Ar. 22. Kdlmmments- f«HlugtHtg«: Sbonnements- Preis pränumerando: vierteliährl. 3L0 Mr.. monatl. l.lllMl.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau«. «iruelne Numw'r 5 Pfg. SonntagS- N ummer mir»luflrieriec Sonntag«» Beilage„Die Neue Welt- 10 Pfg. Poft- Abonnement: z.zo Marl pro Quartal. Singelragen in der Post- Zeitung«. Pret«l«fte ftir 1901 unter Sr. 7671. Unter»treu, band ftir Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für da» übrige«lutland S Mark pro Monat. chrscheint Uglich auster Montag». 18. Jahrg. Die znftrtilMs-Stöaifd beträgt für die sechsgespaltene Kolon«» zetle oder deren Raum«0 Pfg., für polittlche und gewerkschaftliche BereinS- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Anzeigen" jede« Wort S Pfg. Kr. gewährt wurde. Das Gesetz schließt mit dem Versprechen, daß spätestens dem 1990 zusammentretenden Reichstage ein Vorschlag zur Revision des Gesetzes vorgelegt werden soll. Eine aus beiden Häusern des Reichstags gewählte Kommission wurde beauftragt, darüber zu beraten und dem Reichstag ein Gutachten vorznlegen. Bei der Wahl dieser Kommission hatte man sich mit Erfolg bemüht, die S o c i a l de mok raten zu übergehen. Mit' diesem Quartal schließt die gegenwärtige Sitzungsperiode des Reichstags und bis jetzt ist ihm noch keine Vorlage zugegangen. Die Angestellten der Staätsbahnen sind im„Dänischen Eisenbahn er-Verband" organisiert. Der Verband zählt ca. 5999 Mitglieder. Mit immer größerem Ernst wird die Frage diskutiert, welche außerordentlichen Schritte eventuell unternommen iverden müssen. Denn die gegenwärtig gezahlten Löhne werden als durchaus unzureichend bezeichnet. Auch unter dem höher gestellten Staatsbahnpersonal macht sich eine Ivachsende Unzufriedenheit geltend; deren Organisation, die „Eis enb a hn er- Ver eini g u n g", die 1699 Mitglieder zählt, hat sich neulich an den Verband der Angestellten gewandt, um wo- möglich ein gemeinsames Vorgehen vorzubereiten. Soetoles. Arbeiterschutz in der Schweiz. Der Bundesrat hat durch eine neue Verordnung die Bestimmungen des Fabrikgesetzes über die Haftpflicht sowie des Haftpflicht-Gesetzes auf alle jene, dem Fabrikgesetz nicht unterstellten Betriebe ausgedehnt, die erwiesener- maßen und ausschließlich bestimnite gefährliche Krankheiten erzeugen. Die Verordnung führt 34 Stoffe bezw. Verbindungen an, welche gefährliche Krankheiten erzeugen, so u. a. Blei und seine Ver- bindungen, Quecksilber und seine Verbindungen, Arsen, Kalium- und Natrium-Bichromat, Chlor, Brom, Jod, Salzsäure, schweflige Säure, Ammoniak, S-hwefelkohlenstoff, Schweselwasserstoff. Kohlenoxyd und Kohlensäure, Chlorschwefel, Tetrachlorkohlenstoff. Phosgen, Chloro- form, Nitroglyzerin, Chan, Petroleumbenzin, Benzol, Anilin, Karbol- säure, Pockenmilzbraud- und Rotzgist zc. Durch Verordnung von 1887 waren nur 11 giftige Stoffe angeführt worden, zu denen also noch 23 hinzugekommen sind._ VevjÄinnNungen. Der socialdemokratische Wahlvcrei» für den 4. Wahlkreis tSüdost) hielt am 22. Januar bei Brüder, Waldemarstraße, eine Versammlung ab, die sehr zahlreich besucht war. Reichstags-Ab- geordneter H. Sachse referierte über: Die Moral der herrschenden Gesellschaft in der Politik. Dem interessanten Vortrage folgte eine kurze Debatte, an der sich die Genossen Reuter, Metzner, Peter und Theodor beteiligten.— Auf Vorschlag des Vereins- Vorstandes beschloß die Versammlung, den Tischler Schulz, Lübbenerstr. 