Nr. 56. ZUnnmemeitt,• f eb htpng«: «lbonnemeniZ-Pre» pränumerando: «terteljährl. 3,30 Mk., monatl. 1,10911., «öchenlltch LS Psg. frei w» Hau». Sttuelne Numw'r 6 Psg.«onntag», Nummer mit Illufirierier Eonmag»» Beilage„Die Neue Well" 10 Pfg. Post- «bomtemem: 1,10 Mari pro Monat, «ingelragen in der Post- Zeitung»» Preisliste für IS Ol»nier Sc. 7671. Unter streu, band für Deutschland und Oesterreich-Ungarn» Mari, s»r da» »drige»u»land 3 Mari pro Monat. 18. Jahrg. Di« I»serUon«.«thgyt beträgt für die sechsgespaltene Kolonet« seile oder deren Raum«0 Psg., für politische und gewerischastliche Vereins- und Versammlung«- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Auseigen" jede» Wort 6 Psg. (nur da« erste Wort seit). Inserat« sür die nächst« Nummer müssen bis< Uhr nachmittag« in derSrpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend«, an Sonn- und Sesttage« bi»SUHr vormittag» geössuet. ErschewI l»glich nn Aer Moning«. Derltnev Volksblakk. Telegramm-Sdresse- „Eorinldemokrni Srrlia" Csntralorgan der fo cialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: 19, Veuth-Stratze 2. Fernsprecher: Amt I, Slr. 1508. Donnerstag, den 7. März 1901. Expedition: sw. 19, Ventil-Strage 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. 51L1. Dr. Dade und die Agrarzölle. i. Der eben erschienene Band der vom Verein für Social Politik herausgegebenen«Beiträge zur neue st en Handelspolitik Deutschlands" enthält das schon im ersten Band angekündigte Korreferat des Herrn Dr. Dade über die Agrarzölle. Herr Dade will die gegen die schutzzöllnerischen Bestrebungen der Agrarier ge- richteten Gründe, speciell die Einwände des Professors t. Conrad, widerlegen; in Wirklichkeit bietet jedoch sein laidoyer für höhere Getreidezölle die beste Beweisführung, die vielleicht bisher geschrieben worden ist für die Ungereimtheit und Hohlheit der ganzen agrarischen Argumentation. Indem Herr Dade die Ansprüche der Großgrundbesitzer und ihre Begründung höherer Zollforderungen unter bestimmte Gesichts- punkte bringt, sie gewissermaßen systematisch darzustellen sucht, zeigt sich erst, wie unsäglich traurig es um die agrarischen Gründe bestellt ist. In Deutschland hat von jeher die Vulgärökonomie, eine privatwirtschaftliche Erfahrungen in breitester Weise der allgemeinernde, nur an der Oberfläche der Erscheinungen haftende Volkswirtschaftslehre, eine besondere Pflegestätte ge funden; immerhin vermag sie selbst in der oberflächlichen professoralen Fassung nicht ohne theoretische Grundlegungen auszukommen. Bei Herrn Dade fehlt auch diese Konzession; er geht in seiner Beurteilung nicht von einem durch wissenschaftliche Untersuchung gewonnenen, sondern von einem von vornherein eingenommenen Interessen- standpunkt aus; dem Standpunkt, daß der Großgrund- besitzer infolge des ihm innewohnenden besonderen Wertes ein natürliches Recht ans eine möglichst hohe Grundrente und hohe Bodenpreise hat, und daß demnach der Staat zu seinem eignen Nutzen— d. h. genau genommen, zum Zwecke der Aufrechterhaltung des Militarismus, der höheren heutigen Bureaukratie und des politischen Einflusses des Adels— die Verpflichtung hat, die agrarischen Anforderungen zu den seinigen zu machen. Das ist eine allerliebste Auffassung; aber vielleicht ver- dient die Leichtigkeit, mit der sich Herr Dade über die ein- fachsten Grundsätze der Nationalökonomie in seinen Deduk- tionen hinwegzusetzen versteht, noch größere Bewunderung. Es wäre eine verdienstvolle Arbeit, Seite für Seite Herrn Dade nachzuweisen, mit welcher Nonchalance er über schwierige Fragen hinweg zu sehen versteht und wie er eigentlich mit nichts, als mit leeren Voraussetzungen, Annahmungen und Unterstellungen arbeitet. Solche Kritik müssen wir uns jedoch ver- sagen, dazu bedürfte es einer längeren Artikelserie. hier können nur die Hauptpunkte seiner Ausführungen Berück- sichtignng finden. Herr Dade beginnt mit einer längeren Betrachtung darüber, daß seit etwa dreißig Jahren die Preise für Weizen, Roggen, Gerste, Hafer bedeutend gesunken sind. So betrugen nach einer von ihm wiedergegebenen Blenckschen Statistik die Getreidepreise im preußischen Staat nach den Durchschnitts- preisen der bedeutendsten Marktorte in achtjährigen Perioden: Preis pro Tonne s1000 Kilogramm) Erntejahr 1868/69—1876/76. 1876/77—1883/84. 1884/85—1891/92. 1892/93—1899/1900 Aus diesem Rückgang Gerste M. 166 158 148 133 Hafer M. 160 148 142 138 Weizen Roggen M. M. 223 173 . 207 166 181 166 . 156 131 ____...._____„ der Preise folgert er dann weiter einen entsprechenden Rückgang der landwirtschaftlichen Renta- bilität und die Notwendigkeit einer Erhöhung der Ge- treidezölle. Daß ein Preisfall stattgefunden hat, ist unbestreitbar; aber die Frage ist: können denn die hohen Getreidepreise, die Preußen in den sechziger und siebziger Jahren hatte, irgend- wie als Norm gelten'} Diese Preise beruhten im wesentlichen darauf, daß damals in England die Getreidepreise weit höher standen als in Preußen, und dessen Getreideproduzenten daher in England einen vorteilhaften Absatzmarkt fanden. Durchschnittlich stellten sich in jener Zeit die Weizenpreise in England 40 M. pro Tonne höher als im preußischen Staate, über 50 M. höher als in der Provinz Preußen. Frankreich konnte kaum mitkonkurrieren, da es den größten Teil seines Weizens selbst gebrauchte und überdies der Preis in Frankreich um über 20 M. höher stand als in Preußen. Die amerikanische Weizenproduktion steckte noch in den Anfängen der Entwicklung, und bei der Einfuhr russischen Weizens ergaben sich für die englischen Importeure enorme Transportkosten. Die deutsche Getreide- ausfuhr florierte; die Junker machten hohe Profite und schwuren zu den Principien St. Manchesters. Die Güterpreise stiegen enorm. In Posen stellte sich beispielsweise der durchschnittliche Verkaufspreis pro Hektar vor 1830 beim Mittelbesitz auf 243 M., beim Großbesitz auf 274 M,. in dem Zeitraum 1871—80 hingegen auf 630 bczw. 378 M. Aehnliche Preis- steigerungen finden wir in Mecklenburg. West- und Ostpreußen, Schlesien ic. Demgemäß stiegen auch die Pachten in den östlichen Provinzen Preußens von 1849 bis 1879 um nicht weniger als 156 Prozent. Daß dieser Vermögenszuwachs den Grundbesitzern gefiel, ist begreiflich, und ebenso begreiflich ist es von ihrem ein- fettigen Jnteressenstandpunkt auS, daß sie, als gegen Ende der siebziger Jahre die amerikanische und russische Konkurrenz siegreich vordrang, sich mit allen Kräften gegen eine Reduktton der Bodenpreise und ihrer Profite sträubten, und sich zu deren Aufrechterhaltung mit den Eisen- und Stahlindustriellen ver- bündeten, nachdem erst kurz vorher, auf Antrag der Agrarier, die Eiscnzölle gefallen waren. Aber entspricht denn dieser Standpunkt dem Volks- interesse? Oder hatte das Volk ein Interesse daran, daß die durch abnorme Verhältnisse hochgetriebenen Bodenwerte und Lebensmittelpreise wieder sanken, daß das Brotgetreide sich wieder dem Preisstande näherte, auf dem es in den dreißiger, vierziger Jahren gestanden hatte(1831—1840 kostete die Tonne Weizen in Preußen nur 138 M.)? Die Antwort kann vom Standpunkt des Gemeininteresses nicht zweifelhaft sein; Herr Dade allerdings nimmt einfach an, daß die den Grundbesitzern einmal zugeflossenen Vorteile ihnen auch dann durch den Staat gesichert werden müssen, wenn die Wirtschaft- lichen Bedingungen dafür nicht mehr existieren, sei es auch durch Verteuerung der den ärmeren Schichten unentbehrlichen Lebensmittel. Mit ganz demselben Recht könnten auch die Hausbesitzer verlangen, daß ihnen, wenn erst die Mieten und Häuserpreise rapide steigen, später infolge veränderter Verhältnisse aber wieder um eine Kleinigkeit sinken, der Staat dauernd die früheren höheren Mietszinse sichert. Aber sehen wir ganz ab von diesem seltsamen Rechts- standpunkt, mit dessen Nichtanerkennung sofort die ganzen weiteren Dadeschen Ausführungen zusammenbrechen— inwiefern folgt denn aus dem Mckgang der Getreidepreise schon ohne Weiteres, daß auch die Rentabilität der landwirt- schaftlichen Betriebe zurückgegangen sein muß? Die von Herrn Dade benutzte Blencksche Tabelle zeigt zwar, daß gegenüber der Periode 1868/69—1873/76 der Weizenpreis im Durchschnitt der letzten Jahre um 68 M., der Roggenpreis um 42 M., der Haferpreis um 22 M., der Geistenpreis um 27 M. pro Tonne niedriger gewesen ist; doch bei näherer Prüfung der Preisverhältnisse stellt sich die Sache etwas anders dar. Herr Dade hat sich zum Vergleich gerade jene Periode ausgesucht(1868/69 bis 1875/76), in der die Roggen-, Hafer- und Gerstepreise ihren höchsten Stand im ganzen 19. Jahrhundert erreicht haben: eine Periode höchster landwirtschaftlicher Prosperität. die in keiner Hinsicht als normal gelten kann. Gehen wir nur auf die ebenfalls günstigen sechziger Jahr zurück, ergiebt sich schon sofort ein ganz andres Bild. Dann zeigt sich, daß eine größere Preisdifferenz nur beim Weizen vorhanden ist, aber mit Weizen und Spelz ist nur ein Sechstel tgenauer 17 Prozent) der deutschen Getreidefläche bebaut. Dagegen ist die Differenz zwischen dem jetzigen und den Roggen-, Hafer- und Gerstepreisen der sechziger Jahre relativ gering, wie die folgende Aufstellung zeigt: ~» Preise pro Tonne in Preußen q Roggen Gerste Hofer M. M. M. 1861—70..... 155 146 140 1871—75..... 179 171 163 1876—80..... 166 162 153 1881—85..... 160 155 146 1886—90..... 143 139 135 1891—05..... 149 143 143 1896..... 120 128 122 1897..... 124 133 134 1898..... 147 144 147 Selbst an diesen Ziffern müßten noch verschiedene Korrek- turen vorgenommen werden; so ist z. V. die Futtergerste mit der Braugerste zusammengeworfen. Im Preise zurückgegangen ist aber nur die erste; die Braugerste wurde in den letzten Jahren weit höher bezahlt als früher. Aber was beweisen denn überhaupt die Getreidepreise für den Nutzen, den der landwirtschaftliche Betrieb abwirft? Zunächst ist der Ernte-Ertrag pro Hektar, daS muß auch Herr Dade zugeben, in den letzten 20 Jahren bedeutend ge- stiegen; denn es wurde gewonnen vom Hektar: an Weizen Roggen Hafer Gerste 1380... 1.29 0.34 1.13 1.32 1898... 1.67 1.27 1,45 1.51 Wir sehen, dieser Mehrbetrag, der beim Roggen nicht weniger als 50 Pro z. beträgt, ist bei Roggen. Hafer und Gerste, prozentuell berechnet, weit größer als der Preisfall. Mit Roggen sind aber 42, mit Hafer 29 und mit Gerste 12 Proz. der gesamten Getreidefläche des Deutschen Reichs bebaut, mit Weizen und Spelz nur 17 Proz. Sodann kommt, wie Herr Dade ganz vergißt, in Betracht, daß sich die Pro- duktionskosten durch Erfindung künstlicher billiger Düngcrmittel und vornehmlich durch die Anwendung landwirtschaftlicher Maschinen vielfach verringert haben, ferner, daß durch den Ausbau des Eisenbahn- und Kanalnetzcs die Transportkosten wesentlich gefallen sind, sowohl auf weite Entfernungen, als von den Gütern nach den nächstgelegenen Stattonen. Und Iktst not lenst hängt die Rentabilität der Landwirtschaft doch nicht nur von den Getreidepreisen ab. sondern auch von den Preisen und Produktionskosten von Schlachtvieh, Milch, Eiern, Käse, Gemüse. Obst zc., w., sowie von den Erträgen der mit ihr verbundenen industriellen Betriebe(Brennereien, Brauereien, Zucker- und Stärkefabriken ic.). Herr Dade läßt alle diese Faktoren unberücksichtigt. Nur auf die Preisbewegung der Kartoffeln, des Heus, Kartoffel- spirituS, Tabaks, Schlachtviehs, der Butter und Wolle geht er kurz ein, allerdings auch hier, ohne sich zu einer Unter- suchung der Produktionsveränderungen zu verstehen. Ein Steigen der Preise einzelner dieser Artikel vermag er nicht zu leugnen, speciell deS Schlachtviehs, doch kurioserweise zieht er daraus nicht die Folgerung, daß der Fall der Weizen- und Roggcnpreise durch die Preissteigerung andrer Arfikel mehr oder weniger wieder ausgeglichen würde, sondern daß diese Artikel, weil ihre Preise nicht auch gefallen seien, für die Beurteilung der agrarischen Zollforderungen nicht in Betracht kämen, also der „Schwerpunkt der Erörterung" in der Bemessung der Getreide- zölle liege. Ein famoses Verfahren! polikifche Mebevfichk. Berlin, den 6. März. Reichstag. Ersichtlich erschöpft von den Anstrengungen deS vorigen TageS arbeitete der Reichstag am Mittwoch ziemlich maschinenmäßig ein recht umfangreiches Arbeitspensum herunter. Zunächst erledigte er ohne jede Debatte in dritter Lesung das Posttax- Gesetz, die Ein- fiihrnng der leUvr- boxes. Dann wandte er sich dem Rest des Auswärtigen Etats zu. Die Erörterung floß im allgemeinen recht ruhig, um nicht zu sagen langweilig dahin; daß Abgeordneter Lehr eine alldeuffche Rede hielt, war ebenso wenig neu wie die Neigungen der freisinnigen Volkspartei zur Kolonialpolitik, die Abgeordneter Eickhoff beim Titel.Kiautschou" bekundete. Uebrigens ist über den letztgenannten Titel noch nie so wenig verhandelt worden, wie in diesem Jahre. Die einzige Debatte von Belang, die sich beim Rest deS AuS- wältigen Amts entspann, betraf den Konsul V.Humboldt inMoSlau, jetzt in Alexandrien. Dieser Herr fühlte sich augenscheinlich durch seinen berühmten Namen verpflichtet, etwas von sich rede« zu machen. und antlvortete auf eine Erkundigung zweier Firmen nach den Bezugsbedingungen russischer Butter mit einem Schreiben, das gerade nicht allzu große Höflichkeit atmete, und dessen kurzer Sinn der war, er. der Konsul, habe keine Veranlassung, die Einfuhr russischer Butter nach Deutschland zu erleichtern. Mit Un- recht vermuteten die Herren von der Rechten, der Konsul sei wegen dieses seines unhöflichen Schreibebriefs von Moskau weg nach Alexandrien versetzt worden. Der Staatssekretär v. Richthofen, dem Graf Bülow gnädigst überläßt, in Kleinigkeiten zu antworten, zerstreute diese Besorgnisse: den Ton deS Briefs zwar gab er preis,„da wir im Auswärtigen Amte immer sehr höflich sind", aber mit seinem Inhalt erklärte er sich durchaus einverstanden. Er leistete sich bei dieser Gelegenheit folgende famose Beweisführung: Wenn auf einer Ware ein Schutzzoll liegt, so bedeutet das, daß ihre Einfuhr erschwert werden soll; wenn nun aber ein Konsul durch AnsknnftSerteilnng die Einfuhr erleichtert, so handelt er diesem Zweck zuwider, und das sei„eine Jncongruenz der Aktion der einzelnen Teile der Regierung". Die deutsche Amts- und Kanzleisprache ist um ein ncueS Ungetüm von Wendung bereichert. Der Sache»ach bedeutet die Erklärung des Staatssekretärs nichts andres, als daß die deutschen Konsuln im Auslaude über keine im Zolltarif vorkommende Waren heimischen Beziehern Auskunft erteilen dürfen. So will eS Herr von Richthofen, der, man weiß nicht wie, in den Verdacht geraten ist, freihändlerisch angekränkelt zu sein. Von den Rednern der Linken, Dr. Müller- Sagau und Brömel wurde die Auffassung de« Staatssekretärs scharf bekämpft; selbst Herr P aas che erinnerte sich— lein mehr als seltner Fall— einmal wieder der zweiten Hälfte seines ParteinamenS und tadelt« verhältnismäßig scharf daS Verhalten deS Konsuls. Den Schluß der Sitzung bildete die Beratung de» Etats des Reich»- JnvalidenfondS. Dabei ergab sich da» Merk- würdige, daß ein ursprünglich konservativer Antrag schließlich eigent- lich nur noch von den Socialdemokraten vertreten wurde. Der Antrag Nißler betreffend Unterstützung der Kriegsveteranen und -Invaliden war in der Budgetkommisfion durch eine ziemlich nichssagende Resolution ersetzt worden. Di« Konservativen ließen ihre» eignen Parteigenossen im Stich und befürworteten die Annahme des Kommissionsantrages, der denn auch zur Annahme gelangte. Für den Antrag Nießler stimmten die Antisemiten, ein paar versprengte Konservative, Freisinnige und die Social- demokraten. Donnerstag steht der Etat des Reichsmarineamts auf der Tagesordnung.—_ Agrarische Anmaßung. Der Uebermut der Agrarier kennt keine Grenzen mehr. Am Mittwoch stellte der Abg. Frhr. v. Wangenheim(kons.) bei der Beratung deS KultuSetatS an den Minister die Forderung, nun auch die Wissenschast in den Dienst der Volksausbeuter zu stellen. Er verlangte allen Ernstes, daß Vertreter der„nationalen" Wirtschafts- Politik auf die Lehrstühle für Nationalökonomie berufen werden mögen. AlS ob nicht die Schmoller, Wagner und all die übrigen Flottenprofessoren bereits eifrig genug die nationale Wirtschajts- Politik vertreten I In Wirklichkeit meint Herr v. Wangenheim natürlich solche Vertreter der nationalen Wirtschaftspolitik, die aus das Pro- gramm deS Bundes der Landwirte eingcschworen sind, und „wissenschaftlich" nachweisen, daß ein Zehn-Mark-Zoll noch viel zu niedrig ist. ES ist ja nicht das erste Mal. daß von der Tribüne des Landtags herab die Wissenschaft als Agentin kapitalistischer Interessen reklamiert ward. Im vorigen Jahr hat Abg. Dr. Hahn dasselbe Ansinnen an den Minister gestellt wie jetzt Herr v. Wangenheim, und vor noch nicht langer Zeit hat bekanntlich Frhr. v. Stumm im Herrenhaus gefordert, dost die Kathedersocialisten durch Männer seiner Anschauung ersetzt würden. Der damalige Minister Bosse ging darauf ein und berief flugs Herrn Reinhold nach Berlin— allerding» täuschte er sich in der Person des neuen Professors, da dieser sich hinterher als unzuverlässiger KonfusionariuS entpuppte. Im übrigen zeigte die Debatte über da» Kapitel Universitäten wieder, daß fast überall die notwendigsten Einrichtungen fehlen, oder sich in schlechtem Zustande befinden, da die Regierung für Kulturaufgaben kein Geld hat, und dah die Stellung der Docenten durchaus muvürdig ist. Vielfach müssen Privatdocenten bei ihrer Ernennung zu Professoren sich mit dem Titel begnügen und auf Gehalt verzichten. Durch ein solches System bleibt die Universitäts- laufbahn der kleinen Zahl der Wohlhabenden vorbehalten. Am Donnerstag wird die Beratung des KnltuSctatS beim Kapitel „Höhere Lehranstalten" fortgesetzt.— *** Deutsches Aeich. Gegen den Kornwucher. Von allenthalben überfüllte Protestversammlungen wird uns heute berichtet aus Kolmar i. Po., Schönlanke, Rawitsch; aus Briefen, im Ahlwardtschen Wahlkreis Friedeberg-ArnSwalde, wo Gen. O b st- Schöneberg vor zahlreichen Kleinbauern mit vollem Erfolg gegen daZ Junkertum sprach; ferner aus Delitzsch, Weiitzenfel», Sangerhausen, Itzehoe, Essen. Au» Hessen wird un» geschrieben: Eine BersammlungSauflösung in Hessen ist gewist eine graste Seltenheit, da ja ein grosser Teil der Versamnilungen überhaupt nicht überwacht wird. AberdieProtestbewegunggegen die Erhöhung der Getreidezölle hat uns auch diese Mahnahme beschert. Dem Schicksal der Auflösung verfiel die am letzten Sonntag in Seligen st adt von nnsren Genossen ein- berufene und stark besuchte Versammlung, in der Genosse Rinck ans Urberach ein Referat über die Handelsverträge und die drohenden Getreidezollerhöhungen hielt und dabei den ebenfalls anwesenden Centrumsanhängern ihr Sündenregister gerade auch in dieser Beziehung vorhielt. Auster einigen andren Genossen griffen auch zwei Kapläne in die Diskussion ein, um das agrarische Centrum zu verteidigen und natürlich die übliche Socialistenbekämpfung vorzunehmen. Dabei wurde es etwas unruhig, was sich noch steigerte, als der Versammlungsleiter den einen der geistlichen Herren dentlick! auf den Gegenstand der Tagesordnung verweisen muhte, als derselbe sich gar zu grosse Abschweifungen erlaubte. Darauf gab es wieder lebhafte Zwischenrufe von beiden Seiten und der anwesende Gendarm erklärte etwas voreilig die Versammlungsauflösung. Nnsre dortigen Genossen werden deshalb auch den Beschwerdeweg beschreiten, da sie nicht annehmen können, dah nun gerade den Herren Agrariern zuliebe auf einmal daS hessische Versammlungsrecht aufgehoben werden soll. *» Der bayrische Bauernvund, den der bekannte M e m- minger ganz in da» Fahrwasser de» preußischen Junkertums ge- führt hat, und der hessische Bauernbund haben vor einiger Zeit eme Denkschrift an die deutschen Fürsten, den Reichs- tag und den Bundesrat vom Stapel gelassen, worin die agrarischen Wünsche niedergelegt find. Diese Denkschrift macht jetzt bei den bayrischen Stadtverwaltungen die Rrnide, die ersucht werden, sich ihr anzuschliehen und die Bevölkerung zur fleihigen Unter- zeichnung der Petition zu veranlassen. Der Stadtmagistrat Nürn- b e r g hat dieses Ansinnen einstimmig abgelehnt.