Ar. 58. Kdomemtitts-Kedlngilngen: Abonnement»-Pret» pränumerando: vierteljährl. 3,30 Mb, monatl.1,l0Mk.. wSchentltch LS Psg. frei in» Hau«. rtmelne Numm»r 5 Pfg. Sonntag«, Nummer mti ia»nrt«rl«c Sonntag«, vetlag«„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post, Abonnement: 1,10 Mark pro Monat, Tingetragen in der Post- Zettung»» Pret«ltste für 1001 unter Hr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn L Marl, für da« übrig« Autland S Mark pro Monat. 18« Jahrg. Ate Instrtttms.GMif» beträgt für die fschzgefpaltene Kolons!» »eile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Verein«, und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. «Kleine Anzeigen" jede« Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bt« 4 Uhr nachmittag« inderExpedttio» abgegeben werden. Di- Expedition ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend«, an Sonn- und FestlaAen bi« SUhr vormittag« geösfnet. Erscheint täglich«usjer Munt««». Verlinev Volksblakk. Telegramm- Adresse: »Sorialdemokrak Vrrlin» Centrawrgan der soclaldemokrattschen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth-Stratze 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Soimabend. den 9, März 1901. Expedition: SW. 19, Beuth-Strahv 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. 5121. Dr. Dade und die Agrarzölle. ii. Herr Dade hält sich denn auch mit der Frage, ob nicht der Preisfall des Weizens und Roggens durch die Preis steigerung und leichtere Verwertung andrer landwirtschaftlicher Produkte wieder ausgeglichen wird, nicht weiter auf. Die Thatsache, daß überhaupt die Getreidepreise gesunken sind. genügt ihm in seiner Bescheidenheit völlig zum Beweise da für, daß sie durch Zollerhöhungen wieder auf einen höheren Stand gebracht werden müssen; für ihn fragt es sich nur, wie hoch mit Rücksicht auf die Einträglichkeit des deutschen Getreidebaus die Zölle zu bemessen sind. Den sichersten Maßstab für die Zollbemessung würde. meint er, der Unterschied zwischen den höchsten inländischen Produktionskosten und jenem Preise bilden, zu welchem das am billigsten produzierende Konkurrenzland bisher das Ge treibe an die deutsche Zollgrenze geliefert hat. Eine solche Berechnung ist aber nicht durchführbar, da der deutsche Land Wirt nicht, wie häufig noch der amerikanische Farmer, nur Roggen oder Weizen baut, sondern durchweg in den deutschen landwirtschaftlichen Betrieben Fruchtfolge gebräuch lich ist und die verschiedenen ländlichen Produktionszweige in einander übergreifen. So nimmt denn Herr Dade als praktischer Mensch, der nie in Verlegenheit kommt, einfach an, daß man den„gerechtesten Maßstab für die Bemessung der Getreidezölle" erhält, wenn man aus den verschiedenen Ge treidepreisen von 1860—1899 den vierzigjährigen Durchschnitts preis ermittelt. Dieser Durchschnittspreis beträgt für Weizen 195 M. pro Tonne, für Roggen 156 M.; demnach muß. da im Durchschnitt der letzten 8 Jahre der Weizenpreis nur 155 M.. der Roggenpreis nur 130 M. erreicht hat, der jetzige Zoll für Weizen um 40, für Roggen um 26 M a r k pro Tonne erhöht werden. Heute beträgt der Vertrags zoll 3,50 pro Doppelcentner, also ist der M i n i m a l z o l l � satz für Weizen auf 7,50 M., für Roggen auf K M. pro Doppelcentner(100 Kilogramm) festzusetzen. Dieser Minimalzoll, der einem Maximalzollsatz von 10 bezw. 8 M. entspricht, scheint indes selbst Herrn Dade ein wenig zu hoch vorgekommen zu sein. Er nimmt deshalb an. daß möglicherweise doch in einem Teil der landwirtschaftlichen Betriebe die Mindereinnahme aus dem Getreidebau durch höhere Erträge aus dem Zuckerrübenbau, der Branntwein brennerei, Viehzucht usw. etwas ausgeglichen wird, und er setzt deshalb völlig willkürlich als Mindestpreis 185 M. für Weizen und 150 M. für Roggen an. DaS ergiebt einen Minimal-Zollsatz von<»,50 M. pro Doppelcentner für Weizen und 5,40 M. für Roggen. Die ganze Voreingenommenheit des Herrn Dade, der immer schon voraussetzt, was erst noch bewiesen werden soll. kann kaum besser charakterisiert werden, als durch diese seit» same Berechnung. Warum handelt es sich, im Grunde ge- nommen, bei der Frage der Agrarzoll-Erhöhung? Ein- fach darum, ob die unter ganz andren Verhältnissen enorm gestiegenen Bodenpreise durch fortgesetzte Zow erhöhungen auf Kosten der großen Masse künsb lich aufrecht erhalten werden sollen, oder ob sie sich der veränderten Wirtschaftslage anpassen sollen. Erkennt man aber diese Frage als den eigentlichen Streitpunkt an, so ist eine Untersuchung der heutigen Produktionskosten zum Zweck der Zollbestimmung ein Widersinn, denn indem man die Bodenpreise und Grundrenten als gegeben hinnimmt und in die Berechnung der Produktionskosten einstellt, bejaht man schon die obige Frage dahin, daß daL erreichte Niveau der Bodenpreise erhalten bleiben muß. Dasselbe gilt von der Ermittelung deS Durchschnittspreises, da die Getreidepreise mehr solche sind, die sich natürlich gebildet haben, sondern in ihnen zugleich die verschiedenen Zollsätze mit enthalten sind. Zudem ist es reine Willkür, nur die Preise der letzten vierzig Jahre als maßgebend gelten lassen zu wollen. Mit völlig gleicher Berechtigung kann ein andrer Agrar- ökonom erklären, die Jahre feit Abschluß der Handelsverträge gehörten nicht hierzu, ein dritter, man müsse bis zur Bildung des Zollvereins bei der Preisberechnung zurückgehen, oder ein vierter, aus den Preisen des ganzen 19. Jahrhunderts sei der Durchschnittspreis zu ziehen. Jede dieser Meinungen hat dieselbe Berechtigung: alle sind nämlich gleich einfältig. Aber je nach der Auswahl des Zeitraums läßt sich beliebig be- weisen, daß der heutige Vertragszoll weit zu hoch ist. oder auch, daß er auf das dreifache gesteigert werden muß, soll nicht die ganze Landwirtschaft zusammenkrachen. Ferner aber stellen die Durchschnitts- Börsenpreise, die Herr Dade seiner Rechnung zu Grunde legt, doch nicht die Produktionskosten dar. In ihnen steckt außerdem noch der Gewinn des Produzenten, die Transportkosten und ein größerer oder geringer Handelsgewinn, und der An- teil dieser verschiedenen ökonomischen Kategorien am Großhandelspreis ist keineswegs innerhalb der letzten vierzig Jahre derselbe geblieben. Im Gegenteil, es hat eine Verschiebung stattgefunden; der Anteil der Transport- kosten und des Handelsprofits am Preis hat sich verringert, während der Anteil der Produktionskosten und des Unternehmerprofits gewachsen ist. Vor dreißig, vierzig Jahren stellte sich nicht nur der Bahn- oder Schiffstransport viel höher wie heute; auch der oft mehrere Tage in Anspruch nehmende ; vierzigjährigen seit 1879 nicht Transport von den Gütern bis zu den meist weit entfernten Bahn- oder Flußstationen wirkte verteuernd auf den Preis ein. Für den Roggen, der in Berlin 140 M. pro Tonne kostet, erhält heute der ostpreußische oder posensche Grundbesitzer ungefähr 123—125 M. loco Hof, vor dreißig, vierzig Jahren selten mehr als 110—115 M. Wie sehr sich Frachtkosten und Handelsprofit vermindert haben, zeigt die stetige Abnahme der Differenz zwischen den Preisen im Osten und in Mitteldeutschland. In den Jahren 1861—70 betrug z. B. die Differenz zwischen den Weizenpreisen in der Provinz Preußen und in Westfalen durchschnittlich 23Vs M. pro Tonne, 1891—95 dagegen nur 10 M. Im Zeitraum 1879'83 stand der Roggenpreis in Königsberg noch um 8,29 M. pro Tonnehöhcr als in Berlin, während der Jahre 1891—95 ermäßigte sich der Unterschied auf 3,25 M. Sicherlich ist ein Minimalzollsatz von 7,50 M. für Weizen und 6 M. für Roggen eine starke Zumutung, dennoch reicht er, wenn man einnial die Nichtigkeit der Dadeschen Ausführungen zugiebt, nicht aus; denn die Tendenz der weltwirtschaftlichen Bewegung geht vorerst noch dahin, den Weltmarktspreis für Brotgetreide imnier mehr sinken zu lassen. Wie Herr Dade selbst darlegt, wäre seiner Berechnung nach für die erste Zollperiode(1879—85) nur ein Weizenzoll von 70 Pf. pro Doppelcentner nötig gewesen; in der zweiten Periode(1885— 87) hätte eigentlich der Weizen- zoll 6,40 M.. der Roggenzoll 5,20 M. betragen müssen; in der dritten Periode(1887— 92) genügte ein Weizenzoll von 5 M. und ein Roggenzoll von 3,50 M., für die vierte Periode(1892—1900) hätte dagegen der Weizenzoll auf 7,50 M., der Roggenzoll auf 6 M. festgefetzt werden müssen. Es ergiebt sich daraus, daß bereits nach Ablauf ganz kurzer Zeiträume die Zölle immer wieder erhöht iverden müssen, soll der Tendenz des Sinkens der Getreidepreise ent- gegengewirkt werden. Nun gelten aber die von Dade ge- forderten Zollsätze schon für die abgelaufenen neunziger Jahre; reichen sie auch für die Zeit aus, für welche sie bestimmt sind, für das Jahrzehnt nach Ablauf der Handelsverträge, also für die Jahre 1904—1914? Auf diese Frage giebt es— vorausgesetzt, daß man die Dadesche Berechnung acceptiert— nur die Antwort:„Nein, sie sind entschieden zu niedrig". Herr Dade nimmt selbst nicht an, daß in der nächsten Zeit die den Weltgetreidemarkt beherrschende Preistendenz sich ändern dürfte; und thatsächlich sind bis jetzt keinerlei Aussichten vorhanden, daß die überseeische Getreidekonkurrenz sich vermindern wird. Im Gegenteil, sie wird sich infolge des Ausbaus der Kanalverbindungen zwischen den nord amerikanischen Binnenseen und dem Atlantischen Ocean, des sicherindennächstenJahrenerfolgendenBausdesNicaraguakanals und der zu erwartenden Frachtreduktionen noch in verstärktem Maße geltend machen. Und zu der Konkurrenz der Ver- einigten Staaten, Kanadas und der La Plata- Staaten wird sich, sobald erst die anatolische Bahn fertig ist und zwischen dem Ausgangspunkt der transsibirischen Bahn, Tscheljabinsk, und den russischen Ostsee-Häfen billige Frachtverbindungen hergestellt sind, die Konkurrenz Kleinasiens und Sibiriens ge- ellen. Soll demnach der Tendenz der Preissenkung nach Ladeschein Rezept entgegengewirkt werden, dann muß für das kommende Jahrzehnt schon der Minimal-Zollsatz für Weizen auf 9 M., für Roggen auf 7 M. normiert werden. Und selbst diese Wuchersätze genügen nur für eine relativ kurze Zeitspanne; dann müssen sie wiederum erhöht werden. Das bedeutet aber, daß dann das deutsche Volk sein Brot- getreide doppelt so hoch bezahlen muß, wie die mit ihm auf dem Weltmarkt konkurrierenden Industriestaaten England und Belgien, daß die Junkerkaste größtenteils vom Staat auf Kosten der Volksmasse ernährt wird. Es ist eine selffame Sackgasse, in der wir stecken. Um aus ihr herauszugelangen, bleibt keine andre Wahl, als den Weg, der hineingeführt hat, wieder zurückzulegen, d. h. die hochgetriebenen Bodenpreise und damit die Grundrente zu reduzieren: anstatt die landwirtschaftlichen Zölle zu erhöhen, äe herabzusetzen. Wenn diese Maßregel heute für manche Grundbesitzer unangenehme Folgen hat. haben sie das aus- chließlich ihrer einseitigen, nur von Profiterwägungen ge- leiteten Klassenpolitik zu danken. Wären 1379 nicht wieder Kornzölle eingeführt worden, so würden sich nach und nach die Grundpreise den veränderten Verhältnissen der Getreideproduktion angepaßt haben. Statt dessen wurde unter Bismarckscher Aegide der Zollsatz von 10 M. pro Tonne durchgedrückt. Die Folge war. daß anstatt zu fallen, die Bodenpreise noch weiter stiegen und ebenso die Pachten. Deutlich läßt sich diese Steigerung bei den 1880 abgelaufenen und erneuerten Pachtverträgen verfolgen; so betrug beispiels- weise die durchschnittliche Pachterhöhung in Ostpreußen 6.5 Proz., in Westpreußen 6,6 Proz., in Posen 1.5 Proz. Der Zoll erhöhte allerdings zunächst die Preise, und lue Roggen- und Weizen-Einfuhr in das deutsche Zoll- gebiet ging beträchtlich zurück. Aber der nachrückenden amerikanischen und russischen Konkurrenz(der Weizen-Export aus den Vereinigten Staaten stieg 1880 auf über 150 Mill. Bushels) vermochte die Preissteigerung nicht Stand zu halten. Der Weltmarktspreis sank rasch und ihm folgte natürlich der deutsche Inlandspreis. Das Spiel, die Konkurrenz durch Zoll- erhöhungen abzuwehren, wiederholte sich; bereits 1885 wurde der Zoll auf 35 M. pro Tonne erhöht, dann 1887 auf 50 M. pro Tonne; jetzt verlangen die Agrarier 70 und 80 M. Geht ein sich dieser Forderung nähernder Zollsatz im Reichstag durch, werden sie innerhalb zehn Jahren unbedingt einen Minimalzoll von 100 Mark pro Tonne fordern. So geht es lustig und frivol weiter. Der Unterschied zwischen den natürlichen und den künstlich hoch- geschraubten Bodenpreisen wird größer und größer, bis der unvermeidliche Rückschlag erfolgt— ein Ende mit Schrecken. polikifche Mebevstchk. Berlin, den 8. März. Reichstag. Auch Freitag gab eS nur eine sehr kurze Sitzung. Die wenigen Abgeordneten, die erschienen waren, brauchten sich nur eine gute Stunde den Geschäften des Reichs zu widmen. An erster Stelle stand die Beratung des Unfall- fürsorge-Gesetzes für Beamte und Personen des Soldaten st ands, das die Abänderungen der Unfallversicherungsreform auf diesen Personenkreis ausdehnt. Während die Redner der bürgerlichen Parteien im allgemeinen ihr Einverständnis mit dem Entwurf ausdrückten, wies Genosse Molkenbuhr auf den merkwürdigen Umstand hin, daß dies Gesetz nicht gleich im vorigen Jahre bei der Reform der Unfallversicherung mit erledigt sei. Eine Art Schamgefühl scheint die Regierung davon ab- Sehalten zu haben. Den Arbeitern sind bei den ientenbezügen eine große Zahl Beschränkungen auferlegt worden, die man bei den Beamten nicht für nötig hält. Das zeigt sich besonders bei der Altersgrenze für die Waisenrente und bei der Rentenhöhe. Der Regierungsvertreter suchte diese bittere Kritik unsrer Unfallversicherung durch den Hinweis zu entkräften, daß die Beamten von jeher ntehr bekommen hätten. Den Vorschlag unsres Redners, bei dieser Gelegenheit in den Kreis der versicherungspflichtigen Personen auch die Krankenwärter, Theater- arbeiter, Mitglieder der Feuerwehr usw. aufzunehmen, hielt er nicht für ausführbar. Der zweite Gegenstand der Tagesordnung, der Bundes- ratsbeschluß auf Einbeziehung der Ziegeleien und Töpfereien führte zu einer interessanten staatsrechtlichen Frage. Die An- gelegenheit hat das Haus schon in erster Lesung beschäftigt. Damals kündigte der Abgeordnete der freisinnigen Vereinigung Hoffmeister an, daß er als Mittelstandsretter beantragen werde, die kleinen Töpfereien von der Genehmigungspflicht auszuschließen. Für diese Absicht hatte er die freisinnige Volkspartei und das Centrum gewonnen, und sein Antrag lag heute vor. Gegen diesen Antrag fuhr der Präsident das grobe Geschütz staatsrechtlicher Bedenken auf. Derartige Bundesratsbeschlüsse können abgelehnt oder angenommen, aber sie dürfen nicht verändert werden. Nun saß man in einer Zwickmühle, aus der man schließlich durch die Erklärung des Grafen Posadowsky herauskam, daß der hohe Bundesrat sich die Sache noch einmal überlegen wolle. Zu diesem Behufe wurde die Beratung bis nach Ostern vertagt. Den Schluß der Sitzung bildeten Wahlprüfungen, die nach dem Vorschlag der Konimission erledigt wurden. Die Wahl des Abg. Sieg wurde beanstandet. Ein kleines Stimmungsbild aus Ostelbier entrollte der Bericht unsres Genossen Fischer, der als Referent der Kommission über die Prüfung der Wahl des Abg. Grafen zu Stolberg- Wernigerode(6. Gumbinnen) fungierte. Am Sonnabend fällt die Sitzung aus, weil kein Beratungs- stoff mehr vorhanden ist; am Montag steht der Kolonial- etat auf der Tagesordnung. DaS Abgeordnetenhaus hat sich am Freitag im weiteren Verlauf der Beratung de? KultnSetat« mit der Lage der Oberlehrer beschäftigt. Es handelte sich um mehrere, auf den Normalctat bezügliche Anträge, und zwar bezlveckte der Antrag der Budgetkommission, daß die Oberlehrer daS Höchstgehalt statt wie jetzt mit 24 Jahren, bereits mit 21 Jahren erreichen sollen, während Abg. Dr. G o e b e I(C.) beantragte, daß die über 4 Jahre hinausgehende Hilfslehrerzcit mit eingerechnet wird, sofern der Lehrer während dieser Zeit im öffent- lichen Schuldienst beschäftigt war oder zur Verfügung des Provinzial« schnlkollegiums gestanden hat. Die Debatte hierüber verlief genau so wie alle Debatten über Gehaltsaufbesserungen. Die Regierung, an ihre Spitze Herr v. Miguel, hat kein Geld übrig. Und genau so wie de» Unterbeamte», die sich petitionierend an das Haus wenden, der Vorwurf der Disciplinlosigkeit gemacht wird, so erhoben die Minister S t u d t und v. Miguel auch gegen die Oberlehrer, die in der Presse auf ihre schlechte sociale Lage hinweisen, die schlversten Vorwürfe. Ja, sie stießen sogar versteckte Drohungen gegen die Lehrer aus, die es wagen, den Richtern gleichgestellt werden zu wollen. Wollen wir die Lehrer zufriedenstellen, meinte Dr. v. Miguel, so würden wir dadurch die Unzufriedenheit andrer Beamtenilassen erregen. Es ist ein einfaches Verfahren, mit dem Hinweis auf etwaige Unzufriedenheit, die neu erregt werden könnte, all' und jede Fordening von Beamten rundweg abzulehnen. Zur Abstimmung kam es noch nicht. Die Beratung tvird am Sonnabend fortgesetzt. � Aeutsches Weich. Der Unfall deS Kaisers. Nach dem ärztlichen Bericht ist das Befinden des Kaisers befriedigend und fieberfrei. Die Wunde heilt normal. Augenlider und Wangen sind mäßig geschwollen. Der Kaiser soll an seinen Bruder Heinrich telegraphiert haben: Die Sache sei nicht schlimm.