Nr. 27. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illuftrierter Sonntagss Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in der Poft BeitungsPreisliste für 1901 unter Mr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. scheint glich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions- Gebaye beträgt für die fechsgespaltene kolonete geile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für bie nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Erpcditton ift an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Zelegramm Abreffer Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Agrarische Rechenkünfte. 21 Freitag, den 1. Februar 1901. " Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. in Davon 22 Broz. macht etwas über 21/8 Millionen Thiele und dem Freikonservativen Dr. Arendt über Erwerbsthätige, nicht 14 Millionen, wie die Agrar- den Fall des Steigers Rothe. Zwischendurch gab es Korrespondenz" fälschlich behauptet. Und da diesen 10,6 Millionen eine lange Oberlehrer Debatte über die deutsche RechtEs ist geradezu erstaunlich, mit welcher Unverfrorenheit die 8 292 692 in der Land- und Forstwirtschaft Thätige gegenüberstehen, schreibung, eine Schilderung der Schulzustände agrarische Presse im Vertrauen auf den Tiefstand volkswirtschaftlicher so ergiebt sich, daß nicht der neunzehnte, sondern der Mecklenburg, die ebenso idyllisch sind, wie die übrigen ZuKenntnisse in ihrem Anhang sich die absonderlichsten Rechenkünfte achte Teil der Bevölkerung in seiner Eristenz vom Export stände im Land der Obotriten. Herr Dr. Oertel trug Klagen leistet. So begründet z. B. die Klappersche, Deutsche Agrar- abhängt. über die mangelhafte Reinlichkeit in den Dampfern der Osttorrespondenz", ein Organ, aus dem mit Vorliebe die Kleinen Welche, Korrekturen" der Statistik sich der Artikelschreiber afrikalinie vor und Herr v. Wangenheim scheiterte in tonservativen Kreis- und Lokalblätter ihre nationalökonomische erlaubt hat, um das gewünschte Ergebnis zu erhalten, läßt sich dem Versuch, die Agrardebatte und die Polemit gegen Herrn Weisheit beziehen und dem zumeist auch die Deutsche nicht genau ersehen; nur zwei find deutlich zu erkennen. Erstens v. Siemens fortzusetzen, an dem Widerspruch des Präsidenten. Tageszeitung" in Ermangelung eigner Fähigkeiten ihre famosen hat er alle Beamten, Staats- wie Gemeindebeamten, ferner Genosse Thiele hatte nicht nur die Zustände im Mansfelder wissenschaftlichen" Beweise entlehnt, sogar die Notwendigkeit einer alle Angehörigen der sogenannten liberalen Be- Bergbau zu besprechen, er kritisierte auch eingehend die Erhöhung der Getreidezölle mit Deutschlands paffiver Handelsrufe, Gelehrte, Aerzte, Rechtsanwälte, Schriftsteller ze. den Per- Mängel der statistischen Tabelle, die den Fabrikinspektorenbilanz", d. h. dem Ueberwiegen der Einfuhr über die Ausfuhr. sonen zugezählt, die an Industrie und Handel kein Interesse haben. berichten beigelegt ist. Es fehlen dort unter andrem auch In ihrer Ablehnung aller volkswirtschaftlichen Lehren, die ihre Ob diese Eriverbsthätigen in Fabrik- oder Hafenstädten angestellt Angaben über den Prozentsatz der revidierten Betriebe. Hier Rückständigkeit nicht mindestens durch eine zweihundertjährige Ab- oder dort ihre Kundschaft haben alles egal, der Rechenkünstler der sagte der Staatssekretär, der sich sonst nur mit furzen Belagerung erwiesen haben, ist die" Agrar- Korrespondenz" noch immer Agrar- Korrespondenz" rechnet sie einfach zur agrarisch- interessierten merkungen an der Debatte zu beteiligen hatte, Abhilfe zu. nicht über den alten Glaubensfaz der frühmerkantistischen Anschauung Masse. Freitag wird die Diskussion fortgesetzt. hinausgelangt, daß eine sogen. passive Handelsbilanz notwendig Doch das genügt ihm noch nicht, auch alle Dienst zum Ruin eines Lands führen nuuß. Die feitdem erfolgten boten nimmt er für die Agrarier in Anspruch, theoretischen Widerlegungen existieren für sie ebenso wenig wie die obgleich nach der. Statistik von 1895 die Erwerbsthätigen der LandThatsache, daß England feit über einem halben Jahrhundert eine wirtschaft nur 374 697 Dienstboten für häusliche Dienste hielten, da fast von Jahr zu Jahr steigende passive Handelsbilanz aufweist und gegen die Erwerbsthätigen der Industrie und des Handels 604 111. sich unter diesem, angeblich allen Wohlstand vernichtenden System be- Solche Witze und Korrekturen" gehören nun einmal zur tanntlich zum reichsten Land der Welt entwickelt hat. Auch Deutsch- Agrarier- Arithmetik. land, Frankreich, Belgien, Holland, die Schweiz haben seit langen Jahren eine sog. Unterbilanz und zählen doch zu den reichsten Ländern, während Rußland und Oestreich, die eine attive Bilanz haben, bekanntlich nichts weniger als wirtschaftlich prosperieren, befonders nicht Rußland, das nach den agrarischen Doktrinen das wirtschaftlich am günstigsten fituierte Land Europas sein müßte, thatfächlich aber alle paar Jahre von verheerenden Hungersnöten heimgesucht wird. Indes mit dieser lächerlichen Behauptung, die längst durch die wirtschaftliche Entwickelung abgethan ist, giebt sich die AgrarKorrespondenz" nicht zufrieden; ihre Ausflüge auf das Gebiet der volkswirtschaftlichen Theorien haben noch ein andres E.gebnis gezeitigt. Sie fährt fort: Nebenbei bemerkt: selbst wenn diese Rechenfehler und statistischen Verdrehungen nicht vorlägen, wäre die Berechnung eine absurde. Denn auf diese Weise das Juteresse der Nation am Export und überhaupt am Außenhandel feststellen zu wollen, das kann nur jemand versuchen, dessen Einsicht in das wirtschaftliche Getriebe der eines hinterpommerschen Schäfers oder, was in diesem Fall so ziemlich dasselbe ist, eines Redacteurs der Deutschen Tageszeitung" entspricht. Die Regierung gegen die Verfaffung. zunächst den Rest des Etats der landwirtschaftlichen VerDas preußische Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag waltung genehmigt. Von Interesse war es, wie die Junker im zunächst den Rest des Etats der landwirtschaftlichen VerBerein mit der Regierung sich für die Erhöhung des Dispositionsfonds zu Prämien für Pferderennen ins Zeug legten. Die Forderung, die nur einen Ersatz für den Ausfall der Rennbahnen infolge der Erhöhung des Totalisatorenstempels ist, beantragte Dr. Wiemer( frf. Bp.) zu streichen, aber vergebens. Die Position wurde gegen die Stimmen der Freisinnigen bewilligt. Ausgesetzt wurde die Beratung der Anträge der Budgetkommission, betr. die staatliche Aufsicht über die Hypothekenbanten, damit die Parteien und die Regierung zu einem in letter Stunde eingegangenen konservativen Antrag, der eine noch schärfere Nicht besser steht es um den Gehalt der Bemerkung: Daß durch eine auch nur mäßige Steigerung der Kauftraft des Inlands- Aufsicht wünscht, vorher Stellung nehmen können. In der Beratung des Justiz etats, die sodann begonnen marktes auch das Jutereffe dieses Bruchteils am Export wesentlich wurde, forderte Abg. Noelle( nt.) einen Gefeßentwurfs, der eine rerringert würde, liegt auf der Hand." Wie es scheint, soll dieses Serabsetzung der Gerichtstoften bezweckt Einer Antwort würdigte Geschwätz von der Steigerung der Kauffraft zum Schlagivort werden, ihn der Justisminister nicht. Dagegen verbreitete sich Herr SchönAm Exporte sind fast gar nicht, wohl aber überwiegend durch das man den Arbeiter und vor allem den Kleingewerbe- it e dt sehr eingehend über die Grundfäße, nach denen in seinem am inländischen Martte interessiert die 2andwirte, treibenden für die agrarischen Zollforderungen einzufangen hofft. Reffort die Ernennung zu Notaren erfolgt. Der Abg. Peltasohn Handwerker und Kleingewerbetreibenden. Der Auch die Berliner Politischen Nachrichten" führen in( fr. g.) hatte sich darüber beschwert, daß die jüdischen RechtsGesamtwert der deutschen industriellen Produktion beträgt ihrer Nummer vom 29. ds., im Anschluß an die Handelsbewegung anwalte viel später zu Notaren ernannt werden als die christlichen. 834 Milliarden Mark, wovon noch nicht 2 Milliarden, im letzten Jahre aus: Minister Schönstedt gab das unumivunden zu, verteidigte aber also etwa 22 Proz. auf die Exportindustrie entfallen. Es haben fonach 78 Proz. der Industrie und des Handels ein überwiegendes Interesse am inländischen Markte und nur 22 Broz. ein überwiegendes Interesse an der Ausfuhr. Von den über 22 Millionen überhaupt Erwerbsthätigen haben sonach nur rund 11/4 Millionen, also der 19. Teil der Bevölkerung ein überwiegendes Interesse am Erport. Daß durch eine auch nur mäßige Steigerung der Kaufkraft des Inlandsmarkts auch das Interesse dieses Bruchteils am Erport wesentlich verringert würde, liegt auf der Hand. Aus dem Gesagten folgt, daß der Inlandsmartt fast zwanzigmal bedeut samer ist, als die Exportindustrie." D Von einem So liefert die jüngste Vergangenheit einen nenen schlagenden sein Vorgehen mit dem Hinweis darauf, daß die Zahl der jüdischen Beweis dafür, daß für das Gedeihen der deutschen Industrie und Rechtsanwalte eine verhältnismäßig zu große sei, und daß man demzufolge für Arbeitsgelegenheit und Arbeits- doch der christlichen Bevölkerung nicht zumuten könne, sich verdienst der deutschen Arbeiter vor allem die bei einem jüdischen Notar Nats zu holen. Ganz so, Kauftraft des Inlands entscheidend ist und daß nur etwas schwungvoller hätte Graf Bückler auch sprechen demzufolge auch für die Arbeiter am besten durch eine Wirtschafts- tönnen. Erst verschließt man den jüdischen Juristen die Richterpolitit gesorgt wird, welche durch den gleichmäßigen Schutz aller laufbahn und zwingt sie, sich als Anwalte niederzulassen, und dann Zweige der nationalen Arbeit auf die Erhaltung und hindert man sie noch in ihrem weiteren Fortkommen. Ob auch andre Stärkung der kauftraft des Inlands hinwirkt." Gründe, z. B. die politische Gesinmung, bei der Ernennung der Was hat denn die nationale Steigerung oder Stärkung Rotare mitspielen, darüber äußerte sich der Minister nicht. Das Verder Kauftraft mit den Getreidezöllen zu thun? Vermögen denn diese halten des Herrn Schönstedt nimmt uns nicht Wunder. Zölle neue Güter, neue Werte zu schaffen? Sie erhöhen nur die manne, der den Assessoren- Baragraphen eingebracht und den GrundZunächst beruht die Angabe, die deutsche industrielle Produktion Getreidepreise, aber was der Arbeiter, der Handwerker, der