Nr. 38. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Prets pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Post: bonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Poft Beitungss Preisliste für 1901 unter Br. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich aufer Montags. 110 Vorwärts Berliner Dolksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions- Gebuye beträgt für die sechsgespaltene Koloner zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für Die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Bocialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Das Fiasko der Weltfeldmarschallschaft. Dem glorreichen Ostafienzuge des mit Vorschußlorbeeren überschütteten Weltfeldmarschalls werden die Totenglocken geläutet. Es " Donnerstag, den 14. Februar 1901. 3 Politische Weberlicht. Berlin, den 13. Februar. Der Reichstag Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. bewies, was schon Paasche bewiesen, daß die Nationalliberalen fromm geworden sind. Das Spiel endete, wie nach dem Parteiverhältnis vorauszusehen: die Resolution wurde angenommen; gelehnt die Chinarelittenvorlage, die der Reichstag, der Zusazantrag abgelehnt. Ebenfalls wurde aberst im Rahmen einer einheitlichen Regelung des gesamten Militär- Versorgungswesens bewilligen will. Nächste Sigung: Freitag. Tagesordnung: britte Lesung der Chinavorlage und Bostetat. Ministerieller Reichstagsboykott. waltet ein tragisches Geschid über den Ostastenfahrten Deutschlands. erlebte heute einen seiner interessanten Tage, was sich schon So wenig es dem Prinzen Heinrich vergönnt war, nach den äußerlich in dem immerhin bedeutend stärkeren, wenn auch Worten seines gekrönten Bruders den Lorbeer unt feine taum als start zu bezeichnenden, Besuche des Hauses aus junge Stirn zu flechten, so wenig Ivar es dem mit drückte. der neuen und erhabenen Würde der Weltfeldmarschallschaft Interessant war gleich das Vor- und Zwischenspiel, das belehnten Grafen Waldersee vergönnt, auch nur einige die heutige Sigung eröffnete. In einer scharf zugespizten fleine Reiser jener überreichen Lorbeerspende zu verdienen, Erklärung wies vor Eintritt in die Tagesordnung Heine mit der man ihn bereits bei seiner Abreise nach dem die Angriffe zurück, die in dem Dreiklassenhause, wo Schauplatz der von ihm erwarteten Thaten überhäuft hatte. feine Vertreter des arbeitenden Volks fizen, der preußische Als der Weltfeldmarschall chinesischen Boden betrat, war der Wider- Justizminister Schönstedt gegen ihn gerichtet hat. Bei der stand der chinesischen Kerntruppen in Tientsin längst gebrochen, dritten Lesung des Reichs- Juſtizetats, erklärte Heine, werde mählich zu einer Stätte auszugestalten, von der herab preußische Die Tribüne des preußischen Abgeordnetenhauses scheint sich allflatterten über Betings Mauern bereits die Fahnen der andren er mit dem Justizminister abrechnen. Es soll uns wundern, Minister sich in antwortssicheren Angriffen gegen Mitglieder des Mächte. Zu großen Thaten bot sich dem Generaliffimus beim besten ob der Herr am Blake fein wird. In seiner neulichen Rede Reichstags ergehen. Nachdem kürzlich der Justizminister Schönstedt Willen keine Gelegenheit mehr, er mußte sich damit begnügen, die im Abgeordnetenhause hat er eine ebenso merkwürdige wie von dort seine Beleidigungen gegen unfren Genossen Heine geschleudert bisher nur als Sport betriebenen Bogerjag den mit der Gründe brünstige Abneigung gegen die Rolle eines Kugelfangs" an hat, verschmähte es am Mittwoch sein Kollege vom Ministerium des lichkeit eines deutschen Strategen zu organisieren. Möglich, daß das den Tag gelegt.... schaudernde Landvolk der Provinz Petschili noch in hundert Jahren In einer kurzen Debatte wurde der Rest des Etats der Innern, Freiherr v. Rheinbaben, nicht, in ähnlicher Weise von diesen Expeditionen erzählt, aber in den Annalen der Kriegs Reichs Eisenbahnverwaltung erledigt. gegen den Abg. Die Abg. Müller- Meiningen wegen seiner bekannten geschichte werden diese Streifzüge schwerlich eine Erwähnung finden. China- Vorlage warf bereits ihre Schatten voraus: im Reichstagsrede über die Theatercensur zu Felde zu ziehen. Den Hierzu tam noch, daß die meisten Mächte sich nach der An- Hinblick auf das Heidengeld, das das China- Abenteuer kostet, erschien Herr Brefeld, um zu dem Bueck- Briefe zu sprechen, noch Reichstag haben die preußischen Minister anscheinend boykottiert. Weder funft Walderfees beeilten, ihre Truppen zurückzuziehen, hat die Kommission die zweiten und dritten, für das hielt es Herr Schönstedt der Mühe für wert, der Beratung des so Rußland, Amerita und Japan, also gerade die Mächte, Extra- Ordinarium", d. h. die außerordentlichen Etats des Reichs- Justizamts beizuwohnen, und Herr v. Rheinbaben die im ersten, ernstlichen Teil des Kriegs die führende Rolle gespielt Ausgaben, geforderten Raten überall da gestrichen, wo die endlich begnügte sich damit, zur Beratung des Antrags über die hatten. Der Weltgeneralissimus war außer auf die eignen Truppen ersten Raten noch nicht aufgebraucht sind. Das Haus ließ endlich begnügte sich damit, zur Beratung des Antrags über die Theatercensur zwei nervöse Geheimräte zu entfenden. Der lediglich noch auf die wenig zahlreichen- englischen und sich durch Herrn v. Thielens wehmütige Klagen nicht bewegen, Reichstag ist den preußischen Minister Partitularisten offenbar undie französischen Truppen angewiesen. Aber der diplo den Beschluß seiner Kommission umzustoßen. matische haber bei den Friedensverhandlungen angenehm; sie haben noch vormärzlichen Breußenstolz. wurde nicht nur immer wüster, sondern auch die Disciplin b. h. ihre zweite Lesung. Und nun kam sie selbst heran, die Chinaborlage, Bevor irgend ein Redner aus dem Hause zu Worte tam, erhob der dem Oberstkommandierenden noch unterstellten Truppen I oderte natürlich bei der ersten Beratung geschlagen worden. Die Schlacht um sie war fich am Mittwoch bei der Beratung des Etats des Ministeriums des So wird der Rh.- Westf. 3tg." jegt aus entbrannte heute nicht sowohl der Kampf um die China- baben, um sich über die Theatercensur zu äußern. Er ist stolz darauf, sich mehr und mehr. So Innern zum Titel Ministergehalt der Polizeiminister Frhr. v. RheinBaris gemeldet, daß Graf Waldersee vergebens gegen die vorlage selbst, die vielmehr mit den dazu gehörigen ben Reichstags- Verhandlungen ferngeblieben zu sein, weil er durch franzöfifche Expedition nach Paotingfu protestiert habe, der Medaillen glatt durchging, sondern um eine Resolution, diese Demonstration Front machen zu können glaubt gegen das Be französische General Bailloud habe Walderfee gegen die die Budgetkommission vorschlug, und einen 3us aftreben gewiffer Elemente", im Reichstage über alles mögliche zu über seine Unabhängigkeit betont. Das hatte gerade noch gefehlt! antrag, den unsre Fraktion zu dieser Resolution be reden, was garnicht zur Kompetenz des Reichs gehört. Wir laffen Es ist deshalb auch verständlich, daß jetzt fogar die antragte. offiziösen Blätter an der Mission des Weltfeldmarschalls es dahingestellt, ob die Theatercensur eine Reichsangelegenheit ist Die Resolution der Kommission ist aus dem Geiste ge- oder nicht, jedenfalls hat die Vertretung des deutschen Volks nicht zu verzweifeln beginnen. Nachdem gestern die Berliner boren, der, ein ekles Mischding zwischen Frömmelei und nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die Misstände, die Neusten Nachrichten" die Thätigkeit Walderfees als seiner Weltpolitisiererei, die Rechte und mehr noch das Centrum im längst nicht mehr würdig bezeichnet hatten, giebt heute beseelt. Sie verlangt, daß in dem Vertrag, der wann, Mittel zur Abhilfe zu fimen. Reiche hervortreten, zu fritifieren und auf gesetzliche die Kreuz 8tg." ihrem Aerger über den endlosen das mögen die Götter wissenden chinesischen Wirren ein ob Umgekehrt ist es fraglich. Jammer der diplomatischen Friedensfarce Ausdrud. Ende machen soll, die Freiheit des christlichen Beheiten einzuwirken, namentlich wenn ein Bundesstaat berechtigt ist, auf Reichsangelegen" In China gehen die Verhandlungen ihren schleppenden tenntnisses in China ausbedungen und das ist das Bundesstaat handelt, der mit dem Reiche beinahe zusammenfällt. cs sich um denjenigen Gang weiter. Des Generalfeldmarschalls Grafen Entscheidende die chinesischen Christen unter den und gerade, nachdem erst vor wenigen Tagen das Abgeordnetenhaus Baldersee Lage erscheint dabei keineswegs Schutz der Vertragsmächte gestellt werden. beneidenswert und wir bewundern die Umsicht, mit fich mit dem Zolltarif beschäftigt und nachdem in die Debatte dar welcher er seine schwierige Position zu behaupten versteht.... Zu dieser Resolution beantragte unsre Fraktion einen über sogar der Ministerpräsident eingegriffen hat, hätte Herr Der diplomatische Streit in Pefing um die Köpfe Bujazz, der den Missionaren die Verpflichtung v. Rheinbaben den Reichstag nicht unter seine Theatercensur stellen der Schuldigen dürfte ein Unikum in den Annalen auferlegen sollte, sich nicht in die socialen und poli- sollen. der Diplomatie darstellen. Man wird tischen Verhältnisse einzumischen und nicht die Was Herr v. Rheinbaben über die Theatercensur selbst sagte, ist längere Zeit in China gelebt haben müssen, um Ieidung chinesischer Mandarine zu tragen. Die faum der Erwähnung wert. Es waren die landläufigen Anden Handel natürlich und notwendig zu finden. Von Europa lettere Forderung ist natürlich nicht etwa dem Geist kleinlicher schauungen über Kunst, wie sie jeder beliebige Bolizist ebenso hätte aus angesehen, erscheint ein früherer Abschluß Etikette entsprungen, sondern wendet sich gegen die beliebte vortragen können. Geändert wird an dem jetzigen Zustand nichts werden, der Verhandlungen wichtiger als ein getöpfter Methode namentlich der katholischen Missionare, Herr Dumrath foll gerade wegen der gegen seine Amtsführung er Chinese mehr. Doch, wie gesagt, wir bescheiden uns und sich den Amtscharakter chinesischer Beamten hobenen Angriffe an seiner Stelle bleiben, weil der Minister in erheben nicht den Anspruch, in diesen vielleicht sehr wichtigen Dingen beizulegen oder beilegen zu lassen. seinem ritterlichen Edelmut seine schützende Hand über ihn aus" wohl In einer trefflichen Rede vertrat Bebel den Antrag zubreiten für seine Pflicht hält. Beamten der als Kenner aufzutreten." Aus diesem Erguß der Kreuz- Zeitung" flingt nicht minder unsrer Partei. Unwiderleglich und auf unanfechtbare Wichtiger waren die Auslassungen des Ministers über die unter deutlich wie aus dem gestrigen der Berliner Neuesten Nachrichten" 3eugnisse der allerneuesten Zeit, die aus seiner Berwaltung geübte Handhabung des Bestätigungsder Stoßfeufzer heraus: Es ist endlich genug der Blamage gut bürgerlichen Kreisen stammen, beleuchtete Bebel rechts. Abg. Nichter( freif. Wolfsp.) brachte eine große. denen zur Sprache, in und höchste Beit, daß der Komödie der Weltfeld- das verhängnisvolle Treiben der Missionare der Reihe von Fällen marschallschaft ein Ende gemacht wird. verschiedenen Glaubensschattierungen in China, jenes Treiben. Selbstverwaltung teils aus politischen Gründen, teils ohne erWie anders klang das noch vor einigen Monaten! das in allererster Linie die Schuld an den gegenwärtigen tennbaren Grund die Bestätigung versagt war. Die Fälle felbft find Höchst interessant ist aber eine Zuschrift, die die heinisch- chinesischen Wirren trägt. Was würde man sagen, fragte er aus der Preise hinreichend bekannt. Frhr. v. Rheinbaben stellt Westfälische Beitung" von„ gut unterrichteter Stelle" aus die Herren vom Centrum und von der Rechten, wenn hier sich wenigstens nicht auf den Standpunkt seines Amitsvorgängers ,. Berlin erhält. Dieselbe lautet: in Deutschland fremde Missionare Schelme, die zu ihrer des seligen Freiherrn v. d. Stecke; er enthält dem Hause nicht die, " Der Verlauf der Ereignisse in China hat den Religion übergetreten, ihren ordentlichen Richtern entziehen Gründe vor. Um so mehr müssen die Gründe felbst das Erstaunen Kaiser tief verstimmt, insbesondere hat er kein Hehl daraus wollten? der Oeffentlichkeit erregen. Mit dankenswerter Offenheit hat er das gemacht, daß er über die Haltung Rußlands, Frankreichs und Mit abgestandenen Phrasen von der Pflicht" der Kultur- Land darüber aufgeklärt, daß wegen Ablehnung einer Duellforderung Amerikas gegenüber der Kommandogewalt des Grafen völfer", andren ,, tiefer stehenden" Nationen das Christentum entlassene Reserve- Offiziere ebenso unwürdig find, Stadträte oder Waldersee entrüftet set. Diese Mächte hätten, obschon mit zu bringen, suchten der fonfervative Graf Stolberg- Wernige Beigeordnete zu werden, wie vorurteilslose Männer, die ohne selbst aller Reserve, den Grafen Waldersee zum Oberstkomman- rode und der ultramontane Dr. Ba ch em Bebel zu widerlegen, Socialdemokraten zu sein, doch im gegebenen Falle für die Wahl eines dierenden erst zwar acceptiert, dann aber allerhand Ein- während Dr. Müller- Sagan namens der freisinnigen Volks- Socialdemokraten einzutreten erklären. Grundsätzlich freilich, meinte schränkungen gemacht, die das deutsche Oberkommando partei Bebel wesentlich recht gab und nur gegen den zweiten, auf die Frhr. v. Rheinbaben, versage er nur Socialdemokraten die Bestätigung, thatsächlich illusorisch machen. Im Berliner Auswärtigen Mandarinenuniform bezüglichen Teil der socialdemo- thatsächlich aber dürfte kein Zweifel darüber bestehen, daß er alle Amt hat man weit mehr Belege für diese intrigante Haltung, fratischen Resolution einige zum Teil auf Mißverständnis Beamte zu politischen Werkzeugen der jeweils Herrschenden Richtung als in die Oeffentlichkeit gedrungen find. Rückhaltlos der deutschen beruhende Einwände erhob. Graf Bernstorff von der herabdrücken möchte. Ist die Regierung agrarisch, so muß jeder Kommandogewalt gefügt hatte sich nur das englische Kon- Reichspartei sprach natürlich im Sinne der Redner der Rechten Beamte bis herab zum letzten Nachtwächter auf dem fleinsten tingent und zwar auf Anweisung Salisburys, der dadurch und des Centrums. Eine recht eigentümliche Stellung nahm Dorfe für die Agrarier eintreten, sonst wehe ihm. Weht oben ein Deutschland vor völliger Isolierung und Waldersee vor einer der Staatssekretär v. Richthofen ein: er erflärte die audrer Wind, so müssen die Beamten ihre Meinung flugs Eine eigne Meinung zu habent, ist nur den Socialschlimmen Demütigung bewahrt hat. Dies Gefühl der Dant- Resolution der Kommission für überflüssig, aber nicht schädlich" ändern. den Konservativen erlaubt: erstere werden barkeit also ist es, das den Kaiser Wilhelm am intensivsten und den socialdemokratischen Zusazantrag für„ bedenklich". demokraten und geleitet hat bei Handlungen, die man in Deutschland nur als Herr Schrader von der freisinnigen Vereinigung auf keinen Fall bestätigt, auch wenn sie gelegentlich die Politik der unbegreiflichen Ueberschwang der England- sprach sich ähnlich, wie Müller Sagan aus, bemühte sich Regierung interftüßen, lettere auf jeden Fall, mögen fie auch noch aber in echt wadenstrümpflerischer Weise, seine Stellungnahme so sehr der Regierung Opposition machen. Die erste Pflicht der freundlichkeit beurteilt." Daß der Kaiser, wie die„ Rhein- Westf. 3tg." sehr richtig be- durch allerlei Verbeugungen vor dem Christentum und der Beamten ist es nach Ansicht des Polizeiministers, gegen die Socialdemokratie zu agitieren, zumal da immer mehr merit, gar teine Ursache zur besonderen Dankbarkeit gegenüber Eng- Weltpolitik zu verbrämen. land hat, da Deutschland ja gerade England in China die Kastanien Noch einmal ergriff Genosse Bebel das Wort, um mit und immer fähigere Socialdemokraten in die Gemeindevertretungen aus dem Fener geholt hat, ist in diesem Falle Nebensache, da es den verschiedenen Eimvänden der voraufgegangenen Redner eindringen. Die Fortschritte unsrer Partei in den Kommunen lassen hier nur auf das Gefühl der Vereinsamung antommt, nicht gründlich abzurechnen. Am Schluß seiner Rede erhielt er Herrn v. Rheinbaben nicht schlafen. auf den Ausdruck derselben. noch einen Ordnungsruf für den in seiner ersten Rede Ueber die sonderbaren Anschauungen des Ministers, die nur auf Ein tragisches Ende des so enthusiastisch entrierten Chinazuges! gebrauchten Ausdruck Raub" für die Besizergreifung" von der Rechten Zustimmung fanden und denen sogar der national Und trotzdem hätten unsre so jäh drauflosstürmenden Weltpolitiker Riautschou. liberale Abg. Dr. Friedberg teilweise lebhaft widersprach, wird bie bittere Lehre nicht zu teuer ertauft, toenn die wirtung Der Rest der Vorlage brachte nichts Bemerkenswertes; fich das Haus am Donnerstag weiter unterhalten. ber 2ettion eine nachhaltige sein würde! Gröber wiederholte, was B a chem gesagt, und Dr.Hieber' " " DaS teuerste Brot. Der Brotwucher- Presse ist unsre Feststellung in Nr. 35 des „Vormürts", daß Süd- und Westdeutschland bereits heute unter de in Vertragszoll die hoch st en Weizen- und Noggenpreise in Europa haben, sehr unbequem, und da sich an den giffern der offiziellen Statistik nicht rütteln läßt, versucht sie es mit allerhand kleinen Bemäkelungen, die selbst, wenn sie richtig Ivären, an dem erbrachten Nachweis nicht? ändern würden. Voran marschieren, wie immer in solchen Fällen, die offiziellen Schweinburgschen„Verl. Polit. Nachrichten', die mit folgenden Ein- wänden heranrücken: »Der„Vorwärts" sucht den socialdemokratischen Vorstoß gegen die Gctreidezölle durch eine Reihe von Zahlenangaben über die Großhandelspreise des Getreides in den letzten drei Jahren zu unterstützen. Wie tendenziös er dabei verfährt, erhellt aus der Thatsache, daß er, um zu zeigen, daß in Deutschland die Roggen- preise verhältnismäßig hoch sind, sogar die Roggenpreise aus Paris heranzieht, obwohl in Frankreich der Roggen weder als Brotfrucht noch als Erzeugnis der Landwirtschaft eine irgendwie nennenswerte Bedeutung hat. Aber selbst anS diesen Preisznsanimenftellungen ergeben sich eine Reihe bemerkenswerter Thaisache». So ist in Wien, also der Hauptstadt de« Landes, dem zu Liebe die Herabsetzung der Getrcidezölle im Jahre I8S1 in erster Linie erfolgt ist, der Preis des Weizens in der Zeit von 1837—1839 und in den Jahren 1837 und 1838 auch der Preis des Roggens sehr beträchtlich höher gewesen als in Berlin und Breslau. Diese Preisdifferenz betrug in dem Jahre 1337 10. in den Jahren 1833 und 1839 nmd 1b M. auf die Tonne. Sodann erhellt aus dieser Zusammenstellung, daß der Weizenpreis in London in keinem Jahre auch nur annähernd um die Höhe des deutschen Getreidezolls niedriger war als in Norddeutschlnnd. Im Jahre 1837 betrug der Preis- unterschied zwischen Berlin und London ruiid 28 Mark, im Jahre 1898 nur 20 M. und im Jahre 1833 nicht voll 10 M. In dem Jahre 1838 war der Weizenpreis in London noch nicht um L M. niedriger als in Breslau und im Jahre 1839 überstieg der Londoner Weizenpreis denjenigen von Breslau sogar um mehr als l>/s M. Gerade die socialdcmokratische Zusammenstellung liefert daher auf's neue einen Beweis dafür, daß der Ge- treidepreis in Deutschland kein es ivegs um den auch nur annähernd vollen Betrag des Zolls sich höher stellt, als der nach dem Londoner Preffe zu be- messende Weltmarktpreis und daß die englischen Arbeiter nicht entfernt einen um den Getreidezoll billigeren Preis für ihre Brotfrucht genießen als die deutschen." Inwiefern durch die Heranziehung der Pariser Roggenpreise zu unserm statistischen Nachweis dieser einen tendenziösen Charakter er- hält, wird schwerlich jemand begreifen, dessen Denkfähigkeit noch nicht unter der Einwirkung agrarischer Uulogik gelitten hat. Unser Zweck war, die Preisnotierungen für Weizen und Roggen auf den ivichtigsten ausländischen Getreidemärkten den deutschen Notierungen gegenüber z» stellen, folglich mußten wir auch die Noggenpreise aller jener Plätze heranziehen. wo regelmäßig Notierungen für Stoggen gemacht und in die PreiSstatistil eingestellt werden. Würden genaue statistische Nachweise über die Roggen- preise in Antwerpen und London vorhanden sein, hätte» wir auch diese mit herangezogen. Zudem hoben wir, um jede Täuschung auszuschließen, in einem Nachsatz, in dem leider beim Abdruck das Wort„Pariser" vor den Worten„Weizen- und Roggenpreisen" fortgefallen ist. noch extra hervorgehoben, daß die auffallend große Differenz zwischen den Pariser Roggen- und Wcizenpreisen sich daraus erklärt, daß in Frankreich„nur ausnahmsweise Roggen zum Brot genommen wird",, und daß ferner der französische Roggenzoll nur 3 Frank, der Weizenzoll aber 7 Frank beträgt. Diesen Satz unterschlagen einfach die„Verl. Polit. Nachrichten", damit sie doch irgend etwas haben, an das sie ihre Bemäkelung anknüpfen können. Daß in Wien die Preise für Weizen und Roggen im Durch- schnitt höher stehen, als in Breslau und Berlin, aber niedriger als in Mannheim und München, haben wir selbst an- gegeben. Die„Berk. Polit. Nachrichten" unterschlagen aber auch hier wieder unsre Hinzufügung, daß sich die Wiener Weizennotiernngen auf guten Theitz-Weizen beziehen, und dieser die Mannheimer und Münchener Mittelsorte an Güte übertrifft, also wie die„Berl. Polit. Nachrichten", die doch sachverständig sein wollen, wohl wissen werden, erst recht die bunte Breslaucr und Berliner Mittelqualität. Was die Hervorhebung deS Schwankens zwischen den Berliner, DreSlauer und Londoner Weizenpreisen für die Unrichtigkeit unsrer Feststellung beweisen soll, bleibt unerfindlich. Wie deutlich mit- geteilt worden ist, verstehen sich die Londoner Preisnotierungen für„besseren englischen weißen Weizen", und daß dieser qualitativ Keffer ist und höher bezahlt wird, als Berliner und Breslauer Mittelware, weiß fast jeder Laie. Schon zwischen der guten weißen und der guten roten englischen Qualität besteht ge- wöhnlich auf dem Londoner Markt ein Preisunterschied von 4 bis 5 M. pro Tonne. Solche Qualitätsunterschiede bedingen natürlich auch einen Preisunterschied. Zudem aber beruht die Londoner Preisnotierung unsrer Tabelle fiir das Jahr 1839, welche den„Berl. Polit. Nachrichten" zum Beweis dafür dient, daß der Getreidczoll den Getreidepreis nicht um seinen vollen Betrag steigert,— auf einem Druckfehler. Der Durchschnittspreis in 1899 auf dem Londoner Markt war nicht 145,5, sondern 125,5 M. pro Tonne, also 20 M. niedriger. Der Hereinfall deS offiziösen Organs ist charakteristisch für seine Sachverständigkeit. Mit komischer Anmaßung spielt es seit langem auf dem Gebiet deS„Getreidehandels und Getreidezolls" den Sachverständigen, der hoch über die angeblich socialdemokratischc und fteisinnige Unwissenheit erhaben ist, und nun baut es seine weise nationalökonomische Betv eisführ ung auf einem Druckfehler auf, den jeder wirkliche Sachverständige sofort olS solchen erkennen muß. Armer Schweinburg l ES bleibt dabei: Süd- und Westdeutschland haben schon heute unter dem Vertragszoll die höchsten Preise für Brotgetreide in Europa und diese Preise werden durch eine weitere Zollerhöhung dermaßen gesteigert, daß gutes Brot thatsächlich für die ärmere Masse zu einem LuxuK- artikel wird.— #* * Deutsches Peich. Der KavalierSmord. Der OfftzierSmo rd in Mörchingen inspiriert die Presse zu scharfsinnigen Konjekturen darüber, welchen Ausgang die Beleidigungsaffaire wohl genommen hätte, wenn der Oberlieutenant Rüger den Hauptmann Adams nicht erschossen hätte. Ein Blatt läßt seiner Phantasie sogar so weit die Zügel schießen, daß es sich folgendes Idyll ausmalt: Hauptmann Adams war. wie sein Verhalten bewies, in der Trnukenheit zwar zu Excessen geneigt, aber im Grunde doch„lein schlechter Kerl". Hätte ihm Oberlieutcnant Rttger Zeit gelassen, seinen Rausch auszuschlafen, so würde er lieber die Satisfaktion verweigert und— das wäre die notwendige Folge gewesen— den Offiziersrock ausgezogen habe». als nach Kavalierart dem grundlos von ihm beleidigten Kameraden und Familienvater dadurch Genugthuung zu geben, daß er ihm die wohlgezielte erste Kugel zuschickte. Der Oberstabsarzt Rüger wäre somit seiner Familie erhalten geblieben, den ExHauptmann aber hätte daS Hochgefühl. eine menschlich schöne That vollbracht zu haben, über den Verlust seiner Epauletten und seiner KavalierS- ehre hinweggetröstet. Man sieht, eS giebt in unsrer Sera des Naturalismus und der Decadence auch noch Jdhllenschreiber l Wer freilich die Dinge statt durch die rosenfarbene Brille des Poeten im Lichte deS nüchternen SittenschildererS sieht, wird kaum annehmen können, daß der häßliche Ausbruch alkoholischer Gereizt- heit anders als durch den obligaten Kugelwechsel hätte gesühnt werden können. Ist doch die„ E h r e" im allgemeinen ein ebenso relativer, wie die KavalierSehre ein unwandelbar starrer Begriff. Ein Wahnbegriff, der so untolerant und blind macht gegen ethische Forderungen höherer Art, wie eS nur Kasten, dünkel zu thun vermag. DieKavalierSehre, die eine unbedachte Thorheit oder je nachdem auch eine Infamie dadurch sühnen zu müssen und sühnen zu können meint, daß sie zu dem Unrecht noch das Verbrechen gegen daS Gesetz, die Menschlichkeit und die Vernunft hinzufügt, beherrscht eben mit tyrannischer Macht den Intellekt und die Moral gewisser Kasten. DaS beweist auch eine Mitteilung, die das„Berk. Tageblatt" sich zu dem Mörchinger Fall machen läßt. Dem genannten Blatt wird nämlich geschrieben: „Es trifft nicht zu, daß die Z w e i ka m p fs i t t e n im Offiziercorps von oben her gemildert werden, vielmehr ist ganz kürzlich in einem Kontingent der deutschen Armee durch den Kontingentöherrn der Spruch eine? RegimentS-Ehren- ratö kassiert worden, durch den eine gütliche Beilegung einer in sinnloser Trunkenheit verübten Kinderei als korrekte Erledigung anerkannt war. Der betreffende ganz unschuldige Obcrlieutenant ist darauf mit schlichtem Abschied ent- lassen! Nähere Mitteilungen sind einstweilen überflüssig; die Thatsache, so wie sie hier mitgeteilt wird, spricht ihre Sprache selbst." Man muß sich nun einmal der irrigen Borstellung entschlagen, daß die modernen Kultur- und Moralanschauungen zum Gemeingut der Nation geworden seien. Es bleibt noch ein gehöriges Stück Mittelalter auszurotten.—_ Das Klinckowströmfche Kompromiß zum Zolltarif soll nach dem„Fränk. Courier" mit der Regierung derart abgeschlossen sein, daß der Gerstenzoll von 2 auf 3, der Haferzoll von 2 auf 4. der Roggenzoll von 3,50 auf 5 M. und der Weizenzoll von 3,50 auf 6 M. für den Doppeleentner erhöht werde.— Ein Opfer deS Hypothekenbank- Krachs. Ein Landmann aus einem bayrischen Orte am Bodensee schreibt einem unsrer RcichStags-Abgeordneten folgendes: Er habe sich 1000 M. mühsam erspart gehabt und habe auf den Rat eines Ulmer Bankiers diese in Obligationen der Deutschen Gnindschuldbank angelegt und habe für je 100 M. 101,20 M. bezahlt. Er habe diese Bank für«in solides Unternehmen gehalten, jetzt sehe er aber mit Schrecken, daß ungeachtet der Staatsaufsicht diese Bank so wirtschaften konnte, daß ein Sauden sich 28 Millionen in die Tasche habe schieben können. Und doch habe das Gericht noch nicht einmal die Hand auf diese» Geld gelegt. DaS sei ihm unbegreiflich. Rehme man doch jedem Dieb daS Gestohlene ab, wenn man e« bei ihm finde, warum hier nicht. Tausende sparsamer, fleißiger Menschen seien gleich ihm geschädigt worden und jammerten um ihren Verlust. Wenn die Ersparnisse kleiner Leute so respektiert werden, sei es besser, man spare nicht. Dieser Brief ist ein Stimmungsbild, er zeigt, wie man seitens der geschädigten kleinen Leute die Borgänge mit den Hypotheken- qanken ansieht.—____ Liberales auS Baden. Mannheim, 10. Februar. Die hier erscheinende„Neue badische Schulzeitung" brachte vor drei Jahren Aufsehen erregende Ent- hüllungen über die Zustände, die damals im Lehrerseminar MeerS- bürg herrschten. Es wurde dem Leiter der Anstalt, Direktor Wasmer, und einem Professor Bender vorgcivorfen, daß sie in systematischer Weise die Zöglinge der obersten RArse(neunzehn- und zwanzigjährige Leute) prügelten und da- durch das Ehrgefühl in den künftigen Bildnern des Volks ertöteten. Es wurde weiter behauptet, daß von den genannte» Herren durch Anwendung roher, kasenienhofblütiger Ausdrücke ein sehr fragwürdiges pädagogisches Vorbild gegeben werde, und endlich, daß denjenigen be- dürftigen Seminaristen, die Stipendien bezogen. Zwangsabzüge zu Gunsten einer Hausmusik- kapelle gemacht würden. Eine Klage wurde gegen das von einem Lehrer geleitete Blatt nicht erhoben, wohl deshalb, weil man(wie sich Genosse Dreesbach im Landtag ausdrückte) fürchtete, es werde bei einer Verhandlung noch mehr herauskommen. Die badische Regierung muß aber wohl schließlich eingesehen haben, daß ein Mann wie Professor Bender, der derartige Vor- würfe ans sich sitzen ließ, nicht mehr länger auf seinem Posten bleiben könne. ES mußte etwas geschehen.— und eS geschah etwa?: sie beförderten diefen Professor Bender zum KreiSschulrat in Ta uberbischofSheim! Zu allem Ueberflutz geht jetzt auch noch die Notiz durch die Blätter, Professor Bender habe vor einigen Jahren zusammen mit Wasmer verabredet, sie wollten einem jungen Lehrer Hermann Schmid in der Dienstprüfnng die schwersten Aufgaben geben und ihn durchfallen lassen, weil er„ein impertinent hochnäsiger Schul in ei st er sei und mit einem Zwicker anrücke".(!!!> Und also geschah es. Sehistüchtig schauen die badischen Lehrer zurück in die liberale Vergangenheit und vorwärts in eine gerechte und freie Zukunft.— Die Verdienste»m de» Brotwnchcr suchen die„B e r l. P o l i t. Nachr." dem Bund der Landwirte streitig zu machen. Der Bund der Landwirte sei nicht entfernt der einzige Vertreter landwirtschaft- sicher Interessen. Denn das Eintreten für landwirtschaftliche Hoch- schutzzölle beschränke sich keineswegs auf den Kreis der landwirtschaftlichen Interessenten. Wohl aber hätten gewisse Kundgebungen der letzten Generalversammlung deS Bunds die ohnehin schwierige Aufgabe, einen den berechtigten Wünschen der Landwirtschaft entsprechenden Zolltarif unter Dach zu bringen, übcrflüssigerweise erschwert. Die. P o st die ebenfalls die auf den Brotwucher gerichtete Seelenharmonie von Landwirtschaft und Industrie— lieS statt Industrie: Centralverband deutscher Industrieller— hervorhebt, bedauert ebenfalls die betreffenden Kundgebungen, nur daß sie deutlicher Liebennann v. Sonncnberg als den ärgsten Stein des Anstoßes nennt.— Einer brillanten Berichterstattung kaim sich der„Bund der Landwirte" rühmen. Derselbe war in der Lage, dem„Hannoverschen Courier" bereits am Sonntag einen Bericht über den Verlaus der Verhandlungen seiner Generalversammlung zugehen zu lassen, obgleich die Versammlung erst am Montag stattfand. Und zwar enthielt der Bericht nicht nur die Reden, die die Bundesgrötzen— zwar noch nicht gehalten hatten. aber doch nach ihrem Konzept vom Stapel lassen ivollten, sondern sogar, und das ist das Wunderbare, Prophetische dieser bündlerischen Bericht- erstattung, Anmerkungen über die Aufnahme der Reden durch das Anditorinm! Nachdem der Bericht von den, „ k o l o s s a l e n A n d r a u g" zu der Versammlung erzählt hatte, konstatierte er, daß Frhr. v. Wangenheim bei seinem Er- scheinen„lebhaft", Dr. Rösicke„ebenfalls lebhaft", Dr. Hahn aber„mit stürmischem Beifall" begrüßt w u r d e I" Die Notleidenden sind den andren Parteien also nicht nur im Schreien, sondern auch in der Fixigkeit ihrer offiziellen Bericht- erstatwng gewaltig voraus.