„Ich sehe auZ, als wenn ich ans China käme." Die Vernehmung des Weiland hat. der„Weser-Ztg." zufolge. als unzweifelhaft ergeben, daß er seine epileptischen Krämpfe nicht simuliert und dah er seine That in einem Krankheitsanfall vollbracht hat. Er selbst erzählt Vorkonun- nisse aus seinem Leben, die ein Licht auf den Seelcnzustand werfen. aus dem seine unbegreifliche Handlung hervorgegangen ist. Sein Vater ist ein Säufer, seine in Sydney wohnende Schwester leidet au Schreikrämpfen, sein hier wohnender Bruder hat eine Hühnerbrust. Erbliche Belastung ist also sicher vorhanden. Obgleich er mit seinem Stiefvater in sehr guten Beziehungen lebt, hat er doch einst nach ihm gestochen. Seine Logislvirte, Arbeitgeber und Arbeitsgenosseü bestätigen, daß er an Epilepsie leidet. Von socialistischen oder anarchistischen Einflüssen ist absolut nichts nachzuweisen. Er behauptet, anscheinend glaublich, diesen ganz fern zu stehen. Er erzählt, gestern habe er sich schon den ganzen Tag schlecht gefühlt und habe gespürt, daß der Anfall kommen werde. Nun habe er in dem Menschengewühl auf dem Domshof gestanden. das Brausen des Brunnens und der Menschenstimmen habe ihn wieder in die Situation als Schiffer versetzt; ein Jahr habe er au" einem norwegischen Schiffe gefahren; wie nun der Kaiser näher gekommen und das Hurrarufen lauter geworden sei, sei seine Er- regung gestiegen und der Krampf gekommen. Es sei ihm ge Wesen, als ob er vorn auf dem Schiff gestanden hatte und der Kapitän habe gerufen:„Werft das Lot aus! Und so habe er das Stück Eisen, das er kurz zuvor auf dem Domshof gefunden, fortgeworfen, als ob es der Bleiklumpen des Schiffs lots gewesen. Damit sei ihm das Bewußtsein vergangen.— Er hat bei der Vernehmung nicht den Eindruck gemacht, als sei er ein so kluger Schauspieler, um eine solche Geschichte erfinden und glaub- hast vortragen zu können. Im Gegenteil, er schien der„arme, dumme Junge" zu sein, als der er von den Leuten, die ihn keimen, geschildert wird. Für die Aussage, daß er das Eisen auf dem Domshof gefunden habe, hat sich bisher noch kein Anhalt gefunden. Dort haben Gasarbeiter am Brunnen gearbeitet, diese haben aber das Eisen noch nicht identifizieren können." Die Verletzung des Kaisers besteht, der„Na t.-Ztg." zufolge. in einer Fleischwunde. die sich unterhalb des rechten Augs quer über das Jochbein hinzieht und bis auf den Knochen reicht; ob auch die Knochenhaut verletzt ist, konnte nicht festgestellt werden. Die Art der Verletzung sei eine solche, daß Zweifel über die Entstehung derselben auftauchen konnten; iiidessen ist soviel festgestellt, daß die Annahme einer Schußverletzung ausgeschlossen ist. Während der obere Wundrand glatt und fest ist, erscheint der � untere Wundrand wie unterminiert und bildet eine taschenförmige Ausbuchtung. Eine derartige Verletzung kann nur durch ein st u m p f e s Instrument, das in der Richtung von oben nach unten den Kaiser getroffen hat, hervorgerufen worden sein. Es ist deshalb die Vermutung aufgetaucht, daß der aufgefundene Schicnenriegel nicht von dem Epileptiker Weiland gelvorfen sein könne, weil' er dann den Kaiser in seitlicher Flugrichtung getroffen hätte. Vielmehr gab man der Möglichkeit Raum, daß e iii von einem Dache zufällig sich ablösender Dachziegel den Kaiser getroffen haben könne. Dem steht aber der Umstand entgegen, daß Spuren von einem Dachziegel weder im Wagen des Kaisers noch an der Attentatsslelle gesunden I-urden.— Konservatives Gesindel. Während die konservative Presse Berlins mit einem Rest von Schamgefühl und Klugheit keinen Versuch macht, die Thal des Epileptikers in Brenien politisch aus- zubeuten, gestattet es dieselbe konservative Partei, daß ihr offizielles Organ, die„Konservative Korrespondenz", der kleinen Provinzpresse die folgende Auslassung in die Echeere diktiert: _„Es ist„nur" ein Geistesgestörter gewesen, der gegen unsren Kaiser das Attentat ausgeübt hat, ivie es ja auch immer„nur" Geistesgestörte gewesen sind, von denen i» den letzten Jahren zehlreiche Mordanschläge ausgegangen waren. Sollen wir uns aber durch die Hinweise, daß nur Wahnsinnige derartige Thaten begehen, beruhigen lassen? Wahnsinnige hat es zu allen Zeiten gegeben, und unzweifel- hast laufen heutzutage nicht mehr, sondern weniger Geistesgestörte frei umher als früher. Wen» gleichwohl in den letzte» Jahrzehnten die Mordanschläge auf Monarchen und sonstige Staatsoberhäupter zugenommen haben, so muß doch wohl noch ei» andres Moment dabei mit wirken, als nur der Wahnsinn. Und dieses Moment ist die Hetze in der Presse und Agitation zunächst der von der Socialdemokratie verleugneten anarchistischen Schwesterpartei, dann aber auch der Socialdemokratie selbst. Gerade auf geistig Anormale wirkt solche Hetze gegen Monarchen und Autoritäten lebhafter ein als auf Vernünftige,— und auf Vernünftige ist ja eigentlich die ganze jetzige Agitation der Socialdemokratie nicht gemünzt. Der„Vorwärts" ist sehr entrüstet darüber, daß die„Deutsche Tageszeitung" die Bremer Unthat als Folge anarchistisch- socialdemokratischer Verhetzung bezeichnet. Eine un ni ittelbare Folge ist ja der Vorfall nicht; allein das socialdemokratische Centralorgan wird doch nicht behaupten wollen. daß die antimonarchischen Agitationen und Demonstrationen seiner Partei nicht geeignet seien, unreife Köpfe zu Anschlägen gegen Fürsten anzureizen." Die„Konservative Korrespondenz" verwechselt offenbar die Socialdemokratie mit ihrer eignen Partei, fiir die ja die„monarchische Gesinnung" nur eine Zollfrage ist, und die sofort bereit ist, aufs gröblichste gegen die Majestät zu Hetzen, wenn deren Politik dem Junkertum nicht behagt. Andrerseits ist gerade die Sociab bemokratie ihrer ganzen Weltanschauung nach nur allein berufen, den Attentatswahn erfolgreich zu bekämpfen, da sie ja entgegen den Konservativen lehrt, daß nicht einzelne Personen die Schuld oder das Verdienst an der geschichtlichen Entwicklung haben. Wir bekämpfen Institutionen, nicht Personen. Und ivenn es einen guten Grund giebt, für eine demokratische Republik einzutreten, so ist es gerade' der, daß dadurch unreife Köpfe vor dem Attentate zeugenden Wahn belvahrt iverden, daß Fürsten allmächttge Personen seien, von deren Existenz oder Nichtexistenz das Schicksal eines Volks abhänge. Im übrigen lohnt es sich nicht, ernsthaft gegen den schmierigen Blödsinn der ,',Kons. Korrespondenz" zu protestieren, da eS sich ja einer- seits überhaupt um kein Attentat handelt, andrerseits das Organ der konservativen Partei wider bessere Ueberzeugung seine Dcuunziationen sudelt, weil es glaubt, die Leser der Amtsblätter feien durch die fortgesetzte Lektüre der„Konservativen Korrespondenz"- Ausschnitte geistig fo heruntergebracht, daß sie selbst an derlei Zeug keinen Anstoß mehr nehmen. Für die provinziell und reichshauptstädtisch doppelt gewählte Kampfesweise der Konservativeil ist aber die Sudelei der»Kons. Korrrespondenz" sehr charakteristisch.— sonder? nahestehende Centrum, aus der Klemme ziehen, öffentlich Farbe bekennen zu müssen, und that ihnen den Gefallen, ihnen die Verschanzung hinter Kompetenzbedenkeu zu erleichtern. Ende Januar lief von der Stadt Pforzheim an den Mann- heimer Stadtrat ein Schreiben ein mit der Anfrage, ob die Stadt Mannheim eventuell an einer Kollektivvorstellung badischcr geplanten Brotvertcuerung teilnehmen würde. erteilte auf eigene Faust eine ablehnende jenen Stadtratsveschluß und gab erst dem Pforzheimer Schreiben Kenntnis. tadtrat hatte selbstverständ Städte in Sachen der Der Oberbürgermeister Antwort, nachher gestützt dem- i auf Gegen den Kornwucher. AuS Mannheim wird uns geschrieben: Eine außerordentliche BürgerauSschußsitzung hat mit öS gegen 38 Stinimen den Beschluß gefaßt, namens der Gemeinde eine Vorstellung au die großherzoglich badische Regierung zu richten, wodurch dieselbe ersucht wird, ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß bei dem bevorstehenden Abschluß von Handelsverträgen jegliche Erhöhung der Getreidezölle unterbleibt. Die Sitzung hat eine interessante Vorgeschichte, die über die Mauern Mannheims hinaus im ganzen badischen Lande berechtigtes Aufsehen erregt hat. Im Januar d. Js. war vom Mannheimer Stadtrate auf die Vorstellung des Oberbürgermeisters Beck hin, der sich»ameutlich auf Kompetenzgründe stützte, abgelehnt worden, einen ähnlichen von socialdemokratischer. demokratischer und frei- sinniger Seite eingebrachten Antrag zur Beratung vor den Bürger- ausschuß zu bringen. Der Oberbürgermeister, einer jener„diplomatischen" Gegner der Zollerhvhuug(er lehnt nur jede den Abschluß von Handelsverträgen gefährdende oder erschwerende Zollerhohung ab) wollte seine Freunde die Nationalliberalen und das ihm be« Stadtrat von Der in seiner Mehrheit nationnlliberale sich nichts Eiligeres zu thun, alles, was der Oberbürgermeister gethan hatte, w'ohlgethan sein zu lassen, auch daß alle Städträte der Städte-Ordnungs-Gemeiuden von der Ablehnuug des Pforzheimer Ansuchens Nachricht erhielten. Dadurch kam die merkwürdige An- gelegenheit in die Oeffentlickikeit. Sie war mit Recht über da? Vorgehen des Oberbürgermeisters und des ihm gehorsamen Stadt- rats, das der Mehrheit der Bürgerschaft ins Gesicht schlug, entrüstet. Glücklicherweise gewährt die badische Städte- Ordnung die Möglichkeit, bei Unterschrift einer gewissen Anzahl von Bürger- aus'schußmitgliedern den Stadtrat zur Einberufung einer Bürger- ausschußsitzung zu zivingeu, und das geschah denn auch hier auf Antrag von socialdemokratischer, demokratischer und freisinniger Seite hin. Am 5. März fand diese Sitzung statt— mit dem oben mitgeteilten Resultate. Nationalliberale und Centrum drückten sich in Erklärungen wiederum mit Kompetenzbedeuken um die klare Stellungnahme herum. Von unsrer sGen. Drcesbach), von de- mokratischer und freisinniger Seite wurde mit diesen Herreu Kompetenz Jongleuren ein kräftiges Wort gesprochen. Die Nationalliberalen wurden nämlich daran erinnert, daß sie bei andern Gelegenheiten nie einen Augenblick zögerten, den Bürgerausschuß für' ähnliche Petitionen an' politische Körperschaften mobil zu machen, wenn sie nur auch ihren Zwecken dienten. Auffallend war es, daß in der nationalliberalen Fraktion keiner von den Mannesseelen, die am 3. März zustimmend die Protest- versaminlung mitgemacht hatten, jetzt im Bürgerausschuß zwei Tage später den Mut fand, sich gegen jede Zollerhöhung zu erklären, nicht einmal der Stadtverordnet'eu'-Obmann Geh. Kommerzienrat Diffens, der am Sonntag als Vorsitzender der Mannheimer Ortsgruppe des Handelsvertragsvereins die Protestversammlung geleitet hatte. So hat auch die große Mehrheit der städtischen Vertreter auf dem Mannheimer Rathause mit aller Entschiedenheit gegen den agrarischen Raubzug Front gemacht und hat die Meinung der Mehr- heit der Bevölkerung, die in Gefahr war, durch Machenschaften vertuscht zu werden, zu um so helleren Ausdruck gebracht. Die nächste Gemeindewahl wird darüber eine leserliche Quittung geben. In unsrer Nachbarstadt Ludwigshafeu fand am 3. März etue Protest Versammlung der Arbeiter gegen den beabsichtigten Brotwucher statt. Der große Saal des Gesellschafts- Hauses war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einer eindrucks- vollen Rede des Genossen Ehrhardt, die sich namentlich mit der schwächlichen Haltung des Bürgertums beschäftigte, wurde eine jede Lebensmittelverteuerung streng verurteilende Resolution cinstiminig angenommen. Aus Straßburg i. E wird uns vom S. März geschrieben: Gestern abend demonstrierte die Arbeiterschaft der Reichslands- Hauptstadt in einer eindrucksvoll verlaufenen, von fast tOOV Personell besuchten Versammlung, in der Redacteur Dr. S e n s ch von der hiesigen„Freien Presse" das Referat übernommen hatte, gegen die geplante Getreidezoll-Erhöhuug. Der geräumige Saal wurde zolizeilicherseits schon lauge vor Beginn des Referats wegen lieber- 'üllung gesperrt, so daß Hunderte von Männern und Frauen keinen Zutritt mehr fanden. Die vorgeschlagene Protestresolution fand ein- stimmige Annahme. Am Abend vorher hatte in demselben Saale der Führer der badischen Demokraten. Rechtsanwalt und Landtags-Abgeordneter M u s e r- Offenburg vor etwa 500 Personen zu demselben Thema gesprochen. Auch hier wurde einstimmig eine Protest- kundgebung gegen den Brotwucher votiert. Im Gegen- 'atz zu einem Teile der demokratischen Fraktion der "weiten badischen Kammer, insbesondere aber auch zur bisherigen laltung des führenden Preßorgans der badischen Volkspartei, des Karlsruher.Landesboten", sprach sich Muser bedingungslos gegen jede Erhöhung der bestehenden Zollsätze aus und erklärte sich' im Princip gegen jeden Zoll auf Getreide und andre Volksnahruugsmittel überhaupt. Mehr als drei Viertel der deutschen Landwirte hätten nicht den ge- ringsten Vorteil von der Zollerhöhung, sondern direkten Schaden. Die deutsche Landwirtschaft müsse, wenn der Getreidebau nicht mehr rentiere, zu andren Produktionszweigen, zur Zucht von Geflügel und Schlachtvieh, zur Erzeugung von Milch, Käse, Mdrgarine, Eiern, Obst usw. greifen, für welche Artikel da? deutsche Volk noch im Jahre 1838 mehrere Hundert Millionen an das Ausland bezahlt habe.—_ Leute mit der Faust inS Gesicht und an die Brust und ließ sie übermäßig lange Kniebeuge machen oder still- stehen. Ain Kaiscrtage befahl er einem an Heiserkeit erkranklen Soldaten, vor seinen Augen drei Liter Bier zu trinken. Er ließ die Soldaten nach Kommando essen und verbot ihnen auf längere Zeit das Rauchen. Als ein Soldat sich bei ihni krank meldete, schlug er ihn. Für den Fall einer Beschlverde bedrohte er die Leute mit Schlägen. In einem Falle stach er einen Soldaten in die Schulter. Auf einen andren Soldaten ging er mit dem offenen Messer los und schrie:„Hund, ich ersteche Dich! Geh' mir aus den Augen!" In Anbetracht der unglaublichen Roheit seiner Handlungsweise wurde Hockard degradiert und zu zwei Jahren Gefängnis ver- urteilt. Auö Darmstadt wird unterm 8. März berichtet: Gestern fand hier ein vom Kammerpräsidenten Haas arrangierter parlamenta- rischer Abend statt. An demselben nahmen zum erstenmal socialdemokratische Abgeordnete teil. Der Großherzog. Ivelcher ebenfalls anwesend war, zog Abgeordnete sämtlicher Partei- richtungen ins Gespräch. U. a. unterhielt er sich längere Zeit mit dem socialdemokratischen Abgeordneten U l r i ch- Offenb'ach.— Antisemitischer Bocrenschwindel. Die gute Sache der Boercn kann nur geschädigt werden, wenn sie den unlauteren Händen anti- semitischer Radauleute verfällt. Die Herren von der deutsch-socialcn Reformpartei versuchen den Heldenkampf der Boeren zur Auffrischung ihres verblicheueu Parteinimbus auszunutzen und scheuen dabei nach ihrer Art nicht vor den gewagtesten Mitteln zurück. „Boerenkom m an bauten"— so lesen wir in der „Magdeb. Volksstimme"— treiben jetzt in großer Zahl in Deutschland ihr Unwesen. Gewöhnlich ziehen sie in Begleitung eines Anti- semiten von Stadt zu Stadt, halten Borträge über die Räuberpolitik Englands und teilen sich dann mit dem Antisemiten in den Kassen- ertrag. So machte es wenigstens der„Boerenkommandant Mayers van Pittius", der in Begleitung des Reichstags- Abgeordneten Bindewald durch Rheinland- Westfalen zog und die Boereu- freunde brandschatzte. Bei einem Vortrag in Remscheid ereignete sich nun, wie die„Barm. Ztg." mitteilt, ein Vorkommnis, das im Interesse der Boerensache und deren opferfreudiger Unterstützung in den weitesten Kreisen bekannt zu werden verdient. Ein Herr, der gute Beziehungen zu hervorragenden holländischen Persönlichkeiten unterhält, hatle in Erfahrung gebracht, daß jener angebliche Boeren- kommaudant Mayers van PittiuS weder ein Boer noch ein Kommandant der Boeren-Armee fei. Er stellte vor Er- öffnung der Versammlung M. v. P. hierüber zur Erde, der den bezüglichen Irrtum in den öffentlichen Anzeigen zugab. Vor Beginn der Ansprache Mayers v. P. wurde von dem Leiter der Versammlung, einem jungen Mann aus Dortmund, der angebliche „Irrtum" berichtigt und bemerkt, daß M. v. P. Deputierter der Südafrikanischen Gesandtschaft im Haag sei. Aber auch diese Angabe ist unzutreffen d. M. v. P.. der that- sächlich nur Mayers heißt, ist ei» geborner Holländer. Er war zwei Jahre lang in Transvaal als Wanderlehrer thätig und seine Beziehungen zum südafrikanischen Krieg erstrecken sich auf einen zweitägigen Aufenthalt im Boeren- Lager zu L a d y s m i t h. Zuletzt war Mayers als Schreiber bei einem holländischen Boeren- Unterstützungs- Komitee be- schäftigt. Von Holland aus hat sich Mayers nach Deutschland gewandt. Angefügt sei, daß der Gewährsmann der„Barmer Zeitung" bei Beginn des Vortragsabends sich bei M. und dem mit ihm reisenden Komitee nach dem Verbleib der für die Boeren ge- ammelten Gelder erkundigte, aber hierüber keine befriedigende Auskunft erlangen konntc. Man hat also alle Ursache, gegenüber den„Boerenkommandanten", namentlich wenn sie fließend Deutsch reden, vorsichtig zu sein. Befinden sie sich gar in antisemitischer Gesellschaft, so verpflichtet dies zu erhöhter Vorsicht.