— Die Polen und die Getreidezölle. Die polnische bürgerliche Presse, die gewöhnlich für wirtschaftliche Fragen nicht das mindeste Verständnis hat und sich nur selten»rit ihnen besaht, ist seit einigen Wochen gezwungen, zu der Frage der Getreidezölle Stellung zu nehmen. Ein Teil dieser Presse hat eS auch gethan. An und für sich ist der polnischen bürgerlichen Preffe die Be- Handlung der heiklen Frage recht unangenehm. Die so gern ge- pflegte„Solidarität aller Gesellschaftsklassen" zerschellt ja hier an der Macht der Thatsache». Die Ansichten muhten sich aber schroff teilen und der Wunsch eines Versvhnungsapostels, der im Posener „Orzdownik" den Wunsch ausdrückte, die polnischen ReichstagS-Ab- geordneten mögen sich der Stimme enthalten, um nicht nach dieser oder jener Seite Miststimmung zu erregen, wird wohl kaum in Er- füllung gehen. Die polnische Hofpartei hat ja, wie gewöhnlich, auch in dieser wichtigen Frage im preuhischen Landtag bei Beratung deS agrarischen Antrags und nach der Erklärung BülowS der gespannten polnischen Bevölkerung nichts mitgeteilt. Man weiß aber/ daß zwei anwesende Mitglieder der Hofpartei für die agrarische Unverschämtheit gestimmt haben. In Thorn hat auch eine Konferenz der polnischen Guts- besitzer aus Westpreusten und Posen stattgefunden— da» Haupt- referat für die Erhöhung der Zölle hielt' dort der ReichStagSabge- ordnete für Gnesen- Wongerowo Dr. Komierowski. Der Herr forderte den A ch t- M a r k» Z o l l. In einer ange- nommenen Resolution wurden die polnischen Abgeordneten auf- gefordert,„sich den Abgeordneten anzuschließen, die wirksamere Zölle fordern werden." Die Organe der Hofpartei haben sich gleichfalls für eine Getreidezoll- Erhöhung ausgesprochen und so steht eS ziemlich bestimmt fest, daß die' polnische Hofpartei entschlossen ist, der Zollerhöhung zuzustimmen. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, daß die polnischen Junker dem Sturm, der jetzt durch die Bevölkenmg geht, weichen und sich dann vor der Stimmabgabe drücken werden. Es ist interessant, die Begründung der polnischen Junker und ihrer Organe für eine Zollerhöhung zu beobachten. Die nationale Frage muß auch hierfür herhalten. Es wird behauptet, daß das Interesse des ganze» polnischen Volks in Preußen mit dem Aus- blühen der Landwrrtschaft verbunden sei. Ergo wäre eS nationale Pflicht, für die Getreidezoll-Erhöhnng einzutreten. Glücklicherweise sind die Hunderttausende der polnischen Arbeiter und Handwerker heute schon so weit, daß man ihnen nicht alles vorgaukeln kann. So haben sich in P o s e n während der Wahlbewegung die städtischen Wähler sehr energisch gegen die Erhöhung ausgesprochen. Die Posener volksparteilichen Blätter haben sich in der Frage auch scharf und un- zweideutig gegen die Junker erklärt. Sehen wir uns auch die Provinzen an, die vorwiegend polnisch sind. Posen mit 1 SS0000 Pole»(63 Prozent der Gesamtbevölkerung) und Ober-Schlesien mit 1 306 000 Polen (60 Prozent der Gesamtbevölkerung). Die beiden Länderstriche iveisen einen starken Grohgrunbbesitz auf. In der„Zeit- schrift des Preußischen Statistischen Bureaus" von ISOV wird auf Grund einer Enquete von 1892 festgestellt, daß in Posen 2681 Großgrundbesitzer über 100 Hektar Land besitzen und dah ihr Besitz 61,22 Proz. der gesamten Posener Landwirt- schast ausmacht. Da hätten wir also glücklicherweise die 2681 Junker. an denen das Wohl der Polen in Posen hängen soll, lieber Ober- schlesie» ist kaum ein Wort zu verlieren. Hier sind es 2S Besitzer, die allein über 253 634 Hektar Land verfügen. Unter den oberschlestschen Notleidenden finden wir den Herzog von Ujeft mit 15 072 Hektar, den Prinzen zu Hohenlohe- Jirgelfingen mit 16 649 Hektar. den Fürsten von Plest mit 39 177 Hektar usiv. Und all. die polnischen Bauern mit winzigem Besitz, dann die besitzlosen Landleute, die Landarbeiter. daS städtische Proletariat, die Arbeiterarmee deS oberschlestschen Jndustriebezirks. die Hunderttansende der polnischen Arbeiter in deutschen Städten— 70 000 polnische Bergarbeiter in Westfalen, 200 000 Köpfe samt An- gehörigen— sie alle empfinden nicht die mindeste Lust, den polnischen und deutschen Junkern einen neuen Millionentribut zu entrichten. Vor einigen Tagen hat in W i t t e n(Westfalen) eine von klerikal- polnischer Seite einberufene Volksversammlung gegen die Getreide- zollerhöhung protestiert. Am letzten Sonntag fanden in Berlin zwei polnische Protestversammlungen statt: die eine war von unsren Genossen, die andre von bürgerlicher Seite einberufen. Und schliestlich regt es sich auch in Oberschiesten. In einer vom Berg- und Hüttenarbeiter-Verband veranstalteten Versammlung wurde schon vor längerer Zeit ein Protest gegen den Brotwucher beschlossen. Die Bemühungen unsrer Ge- Nossen, eine Volksversammlung zu demselben Zweck einzuberufen, mißlangen allerdings an dem leidigen Saalmangel. Inzwischen ist es' den polnischen„National-Demokraten", den Anhängern des seit einiger Zeit radikal schreibenden„Dziennik Berlinski" gelungen, am letzten Sonntag eine Kundgebung in Königshütte zu veranstalten, an der auch die polnischen Social'isten aus dem ganzen Revier teilnahmen und in der eine scharfe Resolution gegen die Zölle auf Lebensmittel überhaupt unter grossem Jubel angenommen wurde. Dieselbe Gruppe der.National-Demokraten" hat eine polnische Broschüre herausgegeben:„Achtung! DaS Brot wird teuererl", in welcher in knapper, populärer Weife die Gemeingefährlichkeit der agrarffchen Tollheit nachgewiesen wird. Die Protestbewegung in Oberschiesten hat auch einen bemerken?- werten politischen Beigeschmack. Sie richtet sich scharf gegen das Centrnm. Die oberschlesischen polnischen EentrumSblätter, der.Katolik" und der„Dziennik Szlaski", haben es bisber nicht gewagt, das Ccntrum für seine Brotwucherbestrebnngen zu tadeln. Sie sehen die Erbitterung der polnischen Arbeiter, möchten eS aber auch mit ihren Abgeordneten und deren Partei nicht verderben. Der„Katolik" zählt 22 000 Leser. Diese konnte er nicht länger hinhalten, und für den nächsten Sonntag haben die.'.Katolik"-Leute eine Volksversammlung einberufen, die sich jedenfalls auch mit der Zollfrage befassen wird. DaS mußten die Herren thun, nachdem die letzte Versammlung in Kömgshütte.den bisherigen Führern des polnischen VolkS in Oberschlesienj-hre Unzufriedenheit" ausdrückte und erklärte, von den deutschen Centrums- lenten keine Hilfe mehr erwarten zu wollen. So hat die Frage der Gctreidezölle die polnische Arbeiterschaft recht vorteilhaft belebt. Das Centn»» und die polnische Hofpartei werden dabei den Rest der Sympathien im polnischen Volk ver- lieren. Und schon dies Ergebnis wäre hochbedentsam und für die Zukunft vielversprechend. Denn die polnischen Arbeitermasien werden sich dabei gewöhnen, eine s e l b st ä n d i g e Politik zu treiben und sich von Eiirflüssen zu befreien, die ihnen bisher nur schädlich waren.— Minister unter Ccnsur. Die pretißischen Minister, die gegenwärtig in ihrer Mehrzahl dem Thielenschen Ehrgeiz huldigen, sich als Minister der Eni- gleisungen zu beweisen, werden gegenwärtig von irgend einem stramme Zucht haltenden Kollegen oder Oberkollegen scharf kontrolliert. Reden sie im Abgeördnetenhause, so werden ihre Aeußerungen erst einer höheren' Censur unterworfen, ehe sie inS amtliche Stenogramm gelangen. Allerdings ividerspricht diese Censur den guten Sitten des Parlamentarismus. Ein Parlamentsredner hat da« Recht, unwesent- lichere Schönheitsfehler aus dem Stenogramm herauSzukorrigieren, aber er darf nicht seine Aeußerungen durch umstürzende Aenderungen und Streichungen ihren ursprünglichen Sinn nehmen. Jede Debatte würde ja sinnlos werden, wenn eS gestattet wäre, Meinungen und Wendungen, auf die andre Redner reagierten, beliebig zu korrigieren oder zu beseitigen. Zu diesem ungewöhnlichen Vorgehen hat nur jene mächtige Censur der preutzisch-nnnisteriellen Gesammtintelligenz den Kiiltusminister Studt veranlasst. Der Herr hatte am 2. März— wie die„Nat.-Ztg." feststellt— in folgender Weise sich programmatisch zur K a t h o- l i k e n f r a g e geändert: Er wolle ohne Ansehen der Person sich der Aufgabe widmen, das Gute, wo er eS fände und erkannt habe. fördern, berechtigten Ansprüchen gereckt werden usw. Dieses Pro- g r a m ni werde' iunegchalteu werden und er glaube nickt, daß dabei die begründeten Interessen der katholischen Kirche zu kurz kommen Iverden.— Und dann fuhr er wörtlich fort: „Ich bitte dabei aber noch in Erwägung zu nehmen, daß meine eignen Entschließungen allein ans sehr vielen Gebieten nicht mahgebend sind, fondern dast ich an die resiortmästige Mitwirkung verschiedener andrer Mitglieder der königlichen StaatSregierung unter Umständen auch an Ent- schliestungen deS königlichen GesamtministeriumS gebunden bin." Dieser ganze Satz fehlt im„Reicks-Anzeiger". Die Aufforderung an da? Centrnm, sich für seine Wünsche nicht mehr an de» Kultus- minister, sondern dorthin, wo der Widerstand liege, wenden zu wollen, ist beseitigt. Der Minister hatte gesagt: „Zum Schluß hat der Herr Abgeordnete an mich einen Appell gerichtet, der, wie ich glaube, schon durch die zu Eingang meiner Aus- führungen gegebene Versicherung beantwortet ist. Wenn eine Revision der kirchenpolitischen Gesetzgebung und ebenso eine legislative Festlegung deS VolksschulweseuS usw. erfolgen wird und erfolgen wollt«, so werde ich mit vollem Ernst und mit vollem Interesse und. so weit meine Kraft reicht, auch mit dem thunlichsten Streben zur Förderung eines guten Ziclö mich dieser überaus wichtigen und, wie allseitig wohl anerkannt werden wird, auch ganz austerordentlich schwierigen Aufgabe gern widmen." Dieser Satz ist im Bericht deS„Reichs-AnzeigerS" durch folgenden ersetzt: Der Herr Abgeordnete hat an mich einen Appell gerichtet, der, wie ich glaube, schon durch die zu Eingang meiner Aiisffihrungen gegebene Versicherung beantwortet ist. Wenn gesetzgeberische Ans- gaben an mich herantreten,«verde ich mit vollem Ernste und mit vollem Interesse mich gern, so weit wie meine Kraft reicht, der Lösung derselben widmen. Die' Sätze, wie sie Herr Studt wirklich gesprochen hat. stellten, »venu auch i» bedingter Form, ein reaktionär- klerikales Programm dar. in dem die Untcriverfung unter die Centrumswünsche unzivei- deutig angekündigt wurde. Nach der Censur freilich ist nur noch ein blasser Versuch übrig geblieben, dem Centrum Unverbindliches zu versprechen, ohne es' mit den Liberalen zu verderben. Immerhin kennt man nun das nach einem„christlichen" Volks- chulgesetz lechzende Herz des Kultusministers. man weist aber zugleich. daß solche ehrliche Offenherzigkeit gegenwärtig noch nicht für oppertun gehalten und demgemäst durch Korrekturen zwangsweise beseitigt werden.—_ Die Reform deS hessische» LandtagSwahlrechtS» auch von Vertretern unsrer Partei schon lange gefordert, wurde, wie chon kurz mitgeteilt, endlich von der Regierung durch eine Vorlage in die Wege geleitet. Die Wahlgesetz-Vorlage basiert auf dem Princip deS geheimen, gleiche u und direkten Wahlrechts(ohne Wahlpflicht). Das Alter zur Stimmberechtigung ist auf 25 Jahre festgesetzt._ Wähler können mir hessische Staatsangehörige sein, welche mindestens drei Jahre die Landeszngehörigkeit besitzen und ebensolange ln Hesse» wohnen. Ausgeschlossen von der Berechtigung zur Stimm- abgäbe sind diejenigen', welche unter Bormundschaft oder Pflegeschaft stehen, welche sich im Konturs befinden oder denen die Ehrenrechte aberkannt wurden. Ferner diejenigen, welche unter Polizei-Aufsicht stehen oder der Landespolizei überwiesen sind, zur Zeit der Wahl nicht nur vorübergehende Armenunterstützung erhalten haben oder mit den Staats- oder Gemeindesteuern länger als zwei Monate im Rückstände sind. Wählbar zum Abgeordnete» ist jeder stimmberechtigt« Wähler, der nicht vom Stimmrecht ausgeschlossen ist. Das Wahlrecht wird in Person ausgeübt in Form geheimer Abstimmung mittels Stimmzettel von weissem, kennzeichenlofem Papier in amtkich abgestempelten, gleichen offenen Wahl- couverts. Stichwahl hat bei mangelnder absoluter Majorität stattzufinden. Die Abgeordneten werden auf sechs Jahre gewählt; alle drei Jahre wird die Kammer zur Hälfte erneuert. Die Städte werden in räumlich abgegrenzte Wahlkreise nach der Zahl der Ab- geordneten geteilt. Die Städte Mainzund Darmstadt wählen je 3 (statt bisher 2). Offenbach. Gießen. Worms je 2(seither 1) Ab- geordnete. Die Zahl der Abgeordneten betragt nach dem neuen Wahlgesetz 55, statt seither 50. Vorstehendes bezieht sich auf die Wahlen zur Zweiten Kammer, in der gegenwärtig unsre Parte, sechs Abgeordnete aufweist. Diese Vorlage bedeutet gegen den seit- herigen WahlmoduS, Wahl der Abgeordneten durch W a h l m ä n n e r, welche aus gleicher, allgemeinerund geheimerWahl.vermittelstzusammen- gefalteter Stimmzettel, hervorgingen, einen nicht unbedeutenden Fort- schritt und dürfte unsrer Partei zweifellos von Vorteil sein. Weniger günstig dürfte sein, daß die Wählermindestens drei Jahre in Hessen wohnen müssen, ehe sie zur Abgabe des Stimmzettels zugelassen werden. Ob die Landstände hierin eine Aenderung belieben werden, bleibt sehr zweifelhaft. Eine„Kompensation", die für das direkte Wahlrecht eingetauscht werden soll, ist eine Verstärkung der Ersten Kammer durch die Oberbürgermeister von Darmstadt, Mainz und Offenbach, die der Ehre gewürdigt werden sollen, mit den hessischen Prinzen. dem Chef der' Familie Riedesel, anderthalb Dutzend fürstlicher und gräflicher Durch- und Erlauchten und einigen Jndustriemagnaten an einer Tafel zu sitzen. Zu den sonstigen im Hessenlande zu bemerkenden freiheitlicheren Regungen paht freilich diese Neuausstaffierung der Ersten Kammer schlecht. Ob die Regierung gerade diese Forderung unter allen Umständen auftecht erhalten wird, muß abgewartet werden, besser wäre es schon gewesen, diese antiken Hemmschuhe parlamentarischen Wirkens endlich einmal auf den AuSsterbe-Etat zu setzen. Die Wahldauer der Mitglieder der zweiten Kammer bleibt die alte: 6 Jahre mit dreijähriger Erneuerung. Es stehen also in Bälde recht interessante Debatten bevor, auS denen hoffentlich eine Verbesserung des jetzigen Wahlrechts hervor- geht.-_ Aus dem oberschlesischen Jndustriebezirk Die Polizeiver- waltung in Kattowitz veröffentlicht in den dortigen Lokalblättern wörtlich folgende Bekanntmachung: Bekanntmachung! (Betteln betreffend.) In letzter Zeit wird viel über daS Betteln geklagt. Es ist festgestellt ivorden. dah in vielen Fällen rüstige Leute auS den Nachbarorten in der Stadt betteln, besonders Freitags zur Mittagszeit. Wir ersuchen die Bürgerschaft, die Bettler ohne AuS- „ahme abzuweisen und einheimische in Fällen von nachweislicher Not an die Herren Bezirksvorsteher oder an die städtische Armen« Verwaltung im Stadthause zu verweisen. Im gleichen ersuchen wir die Einwohnerschaft, den Bettlern in der Nähe der Kirchen und des Bahnhofs keinerlei Allmosen zu gewähren. Das Armenwesen ist in Stadt und Land jetzt so geregelt, daß niemand gezwungen ist, zu betteln. Wir werden von jetzt ab Polizeibeamte in Civil durch die Stadt schicken, welche die Bettler unnachsichtlich aufgreifen und un« zuführen. Das Nachlassen der wirtschaftlichen Hochkonjunktur hat im Jndustriebezirk tausende von Arbeitern brotlos gemacht. Alle maß- gebenden Hüttenwerke im Bezirk haben Feierschichten eingelegt, mehrere Hochöfen sind ausgeblasen worden, die Löhne, die hier auch in den glänzendsten Zeiten durchaus nicht den mittleren Lohnsätzen andrer Jndustriegegenden gleichkommen, wurden reduziert, überall Niedergang, in den Arbeiterfamilien Hunger.und T r o st l o s i g k e i t. Und»un sollen Polizeibeamte in Civil die Stadt durchstreifen und unnachsichtlich die Bettler aufgreifen. O ja, unnachsichtlich ist die obcrschlestsche Polizei, dafür ist sie bekannt. Aber glaubt man denn wirklich, dast rüstige Leute zum Vergnügen betteln gehen? Zkein. die arbeiten lieber, ehe sie sich ein paar Bettelpfennige oder eine Brotkruste zuwerfen lasten. Mit Bangen fragt man sich, wie das in Oberschlesien erst werden soll, wen» die Brötlvuckerer ihr Ziel erreicht haben? I» Oberschlesien sieht man das Gefährliche der Situation auch ein. Hat doch diej Stadtvertretung von Kattowitz einstimmig gegen den Brotwncher votiert und der Magistrat hat sich dem angeschlossen. Die Stadtvertretung in Kattowitz besteht aus 36 Mitgliedern, von denen 14 dein Centnim, 8 den Kartellparteien und 14 dem Freisinn zuzurechnen sind. Keiner der anwesenden CentrumSleute oder Konservativen widersprach dem Protest und so haben denn diese Herren beim Reichskanzler gegen die Pläne ihrer eigenen Parteigenosse» protestiert. Bäcker und Landwirte. Die Bäcker wollten sich den von den Agrariern erhobenen Vorivurf, daß sie die eigentlichen Brotwucherer seien, nicht gefallen lassen und rebellierten gegen die Sachwaltor des Junkertums. Darauf behauptete die„Kons. Korresp.", dast die Bäcker gerade in den Arbeitervierteln Berlins besonder« teures Brot verkaufen nnd drohte mit der polizeilichen Brottaxe. Diese Drohung scheint den Borstand der Berliner Bäckerinnung derart eingeschüchtm zu haben, dast er flngS— wider besseres Wissen— die Versicherung abgegeben hat,„daß der Getreidezoll auf die Preisbildung des Gebäcks durchaus nicht den Einfluh geübt habe, den die Zollgegner ihm zuschreiben." Man wird gut thun, sich dieser Erklärung zu»rinnern, wenn etwa später die Herren Bäckermeister unter Berufung auf die höheren Zölle einen Preisanfschlag begründen werden. Und man wird ferner daraus die Lehre ziehen, daß die Bäckermeister ohnehin verdienen, dast es ihnen gar nicht daraus ankommt, ob der Getreide- und Mehlpreis um 50 M. verteuert wird oder nicht. Die konservative Idee der Einführung der Brottaxe könnte unter gewissen Umständen da»» auch in andren Kreisen Anklang finden. Wir haben es in diesem Zwischenspiel der Bäcker und Landwirte mit der Komödie der Mitschuldigen zu thun, die sich gegen- seitig deilunziereii und doch wieder' in der Angst der Entlarvung Spießgesellen bleiben.