— Polen-Ausweifungrn. Mit Ausweisung ausländischer Polen geht die Polizei im Reichsgebiet jetzt scharf vor. Allein an? Mülheim/Ruhr wurden im Monat Januar 23 ausländische Polen ausgewiesen. Um«ine Reform der Thcatcrcensnr petitioniert der „Deutsche B iih n e n v e r e in". Ta der Verein die völlige Aufhebung der Censur zur Zeit für u n t h u n l i ch hält, be- schränkt er sich auf die Bitte au das preußische StaatSmmistcrium, die Theatercenfur von der„bloß polizeilichen Beeinflussung und Aufsicht freizumachen" und die Censurbchörde„durch einen aus litterarischen und künstlerischen Persönlichkeiten zusanuneugesetzteu Beirat zu ergänzen, wenn angängig, sogar zu ersetzen." Wie mau sieht, sind die Herren sehr bescheiden.— Aus Meiningen. In dem am Montag eröffneten Landtag errangen unsre Abgeordneten insofern einen beachtenswerten Erfolg. als Abg.(„Kamerad") Zeitz ehrlich-brntal erklärte,„daß er, der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, vorschlage, von jetzt an auch, socialdem akratische Mitglieder in die Kommissionen zu wähle») er betrachte das Ganze als eine Machtfrage und mau stärke zweifellos die Position der«ocialdemolratie. wenn man ihr Kommissionssitze einräume. Aber früher habe nur ein Vertreter inr Landtag gesessen, dann wurden'? 4, jetzt S und in 2 Jahren seien es sicher 8 oder 10. Die Arbeitslast sei iiun aber für die übrigen Mitglieder z» groß und darum sein Vorschlag; es sei nur ein Frontwechsel, der Kampf bliebe derselbe." Darauf gab Abg. Hofmann(Soc.) eine principiclle Erklärung ab. die die Bereitlvilligkeit. in den Kommissionen mitzuarbeiten, au§- drückte, aber zugleich feststellt«, daß bei strenger Beobachtung aller verfaffungSrechtsichen Bestimmungen doch auch ferner nur das social- demokratische Programm die Richtschnur für die socialdemokralisckicn Abgeordneten im Landtag sein könnte.— Darauf wurde Abg. Wehder(Soc.) mit 22(von 23) Stimmen in die Wahlprüfungs- Kommission gewählt.—_ AuS dem Grostherzogtum Äachsen-Wcimar. Freitag, den 15. Februar, tritt der außerordentliche Landtag zur Entgegennahme der Erklärung des Großherzogs, daß derselbe die Verfassimg>n allen ihren Teilen halten werde, zusammen. Sonntag, den 17. Februar, soll im Großherzoglichen Schloß die Huldigung s- feier stnttstndcil, und darauf der außerordentlichi Landtag geschlossen werden. Eine Woche später, am 24. Februar, wird dann der 29. ordentliche Landtag, welcher aus 16 Konservativen, 10 National- liberalen, 4 Freisinnigen, 2 Socialdemokraten und einem Ultra- montanen zusammengesetzt ist, zusammentreten.— Ausland. Die Unruhen in Gpnnien* Aus Madrid wird gemeldet: Die L a g e w i r d immer e r n st e r. Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß das L a n d e i n e r R c v o l u t i o n entgegen- sieht. Ter Ausbruch ist unvermeidlich, falls die jetzige Regierung am Ruder bleibt. Gerüchtweise verlautet, daß d a S Kabinett bereits seine Demission eingereicht habe. Sagasta. welcher vor kurzem die Regierung an sich ziehen wollte, befürchtet jetzt, von der Regentin mit der Bildung ein«? neuen Kabinett! be- traut zu werden. Die Kundgebungen enthalten häufig Hochruf» auf die Armee. Bei den Unruhen in Madrid am IL. Februar auf dem lln- abhängigkeitsplatze waren 6 Polizisten und 3 Civilpersonen verwundet worden; dieselben befinden sich heute Keffer. Von den vor- genommenen Verhaftungen sind im Ganzen 35 aufrechterhalten worden.— Dänemark. Verkauf der Antillen. Aus Kopenhagen wird berichtet: Der Finanzausschuß nahm gegen eine Stimme den Antrag betreffend den Verkauf der dänischen Antillen an die Vereinigten Staaten an.— Norwegen. Das Ldelsthing nahni einen Gesetzentwurf an, nach dem jeder, der Fremde beherbergt, diese bei der Polizeibehörde anmelden muß. Ebenso soll jeder Ausländer verpflichtet werden, wenn er in Norwegen wohnen will, sich bei der Behörde zu legitimieren. Ge- schieht dies nicht in genügender Weise, so wird er ausgewiesen. Als Hauptgrund für diese Neuerung wird angegeben, daß von den Fremden verhältnismäßig viermal so viel Verbrechen begangen werden alS von den Einheimischen. In Christ iania herrscht solche Arbeitslosigkeit, daß der Magistrat sich genötigt sah, mehrere Steinbruch- und Erdarbeiten, die für den Frühling bestimmt waren, schon jetzt in Angriff nehmen zu laffen. Trotz dem geringen Tagelohn von 1,50 bis 2 Kr. ist der Zudrang ein sehr großer.... In Bergen zogen am Freitag etwa 400 Arbeitslose vor das Rathaus, überreichten eine Adreffe und verlangten Arbeit und Brot. Um der Not entgegen zu wirken, werden mehrere städtische Arbeiten in Angriff genommen und außerdem sollen die Speisen in der städtischen voltslüche für die Hälfte de« bisherigen Preise» abgegeben werden.— Rustland. Die Knute. Dem Krakauer„Naprzod" wird au« Petersburg eine interessante Angelegenheit gemeldet, welche dort gewaltiges Auf- sehen erregt. Der Fürst BarjathnSki, der Sproß eines enorm reichen Adels- geschlechtS, huldigt socialistischen Anschauungen und gründet ein radikales Organ,' den„Siewernyj Kurjer". Später heiratet er ein anneS Mädchen— und der Bruch mit der Familie ist fertig. Der Vater cuterbt ihn. Der„Siewernyj Kurjer" bemühte sich, möglichst radikalen An- sichten Ausdruck zu geben und wurde besonders seitens der Studenten- schaft mit großer Sympathie aufgenommen. Dann wurde das Blatt von dem Petersburger Schmarotzer- organ, dem„Kraj", das in polnischer Sprache erscheint und der russischen Regieriuig dient, denunziert, daß eS seine galizischen Korrespondenzen aus socialistischer Quelle entnehme. Nun folgten die üblichen„Warnungen"— die Aufhebung des Blatts für zwei Wochen— und jetzt das völlige Verbot des Erscheinens des„Siewernyj Kurjer" für immer.... Barjatynski war wirtschaftlich ruiniert und nahm den Revolver zur Hand.... Glücklicherweise ist der Schuß nicht tötlich. Studenten- scharen belagern seine Wohnung. Zahlreiche Studenten sind ver- haftet. Die Regierung befürchtet große Studeiitcndemonstrationen bei Eröffnung der Vorlesungen, die schon einmal dieserhald ver- schoben wurden. Wieder werden einige Opfer fallen...— Zu den Studenten Unruhen. Die„Rosstja" meldet ans Moskau, der Rektor der dortigen Universität habe eine Bekannt- machimg erlassen, welche darauf hinweist, daß seit Beginn des Semesters unter der Studentenschaft aufreizende Aufrufe verteilt wurden zum Zweck der Anstiftung von Ruhestörungen und der Einstellung des Besuches der Vorlesungen. Die? sei ohne Erfolg gewesen, da bis Ende Januar sich 308 Studenten in der Aula der Universität versammelt, die Abhaltung von Vor- leftinge» verhindert nnd angeblich im Namen aller Studie- reudeu Obstruktion angekündigt Hütten. Die UniversitätS-Obrigkeit giebt bekauut, daß die Unteriuchung gegen die 308 Schuldigen ein- geleitet sei und fordert die Studentenschaft auf, Ruhe zu halten und den Besuch der Vorlesungen fortzusetzen. Von der Hungersnot. Der im G o u v e r n e m e n t Cherson ausgebrochcne Hungertyphus hat eine» e p i d c ni i s ch e n Charakter angenommen. In einigen Dörfern sind sämtlich« Familien erkrankt. Die Sterblichkeit ist erschreckend groß. Die von Amerika. Der Boeren- Krieg. Gegen den Brotwucher. der Regierung und der Gesellschaft gespendeten Verpflegungsmittel] Bei Beratung der Abänderung ber Gewerbe- Ordnung betreffend Admiral dadurch gestört. Er wies den Arbeiter fort. Dieser pochte genügen nicht. Der Verpflegungsfonds der Regierung ist infolge die gewerbsmäßige Stellenvermittelung stimmten die Junker laute barauf, daß er den Befehl feines Auftraggebers auszuführen habe von aufeinander folgenden Wißernten erschöpft und sonstige Mittel Klagelieber an ob ber Berwerflichkeit der Gesindevermieter. Galten und weigerte sich, der Aufforderung des Admirals Folge zu leisten. find zur Zeit nicht disponibel. diefe Klagen nur solchen Gefindevermietern, die den Notleidenden" Der Arbeiter zog sich dadurch eine Anklage wegen Hausfriedens die Arbeitskräfte wegholten? bruchs zu. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten Die schwarzen Listen sind im Staate Washington gefeßlich eine Geldstrafe, der Gerichtshof war aber der Ansicht, daß der Zur Kubanischen Frage. Die Frankfurter 8tg." meldet aus verboten. Wer immer wissentlich und in böser Abficht irgend eine Angeklagte sich im guten Glauben befunden habe und sprach ihn New York: Kuba ist nunmehr verständigt worden, daß merita schriftliche oder gebrudte Mitteilung verbreitet, welche das Biel ver- deshalb frei. drei Kohlenstationen verlangt, nämlich Havanna, Cienfuegos folgt, andre Personen an der Erlangung einer Anstellung im Staate und Santiago, ferner, daß die Anerkennung der Monroe Dofirin felbft oder anderwärts zu verhindern; wer zu diefem gwed öffent und andre Bedingungen erfüllt werden, welche mit dem ameri- lich fundthut, daß jemand einer geheimen Gesellschaft angehört, oder tanischen Protettorat gleichbedeutend find. einen Arbeitgeber durch solche Mitteilungen von der Aufnahme eines Der Kampf um die Kornzölle ist eröffnet: die Regierung hat Stellungfuchenden abzuhalten trachtet, und wer schließlich durch die sich rüdhaltlos auf die Seite der Agrarier geschlagen. Die Vererwähnten Mittel die Entlassung eines Angestellten oder Arbeiters teuerung des Brotes und der übrigen notwendigen Lebensmittel ist beherbeizuführen strebt, soll mit einer Geldstrafe von 100 bis 1000 Gefangennahme eines englischen Kavallerie Detachements. Dollar oder mit einer Arreststrafe in der Dauer von 90 Tagen bis ichröpft werden. Fast alle Parteien bis weit nach links herüber haben fchloffene Sache und das Boll soll wiederum um Millionen ge Aus Port Elisabeth wird gemeldet: Ein heftiges Gefecht zu einem Jahre, oder mit beiden Strafen zusammen belegt werden.hröpft werden. Fast alle Parteien bis weit nach links herüber haben ihr Einverständnis mit dieser Wuch erpolitit zu erkennen gegeben, fobaß fand am 6. Februar zwischen 24 englischen Savalleristen Apothekengesek im Staate New York. Mit dem 1. Januar bie Socialdemokratie als die Bertreterin des und einer Abteilung Boeren acht Meilen von Ballastet statt. 1901 ist im Staate Neto Port das gesamte Apothekentvesen einem Broletariats fast allein auf sich angewiesen ist. Es genügt Die Engländer ftanden unverhofft den Boeren gegenüber, einheitlichen State board of pharmacy unterstellt. Dasselbe hat aber nicht, daß unsre Vertreter im Parlament die Sache des Bolls die sofort einen Hügel besetten, während die Engländer die Befugnis, die für die öffentliche Gesundheit erforderlichen Verordzivei andre Hügel einnahmen. Ein heftiges Feuer begann nungen zu erlassen und durchzuführen, den Berkauf von Giften au führen, die Arbeiterschaft selbst will daher der Regierung und der wuchefofort. Die Boeren versuchten die Engländer zu umzingeln, regulieren und für alle innerhalb des Staats zu verabfolgenden rischen Mehrheit der Parlamente zu erkennen geben, daß sie eine wurden aber zurückgeschlagen. Erst als sie Verstärkungen erhalten Droguen und Medizinen Standards aufzustellen, die Apotheten Politit gegen die Maise des Bolts betreiben. hatten, gelang es ihnen, bei einer zweiten Umgebung die zu inspicieren, Bestimmungen über die Arbeits- Die Berliner Arbeiterschaft hatte, um den Protest gegen Engländer zur Uebergabe zu zwingen, bie fie, nachzeit der Gehilfen zu erlafsen 2c. Nach dem neuen Gefeß die Berliner Brotwucherer einzuleiten, am gestrigen Abend dem sie ihnen die Waffen abgenommen hatten, wieder frei ließen, ist fortan jeder Plaz, von dem Drognen, Medizinen und Gifte verlo indem sie dieselben aufforderten, ihre Verwundeten mitnehmen und abfolgt oder ärztliche Rezepte angefertigt werden, als Apotheke für Berlin und die Vororte einberufen. Die Bersammlungen ge= dreißig Versammlungen zu verpflegen. ober Droguerie anzusehen, zu deren Führung es einer Kongeffiontalteten sich zu einer riesigen Demonstration gegen die geplanten and fistor De Wet Daily Mail" meldet aus Kapstadt: De et und Stejn befinden sich im Norden der Kaptolonie. Diese Nachricht ist bisher amtlich nicht bestätigt. Die letzte Tagesverluftliste, Partei- Machrichten. Aus der amerikanischen Parteibewegung. " " bedarf. Gerichts- Beitung. Das Gewerkschaftskartell für Berlin und Umgegend wurde im November 1899 vom Polizeipräsidenten für einen Verein erklärt, die am 12. Februar veröffentlicht wurde, umfaßt 4 Tote, 51 an der auf öffentliche Angelegenheiten einwirken wolle. Der dem Aus: Strautheiten Verstorbene, 21 Verwundete und 2 Vermißte. schuß des Kartell angehörende Zimmerer Th. Fischer erhielt eine polizeiliche Verfügung. durch die ihm aufgegeben wurde, gemäß§ 2 des Vereinsgesetzes die Sazungen oder das Regulativ des Kartells fowie ein Mitgliederverzeichnis der Behörde einzureichen. Auf eine Beschwerde Fischers billigte der Oberpräsident das Vers New York, 28. Januar. Die vor der Präsidentenwahl aus- langen des Polizeipräsidenten. Nunmehr flagte F. gegen den gesprochene Hoffnung, daß das Feuer des Wahllampfs wenigstens die Oberpräsidenten beim Ober- Verwaltungsgericht. Sein Vertreter, beiden Fraktionen der Socialdemocratic- Barty" zu einer organisch ver- Rechtsanwalt Dr. Heinemann, machte geltend: Das Gewerks einigten Partei zusammenschmieden werde, scheint sich erfüllen zu sollen. schaftskartell fei überhaupt kein Verein. Ein Verein fei, wie Wie den Lesern des Vorwärts" aus früheren Korrespondenzen be- das Kammergericht annehme, eine Vereinigung mehrerer zur Ver tannt, existieren in den Vereinigten Staaten brei socialistische folgung gemeinschaftlicher Zwede. Unter mehreren könnten aber Fraktionen: die dem Charakter ihrer Mitgliedschaft nach älteste Organi finngemäß nur physische Personen verstanden werden. Die Mitfation ber ehemaligen Socialistischen Arbeiterpartei", die fich aber glieber des Gewerkschaftsfartells feien aber nicht physische von dieser, der Hauptsache nach, wegen deren gewerkschafts- Bersonen, nicht die Delegierten, sondern die Gewerkschaften feindlichen Taktik trennte und, mit der Socialdemocratic Party" selber. Einer Bereinigung von Delegierten mehrerer Ge verbündet und deren Namen annehmend, die letzte Wahlschlacht schlug wertschaftsorganisationen fehle vor allem dann die Eigenschaft Ihre Kandidaten waren Debs und Harriman, welche rund 100 000 eines Vereins im Sinne des Gesetzes, wenn die Delegierten ledig Stimmen erhielten. Die erstere Fraktion hat ihr Hauptquartier und ihre lich beauftragt seien, die zur Vereinigung gehörenden Gewerkschaften Erefutive in Springfield im Staate Massachusetts, die letztere in Chicago. in den einzelnen Versammlungen des Startells zu Es kommt nun vor allen Dingen darauf an, diese beiden Fraktionen, und wenn die jeweiligen Delegierten jederzeit durch andre welche im Princip und in der Taktit einig sind, zu einer Partei, Vertreter ersetzt werden könnten. Das treffe hier zu. Es mit einem Hauptquartier und einer einheitlichen Leitung zu verwerde ferner bestritten, daß das Kartell eine Eine schmelzen. Um diesen Zweck zu erreichen, hat die Springfielder Richtung wirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecke, wie dies vor einigen Wochen durch ihre Exekutive eine Urabstimmung angeordnet, in der angefochtenen Berfügung ohne jebe nähere that welche foeben vor sich geht, und in der das Abhalten einer Bereinigungsfächliche und rechtliche Begründung behauptet worden fei. Konferenz aller focialistischen Organisationen den Hauptpunkt bildet. Auch sei nicht einzusehen, weshalb gerade der Kläger zu der EinUnd furze Beit darauf hat die Chicagoer Nichtung der Social reichung verpflichtet sein solle. Der erste Senat des Ober- Ver Social- reichung democratic Party" in Chicago selbst eine Konvention abgehalten, waltungsgerichts unter dem Vorfiz des Präfidenten Berfins gab ber welche das Stattfinden einer solchen Vereinigungskonferenz, und zwar für Klage statt, hob den ablehnenden Beschwerdebescheid des Oberden 10. Septbr. d. J. in Indianapolis, mit 1400 Stimmen gegen 4 beschloß. präsidenten auf und setzte die angefochtene Verfügung des PolizeiUebrigens unterliegt auch dieser Antrag erst der Genehmigung der präsidenten außer Kraft. Gründe wurden nicht verkündet. Mitglieder der Chicagoer Richtung. Das Hinausichieben der Vereinigungs- Konvention auf den Monat September geschah wohl auch mit Rücksicht auf die Zeit, welcher diese verschiedenen Ur abstimmungen bedürfen. " In den Urabstimmungs- Formularen der beiden obengenannten Richtungen ist die Frage enthalten, ob auch die Ueberbleibsel der alten ,, Socialistischen Arbeiterpartei"( welche im letzten PräsidentschaftsWahlkampf nur 34 000 Stimmen erhielt) eingeladen werden sollten. Es ist zweifelhaft, ob die Frage seitens der beiden Fraktionen mit Majorität bejaht werden wird. vertreten, Zölle. Die Lofale waren alle überfüllt, zum Teil schon früh seitig polizeilich abgesperrt. Den Versammlungen wurde nachstehende Resolution zur Abstimmung vorgelegt, die überall meist einstimmig und unter großem Beifall an genommen ward. Resolution: Die Versammlung befchließt: Die Getreide und Lebensmittelzölle find die brückendste und ungerechteste Last, die dem werkthätigen Bolte auferlegt wird. Die Getreide und Lebensmittelzölle vertenern die Lebenshaltung der Massen im umgekehrten Verhältnis zu ihrem Eintommen. Die Getreide und Lebensmittelzölle bilden ein Hindernis für die industrielle Entwickelung, an der die übergroße Mehrheit der Nation in stets steigendem Maße intereffiert ist, insbesondere vers hindern dieselben den Abschluß günstiger Handelsverträge mit andren Staaten. Die Getreide und Lebensmittelzölle stehen also im Widers spruch mit der Entividlung unfres Verkehrs und unsrer Kultur, die den erleichterten Austausch der Erzeugnisse aller Völker fordern. Die Versammlung erblickt deshalb in der Begünstigung der geplanten sehr erheblichen Erhöhung der Getreide- und Lebensmittelaölle durch das Reich einen Att härtester staatlicher Ungerechtigkeit und, soweit die Erhöhung derselben bon den Jutereffenten gefordert werden, einen att brutaler Klaffenberrschaft und niedriger agrarifcher Selbst sucht. Gegen folche Bestrebungen erhebt die Ber. sammlung den energischten Brotest. Die Versammlung protestiert aber nicht nur gegen jede Erhöhung der Getreide und Lebensmittel 8ölle, sondern fordert deren gänzliche Beseitigung! Ueber die einzelnen Versammlungen gehen uns nachstehende Berichte zu: Erster Wahlkreis. Der führung des Deutschen Bantvereins gestern zu Ende geführt und in In dem Gründerprozek ist die Erörterung über die Buch die Erledigung des ersten Specialfalls der Anklage, in welchem Fall typisch für die Art und Weise ist, wie der Angeklagte bezw. Unterschlagung bezw. Untreue in Frage steht, eingetreten. Da diefer der Deutsche Bautverein Geschäfte machte, so möge er hier furg ge- Streijes verfammelt. Das Lokal erwies sich nicht ausreichend, um In den„ Arminhallen" hatten sich die Genossen des ersten schildert werden. Ein Mann aus der Provinz avifiert am 28. Sept. alle Ginlaßinchenden zu fassen, es wurde polizeilich abgesperrt, nachdem Deutschen Bankverein, daß er ihm 4000 Riebecksche Brauerei dem der Saal mitjamt den Nebenräumen überfüllt war. attien und 5000 Oberschlesische Chamotte, zusammen im Werte von Referent, Genosse Dr. Gradnauer führte den versammelten 16 000 M. zusende, sie zu einem bestimmten limitierten Kurje zu Männern und Frauen die Wirkungen des Kornzolls, die verkaufen ersuche und bitte, ihm dafür die Hälfte Rheinische nicht nur den Arbeiter, sondern alle Konsumenten schädigen, Aus der Frauenbewegung. Bergbau und für die andre Eintracht Kohlen zu kaufen in fachlicher Darlegung vor Augen und forderte zum einmütigen bitte. Der Angeflagte hat den Eingang der Papiere in Proteft gegen das Treiben der Agrarier auf. Mit lebhaftem Beifall Oeffentliche Sygiene- Vorträge der Centralfommission der natura gar nicht erst abgewartet, sondern schon am 29. September nahmen die Anwesenden die Ausführungen des Referenten auf. Krantentassen. Freitag, den 15., pünktlich 82 Uhr abends: auf den bloßen Avis hin beide Bapiere unter dem limitierten Kurse Zur Debatte nahm niemand das Wort. Die Resolution wurde Frauentrantheiten( nur für Frauen). Die Behandlung der verkauft. Trotzdem wurde dem Kommittenten brieflich bestätigt, daß gegen 8 Stimmen wahrscheinlich von schweigsamen Gegnern Frauenkrankheiten hat in den letzten Jahrzehnten ganz ungeahnte die Papiere zu dem limitierten Kurse verkauft werden würden und angenommen. Fortschritte gezeigt und doch wird über viele Frauen und mit ihnen für den Erlös die verlangten neuen Bapiere beschafft werden sollten. Zweiter Wahlkreis. über unzählige Familien fortdauernd großes Unglück gebracht durch Als ein Monat vergangen war, wurde dem Kommittenten eine mit dem weiblichen Empfinden verbundene, aber durch die angezeigt, daß fein Auftrag erloschen sei und es wurde einer Stopf an Kopf gedrängten Boltsmenge bis in die äußersten Der Saal des Friedrichstädtischen Kasino war von Thatsachen nicht berechtigte Scheu der Frau, gerade bei den ihr Ge- fonvenierenden Falls um Erneuerung der Order gebeten. intel gefüllt. Wit sichtlichem Intereffe und lebhaftem Beifall schlecht betreffenden Krankheiten zur rechten Zeit den Arzt auf- Es folgten bann noch verschiedene Erit ein Anwesenden dem Referat des Abgeordneten zusuchen. Eine große Zahl der einschlägigen Krankheiten wird nur Jahr später, als der Auftraggeber in wiederholten dringenden folgten die bes Kreises, Genossen Richard Fischer, der unter baburch so überaus gefährlich, daß fie gar zu spät in Behandlung Briefen um die Zurücksendung feines vermeintlichen Depots ersuchte, tommen, wenn eine Heilung nicht mehr möglich und dauerndes Siechtum entdeckte er, daß ein solches gar nicht mehr vorhanden war. Der eingehender Beleuchtung des Verlangens der Agrarier darlegte, daß oder gar der Tod nicht mehr abzuwenden sind. Darum ist dieser Deutsche Bankverein fegte dann, als der Kommittent Schritte gegen die Frage der Kornzölle nicht eine Parteifrage sei, sondern eine AnVortrag nur für Frauen allein eingerichtet worden, damit sie ohne ihn unternommen hatte, eine Einigung mit ihm durch. Es wurden gelegenheit, die, wie kaum eine andre, die große Masse des Bolts in jede Scheu ihn besuchen können, und gerade für die Gefunden ist Ratenzahlungen von je 1000 m. vereinbart. Die Ratenzahlungen ihren nächſtliegenden Interessen angeht. Wenn auch bereits eine Mehr der Vortrag von äußerster Wichtigkeit, damit sie für den Fall einer sind auch nur zum Teil innegehalten worden. Der Angeklagte heit für die Zollerhöhung gesichert scheine, so könne dieselbe sich doch nicht möglichen Erkrankung rechtzeitig aufgeklärt sind und die Fehler ver- behauptete, daß er ein Risiko Geschäft gemacht habe, er mußte halten, wenn die Maffen des Volks energisch gegen Regierung und meiden, die sie aus Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse sonst zu gegebenen Falls die Papiere in einem gegebenen Moment Reichstagsmehrheit Stellung nehmen. Wenn wir diesen Kampf aufihrem und ihrer Angehörigen Unglück begehen können. Der Vortrag vertaufen und die neuen Papiere dafür ankaufen und ebent. die nehmen, werden wir auch fiegen.( Stürmischer Beifall.) Die Resofindet statt in den Schulaulen Keibelstr. 31/32, Pantstr. 8, Wrangel- Kursdifferenz selbst tragen, ohne aber eine zu feinen Gunsten sich lution fand ohne Debatte einstimmige Annahme. Die imposante straße 128, Winterfeldtstr. 16. Vortragende die Herren Doktoren ergebende Kursdifferenz einzuftreichen. Der Börsen- Sachverständige Bersammlung schloß mit einem begeisternden Hoch auf die SocialJ. Feilchenfeldt, S. 8epler, C. Freudenberg, Alf. Seelig. Zutritt Direktor Weill erklärte es für gänzlich ausgeschlossen, daß der unentgeltlich ohne Legitimation. Angeklagte berechtigt gewesen sei, Papiere, deren Verkauf ihm zu In dem wegen Ueberfüllung polizeilich abgesperrten großen einem limitierten Kurse aufgegeben worden, unlimitiert zu ver- Saale des pellenbrandtschen( früher Bickelschen) Lokals in der Die Bibliothek zur Frauenfrage, Berlin W., Stleiſtſtr. 11, faufen. Die ganze Korrespondenz zwischen dem deutschen Bantasenheide sprach Genosse Segi 3, oft von reichem Beifall unterwelche äußerst wichtiges und wertvolles Material zur Aufklärung verein und dem Kommittenten sowie die auf das Geschäft brochen. Er charakterisierte die Stellung der einzelnen Parteien zur Erüber die Frauenfrage und zum Studium derselben enthält, verleiht bezügliche Buchführung deute darauf hin, daß es dem Angeklagten höhung der Getreidezölle, die Verlogenheit des Centrums, die lendenBücher auch an auswärtige Abonnenten innerhalb Deutschlands und lediglich darauf angekommen sei. Geld für eigne Geschäftszwede lahme Opposition der Liberalen, Freifinnigen und Demokraten, von Destreichs. Der jährliche Abonnementspreis beträgt 2 M. Die in die Finger zu bekommen und daß er doloferweise bei dem Portokosten trägt der Abonnent. Der Katalog ist gegen Einsendung Kommittenten den Glauben habe erweden wollen, daß die Papiere von 40 Bf. an die Bibliothekarin Luise Guttmann, Berlin W. 62, Kleist noch im Depot des Deutschen Bankvereins fich befinden. Die Er straße 11, jederzeit zu haben. örterung dieses Falls füllte die ganze gestrige Sigung aus. Sociales. eine demokratie. denen einige sogar schon für die Kornzölle eingetreten feien. Nur die Socialdemokratie stehe auch hier ihren Mann; vielleicht gelinge es der Protestbewegung der Arbeiterklasse noch, einem Teil der bürgerlichen Oppofition den Rüden zu steifen. Redner schloß mit einem zündenden Appell, insbesondere an die zahlreich erschienenen Franen, sich rege an der Protestbewegung gegen den Brotwucher zu beteiligen. Die Resolution wurde cinstimmig angenommen. Eine Diskussion fand nicht statt. Die bei 8ühlte in der Dennewigstraße tagende Bersammlung war von ca. 800 Personen besucht; Reichstags Abgeordneter Die Resolu Moltenbuhr referierte unter stürmischem Beifall. tion wurde einstimmig angenommen. Eine des komischen Beigeschmacks nicht entbehrende Anklage wegen unbefugter Führung des Arzt- Titels führte gestern den beIm Bericht des Auskunftsbureaus und Arbeitsnachweises tannten" Hygieiſt" Start Iacobi, ber jegt im 76. Lebensjahr steht, Jacobi stand am der Gewerkschaften Magdeburgs vom Jahre 1900 findet fich bor die 6. Strafkammer des Landgerichts I. folgende, unglaublich erscheinende Stelle: 28. Oftober 1899 unter der Anschuldigung der Kurpfuscherei vor der Um den Landwirten und Gutsbesitzern Dienstboten zu ver- Straffammer; der Staatsanwalt beantragte damals 1 Jahr Gefängnis, schaffen, scheint sich ein systematischer Skavenhandel zwischen Ver- der Gerichtshof erkannte jedoch auf Freisprechung. In jener Verhandlung mittelungs Agenten und Vermittlerinnen in der hatte der medizinische Sachverständige auf die Frage, wie er die vom Dritter Wahlkreis. Umgegend mit Magdeburg entwickelt zu haben. Junge Burschen Angeklagten behaupteten wunderbaren Heilerfolge erkläre, Im Gewerkschaftshause erfolgte schon frühzeitig die und Mädchen, die faum der Schule entwachsen sind, werden ironisch angehauchte Antwort erteilt und diefe benutte der Anauf der Straße aufgegriffen und ohne Rüd- getlagte, indem er in einer Anmerkung zu seiner Geschäftsanzeige polizeiliche Absperrung, nachdem der große Saal samt der Galerie, ichrieb: Bor Landgericht I ward Jacobi als einziger Arzt für trop der Entfernung der Tische, bis auf den legten Blaz gefüllt sprache mit den Eltern unter den füßesten Sachs waren. Das Referat hatte bier der Reichstags- Abgeordnete B. eine sprechungen ant Wiederholt unheilbare", feine Seilungen vom gerichtlichen auswärtige Agenten verschickt. tamen Eltern und ersuchten um Beistand, um ihre Kinder aus- verständigen" als mir durch Zauberei geschehen erklärt." In der übernommen. Die vorzüglichen Ausführungen des Redners fanden findig zu machen. In zwei Fällen gelang es, einen Erfolg zu Anwendung dieses Sages Arzt für luheilbare" erblickte der Staatsden lebhaften Beifall der Versammelten und wurden wiederholt erzielen. Es stellte sich hierbei heraus, daß diese unerfahrenen anwalt einen Verstoß gegen§ 1473 der Gewerbe- Ordnung und durch stürmische Zustimmungs Sundgebungen unterbrochen. Der Gerichtshof hielt durch die einer Diskussion wurde Abstand genommen. Der Resolution Kinder den auswärtigen Agenten sogar auf Lager geliefert wurden. beantragte 300 m. Geldstrafe. Die Empfänger, waren aber selbst Amtsvorsteher oder Geschäftsanzeige den§ 147 nicht für verletzt und sprach den An- wurde einhellig zugestimmt. Nachdem der Genoffe och zum Anschluß an die Organisation und zur Verbreitung der Arbeiterprefie Gutsbesiger in ortspolizeilicher Stellung. Durch amtsgericht geflagten frei. aufgefordert hatte, wurde die Versammlung mit einem brausenden Hoch auf die Socialdemokratie geschlossen. liche Entscheidung wurden den Eltern ihre Kinder wieder zugeführt. Der gestörte Admiral. In dem Hause, in welchem der Diese Dienstherrschaften machten aber noch Ansprüche auf Kost Admiral Diederichs wohnt, wurde Ende verfloffenen Jahrs die und Verpflegungskosten, die sie an den Agenten oder Händler Fassade neu angestrichen. Als eines Vormittags einer der Arbeiter auf längere Zeit zu entrichten hatten, wurden aber mit dieser den Balkon vor den Fenstern des Admirals bestieg und dort zu Forderung abgewiesen. hantieren anfing, wurde der an seinem Schreibtisch beschäftigte Rida und en dit bai Von Im Louisen städtischen Konzerthaus referierte der Reichstags- Abg. Ehrhart Ludwigshafen. Eine Diskussion über den mit lehaftem Beifall aufgenommenen Bortrag, in dem der Kammer vor Redner sehr treffend das Gebahren der Brotwucherer und ihrer Hilfs Genosse Regerau beantragte und begründete in Bezug der örts| Dr. Krause führte aus, daß der Gerichtshof in dem Verhalten des truppen fennzeichnete, wurde nicht beliebt. Die Resolution gelangte lichen Verhältnisse dann folgende Resolution: Die Versammlung Klägers ein unbefugtes Verlassen der Arbeit nicht habe erblicken einstimmig zur Annahme. Nachdem der Vorsigende Genosse Fris nimmt Kenntnis von dem Verhalten des Herrn Bürgermeisters fönnen. Das halbstündige Fernsein des G. könne bei der festaufgefordert, rege im Sinne der Resolution weiter thätig zu sein, oigt bei den Kommunalwahlen. Sie protestiert energisch hier- gestellten Sachlage nicht so schlimm genommen werden. Im übrigen erfolgte der Schluß der gut besuchten Versammlung. gegen und spricht dem Bürgermeister Voigt das Recht ab, sich in sei auch die Angabe des Klägers, er habe sich inzwischen rasieren Vierter Wahlkreis. Wahlangelegenheiten, welche sich auf die Gültigkeitserklärung lassen, unbestritten geblieben. beziehen, einzumischen, da dies lediglich nur Sache Der Andrang nach dem Etablissement Sanssouci" war der Stadtverordneten- Versammlung ist. Im Wiederholungsfalle wird war von dem Metallfabrikanten Ruben vorzeitig entlassen worden, Unbefugte Arbeitsverweigerung. Der Wertmeister S. derart, daß die Polizei bereits gegen 3/48 Uhr zur Absperrung daher der Beschwerdeweg beschritten. Dem Vorstande des social weil er erst eine Stiftmaschine in Ordnung bringen wollte, obwohl schritt. Tausende mußten umkehren. Mit gespanntem Interesse folgte die imposante Versammlung den Ausführungen des Refe- demokratischen Wahlvereins wird die Sache zur Beobachtung event. Der Unternehmer bestimmt verlangt hatte, er solle diese Maschine renten, Reichstags- Abgeordneten Die B- Stuttgart, die nach lehr- um weiteren Vorgehen übertragen. Auch diese Resolution wurde stehen lassen und die Bohrmaschine in Stand segen. S. verklagte Ruben beim Gewerbegericht auf Lohnentschädigung reichen wirtschaftspolitischen Erörterungen austlangen in einen angenommen. Schöneberg. Zahlreich, so daß das Lotal schon vor Beginn wegen unberechtigter Entlassung. In der Verhandlung Stampfruf gegen das Großagrariertum, den die Anwesenden begeistert überfüllt war, waren die hiesigen Einwohner im lubhause" der V wurde außer dem