Ur. 60. Adomtmna»- Kedwzunge»: Obonncment«<$rei< pränumerando: »ierteljährl. 333 Mb, monatl. 1,10911., «vöcheniltch SS Psg. frei In» Hau». Ein»ln« Nummer b Pfg. Sonnlag», Nummsr mt» lliuNri-rier Sonnlag»- Beilage.Tie Neue Welt- 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen In der Post- Zettung»- Pr«t»ltfte für 1B01 unter Bz. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Marl, für da» übrig««ußland s Marl pro Mouat. 18. Jahrg. Die Znftrttlms.GMy» � beträgt für die sechsgespaltene Kolonet- »eile oder deren Raum 10 Pfg., für poltttsche und gewertschastliche Vereins- und Versammlung«-Anzeigen 20 Pfg. „Kletue Anfeigen" jedes Wort k Pfg. (nur da» erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bi»» Uhr nachmittags in derSrped ilton abgegeben werden. Die Expcditton ist an Wochen- tagen bt» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» L Uhr vormittag» geSffnet. Srjcheinl Uglittz«uster Moni»««. Verltner Volksblatt. Telegramm-Adreste» ..Sorialdrmolirul Berlin- Csntrawrgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Nedaktion: SW. 19, Beuch-Slratze 2. Fernsprecher t Amt 1, Nr. 1508. Dienstag, den 12. März 1901. Expedition: SW. 19, Beuch-Stratze 3. Fernsprecher- Amt I. Nr. 51L1. Guittung. Im Monat Februar gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 1. KrciS 200,—. 2. Kreis SOO,—. 3. Kreis 200,—(darunter Dr. R. F. 60,—). 4. Kreis Süd oft 1000,—(darunter Skatllub Harmlos 6,—). 5. Kreis 100,— 6. Kreis Wedding und Oranienburger Vorstadt 300,—. 6. Kreis Moabit 170,77(darunter I. G. 3,—, 2 Oestreicher, 1 Belgier—.00). 6. KreiS Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen 600, (darunter vom Maskenball des Vereins Oller ehrlicher Seemann durch Ver.- K. 6,—. Kranzüberschub vom 067. Bezirk 4,—). 0. KreiS Schönhauser Vorstadt 860,—(darunter zur Agi tation gegen den Brotwucher von Unitas 10,—, A. B. Mister 1.60). Berlin, diverse Beiträge: Wirtshaus Langenbielau, Ober- baumstrabe, 3,—. M. H. 4,—. Pflanzerverein.Georgina' durch Zibell 3,10. Rest von der Kranzspende der Lederfabrik Solomon 1,80. 0 Hutmacher, Köniastr. 26. 10,—. Von Arbeitern der Neuen Berliner Genosscnschaftsbäckerei 17,—. Buchhandl. Vorwärts 10 000,—. P. S., überwiesenes Honorar v. N.-W.-K. 14,60. A. B. 60.—. P. S. 60.—. Möbelpolierer von Kümmel, Frankfurter Allee 16,—. Hilfs arbciter Accidenz-Abt. M. B. 20,—. M. G. 1,—. Ueberschnb einer Hörnerschlittcnpartie v. d. PeterSbaude 2,—. Milchproz. v. d. Buch druckerei v. O. Elsner 4,—. Amerik. Aukt. Sedanstr.—,76. X. g). 3,—. GeburtStagsf. Knopffabr. Manasse, Wallstraße, 3,80. Mitgl. der U.-Dr. 4,20. B. 1,36. Arbeiter u. Arbeiteriunen der Buchbinderei von M. Babing 16,—. Dr. L. A. 60,—. Bcuthcn(Oberschi.) von einer oberschl. Bergarbeiterwiv. für erfolgreiche Hilfe im Kampfe um Unfallrente 20,—. Breslau, socialdcmokratischer Verein 60.—. Bern 60,—. Bamberg, SolitariuS 6,—. Chemnitz, Ueberschnb vom Kalender vom Bergennestcr von Sonncnbcrg 2,20.(Chemnitz. 16. sächs. Reichstags-Mahlkr. 150,—. Dresden, 4. fächf. Reichstags Wahlkreis 100,—. Dresden-Blasewitz, P. Alicke— ,45. Dresden, L. Sch. 1,—. Dresden, Bortrag über die Boeren von einem geb. Blasewitzer Gärtner durch Hausmann 30.24. Erfurt, Wahlkreis Erf.-Schl.-Zicgenr. 50,—. Eibenberg b. Chemnitz, von„Neue Welt- Kalend." 1,60. Ebcrsbach i. S.. ein Gemabreg. v. W.— S Erbe»— ,50. Falkenberg(Obersch.) 17,—. Frankfurt a. M., durch den Vertrauens mann 300,—. Forst i. L., v. den Parteigenossen 200,—. Eicben, E. K.(Dczemb.— Febr.) 30.—. Gorczizen, H., Parteibeitrag 20,. Georgenthal i. Vogtl., Nachschub zur Kranzspende 3,80, rote Kindtaufe 3,50, Sa. 7,30. Haniburg. 3. Wahlkr. 10000,—. Hamburg, 1. Wahlkr. 4000,— Hamburg, socialdcmokr. Verein des 2. Wahlkreises 6000,— Hastedt bei Bremen 10,—. Hannover 1000,—. Hagen i. W., Un genannt 3,—. Hamburg, in der Expedition des„Echo" im Monat Februar eingegangen 30,00. Habfurt a. M., L. Richter 3,—. Ha» novcr-Linden, F. Bruns 1,00. klönigshütte, Oberschl., durch Dr. A. W. i. B. 20,—. Klingenthal i. Vogtl., Ueberschnb der Kranz spende für H. K. 10,90. Kiel A. G., Ueberschnb vom Referat 10,— Ludwigshafcn a. Rh., Parteibeitrag des Gaues Pfalz der social demokratischen Partei Bayerns 200,—. Langerstld im Wahlkr. Hage«. Schwelm, volkstümlicher Wahlverein 20,—. Ludwigshafen a. Rh., socialdemokr. Verein 100,—. Lahr i.B., Altvatcr 6,—. Lichtenstein- Calleuberg 15,—. Limmer, 9. hannov. ReichStagSwahlkreis 50,—. Limbach, 15. sächsischer Reichstagswahlkreis 400,—(darunter aus Oberfrohna 6,—). München, socialdcmokratischer Verein „Nordwest" 16,—. München, Waldläufer 6,—. Mcerane, 17. sächsischer ReichstagswahlkreiS 2. Rate 26.—. Markrcdwitz, von den Porzellanarbcitern 20.—. Meerschcid, Geburtstag bei K. K. 1,30. Rürnberg-Mtdorf, socialdemokr. Verein 20.—. Niederbarnimcr Wahlkreis, durch de» Kreisvertr. G. 600,—. Nieder- zwönitz, 19. sächs. ReichstagS-Wahlkreis 100,—. Oggersheim(Pfalz). socialdem. Verein 26,—. Osfenburg i. B., v. Alten Onenburger 3,—, Faschingsstcuer v. c. Justizrätin, d. auch nicht z. Hofe geht 10.—. Sa. 13.—. Ohlau. v. d. Cigarrensortierern u. Kistenniachcrn d. Fabr.G.Deter 70,—. Plauen i. V., I. L.— ,50. Stuttgart, G. U. 10.—. Torgau. Wahlkreis Torfl.-Liebcnw. d. d. Kreisvertr. 10,30. Waldhcim, socialdem. Wahlverein 30,—. Württemberg 60,—. Zschopau, v. einem dummen Schwaben 3,—. Berlin, den 8. März 1901. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Kreuzbergstr. 30. Eine Wendung. -St.- Wien. 10. März. JnS östreichische Abgeordnetenhaus, das jahrelang die Stätte des wüstesten Treibens war, ist plötzlich die schaffende Arbeit eingezogen. So plötzlich und unvermutet, dah die langmütigen Oestreicher. die sich gewöhnt hatten, ihr Parlament als den Sammelpunkt des Skandals anzusehen, ganz verwundert dreinschauen und die große Wendung gar nicht recht glauben wollen. Am zweiten März fand im Herrenhaus eine große politische Debatte statt— es wurde die Antwort auf die Thronrede beschlossen— und alle Redner, die da auftraten, bezeichneten die Lage als änberst kritisch, den Zustand, dem Ocstreich verfallen, als verhängnisvoll. Fürst Lobkowitz, der Oberstlandmarschall von Böhmen und Führer der böhmischen feudalen Oligarchie, erklärte sogar rund und nett, ein Central- Parlament sei in Oestreich überhaupt unmöglich; vorläufig bleibe nichts übrig, als der Absolutismus, der wieder nur von der Gesetzgebung der Landtage abgelöst werden könne. Und tags darauf war der Staat gerettet. Die Czechen, die bis dahin die Obruktion markiert hatten, das Haus gezwungen hatten, einen vollen Monat mit der Verhandlung höchst, undringlicher.Dringlichkeitsanträge" zu ver- zetteln, traten einen vollen Rückzug an und das Haus konnte ohne jede weitere Schwierigkeit sofort— zum erstenmale seit vier Jahren— an die Erledigung der Tagesordnung gehen. Die gute Stimmung befestigte sich noch durch einen Zwischenfall, der für die Sitten, die im östreichischen Parlament üblich geworden sind, höchst bezeichnend ist. Während nämlich die offizielle» Jungczechen einschwenkten wie Körbers Unteroffiziere, beharren die kleinen Gruppen der czechi- schen Agrarier und der ans drei Köpfen bestehenden Nationalsocialen in ihrer intransigenten Haltimg, die nichts Geringeres bezweckt, als daS Centraiparlament in Trümmer zu legen. Einer von diesen Kindsköpfen beging nun Dienstag die Ungezogenheit, sich un- Versehens an den den Vorsitz führenden Vicepräsidenten heran> zuschleichen und ihm das Papier, aus dem dieser gerade die in einer Debatte zum Worte vorgemerkten Redner ablas, aus der Hand zu reißen. Flugs stürzten sich einige deutsche Abgeordnete auf den Uebelthäter und prügelten ihn tüchtig durch. Prügeln ist hier nicht etwa sinnbildlich zu nehme», sondern Herr Frebl— so heißt jener seltsame Volksvertreter, nebenbei bemerkt einer von jenen Helden, die den Socialdemokraten Mandate abnahmen— wurde thatsächlich im Sitzungssaale gestoßen und geschlagen, bis er blutend und bewußtlos zu Boden fiel. Sonst hätte sich nun an einem solchen.Zwischen fall" die nationale Wut entzündet, die Stammesgcnossen wären dem Ueberfallcnen sicherlich zu Hilfe gekommen. Diesmal kam es anders Die Jungczechen verleugneten den geprügelten.Wildling", sie be- schimpften und verhöhnten ihn, und so wie ihnen dafür die Deutschen im Saale applaudierten, so belobt sie nun die deutsche Presse. Die Prügel, die Herr Frebl erhielt, haben den Bann ge> brachen und seitdem herrscht zwischen Deutschen und Czechen eine Eintracht, wie sie schon seit langem in Oestreich nicht erlebt worden ist. DaS Parlament hat sich auch sofort in den Strudel der Körber schen Vorlagen gestürzt, und während fn'iher die faulen Abgeord- neten zur Arbeit nicht zu bewegen waren, ist jetzt die Arbeitslust wie eine Epidemie ausgebrochen. Das, was daS Parlament schafft, ist freilich weniger lieblich; die Genngthunng, daß überhaupt gearbeitet wird, läßt es Einem vergessen, daß solche Arbeit wenig nützlich ist. Vor ollem wird natürlich das Rekrntengesetz— eine Vorlage, wodurch die Aushebung der Rekruten für dieses Jahr f)r willigt werden soll— beschlossen werden. Dann kommt die neue Steuer dran: die Erhöhung der Bramttweinstcuer zu Gunsten der Länder. Das Erträgnis der Steuercrhöhung soll nämlich den Ländern überwiesen werden, um ihre so arg zerrütteten Finanzen einigermaßen zu sanieren. In Oestreich steht nämlich den Ländern kein Stenerrecht zu; ihre Einnahmen erhalten sie nur durch Zuschläge zu den st a a t l i ch e n Abgaben. Infolgedessen ist selbst in wohlhabenden Ländern, wie in Böhmen, die Geldnot aufs höchste gestiegen, und dieses reiche Industrieland vermag die so notwendige Erhöhung der Lehrcrgcbälter nicht durchzuführen, wenn ihm das Reich mit der Ucbcrivcisung ans der Branntweinsteuer nicht zu Hilfe kommt. Das plötzliche Einschwenken der Jungczechen ist also nicht zum geringen Teile durch die Nattir dieser zwei Gesetzentwürfe bedingt: das Rckrutcngesetz zu obstruieren, dürfen sie ans Rücksicht auf den Hof nicht, der alles eher verträgt und alles eher vergißt, als„Attentate" gegen den Militarismus, und daS Branntweingesetz zu verschleppen, konnten sie nicht, weil sie sich da hauptsächlich ins eigne Fleisch schneiden würden. Diese zwei Gesetze werden vor den Osterserien fertig werden, vielleicht auch noch ein paar gesctz- geberische Bagatellen; die große Jnvestitionsvorlage. durch die Investitionen von einer halben Milliarde Kronen bcschlossenwcrden sollen, aber sicherlich nicht. Zu einer solch' schweren Last ist das kaum eingerenkte HauS noch nicht tragfähig genug; diese Belastungsprobe würde eS nicht aushalten. Zudem ist gegen eine der größten Investitionen, die Tauernbahn, die die langersehnte zweite Ver- bindung mit Trieft, Oestreichs Seehafen, schaffen soll, eine starke Strömung entstanden. Von den Abgeordneten der nördlichen Provinzen wird nämlich als Kompensation der Bau jener Kanäle gefordert, die die östreichische Industrie nun nicht länger entbehren kann, zu deren Förderung aber keine Regierung mehr aufbringt als platonische Zusicherung und unverbindliche Enqueten. Die kritische Zeit des Parlaments und auch der Körberschen Ministerherrlichkeit wird also erst nach den Osterserien anbrechen; dann erst wird es sich zeigen, ob die Wendung, die seit einer Woche Oestreich zu bewundern hat, eine Episode war oder wirklich ein Wandel zum Besseren, zur normalen Führung des Parlaments In Oestreisch ist der politische Tauschhandel so üblich, daß all- gemein die Frage geht, was den Jungczechen für ihr Einschwenken wohl gezahlt worden sei. Herr v. Körber versichert nachdrücklich, daß eS keinerlei politische oder nationale Konzessionen waren, die ihm die Gunst der störrischen Jungczechen crivarben, er hätte ihnen nur wirtschaftliche Vorteile zugesichert. Diese seien einesteils Fluß- regulierungen, andernteils eine staatliche Unterstützung für dje Be- dürfniffe der Stadt Prag, vornehmlich für den so notwendigen Bau einer Trinkwafferleitung in der böhmischen Hauptstadt. Man könnte ich also versucht fühlen, an dem Verzichte auf die Obstruktion aus olchen Ursachen das Uebergewicht der ökonomischen Thatsachen über alle Ideologien hinweg nachweisen zu wollen; die Regulierung des ober» Laufs der Elbe hätte danach über die nationalen Ueberspannt- Helten den Sieg davongetragen. Wir glauben aber nicht, daß ein solcher Schulfall der materialistischen Geschichisanffassung hier vorliegt. Die Jungczechen hatten einfach nicht die Courage, dem Parlament den Todesstoß zu geben; die Furcht vor dem Unbekannten ist es. die dem siechen Hause die neue Gnadenfrist verschafft hat. Wenn die Jungczechen so thun, als sei ihnen Gott weiß waS versprochen worden, und die Deutschen Un- ruhe zeigen über Konzessionen, die hinter ihrem Rücken bewilligt sein ollten, so ist das alles nur Posse. Die Wahrheit ist vielmehr, daß der Eutscheidungskampf um das Dasein des Par- laments vertagt worden ist. Die so überraschend auf- getretene„Arbeitsfähigkeit" des Parlaments ist im Grunde nur der Versuch, mit den wirtschaftlichen Fragen die nationalen Zerwürfnisse zu ersticken, ist die Probe auf das Exempel, ob die nationalen Streitfragen nicht für eine gewisse Zeit aus dem Parlamente aus- geschaltet werden können. Nicht ausgeschaltet, indem man sie aus- trägt, sondern ausgeschaltet, indem man sich einigt, von ihnen nicht zu sprechen, an sie nicht zu denken. ES ist klar, daß der Versuch nur ür eine recht kurze Zeit gelingen kann; von Rekruten und Branntivein kann ein Parlament auf die Dauer nicht leben. Herr v. Körber hat nicht mehr gewonnen als Zeit, aber in einem so zerrütteten, an allen Gliedern kranken Staat ist auch das nicht zu verachten. Vor- läufig hat die„leidenschaftliche Beharrlichkeit", die Herr v. Körber jüngst als den Inhalt seiner Politik proklamierte, nicht gerade unge« schickt manövriert und einen Erfolg errungen, den vor einem Monat wohl niemand hätte voraussagen wollen. Freilich, im Spiegel des historisch Notwendigen zählen derlei Er- folge blutwenig, und die Künste des Herrn v. Körber werden den Unter« gang des Privilegienparlamentes nicht aufhalten. Der Untergang wird kommen, weil er kommen mutz, weil dieses Parlament im Wider- spruche steht mit den socialen, politischen und nationalen Notwendig- leiten Oestreichs. Das Parlament wird sterben, aber, um mit einer alten Anekdote zu sprechen, es läßt sich nicht erwürgen. DaS Parlament mutz eines natürlichen TodeS sterben— an Altersschwäche, sonst glaubt niemand, oder wenigstens jene glauben es nicht, auf deren Glauben es so stark ankommt: daß sein Tod unvermeidlich war. Die östreichischen Arbciter sin» freilich nicht ohne Grund darüber erbittert, daß diese Agonie s» gräßlich lange dauert, und eS mehren sich die Stimmen, die zu einem frische», fröhlichen Kampf gegen das privilegierte und ver- dcrbte Parlament raten. Der Kampf ist gut, aber das Problem liegt dennoch so, daß vor allem dem Parlament seine Lebens- Unfähigkeit klar werden muß. Und dazu muß man ihm eben— Zeit gönnen._ Vottkifchv Mekevkchk. Berlin, den 11. März. Kolonialetat. In einer einzigen Sitzung ivurde der ganze Kolonialetat er- ledigt. Und die Liste unsreS KolonalbesitzeS ist dabei schon recht umfangreich. Der„Platz an der Sonne" zählt als Pachtung nicht einmal mit, aber wir erfreuen uns des gesegneten Besitzes von Ost- afrika, Togo, Kamerun, Südwestafrika, Nen-Guinea, der Karolinen- und Palau-Jnseln, der Marianen und SamoaS. Ein Streitpunkt wurde allerdings ausgeschieden, nämlich der Bau einer Eisenbahn von Dar-eS-Salaam nach Mrogoro, für den als erste Rate zwei Millionen gefordert waren. Im Vordergrunde der Diskussion stand die Sklavereifrage, die gleich beim Etat für Ostafnka von Bebel und Wollmar auf- gerollt wurde. Die Sklaverei, angeblich verpönt, dauert als Haus- sklaverei, die geduldet ist. und nicht nur in dieser Form fort. Es besteht der unerhörte Zustand, daß die Kinder, die von Haussklaven geboren Iverden, thatsächlich als Sklaven gelten. Herr Dr. S t ü b e l gab dies mit großer Seelenruhe zu. Die Mehrheit des HanscS verschloß die Augen. Während Graf E t o l b er g und Herr v. K a r d o r ff die Haussklaverei als unabwendbar beschönigten, chwieg das Centrum ganz, das sich sonst auf seinen christlichen Kampf gegen den Sklavenhandel und den Sklavenraub so viel zu gute thut. Schlimm sieht es mit den Zuständen in der o st a f r i k a n i s ch e n Kolonie überhaupt aus. Immer höher wachsen die Zuschüsse des Reichs und trotz aller Schönfärbereien der Interessenten bleibt der Erfolg ans. Der Handel geht zurück und ein harter Steuerdruck lastet auf den armen Eingeborenen. Die drückende Hüttensteuer wird nach den Berichten sachverständiger Beobachter unter Blut- vergießen eingetrieben. Fortwährend brechen Aufstände aus. Der neue Kolonialdirektor tonnte gegen dieses Bild, das Bebel entrollte, nicht viel sagen. Sein Debüt fiel nicht besonders glücklich aus. Herr Dr. S t ü b e l. ein langer, blasser Herr, ist ein ehr mittelmäßiger Redner, der keinen Satz glatt zu stände bringt. Angenehm fällt an ihm aber der Mangel an Schneidigkeit auf. Er giebt seine Antworten, wenn sie auch ungenügend sind, wenigstens liebenswürdig und entgegenkommend ab. Herr v. F r e g e hatte wieder arges Malheur. Die Budget- kommission hatte die für die Fortsetzung der Tanga- Muhesa- Bahn von Karogwe nach Mambo geforderte Kleinigkeit von rund 1'/» Millionen Mark gestrichen. Es ist ein alteS parlamentarisches Herkommen, die Beschlüsse der Kommission zur Grundlage für die Abstimmungen der zweiten Lesung zu nehmen. Erinuntert durch Herrn HasseS Zuspruch war Herr v. Frege so tollkühn, mit der Praxis zu brechen und den Versuch zu machen, über die Regierungs- vorläge, deren Wiederherstellung von keiner Seite beantragt war, abstimmen zu lassen. DaS bekam ihm sehr übel. Richter war boshaft, mit der Bczweiflung der Beschlußfähigkeit deS Hauses zu drohen. Graf Balle st rem eilte seinem Kollegen, der sich gar keinen Rat wußte, zu Hilfe, und auf seinen Rat trat Herr v. Frege unter dem stürmischen Gelächter deS HauseS den Rückzug an. Er ließ über den Antrag der Budgetkommiffion abstimmen, der denn auch angenommen wurde. Richter hatte seine Zweifel natürlich so- ort überwunden, sobald der Vicepräsident nachgegeben hatte. Beim Etat für Kamerun gab der Konservative S ch r e m p f der Wahrheit die Ehre und rügte die grausame Behandlung der Schwarzen auf den Plantagen. Wie nmß dort geprügelt werden. wen» selbst dieser Anhänger der Prügelstrafe die Behandlung zu brutal findet. Herr Dr. S t ü b e l versprach Untersuchung der An- gaben, die auch auf Sittlichkeitsverbrechen der Europäer hinweisen. Beim Etat für S ü d>v e st a f r i k a brachte Bebel die ein- pörende Behandlung nach dort gelockter Mädchen, die zu mehrfachen Selbstmorden geführt hat, zur Sprache. Dann kam er auf die Mordthat des Prinzen Prosper Arenberg zurück und stellte fest, daß der prinzlichc Mörder, der vom Kriegsgericht ursprünglich zum Tode verurteilt war, erst zu IbJahrcn Zuchthaus und dann zu 16 Jahren Gefängnis begnadigt worden sei. Hier unterbrach Graf Ballestrem unsren Redner. Er, der bei den Duclldebatten nichts dagegen ein- zuwenden gehabt hatte, daß die Begnadigungen von Duellanten unter Anführung der einzelnen Fälle zur Sprache gebracht wurden. wollte nicht zulasse», dag Bebel das Gnadenrccht der Krone, das dem nahen Verwandten eines hervorragenden Ccntrnms-Abgeordneten zu gute gekommen. einer Kritik unterzog. Er stellte die Theorie auf, daß die Volksvertretung wohl über das Gnadenrecht im all- gemeinen spreche», aber den einzelnen Fall nicht vor ihr Forum ziehen könne. Diese Theorie ist staatsrechtlich haltlo«. Alle Gnadenakte bedürfen der Gegenzeichnung de» Minister», der die Verantwortung dafür übernimmt. In diesem Fall wird wohl Graf Bülow selber den BegnadignngSakt gegengezeichnet haben. Gerade das Eingreifen dcS Präsidenten hat die Slufnierksamkcit der ganzen Oesfcntlichkeit daraus gelenkt. Bebel konnte mit vollem Recht sagen, daß das Land sein erzwungene? Schweigen vollkommen verstehen werde. Dienstag steht der R e i ch s- E i s e n b a h n e t a t auf der Tagesordnung.—_ Verdummungsbcstrebungen in Prerchen. Das Abgeordnetenhaus hat am Montag das Kapitel Elementar-Unterrichtswesen weiter beraten und dabei von neuem bewiesen, daß das Streben des von konservativ- klerikalem Geiste beseelten Parlaments einzig und allein darauf gerichtet ist. die Schule unter die Oberhoheit der Kirche zu stellen. Es handelte sich zunächst um die Frage der S ch u l a u f s i ch t. Im Etat sind acht neue Stellen für Kreis-Schulinspektoren im Hauptamt vor- gesehen. Die Budgetkommission hat fünf davon ge- strichen und beantragte nur die Stelle für Charlottenburg und zwei Stellen für Bochum zu genehmigen. Bereits im Botjahre hatte das Haus die geforderten sechs neuen Stellen abgelehnt, weil es lieber die Geistlichen im Nebenamt mit der Schulaufsicht betrauen will. Statt energisch die Forderung der Regierung zu vertreten, gab der Kultusminister Studt dem Drängen der konservativ-klerikalen Mehrheit insoweit nach, als er betonte, daß auch die Regierung den christlichen Geist in der Volksschule Pflegen und im allgemeinen die Verbindung des Lokalschulinspektorats mit dem geistlichen Amte aufrecht- erhalten wolle, daß aber das Verlangen nach Kreis- schulinspektoren im Hauptamt doch in verschiedenen Ausnahme- fällen berechtigt sei. Durch diese fromme Anschauung des Ministers wurden die Konservativen so gerührt, daß sie„nach nochmaliger Prüfung der Verhältnisse" der Regierung noch zwei wettere Stellen, die für Itzehoe und Recklinghausen, bewilligten, so daß tm ganzen nur drei abgelehnt wurden. Außerdem ersuchte das Haus die Regierung, im nächsten Etat eine wesentliche Verstärkung des Fonds zu widerruflichen Remunerationen für Kreisschulinspektoren im Nebenamte(jetzt 370 OVO M.) vorzunehmen, damit die im allgemeinen als unzureichend erachtete Remuneration für nebenamtliche Wahrnehmung angemessen erhöht und zugleich die Möglichkeit gewährt wird, in geeigneten Fällen kleinere nebenamtliche Schulaufsichts- Bezirke zu bilden. Dieser Re- solution versprach der Kultusminister nach Möglichkeit entgegen- Sukommen. Herr Studt scheint ein blindes Werkzeug in der fand der Frommen beider Konfessionen zu sein. Auch im weiteren Verlaufe der Sitzung ließen die Feinde jeder Bildung ihr Licht erstrahlen. Allen voran Herr Schall(k.), der hoch erfreut über die Nichtgenehmigung eines Mädchengymnasiums in Köln eine Rede gegen die EmancipationS-Bestrebungen der Frauen hielt, die noch tief unter dem Niveau der gewöhnlichsten Bierbankrcden steht. Herr Schall fürchtet, daß die Emenci- Pations- Bestrebungen in manchen Familien unglückseligen Zwiespalt hervorrufen. Und er urteilt nicht etwa vom grünen Tisch herab, sondern aus der Praxis heraus, denn er hat neulich in der Pferdebahn mit eignen Augen eine cmancipierte Dame gesehen, die zwar griechische Verse citierte, im übrigen aber durch ihr Benehmen nicht nur bei ihm als Geistlichen Anstoß erregte. Der arme Schall, dem fast so große Ge- fahren drohen, wie seinem lieben Amtsbruder Stöcker! Wie Herr Schall so will auch Herr Schmitz vom Cen- trnm den Bildungsgefahren vorbeugen. Er wünscht, daß die Präparandcnanstalten auf Dörfer verlegt werden und den Lehrern verboten wird, Ausflüge in die Städte zu machen, damit nicht das Verlangen der jungen Leute, in die Städte zu ziehen und die Unzufriedenheit mit den ländlichen Ver- hältnisjen genährt wird. Hoffentlich ernennt der Bund der Landwirte Herrn Schnntz zum Ehrenmitglied. Am Dienstag wird die Beratung des Kultusetats fort- gesetzt.