Nr. 36. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 fg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mir illuftrierter Sonntagss Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. Boft Abonnement: 1,10 Mart prr Monat. Eingetragen in der Poft 8eitungs Preisliste für 1901 unter Mr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. = Erscheint täglich außer Montags. With tombs wet 18. Jahrg. Vorwärts Berliner Dolksblatt. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rotonet zetle ober deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 fg. ..Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in berExpedition abgegeben werden. Die Expedition ift an Wochens tagen bis 7 Uhr abends, an Gonns und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Socialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Dienstag, den 12. Februar 1901. Die agrarische Triumph- Versammlung. entzweiten, so fei der allerhöchste Alliierte der Landwirte- Gott gebüdt. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. sein; indessen, wenn Mißverständnisse Bauernstand und die Monarchie fratie tann nur existieren, wenn es ihr gelingt, fortwährend noch am Ruder, um den Sinn der Könige zu lenken. Der so vom Bundesvorsitzenden angeschlagene Ton flang öfter durch, bis er sich in der mit tobendem Beifall aufgenommenen Rede Liebermanns v. Sonnenberg zu temperamentvollen Revolten empörte, denen Herr Dertel einiges beschwichtigende Del hinzuzuthun nötig fand. durch ihre Berhegungsarbeit die einzelnen Stände untereinander zu zersplittern. Die Socialdemokratie arbeitet auf den Umsturz Es wäre eine Albernheit zu leugnen, daß der Bund der Landunsrer ganzen Gesellschaftsordnung hin, und ihr muß es darauf wirte heuer eine gehäufte Veranlassung hat, Triumphlieder zu singen. ankommen, diejenigen Elemente, welche die Träger eines starten Vor einem Jahre war der Grundton der Reden im Cirkus den Umsturz und den großen Kladderadatsch", wie sie es nennen, monarchischen Staates sein sollen, zu ruinieren und so allmählich Busch drohend; die Minister waren in Ungnade. Mit dieser vorzubereiten. Die Socialdemokraten aber haben eins noch für sich: Regierung sind teine vernünftigen Handelsverträge zu machen," rief fie sind wenigstens offene, unversteckte Gegner. Schlimmer für die Deutsche Tageszeitung" aus. Selbst Miquel war in den Bann Bom Dr. Röside ist nichts Wesentliches zu berichten, er ereiferte uns ist vielleicht die andre Klasse von Gegnern, wie gethan. Der Kanal und die gräßliche Flotte" mit der drohenden sich natürlich gegen das socialdemokratische Flugblatt. sie der heute politisch rückständige Freifinn vertritt: daß ist der GroßWeltpolitit schienen eine Aera der Industrie einzuleiten. Die Groß- Dr. Hahn würzte seinen Geschäftsbericht mit einigen mäßigen handel, der Großkapitalismus in einer ganz bestimmt entindustrie selbst hatte sich noch nicht unter die agrarischen Forderungen Scherzen; aus den ernsthaften Bemerkungen ist zu erwähnen, daß arteten Richtung. Wenn man das alte Sprichwort immer wieder der Bund die einzige politische Bewegung sei, die es an Agitations- es namentlich dahin deuten, daß es dem deutschen Volke, dem Volke sagt:„ Am deutschen Wesen soll die Welt genesen", so wollen wir Heute ist alles anders. Triumph auf der ganzen Linie. Außer freudigkeit mit der Socialdemokratie aufnehme; er hat 9000 Ver- des Jdealismus, von unsrem Herrgott bestimmt ist, die wirtder Socialdemokratie hat sich kaum irgend ein Faktor des öffentlichen sammlungen im letzten Jahr abgehalten einschließlich aller entschaftliche Arbeit, den Kampf um das Materielle, mit der idealen Lebens dem agrarischen Einfluß entziehen können. Das Großkapital legenen Stonventikel; die Mitgliederzahl des Bunds hat im Anschauung zu durchdringen und so versöhnend einzuwirken, unterwirft sich dem Junkertum, weil es in ihm die schneidigsten und 26 000 zugenommen; offenbar liegt den Herren aber daran, den wie es bisher bei teinem andren Volte der Welt gewesen strupellosesten Flibustier gegen das Proletariat schätzt. Die Re- Geruch des Ostelbiertums und Großgrundbefizertums los zu werden. ist. Wenn wir auch die Blicke hinausrichten nach dem Süden gierung hat noch weiter vor ihm fapituliert, als es vor einigen Die starke Zunahme im Westen und eine kleine Abnahme der Groß- des schwarzen Weltteils, wo Heute ein kleines Bolt der Wochen nach den Andeutungen der„ unsicheren Kantonisten", der grundbefizer im Mitgliederstande wurde start hervorgehoben. Von Landwirte den blutigen Kampf um seine Eristenz ringt, weshalb Grafen aus Ostpreußen, zu erwarten war. Hohenlohe hat Play den Beiträgen des letzten Jahres fei nur 1 Broz. im Rückstande. stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Es ist nicht nur das, daß haben wir Sympathie mit diesem Volke?( Lang anhaltender machen, sein Nachfolger den Geßlerhut grüßen grüßen müssen; Völliges, verdächtiges Schweigen wurde über die Höhe von unser Gerechtigkeitsgefühl sich empört, es ist nicht nur das, daß wir gelegentlich rebelliert eine elegische Epistel in der Kreuz- Zeitung" Einnahme und Ausgabe geübt, nur der Ueberschuß( 16 750 M.) ein stammverwandtes Bolt dort sehen, nein, wir fühlen deutlich: oder eine umwidelte, aber deutliche Anmerkung in der agrarischen wurde erwähnt. der Kampf, welcher dort gelämpft wird, das ist in andrer Form „ Tageszeitung" gegen den Monarchen. Allerdings hat man die Herr v. Oldenburg erteilte den Ministern, die sich nicht in der derselbe Kampf, welchen wir heute kämpfen.( Erneuter Flotte und das Chinaabenteuer mit füßsaurer Miene bewilligt; Bundesversammlung sehen lassen, eine Rüge; zu Bülow aber hat er Ver- stürmischer Beifall.) Dort der nadte Mammonismus bis zur höchsten allerdings wird man auch den Kanal draufgeben, aber dies alles trauen. Der Redner war Referent über Zolltarif und Handelsverträge und Konsequenz getrieben, dort der Kampf mit Feuer und Schwert, geschieht mit drohenden Anmerkungen, mit der Erläuterung nach empfahl eine auch dann angenommene Erklärung, in der ein Maximal hier der Stampf der feineren Waffe der wirtschaftlichen Gesezoben hin: ohne Bauern und Junker keine Monarchie, ohne und Minimaltarif, ein Iüdenloser Tarif( auf alle möglichen Erzeugniffe, gebung und der Ausbeutung! Die Folgen überall die gleichen: zerstörte Bauernhöfe, ruinierte Bauern. feine Königstreue ( Lebhafte Zustimmung.) agrarische Politik die alte, bekannte denn außer Knackmandeln und Kaffee könne die deutsche Landwirtschaft Die Fahne der auswärtigen Politit tennen wir nicht, und wir Leier. Das Centrum hat sich so sehr den Agrariern ergeben, heute a II es erzeugen 1) verlangt werden. Als Minimal- Kornzoll müssen uns bescheiden, wenn das deutsche Bolt, wie es gar alles daß man die echten Töne der Entschließung wurden 7,50 gefordert. Transitlager, Bontredite seien abzuschaffen nicht anders sein konnte, nicht in der Lage war, in einen Welteigentlich aus seinen Reihen nur noch vernimmt, wenn Agrar- und die Eisenbahntarife für ausländisches Korn zu revidieren. Auch frieg einzutreten, um jene Blutsverwandten dort zu retten. forderungen zu bejubeln sind. Die Nationalliberalen wagen selbst hohe Bölle würden nicht sicher vor niedrigen Preisen schützen; des- Aber das kann uns niemand verdenken, daß unser Herz in Hannover nur noch matte Scheingepläntel gegen die Scharen halb sei der Antrag Kanig der beste. und unsre Sympathie denselben gehören und daß wir es tief be Diedrich Hahns. Der Handelstag bringt nur eine Mehrheit dauern, daß der würdige Führer jenes Volts an der von wenigen Stimmen gegen erhöhte Koruzölle zu stande. Schwelle unsres Lands zurüdgewiesen wurde. Die Großindustriellen haben sich löblich unterworfen. Der Südwesten Bauern und er, der wie feine Kollegen es liebt, den socialDer Redner nannte dann die Junker die berufenen Führer der Deutschlands unterwirft sich mehr und mehr, das schwäbische Landde motratischen Führer gegen die Arbeitermaffen auszuspielen, volt ist so sehr bündlerisch, daß auch„ Demokraten" für höhere erklärte es als die Taktik der agrarischen Gegner, daß man die Kornzölle stimmen. Man könnte die Einzelheiten noch vermehren; Führer tot zu machen sucht, um dann auch mit der aber wozu? Es genügt bei weitem, um die agrarischen Triumph führerlosen großen Masse fertig zu werden. Damn gefänge zu erklären. Das Jahr 1900 hat die Agrarier zum Gipfel den Redner nicht hinderte zu erklären, daß die Aera Caprivi- Hohenlohe tamen einige Phrasen über die tiefe Loyalität der Agrarier, was ihrer Erfolge geführt. wie ein böser Traum hinter uns liege. Caprivi ging dahin, ein toter Mann, als er von der politischen Bühne abtrat, und Hohenlohe entschwebte unbemerkt für alle Zeiten.( Stürmische Heiterfeit): Wenn jetzt die Landwirtschaft enttäuscht werde, würden andre Führer an die Spitze des Bunds treten, natürlich rabilalere. Redner malte das Bild eines Deutschland voll Latifundien, über die der Hirtentnabe seine Herden treibt. Dann werde der stolze Adler des Deutschen Reichs eine Beute benachbarter Raubvögel werden. " Die glorreiche englische Armee"( allgemeines Gelächter und einige Rufe: Pfui Teufel!) sei faul; vielleicht auch die Flotte.( Zwischenruf: Roberts!) Redner schloß mit einer Empfehlung des historischen Bündnisses zwischen Bauern und Hohenzollern. Der Korreferent kehrte sich besonders gegen die Hanseaten. Man muß auch anerkennen, daß diese Erfolge wohl verdient find, insofern als der Bund der Landwirte Energie und v. Liebermann fagte: Die Hanseaten figen jetzt an der Sprite; richtige Einschätzung der Faktoren Faktoren des öffentlichen er malte auch einen Handelsminister Ballin an die Wand; wir Lebens bewiesen hat, daß er insbesondere die Staatsregierung haben ja neulich vernommen, daß der noch nicht an der rechten sehr richtig tagiert und so behandelt, wie man so eine Stelle steht". Der Korreferent und mit ihm andre Redner sprachen Regierung behandeln muß. Der Unterschied zwischen dem Bund der von der Weltpolitik wie von einem Vergnügen, das man den Landwirte und dem der Großindustriellen ist nur der, daß der erstere Interessenten gönnen könne, wenn der Bauer erst seinen Willen offen seine Herrschaft wie einen ehernen Fels stabilisiert, während habe; so gewissermaßen ein Lohn für treue, der Landwirtschaft geder letztere heimlich Minister beseitigt und unterſtügt", ganz wie leistete Dienste. die Landwirte öffentlich mit vielem Geräusch im Cirkus, die Industriellen ganz geheim im Architektenhause sich versammeln mit der Aufschrift an den Thüren: Nur für Mitglieder." von Liebermann war am deutlichsten. Der Redner apostrophierte Gott um Minister, die die Wahrheit an die höchste Stelle bringen. Er sprach geringschäzend von geräuschvollen BeifallsDie Versammlung am Montag war wieder, wie alle Jahre, von fundgebungen im Auslande, auf denen das Heil der Monarchie nicht Tausenden von Landwirten besucht, ohne Frage ein Abbild der ruhen könne. Es habe sich ein Uebel zwischen Thron und Volk geagrarischen Macht, und einer Solidarität, in der sich Metzger und lagert. Wehmütig gedenken wir der Tage Bismarcks und des Kälber brüderlich vereinigen. Auf der Flucht vor der socialen Not ersten Wilhelm." Fort mit der Engländerei! Ich ist ein Teil der Bauern unter die Fahnen ihrer Beiniger und Ausschließe mit den Versen von Dahn:„ Wir schreien zu viel Victoria" 2c. beuter