23, und den Schneider Otto P o p h a l. Reichenberger- straße 73, aus dem Wahlverein auszuschließen, weil sie gegen die Interessen der Partei verstoßen haben. Der Wahlberein für de» 6. Wahlkreis hatte am Dienstag eine Versammlung für das Oranienburger Viertel in dem neu- gewonnenen Lokal in der Tieckstraße einberufen. Vor Beginn der Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken der verstorbenen Genossen Will und Fiedler in üblicher Weise. Stadtverordneter Dr. Freude n berg referierte dann in lehrreicher und interessanter Weise über das Thenia:„Aus dem Roten Hause!" A r e n d s e e erwähnte in der Diskussion, daß der in diesem Bezirk unterlegene liberale Kandidat, Herr Architekt Lenz, selbst der Meinung war, daß die ihm zugedachte Vertretung in der Deputation der städtischen Gas- anstalten dem gewählten Socialdemokraten hätte zugestanden werden müssen. W a l t h e r ersucht die Parteigenossen, die„kleinen" Geschäftsleute mehr als bisher zu veranlassen, für Socialdemokraten zu stimmen. Der Vorsitzende F a h r o w ersucht die Genossen in diesem Bezirk, der als die„finstere Ecke" im 6. Wahlkreise bezeichnet werden muß, auch für Anschluß an den Wahlverein rege zu agitieren. Ueber die Lohnbewegung der Barbier- und Friseur gehilfen wurde in einer sehr gut besuchten Versammlung in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag verhandelt. Deichsel hielt ein einleitendes Referat über die Frage:„Wie verhalten sich die Gehilfen zur Preiserhöhung der Selbständigen?" Die Barbier und Friseurgehilfen haben ieit Jahren leider vergebens versucht, bessere Zustände in ihrem Gewerbe herbeizuführen. Von einigen Meistern sei ihnen aber einfach geantwortet, daß ■W. die Gehilfen vielfach besser hätten als die Selbständigen. Auch jetzt hätten die Freie Bereinigung" und die„Altdeutsche Innung" wieder ablehnend geantwortet. Da aber die Selbständigen in nächster Zeit eine Preiserhöhung von ihrer Kundschaft fordern, gedenken zunächst die organisierten Gehilfen, gleichfalls Lohn forderungcn zu stellen. Das Publikum müsse aufgeklärt werden über die geradezu jämmerlichen Verhältnisse, in denen die Berufs genossen leben. Gezwungen in nobler und sauberer Kleidung und Wäsche zu bedienen, stehen sie mit ihren Lohuverhältnissen vielfach hinter den Dieustbotcn zurück, und werden einfach auf Trinkgelder verwiesen.„Wir wollen aber keine Trinkgelder, sondern einen auskömmlichen Lohn!"(Lebhafter Beifall.) Im kommenden Früh jähr gedenken die Barbier- und Friseurgehilfen zu diesem Zweck eine Lohnbewegung zu veranlassen. Ein besonders ausgearbeiteter Tari soll alsdann den Selbständigen unterbreitet werden. Zunächst gelte es aber, die etwa 2499 Gehilfen Berlins aufzurütteln. An die mit anhaltendem Beifall aufgenommenen Ausführungen knüpfte sich eine längere und sehr rege Besprechung, in deren Verlauf die traurigen Zustände in oft drastischer Weise geschildert wurden. Ein Redner hat unter anderm festgestellt, daß von 59 Geschäften nur 19 den Neuniihr-Ladenschlutz innehalten. Es müsse demnach unbedingt gefordert werden, daß die Gehilfen nur bis spätestens 9 Uhr arbeiten; im übrigen werde mau später auch den Achtuhr-Ladenschluß fordern; für den Sonn- und Feiertag mutz auch der Zweiuhrschluß innegehalten werden. Auch das elende Schlafstcllenweseii ist zu beseitigen. Eine Resolution, worin die Versammelten ihr Einverständnis mit den erhöhten Lohnforderungen bekunden und die Berliner Arbeiterschaft ersuchen, diese Lohnbewegung zu unterstützen, gelangte einstimmig zur Annahme. Auch die Gründung eines Streikfonds wurde beschlossen. Gleichzeitig wurde die Agitationskommission ergänzt und eine Lohnkommission von sieben Mitgliedern gewählt. Mit einer Aufforderung zum Anschluß an die Organisation schloß die Versammlung. Eine Gcncraldcrsanimlnng der Glaser fand am 21. Januar in den Arminhallen statt. Mahnkopp gab den Bericht des geschästsführenden, Thielo den Bericht des kassenführenden Ver- trauensmanns. Danach haben 6 öffentliche Versammlungen statt gefunden, zu denen jedesmal 599 Flugblätter versendet wurden. Außerdem fanden 14 Vorstandssitzungen statt. Einnahmen waren 1171,51 M.. Ausgaben 1994 