Be- faz aufgestellt hat:„ Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe". hätte einen Jahreswert von 834 Milliarden Mark, lediglich amte usw. für Mehl und Brot mehr ausgiebt, das muß er not- tann man nichts andres erwarten. Auf den vom Abg. Barth( fri. auf Schäzung. Der Versuch einer Produktionsstatistik ist so wendig an andren Ausgaben abknapsen. Hat der Arbeiter bisher g.) gegen ihn in scharfer Form erhobenen Vorwurf, daß sein Vorunvollständig geblieben, und seine Teilergebnisse sind so jährlich 1000 Mark verdient und bisher 160 Mark für Mehl und gehen mit der Verfassung, welche die Gleichheit aller oberflächlich, daß die Angaben nicht den geringsten An- Brot ausgegeben, so muß er, sobald er für dieje Nahrungs- Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession. spruch auf wissenschaftlichen Wert haben. Aber selbst angenommen, mittel 200 Mart aufwenden muß, feine Ausgaben für andre garantiert, in Widerspruch stehe, antwortete der Minister nicht. das obige Zahlenverhältnis wäre richtig, so folgt daraus doch nur, Gegenstände, für Kleidung, Wäsche, Fleisch, Bier usw. um 40 M. ein- Die weitere Beratung wurde vertagt. daß wenn der Export von Industriewaren verhindert würde, also schränken. Es hat also keine Steigerung, sondern nur eine VerIn der nächsten Sigung, die erst Montag stattfindet, kommt die Konsumtionsfähigkeit der in der Industrie und im Handel thätigen schiebung in der Kauftraft stattgefunden. Der Großbefizer, der nun die Stan alvorlage zur ersten Lesung; wenigstens steht sie als Personen um 22 Broz. eingeschränkt würde, dies notwendigerweise statt 20 000 vielleicht 25 000 M. Gewinn hat, kann allerdings mehr einziger Punkt auf der Tagesordnung. eine allgemeine Unterkonsumtion, auch in Bezug auf landwirt- ausgeben; er ist demnach taufträftiger" geworden; dafür schaftliche Produkte, zur Folge haben müßte. Außerdem aber muß der Arbeiter und der fleine Mann sich entsprechend einaber tommt aut den 22 Prozent noch hinzu, vas an schränken, verliert also an„ Kaufkraft". Handelsgewinn, Frachten 2c. beim Verkauf und beim Transport Uebrigens geben beide Organe mit ihrem Gerede von der der Exportwaren nach dem Ausland verdient" wird. Wie selbst Steigerung der Kaufkraft zu, daß die Zölle die Getreidepreise erden Gelehrten der„ Agrar- Korrespondenz" nicht ganz unbekannt ge- höben; oder wie denken fie fich im andern Fall das Steigen der blieben sein dürfte, haben die Exporteure die Angewohnheit, die Kaufkraft? = Höhe 事 Deutsches Reich. Der entgleifte Herbert. Gesamtumfang eine Entgleifung aus den Bahnen des Wissens und Fürst Herbert Bismards politisches Thun bedeutet in seinem Dentens, aber ein Fall besonderer diplomatischer Größe des Sohnes Waren teurer an das Ausland zu verkaufen, als sie dieselben im Sonst aber behaupten die Herren in ihrer Spekulation auf die seines Vaters verdient dennoch besonders festgehalten zu werden. Inland einkaufen. Und auch z. B. die Reeder, die Waren nach dem Unkenntnis der Masse immer, das Ausland trage den Zoll und die Fürst Herbert hat sich bei den Debatten zum Reichsamt des Ausland befördern, pflegen dafür Frachten zu berechnen, die das Breise stiegen nicht: eine Behauptung, die sie freilich nicht davon Innern als ein eifriger Verfechter des vermehrten Brotwuchers aufAusland in den Breisen, mit welchen in ihm die betreffenden Waren abhält, das nächste Mal wieder zu erklären, die Getreide gespielt und im Eifer des Gefechts ist ihm das Unglück geschehen, in den Handel kommen, mitbezahlen muß. Zudem zieht jeder preise seien zu niedrig und Zudem zieht jeder preise seien zu niedrig und müßten durch den Zoll auf auch eine Behauptung aufzustellen, die seiner wirklichen Ueberzeugung Export auch einen Import nach sich und bei diesem find eine den Produktions Stosten angemessene gebracht entspricht. Er hat, um das Treiben der Agrarier zu beschönigen, wieder die verschiedensten Erwerbstreise intereffiert. werden. Sonderbare Logik! Also der Zoll erhöht den Getreidepreis die Brotverteuerung auf die Bäcker abgeschoben. Im ParlamentsFür jeden nicht durch die agrarische Logit verwirrten normalen nicht, folglich muß, damit der Preis eine den Produktionskosten besser bericht der Deutschen Tageszeitung" war zu lesen: Ebenso steht es mit dem prachtvollen Wort: Brotwucher der Menschen sind das Selbstverständlichkeiten; nicht aber für ein echt entsprechende Höhe erreicht und der oftelbische Junker eine größere Großgrundbefizer. Wo bleiben denn bei diesem Brot agrarisches Gemüt. So berechnet denn auch die Agrar- Korrespondenz" Rauftraft" erlangt, der Zoll erhöht werden! wucher Vorwurf die Bäder?" nicht, was wenigstens noch halbwegs vernünftig wäre, den Betrag des Um diesen Widersinn vereinigen zu können, muß man wirklich Außenhandels in seinem Verhältnis zum Gesamtwaren Umfaß des auf der Stufe Dertel- Zedligscher Intelligenz angelangt sein. Inlandsmarkts, sondern sie stellt infolge einer Konfusionsrechnung, die allen Regeln Adam Rieses widerspricht, einfach die Behauptung auf, am Export hätte nur der neunzehnte Teil der Bevölkerung ein Juteresse. = Politische Uebersicht. Berlin, den 31. Januar. Der Reichstag Wie kommt die„ Agrar- Korrespondenz" zu diesem albernen Resultat? Das erfahren wir leider nicht; ein letzter Rest von Furcht vor Lächerlichkeit hat sie dem Anschein nach bestimmt, ihr steht jetzt bei der Beratung der einzelnen Kapitel und Titel, Erempel für sich zu behalten. Mit den Angaben der Statiftit die den Juhalt des Etats des Reichsamts des Innern ausstimmt es jedenfalls nicht; denn nach der Aufnahme von 1895 machen. War die allgemeine Debatte, oie beim Posten finden wir: in der Industrie 8 281 220 Griverbsthätige 2 338 511 im Handel und Verkehr Busammen 10 619 731 Erwerbsthätige Gehalt des Staatssekretärs" geführt wurde, schon sehr mannigfaltig, so wird jezt das Bild noch bunter. Die Debatte begann heute mit der Lage der Heringsfischerei und mündete in einer Auseinandersetzung zwischen Genossen i Diese Abwälzung der Wucherschuld von den Junkern auf die Bäcker hat nun offenbar alsbald in den agrarischen Kreisen die Befürchtung laut werden lassen, daß die Bäcker, die fich vielfach noch als konservative Schleppenträger mißbrauchen lassen, in helle Entrüstung geraten möchten. Flugs versucht die Deutsche Tageszeitung" vorzubeugen, sie erklärt, die betreffende Stelle sei in ihrem Parlamentsbericht nicht ganz forrekt wiedergegeben worden, so daß sie mißverstanden werden könnte", und giebt folgende köst liche Ausdeutung der Bismarckschen Worte: „ Er( Fürst Bismarc) hat gemeint, daß es auch sprachlich und sachlich nicht richtig sei, den Agrariern und Landwirten Brotwucher vorwerfen wolle, da sie an der Bestimmung des Brotpreises nicht zunächst beteiligt seien. Man könnte höchstens, wenn man ihnen einen ungerechtfertigten Vorwurf machen wollte, von Korn wucher sprechen. Daraus ist dem Fürsten Bismard vom Abgeordneten Fischbeck der Vorwurf gemacht worden, daß er die Bäder des Brotwuchers beden doch wenn man schreiendes Unrecht in Bäckerbezichtigung deS «inen Sprachscherz ver- schuldigt habe. ES ist aber, wie wir eigentlich nicht besonders hervorzuheben brauchten, dem Fürsten Bismarck nie und nimmer eingefallen, gegen das Bäckergewerbe einen derartigen Vorwurf zu erheben. Fürst Bismarck steht, wie wir positiv wissen, in den Fragen des Bäckergewerbes ganz auf unsrem Standpunkt« Er ist beispielsweise ebenso wie wir ein unbedingter und ent- schiedener Gegner der Bäckereiverordnung. Da auch unser parla mentarischer Bericht zu irrtümlichen Schlüssen Anlast geben konnte, glaubten wir, diese Richtigstellung bewirken zu sollen." Fürst Bismarck in seiner Verlegenheit hat sich an Herrn Oertel gewendet und der helle Sachse erklärte ihm lächelnd: Lieber Fürst, nichts leichter als das, auf so was verstehen wir uns I Herr Oertel, dessen politische Thätigkeit darin besteht, höchstes Recht umzuzaubern, entsühnt die fürstlichen Parteifreundes, indem er sie in wandelt. LeidernützendiegeschicktenKünsteOertelS demFürstenHerbert nichts, Leider spricht das Stenogramm der Herbertschen Rede eine allzu unzweideutige und vor leder Fälschung gesicherte Sprache. Das Stenogramm sagt: .Das wenig geschmackvolle Wort„Brotwucher", das hier aus gesprochen worden ist, paht nicht auf die Landwirte,— die Groß grundbesitzer sind doch keine Bäcker!— Es ist ein falscher sprachlicher Ausdruck, und er trifft um so weniger zu, wenn es sich darum handelt, Millionen von Existenzen zu erhalten ES giebt nur eine Möglichkeit, den Für-sten Bismarck aus der selbstgestellten Falle zu befreien. Wenn er die Bäcker nicht als die Schuldigen des BrotwucherS bezeickinen. sondern nur einen sprachlich falschen Ausdruck verbessern wollte, so hat er zugegeben, datz d i e Junker zwar nicht Brotwucherer, aber �orn Wucherer sind Koruwuchernde Junker oder brotwuchernde Bäcker— da» ist die Wahl. Armer Herbertl_ Zur Naturgeschichte der Offiziösen. Die amtliche»Berliner Korrespondenz" hat sich am Montag eine kleine Polemik— gegen den Kaiser gestattet, indem sie sich über daS von Wilhelm II. seiner Zeit gebrauchte Wort Brotwucher wandte. Davon abgesehen, ist eS nicht uninteressant zu sehen, mit welcher Behendigkeit sich die Offiziösen in die neue Rolle gefunden haben, für den Brotwucher zu fechten und auf Freihändler und Eocialdcmokraten zu schimpfen, dieselben Offiziösen, die vor»in paar Jahren, als es sich um den russischen Handelsvertrag und den Antrag Kanitz handelte, mit demselben Eifer gegen die Agrarier wetterten. Die folgende Gegenübell stellmig mag von der Wandlungsfähigkeit eine Probe geben: „Nordd. Allgrm. Zeitung" 1834 „Nur auS dem Nachweis, wie geläufig, ja alltäglich die leicht herzige Behandlung der W a h r h e i t in Blättern ist, denen ein groster Teil der k o n s e r- vativen Partei blindes Ver trauen entgegenbringt...... Heute ist es eine alltägliche Er- scheinuug, dast der Kampf gegen die Regierung von dieser Seite mit plumpen Legenden geführt wird. dost die»Kreuz-Zeitung und die»Konservative Korrespondenz" uin die Wette die Socialdemokrotie als »Kerntruppe de« neuen Kurses oder als„Stütze" der Regierung bezeichnen... »Es brennt... in den Hinter Häusern der konservativen Partei. In den Partci-Organen ist wohl gelegentlich eine in de» allgemeinen Wendungen gehaltene