Nr. 33. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illuftrierter Sonntage Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PostWbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Poft- Zeitungs Preisliste für 1901 unter Mr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für bas übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. 1 Vorwärts Berliner Volksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions Gebaye beträgt für die sechsgespaltene Stofonete Betle oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs Anzeigen 20 Pfg. Bleine Anzeigen" jebes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der& rpedition abgegeben werden. Die Grpedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Sie kennen ihn jetzt! Sie fennen mich ja noch gar nicht rief den Socialdemo fraten Graf Bülow im Reichstag zu, und er wollte damit offenbar nur derbere Ueberraschungen andeuten, die er, der moderne Mensch - wie ihn seine liberalen Bewunderer gern nannten noch der Welt gewähren würde. Nun, die Socialdemokratie bedurfte dieses gurufs nicht. Wir haben uns niemals Jllusionen über die Persönlichkeit des Grafen Bülow hingegeben. Wir hatten 8ug für Bug feine diplomatischen Heldenthaten auf dem Gebiet der Weltpolitit kritisiert und gegen über den liberalen, freifinnigen und demokratischen Bülow Schwärmern und Bülow- Schmeichlern verharrten wir in unsrem Urteil, daß der schönredende Graf alles machen werde, was fein Amt gerade mit sich bringen würde, daß er mit der gleichen Begeisterung für industrielle Weltpolitik und agrarische Weltsperrpolitik eintreten würde. Freitag, den 8. Februar 1901. deutschen Landwirtschaft und ihrer würdigen Vertretung. Der deutsche Landwirtschaftsrat lebe hoch! Die deutsche Landwirtschaft blühe und gedeihe!" Die ewig hoffnungsvollen Thoren des bürgerlichen Freihändlertums werden vielleicht, wenn auch nur noch recht zaghaft, fich damit trösten, daß auch bei dieser Gelegenheit der Kanzler weder die Höhe des Bolliages angegeben, noch sich auf den Doppeltarif verpflichtet hat. Mögen sie sich trösten! Nachdem Graf Bülow mit dieser agrarischen Ueberschwänglichkeit gesprochen, würde ihn die Junterwut davon fegen, wenn er es wagen würde, seinen Worten nicht die That folgen zu lassen. Weit dem Trinkspruch hat sich Graf Bülow in die Sörigkeit der Agrarier begeben, und es kann höchstens als eine Irreführung über diesen Thatbestand betrachtet werden, wenn Bülow- Offiziöse, wie die„ Kölnische Zeitung" die agrarische Unterwerfung des Kanglers hinter einem Theaterdonner wider die extremen Forderungen des Bunds der Landwirte verschwinden zu lassen bemüht sind. D Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. dürfte- so würde sich der Brotberbrauch um 4 bis 6 Mark pro Kopf der Bevölkerung jährlich verteuern. Der Rebner verwies alsdann auf die Notwendigkeit der Einführung von Doppeltarifen und führte des längeren aus, daß der Abschluß von langfristigen Handelsverträgen fich keineswegs unter allen Umständen empfehle. Frhr. v. Wangenheim begrüßt als Korreferent das Gintreten des Gentralverbands deutscher Industrieller für höhere Getreidegölle als einen Beweis für die Solidarität zwischen Landwirtschaft und Industrie. Frhr. v. Wangenheim forderte zur Bea tämpfung des Handels auf. Wenn, woran ja nicht mehr zu zweifeln". der Getreidezoll eine Erhöhung erfahre, dann dürften die Land wirte noch keineswegs die Hände in den Schoßlegen, des unberechtigten Zwischenhandels auf eine normale Preisbildung sondern müßten alsdami bestrebt sein, durch möglichste Ausscheidung bedacht zu sein. Landesökonomierat in delmann- Westfalen kündigte an, daß in acht Tagen die Vorstände sämtlicher deutschen Bauernvereine zu einer Kundgebung für höhere Getreidezölle zusammentreten werden. Selbst Herr v. Woedtte hat den Centralverband der Industriellen Als Vertreter von bayrischen und rheinpreußischen„ Bauern" einst nicht so brünstig angehimmelt wie Graf Bülow den Ausschuß traten Freiherr v. Soden und Rittergutsbesiger der Junter. Der Kanzler steht heute mit dem Junter. Bemberg für höhere Getreidezölle ein. tum in einem noch intimeren abhängigkeitev. Wangenheim eine Sympathiekundgebung für den Centralverband Der Landwirtschaftsrat nahm schließlich auf Antrag des Freiherrn verhältnis als die Posadowsky, Brefeld und deutscher Industrieller sowie die folgende Resolution einstimmig an: Woedtte mit den Bued Leuten.kisa.e Bei der gegenwärtigen Notlage der Landwirtschaft kann die selbe einen wesentlich verstärkten Zollschuh für sämtliche 8weige ihrer Produktion nicht entbehren, wenn sie wieder Sauernd existenzfähig werden und den ihr im Staatsleben obliegenden hohen jocialen und wirtschaftlichen Aufgaben gewachsen sein soll. Insbesondere muß ein erhöhter Getreidezoll auch für die fleinen Landwirte geboten erachtet werden. Der deutsche Landwirtschaftsrat giebt daher von neuem der sicheren Erwartung Ausdruck, daß durch Annahme des Systems des Doppeltarifë die derzeitigen landwirtschaftlichen Zölle im Minimaltarif, welcher nicht überschritten werden darf, in dem Maße erfolgen wird, wie es der dauernden Sicherung der landwirtschaftlichen Produktion, unter gebührender Berücksichtigung des Gesamtintecefies des Staates, unabweisbar erforderlich erscheint. Mit Berücksichti gung auf die bald zu erwartende Vorlage der neuen ZolltarifGesetze sieht die Boltsversammlung des deutschen Landwirtschaftsrate über einzelne Bollsäge ab und beauftragt den ständigen Ausschuß, sobald der Entwurf eines neuen Bolltarif- Gefeßes dem Reichstage zugegangen ist, zu einer Beratung und Beschlußfassung über denselben zusammenzutreten." Wir haben den Grafen Bülow stets gekannt, aber ein wenig tennen ihn nun auch seine Freunde von der bürgerlichen Linken. Niemals hat sich eine Partei so grob düpieren lassen, wie unfer freifinniges Bürgertum. Seit Jahren hat es sich im Schweiße seines Angesichts bemüht, endlich den Anbruch der liberalen Aera herbei zuführen. Es hat seine Grundsätze preisgegeben, es hat Konzession Die Mitglieder des Landwirtschaftsrats waren denn auch über auf Stonzession gemacht, es hat gewinfelt und gebettelt um den Ar- und Halm- Toast des Stanzlers hoch beglückt. Hatte vorher schließlich als verdienten Lohn deu Fußtritt zu gewinnen. Der Libe- der Vorsitzende Graf Schwerin- Löwig vom Kaiser gefagt, daß er ralismus hat alle Militär- und Marine- Tollheiten mitgemacht, er bei seiner hervorragenden, alles selbst erfassenden, selbst beurteilenden ist über's Wasser in die nebelhafte Weltpolitik gegondelt, er hat das und schließlich selbst entscheidenden Persönlichkeit in der ganzen chinesische Abenteuer gepriesen, und er hat selbst alle fonftitutionellen politischen Welt ein bedeutender, vielleicht politisch der be Garantien fahren laffen alles zu dem einen Zwed, sich die maße deutendste Machtfattor geworden seiso feierte Freiherr gebenden Herzen au gewinnen und endlich noch einmal vor dem v. Soden Fraunhofen den großen Vorzug, daß zum ersten Tod das Glück der Macht und des Einflusses zu genießen. mal, seitdem das Reich, seitdem der Landwirtschaftsrat bestehe, Und heute sind sie die jämmerlich Geprellten, die niemand be des Reiches Stanzler in seiner Mitte erschienen sei. und der Frei danert, weil ihre Charakterlosigkeit und ihr politischer Kretinismus Herr rechnete es dem Grafen Bülow in der gemütvollen Weise, die tein andres Los verdient hat. den Junkern eigen ist, noch zum besonderen Verdienst an, daß er just an seinem Hochzeitstage den häuslichen Herd verlassen hat, um bem agrarischen Familienfest beizuwohnen. Einen andren Weg ist das Junkertum gegangen. Es hat höhnend der Regierung ihre Lieblingsvorlagen vor die Füße geworfen, es hat getroẞt und allen Autoritäten den Strieg erklärt, es hat sich vor keiner Drohung gebeugt und heute liegt die Negierung ihm zu Füßen und bittet um Gnade:" Verzeiht uns. Ihr Edelsten, daß Ihr uns so arg mißhandelt habt. Wir wollen niemals wieder thun, was Euren Born erweckt. Gewährt uns Indemnität für die Prügel, die wir von Euch empfangen!" Und Graf Bülow, der moderne Mensch, der gen Westen schaut, ist der östlichen Agrarier Oberster. Sie fannten ihn wirklich gar nicht, die freifinnigen Bülow- Manen. Ob fie ihn jetzt ganz und gründlich kennen? Beim Festessen des Landwirtschaftsrats, der nichts ist als ein bornehmer Ausschuß der Konservativen und des Bunds der Landwirte, war Graf Bülow zugegen und hat bei dieser Gelegenheit den schmausenden Feudalherren das Wort gekündet: ,, Auch ich bin ein Agrarier!" Wir haben einen Auszug der Rede bereits gestern mitgeteilt nachstehend der vollständige Wortlaut: Nicht ganz auf den Ton des Grafen Bülow war eine Ansprache des Landwirtschaftsministers Frhru. v. Hammerstein gestimmt, der doch Besorgnisse äußerte, ob der Eroberungskrieg der Agrarier so glatt verlaufen würde: Politische Ueberlicht. Berlin, den 7. Februar. Der Reichstag Bielleicht kommen in furzer Zeit tritische Tage auch für die Landwirtschaft, und für die Ueberwindung solcher kritischen Tage, glaube ich, ist es von größter Bedeutung, daß man weiß, daß dann die Vertretung der Landwirtschaft in einer fo rubigen, so objektiven und gewissenhaften Sand der Reichs- und Staatsregierung sich be findet, wie das, Gott sei Dant, jeht der Fall fette am Donnerstag in einer Dauerfizung die Beratung des ist. So habe ich die Ueberzeugung und Hoffnung, daß mit Ihrer Reichs- Justiz- Etats fort. Hilfe und dem ehrlichen guten Willen der Reichs- und Staatsregierung auch die kritische Zeit, die vor und steht, glücklich wird überwunden werden können." Es ist bezeichnend, daß ein Minister, der auch bereits unter Hohenlohe amtiert hat, bemerkt, daß jetzt die agrarischen Interessen bei der Regierung wohl aufgehoben seien. Unter Caprivi und Hohenlohe war das also zugestandenermaßen nicht der Fall! " Meine verehrten Herren! Ich sage Ihnen herzlichen Dank für Ihre gütigen und beredten Worte, für die freundliche Aufnahme und Anerkennung, die ich ja gar nicht in dem Maße für mich in Anspruch nehmen fann. Eins aber ist richtig: In der That ist die jetzige Handelspolitik der Regierung ein daß ich hoch erfreut bin, in Ihrer Mitte weilen zu schroffer Bruch mit allen Traditionen der Vergangenheit. Die tönnen, daß ich glücklich bin, mit Ihnen in nähere rettende That" von 1892 wirb jetzt als ein schwerer Irrtum preisBeziehung zu treten, und aufrichtig dankbar für die heutige gegeben. Die Regierung ist immer nur jest" ruhig, objektiv, Gelegenheit dazu. Denn ich begrüße in Ihnen, meine gewissenhaft und ehrlich. Die Herren Amtsvorgänger aber haben Herren, die geordnete Vertretung aller deutschen Landwirte im nichts als Unfug getrieben. ganzen Deutschen Reich, aus dem Norden, aus dem Süden, von Mit der Bülowschen 8ollsammelpolitit bat die der ruffischen bis zur franzöfifchen Grenze. Ich weiß mich aber preußisch- deutsche Politik den Höhepunkt des reaktionären Geistes auch eine mit Ihnen in dem Bestreben, in dem ehrlichen, erreicht. Der schwache Versuch, an den Junkerketten zu rütteln, den ordentlichen und eifrigen Bestreben, mit allen Kräften die des Grafen Bülow Vorgänger wagten, ist wieder völlig aufgegeben. Intereffen der deutschen Landwirtschaft zu fördern, die fich Das Juntertum ist wieder das höchste Gefes im feit einer langen Reihe von Jahren in schwierigen, fehr Reiche. Dem Buchthaus-, Flotten- und Hunnenkurs folgt würdig schwierigen Verhältnissen befindet.