-_ Eine Streikdcbatte im französische» Parlament. Paris, 10. März. Die Streik-Interpellation, von der sich die kapitalistisch-nationalistischen Parteien so viel versprochen hatten, brachte ihnen eine schwere Enttäufchuiig. Ihre Rechnung, mit Hilfe der antiministeriellen Socialisten das Ministerium unterzukriegen, erwies sich desto falscher, als die Haltung der Regierung in den letzten Streiks keinen Socialisten auf Ministersturz-Gedanken bringen konnte. Ich habe bereits an dieser Stelle die Licht- und Schattenseiten der Regierungsaktion in den Streiks besprochen. ES genüge daher der Hinweis, daß die Regierung in ihren Erklärungen vor der Kammer sich, wie immer, auf der Mittellinie zwischen der üblichen Verantwortlichkeit für die„Aufrechterhaltung der materiellen Ordnung" und der Rücksichtnahme auf die volle Bewegungsfreiheit der Streikenden hielt. Diesmal waren die Angriffe von kapitalistischer Seite ungleich schärfer, als die von socialistischer Seite. Die melinistischen Ab- geordneten warfen der Regierung vor. das Gesetz von 1848 gegen die„Aufläufe", dasjenige von 1881 gegen die Versammlungen unter freiem Himmel und das Koalittonsgesetz von 1884, welches die Ausländer aus den Gewerkschaftsvorständen ausschließt, durch die Streikenden unbehelligt verletzen zu lassen: Die ersteren zwei Gesetze in den Streiks von Montceau und St. Eloy, wie übrigens in allen größeren Streiks unter diesem Ministerium, daS letztere im Hafenarbeiter-Streik von Marseille, wo bekanntlich die internationale Gewerkschaft mit einer meist italienischen Mitgliedschaft den Kampf eingeleitet hat und leitet. In Bezug auf Marseille antwortete Mllerand, ohne auf den angefiihrten Vorwurf einzugehen, er thue alles, um den Streik zu schlichten. Durch den Präfekten hätte er Einigungsversuche gemacht und durch den socialistischen Bürgermeister Flaissisres lasse er die Streikenden zur Ruhe ermahnen. Der Postdicnst werde unter allen Umständen besorgt werden, dagegen hätte er den Unternehmern die Hilfe der Soldaten zwecks Ausladung von ErsilingSfrüchten ver- weigert, übrigens nach dem Beispiel aller früheren Handels- minister. Gegenüber den„patriotischen" Klagen über den Ruin von Marseille zu' Gunsten ausländischer Häfen durch eine inter- nationale Gewerkschaft wies Millerand auf die Thatsache hin, daß diese Gewerkschaft(beiläufig ein Unikum in der GewerischastS- bewegung!) die englische Streikunterstützung von 2v 000 Franken verweigert hat... Da» geschah natüriich zum Zweck, der patriotischen Unternehmerhatz keine neue Nahrung zu liefern. Im übrigen„beklagte" Millerand die Häufigkeit der Streiks. Das wird ihm bczw. dem Ministerium nichts helfen: die kapitalistisch-nationa- listische Presse bleibt dabei, daß die ganze Politik des Ministeriums und insbesondere die Ministerschaft eine» Socialisten die Streiks hervorruf«. Eine„revolutionäre Ausstrahlung", so klagt der„GaulaiS", gehe von Millerands Person au» und stachle die Arbeiter zu � fortwährenden Streiks i an... Dabei find die Kohlen« gräber von Montceau, die die letzte Steik-Jnterpellation veranlaßt haben, durch und durch antimintsteriell. Ucber die Kohlengräber-Streiks, den eigentlichen Gegenstand der Debatte, sprach Waldeck-Rousseau. Er betonte mit neuem Nachdruck, wie schon in der vorjährigen Interpellation über die Minenstreiks in St. Etienne, daß er, trotz des unbestreitbar vorliegenden Ver- gehens gegen das Gesetz von 1881,„sich niemals dazu entschließen würde, wen» eS dabei lein andres Bergehen gäbe, Menschen durch die öffentliche Gewalt auseinander zu sprengen, die einen Gesetzes- text mißachten mögen, aber sich absolut tadellos verhalten". Roch wichtiger ist die vom Ministerpräsidenten vor der Kammer übernommene Verpflichtung, zwei Reformen im Parlanicnt zur Durchführung zu bringen, die er bereits der Ad- ordnung der Bergarbeitcr-Föderatlon versprochen hatte: den Acht- stundentag für Bergarbeiter, Ein- und Ausfahrt ein- begriffen, und die von der Föderation geforderte Reform der Alterspensionen. Der eigentliche Zweck der socialistischen Interpellation ist frei- lich nicht erreicht worden. Einen Druck auf die Grubcngesellschaften auszuüben durch den Rückzug der Truppen und die Androhung mit der Entziehung der Konzesston— das hat die Regierung ver- weigert. Eine dahingehende Resolution wurde übrigens nur von der antiministerlellen Minderheit der socialistischen Fraktion eingebracht. Die Fraktiousmehrheit beantragte ihrerseits eine Resolution, worin sie„auf die Regierung rechnet, daß der Arbeiterklasse Provokationen jeder Art erspart bleibe» werden, um Konflikte zwischen der öffentlichen Gewalt und den Streikenden zu vermeiden". In der Abstimmung über daS von der Regierung genehmigte Vertrauensvotum, das(nach den amtlich berichtigten Zahlen) mit 295 gegen 22l Stimmen votiert wurde, stimmten 28 Socialisten für die Regierung, während die übrigen 13 sich der Abstimmung enthielten. Die antiministeriellen Socialisten konnten also nicht die Erklärungen der Regierung mißbilligen.— Aemsches Meich. Das Zolltaual-Gcschäft. Die„Deutsche Tageszeitung" enlrüstet sich, daß der neue Zoll- taris noch immer nicht dem Bundesrat zugegangen sei, und fordert den Reichskanzler driuglichsl aus, sciueu» Versprechen auch wirklich nachzukommen, daß er die Revision des Tarifs möglichst bcschleuinaen wolle. Das Agrarierblatl fürckitet aber vielleicht, daß seine Miß- trauenSbekuiidnngen nicht genügenden Zwang auf die Regierung ausüben könnten, und erneuert darum i» erfreulich deutlichen Worten die bisher bereits so erfolgreiche Kanalvorlagen-Erprcssuug: „Man vergesse auch eines nicht! Die preußische Siegicrung scheint, wie wir neuerding» erfahren haben, ein großes Gewicht auf die Annahme der Wasser« wirtschaftlichen T o r la g e zu legen. Sie weiß ebenso gut wie wir, daß. wenn heute über die gesamte Vorlage ab, gestimmt werden sollte, eine Ablehnung mit ziemlich starker Mehrheit erfolgen würbe. Ob daS Ergebnis sich nach der Er- ledig, mg des Zolltarifs anders gestalten werde. können wir natürlich nicht wissen; aber daß es sich vor Er- ledigung des Tarifs nicht anders gestalten wird, das erscheint uns so sicher, ivie nur irgend etwas. Will die preußische Regierung also die Möglichkeit einer Besserung schaffen, so muß sie alles thini. damit die Zolltarifangelegenheit möglichst bald ver- n ü n f t i g geregelt>v e r d e. Durch eine verständige Gcstal- tung des' Zolltarifs können die wirtschaftlichen Bedenken, die gegen den Mittellandkanal obivalren, vielleicht bei einigen beseitigt oder wenigstens abgeschwächt werden. Daß die finanziellen und technischen Bedenken trotzdem bestcben bleiben und bei uns immer bestehen werde», haben wir früher oft genug gesagt. Tie wirtschaftlichen Bedenken werden aber außerordentlich verstärkt und vertieft, wenn die Erledigung des Zolltarifs immer und immer wieder verzögen und hiiiailsgefchoben wird. Will also die prentztsche Regierung die Stimmung für die ihr am Herzen liegende Kanaivorlage einigermaßen bessern, dann bleibt ihr niwts andre» übrig, als die Veröffentlichung und parlamentarische Erledigung des Zolltarifs mit aller Entschiedenheit zu beschleunigen." Die Agrarier biete» der Regierung nicht nur elendesten Kuh- Handel, sonder» erklären ihr von voruherciu, daß sie in diesem Handel jämmerlich übers Ohr gehauen werden solle. Die Regierung aber ist so völlig i», agrarisch konservativen Netze verstrickt, daß sie durch feige Nachgiebigkeit nur die Berechtigung solcher cynischen Zumutungen bestätigen ivird.—_ Al» einen„Zwischenfall" bezeichnet gleich un» der Prinzregcnt von Bayern den Wurf deS Epileptikers, der den Kaiser traf, in einem Telegramm, das de», Kaiser Dank für seine Glückwüiische zur achtzigsten Geburtstagsfeier sagt. Einige konservative Organe dagegen kvinien sich noch immer nicht mit der bedauerlichen Thati'ache eines Zivischeiifalls anstatt eines regelrechten. Uinstlirzgcsetzc bcfrilchtendcn Attentats abzufinden. Die „K r e n z- Z e i t n n g" giebt zwar zu. daß der Zwischenfall aus der politischen Erörterung ausscheiden müsse, wenn der Thätcr gcistes- gostöri sei; aber es könne doch der Fall sein, daß er„einigermaßen nornial" ist, und dann ist natürlich die Tbat gezeitigt worden aus „der Temperatur des Llutoritnlshasses und der Zuchtlosigkcit. wie sie die Umsturzpartei überall künstlich erzeugt". Hoffentlich geschieht der „Äreuz-Zeitung" nicht daS Unglück, daß der Epilcpltiker zufällig eine konservaliv-antiseinitisch-alldeiitsche Protestversainmlung gegen die „Engländerei" deS Kaisers besucht hat. «* Heber neue Sicherheitsmaßregeln für den Kaiser wird berichtet: „Infolge des Bremer Borfalls ist der Sicherheitsdienst um den Kaiser erheblich verstärkt worden. Auf seinen Reisen nach außerhalb begleiteten bisher den Monarchen nur dann Beamte des Berliner Polizeipräsidiums, wenn dies von der für den Besuch in Aussicht genommenen Stadt, beziehungsweise deren Polizeibehörde gewünscht wurde. Im andren Falle trugen die betreffenden Lokal- bchörden die Verantwortung für den Schutz des Kaisers. Wie mir hören, sollen jetzt stet« Berliner Beamte den Kaiser be- gleiten und nach ihren Angaben die Maßnahmen der Lokalbehörden erfolgen. Auch die Absperrungen werden sowohl hier als außerhalb bei besonderen Anlässen eine Verschärfung erfahren." * Die„Weser- Zeitung" meldet über den weiteren Verlauf des Untersuchmigsvcrfahrens, daß sich keine weiteren belangreichen That- fachen ergeben haben, außer daß sich eine einwandfreie Zeugin frei- willig meldete und erklärte, sie habe ein entsprechendes Eisen- siück'ani Orte der That kurz vor der That am Boden liegen sehen._ Gegen de» Brotwncher. Gegen jede Erhöhung der Getreidezölle soll nach der.Franks. Zeitung" die Regierung des Großherzogtums Olden- bürg im Bundesrat zu stimmen beabsichtigen. Die Nachricht ist mindestens mit Zweifel aufzunehmen. Ueber die Stillung der bayrischen Regierung zum Zolltarif wird dem„Hamb. Corr." von„gut unterrichteter" Veite aus Bayern geschrieben: „Wenn von gewissen hohen Stellen in Berlin auch stark auf die Beschleunigung der Beratung und Stellungnahine der Einzelregierimgen gedrängt wird, damü sich der Bundesrat bald mit dem Zolltarif befassen kann, so wird sich die bayrische Regierung doch das Recht nicht nehmen lassen, ohne jede Ueberstürzung gründlich und sorgsam die Vorlage zu prüfen. Es wird hier allgemein erzählt/ daß während der Vorbereitungen im Innern, zu denen allerdings Ver- treter Bayern in Berlin eingeladen waren, die Regierung in München wiederholt durch Improvisationen des Staats- sekretärS Grafen Posado wsky in der Einholung von Auskünften auS Bayern überrascht worden ist. Als Gras Bülow ini Dezember v. I. sich als Reichskanzler dem Prinz- Regenten vorstellte, ist in den Gesprächen mit unsren Munstern auch diese Thatsache zur Sprache gekommen und Graf Bülow wird daher nicht erstaunt sein, wenn die bayrische Regterung Pflicht- gemäß die Angelegenheit jetzt nicht übers Knie bricht. Zudem ist es kein Geheimnis, daß im Schöße des Ministeriums zwar im allgemeinen die Absicht de- steht, einer Erhöhung der Agrarzölle znzu- st i m m e n— wie dies ja auch der Landtag mit großer Mehrheit befürwortet hat—, daß aber über die Zweck- Mäßigkeit und die Höhe einzelner Zollsätze dvch recht erhebliche Meinungsverschiedenheiten be- stehen. Da bisher außer dem Landtage vorwiegend landwirtschaftliche Kundgedungen für die Agrarzölle ergangen sind, zieht die bayrische Regierung in Erwägung, ob es nicht angezeigt sei, auch die Handels- und Ge Werbekammern, die bisher abseits gelassen worden sind, zu hören, indem sie ihnen die Zolltarifvor- läge zur Begutachtung überweist." Neber weitere Protest Versammlungen wird unS berichtet: Gegen den Brotwucher sprach Reichstags-Abgeordneter A n t r i ck am 5. März in Spremberg vor 600. am 6. März in Sachsen- darf bei Kottbns vor ca 150 und am 7. März in K o t t b u s vor weit über 1000 Personen. Eine am Sonnabend in Bayreuth abgehaltene Volks- Versammlung protestierte nach einem Vortrag des Genossen Scheide- mann- Nürnberg einstimmig gegen die Brotwucherplane. Aus Glauchau wird uns geschrieben: Zu einer großartigen Protestkundgebung gegen die Lebensmittel- Zollerhöhung kam es hier am Sonntag, den 11. März. Da unsrer Partei alle größeren Lokale versperrt lind, so setzten sich unsre Ge- nossen mit der Pachterin dcS„KoloscumS", einer mächtigen Brctterzelle auf dem Schützenplatze in Verbindung undaelang es, dicselbe zurHergabe der Räume zu einer Versammlung zu bestimmen. Da der Vertrag schriftlich abgemacht war und unsre Genossen erklärten, denselben eventuell vor Gericht geltend zu machen, so scheiterten alle Versuche, die Besitzerin einzuschüchtern und uns die Räume wieder ab- zutreibe». Nur eine Gefahr bestand noch. Die Halle ist sehr luftig und nicht heizbar. Bei irgend nennenswerter Kälte war natürlich der Vorwaud gegeben, die Volksversammlung zu verbieten. Glücklicherweise dielt sich aber die Temperatur und so strömten am Sonntagvoniiittag die Glauchauer Arbeiter und Bürger zu Hunderten tu das improvisierte Versammlungslokal, um dem Vortrag des Abgeordneten Auer zu lausche». Bis zum letzten Platz war die Halle gefüllt und später Kommende fanden keinen Einlnß'mehr. Es waren 1500—2000 Menschen anwesend. Trotzdem weder Tisch noch Stuhl in den weiten Räumen vorhanden war, so harrte die Menge doch bis zum Schluß aus und endete die Bersammlung, nachdem der Vortrag von stürmischem Beifall auf genommen ivordcn war, mit der einstimmigen Annahme einer entschiedenen Protestresolution. In Glauchau und M e e r a n e werden Versammlungen vor- bereitet, in denen nächstens Herr Pastor Naumann �sprechen ivird. Herr Naumann beabsichtigt nämlich, im XVII. sächsischen Wahlkreise bei der nächsten Reichstags- Wahl zu kandidieren. Daß der Gründer der Nationalsocinlcn den Socialdcmokraten ihre» ältesten Wahlkreis abjagen will, zeigt ja von sehr viel Unter- ii e h m u n g s l i» st vorläufig aber zeigt sich unter den Massen noch recht ivenig Neigiing, den H u nn e n p a st o r mit ihrer Vertretung im Reichstag zu betrauen.—_ Daö Taccharingcsetz ist jetzt dem Bundesrat zugegangen. Folgendes sind die wichligsten Bestimmungen des Entwurfs. S ü ß- st elf im Sinne des Gesetzes sind alle auf künstlichem Wege ge- womiencn Stoffe, welche als Süßmittcl dienen können und eine höhere Süßkraft als raffinierter Rohr- oder Rübenzucker, aber nicht entsprechenden Nährwert besitzen. Süßstoff darf N a h r u u g s- und G e n u ß in i t t e l n bei der gewerbsmäßigen Herstellung nicht zugesetzt werden. Nahrung»- und Genuß- mittel, welchen dieser Vorschrift zuwider Süßstoff zugesetzt ist, dürfen weder feilgehalten noch verkauft werden. Die gewerbsmäßige Herstellung von süßstoffhaltigcn Nahrungs- und Gemißmitteln ist mir gestattet in Kranken-, Kur-, Pflege- und ähn- licheu Anstaltcu. Nach näherer Bestimmung des Bundesrats ist ferner die Veriveiidung von Süßstoff gestaltet bei der gewerbsmäßigen Heistellung von Nahrungs- und Genußmitteln, für welche die Zu- fetzung von Süßstoff aus einem die Verivendung von Zucker ans- schließenden Grunde erforderlich ist. Der zum Verbrauch im In- laude bestimmte Süßstoff unterliegt einer in die ReichSkasse fließenden VerbrauchSabgabe(Süßstoffsteuer), ivelche achtzig Mark für ein Kilogramm chemisch reinen Süßstoff beträgt. Behufs Sicherung der Abgabe sind die Süßstofffabrikeu der Steueraufsicht untenvorfen. Das Gesetz soll am 1. April 1902 in Kraft treten.— Vom Schlachtfeld der Arbeit. AuS Bochum wird unterm 11. März berichtet: Unter einer Beteiligung von mehr als 10 000 Personen fand gestern nachmittag auf den Friedhöfen zu Schalke und Bismarck die Beisetzimg von 17 Opfern der Katastrophe auf der Zeche„Consolidatioii" statt. An den beiden ivkasiengräbern spielten sich ergreifende Scenen ab.— Die Zahl der bei der Katastrophe ums Leben Gekommeiicn hat sich auf 19 erhöht. Zwei Berletzie liegen im Krankenhause hoffnungslos dar- nieder, so daß die Zahl der Opfer sich auf 21 belaufen dürste. Für den Brotwncher agitiert, wie uns ans München ge- schrieben ivird, jetzt auch das Organ der christlichen Gewerkschaften in Bayern. Nach einer ausgiebigen Beschimpfimg der„social- dem akratischen Judens chutztruppe" erklärt der Artikel- schreiver. man sei ja nicht gerade erbaut über die Erhöhung der Getrcidezölle. Doch die Sache sei gar nicht so schlimm; denn bei eineni 6 Markzoll betrage die Mehrausgabe für eine Familie pro Jahr»ur 22;23 M. Das Blatt, daS in seiner vorgehenden Nnmiiier mit Emphase betonte, es könne alles, nur nicht die Wahrheit verschweigen, scheint das letztere inzwischen auch gelernt zu haben. Denn eS miterschlögt seinen Lesern völlig, daß die bayrischen Agrarier unter der glorreichen Lentruinsführung nicht nur eine Erhöhung des Roggen- inid Weizen-, sondern auch des Gcrstezolls«lustreben, wodurch laut Erklärung der Brauereibesitzcr auch eine Erhöhung der Bierprcise eintreten wird. Wer Anlage zur Schadenfreude hat, dem wird der unfehlbar folgende Katzenjammer in den Reihen der Partei für Wahrhett, Recht und gesetzliche Freheit einige vergnügte Stunden bereiten.— Z» Gunsten der Verbindung des Torimund-Emskanals mit dem Rhein fand am Soiiniag in G e l s e n k i r ch e u eine große Kundgebung statt. An derselben nahmen etwa 2000 Personen teil, darunter die ReichStags-Abgeordueten Dr. Schulze-Bochuui. Franken und Stötzel Eine Eingabe der Lippe-Jntercsseuteu au die Rcgicruiig. ivelche an Stelle der Emscherthal-Liiiie die Kanalisierung der Lippe setzen ivill, fand schärfste Kritik. Generaldirektor Kirtorf. der von seinem industriellen Standpunkt aus ein warmer Freund des Lippe-ProjetteS sein müßte, erklärte, er habe sich vom Verein für die Lippc-Kaiialisiernng zurückgezogen, weil dieser Verein Kirchturmpolitik treibe. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche die Enischerthal-LiUie als hervorragend wichtig für die Provinz Westfalen und als völlig unentbehrliches Glied des beabsichtigten Wasserstraßen-Netzes bezeichnet. Großherzog und Socialdemokratie. Aus Hessen wird über verschiebene längere Unterredungen zwischen Präsident Krüger| Kollegen, uns umgehend aus den Betrieben die Zahl der uns geschrieben: Am 7. d. M. hatte, wie bereits furz mitgeteilt, der und Dr. Leyds über die Möglichkeit einer Unterwerfung der Voeren. Modelltischler, Fabriftischler und Modelldrechsler mit Angabe, wieviel Bräsident der Zweiten Kammer der hessischen Landstände einen Ein Mitglied aus der Umgebung Strügers foll vorsichert haben, die Organisierte, zu überinittelu. parlamentarischen Abend arrangiert und waren der dazu lebergabe dürfte bereits morgen erfolgen. Im Interesse unsrer Branche und des Deutschen Holzarbeiterergangenen Einladung fast alle Abgeordneten gefolgt; auch Ver Diesen Nachrichten gegenüber steht die Thatsache, daß Botha Verbands werden alle Kollegen, speciell in Werkstätten, wo feine treter unsrer Partei waren erschienen. Seit den etwa 16 Jahren, gar nicht das Recht hat, allein für die Republiken Friedens- Vertrauensmänner vorhanden sind, gebeten, dies zu beherzigen. seitdem unsre Partei Abgeordnete in den Landtag entfendet, bedingungen festsezen au tönnen. Außer Botha bemüht sich der Der Obmann hatten sich dieselben nie ant berartigen Arrangements be- Bruder De Wets, eine Verständigung herbeizuführen. ader Modell- und Fabrittischler, sowie Modelldrechsler, teiligt. Es geschah aber auch innerhalb dieser Zeit nie, Nach einer Depesche aus tap ftabt hat Biet De Wet Otto Wille, Berlin, Bergstr. 70, HII. daß der Kammerpräsident etwas Derartiges veran- neuerdings versucht, eine Zusammenkunft mit seinem Bruder zu Die Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises für staltete, sondern stets waren Minister die Festgeber und darum erlangen. Dieser weigerte sich und bezeichnete seinen Bruder als das Berliner Schlächtergewerbe haben die verschiedenen hier behielten sich unsre Genossen davon fern. Nun aber, da der erste Vor einen Verräter, der sich von englischem Golde habe bestechen lassen. stehenden Gesellen- Organisationen in die Wege geleitet. Zu diesem fizende der Kammer der Einladende war, dem auch der politische Christian De Wet erklärt, er wolle den Stampf bis aufs ſtehenden Gefellen- Organisationen in die Wege geleitet. Zu diesem Gegner die Anerkennung nicht versagen kann, daß er die Geschäfte außerste fortsetzen. Nach den letzten Berichten aus Bloemede haben sich die Vorstände der Gesellen- Verbände mit einer des Hauses in unparteiischter Weise führt, erachteten es unire Ge- fontein marschiert De Wet fortgefent nordwärts, um die Eisen- diesbezüglichen Eingabe an die Verwaltung des paritätischen Arbeitsnossen für wenig angebracht, diesem parlamentarischen Abend fern bahn in östlicher Richtung zu überschreiten; wahrscheinlich ist er jetzt Gesellen anbahnen soll. Die Meister bringen diefem Anfinnen allernachweises gewandt, welche die Verhandlungen mit Meistern und zu bleiben. Nun aber ereignete fich dabei etwas, das wahrscheinlich irgendwo westlich von Kroonstad. Viele früheren Feinde Englands dings noch nicht besonders viel Sympathie entgegen, die Gefellen in andren deutschen Baterländern, besonders in der bürgerlichen Preffe, in Bloemfontein, Brandfort und Kroonstad haben sich jetzt den Eng- haben sich jedoch, troy ber sich vielfach widerstreitenden Ansichten mannigfache Auslegung erfahren dürfte. Der Großherzog erschien mit ländern angeschlossen. mehreren höheren Hofchargen ebenfalls auf diesem parlamentarischen in Bezug auf die Gesellen- Organisation, in dieser Angelegenheit zu Abend und suchte nach einiger Zeit in Begleitung des Gastgebers uniren 200 einem einigen Vorgehen entschlossen, damit der Stellenschacher endlich aus der Welt geschaffen wird. Hoffentlich gelingt es auch dem verSiege zu verhelfen. Parlamentarisches. Parteigenossen Ulrich an dem Tische auf, an dem sich derselbe bei andren Senioren des Reichstags. Der Tod des Freiherrn v. Stumm, einten Bemühen der Gesellen und ihrer Freunde, diesem Streben zum Partei- Nachrichten. schienen war, setzte sich dann neben Ulrich und unterhielt sich nahezu so schreibt die Freif. 