M.. Mehrausgaben 823,49 M.. welche vom Generalfonds gedeckt sind. Nach der Diskussion wurden die beiden Kollegen einstimmig wiedergewählt. Nachdem Herm. Schulz Bericht als Beisitzer des Jnuungs-Schiedsgerichts gegeben hat, giebt R o ch o w Aufschluß über die Wahl von den Beisitzern, unter welchen Um- täuben man wählbar ist oder wählen darf. Es wurden vorgeschlagen als Beisitzer: Hermann Schulz. Wilhelm Mertens, Gustav Thielo und Bruno Nenner, als Stellvertreter: Paul Bellach, Karl E b e r t, Stanislaus F i e g e I und Louis N i ck l a s. Eine lebhafte Diskussion entspann sich über die Frage des paritätischen Arbeitsnachweises. Es ist uns von den Unternehmern der Vorschlag gemacht worden, einen gemeinsamen Arbeitsnachweis zu gründen. Nachdem von unsrem Ar'beitsnachweis-Vertreter und vom Gesellen- ausschnß Aufklärung darüber gegeben, wie die Herren sich diesen Nachweis denken, wurde von allen Seiten betont, daß auf einer solche» Grundlage an eine Vereinigung unsres gut funktionierenden Nachweises mit dem der Unternehmer nicht zu denken sei. Der Verein der Tischler(Vertrauensmänner- Centralisation) hielt am 18. Januar bei Keller, Koppenstr. 29, seine Generalver- ammlung ab. Diedrich erstattete den Vorstandsbericht. Abgehalten wurden in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1999 19 Vorstandssitzungen, 2 kombinierte Vorstandssitzuiigeu, 3 Ver- ammlungen und 3'Vertrauensmänner-Sitzungen. Neu aufgenommen wurden in der Zeit 39 Kollegen. Der Bericht des Kassierers wies eine Einnahme von 1993,96 Mk. und eine Ausgabe von 835,96 Mk. nach, mithin einen Ueberschntz von 163,99 Mk. Zum Revisor wurde an Stelle dxs Ausgeschiedenen Weber ernannt. Den Bericht der Agitationskommission erstattete für den Osten Deutschniann und ur den Südosten H ü r t l e r. Ueber die Einigung auf dem Ge- Werbegericht am 14. und 16. Januar gab Weiß den Bericht. In der recht lebhaften Diskussion sprächen sämtliche Redner ich mißbilligend über den Handel und Schacher aus, sind aber der Ansicht, daß wir in der jetzigen Lage uns dem Zwange, die Unterschrift zu leisten, fügen muffen. Die wegen Verweigerung der Unterschrift Entlassenen erhalten vom 1. Tage an bis heute 3 M. Unterstützung pro Tag. W i n k l e r schilderte die Verhältnisse der Werkstatt Klinke, Warschauerstraße, über welche bereits die Sperre verhängt ist, und werden die betreffenden Kollegen ebenfalls mit M. unterstützt. Nachdem noch einige Vereinsangelegenheiten ihre Erledigung gesunden, folgte Schluß der Versammlung. >e hielt am 19. Januar im Geiverkschaftshause seine Generalversammlung ab. Nachdem der Kassenbericht vom 4. Quartal gegeben, wurde der Jahresbericht vom Jahre 1999 verlesen. Demselben war folgendes u entnehmen: Es fanden 18 Vorstandssitzungen und 13 Ver- ammlungen statt. Die im Frühjahr 1999 getroffenen Vereinbarungen mit den Arbeitgebern wurden bis auf vereinzelte Fälle innegehalten. Vereinnahmt wurden 7812,45 M., verausgabt 5963,52 M. Aus dem Ueberschuß von 1848,93 M. wurden 1686,79 M. an die Hauptkasse gesandt. An Mitgliedern zählte die Filiale 389. Zu der vom 25. bis 23. März 1991 in Magdeburg stattfindenden General- Versammlung wurde beschlossen, K o r b o w i c z als Delegierten Vorschlag zu bringen. Als Arbeitsnachweis- Coutroleure wurden Werkmeister, Nowak, Heising. Reutzner, Dröge. Treitz. Bertoll, Kose m und und I e ch o w ge- wählt. Des weiteren beschloß die Versammlung, den zugereisten Kollegen eine Schlafmarke im Werte von 9,55 M. zur Herberge im Gewerkschaftshaus als Extra- Unterstützung von feiten der Filiale Berlin zu gewähren. Unter Verschiedenem berichtete der Delegierte der Gewerkschaftskommission über den Streik der Glasperlen- Arbeiter, und wurde beschlossen, dieselben mit 25 M. zu unterstützen. Die Schlächter hielten am 29. Januar bei