( Bravo 1) Indem ich der die era des Brotwuchers! deutschen Landwirtschaft zu helfen trachte, erfülle ich, nach Jezt ist es an den Massen, zu beweisen, daß Graf Bülow meiner Auffassung, lediglich meine Pflicht. Ich habe als Reichs- ihren Willen tennen lerne. fanzler die Pflicht, für einen Beruf zu sorgen, dem ein so großer Teil unsrer Bevölkerung Leben und Unterhalt verdankt, der von so vitaler Bedeutung ist für die Selbständigkeit und Unabhängigkeit des Vaterlands nach außen wie für die über die Gesundheit und Wohlfahrt des Volks nach innen.( Beifall.) Meine Herren! So lange ich auf meinem Poften stehe, 4 Zu Anfang der Sitzung erlebte das Haus das zweifelhafte Vergnügen, Herrn Stebermann b. Sonnenberg über Konty im schönsten Bückler- Stil sprechen zu hören. Stadthagen erwiderte ihm, indem er mit Recht die Konizer Vorfälle auf den socialen Tiefstand der dortigen Bevölkerung zurückführte. Die Art und Weise, wie Stadthagen und nach ihm eine dem Antisemitismus mit principieller Schärfe entgegentraten, stach vorteilhaft ab von des freisinnigen Bech- Koburg Methode, durch Aeußerungen hochgestellter Personen der Rassenheze entgegen zu treten. Darauf nahm der Centrumsjurist und Reichsgerichtsrat Spahn energisch die bekannte Reichsgerichts- Entscheidung in Sachen des Streitposten stehens gegen die Angriffe der Hamburger Nachrichten" und andrer Scharfmacherblätter in Schutz und vertrat nachdrücklich gegenüber dem Staatssekretär Nieberding das Recht des Reichstags, Gerichtsurteile einer Stritik zu unterziehen. Heine wandte sich gegen die neuliche Erklärung des preußischen Justisministers im Abgeordnetenhause und berlangte Gleichheit der Konfession und Parteien vor dem Gesez. Der Lärm der Rechten bewies, daß die Junker nicht die einfachsten Grundsätze des Rechtsstaats anerkennen. Ferner unterzog Heine eine Anzahl Am Donnerstag verhandelte der Landwirtschaftsrat in Majestätsbeleidigungs- Klagen ergangener Urteile einer scharfen Stritit, beleuchtete unter anderm auch Neuregelung der deutschen Handelsvertragspolitik. die verschiedenen Prozesse gegen Maximilian Harden, Graf Kaniz referierte. Er führte aus: und zeigte, wie es um die so viel gepriesene UnabhängigAngesichts des Umstandes, daß während alle andren Verbrauchs- teit der Gerichte in gewissen Fällen bestellt ist. wird es für mich in der inneren wie äußeren Politit nur eine gegenstände im Preise gestiegen seien und noch steigen, die Getreide- Abg. Rickert hielt es für nötig, auf die groben AnNichtschnur geben: das öffentliche Wohl. Dieses öffent- preise aber diefelben geblieben feien, sei es doch gewiß nur eine zapfungen Liebermanns von Sonnenberg zu antworten und liche Wohl, das Wohl des Ganzen, macht es mir zur Pflicht, Forderung der Gerechtigkeit, wenn die Landwirte bei dem bevor entfesselt durch seine Erwiderung solches Toben der Rechten, die großen produttiven Stände, Industrie, Land- stehenden Abschluß der neuen Handelsverträge einen höheren Zollschutz wirtschaft und Handel, gleichmäßig zu schützen. für ihre Erzeugnisse verlangen. Die Landwirte haben während der daß sich Präsident Graf Ballestrem zu einem energischen Sodann widerlegte Genosse Ich werde mich nie verleiten laffen, die Wage zu Geltungsdauer der vor 9 Jahren abgeschlossenen Handelsverträge die Einschreiten veranlaßt fah. Gunsten des einen oder des andren sich heben ihnen gewordene Benachteiligung mit einer geradezu bewun Dr. Herzfeld die gegen seine Auffassung erhobenen bernswerten Ruhe und Geduld ertragen. Allein jetzt, Einwendungen des Güstrower Meineidsprozesses Holft. Den ober fenten zu lassen. Die Fürsorge für die Landwirt wo man wiederum vor dem Abschluß neuer Handelsverträge stehe, sei es schweren Druck, burch den Gesetzgebung, Gerichte und schaft ist aber, wenn ich so sagen darf, nicht nur Pflicht weines Pflicht der deutschen Landwirte, zu verlangen, daß es ihnen namentlich Polizei die Landarbeiter in Ostelbien Amtes, sondern auch Bedürfnis meines Herzens.( Bravo.) möglich fet, durch höheren Zollschuh bessere Preise für ihre niederhalten, schilderte in trefflichen Ausführungen Genosse Sie dürfen versichert sein, daß ich stets mit meinem Erzeugnisse zu erhalten. Höchft erfreulich sei es, daß in Haafe. Herzen für die Landwirtschaft eintreten werde. den Kreisen der Industrie diese Erkenntnis fich Bahn zu brechen Darauf mußte das ermüdete Haus noch zwei Blutmord( Beifall.) Dafür bürgt schon mein Name, dessen Träger schon beginue. Er erinnere an die jüngsten Beschlüsse des Centralverbands feit Jahrhunderten die deutsche Scholle gebaut haben. Deutscher Industrieller. Ja selbst im Reichstag sei die Mehrheit reden der Herren Liebermann und Bindewald ertragen. Ich bin Ihnen dankbar, meine Herren, daß Sie meinen Be bereits für einen höheren Getreidezoll gewonnen. Viel wichtiger Mit der Bewilligung des Gehalts des Staatssekretärs Ich bin Ihnen dankbar, meine Herren, daß Sie meinen Bestrebungen Ihren fachverständigen Rat leihen wollen und ich bin als dies sei es, dem Märchen von der Brotverteuerung des Reichs- Justizamts schloß um 1/28 Uhr die Sizung. entgegenzutreten. Die westfälische Landwirtschaftskammer habe das Freitag: Erste Lesung der Schaumweinsteuerüberzeugt, daß unserem gemeinsamen Streben mit Gottes unschäzbare Berdienst, festgestellt zu haben, daß selbst wenn der Vorlage und des Weingesetzes. Hilfe der Erfolg schließlich nicht versagt bleiben wird. In Getrei ezoll auf 8 Mark erhöht werde ein Zollsag, den man dieser festen Hoffnung erhebe ich mein Glas auf das Wohl der trotz allen Entgegenkommens der Reichsregierung taum erreichen 0.81 Die Kanalvorlage " 1 Fälschungen sind; die Konservative Korrespondenz" scheint am I zweifellos kein einziger dieser Verbände irgendwo als„ Centrums r. 166 des Vorwärts" 1893 ist überhaupt nicht auffindbar und Fälschungswahnsinn zu leiden. Eine angebliche Stelle aus der verein" aufgetreten, am wenigsten bei einer Wahl." Der Volksfreund" giebt also zu, daß die Verbände bis zum ebenso ist die folgende Aeußerung, die der Vorivärts" am Jahre 1899 als Centrumsvereine aufgetreten sind. Daß sie 6. Dezember 1891 enthalten haben soll, einfach erfunden: auch diesmal nicht von der alten Gewohnheit lassen tönnen, „ Uns kann es nicht in den Sinn tommen, den Privat- dafür muß uns der Aachener Volksfreund" selber als Zeuge dienen. eigentums- Bestrebungen der Bauern auf Grund und Boden Das Blatt schrieb am 29. Januar: Wie Herr Steppels namens irgendwie förderlich zu sein. Die Ernte gehört nicht den Bauern, einer Anzahl von Vertretern verschiedener christlich sondern den Menschen; privates Eigentum von Grund und Boden socialer Arbeitervereine( nicht etwa bloß des christlichist niemand zuzubilligen." socialen Textilarbeiterverbands) in der am vorigen Mittwoch abist am Donnerstag einer Kommission von 28 Mitgliedern zur Vorberatung überwiesen worden. Viel Neues wurde am bierten Verhandlungstage weder für noch gegen den Entwurf gesagt; die meisten Redner begnügten sich damit, unter Verzichtleistung auf die Betonung der großen Gesichtspunkte lediglich lokale Wünsche vorzubringen. Gegen die Vorlage ergriffen δας Wort die Abgeordneten b. Saldern, Himburg, Freiherr v. BodenhausenAuch diese Säge sind in den Vorwärts" vom 6. Dezember 1891 gehaltenen Sigung des erweiterten Wählerausschusses bekannt gab, Lebusa, Frhr. v. Willisen, und Am Zehnhoff. Namens hineingelogen. In der ganzen Nummer findet sich überhaupt kein beziehen sich die Punkte, über welche jene Bertreter bom der Polen gab der Abg. Grabski die Erklärung ab, daß diese Frage berührender Artikel oder eine derartige Notiz. Dagegen Kandidaten der Centrumapartei nähere Auskunft zu seine Freunde noch keine Stellung genommen hätten, daß sie ist in der Nummer vom 5. Dezember 1891 ein Leitartikel über erhalten wünschen, auf seine Stellung zu verschiedenen großen Aufaber von dem Kanalbau eine weitere Zunahme der Arbeiter die Scholle des Bauern" enthalten, in der allerdings auch gaben der Socialreform und der socialen Gesetzgebung, weiter zu der Er not für den Osten befürchten. Namens des Centrums forderte die citierte oder eine ähnliche Rolle nicht enthalten ist, der jedoch höhung der Getreidezölle, zu Neuforderungen für Heer und Marine usw. Abg. Graf Strach wit als Vorbedingung für die Zustimmung Ausführungen enthält, die gerade heute eine Wiedergabe verlohnen. Die christlich- socialen Arbeitervertreter wünschen seiner Freunde eine Anzahl weiterer Kompensationen für Ober- Damals war bekanntlich der Hochschutzzoll von fünf Mart in vor der Wahl von dem Kandidaten der Centrums. schlesien und die Kanalisierung der Lippe. Die Abgg. Dr. Beumer Kraft und der Artikel beschäftigte sich mit der Thatsache, daß gerade partei hinsichtlich dieser Punkte eine befriedigende Erklärung zu er und Schmieding( natl.) sowie die Minister v. Thielen in dieser Beit die Bauern maffenhaft die Heimatliche Scholle verlangen..." lassen mußten. Es hieß in dem Artikel: Und am folgenden Tage schrieb der„ Volksfreund" wieder:„ Berund Brefeld verteidigten nochmals den Entwurf, aber laffen mußten. Es hieß in dem Artikel: „ Der Kleinbetrieb... muß dem tapitalistischen Großbetrieb schiedene Vertreter von