8tg.", hat wieberum eines der wenigen Mit 3/4 Stunden angelegentlichst mit demselben. Alle bedeutsamen glieder des Reichstage hinweggerafft, die schon dem ersten tonDeutsches Reich. Reich.d Tagesfragen wurden da besprochen und wer Genossen Ulrich näher tituierenden Norddeutschen Reichstag im Frühjahr Ein Bergarbeiter- Streit in Brödin bei Zeit. Vergangene kennt, weiß, daß derselbe auch diesem Tischnachbar gegenüber nicht 1867 angehört haben. Am 24. Februar 1892, 25 Jahre nach der Woche brach auf der Grube„ Gottlob" in Brödig ein Streit aus. etiva zurückhaltend mit seinen Ansichten war. Der Großherzog Gröffnungsfizung jenes Reichstags, fonstatierte der Präsident, daß Die Veranlassung hierzu gab das Verhalten der Verwaltung. Trotzfoll thatsächlich einzelnen politischen und socialen Fragen gegen von den damaligen Mitgliedern des Reichstags, welche bei der Erdem die Kohlenpreise im vergangenen Jahre in die Höhe getrieben über recht tiefes Berständnis gezeigt haben, jedenfalls wird der öffnungsfizung zugegen waren, nur noch v. Bennigsen, Graf wurden und die Bergwerksbefizer Riefeneinnahmen hatten, wurden Großherzog gefunden haben, daß das, was ihm Ulrich mitteilte, Hompesch, Freiherr v. Stumm, Freiherr v. Unruh- Bomst und Richter den Arbeitern die ohnehin fargen Löhne noch gekürzt. Den Bergwesentlich abstach von dem, was er bisher zu dem Reichstag angehörten. Außerdem gehörten noch dem ersten arbeitern auf Grube Gottlob", die zur Beiger Paraffin- und hören Gelegenheit hatte. Die höheren Hofbeamten tonftituierenden Reichstag an, warenjaber durch Stichwahl verhindert, Solar Gesellschaft gehört, ist seit 6-7 Monaten jeden Monat waren anscheinend nicht wenig überrascht davon, daß sich ein solches schon an der ersten Eröffnungssigung teilzunehmen, Bebel, v. Forden- 1 Pf. pro Wagen abgezogen worden, so daß der Abzug 6-7 Pf. Ereignis vor ihren Augen abspielte. Die Unterhaltung nahm ihr Ende und bed und Peter Reichensperger. Seitdem find v. Fordenbed, Peter betrug. Schließlich traten die Arbeiter zusammen und stellten ohne Schaden an feiner Person genommen zu haben, suchte der Reichensperger, v. Unruh- Bomst und Frhr. v. Stumm verstorben, nun die Forderung, ihnen pro Wagen wieder 2 Pf. zuzulegen. Das Hessische Landesherrscher seine frühere Tischgesellschaft wieder v. Bennigsen gehört dem Reichstag nicht mehr an, und somit find wurde rundweg abgeschlagen. Darauf fuhr am Donnerstagabend auf. Wie gesagt, draußen im Reiche, wie besonders in gegenwärtig im Reichstag von den Mitgliedern aus der die Nachtschicht, circa 140 Mann, nicht an, und ebenso trat Preußen, Sachsen, Weimar und andren Ländern und Ländchen tonstituierenden Reichstags- Geffion von 1867 nur am Freitag früh die Tagesschicht in gleicher Stärke in den Ausstand. wird man diese Scene nicht recht verstehen können; in Hessen jedoch, noch vorhanden: Bebel, Graf Hompesch, Richter. Von der ganzen, ziemlich 300 Mann starken unterirdischen Belegtwo man es auch in Regierungsfreifen längst aufgegeben hat, unfre schaft arbeitete nur ein Mann weiter, der nunmehr auch aufhören Parteigenoffen als minderwertige Menschen zu betrachten, ist man du mußte. Das hatte natürlich die Verwaltung nicht erwartet, daß sie nicht besonders davon überrascht. Im Landtag, wie in ſehr vielen durch die fortgesetzten Abzüge die Arbeiter zur Einigung veranlaßte, Gemeindevertretungen, besonders in Offenbach, wo unsre Partei die Majorität im Stadtverordneten- Kollegium besitzt, überall haben Wahlkreis hatte am Schlusse des vergangenen Jahrs 2624 Mit- hat nun am Sonnabend ein Vergrat aus Halle mit den Ausständigen Der socialdemokratische Verein für den 2. hamburgischen einige Konzessionen machen. Die Arbeiter blieben aber feft; darauf und am Freitagabend kam der Berginspektor Bildenroth und wollte unsre Vertreter eifrige Mitarbeit entfaltet, was anerkannt wurde, auch ist der Volkscharakter des Hessenländchens im all- glieder. Der Verein hatte einschließlich einer Rückzahlung vom resp. mit ihrem Komitee verhandelt und das Ergebnis war, daß er genteinen versöhnlicher, welchem Einfluß sich auch die regierenden" Hamburger Echo" im Betrage von 4500 M. eine Jahreseinnahme die Bewilligung der Forderung in Aussicht stellte. Ani Montag früh Kreise nicht ganz verschließen fönnen. Unfre Parteigenossen, welche Parteikaffe in Berlin, 2065 M. für Landagitation, 500 M. an die wird sich nun zeigen, ob die Verwaltung den so sehr berechtigten von 20 919 M. Unter den Ausgaben finden fich 8500 W. an die follten die Verhandlungen wieder aufgenommen werden und es diesen Abend besuchten, find zurückgekehrt zu ihrer Thätigkeit, Agitationsfommission in Neumünster ze. Seit Bestehen des Vereins Forderungen der Arbeiter, die nur zum Teil zurückverlangen, ohne Schaden an ihrer Gesinnung erlitten au wurden an die Mitglieder 33 Broschüren in 92 233 Exemplaren mit was ihnen seit langer Zeit abgezogen wurde, entgegenkonimt. haben. Dem offiziellen Befuch und Festessen bei Groß einem Kostenaufwand von rund 15 000 m. verteilt. herzogs, anfäßlich der jeweiligen Gröffnung des Landtags werden Die Former, Gießereiarbeiter und Modellschreiner der unfre Genossen natürlich auch in der Folge fern- Von der Parteipreffe. Die Schwäb. Tagivacht" erhöht vom Firma Geiger in Düsseldorf- Derendorf haben wegen bleiben und sie wären auch dem Besuche dieses parlamentarischen 1. April an ihren Preis von 65 Pf. auf 70 Pf. per Monat. Das Lohnreduktionen bis zu 30 Broz. sowie der großen Willkür in der Abends ferngeblieben, wenn dabei monarchische Huldigungsatte, wie Bestellgeld von 15 Pf. per Monat bleibt daneben bestehen. Die Er Lohnfeftfegung wegen die Arbeit eingestellt. Der Zuzug ist fernHochs oder Hurras zu erwarten gewesen wären. Dieses war aber höhung wird mit der Steigerung der Papierpreise begründet. zuhalten. im voraus ausgeschlossen, weshalb irgend welche Bedenken Gemeindewahlen. In der Landgemeinde Sande( Schleswigzur Ablehnung der Einladung des Rammerpräsidenten nicht gut Solstein) wurde in der 8. Klasse ein Parteigenosse in den Gemeinde geltend zu machen waren. Ulrich wird auch nach der Unterredung rat gewählt. mit dem heffischen Landesfürsten das bleiben, was er war. Polizeiliches, Gerichtliches usw. .01. Weimar, 11. Mära. Der Chef des Kultusdepartements v. Pawel hat seine Entlassung eingereicht, die der Großherzog genehmigte. b. Pawel hat an der Knebelung jeglicher politischen und geistigen Freiheit in Sachsen- Weimar eifrig mit gewirkt. " Dr. Sigl, der bekannte Herausgeber des„ Bahr. Vaterland" wurde wegen psychischer Depression in eine Salt Wasserheilanft alt gebracht. Sein Blatt zeichnete sich stets durch einen uns versöhnlichen Preußenhaß und partikularischen Geist aus. Im Reichstag, dem er während der vorigen Legislaturperiode angehörte, hat er sich nicht besonders hervorgethan, dagegen ist er in seinem engeren Vaterland nicht ohne Einfluß, namentlich auf bäuerliche Kreise gewesen. Das offizielle Centrum ist von Dr. Sigl immer bekämpft worden. G Ausland. Oestreich- Ungarn. " " ihre Kündigung abgelaufen, find nunmehr auch die Glasarbeiter Zum Ansstand der Glasarbeiter in Nienburg. Nachdem der Wilhelmshütte in den Streit eingetreten. Da auch fämtliche Schürer die Arbeit niedergelegt haben, so können auch die Lehrlinge so gut wie nichts machen. Man will es mun angeblich versuchen, mit Hilfe der Behrlinge wenigstens eine Wanne im Betriebe zu erhalten. Es wird fich ja zeigen, was dabei heraustommt. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich auf 530, die der zu unterstützenden Familienangehörigen auf rund 150. Mit den unterstützungen für Schauenstein sind wöchentlich rund 10 000 m. erforderlich. Ausland. Bu 20 M. Geldstrafe wurde der verantwortliche Redacteur der Sächsischen Arbeiter- Zeitung", Genoffe Riem in Dresden, berurteilt, weil er einen Buchdruckereibefizer beleidigt haben soll durch Kritik an dessen Verhalten gegenüber einer bei ihm be schäftigt gewesenen Arbeiterin. In dem Urteil hieß es, daß die Handlungsweise des Klägers zwar verwerflich gewesen sei, doch sei nicht erwiesen, daß er die als Zeugin vernommene Arbeiterin vergefällt; vom Schöffengericht war Riem freigesprochen worden. gewaltigt habe. Das Urteil wurde von der Berufungskammer Spesen für das Anwerben Arbeitswilliger. Bekanntlich Polizeilich beschlagnahmt wurde am Sonnabend die letzte befinden sich die Steinsetzer in alle noch immer mit den UnterNummer der Volts: Tribüne" in Königsberg. Das nehmern in Differenzen. In einer Nachbargemeinde von Halle, in polizeiliche Mißfallen hat eine Notiz erregt, in der unser Parteiblatt ettin, beklagte sich vor kurzem ein Steinfegmeister, daß mitteilt. daß das Königsberger Polizeipräsidium erklärt hat, es fönne er bei dem ansbedungenen Preis nicht bestehen könne. dem Ersuchen, zu den gleichen Bedingungen wie an andren Er müsse sich Gesellen aus Schlesien holen und ents Die Blätter, auch an die" Volts- Tribüne" die sogenannten Polizei- ständen ihm daraus Reisekosten und sonstige Spesen. berichte abzugeben, nicht entsprechen. Gemeindevertretung hatte ein Einsehen mit dem Manne und belvilligte ihm eine Erhöhung des ausbedungenen Preises von 5 Pf. pro Quadratmeter, insgesamt 520 M. mehr. Wäre diese Summe für die Arbeiter am Ort verwendet worden, so hätte man alle Differenzen beseitigt. Dagegen wird durch diese Unterstützung zum Schaden der Arbeiter am Ort die Anwerbung von Streitbrechern betrieben, die nur den Unternehmern Nugen bringen kann, wobei es fraglich erscheint, ob es ihm überhaupt gelingt, feinen Bwed zu erreichen. Zu Ehren der Märzgefallenen fand am Sonntag in Wien eine große Demonstration auf dem Central- Friedhofe statt. An derselben waren über 20 000 Personen beteiligt. Da szynski undi Dr. Adler hielten feurige Ansprachen. Spanien.n Zollunruhen. In Madrid brachen am Sonntag wegen des Octrois Unruhen aus. Die Menge bewarf Beamte mit Steinen und setzte zehn Bonhäuschen in Brand. Vier Beamte wurden verwundet, darunter einer schwer. Der Präfekt stellte die Ordnung wieder her. Die Gehilfen der Spezereihändler veranstalteten Brotesttund gebungen gegen die Deffnung der Läden am Somutag und bewarfen bie offenen Läden mit Steinen. Die Polizei zerstreute die Unruhestifter. Es wurden einige Verhaftungen vorgenommen. sigal did studd Portugal. 1000 Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. 19119071 Zur Lohnbewegung der in mechanischen Schuhwaren fabriken beschäftigten Arbeiter. Trotzdem die Arbeiter im Laufe der Bewegung nicht die geringste Handhabe geboten haben, der den Fabrikanten irgend einen Anlaß geben könnte, eine Machtfrage Stelle unter der Spigmarte: Ein schweizerischer Stumm" den in Ein Standal in der Schweiz. Wir erwähnten an dieser an konstruieren, scheint man es dennoch darauf abgesehen zu haben. Azwil( Kanton St. Gallen) feit 2 Monaten dauernden Kampf von Am Montag wurde in den Fabrikfälen der Verbandsfabrikanten ca. 120 Metallarbeitern mit der dortigen Maschinenfabrit Benninger folgender Utas angeschlagen: Sollten die Arbeiter durch ihre Streit- u. Comp. Vorige Woche sind nun plötzlich erst der Präsident und posten die arbeitswilligen Arbeiter auch ferner zu arbeiten ver- fodann die sämtlichen übrigen Mitglieder des Streiffomitees ver hindern, wird der Verband Schließung aller Fabriken" vornehmen haftet und bis heute nicht wieder freigelassen worden, ohne daß in und nur diejenigen Arbeiter von neuem beschäftigen, welche sich zwil der mindeste Borfall passiert wäre. Es scheint, daß die verpflichten, die Entlassenen in keiner Hinsicht zu unterstüßen. dortigen Behörden mit den prozigen Ausbeutern unter einer Gegen die Jesuiten haben die Militärschüler der polytechnischen Verband der Berliner Schuhfabrikanten. Decke stecken und thun, was diese wünschen. Nach der Schule in Lissabon am Sonntag lärmende Kundgebungen vollführt. " Arbeiterstimme" foll munmehr der Azwiler Bürgermeister Polizeibeamte drangen in die Schule ein und verwundeten einige gehaltenen öffentlichen Versammlung folgende Angelegenheit: leiter zu Benninger Die Steinbildhauer besprachen in einer am Sonntag abzu einem Komiteemitglied gesagt haben, wenn die StreitSchüler mit Säbelhieben. Die Schüler richteten an die Deputierten Zwischen der Immung der Steinmegmeister und den Bildhauern Montag die Arbeit wieder aufgenommen werden würde, so würden zu Benninger gingen, um zu erklären, daß am fammer eine Schrift, in welcher sie gegen die Uebergriffe der Polizei besteht ein Vertrag, wonach vom 15. November bis 1. März täglich sie von demselben einige Beilen erhalten, mit denen von den protestieren. In isabon her oer de wittier 7 Stunden und vom 1. März bis 15. November 71/2 Stunden Bezirksamtmann die Sache ſofort erledigt werden könnte BroteſtDie portugiesische Censur hatte die Depesche, welche diese Angelegen chilling schon eine Woche vor dem 1. März die 7/2 stündige versammlung stattgefunden, ebenso haben unsre Genossen in Zürich Man beklagt sich nun darüber, daß die Firma hat gegen den infamen Gewaltatt bereits eine große heit behandelte, angehalten. do du found 1964Arbeitszeit eingeführt habe, Arbeitszeit eingeführt habe, und daß in diesem Geschäft, einen Protest erlassen, in dem sie namentlich auch mit Recht auf die Afien. ebenso wie bei der Firma Wimmel einem Teil der daselbst be erbärmliche Feigheit der bürgerlichen Presse hinweisen, die kein Wort Japan. Nachdem der Landtag bis zum 8. März verlängert schäftigten Bildhauer die halbe Stunde Mehrarbeit nicht bezahlt der Mißbilligung dieser Schandthat bis jetzt geäußert hat. Die bürgerworden war, um die Zustimmung des Herrenhauses zu dem vom worden sei, obgleich ihnen beim Eintritt der siebenstündigen Arbeits- liche Presse ist eben die kapitalistische Presse und in der Zeit der Not Abgeordnetenhaufe angenommenen Steuergesetze, das sich auf die zeit ein entsprechender Abzug gemacht wurde. In der Versammlung lernen sie die Arbeiter nun kennen. Dedung der in China verbrauchten Gelder bezieht, wurde festgestellt, daß in verschiedenen Fällen die halbe Stunde noch herbeizuführen, hat der Mikado den Landtag nochmals um fünf nachträglich bezahlt worden ist und daß nur noch einzelne Kollegen Tage verlängert. Wenn es dem Stabinett Jto nicht gelänge, den Wider- Anspruch auf Bezahlung haben. Die Versammlung drückte durch stand des Herrenhauses zu brechen, so bliebe mir die Wahl zwischen Annahme einer Resolution die Erwartung aus, daß auch diesen der Entlassung des Ministeriums und der zeitweiligen Aufhebung Kollegen die halbe Stunde bezahlt werde, und daß erst, wenn das der Verfassung, da eine britte Verlängerung des Landtags nach der geschehen, von einem Vertragsbruch der genannten Firmen keine Verfassung nicht zulässig ist. dubing Rede mehr sein kann. = früh versuchten 60 Ausständige die Löschung der Labung des aus Der Hafenarbeiter Ausstand in Marseille. Am Sonntag Sevilla eingetroffenen spanischen Dampfers Sargunto" zu ver hindern, die von der Besazung vorgenommen wurde. Die Polizei verhinderte die Eingriffe der Ausständigen. " Die Seeleute, welche seither mit den Ausständigen gemeinsame Sache gemacht hatten, beschlossen, vom Streit zurüdzutreten, um die Afrika. Der Streik in der Treibriemenfabrik von A. Schwarz u. Co. Lebensinteressen Marseilles nicht länger zu Gunsten fremder Häfen Aus Aden wird der„ Agenzia Stefani" den 10. d. M. ge- Juhaber der Firma gelungen, eine Anzahl Arbeitswilliger heran ihre Forderungen auf die Erlangung des Achtstundentags zu bein Berlin ist leider zu Ungunsten der Arbeiter beendet. Es ist dem zu gefährden. Die Kommission der Quaiarbeiter hat beschlossen, meldet: Nachrichten aus Berbera teilen mit, die Abessynier zuziehen, so daß er seinen Betrieb wenigstens einigermaßen aufrecht schränken. hätten vor 10 Tagen den Scheikh Abdullahi in Harardighet voll- erhalten fonnte. Wie überall hat auch hier die Polizei das Streitftändig geschlagen. Die Somalis hätten viele Tote gehabt, doch postenstehen fast vollständig illuforisch gemacht, indem sie jeden Barcelona fam es in Manlleu zwischen ausständigen Arbeitern und Konflikte mit ausständigen Arbeitern. Nach Meldungen aus feien auch die Verluste der Abessynier beträchtlich gewesen; die fortwies und in vielen Fällen die Streitenden fofort fiftierte. Arbeitgebern zu einem Zusammenstoß. Die Arbeiter griffen das Abessynier hätten eine große Anzahl Gefangener gemacht. Abdullahi Sogar in das Streiflotal ist sie unter Assistenz des Prokuristen der Klubhaus der Fabrikanten an und gaben Schüiffe ab, durch welche in bas Streifferal die das foll in der Richtung auf Bohodle geflohen sein, verfolgt von den Firma eingedrungen, um die Wünsche des Herrn zu befriedigen. Abessyniern. Die Boeren.d 14 dud Die Streifenden hatten bis zum letzten Augenblic fest zusammengehalten, als fie aber einsahen, daß durch noch längeres Ausharren nur die Verbandskaffe unnötig gefchwächt wurde, beschlossen sie, den Streit aufzuheben und sich anderweitig Arbeit zu suchen. Herr In England glaubt man, daß die Ile bergabe Bothas an zeifa braucht auf seinen Sieg aber nicht stolz sein, der Schaden, Kitchener noch diese Woche erfolgen werde. Botha sei einer fo- den er in seinem Geschäft erleidet durch die Arbeit, die jetzt bei ihm fortigen Unterwerfung geneigt, müfie jedoch die übrigen Komman- geliefert wird, entschädigt die Kollegen vollauf für die Entbehrungen, danten noch zu feiner Ansicht bewegen. Diese wollen angeblich von die fie fich freiwillig auferlegt haben und er fann ruhig fagen: Noch einer Uebergabe nur in dem Falle wiffen, daß die englische Re- ein Sieg und ich bin verloren. gierung gewisse Bedingungen annehme. Bothas Vorschläge seien der Der Verband der Sattler und Tapezierer. englischen Regierung unterbreitet worden. In der vergangenen Woche soll Achtung, Modelltischler! In unfrer Branche beabsichtigen wir ein lebhafter Depeschenwechsel zwischen der englischen Regierung und eine Zählung der Berufskollegen vorzunehmen, bie fich über gang Kitchener stattgefunden haben. Weiter berichtet" Daily Expreß" Berlin und die Umgegend erstrecken soll. Wir bitten deshalb unsre zahlreiche Personen, darunter der Alcalde und sein Sohn verwundet und zwei Personen getötet sein sollen. Die Ausständigen hätten zwei Fabrikgebäude in Brand gesteckt. Die telegraphischen Verbindungen mit Manlleu find unterbrochen. Eine amtliche Depesche bezeichnet bereits die Nachrichten als übertrieben. Sociales. Die Sterblichkeit der Gesamtbevölkerung des preußischen Staats 1899. Preußen hat im Jahre 1899 877 561 männliche und 343 020 weibliche, zusammen 720 581 Personen durch den Tod verloren. Außerdem wurden den Standesbeamten 22 803 Totgeborene männlichen und 17 666 weiblichen Geschlechts gemeldet. werden." Gerichts- Beitung. gelehnt, Derlammlungen. wie auch Entschädigungsansprüche.do dust Ohne Berücksichtigung der Totgeborenen beträgt die Sterbeziffer auf Rücksprache nehmen müffe. Außerdem hat er noch einige Zeit Die Verwirrung in China 1000 am 1. Januar 1899 Lebende berechnet, für die Bevölkerung nach seinem unfreiwilligen Ausscheiden aus dem Anwaltsüberhaupt 21,8, für den männlichen Teil derselben 23,3, für den stande an seiner Thür noch ein Schild mit der Aufschrift scheint immer größer zu werden. Aus dem zwischen den Vereinigten weiblichen 20,4 Rechtsanwalt" geführt. Staatsanwalt tre bs hielt eine hohe Strafe Staaten und den Mächten gepflogenen Schriftwechsel, welcher jegt verVergleicht man dieses Ergebnis mit dem für die früheren Jahre für geboten, da der Angeklagte durch sein Vorgehen sowie durch seine öffentlicht ist, ergiebt sich, daß außer der an die Mächte gesandten bis 1875 rüdwärts, von wo ab infolge der Standesamts- Einrichtung unfauberen und schmierigen Geldgeschäfte, die er vermittelte, den identischen Note der Vereinigten Staaten vom 16. Februar d. J. eine eine einheitliche Berichterstattung und Verarbeitung der Nachrichten Anwaltstand in der schnödesten Weise geschädigt und in der öffent- weitere Note an China abgesandt wurde. In dieser wird China davon über die Gestorbenen durchgeführt wurde, so erscheint die Sterbelichen Achtung zurüdgesezt habe. Er beantragte zwei Jahre verständigt, daß die Bereinigten Staaten geheime Verhandlungen zwischen ziffer für 1899 immer noch günstig, obgleich sie etwas höher ist als Gefängnis und drei Jahre Ehrverlust und sechs Wochen Haft. China und einer andren Macht, welche auf eine Abtretung eines diejenige der letzten 4 bis 5 Jahre; denn zwischen 1875 und 1899 Der Gerichtshof war mit dem Rechtsanwalt Ballien I der Gebietsteils hinziele, nicht gutheißen könnten. Die Note fügt tamen für die männliche Bevölkerung Schwankungen von 21,8 Ansicht, daß es sich nur um einen Fall des Betrugs und einen hinzu, die Vereinigten Staaten hielten den gegenwärtigen Zeitpunkt bis 28,1, für die weibliche von 19,0 bis 24,6 und für die gesamte solchen der Unterschlagung handeln könne. Es wurde auf ein Jahr nicht geeignet für Abtretungen bezw. Verhandlungen über AbBevölkerung von 20,4 bis 26,3 auf 1000 Einwohner vor. Gefängnis und vier Wochen Haft erkannt. tretungen. Beinahe alle Mächte billigten die Note und sprachen ihre Zählung der Arbeitslosen in Chemnitz. Die in Chemniz Zustimmung aus; darunter Rußland als eine der ersten. bestehenden Gewerkschaftsverbände mit Ausnahme der Holzarbeiter Rußland scheint alles gutzuheißen, was die andren Mächte und Schneider haben für das bierte Quartal 1900 eine Zählung gegen China unternehmen, im übrigen aber zu thun, was ihm gutihrer Arbeitslosen vorgenommen. Keine Arbeitslosen hatten die dünft und seinen speciellen Interessen dient. Die russiOrganisationen der Bäcker, Böttcher, Eisenbahner, Handlungsgehilfen, schen Diplomaten versichern nach wie vor, daß sie an eine dauernde Lagerhalter, Tabalarbeiter und Dachdecker. Die übrigen Organi Die Marmorarbeiter hielten am Sonntag eine Versammlung Belegung der Mandschurei nicht dächten, dagegen beharren sie auf fationen mit zusammen 4356 Mitgliedern hatten am Schluffe des ab, in der über die Verhandlungen mit den unternehmurde darauf chinesischer Quelle verlautet, besteht der russische Gesandte in Beking mit den Unternehmern vor dem Unterzeichnung des Abkommens seitens der Chinesen. Wie aus Quartals 317 Arbeitslose mit 8185 Tagen Arbeitslosigkeit. Arbeitslosen Einigungsamt