Itr. 39. Abomemeitts-Kedlngnngeik: «bonnement«-Prei« prSnumerandv: vierteljährig 8,30 ffllt, inonall. l.loMl., n>öche»lltch LS Plg. frei in» Haut. Simein« Numm'r S Pfg. Sonntag»- Rummer mir illuNiieruc Ssnntazi- B-ilag-.Die Reue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen tn der Post-Zeitung», Preisliste für lSoi unter Sr. 7ö71. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn a Marl, für da» Lbrige Ausland S Marl pro Monat. 18. Jahrg. Dt» Knftrllons.EMyr teträgt für die fechsgespaltene liolonel» »elle oder deren Raum«a Psg., für politlfch« und gewerlschaftltche Vereins- und Versammlung»-Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knielgen" jedes Wort 5 Psg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächst« Nummer müssen dt» S Uhr nachmittag» tn derSrnedttion abgegeben werden. Dt» Expedition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festlagen dt» SUhr vormittags geöffnet. Erscheint iiiglich nutzer»onlag«. Vevlinev Volksblatt. Delegramm-Adreste» „Sarlaldrmolrrnt Nerlln" Centraiorgan der so datdemokratischen gartet Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Stratze 2. Fernsstrccher: Slmt I, Nr. 1508. Freitag, den 15. Februar 1901« Expedition: SW. 19, Veutk-Strahe 3. Fernsprecheri Amt I. Nr. S1S1. Necheuschastsbericht der General- kommission vom 1. April 189g bis zum 31. Dezember 1990. Bisher ist seitens der Generalkommission, abgesehen von kurze» Derichten, welche dem Gewerkschaftsansschuß regelmäßig erstattet wurden, nur sür den Gewerkschaftskongreß ein Bericht gegeben worden. Nminiehr hat die Kommission unter Zustimimmg des Gcwerkschaftsausschusses beschlossen, alljährlich einen kurzen Bericht und die Abrechnung zu veröffentlichen. Der diesmalige Bericht erstreckt sich auf die Zeit von 1»/« Jahren. Er wird, wie auch die späteren Berichte, nur in kurzen Ziigcn eine Uebcrsicht über die wichtigsten Vorkommnisse, an welchen die General» kommiision beteiligt war. sowie die hauptsächlichsten Beschlüsse und getroffenen Maßnahmen schildern. Wir gebe» ans dem im „Korrespondcnzblntt" Nr. 6 vom 11. Februar zur Veröffentlichung gelangten Bericht das Folgende wieder: Allgemeines. Ans dem letzten Bewerkschastskongreß konnte berichtet werden, daß die Mitgliederzahl der Gewerkschaften von 277 659 im Jahre 1891 auf 491955 im Jahre 1898 gestiegen ist. Auch während der seit dem letzten Gewerkschaftskongreß verstrichenen Zeit ist eine weitere Steigerung der Mitgliederzahl zu verzeichnen. Nach der von der Gcneralkommisston sür 1899 aufgenommenen Statistik hatten die gewerkschaftliche» Centralverbände 580 473 Mitglieder sdaruntcr 19280 weibliche). DoS ist gegenüber dem Vorjahre eine Zunahme von 89100 Mitgliedern. So weit sich zur Zeit eine Ilebcrsicht ge» Winnen läßt, ist zn konstatieren, daß auch im Jahre 1900 die Zu- »ahme an Mitgliedern angehalten hat. obgleich in einzelnen Ge- werben sich eine Verminderung der Arbeitsgelegenheit zeigte, welche, wie die Erfahrung lehrt, mit einem Rückgang in der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter verbunden zu sein pflegt. Unter der voraussichtlich eintretenden ungünstigen Wirtschafts konjnnktnr Ivird es sich erweisen, ob die' Gewerkschaften inncre Festigkeit genug erlangt haben, um die Mitglieder bei der Organisation zu erhalten. Sicherlich iverden sie den Rückgang, ivie er sich in den Jahren 1891—93 zeigte, nicht wieder zu erleiden haben. Jedoch wird es notwendig sein, durch eifrige Agitation vorzubeugen, daß ein allzngroßer Verlust an Mitgliedern eintritt. Diese Agitation gestaltete sich bei dem Zusammenhalt, welcher unter den geivcrkschaftlichen Eentralverbändcn besteht, ivesentlich leichter als vor einem Jahrzehnt. Wir glauben nicht fehl zn gehen, wenn wir die bedeutenden Fortschritte der GeiverkichaftSdeivegnn zum nicht geringen Teil auf dieses gemeinsame Wirken und Han in Hand arbeiten der Gewerkschaften zurückführen. Am 16. November 1900 ivaren 10 Jahre verflossen, seitdem die Gewerkschaften sich durch Einsetzung der Generalkommissio» eine ge- mcinsanie Eentralstelle geschaffen haben. Anfangs waren nur wenige Organisationen der Kommission angeschlossen, respektive leisteten für diese regelmäßige Beiträge. Von Jahr z» Jahr nahm diese Beitragsleistung zu. Es ergiebt sich aus dieser Stcigernng der Beiträge aber nicht nur die Thatsache, daß die gewerkschaftlichen Centralverbände sich in größerer Zahl der Generalkommission an» geschlossen haben, sondern eö wird dadurch auch bewiesen, daß die BeilragSleistuug in den Gewerkschaften selbst«ine regelmäßigere geworden ist. Die an die Gcneralkommisston zu leistenden Quartal«- dciträge svon 1892 biS 1896 5 Pf., von da ab 3 Pf. pro Quartal und Mitglied) werden nicht nach der Zahl der L i st e n Mitglieder, sondern nach der Summe der th atsäch lich in den einzelnen Vcr> bänden geleisteten Beiträge berechnet. Die Mehrleistung an Quartal«- beitrügen ist also der Nachweis für eine Stärkung der Finanzkraft der einzelnen Geiverkschafte». Wie bedeutend sich die Beitragsleistung gesteigert hat, zeigen die folgenden Zahlen. Von 1890 bis 1892 hatte die Generalkommifsio» pro Halbjahr eine Einnahme an Quartalsbeiträgen von 2160 M.; von 1892—96 pro Halbjahr 11586 M.; von 1896—99 pro Halbjahr 19 278 M.; im ersten Halbjahr 1900 25 277 M. i im zweiten Halb- jähr 1900 35 767 M. Heute sind alle auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Verbände der Gcneralkommission an- geschlossen und zahlen regelmäßig ihre Beiträge. Dieser Einmütigkeit ist e« auch zn danken, daß die Agitation gegen das Z u ch t h a u« g e s e tz so erfolgreich betrieben werden konnte, wie geschehen. Die Vorbereitungen für die Agitation gegen das Gesetz waren getroffen, als dieses am 6. Juni 1899 dem Reichs- tage vorgelegt wurde. E« waren 60 Agitationsbezirke vorgesehen, zu welchen 3252 Orte mit über 2000 Einwohnern gehörten. In 973 dieser Orte waren Verbindungsadressen für die Flugblattverbreitung vorhanden. In den den Vororte», in welchen die Einrichtungen für Drucklegung des herauszugebenden Flugblatts vorhanden waren, wurden die Flugblätter auf von Hamburg versandte» Platten gedruckt. ES wurden ans diese Weise in 83 Vororten 2 755 000 Flnglätter hergestellt. Von Hamburg auS wnrden nach 26 Vororten und 15 einzelnen Orten 663 700 Flugblätter versandt, so daß insgesamt ca. 3 500 000 Flugblätter zur Verbreitung ge- langten. Gewiß, die Agitatton erforderte eine bedeutende Ausgabe. ES wurden seitens der Gencralkommission 23 279 M. aufgewandt. Rechnen wir dazn die 5996 M., für die gleichfalls dieser Agitation dienende Schrift:»Das Koalitionsrccht in Theorie und Praxi«', soivie die Ausgaben für lokale Agitation, so ergiebt sich, daß der Protest gegen die Zuchthausvorlage den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern mindestens 30 000 M. gekostet hat. Die Arbeiter sind opferfreudiger als die Unternehmer, in deren Interesse das Gesetz geschaffen werden sollte. Nur unwillig gab der„Eentralverband deutscher Industrieller' dem Grafen v. Posadowsky 12 000 M. zur Agitation für das Gesetz. Agitation. Die Agitationskommissionen in Ost« und Westpreußen, sowie in Oberschlcsien, haben in der bisherigen Weise ihre Thätigkeit fort- gesetzt und sind finanziell, wie sich aus der Abrechnung ergiebt, wie auch sonst in jeder Beziehung seitens der Generalkomniission unter- stützt worden. Der Erfolg kann unter de» fortdauernde» Schwierig- leite», welche der Agitation entgegenstehen, kein bedeutender sein. Jedenfalls steht er nicht im Verhältnis zu den aufgeivandten Mitteln und Kräften. Trotzdem darf nicht etwa weniger als bisher, sondern eS muß noch mehr geleistet werden. Dies wird dadurch geschehen, daß für die polnisch sprechenden Arbeiter ein Gewcrkschaftsorgan in polnischer Sprache voin 1. April 1901 ab in Posen herausgegeben werden soll. Die Herausgabe ist von dem GewerkschaftsauSschuß beschlossen, nachdem seitens der Vorstände der Verbände festgestellt war, daß ein Bedürfnis für das Blatt bei 11 Verbänden vorhanden ist. Von den Herstellungskosten werden zivei Drittel von den direkt beteiligten Verbänden, ein Drittel seitens der Generalkommission ge tragen iverden. Wie in früheren Jahren, ist auch im letzten an einzelne GeWerk schaflcn Zuschuß zu größeren Agitationen gewährt worden. Ferner ist auf Kosten der Generalkominission eine Agitation unter den Arbeiterin»?» des Voigtländischen Bezirks unternommen worden. Außerdem sind für einzelne Orte und Bezirke Ibesondcre Flugblätter hergestellt nnd verbreitet worden. Im übrigen sind auf eine große Zahl von Anfrage» betreffend die Agitation Anweisungen, besonders an die Geiverlschaftskartelle. gegeben. Mit den GewerkschaftSkartellen stand die Generalkommissio» nach wie vorher in regem Verkehr und hat sich auch daS gegenseitige Verhältnis, gestützt auf die Beschlüsse über die Gewerkschaftskartelle des letzten GciverlschaftSkongresscS sehr günstig und freundschaftlich gestaltet. Eine Ausnahme davon macht, wie bekannt, das Leipziger Gewerkschaftskartell. Die Vorgänge selbst sind bekannt. Statistik. Die Generalkominission war bemüht, daS Material, welches die Berufs- und Gewerbezählung von 1895 enthielt, den Gewerkschaften zugänglich zu machen. Es sind drei größere Auszüge aus den Er« gebniffen dieser Zählung gemacht und im ,Corrc>pondenzblatt' vcr- öffcntlicht worden. Eine weitere Zusammenstellung ans den Er- gebniffen der Gewerbezählung ist in Bearbeitung. Die alljährlichen Statistiken über die Streiks und über den Stand der GewerkschaftS� bcwegung sind nach Möglichkeit verbessert ivordcn. Tie Streikstatistik isr vollständig umgestaltet. Während bis zum Jahre 1900 die Materialien für die Statistik durch Umfrage am Jahresschluß gewonnen wurde», sind nunmehr die Einrichtungen so ge- troffen, daß fortlaufend in ollen Geiverkschaften»ach von der General kommission hcraiiSgegebenen Formularen die Statistik geführt wird. Diese Neueinrichtung verursachte der Generalkomniission nicht unerhebliche Arbeit. Sie wird aber nicht nur emiöglichen, daß die Streikstatistil früher als in den vorhergehenden Jahren veröffentlicht iverden kann, sondern cS ist dadurch, daß nicht wie bisher summarisch, sonder» Über icdc» einzelnen Streik berichtet wird, die Genauigkeit erhöht und die Vcrgleichbarkcit mit der amtlichen Streikstatistik gegeben. Daß die amtliche Statistik diejenige der Gewerkschaften nicht etwa entbehrlich macht, ist schon si'üher betont Ivordcn. Es hat sich gezeigt, daß die Gewerkschaftsstatistik zur Kontrolle der amtlichen absolut notwendig ist. In dem amtlichen Bericht über die Streik« im Jahre 1899 ist zwar darauf verwiesen, daß die beiden Statistiken nicht miteinander vergleichbar sind, weil die Zählung seitens der Behörden nach Verwaltungsbezirken, seitens der Ge- werkschaften aber nach Berufen erfolgt. Ohne daß die Zähliuethode der Gewerffchasten geändert zn werden braucht, wird sich für die Zukunft doch, wie schon angeführt, ein Vergleich ermöglichen. Dadurch wird dann wohl die ursprünglich vorhandene löbliche Absicht, auS der amtlichen Streikstatistil Material gegen die Geiverkschaften gewinnen zu können, entgültig schwinden. Vielleicht auch kommt man dann au maßgebender Stelle noch zu der Erkenntnis, daß untergeordnete Polizciorgane nicht geeignet sind. die ersten Erhebungen über die Streiks zii machen, und schafft hier Wandel. Dann würde die amt- liche Streilstatistik sich zu einem wertvollen Teil der Reichsstatistik entwickeln können. Die Gewerkschafts st ati st ik ist des- halb zur Zeit wertvoller als je zuvor. Dessen sollten die Beamten der Gewerkschaften, welche als Leiter der Streiks die ersten Materialien an die Verbandsvorstände einzuliefern haben, ein gedenk sein. Die ihnen zugemutete Arbeit ist nicht leicht und nicht gering, aber die Bedeuttmg, welche diese Arbeit für nnsre Bewegung hat, muß die Beteiligten anspornen, ihre, ganze Kraft der Sache zu widmen. Konferenzen, Generalversammlungen und Kongresse. Von der Generalkommission wurde gemäß dem Beschluß dcS Gewerkschaftskongresses eine Konferenz der Verbandsvorstände arrangiert, unter welchen Meinungsverschiedenheiten über die Ab- grenzung des zu gewinnenden Mitgliederkreises vorhanden sind. Die Konferenz fand am 8. April 1900 in Hamburg statt und waren Ver- treter von 13 Verbandsvorständen anwesend. Wenn auch keine bindenden Lefchlüsse gefaßt worden sind und gefaßt werden konnten, so hat doch die Aussprache der beteiligten Parteien dazu beigetragen, daß objektiv über die Frage der Zugehörigkeit zu der einen oder der andren Organisation geurleilt werden wird. Seit dem letzten Gewerkschaftskongreß fanden insgesamt 36 Generalversammlungen respektive VcrbandStage der einzelnen Berufe statt. Von diesen Generalversammlungen resp. Verbandstagen wurden 24 durch Vertreter der Geueralkommission besucht. Ein Kongreß der Lithographen, der am 17. September 1899 in Leipzig stattfand, hatte sich mit der Frage zu beschäftigen, ob die Lithographen auch ferner dem Verbände der Lithographen und Steindrucker angehören sollen und ob der neugegründcte Lithographen- verband einem Bedürfnis entspringe. Auch zu diesem Kongreß hatte die Generalkommission einen Vertreter entsandt. Desgleichen zu dem allgemeinen Fachkongreß der G a st w i r t s g e h i l f e n am 6. März 1900 in Berlin, zu dem Internationalen Textilarbeiter- Kongreß am 16. Juli.1900 in Berlin, dem Kongreß der Ge- werkschaften Oestreichs am 11. Juni 1900 in Wien und zu dem Kongreß der Gewerkschaften Belgiens am 24. Dezbr. 1900 in Brüssel. Die Teilnahme an einem von den Gewerkschaften Frankreichs ein- berufenen Internationalen Gewerkschaftskongreß lehnte die General- kommission mit der Motivierung ab. daß. soweit allgemeine inter- nationale Fragen gewerkschaftlicher Natur zu beraten sind, dies bis auf weitere« in ausreichendem Maße durch den Internationalen socia- listischen Arbeiter- nnd Gewerkschaftskongreß geschehen könnte. Zu diefem Kongreß, der am 23. September 1900 in Paris stattfand, hat die Generalkommission zwar einen offiziellen Vertreter nicht entsandt (zwei Mitglieder der Kommission waren von andrer Seite dorthin delegiert), jedoch den Delegierten des Kongresses einen gedruckten Bericht über die Gewerkschaftsbewegung in Deutschland übcrnnttelt. Der Bericht, in deutscher, englischer und französischer Sprache ab- gefaßt, wurde in 500 Exemplaren auf dem Kongreß verteilt. Zu einem Internationalen Arbeiterschutz-Kongrcß, der am 25. Jnli 1900 in Paris stattfand, wurde die Generalkommission nicht nur ein- geladen, sondern es erging an sie, resp. an ihren Vorsitzenden auch die Aufforderung, das EinbernfnngSschrciben mit zu unterzeichnen. Beides wurde abgelehnt. Die Ablehnung wurde damit nwtiviert, daß ein Vorteil für die Arbeiterschaft aus dem Kongreß nicht er- wachsen werde. Soweit die Propaganda für internationalen Arbeiter- schütz notwendig nnd möglich, müsse sie sich auf die Verhandlungen deS ArbeiterschützkongrcsscS in Zürich stützen. Dieser Propaganda dienen aber die internationale» Arbeiterkongresse in größerem Matze, als dies von bürgerlichen Socialpolitikern einberufene Kongresse können. Die tzlrbciterversichcrnng. Der Gewerkschaftskongreß beauftragte die Gencralkommisston, für Aufklärung der Arbeiter über die Bedeutung der staatlichen Arbetterverficherung zu sorgen und die Wahlen der Arbeitcrvertreter zu leiten. Dem ersteren Auftrag ist die Kommission durch Herausgabe der Broschüre über die Arbciterversichernng nachgekommen. Auch der Vorbereitung der Wahlen soll diese Broschüre dienen. Einein von der Berliner GewcrkschaftSkommisslon gemachten Vorschlage, in Berlin ein Sekretariat zn errichten. tvelcheS die Ver- tretung der Versicherten vor dem ReichS-VersichernngSamt über- nehmen soll, konnte die Gencralkommission nicht zustimmen. Sie erkannte an. daß eine solche Einrichtung notwendig und daß e« Sache der Geiverkschaften ist. sie zu schaffen. Genaue Berechnungen haben jedoch ergeben, daß die Generalkommissio» ans den rcgel« mäßigen Einnahmen die nicht unbedeutenden Koste» respektive die erforderliche» Zuschüsse für eine solche Einrichtung nicht leisten kann. Es muß deshalb die Entschcidnng über die Frage dem nächsten Gewerkschaftskongreß überlassen bleiben. „Korrespondeuzblatt", Broschiiren,„L'Operalo lUllaoo". Die Erhöhung der fortdauernden Einnahmen der Geueralkommission ermöglichten es dieser, dem Beschluß dcS Gewerkschafts« kongrefscs entsprechend, das.Korrespondenzblatt' zu vergrößern und besser auszugestalten. Seit dein 1. April 1900 erscheint das Blatt regelmäßig sechzehnseitig im bisherigen Format und seit dem 1. Ja- nuar 1901 in etwas vergrößertem Format in demselben Umfang. Ein Redacteur. welcher sich ganz der Herstellung dcS Inhalts widmen konnte, wurde angestellt. Von den 17 Bewerbern, welche sich auf die Ausschreibung de» Redactenrpostenö gemeldet hatten, wählte der GewerkschaftsauSschuß den Genofsen Paul Umbreit-Leipzig. Die Auflage des Blatts stieg von 8950 Exemplaren im Juni 1899 auf 10 900 im Dezember 1900. Das Blatt wird in 1024 Einzel- sendungen expediert. Die schon erwähnte Broschüre.Die Vertreter in der Arbeiter- Versicherung und deren Aufgaben' wurde in 10 000 Exemplaren hergestellt. Nachdem durch