obigen aufnahmen. Anhaltender Beifall folgte dem Vortrage. Sachverhalt der Beklagte dem Kläger nach= Der Saal der„ Drachenburg" vor dem Schlesischen Thor war ebenfalls bis auf den letzten Plaz gefüllt. Auch hier mußten Machinationen der Junker und die eigentümliche Stellung der Kläger hielt sich wegen der einmal erfolgten Entlassung dazu nicht infolge polizeilicher Absperrung schon vor 8 Uhr große Massen unverrichteter Sache wieder fortgehen. Genoffe Rosenow Regierung. Die in der Schloßbrauerei tagende Versammlung verpflichtet, glaubte aber trotzdem eine Entschädigung fordern zu war gleichfalls überfüllt. Etwa 700 Personen mochten anwesend fönnen. Der Gerichtshof unter dem Vorsiz des Gewerberichters referierte. In flammenden Worten erörterte er das Thema des Abends oft unterbrochen durch lebhaften Beifall der sein. Unter dem Beifall der Anwesenden beleuchtete Genoffe Beus Dr. Voigt wies die Klage mit folgender Begründung ab: Durch den wahnwißigen Beutezug der übermütigen Agrarier. In beiden die Weigerung, die Stiftmaschine stehen zu lassen und sich an der von bester Kampfesstimmung befeelten Versammlung. Als der Redner mit Verlesung der Protestresolution geschlossen hatte, Bersammlungen wurde die Proteſtreſolution einstimmig angenommen. Bohrmaschine zu beschäftigen, habe der Wertmeister einen Grund zur braufte ein wahrer Beifallssturm durch den Saal. Unter begeisterten Steglių. Die Versammlung erfreute sich eines derartig starten sofortigen Entlassung gegeben. Im übrigen sei es auch als ein Besuchs, wie ihn Stegliz seit langem nicht erlebt hat, selbst die Frauen Einverständnis mit der Entlassung anzusehn, wenn Hochs auf die Socialdemokratie trennte man sich. waren in stattlicher Zahl vertreten. Das Referat hatte Reichstagsabgeord- Kläger tros der nachträglichen Aufforderung zum Weiter neter Kunert übernommen. In der sich an das treffliche Referat an- arbeiten fortging. schließenden Diskussion nahm Frau Kunert das Wort, um die anwesenden Frauen aufzufordern, die Männer in dem bevorstehenden Die Resolution wurde ein Stampf thatträftigst zu unterstützen. stimmig angenommen. vertreten, um Protest einzulegen gegen die Erhöhung der Getreide- noch festgestellt, daß zölle. Jn 1/2 stündiger Rede geißelte Genosse Schwarz die träglich anheim gestellt hatte, weiter zu arbeiten. Der fo der China. Proteft des Hofs gegen die Hinrichtungen. Die Gesandten berieten in einer am 12. stattgehabten Sigung über die Antwort des chinesischen Hofs, in welcher dieser gegen die von den Gesandten verlangten o des strafen Einwendungen macht. Die Gesandten beschlossen, bei ihren früheren Forderungen bezüglich der Bestrafung der schuldigen Beamten zu bleiben. Sie sprachen sich ferner dahin aus, daß es wünschenswert sei, sofort mit der Abgrenzung und Einrichtung des für die Gesandtschaften bestimmten Stadtviertels zu beginnen. Li- Hung- Tichang machte dem russischen Gesandten v. Giers einen offiziellen Besuch. Konfiskationspolitik. Bu ellers großem Saale strömten gleich nach 7 1hr daß schon um 1/28 Uhr große Arbeiterscharen, Saal polizeilich abgesperrt werden mußte. Die Gallerie wurde nicht freigegeben. Der Referent Genosse Singer geißelte mit scharfen Worten die agrarischen Parteien und Die Reichsregierung, die im Interesse einer kleinen Minderheit von In Nowawes- Neuendorf bei Potsdam sprach der Genosse Großgrundbesitzern die große Masse des arbeitenden Bolts in eine Zollfronde hineinpressen wollen. Unter lebhaftem Bei Baudert Apolda. Die Versammlung war von 350 Personen be: fall der Versammlung setzte der Vortragende auseinander, sucht, die den Vortragenden mit reichem Beifall lohnten. welche schädlichen Wirkungen eine Erhöhung der Getreidezölle In Pankow referierte Genosse Albrecht- Halle in einer von in materieller und geistiger Hinsicht haben müsse. Gegen- 200 Personen besuchten Versammlung unter lebhaftem Beifall. Auch aber dem Bund der Konservativen, Nationalliberalen, der Anti- eine Anzahl von Gegnern waren anivesend, verhielten sich aber sehr femiten und des Centrums sei die arbeitende Bevölkerung auf sich zurückhaltend. allein angewiesen und deshalb müsse sie um so energischer den Ruf Weißensee. Hier fand die Proteftversammlung gegen den ertönen lassen: Nieder mit dem Brotwucher!" Die vorgeschlagene Brotwucher im überfüllten ählingschen gota I statt. Genofie Resolution wurde einstimmig angenommen. Thiele hielt, oftmals von großem Beifall unterbrochen, das Referat. Die verlesene Resolution wurde gegen die eine Stimme des MoltereiWie der New York Herald" in seiner Pariser Ausgabe meldet, besigers Mertens angenommen. Mit einem begeisternden Hoch auf haben die Salzhändler in Tientsin beschlossen, an den Kaiser von die Socialdemokratie wurde die Versammlung geschlossen. Rußland und an den Präsidenten der französischen Republik cine Stralan- Rummelsburg. In der von 500 Personen besuchten Beschwerde zu richten, weil die Konsuln Frankreichs und Versammlung referierte Genofie Zubeil. Nachdem der Referent Rußlands ihre Salzwerte im Werte von über unter stürmischem Beifall geendet hatte, wurde die Resolution ein- 15 Millionen mit Beschlag belegt hätten. stimmig angenommen. Jm Böhmischen Brauhause war der Andrang so start, daß der Saal bereits um 814 11 hr polizeilich abgesperrt wurde. Eine zahlreiche Menge fand keinen Anlaß mehr. Mit größter Aufmerksamkeit lauschten die Anwesenden, unter denen auch viele Frauen waren, den treffenden Ausführungen des ReichstagsAbgeordneten Schippel, der das selbstsüchtige, voltsfeindliche Ver halten der Junker vom Anfang des vorigen Jahrhunderts bis auf die Gegenwart schilderte und zahlenmäßig nachwies, wie die Lebens haltung des Arbeiters durch die agrarische Beutepolitit berteuert und in ihren Folgen die Arbeitslosigkeit vermehrt wird. Stürmischer Beifall wurde dem Redner am Schluß feines Vortrags zu teil. Da sich kein Gegner zum Wort meldete, wurde von einer Diskussion Abstand genommen und die Resolution einstimmig angenommen. Fünfter Wahlkreis. Der Saal der Bözowschen Brauerei erwies sich für den großen Andrang zu flein. Obwohl durch die Entfernung der Tische noch für viele Plaz geschaffen war, mußte dennoch das Lotal abgesperrt werden, da immer neue Scharen hereindrängten. Der Referent, Reichtags- Abgeordneter Bock, schilderte neben der schädlichen Wirkung der Getreidezölle auch die elende Lage der Landarbeiter sowie die politisch reaktionäre Haltung der Agrarier. In der Diskussion versuchte in ziemlich unklarer Weise ein Redner den Nachweis zu führen, daß die Getreidezölle das Brot nicht verteuern. Gin Nationalsocialer, Herr Burg, empfahl uns, die Junker auszutaufen. Für beide Ansichten war in der Versammlung feine Stimmung zu finden, das beivies der lebhafte Beifall, den Genosse Davidsohn und Bock in der Entgegnung ernteten. Sechster Wahlkreis. In Peters Gesellschaftshaus( Moabit), dessen großer Saal polizeilich abgesperrt war, hatten sich über 4000 Personen versammelt, von denen ein großer Teil die vortrefflichen Ausführungen des Genossen Dr. Herzfeld stehend anhörte. Eine Diskussion fand nicht stand. In Adlershof referierte Reichstags- Abgeordneter Tubauer Brotwucher wurden oft von stürmischem Beifall unterbrochen. Da um 10 Uhr Polizeistunde eintrat, so konnte nur eine kurze Diskussion stattfinden. Die Resolution wurde unter stürmischem Beifall angenommen; die Versammlung schloß mit einem Hoch auf die Socialvor ca. 400 Zuwejenden. Geine scharfen Ausführungen gegen den demokratie. Köpenick. Die Versammlung war von 500 Personen besucht. Das Referat Stadthagens wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Resolution fand einstimmige Annahme. Sociale Rechtspflege. Tette Nachrichten und Depelihen. Deutsch- englische Patrioten. Berlin, 13. Februar.( B. H.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, laufen bei der hiesigen englischen Botschaft ebenso wie bei den verschiedenen englischen Konsulaten in einer Reihe von deutschen Städten täglich zahlreiche Angebote seitens deutscher Unterthanen ein, die im englischen Heere Dienst für Südafrika nehmen wollen. Weder die englische Botschaft noch die Konsulate können diese Augebote annehmen, und werden zu diesem Zwed schon gedruckte Formulare benutzt, um die Anfragen ablehnend zu beantworten. Zur italienischen Kabinettskrise. Um die Auslegung einer Bestimmung des deutschen Buch= Rom, 13. Februar.( W. T. B.) Die Verhandlungen wegen bindertarifs drehte sich ein Rechtsstreit, den der Preßvergolder B. der Kabinettsbildung nehmen einen dauernd günstigen Berlauf. gegen die Inhaber der Großzbuchbinderei Wübben u. Comp. an- Banardelli, Giolitti, Brinetti, Nafi, Galimberti, Coccortu, Powza di gestrengt hatte. B. beanspruchte im ganzen 15,20 M. rüdständigen San Martino und Morin treten bestimmt ins neue Kabinett, mit Baccelli, Accordlohn. Im vorliegenden Rechtsstreit veranlaßte besondere Luzzatti, Marcora, Sacchi, Wollenborg und Giusso wird noch verhandelt. Der Kläger Banardelli übernimmt das Präsidium ohne Portefeuille, Giolitti überSchwierigkeiten die Teilforderung von 10,39 m. hat ente große Auflage Albumdeckel in Accord gepreßt nimmt das Innere, Brinetti das Aeußere; im übrigen ist über die und Herr Wübben hat ihm jene 10,39 M. bon dem Verteilung der Portefeuilles noch nichts Endgültiges bestimmt. Wie die Accordverdienst abgezogen, indem er fich auf die Be-„ Tribuna" meldet, scheint die äußerste Linke es vorzuziehen, an stimmung des Buchbindertarifs bezog, wonach 121/2 Broz. vom der Regierung nicht teilzunehmen, wenngleich sie diefelbe unters Verdienst abzuziehen sind, wenn die Auflage mehr als 5000 Stüd stüßen wird. Auch di Rudini und Luzzatti werden das Kabinett B. hat nun Banardelli unterstützen. beträgt und die Arbeit hintereinander gemacht wird. unstreitig die Arbeit öfter unterbrechen müssen, um andre Dedel zu prägen. Er beanspruchte deshalb das Geld. Demgegenüber Unruhen in Spanien. Madrid, 18. Februar.( W. T. B.) Der Cösliner of" wor bereits nach 8 Uhr polizeilich ab- machte Herr Wübben geltend, das hintereinander" sei nicht ganz In Barcelona wurden gesperrt. Hunderte mußten wieder umkehren. Saal und Galerien wörtlich zu nehmen. Der Einn der fraglichen Tarifbestim. Heute Kundgebungen vor der Jesuitenschule veranstaltet. Die Polizei dann er= zerstreute die Manifestanten. In Villanueva y Geltru betvarf die waren dicht gefüllt, nachdem Tische und Stühle entfernt worden mmg sei, daß der Abzug der Prozente auch wenn die Fertigstellung der großen Auflage Menge das Haus des Pfarrers mit Steinen, der gegen den kürzlich waren. Der Referent Ledebour wurde mit Hochrufen empfangen; folgen solle, derart unterbrochen werde, verstorbenen Dichter Balaguer einen Artikel veröffentlichte. er kennzeichnete die heutige Regierungspolitit in zündender zuweilen durch andre Arbeiten In Santander warfen Manifestanten gestern abend Steine Rede. Gegen den Brotwucher müßte das ganze Volt mit aller daß kein nennenswerter Zeitverlust entstehe. So sei das aber hier die Bureaus der katholischen Zeitung„ Atalaya" und Energie Protest erheben. Die vom Referenten selbst verlesene Re- gewefen. Der Kläger trat diefer Auffassung entgegen und beftritt in folution wurde mit großer Begeisterung einstimmig angenommen. auch, daß ihn der Wechsel der Arbeit nicht aufgehalten habe. Der schrien:„ Nieder mit den Jesuiten!" Später gelang es ihnen, das Kloster der Carmelitermönche einzudringen, welche Diskussion fand nicht statt. Mit einem dreimaligen Hoch auf die Aufenthalt jei im Gegenteil erheblich gewesen. In einem neuen in Termin wurde der Buchbindermeister Probst, der Vorsitzende des letztere die Flucht ergriffen. Die Manifestanten plünderten Partei gingen die Versammelten um 10 Uhr auseinander. Die Versammlung in Weimanns Voltsgarten in der hiesigen Tarif- Schiedsgerichts der Buchbinder und Buchbindermeister, dann noch mehrere Häuser und legten dort Feuer an, das aber von als Sachverständiger darüber vernommen, wie die strittige Tarif der Bolzei wieder gelöscht wurde. Unterdeffen zogen andre Grippen Badstraße war von etwa 2000 Personen besucht. Genosse Pfann bestimmung auszulegen sei. Er sprach sich dahin aus: Wenn der nach den übrigen Klöstern und dem bischöflichen Palais und bes fuch fennzeichnete in fernigen Worten die Bestrebungen der Agrarier Kläger fage, er habe die Albumdeckel etwa 1200- nicht hinter- warfen auch Siefe Gebäude mit Steinen. Die Gendarmerie ging zur politischen und wirtschaftlichen Knechtung der übergroßen Mehr einander gepreßt, dann habe er ja nach dem Wortlaut recht. Es sei aber gegen die Menge, aus der Schüsse abgefeuert wurden, mit der heit des Volts. An der Hand eines reichen statistischen Materials usanz, daß bei Auflagen von folcher Größe wie hier, andre Arbeiten, be blanten Waffe vor. Als die Menge an den Häusern einiger lieferte der Redner den Nachweis, daß die kommende Wirtschaftsfonders während der flotten Geschäftszeit, zwischendurch gemacht würden. Starliften vorüberfam, beschütteten diese die Manifestanten mit Wasser, politik nur körperliches und geistiges Elend und damit auch manchmal sei es auch gar nicht anders denkbar. So sei denn auch worauf letztere die Häuser der Karlisten mit Steinen bewarfen. eine Steigerung von Verbrechen und Diebstahl erzeugen werde. Die Tarifbestimmung finngemäß auszulegen. Er( Probst) sei num Die Behauptung des Herrn Liebermann v. Sonnenberg, daß unsre folgender Meinung: Wenn der Kläger in einem Tage 1200 Druck Partei vom internationalen Judentum unterstützt werde, und im ganzen mehr als 5000 Druck gemacht habe, dann müsse er zeichnete Redner als eine ebenso dreiste wie gemeine Lüge. Seine sich den Brozentabzug von 12 Broz. gefallen lassen. Wenn Kläger Die Best fordert hier wieder zahlreiche Opfer. In der letzten Woche Bombay, 13. Februar.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus". anderthalbstündige Rede wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. hingegen nur, wie er behaupte, 800 Drud pro Tag gemacht habe, tamen hier 2000 Todesfälle vor, davon werden 922 der Pest zuNach einstimmiger Annahme der Resolution wurde die Versammlung er also die reguläre tägliche Arbeitszeit von neun Stunden mit einem brausenden Hoch auf die völkerbefreiende Socialdemokratie nicht fast ausschließlich mit diesen Drucken ausgefüllt habe, geschrieben, doch ist die Zahl derer, welche an Best starben, wahrscheinlich noch größer. Die Eingebornen find ruhig. Die Be gefchloffen. dann fei ein Bei diesem Brozentabzug nicht zulässig. Die Borussia säle in der Ackerstraße waren von etwa feinem Gutachten feze er voraus, daß die 1200 beziehungs- völferung geht wie gewöhnlich ihren Geschäften nach. 1200 Personen besucht. Kurz vor 8 Uhr wurde das Lotal gesperrt. weise 800 Gremplare an dem einzelnen Tage hintereinander gemacht Genosse Fischer Sachsen referierte hier unter großem Beifall der worden seien. Werde die Arbeit der 800 beztv. 1200 Gremplare Anwesenden. Die Resolution gelangte einstimmig zur Annahme, unterbrochen, dann wäre seiner Meinung nach wenigstens für den worauf die Versammlung mit einem begeisternden hoch auf die Tag, wo die Unterbrechung stattfinde, ein Abzug nicht zu machen. Socialdemokratie geschlossen wurde. bes Die Verfammlung in Mierfes Bollsgarten, Schönhauser Allee, war überfüllt und wohl annähernd 2000 Personen, darunter zahl reiche weibliche Besucher, waren anwesend. Genosse Wurm referierte unter lebhaftestem Beifall und die Resolution fand einstimmige Annahme. Gegner hatten sich nicht zum Wort gemeldet. Ans den Vororten dann würde Die Pest in Indien. Frankfurt a. M., 13. Februar.( B. H.) Die Frankfurter Beitung" meldet aus Meiningen: Die Regierung fündigte im Landtage die Einbringung eines Wohnungsgesetzes und eines Gesetzes Nach stundenlanger Verhandlung und längerer Beratung riet betreffend einen Stredit von 350 000 m. für Arbeiterwohnungen an. Budapest, 18. Februar.( W. T. B.) Jm staatlichen ArbeitsGewerberichter Dr. Meier Herrn Wübben, die volle Klagesumme zu zahlen, und führte aus: Unter den beiden sachverständigen Bei- vermittelungs- Bureau tam es heute zu Ausschreitungen. Eine figern beständen Meinungsverschiedenheiten. Wäre aber eine Ent- große Anzahl Arbeitsuchender bewarfen das Bureau mit Steinen und zertrümmerten die Fenster und die Einrichtung. Die herbeidas Gericht als solches scheidung notwendig, dem Kläger principiell recht geben. Nach der Beweis- eilende Polizei mußte, da die Arbeiter Widerstand leisteten, von erhebung habe B. während des Arbeitstags die Brägung der blanten Waffe Gebrauch machen und nahm ungefähr 30 Verder Albumdeckel unterbrechen müssen, und sei dies wiederholt auch Arbeiter die Verhafteten zu befreien. Haftungen vor. Auf dem Wege zur Polizeiwache versuchten die Es entwickelte sich ein förmnur einmal im Tage und dann und wami zweimal im Tage ge- licher Straßentampf, bis es berittenen Bolizeibeamten gelang, die gingen uns bis zur späten Nachtstunde folgende Berichte zu: Charlottenburg. Eine Versammlung. wie sie sich noch nie im wefen, jo liege eine Unterbrechung vor, welche dem tarifmäßigen Demonstranten zu vertreiten. Hierbei wurden wieder fünf VerBersammlungslokal der Charlottenburger Partei, in der Gambrinus Hintereinanderarbeiten widerspreche. Eine Majorität sei dafür zu haftungen vorgenommen. Brauerei zusammen gefunden hat, die heutige Protest- stande gekommen, daß der Prozentabzug nur in Frage kommen Brüssel, 13. Februar.( W. T. B) Im Laufe der Beratung 8 Uhr fönne, wenn an der betreffenden Arbeit während des üblichen nun über das Gejeg betreffend die Spielhäuser lehnte die Repräsentantenbersammlung den Brotwucher. gegen wurde das Lokal wegen Ueberfüllung abgesperrt. Kopf an stündigen Arbeitstags ununterbrochen geschafft werde. Durch andre Stopf gedrängt lauschte die Menge den zündenden Worten Arbeiten, selbst wenn sie notwendig fcien, dürfe sie nicht unter- tammer mit 97 gegen 16 Stimmen den vom Senat angenommenen des Genossen Südefum, der in großzügiger Rede die brot brochen werden, oder aber der Abzug der Prozente müffe unter- Artikel 7 ab, welcher das Privileg der Spielhäuser für Ostende wucherischen Pläne der Junker unter dem stürmischen Beifall der bleiben. Herr Wübben zahlte die Klagesumme an B. und dieser und Spa aufrecht erhält. Bersammelten verurteilte. Eine Diskussion fand nicht statt. Die nahm die slage zurüd. Protestresolution wurde einstimmig angenommen. war Bald nach Durban, 13. Februar.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Zwischen Standerton und Greylingstadt halten fich einige Boerent auf, fie richten gelegentlich an der Eisenbahn Schaden an, lassen sich aber nicht in ein Gefecht ein. General French griff in der vergangenen Woche ein Boerenlager bei Ermelo mit Erfolg au. Bierzig Boeren sollen gefallen sein, zweihundert wurden gefangen genommen und eine große Menge Vieh wurde erbeutet. Kein unbefugtes Verlassen der Arbeit. Der Kellner G., Nigdorf. Die Versammlung, welche im Apollo Theater der im Hotelrestaurant" Sagonia" beschäftigt war, wollte eines Tags Der Oberteffner ermahnte stattfand, tonnte nicht alle Besucher faffen, so daß, nachdem man die nach der Dinerzeit das Lokal verlassen. Tische entfernt hatte, wohl 2000 Personen anwesend waren. Der ihn. dies nicht zu thun, weil nur ein Kellner im Lokal zurückbliebe. Referent Reichstags- Abgeordneter Genofie Wilh. Klees tnüpfte in Der Oberkellner war in dem Augenblick der Meinung, G. wolle seinem Referate an die Protestversammlung des Bundes der ausgehen", das heißt auf längere Zeit fernbleiben. G. fagte ihm, Landwirte an, verlas die bekannte Festrede des Grafen Bülow, er sei in einer halben Stunde wieder zurück, und entfernte fich. erläuterte dann die Zölle im allgemeinen und präcifierte den Partei- obwohl der Oberkellner meinte, er möge sich die Sache reiflich über standpunkt mit dem Hinweis, daß es jetzt darauf ankomme, bei legen. Als G. nach einer halben Stunde zurüdfam, wurde er ent den nächsten Wahlen unsre Kräfte einzufezen, um das Junker- lassen. Auf seine nunmehr beim Gewerbegericht anhängig geParlament zu sprengen. Einstimmig wurde die Resolution an- machte Entschädigungsklage verurteilte die Kammer VI den begenommen; die Diskussion fand im Sinne des Referats statt. tlagten Hotelinhaber zur Zahlung von 102,60 m, Der Vorsitzende Berantwortl. Rebacteur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von May Babing in Berlin. " Washington, 13. Februar.( Meldung des Reuterschen Bur.") Auf dem Staats- und Schatzdepartement laufen unzählige Telegramme ein, in welchen gegen den auf russische Zuckerraffinade gelegten Stompenfationszoll Einspruch erhoben wird. Fast in allen wird nachdrücklich betont, daß ein solcher Zoll den amerikanischen Exporthandel nach Rußland, der bereits bedeutend sei und noch zuzunehmen verspreche, völlig untergraben würde. Sierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. n,. 88, i8. z.,kW» i, KilM Srs„giitiüätls" gttliti MsM»'■■"«■i.« I.'»»«1- Neichskag. 1001, 48. Sitzung vom Mittwoch, den 13. Februnr nachmittags 1 U h r. Am BundeSratStische: v. T h i e l e n. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Heine iSoc.I: Der preußische Jnstizniintster, Herr Dr. Schönstedt, hat in der Si�ung des preußischen Abgeordnetenhauses vom S. Febniar persönliche Angriffe gegen mich gerichtet, in denen er von groben Unwahrheiten und in bypotheiischer Form von frechen Lügen spricht. Ich kann diese Angriffe nicht völlig unbeachtet lassen, weil dieser Herr nicht blas preußischer Justiz- minister, sondern auch Mitglied dcS Bundesrats ist. AIS Herr Dr. Schönstedt mich so angriff, war ja hier im Hause die Diskussion über das Gehalt des Staatssekretärs des RetchS-JustizamtS ichon geschloffen, ich habe also vorläuffg keine Möglichkeil mehr, eingehend sachlich zu antworten. Ich kann heute nur erklären. daß ich die Angriffe deS preußischen Justizministers zurückweise. Sie sind, ganz abgesehen von ihrer Form, sachlich un gerechtfertigt, da Herr Dr. Schönstedt mich Dinge sagen läßt, die ich nie gesagt habe. Ich behalte mir vor, bei der dritten Lesung deS Reichs Jnstizetats mit diesem Herrn Dr. Schönstedt ab- zurechnen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Fortsetzung der zweiten Lesung des Etats für die Verwaltung der Eisenbahnen. Die Beratung steht bei den»Einmaligen Ausgaben" des Extraordinariunrs. Abg. Dr. Paasch«(natl.s: In der Budgetkommission ist bereits darauf hingewiesen worden, daß weitere Raten gefordert werden, während die ersten Raten noch nicht verbraucht sind. Das ist besonders bedauerlich in einer Zeit, wo es gilt, den Anleihebedars möglichst herabzndrücken. Während einer Periode, wo wir für China Geld brauchen, sollte nicht auf Vor rat Geld gefordert werden. Die Kommisston hat deshalb grundsötz. die zweiten und dritten Raten gestrichen, wenn die erste Rate noch nicht verbraucht ist. Minister v. Thielen bittet, die Dispositionen der Bauverwaltung nicht durch setzung der zweiten und dritten Raten zu stören. ES handelt sich um die Möglichkeit. Verträge mit den Unternehmern abzuschließen. Das Haus beschließt bei den einzelnen Forderungen nach den Vorschlägen der Budgetkommission. Es folgt die zweite Beratung deS Entwurfs eines Gesetzes be- treffend die Feststellung eines dritten Nachtrags zum NeichshaushaltS» Etat für das Rechnungsjahr IS«).(China-Borlage.) -.*1" Kommission beantragt, den Rachtragsetat zu bewilligen und folgende Resolution anzunehmen: .Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, darauf hinzu» wirken, daß in dem die Wirren in China abschließenden Staats- vertrag die Freiheit der christlichen ReligionSübung in China ausbedungen und unter den Schutz der bei dem Vertrag beteiligten Staaten gestellt werde." Ohne Debatte werden die Ausgaben für die China- Expedition in Höhe von 1S2 770«» M. genehmigt. darunter die Kosten für eine Medaille für die Teilnehmer an der Expedition in Höhe von 70 00« M., ebenso die Einnahmen auS der China-Anleihe und das dazu gehörige EtatSgesetz. Es folgt die Beratung über die Resolution. Abg. Vebei(Soc.) beantragt folgenden Zusatz zu der Re« solution: «Den Missionare» ist die Verpflichtung aufzuerlegen, sich weder in die wirtschaftlichen, noch socialen oder politischen An- gelegenheiten deS chinesischen Reichs und seiner Bevölkernng ein« zumischen, insbesondere auch sich nicht Abzeichen chinesischer Beamten oder Würdenträger beizulegen oder sich beilegen zu lassen." Abg. Bebel(Soc.): Ich habe in der Kommission denselben Standpunkt vertreten, wie bei der Generaldebatte im Plenum, der dahingtzig, daß allen- falls der Staat bei einem fremden Staat das Recht erwirken könnte, daß religiöse Propaganda gestattet sei. daß aber im übrigen den Missionen selbst überlaffen bleiben müßte, für daS, was sie thäten. die voll« Verantwortung zu tragen. In der Resolutton der Kommisston handelt«S sich aber nicht nur darum, daß den Angehörigen der bei der Abschließung des Vertrag» beteiligten Staaten freie Ausübung ihrer religiösen Ueber- zeugung gestattet wird, sondern die Resolution ermöglicht, daß, wenn eine dieser Regierungen zu dem Glauben kommt, daß die An- gehörigen des chinesischen Reichs, die Christen geworden sind, irgend- wie wegen ihrer religiösen Anschauungen benachteiligt werden, als- dann sofort die fremde Macht das Recht haben soll, einzuschreite» und die chinesische Regierung zur Verantwortung zu ziehen. Ein solcher Standpunkt würde dazu sichren, daß wir aus den Konflikten mit China nicht herauskommen. Ich weiß nicht, ob im Hause irgend einer ist» der nach den Erfahrungen der letzten Monate noch Gelüste nach weitereu Konflikten mit dem chtuesischcn Reich hat. Unzweifelhaft ist, daß ein wesentlilver Teil der Konflikte, die in China ausgebrochen sind, durch das Verhalten der Miffionare der verschiedenen christlichen Religions- gemeinschaftcn provoziert worden ist. Durch das Verhalten der Missionare hat sich ein großer Teil der chinesischen Be- völkerung so schwer verletzt gefühlt, daß der Haß gegen die .fremden Teufel", wie der Ausdruck lautete gegen die Ausländer, gegen die Christen eine solche Höhe erreichte, daß. nachdem noch einige andre Momente hinzugekommen waren, die Konflikte im vottgen Sommer ausbrachen. Seit Wochen beraten die Gesandten in China über die Friedens- bedingungen. ohne zu einem Resultat zu kommen. ES hieße Cel iuS Feuer gießen, wenn der Reichstag versuchen wollte, durch solche Resolutionen, wie sie vorgeschlagen sind, in die Verhandlungen dort einzugreifen. Es tst allerdings bestritten worden, daß die Missionare einen gewissen Anteil an der Entpörrung in China gegen die Fremden haben. Ich habe hier eine Reihe von Belegen, die ich zu Ihrer Kenntnis bringen muß. weil sie von Männern herrühren, die in China in hervorragender Stellung gewirkt haben. Sie alle stimmen darin Lberein, daß daS Verhalten eines Teils der Missionare eine sehr erhebliche Schuld an den Chiua-Wirre» trägt. Dr. S t u h l m a n n. Professor an der Pekinger Universität äußert im.Hamb. Korrespondent", viele Beamte feien den Boxern günstig gesinnt und zwar hauptsächlich auS Abneigung gegen die Missionare, die die Beamten vielfach in ihrer Würde verletzten. Gegen Schützlinge der Missionare wagten sie oft nicht aufzutreten und das schädigte das Ansehen der Beamten. Ich muß'mich dann auf das Zeugnis des deutschen Manne- auditeurS Dr. E i ch h e i m benifen dieser hat über die Ursachen der chinesischen Wirren folgendes geäußert: Man mag über die Missionsthatigkeit vom religiösen Standpunkt denken wie man will— eS ist rein menschlich, daß die Missionare sich derjenigen Einwohner, welche ihrem Glauben beigetreten sind. auch den chinesischen Beamten gegenüber annehmen; und gerade diese gewisse Schutzherrschast ist es. welche im Volte einen furchtbaren Grimm gegen die sämtlichen Aangiieitze erregt hat. Dr. Eichheim setzt dann auseinander, daß die Chineien, die Christen geworden seien, nicht immer die besten Brüder seien. Diese genießen den Schutz der Missionare selbst in Sachen, die mit dem religiösen Be- kemitniS nichts zu thun haben. Die Missionare gehen für ihre Schützlinge» wenn diese angellagt find, sogar vor Gericht. Gehört solches zur Thätigleit des Missionars? Liegt da» im Wesen der Mission, daß die Missionare Vergehen und Verbrechen mit ihrer Autorität decken dürfen. Und diese Autorität ist nicht gering; dürfen doch die katholischen Missionare, wie Dr. Eichheim weiter feststellt. Beamtenkleidung tragen und bekleiden unter Umständen einen höheren Rang, als der zuständige Richter. Diese Richter lassen daher, um nicht in Verwickelungen zu geraien, chinesische Christen oftmals lieber lausen, wie Dr. Eichheim von einem durchaus zuverlässigen deutschen Herrn anS dem Stabe des chinesischen Gouverneurs von Schantunz erfahren hat.(Hört I hört I bei den Socialdemokraten.) Sie sehen so durch unverdächtige Zeugnisse Thatsachen bestätigt, die ich bei der ersten Lesung hier im Hause vorgebracht habe; namentlich erhärten diese Zeugnisse die von mir behauptete Beeinflussung der Rechts- pflege seitens der katholischen Misstonen zu Gunsten von Subjekten. die oft gar nicht verdienen in Schutz genommen zu werden. Hier haben sie eine der Hauptursachen der Wirren in China. Stellen Sie sich einen Augenblick vor, daß wir ähnliche Zustände hier in Deutichland hätten, daß hier bei uns zu Lande fremde Missionare sich erdreisteten. in der Amtsuniform eines Regierungs- oder gar Oberpräsidenten vor Gericht austreten würden, um irgend welche zu ihrem Glauben bekehrte Schelme zu schützen! Welche Entrüstung würde unter solchen Umständen hier ansbrechen l Run. die Chiuesrn sind auch Menschen und sie siehe» nicht aus der niedrigen Knlturstuke, wie Sie fortgesetzt behaupten. Jetzt, da die Verhältnisse sich ein wenig geklärt haben, jetzt bricht in zahlreichen Berichten, die aus China einlaufen, allmählich die Wahrheit durch; jetzt kommt allgemach zu Tage, daß wir uns arg getäuscht haben, als wir die chinesische Kultur zu niedrig einschätzten; daß die Kultur des chinesischen Volks, seine Wohn- und Lebensweise,! selbst seine küust- lerischrn Anfttiaunngen weit höher stehen» als eS bei einem großen Teil der deutschen Bevölkernng leider der Fall ist. (Hört I hört I bei den Socialdemokraten.) Um so leichter werden Sie begreifen. daß ein solches altes Kulturvolk auch seine alten Rechtstraditionen hat. daß eS in Zorn ausbricht, wen» eS dieselben gröblich verletzt sieht. Schon in der ersten Lesizjig dieser Vorlage verwies ich auf den Artikel eines Centrumsblatts, der.Neuen Bayrischen Zeitung". Ich habe hier einen ziveiten Artikel vor mir, der in der Form etwas anders, dem Inhalt nach ganz ebenso lautet. In dem Artikel wird von„chinesischen Christen" in Anführungszeichen gesprochen, d. h. von Leuten von sehr zweifelhaftem Charakter, die Christen wurden und gegen die sich der allgemeine Unwille richtete: die chinesischen „Christen", heißt es dort, wurden immer mehr übermütig und herausfordernd, und eS fanden sich eine Menge An- Hänger auS den schlechtesten Kreisen ein, die in dem neuen Glauben Straflosigkeit für ihre Verbrechen und in dem Schutz der Missionare Sicherheit gegen die Staatsgewalt zu finden glaubten. Diese« Zeugnis eines Centrumsdlatts sollte Ihnen zu denken geben. Ich habe hier ferner einen Artikel aus der „Breisgauer Zeitung" vom 2. Oktober, überschrieben„AuS fernem Osten". Der Verfasser, der Sohn eines Professors und Hofrats aus Freiburg im BreiSgrau. sagt in feinem Artikel:„Wer je Zeuge war von der anmaßenden Intoleranz und von der Habgier, mit der die christlichen Missionare aller Schattierungen im Lande der Mitte hausten, der wundert sich nicht, daß den langniiitigen bezopften Chinesen endlich die Geduld ausging."