geflüchtet. Brüllender Beifall. " " Der Kanzler Namen kündet Kein Lied, kein Heldenbuch, Verschollen und vergessen Ift ihrer Thaten Fluch. als aber unter aller Reserve, ausgesprochen, wie ja auch die Agrarier einst Dem neuen Manne, dem Grafen Bülow, wurde das Vertrauen, dem Fürsten Hohenlohe nach der Zeit des Caprivismus einen Erretter begrüßten. Leider hätten ihm seine Vorgänger ein schweres und trauriges Erbteil überlassen. Diese haben das riesige Maß von Vertrauen, das in unsrem Bolte saß, schnöde vergendet. Die deutschen Landwirte wollen wieder vertrauen lernen, aber das Vertrauen muß durch energische, klare Thaten erworben werden. Zwar stehen wir im Reichstag als eine große, starte, geschlossene Macht da, aber die Entscheidung ruht doch schließlich in der Hand des Kaisers. und wenn er, umgeben von einem Kreise blühender Kinder, blühender Söhne, seine Blicke hinausschweifen läßt in die Zukunft, so weiß er sehr wohl, daß auch ihr Geschick und das Geschick seines Hauses verknüpft ist mit dem Wohlstande, mit der Blüte der deutdeutscher Bauer die Scholle ackert, solange noch ein Hohenzollernfürst in diesem Lande herrscht, so lange wird auch das Bewußtsein bei beiden bestehen, daß sie unzertrennlich zu einander gehören. kommen, in denen Wißverständnisse zwischen den Herrscher und das ( Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Gewiß fönnen Zeiten Bolt sich schieben. So wollen wir jetzt getrost in diesen Stampf hineingehen, vertrauend auf unsre eigne Kraft, auf unser Recht, vertrauend auf unsren Kaiser bei dem festen Glauben der Gerechtig teit bort oben im Himmel. An der Verkennung der ökonomischen Bedingungen der Geschichte Herr Oertel überraschte mit einem Referat über ein Mannesund der Politik muß dieser Zusammenschluß scheitern: mit andren wort, das soeben Herr v. Thielmann, der Reichs- Schaz- schen Landwirtschaft.( Lebhaftes Bravo!) Solange noch ein Worten: an der Socialdemokratie muß er scheitern, denn fie allein hält den Agrariern jene wahrhaft souveränen Bedingungen wahrhafter Befreiung entgegen. Im Zeichen dieser Thatsache stand auch die Versammlung im Cirkus Busch. sekretär, im Reichstag geredet hatte. Er habe sich verwahrt gegen den Verdacht, daß er der Vater aller Hindernisse sei. Er arbeite mit Graf Posadowsky Hand in Hand, und es sei alles im besten Buge. Auf Dertels Ausdruck der Befriedigung, daß der Geist aus dem Reichsamt des Junern nun auch ins Schazamt gezogen sei, habe... ich süßfauer gelächelt. Eine besinnungslose Feindschaft, um nicht zu fagen: ut gegen die Socialdemokratie tennzeichnete alle Reden. Das socialdemokratische Flugblatt hat Herrn Dertel baß geDas legte Flugblatt mußte wiederholt herhalten, um Herrn Oertels fallen; er wünscht alle Sonntag so eins. Er empfahl den Bund als und andrer Redner Bedürfnis nach Stoff zu bestreiten. Die beiden das einzige Mittel gegen die Socialdemokratie- bekanntlich hat sich großen Heerlager wurden als die einzigen politischen Gebilde jahrelang das Centrum so empfohlen. der Zukunft bezeichnet, an die sich alles dazwischen noch Lebende Nach Herrn Dertel genügten einige Delegierte von auswärts angliedern werde und müsse. Dies Zukunftsbild, so rief man aus, ihren Bedürfnissen und Aufträgen. müsse sich auch dem Kaiser aufdrängen, und dann Die Versammlung, die den Bund auf der Höhe" fah. werde er seine Wahl treffen. Die Absicht war ein wenig deutlich. würde, wenn sie fie ökonomische und politische Fernficht beEs fehlte auch am Montag nicht an drohenden Reden, feffen hätte, nicht verkannt haben, daß die Agrarier ihren die sich mit der monarchistischen Begeisterung zu einem felt- legten Triumph in Deutschland feiern. Auch ein 71/2 Markfamen Duft vereinigten: Wie im vorigen Jahre Herr Dertel das zoll fann die industrielle Entwicklung nicht strangulieren. Wort von der„ vorübergehenden Erscheinung" gloffierte, so wurde Er kann vor allem den Zusammenbruch des geschraubten BollBoeren, England am Montag die auswärtige Politik von den systems nicht hindern, sondern nur beschleunigen und um Rednern des Bunds ohne Unischweife kritisiert; nachdem v. Wangenheim so mehr, als er zusammenfiele mit dem Elend und den mit dem Hinweise auf die Boeren den heftigsten Beifall entfesselt hatte, schon jetzt furchtbaren Entbehrungen der Krise. Vor ließ sich kaum ein folgender Redner diese schöne Gelegenheit zu einer Salve dem Notschrei der Arbeiter bezeugte ein Redner entgehen. Herr v. Wangenheim sprach von der gegen den Bund Ang st. Schon öfter find an künstlichen" Stürmen Projekte gegerichteten Verhegung"; das Wort Brotwucher" fei noch scheitert, so rief er aus. eins der gelindesten. Die Loyalität der Agrarier sei zwar Nun, die Herren sollen Stürme erleben, über deren Naturgroß, aber... andre Redner ergänzten: daß man eben noch hoffe". gewalt sie nicht im Zweifel bleiben werden. Wenn die Hoffnung nicht wär, dann ade Loyalität. Dem Kaiser müsse man überlassen, seine im Jahre 1890 in Ostpreußen gesprochenen Worte durch die That zu deuten. Die That" war überhaupt das sammlung der Landwirtsbündler sei aus den uns vorliegenden Der vorstehenden zusammenfassenden Darstellung über die VerStichwort des Tages. Alle Redner schienen darauf eingeschworen: Berichten noch das Folgende hinzugefügt: Worte, schöne Worte haben wir zuviel gehört; Graf Bülow möge Freiherr v. Wangenheim hielt die Begrüßungsrede. Er führte Thaten sehen lassen, sonst Solange ein Bauer die Scholle u. a. aus: Daß die Socialdemokratie unsre ertlärte Feindin stets adere und ein Hohenzoller regiere, solange würden sie unzertrennlich sein würde, nun, das wußten wir von vornherein. Die SocialdemoDann sprach der Vorsitzende des Bunds Dr. Rösicke: Die kämpfenden Heere marschieren auf: auf der einen Seite das Großkapital mit seinen Trabanten, auf der andren Seite die Bauern Deutschlands, der Mittelstand und die nationale Produktion. Ein Heerufer im Streite auf der Seite des Großkapitals ist Herr Singer. An der Schärfe des Ausdrucks gegen uns ist er im Reichstage allen übergekommen. Er hat von dem frebelhaften Verlangen der Agrarier gesprochen. Man bedenke, was die deutschen Landwirte beigetragen haben zu allen Lasten, die im socialen Jutereffe gewünscht wurden. Mehr als alle andren Stände sind sie im Verhältnis damit belastet worden. Es wird als berechtigt anerkannt, daß die Löhne der industriellen Arbeiter sich höher gestalten( die Agrarier haben als einzige für die Zuchthaus vorlage gestimmt!); in dem AugenArbeit für sich und seine helfenden Arbeiter eine blick aber, wo der deutsche Bauer den Wunsch hegt, daß auch seine lohnendere werden möge, da ruft man ihm zu, das sei ein frebelhaftes Spiel!( Pfui!) Was ist von den Aussprüchen wahr geblieben, die f. 3. bei der Einführung der Handelss verträge geäußert wurden? Graf Caprivi sagte damals:„ Entweder müssen wir Waren ausführen oder Menschen." Schon damals hielten wir dem entgegen, daß es eher an Arbeitern fehle. Die Wahrheit dieser unsrer Behauptung hat sich bestätigt. Um die Arbeit zu leisten, hereingeführt deren das deutsche Bolt bedurfte, mußten Arbeiter anderer Nationen werden. Co fönnen wir denn also sehen, daß die Handelsvertrags- Politit auch auf dem Gebiete der Bevölkerung Deutschlands die nationalen Interessen geschädigt hat. Der gegen uns geplante Anfturm beginnt allmählich in der freifinnigen und jüdischen Presse sein Wesen zu treiben. Aufmerksam sollen wir diese» Gebaren verfolgen. Schon früher gelang c», durch solchen künstlichen Stnrm im Blätterwalde der deutschen Presse dir berechtigte» Forderungen beiseite zu schieben. Es dedarf des festen Zusammenstchens der dentsckien Bauern, de» Mittel- standes, der nationalen produktiven Arbeit, um diesen Versuchen, eine un» schädliche Handelspolitik weiter durchzusetzen, Widerstand zu leisten. Welche Fotbening könnte da wohl gerechter sein, al» dah auch der deutsche Bauer verlaugt, dem Kulturzustand seines Volks ent- sprechend leben zu können. Hierzu bedarf er solcher Preise für seine Produkte, wie si» dem Kulturzu stände Deutsch» l a n d S. nicht dem Kulturzu stände unkultivierter Völker entsprechen.(Die Preise in Deutschland sind höher al» in dem gesamten Europa. Rechnet England, Frankreich usw. auch schon unter die.unkultivierten" Länder?) Wir wollen uns auch dadurch nicht blind machen lassen, dah UNS von allen Seiten Versprechen gegeben werden. Ich fürchte die, die so viele Versprechungen machen. Versprechen sind uns genug ge- geben worden, Thaten haben wir wenige gesehen. Jetzt wollen wir Thaten haben.(Allseitige stürmische Zustimmung.) Ein Volk, das uns in seinem Blute und in seiner Thätigkeit nahe verwandt ist, das B o e r e n v o l t in Südafrika, hat uns in seinem gewaltigen Ringen gezeigt, wo» Gottvertrauen und Bauernzähigkeit vermag. Wir aber wollen von ihnen lernen, in innigster Ueberzeugung für die Gerechtigkeit unfrei Sache, im festen Gott- vertrauen zu kämpfen. Herr Diederich Hahn, ein früherer Bankbeamter, fügte dem Geschäftsberichte seinerseits hahnebüchen» Bemerkungen hinzu: Fürst Bismarck kann nun leider nicht mehr für uns sorgen.(Zuruf: Leider!) Bismarck erhob damals gleich feine warnende Stimme, als Taprivi mit andem Ländern, ohne den Zolltarif zu erhöhen, HanbelsvertragS-Verhanblungen einleitete. Nun haben wir erreicht, daß das GtaatSfchiff einen andren Kur» geht. Wenn wir fetzt die großen schönen Worte nnsre» Reichs- kanzlerS Grafen Bülow hören, fo erwarten wir nun aber auch die Thaten!(Stürmischer Beifall.) Wir vertrauen seinem guten Willen. Unsre Gegner haben den Kampf mit Trompeten- und Paukenstößen begonnen. Wir sehen die Phalanx aufmarschieren: die rote Socialdemokratie mit der goldenen Internationale. lBeifall.) Dazu auch Kathedersocialisten und unklare Schwärmer, die das praktische Leben nicht kennen. Sie marschieren alle gegen uns und glauben, die Konsumenten gegen uns mobil machen zu müssen. Ferner sehen wir den Handelsvertrags- verein, die Herren PinkuS, Herz. Friedländer. Löwe und andre(Zuruf: Und Conrad I Heiterkeit), mit allen den frei- sinnigen Männern christlichen Glaubens, die mit ihnen aus einer Schlüssel essen.(Pfui I Heiterkeit.) Aber das soll uns alles nicht bange machin l RittergutSpächter Lücke(Patershansen) führte auS: Niemand könne etwas unter den Produktionskosten verlangen. Ob die Pro- duzenten zu Grunde gehen, sei dem internationalen Handel sehr gleichgültig. Es sei bereits so weit gekommen, daß der junge Land- wirt die Besitzung des BaterS nicht mehr übernehme, Iveil er nicht Hungers sterben wolle. Vier Fünftel des deutschen Ackerlands ge- höre den Bauern und nur ein Fünftel dem Großgrundbesitz. Er Ivolle dies wiederholen, damit die Zeitungs- Berichterstatter dies nicht überhören.(Stürmischer Beifall.) Er habe die Ueberzeugung, die Regierung werde die deutschen Bauern, die das festeste Bollwerk der heutigen Weltordnung sowie von Thron und Altar seien, nicht untergeben lassen. Die Stimme der deutschen Bauem werde an den deutschen Thronen nicht verhallen.(Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende de» Rheinischen Bauernvereins. Pilgram (Kcltz), bemerkte: Ein Zoll von 10 M. würde ungefähr die Produktionskosten decken. Als Mtnimalsatz seien 7 M. 50 zu fordern.