rcichSseitige Aufhebung dcS Verbindungsverbotes für politische Vereine die in den letzten Jahren erfolgten Aenderungcn der Vereinsgesetze einen gewissen Abschluß erhalten haben, ivurde die längst vergriffene Schrift.Anleitung zur Benutzung des Vereins« und Versammlungsrechts' neu herausgegeben. Die Schrift, welche entsprechend den neueren Gesetzesbestimmungen und der geltenden olizei- und Gerichtspraxis angepaßt ist, ivurde in 5000 Exemplare» ergestellt. Die italienische Zeitung„I/Oxeraio Italiano" scheint einem dringenden Bedürfnis zn entsprechen. Während im Jahre 1899 die höchste Auflage 6000 betrug, stieg sie im letzten Jahre auf 4400. In de» Wintermonaten, wenn die italienischen Arbeiter in ihre Heimat zurückkehren, geht die Auflage selbstverständlich zurück. Zur Unterstützung der Agitation unter den Italienern wurde auch eine Broschüre in italienischer Sprache herausgegeben und in 4000 Exemplaren hergestellt. Als Lohn für die Aufklärungsarbeit, welche der Vcrfaffer der Broschüre und Redacteur von„DOxeraio" unter den italienischen Arbeitern im Interesse de«.Kulturfortschritts betrieb, überreichte ihm die Hamburger Polizeibehörde einen Ausweisungsbefehl. Der Aus- gewiesene, ein Schweizer Bürger, war höchlichst verwundert, einen solchen Beweis von der Freiheit in der sogenannten Republik Ham- bürg zu erhalten. Da bei der ollgemein bekannten Liebenswürdigkeit der Ham- burgcr Polizeibehörde von vornherein mit der Eventualität der Ausweisung eines RcdacteurS, der nicht ReichSangehöriger ist, ge- rechnet wurde, so traf der geführte Schlag nicht. Das Blatt konnte ruhig weiter erscheinen, ohne an seinem Inhalte auch nur da» ge- rtngste einzubüßen. » Zn erwähnen wäre noch, daß die Generalkommission eine Sammlung für die Ausgesperrten in Dänemark veranstaltete nnd die Versammlungen in Deutschland arrangierte, in welchen Delegierte der Ausgesperrten referierten. Seiten« der Generalkommission wurden 188 300 M. nach Dänemark gesandt. Der nach Beendigung der Aussperrung eingegangene Betrag von 7994 M. wurde der Kasse der Generalkominission überwiesen und als Darlehen den Ver- bänden übergeben, welche größere Streiks zn führen hatten. Einschließlich der von andrer Seite direkt nach Dänemark ge- sandten Summen wurden ans Deutschland 217572 Mark den Ausgesperrten überwiesen. Eine Sammlung zur Unterstützung der streikenden Bergarbeiter in Oestreich ergab den Betrag von 49 000 Mark, welche an die östreichische Gewerkfchaftskomnnssion abgeführt wurden. Bezüglich der inneren Verwaltting wollen wir. um nicht Einzelheiten anzuführen, nur bemerken, daß die Gcneralkommission 81 und der Gewerkschastsausschntz sechs Sitzungen seit dem letzten >erkschaftSkongreß abgehalten hat. In der Besetzung der Acmter, der Höhe der Gehälter und der Entschädigung für Sitzungen sind Aenderungcn seit dem letzten Kongreß nicht eingetreten. Der erfreuliche Aufschwung, ivelchen die Geiverkschaftsbewegnng in Deutschland in den letzten Jahren zeigt, wird voraussichtlich auch in den weiteren Jahren anhalten. Die Kommission ivird nach wie vor bemüht sein, ihr bescheiden Teil zur äußeren Entfaltung und inneren Erstarkung der Geiverkschaften beizutragen. Kafsenberichr. Die Abrechnungen sind in andrer Weise gegeben als der übrige Bericht und zwar in drei verschiedenen Abschnitten, so wie der Kassierer sie vorgelegt und die Revisoren sie geprüft haben. Die erste Rechnungslegung erstreckt sich vom 1. April bis 31. Dezember 189g. Der Kassenvortrag belief sich auf 34 792.90 M., an Quartalobciträgc» gingen ein 39 041,54 M., die Qjesamtcinnahme belicf sich air 100 366,55 M.. die Ausgabe auf 71680,57 M.. so daß ein Bestand von 28 585,98 M. verblieb. In der Abrechnung vom ersten Halb- jähr 1890 balanzieren Einnahme und Ausgabe mit 62 985,62 M., im zweiten Halbjahr mit 55 652,65 M. Der Kassenvortrag für daS Jahr 1901 beträgt 20 659.31 M. politische Mebevlicht. Berlin, den 14. Februar, Rheinbabcn der Schneidige. Die Lorbeeren des seligen Puttkamer lassen den neuen Polizei- minister nicht ruhen. Mehr und mehr sucht er sich zum Socialisten töter zu entwickeln, seinen höchsten Stolz erblickt er in dem Kampfe gegen die Umstürzler, die in seinen Augen der Inbegriff alles Bösen auf der Welt sind. An Verständnis für die socialistischen Ideen fehlt es ihm natürlich vollkommen, mit verfassungswidrigen AuS, nahmematzregeln und einigen im Tone des preußischen Garde Lieutenants vorgetragenen Forschheitcn hofft der tapfere Ritter dem Drachen Socialdemokratie den Kopf abhauen zu können. Freilich der Drache Ivird den Ritter erheblich überleben. In der am Donnerstag fortgesetzten Debatte über die Frage der Bestätigung von Kommunalbeamten mutzte Herr v. Rheinbaben aus dem Munde der freisinnigen Redner Dr. Barth, Richter und Dr. C r ü g e r manch unangenehmes Wort über seine bisherige Amtsführung entgegennehmen. Unverblümt sprachen die Freisinnigen dem Minister ihr Mitztranen aus. Während aber Abg. Dr. Barth ganz unzweideutig die Grundsätze des Ministers über das Bestätigungsrecht mißbilligte und die principielle Versagung der Bestätigung an Mitglieder der social- demokratischen Partei als verfassungswidrig und unzweckmäßig bezeichnete, da man durch eine derartige kleinliche BeHand- lung einer geistigen Bewegung höchstens das Gegenteil von dem er- reiche, was man beabsichtige, koimte es sich Herr Richter nicht versage», selbst bei dieser Gelegenheit wieder den Betveis dafür zu erbringen, daß er über die Socialdemokratie nichts zugelernt hat. Es ist ja menschlich erklärlich, daß Herr Richter den Rückgang des Freisinns auf künstliche Weise zu erklären sucht, aber etwas mehr Verständnis für das Anivachsen der Socialdemokratie, als er in seiner Rede an den Tag gelegt hat, hätte man doch wohl von ihm erwarten können. Der Vater der Spar-Agnes suchte cS allen Ernstes so darzustellen, als sei das Anwachsen unsrer Partei, namentlich in Berlin und Königsberg, auf die—— wohlwollende Neutralität der Polizei zurückzuführen. Wir haben von dieser wohlwollenden Neutralität bisher nichts keimen gelernt, aber Herr Richter mutz es ja wissen. Nach seiner Meinung wäre die Socialdemokratie heute noch eine kleine unbedeutende Schar, wenn die Polizei in früheren Jahren energisch gegen die- jenigen Socialdemokraten eingeschritten und eine Anklage wegen Hausfriedensbruch gegen sie eingeleitet hätte, die angeblich frei- sinnige Versammlungen gesprengt haben. Nun ist es natürlich zu spät. Aber auch jetzt ist noch nicht alles verloren, wenn nur die Konservativen sich endlich aufraffen und die Mannen Eugens bei Wahlen unterstützen würde». Dann lviirde Eugen den zweiten und dritten Berliner Reichstags-Wahlkreis, den die Socialdemokraten zu unrecht inne haben, sofort zurück- erobern. Wir wollen Herrn Richter den holdcimWahn nicht rauben, wir verzichten auch darauf, diese aus der„Freisinnigen Zeitung" sattsam bekannten Redensarten zu widerlegen. ES macht dem frei sinnigen Führer alle Ehre, in demselben Atemzuge, Ivo er an dem Verhalten deS Ministers scharfe Kritik übt, die Parteifreunde des selben Ministers um ihre Unterstützung förmlich anzubetteln. Sein Fraltionskollege Dr. C r ii g c r hielt sich von solchen Gcschmacklosig leiten erfreulicherweise fern. Freiwillige Helfer erstanden dem Minister nicht nur in dem Konservativen v. Hehdebrandt und dem Freikonscrvativen Frciherrn v. Zedlitz, sondern auch in dem Redner des CentrumS, dem Abg. Becke r. Nicht nur, daß Herr Becker eine entschiedenere Handhabung der Theatercensur verlangt, erklärte er auch die Socialdemokraten für unwürdig, Kommunalämter zu bekleiden, und sprach die Hoffnung aus, daß der Standpunkt des Freiherrn v. Rheinbaben in Zukunft von allen Behörden eingenommen wird. Und diese Partei ist schamlos genug, sich als Hüterin der Volks- rechte h i n z u st e l l e n. Ein Recht deS Volks nach dem andren giebt das Centrum leichten Herzens preis. Von einem Windthorst, der mit die besten Reden gegen das Socialistengesetz gehalten hat, ist es nun glücklich auf die Lieber, Pichler und Becker gekommen, von denen die jetzt sowohl die Hauptrufer im Streit sind, wenn es gilt, dem Volk neue Lasten aufzubürden, als auch für die Socialdemokraten ein Ausnahmerecht auf dem Verwaltungsweg fordern. Die Rede des Ccutrumsmannen Becker unterschied sich in nichts von denen der Herren auf der Rechten, die gleichfalls dem Minister beistimmten und sogar solchen Personen, die sich nicht offen zur Socialdemokratie bekennen, aber zu ihnen hinneigen oder sie be- günstigen, die Bestätigung als Kommunalbeamte versagt wissen wollen. Herr v. Zedlitz ärgert sich besonders über unsren Ge- nossen Singer, der nach seiner Ansicht der Alleinherrscher über Berlin ist. Wiederholt griff der Minister in die Debatte ein, um mit erhobener Stimme die Versicherung abzugeben, daß er sein Ver- hallen gegen die Socialdemokratie nicht ändern werde. Im übrigen hatte Herr v. Rheinbaben Pech, denn ihm wurde nachgewiesen, daß er in Bezug auf eine Reihe von Männern, denen er die Bestätigung versagt hat, ganz falsch unterrichtet war, so daß er sogar die kauf- männische Ehre eines der Nichtbestätigtcn preisgegeben hatte. Aus der sonstigen Debatte ist nur noch die überraschende Mit- teilung des Ministers hervorzuheben, daß das Dreiklassen-Wahlsystem infolge der Miquelschen Steuerreform keine plutolratischen Ver- fchicbungen gezeitigt habe und deshalb nicht geändert zu werden brauchte. Bisher wurde von den Ministern immer das Gegenteil versichert. ES ist an der Zeit, daß die Regierung endlich eine ver- nünftige Statistik veröffentlicht, damit sich das Volk und auch der Minister über eine so wichtige Frage informieren kann. Die Beratung wird am Freitag fortgesetzt. Krupps neue Militärvorlage. In recht auffälliger Weise bringen die den Krupp-Jnteressen dienenden Organe Notizen und Mitteillingen, die augenscheinlich dar- auf berechnet sind, auf der einen Seite für spätere Millionenaus- gaben„weich" zu machen, andrerseits die Aufmerlsamkeit von dem, was vorgeht, abzulenken. So hat die kürzlich verbreitete Nach- richt, auf der Erhardtschen Fabrik in Düsseldorf habe man bedeut- same Fortschritte auf dem Gebiete der Waffentechnik zu verzeichnen und die genannte Firma werde bei der nächsten Kanonenlieferung für Preußen mit Krupp in Konkurrenz treten, offensichtlich nur den Zweck, die Thatsache zu verschleiern, daß Krupp den Austrag für Neu-Ausrüstung der Feldartillcrie mit der Wiegen-Lafette so gut wie in der Tasche hat. Vor kurzem teilten wir mit, daß Krupp ein neues Geschütz habe konstruieren lassen und zwar grade zur rechten Zeit, denn die Armierung der Feldartillerie mit dem neuen Schnellfcuer-Geschiitz sei nahezu vollendet und daher bedürfe Krupp erneuter Gelegenheit. seine hochpatriotiiche nationale Gesinnung zu bethätigen. Zunächst wurde diese Meldung von einigen Uebereifrigen bestritten. Nachher mußte man sich aber durch die„Miinchener Neuesten Nachrichten" und daS„Militär-Wochenblatt" bestätigen lassen, daß die von uns gemeldete Neuerung und deren beabsichtigte Einführung für die preußische Artillerie in„eingeweihten" Kreisen längst bekannt sei. Numnehr wird der»Rh. Wests. Ztg." aus sachverständigen Kreisen geschrieben, daß eine weitere Steigerung der Leistungsfähigkeit der Artilleriewaffe nickit ausgeschlossen sei. Wir können nun mit- teilen, daß der damals von uns gemeldete Plan in handgreif- liche Nähe gerückt ist. Genau so wie wir darstellten, wird die Neuausrüstung mit dem neuen Geschütz vollzogen werden, näm sich durch Umänderung der jetzigen Geschütze nach der neuesten Konstruktion. Diese ilmänderuug ist vom finanzielle» Stand Punkt aber fast gleichbedeutend mit vollständiger Neu auschaffung. Von den„altcn-ncucn" Geschützen ist nämlich nur das Rohr zu gebrauchen. Von diesem wird der senkrechte Zapfen abgearbeitet und daS Rohr in die Wiege eingepaßt. Laffcttc Rücklaufhemmung, Sporn usw. sind vollständig neu. Nach diesem System ist jetzt bei Krupp bereits ein preußisches(!) Geschütz um> gearbeitet. Nach den Erklärungen des Kriegsministers auf die Anfrage im Reichstag kann darauf gerechnet werden, daß auch diesmal nach der bekannten Praxis verfahren wird. Wenn die Nenarnnerung zum guten Teil vollzogen ist, wird der Reichstag unter irgend welcher Begründung vor das Muß-Bcwilligen gestellt— und die Geschichte ist erledigt, daS heißt, so lange bis der Kruppsche UeberpatriotismuS im Interesse des Vaterlands wieder eine neue Erfindung machen läßt.-- Bemerkt mag noch werden, daß bei den Proben mit dem neuen Geschütz die Rücklaufhemmung so vorzüglich funktioniert, daß ein beim Abschießen auf daS Rad gelegtes Geldstück seinen Ruhepunkt bc hält.— Steuerzahler, freut Euch! Wider de» Brotwucher. Die Protestaktion der Berliner Arbeiterschaft gegen die Kornzoll-Erhöhnng hat den Parteien der Brotvertenerung gezeigt, daß ihre Annahme, ihr gemeingefährliches Fordern sei bereits der Erfüllung nahe und sicher, irrig ist. In dichten Scharen strömten die Arbeiter zum Protest zu- sammen. die Säle vermochten fast nirgends den gc- waltigen Andrang der Massen aufzunehmen, und eS bekundete sich in den Zehntausenden der Berliner Arbeiterschaft der feste, begeisterte Wille, jeden möglichen Widerstand gegen die agrarischen Wucherpläne zu organisieren. Eine Volksbewegung hat begonnen. AuS der Tiefe der wahrhaft Notleidenden, denen das tägliche Brot verteuert werden soll, bricht die Empörung wider den Brotwucher. Und die Berliner Kundgebung wird sich fortpflanzen über daS ganze Reich. ES beginnt eine Bewegung, von der die Brotwucher- Parteien vielleicht jetzt noch glauben, sie werde bald wieder verebben, die aber— detz werden sie sich überzeugen— sich von einer ihren Plänen überaus gefährlichen Nachhaltigkeit erweisen wird. »* «- Selbst die Landarbeiter— so geht der Agrarier- Schwindel— sollen durch die Zollerhöhung eine Verbesserung ihrer Lage erreichen. WaS aber thatsächlich die Landarbeiter erwartet, das zeigen, neben dem demnächst im preußischen Abgcorduetcnhause erscheinenden Ausnahmegesetz gegen den Kontraktbruch, die Ver- Handlungen der„Steuer- und Wirtschaftsreformer" am Mittwoch. Rittergutsbesitzer E. Beelitz- Garden sprach über die Erscheinungen im Gebiete d e r I ä n d l i ch e n Arbeiterfrage. Er bezeichnete die Arbeiterfrage für die Landwirtschaft als die wichtigste neben den Gctreidezöllen, empfahl aber, sich auf folgende kurze Resolution zu beschränken: „Die Landarbeiterfragc hat sich in den letzten Jahren noch verschärft und erscheint neben der Getreidezoll-Frage für Landwirt- schaft und Staat als die dringendste." Der Gegenstand rief eine längere Erörterung hervor. Der nächste Redner, Herr v. Richthofen, hielt die Resolution für platonisch mid wünschte eine eingehender specialisierte. B u n d t- Romittcn verlangte, daß schon die Kinder mehr zur landwirtschaftlichen Arbeit herangezogen würden, man müsse dahin streben, daß die HalbtagSschule allgemein gemacht werde. Herr von Frege bemerkte, daß er vonr Reichstag sich keine Abhilfe verspreche, die Herren hätten für solche Angelegenheiten zu wenig Verständnis(!), eher sei von der Landesvertretung(Klassen Parlament) Abhilfe zu erwarten. Die Resolution gelangte schließlich mit einem Zusatzantrage des Herrn v. Richthofen in nachstehender Fassung zur Annahme: „Die Landarbeiterfrage hat sich in den letzten Jahren noch verschärft und erscheint neben der Getreidczollsrage für Land- Wirtschaft und Staat alK die dringendste, so daß die unverzügliche Durchführung der im Jahre 1899 vom Abgeordnctenhause über den Antrag Gamp gefaßten Beschlüsse unabweisbar erscheint." Die Anträge Gamp bedeuten bekanntlich die völlige Leibeigen- chaft der Landarbeiter. «« In der Mittwochssitzung deS Meiniuger Landtags interpellierten die socialdemokratischen Abgeordneten die Regierung über ihre Stellung zur angekündigten Erhöhung der Ge- treidezölle. Staatsminister H e h m erklärte, offiziell von einer solchen beabsichtigten Maßnahme nichts zu wissen. Die agrarischen Abgeordneten befürworteten eine Er- höhung der Zölle und eine dahin strebende Thätigkcit des Meiningischen Vertreters im Bundesrate. Agrarier Frank empfahl Prügelstrafe, wenn sich infolge des erhöhten BrotpreiseS die Diebstähle mehren sollten! Deutsches Zteich. Der staatScrhaltende Brotwucher. Zu immer tolleren Beweisgründen nimmt die Wucher- Presse ihre Zuflucht. Jetzt erklärt Herr Schweinburg den Brotwucher feierlich für„staatserhaltend", indem er seine„Bcrl. Pol. Nachr." schreiben läßt: „So gewinnt der Kampf um die künftige Zoll- und Handels- Politik eine über den Rahme» der Wirtschaftspolitik hinausgehende allgemeine politische Bedeutung. Er gestaltet sich zu einem Kampf zwischen den nationalen und staatScrhalienden Kräften in uiff rem Volk und denjenigen, welche unser nationales Staats- Wesen und seine monarchische Spitze grundsätzlich im Bündnis mit den Freihändlern bekämpfen. Auf welche Seite demzufolge ein guter Patriot von monarchischer Gesinnung sich in dem wirtschaftspolitischen Kampfe der nächsten Zeit zu stellen hat, unterliegt hiernach keinem Zweifel." Wer die vom Kaiser proklamierte HandelsvertragS-Politik unter- stützt, wie es die Freisinnigen und Socialdemokraten gethan haben, handelt also-- antimonarchisch. Hingegen muß jeder Mann von monarchischer Gesinnung den vom Monarchen gebrandmarkten Brot- Wucher fördern. Wenn die Agrarier in dieser Weise weiter agitieren, werden sie schließlich allesamt in Irrenhäuser und Jdiolenanftaltcn gesperrt werden müssen. Häusliche Neckereien. Schweinburg hatte in seinen„Berliner Politischen Nachrichten" gegen die agrarischen llebcrtreibnngen des Bunds der Landwirte Stellung genommen und bemerkt, der Bund sei nicht die einzige Vertretung landwirtschaftlicher Interessen. Darauf antwortet die'„Deutsche Tageszeitung", Schweinburg sei nicht sachverständig; ihr sei die ganze galizisch- mährische Stilübung gleichgültig. Anstatt zu antworten, erklärte heute der Schweinburg, um sein Sachverständnis zu beweisen, in seinem galizisch-mährischcn Stil den Brotwucher für staatSerhaltend. Man erkennt aus diesen kleinen Neckereien der Liebenden, daß die Agrarier gegenwärtig außerordentlich geschwollen sind.