(Hört! hört! bei den Socialdemokraten.) Ja, hören Sie diese Zeugnisse, meine Herren, sie stammen nicht von Socialdemokraten, sondern auS gut bürgerlichen Kreisen. In dein Artikel heißt es weiter:.Jeder Chinese, der etwas auf dem Kerb- holz hat, jeder, der eine faule Schuld eintreiben will, wird einfach Christ. Die betreffende Mission nimmt sich seiner Sache an, trägt sie dem betreffenden Konsul oder ganz dirett der Gesandtschaft in Peking vor, und diese sind durch bestimmte Klauseln in den Verträgen gezwungen, alle diese Missionarsivünsche zu vertreten." Also eine neue Bestätigung der Richtigkeit meiner Auffassung von der Thätigkeit der Msstonare.(Sehr' richtig l bei den Soc.) Und nun. meine Herren, das Urteil eine» Mann«, der selbst viele Jahre lang deutscher Gesandter in Cbina war. das Urteil des vielgenannten Herrn v. B r a n d t. WaS sagt dieser?„Tin großer, wenn nicht der größte Teil des FrenidenhaffeS ist auf die Tbätigkeit der christlichen Missionen(die deutschen stellt er etwas höher als die andren) zurückzuführen; und wenn nach der Niederwerfung der Be- wegung und Bestrafung ihrer Urheber keine Aenderung in der Art und Weise der Misstonen eintritt. so werden wir in zehn Jahren wieder vor einer Krist« stehen. die die jetzige noch an Umfang und Schrecken übertreffen dürste." Hier haben Sie gleich einen Ausblick in die Zu- kunft, der ganz mit meinem Urleil übereinstimmt. An einer andren Stelle sagt Herr v. Brandt in Uebereiiistimmnng mit dem Artikel der„Breisgauer Zeitung":„Zwei Drittel der Arbeiten der Ge- sandtschasten und Konsulale sind durch Beschwerden und Ansprüche der Missionare veranlaßt worden". Die Tbätigkeit der Missionare erstreckt sich also aus alle Gebiete deS wirtschaftlichen, socialen und politischen Levens in China. Ueberall mischen sie sich ein und glauben ein Recht dazu zu haben. Sie suchen die Gesandtschaften heim mit ihren Wünschen und Beschwerden, und die Gesandtschaften sollen entscheiden. Die Gesandtschaften find in 99 Proz. nur auf den Bericht des Misstonars angewiesen, und daß dabei sehr viel« ungerechte Entscheide fallen, ist selbstverständlich. Ich könnte die Zabl dieser Beläge noch bedeutend vermehren. Aus die Rolle, die der katholische Bischof Anzer in Schantuug gespielt hat. habe ich bei der ersten Beratung des Etats hingewiesen. Herr Bachem hat meine Anschuldigungen als falich hinzustellen gesucht. Ich habe ihm damals schon geantwortet. Mittlerweile ist ihm aber auch von andrer Seite eine Antivort zu teil geworden und zwar in einer Broschüre de« Pfarrers Rohrbach in Marburg. Der Verfasser dieser Schrift führt Herrn Dr. Bachem ganz gründlich ab und ichlägt ihn in allen Details grünolich aufs Haupt. Die Schrift beweist, daß Anzer in der That eine bedeutende politische Thätigkeit ausgeübt hat. und daß er feine hervorragende Stelle als Missionar für polittsche Agitationen gemißbraucht hat. Infolgedessen ist ein gut Teil der Mißstimmung gegen Deutsche und Christen in der Provinz Schamuiig entstanden. Die Resolution, die die Bndgetkommission vorschlägt, ist außer- ordentlich bedenklich. Wenn Sie ihr aber doch zustimmen zu müssen glauben, dann sprechen Sie zu gleicher Zeit auch ans, unter welchen Bedingungen künftighin die Missionare in China thättg sein sollen. Die Missionare wollen die Chinesen für die christlich« Religion gewinnen. In dieser Absicht ihnen irgend ein Hindernis in den Weg zu legen, ist weder meine noch meiner Parteigenossen Absicht. Wir wünschen ihnen viel Glück und glückliche Reise. Aber wir protestieren energisch dagegen» daß die staatliche Autorität mit ihrer Macht eintreten soll, um mit schweren Opfern an Gut und Blut wieder gut zu machen» waö die Missionare verdorben haben.(Sehr richtig l bei den Social- demokraten.) Dieie mögen für ihre Thate» selbst einstehen, und wenn eS eine so schöne, herrliche Sache ist, für seinen Glauben zu sterben, wie Herr Bachem behauptet, dann mögen sie Kraft ihres Glaubens als Märtyrer die ewige Seligkeit erwerben. Wir bestreiten nur, daß der Staat die Verpflichtung hat, die Missionare durch seine Autorität zu schützen. Bon der Cbttslianisienino der Chinesen haben wir zwar gehört, ober wie stellt man eS sich eigentlich vor, ein Boll von 800—400 Millionen zu Christen zu mawen. ein Kulturvolk, welches, soweit seine Elemente wirklich den Namen. kulturbildnerisch zu sein, verdienen, auf der vollen Höhe der ge- bildet st en Christen in Europa sieht? Ich bitte Sie also, unsren Zusatz anzunehmen, wenn Sie die Resolutton der ivudgetkommission beschließen sollten. Sie begrenzt die Thätigkeit der Missionare aus das religiöse Gebiet, auf den Boden ihrer Thätigleit. Hallen wir fest, daß ivenigstens ein Teil dieser Missionare in China eine Rolle gespielt, die sich lein sogenannter christlicher Kulturstaat aus die Länge würde gefallen lassen. Missionare stehen in China an der Spitze oppositioneller politischer Zeitungen. Bei uns aber werden Ausländer, die oppositionell oder gar socialdemokratisch agitieren, über die Grenze spediert. Wenn dre Chinesen die gleiche Maßregel ergriffen, dann wollte ich einmal sehen, welch ein Geschrei in Israel entstehen würde, und doch sagt schon der alte Confutse 500 Jahre vor Christi:„Was Du nicht willst, das man Dir thu', daS filg' auch keinem andern zu." So sollten Sie auch handeln. Wir können Tausende von Meilen von China entfernt unmöglich prüfen, wenn ein Missionar ermordet oder schwer mißhandelt worden ist, ob nicht vorher schon Dinge ge- schehen sind, die das Volk zu solcher Brutalität angereizt haben. Im Grunde genommen ist ja der Chinese ein toleranter Mensch, der sich um die religiöse Ueberzeugung andrer wenig kümmert, und ein großer Teil der oberen Klaffen der Chinesen befitzt das. waZ»vir m Europa mit„Atheismus" bezeichnen. Nehmen Sie meinen Antrag an.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Abg. Gras Stolber«- Wernigerode(k.): WaS mich an der Rede des Herrn Bebel am meisten gewundert oder rnelmehr nicht gewundert hat(Lachen linls), ist die Art und Weise, wie er die Chinesen und uns als gleichberechtigte Parteien hingestellt hat. Auf diefen internationalen Standpunkt kann ich mich nicht hinaufschwingen.(Lachen bei den Socialdemokraten.) In Wirklichkeit hält er selber die Chinesen nicht für gleichberechtigt. WaS würde er dazu sagen, wenn die gelben Menschenbrüder, die Kuli«. als Arbeiter zu uns importiert würden? Ich selber bin durchaus nicht für dielen Import, aber die Socialdemokraten würden über Lohn- drückerei schreien. Herr Bebel betrachtet auch die Missionare nicht als gleichberechtigt, denn er will ihnen den Schutz versagen, der dem Kauimann und dem einfachen Reisenden gewährt wird. Die Resolution will nur den Zustand wiederherstellen, der vor den Un- ruhen bestand. Sie ist von christlichen und nationalen Gesichts- punkten au» notwendig: Wenn ivir fremden Böller mit unser» Ranfleuten nicht auch unser Christentum bringen, dann ist unsre Kolonialpolitik nicht einen Schuß Pulver wert!(Sehr richtig I rechte und im Centrum.) Wir können nickt von der Regierung fordern: sie solle sich in das Verhältnis der Missionen einmischen und sogar die Kleidung der Missionare lontrollieren. Ich bitte, die Resolutton anzunehmen, den Zuiatz-Anlrag Bebel aber abzulehnen I(Bravo l rechts und im Centrum.) Abg. Bachem(C.) schließt sich den Ausführungen des Vorredners über die Resolution an. Die Kultuniati onen haben nicht nur die christlichen Missionare zu schützen, sondern auch einzugreifen, wenn die für daS Christentum geworbene Bevölkerung uiassakriert wird. AIS die christlichen Armenier von den Türken massakriert wurden, war alle Welt entsetzt. Die Klilwrnationen hätten auch eingrei> müffen. wenn sie es nur gekonnt hätten. Damals hat Herr Bebe« den Mächten sehr energisch den Text gelesen, weil sie die Greuelthaten in Armenien geduldet und nicht eingegriffen hätten. Warum soll dieser Grundsatz nur für Arnrenien und nicht für China gelten? (Sehr gutl) Ich kann mir die Haltung des Kollegen Bebel nur auS dem Bedürfnis erklären, immer in der Opposition zu sein. Nun zu der Resolution Bebel: Der erster« Teil scheint etwas Selbstverständliches auszudrücken. Wir stehen alle auf dem Standpunkt, daß es nicht die Sache der Missionare ist, sich in sociale und politische Streitigkeiten einzumischen. Sieht man sich die Sache aber näher an, so findet man, daß dann ein formelles Mißtrauensvotum gegen die Missionare ausgesprochen ist. und so weit gehenden Ronsegnenzen können wir nicht zustimmen. Warum legt er gerade den Missionaren so weitgehende Kautelen auf. nickt aber'den Koufleuten und den Ingenieuren, die Eisenbahnen in China bauen? ES ist eine absolut unabweisbare und grundlose Behaup- tnng. daß die Missionare an dem Ausbruch der Unruhen schuld sind. Was den zweiten Teil der Resolutton Bebel anlangt, so ist e» eine Tbatsache. daß alle Missionare den Rang von Mandarinen in China bekleiden. Dieser Gebrauch, die? Pttvilegium ist von der franzöfi- scheu Regierung eingeführt worden. Wenn alle Kulturnationen darauf eingehen wollten, auf dieses seit vierzig Jahren be- stehende Privilegium zu verzichten, so hätte ich mcht« dagegen, wenn sich auck Deutschland darauf einließe. Wenn aber nur den deutschen Missionaren das Mandarinenkleid ausgezogen würde, so würde darin wieder ein Mißtrauensvotum gegen unsre Missionare liegen und sie würden gerade jetzt den ärgsten Gewaltthätlgkeiten ausgesetzt sein. Der Antrag Bebel ist also in allen Teilen unannehmbar.(Bravo! im Centrum.) Bischof Anzer ist nicht in den Tempel des Confutse eingedrungen. sondern ist einer Einladung des höchsten Mandarinen gefolgt. Herr Bebel hat alles zusammen gesucht. waS gegen dt« Missionare anaeführt wird, ist aber an den zahllosen glänzenden Zeug- niffen. die ihrem selbstlosen socialen Wirken für die untere Volksschicht ausgestellt sind, vorübergeschritten.(Sehr richtig 1 im Centrum.) Daran ist nur seine ausgesprochene Antipathie gegen das Christentum schuld.(Sehrttchtig! imCentrumundrechts.) ESisteme völlig haltlose und unqualificierbare Behauptung, daß die Missionare j edeS verkommene Subjektaufnehmen und schützen. Es ist absolut unwahr. vaß die Missionare bewußter Weise Diebe verteidigt hätten. An den Wirren haben andre Potenzen viel mehr schuld, als die Missionare und Bischof Anzer. Der Broschüre des Pfarrer« Rohrbach kann ich keine Beweiskraft zuerkennen. Der Artikel der„Reuen bäurischen Landesztg.", eines CentrumSblattes. ist gar kein Originalartikel. sonder» ans einem andren Blatt übernonimen worden. Er ist später auch noch ausdrücklich von dem Blatt desavouiert worden, und man hat festgestellt, daß der Artikel in Abwesenheit deS leitenden Redactcnrs von einem unerfahrenen jungen Redactenr aufgenommen worden ist. Herr Bebel sollte sein Material sorgfältiger prüfen. Er ist doch schon so oft aufS Eis gegangen und eingebrochen, daß er vorsichtiger sein sollte.(Lebhafte Zustimmung im Centrum und rechts.) Staatssekretär deS Auswärtigen Dr. Frhr. v. Richthoftt»: Von einer rechtlichen Wiederherstellung des statu» quo ante kann deshalb nicht gesprochen werden, weil wir uns de jure ja gar nicht im Kriege mit China befinden und die Verträge nicht aufgehoben sind. ES ist ia möglich, daß die Verhandlungen in China daS Ergebnis haben werden, daß faltisch die sämtlichen Verträge wiederhergestellt werden. Dann wäre die Resolution nicht nötig, aber UeberflüssigeS schadet ja nichts. Dem Gesandten in Peking ist die Anweisung zugegangen, zu versuchen, ob bei den Vertragsbedingungen ein noch größerer Schutz der Missionare zu erzielen ist. Den Zusatzantrag Bebel muß ich vom Standpunlt des Auswärtigen Amts als höchst bedenklich er- achten. Wie soll diese Zusatzresolutio» ausgeführt werden? Durch welche Organe? Es würden nur die kaiserlichen Konsulate in Frage kommen, und die haben nnr da» Recht beS Erlasses von Polizeiverordnungen. Auch für ein Verbot, sich den Charakter chinesischer Beamten beizulegen, fehlt jede Handhabe. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Gewiß soll dem Missionar dasselbe Recht werden wie jede«» andern. Wir erklären uns aber gegen die Resolution, weil sie Religion und Politik miteinander verquickt. Der Staatssekretär bat bereits Wasser in den Wein der Resolution geschüttet. DaS Auswärtige Amt soll offenbar weniger gestützt als geschoben werden. In dem Chinaprogramm des Grafen Bülow war von den Forderungen der Resolution nicht die Rede. Sie verlangen de» Schutz der Freiheit der christlichen Religionsübung von den bei dem Vertrag beteiligten Staaten. Aber zu diesen Staaten gehört doch auch da« nichtchristliche Japan.(Heiterkeit link«.) Wir find in die chinesischen Berhiiltnifs« schon diel weiter hineingerate», als eS die Mehrheit der deutschen Bevölkerung will. sSehr richtig! links.) Mit dem ersten Teil des Antrags Bebel sind wir ein- verstanden, für seinen Schlußsatz ober kvimen wir uns nicht erwärmen. Ich wünsche den Missionaren allen die gelbe Jacke, die Gunst der chinesischen Regierung, nur uns dürfen sie keine Schwierigkeiten bereiten. Meine politischen Freunde werden also für den ersten Teil des Bebelschcn Zusatzantrags stimmen und gegen den zweiten Teil, und stellen einen entsprechenden Eventualantrag. Aus unsrer Ablehnung der Resolution, zu der wir kommen, um die Schädigung vaterländischer Interessen zu verhüten, darf man nicht folgern, daß wir an der christlichen Religion ein geringeres Interesse hätten, als diejenigen, die die christliche Religion durch das Eingreifen der Staatsgewalt fördern wollen.(Bravo! links.) Abg. Graf Bernstorff-Lauenburg(Rp.) tritt fiir die Resolution ein und bekämpft das Amendement Bebel. Die christliche Kirche muß Mission treiben, das liegt in ihrem Wesen. Abg. Schräder(frs. Vg.): Die Resolution ist überflüssig, da die Freiheit der Religions- Übung in China bereits besteht. Bestände dieser Zustand nicht, dann würde ich mich energisch gegen einen solchen Schutz der christlichen Religion in China aussprechen. Abg. Bebel(Soc.): In der Kommission ist von dem Herrn Regierungsvertreter aus- drücklich zugegeben worden, daß die Resolution nicht nur den Status quo bestätige, sondern ihrem Sinne nach über ihn hinausgehe, gerade deshalb habe ich meinen Zusatzantrag gestellt. Ich will»och kurz auf die Einwände eingehen, die gegen diesen Znsatz erhoben worden sind. Man hat gemeint, die Kleiderordnung der Mandarinen gehe uns nichts an. So liegen die Dinge aber nicht. Wenn christliche Miüionare in ein fremdes Land gehen, so müssen sie es für eine Ehrensache halten, ibr geistliches Kleid auch dort zu tragen. Sie dürfen sich nicht ein falsches Gewand anlegen und wie der Wolf im Schafpelz einhergehen.(Unruhe im Ccntrum.) In ihrer Eigenschaft als Europäer und Christen dürfen sie sich nicht in die Uniform chinesischer Mandarinen stecken, denn es handelt sich nicht bloß um das Gewand, sondern um die Würde, die Autorität, die sie dadurch erhalten. Wir wollen nur. daß die Missionare sich nicht um Politik kümmern und vom Staate nicht besonders unterstützt werden. Ganz in demselben Sinne hat sich sogar eine Versammlung von Prot estanten ausgesprochen. Dort wurde erklärt, daß die Weltpolitik nicht in das Fahrwasser der Kreuzzüge einlenken dürfe. Das Reich Gottes werde weder durch das Schwert gebaut, noch durch das Schwert geschützt. Genau das ist der Standpunkt meiner Fraktion. Herr Bachem hat sodann gethan, als seien die Be- schuldiglingen, die ich hier ausgesprochen habe, rein aus der Luft gegriffen. Ich habe mich ausdrücklich dagegen verwahrt, die Misfionare im allgemeinen gemeint zu haben, und habe mich im übrigen bei meinen Ausführungen auf Artikel des Sir Robert Hart berufen, der seit 18S2 Verwalter der chinesischen Seezölle ist. Dieser Herr be- hnuptet auf Grund seiner 38jährigen Erfahrung ebenfalls, daß durch das Verhalten eines Teils der Missionare die gegenwärtigen Wirren in China hervorgerufen worden seien. Derselben Ansicht ist auch Herr v. Brandt, der als Gesandter die hölbfte Vertrauensstellung genossen hat, die ein Deutscher im Aus« lande einnehmen kann. Ob der Artikel in der katholischen„Bayrischen Landeszeitung", der sich gegen die Missionare aussprach, in Ab- Wesenheit des Chefredacteurs in die Zeitung gekommen ist, kümmert mich gar nichts, dadurch wird der sackiliche Inhalt des- selben nicht widerlegt.(Sehr richtig! bei den Socialdemokraten.) Herr Backem wies darauf hin, daß ich mich früber sehr lebhaft für den Schutz armenischer Christen ausgesprochen hätte. In dem Sinne, daß ich für einen europäischen Krieg gesprochen hätte, um den Armeniern zu Hilfe zu kommen, habe ich mich jedenfalls nicht geäußert. Im übrigen handelt es sich aber auch in Armenien um den Schutz einer seit jeher vorhairden gewesenen christlichen Be- völkerung gegen einen fremden heidnischen Eroberer, in China dagegen um chinesische Unterthanen, die eben zum Christentum übergetreten sind. Ich habe mich auch nur dagegen gewandt, daß neu zum Christentum übergetretene Chinesen, die sich gemeine Ver- brechen haben zu Schulden kommen lassen, über Gebühr geschützt werden. Ich habe mich auch nicht auf allgemeine Angaben beschränkt, sondern Namen genannt. Im übrigen sind wir alle— auch Herr Bachem den Verhältnissen in China gegenüber auf Nachrichten von Leuten angewiesen, die als Autoritäten gelten und denen wir Ver- trauen schenken. Herr Bachem fragte, warum nur gegen Missionare so vorgegangen werde und nicht auch gegen Kaufleute. Wenn ein Kauf- mann sich Ungehörigkeiten gegen Chinesen erlaubt, so soll er natürlich ebenso wenig vom Reiche geschützt tverden. Aber weil zwei Missionare erschlagen wurden, darum sah sich das Deutsche Reich veranlaßt, einzugreifen, darum erfolgte die Besitzergreifung KiautschouS, der Raub von Kiautfchou. Damit hat der Staat an- erkannt, daß er die Thätigkeit der Missionare in hohem Grade als politische Thätigkeit einschätzt.(Sehr richtig! bei den Social- demokraten.) Interessant war mir, daß Graf Stolberg es offen jaussprach, er halte Chinesen und Europäer nicht für gleichberechtigt. Ich meine allerdings, daß, so lange wir uns nicht daran gewöhnen, die Chinesen als gleichberechtigt zu behandeln, wir uns nicht wundern dürfen, daß die Chinesen über unsre ungerechte Be- Handlung empört sind und sich dagegen wehren.— Graf Stolberg meinte, unsre ganze Kolonialpolitik tauge nichts, wenn sie nicht auf dem Christentum fuße. Das heißt nichts andres, als die Missionare sind im großen und ganzen nichts andres als politische Agitatoren' für das Deutsche Reich.(Widerspruch rechts.) Sie wollen, indem sie möglichst viele Chinesen zu Christen machen, sich gewissermaßen eine Schutzgarde dort bilden, auf welche Sie rechnen können. Da können Sie sich nicht wundern, wenn der fremde Staat sich gegen solche Versuche der Untergrabung seiner Existenz auf das energischte wehrt. Die Christianisierung Chinas bedeutet für Tie nichts andres, als die politische Eroberung Chinas. Ich freue mich, daß dieser Gedanke heute einmal klar ausgesprochen ist. Um so mehr habe ich Anlaß, gegen den Nachtragsetat zu stimmen.(Bravo! bei den Socialdemokraten.) Präsident Graf Ballestrem: Herr Bebel hat einige Worte gesprochen, die mir bei der Un- ruhe des Hauses und der raschen Sprechweise des Redners entgangen sind; ich bin aus dem Hause darauf aufmerksam gemacht worden. Herr Bebel hat gesagt:„darauf kam die famose Expedition nach Kiautfchou, der Einbruch in Kiautschou, der Raub von Kiautfchou." Eine Besitzergreifung des Deuffchen Reichs im fernen Lande als Raub zu bezeichnen, verstößt gegen die Ordnung des Hauses. Ich rufe deshalb Herrn Bebel zur Ordnung.(Bravo! rechts.) Abg. Hieber(natl.): Die Resolution war vielleicht überflüssig, da sie nur den statu» quo aufrecht erhalten will. Da sie aber einmal«ingebracht ist, tverden wir für sie stimnien. Alle Protestanten sind der Ansicht, daß die Missionare keine politische Thätigkeit entfalten dürfen. Die Resolution Bebel steht aus den ersten Blick sehr harmlos aus, macht aber thatsächlich die jetzige Thätikgkeit der Missionare zum guten Teile unmöglich, vor allem ihre Liebesthätigkeit, die doch in die wirtschaftlichen und socialen Verhältnisse der Chinesen eindringt. Ich inuß meine Verwunderung darüber ausdrücken, daß ein Social- demokrat die sociale Hilfe unmöglich machen will, die die Missionare gerade den ärmsten Chinesen bringt.(Sehr richtig I bei den National- liberalen.) Chinesische Christen werden ihres Glaubens wegen zu Tode gemartert, das sollte die socialdemokratische Presse auch ver- öffentlichen und nicht bloß Hunnenbriefe.(Sehr gut! bei den Nationalliberalen.) Abg. Gröber((£.): Die Verpflichtung zum Schutz der Misfionare für das Reich beruht nicht auf einem Staatsvertrage, sondem auf der Thatsache der Staatsangehörigkeit dieser Missionare. Nun ist in der Resolu- tion nur die Forderung, daß die Freiheit der christlichen Religions- Übung in China unter den Schutz aller an einem künftigen Vertrage mit China beteiligten Staaten gestellt weide. Davon ist auch Japan nicht auszuschließen, denn es hat den Wert der abendländischen Kultur erkannt und diese ist untrennbar mit dem Christentum verbunden. Herr v. Richthofen hat durchaus nicht Wasser in den Wein der Resolution gegossen. Merkwürdig, daß die Socialdemokraten solches Jntereffe an der Äleiderfrage der Misfionare nehmen. Die französischen Social- demokraten mögen die Soutane nicht leiden, die deutschen Socialdemokraten wollen den Missionaren in China die Soutane vorschreiben.(Heiterkeit im Ceutrum.) Herr Bebel will die Missionare in China unter ein schlimmeres Aus- nahmegcsetz stellen, als es das Socialisteugesetz war.(Oh I oh I bei den Socialdemokraten.) Zum Glück ist Herrn Bebel niemand auf den Leim gekrochen, als er Unfrieden zwischen evangelischen und katholischen Missionaren stiften wollte. In China fallen deutsche und christliche Interessen vollkommen zusammen.(Bravo I im Centrum.) Abg. Graf Stollberg(k.): Ich halte das chinesische Reich nicht für gleichberechtigt mit dem Deutschen Reiche, denn der Gesandtenmord ist wahrscheinlich auf Anstiften der chinesischen Regienmg erfolgt. Wenn wir Handel und Civilisation nach fremden Gegenden tragen, so übernehmen wir damit die moralische Verpflichtung, zugleich das Christentum einzuführen. Denn sonst fehlt unsrer Kolonisation das ideale Moment und damit die innere Berechtigung.(Bravo! recht?.) Damit schließt die Diskussion. Die Resolution der Budgetkommission wird gegen die Stimmen der Socialdemokraten, der Freisinnigen und der süddeutschen Volkspartei angenommen. Für den ersten Satz des Bebelscheu Zusatzantrags stimmen die Socialdemolraten und die fteisinnige Volkspartei. Er ist also abgelehnt, und der Antragsteller zieht nunmehr den zweiten Teil zurück. Damit ist die zweite Lesung der China-Vorlage erledigt. Letzter Gegenstand der Tagesordnung ist die zweite Beratung des Gesetzentwurfs wegen Versorgung der Teilnehmer an der Ostasiatischen Expedition und ihrer Hinterbliebenen. Die Budgetkomniission beantragt: Der Reichstag wolle be- schließen: mit Rücksicht auf die voi» dem Reichskanzler in der Sitzung vom 24. Januar 1901 abgegebenen Erklärungen und in Er- wägung, daß der Weg einer allgemeinen, einheitlichen Neuregelung des Militärversorguugswesens offen bleiben mutz, den vorliegenden Gesetzentwurf in allen seinen Teilen zur Zeit abzulehnen. Diesem Antrag entsprechend wird das Gesetz in allen seinen Teilen ohne Debatte abgelehnt. Präsident Graf Ballestrem: Der Herr Vorsitzende der Budgetkommission hat mir den Wunsch ausgedrückt, einen ganzen Tag für die Arbeiten der Kommission frei- zu haben. Ich halle diesen Wunsch für berechtigt. Nächste Sitzung: F r e i t a g 1 Uhr. Dritte Lesung der China- vorläge. Postetat.' Schluß Wt Uhr._ Abgeordnekenhaus. 25. Sitzung vom 13, Februar 1901, 11 Uhr. Präsident v. K r ö ch e r eröffnet die Sitzung. Am Ministertische: Frhr. v. Rheinbaben, Kommissare. Zur Beratung gelangt der Etat des Ministeriums des Innern. Die Beratung beginnt bei den Einnahmen. Beim Titel Ministergehalt" nimmt das Wort Minister Frhr. v. Rheinbaben: Ich will die erste Gelegenheit benutzen, auf die im Reichs- tage von dem Abg. Müller- Meiningen erfolgten Angriffe hier an zuständiger Stelle vor diesem höhen Hause zu antworten. Wir haben uns mit voller Absichtlichkeit an den Debatten im Reichstag nicht beteiligt, weil unsrer Meinung das Reich in Sachen der Thcaterccnsur nicht kompetent ist und wir dem Be- streben, Dinge, die vor die Einzellandtage gehören, vor das Forum des Reichstags zu ziehen, nicht Vorschub leisten wollen. Der Abg. Müller hat den Antrags ans Aufhebung der Theatercensur mit der Gewerbe-Ordnung in Verbindung gebracht, eine Verkettung, die gar nicht zu rechtfettigen ist. Die Art der Ausführung eines Ge- werbebetriebS— und darum handelt es sich bei der Theatercensur— untersteht den Landespolizeibehörden. Daran läßt sich nichts ändern. Herr Müller wollte dann aus dem Umstände, daß im Eiuführungs- gesetz der Gewerbe-Ordnung in den Reichslanden ausdrücklich das Recht der Theatercensur vorbehalten ist, folgern, daß sie überall, wo der Vorbehalt nicht gemacht ist, beseitigt ist. Aus den Verhandlungen über die Reichs-Gewerbe-Ordnung geht dies aber keineswegs hervor. Die Theatercensur ist ein Teil der Ordnungs- und Sittenpolizei, nicht der Gewerbe-Polizei, ihre Zuständigkeit ist im§ 10, II 17 des Allgemeinen preußischen Landrechts ausgesprochen. Herr Müller bat dann den Artikel 27 der preußischen Verfassung angezogen. Die ausführliche Erörterung dieses Artikels beweist schon, wie wenig die Censur Sache des Reiches ist. Herr Müller ist den Beweis, daß die Theatercensur gegen ein Reichsgesetz und die preußische Verfossnug verstoße, durchaus schuldig geblieben. Unsre Rechtsauffassung bestätigt auch eine Ent- scheidung des Kammergerichts und ihr ist wohl größere Bedeutung beizulegen, als der Rechlsanffassung des Abgeordneten Müller. Herr Müller hat dann in einer späteren Sitzung noch einen Exkurs auf ein Gebiet gemacht, das ebenfalls nicht zur Kompetenz des Reichs gehört, auf das der Kriminalpolizei und hat eine Verfügung von mir kritisiert, die seiner Ansiibt mit der Reichs-Srrafprozeßvrdnung in Widerspruch stehen soll. Das gerade Gegenteil ist der Fall. Die Polizei hat die Pflicht, an der Ausklärung von Verbrechen mit- zuwirken, etwas andres ist in dem Erlaß nicht gesagt. Herr Müller hat dazu aufgefordert, Front zu machen gegen den Parti- kularismuS und gesagt, der schlimmste ist der preußische Partikularis- mus. Wir treiben nicht Pattikularismus in dem Sinne, daß tvir uns etwas vindittcren wollen, wozu wir nicht berechtigt sind. Preußen hat die größten Opfer im Interesse der Allgemeinheit gc- bracht, aber dem Bestrrbcu im Reichstage de ornnibns rebus et qnibnsdam allis(von allem und möglichem) zu sprechen, dem widersetzen wir unS.(Sehr gut I rechts.) Herr Müller hat dann den RegierungSrat Dnmrath persönlich angezapft und auf seine westpreußische Heimat spöttisch hingewiesen. Glaubt denn Herr Müller, daß nur in Fürth wahre Kultur zu Hause ist, daß nicht auch in Westpreußen Leute von Bildung leben? Was ist denn das für eine Att pflichttreue Beamte bloßzustellen, wo doch gar nicht fest steht, inwieweit er an einem Mißgriff beteiligt ist. Der Chef der Verwaltung, niemand sonst ist verantwottlich für Maßnahmen seines Ressorts. In einem durchaus liberalen Blatte, dem„Berliner Börsen-Courier" ist übrigens ausdrücklich an- ettannt worden, welcher persönlichen Beliebtheit sich Herr Dumrath in allen bei der Theatercensur beteiligten Kreisen erfreut, mit welcher Zuvorkonnuenheit dieser Beamte' seine Geschäfte erledigt. Die Nachricht von einem Disciplinarverfahren gegen diesen Beamten beruht auf ganz fteier Erfindung. Herr Müller hat dann Einzelfälle vorgetrogen, die teilweise bis 1895 zurückliegen. ES waren also viel olle Kamellen darunter. In der Zeit meiner Amtszeit vom l. Januar 1900 bis 1. Oktober 1900 sind von 216 eingereichten Stücken nur 16 verboten worden. Seit dem 1. Oktober vorigen Jahres ist überhaupt kein Verbot ausgesprochen worden, es änd'vielniehr 2 Verbote aus ftüherer Zeit ausgehoben worden. Herr Müller hat die Verschiedenheit der Handhabung der Censur hervor- gehoben und damit recht. Aber diese Disparität läßt sich nicht ver- meiden. Man kann von Berlin aus auf diesem Gebiet nicht alles reglementteren. Was in Berlin auf. einer ersten Bühne von hervor- ragenden Künstlern ernst dargestellt wird und erlaubt wird, kann auf einer Provinzbühne zweiten Ranges von minderwertigen Darstellern aufreizend gespielt werde« und muß da verboten werde». Ich gebe zu, daß Mißgriffe vorgekommen sind. So halte ich das Verbot der„Gestrengen Herren" nicht für glücklich. Ein Haupttrumpf des Herrn Müller bildete das angebliche Verbot von„Maria Stuart" in Dortmund am Totensonntag. Der Fall in Dortmund hat aber mit der Theatercensur nicht das mindeste zu thun. Dort ist am Totensonntag jede Theatervorstellung verboten durch die Bestimmungen über die äußere Heilighaltung des Sonntags. Die Presse' würde sich ei» Verdienst erwerben, wenn sie in solchen Fällen etwas kritischer verfahren würde. Wir freuen uns der Oeffentlichkett. brauchen für unser Thun da? Licht nicht zu scheuen. und wo sich Mißgriffe und wie im Sternberg-Prozeß schwere Miß- stände zeigen, da sorgen wir für Abhilfe. Aber die Presse soll nicht aus einzelnen Mißgriffen und Mißständen immer gleich auf die Schlechtigkeit des ganzen Systems schließen. Wir haben alle dahin zu wirken, daß Schäden am Gebäude ausgebcffert werden, aber nicht, daß das ganze Gebäude dabei in die Gefahr des Zusammen- sturzes gebracht wird. Herr Müller hat die polizeiliche Be- anstanduüg des Opernhaus-Konzerts am Büß- tage erwähnt. Auch dieser Fall hat mit der Censur nichts zu thun. Auch hier handelt es sich um die polizeilichen Vor- schriften über die äußere Heilighaltung des Sonntags. Diese Vor- schriften erlauben am Bußtage nur die Aufführung von ganzen Oratotten und dagegen verstieß das Programm des Opernhaus- konzerts in zwei Punkten. Da der Polizeipräsident die behördliche Vorschrift schon gegen Privattheater in Anwendung gebracht hatte, so fühlte er sich verpflichtet, auch das königl. Opernhaus mit gleichem Maß zu messen und beanstandete die beiden Musikstücke, darunter eine Scene aus„Parsifal". Die Frage, ob die Verordnung noch aufrecht zu erhalten, ist eine andre. Ich habe Erwägungen angestellt, ob die betr. Verordnung nicht abzuändern ist und mich bereits mit dem Oberpräsidenten in Potsdam ins Einvernehmen gesetzt und werde noch die beteiligten Kirchenbehörden befragen.