Arbeitertorporationen( dieses auch sie brachten keine neuen Argumente vor, sondern wiederPlatz machen, der ein Raubbau ist und dessen Faustwirtschaft mit Wort druckt der Volksfreund" fett) ließen feinen Zweifel daran, holten in der Hauptsache nur die bereits bekannten Gründe der Zeit den Boden ruinieren würde, wenn nicht zu hoffen daß sie und ihre Korporationen bestimmt gewillt seien, für den Kanal. stünde, daß er zuvor noch von einem rationelleren, vor der Wahl von dem Kandidaten der Centrumspartei, Herrn socialistischen Großbetrieb abgelöst werden wird. Sittart, die Abgebung einer befriedigenden Erklärung zu verschiedenen: Der Kapitalismus in der Landwirtschaft untergräbt und decimiert Punkten( Arbeiterfragen, Getreidezoll, Heer und Marine usw.) zu felbst das Element, das man für die kräftigste Stüße des heutigen verlangen." Am Freitag wird die zweite Lesung des Justiz Etats fortgesetzt. Voraussichtlich kommt es dabei zu einer Debatte über die Judenfrage. Das Ausnahmegesetz gegen die Landarbeiter. Der preußische Landwirtschafts Minister hat im Landesökonomie- Kollegium die jedes Agrarierherz erfreuende Mitteilung gemacht, daß ein Gesetzentwurf gegen den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter bereits ausgearbeitet ist und dem Staatsministerium zur Beschlußfassung vorliegt. Es erscheint also außer Zweifel, daß ein Ausnahmegesetz, wie es bereits in einigen fleineren Bundesstaaten durchgeführt worden ist, noch in dieser Session dem preußischen Abgeordnetenhaus vorgelegt werden wird. Damit ist die Gefahr der Verwirklichung eines solchen Gesezes eine brennende geworden. Kornwucher und Ausnahmegesez gegen die Landarbeiter die Regierung im Reich und in Preußen arbeitet, als wollte sie den letzten Mann in unsre Reihen treiben! Um den Brotwucher. Die" Post" befürwortet beschleunigte Fertigstellung des Zolltarifs derart, daß vor beendeter Ausarbeitung des ganzen Tarifs im Reichsschazamt schon die einzelnen bereits fertigen Abschnitte des selben den übrigen beteiligten Reichs- und Staatsämtern vorgelegt werden sollen. Ferner wünscht das Organ des Herrn v. Stumim und v. Beblik, daß vom Reichstage die landwirtschaftlichen Zölle möglichst bald auch in zweiter Lesung im Plenum beraten, und nur die mehr technischen Teile des Bolltarifs an eine Kommission verwiesen werden sollen. Die großindustriellen Gehilfen des Brotwuchers haben es fabelhaft eilig. 50 dem " " Zustands ansieht, den rückständigen Kleinbauer. Wie in allen Es gehört die Stirn eines Blattes vom Schlage des Aachener Dingen, so wütet auch hier die kapitalistische Selbstfucht blind Volksfreund" dazu, einige Tage nach diesen seinen eignen Ausdrauf los. In ihrer Profitwut haben die Agrarier, die führungen dem Vorwärts" falsche Meldungen" nachzusagen. Junker, Großgrund- und Rittergutsbesitzer nicht nachgelassen, Uebrigens hat nicht der Vorsitzende des christlichsocialen Textilbis eine fünstliche Breissteigerung für die landwirtschaftlichen Arbeiterverbands, sondern der Vorsitzende des. christlichen WeberProdukte herbeigeführt wurde. Frohlockend strichen sie den verbands in Aachen den von uns am Sonnabend erwähnten Brief Gewinn ein, während die Massen des Volks mit der an den Landtags- Abgeordneten Sittart nach Berlin geschrieben. Teuerung zu fämpfen hatten, und sie suchten dazu noch dem fleinen Bauer den ungeheuren Bären aufzubinden, die landwirtschaftlichen Zölle seien ein Wert, nur zu seinen Gunsten geschaffen. Die kleinen Bauern mögen das eine Zeitlang geglaubt haben. Nun aber, da die Getreidezölle auf der Höhe ihrer Wirkung stehen, tritt ein Rückschlag ein. Namentlich aus den östlichen Provinzen der preußischen Monarchie kommt die Nachricht, daß es für die kleineren und mittleren Bauernguts befizer immer schwieriger wird, fich auf ihrem Grund und Boden zu halten... Die kleinen Besizer, namentlich in Ostund Westpreußen, geben in Masse ihre Scholle auf, weil sie auf derselben nicht mehr austommen können." Ausgewiesen wurde in Elberfeld ein italienischer Erdarbeiter, weil er angeblich„ anarchistischen Tendenzen" gehuldigt habe. Wahr scheinlich wird der Mann Aeußerungen gethan haben, die darauf schließen ließen, daß er sich nicht mehr zu Lohndrücker- oder Streikbrecherdiensten bereit finden laffen würde. Ausländische Arbeiter, die derart„ anarchistisch" angekränkelt sind, spediert man bekanntlich schleunigst über die Grenze, um dafür andre einzutauschen, denen die Begehrlichkeit noch ein unbekannter Begriff ist. Ausland. Oestreich- Ungarn. Es wurden dann die Gründe dieser Erscheinung auseinandergefeßt und namentlich darauf hingewiesen, daß die Parzellenbauern unter den Getreidezöllen mitleiden, daß die hohen Lebensmittelpreise wird vom 7. Februar gemeldet: für sie mit eine Ursache ihres Untergangs feien. Interpellation wegen der Wahlmehelet. Aus Budapest In der heutigen Sigung des Abgeordnetenhauses erörterte vor Das also steht thatsächlich in dem Artikel. Wenn die Social- dem Eintritt in die Tagesordnung Franz Kossuth den gestrigen demokratie auf den Ruin des Kleinbauernstands hinarbeiten wollte, Borfall bei der Ergänzungswahl in Maros. müßte sie wie die Junker, diese wahren Zerstörer des Bauerntums, Basarhely und fordert die streng ste Bestrafung der für Getreidezölle eintreten. Schuldigen. Nachdem noch einige Redner der Opposition Innern Gulner ersucht das Haus, sein Urteil über diesen traurigen Vorfall hinauszuschieben. Nach den eingelaufenen Berichten habe die Menge die Gendarmen angegriffen und zwei derselben vers wundet. Dann hätten die Gendarmen allerdings von der Waffe Gebrauch gemacht. Im übrigen ist ja die Stellung der Socialdemokratie flar. Sie in gleichem Sinne gesprochen, erklärt der Finanzminister v. Lukacs, ist mit der volkswirtschaftlichen Wissenschaft der Meinung, daß die an Stelle des Ministers des Junern v. Szell, der sich augenblidKleinbetriebe in Handel und Handwerk nicht lebensfähig seien. Wir lich in Wien befindet, daß die Regierung den betreffenden Vorfall wären Heuchler und Schwindler, wenn wir die Interessenten aufs tiefste beklage, und versichert gleichzeitig, daß eine strenge dieser Betriebsform durch Kurpfuschereien über ihre thatsächliche Untersuchung, eingeleitet werden solle. Staatssekretär des Lage zu täuschen suchten. Wir wären lächerliche Utopisten, wenn wir wähnten, durch kleine gesetzliche Chikanen den Siegeszug des GroßSocialistische Protestversammlungen wider den Brot- betriebs hemmen zu wollen. Ueber die Frage des Kleinbetriebs in wucher haben stattgefunden in Hagen und Iserlohn, wo der Landwirtschaft herrscht bei uns noch nicht völlige Ueberein Dr. Erdmann- Köln sprach, ferner in Frankfurt a. M., wo nach ſtimmung. Unter feinen Umständen aber leihen wir irgend wie einem Referat des Abg. Schmidt eine Resolution angenommen unsre Hand, durch gesetzliche Einflüsse auf den Ruin der Wie wir reaktionäre Maßnahmen wurde, die u. a. jeden Volksvertreter für einen Volksverräter als zwedlos ablehnen, so sind wir andrerseits weit davon enterklärt, der den geplanten Brotwucher begünstige. fernt, den Untergang beschleunigen zu wollen; ja wir sind bemüht, nach Möglichkeit die persönliche Lage der Opfer der fapitalistischen In Lübeck hat am Mittwoch die Bürgerschafts- Entwicklung zu lindern. Am 20. September 1900 bemerkte der Versammlung an den Senat das Ersuchen gerichtet, im Bundes-" Vorwärts" in einem Artikel über Kolonialpolitik: rat gegen die Erhöhung der Getreidezölle zu stimmen. Auch die Lübecker Handelskammer richtete ein dringendes Gesuch an den Senat, den Vertreter Lübecks im Bundesrat zu beauftragen, nach Kräften gegen die Kornzölle zu wirken. * * * * Aus Baden wird uns vom 6. Februar geschrieben: D als ob er und damit Dänemark. Teuerungszulage für die Staatsangestellten. Der Finanzs minister hat dem Folkething am Montag einen Gesetzentwurf vorgelegt über eine außerordentliche Teuerungszulage der Staatsangestellten für das Finanzjahr 1900-1901. Jede im Staatsdienst angestellte Person, deren Einkommen 2500 Str. nicht übersteigt, soll „ Die Kolonialpolitik rangiert in einer Linie mit der eine Zulage von 80 Kr. erhalten. Die Zahl der Angestellten, die Expropriation des Landvolks durch den Grundadel hier in Betracht kommen, ist auf 22 000 veranschlagt. in Europa am Ausgange des Mittelalters. Sie war, wie diese, Außerdem hat sich die Regierung genötigt gesehen, dem Folkeein fraftvolles Mittel zur Entwicklung der kapitalistischen thing ein Gesetz über die Erhöhung der Löhne der Eisenbahn., Produktionsweise. Kann es Aufgabe Socialisten Post und Telegraphen Angestellten, sowie der sein, eine derartige Expropriation zu Unteroffiziere im Heer und Flotte, vorzulegen, die dem Staat Aber, wird man entgegnen, sagen wir nicht selbst, daß man den eine dauernde Mehrausgabe von 1800 000 kronen socialen Entwicklungsprozeß nicht hemmen dürfe? Expropriiert pro Jahr auferlegt. Dazu kommt die Teuerungszulage für das nicht das Kapital vor unsern Augen tagtäglich fleine Handwerker fommende Finanzjahr, die eine einmalige Ausgabe von über und Händier, und wenden wir uns nicht gegen jeden Versuch, 1/2 Millionen verursacht. dieser Expropriation Einhalt zu thun? Erklären wir nicht vielmehr, sie sei eine Vorbedingung des Socialismus? Sehr richtig, aber wir würden entschieden gegen jeden Verfuch auftreten, die Staatsgewalt zu Gunsten des Kapitals gegen das Hand werk mobil zu machen." verlangen? Diese Verbesserung ihrer Lebensbedingungen haben die Staatsangestellten einesteils ihren guten gewerkschaftlichen Or. ganisationen zu verdanken, an deren Ausbau sie in den letzten Jahren mit großem Eifer gearbeitet haben, andernteils dem erfolg reichen Wirken der Socialdemokratie, die zuerst mit Ernst und Nachdruck für bessere Entlohnung der Arbeiter des Staats ein getreten ist. Niederlande. Die vom Pforzheimer Stadtrat ausgegangene Anregung, die Vertretungen der sämtlichen badischen Städte sollten sich in einer Kollektiv- Vorstellung an den Reichstag gegen die drohende Erhöhung der Getreidezölle aussprechen, hat bisher in den meisten, und zwar gerade in den größeren Städten zu einem negativen Ergebnis geführt. Mannheim, Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Baden- Baden, Lahr 2c. haben die Beteiligung abgelehnt, zum Teil unter der sonderbaren Begründung, die Sollte die Koni. Korrefp." einmal