Ur. 32. Adomuments-Kedingungen: Abonnements-Preti pränumerando! Vierteljahrs 3,30 Ml,, monatl.I.10Mk., wöchentlich 28 Pfg. sret inS HauS. Eimelne Numm-r 5 Psg. EonnlagS- Nummer mir itluNiierler Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste für 1901 unter Nr. 7671. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland s Marl pro Monat. 18. Iahrg» Die Instrtilms-Gevlly» � deträgt für die sechSgespaltene Kolonist» zeile oder deren Raum io Pfg„ für polMsche und gewerlschastliche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anjelgen» jedes Wort 5 Pjg. (nur da» erst« Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr nachmittag» in derExpedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen btS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bt» S llhr vormittags geöffnet. Erscheint täglich«utzer Montag». Vevlinev Volksblstt. Telegramm- Adresse t «Sorialdemokrak Vrrlin» Centrawrgan der socialdemokratischen Qaxiti Deutschlands. Redaktion: 19, Veuth-Slratze 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1808. Donnerstag, den 7. Februar 1901. Expedition: SW. 19, Venlh-Stratze 3. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 5121. Schweinburgsche Statistik. Mit der Skrupellostgkeit, die sie seit jeher ausgezeichnet hat, setzt die agrarische Presse ihre statistischen Fälschungen ungeniert fort, mögen ihr auch immer wieder die gröbsten „Irrungen" nachgewiesen werden. So leisten sich neuer- dings die Schweinburgschen„Berliner Politischen Nachrichten" folgende famose Beweisführung für den handelspolitischen Nutzen hoher Schutzzölle: »Zu den am häufigsten angewendeten Kampfmitteln gegen eine energische Schutzzollpolitik gehört die Behauptung, daß unter einer solchen die Ausfuhr leide und demzufolge auch die an der Ausfuhr beteiligten heimischen Erwerbszlveige. Aber auch diese Behauptung wird, wie die meisten sreihändlerischen Behauptungen, durch die Thatsachen auf das bündigste widerlegt. Unbestreitbar verfolgen die Bereinigten Staaten von Nordamerika die plan mäßigste und encrgischte Schutzzollpolitik. Zugleich aber nimmt die Ausfuhr der Bereinigten Staaten in einem Maße zu. wie die keines andern Kulturlandes. So ist nach den von dem Rcichsamt des Innern herausgegebenen Nachrichten für Handel und Industrie die Ausfuhr der Vereinigten Staaten von 1253 Millionen Dollar im Jahre 1893 auf 1478 Millionen Dollar im Jahre 1900, also in einem Jahre um nickt weniger als 18 Proz. gestiegen. In dem gleichen Zeitraum hat sich die Ausfuhr Deutsch lauds trotz seiner festen und langfristigen Handelsverträge nur von 4368 Millionen Mark auf 4555 Millionen Mark, also noch nicht eimnal um voll 4 Proz. gehoben. Man steht also, daß die strengere Schutzzoll-Politik der Vereinigten Staaten der Aus fuhr jenes Landes und den beteiligten Erwcrbszweigen nicht nur nicht geschadet, sondern erheblich mehr genutzt hat, als selbst unsre Politik langfristiger Handelsverträge uusrer Ausfuhr, und in an ist daher zu dem Schlüsse berechtigt, daß wenn demnächst auch bei uns wichtigen Zweigen des Erwerbs- lebens ein wirksamerer Zollschutz gewährt werden soll, dadurch unsre Ausfuhr nicht geschädigt wird." Man weiß nicht, worüber man mehr erstaunen soll, ob über die Unverschämtheit oder über die Einfältigkeit, mit der hier aus den Ergebnissen eines einzigen Jahrs die weitgehendsten Schlüsse gezogen werden, ohne dast irgend wie auf die besonderen Entwicklungsverhältnisse der beiden miteinander verglichenen Länder eingegangen wird. Ebenso gut, wie mit den Vereinigten Staaten, läßt sich die Handels- entwicklung Teutschlands mit jener Rußlands und Frankreichs vergleichen, die ebenfalls die Bahn einer strengen Schutzzollpolitik eingeschlagen haben und von denen das letztere überdies seit 1892 die agrarische Forderung des Doppel- tarifsystems durchgeführt hat. Hier aber zeigt sich sofort ein andres Bild. Die Ausfuhr beider Länder ist in den letzten Jahren nicht nur relativ, sondern sogar absolut zurückgegangen, diejenige Frankreichs im vorigen Jahre z. B. um ungefähr 81 Millionen Franks. Außer den natürlichen Reichtiiniern eines Lands, seiner Bodenqualität, seinen Wasserverhältnissen, seinem Mineralreichtum zc. kommen auch seine politisch- sociale Lage sowie eine ganze Reihe alljährlich wechselnder Umstände, beispiels weise der Ausfall der Ernte, mit in Betracht. So weist denn auch, und zwar gilt das noch weit mehr von den Vereinigten Staaten als von Deutschland, die Steigerung in den einzelnen Jahren die stärksten Schwankungen auf. Gehen wir nur ein Jahr weiter, also auf das Jahr 1898 zurück, so ergiebt sich sofort ein ganz andres Resultat; denn in diesem Jahr betrug die amerikanische Ausfuhr(ohne Edelmetallexport) bereits rund 5181 Millionen Mark, im Jahre 1899 5262 Millionen. Es hat also im vorletzten Jahr nur eine Zunahme von 81 Millionen Mark stattgefunden, während die deutsche Ausfuhr im gleichen Zeitraum um 357,8 Mil- lionen Mark stieg, also um weit mehr als das Vier- fache. Doch nicht nur, daß die„Berl. Polit. Nachrichten" sich eine völlig wertlose Gegenüberstellung der Ziffern gestatten, sie fälschen auch noch. Die Zahl von 4555 Millionen Mark giebt keineswegs den wirklichen Wert der deutschen Ausfuhr im vergangenen Jahr an, sondern, wie die offizielle Statistik deutlich hervorhebt, eine Berechnung der letztjährigen Ausfuhr nach den Einheitswerten von 1899. Da aber die Preise vieler Ausfuhrartikel von 1899 bis 1909 bedeutend gestiegen sind, erhöht sich die Gesamtwertsumme noch beträcht- lich, wahrscheinlich um ungefähr 300 Millionen Mark. Daß den„Berliner Polit. Nachrichten" diese Thatsache be- kannt war, daran ist kaum zu zweifeln, denn das Gegenteil annehmen zu wollen, hieße das ministerielle Organ doch tiefer einschätzen, als es steht; so bleibt nur die Annahme, daß es sie bewußt zum Zweck seiner Beweisführung unterschlägt. Läge dem offiziösen Blatt wirklich daran, zu erfahren, wie die Handelsverträge auf die Ausfuhr gewirkt haben, dann bietet sich hierzu ein weit besseres Mittel: es braucht nur nachzusehen, in welchem Maße die Ausfuhr seit Abschluß der Handels- Verträge nach den Vertragsländern und nach den Nichtvertrags- ländern gewachsen ist. Nun betrug in 1892 die deutsche Ausfuhr im Special- Handel 3150 Millionen Mark, 1899 dagegen 4368 Millionen Mark. Es stieg also der Export um 1218 Millionen Mark oder um beinahe 39 Proz. An dieser Ausfuhr waren in den betreffenden beiden Jahren beteiligt: Oestreich-Ungarn.. Rußland mit Finnland Schweiz..... Belgien..... Italien..... Rumänien.... 1892 376,6 Mill. M. 239,5„„ 173,8.. 140,7„„ 91,2., 39,4„„ 1899 466,0 Mill. M. 437,3„. 284.7,, 207,1.„ 116,0„. 36,8„„ 1061,2 Mill. M. 1547,9 Mill. M. Das ergiebt für die sechs Vertragsstaaten eine Steigerung von 486,7 Millionen Mark oder rund 46 Proz. Demnach bleibt für die Nichtvertragsstaaten nur ein Zuwachs von ungefähr 731 Millionen oder nicht ganz 35 Proz. Daraus folgt als klares Facit, das alle agrarischen statistischen Experimentierkünste nicht aus der Welt schaffen, daß unsre Ausfuhr nach den Vertragsländern ungleich stärker gewachsen ist, als nach den Nichtvertragsstaaten, daß also die Handelsvertragspolitik zu Anfang der neunziger Jahre ganz wesentlich zur Förderung der deutschen Ausfuhr beigetragen hat.—_ NolMsche Mevevfichk. Berlin, den 6. Februar. Der Reichstag sah am Mittwoch das Gespenst der lex Heinze dem Grabe entsteigen. Wieder wurde die„Unmoral" vor die Schranken gefordert; wieder feierte das Muckertum seine Orgien; wieder focht Herr R o e r e n für das, was e r Jugend, Moral, gute Sitte. Anstand nennt und was er durch Polizeimacht geschützt zu sehen verlangt. Der freisinnige Antrag Bargmann betreffend Auf Hebung der Theatercensur entfaltete am heutigen — wie schon am vorigen Schweriiistage— eine lebhafte Debatte, der wiederum am BundesratLtisch nur e i n einsamer Geheimrat beizuwohnen für gut befand. Erster Redner des Tags war der nationalliberale Führer Bassermann. Seine Rede, der es nicht an einigen guten Partien und glücklichen Wendungen fehlte, war doch im Grunde ein fortgesetztes„Wenn" und„Aber". Herr Bassermann billigt die„Grundforderung" des freisinnigen Antrags, hat aber Be denken" gegen die völlige Aufhebung der Theatercensur; echt nationalliberal sucht er nach einem Mittelweg; er glaubt einen solchen gefunden zu haben, indem er„für ge wisse Fälle" der Polizei das Recht vorbehält, Aufführungen zu verbieten. Zu diesen„gewissen Fällen" gehören„unruhige Zeiten"; zu solchen unruhigen Zeiten rahnet der socialpolitisch erleuchtete Herr Bassermaun auch Streikbewegungen. Herr Bassermaun schlug schließlich K o m m i s s i o n s beratung vor. Von einer solchen wollen die Konservativen und die Centrumsleute nichts wissen; sie halten es für bequemer, den Antrag Bargmann kurzerhand in den Papierkorb zu werfen. Der Konservative Himburg, der Ultra montane Rae reu hielten ihre schon von der Heiuzc-Zeit her bekannten Reden; der elftere ist völlig mit der Censur, wie sie jetzt geübt wird, einverstanden; dem zweiten— ist sie noch zu milde; nur von politischen An s p i e l u n g c n will er gnädigst einige mehr durchlassen, als der Censor. Nebenbei entdeckte Herr Roeren zur Abwechslung einmal wieder sein partikularistisches Herz, indem er den Antrag als einen Eingriff in die Landesgesetz- g e b u n g bezeichnete: das Centrum ist eben bald partikula- ristisch, bald unitarisch, wie es gerade trifft, und wie es seinen jeweiligen Interessen am besten paßt. Von der Linken sprachen Pachnicke und Stadthagen. Dr. Pachnicke von der freisinnigen Vereinigung wies darauf hin, daß Staaten wie Hamburg und Braunschweig den Beweis dafür erbringen, daß man selbst in Deutschland ohne Censur auskommen kann. Eine gründliche Abrechnung mit der Theatercensur, mit der Prüderie und der Heuchelei hielt in einer an humoristisch-sattrischen Bemerkungen reichen Rede Genosse Stadthagen. Unser Redner ließ die Geißel des Spotts auf dem Rücken jener Herren tanzen, die aus ihrer verdorbenen Phantasie heraus, die sie natürlich auch bei anderen voraussetzen, nach dem Censor, nach der Polizei und der Knebelung der Kunst schreien. Ein Ari stophanes, meinte Stadthagen, würde uns not thun, der mit souveränem Spott unsre litterarischen und politischen »stände geißelt; aber die Censur, setzte er sofort unter großer eiterkeit hinzu, würde seine Stücke nicht zur Aufführung en lassen. cit Stadthagens Rede schloß die Sitzung. Die Fort- etzung der Beratung wurde auf den nächsten Schwerinstag vertagt. Donnerstag: Fortsetzung der Debatte über den Etat des Reichs-Justizamts._ Die Kaualbebatte geht nur langsam vorwärts. Am Mittwoch erlebte man das Schau- piel, daß ein Parteigenosse des Freiherrn v. Zedlitz, der waschechte Agrarier v. T i e d e m a n n, sich gerade im Interesse der Landwirtschaft für den Kanal aussprach. Der Abg. Tiedemaim hat bereits vor zwei Jahren den Mittelland- Kanal als das geeignetste Bindeglied zwischen dem Osten und dem Westen bezeichnet, er ist damals infolge seiner kanalfreundlichen Haltung nicht nur von der.Deutscheu Tageszeitung" in Acht und Bann er- klärt worden, sondern auch ein Teil seiner Wähler hat gegen ihn Stellung genommen. Aber er ist nicht bekehrt worden und 1 hält auch heute noch an seinen ketzerischen Anschauungen fest. Er habe eS nie verstanden, meinte er, wie der Bund der Landwirte gegen den Kanal Stellung nehmen konnte, der den Osten mit dem kaufkräftigen Westen in Verbindung bringe. Jetzt fehle es der Landwirffchaft des Ostens an einer Industrie, iväre eine solche vorhanden, so würde auch der Zug der Arbeiter nach Westen abnehmen, denn sie könnten dann zeitweise in der Land- ivirtschaft und zeitweise in der Industrie arbeiten, und der Absatz der landwirtschaftlichen Produkte wäre ein größerer, namentlich wenn erst die Getreidezölle erhöht wären. Gegen diese Anschauungen ivandte sich mit großer Schärfe der Abg. v. Staudy(k.), der seine Freunde gegen den Vorwurf in Schutz nahm, als ließen sie sich von agrarischen Interessen leiten; sie seien keine principicllen Kanalgeguer, sondern fürchteten nur den un- heilvollen Einfluß deS Kanals auf die Staatsfinanzen. Im übrigen fei es Aufgabe der Kommission, die Reihenfolge zu bestimmen, in der die einzelnen Projekte zur Ausführung kommen sollen. Die ent- sprechenden Summen müßten dann jährlich in den Etat eingestellt werden. Damit ist die Brücke gebaut, auf der es zwischen Regierung und den Kanalrebellen zu e i n e r V e r st ä n d i g u n g kommen könnte. Die Reden der Abgg. Gothein sfrs. Vg.) und Wallbrecht (natl.) für den Kanal faßten noch einmal die bekannten Gründe zusammen. Die Reden der Kanalgegner Schwarze(C.), F e l i s ch(k.), v. Arnim(k.) und v. Zedlitz(k.) enthielten über- Haupt keine Argumente, die der Erwähnung wert sind. Auch die Minister sagte» nichts Neues mehr. Die Beratung ivird am Donnerstag fortgesetzt.— Englischer Byzantiniömuö. ES ist nicht eben englische Art, gekrönte Häupter übertrieben zu umschmeicheln. Um so auffälliger ist es. daß sich ein erheblicher Teil der englischen Presse bei der langen, nunmehr beendigten An- iveseuheit Wilhelm II. in England einer überschwenglichen Rede- weise bedient hat, wie man sie bei uns etwa vom.Kleinen Journal" gewöhnt ist. Diese Anpassung an deutsche Gepflogenheiten kann nur daraus erklärt werden, daß man sich von solchem Verfahren Nutzen ver« spricht. Man hat wohl angenommen, daß man mit den künstlich er- hitzten Huldigungen Eindruck erzielen und.diesen Eindruck für englische Zwecke fruchtbar machen könne. So sehr wir eine engere Verbindung und ein freundschaftliches Verhältnis zwischen dem deutschen und englischen Volk wünschen, so wenig können wir damit einverstanden sein, wenn der englische Großkapitalismns, der imperialistische Weltraubpolitik treibt, ganz offenbar darauf ausgeht, durch lockende Manöver Deutschland für seine Geschäftsinteressen zu mißbrauchen. Wiederholt möchten wir darauf hinweisen, daß in der Chinafrage England den uAont provocateur gespielt hat. und daß das Deutsche Reich sich durch die englischen Sensations- und Alarmnachrichten in ein völlig sinnloses Abenteuer hineinlocken ließ. Die militärische Ohnmacht, die sich im Transvaal-Kricg so grell offenbart, zwingt England dazu, in Deutsch- land ein gefügiges Werkzeug für seine Interessen zu werben. Zu solchen Liebesdiensten hat aber Deutschland nicht den mindesten Anlaß. Bei den Reichstags-Verhandlungen über den Empfang Krügers ivehrte sich der Reichskanzler Graf Bülow mit großem Nachdruck gegen eine Intervention zu Gunsten der Bocrenrepublik und sprach sich für strikte Neutralität aus. ES scheint jetzt aber kaum noch zweifelhaft, daß es um diese Neutralität auf deutscher Seite seltsam bestellt ist. Bestätigt sich die Nachricht, daß Lord Roberts, der bisherige Oberstkommandierende im Boerenkrieg, den höchste» preußische» Orden, den Schwarzen Adler-Orden erhalten hat, so beleuchtete daS die Lage sehr grell. Wie würde man in England schreien, wenn etiva der heldenmütige Boerenführer De Wet auch nur den Roten Adler-Orden vierter Klasse, geschweige den Schivarzen Adler-Orden erhalten würde. Die kulturelle Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und England zu forden:, ist sicher eine der wichtigsten politischen Auf- gaben. Wenn aber Deutschland verleitet werden soll, für das britische Reich, das einen verbrecherischen Eroberungekrieg wider ein kleines freies Volk begonnen hat, jetzt, wo dieser Krieg dem Schuldigen schwere Ungelegenheiten bereitet, die Kastanien aus dem Feuer zu holen— so protestiert auch die englandfreundliche Social- demokratie gegen einen solchen Bund. Wir haben um so weniger Anlaß, dem britischen Imperialismus deutsche Beihilfe zu leisten, als ja auch die englischen Arbeiter Gegner dieser ebenso ruchlosen wie gefahrvollen Weltpolitik sind. Die plumpen Ausbrüche des heuchlerischen Byzantinismus der englischen Kapitalistenwelt werden geradezu beleidigend und be- chämend für das deutsche Volk. Welche Vorstellungen muß man drüben von den politischen Zuständen und Möglichkeiten in Deutsch- land haben, wenn man mit derlei rohen Mitteln Erfolge erzielen zu können wähnt I— Deutsches Weich. Herr Direktor Otto Sande», der Bruder des verhafteten frommen KommerzienratS, gehört zu den furchtlosen Männern, die auch auf den Trümmern des Erdballs nicht erschrecken würden. Am Mittwochvormittag er- tattete er der Generalversammlung der Aktiengesellschaft ür Grundbesitz und Hypotheken verkehr einen Bericht über die Umstände dieser swichtigstcn und größten von den Filialen deS Sanden-Klllngels,— einen Bericht, der von dem unverwüstliche» Optimismus der Familie Sauden ein glänzendes Zeugnis ablegt. Die Aktiengesellschaft für Grundbesitz-c. ist von tcr Htipothekenbaiik seiner Zeit gegründet lvorden, nm auf der Bank lastende Grundstücke an übernehmen. Sic ist sehr bald die Müllgrube für den Schutt aus der Verbindung derHypothekenbank mit Anhalt u. Wagner geworden. Der Bericht giebt von den vielen in diese Müllgrube nach und nach abgeschobenen faulen Werten und den Bedrängnissen des Generalkonsuls Schmidt(Anhalt u. Wogner) eine Ueberstcht, die sehr kennzeichnend ist. Allemal, wenn Verlegenheiten von Anhalt u. Wagner die Hypothekenbank bedrohten, wurde die Müll» grübe aufgeklappt und der Schutt abgeladen. Herr Otto Sonden behauptet aber, baß die Stettiner und WilmcrSdorfer Terrains und Häuser seiner Gesellschaft so viel wert seien, dnst sie alle jene Verluste tragen und noch Gewinne abwerfen konnten, wen» nur die Scheinhypothek von 20 Millionen gelöscht und der Gesellschaft Mittel und Zeit zur Verwertung gewährt würden. Neuerdings, das heißt nach Eintritt des Krachs, sind für weit über eine Million Parzellen in Stettin verkauft. Mit diesem Verkauf hat e» aber, wie Herr Grundschuldliquidator Eupel enthüllte, eine eigne Bewandtnis. Es sind gerade diejenigen Parzellen verkauft. dw an schon fertigen Straßen liegen, außerdem sind die Ver- kaufe zu niedrige» Preisen, zum Teil an unsichere Leute und niit nur 10 Proz. Anzahlung gemacht. Dies« 10 Proz. sind weiter mit 1>/z Proz. für allgemeine Kosten und 8'/» Proz. Pro- Vision für die Verkiiitfe darauf gegangen. Bon den S'/s Proz. hat der Stettincr Vermittler Kopke 6 Proz. und der Direktor der verkaufenden Gesellschaft, eben Herr Sande« s e l b st. 2Vs Proz. bezogen. Herr Sauden erklärte erregt, daß diese 2Vs Proz. ihm laut Aufsichtsratsbeschluß zukamen. Die Bemerkung des Herrn Eupel, daß durch eine solche Provision ein Direktor einer Terraingescllschaft angereizt werde, gegen daS Interesse feiner Gesellschaft Verkäufe zu forcieren, wies Herr Otto Sauden unter Berufung auf seinen Charakter zurück. Herr Sauden hat durch diese 2 Prozent in den Monaten des Krachs noch etiva 30 000 M. eingestrichen, der Stettiner Vermittler etwa 70 000 M. Das letztere findet Herr Sauden ebenfalls ganz in der Ordnung, unter anderm auch deshalb, weil der Vermittler den ganzen Verkehr mit den Behörden be- sorge! Ist denn der so kostspielig oder so schwierig? Der Bericht behauptet, daß die Stettiner Grundstücke mindestens 10 Millionen mehr wert seien, als sie in der Bilanz erscheinen. Die Generalversammlung wählte einen neuen AufsichtSrat und eine Kommission, welcher die Direktion Rechnung legen soll. ES ist kein Zeichen einer tüchtigen Geschäftsführung, daß die SanitätSräte der beiden Banken nicht früher als Monate nach ihrem Krach Herrn Sauden verhindern konnten, für mehr als eine Million TerrainS zu verkaufen, während fast d i e ganzen Aktien der Gesellschaft für Grundbesitz und Hypotheken (4 Millionen) in den Händen der beiden Banken sind. Warum hat man nicht sofort Schritte gethan, um die Filiale selbst in die Hand zu nehmen?