Bcnvahrung oder eine schüchterne Ermahnung zur Mäßigung und Vorsicht er- schienen. Aber auf der andren Seite hat sich gerade das Haupt organ in den düsterste» Stimmungö bildern und heftigsten Anfeindungen der Regicmugs- Politik hervor gethan." Nachdem die„ K r e u z- Z t g.' kürzlich dem Reichskanzler vor- geivorfen hat, seine Thätigkeit sei nützlich für Rußland, kau» es nicht mehr Wunder nehmen, wenn sie jetzt die Beschuldigung erhebt, die Reichsregierung habe den(deutsch- russischen) Verlrag in einer Arl Zwangslage abgeschlossen.... Derartige auf Stimmungen und „Eindrücke" aufgebaute Pau- schalverdächtigungen... find immer nurdaSAuSkunftS« mittel einer rabulistischen Agitation gewesen... Andrer- seitS hat«ne Fronde, wie sie die»Kreuz-Ztg." betreibt, keinen patriotischen Wert zu beanspruchen." „Es kam bei dem Massenaufgebote (zur Versammlung des Bunds der Landwirte) offenbar nicht darauf an, eine bedeutende öffentliche An- gelegenheit sachlich zu erörtern, sondern Stimmung zu machen und mit der Kraft der Worte die Logik und die Kenntnis der Dinge zu ersetzen." „Berliner Korrespondenz" April 1895. (Gegen einen Artikel der»Deuffch. Tageszeitung"—»Bange Sorgen, blasse Not" überschrieben:) »Wenn die»Deuffche Tages- zeitung" trotzdem den Beweis, datz die Landwirtschaft vor dem Ruin stehe, bereits als erbracht anficht und daraufhin mit der Behaupiuug hervortritt, dast die berufenen und verautioortlichcn Ratgeber der Krone selbst nicht genügend unter« richtet seien, so kennzeichnet sich dieses Vorgehen als vieselbe Art der Agitation, die bereits früher abgewiesen werden mutzte." »Berliner Korrespondenz� 23. Januar 1901. „Die bereits seitWochen.nament- lich von freisinniger Seite, eim geleitete Agitation gegen die Getreidezölle wird, nachdem die Stärke der Gegenseite offenbar geworden ist, voraussichtlich mit verdoppeltem Eifer in Gang ge bracht werden. Die Hauptftnck« aus dem Arsenal der Gegner der Agrarzölle find namentlich auS den Volksversammlungen, in denen Freifinnig«, Nationalsociale und Soctaldemokraten zum Kampf auf riefen, sowie aus einer ganzen Serie theorettsterender Flugblätter und Vorträge hinlänglich bekannt. In allen diesen rednerischen und publizistischen Auslassungen wird mit besonderer Vorliebe gegen den »Brotwucher" geeifert. Unter dieser Parole sind die d e m o k r a- tis che»Heer scharen aller Schattierungen, zumeist unterstützt von einzelnen wirt- schaftspolitischen Doktrinären, seit mehr als zwei Dezennien bei jeder Debatte über das vom ersten Reichskanzler inaugurierte wirtschaflspolitiscke Programm inS Feld gezogen. Den gegenwärtig aufs neue sich erhebenden Klagen über„Brotwucher" wird man wie früher so auch jetzt eine wesentliche Bedeutung nicht beimessen dürfen. Die Urheber der freisinnig- socialdernokratischen Agitation gegen die Getreidezölle, ivie sie in Versammlungen und in der Presse betrieben wird, sind sich der Schwäche ihrer Position sehr wohl bewußt. Als bemerkenswert in dieser Richtung must es bt zeichnet werden, dast von ihnen die materielle Frage, inwieiveit die Lebensinteressen de» Baterlands eine Stützung der gedrückten Landwirt- s ch a f t gebieten, vielfach in den Hintergrund geschoben und statt dessen mit Schlagworten, lvie »gegen Junker und Klerisei' ge- arbeitet wird. Auf diesem Wege werden ihnen nur die von blindem parteipoliti- schen Fanatismus erfüllten Kreise der Linken zu folgen ge» sonnen sein. Die Regierungen aber, auf deren Einschüchterung die Anklagen wegen angeblicher einseitiger Begünstigung einer kleinen Minderheit der deutschen Produktionsstände abzielen, werden sich durch diesen Lärm gewiß nicht von ihrem wohlertvogenen Stand- Punkt abdrängen lassen. Mögen bürgerlich- demokratische Blätter von einer»Drohnen- und An»- beutungs-Politik" und von einer „Kapitulation vor dem Junker- tum" reden, mag der„Vorwärts" die lächerliche Anschuldigung ver- breiten, dast die Regierung in „willenloser Leibeigenschaft"' den Junkern dienstbar sei—«inen Erfolg werden solche Deklamationen nicht zeitigen. Eine„Kapitulation" mit verhängnisvollen Folgen wäre es in Wirklichkeit, wenn die Re- gierung unterH inta ns etzung der nationalen Wohl- fahrtundimWiderspruch mit den Parteien der Rechten und des Centrums vor dem A n st u r m der demokratischen Minderheit die Segel streichen oder gar die gesamte Demokratie zur Bekämpfung der rechtsstehenden Parteien aufrufen wollte. Gestern gegen die Agrardemagogen, heute gegen die Demokraten für die Agrardemagogen-- so ein OsfiziosuS macht alle»!— Agrarischer TerroriSmuS. Wie der„Bund der Landwirte' Mitglieder wirbt, darüber wird der»Preust. Lehrer-Ztg." aus West- preusten geschrieben: Zur Zeit wird unsre Provinz von Wanderrednern de« Bundes der Landwirte heimgesucht, um Mitglieder zu werben. Der Erfolg ist augenscheinlich.— Zunächst wird den Bauern lang und breit gemacht. waS der Bund was er erreichen will: klar hat. pro Doppelcentner. werden, wenn Herr v.„. bi» einer Million Mitgliedern dem Freisinn, den Juden und Socialdemokraten Mitgliederwerben «ntge an! nicht ist. was er ist, was er erreicht »Schutzzoll auf Getreide von 7.50 M. Dieses Ziel könne und müsse erreicht Wangenheim im Namen von einer halben den das be- enzutreten vermöge. uerst werden die Dann geht andwerker arbeitet. Ist der Mann nicht willig, dann heißt e«:»D«, w i kaufen nicht« mehr von Dir, wennzc." Was hilft'S. er mutz. Beim Bauer hälss« schon schwerer. Wenn die Ver- sprechungen billigen Bezugs von Futter- und Düngemitteln nicht ziehen, dann wird die Schweineversicheruug gegen Trichinen an- geführt. Zaudert er noch, dann klingt's ihin wie die Stimme des jüngsten Tag« in die Ohren:»Wir gehen einer schweren Zeit entgegen, wir müssen verbluten, wir werden alle bankrott — darum tretet wenigstens so lange bei, bis die Handels Verträge ferfig sind!" Schließlich wird aber ewfach der Name solch eines Schwankenden, der dem„Herrn" gegenüber eS nicht wagt. „Nein" zu sagen, in die Liste niedergeschrieben. Auf diese Weise wird hier gearbeitet! Und die Frucht? Nun 15—17 neue Mitglieder wurden so in einem einzigen Dörflein.geworben". So kommen denn freilich stattliche Mitgliederzahlen zu sammen!— Der deutsche Außenhandel IVVV. Wir haben schon darau hingewiesen, daß im Jahre 1900 die Einfuhr agrarischer Produkte abgenommen, dagegen die Ausfuhr stark zugenommen hat. Jetzt liegen die genauen Zahlen vor. Danach wurde an Getreide und andern Erzeugnissen des LandbauS eingeführt 853,4 Millionen Mark. gegen daS Jahr 1899 weniger 6.9 Millionen Mark. Dagegen ist die Ausfuhr von 122,3 auf 137,7 Millionen Mark, d. h. um 15,5 Millionen Mark gestiegen. Bedenkt man. datz die Bevölkerung Deutschlands von 1899 auf 1900 um etwa 800 000 zugenommen hat. so erkennt man. daß die Landwirtschaft im Jahre 1900— bei verminderter Ein fuhr und gesteigerter Ausfuhr— eine außerordentlich vermehrte Produktion gehabt haben mutz. Was die einzelnen Getreide-Arten anlangt, so hat die Ein fuhr zugenommen bei Roggen 100.2 Millionen(1899 64,9 Millionen) und Hafer 48,4 Millionen(23.5 Millionen), ab genommen bei Weizen 172,8 Millionen(180,4 Millionen) und Gerste 92.3 Millionen(127.9 Millionen). Die Ausfuhr ist gesunken bei Roggen 8.6 Millionen(14,5 Millionen), dagegen gestiegen bei Weizen'39,3 Millionen(25,3 Millionen), Hafer 12,4 Millionen (8,1 Millionen), Gerste 4,5 Millionen(2,1 Millionen).— Furcht cineS BankdirektorS vor dem„deuiokratischrn Staat". Aus der Aktionär- Versammlung der Hypothekenbank ist eine kennzeichnende Episode nachzutragen. Als die gekündigten Beamten sich beklagten, regte Herr Dr. Bern stein an. daß die neue Bankleitung ein Regulativ für die Anstellung und Entlassung der Bankbeamten entwerfe, damit die General' Versammlung in dergleichen Fragen mitzureden habe und einen Beamten, der etwa über Ungchörigkeiten Mitteilung mache, schützen könne. Darauf erhob sich der Direktor der Gtralauer GcnossenschaflSbonk, Herr Werner, und wies diese Anregung weit weg.„Nur ja nicht, daß«in Beamter an die Generalversammlung gehen kann, dann kommen wir zum demokratischen S t a a t I" so rief der Herr mit höchstem Entsetzen;„bedenken Sie, datz der grötzte Teil dieses Unglücks durch einen schwatzhaften Beamten über Sie gekommen ist! Wenn ein Beamter etwas Ungehöriges bemerkt, mag er kündige» und sich— anderswo eine Stellung suchen." Diese Rede ist zu sehr kennzeichnend, als dast wir sie nicht der Vergessenheit entieißen sollten. Wenn die„Indiskretion" eines Beanitcn rechtzeitig das Einschreiten der Behörde gegen die Bank zur Folge gehabt und diese Behörde nicht gewartet hätte, bis der Hypothekenbank von selber die Puste ausging, so wäre viel Unheil verhütet worden. Herr Werner aber verlangt. dast die Beamten der Finanz auch über gemeingefährlichen Schwindel ' ch w e i g e n; nicht einmal an die Generalversammlung sollen ic gehen, das führt zun«„demokratischen Staat". Danach wäre der demokratische Staat als die Entlarvung und Kontrolle der heimlichen Spitzbüberei z» definieren. Ganz unsre M e i» u n g l Nur dast wir diese Einrichtung wünschen und betreiben, während Herr Werner e S mit der Heimlichkeit hält.— Deutsche Beute. Dem„Ostasiatischen Lloyd' wird aus Peking berichtet:„Die prachtvollen Instrumente der Pekinger Sternwarte sind zu gleichen Teilen zwischen Deutschen und Franzosen geteilt worden. Beide Kontingente haben bereits be- gönnen, sie auseinanderzunehmen und zu verpacken. Der berühmte große Globus des Sternenhimmels ist den Deutschen zu lefallen: man ist auf deutscher Seite darüber und überhaupt mit zem Erhaltenen sehr zufrieden." Dazu bemerkt die„Frankfiirter Zeitung": Als Anno 1807 die Zsranzosen die Quadriga vom Brandenburger Thor in Berlin ortnahmen und nach Paris führten. waren die preustische» Patrioten über diesen Raub außer sich geraten. Freilach galt damals, nach Jena und Aucrstädt, daS Recht deS Eroberers und Siegers, wäbrend wir jetzt mit China, wie offiziell bezeugt, in Frieden leben." Jedenfalls haben die Chinesen, wie seinerzeit die Preusten, sich nun das historische Recht erworben, sich den Globus aus Berlin wieder zu holen, nur miisseu sie die Vorsicht üben, zu diesem Ztvccke nicht den Krieg zu erklären.