Nr. 75. Abonnement»-Kedwgvngra: «bonnementS»Prei» pränumeranl»«: viertiljShrl. 3,30 Me, monatl. l.lvMl., wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau». glmclne Numw'i 5 Pfg. Sonntag», Nummer mir tll»nr>er>»r Sonntag», Vellage.Die Neue Welt- lv Psg. Post» Abonnement! 1,1» Marl pr» Monat. Eingetragen in der Post- Zeitung», Pret»ltst« für 1901 unter Ztr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterretch- Ungarn 2 Marl, für da» übrig, Autland 3 Marl pro Monat. 18. Jahrg. Die Insertion». Gebllyt � betrögt für die sechggespaltene Kolonel» zeile oder deren Raum 10 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Zlnselgen" jedes Wort 5 Psg. (nur das erst« Wort fett). Inserats für die nächste Nummer müssen bli 1 Uhr nachmittag» in derExveditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Sonn- und festlagen bt» 8 Uhr vormittag» geössnet. «rschelnl täglich»uhrr Montag«. Derlinev Volksblskk. Telegramm-Bdresf«! »Sorlaldrmokrnt Berlin- Centraiorgan der soclaldemokratischen Vartei Deutschtands. Redaktion: LVis. 19, Veuth-Stratze 2. Fernsprecher: Amt I Nr. 1808. Freitag, den ÄV. März 1901. Expedition: 19. Bentlt-Stvaho 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. tUSl. Emile Zola's neuester Roman Arbeit beginnt demnächst im„Vorwärts" zu erscheinen. Zwing Cölln. DaS Kaiser Alexander Garde, Grenadier- Regiment hat heute eine ncuerbaute Kaserne in der Prinz Friedrich-Karlstrahe unfern dem kaiserlichen Schloß bezogen. Der Umzug wurde zu einer militärischen Festlichkeit, in der der Kaiser hervorragend mit- wirkte. Das Regiment nahm im Lustgarten Aufstellung und der Kaiser in militärischem Festkleid und den großen Feldmarschallstab in der Hand führte es von dort in die neue Kaserne. Hier bildeten die Truppen Karree und der Kaiser hielt eine Ansprache. Ein offizieller Bericht dieser neuesten Kaiserrede liegt nicht vor. ES verlautet, daß die anwesende Preßvertrewng aufgefordert worden sei, zunächst über die Ansprache nähere« nicht mitzuteilen. In einigen Blättem ist die Ansprache dennoch wiedergegeben. Danach hat der Kaiser vor den Soldaten gesagt: .Alexander-Grenadiere l Mit dem heutigen Tage beginnt in der Geschichte des Regiments ein neuer Abschnitt. Ihr habt soeben daS alte Hans, an welches Euch so viele Erinnerungen knüpfen. für immer verlassen und seid unter meiner Führung in daS neue Heim eingezogen, in welches daS Regiment die zahlreichen Er- innerungen an die schönen Tage des Friedens, die heißen Tage deS Kampfs mitbringt. Wie eine feste Burg ragt diese« neue schöne RegimentshauS in nächster Rühe meines Schlosses. Ihr seid darum ge wissermastcn die Leibwache des preußischen Königs und müßt bereit sein, Tag und Nacht, Sner Leben in die Schanze zu schlagen. Euer Blut zu verspritzen für Euren König!(Der Kaiser erinnerte nun an den Opfernmt des Regiments im Jahre 1843.) Ich bin der festen Ueberzeugnng tmd dessen gewiß, daß Ihr, der Tradition und der Geschichte des Regiments entsprechend, Eure Pflicht allezeit treu erfüllen werdet, wenn jemals Ivieder schwere Zeiten kommen sollten, wie diejenigen, welch« diese« Regiment durchgemackt hat. Wenn es aber der Stadt einfallen sollte, fich jemal» wieder gegen ihren Herrscher zu erheben, dann wird daS Regiment mit dem Bajonett die Ungehörig- kcit deö Volks gegen seinen König znrttrkweisen. Ich wünsche. daß dem Regiment im neuen Hause