(Stürmischer Beifall.) Abg. Liebermann von Sonnrnberg, mit stürmischem, nicht endenwollendem Beifall und Hochrufen empfangen, bemerkte: Er könne sich nicht denken, daß die deutsche Reichsregicrung die deutschen Landwirte dem Untergänge ausliefern werde. Es mächen jetzt alle Berufsstände mobil. Selbst die Kommcrzienräte versuchen, die Socialdemokraten für sich zu gewinnen. Allerdings finde das Liebeswerben der Kommerzicnräte in der socialdemokratiscken Presse nur ein kaltes Echo. Hinter den Conliffen thue aber auch bei den Socialdemokraten daS rote Gold seine Wirkung.(Stürmischer Beifall.) Die Socialdemokraten haben gestern ein Flngblatt mit der Ueberschrift herausgegeben:„WaS kosten uns die Junker? Er sei der Meinung, viel inehr interessiere das deutsche Volk die Frag«:„Was kosten uns die Juden?" (Stürmischer, nicht endcnivollender Beifall.) Die jüdiswen Börsen- barone kosten dem deutschen Volke viele Millionen.(Stürmischer Beifall.) Ein Redner sagte: Die Juden haben kein nationales Enipfinden. Dem müsse er widersprechen. Die Juden haben ein sehr großes nationales Empfinden, nur kein deursch-nationaleS.(Stür- mischer Beifall.) Wie die Juden es verstehen. Recht und Gerechtigkeit zu vertuschen, beweisen die Vorgänge in Könitz. (Stürmischer Beifall.) Die deutschen Junker und deutschen Bauer» haben noch stet« ihr Herzblut geopfert, wenn das Vaterland in Gefahr war, nicht aber die Börsenjunker.(Stürmischer Beifall.) DaS deutsche Volk müsse aber mit aller Energie verlangen, daß der englische Nebel, der sich zwischen den deutschen Kaiser- thron und daS deutsche Volk gelegt habe, baldigst wieder verscheucht werde.(Stünnischer Beifall.) Fort mit aller Eugländcret.(Stürmischer Beifall.) Wir wollen mir aller Energie für unsre Forderungen kämpfen und uns weder durch Drohungen noch durch Versprechungen beirren lassen.(Stürmischer Beifall.) Abg. Dr. Oertrl: Die Socialdemokraten seien bis jetzt gegen da? Liebeswerben der Börsenjunker kalt geblieben. Wie die gestrige Rümmer deS„Vorwärts" aber beweise, haben die Socialdemokraten nunmehr das Vetteln der Vörsenbaronc erhört. Letztere seien ja auch die Stammesgenossen des großen Singer.(Stürmischer Beifall.) Der große socialdemolratische Prophet Karl Marx sagte: Die Socialdemokraten müssen Freihändler sein. dadurch werde die Revolution geschaffen.(Hört, hört I Pfui I) Er gebe sich der Hoffnung hin. der Fürst, der auf drm deutschen Kaiserthrone sitze, werde es nicht zulaffen, daß die festesten Stützen von Thron und Altar untergehen und die Revolution heraufbeschworen werde.(Stürmischer Beifall.) Die einstimmig angenommene* Resolution: Von der Gestaltung des neuen Zolltarifs und der zukünftigen Handelsverträge hängt die endgültige Entscheidung über das Geschick der deutschen Landwirtschaft ab- eine zweite Periode der Schädigung ihrer LcbenSinterrffen würde sie nicht überstehen. Die deutsche Landwirtschaft muß deS- halb bei der bevorstehenden Neuregelung unsrcr Handelsbeziehungen einen gleichmäßigen Schutz aller ihrer Produkte verlangen. welcher genügend ist, um ihr dauerndes Gedeihen für alle Fälle zu gewährleisten. Die Mindestsätze des neuen Zolltarifs sind so zu demeffen, daß sie die Erhaltung auskömmlicher Durch- schmttspreise, wie sie die beiden Jahrzehnte 1870—1890 auf- wiesen, ermöglichen, dürfen nicht uuterschntten werden und sind nur denjenigen Ländern zu gewähren, welche auch ihrer- seitS Deutschland ein gleiches Entgegenkommen zeigen. Für die- jenigen Länder, welche Deutschland zollpolitisch ungünstig be- bandeln, sind die Sätze eines ausreichend hoch'bemessenen Generaltarifs in Anwendung zu bringen. Bevorzugungen des Handels mit ausländischen Erzeugnissen durch Zollkredite oder Tarifermäßigimgen, welche die Wirkung der Zölle beeinträchtigen, find zu beseitigen. Die deutsche Landwirtschaft lvird, frei von jeder Einseitigkeit. stets bereit sein, auch für die Wahrung der Interessen der übrigen produktiven Stände einzutreten, kann dies aber nur unter der Boraussetzung vollster Gegenseitigkeit der Unterstützung, welche sie namentlich von seilen der Industrie mit Bcstinnntheit erwartet. Nur wenn allen Erzeugnissen deS großen landwirtschaftlichen Gewerbes in Süd und Nord, in West und Ost ein gltichmäßigtr Schutz zu Teil wird, kann eS gelingen, eine dauernde Gesundung desselben zu sichern; an unsre BerufSgenosien im ganzen deutschen Vaterlande richten' wir deshalb die dringende Mahnung, Einzelwünsche und lokale Eonderinteressen zurücktreten zu lassen und jede Einspännerei zu vermeiden. Unter dem Schutze eines unter Berücksichtigung aller Jnter- essen aufgestellten Zolltarifs wird auch die deutsche Landwirtschast sich zu neuer Blüte entwickeln können, diese wird aber nur dann von Bestand sein, wenn die deutschen Landwirte es endlich lernen, bei der Preisbestimmung für ihre Erzeugnisse selbst maßgebend mitzuwirken, wenn sie den Gcmeinsinn, welcher jetzt sie zu einem politischen Machtfaktor gemacht hat, auch auf dem wirtschaftlichen Gebiet bethätigend, sich zu großen Verkaufsverbändcn zn- sammenschtießen, deren Zweck nicht ungesunde Preistreiberei, sondern weise Regelung der Produktion' und möglichst gleich- mäßige Jnnehaltung mittlerer Preise sein muß." Wir wollen nicht vergessen zu»rwähnen, daß nicht«in einziger Satz auf der Versammlung gesprochen worden ist, der auch nur«nt- fernt den Anspruch erheben darf, als eine ernsthafte Begründung der agrarischen Forderungen oder eine wissenschaftliche Widerlegung der gegnerischen Argumente zu gelten. Phrasen nichts als Phrasen! Graf Pücklers Geist waltete über dem Ganzen. pottkifche Mebevfichk. Berlin, den 11. Februar. Gege« den tkornivucher. Gerade zur Stunde, da die Agrarier im EirkuS Busch den nahen Sieg de» Kornwucher» jubelnd zu feiern gedachten, wird ihnen der machtvoll einsetzende Widerstand der auszuplündernden Bolls- mästen peinlich fühlbar. Durch den Rausch der Bündler- reden ging die leise Ahnung, daß man doch noch nicht.über den Berg hinaus" ist, und Dr. R ö s i ck e, Vorsitzender de» Bunds der Landwirte, rief seine Getreuen ein wenig zur Er- nüchterung. indem er mahnend erinnerte, daß nicht zum erstcnmale in Deutschland eine schon beschlossene Sache durch»künstlichen Blättersturm" beseitigt worden sei. ES ist nicht ein Sturm in den Blättern, vor dem den Agrariern bangt. Aber sie beginnen zu fühlen, daß. nachdem die Regierung sich auf dir Kornzoll-Erhöhung verpflichtet hat, die Große der Gefahr dem Volke zum Bewußtsein gelangt und damit der eigentliche Kampf nm den Kornwucher erst beginnt. Die ersten Kundgebungen der Socialdemokratie gegen den Korn- und Brotwucher haben die Agrarier- und Hochschutzzöllner bereits in große entrüstete Wut versetzt. Die„Berliner Neuesten Nachr.". die „Deutsche Tagesztg.". die„Berk. Pol. Nachr.", die»Staatsbürger- Zeitung" beschäftigen sich eifrig mit dem Aufruf der socialdemokra- tischen Reichstags-Fraktion, mit den Artikeln unsreS Blatts und dem am Sonntag in Massenauflage in Berlin ver- breiteten Flugblatt. Aber so groß der Eifer der Abwehr, so gering der sachliche Gehalt. Da man die Thatsachen der Brot- Verteuerung, der Erschwerung der Handelsverträge, der Schädigung der gesamten nicht-junkerlichcn und nicht-großbäuerlichen Bevölkerung durch die geplante Zollerhöhung nicht widerlegen kann, sucht man nach allerlei lächerlichen Ausflüchten. Die»Berl. Neuest. Nachr." verkünden wetsheltsvoll, e« habe Zeiten gegeben, wo eS noch gar keinen Getreidezoll gab und wo das Brot noch teurer war, als es jetzt ist und als es durch die Zollerhöhung werden kann. Warum begründet denn daS kluge Blatt die Notwendigkeit der Brotverteuerung nicht durch den schlagenden Hinweis, daß es früher sogar Hungersnöte gegeben hat, in denen Tausende von Menschen umkamen? Nach den»Berliner Neuest. Nachr." ist eS freilich auch ein Ausfluß bösartiger Unzu- friedenheit, wenn der Arbeiter ein sauberes Hemd auf dem Leibe zu tragen verlangt, sintemal vor einigen Jahrhunderten der Besitz eines limrenen Hemdes für Fürsten ein Luxus war. Die»Deutsche Tageszeitung" erklärt, auS rnffren eignen Zahlen gehe hervor, daß in Zeiten niedrigeren Zolls der Getreidepreis oft höher gewesen sei alS in Zeiten höheren Zolls. AuS dieser allerdings nie- mals von uuS bestrittenen Thatsache folgert die»Deutsche Tages- zcitung'— die Berechtigung der Zollerhöhung. Bescheidenere Ansprüche an sein Denkvermögen kann das Bündlerblatt nicht stellen. Durch die Entdeckung, daß der Getreidepreis nicht allein von der Höhe des Zolls abhängt, wird selbst der Thörichtfte nicht über die in jedem Fall preiSstcigernde Wirkung der Zollerhöhung hinweg- getäuscht werden.— Am genialsten verfährt natürlich die»Staatsbürger- Zeitung". Sie erheitert den Ernst der Zeit, indem sie die socialdemolratische Fraktion als eine»Gruppe des internationalen Händlerbunds" ent- larvt. Die Juden seien die eigentlichen Brot« und Lebensmittel« Wucherer;»als Schlitzgarde dieses Judentums betreibt die Socialdemokratie und niemand ander» den ruchlosesten Brot- und Lebensmittelwucher." Doch— mögen die Händler auch allen Zorn der„Staatsbürger-Zriwng" verdienen— leider find es augenblicklich nicht die Händler, die eine Erhöhung ihres Profit» vom Staate und ans Voltskosten verlangen, sondern zufällig die notleidenden Land- Wirte. Die„StaatSbürger-Zeitung" sollte den Landwirten aber raten, von ihrem Verlangen nach Zollerhöhung abzustehen, denn, wenn der Zoll erhöht wird, die Juden knöpfen den Junkern doch den Gewinn ab— wozu also alles eifrige Benlühen? «* » Protest-Vers ammlungen. In F r a n k f»> r t a. M. fand am 10. d. M. eine Protest-Ver- sammlung gegen die Erhöhung der Lebensmittelzölle statt. Es sprachen der' Landtags- Abgeordnete F u n ck, Genosse Adolf B a u m a n n und Reichstags-Abgeordneter Dr. v. Siemens, sämtlich unter großem Beifall der Versammlung, die aus Angehörigen aller Klassen und aller Parteien bestand. ES wurde folgende Resolution angenommen: »Die heute versammelten, dem Handel, der Industrie, wie andren Erwerbsständen angehörenden Bewohner der Stadt Frank- fürt a. M. und deren weiterer Umgebung erheben Protest gegen die von agrarischer und hochschutzzollnerischen Seite ausgehenden Bestrebungen, welche die gesunde Grundlage unsres günstigen handelspolitischen Verhältnisses zu den wichtigsten Staaten durch die Forderung der Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel und der Rückkehr zu industriellen' Hochschutzzöllen zu erschüttem bc- absichtigen. Die Versammlung erklärt, daß an der Handelspolitik des letzten Jahrzehnts, welche Deutschlands wirtschaftliches Gedeihen in einer bisher unerreichten Weise gefördert hat, unbedingt fest- gehalten werden muß; die Jntcresseu iveiter Volksschichten.' welche durch eine verkehrte Handelspolitik und die Erhöhung der Levens- mittelzöllc schwer betroffen würden, dürfen nicht den Wünschen eines Teils der Landwirtschaft und einiger Industriezweige zum Opfer gebracht werden. Die Versaininlung riibtet an den Bundesrat und den deutschen Reichstag die dringende Bitte, bei der Erneuerung der Handels- Verträge'»nd allen vorbereitenden Schritten an der bisher be- währte» Handelspolitik festz,ihalten»nd unter keinen Umstäilden einer Erhöhung der Zölle nui Lebensmittel zuzustimmen." Aus Mainz wird uns geschrieben: In einer am 10. Februar abgehaltenen, gut besuchten Ver- sammlung wurde nach einem Referat de» LandtagS-Abgeordiieten Dr. David über die Brotwucherpolitik folgende Resolution angenommen: »Die Versammlung protestiert aufS schärfste gegen die vom Großagrariertum geplante Vrotvertenerung, in der sie eine große Gefahr für die gesamte Entwicklung unsres Boll» sieht."