— Gedankenloser konservativer Schwindel. Wir teilten vor einigen Tagen nach den amtlichen Ermittelungen mit. daß im Jahre 1900 der Weizen per 1000 Kilo uin 5 M. billiger war wie 1899, und bemerkten dazu, dast diese Verbilligung nicht bis au die kleine» Mehlverdraucher gekommen sei. Die konservativen Schivindler, denen kein Mittel zu dumm ist, um den geplanten Raubzug auf den Brotkorb deS Volks in eine Art Wohlthat umznlügen. ivollen»ns nun als Kronzeugen dafür anrufen, daß die Kornzölle das Brot nicht verteuerten. Eine Verbilligung um 5 M. ver 1000 Kilo bedeutet V« Pfennig pro Pfund; da die kleinen Mehlverdraucher selten mehr wie ei» Pfund auf einmal einkaufen können, ist es ganz selbst- verständlich, dast sie von der Verbilligung nichts merken können, da der Händler nicht 1 Pfennig an der Ware herablassen wird, weil er ie vi Pfennig billiger einkaufte. Eine Verteuerung aber um 5 Mark pro 1000 Kilo würde selbst der kleinste Verbraucher merken, denn der Händler würde auch bei den kleinsten Posten die Ver- teuerung des Einkaufspreises dranfrechnen. Die agrarischen Brutivucherer aber wollen ja sogar eine Preis- Verteuerung durch den Zoll von mindestens Lt» oder 70 Mark pro 1000 Kilo, das sind S oder 3V» Pfennige pro Pfund. Gewiß ver- teuert das den Haushalt der Familie um mindestens so viel und unsre Bemerkung, datz eine Verbilligung um 5 M. pro 1000 Kilo nicht an den kleinen Verbraucher kommt, steht damit nicht im geringsten Widerspruch. Die„Konservative Korrespondenz". die den gedankenlosen Schwindel ausgeheckt hat. spekuliert auf die Dummen, die da meinen, daß der Zoll flir 1000 Kilogramm 3,50 M. beträgt. während er in Wirklichkeit das Zehnfache. 35 Mark, beträgt. Bei den Zollsätze» aber handelt es sich nicht um ein Mehr oder Minder von 3, 5. 6. 7 Mark per 1000 Kilogramm, sondern von 30. 50. 60, 70 Morl. Und solch eine Differenz spüren allerdings die kleinsten Verbraucher am schärfsten. Zur Hypothekenbank-Frage. Die Konservativen haben im prentzischeu Abgeordnetenhause den Antrag eingebracht, gesetzgeberische Matznahmen in Erwägung zu ziehen, wonach die Ausgabe hypothe- karisch gesicherter Jnhaberpaptere in der Form von Pfand- briefen lediglich öffentlichen, nicht auf bankmäßigen Erwerb gerichteten Instituten oder Genossenschaften, eventl. mit TilgungSzwang, vorbehalten wird, und bis dahin gegenüber den privaten Hypothekenbanken die gesetzlich bestehenden st a a t l i ch e n AufsichtSbefugnisse thunlichst wirksam und energischer als bisher auszuüben.— „Der höchste Stand im Reiche". Vor dem Schöffengericht in Leipzig klagte der preutzische Gardelieutenant v. Kunowski wegen Beleidigung, die ihm in seiner Eigenschaft als Erfinder einer .National-Stenographie" zugefügt worden sein soll. Das Schöffen- gericht verurteilte den Beleidiger zu 100 M. Geldstrafe und sagt in seiner Begründung: »Trotz der ungünstigen Vermögenslage des Angeklagten habe man die Strafe hoch bemessen, weil seine intensiven Angriffe sich gegen einen Angehörigen des Offiziersstands richteten, des höchsten Stands im Deutschen Reiche. Dies war straf- schärfend zn berücksichtigen." Das Leipziger Schöffengericht erklärt in wundervoller Harm- losigkeit, daß wir nicht im Rechtsstaat, sondern im S t ä n d e st a'a t leben, den einige Vorwitzige im Schoß vergangener Jahrhunderte versunken wähnten. Und der höchste Stand ist der Offiziersstand, dessen beleidigte Ehre höhere Strafe fordert als die Ehre der niederen Stände.— Ter Kanoncnpatriot Ehrhardt in Zelle und Düffeldorf schreibt der„Gothaer Zeitung" a»f die Notiz, datz Krupp wieder Waffenlieferungen nach England ausführen wolle, weil Ehrhardt gegen den Willen unsrer Regierung nach wie vor Waffen an Eng- land liefere, datz er, Ehrhardt, seitdem das Auswärtige Amt einen diesbezüglichen nach England Wunsch zu abgeliefert erkennen gegeben, kein Stück mehr habe, um so mehr, als die Agitation von England selbst gegen unsre Lieferungen eine ganz ungeheure sei. Er könne jedoch mitteilen, datz ernste Verhandlungen schwebten, dieselben Geschütze in England zu fabrizieren, gleiche Verhandlungen schwebten in andre» Staaten, so datz man in Znlnnft nicht mehr nötig haben werde, sich um die»unnützen und unverständlichen Agitationen" zu kümmern, die erhoben würden, wenn man sich aus einem uns doch befreundeten Staate etwas Arbeit heranhole. Herr Ehrhardt ivill also im Ausland Filialen anlegen, um ohne Rücksicht ans die nationalen und moralischen Stimmungen des Volkes nach Herzenslust Kanonen für daS Ausland liefern zu können. Das hat gleichzeitig den Vorteil, datz er möglicherweise auch für eine Macht Geschütze liefern kann, mit der Deutschland im Krieg liegt. Vielleicht legt er auch in China eine Filiale an, um dem Waneneinfuhrverbot ein Schnippchen zu schlagen. Dies Geschäftsgebahren zeigt gleichzeitig auch, wie ernst es den wackeren Patrioten»fit dem Argument mar, es liege ja in erster Linie im Interesse der Arbeiter, durch dergleichen Geschütz- aufträge beschäftigt zn werden. In Zukunft wird man kalten Bluts ausländische Arbeiter beschäftigen, aber den Prosit mit nicht ge- ringerem Behagen einstreichen.— Tie Khakiimlsorich, deren Einführung für die gesamte Armee geplant wird, ivird demnächst bei verschiedenen Truppenteilen probeweise zur Einführung gelangen. Von dieser Probe soll es abhängen, ob die erdfarbige Uniform allgemein eingeführt wird. Bei der Jnfanterieschietzschule in Spandau ist die Khakiuniform bereits eingeführt. Sie weist keinerlei blitzende Teile mehr auf, da nicht nur die blanken Knöpfe durch dunkelfarbige ersetzt worden lud, sondern auch an die Stelle des bisherigen Helm» ein Filzhelm von der Farbe der Uniform getreten ist. Selbst im Fall der allgemeinen Einführung der Khakumiform will man jedoch die bisherige glänzende und unbequeme Uniform als Paradeuniform beibehalten. Ersparnisrückstchten pielen ja nur bei Kulturfragen, nicht aber beim MilitanSmuS eine Rolle.— Wiirttcmbergischcr Landtag. Stuttgart, 30. Januar. Fünf volle Tage hat in diesem Jahr die Generaldebatte übenden Erat gedauert und zivei Entscheidungen sind es. die dabei besonders in den Vordergrund treten: die Wiederauf- rollung der Verfassungsreform und das wirkungsvolle Auftreten der jetzt verstärkte» soeialdemokratischen Vertretung. Die Regierung hatte in der Thronrede den Anschein erweckt, als ob sie nicht ganz»nerfrent darüber wäre, die Initiative in der Verfassungs- frag« auf die Klärung der Parteien verschieben zu können. Die im Ansaug der Debatte gemachte Aentzerung deS neuen Ministerpräsidenten Schott v. Schoktenstein lietz ebenfalls durchblicken, datz die Regierung auf die Initiative verzichten wollte. Dazu kam weiter, datz noch zwei weitere Minister dem Centrum gegenüber sich gegenkommcnd äußerten. Das veraulatzte die Volkspartei von der Regierung abzurücken und unser Fraktionsredner H i l d e n b r a n d gab die positive Erklärung ab, datz die fünf soeialdemokratischen Stimmen für keine Reform zu haben sind, solange nicht eine Revision der Verfassung angebahnt wird, dahingehend, datz alle Vertretungen einzelner Stände und Familien aufhören, datz eine reine Volks- kainnier geschaffen wird. Socialdemokratie und Volkspartei verfügen über ein Drittel der Stimmen und können jedes Gesetz verhindern. Das wird wohl ein Grund gewesen sein, daß die Regierung sich im Laufe der Debatte eines Besseren besonnen und am Schluß des vierten Tages eine Erklärung verlesen lietz. auS welcher hervorging, datz die Regierimg die Revision der Verfassung in die Hand nehmen will. Daraufhin sprachen sich dann am ftinften Tage Socialdemokratie. Volkspartei, Deutsche Partei und Frhr. v. Gemmingen für die Reform ans. Es hat so den Anschein, als ob es diesmal möglich wäre, die Reform ohne das Centrum zu machen, das die letzte vereitelt hat und auch jetzt noch die Zulassung der Mönchsorden und die ver- äffungsmätzige Festlegung der konfessionellen Volksschule von seiner Zustimmung abhängig macht.— Unser Redner bekämpfte den ein- citig aufgestellten Etat, in welchem für die Arbeiterklasse nichts enthalten' ist. Er forderte die Errichtung von Arbeiter- k a m m e r n oder wenigstens die Vertretung der Arbeiter bei der Centralstelle für Handel und Gewerbe, ferner die Zu- iehung von Arbeitern zum Eisenbahn- Beirat. Des weiteren orderte er die Regierung auf, im Bundesrat entschieden Stellung zu nehmen gegen die China« und für die Handelsvertrags-Politil, ivie er von ihr entschiedene Avwehr der Bueck-Politik im Reichsamt des Innern forderte. Der Nachiveis, datz das Centrum an den ver- ährenen Verhältniffen im Reich die Schuld trage, brachte die Centvumskämpen auf den Damm, die zu vieren die Vernichtung der Socialdemokratie begannen, ihre auS dem politischen ABC-Buch deS Ccntrums entnommenen Waffen aber zerbrochen vor die Fühe geivorfen erhielten. Abg. Kiene erlitt mit seinen berüchtigten Citaten eine schwere Niederloge. Wir können mit dem Verlauf der Debatte »nd dem neuen Leben zufrieden sein. Heute, Mittwoch, begann die Beratung einer Ceiitrimls-Jnterpellation, welche die Regierung ersuchte, sie möchte im Reich für eine Erhöhung des Zolls auf Weizen und Roggen, Gerste und Hafer eintreten. Rembold(C.) begründete die Interpellation mit den landläufigen Gründen. Der Ministerpräsident erwiderte, die Regienmg werde einer Erhöhung zustimmen, die Höhe dürfe aber den Abschluß der absolut not- wendigen Handelsverträge nicht verhindern. Von unsrer Seite wird Genosse T a u s ch e r zu der Frage sprechen.