— Agrarische Dichtung und Wahrheit. Neuerdings lieben die Agrarier es. ihre Brotwucherpläne damit zu rechtfertigen, daß sie feierlich erklären, daß sie nur deshalb höhere Preise erzielen wollen. um den Arbeitern höhere Löhne zahlen zu können. Das ist die Dichtung. Die agrarische Wahrheit besteht darin, daß sie ein doppeltes Lebensziel erstreben: Höhere Preise für sich selber und— niedrigere Löhne für die Arbeiter. Der Agrarier, wie er wirklich ist, trat in einer Sitzung de? land- wirtschaftlichen Vereins der Kreise Jnowrazlaw und Strelno hervor. Der„Bolks-Zeitung" wird darüber berichtet: AnderSitzung nahm auch der Regierungspräsident Conrad- Bromberg teil. Unter dem Beifall der zahlreich ver- sammelten Großagrarier Kujawiens sprach Oekonomierat Hüne- rasky-Posen über:»Die ländliche Arbeiterfrage, vom nationalen und wirtschaftlichen Stand- punkt aus beleuchtet". Ihrer Lösung maß der Vortragende dieselbe Bedeutung bei, wie dem„günstigen" Abschlüsse der Handels- vertrüge. Das einzige Mittel, der Arbeiternot mit Erfolg zu be- gegneii, sei eine Erschwernis der Abwanderung. Hierher ge- hören die Aufhebung der Eisenbahnfahrt- Vergünstigungen", die Acnderungen des FreizügigkeitSgefetzes und der Vorschriften über Erlangung deS Unterstützungs-WohnsitzeS. Der Arbeiter muß nachweisen bei seiner Niederlassung in einem neuen Orte, daß er über sich und seine Familie frei verfügen kann und schon eine Arbeitsstelle gefunden oder im Besitze' hinreichender Mittel sei, eine Zeitlang ohne Einkünfte leben zu können. Die zweijährigen Fristen, in denen er den alten Uuterstützungöwohnsitz verliert oder den neuen erwirbt, bedürfen einer erheblichen Verkürzung, nämlich auf ein biS drei Monate. Endlich müsse der„Humauitätsduscl" der Städte, die Einrichtung der Suppenküchen, der Wärme- hallen und ähnlicher An st alten aufhören, die den Arbeiter nur verhätscheln. Den industriellen Arbeitern höhere Brotpreise, den ländlichen Arbeitern die Wiedereinführung der Leibeigenschaft, damit sie kein Mittel haben, ihre Lage zu verbessern— das ist das Ideal der Junkerschaft, zu dessen Sicherung das Centrum jetzt den Brotwucher propagiert. Ist diese Gesellschaft wert, daß sie auch nur einen Tag länger existiert?— Zum Kapitel der Soldatenmisthandlungen. Soldaten- Mißhandlungen schwerster Art kamen in einer Verhandlung vor dem Kriegsgericht der 1. Division Nr. 23 in Dresden zur Verhandlung. Angeklagt war der Unteroffizier Alwin Max Hockard von der 7. Kompagnie des sächsischen Jnfauterie-Regiments Nr. 177, der nach dem Wortlaut des Urteils seine aus Rekruten bestehende Korporalschaft in geradezu bestialischer Weise behandelt hat. Unter- offizier Hockard hat, wie die Verhandlung ergab, die ihm unter- stellten zwölf Mann nur mit„Du" angeredet, täglich geohrfeigt, oft mit dem Gewehrkolben gestoßen und sie mit einer Nadel in die Beine gestochen, wenn sie nicht eine genügende Anzahl Klimm- züge machten. In der Jnstruktionsstunde schlug er die Daö Befinden des Freiherr» v. Stumm, der schon längere Zeit leidend ist, hat sich Blätternieldungen zufolge derart ver- chlimmert, daß eine Hoffnung auf Genesung nicht mehr be- t e h t. Wie in parlamentarischen Streifen verlautet, dürfte sein Ableben nahe bevor st ehe n.— Eine Statistik der jüdischen Beamten im prenstischcn Staatsdienst wird von jüdischer Seite, anläßlich der jüngsten Judendebatten im Landtage, angeregt. Es soll festgestellt werden, wieviel Juden in der Justizverwaltung, wieviel in den andren Ressorts thätig sind, welchen Rang sie bekleiden, ivie lange sie im Dienst sind, usw. Es kommen, neben der Justizverwaltung, die Schul-, Eisenbahn-, Bau- und Postverwaltung in Betracht.— Zinsen vom HohkönigSburg-Kapital? Der Landesausschuß befaßie sich am Mittwoch mit dem Fall des Missionars Pater B i e n tz. der, obwohl seiner Zeit wegen Verletzung der Paßpflicht ausgewiesen, im Herbst o. I. die deutsche Grenze ohne Erlaubnis überschritten hatte, dabei abgefaßt, ins Gefängnis transportiert und vom Amtsgericht Mörchingen zu einem Tag Haft verurteilt, noch Eintreffen der Erlaubnis aber sofort wieder in Freiheit gesetzt worden war. Bei dieser Gelegenheit gab Staatssekretär v. Putt- k a m e r namens der Regierung die Erklärung ab, die A u f h c b n n g der Ausweisungs-Verfügungen gegen alle diejenigen Personen, die seiner' Zeit Ivegen Verletzung der Paßpflicht aus Elsaß-Lothringen ausgewiesen worden seien und jetzt Gefahr liefen. wegen Bannbruchs bestraft zu werden, wenn sie ohne besonders eingeholte Erlaubnis ins Land kämen, siehe unmittelbar bevor. Es Iverde diesen Personen, deren Zahl sich auf etwa KZO belaufen, der Aufenthalt in Elsaß-Lothringen gestattet werden, falls nicht bei einzelnen besondere Gründe dagegen sprächen.— Wenn die letztere Einschränkung auch geeignet ist. den Wert der ganzen Verfügung in Frage zu stellen, so wird die Milderung der bestehenden vexatorijchen Grenzkontrolle von der Oeffentlichkcit doch als eine kleine Abschlags- zahlung auf die Forderung des freieren Verkehrs mit dem westlichen Nachbar acceptiert.— Ausland. Zoll- und Prämicnwucher. Der Getreidezoll soll die„Not der Landwirtschaft". will heißen die Geldnot der Junker beheben. Um der kleinen Kaste der ostelbischen Großgrundbesitzer ihre einflußreiche Stellung im Staate zu erhalten, muß das Volk für seine notwendigsten Lebens- mittel erhöhte Preise bezahlen. Daß das System der Schutzzölle jedoch ein gefährliches und unnützes Mittel ist, der Landwirtschaft soweit sie wirklich bedrängt ist, aufzuhelfen, das zeigt in ganz drastischer Weise Frankreich. Auch Frankreich hat. um de» Niedergang der Landwirtschast aufzuhalten, einen Zoll auf Weizen eingeführt; derselbe betragt auf den Doppclcentner 7 Fr. Dieser Zollsatz, der in Frankreich schon seit Jahren in Kraft ist. hat der Landwirtschaft nicht das Hcil gebracht, das von ihm erwartet wurde. Di- Klagen über die Rot der Landwirte sind nicht verstummt, der Preis des Getreides ist nicht um 7. sondern mir um 3 Fr. höher, als in Belgien und England. den Länden» mit freier Einfuhr. Die Ursache dieser Erscheinung ist sehr einfach: Der innere Markt wird mehr und mehr gedeckt durch die Produktion des Lands selbst. Die Konsumtion bleibt, wie die Bevölkerung in Frankreich, so ziemlich die gleiche, ja sie dürfte sich sogar um etwas verringern, da die in Massen in die Städte ziehende Landbevölkerung den Verbrauch von Mchl und Brot in etivas ein« schränkt, dafür mehr Fleisch genießt, lvohingcgcn die Produktion von Getreide die Tendenz hat, sich zu steigern. Daher kommt es, daß Frank- reich in den letzten Jahren immer weniger Getreide vom Ausland nötig hatte. In den Jahren 1898 und 1899 betrug die Einfuhr nur noch je 24 000 Doppclcentner— das ist Vioi» des Gesamt- verbrauchS—. um im Jahre 1900 gar auf 10 800 Doppclcentner zu fallen. ES ist Nor, daß dieS ein vollständiges Fiasko des Schutzzolls bedeutet, und nun schreien die Agrarier nach andren Mitteln. Sie sagen: Wenn das Getreide sich nicht verkaust, so liegt das daran. daß der Markt in Frankreich überfüllt ist; also müssen wir den Ex- Port von Getreide herbeizuführen suchen. Diese Ermutigung der Ausfuhr will man durch Ausfuhrprämien zu erreichen suchen. Der Gesetzentwurf, zu welchem Deputiertenkammer und Senat bereits Stellung genommen haben, beruht auf der Bestimmung, daß für jeden Doppelcentner Getreide, der ausgeführt wird, eine Prämie von sieben Frank gewährt wird. Der Betreffende er- hält einen Check im Werte von 7 Frank, den er auf dem Zollamt hinterlegen kann und der ihm bei der Einführung von Kakao. Kaffee oder auch Ge- treibe angerechnet wird. Wie es scheint, ist man bei dieser originellen Art der Prämien- regulierung von der Annahme ausgegangen, die kleinen Besitzer würden nun den Ueberschuß ihres Getreides über die Grenze spedieren und sich vom Ausland andre Bedarfsartikel mitbringen. Diese Annahme ist natürlich falsch. Außer etwa den paar Grenz- bewohnern sind die kleinen Besitzer gar nicht dazu befähigt, sich das Gesetz zu nutze zu machen. Vielmehr werden, wie M. C o u t e a u x im Senat mit Recht hervorhob, dies Geschäft die großen Händler nnd Spekulanten besorgen. Sie werden das Getreide massenhaft aufkaufen, um es nach dem Ausland zu v e r- kaufen. Dadurch wird der Markt im Jnlande entlastet. so sehr entlastet, daß die Preise riesig steigen. Die Teuerung deS notwendigsten Lebensmittels wird eine Panik hervorrufen und daS Drängen nach Aufhebung des Schutzzolls wird beginne». Die Spekulanten, die durch das Agio ihre Taschen gefüllt haben, werden sich dann wohl herbeilassen, den bedrängten Konsumenten beizu- springen und nun das Getreide wieder über die Grenze holen, um abermals ein Geschäft zu machen. Wer wird, so fuhr Couteaux in seiner Rede fort, die Gemüter de« aufgeregten Volks beschwichtigen, das zusehen muß, wie das Getreide erst über die Grenze geht, um die Taschen der Financiers zu füllen, und das dann, verteuert durch die Transportkosten, wieder zurückkommt? JauräS, dessen Ausführungen in der„Petite Republique" wir im allgemeinen gefolgt sind, zieht zum Schluß eine Parallele zwischen der durch solche Manöver eventuell eintretenden Situation und der, wie sie vor dem Ausbruch der großen stanzösischen Revolution geherrscht hat. Auch damals hat ein gewissenloses Spekulanten- tum derartige Manöver gemacht, die dahin führten, daß die aus- gepoverte, verhungernde Bevölkerung zur Verzweiflung getrieben wurde.— Jedenfalls zeigt das Beispiel Frankreichs, wie durch den Zoll auf Getreide der beabsichtigte oder angeblich beabsichtigte Zweck nicht erreicht wird, den Kleinbauern zu helfen; es zeigt ferner, daß die Ausfuhrprämien ein Experiment darstellen, das nicht nur dem französischen Inland sondern auch den zollgeschützten aus- ländischen Agrariern sehr gefährlich werden kann. So kann mittels der Prämien, trotz des hohen Schutzzolls dahin kommen, daß man in Frankfurt französischen Weizen billiger kauft als in Paris. So enthüllt das Schutzzoll-System seine innere Sinnlosigkeit und führt sich selbst aä absurdum, ist es doch nur eine verwilderte Form des Manchestertums, aus den, statt der Rivalität der Kon- kurrenz nur die Solidarität des Socialismus herausführen kann. Oestreich- Ungarn. Wien, 7. März. Das im Abgeordnetenhause eingebrachte Gesetz Zur Förderung der Industrie bestimmt, daß Unternehmungen bisher in Oestreich nicht bestehender Produktionszweige sowie Unter- nehmuugen, welche alten Betrieben neue im Jnlande noch nicht vorhandene Betriebszweige anfügen, eine zwölfjährige Steuerfreiheit genießen sollen und unter Umständen ihnen auch ein staatlicher Zuschuß gewährt werden solle. Ferner bestimmt das Gesetz, daß Banken und andre Aktien- gcsellschaften von den Erträgnissen noch unbegebener Aktien der von ihnen errichteten Jnvustrieunteriiehmungen wesentlich verminderte Steuen, zahlen sollen. Endlich wird der Grundsatz aufgestellt, daß der Bedarf der Staats-, Landes- und Gemeindebehörden durch heimische Erzeugnisse gedeckt werden soll. Ein im Abgeordnetenhause eingebrachter Gesetzentwurf über ArbeitSstatisttk entspricht im wesentlichen den früheren Beschlüssen des HauseS. Es statuiert die Ansknnftspflicht des Publikums zu Gunsten arbeitsstatistischer Erhebungen, sowie das Recht amtlicher Organe zum Eintreten in Arbeitsräume und zur Einsicht- nähme in gewisse auf Arbeitsverhältnisse bezugnehniende Dokumente. Das Strafverfahren für Zuwiderhandlungen wird den politischen Behörden zugewiesen, die eine Geldstrafe bis zu 1000 Kronen verhängen dürfen. Der Gesetzentwurf enthält schließlich Bestimmungen über die Pflicht zur Verschwiegenheit für die von den Behörden zu arbeitsstatistischen Erhebungen verlvendeten Beamten, sowie über die Gebührenfreiheit von Eingaben in Angelegenheit der Arbeits- statistik. England. Die Ire« im Unterhaus. In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag tvurde im Unterhaus über die kürzliche Skandalscene verhandelt. Ein Antrag D i l l o n S, daß das Haus die Suspeiidieruiig der Iren für den Rest der Session beschließen soll, wurde mit 413 gegen 79 Stimmen abgelehnt. Mit der Minder- heit stimmten'auch einige Radikale. Der Zusatzantrag Hugh Cccils über Verhängung einer Gefängnisstrafe wird von Balfour dellimpft und Cecil erklärt sich bereit, diesen Antrag zurückzuziehen. Die Jrländer bestehen jedoch auf der Abstimmung, worauf der Au- trog mit 426 Stimmen abgelehnt wird, für denselben stimmt niemand. was mit großer Heiterkeit aufgenommen wird. Nachdem die Beratung über den Antrag Balfour die ganze Nacht gewährt hatte, wurde derselbe heute früh gegen« Uhr mit 264 gegen öl Stimmen angenommen.— Der Boeren- Krieg. Frieden in Sicht? Dem Reuterschen Bureau wird aus Pretoria vom 5. d. MtS. telegraphiert: Kitchener hatte am 27. Februar mit Botha und andern Boerenführern in Middelburg eine Zusammenkunft, um über die Frage zu verhandeln, ob es möglich sei, die Feindseligkeiten ein- zustellen. Vom 6. d. MtS. wird dem genannten Bureau auS Pretoria gemeldet, man empfinde dort und in Johannesburg große Be- friedigung über die Zufammenrnnft KitchenerS und BothaS, weil dieselbe zu hoffnungsvollen Schlüssen berechtige. Lord Balfour hat im Unterhause bestätigt, daß VerHand- luiigen zwischen Kitchener und Botha im Gange seien, wie weit dieselben gediehen, darüber könne er nähere Mitteilungen nicht machen. Mittlerweile haben aber auf dem Kriegsschauplatze weitere Plänkeleien stattgesunden. Eine Depesche des Generals Kitchener aus Pretoria vom 7. März meldet: Die Boeren machten einen energischen An- griff auf Lichtenburg. der aber mißlang. Auf Seite der Boeren wurden 2 Offiziers und 14 Mann getötet. 20 verwundet. Der Boeren- general Celliers ist gefallen.— Ueber die jetzige Stellung De Weis liegen verschiedene Berichte vor, da seine Truppen im Oranjesreistaat zerstreut sind. Die nach dem Norden vorrückenden Briten werden heute in Petrusberg ankommen. French meldet, daß er einen Vier- zehnpfiinder und ein Hotchkiß-Geschütz erbeutete, so daß er jetzt im ganzen den Boeren 7 Geschütze abgenommen hat. so weit man bis jetzt weiß, sind seit dem Beginn der Operationen im Osten 979 Boeren kampfunfähig geworden. French hat weiter 169 Gewehre, 24 970 Patronen. 1S3 Pferde, 1240 Zugochsen: viele Wagen und eine Menge Rindvieh und Schafe erbeutet. Verluste habe' er nicht zu beklagen._ VsrlsmenkÄvifchrs. Kolonial- Etat. Die Budgetkommission setzte Freitag die Beratung des Kolonial-Etats fort. Für Südwest- Afrika ist eine Ver- Mehrung der Artillerie und Schaffung einer Reserve an Artillerie- und Jnfanteriemunition in Aussicht genommen, deren Höhe auf mehrere Jahre verteilt werden soll. Für 1901 werden 321000 M. gefordert. Der Referent Prinz Arenberg sC.) erachtete 250 000 M. für binreichend und beantragte 71 000 M. abzusetzen. Zur Begründung der Forderung weist er auf event. Boeren treks nach unsren südwestafrika- ilischcu Gebieten hin. Abg. Müller-Fulda(C.) beantragt, den Reichs- kanzler zu ersuchen, darauf hinzuwirken, daß i» den deutschenSchutzgebieten die Sklaverei in keinerlei Form geduldet werde. Ueber die etwaige Einwanderung der Boeren und die Sklaverei in den deutschen Schutz- gebieten entspann sich nun eine lebhafte Debatte. Abg. Prinz Arenbcrg sC.) hat nichts dagegen, wenn die Boeren in nicht zu großer Zahl in das Schutzgebiet kommen, die Autorität der Regierung aber müsse gewahrt werden. Die Resolution Müller- Fulda sei im allgemeinen nicht durch- führbar, da die Haussklaverei unentbehrlich sei. Bei den Zwangs- arbeiten der Kriegsgefangenen handle es sich doch nicht um eigent- liche Sklaverei. Abg. Bebel(Soc.): Die Gesamtsumme der für die Artillerie aufzuwendenden Mittel ist uns noch nicht bekannt, umsomehr haben wir Anlaß, das Drängen der Kolonialgesellschaft auf Vermehrung der Schutztruppe entschieden zurückzuweisen. Die Aeußerung des Referenten, als ob die Artillerie eventuell gegen die Boeren verwendet werden müßte, war recht unglücklich. Abg. v. Ticdemann(Rp.): Die Aufnahme von Boeren in größerer Zahl in unser Gebiet würde zu vielen Unzuträglich- ketten führen. Nach dem Urteil von Sachverständigen unterwerfen sich die Boeren keiner Autorität und behandeln die Eingeborenen grausain. Abg.Hafsei(natl.): Gegenüber den grenzüberschreitenden bewaffneten Haufen, die ja auch aus Engländcni bestehen können, ist die Bc- schaffung von Abwehrmitteln notwendig. Die Boeren selber sind ein wichttges Kulturclement und ihre Einwanderung wäre nur mit Freuden zu begrüßen. Abg. Speck/z Millionen. also 71 400 M. auf das Kilometer. Abg. Schräder, der bei dem Vorschlag des Banken-Konsortiums beteiligt ist, behauptet, daß die Gesellschaft ohne Gewinn arbeite. Abg. Bebel: Schon das Mitsprechen eines Beteiligten ist ein ungewöhnlicher Vorgang. Die Kolonialfreunde sind sick über das Projekt selber noch nicht einig, die Mehrheit