in einem Anfall von Anstand in Frage stehende Angelegenheit liege außerhalb des das Bedürfnis empfinden, ihre Kreise ohne Fälschung über die AnGebiets der Gemeindeverwaltung; nicht schauungen der Socialdemokratie zu unterrichten, so empfehlen wir geradezu die Pflicht einer kommunalen kommunalen Vertretung wäre, ihr dieses Citat. Aber freilich, ein Organ, das die durch die Getreide- Königin Wilhelmina von Holland hat sich am 7. Februar weitaus größten zölle expropriierten Kleinbauern überreden soll, daß um ihretwillen mit dem Prinzen Heinrich von Mecklenburg vermählt. gegen jene die materiellen Interessen des der Gemeinde- Angehörigen Teils die Junker Kornwucher treiben, tann nur fälschen, und immer weiter diejenigen Italien. der Gemeinde selbst aufs empfindlichste berührende politische Maßfälschen. Die Wahrheit wäre für fie tödlich. Sturz des Kabinetts Saracco. Das Kabinett Sar acco hat regel in der nachdrücklichsten Weise Stellung zu nehmen. Bezeichnend Diefelben ist dabei, daß die große Mehrzahl der ablehnenden Stadtrats- Das Cenfur- Opfer. Es wird gemeldet, daß in der Leitung infolge der gestrigen Kammerbeschlüsse demissioniert. ermöglicht durch das Zusammengehen der radikalen Kollegien nationalliberale Majoritäten aufweisen, daß der Theater Censurabteilung beim Berliner Polizeipräsidium vom wurden aber auch die Freisinn- Demokraten von Mannheim wie 1. April d. J. eine Aenderung insofern eintreten werde, als die Socialisten mit den Gemäßigten. Letztere stimmten gegen die Redie Ultramontanen von Freiburg für den Pforzheimer Vor- bisherigen Cenforen Regierungsrat Dumrath und Regierungs- gierung, weil dieselbe die Wiedereröffnung der Arbeitsbörse in Genua beschlossen, die ersteren dagegen, weil die Regierung dieselbe assessor oche ihre Verseßung nachgesucht haben. schlag nicht zu haben waren. überhaupt eröffnet hatte. Außer dem Kammerpräsidenten Billa, Der Cenfor geht und die Censur bleibt. Der nationalliberale Stadtrat von 2ahr ging in seiner welcher mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt werden soll, tveit, werden nach Sonnino und Giolitti als Nachfolger Saraccos genannt. Angst bor der agrarischen Demagogie fogar so Begnadigungen. Eine Korrespondenz meldet: Rom, 7. Febr. Ministerpräsident Saracco teilt in der Kammer„ Eine Amnestie anläßlich des Krönungsjubiläums und des er sich ausdrücklich für eine Erhöhung der Getreidedaß zölle aussprach, da die in der Industrie gezahlten Löhne eine Geburtstags des Kaisers ist aus unbekannten Gründen ausgeblieben, figung vom 7. Februar mit, daß das Ministerium seine Entlassung geringe Breissteigerung zu Gunsten der Landwirtschaft ertragen obgleich fie befoloffen war. Nichtsdestoweniger hat der eingereicht hat. Zur Erledigung der laufenden Geschäfte werde das geringe Preissteigerung zu Gunsten der Landwirtschaft ertragen Monarch im kleinen amnestiert. Im Lauf der letzten Wochen sind Ministerium bis zur Entscheidung des Königs im Amte bleiben. fönnten." Dabei ist Lahr eine Industriestadt, in der sich heute schon zahlreiche Inhaftierte begnadigt worden, unter ihnen nicht weniger Auf Antrag des Ministerpräsidenten vertagt sich hierauf das Haus die sinkende Konjunktur durch starte Arbeitslosigkeit bemerkbar macht, als drei Mörder, die zum Tode, verurteilt waren, aber seiner Zeit auf unbestimmte Zeit. während in guten Zeiten die in der Gemeindeverwaltung maß zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt wurden. Ein neuer Fall Jm Senat gab Ministerpräsident Saracco dieselbe Erklärung gebende politisch rückständige Fabrikantenklique es von jeher ver- dieser Art liegt jegt wieder vor. Vom Schwurgericht zu Stolp wurde ab. standen hat, durch brutale Unterdrückung jeder selbständigen Regung am 16. November 1874 der Schneidergeselle Johannes Rosky aus der Arbeiterschaft diese um ihren Anteil an den erhöhten Produktions- Rawufen im Kreise Braunsberg wegen Mords zum Tode verurteilt, Studentenverfolgungen. Nachdem die Petersburger Studenten. von Kaiser Wilhelm I. aber zu lebenslänglichem Zuchthaus beschaft mittels Circulars die Studentenschaft Rußlands aufgefordert gewinnen zu prellen. Die socialdemokratische Partei Badens wird durch gnadigt. Jest, nach Verbüßung von 262 Jahren ist er wegen hatte, fich zu organisieren, um auf diese Weise die Einführung feiner großen Reue und in Anbetracht seiner vorzüglichen Führung liberaler Reformen im Unterrichtswesen zu erzielen, fanden neuer verstärkte Agitation gegen den Brotwucher die unvolkstümliche völlig begnadigt und sofort aus der Strafanstalt entlassen dings zahlreiche Verhaftungen von Studenten statt. Haltung der Städtebertretungen wettzumachen wissen. % Deutsches Reich. Das Arsenal der Fälschungen. " worden." ist, Rußland. maler Inc Der Boeren Krieg. Gewaltige Truppenverstärkungen Dauernde Beschäftigung wurde den Arbeitern der Schiffswerften in Aussicht gestellt, als es sich darum handelte, für die Flottenvermehrung Stimmung zu machen. Wie wenig Ursache die Arbeiter hatten, auf eine gesicherte Eristenz zu rechnen, sieht will England nach Südafrika senden. Das offizielle Organ der Edelſten, die Konservative man jest. Die Torpodoboot- Firma Schi chau in Elbing Korrespondenz", weiß auf unſre Feststellung geradezu un- hat, angeblich weil sie jetzt weniger lebhaft beschäftigt schloffen, dent Lord Kitchener außer den bereits in der Kapkolonie Amtlich wird bekannt gemacht, die Regierung habe ich ents Arbeiter aufs Pflaster ge= geheuerlicher Fälschungen nichts andres zu erwidern als durch An- einige hundert führung von fünf weiteren Citaten zu beweifen", daß die Social- worfen. Da die entlassenen Arbeiter jezt keine Aussicht haben, gelandeten Mannschaften noch weitere Verstärkungen von 30 000 demokratie darum gegen die Getreidezölle kämpfe, um den Bauern andre Beschäftigung zu finden, find sie mit ihren Familien dem Berittenen zu senden. Man rechnet, daß 10 000 Mann Yeomanry für stand oder überhaupt den Mittelstand zu ruinieren. Offenbar wird Elend preisgegeben. Die kaiserliche Werft in Danzig hat, um diesen Zweck verfügbar sein werden, daß ferner die berittene Polizeider Kleinbauer oder der Handwerker, der Brot kaufen muß, nicht Entlassungen vornehmen zu müssen, die Arbeitszeit um eine truppe für Südafrika unter Einrechnung der in den Kolonien augeworbenen Mannschaften aus 8000 Mann bestehen und die neuen dadurch zu Grunde gerichtet, wenn wir ihm die Brotwucherer vom Stunde täglich verkürzt. von den Kolonien gestellten Kontingente 5000 Mann betragen Leibe zu halten suchen! Und augenscheinlich sieht die ,, Kons. Korresp." in werden. Der Rest der erforderlichen Mannschaften soll aus der den Krawattenmachern hochverdiente Leute, die durch ihre WucherKavallerie und berittenen Infanterie des MutterSpenden die Notleidenden erhalten! landes aufgebracht werden. Der erste Transport geht am Sonnabend ab. " Zur Reichstagserfahwahl in Aachen. Der Aachener, Bolts freund" wendet sich in einem längeren Artikel dagegen, daß der Von den neuen fünf Citaten sind drei ohne genauere Quellen- Vorwärts" die Aachener christlichen Gewerkschaften als Centrumsangabe mitgeteilt, so daß es uns unmöglich ist, sie zu kontrollieren. bereine bezeichnete. Er schreibt:" Seit dem Mainzer Beschluß Die zwei übrig bleibenden sollen dem Vorwärts" entstammen, der christlich- socialen Arbeiterverbände vom Jahre 1899, welcher diese und da lönnen wir wieder feststellen, daß es abermals Verbände für interkonfessionell und politisch unparteiisch erklärte, ist U Wenn auch die 10 000 Mann Yeomanry und die 8000 Mann, die größtenteils aus in den Kolonien angeworbenen Mannschaften bestehen sollen, vorlaufig erst vollzählig auf dem Papier stehen, beiveist doch die Absicht eines derartigen Nachschubs, daß England auch heute noch nicht ernsthaft an Friedensvemntteluugen denkt. Ob aber die 30 000 Mann Verstärkungen genügen werden, um den Widerstand der Boeren zu brechen, ist nach den bisherigen Erfahrungen zweifelhast, namentlich da die neuen Mannschaften erst nach und nach eintreffen werden, so daß eine groffe einheitliche Aktion nicht zu erwarten steht. Bis zur all- gemeinen Verwendung des Nachschubs wird das Boerenblei und iiiebr noch Krankheit aller Art unter den jetzigen Truppen noch gehörig aufgeräumt haben. Die neueste Tagesverlust-Liste umfaßt 20 Tote, 28 an Krankheiten Verstorbene, 10 Verwundete und 3 Vermißte, insgesamt Kl' Mann. Der angebliche Bocreneinfall in Lourentzo Marquez hat eine amtliche englische Bestätigung noch immer nicht gefunden. Die englische Presse' ist der Ansicht, daß ein derartiger Schritt der Boeren England nur erwünscht sein könne, da alsdann eng- tische Truppen an der Delagoabai gelandet und die Boeren von dieser Seite aus angegriffen werden können.„Daily Mail" weiß sogar schon zu berichten, daß Portugal den ihm ge- hörenden Teil der Delagoabai an England abgetreten habe. Sollte deshalb vielleicht die Nachricht von dem Einfall der Boeren in portugiesisches Gebiet nur zu dem Zivcck erfunden ivorden sein, um der Abtrelung der Delagoabai durch Portugal den Charakter des Neutralitätsbruchs Portugals zu nehmen? Uebrigens hieß es ja bereits vor einer Reihe von Monaten, daß eine englische Armee von der Delagoabai aus den Boeren in die Flanke fallen sollte. Damals standen England noch mehr Truppen zur Verfügung als jetzt, auch war damals der westliche Teil Transvaals noch nicht von den Engländern occupiert. Damals hätte also ein englischer Angriff von Lourenyo Marquez aus eine ganz andre Be- dcütung gehabt als jetzt. De Wet soll am Oranjefluß den Kommandanten Liebermann erwarten, um dann mit diesem gemeinsam in die Kapkolonie einzudringen. De Wet würde nach dieser Vereinigung über 5000 Mann verfügen. Sonstige Mitteilungen. AuS Kapstadt sind in London folgende Telegramme eingelaufen: Die Einwohner der Stadt Oudtshoorn haben gestern von Schwarz- berg her Kanonendonner vernommen.