— Die„Germania" hatte neulich im allgemeinen auf unscr Brot- wuchcr-Flugblatt kräftiglich geschimpft, ohne auch nur den Versuch einer Kritik zu wagen.' Nachdem wir darauf hingewiesen, erklärt sich jetzt daS Centralorgan des CentrumS bereit,„noch" näher darauf einzugehen und cS erfüllt diese Ankündigung, indem eS in Vh Spalten die gualvolle Frage untersucht, warum wir eigentlich überhaupt das Flugblatt verbreitet hätten, da doch„jedermann weiß, daß die vier socialdemokratischen und die zwei freisinnigen Reichstags-Abgeordnetcn für Berlin entschiedene Gegner der Getreidezölle" seien, folglich eine erneute Aufklärung völlig überflüssig sei. Wir sind menschenfreundlich genug,«m die quälende Neugier der„Germania",— der übrigens auch die Frage Pein bereitet, ob auch der Parteivorstand sich an der Verbreitung der Flugblätter in den Häusern beteiligt habe— zu befriedigen: Wir verteilten die Flugblätter einfach deshalb, um auch den letzten Berliner Arbeiter, der noch dem Centrum anhängt, über die volksverräterische Politik der uktramon- tanen Partei aufzuklären.— Ein Branntweinsteuer- Gesetz ist dem Bundesrat zu- gegangen, das an Stelle des am 31. September 1901 ablaufenden jetzigen Gesetzes treten soll. Das neue Gesetz behandelt drei Fragen: Die Bemessung der neu auszuteilenden Kontingente; die Bei- beHaltung der' Brennsteucr; die Unterbringung der steigenden Branntweinproduktion. Der Gesetzentwurf enthält, wie die FreisinnigeZeitung" bemerkt, die vom Spiritus ring gewünschte Bestimmung, wonach jeder Brenner von Kartoffeln. Mais, Melasse usw., der jährlich mehr als 150 Hektoliter reinen Alkohols erzeugt, verpflichtet ist, einen vom Bundesrat alljährlich zu bestinnnendcn Bruchteil deS in der Brennerei gewoimcuen Branntweins bis zum 3l. Dezember des nächsten Jahres vollständig denaturieren zu lassen, andern- falls für jedes nicht zur Deuatnriernng gebrachte Hektoliter reinen Alkohols 15 M. Brennsteucr zu bezahlen. Auf diese Weise soll, dem Bcrlauae» des SpipitusringS entsprechend, der Trinkbrannt- wein so vermindert werden, daß der Ring weitere Preissteigerungen erzwingen kann.— Kaiseriu Friedrich ist nach der„Rheinisch-Westf. Ztg." unh'.il« bar krank. Sie leidet an Wassersucht, die mit einer Nierenkrankhcit (angeblich Nicrcnkrebs) zusamnicnhänge. Es könne imr noch darauf ankommen, die mit der Krankheit verbundenen Schmerzen nach Mög- lichkcit zu lindern mid den Eintritt der von den Aerzten als unver- mcidlich angesehenen Katastrophe soweit als möglich hmauSzufchieben. Ausland. Die englische Thronrede Am Donnerstag wurde das englische Parlament eröffnet. Die Eröffnung geschah niit größerem Prunk, als dies seit dem Re- gierungSantritt der Königiu Viktoria geschehen ist. In der vom König verlesenen Thronrede wird zunächst hin- gewiesen auf die nationale Betrübnis und Trauer wegen des Verlustes durch den Tod der Königin. Der König wünsche lebhaft, in ihren Fuß- stapfen zu wandeln. Sodann heißt eS weiter: Inmitten des allgemeinen und persönlichen Schmerzes ist es mir eine Geuugthuung, dem Parlamente zu bersichcrn, daß die Beziehungen zu den andren Mächten fortdauernd freundliche sind. Der Krieg tu Südafrika ist noch nicht gänzlich beendigt, aber die Hauptstädte des Feinds und die hauptsächlichsten Berbindungs- liuieu find in meinem Besip. Es sind Maßregeln getroffen, welche, wie ich sicher hoffe, meine Truppen in den Stand setzen werden, den Streitkräften, die ihnen noch gegenüberstehen, wirksam entgegenzutreten. Ich bedauere sehr den Verlust an Menschenleben mid die Opfer an Geld, die der nutz- lose Guerillakrieg mit sich bringt, welchen die Boeren in de» Gebieten der beiden ehemaligen Republiken fortführen. Ihre baldige Unterwerfung ist in ihrem eignen Jnterrfie sehr zu wünschen, da eS mir, solange sie nicht erfolgt, unmöglich ist, i n j e n e» K o l o n i e n Institutionen einzusetzen, die allen weißen Bewohnern gleiche Rechte«nd der ei n gebor ii en Bevölkerung Schutz und Gorechtig- k c i t s i ch e r n werden. Die Einnahme von Peking durch die verbündeten Truppen und die glücklich vollzogene Befreiung derjenigen Personen, die in den Gesandtschaften belagert waren, sind Ergebnifie. zu welchen meine indischen Truppen und meine Seemacht wesentlich beigetrogen haben. Denselben folgte die Ilnterwerfung der chinesischen Regierung unter die Forderungen, auf denen die Mächte bestanden. Die Unter- Handlungen werden fortgesetzt über die Art, in welcher die Zu- timmim'g der chiuesischen Regierung zu diesen Bedingungen zu ver- wirklichen ist. Der König erwähnt sodann die Errichtung des Australischen Staatenbunds. In der Thronrede wird weiter mitgeteilt, daß die durch die Dürre in Indien hervorgerufene Notlage und große Sterblichkeit durch rechtzeitig eingetretenen Regen bedeutend geniildert worden sei. Gleichzeitig wird dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß in der Präsidentschaft Bombay noch fortwährend froßeS Elend herrsche, welches man aber zu lindern bemüht ei. In den Budgetvoraiischlägcn für das kommende Jahr habe man ernstlich dafür Sorge getragen, die Beträge zu beschränken, ober die Erfordernisse für Heer und Flotte, besonders die Ausgaben für den südafrikanischen Krieg, hätten eine Erhöhung der zu Ver- langenden Kredite unvermeidlich gemacht. Die Thronerlcdigung mache eS notwendig, ausS neue für die Civillifte Vorsorge zutreffen. Der König stelle vorbehaltlos dem Unterhaus jene Erbeinlünste zur Versügüug, die auch die ver- ewigte Königin ihm eingeräumt hatte. In der Thronrede werden chli'eßlich Vorschläge ziir Vermehrung deS HcereSkontingrntS und eine Reihe andrer iimerpolitischer Vorlagen angekündigt. » Vt ■:* Die Thronrede verbirgt nur schlecht hinter anmaßenden Morien daS Unbehagen über den südafrikanischen Krieg. Bescheidener klingen die Sätze über das chinesische Fiasko. Von einer besonderen Intimität mit Deutschland enthält die Kundgebung kein Anzeichen. Dagegen wird auf eine Steigerung der Ausgaben für Heer und— Thron bedeutsam hingewiesen. Der englische Imperialismus hat jdiese Thronrede im Zeichen chlimmer Mißerfolge stilisicrt.— Die Unruhen in Spanien nehmen eiiieii immer crustcrcn Charakter an und gewinnen täglich an Ausbreitung. Ob es der Ncgienmg diesmal wieder gelingen wird, wie bei' de» letzten Unruhen im vergangenen Jahre, durch Polizei und Militäraufgcbot der Bewegung wreder Herr zu werden, ist zweifelhaft. Die Bewegung richtet sich gccje« den KlcrikalismuS iilid JestlitismnS. mit dem sich die Dynastie durch die Verheiratung der r i n z e s s i n von A st u r i e n mit einem klerikal er- z o g e n e n neapolitanischen P r i ll z e n noch inniger zu liieren trachtet. Diese noch völligere Unterwerfung der Dynastie unter den Klerikalismus hat die Empörung des Bolls über die Schand- Wirtschaft des PfaffentumZ ausbrechen lassen. Zweifellos trägt der herrsch- und verdumnuingSsüchtige Klerika- lismus die Hauptschuld an den trostlosen Zuständen des Lands. Während die Masse in künstlicher Unwissenheit erhalten wird, mästet sich die Äirchc von dem Mark des Bolls. Einer neueren Statistik zufolge giebt es zur Zeit 70,281 Mönche und ?l ö n n e ii in Spanien. Und diese Älostcrinsaffen führen zum - großen Teil einen leineslucgs asketischen Lebenswandel. Madrid. Bilbao, Saragossa, Balladolid, Barcelona, alle größeren - Städte des Lands sind wie mit einein Walle von großartigen Gebänlich- leiten umgeben, die sämtlich Klöster sind. Die Klosterleutc haben nach und nach den größten Teil des Nationalreich- tumS und der Macht an sich gebracht. Den Hof brachten sie in ihre Botmäßigkeit, indem sie dort den intoleranten fanatischen Je�suitenpater Montana als Erzieher dcS kleinen Königs und Beichtvater der Königin hatten. Verhaßt haben sich die Klöster auch dadurch gemacht, daß sie alle möglicheii Industrie» betreiben und, da sie von ollen Steuern und Abgaben befreit sind, der gewerbetreibenden Bevölkerung eine schwere Konkurrenz bereiten,«o ist es denn nicht unmöglich, daß die Unruhen die Gestalt einer Revolution annehmen und selbst die - Dynastie hinwegfegen könnten. lieber die letzten Vorkommnisse liegende folgende Nachrichten vor: Madrid, 111. Februar. Nach der Beerdigung des Dichters Camp.oamor zog eine Anzahl Ruhestörer vor das Nonnenkloster in , der Torijastraßc. schleuderte Steine gegen dasselbe und begab sich dann' nach der Silvastraßc. Auch an verschiedenen andren Punkten der Stadt entstanden Ruhestörungen, so daß die Gendarmerie mit blanker Waffe vorgehen mußte, wobei zahlreiche Personen verwundet würden. Die Ruhestörer warfen in i t Steinen nach den Polizisten; zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. M a d r i d, 14. Februar. Anläßlich der hcuis stattfindenden Vermählung der Prinzessin von Asturien verbot die Polizei jede . Menschenansammlung. In den äußeren Stadtbezirken erneuerten sich gestern abend die Unruhen. Der Wagen des Unterrichts- Ministers wurde mit Steinen beworfen. Ivodurch der Kutscher verwundet wurde. Die Droschkenkutscher sind in den Ausstand gc- trete n. Ans Barcelona werden ebenfalls neue Unruhen gemeldet. Die Gendarmerie ist dort bedeutend verstärkt worden.'— In Malta wurden zwei f r a u z ö s i s ch e M ö n ch e, die an Land gc- ggngen waren, vom Volk gezwungen, auf ihr Schiff zurück- zukehren. Infolge der sehr e r n st e n Lage hat sich die Regierung der- anlaßt gesehen, der Bevölkerung mitzuteilen, daß die Truppen von i h r e n W a f f e n G e b r a u ch machen werden, sobald neue Unruhen stattfinden. ES werden alle Vorbereitungen zur Niederwerfung von Revolten getroffen.— Frankreich. Ter Achtstundentag in Staatswerkstätten. Im September lSZ9 verfügte der Handelsminister Millcrand. daß in den seinem Ressort unterstehenden Betriebswerkstätten des Post- und Telegraphen- dicnstes der Achtstundentag probeweise eingeführt werden solle. Jetzt nach 17 Monaten Anwendung hat sich der Minister veranlaßt gesehen, diese Maßnahme als eine definitive festzulegen. Die achlstündige Arbeitszeit hat sich volllommen bewährt, die Arbeits- leistung ist nicht heräbgcgaiigcn. Der Minimal lohn in den ge- nannten Betrieben beträgt ö Frank pro Tag.— Bulgarien. Sofia, 14. Febr. Das macedonische Komitee beschloß, morgen eine Protestversanimluiig gegen das vom Ministerpräsidenten Petrow erlassene Verbot von Waffcnübuiigen der Schützenvereine zu vcr- austaltcn. Die Koalitionsversuche unter den Parteien waren bisher er- ' folglos._ Der Boeren- Krieg. Im östliche» Transvaal scheinen die Boeren nach ihrer altbewährten Taktik den englischen Angriffskolonnen ausweichen zu wollen, um nach der erfolgten Räumung des Gebiets wieder zurückzukehren. Die englischen Blätter stellen nämlich fest, daß die Boeren vor der Kolonne F r e n ch in Transvaal sich zurückziehen. Mehreren Telegrammen zufolge beabsichtigen die Boeren, sich in die Gegend von T o n g o l o zurückzuziehen, wo das h o h e G r a s d i c E n g- ländcr an jeder Verfolgung hindert. RuS der Kapkolonie liegen Meldungen über entscheidende Operationen nicht vor. Fn der Umgegend von 23 i n d f o r t o n sind Boerenabteilungen aufgetaucht. Wie aus Carnarvon gemeldet wird, ist eine schwache Boercnabteilung südlich von V a n w y k s v l e i signalisiert worden. Die Verbindungen zwischen diesem Orte und Kenhardt .sind unterbrochen. Der Sekretär des dortigen Afrika»der- bunds ist unter der Beschuldigung des Aufruhrs verhaftet worden. Oberst B a b i n g t o n nahm bei einer Streife, die er von 2' e n t e r S d o r P aus machte, in N a a u w p o o r t c i n k I e i n o s B o e r e n k o m m a n d o gefangen. Die Boeren verteidigten sich hartnäckig und ergaben sich erst, als eine Anzahl von ihnen getötet oder verwundet waren. «• Infolge der großen Zunahme der T y p h u s- E r k r a n k u n g e n in ganz S ü d'- A f r i k a haben die städtischen Verwaltungen' sich an die Regierung mit der Bitte um ausgedehnte sanitäre Vollmachten gewendet. Der'Führer der B o e r e n- F r i e d e n S k o m m i s s i o n, Piet de Act. der sich jetzt in Kapstadt befindet, ist bemüht, den Afrikandcr- Bond zu veranlassen, den Boeren unzweifelhaft klar zu iiiachen, dqß sie von dem Bond keine Unterstützung zu erwarten haben. Piet de Wct führt den Einfall der Boeren in die Kolonie und ihren fortgesetzten Widerstand hauptsächlich auf die bei Gelegenheit des Asrilaiider-Kongresses in Worcester gehaltenen Ansprachen zurück, welche die Boeren zu dem Glauben gebracht hätten, daß sich die Holländer ihnen anschließen würden, rvas letztere aber nicht gethan haben. «« * Die britische Garnison von Lydenburg wurde in der vergangenen Woche von den Boeren angegriffen, ohne daß es jedoch zu einem ernsten Kampfe kam. Die' Boeren feuerten aus einem Geschütz, däS sie auf einer Anhöhe bei der.Stadt aufgestellt hatten, einige Schüsse in die Stadt und richteten auch Gewehrfcucr dorthin, das aber bei der weiten Entfernung wirkungslos blieb. Tic Pest. In Kapstadt sind zwei neue Erkrankungen an der Pest und ein Todesfall eingetreten._ Vsvkei Ter focialdcmokratischc Verein für den Z. hamburgische» RcichStagö-Wahlkreis zählt jetzt tiö7S Mitglieder. Er halte im vorigen Jahre eine Gesamteinnahme von über LZ 000 M. Die Generalversammlung, die kürzlich stattfand, beschloß auf Autrag dcsVor- flandS, 10000 M. an die Hauptkasse iiiBerliuabzufiihreu. Im Bezirke des Vereins fanden im vergangenen Jahre 247 Versammlungen statt. Eine Agitation für das„Hamburger Echo" ergab 6/, Millionen Ileberschuß lassen. Die Erhöhung von 10 auf 12t/z Pf. ist ungerecht. Lehnen Sie die Vorlage ab oder setzen Sie einen Ausschuß ein! Stadtv. Lüben(Fr. Mommsen) spricht für sofortige Annahme. Stadtrat Ramsla« weist den Stadtv. Ewald darauf hin. daß der Vertrag der Stadt mit den Konsumenten des gewerblichen Gases eine Kündigung von 3 Monaten vorsieht und diese Frist innegehalten worden ist. Nach einer kurzen Erwiderung des Stadtv. Pretzel schließt die erste Beratung. Vor Beginn der zweiten Beratung beantragt Stadtv. Singer auf Grund der Geschäftsordnung die Absetzung. Der betreffende Passus besagt, daß die zweite Beratung sofort nach der ersten nur stattfinden darf, wenn nicht 16 Mitglieder widersprechen. Da der Widerspruch des Stadtv. Singer von mehr als 16 Mitgliedern unter stützt ivird, muß die zweite Beratung unterbleiben. Der specielle Entivurf zum Neubau der Gcmeiude-Doppch schule in der B e r g m a n n st r a ß e(Kostenanschlag 732 000 M.) wird genehmigt, der Betrag von 16 300 M. für den Fall der Ein- führung der neuen allgemeinen Lehrpläne der höheren Lehr- anstalten bewilligt. Schluß nach 8 Uhr. In der geheimen Sitzung ist, wie wir hören, die BuS- schreibung des Biirgcrmcisterposteus auf Antrag Cassel u. Gen. nunmehr doch beschloffen worden. Die Bewerbungsfrist soll bis zum 16. März laufen._ GelrrerkMzttftlickzes. Berlin und Umgegend. Die Direktion der Panther-Fahrradwerke zn Magdeburg läßt Schleiferarbeiten in der Dampfschleiferei von Karl Nitsche in Magdeburg-Sudenburg verrichten. Die dort beschäftigten Schleifer (Berliner) legten die Arbeit nieder. Nitsche sucht aus andren Orten durch Inserate Ersatz heranzuziehen. Berlin kommt hauptsächlich in Betracht. Durch Inserate der„VolkS-Zeitung" kamen schon mehrere nach Magdeburg. Also Zuzug fernhalten. Achtung Kleber(Tapezierer). Die Differenzen auf den Bauten Victoria Louisenplatz 10 und Waldstraße, Ecke Wiclefstraße, sind bei- gelegt, nachdem der Unternehmer A. Sand infolge Verhandlung den Tarif bewilligt hat. Die SektionSleitung derKleber des Verbands derTapezierer. Die AgitationSkommiffion des Vereins der Tischler Berlins und Umgegend(Vertrauensmänner-Ccntralisation) hat sich neu konstituiert und ernannte zum Obmann für den Osten Vh. Winkler, Warschauerstr. 82, und für den Südosten Th. Flohr, Mariannenstr. 46 wohnhaft. Die Kommission hält jeden dritten Dienstag im Monat ihre Sitzung bei Grundmann, Naunynstr. 78, ab. Die Vorstandssitzungen finden nach wie vor jeden Freitagabend 8 Uhr bei Franke. Pallisadenstr. 9, statt. Vorsitzender ist Max Hürtler, Nixdorf, Kirchhosstr. 1. Sämtliche Werkstatt-Angelegenhelten sind an die hier genannten Kollegen zu richten. Die neu errichtete Zahlstelle Friedrichsberg befindet sich bei Pietsch, Blumenthalstr. 