliefern und alle paar Jahre wurde eine jedesmal erhöhte allgemeine Kopf- steuer ausgeschrieben, zu der auch das ärmste Gänsemädchen bei- tragen mußte. ' Nach der Königskrönung und dem immer steigenden Geld- bedürfnis des Hofs wuchs Friedrichs Entdcckungstalent für neue Steuerquellen. Da gab eS Krönungssteuern, Kanensteuern. Kleidersteuern. Von Schuhen, Strümpfen, Hüten wurde für jedes Stück ein Groschen eingetrieben. Unverheiratete Mädchen hatten ihre Jung- frauenschaft vierreljährlich mit sechs Groschen zu veraccisen. Der Kommerzienrat Creutz erfand eine viel Gelächter erregende Schweine- borsten-Steuer. Sehr einträglich war die Perückensteucr. Alle Standespersonen und die wohlhabenderen Bürger trugen damals die auf die Sckultern herabwallenden kostbaren Allonge- Perücken, die in den besseren Exemplaren aus Paris bezogen wurden und nicht selten zwei bis dreihundert Thaler daS Stück kosteten. Für die ein- geführten Perrücken mußte der vierte Teil des Preises als Steuer bezahlt werden, für die einheimischen der sechszehute Teil. Niemand durfte sich mit einer Perrücke auf der Straße sehen lassen, die nicht das Siegel der Accise trug. Als recht einträglich erwiesen sich dem ersten Preutzenkönig auch die von Zeit zu Zeit wiederholten Brandschatzungen der Juden. Doch kam es dem König nur auf das zu erlangende Geld an; im allgemeinen hatten es die Juden unter seiner Regierung nicht chlecht. Der Hofjude Liebmann fand stets offene Thören im Schloß, wofür er die Ehre genoß, voni König angepumpt zu werden. Charakteristisch für diesen eitlen Mann ist es, wie er sich in den Besitz der Königskrone gebracht hat und wie er dabei das Interesse des Lands zurücksetzte hinter die Befriedigung seiner Eitelkeit und Ruhmsucht. Schon bald nach dem Regieruiigsantntt 1688 und nachdem Friedrich die Freuden des Kursürstcndaseins ausgekostet hatte, begann er nach dem Glänze einer Königskrone zu schmachten. Bald begann der Neid sich zu regen, denn zwei deutsche Kurfürsten waren König geworden: der Kurfürst von Hannover in England und der Kurfürst von Sachsen in Polen. Ein Etikettenstreit brachte dann den Entschluß Friedrichs zur Reife. Er sollte im Jahre 1696 mit dem König von England im Haag eine Zusammenkunft haben, wobei für den König ein Armstuhl, für hat. für das wir Jahre Preuß ist jedenfalls nur Wir billigen diese Vor- manche unbequeme Einzel- dem UmwandluugSvertrage her. den wir seiner Zeit bekämpft haben, die Socialdemokraten aber angenommen haben. Nach dem„Vorwärts scheinen sie sich jetzt allerdings, bekehrt zu haben. Die Zins- qarantie der Firma Siemens u. Halske für diese Linien scheint mir nicht unter die Vorteile, sondern unter die Nachteile des Vertrags zu gehören. Wir wünschen, bis zum 31. Januar mit der Sache fertig zu sein, bitten deshalb, den Ausschuß heute schon vom Vor- stand ernennen zu lassen..., Oberbürgermeister Kirschner: Die Fristbestlmmung des 31. Januar wird vom Magistrat durchaus ernst genommen, und ich möchte doch davor warnen, sich auf ein späteres Entgegenkommen des andern Kontrahenten gar zu sehr zu verlaffcn. Der Kolner Fall weist gar keine Analogie mit den Berliner Verhalt- nissen auf.' Die Stadt Köln beabsichtigte ebenfalls ein voll- stäudiges Netz von Bahnen zu bauen, das nach den lokalen Ver- Hältnissen als ein Konkurrenzuiiternchmen erachtet werden