(Beifall.) Herr Müller hat dann den Fall Reuter aus dem„Winter- garten" vorgetragen und den Mann einen hochanständigen Humoristen genannt. Er hat erzählt, daß diesem hochanständigen Humoristen das Auftreten untersagt worden sei, weil er verdächtig ge- schmuggelt habe. Bei'polizeilichen Revisionen wurde festgestellt. daß der hochanständige Humorist nicht genehmigte und auch nicht geuehmigungsfähige Coupletstrophen sang. Er wurde erst zweimal mit Geldstrafen von je 30 M. belegt. Beim drittenmale wurde ihm das weitere Auftreten untersagt und dem Unternehmer die Polizei- liche Schließung des Lokals angedroht, weil er eine Parodie auf Gerhart Hauptmanns„Versunkene Glocke", die er gar nicht ein- gereicht hatte, sang. Der hochanständige Humottst kam nun aufs Polizeipräsidium, verlegte sich aufs Bitten und ver- sprach, sich fürderhin völlig korrekt zu verhalten. Das Ver« bot wurde daraufhin zurückgenommen. Ich habe die Parodie auf die„Versunkene Glocke" hier und lege den Text hier nieder. Jeder wird mir beipflichten, daß es sich hier um eine ganz gemeine Zote handelt. Auf der Polizei wird ein wahrer Berg von Schmutz zurückgehalten und es genügen da nicht repressive Maßregeln. Die Polizei kann das Volk nicht noch mehr vergiften, Ordnung und Sitte nicht noch mehr stören laffen, sie muß präventiv wirken. Die Beseitigung der Theatercensur ist aber noch auS prakttschen Gründen nicht ausführbar. Die Aufhebung würde zur Strafe für die Theaterdirektoren werden. Das hat der„Berliner Börsen« Coutter" in einem ausgezeichneten Attikel treffend nachgewiesen. Der Theaterdirektor kann sich nicht der Möglichkeit aussetzen, daß ihm eine Vorstellung verboten und er selbst noch angeklagt wird. Dieselbe Auffassung hat auch der bekannte Schriftsteller und frühere Bühnenleiter Herr Dr. Oskar Blumenthal in einem sattrischen aber sehr wahren Feuilleton im„Berliner Tageblatt" bekundet. Wir können die Theatercensur nicht aufheben in einer Zeit, wo sich alle sittlichen Bande zu lockern beginnen. Ich weiß, hier kann die Polizei nicht helfen, hier müssen Staat, Kirche und Gesell- schaft eingreifen. Aber es ist doch zehnmal zu überlegen, ob man. in solcher Zeit gesetzliche Schranken hinwegräumen hilft. Wenn Sie wüßten, was alles als aiifführringswürdig, als bühnensähig eingereicht wird. Sie würden erschrecken. Nein, ich meine, wir können das Staats« hoheitsrecht, das wir in der Censur besitzen, nicht aus der Hand geben, denn wir trage» die Verantwortung für Aufrechterhaltung von Sitte und Ordnung. Was mir nützlich erscheint, ist die Heranziehung eines littcrarischen Beirats für die Beurteilung der rein litterarischen Seite eines Stücks oder Gedichts. Zu einer solchen Heranziehung würde ich bereit sein. Sie entspricht ja auch einem erst jüngst gefaßten Beschluß de? Deutschen Bühnenvereins. Es ist aber dazu notwendig, daß die berufenen Kreise geeignete Persönlichkeiten in Vorschlag bringen, denn eine von der Polizei ausgesuchte Persönlichkeit würde sofort die notivendige Autorität verlieren. Ich gebe Mißgttffe un- umwunden zu. Man ist teils zu weit, teils nicht weit genug in ge« wissen Fällen gegangen. Ich hoffe, die heutigen Verhandlungen werden dazu beitragen, die Mißgriffe künftig einzuschränken und kleinliche Beanstandungen zu vermeiden; ick hoffe aber auch, sie werden dazu beitragen, daß die Beamten nicht müde werden, ihre? eniftcn und verantwortungvollcn Anits zu walten zum Schutze der sittlichen Interessen der Bevölkerung und der öffentlichen Ordnung. (Beifall rechts und im Centrum.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Ich muß bedauern, daß der Minister dem Abg. Müller nicht im Reichstage geantwortet hat, obwohl ich die Gründe des Herrn Ministers principiell billige. Das Matz von Selbstbewußtsein, waS Herr Dr. Müller bereits besitzt, wird durch diese lange Erwiderung des Ministers nur gesteigert werden.(Sehr richtig I rechts.) Der Minister hat Herrn Müller auf ein Piedestal gestellt, auf dem er im Reichstage noch niemand erschienen ist.— Redner wünscht weitere Aenderungen im Verwaltungsdienst. Es giebt zu viel Ministettal- räte; während die Minister kommen und gehen, sind diese der einzig ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Die Minister sind diesen Räten gegenüber verraten und verkauft. Das ganze Verwaltung?- systcm ist zu mechanisch und bureaukratisch. Es sind zu viel Juristen in der Verwaltung, die keine Erfahrung im unteren VerwaltungS- dienst haben. Eine gute Verwaltung ist noch viel wichtiger als eine gute Gesetzgebung.(Bravo I rechts.) Minister v. Rheinbaben: Die Ministerialräte sind außerordentlich wichtig, gerade sie machen die große Detailarbeit.— Die Frage der Vorbildung der Verwaltungsbeamten ist allergings sehr wichtig. Ich gebe zu, daß jetzt die praktische Vorbildungszeit etwas kurz bemessen ist. Noch mehr fehlt es aber den Beamten an wiffenschaftlichcr Ausbildung. Hier wird ein Ausweg gesucht werden müffen. Ich bin dafür, daß die Ausbildung bei der Justiz nach Möglichkeit eingeschränkt werden muß und das Hauptgewicht auf die Thätigkeit bei den administrativen Behörden gelegt wird. Abg. Richter(frs. Vp.): Ueber daS Maß dessen, was vor das Reich und WaS vor die Landesgesetzgebung gehört, kann man ja verschiedener Ansicht sein. Niemand kann aber bestreiten, daß die Theatercensur recht eigentlich R e i ch s s a ch e sein mutz in ihren Grundsätzen. Die Schriftsteller schreiben doch ihre Stücke nicht nur für den Herrn Minister des Innern und nicht für einzelne Städte, sonden, für. ganz Deutschland, und es ist ganz widersinnig, wenn ein Stück in Altona verboten ist, da« in Hainburg aufgefühtt werden darf.(Sehr richtig I links.) Zum mindesten hätte der Herr Minister die Pflicht gehabt, dort, wo der Angriff erfolgt ist, die Kompetenz der Landesgesetzgebung zu verteidigen. Es waren nur einige Geheimräte da. die haben sich aber nur durch Zwischenrufe bemerkbar gemacht, die so störend waren, daß der Präsident eingreifen mußte.(Hört! hört! links.) Uebrigens ist dock dieses Haus sogar für zuständig gehalten worden in der Frage der Zolltarif-Gcsetzgebung.(Sehr richtig l links.) Gerade um die Notwendigkeil der Reichs-Gesetzgebung zu beweisen, mußte man bei der Beratung der Censur den Reichstag auch auf die Praxis der Einzelstaaten hiniveisen. Dazu kommt, daß es ein Reichsgesetz giebt, welches erklätt, für Elsaß-Lothttngen sei die Censur nicht aufgehoben. Daim muh das Reich natürlich auch umgekehrt die Befugnis haben, die Censur aufzuheben. Der Herr Minister meinte, die Theatercensur gehöre zur Ordnungs- und Sittenpolizei und gehöre deshalb nicht vor den Reichstag. Was kann nicht alles unter diesen elastischen Begriff kommen Die ganze Preß- und Vereins-Gesetzgebung!(Sehr richtig! links.) Daß Herr Müller sein Ziel mit seiner Rede nicht verfehlt hat. zeigen die heutigen Ausführungen des Herrn Ministers. Ich erinnere mich kaum eines ähnlichen Falls, daß ein Minister in dieser Weise sich gegen Aeutzerungen eines Reichstags-Abgeordneten gewandt hat. Der'Minister warf Herrn Müller vor� daß er Herrn Dumrath an einer Stelle angegriffen habe, wo dieser sich nicht verteidigen könne. Ebenso wenig aber kann sich Herr Müller heute gegen den Minister verteidigen.(Sehr richtig! links.) Herr Müller hat die einschlägigen Fragen ganz genau studiert, mag sein, datz er rrvtzdem in einzelnen Fällen falsch unterrichtet ist, das soll ja sogar Staalsanwalten mimnter bei ihren Anklagen passieren.(Heiter- keit und Sehr richtig l links.) Der Mnister sprach von ganz gemeinen Stellen aus einer Parodie der„Versunkenen Glocke", die Herr Müller augeführt hatte. Neulich sind aber auf der Bühne des Neuen königlichen Opern-Theaters bei einer Wohlthätig- keits-Vorstellung aus dieser Parodie Stücke vorgetragen worden.(Hört I hört I links.) Allgemein wird anerkannt, daß die gegenwärtigen Zustände auf dem Gebiete der Theatercensur unhalt- bar sind. Der Minister fragt, was soll werden, wenn die letzten Schranken beseitigt sind? Nun, in Hamburg besteht doch keine Theater- ccnsur, und man kann doch dort nicht von unhaltbaren Zuständen sprechen. Im übrigen bedeutet die Aufhebung der Theatercensur gar nicht die Beseitigung der letzten Schranken, es bleibt noch das Straf- Gesetzbuch.(Sehr richtig I links.) Ich bin gerade umgekehrt der Ansicht, die Theatercensur liegt im Interesse des Tingeltangelwesens. Sie giebt solchen Bühnen eine gewisse Sicherheit, indem sie sie davor bewahrt, daß nach der ersten Aufführung die Polizei einzelne Sachen verbieten kann. Ich bin dem Herm Minister für seine Ausführungen außerordentlich dankbar und werde seiner Zeit im Reichstag noch aus- führlich darauf eingehen. Ich empfehle, sich dann doch durch solle Herren vertreten zu lassen, die ihre Anwesenheit nicht nur durch unqualifizierbare Zurufe zu erkennen geben.(Sehr gut! links!) Damit verlasse ich die Theatercensur. Die von Herrn v. Kardorff so angegriffenen Ministerialräte bieten doch die G a r a n t i e für eine gewisse Kontinuität der Grundsätze in der Gesetzgebung. Das ist um so nötiger bei uns, wo es ja häufiger vorkommt, daß irgend jemand Minister wird, ohne daß man eigentlich weiß warum.(Sehr gut I) Herr v. Kardorff hat von der Vorbildung der Verwaltungs- beamten gesprochen. Ich gebe durchaus zu, daß die Qualifikation unsrer Verwaltungsbeamten durchaus nicht den berechtigten An- sprächen entspricht. Teilweise liegt das aber auch daran.'daß man gr�oße Klassen junger Männer von unabhängiger Gesinnung durch die Art der Behandlung höherer Verwaltungs- Beamten geradezu vom Verwaltungsdienst abschreckt. (Sehr richtig I links.) Ich muß auf einige Fälle eingehen. in denen' Beamte nur wegen ihrer Zugehörigkeit zur freisinnigen Partei nicht bestätigt worden sind. Da ist zunächst der Fall des Bürgermeisters Salomon in Schlüchtern. Dieser Herr wurde nicht zum Beigeordneten in Kreuznach bestätigt. Die Ursache lag an einem Hunde!(Heiterkeit.) Der Hund der Frau des Bürger- meisters hatte auf der Straße einen Arzt angegriffen, und dieser hatte daraufhin die Frau angefahren. Am nächsten Tag bekam er einen Brief des Bürgermeisters, durch den er sich beleidigt fühlte und woraufhin er den Bürgermeister zum Duell sorderte.Da der Bürgermeister, der Reserveoffizier war, diese Forderung ablehnte, denunzierte ihn der Arzt beim Bezirkskommando. Und hierauf wurde der Bürger- meister aus dem Heer entfernt, und erst später gelang es seinem Vater, zu erreichen, daß er nur mit schlichtem Abschied entlassen wurde. Die Nichtbestätigung zum Beigeordneten von Kreuznach blieb ober bestehen. Man sagt, daß in Kreuznach sich häufig kleine Prinzen aufhalten können, und deshalb sei es nicht angängig, datz ein Mann, der mit schlichtem Abschied aus dem Heere entlassen sei. dort Beigeordneter sei. Ich weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll, ob über die Widersiunigkeit des Duellunwesens oder über die Widersinnigkeit dieser Nichtbestätigung.(Sehr richtig! links.) JnBunzlau weiter wurde der freisinnige Stadtv. Ehlert nicht zum unbesoldeten Magistratsmitglied bestätigt, angeblich aus deinG runde, weil seine pekuniären Verhältnisse es ihm nicht erlaubten, ein solches Amt anzunehmen. In Beuthen a. O. wurde ein Ralsmann deshalb nicht zum Ratsmann bestätigt, weil er bei den Stadlverordnetenwahle» für einen Socialdemokraten gestimmt hatte.(Hört! hört! links.) Ebenso wurde der Stadtrat Lautenschläger in Eberswalde wegen seiner politischen Gesinnung nicht zum unbesoldeten Beigeordneten bestätigt. Als Grund der Nichtbestätigung gilt, daß er erklärt hat. er würde in einer Stichwahl zwischen einem Brotwucherer und einen» Socialdemokraten für den Socialdemokraten stimmen.(Hört l hört I links.) Ich komme nun zu dem Fall der Nichtbestätigung des Direktors des Statistischen Amts in Königsberg, des Herrn Düllo zum unbesoldeten Magistratsmitgliede.' Dieser Herr steht seit ll> Jahren im Dienste der Kommune Königsberg und hat seit dieser Zeit niemals einen Verweis oder eine TiSciplinar- strafe erhalten. Er ist mit 85 gegen 50 Stimmen zum unbesoldeien Magistratsmitgliede gewählt worden. Gegen die Nichtbestätigung wurde mit allen gegen fünf Stimmen der Rekurs an den Minister beschlossen. Der Minister aber antwortete, der Sachverhalt habe ergeben, daß die Versagung der Bestätigung durchaus gerecht- fertigt sei. Daraus konnte sich jeder zurecht machen, was er»vollte. (Sehr richtig! links.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" suchte damals die Verfügung des Ministers zu verleidigen und schrieb, datz der Herr Düllo jahrelang der Regierung gegenüber sehr scharf auf- getreten sei und wesentlich dazu beigetragen habe, die politischen Gegensätze innerhalb der Bürgerschaft' Köiiigsbergs zu verichäne». Wie ganz anders der Minister denkt, wenn es sich um denselben Fall bei einem Konservativen handelt, beweist der Fall des Amlsvorstehers Ballonrbini in Schweidnitz, in demselben Wahlkreise, in dein Herr v. Siemens zur Wahl stand. Dort wurden Flugblätter gegen Herrn v. Siemens verbreitet, in denen von Wucherern, krumm- nasiaen Juden usw. die Rede war, denen man zeigen müsse, wo der Zimmermann das Loch gelassen habe. Diese Flugblätter waren von dem Herrn Amtsvorsteher unterzeichnet. Trotzdem wurde kurz darauf der Anitsvorsteher zuin Landrat ernannt. Das wichtigste an dem Fall Düllo ist aber das Nachspiel, welches er hatte. Herr Düllo und sein Freund, der freisinnige Landtags-Abgeordnete Dr. Crüger, der Direktor der Elektricitälswerke in Königsberg. wurden von dem Herrn Regierungspräsidenten zu einer Konferenz ge- laden. Dort wurde mit ihnen einzeln verhandelt, und sie wurden darauf aufmerksam geniacht, ihre politische Haltung stehe mit ihrer Pflicht als mittelbare Staatsbeamten nicht im Einklang. Wenn sie so fortführen, würde disciplinarisch gegen sie vor- gegangen werden. Herr Crüger habe seinen Diensteid durch sein politisches Verhalten direkt verletzt. Worin sie aber gegen ihre Pflicht gehandelt hätten, wurde ihnen nicht gesagt. Auf ihre Beschwerde brachte der Regierungspräsident dann später vor, Herr Düllo bätte im Jahre 1835, als der Reichstag die Bismarck-Ehrung ablehnte und der Kaiser daraufhin die bekannte Aeußerung gegei» den Reichstag that, gesagt:„Wenn der Ausdruck der tiefsten Enirüstung über diesen Beschluß von einer Stelle kommt, die nicht das Recht des Einspruchs hat, so kann der Reichstag ruhig darüber zur Tagesordnung übergehen. Anders wäre es, wenn dieser Ausdruck an denberuienen Bundesrat ginge." Herr Düllo behauptete, daß er von den Polizeibeaniten falsch vcr- standen sei. Was soll man dazu sagen, wenn auf Angabe von politisch ganz ungebildeten Ueberwachungsbeamten nach Jahren solche Vorwürfe gegen einen Beamten erhoben werden?(Sehr richtig l links.) Herrn Crüger wurde vorgeworfen, er habe vor Jahren bei einer Stichwahl aufgefordert, für einen Social- demokraten zu stimmen und er habe einmal erklärt, gegenüber einem Verfassungsbruch von oben sei das einzige Mittel ein Verfassungsbruch von unten. Gerade das Gegenteil hat er gesagt, wie das ja auch den Anschauungen der freisinnigen Volks- Partei entspricht. Herr Crüger ist ja nun zugleich Landtags-Ab- geordneter, und diese Stellung legt ihm Pflichten auf, die in Kon- kurrenz treten mit seinen Beamtenpflichten. Hier die Grenze zu ziehen, ist sehr schwierig. Umsomehr hätte sich der Minister hüten müssen, solche allgemeinen Anschuldigungen gegen einen Beamten zu äußern. Der Regierungspräsident hat ihm auch gesagt, sein Verhalten gegen die Agrarier sei mit seiner Pflicht als Staatsbeamter nicht vereinbar. Jetzt sind also die Agrarier schon eine staatliche Institution, und es gehört zu den Pflichten eines freisinnigen Abgeordneten, ihnen gegenüber mehr Reserve zu zeigen!(Heiterkeit links.) Früher würden die Landräte von der Regierung ermahnt, gegen die Agrarier vorzugehen; und gerade in Königsberg ist es vorgekommen, daß die Herren Graf Könitz und Klinckowström zu einem Gala-Diner nicht eingeladen werden durften I(Sehr gut I links.) Nachdem man diesen Herrn nun aber Verletzung des Diensteids vorgeworfen hatte, erklärte man ihnen, diese Unterredung stelle keine Disciplinar-Maß- regel dar, sondem eine vertrauliche Aeußerung, und jede schrift- liche Mitteilung darüber wurde ihnen vorenthalten. Sie konnten sich also nicht gegenüber der schweren Verwarnung beim Oberprästdenten und in letzter Instanz beim Ober-Verwaltungsgericht beschweren. Dies ist aber doch gerade deshalb zuständig, damit die Beamten einen Rechtssch»!tz gegenüber dem Mißbrauch der Disciplinargewalt haben. Die Frage des Rechtsschutzes für den gesamten Beamten- stand ist eine politisch grundsätzliche Frage, die weit über die Kreise unsrer Partei' hinausgeht. Wenn sich das Ver- fahren verallgemeinert, wie es aus der Initiative des jetzigen Ministers heraus zuerst in Königsberg eingeführt ist, dann wird das zu einer politischen Degradation des Beamtentums führen, auch in den Auge» der Bevölkerung, wie sie selbst in den schlimmsten Zeiten der Reaktion nicht vorhanden gewesen ist.(Beifall links.) Minister v. Rheinbabcn: Das Bestätigungsrecht ist ein Recht der Krone, und ich lehne die Pflicht ab, hier über jeden einzelnen Fall der Bestätigung oder Nicht-Bestätigung Gründe anzugeben. Es kommen häufig auch per- sönliche Momente in Betracht, mit deren öffentlichen Bekanntgabe den Betreffenden selbst wenig gedient ist Um die Regierung gegen die Angriffe in Schutz zu nehmen, will ich mich aber doch zu den an- geführten Fällen äußern. Im allgemeinen erkläre ich, daß die Angehörigkeit zu keiner Partei mit Ausnahme der focialdemokrätischen Partei für mich von vornherein eine Person als nicht fähig für den Kommunaldienst macht. Daran muß ich aller- dings festhalten, datz jeder, der zur Socialdemokratic neigt, nicht würdig ist, Diener des Staats zu werden. Im übrigen will ich darauf hinweisen, daß iin Jahre 1300 von 109 Fällen, die zur Bestätigung vorlagen, nur in zweien die Nicht-Bestätigung er- folgt ist. Dadurch fällt die Behauptung, daß einseitig, in ungerechter Weise vom Nichtbestätigungsrecht Gebrauch gemacht werde, weg. Was die einzelnen Fälle anlangt, so liegt der Fall des Bürger- meisters von Schlächter doch anders! Nach dem Tage nach dem Vor- fall mit dem Hunde hat der Bürgermeister an den Arzt folgeitden Brief geschrieben:„Sie haben gestern nachmittag in frecher und un- verschämter Weise meine Frau belästigt, nur ein elender Feigling hat den traurigen Mut, eine schutzlose Dame anzugreifen."(Hört, hört! rechts.) Unter solchen Umständen ist er allerdings nicht geeignet. einer Stadt wie Kreuznach als Polizeichef und Badekommissar zu fungieren, wozu er bestimmt war. Zu dieser Stellung gehört ein besonderer Takt, den er eben hier hatte vermissen lassen. Die Nichtbestätigung des Ratsmanns in Bunzlau hat mit der politischen Ueberzeugung desselben nichts zu thun, sondern ist lediglich mit Rücksicht auf die finanzielle Lage des betreffenden erfolgt. Was die Fälle in Beuthen und Ebersivalde betrifft, so ist hier die Be- stätignng nicht erfolgt» weil die betreffenden notorisch für Socialdemokraten gestimmt haben. Da kann man doch billigerweise nicht verlangen, daß ihnen ein An»t auvertraut wird, wo sie Staatshoheitsrechte wahrzunehmen haben. Was die Wahl des Amtsvorstehers Ballombini zun» Landrat betrifft, so mißbillige ich die Flugblätter genau so wie Herr Abg. Richter. Aber Herr Ballombini hatte diese Flugblätter nicht selbst unterschrieben und im übrigen wurde er vom Kreistag mit 23 von 28 Stimmen, also fast einstimmig zum Landrat geivählt. Einmal wundern sich die Herren, daß ich in Königsberg die Be- stätigung versage und hier verlangen Sie von mir, daß ich den Landrat nicht bestätige I Was nun den Fall Düllo anlangt, so ist Herr Düllo wegen seines agitatorischen Auftretevs gegen die Regierung nicht bestätigt worden. Uebrigens ist Herr Düllo gegen eine erbebliche Minorität zum Stadtrat gewählt worden, und' der Bezirksausschuß hat ihm einstimmig die Bestätigung versagt. Auch materiell ist seine Nichtbestätigung durchaus begründet. Er hat als Mitglied des Vereins„Waldeck" eine sehr gehässige Sprache gegen die Grundlogen der Staats- ordnung geführt. Dieser Verein ben»üht sich nach der Aeußerung seines Vorsitzenden, die auf der Grenzscheide zwischen frei- sinniger Volkspartei und Socialdemokratie siebenden jüngeren Kräfte zu sich herüber zu ziehen, und steht in seinem Programm der süd« deutschen Volkspartei sehr nahe. Als Parole wurde von ibm einmal ausgegeben: Kampf gegen die Regierung bis aufs Messer I Herr Düllo hat nun z. B. die Artikel deS„Vorwärts" aus Anlaß der «5 jährigen Wiederkehr des ScdantagS gelobt, et hat iveiter gesagt, daß die Lage der Arbeiter sehr viel z» wünschen übrig lasse, mit ihrem politischen Recht sei cö nicht weit her. In Bezug auf die Umsturzvorlage hat er dann ausgeführt: der Argwohn läßt sich nicht beseitigen, daß die Regierung die Vorlage nur benutzt, um»ach der Auslösung des Reichstags ihre Stenerpläne zur Wirkung zu bringen. Diesen Satz hat Herr Düllo selbst zugegeben. Auch gegen den Kaiser bat er leidenschaftliche Aeußerungen gethan. So sprach er davon, daß er in der Centenarfeier nur eine Feier des Systems Bismarck erblicken könne, an der der Waldeck-Verein nicht teil- nehmen könne, lieber die Aeußerung des Kaisers bei der Nicht- Ehrung Bismarcks sagte er: Wenn der Ausdruck der tiefsten Entrüstung über diesen Beschluß von einer Stelle kommt, die nickt das Rcchi des Einspruchs hat. dann kann der Reichstag ruhig darüber zur Tagesordnung übergehen. Anders wäre es,»venu dieser Ausdruck an den berufenen Bundesrat ginge. Auch diesen Ausdruck hat Herr Düllo, bis auf den letzten Pasius, der falsch verstanden sein soll, zugegeben. Was soll man dazu sagen, wenn ein Diener des Staats über eine That unsres Kaisers und Herrn sagt, daß man über sie zur Tagesordnung übergehen könne; dann hat er sich doch des Rechts begeben, in ein solches Amt berufen zu werden,(Sehr richtig! rechts.) Nun zu dem Fall Crüger. Der Wahlaufruf, den er mit- unterzeichnet hat, richtet sich gegen die Kartellparteien und fordert zum Eintreten für den Socialdemokraten in der Stichwahl auf. Im Jahre 1899 hat dann eine weitere Annäherung des Herrn Crüger an die Socialdemokratie stattgefunden. Er hat da in einer Ver- sammlung, deren Leitung von anwesenden Socialdemokraten an- gegriffen wurde, gesagt, er hoffe, das Verhältnis zwischen freisinniger Volkspartei und Socialdemokratie werde immer besser iverden(Lachen rechts), gestützt auf gegenseitiges Vertrauen. AufAnfrage hatHerr Crüger erklärt, es wäre ihm durch diese Aeußerung in der Hauptsache darum zu thun gewesen, eine Störung der freisinnigeu Versa», nilung durch die Socialdemokraten zu vermeiden und ich zweifle auch nicht daran, daß Herr Crüger diesen Zweck im Auge gehabt hat. Er hat sich aber dann doch etwas unvorsichtig ausgedrückt und ist so weit gegangen. wie es ein mittelbarer Staatsbeamter nicht darf. Herr Crüger hat dann weiter in, Jahre 1898 eine Aeußerung gethan,' dahin: es sei immer konsequent, wenn dem Verfassungsbruch von oben der Verfassungsbruch von unten(also die Revolution) entgegengesetzt würde. Die Aeußerung ist sofort von den» überwachenden Beainten, einem älteren zuverlässigen Mann aufgeschrieben worden und dieser hat sich bereit erklärt, die Richtigkeit der Wiedergabe-der Aeußerung zu beschwören. Trotzdem habe ich in meiner Verfügung nur gesagt, Herr Crüger würde sich eines Disciplinarvergehens schuldig gemacht haben, wenn die berichtete Aeußerung auf Wahrheit beruhte. (Abg. Crüger ruft: Das Gegenteil habe ich gesagt! Abg. Richter ruft: Jndemnitätsgesuche der Regierung.) Herr Crüger hat bei seiner Vernehmung eine Erklärung abgegeben, d,e im wesentlichen darauf hinauslief, daß er die Worte„Verfassungsbruch von oben" zugegeben hat(Lärm links. Rufe: Dos Gegenteil ist wahr I>. und dann hat er fortgefahren, konsequenterweise ist dem Verfassungsbruch von oben der VerfaffungSbruch von unten entgegen zu setzen. (Rufe links: Nein! nein! Das Gegenteil hat er gesagt. Abg/ Kopsch ruft: Ter Polizist hat immer recht.(Große Heiterkeit links. Unruhe rechts. Präsident v. Kröcher bittet die Zivischenrufe zu unterlassen.) Ich habe den milden Weg der mündlichen Rüge ge- wählt. Ich muß aber sagen, wenn ich das Treiben der Presse und die Ausschlachtung dieses'Falls durch die Presse vorausgesehen hätte, ich wäre nicht so milde vorgegangen.(Lachen links.) Daß den Beteiligten durch die mündliche Eröffnung der Rechtsweg ab- geschnitten wordeu ist, bestreite ich ganz entschieden. Ich wieder- hole, die beiden Herren haben die Grenzen überschritten, die ihnen als mittelbare Staatsbeamte gezogen sind. Die mittel- baren Beamten haben aber heute die Pflicht, diese ihnen gesetzten Grenzen einzuhalten, heute wo man überall die festen Grundlage» des Staats zu lockern versucht, wo die Socialdemokratie immer mehr in die Verwaltung der Kommune» eindringt, nicht nur numerisch, sondern auch qualitativ. Wer die Ehre hat, mittelbarer Staatsbeamter zu heißen, muff sich Beschränkungen in der Agitation gegen die Regierung auf- erlegen; wer daS nicht will, der geht deS Rechts verlustig, mittelbarer Beamter zu sein.(Lebhafter Beifall rechts. Leb- Haftes Zischen lins. Wiederholter lebhafter Beifall rechts, wieder- holtes lebhaftes Zischen links.) Abg. v. Jagowiese Bekundung machte. Weshalb haben Sie nicht gesagt: das war nicht Winter, sondern H a r t st ock?— Angekl. Moritz Lewh: Ich konnte mich nicht sofort erinnern. Der Gerichtshof beschließt hierauf: Rom Caspary und Frl. Lichtenberg als Zeuginnen zu laden. Zeuge Gymnasiast Rahme l: Ich bin mit Winter sehr befreundet geweken. Winter war sehr mitteilsam. Ich habe aber weder einen Verkehr zwischen Lewy und Winter wahrgenommen, noch hat nur Winter von einem solchen erzählt.— Eine weitere Anzahl von Gymnasiasten lagen ähnlich aus. Alsdann wird die Verhandlung auf Donnerstagvormittag 9 Uhr vertagt. GemerKIfTMftliiJjes. Berlin und Umgegend. Eine Protestkundgebung der Bäckergesellen gegen die ge- plante Abänderung der Bäckereiverordnung fand am gestrigen DienStag in NieftS Festsälen in der Weberstraße statt. In dem Referate ivurde betont, daß die Gefahr, die Errungenschaften der Bundesrats- Verordnung zn verlieren, infolge der Agitation der Bückermeister und der Nachgiebigkeil der Regierung immer drohender werde. Mit dem Mckximal-Arbeitstag würde auch bald der gesamte Bäckerei- Arbeiterschutz fallen, für den die angekündigte Sanitätsverordnung für Bäckereien keineswegs als Ersatz gelten könne. Nach lebhafter Debatte wurde von der Ver- ammlung folgende Resolution, die dem Bundesrat zugesandt werden soll, einstimmig angenommen:„Die Versamnilung protestiert ganz entschieden gegen eine Umwandlung des zwölf- kündigen MaximalarbeitstagS in eine zehnstündige Mmimalruhezeit. Eine solche Maßnohme würde für die Bäckerei-Arbeiter schwere Nachteile mit sich bringen und die Ausbildung der Lehrlinge schädigen. Die Versammlung fordert von der Reichsregierung eine bessere Ueberwachung der Bäckerei betriebe und die Hinzu- ziehung von Bäckergesellen zu der Kontrolle. In Bezug auf d i e hygienischen Bestimmungen über die Beschaffenheit der Bäckereien, welche die Regierung erlassen will, ersucht die Vcrsamm- luug den Bundesrat, die für den Umbau der den neuen An- forderungcn nicht entsprechenden Bäckereien gewährte Frist von zehn anf fünf Jahre zu verkürzen."— Die B ä ck e r m e i st e r sind demgegenüber nicht müßig. Sie wollen diese hygienischen Be- stimmungen wesentlich eingeschränkt wissen und werden demnächst etne Audienz beim Reichskanzler v. Bülow nachsuchen. Achtung, Holzarbeiter! Zu der morgen stattfindenden Arbeitslosen-Zählung ersuchen wir diejenigen Mitglieder des Verbands, welche noch keine Zählscheine baben, solche auf dem Verbandsbureau, Engel-Ufer 1ö, in Empfang zu nehmen. Den oberen Teil des Zäblscheins füllen die Arbeitslose» aus, den unteren die in Arbeit stehenden Kollegen. Die ausgefüllten Zähl- scheine werden von den Arbeitslosen auf dem Verbandsbureau eut- gegengenommen; in den Werlstellen sammeln die Vertrauensleute dieselben ein und geben sie in der am 20. Februar stattfindenden Vertrauensmänner-Versammlung ab. Jedes Mitglied muß sich ver- pflichtet fühlen, einen Zählschein auszufüllen, nur dann ist es mög- lich, durch die aufzunehmende Arbeilslosen-Statistik ein wahrheils- getreues Bild über die Existenzverhältnisse der Kollegen zu ge- Winnen. Die Ortsverwaltung. TentscheS Reich. Unternehmerverband und Stadtverwaltung. Im Laufe des vergangenen Jahrs haben die Unternehmer des Baugewerbes be- kanntlich den Versuch gemacht, alle staatlichen und kommunalen Bc- Hörden für die Einführung der Streikklausel zu gewinnen. Bei den meisten hat ihr Gesuch formell eine Abweisung' erfahren. im ganzen konnten die Herren Baumeister mit den Antworten jedoch zufrieden sein, die Behörden werden zarteste Rücksichtnahme üben. Der Stettiner Magistrat ist aber soweit gegangen, die Ailerkennung der Streikklausel zu beschließen. Interessant ist es nun, zu erfahren, wie die Unternehmer gearbeitet habe», um ihr Ziel zu erreichen. Der„Stettiner Volksbote" veröffentlicht einen Brief des Arbeil- gebcr-Berbands für das Baugewerbe zu Stettin an einen Bau- meister, der zu den Submittenten für hörte zu einer Zeit, als die der Streikklausel noch in der Submissionsvertrag, um den es war zum Ausdruck gebracht, daß' aus dem Eintreten von Arbeiterstreiks ein Anspruch auf Entschädigung oder auf Ver- längerung der festgestellten Arbeitsfristen nicht hergeleitet werden dürfe. Mit Beziehung auf diesen PaffuS hieß es nun in dem Schreiben des genannten Unternehmer-Verbands: «Die Anerkennung dieser Bedingung würde gleichbedeutend sein mit der Unterordnung des Arbeitgebers unter den Willen seiner Arbeiter. Um nun unsre Autorität dem Arbeitnehmer gegenüber nicht ganz aus den Händen zu geben, ist der Vorstand des Arbeitgeber- Verbands für das Baugewerbe zu Stettin bei dem Vorstand der Tiefbau-Deputation persönlich dahin vorstellig geworden, diesen Passus aus den Bedingungen zu streichen. In entgegenkommend st er Weise hat nun der Herr Baurat erklärt, daß, falls die sämtlichen Submittenten den Satz, betreffend den Ausbruch von ArbeiterstreikS, in der Bedingung streichen, und daftir die Streikklausel, d. h. daß bei Eintreten von Arbeiter st retks der Fertig st ellungstermin um die Dauer der Streik« hinausgeschoben werden muß, setzen, er dafür eintreten würde, daß infolge dieser Ab- änderung der Bedingungen die Angebote nicht für ungültig erklärt werden.' Wir bitten Sie daher, im Namen unsrer sämtlichen hiesigen Kollegen, zur Unterstützung der Bestrebungen der Arbeitgeber- verbänder in Ihrem Angebot den ß 4 der Bedingungen in obigem Sinne abzuändern. Dies Schreiben ist den sämtlichen Submittenten übermittelt worden." ........ Unterschrift. AuS diesem Schreiben ersieht man wieder, welch' trautes freund« chaftlicheS Verhältnis zwischen den Unternehmern und den Beamten der Kommune und deS Staats vielfach besteht. Die Beamten zieht ihre gesellschaftliche Stellung zu den Unternehmern hin. Die Inteniehmer haben keine großen Aktionen nötig, um ihren Wünschen Geltung zu verschaffen, wie etwa die Arbeiter. ES genügt, daß sie mit den betreffenden Herrn Rücksprache nehmen; ihre Anliegen finden in der entgegenkommendsten Weise Gehör. Auf die Stellungnahme gegen die Arbeiter, die darin liegt, daß den Unternehmern die Streikklausel gewährt wird, haben wir bereits hingeiviesen. Das muß wohl auch der städtischen Ver- waltung eingeleuchtet haben, sonst hätte sie den Z 4 in den Vertrag nicht aufgenommen. Die Einwirkungen, die sich hinter den Couliffen geltend gemacht haben, müssen sehr starke gewesen fein. städttsche Arbeiter ge- rage der Anerkennung webe war. In den: sich damals handelte. Ein Jndustrie-Verband der RahruugSmittel-Arbeiter, in den der Bäcker-, Konditoren-, Brauer- und Müllerverband aufgehen ollen, wird von den Nürnberger Zahlstellen dieser Verbände an- gestrebt. Dieselben faßten in einer gemeinsamen, ausgezeichnet bc- Zuchten Versammlung die folgende Resolution: «Die in den Centralsälen tagende allgemeine Versammlung der Brauer. Bäcker, Konditoren, Leblücbner und Müller erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden: Dieselbe erkennt an, daß die heutige Entwicklung der Wirtschaft- lichen Verhältnisse in einer Weise fortgeschritten, daß der Zusammen- chlutz aller, innerhalb einer bestimmten Jndustriegruppe vorhandener, Berufsorganisationen eine dringende Notwendigkeit ist. Ferner erklärt dieselbe, daß in den jetzt bestehenden einzelnen Berussorganisationen die Kräfte zersplittert und nicht in der Weise ausgenutzt werden können, wie dies im Jntercffe der Arbeiter, dem Ich immer mehr konzentrierenden Kapitalismus gegenüber, not- wendig ist. Die Versammlung ist ferner der Meinung, daß durch die Centralisation der Organisationen der Brauer. Bäcker. Konditoren und Lebküchner, sowie der Müller zu einem Jndustrie-Verband die Verwallungskosten, sowie die für die Fachzeitnng vermindert und letztere an Umfang und Inhalt erweitert werden könnte. Die Versammlung beauftragt daher eine aus neun Personell bestehende Kommission, welche aus den vier zunächst beteiligten Be- rufen bestehen soll, diese Resolution den beteiligten Central-Vorständcn zuzustellen. So weit in nächster Zeit Verbandstage stattfinden, soll von denselben der Punkt:„Gründung eines Judustrie-Verbands" mit einem Referenten und Korreferenten auf die Tagesordnung gesetzt werden." Die Schneider Nürnbergs treten im Frühjahr in ein« Be- Wegimg ein. wie in einer stark besuchten Versammlung in geheimer Abstimmung beschlossen wurde. Es soll die Einführung der Betriebswerkstätten und Aufstellung eines Lohntarifs durch- gesetzt werden. Auf die eingereichten Forderungen haben nur 13 Firmen von 77 eine teils direkt ablehnende, teils ausweichende Antwort ge- geben. In den Schlickert- Werken in Nürnberg sind diese Woche Zahlreiche Arbeiter entlasten worden, andren wurde die bevor- tehente Entlassung angekündigt. Auch wurden die Löhne bedeutend ceduciert. Ausland. Die Schlächtrrgefellen in Kopenhagen organisieren sich. Nachdem der große Schlächterstreik im Jabre 1899 teilweise verloren ging, weil die Schlächtergesellen zu wenig Verständnis für die Be« deutung der Organisation hatten, war inzwischen ein Stillstand in den Organisationsbestrebuiigen eingetreten. In letzter Zeit haben ober mehrere erfolgreiche Versammlungen der Darmreiniger statt- gefunden und ein„Fachverein der Darmreiniger Kopenhagens" ist entstanden, dem bereits alle Arbeiter dieser Branche beigetreten find. Dieser Tage finden auch eine Reihe Versammlungen für Schlächter und Wurstmacher statt. Verantwortlicher Redactcur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf, ffür den Inseratenteil verantwortuch; tÖ. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Ur. 38. 18. Jabrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Donnerstag, 14. Februar 1901. Ein Kampf um die Gesetzlichkeit. Der Streit in Calais ist beendet, die Arbeiter haben die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen fo berichtete vor einigen Tagen in lakonischer Kürze der Telegraph. Kein Wort weiter über den Kampf, seine Ursachen oder über die Folgen der Niederlage für die Arbeiter. Die Meldungen des Telegraphen haben sich bestätigt. Die Spigenweber mußten sich, nachdem sie drei Monate gefämpft und fämpfend gehungert hatten, den Unternehmern auf Gnade und Ungnade ergeben. Die neuesten Nachrichten gehen dahin, daß die Unternehmer 1200 Arbeiter zurückgewiesen haben, trotzdem Arbeit genug vorhanden ist. Der Grund ist durchsichtig. Die Fabrikanten wollen durch Aushungerung der Arbeiter die Regierung zwingen, die alte Arbeitsmethode wieder zuzulassen. Sie hoffen, daß die zur Verzweiflung getriebenen Arbeiter die ehemalige Schichtarbeit selbst wieder verlangen werden. die Armen 250 M. und die Reichen amüsieren sich für die ganzen 400 M. Er zahlt also, ohne es zu wollen, nur einen geringen Teil für die Armen, das Ganze aber für die Wohlthäter, damit dieselben sich vor allen Dingen amüsieren und ihrer großen Wohlthätigkeit rühmen können. Berliner Straffammer Vorfihende. Herr Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht schreibt uns: Bu der in Nr. 31 des Bortvärts" enthaltenen Notiz über den Landgerichts- Direktor Berliner Partei- Angelegenheiten. Oppermann möchte ich eine Kleine Ergänzung liefern. Freie Volksbühne. Achtung, Mitglieder der II. Abteilung dessen Vorsitz erregte Zusammenstöße mit der Verteidigung gleichfalls Stellvertreter Oppermanns ist Landgerichtsrat Braun, unter Wenn je in einem Streif, so ist in diesem in wahrhaft helden- ausfallen mußte, wird voraussichtlich in der nächsten Woche für die bekannt waren, kam ich am 7. d. M. mit dem festen Vorsatz zu einem Die zum 10. angekündigte Meister Oel ze"- Aufführung, welche schon mehrfach vorgekommen sind. Da mir seine Eigentümlichkeiten mütiger Weise gefämpft worden, ihre ganze wirtschaftliche Existenz Mitglieder der Il. Abteilung in einer Abendvorstellung( Anfang Termin, durch eisige Ruhe jeden Konflift von vornherein unmöglich haben die Arbeiter bei diesem Kampfe eingesetzt. Mit welcher 8 Uhr) stattfinden.( Siehe Sonntags- Inserat.) III. Abteilung: Ausdauer und Zähigkeit hier die Arbeiter ihr Recht verteidigt haben, Sonntag, den 17. Februar, nachmittags 23/4 Uhr im Karl Weißzu machen. dafür nur ein Beispiel: Als das Streitkomitee in den letzten Wochen Theater:„ Meister Delze".( Gustav Kober a. G.) Als ich zuerst, um mich über die Geschäftslage zu orientieren, die Beendigung des Streits vorschlug, weil es sich außer stande sah. das Zimmer gegen 103/4 betrat, fand ich den Vorsigenden in großer den Hungernden zu helfen, sprang ein Weber auf und erklärte:„ Bei Friedrichshagen. Die nächste Versammlung des Arbeiter Aufregung. Beginn des Streits hatten wir zu Hause, wie Ihr wohl alle, feinen Bildungsvereins findet am Sonnabend, 16. Februar, Ein Zuschauer hatte den Zuschauerraum verlassen, ein andrer Pfennig Geldersparnisse. Vier Wochen später wurde meine Frau von abends 81/2 Uhr, im Vereinslokal E. Conrad, Friedrichstr. 137, war eingetreten. Das gab Anlaß zu gereizten Bemerkungen und einem Kinde entbunden, und ich mußte von Freunden einige Franken statt. Reichstags- Abgeordneter Genosse H. Moltenbuhr spricht zurechtweisungen von seiten Brauns, die etwa dahin lauteten: Die zusammenborgen, um das Nötigste zu beschaffen. Jetzt haben wir über: Beiträge zur Geschichte des preußischen Leute schienen sich einzubilden, sie könnten hier spazieren gehen und weder Kohlen noch Petroleum zu Hause- aber, Freunde, wir Proletariats in den letzten zwei Jahrhunderten." dergleichen. Der Gerichtsdiener blieb natürlich auch nicht ruhig, lief müssen weiter fämpfen, denn wir kämpfen für die Gesez- Den Mitgliedern wird hiermit der Beschluß der letzten General- in den Zuschauerraum und bedeutete dem Publikum getreu der anversammlung, daß von jezt ab die Vereinsversammlungen wieder geschlagenen Tonart: es sei doch hier kein Taubenschlag". regelmäßig am Sonnabend nach oder auf dem 15. jeden Monats stattfinden, in Erinnerung gebracht. Der Vorstand. lichkeit." " Kommunales. Tokales. Das Verhör des Angeklagten bestand im wesentlichen aus einem Bericht des Vorsigenden über den Anklagevorfall. Als der Angeklagte feine Entschuldigungsgründe vorbrachte, wurden sie als " Ausreden" und Würgebänder" bezeichnet. Braun äußerte u. a.: Er begreife nicht, warum sich der Angeklagte bei dieser einfachen und flaren Sache wie ein Löwe wehre. " " Als ein Zeuge einige vielleicht nicht mehr ganz zur Sache ge hörige Säße von sich gab, fielen Bemerkungen wie Vorträge halten". Das war noch alles" friedlich". Aber es sollte andere fommen. Ein Benge hatte einen Satz ausgesprochen, dessen Sinn i näher feststellen wollte. Ich begann die dahin zielende Frage mit den Worten; Herr Zeuge, Sie haben vorhin gesagt". Schon fiel der Vorsitzende erregt ein:„ Das ist keine Frage, vorhin gesagt haben das ist keine Frage!" Ich erinnerte mich meines Vorsatzes und konstruierte einfach um: Wie haben Sie das gemeint, wenn Sie ich hatte mir ihn sogleich notiert, der Vorfigeude haite ihn zum AusDer vorgehaltene Saz war gefallen, gangspunkte einer längeren Reihe bon Fragen gemacht, ehe der Zeuge geantwortet hatte, es bestand kein Zweifel. Braun wandte fich indes, itoch in äußerst erregtem Tone " Und in der That, es war ein Kampf um die Gefeßlichkeit. Es handelte sich bei diesem Streit nicht um Lohndifferenzen, sondern die Arbeiter forderten die Durchführung des Gesetzes betreffend_die Frauen und Kinderarbeit in gemischten Betrieben vom 31. März 1900. Bis dahin hatten die Arbeiter der Calaiser Spigenindustrie in 4 Schichten gearbeitet, die in die Zeit Als Leiter des höheren städtischen Schulwesens ist Provon morgens 4 bis abends 10 Uhr fielen. Die eine Kolonne ar- fessor Dr. Schwalbe, der Direktor des Dorotheenstädtischen Realbeitete von 4 bis 9 Uhr morgens und von 1 Uhr mittags gymnasiums, am Dienstagabend von dem mit der Vorberatung der bis 5 Uhr abends, die andre von 9 bis 1 Uhr und Wahl betrauten Ausschuß in Vorschlag gebracht worden. Schwalbe sodann von 5 bis 10 Uhr abends. Man kann sich leicht vorstellen, ist seit dem Jahre 1879 Mitglied der Stadtverordneten- Versammlung daß die freien Stunden, die für die eine Kolonne auf die frühen und gehört der alten Fraktion der Linken an. Morgenstunden, für die andre auf die frühen Nachmittagstunden entfielen, so gut wie gar feinen Wert für die Arbeiter hatten, namentlich sind die wenigen Stunden für eine ordentliche Ruhe ungenügend. Das bekannte Gesetz Millerand läßt für Betriebe, wo Frauen und jugendliche Arbeiter neben erwachsenen männlichen regt ein Bildhauer an, zur Beschaffung eines würdigen Liebknecht Grabdenkmal für Liebknecht. In der Rheinischen Zeitung" Arbeitern beschäftigt werden, für alle Arbeiter mir noch eine elf- Dentmals einen Wettbewerb unter den organisierten Bildhauern stündige Arbeitszeit zu. Außerdem aber verbietet es auch die zu veranstalten. Er schreibt: Als dem verstorbenen Genossen Unterbrechung der einzelnen Schichten( équipes discontinue) d. h. Grillenberger ein Denkmal errichtet wurde, ist es in den Kreisen der einzelne Arbeiter kann innerhalb 24 Stunden nur einmal zur der Kollegen aufgefallen, daß man sich mit der Ausführung Arbeit herangezogen werden und zwar bis zu höchstens 11 Stunden. nicht an die Arbeiter, an die organisierten Bildhauer gewandt hat. Die Fabrikanten waren nun auf den Vorschlag der Arbeiter ein- Es giebt unter diesen künstlerische Kräfte, die der Aufgabe, für mich:" Das hat der Zenge nicht gesagt, das hat er gegangen und hatten vom 1. Oktober ab zwei Schichten zu je acht einen proletarischen Vorfämpfer ein würdiges Denkmal zu gestalten, nicht gesagt. Ich verbitte mir, daß Sie dem Zeugen Wochen und versuchten, die alte Methode wieder einzuführen. Sie Kunst, dem bei dem Werk, was proletarischen Geist atmen soll, die und Vorwürfe nachdrücklich zurück und sah mich schließlich, da der Stunden eingeführt. Sie hielten das Abkommen aber nur wenige wohl gerecht werden können, ja vielleicht eher als ein Großer der Aeußerungen unterstellen( oder unterschieben"), die er nicht gemacht hat." Nun lief mir die Galle über; ich wies solche Vorhaltungen behaupteten, das Gesetz Millerand sei auf ihre Betriebe gar nicht rechte Begeisterung und Hingebung fehlt. Ich möchte nun bei dem anwendbar, da in denselben erwachsene und jugendliche Arbeiter und Denkmal, das Liebknecht, dem großen Freund und Vorkämpfer der Borsigende nicht einlenken wollte, zu der Erklärung veranlaßt:" Die Frauen wohl nebeneinander arbeiten, die letzteren Kategorien aber Arbeiterfache gesezt werden soll, anregen, daß ein Wettbewerb unter Behandlung, die Sie hier der Verteidigung zu teil werden lassen, ist in eine von den Erwachsenen ganz verschiedene Beschäftigung den organisierten Bildhauern veranstaltet wird; ich bin überzeugt, meines Mandanten mich nicht zurüchielte, würde ich nicht eine höchsten Grade unangemessen. Wenn das Juteresse hätten. Nun ist aber das Gesetz Millerand deswegen erlassen, um daß daraus ein würdiges Werk hervorgeht, und die Arbeiterschaft Sekunde länger in diesem Saale bleiben. Ich habe mir fest vordie Kontrolle über die Arbeitszeit der Frauen und nicht nötig hat, zur Ehrung ihrer toten Führer bürgerliche Kräfte in Jugendlichen zit ermöglichen. So lange es erlaubt war, Anspruch zu nehmen. genommen, jedem Konflitt aus dem Wege zu gehen. Das scheint die erwachsenen männlichen Arbeiter länger zu beschäftigen, als aber bei Ihnen nicht möglich zu sein." Die Antwort Brauns war etwa: Wollen Sie uns noch länger Vorträge halten?", worauf ich die Erörterung mit dem Bemerken schloß, daß ich mich an andre Instanzen wenden würde. 〃 Wie es um die Braunsche Prozeßleitung bestellt ist, zeigt ein Fall, in dem ein Zeuge eine bestimmte Bekundung gemacht hatte. Braun hielt ihm als angeblich positiv feststehend etwas Abweichendes vor, worauf der Zeuge bedenklich und schwankend wurde. Die Befundung des Zeugen wurde zum Glück durch andre Zeugen bestätigt, die die Braunsche Feststellung" vollends entkräfteten. folgende Aufschrift tragen: 1. Dem verehrten Publikum die ergebene Anzeige, daß 8 Uhr abends Geschäftsschluß ist. 2. Das verehrte besorgen. Es darf wohl angenommen werden, daß sowohl die MitPublikum wird höflichst gebeten, die Einkäufe vor 8 Uhr abends zu glieder der dem Centralausschuß angehörigen Berbände, wie auch ein großer Teil der Käufer diese Bestrebungen in entsprechender Weise unterstützen werden. jene, war jede Kontrolle unmöglich; nach den Bestimmungen des Die Arbeiter des städtischen Gasröhrensystems befinden Gesezes muß Beginn und Ende in gemischten Betrieben sich zur Zeit in einer mißlichen Lage. Als ein Teil derselben, in der für das ganze Personal gleich sein. Die Calaiser Fabrikanten find Meinung, daß es beim Rohrlegen wohl doch keine Winterarbeit gebe, denn auch, wie wir schon mitgeteilt, vom Kassationshof verurteilt sich schon vor Weihnachten nach anderer Arbeit umsehen wollten, worden; der höchste Gerichtshof entschied, daß ihre Betriebe den Be- wurde ihnen gesagt, fie fönnten den ganzen Winter bei der städtis stimmungen des Gesezes unterliegen. schen Verwaltung arbeiten. Als aber dann im Januar der scharfe Das letztere ist erst vor wenigen Wochen geschehen, der Streit Frost einsette, wurden an einem Tage etwa siebzig Mann brach aus, als die Fabrikanten ihre Abmachungen bezüglich des entlassen und einige Tage später bedeutete man auch den übrigen, Achtstundentags durchbrachen, Drei Monate haben die Arbeiter daß des Frostes wegen nicht weiter gearbeitet würde und die gekämpft. Das Vermögen der Gewerkschaft war bald aufgebraucht, jenigen, welche während des lezten Jahres erst eingestellt worden Ich möchte noch erwähnen, daß der frühere Staatsanwalt, benn es waren etwa 2000 Arbeiter zu unterstützen. Die Spigen sind, sollten sich nur audre Arbeit suchen. Seitdem ruht der Betrieb jezige Landgerichts- Direktor Dies am Landgericht II Berlin weber von Nottingham( England) und die englischen Maschinen- in dem genannten städtischen Arbeitszweige fast gänzlich, und da es vor nicht langer Zeit auf eine Frage des Verteidigers bauer haben eine einmalige Unterſtüßung geleistet. In den letzten den betreffenden Arbeitern natürlich um diese geit trotz eifrigen an einen Beugen( Gendarm) dem Zeugen zurief:" Antworten Sie Wochen aber waren die Mittel soweit erschöpft, daß die Streikenden Suchens nicht gelingt, andre Beschäftigung zu finden, da sie auch bei doch! Sie können sich lebhaft vorstellen, daß das Gericht die nur noch 5 Fr., zuletzt gar nur noch 3 Fr. erhalten konnten. Trozdem dem verdienten Stundenlohn von 35 Pf. keine Ersparnisse machen Frage für unerheblich hält; aber antworten Sie doch!" wurde noch vor kaum 10 Tagen die Fortsetzung des Streits in ge- fonnten, so kann man sich denken, wie traurig die Lage dieser Arbeits- Zum Glück find Vorsitzende solcher Art in Berlin eine Ausheimer Abstimmung mit 1700 Stimmen gegen 131 Stimmen von losen ist, die, obgleich schon seit einiger Zeit mildere Witterung einnahme; und damit ist zugleich erwiesen, daß für ihr Verhalten neuem beschlossen. Schließlich hat der Hunger die Braven mürbe getreten ist, immer noch vergebens bei der Verwaltung des Röhrensystems nicht etwa eine Ueberlastung verantwortlich zu machen ist." gemacht, sie haben sich bedingungslos den Unternehmern ergeben un ihre Wiedereinstellung nachsuchen. Die Arbeiter sind der Meinung, Achtuhr Ladenschluß. daß der schwache Frost, welcher zur Zeit noch herrscht, kein so großes müssen. Der Centralausschuß hiesiger faufDieser Ausstand hat noch eine andre trübe Seite. War es auch Arbeitshindernis ist, als daß man nicht wenigstens die älteren männischer Verbände zur Herbeiführung des Achtuhr- Ladenschlusses am letzten Ende die vollständige Entblößung aller Subsistenz- Arbeiter beschäftigen fönnte. Sie weisen darauf hin, daß die Ver- hat es sich zunächst zur Aufgabe gefeßt, auf das Publikum einzus mittel, welche die Arbeiter zwang, die Waffen zu strecken, so steht waltung der Wasserwerke ihre Rohrleger- Arbeiten nicht eingestellt wirken, daß es seine Einkäufe möglichst vor 8 1hr abends beforge. doch auf der andren Seite fest, daß die Fabrikanten längst hätten und die Arbeiter ohne Unterbrechung weiter beschäftigt hat. Im An diejenigen Geschäftsinhaber, die bereits um 8 1hr schließen oder nachgeben müssen, wenn sie nicht Streifbrecher gefunden hätten. Interesse der beschäftigungslosen Arbeiter des Gasröhrensystems einen allgemeinen Achtuhrschluß wünschen, sollen zum Aushang in Die Webstühle und sonstigen Werkzeuge, sowie das Material, die wollen wir wünschen, daß die Verwaltung den Betrieb bald wieder den Geschäftsräumen zwei Plakate zur Verteilung gelangen, die angefangenen Gewebe, sind in dieser Industrie sehr teuer und aufnimmt und somit der traurigen Lage der Arbeitslosen ein können leicht verderben, wenn sie nicht wenigstens in Ordnung Ende macht. gehalten werden. Vor allem aber mußten die Unternehmer ihren Wie man wohlthut! André Chenier, rühmlichst bekannt aus Stunden neue Muster vorlegen können, wenn sie nicht ganz ver- der Zeit der französischen Revolution durch seine reizenden Gedichte, lieren wollten. Diese Liebesdienste leisteten den Unternehmern schrieb auch eine lehrreiche kleine Geschichte über die damalige Not, die Streitbrecher, aber nicht Indifferente, nein, es waren welche man durch Festlichkeiten zu beseitigen suchte. Wenn man organisierte Arbeiter.' Emancipation", so nennt derartige Veranstaltungen bereits vor mehr als 100 Jahren ins sich diese Gewerkschaft, hatte sich im Gegensatz zu der Union" Lächerliche zog, so ist wirklich zu bedauern, daß noch heute bei uns Bei der Volkszählung ist jetzt die Aufrechnung der Berliner gebildet; die lettere war es, die den Streit durchfocht, die erstere diese sogenannten Wohlthätigkeitsfeste" mehr denn je graffieren. Zähllarten durchgeführt. Dabei sind 1884 151 Einwohner ermittelt ließ ihre Mitglieder in die Fabriken gehen, wo sie für 20 Frank Unter dem Deckmantel der Wohlthätigkeit veranstalten illustre worden. Es wurden am 1. Dezember 1900 901805 männliche und pro Woche so viel Arbeit leisteten, daß die Unternehmer den Persönlichkeiten Feste und Vergnügungen und fühlen sich erhaben 982 346 weibliche Personen gezählt. Der Ueberschuß der weiblichen Streit wenn auch unter großen Verlusten so lange aushalten in dem unerschütterlichen Bewußtsein, das Ihrige zum Wohle der über die männlichen Personen beträgt also 80541. Auf 9 Männer fonnten. Das schlimmste dabei ist, daß diese Gewerkschaft Anspruch Armen beigetragen zu haben. Hinter dem äußeren Schimmer dieses kommen demnach ungefähr 10 Franen in Berlin. darauf erhebt, auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung zu Wohlthuns verbirgt sich aber ein höchst eigenartiges Arrangement Für den Neubau der städtischen Gasanstalt an der Müllerstehen ein großer Teil ihrer Mitglieder sind zugleich Mitglieder der solcher Feste. Französischen Arbeiterpartei( Guesdisten). Die Leitung Nachdem die Herrschaften das Geld zur Bestreitung der Unkosten straße, deren Verlegung nach außerhalb bevorsteht, ist auf Tegeler dieser Partei entfandte den Genossen Delory, Bürgermeister von durch Sammlungen aufdringlichster Art zusammengebracht und dem Gebiet an der nach Spandau führenden Straße bereits ein großes Sille, nach Calais, um die Dinge zu untersuchen. Delory mußte gutmütigen Befizer die kostenlose Ueberlassung seines Saals ab- Baldgebiet abgeholzt und planiert worden. Das Terrain ersteckt sich in feinem Bericht zugeben, daß die Behauptungen der Streifenden genötigt haben, müssen die großen Kaufleute herhalten und von der Schwarzen Brücke bis zu den am Tegeler See gelegenen Anlagen der städtischen Wasserwerke. leider richtig seien. Auch die Bourse du Travail" von Paris ent- unzählige Wertgegenstände für die beliebte Tombola" spenden. fandte einen Delegierten nach Calais, dessen Ermittelungen das Es wird oft auf diese Weise von wirklich wohlthätigen Lenten Frostschäden. Aus allen Teilen der weiteren Umgegend von Selbe Ergebnis hatten. Die Federation du Nord der ein Wert beispielsweise von 22-24 000 m. in das Fest hineingesteckt, Berlin fommen Klagen, daß der Weizen erfroren ist. Aus der UckerFranzösischen Arbeiterpartei"( Sitz Lille) verurteilte das Ver- damit das verehrliche Komitee im glücklichsten Fall einen Erlös von mark wird berichtet, daß englischer Weizen total erfroren und auch halten der betreffenden auf das schärfste und drohte ihnen mit Aus- circa 8000 m. für die Armen veröffentlichen tann. Die Differenz vom lldermärker und Frankensteiner Weizen wenig zu hoffen ist. Schluß aus der Partei, die„ Emancipierten" haben trozdem nach wie aber von 14-16 000. wird lediglich für das Amusement aus- Aehnlich trübe lauten die Nachrichten aus dem Templiner Kreise. bor den Streitbruch geübt. Ihre Mitgliedstarten für das Jahr 1901 gegeben! Aber auch aus Pommern, aus Mecklenburg usw. mehren sich die find mun von der Federation du Nord" nicht mehr ausgestellt Es wäre in der That besser, diese Mittel direkt zu verwenden, Klagen über die verlorene Weizenernte. worden d. h. also, sie werden als Mitglieder nicht mehr betrachtet. damit sie der ärmeren Bevölkerungsklasse wirklich zu gute fämen. Als Entschuldigung geben die Arbeitswilligen an, daß der Ver- Die Wahrheit unsrer Behauptungen wird durch folgende Butrag seiner Beit nur zwischen der Union" und den Fabrikanten, schrift aus unsrem Leserkreise bekräftigt: Aufgehoben hat das Provinzial- Schulkollegium die von Jüngst besuchte ich das Winterfest zum Besten der schulnicht auch mit ihrer Bereinigung abgeschlossen worden sei, ferner, daß fie bezw. ihre Organisation wegen der zu ergreifenden Maß entlaffenen Waisen, weniger des Vergnügens halber, als zu bem ihm fürzlich erlassene Verfügung, nach welcher in den hiesigen Schulen mit Draht gebundene Schulhefte nicht mehr zur Verwendung konunen nahmen, namentlich bei Ausbruch des Streits nicht befragt Zwecke, dort Studien zu machen. Ich informierte mich genau über dürfen. Die Veranlassung zu der Verordnung hatte ein eigen worden feien. Es mag noch hinzugefügt fein, daß die Kosten für Herstellung und Ausstattung der verschiedenen„ Buden" in Calais die Arbeiterschaft seit Jahren ift und gewann die Ueberzeugung, daß die hierfür zu erzielenden Ein- artiger schwerer Unglücksfall gegeben. Ein Schüler hatte sich au dem Draht eines Schreibhefts eine leichte Verlegung zugezogen. und in erbitterter Feindschaft miteinander liegt; die verschiedenen nahmen die Auslagen nicht im entferntesten erreichen würden. Da Es entstand eine Blutvergiftung, die den Tod des Schülers zur socialistischen Fraktionen haben dort ihre Anhänger; dieser Umstand war z. B. ein photographisches Kunstlicht- Atelier. Von einem EinFolge hatte. dürfte die letzte Ursache der bedauerlichen Erscheinung sein, daß sich geweihten erfahre ich, daß dasselbe von dem großen Geschäftshause tlassenbewußte Arbeiter dazu hergaben, ihren Arbeitsbrüdern kostenlos errichtet wurde. Rezteres mußte aber circa 350-400.fügung empfindlich geschädigt und waren wiederholentlich bei der Die Fabrikanten von Schulheften wurden durch die neue Verin den Rücken zu fallen. allein für die Aufstellung des Ateliers und die Herstellung der Bilder Behörde wegen Aufhebung der Verfügung vorstellig geworden. Das fann natürlich nur eine Erklärung, niemals eine Entschul- bezahlen. Nachdem sie sich nunmehr verpflichtet haben, zum Heften der Bücher bigung solcher Handlungsweise sein. Dieses Vorkommnis zeigt Gegen Schluß des Festes erkundige ich mich bei dem Atelier, nur Drahtarten zu verwenden, welche nicht leicht rosten und deu wieder, daß unsre französischen Parteifreunde alles daran zu setzen ob die Einnahme, welche laut Festprogramm der Stasse des Bestand der mit altem Draht gebundenen Bücher zu vernichten, ist haben, eine Einigung herbeizuführen, damit das Schauspiel gegen- Unterstügungsfonds überwiesen wird", befriedigend gewesen ist. Man Bestand der mit altem Draht gebundenen Bücher zu vernichten, ist das Verbot, wie eingangs erwähnt, aufgehoben worden. feitiger Zerfleischung der Arbeiter nicht der Welt noch ein zweites antwortet mir: O ja, ca. 250 M.11" Damit also 250 M. zusammenMal geboten werde. gebracht werden, muß ein Geschäftsmann bare 400 M. opfern! Mit Großer Mangel an Droschkenkutschern soll nach einer Witandern Worten: der Geschäftsmann zahlt 400 M. Davon erhalten I teilung in einigen Berliner Zeitungen gegenwärtig vorhanden sein. " Nach dem Tauwetter voriger Woche hat sich eine harte Eisrinde gebildet, die die jungen Sprößlinge vernichtete. aus dem Grunde habe dte Personen Lohnfuhrwerts- Jnnung eine| Voigtlande. Dort hatte er im Januar feine Stellung verlassen, um| 76 andre Arbeiterinnen, 1 Lehrling und 74 jugendliche Arbeiter, Fahrschule eingerichtet, die geeignete Kräfte ausbilden will. Es wäre sich anderswo zu versuchen, konnte aber nicht finden, was er fuchte. wovon 35 in Fabriken untergebracht wurden. Telephonische Gesehr sonderbar, wenn bei der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit, die auch In Briefen an die Eltern und den früheren Prinzipal schildert er, wie spräche wurden 1073 geführt. Ein großes Fischsterben in den Gewässern der Spree und unter den Berliner Kutschern nicht gering ist, Mangel an Droschten er teine Stellung habe finden können, daß ihm das großstädtische Leben tutschern sich bemerkbar machen sollte. Bohl aber ist bekannt, daß nicht zusage, es ihm daher schlecht ergangen sei und er in steter Savel unterhalb Charlottenburgs macht sich schon seit längerer Zeit der Verdienst der Droschkentutscher fortgesetzt herabgedrückt wird, da Angst geschwebt habe, sein letztes Geld ausgeben zu müssen. In in gewissen Zwischenräumen bemerkbar. ihnen die Straßenbahn eine immer empfindlichere Konkurrenz macht. dieser Zwangslage habe er sich entschlossen, bei einem Bauern Dienste Fischerei- Genossenschaft von Tiefwerder- Pichelsdorf, welche Nicht selten paſſiert es, daß heute der biedere Roffelenker den ganzen zu nehmen und allerlei ihm nicht geläufige arbeiten au verzichtet. Tag vergebens auf einen Fahrgast wartet und nach 12 Stunden Das Leben habe er endlich auch satt gehabt und nun( trog des dieses Massensterben auf den Umstand, daß mit schädlichen Stoffen vermischte Abflußwasser von den chemischen Fabriken in die beiden Dienst hungrig und frierend ohne Verdienst heimkehrt. Solcher sehr Geldes: das noch 87 M. betrug) den Ausweg des Selbstmords gelüffe geleitet werden, zurückführt, veranlaßt gesehen, eine Be unsicheren Erwerbsthätigkeit mag wohl mancher den Rücken kehren, wählt. Der junge Mann hat nun zwar seine Absicht nicht erreicht, lohnung von 100 M. für denjenigen auszusehen, welcher die und nun sucht die Junung neue Kräfte für die janmervolle Stellung fich aber schwer verlegt. Er brachte sich aus einem Revolver zwei Urheber der den Fischen so schädliche Verunreinigung des Fin heranzuloden. Die Enttäuschung für die Schüler der Fahrschule Schüsse in den Kopf bei und wurde in ein Krankenhaus übergeführt. wassers so namhaft macht, daß ihre Bestrafung veranlaßt werden An Alkoholvergiftung gestorben ist der 47 Jahre alte Kellner tann. wird nicht ausbleiben. Marktpreise von Berlin am 12. Februar 1901 nach Ermittlungen des tgl. Polizeipräsidiums. Kartoffeln, neue, D- Ctr. *) Welzen, gut D.- Str. 15,50 15,48 mittel 15,46 15,44 gering Wo bleibt die Schuhvorrichtung? Von einem elektrischen Otto Zahn, der vom 19. Polizeirevier dem Gewahrsam am Straßenbahnwagen überfahren und tödlich verlegt wurde vorgestern Alexanderplatz eingeliefert worden war. Als ein Beamter am nachmittag in der Köpnickerstraße, Ecke Michaelfirchstraße, die dreizehn- Dienstagmorgen seine Zelle betrat, war er tot. jährige Schülerin Martha Reich aus Schöneberg. Das Mädchen hatte an der Haltestelle der genannten Straßenkreuzung einen Motor: wagen verlassen und wartete einen Augenblick, um einen aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Accumulatorenwagen vorbeifaufen zu lassen. Die Kleine hatte aber nicht bemerkt, daß jenem ein zweiter Wagen der Linie Schlesisches Thor- Schöneberg folgte und lief gegen die Vorderplattform desselben. Das Kind wurde zu Boden gerissen und eine Strecke fortgeschleift. Als der Wagen endlich zum Stehen gebracht wurde, hatte das Kind bereits schwere innere Verlegungen erlitten. In fast hoffnungslosem Zustande wurde die fleine St. dem Krankenhause Bethanien zugeführt. Im 200. Kirchenkonzert des Organisten Bernh. Irrgang, heute, Donnerstag, 7-8 Uhr in der Seilig- Kreuz- Kirche( Hallesches Thor) haben ihre Mitwirkung zugesagt Frau Adelina Sandow Herms( Alt), Fräul. Noggen, gut Marie Bluhm( Sopran) und der fönigl. Kammermusiker Herr Eugen Sandow( Cello). Der Eintritt ist frei. " Internationale Ringkämpfe im Cirkus Schumann. Der vor geftrige Abend brachte wieder aufregende Kämpfe. Als erstes Paar traten sich entgegen die beiden Pariser Sabes II und Moret. Nach einem an intereffanten Momenten reichen Stampf fonnte Sabes II feinen Gegner in Start: Hamburg besiegte den 16 Minuten auf beide Schultern brücken. Belgier Victorius Velche in 3 Minuten. Arer- Hamburg mußte große An: strengungen machen, um den kleinen aber äußerst zähen Pariser Lorange regelrecht zu werfen. Es gelang ihm dies in 15 Minuten. Aus den Nachbarorten. 7. 5 Rindfleisch, Keule 1 kg 1,60 1,20 n 15,42 15,40 $ 0. Bauch 1,30 1. " " 14,30 14,29 Schweinefleisch 1,60 10 " " mittel gering 14,26 14,27 " Stalbfleisch 1,80 1, " 14,22 14,25 1,60 1, " " Gerße, gut mittel gering 15,40 14,70 2,60 2, " 14,60 13,90 60 St " 5,20 3, 1 kg 2,20 1, 2,80 1,40 safer, gur " 13,80 13,20 15,90 15,30 Hammelfleisch Butter Gier Karpfen Aale mittel gering 15,20 14,60 Bander 14,50 13,90 Hechte 7, 6,50 Barsche 7, 5,20 Schleie 40, 25, Bleie . 70, 45, 25, 30, Krebse Nichistroh Heu Erbsen Speisebohnen Binsen *) ab Bahn. f) frei Wagen und ab Bahn. 2,50 1,20 2,20 1, 1,80 0,80 3,1,20 1,40 0,80 per Schot 12,3, Produktenmarkt vom 13. Febrnar. Auf dem Getreidemarkt ent wickelte sich feste Haltung infolge des strengen Frostes, der die Kauflust förderte. Der Verlehr war indes still. Die Lieferungspreise für Weizen gogen um 0,75 W., für Roggen um 0,50 M. an. Später trat ein Rüd schlag ein auf die Meldung, daß Weizen- und Roggenabschlüffe mit dem Ausland gethätigt seien. Safer zog an. Rüböl ließ um 0,20 m. nach. Spiritus. 70er Locofpiritus war mit 44,20 M. unverändert. Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 13. februar 1901. Aut licher Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 674 Rinder, 2367 Stalber, 861 Schafe, 10 625 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Bfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mart( beziehungsweise für 1 Bfund in Pf.): Ochsen: a) vollfleischige, ausgemäßtete, höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 00-00, b) junge fleischige, nicht ausgemäßiete und ältere ausgemäftete 00-00; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 00-00; d) gering genährte jeden Allers 00-00.