— Der Reichstag war am Montag sehr schwach besetzt. Die Rechte fehlte fast ganz, und erst gegen 5 kamen die Bllndler vom Cirkus zurück. Der Rest deS Justiz-Etats wurde debattelos erledigt. Erst bei der 3. Lesung wird das Gefecht zwischen dem Genossen Heine und den Herren Nieberding und Schönstedt fortgesetzt werden. Beim Etat deS Reichs schatzamts setzte eine lebhafte Debatte ein, die die verschiedensten Gegenstände berührte: Sacchartngesetz, Zolltarif und Termin seiner Einbringung, Ge- schmacklosigkeit der neuesten Jubiläumsmünzen, Ausprägung von 25-Pfeningstücken, falsche Orthographie auf Geldscheinen. Pumpwirtschaft des Reichs usw. wurden berührt, und auch auf den Mittelland-Kanal kam die Debatte. Dr. Böckel be- urteilte seine Aussichten günstig, Dr. Oertel, der mehr davon wissen muß, äußerte große Zweifel. Wann der Zoll- tarif an den Reichstag kommt, konnte Schatzsekretär Freiherr v. Thielmann immer noch nicht sagen. Jeden- falls versicherte er den Bündlern, daß mit größtem Eifer an der Fertigstellung des Tarifs gearbeitet werde. Auch nahm er für sein Amt den Ruhm in Anspruch, daß es ebenso wie das Reichsamt des Innern an den Vorarbeiten beteiligt ge- Wesen sei. Herr Oertel konstatierte schmunzelnd, daß auch das Reichsschatzamt v ö lli g vor den Agrarten kapituliert habe. Das Saccharingesetz ist nicht zum Abschluß gebracht, weil die leitenden Stellen noch nicht darüber einig sind, ob die künstlichen Süßstoffe starken Verkehrsbeschränkungen unterworfen oder stark besteuert werden sollen. Herr Oertel riet, das eine zu thun und das andre nicht zu lassen; das würde dem Zuckersyndikat sicherlich am besten gefallen. Der Etat der R e i ch s s ch u l d und des RechnungS- Hofs wurde debattelos bewilligt. Beim Etat für die Ver- waltung der Eisenbahnen setzte eine längere Debatte ein, die noch nicht zum Abschluß kam. Eröffnet wurde sie von unsrem Genossen S e g i tz, der in sachkundiger Weise den Thielenschen FiskaliSmus der Eisenbahnverwaltung beleuchtete, dieAbschaffung der menschenunwürdigen 4.Klasse ver- langteund die Einführung derCentralkuppelung und die elektrische Beleuchtung der Eisenbahnen forderte. Die schlechte Bezahlung der Eiscnbahnarbeiter und Bedientesten und ihre überlange Arbeitszeit wurde von unsrem Redner scharf verurteilt. Herr v. T h i e l e n, der im unbezahlten Nebenamt Chef der Reichseisenbahnen ist, überließ die Antwort auf diese Angriffe seinen freiwilligen Regierungskommissaren G a m p und Paaschs, denen sich auch der Kommerztenrat Schlum- b e rg e r zugesellte, der in Mülhausen an BuebS Stelle als Kandidat der Protestler gewählt und dann der national- liberalen Fraktion als Mitglied beigetreten ist. Er sorgte bei seinem ersten Auftreten dafür, daß ihm in Zukunft wohl keine Stimme eine» Eisenbahners inehr zufallen wird. Er erklärte nämlich die Löhne, die die ReichS-Eisenbahnverwaltung zahlt, für außerordentlich hoch, wie er überhaupt alles, WaS im Reich Thielen geschieht, für vortrefflich erklärte. Herr von Thielen begrüßte diesen Bundesgenossen mit Jubel und bedankte sich, indem er seinerseits die Arbeiter- sreundlichkeit des Herrn Kommerzienrats über den grünen Klee lobte. Außerdem leistete er sich die köstliche Redeblume, man müßte die vierte Wagen- klaffe erfinden, wenn sie nicht zum Glück bereits existierte. Dies hohe Lied von der vierten Klasse, in der eS sich für andre Leute so herrlich fährt, wurde auch von den Herren Gamp und Paaschs gesungen. Dienstag geht die Beratung weiter. Außerdem ist die Chinavorlage und die Reliktenvorlage für die China- krieger auf die Tagesordnung gestellt.— Im Abgeordnetenhause herrscht nach den stürmischen Debatten der letzten Tage wieder die übliche Ruhe. Die am Montag fortgesetzte Beratung deS Etats der Justizverwaltung beansprucht nur geringes Interesse. Zahlreiche Redner brachten lokale Wünsche vor; von anderen wurde eine Reform des Vorbereitungsdienstes für den höheren Justizdienst. die Verwendung der Stenographie bei der gerichtlichen Protokoll- siihning, die Zuziehung zahlreicherer Dolmetscher ftir die polnische Sprache in Oderschlesten und dergl. verlangt; auch wurde, wie alljährlich, über die Belastung der Richter infolge der Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs geklagt. Größere Bedeutung beansprucht die Anregung des Abgeordneten T r i in b o r n(C.). bei den Prüfungen für den höheren Justizdienst mehr Rücksicht auf die sociale Gesetz- g e b u n g zu nehmen. Minister Schönstedt, der sonst auf fast jeden Redner erwiderte, ließ diese Anregung unbeantwortet. Mit großer Mehrheit beschloß das Haus noch, die Regierung zu er- suchen, die zeitigen Aiistellnngs- und Rangverhälmisse der etats- mäßigen Staatsanwälte anderweit in einer der Stellung dieser Bc- amten entsprechenden Weise zu regeln. Am Dienstag soll die Beratung deS Justizetats zu Ende geführt und die des Etats des Ministeriums des Innern begonnen werden.—- *• Aeutsches Meich. Die Geschäftslage des RcichStagS. Der Seniorenkonvent war am Montag vom Prästdeiiten einberufen worden, um über die Geschäftslage des Reichstages für die nächste Zeit zu beraten. Der Präsident teilte mit, daß er die Absicht habe, dem Hause vorzuschlagen, vom 22. März bis 18. April Osterferien zu machen. Dies sei jedoch nur möglich, wenn bis dahin die Etatsberatung inkl. des Nachtragsetats(China) in allen 3Lesungen beendet sei. Um dies zu erreichen, sei es wünschenswert, daß die Beratungen einen schnelleren Fortgang nehmen als bisher. Auch sollen vor Ostern keine Schwerinstage mehr stattfinden, um die ganze Zeit der EtatSberatuug widmen zn können. Falls die Etatsveratuug doch längere Zeit' in Anspruch nähme, könnten die Osterferien erst aitz 29.' Mörz— also Freitag vor Palmsonntag— beginnen. Der Nachtragsetat für die Thinaexpedition" sollte in einigen Tagen zur zweiten Beratung gelangen und wenn möglich noch �diese Woche verabschiedet werden. Die übrigen Regierungsvorlagen sind noch in den Kommissionen und werden vor Ostern für das Pleunm nicht mehr beratungsreif. Auf eine Anfrage, wann auf die Einbringung deS Zolltarif- gescticS zu rechnen sei, erklärte der Präsident, daß nach sciiicn In- formationen zur Zeit niemand, auch der Reichskanzler selbst nicht, wissen könne, wann der Tarif dem Reichstage zugehen werde. Der Entwurf hätte noch eine Reihe von Instanzen zu durchlaufen und welche Zeit dies in Anspruch nähme, sei nicht einmal annähernd voraus zu sagen. Aus die Aeußcriiiig. daß voraussichtlich nicht zu lange Zeit für die Prüfung bei den Einzclsinaten notwendig sei, da die Regierungen im allgemeine» mit den Beschlüssen des wirlschaftlichcu Ausschusses eiiiverstanden seien, wurde erwidert, daß Beschlüsse in diesem Ausschuß überhaupt nicht gefaßt Ivorden seien und daß die Thätigkeit des Ausschnsses sich auf Besprechungen ohne Ab- ftimmung deschränkt habe. 0 Frankreich. Man darf das wohl darauf zurüd Mit der Bitte an die Senioren, in ihren Fraktionen nach Mög- I war nichts zu spüren. lichkeit dahin zu wirken, daß der von ihm in Aussicht genommene führen, daß der Weber Keppels, der älteste und eifrigste Führer Der Papst und das Vereinsgefet. Aus Baris wird ges Termin innegehalten werden kann, schloß der Präsident die gefchäft der christlichen Organisationen, der nämliche, der den Brief in Ein- meldet: Wie verlautet, hatte der französische Gesandte beim Batifan verständnis mit andren christlichen Arbeitervertretern an den Land- dem Papst folgenden Kompromis vorgeschlagen: Der Jesuitenorden Unter Vorsig des ersten Vicepräsidenten Dr. v. Frege beriet der tags Abgeordneten Sittart nach Berlin gesandt hatte, am Morgen in Frankreich foll aufgehoben und die andren Orden unter GerichtsSeniorenkonvent dann den vom Abg. Schmidt( Elberfeld) gemachten desselben Tags plöglich am Herzschlag gestorben war. Anders läßt barfeit der Bischöfe gestellt werden. Der Papst erklärte jedoch, daß Vorschlag, wonach für die Folge auch bei den nichtständigen Kommissionen es sich nicht gut erklären, daß die katholischen Arbeiter auf die Er er sich zu einem Stompromis niemals hergeben werde, worauf ihm den Vorsitz unter den verschiedenen Fraktionen wechseln soll. In lärungen des Kandidaten verzichteten. die franzöfifche Regierung mitteilen ließ, daß es im Jntereffe ber der fünf ständigen Kommissionen( Geschäftsordnungs-, Wahl Polizeilich verboten wurde in Dortmund, wie die Rhein. Kirche liege, die französische Regierung zu unterstützen. Wenn das prüfungs-, Budget, Rechnungs- und Petitions- Kommission) ist nach Westfälische Zeitung" berichtet, das Ankleben von Plakaten an den jezige Kabinett gestürzt würde, wäre es nur, um einem bem diesem Grundsatz verfahren, worden, während in den bisher in dieser diesem Grundsatz verfahren, worden, während in den bisher in dieser Anschlagfäulen für eine öffentliche Sympathiekundgebung für die Boeren, Batitan noch viel feindlicheren Ministerium Play zu machen. Der Seffion eingesezten acht Kommissionen 3 Centrums, 3 national in ber ein Vortrag: Der Raubzug Englands nach Trans. Papst forderte hierauf die Vertagung der Vereinsgefez- Vorlage. liberale und 2 fonservative Abgeordneten den Vorfiz führett. Die va a I" auf der Tagesordnung stand. Linke ist dabei vollkommen übergangen worden. reits ebenso wie die Berliner Polizei die Die Dortmunder Polizei behandelt also die Boerenfreunde be- Amerika. Anarchisten. New York, 10. Februar. Ein Telegramm aus Habana meldet: Die Verfassungstonvention hat mit großer Mehrheit einen Sunnen- Aesthetik. Im frommen„ Reichsboten" lesen wir: Verfassungsartikel angenommen, welcher bestimmt, daß alle Wie nötig die Theatercensur ist, beweift der Abdruck eines vor der Bromulgierung der Verfassung gemachten Schulden nicht Gedichts in der Beilage des Berl. Tagebl.", welches eine anerkannt werden sollen, ausgenommen diejenigen, welche im französische Tingeltangel- Sängerin jetzt hier im Intereffe der Revolution vom 24. Februar 1895 ab tontrahiert Metropol Theater vorträgt, ein angeblich normännisches Volkslied worden sind. In der sich an den Vorschlag knüpfenden Distuffton wurde die Berechtigung desselben allseitig anerkannt, und vereinbart, daß fünftig der Vorsiz in den Kommissionen nach einem noch auf zustellenden Turnus unter den Fraktionen abwechselnd verteilt werden soll. Eg König Milan von Serbien ist am Montag in Wien gestorben, im Alter von 46 Jahren. Bereits im Alter von 14 Jahren bestieg er den serbischen Thron, der damals noch ein Fürstenthron war. Mit 28 Jahren fezte er nach einem fiegreichen Krieg die Proklamierung Serbiens zum Königreich durch. 