— AuS dem Reichslande wird uns unterm 6. März geschrieben: Die Munifizenz unsreS LandeSausschusseS ist durch die Be- willigung der 7S0 000 M. für die Hohkönigsburg dermaßen erschöpft worden, daß selbst für die wichtigsten Kultnraufgaben kein Geld mehr vorhanden ist. Schon seit Jahren bettelt die Universität Strastburg bei der Volksvertretung geradezu um die Mittel zur Erbauung eines neuen pharmazeutischen Instituts, da die alten Ge- bäulichkeiten für die große und mit jedem Jahr zunehmende Zahl der Studierenden räumlich völlig ungenügend, dazu baufällig und im höchsten Grade feuergefährlich find. Zahl- reiche Studenten sind gezwungen, sich bei ihren Arbeiten in Räumen aufzuhalten, die direkt über den Laboratorien liege», und aus denen für sie im Fall einer Feuersbrunst nur ein einziger, dazu sehr enger Ausgang über eine schmale Wendeltreppe vorhanden ist. In beweglichen Klagen wurden seitens deS Vertreters der Universität und' einiger Sachverständiger auS dem Hause selbst den Volksboten diese eines modernen wissenschaftlichen Instituts durchaus unwürdigen, völlig unhaltbaren Zustände geschildert.— umsonst! Selbst die Verfichenmg deS Direktors deS Instituts, er werde, falls nicht bald Abhilfe geschaffen würde, sich veranlasst sehen, die Arbeiten in den alten Räumen vollständig einzustellen, und müsse jede Ver- antwortlichkeit ftir etwaige Verluste an Menschenleben im Fall eine« Braiids ablehnen, blieb auf die Herren ohne jede Wirkung. Der gefordert« Kredit in Höhe von 180 000 M. wurde mit allen gegen 5 Stimmen abgelehnt, also etwa mit derselben Mehrheit. mit der die Dreiviertelmillionen-Ansgabe für die romantische Idee der elsässtschen Kaiscrburg ihre Genehmigiing fand. Es ist eben auch ein verdienstlicheres Werk, auf kaiserlichen Wunsch alte Ritter« bürgen wieder neu erstehen zu lassen, als einem wissenschaftlichen Institute die nötigsten Mittel zur Erfüllung seiner Aufgaben zu ge- währen, aus dem ein ganzes Land seinen Bedarf an Apothekern deckt.— Die Liquidatoren der Grnndschuldbank sind nicht zu Konkursverwaltern ernannt worden, sondern der Kaufmann Fischer. Alte Jakobstrage. Wir können daS nur mit Ge- nuqthuung begrüßen. Die Forderungen find bis zum 10. April an« zumelden. Am 27. März ist die erste Gläubiger-Ber» sammlung. Dir Prefie sollte dringend warnen, solchen Bankiers, die mit der Deutschen Bank-Gnippe in Beziehungen stehen«, Vollmachten zur Vertretung in der Gläubiger« Versammlung zu erteilen. Die Liquidatoren hatten ihren Konkursplan ganz fertig! ste wollten 40 Prozent bieten. Wenn die Gläubiger ihre Rechte wahrnehmen, wird dieser Plan scheitern. Der KurS der Obligationen stieg heute an der Börse weiter um ls/4 Prozent. Da« doppelte Votum des Gerichts und der Börse ist für die bisherigen Liquidatoren nicht sehr schmeichelhaft. Einer der haftbaren AussichtSräte, der Bankier Konitzky in Bremen, hat sich erschossen, wahrscheinlich, weil die Rezreßansprüche ihn ruinieren mußten.— Ausland. Wie wird das enden? So fragen die.Verl. Neuest. Nachr." am Schlüsse eines Artikels, der die socialen Reformen in Frankreich schildert, und, grau in grau gemalt,«in düsteres Bild entwirst von— der Roth der Fabri- kanten. Zunächst wird mitgeteilt, daß die Tüllweber von Calais mit 1vö3 Stimmen von 2300 sich für das System der.Viertels"« Arbeit ausgesprochen haben. Die Thatsache ist richtig. Wie aber ist diese Abstimmung zu stände gekommen? Darüber erzählen die stanzösischen Arbeiterblätter: Di« Tüllweber von Calais haben über drei Monat unter den größten Entbehrungen ge« kämpft, um dem Gesetz Achtung zu verschaffen; noch dann, als sie schon, vom Hunger getrieben, die Beendigung de» Streiks beschlossen hatten, lehnten sie in einer von den Fabrikanten ins Werk gesetzten Ab- stimmung das Relaissystem mit erdrückender Mehrheit abinur die Mitglieder der.Emancipation" stimmten dafür. Damals war es eine geheime Abstimmung, und wenn auch einzelne Fabrikanten oder deren Werkführcr die Arbeiter an die Urne geschleppt brachten, so war durch die Fürsorge deS Arbeitersyndikats die Freiheit der Abstimmung einigermaßen gewahrt. Anders diesmal. Die Fabrl kanten ließen die Zettel in den Fabrikräumen durch ihre Werkmeister — falls sie eS nicht selbst thaten— verteilen und wieder ein- sammeln. Die Arbeiter mußten unterzeichnen bei Strafe s o fortiger Entlassung, und das nennt man nun eine freie Abstimmung. Die Arbeiter haben sich an ihre Organisation ge wandt und erklärt, daß sie gezwungen worden seien, gegen ihre lleberzeugung zu unterzeichnen. DaS Syndikat der Arbeiter hat sich an die socialistische Kammcrgruppe ge wandt, um Protest einzulegen gegen dieses Verfahren. Im übrigen aber mag bei den Unterzeichnern die Ewägung mit gesprochen haben, daß ihre Unterschrift ja doch nicht allzuviel bt deuten könne, da das Relaisshstem dem Gesetz widerspricht; und der Handelsminister Millerand selbst erklärte, daß er sich ganz entschieden gegen«ine Abänderung deS Gesetzes in diesem Punkt« wenden werde. Di« Arbeiter hoffen also auf die Hilfe deS Staats und legen ihrer Unterschrift, die ihnen abgerungen, kein großes Gewicht bei. Di« Unternehmer haben nun schon vor längerer Zeit, gemäß ihrem früheren Leschluffe, dem Gesetz zum Trotz die alte Arbeitsmethode wieder eingeführt. Das ganze Fabrikantentrim des RordenS steckt dahinter, eS will unter allen Umständen da« Gesetz wieder zu Fall bringen. Die Fabriklnspektorcn, angewiesen vom Minister Millerand, streng die Befolgung deS Gesetzes zu über� wachen, machen natürlich von den Gesetzesübertretungen Anzeige und sie sind deshalb seitens der Fabrikanten die bestgehaßten Personen. Man versperrt den Inspektoren, die sich während der Nachtzeit überzeugen wollen, ob die Arbeit nach gesetzlichen Vorschriften vorgenomme» wird, den Eintritt in die Fabriken. Der Inspektor schrieb darauf an den Vorsitzenden der Unternehmervereinigung folgenden Brief: Herr Präsident! Im Verlauf meiner neuerlichen Nacht-Rnnd- gänge hatte ich Gelegenheit zu konstatieren, daß die Fabriken und Werkstätten, in welchen man arbeitete, geschlossen waren. Ich sah mich in der Unmöglichkeit, hineinzugelangen. Ich bitte Sie, Herr Präsident, allen vereinigten Fabrikanten in Erinnerung zu bringen, daß ich Zutritt zu den industriellen Lokalitäten haben muß, zu jed erStunde deSTag« und derNacht, ohnege. nötigt zu sein zu warten, bis man mir öffnet." Die Fabrikanten machen die AnSred«, daß sie die Betriebe vor Spitzbuben sichern müßten. Die ganze Wut des französischen Unter. nehmertum» gegen die neuerlichen socialen Gesetze, und gegen den ernsten Versuch der Regierung, sie auch wirklich zur Durch« f ü h r u n g zu dringen, zeigt sich in dem Ausspruch eines Calaiser Fabrikanten gegenüber dem Gewährsmann des.Figaro". Nach den .Berl. Neuesten Nachr." äußerte sich der Fabrikant in Beziehung auf den Brief deS Inspektors:»Für was hält man uns denn? DaS ist doch keine industrielle Organisation mehr; daS ist eine Zucht« hau»»Organisati«n." Sodann heißt es in dem genannten deutschen Unternehmer« blatt weiter: Am Sonnabend haben die Tüllfabrikantcn von Calais, Lyon, Caudrh und Saint-Quentin mit den Deputierten ihrer Bezirke beraten, um die Tüllindustrie gegen das Millerandfche Arbeitsgesetz zu schützen. Die Kaufleute in Montceau haben einen Protest an den Präsidentender Republik gerichtet, in welchem geklagt wird. daß fremde Deputierte den Bezirk aufgewiegelt haben;»wir leben in einer schrecklichen Atmosphäre; infolge der den Führern einer revolutionären Faktion'gelassenen Willkür ist jede Freiheit tot; der Handel stockt; die Angst hat der Hoffnung Platz ge- inacht und nichts läßt uns ein Ende dieser Anarchie ab« sehen.... Unsre Municipalität beschützt die Umstürzler trotz deS Municipalität«- Gesetzes; die Vertreter der Regierung lassen die Fahne der Revolte frei entfalten,... Wir können daS nicht mehr ertragen" usw. Der Verein der Reeder von Marseille läßt in den Straßen einen Auftuf an die Bevölkerung anschlagen, in welchem eS heißt:»Wir haben unter der Syndikatstyrannei zu viel gelitten.... Das wohlüberlegte Ziel deS Kampfs ist für daS internationale Syndikat die Herrschaft über die Quais; sein Wille soll den Unternehmern aufgezwungen werden." Unterdessen empfängt der Ministerpräsident freundlichst Abgesandte der streikenden Arbeiterorganisationen von Marseille und Montceau und macht ihnen Zusagen, nachdem das Berg- arbeiter-Syndikat bereits den allgemeinen Ausstand befchloffcn l Wie wird da? enden? Diese Blütenlese zeigt, wie hart die französische Regierung von dem koalierten Unternehmertum wegen der paar arbeiterfreundlichen Gesetze bedrängt wird. Der hartnäckige Widerstand, den die Unter- uehmer dem Millerandschen Gesetz entgegen stellen, deutet ferner auch darauf hin, daß eS für die Arbeiter doch nicht so geringen Wert haben kann, als von einer gewissen Seite behauptet zu werden � pflegt. In dem Artikel der.Berk. Neuest. Nachr." wird noch die vc- Häuptling aufgestellt, die Inspektoren bestünden auf Grund des vor« jährigen Gesetzes auf der Abschaffung der.Viertelsarbeit",»ob« wohl die Gerichte das entscheidende Wort noch nicht gesprochen haben." DaS ist durchaus falsch. Der l oberste Gerichtshof hat im Gegenteil ausdrücklich ent« schieden, daß daS Besetz vom 30. März 1S00 aus die T ü l l« Webereien ven Calais anwendbar sei. #, Was den Protest der Kaufleute von Montceau anlangt, so hat jetzt der Bürgermeister von Montceau einen Brief an den Ministerpräsidenten gerichtet, in dem er sich gegen die Anschuldigungen derselben verwahrt. Es heißt dort u. a.: ES ist unwahr, daß die Stadtverwaltung die Unruhstifter schütze; die Municipalität thut alle?, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Diejenigen, die sich über die gestörte Ordnung beschweren, find diejenigen, deren Freunde oder Beauftragte auf die Beamten der Stadt geschossen haben.—_ Oeftreich« Ungarn. Abgeordnetenhaus. Wien. 6. März. Zur Debatte über die Regierungsvorlage betr. die Erhöhung der Branntweinsteuer erteilt der Präsident dem Abg. Heimrich das Wort. Abg. Freßl schreit: »Wir haben uns das Wort erbeten; erteilen Sie mir das Wort!"(Großer Lärm.) Der Präsident entgegnet in großer Erregung:»Ich habe das Wort zu erteilen und werde eS Ihnen geben, aber dann, wann ich Willi' Rufe ans den Reihen der Czechen:„Nicht das Wort?" Freßl schreit:„Das ist ein Ekandal? Schämt Euch!" Freßl verlangt un- unterbrochen das Wort. Heimrich spricht unterdeffen, nur den Steno« graphen verständlich, weiter. Freßl:„Das Wort will ich haben. Einen Tag wird eS so gemacht, den andern Tag so. Er macht, waS er will!" Weitere Zwischenrufe bleiben unbeachtet. Freßl bleibt an seinen Platz gelehnt stehen und spricht heftig gestikulierend mit seinen Parteigenossen. Endlich tritt Ruhe ein und Abg. Heimrich setzt seine Rede fort. Frankreich. Da» Duell Dbroulide» Büffet findet nicht statt. Büffet» Zeugen finden in dem Brief Büffet» an Dörouläde keine Be- leidigung.— England. Ein Sturm im englischen Unterhaus. Im englischen Parlament kam es am Dienstag zu einem Auf- tritt, wie man ihn sonst wohl nur in der französischen Deputierten- kammer und im östreichischen Abgeordnetenhause gelvohnt ist. Es sollte über die Bewilligung des Kredits vo» 340 Millionen Mark abgestimmt werden. Der erste Lord des Schatzes Balfonr bc- antragt« dann den Schluß der Debatte. Dieser Antrag wurde hierauf unter lärmenden gwischerusen der Jrländer mit 220 gegen 117 Stimmen angenommen. Als dann der Kredit selbst zur Abstimmung gelangen sollte, weigerten sich mehrere Natioimlislen, den Sitzungssaal zu verlassen, um in der gewohnten Weise ihre Stimmen abzugeben. Alle Vorstellungen des Sprechers, daß dies der Geschäftsordnung des Hauses widerspreche, waren vergeblich; die be- treffenden Mitglieder, elf an der Zahl, die sich geweigert hatten, abzustimmen, wurden zur Ordnung gerufen. Balsour beantragte hierauf, daß die zur Ordnung gerufenen Mitglieder von der Sitzung ausgeschlossen werden;«in Antrag, welcher von allen Seiten de« Hauses, die Jrländer ausgenommen, mit großem Beifall aufgenommen wurde. Der Antrag Balfonr» wurde sofort angenommen und der Sprecher forderte nun tu« zur Ordnung gerufenen Mitglieder auf, den Saal zu Verlaffen. Diese weigerten sich, der Aufforderung Folge zu leisten, und der Sorxsemt 4t«rrns ivurde sodann beauftragr. die betreffen- den Mitglieder hiiiauSziibeförderil. Der Lvrgeant. ab»rms trat zu einem derselben vor, doch dieser weigerte sich, seinen Sitz zu verlassen, und vielleicht z u in erstenmal seit d ein Bestehen des Hauses mußte Gewalt angewendet werden, un> ein Mitglied hinausznbc- fördern. Die Augestellteii des HaiiseS versuchte» zunächst, eines der Mitglieder fortzuschaffen, doch gelang ihnen dies nicht. Eß ivurden nun Polizeideamte herbeigerufen, die ih» niit Geivalt von seinem Sitz zerrten und den ver- zweifelt sich Wehrenden ans dem Saal trugen. Der Austritt mochte auf allen Seiten des Hauses einen peinlichen Eindruck, und Rufe:.Es ist eine Schande, es ist eine Schande!" wurden laut. Der Sprecher. der sehr erregt war, richtete an die widerspeustigen Mitglieder die Aufforderung. doch das Haus etlvas zu respektieren und sich ohne Wider- stand zurückzuziehen, doch blieb seine Aufforderung ohne Erfolg, und eines der irischen Mitglieder schrie ihm zu:„Wir sind völlig entschlossen, Wider st and zu leisien!" Der Sprecher rief dann jedes der gemaßregelten Mitglieder namentlich auf, worauf Polizeibeamte in den Sitzungssaal traten und die betreffenden einen nach dem andren hinaustrugen. Diese setzten sich verzweifelt zur Wehr. Einer derselben schrie:»Gott beschüke Irland!" als er hinausgetragen wurde, worauf die irischen Mit- glieder sich von ihren Sitzen erhoben und sangen:„Gott schütze Irland II", während sie gleichzeitig ihre Hüte schwenkten. Patrick O'Brien schlug vor, dem Austritt durch Vertagung des Hauses ein Ende zu machen, aber dieser Vorschlag fand keine Zu- stimmung. Als die widerspenstigen Mitglieder deS HauseS alle aut dem Saal entfernt waren, wurde die Kreditvorlage angenommen, worauf sich das Hau« vertagte.— Der Boeren- Krieg. Englisch« Berichterstattung. Ueber Lord K i t ch e n e r s Berichterstattung bezüglich der Operationen gegen B 0 t h a schreibt der„ M a n ch e st e r Guar- d i a n": Dem eiligen Leser müssen sie den Eindruck einer überstürzten Flucht hervorrufen, in deren Verlauf Kriegs Material, Lebensniittel, Wagen und Gefangene in Masse er- beutet wurden. In Wahrheit verhält sich die Sache ganz anders. Die Thatsache. daß in einer Reihe von Operationen, die sich über eine Woche ausdehnten, mir nenn Todte und verwundete gemeldet werden, zeigt, daß eigentlich nicht gekämpft worden ist — nicht einmal mit der Nachhut der Boeren— und die Lang- samkeit von FrenchS Vorrücken— vier englische Meilen(S Kilo meter) pro Tag nach der Karte— vernichtet die Theorie einer eiligen Verfolgung. ES ist weiter instruktiv, daß die Zahl der erbeuteten Gewehre noch nicht halb so groß ist. wie die Zahl derer, die sich ergeben haben. Die, die sich ergeben haben, gehörten zum größten Teil gar nicht zu Lucas McyerS zurückgehender Armee, sondern waren einsalbe Bauern, die in dem Zurchzogenen Lande lebten. Die Bteherden, Schafe und Wagen, die „genommen" wurden, sind— das zeigen schon ihre Zahlen-* nicht die Vorräte einer geschlagenen Armee, sondern das gewöhnliche Farmmaterial eines Bezirks, der verwüstet wird. Ueber 16000 Schafe und beinahe 1400 Wagen wurden in 14 Tagen erbeutet; e« ist innlos, anzunehmen, daß die Boerenarme« ste mit sich geführt hat." Nicht viel besser dürfte es mit den Berichten von den Siegen in der Kapkolonie gegen De Wet sein. M t l n e r. der zum Gouverneur von Transvaal ernannte ehemalige Gouverneur der Kapkolonie, ist am 2. d.M. in Bloem- 0 n t e, n eingetroffen und ist dort mit K i t ch« n e r zusammen- getroffen. In Bloenffontein sollen IS Wagen mit flüchtigen Boeren au» Thabanchu angekommen sein. Dt« englischen Verluste. Nach Mitteilung de« Kriegsamt« belaufen sich die gesamten Verluste in Südafrika während des Februar einschließlich der al« Invaliden nach Hause gesandten Mannschaften auf SS Offiziere und 2274 Mann. Seit dem Beginn de« Kriegs find in Südafrika im ganzen gefallen 664 Offiziere und 13 137 Mann; die Gesamtzahl der Verluste ausschließlich der Invaliden, welche sich wieder erholt haben, beträgt 885 Offiziere und 16 174 Mann. Die«ndgetkemmisston beschäfttgte sich in ihrer Mittwochsttzung in längerer Geschäfts- ordnungSdebatte mit dem Vorschlag einer ostafrikanischen Central- bahn. Die Sache wurde jedoch bis nach Schluß de« ganzen Kolonialetats verschoben und dürfte demnach wohl in der morgigen Sitzung zur Beschlußfassung kommen. Bein, Etat für Kamerun er- klärte die Regierung, daß die im Borjahr beschlossene Vermehrung der Schutztruppe anfänglich Schwierigkeiten bereitet habe, daß dagegen zur Zeit d,e Anwerbungen zu Ende geführt seien. Die Mißhandlungen der Eingebornen, die den Anlaß zu Aufständen gegeben haben, wurden von der Regierung entschieden verurteilt und die Erklärung abgegeben, daß man zivar auf die Anwendung der Prügelstrafe nicht allgemein ver- zichten kömie, daß dieselbe aber nur in den alleräußersten Fällen zur Anwendung kommen solle. Die angeregte Verlegung der Centrale von Kamerun nach Victoria wurde als zu teuer und unpraktisch er- klärt. Für den geforderten neuen Regierungsdampfer wurde die erste Rate bewilligt. Nicht weniger als 6 Abstimmungen verursachte der für eine Expedition nach dem Tchad-See eingesetzte Betrag, der indes schließlich vom Vorsitzenden mit 12 gegen 11 Stimmen als angenommen erklärt wurde. ei- UlsiiSfeeiiüf eifc Polizeiliches, Gerichtliches usw. — Graf Bilkow klagt nicht. DaS gegen die Genossen G 0 g 0 w S k i und B e n d i t eingeleitete Strafverfahren wegen Be- leidigung der ReichSregierung und des Reichskanzler« ist ein- gestellt worden. Die Beleidigung soll in drer Stellen eine« Flugblatts zur ReichStagSwahl in Posen enthalten gewesen sein. Gentevkstfznftlikfzes. Berlin und Umgegend. Die Elektromonteure der Firma„Phönix" hatten wegen einer Arbeitsniederlegung die Vermittelung des EinigungsamtS angerufen, welches am Mittwoch unter dem Vorsitz des GewerbegerichtS-DirektorS v. Schulz verhandelte. Die Ur- fachen der Arbeitsniederlegung sind nach den Darstellungen des Monteurs Holz und des die Firma vertretenden Prokuristen Tia den folgende: Die Firma.Phönix" hat bisher, ebenso wie die andren Firmen der Branche für Arbeiten außerhalb Berlins zu den Berliner Löhnen eine sogenannte Borort- zulage von 1.20 M. für Monteure und 85 Pf. für HilfS- Monteure gezahlt. Außerdem ist das Fahrgeld vergütet worden. Die Vorort- zulage ist den Arbeitern kürzlich entzogen worden. Statt deffen hat die Firma für auswärtige Arbeiten folgenden Zahlungsmodus ein- geführt: Die Dauer einer Arbeit wird von der Firma z. B. auf 14 Tage veranschlagt. Wenn die Arbeiter früher fettig werden, so erhalten ste den Lohn für 14 Tage ausbezahlt. Nimnrt die Arbeit aber längere Zeit als 14 Tage in Anspruch, so gelangt der Arbeitslohn für die wirklich aufgewendeteZeit. also etwa stirlS, 16 sc. Tag« zur Auszahlung. Diesen Modus hat die Firma deshalb eingeführt, um die Kosten für eine Kontrolle der Arbeiter zu sparen, und weil der Umstand, daß gegenwärtig kein Mangel an Arbeitskräften vorhanden ist, st« in den Stand fetzt, die bisher geltenden, früher mit den Arbeitern vereinbarten Vorott-Zulagen aufzuheben. Die Arbeiter find mit dem neuen Modus nicht einverstanden, denn sie sehen in demselben«ine Lohnkürzung und die Einführung einer verschleierten Form der Acrord- arbeit. Verhandlungen der Lohnkommisfion mit der Firma hatten keinen Erfolg. Die Firma erklärte sich zwar bereit. ftir anSwättige Arbeiten eine Zulage von 10 Pf. pro Stund« that- sächlich geleisteter Arbeitszeit zu zahlen, da aber hierbei die oft recht zeitraubenden Wege von und nach der Arbeitsstelle ohne Eni- schädigung bleiben' würden, so lehnten die Arbeiter diesen Vorschlag. der immer noch eine Kürzung darstellt, ab und legten am ver- gangenen Sonnabend die Arbeit nieder.