berichtet wurde. Von Unterstügung erhielten 142 Arbeiter im ganzen 3516,45 M. hingewiesen, daß die Unternehmer nur auf der Basis des alten auf der Unterzeichnung des Mandschurei- Abkommens und stellt Bauarbeiterschutz. Auf Grund des neuen fächsischen Bau Tarifs verhandeln wollten und in Rücksicht auf die noch 8wangsmaßregeln in Aussicht, falls die Unterzeichnung gefeges erließ die Amtshauptmannschaft Glauchau eine Verordnung, nicht genügend gekräftigte Organisation ber Arbeiter diesem Ber- nicht innerhalb einer bestimmten Frist erfolgen werde. langen auch stattgegeben werden mußte. Troßdem sind in die Amerika fürchtet, daß China, indem es den Vertrag mit Rußin der es heißt: In den größeren Gemeinden ist zu diesem Behufe( Ueber. Einigungsvorschlägen verschiedene für die Arbeiter recht günstige land eingeht, nicht in der Lage sein werde, feine diplomatischen Ver wachung der Bauten) ein Bauausschuß aus der Mitte des Bestimmungen aufgenommen worden. Der alte Tarif, der bisher Pflichtungen gegen Amerita zu erfüllen durch diejenigen HandelsGemeinderats zu bilden, welchem, soweit das nötig erscheint, im aber vielfach nicht beachtet worden ist. hat einige Werbefferungen er fongeffionen, welche die Regierung der Vereinigten Staaten als Baufache praktisch erfahrene Männer, auch Bauarbeiter, fahren und es ist Aussicht vorhanden, daß derselbe auf Grund der Rompensation für ihr selbstloses Eintreten für China aus der Mitte der Gemeindeglieder beizuordnen find getroffenen Vereinbarungen auch allgemein durchgeführt werden schließlich erwarte. Wie englische Blätter melden, betreibt Japan seine Rüstungen und für den eine schriftliche Dienstanweisung aufzustellen ist. Die geber bei Einstellung von Arbeitern in erster Linie die Mitglieder zur See mit großem Eifer. Die Nachricht, daß Rußland in Korea fann. Sehr wesentlich sind die Bestimmungen, wonach die ArbeitOrtsbehörde oder der Bauausschuß hat die vorkommenden Bauten ber Organisation der Steinarbeiter berüdfichtigen und tariftreue Truppen gelandet hätte, ist bisher weder bestätigt, noch widerrufen. innerhalb bestimmter Beitabschnitte und mindestens alle 14 Tage Arbeiter beschäftigen sollen und andrerseits die Arbeitnehmer ver- Alles in allem ist die chinesische Frage heute genau so verwickelt, einmal zu besichtigen und das Augenmerk auch mit darauf zu pflichtet sind, nur bei tariftreuen Arbeitgebern zu arbeiten und die als je zuvor. richten, daß die zum Schutz der Bauarbeiter bestehenden Bestimmungen und die auf den Bauten angeschlagenen Unfall- notwendigen Maßnahmen zur allseitigen Durchführung des Tarifs zu treffen haben. Im übrigen hat eine Kommission von je drei Die Gesandten bereiten einen Plan vor, den die Gesandtschaften verhütungs Vorschriften der Berufsgenossenschaften gehörig befolgt Bertretern beider Barteien unter Vorsig eines Gewerberichters über wegen der Forderungen von Einzelpersonen wegen Schadloshaltung Das ist gewiß nicht der Arbeitercontroleur, wie ihn die Arbeiter alle Differenzen zu entscheiden und wenn diese kein befriedigendes befolgen sollen. Man wird nur materielle Verluste in Rechnung sich wünschen, aber es ist immerhin schon ein Schritt in dieser Resultat erzielt, so kam das Einigungsamt angerufen werden. stellen, nicht aber Verluste, die aus entgangenem Gewinn herrühren. Nach einer längeren Diskussion, in der einige Pofitionen des Tarifs Wird man auch die von den verbündeten Truppen ausRichtung. sudbemängelt würden und in der verschiedene Redner darauf hinwiesen, geplünderten, um Hab und Gut gebrachten Chinesen entschädigen? daß vor allen Dingen die Organisation gekräftigt werden müsse, um Die ,, Hauptschuldigen", bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen, wurden die Ab- deren Köpfe von den Verbündeten gefordert werden, haben bisher machungen vor dem Einigungsamte von den Verwie wir in einem großen Teil der Sonntagsnummer noch mitteilen bis 1. September 1902 gültig und gelten auf ein weiteres Jahr, Daily News" melden: Depeschen aus Lantschau berichten, Die North China Das Urteil im Prozeß gegen die Gräfin Schlieben lautete, fammelten gutgeheißen. Die Vereinbarungen sind zunächst nicht die Gewogenheit gehabt, sich zu stellen, im Gegenteil, fie fonnten, auf Freisprechung. Die Beweisaufnahme hatte am wenn nicht drei Monate vor Ablauf derselben die Kündigung erfolgt. Brinz Luan, Lungfuhsiang und andre schuldige Würden. Sonnabend bis zum späten Abend gedauert. Um 10 Uhr mußte die In die Kommission wurden als Vertreter der Arbeiter Schü, träger befinden sich jetzt in Ninghsia und find zum Widerstand gegen Verhandlung unterbrochen werden, da sich ein aufregender Zwischen- Tilsad und Raasch gewählt. ihre Verhaftung vorbereitet. Tungfuhsiang verfügt über 20 000 Mann, fall ereignete. Die Angeklagte wurde ohnmächtig und mußte aus dem Saale getragen werden. Ein Arzt war schnell zur Stelle und Die streifenden Schuhmacher hielten am Sonntag eine äußerst Prinz Enan über 10 000. Ein faiserlicher Kommissar ist auf dem brachte die Gräfin Schlieben wieder zum Bewußtsein, doch wurde stark besuchte Versammlung im Gewerkschaftshause ab. errege nach Ninghsia, um den Urteilsspruch über die schuldigen Be die Sigung erst nach längerer Pause weiter geführt. Nach Wieder- mann referierte über:„ Die gegenwärtige Situation des Streits". amten bekannt zu machen und dem betreffenden Edikt Gehorsam zu aufnahme der Verhandlung ergriff um Mitternacht der Staats- Eine Aenderung sei bisher nicht eingetreten. Die Arbeitgeber verschaffen. Peking, 11. März. Der amerikanische Gesandte Conger hat anvalt zu längerem Plaidoyer das Wort, das er mit der Auf- haben sowohl die Verhandlungen mit der Organisation abforderung an die Geschwornen schloß, die Angeklagte der Branddas Gewerbegericht als Einigungsamt. heute früh Peking mit fechsmonatigem Urlaub verlassen. Alle GeLi- Hung Stiftung huldig zu sprechen. Hierauf folgten die Plaidoyers der Sie glauben, daß sie an die Abmachungen des Fabrikanten fandten waren zum Abschied am Bahnhof erschienen. Li Sungbeiden Verteidiger. Erst in der dritten Morgenstunde zogen rings gebunden sind. Vielmehr seien Anordnungen getroffen, ichang ist aufs neue ernstlich erkrankt. Der Arzt sagt, sein am Mittwoch in allen Fabriken eine Aussperrung Leben hänge an einem Faden. sich die Geschwornen zur Beratung zurüd. der Arbeiter erfolgen zu lassen. In der Diskussion schilderten Generalfeldmarschall Graf Waldersee meldet aus Peking, den Die Unterschlagung einer Summe von 40 000 Mark, die alle Medner einschließlich der Vertrauensleute der einzelnen Fabriken 10. März: Kolonne Ledebur hat am 8. das Thor der großen Mauer der Kanzlist Willy Lange im Anfang des Jahres 1899 verübte, die Situation des Streits als eine für die Streifenden äußerst westlich An thu Ling Bag( 130 Kilometer westlich Baotingfu) erstürmt beschäftigt noch immer die Gerichte. Sie bildete den Mittelpunkt günstige. Am Mittwoch soll eine weitere Versammlung stattfinden, und 4 Geschütze genommen. einer Anklage wegen Diebstahls gegen den Kellner Josef in der die ferneren Maßnahmen seitens der Streitenden beraten London, 11. März. Die„ Times" weldet aus Shanghai vom Kulaszewsti und wegen Hehlerei gegen den Büffettier Her m. werden sollen. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: heutigen Tage: Aus glaubwürdiger Quelle wird gemeldet, RußNoad in Leipzig. In dieser Form kam die Affaire gestern" Die heute im Gewerkschaftshause tagende öffentliche Versamm- land habe der chinesischen Regierung bekannt gegeben, wenn das nochmals vor der III. Straffammer des Landgerichts I zur lung aller in der Schuhwaren- Industrie beschäftigten Arbeiter und Manschurei- Abkommen nicht zu einem nahen, von Rußland bezeich Sprache. Der Kanzlist Lange follte, wie noch erinnerlich Arbeiterinnen nimmt Kenntnis davon, daß nach den Aeußerungen neten Datum unterzeichnet würde, dieses die Konvention zurückziehen sein wird, im Februar 1899 für die Inhaberin der Berlags einzelner Fabrikanten der Fabrikantenverband wegen der Arbeit und härtere Bedingungen aufstellen werde. Li- Hung- Tschang buchhandlung Bruers 40 000 Mart in Tausendmark Scheinen niederlegungen eine allgemeine Aussperrung sämtlicher Arbeiter und erkläre, er sei machtlos, Widerstand zu leisten. bei der Deutschen Bank hinterlegen, er unterschlug aber die Arbeiterinnen vollziehen will. Die Versammlung ist der Ansicht, Hier herrscht beträchtliche Besorgnis, da man glaubt, daß gegen Summe und wurde kurz nach der That verhaftet. Er verweigerte daß die Forderungen der Ausständigen vollständig gerecht wärtig zwischen den Jangtse- Vicelönigen und Li- Hung- Tschang die beharrlich jede Auskunft darüber, wo er das Geld gelassen, erst nach fertigte sind und daß von seiten derselben alles geschehen ist, eine äußerste Spannung bestehe. einiger Zeit erhielt die Behörde durch einen Zellenmachbar des jungen friedliche Beilegung der Differenzen zu ermöglichen. Die heutige Verbrechers Kenntnis davon, daß Lange den größten Teil des Gelds- Versammlung erklärt sich nach wie vor mit der Haltung der Aus35 000 M. in drei Selterwasserflaschen versteckt an genau beständigen einverstanden und sieht der Aussperrung der gesamten zeichneten Stellen des Grunewalds vergraben habe. An zwei Arbeiter und Arbeiterinnen mit Ruhe entgegen." Stellen wurden denn auch in der That zwei Flaschen mit zu fammen 22000 m. gefunden, an der dritten Stelle war die dort vergraben gewesene Flasche mit zusammen 13 000 m. verschwunden. Willy Lange ist seiner Zeit zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden; seine Hoffnung, nach Verbüßung seiner Strafe sich das schöne Geld aus dem Grunewald holen und dann einen guten Tag leben zu können, ist arg getäuscht worden. Kulaszewski ist schon einmal wegen dieser Unterschlagungsaffaire wegen Hehlerei angeklagt ge= Charlottenburg. Am Freitagvormittag fand in der Gambrinus. wejen. Lange hatte von der Hauptsumme 5000 m. abgezweigt und Brauerei wiederum eine Arbeitslosen Versammlung Reichstags- Erfahwahl in Posen. davon eine Summe von 1500 M. dem Kulaszewski heimlich in die statt, in welcher die in der vorigen Versammlung gewählte SomPosen, 11. März.( W. T. B.) Bei der heutigen ReichstagsKomode gelegt. Kulaszewski wurde damals freigesprochen, mission über ihren Empfang beim Oberbürgermeister Bericht erweil festgestellt werden konnte, daß es sich bei diesen 1500 ftattete. Sie war zunächst recht höflich aufgenommen worden, und Erfagwahl erhielten in der Stadt Posen Oberbürgermeister Witting, Kandidat der deutschen Parteien, Mark nicht mehr um das unterschlagene Geld in natura, sondern der Oberbürgermeister hatte Beschleunigung einiger städtischen 7276 Stimmen, techtsanwalt v. Chrzanowski, Pole, Als Arbeiten und Einstellung von etwa 200 Arbeitern in Aussicht stellen 8171 Stimmen, a szperzal, Socialdemokrat, 675 St. um bereits eingewechseltes, mithin andres Geld handelte. Willy Lange erfuhr, daß er um die Früchte seiner That vollständig zu können geglaubt. Am nächsten Tage jedoch, nachdem die An- Der deutsche Kandidat erhielt somit in Bosen circa geprellt worden, machte er mehrere Aeußerungen zu Mitgefangenen, gelegenheit im Magistrat besprochen war, mußte der Oberbürgermeister 2000 Stimmen mehr als beide deutsche Kandidaten bei der legten Sie darauf schließen ließe, daß Kulaszewski ihn zu seinem Ver- erklären, daß nach Ansicht des Magistrats höchstens 30 Personen Reichstagswahl.. soviel sind unterdessen von der brechen angestiftet habe. Es fanden nach dieser Richtung hin Er- beschäftigt werden könntenhebungen statt, jedoch reichten die Verdachtsmomente zur Erhebung städtischen Gasanstalt entlassen worden; Erdarbeiten z. B. tönnten einer Anklage wegen Anstiftung nicht aus. Dagegen glaubt noch gar nicht in Angriff genommen werden, weil das Erdreich noch die Anklagebehörde aus verschiedenen Anzeichen sowie aus gefroren fei, und überhaupt sei die vorhandene Arbeitslosigkeit nicht Briefen, die Willy Lange aus dem Gefängnis gefchrieben, fo groß, wie sie von den Arbeitern in start übertriebener Weise dargenügende Beweise dafür in Händen zu haben, daß Kulaszewski das gestellt werde. Als lezte Zufluchtsstätte fonnte er den Arbeitslosen, Die Chinaplündungen vor dem englischen Unterhans. Versted einer Flasche listigerweise durch Lange erfahren, sich die bei denen in Wirklichkeit Hunger und Elend eingekehrt sei, London, 11. März. Ünterhaus. Edmund Robertson fragt an, ob Flasche mit den 13 000 m. ausgegraben und das Geld gestohlen mur Armenverwaltung nennen. Zu der Not der Ar- britische oder andre europäische Truppen bei Beking und Tientsin die bei uns mit dem habe. So wurde denn aufs neue die Anklage gegen S. erhoben beitslosigkeit noch die Entrechtung, das ist der geplündert haben und ob derartig geraubtes wertvolles Eigenund dieser befindet sich seit dem November vorigen Jahrs in Unter- Bezug von Armenunterstüzung verbunden ist, tum öffentlich verkauft worden fei. Staatssekretär Lord fuchungshaft. Da aus 3000 Mart zur Aufbewahrung übergeben, fussion wurde dieser Standpunkt aufs schärfste verurteilt. Die Ber- Hamilton erwidert, soweit er wisse, sei in der vom so ist gegen Noad Antlage wegen Hehlerei erhoben worden. ſammlung wählte eine Kommission von neun Mitgliedern, welche Fragesteller angegebenen Weise nicht geplündert und geraubt worden. General Gaselee habe am letzten August und Magistratsmitglieder aufsuchen, berichtet, daß bei den Truppen einiger verbündeter Für Kulaszewski besonders belastend ist der Umstand, daß sämtliche Stadtverordneten er in lezter Zeit ausschließlich in Spielerkreisen verkehrte und über die Verhältnisse unterrichten und dringend an ihre Pflicht Mächte das Plündern geduldet worden fei. General größere Geldmittel verausgabt hat, obgleich er einen ge- mahnen soll. Weiter wurde beschlossen, daß sämtliche Arbeitslose regelten Erwerb nicht hatte. Er behauptete, daß er die Gelder sich im städtischen Arbeitsnachweis melden und einschreiben lassen sollen, Gafelee habe sich aber auf alle Weise bemüht, die britischen Soldaten von seiner sogenannten Braut erhalten habe, und die Folge dieser damit man eine statistische Unterlage gewinne und der Magistrat zu verhindern, sich an dem Plündern und ebenso an der Zerstörung Jede Macht schiebt also der Erklärung war, daß der Staatsanwalt ihn auch wegen Stuppelei durch die Arbeit seiner eigenen Beamten überführt werde, wie- andren die Schuld zu. Schließlich hat keine geplündert. unter Anklage stellte. Bum gestrigen Termin war der treffend die gegenwärtigen Zustände von den Arbeitern geschildert Angeklagte Noad nicht erschienen und es stand zur Debatte, ob werden. Der städtische Arbeitsnachweis ist täglich von 10-1 und gegen Kulaszewski allein verhandelt werden sollte. Staatsanwalt 3-6 Uhr geöffnet. Krebs befürwortete die Trennung, da beide Sachen ganz unab- Von den Herren vom Magistrat war niemand erschienen, um Chicago, 11. März.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) hängig von einander erledigt werden können. Der Gerichtshof be- persönlich die Schilderungen der Arbeitslosen mit anzuhören. Wie Heute morgen erfolgte in einer hiesigen Dampfwaschanstalt eine schloß, die Sache zu vertagen und den Aufenthalt des Angeklagten hoch das Elend durch die lange Dauer der Arbeitslosigkeit bereits Steffelerplosion, durch die die Anstalt völlig zerstört und etwa Noad zu ermitteln. gestiegen ist, dafür ist ein kleines, aber beredtes Zeichen auch der 30 Mädchen und 50 Männer unter den Trümmern begraben wurden. Gegen den früheren Rechtsanwalt Eduard Liffer wurde Umstand, daß in der Versammlung, die von mehr als 500 Personen Fünf Leichen und 12 schwerverletzte Mädchen wurden inzwischen besucht war, und von 10-1/ 21 Uhr dauerte, im ganzen 8 Glas Bier zu Tage gefördert. gestern vor der dritten Straftammer hiesigen Landgerichts I eine und eine Flasche Selterswaffer verkauft wurden. Wien, 11. März.( W. T. B.) Das Abgeordnetenhaus ging in seiner heutigen Abendfizung zur zweiten Lefung des RekrutenAnklage wegen Unterschlagung, Betrugs und unbefugter Führung des Titels Rechtsanwalt verhandelt. Der Angeflagte ist durch Beschluß Weißensee. Am 5. d. M. hielt der hiesige focialdemokratische fontingent- Gefeßes über. Der Czeche Forscht erklärte, man möge daraus, des Ehrengerichtshofs wegen grober Unregelmäßigkeiten aus dem Arbeiterverein eine außerordentliche General- Versammlung ab. In daß die Czechen die Rekrutenvorlage aus ihrem Vorgehen ausgefchaltet Amte entfernt worden und hat vor einiger Zeit eine Ge- derselben wurde beschlossen, die Zeitungsspedition des Vorwärts" haben, nicht den Schluß ziehen, daß in der Haltung der böhmischen Es sei aus fängnisstrafe bon vier Es Monaten erlitten. standen in eigene Regie zu nehmen, und mit den Vorarbeiten eine Kom- Abgeordneten ein totaler Wandel eingetreten fei. eine regelmäßige parlamentarische Thätigkeit mehrere Fälle zur Anklage, denen der Angeklagte, der mission von 5 Mitgliedern betraut. Zur Frage der gewerkschaftlichen geschlossen, sich in mißlicher Vermögenslage befunden, Geld, welches er von Organisation wurde ein von Huhn eingebrachter Antrag angenommen, in zu denken. Die Czechen bildeten in Oestreich einen mächtigen welcher den Weg von Berlin nach Wien verzurückbehalten, in eignem dem es heißt: Die Vorstandsmitglieder müssen gewerkschaftlich organisiert Schußwall, Klienten empfangen, widerrechtlich zurüdbehalten, in Sie würden in der Verteidigung dieses Schutzwalles bis Interesse verwendet bezw. nur auf vieles Drängen ratenweise zurück- sein; in Zweifelsfällen, das heißt wo keine gewerkschaftliche Organisation sperre. gegeben haben soll. Der Betrugsfall bestand darin, daß der An- vorhanden, entscheidet die Generalversammlung. Zur Beratung neuer zum letzten Atemzuge ausharren. London, 11. März.( W. T. B.) Der Kapdampfer ,, Kinfauns geklagte, nachdem er schon nicht mehr Rechtsanwalt war, eine Statuten wurde eine Kommission von sieben Mitgliedern gewählt. Konzessionssache für einen Gastwirt führte und diesem dabei vor- Bei der Ergänzungswahl zum Vorstande nahmen als Beisiger Castle" ist auf die Shingle- Bank bei den Needles gestoßen. spiegelte, daß er die Sache zu einem günstigen Abschluß bringen Gehrhard und Ment an. Zum Fonds zur Errichtung des Ein Bugsierdampfer wurde zur Hilfe ausgefandt. Die Baffagiere und Postsachen werden wahrscheinlich durch Tender gelandet werden. fönne, zu diesem Zwed aber vorher mit einem Stadtrat Liebknecht- Denkmals wurden 30 m. bewilligt. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. Die Frage, ob die Unorganisierten zu unterstützen sind, ruft eine längere Debatte hervor und wird durch Annahme folgenden Antrags erledigt: Die Unorganisierten sind vorläufig aus den Mitteln, welche die Deffentlichkeit aufgebracht hat, zu unterstützen. Des weiteren aber ist die Regelung dieser Frage der Generalversammlung der Organisation zu überlassen." die daß er diesem auch Briefen des Lange an Noad hervorging, Rat und die Hülfe des Klassenstaats für die Arbeiter. In der Dis in Lehte Nachrichten und Depelthen. Beileidstelegramm des Kaisers an die Familie des Freiherrn v. Stumm. Saarbrücken, 11. März.( B. H.) Der Kaiser telegraphierte ant Frau v. Stumm: Schmerzlich bewegt durch die Nachricht von dem Hinscheiden Ihres von mir so sehr geschätzten Gemahls sprechen die Kaiserin und ich Ihnen und den Ihrigen unsre wärmste und aufrichtigste Teilnahme aus. Möge der gütige Gott Ihnen allen Trost Wilhelm." verleihen, diesen schweren Verlust zu tragen. Soweit das Resultat aus dem ganzen Wahlkreise bisher bekannt ist, wurden für Witting 8677, für Chrzanowsti 11 022, für aszperzat 688 Stimmen abgegeben, so daß die Wahl des Polnischen Kandidaten gesichert erscheint. an Berantwortl. Redacteur: Seinrich Ströbel in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Berlag von May Bading in Berlin. Furchtbare Reffelegplosion. 果糖 fr. wi. i».!»«., t Iriligf i»ts Jurairts" Kttlmi lolteM>-»m* VeichskAg. 1901, 65. Sitzung öo m Montag, den II. März nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Fuhr. 6. R i ch t h o f e n. Präsident Graf Ballcstrcm: Ich habe dem Hanse eine schmerzliche Mitteilung zu machen. (Die Abgeordneten erheben sich von den Plätzen.) Unser Kollege Freiherr V. Stumm ist eine halbe Stunde vor Anbruch des 9. März in seiner Heimat sanft entschlafen. Der verstorbene Kollege hat bis zu der Zeit, Ivo ihn die tödliche Krankheit erfaßte, in hervorragender Weise an den Arbeiten des Reichstags sich beteiligt. Die Mitglieder des Reichstags werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Znm Gedächtnis des verstorbenen Kollegen haben Sie sich von Ihren Plätzen erhoben. Ich konstatiere das. Auf d-v Tagesordnung steht die zweite Beratung des Kolonial Etats. Die Beratung beginnt mit dem Etat s ü r das oft afrikanische Schutzgebiet. Abg. Bebel(Soc.): Die Kolonie Deutsch-Ostafrika gehört uns nunmehr seit siebzehn Jahren. All die schönen Versprechungen, die seiner Zeit in Bezug ans die Entwicklung dieser Kolonie gemacht wurden, haben sich als Phantafiegebilde erwiesen und werden auch in Zukunft nicht ihre Erfüllung finden. Ein berufener Kenner dieser Kolonie, Herr Gustav Meinecke, der frühere Sekretär der Kolonialgesellschaft, hat sich dahin ausgesprochen, daß man sich in Bezug auf die Entwicklung Deutsch- Ostafrikas einer gewaltigen Täuschung hingegeben habe. Herr Meinecke kennt die Verhältnisse dort aus eigner Anschauung, wir sind hier nur auf die Informationen angewiesen, die uns von der Regierung nur der ganzen Macht ihrer Autorität zugehen, und von den Kolonial- interessenten, die im Kolonialrat das große Wort führen. Dem Urteil dieser Herren, die natürlich daran interessiert sind, daß das Reich möglichst viel Opfer für die Kolonie bringt, steht das Urteil des Herrn Meinecke diametral gegenüber, das dahin geht, daß diese Kolonie weder politisch noch wirtschaftlich für uns von Vorteil sein wird. Man sollte doch nun meinen, daß bezüglich dieser Kolonie, die ein halbes Menschenaltcr hindurch die erheblichsten Opfer gekostet hat, ca. 80 Millionen sind dafür im Lauf der Jahre ausgegeben worden, sich der Handel wenigstens gehoben hat. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Der Handel hat sich nicht verbessert, sondern verschlechtert. DaS müßte uns doch bedenklich machen. Der Gesamtumsatz an Waren betrug 1898 16185 000 M.. 1899 nur noch 14 459 000, also um volle IVe Millionen weniger. Im ersten Semester des Jahrs 1900 stellte sich die Ziffer noch ungünstiger, und falls das zweite Semester ein ähnliches Resultat crgiebt, wird auch in diesem Jahre ein Rückgang des Warenumsatzes um IVj Mit licnen zu verzeichnen fein. Und nicht einmal der deutsche Handel ist in erster Linie in der Kolonie vertreten. Der Wert des deutschen Handels hat im Jahre 1899 noch nicht einmal 3 Millionen Mark betragen, d. h. ca. Vz dessen, was das Reich selbst für die Kolonie aufbringt. Das ist doch ein außer ordentlich trauriges Resultat, das selbst uns, die wir der Kolonial� Politik mit großem Mißtrauen gegenüberstehen, aufs höchste überrascht hat. Eine einzige Einnahmequelle hat sich im Laufe der Zeit verbessert, das sind die Einnahmen au4 der sogenannten Hiittcnstcucr. Diese wurde im Jahre 1899 zum erstenmal eingeführt. Damals wurden 100 000 Mark angesetzt, statt dessen 300 000 Mark erzielt. 1899 betnig der Ansatz 360000 M., erzielt wurden 850 000 M.. und i» dreiem Etat sind jetzt 1 100 000 M. angesetzt. Das macht den Eindruck, als befinde sich die Bevölkerung dort in einem Zustande materieller Prosperität, während doch gerade das Gegenteil der Fall ist. Die Steuer ist eine so außerordentlich hohe im Verhältnis zu der armen Bevölkerung, daß wenn ein ähnliches Steuersystem in irgend einem deutschen Staate eingeführt würde, sich unbedingt em Schrei der Empörung in der Bevölkerung erheben würde. Von den annen Einwohnern wird dort verlangt, daß sie jährlich 4,20 M. an Huttensteuer bezahlen. Man behauptete bei der Einführung dieser Steuer, sie solle als Erziehungsmittel dienen. In der That werden die Leute alles aufbringen müssen, um die Steuer beHorde in irgend einer Form zu befriedigen. Sie können das, ab� gesehen von der Barzahlung, auch durch Arbeiten oder durch Lieferung von Rohprodukten. Interessant wäre eS, zu erfahren, welche Urbettslöhne in Afrika gezahlt werden, dann könnte man daran er- messen, ivie viel Tage die Leute arbeiten müssen, um diese Steuer abzutragen. Daß auf Afrika diese Steuer durchaus nicht als Erziehungs mittel wirkt, dafür spricht der Umstand, daß in den verschiedenen Teilen unsrer Kolonie seit Jahren wiederholt Aufstände vorgekommen sind, die hauptsächlich auf die Einführung dieser. Hüttensteuer zurück- zuführen sind. Eine hiesige Zeitung hat behauptet, daß besonders das Vorgehen des Generals v. Liebert, der mit der äußersten Strenge auf die Einbringung der Hüttensteuer gesehen habe, Un- ruhen hervorgerufen habe. Noch am 21. August 1899 habe er eine scharfe Eintreibung der Steuer verlangt in' einer Verordnung an die verschiedenen Distrikte. Diese Aufstände find zum' Teil sehr blutig niedergeschlagen worden. Im Oktober v. I. sollen allein 4V Menschen wegen ritckständiger Steuern niedergeknallt sein. Herr Hans Wagner behauptet, daß im Laufe der Zeit 2000 Menschen bei der Einbringung dieser Steuer ums Leben gekommen seien. Herr Dr. Wagner hat sich auch bereit erklärt, diese Behauptung vor Gericht zu beschwören. Wie die Dinge m Wirklichkeit� liegen, erfahren ivir ja nur. wenn irgend jemand ge- legentlich es für gut befindet, in der europäischen Presse etwas darüber zu veröffentlichen. Die dortige Presse hütet sich wohl, über die wahren Zustände zu berichten. und auch die Beamten dort haben nicht das geringste Interesse daran, die Dinge so zu schildern, wie sie liegen.— Bei einer Expedition sollen nicht weniger als 19 Häupt- linge hingerichtet sein. Daß solche Maßnahmen die Sympathie» für die Beherrscher des Lands nicht vermehren können, liegt auf der Hand I Ueberhaupt das ganze Verwaltungssystem ist der Entwicklung derKolonie außerordentlich schädlich. Die Offiziere und Beamten, die nach Ostafrika kommen, kommen mit deutschen Begriffen dorthin und wollen alles mit Verordnungen regeln; alles wird dort dekretiert und reglementiert. Man geht dort vor, als wenn es sich um einen geordneten Staats- Organismus handelt, obwohl man sich doch einer außerordentlich dünnen Bevölkerung gegenübersieht. Es müßte vielmehr Wert darauf gelegt werden, kaufmännische und gewerbliche Elemente heran- zuziehen. Nun habe ich noch eine Frage an den Herrn Kolonialdirektor zu richte». In der.Ostafrikanischen Zeitung in Dar-es-Salaam ist be- richtet worden, daß eine Besprechung über Sklaverei stattgefunden habe, bei der es sich aber nicht um eine Abschaffung der Sklaverei gehandell habe, sondern darum, wie man dieselbe organisieren könne. Es heißt da„SklavenverkaufZ findet nur in Dar-es-Salaam statt, die betreffende Bescheinigung erhält erst bindende Kraft durch Eintragung beim Bezirksamt." Kinder und Mütter dürfen nicht im Erbgange von einander getrennt werden, event. sind Mutter und Kind gemeinschaftlich zu verkaufen."(Hört! hört! bei den Social- demokraten.) Wenn dieser Bericht sich bewahrheitet, so wird also die Sklaverei bis zu einem gewisse» Grade von den Behörden ge- billigt. Weiter möchte ich den Herrn Kolonialdirektor fragen, ob der Hauptmann Kanncnberg bestraft wurde, von dem f. Z. berichtet wurde, daß er in der Nacht durch das Schreien eines Kinds aus dem Schlafe geweckt, in der Wut Mutter und Kind getötet hat? (Beifall bei den Soeialdemokraten.) Abg. Dr. Hasse(natl.): Herr Bebel meinte, die Hoffnungen auf die Kolonie hätten sich nicht erfüllt. Worauf richteten sich denn aber vor allem jene Hoff- nungen? Zunächst handelle es sich um den Elfenbeinhandel. Dieser mutzte naturgemäß unter der Bekämpfung des Sklavenhandels leiden. Weiter haben sich dem Elfenbeinhandel gegen früher, wo er nur nach der Seite ging, noch andre Wege nach dem Norden und Süden eröffnet. Wir sollten uns daher nicht bemühen, diesen niedergehenden Handel wieder zu beleben, sondern wir sollten uns auf den Plan tagenbau legen. Dazu wäre natürlich ein Ausbau der Verkehrswege notwendig. Herrn Meineckes Urteil steht im Gegensatz' zu dem' Urteil der Kolonialgesellschaft, deren Sekretär Herr Meinecke bis dahin gewesen war, und für sei» Urteil sind vielleicht auch persönliche Momente matzgebend gewesen.— Herr Bebel hat die Hüttensteuer scharf kritisiert. Durch diese wird aber die Bevölkerung seßhaft gemacht und diese Seßhaftigkeit ist eine Vorbedingung für die Vermehrung der Bevölkerung. Von einer Vermehrung der Aufstände spricht übrigens die Denkschrift nicht. Ob Herrn Bebels Quellen zuverlässiger sind, weiß ich natürlich nicht. Das Urteil des Herrn Hans Wagner ist für mich jedenfalls absolut nicht matzgebend.— Herr Bebel hat die Amtsführung des Herrn Liebert kritisiert. Nach meiner Meinung war seine Ver� waltung eine der vorzüglichsten, die wir jemals in der Kolonie gehabt haben.— Die Sklaverei kann man mit einem Federstrich natürlich nicht beseitigen. Die Beschlüsse der Konferenz, die Herr Bebel erwähnte, bedeuten doch eine allmähliche Abschwächung der Härten der Haussklaverei.— Redner wünscht schließlich Uebergang von der Rupien- zur Markwährung in Ost afrika. Kolonialdirektor Dr. Stiibel: Herr Bebel meinte, 80 Millionen wären im Laufe der Jahre für die Kolonie Ostafrika verwendet worden. Nach einer ziffermäßigcn Zusammenstellung, die mir vorliegt, beträgt die Gesamtsumme jedoch nur 50 350 060 Mark. Daß augenblicklich die Handels Verhältnisse sich nicht in dem wünschenswerten Zustande befinden, muß zugegeben werden. Es ist aber zu hoffen. daß mit den notwendigen Verkehrsmitteln nicht länger gezögert werden wird und dann werden auch die Handctsverhältnisse im Schutzgebiet einen Aufschwung nehmen. Herr Bebel hat die An griffe einer hiesigen Zeitung citiert, die darin gipfeln, daß die Maß nahmen des früheren Gouverneurs Liebert schuld daran gewesen seien, daß 20vv Menschen ihr Leben bei der Eintreibung der Hiittenstcner verloren hätten. Ich habe mir ausführlich darüber Bericht erstatten lassen und erfahren, daß diese Angabe der Kolonial Zeitschrift mit gutem Gewisien als phantastische Unwahrheit bc zeichnet werden kann.(Hört! hört! rechts.) Es ist ja richtig, daß Aufstände innerhalb des Schutzgebiets stattgefunden haben, und bei diese» Ausständen ist auch die Häuser- und Hüttensteuer ge nannt worden, d. h. die Einwohner haben sich bei Gelegen heit der Aufstände zunächst geweigert, die Steuer zu bezahlen. Diese Weigerung war aber durchaus nicht der Grund für den Ausbruch der Unruhen. Zunächst handelt es sich da nm einen Strafzug gegen den Häuptling Maschemba Winkendami Der Aufstand hatte sich entwickelt aus der Weigerung dieses Häuptlings, auf die Verhandlungen der Behörde des Schutz- gebiets bezüglich der Bezahlung der Hiitteiistcuer cinzugeheu Der Häuptling wußte sich diesen Verhandlungen stets zu entziehen. und schließlich blieb nichts übrig, als eine militärische Expedition gegen ihn in die Wege zu leiten. Bei einem andren Aufstand ge- irügte ein einziger Unteroffizier mit einer Anzahl von Askaris, die Angelegenheit in kürzester Frist zu erledigen.— Was die Angriffe gegen Major Liebert betrifft, so gereicht es mir zu besonderen Genngthuung. hier anführen zu können, daß diese Angriffe durchaus grundlos gewesen sind. Insbesondere hat der Rücktritt des Herrn Liebert mit der Art seines Verhaltens nichts zu thnn gehabt Herr Liebert tritt aus eignem Antrieb in die Armee zurück, wo ihm ein höheres Kommando zugedacht ist. Die Kolonialverwaltnng sieht diesen verdienten Beamten nur mit Bedanern scheiden.— Was die Hinrichtung von 10 Häuptlingen anlangt, die Herr Bebel er- wähnte, so hat mir der stellvertreiende Gouverneur v. Estorph bc richtet, daß es sich hier um Zustände gehandelt hat, die eine andre Behandlung seitens des Bezirksamts nicht gestattet haben Wenn gesagt ist, daß zu viel Verordnungen erlassen sind, so weise ich darauf hin, daß nach einer Zusammenstellung in einem gleichen Zeitraum in Britisch-Ostafrika eine bedeutend größere Anzahl von Verordnungen erlassen ist als in Deutsch-Ostafrika. Selbst verständlich sind auch wir der Ansicht, daß es wünsche»?- wert wäre. daß das kaufmännische Element gegenüber den Beamten und dem militärischen Element sobald als möglich zur Majorität gelange. Aber auch dies hängt mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zusammen, die bis dahin aufgehalten ist, weil es an den nötigen Unterlagen dieser Ent- Wicklung fehlte. Was die Frage der Sklaverei anlangt, so will ich Herrn Bebel zugeben, daß der Artikel der«Ostafrikanischcn Zeitung" in Dar- es- Salaam mir nicht minder aufgefallen ist. wie ihm, so daß ich mir damals vor Anttitt meines Amts die Frage vor- legte, ob denn wirklich so etwas dort geschehen seien könne. Ich bin dann unterrichtet worden, daß es sich zweifellos dabei um eine miß« verständliche Berichterstattung gehandelt hat. Es ist aber nicht? weiter versucht worden, als die Auswüchse, die der Hans- sklaverei immerhin noch anhaften, möglichst zu beseitigen. Ich habe jedenfalls doch die Behörden darauf aufmerksam gemacht, daß auch >er Anschein vermieden werden müßte, als ob es' sich bei der Haus 'klaverci um eine gesetzliche Einrichtung handle. Der Hauptmann Kanncnberg ist wegen schwerer örperverletzung mit Amtsentsctznng, Dienstentlassung und 3 Jahren Gefängnis bestraft worden. Es handelt sich hier um einen mehr oder weniger unverständlichen Vorfall. Der Haupt- mann ist ein wissenschaftlich hochgebildeter Mann, der sich haupv sächlich mit der Erforschung' der oslafrikanischen Sprachen während seiner Thätigkeit dort beschäftigt hat. Bei der Befragung vor- chicdencr Häuptlinge über' diese Sprache hat er geglaubt, ans einen solchen Widerstand bei diesen Häuptlingen zu stoßen, daß er äch für berechtigt gehalten hat, den Widerstand durch Knute» hiebe zu brechen. Die Anregung des Herrn Hasse, im Schutz' gebiete die Rupienwährung durch Markwährung zu ersetzen, werde ich eingehend prüfen. Abg. Frhr. v. Hertling(C.): ES wäre ja in der That unerhört, wenn unter behördlicher Billigung in unsren Kolonien Sklaverei bestehen sollte. Wir haben einer Zeit angeregt, in einem Gesetzentwurf vorbereitende Maß- nahmen zur Beseitigung der Haussklaverei zu treffen. Ich möchte auf die Anregung wiederholt zurückweisen. Abg. Bebel(Soc.): Ich möchte den Herrn Kolonialdirekror fragen, wodurch ergänzt ich denn die Haussklaverei. Die HauSsklaven müssen doch auch terben wie andere Menschen. Seit einer Reihe von Jahren haben vir die Sklaverei abgeschafft; wo kommt nun der Ersatz für die Hanssklavcn her?' Wenn wir die Quelle verstopfen, aus der der crsatz fließt, dann mutz die Haussklaverei auf dem Wege des Ab- tcrbens ganz von selbst verschwinden. Davon aber ist keine Rede. Was für Maßregeln sind ergriffen, um die Haussklaverei wenigstens allmählich abzuschaffen? Daß die Hüttensteuer ein wesentliches Moment für die Aufstände gewesen ist, kann gar nicht bestritten werden. Wie viel Leute haben denn dort bares Geld oder Naturalprodukte, um die Steuer zu bezahlen? In welcher Weise wird die Arbeit bezahlt? Wie hoch ist der Tagclohn und welche Berechnungsart wird an- gewendet, um festzustellen, daß ein Tag Zwangsarbeit so und soviel Steuer entspricht? Der Herr Kolonialdirektor hat die Aufwendungen für Ostafrika auf 55 Millionen berechnet. Das sind aber nur die direkten Auf- Wendungen. Rechnen wir die indirekten hinzu, dann ist die Summe wir Hunderte, ja von 80 Millionen eher zu niedrig gegriffen. Er erklärt die langsame i es ist mehr als Sie der der zu Entwicklung der Kolonie mit dem Mangel an Verkehrswegen. Es sind doch aber eine Reihe von Wegen geschaffen worden. Wir haben das Geld für Wegebau ausgegeben, wir haben Bahnen gebaut. Angesichts dieser Aufwendungen sollte der Handel gestiegen sein. Das ist aber nicht geschehen. Der Elfenbeinhnndel hat nicht andre Wege eingeschlagen, wie Dr. Hasse behauptete, sondern ist' zurückgegangen, weil die Elefanten zum großen Teile ausgerottet'worden sind. Ob gerade durch die Verwaltung Deutschlands die Einwohnerzahl der' Kolonie sich vermehrt hat, kann sehr bezweifelt werden. Die meisten Opfer fordert die Dürre, der Heuschreckenfraß und die in ihrem Gefolge auftretende Hungersnot. Da kann auch die deutsche Verwaltung nicht viel bessern. Die Enz- länder sind ja auch in Indien gegen die Mächte der Natur ohn- mächtig geblieben. Noch viel schlimmer sieht es da in Ostafrika mit nnsrer Macht. Ob es richtig ist, daß gerade 2000 Menschen bei dem Eintreiben der Hüttensteuer getötet worden sind, ist die Sache des Herrn Dr. Wagner. Die Zahl ist mir nebensächlich. Mir war darum zu thnn, festzustellen, daß die Steuer zu Aufständen mld Menschen- opfern geführt hat. Um ein paar tausend Wkark einzutreiben, werden kostspielige Expeditionen ausgerüstet, deren Kosten in gar keinem Verhältnis zu dem Vorteil stehen.(Zustimmung links.) Kolonialdirektor Stübel: Der Arbeitslohn in Ostafrika ist sehr verschieden an der Küste und im Innern. Für die Einziehung der Hüttensteuer kommt das Küstengebiet in Betracht. Dort beträgt der tägliche Arbeitslohn Vz bis>/s Rupie, also 45 bis 70 Pfg. Herr Bebel fragte: wie setzt sich die Hanssklaverei fort? setzt sich nur durch die Geburt fort. Die Vermehrung Einwohnerzahl ist eingetreten, nachdem �in Deutsch- Ostafrika Sklavenhandel abgeschafft ist und Ruhe und Ordnung herrscht. Abg. v. Bollmar(Soc.): Die Eingeborenen haben also 8—12 Tage Fronarbeit leisten! Der Kolonialdircktor hat eben offen erklärt: Die Haus- sklaverei setzt sich durch die Geburt fort. Man kaim verschiedener Meinung sein über das Tempo, in dem die Haussklaverci abgeschafft wird. Niemand hat daran gedacht, die jungen und alten Haus- sklaven mit einem Schlag aus dem Hause hinauszujagen und sie dann sehen zu lassen, wie sie selber weilerkomnien. Stets war das Bestreben, der Haussklaverei ihre schlimmsten Eigen- schaften eine nach der andern zu nehmen und sie so zu beseitigen. Aber eine Voraussetzung war dabei. Wenn man schon glaubt, daß die jetzigen Hanssklavcn nicht ohne weiteres in europäische Rechtsverhältnisse versetzt werden können, so war man doch znm allermindcsten der Meinung, daß auf deutschem Ge- biet keine Sklaven mehr geboren werde» könne«.(Sehr richtig! bei den Soeialdemokraten.) Für unsre Occupatio» der Schutzgebiete galt ja als Aushängeschild die Beseitigung der Sklaverei. Wen» aber fortgesetzt neue Sklaven geboren werden, dann sollte man nicht davon rede», das? wir die Sklaverei bekämpfe». Wir suchen den Sklavenhandel und die Sklavenränberei zu be- seitigen, aber so lange die Hanssklaverei blüht, wird immer wieder von' neuem der Anlaß zu Sklavenhandel und Sklaven- raub gegeben.(Sehr richtig! links.) Mit dem Vorgänger des jetzigen Kolonialdirektors haben wir in frühere» Jahren darüber verhandelt, ob nicht Anzeichen bestünden, daß der Handel mit geraubten Sklaven Iveiter geht. Eins hängt hier am andren. Wenn man sonst Gegner der Sklaverei ist, dann darf man die HauSsklavcrei nicht so beschönigen wollen, wie es in der Kam- Mission geschehen ist. In der Kommission ist von mehreren Seilen behauptet worden, den Sklaven selbst wäre die Beseittgung der Sklaverei besonders unangenehm. Ganz dieselben Argumente wurden erhoben, als Nordamerika an die Befreiung der Sklaven ging. olche Beschönigungen der Sklaverei sollte man unterlassen oder dann wenigstens erklären:„wir können die Sklaverei nicht be- eitige», wir treten offen für sie ein." Ich glaube aber nicht, daß die Herren de» Mut haben, das zu erklären.(Sehr gut! bei den Socialdemokraten.) Die Gegnerschaft meiner Partei gegen die Kolonialpolitik schließt nicht ein, daß uns nun alles gleichgültig wäre, was in den Kolonien geschieht. Man kann sehr wohl ein Interesse daran haben, ob es Vesser oder schlechter dort geht, man kann darauf dringen, daß bessere Einrichtungen getroffen werden. Das A und O ist der Mangel an richtig ausgebildetem Personal für die Verwaltung. Auf meine Frage in der Kommission hat mir der Herr Kolonialdircktor eine Antwort gegeben, die mich durchaus nicht befriedigt. Sie ging dahin, man könne bei der kurzen Zeit. die unsre Kolonialbeaniten des Klimans wegen in der Kolonie nur bleiben könnten, ihnen nicht zumuten, erst eine lange Aus- bildung für die Zwecke des Kolonialdienstes in Europa durchzumachen. Thatsächlich schicken wir die Leute ganz unausgebildet nach den Kolonien. Die Holländer, die sehr geschickte Kolonisatoren sind. widmen der Ausbildung der Kolonialbcamten die größte Aufmerksam- keit. Sie müssen große Haudelskenntnisse und Sprachkenntnisse be- sitzen und mehrere Jahre eine Schule besuchen. Alle unpassenden Elemente werden ausgeschieden. So lange wir nicht in derselben Weise vorgehen, so lange unsre Beamten es nur als eine Art Sport ansehen, in den Kolonien thätig zu sein und nicht als besonderes Fach, so lange werden wir auch keine besseren Verhältnisse in den Kolonien haben.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Abg. Graf zu Stolberg-Wernigervde(k.): Auch wir betrachten die endgitige Abschaffung der Sklaverei als eins der Hauptziele unsrer Kolonialpoiitik. Es handelt sich dabei um das Tempo, das eingeschlagen werden soll und kann. Herr v. Vvllmar hat es als einen entsetzlichen Zustand hingestellt, daß ein Kind als Sklave geboren wird. Das ist ja gewiß bedauerlich. Aber zeige er uns doch erst ein praktisches Mittel, wie es zu ver- hindern ist. In unsrer Kolonie giebt es unzählige Dörfer, in die nie ein Europäer gekommen ist. Wenn Herr v. Vvllmar will, daß alle Kinder bei der Geburt für frei erklärt werden, dann müßte die Schutz- truppe und die Polizei um das Zehnfache vermehrt werden. Und was wäre der Erfolg? Entweder würde eine solche Ver- ordnung ignoriert werden, oder es brächen Aufstände aus, denen Herr zu werden unsre Truppen nicht ausreichten. Machen wir uns kein£ für ein II. So lange die Dinge so liegen, hat es keinen Zweck, im Reichstag über diese Sachen zu sprechen. Wenn wir in Ostafrika die Sklaverei und die HnuLsklaverei endgültig beseitigen wollen, dann kann es nur geschehen, indem wir Kultur ins Land tragen. Kultur aber können wir nur verbreiten, wenn wir Eisenbahnen bauen. Wenn Herr v. Vollmar die Hansskaverei möglichst rasch beseitigen will, dann kann ich ihm nur anheimgeben, für den möglichst raschen Bau von Eisenbahnen in Ostafrika zu sorgen.(Sehr richtig! rechts.) Kolonialdirektor Stübel: Herr v. Vollmar hat mich in der Budgetkommission wohl nicht verstanden. Ich habe dort nur von den Schwierigkeiten gesprochen, die der Ausbildung von Kolonialbeamten entgegenstehen, vor allem deswegen, weil die Herren des Klimas wegen nicht lange in der Kolonie bleiben können. Ich selbst bin der Ansicht, daß es außer- ordentlich nützlich wäre, mit der Zeit zu einer besonderen Aus- bildung der Kolonialbeaniten zu kommen. Abg. Bebel(Soc.): Graf Stolberg hat die Feststellung, daß auf deutschem Gebiet Sklaven geboren'werden, dazu benutzt, eine Propaganda für die Centralbahn zu machen. Ja. verehrter Herr Graf, Ostafrika ist so groß wie Deutschland. Wenn wir in ähnlicher Weise wie in Deutschland Eisenbahnen dort bauen wollten, dann müßten Tausende von Millionen ausgeben. Und fraglich, ob jemal» auch nur die Zinse» Kolonialdirektor Dr. Stübel: gedeckt werden würden. Sachkenner behaupten ja, daß das für die richtet.( Hört! hört!) Jch bedaure es außerordentlich, wenn unsre| ein außerordentlich tüchtiges Element find als Pioniere Centralbahn ausgegebene Geld niemals Binjen tragen würde. Nach- Kolonialpolitik dahin führen sollte, daß die Eingebornen sich sagen und daß wir es sehr begrüßen könnten, wenn sie in größerer Anzahl dem uns hier die Mitteilung geworden ist, daß die Kinder der Haus- müßten, wenn wir nur niemals die schwarz- weiß- rote Flagge gesehen gerade nach Südwest- Afrika zu uns fämen. Natürlich wünsche ich fflaven eo ipso Sklaven find, so müssen wir hier einsetzen und da hätten. ihnen zunächst, daß sie in ihrem eignen Lande unter ihnen zu für sorgen, daß in den deutschen Kolonien dasselbe Recht jagenden Bedingungen bleiben können. Kommen sie aber zu uns, gilt wie in allen englischen Kolonien. Dort find die Kinder so meine ich, müßten wir sie anders begrüßen als mit vermehrten der Sklaven vom Tage der Geburt ab freie Leute. Das ist Kanonen.( Beifall bei den Socialdemokraten.) der einzige Weg, um die Haussflaven zu beseitigen. Man muß nur staunen darüber, wie der Kolonialdirektor eine derartige Erklärung abgegeben hat, als fei es etwas ganz Selbstverständliches.