Schiller, Rosen- thalerstraße, eine Versammlung ab. K ö r st e n hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Uufall-Versiche- rungSaesetze. An der darauf folgenden Diskussion beteiligten sich Sieger! und F e i st. K e ß l i n k e berichtete über den Eiscuberger Ausstand. Alsdann nahmen Fenzel, Ziliwitz und Köhlis das Wort, und richteten au die Kollegen einen zündenden Appell zuni Anschluß an die Organisation. De» Vorstandsbericht gab Köhlis. Nach demselben wurden im vergangenen Jahre acht öffentliche, fünf Mitglieder- und zehn Vorstandsversammlnngen abgehalten. Den Kassenbericht, an den sich eine rege Debatte schloß, gab Ziegert. Es wurden gewählt: als Vorsitzender Cielewlcz._ aid Kassierer Ziegert, als Schriftführer Köhlis, als Beisitzer Kretschmer' und Kluge, als Revisoren Först, Honsel, Link, G ilka, H ensch'el und Kreisch m er. Der Verband der Barbiere beschäftigte sich in der am 17. d. M. abgehaltenen, sehr gut besuchten Versammlung mit der am 1. April d. I. eiuzuführeuden Preiserhöhung. Allgemein wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß dadurch die Nebeneiunahme(Trink- geld) vollständig fortfallen würde. Da in verschiedenen Kommissions- sitzungen die der Innung ungehörigen Arbeitgeber sich auf das heftigste gegen jede, wenn noch so kleine Lohnaufbesserung sträuben, so ist eine Lohnbewegung unausbleiblich. Die Versammelten hielten 21 M. Wochenlohn ohne Kost und Logis, und 19 M. wöchentlich bei freier Station für das mindeste.was gefordert werden müßte. Gleichzeitig soll auf Beseitigung der skandalösenZustände derSchlafstellenhingewirkt werden. China. Zum englisch-russischrn Konflikt. In dem Schreiben an den Admiral Seymour betreffend den nissischen Anspruch auf die Elliot- und Blonde-Jnseln erklärte Admiral Alexejeff die Entsendung deS englischen Kanonenboots„Plover" zur Ausrottung eines SeeräubernesteS für ungerechtfertigt und bemerkte, er hoffe, daß Seymouls Billig- keitssinn ihn die Sache im selben Lichte beurteilen lassen werde. Seymour antwortete, er sei amtlich benachrichtigt worden, daß Port Arthur und Talienwan russische Besitzungen geworden seien; doch sei es ihm nicht bekannt, daß dies auch auf die ge- nannten Inseln Bezug haben könne. Er könne sich daher Alexejeffs Ansicht nicht anschließen und nur die Sache seiner Regierung unter- breiten. Admiral Seymour ist der Ansicht, daß die' russischen An- spräche auf die Inseln, welche 99 englische Meilen von Port Arthur entfernt liegen, nicht anerkannt werden können, sonst werde fast natur- gemäß der Anspruch Rußlands auf die viel näher belegene Miaotao- Gruppe folgen. Der Besitz der letzteren würde Rußland die vollständige Beherrschung der Schiffahrt im Meerbusen von Petschili in die Hand geben. Als Gönner der Boxer denunziert der Berichterstatter der„Morning Post", T s ch n n g l i, den neuernan nten Großsekretär des Einnahme- Amts. Derselbe habe im Juni 1999 als Militärgouverueur von Peking die Zerstörung des Besitztums der Fremden und die Nieder- metzelung fremder und eingeborener Christen geduldet. Letzte Meldungen. Shanghai» 25. Januar.(Meldung der„Ageuce HavaS.") Das diplomatische Corps beschloß einstinimig, an den Prinzen Tsching und an Li- Hung- Tschang einen Brief zu richten, in welchem es heißt, die Maßnahmen der Mächte betreffend die militärischen Fragen würden von der Raschheit abhängen, mit welcher die chinesische Regierung die übrigen Verbindlichkeiten voll« ziehen werde. DaS diplomatische Corps verlangte die TodeS- strafe für vier hohe chinesische Würdenträger, darunter für Tschnang nnd Jinglien, ferner wird die nachträgliche TodeS- strafe für de» bereits verstorbenen Kangyi verlangt, schließ- sich wird auch einstimmig die Todesstrafe für Tung- fuhfiang gefordert, unter Vorbehalt eines notwendigen Aufschubs, um sich der Person deS Generals zu versichern. New Jork, 25. Januar.