— Vor dem EinigungSamt erklärte sich der Vertreter der Firma bereit, die bisherige Vorort- zulage weiter zu zahlen, wen» ihm ein Modus der Kontrolle vorgeschlagen werde, welcher der Firma keine erheblichen Kosten ver- ursacht. Stach längeren Verhandlungen kam ein vergleich auf folgender Grundlage zu stände: Bei Montagen in den Vorotten wird, ivenn die Arbeit bis zu sechs Stunden dauett,«in Zuschlag von 15 Pf. pro Stunde gezahlt. Wenn die Arbeit länger als sechs Stunden dauert, dann beträgt der Zuschlag für jede Stunde 10 Pf. Außer« dem wird das Fahrgeld vergütet. Ob und in welcher Weis« bei Vorortsarbeiten die Laufzeit vergütet iverden soll, darüber hat eine Kommission zu beraten und der Firma Borschläge zu machen. Die Kommission wird gebildet aus zwei Arbeitern und zwei Arbeitgebern, sie hat sich auch über etwaige«enderungen der Lohn- und sonstigen Arbeitsverhältnisse schlüssig zu machen. Ferner soll die Kommission in Funttion treten bei Differenzen, dir zu Streik? oder Aussperrungen führen könnten. Wenn bei solchen Gelegenheiten keine Einigung zu stand« kommt, dann können die Parteien innerhalb drei Tagen nach dem Kommissionsbeschluß das EinigungSamt annffen. Den Vorsitz in der Kommission ftthtt der Leiter der heutigen Verhandlung oder«in andrer Gewerberichter. Die Firma hat da» Recht, Montage-Arbeiten gegen Pauschalsummen zu vergeben, jedoch dürfen Arbeiter deswegen nicht gemaßregelt werben, weil ste nicht gegen Pauschalvergütung arbeiten wollen. Prinzipale und Gehilfen im Barbtergrwerbe wollen be« kanntlich in diesem Frühjahr ihre Lag« aufbessern, die ersteren, indem sie die Preise erhöhen, die letzteren, weil sie die Preis- erhöhung als beste Gelegenheit zur Begründung und Durchsetzung einer Lohnerhöhung ansehen. Daß die Gehilfen dabei auf ein freiwilliges Entgegenkommen der Herren Prinzipale nicht zu rechnen haben, mag ein Vorkommnis in Charlottenburg beweisen. Dort Ivurde die Lohnkommission der Gehilfen auS einer öffentlichen Vör- sammlung der.Selbständigen" h i n a u s g e w i e s e n. mit dem Obmann wollte man die Anwesenheit gütigst gestatten. Einen Schneidermeister, der ebenfalls anwesend war. ließen die Barbier-.Herrcn' unbehelligt. Die Lohnbewegung der in mechanischen Schuhwaren- fabrtken beschäftigten Arbeiter ist in ein neues Stadium getreten. Nachdem in einigen Fabriken am Montag die Arbeit niedergelegt war, wurde von feiten der Fabttkanten erklärt, daß sie noch einmal die Forderungen der Arbeiter prüfen und denselben am Mittwoch- morgen dey endgültigen Bescheid zukommen lassen wollten. Diese» ist denn auch geschehen. Da« Ultimatum der Fabttkauten lautete: entweder zu den alten Lohnbedingunaen die Arbeit wieder aufzunehmen oder die vom Fabttkanten- Verband ausgearbeiteten Lohnlisten anzuettennen. Letzteres ist einfach uu- möglich, da diese Lohnlisten durchweg mehr Abzüge aufweisen als Zulagen gewähren. So scheint denn die letzte Möglichkeit, die noch schwebenden Differenzen zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen, geschwunden zu sein. In Betracht kommen die Firmen; Ch. Maiff, Oranienstr. 188; Rosenberg, An der Stadtbahn 47: Erpel. Kaiserstr. 4t; Glaser, Tnrmstr. 73 ff Ekstein u. Panitsch, Keibclstr. öS; Schweiger, Gleimstr. 17; Bath, Mattenburgerstr. 21; Mellnik, Schillingstr. 12 und Zandervahn. Gollnowstr. 12. An der Arbeitsniederlegung beteiligt sind 190 Personen. In einer Dienstag- abend stattgefundencn Versammlung der Ausständigen wurde fast einstimmig der Beschluß gefaßt, die Lohnlisten der Fabrikanten ab- zulehnen und mff den aufgestellten Forderungen zu beharren. I« der Brauerei von Hilsebcin Ivurden zwei Böttcher eilt- lassen, weil sie fich weigerten, die Arbeiten weiter in Accord zu übernehmeii. und, wie der Werkführer erklärte, weil sie sich als Auf- wiegler bethätigten. Die Kommisstou der Böttcher wurde bei der Direktion vorstellig und suchte die Augelegeuheit auf gütlichem Wege beizulegen, was aber unmöglich war, da der Werkfiibrer Herr Kil- bingcr sich unerhört provozierend gegen die Kommisston benahm. Die Böttcher fordern die Abschaffung der Accordarbeit in der Brauerei und Anerkennung des Arbeitsnachweises der Böttcher. Die Kommission der Böttcher. I. A.: L. Klapschus. Achtung. Metallarbeiter! In der Maschinenfabrik von G. Stein, Blunieiistr. 24, sind 65 Arbeiter wegen Verweigerung von ileberstunden ausgesperrt. Im Betrieb verblieben sind 3 Mann. Zuzug ist daher fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbands. Deutsche? Reich. Au? Posen wird uns geschrieben: Innerhalb deS Gewerkvereins der Metallarbeiter Dezeniber 1560 Stellenangebote vo» Arbeitgebern für männliche Personen vor, denen 5152 Stellengesuche von Arbeitnehmern gegen- überstanden: für weibliche Personen betragen die Ziffern 1031 und 643. Vernnttelt wurden 933 beziebmigsweise 973 für männliche Personen, das sind 61,7 Proz. der Angebote und 18,9 Proz. der Gesuche, und 388 für weidliche Personen, gleich 37,6 Proz. der Angebote und 60,3 Proz. der Gesuche. Es blieben also 4179 mann- liche Arbeiter, die Arbeit suchten, beschäftigungslos. Betriebseinschränknngen in der Textilindustrie. Der Verein süddeutscher Baumivollenindustrieller beschloß in einer von 35 Firmen mit 29 000 Webstühlen besuchten Versamlung eine weitere Betriebs- einschränkung. Zur Zeit betrögt bei diesen Firmen die Betriebs- eiuschränkung etwa 13 Proz.— 3800 Webstühle. Nunmehr soll die Einschränkung bis aus 25 Proz. ausgedehnt und die übrigen Webereien Süddeutschlands sowie die Webervereinigungen von ganz Deutschland zum Anschluß aufgefordert werden._ Gerichts-Jeikung. Eine verhängnisvolle Lüge. Der Fabrikant Richard Kr. hatte eine Vorladung als Zeuge in einer Privat-Beleidigungssache erhalten. Im Drange der Geschäfte vergaß er den Termin. Nach Beendigung desselben kam ein Freund des Kr., der ebenfalls Zeuge gewesen war. zu ihm und teilte ihm nüt, daß er wegen uii- entschuldigten Ausbleibens in eine Geldstrafe von 30 Mark genommen sei. Dem Herrn Kr. war dies unangenehm, er ivarf sich in eine Droschke und fuhr schleunigst nach Moabit heraus. Er traf den Amtsrichter, der ihn in Strafe genommen hatte, noch im Sitzungssaale anwesend, bat ihn, von einer Maßregelung Abstand nehmen und den bereits gefaßte» Beschluß wieder aufheben zu wollen. Der Richter fragte ihm welchen triftigen Grund er für sein Ausbleiben anzugeben habe. Kr. erwiderte, daß in seinein Fabriksbctriebe ein Wasserrohr geplatzt sei. Der Richter erklärte darauf, daß Kr. eine eidesstattliche Versicherung des be- treffenden Inhalts unterschreiben niüsse. In dieser Zwangsloge sah Kr. sich veranlaßt zu erklären, daß er die Unwahrheit gesagt habe, ein Wasserrohr sei nicht geplatzt, er habe den Termin vergessen. Der § 138 des Strafgesetzbuchs lautet:„Wer als Zeuge geladen, für sein Ausbleiben unwahre Thatsachen vorbringt, lvird mit einer Gefängnisstraße bis zu zwei Monaten belegt." Gegen Kr. wurde dieserhalb Anklage erhoben. Im'gestrigen' Termin vor dem Schöffengericht gestand der Angeschuldigte den Thatbestand unumwunden ein. Der Staatsanwalt bcaniragte die zulässig niedrigste Strafe— einen Tag Gefängnis. Der Verteidiger, Rechts- aiiwalt Paul Meyer, wies darauf hin,' daß der in Frage kommende Paragraph der härteste im ganzen Straf-Gesetzbuch sei.(?) Während bei Betrug, Unterschlagung und vielen andren Vergehen eine Geldstrafe zulässig sei. könne hier nur auf' Gefängnis erkannt werden. Im vorliegenden Falle habe die im- wahre Angabe des Angeklagien nicht dazu dienen sollen. ihn wegen des Ausbleibens zu entschuldigen, sondern die bereits erkannte Strafe rückgängig zu machen, es sei daher fraglich, ob der angezogene Paragraph zur Anwendung kommen müsse. Der Gerichtshof konnte sich dieser Auslegung nicht anschließen, sondenr erkannte nach dem Antrag des Staatsauwalts. Dem An- geklagten bleibt nur die Hoffnung, das Urteil im Wege der Gnade abgeändert zu sehen. Da? Gclla- und Hlidrasystcm. Durch Urteil deS Reichsgerichts ist jetzt die Strafbarkeit des gewerbsmäßigen Vertriebs von Gutscheinen nach dem sogenannten Hydra-(Gella-, Schneeball-, Lawinen-) System aus Z 286 Absaß 2 des Strafgesetzbuches und s§ 22 ff. des Reichsstempelgesetzes festgestellt worden.— Auch ein Sicherhcitsbeamtcr. Bor der Strafkammer des Landgerichts zu Dortmund hatte sich der Flurhüter Karl Christian Lehnhoff aus Eving wegen schwerer Mißhandlung und Bedrohung des Bergmanns Ringe zu verantworten. Der Bergmann Ringe. ein schwächlicher junger Mensch, kam am Abend deS 26. August v. I. von der Zeche„Minister Stein". Um in der Finsternis nicht angefallen zu werden, nahm er seinen Weg durch ein Kleefeld. Lehnhoff eilte nun hinter ihm her, schrie ihn' an. ob er stehlen wolle und riß ihn hinterrücks zu Boden. Gleichzeitig schlug er mit seinem Hirschfänger auf Ringe ein. Der Mißhandelte bat, ihn zu schonen, da er ja nichts verbrochen habe. Lehnhoff aber schlug weiter mit der Waffe auf ihn ein und verletzte ihn derart am Kopf, daß er blutüberströmt das Bewußtsein verlor. Der Beamte versuchte noch, ihn emporzureißen und in Arrest abzuführen; eS gelang ihm aber nicht. Ringe kam bald wieder zur Besinnung und bat, ihn zum Arzt zu führen. Da zog Lehnhoff seinen Revolver. setzte die Waffe dcm Ringe an die Stirn und schrie:„Mensch, wen» Sie jetzt nicht mitgehen, schieße ich Sie über den Haufen I' Zufällig hörte der in der Nähe wohnende Hermann Schmitz das Jammergeschrei des Mißhandelten, eilte hinzu und fand Ringe blutüberströmt am Boden. Jetzt wurde dieser von Lehnhoff aufgefordert, bei der Feste- lung des Ringe behilflich zu sein. Schmitz lehnt« dies ab, worauf Lehnhoff allein den Ringe fesselte und in da« Arrestlokal abführte. Hier hat der Schwerverletzte in dumpfem Räume zwei Nächte und einen Tag ohne ärztliche Hilfe zubringen müssen. Erst nach seiner Vernehmung auf dem Amt Kirchderne wurde Ringe frei- gelassen. Lehnhoff, der in so bestialisch roher Weise seine« Amts gewaltet hatte, wurde zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. China. Die Verbündeten sind arg verschnupft über die russische Politik. die den größten Borteil aus dem ganzen China-Abenteuer ziehen dürste. Die englische Presse verlangt kategorisch, daß China keine Sonderabmachungen mit irgend einem Lande treffen dürfe. Japan hat sich den Mächten nun auch angeschlossen. Aus London wird darüber gemeldet: Wie das„Reutersche Bureau" erfährt, hat sich Japan den andren Mächten, außer Ruß- land und Frankreich, angeschlossen, welche China vor der Unzweckmäßigkeit besonderer Abmachungen mit einzelnen Staaten warnten; hierüber hinaus hat jedoch Japan keinen Schritt gethan. Es ist aber von Japan darauf hingewiesen worden, daß. falls China nach dieser Warnung auf einer derartigen Politik be- stehen würde, es sich darauf gefaßt machen müßte. daß die übrigen Mächte Vorteile gleichwertiger Natur für sich verlangen werde». Keine Boxerjagden mehr? Dem Grafen Walder see wurde ein Antrag Li» Hung-TschangS zur Kenntnis gebracht, wonach von w e i t e r n Expeditionen der Verbündeten Abstand genommen und die Unterdrückung deS Räubernnwesens den chinesischen Truppen übertragen werden soll Graf Waldersee antwortete entgegenkommend unter ausdrücklicher Wahrung seiner vollen Handlungsfreiheit. Die Einstellung der Expeditionen wurde in Aussicht gestellt unter dem Vorbehalt, daß nicht Akte chinesischer Truppen selbst oder von Boxern oder Räubern neue Ab wehr maßregeln erforderlich machten. Reguläre chinesische Truppen bleiben, außerhalb deS von den Verbündeten gehaltenen Gebiets, unbehelligt. Ihre Stärke und Stellungen find aber dem Generalfeldmarschall richtig mitzuteilen. Die Demarkationslinie gegen die Stellungen der Verbündete» darf von den chinesischen Truppen unter keinen Umständen, auch nicht mit Patrouillen, überschritten werden. Uetzke Msriiviäikett«nd Depeschen. Da? neue spanische Ministerium. Im neuen Ministerium Lbeniimmt Herzog von Almodovar daS Aenßere, Morel das Innere, General Weyler Krieg, Herzog von Veragua Marine, Sagnsta den Vorsitz. Urzaiz die Finanzen, Villanueva die öffentlichen Arbeiten, Romanoues den Unterricht und Marquis Teverga das Justizportefeuille. Bremen, 6. März.(W. T. B.) Während der Fahrt vom Raths» keller zum Bahnhof wurde auf den kaiserlichen Wagen von einem sofort verhafteten angeblichen Arbeiter ein Eisenstück geschleudert, von welchem der Kaiser an der Wange leicht verwundet sein soll. Der Kaiser setzte die Fahrt ohne Unterbrechung fort und fuhr dann mit dem Sonderzng nach Berlin weiter. Der Verhaftete ist ein am 22. April 1831 in Bremen geborener Arbeiter, welcher, wie Bösmanns Tel. Bureau meldet, schon über ein Jahr in einer epileptischen Anstalt gewesen ist. Mie?(Böhmen), 6. März.(28. T. B.) In der letzten Nacht stahlen junge Burschen bei eiuein hiesigen Kaufmann Sprengstoffe und verbargen sie in einem verlassenen Bergstollen. Als die benach- richtigte Gendarmerie den Stollen betrat, erfolgte aus bisher unbe- kannter Ursache eine Explosion, durch welche ein Wachtmeister und zwei von den Dieben gelötet wurden. Veramwortl. Redaueur: Heinrich Ströbel in Berlin. Für den Inseratenteil verantwartlich: Tb. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. llnterhaltuugsblatt. *• 56-'8- Keiillge des Jwrts" Kerlim WlksblM.?««»«*?. m\ mi Neichstag. 62. Sitzung vom Dienstag, den 6. März 1201. nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Podbielsti. Freiherr v. Nicht- Hofen. Zunächst wird die Novelle zum Gesetz über das Posttaxwesen (Einführung der vcrschlietzbaren lsttsr boxes) in dritter Lesung ohne Debatte genehmigt und auch in der Gesamtabstimmung ange- uommen. Hierauf wird die zweite Berawng deS EtatS deS SluS- wärtigen Amts fortgesetzt.* Beim Kapitel„BerufSkonsulate" bringt Abg. Dr. Ocrtel-Sachsen(l.) die plötzliche Versetzung des deutschen Konsuls in Moskau v. Humboldt nach Alexandrien zur Sprache. Man hat diese Versetzung in Zusammenhang gebracht mit einem Briefe, den Frhr. v. Humboldt auf ein Ersuchen einer Auskunftserteilung über Bezugsquellen für landwirtschaftliche Artikel geschrieben hat. Dieser Brief lautet:„Auf die Eingabe erwidere ich Ihnen, dah ich nicht in der Lage bin, Ihnen die gewünschte Auskunft zu geben, da es nicht die Sache des kaiserlichen Konsuls ist, die russische Ausfuhr von Produkten zu fördern, welche auch in Deutschland erzeugt werden." ES ist zunächst die Form dieses Schreibens gerügt worden, ich meine aber, eS ist nicht mehr und nicht weniger höflich als andre derartige Schreiben. Im übrigen halte ich die Antwort des Freiherrn v. Humboldt für vollkommen gerechtfertigt. Man mag über die Verpflichtung der Konsuln, gewissermaßen als Handelsagenturen zu dienen, denken wie man will, jedenfalls können sie nur verpflichtet sein, Auskunst zu geben, wenn durch diese Auskunft die heimische Arbeit gefördert wird, nickt aber, wenn sie geschädigt wird. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Eine allgemeine Verpflichtnng, über die Gründe der Versetzung von Beamten Auskunft zu erteilen, kann ich nicht anerkenne». Im vorliegenden Falle stehe ich jedoch nicht an, zu erklären, daß der erwähnte Vorfall mit der Versetzung des Herrn von Humboldt i n keinem Zusammenhang steht. Die Versetzung dieses Beamten ist durchaus mit dem Willen desselben erfolgt. Was meine Stellung in der Frage selbst anlangt, so beziehe ich mich auf meine Aus- führungen in der Budgetkommission. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Ich bin nicht der Meinung, daß es Sache der deutschen Konsuln ist. einseitig agrarische Interessen zu vertreten.(Lachen rechts.) Nach meiner Ansicht hätle der Konsul auch die Auskunft erteilen müssen, wenn es sich um Produkte handelte, die in Deutschland in ausreichendem Maße hergestellt werden. Das war aber hier nicht einmal der Fall, es handelt sich um Produkte, deren Einfuhr eine ziemlich bedeutende ist. In der Budgetkommission ist übrigens nicht von einer Seite das Verfahren des Konsuls in Moskau gebilligt worden. Auch Herr v. Richthofen hat sich in der Kommission auf den Staudpunkt ge- stellt, daß die Auskunft hätte anders lauten müssen, wenn auch nur nach der formellen Seite hin. Abg. Dr. Ocrtcl(k.): Um agrarische Jnteresien handelt es sich hier überhaupt nicht. ich würde meinen Standpunkt auch beibehalten, wenn es sich um industrielle Erzeugnisse bandelte. Uebrigens ist es ein Trugschluß, wenn man aus dem Vorhandensein einer Einfuhr auf die Not- wendigkeit dieser Einfuhr schließt. Den Herrn Staatssekretär möchte ich bitten, seine Erklärung aus der Budgetkommission zu ivieder- holen, da dieselbe zum Teil dahin mißverstanden ist, als habe er das Verhalten des Konsuls auch sachlich gemißbilligt. Staatssekretär Freiherr v. Richthofen: Ich habe in der Kommission erklärt, daß es eine Gepflogenheit sei, daß der betreffende Konsul in denjenigen Fällen, in welchen besonders wichtige Interessen gegen eine Auskunftserteilung bestehen, die Sache dem Auswärtigen Amt vorlegt, und dieses ent- scheidet, ob die Auskunft zu erteilen ist oder nicht. In dem er- wähnten Fall ist das nicht geschehen. Es ist aber dem bisherigen Konsul in Moskau ein Vorwurf daraus nicht zu machen, da diese Gepflogenheit nicht in irgend einer Verfügung, die ihm zugegangen ist, Ausdruck gefunden hat. Ich halte es aber für wünschenswert, daß solche Fälle lediglich dem Ermcffen der Centralinftanz unterliegen. Ich habe nur gesagt, die Antwort würde anders ausgefallen sein, wenn fie vom Auswärtigen Amt ergangen wäre, und ick gebe zu, daß ich damit vor allem die Form gemeint habe. Sie hätte wohl etwas höflicher sein können. Was die Frage selbst anlangt, so kann ick nicht anerkennen, daß, wie Herr Müllcr-Sagan meinte, die Konsuln un- bedingt die Pflicht hätten, allerdings eine derartige Auskunst zu erteilen. Es muß das Interesse der Gesamtheit maßgebend sein, aber dieses drückt sich nach verschiedenen Richtungen aus. Ist z. B. ein Schutzzoll auf einen Artikel gelegt, so ist doch damit bezweckt, die Einfuhr dieses Artikels nicht zu erleichtern, und wenn dann auf der andren Seite von dem Konsul verlangt wird, daß er diese Ein- fuhr durch seine Auskunftserteilung erleichtert, so würde darin eine Inkongruenz der Aktion der verschiedenen Teile der Regierung liegen. Abg. Broemel(frs. Vg): In der allgemeinen Dienstanweisung für die Konsuln ist nichts enthalten, was das Verhalten des deutschen Konsuls in Moskau rechtfertigen könnte. Im„ReichSanzeiger" wird die deutsche Geschäfts- Welt jährlich aufgefordert, derartige Auskunft direkt von den Konsulaten im Auslände und nicht vom Auswärtigen Amte einzuziehen. Es liegt noch«in zweiter Fall einer solchen Ablehnung durch den Moskauer Konsul vor. Eine Stettiner Firma wandte sich wegen des Bezugs rusfischer Butter an diesen Herrn. Er lehnte eine Antwort ab und fügte hinzu, daß ei nicht Sache deutscher Konsuln sei. den Bezug russtscher Produkte, die im Inland in so reicher Menge wie Butter hergestellt werden, zu erleichtern. Wie kann ein Beamter, der aus Reichsmitteln bezahlt wird, es für geboten halten, den Handel zu brandmarken, der Waren nach Deutschland einführt? DaS ist eine sehr falsche und klägliche Auffassung, gegen die wir entschieden Verwahrung einlegen.