mußte. Nicht der Obervräsident hat die Konzession versagt, sondern das Reichsgericht hat in dritter Instanz erkannt, daß die Stadt Köln nicht berechtigt sei, dieses Projekt als ein Konkurrenz- Projekt der Straßenbahn auszuführen, weil daS nach den VertragSbestiiimnmgen mit dem Unternehmer ausgeschlosien war. Wer die Verhältnisse in Berlin objecttv betrachtet und informiert und kein Gegner der städtischen Verwaltung ist. wird zugeben müssen. daß sie mit' Köln nicht verglichen werden können. AuS dem Um- waudlungsvertrage, den wir mit der Straßenbahn geschlossen haben, geht klar hervor, daß schon damals weitere Projekte von Straßenbahnen intendirt waren. Wir hatten uns auch ausbedungen, daß die große Straßenbahn auf unser Verlangen weitere Projekte ausführen müßte. Stadtv. Singer(Soc.): Gegen die Ausschußberatung bin ich nicht, weil die Sache eingehend geprüft werden muß. Es hat mich gefreut, in Herrn Preuß einen so anfmerksamen Leser des„Vor- wärts" zu finden.(Stadtv. Preuß: immer gewesen!) Er macht sich sogar die Irrtümer des„Vorwärts" zu eigen, denn diese beiden Linien haben mit der Umwandlung des Vertrags nicht das allergeringste zu thun.(Widerspruch.) Em Teil der Freunde des Herrn Preuß hat damals gegen den Um- Wandlungsvertrag gestimmt. Wir unsrerseits bereuen unsre Stellung- nähme in keiner Weise und können auch keine Besserung versprechen. Wenn irgend jemand in diesem Saale dafür eingetreten ist, dem Monopol des Privatkapitals in dieser Sache ein Ende zu machen, so waren wir es. So angenehm uns die Nachbarschaft des Kollegen Preuß ist, so muß er doch anerkennen, daß er sich erst später dem Princip zugewendet lang gekämpft haben; Herr der Stiefvater dieses Gedankens. läge grundsätzlich und accepticrcn.,_ heiten. weil wir uns in einer Zwangslage befinden, weil die privat- kapitalistischen Gesellschaften ihre Konzession nach Möglichkeit aus- nutzen, um möglichst hohe Dividenden zu bekommen, weil sie dringende Forderungen des Publikums in Bezug auf die Betriebssicherheit nicht erfüllen, wie die zahlreichen Unglücks- fälle beweisen und weil die höchsten Staatsbehörden diese privatkapitalistischen Aktiengesellschaften unterstützen. Wir müssen mit dem eignen Betrieb auf diesem Gebiet so schnell wie möglich be- ginnen, damit nicht wieder die Staatsbehörden über den Kopf der Stadtverwaltung hinweg unter Verkennung � und Mißachtung städtischer Interessen eine Konzession erteilen, die über das, was wir vertragsmäßig beschlossen haben, hinausgeht. Der Direktor der großen Straßenbahn scheint sich immer noch als Ministcrial« direktor zu fühlen. Die große Straßenbahn hat sich den Erwerb dieses Herrn sehr viel kosten lassen, in der Er- Wartung, daß er den Weg von der Friedrichstratze nach der Wilhelmstraße zu finden wisse und dort die Interessen dieser Gesellschaft vertreten und fördem würde. Der Erwerb der Linien ist mit dem Vorteil verbunden, daß bereits die erforder- lichcn Betriebseinrichtungen da find. vor allem aber ein geschultes Personal, und das hilft uns über die großen Beträge hinweg, die wir den Aktionären zu zahlen haben. Hätte die Stadt Berlin vor Jahrzehnten dieselbe Auffassung gehabt, wie heute, dann wären wir zu jenen Kalamitäten gar nicht gekommen, ivir hätten mit diesen Gesellschaften nicht zu verhandeln und keine Umwandlungsverträge zu schließen brauchen. Der hohe Preis, den wir bewilligen müssen, ist zum Teil verschuldet durch die bisherige Komniuualpolitik, und damit müssen wir uns nun abfinden. Das Bankhaus Könen u. Co. verkauft uns die Aktien nicht um der schönen Augen Berlins willen, sondern weil es verdienen will.