(W. T. B.) Der Washingtoner Kor- respondent des„New Jork Herald" sagt, er habe die Ermächtigung, zu erklären, daß Nußland kein Abkommen mit China bezüglich der Mandschurei getroffen habe. Ferner könne erklärt werden, daß daS Petersburger' Kabinett beabsichtige, nicht von der in der Cirkular- note vom 25. August vorigen JahrS eingenommenen Stellung ab- zuweichen._ Uetzke Msthvichken und Depepchen. Französische Deputiertcn-Kammer. Paris, 25. Januar. Das Haus nimmt die Beratung der Interpellation Morel betreffend die mißliche Lage der Seiden- Webereien wieder auf. Noel stellt fest, daß die schweizerische Konkurrenz einen bedeutenden Niedergang der Preise und Löhne herbeiführe. Redner verlangt Erhöhung der Ein- gangszölle. Andre Deputierte äußern sich in demselben Sinne. Das Haus nimmt dann eine vom Handelsminister Millerand gebilligte Tagesordnung an, in welcher die Regierung aufgefordert ivird, bei der Erneuerung der Verträge mit den mitteleuropäischen Staaten die nöthigen Maßregeln zu ergreifen, um den reinen Seiden- geweben Zollgarantien zu sichern, die den auf andre Artikel zur Anwendung kommenden entsprechen.. Vom Boercnkricg. London, 25. Jamiar.(W. T. 23.) Eine Depesche Lord Kitcheners aus Pretoria von gestern meldet: General Cunningham ist auf dem Marsche von Olifantsnek nach Süden und machte während deS Marsches 17 Gefangene. Heute wurde Cunningham bei Middel- ontein in ein Gefecht verwickelt. Charles Knox griff HaasebrockS Laager au, nahm den Feldkornet und 4 Mann gefangen und er- beutete 29 Pferde. Methuens Kolonne ist, nachdem sie die Boeren aus Griqualand und Kuruman vertrieben hat, heute nach dem Westen der Kapkolonie zurückgekehrt. Unsre Truppen rücken durch Clanwilliam nach Norden vor, während das Kommando der Midland-Linie sich westlich von Uniondale befindet und von Oberst Haigs Truppen charf verfolgt wird. Im Osten ist alles ruhig. Die Boeren richten in der Kolonie nur wenig Schaden an und werden bei den Einwohnern, die sich ihnen nicht anschließen, täglich unpopulärer. London, 25. Januar.(B. H.) Aus Pretoria wird gemeldet. daß bereits einige Zusammenstöße in der Gegend zwischen Pretoria und Laurenco Marques stattgefunden haben. Bisher sind hier noch keine Nachrichten über das Gefecht bei Balmoral eingetroffen. Die Zahl der Boeren. die zwischen Pretoria und Belfast konzentriert sind, beläuft sich auf 19 999 Mann. Man glaubt, daß die Unthätigkeit der englischen Truppen durch die zahlreichen Krankheitsfälle, die im englischen Heere vorgekommen sind, verursacht ist. London, 25. Jan.(B. H.) Aus Kapstadt wir berichtet: Die Boeren befinden sich in zwei Kolonnen in der Umgegend von Clahnwilliam. Man bemerkt die Absicht der Boerenkommandos, die 'ich in dieser Gegend befinden, bis an die Küste vorzudringen und chließt daraus, daß sie Flibustier-Expeditionen aus Europa erivarten, die ihnen Waffen und Munition zuführen sollen. Infolgedessen haben die englischen Kanonenboote und Kreuzer Befehl erhalten, die westafrikanische Küste streng zu bewachen, und das Landen jedes verdächtigen Fahrzeugs zu verhindern.— Ferner wird aus Kapstadt gemeldet, daß Boerengefangene, die sich in der Nähe der Küste auf einem abgeschlossenen Lager befinden, nach Ein- treffen der Meldung vom Tode der Königin Victoria beschlossen haben, ihre täglichen Spiele auf einige Zeit zum Zeichen der Trauer einzustellen. Diese Haltung der Boeren hat in hiesigen englischen Kreisen einen guten Eindruck gemacht. Frankfurt a. M.» 25. Januar.(W. T. B.) Freiherr Wilhelm Karl von Rothschild. Chef des Bankhauses M. A. v. Rothschild u. Söhne, ist heute niittag, 73 Jahr alt, ge- starben.(Wilhelm Karl v. Rothschild war seit 1886 Chef des HaujeS Rothschild.) Odcnse, 25. Januar.