— Ausland. Oestreich-Ungarn. Lärmscenr» im AbgeordnetcuhanS. Schon in der EröffnungS- itznng am Donnerstag kam es zu erregten Scenen. AlS der Ministerpräsident v. Körbcr als Alterspräsidenten den. Abg. Weigel aus Krakau vorstellte. forderten die Vertreter der czcchisch- n at i o na l e n Arbeiterpartei lärmend, daß die Worte des Ministers ins Czechische übersetzt würden. Als der. AlterSvorsitzende Weigel der verstorbenen Königin Victoria gedachte, ibrachen die Dcntsch-Radikalen in stürmische Hochrufe aus die Bönen auS, in die sich Rufe„Nieder mit England l",»Pfui, Hosenb andorden I' mischten. Auch bei der England. Gerüchte vom Rücktritt Salisburys läßt sich die Münchn. Allg. Ztg." aus London melden. Unter erfahrenen Politikern herrscht die Ansicht, daß das unionistische Kabinett in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung nicht mehr lange bestehen werde. Als Nachfolger Salisburys werden der Herzog von Devonshire, Balfour und Chamberlain genannt. Frankreich. Partei- Nachrichten. Muslanb. Bornahme der weiteren Formalitäten wiederholten sich die Protest- 1 geführt, welches die Werte von Kleinfontein und Bragpau zerstört moljst rufe der Czechisch- Nationalen. Das neue Barlament hat also ebenso hat. Man befürchtet, daß der Schaden sich auf etwa 300000 fd. Sterl. Der Streit der Angestellten der Pariser Stadtbahn ist vielverheißend eingesetzt, wie das alte vor acht Monaten endete. belaufen werde. Es sind Schritte zum besseren Schuße der hervorgerufen durch die vielen Blackereien, denen die Angestellten auswärts liegenden Minen gethan worden. Die Militär- feitens der Direktion ausgesetzt gewesen sind; die Versprechungen, Wegen socialistischer Agitation wurde in Przemysl der hehörden haben genehmigt, daß 2 Mitglieder der Kammer fich nach die den Arbeitern und Angestellten gemacht worden tuaren, find von Rechtsanwalt Dr. Schernbach auf Grund einer Entscheidung des den Minen von Johannesburg begeben, um die Interessen der ihr schnöde gebrochen. Mit 485 gegen 168 Stimmen ist schließlich Militär- Ehrenrats feines Offiziersrangs als Refervelieutenant Minenbefiger wahrzunehmen. für verlustig erflärt, weil er als Mitarbeiter des socialdemo der Ausstand in der Dienstagnacht- Versammlung beschlossen worden. Bloemfontein, 31. Januar.( Meldung des Reuterschen Vorher wurde das vorliegende Statut einer Gewerkschaft der Anfratischen Blatts, Glos Przemyski" an der Armee und Angehörigen Bureaus.") Der Kommissar in Kronstad teilte dem hiesigen Militär- gestellten der Stadtbahn angenommen; dem neuen Syndikat gehören derselben Stritit geübt hatte, die gegen die Würde des Offizierſtands" gouverneur mit, daß Andries Weffels, welcher die Friedenstommiffion bereits 916 Mitglieder an. Die Stationen der Metropolitain" verstoßen soll. Ueberhaupt vertrage fich die Thätigkeit eines social- nach Morgendaal begleitete, am 28. Januar auf Befehl De Wets in find geschlossen und werden demokratischen Agitators nicht mit dem Offizierscharakter. Unser Klipfontein erschossen worden sei. von Schußmannschaften bewacht. Eine Abordnung der Angestellten, die bei der Genosse dürfte die Disciplinierung nicht allzu tragisch nehmen. Direktion vorgesprochen hatte, erstattete in der zweiten Versammlung Bericht. Die Direktion will so gut wie nichts bewilligen. Erst nach einjährigem Dienst sollen die Beamten feſt männer- Landtag eine Betition gerichtet, dieser möge die Regierung Streit sofort zu Ende gebracht werde. Die Deputation, die im Die Parteigenossen in Reuß ä. 2. hatten an den Zwölf- angestellt werden; ferner will fie niemand maßregeln, falls der zur Vorlage eines den heutigen Berhältnissen entsprechenden Vereins- Stadthaus war, um den Gemeinderat zum Einschreiten zu bewegen, einmal die zur Besprechung nötige Unterſtügung, so daß der Ab- wieder bestellt, es müsse eine Unterredung mit der Direktion vorausund Versammlungsgesetzes veranlassen. Die Petition fand nicht wurde von einem nationalistischen Stadtrat zu einem späteren Termin 500 geordnete Genoffe Feustel verhindert wurde, fie näher zu begründen. gehen. Die Fortführung des Streits wurde beschlossen. Wer tann auch von Neuß ä. 2. befferes erwarten wie von Preußen! Der Bergarbeiterausstand in Montecau- les- Mines dauert Boisdeffre und der Jesuitenpater. Daß die Jesuiten in Schon wieder ein Zeugniszwangsverfahren. Der Bericht- fort, da die Direktion es ablehnt, mit dem Streiffomitee über die der Dreyfus- Affaire ihre unlauteren Hände im Spiele hatten, ist erstatter des Boltsblatts" in Halle, Genoffe Ebeling, hatte Forderungen der Ausständigen zu unterhandeln. Die Friedensrichter bekannte Thatsache, wie es feststeht, daß die Geistlichkeit eine un- über die Gehaltsverhältnisse der Unterbeamten einen Artikel ver- baben beschlossen, vermittelnd einzugreifen und haben die streitenden heimliche Rolle in dem politischen Leben der Republik spielt. Wie öffentlicht. Nach Meinung der Polizei hat ihn ein Kriminalbeamter Barteien eingeladen, in Unterhandlungen zu treten. Die Soldaten, sehr die Pfaffen hinter den Coulissen der Dreyfus- Affaire agitierten, dazu veranlagt und da man diesen nicht kennt, ihn aber kennen welche die Regierung nach dem Streikorte gesandt hat, fraterdafür bringt jetzt Steinach wieder einen drastischen Beweis bei. lernen möchte, greift man zu dem beliebten Mittel, ein Disciplinar- nifieren mit den Streifenden. In Flugblättern und Plakaten In einem Brief an den" Figaro" bestätigt Reinach, was verfahren gegen Unbekannt zu eröffnen und Ebeling zum Zeug- haben die Ausständigen, die sich übrigens ganz ruhig verhalten, die Clemenceau in seinem„ Bloc" geschrieben hatte. Danach nis zu zwingen. Er ist bereits vom Ober- Polizei- Inspektor ver- Soldaten aufgefordert, nicht auf ihre Brüder zu schießen, die nur hatte der Jesuitenpater du Lac eine Unterredung mit Reinach nommen worden und dieser hat ihm auf die selbstverständliche versuchten, ihre elende Lage zu verbessern. Die Arbeiter der Gasnachgesucht, die dieser auch bewilligte, nur lehnte er es ab, in die Beugnisverweigerung bereits das Zwangsverfahren mit eventueller anstalt, die ebenfalls der Minendirektion gehört, haben die Arbeit Klaufe des Paters zu kommen, sondern verlangte das Beisein eines Haftstrafe angedroht. niedergelegt, so daß die Stadt bis auf die Hauptstraße ganz in Dunkel gehüllt war. Der socialistische Bürgermeister Bouveri hat Es ist richtig, so erklärt Reinach, daß der Pater mich zu beder Compagnie angedroht, ihr die Konzession zu entziehen, wenn sie stimmen versuchte, den soeben aus der Haft entlassenen Hauptmann nicht im stande ist, den Kontrakt inne zu halten. Picquart zu beeinfluffen ,, um von einem Zeugen den schriftlichen Widerruf einer früher gegebenen Zeugenausiage zu erhalten. Es haudelte sich um Thatsachen, welche die Vernehmung Esterhazys vor dem Untersuchungsrichter Bertulus betreffen." britten. " Es ist richtig, daß ich es abgelehnt habe, einen derartigen Versuch zu unternehmen." " Es ist ein Kennzeichen von der Geringfchäßung, deren sich die Presse in Deutschland erfreut, daß man den Journalisten nicht gewährt, was dem Juristen, dem Arzt, dem Geistlichen gewährt ist: über Dinge, die ihm in Ausübung seines Berufs anvertraut worden sind, auch vor Gericht das Zeugnis zu verweigern. Sociales. a Die wohlthätige Marienmedaille. Ein alter Schneidermeister in Langenbrück bei Neustadt in Oberschlesien ist ein treuer Anhänger Material, das einer Stadtverordneten Stommiffion vom Magistrat Das Wohnungselend in Danzig. Aus dem statistischen unfrer Partei. Aus irgend einem Grund scheint aber den Frommen Es ist richtig, daß der Pater du Lac sich bemühte, meine im Orte viel daran zu liegen, diefen roten Schneidermeister für sich daß von den 29 579 Wohnungen Danzigs 984 aus einem Zimmer also gewiß unparteiischer Stelle geliefert wurde, ergiebt sich, Meinung über Boisdeffre zu modifizieren." zu gewinnen. Der Pfarrer im Verein mit einer ganzen Compagnie „ Es ist ferner richtig, daß mich du Lac- namentlich durch Betschwestern hat seit Jahren alle möglichen Belehrungsversuche an 48 Broz. aller Haushaltungen sich mit 1 8immer( mit ohne Küche, 13 118 aus 1 Bimmer mit Küche bestanden, d. h. daß seine Erzählung, daß er täglich mit Boisdeffre verkehrt ihn unternommen immer vergeblich. immer vergeblich. Als letztes Mittel verfiel habe, als dieser noch Chef des Generalstabs war in meiner man auf eine geweihte Marienmedaille. Einem Sünder ins Dedbett resp. ohne Küche) begnügten. Ueberzeugung bestärkte, daß ihm Boisdeffre von seinem Mobilisations- geſtedt, soll sie nach einer alten geheiligten Tradition schon bien 2262 Fällen waren diese Wohnungen von 4, in 1748 Fällen plan Nr. 13 mitteilte, und daß er ihn auch von der Denunziation wunderbarſten Befehrungen zu Wege gebracht haben. Da die von 6, in 2828 Fällen von mehr als 6 Personen bewohnt! In Esterhazys unterrichteten. Schließlich erfuhr ich, daß der General Weiber dahinter steckten, war es leicht möglich, die wunderthätige 19 886 Menfchen; es ergiebt sich daraus das geradezu grauendtesen 2828 übervölterten Wohnungen wohnten Boisdeffre wenige Tage vor unsrer Unterredung den Pater um Medaille auch in das Dedbett bes verstockten Socialfeinen Segen gebeten hatte mit den merkwürdigen Worten:„ Gebt demokraten zu prattizieren. Aber o web! An der Socialdemokratie afte Resultat, daß feber liebente Bewohner Danzigs mir Euren Segen wie einem Mann, der die Kugeln des Stand- werden selbst die stärksten Beschwörungen zu Schanden; fünf lange te bt! in einem hygienisch völlig unzulänglichen Raume gerichts erwartet."( Es war das kurz vor dem Prozeß in Rennes.) bange Jahre wartete man auf die Bekehrung, fünf Jahre lang schlief Man darf gespannt sein, was hierauf der jesuitisch- militärische der alte Schneider mit der Seelenruhe eines Kindes unter dem Klingel zu antworten haben wird. Schuße der Medaille und verhärtete immer mehr in seiner social demokratischen Ueberzeugung. Amerika. Ottawa( Kanada), 81. Januar. Infolge des Proteftes der franzöfifchen Katholiken hat der Gouverneur auf sein Vorhaben, eine Trauerfeier für die verstorbene Königin Victoria in Ottawa und Torento abzuhalten, verzichtet. Carracas( Venezuela), 31. Januar. Die venezolanischen Infurgenten find von den Regierungstruppen bei Carupano mit großen Verlusten in die Flucht geschlagen worden. Der Boeren- Krieg. Der Einfall De Wets in die Kapkolonie soll nach einer Meldung der„ Daily Mail" bereits zur Thatsache geworden fein. Und zwar soll De Wet mit einer starten Truppen macht den Dranjefluß überschritten haben. Allerdings stellt das Blatt die ihm zugegangene Nachricht stark in Zweifel, weil, wenn fie fich bewahrheite, die Situation in der Kapkolonie eine äußerst folimme sein werde, da die Afrikander De Wet wie einen Napoleon berehrten. Gerade aber weil seine persönliche Leitung in der Kaptolonie den Anschluß der Afrikander mächtig fördern würde, dürfte De Wet alles aufgeboten haben, um nach dem Süden durchzubrechen. Ueber den Ausgang. des Gefechts, das General nog bei Thabandhu mit De Wet hatte, liegt auch heute noch keine Nach richt Kitcheners bor. Friedensgerüchte. feinem Dedbett und seine Nichte beichtete ihm den Zusammenhang. Jezt, vor einigen Tagen erft, fand er das Amulett zufällig in Der Alte, der