— Der Premierminister der Kapkolonie teilte mit, daß General Brabant zum Ober- kommandeur der Truppen ernannt werden wird, die zur Verteidigung der Kapkolonie ausgehoben wurden. lieber die Barbarei der englischen Kriegöführung erzählt der Boerenkommandant De Wet, ein naher Verwandter des Generals, in der in Frankfurt a. M. stattgefundenen Versammlung folg ende Skandalosa: Als Augenzeuge kann ich bekräftigen, daß die Engländer die Besitzungen unsrer Kommandanten noch gräßlicher verwüstet höben, als die der andren Boeren. Ein englischer Offizier entriß einer Boerenfrau das Bild ihres einzigen bei Ladysmith gefallenen vierzehnjährigen Sohns und warfs in die Flammen, die das Haus der Mutter zerstörten. Vor Ladysmith wurde einem Boeren, der sich schon ergeben hatte, von einem englischen Offizier die Hand abgehackt. Der Bruder des Boeren schoß den Engländer nieder. Daraufhin ward er wegen„Hochverrats" füsiliert. Ein Brief des Pfarrers Broothuyzen aus Pretoria liegt hier vor mir: der dritte Teil aller Boeren frauen, so schreibt er, ist entehrt!(Heftige Pfuimfe, auch von weiblichen Stimmen.) Auf die bloße Beschuldigung von Kaffeni hin haben die Engländer manchen unschuldigen Boeren standrechtlich erschossen. Auf den Farmen des Generals De Wet hat man die Schutzdämme zerstört, und die Frau des Generals wollte man durch Hunger zwingen, eine Ehrenerklärung für daS Verhalten der englischen Soldaten zu geben. Das lehnte sie aber standhaft ab. Wollen die Völker Europas diese Greuel länger dulden? Die Haager Friedenskonferenz verstehen wir Boeren nicht ganz. War denn das Ganze nur ein Scherz, ei» Zeitvertreib? Darf England jede einzelne Bestimmung dieser Konferenz übertreten? Gicbt es da nicht eine Gelegenheit, uns zu Hilfe zukommen? Die Not der Boeren ist trotz der augenblicklichen besseren Zk achrichten auf den» Höhepunkt. Sie haben aber beschlossen, auSzuhaltcn und trotz ihrer Not zu kämpfen, so lange noch ein Mann im Felde steht._ Partei- Organisation. Die Parteigenossen dcS Wahlkreises Grünberg-Freystadt haben sich einen KreiS-Wahlverein ge- schaffen. Die Geschäfte der Partei wurden dem Verein übertragen. Polizeiliches, Gerichtliches ustv. — Genosse Bredenbeck, Redacteur der„Rheinisch- Wests. Arbeiter- Ztg." in Dortmund, wurde, wie uns ein Privat- teleqramm meldet, zu vier Monaten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet. Er soll sich einer Polizeibeleidigung schuldig gemacht haben. Derselbe Genosse stand einige Tage vorher vor demselben Gericht ivcgen Beleidigunis des Schiedsgerichts Oberhausen der rheinisch-westfälischen Hütten- und Walzwerks-BernfSgenossen- schaft. Dieses Schiedsgericht wird im Volksmunde mit einem be- stimmten Namen belegt, unter dem es allgeinein bekannt ist. Um seinen Lesern bekannt zu machen, um welches Gericht es sich handelt» hatte auch Bredenbeck in den, inkriminierten Artikel diesen Namen angeivandt. Dies sollte beleidigend sein und wurde Bredenbeck deswegen zu 200 Mark Geldstrafe verurteilt; im übrigen erkannte daS Gericht an, daß der Artikel sachlich gehalten sei. Ge�evkpltzSlftliches. Berlin und Umgegend. Für die Spitzenweber in Calais ginge» bei der Berliner Gewerlschasts-Aomuiiision folgende Beiträge ein: Don den Bauanschlägern Berlins und Umgegend 100,—. Feuchte Ecke bei Schulz 2,20. Dachdecker Berlins lva,—. Bräuerei-Hilfsarberter Berlins 30,— Verband der Fabrik- und Hilfsarbeiter Berlins 10,—, 7,—, 3,50. A Selig 2,—. Arbeiter von„Typograph", Gitscfiinerftr. 58,25. Handels- hilssarbsiter, Verwaltung Berlin 50,—. Verband der Töpfer, Verwaltung Berlin 500,—. Centralverb. der Maurer, Verw. Berlin 500,—. Hidentos- ftraufe 500,—. Schnldkvnto FrauenselS 4,—. Buchbinderei Kämmerer 17,15. Lohgerber, Lederarbeiter, Färber von Busie 100,-. Kommission der Tabakarb. 10,—. SchirmstockfabrilWindt 10,—. Buchdruckerei-Hilfsarb. 10,—. Tischlerei Fischer, Weidenwcg 10,—. Stockard. von Goldbach 10,—. Per- sonal von Ullstein, Acc.-Abt. 8,40. Arbeiter von Austner 7,20. Tischlerei von Biinger 20,—. Rauchklub„Ohne Zwang" 10,—. Summa M. 1584,70. Bereits quittiert 839,70. Zusammen M. 2424,40. Weitere Beiträge werden im Bureau der Berliner Gewerkschasts- Kommission, Engel-Ufer 15, Zimmer 8, vormittags 9—1, nachm. 6—8 Uhr, entgegen genommen. Einsendungen sind an A. Körsteu zu richten. Der Ausschuß. Achtung, Sattler! Bei der Firma A. Schwarz u. Co., Treibriemenfabrik, Berlin, Mllllcrstraße, sind Differenzen ausgebrochen. Wegen Maßregelung eines Kollegen legten in der vorigen Woche sämtliche Arbeiter die Arbeit nieder. Die Firma nahm die Maß- regelung zurück und die Arbeit wurde am andren Morgen wieder aufgenommen. Dem Inhaber der Firma, Herrn E. C z e i k a, scheint die Sache aber sehr nahe gegangen zu sein, denn, wie Zuschriften aus Schlesien und Dresden beweisen, sucht er in dortigen Zeitungen 30—35 Sattler für seine Fabrik. Da die Arbeit augenblicklich sehr flau geht, ist nur anzunehmen, daß er Arbeiter nur zu dem Zweck sucht, die alten, gut organisierten Kollegen zur gegebenen Zeit aufs Pflaster zu werfen. Wir ersuchen darum die Kollegen allerorts. Arbeit bei dieser Finna nicht anzunehmen und den Zuzug möglichst fernzuhalten. KL. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck ge- beten. Die Ortsverwaltung Berlin II. Achtung, Bau-Anschläger! Die Sperre über die Firmen Franke, Admiralstr. 18ä, und D ü st e r b e ck. Webersir. 6, ist nach wie vor aufrecht zu erhalte», bis die Aushebung an dieser Stelle erfolgt.»Die Ei n undzwanziger-Kom Mission. DentscheS Reich. Farbe bekennen! Der ultramontane bayrische Eisenbahner-Ver- band ist neuerdings in eine höchst verzweifelte Situation sge- kommen. Schon kurz nach seiner Gründung mußte sich der Verband eine Censur seiner Statuten durch die Gcncraldirektion der Staats- bahnen gefallen lassen. Diese Revidicrung nach rückwärts beliebten damals die ultramontanen Macher als ein Zeichen besonderer Jnti- milät zwischen Verbandsleitung und Generaldirektion hinzustellen. Nun hat aber die letztere heute den schwarzen Organisatoren eine Behandlung angedeihen lassen, die nicht mehr zu bemänteln ist. Der Eisenbahner-Verband hat nämlich eine Darlehnskassc gegründet, die nur an Kapitalsmangel krankt. Da die zehn Pfennige Monatsbeitrag nicht ausreichen, hat man Cirkulare an ver- schiedenc Adressen verschickt, in denen um Gewährung von größeren Darlehen zum Zweck der Dotierung der neugeschaffenen Spar- und Darlehnskasse gebeten war. Zur Begründung dieser Bitte wurde ausgeführt, daß von der treuen Pflichterfüllung des Eisenbahn- Personals Leben und Eigentum vieler Menschen abhänge und daß viele entsetzliche Unglücksfälle ihre Ursache in« der materiellen Bedrängnis des Personals haben, da ein Mann, der mit schweren wirtschaftlichen Sorgen zu kämpfen habe, seinen Dienst bei dem besten Willen nicht so gewissenhaft versehen könne. Ein Exemplar dieses Cirkulars fiel vor einigen Tagen der offiziösen„Augsburger Abendzeitung" in die Hände, die ein Mord- geschrei deswegen erhob. Die Regierung könne sich doch nicht vor- werfen lassen, daß sie ihre Angestellten nicht vor der dringendsten Rot schütze und die Generaldirektion habe die Pflicht, dagegen vor- zugehen. Und richtig gab die letztere nunmehr auch eine Ent- schließung heraus des Inhalts, das Ober-Bahnamt München habe dem Vorsitzenden des Eiscnbahner-Verbandcs„den g e- messenen Auftrag zugehen lassen, den Aufruf bei sämtlichen Personen, welchen derselbe zu- gegangen ist, unverzüglich mit einem ent- sch'uldigenden Schreiben wieder zurückzuziehen." Jetzt sitzen unsre christlichen Brüder in einer argen Klemme. Bleiben die Herren darauf bestehen, was sie in jeder Numnier ihres Organs, in jeder ihrer Versannnluiigen k. behaupten, daß nämlich ein großer Teil der bayrischen Eisenbahner infolge der elenden Bezahlung sich in schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen befindet. so müssen sie auch die Konsequenzen ziehen. Bor allen Dingen dürfen sie sich nicht das Recht streitig machen lassen, diese Zustände auch festzustellen und weitere Kreise um Hilfe für ihre Bestrebungen auf dem Wege der Selbsthilfe anzugehen. Wenn die Herren aber so konsequent sind, dann verbietet die Regierung einfach ihren Angestellten die Zugehörigkeit zum Eisenbahner- Verband und— Redacteur, Sekretär und Verwalter werden brotlos. Erfüllt man aber— was als sicher anzunehmen ist— den Befehl der Regierung und kriecht zu Kreuze, nun dann kann sich die christliche Organisation eben begraben lassen. Der Verband ist dann keine Arbeiterorganisation mehr, sondern ein Vereinchen, das nur thun darf, was die hohe Megieruiig gütigst erlaubt. Nur so weiter, Herr v. Ebcrmayer. dann wird auch der blödeste Eisenbahner bald wissen, wo er hingehört. Die Plüscharbciter der Firma Gebr. Görtz in Chemnitz sind in den Ausstand getreten, weil die so schon niedrigen Löhne um 10—12 Proz. gekürzt werden sollten. Der 19. Gau des deutschen Holzarbeiter-VerbandS, der die Provinzen Rheinland und Westfalen umfaßt, hielt am 3. Februar Konferenz in K r e f e l d ab. Anwesend waren 43 De- ligierte aus 35 Orten, sowie der Gauvorstand. Der Gauvorstand hat seinen Sitz in Elberfeld. Aus dem ThätigteitSbericht heben wir hervor: In den beiden Provinzen sind etwa 17�2 Tausend Holzarbeiter beschäftigt; davon sind organisiert etwa 3>/2 Tausend. also nur 20 Proz. Die Zahl der in der Branche beschäftigten weiblichen Personen ist von 163 auf 41 zurückgegangen, davon sind drei organisiert. Die meisten der Streiks, welche in dem Gau stattfanden, endigten mit einem Vergleich. Um die Agitation besser betreiben zu können. hatten die einzelnen Filialen es für nötig befunden, daß für den Gau ein besoldeter Beamter angestellt würde. Nachdem durch Ab- stimnning sich die meisten Filialen dafür erklärt hatten, bewilligte der Hauptvorstoud der Holzarbeiter einen Zuschuß von 1200 Mark jährlich. Den Rest müssen die einzelnen Zahlstellen aufbringen. Es wurde der Antrag angenommen, daß jede Filiale pro Mitglied und Quartal 10 Pf. zu den Kosten beizutragen hat. Als Beamter wurde der Vorsitzende des Gauvorstands Härtung- Elberfeld bestimmt. Eine längere Diskussion rief die Stellung des Verbands den christlichen Gewerkschaften gegenüber hervor. Allgemein ivar unter den Delegierten die Meinung vorherrschend, daß man den christlichen Gewerkschaften gegenüber sehr vorsichtig sein müsse. Besonders bei Loh»kämpfen seien sie sehr un- zuverlässig. Es käme dies daher, daß die christlichen Arbeiter von den hinter den Coulissen arbeitenden Geistlichen beherrscht würden. So lange der Einfluß der Geistlichkeit in den christlichen Gewerk- schaften noch so stark sei. könne an ein Zusammengehen mit denselben nicht gedacht worden. Der Ceutralvrrband christlicher Textilarbeiter ist nun aus einer Konferenz am 2. und 3. Februar in Krefeld endgültig ge- gründet ivorden. Der Verband wird in drei Bezirksverbäude ge- gliedert, dem je ein besoldeter Beainrer vorsteht. Ihren Sitz haben die Beamten in K r e f e l d, M.