1888 wurde er von seiner Gemahlin geschieden, im folgenden Jahre verzichtete er zu Gunsten feines 18jährigen Sohns Alexander auf die Krone. Milan war nichts weniger als ein Musterregent, dafür aber verstand er die Skandalchronik gekrönter Häupter durch seinen Lebenswandel um ein starkes Kapitel zu bereichern. Daß er nicht nur ein treuer Gatte, sondern auch ein zärtlicher Bater war, beweist der Umstand, daß er noch kürzlich die Armee seines Sohns zur Erhebung gegen den König aufreizte. Ruhig Blut! So mahnt die Deutsche Tageszeitung" ihr Volt anläßlich der Roberts- Ehrung durch Wilhelm II. Es sei ein Aft familiärer und internationaler Höflichkeit und darum verzichten wir auf eine Kritik, die einerseits nichts Neues bieten würde, andrerfeits greifbaren Zweck erreichen könnte." Teinen greff, her ba 38u deraille berauszubreſchen fucht, ift eben bas Maul verbunden. Die ideale Boerenfreundschaft muß verstummen vor der realen Rücksicht auf den Profit! „ Der Tod des Ehemanns" das so chnisch gemein ist, daß man faum begreift, wie ein Weib das gemeine Zeug fingen under Boeren- Krieg. man kaum begreift, wie ein Weib das gemeine Zeug fingen und wie eine Zuhörerschar es anhören kann! So rüdig und blöd wird eine der größten und ernsthaftesten Künstlerinnen der Gegenwart, Yvette Guilbert beschimpft. Und das " chnisch gemeine" Gedicht, das gemeine Beug" ist ein herbes düsteres Volkslied, dessen Motiv und Art auch im deutschen Volkslied nicht unbekannt ist. Wenn dieser Vortrag gemeines Beug" ist, so ist die ganze Wolfslitteratur, die klassische und die volkstümliche, um mit Stöder zu reden, hundsgemein. autrespe Die Aufhebung des Octrois. nach dem o Eine englische Niederlage, die die Engländer bereits am 30. Januar erlitten, wird jetzt noch nachträglich gemeldet. Man wollte offenbar die Landestrauer nicht noch durch eine Hiobspost vermehren. Ueber dies bis jetzt gar nicht erwähnte Gefecht zwischen Bloemfontein und Smeldeel wird berichtet: dann in Eine aus verschiedener Waffengattungen zusammengesetzte Abteilung unter Major Crewe traf am Morgen des 30. Januar mit einem Convoi in Tabatsberg ein und hörte heftiges Feuergefecht von der andren Seite der Hügel her, wo Pilcher die Boeren in ein Aus Offenbach a. M., 7. Februar, schreibt man uns: Bei Beratung des Etats der Stadt Frankfurt a. M. hatte Gefecht verwickelt hatte. Greive rückte vor, stieß auf die Boeren, Genosse Dr. Quard auch die Aufhebung des Octrois in Boden- welche vor Pilchers Lydditgeschossen sich zurückzogen und erheim gefordert. Darauf glaubte ihn Herr Sonnemann auf die öffnete ein Artilleriefeuer auf dieselben; die Boeren verschwanden Nachbarstadt Offenbach verweisen zu müssen, wo die socialdemo- jedoch alsbald. Alsdann begab sich die Abteilung Crewes in ihr Detrois bente. Grſt in einer ſpäteren Gigung mußte diefer Herr zur ber Marich wieder aufgenommen, as tamén barn 200, Boeren bie kratische Stadtverordnetenmehrheit noch nicht an die Aufhebung des Lager zurück und hielt bis zum Nachmittag Raft. Hierauf wurde geben, daß freilich das Octroi auf Brot, Mehl und Hafer Falle loden, denn als die Engländer vorgerückt waren, wurde auf im Betrage bon über 30 000 m. durch die Socialdemotraten aufgehoben sei, immerhin verbliebe aber noch eine Ein- fie von drei Seiten ein heftiges Gewehrfeuer eröffnet. Das englische Zum Offizieremord in Mörchingen. nahme von 800 000 m.( darunter allein über 100.000 m. Maschinengeschüz wurde demoliert und mußte schließlich Die heute vorliegenden näheren Mitteilungen über die Fest- für Einführung von Kohle) aus Octroigebühren. In der heutigen retten, hatten die Briten schwere Verluste. Die Fest- für aufgegeben werden; bei den Bemühungen, es zu Stadtverordneten- Sigung gab bei der Beratung des Voranschlags stellungen vor dem Kriegsgericht über die Ereignisse für 1901/1902 Genosse Iriche dem Frankfurter Demokratenführer Engländer, denen die Boeren an Zahl überlegen waren, wurden umgangen und an dem verhängnisvollen Abend liefern noch intereffantes Material eine deutliche Antwort. waren genötigt, fich Er betonte, daß die Socialdemokraten nach dem Lager tämpfend zurüdzuziehen, zur Beurteilung der Todschlagsaffaire. Soweit die Vorgeschichte der eben im Rahmen der bestehenden Geseze arbeiten müßten und nicht retteten aber den Conboi. Am nächsten Morgen thätlichen Beleidigung des Oberstabsarztes Rüger durch den thun tönnten, was sie thun möchten. Ginge es Hauptmann Adams in Frage kommt, bestätigte die Betveiserhebung Willen der Socialdemokraten, so wäre das Octroi längst gefallen griffen die Boeren wieder an, und die Briten mußten die von uns in der Sonntags- Nummer abgedruckte Darstellung des und an feine Stelle eine besonders die besserfituierten Stlassen weiter zurückgeben, bis sie schließlich bei Jfra elspoort von den Truppen des Generals nog aufgenommen So müsse Straßburger Blatts. An der Kneiptafel der Offiziere herrschte eine fräftiger heranziehende Progressivsteuer getreten. wurden. Die Boeren standen unter De Wets persönlichem man aber mit den Verhältnissen rechnen und fönne animierte Stimmung, die außer durch Singen und Reden ihren Ausdrud im Kommandieren von sogenannten„ Bierjungen" fand. nur Bug für Bug weitergehen. Daß die Socialdemokraten in dieser Befehl und zählten 2500 Wann, während die englische AbNichtung noch nicht mehr thun konnten, baran sei vor allem bie teilung nur 700 Mann start war. Hauptmann Adams, der angeheitert war, stieß ein Glas um, und wurde, frühere nationalliberale Mehrheit schuld, die ihren Nachfolgern eine Das„ Reuteriche Bureau" bemerkt zu der vorstehenden Depesche, als er noch weitere Gläser umwerfen wollte, durch den Oberstabsarzt große Anzahl der wichtigsten und bereits früher auszuführenden dieser Kampf, über den bisher weder in offiziellen noch in privaten Süger baran gehindert, worauf er ihm zwei Schläge ins Geficht Aufgaben hinterlassen habe, die allerdings in den paar Jahren, wo Depeschen berichtet worden, fei vermutlich eine derjenigen Aktionen, burch welche es De Wet gelang, durch die britischen berfeste. Der Beleidiger weigerte sich, abbitte zu leisten unb die Socialdemokraten in größerer Anzahl im Stadtrat feien, ganz ginien zwischen Bloemfontein und Babybrand auf entfernte fich. Die zurüdgebliebenenOffiziere, bar erhebliche Ausgaben ausgemacht hätten. unter ein Oberft, erklärten ein Duell für unvermeidlich und die Errichtung der Wasserleitung, des Gaswerts, feinem Wege nach Süden durchzubrechen. Ueber den neuesten Verbleib de Wets scheinen die Engländer festen fofort bie Bedingungen des Duelle feft, und zwar: zehn flasterungsarbeiten, beffere Ausgestaltung der sich vollständig im unklaren zu befinden. Schritt Barriere, Korn und Vifir stehen, Kugelwechsel Beamtengebälter und der Löhne der städtischen Schulverhältniffe, wesentliche Erhöhung der Eine weitere englische Schlappe bis zur Kampfunfähigkeit, also die denkbar schwersten Arbeiter usw. Alle diese wichtigen Fragen seien wohl wird aus der Kapkolonie gemeldet: Bei einem Kampfe, der am Bedingungen! Die Erledigung dieser Sache in dieser Form früher bereits auf der Tagesordnung gewesen, aber die und in dieser Stimmung erscheint um so auffallender, wenn Herren Liberalen hätten sich von der Lösung derselben gedrückt und Freitag in der Nähe von Klipplaat Junction stattfand, verloren die südafrikanischen Leichten Reiter 2 Tote, man bedenkt, daß jeder der Teilnehmer des Banketts bereits jetzt hätten die Socialdemokraten die Ausführung dieser notwendigen 5 Verwundete und 15 Gefangene. außer einem Glas Sherry, einer Flasche Zeltinger und einer Dinge zu übernehmen gehabt. Man könne eben unter solchen UmMehr Glück scheinen bis jetzt die Engländer bei Ermelo, im Flasche Carte blanche noch Bier getrunken hatten, also wohl kaum ständen nicht eher an die völlige Aufhebung des Octrois Herantreten, öftlichen Transvaal ehe man nicht geeignete andere Deckungsmittel habe. in der Berfaffung waren, die Angelegenheit mit der erforderlichen Gr gebe sich aber der begründeten Hoffnung hin, daß in 3 Jahren Ruhe zu behandeln.n das die Handhabe zur Aufhebung des Octrois bieten werde. ein Kommunalsteuergesetz zu stande gekommen sein werde, Ausland. Er erinnere dabei an Die Unruhen in Spanien. gehabt zu haben. Ueber die dortigen Gefechte wird gemeldet: Boeren, in der Stärte von 6000 Mann, ziehen sich Kapstadt, 9. Februar. General French besetzte Ermelo; die auf Amsterdam zurück. Oberlieutenant Rüger erklärte vor dem Kriegsgericht feine That für eine Verzweiflungsthat, die er begangen habe, um feinen Bruder, der an ihm nach dem derzeitigen Tod seines Vaters Wie vom 6. d. M. aus Piet Retief gemeldet wird, führten Waterstelle bertreten habe, der Familie zu retten. Außerdem die Boeren einen heftigen Angriff auf Smith Dorriens habe er sich im Zustande des Rausches befunden. Die Absicht, Die Vorposten hatten Die Unruhen in Spanien, die sich in Madrid, Valencia, Vorposten bei Bothwell aus. Adami tödlich zu verlegen, habe er nicht gehabt. Barcelona, Valladolid und Granada mehrere Tage ich were Verluste; der Feind wurde jedoch ebenfalls mit Der Staatsanwalt führte u. a. aus, daß Oberlieutenant hintereinander wiederholten, haben einen derart ernsten Charakter i chweren Verlusten aurudgeschlagen. Rüger schon früher zum Trinken und zu Gewaltthätigkeiten angenommen, daß die Regierung beabsichtigen soll, über ganz Lord Kitchener selbst meldet darüber aus Pretoria vom Neigung bewiesen habe. Sein Regiments Commandeur habe Spanien den Belagerungszustand zu verhängen. Es handelt 9. Februar: Die im Often operierenden britischen Truppenabteilungen ihn schon gewarnt: Es wird Ihnen einmal ein Malheur" fich feineswegs nur um Demonstrationen gegen den Grafen Caserta, haben am 6. Februar Ermelo nach geringem Widerstand des Feinds einpassieren. sondern um einen neuen Ausbruch jener beständigen Gärung, die in genommen. Den Friedensunterhändler, der zum Tod verurteilt ist, und Die einfachen, vor bem Kriegsgericht festgestellten Thatsachen ber legten Zeit wiederholt in Straßenfämpfen zum Ausdruck fam, die übrigen Gefangenen haben die Boeren mitgenommen; alle Berichte die sich augenblicklich besonders gegen die Jesuiten und die besagen, daß die Boeren noch sehr erbittert sind. 50 Boeren ber ganzen Borgänge bei dieser taifergeburtstagsfeier pfäffische Miswirtschaft richtet, die aber ihre Wurzeln hat in den haben sich den Engländern ergeben. Am 6. Februar, Taffen jede weitere Stritit überflüfftg erscheinen! traurigen politischen und wirtschaftlichen Gesamtverhältnissen des 3 Uhr morgens, hat Louis Botha mit 2000 Mann den General SmithLandes. Daß die Rundgebungen sich in erster Linie gegen die Dorrien bei Bothwell angegriffen, wurde aber nach schwerem Kampfe Jefuiten richten, findet feine Erklärung in dem Umstand, daß die zurückgeworfen. Geistlichkeit und die Orden an der Werrottung der Zustände ihr vollgerütteltes Maß der Schuld tragen. Zum Eisenbahn- Ueberfall bet Blakfontein Die Reichstags- Erfahwahl in Aachen- Stadt hat, wie nicht anders zu erwarten war, gleich im ersten Wahlgange mit dem Siege des Centrumskandidaten Landtagsabgeordneten Sittart geendet. Aachen ist diejenige Großstadt in Deutschland, die absolut und ver Bemerkt sei, daß den 23 000 Lehrern ca. 60 000 Priester, Mönche werden noch einige Einzelheiten bekannt. Der Zug befand sich unter hältnismäßig die kleinste socialdemokratische Stimmenzahl aufbringt. und Nonnen gegenüberstehen. Wie würde es erst um die Volts- Bedeckung einer Abteilung von einem Offizier und Man dente: eine Stadt mit weit über 100 000 Einwohnern giebt bildung aussehen, wenn jetzt noch wie im Jahre 1787 der Klerus 20 maun, die dem Angriffe der Boeren so lange Widerstand leisteten, bis die Munition vollständig verschossen war. Wehrere noch keine 2000 socialdemokratische Stimmen ab. Bis zum Jahre 187 000 Personen zählte! 