demnächst sein 77. Lebensjahr vollendet, lachte herzlich und beschloß, die wunderthätige Medaille, die ihn so sicher in seiner Ueberzeugung beschütte, fortan bis an sein Lebensende um den Hals zu tragen. Polizeiliches, Gerichtliches univ. 5 Personen bewohnt werden darf, so fehlten rund 4000 8immer. Würde die Forderung Gefeß, daß 1 8immer von höchstens Was die Mietpreise und den Mangel an fleinen Wohnungen 150 m. 8702 Wohnungen vermietet und 86 unvermietet, bei 150 bis betrifft, genügt die Thatsache, daß bei jährlicher Miete bis 100 m. 2333 Wohnungen vermietet und 73 unvermietet waren, bei 100 bis 200 m. Miete 5988 vermietet und 126 leerstehend. Alles andre ergiebt sich daraus von selbst. oude Eine Erweiterung der heffischen Gewerbe- Juspektion wird für das nächste Jahr von verschiedenen Seiten betrieben. So wird Der Genoffe Lütjens in Elmshorn, der einige Nummern von den Abgg. Dr. Frenay, Dr. Schmidt, Molthen, v. Brentano, der„ Schleswig- Holsteinischen Volkszeitung" verantwortlich gezeichnet beantragt, dem die einheitliche Leitung und Durchführung des GewerbeHorn und Pennrich die Anstellung eines Ober- Jnipettors hatte, war wegen zweier in diesen Blättern enthalten gewefenen Aufsichtsdienstes, sowie die Aufsicht über das gesamte Gewerbe- AufNotizen aus Elmshorn, die sich mit einem kaufmännischen Expedienten fichtspersonal obliegt und der zugleich als technischer Referent im beschäftigten, vom Schöffengericht wegen Beleidigung zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das von ihm angerufene Berufungsgericht setzte statt dessen eine Geldstrafe von 200 m. fest. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Ministerium zu fungieren hat. Außerdem hat die Regierung selbst im@tat 1901/1902 die Errichtung einer neuen( fünften) GewerbeInspektion in Worms beantragt, der die bisher der Inspektion Mainz unterstehenden Kreise Alzey, Oppenheim und Worms unterstellt werden sollen, Weiter sollen die Inspektionen Gießen und Offenbach je einen Assistenten erhalten. Die Unterzeichner des Antrags betr. des Ober- Inspektors wollen auch der Inspektion Mainz Die Potsdamer Steinfeger haben auf dem Wege der Ver- Inspektion Worms nur der Bezirk Alzety überwiesen werde, daß aber einbarung einen beachtenswerten Erfolg erzielt, nämlich Berkürzung der Bezirk Oppenheim bei Mainz verbleibe. Ausgefchloffen ist für Die Potsdamer Steinfeger baben auf dem Wege der Vereinen Affiftenten zugeteilt wiffen, weil sie wünschen, daß der neuen der täglichen Arbeitszeit von zehn auf neun Stimden, Erhöhung des später nicht die Errichtung einer weiteren Inspektion für Oberheffen Stundenlohns von 60 auf 70 f.( Einheits- Lohnjay); Ueberstunden von abends 6-9 Uhr 25 Broz., Nachtarbeit von 9 Uhr abends bis in Friedberg. 7 Uhr morgens, ebenso Sonntagsarbeit, 50 Proz. Aufschlag. Bei Arbeiten, die über eine Meile von Potsdam entfernt liegen, beträgt der Stundenlohn 75 Pf. In englischen Blättern hält sich das sonderbare Gerücht, daß Wilhelm II. mit der Mission betraut worden sei, der einbarung eine Erhöhung des Stundenlohns von 50 auf 60 Pf. Jm vorigen Jahr hat ebenfalls infolge gegenseitiger Ber Friedensvermittler zwischen England und den Boeren zu spielen. stattgefunden. Daraus ergiebt sich, daß die Potsdamer SteinsetzerSofort nach seiner Rückkehr nach Berlin würde er Krüger em meister, durchweg Innungsmeister, auf einem focialpolitisch ver pfangen und ihm seine Vermittelung anbieten. Unmöglich wäre nünftigeren Standpunkt stehen, als die überwiegende Mehrzahl ihrer es ja nicht, daß England jetzt eine solche Vermittlung ganz angenehm Kollegen. Allerdings find auch die betreffenden Arbeiter schon seit sein wäre, wohl aber halten wir es für ausgeschlossen, daß Wilhelm II. fich nach allem Vorhergegangenen zu der Rolle eines englischen Jahren bis auf den letzten Mann organisiert. Unterhändlers gebrauchen lassen wird. Deutsches Reich. Kommunales. Stadtverordneten Versammlung. 5. Sigung vom Donnerstag, 31. Januar 1901, nachmittags 5 Uhr. Die Verhandlungen leitet Vorsteher Dr. Langerhans. Andenten in der üblichen Weise. Verstorben ist der Stadtv. Lucae; die Versammlung ehrt Die Zuschrift des Magistrats betr. Verunreinigung des Reinickendorfer Seed Uebrigens erklärte auch Dr. Leyds einem Vertreter der " Etoile belge", die Boeren würden etwaige Friedens Gewerbe hat an alle Regierungspräsidenten einen Erlaß ge- Umbaus der Tegeler Wafferwerke zusammen erörtert zu werden. Gefellenprüfungen. Der Minister für Sandel und wird einstweilen zurückgestellt, um mit der Vorlage wegen des vorschläge nur dann in Betracht ziehen, wenn die richtet, der über die Verleihung des Gesellen- Von sämtlichen Fraktionen unterstützt hat Stadtv. Cassel felben von England selbst und ohne jede andre Ver Brüfungsrechts an" freie Innungen" im wesentlichen einen Antrag eingebracht, den Magiftrat um Auskunft zu ersuchen. mittlung gemacht würden. Die Boeren seien entschlossen, folgendes besagt:" Da es sich herausgestellt hat, daß in einzelnen ob ihm bekannt ist, daß seitens der Staatsbehörden bis ans Ende zu kämpfen und dächten überhaupt nicht an die Bezirken die Bildung eines Gesellenausschusses aus verschiedenen Eventualität einer Uebergabe. Der Gesandte dententiert ferner das Gründen nicht möglich ist und dadurch eine Reihe leistungsdie Einführung des französischen Unterrichts schon in der Gerücht, daß der Siz der Transvaal- Gesandtschaft nach Amsterdam fähiger angesehener Innungen des für sie besonders wert- beabsichtigt wird und welche Schritte der Magistrat zur Abwehr unterfte Klasse der Berliner Realschulen oder dem Haag verlegt werde. wollen Rechts zur Abhaltung von Gesellenprüfungen ver- einer solchen, die Bedeutung und Entwickelung unsrer Realschulen Ein Urteil Kitcheners über die Boeren. luftig gehen, andrerseits die Errichtung der Prüfungsausschüsse und mithin des gesamten städtischen Schulwesens im hohen Grade Die römische Voce della Verita" veröffentlicht einen gestern den Handwerkskammern erhebliche Schwierigkeiten bereiten wird, so schädigenden Maßnahme, die den Uebertritt von Gemeindeschülern in eingetroffenen Brief Lord Kitcheners an den Erzbischof will ich in Abänderung des Erlasses vom 6. August v. 3. genehmigen, die Quarta der Realschulen in Zukunft ausschließt, zu ergreifen bcSogaro. Lord Kitchener schreibt: Die Aufgabe, die ich hier daß denjenigen freien Innungen, denen die Bildung eines Gefellen- abfichtigt. habe, ist recht schwierig, sogar noch schwieriger als die im Sudan. ausschusses nicht möglich gewesen ist, die Ermächtigung zur Abnahme Der Antragsteller Stadtv. Caffel( A. L.) giebt eine furze DarDie Boeren schlagen fich ganz gut( abbastanza bene). Aber sie von Prüfungen erteilt wird, sofern zwei Drittel der Handwerker im stellung der Geschichte der Realschulen. Ihr Vorzug sei, daß sie den find überaus einfältig( ignorantissimi) und hoffen immer Bezirk der Innung Mitglieder der Innung find. Die Erteilung der Uebergang der Gemeindefchüler von der ersten Klaffe in die Quarta noch auf eine europäische Intervention zu ihren Ermächtigung bedarf in jedem Fall der Zustimmung der Hand- der Realschulen und so ein organisches Aufsteigen der ersteren zu Gunsten. Ich versuchte, ihnen die Nuglosigkeit wertstammer. Die Mitglieder des Prüfungsausschusses sind aus höherer Bildung ermöglichten. Das würde mit dem Moment ab. ihres Widerstands flar zu machen. Man hat dem Stande der Gesellen von der Handwerkskammer zu ernennen." geschnitten, wo das Französisch schon in Sexta obligatorisch wäre. Lügen über die Grausamkeit unsrer Truppen verbreitet, Das Zuchthaus- Gesez ist entbehrlich. Das Lübeder Von den 5800 Schülern der 12 Realschulen entstamniten 3535 den thatsächlich haben sie sich sehr gut aufgeführt, und ich hoffe, Schöffengericht verurteilte einen Bauarbeiter und einen Maurer zu Gemeindeschulen. Diese so organisierten Realschulen beständen daß Sie, der Sie bom udan her die Gepflogenheiten je vier Monaten Gefängnis, weil sie angeblich ihrem nur in Berlin. Es wäre doch sehr sonderbar, wenn die städtischen ber englischen Soldaten kennen, diesen Zeitungsmärchen keinen Arbeitgeber, Bauunternehmer Hormann, Kalt verdorben haben. Behörden bei einer so grundstürzenden Aenderung des Lehrplans Glauben schenken." Dies soll geschehen sein, weil H. an Stelle eines Verbandskollegen gar nicht gefragt würden. Das Bildungsinstitut der Realschulen den nicht dem Verband angehörenden Parlier Zimmer in Arbeit müsse in seiner jezigen Gestalt erhalten bleiben. stellte. Der Staatsantvalt hatte je 3 Monat beantragt. Stadtschulrat Fürstenau: Die Bemerkungen des Vorredners Bei den Gewerbegerichts- Wahlen in Wenigenjena über die Frage nach der wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und wurden die vom Gewerkschaftskartell Jena aufgestellten Kandidaten focialen Seite hin kann ich vollinhaltlich unterschreiben. Die Leistungen sondern auch die Arbeitgeber- Beiliger. Die Gewerkvereinler, welche genehmigt durch ausdrücklichen Beschluß des Ministers; wollte man fast einstimmig gewählt, und zwar nicht nur die Arbeitnehmer, in mathematit, Naturwissenschaften, im Französischen und Englischen find durchaus anerkennenswert und ausgezeichnet. Unsre Realschulen sind sich an der früheren Wahl mit einer eignen Liste beteiligt hatten, wirklich jene völlige Umgestaltung, so müßte doch erst nachgewiesen aber unterlegen waren, haben diesmal weder an der Agitation, noch werden, daß sie sich nicht bewährt haben und es müßte die Gean der Wahl teilgenommen. nicht, daß das überhaupt an uns herankommen wird. nehmigung ausdrücklich zurückgenommen werden. Ich glaube aber Der Brief verrät gerade keine besondere Intelligenz. Die einfältigen" Boeren haben sich als ihm entschieden überlegene Stra tegen gezeigt. Sie werden ihm wahrscheinlich auch beweisen, daß fie auch ohne die Jutervention fremder Mächte mit Leuten feines Schlags fertig werden können. durch den Hinweis auf deren berüchtigte Thaten im Sudan besonders Das Lob feiner Truppen wirft überzeugend.Verschleierte Werbung für Südafrika? Die Admiralität veröffentlicht einen Befehl, nach welchem die Mannschaften, welche die Marine nach einer furzen Dienstzeit verlassen haben, aufgefordert werden, in die neue Division ber Marinereserve einzutreten, welche den Namen Flotten Reserve" tragen wird. In