- G l a d b a ch und Aachen. Das Organ wird in Krefeld hergestellt. Ein Wochenbeitrag von 15 Pf. ist festgesetzt, doch ist es den Bezirksverbänden freigestellt, 20 Pf. zu erheben, und muß dann für die überschießenden 5 Pf. ein Kranken- geldzuschuß, Sterbegeld oder sonst etwas gewährt werden. Trotz des Widerspruchs einiger Delegierten ist dem Stalut ein PassuS ein- gefügt worden, wonach Ehrenmitglied werden kann, wer einen bestimmten Beitrag bezahlt. Ganz bestimmt werden jetzt wohl eine Anzahl Unternehmer und G e i st l i ch e beitrete», um die Arbeiter im Zaune zu halten. Von der Aachener Richtung aus wurde versucht, eine Bestimmung in das Statut hineinzubringen, wonach der ch r i st I i ch e Grund- charakter für alle Zeiten festgelegt werden sollte. Dieser Antrag tvurde mit 9 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Hieran sieht man, daß die neutrale Gladbachcr Richtung noch nicht sehr stark ist. Es gelang der Aachener Richtung denn auch durchzusetzen, daß eine Statutenänderung, welche den'christlichen Grundcharakter des Ccntralverbands autasten würde, nur mit drei Viertel oller Stimmen der Bezirksvorstände beschlossen werden kann. Der„Aachener VolkSfrcuud". das Organ der Aachener Richtung. ruft denn auch jubelnd auS, eine dreiviertel Majorität werden die Gladbacher nie erzielen. Während nun die christlichen Arbeiter dabei sind, sich eine feste Organisation zu schaffen, läuft ani Niederrhein die ganze Kaplans- presse gegen die christlichen Gewerkschaften Sturm, lim die Filialen zu retten, haben die Vorstände des christlichen Tabakarbeitcr- Verbands und des christlichen Textilarbeitcr-Verbands in Geldern eine öffentliche Erklärung abgeben müffeii. In dieser Erklärung heißt es, daß die christlichen Gewerkschaften den Klassenkampf ver- abscheuen, daß Differenzen mit den Arbeitgebern nur auf friedlichem Wege geregelt werden sollen. Von Kampf-Organisationen könne keine Rede sein und der Geistlichkeit wäre die Arbeiterschaft Dank und Anerkennung schuldig, weil dieselbe sich um die Arbeiter- fache so verdient gemacht habe. Zur Brauerbewegung in Weistenbnrg bei Nürnberg. Eine große Volksversammlung befaßte sich mit dem Brauersireik und beschloß, nachdem die drei größten Brauereien sich weigerten, mit einer aus Weißenburger Bürgern bestehenden Kommission zu urter- handeln, das Bier dieser Brauereien zu boykottieren. Zuzug ist fernzuhalten._ Aus der Frsnrnbrmrgung. Ucber„Socialpolitik und Brotwncher" sprach Genossin S t e i n b a ch- Hamburg in einer von der Vertrauensperson der socialdcmokratischen Frauen Rixdorfs einberufenen Volksver- sanunlung, die am 6. Februar im Rixdorfer Apollothcater stattfand. Die Refe'rentin führte unter anderm aus: Wir Deutschen sind ja allen andren Nationen in allem Großen, Tüchtigen. Edlen und Ge- wältigen voraus. Wenigstens will nia» uns das glauben machen. Welch ein Wunder ist nicht unsre Socialpolitik— nach den Zahlen- zusanuncnstellungen auf der Pariser Weltausstellung. Wer den Kampf der deutschen Arbeiterklasse um jedes bißchen wirklicher socialer Rcfornr kennt, wer hinter die Coulissen schaut, der sieht allerdings ein andres Bild. Das von den Herrschenden viel im Munde ge- führte Wohlwollen für die arbeitende Klasse entpuppt sich als eitel Heuchelei. Die Anfänge der Socialreform, die da sind, und auch das Koalitionsrccht sind nicht auf ein Wohlwollen zurückzuführen. ES war eine starke Notwendigkeit, die. sie uns brachte; die Einsicht, bei völlig unbeschränkter Ansbeutnngsfreiheit könnte das ganze staatliche Leben leiden.— Es wirkt wunderbar, wenn man zusamme»- stellt das erheuchelte Wohlwollen für die Armen und die Geneigt- heit, das Verlangen der Agrarier nach einer Erhöhung der Kornzölle zu erfüllen und dadurch das notwendigste Nahrungsmittel eben jener Armen zu verteuern. Was der Zoll bedeutet, das lernten die Frauen Hamburgs am 15. Oktober 1888 beurteilen, als die Hansestadt in das rcichsdeutsche Zollnetz hineingezogen wurde. Es kostete am Morgen das Pfund Salz 3 Pf., am Nachmittag 10 Pf., am Morgen das'Pfund Zucker 14—15 Pf., am Nachmittag 30—32 Pf., am Morgen das Petroleum 7 und 8 Pf., am Nachmittag 15—17 Pf., und der Kaffeepreis stieg in dem halben Tage um 30—40 Pf. pro Pfund. Von einer Erhöhung der Löhne hat man damals nichts gehört. Und so wird es bei der Erhöhung des Kornzolls gehen. Vor Jahren sagte gelegentlich des Antrags Kanitz der Reichskanzler Caprivi, daß der Kornzoll als Brotstcucr gerade die armen Leute drücke. Nun, was damals sogar ein Reichskanzler sagte. daS ist doch wohl heute auch noch wahr. Oder sollte der glatt« liebenswürdige Herr v. Bülow einen seiner Vorgänger Lügen strafen wollen? Uebrigens, welch ein Wahnsinn, Millionen des deutschen Volks die Taschen zu leeren zu Gunsten einer Klasse, die nur nach Tausenden zählt. Daß nur die Besitzer von mehr als 12 Hektar. also nur 24 Proz. der ackerbauenden Bevölkerungsschicht, einen Vorteil von den Kornzöllen hat, ist schon genugsam nachgewiesen. Zu der Brotverteuerung kommen noch die Bestrebungen auf Verkümmerung des Koalitionsrechts, und das alles in einer„Aera der Socialrefonn".— Redncrin wies dann in treffenden Ausführungen nach, daß die Arbeiterklasse ihre Interessen nach allen Richtungen hin am besten wahre durch starke Organisationen. Jeder müsse irgendwie helfen, den Geist genossenschaftlichen Zusammenhalts noch mehr wie bisher in die Massen hineinzutragen, und dabei dürften vor ollem die Frauen, die Erzieherinnen der Jugend„ nicht vergessen werden.(Stürmischer Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt. Genossin Quitt als Vertrauensperson erstattete ihren Ge- schäftsbericht. Danach verbleibt ihr ein Barbestand von 5,50 M. Die Versammlung entlastete die Vertrauensperson. Frau Quitt wurde dann wiedergewählt, während die Genossinnen Eibert und Schulz zu Revisorinnen bestellt wurden.—— Die Vorsitzende wollte die Versammlung mit einem- Hoch auf die Social- demokratie schließen. Als sie die Worte:„Ich schließe die" aus- gesprochen hatte, bat noch die Genossin Rönsch zu einer Bekannt- gäbe ums Wort, das sie auch erhalten sollte. Der überwachende Polizeilieutenant sprang jetzt auf. rief mit starker Stimme: Die Borsitzende hat die Versammlung geschlossen! und verbot der Genossin Rönsch jedes Wort. Alles Protestieren der Vorsitzenden. der Refcrentin und der Genossi» Rönsch nutzte nichts, Die Vor- sitzende schloß nunmehr die Versammlung wirklich. In daS von ihr ausgebrachte Hoch auf die Socialdcmokratie stimmten die Anwesenden stürmisch mit ein. I» Lichtenberg- FricdrichSberg fand am 5. Februar eine Frauen-Versammlung statt, m welcher Genosse Litfin an Stelle der durch Krankheit verhinderten Referentm Frau Emma Ihrer über:„Was haben die Frauen und Mütter von der Gemeinde zu fordern?" referierte. Nach reicher Diskussion, an welcher sich auch mehrere Frauen beteiligten, gelangt folgende Resolution einstimmig zur Aiinahnie: Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verspricht, die Männer in ihrem Bestreben, am Dienstag, den 12. Februar 1901, in das Dorfparlament von Lichten» berg Bertreier zu entsenden, welche die Interessen der Allgemein- heit zu wahren gewillt und im stände sind, thatkräftig zu unter- stützen. Aktives und passives Wahlrecht der Frauen zu de» fran- zösischr» Arbcitsräten. In die französischen Arheitsräte, die beratende Körperschaften sind. können auch Frauen gewählt werden. Die Bedingungen der Wählbarkeit sind für beide Geschlechter absolut gleich: Alter' von mindestens 25 Jahren, Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte, Wohnsitz im Wahlbezirk, BernfSthätigkeit von mindestens 10. Jahren in dem betreffenden Gewerbe. Wähler �sind die Berufs- organisationcn der Arbeitgeber und die Berufsorganisationen der Arbeiter und Angestellten. Da in Frankreich kein Gesetz die Zu- gchörigkeit der Frauen zu Organisationen irgendwelcher Art beschränkt und mithin Arbeitgcberinne» wie Arbeitnchmcrinnen den Berufs- vereinen bezw. Gewerkschaften angehören können, besitzen also auch die organisierten erwerbsthätigen Frauen das Recht, an den Wahlen zu den Arbeitsräten teilzunehmen..; Sorinleo. „Arbeiterfamilie» mit möglichst vielen Töchtern" sucht die Weberei von Gerrit van D e l d e» u. Co. in Gronau(West- falen) durch Inserate in obcrfränkischcn Zeitungen. Ein Professor Schenk, der ein unfehlbares Mittel erfände, wie die Arbeiter ihren Familienzuwachs nach den Wünschen der Spinnereibarone einrichten können, tvürde sich um die Lösung der socialen Frage der Spinnerei- besitzer ein großes Verdienst erwerben können. Reinlichkeit in den Bäckereien. Die Nürnberger Bäcker- meifter entrüsteten sich furchtbar über unser dortiges Äruderblatt, weil es dem Verlangen der Herren, das dem Reichstage vorliegende Gesetz über die Einrichtung von Bäckereien solle auf schon bestehende Betriebe nicht ausgedehnt werden, entgegentrat. Nach der Erklärung der Ritter vom Backtrog müßten die Bäckereien in Bezug auf Reinlichkeit mustergültig sei». Nun ist es aber sehr fatal für die Herren, daß gerade jetzt, nachdem sie ihren Feldzug gegen das geplante Gesetz kaum eröffnet habeu, das Ergebnis der amtlichen Revision der Bäckereien bekannt gemacht wird. Danach wurden 61 Betriebe überhaupt be- anstandet, in 31 Fällen ließ die Reinlichkeit der Backtröge und Mchlkästen ohr zu wünschen übrig, in 19 Fällen entsprachen die sonstigen Geschirre nicht den Anforderungen der Reinlichkeit. 