- Bullen: a) vollfleischige höchsten Schlachtwerts 00-00; b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 00-00; c) gering genährte 47-50. Ein Zusammenstoß eines Eisenbahnzuges mit einem Straßenbahnwagen der Großen Berliner fand vorgestern Ein neuer Verkehrsplan für Charlottenburg ist im Verlage von nacht um 3/42 Uhr in der Köpniderstraße statt. Zwischen dem Kießling erschienen. Der Preis in fünffarbiger Ausführung beträgt 1 M., schlesischen Güterbahnhof und der städtischen Gasanstalt in der in dreifarbiger Ausführung 50 Pf. Der sehr übersichtliche Plan berücksichtigt Gitschinerstraße verkehren noch allnächtlich Kohlenzüge. Diese fahren die neuen Straßenprojekte und umfaßt die Gebiete von Kolonie Grunewald, langsam durch die Eisenbahn-, Staliger- und Gitschinerstraße, Schmargendorf, Wilmersdorf, Schöneberg und Berlin bis zur Universität. während ein Eisenbahnbeamter vor der Maschine hergeht und durch Die Ausführung ist eine gute. Klingeln an den Straßenübergängen etwa herankommende Fuhrwerke warnt. Ebenfalls verkehrt nachts in der Köpnickerstraße ein Dienstwagen der Großen Berliner Straßenbahn- Gesellschaft, welcher Einen überwältigenden Sieg haben unfre Parteigenoffen die auf dem Bahnhof Treptow angestellten, in Berlin wohnenden in Lichtenberg bei den gestrigen Wahlen zur Gemeinde Beamten nach der Stadt zurückbringt. In der gestrigen Nacht tam vertretung errungen. Unfre sämtlichen Kandidaten sind mit der Dienst- Motorwagen über die Köpnickerstraße nach der Köpnicker erdrückender Mehrheit gewählt worden. Es erhielten im 1. Bezirk Brücke zu herangesaust, als der Kohlenzug vom Schlesischen Bahnhof Grauer 356, 23 eißflud 354 Stimmen, der Gegner 91 Stimmen; herandampfte. Der Führer des Motorwagens wollte wohl jedenfalls noch vor der Maschine des Eisenbahntrains das Geleise kreuzen, im 2. Bezirk Sette und Wedemeyer je 490, der Gegner hatte jedoch die Entfernung von dem letzteren falsch bemessen; der 40 Stimmen; im 3. Bezirk Treue und Zimmermann je 587, Wagen sauste mit voller Gewalt auf die langsam fahrende Lofo- der Gegner 23 Stimmen; im 4. Bezirk Weld und Frante je motive. Der Anprall erfolgte mit solcher Heftigkeit, daß die Maschine 493, der Gegner 31 Stimmen. des Kohlenzugs stark beschädigt wurde. Der Cylinder derselben wurde Diefer bedeutsame Sieg läßt die Hoffnung nicht aussichtslos eingebrüdt und die Stolbenstange verbogen. Auch der Straßenbahn- erscheinen, daß unsre Genoffen auch in der zweiten Wähler- Rüge: a) vollfieischige, ausgemäßtete Färjen höchsten Schlachtwerts 00-00; wagen wurde nicht unerheblich beschädigt, während Personen glüdlasse Erfolge erringen werden. licherweise nicht verlegt wurden. Der Kohlenzug mußte so lange auf dem Geleise stehen bleiben, bis vom Schlesischen Bahnhof eine Es kann keine treffendere Antwort auf das Mißwollen geben, Ersatzmaschine zur Stelle kam. mit der sich die preußischen Minister im Geldsadsparlament über das Bordringen der Socialdemokratie in den Gemeindevertretungen äußern, als wenn die Bevölkerung sich selbst unter der Klaffenwahl zur Schaffung focialdemokratischer Mehrheiten in den Orisparlamenten aufrafft. Von den neuen Gasglühlicht- Laternen werden jetzt drei in der Friedrichstraße zwischen der Leipziger- und Kronenstraße probeweise aufgestellt. Es handelt sich um Versuche, die mit einem neuen Licht gemacht werden, das an Helligkeit alle bisherigen Lichtarten übertroffen und sich für die Straßenbeleuchtung besser als elektrisches Licht bewähren soll. Die Laternen werden an Trägermasten befestigt, die mit Auslegern versehen und etwas niedriger sind als diejenigen, an denen die elektrischen Bogenlampen hängen. Zu einem unerwarteten Ergebnis haben die Nachforschungen bezüglich der feiner Zeit gemeldeten Hamannschen Einbrüche geführt. Die Hamannschen Eheleute, die von ihrem Wohnort Fichtenau aus ihre Streifzüge durch Berlin unternahmen, haben entgegen der anfänglichen Annahme schon etwa ein Jahrzehnt hindurch die Reichshauptstadt unsicher gemacht und mit der aus drei Köpfen bestehenden gewerbsmäßigen Spizbubenbande Schulze und Genossen gemeinsam gearbeitet. Die legteren fonnten gleichfalls eingesperrt werden. Eine Haussuchung bei ihnen förderte Sachen zu Tage, die Hamann eingebracht hatte; umgekehrt wurden in Gegenständen, die bei Hamann beschlagnahmt waren, Beuteſtücke aus Schulzeschen Einbrüchen erkannt. Auf das Konto enta fallen insgesamt 46 Einbrüche, aus denen die Bestohlenen ihr Eigentum erkannt haben und die Diebe als überführt gelten tönnen. Die Hehlernester, bei denen die beiderseitige Beute Absatz fand, sind in den Nachbarorten Charlottenburg, Spandau, Rirdorf, in Küstrin, ja auch in Fichtenau ermittelt. Verschiedene Hehler sind Juhaber von Wirtshäusern mit Mädchenbedienung. Andre wurden auch in Leipzig und in mehreren Orten der Provinz Schleswig Holstein durch Photographien bekannt, die sich in Hamanns Besitz befanden. Im ganzen wurden acht Hehler entdeckt. Je nach der Gefahr, die der Absatz der Diebesware mit sich bringen konnte, wurden die erbeuteten Stüde an näher oder ferner wohnende Hehler befördert. Durch einen Pfennig verraten wurde der Gefreite Grosch bon der 3. Schwadron des 1. Garde- Dragoner- Regiments, der einen Stubentameraden eine Geldtasche mit 23 M. entwendet hatte. Gr. Gemeindewahlen in Lichtenberg. Die zweite Wählerllasse foll heute, Donnerstag, den 14. Februar, in der Zeit von 3-6 Uhr nachmittags acht Gemeindeverordnete wählen. Laut Beschluß der öffentlichen Wählerversammlung sind von unsrer Partei, da die leidige Hausbefizerfrage gelöst, 8 Kandidaten aufgestellt. Für den ersten Bezirk find. Barbier Bernhard Weisflud, Schriftseter Karl Welf, Kürschner Franz Wedemeyer, Maurermeister Herm. Zimmermann, Eigentümer Ferd. Franke; für den zweiten Bezirk: Schaufivirt Oswald Grauer, Kartonfabrifant Otto Krail, Sargfabrikant Adolf Schulze, als Kandidaten normiert. Thue jeder Wähler seine Pflicht, damit es uns gelingt, ein gleich fünftiges Resultat, wie in der dritten Klasse, auch in der zweiten ou erzielen. Des Der Rigdorfer Gewerbedeputation ist jetzt auf Anregung eines socialistischen Mitglieds ein Jahresbericht städtischen Arbeitsnachweises borgelegt worden. Die Zahlen für das Jahr 1900 sind folgende: 1482 Arbeitgeber verlangten zur Beschäftigung 2185 Berfonen, darunter 1716 männliche, 375 weibliche und 94 unter 16 Jahren. Gesucht wurden 472 gelerute Arbeiter, 71 Fabrifarbeiter, 1173 ungelernte Arbeiter für die verschiedensten nichtfabrikmäßigen Betriebe, 155 Dienstmädchen, 92 Arbeiterinnen für Fabriken, 128 Arbeiterinnen für andre Betriebe, 8 Lehrlinge, 38 jugendliche Arbeiter für Fabriten und 48 jugendliche Arbeiter für fonstige Betriebe. Der Nachfrage nach 2185 stand ein Angebot von 3503 Arbeitskräften gegenüber. Es boten sich an 2942 männ hatte sich, um die Geldtasche zu vernichten, auf die Wachstube begeben liche, 323 weibliche und 238 jugendliche Bersonen unter 16 Jahren. und die Tasche dort in den Ofen geworfen. Das war später auf Davon waren 552 gelernte Arbeiter, 167 Fabritarbeiter, 2123 andre gefallen, und der Ofen wurde durchsucht. Während die Geldtasche ungelernte Arbeiter, 48 Dienstmädchen, 115 Fabritarbeiterinnen, verbrannt war, fand sich ein neuer Pfennig vor, den der Bestohlene 124 andre Arbeiterinnen, 3 Lehrlinge, 60 jugendliche Fabritarbeiter beseffen hatte. Gr. wurde nun in Haft genommen. und 175 jugendliche Arbeiter der verschiedensten Art. Zu erschießen versuchte sich auf dem hiesigen Anhalter gewiesen erhielten von den 3503 Arbeitsuchenden mur 1818, die fich Bahnhof bald nach seinem Eintreffen am Dienstagabend um 11 Uhr wie folgt verteilen: 379 gelernte Arbeiter, 72 Fabrikleiter ,, 1056 der 21 Jahre alte stellungslose Kaufmann Frizz Schulze aus dem landre ungelernte Arbeiter, 69 Dienstmädchen, 86 Fabrikarbeiterinnen, Deutscher Holzarbeiter- Verband.www ( Zahlstelle Berlin). Heute, Donnerstag, abends 8 1hr, im„ Gewerkschaftshans", Engelufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Donnerstag, den 14. b. M., abends 82 Uhr: Achtung! 20 Arbeit nachFärsen und b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 00-00; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwidelte jüngere ühe und Färsen 00-00; d) mäßig genährte Kühe und Färsen 44-46; e) gering genährte Kühe und Färjen 40-43. Stälber: a) feinste Masttälber( Bollmilchmaft) und befte Sougfälber 69-71, b) mittlere Mastfälber und gute Saugfälber 54-58, c) geringe Saugfälber 46-50, d) ältere, gering Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast genährte( Fresser) 34-42. e) utäßig genährte hammel 57-60, b) ältere Masthammel 45-53, Hammel und Schafe( Merzschafe) 41-44, d) Holsteiner NiederungsRassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1 Jahren 220-280 Bfund Schweine: a) vollfleischige der feineren schafe( Lebendgewicht) 00-00. schwer, 56-00; b) schwere, 280 Pfund und darüber( Stafer) 00-00; c) fleifchige 53-55; d) gering entwidelte 49-52; e) Sauen 52-54. Für 100 Pfund mit 20 pet. Tara. Berlauf und Tendenz. Vom Rinderauftrieb blieben ungefähr 250 Stüd unverkauft. Der Kälberhandel gestaltete fich langfam. Bei den Schafen war schwache Nachfrage, so daß nur etwa die Hälfte des Auftriebs Abjazz fand. Der Schweinemarkt verlief ruhig und wird voraussichtlich geräumt. Witterungsübersicht vom 13. Februar 1901, morgens 8 1hr. Stationen Barometer stand mm Windrichtung Windstärte Wetter 5°= 4º R. Temp. n. Stationen Barometer staub mm Windrigtung Windstärke Wetter 2516.beb. SSO 2 hlb. bed.- 10 aparanda 764 N 767 NNO 2 wolfent- 8 Petersburg 762 SW 1Dunst 76430 2 bedeckt Swinembe 765 Hamburg Berlin Frants./M. 765 N München 762N Wien 766 Temp. n. G. 16 -21 -8 ort 772 NNO 3Heiter 1 2 wolfig-5 Aherdeen 769 NW 2616.bed.- 2 768 NW 2 bededt -0 4 wollig-9 Paris -8 2 wolfig Wetter- Prognose für Donnerstag, den 14. Februar 1901. Zunächst nebeliges, später anfflarendes Frostwetter mit schwachen nord: östlichen Winden; feine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. G. Seidendorf. 1. Es genügt ein handschriftliches, eigenhändig ge Briefkasten vom 30. Januar unter A. B. C. bargelegt. Die Pflichtteilerben und unterschriebenes Testament. Das Nähere ist wiederholt, zuletzt im müssen bedacht werden, in Ihrem Falle also, wie es scheint, die Eltern. Beispiele für Testamente finden Sie in dem dem Arbeiterrecht" angehängten Führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch" S. 238, 239. Das„ Arbeiter recht" tönnen Sie in der Bibliothek, Alexandrinenstr. 26, einsehen. 2. Sie leben außer Gütergemeinschaft. 23. 2. 7. 1. Faus teine entgegenstehende Vereinbarungen beinn Abschluß des Bertrags getroffen fib, tit berorbett, Hecht. 2. Sie leben außer Gütergemeinschaft. Ein Testament ist erforderlich, die Eltern müssen bedacht werden; im übrigen jehen Sie unter G. Seidendorf. 3. Das geht nicht, wenn Sie nicht das Guthaben auf den bestimmten Dritten, für den Sie es reservieren wollen, bei Leb: 2. Y. 3. Nein zeiten, zum Beispiel durch Schenkung, übertragen. Achtung! Buchbinder! wwww Untertükungs- Verein der Fensterpuker Berlins und Umgegend. Sonnabend, 16. Febr., abends 81 Uhr, bei Buste, Grenadierstr. 33: Central- Kranken- und Begräbniss- Kasse der Buchbinder etc. ( E. H.), Verwaltungsstelle Berlin. Sonnabend, den 16. Februar 1901, im Gewerkschaftshaus, ( gr. Saal), Engel- Ufer 15. Branchen- Versammlung der Stellmacher Gr. Wiener Maskenball. bei Schiller, Rosenthalerstraße 57. Wir bitten, daß jede Werkstatt vertreten ist, da dort die Liften zur Ar beitslosenzählung ausgegeben werden. 78/3 Deutsch. Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel.llfer 15. 8immer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Donnerstag, den 14. Februar, abends 8 Versammlung 1hr: im ,, Gewerkschaftshaus", Engel- Ufer Nr. 15. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Provinzial Schulrats Dr. Vogel über: Naturwissenschaften und Christentum". Korreferent Herr Dr. R. Steiner. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. 111/17 Da der Ueberschuss zum Besten kranker, ausgesteuerter Mitglieder obiger Kasse bestimmt ist, so ist ein zahlreiches Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen in Anbetracht des guten Zwecks erwünscht. Demaskierung 12 Uhr. 23/12 Anfang 8 Uhr. Ende?? Einlasskarten a 50 Pf. sind im Gewerkschaftshaus, Zimmer 22 und 24 zu haben. Das Comitee. I. A.: Wilhelm Hinz, Prinzenstr. 66. Die Zahlstellen der Kasse bleiben an diesem Abend geschlossen. Möbelstoffe!! Masken Garderobe Riesen- Stofflager Das ( 7342* Freitag, den 15. Februar, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, auch Reste aluat felten billig! Engel- Ufer 15: Sigung der Ortsverwaltung Gelegenheitstauf: Mocquett- Plüsche 5,35 M. mit den Bezirksleitungen und Agitationskommissionen. lufter bei näher. Angabe franco. Die Ortsverwaltung. per Meter( 130 Centimeter breit). Emil Lefèvre, Oranienstr. 158. Berlin S., bott 5649* Carl Ernst, Krausenstr. 14 I. Etage, Köpnickerstr. 1261. Größte Auswahl! Billigste Preise! 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März und Sonntag, den 24. März, nachmittags 22 Uhr. Opernmarken a 80 Pf. erhalten die Mitglieder( soweit der Raum ausreicht) vom 15. Februar ab in den Zahlstellen und zwar am 10. März nur die 1., 3., 4., 5., 7. Abteilung und am 24. März nur die 1., 2., 3., 5., 6., 7. Abteilung. 228/13] Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Gewerkschaftshaus Engel- Ufer 15. 24946* Sonnabend, den 9. Februar: Bock- Anstich! Gleichzeitig empfehle: Mittagstisch( Couvert 80 Pf.) und à la carte au foliden Preisen. Reichhaltige Auswahl. an verschiedenen Tagen zu vergeben. 3 Kegelbahnen Säle zu Verfammlungen und Festlichkeiten von 50-1000 Peri. * Anker- Briketts Hoffmanns Salon, anerkannt vorzügliche Qualität, baben bei Röslinerstr. 8. Besonderer Umstände halber ist der fb Friedr. Daniel& Co., 2. Oftertag für Matineen frei,[ 7560* Berlin W., Leipzigerstr. 29. Anerkannt vorzüglichste Qualität! 7n haben in allen bassaran Kohlenhondinnaan! 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Für den Insetatenteil verantwortlich: Th. Glode in Berlin. Drud und Verlag von Mag Bading in Berlin. «c. 38. i8. i.itp.9. 3. Ktilllge des„VWlllts" Kerliner MlksblM. lt. mm 1901. Ave Kollscrenz der MilitiirrWell-Sllttltt DtiltMlldS tagte am 10. Februar im GewerlschaftshauS zu Offenbach a. M. Von den eingeladenen Fabrikanten war keiner erschienen, doch hatte eine Anzahl sich entschuldigt und den Arbeiten der Konferenz ihre Sympathie ausgesprochen. Vertreter der Arbeitnehmer waren er- schiene» aus Berlin, Dresden, Elberfeld-Barmen, Frankfurt a. M., Friedberg t. H., Kaiserslautern, Karlsruh». Mainz, Offenbach, Strasburg und Ulm- Stuttgart. Vom Centralvorstand und Ausschuß des Sattlerverbands waren Sassenbach und Blum aus Berlin erschienen. Aus den nicht vertretenen Orten Chemnitz, Eisleben, Görlitz, Hannover, Königsberg. Leipzig, Magdeburg und München Ivaren ausführliche Berichte eingelaufen. Die Konferenz ist zu dem Zivecke einberufen, um zu' beraten, wie dem in Berlin errungenen Tarife auch anderswo Geltung ver- schafft werden kann; ferner soll sie den Ort bestimmen, wo dle zur Vorbereitung eines neuen Tarifs einzusetzende Generalkommission oer Militäreffekten-Arbeiter Deutschlands ihren Sitz haben soll. In einer längeren Diskussion wird die Lage der Militärsattler an den einzelnen Orten sowie die bisher unternommenen Schritte zur Besserung derselben besprochen. Wie allseitig betont wurde, hat der Berliner Streik einen bedeutenden Fortschritt und eine merkbare Erhöhung der Lebenslage mit sich gebracht. In einer Zusammenfassung der in der Diskussion gegebenen Situationsberichte und der geäußerten Vorschläge führt Sassen- dach aus. daß wegen der teilweise noch mangelhaften Organisation an einzelnen Orten ein gemeinsames, eventuell mit Arbeitsnieder- legung verbundenes Vorgehen nicht gut beschlossen werden könne. Man könne den einzelnen Orten nur raten, mit allen Mitteln für den Ausbau der Organisation zu wirken; wenn es dem«inen Ort gelungen sei, die Organisation genügend auszubauen, so könne man diesem Ort die Erlaubnis geben, die Berliner Forderungen zu stellen und deren Einführung auch durch einen Streik zu erzwingen. Nebenbei schade es aber nicht, nochmals sämtlichen Fabrikanten unsre Forderungen zu unterbreiten und ihnen die Beschlüsse unsrer Konferenz mitzuteilen. Außerdem müsse man die mit der Vergebung von Militärarbeit betrauten Behörden auffordem, nur tariftreue Fabrikanten zur Submission zuzulassen. Hierzu schlägt er folgende Resolution vor: „Die Konferenz beauftragt die zu ivählende Tarifkommission. eine Denkschrift auszuarbeiten und an die Kriegsministerien und an die Regimenter zu versenden. In dieser Denk- schrift soll darauf hingewiesen werden, daß es gelungen ist. zwischen einer Anzahl der größten Militärcffektcn- fabrikanten und den Arbeitern ein Uebereinkommen in Bezug aus Löhne und Arbeitszeit zu erzielen. Die genannten Behörden sollen gebeten werden, bei Vergebung von Arbeiten nur solche Firmen zur Submission zuzulassen, die den vereinbarten Tarif anerkennen. Die Namen der den Tarif anerkennenden Firmen sollen in der Denk- schrift angeführt werden; die Namen der den Tarif nicht anerkennenden Firmen sollen ebenfalls genannt und ihr Geschäflsoebahren genauer beleuchtet werden." Sass enbach hielt eS ferner für gut, die tariftreuen Firmen zu einer ähnlichen Eingabe zu veranlassen; auch müsse die Presse für unsere Zwecke in Anspruch genommen werden. Blum sowie die Delegierten H a ck e l b u s ch- Berlin und Hatzmann- Straßburg schließen sich dem Vorschlag Sassen- d a ch in Bezug auf die Denkschrift an. während Bär- Dresden da- gegen spricht, da er sich keinen Erfolg davon verspricht; er schlägt dagegen vor. zu verlangen, daß die M i l i t ä r a r b e i t unter behördlicher Kontrolle ausgeführt werde. Der Antrag S a sse n b a ch wird einstimmig angenommen. Ebenso ein Antrag der Filiale Karlsruhe, nochmals ein Ctrkular an die nicht tariftreuen Fabrikanten zu versenden. Ueber die Schäden der Heimarbeit ist man stch einig und wird einem Antrag von Straßburg entsprechend beschlossen, auf deren Beseitigung mit allen Kräfte hinzuwirken. Der Antrag Bär- Dresden auf Forderung behördlicher Beauf sichtigung der Militäreffektenfabriken wird abgelehnt. Damit ist der erste Punkt der Tagesordnung erledigt. Im zweiten Punkt handelt es sich zunächst um die der Tarif- kommission zu stellenden Aufgaben und die Art ihrer Einrichtung. Hierzu werden nach längerer Debatte folgende Anträge angenommen: Die Militäreffekten-Sattler allerorts haben mindestens monatlich einen Bericht über die Verhältnisse am Ort an die Tariskommission einzusenden. Wird an einem Ort eine Lohnbewegung vorbereitet, so ist sofort dem Centralvorstand sowie der Tarifkommission davon Mitteuung zu machen, wonach dieselbe sich mit den übrigen Filialen und dem Centralvorstand in Verbindung setzt, um die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der Durchführung des Streiks zu prüfen „Fede MilitSreffektenfattler-Filiale ist verpflichtet, eine Lokalkaffe zu errichten. Die Gelder bleibe» am Ort, jedoch ist vierteljährliche Abrechnung an die Tarifkommission einzusenden. In gemischten Filiale», wo die Militäreffekten-Sattler die Minder heit bilden, haben dieselben einen Vertrauensmann zu wählen, der sich mit der Tarifkommission in Verbindung zu setzen hat." „Die Finanzierung der Tarifkommission geschiebt durch den Centralvorstand, doch ist es Pflicht derLokalkasien der Miiitäreffekien- sattler-Filialen. die Tarifkommission zu unterstützen." Die Tarifkommission erhält nicht allein die Aufgabe, dem Berliner Tarif auch anderswo Geltung zu verschaffen, sie soll auch cii« beim Ablauf des jetzigen Vertrags vorzunehmende Revision des Tarifs vorbereiten. Als Ort, wo die Tarifkonimission ihren Sitz haben soll, wird Berlin bestimmt. Die Kommission soll aus fünf Mitgliedern bestehen._ Verfsmmlungvn. Der sorialdemokratische Wahlverein für den dritten Berliner Reichstags- Wahlkreis hielt am Donnerstag im Meß- palast. Alexandrinenstraße, eine Versammlung ab, in der Reichstags- Abgeordneter Fr. Tutzauer über:„Wie ein Gewerbegericht sein soll" referierte. Der intereffante Vortrag wurde sehr beifällig auf- genommen. Nach einigen Ankündigungen des Vorsitzenden Genossen Fritz erfolgte der Schluß der Versammlung. Eine sehr zahlreich besuchte Gürtnerversammlung fand am Montag im Saale des HandweckcroereinS statt mit der Tages- ordming• Schaffung eines Tarifvertrags zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer für Berlin und die Vororte, unter Zugrundelegung der von der Märkischen Gau- Vereinigung deS Allg. D. G.- V. aufgestellten Forderungen Diese' Forderungen.sind den Prinzipalen mit einer ein- sehenden Begründung und einer Einladung zu der Per- jammlung zugesandt worden. Sie lauten: 1. Einführung der täglich clfstündigen Höchstarbeitszeit; 2 Bezahlung der Ueberstunden mit So Pf. pro Stunde als Niedrigstsatz: 3. Sonntag werden nur natur- uolwendige Arbeiten verrichtet; jeder zweite Sonntag ImindestenS) ist jedem Gehilfen vollständig frei zu geben; 4. An Stelle aller andren sonst noch üblichen Lohnzahlungsfristen: Einführung der wöchent- lichen Lohnzahlung und zwar Festlegung folgender Niedrigstsätze: s> ohne alles pro Woche 18 M.: d> bei Wohnung. Beleuchtung. Heizung und täglich zweimal Kaffee mit Brot 16 M.; o) bei voll- ständig freier Station 7 M; 5. Unterhaltung eines gemeinsamen (parltäliichen) Stellennachweises." Aus dem Referat sowie aus der sich daran schließenden lebhaften Diskussion geht hervor, daß im Gärtnergewerbc äußerst traurige Zustände herrschen. Einer der anwesenden Arbeitgeber erklärte, daß er die Forderungen durchaus für gerechtfertigt halte; es gelangte einstimmig eine Resolution zur Annahme, in der die von ca. 1000 Gärtnern besuchte Versammlung sich mit den aufgestellten Forderungen einverstanden erklärte. Zwei vom Holzorbetter-Berband einberufene Versamm- lungen tagten am Dienstag im„Konzerthaus Sanssouci" und in der„Brauerei Friedrichshain". Beide Versammlungen waren sehr zahlreich besucht. Es handelte sich um Besprechung der Delegierten- Wahl zur Tischlcr-Jnnungs-Krankenkasse. En k mann, der in der Friedrichshain-Versammlu'ng referierte, beleuchtete die Verhältnisse, welche in der alten Jnnungs-Krankenkasse herrschten. Er legte dar. daß in jener Kaffe die Rechte der versicherten Mitglieder nach Möglichkeit beschnitten wurden, während in dem neuen Statut, welches die Zwangs- Innung jetzt für die Kasse schaffen mußte, den Mitgliedern ein wesentlicher Einfluß auf die Gcschästssührung und Verwaltung der Kasse zusteht. Jetzt gelte es nun. bei der am Sonntag staltfindenden Delgiertenwohl solchen Kollegen das Vertrauensamt zu übertragen, die geeignet sind, die Rechte und Interessen der in der Kasse versicherten Arbeiter zu wahren. In der Sanssouci-Versammlung wurde unter anderm die Geschäftsführung in der seitherigen Jnnungs-Krankenkasse kritisiert. Beide Versammlungen stellten die Kandidaten für die Delegierten- Wahlen auf. Die Lohnbewegung der Taschen« und Kofferarbeiter be- schäftigte am Montag eine stark besuchte Versammlung dieser Branche. Die Versammlung, in der KS Werkstellen vertreten waren, diskutierte lange und eingehend über die Lohnbewegung. Alle Redner stimmten darin überein. daß das, was die Fabrikanten„ihre Bewilligungen" nennen, nämlich ein Zuschlag von 5 Proz. auf die bisherigen Löhne, den Arbeitern keineswegs genüge, daß man unter allen Umständen an den ursprünglich aufgestellten Forderungen festhalten werde, da diese das Mindestmaß dessen darstellen, was bei den gegenwärtigen Lebensmittel- preisen zum Unterhalt durchaus notwendig ist. Die Vertrauensmänner der einzelnen Werkstellen wurden beauftragt, nochmals mit den Fabri- kanten Rücksprache zu nehmen und das Resultat in einer am Sonnabend statlfindenden Versammlung bekannt zn geben. Die Unterschrift unter der angekündigten Arbeitsordnung soll verweigert werden. Ueber die KonsumaenoffenschaftS-Bewegung berichteten wir im Versamnilunqsteit unsrer Sonnabendnunimer. Wie uns min ans dem Gewerkschaftsbureau mitgeteilt wird, waren zu der Versamm- lung, über die wir dort berichteten, nicht die Vorstände der Konsum- genossenschaften, sondern die Gewerkschafts-Bor stände eingeladen. Eine öffentliche Versammlung der Cementierer tagte am Sonntag, den 3. d. M.. bei Rümann. Brunnenstroße 188. Niecke sprach in einem lehrreichen Vortrage über„Arbeitslosigkeit und ihre Folgen". Die Bauarbeiter hielten am Sonntag eine Versammlung für alle zum Streikgebiet Berlin und Umgegend gehörigen Verbands- Zahlstellen bei Keller, Koppenstraße, ob. Dem' Geschäftsbericht der Lohnkommission war zu entnehmen, daß da» verfloffenc Jahr wieder sehr reich an Lohnkämpfen für die Bauarbeiter gewesen ist. Er- freulicherweise hat der Verband reckt gute Forlschritte zu verzeichnen. Nicht nur. daß die Mitgliederzahl auf das Doppelte gestiegen ist. die Unternehmer müsicn nun auch mit der Organisation rechnen und sie haben verschicdcnt- lich selbst die' Lohnkonimission zur Schlichtung von Streitigleiten nach der Baustelle benifc». Zu den Verhandlungen über die Er- richhmg eines Arbeitsnachweises wurden auch die Bauarbeiter hinzu- gezogen, von dessen Vertreter!' konnte aber nur erklärt werden, daß die Benutzung deS geplanten Arbeitsnachweises für die Mitglieder der Organisation unmöglich ist, ehe nicht die Lohn« und Arbeits- bedingungen, unter welchen Arbeit nachgewiesen wird, vertraglich festgelegt find. Im vorigen Jahre wurde versucht, dem im Jahre 18gv aufgestellten Tarif auch in den Vororten von Berlin Geltmig zu verschaffen. In den meisten Fällen ist dies auch gelungen. so daß am Schluß des Jahres 1900 behauptet werden konnte. daß es nur ganz wenige Bauhilssorbeitcr auch an der Grenze von Groß- Berlin giebt. welche unter den, Tarif arbeiten. In verschiedenen Orten wurden Lohnerhöhungen von 16 bis 20 Proz. erzielt. Die Gruppe der Robitzspamier und Träger hat ebenfalls wieder, infolge der guten Organisation, eine Lohn- erhöhung von 10 Proz. errungen. Die Forderungen der Putzerträger sind nunmehr auch im allgemeinen und in der Hauptsache anerkannt worden. Die Thötigkeit der Lohnkommission war eine sehr rege. Im ganze» wurde die Kommission 769 mal in Anspruch genommen. In 18 Fällen wurden die Bauarbeiler durch die Maurer in Mit- leidenschaft gezogen und außerdem waren sie an den Streiks in Köpenick. Adlershof und Spandau beteiligt. In 46 Fäden kam es zu Bausperren, wovon 83 mit einem Erfolg für die Arbeiter endeten. Die längste Sperre dauerte 11 Tage, die kürzeste l'/z Tage. In 218 Fällen handelte es sich um Maßregelungen, darunter find 16 Fälle, wo Arbeiter von ihren eigenen Kollegen gemaßregelt worden sind. Vielfach wurden Maß- rsgeltingen durch das Einschreiten der Kommission rückgängig gc- mächt; verschiedentlich ist dies erst erfolgt, nachdem die Arbeit ein- gestellt worden ist. In 227 Fällen handelte es sich um Lohn- forderungen. wovon in 91 Fällen gleich nach Vorstelligwerden der Kommission die Bewilligung erfolgte. 64mal mußte die'Kommission wegen allzu mangelhafter Schutzvorrichtungen auf den Bauten vorstellig werden' und hier verhielten sich die Unternehmer derartig ablehnend, daß deshalb auf 9 Bauten die Arbeit ein- gestellt wurde, und 6 Fälle sind zn verzeichnen, wo die Unternehmer erst für einigermaßen genügende Schutzvorrichwngen sorgten,»ach- dem Unglücksfälle und Verletzungen von Arbeitern vorgekommen waren. Oftmals mußte die Kommission wegen ungenügender oder gänzlich fehlender Baubuden einschreiten, und in fünf Fällen wurde sie ln Anspruch genommen, weil die Arbeiter von den Unternehniern den verdienten Lohn für die Wocke nicht erhalten konnten. Eine sehr unrühmliche Rolle hat der Berein„Arbeiterschutz, dem die meisten Leute angehören, welche ans irgend einem Grunde ans der Organisation auSgefchlosien worden sind, bei den vielen Kämpfen gespielt. Sehr oft haben bei vorhandenen Differenzen die Mitglieder dieses BereinS die Bauten besetzt und die Vertreter dieses Vereins haben mit Vorliebe die Vermittelung der „Arbeitswilligen" übernommen und dadurch den Bauarbeitern' viel Schaden zugefügt.— Im Laufe des Jahres haben 8 Versammlungen für das ganze Streikgebiet, 14 Versammlungen für die einzelnen Gnippen und 6 Boudepntierten-Versamn'lunfl'en stattgefunden. Die Kommission Hot 37 Sitzungen abgehalten, ferner war sie in 40 Sitzungen der einzelnen Gruppen und Ortsverwaltungen, in 24 Mitglieder-Versammlungen der Zahlstellen und in 6 Vorstands- konserenzen vertreten. Im Lause des Jahres wurden 11 408 Streik- fondskarten ausgestellt und an 2092 Mitglieder mit 2811 Kinder» Unter- stützung ausgezahlt. Die Abrechnung weist inkl. des alten Bestands von 20 677 93 M. eine Einnahme von 94 946,23 M. auf. Die Ausgaben betrugen 48 073.12 M.. so daß ein Bestand von 46 872.11 M'. ver- bleibt. Unter den Ausgaben befinden sich unter anderm: für Unter- stützung bei Streiks, Maßregelung und Bausperren 18 666,76 M., für Reise-Unterstiitzung und Unterstützung an die Familien In- haftierter 606,36 M., an den Streikfonds der Bauarbeiter Deutich- lands 13 000 M., an die AgitationStommission für die Provinz Brandenburg und Posen 1000 M., an verschiedene andre Gciverk- schaften 3400 M. Dem Geschäfts- und Kassenbericht folgte eine längere Diskussion, in der die Tbätigkeit der Kommission im allgemeinen erörtert wurde und in der mehrere Redner das Verhalten der Mitglieder des Vereins„Arbeiterfchntz", den sie als Streikbrecherverein bezeichneten, emer lebhaften Kritik unterzogen.— Dem Kassierer O. Böttcher wurde auf Antrag der Revisoren die Deckarge erteilt. Sodann wurde folgender Beschluß gefaßt: Die ArbeitZlosen-Abstempelung geschieht wöchentlich und zwar jeden Freitag und Sonnabend bis 4 Uhr nachmittags. Diejenigen Kollegen, welche weniger als drei Tage in der Woche arbeiten, sind von der Zahlung zum Streik- fon'ds frei, doch muh die Karte in der genannten Zeit zur Ab- ftempelung vorgelegt werden. Bei denjenigen Kollegen, welche in den letzten beiden Tagen in Arbeit treten, hat der Bau- Deputierte die Abstempelung zu veranlassen. Dieser Beschluß ist für sämtliche Zahlstellen innerhalb des Streikgebiets bindend und hat keine Zahlstelle das Recht, dem entgegenstehende Beschlüsse zu fassen. Außerdem gelangte eine Resolution zur Annahme, nach welcher die Bauarbeiter verpflichtet werden, sich in allen Fällen, wo es sich um Bauten handelt, auf denen vorher von den Arbeitern die Arbeit eingestellt worden ist, an die Lohnkommission zu wenden, um fest- zustellen, ob die Aufnahme der Arbeit hier gerechtfertigt ist. Hierauf wurden die weiteren Punkte der Tagesordnung vertagt. Der C-ntralderband der Maurer sZahlstelle Berlin und Um- qegend) hielt am Freitag seine Generalversammlung, die von ca. 1600 Personen besucht war, bei Keller, Koppenstraße, ab. Dem Geschäftsbericht der Verbandsleitung, den der Vor- sitzende P a n s e r erstattete, war folgendes zu entnehmen: Das verflossene Jahr war infolge des bestehenden VertragsverHSlt- nisies ein verhältnismäßig ruhiges und sind größere Kämpfe, d. h. Streiks und Bansperren nicht zu verzeichnen. Die Differenzen wurde» durch die beiderseitigen Organisationen geregelt. Die Unternehmer und auch die Arbeiter waren aber während dieser Zeit durchaus nicht unthätig; innerhalb der Organisationen wurde auf beiden Seiten eine rege Thötigkeit entfaltet.' um für einen event. Kampf gerüstet zn sein.' Die im Vertrage festgesetzte Lohnerhöhung auf 621/a bezw. 65 Pfg. pro Stunde wurde zur bestimmten Zeit allgemein vorgenommen. Auch die vereinbarte Arbeitszeit wurde so ziemlich allgemein durch- geführt. Die Baubuden sind durchschnittlich besser geworden, aber dein Vertrag entsprechen sie, abgesehen von einigen Ausnahmen, durchaus »och nicht. Dasselbe trifft auch bezüglich der Rüstungen. Aborte-c. zu. Die Verhandlungen mit den Unternehmern über die Errichtung eines gemeinsamen Arbeitsnachweises sind trotz aller Bemühungen der Arbeitervertreter rcsultatlos verlaufen. Die Verhandlungen über das neue Vertragsverhältnis sind bisher noch nicht zum Ab- schlnß gelangt, obwohl bereits deslvegen fünf gemeinsanie Sitzungen stattgefunden haben. Die Unternehmer fühlen sich gegenwärtig sehr kräftig und wollen gegenüber den bisherigen Arbeitsbedingungen verschiedene Verschlechterungen einführen, so daß eS sehr fraglich erscheint. ob unter diesen Umständen ein neues Vertragsverhältnis zu stände kommt... � Im verflossenen Jahre wurden 9 allgemeine Generalversamm- lungen. 