—_ Die Delegierten- Bersammltrng des Centralvertandö deutscher Industrieller beendete am Mittwoch ihre Beratungen. Zunächst wurden zwei socialpolitis che Fragen behandelt. Rechtsanwalt W a n d e l« Essen verteidigte die Ausschließung des den Arbeitern günstigen Z 616 des B. G.-B., der die Werter- z a h l u n g d e S Lohns an den»während verhältnismäßig nicht erheblicher Zeit ohne sein Verschulden verhinderten Dienstpflichtigen" vor- schreibt, auSdemArbeitsvertrage. Dr. H a ß l a ch e r-Gelsen- kircheu suchte durch einseitig« Auslegung des das Recht des Arbeiters besser, als eS früher der Fall war, schützenden§ 894 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs eine vermehrte Zulassung von Lohn- a b z ii g e n als erlaubt zu erweisen. Der Centralverband ist eifrig am Werke, die geringen Vorteile, die das neue Bürgerliche Gesetzbuch den Arbeitern bringen kann,«klein zu bekommen". Weiter wandte sich die Versammlung nach Anhörung einiger Referate gegen die Bestrebungen, eine R c i ch s a n f s i ch t über die Shndlkate herbeizuführen.— Der Fünf Mark Zoll. Die»Frankfurter Zeitung" läßt sich an? Petersburg melden, Finanzmiuister Witte werde gegen einen Getreidezoll von höchstens fünf Mark keinen ernsten Wider- f p r u ch erheben. Es scheint in der That, daß der Reichs- k a n z l e r sich im stillen Rußlands Z u st i m m u n g zu einer Zollerhöhung in diesem Umfange vergewissert hat. Wenn dies richtig ist— und es verlautet seit längerer Zeit, daß man sich niit Rußland abfinden und mit Amerika es auf einen Zollkrieg ankommen lassen werde— so ist das ein Grund mehr, mit allen Mitteln gegen den Brotwucher sich aufzulehnen.— Gegen Erhöhung der Getreidezölle erklärte sich eine große polnische Reichstagswählcr-Versammlung in Posen.— Die Kornwucher heischende« VolkSparteiler, die am letzten Freitag in der württembergischcn Zweiten Kammer sechs Mann stark für Erhöhung der Getreidczölle eingetreten sind, werden von der„Münch. Allg. Ztg." als Bundesgenossen und Eides- Helfer der Brotlvucherer freudig bewillkommt. Das Eintrete» dieses halbe» Dutzend volksparteilicher Saulusse für die Erhöhung der Äetreidezvlle werde auch für dieReichstags-Verhandlungen nicht ohne Bedeutung sein. Denn wenn die Richter oder F i s ch b e ck und Genossen dann gegen Junkerwm und Getreide- ivncher wetterten,«verde ihnen von' der ander» Seite mit Recht entgegenschallen:„Was ivollt ihr denn, ihr sonderbaren Leute; e»re Parteifreunde im gelobten Lande der Demokratie find ja selbst für den Zollschutz eingetreten." Trotzdem ist das Blatt freilich hämisch genug, über die Ab- stimmung der schmählich Umgefallenen die volle Schale verächtlichen Spotts auszugießen: „Es wäre unschön und thöricht, einen bekehrten Gegner und nunmehrigen Bundesgenossen mit Spott und Hohn zu begrüßen: besser spät zur Vernunft kommen als überhaupt nicht. Aber davon ist ja bei der ivürttembergischen Bolkspartei gar keine Rede. Nicht der Ver- tiefung der Einsicht in da» staatliche Erfordernis und einer veränderten Beurteilung der lebendige» wirtschnstlichen und polift- schen Kräfte ist das so seltsam dem Parteiprogramm Ivider- sprechende Votum zuzuschreiben, sondern der Interessen- Politik im niedrig st en, weil persönlich st en Simie, und daher ist nicht etwa von jenem Ereignis eine fortschreitende Gesundung jener Oppositionspartei zu einer praktischen Reform- Partei zu erwarten. Diejenigen sechs Abgeordneten mid ebenso die Mitglieder der Partei, die, ohne in der Abstimmung für die Zoll- resolution einzutreten, in der Debatte sich zollfreundlich auS- gesprochen haben, wie ihr Führer Zt. H a u ß m a n n, find in Kreisen gewählt, wo die landwirtschafttreibende Bevölkening überwiegt und der Bauernbund große» Einfluß ge- Wonnen' hat. Lediglich daraus erklärt sich ihre Haltung, die bei jedem andren vielleicht begreiflich, ja pflichtgemäß wäre, nur nicht bei denen, die eingeschriebene Mitglieder der Volkspartei sind und bleiben; denn diese verwirft grundsätzlich die„künstliche Verteuening der notwendigen Lebensmittel durch indirekte Steuern und Zölle."(Diese Worte sind dem Partei- Organ selbst entnommen.) Wenn Principien überhaupt einen Sinn haben, so war am Freitag der Zeit« Punkt gekommen, Ivo die Volkspartei in« Halb- n, ondsaal ihnen ihre Treue bezeigen konnte. Aber dann hätten Mandate gefährdet werden können. Wie berechtigt jedoch ist der Hinweis der Getreidezollfreunde, daß das Bedürfnis der Landwirtschaft nach Erhöhung der Kornzölle wirklich dringend sein muß.>vc»n die volksparteilichen Abgeordneten, die sich über die Stimmnng ihrer Wähler und über ihr eignes Interesse doch nicht täuschen werden, lieber ihre Principien ver- raten und sich dem Gelächter allerWelt preiS- geben, alsdenZornihrerWähleraufsichladen." < Auf der am 0. Januar in Stuttgart stattgefundenen Landes- v e r s a m m lu n a ver schwäbischen Volkspartei donnerte auch der Abg. Pay«r unter dem„langanhaltenden und stürmischen Beifall" der„glänzend besuchten Versammlung" gegen die B r o t w u ch e r- gelüste der Agrarier, durch die die Handels- politischen Beziehungen Deutschlands zum AuS- land außerorventlich gefährdet, Handel und Industrie geschädigt und eine«ungerechte Ueber- lastung der Brotkonsumenten" herbeigeführt werden würde. Wahrscheinlich waren unter den Beifallspen- dead en auch etliche der sech» Landtags» Lbgeordueten, die am Freitag mit fliegenden Fahnen ins Lager der Brotwucherer übergingen. Ob Herr M u s e r. der an demselben Tage für die bürgerliche Demokratie daS„Recht de« Optimismus" in Anspruch nahm, nach dem jämmer« lichen Principienverrat der sechs Schwaben noch immer nicht von seinem unverwüstlichen Optimismus geheilt ist? Gleichfalls nach Herrn Muser beruht der Erfolg der Socialdcmokratie darauf,„auS den, demokratischen Golde gangbare Münze zu prägen". Jedenfalls versteht es die Volkspartei, ihr kostbares Principicngold n n g e m ü n z t in der Schatzkammer ihres Programms ruhen zu lassen. Ob mau iveuigstenS mit den sechs programmverlengnenden Mandatklebem gründliche Abrechnung vornehmen wird?— Zu noch höherem Adlerflng als am 17. Januar hat sich der Präsident des Reichstags Graf Ballestrem bei dem am Dienstag- abend gehaltenen Festmahle zu Ehren deS Kaiser-Geburtstags emporgeschwungen. Sein Trinkspruch zeichnete den Kaiser also: „In allerkürzester Zeit— Graf Ballestrem sprach von der Chiua-Expedition— wurde eine Truppemnacht auf die Beine ge- bracht, ebenso organisiert wie die deutsche Armee und dennoch ihr nicht einverleibt; in der kürzesten Zeit wurden, was gelvtß unsren Kaiser, der immer so viel Sinn und' so viel VirständniS für die Angelegenheit auf dem Meere gehabt' hat, hoch erfrenen mußte,— in der kürzesten Zeit wurden von unsrer Handelsmarine, von unsrer Postdampfschiffs- Marine die nötigen Schiffe gestellt, um diese Trnppen und alles, was dazu gehört, ausschließlich aus deutschen Schiffe»»ach Ostasien zu bringen. Es war jeden- falls ei» großartiges Werk, wie es noch nicht da- gewesen ist. Und wenn Seine Majestät der Kaiser auf dasselbe zurückblickt, so wird Stolz u n d, B e fr i e d i g u n g sein Herz schwellen lasten, und er wird sich sage»: das, waS meine Voreltern vorbereitet in mühsamer Zeit, was ich fortgepflcgt, das hat herrliche Früchte getragen, und daS bat eS bewiesen, daß wir allen Anstrengungen gewachsen sind. Und das wird unser Ansehen im Auslände erhöhen und wirb dem Vaterlande zum Segen gereichen!... „So hat nun unser Kaiser eigentlich einen schönen Rückblick auf das letzte Jahr seines Lebens. Und wenn wir ihn bei allen diesen Gelegenheiten betrachten, und nicht nur bei dielen feierlichen Gelegenheiten, sondern auch zwischen denselben im täglichen Leben, so sehen>vir, daß unser kaiierlicher Herr immerfort im Dienste ist,— vom frühen Morgen bis zum späten Abend— so einen Herrn kann man ja verfolgen, denn es wird ja in den Zeitungen genau berichtet, was er thut— er ist immer im Dienst des Vaterlands, im Dienst der Allgemeinheit, sei eS als Kriegsherr zu Lande und zu Wasier, sei e» als Regent seiner Staalen. sei es als Protektor der Wissenschast, sei eS als Mäcen der Künste, immer ist et ein hohes, hehreS Beispiel treuer Pflichterfüllung für jeden Deutschen. Meine Herren, mögen auch die Mitglieder deS Reichstags sich ein Beispiel nehmen am kaiserliche» Herrn(Heiterkeit und Bravo!) und in steter Pflichterfüllung ihren Dienst thun! Das wäre ein Rück- blick für uns, der unS sehr heilsam wäre." Selbst wenn der übliche Ueberschwang bei derartigen Trink- sprüchen vom nüchternen Beurteiler in R-cbnung gebracht wird, bleibt das höfische Talent de« ReichstagS.Präsidenten aller An- «rkennnng wert. Die Erklärung des von allen großen Parteien des Reichstags mit skeptischem Mißtrauen betrachtete» C h i n a z u g e s zu einem«großartige» Werk", auf daS der Kaiser»mit Stolz und Befriedigung" zurückblicken dürfe und das„herrliche Früchte' getragen hat— dies ist eine Leistung, um die der alldeutscheste Wclipolttiker den Reichstags- Prästdeuteil neiden kann. Wenn der Humor des Herrn v. Ballestrem dem Reichstage die Arbeitsamkeit des Kaisers als Vorbild setzt, so werden vielleicht seine Centruinsparteigenossen ihm antworten, er möge nur eine cnt- sprechende Summe aus dem Steuersäckel als Diäten für die Ab- geordneten in Borschlag, bringen.— Erhöhung der Zuckerpreise durch de« Zuckerring. Die ,,Vosi. Ztg." führt den Nachweis, daß seit der Bildung des Zucker- rings im Jahre 1899 der Preis für raffinierten Zucker um 10,80 M. pro Doppelcentner gesteigert worden ist, wohingegen der Preis des nach dem Ausland ausgeführten Rohzuckers noch um 40 Pfennige gefallen ist. Der deutsche Koiliument muß das Pfund Zucker mit Z2 Pfennigen bezahlen, während dem Ausländer das Pfund Zucker nur 12 Pfennige kostet.— Moment- Bilder auS China. Die Pariser Zeitung«La vie illustrse" hat einen Berichterstatter nach China entsandt, der zahlreiche photographische Momentaufnahmen gemacht hat, die in dem genannten Blatt reproduziert werden. Lucia» Leroy kam nach Tieutsin, als dort der Kampf bereits vorüber war. Eins der Bilder zeigt das Hauptquartier deS französischen Generals Frey. Bor dem Palast liegen aufgestapelt ganze Berge von Porzellan, Nippsachen, Kunstgegenstände aller Art; auf dem nächsten Bilde sind die Sachen verschwunden und etwa 20 große Kisten decken den Platz. ES sind das die Kisten, die für die Minister und die Museen in Frankreich bestimmt waren und die bei ihrer Ankunft in Marseille auf Veraulassung deS französischen Ministeriums der Be- ichlaguahme verfielen. Auf einem andren Bilde ist eine Versteigerung in der italienischen Botschaft dargestellt. Tische und Stühle sind belegt mit Seide, Glas, Porzellan, Stickereien usw.; Civil und Militär stehen umher und betrachten sich prüfend die AuktionSstücke. An andrer Stelle haben amerikanische Soldaten ebenfalls eine Auktion ver- anstaltet. Ihre Käufer sind die Chinesen selbst, denen man die Dinge aus den Wohnungen gestohlen hat; friedlich und kalt feilschen sie um den Preis. Wir wenden das Blatt und finden eine andre Ecene von ähnlicher Art. Zwei japanesische Soldaten rufen einen Chinesen herbei; er muß ihnen die Gegenstände nach ihrem Quartier tragen, die sie eben in seiner Wohnung zusammen- geraubt haben. Ein andres Bild: Wiederum zwei japanische Soldaten und ein Chinese. Die Japaner halten dem Chinesen eine Tafel vor, auf der geschrieben steht:„Hast Du«in« Uhr?"«Hast Du Kleinodien?" „Hast Du Geld?' Lautet die Antwort deS Chinesen bejahend, so wird er höflichst ersucht, die Taschen zu leeren. Lautet die Antwort verneinend, so wird er mit Schlägen traktiert. DaS hilft in den meisten Fällen; der Chinese entsinnt sich, daß er doch Uhr oder Geld in der Tasche hat. Auch Lucia» Leroy bestätigt, daß die Pfaffen sich in hervor- ragender Weise an der Plünderung beteiligt haben; eines seiner Bilder zeigt einen Missionar, der sich von einem Kuli helfen läßt, einen großen Kasten fortzuschleppen. Die französische Kathedrale in Peking, die der Bischof Kavier daS«Maison du bon dieu" „DaS Haus des lieben Gott") nemit, verdient, so mein» Leroy, vielmehr den Namen«Ilaisoa du bon rnarebe"(der Raine eines großen Pariser Warenbazars), so vollgepfropft sei sie mit geplünderten Gegenständen aller Art. Lucia» Leroy kommt zu folgendem Schlaffe: Bis zum Kriege waren es nur die Boxer, welche die Europäer als die«fremden Teufel" betrachteten. Die große Masse der friedliebenden Chineseii hatte an dem Fremdenhasse keinen Anteil. Heute ist das anders. Heute giebt e« nicht einen Chinesen mehr, der nicht überzeugt wäre, daß die«Paladine der Civilisation" allesamt«schlechte fremde Teufel" sind. Unauslöschlicher Fremdenhaß. Mißtrauen und unterdrückter Groll — das ist daS Facit des Khakifeldzugs.— Der OffizierSmord in MSrchingen. Entgegen den Lesarten, wonach Haupt nrann AbamS in Mörchingen, der von dem Oberlieutenant Rüger in An- Wesenheit zweier andrer Offiziere erschossen wurde, das Opfer eines Duells geworden sei, berichtet die Mvrchinger Lokalpresse, daß Hauptmann Adams vom Oberlieutenant Rüger ganz einfach niedergeschossen worden sei. Das„Mörchinger Wochen- blatt" giebt folgende Darstellung des Mords und der ihm vorher- gegangenen Scene: «Am Sonntagabend nach beendetem Festessen saßen im Offizierskafiiio noch einige Herren im engeren Kreise in heiterer Stimmung beisammen; es mußte dabei die Rede u. a. auch ans K ö rp e r st ä r k e gekommen sein. Nm eine Kraftprobe an- zustellen, begannen Hauptmann Adams und Ober- Stabsarzt Dr. Rüger das sogenannte Häkeln mit d e n H ä n d e n. Als aber e r st e r e r sich für überwunden erklären mußte, gab er dem letzteren einen Schlag ins Gesicht, worauf dieser erklärte, daß er für diese t h ä t l i ch e Beleidigung Genugthuung verlangen und ihm seine Zeugen schicken werde. Tie hierzu ernannten beiden H a u p t l e u l e begaben sich nach der Wohnung des A., fanden hier bereits auf dem Korridor den Oberlieutenant Rüger vor, der sich vorher bereit erklärt hatte, für seinen Bruder einzutreten, da er von dessen Familie Unglück abwenden wolle. Oberlieutenant R. meldete sich dienstlich bei einem der Herren und erbat den Vortritt, da er eine persönliche Sache zu erledigen habe, die ihrem Auftrage vorgehe. Die drei betraten dar- auf gemeinsam die Wohnung des Hauptmanns A. und warteten, da sich derselbe schon zu Bett begeben hatte, auf deffcn Eintreten. Als dieser in der N e b e n t h ii r erschien und sich zum Gruß verneigte, knallte ein Schuß und Hauptmann Adanis fiel, ins Herz getroffen, tot nieder. R. schnallt« hieraus seinen Degen ab und erklärte sich für arretiert." Der That des Oberlieutenants Rüger läge danach sozusagen ein ethisches Motiv zu Grunde. Um zu verhindern, daß der� vom Hauptmann Adams thätlich beleidigte Bruder im Duell womöglich von dem Beleidiger obendrein noch niedergeknallt würde— denn bei dergleichen.Ehrenhändeln" Pflegt ja nur zu oft der Beleidigte eine derartige«Genugthuung" zu erhalten—, hätte er aus Rücksicht auf den Bruder und dessen Familie den Gegner unschädlich gemacht. Falls dem Mörder im Offiziersrock kein andres Mittel zur Verfügung gestanden, da« seinem Bruder drohende Verhängnis abzuwenden, so würfe dieser Umstand ein neues Streiflicht auf de» verbrecherischen Duellunfug. Freilich liegt auch die Amiahme nicht gar zu fern, daß auch Oberlieutenant Rüger ebenso sehr unter der Einwirkung deS Alkohols gehandelt haben könnte, wie der erschossene Beleidiger seines Bruders.— Der Komödie Ende. Ans Baden wird uns vom 4. d. MtS. geschrieben: Unsere Nationalliberalen haben, kühn und mutig, wie sie nun einmal sind, mit der Regierung i» der Wahlrechtsfraae bereits wieder ihre» Frieden geschlossen. Bereits sind die großen Worte vergessen, die sie machten, als daS neue Ministerium Schenkel sich in unzweideutig gehaltenen Kundgebungen gegen ihr Abschwenken ins Lager der Anhänger des kaulelenlosen direkten Wahlrechts wandte und die unbotmäßig gewordenen Amtsverkündiger in die Schranken des politischen Gehorsams zurückwies. So scharf im Anfange des Konflikts beiderseits in das Streithorrr gestoßen wnrde, ebenso sanft ertönt heute hüben wie drüben die Friedensschalmei. Die nationalliberalen Preßorgane werden nicht müde, zu beteuern, daß sie dem Ministerium wegen seiner Haltung in der Wahlrechtsfrage keinerlei Schwierigkeiten bereiten wollten. Man hat eben eingesehen, wie nötig man sich gegenseitig braucht, und es mag den mutigen Mannesseelen des Fieserschen Anhangs im stillen Kämmerlein' manchmal vor der eignen Oppo- sitionswut gewaltig gegraut haben. Was sollte man sich auch ohne Rot in einen Konflikt mit der Regierung begeben, da man doch nach dem eignen Ausspruch hervorragender Parteiführer nicht etwa aus Ueberzeugung und im Interesse deS badischen Volks sich für das tautelenlose direkte Wahlrecht erklärt hatte, sondern lediglich aus furcht vor deni völligen Zerfall der Partei, der bei längerem Wider- reden gegen das Verlangen der Wählerschaft nach Beseittanng des politisch bevormundenden Wahlmänner-Systems unausbleiblich schien! Man kehrte also ans den früheren Platz an der Sonne der Re- gierungsgunst zurück, unter deren Strahlen sich viel leichter nattonal- liberale Wahlen machen lassen, als im Wetteistnrm des oppositionellen Wahlkampfs. Und auch Herr Mini st er Schenkel hatte alle Veranlassung. den Dienstvertrag mit der bewährten Leibgarde seines Vorgängers Eisenlohr seinerseits zu verlängern. Denn die ihm naheitchende konservative Partei ist im badischen Porlameitt ohne jede Be- deutung. und vom C e n l r u m unter der Führung des intransigenten Pfarrers Wacker trennt unsre Regiening eine ungleich höhere Scheide- ivand, als dies zwischen der Reichsregiernng und den Getreuen Liebers der Fall ist. Das Abrücke» von den Nationalliberalen hätte für das Ministerium Schenkel also eine totale Isolierung, ein Sitzen zwischen zwei Stühlen bedeutet, das nicht im Interesse der Regierung liegen konnte. Man darf sich deshalb nicht mundern, wenn bereits jetzt,»och bevor die ersten Signale zum Wahlkampf ertönen, Regie- rung und Nationalliberale sich bereits wieder die Hand zum Bnudc gereicht haben. Den Parteien von der Opposition kann das nur erwünscht sein. Je klarer das Gefechtsbild, desto günstiger ihre Position.� Jede Verschwommenheit in der Stellungnahme der einzelnen Parteien wäre für sie nur von Nachteil gewesen. Heute weiß das badische Volk bereits, daß die taktischen Evolutionen der Nationalliberalen in der Wahlrechtsfrage nur ein Scheinmanöver waren, um die unruhig gewordene Anhängerschaft über die wahren Ab- sichten der Parteileitimg zu täusche». Weit entfernt aber, de» Nationalliberaleii irgend einen Vorteil zu bringen, hat diese Taktik ihre Position nur verschlechtert, weil sie daS badische Volk in seiner Auffaffinig von der totalen politischen Unzuverlässigkeit der Anhänger Fiesers noch bestärkte. Die unwürdige S ch i n d l u d e r p o I i t i k. die unsre National- liberalen nun schon seit Jahren in der Wahlrechtsfrage treiben, ist in ein neues Stadium getreten. Der Ausfall der' im Spätjahr stattfiildenden Landtagswahlen wird den Herren beweisen, daß das badische Boll es endlich satt hat, sich von der Partei derer von «Bildung und Besitz" am Narrenseil herumführen zu laffen.