(Bravo! links.) Der Konsul ist durch seine amtliche Stellung berufen, die Handelsverhältnisse zu studieren. Abg. v. Kardorff(Rp.): Der Konsul hat durchaus korrekt gehandelt. Er hat nach der Dienstanweisung die Befugnis, unter Umständen die Auskunft zu ver- weigern. Der Konsul soll nicht die Geschäfte de? Auslands, sondern deutsche Geschäfte fördern. DaS sind hier Geschäfte deS Auslands. (Widerspruch linkS.) Herr v. Humboldt ist aufgewachsen in den An- fchauunaen der großen Zeit deS Fürsten Bismarck, ich hoffe, daß alle unsre Konsuln im Ausland so denken wie er.(Bravo I rechts.) Abg. Paasche(natl.): In der Budgetkommission war man einmütig der Ansicht, daß die Haltung deS Moskauer Konsulats der Form und Sache nach nicht gerechtfertigt sei.(Sehr richtig! links.) Auch Herr v. Richthofen hat den Ton, den Herr v. Humboldt angeschlagen hat, als nicht richtig bezeichnet. Ich verwahre mich gegen die An- ficht, daß unsre Konsuln im Auslände grundsätzlich nur Agenten für die deutsche Ausfuhr wären, wie Herr Dr. Oertel meinte. Eine Fülle von Futterstoffen wird im Auslande produziert, die die Landwirte des Ostens nicht entbehren möchten. Herr v. Humboldt hätte er- klären können, ich selber kann eine Auskunft schlecht geben, wenden Sie sich an die und die Firmen... Seine Kritik unsres Handels aber weise ich entschieden zurück.(Bravo I links.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Ich habe nicht verlangt, daß der Konsul unter allen Umständen die Auskunft erteilt, sondern nur, daß er sich objektiv verhält und sich nicht die Kritik darüber anmaßt, od für einen bestimmten Artikel die Einfuhr nötig ist oder nicht. Staatssekretär v. Richthof«»: Die Konsuln haben das Interesse der Gesamtheit zu vertreten. diese? kann natürlich manchmal auch darin liegen, daß sie eine Aus- kunft nicht erteilen. Abg. v. Waldow und Reitzenstein(k.): Herr v. Humboldt hat das Interesse weitester Kreise vertreten. Warum haben sich die Herren übrigens nicht an den Handelssach- verständigen in Petersburg gewandt? Abg. Brömel(frs. Vg.): Ich wollte nur konstatieren, daß die Stettiner Firma sich gleich- zeitig auch an andre deutsche Konsulate gewandt hat, und daß diese ihr im Gegensatz zu Herrn v. Humboldt in liebenswürdiger Weise Auskunft erteilt haben. Die Diskussion wird geschlossen. Der Rest des Ordinariums sowie das Extra-Ordinarium werden bewilligt. Es folgt die zweite Beratung deS Etats für Kiautschou. Abg. Eickhoff(frs. Vp.): Im allgemeinen ist ein Fortschritt in der Kolonie Kiautschou nicht zu verkennen. Selbst in den sanitären Vcrhältnifsen ist eine erfreuliche Verbesserung zu konstatieren. Der Bericht spricht sich aller- dings sehr vorsichtig dahin aus, daß vorläufig die tropische Malaria dort nicht hat festgestellt werden können. Ein abschließendes Urteil über die klimatischen Verhältnisse in Kiautschou ist also auch nach der Meinung des Reichs-Marineamts heute noch nicht möglich. Meine politischen Freunde werden jedenfalls wie im Vorjahre für den Etat stimmen, da wir diese Kolonie für eine günstige Erwerbung halten. Das Ordinarinm wird ohne weitere Debatte angenommen. Im Extra-Ordinarinm werden im Tit. 7 zur Beschaffung eines Schwimm- docks 300000 M. verlangt, die Kommission beantragt, diese Summe als erste Rate einzusetzen. Das Haus beschließt dem Antrage der Kommission gemäß. Der Rest des Etats wird debattelos erledigt. Der Etat über den allgemeinen PensionsfondS wird ohne wesentliche Debatte erledigt. Es folgt der Etat für den Reichs-Jnvalidenfonds. Im Kapitel 83„Zuschüsse zum Dispositionsfonds des Kaisers zu Gnadenbewilligungen aller Art; Pensionszuschnsse und Unter> stütznnge» werden im Titel 4 4 080 000 M. verlangt zur Gewährung von Beihilfen an hilfsbedürftige Kriegsteilnehmer aus dem Feldzuge von 1870,71 und aus den von deutschen Soldaten vor 1870 geführten Kriegen. Bei der Verteilung soll die §ahl derjenigen Kriegsteilnehmer zu Grunde gelegt werden, die b i s nde 1398 als berechtigt zum Bezüge von Unterstützungen an- erkannt waren. Die Kommission beantragt, die ausgeworfene Summe auf 5 200 000 M. zu erhöhen und der Verteilung die Zahl derjenigen Kriegsteilnehmer zu Grunde zu legen, die bis zum 1. April 1901 als iinterstützungsberechtigt anerkannt waren. Abg. Rißler(k.) beantragt dazu, folgendem Gesetz betreffend die Abänderung des Gesetzes vom 22. Mai 1895 betreffend die Gründung und Verwaltung des Reichs-Jnvalidenfonds die verfassungsmäßige Zustimmung zu geben: Artikel I. Artikel I Abs. 3 des Gesetzes vom 22. Mai 1895 betreffend die Gründung und Verwaltung des Reichs-Jnvalidenfonds wird auf- gehoben und durch folgenden Absatz ersetzt: a) Behufs Gewährung von Beihilfen an solche Personen des Unteroffiziers- und Mannschaftsstands des Heers und der Marine, welche an dem Feldzuge 1370/71 oder an den von deutschen Staaten vor 1370 geführten Kriegen ehrenvollen Anteil genommen haben und deren Erwerbsfähigkeit infolge von Alter, Krankheit oder andren Gebrechen dauernd auf weniger als ein Drittel herabgesetzt ist (vcrgl. Jnvalidenversicherungs-Gesetz vom 13. Juli 1899§ 5 Abs. III), soweit sie unterstützungsbedürftig sind und auf diese Unterstützung Anspruch erheben. Artikel II. Artikel I tritt mit dem 1. April 1901 in Kraft. d) den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür sorgen zu wollen, daß die durch den Gesetzentwurf unter a) erforderlichen Mittel eventuell durch einen Nachtrag zum Reichshaushalts-Etat für 1901 bereit gestellt werden. Die Budgetkommission beantragt diesen Antrag a b- zulehnen und folgende Resolution anzunehmen: a) den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dafür Sorge tragen zu wollen, daß die Auszahlung der den Kriegsveterancn nach Maßgabe des Gesetze« vom 22. Mai 1896 gebührenden Beihilfen womöglich vom Tage der Anerkennung ihrer Berechtigung erfolge; b) den Antrag Nißler dem Herrn Reichskanzler zur Anstellung weiterer Erhebungen in der Sache zu überweisen. Abg. Nißler(k.): Der Beschluß der Kommission hat die Hoffnungen der Kriegs- invaliden wieder zerstört. Ich werde jedenfalls bei nächster Gelegen- heit wieder anfragen, was aus den Erhebungen seitens des Herni Reichskanzlers geworden ist. Abg. Graf v. Roon(k.): In der Kommission hat sich zu unsrem großen Leidwesen ergeben, daß der finanzielle Effekt deS Antrags Nißler vorläufig nicht zu übersehen ist. Nur aus diesem Grunde haben wir ihn vorläufig ab« lehnen müssen. Abg. Werner(Antisemit) befürwortet den Antrag Nißler. Abg. Speck(T.) schließt sich den Ausführungen des Abg. Graf Roon an. Abg. Dr. Arendt(Rp.): ES fft bedauerlich, daß der Herr Schatzsekretär e« nicht für nötig findet, ein freundliches Wort zu der Resolution der Kommission zu sagen. Damit schließt die Diskussion. In der Abstimmung werden die Beschlüsse der Kommission einstimmig angenommen. Der Antrag Nißler wird gegen die Stimmen der Socialdemokraten und einiger Freisinniger und Konservativer abgelehnt. Der Rest des Etats wird debattelos erledigt. Damit ist die Tagesordnung erschöpft. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr.(Marine-Gtat, zweite Lesung.) Schluß SV« Uhr._ Kommunales. Die Praktiken der Berliner Tischler- Innung vor der Gewerbe-Deputation. Einen für alle Zwangsinnungen wichtigen Beschluß faßte am Mittwochabend die ständige st ä d t i s ch e Gewerbedeputation. Die Berliner Tischlerinnung hatte vor einiger Zeit den Beschluß gefaßt, zwangsweise für alle Mitglieder sogenannte Kontrollbücher(Werkstätten- Arbeitsordnungen) ein« zuführen, nachdem wegen der allgemeinen Einführung dieser Bücher ein Vergleich zwischen den Tischlern und Berufsgenossen«merseitS und den beteiligten Arbeitgebern andrerseits vor dem Berliner Einigungsamt zu stände gekommen war, wonach diese Kontrollbücher nicht als schwarze L i st e n benutzt werden dürfen. Die Innung hat es dann den Mitgliedern zur Pflicht gemacht, bei der Entlassung von Arbeitern dem Vor stände über die Gründe der Entlassung Auskunft zu geben. Der Jnnungs- Gesellenausschuß hat vergeblich gegen den Beschluß Beschwerde erhoben, weshalb die beteiligten Arbeiter sich beschwerdeführend an die Gewerbe-Deputation wandten. Diese hat nach eingehender Beratung und Erörterung beschlossen, die Tischler- Zwangsinnnng zur Aufhebung deS erwähnten Beschlusses aufzufordern, weil er mit dem bestehende» Gesetz unvereinbar ist. Die übrigen Zwangsinnnngen, die dem Beispiel der Tischlerinnung folgen wollten, werden nun hoffentlich von einem ähnlichen»»gesetzlichen Beschluß Abstand nehmen. Ferner wurde beschlosien, den Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg zu ersuchen, wegen der Bekanntmachung des Oberpräsidenten über die Aufbringung' der Kosten der Handwerkerkammer zu Berlin einen Modus festzusetzen, nach dem diese Kosten von den Beteiligten im Wege des Umlageverfahrens eingezogen werden können. Berliner Partei-Nngelegenheiten. Der Arbeiterschaft zur Nachricht, daß das Lokal von F. Holl- dorf(früher Witwe Lehmann) in WolterSdorfer Schleuse unter den bekannten Bedingungen der Arbeiterschaft zur Verfügung steht. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Heute abend Versammlung des Vereins in den„Diana-Sälen"(großer Saal), Köpenicker- straße 68. Arbetter-BildnngSschule. GewerkschaftShauS. Engel-Ufer 16, Seitenflügel 2 Tr. Der Unterricht in Nationalökonomie findet heute wieder in gewohnter Weise statt. Die ausgefallenen Stunden werden später nachgeholt. Uolmles. Die Erbaunngöschriften in den städtischen Krankenpflege- Anstalten. In der letzten Stad tverordneten-Sitzung war die E t a t s ü b e r s ch r e i t u n g, die im Etatsjahr 1899 durch An- schaffung von Er bauungs-undUnterhaltungsschriften für städtische Irrenanstalten verursacht worden war, von unsrem Genossen B o r g m a n n zur Sprache gebracht worden. Nach dem Bericht des Rechnungsausschusses, der den Jahresabschluß deS Etats zu prüfen hatte, ist die Anschaffung auf Wunsch deS P a st o r s erfolgt. Hierauf erwidert jetzt Pastor Werckshagen, Geistlicher an der Anstalt Wuhlgarten, in einer an die „Voss. Ztg." gerichteten Zuschrift, die in der Stadtverordneten-Sitzung gefallenen Aeußerungcn und die darüber von den Zeitungen gebrachten Berichte könnten den Anschein erwecken, als ob in der Anstalt Wuhlgarten. um die es sich offenbar handle, auf seine Veranlassung die Pfleglinge mit kostspieliger Erbauungslitteratur geradezu überschüttet würden. Er habe nach vielfacher Erfahrung an Krankenbetten lediglich der Direktion vorgeschlagen, für bett« lägerige Kranke, zunächst versuchsweise,'sogenannte Pfennigpredigten zu beziehen, und die Direktion habe diesem Wunsche zur B e« friedig un g eines vorhandenen religiösen Be- d ü r f n i s s e s bereitwilligst entsprochen. Die ganze Geschichte habe nur eine jährliche Ausgabe von etwa 16 M. verursacht, die für den betreffenden Etat kaum ernstlich ins Gewicht falle. Diese Angaben stehen in einem gewissen Widerspruch zu den Angaben des vom RechnungsäuSschuß erstatteten Berichts. Darin wird die Etatsüberschreitnng auf 621,66 Mark beziffert und gesagt, sie sei«zum Teil" durch die Anschaffung der Schriften verursacht worden. Hiernach muß angenommen werden, daß die Schriften den größeren Teil der 621,66 M. erforderten. Doch das nur nebenbei I Wichtiger als die Frage nach der Höhe der Summe, die der Herr Pastor für seine Traktätchen verlangt hat, ist die andre Frage, ob dem Pastor bezw. dem Direktor überhaupt das Recht zustand, aus einem solchen Anlaß den Etat zu überschreiten. Dem Herrn Pastor mag dieses Recht über allem Zweifel erhaben erscheinen und vielleicht auch dem Direktor. Aber die Debatte in der Stadtverordneten-Versammlung und der auf Borg- mamis Antrag gefaßte Beschluß, die nachträgliche Genehmigung der Ausgabe bis anf weiteres auszusetzen, wird ihnen gezeigt haben, daß die Mehrzahl der Stadtverordneten darüber doch etwas anders denkt als sie. Auf einen Punkt möchten wir bei dieser Gelegenheit noch� hinweisen, und zwar denken wir dabei nicht gerade an die Irrenanstalten, sondern überhaupt an die öffentlichen Pflege« anstaltcn, in erster Linie an die Krankenhäuser, Siechenhäuscr, Altersversorgnngs-Anstalten, Heimstätten usw. An sich ist e« ja be« rechtigt. daß in solchen Anstalten den Kranken im Rahmen deS Etats auch der Wunsch nach Erbauungslektüre erfüllt wird, sofern ein solcher wirklich vorhanden ist und nicht bloß in der Phantasie des Pastors existiert. Dann sollte aber auch dagegen nichts ein- gewendet werden, daß die Kranken, wenn sie'S wünschen, auch Lektüre andrer Art erhalten, die nicht nach dein Geschmack deS Pastors ist. Ueber die Irrenanstalten wollen wir in dieser Hinsicht nichts sagen. ES ist immerhin nicht ausgeschlossen, daß da thatsächlich ein lebhafte» Verlangen nach ErbaunngSIektüre besteht und am Ende darf man den Irren ihre Traktätchen gönnen. Dagegen wird in den Krankenhäusern usw. viel mehr nach jener andren Lektüre verlangt, die, wie gesagt, dem Pastor nicht gefällt. Wenn nun einer auf die Idee käme, den Wunsch aus- zusprechen, daß in den Krankenhäusern usw. von Amts wegen der Vorwärts" gehalten und den Pfleglingen zur Verfügung gestellt würde?! Der Wunsch ist, gemessen an den für die freisinnige Berliner Kommunalverwaltnng geltenden Grundsätzen, so„unerhört", daß wir ihn, offen gestanden, selber nicht auszusprechen wagen. Wir wären schon froh, wenn wenigstens der Wunsch erfüllt würde, daß man die Insassen der Krankenhäuser, Altersversicherungs-Anstalten usw. ungeschoren läßt, wenn sie sich die ihnen zusagende Lektüre auf eigene Kosten beschaffen, aber auch s o weit sind wir bekanntlich noch lange nicht in den Anstalten der nach freisinnigen Grundsätzen verwalteten Stadt Berlin._ Die Fraktionen der Stadtverordneten- Versammlung haben gestern beschlossen, dem Plenum der Stadtverordneten-Versammlung folgende Mitglieder für den E t a t s- A u s s ch u tz zur Wahl vor- zuschlagen: Stadtverordneten-Vorsteher Dr. Langerhans, die Stndtvv. Bruns, Borgmann. Dr. Freudenberg, Friederici, Dr. Glatzel, Jacobi, Karl Goldschnndt I, Kalisch, Kluth, Lange, Liebenow, Michelet, Rosenow und Wallach. Die Ban- Deputation hat am Mttwoch beschloffen, den Ge- meindebchördcn den Erlverb der zur Verbreiterung der Alexander- straße notwendigen Flächen vor der alten Alexanderkascrne gegenüber der Magazinftratze unter den von der Ministerial- Baukommission gestellten Bedingungen zu empfehlen. Mit der Verbreiterung der Sttexandersirab» und dem Wegfall de» EngpaffeS am Treffpunkt der Magazin- und Alexanderstraße wird ein alter Wunsch der Bewohner des dortigen Stadtviertels, die schon mehrfach darum petitioniert haben, erfüllt. Ferner beschäftigte sich die Deputation mit der Errichtung und dem Betriebe von Bedürfnisanstalten für beide Geschlechter durch die Stadtgemeinde. Bekanntlich sind bis zum 1. April die Bedürfnisanstalten(Rotunden) für beide Geschlechter auf den öffentlichen Plätzen in Berlin an eine Gesellschaft verpachtet. Die Baudeputation ist im Princip dafür, daß diese Anstalten von der Gemeinde übernommen und verwaltet werden. Sie wird in diesem Sinne dem Magistrat einen Beschluß zur Annahme empfehlen. Städtische Straßcureinigung. Das Straßengebiet, welches der regelmäßigen Reinigung unterliegt, umfaßte am t. April 18vg eine Straßenfläche von 9 429 366 Quadratmeter(gegen 9 192 309 Quadratmeter im Lorjahre). Davon entfielen 5 699 611(5 593467) Quadratmeter auf die Fahrdämme und 3 729 755(3 598 842) Quadratmeter auf die Bürgersteige.— Die Gesamtlänge der samt lichen zu reinigenden Straßen betrug 459 Kilometer(gegen 453 im Vorjahre). Die Schneeabfuhrkosten venirsachten der Stadtgcmeinde im Winter 1898/99«ine Ausgabe von 17 865 gegen 23 581 M. im Vorjahre und 729 130 M. im schneereichen Winter 1896/97. Die höchsten Anforderungen an den Stadtsäckel stellte im Laufe der letzten zehn Jahre die Schnee-Abfuhr des Winters 1894/95: sie kostete die Summe von 885 567 M. Die Löhne der im Winter 1898/99 zur Schneebeseitigung er» forderlichen Hilfsarbeiter bezifferten sich auf nur 5726 M.— gegen 13 298 M. im Vorjahre und 136 269 M. im Winter 1896/97. Der Winter des Jahres 1894/95 hatte an Löhnen für Hilfs arbeiter die Summe von 224 134 M. erfordert.— Die Zahl der Schneeftlhren stellte sich 1898/99 auf 7164— gegen 8728 im Vor- jähre und 279 781 im Jahre 1896/97, während' im Winter 1894/95 nicht weniger als 340 603 Fuhren Schnee abgefahren werden mußten. Der Verkehr anf den Wasserstraßen Berlins zeigt nach den im„Centralbl. d. Bauw." veröffentlichten Zahlen gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung bezüglich der abgegangenen' Güter. während bei dem Durchgangsverkehr und den angekommenen Gütern Abnahmen zu verzeichnen sind. Das Gesamtgewicht betrug in Tonnen: 1. Durchgehende 301336, 2. angekommene 4 781210, 3. abgegangene 672 561. Die Anzahl der Sckiiffe betrug: 4130 durch gehende, 55 427 angekommene, 54 513 abgegangene. Der sogenannte Lokalverkehr, der die angekommenen und abgegangenen Güter umfaßt, betrug 5 453 771 Tonnen und ist gegenüber dem Vorjahre um 203631 Toimen zurückgegangen. Die Anzahl der angekommenen Personendampfer hat sich von 5450 auf 4296 vermindert, die der Schleppdampfer von 17 044 auf 18 042 und die der Güterdampf schiffe von 857 auf 858 mit 62 964 Tonnen Gütern vermehrt. Im ganzen sind zu Berg 2 853 785 Tonnen, zu Thal 1 927 425 Tonnen Güter angekommen, und zu Berg 382114 Tonnen, zu Thal 340 447 Tonnen Güter abgegangen. t Wie Petitionen zu Gunstcn der Getreidezölle zu stände kommen, beweist das Vorgehen des Centraivereins der Konservativen vor dem Potsdamer Thor. Der Verein hatte zum 23. Februar eine Mittelstands- Versammlung nach dem Zühlkeschen Lokal in der Dennewitzstraße einbenifen. In der Versammlung, die von kaum ;100 Personen besucht war, kam es. nachdem der ReichstagS-Abgeordnete iJacobskötter eine Rede für die Getreidezoll-Erhöhung' gehalten hatte, ! durch das Eingreifen mehrerer nicht konservativer Versammlungsbesucher �zu stürmischen Auftritten. Die Gegner des BrotwucherS fanden bei einem großen Teil der Anwesenden lebhaften Beifall. Der Ver- sammlung wurde keinerlei Resolution zur Abstimmuug vorgelegt. Die Teilnehmer gingen oh ne irgend welchen Be- sschlußgefaßt zu haben auseinander. Dessenungeachtet hat Der Verein i m R a m e!n der Versammlung nicht nur an den Reichskanzler eine Resolution zu Gunsten„einer entsprechenden und zeitgemäßen Erhöhung der Getreidezölle" abgesandt, sondern auch dem Reichstagsabgeordneten v. Levetzow einen Beschluß zugeschickt, in welchem dieser im Kampf für den Brotwucher ermuntert ivurde. Der Zehupfennig-Darif. Der Januar-Februar-Sbschluß der Großen Berliner Straßenbahn-Gescllschaft wird soeben bekannt ge- geben. Nach demselben haben die Einnahmen pro Januar 2 070 919,80 M., die des Februar 1 866 134,10 M., zusammen also 3 937 083,90 M. betragen gegen 3 634 043,45 M. im gleichen Zeit- räum des Vorjahrs. Mithin brachte der Zchnpfennig-Tarif der Gesellschaft in den zwei Monaten eine Mehreinnahme von insgesamt 253 040,45 M. Der Tagesdurchschnitt betrug also 66 730,24 M., da- gegen im Vorjahre nur 62 441,41 M., so daß eine Mehreinnahme von täglich 4288,83 M. erzielt wurde.