( Sehr richtig! links.) Abg. v. Kardorff( Np.): Rechtlich ist von uns der Bestand der Sklaverei nicht anerkannt. Die Kinder sind, wenn sie geboren werden, freie Leute und können auf Verlangen der Herren nicht zurüdgeführt werden. Was können wir weiter thun? Herr v. Vollmar wird es uns schwerlich sagen können. Die Regierung kann gar nicht anders verfahren, als sie es jezt thut; auch unsre Bevölkerung ist dem Zwange, Wege zu bauen, unterworfen. Ist jemand verpflichtet, den Weg zu bauen und kann die Kosten nicht bezahlen, dann wird er auch bei uns eingesperrt. Die Negerſtämme empfinden es doch als Wohlthat, vom Sklavenhandel und Sklavenraub befreit zu werden, da haben wir doch ein gewisses Recht, den Leuten die Hüttensteuer aufzuerlegen. Damit schließt die Diskussion. bedauert die Streichung dieser Forderung. Ich wäre dem Herrn Borredner sehr dankbar, wenn er mir das Material überließe. Was die Plantagenwirtschaft anlangt, so wird er von mir nicht erwarten, daß ich mich den Schwarzen günstiger gegenüberstelle als den deutschen Landsleuten. Ich werde mich bemühen, die richtige Mitte zu finden. Ich werde es mir jedenfalls sehr angelegen sein lassen, jeden Mißstand, der in Kamerun zu Tage treten sollte, insbesondere auch auf schlechte Behandlung der Eingeborenen, abzustellen. Damit schließt die Diskussion. Der Etat wird genehmigt. Der Etat für Togo wird debattelos bewilligt. Es folgt der Etat für Südwest- Afrika. Abg. Bebel( Soc.): Abg. Dr. Arendt: fallen. Herr v. Bollmar hätte die Aeußerung also nicht allgemein Die Aeußerung in der Kommission ist nur von einer Seite geals Ansicht der Kommission hinstellen dürfen. Ich meinerseits würde die Boeren durchaus in Südwest- Afrika begrüßen. Die Forderung an sich ist durchaus berechtigt. Denn wir müssen in der Lage sein, unfre Kolonie gegen Angriffe jedes eventuellen Feindes zu schützen. Abg. Dr. Haffe( natl.) verwahrt auch sich und seine Freunde dagegen, in der Kommission eine derartige Aeußerung gegen die Boeren gethan zu haben. Kolonialdirektor Dr. Stübel: Auch hier kann ich konstatieren, daß der Reichszuschuß für diese Es handelt sich bei dieser Maßregel ausschließlich darum, das Kolonie in außerordentlichem Mißverhältnis zu den Einnahmen aus der Schutzgebiet dergestalt auszurüsten, daß es für Aufrechterhaltung der Kolonie steht. Ich habe anzufragen, wie es mit den Grund- und Boden- Ruhe und Sicherheit innerhalb des Schutzgebiets selbst zu sorgen hat. Da verhältnissen in Swakopmund beschaffen ist. Ein Privatmann mußte es eine außerordentliche Erhöhung des Budgets mit sich bringen würde, dort für den Quadratmeter 2 Mark bezahlen. Das find europäische wenn die Infanterie vermehrt werden würde, so ist es auf Grund Preise und ich frage, ob die Privatspekulation oder das Reich den vorliegender militärischer Gutachten vorgezogen worden, die Artillerie Nußen davon hat. Weiter habe ich mich zu erkundigen, ob die zu vermehren. Eingegangene Druckschriften. Präsident Graf Ballestrem bedauert, eine Wortmeldung Bebels übersehen zu haben. Das Gehalt des Gouverneurs für Ostafrika wird bewilligt, in Swakopmund beschäftigten Arbeiter für die Dauer ihrer Arbeit Der Titel wird nach dem Kommissionsantrag bewilligt. Det ebenso die weiteren dauernden Ausgaben. auf Grund der deutschen Invalidenversicherung versichert sind. Rest des Etats wird debattelos bewilligt; ebenso die Etats für Es folgen die einmaligen Ausgaben". Für Bauten werden sind sie nicht versichert, so erleiden sie, wenn sie nach Deutschland Neu- Guinea, der Karolinen, Palau- Inseln und 398 000 m. verlangt. Die Kommission hat 250 000 M. davon zurückkehren, einen mehrjährigen Ausfall und damit eine Verminderung Mariannen, des Etats für Samo a und die auf die Kolonialabgesetzt. Der Vorschlag der Kommission wird debattelos genehmigt. der Rente. Ich möchte dringend bitten, für diese Versicherung Sorge verwaltung bezüglichen Titel des Etats des Auswärtigen In dem Extraordinarium werden für Fortführung zu tragen. Vor zwei Jahren wurden für die Einfuhr deutscher Amt 3. der Eisenbahn Tanga- Mohesa bis Korogwe, dritte und Mädchen zum Zwecke der Verheiratung 25 000. verlangt. Der Damit ist die Tagesordnung erledigt. legte Rate 950 000 M. und zur Fortsegung der Bahn Reichstag hat diesen Beitrag abgelehnt. Nun hat die Südwestafrikanische Nächste Sigung Dienstag 3 Uhr: Etat des Reichseisenbahnamts, bis Mombo als erste Rate 1550 000 m. gefordert. Kolonialgesellschaft die Einfuhr betrieben. Die Mädchen fönnen Petitionen. Die Kommission beantragt die Summe von 1550 000 m. aber nur gewarnt werden, nach Südwest- Afrika zu gehen. Die Schluß 5½ Uhr. zur Fortsetzung der Bahn nach Mombo zu streichen. Mädchen, die dorthin gegangen find, haben außerordentlich traurige Erfahrungen gemacht. Von 60 bis 70 eingewanderten Mädchen Abg. Dr. Haffe( natl.) find nur 25 dort geblieben. Einige haben Selbstmord begangen. Von der„ Neuen Zeit"( Stuttgart, Dies' Verlag) ist soeben das Die Mädchen müssen dringend gewarnt werden, den Verlockungen 23. Heft des 19. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: der Compagnie Folge zu leisten. Bei der vorigen Etatsberatung habe Das neue Patrimonium. Die Industriezölle und der Weltmarkt. Von ich den Fall des Prinzen Prosper v. Arenberg hier vorgetragen, Barvus. Jugendlitteratur. Von Sjontje Troelstra. Die polnischen der einen Bastard in der schmählichsten Weise ermordet hat.( Der Wanderarbeiter. Von J. Karsti. Litterarische Rundschau: Juristische Referent Prinz Arenberg verläßt den Saal.) Der Mörder ist Litteratur. Von Victor Fränkt, Berlin. Fernand Belloutier und Maurice nach Deutschland übergeführt worden. Feuilleton: Zur Philosophie Belfoutier, La vie ouvrière en France". Auffällig war die Meldung, die durch die Zeitungen ging, er sei nur zu 15 Jahren S. fr.( Schluß.) des Karnevals. Eine Studie, lesbar zu allen Zeiten des Jahrs. Von Gefängnis verurteilt worden. Ich habe nun in der Budget= fommission den Kolonialdirektor gefragt, was an dieser Sache richtig ist, und ich habe die Antwort erhalten, daß der Prinz Prosper Arenberg vom Kriegsgericht wegen Mords zum Tode und zur Ausstoßung aus der Armee verurteilt worden ist. Im Wege der Gnade ist dieses Urteil zunächst in 15 Jahre Zuchthaus verwandelt worden, und nicht genug damit. Durch eine zweite Begnadigung find an Stelle der 15 Jahre Zuchthaus 15 Jahre Gefängnis getreten. Das ist nun außerordentlich auffallend. Wenn in Deutschland ein Mörder( Glocke des Präsidenten) Abg. Dr. Arendt( Rp.) hält die Weiterführung der Bahn für sehr wünschenswert. Abg. Richter( frs. Vp.): Es ist mit Sicherheit auf ein Deficit bei der Bahn zu rechnen. Nach einer Berechnung wird auf 840 M. Ueberschuß gerechnet, dabei hat man aber angenommen, daß die Lokomobilen in 50 Jahren, die übrigen Wagen in 100 Jahren und der Oberbau erst in 400 Jahren unbrauchbar wird.( Heiterkeit.) Daß Arbeiter dort entlassen werden müssen, ist nicht richtig, denn wenn auch die Bahn im Juli Korogwe erreicht, so ist sie damit doch noch lange nicht fertig. Vor allem möchte ich das Haus warnen, wie es der Herr Vorredner wünschte, sich auch hier wieder auf einen Nachtrag einzulassen. Vicepräsident v. Frege: Wir kommen zur Abstimmung. Ich werde zunächst über die Regierungsvorlage abstimmen lassen, um verschiedenen Wünschen aus dem Hause entgegenzukommen, und alsdann über den Antrag der Budgetkommission auf Streichung dieser Position. Abg. Richter( frf. Bp.)( Zur Geschäftsordnung): Es liegt mur der Antrag der Kommission auf Streichung des Titels vor. Ueber diesen wäre allein abzustimmen. Vicepräsident v. Frege bleibt bei seiner Auffassung. Abg. Haffe( natt.): Der Herr Präsident hat das Recht, so zu verfahren, wie er will, und es sprechen in diesem Fall wohl Gründe für ein solches Verfahren. Abg. Richter( fri. Vp): Dann bezweifle ich die Beschlußfähigkeit des Hauses. Präsident Graf Ballestrem: *) Roggen, gut " " Marktpreise von Berlin am 9. März 1901 nach Ermittlungen des tgl. Polizeipräsidiums. Weizen, gut D.- Etr. Kartoffeln, neue, D- Ctr. mittel Rindfleisch, Keule 1 kg gering 7, 5, 1,60 1,20 dv. Bauch 1,30 " 1,60 " 1,80 1, 1,60 1, 2,60 2, 60 Stud 5,20 3, Karpfen 1 kg 2,20 1, 2,80 1,20 Gersie, gut " 14,35 14,34 Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Eier mittel 14,33 14,32 " gering " " mittel " gering Safer, gut " mittel gering 14,31 14,30 15,60 14,80 14,70 13,90 13,80 13,10 15,90 15,40 15,30 14,80 14,70 14,20 Richistroh Heu Gröfen Ich kann nicht zugeben, daß Sie einen speciellen Aft des Kaisers hier fritisieren. Das Begnadigungsrecht ist ein Recht der Krone, wobei sie niemand Rechenschaft zu geben hat. Sie fönnen einen speciellen Gnadenaft nicht kritisieren. Ich habe zugelaffen, daß das Begnadigungsrecht im allgemeinen besprochen wurde, aber einen speciellen Akt des Kaisers dürfen Sie nicht besprechen. Ich kann Linien nicht zulassen, daß Sie ihn hier kritisieren.( Bravo! rechts.) Abg. Bebel: Herr Präsident, ich erlaube mir zu bemerken, daß wir verschiedentlich beim Militäretat namentlich die Gnadenakte gegen ( Vicepräsident v. Frege wendet sich verlegen nach allen Seiten. Duellanten, auch unter Anführung einzelner Fälle, hier beEs entsteht eine längere Pause. Allmählich erscheint Graf Ballestrem iprochen haben. Dabei gingen wir neben dem Vicepräsidenten). Nach kurzer Besprechung erklärt Bice- daß jeder Gnadenakt von der Ansicht aus, bon einem Minister gegengezeichnet präsident v. Frege: Nachdem von feiner Seite eine Abstimmung werden muß. Es handelt sich hier nicht um eine Privatverlangt wird und die Herren sich ausdrücklich vorbehalten haben, auf handlung des Kaisers, sondern um eine staatsrechtliche Handlung, die ihre Wünsche später zurückzukommen, will ich jetzt darauf verzichten, die Gegenzeichnung eines Ministers haben muß und für die der die Vorlage zur Abstimmung bringen zu lassen, und mich darauf be- Minister die Verantwortlichkeit übernimmt. Ich weiß nicht, ob der schränken, über den Antrag der Budgetkommission abstimmen zu stolonialdirektor oder welcher Minister sonst diesen Gnadenatt hier lassen.( Stürmische Heiterkeit.) zu Abg. Richter: Dann ziehe ich meinen Zweifel zurück!( Ernent au verantworten hat.( Glocke des Präsidenten.) stürmische Seiterfeit.) d Der Antrag der Budgetkommission wird hierauf angenommen. Zur Herstellung einer Eisenbahn von Dar- es- Salaam nach Mrogoro werden als erste Nate 2 Millionen Mark gefordert. Die Kommiffion beantragt, diesen Titel zu streichen und empfiehlt folgende Resolution zur Annahme: Der Reichskanzler möge behufs Erbauung einer Eisenbahn von Dar- es- Salaam nach Mrogoro entweder auf Grund eines mit einem Privatunternehmer abgeschlossenen Vertrags oder mit Hilfe des Privattapitals auf annehmbarer Grundlage dem Neichs: tage eine Gesetzesvorlage machen." Kolonialdirektor Dr. Stübel: Es wird das hohe Haus interessieren zu wissen, daß den gesetzgebenden Körperschaften unmittelbar ein Gesezentwurf betreffend Hebernahme einer Binsgarantie für das Anlagekapital der Eisenbahn von Daar es Salaam nach Mrogoro zur Beschlußfassung zugehen wird. Bicepräsident v. Frege: Ich schlage daraufhin dem Hause vor, die Beratung und Abstimmung über die Resolution der Kommission zu vertagen. Ein Widerspruch gegen diesen Vorschlag erhebt sich nicht. Wir haben daher nur abzustimmen über den betreffenden Titel. In der Abstimmung wird der Antrag der Budgetkommission auf Streichung der Position angenommen. Abg. Gamp( Np.): Ich hatte mich zu dem Titel zum Wort gemeldet und verzichte nunmehr auf das Wort.( Große Heiterkeit.) Der Rest des Etats für Ostafrika wird hierauf debattelos erledigt. Es folgt der Etat für Kamerun. Abg. Schrempf( f.) Präsident Graf Ballestrem: In früheren Fällen handelte es sich immer um eine Principenfrage und nicht um einen speciellen Fall. Ich erkläre nochmals, daß ich Sie dringend ersuchen muß. von einer Erörterung des speciellen Falls abzusehen.( Bravo! rechts.) Abg. Bebel( fortfahrend): Wenn Ich bin andrer Ansicht. Der Herr Präsident hat aber als Präsident das Recht, mir derartige Vorschriften zu machen. ich auf den Fall hier nicht weiter eingehen kann, bin ich genötigt zu schweigen. Ich glaube aber, dieses mein Schweigen wird im Lande draußen gewürdigt werden.( Bravo! bei den Socialdemotraten.) Kolonialdirektor Dr. Stübel: Speisebohnen Aale Bander Hechter 7,- 6,66 Barsche 7,90 5,20 Schleie 40, 25,- Bleie 45,-25,- Strebse 70,- 30, 2,50 1,20 2,40 1, 1,80 0,80 3,-1,20 1,20,80 per Schock 12,- 3, *) ab Bahn. Produktenmarkt vom 11. März. Getreide. Heute scheiterten die verschiedenen anregenden Momente, insbesondere das kalte Wetter und die brüdenden Luftlosigkeit des Martts. In Getreide und Mehl waren die Umfesten Preismeldungen aus Destreich- Ungarn und Amerika an der er fäße ganz unbedeutend; Preise unverändert, da Avancen bei dem überwiegenden Angebot und der fehlenden Frage nicht zu erzielen waren. Ausländische Offerten waren außer Rendiment; inländische ziemlich umfang: reich; auch Roggen, der in den letzten Tagen knapper gehalten war, war reichlicher zu haben. Hafer notierte etwas fester. Mais unverändert. Rüböl war ohne Handel. Spiritus unverändert. 70 er loco 44,20 m. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 Uhr abends statt. E. N. 100. Jn Moabit ist Stephanstraße 2 eine städtische RealWannsee- Bahn. Die alte Wannsee Bahn wurde am 1. Juni 1874 eröffnet, die neue am 1. Oftober 1891. R. K. Nach dem Nachtrag zu Ihrem Mietsvertrag ist der neue Eigentümer berechtigt, wie von ihm geschehen, mit halbjährlicher Frist zum 1. Oftober 1901 zu fündigen. F. F. 39. 1. Sie können gegen den Betreffenden Strafanzeige wegen Beleidigung und Freiheitsberaubung bei der Staatsanwaltschaft erstatten. 2. Der Stauf ist perfekt, Ihre Frau kann aber von dem Vertrag zurücktreten, weil sie sich in dem ihren Kauf be stimmenden Irrtum befand, der Betreffende sei Vereinsmitglied. Zwei Wettende, Rigdorf. Von der Ausübung des Reichstagswahlrechts ist derjenige ausgeschlossen, der eine Armenunterstüßung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln bezieht oder im letzten der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen hat. Die Nichtentrichtung der Steuer ist ohne Einfluß auf die Ausübung des Wahlrechts. Der Grund und Boden in Swakopmund gehört der Deutschen Rolonialgesellschaft in Südwest- Afrika, die Regierung hat X. 95. Kommen Sie in die Sprechstunde. darüber in feiner Weise zu verfügen. Was die Frage anlangt, Arthur K. Briefliche Antwort erteilen wir nicht. 1. Anfrage be= ob die Arbeiter dort die Invalidenrente nach Maßgabe der deutschen treffend den Austritt aus der Landeskirche. In Preußen kann Geseze beziehen oder nicht, so habe ich zu erwidern, daß nach dem Gesetz vom 14. Mai 1873 jeder( im Geltungsgebiet des Allgemeinen dies Gesetz in Afrika nicht gilt, daß aber die Verwaltung grund- andrechts, jeder der das 14. Lebensjahr vollendet hat) aus einer Kirche mit fäßlich allen denen, die die Nente in Deutschland bekommen haben Wohnorts eine dahingehende Erklärung abgiebt. Der Austrittserklärung bürgerlicher Wirkung dadurch austreten, daß er in Person vor dem Richter seines würden, eine solche Rente zugebilligt hat und zubilligen wird. Der muß ein hierauf gerichteter Antrag vorangehen. Sodann findet, nicht vor 4 Einwanderung der Mädchen nach Südwest- Afrika steht die Kolonial- und nicht nach 6 Wochen nach Eingang dieses Antrags, vor dem Richter verwaltung vollkommen fern. Es ist die Deutsche Kolonialgesellschaft, Termin zur Aufnahme des Antrags zu gerichtlichem Protokoll statt. Der welche aus einem ihr dazu zur Verfügung stehenden Fonds nicht nur aus der Kirche Ausgetretene erhält auf sein Verlangen eine Beschei Mädchen, sondern auch Familien nach Südwest- Afrika leitete. Daß und nur für diese Person, also nicht für Ehefrauen, Kinder oder Mündel, nigung seines Austritts.- Die Austrittserklärung kann nur in Person, sich in dieser Beziehung unerfreuliche Verhältnisse gezeigt haben, erfolgen. 2. Wegen Aufnahme in die freireligiöse Gemeinde wenden Sie insbesondere, daß Selbstmorde der Mädchen vorgekommen sind, ist sich direkt an diese( Hoffmann, Blumenstr. 14). die Kolonialverwaltung vollkommen unbekannt geblieben. Ich will S. S. 30. 1. Nein, es liegt Verjährung vor. 2. Den vollen Rest aber gern auf Mitteilung des Herrn Bebel hin eine diesbezügliche mußten Sie zahlen, denn zunächst beträgt die Verjährung in Ihrem Fall, Anfrage an den Gouverneur nach Windhoek richten. Abg. Bebel: beklagt sich über die Erteilung von großen Landkonzessionen an Nach meiner Meinung genügt es nicht, daß die KolonialPrivatgesellschaften in Kamerun. Viel besser wäre es, wenn die verwaltung nur den invaliden Arbeitern die Rente zubilligt, sondern Schwarzen kleine Farmen übernähmen und sie bewirtschafteten. es handelt sich darum, daß den Arbeitern während ihrer dortigen Eine zweite wichtige Frage ist die Arbeiterfraage. Es ist in Beschäftigung die Versicherung gegen Invalidität ermöglicht werde. Kamerun außerordentlich schwer, für die Farmen Arbeiter zu ge- Das ließe sich auf dem Wege der Verordnung sehr einfach erreichen. Abg. Haffe( natl.) wünscht eine Uebersicht über die Konzessions verhältnisse in Südwestafrika. und wird von Perdie dazu nicht geeignet sind. 82. 1. da die Waren zum Gewerbebetrieb entnommen sind, 4 Jahre und ferner liegt in den Abschlagszahlungen ein Anerkenntnis der Schuld. Ein solches unterbricht aber den Lauf der Verjährung. D.. 08. 1. Jn 5 Jahren. 2. Strafantrag ist nicht erforderlich. G. 5. 100. Nach Aufhebung der Verlobung sind die Verlöbniszeichen( Ring, Photographie u. dergl.) zurückgericht und bei Objeften über 300 M. Landgericht) geklagt werden. zugeben. Auf Rückgabe kann innerhalb eines Jahrs beim Gericht( Amts: A. B. 9. Ja. melbung. – W. B. 1840. Es tan en el tot ber kann Ihnen lediglich wiederholt geraten winnen und zwar deshalb, weil die Ernährung der Arbeiter durch werden, von allen Schritten mit Ausnahme des auf Aufhebung der Ent aus ungenügend ist und ebenso ihre Bezahlung; sie erhalten 5 bis mündigung abzielenden Abstand zu nehmen. Eine weitere Ratserteilung 8 M. den Monat. Außerdem läßt ihre Behandlung sehr viel zu Kolonialdirektor Stübel stellt eine kartographische Darstellung muß als völlig zwecklos abgelehnt werden. Mühlekarl 72. Nein. wünschen übrig. Daß die Prügelstra fe dort von Zeit zu Zeit der Besizverhältnisse in Südwestafrika noch vor der dritten Lesung bezahlt hat, muß sie ihm zurückerstattet werden; sonst liegt, falls der Chef N. N. 10. Sobald sich herausstellt, wer irrtümlich die Summe zu viel angewendet wird, ist wohl unvermeidlich, aber ihre des Etats in Aussicht. einverstanden ist, fein hindernis vor, über die Summe zu verfügen. Ausführung ist außerordentlich brutal Das Ordinarium wird bewilligt. Jm Extra- Ordinarium werden. F. 13. Wird bei dem Betriebe einer Eisenbahn ein Mensch getötet sönlichkeiten vollzogen, die Die zur Vermehrung der Artillerie" 321 000 m. berlangt. oder förperlich verlegt, so haftet der Bahneigentümer für den dadurch entEuropäer macht das heiße Klima nervös, und wenn sie dort nicht Die Kommission beantragt als erste Rate nur 250 000 m. zu bestandenen Schaden, sofern er nicht beweist, daß der Unfall durch höhere mehr von civilisierten Menschen umgeben werden, wie hier, und willigen. Gewalt oder durch eignes Verschulden des Getöteten oder Verlegten verfelbst nicht civilisiert genug sind, so bricht ein Grad von ursacht ist. Die Witwe des Ueberfahrenen hat also unter der Voraussetzung, Roheit bei ihnen hervor, den man bei einem gebildeten Die Forderung auf Vermehrung der Artillerie, die hier gestellt Der Schadensersatz besteht in dem Ersatz der Kosten einer versuchten Heilung daß nicht eignes Verschulden vorliegt, vollen Anspruch auf Schadensersatz. Mann gar nicht erwarten sollte. Der Deutsche Reichs- wird, ist eine ganz ungewöhnliche und ist von der Kolonialverwaltung und der Beerdigung sowie in Ersatz dessen, was der Witwe infolge des bote" in Stuttgart hat seiner Zeit eine Reihe der schwersten in der Kommission absolut nicht stichhaltig begründet worden. Be- unfalls ihres Manns an Unterhalt entgangen ist. Die Höhe dieses Klagen gegen die Beamten in Kamerun erhoben. Ich werde dies zeichnend für die Haltung der Herren, die sich sonst immer unterhaltserfages ist unter Würdigung aller Umstände vom Gericht zu beMaterial dem Herrn Kolonialdirektor zur Verfügung stellen behufs fo warm für die Boeren aussprechen, war es, daß in der stimmen und, falls man sich nicht über ein Kapital einigt, in Form einer weiterer Prüfung. Ich werde zunächst abwarten, was geschieht, Kommission die Vermehrung der Artillerie in Südwest- Afrika im Rente zuzubilligen. Davon, daß dieser Ersatz 300 Mart nicht übersteigen und wenn man sich ebenfalls darauf beschränken sollte, die Sache wesentlichen damit begründet wurde, daß man, im Fall die Boeren dürfe, kann gar keine Rede sein. In der Regel wird er in einer Jahresdurch die Brille des Herrn Gouverneurs v. Buttkamer anzusehen, in großer Menge zu uns fämen, die deutschen Besitzverhältnisse auf- rente bon etwa 600 bis 1200 Mart bestehen. Sollte in der That die werde ich später im einzelnen Fälle zur Sprache bringen. Es wird recht erhalten könnte. Man meint, die Boeren wären grausam, fie und dies schriftlich zum Ausdruck gebracht haben, so veranlassen Sie Elektrische behauptet haben, 300 Mart Kapital- Entschädigung sei der Höchstsatz darin vor allen Dingen über die grausame Behandlung der Ein- wollten nicht arbeiten und vor allen Dingen feien fie nicht wohl die Witwe, mit dem Material Montags oder Freitags in der gebornen, auch von unsittlichen Ausschreitungen gegen dieselben be- leicht zu regieren. Ich bin der Ansicht, daß die Boeren juristischen Sprechstunde vorzusprechen. Abg. v. Vollmar( Soc.): A. W. 97. Nein Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 12. März. Opernhaus. Das goldene Kreuz. Bergißmeinnicht. Anf. 72 Uhr. Schauspielhaus. Die Journalisten. Anfang 72 Uhr. RANIA** Taubenstr. 48/49. Im Theater Dienstagabend 8 Uhr: a Unser Rhein, von der Quelle bis zur Mündung. Im Hörsaal: Mittelmeerfahrten. Invalidenstr. 57/62. Cirkus Busch Dienstag, den 12. März, 71/2 Uhr: Elite Abend. Gerner: Auftreten des berühmten amerita nischen Pferdebändigers Professor Norton B. Smith. Besonders hervorzuheben: Die gefährliche Fahrt unter der Teufelsbrücke. Schulreiterin, als Weiße Dame" 2c. Zum Schluß: Bum 105. Male: Neues Obern: Theater( Rroll). Tägl. Sternwarte. Außerdem: Gräulein Mart me se, Geschlossen. Schiller. Rosmersholm. 8 Uhr. Anfang Deutsches. Der Probekandidat. An fang 712 Uhr. Leffing. CASTANS Die Zwillingsschwefter. PANOPTICUM Anfang 72 Uhr. Berliner. Ueber unsre Kraft.( 2. Teil.) Anfang 72 Uhr. Residenz. Teremtete. Hierauf: Leontinens Ehemänner. Anfang 712 Uhr. Neues. Der Hüttenbesizer. Anfang 712 Uhr. Westen. Der Wahrheitsmund. Anfang 7 Uhr. Secessionsbühne. Buntes Theater: Ueberbrettl. Anf. 72 Uhr. Thalia. Der Kadetten- Vater. An: fang 7 Uhr. Central. San Toy. Anfang 71/2 Uhr. Luisen. Der Erbförster. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Der Damenschneider. Anfang 72 Uhr. Carl Weiß. Die Goldgräber von Kalifornien. Anfang 8 Uhr. Belle Alliance. Der Leibalte. Anfang 8 Uhr. Ein RiesenNeu! Neu! Neu! GORILLA aus Yaunde, Hinterland von Kamerun erlegt von einem Deutschen, die grösste zoologische Sehenswürdigkeit des neuen Jahrhunderts. Konzertkapelle la Zarina. Der Germanensaal. Thalia- Theater Dresdenerstr. 