17 große Vertreter-Sitzungen. 24 Sitzinigen der Lohnkom- Mission. 7 Sitzungen mit andren Bauarbeiter- Organisationen und zwei Bandeputierten-Versammlungen abgehalten. Die Verbands- leitung wurde in 626 Fällen zur Regelung von Differenzen'n Anspruch genommen. Zum Teil handelte es sich um Maßregelungen. um Lohndifferenzen, teistveise um Ueberstunden- und Accordarbeit und verschiedenartige Mißstände. Im Laufe des Jahrs wurden 11027 Strcikfondskartcn ausgegeben. 6661 Karten sind mit dem Schlnßstempcl versehen worden. Das Jahr 1900 war seit langer Zeil für Berlin und Umgegend das beste Baujahr. Trotzdem war die Arbeitslosigkeit nach der vorhandenen Statistik ciue Verhältnis- mätzig große, ivcil in andren großen Städten und vielen kleinen Orte» die Konjunktur sehr schlecht und deshalb der Zuzug nach Berlin ein recht starker war. Die Abrechnung über den Streikfonds fiir die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1900 weist inkl. des alten Bestands von 64 166,43 M., eine Einnahnie von 210679,33 M. und eine Aus- gäbe von 101 449,68 M. auf. so daß ein Kasienbestand von 109 229,70 M. vorhanden ist. Unter den Ausgaben befinden sich imter andrem folgende Posten: An den Hauptvorstand 60 000 Mark, an andre Gewerkschaften 3000 Mark, an die GewerkfchaftS- kartelle pls Beiträge 713,20 M.. an Maßregelungs- Unterstützung 19 360.50 M und für Rechtsschutz und Unterstützung Inhaftierter 2914,— M.— Die Mitgliederzahl der Zahlstellen Berlins und Um- gegend ist auf 7182 gestiegen. ES Ivurde beschlossen, dem Haupt- vo'rstande 60 000 M. zu überweisen, und in Zukunft sollen 60 Proz. von der Einnahme an den Hauptvorstand abgeführt werden. Den ansstnndigen Webern in Calais wurden 600 M. bewilligt. Die Neilwahl der Verbandsleitung ergab nach längerer, lebhafter Diskussion folgendes Resultat: C. Paus er erster, W. Schulz zweiter Obmann; E.Lehmann erster, Fr. Busse zweiter Kassierer; G. Becker. Brauer. R. Becker. Mielitz und Koschel Bei- sitzer; E. T h ö n S und A. Rudolf Revisoren. Die in den einzelnen Bezirken bereits normierten BeitrogSsammler erhielten von der Ver» saminlnng die Bestätigung. Der Bericht und die Neuwahl der Be- schwerdekommission, ebenso die Beschlußfassung über den Beginn der Sammlungen zum Streikfonds wurde der vorgerückten Zeit wegen bis zur nächsten Versammlung vertagt. Berein zur Wahrung der Futereffen der Maurer Berliu». In der Generalversammlung, die am Sonntag im Bonlssia-Saal stattfand, erstattete der Vorsitzende Gehl den Geschäftsbericht für das Jahr 1900. Lohnkämpfe haben im Berichtsjahr nicht statt- gefunden, aber auf Grund deS EinigungSvertragS fanden am 1. Ja- rniar und am 1. Oktober die festgesetzten Lohnaufbefferungen statt. Dem Vorstand sind 423 Fälle von Verletzung der Vertragsbedingungen durch die Unternehmer zur Untersuchung snnterbreitet; verschiedene Differenzen sind zur Zufriedenheit geregelt worden. In 23 Fällen ist die Regelung durch Eingreifen der Accordnianrer hintertriebe» worden. Die bei der städtischen Kanalisation beschäftigten Maurer erlangten durch einen Streik die neunstündige anstatt der bis dahin bestehenden zehnstündigen Arbeitszeit, sowie eine Lohnerhöhung von 50 auf 60 Pf.,I so daß fie sich noch um 6 Pf. schlechter stehen, als eS nach dem Einignngsvertrage der Fall sein müßte. Die Maifeier zeigte, obgleich sich die Unternehmer ausdrücklich gegen dieselbe erklärt hatten, eine allgemeine Beteiligung, und fanden deswegen einige Maßregelungen statt. In der Zeit vom 12. Februar bis 8. Dezember waren von 3663 eingetragenen Kollegen 2470 zu- sammen 7023 Wochen arbeitslos. DaS macht einen Lohnausfall(die Woche mit 34 M. gerechnet) von 233 782 M. Die geringste Zahl der Arbeitslosen in einer Woche betrug 46(9. bis 14. Juli), die höchste Zahl war 613(12. bis 17. Februar). Die Vereinsangelegen- heiten wurden erledigt in 34 Sitzungen des VorstanoS und Ansschuffes und in 24 Versammlungen. Die Achtzehner-Kom- Mission hat sich in mehreren Sitzungen mit der Ver- längerung beziehungsweise Aenderung des Einigungsvertrags befaßt. Ein endgültiges Resultat ist bis jetzt noch nicht erzielt worden.— Der Kaffenbericht, den der Kassierer Kauf» m a n n erstattete, weist folgende Zahlen auf: Gesamteinnahme 30 602.86 M.(einschließlich deS Bestands vom Vorjahr in Höhe von 11028,88 M.). Gcsamiansgabe 11803.18 M.. Bestand am Jahres- ichluß 18 799.68 ivt.— Der öffentliche Fonds hatte eine Einnahme von 64 640.84 M.. eine Ausgabe von 46 566,66 M.. darunter: für Maß« rcgclungund Sperren 7143.60 M. Prozcßkosten 1336,34 M..Strcikimter- stützung an auswärtige Kollegen und andre der Geschäftskommission der Vertrauensmänner- Centralisation angeschlossene Gewerkschaften 27 040 M. Am Jahresschluß lvar ein Bestand von 8984,98 M. vor- handen.— Folgender Antrag des Vorstands fand Annahme: Im laufenden Geschäftsjahr führen der erste Vorsitzende und der erste Kassierer die Vereinsgeschäfte. Die Vertretung der Achtzehner- Kommission übernimmt der Vorstand und der Ausschuß. Die Wahl der Delegierten zur Achtzehner- Kommission liegt dem Vorstand und Ausschuß ob.— Hierauf wurden folgende Wahlen vollzogen: I.Vorsitzender Gehl. I.Kassierer Alkier, 2. Borfitzender Metzle, 2. Kassierer Matull, 1. Schriftführer Noack, 2. Schriftführer Lehmann. Revisoren: Kaufmann, Teubert., Busch. Franz Schulz Hilfskassierer: Wegner(N.O.), Peter« ( Oranienburger Vorstadt), Meier( Wedding), Ruh( Moabit), I fonds vom 4. März ab vom 25 auf 50 Pf. pro Woche zu erhöhen,| Streifflausel das Wort redeten. Von den andern 21 GemeindeDesterreich( W.), Albrecht( Charlottenburg), Krüger( S.), um für alle Fälle gerüstet zu sein. vertretern hatten es zwei außerdem für nötig gehalten, ihr Ferns Baetsch( S.O.), Bagel( O.). Eine Versammlung der Barbier- und Friseurgehilfen bleiben schriftlich zu entschuldigen. In einer Resolution, die der Eine Mitglieder Versammlung des Centralverbands Charlottenburge, an der auch mehrere Brinzipale teilnahmen, Gemeindevertretung zugestellt werden soll, protestierten die Anwesenden gegen die Annahme der Streitklausel. deutscher Maurer, Berlin I( Buzer) fand am 3. d. M. in den faßte am Donnerstag nach einem Referat über:" Der Neunuhr- Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur. Donnerstag, den Arminhallen" statt. Die verstorbenen Kellegen Schröder und Ladenschluß und die Preiserhöhungs- Bewegung Mehlberg ehrte die Versammlung durch Erheben von den Blägen. Der Selbständigen" die folgenden beiden Resolutionen:" Die 14. Februar, abends 81% Uhr, Unter den Linden 16 III. Gruppe für ethische Bildung: Vortrag des fönigl. Bibliothekar Dr. Simon: Die LesehallenAls Hilfskaffierer wurden nachstehende Personen gewählt: Süden: Versammlung erklärt sich mit dem Referenten bezüglich des Bewegung in Berlin." Diskussion. H. Bolze, Often: A. Riet, Südosten: Würdig, Gesund Neunuhr Ladenschlusses einverstanden. Die anwesenden Arbeit: Socialwissenschaftlicher Studenten- Verein. Heute Diskussions brunnen: Lange, Schönhauser Vorstadt, Pankow und geber verpflichten sich, die Angelegenheit ernstlich in die abend über Thesen behandelnd das Thema: Individuum und socialistische Weißensee: N. Gerhardt, Wedding: Richter, Moabit: Hand zu nehmen. Die Versammlung erklärt fich mit Gesellschaftsformen. Referent: stud. phil. Otto Marcus. Gäste sind K. Docho tv Schöneberg: Auersch, Charlottenburg: dem Referenten bezüglich der Lohn- und Preiserhöhung ebenfalls herzlich willkommen! Näheres am schwarzen, Brett der Universität. Bremer, Rigdorf und Briz: Dausader, Wilmersdorf: einverstanden. Eine fünfgliedrige Lohnkommission, bestehend aus Bolz, Steglig und Lichterfelde: Clemens. Bezüglich des Gehilfen, soll sofort gewählt werden. Die Kommission hat die Streiffonds wurde beschlossen, mit dem Zahlen der Streitfonds- nötigen Vorarbeiten zu besorgen und mit den Meisterorganisationen Beiträge am 4. d. M. zu beginnen, und zwar sind bei mehr als drei Fühlung zu halten, um bei geeigneter Zeit mit den Forderungen Arbeitstagen in der Woche 25 Pf. pro Woche zu zahlen. Schließlich hervorzutreten." beschloß die Versammlung, folgende Anträge dem nächsten Verbandstage zu unterbreiten:" Der Verbandstag möge beschließen: 1. den Streitfonds Beitrag, ausgenommen für die passiven Mitglieder, obligatorisch einzuführen; 2. daß Mitglieder, die das 60. Lebensjahr überschritten und nachweislich 10 Jahre dem Verbande angehört haben, als Ehrenmitglieder zu führen und vom Beitrag zu befreien find." Nach kleinen nebensächlichen Erörterungen schloß der Bevollmächtigte die Versammlung. " berbleibt. D Folgende Personen wurden in die Lohnfommission gewählt: Schobert, hahne, Geißler, Wiemer und Strauch. Wahlvereins tagte am 6. d. Mts. in Wittes Voltsgarten, Berliner Wilmersdorf. Eine Versammlung des socialdemokratischen Straße 40. In derselben hielt Herr Stenz einen mit Beifall aufBiviseftion". Dann wurden einige genommenen Vortrag über interne Angelegenheiten erledigt. Als Lokalkommissions- Mitglied wurde Preuß gewählt. Schöneberg. Am Montag, den 4. Februar, tagte im KlubHause, Hauptstr. 5/6, eine öffentliche Versammlung, in der ReichstagsAbgeordneter Peus- Dessau einen Vortrag über: Wie verbessern die Handlungsgehilfen und Gehilfinnen ihre Lage" hielt. Zu dieser Versammlung war von den Frauen Schönebergs eine rege Agitation unter den Handlungsangestellten am Orte entfaltet worden, die leider aber wenig Erfolg aufwies, da nicht viele Verkäuferinnen erschienen waren. An der Diskussion beteiligten sich feiffer, Kaliste und Frau Meiling im Sinne des Referenten. Ober- Schöneweide. Hier tagte am 6. d. eine gutbesuchte Boltsversammlung im Wilhelminenhof, in welcher Reichstags- Abgeordneter Stolle( Sachsen) einen beifällig aufgenommenen Vortrag über Bwed und Ziele der Konsumbewegung und ihr Nußen für die Arbeiterschaft" hielt. In der Diskussion sprachen noch John und 2uti. Vereinskalender. Männer „ Wach Lese- und Diskutierklubs. Donnerstag:" Brüderlichkeit", jeden Freies Donnerstag nach dem 1. und 15. bei Haseloff, Landsbergerstr. 8. Wort", jeden Donnerstag nach dem 1. und 15., Franke, Pallisadenstr. 9. Lefe: und Diskutierklub„ Südost", Tolksdorf, Görlizerstr. 58. Arbeiter- Sängerbund Berlins und der Umgegend. Vorsitzender: Bibicinftr. 16. Rich. Thate, Schöneberg, Grunewaldstr. 99. Erster Staffierer: Seifrit, Alle Aenderungen in Vereinskalender sind zu richten Donnerstag. Abends 9-11 Uhr: Uebungsstunde und Aufnahme neuer Mitglieder. an Otto Rasche, S.O., Reichenbergerfir. 115a. chor St. Urban", Zimmer, Annenstraße 9." Vorwärts II", Ad. Neumann, Brunnenstr. 150.-" Flöter'scher Gesangv.", Wiedemann, Borndorferund Löwestraßen- Ecke.-Gefangv. Berliner Kürschner", Feind, Weinstr. 11. Einigkeit I", Gr.- Lichterfelde, Pagel, Chauffeeftr. 104. Morgenroth II", Der Unterstützungsverein aller in der Hutbranche beschäf Köpenid, Stippekohl, Scharnweberstr. 5. Fröhlich", Rummelsburg, tigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielt Montag, den 4. d. M., Schröter, Mozartstr. 7." Bineta", Schmidt, Swinemünderstr. 65. im Gewerkschaftshause" eine äußerst zahlreich besuchte Mitgliederauf II",( Alt- Blessin bei" Flemming) übt bei Silgenfeld, Bergstr. 60. versammlung ab. Dem Kassenbericht, den Streich gab, ist zu „ Alpenrose", Kunze, Forſterſtr. 36. Deutsche Eiche II", Brandenburg a. H., entnehmen, daß die Unterstügungstasse im Laufe des Buthenow, Wredowſtraße." Freiheit III", Bernau, Elysium, Berlinerstraße. Jahre 1900 eine Einnahme von 8765,10 m. Loreley", Schumann, Hochstr. 32 a. Kornblume", Gold, Gr. Frankinfl. 1059,25 M. Bestand " Oberon", Gründer, Köpniderstr. 100. furterstr. 133. " Sorgenfrei", erzielte. An Ausgaben waren für Arbeitslosen- Familien und Wanderunterstügung 5728,70 M. erforderlich, so daß ein Ueberftraße 150( nachm. 4-6 Uhr). Möhring, Admiralstr. 18c. Morgengrauen"( Bäcker), Neumann, BrunnenMöbelpolirer", Kautsch, Fruchtstr. 61. schuß von 3036,40 M. zu verzeichnen ist, von welchem 1500 M. an Oranienburger Vorstadt", Humboldthallen, Hussitenstr. 40. Steinnelfe", die Hauptkasse eingesandt wurden. Die Kranten Zuschußund Invalidentasse hatte eine Einnahme von 4544,90 m. Spandau. Eine von etwa 300 Personen besuchte Versammlung Sachs, Lindowerstr. 26. Sanges luft", Werder a. H., Martin, Kugelweg 58.Hoffnung III", Friedrichsberg, Böter, Friedrich Karlstr. 34. Sene inkl. 447,10 M. Beſtand- und Ausgaben für Kranken- und Invaliden- hiesiger Arbeitsloser wurde am 7. Februar cr., vormittags 9/2 Uhr felber II", Brandenburg a. H., Zur Glode, Kl. Gartenstr. 1 a. Felsen unterstügung 2c. 3581,90 m., so daß ein Bestand von 963 M. im Weheschen Lokal in der Bichelsdorferstraße abgehalten. Genosse burg", Schulz, Blumenstr. 38. Rütli", Friedenau, Grube, Stubenrauch aus Berlin hielt einen Die Frauen Sterbekasse hatte eine Einnahme von Theodor Mezner sehr bei- ftraße und Kaiser- Allee Ecke. Freiheit West". Werner, Bülowftr. 59. 404,75 M. und eine Ausgabe von 112,50 M. Der Ueberschuß von fällig aufgenommenen Vortrag über„ Die Arbeitslosigkeit und ihre Sangesluft I", Reimann, Putbuserstr. 30.- Verein Wilhelmsberg- HohenTypo 292,25 M. wurde an die Hauptkasse abgeliefert. Der Dis- Wirkungen". Nach dem Vortrage wurde eine Resolution im Sinne Schönhausen", Hohen: Schönhausen, Krause, Berlinerstraße 12. graphia", Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Liberté", Link, Wrangelpositionsfonds- welcher den hauptsächlichsten Zwed hat, im des Referats angenommen. ftraße 86.-Maurer- Gef.- Verein", Wilmersdorf, Witte, Berlinerstr. 40. Streit befindliche Gewerkschaften und in Not geratene Kollegen zu Männer- Chor Süd- Ost I", Beder, Röpniderstr. 191. Lyra", Charlotten unterstützen hatte eine Einnahme von 1268,35 m. und eine Ausburg, Bartsch, Seefenheimerſtr. 11.„ Liederkranz", Brandenburg, a. H., gabe von 1203,05 m., so daß ein Bestand von 65,30 M. vorhanden ist. Mengerts Boltsgarten, Bergstraße. „ Gef.- Abt. des Arb.- Bild.- Vereins" " Keramit", Charlottenburg, Prestel, Die Filiale hatte in diesem Jahre eine Zunahme von 32 Mitgliedern zu in Belten, Grunow, ithelmſtr. 19. verzeichnen. Den Bericht des Vorstands gab Lund. Jm Laufe des Jahre ftraße Osnabrüderstr. 1.- Sufunft III", Nieder- Schönhausen, Settetorn, Linden „ Frohe Liederzweig", Hermsdorf, Schulze, Berlinerstr. 21. wurden 10 Borstands- resp. Delegiertenfigumgen, 2 Mitglieder: Stunde", Klein, Laufizer Platz 8. Freiheit II", Weißensee, Schmus, versammlungen und eine öffentliche Agitationsversammlung ab= Adlershof. Die Zahlstelle Adlershof des deutschen Buchbinder- Wannsee, Krüger, Fürstenhof. Rönigchaussee 38 a Fris", Dalg, Staligerstr. 94b.„ Einigkeit III", gehalten. Aus dem Dispositionsfonds wurde sodann eine Unter,, Linde II", Liebke, Weidenweg 23. ftigung bewilligt und für die Spißenweber in Calais 50 M. Ein verbands hielt am Sonnabend, den 2. d. M. eine außerordentliche Arbeiter- Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen Antrag, den Seidenhutmachern in Paris eine Unterstützung zu ge- Generalversammlung ab. Der Kaffenbericht ergab, daß im letzten im Vereinskalender sind zu richten an Albert Liebetreu, Putbuserwähren, wurde dem Vorstand mit dem Auftrag überwiesen, sich Quartal vergangenen Jahrs 102,60 M. an Beiträgen gezahlt worden straße 44, IV. Donnerstag:" Mehr Licht", Weißensee, Sorrer, Straß Glühlicht II", Schaft, Liebenwalderstr. 4.„ Kamerun", über die Ursache des Streits resp. Aussperrung noch näher zu er- find. In der Lokalkaffe befinden sich jetzt 50,79 M. Bei Neuwahl burgstraße 56. tundigen. Die Vorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl der Ortsverwaltung wurden Shred als erster Bevollmächtigter, Badtke, Tilſiterstr. 48.—„ Glühlicht I", Neu- Weißenfee, Schröder, Streuftr. 3. des bisherigen Vorstands. In die Kommission zur Ausarbeitung Smo Iny als Kassierer, eß als Schriftführer, Tie und unverzagt I", Lehmann, Koppenstr. 17.-„ Grüner Hain", Schulz, Elbingerstraße 4. Portorito", Conrad, Breslauerstr. 25. Columbus", Hübner, Plan- Ufer 75., Lustig", Barthels, Brunnenstr. 116. von Anträgen zur Generalversammlung wurden Franz Spiel Beulshausen als Revisoren gewählt. " Feste Brüder" mann, Georgelowitsch, Emil Wolff, Hermann Ju Friedrichshagen tagte am 1. d. M. im Restaurant„ Eis- Rixdorf, Bacher, Hermannstraße 232." Virginia", Schnieber, Admiral Kretschmer, Paul Beder, Richard Radau und August teller" eine sehr gut besuchte Volksversammlung, in der Stadtv. straße 21 Alter Huffit", Neumann, Usedomftr. 28. Eiserne Pfeife", Grubert gewählt. Logan, Schulstr. 113. Berolina", Kupsch, Teltow, Hoher Steinweg 41. Hugo Heimann über die Wohnungsnot, deren Folgen und Du ahust es nicht", Schmidt, Tilsiterstr. 32. Feigenblatt", Adam, Der Centralverband aller in der Schmiederei beschäftigten Beseitigung in einem 1/ 2stündigen Vortrag referierte. Die Diskussion Nyfeftr. 5. Mailuft", Walcznisty, Neu Weißenfee, Elsaßftr. 49. Personen hielt am Mittwoch, den 30. Januar 1901 im Englischen über den mit Beifall aufgenommenen Vortrag war eine sehr rege; Grüne Rose", Kube, Friedenstr. 91. Colorado", Klinge, Reinidendorfer: " Fidelio", Stephan, Laufizer Platz 12.„ Einigkeit II", Garten eine Mitgliederversammlung ab. Die Abrechnung vom es wurde von Holzhütter folgende Resolution vorgeschlagen, ftraße 56. Die am 17. Februar er. Wähner, Gubenerstr. 57. Einigkeit IV", Albert, Neu- Zittau. IV. Quartal 1900 ergab eine Einnahme von 3114,90 m. Am Orte welche einstimmig angenommen wurde: Gloria" Grüne Quafte", Roß, Rixdorf, Jägerstr. 46. behalten wurden 270,40, an die Hauptfaffe 1800 m. gesandt. Den im Restaurant Eisteller abgehaltene öffentliche Versammlung Goyte, Cöslinerstr. 11. Bericht der Statutenberatungs- Kommission, an den sich eine lebhafte protestiert gegen die in jüngster Zeit von „ Neu- Lichtenberg", Lichtenberg, Margarethenstr. 20. den hiesigen Central Raucherbund. Zuschriften an Mar Koch, Nixdorf, HermannDebatte tnüpfte, erstattete Grade. Nachdem noch das Arbeitslosen- Hausbefizern vorgenommenen außergewöhnlich hohen Miets- ftraße 34. Donnerstag: Blaue Wolfe", Rirborf, Martinius, Jägerdie keineswegs im Interesse der Gemeinde ftraße 4. Unterstüßungsteglement durchberaten und Anträge hierzu gestellt steigerungen, " Friedenseiche", Rirdorf, Wendt, Mühlenfir. 18. Weichsel waren, wurden allgemeine Anträge zur Generalversammlung gestellt liegen. Der in den letzten Jahren immer fühlbarer werdende blatt", Rixdorf, Christow, Lessingstraße. Alte Linde", Berlin, Plötz, „ Edelweiß", Stegliz, Schimrod, Düppelstr. 7. Felix und diskutiert. Zum Schluß wurde der Antrag, den Punkt Unter- Mangel an fleinen und mittleren Wohnungen muß unbedingt eine Gräfestr. 34. Sumatra", Potsdam, ftügungswesen" auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu Wohnungsnot zur Folge haben. Die hiesige Bauthätigkeit ist seit Brasil", Potsdam," Segebrecht, Schüßenftr. 26. feßen, angenommen. wenn nicht Buttfe, Spandauerstr. 25.- Friedenspfeife", Lantwis, Dahn, Kaiser Wilhelmlanger Zeit auf ein Minimum beschränkt und wird Die Schmiede hielten am Donnerstag im Moabiter Bezirk eine in absehbarer Zeit nicht heben. schleunigst die Aufschließung mehrerer Straßenzüge erfolgt sich auch ftraße 34.- Brennende Liebe", Rixdorf, Lähns, Friebelfir. 3. Die Versammlung erachtet chor Vorwärts", Rirdorf, Münzer, Bergstr. 7. Gesang, Turn- und gesellige Vereine. Donnerstag. Orchester " Zitherklub Nordstern", gut besuchte Versammlung ab. Paul Jahn referierte unter lebeg darum für eine dringende Pflicht der GemeindeBerger, Templinerstr. 11." Bitherklub Menzenhauer", gemischter Chor, haftem Beifall über:„ Die bevorstehende Krise und die Bestrebungen vertretung, alle geeigneten Schritte zu thun, um recht Andreasstr. 3. Vergnügungsverein Waldesgrün", Hoppe, Schlesischestr. 46. des Unternehmertums". Dem Vortrag folgte eine rege Besprechung zeitig eine ausgedehnte Wohnungsnot zu verhindern. Die Verein Fiebigscher Tanzschüler und Schülerinnen", Brunnenstr. 49. Eine Resolution des Inhalts, die Lohnbrüdereien energisch zurückzuweisen, Bersammlung verlangt von der Gemeindevertretung Stat Klub„ Grand den Rauchklub Kernspize", Böhl, Rüdersdorferstr. 8. aber voreilige Streits zu vermeiden, im übrigen aber die Organisation zu Erwerb von Grundbesig zur Errichtung von Häusern mit Wohnungen, Schwarz", Dimte, Winsstr. 56. Regelflub Unermüdlich", Warschauerstärken, gelangte einstimmig zur Annahme. Ein Antrag Richter welche hiesigen Einwohnern zu Mietspreisen überlassen werden, bei straße 59. dahingehend, den Altgesellen bezw. den Gesellenausschuß der Schmiede denen nur die Verzinsung und Amortisation des aufgewendeten Bootshause, Stralau, Tunnelstr. 17. Berliner Nuderverein„ Vorwärts". Sizung 9 Uhr abends im aufzufordern, für Beseitigung der Mißstände bei Kleinmeistern so- Kapitals sowie die zur Instandhaltung der Häuser erforderlichen Arbeiter: Turnerbund. Donnerstag: Turnb." Fichte", Berlin, wie für geregelte Arbeitszeit bei einem tarifmäßigen Mindestlohn Kosten gedeckt werden. Weiter ersucht die Versammlung die Ge- abends von 8-10 Uhr: 2. Damen- Abteilung, Ackerstraße 67; 7. Lehrlingsund menschenwürdiger Behandlung der Gesellen und Lehrlinge be- meindevertretung, alle irgend angängigen Erleichterungen zu ge- Abteilung, Wasserthorstr. 31. Turnverein Eiche", Köpenid, Damenstrebt zu sein, auch den Ursachen der Arbeitslosigkeit nachzuforschen, währen, welche eine baldige Bebauung der Kaiserstraße und der sich Abteilung von 28-210 Uhr, Sotel Klein, Wilhelmsplay.„ Freie gelangte ebenfalls zur Annahme. nach dem Bebauungsplan an diese anschließenden Straßen er- Turnerschaft Rixdorf- Briz", III. Schüler- Abteilung abends 612-8 Uhr, III Männer Abteilung abends 812-10 Uhr, Thomas( Apollo- Theater), möglichen." Hermannstr. 48-50." Freie Turnerschaft Stralau- Rummelsburg", Lotal Neuseeland", Männerabteilung: Montag und Donnerstag. Lehrlings abteilung: Mittwoch abends von 8-10 Uhr und Sonntags von 12 bis " 1/24 Uhr. " W " " " " 1 ( Einigungssystem), Arbeiter Stenographenverein Stolze" Donnerstag: Bezirk Süden, Gräfeſtr. 82, bei Jahn, abends 8 Uhr. Bezirt Nord- West, Waldstr. 8 bei Fischer, abends 8/2 Uhr. Arbeiter Bildungsverein Eintracht", Zürich, Neumarkt 5, Vereinssisung alle 14 Tage je Donnerstag abends 82 Uhr. Zwangiose Zusammenfünfte mit Damen im Restaurant des Gewerkschaftshauses. Donnerstag: Metallarbeiter. Der Verband der Tapezierer hielt am Dienstag, den 5. d. M. seine Bezirksversammlung" Norden" bei Nümann ab. In Weißensee. Am 5. Februar tagte hier im Prälaten" eine derfelben hielt Leo Schmidt einen Vortrag über Arbeiter Volksversammlung, welche in erster Linie den Bericht des Genossen sekretariate". Die Beschlußfassung über die Stellung zum Central- chillat über die Konferenz der Gemeindevertreter entgegennahm. sekretariat wurde bis zur kombinierten Versammlung ausgesetzt. Besonders eingehend berichtete derselbe über die Verhandlungen in Unter Verbandsangelegenheiten berichtete Otto Pönide über den der Wohnungsfrage. Eine Diskussion knüpfte sich an den Bericht Streit bei Töpfe und ersuchte die Kollegen, die Unterschrift unter nicht. Alsdann gab Taubmann den Bericht über die Thätigkeit den Kontrollbüchern beharrlich zu verweigern und gleichzeitig im der socialdemokratischen Gemeindevertreter, für welchen die Versamm Verbandsbureau Mitteilung zu machen. Herrmann übte dann lung ein sehr lebhaftes Interesse an den Tag legte. An der Hand Kritik an den Holzindustriellen, die bei einer Festlichkeit die Einführung eines reichen Materials führt der Redner den Nachweis, daß wie im der Kontrollbücher in einem Theaterstück verherrlichten. Staat im großen, auch in den Gemeindeverwaltungen im Arbeiter Radfahrerbund„ Solidarität“. Gau 9( Prov. BrandenNatür burg). Alle Zuschriften und Anfragen, den Bund betreffend, find zu richten Der Verband der Graveure und Eiseleure hielt am 5. d. M. fleinen für Kulturzwecke kein Geld vorhanden ist. das eifrigste an den Gan- Vorsitzenden Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8. Donners: eine gut besuchte Mitgliederversammlung ab. Grill wurde als lich sind die socialdemokratischen Vertreter auf tag: Arb.- Radf. Verein Berlin", jeden Donnerstag nach dem 1. bei Bibliothekar neu gewählt, während Tabel und Fahner ihr bemüht gewesen, Ausgaben für kulturwidrige oder nicht das Wohl Witte, Andreasstr. 26, jeden Donnerstag nach dem 15. bei Raabe, ColbergerAmt beibehielten. Für die Spitzenweber in Calais wurden der Gesamtheit fördernde Zwecke zu verhindern, aber bei der Zu- ftraße 23. Radf.- Verein Ziel", Adlershof, jeden 2. und 4. Donnerstag borläufig 25 Mart und für späterhin eine zweite Rate fammensetzung der Gemeindevertretung sei der Erfolg mur ein bei Benfert, Hadenbergstr. 1. Radf. Verein Frei Weg", Schöneberg bon 25 Mart bewilligt. Alsdann erfolgte Seien doch die wenigen Socialdemokraten die bei Schilling, Kyffhäuserstr. 16. erfolgte eine längere geringer gewefen. Debatte über die Wahl des Kollegen Leidner in den Central- einzigen Unansässigen in der Gemeindevertretung. Alle übrigen 14 Tage bei Fischer, Waldstr. 8. vorstand. Schließlich sprach E. Rosenow über Kunst und Litteratur Vertreter feien Hausbefizer und hätten bisher bei jeder unter dem tapitalistischen Bürgertum." werden. " " Radf.- Verein Fahr wohl", Berlin, alle Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 Uhr abends statt. A. 2. 18. Wir können Ihnen die Aufnahme nicht empfehlen. Stampe. Ihre Zuſchrift ist nicht zu verwenden. H. J. 19. Wir können Ihnen keine Aushmft geben. Annoncieren wenden. Gelegenheit ganz unverhohlen ihr Klasseninteresse gewahrt. Das sei bei der ungünstigen Finanzlage der Gemeinde lebhaft zu Der Verein der Bauanschläger tagte am Sonntag im Ge bellagen. Von Gerstenberger werden die mit Teb werkschaftshaus. Von mehreren Seiten wurde Protest erhoben gegen in intereffanter Weise ergänzt. In der Diskussion giebt Karow den den in der Versammlung vom 28. Januar gefaßten Beschluß be haftem Beifall aufgenommenen Ausführungen Taubmanns noch treffend die Neuaufnahme von Mitgliedern. Auf Antrag soll diese socialdemokratischen Vertretern den Wunsch mit auf den Weg, dahin Frage nochmals auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung au wirken, daß die gewählte Wohnungsnot- Kommission ihre Arbeiten gefezt werden. Die Beiträge wurden bis auf weiteres vorläufig auf recht bald beginnt. Auch tadelt derselbe, daß Parteigenossen vielfach Sie im„ B.". wöchentlich 25 Bf. festgesetzt. Die weiteren Ausgaben wurden wie ihre Kinder an der patriotischen Schulfeier im Sterneder" teilnehmen J. B., Krefeld. Das Wert, dem die von Ihnen angegebenen Anim Vorjahr belaffen, nur die Remuneration des 1. Kaffierers und ließen. Schumann hält die Beschaffung eines Krantentransport- gelegenheiten entnommen sind, ist durch die Buchhandlung Borwärts zu 1. Schriftführers wurden erhöht. Ferner wurde noch beschlossen, bei wagens auf Gemeindekosten für notwendig. Auf Grund eines früheren beziehen. Erschienen ist bisher nur der erste Band, der 12 Mart foſtet. Kranzspenden für verstorbene Mitglieder nur rote Schleifen zu Bescheids der Gemeindevertretung könne jegt die Anschaffung beschlossen Baum. Sie müssen sich mit Ihrer Beschwerde an die Gewerkschaft benußen. M. D. 105. Wenden Sie sich an H. Käppler, Altenburg i. S., Der Verband der Möbelpolierer hielt am 4. Februar Waidmannsluft. Am Sonntag, den 3. d. Mts., hielt der Mauergaffe 46. seine regelmäßige Versammlung ab. Genosse Grempe hielt einen Wahlverein hier seine Generalversammlung ab. Der Bericht des A. B. G. 74. Sie könnten lediglich den Verfuch machen, wegen Che interessanten Vortrag über Technik und Verkehrswesen". Eine Vorstands ergab, daß die Mitgliederzahl von 110 in diesem Quartal bruchs die Ehescheidungsklage einzuleiten. Der Klage müßte ein Sühnetermin vorangehen. 2. R. 9. Eine Freistelle in einer Realschule oder Diskussion fand nicht statt. Hierauf fand die Ersagwahl für die auf 121 gestiegen ist. Die Kasse weist einen Bestand von 72,79 M. in einer andren Schule ist teine Armenunterstützung, entzieht also dem Vater Werkstatt Kontrollkommission statt. In dieselbe wurden gewählt: auf. Nach der Berichterstattung sprach M. Kiesel über Edwin nicht das Wahlrecht. 3. Hartung. Ihre Frau kann mit Aussicht auf Hans Schönberg und Friz Sommer. Alsdann wurde be- Markhams Gedicht„ Der Mann mit der Hacke". Erfolg den vollen Lohn einflagen. Schrader. Nicht das Krantenhaus, schlossen, die Kontrollfarten in jeder Versammlung abstempeln zu In Zehlendorf tagte am legten Sonntag eine zahlreich be- sondern allenfalls die betr. Schwester würde von B. haftbar gemacht werden Nies. Das ist zulässig. Um möglichst schnelle Terminsanberaumung durch Streiftlaufel, welche in der letzten Gemeinderatsfigung zur Ver- zuführen, thun Sie gut, einen dahingehenden Antrag unter Angabe des Be Die Stuccateure verhandelten in einer gut besuchten Verhandlung stand. Die Versammlung konnte im Dorfe nicht abschleunigungsgrundes zu stellen... 34. 1. Es sind, wie wiederholt fammlung, die am Montag bei Buste, Grenadierstraße, tagte, über gehalten werden, da die Wirte auch zu dieser Versammlung ihr ausführlicher dargelegt ist vgl. z. B. die Nummer vom 31. Januar die bisherige Taktit und die gegenwärtigen Sperren. Nach einer Lofal nicht hergaben, den Boykott der Kriegervereinler fürchtend. insgesamt 50 Pf. von Ihnen zu zahlen. 2. Die Sachen müssen Sie noch G. N. 73. Nur die Kinder sind in Ihrem Falle längeren Diskussion, in der das Verhalten derjenigen Stuccateure, Sie fand daher bei Hellenbrandt an der Strummen Lante" weiter aufbewahren. erbberechtigt. 2. M. 99. Sie fönnen, so wie Sie es gethan haben, fortSie sich den Unternehmern als Arbeitswillige" zur Verfügung stellten, statt. Das einleitende Referat hatte Köster übernommen. An ziehen. Sollten Sie wissen wollen, wie Sie sich zu verhalten haben, wenn heftig tritisiert wurde, beschloß die Versammlung, die Sperren dasselbe schloß sich eine ausgedehnte Diskussion, zu welcher auch die bestimmte Schritte andererseits ergriffen werden, so müssen Sie in den über die verschiedenen Firmen aufrecht zu er beiden anwesenden bürgerlichen Gemeindevertreter Hammer und Sprechstunden vorsprechen, uns ist ja nicht ersichtlich, welche Fälle Sie im halten. Außerdem wurde beschlossen, den Beitrag zum Streif Richter wiederholt das Wort nahmen und einer modifizierten Auge haben.- 9. F. 70. Sie haben vollkommen richtig gehandelt. Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von Mag Bading in Berlin 4 lassen, damit am Jahresschluß festgestellt werden könnte, wie und suchte Gewerkschaftsversammlung, um Protest einzulegen gegen die tönnen. Ein entsprechender Armenrechtsantrag wäre an das Gericht zu richten. wo die Kollegen die Versammlung besucht haben.