1890 betrug die socialdemokratische Stimmenzahl noch nicht tausend; Ueber die Unruhen am Sonntag und Montag liegen Passagiere wurden verwundet. Ein englischer Posten, der sich in der Nähe befand, traf zu spät ein, um Hilfe bringen zu können. dann stieg sie auf 1744, 1893 auf 3029; 1898 fant fie auf 2536 und folgende Telegramme bor: jezt bei der Nachwahl auf unter 2000. Genau steht die Bahl Madrid, 10. Februar. In den späten Abendstunden Die Pest. noch nicht feft; die privaten Ermittlungen schwanken zwischen fam es gestern zu einem 8usammenstoß zwischen Studenten, Der Standard" meldet aus Kapstadt vom 10. Februar: 1708 und 1935 Stimmen. Man muß die amtliche Feststellung ab- die eine antitleritale Kundgebung veranstalteten, Runmehr sind in Kapstadt 13 Erkrankungen und zwei Todesfälle an varten. Die Centrumsstimmen sind jedesmal mit den social- und der Polizei. Zwei Polizeioffiziere wurden durch Stein- Best festgestellt worden. demokratischen Stimmen gestiegen und gefallen. Im Jahre 1887 würfe verwundet; auch ein Student erhielt Verlegungen, 20 wurden hatte das Centrum schon einmal 9000 Stimmen, dann sant es auf verhaftet. Bei den Kundgebungen in Valladolid richteten Die neuefte Tagesverluftliste. 4300 und 5700. 1898 hatte es wieder 8860 Stimmen, 1898 7900 die Studierenden Steinwürfe gegen die Klöster. In Barcelona enthält für Sonnabend folgende Angaben: fünf Tote, fün) und diesmal nur 5135 Stimmen. Prozentual hat das Centrum demonstrierten die Studenten vor dem Priesterseminar unter den Verwundete, 25 an Krankheiten Verstorbene und acht Gediesmal mehr Stimmen eingebüßt, als die Socialdemokratie. Das Mufen:„ Es lebe die Freiheit!", Nieder mit dem Kleritalismus!". fangene. Die Ziffern werden sich in den nächsten Tagen wieder gewaltig rührt zum Teil her von der Wahlenthaltung der wohlhabenden Ge stern abend wurden die Wagen des Nuntius und des Centrumstreise, die mit ihrem Erkorenen, dem beigeordneten Aachener Ministers des Innern mit Steinen beworfen. Vor einer erhöhen! Bürgermeister Klausener, bei der Kandidatenaufstellung gegenüber Buchhandlung explodierte eine Betarde und verursachte einigen der radikalen Centrumsrichtung in der Minderheit geblieben waren. Schaden. " Partei- Nachrichten. meindeprogramms. " Der Volksfreund" sagt, daß Tausende von katholischen Granada, 11. Februar. Die Ruhestörungen haben sich im Kleinbürgern, Arbeitern usw. ebenfalls der Abstimmung sich enthalten Laufe des Tages wiederholt. Manifestanten durchzogen Die focialdemokratische Partei Badens hält am 28. und haben. Es mag darauf von Einfluß gewesen sein, daß Herr Sittart unter den Rufen:„ Es lebe die Freiheit!" und" Nieder mit den 24. Februar eine Landesversammlung in Offenburg ab. Auf der in seiner Rede fich der bestimmten Errklärung zu den Fragen Jefuiten!" die Straßen und bewarfen ein Jesuitent lofter mit Tagesordnung stehen unter anderm Wahltattil und Wahlprogrammi der indirekten Lebensmittelsteuern, der Erhöhung Steinen. Als darauf aus dem Innern des Klosters für die diesjährigen Landtagswahlen und die Beratung eines Geder Getreidezölle und neuer Forderungen für einige Flintenschüsse abgegeben wurden, ftieg die Heer und Marine enthielt. Es ist nun einmal eine That Erregung der Menge aufs höchste. Der Präfett sache, daß in den weitesten Kreisen der christlich- socialen Arbeiter- drang in das Kloster ein und stellte fest, daß die Schüsse schaft eine solche Erklärung erwartet wurde. von zwei Gendarmen, die sich im Kloster befanden, Die Leser erinnern sich des von uns wiederholt erwähnten abgegeben worden waren. Die Menge versuchte nun gegen das Schreibens, worin die Vertreter christlicher Arbeiterorganisationen Kloster vorzubringen, wurde aber von der Gendarmerie auseinandervor der Wahl von dem Centrumskandidaten bestimmte Erklärungen getrieben. verlangten. Herr Sittart gab eine ausweichende Antwort und vertröstete Eine Anzahl Unruheftifter versuchte in eine 28 affen auf eine öffentliche Wählerversammlung. In dieser aber erklärte handlung einzubringen, um sich mit Waffen zu versehen. Der Herr Sittart:„ Ich binde mich nicht! In feiner Frage! Waffenhändler schoß auf die Angreifer. Die Polizei zerstreute die Frei gehe ich nach Berlin!" Er hielt eine jener arbeiterfreundlich Uuruheftifter, von denen einer leicht verwundet wurde. Die Ruhe schillernden Reden, wie man sie aus Centrumsmunde gewöhnt ist, die ist wieder hergestellt. zu nichts verpflichten und in der Regel die erste Sprosse auf der Valencia, 11. Februar. Heute fanden hier in den Straßen Leiter darstellen, deren letzte der limfall ist. neue und gebungen statt, die von dem Deputierten " In der Versammlung trat ein Wortführer der christlich organisierten Hanez geleitet wurden. Die Manifestanten versuchten, ein Kloster Textilarbeiter, Weber Roder, auf, um die Sympathie ber mit Betroleum in Brand zu steden, doch gelang es der Arbeiter" für die Kandidatur Sittart auszudrücken. Von Gendarmerie, dies zu verhindern. Einige andre Klöster der einige Tage früher wahrnehmbaren Entschiedenheit der wurden mit Steinen beworfen. Vertreter christlichsocialer Organisationen gegenüber der Kandidatur Polizeiliches, Gerichtliches usw. Wegen Beleidigung eines Bauunternehmers wurde der verantwortliche Redacteur des Voltsblatts für Anhalt", Genosse Günther in Deffaut, zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. Es handelte sich um einen Artikel im Wolfsblatt", worin unfittliches Verhalten der Bauunternehmer geschildert wurde. Der materielle Inhalt des Artikels wurde erwiesen; die Verurteilung erfolgte wegen formaler Beleidigung. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. Achtung, Metallarbeiter! Der Streit der Arbeiter der Panther Fahrradwerke in Magdeburg, dauert fort. Da in Berlin Ersatzkräfte gesucht werden, so machen wir darauf auf merksam, daß Magdeburg für Fahrradarbeiter aller Art gesperrt ist. pride not got nu bir metaboltasp Die Firma Fltnsch u. Cie. in Leipzig ist infolge von Lohn- differcnzen für Gürtler und Dreher gesperrt. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung. Sattler! In der Trcibriemenfabrik A. Schwarz u. C o. lJnhaber E. Czeika), haben sämtliche dort beschäftigten Sattler, Weber und Hilfsarbeiter, im ganzen 42 Mann, am Momag früh wegen Mahregelnngen die Arbeit eingestellt. Einer Kommission der Arbeiter, die am Montag früh noch einmal mit Herrn Czeika verhandeln wollte, wurde von ihm einfach die Thür gewiesen. Es blieb den Arbeitern unter diese» Umständen weiter nichts übrig, als die Arbeit einzustellen. Herr Czeika, der in der vorigen Woche schon in auswärtigen . Blättern Ersatz für seine Arbeiter suchte, wird gewiß nichts un- versucht lassen, seine Fabrik wieder zu füllen. Wir ersuchen darum die Kollegen, den Zuzug möglichst fern zu halten. Der Bor- st a n d. Deutsches Reich. Die Leipziger Kürschner sind in einen Generalstreik ein getreten. Veranlassung hierzu gab die Maßregelung von fün Arbeitern in einer Rauhwaren-Znrichterei und-Färberei in Wahren die am 28. Dezember v. I. erfolgte. Alle Verhandlungen zwischen der Gehilfenkommisston und den Arbeitgebern sind resultatlos ver- laufen, worauf am Sonntag eine öffentliche Kürschnerversammlung mit 2S6 gegen 84 Stimmen den Generalstrelk beschloß. Die Kürschner erblicken m der Haltung der Meister einen Versuch, die im Vorjahre getroffenen Vereinbarungen zu durchbrechen. In den 4 Geschäften. die dem Arbeitgeberverband nicht angehören, wird weiter gearbeitet. weil diese sich bereit erklärt haben, Gemaßregelte einzustellen. Da eingerichtete Arbeit fertig gestellt werden muß, so wird erst am Dienstag oder Mittwoch eine Uebersicht über den Umfang des Streiks vorhanden sein. In die Acht erklärt. Einem von der Gelsenkirchener Straßenbahn-Gesellschaft entlassenen Schaffner wurde nachstehendes Zeugnis ausgestellt: Gelsenkirchen, den 20. April 1900. Zeugnis. Der Ferdinand S.... zu..... ist am..... 1898 In unsre Dienste eingetreten. Derselbe war bis zum..... 1900 bei unsrer Straßenbahn in Gclsenkirchen als Schaffner und Wagen- führer beschäftigt und schied am..... 1900 nach Ablauf seiner Kündigungsfrist aus unfren Diensten. Seine Leistung war zu friedenstellend. Ueber seine F ü h ru n g ist zu bemerken, daß er gegen die von uns getroffenen dienstlichen Verfügungen ohne unser Vorwissen vor v er sa mm e l t e m'F a h r- personal Stell, ing genonimen und das Fahr personal zur Nichtanerkennung der Verfügung zu beeinflussen gesucht hat. Des weiteren ist über seine Führung zu bemerken, daß er sich gegen einen dienstthuendcn Controleur ungebührlich benommen hat. Im übrige» ist uns Nach tciliges nicht bekannt. Siemens u. Halske, A.-G. Betriebsleitung der Bochum- Gelsenkirchener Straßenbahnen, Gelsenkirchcn. gez.: Behrendt. Wie konnte es auch der Arbeiter wagen, gegen die Verfügungen der Direktion aufzutreten.— Socinles. Fünf Jahre Marken geklebt und doch keine Invaliden rente erhalten hat der invalide Schneider Vägler. Er ist nach Eintritt der Invalidität mit seinen Rentenansprüchen von den zu ständigen Instanzen abgewiesen worden. Als Grund wurde an gegeben, daß er deshalb keine Rentenansprüche habe, iveil er als Fbckschneider nur bei Privatleuten beschäftigt gewesen sei; durch ein Erkenntnis des ReichS-Versichernngsamts aber sei festgestellt, daß Flickschneider, welche nicht in Werkstellen gegen Lohn, sondern für Privatleute in deren Wohnung vorübergehend arbeiten, nicht versicherungspflichtig seien. Der überall abgewiesene Vägler wandte sich»un mit einer Petition an den Reichstag. Er verwies auf seine fünfjährige Beitragsleistung zur Invalidenversicherung und bat um Gewährung der Invalidenrente. Diese Petition gelangte in der letzten Sitzung der Petitionskommission des Reichstags zur eingehendsten Beratung. Es wurde allgemein bedauert, daß an der diesbezüglichen Entscheidung des Rcichs-Versicherungsamts nichts geändert werden könne, wenngleich, wie die socialdcmokratischen Mit- gliedcr.der Kommission hervorhoben, diese Entscheidung nicht der Auffassung der Bevölkerung entspreche. Dem Petenten bleibe unter den obwaltenden Verhältnissen leider nichts übrig, als die Rück- zahlung der eingezahlten Versicherungsbeiträge zu' beantragen, die ihm anstandslos gewährt werden würde. Letztere Ansicht vertrat auch der zur Verhandlung zugezogene Regierungslommissar.