72. Heute und folgende Tage: Der Kadetten- Vater. Anfang 72 Uhr. Metropol. Specialitätenvorstellung. Posse mit Gef. u. Tanz in 5 Bildern. Man lebt ja nur einmal. Anfang 71/2 Uhr. Apollo. Specialitäten Vorstellung. Des Löwen Erwachen. Anfang 8 Uhr. Palaft. Specialitäten Borstellung. Die beiden Wenzel. Anfang 72 Uhr. 1. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage Theater.„ D"-Borstellung. Rosendienstag. Anfang nachm. 3 Uhr. # Paffage Panoptikum. Speciali täten- Borstellung. Urania. Taubenstr. 48/49.( Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: Unser Rhein, von der Quelle bis zur Mündung". Im Hörsaal: Mittelmeer fahrten". Anfang 8 Uhr. Invalidenstraße 57/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Schiller Theater ( Wallner Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Rosmersholm. Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrit Jbsen. Deutsch von A. Zint. Mittwoch abend 8 Uhr: Ein Schritt vom Wege. Donnerstagabend 8 Uhr: Rosmersholm. Central- Theater. Mit vollständig neuer Ausstattung an Dekorationen und Kostümen. Gaftspiel: Miss Mary Halton. San Toy. Chinesische Operette in 2 Aften von Edw. Morton, Greenbank und Noß. Musik von Sidney Jones. Morgen und folgende Tage: San Toy. Carl Weiss- Theater Gr. Frankfurterstr. 132. Die Goldgräber von Kalifornien. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Das Modell. Donners tag: Kabale und Liebe. Freitag: Opern- Gastspiel: Undine. Roman tische Oper in 4 Atten von Lorging. Sonnabendnachmittag 4 Uhr: Kinder: vorstellung: Dornröschen. Abends: Die Bluthochzeit. Billetvorverkauf zur Opern- Vorstellung von heute ab an der Kasse. Passage- Panopticum Neu! New! Yvette Guilbert mit ihren Orig. Vorträgen: La Glu( Das Herz der Mutter), Nerveuse, Ma Grandmère, Rosa la Rouge. Die große Künstlerin ist in Lebensgröße dargestellt. Sämtl. Vorträge find v. d. Künstlerin selbst in den phonogr. Apparat gesungen und eriftiert feine zweite Aufnahme derselben. Es bietet sich jedem, der Yvette Guilbert noch nicht gesehen u. gehört, hier Gelegenheit, das Herren: Thomas, Thielscher, Selmerding, Junkermann, Baulmüller. Damen: Milton, Bojé, Wannovius. Jm 5. Bild: Das leberbrettl. Pierrot: Emil Thomas. Colombine: Guido Thielscher. Harletin: Hans Juntermann. Morgen und folgende Tage: Der Kadetten- Vater. Metropol- Theater Behrenstr. 55/57. Man lebt ja nur einmal. Große Gesangspoffe in 5 Bildern. Das neue MärzVorher: Specialitäten- Progr. Anf. 18 Uhr, der Posse 1/29 Uhr. Rauchen überall gestattet. Palast- Theater früher Feen- Palast, Burgstr. 22. Das Prima- März Programm! Nur Schlager 1. Rangs! 82 Uhr Präcife 812 Uhr Die beiden Wenzel. Schwant in 1 Aft von E. Felsch. Raabe, früher Schauspieler: Dir. Richard Winkler. Brothers Lington in ihren großartigen Leistungen als Excentrictrobaten Mac Kean, neu für Europa! Elektro- Illustra- Gesangs Att. Familie Kolter- Talaschus, fünf Personen auf dem Turmseil. 12 Prima Schaunummern. Aufang 72 Uhr. Entree 50 Pf. Passage- Theater Anfang Sonntags 12 Uhr, Wochentags 3 Uhr. Ende 11 Uhr. Fortsetzung der DamenRing- Kämpfe Auftr. d. Ringkämpferinnen nachm. 6 Uhr, abends 10 Uhr. Rosendienstag. 17 erstklass. Nummern. Apollo- Theater. Kolossaler Erfolg! Grigory Truppe Salerno Die Wolkovskys Bernh. Mörbitz Miss Deyo Die eiserne Maske. Le masque de fer. Großes historisches Manege- Schauftück in 4 Atten und 3 Hauptbildern. Unter anderm: Die Jagd bis in die Cirkuskuppel hinauf. Socialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis( Osten). Dienstag, den 12. März, abends 81/2 Uhr, Gr. Frankfurterstr. 117: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Weyl über die bevorstehende Aenderung des Krankenkassen- Gesetzes. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht III. Wahlkreis. Mittwoch, 13. März, abends 8 Uhr, in der Ressource, Kommandantenstr. 57: Volks- Versammlung. Tages Ordnung: s 1. Vortrag des Genossen Dr. Leo Arons über: Ziel und Wege. 212/2 Sonntag, 17. März, nachmittags 2. Diskussion. 4 Uhr: Berliner Landpartien", wozu jeder Erwachsene auf allen Sit plätzen 1 Kind frei hat; weitere Kinder die Hälfte. Abends 72 Uhr: Die eiserne Maste. Sanssouci Donnerstag, Sonntag und Montag: Hoffmanns Nordd. Sänger. Nach jeder Soiree: Tanzkränzchen. Wochentags Tanz frei. Vereinsbillets gültig. Donnerstag: Wachsfiguren. Deutsche Konzerthallen An der Spandauer Brücke 3. Täglich: Internationale Künstler- Konzerte. 4 ausländische Kapellen. Bock- Anstich. Täglich grosse SpecialitätenVorstellung. W. Noacks Theater. Brunnenstraße 16. Ehrliche Arbeit. Boltsstück mit Gesang in drei Aften ( 5 Bildern) von H. Willen. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen. Mittwoch: Mein Leopold. 8708* Zahlreichen Besuch der Genossinnen und Genossen erwartet Der Vertrauensmann. DRC Rixdorf. Socialdemokratischer Wahlverein. Mittwoch, den 13. März, abends 82 Uhr, im Apollo- Theater, Hermannstr. 48-49: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Dr. Paul Bernstein über: Die ärztliche Wissenschaft in der Gegenwart und Zukunft. 2. Diskussion. 3. Berschiedenes. 4. Be ftätigung der zur Aufnahme gemeldeten Mitglieder. Bahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. 232/6 Deutscher Buchbinder- Verband. Zahlstelle Berlin. Morgen Mittwoch, den 13. März, abends 81/2 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen P. Jahn über:" Welthandel im 19. Jahrhundert." 2. Abrechnung vom Sylvester- Bergnügen. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 24/1 Die Ortsverwaltung. Deutsch. Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Bureau: Engel- lfer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt VII, 353. Der Vorstand. 243/9 Allgem. Kranken- u. Sterbetasse der Metallarbeiter ( E. H. 29 Hamburg.) Filiale Rummelsburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Albert Schröder am Sonnabend, den 9. März, vers storben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet heute Dienstagnachmittag 3 Uhr vom Sterbe hause, Friedrichsberg, Frankfurter Chaussee Nr. 48/49 aus nach dem Friedrichsberger Kirchhof statt. Um rege Beteiligung bittet 119/2 Die Ortsverwaltung. Den Verwandten nebst den Parkett: legern die traurige Nachricht, daß meine Frau Sonntagabend um 6 Uhr nach vielen Leiden verschieden ist. Die Beerdigung findet Donnerstag: nachu. 32 Uhr von der Charité aus statt. Julius Victor. Danksagung. Für die innige Teilnahme und reichen Blumenspenden bei dem Be gräbnis meiner lieben Frau sage ich im Namen meiner Kinder und Ver: wandten allen Freunden und Betannten, unfren Herrn Mitarbeitern, insbesondere Herrn Waldeck Manasse für die trostreichen Worte, und der Freien Liedertafel" meinen herz[ 3084b lichsten Dant. Emil Kensberg, Wallnertheaterstraße Nr. 14. Danksagung. Allen Kollegen, Berwandten und Bekannten, insbesondere dem Wahl. verein in 4. Reichstags: Wahlkreis ( Südosten) für die zahlreiche Beteili gung bei der Beerdigung meines lieben Manns Gustav Helbig fage ich hierdurch meinen herzlichsten Dant. 3089b] Ww. Bertha Helbig. Dienstag, den 12. März, abends 7 Uhr, bei Herrn Fiebig, Orts- Krankenkasse Gr. Frankfurterstr. 28: Versammlung 120 sämtlicher Arbeiter der Firma Julius Pintsch. Tages Ordnung: der Sattler und verwandten Gewerbe zu Berlin. Zweite Abänderung zum Statut. Artikel 1. § 54 Absatz 2 des Statuts erhält 1. Unter welchen Zuständen arbeiten die Kollegen im Betriebe der folgende Faffung: Weltfirma Pintsch? 2. Distussion. Mittwoch, den 13. März, abends 8½ 1hr: Vertrauensmänner- Konferenzen: Drücker und Gürtler bei Stramm, Ritterstraße 123. Schlosser bet Mürschel, Jübenstraße 35. ardinen TigtbilderSpecialhaus. Berlin S., 158. Emil Lefèvre Oranienstr. Wunderbare Neuheiten, Gardinen, Stores, Vitrages in Secession- u. Jugendstil. Katalog ca. 450 Jlluft. gratis u. franco. Reste von 2-6 Fenster spottbillig. Mein Gardinen- Apparat patent. ermöglicht in 5 Min. Besichtigung von ca. 300 Original- Mustern. Gardinenhaus Bernhard Schwark. Nur Gardinen u. Stores. Wallstraße 29 Flur Eingang. Engros, Detail, Export. 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Männervortrag Kommandantenstraße 20, morgen Mittwoch, abends 9 Uhr, über: Männer- Geschlechtsleben und Leiden. aturärztliche Sprechst. 11-2. 6-8. Kurbad, Köpnickerstr. 72. Dieselben sowie die andern Be amten werden von der General: versammlung gewählt, sie müssen großjährig und im Besize der bürger lichen Ehrenrechte sein. Absatz 3 ist zu streichen. Artikel 2. Diese Abänderung tritt mit dem erften Montag nach der Genehmigung in Straft. Berlin, den 21. Dezember 1900. H. Werner, Borsitzender. P. Jenner, Schriftführer. Genehmigt Berlin, den 28. februar 1901. Namens des Bezirksausschusses, Abteilung II: Der Vorsitzende: Kayser. ( L. S.) Derselbe Vortrag: Freitag, 15. März, Andreasstr. 21 8 3212/3100 Gem. II. 01. bei Stechert. Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Wochentags 7 Uhr. Karlstrasse. Nur erstklassige Sonntags 5 Uhr. Specialitäten. Direktion: J. M. Hutt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Riesen- Walfisch. 21 Meter lang. 150 000 Pfd. schwer. 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Jenner, Schriftf., N., Swine münderstr. 4. 271/7 Großer Vortrag ( Damen und Herren) Mittwoch, 1/1, arz cr., abends 82 Uhr, Swinemünderftr. 42( Hübner): Herr Naturarzt R. Geist spricht über: [ 286/3 Die verkehrte Geschlechtsempfindung oder das 3. Geschlecht. Verbrechen oder Krankheit?" Freie Aussprache! Gäfte: 20 Pf. Eintrittsgeld. NB. Am 21. März: Großzer Frauen Vortrag im selben Lokal! Neuer Naturheilverein = Charlottenburg- Berlin. J. A.: F. Lange, Charlottenburg, Gardes du Corpsstr. 9. Kranz- und Blumenbinderei von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Vereins- Kränze, Palmen- u. Blumen Arrangements, Bouquets, Guirlanden ufw. werden fein u. preiswert geliefert. Kränze und Blumen empfiehlt[ 9402* Trauringe, gefeßlich gestempelt 900, 1 Dukaten 10 M., 3 Dutaten 20 D. F. Jacobitz, Koppenstr. 46. Löffel. Alfenidewaren vom billigsten bis feinsten Genre. Jeder Gegenstand ist mit deutlich lesbarem Preise ausgezeichnet. Hauptgeſchäſt: Rosenthalerstr. 10. Mecklenburg. Schwarz- u. 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Wir wollen noch darauf hinweisen, daß auf beiden Seiten des Grabes je eine Grabstätte zur Verfügung steht. Dem einfachen und schlichten Charakter des Verstorbenen entsprechend soll auch das Denkmal einfach sein nnd daher ist von verschiedenen Seiten dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß ein unbehauener Granitblock sich wohl am besten eigne. Jedoch ist es dem Einzelnen freigestellt, auch andre Ideen zur Darstellung zu bringen; auf alle Fälle soll das Portrait(Relief oder Büste möglichst in Bronze) angebracht sein. Die Entwürfe(Zeichnungen oder plastische Skizzen) sind ver- schlössen mit einem Motto versehen, bis spätestens SV. April d. I. an den Unterzeichneten einzusenden. Außerdem ist die Adresse des Verfertigers in einem verschlossenen Couvert, welches als Aufschrift das gleiche Motto tragen mutz, beizufügen. Im Auftrage des Komitees: Johann Pfarr, Berlin(Moabit). Putlitzstr. 10. Erster Wahlkreis. Der Wahlverein hält am heutigen Dienstag seine Versammlung in der Fischerstr. 2S ab. Reichstags-Äbgeordneter Rosenow spricht über: Junkertum und Bauerntum im Lichte der Geschichte und der Kampf um die Getreidezölle. Der Vorstand. Socialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis OOsten). Heute abend SVe Uhr, Große Frankfurterstr. 117: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Wehl über die bevorstehende Aenderung des Kranken- kassen-Gesctzes. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Rixdorf. Socialdemokratischer Wahlverein. Mitglieder- Ver- samnilung 13. März im Apollo- Theater, Hcrmanustraße 48/49. Tagesordnung: Vortrag des Dr. Paul Bernstein über: Die ärzt- liche Wissenschaft in der Gegenwart und Zukunft. Der Vorstand. Zur Lokalliste. In S ch ö n e i ch e bei Friedrichshagen ist das Lokal von Hüpenbecker zu Versammlungen nicht mehr zn haben. Sollten bei dem betreffenden Wirt Vereinsvergnügungen usw. an- gemeldet sein, so wird ersucht, dieselben rückgängig zu machen. Den Parteigenossen steht das Lokal von Händler in Schöneiche zur Verfügung. Die Lokalkommission von Friedrichshagcn. Groß-Lichterscldc. Morgen, Mittwochabend 8 Uhr, General- Versammlung des socialdemokratischen Wahlvereins. Vortrag. Ab- änderung der Statuten. Freitagabend 8 Uhr im Lokal des Herrn Pagel, Chausseestr. 104, öffentliche Protest Versammlung gegen den Antrag der vereinigten Grundbesitzer- vereine auf Verschlechterung des Kommunal-Wahl- rechts. Referent Stadtverordneter P. Hirsch, Charlottcnburg. MommunÄlss. Der EtatSanSschnß der Stadtverordnetcn-Versammlnng, dem von unsren Genossen Borg mann, Bruns und Dr. Freudenberg angehören, hat am Sonnabend seine erste Sitzung abgehalten. Beim Specialetat.Ländliche Grund- st ü ck e" wies Dr. Freude nberg darauf hin, daß die in den Gemeinden Rixdorf und C h a r I o t t e n b u r g belegenen Grund- stücke der Stadtgcmeinde Berlin dieser bedeutend mehr an Steuern kosten, als sie der Stadt Nutzen einbringen. Fleudenberg gab es der Erwägung des Magistrats anHeim, diese recht bedeutenden Grundstücke den Nachbargcmeindcn in E r b b a u p a ch t zu geben mit der Verpflichtung. Arbeiter-Wohnhäuscr darauf zu bauen. Zu einer recht lebhasten Debatte gestalteten sich die Verhandlungen über die Krankenhäuser und Irrenanstalten. Gen. Dr. Freuden- berg kündigt an, daß er bei der zweiten Lesung des Etats im Plenum der Versammlung die vom Reichstags-Abgeordneten Antrick im Reichstag gegen die Verwaltung des Moabiter Kranken- Hauses erhobenen Beschwerden zur Erörterung bringen werde. Er fragt ferner an, ob dem Magistrat eine in der„Gewerkschaft" wiedergegebene Aeußerung des Inspektors B o e ck l e r im Kranken- Haus Moabit bekannt sei, wonach der Inspektor den ihm unter- stellten Arbeitern mit sofortiger Entlassung gedroht habe, wenn fie dem Verban'd der städtischen Arbeiter beitreten würden. Vom Magistratsvertreter wurde angeführt, daß sich durch die angestellten Ermittelungen die Unrichtigkeit der Zeitungsnotiz ergeben habe. Die Verwaltung werde die Arbeiter nicht hindern, sich einer Organisation anzuschließen. An den Löhnen und der Beköstigung des Pflegepersonals bemängelte Dr. Freudenberg, daß die Wärter und Wärte- rinnen schlechter gestellt sind als die V i c t o r i a s ch w e st e r n und verlangte eine gleichmäßige Behandlung aller Pfleger und Pflegerinnen, um so ein dauerndes, tüchtiges Wartepersonal zu er- halten. Ein hierauf bezüglicher Antrag wurde jedoch vom Ausschuß abgelehnt, weil nach Meinung der Majorität die Arbeitsleistung nicht übereinstimmend sei und die aus besseren Familien stam- Menden Viktoriaschwestern eine bessere Behandlung gewöhnt seien I Die Löhne des Pflegepersonals der Irren- a n st a l t Dalldorf hat die Verwaltung auf 108 474 M. veranschlagt. an den Etat aber die Bemerkung geknüpft, daß versucht werden solle, mit 100 000 M. auszukommen. Auf Vorhalten des Ausschusses erklärte der Magistrat diese Bemerkung für einen vorgekommenen Lapsus. Dr. Freudenberg ivies ferner darauf hin, daß von der Verwaltung bereits mehr Geisteskranke in Privatirrenanstalten untergebracht seien, als die neue An- statt in Buch zu fasten vermöge und daß infolgedessen schon jetzt an den Bau einer vierten An st alt gedacht' werden müsse. Der Magistrat erwiderte, daß sich die Verwaltung um ein Grundstück für diesen Zweck bemühe. Beim Etat für„Wuh lg arten" fragte Borgmann, ob der Magistrat Maßregeln ergriffen habe, die eine Wieder- holung des Vorfalls verhindere, daß eine bereits begrabene Leiche eines Epileptikers wieder ansgegraben und der Kopf abgeschnitten wurde, um wissenschaftliche Untersuchungen daran vorzunehmen. Die Richtigkeit der Zeitungsnotiz wurde vom Magistratsvertreter be- stätigt. Der Leiter der Anstalt habe sich im wissenschaftlichen Ueber- eifer zu dem auch vom Magistrat getadelten Schritt verleiten lassen. Bei allen städtischen Anstalten bestehe die Vorschrift, daß Sek- t i o n e n am Verstorbenen nicht vorgenommen werden dürfen, wenn innerhalb 24 Stunden nach dem Tode von hierzu berechtigten Personen Einspruch erhoben werde. Gegen den Beamten schwebe ein Verfahren bei der Staatsanwaltschaft. Bis jetzt sei vom Magistrat noch nichts geschehen, um solche Vorkommnisse künftig zu verhüten. doch sei eine Aufforderung des Ober- Präsidenten an den Magistrat ergangen, eine generelle Vorschrift zu erlassen. Borgmann glaubte, daß der Magistrat«ine solche Ver- fügung hätte erlassen können, ohne erst die Anregung der Aufsichts- behörde abzuwarten. Gegen eine Scciernng von Leichen im Interesse der Wissenschaft und der Krankcnbehandlung sei gewiß nichts einzu- wenden, nur müßten die Aerzte sich nicht von ihrem Uebereifcr zu weit fortreißen lassen. Die zweite Lesung des Etats der Bade- an st alten wurde ausgesetzt, weil man auf eine Anfrage von Bruns, welche Funktionen die im Etat mit 24 Mark monat- l i ch e m Lohn eingestellten Gallerieschlietzer hätten, keine Aus- kunft geben konnte. Eine längere Debatte gab bei diesem Etat die Petition der Privat-Badean st alts-Be sitzer, die aus den„Volks- bädern".Armenbäder" machen möchten, und die verlangen, daß die Stadt sie für den ihnen durch die Konkurrenz der Volks-Badeanstalten entgangenen Gewinn entschädige. Borginann bezeichnete die er- hobenen Forderungen sehr zutreffend als„unverschämte An- m a ß u n g e n", die nicht energisch genug zurückgewiesen werden könnten. Der Ausschuß ging denn auch über die Petition zur Tagesordnung über. Aenderungen wurden in den erledigten Etats nicht vorgenommen._ Die Zahl der an das Rohrsystem der Berliner Wasser- werke angeschlossenen Grundstücke betrug am Ende des letzten Verwaltungsjahrs 23 327 d. i. 301 mehr als im Vorjahr. Von diesen Grundstücken ivaren 20 624 an das Rohrnetz der Niederstadt und 4527 an das Rohrnetz der Hochstadt angeschlossen. Die Zahl der städtisches Leitungswasser denutzenden Personen betrug im Jahresdurchschnitt 1810 261 d. h. 25 262 mehr als im Vorjahr. Der Wasserverbrauch pro Kopf und Tag stellt sich auf 79,74 Liter. Die nächste Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung wird sich mit der Bewilligung von Ruhegeld und der Hinterbliebenen- Versorgung an die ohne Pensionsberechtigung im Dienste der Stadt dauernd thätigen Arbeiter beschäftigen. Der Ausschuß zur Vor- beratung der Magistratsvorlage hat nach sechs Sitzungen den Stadt- verordneten D i n s e zum Berichterstatter gewählt,' der über die bereits früher von uns mitgeteilten Beschlüste berichten wird. � UokAles. Ueber die Mithilfe der Frauen an der Ausführung des nencn preußischen Fürsorge-Grzichnngsgesetzes, das am 1. April dieses Jahrs in Kraft tritt, wurde am Sonnabend in einer all- gemeinen Versammlung der Mitglieder hiesiger Erzieh nngs- und Fürsorgevereine beraten. Die Er- örterung, die durch ein Referat bcS Geheimrats v. Massow ein- geleitet'wurde, war sehr ausgedehnt und lebhaft, aber sie führte eigentlich zu keinem besonderen Ergebnis. Es wurde lediglich festgestellt, daß die Mitwirkung der Frauen bei der Aus- sührung des Gesetzes notwendig sei und daß die auf dem Gebiet' der Erziehung und der bewahrenden Fürsorge thätigen Vereine zu solcher Mitwirkung bereit seien. Ob ein einheitliches Vorgehen geplant ist, blieb unklar; wenigstens wurde ein dahin- gehender Beschluß weder gefaßt noch überhaupt angeregt. Die Thätigkeit der Frauen sali vorwiegend bestehen in Ermittelung und Prüfung solcher Fälle von Verwahrlosung, bei denen die Not- wendigkcit einer Fürsorge-Erziehnng vorzuliegen scheint. Diese Fälle sollen gegebenenfalls zur Kenntnis der Behörden gebracht werden, damit diese das Erforderliche veranlassen können. Herr v. Massow sprach auch davon, daß die Frauen noch einen Schritt weiter thun und die Gründung geeigneter Erziehungsanstalten aus Privatmitteln betreiben sollten, aber von anderer Seite wurde auf diesen Vorschlag nicht eingegangen. Im allgemeinen wurden von den Damen recht überschwengliche Hoffnungen an das Fürsorge- erziehungs- Gesetz geknüpft, besonders hinsichtlich der jugendlichen P r o st i t u i e r t e n. Wir fürchten indes, gerade hier wird sich zu allererst zeigen, daß das Fürsorgeerziehungs- Gesetz eben doch nur bis zu einem gewissen Grade zur Bekämpfung jugendlicher Verwahrlosung beitragen kann. Wir unterschätzen den Wert der Erziehung— und sei es auch nur das traurige Surrogat„Zwangs- erziehung"— gewiß nicht, aber eine gute Erziehung allem bietet keinen hinreichenden Schutz gegen die Gefahr des Strauchelns. Die Thatsache, daß die Zahl der Prostituierten zu- oder abnimmt, je nachdem die Erwcrbsverhältnisse schlechter oder bester werden, beweist deutlich genug, wie stark hier wirtschaftliche Ursachen mit- sprechen. Sominerurlanb für die städtischen Arbeiter. Aus den Kreisen der städtischen Arbeiter wird uns geschrieben: Die Deputation der städtischen Kanalisations werke hat. wie der„Vorwärts" berichtet, die Forderung der Kanalisationsarbeiter auf Gewährung eines Sommerurlaubs mit der Begründung abgelehnt, daß sie hierzu nicht zuständig wäre nnd nur der Magistrat darüber ent scheiden könnte. Darauf muß erwidert werden, daß schon i m August 1899 die gesamten städtischen Arbeitrr an den Magistrat eine Petition um Gewährung von Sommerurlaub richteten, daß aber bis auf den heutigen Tag— also nach l�/s Jahren— den Petenten noch kein Bescheid vom Magistrat erteilt worden ist.— Hoffentlich holt nun der Magistrat das Versäumte nach und trägt dafür Sorge, daß der gewünschte Urlaub den städtischen Arbeitern im bevorstehenden Sommer ge ivährt wird. DaS Ocularium und feine medizinischen CommiS. Aus ärztlichen Kreisen wird der„Franks. Zeitung" geschrieben: Das Berliner Brillengeschäft„Ocularium" sucht in verschiedenen großen Städten unter der Aegide eines„persischen Professors" Albu, der bisher als Augenarzt unbekannt war. Geschäfte zu machen. Die „Schlesische Aerztc-Korrespondenz" giebt in Nunimer 3. über dieses Unternehmen lehrreichen Aufschluß.„Das„Ocularium", so heißt es darin,„preist die sogenannten dichromatischen Brillengläser an, die in der oberen Hälfte blau oder grau gefärbt sind oder am oberen Rande einen solchen(Schmntz-'j Fleck haben. Sie sind seit 25 Jahren als b i chromatische bekannt, besitzen keinen Vorzug, sind nur teurer. Für das Recht, sich seines Namens zu bedienen, soll das Berliner Ocularium Herrn Albu 13 000 M. bezahlt haben. Dreißig Aerzte sollen die Gläser angekauft und empfohlen haben. Die in Breslau angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß von zwanzig, deren Adresse gefunden wurde, keiner das„Ocularium" empfohlen hat, alle fanden ihren Namen gröblich gemitz- braucht."