(Zuruf: Ist auch ganz richtig!) Ich würde ja jeden Versuch, den Preis herabzudrücken, niit Freude begrüßen(Beifall bei den Socialdemo- ihn selbst aber nur ein Sessel hingestellt wurde. Friedrich schäumte und wollte auf der Stelle wieder abreisen, und nur mit Mühe räumten die Hofschranzen den Stein des Anstoßes aus dem Wege, indem sie es so arrangierten, daß beide Potentaten bei der Unter- redung standen. Nach Berlin zurückgekehrt, legte Friedrich sofort dem Staatsrat den Plan vor, die Rönigskrone zu erlangen. Der oberste Staatsminister D a n k e l m a n n, der fähigste Beamte, den Friedrich gehabt hat, widersprach, weil der Kaiser die Ein- willigung nicht geben würde, ohne die schwersten Opfer von Brandenburg zu verlangen und weil im günstigsten Fall nur ein leerer Titel ohne eine wirkliche Machterweiterung gewonnen werden könnte. Aber Friedrich wollte nun einmal König werden, und so muhten die Minister nachgeben. Man begann in Wien zu sondieren, aber der Kaiser Leopold verhielt sich sehr zugeknöpft. Von jesuitischer Seite wurde dem Kurfürsten nahegelegt, katholisch zu werden und sich vom Papst krönen zu lassen. Doch Friedrich fand es ge- ratener, es nicht mit dem Hause Oestreich zn verderben. Man be- gann in Wien mit Geld zu arbeiten, und einem einzigen Beamten wurden 200000 Gulden Bestechungsgelder geboten. Es ist damals sehr viel brandenburgisches Geld in die Taschen der östreichischen Minister und sonstigen Günstlinge des Kaisers geflossen. Auch mit dem Jesuitcnpater Wolf, der großen Einfluß auf den Kaiser hatte, setzte sich der Kürfürst in Verbindung. Allmählich wurde der Kaiser zugänglicher, aber er wußte auch warum. Der letzte Habsburger in Spanien, der kinderlose König Karl II., ging seinem Ende entgegen und hatte mit Umgehung Oestreichs, das nach früheren Verträgen das nächste Anrecht auf den erledigten Thron hatte, einen Enkel Ludwigs des Vierzehnten zum Erben der spanischen Monarchie eingesetzt. Kaiser Leopold aber war entschlossen, zu den Waffen zu greifen, um seinem zweiten Sohne Karl das Erbe der Habsburger zu erkämpfen. Dabei konnte er die Hilfe der Brandenburger sehr gut brauchen. Im November des JahreS 1700 kam ein geheimer Kronverttag zu stände, in dem eS hieß: „Da der Kurfürst dem Kaiser habe vorstellen lassen, daß er atzs verschiedenen Gründen die Absicht habe, seinem Hanse den Königstitel zu erwerben, und den Kaiser gebeten habe, ihm dazu behilflich zu sein, so habe der Kaiser in Betracht des uralten Glanzes, der Macht und des Ansehens des Kurhauses Branden- bürg und wegen der von dem jetzt regierenden Kurfürsten dem gemeinen Wesen geleisteten Dienste resolviert, eine solche wohl- verdiente Dignität dem Kurfürsten beizulegen." Die näheren Bedingungen des Verttags ivaren natürlich gänzlich auf feiten OestreichS. Der Kurfürst mußte sich verpflichten, auf den Reichstagen allen Anträgen Oestreichs zuzustimmen, auf die Be- zahlung' rückständiger Hilfsgelder für früher geleistete Heeresfolge zu verzichten und bei dem zn erwartenden Kriege um die spanische Erbschaft 8000 Mann auf eigne Kosten zu stellen und zu unter- halten. kraten) imb ihn Unterst Atze». Den Hauptaccent lege ich aber darauf, daß die Stadt durch den Erwerb dieser Linien gezwungen ist, einen großen focialpolitischen Zweck durch Erschließung neuer Werkehrsstraßen zu erfüllen. Die Wirtschaft der Großen Straßenbahn hat Ihnen die Augen geöffnet. Mögen Sie sie offen halten und die gestellten Aufgaben nicht mehr verlassen!