ein glänzendes schönes Dasein beschieden, eine ruhmreiche Zukunft vorbehalten sein möge l ES möge sich seiner ruhmreichen Chefs und vor allein der hehren Gestalt des hochseligen Kaisers Wilhelm deS Großen erinnern, für welchen es dereinst aus den Schlachtfeldern sein Blut vergossen hat. Tapferkeit, Treue und unbedingter Gehorsam mögen die Tugenden sein, welche dieses Regiment auszeichnen, dann werden seine Leistungen meine Zustiedenheit, seines Königs und Herrn, finden 1" Der Regimentskommandeur Oberst von Scheffer dankte dem Kaiser, indem er an den Unfall des Kaisers in Bremen erinnerte, in Ausdrücken, die selbst die Scharfmacherworte deS Präsidenten des Abgeordnetenhauses übertroffen; er verwandelte den „schmerzlichen Vorfall", wie der Kaiser selbst das Vorkommnis be« zeichnet hat, in ein.scheußliches verbrechen", da« die Herzen aller zu heiligem Zorn entfacht". Nach der sodann abgehaltenen Parade unterhielt fich der Kaiser mit verschiedenen zur Feier geladenen Persönlichkeiten, unter andren mit dem Berliner Oberbürgermeister Herrn Kirschner. Ein Frühstück im Offizierlasino beschloß die Feier. .» * Die kürzliche Ansprache deS Kaisers an daS Prästdinm deS Abgeordnetenhauses, in der er klagte, daß zu viel und zu scharfe Kritik au der Regierung geübt werde, hat eine Fülle kritischer Kommentare hervorgerufen. Es ist zweifelhaft, ob die jetzigen Erinnerungen des Kaisers an das Jahr 1848 und seine Vorbereitung ans ähnliche Möglichkeiten in der Zukunft, zur Milderung und Minderung der öffentlichen Kritik führen werde». Die reaklionS- süchtige» Spekulanten auf Straßenrevoltcn und leicht niederzu- schlagende Putsche des Volks iverden eifrig Sorge tragen, daß die Melancholie des Kaiser« gehörig ausgenutzt werde und also Gegen- stand der öffentlichen Kritik bleibt. Der Vorfall in Bremen scheint auf länger hinaus die Stimmung � und Betrachtungsweise deS Kaisers zu trüben. Auch nach der Wieder- genesung, anch mitten in dem von ihm so geliebten Soldatenelement bedrücken den Kaiser schwarze Befürchtungen. Klingt auch in der jetzigen Rede ein aggressiver Ton, so spinnt sie im Grunde doch die düsteren Gedanken der voraufgegangenen Ansprache fort. Jüngst klagte der Kaiser, die Autorität von Krone und Regierung habe fest dem Tode seines Großvaters gelitten, und alle Stände trügen daran Schuld. Jetzt versenkt er sich in die Befürchtung, daß Berlin, die Netchshauptstadt, sich in gewaltsamen, Aufruhr gegen ihn empören könnte. Für diesen Fall rttst er die Bajonette der Gardegrenadiere zun, Schutz der Monarchie auf und erklärt offen, daß die neue Kaserne nicht deshalb gebaut worden ist, weil die alte zu eng. zu brüchig geworden, sondern daß sie ein dem Königsschlosse nahes und festes Bollwerk in künftigen Volksaufständen bilde. Darum also ist diese neue Zwingburg mit Schießscharten und allem Verteidigungswerl gleich einer wirklichen Festung erbaut worden. Es ist nicht das erste Mal, daß der Kaiser d i e Soldaten als seinen besten Schutzhort wider.den inneren Feind" anruft. Im Jahre 1891 sprach er daS geflügelt ge wordene Wort vor den Rekruten:„Ihr habt nur einen Feind und das ist mein Feind l Und müßte ich Euch einst vielleicht— Gott wolle es verhüten— dazu berufen, au Eure eignen Verwandten, ja G e s ch w i st e r und Eltern zu schießen, so denkt an Euren Eid." Im November 1893 sagte der Kaiser ähnlich bei der