1, und die Zahlstelle Warschauerstratze ist nach Nr. 10 bei Rettig verlegt. Der Vorstand. Deutsches Reich. In der Holzbearbeitungsfabrik von F. Bendix Söhne in Posen- Wilda dauert der Streik der Drechsler un- verändert fort. Die Firma bemüht sich. Arbeiter von außerhalb heranzuziehen. Wir warnen die Kollegen schon der äußerst miserablen Löhne wegen nach Posen zu kommen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Alle orbeiterfreundlichen Blätter werden um Nachdruck gebeten. Ein politischer Narrenabcnd. Die Ortsverwaltung Eilen- bürg des Deutschen Metallarbeiter- Verbands hatte einen Narrenabcnd arrangiert. Die Polizei verbot die Abhaltung desselben auf Grund des preußischen Vereinsgesetzes. Auf persön- liche Intervention des Vorsitzenden der Metallarbeiter wurde ihm erklärt, daß es sämtlichen Gewerkschaften so ergehen würde. Es sollte dies auch im vorigen Jahre schon geschehen, aber es wäre von feiten der Behörde— verpaßt worden. Auch nicht übel, daß jetzt ans einmal der Behörde einfällt, daß sie etwa«.verpatzt' habe. Die Metallarbeiter legen natürlich gegen die Maßnahme der Polizei- behörde Beschwerde ein. Ausland. Die fchlesisch-mährischen Bergleute, deren d r e i' bestehende Lokalvereine nur 835 Mitglieder aufweisen, haben am letzten Sonn- tag beschlossen, gemäß der Aufforderung der letzten vstreichischen Bergarbeiter-Konferenz die Lokalvereine aufzulösen und für das ganze Revier eine einheitliche Organisation zu gründen. Zum Schluß drückt die Konferenz der socialdemolratischen Reichsratsfraktion ihr volles Vertrauen aus. Den Pariser Damenschneidern, die sich bereits seit einiger Zeit im Streik befinden, sind die weiblichen Kollegen zu Hilfe ge- kommen; über 2000 Frauen und Mädchen haben sich dem Ausstand angeschlossen. Ihre Forderungen gehen in erster Linie dahin, den A ch t st u n d e n t a g zur Durchführung zu bringen; sodann ver- langen sie 6 bezw. 4,60 Fr. Lohn pro Tag. Die Streiks in Frankreich. Die Streikbewegung in Frankreich ist eine sehr lebhafte. In M o n t c e a u» l e s-M i n e S dauert der Streik der Bergac beiter noch immer fort, und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Soldaten, die man in der Zahl von einigen Tausenden nach Montceau gelegt hat, müssen in den Schachten arbeiten, damit diese nicht ersaufen. Auf Veranlassung des socialistischen Abgeordneten Boyer hat der Minister Waldeck-Ronsieau eine Untersuchung anstellen lassen über die Ursachen des Streiks. Diese ist schon zum Teil veröffentlicht; sie ist aber, da sich der Regierungsbeamte nur auf den Präfekten ver- ließ, der seinerseits wiederuni alle seine Informationen von der Direktion der Gruben erhält, sehr einseitig und parteiisch ausgefallen. Die Streikenden veranstalten alle Tage große Demonstrationen. In verschiedenen Stadtvierteln sind von dem Komitee Lokale gemietet, wo die Streikenden zusammen ihre Mahlzeiten verzehren. Die Ans- ständigen sind entschlossen, den Kampf weiter zu führen; in der Kammer werden die Socialisten wegen der parteiischen Haltung der Behörden(Präfekt und Gendarmerie) interpellieren. AuS Azincourt kommt die Nachricht, daß dort 600 Berg- leute die Arbeit eingestellt haben. Ihre Forderungen sind sehr geringe; sie beziehen sich nur auf die Menge der Hauskohlen für ihren Bedarf, auf die Tennine der Lohnzahlungen tc.; trotzdem hat die Direktion alle Unterhandlungen kurzerhand abgelehnt. In den beiden großen TabakSfabriken in Roskilde (Dänemark) streiken die dort beschäftigt gewesenen Knaben. Sie hatten eine Erhöhung des Wochenlohns von 1,60 Kr. auf 1,80 Kr., oder bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 30 Stunden 1 Oere mehr pro Stunde verlangt. Die vier Knaben, die den Fabrikanten die Forde- rungen überreichten, wurden entlassen. Ihre Kollegen erNärten sich mit ihnen solidarisch und legten sämtlich die Arbeit nieder. Eine Verhandlung zwischen den Eltern der Knaben und den Fabrikanten führte zu keinem Resultat. Wenn diese glauben, daß der Zu- sammenhalt unter den Streikenden nicht von langer Dauer sein wird, täuschen sie sich; zumal die Eltern der organisierten Arbeiter- schaft angehören und darauf sehen werden, daß ihre Kinder nicht zu Streikbrechern werden. Größere Ausstände scheinen sich in Dänemark vorzu- bereiten. In einer Reihe von Gewerben laufen die Tarif- gemeinschaften am 1. April ab. Teils sind nun diese Verträge von den Arbeiterorganisationen gekündigt worden, teils von den Organisationen der Unternehmer. In Kopenhagen fand kürzlich eine Sitzung von 15 Arbeitgeber- Verbänden und Aktiengesellschaften statt, in der beschlossen wurde, daß man entweder garnicht oder doch in so geringem Grade, wie nur möglich. Anforderungen der Arbeiter auf Lohnerhöhung entgegenkommen solle. Ferner solle nicht mit den Arbeitern eines Fachs allein verhandelt werden, sondern gleich zeitig wenn möglich mit allen in Betracht kommenden Organistv tionen.__ Ans der Frsuenbrmeguns. Im Verein der Plätterinnen Berlins wurde am 8. Februar mitgeteilt, daß sich der Verein der Plätterinnen in Lucka S.-Altenburg, an den hiesigen Verein gewandt hat mit der Bitte, den Zuzug nach dort fernzuhalten, da dort Differenzen bestehen. Zum' Maskenball am 23. Februar sind Billets im Arbeits Nachweis bei Teschna. Gollnowstr. 6, zu haben. Sociales. Die Schädlichkeit des Alkohols haben wir vor einiger Zeit ausführlich erörtert; es scheint aber an der Zeit, auf eine Industrie aufmerksam zu machen, deren Erzeugnisse geeignet sind, den gewöhn- lichen Alkohol an Schädlichkeit noch zu übertreffen. Wir meinen die Liqueur- und Branntweinrssenzen-Fabrikation, die sich gegenwärtig mit aufdringlicher Reklame breit macht und ihre Erzeugnisse in einer Weise anpreist, die nicht scharf genug zurück- gewiesen werden kann. Die Effenzen, diese„wohlthätigen und gesetzlich geschützten' Fabrikate, aus denen man sich angeblich für wenig Geld liter- weise„die herrlichsten und köstlichsten' Spirituosen herstellen kann, enthalten, wie man uns von sachverständiger Seite schreibt, durchweg Stoffe, die schwere Gesundheitsschädigungen herbei- führen können. Essenzen für Korn und Nordhänser enthalten im ivesentlichen Amhl- Alkohol, d. i. Fuselöl, außerdem etwas Rum- Aether und Essigäther, häufig auch Pfeffer und Paprika zur Erhöhung der Schärfe. Auch andre Essenzen, ivie zu Hamburger Bitter, Ingwer, Boonelamp. Daubitz zc. enthalten meist schwarzen Pfeffer, Paprika oder Paradieskörner; außerdem gewöhnlich Aloe, Lärchen- schwamm nebst andren Bitterstoffen, Amyläthern und ätherischen Oelen; Kirsch und Persiko enthalten meist giftiges Bittermandelöl. Zu der an sich schädlichen Wirkung der Essenzen kommt noch die thatsächliche Billigkeit und der Umstand, daß sich die Konsumenten durch die Umstände verleiten lassen, das Zeug literweise im Hause zu halten, ein Umstand, der den Anreiz zum Trinken zweifellos erhöht. Es sei deshalb vor diesen Fabrikaten ganz besonders gewarnt. Ueber den problematischen Wert der in Frankreich neuer- ding? als sociales RettungSmittel teilweise in Aufnahme gekommenen Gewinnbeteiligung der Arbeiter in industriellen Be- trieben spricht sich eine Unternehmer-Bcreinigung, die zu Mül- Hausen i. Elf. bestehende Industrielle Gesellschaft, sehr freimütig auS. Die Gesellschaft sagt in ihrem dieser Tage veröffentlichten offiziellen Bericht über die Sitzung vom 27. Dezember v. I. wörtlich: „Auf Wunsch des Ausschusses für gemeinnützige Zwecke haben die Herren Japy frsres u. Cie. in Beaucourt ein Exemplar ihres Statuts über Gewinnanteile ihrer Arbeiter übersendet. Der Vor- sitzende giebt daraus einen Auszug: Diese Anteile sind eine neue Art ObligationS-Aktien. welche den Arbeitern gestatten, am Gewinn des Werks teilzunehmen, in welchem sie beschäftigt sind. Sie be- tragen 100 Fr.(zahlbar in vier Raten), sind mit 4>/, Proz. ver- zinslich vor zedcm andern Gewinn und haben außerdem Anteil am event. Jnventorialgewinn. Da sie für den im Werke arbeitenden Arbeiter geschaffen worden find, können dieselben nur im Besitze von Mitarbeitern sein. AuS diesem Grunde sind sie weder übertragbar noch pfändbar und werden beim Austritt aus der Fabrik zum Nominellwert ausbezahlt. An dieser zu einem er- habenen Zwecke gestifteten socralen Einrichtung, sagt der Vorsitzende, scheint ein einziger bedeutender Punkt beim ersten Anblick tadelhaft: der mit Familie belade ne Arbeiter, der von feinem Verdienst nichts ermangeln kann, wird von der Einrichtung keinen Nutzen ziehen können. ES ist auch zu befürchten, daß dieselbe besonders den besser besoldeten Angestellten und Werkmeistern dienen wird. Auf alle Fälle wird der Ausschuß für gemeinnützige Zwecke die neue Einrichtung der Herren Japy frsres einem genauen Studium unterworfen und einen Bericht über diese interessante Initiative der Gefellschaft vorlegen." Viel Glück dazu— wie es aber scheint, werden die Mülhauser Fabrikanten es bei diesem Studium der„interessanten Initiative" vorsichtig bewenden lasten. Ein gewiffenloser Baumeister fand in München nach drei- tägiger Verhandlung vor dem dortigen Landgericht I milde Richter. Angeklagt war ein Baumeister und ein Maurerpolier wegen fahr- lässiger Tötung und Körperverletzung. Der Baumeister errichtete im Sommer vorigen Jahrs einen Nenvau, der, als das dritte Stock- werk hergestellt ivnrde, plötzlich einstürzte. Dabei wurden elf Arbeiter verschüttet und schwer verletzt, davon zwei tödlich. Der Einsturz wurde durch den Bruch zweier Bctonpfeiler herbeigeführt. Zwei als Sachverständige vernommene Professoren der technischen Hochschule stellten fest, daß die Betonpfeiler eine außerordentlich geringe Festigkeit hatten. Auf diesen Umstand hatte auch der Polier den Baumeister aufmerksam gemacht; er will aber die klassische Antwort erhalten haben:„Hanswurst, bau nur drauf, das andre geht Dich nichts an." Auch der städtische Baucontrolcur bekundete, daß ihm der. angeklagte Baumeister bei der Beanstandung ver- fchiedener Unregeimäßigkeiten erklärt habe, er lasse sich nichts einreden,' er baue, wie er wolle! Im übrigen fei es„kein Schade für die Hund», wenn sich auch zwanzig erfallen.'__' Trotz aller dieser Konstatierungen wurden die Angeklagten frei«' gesprochen, nachdem der Staatsanwalt erklärt hatte, er getraue sich nicht, ein Schuldig zu beantragen, weil eine Reihe von Baumeistern ihrem angeklagten Kollegen in Bezug auf die Solidität seiner bisher gelieferten Arbeiten ein gutes Zeugnis ausgestellt hatten. Jedenfalls lieferte die Verhandlung den Beweis, daß die gegen- wältige Art der Bau-Aufsicht durchaus unzureichend ist, da den' Bau- controleuren keine Exekutivgewalt zusteht. Eine Arbcitölosenzählnng hatte der Centralverein der Bild- Hauer für die Zeit vom 1. Oktober bis 31. Dezember 1900 ver- anstaltet. Das hierbei in Leipzig erzielte Resultat hat selbst die Vermutungen derjenigen Personen übertroffen, die von den örtlichen Verhältnissen ziemlich genau unterrichtet und von dem Nieder- gang der geschäftlichen Konjunktur schon seit langer Zeit über- zeugt waren. Es sind 219 Zählscheine ausgegeben worden, wovon 196 ausgefüllt worden sind. Arbeitslos waren während dieser Zeit von 106 Holzbildhauern 43 zusammen 1008 Tage, von 39 Steinbildhauern 26 zusanimen 486 Tage, von 48 Modelleuren bezw. Gipsbildhauern 27 zusammen 630 Tage. Von 196 Berufs- angehörigen sind demnach im letzten Quartal v. I. 96 2123 Tage arbeitslos gewesen, das sind insgesamt etwa 7 Jahre oder 84 Monate. Auf einen Arbeitslosen entfallen im Durchschnitt 22*12 Tage. Dabei muß noch berücksichtigt werden, daß sich 23 Personen an der Zählung nicht beteiligt haben, ferner, daß der Geschäftsgang erfahrungsgemäß in den letzten Monaten Verhältnis- mäßig günstiger ist als in den ersten Monaten des Jahrs. Metzle AALzvichken und Depeschen. Gegen den Brotwuchcr. Breslau, 14. Februar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Stadtverordneten-Versammwng beschloß heute abend, an Reichstag, Reichskanzler und Bundesrat eine Petition gegen die Erhöhung der Getreidezölle zu richten. Oestreich in China. Wien, 14. Februar. Das„K. K. Telegr.- Corresp.- Bureau' meldet aus Peking: Entsprechend dem Vorgehen andrer Mächte sicherte sich die östreichisch- ungrische Regierung die Erwerbung eines Settlements in Tientsin behufs der Errichtung eines Kon- sulatS und für Niederlaffnngcn von Staatsangehörigen und deren Unternehmungen. Im Auftrage des östreichisch- ungrischen Gesandten in Peking wurde ein etiva 0,6 Quadratkilometer großes. am Kaiserkanal gelegenes Terrain im Namen Oestreich-Ungarns besetzt, wovon der Kommandant des östreichisch- ungrischen MarinedetachemcntS alle Konsulate sofort schriftlich verständigt hat. Ueber den Preis, die Bedingungen und Ablösungen, respektive die Expropriierung, sind Verhandlungen mit China eingeleitet. Die Knlturfordcrungc» der Khakimächte. New Uork, 14. Februar.(Meldung deS„Reuterschen BureauS'.) Eine hier eingetroffene Depesche aus Peking vom 13. Februar meldet: Der Kaiser hatte an die Gesandten das Gesuch gerichtet, sich damit einverstanden zu erklären, daß sich die schuldigen chinesischen Würdenträger selbst das Leben nehmen. Nachdem aber schon drei Würdenträger sich geweigert haben, diesen Schritt zu thun, hat der Kaiser sein Gesuch wieder zurückgezogen. Der Kaiser hat nun Tsching telegraphisch mitgeteilt, daß,' als der Hof den Bedingungen der Note zugestimmt habe, in dieser nur eine den von den chine- fischen Beamten begangenen Verbrechen angemessene Bestraftmg derselben verlangt worden sei. und daß folglich, wenn die Hauptschuldigen auch den Tod verdienten. die andren doch in andrer Weise zu bestrafen seien. Die Gesandten erwiderten hieranf, daß auch die am wenigsten Schuldigen den Tod verdienen und daß alle mit dem Tode zu bestrafen seien, da es keine schlimnlere Strafe gebe._ Die Unruhe» in Madrid. Madrid, 14 Februar. Die Trauung der Prinzessin von Aswrien mit dem Prinzen von Caserta ist heute vollzogen worden. Kavallerie-Patrouillen durchziehen fortwährend die Straßen, doch haben neue Kundgebungen nicht stattgefunden. Unter den Manifestanten, gegen ivelche gestern die Gendarmerie vorgehen mutzte, befanden sich ciuch ein Kriegskommiffar und ein Lieutenant in Uniform, eine Untersuchung ist eingeleitet.— Die Vorstellung von Galdos„Electra" im Teatro espauol ist für heute nachmittag verboten worden. Im Laufe der Nacht wurden etwa hundert Personen ver- haftet. Die Ruhestörer gaben in verschiedenen Straßen Revolver- schüsse ab. Zahlreiche Gaslaternen wurden zerbrochen. Fast den ganzen Vormittag waren nach Verkündigung des Belagcrungs- zustandS die Straßen menschenleer. Die beherrschenden Punkte der Stadt wurden militärisch besetzt. Die Blätter melden, daß der Graf von Caserta und seine Familie morgen wieder nach Frankreich ab- reisen werden._ Transvaal im englischen Parlament. London, 14. Februar. Unterhaus.(W.TB.) Forsterweistin der Begründung des Adreßentwurfs darauf hin, daß die Sympathie- kundgebungen des deutschen Kaisers persönlichen und nicht politischen Empfindungen entsprächen. Im Oberhanse eröffnet Lord Kimberley die Adreß- debatte und nimmt Bezug auf die mannhafte, würdige Erklärung des Königs, in den Fußtappen der entschlafenen Herscherin, wandeln zu wollen. Redner bespricht hierauf hauptsächlich den südafrikanischen Krieg. Die Oppositton sei über die Art und Weise, wie neuerdings der Krieg von der Regierung geführt werde, äußerst unzufrieden. Die Lage der Dinge in Südafrika erfülle ihn mit Besorgnis. Die erste Aufgabe der Regierung sei, den Widerstand des Feinds zu überwinden. Zu diesem Zwecke dürfe kein Geld gespart werden. Salisbury führt zur Transvaalfrage aus; Wenn der Feind irgend einen Teil seiner Unabhängigkeit behalten dürfte, würde dies ein unaufhörliches, beständiges Kriegführcu nach sich ziehen. Wie die Geffchle in jenen Gebieten geartet sind, ist es klar. daß, wenn wir nicht Herren und Sieger sind, keine Hoffnung auf dauernden Frieden vorhanden ist. Es ist vollkommen klar, daß der Feind irgend welche Mackit. die ihm zugestanden wird, vor allem dazu ver« wenden ivird, neue Kräfte, neue Waffen zu sammeln in Vorbereitung eines bei geeigneter Gelegenheit auszuführenden erneuten Angriffs. Wenn England zuließe, daß seinen Anstrengungen der schließliche Triumph fehlt, so würden wir der Welt zugestehen, daß unsre Grenzen in der verletzendsten Weise überfallen werden könnten und daß wir machtlos wären, wirksamen Widerstand zu leisten. Und wenn wir dies der Welt einmal verkündet hätten, wie lange würde das herrliche Kolonial- reich geschützt sein vor Angriffen jedes mißvergnügten Volks, das wünschen könnte, von Englands Schwierigkeiten Nutzen zu ziehen. De Wct in der Kapkolonie. London» 14. Februar.(W. T. B.) Die Abendblätter melden an? Kapstadt: Die hiesige Regierung und die Behörden erhielten die Nachricht, daß Christian De Wct und Präsident Stejin in die Kapkolouic eingedrungen seien und sich PhilippstownS bemächtigt hätten. Gestern seien dieselben von britischen Truppen angegriffen und mit Verlust ans der Stadt wieder vertrieben worden. Werantwottl. Redacteur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max vading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u Leipzig, 14. Februar.(W. T. B.) Hier wurden zwei Falsch- münzer verhaftet, welche im Begriffe waren, falsche Zehngulden- Noten herzustellen. Mitschuldige in Böhmen find gleichfalls fest- genommen. Wien, 14. Februar.