(Beifall bei den Socialdemokraten.) Stadtv. Kalisch(ivild): So teuer wie wir diese Bahnen bc- zahlen sollen, hat Berlin noch leine Bahn gelaust. Wir sollen ISWz geben, während noch im Dezember die Aktien au der Börse für 120 wie sauer Bier ausgeboten wurden. Die„Große" wollte 130 geben, das bedeutet aber für sie nur 70, da sie neue Aktien mit großem Agio ausgeben würde. Eventuell haben tvir es bei Selbstbetrieb mit einem jährlichen Deficit von 220—300 000 M. zu thun. Stadtv. Cassel(A. L.): Nach meinen Informationen hat sich das Angebot der„Großen" anders beziffert; das gehört aber in den Ausschuß. Wir haben uns ja im Vertrage von 1897 ausdrücklich das Mitbenutzungsrecht auf 400 Meter jeder Strecke für eigne Linien vorbehalten! der Kölner Fall der Konkurrenzlinien komnit also für uns gar nicht in Bctrackit. Von den Herren der Neuen Linken haben 1897 auch sehr angesehene Mitglieder wie Wohlgemuth für den BetriebsumivandlnngSvertrag gestimmt. Stadtv. Lüben bleibt dabei, daß hier das größte Mißtrauen am Platze sei. Herr Singer frage allerdings nie, ivaS eine Sache koste. (Heiterkeit.) Wenn mau einen Käufer habe, wie die Stadt Berlin, so nehme man als Geschäftsmann ihn auch nach dem 31. Januar mit offenen Armen auf.. Stadtv. C. Eoldschmidt(N- L.): In den Flugblättern der Socialdemokraten bei den Stadtverordnetenwahlen hat die Bchaup- tung, daß sie allein für die Ucbernahme der Straßenbahnen in die städtische Verwaltung eingetreten seien, eine Rolle gespielt. Das ist unrichtig; auch von uns ist damals ein Teil für die Uebernahme und gegen den Vertrag gewesen, während Herr Singer und seine Freunde für den Vertrag stimmten. Stadtv. Singer: Das Flugblatt besagte, daß unsre Partei allein in diesem Saale grundsätzlich für die Kounnunalisicrung sei, und darin hat das Flugblatt buchstäblich recht und die Behaup- tung trifft ja selbst heute noch zu. Es ist ein Unterschied, ob man, nachdem wiederholt Anträge auf Ucbernahme abgelehnt sind, einmal sich aus im ivcscntlichen socialpolitischen Gründen, aus Gründen des Arbeitcrschntzcs. auf die Verlängerung eines Vertrags auf wenige Jahre einläßt. Hätten wir nicht umgewandelt, so besäße Berlin noch heute den elenden Pferdebahnbetrieb. Herrn Lüben persönlich kostet die Borlage doch auch nichts; meint er die Stenerzahler-Jnteressen zu vertreten, so vertreten wir die Jnter- essen der gesamten Bevölkerung. auch derer, die keine Steuern zahlen können, aber durch ihre Arbeit ihren Mitbürgern das Steuer- zahlen ermöglichen. Nach einer Verwahrung des Stadtv. Cassel gegen den Stadtv. P r e u ß hebt Stadtv. Prctzcl(Bür�erpartej) hervor, daß seine Partei als allererste, noch vor den Socialdemokraten, für die Kommnnalisiernng eingetreten sei. Damit schlicht die erste Beratung. Die Vorlage geht an einen Ausschutz von 12 Mitgliedern, der vom Vorstande sofort ernannt wird und dem auch die Stadtvv. Singer und Bruns an- gehören. Für die Direktion