— Die Kommission beschloß, mit Rücksicht auf die Bestimmung des Z 2 des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes, welcher den Bundesrat berechtigt, die Verstcherungspflicht auch auf andre, im§ 1 dieses Gesetzes nicht genannte BerufSzweigc auszudehnen, die Peiitio» dem Reichskanzler als Material zu einer Beschlußfassung des Bundesrats im Sinne des 8 2 des Jnvalidenversichenings-Gcsetzes zu überweisen. Gerichts �Seitung. Gegen den„Vorrnärtö" wurde am Montag vor der 7. Straf- kammer des Landgerichts I verhandelt. Die„Strasthat", deren sich unser Kollege Hugo Poetzsch schuldig gemacht haben soll, liegt schon etwas weit zurück. Sie ist am 25. Mai 1899 begangen. An dem genannten Tage brachte unser Blatt einen längeren Artikel über die Verhältnisse der ostpreußischen Landarbeiter. Unter anderm ist auch davon die Rede, daß bei der Invalidenversicherung die ländlichen Arbeiter in Ostpreußen erheblich unter der Unregel« Mäßigkeit des Klebens seitens der Gutsbesitzer leiden. Zur Illustration dieses Mißstandes wird dann ein Fall angeführt und in wenigen Zeilen dargelegt, daß ein Gutsbesitzer R. in Henstischke» einer von ihm beschäftigten Arbeiterin weniger Marken in die Jnvaliditätskarte geklebt habe, als cS»ach der Dauer ihrer Beschäftigung hätte der Fall sein müssen. Durch diese Angabe deS Artikels fühlte sich der Gutsbesitzer Reinhold in Henski'schkcn beleidigt und die Staatsanwaltschaft gab seinem Strafantrag Folge. In der Verhandlung vor der Strafkammer wurden die Aussagen der kommissarisch ' vernommenen Zeugen verlesen. Danach hat Gutsbesitzer Rein- hold behauptet, er habe seiner Klebepflicht regelmäßig genügt. Die Arbeiterin, um die es sich in dem herangezogenen Falle handelt, hat dagegen ausgesagt, ihrer Meinung nach habe der Gutsbesitzer in den beiden ersten Jahren ihrer Beschäftigung zu wenig Marken ge- klebt, denn in den beiden folgenden Jahren, wo sie nicht käufiger gearbeitet habe als in den vorhergehenden, seien die Karten schneller voll geworden, wie in den ersten Jahren. Bestimmte Zahlen und Daten konnte die polnische Arbeiterfrau natürlich nicht angebe». Andre Zeugen hatten ausgesagt, daß die betreffende Arbeiterin ihnen gegenüber schon öfter geklagt habe, ihr würden zu wenig Marken � eingeklebt. Gegenüber dem Staatsanwalt, der eine Geldstrafe von 30 M. beantragte, plädierte Rechtsanwalt Wolsgang Heine für Freisprechung, da der Artikel durchaus nicht die Tendenz habe, jemand zu beleidigen. Es handle sich vielmehr um eine streng sachliche Arbeit, in der ein bestimmter Fall als Beispiel herangezogen werde, und wenn sich nun auch nicht alle Einzelheiteit dieses Vciipiels als zutreffend erwiesen, so könne das ebensowenig strafbar sein, als wenn jemand in einer juristischen Arbeit sich auf ein Beispiel beziehe, welches sich später als nicht ganz zutreffend herausstelle. DaS Gericht stützte sich auf die Zeugenaussage Reinholds, eS hielt deshalb die in Bezug auf denselben aufgestellte Behauptung für nicht erwiesen, also eine Beleidigung für vorliegend und erkannte dem Antrage deS Staatsanivalts gemäß auf eine Geldstrafe von 30 M. und Publikation deS Urteils im„Vorwärts � Ei» Gründerprozest. Die Prozeßverhandlungen gegen den Bankier Otto Karl Paul Wen bland nahmen gestern vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I ihren Anfang. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Müller, die AnNage vertritt Staats anwalt N o Ir i n g. die Verteidigung führt Rechtsanwalt Leonhard Friedmann. Als Sachverständige sind Bankdireklor W e i l I Bankier Oskar Rothschild. Mitglied des Börsenvorstands, und Bücherrevisor Reuter geladen Ferner wohnt der Staatskommissar der Börse Geh. Ober-Regierungsrat Hemptenmacher den Ver- Handlungen bei. Ueber die zu Grunde liegende Anklage haben wir bereit? am Sonnabend berichtet. Der Angeklagte war, wie sich aus seinen Ver- nchmungen ergiebt, bis zum 1. Oktober 1891 Direktor der Hagel- versicherungs-Gesellschast„Germania" mit einem Jahresgehall von 10 000 M. und Tantieme. Aus irgend welchen Gründen schied er vorzeitig aus seiner Stellung und erhielt für Aufgabe seines Kontrakts eine Entschädigung von 80 000 M. Im Jahre 1891 kaufte er die„Allgemeine Börsenzeitung" an, welche etwa 200 Abonnenten hatte. Er kam dann auf den Gedanken, ein Börsengeschäft unter der Firma„Deutscher Bankverein" Eingetr. Genossenschaft m. b. H. zu begründen. Letzterer trat am 13. Juli 1893 seine Thätigkeit an. Der Deutsche Bankverein übernahm die„Allgemeine Börsenztg." für den Preis von 110 000 Mark, während Wendland selbst seiner Zeit nur 12 600 Mark für die Zeitung gezahlt hatte. In Prospekten lud er zur Bildung von Konsortial-Vereinigungen ein. Er pries in den Prospekten seine Geschäftstnchtigkeit, seine erfolg- reiche Spekulationskunst und versprach hohe Erträgniffe aus solchen Konsortial-Spekulationen. Es fanden sich auch eine ganze Anzahl Leute, die bis zu 40 000 M. hinauf bar einsandten, es sind Geschäfte ge- macht worden, bei denen Spekulationspapiere ein- und verkaust wurden. Wie die Anklage behauptet, der Angeklagte aber bestreitet, sind die Gewinne aus diesen Konsortial-Spekulationen den Be treffende» nur zum kleinsten Teil bar ansgeantwortet worden, sondern ihnen nur„gutgeschrieben". Von den Konsortial beteiligten soll eine Summe von circa 123 000 Mark ver- lorcn' worden sein. Das Jahr 1895 soll ein besonders un- glückliches Spekulationsjahr gewesen sein. Der deutsche Bankverein hatte keine Betriebsmittel mehr und um solche sich wieder zu beschaffen, soll der Angeklagte den„Dcutschen Bank' verein Panl Wendland Kommanditgesellschäst auf Aktien" gegründet haben. Dieser trat dann am 16. Juni 1896 an die Stelle der Genossen schaft. Nach der vom Bücherrevisor aufgemachten Berechnung sind dem Angeklagten in der Zeit von 1891 bis 1899 aus den ver- schiedenen Gesellschaften, die er gegründet, 217 477 M. an Tantiemen, Gehältern, Geschäftsanteilen ec. zugeflossen, dazu kommen die 110 000 M., die er für den Verlag der beiden Zeitungen sich be- rechnet hat. Wo diese Summen geblieben sind, ist nicht aufzuklären. Den letzten Rest der der Kommanditgesellschaft zur Verfügung stehenden Barmittel hat wieder eine neue Gründung des Angeklagten, die„Pankower Park-Tcrrain-Gesellschaft", entzogen. Dieselbe hat 620 000 M. gekostet. 130 000 M. sind anzuzahlen gewesen, in Wahr- heit sind aber nur 50 000 M. bar angezahlt, während der Verkäufer 80 000 M. als Provision der Kommanditgesellschaft anrechnete. Aus dieser Parkgescllschast ist nichts geworden. Eine andre besondere Gesellschaft lvurde dann noch begründet, um auf dem Terrain ein „Kurhaus für Nervenkranke" zu errichten. Der Deutsche Bankverein Com.-Ges. soll schon seit dem Herbst 1898 nur noch ein Scheindasein geführt haben, so daß der Angeklagte schon wieder mit den> Gedanken an eine neue Gründung umging, durch die er vielleicht neue Mittel zu erlangen hoffte. Am 31. Mai 1899 wurde der Konkurs eröffnet, am 14. Juni 1899 aber wegen unzureichender Masse wieder aufgehoben. Am Tage der Konkurs- eröffnung war der Deutsche Bankverein an rückständigen Effekten 160,160 Mark schuldig, die Teilnehmer an den Äonsortialgeschäften der Jahre 1896 bis 1898 hatten 123.900 Mark zu fordern und endlich sind die Akticnzeichner mit 258,000 Mark in Mitleiden- schaft gezogen worden. Der Bücherrevisor Renter hat sogar herausgerechnet, daß im ganzen eine Summe von 735 000 M. ver- lorc» gegangen sei. Mit der Erörterung der Fragen der Buchfübrimg und der weiteren Frage, ob Wendland, ohne dessen strikte Anweisung nichts gemacht wurde, für die mangelhafte Buchführung verant- wörtlich sei, schloß die gestrige Verhandlung ab. Sie soll Dienstag 'ortgesetzt werden. »« « Der jetzige Inhaber der„Allg. Dörsenzeitung" bittet um die Mitteilung, daß er die Zeitung beim gerichtlichen Verkauf für mehr als 1500 M. gekauft, mit dem Angeklagten nie in irgend einer Ver- bindung gestanden habe und daß die Zeitung keinerlei bankgeschäft- liche Transaktionen vornimmt. Beleidigung durch die Preffe wurde den Redacteuren Karl Günther von dein„Verl. Tagebl.", Gottheit M eher von der„Berl. Abendpost", Heinrich Engel vom„Rcichsboten" und dem Journalisten Berlhold Sparr zur Last gelegt, welche zestern vor der ersten Strafkamnier des Landgerichts 1 standen. An- angs Mai 1900 erschien in den drei vorgenannten Blättern eine alis Güsten im Anhaltischen datierte Notiz des Inhalts, daß bei der Güstener Kämmercilasse ein Fehlbetrag von 25 700 M. entdeckt worden sei. Die mit der Prüfung betraute Kommission habe die Bücher und Rechnungen der Verfügung des Magistrats entzogen und der Bürgermeister Olfe und der Stadt- rat Steffens seien während der Daner der Untersuchung von ihren Aemtern suspendiert worden. Diese Mitteilung, die dem„Reichs- boten" vom Milangeklagten Sparr zugegangen, von de» beiden andren Zeitungen aus einem anhaltischen Blatte enommen war, soll nicht in allen Punkten den wahren Thatsachen entsprechen; die beiden genannten Güstener Beamten hatte» deshalb Strafantrag wegen Be- leidigung gestellt. Die Angeklagten tvurdcn sämtlich vom Rechtsanwalt Masse verteidigt. Durch die Beweisaufnahme wurde zivar erwiesen, daß bei der Güstcner Kämmereikasse erhebliche Unregelmäßigkeiten vorgekommen ivaren, es ist aber bisher nicht festgestellt worden, daß dies auf ein strafrechtlich zu ahnendes Verschulden der beiden genannten Beamten zurückzuführen ist. Auch war die Behauptung, daß dieselben einsttveilen von ihren Aemtern suspendiert seien, nicht zutreffend, wohl aber hatte die Güsteuer Stadtverordneten- Versammlung einstimmig einen dahingehenden Antrag gestellt, der indessen vom Oberpräsidcnten nicht genehmigt worden ist. Den Aussührungen des Verteidigers, daß der Wahrheitsbeweis im ivesentlichcn erbracht sei und die Angeklagten sich außerdem Wahrnehmung berechtigter Interessen befunden hätten, konnte der Gerichtshof nicht beitreten. Durch den Inhalt der beanstandeten Artikel müsse in dem Leser der Glaube erweckt werden, die beiden Beamten seien die Schuldigen, während dies erst durch ei» vielleicht zu eröffnendes Disciplinarverfahrcn untersucht werde» olle. Dies sei zweifellos schwer beleidigend, mit Ltücksicht� auf die ganze Sachlage seien de» Angeklagten aber mildernde Umstände zu- gebilligt worden. Günther lvurde' zu 50, Meyer zu 75, Engel zu 100 und Sparr zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Außerdem wurde de» Beleidigten die Publikationsbefugnis in der üblichen Form zu- gesprochen. Vom Unternehmer ausgebeutet. Ein grelles Streiflicht auf die Ausbeutung der Kinderarbeit warf eine Verhandlung vor der Strafkammer zu Schweidnitz. Dort hatte sich der Kaufmann Friedrich Rotbmann, der früher Leiter einer Putzwollfabrik zu Reichuibach in Schlesien war, wegen Uebertrettmg des � 135 der Gewerbe- Ordnung zu verantworte». Der an« geführte Paragraph verbietet die Beschäftigung von Kindern unter 13 Jahren in Fabriken. Rothmann hatte diesem Verbot entgegen Kinder zum Zupfen von Wolle verivendet, denen er pro Ballen 50 Pfennige Lohn gab. Da sie mit dieser Arbeit eine halbe Woche zu thun hatten, so betrug ihr Wochenlohn — eine Mark. Rothmann wurde der Nebertretung der Borschrist des§ 135 für schuldig erachtet und zu 150 M. Geldstrafe eventuell 15 Tagen Gefängnis verurteilt. In dem Urteil wurde besonders gerügs.daß die Arbeitskräfte der Kinder in geradezu unerhörter Weise gegen einen zu ihren Leiswngen in keinem Verhältnis stehenden Lohn ausgebeutet worden find"._ Schutz vor Schutzleute»! Die AmtSsergeanten Peter Przymber und Leo M e n z I e r. beide ouS D o m b OVSchlesien, hatten im Oktober vorigen Jahrs einen verhafteten Arbeiter auf der Polizeiwache derart mit Ohrfeigen und Fußtritten traktiert, daß sie am 8. d. M. von der Beuthener Strafkammer zu zwei bezw. vier Monaten Gefängnis verurteilt wurden. China. Der Paradefeldmarschall. Nach einem Telegramm des„Standard" aus Tientsin vom gestrigen Tage hat dort eine Parade der gesamten deutschen Garnison stattgestmden. Graf Waldersee inspizierte die Truppen, die sich in vorzüglicher Verfassung befanden und einen prächtigen Eindruck machten. Namentlich erregte die berittene Infanterie auf ihren chinesischen Ponies, eine Truppe, welche sich gerade für den Dienst in China besonders eignet, große Aufmerksamkeit. Graf Waldersee wird demnächst auch die vierte englische Brigade besichtigen und dann in Schanhaikwan einen Be- such abstatten. Vom Hof. Aus Peking wird vom 10. Februar gemeldet: Li-Hung-Tschang hat erklärt, zwischen dem Kaiser Knang-sü und der Kaiserin Tsuhssi herrsche jetzt größere Eintracht als