Rekrutenvcreidigung:»Ihr seid berufen, mich in erster Linie vor den äußeren und inneren Feind zu schützen." Und bei gleicher Gelegenheit sagte der Kaiser auch im vorigen Herbst „Ihr habt den Feind niederzukämpfen, Ihr habt auch im Innern die Ordnung aufrecht zu halte n." Bisher beließ es der Kaiser bei allgemeinen Wendungen. Jetzt aber spricht er von blutiger Straßenrevolntion, geradezu als ob er ihr Kommen ernstlich erwarte und befürchte. Auch spitzt er jetzt seine Betrachtung über Zulunftmöglichkeiten unmittelbar auf Berlin zu. Aber schon die geschichtlichen Erinnerungen an das Jahr 1848, die zur Gemütsbelastung des Kaisers beitragen, beruhen auf irrtümlichen Voraussetzungen. Nicht Berlin trieb zu Straßenkämpfen, und König Friedrich Wilhelm IV. erklärte sich bereit, den zeitgemäßen Forde rungen des Berliner Bürgertums entgegenzukommen; nur die mUi tärische Reaktionskamarilla erzeugte das„Mißverständnis" der ersten Schüsse und damit den Aufstand des Volks. Es ist wohl angemessen, eine der zahlreichen Aeußerungen Friedrich Wilhelm IV. zu citieren, welche die Erinnerung daran auffrischen, wie reichlich dieser König der Bevölkerung Berlins, die jetzt als übles Vorbild ausgegeben wird. Lobsprüche zu zollen Veranlassung fühlte. Am 2S. März 1848, als er Ursachen, Verlauf und Wirkungen der Märzkämpfe überblicken konnte, erklärte Friedrich Wilhelm IV. in Potsdam vor dem Offiziercorps: .Ich habe den gesunden und edlen Sinn meiner Bürger kennen gelernt, in Berlin ist bei dem Mangel an städtischen Sicherheitsbehörden die tiefste Ruhe. Ich bin niemals freier und sicherer gewesen als unter dem Schntze meiner Bürger. Was ich gegeben und gethan habe, das habe ich auS ehrlicher und freier Ueberzeugnng gethan und längst vorbereitet; nur die großen Ereignisse haben den Abschluß beschleunigt, und. keine Macht kann und wird mich nun bewegen, da? Gegebene zurück- zunehmen; auch habe ich die Ucberzeugung gewonnen, daß es zu Deutschlands Heil notwendig, mich an die Spitze der Be- w e g u n g zu stellen. In Berlin herrscht ein so ausgezeichneter Geist in der Bürgerschaft, wie er in der Geschichte ohne Beispiel ist. Ich wünsche daher, daß auch das Offiziereorps den Geist der Zeit ebenso erfassen möge, wie ich ihn erfaßt habe, und daß Sie alle von nun an ebenso als treue Staatsbürger sich bewähren mögen, wie Sie sich als treue Soldaten bewährt haben." Diese Mahnung des Königs an die Offiziere verdroß allerdings die konservativen Scharfmacher, die in der Provokation zu Gewalt thaten schon damals das beste Mittel zur Verhinderung deS poln tischen Fortschritts erblickten. Seit den Ereignissen von 1848 haben zwar sich wiederholt Reibungen allerlei Art zwischen der Krone und den Behörden von Berlin begeben, aber nicht einmal die denkwürdigen städtischen Send- schreiben des Freiherrn o. Mirbach an die Stadtverordneten haben Berlin zur Revolution ermuntert. Es giebt in der Geschichte Berlins n u r e i'n e P e r i o d e, in der ein gewaltsamer Kampf zwischen der Bevölkerung und dem Fürsten verzeichnet ist. Es mag sein, daß der Kaiser, da er es liebt, sich in die Thaten seiner Ahnen zu versenlen, auf den ziveiten Hohenzollern in der Mark, Kurfürst Friedrich II., gestoßen ist. Er kam 1443 nach Berlin, und. um die selbstherrliche Selbständigkeit der adeligen Geschlechter zu brechen, wollte er ein be- festigtes Schloß an der Spree bauen. Ehe es