der städtischen Gaswerke hat der Magistrat eine nene Grschäftsanwcisung entworfen, welche den Verwaltungsdirektor entlasten, die Znstnndig« keit des Betriebsdirektors eriveitern und die Stellungen beider coordinieren soll. Die Versammlung giebt der Anweisung ohne Debatte ihre Zu- stimmung. Das Kaiser nnd Kaiserin Friedrich-Kinder-KrankenhanS, das sich aus eignen Mitteln nicht länger unterhalten kann, soll zum 1. April 1902 tu städtische Verwaltung übernommen werden. Für das laufende Etatsjahr soll noch ein Iveiterer Zuschuß von 30 000 M., für das Etatsjahr 1901 statt des bisherigen jährlichen Zuschusses von 20 000 M. ei» solcher von 100 000 M. zur Auszahlung gelangen. Stadtv. Banmgarten(A. L.) beantragt AuSschnßberatnng, stellt aber anHeim, die 30 000 M. sofort zu bewilligen. Stadtverordneter Gritsch(N. L.) schließt sich dem an. erklärt aber ferner, daß 100 000 M. für 1901 absolut nicht ausreichen würden und daß man alles versuchen müsse, um die Uebernahme schon zum 1. April 1901 zu ermöglichen. Friedrich unterschrieb alles, ivas von ihm verlangt wurde, denn er wollte König werden. Bald floß in Italien, am Rhein und so fort das Blut der Unterthanen Friedrichs in Strömen und das Land wurde gebrandschatzt, um für den im fremden Interesse geführten Krieg die Menschen und die Kosten aufzubringen. ** * „Der König der Vaudnleu." Im Jahre 1878 veröffentlichte Profeffor Lehmann a»S den preußischen Staatsarchiven einige Dokumente, die zweifellos ergeben, daß des Königs Litbliiigslvuusch besonders von zwei Jesuiten- Vätern befördert wurde— freilich minder zur höheren Ehre des Königs als zu der des eignen Beutels, des Einflusses der katholische» Kirche nnd zur Erhöhung der östreichisch. kaiserlichen und polnisch- königlichen Macht. Im Jahre 1892 suchte ein mit einem Vorwort des Centrums-Abgeordneten Dr. Lieber versehenes Büchelcheu ultramontaner Politiker gegen den Kanzler Caprivi diese Veröffentlichungen weidlich auszubeuten. Dort hieß es: Vornehmlich hätte das Bemühen zweier Jesuitenväter. des Pater Volta am polnischen Hofe in Warschau und des Pater Wolff(geb. Baron v. Ludinghausenj, dem durch einen ungliicklichen Fall, den seine Amme verschuldet und verschiviege» hatte, im Rückgrat verkürzten, übereitle» Fürsten die Königskrone verschafft. Damals hätten die Väter vom Orden Jesu dies Opfer selbst gegen des Papstes Wunsch gebracht, um die Christenheit vor den ungläubigen Arabern zu bewahren. Es sei daher eine einfache Pflicht der Dankbarkeit, die Jesuiten ins Land zu rufen, zumal nur diese mit den verflixten Socis zu Rande kommen könnten. Es hat sich damals ein lebhaftes Gezänk zwischen katholischen und protestan- tischen Schriftstellern über den Einfluß der Brüder Jesu auf die Erlangung der Königskrone erhoben. Wir haben nicht die Absicht, uns in den Streit zu mischen, ob die preußische Königskrone Jesuiten geschuldet wird. Nur auf eine Stelle in den Veröffentlichungen aus den, Staatsarchiv möchten wir heute hinweisen. Pater Volta setzt in schulgemäßer Weise in einem längeren Aufsatz dem troß heißen Ringens immer noch nur mit dem Kurhut bedeckten Friedrich auseinander. daß es verschiedene Wege gäbe, die Königskrone zu erlangen. Soweit der Titel eines preußischen Königs in Betracht käme. habe der Kaiser keine Macht, ihn zu verleihen, der Polenkönig würde diesen Titel w