ist gegen die Bahn. Hätte sie wirklich wirtschaftliche Aussichten, so würden auch wir nichts dagegen haben. Hervorragende Sachkenner aber bestreiten, daß die Kolonie bannt ertragsfähig gemacht werden könne. Die Verhandlungen mit dem Konsortium' scheinen eine Art Vorspann für den Bau durch das Reich zu sein. Wenn die Stichbahn sich nicht bewährt, dann wird man erst recht weiter bauen wollen. So werden die Kon- sequenzen unabsehbar. Die weitere Debatte wird hierauf auf Sonnabend vertagt. Bon der Partciprcsse. Aus der Redaktion des Volksfreunds in Braunschweig scheidet der Genosse H e y in a n n am 20. d. M. aus, um in die Redaktion des„Wahren Jakob" einzutreten. Gemcindcwahlen. In Elmschenhagen bei Kiel wurde der erste Socialdemokrat in den Gemeinderat gewählt. Ein populär verfaßtes polnisches Flugblatt gegen die Koruzölle, das die polnischen Arbeiter in Deutschland über die Verteuerung des Brots, seiner Hauptnahrung, aufklären soll, ist er- schienen. Die Redaktion der„Gazeta Robotnicza", Berlin O., Stralauer Platz 21, ersucht alle Agitatioiiskommissioncn und Ver- trauensleute, umgehend Bestellungen hierauf zu machen. Die Parteibttitter werden um Abdruck dieser Notiz ersucht. Polizeiliches. Gerichtliches usw. — Zu SO M. Geldstrafe wurde wegen Beleidigung eineS Fabrikanten Genosse Heinzel in Striegau von der Strafkammer in Schweidnitz verurteilt. Heinzel hatte in einer Versammlung die Betriebs-Krankeukassen kritisiert, daher die angebliche Beleidigung. — Zehn Mark soll Genosse Schecr in Schweidnitz zahlen, weil er an Sonntagen Flugblätter verbreitet hat. In der Berhand- lung vor dem Schöffengericht in Zobtcu wurde zwar festgestellt, daß Schecr weder während der Rirchzeit noch in öffentlich bemerkbarer Weise die Flugblätter verbreitet hat, aber ein Lehrer hat von seinen, Fenster aus den Eindruck gehabt, daß Colporteure im Dorfe geschäftig hin und her eilen und dies wurde vom Gericht als aus- reichend zur Störung der Sonntagsruhe erachtet, tveshalb auf obige Strafe erkannt wurde._ Gelvevftslhclftlirhes. Berlin und Umgegend. Die Lohnbewegung der Marmorarbeiter wurde am Freitag in einer zweiten Sitzung des Einigungsamts ver- bandelt. Der am Donnerstag in einer Kommission vorberatene Accordtarif wurde Punkt für Punkt durchgenommen und seinem Wortlaut nach festgestellt. Auf die Forderung der Arbeiter, den Stundenlohn für Steinmetzen von 60 Pf. auf 65 Pf. und den für Schleifer von 40 auf 45 Pf. zu erhöhen, erklärten die Arbeitgeber nicht eingehen zu können, ebenso weigerten sie sich, die von den Arbeitern' geforderte 8�/2 stündige Arbeitszeit anzuerkennen. Nach mehrstündigen Verhandlungen legte Gewerbegerichts- Direktor v. Schulz folgende Vorschläge des EinigungSamts vor: 1. Der hier beratene Tarif wird von beiden Parteien an- genommen. 2. Die Arbeitgeber werden bei Einstellung von Arbeitern in erster Linie die Mitglieder der Organisation der Steinarbeiter be- rücksichtigen und nur tariftreue Arbeiter beschäftigen. 3. Die Arbeitnehmer werden die Mitglieder ihrer Organisation verpflichten, nur bei tariftreuen Arbeitgebern zu arbeiten. Die Arbeit- nehmer werden die notwendigen Maßnahmen zur allseitigen Durch- führung des Tarifs ergreifen. 4.' Es wird eine Kommission von je drei Vertretern beider Parteien unter Vorsitz eines Gewerberichters gebildet. Dieselbe hat über alle Differenzen, besonders solche aus diesem Vertrage, zu entscheide». Wenn eine der Parteien oder beide sich bei dem Bc- schluß der Kommission nicht beruhigen, so ist innerhalb drei Tagen das Einigungsamt anzurufen. 5. Maßregelungen wegen dieser Lohnbewegung finden nicht statt. 6. Dieser Vergleich gilt vom 11. März 1901 bis 1. September 1902. Er gilt auf ein weiteres Jahr, wenn er nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird. 7. Nach erfolgter Kündigung des Tarifs tritt die Kommission sofort zusammen, um die neuen Arbeitsbedingungen zu beraten. Sollte es bis zum 1. August 1902 über die Vorschläge der Koni- Mission nicht zu einer Einigung kommen, so verpflichten sich beide Teile, zur Vermeidung von Streiks und Aussperrungen das Einignngsamt anzurufen.— « Dieser Vergleich wurde von den Vertretern der Arbeiter sowie von den antvesenden zwölf Arbeitgebern angenommen. Die letzteren wollen dahin lvirken, daß auch die andern Arbeitgeber der Branche dem Tarif beitreten._ Zur Lohnbewegung der Arbeiter der mechanischen Schuh- waren-Fabrike». Der stand der Bewegung ist noch derselbe. Im Ausstand befinden sich 9 Fabriken mit 202 Arbeitern. Davon sind organisiert 156. Die Arbeiter haben geschlossen die Betriebe ver- lasten und ist auch noch niemand zurückgekehrt. Die Polizei übt gegenüber den Streikposten die alten Praktiken aus; bereits haben mehrere Sistierungen stattgefunden. Gerüchtweise verlautet, daß die Fabrikanten eine Aussperrung der gesamten Arbeiter planen. A u s ei�ne Anfrage des Gewerbe gerichts haben sich die Arbeiter erklärt, das Einigungsamt anzu- rufen: ob die Fabrikanten daS Gleiche thnn, bleibt abzuwarten. Im Laufe des Freitags haben bereits Verhandinngen zwischen den Fabrikanten R'o s e n b e r g und seinen Arbeitern stattgefunden. Am Sonntagnachmittag findet im Gewerkschaftshaus wieder eine öffent« liche Versammlung statt. Die Arbeiter der Bereinigten Berliner Mörtelwerke (Aktien-Gcsellschaft) haben an die Direktion Forderungen um Lohn- erhöhnng gestellt. Eine Kommission der Arbeiter hat mit dem Direttor der Werke am Freitag in Gegentvart deS Gewerbegerichts- Direktors v. Schulz verhandelt, ohne daß ein beide Teile bc- friedigendes Resultat zu stände gekommen wäre. Am Dienstag wird sich das Einigungsamt mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Nicht„Phönix", sondern„PhöbuS" heißt die Firma, die am Mittwoch vor dem Einigungsamt ein Abkommen mit ihren Elektro- Monteuren getroffen hat. Wir berichtigen diesen Irrtum und konstatieren hiermit, daß sich der Bericht über die genannte Eimgnngs- amtS-Sitzung nicht auf die in der Chaust'sestr. 31 ansässige elcktto- technische Fabrik„Phönix", sondern auf die Firma „Phöbus", TempelhoferllferlO, bezieht. Achtung, Konditoren und verwandte Berufe! Bei der Finna Hugo Lehmann, Tilsiterstr. 22, sind die Gehilfen mit dem Arbeitgeber in Differenzen geraten. � Die Arbeitsverhältnisse dieser Firma sind als äußerst mißliche schon längst bekannt und Zuzug deshalb fernzuhalten. Lokalverwaltung des Centralverbands der Konditoren. Deutsches Reich. Die streikenden Kürschner in Leipzig lehnten die Vorschläge der Unternehmer znr Beendigung des Streiks ab und beschlossen, im Generalstreik ivciter zu beharren. Ter Streik der Schiffszimmerer in Flensburg führte nach längerer Verhandlung der Ausständigen mit der Flensburger Schiffs- baugesellschafi zu einem Ausgleich. Die Streikenden sollen nach Möglichkett wiever«ingestellt werden und müssen sich verpflichten, mit den übrigen Arbeitern, die während deS AuSstandS thätig waren, friedlich zusammenzuarbeiten. Der Kampf ist mithin trotz der zähen Ausdauer während der 16 Wochen ohne Erfolg für die Streikenden beendet. Ausland. Ein zehnjähriges Jubiläum feiert die östreichische„Metall- arbeiter-Zeitung". Das Blatt wurde nach der wüsten Periode deS ausnahmegesetzlichen Zustands am 6. März 1830 in Wien gegründet und wuchs mit der stetig sich entwickelnden Organisation, die sich im Jahr« 1892 zu einem Centralverband zusammensckloh, zu einem einflujjreichen und gut geleiteten Fachblatt empor. Die Jubiläums- nummer ist trefflich ausgestaltet, eine groffe Anzahl hervorragender Gewerkschaftler und Politiker des In- und Auslands haben inter- essante Beiträge geleistet. Der Rückblick umschließt eine Periode des mühevollen Kampfs, wie er keiner Arbeiterorganisation erspart bleibt. Möge der Erfolg, der den Unternehmern bisher vergönnt war, es weiter auf seinen Wegen begleiten. Streik in einer katholischen VereinSdruckerei in der Schweiz. In Frauenfeld find in der Druckerei des katholischen Parteiblatts „Der Wächter" die Mitglieder der Typographia in den Ausstand getreten, weil die Geschäftsleitung in Deutschland Nichtverbändler suchte, um die Typographia-Mitglieder zu entlassen, trotzdem nicht das geringste im Geschäft vorgekommen war. Die bereits zu- gewanderten und eingestellten Nichtverbändler mußten eine Er- klärung unterschreiben, bei einer Buße von 50 Fr. dem Verbände nicht beizutreten. ES werde beabsichtigt, sämtliche organisierten Arbeiter auS dem Geschäft zu entlassen. Ein neuer Beitrag zu der katholischen Arbeiterfreundlichkeit und zur Beleuchtung der Beweg- gründe. auS denen katholische Gewerkschaften gegründet werden. Der Hafenarbeiterausstand in Marseille. Vier große Dampfmühlen, welche über öOO Arbeiter beschäftigen, haben aus Mangel an Rohmaterial und Kohlen, sowie wegen der Unmöglichkeit, Mehl zu verladen, die Arbeit eingestellt. Die Genossenschaft der Dampfmühlenbcsitzer sandte eine Abordnung zum Präfcktcn und er- klärte, daß sie in 8 Tagen genötigt sein werden, sämtliche Mühlen zu schließen. Eine Abordnung von Kaufleuten drohte dem Präfekten daß sie, falls die gegenwärtige Lage nicht bald beendet sein werde, dem Ausstand der Arbeiter einen Gesamtausstand der Arbeitgeber entgegenstellen würden._ Sociales. Der Kampf vm die Bäckeretverordnung. Die hiesigen Bäckerei-Arbeiter haben an den Bundesrat eine Eingabe gerichtet, worin sie sich gegen die laut gewordenen Pläne auf Abänderung der Bäckereiverordnung wenden. Der Petition ist folgende Resolution einverleibt, die von einer Versammlung der Bäckerei-Arbeiter am 12. Februar beschlossen worden ist: „Die heutige Versammlung der Bäcker Berlins und Umgegend protestiert auf das allerentschiedenste gegen die Abänderung des MaximalarbeitStagS in einen 14stimdi'gen Arbeitstag, der einer gänzlichen Aufhebung der Bundesrats-Verordnung vom 4. März 189ö gleichkommt. Die Absicht des Bundesrats, den Maximalarbeitstag zu Gunsten der Meister zu ändern, ist um so unverständlicher, als bis jetzt auch nicht der geringste Beweis erbracht ist, daß der- selbe in irgend welcher Werse dem Bäckereigewcrbe geschadet hat. Selbst die von dem Gewerbe-Jnspektor'am 10. Oktober v. I. vorgenommenen Vernehmungen aus den Kreisen hiesiger Bäcker- gesellen, die von den JnnungSmeistern selbst vorgeschlagen waren, hat ergeben, daß der MaximalsarbeitStag ohne Schaden für die Meister weiter bestehen kann und ohne schwere Schädigungen der Gesellen, besonders aber der Lehrlinge, nicht aufgehoben oder ver- schlechtert werden darf. Die ferner in Aussicht genommenen hygienischen Vorschriften für den Bäckereibetrieb betrachtet die Versammlung nur dann als eine Verbesserung, wenn 1. der Maximal-Arbeitstag von zwölf Stunden bestehen bleibt, 2. die Durchführung und Ueberwachung schärfer ist als sie bisher beim Maximal-Arbeitstag gewesen und 3. wenn den revidierenden Gewerbe-Jnspcktoren aus den Reihen der Gehilfen Hilfspersonen zugeteilt werden. Die Versammlung ist der Ansicht, daß der Zeitraum von 10 Jahren für die Be- seitigung der Backräume in Kellern viel zu lang ist, eS können vielmehr derartige Räume ohne Schaden für die davon betroffenen Grundstücke in spätestens 5 Jahren beseitigt werden. Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß eine hohe Reichsregierung dem Drängen der Jnnungsvertreter nicht nach- geben, sondern die Wünsche der Gesellen, die ihre Gesundheit wie ihre ErwerbSverhältniffe auf daS schwerste gefährdet sehen, berück- sichtigen wird." In der Petition wird an den Vorgang auS dem Jahre 1897 erinnert, daß der damalige Reichskanzler Hohenlohe eine Deputation der Bäckermeister, die um Aufhebung der Verordnung vorstellig wurde, empfangen, bald darauf aber die Deputation der Gesellen, die eine Gegenvorstellung anbringen wollte, abgewiesen hat. Als Bebel ihn am 11. Dezember 1897 im Reichstag darüber zur Rede stellte, erwiderte ihm der Reichskanzler: .Der Herr Abgeordnete Bebel hat mir ferner daraus einen Vorwurf gemacht, daß ich die Bäckergesellen, ivelche sich bei mir gemeldet hatten, nicht empfangen habe, wohl aber die Bäckermeister. Diese letzteren kamen, um eine Aenderung oder Aufhebung der Bäckereiverordnung zu befürworten. Diese mußte ich also an- hören. Die Bäckergesellen aber wollten ihrerseits sich für Aufrecht erhalwng der bestehenden Verordnung aussprechen. Da nun die Verordnung in Kraft steht und deren Aufhebung zur Zeit nicht beabsichtigt wird, glaubte ich bei meiner ohnedies stark in Anspruch genommenen Zeit auf«inen persönlichen Empfang derselben als zwecklos verzichten zu können." Inzwischen ist ja freilich ein neuer Kurs und ein neuer Reichs- kanzler aufs Tapet gekommen, und was feit Jahren zum Nutzen der Arbeiter und ohne nachgewiesenen Schaden für die Unternehmer be- standen hat. das will man jetzt beseitigen. Sitzgelegenheit für Angestellte. Nachdem der Bundesrat unter dem 28. November v. I. Bestimmungen über die Errichtung von Sitzgelegenheit für Angestellte in offenen Verkaufsstellen erlassen hat, sind die zuständigen Behörden durch ein Rundschreiben des Ministers für Handel und Gewerbe noch besonders darauf hin- gewiesen worden, dafür Sorge zu tragen, daß die beteiligten Kreise ber die mit dem 1. April in Kraft tretenden Bestimmungen alsbald in geeigneter Weise unterrichtet werden. Soweit in der Ausführung der Verordnung Mängel hervor« treten sollten, find die Polizeibehörden befugt, im Einzelfall für Ab- Hilfe zu sorgen, eventuell sind die Landesbehörden angewiesen zu er- wägen, ob für weitere Bezirke noch Spccialvorschriften im Rahmen der BundeSrats-Berordnung zu erlassen sind. Zu der bereits gemeldeten Auflösung der Arbeitslosen- Versammlung in Leipzig entnehmen mir der„Leipziger Volks- zeitung" noch die Mitteilung, daß den meisten Rednern, da sie sich über die Handhabung der in Angriff genommenen Notstandsarbeiten und die unzulängliche Bezahlung der Arbeiter beschwerten, dos Wort entzogen wurde. Eine hiesige Zeitung will wissen, daß infolge der Vorkommnisse weitere Versammlungen von Arbeitslosen im voraus verboten werden sollen. Man möge nur bei Ausführung der unter- nommenen Arbeiten nach socialen Rücksichten verfahren, dann wird man auch keine scharfen Reden und keine Demonstrattonen der Arbeits- losen erleben. Gerirtzks� Leitung. Unser Parteigenoffe Litfin ist dieser Tage vom Schöffengericht am Landgericht II zu 30 M. Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einer Versammlung des Wahlvereins für Lichtenberg den Überwachenden Gendarm beleidigt haben sollte. Der Gendarm hatte aus Anlaß eines geringfügigen Zwischenfalls mit Auflösung der Versammlung gedroht, worauf Litsin anregte, bei der Behörde ein Gesuch einzureichen, wonach hinfort ein Beamter zur Ueberwachung beordert werden möge, der weniger nervös sei. Diese Anregung hatte der Gendarm als Beleidigung aufgefaßt. Der Verteidiger Rechtsanwalt Heinemann legte dar, daß der Angeklagte in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und beantragte seine Freisprechung. Die Wahrung bereckitigter Interessen gab der Gerichtshof auch zu. doch hielt er eine strafbare Beleidigung dennoch für vorliegend und verurteilte Litfin zu der vorhin mitgeteilten Strafe. Der Staatsanwalt hatte 1S0 M. Geldstrafe beantragt. Der A 61 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs gegen einen Hansbesitzerttercin. Eine Entscheidung von allgemeinem Jnteres hat das Ober-Verwaltungsgericht gefällt. Der Landrat zu WandSbeck hatte gemäß§ 61 des Bürgerlichen Gesetzbuchs durch seinen Einspruch verhindert, daß der Grund eigentümerverein zu WandSbeck in das Vereins r e g i st e r eingetragen wurde, daS heißt, er hatte die Verleihung der Rechtsfähigkeit an den Verein verhindert. Er be gründete seinen Einspruch damit, daß der Berein politisch Zwecke verfolge, indem er sich an den Stadtverordneten-Wahlen durch Agitation und Aufstellung von Kandidaten beteilige. Der Vorstand beschritt den Weg deS Verwaltungs- Streitverfahrens und hob zu Gunsten des Vereins ganz besonders hervor, daß er vollständig von Elementen frei sei, di „politisch perverse" Zivecke verfolgten. Im Gegenteil bewege sich seine Thätigkeit auf einem' Gebiet, das schnurstracks der Bethätigung socialistischer od« irreligiöser Ideen zuwider sei.— Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage ab und das Ober-Verwaltungs g e r i ch t verwarf die Berufung der Kläger. Es billigte ausdrücklich die folgenden Darlegungen des Bezirksausschusses: Der Einspruch des Landrats sei zulässig, denn mit Recht habe die Behörde den Verein als einen politischen im Sinne des Z 61 des Bürgerlichen Gesetzbuchs angesehen. Die kommunalen Verbände seien Körperschaften öffentlichen Rechts, ihre Ver w a l t u n g c n bildeten im weiteren Sinne einen T e i der Staatsverwaltung. Daran könne auch die Thatsache der ihnen übertragenen Selb st ver waltung ihrer Angelegenheiten nichts ändern, da sie inner- halb derselben ihren Mitgliedern gegenüber Staats hoheitsrechte ausübten. Wenn hier der Verein den Zweck ver- folge, durch die Beteiligung an den Stadtverordneten-Wahlen auf die Zusammensetzung der städtischen Verwaltungsbehörden einzuwirken, so befasse er sich mit einer Angelegenheit, die die öffentliche Verwaltung eines Teils des Staatsgebiets betteffe. Der Verein müsse daher als ein politischer angesehen werden. Daß seine Mitglieder den staatS erhaltenden Parteien angehörten, sei unerheblich, ebenso daß anderSwo gegen die Aufnahme gleichartiger Vereine in das Register kein Einspruch erhoben sei. Die Zweckmäßigkeit und An- gemessenheit des Einspruchs habe der Verwaltungsrichter nicht nach zuprüfen. Er habe nur festzustellen, ob man es mit einem politi schen, socialpolitischen oder religiösen Verein(§ 61 B. G.) zu thun habe. England und Rußland. ... Und weiche keinen Finger breit von zehn Prozente« ab. In Nürnberg soll durch Erbauung neuer Straßenbahnlinien auS städtischen Mitteln die Straßenbahn aus einem Dividenden- instittit zu einem Verkehrsinstitut umgestaltet werden. Die dort jetzt das Publikum monopolistisch schröpfende Straßenbahngesellschaft macht ihr Einverständnis davon abhängig, daß ihr die Stadt auf 25 Jahr eine Jahresdividende von 10 Prozent garantiert. Die.Fränk. Tagespost" hat die Befürchwng. daß die freisinnigen nürnbergischen Stadtväter dieser edlen Bescheidenheit volles Verständnis entgegen bringen werden. Die Besetzung der Mandschurei seitens der Russen hat in England nicht geringe Aufregung hervorgerufen. Wie seit Beginn deS chinesischen Feldzugs ist auch jetzt die englische Presse wieder dabei, die Lage möglichst düster darzustellen. Der Zweck ist durch- sichtig. England ist zur Zeit zu sehr in Südafrika beschäftigt, als daß es einen ernsten Konflikt mit Rußland wagen könnte; hiervon abgesehen, sind natürlich beide Rivalen bestrebt, die Entscheidung in Ostasien möglichst hinauszuschieben, weil keiner weiß, welchen Ausgang der Kampf nehmen würde. Darum ist aber seit Beginn der chinesischen Wirren Englands Politik gewesen, die Verbündeten, vor allem Deutschland, so viel als angängig, in die Wirren zu ver« wickeln und vorwärts zu drängen. Diesem Bestreben scheint auch ein Telegramm entsprungen zu' sein, welches die„Morning Post" wiedergiebt. Danach soll General K e t t e l e r von dem chinesischen Gouverneur von S ch a n s i einen anmaßenden Brief erhalten haben. Darin wird Herrn Ketteler ein kaiserliches Edikt mitgeteilt, wonach die chinesischen Truppen innerhalb Schanfis und die Ausländer innerhalb Tschilis zu bleiben hätten. Ketteler wies, wie der „Morning Post" auS Peking gemeldet wird, in seiner Erwiderung darauf hin, daß innerhalb vierzehn Tagen chinesische Truppen die deutschen in Tschili dreimal angegriffen hätten. Der chinesische General hatte den Deutschen vorher einen„frechen Brief" geschickt, worin er ihnen untersagte, gegen Kwangtschan zu avancieren, welches 40 Meilen innerhalb TschiliS liegt. In Hwailu feuerten die Chinesen auf französische Erkundungstruppen. Obwohl die chinesischen Truppen Befehl haben, in Schaust zu bleiben, avancierten sie nach Tschili. um die deutschen und französischen Truppen an der Besetzung der Bergpässe zu hindern. ES sei daher falsch, den Deutschen die absichtliche Herbeiführung von Konflikte» zuzuschreiben, da eS absolut notwendig ist, die Passe in Tschili zu besetzen. Verstärkungen sind nach Fopeng abgegangen, um die Chinesen zurückzutreiben. Die Boxer-Bewegung lebe wieder auf; es verlautet, der Hof mache Kaifengku, die Hauptstadt von Hönau, zu seiner neuen Residenz. Das klingt nicht wie Friede und baldige Heimkehr, worauf man vor wenigen Tagen zu hoffen wagte. DaS rusfisch-chinesische Abkomme» ist Gegenstand diplomatischer Verhandlungen zwischen London und Petersburg gewesen. Gras L a m S d o r f, der mit dem englischen Botschafter eme Unterredung über dasselbe hatte, habe es, so wurde im englischen Unterhaus mitgeteilt, für unwahr erklärt, daß Ruß- land eme Konvention abgeschlossen habe, die ihm neue Rechte oder ein thatsächliches Protektorat über die Mandschurei gewähre. Was immer auch für ein Abkommen abgeschlossen sei, so habe eS ledig- lich die Natur eines moäus vivendi zioischen den Militärbehörden und den lokalen chinesischen Civilbehörden. Der Kaiser von Rußland habe nicht die Absicht, irgendwie von seinen öffentlichen Zusicherungen abzugehen, daß die Mandschurei China werde zurückgegeben werden, sobald die Umstände es gestatten. Rußland sei in der Mandschurei in derselben Lage wie die Verbündeten in Peking be« züglich der Schwierigkeit der Festsetzung eines Zeitpunktes für die Räumung. Die Erklärung ist echt russisch. Es mag schon richtig sein, daß die Russen„neue Rechte" nicht erworben haben, fondern es ist glaubhaft, daß sie diese schon länger besaßen. Auch ist den Russen aufs Wort zu glauben, daß sie ein t h a t s ä ch l i ch e S Protektorat nicht ausüben, und daß sie die Mandschurei räumen werden, sobald die Umstände eS gestatten. Sie werden schon verstehen, diesen Zeitpunkt möglichst iveit hinauszuschieben. An der Thatsache, daß Rußland die Mandschurei behalten wird, ist eben nichts mehr zu ändern; gerade darum wäre eS um so ver- fehlter, wenn die Deutschen sich durch die Engländer immer weiter in den chinesischen Wirrwarr hineintreiben ließen. Heraus aus Chinal muß vielmehr die Losung sein für ede vernünftige Politik. Eine weitere Alarmnachricht. AuS London wird gemeldet: Die in der T a t a r e n st a d t Pekings lebenden Amerikaner befürchten von der Zurück« nähme der amerikanischen Truppen den Ausbruch neuer Un- ordnungcn. London, 8. März.„Morning Post" meldet aus Peking daß die neuerdings bemerkbare Boxerbewegung von Buddhisten angefacht sei. 10 Brahmanen. welche auf frischer That ertappt wurden, seien sofort hingerichtet worden.— Eine sofortige Räumung Chinas seitens der verbündeten Truppen würde nach Ansicht von Kennern des Lands die schlimmsten Folgen nach sich ziehen. Es verlautet, der kaiserliche Hof bereite sich vor, seinen Sitz nach Siangfu, südlich vom Gelben Fluß zu verlegen.— Die chinesischen Behörden haben um die Erlaubnis gebeten, in Peking eine Garnison von 3000 Soldaten unter dem Befehl des Gouverneurs von Schantung zu behalten. Die Befehlshaber der verbündeten Truppen sollen jedoch dieses Gesuch abgelehnt haben._ Uetzkr und Depeschen. Der„Attentäter" Weiland. „BoeSmannS Telegraphen- Bureau" meldet: Die Polizei- lichen Akten über die Vernehmung WeilandS wurden der Staatsanwaltschaft und dem Untersuchungsrichter übergeben. Trotzdem setzt die Polizei ihre Recherchen und die Vernehmung von Zeugen unausgesetzt fort; jedoch hat sich nichts Neues ergeben, besonders ist keinerlei Anlaß vorhanden, der That irgendwelche politische Motive beizumessen. Der gerichtlickien Untersuchung wird unzweifelhaft eine mehrwöchige Jnternierung des Weiland in einer Irrenanstalt folgen, um seinen geistigen Zustand ärztlicherseits zu beobachten und definitiv festzustellen._ Enthüllungen über den Putschversuch DeronlsdeS. Paris, 8. März.(B. H.) Das Blatt„Aurore" weiß zu be- richten, daß nicht nur einer, sondern mehrere Generale kompromittiert sind, bei dem Putschversuch am Tage der Beisetzung deS Präsidenten Fanre eine Rolle gespielt zu haben. In Longwy war eine größere Truppenabteilung bereit gehalten worden, um den Herzog von Orleans nach Paris zu begleiten und ihm als Garde zu dienen._ Der Streik von Montceau les Mine» in der Kammer. Paris, 8. März. lW. T. B.) Deputiertenkammer. Der Socialist Boyer bespricht den Streik in Montceau les Mines und erklärt, die Direktion der Gruben, ivelche sich den Forderungen der Arbeiter gegenüber ablehnend verhalte, trage die Schuld an dem Ausstande. Redner betont die Ruhe und B e- sonnenheit der Ausständigen und beklagt sich über daS Eingreifen der Armee und Gendarmerie. Dejeante greift die Grubenverwaltung und die Kapitalisten heftig an und fordert die Regierung auf, die Truppen zurückzuziehen. Drake macht die Re- gierung für die bedauerliche Zunahme der Ausstände verantivortlich. — Im weiteren Verlauf der Debatte weist Waldcck-Rousseau die Behauptung zurück, daß die Regierimg die Ausstands- bewegung unterstütze und stellt die Vertrauensfrage. Eine Tages- ordnüng, welche der Regierung daS Vertrauen ausspricht, wird sodann mit 308 gegen 240 Stimmen angenommen. Zum Hafenarbeiterausstand in Marseille. Marseille, 8. März.(B. H.) Der Präfekt des Departements empfing mehrere Abordnungen der Industrie- und HandelSwelt, welche ihn ersuchten, mit allen Mitteln die Arbeitsfreiheit zu sichern und erklärten, daß, falls diejenigen Arbeiter, welche die Arbeit fortzusetzen gewillt sind, nicht geschützt würden, in allen Industrien von Marseille und Umgegend der Betrieb am nächsten Montag eingestellt werden würde. Die am meisten betroffenen Industriellen sind die Besitzer von Zucker« Raffinerien, Händler mit getrockneten Früchten, Lederhändler, Oel- abrikanten, Reeder usw. Der Präfekt versprach sein möglichstes zu thun und ihnen spätestens bis morgen Antwort zu geben. Die Besitzer der Docks weigerten sich, mit den Ausständigen zu unter- handeln, da diese den Kontrakt gebrochen hätten. Die Ausständige» erhielten auS Spanien, Italien und England die Mitteilung, daß von den dortigen Arbeitern Sammlungen zu ihren Gunsten ver- anstaltet werden._ Die HeereSreform in England. London, 6. März.(W. T. B.) Unterhaus. KriegSminIstei B r o d r i ck führt u. a. auS, daß jedes Armeecorps einem Komman- deur unterstellt sein wird, der es in KriegSzeite» zu führen habe. Das Ziel der Regierung sei. die Verantwortlichkeiten iN centralisieren und die Verwaltung zu decentralisieren. lkS sollen acht Garnisons-Bataillonc auS Mannschaften gebildet werden, die nach dem bestehenden System zur Reserve übergehen würden. Diese Bataillone sollen an die Stelle von Regi- meutern treten, di« jetzt Garnisondienst versehen und dadurch ür andre Dienste frei iverden; auch sollen andre Regimenter dadurch verfügbar gemacht werden, daß an bestimmten Stationen englische Truppen durch indische ersetzt werden. Die Miliz solle gestärkt und die Aeomanry bedeutend vermehrt werden. Er hege die Hoffnung, daß die Kolonien berittene Kon- t i n g e n t e unter der Bezeichnung„ReichSyeomanry" unter- halten werden, die, wenn nötig, sich der britischen Deomanry an- chließen würden. Die Schlag fertigkeit der Volunteers oll erhöht werden; es sollen den Volunteers in jenen Stellungen, die der Verteidigung Londons dienen, 4,7 Ccntimeter- Geschütze gegeben werden. Die Feldartillerie habe sich in Südafrika im ganzen als gut und wirksam erwiesen, hingegen bedürfe das Geschütz der reitenden Artillerie der Verbefscrun'g. Der Krieg habe 'crner gezeigt, daß man bei der Armee im Felde sch w e r e r e "«schütze haben müsse. In der Ausbildung der Truppe seien Mängel offenbar vorhanden; in Zukunft solle weniger Kasernendrill getrieben werden. Sodann werde man -ich bemühen, für Verringerungen der Ausgaben der Offiziere zu örgen. Was die Reform des Kriegsamts angehe, so habe sich Lord Roderts dahin ausgesprochen, daß man besser thue, vorerst den Krieg zu Ende zu führen und für die Bedürfnisse des laufenden Jahres z» sorgen. Hierauf wird die Debatte vertagt. Vom südafrikanischen KriegSschanplatz. Lonrenyo- MarqurS, 8. März.(Meldung des„Reuterschen BureauS'.) Hier ist die Nachricht eingelaufen. Lord Kitchener habe dem General Botha einen siebentägigen Waffen« t i l l st a n d bewilligt, damit er sich mit den andren Boerengeneralen beraten könne. Cradork, 8. März.(Meldung des„Reuterschen BureanS".) Die B o e r e n haben vorgestern MaraiSburg besetzt; vorher waren die in der Stadt vorhandenen Vorräte weggeschafft worden. Lerantwottltcher Redacteur- Heinrich Ströbel in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max««ding in Berlin. Vochnm, 8. März./s9— IV Uhr, diesen Sonnabend beginnend. . Der Vorstand. Ober-Schöneweide. Heute abend 8V, Uhr findet bei Töpfer eine Versammlung dcS ArbeiterbildungS-BereinS statt. Alt-Glienicke. Sonntagnachmittag Uhr findet die regel- mäßige Versammlung des Wahlvercins im Lokal des Herrn Satz statt.' Referent: Paul Jahn.— Am Montag, den 11. März. indet Stichwahl zur Gemeindevertretung statt. Mariendorf, Tempelhof nnd Umgegend. Sonntag findet in Habels Brauerei, Bcrgmannstr. 5/7, nachmittags iVs Uhr, eine Volksversammlung statt, welche sich mit der Lokalfrage für obengenannte Orte und die Stellung der Arbeiterschaft zu derselben beschäftigen wird. Am Sonntagnachmittag SVs Uhr findet im Kliemas, Hauptstraße, eine Volks- Tagesordnung: Warum giebt Herr Jeroch sociäldemokratischen Versammlungen her? Referent Reichstags-Äbgeordneter A. Stadthagen. Reinickendorf, 8. März. Heute abend 8Vs Uhr findet bei der Witwe Thomas, Eichbonfftraße und Auguste Victoria-Allee-Ecke eine öffentliche Versammlung des Wahlvereins statt, in der Genosse Stadt- verordneter A. Hoffmann über den Kampf umS Dasein referiert. Franz. Buchholz. Lokal zum Storch, Versammlung statt. seinen Saal nicht zu Uolrnlvs. Unser Parteigenosse Gastwirt Jnfinger ist am 4. März an einer laugjährigen Nervenkrankheit gestorben. Wer Jnsinger, der nur ein Alter von 44 Jahren erreichte, in früheren Jahren, in der Zeit eines parteigenössischen Wirkens gekannt hat, weiß, daß er ein Mann von seltener Hingebung war, ein Mann, dem für die Sache des Proletariats kein Opfer zn gering war. Die Beerdigung unsres ver- torbenen Genossen erfolgt Sountagvormittag 10 Uhr von der Leichen- halle des städtischen Centralfriedhofs in Friedrichsfelde aus. Es darf ivohl erwartet werden, daß namentlich die Parteigenossen des vierten Wahlkreises, in dem Jnsinger wirkte, sich zahlreich zum letzten Geleite einfinden._ Die Arbeiter der städtischen Rieselfelder, welche kürzlich dem Verbände der Gemeinde-Arbeiter beitraten, haben beschlossen, ihrer Direktion eine Petition um Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu unterbreiten. In mehreren Versammlungen, welche die Arbeiter der südlichen und der nördlichen Rieselfelder in letzter Zeit abhielten, find ihre Wünsche bereits formuliert worden. Es wird zunächst für die Rieselwärter. Freiarbeiter. Deputanten und Handwerker eine Erhöhung der Löhne gefordett. Die Arbeitszeit wollen die Rieselwärter wie folgt geregelt wissen: Vom 1. April bis 30. September soll sie täglich 12 Stunden betragen, vom t. Oktober bis 31. März 8 Stunden; ällt die Temperatur auf 5 Grad unter Null, so ollen sie alle 6 Stunden abgelöst werden. Weiter verlangen die Rieselwärter wetterfeste Buden, um sich gegen"die Unbilden der Witterung einigermaßen schützen zu können. Heute hausen sie vielfach in„Erdhöhlen", die sie sich selbst geschaffen haben. Ferner wird gefordert, daß die F r a u e n der Rieselwärter und Freiarbeiter nicht zur Gutsarbeit gezwungen werden können, sondern eS in deren Belieben bleibt, ob sie bei der städtischen Gutsverwaltung arbeiten wollen oder nicht. Wiederholt ist es vorgekommen, daß man die Frauen dadurch zur fArbeit zwang. daß man die Ehemänner mit Entlassung bedrohte. falls sie ihre Frauen der Verwaltung nicht zur Verfügung stellten. Auch die Frauen der Deputanten sollen nur für einen halben Tag zur GutSarbeit verpflichtet werden dürfen, da sonst daS Hauswesen und die Kinder der Verwahrlosung anheimfallen. Dann verlangen die Deputanten eine Erhöhung deS Deputats; ferner eine Abschrift ihres Arbeits« kontrakts. Außerdem fordern die gesamten Arbeiter einen jähr- lichen Erholungsurlaub und die Errichtung von Arbeiter- ausschüssen. Einen wichtigen Beschluß hat die Deputation für die städtischen K a n a l i s a t i o n s- und Rieselfelder in ihrer letzten Sitzung gefaßt. Nachdem alle Schwierigkeile» beseitigt sind, soll nämlich das Nadialshstem Xl so schnell als möglich ausgebaut lverden. Allerdings kann der zu diesem System gehörige Notauslaß vorerst noch nicht in Angriff genommen werden, da hierzu erst eine ganze Anzahl Straßen gebaut werden müssen. Dieser Notauslaß, der sich von Friedrichsberg bis zur Pauke hinzieht, erfordert eine Bauzeit von wenigstens drei Jahren und kostet über S'/a Millionen Mark. Um aber wenigstens einen Teil des elften RadialsystemS der Bebauung zu erschließen, soll das ganze Pumpwerk, welches an die Sttaße XX zwischen Ringbahn und Weißensee zu liegen kommt, ausgebaut werden, die Abwässer sowie auch die Tagswässer sollen nach den Rieselfeldern gedrückt werden. Die hierzu erforder« lichen Materialien sind bereits bestellt und es sollen die Arbeiten innerhalb zweier Jahre beendet sein. In derselben Sitzung wurde beschlossen, für die K a n a l a r b e i t e r eine Neuregelung der Löhne Vorzunehmehmen. Es sollen erhalten: die Heizer anfangs 3,50 M., nach 2 Jahren 3,75 M., nach 5 Jahren 4 M. und nach 8 Jahren 4,25 M. Putzer, Kohlenkarrer usw. erhalten am Anfang 3,20 M., nach 2 Jahren 3.40 M.. nach 5 Jahren 3.60 M. und nach 8 Jahren 3,75 M. Bassin- und Kanalarbeiter anfangs 3.25 M., nach 2 Jahren 3,50 M., nach 5 Jahren 3,75 M., nach 8 Jahren 4 M. Es werden 350 bezw. 365 Tage im Jahre bezahlt. Die im Antrag des Stadtv. B o r g m a n n vorhandene höchste Stufe nach 10 Jahren 4,—, 4,25 bezw. 4,50 M. wurde abgelehnt, ebenso die Forderung