(W. T. B.) Unter den im Abgeordneten- hause eingebrachten Interpellationen befindet sich eine solche LindnerS betreffend Wahrung der heimischen Industrie bei Erneuerung der Zoll- und Handelsverträge und betreffend Schaffung eines mittel- europäischen Zoll- und HandelsbündnisseS, oder wenigstens eines Zoll- und HandelsbündnisseS mit dem Deutschen Reiche.__ Uuterhaltungsblatt. Dr. 39. 18. Jahrgang. 1. Kilige des Jotmätle" ßttliittt pMIntt 15. lebrnat 1901. Abgeordnekenhaus. 26. Sitzung vom 14. Februar 1901.. 11 Uhr. Präsident v. K r ö ch e r eröffnet die Sitzung. Am Ministertische: Frhr. v. Rhein baben, fkommiffare. Die Beratung des Etats des Ministeriums deS Innern wird fortgesetzt. Abg. Dr. Barth(frs. Vz.s: Die Diskussion hat sich im wefentlidjen mit zwei Materien be fchäftigt, mit der Theatercensur und der Bestätigung bczw. Nicht besiätignng von Koninmnalbeamten. So verschiedenartig aber auch die beiden Dinge sein mögen, so haben sie doch eine innere Vec- waudtschast miteinander und diese Verwandtschaft bekam noch einen intimeren Zug durch die Art, wie der Minister hier die beiden Fragen behandelt hat. Er hat die Frage der Nichtbestätigmig unter dem Gesiwtspunkt der Politischen Censnr behandelt. sSehr gut! links.) Derselbe Geist, der in der littcrarischen Censur Geltung bekommen hat, kommt nun auch in der tandhabnng des Bestätigungsrechts zum Ausdruck. Der Minister at die Theatercensur als ein sehr wichtiges Hohcilsrccht bezeichnet und um Emphase erklärt, dag er es niemals ans der Hand geben könne. Ich verstehe diese Borliebe für die Censur nicht. Denn überall, wo diese Institution besteht, hat sie noch die betreffende» Behörden kompromittiert. Das liegt nicht an der Person des jeweiligen Ccnsors— der jetzige Berliner Censor wird seine � Sache auch nicht viel schlechter machen, als sein Vorgänger— cS liegt im Wesen der Crnsnr, daß sich dir Ccnsoren blamieren müssen.(Sehr gut links.) ES giebt zwei Sorten vim Censoren, die faulen Eensoren, die sich um die Sache ivenig kümmern, das sind die besten sHeiterkeit), und die eifrigen Censoren, die dann einen , Mihgriff»ach dem andren begehen. sErneute Heiterkeit.) Wie sollte es auch anders sei». Der Censor soll es allen recht machen und in diesem Bestreben macht er es zuletzt niemand recht. Grade»nsre gröfften Dichter haben ihre Kraft eingesetzt, die allcrschwierigstcn psychologische» und die allerbedenklichstcn nioralischen Erscheinungen des Lebens ans die Bühne zn bringen und sie psychologisch zu ep klären. Das liegt im Wesen der Dichtung. Wird also vom Censor ein Verbot ausgesprochen, so fordert das beanstandete Werk immer zn Vergleiche» mit Werken der klassische» Littcratnr heraus Beim Verbot von Hauptmanns„Webern" dachte man, inwill- kürlich an Schillers„Räuber". In Hauptmanns„Biberpelz", so könnte ein Censor sagen, tvird geradezu der Diebstahl verherrlicht. Es kommt in dem Stücke die Verhöhnung eines Amtsvorstehers vor, wie sie stärker nicht gedacht werden kann. Trotzdem habe man er» 'freulicherweise keinen Anlaß daraus genommen, das Werk zn vcr- biete». Bei Hauptmann hat man sich glücklicherweise daran gewöhnt. ch» als einen Dichter anzusehen, aber andere Schriftsteller iverde» noch immer mit dem kleinliche» Maßstab gemessen.(Sehr richtig! links.) Der Minister sprach gestern von einem Berge von Schmutz. den die eingereichten Tingeltangelgedichte bilden. Er hat uns ein solches Gedicht zur Verfügung gestellt. Es heißt Ter meschuggenc Jungliug"(Große Heiterkeit). Es ist ein minderwertiges Prodult, aber schmutzig ist es nicht. Es ist gleichgültig, ob so etwas gesungen werden darf oder nicht. Aber es ist ein harmloses Machwerk. Es kommt darin eine Stelle vor, Ivo vom Z e i g e n d e r W a d e n die >. Rede ist. Diese Stelle hat der Censor ansgcnrerzt. Aber auf den �offrälleu ist doch eine Tracht vorgeschrieben» die ebeufalls die Waden sehen läßt.(Heiterkeit.) Von der littcrarischen Censur will ich nun' zur politischen Censur übergehen. Der Minister hat da einen Standpunkt cnt- wickelt, der uns ja nicht ganz unbekannt war, durch die Art aber, wie er ihn vertrctenhat, doch einen Erfolg derllebcrraschuiig erzielt hat. Ich will »nlch bloß an das halten, was der Minister in den Nichtbcstätigungs» Angelegenheiten selbst zugestanden hat. Er hat da. zunächst emen grundsätzlichen Unterschied zivischen den«oeialdemo- krate» und allen übrigen politischen Parteien gemacht. Ich verstehe nun nicht, wie der Minister dazu kommt, eine ganze Partei von Kommnnalämter« auszuschlieffen, die doch nicht mehr unter einem Ausnahmegesetz steht und denselben Anspruch aus Stellen im Staate erhebe» kann, ivie jede andre. Ich meine auch, mit Rcprcssivniaßregeln gegen die Socialdcmokratie richtet man nichts aus. Man hat es ja versucht mit dem Socialistengesetz ztvöls lange Jahre und die Socialdemolratie ist nur enonn gewachsen. («sehr richtig! links.) Was für mich aber noch mehr in die Wag- .schale fallt, ist das: Die Socialdemotratie hat bei der letzten Reichs- tagSwahl den vierten Teil aller abgegebenen Stimmen aus sich vereinigt. Wie kann man den vierten Teil der Bevölkerung einfach für mindere» Recht« erklären? Die ganze Maßregel balle rch für falsch. Gerade wer will, daß die Socialdemokratic an ihren utopischen Plänen für den Zukunftsslaat festhält, der muß sie von der Verwaltung des realen Gegenwartsstaats fernhalten. Wer das Gegenteil will, muß ihnen Gelegenheit zur Bethätigung im heutigen StaatSleben geben. Der reale Boden der Thatsache ist dos beste Mittel für die nicht- revolutionäre Entwicklung.(Große U n ruhe rechts, Abg. Richter ruft: Absichtliche Ttörnng! Der Präsident riihrt� sich nicht.) Die andren Parteien ivill der Minister nicht grundsätzlich von kommunale» Aemtern ausschließen. Nur was zur Socialdemokralie neigt(Heiterkeit), ivird auch nicht bestätigt. � Die Erkennbarkeit des Hinneigens zur Socialdcmokratie hängt mm sehr vom snbjcklive» Gefühl ab. Vielleicht kommt der Minister nächstens zu der Ansicht. daß der ganze Freisinn eigentlich zur Socialdcmokratie hinneigt (Heiterkeit links) und es wird dann kein Freisinniger mehr bestätigt. I» dem Fall Lautenschläger ist der betreffende direkt danach gefragt worden, ob er in einem bestimmten Falle für die Soeialdcmokratcn stimmen würde. Er hat geantivortet, daß ein solcher Fall wohl ein- mal cinircten könnte. Er hat also die Theorie vom kleineren llcbel entivickelt, und das genügte zn seiner Nichtbestätigmig. (Rufe links: Unerhört! Große Unruhe rechts, Glocke des Präsidenten. Rufe links: Ah!) Es ist doch aber schon vorgekommen, daß Konservative in der Stichwahl den Socialdemokraleii gewählt haben. Ich habe an meiner eignen Person in dem Wahlkreise Rostock diese Erfahrung gemacht, und vielfach sind ja auch die Social d cm otraten direkt Regier tingspartei, sie sind keine Kanalgegner, sie sind Handels« v e r t r ag s fr e u n d e. Ich erinnere an den Regierungspräsidenten von Magdeburg, der offen erklärt hat, es seien ihm zehn Social- dcmvlraten lieber als ein Freisinniger, und ich habe nicht gehört, daß der damalige Minister v. Puttkamer, der doch auch aus dem- selben Holze geschnitzt ist wie Herr v. Rheinbaben, daran Anstoß genommen Hütte. Nicht einmal ein Kolloquium,>vie es der Kollege Krieger bestehen mußte, ist mit Herrn v. Puttkamer gehalten worden.(Sehr gut! links.) Aus alledem erhellt doch. daß der Minister die Dinge recht ungleich ansieht, j« nachdem eS sich»m einen Agrarier und ein Mitglied der Rechten oder um einen Mann der Linken handelt. Der Fall Palombini spricht ja Bände, und hier handelte es sich nicht um einen Kommuualdeamten, sondern um einen direkten Staatsbeamten. Herr Palombini war Amtsvorsteher und KreiSvorsitzender des Bundes der Land- 'Wirte, bei dem er jedenfalls die Urbanen Formen, die in seinem Flügblatt zum Ausdruck kommen, gelernt hat. -Der Minister führte als Entschuldigung für Herrn Palombini an. daß er das Flugblatt mit den rohen Ausdrücken nicht selbst verfaßt, sonder» nur unterschrieben habe. Das ist ja aber noch schlimmer. 'Ich kann mir denken, daß jemand in leidenichaftlicher Erregung ein solches Flugblatt verfaßt, aber wenn er cS mit kaltem Blute nur unterschreibt,� so ist das wirklich nicht zu entschuldigen. Der Fall Palombini ist aber sehr charakteristisch für die ganze Haltung der Regierung und er cigffet sich gut für ein Vertrauens« votum der Rechten für den Minister. Warum soll der Minister des Innern hinter dem Justizminisler zurückstehen (Heiterkeit.) Der Antrag könnte lauten: Wir wünschen, daß nur Männer mit Urbanen Formen bestätigt werden, die die Meinung des Gegners im politischen Kampfe respektieren und er- warten, daß diese Grundsätze bei den Maßnahmen des Ministers Geltung haben und Herr v. Zedlitz könnte dann dem Antrag durch sein Amendement„wie bisher" erst die richtige Bedeutung geben. (Große Heiterkeit.) Wenn es nicht zum Vertauens- votum käme, so wäre ja das eigentlich ein Ri iß- t r a n e n s v o t u m.(Sehr gut! links.) Was Herrn Schönstedt recht ist. ist doch Herrn v. Rheinbaben billig.(Heilerkeit). Der Fall Palombini zeigt, wie milde die Regierung gegen ihre politischen Vcamtcn sein kann. Wir haben das ja auch bei den Landräten, die gegen den Kanal und die Handelsverträge agitiert haben, gesehen. Die Herren dürfen die Regierung heftig angreifen, aber wenn Herr Kollege Krieger einmal einen historischen Rückblick auf die Konflikts- zeit wirst und dabei den ganz selbstverständlichen Ausdruck„Per- faffnngsbruch" gebraucht, so macht er sich beinahe unwürdig, Direktor der Königsberger Elektricitätswerke zu sein. Die Elcltricität könnte ja einen freisinnigen, beinahe nmstürzlerischen Charakter annehmen. Das versteht man im Lande nicht. Ebenso wie die Aeußerung des Ministers über den zur Socialdemolratie neigenden Verein Waldeck in Königsberg nicht verstanden werden ivird. Die ganze Stellungnahme des Ministers ist ein Ausfluß der Anschauung, daß es nichts Gefährlicheres giebt, als eine auch nur leise Berührung mit der socialdemolratischen Partei. Wir werden jetzt, wo der Zolltarif im Vordergrund der politischen Interessen steht, gewiß oft in die Lage kommen, zwischen einem Agrarier nnd einem Socialdemokraten zn wählen, und ich bin gar nicht ini Zweifel, daß sehr viel Freisinnige für den Socialdemokraten eintreten werden.(Rufe rechts: Das haben Sie ja schon längst gethon!) Und ich stehe gar nicht an, für meine Person zn erklären, daß ich alles thuu werde» um meine Parteisreuude zum Eintrete» für de« Soeialdemokraten zu gewiuueu.(Rufe rechts: Na also I Heiterkeit lints.) Jawohl, ich nehnie eben eine andre Stellung gegenüber der Socialdemokralie ein, und wenn ich mir vergegenwärtige, wie dieses politische Phänomen in der ganzen Welt in' die Erscheinung getreten ist, wie in Frankreich sich die Regierung garnicht gescheut hat, um den Staat zu retten, sogar einen soeialdemokratische» Minister bei sich auf- zunehmen, und wenn ich nur diese politische Haltung des Ministers der Socinldcmokrätie gegenüber ansehe, so komme ich immer mehr und mehr zu der Ueberzeugung. daß er diese große Bewegung so verstanden hat. wie die' Censur den„meschuggenen Jüngling". (Große Heiterkeit und lebhafter Beifall links.) Minister v. Rheinbaben: Der Abg. Barth hat vorhin den Ausdruck gebraucht, einige meiner Maßnahmen hätten auf ihn einen ridiculcn Eindruck gemacht. Ich muß es ablehnen, ans das Niveau dieses Tons herabzusteigen.(Oho I links.) Was die BcstätiguiigSfrage anlangt, so will ich noch einmal ausdrücklich erklären, daß ich mit Ausnahme der Soeialdemokratie jeder andren politischen Partei ihr Recht lasjen will. Unter den von mir bestätigten Beamte» sind eine große Anzahl freisinniger Leute. Man braucht sich ja auch nur im Lande umzusehen. Da giebt es Dutzende und Aber- dutzende von freisinnigen Bürgermeistern und Magistratsmitgliedern. Ich begreife nicht, ivie man nun gerade mir einen Vorwurf machen kann. Ich bin es gewesen, der für die Bestätigung zweier freisinniger Männer in den hervorragendsten Verwaltmigsposten der Stadl Berlin eingetreten ist, und nnt Erfolg. Nicht die Zu- geHörigkeit zur sreisinnigen Partei, sondern das agitatorische Ver- halten, welches sich die Herren haben zu Schulden kommen lassen, war für rnick entscheidend. Das Verhalten des Herrn Palombini billige ich nicht, aber der Herr ist vom Kreistag und den Provinzial- behörden einstinmiig gewählt worden, wie sollte ich d a die Bestätigung verweigern? Anders war es mit dem Fall Düllo. Dort hatte der Regiernngspräsident die Bestätigung versagt, und der VezirkSailsschuß war diesem Votum einstimmig beigetreten. Da mußte ich eS mir doch zehnmal überlegen, ob ich gegen dieses Votum Front machen sollte. Das Flugblatt hat Herr Palombini nicht versaßt; es war von außen importiert worden, und er war nicht der Angreiser, sondern der Angegriffene. Ein Agitator des Vereins„Nordost" hat ihn sogar in keiner Ehre als Amtsvorsteber beleidigt und ist dafür mit 50 M. Geldstrafe belegt worden. In dieser gereizten Stimmung hatte er das Flugblatt unterschrieben. Nun komme ich zu dem Hauptpunkt meiner Stellung gegenüber der Soeioldemokratie. Ich kann es ja dem Abg. Dr. Barth nachfühlen, daß ihn meine Anssassung schmerzlich berühr! hat. denn er ist ja im Begriff, eine dauernde Ehe mit der Socialdemokratie einzugehen, und es muß ihn schmerzen, wenn ich seine bessere Hälfte schlecht behandle.(Große Heiterkeit.) Er wünscht ja sogar, daß hier in das Haus Socialdemokraten«intreten. Eine so große Selbst- Verleugnung hätte ich ihm eigentlich gar nicht zugetraut. Denn wenn das geschieht, dann werden wir bald auf das Vergnügen verzichte» müssen. Herrn Dr. Barth hier zu sehen.(Heiterkeit.) Es wird nicht so wie in der Fabel kommen, daß sich die beiden Löwen gegenseitig auffressen und nur die Schwänze übrig bleiben (Heiterkeit), sondern Herr Barth Ivird allein aufgefressen werden. (Große Heiterkeit.! Von Herrn Barth unterscheidet mich hier eine grundjätzliche Auffassung. Ick habe lebhaftes Interesse für die Besserung der Lebenslage des kleinen Mannes. Ich will alles thun. was zur Verbesserung der Wohnungsverhältnisse geschehen kann usiv., aber von diesen Bestrebungen ganz getrennt ist es doch zu halten. ob man einen bewußten Anhänger der Socialdemolratie in ein obrigkeitliches Amt berufen kann. Und da werde ich imnicr nein sagen. Ich verstehe nicht, wie man das überhaupt von mir verlangen kann. Tie Soeialdemokrateu sind doch grundsätzliche Gegner des Staats, sie können doch also nicht als Stütze dieses Slasls ein Amt bekleiden und wer den Schein erweckt, dem werde ich die MaSke vom Gesicht reisten nnd ihn nie für ein kommunales Amt bestätigen.(Lebhafter Beifall rechts, Zischen links.) Abg. Dr. MidzerSki(Pole) beschwert sich über BerwaltungSmastnabmen in Posen, die die polnische Bevölkerung wirtschaftlich zu Grunde richteten. Es sei ja bedauerlich, daß einzelne polnische Blätter thörichte Artikel brächten, aber sie seien aufgereizt durch die Politik der preußischen Regierung. die den Polen die Muttersprache rauben wolle. Dem H. K. T.-Bercin gehörten sogar Beamte nnd Richter an; das sollte der Minister nichl dulden. Würde er denn etiva erlauben, daß sich polnische Beamte einem Verein anschlössen, der sich die Förderung des Polentnms zur Aufgabe machte. Redner beschwert sich weiter über die Umtaufung historischer polnischer Ortsnamen in der Provinz Posen, im Regierungs- bezirk Broinberg usw. Ein RegierungSkommiffar verteidigt die Namensänderungen. Die Regierung wende der polnischen Presse ihre volle Aufmerksamkeit zu.(Gelächter links.) Abg. Dr. Becker(C.): verteidigt die Theatercensur. Wenn Kollege Barth einmal Censor würde, würde er sich nicht blamieren.(Heiterkeit im Centrum.) In der Bestätigungsfrage kann ich dem Herrn Minister nur meine Nebeeeinstimmung mit seinen Anöführungen ausdrücken. Social- demokratcn dürften natürlich nicht in einer amtlichen Stellung bestätigt werden, denn sie bekämpfen offen die jetzige Staatsordnung. Wie könne man bei einem erklärten Socialdemokraten voraussetzen, daß er die StaatSgesetze beachtet und ihre Ausführung überwacht? Wünschenswert sei nur. daß oie untergeordneten Provinzialbchörden die erfreulichen Ansichten des Ministers über die Notwendigkeit paritätischer Behandlung beider Konfessionen sich zu eigen machten. Redner verbreitet sich über das Fürsorgegesetz und wünscht, daß die entlassenen Zöglinge nicht in die vergiftete Atmosphäre der Groststädtc zurückgesandt würden.(Sehr richtig im C.) Abg. Dr. v. Heydebrandt(f.): Wir sind mit den Grundsätzen, die der Herr Minister beim Be» stätigungsrecht zn kommunalen Aemtern walten läßt, vollkommen einverstanden, auch damit, daß die Zugehörigkeit zu einer der Parteien dieses Hauses keinen Grund für die Nichtbestätigmig bilden darf. Zweifellos richtig ist auch die Nichtbestätignng von Socialdemokraten und solcher Leute, die zur Socialdemokratie hinneigen. Soll man denn etwa warten, bis der Mann wirklich Socialdemokrat geworden ist?