— Wann wird der Fiskalis- mus deL Herrn Thielen auf der Stadtbahn eine gleiche Maß- nähme zulassen? Mit der Bespannung der Pferde wird sich. wie eine Korre- spondenz meldet, eine demnächst herauskommende Polizeiverordnung beschäftigen. Es soll bestimmt werden, daß die Bespannung samt- licher Lastfuhrwerke aus sogenannten Umlaufsgeschirren besteht, wie sie bei der Artillerie- und Trainbespannung gebräuchlich sind. Bei den jetzt gebräuchlichen Geschirren geschieht eS häufig, daß den Pferden beim Aufhalten der Wagen die Halsrieme» über die Ohren gleiten, die Tiere ihre volle Kraft infolgedessen nicht ent- falten können, und daS Bremsen der Fuhrwerke dadurch erheblich erschwert wird. Dke erste Straße, die nur mit solchen Häusern bebaut werden darf, die ausschließlich kleine Wohnungen enthalten, soll demnächst angelegt werden. Ein dahin gehender Beschluß ist gestern abend im Rathame gefaßt worden. Es handelt sich um eine Verbindung der Boxhagener- mit der Romintenerstraße. Die Besitzer eines da- zwischen liegenden Terrains hatten sich erboten, auf ihre Kosten eine neue Straße anzulegen, und hatten dagegen deren Aufnahm« in den Bebauungsplan beim Magistrat nachgesucht. Auf dem neu zu er- schließenden Gelände wollten die Antragsteller 600 kleine Wohnungen in 25 Häusern erbauen. Der Magistrat ließ eine entsprechende Bor- läge den Stadtverordneten zugehen, die ihrerseits damit einen Aus- schuß betrauten. Dieser hat nun gestern unter Vorfitz des Stadt- verordneten Rast getagt nnd fich für dte Borlage, jedoch mit dem Zusatz entschieden, daß von dem Terrain ftir die eventuelle Gr- richtnng einer Schule 412 Quadratmeter zum Preise von 45 M. pro Meter der Stadt vorbehalten bleiben sollen. Et»„Fnteruaiionaleö Centralvurea« für Tuberkulose- Bekämpfung" ist durch Beschluß des Deutschen Zentralkomitees für Lungenheilstätten ins Leben gerufen worden. Die Geschäftsstelle be- findet sich Berlin W., WUhclmsplatz 2. Als Falschmünzer ist ein Bahnbeamter August Beyer aus der Skalitzerftraße ftstgenommen worden. Beyer war zuletzt mrf der Nordbahn beschäftigt. Seit einiger Zeit fand man nun in de» Warenautomaten der Bahnhöfe viele falsche Z»Hnpfennig-Stücke. Außerdem wurde eiu starker Umlauf von gefälschten Zwanzig- uud Fünfzigpfenuig-Stücken und Zweimark-Stückeu festgestellt. Da die große Falschinünzerbande, die eine Zeitlaug in Berlin und der Pro« vinz ihr Unwesen trieb, hinter Schloß und Riegel sitzt, so vermutete die Kriminalpolizei gleich, daß sie eS mit einem neuen Fälscher und einer neuen Werlstatt zu thun habe. Diese Vermutung erwies sich als richtig. Die Beobachtung der Bahnhofsautomaten lenkte den Verdacht auf Beyer. Nachdem die Beamten genügend Material gegen diesen gesammelt hatten, nahmen sie ihn in seiner Wohnung, die er allein im» hatte. fest. Bei einer Durchsuchung des Raumes fanden fle, da sie den Insassen überrascht hatten, allerhand Werkzeuge zur Falschmünzerei. wie Formen und Platten, eine größere Anzahl falscher Münzen und Berge von Schokolade irnd Ansichts-Postkarte«, ein Beweis, daß sie muh de» Autoumteumarder gefaßt hatten. Beyer wurde gestern dem Untersuch uugsrichter zugeführt. Verhaftung eines KrtminalwachtmetsterS. Der Krimwal- Wachtmeister des 102. Polizeireviers(Weidenweg 40, Viehhof) Hermann Fehling ist, einem hiesigen Blatt zufolge, auf Grund einer Anzeige wegen mehrfacher Betrügereien und Urkundenfälschung verhaftet worden. Ewige Tage bor seiner Verhafwng hatte F. seinen Dienst gekündigt und war dann auS dem Amte geschieden. Die ihm zur Last gelegten Vergehen stehen mit seiner Amtsführung in keinem Zusammenhang. Fehling wurde durch Ärimwalkommisiar Braun dem Polizeipräsidium vorgeführt und am Tage darauf vor- läufig wieder auf freien Fuß gesetzt. Das Verfahren nimmt seinen Fortgang. Fn großer Feuersgefahr befand fich in vorletzter Nacht die Familie deS Bahnbeamten Emil Lamp recht, der erst vor einigen Monaten aus der Provinz nach Berlin verzogen war und hier Ackerftr. 122 im vierten Stock ewe kleine Wohnung inne hatte. Seine aus Frau und drei noch kleinen Kindern bestehende Familie schlief in der Stube, während er selbst Nachtdienst hatte und ab- ivesend war. Bald nach 3 Uhr früh wurde Frau L. durch das Wimmern ihres zweijährigen Kinds aus dem Schlafe geschreckt. Sie selbst fühlte sich beim Erwachen wie gelähmt, raffle sich aber mit Energie auf, da sie gewahrte] daß das Zimmer in Rauch und Flammen gehüllt war. Ihre Hilferufe machten die Nachbarn mobil, die bereits ewen verdächtigen Brandgeruch wahrgenommen hatten. Frau L. samt den Kindern wurde zwar als- bald auS dem brennenden Zimmer gerettet, doch hatten namentlich die Kinder viel Rauch geschluckt. Das Feuer hätte unabsehbare Folgen nach sich ziehen können, wenn es nicht noch rechtzeitig wahr genommen wäre, da das Haus eine Menge kleiner Mieter beherbergt und die Treppen bereits verqualmt waren. Die alarmierte Feuer- wehr sorgte zunächst durch Einschlagen der Fenster für Abzug des Rauches und löschte dann den Brand, der bereits die Decke zum Dachboden durchlöchert hatte, in kurzer Zeit ab. Die Wohnung brannte total anS. Die Entstehungsursache ist nicht ermittelt. Durch fünf Schüsse hat sich Dienstagabend der 60 Jahre alte Bierverleger Hermann Friedrich aus der Schönebergerstr. 4 ge tötet. Der Mann betrieb seit Jahren ein flottes Geschäft. In den letzten vierzehn Tagen zeigte er ein Wesen, daß man an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln mußte. Ohne Grund behauptete er, daß seine Frau mit einem andren Mann verkehre, und seine Eifer- sucht trieb ihn so weit, daß er die Frau niißhandelte. Diese verließ ihn daher vor acht Tagen und ging nach Moabit zu Verwandten. DaS brachte Friedrich noch mehr auf. Nachdem er fich einen Revolver gekauft hatte, schickte er gestern einen Hausdiener nach Moabit, um seine Frau zurückholen zu lassen. Als Frau Friedrich von dem Waffenkaus hörte, fürchtete sie für ihre beiden Kinder, die bei ihrem Vater zurückgeblieben waren, und ging deshalb gegen Abend wieder nach Hause. Unterdessen hatte Friedrich seine Barschaft, gegen 8000 M, zu einem Frennde gebracht mit der Bitte, das Geld seinen Kindern zukommen zu lassen. Um 11 Uhr abends schloß er sich in einem hinter dem Bierkeller gelegenen Raum ein und jagte sich, nachdem er den Revolver zunächst ziellos abgeschossen und wieder geladen hatte, fünf Kugeln in den Leib. Die herbeigerufene Polizei erbrach den Raum und ein Arzt der Unfallstation I ließ den Schwerverwimdeten nach der Charito bringen. Dort erlag er gestern inorgen um 5 Uhr seinen Verletzungen. Vom Schlag gerührt wurde gestern, Mittwochnachmittag, um 4'/e Uhr der 46 Jahre alte Rechtsanwalt und Notar, Jnsttzrat Dr. Julian G o l d s ch m i d t ans der Potsdanierstr. 121», als er aus dem Dönhoffplatz die Rotunde betrat. Ein Dienstmann holte sofort einen Arzt, der den Erkrankten mit einem Koppschen Rettungswagen nach seiner Wohmmg bringen ließ, nachdem die Gattin� und ein Sohn des Justizrats ans teiephonische Mitteilung herbeigeeilt waren. Ein Schaukasteudtebstahl ist am Mittwochmorgen um 4 Uhr in der Tauenzienstr. 4» bei dem Juwelier Gras verübt worden. Die Diebe erbrachen die drei Schlösser und die eiserne Umhüllung deS Kastens und drückten mit der Hand, die sie durch einen Schwamm schützten, die Scheiben«in. Zur Beute fielen ihnen 29 goldene Danien-Remontoiruhren mit Doppelkapscln im Durchschnittswert von 35 Mark; zwei blanke»nd zwei mattgoldene Domen-Uhrketten, zwei goldene Panzer- und zwei gemusterte Herren-Uhrketten und zivei goldene Manschettenknöpfe mit Diamanleu. Der Wert der ganzen Beute beträgt 1643 Mark. Die Diebe find vermutlich drei oder vier junge Burschen, die ein Arbeiter verscheuchte. Fenerbericht. In der Nacht zum Mittwoch war Bachstr. 1 ein Wohnungsbrand und Artillcriestr. 33 ein Kellerbrand abzulöschen. Unfug am öffentlichen Melder veranlaßt« einen Alarm nach Fransecki- Jtraße 31. Der Thäter konnte nicht ermittelt werden. Große Frank- urterstr. 35 brannten Dienstagabend Feuerwerkskörper in einem Schaufenster. UebergekochteS Wachs hatte sich Zeughofstr. 7 ent- zündet, doch wurde daS entstandene Feuer noch im Keim erstickt. Nach dem Lehrter Güterbahnhof wurde die Wehr gerufen, da hier ein Waggon Preßkohlen in Brand geraten war. Kleinere WohnungS- brande'wurden außerdem von Melchiorstr. 30. Wilhelmstr. 118 und Kreuzbergstr. 48 gemeldet._ Aus den Nachbarorten. AuS Lichtenberg wird unS berichtet: Die„Rixdorferei* hat nun doch an imsrem Ort ihr Opfer gefordert. Der Bürgerverein, der der Neutralität der Socialdemokratie bei der Stichwahl das von einem Vorfitzenden errungene Mandat verdankt, hat in seiner Mitte einen.Renommierarbeiter", seines Zeichens Werkmeister in einer Anilinfabrik. Dieser Herr hat daS Amt des Rixdorfer Beiß über- nommen und gegen die Wahl unsrer Parteigenossen in der dritten Klasse im allgemeinen sowie gegen die der An- gesessenen im besonderen Einspruch erhoben. Die Vertretung hätte auch dem Verlangen pattgegeben, das Mandat der mit erdrückender Mehrheit gewählten Parteigenossen Well und Grauer zu kassieren, wenn nicht zufällig der als Nichtcingesesseiier gewählte Parteigenosse Kette krankheitshalber sein Mandat niedergelegt hätte. Somit' hat nächste Woche im zweiten Bezirk der dritten Wählerklasse eine Nachwahl zu erfolgen. Unsre in der Wahl ihrer Mittel nicht besonders vorsichtigen Gegner baben aber zu früh frohlockt. Werden in der Sitzimg vom Donnerstag auch nur sieben Soeiatdemokraten eingeführt, so' bleibt doch die Zuversicht, daß der achte bald nach- ■olgrn wird. Friedrichshageu. Airf der Tagesordnung der Gemeinde- Vertretersitzung am Dienstag stand chie Erbauung eines "rmenhauses. Nachdem dieser Gegenstand schon mehrere Sitzungen in Anspruch genommen, beantragten uigre Genossen lbrecht, Barth und Sonnerrburg, doch endlich der Er- bauuug zuzustimmen. Vom Vorsteher und mehreren Vertretern wurde der Antrag bekämpft und schließlich wurde er gegen die Stimmen der Antragsteller unter dem Ausdruck der Befürchtung ab- e lehnt, daß nach Fertigstellung der„Billa" sich dort (äste einfinden könnten, die an ein Verlassen der hei- mischen Stätte nie denken würden.— Im Anschluß hieran erfolgte die Beratung einer von der am 1. Februar stattgefunden«« Volksversammlung einstimmig angenommenen Resolution, in der die Gemeindevertretung ersucht wird, alle geeigneten Schritte thun. um einer Wohnungsnot vorzubeugen. Von onnenburg wurde die Resolution«ingehend begründet. Er wi«S nach, daß infolg« der in den letzten Jahren ver- minderten Bauthättgkeit ein Mangel an kleinen und mittleren Wohnungen vorhanden sei und wenn nicht eine Bendmmg eintritt,' eine ausgedehnte Wohnungsnot die Folge sein wird. Der Vorsteher und der Vertreter T h i e m e traten diesen Aus- uhrnngen entgegen. Durch einen Schlußantrag, den Genosse Barth heftig bekämpfte, wurde demselben das Wort abgeschnitten und nach einer kaum halbstündigen Debatte die Resolution ab- gelehnt mit der Begründung:„Hier giebt's keine Wohnungsnot 1' — Die Errichtung einer Iortbildungsschnte erlebte dasselbe Schicksal. Trotzdem Sonnenvnrg wiederholt darauf hinwies, daß durch die Errichtung der Schule der Gemeinde leine erhebliche« Kosten erwachse» und ein Zuschuß dor Regierung icher sei, und trotzdem in früheren Sitzmigen die Mehrheit der Vertretung den Wert einer Fortbildungsschule rückhaltlos anerkannt hatte, wurde gegen 4 Stimme»(Albrecht. Barth. Langfeld und Sonnenburg) beschlossen, zur Zeit von der Errichtung der Schule Abstand zu nehmen.— Bewilligungslustiger zeigte sich die Verttetung bei dem Antrag des Gemeinde- Kirchenrats um Befreiung der Kirche ngrund stücke von der Gemeinde-Grundsteucr. Trotz des energischen Protestes von Albrecht, Barth und S o n n e n"b u r g ivurde der Antrag gegen drei Stimmen angenommen.— Der Gemeindehau Shalts-Etat für das Rechnungsjahr 1901 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 282 600 M. Die einzelnen Positionen der Einnahme be- tragen: Aus Vorjahren 1600 M.. gewerbliche Unternehmungen 995 M., indirekte Steuern 29 000 M., direkte Steuern 203 670 M., aus Kapitalien 830 M., aus Grundstücken 2415 M., der Amts- Verwaltung 2832 M., Schulverwaltung 8260 M., Armenverwaltung 165 M., Kurparkverwaltung 2100 M. und insgemein 1332.55 M. Die Positionen der Ausgabe betragen: Aus Vorjahren 1000 M., Amisverwaltung 44 788 M., Volksschule 91724 M., höhere Schulen 12 662,50 M., Unterhaltung, Besprengimg und Beleuchtung der Straßen 26 295,73 M., Gesundheits- und Armenpflege 16 223 M., Feuerlöschwesen 1550 M., Banpolizei-Verwaltung 1200 M., Gemeinde- Grundstücke 1600 M., gewerbliche Unternehmungen 27 320 M., Kurpark-Verwaltung 2250 M., Verzinsung und Tilgung der Ge- meindeschulden 13814,15 M., Kreissteuer 38 000 M. und insgemein 4171,91 M. Die Warenautomaten der Aktien- Gesellschaft für auto- matischen Berkauf, welche auf dem nur gegen Bahnsteig- oder tahrlarten zugänglichen Teil des Bahnhnfs in Potsdam aufgestellt nd. waren während der Sonntagsruhe und abends nach 9 Uhr nicht abgesperrt. Infolgedessen erhielt die Gesellschaft ein Straf- Mandat über 10 M., gegen welches die Gesellschaft Einspruch erhob, da nach ihrer Ansicht der abgesperrte Teil eines Bahnhofs kein öffentlicher Ort, an welchem der Verkauf von Waren verboten fei. Da das Schöffengericht aber daS Strafmandat bestätigte, will die Gesellschaft die Sache bis zur höchsten Instanz durchfechten. Für die Borortsbcwohner an der Bahnstrecke Baumschulen- weg, Nieder-Schönewetde, Johannisthal bietet stch DonnerS- tag, den 14. Marz, abends»V, Uhr, im Ackennannschen Saale, Baum- schulenweg, Gelegenheit, einen mit zahlreichen Licht- und Drehbilder», aus- gestatteten Vortrag von dem bekannten Astronomen Archen hold, Direktor der Trcptow-Sternwarte, über„Die Bewohnbarkeit der Planeten, insbesonders Mars' zu hören. In diesem Vortrag wird auch die Er- scheinung des neuen Sterns im Perseus, wie überhaupt das Entstehen und Vergehen der Welten besprochen. GeriMs-'Iettung. Ein großer Diebstahls-«nd Hehlerprozeß füllte gestern eine ganze Tagessttzung der I. Straftammer des Landgerichts 1 aus. Auf der Anklagebank' saßen als ungetreue Hausdiener: Hermann H a a f e, Max Sommerfeld, Eduard H ä n s ch. Friedrich Förster und Max Decken st edt, denen fich als Hehler der Hausdiener Karl Friedrich Haas«, der Handelsmann Hermann Sommerfeld, der Kaufmann Max Liebermann, die ver- ehelichte Auguste Haas« und der Hausdiener WladiSlauS T a d a- s ch e Iv 4 k i" zugesellten. Als Verteidiger standen ihnen die Rechts- anmalte Dr. S ch w i n d t, Dr. D a v i d s o h n, Dr. Halle Coro und Dr. Halpert zur Seite. AI« seiner Zeit Kriminalkommiffarius F i n d e i s e n nach langwierigen und schwierigen Beobachtungen znr Festnahme der Sommerfeld- Lieberniannschen Diebes- und Hchlergesellschaft schritt, erregte die Verhaftung bedeutendes Auffehen. Hermann Sommerfeld, der in der Kaiserstraße«in möbliertes Zimmer bewohnte, war der Kriminal- Polizei dadurch aufgefallen, daß er so häufig den Besuch von Leuten mit Paketen erhielt und selbst sehr oft— bisweilen schon in aller Frühe— Pakete wegtrug. Die Polizei hatte ein wachsames Auge auf die Mysterien deS Sommerseldfchen Geschäfts, und zwei Kriminalbeamte waren längere Zeit damit betraut, jeden Ausgang Sommerfelds sorgsam zu überwachen. So wurde festgestellt, daß der Angeklagte Karl Friedrich Haas«, der gleichfalls ein möbliertes Zimmer inne hatte und Handelsgeschäfte betrieb, mit Sommerfeld in enger Verbindung stand und eine Art Schlepper für diesen darstellte. Haas« sowohl als feine Kmu haben zahlreiche von Hausdienern gestohlene Waren zu Sommerfeld gebracht. Letzterer war aber noch nicht die letzte Instanz,' der Hauptmacher war vielmehr der Anaellagte Liebermann, der früher in der Kaiser Wilhelm- Straß« ein Geschäft gehabt hatte, aber in Konkurs geraten war. Er ist bald wieder emporgekommen, lebte auf großem Fuß, wohnte im ansaviettel und betrieb im Hause Grenadierstr. 29 m mehreren zimmern ein Partiewaren-Gcschäft. Sommerfeld empfing fast täglich die Besuche des Ehepaars Haase, das ihm Pakete überbrachte; spät abends brachte er die Pakete zu Liebermann, der übrigen« fein Geschäft polizeilicki nicht angemeldet hatte. Um daS Treiben in dem Sommerfeldschen Zimmer genau kontrollieren zu können, hatte stch ein Beamter in ein angrenzendes Zimmer eingemietet und durch ein» geschickte Vorrichtung an der trennenden Thür fich in den Stand gesetzt, alle Unterhaltungen in dem Sommerfeldschen Zimmer zu hören. Diese Beobachtungen führten zn der Uebcrzeugung, daß dort DiebeSware verschärft wurde und da» gestohlene Gut schließlich zu Liebermann wanderte. Im gegebenen Augenblick zog die Kriminalpolizei die Schlinge zu, indem sie sowohl Sommerfeld in seiner zuletzt in der MarstliuSftratze belegenen Wohnung als auch Liedermann verhaftet». Bei letzterem fand man eiu umfangreiche» Lager von anscheinend gestohlenen Waren vor: Gold- und Silbcrsach'cn, Tuche, Mützen. Spielwaren. Paletots, Arbeiteranzüge. Wäsche. Eigarren, Eognac ,c. ac.