je zuvor. Die Kaiserin gebe die Notwendigkeit von Reformen im modernen Sinn zu. An den chinesischen Hof telegraphierte Li-Hung-Tschang, die Weigerung deS Hofes, den über die Würdenträger'verhängten Todesurteilen zu- zustimmen, sei von der höchsten Gefahr für die Dynastie selbst. Rückgabe der französischen Beute. Nach einer Meldung auS T o u l o n werden gemäß den Anord- nungen der Negienmg nunmehr die vom General Frey ans China nach Frankreich gesandten B e u t e st ü ck e von Marseille noch Toulon gebracht, um mit einem Transportschiff nach Ostasien zurücktränsportiert zu werden. Uetzke Mstchvichken und Depeschen. Ein großer Dachstuhlbrand wütete Montagabend Wormscr- straße 3 in Charlottenburg. Er entstand angeblich durch Unvorsich- tigkeit eines Klempners, der auf einer Bodenkammer gegen Abend gelötet hatte. Als das Feuer bald nach 8 Uhr bemerkt wurde. hatte es schon einen solchen Umfang angenommen, daß bei dem kurz darauf erfolgten Eintreffen der Charlottenburger Wehr bereits der gesamte Dachstuhl des zehn Fenster Front haltenden, fünf- stöckigen Vorderhauses in Flammen stand. Zu der schnellen Ver- drcitimg des Elements trug der Umstand viel bei, daß ein im Hause wohnender Schlächter für etwa 1000 M. Wurst- und Fleischwaren in einem Bodenraum aufbewahrte,- die gierig von den Flammen erfaßt wurden. Brandmeister Leupold ließ sofort mit mehreren Dampfspritzen- uno Hydrantenrohren über zwei mechanische Leitern sowie über die Treppen vordringen und brachte nach l'/estündiger Arbeit das auch auf das Seitengebäude übergesprungene Feuer zum Stehen. Doch zog sich die vollständige Abloschung und Aufräumungsarbeit noch stundenlang hin, Abgesehen von dem großen Hausschaden haben auch Mieter und Dienstboten starke Verluste durch den Brand erlitten. gegen den Brotwucher. Die Hamburger Bürgerschaft Hamburg, 11. Februar.(W. T. B.) In der Hamburger Bürgerschaft brachten Patow und zwanzig andre, allen drei Frakttonen der Bürgerschaft ungehörige Mitglieder folgenden Antrag ein: In Anbetracht, daß die Zölle auf unent- behrliche Lebensmittel, welche die weniger bemittelten Be- völkerungsklassen am schwersten treffen, in Deutschland bereits ctzt sehr hoch sind und bei Brotgetreide etwa ein Viertel des Wertes ausmachen, in anbetracht, daß jede weitere Erhöhung dieser Zölle den Absatz der Erzengnisse des dcutschen Gewerbeflcißes im Jnlande durch die Verringerung der Konsnmfähigkeit, im Auslände durch die Erschwerung des Abschlusses günstiger Handelsverträge beeinträchtigen und damit die Arbeitsgelegenheit vermindern müßte, in Anbetracht, daß ein derartiges Vorgehen mit der weitblickenden, auf Förderung des Wohls der arbeitenden Klassen gerichteten Gesetz- gebnng des Deutschen Reichs imWiderspruch stehen und zur Verschärfung der socialen Kämpfe führen würde, richtet die Bürgerschaft an den Senat das Ersuchen, mit allem Nachdruck jeder Erhöhung der Zölle auf notwendige Lebensmittel entgegenzuwirken." Agraricrpolitit in Ungar». Budapest, 11. Februar. Der Senat berät das Budget des Acußern. Graf d'Aunah spricht über die Lage in China, welche ihm Gefahr von Verwickelungen in sich zu schließen scheine, er befürchtet, daß die Mächte dahin gelangen würden, die Integrität Chinas anzu- lasten. Delcasss erwidert, die von ihm mehrfach ergriffene Initiative habe stets die Wiederherstellung der normalen Lage der Dinge zum Ziel gehabt. Durch die Zustimmung der Mächte zu den französischen Vorschlägen seien die Interessen jeder derselben gewahrt. Die Ereignisse hätten bcwieseu, daß die Mächte die Auf- rechterhaltung der Einigkeit unter ihnen allem andern voranstellen. Die Bedingungen der Mächte seien angenommen, es handle sich nur darum, deren Ausführung durchzusetzen. Wir bleiben eutschlossen, ahrt Delcasss fort, eine angemessene Genugthuung zu erlangen. und wollen unsre Truppe» schnellstens abberufen, werden dies aber erst thun, wenn die Lage wieder normal geworden sein wird. Demonstrationen in Madrid. Madrid, 11. Februar.(W, T. B.) Vor der Universität, deren Thore geschlossen ivaren, erschienen heute eine Anzahl Studenten und erhob Widerspruch dagegen, daß man aus Anlaß der Hochzeit der Prinzessin von Asturien die Vorlesungen ausfallen laste. Von der Universität zogen die Studenten unter dem Rufe„Nieder mit den Jefniten" zum Prado. An der Puerta del Sol sammelte sich heute ein Volkshaufe zu einer Kundgebung gegen die Redaktion des„Pais". Stadtsoldaten versperrten demselben jedoch den Durchzug. Auf die Polizeibeamten wurde sodann mit Steinen geworfen und einer derselben verwundet. Eiuige Studenten wurden verhaftet. PariS,� 11. Februar.(23. T. B.) Der„TempS" meldet, das Marineministerinm sei mit einem Gesetzentwurf betreffend die Ver- mrhrnng deS Mannschaftsbestands der Flotte beschäftigt, da der gegenwärtige Akannschaftsstand nach der Durchführung des Pro- grammS der Flottenverstärkung unzureichend sein werde. Vorläufig tverde die aktive Dienstzeit der Flottenniannschaftcn auf 56 Monate festgesetzt. Petersburg, 11. Februar.(B. H.) Ueber Kiew ist der kleine Belagerungszustand verhängt worden. Die Behörden erteilten die Weisung, bei etwaigem Widerstande der Demonstranten die Hilfe des Militärs anzurufen. Sofia, 11. Februar.(W. T. B.) Bei den gestrigen Sobranje- Wahlen wurden 58 Anhänger der Regierung, 31 Zankowislen, 27 Demokraten. 23 Stoiloivisten, 13 Agrarier und 5 RadoSlawisten gewählt. Drei engere Wahlen sind erforderlich; ein Wahlrcsultat steht noch auS._ Lerantwortl. Redakteur- Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke w Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hier»,,»Beilagen n. Uuterhaltmigsblatt. st. 36. i8. z-htMg. 1. Wage lies Dmarts" Kttlmer Nolksblat!. Siensw. 12. MM 1961. Aeichsksg. 46. Sitzung vom Montag, den 11. Februar 1001, nachmittags 1 Uhr. Am BundeZratstische: Nieberding, Freiherr v. Thiel- mann. Die zweite Beratung des Justiz-EtatS wird bei den„Fort- dauernden Ausgaben" fortgesetzt. Dieselben werden debatte- loS genehmigt, ebenso die Einnahmen. Es folgt die zweite Beratung deS Etats des ReichSfchatz» a m.'t s. Bei den fortdauernden Ausgaben, Titel „Staatssekretär" beklagt sich Abg. Bassermann(natl.) über die Handhabung des Stempelsteuer-Gesetzes. Abg. Dr. Böckcl(Antis.): Unsere R e i ch Z s ch u l d steigt allmählich ins ungemessene, und schon wieder steht eine Reichsanleihc von 370 Millionen Mark in naher Aussicht. Uusre Finanzwirtschaft ist eine derartige, dab man nur den Kopf schütteln kann. Besonders unangebracht war die Regelung der letzten Anleihe in Amerika. Man denkt bei der Anleihewirtschaft gar nicht an die Zukunft, eS fehlt jedes rationelle System. Ein Staat nach dem andern fabriziert eine neue Anleihe. Auch m Preußen wird jetzt eine Riesenanleihe nötig durch die Annahme der Kanalvorlage, die ganz sicher erfolgen wird. Wohin soll denn dieseWirtschaft führen? Möge das Reichs-Schatzamt endlich ehrlich sagen, wir sind verfahren, es hilft nichts, wir brauchen neue Steuern. Aber der Herr Staatssekretär sitzt vergnügt dabei und trägt einen Humor zur Schau, um den ich ihn beneide.(Heiterkeit.) Er scheint seine Ver» autwortun-z ziemlich leicht zu nehmen, oder vielleicht kann er uns einen ArbcttSplan für die Zukunft entwickeln. Einen solchen Plan müssen wir vor allem verlangen. Heute sehe ich nur wachsende Verschuldung und Abhängigkeit von der Börse, die jetzt schon Revision des Börsengesetzes in ihrem Sinne verlangt. Abg. Dr. Oertel(k.): An die Annahme der Kanalvorlage glaube ich nicht, vielleicht ist Herr Böcke! besser unterrichtet über das, was „hinter den Coulissen gemimt ist", wie er sich auSdritckle.— Die Anleihewirtschast ist gewiß kein schöner Zustand, aber auch der Herr Vorredner hat keine großen neuen Gesichtspunkte zur Abhilfe dieses Zustands anführen können. Er hat von neuen Steuern ge- sprochen, aber er selbst würde wohl gegen jede vom Reichs-Schatzamt vorgelegte Steuer stimmen. Für die Erhöhung der Matrikularbeiträge sind die Einzelstaaten nicht zu haben.— Ich meinerseits wollte den Herrn Staatssekretär mit bitten, dafür zu sorgen, daß die Vor- bercitungen zum neuen Zolltarif und Zolltarifgesetz möglichst beschleunigt werden. Das„Berliner Tageblatt" vom Sonnabend schrieb, es sei vollkommen ausgeschlossen, daß vor Mitte Mai der Zoll tarif an den Reichstag gelangen könne. Weiter hieß es in dem Artikel, daß die Begründung der einzelnen Po- sitionen bei der Abgabe des Tarifs an das Reichs- schatzamt so mangelhaft gewesen sei. daß die Arbeit noch einmal gemacht werden müsse.— Ich halte es für sehr wichtig, daß Klar- hcit darüber geschassen wird, daß das Reichsschntzamt mit diesen Nachrichten, die dem„Berl. Tageblatt" von„wohlunterrichteter Seite" zugegangen sein sollen, nichts zu thun hat.(Bravo! rechts.) ReichS-Schatzsekretär v. Thielmann: Ueber die Borarbeiten zum Zolltarif sind nicht allein im„Berk. Tageblatt", sondern auch in einer Reihe andrer Blätter seit Jahres- frist von Zeit zu Zeit irrtümliche Nachrichten aufgetischt worden. Hätte ich alle diese mißverständlichen Nachrichten sofort dementieren wollen, so hätte ich die Arbeitskraft meiner Räte mehr auf die Dementis verwenden müssen als auf den Zolltarif.(Heiterkeit.) Ich habe nmsomehr davon abgesehen, da ja bereits aus andrem Munde hier bekannt geworden ist, daß der Abschluß der Bor- arbeiten znm Zolltarif im Reichsschatzamt in allernächster Zeit zu erwarten ist. Die Neichsdruckeret arbeitet so zu sagen Tag mid Nacht, um den Druck fertigzustellen; im Neichsschatzamt arbeite» seit Jahresfrist alle irgendwie verfügbaren Kräfte an dem Zolltarif. DaS Reichsamt des Innern hat ja selbstverständlich zu einem erheb- lichen Teil zu den Vorarbeiten beigetragen, nicht aber in der Weise, daß es den Tarif und seine Begründung ausgearbeitet und dem Reichsschatzamt zur Nachprüfung unterbreitet hätte, sondern beide Aemtcr haben von jeher vollkommen ein- trächtig einander in die Hände gearbeitet. Ich hoffe, daß in sehr kurzer Frist die Sache an andre Instanzen, die noch in Frage kommen, abgegeben werden kann, und hoffe ferner, daß diese Instanzen den Zolltarif in Nirzeftcr Frist an den Bundesrat gelangen lassen. Ueber den genauen Termin kann ich heute nichts sagen. Die Notiz im„Berliner Tageblatt" von der ungenügenden Begründung deS Zolltarifs ist ganz unrichtig! Wenn zwei Aemter einander Stoff zutragen, so ist es selbstverständlich, daß jedes den Stoff, den das andre ihm bringt, erst gründliw durcharbeiten muß. Das ist auch hier geschehen. Von irgend welcher Unbrauchbarkeit des Stoffs ist kein Wort wahr. Was meine Be- Ziehungen zum„Berliner Tageblatt" betrifft, so kann ich nur sagen, daß ich dies Blatt, wie alle Berliner Blätter, soweit es meine Zeit erlaubt, jeden Vormittag lese. Einen Berichterstatter des„Berliner Tageblatts" habe ich nicht empfangen, und soweit mir bekannt ist, hat auch kein Beamter des Reichs-Schatzanits einem solchen Bericht- erstattet Aufklärung gegebe». Abg. Dr. Paasche(natl.): Herr Dr. Böckel hat ein solches Bild von der deutschen Finanz- Wirtschaft entworfen, daß es den Eindruck erwecken muß. als fei der Kredit deS Deutschen Reichs im Ausland gleich Null. Das ist nicht der Fall und die Ausführungen deS Dr. Bockel sind stark übertrieben. Er sagt, es müsse ein andres System kommen. Mit Reden ist nichts gcthan, er muß auch die Mittel der Schuldentilgung angeben können. Abg. Speck