der Arbeiter auf 8 Tage Sommerurlaub, da hierzu nicht die Deputation, sondern nur der Magistrat zuständig sei. Ter Ausschuß für die Regelung deS städtische» Bibliothek- wescus hat dem Magistrat folgende Beschlüsse zur Annahme empfohlen:„Der Magistrat erklärt sich mit der allmählichen Ent- Wicklung einer eignen Stadtbibliothek, die gleichzeitig die wesentlichen Bestandteile einer sogenannten Centraibibliothek umfaßt, soweit dies zweckmäßig und angängig erscheint, einverstanden, nach- dem er schon in dem Stadthaushalt-Etat für 1901 die Summe von acht- auf zwölftausend Mark für diesen Zweck erhöht hat. Die Vor« schlüge des Stadtarchivars und Stadtbibliothekars Dr. C l a u S w i tz sind, von einigen unwesentlichen Aonderungen und Einschränkungen abgesehen, vom Magistrat als richtig und beachtenswertancrkannt worden. Für die Nnterbringling dieser allmählich zu vergrößernden Stadt- Bibliotbek faßt der Magistrat die Räumlichkeiten im städtischen Sparkassengebäude in der Zimmerstraße ins Auge, in denen die Sammelstelle der Voltsbibliotheken und schon einzelne Teile der Stadtbibliothek, die Lübeck-Göritz-Stiftung und andre Be- stände der bisherigen Magistratsbibliothek untergebracht worden sind. obald das Märkische Provinzialmuseum fertiggestellt sein wird, werden die dadurch frei werdenden Räume in der' Zimmerstraße, die sich an die vorgedachte Sammelstelle unmittelbar anschließen, als Teile der neuen' Stadtbibliothek zur Aufstellung der Bücherei benutzt werden. Diese Räume gestatten auch die Einrichtung von zwei Lesesälen. Der Magistrat stimmte diesem Beschlüsse zu. Zur Herbeiführung eines zeitigeren LadenfchluffeS wird von dem Ausschuß kaufmännischer Vereine, der im vorigen Jahr zu diesem Zweck zusammengetreten ist, gegenwärtig wieder eine leb« haftere Thätigteit entfaltet. In den letzten Tagen ist von neuem ein Flugblatt verbreitet worden, das sich an die„Mitbürger" wendet und die Bitte ausspricht,„niemals nach 8 Uhr abends einzukaufen". Bei etwas gutem Willen sei das durchführbar. Ein zeitigerer Ladenschluß sei notwendig nicht nur für die Handels« angestellten, sondern auch für zahlreiche selbständige Gewerbetreibende, denen durch unnütz langes Aufhalten ihrer Läden gleichfalls eine zu lange Arbeitszeit auferlegt werde. Auch durch eine öffentliche Ver« 'ammlung, die in der nächsten Zeit stattfinden wird, sollen dem Gedanken des Achiuhr-Ladenschlusscs neue Anhänger in den Kreisen der Geschäftsinhaber und Angestellten und unter der kaufenden Bevölkerung gewonnen werden. Die zwölf kaufmännischen Vereine, die in dem Ausschuß vertreten sind und das Flugblatt unterzeichnet haben, gehöre» den verschiedensten Richtungen an. So steht neben dem„Verein junger Kaufleute" der„Deutsch-nattonale Handlungs- gehilsen-Vervand", neben dem„Centralverband der Handlungs« gehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands" der Berliner„Katholische kaufmännische Verein" usw. Vom Magistrat abgelehnt wurde die beantragte Beitrags« leistung sür den Bau des sogenannten Teltower Stichkanals und zwar mit Rücksicht auf die Finanzlage, die große Spar- 'ainkett erheischt; demgegenüber fand der Antrag der Bau- deputation, die öffentlichen Bedürfnisanstalten auf den Plätzen und Straßen, die an eine Gesellschaft sProtz u. Co.) bis zum 1. April 1902 verpachtet worden sind, in städtische Verwaltung zn übernehmen, die Zustimmung des Kollegiums. Es handelt sich um die Rotunden, das sind Bedürsnisanstalten für beide Geschlechter, die dann in größerer Zahl auf verschiedenen Plätzen neu errichtet werden sollen. Ju städtischer Waisenpflegc befanden sich am 1. Januar 1901 insgesamt 5343 Kinder(2868 Knaben, 2475 Mädchen). Im Viertel- jähr Oktober— Dezember 1900 wurden 773 Kinder aufgenommen, während 776(darunter 130 gestorbene) ausschieden, so daß sich die Kinderzahl um 3 vermindert hat. In Zwangserziehung be- anden sich am 1. Januar er. 541 Kinder(471 Knaben, 70 Mädchen). Aufgenommen wurden im genannten Vierteljahr 15 und entlassen ebenfalls 15 Kinder. Von den Waisenkindern waren 210, von den Zwangserzichungskindern 11 in Krankenhäusern, von letzteren außerdem 5 im Gefängnis. Unterricht für Färber. An der hiesigen höheren Webeschule. Markusstr. 49, beginnt am Sonntag, den 14. April, 9 Uhr vor- mittags, ein neuer Unterrichtskursus für Färber. In demselben wird auch besonders der Unterricht in theoretischer und praktischer Chemie berücksickittgt. Ter Kursus dauert zwei Jahre mit je 40 Unterrichts- tvochen a 6 Stunden, von denen 2 DonnerstagSabendS von 8 bis 10 Uhr und 4 Sonntagsvoimittags von 9 bis 1 Uhr erteilt werden. Das Honorar beträgt halbjährlich 15 M. Nähere Auskunft erteilt und Anmeldungen nimmt schriftlich oder mündlich entgegen der Direktor der Schule. Professor Gürtler. BiS lO Uhr abends dürfen von heute ab über zwei Monate hindurch an Sonnabenden offene Verkaufs st ellen geöffnet bleiben. Durch Verfügung des Polizeipräsidenten ist bestimmt worden, daß am 9., 16, 23. und 30. März, am 6.. 13.. 20. und 27. April, sowie am 4. und 11. Mai erst um 10 Uhr der Ladenschluß zu erfolgen braucht. Außer diesen Sonnabenden sind noch folgende Tage für den Zehnuhrschluß freigegeben: Zu Ostern Mittwoch, der 3. und Donnerstag, der 4. April, zu Pfingsten Mittwoch, der 15. Mai(Tag vor Himmelfahrt), sowie Donnerstag, der 23. und Freitag, der 24. Mai. Am Pfingstabend, Sonnabend. 25. Mai. müssen die Läden um 9 Uhr geschlossen werden, ebenso an allen folgenden Tagen den Sommer hin- durch; der erste Zehnuhrtog im Herbst ist der 5. Oktober. Magistrat und Oberpräfidium. Der Magistrat beschloß in seiner heuligen Sitzung dem Standpunkt der Konimission beizutreten, die zur Beratuno über die Oberpräsidentenftage eingesetzt worden war. Die Kommission hatte, wie wir berichteten, dem Magistrat vorgeschlagen, gegen das geplante Gesetz Einiveudungen nicht zu erheben.'Es soll' vielmehr'vorläufig abgewartet werden, ob und>n wie weit eine Veränderung der bestehenden Verhältniffe zu Ungunsten der städtischen Selbstverwaltung sich bemerkbar inachen ivird. Zur Rauchverhütung. Amtlich wird gemeldet: Zur Ver- hütnng übermäßiger Rauchentwicklung aus Feuerungs-, nameullich die % J zur Tampffeffel- Anlagen, hat die Staatsregierung nach Abschluß der schrieb fogar Postkarten an die Kriminalpolizei, daß sie ihn nie be- die bisherigen Abgaben betragen und den Ruin der meisten Schiffer Arbeiten einer von ihr seit Jahren mit der Prüfung von Rauch fommen werde, da er schlauer sei als fie. Gestern abend fing sie herbeiführen! Auch verstoße diese von Herrn von Miquel berberennungs Einrichtungen beauftragten Sachverständigen Kom- ihn aber doch, als er sich vor einem Tanzlokal in der Andreasstraße empfohlene Tariferhöhung gegen Artikel 54, Abteilung IV anission nunmehr gemeinsame Maßnahmen in Aussicht ge- bliden ließ. der Deutschen Reichsverfassung, wonach Abgaben nur nommen. Auf Beschluß des Staatsministeriums find zunächst Dedung der notwendigen Kosten zur Erhaltung der WasserLeiter fiskalischer Betriebe angewiesen Am 1. April d. J. beginnt ein neuer Unterrichtstursus zur worden, der tragen erhoben werden dürfen. Vorbereitung für die Prüfung als Seilgehilfe. Maffeur und durch die bisherigen, ohnehin sehr hohen Abgaben schon rentieren, Da sich aber die Wasserstraßen Rauchverhütung in ihren Anlagen besondere Aufmerksamkeit zu Badepfleger. Meldungen bei Herrn Sanitätsrat Dr. Granier, jei die Neuerung nicht nur ungerecht, sondern auch eine Belastung widmen und nötigenfalls mit der Einrichtung rauchverhütender Ballstr. 3/4, in den Sprechstunden 8-9 vormittags oder 5-6 Uhr ber hiervon betroffenen Volksklassen. Lang, Grunert, Fuchs, Borrichtungen an Feuerstätten vorzugehen. Ebenso ist an Gemeinden, Kreis- und Provinzialverbände das Ersuchen gerichtet nachmittags. apput und eine Anzahl andrer Redner äußerten sich in ähnlichem worden, nach dem Vorgang der Staatsbehörden zu verfahren, damit Im Paffage- Panoptikum zeigt sich jetzt ein Herr Dumont, Sinne. Bei 5000 Mark Brutto- Einnahmen pro Jahr habe ein die Industrie keinen Anlaß habe, auf etwaige Mißstände bei diesen ein geborener Franzose, der einen 3,65 Meter langen Bart besitzt. Schiffseigner allein 2000 Mark Steuern in Zukunft zu zahlen. Anlagen hinzuweisen. Der Handelsminister hat Anlaß genommen, Diefer Wunderbart ist mehr als zweimal so lang, als ein Mann Reichstags- Abgeordneter Meger rief den Herren in Erinnerung, die Regierungspräsidenten und den Polizeipräsidenten von Berlin über Mittelgröße. Außerdem sind an derselben Schaustätte der daß er ihnen schon auf den früheren Binnenschiffertagen, nicht nur anzuweisen, in der Folge der übermäßigen Rauchentwicklung ge- Riefe Diffens, der größte Soldat der Welt, 2,35 Meter hoch, und einen Protest, sondern die Gründung einer fräftigen Organisation werblicher Anlagen mit Nachdrud entgegenzutreten, und zugleich General Boum, der kleinste Soldat der Welt, 75 Centimeter groß, empfohlen habe, was er auch heute wiederhole. Der Reichstag könne darauf hinzuweisen, daß, falls die eingeleiteten Maßnahmen sich zu sehen. zur Sache selbst nur wenig beitragen, da diese Zollerhöhung nur im auf die Dauer nicht als ausreichend erweisen sollten, um den preußischen Landtag bekämpft werden könne, weshalb die Schiffseigner Auf der Treptow- Sternwarte spricht Direktor Arch en Archen hold am Uebelständen Abhilfe zu verschaffen, der von der oben erwähnten Sonntag, den 10. b. Mts., um 5 Uhr über„ Die neuen Sterne und die Drien fich an preußische Landtags- Abgeordnete zu wenden haben. So Kommission angeregte, von industriellen Kreisen aber als besonders tierung zur See" und um 7 Uhr über Rückblick auf die Astronomie des lange aber der Regierung erhöhte Ausgaben bewilligt werden, ist es fäftig bekämpfte Erlaß einer gegen übermäßige Rauchentwicklung 19. Jahrhunderts". In diesen mondscheinlosen Nächten ist der neue Stern auch zu erklären, daß für neue Ausgaben auch neue Einnahmegerichteten Polizeiverordnung sich nicht werde vermeiden lassen. und der Mars besonders gut zu beobachten. bedsbrode 108 quellen erschlossen werden müssen! Wenn Sie für die bisher beTheater. Im Thalia Theater geht heute Sonnabend zum wiesene Königstreue nicht mehr bezahlen wollen, dann sorgen. Sie Männer Der Kadetten Bater", die Neubearbeitung dafür, daß andre erstenmal die Poſſe: als bisher in die Volksvon Emil Pohl's Lucinde vom Theater" in Scene. Das ganze Ensemble vertretung gewählt werden!"( Lebhafter Beifall.) Mit allen der Bossenbühne ist für diese Novität aufgeboten, die Herren Emil Thomas, gegen eine Stimme gelangte schließlich nachstehende, für Guido Tielscher, Friz Helmerding, Hans Juntermann, H. Baulmüller, Die allgemeine Agitation bestimmte te solution zur Anunter name:" Die am 8. März 1901 im Palaft- Theater t tagende Junter: Schaz, Wehling, Bendschneider und Engström. In Scene gefekt öffentliche Bersammlung selbständiger Schiffer nimmt den von der ist die Bosse von Emil Thomas. Das 5. Bild: Ueberbrettt" dürfte Regierung geplanten Entwurf der Schiffahrtsabgaben zur Kenntnis und protestiert in energischer Weise gegen die unerhörte, durch nichts Auf Treptow- Sternwart Der neue Lehrplan für die Berliner Gemeindeschule ist bom Provinzial- Schulfollegium nicht genehmigt worden. Der Grund der Nichtgenehmigung soll, einem hiesigen Blatt zufolge, der sein, daß dem Provinzial- Schulfollegium der Religionsunterricht darinnicht gebührend berüdsichtigt erscheine. Thatsächlich ist aber in Religion so gut wie nichts gegen den früheren Lehrplan geändert worden. Was will denn da das Provinzial- Schulkollegium noch? Von andrer Seite de wird berichtet, das Provinzial- Schulkollegium fordere statt des siebendas stufigen Systehauspieltstufige. Das ist nicht unmög gegen 10 Uhr beginnen. " Taianobllaval 190 Aus den Nachbarorten. se gerechtfertigte Erhöhung der Abgabensäge auf den märkischen Wasserstraßen. In Erwägung, daß es den selbständigen Die Rigdorfer Stadtverordneten- Versammlung erklärte in Schiffern ganz unmöglich ist, derartige horrende Abgaben lich. Es wäre ein Schauspiel für Götter, wenn auch in dieser An- ihrer legten Sigung die Wahl des Gastwirts Faustner( Soc.) zu erschwingen, beschließt die Schiffseigner Versammlung, gelegenheit wieder erst die staatliche Aufsichtsbehörde kommen und zum Stadtverordneten für ungültig, weil Faustner am Tage mit aller Kraft für die Beseitigung dieser Regierungsvorlage einunsrer städtischen Schulverwaltung einen Rippenstoß geben müßte, der Wahl Bayer und nicht Brenße war. Die Naturalisationsurkunde zutreten und mit der Agitation nicht eher zu ruhen, bis die Redamit sie sich zu einer wirksamen Reformt bequemt. Die meisten ist noch unterwegs. Es muß infolgedessen im 14. Bezirk eine Neu- gierung diefe Vorlage zurüdgezogen hat." Eine andre Resolution, Berliner Blätter sprechen übrigens bereits jetzt hartnädig von einem wahl stattfinden. welche gegen die Beschränkung des Befahrens der alten Schleuse bei Achtstufen- System, während der neue Lehrplan durch nur ein SiebenBei Beratung der Magistratsvorlage, für einige Hauptverkehrs- Rathenow protestiert, wurde einstimmig angenommen. stufen- System annimmt. Daß noch die Aufsetzung einer„ Ober- I" straßen die nächtliche Reinigung einzuführen, traten die Die Berliner Hausverwalter organisieren sich. In einer erlaubt ist, fällt nicht ins Gewicht; denn sie ist eben nur erlaubt, den Nachtarbeitern statt der vorgeschenen thatsächlichen Arbeitszeit stattfand, legte der provisorische Vorstand die Zwecke und Ziele des Stadtvv. Ostermann( Soc.) und Conrad( Soc.) dafür ein öffentlichen Versammlung, die im Bürgergarten in der Lindenstraße nicht vorgeschrieben, und von dieser Erlaubnis" Gebrauch zu von neun Stunden eine solche von acht Etunden ausschließlich zweier in der Bildung begriffenen Vereins dar. Die Standesinteressen machen, ist den Rektoren nur dann„ erlaubt", wenn so viel Kinder halbstündiger Bausen zu gewähren. Ferner beantragten die Social für die Ober- 1" da sind, daß die Klasse nach Berliner Begriffen demokraten, für die Straßenreiniger Regenmäntel anzuschaffen. sollen besonders dadurch gefördert werden, daß den Mitgliedern un „ voll" wird. Die Nichtgenehmigung des Lehrplans dürfte, nebenbei Die Mehrheit lehnte aber beide Anträge a b. Dagegen wurde fast entgeltlicher Rechtsschuß gewährt wird. Der Stellenweis des Vereins wird mit den Hausbefizer bemerkt, der städtischen Schulverwaltung recht überraschend ge- einstimmig beschlossen, die Tages- und Nachtkolonnen wechseln zu Bereinen Fühlung nehmen und tüchtige, einwandfreie Bertommen sein. Es war mit Sicherheit darauf gerechnet worden, daß fonen bei vorkommenden Vakanzen empfehlen. Mit der Entwurf den Beifall der Aufsichtsbehörde fände. Das jetzt zu 22 gegen 21 Stimmen auf Antrag des Magistrats, für die An- verbunden werden, ferner eine Spar- und Darlehns Nach sehr langer Debatte genehmigte die Versammlung mit Verein foll eine Sterbe und Unterstigungstaffe Ende gehende Wintersemester ist in den Schulen bereits als Ueberschaffung von zehn Normaluhren einen einmaligen Betrag von tafie. Wenn erst die notwendigen Mittel vorhanden sind, will der gang vom alten zum neuen Lehrplan behandelt worden. 3000 M. aus dem Dispositionsfonds der Stadtverordneten- Ver- Verein den Mitgliedern auch bei der Stellung von Kautionen, " lassen. dem Fiskalismus in der Charité. Eine ganz merkwürdige Art sammlung zu entnehmen. Weiter soll eine jährliche Betriebsgebühr die sehr häufig erforderlich ist, behilflich sein. In Berlin und den der Kurkoſten- Berechnung von seiten der Verwaltung der königlichen bis zur Höhe von 600 M. in den Stadthaushalts- Boranschlag ein- Bororten giebt es ca. 6000 Hausverwalter, und aus den bisher Charité erregt beim Publikum berechtigten Unwillen. Wer leider in gestellt werden. bie Lage tommt, zur Herstellung seiner Gesundheit irgend ein Der Magistratsvorlage, wonach das Waisenhaus in der Berg- erfolgten zahlreichen Beitrittserklärungen ist zu schließen, daß ein Krankenhaus aufsuchen zu müssen, wird bei der Verrechnung der Straße und eventuell die Gebäude der Straßenreinigungs- Anstalt beträchtlicher Teil derselben sich bald zusammengeschloffen haben Kurkosten die Erfahrung machen, daß Aufnahme- und Entlassungs- in der Emserstraße zur Unterbringung von obdachlosen wird. Die Gründung eines eignen, alle 14 Tage erscheinenden tage nicht als zwei Tage, sondern als ein Tag angesetzt werden. Familien verwendet werden sollen, stimmten auch die Social- Vereinsorgans ist in Aussicht genommen. Das ist recht und billig. Denn so viele Strante werden erst demokraten zu. Ihr Redner, Stadtv. Dr. Silberstein, bezweifelte Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 10. März, vormittags 82 Uhr, abends in das Krankenhaus eingeliefert und die Entlassung später jedoch die in der Begründung der Vorlage aufgestellte Behauptung, in der Aula der 69. Gemeindeschule, Aleine Frankfurterstr. 