®9 gelang auch bald, die fünf ersten Angeklagten zu ermitteln, die die Hilfe Hanfes, Sommerfelds und des letzten Angeklagten wiederholt in Anspruch genommen hatten, um gestohlenes Gut unterzubringen. Zimi Teil wurden bei ihnen noch zahlreiche Gegenstände vorgifunden, die sie anS den Geschäften, in denen sie bedienstet waren, gestohlen hatten. Sie waren in einem Lokal in der Klosterstraße, in denen Hausdiener vorzugsweise zu verkehren pflegen, mit Sommcrseld dezw. Haase bekannt gelvorden und hatten sich durch Ueberredung auf die schiefe Ebene drängen lassen. Der Angeklagte Feckenftedt ist ein Diebstahlsspecialist. Er stiehlt gewerbsmäßig in der Paket- Abfertigungsstelle der Hauptpost und ist erst vor einiger Zeit des- wegen zu i1/« Jahren Zuchthaus verurteilt morden. Auch jetzt hat er wiro-er auf der Hauptpost einem Hausdiener einen Karton mit 3 Paletot« entwendet, die ihren Weg zu Sommerfeld gefunden haben. — Die ungetreuen Hausdiener waren im großen und ganzen geständig, nicht so die Hehler. Insbesondere widerrief Sommerfeld ein am Tage der Verhaftung abgelegte« Geständnis und behauptete, daß er Handelsgeschäfte gemacht habe, die nicht trufbar seien. Sein Umsatz habe etwa 100000 M. jährlich betragen, seine Geschäftsverbindung mit Liebermann sei eine völlig einwandfreie gewesen. Siebermann will nichts davon gewußt haben, daß die Waren, die er«ekaust, aus Diebstählen herrührten, behauptet auch, angemessene Preise gezahlt zu haben. Der Gerichtshof fällte folgendes Urteil. Herrn. Haas»; drei Monate Gefängnis(1 Monat verbüßt); Max Sommerfeld: echs Monate Gefängnis(3 Monate verbüßt; HSnsch: neun Monate Gefängnis; Förster: ein Monat Gefängnis; Feckenftedt: zwei Jahre Zuchthaus(zusätzlich); Karl Haase: ein Jahr Zuchthaus(3 Monate verbüßt); Hermann Sommerfeld 3>/e Jahre ZuchthauS; Max Liebermann: Frei- prechung; Auguste Haase: eine Woche Gefängnis; TadaschewSki: Freisprechung. Vermischtes. Gelbstmord eiueS LiebeSpaarS. AuS Breslau wird depeschiert: In der vergangenen Nacht 11*/» Uhr verübte ein junges unbekanntes Paar auf der Bahnstrecke zwffchen Schottwitz und Hundsseld Selbstmord, indem es firb von dem von Ost« nach Breslau fahrenden Personenzuge überfahren ließ. Der Zugführer ah etwa 10 Meter vor dem Zuge die beiden Lebensmüden den Bahndamm ersteigen, konnte jedoch den in voller Fahrt befindlichen Zug nicht mehr zum Stehen bringen. Ein Liebesbrama, dem, wie anzunehmen, zwei blühende Mädchen zum Opfer gefallen sind, spielte sich in Landsberg a. W. ab. Man fand dicht unter der Warthebrüde, wo die Warthe offen ist, auf dem Eise zwei Damenhüte und eine Boa. Daneben lag ein mit daß die beiden Mädchen Jda Sommer, " Eingegangene Druckschriften. Maurerpoliers Sommer, und Ida Schmisses dortigen Milan sind in satirischer Weise im Bilde vereinigt. Von dem textlichen nicht erworben hat. Wollen Sie die frühere Entlassung Ihres Mädchens, Berlin, wegen unglüdlicher Liebe den Tod gesucht hätten. Beide waren Freundinnen und in demselben Hause bei zwei verschiedenen Herr schaften im Dienst. Aus Geeftemünde meldet ein Telegramm: Der hiesige Fischereidampfer Neptun" rettete in der Nordsee bei schwerem Sturm neun Mann Besatzung des schwedischen Schooners Sirius". Die Geretteten wurden hier gelandet. Die Gefangennahme des Räubers Kneißl. Ueber die näheren Umstände, unter denen die Verhafting neißls gelang, läßt sich der Münchener Polizeibericht vom 5. d. Mts. wie folgt und Schuzmann. aus: Nachdem die aufgebotene Gendarmerie und Schuhmannschaft gestern nachmittag das Baderanwesen in Geisenhofen( bei der Station Naunhofen an der Strecke München- Augsburg) vollständig eingeschlossen hatten, wurde heute morgen gegen 9 Uhr die Beschießung des leeren Anwesens, speciell der Holzverschalung und des Biegelbachs begonnen. Das Stunde lang unterhalten, im Bauſe te urbe etwa eine rührte sich jedoch nichts. Es mußte daher einige Minuten vor 10 Uhr zum Sturm geschritten werden. Die Gendarmen brangen in das Haus ein und fanden Kneißl in einem Hleinen Zimmer auf einem Lager von Säge spähnen gegen einen Stamin geftüßt, von wo er auf die ein bringenden Gendarmen feuerte, ohne jeboch zu treffen. Auf neiẞl tourde ebenfalls geschossen. Eine Kugel brang ihm in den Unter leib und verlegte ihn sehr schwer, man sagt lebensgefährlich, eine aweite Rugel traf ihn am rechten Oberarm, eine dritte zerschmetterte ihm das linte Handgelent. Polizeiarzt Dr. Falt leistete dem Verwundeten die erste Hilfe. Die Expedition wurde unter dem Kommando des Polizeihauptmanns Seufferheld und Gendarmerie Oberlieutenants Rüster ausgeführt. Ein Geistlicher reichte Kneißl noch in Geisenhofen die legte Delung. Kneißl wurde alsdann zur Bahn gefahren, mit der er nach München gebracht wurde, wo er furz vor 1 Uhr eintraf. Im Münchener Centralbahnhof hatte sich eine folosiale Menschenmasse angesammelt, um der Ankunft Kneißls beizuwohnen. Der betreffende Bug wurde jedoch zurüdgefahren und Aneißl draußen an der Baherstraße ausgeladen. Von dort wurde er mittels eines Krantenwagens der Freiwilligen Sanitätstolonne in die chirurgische Klinik übergeführt. In Raunhofen wurde ein Mann verhaftet, der Kneißt fünf Tage lang Unterschlupf gegeben hatte. Die Gerichtsverhandlung gegen Kneißt soll, wenn Aneizt am Leben bleibt, in Augsburg stattfinden. Ueber die Dynamitkatastrophe in Jrun in Spanien wird noch gemeldet, daß dieselbe dadurch hervorgerufen wurde, daß die Bollwächter eine Dynamitliste öffnen wollten. Die Magazine enthielten 34 Riften mit 8100 Kilogramm Dynamitpatronen und fieben Riften mit 630 Kilogramm Pulber. Bei der Explosion wurden zehn Die Magazine wurben böllig brunter fünf schwer, verwundet, zerstört. Mecklenburgische Schulzustände. Ein Schulstreit ist in Gottin bei Tetero wo ausgebrochen. Die dortige Schule hatte jüngst mehrere Tage Ferien, weil der Lehrer teine Feuerung mehr hatte, da ihm sein kontrattlich festgesettes Quantum Feuerungsmaterial nicht verabfolgt war. Der Torf foll übrigens erst furz vor Weihnachten angefahren sein. Als der Lehrer neue Feuerung verlangte, wurde ihm ein Fuder geringes Buschholz geliefert, worauf er er flärte, er heize jest überhaupt nicht mehr, da dem Hofe die Heizung der Schule tontrattlich auferliege. Jufolge dessen wurde eine mit der Heizung beauftragt, welche fich ihrer Aufgabe aber au nicht ent ledigte, weil fte, wie sie sagte, mit dem grünen Busch nicht heizen tönne. Als nun eines Tags der Schulinspektor die Schule inspizierte, waren weder Lehrer noch Schüler in der Schulstube anwesend. Verband deutscher Barbier- und Friseur- Gehilfen. Donnerstag, ben 7. März, Rofenthalerstr. 57, Restaurant Schiller: Versammlung. Verein abftinenter Arbeiter und Arbeiterinnen. Donnerstag, den 7. März, abends 81%, Uhr, im Lokal Bandau, Berlin C, An der Stadtbahn Nr. 5, Vortrag über: Was sollen wir effen, was follen wir trinken. Gäste willkommen. Orts- Krankenkasse der Bildhauer, Stuccateure und verwandter Gewerbe zu Berlin. stan Bekanntmachung. Die durch die Beschlüsse der General Exs 19 gete ob us 15 sbiad Teil feien genannt: Der Mensch im Spiegel der Natur und eine Abhand lung über Arnold Bödlin von Manfred Wittich. ve oy vaid ved ilgi neginjaiban aslistal Martipreise von Berlin am 5. März 1901 day nach Ermittlungen des tgl. Polizeipräsidiums. *) Welzen, gut D- Ctr. 15,80 15,78 Kartoffeln, 15,76 15,74 Riubfietſch,& teule 1 kg 1,60 120 fide Geekbuch. ( ae mittel tow " gering 15,72 15,70 * Roggen, gut 14,45 14,44 14,43 14,42 " t) Gerfte, gut " mittel gering +) Bafer, gut do. Bauch " 7-5, 1,30 1, Schweinefleischd10 1,60 Starpfen M 1kg 1,20 1,20 1,20 mittel " gering 14,41 14,40 15,40 14,70 " 14,60 13,90 Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier " 13,80 13,10 15,90 15,40 Aale 1,80 1,60 1, unlt2,60 2, 60 St 5,20 3, 2,20 1, 2,80 " " mittelndos gering 15,30 14,80 14,70 14,20 Hechte 7,16 6,82 Barsche odo s 8, 5,30 Schlete solv 40, 25, Bleie datureC 45, 25, Krebse per Shot . 70,- 30, nitros Selt Banderild 2,50 2,40 1, 1,80 0,80 3,-1,20 1,20 80 12-3, A Ihre Tochter nur mit Einwilligung ber Schulbehörbe aus ber Gaute Der Süddeutsche Postillon Bringt in feiner Märznummer einen nehmen. Die Annahme, daß mit vollendetem 14. Lebensjahre die Schulpflicht aufhört, ist irrig. Die Schulpflicht hört in der Regel mit Ablauf solaschnitt nach dem Gemälde Arnold Böcklins: Freiheit. Auf einem aus des Halbjahre, in dem das Kind 14 Jahre alt wird, auf. Das Kind muß den brausenden Meereswellen ragenden Felfen thront fle, bie erhabene aber noch ferner die Schule besuchen, wenn es nach Anficht der Schul bes erforderligen 23. T. Nein. so müssen Sie sich also an die Schulbehörde wenden. Rosenthal. Für die Klage in das Amtsgericht in Waren zuständig. Bg. Often. Ihre Fraut haftet nicht für Ihre Schulden. Zur besseren Sicherheit Ihrer Ehefrau ist es gut, vor der Heirat einen Ghevertrag gerichtlich oder notariell zu schließen und ihn in das Güterrechts- Register eintragen zu lassen. Ein Beispiel zu einem solchen Verträg finden Sie auf Seite 225 des dem Arbeiterrecht" angehängten Führer durch das BürgerGr. 9. Sie müßten auf Bahlung der Miete Nagen. Ihnen steht ein Retentionsrecht an den Sachen so wie jedem Vermieter, das heißt soweit zu, als es sich um der Pfändung unterworfene Sachen handelt. Die unentbehrlichen Gegenstände sind nicht pfändbar und können auch nicht zurückgehalten werden. 1901. Ja. S. V. V. Falls nicht etwa der nicht mitgeteilte Inhalt der Statuten entgegensteht: Nein. Fechner. Hat eine mündliche oder schriftliche Vereinbarung dahin stattgefunden, daß Sie die für Ihren Sohn zu leistenden Krankenkassenbeiträge erfezen, so ist diese Vereinbarung rechtsgültig und der Kläger berechtigt, gegen Sie auf Zahlung zu lagen. Sie thun daher gut, vor dem neuen Termin zu zahlen. S. M. Eine Frist, innerhalb deren das Schieds: gericht Berufungstermin anberaumen müßte, giebt es leider nicht. Es ist von den bürgerlichen Parteien ein socialdemokratischer Antrag, eine solche Frist festzusetzen, abgelehnt und auf eine wohlwollende Praxis der Schieds: gerichte vertröstet. M. Schulze. 1. Nein. 2. Das Grundstück müßte, wenn Ihre Darstellung zutrifft, auf den Namen des Großvaters oder fämtItcher Erben eingetragen sein und den Erben gehören. Erkundigen Sie sich auf dem Amtsgericht( Grundbuchamt), wer als Eigentümer eingetragen ist Vertrag?) und und auf Grund welcher Verfügungen( Teftament? sprechen Sie dann in der juristischen Sprechstunde gelegentlich vor. Speranza 1000. 1. und 2. Hinterläßt Ihre Tante nur ihren Mann, Geschwister und Geschwistertinder, so erhält, falls ein Testament vorliegt, der Witwer die eine Hälfte des Nachlasses und überdies das sogenannte Voraus, d. H. ez erhält im voraus alle Gegenstände, die zum ehelichen Die nach erózug dieſes Haushalt gehört haben und die Hochzeitsgeschente. Boraus und der einen Hälfte verbleibende Hälfte fällt an die Geschwister und an die an Stelle der vorverstorbenen Geschwister tretenden Geschwisterfinder. 3. Der Anspruch ist ben Erben gegenüber, urb, wenn afftliche Ber ständigung nicht erfolgt, beim Gericht des Orts, in dem die Erblafferin zu2. W. 3. Leider nicht. letzt ihren Wohnsiz hatte, geltend zu machen. 1 und 2: Nein. Ernst S. 76. Plischke A. u. D. 1. Das Mädchen konnte ohne Ihre Einwilligung heiraten. 2. Sie find zur Alimen tation des Kinds verpflichtet, falls Sie nicht beweisen, daß das Mädchen innerhalb der fritischen Zeit auch mit einem andern Mann gefchlechtlichen H. Morgenrot. Wenn damals Verurteilung einUmgang gehabt hat. getreten ist, so ist dies Urteil noch heute vollstreckbar. Ebenso ist noch jetzt Einspruch gegen das Urteil zulässig, wenn das Urteil ein Versäumnisurteil war. Grst in 30 Jahren tritt Verjährung ein.- 105$.§. 1. Sie find 7. M. 99. Nein. zur Zahlung berpflichtet. 2. Ihre Schwester würde durch die Mitteilung sich nicht einer Beleidigung schuldig gemacht haben. R. G. 92a. Erbschaftssteuerfrei ist jeder Erbbetrag, der 150 m. nicht übersteigt, ferner jeder Erbschaftsanfell an Eltern, Großeltern usw., Kinder, Entet uim., und an den Ehegatten, ferner jeder nicht mehr als 900 Mr. betragender Erbteil von Personen, die in einem Dienstverhältnis dem Haushalt des Erblaffers angehörten, endlich die Erbschaft des Fistus, öffentlicher Anstalten usw. Im librigen beträgt die Erbschaftssteuer, je nachdem in Bro. 113. Gelbſtverkänbligh fleht dem Betroffenen ein Rentenanspruch zu. Sprechen Sie mit allen auf den Fall bezüglichen Papieren in der juristischen Sprechstunde vor. Ebenso steht ihm ein Anspruch auf 120 M. Militärgeld zn. Wenn Sie an S. unter der Adresse Reichstag W. Sch. 1. und 2. Ja. 3. Nein. schreiben, so erhält er den Brief. Erbsen Speisebohnen Linsen A *) ab Bahn Jeze du 8 ahueda szt.01, baadango †) fret Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt vom 6. März. Der heutige Betreibemarkt war fast geschäftslos. Die für die Tendenz ausschlaggebenden Momente standen feilmeiſe miteinander im Wiberspruche. Breiſe erfuhren teine weſentlichen Veränderungen. Weizen war per mat etwas gefragt, per Juli mehr an geboten. Greifbare Ware in Bandungen aller Proventenzen des In- und Auslands war reichlich offeriert. Angeblich treten auch die Landwirte der östlichen Provinzen als Abgeber auf, nachdem sich der Frostschaden an den Saaten als nicht so schlimm herausgestellt hat, wie wan annahm. Dagegen wirkte das etwas kältere regnerische Wetter eher stimulierend, besonders im pinolie auf den geben carometerstanb. Stoggen war weniger ſtart und nicht billiger angeboten. Mehl still, gut behauptet. Mais lag fest, besonders welche immer tnapper wird, wurde 1-2 M. 16effer bezahlt. safer blieb unverändert. Rüböl gut behauptet. Locoware Spiritus. Spiritus wie gestern. 120G O Städtischer Schlachtviehmarkt. Berlin, 6. März 1901. Amts licher Bericht der Direttion. Zum Verkauf ftanben: 655 Ninder, 2173 Stalber, 477 Schafe, 10 142 Schweine. Bezahlt wurden für 100 Pfund oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mart( beziehungsweise für 1 Bfund in Pf.): Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht wertes, höchstens 7 Jahre alt 00-00, b) junge fleischige, nicht aus: gemäftete und ältere ausgemäßtete 00-00; c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 00-00; d) gering genährte jeden Alters 00-00. Bullen a) vollfleischige höchsten Schlachtwerts 300-00; b) mäßig genährte jüngere Färsen und und gut genährte ältere 00-00; c) gering genährte 46-50 Stübe: a) vollfleischige, ausgemäßtete Färsen höchsten Schlachtwerts 00-00; b) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwerts bis zu 7 Jahren 00-00; e) altere ausgemäßtete Kühe und wenig gut entwickelte fingere Rühe und Färjen 00-00; d) mäßig genährte Kühe und Färsen 43-45 o gering genährte singe und Färjen 18-42- bez: 0) feine of: und befte 68-70, b) mittlere Mastfälber 8 Proz und gute Saugfälber 56-60, 0) geringe Saugfälber 48-52, d) ältere, gering gammel 59-62 Schafe: a) Maftlämmer und jüngere Mast genährte( Freijer) 38-46. b) ältere Mafthammel 47-55, c) mäßig genährte Hammel und Schafe( Merzfchafe) 43-46, d) Solsteiner Niederungsfchafe( Lebenbgewicht) 00-00. Schweine: a) vallfleischige, der feineren Rassen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1 Jahren 220-280 Pfund schwer 56-57; b) schwere, 280 Pfund und darüber( stäfer) 00-00; c) fleischige 53-55; d) gering entiidette 49-52; e) Saiten 51-53. Für 100 Pfund af mit 20 pt. Tara. Kälber: a) Verlauf und Tendenz. Bom Rinderauftrieb blieben ungefähr 280 Stück unverstauft. Der Kälberhandel gestaltete fich ruhig. Bei öen Schafen wurde ber Bestand ungefähr geräumt. Der Schweinemarkt verlief ruhig und wurde geräumt. $ 200 zodusbinisit maghiged 8 os el Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 hr abends statt. Wettende, Salzhof. Die zweite Teilung Polens fand 1793, die britte und legte Teilung 1795 ftatt. E. M. 44. Wenden Sie sich unter Darlegung und Glaubhaftmachung des Sachverhalts an das Amtsgericht mit dem Antrage, Ihnen zu gestatten, 23. Neumann. Sie tönnen getrennt von Ihrem Manne zu leben. Witterungsübersicht vom 6. März 1901, morgens 8 Uhr. Stationen Barometerstand mm richtung WindWindstärke Wetter 4 bebedt Temp. n. T. Stationen Barometer ftand mm Wind rigtung Windstärke Better 3 Haparanda 753 4bebedt 4 bebedt 2 Petersburg 765S0 3bedeckt 4 wolfent 4 Cort 7512N6woltig 4 hlb.bed. 3 Aberbeen 738SM 4h16.beb. 4wolfent 2 Baris 759SS 3bededt Temp. n. G. 6 3 winembe 754 Hamburg 7552 Berlin 757 N Frankf./M. 763 S München 76520 76023 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 7. März 1901. Beitweise aufflarend, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und frischen westlichen Winden; Temperatur wenig verändert. Berliner Wetterbureau. Wien 5 bedeckt 6 Achtung, Bildhauer! Wahlverein des 6. Berl. Reichstags- Wahlkreises. Heute, Donnerstag, den 7. b. Mts., im Gewerkschaftshause, diti mun sus( Zaal 1). Engellfer 15: 298 91f29T 2 Sonnabend, den 9. März 1901: verfammlung vom 26. November Außerordentliche Versammlung. v. J. notwendig gewordene Abände rung bes§ 54 unites Statuts, wonach die Worte im ersten Satz unter Borbehalt bis Kündigung" und der zweite Saz ganz gestrichen sind, hat der Bezirksausschuß am 17. Januar d. J. genehmigt und tritt hiermit in Kraft. 271/4 Der Vorstand. J. A.: Conrad Starck, Borfigender. Underdele aid ithal Möbel auf nodod gros Teilzahlung J. Ostrowski jun. Gr. Frankfurterstr. 1 am Frankfurter Thor. bastano V than a Hirtes Festsäle. Empfehle ich meinen Saal jeden Sonntag on Vereine zu vergeben. Auch größere Vereinszimmer für einige Abende frei. Elisabethkirchstr. 14. Die Schwindsucht, ihre Bekämpfung und Abwehr. Von Kreisphys. Dr. Max Reimann. Preis nur M. 1,20.( Briefmarken.) Lipsius& Tischer, Verlagsbuchhandlung, Kiel. Tages Ordnung: Beschlußfaffung über verschiedene zurüdgestellte Anträge. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 号 Der Vorstand. gotros) Ba 20/14 Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Zahlstelle Berlin). 12. STIFTUNGS- FEST in den Räumen des Palast- Theaters( früher Feen- Palast) den Räumen de Burg- und Wolfgangstrassen- Ecke. Auftreten des gesamten Theater- Personals. Gesangs- Aufführungen mehrerer Arbeiter- Gesangvereine( M. d. A.-S.-B.) Dirigent: R. Blobel. Mabasid mida ichlanis Donnerstag, den 7. März, abends are lir, bet Steert, Festrede, gehalten vom Reichstags- Abgeordneten Ledebour. Nr. 21: Branchen- Versammlung fire upload roll ber auf naginiby Schlafzimmer beschäftigten Tischler 4 soffragededin Nachdem; Tanz. 001 fox Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Tische und Stühle dürfen nicht mit Garderobe belegt werden. Garderobe 15 Pf., wofür 1 Kind frel. Anfang präcise 8 Uhr. Programm gratis. ( Bettstellen, Englische Schränke, Toiletten Unterfäße und 246/10 Nachtspinde).on Tagesordnung: 1. Die gegenwärtige Lage unsrer Branche. 2. Diskussion. Es ist Pflicht sämtlicher Kollegen von der Branche, in der Versammlung zu erscheinen got7 Ja Buchdruckerei mit tägl. Lokalblatt in Borort Berlins zu nerfaufen. 79/1 Damia Druderet besteht im stand telia feit 20 Jahren. Beitung bietet vorzügliche Gelegenheit zur Umwandlung in ein 218ma Partei- Organ, Offerten an die Expedition dieses Blatts unter T. 8. Paul Burows Möbelfabrik, 29846 *** Meue Schönhaufets and Straße 2. In meinem großen Möbelspeicher halte stets eine großartige Mus wahl aller Arten Möbel zum Berlauf. Durch Maffen- Einkäufe, Er sparung teurer Labenmiete sc. bin ich im ftande, ganz bebeutende Borteile zu gewähren. Ganze Einrichtungen von 150 bis 10 000 Ganz besonders weise ich auf mein großes Lager verliehen gewesener, einfacher, sowie hochherrschaftlicher Möbel hin, welche zu sehr billigen Preifen abgegeben werden: Nußbaum oder Mahagoni- Kleiderfpinde und Vertitows 36 M., Korriporspinde 22, Muscheltleiderschränke 36, Bettstellen mit Matraze und Keilfiffen 22, franzöfifche Muschelbettstelle mit Sprungfeber Matratze und Steillissen 44 M. Kommoden 18, Spiegel 9, Säufentrumeaux 45, Diwan mit Sitzauszug 36, Garnituren, Paneelfofas mit Satteltaschen und Plüscheinfaffung 85, Salonschränte, Antleideschränke mit Spiegelthüren, Herrenschreibtische, Garderobenschränke, Bücherschränke 2c. Eventuell Einrichtungen gegen Teilzah lungen unter foulanten Bedingungen. Beamten geringe Anzahlung. Getaufte Möbel tönnen beliebige Zeit stehen bleiben und werben jauber transportiert, auch nach außerhalb. [ 8749 rong Pomril mda 8 9 bogdist alkoholfreier Aepfelmost, bestes erfrischendes Getränk neglexa o Ltr.