noch gebaut war, taufte es der Berliner Witz Zwing Cölln. Bei S t r e ck f u ß liest man: .Die Arbeiter waren fleißig daran, weiter zu bauen, aber dg» war kein leichtes Stück, denn oft. wenn sie morgens kamen, fanden sie. daß mutwillige Hände in der Nackt eingerissen hatten, was am Tag« vorher mühsam volleitdet worden waren, die hohen Quadern waren auseinandergeworfen und zum Teil sogar in die Spree gewälzt worden, aus deren morastigem Grunde man sie nicht wieder herausholen konnte.... Mit jedem Jahre mehrte sich die Unzufriedenheit in Berlin und Cölln; inmter deutlicher und unverhohlener zeigte sie sich, denn die Geschlechter hatten, da sie fich von den Bürgern unterstützt sahen, neuen Mut gewonnen.... Willkürliche Aenderungen im Stadtregiment wnrden vorgenommen, man verjagte die Bauleute vom Schloßban und zog an der Stelle, wo die FestungSmauer von Cölln durchbrochen war, einen Block- zäun auf dem abgetretenen Bauplatz. Dem Markgrafen Johann, dem Bruder deS Kurfürsten, wurde der Aufenthalt in Berlin unter- sagt, jede Kränkung und Verhöhnung, welche man dem verhaßten Kurfürsten zufügen konnte, wurde hervorgcsucht...." Einige Jahre darauf gelang es dem Kurfürsten, die adeligen Geschlechter zu demütigen; nun wurde auf Kosten der Stadt das Schloß gebaut— von welchem Bau jetzt nur noch gernige Reste vorhanden sind— und in der Urkunde von 14S1 ist zu lesen: „Der Kurfürst hat zur besseren Befestigung seines neuen Schlosses in Cölln beschlossen, dasselbe mit Burg- lehnen zu versehen, damit das Schloß Beistand durch Burg- fassen, welche sich lange Zeit hindurch der Herrschaft nützlich und treu erwiesen hätten, nicht entbehren möge. Diese sollten das Schloß nach Burglehnsrecht und Gewohnheit bewachen und im Fall der Not mit aller Macht verteidigen helfen." So entstand damals Zwing Cölln aus den Kämpfen der Krone gegen die Adelsrebellen. Gegen wen könnte in unsren Tagen ein andres Zwing Cölln wirksam werden? Fürchtet man. daß eines Tags aus dem benachbarten Cirkus Busch die agrarische Rebellion hervor-- brechen ivcrdef, nachdem die Nachfahren der einstigen Adelsrcbellen die Verweigerung höchsten Kornzolls mit der Empörung der märkischen Bauern bedroht haben? Oder hat der Kaiser an die Socialdemokratie gedacht, die allerdings die weitaus stärkste politische Partei in Berlin ist und seit dem Regierungsantritt des Kaisers, der einst sagte,.die Social- demokratie überlassen Sie mir", gelvaltig in die Höhe wuchs? Die Socialdemokratie wuchs trotz aller unablässigen Auf- Wendungen gewaltigster Machtmittel gegen sie. Sie wuchs trotz Militarismus, Ausnahme- und Unisturzgesetze und alledem. Für die Socialdemokratie sind die Schießscharten von Zwing Cölln umsonst gebaut. »* « Die Worte des Kaisers werden in den Blättern mit geringen Abweichungen wiedergegeben. Wie uns zuverlässig mitgeteilt wird, hat die wichtigste Stelle der Rede des Kaisers, die sich gegen eine in Zukunft mögliche Empörung Berlins richtet, wörtlich ivie folgt gelautet: „Wenn die Stadt Berlin noch einmal wie im Jahre 48 sich mit Frechheit und Unbotmäftigkeit gegen den König erheben wird, dann seid Ihr, meine Grenadiere, dazu berufen, mit der Spitze Eurer Bajonette die Frechen und Unbotmäßigen zu Paaren zu treiben."