— Wegen MajestätSbelcidigung war in Schweinfurt der Kolporteur Kretschmar aus Reizendorf bei Dresden angeklagt. Cr soll sich über den deutscheu Kaiser in beleidigender Weise geäußert haben. Nach Beobachtung seines Geisteszustands wurde der An- geklagte auf Grund des ärztlichen Gmachlens freigesprochen. Die Flilschnng der Nahrungsmittel ivurde am 6. d. von den Agrariem in der B u d g e t k o m m i s s i o n des Abgeordnetenhauses bitter beklagt. Die Recht- sprechung stehe vor einer sehr schwierigen Aufgabe, weil daS Nahrungsnuttel- Gesetz weiter Auslegung fähig fei. ES fehle am geeigneren Schutz der Landwirtschaft! Wenn die Agrarier die NahruugSmittelfälschung beklagen, so mögen sie doch auch recht gründlich vor der eigne n' T h ü r' kehren! Madht doch ein groger Teil der Agrarier ein sehr gutes Geschäft damit, dah sie die allerdings sehr dehnbaren Bestimmungen des Gesetzes zu ihren Gunsten ausnutzen, zum Schaden des Publikums, wobei sie bezüglich der M i I ch f ä t s ch u n g leider durch ein Urteil des NeicksgerichtS noch geschützt werden. Die Milch kommt nur zu oft weit wässeriger in den Handel, als es der Gesundheit der Säuglinge, die auf Kuhmilch angewiesen sind, zuträglich ist. Diese wässerige Milch wird als Vollmilch ver- kauft, da ihr.kein Wasser zugesetzt" und.kein Fett abgeschöpft" ist. Und dennoch ist es bewußter Betrug, solch ivässerige Milch als unverfälscht zu verkaufen. Nur ist sie nicht nach dem Melken, sondern vor dem Melken, das heißt durch das Futter so wässerig gemacht I Es ist eine allbekannte Thatsache, daß die Art der Fütterung auf die Zusammensetzung und Beschaffenheit dewMilch von großem Einfluß ist. Wässeriges Futter (Rüben schnitze!, Schlempe) machen auch die Milch wässerig. Das weiß jeder Landwirth und jedeS Lehrbuch der Landwirtschaft weist darauf hin. Das Reichsgericht aber fällte ein Urteil, das sich um diese Thatsache nicht kiinimerte. Am 21. De- zcmber 1839 hat es entschieden, daß„unter Vollmilch Milch in ihrer ursprünglichen volle» Zusammensetzung zu verstehen ist, der nichts von ihren natürlichen Bestandteilen entzogen und an der nichts durch Zusätze oder weitere künstliche oder natürliche Ein- Wirkung verändert ist, kurz Milch, wie sie von der Kuh kommt. Aus einen bestimmten Fettgehalt kommt es nicht an". Dieses Urteil geht, wie die Begründung zeigt, von der falschen Voraussetzung aus, daß Milch ein NaturerzeugniS sei, ,daS sich zwar in gewissem Maße vom Menschen beeinflussen, aber nicht unter menschliche Vorschrift beugen lasse." Das ist unrichtig, denn durch die Art der Fütterung kann man die Zusammensetzung der Milch in Bezug auf Wasser- und Fettgehalt ganz wesentlich beeinflussen— und es giebt leider nur zu mel Landwirte, die diese„Kunst" ausüben. Gewiß ist die Rahrungsmittel-FSlschnng energisch zu bekämpfen, aber nicht erst beim Händler, sondern schon an der P r o d u k t i o n s- statte und sei sie auch der Kuhstall eines noch so hochgeborenen Agrariers l— Ein Schwindel. Genosse Bebel hat in der Nr. 23 des„Vorwärts" die Erklärung abgegeben, daß er die Worte, die er in der Kommission über den Antrag Kanitz sollte gesprochen haben und die angeblich dahin lauteten: „Wenn Sie mir sagen, in zwei Jahren werde die ganze Landwirtschaft kaput sein, so würde das für mich die erfreulichste Aussicht sein." nicht gesprochen haben könne und entschieden zurückweise. Iii der württembergischen Kammer hat dann anläßlich einer Getreidezoll-Debatte der Abgeordnete K i e n l e die erwähnten Worte gegen die Partei citiert, worauf Genosse Tau scher in seiner Antwort auf die Rede Kienle'S sich auf die Erkläning Bebels im „Vorwärts" bezog. Darauf nahm der Abg. K t e n l e am nächsten Tage wieder das Wort und bezog fich auf eine Zuschrift des Reichstag«» Abgeordneten Pichler, der als Mitglied der Kommisston über den Antrag Kanitz die Worte Bebels sofort wollte nieder- geschrieben haben. Dieses veranlatzte Bebel, auf eine Aufrage unsrer Genossen in der württembergischen Kammer folgendes zu antlvortcn: „Richtig ist, daß die stenographische Niederschrift der Reden erst mit der vierten Sitzung begann. Für die dritte Sitzung, mit der die eigentlichen sachlichen Verhandlungen ihren Anfang nähmen, wurden die Redner aufgesordert, die Niederschrift ihrer Reden selbst zu besorgen, dem kam auch ich nach. Hätte ich nun eine solch unglaubliche Aeußeruug, wie sie mir in den Mund gelegt wird, gethan, so wäre doch sicher einer der nachfolgenden Redner auf dieselbe zurückgekommen, oder Herr Pichler selbst. Und hätte ich gar die mir in den Mund gelegte Aeußeruug unterschlagen, so wäre mir dies in einer der nachfolgenden Sitzungen selbstverständlich unter die Nase gerieben worden. Von alledem ist im Bericht keine Spur zu finden. Zunächst konstatiere ich, daß in der dritten Sitzung nach mir noch die Abgg. Franck-Pforzheim(Landwirt), Steiniuger(Centruin und Landwirt), Graf Galen(Centrumj und Dr. Meyer-Halle zum Wort kamen und keiner eine Aeußeruug, wie ich sie gethan haben soll, erwähnte. Auch in den folgenden Sitzungen ist dies nicht geschehen, und als Herr Pichl er in der 0. Sitzung in längerer Rede zum Wort kam, hat er mich zwar dreimal in derselben erwähnt, aber mit keinem einzigen Wort des Tadels, ge» schweige daß er die mir in den Mund gelegte Aeußerung citiert e. Ich kann also nur wiederholen, es handelt s i ch um einen frechen Schwindel. Und da Herr Pichler angeblich der Urheber desselben sein soll, so werde ich ihn zur Rede stellen. sdbald ich ihn im Reichstag sehe." Mittlerweile hat Bebel den Abgeordneten Pichler zur Rede gestellt und in der That blieb dieser allen Ein- Wendungen Bebels zum Trotz bei seinen Angaben stehen. Auf das Ersuchen Bebels, das Stenogramm ihm zur Einsicht vorzulegen, erklärte der Abgeordnete Pichler. er habe vor ungefähr einem Jahre sein Material über den Antrag Kanitz weg- geworfen, er wolle aber nachsehen, ob dieser Teil seines Materials noch vorhanden sei. Bebel blieb natürlich mit aller Entschieden- heit bei seiner Erklärung st ehe n. Hervorgehoben sei noch als'Ergänzung zum Bebelschen Brief, daß nach dem Kommissionsbericht kein Redner, der vor Bebel sprach, eine Ausführung machte, die Bebel zu der ihm unterstellten Aenße- riing veranlassen konnte. Auch als in der nächsten Sitzung die Ab- geordneten Graf Kanitz und von Manteuffel zum Wort kamen und lebhast gegen Bebel polemisierten, hat keiner der beiden auf Aeußerungen. wie sie der Abg. Pichler Bebel unterstellte, Bezug genommen, was doch zweifellos geschehen wäre, wenn eine solche Aeußeruug Bebels vorgelegen hätte. Ausland. Oestreich-Ungarn. Zu einem blutigen Zusammenstoß kam eS anläßlich der am Mittwoch stnttgefundenen Ergänzungswahl in Maros-Vasar- ?! e l y. Die aufgeregte Volksmenge insultierte die Geudarnien; etztere machten von der Feuerwasie Gebrauch, drei Personen wuv-den getötet, 20 verwundet.— Niederlande. Utrecht, S. Februar. Präsident Krüger wurde heute auch am rechten Auge operiert. Die Operation gelang voll- kommen.— Frankreich. Die Arbeitsverhältnisse in den französische» Militär- Werkstätten sollen gemäß einem Dekret des Kriegsministers durch eine Kommission unicrsucht werden. Es seien Beschwerden der Gc- werkschaften entweder direkt an ihn, den Minister, gelangt, oder aber die betreffenden Gewerkschaften hätten auf ihren Kongressen Resolutionen aiigenommeii, in denen sie Forderungen zum Aus- druck gebracht. Dabei sei darauf hingewiesen worden, daß die Arbeiter andrer Staatsbetriebe, sowie auch die mancher Privatbetriebe unter besseren Bedingungen arbeiten. Wiewohl schon durch frühere Verordnungen wesentliche Verbesserungen m den Militär-Werkstätten durchgeführt seien, dürften die neuen Beschwerden und Reklamationen der Arbeiter doch nicht von der Hand gewiesen werden, sondern er- forderten eine eingehende Prüftmg. Damit ist gewiß noch nichts erreicht, aber diese Art der Be- Handlung von Beschwerden der Arbeiter sticht doch vorteilhaft ab von der„im Lande der socialen Reform" üblichen.— England. SelbstherrlichkeitSgelüste Eduard VII. Eine Londoner Privatdepesche des„Neuen Wiener Journals" meldet, daß König Eduard eine starke Neigung zu selb st herrlichen Tendenzen zeige und die Rechte der Krone gegenüber dem Kabinett allzu energisch betone. Man spricht von ernsten Differenzen zwischen ihm und dem Ministerium. Eduard VII. mag kein Mann von hervorragender Einsicht sein; aber auch eine nur ganz oberflächliche Erinnerung an die Geschichte seiner Vorgänger müßte ihn abhalten, durch ein Tasten an der Ver- saffung seines Lands fich die Finger zu verbrennen. Mit dem schlechte» Znstand der englische« Marine be- schästigt sich lebhaft die englische Presse angesichts des Umstands, daß Wilhelm II. von Vlissingen aus auf einem holländischen Passagierdampfer nach England übersetzen mußte, da an- gcblich kein Schiff des englischen Kanalgeschwaders wegen des herrschenden Sturms im stände war, die Ueberfahrt zu bewerkstelligen. So schreibt der„Daily Graphic": „Man teilt uns mit, daß I. M. S.„Minerva" des schlechten Wetters wegen den Kaiser von Vlissingen nicht abhol-n konnte— als ob die Kreuzer der britischen Flotte nicht im stände wären, gegen Sturm zu fahren I Dies ist ein Geständnis, das unsrer Flotte zu Schimpf und Schande ge- reicht, und wogegen unsre Marine nicht scharf genug protestieren kann. Ist es wahr, daß kein Schiff schnell genug in stand gesetzt werden konnte? Welch eine Beleuchtimg des Zustands unsrer Flotte, daß nicht ein einziger Kreuzer im stände war, sofort in See zu gehen I Es ist unglaublich, zu vernehmen, daß unsre besten und neue st en Kreuzer n.icht seeklar seien, ohne daß jemand nachlässig gewesen wäre!". Ein Amsterdamer Blatt.„Het RicuwS van den Dag" behauptet sogar, daß die D a m p f k e s s e I der meisten Schiffe deS englischen Kanalgeschwaders defekt seien. Asien. Erfolglose Friedcnöunterhandliingen. AuS Peking wird gemeldet: Die Vertreter der Machte hatten mit den chiuestschcii FriedenS- vermittlcrn eine Unterredung. Der Doyen des diplomatischen Corps verlas ein Memorandum des französischen Gesandten Pichon über die gegen die Mandarinen während der Unruhen erhobenen An- schuldigungen. Das Memorandum schließt niit der Forderung der Todes st rafe für fünfzehn chinesische Würden- träger, darunter Prinz Tu an und Herzog Lan. Li- Hung« Tschang antwortete darauf, indem er ein längeres Telegramm des Kaisers verlas. in welchem derselbe' die Vorschläge des Hofs mitteilt und die Mächte anfleht, von China nicht mehr zu verlangen, als es geben kvnne.„Wie können Sie meine Aufiichtigkeit anzweifeln", so führte Li weiter auS,„nachdem ick Ihrem gerechten Zorne den Prinzen Chuan, einen Prinzen köuig- lichen BlntS. geopfert habe I" Ferner erklärte er, daß er vom Kaiser ermächtigt sei. die von den Mächten verlangten Todesurteile zu gewähren, ausgenommen betreffs des Prinzen Tuan und des Herzogs Lan. welche d e a r a d i e r t und verbannt werden sollten. Der rusfische, französische und amerikanische Vertreter haben diese Vorschläge bereits beantwortet. Der deutsche Vertreter hofft eine baldige Antwort von seiner Re- gierung über diese Frage zu erhalten. Man ist also noch immer um keinen Schritt vorwärts ge- kommen. Die Kolonne Trotha hat nach einer Meldung WalderseeS am 5. Februar ihren Vormarsch auf Tschatau(63 Kilometer nord- westlich von Peking) fortgesetzt. Koloiiialunrnhen auf Java. DaS Amsterdamer„Handels- blad" meldet aus B a t a v i a: Von der Expedition gegen S a m a- l a n g a n(A t ch i n) wurde die atchincsiiche Festung Batu Jlik eingenommen. Die holländischen Verluste betrugen 6 Mann tot, vier Offiziere und 36 Mann verwundet. Die Verluste der Atchinesen be- ziffcrn sich auf 70 Mann.— JparsQinenkiJvislkzes. Budget-Kommission. In der Mittwoch-Sitzung der Kommission begründete ziniächst Graf Oriola(natl.) die Resolution, wonach der Reichstag auf Grund der Erklärung des Herrn Reichskanzlers über die Abänderung des Jnv a l i d en g e f e tz e s die betreffende Vorlage für die China-Krieger zur Zeit ablehnt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Dann wurde die gestrige Debatte fortgesetzt, die sich an die Beratung der verschiedenen Titel der Einnahmen aus dem Telegraphen- und Telephonwesen, aus der Beförde- rnna von Zeitungen und Briefen usw. geknüpft hatte. In der Sache selbst wurden keine Beschlüsse gefaßt. Die Eiimahme-Titel wurden alsdann ohne weitere Debatte genehmigt.— Beim Titel:„Gehalt des Staatssekretärs" kam der Abg. v. Jazdzewski(Pole) auf die Verhandlungen des Reichstags über die bekannte Polen- Interpellation zu sprechen. brachte die Verordnung des Staatssekretärs über die Behandlung polnischer Briefe mit polnischen Adressen zur Sprache und wünschte in derselben einige Abäuderungen zu Gunsten der polnischen Bevölkerung. Von den Rednern sämtlicher Parteien wurde erklärt, daß der Staatssekretär in dieser Verordnung die äußerste Grenze dessen erreicht habe, wa« die Polen wünschen könnten i wenn die Polen. wie der Abgeordnete v. Jazdzewski zugegeben hatte, jetzt ostentativ sich polnischer Adressen bedienten, weil sie durch die Natioiialisierungs- Maßregeln der preußischen Regierung sich bedrückt fühlten, so müßten sie sich auch gefallen lassen, daß von der Post nicht zu lesende Adressen auf dem durch die Verordnung des Staatssekretärs vorgeschriebenen Wege zur Klarstellung gebracht würden. Achnlichcn Maßregeln niüsse sich'jeder auch im übrigen Deutschland unterwerfen, der eS unterlasse, seine Postsendungen in der von der Post vorgeschriebenen Weise zu adressieren. Damit wurde die Debatte geschlossen. In der Budgetkommisfion deS Abgeordnetenhauses wurde am Dienstagabend angefragt, ob im Zusammeiihang mit der Ver- leih u n g von Kommerzienratstiteln Unregelmäßig- leiten vorgekommen seien. Der Minister verneinte die Frage und teilte mit. daß bei d�n betreffenden Personen, von welchen die Aufforderung um Mitteilung von Wünschen nach Verleihung von Titeln ausgegangen sei, Haussuchung stattgefunden habe. Das Material sei der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Eine Ver- bindung im Ministerium hatten die Personen uichi angeben können. Bei dem Titel„Gewerberäte und Inspektoren" wurde von der Regierung erklärt, daß sie den Versuch gemacht habe, zwei Assistentinnen anzustellen, da solche unter Umständen für die Frauen zweckmäßiger seien. Der Versuch habe sich bewährt und die weitere Anstellung von Assi st entinnen werde in Erwägung gezogen. Bei dem Titel„Staatskommissar bei der Ber- liner Börse" wurde seitens der Regierung die völlige Zuftiedenheit mit der Einrichtung ausgesprochen. Die Regierung werde durch die Berichte des Staarskommiffars über die Geschäfte an der Berliner Börse eingehend infonniert. mid die münd- lichen Berichte seien hier außerordentlich wichtig. Von einer Seite wurde gefragt, ob der Staatskommissar in einer solchen Weise beschäftigt werde. daß sein hohes Gehalt sich rechtfertigen lasse. Demgegenüber wurde von andrer Seite erklärt, daß das hohe Gehalt schon deswegen sich rechtfertige, weil der Staatskommissar mit der hohen Finanz in Verkehr trete. ES wurde weiter gefragt, ob der Minister nicht beabsichtige. bei den verbündeten Regieriuigen eine Abänderung des Börsengesetzes zu beantragen, namentlich hinsichtlich des Börsenregisters. Von andrerSeite wurde ausgesprochen, daß dieNichtcrfüllung des Gesetzes nicht notwendig eine Abänderung des Gesetzes bedinge. Der Minister erklärte, daß sowohl die preußische als auch die Reichsregierung den Zeitpunkt einer Abänderung des Börsengesetzes noch nicht für gekommen erachte, vielmehr dessen Wirkungen noch eine Zeitlang beobachten wolle. Von freikonservativer Seite wurde der Vorschlag gemacht, daß bei einer Klage von in das Börsenregister eingetrageiicn Kanfleuten gegen solche, welche in das Handelsregister eingetragen seien, von letzteren der Differenzeinwand nicht erhoben werden dürfe. Diesem Vor- schlag wurde von konservativer Seite nicht widersprochen, vielmehr anerkannt, daß damit eine Grundlage für eine Verständigung ge- geben sei._ Der Boeren- Krieg. Einen enormen TageSverlust weist die neueste tägliche Verlustliste auf. die am 6. Februar vom KriegSamt in London veröffentlicht wurde. Sie registriert 100 Tote, darunter 73 an Krankheiten Verstorbene, 100 Berwnn- dete, darunter 18 infolge Blitzschlags und 47 schwer Kranke, sowie acht Vermißte, zusammen also 20-1 Manu! Die gleich- zeitig bekannt gegebene Liste über d i e V e r l u st e s e i t B e g i n n d e s K r i e g s' enthält folgende Angaben: Die allgemeinen Verluste betragen bis zum 31. Januar 24724 Mann. Da hiervon aber mehr als die Hälfte den Dienst wieder aufgenommen haben, reduciert sich diese Zahl auf IS 020 Mau». Die von den Boeren während des Kriegs gemachten Gefangenen find zum größten Teil zur Armee wieder zurückgekehrt. Wenn das Kriegsamt glauben machen wollte, daß der Abgang vom südafrikanischen Heere au Toten, Verwundeten und Invaliden bloß ca. 16000 Maiin betrage, so wäre das eine ganz un- glaublich grobe Fälschungl Die obige tägliche Verlustliste bestätigt wieder die schlimmsten Nachrichten von der fortgesetzten Verschlechterung deS Gesundheitszustands der englischen Truppen. Außerdem wird noch auS Kapstadt gemeldet: Die Darm» e r k r a ii k u ii g e n, die in letzter Zeit unter den englischen Truppen sehr zahlreich auftraten, nehmen weiter zu. Die Krankheit hat einen prusten Charakter angenommen. Ferner wird das Auftreten einer epidemischen Zahnkrank- heit gemeldet. Hunderten von Soldaten seien sämtliche Zähne aus- gefallen. AuS der Kapkolouie. Die Engländer haben die Bevölkerung von L i n d l e y. S en e ch a n und R e i tz aufgefordert, diese Städte zu verlassen, und zwar im Interesse der Fortsetzung der Kriegsoperationen. Die Boeren bemächtigten sich in der Umgegend von Barkley we st einer Herde von über 1000 Pferden. General Brabant ist nach östlicher Richtung abgegangen, um dort den Widerstand gegen die Boeren zu organi- fleren. Tu» Dum-Dum-Geschost. DaS KriegSamt veröffentlicht eine Verfügung, durch welche die Aushebung von Freiwilligen in sämtlichenArmee- c o r p S angeordnet wird. Der Artikel 17 dieser von Roberts unter- zeichneten Verfügimg bestimmt, daß jeder Soldat V0 Patronen gewöhnlichen Modells und 86 des Modells Nr. 4(Dum-Dum- Patronen) erhält. Die Offiziere werden für den Revolver ähnliche Explosiv-Geschosse erhalten, mit denen während der Fahrt nach Kapstadt Versuche angestellt werden sollen. Die Boeren tu Lourenyo Marquez. Nach Londoner Meldungen, die der amtlichen Bestätigimg noch UtbehreU, bedrohen die Boeren unter Oberst Blake, dem Führer der irisch-amerikanischen Brigade Loureiiso-Marquez. Die portugiesische Regierung habe um eine englische Kooperation mit den portu- giestschcn' Streitkräften zur Vertreibung der Eindringlinge nachgesucht. Ferner heißt es, daß das britische Geschwader in den südafrikanischen Gewässern den Drahtbefchl erhalten habe, unverzüglich nach Lourenyo Marques abzugehen, und daß die britischen Truppe» rasch nach der portugiesischen Grenze vorrücken. Ein englischer Soldatcnbrief» der in der„Pol. Force" veröffentlicht wurde, äußerst sich sehr pessimistisch über die Lage