(Lachen links.) Der Brunnen muß doch zugedeckt werden, bevor das Kind hineingefallen ist. Die Auffassung des Herrn Dr. Barth über die Socialdemokratie ist rein akademisch und für die Praxis nicht brauch- bor. Er ivill ihr entgegenkommen, will sie aufnehmen; was hat er damit erreicht? Die' großen Städte sind ganz in die Hand der Socialdemokratie geraten. Wo wir sitze», giebt es keine Soeialdemokratie.(Große Heiterkeit links. Rnse: M e ck l e n- bürg! O st p r e u ß e n!) Wir verstehen die praktische Bekämpfung der Socialdemokratie viel besser als Sie. Ueber Ihre Interessen wird die Socialdemokratie zur Tagesordnung übergehen, vielleicht etwas später als bei uns. Wenn das Haus brennt, dann ergreift das Feuer auch den Oberstock, sobald der Unterstock, sobald ivir ver- nichtct sind.(Bravo! rechts.) Das Zusammenwerfen von Agrariern und Socialdemokratie fängt auf die Dauer an. langweilig zu werden.(Große Heiterkeit rechts.) Ich halte Herrn Barth für einen sehr geistreichen Mann. (Lachen rechts), er sollte das doch endlich lassen. Es ist doch etwas ganz andres, wen» eine wirtschaftliche Richtung, wie die Agrarier. einzelne Maßnahmen in der Regierung bekämpft, als wenn die Socialdemokratie den Staat als solchen bekämpft. Ihr Verhältnis, Herr Dr. Barth, zur Socialdemokratie sollten Sie doch lieber mit dem Mantel der Liebe bedecken. Die Agrarier sind doch schließ- lich auch Arbeiter(Lachen links), und Sie, der Sie ja für die Interessen der Arbeiter eintreten wollen, sollten auch für die Agrarier eintreten. Ich hoffe, daß Herr Barth seine Auffassung noch korrigieren ivird. Abg. Richter(frs. Vp.): Zunächst ein Wort zn Ehren des Manns, dessen Ehre von dem Minister z» Unrecht beleidigt worden ist. Er hat behauptet, daß der Stadtverordnete Ehlers in Bnnzlnu als Ratsmann nicht bestätigt worden ist, weil er zivanziginal exekutiert, scchzehnmat gepfändet nnd viermal fruchtlos gepfändet worden ist. Ich habe mich sofort telcgraphisch erknndigr, ob diese Behauptungen richtig sind. Meine Anfrage ist von den verschiedensten Seilen mit größter Berwunderuug und Entrüstung über die Behauptungen des Ministers beanlivortet worden. Die angesehensten Männer, so der frühere Bürgermeister Salomon, die Stadträte Hoppe und Bischof, der Siadtver'ordiietcii-Vorsteher Hauptmann haben mir Auskunft über Ehlers gegeben, der noch heute der Stadtverordiieteii-Versamnilmig angehört. Es wird mir berichtet, daß Ehlers seit 15 Jahren in Bnnzlau ansässig sei und dort die„Zeitung für die Thonwaren- Industrie" herausgebe. Er hätte Mittel zwar nicht zur Verfügung gehabt, man habe aber nie gehört, daß er seinen Verpflichtungen nicht iiachgekomnien wäre. 'Dem Stadtverordneten- Vorsteher Hauptmann hat Herr Ehlers auf Wort und Geivissen erklärt, daß in den Jahren 1895 und 1896 in seiner Abwesenheit je einmal eine Pfändung vorgenommen worden sei. Es habe sich gehandelt um Beträge von 2,60 M. und 12 M., die er nach seiner Rückkehr sofort berichtigt hätte. Im Jahre 1897 habe der Gerichtsvollzieher einen Kostenbetrag zwangsweise bei ihm erhoben, eine Pfändung habe aber nicht stattgefunden. Es sei niög- lich. daß ein ähnlicher Fall sich noch einmal ereignet habe. Seit 1897 aber habe er sich nickt mehr in einer ähnlichen Lage befunden. (Hört! hört! links.) Bei Männern, die viele Geschäfte haben, soll es oft vorkommen, daß sie die Begleichung kleiner» Kosten- rechnnngcii der Gerichte vergessen. In den letzten Jahren ist aber derartiges nicht mehr vorgekommen.(Rufe links: Da lacht der Minister!) Ach. das ist ja ganz gleich. Die Briefe des Hevrii Ehlers kann ich hier nicht verlesen, von solcher Entrüstung über die unwahre Schilderung sind sie. Der Herr Minister kann daraus ersehen, wie wenig er sich oft ans amtliche Berichte verlassen darf.(Lebhafte Ziistiininiaig links.) Aber auch ihn trifft die Schuld.(Sehr richtig! links.) Er sollte sich jagen, daß eine Stadt- verordneten-VersammIniig in einem so kleinen Orte, wo die Verhält- nisse des Einzelnen genau bekannt sind, nicht einen Mann zum Rats- mann wählen wird, der einen so üblen Ruf hat, wie ihn Ehlers haben müßte, wenn die Angaben richtig wären. Und eine Nänbergemeinde könme ja einen am Rande des Bankrotts stchendeii Mann wählen. (Sehr richtig! links.) ES ist auch falsch, daß Herrn Ehlers das Decernat über die Vermögensverwaltung zugedacht war. Herr v. Heydebrandt hat sich über das K r o n r e ch t noch ministcriellcr geäußert als der Minister. Für die Ausübung eines solchen Recht?' trägt der Minister unter allen Umständen die Ver« antwortniig. Ich habe nickt behnnptct, ivie der Minister mich sagen läßt, es seien Männer deshalb nicht bestätigt ivordcn, weil sie frei- sinnig seien. Ich habe vielmehr gesagt: Wenn diese Männer unter gleiche» Verhältnisse», auch in Bezug ans die Agitation, der konser- vativen Partei angehört hätten und nicht der freisinnigen, dann wären sie bestätigt wvtden.(Sehr wahr! links.) Am charakteristischteil ist die Gegenüberstellung des Falls Palambini mit dem Fall Düllo. Auch der Fall Salomon' in Schlüchtern ist noch näher anfziiklären. Seine Frau ivar sein nächster Schntzbefohleiier, nnd wenn er zur Ver- tcidigung ihrer Ehre einen Schritt ivcilcr ging, als es richtig war, so ist das verzeihlicher a>? ein AintSniißbrauch. Und warum ist Salomon denn als Bürgermeister von Schlüchtern bestätigt worden? (Sehr richtig! links.) In Ebersivaldc ist der Stadtrat Lautenschläger nicht bestätigt worden, weil er aufgefordert haben soll, einen Social- dcinokraten zu wählen. Der Mann ist mir seit 20 Jahren als ge- treuer Parteigenosse bekannt. Er hat bei der Stichwahl erklärt, daß dem kleineren Nebel, dem Socialdemokraten,»»gern der Vorzug gegeben werden müsse. Ans demselben Grunde hat der Polizei- Präsident von Magdevnrg die Wahl eines Socialdemokraten gegen meinen Parteigenoffen Büchtemaiin rmpfohlen. Achnliches hat sich in Hannover, Franksurt a. M. und andren großen Slädtc» zugetragen. Ueberhanpt ist die Socialdemokratie in allen diesen Städten nnr deshalb zum Siege gelangt, ivcil sich die Konservativen für sie er- klärt haben bei den Wahlen. Hat nicht der Minister Putkanier hier gesagt,„wen» bei der Stichivahl— es handelte sich um die Stadtverordneten- Wahlen— ein Schntzmann einem Socialdcmo- traten vor einem Freisinnigen den Vorzug geben sollte, so würde ich das dem Schutzmann nicht verübeln".(Hört! hört! links.) Man kann der Socialdemokratie auch dadurch nütze», daß man sich der Wahl enthält. Und das thun die Koiffervativen. Der z Ivette und dritte Berliner Wahlkreis wäre ohne diese Art konservativer Unter st ützung nie in die Hände' der Socialdemokraten gefallen.(Sehr richtig! links.) Herr v. Heydebrandt sagt: Die großen Städte sind der Socialdemokratie verfallen, aber auss Land kommen sie nicht. Oh. sie sind ja schon da(Heiterkeit links), ivartcn Sie nur, Ostpreuße» wird itzne» bald ganz gehöre».(Sehr richtig! links.) Mecklenburg, ihr Jdealland, habe» sie schon ganz i» der Tasche, und nur wir Freisinnigen leisten noch Widerstand.(Sehr richtig! links.) Dem Fall Düllo hat der Minister den nötigen schauerlicheir Hinter- grund»ntcr Hinweis ans den Verein„Wnldeck" gegeben, der die Leute, die ans der Grenze des Uebergangs zur Socialdemokratie stehe», der freisinnigen Partei erhalten ivill. Ja, das sollten Sie doch eher prämiieren.(Sehr gut I links.) Der Verein„Wolbeck" soll auf dem Programni der demokratischen Partei stehen. Keimen Sie beim dies demokratische Programm, Herr Minister?(Heiterkeit links.) Kudj daZ demokrntische Programm steht auf dem Boden der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung. In Frankfurt a. M. mühten sie ja die ganze kommunale Berlvaltung desorganisieren, wenn sie die Demokratie für Socialdemokratie Kalten. Im Verein„Walded" aber WH ein unbekannter Redner zum Kampf bis aufs Messer gegen die Regierung aufgefordert habe». Wenn die konservativen Beamte» für alle unsiunigeu Aeuherungen, die in konservativen Vereine» fallen. verantwortlich gemacht werden sollten, dann mühten sie sämtlich gemahregelt werden./, Uhr, bei Busle, Grrnadterpr. 33, Mitglieder-Versammlung. Bereinskalender. Arbeiter- Sängerbund Berlins und der Umgegend. Vor- sitzender: Rlch. Thale, Schöneberg, Grunewaldstr. 99.— Erster Kassierer Seitrit, Fidicinstr. 16.— Alle rlenderiingen im Verrinskalender sind zu richten an Otto Rasche, Reichenbcrgcrerstrah« llöa.— Freitag. UebungssNinde abends 9—11 Uhr. Ausnahm« von Mitgliedern.— „Kaiser scher Männerchor", Wernau, Schlvedtcrstr. 23/24.—„Nord", Adols Neuin ann, Brmmenstr. ISO.—„Buchbinder Männerchor", Fürstenhos, Kopnickerflr. 137/38.—„Vereinte SangcSbrlider Moabits", Pfarr, Puttlitz- strafte 10.—„Maiglöckchen I", Sachse, Lindowerftr. 26.—„Gemullichteit", Thiede, Scydelstr. 30.—„Georgina", Balzer, Griinauerstr. 14.—„Rhein- gold", Feind, Weinstr. II.—„Rosenthaler Vorstadt", Innert, Swincmiinder- strafte 26.—„Männer-Gesangvcreiii", Brandenburg a. H., Mengert, Bergstr. 6.— vicdertasel„Freie Sänger", Hahn, Reu« Kijuigstr.<3—„Nordwacht". Milbrodt, Müllerstr. 7.—„Sängcrlrcis", Neu-Wciftensee, Spcckinann, Königs- Chaussee öb. »-„Eintracht II", ESerSwalde, Restaurant„Zur Mühle".—„Neue Zeit". Dieke, Ackersir. 123.—„Kiingmullerscher Männerchor", Weiften!«, Zum Prälaten, Lehderstr. 122.—„Karthaus- Kummerscher Mäilnerchor", Gobel, Landsberger Allee 166— ,. Sangesblüten", Herzog, Marsiliuöstr. 8.— Gesangverein der„Putzer", Schiller, Rosenthalerstr. 6-.—„Freie Sänger I", Heegermsthle b. Eberswalde, Baugatz, Jagdschlöftchen.—„Rosalia", Plaeu, Königsbergersir. 34.—„Ruf', Manegold, Liegnitzerstr. 18.—„Sängerhort", Vogel, Wrangelfir. 74—..Borax", Krüger, Naunvnftr. 6.—„Melodia I", Rtxdars, Mercier, Steinnietzstr 66.—„Einigteit Nordwest", Vetter, Bredow- strafte 11.—„Freiheil Moabit", Fischer, Waldstr. 8—„Liedes- frcundschast", Treptow, Michler, Ernslstr. 26.—„Süd- Ost H", Link, Wrangelstr. 86.—„Waldkapeste", Ladewig. Koinmandantensir 65.—„Frei- heil Nord", Wils, Bnrgsdors- u Wildenowstraften-Eckc.—„SangeSlnp III", Tempelhof, Gehet, Dorfstr. 18.-„Völkerfrühling", Höhlke, Oranienftr. 109. —„Solidarität II", Potsdam. Brandend. Kommunikation 16, Glaser.— „Liedcslusi II", Potsdam, Brandend. Kommunikation 16, Glaser.—„Süd- Ost III", Kirschlmvsky. Falckenftrinstr. 7.—„Frohsinn I", RnnimelSburg, Goethe- und Kantstraften- Ecke.—„Freies Lied", Friedrichsbcrg, Radtkr, Friedrich Karlstr. 26.—„Metallarbeiter Osten", Tabbcrt, Markusstr. 14.»» „Lorbeerkranz", Spät, Weinstr. II.—„Alpenrose", Dalg, Skalitzerstr. 24b. Slrbeiter-Rancherbnnd Berlins und der Umgegend. Aenduunaen im Bereinskalender sind zu richten an Albert Liebetrcu, Berlin, Putbuser- strafte 44, IV. Freitag:„Germania", Kubatzki, Amdtstr. 21.—„Frohe Stunde", Gurlt, Alexandrwenstr. 121—„Brasil", Schonheim, Gräsestr. 8. —„Apselblüte", Hostmann, Wiesenstrafte 29a.—„Deutsche Eiche", Schulz in Kogel. Gesang.. Turn- und gesellige Bereine. Freitag. Taiizlehrer- verein„Solidarität", Englischer Hof, Neue Roftstr. 3.— Vergnügungsverein „Waldesgrün", Pichoski, Skalitzerstr. 142.— Schivimmverein„Ost", Uebungs- stunde jeden Freitag abends 7 Uhr in der ehemaligen Auerbachschen Bade- Anstalt. Stralauer Chaussee.— Gesangverein„Jugendsrcuden". Uebungö- stunde 9—11 bei Arlt, Brininenftr. 30.—„Berliner Schach- und Satta- Klub", im Hygienischen Restaurant Rieaer, Berlin C., Gontardstr. 5, I (direkt am Bahnhoi Aleranderplatzi. Gäste willkommen. Borher gratis Unterricht.— Miisikv.„Harmonie-Ost", Grüner Weg 103.—„Berliner Posten- und Operetten-Gesellschaft„Evelina", Blumenstr. 48. Zlrbettcr Tririierbnnd. Freitag. Turnv.„Fichte", Berlin. AbdS- von 8—10 Uhr: 2. Männerabt. Stalitzcrstr. 65—66. 4. Männerabt: Stcmeusstrafte 20(Moabit). 6. Männerabt. Ackerstr. 67. 6. Männerabt. Stallschrciberstrafte 54. 9. Mäimerabteiliing Müllerstr. 168, Ecke Trtftstrah«. I. Lehrlingsabt. Friedenstr. 37. 3. Lchrlingsabt. Boeckhstr. 17/20. 6. Lehr- Ungoabt. Reichenbergerstrafte 67—70. 8. Lehrlingsabt. Höchsiestrafte 36—37. 1. Damenadt. Mariannen-User 1a.—„Freie Tunierschast". Rirdors- Britz. 1. Lehrlingsabt. abends von 8'/»— lO'/a Uhr, Thomas, Hermannstr. 48/50. 1. Schülerinnen abt. abends Ö'/j— S'/j Uhr, 1. Minnerabt. 81/,— 10'/j Uhr bei Peters, Knesebeckstrafte 113.— Tunierschast des Vereins„Nereus" (gegr. 1882), Mannerabt. von 8—10 Uhr abds., Reichenbergerstr. 131/132 Damen-Abt. v. 8—10 Uhr abds., Ptanteustelstr. 7.— Turnverein„Eiche", Köpenick, Männer- und Jiigendnbtcilung von 7>/z bis 9»/, Uhr abends, Scheer, Wilhelmsgarten.— Turnv.„Froh und Frei", Groft-Lichterselde, Pagel, Chausteestr. 104, 8'/,— lO'/j Uhr abends.—„Freie Tunierschast", FricdrichSselde, abends 8t/2— lO'/j Uhr, Bube, Prinzen-Allee 30. Arbeiter-Schwimmerbiind. Anfragen an E. Bratte, Schulstr. 24. Schwimmklub„Neptun", Wciftensee, abends 7i/2 Uhr, im Seebad Weißenseer. — Schivimmkliib„Vonvärts", abends 7»/» Uhr, VolkS-Badeanstalt an der Schillingsbrstcke.— Schivimmverein„Gut-Naft", UkbimgSstunde jeden Freitag, abends 7 Uhr, VolkS-Badeanstalt Moabit, Turmstr. 86a.— Schlvmimvemn„Oft", abends 7 Uhr, VolkS-Badeanstalt an der Schillings- drucke. Arbcitcr-Stenographenvercine.„Stolze"(EinigungSsystcm). Frei- tag. Tauz-Jnstilul Grupe, Aiwenstr. 16, abends S1/, Uhr. Verein zielbewnstter.Händler und Geschäftsinhaber. Jeden Freitag nach dem 15. Gipsftr. 16. Zwanglose Zusauimrnkuiift mit Damen im Restaurant de» GewcrkschaftahauscS. Am Freitag: Sattler. Arbeiterverein..BorioärtS", Kopenhagen. Jeden Sonnabend im Verlehrslokal, Ko rS g a d e 4»: Versammlung. Daselbst befindet sich auch die Bibliothel des Vereins. Die nach Kopenhagen kommenden Genossen»vollen dies beachten. Arbetter'Radfahrerbnnd„Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuichriften und Anfragen, den Bund betrcstend, sind zu richte» an den Gau-Borsttzeiiden Karl Fiicher, Berlin NW., Waldstr. 8. Freitag: Arb.-Radf.-Berei»„Vorivärts", Rixdorf, Freitag»ach dem I. und 15. bei Ztbell, Reuterstr. 64 a.— Arb.-Rads.-Berein„Charlottenburg", Freitag nach dem 1. bei Müller, Bismarctstr. 23.— Rays.-Verein„Blitz", Berlin, bei Meier, Slrelitzerstr. 10.— Rads.-Verein„Frisch aus", Rathenow, jeden ersten Freitag im Monat Turnplatz 2 bei Stockfisch. . token- 1. Sterbe- kajse der Metallarbeiter Filiale Rtxdorf. Den Mitgliedern zur'Nachricht, daft das Mitglied 26256 Karl Metze am 12. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, de» 16. Februar, nachmutags 2l/} Uhr, vom Trauerhaufe, Schöneweiderstr. 21, aus stalt. Um rege Beteiligung ersucht Ifle OrtHverwnitunf. Danksaeang. Allen Teilnehmern an der Be- erdigung»nfrcS lieben Bruders und Schwagers»Srinana Wle-tep hierdurch den tlefgesühltesten Dank. 26I9bi vle tmusrnäsn»Intsrdlledsnen. Jnnungö-Krankenkafle der Ttschlcr-Jniiuiig. Versammlungen zur Wahl der Vertreter z« den veuersl verLsmmwlig vll pro 1901 und 1902. Die Wahl finoet für die Kasten- Mitglieder am 17. Februar cr., vor- mittags von 10 btS II Uhr, statt. 1. Diejenigen Mitglieder, welche rechts der Spree beschästigt sind, wähle» Aiidreasstr. 21 bei Slcchert. Die Zahl der zu wählenden Ver- treter ist 90. 2. Diejenigen Mitglieder, welche lüikö der Spree beschästigt sind, wählen Kottbnscrftr. 4 a in SanSlouci. Die Zahl der zu wählenden Ver- treter ist 73. 3. Die Jnniingsmttalicder, welche «astenmitglieder beschäftigen und Beiträge für dieselben aus eignen Mitteln zahlen, wählen am Montag, den 18. Februar, abend» 7 Uhr, Köpnicker- strafte 100 bei Gründer. Die Zahl der zu wählenden Ver- trerer ist 81. 2b17b' Für die Kastenmitglieder ist das Ouitiungsbuch zur Legitimation un- bedingt erforderlich, Das neue Statut kaiin im Kasten- lokal, Schmidsttafte 30, abgehoben werden. Der Vorstand. „Voran", Produktiv- und Eiukauss- Verein der Zinimerer Berlins und Umgegend (Vertrauensmänner-Centralisation). sonntiij, Un 17. Wmr,»orinittas 10 lihr, da(Süjn, Snitir. k0, 1.(st. Sml): Mitglieder■¥ ersammlnng'. Tages-Ordnung: 1. Vereiiisangelegenheiten(Wahl von 4 Delegierten zur 4. Konferenz). 2. Vortrag dcS Genosten Rechts- anwalt V. tViinkl über:„Ein Strcifzug durch das Bürgerliche Gesetzbuch". 3. Diskussion. 4. Gewerkschaft- lichcs.— Die Wichtigkeit der Tagesordnung erfordert vollzähliges und pünktliches Erscheinen der Mit- «lieber. Ver- VorNtand. Täschner, Koffermacher! Sonntag, den 17. Februar, vormittag«»i/, Uhr, im GewerkschaftS- Haus/, Uhr, Wcüistrafte II bei Feind. Tagesordnung: Wabl deS Kassierers. Der Vorstand. 25956] I. A.: G U st a v B U s s«. •r Herren-Vortrag+ Carl BrnckholT, Friedrichsir. 10, über:„Sogenannte»ndeilbareMänner- leiden" Freitag, d. tb. Februar, abends Uhr. im GesellschastShaus, Swine- münderstrnfte 42. Nur Herren! Ein- tritt frei i KeineTellersanmilung.(2617b Chavlottenbuvg. ««IimerlierU(492L' VIIm»e»d«,d«n. Un»,d,Il.»wd«Ist«n>«i» «,eei»tst»a»«»»»>»»«»» d«» «ust.» Lusttg.»«rUu».. ftrat» 4«.«-»i'l'st« l-fi-ntr«- Di«I» � Iln«rken»»nt«schr»l»«n�� lleutseb. IVIMIIgrbeiter-Verbgnd tz'ern'aitnnxuutelle Berlin. Bureau: Eugel-Ufer lE. Zimmcrl— 5. Fernsprecher: Au»tVll,S5S. Sonnabcnd, den 1«. Februar, abend« 8'/- Uhr. im Lokal de« Herrn Fischer, Waldstraffc 8: Vettraltellsntlinller-KMferenz für Moabit. Am Sonntast, de» 17. Februar, vormittags 10 Uhr, im Ge>vcrkschaft«hau«, Engel-User IS: Versammlung"MZ aller in der RMschrMllbnlllche beschiist. Arbeiter n. Arbtiterinm Tages- Ordnung: I. Vortrag des Kollegen Ott« lfilaetker über:„Die gegenwärtige Krise in der Metalliiidustite und die nächsten Aufgaben der Organisation". 