_ Dolikifche MeSevNchk. Berlin, den 23. März. Bülow im Herrenhause. Das Herrenhaus will sich den Ruf, an Volksfeindlichkeit hinter keinem andren Parlament zurückzustehen, nicht nehmen lassen. Wie die edlen und erlauchten Herren seiner Zeit die Regierung ermuntert haben, im Kampfe gegen die Arbeiter- koalitionen auszuharren, so setzen sie jetzt ihren ganzen Einfluß ein, höhere Zölle zu erlangen. Im Vordergrunde der Etatsberawng, die am Donners- tag begann, stand die Resolution der Finanzkommission, die Regierung aufzufordern, mit größter Entschiedenheit darauf hinzuwirken, daß bei der bevorstehenden Neuordnung unsrer handelspolitischen Verhältnisse der Landwirtschaft ein wesent- lich gesteigerter Zollschutz zu teil werde, und in diesem Sinne dafür zu sorgen, daß baldigst die Vorlage des in Vorbereitung befindlichen Zolltarifs an den Reichstag erfolge. Der Reichskanzler Graf Bülow hielt es für notwendig, in höchsteigner Person im Hause zu erscheinen und die Debatte einzuleiten. Gesprochen hat er zweimal, gesagt hat er nichts. Seme erste Rede bestand lediglich aus einer Verbeugung vor der Einsicht der Herrenhäusler und einigen Phrasen, wie sie die besseren Tischredner sich nicht zu Schulden kommen lassen. In seiner zweiten Rede äußerte er sich direkt zu der Resolution, um das zu sagen, was man bereits seit Monaten weiß. Er ist bereit, die Einbringung des Zolltarifs zu beschleunigen, doch darf die Beschleunigung nicht erfolgen auf Kosten einer gründ- lichen und gewissenhaften Prüfung. Der Bundesrat wird so rasch als möglich arbeiten, aber ein Druck auf den Bundesrat darf nicht ausgeübt werden. Einen bestimmten Termin, an dem der Zolltarif eingebracht wird, kann Graf Bülow nicht an- geben; er hält aber, wie er bereits im Abgeordnetenhause esagt hat, es für Aufgabe und Pflicht der Regierung, die Interessen der Landwirtschaft mit allem Nachdruck zu fördern, und erachtet eine„angemessene" Erhöhung der landwirtschaft- lichen Zölle für unbedingt notwendig. Die Agrarier sind nun nicht um einen Deut klüger als bisher, von dem, worauf es ihnen ankommt, über die Höhe des Zolls, vom Doppeltarif wissen sie immer noch nichts; natürlich nahmen sie in ererbter Weisheit die Resolution an, und zwar mit 101 gegen 27 Stimmen in namentlicher Abstimmung. Gegen die Resolution stimmten nur einige Ver- treter des Handels. Professoren und Oberbürgermeister. Im Namen der letzteren protestierte Oberbürgermeister Dr. G i e s e- Altona gegen die beabsichtigte Verteuerung der Lebensmittel, während einige seiner Kollegen unter Leitung des Herrn Z w e i g e r t aus Essen mit den Agrariern 'timmten. Von den übrigen Spccialetats rief nur der der direkten Steuern eine längere Debatte hervor. Hier- zu nahm das Haus nach bewegten Klagen über die u hohe Belastung der Grund- und Hausbesitzer und über ne Lage des Mittelstandes eine Resolution an, worin die Regierung aufgefordert wird, eine baldmöglichste Aende- rung des§ 9 des Einkommensteuer-Gesetzes nach der Richtung hin vorzunehmen, daß die dem Grundbesitz, Gewerbebetrieb und Bergbau aufliegenden direkten Abgaben von dem der Besteuerung unterliegenden Einkommen in Abzug zu bringen sind. Der Finanzminister Dr. v. Miguel gab zu, daß das Einkommensteuer-Gesetz nach mancher Richtung hin ausgebaut werden kann, z. B. durch größere Berücksichtigung Die weitere Etatsberatung wurde auf Freitag bertagt. Offiziöse Tröftungen. " der Kinderzahl, aber an dem Grundcharakter des Steuer-[ wir vor drei Jahren rechte Esel gewesen find. Beffern