6, Um 10% 1hr vormittags ebenerfolgt bis zum Mittage, so daß in der That nur für einen Tag daß das Waisenhaus Räume zur Unterbringung von mindestens, Bersammlung: Freireligiöse Vorlesung. Verpflegung und Kur geleistet werden. In der königlichen Charité 20 Familien biete. Er habe mir 14 bewohnbare Räume darin fest- Sieg og bes Serry, G. Bogtherr:" Das Christentum und der Vor- und Nachspiel auf Pariser Must el: ist das aber anders. Dort wird der Aufnahme und der stellen können. Der Gedanke, 20 obdachlose Familien, die erfahrungs- armonium. Gäste, Damen und Herren, willkommen. Entlassungstag für je einen Tag berechnet, so daß für gemäß reich mit Kindern gesegnet seien, dort unterzubringen, wäre Ju der humanistischen Gemeinde, Mohrenstr. 47, im oberen Saal zwei Tage Gebühren zu zahlen sind. Das ist einesteils eine geradezu polizeiwidrig. Dagegen müsse von vornherein des Brandenburger Hauses, hält am Sonntag abends 7%, Uhr der LandHärte und andernteils verträgt sich dieser Usus nicht mit dem Werte protestiert werden. Stadtrat Granier erwiderte, es tämen tags- Abgeordnete Herr C. Sänger aus Frankfurt a. M. einen Vortrag Damen und Herren Keller, die jetzt über: Einige Vorzüge und Mängel unsrer Zeit". der für Verpflegung und Behandlung des Patienten aufgewendeten jogar 28 Räume heraus, Ausgaben und Mühen 198HUM allerdings in sehr schlechtem Zustande feien, her haben freien Zutritt. Leses und Diskutier klub Nordkante. gerichtet würden. Darauf führte Stadty. Silberstein aus, ihm abends 9 Uhr, bei Gleinert, Schulstr. 29: Vorlesung und Diskussion. Gäste Montag, den 11. März, fei gejagt worden, daß in den Kellern von Zeit zu Zeit das Wasser willkommen. schon 14 Meter hoch gestanden habe. Die Vorlage wurde angenommen. Auch eine militärische Uebung. Zu einer" ebung" bei den Bezirkskommandos find 80 Schreiber aus den Jahrgängen 1894 bis 1896 auf drei Wochen einberufen. Grund: Die Bezirkskommandos haben jest wegen der bevorstehenden lebungen der Reserve und Landwehr viel Arbeit, zu deren Bewältigung sie ihre Reserven heranziehen. Es fährt sich so gemütlich. Ihre Premiere" hatte vorgestern abend die vor vierzehn Tagen eröffnete Straßenbahnlinie Charlottenburg- Knie- Halensee. Um 7 Uhr explodierte an der Ede der Wilmersdorfer- und Bismardstraße eine Batterie des Sammlers mit lautem Kuall. Die Fensterscheiben des Wagens flogen in Scherben Rahmen. Zwei Damen, die im Janern des Wagens ingen, aus den unversehrt davon, stürzten aber in höchster Angst aus dem unhein lichen Gefährt. Der Knall war so start, daß man in der Umgebung glaubte, auf einem Kohlenwagen, der mit einer Ladung in der Nähe hielt, sei eine Dynamitpatrone explodiert. Zum 1. April stehen beim Polizeipräsidium in Berlin, falls das Abgeordnetenhaus die Posten bewilligt, zu den schon gemeldeten Veränderungen noch einige andere bevor. Die politische Polizei, die jegt eine eigne Organisation besigt, soll als 7. Abteilung den übrigen Abteilungen angegliedert werden. Geh. Reg.- Rat Muhl bleibt Chef dieser Abteilung. Zu Polizeimajoren sind ausersehen die Hauptleute Höft, Klein und Rau. wenn die etsed- Dermischtes. #& Co 1508: Carstiaza Die Borlage, betreffend Uebernahme der Müllabfuhr in eigne Regie, rief bei der Hausbefizer- Koalition, die die Er wählten der ersten und zweiten Abteilung bilden, sofort ein allge Der Winter fehrt zurück. In ist gestern morgen der meines Halloh hervor. Wae diejer Striegsruf erwarten ließ, trat Telephonbetrieb und der Verkehr der elektrischen Tramway in vielen ein. Abgesehen von einem einzigen, den Kommunalreformler Stadtbezirken unterbrochen gewesen, da durch starken Schneefall in Rahmig. traten alle redenden Hausbesitzer aus der ersten und der Nacht Telephondrähte gerissen und auf die elektrischen Oberaveiten Wählerabteilung, sowie ihr Freund Anwalt Abraham der geringen leitungen gefallen find. Durch umgebrochene Telegraphenträger und mehrere em heftiger Schnee sturm herrscht im nördlichen Zeile des ( Soc.) und Wuty( Soc.) glossierten in often seen, für jofortige Ablehnung des Magistratsantrags ein wurden fünf Pferde geschickter Weise die angeblichen Gründe der Geguer. Erster Bürger Staats Newyor. An vielen Orten liegt der Schnee 1-1/ 2 Meter meister Boddin, Bürgermeister Boigt und Stadtrat Thiemann hoch. Mehrere Eisenbahnzüge liegen feft. es nugte, redeten wie mit Engelszungen zu Gunsten des Antrags alles nichts, die Vorlage wurde mit 24 gegen 19 Stimmen ab= gelehnt. Außer den Socialdemokraten stimmten für die Vorlage nur noch wenige Herren. Mit der Bearbeitung der städtischen Volksschul- Angelegen heiten wird der neue Kreis- Schulinspektor Anders widerruflich gegen eine Entschädigung von 1500 m. jährlich betraut. Marktpreise von Berlin am 7. März 1901 dni nach Ermittlungen des fgl. Polizeipräsidiums. Weizen, gut D.-tr. 15,70) 15,68 Kartoffeln, nene, D- Ctr. mittel 15,66 15,64 Rindfleisch, Reute 1 kg gering 15,62 15,60 do. Bauch 14,45 14,44 " " Roggen, gut " " mittel gering 14,43 14,42 " " 14,41 14,40 15,40 14,70 Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter 7. 5. 1,60 120 1,30 11,60 1,20 1,80 1, 1,60 1, 2,60 2, 60 Stfit 5,20 3, Starpfen 1kg 2,20 2,80 2,50 1,20 Pastor und Gemeinde. Eine erbitterte Feindschaft besteht schon seit längerer Zeit zwischen dem Pfarrer Hagemeier und einem Teil seiner Gemeinde in dem altmärtischen Ort Eichstedt. Ein grelles Licht auf die dortigen Zustände warfen wieder die Verhandlungen der in dieser Woche abgehaltenen Ver faumilung der Kirchenwähler, in welcher der Kirchenfassen- Etat feftgesezt werden sollte. An den einzelnen Bosten und Titeln wurde Der Rigdorfer Stadthaushalts- Vorauschlag für 1901 ist zunächst nach längerer Debatte erheblich gekürzt. Nachdem man den jetzt fertig gestellt und wird demnächst der Stadtverordneten- Ber- tat schließlich durch beraten hatte, stellte ein Mitglied den Antrag, jammlung zugehen. Das Ordinarium schließt in Einnahme und den ganzen Gtat abzulehnen, da der Baſtor Hagemeier Mit dem in der Berliner Pfandkammer versteigerten Ausgabe mit 2 642 778 m. gegen 2 438 042 27. 59 Bf. im Vorjahr und die beiden Kirchenältesten Henning Raphael" beschäftigt sich auch die französische Presse recht angeles ab. Das Haupt- Extra- Ordinarium fchließt mit 1351 001 9.( im trauen der meisten Gemeindemitglieder nicht mehr befäßen. Hierauf W. bebe bas, Bergentlich. Eine Pariser Zeitung erhält aus ihrem Lesertreise inter- Vorjahr mit 1249 393 M.) ab. Die Gemeindesteuern sind auf wurde denn auch der gesamte Kirchen Etat mit 18 gegen effante Mitteilungen über Herrn Nicole, den Entdecker oder... Gr- 1676 741,60 M. berauschlagt. Die gewerblichen Unternehmungen der 9 Stinnen abgelehnt. finder des abenteuerlichen Gemäldes von Raphael, das Herr Vanders Gemeinde( Gasanstalt, Märkte 2c.) ergeben 182 000 M. Die Kapitalbilt aus Amerika beinahe" für 1/2 Millionen getauft hätte, wenn und Schuldenverwaltung beansprucht 778 748,75 m., die Schuler nicht noch rechtzeitig gestorben wäre. Nicole war Franzose von verivaltung 683 900 M., die allgemeine Verwaltung 579 184,86 M., Geburt; er stammte aus figny, wo er eine zeitlang Pfarrer war. Die Armen, Waisen- und Krankenpflege 305 150 M. Für die StraßenEchon damals hatte er eine Passion für verkannte und unechte reinigung und Besprengung sowie Bespannung für die FeuerlöschMadonnen von Raphael und als ihm vor 25 Jahren mit einem geräte hat die Stadt 100172 m., für die Straßenbeleuchtung 52000 M. folchen Raphael ein fleines Mißgeschid das erste in einer ganzen zu verausgaben. Insgesamt erhöhen sich die Ausgaben der Gemeinde Reihe ähnlicher Unfälle passierte, warf er, wie man in Frankreich im neuen Etatsjahre um 204 736 M. fagt, die Stutte in die Bremmejseln", mit andren Worten: Ueber bevorstehende Veränderungen in leitenden er berzichtete auf sein geistliches Amt. Er 80g bann Stellen Spandauer Militär- Berijätten wird berichtet, nach Lausanne, gründet daß der Direktor der Munitionsfabrit Oberst Lüttich in das Seine Hauptforge blieben aber die„ Raphaels", und eines Tags trat Striegsministerium versetzt wird; an seine Stelle tritt der Direktor er mit seiner( jetzt in Berlin verfauften) Vierge au sein" hervor; der Gewehrfabrik Major Lehmann. Ueber den Nachfolger des er zeigte sie jedem, der sie sehen wollte, und erklärte sie mit letteren ist noch nichts bekannt. Enthusiasmus und mit einem erstaunlichen Wortreichtum, denn er Schöneberg. Gegen die Erhöhung der Getreides Erbfen war nicht nur ein großer Kunstliebhaber, sondern auch ein unverfiegbarer Plauderer. Die Vierge au sein" war in der Schweiz 8ölle und die Verteuerung der unentbehrlichen Spetjebohnen ebenso berühmt wie einst in Frankreich der Rembrandt von Pecqebensmittel richtet sich ein von 14 Stadtverordneten soeben Linsen die Fremden kannten sie ebenso genau wie die Einheimischen, und eingebrachter Antrag, der in der nächsten Sigung der Stadtso fam es, daß ihr Ruf bis zu den Ohren Vanderbilts drang, den verordneten- Bersammlung zur Beratung gelangt. 179 nur der Erlöser Tod des Vergnügens beraubte, Nicoles„ Raphael", Ein grober Uufug, der leicht die schwersten Folgen hätte der in Berlin für 6000. wegging, für die Lappalie von haben können, wurde in der vergangenen Nacht gegen die Char 11/2 Millionen Frant seiner Sammlung einzuverleiben. lottenburger Feuerwehr verübt. Um 114 Uhr merkte Als Mörder des Bauarbeiters Wilhelm Schlegel aus man, daß die eigne Telegraphenleitung der Wehr zerstört war. Die Niez- Neuendorf, welcher bekanntlich in der Nacht zum 15. Juli v. J. Ermittelungen ergaben, daß an der Kaiserin Augusta- Allee zwischen auf seiner Heimkehr von der Berliner Arbeitsstelle auf der Dorf den Stangen Nr. 3 und 4 von dem fingerdiden Leitungsdraht ein straße zwischen Golßen und Riez- Neuendorf ermordet und beraubt 60 Meter langes Stück abgeschnitten und gestohlen worden war. Die worden war, ist nunmehr der Maurer und Fleischer Otto Müller Thäter sind noch nicht ermittelt. unter Antlage gestellt worden. Müller wird sich bereits während der im nächsten Monat beginnenden Schwurgerichtsperiode vor dem Landgericht in Rottbus, wo die Sache zur Verhandlung fommt, U wegen des Raubmords zu verantworten haben. " er ein feines " Inaalse 7 foment, 18 Versammlungen. 91/00 nde Eine Protestversammlung der Schiffseigner tagte am FreiDas Haupt einer Bande von Abhänge: und Ladendieben tagnachmittag im Palast- Theater. Wie der Referent Rob. Gräz ift in der Person eines Verbrechers ergriffen werden, der in seinen ausführte, handelte es sich darum, gegen die von der preußischen Kreisen als„ Maler- Gustav" betannt ist. Die Bande selbst, die aus Regierung geplante Erhöhung des Gebührentarifs auf den märkischen acht. Man bestand, wurde schon vor längerer Zeit dingfest gemacht, Wasserstraßen zu protestieren. Dieser in fünf Klaffen bereits vom Maler- Gustav" aber wußte sich immer noch zu verbergen und 1. Juli 1901 ab zu erhebende Zoll würde etwa 100 Proz. mehr als Berßte, gut uitfel gering 14,60 13,90 13,80 Eier 15,40 Hale Bander Hechte fpafer, gut mittel gering 15,90 18,10 Nichtstroh Hen 15,30 14,80 14,70 14,20 25, Schleie 40, Bleie 45, 25, Strebje 0,- 30, Bariche sch side 2,40 1, 1,80 30,80 1,20 1,20 , 80 per Schot 12,3*) ab Bahn. †) frei Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt vom 8. März. Getreide. Heute machte sich etwas besserer tehlabzug bemerkbar, der in Verbindung mit Käufen einer hiesiger großen Kommissionsfirma dem Roggenmarft ein festeres Gepräge gab. Befestigend wirkte auch die auf abermaligen Eintritt fälteren Wetters lautende Brophezeiung der Mageburger Wetterwarte. Roggen verkehrte zu gut behaupteten Preifen. Weizen ſezte auf mattes Nordamerika eher etwas schwächer ein. Destreich- Ungarn und England kamen unverändert. Effektives Angebot war vom Inland reichlich am Markt, ausländische Offerten billiger. wenn auch noch nicht ganz rentabel. Am Futtermartt blieb Hafer tros fehlender Nachfrage nomine fest auf hohe Preisforderungen der Provinzen, während Mais auf Ankünfte aus Hamburg und Aussicht auf baldige Eröff nung der Schiffahrt eher zur Abschwächung neigte. Aut Delmarkt waren einige Stäufer. Preise konnten sich nach leichten Schwankungen tros dauernder Flauheit des Pariser Markts behaupten. 90911 200 Spiritus unverändert. 70 er loco 44,20 m. noiten Wetter Prognose für Sonnabend, den 9. März 1901. Ein wenig fälter, vorherrschend wolkig mit geringen Niederschlägen und ziemlich frisch en nördlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Donnerstag und Freitag von 7-9 Uhr abends statt. dim allgemeinen vor der Behrthätigkeit der Opernfänger und Sängerinnen, G. 2. 7. Das Los ist nach unfren Erkundigungen überhaupt noch und jedenfalls aller solcher Musiter, die nicht eigens Gesangspädagogen sind. nicht gezogen. Dienstag, Auffäße über Gesangstechnit in musikalischen Zeitschriften fönnen Ihnen Tempelhof 100. Fragen Sie bei der„ Mecklenburgischen Volkszeitung immerhin Winke geben, daß Sie leichter eine Wahl treffen. Eins der Kenn- in Rostoc an. zeichen eines guten Lehrers ist, daß er zunächst langfam, hingebend und ohne M. B. 45. Es heißt Speise: Tafel( die Tafel, an der man speist), ein Forcieren vorgeht; insbesondere darf das Singen keinerlei Beschwerden aber Speisen- Karte( die Starte, auf der die Speisen verzeichnet sind). Knesebeck 117. 1. Die Police haben Sie nicht zu zahlen. 2. Die Thür A. B. 99. Ein Pflichtteil stände Ihnen als Bruder nicht zu. hat der Wirt machen zu laffen. S. 5. 99. Ja. N. H. M. 39. Lohnbeschlagnahme ist bei einem Jahres- Arbeitsverdienst bis 1. Nein. 2. Auf Antrag an die Gerichtstaffe tann Ratenzahlung bewilligt 1500 m. unzuläffig. Darüber hinaus tann 1, gepfändet werden. Soweit werden. 3. In 4 Jahren nach Ablauf des Jahrs, in dem sie fällig waren, ersichtlich, ist Ihr Lohn nicht, jedenfalls nicht über 124 M. fährlich, pfändbar. verjähren Gerichtsfoften. Die Verjährung wird durch jede Pfändung usw. 2. Sch. 55. 1. Nein. 2. Das Amtsgericht ist für solche Klagen zu unterbrochen. ständig. 3. Nein, das wäre Unterschlagung. 3. 11, Shre Rage Alimente giebt es nicht. In Ihrem Falle würden etwa 18-25 Dt. monatO. S. 11. Zum Anfangen Ihrer Gesangsstudien ist unter normalen Umständen das Alter von 16 Jahren ganz passend. Einen Sopran zu er- lim Hals bereiten. zwingen würde völlig verfehlt sein. Ueber Ihre Stimmlage muß fachmännisches Urteil entscheiden; lautet es auf, Alt", so dürfen Sie sich feines: wegs nach einem Sopran fehnen; lautet es auf" Sopran", so tommen die angeblich fehlenden drei Töne bei guter Schule wohl ungezwungen hinzu, namentlich wenn nicht das sogenannte„ Mittelregister" hinaufgeschraubt wird und kein Ueberschreien stattfindet. Privatstunden sind meistens teuer( etwa 10-50 m. die Stunde), Konservatoriums- Unterricht ist billiger( etwa 20 bis 60 M. im Monat). Bestimmte Lehrer und Schulen tönnen wir Ihnen nicht nennen, um nicht in die Konkurrenz einzugreifen. Jedenfalls warnen wir Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Central- Theater. Mit vollständig neuer Ausstattung an Deforationen und Kostümen. Gastspiel: Miss Mary Halton. San Toy. Theater. Chinesische Operette in 2 Atten von Edw. Morton, Greenbant und Roß. Sonnabend, den 9. März. Opernhaus. 8. Sinfonie- Abend der fönigl. Stapelle. Anfang 72 Uhr. Mittags 12 Uhr: Deffentliche Hauptprobe. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues Opern Theater( Kroll). Geschlossen. Schiller. Rosmersholm. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Fauft. Anfang 71/2 Uhr. Leffing. Johannisfeuer. Anfang 71 Uhr. Berliner. Ueber unfre Kraft.( 2. Teil.) Anfang 7 Uhr. Residenz. Teremtete. Hierauf: Musik von Sidney Jones. Morgen und folgende Tage: San Toy. Sonntagnachmittag 3 Uhr, zu halben Breisen: Die Geisha. Abends 72 Uhr: San Toy. Palast- Theater früher Feen- Palast, Burgstr. 22. Heute Sonnabend, den 9. März, bleibt das Theater wegen Privat festlichkeit geschloffen. Sonntag, den 10. März 1901: ist beim Amtsgericht( Neue Friedrichstr. 13, Grunerstraße) zu erheben. lich für angemessen erachtet werden. Stockheim. 1. Das richtet sich M. 83. Die Teltower Kreis- Spartasse ist Berlin W., Victoriaftr. 18. nach den Krankenkassen- Statuten. 2. Nichts. 3. Nein. 4. Das wollen Sie Geöffnet von 9-1 Uhr. selbst aus dem Vorwärts" feststellen. 23. 999. 1. und 2. Ja. 3. Nein " RANIA Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Taubenstr. 48/49. Im Theater Sonnabendabend 8 Uhr: Unser Rhein, von der Quelle bis zur Mündung. Im Hörsaal: Dr. Donath:„ Motore und Dynamomaschinen." Um 4 Uhr zu kleinen Preisen: Mittelmeerfahrten. Invalidenstr. 57/62. Tägl. Sternwarte. Passage- Panopticum Beontinens Ehemänner. Anfang Gr. Extra- Vorstellung. J. Dumont 71/2 Uhr. Menes. Die Sixtina. Anfang 7½ Uhr. Westen. Bar und 8immermann. Anfang 7 Uhr. Seceffionsbühne. Buntes Theater: Ueberbrettl. Anf. 7 Uhr. Thalia. Der Kadetten Bater. Anfang 7 Uhr. Central. San Toy. Anfang 7/2 Uhr. Lnisen. König Krause. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Damenschneider. Anfang 7 Uhr. Durchweg neues Programm! Alles Schlager 1. Nangs! 81/2 Uhr. Neu! 8 Uhr. Die beiden Wenzel. Schwant in 1 Att von E. Felsch. 