65 mal wurden ansteckende Krankheiten, besonders Krätze, konstatiert. Und an- gesichts solcher Zahlen wagen die Leute noch die gekränkte Unschuld zu spielen, wenn man die Tadellosigkeit ihrer Backstuben anzweifelt! Sie haben entweder eine sehr harte Stirn oder höchst merkwürdige Begriffe von Reinlichkeit. Zur Wohnungsfrage. In Würz bürg wurde im Dezember durch den Magistrat eine WohnungSenquete vorgenommen, die sich auf die Wohnungen von 1—3 Zimmern erstreckte. Es wurden nur die Wohnungen von Personen mit selbständiger Haushaltung, also nicht die von Aftermictern aufgenommen. Das jetzt zusammengestellte Resultat ist folgendes: Vorgefunden wurden Wohnungen von 1 Zimmer 1506, von 2 Zimmern 4771, von 3 Zinimern 3093, zusammen 9375 Klein- » Wohnungen. Davon standen leer: 20 mit 1, 67 mit 2, 62 mit 3 Zimmern— 149 Wohnungen. In dem Bericht wird bemerkt, daß von einer Wohnungsnot in Würzburg nicht gesprochen werden könne, wohl� aber von einem Wohnungs e l e n d, verursacht durch Ucberfüllung, schlechte Anlage, Mangel an Sonne und Luft usw. Die Einsetzung cmer städtischen Wohnungs- Inspektion wurde angeregt, aber bis zum Eintreffen der vom Ministerium in Aussicht gestellten oberpolizeilichen Borschriften über die Wohnungskontrolle zurückgestellt. In diese Wohnungs- inspektion sollen auch Mieter entsendet iverden. Zur Besserung der Wohnungsverhältnisse will die Stadt dadurch beitragen, daß sie demnächst damit beginnt, für ihre Arbeiter, Bediensteten und Schutz- lcute Wohnungen zu erbauen. Berliner Partei-Angelegenheiten. Achtung, Parteigenossen! Am Sonntag findet für ganz Verlin eine Flugblattverteilung statt, zu der wir um recht rege Bei- Hilfe aller Parteigenossen bitten. Je mehr sich bei der Bertcilung zur Verfügung stellen, um so leichter wird die Arbeit für den ein- zclnen und um so gewissenhafter kann die Verteilung besorgt werden. Parteigenossen! Es handelt sich bei dieser Propaganda um Kampf gegen den Protwucher, es gilt den Raubzug des Junkertums gegen die Arbeiterklasse abzuwehren. Bei diesem wichtigen Interesse, die die Arbeiterschaft hier zu schützen hat, darf kein Mann die not- wendige Hilfe versagen, jeder muß auf dem Posten sein Is In der nächsten Nummer werden wir die Adressen bekannt geben, wo sich die Parteigenossen zur Mitarbeit einfinden können. Wir bitten die Vertrauensleute bis� dahin uns die Adressen zu über Mitteln. VI. Wahlkreis. Für die Schönhauser- Vorstadt findet am Sonntag, den 10. Februar, abends 5'li Uhr bei Mierke, Schön hauser Allee 101/102 eine Versammlung statt. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Ledebour über: Unsre politische Lage. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. An demselben Tage, abends 6�/2 Uhr, findet im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: Recitatlon der Genossin Steinbach:„Der Probekandidat." Nach dem: Gemütliches Beisammensein. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Zur Beachtung: Der Rauchklub„Edelweiß" iu Friedenau veranstaltete seinen Maskenball im Lokale des Herrn Möhring. Ge- nanntes Lokal ist für die Arbeiterschaft gesperrt. Wir ersuchen die Genossen davon Notiz zu nehmen. Die Lokalkommission für Steglitz-Friedenau. Ripdorf. Die Parteigenosien werden darauf aufmerksam ge- macht, daß von jetzt ab wieder die Beiträge für den Wahlberein in den bekannten Zahlstellen entgegengenommen werden, desgleichen Iverden dort Mitglieder aufgenommen. In den öffentlichen Versammlungen wird gleichfalls Gelegenheit geboten werden, Beitrittserklärungen für den Wahlverein entgegen- zunehmen. Der Vorstand. Nieder- Schöncwelde. Die nächste Versammlung des Wahl- Vereins findet am 9. Februar bei Franz, Grünauerftr. ö, statt. Vor- trag des Reichstags-Abgeordneten R o s e n o w. Ober- Schöneweide. Sonnabend, den 9. Februar, findet bei John eine Versammlung des Arbeiter-BildungsvereinS statt. Genosse Gerstenberger- Weißensee hält einen Vortrag über:„Die Ziele der Socialdemokratie"._ Gerichks-Äeikung. Wegen uuzuläsfiger Einwirkung auf Arbeitswillige hatte sich gestern der Stuccateur D a s ch ü t t vor dem hiesigen Schöffem gericht zu verantworten. Bei den Stuccateuren war bis zum i. Oktober Tagelohn Sitte, dieser sollte am 1. Oktober durch Accord lohn ersetzt werden. Die Stuccateure wollten sich dieser Acnderung, bei der sie sich schlechter standen, nicht fügen und verhängten über diejenigen Werkstätten, in denen dennoch der Accordlohn eingeführt werden sollte, die Sperre. Darunter befand sich die Stuck- und Cement- ! geßerei von Walz. Die Lohnkommisston, die die Arbeitslosen unter tützte, hatte nun zu erfahren bekommen, daß ein Stuccateur Rusch, der schon im Voraus für eine Woche Unterstützungsgelder erhalten hatte, weil er angeblich nach Stettin abreisen wollte, auf einem Bau in der Gräfestraße für Walz im Accord arbeitete. Daschütt ging deshalb eines Tag? nach dem Bau und als er dort den Rusch und noch andre Kollegen arbeiten traf, soll er vor dem Rusch aus- gespien und den Arbeitenden zugerufen haben:«Ob sie sich nicht schämten, für einen Arbeitgeber zu arbeiten, über dessen Werkstelle die Sperre verhängt sei." Auch auf einem andern Bau soll er ähnliche Worte gebraucht haben. Der Angeklagte bestritt dies und behauptete, daß seine Aeußerung in der Gräfestraße nur dem Rusch und dessen Verhalten in Sachen' des Unterstützungs- gelbes gegolten Hab«.— Staatsanwalt U h l e hielt den Angeklagten auf Grund der Beweisaufnahme für schuldig nnd be- antragte sechs Wochen Gefängnis, da die Arbeits- willigen vor solchen Belästigungen nachdrücklich geschützt werden müßten. Rechtsanwalt Heine hielt die ThatbestandSmerkmale des Z 1VS hier gar nicht für vorliegend, da eS sich nicht um Ver- abredungen zur Erzielung besserer Arbeitsbedingungen handelte, die Arbeiter sich vielmehr'„schlechteren" Arbeitsbedingungen fügen sollten, und da sie dies nicht wollten, entlassen worden waren.— Der Gerichtshof hielt alle Bedingungen des tz 153 für gegeben und verurteilte den Angeklagten zu einer Woche Gefängnis, wobei er berücksichtigte, daß der Angeklagte völlig unbescholten ist, die Ehrverletzung auch keine sehr grobe war. Unter der Anklage der Doppclehe stand gestern der Schlosser Franz B i n n e b ö s vor der II. Strafkammer des Landgerichts I. Der schon in vorgerückten Lebensjahren itehende Angeklagte hat in der Ehe kein Glück gehabt. Mit setner ersten Frau lebte er beständig auf dem Kriegsfuß und gab ihr schließlich seine Abneigung in so schlagender Weise kund, daß die Frau, die dieses Leben voll Aerger und Qual nicht mehr aushalten konnte, auf und davon ging. Sie wandte sich nach Magdeburg. Darüber sind Jahre vergangen, ohne daß der Angeklagte von seiner Frau wieder etwas gehört hat. Er schrieb wiederholt an die letztere, daß er die Scheidung betreiben wolle, erhielt aber auf seine Briefe keinerlei Antwort; auch die Androhung, daß er bei weiterem Aus- bleiben jeglichen Lebenszeichens sich wieder zu verheiraten gedenke, blieb ohne jeden Erfolg. Der Angeklagte nahm nun an, daß seine Frau nicht mehr leben oder gänzlich verschollen sei und ging nun, ohne sich weiter darum zu grämen, leichten Herzens eine zweite Ehe ein. Der Zufall brachte die Sache an den Tag und der Angeklagte sah seine Hoffnungen auf ein besseres Eheglück plötzlich wieder vereitelt. Mit Rücksicht auf die ganze Sachlage billigte der Gerichtshof dem Angeklagten mildernde Umstände zu und verurteilte ihn zu neun Monaten Gefängnis. Ein schwerer Bauunfall, der ein Menschenleben zum Opfer gefordert hat, beschäftigte gestern die zweite Swafkammer des Land- gerichts I. Auf dem Neubau Greifenhagenerstr. 17 waren am 26. September die Brüder August und Wilhelm Hataneck, die bei dem Maurermeister Düsing in Arbeit standen, damit beschäftigt, in der vierten Etage die Patentdecken der Balkons auszu- füllen. Dabei stürzte der Balkon infolge der zu großen Last, die er zu tragen hatte, plötzlich zusammen, die beiden Arbeiter fielen in die Tiefe und wurden unter den Trümmern von Mauerwerk, eisernen Trägern und Gerüstholz begraben. August H. war sofort tot, Wilhelm H. hatte einen Schädelbruch erlitten, mußte ins Krankenhaus geschafft werden, ist aber mit dem Leben davongekommen. Für den Unfall wurden der Zimmermeister August Müller und dessen Polier Wilhelm Beyer verantwortlich ge- macht. Der Gerichtshof sprach aber beide frei, da sie nach- Sewiesenermaßen atten, weil die lagen. da? Betreten des Balkons ausdrücklich untersagt eisernen Träger desselben noch nicht fest genüg WaS ist militärische Bildung? Diese Frage läge einer Ver Handlung zu Grunde, die gestern vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II stattfand. Die Schlossermeisterfrau G i e s e und Tischlermeisterfrau Knips aus Spandau waren wegen Beleidigung eines preußischen Offiziers angeklagt. Die beiden Angeklagten fuhren mit ihren Ehemännern an einem Sommcrtag auf einer Gondel spazieren. Als sie an der Militär-Schwimmanstalt vorüber fuhren, hörten sie, daß in derselben ein Mann dieselben gurgelnden Töne ausstieß, wie dies ein Ertrinkender thut. Gleichzeitig hörten sie aber auch, daß ein Offizier, der auf der Brücke stand, den andern Soldaten zurief:„Nu laßt ihn man raus sonst sauft er uns noch die ganze Havel aus! Die Schnauze hat er schon voll, schließlich kriegt er auch noch die Kaidaune voll!" Die beiden Angeklagten machten ihrer Entrüstung in den Worten Lust:«Das will ein ge- bildeter Mann sein? Der wirst mit„Schnauze" um sich!?" Der Offizier hörte diese Aeußerung und schickte mehrere Mann, die nur mit Badehosen bekleidet waren, der Gondel nach, in welcher die Angeklagten sahen, und ließ dieselben feststellen. Das Regiment stellte wegen Beleidigung des Lieutenants Strafantrag, die beiden Frauen wurden angeklagt, vom Schöffengericht in Spandau aber freigesprochen, weil angenommen wurde, daß die Angeklagten nur dieselben Worte wiederholt hätten, welche der Offizier selbst gebraucht habe. Es war nebenbei festgestellt worden, daß der betreffende Soldat dem Ertrinken nahe gewesen war. Als er aus dem Wasser herausgenommen wurde, schien er fast leblos zu sein; es mußten Wieder� belebungsversuche angestellt, der Mann mußte gerieben, in Decken eingehüllt und so allmählich wieder auf die Beine gebracht werden. Gegen das freisprechende Urteil legte die Staatsanwaltschaft Be rufung ein. In der heutigen Verhandlung gab der Offizier zu, das Wort„Schnauze" gebraucht zu haben,' doch bestritt er, das Wort„Kaldaune" ausgesprochen zu haben. Ein Unteroffizier. der als Zeuge vernommen wurde, gab an, der betreffende Soldat fei stets für einen Simulanten gehalten worden. Der Ver leidiger Rechtsanwalt Davidsohn richtete an den Zeugen die Frage: „Wissen Sie nicht, daß der betreffende Soldat sehr schwach ist?"— Zeuge: Ja!— Verl.: Wissen Sie auch, daß der Soldat beim pontonnieren sehr oft zusammengebrochen ist?— Zeuge: Ja!