wir uns, 1 stüßen, die gegen England gekämpft hätten, solle man darauf bedacht fein, systems will er nicht rütteln. und handeln wir das nächste Mal vernünftiger." diejenigen, die treu zum Reich gestanden, für ihre Verluste zu entschädigen. Nach diesen mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Aus- England solle sich hüten, die früher gemachten Fehler zu wiederführungen meldete sich der Vorsitzende des christlichen holen und die Loyalisten von neuem mit jener Ungerechtigkeit zu behandeln, die bisher sein Vorgehen in Südafrika verrufen Gewerkschaftstartells von M.- Gladbach zum Wort. Er Während auf der einen Seite als sicher behauptet wird, daß der nahm Herrn Hige gegen die Angriffe des Vorredners in Schuß; der gemacht und den Grund zu dem Sprichwort geliefert habe:„ Es Dieser Schlußfazz bezieht sich vornehmlich auf das Verhalten Direktor der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amts, Herr Professor sei gewiß ein tüchtiger Socialpolitiker und meine es dahlt sich nicht, loyal zu fein". Herr v. Körner, ein Hochschutzöllner, aus dem Amte scheiden wird, von Herzen gut mit den Arbeitern. Die Haltung des Centrums Englands nach dem Frieden von Pretoria im Jahre 1881. Damals versichert die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in einer ihrer belanglosen offiziösen Beschwichtigungsnotizen, daß in gegenüber der Getreidezollfrage sei allerdings zu verurteilen, soll die Gladstonesche Regierung die Parteigänger Englands in Sachen des Zolltarifs alles in schönster Ordnung und Einigkeit sei. under trete in dieser Frage vollständig lauf Seite Transvaal schmählich im Stich gelassen haben, so daß sie zu dem des Referenten. Die das Schaden noch den Spott hatten. Auch hat England wiederholt Getreidezölle verteuern Das Blatt schreibt: Auf Grund von Informationen, die von einem Zustand Brot, verschlechtern die Lebenshaltung und machen zu nichte, des Friedens mit den Boeren willen loyale Negerstämme pre.s des Schwankens in den Vorbereitungen für den neuen Zolltarif die Arbeiter durch Mühe und Opfer errungen haben. wissen wollen, werden von mehreren konservativen Blättern Be Der Vorsitzende der Versammlung stellte aus eigner Gr sorgnisse geäußert, nach denen sogar Ministerwechsel und schwere fahrung fest, daß weite Kreise der christlichen Arbeiterschaft durchaus innere Strijen wahrscheinlich wären. Einerseits heißt es, maßgebende derselben Meinung wie die Vorredner seien; um so bedauerlicher sei Kreise gingen für den Fall der Ablehnung des Mittelland- es, daß einzelne Führer der christlichen Bewegung diesen Anschauungen Kanals im preußischen Abgeordnetenhause mit dem Gedanken einer feine Rechnung trügen und nichts thäten, um in offener Aussprache Neugestaltung und Vertagung des Zolltarifentwurfs um, andrerseits wird gesagt, die an der Vorbereitung beteiligten Ressorts feien eine Klärung herbeizuführen. unter sich nicht einig und betrieben zum Teil Vorschläge, die mit den Erklärungen des Reichskanzlers nicht vereinbar seien. Nach unsrer zuverlässigen Kenntnis der Dinge können wir solche Betrachtungen nur als blinden Lärm bezeichnen; die Voraussetzungen, von denen sie ausgehen, sind falsch. Der Reichskanzler denkt weder daran, die Erledigung der für die wirtschaftliche Zukunft des Reichs hochwichtigen Zolltariffrage von dem Ausgange der Beratungen des preußischen Landtags über die