-Fl. 50 Pf. mit Flasche. bi sid Wiederverkäufer erhalten Rabatt. General- Vertreter der Norddeutschen Pomrll- Compagnie in Hamburg. Eugen Neumann& Co. Am. 670. IV. Belle- Allianceplatz 6a. Nene Friedrichstr. 81. Genthinerstr. 29. PutbuserOranienstr, 190. Grüner Weg 60. Elsasserstr. 71. strasse 35. Wilsnackerstr. 25. Schöneberg, Hauptstr. 129. Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr, 48, Steglitz, Albrechtstr. 18. Elektra- Abendkurse Eröffnung 12. März. Brattische u. theoretische Aus Berufs- Bekleidung ung für alle gweige der Gief5148* 1 aller Arten. and D. Wurzel& Co., Wrangel- Strasse 17, Ecke Manteuffel- Strassa trotechnik. Borkenntniffe. Beugnis.m Anmeldungen Brinzenftr. 55. Künstliche Zähne. Garantiert schmerzl. Zahn- u. WurzelOperationan, Plomben etc. Bähne Ia bon 3,00 an. Prima Plomben v. 2,00 gt. Langi. Garantie. Bequeme Zahlungsbedingungen. Billet 25 Pf. Der Vorstand. Möbelstoffe! auch Refte alle Qualit felten billig! Mocquett- Plüsche 5,35 M. Gelegenheitsfanf: per Meter( 130 Centimeter breit). Muster bei näher. Angabe franco. Berlin S., Emil Lefèvre, Oranienftr. 158. FahrräderLeihhaus! Verfallene Räder, nen und alt in grosser Auswahl spottbillig.[ 827L* Nur erstklassige deutsche Marken. Leihhaus Neue Schönhauserstr. 11. Plomben Bühne, jomerslos, 1 M. an, beliebige Teilzahlung. InvalidenBruno Steffens, Reanderst.21( innen) Fran Olga Jacobson, Inven nida snit nou pa da bir ishald: listelerin 10, ilk ni 134571 pitise ve Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, ben 7. März. Opernhaus. Der Bärenhäuter. An: fang 71 Uhr. Schauspielhaus. Ein Sommer: nachtstraum. Anfang 72 Uhr. RANIA ** Preie Volksbühne. Taubenstr. 48/49. Im Theater Donnerstag, ab. 8 Uhr: Voranzeige! Eine 3. Opern- Vorstellung findet am ,, Unser Rhein, von der Quelle bis zur Mündung." Im Hörsaal: Dr. Nass:„ Das Bier." Invalidenstr. 57/62. Neues Overn Theater( roll). Tägl. Sternwarte. Geschlossen. Schiller. Der Herr Senator. An: fang 8 Uhr. Deutsches. Der Sieger. Anfang 72 Uhr. Leffing. Flachsmann als Erzieher. Anfang 72 Uhr. Berliner. Ueber unsre Kraft.( 1. Teil.) Anfang 72 Uhr. Residenz. Leontinens Chemänner. Anfang 72 Uhr. Neues. Der Hüttenbefizer. Anfang 71 Uhr. Westen. Romeo und Julia. Anfang 7 Uhr. Seceffionsbühne. Buntes Theater: Ueberbrettl. Anf. 72 Uhr. Thalia. Amor von heute. Anfang 712 Uhr. Central. San Toy. Anfang 7 Uhr. Maria Stuart. Anfang Luifen. 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Damenschneider. Anfang 7 Uhr. Carl Weik. Das Modell. Anfang 8 Uhr. Belle Alliance. Anfang 8 Uhr. Der Leibalte. Metropol. Specialitätenvorstellung. Man lebt ja nur einmal. Anfang 72 Uhr. = Apollo. Specialitäten Borstellung. Des Löwen Erwachen. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitäten Vorstellung. Die beiden Wenzel. Anfang 72 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage Theater." D"-Vorstellung. Rosendienstag. Anfang nachm. 3 Uhr. Paffage Panoptikum. Speciali täten Borstellung. Urania. Taubenstr. 48/49.( Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: ,, Unser Rhein, von der Quelle bis zur Mündung". Im Hörsaal: Dr. Naß:„ Das Bier". Anfang 8 Uhr. Invalidenstraße 57/62. CASTANS PANOPTICUM Ein RiesenNeu! Neu! Neu! GORILLA aus Yaunde, Hinterland von Kamerun erlegt von einem Deutschen, die grösste zoologische Sehenswürdigkeit des neuen Jahrhunderts. Konzertkapelle la Zarina. Der Germanensaal. Passage- Theater Anfang Sonntags 12 Uhr, Wochentags 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Fortsetzung der DamenRing- Kämpfe Auftr. d. Ringkämpferinnen nachm. 6 Uhr, abends 10 Uhr. Rosendienstag. 17 erstklass. Nummern. Central- Theater. Mit vollständig neuer Ausstattung an Dekorationen und Kostümen. Gastspiel: Miß Mary Halton. San Toy. Täglich abends von 5-10 Uhr: Chinesische Operette in 2 Atten von Sternwarte. Schiller Theater ( Wallner Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Der Herr Senator. Lustspiel in 3 Aufzügen von Franz v. Schönthan und Gustav Kadelburg. Freitagabend 8 Uhr: Der Retter. Sonnabendabend 8 Uhr: Rosmersholm. Edw. Morton, Greenbank und Roß. Musit von Sidney Jones. Morgen u. folgende Tage: San Toy. Sonntagnachmittag 3 Uhr, zu halb. Preisen: Die Geisha. Palast- Theater früher Feen- Palast, Burgftr. 22. Durchweg neues Programm! Alles Schlager 1. Rangs! 82 Uhr. Neu! 81 Uhr. Die beiden Wenzel. Carl Weiss- Theater Sant in 1 Att von E. Felsch. Gr. Frankfurterstr. 132. Raabe, früher Schauspieler: Dir. Rich. Winkler. Das Modell. Me. Kean. Sensations SchauAnfang 8 Uhr. Der Morgen: Dieselbe Vorstellung. Freitag: Opern: Gaftfpiel: Troubadour. Oper in 4 Atten v. Verdi. Kindervorstellung: Wotkäppchen. Jedes Wort: nummer! Neu für Europa. Familie Talaschus, 5 Personen auf dem Turmfeil. Gebr. Damm, Ercentrit- trobaten 1. Rangs. Entree 50 Pf. Anfang: Son Hodgent 7½ thr. Pfennig. 28. April statt im Theater des Westens": Der Barbier von Sevilla. L Zu dieser Vorstellung werden nur diejenigen Mitglieder zugelassen, die zu den ersten beiden Vorstellungen keine Marken erhielten. Die Ausgabe der Marken erfolgt vom 1. April ab in den Zahlstellen. Sonntagnachmittag( 10./3.) 2 Uhr, im Theater des Westens ( Charlottenburg, Kantstrasse): 1. Oper( rote Marken): Der Barbier von Sevilla. Die Verlosung der Billets aeginnt im Foyer des Theaters um 22 Uhr. VI. Abteilung: Sonntagnachmittag( 10./3.) 28 Uhr, im Carl Weiss- Theater: Meister Oelze. II. Abteilung im Lessing- Theater, nachm. 2% Uhr: La Robe rouge( Die Rächerin). Drama in vier Akten von Eugène Brieux. Deutsch von Dr. A. Berthold. Märzfest Achtung! Achtung! Sonnabend, 16. März, abends 8 Uhr, Brauerei Friedrichshain. Festrede: Herr Wilhelm Bölsche: ,, Der moderne Mensch in der Kunst." Gesang: Frl. Brackenhammer und Herr Gustav Waschow ( Theater des Westens); Frl. Bratszky und Herr Koppel von Wolzogens Buntem Theater. Konzert: Gebrüder Borisch( Violin- u. Cello- Virtuosen). Festmarken a 50 Pf. in allen Zahlstellen. Da nur eine beschränkte Anzahl zur Ausgabe gelangt, empfiehlt sich rechtzeitige Abnahme. 228/19] Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Wo amüsiert man sich grossartig? Hasenheide 21 und Jahnstr. 8 in Schnegelsbergs Festsälen, Jnh.: Max Schindler.- Telephon: Amt IVa tr. 8002. Heute: Grosser Ball, als Specialität:* Cigarren- und Apfelsinen- Regen verbunden mit Schlangen- u. Bonbon- Regen u. diversen Ueberraschungen. Täglich: Specialitäten- Vorstellung. Entree fret. Der große Saal nebst Nebenräumen ist am 1. Pfingstfeiertag an Vereine zu vergeben. [*] Max Schindler. Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Wochentags 7 Uhr. Karlstrasse. Nur erstklassige Sonntags 5 Uhr. Specialitäten. Direttion: J. M. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Riesen- Walfisch. 21 Meter lang. 150 000 Pfd. schwer. S Vollständig geruchlos! Zu besichtigen Reinickendorfer und Ravenéftraße Ecke bei StadtringBahnhof Wedding. 9022* Eintrittspreis 20 Pf. Eintrittspreis 20 Pf. Jm großen amerikanischen Riesenzelt von morgens 10 bis abends 10 Uhr. Hütet Euch vor gewissenlosen Kaufleuten die Euch sagen:" Dies ist so gut wie" oder dasselbe wie" Karol Wells Seifenextract. Es ist falsch!- Karol Weils Seifenextract, die beste trockne Seife in Pulverform, ist nur echt, wenn in hellgrauem Papier gepackt, mit Schutzmarke Waschfass, und darf nicht verwechselt werden mit geringwertigen Waschpulvern, welche die Wäsche ruinieren. Thalia Theater W. Noacks Theater. Dresdenerstr. 72. Borlegte Aufführung: Bum 100. Male: Amor von Heute. Freitag: 8 um 101. Male: Amor von Heute. Sonnabend, den 9. März: 8um 1. Mal: Der Kadetten- Vater. Posse mit Ges. u. Tanz in 5 Bildern. 5. Bild: Das Ueberbrettl. Metropol-Theater. Behrenstr. 55/57. Man lebt ja nur einmal. Große Gesangspoffe in 5 Bildern. Vorher: Das neue MärzSpecialitäten- Programm. Anfang 1/28 Uhr, der Posse 29 Uhr. Rauchen überall gestattet. Apollo- Theater. Kolossaler Erfolg! Brunnenstraße 16. Ehrliche Arbeit. Volfsstück mit Gesang in drei Atten ( 5 Bildern) von H. Wilken. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Freitag: Die Ehren eines armen Mädchen 3. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich: Internationale Künstler- Konzerte. 4 ausländische Kapellen. Bock- Anstich. Täglich grosse SpecialitätenVorstellung. Grigory- Truppe Sanssouci colls Salerno Die Wolkovskys Bernh. Mörbitz Miss Deyo sowie die neuen März- Specialitäten. Um 9 Uhr: Des Löwen Erwachen. Kasseneröffnung 7, Anf. 8 Uhr. Passage- Panopticum J. Dumont der Franzose mit d. größten Bart der Welt. Der Bart hat die unglaubl. Länge v. 3 Meter 65 Ctm. 4 Dilkins der größte Solbat b. Welt. General Boum der Kleinste Soldat der Welt. Cirkus Busch Donnerstag, 7. März, 72 Uhr: Grosser Jubiläums- u. Festabend anläßlich der 100. Aufführung der Eisernen Maske. Le masque de fer. Gr. Historisches Manege: Schauftüd in 4 Aften und 3 Hauptbilbern. Unter anderm: Die Jagd bis in die Cirkuskuppel hinauf. Ferner: Auftreten des berühmten amerika: Pferdebändigers Profeffor Norton B. Smith. Besonders hervorzuheben: Die gefährliche Fahrt unter der Eisenbahnbrüde. Vorzügl. Programmnummern. Sonntag, 10. März, nachmittags 4 Uhr: Berliner Landpartien", plätzen 1 Kind frei hat; weitere Rinder Abends 72 Uhr: Die die Hälfte. eiserne Maste. M. Cohns Festsäle, Beuthstrasse 20. ou jeber Grwachsene auf allen Siz Der 2. Ofterfeiertag( Montag, der 8. April) ist frei geworden und unter sehr coulanten Bedingungen an Vereine zu vergeben. 9232* 5 Kleine Anzeigen. Nur das erste Wort fett. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Möbel auf Teilzahlung Prinzenftraße 62. Ringschiff, Bobbin, Adler, Schnell 52/ 12* näher ohne Anzahlung, Woche 1,00. Louis Lieferung fofort. Bostkarte. Landsberger, Landsbergerstraße 35. [* Rein Laden. Verkaufsstelle für Norden Brennemann, Müllerstraße 169. Mein seit 23 Jahren bestehendes Geschäft mit Grüntram und Feuerung zu verkaufen. Start Boß, Flottwell ftraße 8. 29816 Laubenbau! Gebrauchte und neue Latten, Leisten, Kantholz, Bretter, Restauration, Garten, Tanzfaal, Thüren, Fenster. Dachpappe, Teer, jeden Sonntag öffentlicher Tanz, fo- billig. Rottbuser Damm 22.[ 26065 fort verfäuflich. Agenten verbeten. Fahrräder, nur gute selbstgemachte, Auskunft bei Gaßmann," Borwärts"- sowie Reparaturen und Bubehör zu Spediteur, Grünthalerstr. 65.[+ 93* foltben Preisen bei Carl Miethe, Milchhändler, Achtung! Zur Ein- Große Frankfurterstraße 123.[ 29626 Fahrräder, Teilzahlung, coulante richtung von Milchgeschäften empfehle Fabrik, Oranien: alle nötigen Gegenstände zu billigsten Bedingungen. 516 Preisen. Hermann Jorban, Kleine straße 176. Gelegenheitstauf für Tischler! Martusstraße 28. [ 495K* Nähmaschinen aller Systeme ver Gardinenhaus Große Frankfurter- tauft Gustav Schmidt, Alexandrinen Wegen Uebernahme eines anderen Geschäfts find 4 Hobelbänke mit voll ftraße 9, parterre. + 41* ftraße 7, Hof 2 Treppen. ständigem Werkzeug billig zu ver Nähmaschinen: Afrana, Abler, kaufen. Kundschaft kann mit über Ringschiffchen, Wasch- und Wring- nommen werden. Seit 8 Jahren be maschinen auf Teilzahlung, Koschwiz stehend. Hohenfriedbergstr. 20, Schöne Wrangelstraße 118, Laden. Borjährige elegante Herrenanzüge und Sommerpaletots aus feinsten Stoffen 25-40 Mart. Bertauf Sonnabend und Sonntag. Versandhans Germania, Unter den Linden 21 II. Betten, Steppdecken, spottbillig, Leihhaus Neanderstraße 6. 1438* 528* Malzkraftbier, blutbildend, für Blutarme, Brustkranke, Schwächliche, Wachstuchausziehtische tienene Bettstellen, alle Sorten, billig zu ver laufen Hohenfriedbergstr. 20, Tischleret. berg. +107 Français Leçons 0,75. Professeur Parisien Pommeret, Breitestr. 19. Elektrotechnik. Abendkursus be ginnt. Jadson, Alte Jakobstraße 24.[* Damenkleider reinigen, färben, Herrenanzüge reinigen von 2,50 Mart an. Rottnids Färberei, Andreasftraße 78 parterre, Eisenbahnstraße 18. Kunststopferei von Frau Kotosty, Steinmeßstraße 48. Art Donnerstag, Sonntag und Montag: Hoffmann Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Wochentags Tanz frei. Vereinsbillets gültig. Donnerstag: Wachsfiguren. Sonntag: Wachsfiguren. Montag: Luftige Vagabonden. Reichshallen Stettiner Sänger. Neues Programm! Siehe sämtliche Säulen. Album- Lederwarenfabrik u. Oskar Gundau. 30. Oranienstrasse 30, Ecke Adalbertstraße. Gesangbücher b. t. 1,25 att Schmucksachen Urania beste, feinste Marke. Billige Preise. Wiederverkäufer gesucht. Urania- Fahrrad- Fabrik, Kottbus. für die nächste Anzeigen Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.3 bis 4 Uhr angenommen. Zimmer. Freundlich möbliertes Bimmer für zwei Herren sofort zu vermieten Forster traße 54, Quergebäude III, bei Witwe Rosenthal. Schlafstellen. +58 Einen Lehrling fucht die Silberwarenfabrik Sebastian straße 84. 55/14 Achtung, Holzarbeiter! In der Möbeltischlerei von Grones berg, Weißensee, König- Chauffee 75, haben die Kollegen wegen Lohndiffe renzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug 78/15 Die Ortsverwaltung. Achtung, Rabizputer! Buchbinder- Arbeit jeder Schlafftelle, 2 Serren, zu vertst streng fernzuhalten. fertigt Ferdinand Kleinert, W. Bülow Straße 56, 2. Hof parterre. 23876 mieten, Bähr, Rheinsbergerstraße 64 Saal und Vereinzimmer empfiehlt born II. ( 2069* Jannasch!, Inselstraße 10. Saal und Vereinszimmer empfiehlt Langhans, Lichtenberg erstraße 21. Vereinszimmer frei. Kramm, Scheringstraße 10. + 64* Vereinszimmer. Vollmer, Man[ 2701b teuffelstraße 25. Vereinszimmer Bertels, Rup 9. [+ 57* pnerstraße 2 Vereinszimmer. Usedomstraße 28a, Sprenger. Flid. 28136 Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Bei der Firma Carl Schulze, Charlottenburg, haben die Kollegen wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Bauten befinden sich Leipzigerftraße 73/74, Mauerstr. 37/41, Bau und " Nordstern", Köpniderstr. 33, Reinickendorf, Oranienburger Chauffee. Farbigmacher, Barodvergolder Da wir an der Baukontrolle und Bergolderin verlangt Joers, gehindert werden, bitten wir die Staligerstraße 28. 2952b* auf den Bauten beschäftigten Ar Tapezierer Lehrling verlangt beiter andrer Berufe, auf die in Vereinszimmer Simeonstraße 23 Moris Gläser, Rummelsburg, Goethe: Arbeit tretenden Rapizputer zu 444K* ftraße 19. 28476* achten und uns hiervon Mit Vereinszimmer zu bergeben Tischler Lehrling verlangt Butenteilung nach unfrem Bureau, Kommandantenstr. 65, Fernspr. hoff, Oranienstraße 9. 29806 +19 Amt IVa Nr. 6591, zu machen. Der Vorstand. Vergolder auf beffere Politurleisten erlangt Fruchtftr. 63. +42 Blusenhemden- Arbeiterinnen mitteren Genres, die große Posten liefern tönnen, suchen unter Vorlage von Mustern Gebrüder Ruben, Burgstr. 7. Plätterinnen im Hause verlangen Gebrüder Ruben, Burgstr. 7. 55/17 Junges Mädchen zur Schneiderei verlangt Fr. Reich, Landsberger Allee 147. +42 Elfafferstraße 58. Opis. Möbelpolierer, welche gewillt find, einer Genossenschaft beizutreten, tönnen fich melden bei Möbelfabrit Hoffnung e. G. m. b. H., Kraut straße 52, 2. Hof IV rechts.[ 29836 Achtung, Tapezierer! 55/10 Gewichtszunahme, beffere Geficht Vermischte Anzeigen. farbe, überraschend, 14 Flaschen Remontoiruhren, Regulatoren, 3 Mart, 1/18 Tonne 3,50 erflufive. Operngläfer. spottbillig, Leihhaus Nicht Flaschenzahl, Qualität ent Die Beleidigung, die ich über 55/ 10* Neanderstraße 6. scheidet. Portertellerei Ringler Fräulein Pauline Krüger, GroßTeppiche, Gardinen, spottbillig, Bernauerstraße 119. 91/ 11* Bichterfelbe, Paralelstraße 19 wohn Leihhaus Neanderstraße 6. 55/ 10* Steppdecken am billigsten Fabrit haft, ausgesprochen habe, nehme ich Baul Gardinen, auch Refte, sehr billig, Große Frankfurterstraße 9, parterre hiermit als unwahr zurüid. Bruno im Special Geschäft von [ 29765 Güther, Grüner Weg 80, parterre. Kleiderspind, Wäschespind, Spiegel: Mierow, Groß- Lichterfelbe, Chauffee 506 fpind, Spiegel, Schlafsofa, Auszieh- straße. Kein Laden. Tisch, Stühle, Bettstellen, Matrazen, Klavier- Unterricht für Erwachsene Damenhemden mit hübscher Hand: Säulentrümeau, Kommode, Regu Langenbedstraße 3. 531 sticeret, wenig angefchmußt, 1,30. lator, Bilder, Betten, Piano, Fahr: Patentanwalt Dammann, Ora Wäschefabrik, Donig, Alexander: rab bertauft schleunigst für'n Spott- nienstraße 57, Morizplak. Erfindern traße 30, I. Borderhaus. 534 preis Schuhmann, Waldemarstr. 27, tostenfreier Rat abends bis neun. Betten, guter Stand, sofort vorn I. Rechtsbureau, Rechtshilfe, Gin23 Mart verkauft Adalbertstraße 78 I Nähmaschinen, am besten dirett gabengesuche, Raterteilung. Andreas: rechts. im Geschäft, sämtliche Schnellnäher, traße Dreiunbsechzig. [ 29706 Nusbaummöbel, ganze Wirtschaft, Ringschiff, Bobbin, Adler, ohne AnBillig verkäuflich. 3offenerstraße 38 I, zahlung, wöchentlich 1,-, fünfjährige Auguftabad, Köpeniderstraße 60. 533* Garantie. rechts. Besichtigung erwünscht. Bäder jeber Art für sämtliche Kranken471 Teppiche Farbenfehlern, Schnellste Lieferung auch durch Post: taffen. Fabritniederlage Große Frankfurter farte. Frize, Turmstraße 39; II. Ge Wer Stoff hat? Fertige HerrenStraße 9, parterre. +41 schäft Bernauerstraße 49.[ 148/ 4* anzüge mit Butterfachen 15, mit Stoff Kanarienroller, Zuchtweibchen, Pianinos, gebrauchte, große Aus- 30 Mart. Wagner, Schneidermeister, Sedbauer, Waldvögel, billig. Große wahl billigst, Gitschinerstr. 5 parterre Frankfurterstraße 59, III. Bitte Namen [ 28456 + 20* I beachten! Frankfurterstraße 13. Berantwortlicher Hebacteur: Heinrich Ströbel in Berlin. Für den Anferatenteil verantwortlich: 2b. Glode in Berlin. Drud und Verlag von Max Babing in Berlin. mit 29076 23976 Iints. Vermietungen. Wohnungen. Mädchen auf farbige Leisten vers langt Schneider, Schmidstraße 9. Die Kollegen bei der Firma Jäckel, Martgrafenstraße 20, befinden sich wegen Lohnreduttionen im Ausstand. Buzug ist fernzuhalten. 177/10 Die Verbands- Leitung. Achtung! Stuccateure! Bei den Firmen Jäckel, HerrtSaubere Leute, welche am Schnitt: wich, Hänska haben sämtliche puntt Danziger- Weißenburger Straße Rollegen auf Grund des Angebots, wohnen, zur Hausreinigung gesucht. Accord zu arbeiten, die Arbeit nieder: ( Wohnung erst am 1. Oftober frei.) gelegt. Buzug ist streng fernzuhalten. 173/7 [ 14046 Abreffen unter G. S. Poftamt 58. Die Lohnfommission. Vorort, Rönigs Wusterhausen, Wohnungen jeder Art, mit und ohne Gas, Wasserleitung, Kloset sofort oder später billig zu vermieten. Näheres beim Wirt, Amtsgarten 2.