— Verl.: Ist Ihnen bekannt, daß der Soldat wegen seiner Schwäche jetzt zum Bureaudienst verwandt wird? Zeuge: Ja!— Im übrigen blieb aber der Zeuge dabei, daß der Soldat trotzdem ein Simulant sei. Ob er die Schwäche beziv. Dienstuntauglichkeit desselben zur Zeit des in- kriminicrtcn Vorfalls bereits gekannt habe, verneinte er. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß es nicht als ein Zeichen mangelnder Bildung aufzufasscil sei, wenn ein Offizier das Wort „Schnauze" gebrauche. Im Militärdienste könne nicht jedes Wort auf die Wagschale gelegt werden. Jedenfalls sei es aber für einen Offizier beleidigend, wenn deshalb seine Bildung in Zweifel gezogen werde. Das Urteil lautete daher auf je fünf Mark Geld st r a f e._ Vevssmmlunson» Die Straffenbahncr Ripdorfs hielten in der Nacht vom 31. Januar zum 1. Februar bei Hoffmann, Bergstr. 151/152, eine Versammlung ab, in welcher Stadtverordneter H o f fm a nn einen Vortrag hielt über„Auf was wir stolz sind". Zum Punkt„Berufsangelegenheiten" sprach Rathmann. Redner führte folgendes aus: Als im Mai vergangenen Jahrs die Angestellten der Straßenbahn durch die Lohnbewegung sich einen Vertrag schafften, der ihnen einige Vorteile brachte, sann die Direktion darauf, zu gegebener Zeit' einen Schlag gegen ihre Angestellten zu führen, und kurz vor Weihnachten kam die Direktion mit einem neuen Vertrag heraus, welcher das Errungene vom vorigen Jahr sofort über den Haufen geworfen hätte. Dieser Vertrag wurde zwar nach mehreren Tagen zurückgezogen, die Kollegen sollen nun aber nicht glauben, daß die Direktion den Vertrag aus reiner Menschenliebe wieder zurückgenommen habe; hätte die thatkräftige Organisation der Angestellten, der Central- verband der Handels-, Transport- und Verkchrsarbeiter, nicht kräftig gcivirkt, dann könnten die Kollegen sicher sein, daß dieses Prachtstück von Vertrag voll und ganz zur Anwendung ge kommen wäre. Redner fragt nun noch, Ivo zur Zeit nur eigentlich der Ascher-Verein steckt, der doch die Interessen der Angestellten vertreten will. Der Verein existiert zu dieser Zeit augenscheinlich nicht. Rath mann nahm dann diesen Verein gehörig unter die Lupe und warnte die Kollegen vor dem Glauben, daß wer dem Verein beitritt, sich seine Stellung dadurch gesichert habe. Die letzte Zeit habe bewiesen, daß gerade die vielen entlassenen Kollegen diejenigen sind, welche dem Ascher-Verein angehörten. Wie werden auch die Mitglieder dieses Vereins zusammen gebracht? Ein Teil besteht aus„Gutgesinnten" ein zweiter Teil läuft mit dem Haufen mit nnd ein andrer Teil muß dem Verein bei- treten; das sind die Kollegen, welche neu anfangen, welche auf ver- schiedenen Bahnhöfen gar nicht angestellt werden, wenn sie dem be- treffenden Verein nicht angehören. Rathmann bemängelte auch den neuesten Vertrag, welcher durchaus militärisch abgefaßt ist; eS wird da nur von„Dienstbesehlen" gesprochen. Zum Schluß fordert Redner die Kollegen auf, nur fest an der Organisation zu halten und rege dafür zu agitieren, daß immer mehr Mitglieder dem Eentralverband zugeführt werden. In der Diskusston sprach Kresca im Sinne des Referenten. Nach einer kräftigen Aufforderung zur regen Agitation schloß der Vor- sitzende Mohr nach einer Reihe von Mitteilungen mit einem brausenden Hoch auf den Centraiverband die Versammlung. Zu der Berichtigung deS Herrn Pawlowitsch ersucht unser Berichterstatter uns um Veröffentlichung folgender Zeilen: Nachdem Herr P. einen Satz aus meinem Bericht anführt, fährt er fort:„Demgegenüber habe ich gesagt..." Herr P. hätte richtiger schreiben sollen:„Demgegenüber habe ich sagen wollen...", denn wenn Herr P. in der Versammlung das gesagt hätte, was er in seiner Berichtigung schreibt. nämlich' daß das Mädchen zur Zeit, wo Herr P für sie ein Zimmer mietete, in Arbeit stand, und erst nach Losung des VerhältniffeS sich dem unsitt- lichen Lebenswandel ergab, dann hätte ich diesen wesentlichen Umstand wohl nicht überhört, und die betreffende Stelle meines Berichts hätte dann natürlich eine ganz andre Fassung erhalten, als es jetzt der Fall ist. So weit es überhaupt möglich ist, den wesentlichsten Inhalt einer etwa zehn Minuten währenden mündlichen Darlegung in einem einzigen Satz wiederzugeben. glaube ich noch heute, daß ich von der Rede des Herrn P. einen mit obiger Einschränkung zutreffenden Bericht gegeben habe. Wenn derselbe den T h a t s a ch e n nicht entspricht, so ist daran nur die nicht ganz klare mündliche Ausführung deS Herrn P. schuld. China. Die letzte FriedcnSfitzung ist, wie bereits gemeldet, wieder einmal ergebnislos verlaufen. Der einzige„Erfolg" der Gesandten war, daß sie sich infolge der Weigerung Chinas, die hervorragendsten der zwölf„Rädelsführer" hinzurichten, schließlich dazu verstanden, auf die Bollziehung der Todesstrafe an dem Prinzen Tuan und dem Herzog Lau zu verzichten. Bei der Sitzung machten die Gesandten ferner die unangenehme Entdeckung, daß die Chinesen sich vorher auf unrechtmäßige Weife ein Exemplar der Anklageschrift gegen die zu bestrafenden chinesischen Würdenttäger verschafft hatten und bereits über die abweichenden Meinungen der ver- schiedenen Regierungen bezüglich der Schwere d er zu v erh än g c n d en S tra fen informiert worden waren. Deshalb hatten sie sich ihre Antworten schon zurecht- gelegt und antworteten hartnäckig ausweichend auf die Forderung der TodeS st rasen. Wahrscheinlich beruhte diese Information nicht auf dem Treu- bruch eineS untergeordneten Schreibers, sondern auf der bös- willigen Indiskretion eines oder mehrerer der Gesandten s e l b st, die sich ein Vergnügen daraus machten. den Vertretern der die scharfe Tonart beliebenden Khakimächte Verlegenheiten zu bereiten. Die oft gewürdigte „Einigkeit der Mächte" wäre übrigens, wie der„New Dork Herald" zu berichten weiß, bei dieser letzten Sitzung beinahe wieder einmal völlig aus dem Leim gegangen. Das Blatt schreibt, die betreffende Konferenz zwischen den Vertretern der Mächte und den chinefischen Friedens- Vermittlern sei sehr stürmisch verlaufen. Der deutsche Gesandte habe erklärt, die chinesischen Vorschläge nicht annehmen zu können. E'n Bruch des europäischen Konzert? schien unvermeidlich; fchließlich kam aber doch ein Kompromiß zu stände.— Auch sonst scheinen die Verhandlungen den Khakimächten nicht sonderlich be- hagt zu haben. T s ch i n g fragte beispielsweise an, ob die fremden Truppen Peking verlassen würden, wenn China zeige, daß es die Absicht habe, die Bedingungen der Kollektivnote zu erfüllen, D i e Gesandten lehnten es aber ab, über diesen Gegen- stand in eine Debatte einzutreten. Die Bevoll- mächtigten wünschten auch näheres zu erfahren über die Plätze, an welchen fremde Wachen stationiert werden sollen, um die Verbindung mit dem Meere aufrechtzuerhalten. Sie fragten weiter, ob die Zerstörung der Forts notiv endig fei. Da? Aufwerfen all dieser unbequemen Fragen beweist, daß Chinas Unterhändler mit der bisherigen Taktik der Verschleppung der Ver- Handlungen ganz einverstanden zu sein scheinen. Auch die Frage der Kriegsentschädigung hat die Gesandten wieber beschäftigt. Den„Times" wird aus Peking unter dem 8. d. MtS. telegraphiert: Die Gesandten beraten gegenwärtig über die Frage der Kriegs- entschädigung. Der am meisten Zustimmung findende Vorschlag geht dahin, daß ein Pauschalbetrag festgesetzt und jeder ein- zelnen Regierung der Teilbetrag zugewiesen iverden solle. Man veranschlagt, daß China ohne besonders schwere Be- lastung 4 Millionen Pfund Sterling extra für einen An leihedien st zahlen könnte, waS einer Kriegsentschädigung in Höhe von 80 Millionen Pfund Sterling entfpräche. Bei der Erörterung dieser Frage herrscht bekanntlich dieselbe Einmütigkeit, wie in der Frage der Bestrafung der Rädelsführer. Die Kultursegnungen des Kriegs. Die Hungersnot in den chinesischen Provinzen S h a n s e e und S h a n s i, von der wir schon einmal kurze Mitteilung machten, hat nach dem Londoner„Daily Mail" ganz erschreckliche Ausdehnung genommen. Zwei Drittel der Bevölkerung dieser Provinzen sollen ohne Subsistenzmittel sein. Zu den Mißernten der letzten drei Jahre kommen die Krankheiten und die sonstigen wirt- schaftlichen Folgen des Kriegs, dazu die strenge Kälte des jetzigen Winters. Ochsen, Pferde und Hunde, die in normalen Zeiten den Farmern in ihrer Arbeit helfen müssen, sind von der hungernden Bevölkerung längst verzehrt; in ihrer Verzweiflung töten Eltern ihre Kinder, um deren Hungerqualen nicht mehr sehen zu müssen. Prinz T s ch i n g versicherte dem amerikanischen Gesandten Mr. C o n g e r, daß die Bevölkerung in ihrer Verzweiflung bereits in den Kannibalismus zurückverfallcn sei. Uehke Mttthvirtzten und Depvfchrn. Die Kaiserin reformiert wieder. Shanghai, 7. Februar.(Meldung des„Reuterschen Bureau«.") In einem vor kurzem hier eingetroffenen kaiserlichen Edikt befiehlt die Kaiserin die Einführung von Reformen in den verschiedenen Verwaltungszwcigen. Weiter beauftragt sie hohe Beamte, die Unterschiede zwischen den einheimischen und den fremden Verwaltungssystemen zn prüfen und passende Vor- schlüge über etwaige Aenderungen deS chinesischen ShstemSffoivie auch darüber zu unterbreiten, wie die Integrität Chinas ausrecht erhalten werden könne. In dem Edikt wird schließlich eine Regulierung der Finanzen, eine Erhöhung der Staatseinnahmen und Verbesserung des Systems der Landesverteidigung angeordnet. Köln, 7. Februar.(B. H.) Die„Köln. Ztg." warnt an leitender Stelle, den Uebertreibungen des Bunds der Landwirte die Forderung der Nichterhöhung der Zölle entgegenzustellen. Man verkenne dabei, daß ein solches Gegengewicht nach außen schädlich wirke. Je einmütiger die geforderte Zollerhöhung beschloffen werde, um so rascher würden die auswärtigen Regierungen mit dieser Thatsache rechnen. Andrerseits sei zu befürchten, daß das Ausland bei den Handelsvertrags-Verhandlungen eine Herabsetzung der Zölle z» erwirken suche. Köln, 7. Februar. iB. H.) Die„Köln. VolkSztg." meldet aus Petersburg: Sämtliche 200 Kiewer Studenten, die wegen der letzten Unruhen zu mehrjähriger Dienstleistung verurteilt waren, haben sich nunmehr geweigert, den Fahneneid zn leisten. Bisher hat die Centralbehörde leine weitere Verfügung getroffen. Wahr- scheinlich werden dieselben in aller Stille nach den entferntesten Gegenden Sibiriens verbannt werden. ' Wien, 7. Febniar.