12 Prima Schaunummern. Anfang 72 Uhr. Entree 50 Pf. Cirkus Busch Carl Weiß. Rabale und Liebe. Sonnabend, den 9. März, 7 Uhr: Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 " Uhr: Rindervorstellung. Prunk- und Parade-Abend. Rotkäppchen. Belle Alliance. . Anfang 8 Uhr. Der Leibalte. Metropol. Specialitätenvorstellung. Man lebt ja nur einmal. Anfang 71 Uhr. Mpollo. Specialitäten Borstellung. Des Löwen Erwachen. 8 Uhr. Balaft. Gefchloffen. Anfang Weichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Paffage Theater." D"-Borstellung. Rosendienstag. Anfang nachni. 3 Uhr. Waffage Panoptikum. Specialis täten- Borstellung. Urania. Taubenstr. 48/49.( Jm 8 Uhr: Theatersaal) Abends Unser Rhein, von der Quelle bis zur Mündung". Nachm. 4 Uhr( zu ermäßigten Breisen): Mittelmeerfahrten". Jm Hörsaal: Dr. Donath Motore und Dynamomaschinen". Anfang 8 Uhr. Invalidenstraße 57/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Ferner: Auftreten des berühmten amerika: nischen Pferdebändigers Profeffor Norton B. Smith. Die Besonders hervorzuheben: gefährliche Fahrt unter ber Eisenbahnbrücke. Zum Schluß: Bum 102. Male: Die eiserne Maske. Le masque de fer. der Franzose mit b. größten Bart der Welt. Der Bart hat die unglaubl. Länge v. 3 Meter 65 Cint. Dilkins der größte Solbat d. Welt. General Boum der fleinste Soldat der Welt. CASTANS PANOPTICUM Ein Riesen Neu! New! Neu! GORILLA aus Yaunde, Hinterland von Kamerun erlegt von einem Deutschen, die grösste zoologische Sehenswürdigkeit des neuen Jahrhunderts. Konzertkapelle la Zarina. Der Germanensaal. Gr. hiftoriſches Manege Schauftüd W. Noacks Theater. in 4 Aften und 3 Hauptbildern. Unter anderm: Die Jagd bis in die Cirkuskuppel hinauf. Brunnenstraße 16. Sonntag, 10. März, nachmittags Wegen Privatfestlichkeit 4 Uhr: Berliner Landpartien", wozu jeder Erwachsene auf allen Siz plägen 1 Kind frei hat; weitere Kinder bie Hälfte.- Abends 7 Uhr: Die eiferne Maske. Apollo- Theater. Kolossaler Erfolg! Grigory- Truppe Salerno Die Wolkovskys Schiller Theater Bernh. Mörbitz ( Wallner Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Rosmersholm. Miss Deyo sowie die neuen März- Specialitäten. Um 9 Uhr: Schauspiel in 4 Aufzügen von Senrit Des Löwen Erwachen. Jbsen. Deutsch von A. Zint. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Sonntagabend 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Montagabend 8 Uhr: Neu einstudiert: Ein Schritt vom Wege. Carl Weiss- Theater Gr. Frankfurterstr. 132. Nachmittag 4 Uhr: Kindervorstellung, Kleine Preise: otkäppchen. Kabale und Liebe. Trauerspiel in 5 Aften von Schiller. Anfang 8 Uhr. Sonntag u. Montag: Kabale und Liebe. Freitag, den 15. März: II. Opern- Gaftfpiel: Undine. Thalia Theater Dresdenerstr. 72. Bum erstenmal: Der Kadetten- Vater. Poffe mit Ges. u. Tanz in 5 Bildern. Anfang 72 Uhr. Herren: Thomas, Thielscher, Selmer ding, Junkermann, Paulmüller. Damen: Milton, Boje, Wan novius. I'm 5. Bild: Das Ueber brettl. Pierrot: Emil Thomas. Colombine: Guido Thielscher. Harlekin: Hans Junkermann. Kasseneröffnung 7, Anf. 8 Uhr. Passage- Theater Anfang Sonntags 12 Uhr, Wochentags 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Fortsetzung der DamenRing- Kämpfe Auftr. d. Ringkämpferinnen nachm. 6 Uhr, abends 10 Uhr. Rosendienstag. 17 erstklass. Nummern. Sanssouci Donnerstag, Sonntag und Montag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Wochentags Tanz frei. Vereinsbillets gültig. Donnerstag: Morgen und folgende Tage: Der Wachsfiguren. Kadetten Vater. Metropol- Theater Behrenstr. 55/57. Man lebt ja nur einmal. Große Gesangspoffe in 5 Bildern. Vorher: Das neue MärzSpecialitäten- Progr. Anf. 18 Uhr, der Boffe 9 Uhr. Rauchen überall gestattet. Sonntag: Wachsfiguren. Montag: Luftige Vagabonden. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. 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M., abends 7 Uhr, mein lieber Sohn, Bruder und Entel Max Lange an nach furzem schweren Leiden fanft entschlafen ist. Dies zeigen tiefbetrübt Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, ben 10. März, nachm. 8 Uhr, auf dem Friedhof der Zionsgemeinde, Nieders Schönhausen, statt. 30215 Im Namen der Hinterbliebenen F. Lange, Chorinerstr. 23. Verein der Lithographen 2. Deutschlands. Am Mittwochvormittag verschied unser lieber Kollege, der Lithograph Fritz Richter. Die Beerdigung findet am Sonn tagnachmittag 3 Uhr, vom Trauers hause Wollinerstr. 23 aus auf dem St. Elisabeth- Kirchhof in der Prinzen Allee statt. 30236 Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung Berlin III. Für die uns beim Hinscheiden unsres unvergeßlichen Vaters des Schant wirts Fritz Ahrensdorf er: wiefene Teilnahme und kostbaren Kranzspenden sagen wir allen Be fannten, Freunden und Berwandten 30036 unfren herzlichsten Dant. Bertha Ahrensdorf geb. Brezte nebst Kindern. 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[ 943L In der Nr. 52 des Borwärts" ist von dem Gastwirt Dod, Grüner eine Annonce erschienen, welche wir folgenderweise berichtigen: Da der Vorstand des„ Vereins socialdemokratischer Gast- und Schant: wirte" eine Stellungnahme zu dentselben bis jetzt nicht eingenommen hat, halten wir es für unsre Pflicht, als Mitglieder obigen Vereins, welchen wir ebenso gut wie jeden andren als Fachverein betrachten, einen Kollegen, welcher unter dem Tarif arbeitet oder durch Praktiken und Schmutzfonfurrenz feine Kollegen zu schädigen sucht, dem Vorstand zur Anzeige zu bringen. Dieses geschah am 15. Dezember vorigen Jahre, nachdem mir( Risch) Kollege Lod erklärt hatte, einem jeden die Spitze bieten zu wollen, was ihm früher jedenfalls nicht möglich war. Kollege Lod wurde seitens des Borstands zu wiederholten Malen zur Vorstandssitzung und zu Ver jammlungen eingeladen er glänzte jedoch stets durch Abwesenheit. Wir nehmen an, daß er sein Wort„ Vers brechen" in Nr. 52 des Vorwärts" der Versammlung gegenüber nicht be gründen konnte, daher zog er vor, dem Verein seinen Austritt freis willig zu erklären, jedenfalls in dem Glauben, in dem bürgerlichen Gast wirtsverein besser aufgehoben zu fein. [ 30286 Otto Bech, Fruchtstr. 20. Karl Risch, Koppenstr.13. Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Ströbel in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in Berlin. . 58. 18. Jahrgang 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. susunda Dersammlungen. Sonnabend, 9. März 1901. er trieben werde auch Hindernis für die in Frankreich noch sehr zurück- würden übrigens die Vorteile des Gesetzes, auch bei Berlegung der Centralisation die Settiererei, die Gruppenorganisation würde noch viel mehr um Berufe, bie noch keine Organisation haben, durch Anwendung des ber Die Organisation der Arbeitseinstellung lautete das Thema, beftimmt, daß dem Streit in jedem Falle Verhandlungen vorauszu- einiger Mängel habe der Entwurf einen bedeutenden Wert.- Meigner fich greifen, als es heute schon der Fall ist. Wenn der Entwurf Gesetzes auf den Wert der Organisation hingewiesen werden. Trotz über welches Genosse Segiz Fürth am Donnerstag im dritten gehen haben, so fei dagegen nichts einzuwenden. Das entspreche sprach in günstigem Sinne über das Streitgefek.- Genoffe b. Bollmar Wahlverein sprach. Der Redner wies auf die Debatten hin, die fich burchaus der in Deutschland geübten getvertschaftlichen Tattit, und wenn führte u. a. aus: Unter den einflußreichen französischen Barteigenoffen an den Eintritt Millerands in das bürgerliche Ministerium Frant bis zur Entscheidung zehn Tage vergehen tönnen, so sei das eine gelte es als selbstverständlich, daß der Betrieb, wo der Streit reichs geknüpft haben und meinte dann, an dem, was Millerand Bestimmung, die unüberlegten Beschliffen vorbeuge und auch vom beschloffen ist, auch ruhen muß, und daß volle Sicherheit gegen als Minister für die Arbeiter gethan hat, tönne man ermessen, ob Standpunkt der deutschen Gewerkschaften durchaus gebilligt werden Streitbruch gefchaffen werden müffe, falls das im Gesetz nicht schon fein Eintritt ins Ministerium den Arbeitern Ursache gebe, fich zu fönne.- Bweifelhaft laffe es der Entwurf, ob ein internehmer ge- deutlich genug ausgedrückt sein sollte. Was den fakultativen Charakter beklagen. Weiter führte der Redner aus, daß in Frankreich, zwungen werden könne, den Betrieb ruhen zu lassen, wenn eine des Gefezes betrifft, so habe Millerand bemüht sein müssen, den welches vordem zu den in socialpolitischer Hinsicht rädständigsten starte Minderheit der Arbeiter gegen den Streit ist, und ob es ihm Entwurf so zu gestalten, daß er von der bürgerlichen Kammer Ländern Europas gehörte, durch Millerand eine Reihe focialer verboten werden tann, den Streit dadurch zu hintertreiben, daß er mehrheit, ohne die fein Gesetz au stande fommen könne, Reformen eingeführt seien: Das Gesez, welches die Arbeitszeit in die Arbeiter, welche für denselben sind, vor der Abstimmung auch angenommen werden könne. In Frankreich könne man gemischten Betrieben regelt; die Verpflichtung der Unternehmer, bei entläßt. Gegen solche Fälle müßten flare Schutzbestimmungen ge- fich schwer entschließen, bom geltenden Recht abzuweichen. Ausführung von öffentlichen Arbeiten den Normalarbeitstag und den schaffen werden. Für die Arbeiter in Privatbetrieben werde das Deshalb stelle sich der Entwurf, indem en.- Für die Arbeiter in Privatbetrieben werde das Deshalb stelle sich der Entwurf, ortsüblichen Lohn zu gewähren, sowie nicht in Accord arbeiten zu Gesetz nicht den erwarteten Erfolg haben. Anders dagegen fei es Charakter trägt, scheinbar auf den Boden des freien Vertrags, den fatultativen lassen; die Einführung des Achtstundentage in den Post, Tele- in Staatsbetrieben, für die ja das Gesez obligatorisch fei. Damit er aber thatsächlich durchbricht für die Betriebe, welche sich unter das graphen- und Eisenbahnwerkstätten; die Ausgestaltung der Arbeiter- fallen viele Bedenten, die bei dem fakultativen Charakter des Ge Streitgesetz stellen. Wenn auch der Entwurf die Organisation ausbörsen; die Stärkung des Einflusses der Gewerkschaften auf den feges gegen dasselbe sprechen. Ob der Entwurf angenommen werde ichalte, so biete doch Millerands seitherige Thätigkeit die Gewähr Central- Arbeitsnachweis, sowie auf die leberwachung der Ausführung oder nicht, fo bleibe" doch die Thatsache, daß die Regierung eines dafür, daß er nicht die Hand zu einer Schädigung der Gewerkschaften der Arbeiterschutzgeseze; die Schaffung einer wirtschaftlichen Vertre- großen Staats ihn vorgelegt hat, von der allergrößten Bedeutung. bieten werde. Die Arbeiter, welche von dem Gesez Gebrauch tung der Arbeiter in den Arbeitskammern. Der intereffantefte Der Entwurf bedente einen Sieg des proletarischen Gedankens machen und den Streit beschließen, würden sie doch schon, Verfuch auf socialem Gebiet fei zweifellos der von Millerand über die bürgerliche Rechtsordnung. Demgegenüber spielen die dem um Streifgeld zu erhalten, der Organisation anschließen eingebrachte Streitgefeß- Entwurf, der die Organisation der Entwurf anhaftenden Mängel eine untergeordnete Rolle. Millerand müssen. Irgend ein Nachteil tönne den französischen Arbeitern Arbeitseinstellung bedeute. Die Absicht dieses Gefeßentwurfs sei: habe gezeigt, daß ein socialistischer Minister in einem bürgerlichen aus dem Gesetz nicht erwachsen. Wenn man in DeutschPrincipielle staatliche Anerkennung des Rechts der Arbeiter, zu Ministerium nicht nur seinen Grundsägen treu bleiben, sondern sie land nicht für ein solches Gesetz sei, so sei das begreiflich. Man streiten; die Anhaltung der Arbeiter zur Solidarität; die Erklärung auch zum Nutzen der Arbeiter bethätigen kann. dürfe den Millerandfchen Entwurf immer nur im Zusammenhang des Streitbruchs als unehrenhafte Handlung; die gefeßliche An Dem interessanten Vortrage folgte eine nicht minder interessante mit den franzöfifchen Verhältnissen und mit allen von Millerand be erkennung einer Arbeitervertretung im Betriebe. Die günstige Aussprache. 28olfgang eine betonte, für uns in Deutsch reits eingeführten Gesetzen und Verordnungen betrachten. Was auch Wirkung des Gesetzes meinte der Redner werde beeinträchtigt land wäre ein Gesetz wie das in Rede stehende nicht wünschenswert. aus dem Entwurf werden möge, ob er ganz, teilweise oder gar nicht durch die Beschränkung auf einzelne Betriebe und durch die Ausschaltung Das schließe natürlich nicht aus, daß das Gefez für Frankreich gut angenommen wird, in jedem Fall habe er eine außerordentliche socialder gewerkschaftlichen Organisation bei der ganzen im Entwurf vor- fein fönne. Mindestens sei millerands Entwurf ein intereffanter politische Bedeutung, ebenso wie die ganze Ministerthätigkeit Millerands. gesehenen Bethätigung der Arbeiter. Das Biel der gewerkichaft- focialpolitischer Versuch. Pösich stimmt mit dem Referenten inger sieht in dem Millerandschen Entwurf eine Zurüdfegung und lichen Organisation sei, die Arbeiter des ganzen Berufs zu darin überein, daß die Ausschaltung der Organisation ein Nachteil deshalb eine Schädigung der Organisation. Nachdem v. Vollmar fammenzufaffen, und mindestens für ein und denselben Ort die des Entwurfs sei, der sich aber daraus erkläre, daß Millerand nochmals das Wort genommen und Segit in einem furzen Schlußgleichen Arbeitsbedingungen festzusehen. Durch Verlegung der Ent- gesagt habe, die Arbeiterorganisationen in Frankreich feien wort auf Einzelheiten aus der Debatte eingegangen war, hatte die scheidung über Lohnbewegungen in die einzelnen Betriebe werde aber noch zu schwach, als daß ihnen die Entscheidung ein- Versammlung ihr Ende erreicht. die Erreichung dieses Ziels wesentlich erschwert. Durch solche Ver- geräumt werden könne. Das sei leider richtig. Jedenfalls Vor Beginn der Versammlung ehrte man das Andenken der hältnisse, wie sie der Entwurf vorfieht, werde auch der Abschluß von habe auch Millerand sich mit dem begnügen müssen, was er bei verstorbenen Genossen Gersdorf und Schröder in üblicher Tarifverträgen sehr stark beeinträchtigt. Die Sonderung nach Be- seinen Ministerkollegen durchfegen konnte. Die großen Organisationen Weise. Deutsch. Metallarbeiter- Verband Steinbildhauer! Grosse Fänge,- Preise billig sa dan Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- fer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Sonntag, den 10. März 1901, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Versammlung der Heizungs-, Gas- und Wafferrohrleger u. Helfer im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15.oivarl Tages Ordnung: Sonntag, den 10. März, vormittage 11 Uhr, im ,, Gewerkschaftshans", Engel- fer 15: Oeffentl. Versammlung. Tages Ordnung: meister. 2. Plazberichte. 3. Berschiedenes. 1. Bertragsbruch bei der Girma&. Sitting, tgl. Hofsteinmezaits 1. Bortrag des Kollegen Adolf Cohen. 2. Distuffton. 3. Berb bandsangelegenheiten. Sonntag, den 10. März 1901, vormittage 10 Uhr: Die Kommission. Marmorarbeiter! 20/15 bst Am Sonntag, den 10. März, nachmittags 1 Uhr, in Cohns Festfälen, Beuthstraße 21/22: astistow Versammlung der Wickler und Isolierer Große öffentliche Versammlung. im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23. Tages Ordnung: suben umb 1. Vortrag des Kollegen Scheffler über: Unternehmerfreuden und schiedenes. Arbeiterlos. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Agitationstommiffion. Sonntag, den 10. März cr., vormittags 10 Uhr: Bezirksversammlung für Ober- Schöneweide im Lokal des Herrn John, Wilhelminenhofstr. 19. Sonntag, den 10. März er., vormittags 10 Uhr, im Lokal des Herrn Mörschel, Jüdenstr. 35: Morgensprache der Silberpolierer. Tages Ordnung: 1. Bericht über die Berhandlungen vorm Gewerbegericht. 2. Ver 174/3 Pflicht eines jeden Marmorarbeiters ist es, zu erscheinen. Sonntag, den 10. März, nachmittags 3 Uhr, im Gewerk schaftshaus, Engel- Ufer 15( gr. Saal): V dres Große öffentliche Versammlung aller in der mechanischen Schuhwaren- Industrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen. Tages Ordnung: 1. Situationsbericht über den Stand des Streits. 2. Verschiedenes. Der Einberufer. Sonntag, den 10. März 1901, vormittags 10 Uhr. im Lokal des 169/77 Herrn Meissner, Chauffeestraße 72: Versammlung der Feilenarbeiter. Achtung! Achtung! Bretterträger und Brettschneider! Montag, den 11. März, abends 81%, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Sonntag, den 10. März, nachmittags 1 Uhr, im Märkischen Eugel- Ufer ir. 15: Hof, Admiralstraße 180: nda Allgemeine Vertrauensmänner- Versammlung. Große öffentliche Versammlung. 112/15 Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. Bahlftelle Berlin. 001 Morgen, Sonntag, den 10. März, abends 7 Uhr: Besuch der Treptower Sternwarte. Vortrag:„ Nückblick auf die Aftronomie des 19. Jahrhunderts." Nachdem: Beobachtungen mit dem Riefen- Fernrohr. Alte Köpnider Landstraße. Tages Ordnung: 1. Vortrag( eferent wird in der Versammlung bekannt gemacht). 2. Distuffson. 3. Wie stellen sich die Kollegen zu der Lohnreducierung bei der Firma Poßling. 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