— Das„Ocularium" besoldet in jeder Stadt, wo es etabliert ist, einen Augenarzt, der den ganzen Tag über die Brillenkäufer im Geschäftslokale erwartet, ihnen die passenden Gläser aussucht und natürlich nur die Brillen des Instituts als die besten zu empfehlen hat. Daß zn solcher Dienststellung, in welcher der Arzt vollkommen dem das Brillen- geschäft besitzenden Kaufmanne untergeordnet ist und nur in dessen Interesse arbeitet, kein beschäftigter Augenarzt sich herabläßt, ergiebt sich schon daraus, daß die gesamten Tagesstunden von dem betreffenden Arzt im Geschäftslokale zugebracht werden, daß dieser also seine eigentliche medizinische und operative Thätigkeit als Augen, arzt überhaupt nicht ausüben kann. Der Breslauer ärztliche Verein hat es mit der ärztlichen Ehre unvereinbar erklärt, an diesem Institut thätig zu sein. Die Versuche mit dem vom Regierungsrat Hofmann erfundenen Flugapparat, die Sonntag in der Turnhalle der 6. Bürger- schule vor einem zahlreichen Publikum wiederholt wurden, sind wiederum mißglückt. Der Apparat funtttonierte in all seinen Teilen vollständig exakt; man hatte außerdem die Schienen der erhöhten Anlaufbahn mit Seife bestrichen, um die Reibung zu verringern; trotzdem fiel der noch nicht sieben Pfund schwere Flugapparat, sobald er unter dem Anttieb seines Propellers die Anlaufbahn ver- lasten hatte, sofort zur Erde nieder und rollte mit dem Räderwerk seiner drei Beine aus dem glatten Fußboden der Halle dahin, ohne auch nur den geringsten Versuch zu einem Fliegen oder auch nur zu einem Erhebe» zu machen. Nachdem drei Versuche hinter einander den gleichen Mißerfolg gehabt hatten, gab Regierungsrat Hofmann weiteres Bemühen auf. Wie er erklärte, will er von weiteren Modellversuchen nunmehr absehen und an den Bau eines Fing- apparats in großem Maßstab gehen, von dem er sich bessere Erfolge verspricht. Dem Dichter Ernst Wichert, der gestern seinen 70. Geburts- tag feierte, ivurden aus diesem Anlaß zahlreiche Ehrungen zu teil. Die Universität Königsberg schickte ihm das Diplom des Ehren- doktors der juristischen Fakultät. Die Vorstandschaft des Vereins Berliner Presse, dessen langjähriger Präsident er ist, erschien voll- zählig und brachte dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche des Vereins, der Wicherts treuem Wirken so viel verdankt._ Der zweite Vorsitzende, Ehefredacteur Vollrath von der„BollS-Zeitung", ließ seine herzliche Ansprache in dem Wunsch gipfeln, daß Wichert dem Verein auch weiter als Vorsitzender seine Kräfte widmen möge. Ferner hatten Abordnungen gesandt: der Deutsche Schrissteller- verband, der Klub des Vereins Presse, der akademische Gesang- verein u. f. w. Der Nachtrag zum Berliner Adreßbuch 1901 gelangt— wie alljährlich— im Laufe des nächsten Monats zur Ausgabe und wird den Abnehmern der Hauptausgabe unentgeltlich verabfolgt. Alle seit dem Erscheinen des Jahrgangs 1901 eingetretenen Ver- änderungen sollen in diesem Nachtrag' berücksichtigt werden. Zum Zwecke der Erreichung größter Genauigkeit und Vollständigkeit werden alle Beteiligten gebeten, Geschäftseröffnungen und-Verlegungen, Wohnungs- und Grundbesitz-Veränderungen. die seit Erscheinen der Hanptausgabe 1901 stattgefunden haben und noch nicht berücksichtigt sind, oder zu einem jetzt schon feststehenden Termin im laufenden Jahre stattfinden werden, möglichst umgehend, spätestens aber bis zum 3. April d. I., der Redaktion des Adreßbuchs, SW., Zimmerstraße 37/41, anzuzeigen. 89 Ausländer sind nach Mitteilung der Gewerbedeputation des Magistrats im verflossenen Jahre hier naturalisiert worden. Es befanden sich darunter 46 Oestrcicher. 14 Russen, je drei Schweizer, Holländer, Belgier und Ungarn, je zwei Italiener, Schweden und Norweger, je ein Engländer, Niederländer, Ameri- kaner und Afrikaner, ein ehemaliger Preuße und sechs Personen, die überhaupt keinem Staatsverband angehörten. Der Selbstmordversuch einer Riescndame wird im Oranien- burgerthorviertel viel besprochen. Die unter dem Namen„Die starke Münchnerin" bekannte 23jährige Rosa B.. welche bis vor lvenigen Monaten mit einem Schausteller als„Riesin" auf Messen und Märkten umherzog, hatte zu Weihnachten wegen eines Zwistes mit ihrem Impresario ihre Beschäftigung aufgegeben und war als „die dickste Kellnerin der Welt" in ein Konzerthaus eingetreten. Der Beruf einer Bicrhebe behagte jedoch, wie berichtet wird, schon wegen des vielen Umherrennens im Lokal, der ehemaligen, an eine sitzende Lebensweise gewohnten Riesendame nicht und sie äußerte iviedcrholt zu Kolleginnen, sie wolle sich das Leben nehmen. Am Sonnabend versuchte sie ihren Plan auszuführen und sich mit Hilfe einer, an einem Lampcnhaken angebrachten Zucker- schnür in ihrer Wohnung in der Chaustecstraße zu erhängen. Unter der Last ihres Körpergewichts riß jedoch die Schnur, die Selbstmord- kandidatin fiel bewußtlos zu Boden und zog sich im Fallen mehrere Verletzungen zu. Das Geräusch des auf den Fußboden aufschlagenden Körpers' rief die Hansbewohner herbei, deren Bemühungen es gelang, die Lebensmüde wieder zum Bewußtsein zu bringen, doch liegt sie infolge der Aufregung schwer krank darnieder. Bei einem Wohnungsbraude erstickt ist Sonntagabend die 32jährige Ehefrau des Maurers Kranz aus der Schwedenstr. 13b. Frau K. war schon seit langer Zeit derart gelähmt, daß sie sich nur an Krücken fortbewegen konnte. Sie hatte auch bereits ein volles Jahr in einem Kran'kenhausc verbracht, ohne indes Hilfe zn finden. Sonntag war nun ihr Mann mit den beiden kleinen Kindern zum Abendgottesdienst gegangen, so daß sie allein in der Wohnung zurückblieb. Vielleicht ist sie nun in ihrem Stuhle eingeschlafen nnd hat das entstandene Feuer, dessen Ursache noch unaufgeklärt ist, nicht bemerkt, da sie sonst wohl um Hilfe gerufen hätte. Kurz vor 8 Uhr bemerkten Hausbewohner dicken Qualm durch die Fenster der Kranzschen Wohnung dringen nnd verschafften sich durch Einbrechen der Thür Eingang. Anfangs war die Vcrqual- mung so stark, daß ein Vordringen unmöglich schien— auch von'Frau K. nichts bemerkt wurde. Einige beherzte Männer suchten jedoch, am Boden kriechend, das Zimmer ab und fanden die Frau am Boden liegend. Sie trugen sie eiligst nach dem nächsten Flur und benachrichtigten die Feuerwehr und die nächste Unfallstation. Da bei Ankunft der Feuerwehr ein Arzt noch nicht zur Stelle war, fuhr der Mannschaftswagen nach der Unfallstation und holte einen Arzt. Als dieser ankam, gab Frau K. nur noch geringe Lebenszeichen von sich und starb auch einige Minuten später. Ihre Leiche wurde vorläufig polizeilich beschlagnahmt. Der Ehemann K. kam in dem Augenblick mit seinen Kindern an, als seine Frau beivußtlos aus der brennenden Wohnung getragen wnrde. DaS Feuer selbst hat nur Kleidungs- stücke und den Fußboden zerstört und konnte leicht gelöscht werden. Die Fuchs-Boa. Ein Berichterstatter erzählt: Gestern vor- mittag ging die 26 Jahre alte Buchhalterin Fräulein Jahn, bei ihren Eltern in der WilmerSdorferstraße m Charlottcnburg wohnhaft, nach dem Bahnhof Jannowitzbrücke. Sie trug eine Fnchs-Boa, die an einem Ende in einen Fuchskopf auslief. Der Pelz erregte die Wut eines in einem Hausflur stehenden Fleischerhunds, der auf die Ahnungslose zustürzte und die Boa zu zerreißen suchte. Das Fräu- lein suchte das Tier abzuwehren, wobei der Hund ihre Hand mit den Zähnen erfaßte und zerbiß. Erst der inzwischen hinzugekommene Besitzer des Hunds vermochte das sich wie rasend gebärdende Tier zurückzureißen. Eine vielversprechende Pflanze wurde gestern auf dem Bahnhof Alexanderplatz in der Person eines noch nicht 13 Jahre alten Knaben Josef K. festgenommen. K. ist der Sohn eines hiesigen kleine» Beamten. Durch Lesen von Indianer- und Räubergeschichten war er auf den Gedanken gekommen, auszuwandern und auf Aden- teuer auszugehen. Das Geld zur Reise verschaffte er sich durch Diebstähle. Er ging in Läden hinein, die von einem jungen Mädchen verwaltet ivurden. und ftagte nach„Fräulein Bertha Schulz". Während man ihm dann sagte, daß eine solche Dame im Geschäft nicht bekannt sei, sah er sich nach der Einrichtung um und erspähte namentlich den Weg zur Kasse. Einmal traf er wirklich eine Bettha Schulz, ließ sich aber dadurch nicht im geringsten in Verlegenheit bringen, hatte vielmehr gleich einen Vorwand, sie nach einem andren Fräulein zu fragen. Sobald er eine Ge- legenheit ausbaldowert und insbesondere auch festgestellt hatte, daß sich hinter dem Laden ein Aufenthaltsraum für die Verkäuferin befand, fchloß er beim Weggehen die Ladenthür nur so weit, daß sie mir anlehnte, und ohne Geräusch lvieder geöffnet werden konnte. Wenn nun die Verkäuferin den Laden verlassen hatte, so ging er behutsrnn wieder hinein, schlich sich um den Ladentisch herum, plünderte die Kasse und verschwand ebenso ge- räuschlos mit der Beute. Ein solcher Diebstahl gelang ihm siebenmal, zuletzt in der Chausseestraße. Das Geld vergrub er auf dem Grundstück, auf dem er bei seinen Eltern wohnte. Als er genug zusammengestohlen zu haben glaubte, grub er die ganze Beute wieder aus, kaufte sich einen neuen Anzug und einen Koffer und wollte die geplante Reise antreten. Er kam aber nur bis zum Bahnhof Alexanderplatz. Hier fiel er Kriminalbeamten auf. Als er diesen über das Ziel seiner Reise verworrene Auskunft gab, nahmen sie ihn mit nach dem Präsidium, wo durch weitere Verhöre und Zeugenvernehmungen alsbald sein Treiben aufgedeckt wnrde. Der Bursche, der einstweilen nur eine Fahrkarte nach Mecklenburg gelöst hatte, wurde vorläufig nach Moabit gebracht. Betriebsunfall. Nicht geringe Auflegung verursachte gestern morgen gegen 10 Uhr ein Unfall, der sich in dem Wäsche- und Posamentengeschäft von Kronenthal in der Weißenburgerstr. 81 er- eignete. Mehrere Arbeiter waren dort mit dem Einsetzen einer Schaufensterscheibe beschäfttgt, als diese plötzlich mit lautem Getöse zu Boden fiel und das Trottoir mit taufenden von Glassplittern be- deckte. Mehrere Personen wurden erheblich verletzt und mußten zur benachbarten Unfallstation gebracht werden. Der Palctotmarder, der seit langer Zeit in der Universität sein Unwesen trieb, ist jetzt in der Person eines stellungslosen Kauf- manns Hugo Müller festgenommen worden. Müller war fast jeden Tag in der Universität. Jedermann hielt ihn für einen Studenten. auch die Nuntien, denen er eine Jmmatrikulationskarte auf den Namen des Studenten Hollmann gezeigt hatte. Tin Kriminalbeamter hielt den angeblichen Hollmann für dringend verdächtig. Er paßte auf, ob nicht jemand auf den Namen Hollmann einen Ueberzieher verkaufen oder versetzen werde. Das geschah bald bei einem Trödler. Nun nahm der Beanite den Verdächtigen fest. AlZ dieser sah, daß es kein Entrinnen niehr gab, räumte er auch ein, daß er der Kauf- mann Hugo Müller sei und die Karte auf den Namen Hollmann in einem gestohlenen Ueberzieher gefunden habe, lieber 50 Paletots, Schirme und Stöcke mit silbernen Krücken habe er entwendet und versetzt. Ei» Bach-Konzert bei freiem Eintritt giebt Herr Musikdirektor Otto Dienet Mittwoch, den 13. März, mittags 12 Uhr, in der Marten, t i r ch e. Fräulein Margarete Pfefferkorn aus Kopenhagen singt die Cantate „Geist und Seele wird venvirret", Fräulein Clara Begas die Echo-Arie aus dem Weihnachts- Oratorium und Herr Paul Bronsch Lieder, sämtlich von Bach. Außerdem wirken mit der Cellist Herr Fritz Groffe, Herr Hans Gentzel und Herr Bruno GeiSlcr._ Ans den Nachbarorte». Neuer Sieg bei den Gemeindewahlen. Bei der Stichwahl zur Gemeindevertretung in Alt-Glienicke wurde unser Partei- genösse Pries mit 61 gegen 32 Stimmen gewählt. Bravo! Das sind die rechten Antivorten auf die Mißgunst, mit der die preußischen Minister das Vordringen unsrer Partei betrachten! Aus der Stadtverordnetcu-Sitzung in Spandau. Auf eine bezügliche Aufrage des Stadtverordneten-Vorstchers erwiderte der Ober-Bürge'r meist er, daß der Präsident des Schwurgerichts wohl nicht gut informiert war, als er in der Verhandlung gegen den früheren Steilerkassen-Buchhaltcr Volntz bei Verkünduug des gegen diesen auf IV« Jahre Gefängnis lautenden Urteils die Zubilligung mildernder Umstände damit begründete, daß V. angeblich ein uu- zureichendes Gehalt bezogen hätte. V. habe vielmehr zuletzt ein Jahrgehalt von 2300 M. bezogen und durch Nebenarbeiten ein weiteres Einkommen von 400 bis 500 M. erzielt. Stadtv. M a g e r s brachte die von dem Eisenbahnminister gelegentlich der Landtags- Debatte über die Eisenbahn- Verhältnisse Spandaus in verschiedenen Beziehungen offenbarte irrige Auffassung zur Sprache? nach kurzer Debatte wird beschlossen, die bestehende Konmiisston mit der Ausarbeitung einer enreuteu Petition, in Ivelcher diese Irrtümer richtig gestellt werden sollen, zu beauftragen. Hier- auf interpellierte Stadtv. Du cksch sSoc.) den Oberbürgermeister, Ivos die Polizeibehörde in Sachen der Arbeiterfamilie Pohl gethan habe, welche seit Montag, den 4. März obdachlos sei, da der Hauswirt ihre Exmission veranlaßt, weil die Miete nicht pränumerando, sondern p o st n u m e r a n d o entrichtet worden ist! Eine Nacht habe die Familie bereits auf der Polizeiwache Zuflucht suchen müssen. Der Oberbürgermeister er- klärte, daß sich die Polizei nach Kräften um eine Wohnung bemühe. Stadtv. R i e g e r(Soc.) kritisierte das Verhalten des Polizei- Inspektors in dieser Angelegenheit, der dem Pohl n n a n f- gefordert geraten habe, bei der Firma David Francke Söhne Arbeit anzunehmen, die eben erst ihre Arbeiter auf das Straßen pfla st er geworfen habe. Bei einer Vorlage betr. Nachbewilligung eines Betrags für Schulzwecke ergiebt sich eine ziem- lich heftige Auseinandersetzung zwischen dem Oberbürgermeister und unsren Genossen R i e g e r und Scholz, da angeblich eine von unsrer Seite vorgebrachte Beschwerde bezüglich der 8. Gemeinde- schule nicht auf Wahrheit beruhen sollte. Stadf. R e i» e ck e. der schon häufig eine solche Feindschaft gegen die organisierte Arbeiter- schaft offenbart hat, daß man ihn wohl als den kleinen Stumm bc- zeichnen könnte, erklärte hierbei, daß unsre Fraktion überhaupt mit„Unwahrheiten* operiere. Genosse Nieger fertigte den Herrn gebührend ab._ Ans dev FvKnrnbomegnttg. Verein der Frane» und Mädchen Schömbergs. Mittwoch, den 13. März, abends 8 Uhr: Wanderversanimlnng im Saale des Herrn Witte, Deutsch- Wilmersdorf, Berlinerftr. 40. Vortrag des Frl. Jmle über:„Die Frau in der Vergangenheit und Gegen« wart". Männer und Frauen haben Zutritt. Auf die Berichtigung deS Herr« Pfarrers Köhler, die in Nr. 59 des„Vorwärts" abgedruckt ist, sehe ich mich genötigt, folgendes zu erwidern: Daß der Herr Pfarrer gesagt hat, ersehe in der Rechtlosigkeit der Frauen einen idealen Zustand, der nicht beseitigt werden dürfe. das steht gar nicht in meinem Bericht. Ich habe vielmehr in meiner Beurteilung der Ausführungen des Herrn Pfarrers gesagt: .. jedoch war aus seiner Rede deutlich zu erkennen, daß er... in der Rechtlosigkeit der Frauen einen idealen Zustand sieht" usw. In diesem Falle werden wohl alle, die den Ausführungen des Herrn Pfarrers Köhler gefolgt sind, mit mir übereinstimmen. Der Herr Pfarrer ist dafür eingetreten, daß den Männern die Bethätigung auf politischem Gebiet vorbehalten bleibe. Er hat die gegenwärtigen Zustände: Das häusliche Glück der politisch rechtlosen Frau mit so poetischem Schwung gepriesen, daß meine Auffassung, er sehe in diesen Verhältnissen einen idealen Zustand, durchaus berech- tigt ist. Was die Aeußerung vom Minnedienst betrifft, so ist auch der darauf bezügliche Satz meines Berichts keine Wiedergabe einer Aus- lasiung des Herrn Pfarrers, sondern eine Beurteilung derselben. Der Sinn dieser Ausführungen des Herrn Pfarrers Köhler konnte gar nicht anders verstanden werden, als daß die dem weiblichen Geschlecht gezollte Verehrung, das ritterliche Eintreten der Männer für die Frauen gewissennaßen ein Ausgleich dafür war. daß die Frauen in öffentlich-rechtlicher Hinsicht eine untergeordnete Stellung einnahmen. Doch das ist ja nur ein nebensächlicher Punkt. Worauf es an- kommt und was ich, den Thatsachen entsprechend, in meinem Bericht zum Ausdruck bringen wollte, ist das: Herr Pfarrer Köhler bedauert zwar die Proletarierfrauen, die durch kapitalistische Ausbeutung ins Elend gestoßen werden, er hat auch nichts dagegen, daß die Frauen über öffentliche Angelegenheiten sprechen, aber den Männern soll es vorbehalten bleiben,»für die bedrängte Unschuld einzutreten". Das heißt also, wenn man die Pastorale Ausdrucksweise in klares Deutsch überträgt: Die Ausübung politischer Rechte ist Sache der Männer, die Frau möge politisch rechtlos bleiben wie bisher. Das ist eine Ansicht, wie man sie von einen, christlichen Pastor nicht anders erwarten kann, und daran ändern Berichligungen über nebensächliche Dinge gar nichts.- G. Reinke. Die Anstellung einer Fabrikinspektoriu für Hamburg haben die Genossinnen von der Hamburger Bürgerschaft in einer Petition gefordert, die in sämtlichen Versammlungen zur einstimmigen An- »ahme gelangte, in denen Genossin Ihrer kürzlich in Hamburg über den Arbeiterinnenschntz sprach. Ein Organ der französischen Socialistiunen erscheint seit dem I.März. ES führt den Titel komme»ocislisto"(Die socialistische Frau) und erscheint unter der Leitung der Genossin Renaud Monat- lich. Die Zeitschrift soll das Ziel verfolgen, das persönliche lvie das Klassenbewnßtfcin der proletarischen Frauen zu entwickeln und die Anfmerksanikcit deS mänulichen Proletariats und der Socialistcn ans die Notwendigkeit zu lenken, die Prolctarierinnen in den Klassenkampf einznbezichcn. Die„ITemmo socialisto" wird ausschließlich im Dienst der Arbeiterklasse stehen. Vevmipchkes- Die Frau mit den Tauscndmarkschcincu. Vor etwa Monats- frist erschien auf einem BrcSlaucr Poslamte eine unbekannte Frau, die am Schalter erklärte, einen Beitrag für die Boeren abgeben zu Ivollen. Auf die Bemerkung des Beamten, er könne nur Gaben fiir die in Ost- asicn kämpfenden Deutschen annehmen, sagte die Frau kurzweg:„Auch gut, eS bleibt sich gleich, für wen das Geld verivendet wird", legte drei Tausendmarkscheine auf daS Schalterbrett und ging davon. Dm selben Tage sprach ans der Redaktion des„Breslauer General- Anzeigers" eine ebenfalls unbekannt gebliebene Frau vor und hinter- legte dort für die Boeren wiederum drei Tausendmarkscheine. Am Freitag nun veröffentlichte das genannte Blatt eine ihm zugegangene mit G. B o t h a linterzeichneie Depesche, worin„die edelmütige Spenderin der 3000 M. in dringender Angelegenheit um Angabe ihrer Adresse gebeten" wird. G. Botha, wie er angiebt, ein Neffe des bekannten Bocrcn-Oberbefehlshabers, gehört zu dem Transvaal- Ausschuß, dessen Mitglieder zur Zeit in öffentlichen Versammlungen für die Sache der Republiken Stimmung machen. Noch weiß man nicht, wer die rätselhafte Gcberin ist, und um der ganzen Sache die Krone aufzusetzen, bringt die„Schles. Ztg." in ihrer Sonnabend- Abendnummer folgende Notiz:»Am 18. v. M. zwischen 3 und 4 Uhr soll eine unbekannte Dame im Flur der Maxklinik zivei armen Frauen(Schwestern), mit denen sie Mitleid empfand, zwei Scheine(Banknoten) geschenkt haben, deren Wert die Frauen gar nicht kannten. Als diese die Scheine in einem Geschäft auf der Sandstraße wechselten, wurde ihnen erst bekannt, daß es Tausend- markscheine seien. Bon der Behörde wird nun geprüft, ob die An- gaben dieser beiden Frauen auf Wahrheit beruhen. Die betreffende Dame(die Spenderin der reichlichen Gabe), wird daher von der Polizei gebeten, im Zimmer 58 des Polizeipräsidiums eine Erklärung abzugeben". In allen drei Fällen handelt es sich zweifellos um ein und dieselbe Persönlichkeit. Von einem Beamten des oben er- wähnten Postamts wird die Frau als»einfach gekleidet, fast ländlich" geschildert. Verkrachtes Bankhaus. Das Bankhaus Albert Holz in Breslau ist gestern vormittag von der Polizei geschlossen worden. Wie die„Brcslnuer Zeitung" erfährt, hat die Staatsanwaltschaft die Geschäftsbücher und Papiere beschlagnahmt. Holz soll aus Breslau verschwunden sein. Ueber ein Eisenbahn-Unglück wird aus Brüssel vom Sonntag berichtet: Gestern abend fuhr infolge eines Verschens bei der Weichenstcllung in der Nähe des Bahnhofs Heule(bei Courtrai) ein von Roulers kommender Personenzug auf einen Güter- zug auf. Mehrere Personenwagen entglcisten. Der Lokomotivführer und zwei Reisende wurden getötet, eine Anzahl von Passagieren schwer verletzt. Orkan in Nordamerika. Aus New D o r k wird vom Montag berichtet: Gestern und vorgestern wurden die nördlichen und ivcst- lichen Staaten der Union von einem schlveren Sturme heim- gesucht, der die Eisenbahn-Verbindungen sowie den telegraphischen und telephonischen Verlehr störte. In Willspoint(Texas) kamen acht Personen um; in andren Teilen des Landes sollen gegen 100 obdach- lose Personen ums Leben gekommen sein. WitterungSiibersicht vom U. März 1901, morgenS 8 ttftr. Stationen Twiuciudi Haiiiburg Benin Fraiikf.M. Mülicheii Wien Welter s ä 1* 7610 758 NNO 757 O 752 N 751 SW 759, SSO Zlbedeckt 4 bedeckt 4 bedeckt 4 Regen 3 Regen 4 bedeckt -v! o 1 2 2 3 Stationen Haparanba Petersburg Aberdee» Paris öS n II R- i Wetter 74S Still 764N 753, SW 757|NNffi bedeckt 3 bedeckt Ihlb.bed. 3Schnee SS i° -5 8 8 1 Wctter-Progiiose für Dienstag, de» IS. März 1901. Etwas wärmer, veränderlich, vorwiegend trübe und regnerisch bei ziemlich frischen südöstlichen Winden. Berliner Wctterbureau. 533 Adreßbuch für Berlin und seine Vororte. Wie alljährlich gelangt auch diesmal der Nachtrag zum„Adreßbuch für Berlin und seine Vororte" im Laufe des Monats April zur Ausgabe. Alle seit dem Erscheinen des Jahrgangs 1901 eingetretenen Ver- änderungen sollen in diesem Nachtrag berücksichtigt werden. Zum Zwecke der Erreichung größter Genauigkeit und Vollständigkeit werden alle Betheiligten gebeten. Anmeldungen«-... Nachtrag deS Adreßbuchs möglichst umgehend, spateste«« bis tum 3. April der Redaction des Adreßbuchs, SW., Zimmerstr. 87/41, zugehen zu lassen. Insbesondere beliebe man bis zu diesem Termin Mittheilung zu machen von Geschäfts-Eröffnungen und-Verlegungen, von Wohnungs- und Grundbesitz-Veränderungen, die seit Erscheinen der Haupt-Ausgabe 1901 stattgefunden haben und noch nicht berücksichttgt sind oder zu einem jetzt schon fest- stehenden Termin im laufenden Jahre stattfinden werden. Alle Abnehmer der Haupt-Ausgabe erhalten den Nachttag unentgeltlich. August Seherl» Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Ströbel in Berlin. Für dm Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin.