Zlr. 6 5. Abonnements• Zedlngunge»: abonnemcntJ-Prei» pränumerando! vierteljährd 3,30 Mb, monatl. l.lvMl,, wächenilich 23 Psg. frei ins Hans. Simelne Nu>nn>°r ö Pfg. Sonnlago- Nummer mil'»»Iiiierier SonniaxZ» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg, Post- 'lldonnement: l,io Marl pr-> Monat, Eingslragen �in»er Post-Zeitung»- Preisliste lük Ivoll unier»r. 7671. Unler Kreuzbano für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland 3 Marl pro Monat, 18. Jahrg. Dt« Inftrtions-GeliM)» v- deträgt für die fechtgefpaltene Kolon««» zeile oder deren Raum so Pfg., für polltllche und giwerlschaftltche verein»- und versammlungS- Anzeigen 20 Pfg, „Kleine Anieigcn" jede« Wort 5 Pfg, (nur da» erst, Wort s-M. Znlerale für die nächst« Nummer müssen bi» S Uhr nachmittag» ln derikxpediiton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen dt» 7 Uhr abend», an Sonn, und Festtagen biSSUHr vormlllag» geöflnet. Erschein! täglich außer M anlag». Devlinev Volksvl�tt. Telegramm-Adresse» »Sarialdemoltra! verlin» Centvalorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: 19. Veuch-Strahe 2. Fernsprecher: Amt I. Nr.!S08. Sonnabeitd, de» 16. März 1901. Expedition: SW, 19, Bentlk-Strafze 3. Fernsprecher» Amt t, Nr. 5121, Gegen die Mönchsorden in Frankreich. PariS, 14. März. Das Schicksal deS ZusatzantragS Zöavbs zum Vereins Besetz ist wohl die bezeichnendste Episode in der langen Vereinsgesety Debatte. Wie bekannt, verlangte der Antrag die Abschaffung aller Mönchsorden, gleichviel ob sie bereits behördlich erlaubt worden sind oder nicht, während die Regierungsvorlage die ersteren fortbestehen läfft und das Fortbestehen der bisher nicht erlaubte» Orden in jedem einzelnen Fall von einem besonderen Gesetz abhängig macht. Der Antrag Zevaes war ursprünglich von der socialistischen Kammerfraktion gutgeheiffen worden. Im Lauf der Debatte zeigte es sich aber, daff die klerikal- melinistische» Gegner der Regiernngs Vorlage vor keinem Manöver zurückscheuen, um dieselbe zum Scheitern zu bringen. Vielleicht übrigens nicht so sehr wegen der.Gefährlich kcit" der Vorlage selbst als deshalb, weil die Regierung mit dem Votum des Vereinsgesetzes ihr eignes Schicksal verknüpft hat scheitert die Vorlage, so demissioniert das Ministerium. So wurde bereits mit Hilfe der klerikal- melinistische» Ab geordneten gegen den Willen der Regierung ein socialislischer Abänderungsantrag votiert, der alle Vereine, mit Ausnahme der Mönchsorden, der Amneldungspflicht überhebt, also die Orden benachteiligt. Es hatte nun den Anschein, daß die klerikal-melinistischen Ab- geordneten auch den Antrag ZevaöS votieren werden, der die ganze Re gierungS-Vorlage über den Haufen wirft,— in der Hoffnung, dadurch das Gesamtvotum der Vorlage unmöglich zu machen und so auf dem für sie nicht mehr ungewöhnlichen Wege eineS augenblicklichen Ver- rats an den eigenen Principien ihren Doppelzwcck, die Ablehnung der Vorlage und den Sturz des Ministeriums zu erreichen. Aus diesem Grunde hat dann die soeialistische FraktionSmchrheit den Antrag ZövaöS ivieder zurückgezogen und ebenso haben die übrigen Gruppen der Regierungsmehrheit beschloffen, gegen den Antrag zu stimmen. Genosse Z e v a ö s sGneSdist) und die Minderheit der socialisti schen Fraktion hielten aber an dem Antrag fest. Sie sagten sich meines Trachtens mit Recht, daß das befürchtete klerikal melinistische Manöver, selbst seine Möglichkeit zugegeben, die principiellen Gegner der Mönchsorden nicht daran hindern darf, ihre eigene und bessere Neberzeugung gegenüber den Halbheiten der Regierungsvorlage zu bethätigen. In etwas milderer Form wieder holte sich da innerhalb nnsrer Fraktion derselbe Gegensatz, wie in der Abstimmung über die von der Regierung abgelehnten par- lamentarischen Enquete über die Metzelei von Ehalon. Auch damals hatte ja die kapitalistisch« nationalistische Opposition für die Enquete gestimmt, lediglich in der Hoffnung, das Ministerium zu stürzen. UebrigenS würde das Votum der Klerikalen und Melinisten für die Abschaffung aller Mönchsorden, vor allem und am sichersten diese skrupellosen Parteien bis auf die Knoche» blamieren. selbst davon schon ganz abgesehen, daff die sozusagen überzeugt-kompromihlichen Elemente der Regierungsmehrheit znsannnen mit den ehrlicheren Elementen der Opposition genügen würden, um daS befürchtete Manöver zum Scheitern zu bringe», d�h. eine Mehrheit gegen den Antrag ZövaöS zu bilden. Es kam also zur Debatte über diesen Antrag. Zövaös hatte eS leicht, seinen Standpunkt zu begründen. Der Unterschied zwischen den erlaubten und nicht erlaubten Mönchsorden ist ja ein ganz will- kürlicher. Selbst die groffe Rede deS Ministerpräsidenten in der General- dcbnttemuffte weit über den Inhalt der RegicningSvorlage hinausgehen. Will man der klerikalen Gefahr wirklich und wirksam entgegentreten, so nuitz man die ganze Macht der Mönchsorden vernichten. In seiner Entgegnung auf Zövaös Rede konnte Waldeck-Rousscau nur zwei gleich fadenscheinige Argumente ins Feld führen: Die.Gewissen- haftigkeit" des Staats, der die Genehmigung der betreffenden Mönchs- orden nicht wieder zurückziehen darf, und die dem Staate aus der Auflösung der Orden entstehende Last, da diese Orden sich.mehr und mehr" mit WohlthätigkeitSwerken befaßten und 70000 Greise und Kinder versorgten.... Sonst sprachen in der Debatte zwei klerikale Redner gegen den Antrag Zsvaös. Der von der Linken gefaßte Entschluß scheint also die Opposition von ihrem schlauen Plan abgebracht zu haben. Vor der Ab- ftimmung verlasen noch die Vertreter der verschiedenen Gruppen der Linken Erklärungen, worin sie zwar sich im Princip für de» Antrag ZövaöS aussprachen, aber auS den angegebenen taktisch- parlamentarischen Gründen im Interesse deS Zustandekommens der Regierungsvorlage gegen den Antrag Stellung nahmen. Genoffe illlemane, der neugeivählte Pariser Abgeordnete, der zum ersten- mal die Tribüne betrat und daher mit dem Beifall der Linken be- grüßt wurde, erklärte namens der Fraktionsmehrheit, diese werde nach Erledigung der Regierungsvorlage einen besonderen Entwurf zur voll- ständigen Abschaffung der Mönchsorden einbringen. In der Abstimmung fiel dann der Antrag ZövaöS mit— gegen 33 Stimmen! DaS heißt, sämtliche Klerikalen und Melinisten stimmten mit der RegieningSinehrheit. Nun ist es zwar wahrscheinlich, daß die Opposition auf ihr Manöver verzichtet hat. angesichts der geschlossene» DiSciplin der Mehrheit. Nichts- destoiveuigcr aber ist diese DiSciplin mn einen teueren Preis er- kauft worden. Die Blamierten sind thatsächlich nicht die Klcrikal- Melinisten.... Für den Antrag Z6vaöS stimmten neben der soeialistische» FraktionSminderheit slg Abgeordnete) 8 Linksradikale und 6 Roche- fortisten oder pseudo-sodalistische Nationalisten. Dasselbe Schicksal ist wohl dem weiteren Antrag ZövabS be- schieden, der die totale Einziehung der OrdenSgüter verlangt. Nolikifcho Mebeitfichk. Berlin, den 13. März. Reichstag. Graf Bülo w sehte heute seine Plaudereien über auS wärtige Politik fort. In Weiser Verteilung des Stoffs hatte er es bei der 2. Lesung des Etats des Auswärtigen?lmts unterlassen, ein Wort über China, Rußland, das Mandschurei� Abkommen und unsre Situation in Ostasien zu sagen. Er fürchtete doch nicht cttva, die Volksvertretung durch die Fülle seiner thatsächlichen Angaben zu überwältigen? Die wohl gefälligen Allgemeinheiten, die er auch heute wieder zur Verfügung hatte, hätten ohne Schaden schon vor einer Woche verdaut werden können. Aber er sparte wohl sein diplomatisches Oel, um den Reichstag den harten Bissen der neuen Hundertmilliouen-Forderung für China glatt hinunter� schlucken zu lassen. Graf Bülow ist eine glückliche Natur. Mit der Sorg losigkcit eines Ministers Napoleons III. sieht er eitel Sonnen schein, wo a»dre Augen schwere und drückende Nebel erblicken Der„Platz an der Sonne" ist noch immer das Stichwort seiner Politik. Mit dieser Blüte, die aus einem 30 Pf.-Bazar der Rhetorik stammt, schmückte und schloß er seine heutigen Darlegungen. Das chinesische Problem ist verzwickter denn je. Rnß- land hat seine Hand auf die Mandschurei gelegt, aber England und Deutschland können nicht dulden, daß China eine wichtige Provinz verliert, China, daß durch die ostasiatische Expedition zum. zwangsweisen Schuldner der Mächte geworden ist. Graf Bülow nannte das himmlische Reich eine Citrone und verspürte wenig Neigung, sie in ausgedrücktem Zustande zu erhalten. Aber was soll gethan werden? Der Inhalt des Separatabkommens zwischen China und Rußland wegen der Mandschurei ist der deutschen Diplomatie unbekannt, und Graf Bülow weiß auch kein Mittel, den Inhalt dieses Abkommens kennen zu lernen, daran hängt aber alles. Vielleicht war es kein Zufall, daß Graf Bülow mit besonderer Geflisscntlichkeit betonte, daß der Dreibund völlig unerschüttert sei und daß er vor der Großmacht Japan eine liebenswürdige Verbeugung machte. Hier drohen die schwersten Gefahren. Im Vergleich hierzu ist selbst die Frage, auf welchem Wege China die Kriegsentschädigungen bezahlen wird, nebensächlicher Natur. Die europäische Diplomatie denkt an eine Erhöhung der Einfuhrzölle, die dem an geblichen Zweck des ganzen China-Abenteuers, der Er schließung Chinas für den europäischen Handel doch nur entgegenwirken kann. Noch verhängnisvoller erscheint der Gedanke, die chinesische Salzsteuer zu erhöhen; will man den Haß gegen die Fremden in die letzte Kulihütte tragen? Zur Begründung der Vorlage hatte Graf Bülow nicht viel zu sagen. Der langen Rede kurzer Sinn war: Wir 'tecken nun einmal in der Geschichte drin und müssen zahlen Am liebsten wäre es uns freilich, wenn wir mit heiler Haut wieder draußen wären. In der Debatte, die sich an Bülows Rede knüpfte, chickten sich die Herren von der Rechten mit mehr oder weniger bekümmertem Gesicht in daS Unvermeidliche. Auf dem Gebiet der auswärtigen Politik halten sie mit großer Zähigkeit an der Theorie vom beschränkten Unterthanen- verstand fest. In freiwilliger Enthaltsamkeit verzichten sie aus jede Erörterung. Die einzige Sorge, die heute die Bachems, Bassermanns und S t o l b e r g s erfüllte, war die Frage, ob die Vorlage erst von der Budgetkommission vorberaten oder gleich im Plenum in 2. und 3. Beratung erledigt werden sSlle. Das Centrum wünschte eine Kommissionsberatung. Die Nationalliberalen, freisinnige Vereinigung, die Reichs- lartei und ein großer Teil der Rechten hielt die Kommissions- beratung aber für überflüssig und erklärte sich bereit, die hundert und einige Millionen ohne weiteren Aufenthalt zu iiewilligen. Nur die Opposition ging gründlicher zu Werke. Richter und Bebel hielten dem Grafen Bülow vor, daß das überaus tarke Truppenaufgebot, das Deutschland in Ostasien hält, die Vermutung nahelegt, daß eS sich dabei um einen Liebesdienst ür England handle. das unter diesen Umständen keine Truppen von Südafrika nach China zu werfen brauche. In einer kurzen eindringlichen Rede stellte Bebel die Wider- prüche zwischen Sein und Schein fest, in denen sich das chinesische Abenteuer bis jetzt bewegt habe. Wir führen keinen Krieg mit China, aber die chinesische Regierung führt Friedens- Unterhandlungen. Warnend wies unser Redner auf die Ge- ahren hin. die aus der Beschlagnahme der Mandschurei für uns ertvMchsen. Er zog den vernichtenden Schluß, daß der erste Akt der deutschen Weltpolitik miserabel ausgefallen sei und dem deutschen Volk jede Lust nach einer Fortsetzung ge- nommen habe. Zur Verteidigung seiner Politik nahm nun Graf Bülow zum zweitenmal das Wort, aber auch nach dieser Rede war >as Haus nicht klüger als zuvor. Wie er daS schon bei rüherer Gelegenheit gethan hatte, versicherte er auch diesmal mit dem mit Recht so beliebten Brustton der Ueberzeugung, daß er in China nur eine den deutschen Interessen entsprechende Politik treiben werde. Unsrem Genossen Bebel glaubte er seine Verwunderung aussprechen zu dürfen, daß gerade er als An- Hänger einer englandfreundlichen Politik sich die Behauptung zu eigen gemacht habe, wir engagierten unS in China zu sehr für unsre Vettern jenseits des Kanals. Den Gegenbeivcis Vermochte er aber nicht zu erbringen. Graf Bülow will kein arabischer Märchenerzähler sein, aber er wird zugeben müssen, daß er sich auf Schauinschlagen versteht wie Figaro. So verlief die Debatte. Die Budgetkommission wird nicht erst bemüht werden. Schon Sonnabend findet die zweite Lesung der Vorlage im Plenum statt. Nach Erledigung der Chinafrage wurden noch die für die zweite Lesung ausstehenden Etatsreste in Angriff ge- nommen. Nach dem Antrag der Budgetkommission wurden zwei Millionen für den Bau von Wohnungen für Beamte und Arbeiter von Reichswegcn bewilligt. Genosse Singer bezeichnete mit Recht diese Bewilligung als den ersten schwachen Versuch des Reichs, in das so große und wichtige Gebiet der Wohnungsfrage einzugreifen und legte in kurzem. unsren Standpunkt zur Lösung dieses socialen Problems dar. Dann kam die H o h k ö n i g s b u r g an die Reihe. Die Ludgetkommission hat mit verhältnismäßig großer Mehrheit die erste Rate von 150 000 Mark für den Ausbau der bekanntlich im Privatbesitz des Kaisers befindlichen elsässi- scheu Burgruine bewilligt und wenn nicht alles täuscht, wird dieses Votum der Kommission auch von der Reichstagsmehr- heit ratifiziert werden, wenn auch nicht allzuviel Ve- geisterung dafür bei dieser Mehrheit vorhanden ist. Herr Bassermann sprach es offen aus, eine Ablehnung der Forderung würde an hoher Stelle arg verstimmen und eine solche Erwägung führt ein echt nationalliberales Gemüt zu unbedingter Zustimmung. Mächtig begeistert that allein der dicke Oertel. Wichtigthuerisch, wie er nun einmal veranlagt ist, spielte er sich als denkmals- und altertumskundigen Bausachverständigen auf. Damit aber noch nicht genug, that er dem darob in große Heiterkeit ver- setzten Hause kund und zu wissen, daß er eigentlich schon vor 26 Jahren, also lange vor dem Kaiser auf den Gedanken des Vurgausbaus gekommen sei. Gegen die Be- willigung der Forderung sprach außer dem Antisemiten Binde- Wald heute noch unser Genosse Bios. Er hatte sich objektiv mit der Forderung beschäftigt, historische Studien angestellt. Das Ergebnis dieser rein objektiven Erwägungen würde ihn bereits zur Ablehnung geführt haben, wenn nicht hinzukäme, daß es sich bei der ganzen Affaire um einen Ausfluß des per- sönlichen Regiments handelt, der unsrer Partei die Ablehnung zur unabweisbaren Pflicht macht. Nach der Rede von Bios wurde die Verhandlung ver- tagt. Sie soll morgen zu Ende geführt werden.— Im Abgeordnetenhause war am Freitag großes Reinemachen. Die zweite Lesung des Etats soll Sonnabend beendet sein; aus diesem Grunde standen eine ganze Reihe kleinerer Etats und unerledigte Titel auf der Tagesordnung. Zu allerhand Beschwerden gab der Etat des Finanzministeriums Anlaß. Die Agrarier, unter Führung der Abgg. v. Staudy und Frei- Herr v. Wangenheim, verlangen in gewohnter Bescheiden- heit, daß ihnen gestattet wird, bei der Einschätzung zur Ein- kommensteuer möglichst viel in Abzug bringen zu dürfen. Sie sind erbost über das Ober-Verwaltungsgericht, das die Amortisationsquote für ländliche Pfandbriefe für nicht abzugsfähig erklärt hat, und verlangen eine Aenderung des Gesetzes. Die Polen führten mit Recht bewegte Klage über die von der preußischen Regierung gegen sie geübte Unterdrückungspolitik und gaben dadurch dem Minister v. M i q u e l Veranlassung zu einer äußerst scharfen Rede gegen die angeblich so gefährliche polnische Gefahr. Zwischendurch regte Abg. Schmitz(C.) eine Revision des Kommunalabgaben- Gesetzes an, während wieder von anderer Seite die Erhöhung des Postaversums bemängelt wurde.— Auch beim Etat der Ansiedlungskom Mission kam es zu einer Polendebatte. Am Sonnabend steht der Rest des K u l t u s e t a t s zur Beratung._ RttcntatSpolittk. MS im Jahre 1878 ein Christlich- Soclnler blind und ein Nntionalliberaler scharf auf den alten Kaiser Wilhelm schoß, ge- niigten diese Attentate, mit denen die Socialdemokratie nicht das mindeste zu thun hatte, um unsre Partei für 12 Jahre der Aechtung und gewaltsamen Verfolgung preiszugeben. Daß die Attentate nur einen chlechten Vorivand bildeten, um die Arbeiterschaft zu knebeln, war ja ounenklar. Daß man überhaupt sich eines solchen Manövers bediente, daS war nicht minder verdammenSwert als ein Justizmord, bei dem u»- bequeme Personen mittels falscher Zeugen willkürlich aufs Schafott gebracht werden. Das häßliche Attentatsspiel wiederholte sich immer a»fS neue, wenn irgendwo in der Welt ein Fanatiker oder ein Wahn- inniger sich thätlich an einem Staatsoberhaupt vergriffen hatte. Als Präsident Taruot unter Caserio's Dolch fiel, bekamen wir in Deutschland daS Umsturzgesetz, und selbst als in Alexandrien ein großartiger Bombenulk insceniert wurde, an den nur Kinder, Narren und Spitzel glauben konnten, gab das der deutschen Presse Anlaß, eine Erneuerung des Socialistcngesetzes zu fordern. Und wieder gab es einmal ei».Attentat", den Bremer Zwischen« fall. Diesmal fiel das Geschehiiis in eine Zeit, wo in der That eilte starke aktimonarchische Agitation betrieben wurde, wo. wenn man sich unter zuverlässigen Freunden glaubte, vielleicht Beleidigungen gehäuft wurden— aber diese„Hetze" kam aus dem Lager derer, die vordem stets dnS Haupt der deutschen Soeialdemo- kratie fordern, sobald nur ICKX) Meilen weit entfernt ein Attentat oder ein Attentätchen geschehen war. Und stehe da, es gab boshafte Offiziöse, die die alte Kampfesweise abermals anwendeten, diesmal sie aber gegen die lästigen konservativ-alldeutsch-antisemitischen Feinde der englandfreundlichen Negierungspolitik richteten. Satirisch that das zuerst der„Hamburger Korrespondent". Dann griff die offiziöse„Süddeutsche Reichskorrespondenz" mit einer durch die frühere» Attentatshetzen geschmeidigen Hand die Anregung auf, und so konnte man in diesem Organ die folgenden Betrachtungen lesen: „Wir fürchten, gar mancher, der im Hochgefühl seines deutschen Freimutes es der s o e i a I d e m o k r a l i s ch e n P r e s se zuvor thnn wollte, hat eine Schuld auf sich geladen, zu deren Tilgung seine Kraft nicht ausreicht. Ein gutes Stück monarchischen Gefühls und der schuldigen Ehrfurcht vor dem Oberhaupt des Reichs ist zweifellos in dieser Prefikampagne unterwühlt worden. Aus diesem journalistischen Hexensabbat aber das politisch-vernünftige Ein- mal-eins zu ziehen, fortan die im Beruf des Publizisten liegende Verantwortung in ihrer ganzen Gröfie zu erfassen, erscheint im Hinblick auf den neuesten Attentatsversuch auf die Person des Kaisers als die ernsteste Pflicht jener Presse, welche in der Erhaltung des monarchischen Gedankens die Grundbedingung der gedeihlichen Entwicklung und Sicherung des Reichs erkennt.' In diesem Licht betrachtet, stellt sich die Bremer verbrecherische That dar als eine ernste Mahnung!" Und dann hiefi es weiter: „Die Rücksicht auf den Kaiser ist überhaupt in einem Teile der Presse seit Jahren schon nickit mehr so grob wie die Rücksicht, die in eben dieser Presse vom Kaiser gefordert wird. Ein Blatt, das jeden fragenden Seitenblick auf seine Loyalität mit zornigem Aufbrausen beantworten würde, schrieb am 26. Oktober t899 im Hinblick auf die damals bevorstehende englische Reise Sr. Majestät: „Nach unsrer Kenntnis ist die Eingenommenheit des deutschen Volts gegen die englische Reise so grob, dab mit der Möglichkeit offener Kundgebungen gegen dieselbe zu rechnen wäre. Eine unbefugte Ein- mischung in die Privatangelegenheiten des Monarchen wäre darin nicht zu erblicken." Und ähnliche Anspielungen im Sinne eines Appells an die Strabe haben sich auch kürzlich wieder hervor- gewagt, als, lediglich zu prebpolemischen Zwecken, dem englischen König die von ihm überhaupt nicht gehegte Absicht unterstellt wurde, er wolle einen politischen Besuch in Berlin machen. Die Blätter, die dergestalt auf Strabenkuudgebungen provozieren, können die Verantwortung für die Folgen nicht ablehnen, wenn es wirklich dazu kommt und wenn dann nicht nur die— soweit sind wir schon — vom„Kladderadatsch" empfohlenen„Radauflöten", sondern auch Wurfgeschosse verwandt werden. Nach den Attentaten von Hödel und N o b i l i n g gegen unsren ehrwürdigen ersten Kaiser ging ein Gedicht des alldeutschen Barden Felix' Dahn durch die Presse, worin es hieb: Heilig den Fremden dies Angesicht, Aber' dem Wahn der Deutschen nicht! Hoffentlich bleibt eö uns erspart, diese Klage einmal auf den jetzt regierenden Kaiser beziehe» zu müssen. Oder wäre etwa schon in den letzte» Monaten dem innersten Empfinden gewisser ManncSseeleu das Gesicht des Herrn Präsidenten Krüger heiliger gewesen, als das jetzt der- wundete Kaiserantlitz?" Diese Anslassnngen sind im Verhältnis zu dem, was die Social- demokratie gewöhnt ist, verhältniSmätzig glimpflich; sie kleiden sich in die Form väterlicher Verwarnungen, obwohl die persönliche Monarchenhetze dokumentarisch belegt werden kann, während die Socialdemokratie sofort mit Vernichtung bedroht wurde, wenn auch nur im Ausland ein politisches Verbrechen begangen wurde, ohne dab der geringste Zusamnienhang mit socialdemokratischen Forderungen und Aeuberimgen bestand. Wie verhält sich nun aber nach solcher Ueberfllhrnng die national- konservativ- antisemitische Presse? Verlangt sie, gemäb ihrer bisherigen Logik, zerknirscht ein Ausnahmegesetz gegen sich selber, als überwiesen der„intellektuellen Urheberschaft des Bremer Attentats", weil sie das„monarchische Gefühl untergraben" und darum„den Boden für solche fluchwürdigen Verbrechen bereitet", und wie die Redensarten sonst lauten mögen. Nichts von alledem. Die„schuldigen" Blätter rasen über ihre Ankläger, die doch nur gethan, was die jetzt Beschuldigten sonst immer. selbst geübt haben. Die alldeutsche„Deutsche Zeitung" spricht— in Hinsicht auf die offiziösen Scharfmacher— von Maulwürfen, von dem Domestiken- tum der Gesinnung, das uor keiner Häblichkeit und Niedertracht znrückscheut, von geistigen Lakaien, man wage mit unheiliger Hand an dem schweren Konflikt von neun Zehnteln der deutschen Herzen zn rühren— gemeint ist die jetzige Haltung des Kaisers gegenüber den Boeren— das sei ein Gipfel der Gemeinheit, giftige Insekten hätten sich auf den Blüten niedergelassen, und schlieblich wird Schande über diese Prebknechte des elendesten Raffinements gerufen. Der„Reichsbote" zürnt: „Wir würden überhaupt von jener ebenso d u m m e n wie gewissenlosen Verdächtigung, die auch nicht den Schatten eines Beweises für sich hat. da der epileptische Arbeiter wohl schwerlich je eine der beschuldigten Zeitungen zu Gesicht bekommen hat, keine Notiz nehmen, wenn dieselbe nicht geeignet wäre, die in der groben Mehrheit der Ration thatsächlich herrschende Mibstimmuiig erst recht zu verbittern." Ei. wann war man jemals der Soeialdemokratie gegenüber so gewissenhaft, auch nur den Schatten eines Beweises zu verlangen, den direkten Zusamnienhang aufzudecken. Man begnügte sich mit dem Hinweis auf die antimonarchische Haltung der Soeialdemokratie und der Beweis galt als erbracht I Wir haben nicht die Hoffnung, daß man künftig nun auf die infame Attentatenhetze als politisches Kampfmittel Verzicht leisten werde, nachdem sich die Waffe einmal gegen die gewandt hat, die sie sonst benutzten. Aber vielleicht gewinnt der eine oder der andre von diesen Edlen jetzt eine Empfindung dafür, daß eine solche politische Methode zweischneidig ist. Hätten wir heute einen freihändlerischen Kanzler von der Skrupellosigkeit eines Bismarck— dann würde ihm der Bremer Zwischenfall sicher ge- nügen, um die„antimonarchischen",„Attentate anstiftenden" Agrarier und sonstigen Schutzzöllner gewaltsam niederzuschlagen.— ** * Deutsches Aeich. Zum Zolltarif. Die„Verl. Pol. Nachr." erklären die gestrigen Mitteilungen der„Freis. Ztg." über die Stellung der einzelnen Ressorts der Reichsregierung zu der Frage deS Doppeltarifs für nicht richtig. Das Organ des preußischen Finanz- und Oberagrarministers Miguel behauptet vielmehr, es sei die Absichtjder Gesamt regierung und nicht nur einzelner Ressorts, die landwirt- schaftlichen Zölle so festzulegen, daß sie beim Abschluß neuer Handels- vertrüge nicht als KompensationSobjekt dienen können; „auf welchem Wege das gesetzgeberisch zu lösen ist, darüber dürsten die Meinungen an den maßgebenden Stellen kau mausei»ander- gehen". Diese offiziöse Erklärung zeigt, wie brennend die Gefahr ist, daß überhaupt keine Handelsverträge oder nur überaus ungünstige zu stände kommen.— Diplomatische Tpäfie. Der Kaiser hatte seiner Zeit ins goldne Buch der Stadt München den Spruch eingeschrieben: ReZis volvntas— suprerna lex, des Königs Wille ist das höchste Gesetz. In einem gewiffen Gegensatz dazu stand die neuerliche Widmung des bayrischen Prinzregenten: Salus publica summa lex est, das öffent- liche Wohl ist das höchste Gesetz. Natürlich versuchen die offiziösen Zeitungsleute diesen Wider- spnich harntlos aufzulösen, und ein besonders scherzhaft veranlagter Herr beteuert nun, der Kaiser habe mit jener Einzeichnung gar nicht auf sich selber, sondern auf den-- bayrischen König hindeuten wollen; das gehe schon daraus hervor, daß er nickit von dem Willen des Kaisers, sondern von dem Willen des Königs ge- schrieben habe. Mit Verlaub! Der König von Bayern ist unheilbar geisteskrank, und dessen Wille dürfte wohl doch nicht als oberstes Gesetz gelten; rox aber heißt nicht Prinzregent. Der Spruch paßt also— gerade wenn man Buchstaben klaubt!— den Prinzregenten Luitpold. Nächstens werden uns nun wohl die Offiziösen versichern, die kaiserlickie Widmung an den Kultusminister Goßler: sie volo sie jubso(Mein Wille' ist Befehl!) habe sich auf den König von Sachsen und der dem deutschen Botschafter in Rom Kurt von Schlözer ge- stiftete Spruch:„ockeriut, dum rnetuant"(mögen sie mich hassen, wenn sie mich nur fürchten) auf den König von Italien bezogen!— Die Reichs-Kommission für Arbcitcrstatistik ist jetzt vom Reichs- kanzler beauftragt worden. Erhebungen über die Arbeitszeit der im Verkehrsgewerbe beschäftigten Personen sowie über die Ver- Hältnisse der im F l e i>' ch e r e i g e w e r b e Beschäftigten vorzunehmen. Es sind also nunmehr drei Untersuchungen von der Kommission vorzunehmen. Zur Einleitung der Erhebungen über die in C o m p t o i r e n beschäftigten Handlungsgehilfen und Lehrlinge hat ein Ausschuß der Kommission einen Entwurf zu einem Fragebogen aus- gearbeitet. Der Fragebogen-Entwurf hat einen ähnlichen Inhalt, wie derjenige, welcher 1892 für die in offenen Verkaufsstellen be- schäftigten Personen ausgegeben wurde. An Stelle der Fragen über die Kündigungsfristen sind Fragen über etwa bewilligten Somnier- urlaub aufgenommen. In einer voraussichtlich im Mai statt- findenden Sitzung der Kommission wird der Fragebogen endgültig festgestellt und wird dann die Kommission zu beschließen haben, wie die beiden neuen Untersuchungen eingeleitet werden sollen.— Zur Nrichötagswahl in Poscu. Die Reichstags-Ersatzwahl brachie für die Soeialdemokratie nicht den Erfolg, der allgemein erwartet wurde. Es wurden abgegeben Stimmen für Chrzarnowski (Pole) 15 143. für Oberbürgermeister Witting(vereinigte deutschen Parteien) 9531 und Äasparzak(Soe.) 719. Die geringe Anzahl der soeialdemokratischen Stimmen lag sowohl an der von der Berliner polnisch- soeialistischen Gruppe betriebenen Gegen- agitation, wie auch an der hier in Posen noch nie in diesem Umfange gesehenen Agitation der bürgerliche» Parteien, besonders der Deutschen. Daß von unsren Gegnern mit unehrlichen Waffen gekämpft wurde, bewiesen die Deutschen.- Am Tage vor der Wahl erschien ein in polnischer Sprache geschriebener Wahlaufruf, in dem Witting, der Kandidat der„bedrängten" Deutschen, als Pole proklamiert wurde. Witting, so hieß eS. würde unser 15. Kandidat sein, er ist der Kandidat der Polen. Den Genossen wurde die Agitation äußerst schwer gemacht. Von den Wahllokalen in den ländlichen Bezirken wurden unsre Stimnizettel- Verteiler mit Stein- würfen vertriebe». In Z a b i l o w o wurde ein Genosse so stark durch Steiuwnrfe verletzt, daß er nach Hause gefahren werden mußte. Eben so erging es einem Genoffen in Glowno. In Anbetracht dieser Brutalitäten, die— man kann es geradezu sagen— durch die verhetzende Agitation der Gegner hervorgebracht werden, wird man auch den geringen Zuwachs von 109 Stimmen gegen die Wahl im Jahre 1898 würdigen. — Das„bedrängte" Deutschtum, das, wie schon oben gejagt, mit allen Mitteln agitierte, hat Fiasko erlitten. Das giebt der Re- gierung über ihre Polenpolitik zu denken. Die Anzahl der deutschen Stimmen ist wohl das äußerste, was aufgebracht werden konnte, In der Erwartung, in der die Hakatisten in allen Teilen des Reichs auf Posen blickten, sind sie getäuscht worden. Die Stiininenzahl, die sie am Montag bei der Wahl zusammengebracht haben, werden die Deutschen in Posen wohl nie wiedersehen. Die Wahl hat ein klares Bild geschaffen. Sie hat gezeigt, welch ein ungeheures Feld noch zu bearbeiten ist. wie alle Kräfte auf- geboten werden müssen, um die besonders von der Geistlichkeit ge- flisientlich verbreitete Verdummung unter den Massen zn bekämpfen. Der Reichstag aber hat wieder einen„Volksvertreter" mehr be- tommeu, der zur Aushungerung des Volks beitragen wird. Dieses Ergebnis der Wahl in alle Volksschichten zn tragen, wird die nächste Aufgabe im Posensehen sein.— Posen, 15. März. Nach amtlicher Feststellung wurde bei der Reichstags- Ersatzwahl im hiesigen Wahlkreise am 11. d. MtS. von Chrzanowski(polnisch-radikal) mir 15 412 von 25 621 Stimmen gewählt. Oberbürgermeister Witting lnationnlliberal) erhielt 9482 Stimmen, Äasprzak(Socialdeniokrat) 720 Stimmen. lieber Znrüeksetznug der deutsche» Katholiken beschwert sich die„G e r n» a» i a". ES sollen im nächsten Konsistoriinn. 16 neue Kardinäle ernannt werden, die zumeist Italiener sind. Dazu bemerkt die„G e r in a n i a" lief bekümmert: „Das ll e b e r g e w i ch t der Italiener würde dann so stark hervortreten, wie vielleicht nicht während der ganzen Regiernngs- zeit des gegenwärtig regierenden Papstes; von den 71 Kardinälen würden nämlich 43 Italiener und nur 28 Vertreter anderer katholischen Nationen sein....... Wir glauben, daß der hl. Geist die Kirche Gottes regiert, in dessen Hand die maßgebenden Personen mir Werkzeuge sind. Bei aller Ehrfurcht vor der unbestrittenen Autorität des apostolischen Slnhls kann man aber doch den Wunsch hegen, daß das Kardinalskollegium in seinen Mitgliedern nack Möglichkeit ein getreues Abbild der weltumfassenden katholischen, das heißt a I i g e in e i n e n Kirche sei. Was speeiell Deutschland anbetrifft, so wird es gegenwärtig wohl kaum eine Nation auf dem ganzen Erdenrunde geben, welche eine so schwache Vertretung' im heiligen Kollegium besitzt, als unser Vater- land...' Die weitesten Kreise des katholischen ttjolks würde» es, wie wir bestimmt versichern können, mit größter Freude begrüßen, wenn zu dem einen Kardinal Fürstbischof Dr. Georg Kopp von Breslau noch ein zweiter hinzuträte. Hoffentlich wird es dem hl. Vater in seinem hohen Alter noch beschieden sein, diese» Wunsch des katholischen Deutschland zu erfüllen." Sollte das deutsche Centrum es mit feiner Politik der Unzuver- lässigkeit und Treulosigkeit selbst beim Papst verdorben haben?— Zum Begnadigungsrecht der Krone schreibt der„Hannov. Courier":„Es wird erzählt, daß in einzelneu Fällen der Kriegs- minister erst durch das Mikitärkabiuctt von erfolgten Begnadi- aungen von Offizieren in Kenntnis gesetzt worden fei. Ob das richtig ist, haben wir nicht feststellen können. Aber es giebt genug Leute, die es für richtig halten."— Militärübungcn und„Leutenot". Ans Anlaß der dies- jährigen Landwehr- und Refervistenübunge» ist den verschiedenen Bezirkskommandos eine bemerkenswerte kaiserliche Order zugestellt worden. In derselben heißt es:„Bezüglich der Einziehung von Mannschaften des BeurlaubtenstnndeS zn Nebungen im„Rechnungsjahre 1901 sind die Interessen der am meisten beteiligten bürgerlichen Berufskreise, namentlich aber die Ernteverhältnisse in den einzelnen Corpsbezirken, bei der Wahl des Zeitpunktes möglichst zu berücksichtige». Die Gestellungsbefehle sind den Einzuberufenden so früh wie möglich zu übermitteln." Durch die letztere Anordnung sollen Landivehrleute und Reservisten in den Stand gesetzt werden, zu rechter Zeit Reklamationen zu stellen, falls die für sie angesetzte liebung in die Erntezeit fällt, so daß es der Militärbehörde möglich ist, die Reklamationen zu prüfen und eventuell die Einberufung auf einen für den Betreffenden günstigeren Zeitpunkt zu verlegen.— Teutschnational-antiscmitischcr Monarchismus. Wir lesen das folgende Gedicht: Nebel. Ein Attentat! Ein Attentat! Schon wieder hörte man die Kunde, Sie flog zwar schnell von Mund zu Munde, Doch sonderbar— sie ließ uns kalt! Was ist gescheh'n, daß jene That Jetzt iv en ig er Bedeutung hat? Ich weiß den rechten, ivahren Grund Und geb' ihn unumwnnden kund: Ein Nebel lagert zwischen Fürst und Volke Und durchziischaiien durch die dichte Wolke Gelingt uns jetzt nur schwer, Drum interessiert es uns kaum ntelp:, Was drüben vorgeht!— Offnes Wort: Man sieht uns ja auch nicht von dort. Wenn ein solches Gedicht in einem soeialdemokratischen Blatte gestanden hätte, so würde die Partei sofort als überführt der Mit- schuld an dem Bremer Zivischenfall beschimpft werden und ein AuS- nahmegesetz gebieterisch gefordert worden sein. So aber bekundet sich in dieiem Gedicht der d eu t s ch- n a ti o n al e a u ti s e m i- tische Monarchismus; denn das Poem ist in dem Witzblatt „Deutscher Michel" am 10. März veröffentlicht worden.— Bertchttgung. Zu der Notiz in Nr. 58 des„Vorwärts" „Antisemitischer B o e r e n s ch iv i n d e l" teilt uns der Reichstags- Abgeordnete F. Bin dewald mit. daß die in der betreffenden Notiz gegebene Darstellung, als ob er. Binde- wald, mit dem sogenannten Boerenkommandauten MayerS van Pittius durch Rheinland- Westfalen gezogen sei, um die Boereiifreunde zu brandschatzen und den Kassenertrag mit van Pittius zu teilen, der Wahrheit nicht entspreche. Wahrheit sei vielmehr. daß er ebenso wie van Pittius nur infolge einer Einladung der„D e u t s ch- n a t i o n a l e n Vereinigung" den Vortrags- eyklus übernommen habe. Unrichtig sei ferner, daß er, Büthe- wald, oder van Pittius irgend welches Verfügungsrecht über den Kasfenertrag gehabt habe.— Ausland. Frankreich. DaS Duell Dsroulsde-Buffet unterbleibt. Aus Lausanne (Schweiz) wird darüber unterm 15. d. M. berichtet: Die Zeugen Töroulödes und Büffets vereinbarten die letzte Nacht ein Abkommen, durch welches angesichts der Thatsache, daß den beiden Gegnern Ausweisungsbefehle nebst Haftandrohung zu- gegangen sind und das Dueill durch die Polizei absolut unmöglich gemacht ist, der Zwischenfall Dsroulsde-Buffet für erledigt erklärt wird. Teroulöde reiste heute früh via Gotthard nach Mailand, Büffet gleichfalls nach Basel ab.— Belgien. Der König der Belgier soll im Sterben liegen. Er ist, wie ein Telegramm aus B r ü i s e l meldet, von dem Wogen der Königin überfahren worden.— England. Hecreöreform. Der Verlauf deS Kriegs in Südafrika hat Veranlaffung zu sehr harten Kritiken des englischen Heers gegeben. Nachdem schon im Oberhaus heftige Debatten stattgefunden, ist am Donnerstag auch im Unterhaus mit der Erörterung über die Regierungsvorschläge ivegen Stärkung der Wehr>n acht begonnen worden. Der Führer der Liberalen, Cainbell Bannermcm, sprach sich gegen die Vorschläge saus, die nach seiner Meinung zum Aushebungssystem führen würden. H a r e o u r t protestiert gegen die Umwälzung der Landespolisik, gegen den Versuch. England in eine m i l t t ä r i s ch e N a t i o n z ti verwandeln, fordert ferner Anfklänmg über die Aus- führungeii Brodricks, daß Eugland vorbereitet sein müsse, drei Armeeeorps ins Ausland zu entsenden, und fragt, ob England im Begriff sei, in Konkurrenz mit den großen Militärstaaten Europas zu trete». B a l f o u r entgegnet, das Anwachsen deS Militäretats sei der Verantivortlichkeit zuzuschreiben, die England auferlegt sei. ES sei denkbar, daß, falls England augegriffen würde, es in einem Defensivkriege Verbündete haben köimte. Wenn dieS der Fall, würden jene Verbündeten Hilfe in den Operationen er>v arten, die obwohl defen« fiv in der Absicht, doch schließlich offensiv sein könnten. Obschon dies eine ivichtige Rücksicht, sei es doch nicht die ivichtigjte Rücksicht. Die Wirkung des Etats-BoranschlagS sei nicht so sehr, die Truppenzahl zu vermehren, als sie für den v e st i nt m t e n Z iv e ck bereit zu halten. Balfonr schließt, Brodrick iverde als der bezeichnet iverden, der das Heer für alle möglichen Zwecke der heimischen Verteidigung und alle Voraussicht- liche» Zivecke eines fremden Kriegs tüchtig gemacht hat, und indem er das gethan hat. hat er mehr vollbracht als durch eine geschickte Diplomatie gethan iverden könnte, nämlich jene» Frieden zu sichern. dessen England nie sicher sein könnte, wenn eS nicht die Achtung der Mächte besäße, die s e i u e F r e u n d e und in m a n ch e rH in s i ch t eine Rivaleu seien und die seine Feinde werden könnte it.(Beifall.) Hierauf wird die Weiterberatung vertagt. Serbien. Sofia, 15. März. Wie hier bestimmt verlautet, habe der Minister deS Innern angeordnet, daß den maeedonischen Schützen- Vereinen die Waffen abzunehmen und daß ihre militärischen Nebungen zu verbieten seien.— Vom Boeren-Krieg liegen»nr wenig neue Meldungen vor. Die FriedenSbedingungen ollen fÜA die Boeren noch etwas günstiger lanteu. als gestern an- gegede» wurde. Die allgemeine Amnestie soll auf De Wet und S i e i j n ausgedehnt werden, die Kap-Rebellen sollen nur durch Verlust des Wahlrechts bestraft iverden; drittens: Darlehen an die BurgherS zur Wiederherstellung ihrer Ackergüter; viertens: Ein- setzuiig einer Eivilregiermig unter Milner mit Boerenführern als Beirat. Wie es in englischen Blättern heißt, wartet Botha auf die Anlnnft De W e t S, um mit diesem zu verHandel», ehe er selbst die Frtedeiisbedinguiigeit aiminimt. Den„TinieS" wird aus Pretoria vom 14. d. gemeldet. De Wet habe mit einem kleinen Boerengefolge S e n r k a l erreicht. Er nähert sich aber einer Gegend, Ivo ihm tvabrscheinlich eine erhebliche Verstärkinig seiner Streitmacht zu- gehen lvird. Kapstadt, 15. März. Da die Boeren die Telegraph endrähte zerschnitten haben, ist die Verbindung mit dem Osten der Kolonie und mit Natal unterbrochen. Die Pest. Kapstadt, 14. März. Die Pest breitet sich hier in ernster Weise aus: die Behörden haben deshalb vorgeschlagen, die Truppen in de» Lager» und in den Kasernen zu konsigniere». Die Zahl der Pest- 'älie. die unter de» Europäern vorkomme», nimmt zu. Heute sind 4 Europäer und 8 Eingeborene erkrankt. Bis jetzt sütd hier 3 7 Personen a» der Pest g e st o r b e n. Man hat init der allgemeine» Impfung begonnen. Heute wurden 2000 Eingeborene geimpft.— Auch in Johannesburg ist die Pest ansgebrochen. Loudou, 15. März. Eine Depesche des Generals K i tch e n e r aus Pretoria vom 14. März meldet: French berichtet in Ergänzung seiner früheren Meldungen, daß noch 46 Boeren, teils getötet, teils verwimdet und 146 gefangen ivurden oder sich ergaben. Erbeutet ivurde» vo» ihm noch 200 Gewehre, 3700 Patronen. 2400 Pferde, 120 Maulesel, 370 Zugochsen. 2500 Stück Vieh und 400 Wagen. Es herrscht noch regnerisches Wetter, wodurch der Vor- marsch der Truppenabteilungen verzögert wird. Varlsn,enkÄVischVS. Koulmisfio» zur Beratung der SeemannS-Ordnung. Vor Beginn der zweiten Lesung der Seenimms- Ordnung am Freitag wurden eine größere Anzahl von Abänderungsanträgen verteilt, die vom auswärtigen Amt eingereicht waren, die aber unzweifelhaft den Stempel der Reeder tragen und schon in ihre» Grundzügen in einigen Artikeln des„Hamburgischen Kor- respondcuten" enthalten waren. Es scheint fast so, als ob auf Betreiben der Reeder die in der ersten Lesung zum Besten unsrer Seeleute gefaßten Bescklüsse wieder ausgemerzt werden sollen. Die zweite Lesung des Entwurfs kann noch recht lange dauern, wenn sich Vertreter der Reederei-Jnteresscn innerhalb und außerhalb der Regierung darauf versteifen, ihre Ausmerzungsanträge durch- zubringen. Gelingt ihnen dieses in Bezug auf die Bestimmungen über Arbeitszeit, Wachdienst und Sonntagsruhe, so verliert der Ent- Wurf überhaupt jeden Wert. Die socialdemokratischen Vertreter iverden alles aufbieten, um die geringe Reform für die Seeleute, die bisher erreicht wurde, festzuhalten.' VÄvkei-Llschvutzten« Totenliste der Partei. In Göttingen starb der Schrift- setzer G a t t e r m a n n, der sich um die dortige Parteibewegnng große Verdienste erworben hat. Gegen Ende der 80er Jahre war er es, welcher mit einer kleinen Zahl den Grund zu unsrer Partei- organisation legte. Da eine politische Organisation unter dem Socialistengesetz nicht möglich war. so half man sich durch Gründung eines Leseklnbs, aus welchem dann später der Wahlverein hervor- ging. Ein jahrelanges Leiden, dem er jetzt auch erlegen ist, hinderte -hn in den letzten Jahren an weiterer Parteithätigkeit. Gemevksrlxetfkliches. Berlin und Umgegend. Aussperrung der Berliner Schuhmacher. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, haben die Schuhfabrikanten bc- schlössen, heute ihre sämtlichen Arbeiter auszusperren, soweit sie nicht bei Beginn der Arbeit folgenden Revers unterschreiben: Ich Endesunterzeichneter versichere hiermit, daß ich während meiner Thätigkeit in Ihrer Fabrik mich verpflichte, keinerlei Zah lungen an den„Verein Deutscher Schuhmacher" zu leisten, noch in irgend cnzer Weise die jetzt im Ausstand befindlichen Schuhfabrik- Arbeiter zu unterstützen. Berlin, den 16. März 1301. NB. Nur solche Arbeiter erhalten im Arbeitsnachweis Scheine, die obigen Revers unterschrieben haben; solche, die falsche Ver- sicherungen abgeben, sind überhaupt ausgeschlossen. Der Kampf spitzt sich damit für die Arbeiter zu einer Ver- teidigung ihres KoalitiouSrcchtS zu, denn die Unterschrift unter diesem Revers bedentet den Austritt aus der Gewerkschaft. Ent- schließen sich die Unternehmer in größerer Zahl zu diesem Schritt, dann haben wir es mit einem erbitterten Kampf im Schuhgewcrbe zu thnn, der ohne Grund von den Unternehmern zu diesem Umfang und dieser Schärfe getrieben würde. Gegen derartige Versuche des Unternehmertums würden die Ausgesperrten gewiß mit aller Ent schiedenheit Front machen, die Herren Schuhfabrikanten würden mit ihrem Vorhaben das Gegenteil dessen erreichen, was sie bezwecken. Handwerkskammer zu Berlin. Am 20. und 21. März d. I. vormittags 11 Uhr, findet in, großen Sitzungssaal des Provinziab landeShauscs, hier W., Matthäikirchstraße 20/21, eine Voll- ZjMnmm- lung der hiesigen Handelskammer statt. Auf der T a g(TS o rd nung steht: 1. Bericht des Vorstands über seine bisherige Thätigkeit, solvie über die Verhandlungen und Beschlüsse der Abteilungen und Ausschüsse. 2. Beschlußfassung über Form und Inhalt der Lehrvcrträge, sowie Vorlage und Beschlußfassung über die Vorschriften zur Rege- lung des LehrlingswcsenS. ' 3. Vorloge der vom Herrn Obcrpräsidenten zu erlassenden Ge- sÄlcnprüfuikgs-Ordnung. 4. Bestimmung der verwandten Gelverbe. 5. Feststellung des HanshaltS-PlanS für daS Etatsjahr 1001/1302. 6. Zuwahl von sachverständigen Personen und ihre Unterweisung an die Abteilungen. 7. Auslosung der Mitglieder der Handwerkskammer, deren Ersatzmänner und der zugewählten sachverständigen Personen. Aus- losimg der Mitglieder des Gcsellenausschusses und deren Ersatz- märmer. 8. Wahl deS BerufungSauSschnsseS. . 3. Wahl des Rechinmgsausschusses. Die Mitglieder des GesclleuausschusseS zur Handlvcrkskaminer werden somit zu einer Besprechung der erlassenen Vorschriften zum Sonntag, den 17. d. M., vormittags 10 Uhr, nach dem GcwerkschaitS- hause, Engel-Ufer IS, eingeladen. H. Bartel, Pücklcrstr. 6 III. Mit der Lohnbewcgu>lg der Geschirr-Sattler beschäftigte sich eine stark besuchte Vcriammlnng dieser Branche, die am Donners- tag im großen Saal des Gewcrkschaftshauses tagte.. Wie der Re- ferent Hoffmann ausführte, haben die Gehilfen der Geschirr- und Sättelbranche ihre Forderung l»» Aufbesserungen der Lohn- nud Ar- beitsverhältnisse bereits im Oktober vorigen Jahrs der Sattler- Innung eingereicht. Es ist aber weder zu Verhandlungen über die Forderungen gekommen, noch haben sich die Meister über Annahme oder Ablehnung derselben erklart. Auch mit dem Borsitzenden der Arbeitgeber-Organisation für die Geschirrbranche sind Kor- respondenzen gepflogen worden, dieselben haben aber ebenfalls kein befriedigendes' Resuitat gehabt, vielmehr hat es den Anschein, als wollten die Arbeitgeber die Beivegung nur verschleppen. Die auf- gestellten Forderungen sind folgende: 1. Neunstündige Arbeitszeit, Sonnabends eine Stunde früher Feierabend ohne Lohnabzug: 2. ein Mininlallohn von 24 M.. im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit 13.50 M.; 3. zu den jetzt gc- zahlten Löhnen einen Zuschlag von 15 Proz. für Lohnarbeiter. 20 Proz. für Accordarbeiter: 4. für lieberstunden 23 Proz. Zuschlag: 5. Abschaffung der Heimarbeit; 6. Bezahlung der gesetz- lichen Feiertage; 7. Freigabe des 1. Mai. Die Forderungen sollen nunmehr den einzeknen Arbeitgebern sofort eingereicht und sie aufgefordert werden, bis zuni 23.' März der Lohnkommission Antwort zu geben.— Der Referent betonte. daß die Lohnforderungen sehr bescheiden seien und von den Meister» ohne Nachteil bewilligt werden köuntcn. Bei vielen Sattlcrmeistern sei es üblichi daß sie dcn herrschaftlichenKutschern.die ihnen Arbeit zuivcnden, 10�12 Proz.des Preises alsProvision zahlen, dafür aberumsomehranben Löhnen der Gebilfcn knapsen.— Zwei der bekanntestenFirmen haben die Forderungen bereits anerkannt, man hoffe, daß auch die übrigen das- selbe thnn. Die Arbeiter wünschen, daß die Lohnbewegung durch gütliche Verhandlungen zu Ende geführt werde. Sollten aber die Arbeitgeber sich iveigern, den Gehilfen entgegen zu kommen, dann ivürdcn diese sich nicht scheuen, in den Streik einzutreten und sich zu erkämpfen, was man ihnen gutwillig nicht geben wolle.— In der Diskussion nahm auch ein Sattlermeistcr Steindorf daS Wort. Er bezeichnete die Forderungen der Gehilfen als durchaus berechtigt und betonte, daß es nicht im Interesse der Arbeitgeber liege, wenn sie es zum Streik komme» lassen. So groß sei die Einigkeit der Meister nicht, daß sich die Gehilfen davor fürchten müßten. Die übrigen Dislnssions- redner aus den Atcihen der Arbeiter stimmten mit dem Referenten überein/Die Versammlung nahm den Vorschlag der Lohnkontmission:' Einreichung der Forderungen und Erwartung der Antlvort der Meister bis zw» 23. März, einstimmig an. Ei» kleiner Streik entstand am Donnerstag bei der Firma Kammrich, Aktien- Gesellschaft, Reinickendorferstr. 23ä, Fabrik für Maschinenbau. Am Mittwoch war den Ardeitern durch Anschlag eine Lohnreduktion angekündigt, die 10 Proz. betrug und mit der Be- rufung auf die schlechte Konjunktur begründet wurde. Die Arbeiter traten sofort in einer Werkstattkonferenz zusammen und beschlossen, am Donnerstag die Arbeit nicht eher aufzunehmen, bis die zur Verhandlung entsandte Kommission mit dem Bescheide zurückkommt, daß die Lohnreduktiou zurückgenommen ist. Das einmütige Verhalten der Arbeiter muß wohl auf Herrn Kammerich Eindruck gemacht haben, denn durch Vcrmittclung des Herrn Inge- nieurs Lehmann entschloß er sich, seineu Utas zurückzunehmen, worauf die Arbeiter zur Fabrik zurückkehrten. Kleine Mitteilungen. Eine der schlinim sie» Formen der Ausbeutung besteht wohl iin Bautischler- Gewerbe. Dort stellen vielfach die Gehilfen nicht nur ihren Arbeitgebern noch Bank und Werkzeug, sondern mieten— wie in einer Versammlung des Bezirk„Weddiiig und Gesnudbrminen" des Holzarbeiter-Verbands festgestellt wurde— auch»och ArbeitZränme uud bezahlen die Miete dafür auS eigener Tasche! Die Versammlung beschloß, bei der Orts Verwaltung des Verbands dahin vorstellig zu werde», daß in Kürze eine öffentliche Bautischler- Versammlung sich mit dieser Sache bc- fassen möge. Zur Generalversammlung deS Bäckerverbands delegierte die hiesige Filiale den Kollegen H e t s ch o l d. Außerdem wurde gegen nur 5 Stimmen die Einführung der Arbeits- l o s e n- U n t e r st ü tz u n g beantragt. Deutsches Reich. Eine Arbeitslosen- Zählung hat der Holzarbeiter- Verband am 15. Februar unter seinen Mitgliedern vorgenommen. Soeben wird ein Teilresultat von 62 Zahlstellen veröffentlicht, das sich auf 4305 Mitglieder, die Zählkarten eingeschickt haben, er- streckt. Auf die einzelnen Berufe verteilen sich diese Mitglieder wie folgt: Tischler..... 