Kanalvorlage irgendwie abhängig zu machen, noch ift er geneigt, in den ihm unterstellten Refforts folgenschwere Meinungsverschiedenheiten aufkommen zu lassen. Die Ressorts haben denn auch bereits in gemeinsamer Arbeit nach den unveränderten Direktiven des Reichskanzlers die Aufstellung des neuen Bolltarifs so weit vollendet, daß der Zeitpunkt nahe bevorsteht, in dem zunächst das preußische Staatsministerium sein Votum abzugeben hat und demnächst der Bundesrat seine Beschlüsse über den Entwurf fassen wird." Damit wird natürlich ebenso wenig etwas widerlegt wie aufgeklärt. Die Auslassung gleicht den Heilmitteln, die irgend ein harmiloses Wässerchen als wundersame Mixtur empfehlen. Die Agrarier werden auch durch diese Tröstungen aus ihren Aengsten nicht erlöst werden, und die Socialdemokraten werden sich erst recht nicht düpieren lassen. V Inzwischen bereitet das Organ der industriellen Schutzöllner, die„ Berliner Neuesten Nachrichten", jacht darauf vor, daß sich die Agrarier nicht übermäßigen Hoffnungen hingeben sollten. Die vom Grafen Bülow den Agrariern gespendeten Versprechungen seien nach allgemeiner Ansicht so aufgefaßt worden, daß er damit nur die Wiederherstellung des Fünfmart 3011s, im äußersten Fall eine Differenzierung zwischen Roggen und Weizen im Auge hatte, feineswegs aber Zölle von 7 oder 8 M." Das war nun allerdings feineswegs die Meinung der Agrarier, denen auch ein Siebenmark- Zoll noch viel zu niedrig schien. Für uns Socialdemokraten aber ist auch der Fünfmart- Zoll, den der bisherige Generaltarif enthält, immer noch um 5 M. zu hoch. was Zum Schluß der Versammlung wurde einstimmig eine Resolution angenommen, an deren Schluß es heißt: Die Versammlung erblickt in der Haltung des Centrums in der vorliegenden Frage einen Verrat an der Volkssache; sie fordert den Vertreter des hiesigen Wahlkreises im Reichstag auf, gegen jede Erhöhung der Getreide und Lebensmittel- gölle zu stimmen oder sein Mandat niederzulegen. Die Versammlung verurteilt das Verhalten der christlichen Agitatoren, die es versuchen, die Arbeiter über ihre Interessen 3 täuschen und ihnen die Brotverteuerung mit schwindel haften socialpolitischen Versprechungen an nehmbar zu machen. Die Versammlung gelobt, dafür zu wirken, daß die Arbeiterschaft immer mehr über die wahre Natur dieser angeblichen Arbeiterfreunde aufgeklärt wird, und daß nament. lich an Stelle der sogenannten Voltsvertreter, die ihr Christentum durch schmählichen Brotwucher dokumentieren, wirkliche Volksfreunde in den Reichstag gelangen." Einen tendenziöfen Seher nennt die„ Konf. Korresp." den Prof. Lujo Brentano, weil er die Junker gefragt hat, ob ein Erwerbszweig, der felbst Armen unterstützung aus den Taschen der Aermsten zu benötigen behauptet, in stande sei, die Mittel zur Bezahlung der kolossalen Rüstung aufzubringen, welche Deutschland zur Sicherung seiner Machtstellung nötig habe. Damit wird die Thatsache nicht aus der Welt geschimpft, daß bie Brotwucherpolitik in Wahrheit eine Armenunterstützung der Reichen durch die Armen bedeutet. Die Fälschungen der Kirchenbankiers. Wie der fromme Herr Sanden und die Seinen gewirtschaftet, das stellte sich in der außerordentlichen General Versammlung der Preußischen Hypotheken Attien Bank heraus. Es ergab sich, daß in den drei letzten Geschäftsjahren 1897, 1898 und 1899 entgegen den buchmäßigen Firierungen kein Reingewinn vorhanden war, und daß ferner alle Dividenden und Tantiemen aus dem Kapital gezahlt wurden. Bolle Klarheit hat man wegen der vielfachen Buchfälschungen noch nicht gewinnen fönnen. 