der Engländer. In demselben heißt es: „Als die City Imperial VolunteerS nach England zurückkehrten, wurde uns gesagt, der Krieg sei zu Ende. Das ist nicht wahr; eS ist jetzt schlimmer denn je. Du hast wohl vom 13. (vermutlich ist der 19. Dezember gemeint) gehört, seitdem sind wir nicht aus den Kleidern gekommen." Pavfti"UlaiJj« Wjleii» Erklärung. Gegen den von uiisrcn Posener Genossen für die am 11. März dort stattfindende Nachwahl zum Reichstag aufgestellten Kandidaten Martin Kasprzak wird von einem in London befindlichen „Komitee der socialistischen Partei Polens" ein Cirkular in Umlauf gesetzt, das auch bereits zur Kenntnis der gegnerischen Presse gelangt ist, in dem eine Reihe ehrenrühriger Vorwürfe gegen den Genossen Kasprzak erhoben werden. Dieselben Vorwürfe wurden von polnischer Seite bereit« früher erhoben und wurde von der in Hamburg domizilierten General- kommission der Gewerkschaften sowie von dem unterzeichneten Vor- stände der socialdemokratischcn Partei an die Ankläger deS KaSprzak das Ersuchen gerichtet, für ihre Angaben Beweise beizubringen, um den Fall untersuchen zu können. Dieser Aufforderung vermochten die Ankläger nach keiner Richtung nachzukommen. Nicht ein einziger Thatbestand wurde genannt, wohl aber die Verdächtigungen in allgemeinen Redensarten wieder- holt. Dieselbe Taktik wird jetzt in dem eingangs erwähnten Eirkular deS Londoner polnischen Komitees befolgt. Nichts als Redensarten und leere Behauptungen, ohne auch nur für eine den Schimmer eines Beweises anzubieten. Ein solches Verfahren gebührend zu würdigen, erübrigt sich wohl von selbst. Wir können an unsre Posener Genoffen mir die Auffordcrniig richten, die aus dem Hinterhalt geschleuderten unbewiesenen Ver- dächtigungen mit der gebührenden Verachtung zu strafe» und die Anstreugungen zu verdoppeln, um am 11. März eine möglichst große Zahl von Stimmen aus den Kandidaten der socialdemokratischen Partei zu vereinigen. Mit socialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Die vierte Landeskonferenz der ezcchischen Socialdemo- traten Oestreichs fand Sonmibeud und Sonntag in Wien in Anwesenbeit von 28 Delegierten, die 16 Lokalorganisationen vertraten, statt. Die czechische Partei- Organisation entfaltete im letzten Jahre eine sehr rege Thätigleit. Im ganzen wurden 1194 Versammlungen abgehalten, darunter 106 Fraueiiversammlungen. Von diesen Versammlungen entfallen 912 auf Wien, 282 auf die Provinz. Von den Provinzversammlmigeii waren vier Fünftel Versammlungen von Ziegelarbeitern. Die Beziehungen Der czechischen Partei Organisation zur deutschen Nach Erledigung der Geschäftsberichte wurde über die Abänderung der Organisation auf Grund der Beschlüsse des Parteitags in Budweis beraten und sodann der Parteibeitrag auf 10 Heller monatlich festgesetzt. n infig waren eine Woche gedauert; Arbeitswillige hatten sich einige gefunden, haben, ist in zwei Monaten von 228 826 Personen unterzeichnet während der ganzen Zeit sehr gute und in allen wichtigen Angelegen- darunter nur ein einziger aus den Reihen der Ausgesperrten. Die worden. Eine so hohe Bahl von Unterschriften ist bis jetzt noch heiten handelten beide Organisationen gemeinsam. Forderung auf Einführung der neunstündigen Arbeitszeit wurde im nie für irgend eine Sache gewonnen worden. Die Einbringung des socialdemokratischen Gesezentwurfs hat außerdem noch den Erfolg Interesse der Einigung fallen gelaſſen. ( Brauer, Bäder, Konditoren, Lebtüchner und Müller) nahmen in fich mit der Frage befaßt haben, haben sich mit wenigen Ausnahmen Die Arbeiter der Nahrungsmittel- Industrie in Nürnberg gehabt, daß sich in bürgerlichen Kreisen ein„ Nationalverein zur Bekämpfung der Tuberkulose" gebildet hat. Die Aerzte aber, die einer Versammlung eine Resolution an, in der konstatiert wird, daß im Sinne des socialdemokratischen Gesezentwurfs dahin aus. Polizeiliches, Gerichtliches usw. Die Wahlfiegfeier zu Rathenow am 11. November geschritten ist, daß der Zusammenschluß aller innerhalb eines be- gesprochen, daß die private Hilfe hier nur ganz unzulängliches zu stande bringen könne und daß der Kampf gegen diese Volkskrankheit vorigen Jahres soll durchaus eine öffentliche, nicht angemeldete stimmten Industriezweigs bestehenden Berufsorganisationen not Versammlung gewesen sein und hatte sich dieserhalb der Lokal- wendig ist. Die Vereinigung zu einem Industrieverband soll in die Sache des Staats sein müsse. befizer Stockfisch am 1. Februar d. J. vor dem Schöffengericht Wege geleitet werden. Eine Kommission wurde beauftragt, an die zu verantworten. Zum Vorwurf wurde ihm gemacht, daß er, Fachzeitungen und an die beteiligten Centralverbände diesbezüglich entgegen den Bestimmungen des Vereins- und Versammlungs- zu berichten. Ferner ward angeregt, auf die Tagesordnung der in Lehte Nachrichten und Depelthen. Gesetzes, diese Versammlung hätte tagen lassen, ohne der An- nächster Zeit stattfindenden Verbandstage den Punkt„ Gründung meldungspflicht genügt zu haben. In der Verhandlung bestritt Stockfisch eines Industrieverbands" zu setzen und hierfür einen Referenten und energisch, daß eine Versammlung stattgefunden hätte. Auch der einen Korreferenten zu bestellen. Polizeibeamte, welcher während dieser Feier im Lokal anwesend war, bekundet, nicht den Eindruck gehabt zu haben, daß hier eine Versammlung stattfände. Der Beamte bekräftigte feine Aussage noch durch die Bemerkung, daß er gewiß in der Ueberwachung von Bersammlungen geübt sei, aber in den lebenden Bildern usw. feine politische Bersammlung erblicken zu können vermeint habe. Dieser Aussage ist es gewiß zuzuschreiben, daß selbst der Amtsanwalt zu dem Antrage tam, den Angeklagten freizusprechen. Das Gericht war jedoch andrer Meinung. Trotzdem niemand in der Verhandlung etwas aussagte, das zu dem Schluffe berechtigte, es hätte eine Versammlung stattgefunden und der Vertreter der Anklage nicht mehr an die Anklagebehauptungen glaubte, wurde der Angeklagte zu 15 M. Geldstrafe verurteilt. Ja Zur Lage der Arbeiter im Fleischergewerbe. Das agrarische Herz des Reichskanzlers. Berlin, 6. Febr. Auf dem vom deutschen Landwirtschaftsrat Die Blattgold- Unternehmer in Nürnberg haben einen Utas veranstalteten Feste hielt Reichskanzler Graf Bülow folgende Rede: erlassen, wonach ab vergangenen Sonnabend die Kündigungsfrist Er wisse sich aber auch eins mit ihnen in dem ernstlichen Bezwischen ihnen und den Arbeitern aufgehoben ist. Eine Versammlung streben, mit allen Kräften die Interessen der Landwirtschaft zu fördern, der Feingoldschläger protestierte gegen diese willkürliche Maßnahme, die sich seit einer langen Reihe von Jahren in schwieriger Lage bedie als Ausnugung der ungünstigen Konjunktur zu betrachten sei, finde. Indem er der Landwirtschaft zu helfen trachte, erfülle er und konstatierte, ohne sich über den Wert der Kündigungsfrist fest- lediglich seine Pflicht.( Lebhaftes Bravo!) Es sei seine Pflicht als zulegen, daß Situationen eintreten tönnen, wo den Unternehmern Reichstanzler, für einen Beruf zu sorgen, welcher einem so großen daraus die schwersten Nachteile entstehen können. Die Arbeiter werden ihr Recht bei gelegener Zeit zurüdfordern. Eine Kommission Teil unsrer erwerbsthätigen Bevölkerung ihren Lebensunterhalt gesoll mit der Vorstandschaft der Unternehmervereinigung verhandeln, währe, dessen Ergehen von so vitaler Bedeutung sei für die Unab ob sie zu einer Besprechung über die Lage des Berufs bereit iſt. hängigkeit des Vaterlands nach außen und seine innere Wohlfahrt. So lange er auf seinem Posten stehe, werde er für ihn in der äußern wie in der inneren Politik nur eine einzige Richtschnur geben, das Aus der Frauenbewegung. öffentliche Wohl. Diese Salus publice mache es ihm zur Pflicht ,, Was die Frauen zum Fall Sternberg zu sagen haben" die großen Produktivstände, Landwirtschaft, Industrie und Handel, haben gestern abend nicht weniger als sieben Referentinnen in einer gleichmäßig zu schützen. Er werde sich niemals verleiten lassen, die Frauenversammlung im Rathause öffentlich zum Ausdruck Wage der ausgleichenden Gerechtigkeit zu Ungunsten des einen oder 3m Reichstag ist am Mittwoch, den 6. d. M., das Protokoll über gebracht. Behn Frauenvereine hatten dazu die Einladung ergehen andern Teils fich heben oder fenten zu laffen. Die Sorge für die die letzten Berhandlungen der Kommission für Arbeiterstatistit er- lassen, darunter einige Berliner Lehrerinnenvereine, Damen des Landwirtschaft sei ihm aber nicht nur Pflicht seines Amts, sondern, fchienen. Diesem Protokoll ist der Bericht des Berichterstatters, des Landesvereins Preußischer Volksschullehrerinnen, der Verein Hessischen Ministerialrats Braun, angehängt. Er enthält noch ver-" Jugendschutz" usw. Der Andrang war so stark, daß Hunderte davon könnten die Herren sich überzeugt halten, er trete auch schiedene bemerkenswerte Thatsachen. Bereits unterm 8. April 1900 von Gesuchen um Karten hatten zurückgewiesen werden müssen, daher mit feinem Herzen für die Landwirtschaft ein. hat der Verband der Schlächtergesellen Berlins und Umgegend die soll, wie die Vorsitzende Frau Dr. Bieber Böhm mitteilte, die( Lebhaftes Bravo!) Dafür bürge ihnen schon sein Name, dessen Stommission ersucht, statistische Erhebungen über die Zustände im Fleischer- Versammlung wiederholt werden. Der Saal war von Damen dicht Träger durch Jahrhunderte die deutsche Scholle bebaut hätten. Er gewerbe vorzunehmen. Als die hauptsächlichsten Mißstände werden gefüllt, nur wenige Herren hatten Zutritt erhalten. Der Fall dante ihnen, daß sie ihm in seinem Streben ihre sachverständige bezeichnet: die übermäßige Dauer der Arbeitszeit, der Mangel an Sternberg wurde behandelt vom Standpunkt der Mutter, der und besonnene Mitwirkung leihen wollten und er sei überzeugt, daß Sonntagsruhe, die schlechte Beschaffenheit der Arbeits- und Schlaf- Lehrerin, der Aerztin, der Gefangenen und der Waisenpflegerin. ihrem gemeinsamen Streben der schließliche Erfolg nicht versagt räume, sowie die gegenwärtige Stellenvermittelung. Die Arbeits- Besondre Beachtung verdienen die Ausführungen der Volksschul- bleiben werde. In dieser Hoffnung leere er sein Glas auf das zeit im Fleischergewerbe beträgt durchschnittlich fast 17 Stunden lehrerin Frl. Elisabeth Mießner. Sie fand, daß der Prozeß täglich und 7 Stunden an Sonntagen, woraus unberechenbare Sternberg Zustände enthüllt habe, die nach der Erfahrung der Ge- Wohl der deutschen Landwirtschaft und ihrer würdigen Vertretung. gesundheitliche Schädigungen der Arbeiter entstehen. Die beklagten schichte unfehlbar zum Untergang führen müßten. Darum zurück von Der Reichskanzler schloß mit einem Hoch auf den LandwirtschaftsMißstände sind in den Dörfern wie in den Städten faft gleich start diesem Weg! Große Scharen von Frauenzimmern hält der Männerstaat rat und mit dem Wunsche des Blühens und Gedeihens der deutscher für die Männerwelt bereit. Das wäre nicht möglich, wenn die Landwirtschaft. Frauen Einfluß in der Gesetzgebung hätten!( Lebhafter Beifall.) uns Lehrerinnen erfaßt eine namenlose Angst um die jungen Die Bremer Bürgerschaft gegen den Brotwucher. Menschenseelen, wenn wir an Mädchen, die bisher rein und findlich waren, plöglich Veränderungen wahrnehmen, die wir uns faum erBremen, 6. Februar.( W. T. B.) Die Bürgerschaft hat tlären können- und dahinter steht ein- Sternberg! Soll man hier von folgenden Antrag an den Senat beschlossen: Angesichts der drohenden den Männern Hilfe erwarten? Die haben nicht einmal das Schußalter Bestrebungen, bei der bevorstehenden Erneuerung der Handelsverträge auf 18 Jahre gejezt und die Mädchen dem Arbeitgeber gegenüber recht eine Erhöhung der Getreidezölle herbeizuführen, und in der Ueber schutzlos gelassen! Nein, die Frauen müſſen da ein Wort mitzu zeugung, daß der Senat mit der Bürgerschaft darin übereinstimmt, sprechen haben. Nicht nur die socialen Verhältnisse müssen besser daß solche Zollerhöhung vorzugsweise eine stärkere Belastung der werden, sondern auch die Erziehung.- Frl. Dr. Springer forderte neben Schulärzten auch psychiatrisch gebildete Schulärztinnen, die weniger bemittelten Volksklassen und eine schwere Schädigung der zur Vorbeugung ganz Außerordentliches leisten könnten. Bum wirtschaftlichen Interessen der Allgemeinheit zur Folge haben würde, Schluß verlangte Fel. Dr. Springer einen taktvoll sexuell- hygienischen erwartet die Bürgerschaft, daß der Senat durch den bremischen Unterricht für die, Schule( Oberklaffen). Frl. Marie Mellien Bundesrats- Bevollmächtigten gegen jede Erhöhung der Lebensberichtete von den Zuständen in den fleinen Gefängnissen, mittelzölle wirken werde. die auch für die gefangenen Mädchen Hochschulen des Verbrechens Frau Vera Proels( Charlottenburg) ausgeprägt. Redner für und gegen Die Kommission gab in ihren Verhandlungen zu, daß die beflagten Mißstände nicht bloß in Berlin, sondern mehr oder weniger auch in andren Großstädten vorherrschten und nicht einmal auf diese beschränkt seien. Sowohl was die Klagen über die Länge der Arbeitszeit, wie über die Mangelhaftigkeit der Betriebs- und Schlafstätten angehe, seien die gerügten Mißstände vorhanden. Es komme dies daher, daß selbst in den Großstädten das Fleischergewerbe noch vorwiegend handwerksmäßig betrieben werde. Es fehle des halb bezüglich der Arbeitsteilung innerhalb des einzelnen Betriebs, wie bezüglich der Wahl der Betriebsstätte, soweit nicht die Arbeit in öffentlichen Schlachthäusern in Betracht kommt, die freie Beweglichkeit des Großbetriebs. Einer festen Regelung der Arbeitszeit stehe die wohl die Regel bildende häus liche Gemeinschaft und die gleichzeitige Zusammenarbeit zwischen Meister und Gehilfen entgegen, während die Notwendigkeit der Befriedigung des Fleischbedürfnisses eines verhältnismäßig fleinen Kundenkreises vielfach zum Geschäftsbetrieb auch in weniger geeig Sturz des italienischen Kabinetts? neten Betriebsstätten zwinge. Daß namentlich die aus den letzteren sprach vom Standpunkt der Waisenpflegerin und berichtete unter Rom, 6. Februar.( W. Z. B.) Deputiertenfammer. Die Be Umstand sich ergebenden Mißstände in den Großstädten in besonderem lebhafter Empörung Fälle von scharfen Mißbräuchen, deren WaisenMaße hervortreten, sei natürlich; ebenso machten sich dort die Schäden pfleger sich schuldig gemacht hätten und macht eine Reihe von Vor- ratung der Anträge und Interpellationen über das Verhalten der der Stellenvermittlung besonders bemerklich. Immerhin laffe fich schlägen zur Reorganisation der Waisenpflege. Im Schlußwort machte Regierung anläßlich der Auflösung der Arbeitskammer in Genna jetzt noch nicht übersehen, ob die bestehenden Mängel Frau Dr. Bieber darauf aufmerksam, daß es in der Hand der Frauen wird fortgesezt. Nachdem zahlreiche erhebliche Nachteile in gesundheitlicher oder fittlicher Beziehung in einem Umfange zu bewirken geeignet sind, daß ein liege, daß vom 1. April ab( Fürsorge- Erziehungsgesez) kein minder- das Kabinett gesprochen, unter legteren auch Brinetti, wird die Einschreiten auf Grund des 120 e der Gewerbe- Ordnung ver- jähriges Mädchen mehr auf die Sittenliste gesezt zu werden brauche. Generaldebatte geschlossen und Damit schloß die Versammlung. anlaßt erscheint, oder ob nicht ein Vorgehen gegen einzelne be= sonders zu beanstandende Betriebe gemäß§ 120 d für ausreichend Die Einführung einer behördlichen Hausfrauen- Statistik zu erachten ist". Zur Beschaffung des erforderlichen Zahlenmaterials wird von dem Verband fortschrittlicher Frauenvereine in einer Ein empfiehlt die Kommission Erhebungen. Im übrigen stützt sich der gabe an das kaiserliche Statistische Amt gefordert. Es wird darin Bericht der Kommission auf das durch die letzte Berufs- und Ge- die besondere Berücksichtigung der Hauswirtschaftlichen Thätigkeit verwerbezählung geschaffene Bahlenmaterial. Danach entfällt im heirateter Frauen im eignen Haushalt bei Aufstellung der BerufsReichsdurchschnitt 1 Fleischereibetrieb auf etwe 685 Perfonen, in den statistik verlangt. Bisher galt nämlich die Hauswirtschaft nur dann Großstädten auf etwa 653 Personen. Die Zahl der im Reichsdurchschnitt in als besondere Berufsart, wenn sie von bezahlten Bersonen, wie einem Fleischereibetrieb beschäftigten Personen beträgt 2,41, in den Wirtschafterinnen, Dienstboten usw. ausgeübt wurde. Es wird von Großstädten 3,1 Perfonen. Im Reichsdurchschnitt sind rund 371/2 Pro- den Betentinnen gewünscht, daß schon bei der nächsten Volkszählung zent aller Betriebe Alleinbetriebe oder Betriebe mit 1 Gehilfen, eine eigne Rubrit zu diesem Zwede eingerichtet wird, um ziffernjowie fast 58 Proz. der Betriebe folche mit 2-5 Personen, während mäßig die volkswirtschaftlichen Leistungen der Frauen auf dem Genur in etwas über 4 Proz. aller Betriebe 6 und mehr gewerbs- biete der Hauswirtschaft festzustellen. thätige Personen vorhanden sind, deren Gesamtzahl etwas weniger als 16 Proz. der im Fleischergewerbe beschäftigten Personen beträgt. In den 28 Städten mit über 100 000 Einwohnern find nur 191/3 Proz. Alleinbetriebe oder Betriebe mit 1 Gehilfen, dagegen 68 In den Berichten der Gewerbe- Juspektoren kehrt die WenBetriebe solche mit 2-5 Personen und etwas über 12 Broz. Betriebe solche mit 6 und mehr Personen. Die Zahl der in lekteren dung häufig wieder, daß der Verkehr mit Arbeitern noch immer zu Vorkommnisse vermieden wird. Daneo will jetzt seine Tagesordnung Betrieben beschäftigten Bersonen stellt sich auf rund 31 Proz. der wünschen übrig lasse, daß die Arbeiter noch immer nicht das abändern, nachdem die Kammer über die Tagesordnung Fulci sämtlichen in den Großstädten in der Fleischerei Beschäftigten. nötige Vertrauen zu den Beamten besäßen usw. Und doch abgestimmt hat, welche einen Zusatzantrag zu einer Tagesordnung Die Eingaben wurden von der Kommission dem Herrn Reichskanzler beweisen die Ergebnisse der Gewerbe Inspektoren Süddeutschlands, bildete. Der Präsident will dies jedoch nicht zulassen, da ein solches mit dem Antrag überwiesen, über die Arbeitsverhältnisse im Fleischerei- daß es wohl leicht möglich ist, das Vertrauen der Arbeiter zu ge- Vorgehen gegen die Geschäftsordnung verstoße. Die Tagesordnung gewerbe Erhebungen anzustellen. Hoffentlich haben diese das winnen. Man wird sich aber nicht über mangelndes Vertrauen ber Resultat, daß bald durchgreifende Schritte zur Besserung der Lage Arbeiter beklagen können, wenn man verfährt, wie der Gewerbe- Daneo wird sodann mit 388 Stimmen gegen eine abgelehnt. Der jener Arbeiterkategorie gethan werden und sich die Regierung nicht Inspektor in Halle. Er wurde vom dortigen Gewerkschaftstartell Ministerpräfident Saracco erklärt hierauf, daß die Regierung es sich durch das Betermordio der Mittelstandsretter", wie sie es gegen gebeten, einer Sigung dieser Körperschaft beizuwohnen, erwiderte infolge des sonderbaren Resultats der Abstimmungen der Kammer über der Bäckerei- Berordnung angestimmt haben, von energischen jedoch, daß er aus dienstlichen Rüdjichten" ablehnen vorbehalte, seine Entschließungen mitzuteilen. Die Sigung wird müsse. Die dienstlichen Rücksichten" find wahrscheinlich der bekannte dann aufgehoben. Maßnahmen abhalten läßt. Erlaß des Ministers und Socialpolitikers Berlepsch. Lautet: " Gewerkschaftliches. Dentsches Reich. Proz. Sociales. Das Arbeiterfekretariat Halle erstattet nach einer Thätigkeit die Beratung der zahlreichen Tagesordnungen begonnen. Rudini erklärt, er werde für die Regierung stimmen. Fortis beantragt, die Abstimmung bis zur Beratung der wirtschaftlichen Vorlagen zu verschieben. In namentlicher Abstimmung wird dann mit 318 gegen 102 Stimmen, bei 6 Stimmenthaltungen eine von Nicolo Fulci eingebrachte Tagesordnung angenommen, in welcher das Verhalten der Regierung anläklich der Auflösung der Arbeitskammer in Genua gemißbilligt wird. Im weiteren Verlauf der Sizung soll die namentliche Abftimmung folgen über eine Tagesordnung des Deputierten Daneo, welche bejagt: In Erwägung, daß das Vorgehen der Behörden hinfichtlich der Auflösung der Arbeitskammern in Genua eine Unsicher heit der Regierung in wirtschaftlicher und politischer Beziehung be weise, fordert die Kammer die Regierung auf, mittels Borlagen wirtschaftlicher, administrativer und finanzieller Natur ein Regierungsprogramm aufzustellen, durch welches eine Wiederholung ähnlicher Der Boerenkrieg. bon 161/2 Monaten seinen ersten Geschäftsbericht, der mit dem über London, 6. Februar.