3330, darunter 135 Arbeitslose Drechsler.... 426. 5„ Bürstenmacher... 44.„ 2„ Stellmacher.... 1l7.„ 1„ , Korbmacher...'. 171,„ 2„ Korkschneidcr... 43,„—„ Diverse..... l14,__ 8 ,._ Zusammen 4305, darunter 153 Arbeitslose Die Gesamtdaner der Arbeitslosigkeit beträgt 4442 Arbeitstage (Sonn- und Festtage sind abgcrechuclj. Somit entfallen auf den Einzelnen 29 arbeitslose Tage. Das Resultat erscheint sehr günstig, in Wirklichkeit dürfte die Arbeitslosigkeit größer sein. Es läßt sich aber auch annehmen, daß unter den Mitgliedern die Arbeitslosigkeit geringer ist als sonst im Beruf, weil die Arbeitsveriuittclung den Mitgliedern der Orgauisatio» zunächst zu gute kommt. Streikst ostcnstehcn. Während des Buchbinderstreiks in Leipzig erhielt die Falzerin Jöhring von der Jmumg eine Arbeitsstellung für die Buchbinderei von Gvhre angewiesen. Vor der Fabrik wurde sie von dem Streikenden Sch.'angesprochen und gefragt, ob sie zu Göhre Ivolle. Die I. gab hierauf keine Antwort und ging fort. Einige Häuser weiter besann sie sich anders und ging ivicdcr zurück in den Thorweg hinein. Bei dieser Gelegenheit soll nun Sch. gesagt haben: Die will Arbeit suchen, die lasten wir nicht hinein! Da am andren Thorflügel noch ein Buchbinder stand, so will die I. sich gefürchtet haben uud umgekehrt sein. Sie ging nach Hanse, zog andre Kleider au und imirde mm ungehindert am Thorweg durch- gelassen. Sch. bestritt entschieden, die Worte gebraucht zu haben, daS Gerickit verurteilte'ihn aber wegen Bergeheus nach§ 153 der Gewerbe-Ordnung zu 14 Tagen Gefängnis, wobei noch strafmildernd seine bisherige Unbeschöltenheit berücksichtigt wurde. Znm Maurerstrcik in Halle. Die Arbeiter haben in einer gutbesuchten Versammlung abermals beschlossen, den Streik fortzu- setzen. ES entbehrt nicht eines gewisse» Humors, daß c§ einigen Arbeitswilligen anscheinend unter der Polizei-Aufsicht auf die Dauer unbehaglich wird. So meldete man dem Streikkomitee, daß fünf Maurer, die bisher an der LandivirtschäftSkmnmer arbeiteten und täglich von der Wuchererstraße mittels polizeilicher Eskorte zum Bau- platz geleitet iviirden, die Arbeit niedergelegt haben, weil Herr Maurer- meister Reichardt sich nicht dazu begncmen wollte, den polizeilichen Schutz abzulehnen. Da sie auf Kündigung angestellt sind, klagen sie vor dem Geiverbcgericht auf rückständigen Lohn, den ihnen Herr Reichardt vorenthält. � Jedenfalls ist es doch sehr orgiucll, wen» Arbeitswillige streiken, weit sie des polizeilichen Schutzes überdrüssig sind.— Die Polizeibehörde sollte die entsprechende Konsequenz dar- ans ziehen. Zur Lohnbewegung der Schneider. In Kiel tobt der Kamps uni die Errichtung der Betriebswerkstätten. Von den 330 in Kiel arbeitenden Schneidern sind 30 auf Hausarbeit beschüfrigt, 240 arbeiten in Werkstätte». 117 Arbeiter haben die Forderung bis jetzt bewilligt erhalten; 37 Hausarbciter haben sich der Bewegung nicht angeschlossen, während 176 Mann in den Streik cingetreteu sind. Die Hausarbeiter, welche von den Arbeitgebern zu einer Versamm- lung eingeladen Ivnren, sollten als Keil in die Bewegung hinein- getrieben werden, es gelang ober nicht. In Bochum ist für die Lohnbewegung ein Zusammengehen mit dem christlichen Verband zu stände gekommen. Ju Hannover haben die Gehilfen in zehn Geschäften mit rund 300 Arbeitern Forderungen gestellt. Es ist die Hoffnung vor- handen, daß es zu einem gütlichen Ausgleich kommt. Die Unternehmer in Nürnberg beantworteten die Tarif- forderungen der Gehilfen dahin, daß sie selbst einen Entwurf vor- legten, der für den ersten Tarif minimale Zugeständnisse, für die beiden andren aber Preisreduktionen von 50 Pf. bis 3 M. enthält. Darauf wurde in den Geschäften, die nicht bewilligten, gekündigt. AuSlnnd. Der Streik in der Wiener Damenkonfektion hat an Ans- dehmmg geivoimen und befinden sich jetzt 2000 Arbeiter im Ausstand. Bisher haben 25 Firmen, darunter einige größere, die Forderungen bewilligt. Die Wiederaufnahme der Arbeit in Moniceau verworfen so meldet uns der Telegraph. Nach dem ersten Telegramm chien ein solches Resultat kaum zu erwarten, denn nach diesem hatte die Direltion die Forderinige» der Arbeiter im wesentlichen bewilligt. Den Zimmerer», Tagelöhnern-e. war eine Lohnaufbesserung von 15 Cts. pro Tag zugesichert, soweit sie noch einen Lohn von unter 3 Fr. erhalten. Die Streikenden hatten gefordert, daß die Arbeiter der Schächte Montmaillot und Magny den der übrigen Schächte gleichzustellen seien. Die Direktion willigte-für diese Arbeiter in eine Lohnerhöhung von 20—25 Cts., soweit es sich um Leute von über 18 Jahren handelt, die jüngere» sollten eine Lohnaufbesserimg von 5 Fr. pro Monat erhalten. Ferner hatte die Direktion versprochen, daß den Arbeitern von eiten des Aufsichtspersonals eine bessere Behandlung zu Teil werden 'olle, namentlich solle» organisierte und unorganisierte einander gleich gestellt Iverden. Schließlich sagte die Direktion auch zu, daß aus Anlaß des Streiks keine Maßregelungen vorgenommen werden 'ollen. � Die Differenzen zwischen den Forderungen der Arbeiter und den Zusagen der Direktion, die im Beisein des Präfekten mit den delegierte» der Gewerkschaft verhandelte, sind nicht erheblich. Ohne Zweifel wäre eS wohl auch zu einer Verständiglliig gekommen, wenn die Direktion nun nicht mit der' An- lülldigung hervorgetreten wäre, daß sie zu zahlreichen E n t l a s s n n g e il werde greifen müsse», weil nicht genug Arbeit vorhanden sei. Schon vor dem Streik habe die Direktion die Absicht gehabt, eine Anzahl von Arbeitern zu entlassen, der Ausstand, der jetzt die sechste Woche dauere, habe es verschuldet, daß der Gesellschaft eine Menge Aufträge entzogen worden seien. DaS sei vor allem in der Gießerei, der Schmiederci, Schneidemühle nilv., weniger im Kohlenbergbau selbst der Fall. Wenn neue Aufträge eingingen, wolle man den Rest der Arbeiter einstellen. Die Aeuße-! rungeu der Direktion waren hinsichtlich der Zahl der zu Entlassenden ziemlich uiibestimnit. man fürchtet, daß es sich um einige hunderte handler! Die Arbeiter glauben, daß es sich nicht in» Entlassungen wegen Mangel an Arbeit handelt, sondern daß die Direktion Maßregelungen aller»lißliebigen Arbeiter vorzuuehnicn beabsichtige. Und so haben sie denn den Beschluß gefaßt, den Streik fortzusetzen. Dem„Berliner Tageblatt" wird unterm 15. d. M. aus Paris berichtet: Die Dinge in M o n t c e a u l e s M i n e§, wo der Streik der Grubenarbeiter durch die Berniittelung Waldeck-Rousscans fast beendet schien, tritt wieder in eine ungünstigere Wendmio. Der Direktor der Gruben, der den Arbeitern ihre Forderungen größtenteils bewilligt hat, will jetzt 45 Arbeiter entlasse, die allerdings schon vor dem Ausbruch des Streits cmlasse» werden sollten. Die Streikenden befürchten eine allgemeine Maßregelung und verlangen Garantien. Aus der Fruurnbemrgung« Die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen haben dieser Tage eineil entschiedenen Protest gegen die Brotwucherpläne der Agrarier erlassen imd sie haben damit gezeigt, daß sie die Gefahr begriffen haben, die dem deutschen Volke von diesem Raubzuge droht. Daß sie sich damit den Zorn der„Deutsche» Tageszeitnng" und der„Post" zngezogcn haben, beweist mir, wie sehr die Großwucherer besorgt sind, eS könnte ihnen noch in letzter Stunde der Raub aus den Fingern gerissen werden. Die„Deutsche Tageszeitung" empfiehlt den Frauen, sie sollten sich um ihre Hanswirtschaft kümmern, dann würden sie die Steigermig des Brotpreises ivieder einbringen. ES ist möglich, daß unter den Frauen, die den Anfruf erlassen haben, sowie unter deucii, die derselben Sphäre angehören, diese und jene ist, die noch irgend eine vielleicht nicht ganz not- wendige Ausgabe niiterlasieii können, um den armen Jinikern ein Almosen zukommen zu lassen. das ihlien die Forterhaltnng ihrer privilegierten Stellung ermöglichen soll; will das aber die„Deutsche Tageszeitung" auch den Arbeiter- ftanen, den Arbeiterfamilien zliiimteii, deren Verbrauch doch allein den Ausschlag gicbt? Das ist nämlich charakteristisch: die„Deutsche TagcSzeiiiiiig" bestreitet nämlich gar nicht, daß daS Brot teurer iverden wird; sie gicbt scclenrichig zu, daß eS wohl teurer werden kann. Die„Post", die ja. heut keinen Freinid der Frausiirechte mehr zum Herrn hat. erklärt mit einer Art Polizei-Logik. die Frauen hätten heut lil Deutschland keine politischen Rechte und dürften sich deshalb nicht in die Polilik cinmischeii. Nach diesem Schema würden sie natürlich auch niemals zu politischen Neckiten gelangen. Wir trauen übrigens den Unterzeichneriitzien des Aufrufs zu, daß die„Post" und die„Deutsche Tageszeitung" mit diesen AiiS- lassuiigtii wenig Eindruck auf sie machen werden. Der Uebcrgriff der Wiener Sittenpolizei kani infolge der eingebrachten Interpellationen im östreichischen Abgeorduetenhause zur Sprache. Der Ministerpräsident sagte eine strenge Ahlidung zu und teilte mit, daß die Discipliiiaruntersnchung gegen die betreffenden Beamten bereits eingeleitet sei. Gleichzeitig hat der Polizeipräsident vo» Wien in einem Erlasse Reforiueu angeordnet, die der Wiederholung solcher Lorkouninliffe vorbeugen sollen. Danach will der Polizeipräsident mit den Polizei-BezirkSleitern allmonatlich Konferenzen abhalten, bei denen alle neuen Gesetze und Verordnungen, so weit sie für den Polizei- licheu Dienst von Bedeutung sind, alle polizeilichen Amtshandluiigeii, sofern sie durch ihre Besonderheit Anlaß ziir Besprechung uud zum Stiidimii bieten können, fachliche Fragen, etwaige speciclle Unter- weisniigen!c. besprochen iverden sollen. An die Konferenzen werden sich Besprechungen der Amtsvorstände mit den ihnen uiiterstehenden Beamten anschließen, bei denen diesen die bei der Konferenz erörterten Gegeustäilde und gegebenen In- strnktioiien zur Kenntnis zu bringen sind. In gleicher Weise solle» die Wachbeamten die Inspektoren und Wachen, die Beamten deS Ägenteniiistituts die Polizei-Agenten instruiere». Am Schlüsse des Erlasses erklärt der Polizeipräsident, daß er in allen Fällen einer geflissentlichen oder fahrlässigen Nichtbeachtung der bestehenden Normen iu>d einer leichtfertigen Schädigung des AintsaiiseheuS die Schuldtragenden uiiiiachsichtlich zur strenge» Ver- cuitwortmig ziehen werde. Sociales. Uutcrnehmcrprofitc und Arbeiterausbcutnug im Schorn- stciufcger- Gewerbe. Im Dresdener istadtverordiieten-Kollegiui» wurde» am Doimerötag zwei Protokolle vorgetragen, die der Rat über die Verhältnisse d?S Schornfteiiifcgermeisters Jnrig aus- genoniineil hat. Jnrig hält einen Gesellen und drei Lehrlinge. Alle vier sind bei' ihm i» Kost und Logis. Der Geselle erhält sechs Mark Wocheiilohii; die Lehrlinge bekommen kein Geld. Sie sind auf die Trinkgelder aiigewiese». Ohne diese würden sie auch nicht aiiskoniincii, da der Meister lein zweites Frühstück uud zum Abendbrot nur trockenes Brot verabfolgt. Auch für die Leibwäsche der Lehrlinge wird nicht gesorgt. Früher hatte der Geselle 15 M. die Woche Trinkgelder; als infolge der Agitation des Hauswirte- Vereins die Trinkgelder zurückginge», nur noch 3 M. Meister Jurig bezieht ein Jahreseinkommen von 13 000 M. In den letzten zehn' Jahren ist er nur dreimal zur Arbeit gegangen, um seinen erkrankte» Gesellen zu vertreten. Er besorgt nicht einmal das Inkasso selbst, sondern läßt durch seinen Gesellen die Rechnungen einziehen. Das Stadtverordiictcnkolleginm stellte fest, daß einige Schornstein- fegermcister Dresdens 20 000 M. und mehr im Jahre verdienen, ohne daß sie einen Finger krümmen. Als ein Stadtverordneter den Vorschlag machte, die Kehrbezirke so zu verkleineri,. daß die. Meister etiva 40000 bist 4500 M. JahreLeinkomnien bezögen, wurde von andrer Seite abgeraten. Die Schoriisteinsegermeister würden unter. so traurigen Verhältnisseli in Dresden nicht weiter arbeiten und auswandern, da ja jeder Dorf- Schornsteiiifcgermcister bereits seine 0000 M. im Jahre verdiene. Die Bebölkcrmig Dänemarks ist,»ach dem vorläufigen Bc- richt, den das„Staatliche Statistische Aurea u" über die Volkszählung vom 1. Februar dieses Jahrs veröffentlicht, auf 2 447 441 Seelen angewachsen. Im Jahre 1830 hatte Dänemark 2 172 380 Einwohner. ES hat deninach in de» letzte» 11 Jahrew eine Zuiiahiiie nur 12,7 Prozent stattgefiuideii. Kopenhagen hatjetztmit Vorstädten 431340 Einwohiler, 1830: 383131,die Zunähnie beträgt 26.3 Proz. In den Proviiizstädteil beträgt die BevölkerungS- zunähme im Durchschnitt sogar 31,2 Proz. Dagegen ist die Bevölkerungszahl in den Laiiddistrikten n n r» m 4,1 Pro z. ge- wachse». Die eigentliche Landbevölkerliiig hat sich im großen ganzen äußerst schwach vermehrt. Sie beträgt jetzt mir»och 60 Proz. der Gesanitbevölkernng, während sie 1890 noch 70 Proz. ausmachte, 1870: 77 Proz. und 1860: 78 Proz. Vor hundert Jahren hatte Dänemark 323 001 Einwohner, also noch nicht eine Million, jetzt hat es nahezu 2'/s Millionen. Freigabe �»es I Mai für die Schulkinder. Die Central- schnlpflege der Stadt Zürich hat durch einen diplomatischen Beschluß die jedes Jahr aufgetauchte Frage der Freigabe des 1. Mai.für die Schuljugend gelöst,«wie hat heschlosseii, den Begiliii des Sonimer- semesters aus den 2. Mai festzusetzen, so daß die Kinder ungehindert die Maiseier mitniachen und so die Osterscrien würdig abschließen können. Da früher die Anträge ans Einstellung des Unterrichts am 1. Mai immer abgelehnt worden waren, mußten sich die Eltern: welche ihre Kinder zur Maifeier mitnehmen. wollten, wegen Ab« Wesenheit derselben bei den' Lehrern entschuldigen. Geviiszks � Teilung. Eine. Mr die gesamte Jndnstrie wichtige Entscheldnna, die der Strafsenat des Kammer�erichts in seiner Eigenschaft als höchstec Gerichtshof in LandeS-Strafscichen vor kurzem getroffen bat, wird in der letzten Nummer der..Berufsgenossenscbaft" veröffentlicht Noch der Bestiinmung des§ 120s Abs. 2 der Gewerbe. Ordnung sollen Verordnungen der Landes-Centralbehörden und Polizeiverordnungen, die zum Schutze von Leben und Gesundheit der Arbeiter für bestimmte gelverbliche Arbeiter erlassen werden, vor ihrer Veröffentlichung den Vor ständen der beteiligten Berufsgenossenschaften nebst den Arbeitervertretern zur gutachtlichen Aeuheruna vorgelegt werden. Diese Vorschrift ist seitens der preußischen Behörden bisher in den meisten Fällen unbeachtet geblieben u>»d alle nachträglich hiergegen erhobenen Beschwerden der Berufsgenossenschaften blieben erfolglos, iveil die Regierung die Ansicht vertrat, daß die frag- liche Bestimmung nur instruktionelle Bedeutung habe, für die Rechts gültigkeit der Polizeivcrorduung aber belanglos sei. Nunmehr hat in einem Falle, in welchem es sich um die Verhängung einer Strafe auf Grund einer ohne Anhörung der' beteiligten Berufsgenossenschaft erlassenen Polizei- Verordnung handelte, das Kammergericht als höchste Instanz die betreffende Polizei- Verordnung für ungültig erklärt. In der Begründung ivird ausgeführt, daß die Vorschrift des Z 120s der G-werbe- Ordnung und des Z 117 des Gewerbc-Unfallversicherungs-Gesctzes nicht instruk- tioneller, sondern zwingender Natur ist, und daß der Mangel der An- hörung der Genossenschaftsvorstände von vornherein die lln gültigkeit der P o liz ei v c r or d n u p g herbeiführt. Auch erstrecke sich diese Bestimmung nicht bloß auf Verordnungen zur Verhütung von Unfällen, sondern auch auf Vorschriften zum Schutze gegen Krankheiten. UeberdieS müsse die Verkündung der Polizeiverordnung ausdrücklich erkennen lassen, daß die Bedingungen erfüllt sind, an die die Rcchtswirksamkeit der Verordnung geknüpft ist.— Durch diese Entscheidung ist eine große Zahl von Polizeiverordnungen der letzten zehn Jahre für ungültig erklärt worden. Die Verrohung der Jugend. Aus H a �le a. S. berichtet man uns vom gestrigen Tage: Die goldene Jngend, über deren Ausschreitungen jetzt auch in der bürgerlichen Presse bitter ge klagt wird, gab in heutiger Schöffengerichtssitzung Veranlassung zu recht interessanten Auseinandersetzungen zwischen dem Staatsanivalt Schlütter und dem Rechtsanwalt Dr. Keil. Angeklagt ivegen Wider- stands und Beleidigung waren der 23 jährige stuck, jur. Franz Krell, der im 6. Semester steht, der 27 jährige praktische Arzt Dr. Ernst Günther von Leipzig, der 23 jährige stuck, med. F l o v u s G.e r h a r d und der 21 jährige stuck. med. Walter W i e g a n d. Die i Angeklagten wäre» in der Nacht vom 5. Dezember auf dem sog. Schlamin, in einem Hause wo Freudenmädchen wohnen, gewesen und hatten dort mit dem Polizei sergcanten Sommerfeld, der den Prostituierten Ruhe gebieten sollte, Streit bekommen. Als Krell aufgefordert wurde, seinen Namen zu nennen,»varf man den starken kräftigen Beamten auf der Straße zu Boden, dann kniete sich Student Krell auf ihn, mißhandelte ihn erheblich und versuchte ihn auch noch den Säbel zu entreißen. Der Beamte schrie schließlich Hilfe und mußte von Pasianten befreit werden. Auf dem Wege nach der Wache leistete Krell heftige» Widerstand, wobei ihyr auch Dr. Günther behiflich gewesen sein soll. Der Vorfall erregte damals großes Aufsehen und sogar die konser- vative.Hallesche Zeitung" konstatierte, daß die Studentenaus- schreitungen bedeutend zugenommen haben. Krell erklärte, damals sinnlos betrunken gewesen zu sein und verkroch sich hinter dem Z 51 des Straf- Gesetzbuchs, indem er in Bewußtlosigkeit gehandelt haben ivollte. Der Staatsanivalt be- dauerte den Exzeß, der uu, so schwerer zu verurteilen wäre, da er von gebildeten Ständen begangen sei und meinte dann in Beziehung auf das Strafmatz, mit Recht werde von gewisser Seite gesagt? „Na das hätte einmal unfern Leuten passieren sollen". Er beantragte d,e mildernden Umstände zu verneinen und Krell zu drei Wochen Gefängnis zu verurteilen. Der Ver« leidiger entgegnete, weiin sich der Herr Staatsanwalt auf die öffentliche Meinung berufe, so sei Gott sei dank zu konstatieren, daß der preußische Richter st and viel zu erhaben ist, sich durch die öffentliche Meinung, mag sie von unten oder oben kamen, beeinflussen zu lassen. Was die Zeitungen schreiben, könne dem Richterstand ganz egal sein. Das Gericht verurteilte Krell zu 14 Tagen Ge- fängnis, 25 M. Geldstrafe eventuell noch 5 Tage Gefängnis und Dr. Günther zu 100 M. Geldstrafe eventuell 10 Tage Gefängnis. Die andren beiden Angeklagten wurden freigesprochen. Um sich Arbeit zu verschaffen, hat der Schreiber Max G o I z einen kleinen Tric erfunden, der ihn gestern unter der Au- klage der Urkundenfälschung und des Betrugs vor die I. Strafkammer des Landgerichts I brachte. Der Angeklagte, der sich in dürftiger Lage befindet, war st ellenlos ge- worden und bemühte sich vergeblich, wieder irgendwo unlcr- zukommen. Störend war jedesmal der schlechte Anzug, in dein er sich den Arbeitgebern vorstellen»nutzte. Um Über dieses Hindernis hinivegzukommen, setzte er folgenden Coup in Scene. Er besuchte ein hiesiges Warenhaus und entnahm daraus eineii neuen Anzug, ließ sich denselben zurücklegen und erklärte, ihn am nächsten Tage abholen und bezahlen zu»vollen. Die Abfertigung in dem betreffenden Warenhaus ist derartig geregelt, daß in solche»? Fall der Käufer einen Schein erhält, dessen ziiieiter, uuten abzulösender Teil als AusiveiS für die Lagerei zu benutzen ist. Die Ausfertigung der Ware erfolgt nur, wenn der betreffende Abschnitt den Stempel- vermerk der erfolgten Bezahlung trägt. Diesen Vermerk machte der Angeklagte init Hilfe eines Gummistempels nach und schickte am nächsteii Tage mit dieser gefälschten Quittung einen kleinen Jungen in das Warenhaus, der darauf auch den Anzug erhielt. Der bei der Abfertigung beschäftigte Angestellte des Geschäfts schöpfte noch im letzten Augenblick Verdacht, er ging dem Jungen nach und als dieser das Paket dem auf der Straße harrenden Angeklagten ab- lieferte, erfolgte die Festnahme des letzteren.— Der Gerichtshof hielt die Verschlagenheit, mit der der Angeklagte vorgegangen, iur eine sehr große, er nahm jedoch Rücksicht darauf, daß der Strafthat ein geivisseS ästhetisches Motiv zu Grunde lag, und verurteilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis. Ungültige Polizeivcrordnung. Ein Amtsvorsteher hatte für seinen Polizeibezirk durch Polizeivervrdnung bestimmt, daß Personen, die den Kleinhandel mit Spirituosen und Flaschen- b i e r betreiben, die Eingänge zu ihren Geschäftslolalen so einzu- richten haben, daß die inneren Ladenräume von der Straße aus vollkommen zu übersehen seien. Mehrere Händler, die ivegen Vergehens gegen diese Verordnung verurteilt»varen, wurden auf ihre Revision hin vom Kamniergericht freigesprochen. weil die fragliche Vorschrift rechtsungültig sei. Das Kammer- gericht führte begründend aus: Die Vorschrift bezwecke offensichtlich, der Polizeiverwciltuiig die ihr obliegende Kontrolle und Ai»fsicht zu erleichtern. Zu diesem Zweck köime aber die Polizeiverwaltung Iveder nach Z 10 1117 des Allgemeinen Landrechts lGeneral-Polizeiklausel). noch auf Grund des Z 6 des Polizei-Berwailungsgesetzes«ine Ver- ordnung erlassen. Auch durch§ 33 der Gewerbe-Ordnung könne die fragliche Bestimmung nicht gestützt werden. Wenn nach s 33 die Erlaubnis zum Kleinhandel mit Brmmtwein oder Spiritus verweigert werden könne,»venu das zum Betriebe des Gewerbs bestimmte Geschästslokal hinsichtlich seiner Lage und Beschaffenheit den polizeilichen Anforderungen nicht ent- spricht, so könnte diese Bestimmung höchstens die Aufnahme von Vorschriften über Beschaffenheit und Lage des Lokal« in die Kozessions- Urkunde rechtfertigen. Eine nachträgliche Ver- schärsung der Konzessions-Bedingungcn in irgend einer Weise sei nicht zulässig. Aus Heidelberg wird berichtet: Vor der hiesigen Strafkammer begann heute vormittag die Verhandlung gegen den Expeditions- gehilfen Joseph W e i p e r t, welcher angeklagt ist, am 7. Oktober vorigen Jahrs das Eisenbahn-Unglück bei der Station Karlsthor verschuldet zu haben, bei welchem S Personen sofort getötet und ungefähr 80, darunter 38 schlver, verletzt wurden. Geladen sind 20 Zeugen und g Sachverständige, darunter der großherzogliche Regierungsrat Hornung-Karlsruhe, Geheimer Finanzrat Leo-Stutt- gart und Direktwnsrat Gahr-LudlvigShafen ain Rhein. VevlJUttnIuttgen. Eine stark besuchte Volksversammlung für den dritten Berliner Reichstags-WahlkreiS fand am Mittivoch, den 13. März, in, großen Saale der Ressource statt. Genosse Dr. Leo Arons referierte über:„Ziele und Wege des Proletariats." Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen gediegenen und lehrreichen Vortrag. In der Diskussion sprach Mücke. Derselbe verbreitete sich mehr über die Konsumgenossenschaften. Weitere Diskussion wurde nicht beli-� Tie Notwendigkeit der obligatorischen Fortbildungsschule »vurde in einer Versammlung der HaudlungSgehilfinnen und Gehilfen, die am Mittivoch in den Armiiihalleu tagte, eingehend erörtert. Von dein Referenten Robert Flatoiv und allen andern Rednern»vurde darauf hingewiesen, daß die gegenlvärtig vorhandenen Schulen in keiner Weise genügen und nur von einem geringe» Prozent�y der Lehrlinge und jugendlichen kaufmännischen An- gestellten besucht»verde»». Die meisten Prinzipale gelvähren nicht die notivendige Zeit zum Besuch der Schule und nach Schluß der Geschäftszeit ist es schon zu spät, um an dem Unterricht teilnehmen zu können. Der Schulbesuch ist aber um so notlvendiger, als die Lehrlinge oftmals nur eine geringe Vorbildung in der Volksschule genossen und dann aber viel- fach während der grnizen Lehrzeit zwar sehr angestrengt thätig sei» müssen, jedoch mit allen möglichen Nebenarbeiten als Laufbursche und als Hausdiener beschäftigt werden. Die Folge hiervon ist. daß die jungen Leute nach Beendigung der vorgeschriebenen Lehrzeit nur selten Über die für den kaufinännffcheu Beruf erforderlichen theoretischen und praktischen Kenntnisse verfügen und sie sich sehr schlver eine Stellung als Handlungsgehilfe verschaffen können. Die obligatorische Fortbildungsschule, wie sie bereits in ver- schiedenei» Städten eingeführt ist, hat sich durchaus beivährt und man hofft, daß nun endlich auch für Berlin diese Zeit ge- kon»mcn ist. Allerdings müßte der Unterricht in den Tages»tuuden, möglichst in der Zeit von 8—10 Uhr vormittags stattfinden, um dem Ziveck zu genügen, und nichts des Abends,»vo bereits die jungen Leute infolge der langen und anstrengenden Arbeitszeit übermüdet sind und beim beste»! Willen dem Unterricht nicht mehr genügend folgen könne»».— Nach einer längeren Diskussioi». an der sich auch der Stadtverordnete B o r g m a n n sowie einige Vertreter des dentschnationalen HandlungSgehilfen-Vereins in diese»»» Sinne be teiligte»»,»vurde einstimmig nachstehende Resolution beschlossen:„Die heutige Versammlung von Handluilgsgehilfen und Gehilfin»«»» erklärt: Die Einführung des obligatorischen Fortbildungsschnl-Untev richts für knuftnäniiische Angestellte unter 18 Jahren ist eine Noll »vendigkeit. Ebenso notwendig ist, daß der Unterricht während der Tagesstunden stattfindet. Die Versammlung erivartet vom Magistrat, daß er in diesem Sinne entiveder die bestehenden FortbilduugS- schulen anerkennt, um den Anfordernngen des Z 120 der Gewerbe- Ordnung zu genügen, oder durch Ortsstattit den Fortbildrnigsschul- zwang einführt." Das Bureau»vurde beauftragt, diesen Beschluß der Stadtverwaltung zu unterbreiten. Außerden» soll aber»veitcr eine rege Agi.atio» entfaltet»verde»», da befürchtet ivird, daß trotz dem Vorgehen der Aeltestcn der Kaufmannschaft ein Teil der Unter- nehiner,»vclche die Lehrlinge nicht ausbilden, sondern nur ausbeuten »volle»», die Einführung der obligatorischen Fortbildungsschule mit allen Mitteln zu verhindern versuchen ivird.— Zu dieser Versammlung»varen die verschiedenen Unternehmervereinigungen eingeladen, aber nicht erschienen. Die Arbeiter der Metallwarenfabrik Koininerzicurat Pintsch hielten an» DienSlagabend in Fiebigs Salon eine gut besuch»« Ver« sammlung ab. W i e s e» t h a l referier»« über:„Unter»velchen Bedingungen arbeiten die Kollegen der Weltfirma Pintsch." Redner be- leuchtete besonders das vcriverfliche System der Ueberswndeu. In dieser Beziehung steht die Finna an erster Stelle. So»vcrden in einem Sale Ueberstunden bis ins Unendliche hinein gearbeitet,»vährend im andre»» Saale Ivegen Mangel an Arbeitsgelegenheit Arbeiter entlassen»verde»» muHen. Hinzu kommt noch die eigen- artige Berechnung; während man glaubt, daß»nan so und so viel verdient hat. heißt's dann bei der Löhnung, daß die Arbeit nicht genügend hergestellt sei und eS»verde» Abzüge vorgenommen.„Organisiereu Sie sich", schließt der Redner,„treten Sie dem deutschen Metallarbeiter» Verband bei, dann wird auch die Zeit kommen,»vo der Kommerzienrat mit der Organisation rechnen mutz!"(Lebhafter Beifall.) Kaiser, der acht Jahre bei Pintsch gearbeitet hat, und vor kurzem gemaßregelt wurde, weist unter andern» darauf hin, daß auch in Bezug auf Schutz vor Gefobren des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter bös gesündigt wird. So»verde,» in der Fabrik in der Andreasstratze in eiuein Ramne fünf verschiedene Gase aufbewahrt, obwohl man in diesem Raum arbeitet. Es dürfe dann allerdings nicht Verwunderung erregen, »venu solch ein Unglück passiert, wie e« in Fürstenwalde geschehen ei.— In Bezug auf die hygienischen Maßnahinen bleibt in dem Betriebe des Herrn Kommerzienrnts vieles zu ivüiischen übrig. Es ehle die Ventilation. Waschvorrichtnngen und Klosetts seien inangel- Haft. Vor allem sei die Willkür der Meister in den einzelnei, Abteilungen geradezu ungeheuerlich Ein Redner beleuchtet nament- lich das Denuncianlenunwesen unter den Arbeitern. Im Schlußwort faßt Wiescnthal noch einmal alle die Momente zusainnien und er- mahnt die Amvesenden zum festen Zusammenhalt und zur Einigkeit, nur dann werden sie etlvas erreichen könueii. Tie Ramme r hielten am 12. März eine öffentliche Versammlung, ab. H a n f s ch i l d erstattete für die Lohnkommission Bericht über die Anuvort der Innungen auf die Vorlegung des Lohntarifs. Die! Innungen haben 2 Pf. pro Stunde Lohnerhöhung zugesagt. Die Versammlung lehnte jedoch diese Zusage als ungenügend rundlveg ab,»veil verschiedene Firmen schon im vorigen Jahre nicht nur den gebotenen Stundenlohn, sondern auch das Fahrgeld nach der Arbeits- 'tätte bezahlt hoben.— Ferner beschloß die Versamnilung,»venn sich die Innungen nicht bald der Lohnkommission gegenüber zu»veiter- gehenden Konzesstonen entschließen, bei günstiger Konjunktur«vent. >ie ursprüngliche Forderung durchzudrücken. Sodann ivurde be- chlossen, von Sonnabend, den 6. April, an die Woche 50 Pf. zum Streikfonds zu zahlen. Charlotteuburg. Die centralorganisierten Maler und ver- »vandten Berufsgenosien hatten sich am 13. d. M. bei Leder. Bismarck- 'traße 74, recht zahlreich versammelt. Nach einen» längerei» Bericht über die Verhandlungen der beiderseitigen Lohnkommissione», und die weiteren Maßnahmen der Gehilfen zu dieser Sache sprach F l e m m i n g über das Thema:„Der Bauarbeiterschutz in Preußen". Einstimmig»vurde von der Versammlung eine Resolution angenommen, die sich für Ausgestaltung eines besseren Bauarbeiter- chutzes iin Sinne der an den preußischen Landtag eingereichten Petition ausspricht. Zum Schluß erfolgte der fast einstimmige Aus- chluß des Mitglieds Philipp aus der Organisatton. Dann wurde noch auf die am 2ö. März stattfindende JnnungSversammlung, in der die Wahl des Gehilfenausschusses vorgenommen wird,.hin- gelviefen und zur regen Beteiligung an diesen Akt ermahnt. DaS Verkehrs- und Vereinslokal befindet sich jetzt in» Restaurant Emil Müller, Bismarckstr. 23. Alt-Glienieke. Am Sonntag, den 10. März b. I., hielt der öcialdemokrattsche Wahlverein Alt-GNenicke seine regelmäßige Ver- ammlung ab. Genosse P a u I I a h n hielt einen mit großem Bei- fall aufgenommenen Vortrag über:„Rechte und Pflichten des Staatsbürgers". Nach dem Vortrag fand eine sehr lebhafte Debatte statt über die am nächsten Tage stattfindende Bemeindevertreterivahl. Der seit kurzem bestehende Verein hat schon erreicht, daß wir den von uns aufgestellten Kandidaten, Genossen Wilhelm Prieß, mit überlvicgeilder Majorität ins Dorfparlament wählten. Grost-Lichterfclde. Der socialdeinokratische Wahlverein Groß» Lichterfelde hielt am 18. d. M. seine Generalversammlung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung»vidmete der Vorsitzende der verstorbeuei» Parteigenossin Frau Kaatscki den üblichen Nachruf. Hierauf erfolgte die Abänderung der Vereiiisstatute», soiveit solche nach dein Beitritt in den Ceutral'-Wahlvereil» des Kreises Teltoiv»otivendig getvorden ist. Eine äußerst rege Diskussion zeitigte die Frage, in»velcher Weise die heurige Maifeier seitens der Parteigenossen am Ort be- gangen werden soll. Es wurde beschlossen, die Arrangenients dem Vorstands zu überlaffei». West-Reinickendorf. Ain 9. März hielt der Wahlverein seine Monats- Versammlung im Lokal der W>v. T h o m a s ab. Adolf Hoffmann referierte in der sehr stark besuchten Versaminlnng über das Thema:„D« r K a m p f u m s Dasein." Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Die Diskussion Ivar eine außerordentlich rege und beivies, daß der Referent Verständnis ge- fluiden hatte. Zum Schluß ließen sich eine große Anzahl Anwesende als Mitglieder in den Wahlverein aufnehmen. WaidmannSlnst. An» Sonntag hielt der Wahlverein hier seine Mitglieder-Versammlung ab. Theodor Völker sprach über „Moral und Arbeitcrbelvcgnng." Unter Versinsangelegenheiten wurde den» Vorstand aufgegeben, in den Orten Tegel, Borsigivalde und Dalldorf Lese- und Diskutierabcnde einzuführen. Frauzösisch-Buchholz. Am Sonntag, den 10. März, tagte im Restaurani„Zum Storch" eine öffentliche Volksversam>nlui»g, die alle Räume des Lokals mit einer Kopf au Kopf gedrängten Menge erfüllte. Reichstags- Abgeordneter S t a d t h a g e n referierte über de»„Brotlvucher", gegen den denn auch eine Resolution angcnoinincn ivurde, die mir den Beifall eines einzigen Amvesenden nicht fand. — Außerdem beschloß die Versammlung, die Lokale von I e r s ch und M e lv e s für die Arbeiterschaft zu sperren. Rutzland in China. Der russisch-chinesische Vertrag bezüglich der Mandschurer hat die Chinesen zivischen zlvei Feuer gebracht. Die andern Mächte»vollen das Zustandekommen des Vertrags verhindern, aber anstatt sich gegen Rußland zu wenden, drücken sie ans China. L i- H u n g- T sch a n g ivird nun von den Mächten beeinflußt, de», Antrag nicht zu rati- fizieren, Rußland seinerseits drängt, die Unterschrift zu erhalten. Die„Frankfurter Zeitung" veröffentlicht ein Telcgrauui» aus New Jork,»vonach der„Sun" die Meldung bringt, daß Li-Hung-Tschang Rußland in der Mandschurei-Frage nachgebe. London, 15. März. Ein Telegramm der„Times" auS Shanghai besagt, nach Meldungen aus Niutschlvang habe Admiral Alexejeff den Tatareugeneral Tsingtschi wieder in seine Stelle als Kommandant von Mukdeu' eingesetzt. Er»verde von 4000 Mann russischen Sol- baten unterstützt. Wie«, 15. März.(B. H.)*Die ö st reichisch- ungrische R e g i e r»» n g beabsichtigt in Tieutstn und Tschifu neue Konsulate zu errichten.'_ Uehke MÄchvrchksn und Depeschen« Angebliche FriedenSvrrhandliutge» der Boerenführer. Loudou, 15. März.(B. H.) Nach Meldungen aus Standerton findet dort heute eine Zusammenkunst sämtlicher Boerenführer statt,»im über die englischen Fri e den sbcdiiigungen zu beraten und einen diesbezüglichen definitiven Beschluß zu fassen. Haß man in England allmählich an de» Friedensgerüchten ernst- lich zü ziveifeln begiimt, belveist indes folgendes Londoner Telegramm des»änilicheu Depeschenburcaus: London, 15. März.(B. H.) Allen Erlvartuiigen entgegen ist bisher keine Bestätigung über den Abschluß der angeblichen Friedensunterhandliingeii eingetroffen. Im Publikum macht sich immer mehr die Ansicht geltend, daß an den Gerüchten kein »vahres Wort sei und diese nur dazu dienen sollen, das Parlament zur Be»villi gung des KriegsetatS zu bestimmen. London, 15. März.(W. T. B.) Hiesigen Abendblättern »vird aus Standertoivi» von heute geincldet, daß die unter General French stehenden Truppen im Hinblick auf die zivischen Kitchener und Botha sch»v eben de n Uuterhandlu.ngen Halt macbe i». Blocmfontein, 15. März.(Meldung dcS Reuterschen BnreauS.) De Wct hicl» dieser Tage eine Ansprache an seine Anhänger, in welcver er erklärte, daß in Transvaal durchaus keine Unter- Handlungen mit den englischen Behörden im Gange seien. Ter Hafenarbeiter-Streik in Marseille. Marseille, 15. März.(B. H.) Die Lage verschlechtert sich immer mehr. Eine Beilegung des Streiks ist nicht zu erwarte». Die Lohnkutschcr haben beschlossen, falls der Aus- stand nicht bald beendet ist, die A r b e i t e b e n f a l l s e i n z u- stellen und sich der Be>vegung anzuschließen. Seitens der Be- völkerung und speciell seitens der Handelsivelt»verde»» Volks- Versammlungen einberufen. Die Haltung der Regierung in der jetzigen Krise»vird in kailfinännischen Kreisen aus das schärfste getadelt. Die Dock Unternehmer haben an den M i n i st e r p r ä s i« d e n t e n ein Telegra»»in gerichtet, in»velchem es heißt:„Die Ausständigen durchziehen die Straßen und bedrohen uns. Wir sind nicht genügend geschützt und verlangen von der Regierung, daß de» Gesetzen Achtung verschafft und die Sicherheit unsrer Persoiie»» verbürgt ivird.— Die Obmänner der Fuhrleute und Bäcker- gehilfen haben sich bereit erklärt, sich den» Aus st an de der Hafenarbeiter anzuschließen. Wien, 15. März./s Proz. des wahren Werts ausmachten. Dieser Satz bliebe allerdings hinter den Zollsätzen z.B. in Japan weit zurück. Ob neben den Seezöllen noch andre verwandte Einnahmequellensherangezogenlwerden sollen, z. B. die Erträge für einzelne Dschunken, Salzzölle usw., das wird noch genauer zu prüfen sein. Was die bekanntlich von einigen Seiten angeregte gleichzeitige Abschaffung der chinesischen Binnenzölle anlangt, so halten wrr diese Maßnahme für bedenklich. Man würde zu tief eingreifen müssen in die chinesischen Verhältnisse, was nach unsrer Auffassung zu vermeiden ist. Jedenfalls ist von keiner Seite bis heute eine befriedigende und dabei rasche Lösung der Deckungsfrage proponiert worden. Dafür, daß die Besitzer von chinesischen Anleihen nicht geschädigt werden, werden selbstverständlich Vorkehrungen zu treffen sein. Die Gesandten in Peking haben im Februar Beratungen ge- pflogen 1. über die Art der Feststellung der Kriegskosten; 2. ob bezüglich Entschädigung Privater nach gemeinsamen Regeln oder nach eignen Schätzungen verfahren ivird; 3. ob für die Entschädigung der Mächte die Summen für die einzelnen Mächte berechnet werden oder ob eine Gesamtsumme ver- langt tvird. In Bezug auf Frage 3 scheint es uns richtig eine Gesamt- summe zu verlangen. Hmsichtlich der Frage 2 scheint uns der Vor- schlag annehmbar, die Regelung der Entschädigung Privater nach gleichen Principien durch eine gemischte Kommission vornehmen zu laffcn. Für die staatliche KriegSkosten-Entschädigung scheint dagegen der Versuch b e st i m m t e R e g eln zu vereinbare» fast aussichtslos. Jeder Staat würde hier feine Effektenkosten so genau als möglich anzugeben haben und sie den übrigen Regierungen mitteilen. Nach Feststellung der Gesamthöhe wäre dann die Forderung an China zu stellen. Weiter wäre es dann Sache der chinesischen Regierung sich zu äußern, wie sie jene Sunime aufzubringen gedenkt. Wenn uns China, wie vorauszusehen, keine annehmbaren Vorschläge macht, so würden die Mächte China ihren inzwischen zu vereinbarenden Finanz- plan zu octroyieren hstbcn. Was nun die Frage angeht, wie lange unsre Truppen in Peking zu bleiben haben, so hängt das ab von der weiteren Gestaltung in Petschili, ganz besonders aber auch von dem weiteren Verhalten Chinas, von der Loyalität, mit welcher es bestrebt sein wird, die angenommenen Fricdensbedingnngen auch zu erfüllen. Die Dauer der Occupatio» von Petschili wird wesentlich davon abhängen. Mit der An- nähme der Friedensbedingungen ist es natürlich nicht gethan, auch nicht mit den bloßen Versprechungen und den schönsten Noten des Herrn Li-Hu»g-Tschang. sondern wir brauchen thatsächliche, ernstliche Erfüllung der Bedingungen. Dazu gehören vor allem Garantien für die Bezahlung der zu leistenden Entschädigung. Wenn wir diese erhalten, werden wir das Gros unsrer Truppen aus Petschili zurückziehen. Vergnügen macht cS un» nicht, dort zu bleiben.(Heiterkeit rechts.) Die Occupatio» von Peffchili ist lediglich eine Pflicht, der wir uns nicht ent- ziehen können und werden, so lange wir für die Durchführung der von China angenommenen Friedensbedingungen ernstliche Bürgschaft nicht erhalten haben. Liegt solche vor, so werden wir Petschili verlassen, und es ist unser aufrichtiger und lebhafter Wunsch. Petschili so lange als möglich nicht wiederzusehen!(Heiter- keit! Bravo! rechts.) Wenigstens nicht mit unfren Soldaten, sondern mit unsren Kaufleuten und Missionaren. Wir bleiben also in Petschili nicht länger, als durch den Zwang der Umstände geboten ist. Wir lassen uns aber auch nicht durch chinesische Winkelzüge und Spiegelfechtereien vorzeitig hinaus komplimentieren! Ebenso steht es mit' der Frage des Oberkommandos. Wir iverden dies nicht einen Tag länger aufrecht erhalten, als der Notwendigkeit der Lage und dem Wunsche der Mächte entspricht. Solange als diese beiden Voraussetzungen zutreffen, wird der Feldmarschall Graf Walder- see wie bisher seines Amts walten. Ich möchte noch einige Worte hinzufügen über die gegenwärftge diplomatische Lage in China. Alle Mächte sind bestrebt, die Ver- Hältnisse in China zu konsolidieren und wünschen einen baldigen Schluß der internationalen Interventionen in China herbei- zuführen. Nichtsdestoweniger bestehen bei den Mächten ge- wisse in der Natur der Verhältnisse begriindete Divergenzen. Es giebt Mächte, deren Interesse wesentlich wirtschaftlicher Natur sind, und andre, die dort mehr politische Ziele ver- folgen. Wir gehören meines Erachtens zu der ersten Kategorie. Deshalb haben wir am 16. Oktober v. I. das deutsch-englische Ab- kommen geschlossen, dessen Tendenz ich damals dahin zusammen- fassen konnte, einerseits die Integrität von China so lange als möglich aufrecht zu erhalten, und andrerseits uns in China nur soweit zu engagieren, als das für unsren Handel geboten ist. Auf die Mandschurei bezieht sich das deutsch-englische Abkommen nicht. (Hört I Hört l rechts.) Das geht schon aus dem Wortlaut deS Ab- kommens hervor. Bon geheimen Abmachungen und Klauseln ist dabei nicht die Rede. Wir haben es damals sofort in öRtonso der Oeffentlichkeit übergeben. In der Mandschurei bestehen gar keine nennenswerten deutschen Interessen. Die deutschen Missionare und Kaufleute wie sonstige Deutsche find in den Handelsplätzen der Mandschurei nur sehr sporadisch anzutreffen. Ich wüßte wirklich nicht was uns an und für sich gleichgültiger sein könnte als die Mand- schurei.(Sehr richtig I rechts.) Auf der andren Seite haben tvir aber auch ein Interesse daran, daß China in dem gegenwärtigen Augenblick, so lange seine Verpflichtungen gegenüber den Mächten nickt erfüllt sind, sein Staatsvennögen nicht ungebührlich verringert. China befindet sich zur Zeit in der Lage eines Schuldners, der mit seinen Gläubigern verhandelt, aber noch nicht zum Accord gelangt ist. und in solchen Fällen hat der Gläubiger ein Interesse daran, daß der Schuldner nicht zu viel abgiebt in fraudem creditorum. (Heiterkeit I rechts.) Darum haben auch wir und eine große Anzahl der andren Mächte, der chinesischen Regierung auf eine diesbezügliche Anfrage erwidert, daß wir in dem jetzigen Moment, so lange China nicht die Bedingungen erfüllt habe, Abmachungen bedauerten, sofern dadurch seine finanzielle Leistungsfähigkeit sehr wesentlich beeinträchtigt werden sollte. Diese Antwort konnte uns von keiner andren Regierung verübelt werden, weil einmal, wer berechtigte Interessen vertritt, damit keinem andern zu nahe tritt, dann aber weil, wie Sie alle wissen, alle Mächte feierliche Erklärungen dahin abgegeben haben, datz sie in China keine persönlichen Zwecke verfolgen. Mitbestimmend für unsre Antwort war auch der Umstand. daß neuerdings Privatgesellschaften angefangen hatten, die gegen- wältige Notlage Chinas zu benutzen, um der chinesischen Regrerung allerlei Konzessionen abzuzwacken. Wenn das so weiterging ohne Zug und Zügel. so würde China schließlich einer ausgequetschten Citrone gleichen, che wir zu uuserm Rechte gelangt wären.(Heiterkeit und sehr gut! rechts.) Deshalb haben wir unfern Standpunkt in dieser strittigen Frage dahin zusammengefaßt, daß wir China zur schleunigen Erfüllung der von ihm angenommenen Friedensbcdingungen nrgierten, im übrigen aber die Chinesen mit ihren Beschwerden an die diplomatische Konferenz in Peking verlviesen, welche das Konzert der Mächte repräsentiert. In diesem Sinne habe ich auch über diese Materie ein Telegramm an unsre Gesandtschaften geschickt. Welche Wirkung dieses Telegramm haben tvird, ist eine andre Frage; die können wir ruhig abwarten.— Man hat von einer Isolierung Deutschlands in China gesprochen. Man hat gesagt, daß wir in China diese oder jene fremde Macht als Stütze brauchen. Das eine ist ebenso un- zutreffend wie das andre. Von einer Isolierung Deutschlands in China kann schon deshalb keine Rede sein, weil tvir mit Erfolg unsre Anstrengungen dahin gerichtet haben, das Konzert der Mächte zusammenzuhalten. Und einer besonderen Stütze bedürfen wir deshalb nicht, weil wir zu keiner Zeit in China Sonderanspriiche gellend gemacht haben. Man hat auch gesagt, datz durch die chinesischen Vorgänge unsre Beziehungen zu Rußland alteriert worden wären. Auch das ist unzutreffend. Deutschland verfolgt, wie schon gesagt, in China ganz überwiegend Zwecke wirtschaftlich- kultureller Natur, Rußland verfolge in China auch Zwecke kultureller Natur, nebenbei aber auch gewisse politische Ziele, namentlick im Norden vou China. Diese beiderseitigenZwecke können sehr Ivohl nebeneinander bestehen!(Sehr richtig! rechts.) Von einem scharfen oder gar unversöhnlichen Gegensatz zwischen uns und Ruß- land ist in China so wenig die Rede, als irgendwo sonst.(Hört, hört! im Centrum. Bravo! rechts.) Mit andre» Mächten haben wir mit Nutzen in China zusammengearbeitet. Das ist der Fall bei dem Dangtse-Abkommen. zu dem uns unsre gleichzeitigen Handelsinteressen mit' England geführt haben. Deutschland und England besitzen in China mancherlei wichtige Jntereffen, die durch gemeinsame Ver- Handlungen gefordert werden können. Das Iangse-Abkommen konnte aber Rußland gar keinen Grund zum Mißtrauen geben, denn die drei Artikel desselben enthielten in keiner Weise irgend eine Ver- pflichtung zu irgend einer Aktion gegen irgend eine andre' Macht. Auch in der für uns wichtigen Frage der Kriegsentschädigung ist Rußland infolge seiner be- sonderen Stellung zu China wenig interessiert. Ebenso gut wie unsre Beziehungen zu Rußland und England, ist unser Ver- hältnis zu Amerika, Frankreich und Japan. Amerika hat das leb- hafteste Interesse an der Aufrechterhaltung der chinesischen Integrität. Zwischen uns und Frankreich besteht, wie an denmeisten Punkten der Erde, so auch in China kein sachlicher Gegensatz. Was Japan anbetrifft, so erkennen wir gern die Großmachtstellung an, welche sich dies hochbegabte Volk durch seine Waffencrfolge wie durch seineJntelligcuz im fernen Osten errungen hat. Was endlich unsre beiden Verbündeten Oestreich und Italien anbetrifft, so sind wir von diesen in der loyalsten Weise unterstützt worden. Das versteht sich von selbst beim völlig unerschütter- lichen Bestand des Drci-Bunds.(Bravo! rechts.) Unsre Aufgabe ist es, zu den Ansprüchen der verschiedenen Mächte unsre Neutralität, unsre Selbständigkeit zu wahren. Es kommt darauf an, datz in China baldmöglichst wieder friedliche Zustände hergestellt werden für die Sicherheit unsres dortigen Besitzstands, für die Wahrung unsrer legitimen Handelsinteressen. Das ist nur möglich durch Einheit der Mächte. Unser Ziel ist nach wie vor: gerechte Sühne für die begangenen Verbrechen, angemessene Entschädigung für die durch die grobe Verletzung des Völkerrechts uns auf- gezwungenen Expeditionskosten, dauernde Bürgschaft für die Wieder- Herstellung der Sicherheit und Ordnung im Interesse des Handels und der ungestörten Thätigkeit der Missionare. Diese Ziele haben neuerdings Ausdruck gefunden in der gemeinsamen Note der Mächte, und sie werden nach wie vor unsre Richtschnur bilden. Für die Er- reichung derselben im Rahmen der von mir angeregten Politik er- bitte ich die Unterstützung dieses hohen HauseS. Abg. Richter(freif. Vp.): Trotz aller allgemeinen Wendungen habe ich aus der Rede des Herrn Reichskanzlers den Eindruck gewonnen, datz das Ende unsrer chinesischen Expedition noch in viel weiterer Ferne liegt, als erivartct wurde. Wir müssen aber das Ende der Expeditton herbeiwünschen im Interesse unsrer Soldaten und unsrer Finanzen. Ich möchte den Herrn Kriegsminister fragen: Ist ein Recht auf Ab- lösung gegeben, wenn die allgemeine Dienstzeit von zwei Jahre» erfüllt ist? Nach den der Vorlage beigegcbenen Erläuterungen möchte ich das annehmen. Niemand wird den Opfermut der Soldaten in China unterschätzen. Wir müssen wünschen, daß sie sobald als möglich ihrem bürgerlichen Berufe zurückgegeben werden. Kriegsruhm, tvie man ursprünglich erwartete, ist da nicht zu gewinnen. Aber Ge- fahren für die Gesundheit sind dort ebenso zahlreich vorhanden, wie bei einem wirklichen Feldzug. Gewiß wird alles gethan, um ihnen zu begegnen. Wir sind aber über die Gesundheitsverhältnisse bei unsren chinesischen Truppen nicht im Klaren. Der Stand der Kranken ist nicht bekannt. Die Rapports müssen aber jetzt vorliegen. In der Preffe verlautet, daß Dislokationen der deutschen Truppen stattfinden sollen. Ist der Grund dafür der, daß unsre Truppen während des Sommers in gesündere Gegenden gebracht werden sollen? Notwendig sind jetzt nur noch kleine Beruhigungsstreifzüge. Der ganze Feldzug war ja schon entschieden, bevor unsre Truppen landeten. Andre Mächte dirigierten des- halb ihre auf der Fahrt nach China befindlichen Truppen nicht dorthin, sondern nach andern Plätzen. Erklärt sich unser Vorgehen etwa daraus, dah man demOberbefchlshabcr eine stärkere deutsche Mann- schaft zur Verfügung stelle» wollte? Dieser Oberbefehl hat uns Vorteile in keiner Weife gebracht.(Sehr richtig I links.) Als man den andren Staaten diesen Oberbefehl abgerungen hatte, vergaß man in der Freude über diesen Erfolg, festzustellen, über welche Truppen Graf Waldersee denn eigentlich Oberbefehlshaber sein sollte. Merk- würdigeriveise haben die Russen den größten Teil ihrer Truppen dem Oberbefehl entzogen und nach der Mandschurei ge- sandt. Ebenso ist Amerika vorgegangen. Ich richte die Frage an den Herrn Reichskanzler, wieviel hat Waldersee eigentlich an fremden Truppen zu kommandieren? An den.be- waffneten Spaziergängen", an den Streifzügen gegen die Boxer- banden sind zu meiner Verivunderung jetzt nur noch Deutsche beteiligt. Unser Oberbefehlshaber ist kaum viel andres als der Platzkommandant von Peking und der Gendarmerie-Obcrst gegen die Boxer.(Heiterkeit links.) Als Waldersee auszog, mag er sich die Sache ja anders gedacht haben. Es ist also �lär- lich, wenn auch von ihm Sehnsuchtsklänge nach der Heimat koinmen. Ich richte die specielle Frage an die Regierung, wieviel Engländer denn eigentlich in Petschili stehen? Wie komnit es. datz höchstens 7000 Mann Engländer, noch nicht der dritte Teil unsrer Truppen, in China sind? Sind wir wirklich nur die Platzhalter für das englische Kontingent? Jedenfalls machen wir auf diese Weise englische Truppen für Südafrika frei. Ich habe mich nie an einer Hetze gegen England beteiligt, andrerseits bin ich aber auch der Ansicht, daß wir nicht berufen sind, Englands Position in Südafrika zu erleichtern. Und wie steht es mit unsren Schiffen? Auf hoher See ist keine Occupattoer möglich, giebt es keine Boxer. Als wir zuletzt über diese Frage sprachen, hatte es den Anschein, als sollten die Linienschiffe zurück- gezogen werden. Jetzt aber soll unsre ganze Flotte bis zum 1. April nächsten Jahres dortbleiben. Das kostet monatlich eine Million. Der Druck auf di« chinesische Regierung wird neutralisiert durch das Verhalte» der verbündeten Mächte zu einander. China wird dadurch ermutigt, fortgesetzt Widerstand zu leisten. Uebcr diese Thatsache kommt man nicht mit allgemeinen Redensarten über die Einigkeit des Ziels der Mächte hinweg. Ungünstig mutzte es schon wirken, als Rußland und Amerika in so brüsker Weise ihre Truppen dem Oberbefehl entzogen ohne vorherige Ver- ständigung. Amerika demonstriert bei jeder Gelegenheit eine aparte Friedensliebe, um sich China für Handelsgeschäfte zu empfehlen. (Heiterkeit.) Das russische Abkommen über die Mandschurei kann nicht ernst genug betrachtet werden. Ich wünschte, der Reich?- kanzler teilte uns ausführlich mit, was in diesem Abkommen steht. So viel über dieses russische Abkommen verlautet, handelt es sich um Vorteile durchaus nicht vorübergehender Natur für Rußland. Rußland hat sein Ziel erreicht, es ist in den Sattel gekommen, indem wir Deutsche ihm den Steigbügel gehalten haben.(Sehr richtig! links.) Es war ein großer Fehler, als im Jahre 189S Deutschland den ostasiatischen Dreibund schloß und Japan verhinderte, sich in Nordchina festzusetzen. Durch den Mandschurei- Vertrag ist die offene Thür dort ganz und gar zugeschlagen ivorden.(Sehr richtig I links.) Es ist bedauerlich, daß Frankreich sich der diploniatischen Note über dieses Abkommen nicht angeschlossen hat. belle France folgt ohne Erröten den Spuren des russischen Zaren. Schon weist Japan darauf hin, daß es sich gleichwertige Vorteile sichern würde, wenn Rußland auf den seinen bestünde. Das war das Signal zur Aufteilung Chinas. Deutschland sähe sich dann auch veranlaßt, dem Bei- spiele Nußlands zu folgen und in Schantung'und Schaust Gebiets- teile zu occupieren. Eine solche Aufteilung würde für unsre militärischen, finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse außer« ordentlich belastend sein. Hierüber verlangen wir Klarstellung, da- mit jede Beftirchtung beseitigt wird, als sei unsre Politik in China in eine Sackgasse geraten. sBravo! links.) Aus alledem folgt, daß wir besondere Veranlassung haben, die Friedensverhandlungen zu beschleunigen. Das können wir er- zielen, indem wir auf Vereinfachung dringen. Unser Interesse an der Bestrafung der Mandarinen und Prinzen ist sehr gering. Tausende von Chinesen sind umgekommen, viele Dörfer sind zer- stört, ganze Landschaften verwüstet. Wenn das alles auf China keinen Eindruck macht, dann wird auch ein halbes Dutzend abgeschlagener Großmandarinen- und Prinzenköpfe nichts helfen.(Sehr gut I links.) Ob ein Prinz nach Berlin kommt, ob das Sühnedenkmal errichtet wird, ob das Hofceremoniell geändert und die Prüfungen unterbleiben, das sind aveS Dinge, die nicht eine Woche längeren Aufenthalt unsrer Truppen in China lohnen.(Sehr richtig! links.) Die Schleifung der Wälle Pekings und die Beseitigung der Waffeneinfuhr kann von den Mächten jetzt schon ausgeführt werden. Die Hauptsache ist, daß wir unser Geld zurück- bekommen.(Heiterkeit und Zustimmung links.) Wir wollen unsre Legionen und unsre Millionen zurück haben. Ich bitte um nähere Auskunft, wie man sich die Leistung der Kriegsentschädigung von China denkt. Daß eine Anleihe aufgenommen wird, halte ich für verkehrt. China hat keinen Kredit mehr, und die andren Staaten mußten ihren Kredit anspannen, um sich bezahlt zu machen. Jede Woche kostet uns 2'/, Millionen. Mit aller Mühe hat die Budgetkommission glücklich 20 Millionen gespart, das ist noch nickt der zehnte Teil von dem. was uns China kostet. Diese A7« Millionen sind mehr, als der deutsche Handel in den letzten llS Jahre» in China verdient hat.(Sehr richtig I links.) So ist es immer: was die Herrscher einbrocken, müssen die Völker auslöffeln. Das einzig Tröstliche ist, daß dem Volke allgemach die Augen aufgehen, wie weit wir mit unsrem Platz an der Sonne und mit unsrer vielgerühmten Welt- Politik kommen. Diese Politik der Epigonen Bismarcks geht ja darauf hin, daß nirgend in der Welt mehr wichtige Entscheidungen fallen sollen ohne die Zustimmung des deutschen Kaisers. In- dem man dem Phantom einer solchen Weltpolitik nachjagt, legt man dem Volke große Opfer auf ohne entsprechende Vorteile.' Diese Opfer könnten ganz anders verwandt werden im Lande zur Hebung des Volks.(Bravo I links.) Abg. Graf Stolberg(k.): Ich freue mich immer, wenn Herr Richter die Politik des Fürsten Bismarck lobt.(Abg. Richter: die auswärtige I) Früher hat er das nicht gethan. Gefreut haben mich die Aufklärungen des Reichskanzlers über das deutsche Aantse-Abkommen. Wir begrüßen mit Freuden, daß das Abkommen keine geheime Klausel enthält und sich nicht auf die Mandschurei bezieht. Die russischen und die deutschen Interessen laufen nicht nur in China, sondern auch in Europa, wenn sie nur richtig verstanden werden, durchaus Hand in Hand.(Abg. Dr. Oertel: Sehr richtig I) Die geforderten Gelder werden wir bewilligen müssen, so daß eine Kommissionsberatung überflüssig ist. Für den Verzicht auf diese Kommissionsberatung spricht auch die Geschäftslage des Hauses. Gelingt es nicht, den Ergänzungs-Etat jetzt gleich vor Ostern zu erledigen, dann wird aus dem Ergänzungs-Etat ein Nachtragsetat. Sollte das Haus aber doch auf Kommissions- beratung bestehen, so bitten wir um möglichste Beschleunigung. (Bravo! rechts.) Abg. Bebel(Soc.): Alles ist ungewöhnlich im Gange dieser chinesischen Expedition. Fortgesetzt wird behauptet, wir befänden uns mit China in keinem Krieg. In der Anmerkung zu diesem Etat aber wird gesagt, daß Friedensverhandlungen eingeleitet seien, daß die chinesische Re- gierung die Friedensbedingunge» der verschiedenen Regierungen acceptiert habe. Nun, wenn Friedensverhandlungen eingeleitet sind. dann sollte doch das erste sein, daß man übereinkommt, die Feindseligkeiten einzustellen. Nun haben wir es freilich in China mit zweierlei Kämpfen zu thun, einmal mit dem Kampf gegen die Boxers, irreguläre Volköhaufen, die. wie man sagt, das revolutionäre Element repräsentieren, die mit der chinesischen Re- gierung und den Fremden nicht zufrieden sind und sich zunächst gegen diese letzteren empört haben. Auf der andren Seite ist es eine unbestreitbare Thatsache, daß wir uns fortgesetzt im Kampfe mit-regulärcn chinesischen Truppen befinden. Das geht auch aus dem letzten Telegramm Waldersees über das Gefecht am Antsuling- Paß hervor. Wie erklärt sich das? Es wäre doch natürlich gewesen, daß in dem Augenblick, wo die chinesische Regierung sich bereit er- klärt hat zu Friedensverhandlungen, die Feindseligkeiten auf beiden Seiten eingestellt worden wären. Tag für Tag aber lesen wir von neuen Scharmützeln mit einem Ausgange, der zeigt, wie wenig ernst der ganze Kampf in China ist. Wenn in dem Telegramm mitgeteilt ist, daß ein einziger leicht verwundeter Mann auf deutscher Seite war, während die Chinesen mindestens 250 Tote und 4 Schnellfeuergeschütze zurück- gelassen haben, so zeigt das, daß der Kampf nicht ernst zu nehmen ist und daß die europäischen Truppen in der bisherigen Zahl dort nicht niehr nötig sind. Eine ungleich geringere Zahl würde genügen, die Chinesen im Zaum zu halten. Ich stimme mit dem Abg. Richter vollkommen darin überein, daß insbesondere die Zahl der Truppen. die Deutschland dort stehen hat, in ärgstem Mißverhältnis steht zu den Interessen, die es in China zu vertreten hat. Wir hatten keinen Grund, uns in dieser Weise zu engagieren, wie das geschehen ist, auch nicht durch die Ermordung des deutschen Gesandten. Die Interessen, die wir in China zu vertreten haben, stehen weit hinter denen andrer Staaten zurück, besonders der Engländer. Wir dienen mit einer solchen Truppenzahl in hohem Grade den englischen Interessen. Wir geben England die Möglichkeit. seine eignen Streitkräfte zu schonen und gegen die Boeren zu verwenden, während es wegen der von ihm in China vertretenen Interessen seine Truppen in China selbst stehen haben müßte.(Lebhafte Zustimm. links.) Es ist also deutsches Geld, es sind deutsche Soldaten, die für englische Interessen in China ins Feld geführt werden. So wenig wie ich mit Herrn Richter geneigt bin, irgend ein Unter- nehmen gegen England zu unterstützen, und so sehr ich überzeugt bin, daß fast in allen Fällen die englischen und die deutschen Jntcr- essen sich decken, so gehen doch unsre Rücksichten gegen England nicht so weit, daß wir mit unsrem eignen Gelde und unsren Mannschaften die englischen Interessen in China vertreten sollten. Dagegen müssen wir uns auf das entschiedenste verwahren. Die Vorgänge haben gezeigt, daß China vollständig außer stände ist, irgend wie ernstlichen Widerstand zu leisten, und wenn dennoch eine so große Truppenmacht in China nach wie vor gehalten wird, dann habe ich den Eindruck, daß das weit weniger Chinas wegen geschieht, als weil die rivalisierenden Atächte dort sich gegenseitig vor einander fürchten, weil sie befürchten, daß aus diesen Auseinandersetzungen mit China früher oder später noch ernste Verwicklungen kommen könnten. Was dort im Osten begonnen worden ist, wird, so fürchte ich, eines Tags im Westen ausgesochtcn werden.(Sehr wahr! links.) So glatt werden die Dinge nicht sich abspielen, wie das nach den Ausführungen des Reichskanzlers der Fall zu sein schien. Ein paar Worte zu dem Verhältnis Deutschlands zu Rußland wegen der Mandschurei. Gewiß, Deutschland hat kein direktes Interesse an der Mandschurei, aber es steht auch fest, daß in dem- selben Maße, in dem die russische Macht im fernsten Osten wächst, auch die deutschen Interessen immer mehr gefährdet werden. Mit der Eroberung der Mandschurei habe Rußland die Möglichkeit, einen entscheidenden Druck auf Korea auszuüben, es hat die Macht, den Golf von Peffchili zu beherrschen, dre chinesische Regierung auf das stärkste zu beeinflussen, kurz es hat mit der Mandschurei eine Position gewonnen, die im Laufe der Zeit ganz von selbst dazu führt, dast es immer mehr nach Süden und Südosten dringt, und daß eines Tages auch Kiautschou mit seinem Hinterland von Rußland bedroht wird. Das geschieht nicht von heute ans morgen, gewiß nicht, aber der Politiker hat mit der Entwicklung zu rechnen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die durchaus verkehrte Stellung, die Deutschland 1895 im chinesisch- japanischen Kriege eingenommen hat, heut ihreFrüchte trägt.(Sehr richtig: links.) Wenn damals China an Japan die Halbinsel Liaotung hätte abtreten müssen, wenn Japan die Möglichkeit gehabt hätte, m China festen Fuß zu fassen, dann war es diejenige Macht, die im stände war, später gegen russische Uebergriffe mit Energie einzutreten. Aber Japan ist zurückgedrängt worden, und nun ist die notwendige Folge, daß die russische Macht sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, auch im fernsten Osten, verstärkt und eines Tags zum Entscheidungskampf drängen wird. Ich bm überzeugt, daß das zum größten Nachteil für die deutschen Interessen in Ostasien ausfallen lvird. Ich bin der Meinung, daß der erste Akt, den unsre Welt- Politik hier aufführte, zu ihren Ungunsten ausgefallen ist, und daß in einem großen Teil des deutschen Volks kein Gelüst mehr besteht, ähnliche Akte aufführen zu sehen. Wir haben den dringenden Wunsch, so rasch als möglich auS China herauszukommen. (Lebhaftes Bravo! links.) Abg. Bachem(C): Die Aktion gegen China war unvermeidlich; da ist es ganz gleichgültig, ob man von einem Krieg mit China spricht oder nicht. Das deutsche Volk will, daß diese Aktion mit Ehren zu Ende geführt wird. Wir haben in China vor allen Dingen die Ehre des deutschen Namens zu vertreten. Wir sind in China in einer andren Lage, als alle europäischen Völker. Keinem andren Volke ist der Gesandte ermordet worden. Da ist es auch kein Wunder, wenn wir mehr Truppen in China haben als andre Mächte.— Es erscheint mir nicht wohl- gethan, diesen Etat ohne Kommissionsberatung zu erledigen. Es ist feststehende Praxis, jede Finanzvorlage der Budgetkommission zu überweisen, um wie viel mehr diesen Huiidertnnllioneu- Etat. Abg. Bassermann(natl.): Wir sind der Ansicht, daß die Vorlage im Plenum ohne Ver- Weisung an die Budgetkommission erledigt werden kann. Es handelt sich lediglich um Konsequenzen aus der erste» Chinavorlage und um Pauschalsummen. Die Ausführungen des Herrn Reichskanzlers atmeten einen erfreulichen Optimismus. Seine Worte machen den Eindruck, daß die Regierungen einen baldigen Abschluß der Verhandlungen dringend wünschen und darin ist das deutsche Volk mit ihnen einig. Daher sollten wir diese Politik unterstützen und Einzelheiten nicht zu scharf kritisieren, da uns doch die speciellen Kenntnisse abgehen. Ob ein Teil unsrer Truppen in Peking abberufen werden kann, kann allein der Entscheidung des Militärkommandos unterliegen. Gerade die- jenigen, die Deutschland in China nicht isoliert wissen wollen, müßten sich gegen eine Abberufung der Truppen erklären.(Sehr richtig! bei den Nationalliberalen.) Die Erklärungen des Herrn Reichskanzlers über unser Verhältnis zu Rußland können wir mit Befriedigung de- grüßen. Im allgemeinen müssen wir zugeben, daß die Re- gierungen in China von vornherein eine durchaus konsequente Politik verfolgt haben. Ich begrüße es. daß heute die Angriffe gegen das Verhalten deutscher Soldaten in China nicht wiederholt worden sind. Bis auf einzelne Fälle find sie ja auch widerlegt worden.(Wider- Ipruch bei den Socialdemokratcn.) Abg. Schräder(frs. Vg.): Auch wir sehe» keinen Grund, die Vorlage an die Kommission zu überweisen, sollte es aber geschehen, so könnte ihre Beratung in der Kommission morgen erledigt werden. Zu einer retrospektiven Erörterung der ganzen China-Angclegcnheit liegt wohl heute kein Anlaß vor. Zu hoffen ist. daß die Verhandlungen mög- lichst bald zum Abschluß kommen. Leider fehlt bei dem europäischen Konzert der Kapellmeister, aber es ist doch zu hoffen, daß die wider- streitenden Interesse» einen Ausgleich finden. Das wird gelingen, wenn sich die deutsche Politik in den Grenzen hält, wie sie Graf Bülow darlegte.(Beifall b. d. frs. Vg.) Reichskanzler Graf Bülow: Ich kann mich auf die Beantwortung iveniger in der Debatte gestreifter Punkte beschränken. Herr Bebel hat die Expeditionen in der Provinz Petschili getadelt. Diese Expeditionen stellen aber das einzige Mittel dar� um die Ruhe und Ordnung in Petschili wiederherzustellen, also das, was wir mit unsrer ganzen Aktion in China bezwecken, zu erreichen. Je prompter die Ruhe wiederhergestellt wird, umsomehr ist Aussicht vorhanden, daß wir Petschili räumen. Die chinesische Regierung war nicht stark genug, um Petschili von den Boxerbanden und den vielfach ihnen affilierten chinesischen Soldaten zu reinigen. Daher fiel den verbündeten Regierungen die schwierige aber nützliche Aufgabe zn, das Land von diesem Gesindel zn räumen. Mit den Expeditionen wurde nicht nur die aufrührerische Bewegung zurückgedrängt, sondern ist auch ein ganz allgemeiner Ausbruch der Frenidenfeindlichkeit in ganz China ver- hindert worden. Weiter hat Herr Bebel gemeint, ivir dienten in China englischen Interessen. Dieser Vorwurf hat mich einigermaßen in Verwunderung gesetzt von Herrn Bebel, der doch.ein Freund der Englandspolitik lst. Das bin ich auch, aber nur im Rahmen unser vollen Selb- tändigkeit, und deshalb betone ich mit großem Nachdruck, daß ich in China unsre deutschen Interessen wahrnehme, und es den Engländern überlasse, dort ihre eignen Interessen zu vertreten. Herr Nichter hat an mich die Frage gerichtet, was in dem sogenannten Mandschurei- Abkommen stünde. Ja. meine Herren. wenn ich das wüßte!(Heiterkeit.) Das weiß ich nicht, das wissen sogar gewisse Regierungen nicht, die an dem Mandschurei- Abkommen direkter interessiert sind als wir. Und es würde nicht diplomatischen Gepflogenheiten und auch nicht den deutschen Interessen entsprechen, wenn ick in dieser Beziehung gegenüber der russischen Regierung zu große Neugierde und zu große Ungeduld durchblicken ließ. Wenn ich aber, ohne irgend welche Pression auszuüben auf ganz nattirlichem Wege etwas über den Inhalt dieses Abkommens erfahre, so werde ich dies mit größtem Vergnügen Herrn Richter mitteilen.(Heiterkeit.) Herr Richter hat sich weiter berufen auf ein Telegramm der Telegraphen-Agentur Lassan. Diese Agentur ist aber eine recht verdächtige, die in der Entenzucht eine wirkliche Virtuosität besitzt.(Heiterkeit. Sehr gut I rechts.) Deshalb glaube ich. daß die Nachrichten, welche diese Agentur verbreitet hat, der reine Schwindel seien, daß nänilich Herr v. Mumm gesagt habe, daß wir jetzt in China eine annektionistische Politik treiben wollen. Ich wiederhole, daß wir uns auf der Basis des deutsch- chinesischen Ver- trags vom ö. Februar 1898 zu halten wünschen. Herr Richter hat nun ferner gefragt, warum unsre Schlachtflotte noch dort sei. Das geschieht einmal wegen deS moralischen Eindrucks auf die Chinesen. Auch diese sind nicht unempfindlich für Imponderabilien, und die Anwesenheit der Flotte macht sie empfänglicher für die Friedensverhandlungen. Weiter be- deutet aber die Flotte für unsre immerhin recht beträchtliche Landmacht in China eine in hohem Grade nützliche Unterstützung und ihre Anwesenheit hat auch dazu beigetragen zu dem ruhigen Verhalten der verschiedenen Vice-Köuige in China. Wohl in Vorahnung der An- frage des Herrn Richter Me ich gerade vor etnsgen Tagen an unsern Gesandten in China die Frage gerichtet, ob wir die Flotte nicht zurückziehen könnten; er hat mir geantwortet, Graf Waldersee sei mit dem vorzeitigen Zurückziehen deS Geschwaders nicht einverstanden, da er daran festhalte, daß es ausgezeichnete Dienste durch seine Anwesenheit geleistet habe und bei weiteren Auseinandersetzungen über die Entschädigung ebenfalls zur Geltung kommen werde. Auch hält er das Verbleiben der Flotte in Ostasien für das fernere Wohlverhalten der Aangtsee- Gouverneure für vorteilhaft. Herr Richter sprach von einem Plötz- lichen Abmarsch der russischen Truppen aus Petschili. Ein solcher hat nicht stattgefunden. Die russische Regierung hat uns in loyalster Weise rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht, daß sie einen Teil ihrer Truppen für die Mandschurei gebrauche, und das war im Hinblick auf die Zustände dort in der That sehr notwendig. Sie hat gleichzeitig bemerkt. daß sie nickt daran denke, sich vom europäischen Konzert zu trennen und hohes Gewicht auf ein weiteres freundliches Zusammengehen mit uns legen. Nun hat Herr Richter weiter gemeint, ich hätte mich in zu allgemeinen Redewendungen bewegt. Da möchte ich doch konstatteren, dost in keinem anderen Parlament, weder in Paris, Rom, noch in London irgend ein Minister des Aeußern in Bezug auf die China- frage so detaillierte Mitteilungen gemacht hat, wie ich das heute gethan habe. Allerdings mit immer neuen Enthüllungen kann ich unmöglich jedesmal aufwarten.(Heiterkeit. Sehr gut! recht«.) Ich will mich aber lieber der Kritik aussetzen, daß ich zu ivenig sage, als mit Recht den Vorwurf verdienen, daß ich Dinge gesagt hätte, die die Intel- essen des Landes schädigten. Ich bin schließlich kem arabischer Märchen- erzähler, sondern der verantwortliche Leiter unsrer auswärtigen Politik. Herr Richter meinte, durch unsre China-Expeditionen würde das deutsche Volk immer mehr mit Mißtrauen erfüllt gegen die Welt- Politik. Wir wollen uns doch verständigen darüber, was wir unter Weltpolitik verstehen; ein Begriff muß doch bei dem Worte sein. Wenn Herr Richter unter Weltpolit'ik irgendwelche Tendenzen versteht, uns in Dinge zu mischen, die uns mchts angehen, so bin ich der aller- entschiedenste Gegner einer solchen Weltpolitik. Daß wir aber infolge der Entivicklung unserer Verhältnisse große überseeische Jnter- essen auch in Ostasien und namentlich dort erworben haben, und daß es für uns eine Lebensfrage ist, diese Interessen zu fördern, ist eine historisch gewordene Thatsache, von der wir als vernünftige und verständige Leute nicht abstrahieren können. In diesem Sinne habe ick vor drei Jahren gesagt, daß wir auch einen Platz an der Sonne haben wollten, und in diesem Sinne wiederhole ich heute, daß wir diesen Platz behaupten und uns nicht in den Schatten drängen lassen wollen.(Bravo I rechts.) Damit schließt die Diskussion. Der Antrag Bachem auf Ueberweisung der Vorlage an die B u d g e t'k o m m i s s i o n wird gegen die Stimmen deS CentrumS uiid eines Teils der Rechten abgelehnt. Es folgt die zweite Beratung der verschiedenen EtatSreste. Zunächst stehen vom Reichsamt deS Innern einige Titel der emmaligen Ausgaben zur Beratung. Zur Beteiligung des Reichs an der internationalen Bibliographie' der Naturwissenschaften werden 30 000 M. gefordert. Der Titel wird bewilligt. * Zum Neubau eines DienstgebäudeS für das Patent» a m t werden als erste Rate 600 600 M. gefordert. Die Kommission beantragt diese Position zu streichen. Staatssekretär Graf PosadowSky bittet um Bewilligung dieser Forderung unter Angabe einiger Abänderungen der bisherigen Preisbedingungen. Abg. Singer beantragt hierauf mit Rücksicht auf die in der Kommission anerkannte Notwendigkeit des NeubauS an sich, die Position wiederherzustellen. Abg. Dr. Paasch-(natl.) schließt sich diesem Wunsche an. Das Haus beschließt hierauf entgegen dem Antrage der Kom- Mission Bewilligung der Forderung. Zur Errichtung zweier FlaggenmastenamNiederwald« Denkmal werden 42 000 M. gefordert. Die Kommission beantragt, diesen Titel zn streichen. DaS Haus beschließt ohne Debatte demgemäß. Zur Unterstützung für die Herausgabe von Veröffentlichungen auf dem Gebiete des Erziehungs-Schulwesens werden 80 000 M. gefordert. Die Kommission beantragt in einer Resolution Erhöhung der Summe im nächsten Etat auf 50 000 M. und Einstellung in das Ordiuarium. Der Titel wird bewilligt, die Resolution der Kommission an- genommen. Zur Förderung der Herstellung geeigneter Klein- Wohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den B e t r i e b e n und Verwaltungen des Reichs durch Gewährung von Beihilfen an Private sowie an) gemeinnützige U n t e r n e hsm u n g e n(Bau-Vereine, Bau-Gciiossenschaftcn, Bau-Gcsellschasten u. a.) werden 2 Mill. Mark gefordert. Die Kommission beantragt daher folgende Resolution: .Der Reichstag spricht die Erwartung auS, daß die hier be- willigten Summen nur Verwendung finden, wenn bei Festsetzung der Mietspreise der mit Mithilfe des Reichs errichteten Wohnungen nur die landesübliche Verzinsung und Amortisation des zum Bau des Hauses aufgewendeten Kapitals, sowie die Kosten der Ver- waltung und Instandsetzung in Anrechnung gebracht werden, und daß die Häuser späterhin keinen andren Zwecken dienen dürfen. Abg. Süigcr: Hier wird nur der erste schwache Versuch gemacht, die Hilfe des Reichs zum Bau von Arbeiterwohnungen in Anspruch zu nehmen. Das wird natürlich in Zukunft in erhöhtem Maße erfolgen müssen, doshalb war es notwendig, die Wünsche des Reichstags über die Art und Weise, wie die Mittel verwandt werden sollen festzulegen. DaS ist in der Resolution geschehen. Natürlich bedeutet auch dieser Weg keine endgültige Lösung der Wohnungsnot. Diese kann nur erfolgen, wem, der Grund und Boden vom Privateigentum losgelöst ist.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Natürlich werden wir uns deshalb nicht Forderungen widersetzen, die wenigstens eine relative Besserung der Verhältnisse herbeiführen wollen. Dabei wird es sich zunächst darum handeln, gesunde Wohnungen zu schaffen und dafür zu sorgen, daß die Miete mit dem Einkomuten der Arbeiter und kleinen Beamten in einem richtigen Verhältnis steht. Heute sind besonders in den Jndnstriecentren die Mieten außerordentlich hoch imd zwar stehen die Mieten stets im umgekehrten Verhältnis zu dem Einkommen der Mieter. Ick bitte Sie also, die Position mit dct Resolution anzunehmen.(Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Pachnicke(fts. Vg.) schließt sich diesem Wunsche an. Abg. Dr. Jäger(C.)— ans der Tribüne unverständlich— tritt für die Annahme der Resolution ein. Staatsminister Graf PosadowSky: Sehen Sie in der Bescheidenheit unsrer Forderung nicht den Beweis, daß wir der Sacke nicht die notwendige Bedeutung bei» messen. Wir wollen aber selbst erst Erfahrungen sammeln, wie dieser Zweck ain besten erreicht werden kann. Vorher ivolltcn wir nickt niit größeren Forderungenhervortrcten. Sie können sich darauf verlassen, daß wir mit dem Inhalt der Resolution in allen Punkten einverstanden sind. Wir verfolgen genau dasselbe Ziel. Im Anfang war die That. ES soll'etwas' geschehen. In künftigen Etats werden voraussichtlich wesentlich größere Summen eingestellt werden. Abg. Schlumberger(natl.) hält die Errichtung von kleinen, billigen Arbeilerwohnungen mit zwei Stuben und Zubehör durch das Reich für besonders dringlich. Hbfl Franken(not!.) glaubt, daß diese 2 Millionen gut an- gelegt find, und daß in nächster Zeit größere Summen zu bewilligen sein werden. Abg. Röllinger(Elf.) rühmt die Einrichtungen, die zur Lösung der Arbeiterwohnungsfrage in Mülhausen und Colmar getroffeil worden sind. Dort werden den Arbeitern Häuschen oerkauft und sie hätten schöne Wohnungen. Abg. Dr. Müller-Sagan lfrs. Vp.) empfiehlt Verkehrs-Erleichte- rungen zur Linderung der Wohnungsnot und spricht sich für die Resolution aus. Hiermit schließt die Diskussion. Die Resolution wird einstimmig angenommen; ebenfalls einstimmig angenommen wird folgende Resolution: .Den Reichskanzler zu ersuchen, in den Reichshaushalts- Etat für 1902 eine entsprechende Summe znr Förderung der Be- kämpfung der Tuberkulose insbesondere auch zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke einzusetzen." » Für die Wiederherstellung der'Hohkönigsburg werden als 1. Rate eines Reichsbeitrags 150 000 M. verlangt. Die ganze Summe, die erforderlich ist, soll 700 000 M. betragen. Abg. Bafsermann(natl.) befürwortet den Beschluß der Budgetkommission. ES ist mit Recht darauf hingewiesen worden, daß die Sache über Gebühr auf- getauscht morgen. Die Budgetkommission hat sich ähnlich verhalten, wie der eksaß-lothringische Landesausschuß. Es ist der Wunsch aus- gesprochen worden, daß die Generalsumme nicht überschritten wird. Diesem Wunsch schließen wir uns an. Man hat im Elsaß mit der Frage die Aufhebung des Diktaturparagraphen verquickt. Eine solche Verquickung ist natürlich unmöglich. Hier sage ich mit dem Kollegen Auer: So etwas thut man, ober man sagt es nicht. Aber auch sachliche Gründe sind im elsässtschen Landesausschuß vor- gebracht werden, diese aber können für mich nicht ausschlaggebend fein. Ich würde es bedauern, wenn der Beschluß der Kommission wieder aufgehoben werden würde, schon weil daS an hoher Etelle arg verstimmen würde. Wir haben auch in Deutschland wenig ausgebaute Burgen. Der Fremdenverkehr würde sich sehr heben. Die Hohkönigsburg eignet sich besonders gut zur Wiederherstellung. Sie ist jetzt keine malerische Ruine, sondern ein Trümmerhausen. Das Ebhardtsche Projekt gefällt mir sehr. Abg. Dr. Ocrtel(kons.) schließt sich den Ausführungen des Vorredner? an. Rur sachliche Gründe bestimmen unsren Standpunkt. Die Finanzlage, die uns zur Sparsamkeit mahnt, ist nicht so jämmerlich, daß wir die Summe nicht bewilligen könnten. Die Forderung liegt den Reichszwecken näher. als viele andre Dinge. die wir eben bewilligt haben. Schon vor 26 Jahren, als ich das erste Mal das Elsaß besuchte, habe ich schon die Wieder- Herstellung der Burg angeregt.(Lachen links.) Abg. Bindewald(Antisemit) spricht sich gegen die Bewilligung aus. Ich weiß wohl, daß ich damit nicht den Beifall der Byzantiner und aller, die es werden wollen, finden werde. Wenn derjenige, in dessen Privatbesitz die Burg ist, sie wieder aufbauen würde, so würde ich daS bedauern, denn die ganze Poesie, die jetzt aus den alten Ruinen spricht, würde zum Teufel gehen. Der Entwurf macht einen stark kasernenhasten Eindruck.— Die Empörung der Elsaß- Lothringer über den Diktaturparagraphen würde durch den Wiederaufbau der Hohkönigsburg am allerwenigsten gemildert werden. Wir haben keine Veranlaflung, solchen Extra- vaganzen, wie sie bei der Saalburg vorgekommen sind, Vorschub zu leisten. Staatssekretär Graf PosadowSky: Von der Aufrichtung eines Phantasiebaues kann in diesem Falle keine Rede sein. Die Akademie für das Bauwesen hat sich selbst dahin ausgesprochen. daß die einstige Zweckbestimmung der noch vorhandenen Teile des Baues whr wohl noch zu erkennen sei, auch die innere Einrichtung kann fast vollständig rekonstruiert werden. Wir haben genaue Jnventarien aus dem Mittelalter, welche die Wiederherstellung der Burg im Geiste dieser Zeit ermöglichen. Der Zustrom zu der Hohkönigsburg ist schon jetzt kollosial gewachsen und wird sich nach der Restaurierung sicher che« deutend heben. Ein Vertagungsantrag wird hierauf gegen die Stimmen der Socialdemokraten und eines Teils des Centrums abgelehnt. Abg. BloS(Soc.): Von vornherein ist der größte Teil der elfaß-lothringifchen Presie gegen die Wiederaufrichtung der Burg eingetreten, jetzt wird be- hauptet, das clsatz-lothringiiche Volk sei dafün Nur die Gastwirte der dortigen Gegend treten begeistert für die Restaurierung ein. (Heiterkeit.) Man hat den historischen Wert dieses Baues vkel zu sehr betont, es giebt viele Dutzende Burgen in Deutsch- land, die genau denselben historischen Wert haben.(Sehr richtig I bei den Socialdemokraten.) Der Verfasser der Denk- schrift hat nach dem bekannten Wort gehandelt, man möge die Weltgeschichte von rückwärts studieren. Er hat die Hohkönigsburg mit der Dynastie der Hohenstaufen in Verbindung gebracht und sogar behauptet, daß diese ihren Namen von der Burg herleiten. Das ist in einer Denkschrift ein starkes Stück.(Sehr richtig! bei den Social- demokratcn.) Uebrigens bedenken Sie die Konsequenzen. Wir haben Hohenstaufenberge genug. Wenn zum Beispiel der Hohenstaufcnpalast bei Mülhausen einer hohen Persönlichkeit geschenkt würde, würden wir in Konsequenz deS zu erwartenden Beschlusses wahrscheinlich bald einen Antrag auf Wiederherstellung auch dieses Palastes bekommen. Daß im elsaß-lothringischen Ausschuß Kuhhandelversuche gemacht sind, will ich gern glauben. Daß Graf PosadowSky davon nichts weiß, so beweist das gar nichts, denn amtlich werden solche Dinge nicht in Scene gesetzt. Wir können die ver- langte Summe nicht bewilligen, denn wir sind nicht dazu da, persönliche Wünsche z» befriedigen. Eine Forderung, wie die in Rede stehende, ist doch nur ein Teil des Ausflusses des Person- lichen Regiments.(Bravo I bei den Socialdemokraten.) Einem wieder eingebrachten Bertagungsantrag schließt sich jetzt der Präsident an. Nächste Sitzung Sonnabend 1 Uhr.(Zweite Lesung des Nachtrags- Etats für China; Fortsetzung der heutigen Beratung.) Schluß 68/4 Uhr. Gewerkschaftshalls,«»»--.»?« Sonntag, den 17. März, abends SVz Uhr: 2. Soiree>>-- Ernst FalUen OoppelprMs. U. a. gelangt zur Aufführung: Werner: Erlkönig. Ballade von Goethe. SS2L» Programm 30, vorher SS Pf. i Apollo-Theater. I S Gastspiel Dyas-Ros6-Laszky. H Mit vollständig neuer Ausstattung: 1 Secessions-ßesänge. 1 Hierauf: ■ Robert Steidll in seiner Ueberbrettl-Parodie. Anfang 8 Chr.— Sonntags 71/, Chr. M Riesen- Walfisch. 21 Meter lang. ISO 000 Pfd. schwer. Vollständig geruchlos! lö Zu besichtigen Reinickendorfer- nnd RavenCftrahe-Ecke bei Ttadtring- Bahnhof Wedding. g02L» Eintrittspreis 20 Pf. Eintrittspreis 20 Pf. Im groben amerikanischen Riesenzclt von morgens 10 bis abends 10 Uhr. fly Schlich der Ausstellnng am Wedding am 1«. d. M. fr. Bomigs Restaurant Jener Krug", Bahnstation Neu Rahnsdorf, SV der Obcrspree, zwischen Miiggel- und Dämeritzsec. Größeren Dereinen und Gesellschaften halte mein Lokal bestens empfohlen. Für gute Speisen und Getränke ist bestens gesorgt._ 8498« r» SchlfiliCkWitZ Caslbaus zur Palme_ woiiiimunsiii,«.(End,tatl0n der„Steni"-Dsmpfer) Zilhaber: Dermaun Peter.«.«»ÄVso. Empfehle mein allbekanntes, herrlich an Wald und Wasser belegenes| Lokal de» geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Ausflügen. Ausspannung und Dampserstege, Kegelbahnen, große Kaffeeküche.■ Gute gliche uiib bestqepssegte Bicre zu soliden Preise». sOZIL« I Allen gireundc» und Bekannten___, Ta„,ahlljnn en, psehle meta Weist- und Bayrisch-«•II. j"«7nPu Bierkoral, sowie meine beiden HZ A% A 1 m der F a bri k Ä'Ä.""'V» f In!"■Npsact üugusl Bieterslein, 1I1UUU1 8 für den Inhalt der Inserate bernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Dhettkvv. Sonnabend, den IS. März. Opernhau». Lohengrt». Anfang 7V, Uhr. VchanspielhauS. Othello, der Mohr von Venedig. Anfang 7'/, Uhr. ReueS Opern> Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Ein Schritt vom' Wege. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Anfang 7'/, Uhr Lesslng. Nora. Ansang 7'/, Uhr. Berliner. Ueber unsre Kraft.(1. Teil.) Ansang 7'/. Uhr Residenz. Teremtete. Hierauf: LeontinenS Ehemänner. Anfang 7'/, Uhr. Neues. Der AuSflug ins Sittliche. Anfang?>/, Uhr. Westen. Der Waffenschmied. Die schöne Galathee. Anfang V/, Uhr. Secesstousbnhne. Buntes Theater: Ueberbrettl. Ans. V/, Uhr. Thalia. Der Kadetten-Vatcr. An- sang 7i/, Uhr. Seutral. San Tay. Anfang 7»/, Uhr. Luisen. Kean, oder: Genie und Leidenschaft,«»fang 8 Uhr. Sriedrich-Wtlhelmstädtische». Der Damenschneider, Anfang 7-/, Uhr. Carl Weift. Die Goldgräber von Kalifornien. Anfang 8 Uhr. Nachm. 4 Uhr: Kindervorstellung. Dornröschen. Bell«- Sllliance. Der Leibalte. Anfang 8�Uhr. Metropol Speclalltätenvorstellung. Man lebt ja nur einmal. Anfang 7-/, Uhr. Apollo. Spectalitäten- Vorstellung. De» Löwen Erwachen. Ansang 8 Uhr. Palast. SpeclalitZtm- Vorstellung, Die beiden Wenzel,«nsang 7'/, Uhr. Reichehall«». Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Pafiagr-Thrater.„I)".Vorstellung. Rosendtenstag. Anfang nachm. 3 Uhr. Passage- Panoptikum. Specials- täten-Vorstellung. Urania. Taubeuftr. 48/4».(Im Theatersaal) Abends 8 Uhr: Unser Rhein von der Quelle btS zur Mündung". lachmittagS 4 Uhr zu kleinen Preisen:„Mittelmeerfahrten Im Hörsaal: Dr. Donath: .Wechselstrom und Drehstrom". Ansang 8 Uhr. Juvalidenftraste 57/62. Täglich abends von b— 10 Uhr: Sternwarte. WllMhenttt (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Hin Sohrltt vom Wege. Lustspiel tu 4 Aufz. von E. Wichert. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Romeo und Julia. Sonntagabend 8 Uhr: Der Herr Senator. M ontagadend 8 Uhr: Ein Schritt vom Wege. Palast-Theater früher Feen-Palast, Burgstr. 22. DaS Prima März Programm! Nur Schlager 1. Rangs l «V, Uhr Präcise 8'/» Uhr Die beiden Wenzel. Schwank in 1 Akt von E. Felsch. Raab«, früher Schauspieler: Dir. Richard Winkler. Brothers I.ington in ihren großartigen Leistungen als Excentric- Akrobaten Rae Kenn, neu für Europa! Elektro-Jllustra-AesangS- Alt. Famllls Kolter-Talaschus, fünf Perjonen aus dem Tunnseil. A> Prtrna kzehannnnimern. aufonB 71/| Uhr.«»tree 60 Pf. Tbalia-Theater DreSdenerstr. 72. Heute und fblgende Tage: Der Kadette«-U ater. Posse mit Ges. u. Tanz in b Bildem. Anfang 7»/, Uhr, Herren: Thomas, Thtelscher, Helmcrding, Jimkermann, Paulmüller. Damen: Milton, Boss, Wannovius. Im S. Bild: Das Ueberbrettl. Pierrot: Emil ThomaS. Colombine: Guido Thielscher. Harlekin: Hans Junkermann. Morgen und folgende Tage: Der Kadetten-Batcr. Central-Deatn. Heute und folgende Tage: Mit glänzender Ausstattung: Lau Toy Anfang 7Vj Uhr. Sonntagnachmtttag 3 Uhr, zu halben Preisen: Dl« txetsha. Abends?>/, Uhr: San Toy. Carl W elss-Theater Gr. Frunkfurterstr. 132. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung kleine Preise: Dornröschen. Abends 8 Uhr: Die Goldgräber von Kalifornieu. Sonntagabend?>/,.Uhr, Opern-Gast- spiel: Der Tronbaduur. Oper in vier Akten von Verdi. Montag: Opern-Gastspiel: Cndlne. Oper in 4 Sitten von Lortzing. Freitag: Opern- Gastspiel! Der Prelsehttt�. Dienstag: Die Binthochgelt. Passage-Theater Anfang Sonntags 12 Uhr, Wochentags 3 Uhr. Ende II Uhr. gM- Fortsetiung der"MC Damen- Ring-Kämpfe Auftr. d. Ringkämpferinnen nachm. 6 Uhr, abends 10 Uhr. Rosendtenstag. 17 erstkiass. Nummern. So,»labend, 16. März, 7»/, Uhr: rank-«.Gala-Abend. . rner: Auftreten des berühmten flnS« Vserdehandigers Professor Norton B. Smith. Besonders hervorzuheben: Die gefährliche Fahrt unter der Gisrnbahnbrücke. Heute abend Vorführung eines Schwimel-Wallaldö, der bisher jeden Wagen, an den man ihn zu spannen versuchte, furz und Nein schlug. Pros. Smith wird ihn völlig sromi» machen und zuletzt einspannen und fahren. Außerdem: Fräulein Hartba Molmke, Schulrettenn, als.Weiße Dame" ac. Zum Schluß: Zum 100. Male: Die eiserne Maske. l-e maeque de fer. Großes historisches Manege-Schaustück in 4 Alien und 3 Hauptbildern. Unter anderm: Die Jagd bis in die Cirfuskupvel hinauf. Sonntag, 17. März, nachmittags. 4 Uhr:.Berliner Landpartien-, wozu jeder Erwachsene aus allen Sitz- Plätzen 1 Kind siel hat; wettere Kinder die Hälft«.— Abends?>/, Uhr: Die eiserne«taste. IN. Noacks Theater. Brnnnenftraße 10. Wegen Privatfestlichkeit keine VorftcNuttg. Sonntag: Ehrliche Arbeit. faM»» Tanhenstr. 48/40. Im Theater Sonnabendabend 8 Uhr: Unser Rhein von der Quells bis nr Mündung. Im Hörsaal: Dr. Donath:.Wechselstrom und Drehstrom." Um 4 Uhr zu kleinen Preisen: Dltteimcerfahrten. Invalldenstr. 57/6%. Tägl. Sternwarte. Passap-Panopticum Xeu! Neu! Yvette Crullbert mit ihren Original- Vorträgen: La lllu, Nerveuse, Ma Grandmere, Rosa la Rouge. Die große Künstlerin ist in Lebensgröße dargestellt. Sämtliche Vorträge sind von der Künstlerin selbst, speciell für dieses Institut in den phonographischen Apparat gesungen worden. Zieii! Xen! Singlialesen-Truppe in ihre» wundcrb. Nationaltänzen. EurreeSvl. Berliner Partei-Angelegenheiten. Achtung, Parteigenofscn des sechsten Wahlkreises! Montag, den 18. März, finden vier große Volks- Versammlungen in folgenden Lokalen statt: I. Ahrens Brauerei, Turnistr. 2S. Referent: Dr. Karl Liebknecht. II.„Kösliner Hof", Koslinerstraße 8. Referent: Waldek M a n a s s e. III.„Swinemimder GesellschafishauS", Swinemündcrstr. 42, Referent: Reichstags-Abgeordneter G. Ledebour. IV..Pnhlmanus Vaudeville-Theater", Schönhauser Allee 148, Referent: Reichstags-Abgeordneter R o f e n o w. Um rege Beteiligung ersuchen Die Vertrauensleute Der Wahlvcrei» für den dritten Berliner Reichstags Wahlkreis feiert heut(Sonnabend) in Schncgelsbergs Festsälen Hasenheide 21, sein zehnjähriges Bestehen durch ein großes Vokal> und Justrumental-Koiizert unter gütiger Mitwirkung des dem Arbeiter Sängerbund angehörenden Gesangvereins„Liedesfreiheit" und des rühmlichst bekannten.Berliner Ulk-Trio". Die Festrede hält der Vertreter des Kreises im Reichstage, Rechtsamvalt Wolfgang Heine. Billets a 25 Pf. sind noch auf den Zahlstellen und bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. Der Vor st and. Adleröhof. Wir macheu auf die am Montag stattfindende öffentliche Versammlung aufmerksam, in welcher Reichstags-Ad geordneter Fritz Z u b ei l über„Der 18. März und die Arbeiten bewegung" sprechen wird. Grünau. Die nächste Sitzung des Wahlvereins findet heute. Sonnabend, abends S Uhr, bei Gerke„Zur grünen Ecke" statt, vor trag des Gen. Dr. B o r ch a r d t. Lichteuberg. Sonntagmorgen 8 Uhr findet eine Flugblatt Verbreitung im 2. Kommunalwahlbezirk statt. Die Genossen werden dringend ersucht, zahlreich und pünktlich in den drei Bezirks lokalen sich einzufinden. Die Parteigenossen, die sich ain Montag den 18. März, de», Wahlkomitee zur Verfügung stellen können. mögen sich bei Grauer. Frankfurter Allee 181. inelden. Der Wahlakt beginnt 10 Uhr früh und endet 3 Uhr abends. Das Wahl- lokal ist im Kronprinzen-Garten, Frankfurter Chaussee 36. Am Abend des Wahltags, Montag, den 18. März, abends 8Vs Uhr, findet eine Versammlung des socialdemokratischen WahlvereiuS in HöflichS Schwarzen, Adler statt. Genosse Mehner spricht über„Die Bedeutung dcS 13. März". Auch wird in dieser Versammlung daS Wahl resultat verkündet. Steglitz. Die Parteigenossen werden auf die am Montag. abends 8 Uhr, in den Kaiserhallen stattfindende Volksversammlung, in welcher Genosse Dr. Steiner über die Bedeutung des Tags sprechen wird, aufmerksam gemacht. Außerdem werden g-uosscu ersucht, sich zu der am Sonntag, den 17. 7Vs Uhr, stattfindenden Flugblatt-Verteilung kannten Lokalen zahlreich einzufinden. die Partei d. M.. früh in den bc Uulutles. Ungenügender Polizeischutz? In, der„Dtsch. Tagekztg." stand vorgestern folgende Klage zu lese»: Für die S i ch e r h e i t s z u st ä n d e in einzelnen Stadt- gegenden Verlins bezeichnend ist ei» Vorgang, der sich in der vor- gestrigen Nacht in der Prenzlauer Allee, in der Nähe der Marien burgerstraße, zutrug. Dortselbst war zwischen einer Gruppe von etwa zwölf Personen eine Schlägerei entstanden, die eine solche Ausdehnung annahm, daß durch da« Geschrei der Kämpfenden die Anivohner ans den. Schlaf gestört wurden. Nach längerer Zeit endlich erschien ein Schutzmann, der jedoch der Masse gegenüber vollständig n, achtlos war.DerBeamtegabfortgesetztNotsignale.abervcrgeblich, Weder wurde sein Notzejchen beantwortet, noch erhielt er Hilfe. Währenddessen schlugen die Tumultnantc» aufeinander ein, bis endlich die eine Partei, von der mehrere Personen erheblich vcr- letzt waren, die Flucht ergriff und, von den Gegnern verfolgt, in der Marienburgerstraße verschwand. Dem Schutzmann blieb natürlich nicht« weiter übrig, als die Excedenten laufen zu lassen. Wer die Zeitungen verfolgt, wird finden, daß Klagen dieser Art nicht selten wiederkehren. Aber immerhin treten zuweilen Umstände ein, die zur Folge haben, daß Stadtgegendcn, deren Bewohiicr sonst vergeblich über zu geringen Polizeischutz zu klagen schienen, ganz plötzlich beinahe mit Schutzleuten überschwemmt werden. Als Beispiel nivgc folgende Zuschrift aus unsrem Leserkreise dienen: In der Straße an der Stadtbahn ließen die Sicher- heitszuständ« neuerdings recht viel zu wünschen übrig. Schläge r e i e n waren in der Gegend der C e„ t r a l- M a r k t h a l l e an der Tagesordnung; und es geht mir heute»och durch Mark und Bein, wenn ich daran denke, wie vor gut vierzehn Tagen ein Mann in der elften Abendstunde von einer Schar roher Burschen auf daS schändlichste mißhandelt wurde, ohne daß trotz des Schreiens ein Schutzmann zur Stelle erschien. War nun bis dahin in dieser bedenklichen Gegend geradezu von einem fühlbaren Mangel an Sicherheitsbeamten zu reden, so änderte sich der bedauerliche Zustand vor kurzem zum Erstaunen der An- lvohner ivie mit einem Schlage. Die früher oft so schmerzlich ver- mißten Schutzleute traten fast im Ueberfluß auf. an allen Ecken und Enden sah man blinkende Helme, ja der zuständige Revierlientenam Wolfsheim stand am späten Nachmittag in eigner Person, von mehreren Schutzleuten umgeben, vor dem Hause Nr. 47 Posten. Erstaunt fragte alle Welt, was denn los sei, ob etiva ein Mord oder sonst ein gräuliches Verbrechen verübt worden? Wie lautete nun die Antwort auf die häufigen Fragen der mit Recht neugierigen Anwohner? „Die Schuster streiken k" Nichtig. Die Uhr schlägt sechs vom Turm und aus dem genannten Hause, wo die Firma Rosenberg ihre Fabrik hat, tritt eine winzige Schaar von Leuten heraus. Es mögen etwa acht an der Zahl sein. Aber die Quantität wird in ihnen'durch die Qualität ersetzt, denn es sind Arbeitswillige, sie bilden nach der berühmten ZuchthauS-Deulschrist die für den Staat besonders nützlichen und ko st baren Elemente. Unter dem eignen Schutz des PolizeilieutenantS und rings von dessen Unterbcaniten umgebe» schreitet die so ivertvolle Menschengattuug vorwärts durch die Straßen, und die in stattlicher Zahl zusammengeströmten Bewohner der Gegend schleichen beschämt von donnen. wenn sie sehen, wie berechtigt ihre Klagen waren und wie sehr die Polizei bemüht ist, die Sicherheit der Person so ausreichend, wie nur irgend denkbar, zu schützen, bc- sonders wenn diese Person sich als Streikbrecher etabliert l Die Polizeistunde. Der Polizeipräsident hat dem Magistrat „m seine Zustimmung zu einer Polizeiverordnung ersucht, wonach die Schanklokalc statt bisher von 11 Uhr abends bis 4 Uhr früh, in Zu- lunft von 11 Uhr abends bis 6 Uhr früh geschlossen werden müssen. Der Magistrat hat nach eingehender Beratung unter Berücksichtigung der eigentümliche» Verkehrsverhältnisse in Berlin, soivie mit Rücksicht auf die Arbeiterschaft beschlossen, der Polizeiverordnung nur dann zuzustimmen. wenn der Schlnß um 11 Uhr für sämtliche öffentlichen Lokale erfolgt und die Oeffnung um 5 Uhr fest- gesetzt wird. Zur Bürgcrmcister-Wahl. Als Brinkmanns Nachfolger haben sich bis zu der mit dem heutigen Tage abgelaufenen Frist gemeldet: Justizrat Körte- Breslau und Verivaltungsgerichts- Direktor Dr. P o l l a ck-Frankfurt a. O. Von einheimischen Kandidaten sind bekanntlich als ernstlich in Betracht kommend die Namen Meubriiick, Kauffmann und Dr. Dove genannt worden. Der mit der Regelung der Wahl betraute Ausschuß tritt am nächsten Dienstag zusammen Unser Parteigenosse Reichstagsabgeordneter Antrick sendet uns folgende Erklärung zu: In der gestrigen Sitzung der Stadb verordneten-Versammlnng haben die Stadträte Bail und Dr. S t r a ß m a n n es für angezeigt gehalten, gegen die von mir in meiner Rcichstagsrede vom 11. Juni v. I. angeführten Mißstände im Moabiter Krankenhaus zu Felde zu ziehen. Nach den Ausführungen dieser Herrn kann der Anschein eriveckt werden, als hätte ich die Tribüne des Reichstags benutzt, um Unwahrheiten über die Mißstände der Berliner, insbesondere über die des Moabiter Krankenhauses zu verbreiten. Ich nehme deshalb Veranlassung, von dieser Stelle ans öffentlich zu erklären, daß alles, was ich in meiner damaligen Rede gesagt habe, der Wahrheit entsprach, und ich deshalb auch heute noch, trotz der Reden der genannten Herren, keine Bco anlaffung habe, von dem, was ich gesagt habe, ein Wort zurück zu nehmen. Otto Antrick, M. d. R. Zu den gemeldeten Verändernngen im Polizeipräsidium, die am 1. April d. I. in Kraft treten werden, gehört in erster Linie auch die Teilung der zweiten Abteilung für Gewerbe-, Straßenvolizci und öffentliches Fuhrwesen in zwei besondere Abteilungen mit den amtlichen Bezeichnungen IIa und IIb. Der Abteilung IIa unter dem Dirigenten Dr. Kautz wird die Bearbeitung der Schank angelegen heiten und öffentlichen Lustbarkeiten, der Ab teilung IIb, deren Dirigent noch nicht ernannt ist, die Bearbeitung der allgemeinen gew erbepolizeiliche n Angelegenheiten zugeteilt' werden. Der Dirigent der dritten Abteilung'(Bau- p o l i z e i) Regierungsrat Zacher soll zum Ober-RegieruiigSrat be fördert werden. Endlich tritt mit dem 1. n. Mts. auch die von unS bereits angekündigte Rcorganisation der Politischen Polizei in Kraft. Dieselbe wird unter der Bezeichnung„Staatspolizei- l i ch e A b t e i I u n g" als selbständig« Abteilung VII dem Polizei Präsidium angegliedert und geteilt in daS Dezernat und in die Exekutive. Die Veränderungen betreffen auch das Theater. Hierfür ist eine neue Abteilung schon jetzt eingerichtet. Sie führt die Be zeichnung Abteilung I. Th. Ein Vorsteher ist noch nicht ernannt. Diese Angelegenheiten wurden bisher in Verbindung mit dem Druckschriften-Bureau und der politischen Polizei bearbeitet. Die Loslösung ist schon jetzt niit Rücksicht darauf erfolgt, daß im Jahre 1902 die politische Polizei als Staatspolizei auf das Ober- Präsidium für Berlin übergehen wird. Rcorganisation dcS Berliner PostweseuS. Die Errichtung neuer B e z i r t s- P oft ä in t e r in reichseigenen Dicnstgebäudcn in Berlin wird von amtlicher Seite in uinfasiender und einheitlicher Weise für die ganze Reichshauplstadt angekündigt. Außer dem Brief und Pakclposiaint besitzt die Reichspost nur 10 rcichSeigene Gebäude, in denen sich selbständige Postämter befinden. Alle übrigen Aemter befinden sich in MietSräumen, die den Anforderungen dcS Dienstes nur schwer anziipasscn sind und von Jahr zn Jahr teurer werden. Die Aufwendungen für Miete haben sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt.' ES wird deshalb beabsichtigt, im Laufe der Jahre allmählich eine Anzahl von centralen Bezirks Postämtern in verschiedenen Teilen der Stadt zu errichten, für die eigene Grundstücke gekauft werden sollen. In Stadtteilen, wo selbständige Stadtpostämter verhältnismäßig nahe bei einander liegen soll dieser Betrieb dieser Anstalten thunlichst in ein großes Postamt zusammengezogen werden. Dieses wird dann für einen gewissen Bezirk das einzige selbständige Postamt bilden, dem sich die übrigen Postämter desselben Bezirks als Zweiganstaltcn angliedern. Der Staat nnd die Höhcrc Wcbeschnle. Der Minister Brefeld hat dem Magistrat angezeigt, daß zum 1. April d. I. die Umwandlung der Berliner Lchrmiuelanstalt in eine technische C e n t r a l st e l l e für die Textilindustrie beabsichtigt worden sei. deren Aufgabe eS u. a. sein würde, geeignete Lehrmittel für die Textilfachschulen herzustellen und zu beschassen, die A u f s i ch t über die genannten Schulen wahrzunehmen, die Abgangsprüfungen zu überivacheu, das Lchrpersonal auszubilden, Gutachten in textil- technischen Angclcgenbciteu abzugeben usw. Für die Leitung"der Anstalt sei' der Direktor der hiesigen höheren Webeschule Professor Gürtler in Aussicht genommen, der sich schon zur Annahme des Amts bereit erklärt habe. Der Minister ersucht den Magistrat. den Professor Gürtler zum 1. April d. I. au» dem städtischen Dienst gi entlassen, da Wert darauf gelegt wird, die technische Ceutralstclle ür die Textitindustrie sobald wie möglich ins Leben treten zu lassen. Der Magistrat hat beschlossen, dem Gesuche des Ministers für Handel und Gewerbe stattzugeben und den Professor vom Amt zu entbinden. Hedwig Ehlert. Durch die Verurteilung ihres Vaters zu einem Jahre Gefängnis ist die vielgenannte Zeugin Hedtvig Ehlert in einen Zustand hochgradiger Erregung versetzt werden. Diese machte sich schon während der Gerichrsverhandlung selbst bemerkbar. Als der Staatsanwalt gegen den Vater drei Jahre Gefängnis beantragt hatte, sprang daS als Zeugin anwesende Mädchen tvie voii der Tarantel gestochen plötzlich ans, stürzte sich auf den Belastungszengen Müller und versetzte ihm einen Eck l a g in das Gesicht. Sie mußte gewaltsam auS dem Saale entscrnt werden, verfiel aber draußen auf dem Wandel gange in Weinkrämpfe. Als sie wieder zu sich gekomnien ivar, warf sie ihrer Mutter die Ringe, die sie von den Fingern gezogen hatte, zu, stürmte barhäuptig ans dem Gerichtsgebäude und i st eitdem nicht wieder zu ihrer Mutter zurückgekehrt. Frau Ehlert, die durch die Verhaftung ihres MainiS und der vielen auf sie hereinstllriiiendeu Schicksaldschläge in eine sehr bedrängte Lage geraten ist, hat bis gestern noch nicht vermocht, den Aufenthaltsorr deS Mädchens zu ermitteln. Ein Gemütsmensch.„Schließlich hätten überhaupt die Steuer- zahlcr jeden Faulpelz zn füttern I Nein eS muß klar und offen aus- gesprochen werden:„Jede Verpflichtung unsrer Stadt zur Errichtung oder Beschaffung von kleinen Wohnungen muß ganz c u t s ch i e d e n in Abrede gestellt werden. Der Vorsitzende eines bekannten hiesigen Vereins hat vollkommen Recht, wenn er sogt, wir brauchen keine kleinen Mieter, wir wollen kräftige Steuerzahler haben. Die Arbeiterbevölkerung mag nach R i x d o r f ziehen, wenn dieses sie aufnimmt. Im vornehme» Westen wollen wir nur vornehme Leute haben. In der„Deutschen Tageszeitung" hat dieser Tage ein sehr interessanter Artikel gestanden, welcher nach- weist, daß es absolut keine Wohnungsnot gicbt: er schließt mit den Worten:„Die Absicht der socialdemokratischen und sonstigen HumanitätSmcnschen. etwaigem WohnungSmangel im v o r a u s zu begegnen, ist ganz und gär verkehrt. Der Zuzug von Wirtschaft- sich bedenklichen Elementen würde dadurch ungeheuer vermehrt werden." Diese Schlußfolgerung ist sehr richsig und un- angreifbar; schließlich ist die ganze Mieterbewegung doch weiter nichts als eine Frucht socialdem akratischer Agitation, welche aus dem Neid des NichtSbesitzenden gegen den Besitzer, also in erster Linie den Haus- und Grundbesitzer geboren ist." Durch diese» Erguß macht ein rabiater Hänsbesitzer im„Schöne- berger Tageblatt" scineni bedrängten Herzen Luft. Man sieht, der Zrügel-Ocrtel machte Schule; Brotwucherer und Wohnungswnchcrer ind einander wert. Eine Gemeinde aber, die von einem Funken ocialen Bewußtseins beseelt ist. sollte ans solchen RohcitS- auSbrüchcn erkennen lernen. wie notwendig eine lommnnale Wohnungspolitik ist. Bor einem Ausstellungöschwindlcr warnt der Polizeipräsident in folgender Beranntninchiing:„Der Direktor I. B. G. Moreau. Vertreter des Office Gönöral des Expositions„Vertreter auf franzö- fische und ausländische Ausstellungen" in Poris, Boulevard Bean- marchaiS Nr. 38 versendet Aiikündignngen von Ausstellungen, welche in nächster Zeit in Paris, Riza, Glasgow, Mailand, Warschau und Suez stattfinden sollen. Die Prospekte lassen deutlich erkennen, daß es sich um sogenannte wilde Ausstellungen handelt, die fast immer unter völligem Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich gehen und einzig den Zweck habe», gegen Barzahlung zu Gunsten des Ausstellungsunter- nehincrS den auf den Leim gehenden„Ausstellern" wertlose An- erkennungsdiplome oder Medaillen zu verkaufen. — Vor derartigen Ausstellungen und der damit verbundenen AuS- beutung der Aussteller ist schon wiederholt öffentlich gewarnt worden. Es interessiert, zu erfahren, ob seitens des Moreau auch hier nament« lich für die Beschickung einer im PalaiS du Travail stattfindenden „Internationalen Ausstellung in Paris im Jahre 1001" geworben worden ist. Mitteilungen in dieser Beziehung werden vom hiesigen Polizeipräsidium entgegengenommen." Ei» Kind durch Neberfahren getötet. Von einem Wagen der fiskalischen Abdeckerei ist am Freitagnachmittag kurz nach 3 Uhr der fünfjährige Sohn des Bürstenmachers L i n d e ck e aus der Holz- marktstratze 48 an der Ecke der Michaellirchbrücke so unglücklich über- fahren worden, daß der Kopf sofort vom Rumpf getrennt wurde. Wie Augenzeugen mitteilen, hat der entsetzliche Vorfall sich dadurch ereignet,' daß der Kutscher des Wagens im schnellen Tempo um die Ecke fuhr, so daß es dem Kinde unmöglich war, auszuweichen. Die hinzngeeilte Mutter war fast wahnsinnig vor Schreck geworden und konnte nur mit Gewalt davon abgehalten werden, sich ins Wasser zu stürzen. Ei» günstiger nnd schneller Bescheid ist dem Haus- und Grniidbesitzerverein des Prenzlauer Thor- und der angrenzenden Stadt- teile auf eine Petition hin zugegangen, in welcher Beschiverde über die auf dem in der Danzigerstraße gelegenen P o st a m t 58 Herr- schende Ueberfüllung geführt wurde. Die Ober-Postdirektion hat in- folge dieser Beschwerde angeordnet, daß sämtliche vier Schalter dcS Postamts 58 den ganzen Tag über in Zukunft für das Publikum geöffnet sein sollen. Außerdem teilt die Ober-Postdirektion mit, daß bereits die Errichtung einer Zweig-Postanftalt in der Stargarder« straße in Aussicht genommen worden ist. wodurch eine wesentliche Entlastung des Postamts 53 herbeigeführt werden würde. Bcrnitgkückte Scharfmacherei. Das„Miete-EinzichungSamt". das vor zwei Jahren vom Bunde der Berliner Grundbesitzer» Vereine eingerichtet worden ist, hat sich, wie in den letzten Ver« samnilungen dieser Vereine festgestellt wurde, durchaus nicht bewährt. Durch die Klagen, welche gegen die mit der Miete im Rückstand be- findlichen Personen angestrengt werden mußten, sind in de» meisten Fällen so Hohe Koste» cutstanden, daß den Hauswirten durch die Thätigkeit des Miete-Einzichnngsamts ein wesentlicher Vorteil nicht erwachsen ist. Unter diesen Umständen wird von vielen Seiten die Aufhebung des Amts empfohlen. Auf der BahnhofStreppe verunglückte gestern nachmittag am Alcxanderplatz die Rcntnerin Witlve Schliemann aus Gastrow bei Stettin, die hierher gekommen war, um Einkäufe zu machen. Auf einem Obstrcst, der auf der ohnehin schlüpfrigen Treppe lag. glitt sie aus, fiel hin und brach sich den rechten Oberschenkel. Die Ver- unglückte wurde mit einem Wagen der Unfallstation X, die ihr einen Verband anlegte, nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht. Im Hotcl vom Tod überrascht wurde der 28 Jahre alte Bureau- assistent Otto Schultz aus SchwichuS, der am Mittwochabend hierher kam und am Alexanderplatz abstieg. Arn nächsten Morgen fand mau ihn tot in seinem Bette liegen. Wahrscheinlich ist er an einem Blut- stürz gestorben. Die Rcvierpolizei beschlagnahmte die Leiche und ließ sie nach dem Schanhause bringen. Zum WohunngS- Umzug. Das Polizeipräsidium teilt mit: Berlin, den 15. März 1901. Mit Bezug auf die Polizeiverordnung vom 26. März 1870, betreffend die Umziigstermine beim Wohnungswechsel(Jntelligenzblatt Nr. 74 vom Jahre 1370), wird zur öffent- lichen Kenntnis gebracht, daß der am 1. April d. I. beginnende Umzug bei kleinen, höchstens ans zwei Zimmern mit Zubehör be- stehenden Wohnungen an demselben Tage, bei mittleren, auS drei oder vier Zimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen am 2. April, nultagS 12 Uhr, bei großen mehr als vier Wohnzimmer umfassenden Wohnungen am 3. April, mittags 12 Uhr. beendet sein muß. lieber den Einfluß deS Tabaks auf die Gesundheit hielt gestern Professor Dr. T h o ni s in der Urania einen Vortrag, der schon dadurch bemerkenswert war, daß er im Gegensatz leider zn manchen andern wissenschaftlichen Vorträgen in dem genannten Institut sich eines vorzüglichen Besuchs erfreute. Dann zeichnete der Vortrag sich darin au«, daß er gar nicht im profcssoralen Ton gesprochen wurde. Der Redner ist ein gemütlicher Plauderer, der seine Zuhörerschaft durch Wort und Experiment auf das Beste zu unterhalten wußte, ein Herr, dem sogar ein bißchen der Schelm im Stacken sitzt und dem wir als Verehrer des edlen Krauts daher nur mit ver- bältnismäßig gelindem Zähncklapperu gegenüber saßen, als er all' die schauerlichen Gifte auszählte, die im echten wie im nckcrmärkischen Havana enthalten sind. Blausäure. Schwefelsäure, Kohlensäure. chwefelwasserstoffgas grinsen uns aus den gedankenlos hingepaffte» Rauchwolken entgegen und außerdem noch das Nikotin und das ver- trackte ätherische Oel, von dem selbst die Gelehrten nicht recht wissen, wie sie seine abscheulich giftigen Eigenschaften deuten sollen. Als Herr Professor Dr. Thonis nun iveiter nach de» Worten eines andern Gelehrten den schnuerlichen Tod hinmalte, den die Nikotinvergiftung dem Menschen bereitet, da gingen wir bei all unserer moralischen Dickfelligkeit doch ein bißchen in uns und bedauerten aufrichtig. daß es uns bisher noch gornicht eingefallen Ivar, vor dem Anzünden der ortsüblichen Pfälzer betreffs unserer Schulden die erforderlichen lctztwilligen Verfügungen zu treffen. Stelle sich Einer vor, die Cigarre zehrt— tvie zuweilen ja auch die Liebe— wirklich intensiv am Leben des Menschen. Ein Petersburger Professor hat durch eine Ilmfrage bei seinen Studenten herausbekommen, daß von Nichtrauchern nur 23 Proz. an Krankheiten der Atmunas- und Ernährungsorgane leiden, während der Prozentsatz bei Rauchen» 36 beträgt. DaS schlägt ein. Auch nianche andre Sünde, der wir mehr oder minder leidenschaftlich fröhutcn, pochte jetzt intensiv an die Pforte unsres GetviffenS. Jeher leider lang vergessene Spruch eines ehedem berühmten Hamburger Arztes wurde plötzlich wieder in der Erinnerung lebendig:„Der Schnaps durchbricht die Magen- wand nnd ergießt sich unter fürchterlichen Schmerzen in die Bauch» höhle. Der Tod ist die unausbleibliche Folge davon." Aber nun. nachdem das Publikum alle Qualen de« Nikotins durchkostet hatte, zog Herr Professor Thoms mildere Saiten auf. Scheinbar steigerten sich die Schrecknisse allerdings, als der Vor- tragende noch darauf hinwies, daß außer den Alkoholika noch Kaffee, Thec, Senf, Pfeffer, und was sonst zur Würze des Lebens zählt. ebenfalls Unheil in sich birgt. Aber trotzdem alle diese Gcnüffe von Gift strotzen, ist die Menschheit doch nicht alle zu kriegen. Harmonisch und von bekömmlicher Milde getragen, klang der Vortrag in der Versicherung aus. daß. mäßig genossen, auch der Tabak nichts schade und der Mensch daher mit entsprechender Einschränkung ruhig weiter im Gift schwelgen könne. Das Experiment der chemischen Auflösung einer Cigarre trug Herrn Thoms ebenso wie der Bortrag verdienten Beifall ein. Die singende Secessio». Wolzogcn muß doch ein ganzer Kerl ein. Das sicherste Zeichen, daß jemand etwas zu bedeuten hat, ist wohl darin zu finden, daß er imitiert und auch parodiert wird. Mit Heißhunger fallen Komiker nnd Soubretten über das„Bunte Theater" her und im Musentempel Friedrichstraße 213 ist man bereits soweit, eine Kunst z» etablieren, die eS- dem ersten Ueberbrettl überthn» soll. Ein Klavierspieler und Komponist, ein Secelsionär und eine Secessioneuse präsentieren. sich in einem nnt 1 secesfionistischer Verrücktheit ausgestatteten Zimmer. Komponist und Secessiouür erscheinen in dein von Wolzogen patentierten braunen Biedermannsfrack, die Secessioneuse hat sich gespensterhaft bemalt, als wäre sie soeben in Wuhlgartcn secicrt worden. Aus männlichem Munde erfolgt die Recitation etlicher moderner Gedichte, in denen es zuweilen auf Schauerstinunung, zu weilen auf Blödsinn, zuweilen auch auf beides zusammen angelegt ist. Scharf accentuiert, aber mit barocker Steifheit wird das Gedicht vorgetragen. In einer Art Paradeschritt geht dann der Seccssionär ab und nun ivird seine Gefährtin, die bisher wie eine Pestkranke im stilisierten Sessel gelegen, mit einemnial lebendig. Sie singt das in faßliche Melodie gesetzte Lied, das soeben vorgetragen worden, surienhaft, aber mit wohlklingender und gut ausgebildeter Stimme. Das Publikum weiß nicht recht, was es'zu dem aus der Art ge- schlagenen Unsinn sagen soll und klatscht verlegen Beifall. Weit bester wird, nachdem die Secession erledigt, der Komiker S t e i d l verstanden, der sich mit Witz und Laune daran macht, das lieber- brettl zu verulken. In Wolzogcns Maske stellt er sich als den rasenden Jüngelingelang vor und bringt das Publikum durch eine Fülle launiger Einfälle wieder in Stimmung. In der Dentschen Gesellschaft für volkstümliche Naturkunde wird am Montag, abends 8 Uhr, im Bürgerlaale des Rathauses Herr Prof. Dr. Zuntz von der kgl. landwirtschaftliche» Hochschule einen Vortrag halten über:„Die Bedingungen des organischen Lebens im Wasser"(mit Versuchen und Demonstrationen). Der Direktio» des Passagc-Panoptikums war vom Berliner Polizeipräsidenten aufgegeben worden, aus ihrem anatomische» Muse u m die Darstellungen geburtshilflicher Operationen usw. zu entfernen. Nachdem schon der BezirkSausschuh dahin erkannt hatte. daß die beanstandeten Präparate freizugeben seien, hat gestern auch das Ober-Verivaltungsgericht die Berufung dcS Polizeipräsidenten zurückgewiesen._ AuS de» Nachbarorte». Die Charlottenburger Stadtverordneten- Versammlung beschäftigte sich am Mittwoch, abgesehen von der Interpellation über die Arbeitslosigkeit, noch mit einer großen Reihe andrer Vorlogen. Die Vorlage betr. den Bau einer Realschule auf dem städtischen Grundstück zwischen Charlottenburger Ufer und Gnerickc- Straße ging an einen Ausschuß, dem u. a. Gen. Vaake angehört. Angenommen wurden die Vorlagen betr. Regulierung und Kanalisierung der Leibniz st ratze zlvischen Ka'ntstrahe und Stadtbahn-Ueberführung, betr. Ankauf von Stratzenland zum Neubau der Charlottenburger Brücke und betr. Reinigung der Schulräume. In sämtlichen städtischen Schulräumen sollen die Futzböden jährlich viermal mit einem staubtilgenden Ocl gc- strichen und sämtliche Klassenräume wöchentlich dreimal, die Treppen und Flure täglich gereinigt werden. Gleichfalls genehmigt wurde die Vorlage betreffend Vergebung der dritten Ab- i e i l u n g e n der 180Scr und ISSScr Anleihen. Dagegen wurde die Vorlage betreffend Errichtung eines neuen Ca tan des- a m t s abgelehnt. Hierauf setzte die Versammlung die zweite Lesung des Etats fort und genehmigte ohne wesentliche Debatte die Kapitel Fort- bildungsschulwcsen, Armenwesen. Hospitäler und Krankenanstalten. Hochbau, Feuerlöschwesen und Stratzenreinignng. Entgegen dem Beschlutz des Etatsausschusses, der den Lohn für 20 Arbcitsburschen für die Stratzenreinigung und Besprengung gestrichen bat. stellte die Ver- sammlung diese Position wieder her. Zur Annahme gelangte noch die Resolution des Etatsausschnsses, den Magistrat zu ersuchen, über die Einrichtung einer Krippenanstalt der Versammlung möglichst bald eine Vorläge zugehen zu lassen.. Zehlendorf. Der Etat der Gemeinde balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 371 990 M. gegen 398 009 M. im Vorjahre. Auf unsre Schulzustäude wirst der Umstand ein seltsames Licht, daß im Gemeiude-SchulhauS sich ein Arrcstlokal befindet; im Armenhaus besteht der bedenkliche Zustand, daß der Fußboden nicht von Holz, sondern von Stein ist, die ein Schöffe in der letzten Sitzung der Gemeindevertretung mit dem Argument zu motivieren suchte, daß es sich auf steinernem Fußboden besser wohne. freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 17. März, vormittags sy2 Uhr, in der Aula der KS. Gemein de schule. Kleine Fraukfurterstr. 6: Verfammlling: Freireligiöse Vorlesung. Ilm 10Vj Uhr vormittags ebendaselbst: Vortrag des Frl. Ida Allmann:„Dürfen wir die Kinder von Freidenkern zu Individualisten erziehen?"— Vor- und Nachspiel auf dem Pariser M u st e l- H a r in o n i u m.— Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Slllgeineine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. Filiale Berlin 3. Sonnabend, den IS. März, abends 8>/, Uhr: Mit- gliedcr-Vcrsanimlung bei Bergener, Reicheubergerstr. 157. Filiale Bcrliu 4. Sonnabend, den Iii. März, abends 8'/. Uhr: Mitglieder-Versammluiig bei Fritz Wille, AndreaSstr. 26. Filiale Berlin 5. Sonnabend, den 16. d.M., abends 9 Uhr: Mitgliedcr-Versamntlung bei Kopli», Lothringerstr. 68. Filiale S. Sonntag, den 17. März, vormittags 10 Uhr: Mitglieder- Versammlung bei Fischer, Waldstr. 8. Filiale Charlotten bürg. Sonnabend, den 16. März, abends 8>/z llhr, im Restaurant Leder, Bismarckstr. 74: Mitglteder-Vcrsaiiiuilung. ' Filia le Rixdors. Bersaiiimliing an» Sonnabend, den 16. März, abends 8>/z Uhr, Kirchhofstr. 4l bei Filicke. Filiale Rummels bürg. Sonnabend, den 16. März, abends 3'/- Uhr, bei Rud. Müller, Türrschmidtstr. 37: Mitglieder-Versammluiig. Ei«gegtingene Truckschnfte». Don der Koinuinnaleu Praxis ist soeben die Nr. 4 erschienen. Aus dem Inhalt nennen wir die Artikel: Baugesctz und Wohnungs- frage; Die Selbständigkeit der Gelileiuden; Die Herrschaft der Mittel- klassen über die Londoner Stadtverwaltung. Eine Reihe kleinerer Aussätze und Notizen kommunalen Inhalts schließen sich dem an.— Die Nummer umfaßt 10 Seiten. Die Kommunale Praris ist zum Preise von l M. viertel- jährlich durch alle Buchhandlungen und ZeitungsiveditioneN sowie durch den Verlag von Kaden u. Co., Dresden, Zwingerftr. 22, zu beziehen. Post- ZcitnngSliste Nr. 4019a des vierten Nachtrags für ISOl. Bcrei» für Volksbildung in Dresden. Bericht über die Thätigkeit im XXI. Bcreinsjahr 1000._ Witternilgsübcrsicht vom 15. März 19GI. morgens 8»Hr. Stationen SwiNkiiide Hamburg Berlin Fraiikf./M. M Iir.chen Wie» ! 763 SSO 761 0 763 SSO 760 NO 760SO 765 W Welter l Nebel 2 Nebel l Nebel •2 wollig 2 wolkig 1 wolleiil gs Stationen Le «*£ H c| »- Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris S=!f S■? I= 77CS 778 Still 759 NO 764 ONO 755' O 0» Welter 2wolkig -1 ■ wolteul— 10 3.Dlinsl 3bedei,»clle,D-Ctr. Niiidsleisch, Keule 1 üg; do. Bauch„ Sckiweiiiesleisch. Kalbfleisch Haiiimeisteisch Butter Eier Karpfen Aale fjander Hechle Barsch« Schleie Bleie Krebse «0 SIM 1kg per Schock 7- 1,60 1,30 1,6» 1,80 1,60 2,60 5,20 2,20 2,80 2.50 2,40 1,80 3,- 1,30 12- 5- 120 1- 1,20 1.- 1- 2,- 2,60 1,- I,- 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3.- f) frei Wagen und ab Bahn. Produktenmarkt voin 15. März. Getreide. Der Getreidemarkt verfiel heme bei größter Zurückhaltung der Käufer in völlige Geschästsstille uiid die Preise gaben für Weizen und Roggen% M. nach ans das schöne Wetter, das man nicht erwartet hatte, schwächere Meldiingen aus Oestreick- Ungarn und Nordamerika, Zunahme der argentüiischcn Verschiffungen und bedeutende schwimmende Zufuhren für Berlin. Die Umsätze waren ganz unbedeutend. Mehl wurde so gut wie gar nicht gehandelt. Haser war un- verändert. Mais nach gestrigem stärkere» Rückgang leicht erholt. Rüböl gab iür spätere Sichten eine Kleinigkeit»ach; nahe Liescruilgen behauptet. Spiritus uiiveräildcrt. 70 er loco 44,20 M. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde sindrt Montag. DicuStag. Donnerstag und Freitag von 7—»llhr abends statt. Ernst B. 5. Wir können die Kasse nicht empfehlen. Karl 160V. Die Obliegenheiten eines„Schweizers" bestehen in der Pflege der Kühe sowie der Behandliing und dem Versand der Milch und andrer Malkereiprodukte. P. L. 100. Das„Berliner Volksblatt" erschien am 29. Marz 1884 als Probe numuier in einer Auflage von 50 000 Exemplaren. Sein regelmäßiges Erscheinen begann mit dem I. April desselben Jahrs. G. S. F. Bezugsquellen enip'ehlin wir im Briefkasten nicht. A. B. 15. Da die Schulden sämtlicher Staaten andauernd steige», lassen sich dieselben nie für den gegenwärligen Augenblick genau angeben. Man muß sich daraus beschränken, die zuletzt� bekannt gewordenen Zahlen beranzuziehen. Soweit diese uns zugänglich sind, beträgt: a) die deutsche Reich ssckmld(Etatsjahr 98 99) 2 467 968 400 M.; b) die preußische Staatsschuld(Etat für 1300/01) 6 591 683 604 M., und o) die französische Staatsschuld(I. Januar 1900) 24 044 318 480 M. N. W. 125. Mittels Handbeils.-3.1. Die Miete können Sie nicht abziehen, wohl aber die Krankenkassen- und Jnvaliditäts-Beiträge.— A. D. Strastmann 91. Wenn fich in Ihrem Mictsvettrag ein Exmisstons Kosten des Verfahrens auferlegt. Die Eltern basten nicht für die in einem Strafversahren gegen ihren minderjährigen Sobn erwachsenen Gerichtskostcn. - B. 161. Eine ausgeklagte Forderung verjährt erst m 30 Jahren, vom Tage des Urieiis oder des letzten Pfändurigsversuchs ab gerechnet.— V. 44. Polizeiliche Anmeldung ist nichr erforderlich.- Dh. G. l. Der Armenverband. 2. Das ist nach Inhalt des uns nicht bekannten Status zu beantworten.— W. W. Jawohl. - G. W. 1901. Für die Frage, ob und mit welchen Folgendem Aus- schlub aus einem Kriezerverein stattfinden lann, entscheidet das Statut des Kriegervcretns und die ergänzenden Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetz- buchs. Sprechen Sic mit den» betreffenden Statut gelegentlich m der juristiichcn Sprechstunde vor.— H. I. 100. Ja._— Allen Vereinen n. Gewerkschaften empfehle meine Räume von 20-150 Personen zn Mitziingen und Vcr- sammlmic'en jeder Art.— Ausschank von echtem Münchenrr, Pilsener, hkesigem hellen Lagerbier und ff. Weißbier.[l004L* Speisen zu soliden Preise«. W. Thiede, Seydelstratze 80. __ Telephon Amt I. Nr. 4565. Adleivshof!p& Sonntag: Tanzkränzcben, wozu freundlichst einladet ?nnl kScbHinn»«». Ä. Slippekohls Resillilrant Köpenick, Schönerlinderstr. 5. Arbeiter- Verkehrslokal, Für gute, Speisen u. Getränke ist bestens gesorgt, l Kränze f. Jacoäilz, KoMilslr. 46. Äriiilint n. MW werden Sonnabend, den 16. und Sonntag, den 17. März zu den höchsten Preisen gekauft im Gasthos zur Traube, Krausenstrafte 28. «« runn Gahtzhos Wrst) Dackescher Markt Nr. 4. 7438" Wegen Umbau und Errveiterung der Geschäftsräume gelangen große Lagerbestände meiner Teppiche! Gardinen! Steppdecken! PoHtieren! zu iiiiRcrflfiüöfiiilifi öißiüfn Ättiseu zum Ansverkanf! Einzelne fehlerhafte Exemplare Lür die iidli'te des HVei'te«. � Siebengebirgs-Lotterie Sty Ztehnng: sclion 28. Kürz n. folg. Tage.' 9U Hauptgew. 125 009, 75 000, SO 000 Mark etc. Orlglnallosc: Vi � Vs Porto u. Liste 30 JPr» Heinrich Krön, 54. _ In meine Kollekte fielen soeben:__ Jer I.Hauptgewinn d. Marlenbnrger Geldlotterie fiOOOO Mark auf Xo. 155 960, der 1. Hauptgew. der Meissner Donibaulottcrie, 40 OOO Mark auf Ko. 152 41«, die Kanptgew. der iMebengebirgs- I, otteric 75 OOO M. auf So. 181 291 n. 50 OOO M. anf.Vo, 222 710. RKBBBZSSZBRBHI ' Ifiprla . Verlag von Gustav Fffch�r in� Soeben erschien die 4. Auflage (J8. big 23- Tausend) von: Sozialisitmz und Soziale keivegung im 1�. ZadrkunSett. von tüerner Sombstt, Profeffor an der llnlvcrstlal Breslau. preis: 75 Pfennige. Lugen Joachims Möbellabrik Nene Königstraf-e 59, nahe Alexandcrplatz. Großer Möbelspeicher. Spccialgeschäit für kleine und mittlere Woh- j nungs-Einrichtungen. Teilzahlung unter den coulaniesten Bedingungen gestattet, Beamten mit ganz geringer Anzahlung. Ganz besonders zu empfehlen ist der große Borrat verliehen gewesener und gebrauchter Möbel, die wie neu sind und billig abgegeben werden. Brautleute, welche eine bauerhaste und billige Einrichtung kaufe» wollen, bitte ich, ohne jeden Kaufzwang mein kolossales Lager vor Einkauf zu besichtigen. Verlangen Sie mein Musterbuch gratis und franco. Durch größere Maffenelnkäuje und Erjparung der teuren Ladenmiete bin ich im stände, fmbsche und geschmackvolle Wohnmigs-Einrichtungen sür 150 bis 10 000 M. zu liefern. Kommode 17. Waschtoilettc, Divan mit Sitz- auszug 35, Spiegel 6, Muschelkleidcrspind 35, Bettstelle mit Matratze 21, Stühle 3, alle Arten Küchemnöbcl, Nußbaum- und Mahagoni fournierte Kleiderspinde, BertikowS 36 M, Mufchelbettstellc mit Sprungfeder- matratze 38, elegante Säulentrumenur 45, Bücherschränke, Salou- garnilurell 105, Büffets aller Art, seidene Garnituren, sehr wenig gebraucht, spottbillig. Ganze Speisezimmer und Schlafzimmer. Gelauste Möbel können beliebige Zeit bei mir kostenlos lagern.[9412*. b-gr.g/flbsfts !! Eröffnung!! PiiotipplilSGlies RH «ifLS. J. Fuchs Am Sonntag, den 17. MUrz, eröITnc Königstrasse 52, vis a vis dem Kathanse mein zweites Photograplilsches Atelier und liefere Bilder in allbekannt künstlerischer Ausführung zn den liier ungegebenen billigen Preisen. 12 VIsites 1,70 M. 12 Kabinett 4,50 M. 12 Prinz ess 6,00„ 12 Promenade 8,00„ 12 Boudoir 12,00„ 1 Salonbild 6,00„ alle andren gewünschten Grössen, sowie Gruppen und Kopien billigst. Vh Aug*. Stein sa, Gold- und Silberwaren X- Sr fS Bertin SO., 177 Oranicnstrasse 177. Ecke Adalbertstr. Einsegnungs-GelÄzenke __ Lange Danirn-Uhrketteu, Herren Uhrketten von 2 M. an.__ Bontons. Broschen. Herzchen. Halsketten. Berlocke. j358L* Trauringe, gesetzlich gestempelt 900, 1 Dulate» 10 M., 3 Dukaten 20 M. Löffel. Illfenidewaren vom billigsten bis feinsten Genre. Jeder Gegenstand ist nnt deuttich lesbarem Preise ausgezeichnet. 8treag feste Preise! Gratis erhält Jeder in meinen beiden Geschäften am Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch selbst bei der kleinsten Bestellung eine bunt künstlerisch ansgeftthrte Palette mit eigner Photographie. Achtung! Vereine. Achtung! Sfftntttaiit jlim Mdenste i- Mckwerdtr, das gröftte Lokal au der Siordbahn. unmittelbar am Bahnhof und Forst Unterlunft für mehrere tausend Personen. Gastzimmer sür kleine Gesell- fchaftcn. Sehr gute Küche. Mähige Preise. Mehrere Säle. SC- Ausschank von echtem. Weiß- und Lagerbier.""SW Stallimg für 100 Pferde.— Prachtvoller Garten. Birkenwerdcr ist mit Fuhrwerk in 2 Stunde», nm der Balm in 40 Min. zu erreichen. Ten geehrte» Herrschasten, Vereinen, Gesellschaften bestens empfolsl>.i. Bei große» Korporationen stellt die Eisenbahndircktion, bei vorheriger Anmeldung, Sondcrzüg« ein. 8900" Besitzer A. Ebel. .,Tc»felsf-c"„Marieulnst- Ind.:«1.«treiohhahn, Besitzer d-S KaiferHofS. Köpemck. Einpjchlc beide Lokale mit großen Säle» und Gärten, leöes circa 3000 Personen fassend, mit Tainpferbrückc». S tallungc» für 40 Pserde:t m m ein- und zweireihig, tadellos sitzend, in Kammgarn, Diagonal, Satin oder Cheviot 12— 86 Mk. GeselBschafts- Anzüge in Smoking-, Rock- oder Gehrockfagon, elegant und modern gearbeitet 30— 54 Mk. Havelocks und Peleriaea-Oläntel in wetterfestem Loden 8,50— 36 Mk. Dauerhafte Beinkleider ca. 2000 Stück in allen möglichen Mustern von 3— 18 Mk. Carl Stier. 166 Oranien-Strasse 166. Nach ausserhalb Veraand von Mustern und Massanleltung. Ausführung unter Garantie gruten Sitzene. Achtung:"WV Achtung: 4. Berliner MMreis(Oy. Moutag, den 18. März, abends 8 Uhr, im„Elysium", Landsberger Allee 1.V: Uolks Versammlung. Tagesordnung: Die Bedeutung des 18. März. Referent Gmosfe tluxo Holmann. 21 4/3______ Ter Bcrtrnuensmann. AM"«! Buchbinder! A«»»«! Buchbinderei-Ärbeiterinne«! «lvnstss, deren unangenehme Folge», wie Beklemmung. Aingin(llin|linng aolttschmerzen. Herzklopfen. Schlaflosigkeit, sowie Blulanstauungen in Leder, Milz nnd Pfonadersystem(Hämorrhoidalleident iverden durch »räuter-Wetn rasch und gclind beseitigt. Kräuter-Wein behebt Unvcrdaulichkeit. verleibt dem Lerdauungsivstem einen Ausichionng und entfernt durch einen leichte» Stuhl untaugliche Stossc aus dem Magen und den Gedärmen. M Saütrts, lileiches Aussehe». Mutumugel. kut- iDvnli'ikkd find meist die Folge schlechter Verdauung, mangelbafter Blutbildung und 111111 Illllg eines krankhaften Zustandes der Leber. Bei gänzlicher Appetitlosigkeit unter nervöser Slbspannnng und GemUtSverstiininung. sowie häufigen Kopfschnierzen, schlaf- losen Rächten, siechen oft solche Kraule langsam dahin. SfF' Kräuter-Wein giebt der ge- schwächten Lebensttaft einen frisch en Impuls. Sränter-Weiu steigert den Appetit, befördert Verdauung und Ernährung, regt den Stoffwechsel krästig an, beschleunigt und verbessert die Blnt- bildling, beruhigt die erregten Nerven und schafft dem Kranleu Lebenslust. Zahlreiche An- crfeniimigen und Danischreiben beweisen dies. Kräuter-Wein ist zu haben in Flaschen 6 1,26 und 1,76 M. in sämtlichen Apotheken von Berlin und Berlins Vororten, sowie in Preußen, ganz Deutschland und im Auslande in den Apotheken. Auch versendet die Firma„Hubert Ullrich, Leipzig. Wcststraste 88", 3 und mehr Flaschen Kräuter-Wein zu Originalpreisen nach allen Orlen Deutschlands porto- und kiftefret. IMT Vor Nachahmnngen wird gewarnt!"WK Man verlange ausdrücklich gjM- Hubert Ullrichschen*7JBO Krhuter»Weiw.__ Mein Kräuter-Wein ist kein Geheimmittel; leine Bestandlcile sind: Malagawein 440,0, Deinsvrit 100,0, Glycerin 100,0, Rotwein 240,0, Ebereschenfast 160,0. Kirschsaft 320,0, Manna 30,0, Fenchel, Aniö, Hclrnenwurzcl, ameril. Kraftwurzel, Enzianwurzcl, Kalmusivurzel aa 10,0. Diese Bestandteile mische man. 6002» grosse Qeli§~Lo zur Eriinltaug des Sieben gebirges, 15 000 Geldcewjnne im Betrage von"Vfk 340,000 Mark. M. etc. 1 Saar ohne jegUohon Abzog zahlbar. Die Hauptcrewinne sind: 125000- 75000. 50000. 25000- 10000 Ganze Loose ä 4 Mk., Halbe Loose ä Ä Mk(Porto v. Liste 30 Pf. extra) versenden Oscar Bräuea*& Co. �achf.,sV.","äf. Berlin W, Friedrichs tr. 181, Filiale: VW., Wllanackerstr. 63, Ziehung schon am 88. Mörz er. Jeder Arbeiter Jeder Handwerker sollte z»r Arbeit die Lederhose Herkules tragen. Allein-Verlanf. Sehr starke Ware in praktische« grauen u. braunen Streifen. Hinieu u. voni am Bund aus einem Stück gcarliciiet. Nlellnöpse n. Kapp- nähte. Feste Leder- Pilot- Taschen. Große Flicken umsonst. Die Hose vci�tnrnahme von i /ll Ms ng 6 Stück 26 Mk. I � ökU. u Echt blaues Montenr Jackett 1 M. 90 Echt blaue Monteur-Hose.. 1 M. otl Echt blaues Monteur-Jackett. � Prima Köper-Gewebe.. 2 Di w Echt blaue Monteur-Hose Prima Ääpcr-Gewebe.. 2 M. 10 Prima Manchester Hose 9.—, 6,60, 4,'-> Gesiittert. Pianchest-Jackett 13,— 9,— LperationsiMantel f. Aerzte 4,90-3 M 40 Maler-Kittel..... 3,-, 2,60 8M- Meckianiler-Kiltel(»rann) 8,-, 2 M. 40 Weißes Leder-Jackett. 2re!hig � � � gesiittert.......„ü' � Weiße Lederhose, Prima Ware 3 M. 7-- Sohn En gros. Export. En detail. Ehanffeestr Sla 25. Briickenstr ll. Gr. Froiiffurtcrftr. 20. Die löte Preisliste 1901 Uber gesamte Herren- u. Knaben-Belleidnng (Auflage 1 Million) wird kostenlos uns portofrei zugesandt. Veriand von 20 M. an smuco— Bei Bestellung genügt Angabe der Brust- u. Bundweite n. Schrittlänge. Obige Preise gelten sur normal« Grüßen. W7- jJachBvutt____ iigaretton-Fubi'ik Polo ■Ls-aIa. Palo-Cigarotten sind die besten! Hermann Korn Reichenbergerstr. 130. SO Mark elegante Herren- Anzüge nach Maas, SO Mark hochfeine Sommer-Paletots nach Haas. Für IO Mark hochelegante Beinkleider nach Mass,[887Ii* guter Stoff, tadelloser Sitz! 14 Krausen-Strasse 14, i Tr. Kein Laden. 1 Tr. (ÜB Siebengeblrgs I Geld- Lotterie Ziclinngachon28.Härz| 125 000 Mit. bar Ganze Lose a 4 II., Halbe ä 2 M I empftehlt die Glückskollekte j .1 J. Rosenberg, 31. Kommandanten-Sbass« 51.| CB Porto u.Llste 30 Pf. extra.| Ii. Pixrr's Geflügelmast- Anstalt in NaumtUil b. Stolp i. Fomm. Ucktt Bettfedern nur kurze und ohne fleise. mittel» Maschinen gettocknet u. gereinigt. da» Pfund zu 6a Pfg., so P!g.. I Dl; Entoufedern M. l.ai, M. 1.40; Katenbalbdaunen M. I.?a. M. Z: reine kurze SNa»». federn in.voll.Taunc» zu M. 2. 50, TO. 2.75. SM. S.—; weiße Cränca- dannen zu M.5.—, M. 5.50 und M.6.—: granoDannen zuM.Z.—, M. 5.50, M. und 1Ä. 4.50. Honig! z* mmeCfäßM Oldeuh. Bienenhouiz beste Qualität, ver- feudet 9 Pfd. netto zu 6,60 M., 6 Pfd. netto zu � fr. Nach». Gar. ZurUckn. V«»>'dl«h. Sahnbot Aug uattabn, Oldcnh u ig. flOOTc E. Reil, o�,yc. Die besten und billigsten IVoliiiuiigH'EiiirlclituM.�eii kaufe» Sie bei 937L* «ertt,, SV., »/ Julius Upsligi Tischlermeister, ca Ls f Jt b a> m c b « > jc o H "H (0 £ tt? *8 « n u b o. b 0) .? N C s b a» b Ol ■3 b U. k �Bgr Streng feste P Theodor Büsln (frillier Jacqaes Raphagli Inh. Tb. BQsing.) SpändäUGF BrÜCkß 2� am Stadtbabnhof B5rse, nahe Hackeseber Markt. Vor dem Beolsn meines Umbaues stelle lob meine relcbbaltigen Liger in Garderobe, Schuhwaren, Cigarren, Cigaretten, Spirituosen und Weinen zu ausserordentlich billigen, bedeutend herabgesetzten Preisen zum Im folgenden Verzeichnis bringe ich einen Auszug diverser Artikel meiner grossen Läger in Garderobe und Schuhwaren. Ausverkauf. Garderoben für Herren und Knaben. Ich verweise auf mein gestern in dieser Zeitung erschienenes Preisverzeichnis von Cigarren und Spirituosen. früher Jetzt Einsegnnngs-Anzug ViS* 10,50 8,50 do., 13,50 11 do.„ 18 13,50 do.„ 23 18 Borsclien- früher 11.10,00 13,50 15.50 Anzüge �t-t„ 7,00 o,7S ia,oo Herren-Beinkleider früher Mk. jetzt Kk. do. do. do. do. do. s.oo» so Ä,«iO»,80 0 1- u, 2-reihig d.SO »,0O Rock-Anzüge für Herren do. do. Gelirock-Anzüge do. do. früher Jetzt M. 29 23 n 33 . 38 „ 30 . 36 . 42 5.50 0.50 4,60 6,40 «SO 7,25 10,25 Seltene Gelegenheit: Regenpaletots für Herren Massanfertionng Anzflne nach Mass 8,75 früher Mk. 14,00 «Töö Arbeitsbosen 26 32 22 28 34 früher Mk. jetzt Mk. Paletots für Herren. 15 do. do. do. Havelocks do. 1,76 2,75 I�O jetzt Mk. früher Mk. jetzt Mk. 85 29 21, OO 18,25 45 SO 2,15 Joppen für Herren Paletots nach Mass früher Jetzt 11 18 14 , 22'(j 18 . 28 22',, . 10 7 . 15 U S.SO O SO 4,50 5�S früher Mk. 3.50 O SO jetzt Mk. 2,60 0,00 früher Mk. 28 41 jetzt Mk. 23 SO 4,50 3,00 Schuhwaren für Damen, Herren und Kinder. Damen« früher Jetzt EohtZiegenl. Stpand-SpangenschuhaH. 4,50 3,75 Braune Lederhausschuhe, durchgenähte Ledersohle und Lederabsatz..... 2,50 1,90 Roseleder Knopfstiefel, sehr preiswert, vorzügliche Passform........ 6,75 5,75 EohtZlegenled. Strand«, SchnQrstiefel 7,90 6,90 Chewreaux-Strand-, SchnDr«u. Knopf» Stiefel, elegante Form...... 10,75 9,25 Roseleder-Zugstiefel, fest.Strapazierstiefel 4,50 3,90 Laok-Besatz-Knopfetiefel...... 10,00 5,75 Genarbt. Kalbleder Knopf- u. Schnürstiefel............. Schwarze Chewreaux-Knopfstiefel, elegante Faijon.......... Glacö- Knopf- und SohnOrstiefel,.mit russisch Kalblederbesatz..... 10,00 8,90 8,75 7,50 9,75 8,75 Herren. froher jetzt Rindspalt-Zugstiefel, unverwüstlich Mk. 5,50 4,90 Rindleder- Zugatiefel, aus einem Stück 6,00 5,40 Spiegelrossleder- Zugstiefel, Handarb. 7,50 6,90 Spiegelroseleder• Zugetiefel, genäht, aus einem Stück, in verschiedenen Faxens, enorm preiswürdig........ 0,75 7,75 Rossleder-SohnQr-Stisffel, ausserordentlich billig............ 7,00 5,90 Roseled.-SohnOrstiefel, spitz und eckige Form.............. 8,50 7,50 T Geodyear-Welt-Kalbl.-SohnOrstiefel 12,50 10,75 Echt Ziegenled.-StrandsohnOrsehuhe 6,75 5,90 Echt Ziegenled.»Strand SohnOrstiefel 10,50 8,50 Kinder. Roesleder Knopf- und SohnOrstiefel, sehr dauerhaft, bis 18 cm.... Mk. Rossleder Knopf- und SelinOrstiefel| sehr dauerhaft, bis 22 cm...... Echt Ziegenleder-Strand», SchnOr- und Knopfstiefel, bis 18 cm...... Echt Ziegenleder-Strand-, SchnOr- und Knopfstiefel, bis 22 cm.... Segeltuch-SchnOrschuhe mit Absatz und fester Ledersohle, 18 cm...... Segeltuch-SchnOrschuhe mit Absatz und fester Ledersohle, 22 cm...... Rossler'er-Zugstiefel für Knaben, besonderer Gelegenheitskauf, auf Band genäht, Grösse 36 und 97....... Rossleder- SohnOrstiefel für Knaben, Handarbeit früher Jetzt 3,25 2,95 4,25 3,90 4,90 4,40 5,90 5,40 2,40 2,00 2,85 2,35 S 3 2. o (8 t O w 0) o S (0 o r u c *■ u: d) -V 3 3 e 0» Wi e N S ff o v o !o! T? -2 geöffnet. menW von 1,3t) an nabenhöte„ l),73„ GröftteS Lager in Strohhüten von den einfachsten bis zu den feinsten GenreS. «ohlz-iuo zu außergewöhnlich billigen Preisen. Mühen. Krawatten. 9348* llttn ßprhnlrit vresäenerstr. 2. UHU UCI IIUIUl, Ecke Skalitzerstraße. BESTE NAHRUNG FÜR gesunde Adarmkranke Kindel» Kindermehl: WiHitcI>»id PolKewaren. Franz Tulzaner,««n is>»ie WchMirtie? iZWWV* aiidjlcrmciftcr, llerlln IV., Rrnnnenatr. 152. � Plchelnivcrder zum alt« Seiden-Hnt- Fabrik von 8388* Carl Renz, 3. Onanien- Strasse 3. Grosses Sctilrmlagrer.— Reelle Bedienung-. den Grunewald nach Fleheinwerder zum alten Frennd.(4948* Kleine /inzeigen. IT J6 BueAataben zählen doppelt. MSsSl da �7 SWW Anzefr/en in dm Anna/tmestelle» für Berlin He 2 Vkr, für die Vorort* bis t Ukr, in der Bauptexpedition Beuthstr.d Ais d Uhr anffenommen, tote A •den JH lin Ma m Verkäufe. Gardinenhaiis Große Frankfurter: ftraße 9, parterre._ ffl» Betten, Steppdecken, fpotthillig, 8eihhaus Neanderstraße 6. 56/10* Nenrontoirnhren, Negulatore», Operngläser, spottbillig, Leihhaus Neanderstraße 0._ 66/10* Seppiche, Gardinen, spottbillig, Leihhaus Steanderstraße 6. 66/w* Nustbauinuiöbel, ganze Wirtschaft, dillig verkäuflich. Zossenerstraße 38 1, rechts. 633«* Möbel. Wegen Todesfalls meines MannS verkaufe komplett« Ein rtchtungen, auch einzeln, äußerf Adiniralftraße 7, Tischleret. _[56/2* Fahrräder. Teilzahlung, mäßige Anzahlung. Lager 400 Touren- maschinell Straßenrenner Dameräder Zwetfther Kinderiäder Anhängewagen gebrauchte Fahrräder von Mark 40,00 direkt auö Imperial Fahrradwerke, Dteffenbachstraße dreiundrechig. K* Schanfasten, Küchenspind, Schlag- zither verkauft Ströhmer, Holzmartt- straße 12._ 20996 Singermaschtne(elegant) 25,—. Garantie,»och, Moabit, Bremer- straße 57._ t84* Lanbeubank Gebrauchte und neue Latten, Leisten, Kantholz, Bretter, Thüren, Fenster. Dachpappe, Teer, billig. Kvttbufer Damm 22.[26066* Nähmaschinen aller Systeme per- kaust Gustav Schmidt, Atexandrinen- straße 7, Hof 2 Treppen._ 1438* Teppiche mit Farbe, liehlern, Fadriiniederlage Große Frankfurter. tyraße 9, parterre._ 1-41* Ohne Anzahlung, Nähniaschinen sämtlicher Systeme, wöchentlich 1,00, fünfjährige Garantie. Postkarte. Näh- maschinengelchäft, Wtesenstraße 20, zweite Berlaussstelle Osten, Kraut- strahe 36, Modrow._ 30926* Möbel auf Teilzahlung Prinzen- praße 62. b2/12* Fahrräder, nur gute selbstgemachte, und Zubehör zu sowie Reparaturen soliden Preisen bei Gart Große Franksurterstrabe 123. z» MietHe, [2962b Gaskocher! Sparivsteme! 1,50. Zweilochkocker 6,— Drellocklkocher 10,— GaS-Plätteisen, Bügelapparate billig! Gas- Bratöicn 12,—. Wohlauer, Wallnertheaterstrabe 32. 38b* Fabrik Seeppdeite» am billi Große Franlfurlerftraße parterre, Herrenrad, Damenrad verkauft spottbillig Gräsestraße 43, Portier. Kanarienhähne 3,00 an, Heck- bau». Klcebaum, Dresdenersnaße 40. Schlagendr Buchfinken, Kanari en- roller, Zuchlweibchen, billige Hcckkäfige, Hecksutter. Richter, Vvgelhandlung, Oranlenstraße 87._[44b* Ringschi ff. Bobbin, Adler, Schnell- näher ohne Anzahlung, Woche 1,00. Lieferung sofort. Postlarte. Louis Landsberger, jetzt Landsberger- straße 82. Berlauisstelle für Noioen Brennemann, Müllerstraße 169.[23b Kinderdettstell en[pottbillig. Andreasstraße 23._[5321t* Restauration krankheitshalber sofort zu verlausen Feungstraße 4 in Schöncberg._ flOT* Nuslbaummöbel. noch neue Wirt- schaft,[potldiuig verkäuflich Garten- straße 148, I links._ fUl Cigarrengrschäft. säst neu, zu verkaufe». straße 73._ Einrichtung, Manteussel- t19« Für Kranke. 83 Ruten Hochwald, 10 Minuten vom Vorortbahnhos. an Chaussee, denkbar gesunde� ruhige Lage, verkaufe mit 500 Mark Anzahlung. Joers, Zepernick, Stettiner Bahn._ 696* Bettstelle mit Matratze, gut erhatten, zweirädriger Handwagen, soft neu,«»kauft billig Schwarze, Cuvry- straße 34, IV.__ J20 Meine seit 5«/, Jahren bestehende Restauration bin ich andrer Unter- nehlnungen halber willens zu ver- kaufen. Paul«obus, Gastwirt, Rigaerstraße 127.[Slllb* Mein seit 20 Jahren bestehendes Schankgeschäft, billige Wohnung, billig zu verlausen. Bernauerstr. 49, Barbiergeschäkt._ 126 Destillation verkaust Gampig. Rvltockerstraße 20. Witwe [3b Milchhändler, Achtung! Zur Einrichtung von Milchgeschäften emvfehlk alle nötigen Gegenstände zu billigsten Preisen. Hermann Jordan, Kleine Markusstrabe 28._[495K* Hobelbänke umzugshalber Ausverkauf. Polley, Bremerstrabe 54. Vorjährige elegante Herrenanzüge und SommerpaletotS aus seinste» Stoffe» 25— 40 Mark. Berkaus Sonn- abend und Sonntag. Versandhaus Genna»!«, Unter den Linden 2l II. Hose», Arheitshosen, Sonntags- Hosen, gut genäht, sehr preiswert in d» Holensabrik Turmstraße 8b. �Kleiderstoffe, reinwollene und seidene, staunend billig im Konkurs- maffen-Ausverlauf, Münzstaße?.» Gardinen, auch Reste, sehr billig, im Special- Geschäft von Bruno Güther, Grüner Weg 80, parte»«. Kein Laden. 50KK* Laubenbaurr lausen sämtliches zum Laubenbau gehörige Material wie: Dachlatten, Bretter, Dachpappe und so weiter billig Rixdorf, Reuter- straße 71, Holzplatz. 21b Nähmaschinen, Adler, Afrana, Schnellnäher, Ringschiff, sowie Wasch- und Wringmaschinen auf Teilzahlung Krieg, Skalitzerstrabe 136. 53811* Nähmaschine» direkt im Geschäft. Sämtliche Schnellnihn, Ringschiff, Adler, Bobbin, ohne Aiizahlung wöchentlich 1,00. Fünfjährige Garantie. Schnellste Lieferung, auch durch Post- karte. Fritze, Turmftr. 39. II. Geschäft Bernauerstr. 49._ 106 Malztraftbier, blutbildend, für Blutarme, Brustkranke, Schwächliche, Gewichtszunahme, beffere Gesichts- färbe, überraschend, 14 Flaschen 3 Mark,%» Tonne 3,50 exklusive. Nicht Flaschenzahl, Oualltat ent- scheidet. Porterkellerei Rtngler Bernauerstraße 119. 91/11» Vermlsedle inzeigen. Francale Letzons 0,75. Professeur Parisien Pommeret, Breitestr. 19. Elektrotechnik. Jacklon, Alt« Jakobstraße 24. Abendkursus' 19. März. "Brennedes Methoden im Klavier- und BiolinPiel, Lehrstoff kürzester Lernzeit, Erfolg in 12 Stunden. Unterricht und Versand Oronten- straße hundtttachtzcbu. 2988b* Rechtshilfe Rechtsburea». beistand, Andreasstraße sechzig. Recht»- Dretund- [3090b Patentanwalt Dammann, Ora- nienstraße 57, Moritzplatz. Erfindern kostenfreier Rat abends bis neun Anguftabad, Köpentckerstraß« 60. Bäder jeder Art für sämtliche Kranken- kafien._ 47lg* Wer Stoff hat? Fertig« He»en- anzüge mit Futtersachen 15, mit Stoff 30 Mark. Wagner, Schneidermeister, Frankfurt er straße 69, HI. Bitte Namen beachten! 3t00b Damenkleider reinigen, färben, Henenanzüge reinigen von 2.50 Mark an. RotNiickS Färb»ei, Andreas- straße 78 parte»«, Eisendahnstraße 18. Knnftstopferri von Frau Kokosly, Steinnietzstrahe 48._ Saal und Bereinzimmer empfiehlt Jannaschk, Jnselstraße 10.[206A* Berctnszimmer. teuffelstraße 25._ Vollmer, Man- _[2701b Bereiuszimmer mit E. Samt, Schulstraße 24. Pianino. [blb* Bereinszimmer. Saal, auch zum ArbettSnachweis, Telephon, Kegel- bahn empfiehlt Pinzer, Schützen- straße 18. 57b Bnchbinder-Nrbcit seder Art fertigt Ferdinand Kleinert,\V. Bülow« straße 56, 2. Hof parterre 83876 lielet Sonnabends abendS willkommen. Hessisches Wirtshaus, Hessischestraße 12, Zitherklub.[666 Wer leiht Parteigenossen, Geschäfts- man», 100' Mark aus 3 Monate? Sicherheit. Offerten unter E. 4 Expedition„Vorwärts"._ 686* MeyertexikouS, BrockhanS, Brehm, Gefchichtswerle und alle andren Bücher beleiht und kauft Antiquariat Koch- straße 56, Amt 4a 6944. 550»* Küchenmöbel streicht lowski, Boeckhstraße 50. billig Paw- [7b Saal zum 1. Ostcrfeiertag an Gefaiigv»ein zu»»geben Sebastian- straße 39_ 206 verrtnöjimmer Stmeonstraße 23 Fltck._ 444K* BereinSzimmer mit Pianino Rheiusbergerftraße 22. IIb �rbeitsmarkt. StsIIs»s»gsdc>ts. Frisenrlehrling verlangt. Mel- düngen Wendensnaß« 6, Cigarren- geschäft._ 496 Goldletsten. verlangt Kottbus» amm 100.[46b Tüchtige Packer aus Woldleiften suchen Rosuww u. Co., Schmidftraße 6. Kordmacher auf Obst- und eckige Körbe verlangt A. Bad», Friedrichs- felde._ 606* oder Lehrling ge- chriit.©("- Laufbursche wünscht. Gute Handschrift. Selbst: geschriebene Offerten„Buchhandiung" postlagernd W. 35. 50b Geübter Ballierer auf Woldleisten gesucht. Liegnitznstraße 15.[1-20* Farbigmacher verlangt E. Joers, Slalitzcrstraße 23. [1-20* Reisende, auch Damen, verlangt, höchste Provision, GebiraSlhce. Haus- artikel.DieNich,LinicnstraßeI42.[56/18* Jackett- Arbeittrmnen verlangt. Laufltzersnaße 23, vom 1 Treppe. Mamsells aus Pücklersiraße 41—42. DamenjackettS, 55b Tamenmäutel< Arbeiterin auf feine Sack-Paletots verlangt Liffek, Reichenbergcrstrabe 159, vorn zwei Treppen. 64b I»,'Ilrbriisiiiart« durch besonderen Druck bervorgehobene tlnzeigc» toste» 4» Pf. pro Zeile Ml»- göMllt! Einen im Zeitungsdruck sicheren Faltor sucht die durchanö [9S0L* f( ff Dässeldorl. Ossttten mit Zeugnisabschriften und Gehaltsanfprüchen bis zum 20. d. M. erbeten. Eintritt mußte einige Tage vor dem 1. April d. I. erfolgen. Aclitiiiig, Tapezierer! Die Kollegen bei der Firma Iäckel, Markgrafenfiraste St>, bennden sich wegen Lohnredukltvnen im Ausstand. Zuzug ist fernzubalten. 177/10 _ Tic BcrbandS-Leitung. Aciitunsk Aelitung! Partettbodenleger! Banhandwerker! Die Finna Adelt' IMeeli, Niederwallstraße 15 Zwifchenmetster O. Schiittke. ist gesperrt wegen Nicht- anerkennuna des Tarifs. Der Bau befindet fich Uhlandstraße- und Prcußilchesrrahe-Ecke 79/3 9!« Werk,t->N-äonteo!IkommIa»>on. ÄMg! Bllu-Äilschläger! Die Finna Moll u. Stuimhebel, Warfchauuftr. 30, ist wegen Nicht- dezahlung deS Tarifs von heute ab geipmt; ebenfalls die Firma Franke, Admiralstr. 18, und Düsterbeck, Weberstr.«. 33 5 01s FiniinckzwanzIgai'-KommUalon. Berantwortlicher Redacteur: Heinrich Ströbel m Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: TV. Glocke m Bniin. Druck und L»lag von Max Babing in Berlin.