demselben Befehl werden auch die pensionierten Mannschaften aufgefordert, in diese Division einzutreten. # * Ausgesperrt wurden am Mittwoch früh 60 Schuhmacher der Fabrit von Catta u. Comp. in Offenbach a. M., weil sie trotz verweigerter Erlaubnis am Dienstag etwas früher Feierabend gemacht hatten, um eine notwendige Werkstatt- Bersammlung abzu balten. Der frühere Arbeitsschluß war notwendig, weil eine Anzahl Arbeiter auswärts wohnen. Vielleicht haben die fofort eingeleiteten Berhandlungen der Lohntommiffion einen guten Erfolg. Kapstadt, 30. Januar. Der kürzlich stattgehabte Angriff der Im Feingoldschläger.Gewerbe in Nürnberg herrscht große Boeren auf die Winen von Vanryn und Modderfontein war, wie Arbeitslosigkeit, weshalb die dortige Bahlstelle ersucht, den Zuzug jezt bekannt wird, ernst; er wurde von demselben Kommando aus- dahin zu vermeiden. die Versammlung die Durchführung der angekündigten Maßregel sehr Es ist ein Antrag Cassel eingegangen, welcher ausspricht, daß beklagen und darin den Untergang der Berliner Realichule sehen würde und den Magistrat ersucht, mit allen Mitteln für diese Anstalt einzutreten. Der Antrag ist auch vom Stadtv. Singer unterschrieben. vertreters ist kein Zweifel, daß seitens des Magistrats alles geschehen Stadtv. Singer( Soc.): Nach den Worten des Magistratswird, um die drohende Gefahr abzuwenden. Seinen Optimismus aber kann ich nach unsren wiederholten Erfahrungen nicht teilen, daß die Regierung nichts ohne oder gegen die Stadt thun werde. Meine Freunde und ich haben sich dem Antrag Cassel sehr gern angeschlossen, weil nach unsrer Meinung alles gethan werden muß, um den jetzigen erfreulichen Zustand, daß die Gemeinde- schüler in die Realschulen übertreten können, gu erhalten. Ich möchte aber einen Gedanken anregen, der vielleicht der Erwägung wert ist. Ich bin nicht Pädagoge genug, um zu beurteilen, ob die Einführung des fremdsprachlichen Unterrichts in der untersten Klasse dieser Real- schulen an sich zu verwerfen ist. Wir bekämpfen diesen Gedanken nur für den Fall, daß durch diese Einführung den Gemeindeschiilern der Uebertritt in die Realschule abgeschnitten wird. Nun könnte man ja de n Versuch macheu, in der ersten Klasse der Gemeinde schulen ebenfalls den fremdsprachlichen Unterricht einzuführen. Wenn erst die auf dem letzten Städtetag hervorgetretene Unlust der Stadt Berlin gegen oblt gatorische Fortbildungsschulen beseitigt sein wird und wir die oblv gatorischen Fortbildungsschulen haben, dann könnte der in den Gemeindeschulen begonnene fremdsprachliche Unterricht in der obligatorichen Fortbildungs- schule fortgesetzt werden. Das ist ein außerordentlich wichtiges, sociales Moment. Welch' eine Wohlthat wäre es für die Kinder, wenn Sie sich in einer fremden Sprache einigermaßen ver- ständlich zu machen lernten und später in Frankreich und England diese Kenntnis verwerten könnten! Ich will nicht sagen, daß die Sache sofort gemacht werden mutz, aber der Gedanke ist sehr er- wähnenswcrt, und dem neuen Herrn, dem wir das Volksschulwesen in Berlin unterstellt haben, bietet sich damit eine dankbare Gelegenheit, seine Verdien st e umdieVolksschnle zu dokumentieren. So darf man hossen, daß jener Plan schließlich zum Vorteil der Gemeindeschulen ausschlägt. Den zweiten Antrag Cassel kann ich nur empfehlen. Wir können mit dem Magistrat. nur wünschen, daß jene Absicht unter keinen Umständen in einer Weise ausgeführt wird, durch die die Gemeindeschulen auch nur im geringsten geschädigt werden.(Beifall.) Stadtv. Cassel: Die Anregung des Vorredners kann ja später verfolgt werden. Die Bestimmtheit, mit der der Stadtschulrat für die Realschulen eintrat, hat mich sehr erfreut, aber ich muß doch be- tonen, daß in manchen Kreisen, besonders des Lehrerpersonals, keineswegs derselbe Optimismus herrscht, daß man vielmehr in einigen Lehrkörpern sogar glaubt, die Aenderuug werde schon mit dein 1. April er. durchgeführt werden. Der Antrag Cassel-Singer wird, nachdem der ursprüngliche An- trag Cassel durch die Antwort des Schnlrats gegenstandslos gc- worden, fast einstinimig angenommen. Die Magistratsvorlagen, betreffend die anderweite Regelung der Anstellnngsvcrhältniffe der Zeichcnlehrerinnen an den städtischen höheren Mädchenschulen, betreffend die Fest- setzung einer BcsoldungSordnung für die Turnwarte und Turnlehrer an den vollständigen städtischen höheren Lehr- anstalten, und betreffend die Besoldungsverhältniffe der Lehrer a» der städtischen Taubstumme»- und Blindenschule sind von dem niedergesetzten besonderen Ausschuß zur Annahme enipfohlen, doch mit der Modiftkation, daß die neuen Vorschriften auf die vor dem 1. April 1898 angestellten Taubstummen- und Blindenlehrer nicht ohne weiteres Auwendung finden sollen. Das Referat erstattet Stadtv. Cassel. Die Ausschußvorschläge gelangen ohne Debatte zur Annahme. In den Bebauungsplan Abteilung XIV soll eine neue Straße 9 a auf den Grundstücken Boxhagenerstr. 2/3 von dieser durch- gehend zur R o m i n t e n e r st r a ß e angelegt werden. Auf dem neu zu erschließenden Bauterrain beabsichtigen die Eigentümer 2S Wohnhäuser mit etwa SOV kleinen Wohnungen zu errichten. Die Vorlage wird nach kurzer Beratung auf Antrag Sachs I, der durchaus nicht einsehen kann, warum hier bloß, weil kleine Wohnungen gebaut werden sollen, so besondere Eile eut- wickelt werden müßte, einem Ausschüsse überwiesen. Eine Anzahl von Angestellten der Hailptkasse der städtischen Werke sollen als G e m e i n d e b e a m t e auf Lebenszeit anerkannt werden. Stadtv. Wallach ersucht, die Vorlage dem schon bestehenden Ausschusse für die Regelung der Anstellungs- und Besoldungs- Verhältnisse der städtischen Angestellten zu überweisen. Ohne weitere Debatte wird demgemäß beschlossen. Die Vorlage wegen des Erwerbs des zur Verbreiterung der Prinzen-Nllee von Bad- bis Bellermannstraße erforderlichen Geländes im Wege des freihändigen Erwerbs wird a n g e n o m m e n. Trotz der Vorstellungen des Magistrats sind die Minister des Znnern und des Kultus darüber einig geworden, der Gemeinde Reinitkeudorf schon jetzt die vorläufig widerrufliche Genehmigung zur Abführung ihrer KanalisationSwäffer in den Tegeler See zu erteilen, obwohl die Stadt Berlin jedenfalls noch bis zum 1. Oktober l. I. auf die Entnahme von Trinkwasser aus dem Tegeler See angewiesen ist und wenigstens bis dahin die Tegeler Wasser- werke vor Vermireinigung zu schützen für notwendig hielt. Die Minister halten nur für' erforderlich, daß die Gemeinde Reinicken- dorf gewisse Kautelen für den Betrieb ihrer Kläranstalt beobachtet. Mit der bezüglichen zur Kenntnisnahme vorgelegten Denkschrift zugleich wird die inzwischen am 23. d. M. eingegangene Magistrats- vorläge beraten, wonach die ältere Hälfte des Tegeler Wasser- Werks mit einem Kostenanfwaud von 670 000 M. lwovon 150 000 M. bereits früher bewilligt sind) in eine Grundwasser- Anlage umgebaut werden soll. Zur Aufstellung der Entwürfe für die Umgestaltung des jüngeren Teils(Tegel II) und zur vor- läufigen Beichaffung von Material werden 250 000 M. gefordert. Auf Antrag Schwalbe geht die Angelegenheit an einen Aus- schuß von 15 Mitgliedern, der sofort vom Vorstand ernannt wird und dem auch u. a. die Stadtvv. Dr. Freudenberg und Wurm angehören. Zu Bau-A«Sf»hrunge» in den städtischen Gaswerken und am R ö h r e n s y st e m ist ein Gesamtkostenbetrag von 3 170 204 M. für das Etatsjahr 1901 veranschlagt. Mit den Ar- betten soll schon im Februar d. I. begonnen werden können. Die Forderung wird ohne Debatte bewilligt. Auf dem Gruiidstück der„Vereinigten Mörtelwerke"(Prerauer) zwischen Bachstraße und Schleswiger Ufer soll eine neue Verbindungsstraste angelegt werden. Die Til o W a r d e n b e r g st r a ß e soll von Str. 30 Abt. VII B.-P. nach dem Hausa-Ufer im neuen Hansa- Viertel durchgelegt und das dazu erforderliche, noch im Privatbesitz der Spiekermannschen Erben befindliche Terrain ent- eignet werden. Beiden Anträgen erteilt die Versammlung ohne Debatte ihre Zustimmung. Schluß Vi* Uhr. zu verdienen. Sie schuldete seit sieben Monaten den Miets zins. Köhler hatte ihr wiederholt erklärt, daß sie ziehen müsse. Stets erwiderte die Frau, daß sie dazu b* reit fei und bat sie nur um so lange Frist, bis sie ein andres Unterkommen gefunden habe. Als dies sich immer mehr in die Länge zog, mächte Köhler eines Tags kurzen Prozeß. Er erschien am Vormittag des 7. September v. I. in der Wohnung der Reichstein und erklärte, daß er sie jetzt„an die Luft setzen würde". Er hob zunächst die Thür aus und beauftragte dann die beiden ihn begleitenden mitangellagten Frauen, das wenige Mobiliar der Mieterin Stück für Stück nach dem Hofe zu tragen. Als dies geschehen war, entdeckte Köhler noch auf dem Herd einen Topf, in welchem Kartoffeln kochten. Sie sollten der Frau Reichstein und ihre» Kindern als Mittagsmahl dienen. Die Kartoffeln sollen von der Frau Reuter auf Geheiß Köhlers in den Ausguß geschüttet worden sein. Dies wurde bestritten Frau Reuter behauptete, sie habe die Kartoffeln abgießen sollen, weil Köhler auch den Topf beseitigt sehen wollte. Dabei seien ihr die Kartoffeln in den Ausguß gefallen. Sie habe dieselben wieder herausgeholt, abgewaschen und auf den Küchentisch gelegt. Der Gerichtshof verkannte nicht, daß ein Haus besitzer, der keine Miete erhalte und den lästigen Mieter dennoch nicht los werden könne, sich in einer Üblen Lage befinde, aber das Verhalten der Angeklagten überschreite doch alle Grenzen des Zu lässigen. Köhler wurde zu der milden Strafe von 30 M.. die beiden Mitangeklagten Frauen wurden zu je 10 M. Geldstrafe ver urteilt. Im HclioS-Prozcst plädierte gestern der Staatsanwalt auf schuldig in den meisten Fällen. In zwei Punkten beantragte der Staatsanwalt die Freisprechung gegen Hcinicke beziehungsweise Heiuicke und Garcis. Er hielt es nicht für erwiesen, daß Heiuicke absichtlich zum Nachteil der Gesellschaft handelte, indem er, wie be- hauptct, aber nicht bewiesen worden sei. dem Buchhalter Klotz eine Gehaltszulage zur Abgeltung einer persönlichen Darlehnsschuld be- willigt habe. Auch der Anklagepunft, der auf der Thatsache beruht, daß dem Garcis Platinatiegel der Gesellschaft für ein Darlehn überlassen worden seien, wurde vom Staatsanwalt fallen gelassen. Zu den Strafanträgen hob der Staatsanwalt hervor, daß sich Haase, Heinicke und Richter am schwersten gegen das Gesetz ver- gangen haben. Bei Haase sei zu erwägen, daß im Vertrauen auf seine Persönlichkeit und seine Rcchtskenntnisse die Leute sich dazu verstanden haben, in das Aktienunternehmen ein- zutreten, und daß er es verstanden habe, seine Taschen zu füllen, während alle andren Personen leer ausgegangen seien. Thatsache sei doch, daß der Nachweis fehle, wo 260 000 Mark Aktien hingekommen seien; sie seien den beiden Inserenten Gareis und Nies entzogen worden und wenn man selbst noch die 100000 M. davon abziehe, so bleiben doch noch 160 000 M. übrig, über die die drei Genannten eigenmächtig verfügt haben. Thatsache sei andrerseits, daß alle die Personen, die Aktien gekauft haben— soweit sie hier als Zeugen aufgetreten seien— hr Geld verloren haben und nicht ein Pfennig Dividende gezahlt worden sei. Unter Ausschluß der mildernden Um Itände für Haase, Heinicke und Richter beantragte der Staats- anwalt schließlich: 1. Gegen Hcinicke wegen Vergehens gegen die 249g. 1, 249b. 249 und 249c des Handelsgesetzbuchs, ferner wegen Betrugs in einem Fall neun Monate Gefängnis und 1500 M. Geldstrafe eventuell 100 Tage Gefängnis. 2. Gegen G a r e i s (Z 249a 1) 800 M. Geldstrafe eventuell 30 Tage Gefängnis. 3. Gegen Rieß<§Z 249a 1 und 249c) 400 M. Geldstrafe eventuell 40 Tage Gefängnis. 4. Gegen Dr. Haase i§8 249a 1 und 249b) nenn Monate Gefängnis und 6000 M. Geldstrafe eventuell 400 Tage Gefängnis. 5. Gegen Richter(ZZ 249a 1 und 249b) sechs Monate Gefängnis und 2000 M. Geldstrafe. 6. Gegen Lehmann 5000 M. Geldstrafe, eventuell für 16 M. einen Tag Gefängnis. 7. Gegen Mehlich 800 M. Geldstrafe event. 30 Tage Gefängnis. ** * Nachdem die Verteidiger auf Freisprechung plmdiert und die An- geklagten gleichfalls nocii das Wort ergriffen hatten, zog sich der Gerichtshof zur Urteilsfällung zurück, deren Verkündigung auf heute früh 9 Uhr angesetzt wurde. DevssrnmUuttgcn. Gcrickzks RückstchtSlos-S Vorgehen gegen eine arme Mieterin führte gestern den Hausbesitzer Köhler, seine Vicewirtin Frau Reuter und eine andre Eimvohnerin des Hauses, enie Frau Schulze unter der Anklage der Nötigung bezw. der Beihilfe dazu vor die vierte Strafkammer des Landgerichts I. In dem in der Pappel-Allee belegenen Hause des Angeklagten Köhler wohnte eine Frau Reichstein, die sich in den denkbar schlechtesten Berhältnistcn befand. Ihr Mann hatte sie böswillig verlassen, die Frau hatte Mühe, den notwendigsten Unterhalt für sich und ihre Kinder Der Verband der Möbelpolicrer hielt am 27. Januar seine Generalversammluag ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrten die Anwesenden das Andenken des verstorbenen Kollege» I o h. M i s ch a l l a in der üblichen Weise. Den Jahresbericht gab der Vorsitzende Schulz I. Nach demselben beträgt die Gesamt- Einnahme pro 1900 37 947,61 M., die Ausgabe 30 340,41 M. Das Gcsamtvermögen betrug am 1. Januar 1901 11 657,10 M. Der Mitgliederbeständ betrug am 31. Dezember 1899 1027, am 31. Dezember 1900 1200, also 173 mehr. Demnach sind 60 Proz. aller Berliner Polierer im Verband organisiert. Außer diesen sollen noch ca. 77 dein Deutschen Holzarbeiter-Vcrband angehören. Die Bibliothek ist wieder vergrößert und für Weißen- see und Fricdrichsberg neu eingerichtet worden. Der Ge- samtwert derselben beträgt ca. 2300 Mark. Beschlossen wird unter andrem, daß die' Kollegen, die ihre Verpflichtungen dem Verband gegenüber erfüllt haben, zur Zeit aber arbeitslos sind, für jeden Wochentag im Januar, nach einer sechstägigen Karenzzeit, 75 Pf. Unterstützung erhalten.— Latzowski beantragt: Eine Arbeitslosen- Unterstützung überhaupt einzuführen, jedoch nicht obligatorisch, sondern es den Kollegen freizustellen, sich gegen Arbeitslosigkeit zu versichern. Die Kaffenführuug soll voni Verband unabhängig sein. Der Antragsteller meint, daß ein Wochenbeitrag von 20 Pf. genüge, die Kasse' lebensfähig zu erhalten. Von ver- ichiedencn Rednern wurde die Aussichtslosigkeit des Projekts den Anwesenden klar gemacht; um aber den? Antragsteller gerecht zu werden, wurde eine Kommission von 7 Mitgliedern gewählt, die vorbereitenden Schritte zu unternehmen. Der Vorsitzende wird beauftragt, mit den Kollegen in der Provinz engere Fühlung zu nehmen. Die Lohn- und Arbeitsbedingungen in den Provinzen sind zum größten Teil miserabel, bei 54— 60 stündiger Arbeitszeit werden Löhne von 6, 10 und 12 M. für weibliche, und 13—26 M. für männliche Polierer gezahlt. Den Maurern in Halle werden 400 M. bewilligt. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl wird S ch u l z I als erster und D i t t m a n n als zweiter Vorsitzender gewählt. Zum Schriftführer wird M. S tr o b a ch. zum Kassierer Robert S ch u n k e, zu Rovisoren werden die Kollegen S u i t n e r, M e t h n e r und Söldner gewählt, als Bibliothekar V o l tz und zum Vergnügungskomitee A u g u st Niese. Die Vertreter der Filialversammlung, die in den einzelnen Bezirken gewählt sind, wurden bestätigt. Alt-Glienicke. Am Sonntag, den 27. Januar 1901, fand im Lokal des Herrn Saß die erste Versammlung des socialdeinokratischen Wahlvereins für Alt- Glienicke statt. Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat: 1. Vorsitzender wurde A u g u st S ü s k e, 2. Vorsitzender Ewald Dürre, Kassierer Paul M a m n, i t s ch, Schriftführer Hermann Neue und Beisitzender Karl Rühle. China. Waldersees Bedingungen. Optimistische Gemüter schwelgen bereits in Friedenshosstmngen angesichts eines Schreibens, das Graf Waldersee den Gesandten nach einer Meldung von„Laffous Bureau" unterbreitet hat. In diesem Schreiben legt der Weltgenerallissimus seinen Plan für die Räumung Pekings folgendermaßen dar: „Ehe ein Wechsel unternonmien werden kann, wird die chinesische Regierung z u m mindesten dazu schreiten müssen, die im Nr i e d e'n svertrag verzeichneten Bedingungen zu erfüllen. Ich glaube, daß für diesen Zweck die von Mit- gliedern des diplomatischen Corps verlangte thatsächliche B e- st r a f u n g der Schuldigen, sowie das Versprechen. den verschiedenen beteiligten Regierungen die von ihnen geforderten Kriegsentschädigungen zu zahlen, genügen würde. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, dürfte die Zurück- ziehung der Streitkräfte von Peking und Paotingfn erfolgen. Gleichzeitig könnte die Zahl der Truppen in T s ch i l i h e r a b g e m i n d e r t werden. Es werde indes vor März wegen des Zustands des Flusses und Hafens, sowie bei dem Mangel an Transportmitteln unmöglich sein, die Truppen einzuschiffen. T i e n t s i n und die Nachbarschaft von S h a n h a i k w a n würden von internationalen Truppen besetzt bleiben müssen. bis folgende Bedingungen erfüllt sind. Erstens müßte China beweisen, daß es willens und fähig sei, Frieden und Ordnung in der Provinz Tschili aufrecht zu erhalten und alle Missio- nare, sowie die andern Ausländer wirksam zu schützen. Zweitens müßte die Regierung erklären, in welcher Weise sie das Gold für die Zahlung der Entschädigungen zu beschaffen gedenke, die vorgeschlagene Methode müßte die Billigung der Mächte finden.' Im weiteren besagt der Brief, während der Uebergangszeit müßten i n t e r- nationale Truppen in folgenden Stationen bleiben: 2099 Mann in Peking zum Schutz der Legationen, etwa 6999 Mann im Bezirk Tientsin, Lutai und Taku. 1299 Mann in Shanhaikwan, kleine Besatzungen in sieben Stationen längs der Eisenbahn uns in der Militärstatio» am Peiho. Die Städte Hosiwu, Matou und Tuugchau würden bis zur Räumung von Tschili besetzt und die provisorische Regierung in Tientsin während der Uebergangszeit in Kraft bleiben." Wir können in diesem Schreiben kein Anzeichen für eine baldige Lösung des Chinaproblems erblicken. Selbst die Räumung Pekings und Paotingfus wird von der Vollstreckung der von den Khakimächten geforderten Todes- urteile abhängig gemacht. Unter den zu Exekutierenden befindet sich bekanntlich auch der sehr mächtige und vermutlich noch über eine starke Truppenzahl verfügende General T u n g f u h s i a n g. Auch die Frage der Kriegsentschädigung wird sich nicht aus dem Hand- geleuk heraus erledigen lassen. Aber selbst wenn bis zum Frühjahr diese Dinge derart erledigt wären, daß die Zurückziehung der Truppen aus Peking und Paotingfu erfolgen würde. würde erst das U e b e r g a n g s- st a d i u m eintreten. das noch immer 12—16 000 Mann Besatzungstruppen erfordern würde. Da Rußland, Amerika und Japan nicht in Frage kommen, würde Deutschland den größeren Teil dieser Truppen zu stellen haben, und zwar auf einstweilen unabsehbare Zeit. Wozu noch die Ver« tärkung der Besatzung von Kiautschou kommen würde. Es liegt also nicht die mindeste Ursache zu der Annahme vor, daß wir so billigen Kaufs aus dem China-Abentcuer davonkommen würden. Außerdem liegt gerade jetzt wieder eine Nachricht über neue große Expeditionen im Innern Chinas vor. AuS Tientsin berichtet nämlich die„Frkf. Ztg.": Die Deutschen prengten das Arsenal von Tschikn in die Luft.— Eine groste deutsche Expedition hat Peking verlassen, sie marschiert nach der Hauptstadt von Schansi und nahm für 4 Wochen Vorräte mit. Ende März kommen die neuen, für das deutsche Expeditionscorps bestimmten Vorräte in Taku an, ebenso Sommeranzüge. Das Sicheinlassen in neue abenteuerliche Expedi- ti o n en und die Absendung von S o m m e r a n z ü g e n spricht wahrhaftig nicht für die ernstliche Absicht, China sobald als mög- lich zu räumen I Weitere Expeditionen. Waldersee meldet am 31. Januar aus Peking: Die Kolonnen Hoffmann und Auer sind ohne Zwischenfall zurück- gekommen, da die Räuber durch vorzüglichen Nachrichtendienst recht- zeitig gewarnt worden sind. Eine verhängnisvolle Explosion. Die„North China Daily News" melden: Bei der Ver- n i ch t u n g chinesischen P ujl v e r s in Shanhaikwan wurden durch eine Explosion 49 japanische Soldaten getötet und zwei englische Soldaten verwundet. Ein Attentat. Dem„Standard" wird aus Tientsin gemeldet: In Peking hat gestern ein Däne Namens Lindberg seine Frau und dann sich selbst erschossen, nachdem er einen englischen Offizier verwundet hatte. Der letztere wird wahrscheinlich mit dem Leben davonkommen. Ein Glück, daß die behörnten chinesischen Ehemänner sich weniger rabiat gebärden!_ Uetzke MKchvichten und Depeschen. Französische Dcpntiertenkammcr. Paris, 31. Januar.