( W. T. B.) Ein Telegramm Kitcheners den Stand der dortigen Gewerkschaftsbewegung ausführlich Aus- aus Pretoria vom geftrigen Tage meldet: General French treibt den funft gebenden Bericht des Gewerkschaftskartells in einem Heftchen Feind nach Amsterdam zurück. De Wet steht noch immer nördlich Polizei- und Koalitionsrecht. In Bremerhaven und erscheint, das leider auf sehr schlechtem Papier sehr schlecht ge- bon Thabanchu, seine Leute beschädigten heute früh einen TransportGeestemünde wird seitens der Polizei jeder Streikposten von druckt ist. den betreffenden Straßen weggewiesen und einige sind auch bereits fiftiert. Diesen soll mun auf Grund einer landrätlichen Verordnung die Befürchtungen hinsichtlich der Inanspruchnahme und der finanziellen wird aus Bloemfontein von gestern gemeldet, Biet De Wet, der Wie der Sekretär M. Güldenberg einleitend bemerkt, haben sich zug bei Pompey Siding. London, 6. Februar.( W. T. B.) Dem„ Reuterschen Bureau" bom 1. Mai 1900 der Prozeß gemacht werden. Die Verordnung Unterstützung des Sekretariats, die bei der Schaffung desselben laut Präsident der Friedenskommission, habe an Christian De Wet die wurden, als völlig unbegründet erwiesen. Das Auskunftsbureau 1. Den zur Erhaltung der Sicherheit und Bequemlichkeit auf wurde reichlich in Anspruch genommen in allen Rechtsfragen, die im inständige Bitte gerichtet, sich zu ergeben. öffentlichen Wegen, Straßen und Blägen ergangenen Aufforderungen Leben des Arbeiters auftauchen, wobei selbstverständlich die Streitigder Aufsichtsbeamten ist unbedingt Folge zu leisten. 2. Zuwider feiten aus dem Arbeitsverhältnis und dent Versicherungswesen die Handlungen werden mit Geldstrafe bis zu 30 Mark oder ent übergroße Mehrzahl bildeten. Der Bericht teilt eine Anzahl Fälle fprechender Haft bestraft. Es ist das die alte Praxis. Das Koalitionsrecht haben die aus der Praxis mit, aus denen hervorgeht, wie schwer es den Arbeitern oft gemacht wird, ihr Recht zu finden. Namentlich die Er deutschen Arbeiter, auch das Ausstellen von Streifpoften an fich ist fahrung drängt sich uns auch aus diesem Bericht wieder auf, daß erlaubt, im Interesse der„ Sicherheit und Bequemlichkeit" jedoch ist die Berufsgenossenschaften mit allen Mitteln bestrebt sind, den armen jeder Schußmann befugt, die Streifpoften, und verhalten sie sich Verunglückten den Bezug der Unfallrente zu verleiden. noch so ruhig und gesetzlich, einfach zu verhaften. Der Streit bei Seebeck dauert unverändert fort. Die Arbeiter in den Steinbrüchen von Gommern( Proving Sachsen) find in den Ausstand getreten, weil ihnen zugemutet wurde, in Zukunft für 25 Pf. pro Stunde zu arbeiten. Diesem Schiffsunglück. bis# 8 Falmouth, 6. Febr.( W. T. B.) Die Mannschaft der ruffischen Bart Tylty", von Southstelds mit Kohlen unterwegs, ist nach Verlust des Schiffs heute hier gelandet worden. Dieselbe war gestern durch den Hamburg- Amerikanischen Dampfer Australia" gerettet. Auf diesem hatte man die Notsignale gesehen. Nach einem Aufruf von Freiwilligen, auf welchen als erster der Untersteuermann fich Der Kampf gegen die Tuberkulose in Dänemark. Die meldete, wurde ein Rettungsboot zu Wasser gelassen. socialdemokratische Partei brachte beim Beginn der gelang, trotz der sehr hohen See, die glückliche Rettung der gegenwärtigen Seffion des Reichstags einen Gefeßentwurf ein, der Mannschaft. die Errichtung von Volks- Heilstätten zur Bekämpfung der Tubertulose verlangt. Gleich nach Einbringung des Entwurfs haben die Der Konflikt in der Schuhfabrik von Catta u. Co. in Offen- Verwaltungen der anerkannten Krantenfaffen eine Betition unter bach a. M. wurde Dienstag vor dem Gewerbegericht durch einen ihren Mitgliedern cirkulieren lassen, worin erstens verlangt wird: Vergleich beigelegt. Nach längeren Verhandlungen der fast voll- die Errichtung von Bolts- Heilstätten für unbemittelte Lungenkranke, zählig erschienenen 60 Ausgesperrten verstand sich Herr Catta dazu, zweitens fräftige Unterstügung aller Veranstaltungen, die dazu dienen, 31/2 Zage Arbeitslohn zu zahlen und sämtliche Ausgesperrten sofort strophulösen Kindern, Epileptikern und Lupuskranken, auch wenn zu den alten Bedingungen wieder einzustellen, womit die als Kläger diese die Kosten nicht bestreiten können, die entsprechende Behandlung Erschienenen sich einverstanden erklärten. Der Konflikt hatte gerade l zu gewähren. Diese Petition, der sich 923 Krankenkassen angeschlossen lande erhalten. Berantwortl. Rebacteur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Berlag von Mar Bading in Berlin. Leipzig, 6. Februar. Die Stadtverordneten bewilligten in ihrer heutigen Sigung einen Betrag von 86 950 Mart für den Ankauf des Vorwerks Sorg bei Adorf im Erzgebirge zur Errichtung einer Lungenheilanstalt für Leipziger Einwohner. Haag, 6. Februar.( W. T. B.) Wie das„ Neutersche Bureau" erfährt, hat Herzog Heinrich den Titel Prinz der NiederHierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. Nr. 32. 18. Jahrgan. de 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bonnerstag, 7. Februar 1901. Reihstag. " tann. on, U to sinis fogar die Regierung, auf deren Drängen der bestrittenfte Baragraph, Abg. Stadthagen( Soc.): § 184, überhaupt aufgenommen worden ist.( Sehr richtig! im Centrum.) pubs game$ 184, überhaupt aufgenommen worden ist.( Sehr richtig! im Centrum.) Wenn man überhaupt eine Censur haben will, dann muß man 42. Gigung vom Mittwoch, den 6. Februar 1901, Das hat die Gegner ermutigt, sie zum Avancieren gezwungen, sie auch ihre Mißstände in den Kauf nehmen. Herr Roeren hat also nachmittags 1 Uhr. zu diesem Antrag veranlaßt, gegen den wir natürlich stimmen als principieller Anhänger der Censur Lein Recht, sich über Fehler, die Am Bundesratstische: Eit Geheimrat.ro usbilsinlaid werden. Wir erscheint es zunächst überhaupt mehr als zweifelhaft, vorkommen föunen, zu beflagen. Die Anhänger der Censur müßten jedenZunächst nimmt das Haus zwei mündliche Berichte der kom ob der Reichstag kompetent ist, die landesrechtlich in den Einzel- falls für eine gesetzliche Regelung dieser Frage sein, dann wären alle mission für die Geschäftsordnung entgegen. sidstaaten eingeführte Theatercensur aufzuheben. Anders liegt die juristischen Zweifel, ob die Censur in den Einzelstaaten besteht oder In beiden Fällen handelt es sich um Gesuche der Staatsanwalt- Frage, ob nicht die Handhabung der Theatercenfur reichs- nicht, gehoben. Wir sind aber der Meinung, daß, so lange eine Censur schaft, die Genehmigung zu strafrechtlichen Verfolgung wegen gefezlich geregelt werden tann. Aber auch diese Frage ist zu besteht, es ganz unvermeidlich ist, daß Fehler gemacht werden. Der Beleidigung des Reichstaje zu erteilen. Die eine Beleidigung verneinen, denn die Theatercensur berührt die Freiheit, zu einem Censor fezt sich überhaupt eine Aufgabe, die gar nicht zu erfüllen ist. des Reichstags soll in anent von Wilhelm Opificius ber Gewerbe zugelassen zu werden, nicht. Die Variétés schießen ja wie Der einzige Censor tann nur das Publikum, die Kritit als ganzes legten und von August Drees bach in Mannheim gedruckten Pilze aus der Erde.( Sehr richtig! im Centrum.) Der Reichstag fein. Herr Stockmann verlangt eine Kunst, die sich nach ganz Fingblatt, das im vorigen Jahre verbreitet wurde, enthalten sein. ist also nicht kompetent, in die Rechte der Einzelstaaten über Theater- belannter Richtung entwickelt, das polizeiwidrige Denten will er unterIm zweiten Fall handelt es sich um einen Artikel der in München censur einzugreifen, und aus diesem principiellen Grunde lehnen wir sagen, und als polizeimäßig erachtet er das, was den erscheinenden allbeutscher Zeitung, Odin" mit der Ueberschrift: ben Antrag ab. Jm Jahre 1880 petitionierte die Genossenschaft herrschenden Klassen gefällt. Dieie Herren wollen die Censur Präfident Krüger in Balin abgewiesen." Der Schlußfaz lautet: deutscher Autoren und Komponisten, vertreten durch Herrn v. Gottschall, aufrecht erhalten, weil sie dem Fortschritt entgegen sind, weil sie " Der Reichstag, diese Spottgeburt aus Dred und Feuer, um Aufhebung der Theaterfreiheit, weil sie die anständigen Theater ihre Weltanschauung als die allein richtige erachten und sie andren fann wirklich einen Hund jammern. Auf Antrag der und Autoren schwer schädige.( hört! hört! im Centrum.) Jegt wird aufdrängen wollen. Herr Stockmann berief sich auf Goethe und meinte, Stommission wird di Genehmigung zur Strafverfolgung im Namen der Freiheit die Beseitigung der Theatercenfur verlangt. er würde sich im Grabe umdrehen, wenn er höre, was heute unter in beiden Fällen ticht erteilt; im ersten Fall mit Daß die Theatercenjur nicht fehlerfrei gehandhabt wird, wird mie- Kunst verstanden wird. Ich weiß nicht, ob Herr Stockmann eine ganz der Begründung, daß fein Anlaß vorliege, bon der bis- mand bestreiten. Herr Müller hätte sich die Vorführung der vielen besondere Kenntnis von der Lage Goethes hat.( Große Heiterkeit.) herigen Bragis abzugehen, im zweiten Fall deshalb, weil, Fälle, worunter manch alter Ladenhüter war( Sehr richtig! im Ich stehe nicht auf dem Standpunkt des Goethe- Bunds, Zu ihm wie der Referent Abg. Dr. Pichler( E.) hervorhebt, derartige Centrumn.), sparen tömmen. Aber um ein richtiges Bild zu gewinnen, gehören Leute, die sich sonst um das öffentliche Leben nicht gegeist und geschmacklose deußerungen den deutschen Reichstag nicht hätte der Zahl der Mißgriffe gegenüber die Zahl der Fälle fümmert haben, und erst dann etwas von der Politik merkten, als beleidigen tönnen". genannt werden sollen, wo die Censur wirklich lebergriffe auf der sie ihnen ins Handwert pfuschen wollte. Nur in einem stimme ich Hierauf wird die erfe Beratung des Antrag Bargmann und Bühne und Ausschreitungen ferngehalten hat.( Sehr richtig! rechts.) mit der Ansicht des Goethe- Bunds überein, nämlich darin, daß Genoffen( frf. Bp.) au Beseitigung der Theatercensur fort- Der Fehler der Cenfur liegt darin, daß nicht gestrichen wird, was Freiheit der Kunst und Wissenschaft gewahrt werden. gefegt. hätte gestrichen werden müffen.( Ruf links: Obercenfor!) Herr Bebel muß. Herr Stockmann wandte sich mit besonderer Emphase dagegen, Abg Baffermann( natt.): sd sdst hat mit vollem Recht in der Stommiffion für bie lex Heinze gesagt: daß im Goethe- Bund Hädel eitiert sei. Hädel ist, wenn er auch ein Der Antrag fordet die Aufhebung der Theatercensur für Die Polizei fibt ihre Censur in ganz infonfequenter Weise entschiedener Geguer der Socialdemokratie ist, doch in wissenschafttheatralische Aufführungen jeder Art, gleich viel, ob bei ihnen ein aus, berbietet unschuldige politische Deflamationen und duldet licher Beziehung einer der ersten Gelehrten unsrer Zeit. Und vor theatralische Aufführungen jeder Art, gleichviel, ob bei ihnen ein die lascivesten Darstellungen der Tingeltangel." Ein einziger Befuch allem muß sein Streben auch von dem entschiedenen politischen höheres fünstlerisches Jizeresse vorliegt oder nicht, also auch für die höheres fünstlerisches Jeresse vorliegt oder nicht, also auch für die im Tingeltangel genügt, um eine Schamlosigkeit der Darstellung, der Gegner auerfanut werben. Ich habe mir die Schrift Aufführungen in Barietes. Für diesen zweiten fall, meine ich, liegt Kleidung und der Bewegungen kennen zu lernen, daß man sich frage, Hädels noch einmal angesehen und folgende Stelle darin tein Grund zu einer Lenderung der bestehenden Gesetze vor. Wir wozu überhaupt eine Theatercensur da ist, wenn so etwas vorkommen gefunden, die allerdings eine Weltanschauung vertritt, die lehnen also diesen Teil des Antrags Bargmann ab, Anders Die liberale Pädag. 8tg." nemt die Vorstellungen der von der des Herrn Stockmann himmelweit verschieden ist. liegt die Sache bei theatralischen Aufführungen, bei denen Berliner Vorstadt- Theater gemein und frivol. Die Dame von Dort ist von einer Notiz in einem medlenburgischen Schulblatte die ein höheres fünstlerisches Intereffe vorliegt, unter der bestehenden Gesetzgebung Mißgriffe vorgefonimen, die agime ist von der Kölnischen Zeitung", der socialdemokratischen Rede, worin es heißt:" Hüte Dich vor dem ersten Schritt, noch stehst Münchener Post" und liberalen Blättern als unsittlich verdammt Du unberührt vor den falschen Gözen der Wissenschaft. es angezeigt erscheinen lassen, der in dem Antrage gegebenen An worden, und doch ist sie hier unter den Augen des Censors mehr Hast Du diesem Satan erst den kleinen Finger gegeben, dann erfaßt regung näherzutreten. Die vom Abg. Müller angeregte Frage, ob durch als dreihundertinal gegeben worden. Da habe ich recht, wenn ich er nach und nach die ganze Hand und Du bist ihm ganz die Theatercensur in Preußen die preußische Verfassung verlegt wird, Mit geheimer Zaubermacht ergreift er Dich und ist von der preußischen Boltsvertretung und von den preußischen Ge- fage: Die Censur fündigt ungleich mehr durch das, was sie verfallen. Brunnen der Erkenntnis. Hast Du richten zu entscheiden und nicht von uns. Herr Müller hat dann weiter be- nicht streicht, als durch das, was sie streicht. Selbst der ekelhafte führt Dich so zum Barrijon- Standal, der einige Jahre verschwunden war, macht sich jezt einmal davon gekostet, fo führt es Dich mit magischer hauptet, daß die Theatercensur sich nicht verträgt mit den in der wieder breit. Was würden Sie sagen, wenn ich etwa das Reichs- Gewalt zu diesem Baume zurück. Wahre Dir das Paradies Deiner Gewerbe Ordnung niedergelegten Grundsägen der Gewerbefreiheit. tagswahlrecht aufzuheben beantragen wollte, weil sich Unzuträglich wissenschaftlichen Unschuld. Das ist allerdings ein mannhaftes AufDiese Anschauung berträgt sich aber nicht mit der juristischen feiten und Mißbräuche bei ihn herausgestellt haben? Unzuträglich treten dieses Gelehrten gegen die Verdummung des Bolts, gegen Litteratur, den Urteilen der Gerichte und der bisherigen Auffassung teilen und Mißbräuche kommen auch bei der Censur vor. Sie sollen die Bestrebungen, die den einzelnen verhindern des Reichstags. Die in den Einzelstaaten eingeführte Theatercenjur nach Möglichkeit beseitigt werden, aber das Justitut darf nicht be- wollen, nach der Wahrheit zu suchen.( Rufe rechts: ist danach mit der Gewerbe- Ordnung wohl verträglich. Im Gegensatz zu feitigt werden. lauter!) Sie rufen: lauter, nein, Ihre Gesinnung, die dem ent Herrn Stockmann halte ich aber den Reichstag wohl für zuständig, Es wird den Mitgliedern des Goethe Bunde ein Stich ins gegensteht, ist nicht lauter!( Stürmische Heiterkeit.) Es ist die Gedurch Abänderung der Gewerbe- Ordnung die Theatercenfur zu beseitigen. Gerz sein, wenn ich erkläre daß ich übereinstimme mit sinnung, die unsre Censur durchströmt, gleichviel ob ihr Leiter Herr Herr Müller hat uns gezeigt, welche großen Mißstände auf diesem dem, was der Ehrenpräsident des Goethe- Bunds, Herr Profeffor Dumrath heißt, oder welchen Namen er sonst führt. Nach Ihnen soll Gebiet liegen. Der Censor ist der Ansicht, daß das Publikum des Mommsen, in einem zur Veröffentlichung bestimmten Brief vom die Kunst und Wissenschaft nichts weiter sein, als die Magd einer einen Theaters mehr vertragen kann, als das Publikum des andren. Oftober 1900 gesagt hat:„ Die Beseitigung der Theatercenjur bestimmten kirchlichen Michtung oder die herrschenden Klaffen. So giebt es gewiffermaßen drei moralische Kategorien, die erste ist werden die Verständigen wohl nicht wünschen: die Gefahr Von diesem Standpunkt ist nun zu verstehen, daß die Herren von das Deutsche und das Lessing- Theater, die zweite das Residenz für die Sittlichkeit ist bei der Anziehungskraft, die die ge- der Mitte bis zur Rechten nicht einmal den Versuch machen Theater, die dritte etwa das Apollo- Theater. Was das Publitum mißbrauchte Bühne ausfiben fann, feineswegs gleichgültig." wollen, in der Kommission den Baum der Erkenntnis aufzusuchen im Residenz- Theater nicht vertragen kann, das verträgt es nach dieser sch hätte dies nicht gesagt, wenn der Herr Kollege Müller und zu prüfen, wer wirklich fähig ist, die Censur richtig zu üben. Auffassung im Apollo- Theater.( Heiterfeit.) O nicht behauptet bätte: Gelbst der alte Mommsen teilt unfren Stand- Herr Roeren meinte, auf den Specialitätentheatern würden SchamEs ist mit echt ein Widerspruch, wenn die Aufführung von puntt. Daß ein Mann wie Mommien nach vier Monaten schon lofigkeiten joudergleichen aufgeführt. Er hat leider nicht angegeben, einigen Stüden in der einen Stadt erlaubt und in der andren ver- wieder der entgegengesezten Ansicht sein sollte, das halte ich für welche. Bielleicht meinte er, daß es bedauerlich sei, daß nicht noch boten ist. Es ist weiter nicht zu leugnen, daß die dramatische Kunst unmöglich, auch wenn der Herr Stollege Müller es immer wieder jenes alte Reſtript in Wirksamkeit ist, welches die Aufführung von anders behandelt wird als andre Dinge, als Litteratur, als Dichtung, behauptet. Ja gehöre zwar nicht dem Goethe- Bund als Mitglied Balletts verbietet. Ich habe einen Bekannten gefragt, was denn Blajtit, Malerei, wo das fünstlerische Schaffen sich frei entfalten ( Heiterkeit.) aber das tann ich erklären, daß ich den fo Unjittliches am Ballett sei. Er meinte: Ja, lieber Freund, fannt und lediglich an der Grenze Halt machen muß, wo die Straf- Chren- Bräsidenten des Goethe- Bunds für zu hoch halte, wenn Du so' ne Dame vom Ballett siehst oder Du siehst eine gefeße beginnen. Es ist auch feststehend, wie zahlreich die Mißgriffe ihni emen fo plöglichen Aufichtswechsel auzutrauen Sofdame auf dem Ball oder eine Dame, die eben ins Bab steigen find, die durch den Censor begangen find. Das beweist eine Reihe In der freisinnigen Presse wurde zur Begründung des Antrags will, Du kannst fie gar nicht unterscheiden.( Große Heiterkeit.) Ich weiß pon Fällen, wo teils nach fürzerer, teils nach längerer Zeit die Miß- Bargmann behauptet, daß die Präventivmaßregeln der Censur nicht nicht, was Sittenloses daran sein soll, wenn die Damen da tanzen. griffe der Censur beseitigt worden sind. so wirksam seien, wie die Repreffivmaßregeln. Früher aber bei der Ich meine, es tann jemand schließlich das Schamloseste mit außer Man hat mit Recht gejagt, daß der Censor der Verteidiger Gegnerschaft gegen den fog. Theaterparagraphen wurde gerade das ordentlich hohem fittlichem Ernst betrachten, und ein andrer der Wahrheit von gestern ist und gegen die Wahrheit von Gegenteil behauptet. Im übrigen ist es ja klar, daß die Censur fann das Gleichgültigfte mit einer Schamlosigkeit betrachten, die heute lämpft. Es ist unbegreiflich, wie ein jo harmlojes Machwert bor und nach der Aufführung nach genau Denielben bei vielen den Gedanken erweckt, er habe etwas Schamhaftes wie die Gestrengen Herren" verboten werden konnte. Das Verbot Grundsägen verfahren würde. Durch die Theatercensur gesehen. Er hat es gesehen, gewiß, aber die audren nicht. hervorragender, ernster und geistig hochstehender Stücke ist um so soll der Entwicklungsstrom der Volksfeele gebemmt werden! Dieser essen Sie doch diese Phantasie zu Hause, wenn Sie ins peinlicher, als der leichtgeschürzten Muse dann wieder in den Variétés Strom nuß eine traurige Richtung eingeschlagen haben, wenn er Theater gehen,( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Herr der freieste Spielraum gelassen wird.( Sehr richtig! b. d. Nationalliber.) durch die Theatercensur, die nur grobe Verstöße verhindern soll Soeren führte Bebel an, hat aber aus der ganz richtigen Anführung Angesichts der vorhandenen Mißstände erscheint es mir zweifelhaft,( ufe lints: soll! soll!), gehemmt wird. Daß auch unbegründete falsche Folgerungen gezogen. Bebel wendet sich in seiner Frau" ob die im Antrag Bargmann geforderte einfache Aufhebung der Abstriche erfolgt sind, gebe ich zu, aber ich frage die Herren, ob in gegen die Zweideutigkeit, mit der seitens der herrschenden Klaſſen Theatercensur richtig ist und genügt, und ob nicht positive Be- den Beispielen, die der Herr Abg. Müller anführte von der jodelnden auf der einen Seite Sittenreinheit den Arbeitern gepredigt wird ftimmungen über die Theatercensur besonders im Hinblick auf frivole Tiroleriu bis zur papiernen Sphing irgend etwas vorkam, durch und von der auf der andern Seite Sittenlosigkeit ausgeübt wird Stüde notwendig find. Nehmen wir an, der Antrag Bargmann ist dessen Streichung die Kunst irgend etwas verliert?( Sehr gut! im in einer Art und Weise, daß der Strafrichter Veranlassung, Gesez. Der Polizei braucht das Manuskript nicht mehr eingereicht Centruma.) Die Theatercensur soll mur dazu dienen, die groben fitt hätte, auf Grund der bestehenden Strafgeseße einzuschreiten, ohne zu werden, sie wohnt der Generalprobe nicht mehr bei. lichen Ausschreitungen und Obscönitäten aus den Stücken zu ent- daß dies doch geschieht. Wenn die Theaterunternehmer etwas Nun fhidt fie einen Lieutenant ins Parkett. Der Liente fernen, dazu ist sie notwendig.( Sehr richtig! rechts; wideripruh Strafbares thun, dann mögen sie bestraft werden. Heute aber liegt naut fit da. Die Situation wird oben bedenklich. Der lints. Wenn Sie( nach links) das leugnen, so stehen Sie wieder es vor allem fo, daß die fibermeisten Klagen von denen ausgehen, Lieutenant unten wird unruhig.( Heiterkeit.) Er fürchtet das im Gegensatz zu Herrn Profeffor Mommien. Ob neben ben die eine verdorbene Phantasie haben und sie daher auch fchlimmste. Was soll er thun? Wird oben wirklich gegen den§ 184 Objconitäten noch etwas wirklich künstlerisches in bei andren voraussetzen.( Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) des Strafgesetzbuchs gesündigt, so wird er von seiner vorgelegten einem Stüd enthalten ist, bas zu prüfen ist nicht Von der Dame von Magime ist geredet worden. Ich bedauere, Behörde wegen verspäteten Einschreitens getadelt. Er wird also Sache des Censors. dragged olla hot daß ich sie nicht gesehen habe. Es ist mir aber mit vorbeugend wirten wollen, setzt den Helm auf, betritt die daß die Dame von Marime Der Kampf gegen die Obscönitäten ist um so notwendiger ans geteilt, außerordentlich Bühne und sagt: Nun hört's aber auf.( Seiterfeit.) Damn gesichts der zunehmenden Unfittlichkeit unter der heutigen Zugend. von der Censur beschmitten worden ist, vielleicht ist sie dadurch schamwäre der Standal fertig. Ja, Theater eh erinnere an den Aufruf der Professoren der Medizin gegenüber los geworden.( Heiterkeit.) Eine Sittlichkeit, die nach außen sich geneigt wären, der hohen, hehren und edlen Kunst zu dienen, danu der zunehmenden Unfittlichkeit der studierenden Jugend. bemüht zu erröten, aber sich innerlich freut, kann uns nicht branchen wir feine Censur. Da das aber nicht der Fall ist, werden Dort wird darauf hingewiesen, daß vor allem die Lettüre imponieren. Aus diesem Geist heraus kann ich es mir auch nur erwir positive Bestimmungen für die Censur treffen müssen. Ich be- des grobsinnigen Materialismus der französischen und jung- tlären, daß durch die finstre Macht der Polizei die Macht der antrage deshalb kommissionsberatung. Im allgemeinen dürfte deutschen Litteratur die Jugend von Grund aus verderbe. Finsternis verboten worden ist. Es giebt feine Censur, die mit dem es pielleicht genügen, der Polizei das Recht zu geben, Herr Bebel spricht sich in seinem Buch„ Die Frau" ähnlich über die Gedanken einer freien Kunst vereinbar wäre. Besonders haben wir Der Generalprobe beizuwohnen und ein Stück wegen Ber- unheilvolle Wirkung flechter Lektüre aus, durch welche die geschlecht uns zu beklagen, daß eine besondere Moral den Arbeitern gegen legung bestimmter Paragraphen des Strafgesetzbuchs zu verbieten. über geübt wird. Wenn uns baran gelegen wäre, bie Unzufriedens Es hatte das auch noch den besonderen Vorteil, da ja vielfach die heit der Arbeiter zu erregen, so müßten wir eigentlich für die Censur Darstellung über den Wortlaut hinausgeht und oft unfittliche Hand fein, denn ihre Wirkung ist derartig aufregend, daß man auf den lungen verübt werden, die über die Intention des Dichters hinaus Gedanken tommen tönnte, ein verlappter Socialdemokrat wäre gehen. Daneben muß selbstverständlich die Möglichkeit bestehen Censor und erlasse die Verbote, damit auch die gleichgültigſten bleiben, daß die Polizei, wozu fie ja auch heute schon das Recht testing Arbeiter zum Nachdenken angeregt würden. Bei den Arbeiterfesten bat, im Interesse der Sicherheit der Personen das Verbot werden sämtliche freiheitlichen Vorträge verboten, denn: ,, Freiheit eines Stückes aussprechen taun, bei hochpolitischen Be Die Kompetenz des Reichs in dieser Frage tann nicht bestritten ist unfittlich". Der Neue Weltfalender ist zwar nicht von wegungen, Streifbewegungen, in denen die beiden Parteien im höchsten Grade gereizt, einander gegenüberstehen.( Beifall bei den werden. Das Theater ift, ökonomisch betrachtet, ein Gewerbebetrieb, der Censur aber zur Kolportage verboten worden, weil sein Inhalt und schon als folder unterliegt es bereichsgesetzgebung. in fittlicher und religiöser Beziehung Anſtößiges enthalte. Nationalliberalen.) Das prächtige Eisnersche Lebensbild unfres Liebknecht, eine Intereffant ist es, daß die Einbringer des Toleranzantrags Abg. Noeren( C.): hier so minutiofe Kompetenzbedenten vorbringen.( Sehr richtig! Schrift, die von tiefer, glühender Begeisterung und hoher, wahrer Wenn Sie vielleicht in mir einen begeisterten Verteidiger der links.) Wir wollen nicht Aufhebung der Schranten der Bügellofig Sittlichkeit erfüllt ist, auch sie ist von der Polizei, der eine solche Theatercenfur, wie sie jetzt gehandhabt wird, zu sehen erwarten, keit, sondern wir wollen org Siger Sittlichkeit frend it, fir die stolportage verboten worden, til fe dann sind Sie im Sie im Juxium, habe viel mehr Beschwerden, fiber buch ſtatt der Wintfir der Willkür der Polizei. Diese hat sich als in fittlicher und religiöser Beziehung Auftof erregt. Die Polizei die Theatercensur als Herr Müller, nur nach einer andren Richtung. vollkommen unfähig erwiesen, die Ceniur zu handhaben. und der Censor arbeiten eben gemeinsam darauf hin, die Arbeiter, ( Heiterfeit.). Ich werfe der Censur vor, daß sie wir wünschen vollständige Beseitigung der Censur. Herr Basser- die noch nicht flug geworden sind, in der Dummheit zu erhalten.( Sehr häufig die harmlofesten jocialen, politischen und mann wollte bei dem Thatbestand einer strafbaren Handlung bie richtig! bei den Socialdemokraten.) Unbegreiflich wäre es mir, gesellschaftlichen Schilderungen verbietet, auf Genfur zulaffen. Er hat aber wohl nicht bedacht, daß dadurch auch wenn auch die Polen in dieser Frage mit dem Centrum gehen littlichem Gebiete aber die lascioftenDarstellungen der grobe Unfug- Baragraph und die vagen Bestimmungen über wollten. Sind doch religiöse Aufführungen, eine Weihnachtsmeſſe gestattet.( Sehr wahr! im Centrum.) Ich habe mich aber gegen Störung der öffentlichen Ordnung anwendbar werden. Ich fürchte, und die Heiligen drei Könige" deshalb verboten worden, weil fie deu Antrag zum Wort gemeldet, weil er nicht entscheidet zwischen daß auf diese Weise bald der alte Zustand wieber hergestellt werden in polnischer Sprache abgefaßt waren. Das Centrum hat sich seiner der Handhabung und dem Wesen der Censur. Der Antrag hat ja wird.( Sehr richtig! links.) Das Strafgesetzbuch, das Bublikum Beit im Abgeordnetenhause lebhaft gegen diese Verbote erklärt. leine Aussicht auf Annahme hier und auch die Regierungen werden und die litterarische ritit genügen nach unsrer Meinung durchaus Wollen die Polen diefe Rute des Censors noch länger auf ihrem Rücken dulden? Das Centrum freilich scheint nur so lange freiim Gefühl ihrer Verantwortung, die öffentliche Sittlichkeit und als Tenjur.( Bravo! lints.) Ordnung aufrecht zu erhalten, nicht auf das wirtjamste Mittel, heitliche Allüren zu lieben, als es sich in der Rolle einer unschädpolitische und moralische Ausschreitungen auf der Bühne lichen Minorität befindet. verhindern, verzichten wollen. Wenn dieser Antrag Meine politischen Freunde werden gegen den Antrag und auch Das öftreichische Gesetz von 1897 versucht die Theatercenfur überhaupt gestellt wurde, so erklärt es sich nur aus der ruhm- gegen die Kommissionsberatung stimmen. Vor allem ist das Reich gefeßlich zu regeln. Danach foll der Censor mur eben damı einlofen und schwächlichen Haltung, die die Regierung bei in diefer Materie nicht tompetent und im übrigen find wir der schreiten, wenn die Aufführung den Thatbestand eines strafrechtlich Im Erkenntnis ihrer eiguen lex Seinze eingenommen hat.( Heiterfeit links. Meinung, daß die Cenfur segensreich gewirkt hat und auch im großen verbotenen Delitts in sich schließen würde. fein, auf die fich das EinLebhafte Buftimmung im Centrum) In den Eingellandtagen hat sie und ganzen geichidt gehandhabt worden ist. Die Censur ist not- soll die Stelle angegeben Alle andren Möglichkeiten, die sogenannte vor ben Schreiern damals völlig tapituliert( Große Seiterfeit linls), wendig, um anstößige Aufführungen zu verhindern. fchreiten gründet. ди alle Дани um liche Ausschweifung der Jugend gesteigert werde. Wenn das von der Wirkung der Lektüre gesagt wird, so gilt es in noch viel erhöhterem Maße von den Vorstellungen auf der Bühne.( Sehr richtig! im Centrum.) Wir werden für Ablehnung der Vorlage stimmen. Eine Rommissionsberatung halten wir für überflüssig.( Bravo 1 im Centrum.) Abg. Pachnicke( freis. Vg.): 46 Tatsid Abg. Simburg( f.): Sorge der Polizei für öffentliche Ordnung und Sitte sind also ausgeschlossen. Aber auch mit dieser beschränkten Censur kann ich mich nicht einverstanden erklären. Was kann denn durch eine öffentliche Aufführung verletzt werden? Die Ehre eines andern, dann kann der Verletzer aber ebenso gut wie jeder andre angeklagt und bestraft werden. Es kann zum Widerstand gegen die Staatsgewalt ausgefordert werden, es kann in Aergernis erregender Weise»ach Z 184 Unsittliches geschehen. Alles das kann ja bestraft werden, wenn es auf der Bühne geschieht. Heute aber macht sich die Polizei der Begünstigung dieser Unzüchtigkeiten schnldig, wenn sie die Zügel, wie das häufig geschieht, locker Intzt. Je genauer der Einzelne weiß, daß die Censur ihn nicht vor dem Strafgesetz schützt, desto vorsichtiger wird er sein. Das Ober-Vcrwaltungsgrricht hat verschiedene Gesichtspunkte aufgestellt, wonach sich das Verbot eines Stücks rechlfertigen soll. Das soll z. B. der Fall sein, wenn die Vorstellung in dem einzelnen Zuhörer Anschauungen erweckt, die zur Gefährdung der Sittlichkeit und der Staatsordnung führen können, oder wenn die Tendenz eines Stücks eine Gefahr für die Sittlichkeit zu erzeugen vermag oder wenn die Wirkung des Stücks eine Verschlechterung der inneren Gesinnung der Zuhörer herbeiführt. Mit solchen Sätzen muß jede aufstrebende Richtung, müssen Ibsen und Tolstoi, die neue sociale Empfindungen erwecken, vollkommen unterdrückt werden können. Schließlich dürfte nur gedacht und aufgeführt werden, was der Censor will. Ich erinnere an jenen alten Censor, der aus einem Stück die Worte„mein Engel" strich, da es menschliche Engel nicht gebe und durch die Bezeichnung Engel das religiöse Empfinden der Leute verletzt würde, die Engel als geschlechts- lose und nicht menschliche Gestalten ansehen. �Heiterkeit.) In das innere Gefühl des Einzelnen hat der Censor nicht einzugreifen, unsre Rechtsordnung hat sich nur mit dem äußeren Verhalten der Menschen zu befassen, sonst wird nichts als Heuchelei großgezogen und der freien Ausübung der Kunst die schlimmsten Schranken gesetzt. Denken Sie so gerincj vom Künstler, daß Sie glauben, obne Schranken würde er zum Gemeinen übergehen? Wie tief und niedrig müssen Sie da vom geistigen Schaffen denken!(Sehr gut! b. d. Soc.) Ich bin gewiß nicht mit allen Erzeugnissen der Moderne einver- standen, aber welche Brutalität wäre es, wollte ich. dem einzelnen untersagen, seine poetische Schaffenskraft so auszudehnen, wie er es will. Ich wünschte einen Aristophanes, der den Kampf der Jungen und Alten, den Kampf der Prüden und Heuchler gegen die Vorwärtsftrebenden einmal zeigen möchte. Aufgeführt fteilich würde das Stück nicht werden, denn der Censor würde darin eine Ver- ächtlichmachung seines Amts erblicken. Wenn die öffentliche Kritik an staatlichen Einrichtungen vom Censor verhindert werden sollte, dann hätten wir ja heute»och die Tortur, die auch einmal eine staatliche Einrichtung war.(Sehr richtig I links.) Nach dem Ober-Verwalhmgsgericht ist die Censur auch berechtigt, Stücke zu verbieten, in denen Personen eines königlichen Hauses auftreten. Dann dürften also„Joseph in Aegypten", oder Hebbels„Esther", oder Gutzkows„Zopf und Schwert" vom Censor gestrichen werden. Das sind doch unhaltbare Zustände. Sie(nach rechts) stemmen sich gegen Wissenschaft und Kunst, aber der Kulturwagen wird über sie hinweggehen. Nehme» Sic sich in Acht, wir wünsche» Ihnen gesunde Glieder bis zum höchsten Glied, das Sie haben.(Große Heiterkeit.) Sorgen Sie dafür, daß endlich die Censur, dieser Makel unsrer Zeit, beseitigt werde I(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Die Jurisdiktion des Ober- Verwaltungsgerichts hat Arbeiter- vereinen, die eine große Mitgliederzahl besitzen, den Vereinscharakter abgesprochen. Ihre Aufführungen sollen als öffentliche Aufführungen anzusehen sein, es ist gegen die Freie Volksbühne vorgegangen worden. Damit wird den Arbeitern die Möglichkeit genommen, ernsthafte Stücke sich vorführen zu lassen und ihre Erziehung durch die Kunst wird unterbunden. Die Polizei ist absolut nicht dazu geeignet, die Censur auszuüben, sie bat auf diesem Gebiet ihren Beruf vollkommen verfehlt, sowie sie ihren Berus, Mörder zu entdecken, verfehlt. Ihrer ganzen Stniktur und Eni- stehung nach, kann sie das Censoramt nicht ausüben. Die Polizei ist in Frankreich von Ludwig XIV. erfunden worden, um„den Parisern zu schützen die Güter ihrer Seelen, ihres Körpers und ihres Vermögens". So war sie die Seele des absoluten Staats, die den Menschen beaufsichtigte von der Wiege bis zum Grabe. Sie paßt aber nicht hinein in die moderne Zeit mit ihrer neuen wirtschaftlichen und politischen Ordnung. Jetzt sieht sie ihre Aufgabe als Censor nur darin, die Menschen abzu- ziehen von ernsten künstlerischen Stücken durch die Schamlosigkeiten, die sie erlaubt.(Sehr gutl bei den Socialdemokraten.) Wenn Herr Stockmann gewagt, Goethe als Eideshelfer für die Censur hier anzuführen, so will ich ihn an das herrliche Bekenntnis erinnern, das der große Dichter im zweiten Teil des „Faust" abgelegt hat: „Der Erdenkreis ist mir genug bekannt, Nach drüben ist die Aussicht nur verrannt; Thor, wer dorthin die Augen blinzelnd richtet, Sich über Wolken seines Gleichen dichtet! Er stehe fest und sehe hier sich um; Dem Tüchtigen ist diese Welt nicht stumm. Was braucht er in die Ewigkeit zu schweifen? Was er erkannt, läßt sich ergreifeil I Er wandle so den Erdentag entlang, Wenn Geister spuken, geh' er seinen Gang. Im Weiterschweifen find't er Qual und Glück, Ob unbefriedigt jeden Augenblick. Ja, diesem Sinne bin ich ganz ergeben, Das ist der Weisheit letzter Schluß: Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, Der täglich sie erobern muß." Diesen Kampf um die Freiheit, auch um die Freiheit in der Entwicklung der Kunst führen wir, und der Kampf gegen die Thcatercensur ist ein Stück davon. Sie wird nicht von heute zu morgen fallen. Aber schon protestieren Mitglieder der Bourgeoisie, die auch einmal Hiebe von der Polizei bekommen haben, mit uns gegen die kulwrwidrige Censur. Einst wird kommen der Tag, wo die heilifle JlioS hinsinkt— wo die hoch- wohllöbliche Polizei und die von Ihnen(nach rechts) hochverehrte Gesellschaftsordnung mit ihr fallen wird.(Lebhafter Beifall bei den Socialdemokraten.) Hierauf vertagt sich daS Hau». Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr. Etat der Justiz- Verwaltung, des NeichSschatzamtS usw. Schluß öVa Uhr._ Abgeorvnekenhaus. 20. Sitzung vom S. Februar 1001, 11 Uhr. Präsident v. K r ö ch e r eröffnet die Sitzung. Am Ministertische: v. Thielen, v. Miguel. Die Beratung der Kanalvorlage wird fortgesetzt. Abg. Schwarze-Lippstadt(C.) (auf der Tribüne sehr schwer verständlich) tritt für die Lippelinie ein, die an Stelle der Emscherthallinie gebaut werden müsse. Selbst wenn aber die Kanalvorlage wieder scheitern sollte, habe die Regierung die Pflicht, mit der Kanalisterung der Lippe selbständig vorzu- gehen. Minister v. Thiele« setzt die Gründe auseinander, aus denen die Emscherthallinie den Vorzug vor der Lippelinie verdiene. Die Lippe sei ein schiffbarer Fluß, habe aber nur sehr geringen Verkehr und Aussicht auf größeren erst dann, wenn auf der Emscherthallinie allein der Verkehr nicht mehr bewältigt werden könne. Dann werde auch die Zeit der Lippe-Kanalisicrung kommen, gegen die ja die Staatsregierung an sich nichts einzutvenden habe. Abg. v. Ticdemann- Labaschin(fk.): Ich stehe ans dem Standpunkt der Interessengemeinschaft von Industrie und Landwirtschaft, und auch die Vertreter landlvirtschaft- licher Interessen sollten für den Mittelland-Kanal eintreten, wenn sie sich keinen direkten Vorteil von ihm für die Landlvirtschaft ver- sprechen. Für die Landwirtschaft hat aber der Mittelland-Kanal direkten Nutzen, es liegt also ein' weiterer Grund vor, ihm zuzu- stimmen. Abg. Gothcin(fts. Vg.): Von der Verständigung über die Lippe-Kanalisierung hängt, wie es scheint, das Schicksal der Vorlage ab. Die Staatsregiernng sollte es sich ernstlich überlegen, ob sie dem Projekt der Lippe- Kanalisierung nicht näher treten soll. Andrerseits ist es aber auch Pflicht der Freunde deS Lippe-Kanals, soweit als möglich entgegenzukommen. Herr v. Pappenheim sagte gestern, die Konservativen treten ohne vorgefaßte Meinung an die Vorlage heran, aber sowohl die Rede des Grafen Limburg wie Herrn v. Pappenheims eigne Rede atmeten doch heftige Kanal- gegnerschaft.' Die von konservativer Seite angeregte Auf- Hebung der Abgabenfreiheit auf den natürlichen Wasserstraßen ist für uns ganz indiskutabel. Sie ist auch unausführbar. Süddeutschland, vor allem Baden ivürde nie darein willigen. Holland würde nie die Auf- Hebung der Verträge eingehen. Der einzige Effekt wäre der, daß wir an der Oder zu höheren Abgaben kommen. Herr V.Zedlitz will jetzt für Tarifermäßigung auf den Eisen- bahnen eintreten. Bisher hat er immer die Minister unterstützt, wenn sie solche Tarifreformen ablehnten. Ich hoffe, der Mittelland-Kanal ivird so wie so zu Tarifermäßigungcn auch auf den Eisenbahnen führen.(Hört, hört l rechts.) Jawohl: Hört, hört! Tarifermäßigunge» haben immer noch segensreich gewirkt, sie haben noch stets zur Vermehrung des Verkehrs und der Einnahmen geführt. Interessant war es mir, daß Herr v. Pappenheim von der Eisenbahn-Verwaltung als Amme sprach, die den Säugling Staat ernährt. Sonst betrachten doch die erren den Staat mehr als melkende Kuh.(Unruhe rechts.) ch meine, es kommt überhaupt mehr auf die Mutter, das Volk, an als auf die Amme. Sorgen Sie dafür, daß der Mutter das genügende Wasser zugeführt wird, nur dadurch können wir den Säugling Staat erhalten.(Bravo I links.) Abg. Feltsch(k.): Für den Mittelland-Kanal können wir nicht stimmen, dagegen begrüßen wir den Stettiner Kanal. Für einen ganz falschen Grund- satz halten wir es, wenn man diesen Kanal, den man doch für gut hält, dann nicht bauen will, wenn der Mittelland-Kanal ab- gelehnt wird. Abg. v. Staudy(t): Von eiper Verquickung der Zollpolitik mit der Kanalborlage kann keine Rede sein. Herr v. Tiedemann irrt vollständig, wenn er behauptete, daß vor zwei Jahren agrarische Rücksichten für die Ab» lehnung der Kanalvorlage maßgebend gewesen seien. Es waren lediglich finanzielle Bedenken, die uns unsre Stellung diktierten. Auch Herr v. Zedlitz soll von einer solchen Verquickung gesprochen haben. Ich habe ihn anders verstanden, sollte er es aber auch gethan haben, so hat er jedenfalls nicht im Namen der Partei gesprochen.— Redner bedauert, daß der ganze Landstrich südlich der Weichsel in der Vorlage nicht berücksichtigt sei. Der Masurische Schiffahrtskanal sei eine dringende Notwendigkeit. Vor allem begrüße ich die Oder- Weichselverbindung. Diese liegt dringend im Interesse der dortigen Landwirtschaft. Abg. v. Arnim(k.): Entgegen dem Abg. v. Tiedemann bin ich der Ansicht, daß der Ostengar keinen Vorteil von den« Mittelland- Kanal hat. Unsre Produkte gehen entivcdcr auf dem Meer- w e g e nach Westen oder in das sächsische Industriegebiet, Ivo die Preise ebenso gut sind, wie im rheinisch-westfälischen In- dustricgebiet. Ich stehe noch heute auf dem Boden meines in der letzten Session leider abgelehnten Antrags, ivonnch der erste Spaten- stich zum Kanal erst gethan werden sollte, wenn die Vorflutverbeffe- rungen fertig gestellt sind. Die Oderregulierung muß unverzüglich vorgenommen werden und für die Kosten müssen nicht nur die land- ivirtschaftlichen Interessenten, sondern auch die Schiffahrtsinteressentcn herangezogen werden. Minister von Miqucl hebt nochmals hervor, daß die Bewältigung des Verkehrs auf den Eisenbahnen im westfälischen Jndnstriebezirk durch neue Eisenbahnen nur mit kolossalen Kosten geschehen kann, daß die Ent- lastung des Verkehrs durch Kanäle da bedeutend billiger ist. Für die Zukunft ist es überhaupt wahrscheinlich, daß die Netto-Ucberschüsse der Eisenbahnen geringer werden, weil die Betriebskosten ganz außergewöhnlich steigen werden. Nur bei einer Entlastung der Eisenbahnen durch den Kanal kann dieses Mißverhältnis der deni Eisenbahnbetrieb vermieden werden. Minister Freiherr von Hammerstcin sucht seine gestrige Behauptung, daß bei Ablehnung der Vorlage die Meliorationen eine Verzögerung erleiden, zu begründen. Daß mit der Hauptvorlage die Kompensationen fallen, ist doch selbstverständlich. In die Kompensationsobjekte sind aber die Meliorationen einge- arbeitet. Sollen diese nur ausgeführt werden, so ist eine Umarbei- tung der Vorlage notwendig, die wieder eine Verzögerung bedingt. Abg. Wallbrecht(natl.) erörtert die militätische Bedeutung des Mittclland-Kanals. Graf Lim- bürg will alles bewilligen, nur nicht den Mittelland-Kanal. Das erinnert mich an eine Episode aus den 4<1er Jahren, als die Bahn von Hamburg nach Hannover gebaut werden sollte. Da ver- langte jemand, das alles gebaut werde, nur die Strecke von Lüneburg nach Celle nicht, damit die Fuhrleute weiter zu thun hätten und der Hafer nicht zu billig würde.(Heiterkeit). Herr Stengel ist Kanalgegner, aber Flottenfreund. Wer bezahlt denn aber die Flotte, doch zu allermeist Handel und Industrie. Soll nun Handel und Industrie weiter die Kosten aufbringen, muß man beide durch billige Transportmittel unterstützen. So hoffe ich, wird der Kanalbau für unser Vaterland von großem Segen sein.(Bei- fall links.) Abg. Zindler(k.) tritt für Meliorationen der Warthe und Netze ein. Hierauf wird die weitere Beratung auf Donnerstag 11 Uhr vertagt._ Versammlungen. Socialreform in Teutschland und Frankreich lautete daS Thema eines Vortrags, den Genosse v. Vollmar am Dienstag in einer öffentlichen Versammlung deS ersten Wahlkreises hielt. Das Versammlungslokal, Cohns Saal in der Beuthstraße, war schon lange vor Beginn des Vortrag« derart überfüllt, daß viele, die später kamen, keinen Einlaß mehr fanden. Der Redner schilderte in großen Zügen die Entstehung unserer Socialgesetzgebung: DaS Socialistengesetz wurde seiner Zeit ein- geführt, weil die Regierung und die herrschenden Parteien glaubten, sie könnten dadurch die klassenbewußte Arbeiter- bewegung ausrotten. Daß es aber mit dem bloßen Niedertreten der Bewegung nicht gethan war, sondern daß ein gewisses Maß socialer Reformen nötig sei, das sah selbst Bismarck ein. Unter diesem Gesichtspunkt sind damals die Arbeiterversichcruugs-Gcsetze entstanden in der Zeit der schwersten Bedrückung durch daS Ausnahme» qesetz. Man wollte damit nicht die Bedürstiisse der� Arbeiter, fondern die Interessen der herrschenden Gewalten befriedigen, denn man glaubte durch die Versicherung die Arbeiter zu Partei- gängern des herrschenden Regimes zu machen. Hieraus, und weil diese Gesetze mancherlei wesentliche Mängel enthielten, erklärt es sich, daß unsre Partei damals dagegen gestinrml hat. Seit jener Zeit haben sich die Verhältnisse geändert. Zwar befindet sich die Socialdemokratie noch in vollem Kriegszustand gegen die herrschenden Klassen, aber der Kampf hat geregeltere, oder wenn der Ausdruck erlaubt ist, civilisiertereFormen angenommen. Die Per- sicherungs-Gesetzgebung hat für u» nicht mehr den Charakter einer Machtfräge. Wir können sie sachlichdiskutieren und sind jetzt zu Vor- kämpfern und Hütern jener Gesetze.cworden im Gegensatz zu denen, die sie ansangs befürworteten, s: jetzt aber zu allen Teufel» wünschen. Die Versichcrungsgesetze sind nicht die Hauptsache einer socialen Politik. Es kommt viclmeir darauf an, daß die Arbeiter Einfluß erlangen auf die Gcstalting der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse und damit auf den Prohrklionsprozeß selbst. Hierzu ist nötig Arbciterschutz und Arbeitcrorga.isation.— Als im Jahre 1890 die kaiserlichen Erlasse kamen, die dei Arbeiter als gleichberechtigten Faktor im Produktionsprozeß anerkamt wissen wollten, da waren auch die Arbeiter bereit, eine Solitik in diesem Sinne zu fördern. Die Arbeiter hatten aber ihre Zweifel. die denn auch bald gerechtfertigt Wirde», denn wie Bismarck später, als er grollend im Saesenwalde saß, selber ein- gestand, sollte durch jene Erlöse nur Stimmung für die Regierung bei den Wahlen gemacht weden. Die schöne Begeisterung für die Erlasse ist denn auch bald algfflaut. Der kreißende Berg hat nur ein ganz winziges Mäuschen geboren, welches aber den Kapitalisten noch viel zu groß war. Das Unternehmertum that sein möglichstes, um den zur Durchführung>er Socialpolitik berufenen Minister v. Berlepsch zu stürzen und der Erfolg des kapitalistischen Treibens war, daß wir bald nach dem Anfang der socialen Politik in eine Aera völliger socialpolitischer Erstarrung geraten ind. Man hat� nicht nur die Entwicklung gehindert, soidern die'.Verhältnisse rückwärts zu schrauben versucht. Es kamer daS Umsturzgesetz, das Zuchthausgesetz, das Verlangen nach einen neuen Socialistengesetz als Mittel zur völligen Knebelung der Arieiterllaffe. Die Social- reform ist tropfenweise gekommen. Sie b schränkte sich nur auf die Einzelausführung schon vorhandener Grurdfätze. Von einer Ein- führung neuer Elemente in die Socialgesergebung ist gar keine Rede gewesen. Das beste an ihr war die Fabrkinspektion und das bereits wieder verschlechterte Gewerbegerichtsgesetz. Das wichtigste, was die Arbeiter verlangen: den Normalarbeitstag die gesetzlich anerkannte wirtschaftliche Vertretung der Arbeiter, die Ausdehnung der Schutz- gesetze auf die Hausindustrie und vor allnn das uneingeschränkte, unter gesetzlichem Schutz stehende Koalitionirecht, von alledem ist bei uns nicht die Rede. Zu der Einsicht Halen sich die herrschenden Klassen und die Regierung nicht aufichwiygen können, daß da das Verhältnis zwischen Unternehmer und Arbeiter am ftiedlichsten ge- regelt wird, wo eine starke Arbeiterorganisation ihren Einfluß auS- üben kann.— Wir stehen heute in Deutschland erst da, wo man in England schon vor Jahrzehnten stand, mit der einen Ausnahme allerdings, daß bei uns die Arbeiter eine starke politische Organi- sation haben, die die Voraussetzung ist für ihre Beferstellung in wirtschaflicher Hinsicht. In Frankreich war die Manchestertheorie, wonach der Staat nicht in das Arbeitsverhältnis regelnd einzugreifen hat, viel länger wirksam wie bei unss, und zwar nicht nur bei den Unternehmern, sondernfauch bei den Arbeitern, so daß diesejede Einmischung des Staats in den freien Arbeitsvertrag zurückwiesen. Wenn unS Frankreich auch, was politische Freiheit betrifft, weit voraus ist, so war eS auf socialem Gebiet doch sehr rückständig. Der socialpolitische Fortschritt ist auch durch die Zersplitterung der Arbeiterpartei gehemmt und erschwert worden. Als dann vor 1>/2 Jahren aus Anlaß der DreyftiS-Affaire alles was reaktionär war. sich gegen die Regierung verband, und die bürgerlich Radikalen cinsaben, daß die Republik nur zu halten war unter Mithilfe der Arbeiter, als infolgedessen M i l I e r a n d in das Ministerium eintrat, da begann eine neue Aera deS Arbeiterschutzes. Frankreich hat sich seitdem thatsöchlich an die Spitze der Socialgesetzgebung gestellt. Es ist das Gesetz erlassen worden, wonach in Betrieben die Männer, Frauen und Kinder beschäftigen, seit dem 1. Januar 1901 der iG/s stündige Arbeitstag gilt,' der vom 1. Januar 1903 an auf 10 Stunden reduziert wird. Auf Grund einer Verordnung müssen bei allen öffentlichen Arbeiten zwischen Vertretern der Unternehmer und der Arbeiter die tägliche Arbeitszeit sowie der Lohn festgesetzt werden gemäß den ortsüblichen Vcrhältniffen, und wenn der Unter- nehmer böswillig gegen diese Bedingungen verstößt, so zahlt die Behörde, für deren Rechnung die Arbeit ausgeführt wird, den Arbeitern den Lohn, und der betreffende Unternehmer kann von allen öffentlichen Arbeiten ausgeschlossen werden. In den staatlichen Be- trieben, die dem Handelsminister unterstehen, ist der Achtstundentag eingeführt. Besondere Fürsorge hat die Regiening den Organisationen der Arbeiter gewidmet. Sie find staatlich anerkannt und mit ad- niinistrativen Befugnissen ausgestattet. Dazu kommt, daß die Gewerkschaften, die schon seit 1884 Korporationsrechte in beschränktem Maße hatten, jetzt das volle Recht der juristischen Person haben. Man hat ferner den centralisierten Arbeitsnachweis eingeführt, der in den Händen der Geiverkschaften und der Arbeiterbörsen ruht. Weiter sind die Arbeiter mehr wie irgendwo sonst an der staat- lichen Gewerbeaufsicht beteiligk. Jede Beschwerde, die von Arbeiter- orgnnisationen an den Aufsichtsbeamten kommt, muß untersucht werden. Es sind die Arbeitsräte eingeftihrt(gleichbedeutend mit den von uns bisher vergebens geforderten Arbeitskammern). Die Mitglieder des Arbeitsrats werden laut Gesetz nur von den organisierten Arbeitern gewählt. Am meisten Aufsehen hat der M i I l e r a n d s ch e Strcik-Gesctzcntwnrf erregt. Derselbe ist von hervorragendem social- politischen Interesse. Er soll— und das ist charakteristisch für den Geist der französischen im Gegensatz zur deutschen Socialreform— das demokratische Regime in der Fabrik einführen. Er bedeutet die Anerkennung des Sireikrechts. Neben der Anerkennung der Rechts- gleichheit zwischen Unternehmer und Arbeiter ist die Festigung der Arbeiterorganisation das A und O dieses Entwurfs. Aus dem ganzen Entwurf klingt ein Wort wieder, welches M i l l e r a n d in einer Rede gebrauchte: So tragen wir dazu bei, den Arbeitern, die sich befreien wollen, den rechten Weg zu weisen. Einzeln seid Ihr nichts, organisiert werdet Ihr eine Macht sein, wie man sie noch nie gekannt har. Aus alledem niüffen wir schließen: Mag eine Regierung nach ihrer und ihrer Anhänger Meinung noch so arbeiterfteundlich sein, mag sie auch im einzelnen auf socialpolitisibem Gebiet etwas thun. so wird sie doch dem äußersten Mißtrauen, ja der schärfsten Kampfstellung der Arbeiter begegnen, so lange sie den Wert der Arbeiterorganisation nicht einsieht, sondern dieselbe viel- mehr niederzuhalten sucht. Derartige Bedrückungsversuche verbitten» und verschärfen nur den unvermeidlichen Kampf. DaS Emporsteigen der Arbeiterklasse kann von keiner Regiening und von keiner politischen oder wirtschaftlichen Macht gehindert werden. Die Arbeiterklasse wird zu der Macht gelangen, die sie braucht, um die Menschheit zu befteien. Der anderthalbstnndige Vortrag fand lebhaften Beifall. Verein abstinenter Arbeiter und Arbeiterinnen. Donnerstag, den 7. Februar, abends 8»/. Uhr, im Lokale Landau, An der Stadtbahn 5: Bortrag des Vorsitzenden Miethke über:„Der Wert der Abstinenz auf wirlschaltUchem Gebiete". Gäste willkommen. Briefkasten der Redaktion. Die turiftische Sprechstunde stndet Montag, Dienstag. Donnerstag und Freitag von 7—9 Uhr abends statt. 1090. Dissident ist man, wenn der AuSttitt aus der Landeskirche erfolgt ist. FreireligiSie Anschauung erfordert es nicht unbedingt. Nagel. Aus ein Jahr, vom Tage der Entlastung aus dem Kranken- Hause ab gerechnet.— G. M., Charlottenburg. Dafür besteht keine Frist.— R. 48. 1. Mit Ablauf des Jahrs IRX). 2. Innerhalb 5 Jahren seit der letzten Pfändung. 3. Sie müssen den Weg der Klage(Amtsgericht) beschreiten, falls polizeiliche Versuche fruchtlos bleiben.— W. 100. Ja: von b zu b Jahren.—<£. V. 99. 1. New. 2. Innerhalb eines Jahrs. — Jul. Dschenficher. t. Sie mühten eine Frist suchen. Nach fruchtlosem Ablauf derselben haben Sie nicht mehr zu zahlen, sondern ein Recht aus Schadensersatz. 2. Wegen geringfügiger Verminderung der Sehschärfe auf ein Jahr zurückgestellt.— I. H. 02. Sprechen Sie zur näheren Klarlegung des Sachverhalts gelegentltch in der juristischen Sprech- stunde vor.— Kyffhäuser 1901. Die Forderung ist verjährt. — C. P. 30. Ja: so lange bis sie den Entlastungslchein erhält.— P. 1. 144. Nein, es sei denn, dah eine entgegengesetzte Absicht der Parteien zum Ausbruck gelangt oder bethättgt ist.— C. A. 99. Wenn Sie Ihr Witterungsübersicht vom 6. Februar 1901, morgens 8 1hr. Stationen Aufgebot standesamtlich anmelden, ist die militärische Erlaubnis nicht er: I worfen. 2. Platate, Bekanntmachungen und Aufrufe dürfen auf öffentlichen forderlich. Langjähriger Abonnent K. G. Nein, sprechen Sie gelegent: Wegen, Straßen und andren öffentlichen Orten nur mit Genehmigung lich in der Sprechstunde zur näheren Darlegung der Ehescheidungsgründe vor. der Polizei verbreitet werden. Zeitungen gehören nicht zu solcher 2. P. 100. 1. Der Lohnabzug ist unberechtigt. Es hätte nur das Art Truckschriften. 3. Die Verfrommungs Verordnungen verbieten Krankengeld vom Lohn abgezogen werden dürfen. Klagen Sie auf Zahlung öffentlich bemerkbare, an Sonntagen vorgenommene Arbeiten. Das beim Gewerbegericht. 2. Solcher Verein ist uns nicht bekannt. O. K. Kammergericht hat angenommen, das unverhüllte Austragen von Flug105. Die von Ihnen nicht mitgeteilten Bestimmungen des Vertrags über blättern fei solche Arbeit, aber das Austragen durch Mappen, Hüllen usw. die Länge der Kündigungsfrist sind für die Frage maßgebend, ob die entziehe die Arbeit" der Oeffentlichkeit, sei also nicht strafbar. 4. Endlich Kündigung rechtzeitig crfolgt oder wirkungslos ist. Eine wirkungslose ist seit dem 1. Januar das Austragen von politischen Zeitungen zu der winembe Kündigung braucht der Mieter nicht zu beantworten. K. K. Nein. Beit, zu der Briefe ausgetragen werden, durch reichsgefeßliche Bestimmungen Hamburg 49 5. 1. Die Befreiung ist nicht sicher, falls sich der Zustand nicht ver: polizeilichen und gerichtlichen Verationen entzogen und fret. Gustav R. Berlin schlechtert; Sie haben eine Anlage zu Krampfadern. 2. Ja. 3. Sie sind Schriftliche Antwort zu erteilen lehnen wir ab. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nicht Frankf./M. 752 NO berechtigt, gegen Ihren Wirt auf vollen Schadensersatz zu klagen, wenn beim Gewerbegericht, sondern beim Amtsgericht wäre Ihre Gehaltsforderung München Ihre Wohnung auf polizeiliche Anordnung hin hat geräumt werden müssen einzuflagen, weil Sie Handlungsgehilfe sind. 2. S. Ja. E. B. Ja. Wien W. S. D. Flugblattverbreitung. Ein solches Urteil des Reichsgerichts giebt es nicht, ist uns wenigstens nicht bekannt. Die Rechts: lage ist nach der Rechtsprechung des Kammergerichts wie folgt: 1. die un entgeltliche Verteilung von Drucksachen in Wohnungen und geschlossenen Räumen( zu diesen gehören Hausflure, Gastlofale und ähnliche Räume) ist nach§ 43 Nr. 5 der Gewerbe- Ordnung feinerlei Beschränkungen unter: parterre. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 7. februar. Opernhaus. Mignon. Anf. 72 Uhr. Schauspielhaus. Egmont. An: fang 7 Uhr. Neues Opern Theater( Kroll). Geschlossen. Schiller. Der Raub der Sabinerinnen. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Weber. 712 Uhr. Leffing. Johannisfeuer. 71 Uhr. Anfang Anfang Berliner. Neber unfre Kraft.( 2. Teil.) Anfang 72 Uhr. Residenz. Frauen von heute. Anfang 71 Uhr. Neues. Die Liebesprobe. Anfang 72 Uhr. Westen. Alessandro Stradella. Anfang 72 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 71/2 Uhr. Secessionsbühne. Buntes Theater: Ueberbrettl. Anf. 7 Uhr. Thalin. Amor von heute. Anfang 72 Uhr. Luifen. Alte Liebe rostet nicht. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Damenschneider. 712 Uhr. Belle Alliance. Anfang 8 Uhr. Anfang Der Leibalte. Carl Weiß. Eine leichte Person. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Briefkasten der Expedition. Wetter Stationen 2 bedeckt 1 paparanda 754 3 bedeckt-1 Petersburg Wetter Temp. 11. 6. 752 NN 754 NNO 752 NW 2 Getter -27 3 bedeckt -1 Cort 2 bedeckt 1 Aberdeen 752 750 SW 767NNO 3 heiter 766 NA 35lb.bed. 753 NO 4 bedeckt 1 1 -0 3 hlb. bed. 2 4 wolfig- 1 Baris Wetter- Prognose für Donnerstag, den 7. Februar 1901. Ziemlich trübe und nebelig mit geringen Niederschlägen und schwachen A. W. Wenden Sie sich an Scholz, Glasermeister, Wrangelstr. 110, nördlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner Wetterbureau. RANIA Palast- Theater ** faubenstr. 48/49. Im Theater Donnerstagabend 8 Uhr: früher Feen- Palast, Burgstr. 22. Durchweg neues Programm. Präcise 82 Uhr: Bummelfrihe. Aus dem Tagebuch der Erde. Boffe m. Gesang in 3 Atten von Wilden. Im Hörsaal: Dr. Nass: Chemie der Toilette. Invalidenstr. 57/62. Tägl. Sternwarte. Nachmittags 5-10 Uhr. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 165. Neue aktuelle Serie lebender Photographien. Die sensationellen Gruppen der alten Germanen. Der schlesische Zecher und der Teufel. Die Bernauer Bierprobe. Der Rothenburger Meistertrunk. Im Restaurant: Konzert einer russ. Damenkapelle. Passage- Theater Unter den Linden 22. fine tolle prindit en fong TV, bg- Vorstellung** Apollo. Specialitäten Vorstellung. Zwanzig Mädchen und kein Mann. Anfang 72 Uhr. Palast. Specialitäten Borstellung. Bummelfrize. Anfang 72 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage Panoptikum. Specialt täten Borstellung. Die zwölf unverbrennbaren Fatire. Anfang nachmittags 3 Uhr. Urania. Taubenstr. 48/49.( Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: Aus dem Tagebuch der Erde". Jm Hörsaal: Dr. Naß: Chemie der Toilette". Invalidenstraße 57/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Schiller- Theater ( Wallner Theater). Donnerstag abend 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Schwant in 4 Atten von Franz und Paul von Schönthan. Freitagabend 8 Uhr: Der Herr Senator. Sonnabendabend 8 Uhr: Freiwild. Central Theater. Zum 565. Male: Mit vollständig neuer Ausstattung an Kostümen und Dekorationen Anfang: Sonntags 12 Uh: Wochentags 3 Uhr. Ende 11 Uhr Unbedingt das beste und interessanteste Programm Berlins! Die 4 Schwestern Tua in ihrer Neuheit Ringelreia- Uebertanz und die unvergleichliche Tyrolienne- Excentrique Hanny Luxa. 17 erstklassige Specialitäten 17 Rosendienstag. Feldwebeltragödie in 1 Akt v. Otto Nebich Weichleben. Thalia Theater Dresdenerstr. 72. Heute und folgende Tage: Amor von Heute. Gr. Ausstattungspoffe m. Gef. u. Tanz. Anfang 72 Uhr. Sonntag, 10. Februar, mittags 12 Uhr Matinée. Wahntrud", Oper in 2 Atten von Ferd. Rudolf. Carl Weiss- Theater Gr. Frankfurterstr. 132. Zum erstenmal: Eine leichte Person. Boffe mit Gesang in drei Atten und fieben Bildern von E. Bohl. In Scene gesezt von J. Dill. Dirigent: Schüler. Anf. 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorst. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Kinder: Vorstellung: Max und Moritz. Die Geisha. Apollo- Theater. Operette in 3 Atten von S. Jones. Mimosa: Mia Werber. Anfang 72 Uhr. Morgen u. folgende Tage: Die Geisha. Sonntagnachmittag 3 Uhr zu halben Kolossaler Erfolg: Emmy Kröchert Les Minstrels parisiens Breifen: Der Vogelhändler. Valentine Petit Metropol Theater. Behrenstr. 55/57. Heute Donnerstag, 7. Feb. 4. Gastspiel Yvette Guilbert Um 7 Uhr 30: Eine tolle Nacht Berliner Ausstattungspoffe. Um 10 Uhr: Auftreten der Madame Yvette Guilbert. Ab 10 Uhr 30: Mlle. Miette Greiner Sandor Trio Paul Sandor etc. Anf. 1/28 Uhr. Rauch. überall gestatt. Morgen Freitag, den 8. Februar: 5.Gastsp.Yvette Guilbert. The 8 Nightons und die vorzüglichen neuen Specialitäten. Um 9 Uhr: 20 Mädchen und kein Mann Burleske Operette von F. v. Suppé. Mittwoch, Sonnabend u. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Grosse Zauber- Soirée von Ben- Ali- Bey.( Halbe Preise.) W. Noacks Theater. Brunnenstraße 16. Wogen des Lebens. Boltsstück mit Gesang in vier Aften von 2. Treptow und 2. Herrmann. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Freitag: Der Rattenfänger von Hameln Passage- Panopticum und Theater. Die 12 unverbrennb. Fakire Neu! General Boum, der kleinste Mann der Welt. Eintritt einschließl. Theater 50 Pf. Rohrmann, Tischlermstr., Dir. Winkler. 12 neue Attraktions- Nummern. Anfang: Wochent. 72, Sonnt. 7 Uhr. Entree 50 Pf. Sonnabend, den 16. Februar: Grosser Masken Ball. Extra- Vorstellung. Große Gratis Preisverteilung. Besucher der Vorft. haben Frei- Tanz. Anfang 72 Uhr. Tanz 10% Uhr. Entree 50 Bf. Wo amüsiert man sich grossartig? Hasenheide 21 und Jahnstr. 8 in Schnegelsbergs Festsälen. Jnth.: Max Schindler. Telephon: Amt IVa Nr. 8002. Heute: Grosser Ball, als Specialität:* Cigarren- und echten Weichselspitzen- Regen verbunden mit schlangen- u. Bonbon- Regen u. diversen Ueberraschungen. Täglich: Specialitäten Vorstellung. Entree frei. Cirkus Schumann. Heute Donnerstagabend präc. 7½ Uhr: Elite- Abend. Gala- Programm. Internationale Preis- Ringkämpfe. 2. Tag. Todes- Anzeige. Allen Kollegen, Freunden und Vers wandten zur Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger: und Großvater, Bimmerer der 2484b Albert Stoll am Montag, 4. Februar, gestorben ist. Beerdigung: Freitag 3 Uhr vom Trauerhause Oppelnerstr. 19 aus nach dem Emmaus- Kirchhof. Die trauernden Hinterbliebenen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß ber Kollege 77/16 Paul Hoffmann 1. Baar: Celeste Moret( Paris) gegen Emile Vervet( Belgien). 2. Baar: Victorias Velche( Belgien) gegen Jess Petersen ( Dänemark), event. 3. Paar: Pietro II( Algier) gegen John Röpel ( Danzig). Ehren- Schiedsrichter Prof. Reinh. Begas. Schiedsrichter: am 4. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Donners P. N. Manning, Herausgeber der Intern. Illustr. Bäder- u. Sport- 3tg." Chef Redacteur Ernst Schulte. Dr. Karl Sandrowski. Dr. Otto tag, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Louisenkirchhofs, Kaplick. Alfred v. Guretzki. D. Wuthe. Franz Linke. Hugo Bergwein. Ferner die neuen Februar- Specialitäten. Direktor Alb. Schumanns neueste Charlottenburg, Fürstenbrunner Weg, ILJUKUS BUriginalbreffuren. Zum Schluß: China, gr. Manegenschaufific. 600 Mitwirt. aus ftatt. Donnerstag, den 7. Februar, abends 7/2 Uhr: Soirée équestre. Bum 71. Male: Max Kliems Festsäle Hasenheide 13-15. Jeden Donnerstag im neuen Festsaal: Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Beerdigungs- Verein Berliner Bimmerlente. Jahren das Mitglied, der Zimmerer Serr Karl Fechner Die eiserne Maske. Große Soiree der„ Norddeutschen Sänger 34 Gr. Historisches Manege: Schaustück in 4 Aften und 3 Hauptbildern. Original- Pantomime des Cirkus Busch. Besonders hervorzuheben: Der prunkhafte Einzng König Ludwig XIV. in Strasburg. Ferner: Aufsehen erregend! Auftreten des berühmten amerikanischen Pferde: bändigers Profeffor Norton B. Smith. Vorher: Vorführung der vorzüg lichsten Programmnummern. Sonntag, 10. Februar, nachmittags 4 Uhr:„ Berliner Landpartien", wozu jeder Erwachsene auf allen Siz plägen 1 Kind frei hat; weitere Kinder die Hälfte. Abends 7 1hr: Die eiserne Maste. Sanssouci Donnerstag, Sonntag und Montag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Luftige Vagabonden. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich: Internationale Künstler- Konzerte. 4 ausländische Kapellen. Bock- Anstich. Täglich grosse SpecialitätenVorstellung. Anfang 7 Uhr. ( Zimmermann, Steinhardt, Stangenberg 2c.) Nach der Soiree: Tanzkränzchen. Am 5. d. M. verstarb im Alter von Jeden Sonntag: Gr. Militär- Streich- Konzert. anfang 6 Uhr. an der Bungenschwindsucht. Empfehle meine 3 Säle, 1200, 1000 und 560 Personen faffend, Vereinen und Gesellschaften. Max Kliem. Zu haben in allen besseren Kohlenhandlungen! 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Die Beerdigung findet Freitag, den 8. d. M., nachm. 3 Uhr, vom Trauer: hause Koloniestr. 37 aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 24936 Der Vorstand. Verein der Maschinisten, Heizer und Berufsgenossen Berlins u. Umg. Todes- Anzeige. Am Montag, den 4. d. Mts., ist unser langjähriges Mitglied J. Uhlmann verstorben. Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, vom Augusta- Hospital, Scharnhorst straße, aus nach dem Dankeskirchhof statt. 138/5 H. Holz, Vorsitzender. Todes- Anzeige. Zur Nachricht, daß meine liebe Frau Ottilie Grötschel am 5. Februar nach kurzen, schweren Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Freitag, den 8. Februar, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Schöneberger Kirchhofs, Mar 24916 straße, aus statt. Der trauernde Gatte. Todes Anzeige. M Am 5. Februar starb mein innigft: geliebter Mann May Scheidemann im 28. Lebensjahre. 24906 Die Beerdigung findet am 8. Fe bruar, nachmittags 32 Uhr, vom Trauerhause, Nirdorf. Pannierstr. 14, aus nach dem Emmaus- Kirchhof statt. Die trauernde Witwe. Allen Freunden und Kollegen zur Nachricht, daß unser Vater, der Buyer Karl Küssner nach langen, schweren Leiden am 4. Februar verstorben ist und am 8., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des GolgathaKirchhofs, Barfußstraße, aus be erdigt wird. 24966 Um stilles Beileid bitten Rudolf und Georg Küssner. Masken- Garderobe bon 5648* Carl Ernst, Köpnickerstr. 1261. Größte Auswahl! Billigste Preise! Vorzeiger dieser Annonce erh. 10 Proz. Preisermäßig. Reichshallen Stettiner Sänger. Heute zum Schluß: Cavalleria schufticana. Freitag: Eine Soiree bei Lehmanns. * Anker- Briketts anerkannt vorzügliche Qualität, find zu Friedr. Daniel& Co., baben bei Berlin W.. Leipzigerstr. 29. III. Wahlkreis. Sente abend 81/2 Uhr, im Mekpalast, Alexandrinenftr. 110: Versammlung des Wahlvereins. Achtung! 6. Wahlkreis. Achtung! Sonntag, den 10. Februar, abends 61/2 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstraße Nr. 23: Volks Versammlung. Tages- Ordnung: 0 219/4 Recitation der Gentoffin Steinbach:„ Der Probefandidat". Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein. Unt zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Achtung! Zimmerer. Achtung! Central- Kranken- u. Sterbekasse der Zimmerer ( Oertliche Verwaltung Berlin). Am Freitag, den S. Februar 1901, abends 8 Uhr, im Lokal ,, Arminhallen", Kommandantenstraße 20: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Abrechnung vom 4. Quartal 1900. 2. Wahl der Revisoren. 3. Kaffen: angelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. 259/ 2* Der Vorstand. J. A.: A. Gruse, Barnimstr. 41a. Centralverein der Bildhauer Deutschlands Verwaltungsstelle Berlin. Freitag, S. Februar, abends 82 Uhr, im Gewerkschaftshaus ( gr. Saal), Engelufer 15: Außerordentliche General- Verfammlung. Tages Ordnung: 1. Bericht der am 25. Januar 1901 zwecks Dedungsfrage der erhöhten Unterstütung gewählten Kommission. 2. Disfuffion. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches Erscheinen erforderlich. 20/9 Der Vorstand. NB. Der Beitrag beträgt vom 27. Januar( 5. Woche) an 10 f. wöchentlich mehr. Achtung, Kupferschmiede! Am Sonntag, den 10. Februar 1901, nachmittags 4½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, Centralverband der Maurer etc. ( Bahlstellen Berlin und Umgegend). Freitag, den 8. Februar, abends 8 Uhr, in Lonis Kellers Festsälen, Koppenstraße 29: General- Versammlung aller zum Streikgebiet Berlins und Umgegend gehörigen Zahlstellen des Centralverbands der Maurer. Tages Ordnung: 1. Geschäfts- und Kaffenbericht der Verbandsleitung vom Jahre 1900. 2. Neuwahl der Verbandsleitung, Revisoren und Beitragssammler. 3. Bericht und Neuwahl der Beschwerdekommission. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Verbandsleitung. Um das Erscheinen aller Verbandsmitglieber erugte Mitgliedsbuch fein Zutritt. erfucht 136/10 Achtung, Bauarbeiter Berlins und Umgegend Sonntag, den 10. Februar, vormittags 10½ 1hr, in Kellers großem Saal, Koppen- Straße Nr. 29: Donnerstag, 7. Febr., abends 8 Uhr, im Linden Kasino", Lindenstr. 106: 24826 Oeffentl. Vortrag Nur Herren haben Zutritt. Eintritt fret. Thema: Medizinische Frrtümer bet sogenannten unheilbaren Leiden. Kurbad: Magazinstr. 17. Am 8. Februar, 8 Uhr, beginnt ein Neuer Abend- Kursus für Monteure, Waschinisten, Zeichner, Elektrotechnifer usw. Keine Vorkenntnisse. Anmeldungen im Bureau der , Elektra", Prinzenstr. 55 Große Verfammlung aller zum Streikgebiet Berlin Künstliche Zähne und Umgegend gehörigen Verbands- 3ahlstellen. Tagesordnung: 1. Bericht der Lohukommission und Abrechnung des Streiffonds vom Jahre 1900. 2: Vortrag des Kollegen Behrendt über die Verschmelzung der Zahlstellen Berlin 1-7. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Verfaminlung wird pünftlich eröffnet. Um rege Beteiligung ersucht 19 3. A.: Oskar Böttcher. Arbeiter- Bildungsschule. Sonntag, den 17. Februar, abends 6 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15( grosser Saal): Freiligrath- Abend. ww Festvortrag. Kammermusik. Gesang. Recitationen. A Eintritt 50 Pf. inkl. Garderobe, Programm und Liedertexte. brodat Nachdem: BALL. Billets sind in den Unterrichts- Abenden, in der Schule und an der Kasse zu haben. Geffent. Versammlung der Kupferschmiede Berlins Freie Volksbühne. mit Frauen. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten H. Peus. 2. Stellungnahme zur Errichtung eines Arbeiter- Sekretariats in Berlin. 3. Halbjahrsabrechnung vom Dispositionsfonds. 4. Mitteilungen. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein mit Tanz. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer. 24925 Barbier- und Friseurgehilfen Charlottenburgs. Donnerstag, 7. Februar, abends 10 Uhr, bei Wernide, Bismardstr. 34: Große öffentliche Versammlung. Tages Ordnung: 1. Der 9 hr- Badenschluß und die Preiserhöhungs- Bewegung ber Selbständigen, wie verhalten wir uns hierzu. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Lohnkommission. 4. Verschiedenes. 285/14 Das Erscheinen eines jeden Kollegen ist dringend notwendig. Die Agitationskommission. J. A.: Bruno Schobert. Vortrag über Magen-, Lungen-, Herztrantheiten für Männer und Frauen vom praft. Naturheilt. Grundmann morg. Freitag, Naunynstr. 27, abbs. 9 ubr Gäste 20 Pf. Mitglieder und Krantenaufnahme im Naturheilbad Köpnickerstr. 72 Großer Berl. Naturheilv. Jedes Wort: Naturärztl. Spr. 11-2, 6-8. Pfennig. II. Abteilung. Sonntag, den 10. Februar, nachmittags 2 Uhr, im Carl Weiss- Theater: Meister Oelze. Drama in 3 Aufzügen von Johannes Schlaf. Die 7. Serie im Lessing- Theater am 3. März: ,, Robe rouge". 27 Märzfest. Sonnabend, 16. März, Brauerei Friedrichshain. Festmarken a 50 Pf. vom 15. Februar ab in allen Zahlstellen. 2 Opern- Extravorstellungen: Der Barbier von Sevilla im Theater des Westens". Sonntag, den 10. März und Sonntag, den 24. März, nachmittags 22 Uhr. Opernmarken a 80 Pf. erhalten die Mitglieder( soweit der Raum ausreicht) vom 15. Februar ab in den Zahlstellen und zwar am 10. März nur die 1., 3., 4., 5., 7. Abteilung und am 24. März nur die 1., 2., 3., 5., 6., 7. Abteilung. 228/11] Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Zähne 2 MIK. 10 Jahre Garantie. Teilzahlung wöchentlich 7 Mark. 133/ 9* Vollkommen schmerzloses Zahnziehen 1 M. Plomben 1,50 M. Reparaturen sofort. Umarbeitung schlecht sitzender Gebisse. Zahnarzt Wolf, Leipziger Strasse 130, ( Haus Schaarwächter). Sprechst. 9-7, Garantiert schmerzl. Zahn- u. WurzelOperationen, Plomben etc. Zähne Ia vont 3,00 ant. Prima Plomben v. 2,00 an. Langi. Garantie, Bequeine Zahlungsbedingungen. Bruno Steffens, Neanderst.21( Aunenft. Möbelstoffe!! auch Refte alle Qualit felten billig; Mocquett- Plüsche 5,35 M. Gelegenheitsfauf: per Meter( 130 Centimeter breit). Muster bei näher. Angabe franco. Berlin S., Emil Lefèvre, Oranienſtr. 158. Hoffmanns Salon, Röslinerstr. 8. Besonderer Umstände halber ist der 2. Ostertag für Matineen frei.[ 7562 Bauhandwerker- Krankenkasse für Berlin zum und Umgegend.( Eingeschr. Hilfskaffe Nr. 118.) Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß der Ausschuß sich konstituiert unb Vorsitzenden Gustav Herforth, Buttmannstr. 18. Querg. 2 Tr. gewählt hat. An denselben sind alle Beschwerden und Streitfälle gegen Entscheidungen des Vorstands zu richten. 38/8 Der Vorstand. J. A.: H. Metzke, Eberswalderstr. 19. Achtung, Parkettbodenleger! Bur gefl. Nachricht, daß die Parkettbodenleger Berlins und Umgegend am 16. Februar in den Diana- Sälen( großer Saal), Köpniderftr. 68, einen Wiener Maskenball abhalten. Um zahlreiche Beteiligung und rege Agitation bittet Das Vergnügungskomitee. 2499b Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Wochentags 7 Uhr. Karlstrasse, Nur erstklassige Sonntags 5 Uhr. Specialitäten. Direttion: e J. M. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Berufs- Bekleidung 2152: 5142*] 5 Kleine Anzeigen. Nur das erste Wort fett. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Restauration, gutes Geschäft, wegen Krankheit meiner Frau fofort zu verkaufen. 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Dieser besagt, daß Bezüge, die einem Ruhegeld-, Wittwengeid- oder Waisengeld-Empfänger aus Mitteln des Reichs, eines Bundesstaats odar andrer öffentlicher Verbände oder auf Grund der Gesetze über die Unfall- und die Invaliden- und Altersversicherung zustehen, auf die städtische Rente, wenn und soweit diese Rente zu- saninien mit jenen Bezügen eine bestimmte Grenze übersteigt, in Anrechnung kommen sollen. Es gelang unsren Vertretern durch- zusetzen, daß Unfallrenten überhaupt nicht in Abzug gebracht werden, da solche Abzüge der Absicht und dem Geist der Reichs-Unfallgesetz- gebnng widersprechen. Eine längere Debatte entspann sich über die Festsetzung der Grenze. von der ab Bezüge, die aus den oben- genannten andren Quellen fließen, abgezogen werden dürfen. Man einigte sich schließlich, die Bestimmung im Anschluß an Z 48 des Jnvalidenversicherungs-Gesetzes so zu fassen, daß eine Kürzung der städtischen Rente nur dann eintreten solle, wenn und so weit diese Rente zusammen mit den Beziigen aus jenen andren Quellen den T1/» fachen Grundbetrag der Invalidenrente übersteigt. Der Ausschuß trat dann in die Beratung eines von unsren Vertretern gestellten Antrags ein, welcher bezweckt, solchen Per- sonen, die zehn Jahre oder länger im städtischen Dienste stehen und das 31. Lebensjahr vollendet und damit die Anwartschaft auf Rente erworben haben, vor unberechtigten Entlassungen durch Vorarbeiter, Meister usw. dadurch zu schützen, daß solche Entlassungen endgültig nur durch Magistratsbeschluß erfolgen dürfen. Der Antrag'wurde ausführlich begründet und auch daraus hingewiesen, daß'gleichlautende Be- stimmungen sich in den Pensionsst'awten andrer Kommunen, so z. B. unsrer Nachbarstadt Charlottenburg, befinden. Nichtsdestoweniger wurde er auf das heftigste bekämpft: Der wahre Sinn des Antrags ginge dahin, jegliche Autorität zu untergraben und das Bestimmungsrecht in den städtischen Betrieben den Arbeitern in die Hände zu spielen. Solchem Beginnen müsse man unbedingt entgegentreten. Vom Oberbürgermeister wurde bemerkt, jeder städttsche Arbeiter wisse, daß ihm jederzeit der Weg der Beschwerde auch gegen unberechtigte Entlassungen offen stehe; von dieser Möglich- keit werde in umfassender Weise Gebrauch gemacht, denn fast täglich habe man sich im Magistrat mit solchen Beschwerden zu beschäftigen; es sei daher unnötig, eine Bestimmung wie die vorgeschlagene, in den Gemeindebeschluß aufzunehmen. Nach längerer Debatte wurde der Anttag gegen die Stimmen von Singer und Heimann abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein von unsren Verttetern beantragter Zusatz zum letzte» Paragraphen der Vorlage, nach welchem der Gemeindebeschluß fünf Jahre nach In- krafttreten einer Revision unterzogen werden muß.— In der nächsten Sitzung soll die Beratung der noch zurückgestellten Anträge erfolgen und damit die erste Lesung der Vorlage zum Abschluß g'e bracht werden. Berliner Partei-Angelege