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten. Am Sonntag, den 17. Februar Ivvl. vormittags I» Uhr. in be» „Ariiiiniushalleu". Bremerstrahe 70-71: Vernmlung der Wickler»nii Isolierer. Tages-Ordnung: Wie verbessern wie«nsre Lohn- und ArbeitSverhältnist«? Tonntag, den 17. Februar, vormittags 10 Uhr, t« Lokal deS Herrn Meißner, Chanffecstr. 72: VnsMWlniig der Irilknarbkittt. Tages-Ordnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegeitheiten. DienStag, den 10. Februar, abends 8'/» Uhr, im„Colberger Salon", Colbergerstrahe SS: IM" Vevfetnrtnlung. Tage«-Ordnung: I. Vortrag des ReichStags-Abgeordneten Kollegen Martin WegeltH über:„Die deutsche Metaliarbciter-Bewegung einst und jetzt". 2 DtS- kufston. 8. BerbandSangelegenhetten. II 1/18 BW Eine ueue Zahlstelle ist errichtet bei litt Im, Kreuzbergstrafte Nr. 38: in der Zahlstelle Evald, Schbnletnstrafte 6 ist von jetzt ad jeden Sonnabend abends von 7—9 Uhr ein Britragsanimler anwesend. Die OrttiverwaUung. FacMn Her Holz- und Bretterträger sowie Brettsclmeider Berlins und Umgegend. Tonnlag, den 17. Febrnar, vormittags lO'/s Uhr, im Uönig« städtischen Kasino, Holzmarktstr. 72: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Wahl der Hilfskafsterer. 2. Vereiiisangelegenheiten. 3. Gewerk- schastliches und Aufnahvie neuer Mitglieder. 84/4 Zahlreichen Besuch erwartet Der V«r»tand. DM- Die Kollege» werden ersucht, die alten Mitgliedsbücher mitzu, bringen und die neuen in Empfang zu nehmen. VÄknn 0 Hl ,0 lotir» Garantie. Vollkommen echmerzl. Zahnziehen /indllR/ iL. 1 Plomben 1,50 M. Tellaahl. wöchentlich 1 M. Alfred Aponbnrf, Invalide nstrasse 33, ■ Nähe Stettiuer Bahnh. Spr. 9—7. Beparal. sofort.(• Kür den Jnkinlt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Tftestev. Freitag, 15. Februar. ieperuhans. Die Afrikanerin. An- lang?>/, Uhr. Schanspielyans. EinSommernachtS- trauin. Anfang 7V, Uhr. Neues Qpern- Theater(Kroll». Geschlossen. Schiller. Der Herr Senator. An- fang 8 Ukn. deutsches. Rosenniontag. Ansang 7»/, Uhr. Lessing. Flachsmann als Erzieher. Anfang 7'/, Uhr. Berliner. Ueber unsre Kraft.(2. Teil.) A» fang 7 V, Uhr. Nesldeuz. Frauen von heute. An- fang 7-/- Uhr. Neues. Die LieveSprovc. Ansang 7'/- Uhr. Westen. Das Modell. Ansang 7'/- Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 7V- Uhr. Secessionsbiihne. Buntes Theater: Ueberbrettl. Ans. 7-/, Uhr. Thalia. Amor von heute. Anfang 7V, Uhr. Luisen. Alte Liebe rostet nicht. Anfang 8 Uhr. Friedrich-ilPilhelmstiidtischeS. Der Damenschneider. Anfang � Ti/, Uhr. Belle< Zllliance. Der Leibalte. Anfang 8 Uhr. Carl Weih. Lumpacivagabundus. Anfang 8 Uhr. Metropol. Specialilätenvorstellung. Eine tolle Nacht. Ansang 7Vz Uhr. Apollo. Specialitäte»- Vorstellung. Zwanzig Mädchen und lein Mann. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialitäte»- Vorstellung. Bummdfntze. Anfang 7'/, Uhr. Neichshalle». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Panoptikum. Sp-ciali. täten- Vorstellung. Die zwölf unverbrennbaren Falire. Ansang nachmittags 3'Nhr. Täglich„O"- Vorstellung. Rosen- dienstag. Urania. Taubeustr. 48/4».(Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: „Aus dem Tagebuch der Erde". Im Hörsaal:„Früchte des teldes". Von Prosessor Müller. nfang 8 Uhr. Jnvalidenstrasse S7/62. Täglich abends von ö— 111 Uhr: Sternwarte. RANIA Taubenstr. 48/49. Im Theater Freitagabend 8 Uhr: Ans dem Tagebuch der Erde. Im Hörsaal: Prof. fflöllep:„Früchte des Feldes." Invalidcnstp. 57/0». Tägl. Sternwarte. CASTANS PANOPTICUM Friedrichstr. 163. Neue aktuelle Serie lebender Photographien. Die sensationellen Gruppen der alten Germanen. Der schlesische Zecher uhd der Teufel. Die Bernauer Bierprobe.— Der Rothenburger Meistertrunk. Im Restaurant: Konzert einer russ. Damenkapelle. CrnAl-Thklittr. Freitag und folgende Tage?Vz Uhr. Zunr 373. Male: Die(fteishtt. Mimosa; Wla Werber. Sonntaanachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Nie Fledermani». Abends zum 576. Male: Die Geisha. Mimosa: Mia Werber. In Vorbereitung: San Tay. Chinesische Operette von Sidney Jones. Gastspiel MibMarhHalton. 1 Passage-Theater Unter den I Inden ÄS. n-Yorslellung�� IJ Anfang: Sonntags II» vh, Wochentags 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Die vier Schwestern rwrWT n in ihrer Neuheit, *-c*RlngeIreia-Uebertanz 17 erstklassige Specialltäten 17 Hanny Luxa die unvergleichliche, Ty|roUenne-Excentrique Rosendienstag Feldwebeltragödie in 1 Akt. Palast-Theatep früher Feen-Palnst, Burgstr. 22, Durchweg neues Programm. Pracise 8'/, Uhr: VuinntelfpiHe. Possem. Gesang in 3 Akten vonWilcken. llohrmann, Tischlermstr., Dir. Winkler, 1Ä neue Attraktlons-Nurnrnern. Anfang: Wochent. 7Vz, Sonnt. 7 Uhr. Entree 50 Pf. Somiabend, den 16, Februar: Groseep Masken-Ball. Ertra-Vorstellung. Große Gratis- Preisverteilung. Besucher der Vorst, haben Frei-Tanz Ansang?:/, Uhr. Tanz lOVs Uhr. Elitree 50 Pf. LWer-TIMtt tWalluer-Tliealer). Freitagabend 8 Uhr: Uter Herr Senator. Lustspiel tu 3 Auszügen von Franz v. Schöuthan und Gnsiav ikadelburg. Sonnabendabend 8 Uhr: Zum erstenmale: Roaineraholni. S on ntag» ach mittag 3 Uhr: Die goldene Eva. Sonntagabend 8 U h r: Freiwild. Tb all a Thea ter Tresdenerstr. 72. Heute und folgende Tage- Amor von Heute. Gr. Ausstattniigsposse in. Ges. u. Tanz. Anfang 7Vz Uhr. Behrensir. 55/57. Heute zreitag, 15. Pr. IL Astsßiel Ivßttfi Gui Um 7 Uhr 50: Eine tolle Mi Berliner AuSstattungspossc. Um �10 Uhr: Auftreten der Madame Mt« GuilliDrt. Auf. Vz8 Uhr. Rauchen überall gestattet. gy morgen' w Sonnabend, 16. Februar: CastspAvetteCuiert. Tsnlltsg, 1?. Wruar: Einziges Sonntags-Gastspiel Yvstte Guilbert. Atoiitdg, 18. vorletztes, DieilStilg, den lg. letztes Gastspiel Yvettk Guilbert. Passap-Panopticom und Theatep. Die12unvepbpennb. Fakipe Neu! General Boum, der kleinste Mann- der Welt. Eintritt ciuschliehl. Theater 50 Pf. KpallG-Map. Debul! Debüt! Debüt! |Pepi Glöckii6p| in ihrem briilnnten - Repertoire. Valentine Petit in ihrer Traumphantasie. Les Minstreis parisiens und die übrigen trefflichen Speciaütäten. Operette von Franz v. Suppe. Kassenöffnung.7, Anfang 8 Uhr. Freitag, 15. Februar 1901, abends T'/j Uhr: Crssier Kloivn-Kala-Mtnd. MZ?- Änftrete» des berühmten amerika- Nischen Professor Norton B. Smith Ferner: Vorzllgllchste Programm- Nummern, u. a: Die berühmten französischen Klowus Gebr. Velde- man als„Komponlst Rubinstein-. Zum Schluß: Zum 80. Male: Die eiserne Maske. Gr. historisches Manege- Schaustück in 4 Akte» lind 3 Hauptbilder». Original-Pantomime dcS Cirkns Busch___ Besonders hervorzuheben: Der prunkliafte Einzug König Ludwig xiv. tu Strasburg. Sonntag, 17. Februar, nachmittags 4 Uhr:„Berliner Landpartien". wozu jeder Erwachsene auf allen Sitz- Plätzen 1 Kind frei hat; weitere Kinder die Hälfte.— Abends?>/, Uhr: Die eiserne Maske. Cafl�VeLss-Iileatep Gr. Frankfurterstr. 132. Kampacivagabundus. Anfang 8 Uhr. Sqnnabend: lline leichte Person. Nadim. 4 Uhr: Kuider-Borflellung. Kl. Preise. Max u. Moritz. Sonntag: Lumpacivagabundus. In Vorbereitung: Die Goldgräber v. Kalifornien oder: Mein Kumpan. Kalifornisches Volkssdiauspiel vo» H. v. Kupsser und Dr. Carlotta. vi. Noacks Theater. Briiunenstrahe 16. Der Goldnesse. Posse mit Gesang in 3 Akten(6 Bilder) v. E. Linderer. Musik v. Dr. Schmidt. Nach der Vorstellung:' Tanzkränzchen. Freitag: Ter Rattenfänger von Hameln. Sanssouci Donnerslag, Sonntag und Moutag: n o f f»> i» n n s Kordd. Sänger. Nack) jeder Soiree: Tanzkränxchen. mr Lustig- Vagaboude» Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täguch: Intepnationafs Künstler-Konzerte. 4 ausländische Kapellen. Bock- Anstich. Täglich grosse Specialitäten- vorstellung. Iloffmaniis Salon, Köslincrstr. 8. Besonderer Umstände halber ist der Ostertag für Matineen frei. s75t!L� Für 40.- liesere ich Gehrock-Anzug oder Frackanzug nach Maß. ff.- Aachen. , Tuche, Kammg., engl. Sergestitter,.beste Zuth-, - 2Anpr. Garant. tadell.Sitz,, seinst. Handuäharb. Wegen Leisluugss. ausgez. m. der> gotd Medaille. Koutmc � m.Must.ws Haus zum Maßtt. Werkst.>m Halts e, N«tvlA8liS»II«SR Gtettiner Länger. Heute: Onvnllerin sohnftiennn. Sonnabend: Eine Soiree bei Lehmanns. in allen Grössen. Anzng 3,00 und 5.50 Mk. Jacken 1,50 und 2,75 Mk. Hosen 1,50 und 2,75 Mk. 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Für den Juieratenteil verantworlti«: Tb.«locke in Berlin. Druck und Vertag von Max«ading ni Berim. »r. 39. 18, laHtpiij). Z KMgt Moriji Ltlliy lvtgelt Mtineids vor dm Ceschlvornell. lTelcflmphischer Bericht.) Zweiter Tag der Verhandlung. Könitz, den 14. Februar 1901. Die Zeugenvernehmung wird fortgesetzt. Als erster Zeuge wird der Maurerpolier L Ii b k e vernommen. Derselbe bekundet: Ich kenne Moritz Lewy von Jugend auf. Winter habe ich bei Lebzeiten nicht gekannt.— Präs.: Als Sic aber die Photographie Winters nach dessen Tode sahen, da er« innerten Sie sich, letzteren bei Lebzeiten gesehen zu haben?— Zeuge: Ja. als die Photographie Winters bei dem Photo- grapben Heyer ausgestellt wurde. Ich bin fast allabendlich durch die Danzigerstratze gegangen. Vor dem Lewy scheu Hanse stand oftmals Moritz Lewy und ein großer, kräftiger junger Mann. den ich nach der Photographie für Winter hielt. BiSiveilen gingen die jungen Leute vor dem Lewy scheu Hause auf und ab. Den jungen kräftigen Menschen habe ich auch einmal beobachtet, wie er vor dem Laden des Fleischers Hoffmann mit einem hübschen jungen Mädchen scherzte. Ich habe den jungen Menschen auch einmal beobachtet, wie er vor einem Schanfenster stehen blieb.— Präs.: Zeuge, Sie sind ivohl ein sehr neugieriger Herr? Es ist doch an sich' gar nicht auffällig, daß ein junger Mann einem jungen Mädchen die Hand giebt und mit ihr scherzt, oder hatten Sie besondren Anlaß zu Ihren Beobachtungen?— Zeuge: DaS war mir ausfällig.— Präsident: Sie wurden vom Landrichter Dr. Zimmermann vernommen und Ihnen Fräul. M a r t h a H o f f m a n n. die jetzige Frau L e h m a n n vorgestellt. Diese, die bedeutend älter wie ihre Schwester ist, bezeichneten Sie als da? junge Mädchen, das dem jungen Manne die Hand gegeben hat?— Zeuge: Ich habe mir das junge Mädchen so genau nicht an- gesehen. Wären mir beide Schwestern vorgestellt worden, dann hätte ich das richtige junge Mädchen schon herausgefunden.— Präs.: Frl. Anna Hoffmann, um die eS sich doch nur handeln kann, war damals 14 Jahre alt?— Zeuge: Ich habe mir das Mädchen nicht so genau angesehen.—'Der Präsident läßt Fron Lehmann, die jetzt 19 Jahre alt ist, vor- treten. Zeugin Frau Lehmann: Ich habe wenig Aehnlichkcit mit meiner Schwester. Allerdings ist dieselbe so groß wie ich. Zeuge Maurerpolier Lübke erzählt weiter: Eines Abends sah ich wieder Moritz Lewy mit dem jungen Mann vor dem Lew y scheu Laden stehen. Ein junges Mädchen klopfte den jungen Mann auf die Schulter. Moritz Lewy sagt« daraus zu dem jungen Mann: .Sie können jetzt die junge Dame wegen Körperverletzung verklagen. Ich hab's gesehen.*— Präsident: Und Sie sind der Meinung. daß der junge Mann Winter war? Kennen Sie den Kaufmann Hugo Hartstock?— Zeuge: Jawohl, den kenne ich.— Präsident:.ES wurde Ihnen Fräulein Meta Casparh vorgestellt. War diese das junge Mädchen?— Zeuge: Nein.— Zeuge Maurerpolier M u r a ch: Lübke kam gleich nach dem Morde §n mir und sagte:.Der Mord wird wohl in der Synagoge oder ,n dem Badchause geschehen sein; denn da sollen ja unterirdische Gänge sei».* Ich antwortete:.DaS ist unwahr.*— Zeuge Lübke: Das ist nicht wahr. M u r a ch hat mir gesagt:.Unter dem Bade- Hause sind unterirdische Gänge. Der Mord kann dort geschehen sein. — Nach eindringlicher Ermahnung durch den Präfidenten Land- gerichts-Direktor Schwedowitz giebt der Zeuge M u r a ch die Möglichkeit zu, gesagt zu haben:.Das Badehaus ist ein geeigneter Ort zur Ausführung des Mords.'— Hierauf erklärt Landrichter Dr. Zimmermann, der die Voruntersuchung geführt hat: Als ich Frl.MarthaHoff,nanndemZeugenLübke vorstellte, sagteLübke: er kenne die Danie ganz genau wieder. Lübke bezeichnet heute A n n a H o f f m a n n als die betreffende junge Dame. Alsdann er- scheint als Zeuge der inzwischen durch den Gerichtsdiener persönlich geladene Lehrer Bloch. Derselbe sagt auS: Als der Maurerpolier Lübke niir sagte, daß er in Winter den jungen Mann wieder erkenne, der mir Moritz Lewy verkehrt habe, sagte ich zu ihm: eS ist doch sehr gefährlich, jemand nach der Photographie wiedererkennen zu wolle».— Verteidiger Rechtsanwalt S o n n e n f e l d: Herr Zeuge, ist eS richtig, daß Sie zu Lübke sagten:.Mischen Sie sich nicht da hinein, da eS sich um Juden handelt?— Zeuge: Nein, es ist zwar möglich, aber ich glaube nicht, daß ich das gesagt habe.— Die Casparh ist 14 Jahre alt und kann deshalb nicht vereidigt werden. Als Winter schon tot war, im Mai 1900, habe ich Hugo H a r t st o ck auf die Schulter geschlagen mit den Worten:»Lotte, Ivo bleibt meine Schokolade*. M o r i tz L e w y. der vor der Thür des Lewy schen Hauses stand, sagte hierauf:»Sie können da» Fräulein wegen Körperverletznng verklagen. Ich habe e» gesehen.— Präs.: Haben Sie auch Winter einnial auf die Schulter geNopft?— Zeugin: Nein.— Zeuge Lübke: DaS war nicht die Dame. Die Betreffende ivar größer und älter. Es war auch im Januar 1900, kurz vor Kaisers Geburtstag.— Präs.: Fräulein CaSpary, ist Ihre Schwester Meta größer als Sie?— Zeugin Rosa CaSpary: Nein, kleiner.— Präsident: Sie bleiben dabei, daß Sie nicht Winter, sondern H a r t st o ck auf die Schulter geschlagen haben?— Zeugin: Jawohl.— Die nächste Zeugin Clara Lichtenberg bestätigt vollinhaltlich die Ans- sagen der Borzengin.— Unter allgemeiner Spannung erscheint nimmshr der Kaufmann Hugo Hart stock, der mit Winter Aehnlichkeit haben soll, als Zeuge. Er sagt an»: Winter habe ich nicht gekannt, aber Moritz Lewy. Der Vorgang mit Rosa CaSpary ist möglich.— Zeugin Dienstmädchen Regina Schulz: Ich habe zwei Jahre lang bei dem Kaufmann Aronheim in der Danzigerstraße neben dem Lewy schen Hanse gedient. Ich kannte Winter und den An- geklagten. Ich habe Fräulein CaSpary. Fräulein T u ch I e r. Winter und Moritz Lewy oftmals vor dem Lewy schen Laden stehen gesehen.— Präs.: Fräulein CaSpary und Fräulein T u ch l e r bestreiten daS aber.— Zeugin: Ich weiß das aber bestimmt.— P r äs i d e nt: Zeuge Hartstock, treten Sie einmal vor.st geht der junge Kaufmam« Fritz Schnitze entgegen, der sich an« Dienstagabend aus Besorgnis, keine passende Stellung zu erlangen, auf dem hiesigen Anhalter Bahnhof aus einem Revolver zlvei Schüsse in den Kops' beibrachte. In den, Krankenhaus, wohin ihn ein Schritzmann brachte, hat sich sein Be- finden zwar solveit gebessert, daß eine Gefahr für sein Leben nicht zu bestehen scheint, aber die Richtung, die die Geschosse nahmen, war eine so«inglückliche, daß das Schvennögen auf beiden Augen geschwunden ist.' Gegenwärtig besteht keine Aussicht, daß sich das Augenlicht wieder eiiistellcn«vird. Feuer mit Musik gab es gestern sDonnerstog) früh in der Destillation von A. Jochen, Fischerstraße 3. Kurz nach 4 Ilhr«vurden die im ersten Stock über der Büffettstube schlafenden Eheleute durch ein starkes Gepolter aus dem Schlafe gesckireckt. wo- bei sie die Beobachtung machten, daß die Schlaf- und Wohnstube bereits total verqualmt war. Sie eilten die Treppe hinab und fanden den Büffettraum in hellen Flaminen. DaS Büffett mit feinen Gläsern und Flasche» war schon vorher zusammengestürzt und hatte durch sein Gepolter die WirkS- leute gerettet, die sonst sicher in« Schlafe erstickt«vären. Als die Feuerwehr crschiei«,«vurden Sappeure vorgeschickt, die aber infolge der starken Verqualmung nur am Boden kriechend durch das vordere Gastziin»ner an den Brandherd gelangen konnten. Ihr Vordringen «vurde plötzlich durch fröhliche Orchesterinusik unterbrochen, die aus einemjNebenzimmer kam. Ei» dort aufgestelltes großes, durch Elektricität betriebenes Orchestrion schmetterte de» Jubelniarsch von Langer und die August-Quadrille von Strauß durch Rauch und Flamnien, um dann„Das ist der Tag des Herrn" anzuschließen. Den Feuerwehr- leute» erschien diese musikalische Lvscharbeit�als etivas ganz Neues. Die Erklärung für die plötzlich entstandene Spielivut des Orchestrions tpar auch bald gefunden. Der das Jnstrlinieut bedieirende elektrische Draht halte durch das Feuer Kurzschluß bekomme» und dadurch die Musikwalze i» Bewegung gesetzt. Durch Ausschaltung dcS Stroms wurde das Instrument zum Schweigen gebracht, doch setzte es bald darauf nochmals von neuen« ein, da sein Leitrmgsdraht mit de» geschmolzenen Belenchtungsdrähten in Berührung kam. Das Feuer konnte«nit einer Schlauchleitung abgelöscht«verde««, hat aber dem Wirt erheblichen Schaden zugefügt. Drei Personen bei einem Brande gerettet! Große Auf- regung herrschte gestern jDonnerstag) abend Hnssitenstr. 42 bei einem Brande. Eine Mutter Ivarf in der Verzweiflung ihre» zlvei- jährigen Sohn aus der zweiten Etage herab, der aber glück- licherweise von einen, Arbeiter»nit den bloßen Armen aufgefängcn «vurde. Ein z Ivettes Kind sowie die betreffende Frau wurde durch die Energie eines Grünkramhändlers gerettet. lieber den aufregenden Vorfall haben wir folgendes ermittelt: In« ersten Stock des Seitenflügels Hnssitenstr. 42 hat eine Frau Drcwke eine Küche gemietet, die als Wohnung diente. Frau D. ist den Tag über auf Arbeit und kommt erst in den Abendstunden zurück. Als sie gestern abend gegen 6 Uhr heimkehrte und die Küchen- thür' öffnete, schlugen ihr Rauch und Flamnien entgegen. In der ersten Bestürznng vergaß, sie� die Thür«vieder zu schließen, so daß binnen lvenigen Sekunden die Treppe total verqualmt>var. Frau D. schlug zwar sofort Feuerlärn«, doch war eS für die über dem Brandherde im ztveiten Stock sich auf- haltenden Personen bereits zu spät, durch den dicken Rauch ins Freie zu dringen. An« härtesten«vor die Wohnung einer Fra«« Eule bedroht, da hier der Rauch durch de» Fußboden drang. Im Zimmer befand sich Frau Eule mit ihrem zweijährigen Söhnchen und einem fünfjährigen Mädchen aus der Nach- barschast, das zu Besuch gekoinine«,«var. Da sich kein andrer Ausgang bot, rief Frau Eule in ihrer Verzweiflung nach den« Hof hinab, daß sie ihr Kind hinabwcrfen und dann nachspringen werde. Wirklich flog auch in der nächsten Sekunde ihr Sohn durch die Luft, Zlvar halten sich auf dem Hof bereits eine größere Zahl von Personen eingefunden. immerhin aber war der Verzweiflnngsschritt der Mutter sehr gewagt. Ein Dutzend Arme streckten sich ans und dem Arbeiter Max G u r t s ch k e, Hnssitenstr. 41 wohnhaft, gelang es, das Kind sicher aufzufangen. Schon machte Frau Eule Anstalt, auch das fünf- jährige Mädchen ebenfalls hmabznwerfc», als sie von diesem Schritt zurückgehalten wurde. Der Grünkramhändler©lauert war nämlich durch den dicken Qualm nach oben gedrungen, wo er kurzer Hand das Mädchen samt der Frau erfaßte und beide im Sturm über die Treppe ins Freie führte. Völlig erschöpft nahm die Mutter ihr gerettetes Kind entgegen, um dann in einen krampfhaften Zustand zu verfallen. Die mittlerweile eingetroffene— übrigens zu spät benachrichtigte— Feuerwehr mußte mit Hakenleitern zum Brandherd vordringen. Leider ist Frau Drewke nicht ver- sichert. Ilm de» Besucher» der Treptow-Ätcrnlvarte. die jetzt den Mars in der Erdnähe beobachten wollen, gleich.;eitig einci« erläuternden Vortrag z» bieten, spricht Direktor A r ch e n y o l d au« Sonntag, den 17. Februar, obeuds um 7 und um 9 Uhr, über„Unsre Planeten, inSbesouders Mars". Mit dcui Rieseiircfraktor kann von 2—4 die Sonne, von 4— ti die Eapella, von 6—8 der Orionnebcl, von 8—12 Uhr nachts der Mars be- obachtet werden. Ringkämpfe im Cirkus Schumann. An« Mittwachabend stellte sich Sabcs II dem Pictro le Belge gegenüber. Der Kampf währte 27 Minute», bis eS schließlich dem flinken Pietro gelang, seinen Gegner auf eiuen Geiiilk- fallgriff hin zu besiegen. Als zweites Paar präsentierte, sich Pietto II (Algier) mit Aper(Hamburg). Der Aampf war sehr heftig. Pietro gelaug es schließlich nach 21 Minuten seinen Gegner zu werfe». Zum Schluß rang Alali(Türke) mit den« Pariser Lorange. Alle heftige Gegenwehr seitens des Franzosen niißte nichts, Alali warf ihn in einer Minute. AnS de» Nachbarorten. Bei den gestern fortgesetzten Gcmeindewahlen in Lichten- berg gelang es den Freisinnigen, sechs Mandate in der II. Wähler- klaffe zu behaupten, während noch zwei Stichwahlen zwischen Freisinn und Konservativen vorzimehnien sind. Unsre Parteigenossen haben das Zünglein der Wage in der Hand. Fest ficht, daß durch den Eintritt von acht Socialdemolraten in das Dorfparlament es gelungen ist, den Parteigenossen einen größeren Einfluß als bisher zu sichern. Rixdorf. Wegen Erhöhung des behördlich festgesetzten orts- üblichen TagelohnS, die der Stadtv. Wach(Soc.) angeregt hatte, lvar es seiner Zeit in der Gewerbedepntation zu lebhaften Aus- einandersetzungen gekommen. Der Antragsteller«vieS nach, daß bei dem augenblicklichen Satz von 2,40 M. viele Rixdorfer Arbeiter als Kranken- kafsen-Mitglieder ganz erheblich benachteiligt seien. Schließlich wurde der weise Beschluß gefaßt, erst die Erledigung der in Aussicht gestellten Novelle zum Krankenvcrsicherungs-Gesetz abzuwarten. Mit diese«» Beschluß ist nun die wohllöbliche' Mehrheit der Deputation gründlich hineingefallen. Was sie nicht anregen �wollte, daS bereitet jetzt die Regicrung selber vor. In der letzten Sitzung der Gewerbedeputation hatten die Vertreter der Arbeiterschaft die Genngthuung zu hören, daß die Regierung den Magistrat aufgefordert hat, schon jetzt nachzuprüfen, ob der festgesetzte ortsübliche Tagelohn den derzeitigen Verhältnissen noch entspricht. Eine gleiche Anordnung soll auch an andre Gemeinden ergangen sein. Johannisthal. An den Gemeindevorsteher unsreS OriS war vor kürzet» ein von sämtlichen Gemeindeverordneten unterzeichnetes Gesuch gerichtet, er möge in Rücksicht auf sein Alter und in, Interesse der Gemeinde sein Amt niederlegen. In der letzten Sitzung der Gemeindevertretung erklärte nun der Vorsteher, daß er diesem Wunsche nachkommen werde, und zum 1. April sein Aint niederlege. In einer am 23. d. M. anberaumten Sitzung soll die Wahl eines neuen Gemeindevorstehers erfolgen. In der Spaudaucr EntsestigungSfrage hat das Kriegs- m i n i ft e r i u m jetzt an den Magistrat eine Mitteilung gelangen lassen, wonach gegen den von der Stadt eingereichten Bebauimgs- Plan principielle Eiiiwendungc» von feiten des MililärfiskuS nicht erhoben werden. Ter Ärieg'smmister teilt weiter»nit, daß zunächst Umfrage bei den militärischen Instituten, iiisbesoiidere de» Direktionen der Militürw erkstätte n, gehalten worden ist, inwieweit diese einzelne Teile des freiwcrdenden Ge- ländeS für sich beanspruchen. Sobald diese Bedürfuisse dein Minister bekannt sind, ist er seinerseits bereit, die Angelegenheit nach Möglichkeit zu beschleunigen. Das Garde- Fußartillcrie- Regiment hat für sich den Wunsch ausgesprochen, Bastion II erhalten zn' sehen. nin darauf auch künftighin Ucbnngen abhalten z» können. Ein sehr bedeutender Teil des Festnngsgeländes wird zu Exerzierplätzen für die Infanterie, zur Erweitermig militärischer Werkstätten und als Bauplatz für Kasernemcnts verwendet werden. Gerntzks-'Jettmtg. Die Berliner Mitgliedschaft des Verbands der Hand. lungS-Gehilfcu und-Gehilfinnen Tcntschlands wurde 1899 vom Polizeipräsidenten für einen Verein im Sinne des Z 2 des Vereinsgesetzes erklärt und der Bevollmächtigte Friedländer aufgefordert, ein Exemplar des Statuts und ein Rtitgliedervcrzcichnis der Polizei einzureichen. Friedländcr focht die Verfügung im Ver- waltungsstreitverfahren an. Er bestritt, daß die Berliner Mitglied- scbaft ein selbständiger Verein sei und daß eine Einwirlung auf öffentliche Angelegenheiten bezweckt«verde. Nachdem der Ober- Präsident seine Beschwerde verworfen hatte, llagte er, vertreten durch Rechtsanwalt Wo lsgang Heine, beim Ober-Verwaltungsgericht, dessen erster Senat sich in ferner letzten Sitzung«nit der Angelegen- heit beschäftigte. Dem Gericht lagen unter andrem aiich die Polizei- alten vor. Nach cineu« der Berichte hat sich Friedländcr in einer Mitgliederversammlung für den gesetzlichen Achtnbr-Ladenschluß aus- gesprochen. Aus einem andren Bericht«vurde vorgetragen, in welcher Weife eine vom B e r t r a u e» S«n q n u einbernfene öffentliche Versammlung der Handelsangestellten zu dein damaligen Schutzgesetzentwnrf(Novelle zur' Gelverbe-Ordnung) Stellün'g genommen hat.-- Rechtsanwalt W o l f g a n g Heine beantragt« die Aufhebung, der polizeilichen Verfügung, inden« er folgendes ausführte: Bei Erörterung der Frage, ob der Verband auf öffentliche Ailgclcgenheiten einzilwirke» bezwecke, sei zunächst auf das Statut zurückzugreife». Und da könne dann nur das Statut in Frage kommen, das die erste Generalvcrsaminluiig des Verbands in Frankfurt a. Main an> 30. Mai 1898 beschlossen habe, nicht eliva das provisorische Statut von vorher, worin»och als ein Zweck verzeichnet gewesen sei die Agitation für die gesetzliche Regelung der Arbeitszeit. Nach dem Statut von 1898 bezwecke mm der Verband die allseitige Förderung der wirtschaftlichen Jnleresfen feiner Mit- glieder. Da also lediglich die Interessen der M i t g l i e d e r ge- fördert werden sollen, sei nicht an eine Einwirlung auf öffciitliche Angelegenheiten gedacht worden. Wenn mm Friedländcr in einer Bersaminlung der Berliner Mitgliedschaft für den gesetzliche» Achtuhr- Ladenschluß gesprochen habe, so könile man ans diese Thalsache allein eii« eittjcheidendeS Gewicht nicht legen, und andre That- sachen, die zu Ungunsten des Klägers ausgelegt werde» könnlen, lägen nicht vor. Die öffentliche Versammlung, m der Paul Singer über den Schutzgesetzentwnrf gesprochen. sei hier avsolur nichl zu berücksichtigen, denn sie sei für alle Berliner Handelsangestellten vom VertrauenSinann und nicht vom Bevollmächtigiel« der Berliner Verbandsinitglieder einberufen worden, habe also mit dem Verbände gar nichts zu lhun. Eine Absicht, auf öffentliche Angelcgcnheitc» einzuwirken, könne aus den angeführten Griindei« nicht angenommen lverden. Aber auch die ziveilc zur Entscheiduirg stehende Frage, ob die Berliner Mitgliedschaft eine» besonderen Verein bisde und der Bevollmächtigte ihr Lorstebcr sei, müsse verneint werden. Entscheidend sei z 9 des Statuts. welcher bestmime:„Für Orte, an welchen eine genügende Anzahl von Mitgliedern vorhanden ist, sind vom Vorstand Bevollmächtigte zu ernennen, die nach An« Weisung des Vorstands Beitritts- und Austrittserklärungen entgegen nehmen, die Beiträge der Mitglieder einkassieren, die Agi- tation ain Ort betreiben und am Schlüsse eines jeden Kalender- Vierteljahrs dem Vorstand eine genaue Abrechnung einzureiche» haben." Der Bevollinächtigte sei also nur der Bcaustragte des Vorstands. Er könne nicht ciliiiial selbständig Mitglieder in den Ver- band aufnehnicn, denn man werde erst Mitglied,«venn der Vyrstgnd in Hamburg die Änfiiahme nicht vcriveigerc. Die in Berlin an- lvesendcn Mitglieder würden noch nicht zn einem organisierten Verein. Es gebe vielmehr in Berlin nur eine Anzahl Mitglieder deS CenträlvcrbandS.— Das Ober-VcrwaltungSgericht wicS aber- die Klage a b, ohne daß Gründe verkündet«vurden. Die anarchistische Zeitschrift„Neues Leben" brachte im Nobenibcr vorigen JahrS einen Artikel, der den Verfasser und Redactenr des genannten BlattS, Karl Hornickel, gestern unter der Anklage der Beleidigung durch die Presse vor die vierte«straf- kammer des Landgerichts I führte. Der Vorgänger des Angeklagten., der Redactenr Albrecht, hatte einen Artikel veröffentlicht, der die Thoten der Anarchisten verherrlichte und znr Nachahmung von geschehenen Gewaltlhate» aufforderte. Albrccht sollte verhaftet werden, er lvar aber nickt zu ermitteln. Die Polizeibcamten suchten ihn iviedcrholt vergeblich in seiner Wohnung. Bei einem dieser Be- suche trafen sie die Ehefrau Albrccht in einem kranken Zustande an. sie lvar kurz zuvor einer Operation unterworfen worden. Dieser Umstand veranlaßte den Angeklagten zur Veröffent- lichmig des beanstandeten Artikels: Er behauptete darin, daß die Beamten die Kranke in aufdringlichster und rohester Weise belästigt hätte». Durch die Beweisaufnahme wurde dargethau, daß die Beamten sich rücksichtsvoll benommen hätten. Sie waren nur leise durch das Zimmer gegangen. in dem die Kranke lag. um sich zu überzeugen, ob der'Gesuchte sich im Hiuterraum befinde. Allerdings hatte die Kranke zu einer andren Person geäußert, daß sie sich durch die häiisigen Besuche der Beamten belästigt fühle und die? war dem Angeklagten i» verstärkter Fori» vorgetragen worden. Der Staats- anwalt beantragte gegen den Angektagte» eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten, der Gerichtshof beließ eS indessen bei einer Geld- strafe von 100 Mark. Unter der Anklage des versuchten Mords stand gestern der Kellner Walter Krauels vor dem Schwurgericht des LandaerichtS I. Es handelte sich wieder um eine der bekannten Liebesgeschichtcn niederen Grads, die schließlich mit der Bedrohung mit einem Revolver enden. Der Angeklagte unterhielt seit etwa 3 Jahren ein Liebesverhältnis mit einer Witwe Grundke. die schließlich seiner überdrüssig würbe und ihm den Laufpaß gab. Nachdem er wiederholt vergeblich- Versuche gemacht hatte, sich mit ihr auszusöhnen, verschaffte er sich am 5 Dezember v. I-, nachmittags durch List Zutritt zil� ihrer Wohnung und es entspann sich eine längere Auseinandersetzung zivischen ihnen. Eine zufällig aulvesende Frau hatte bei ihm einen Revolver gesehen, sie Ivarnte die Witwe Grundke. diese floh in die Küche und riegelte die Thür hinter sich zu. Der Angeklagte klopfte mehrfach an die Thür und bat sie, herauszukommen, da er Abschied von ihr nehmen ivolle. Schließlich öffnete auch die Frau. Er gab ihr zuerst die Hand und fragte, ob er wiederkommen dürfe, worauf die Frau antwortete:„Wenn Du vernünftig und arbeitsam bist!" Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, als der Angeklagte den Revolver auS der Tasche zog und, den rechten Arm vorgestreckt, auf daS Gesicht der Frau Gr. zielte. In diesem Augenblick krachte auch schon ein Schuß, der das Gesicht der Frau unterhalb der rechten Schläfe streifte und die rechte Ohrmuschel traf. Der Angeklagte feuerte noch zwei Sckiiffe ab. darmiter einen gegen, sich sclhst, er wurde dann ciitwafßiet und, leicht verwundet, zur Polizeiwache gebracht.— Der Angeklagte behauptete, daß er sich selbst habe ermorden wollen und die Kiigel nur infolge eines unbegreiflichen Miß- geschicks ibr Ziel verfehlt und die Zeugin getroffen habe. Sein Ber- leidiger, Rechtsanwalt Dr. Leander, plädierte denn auch dafür, daß' der Borsatz und die Ueberlegung des Angeklagten bei der ganzen Schießerei nicht vorhanden gewesen sein dürfte. Die Geschivornen verneinten nach kurzer Beratung die Schuld- frage, worauf die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. Ter Mordprozcff gegen den Arbeiter Paul N e u m a n n, der sich am Monlag vor den« Schwurgericht wegen Ermordung der 73jährigen früheren Lehrerin Emilie Medenwald zu verant- Worten haben wird, dürfte einen großen Umfang annehmen, da eS sich um einen interessanten Indizienbeweis handelt und etwa 100 Zeugen zu vernehmen sei» werden. Neben dein Hauptaugeklagten Neumann, der des Mords und schweren Raubs beschilldigt ist, wird sich der Arbeiter Emil B o b e r wegen Begünstigung zu verantworten haben. Beide Angeklagte sind schon schwer vorbestraste Menschen.'_ Eingegangene Druckschriste». „In Freien Stunden", Illustrierte Romaiibidliothek für das arbeitende Volk in Wocheuheften a 19 Pf. Die Lieferungen 2 bis 6 enthalten die Fortsepnng des Romans..Domben und Sohn" von Charles Dickens und „Hanna", Roman von H. Süikiewicz.«Die Illustrationen zu Dombcu sind ganz dem Charakter bei Romans angemessen und spiegeln mit verslönduis- voller Treue das englische Leben aus der Mitte des Jahrhunderts wieder. Das jetzt den« Text beigesügte kleine Feuilleton enthält Skizzen, Noveletten und kleine Notizen unter„Dies und Jenes" und„Witz und Scherz". Jeder Kolporteur, jeder Buchhändler(auch die Post zum Vierteljahrs- preis von M. l,2v, Posizeilungslatalog Nr. 362'!) nimmt Bestellungen auf diese 1t> Ps.-Heste a». Wir empfehlen unsren Lesern dringend das Abon- ncment. Marktpretse von Verliu am IS. Februar 1901 nach Ermitlliuigen des kgl. Polizetpräsidmms. «)Meizeii. gut D.-Ctr. ,. mittel. gering Roggen, gut mittel .. gering gut „ mittel gering t)Haf«, gm mittel gering Richistroh, Hen Erbse» Spriscdohnen Linien 15, 40 14,60 13,80 13,00 15,20 14,50 7,80 40,- 45,- 70- 14,70 13,90 13,20 1530 14,60 13,90 6,50 5,20 26,— 25,— 30- Knrtoiselii.ueuc.D-Ctr. Rllidfleisch, Keule 1 1x do. Bauch„ Schweiuelleisch Kalbfleisch„ Hammelfleisch Butter Eier Karpfen Aale .Zander Hechle Barsche Schiel« Bleie Krebse 60 Stück 1 kg per Schock 7- 1,60 1.30 1,60 1,80 1,60 2,60 5,20 2,90 2.80 250 3,20 1,80 3,- 1.40 12- 5- 120 1- I 10 1,- 1.- 2,- Z,- 140 120 1- 0,80 1,20 0,80 3,- t) frei Wogen und njfi Bahn. Produktenmarkt von» 14. Februar. Die Andau« der kalten Witterung, smvie höhere auswärtige Notierungen bewirkten aus dem Getreidemarkt feste Tendenz. Grögere Preissteigerungen wurden indes durch jorigcsetztes Angebot von ZLalta-Beizen und von födrussifchem Roggen verhindert. Die Licfcruligsprcise für Weizen zogen um 0,50 M. an Roggen blieb gut behauptet. Haser zog um 0,25 M. an. Rüböl gab leicht nach._ Briefkasten der Redaktwn. Dt« iimstischc Sprechstunde findet Montag. Dieuitog, Donnerstag und Freitag von 7— S tthr abends statt. «. S. Rom. Wir sind bereits versorgt und müssen Ihr Anerbieten deshalb dankend ablehnen. Paul F. 1. Ja. 2. Nein. 3. Falls Ihre Braut noch nicht 21 Jahre alt ist, iniifft» Sic aiich die beglaubigte Einwilligung Ihres Sckwiegcr- sondern das Auitsgencht zuständig.— U. V. Polizeiliche Genehmigung ist nicht crsordertich. Jedoch mühte« die Statuten so eingerichtet werden, dah erwirken.- Feld 1901. Unter keinen Umstanden lönntci« Sie eigen- mächtig handeln, fondern mühten, falls Sie im Recht sind, auf Räumung klage». Soviel ersichtlich, ist aber der alte Pächter und nicht Sie im Rech«. Der Beltrag des alten Pächters gilt immer auf ein Jahr. Dies scheint nach nicht abgelaufen zu sein. Verantwortlicher Redacteur: Wilhelm Schröder in Wilmersdorf. Für den Inseratenteil verantwortlich: Db.«Llocte Ui Berlin. Druck mid Verlag von Max Babing in Berlin.