全 店 Sezt man die fingierten Poften ab, so ist in den Jahren 1897 Segt man die fingierten Posten ab, so ist in den Jahren 1897 bis 1899 nicht nur der herausgerechnete Gewinn und der Reservefonds aufgezehrt, sondern es ergaben sich noch folgende Kapitalverluste: pro 1897 6810 649,77 Mart " 1898 7 710 432,18 1899 8 211 104,99 " " " gegeben. Im übrigen ist das Rundschreiben zu sehr Parteidokument, um als mehr gelten zu können wie ein Meinungszeichen. Aber als solches ist es charakteristisch genug. Ganz im Sinne von Mr. Schreiner fchreibl das radikale Daily Chronicle":" hätten die Verhandlungen ( Stitcheners) Erfolg gehabt, so würden wir in einigen Jahren wahrscheinlich zu hören bekommen, daß wir es waren, die um Frieden nachgesucht haben. Wirklich ist es in dem, was man das Hauptquartier der Boeren in dieser Stadt nennen fann, bereits laut verkündet worden, daß es nicht Botha, sondern Lord Kitchener war, der um Frieden nachgesucht hat. Es folgt daraus klar, daß jedes Bau dern aufgegeben und der Widerstand der Boeren ohne Unterbrechung niedergekämpft werden muß." Das radikale Blatt macht für das noch zu vergießende Blut diejenigen verantwortlich, welche die Boeren ermuntern, den Kampf fortzufegen. Das geht an die Adresse des boerenfreundlichen Flügels der Radikalen und dessen Hauptorgan," Daily News", dem auch der Titel News" mit dem Uebergang in neue Hände eine gründliche Schwen " Londoner Hauptquartier der Boeren" gilt. In der That hat Daily fung in der Südafrikafrage vollzogen und führt die Sache der Boeren mit einer Leidenschaft, die der der festländischen Boerenfreunde wenig nachgiebt. Ob das Blatt den Boeren damit irgendwie nüßt, iff freilich eine andre Frage. Wohl hat die Begeisterung des Bolts für den Boerenkrieg bedeutend abgenommen, aber nur bis zu einer Apathie der Ermüdung... Von einem Umschlag der Stimmung zu Gunsten der Boeren oder wenigstens eines Kompromisses mit ihnen ist dagegen noch sehr wenig zu verspüren. Es überwiegt vielmehr die Meinung, daß nun die Sache sich so lange hingezogen habe, es auf ein paar Monate mehr auch nicht ankomme. Mit fatalistischer Apathie hat die Maffe der Bevölkerung auch die An fündigung der ungeheuren Mehrforderungen für Heer und Flotte entgegen genommen, mit denen Kriegs- und Marineminister vor das Parlamen, getreten sind. Man bejammert diese Festlegung eines so großen Brutchteils des nationalen Einkommens und der nationalen Arbeit für Hüftungen, man fühlt ein Grauen vor dem immer näher rückenden Gespenst der allgemeinen Dienstpflicht, man fragt sich besorgt, woher die Geldmittel nehmen, ohne durch drückende Steuern die wirtschaftliche Entwicklung zu lähmen, aber man geberdet sich dabei, als stehe man vor einem unabwendbaren Elementarereignis. Von irgend welchem tiefgehenden Kampf gegen die Mehrforderungen ist nichts zu verspüren. Abgesehen von der Opposition der Irländer, die hierbei nicht zählt, weil fie partikularistischer Natur ist, und einer fleinen Sektion der äußersten Linken, darunter die beiden Socialisten principiellen Gegnerschaft gegen die Regierungsforderung nicht die Rede sein. Der gauze Streit dreht sich bis jetzt um Details, und was dabei herauskommt, weiß man zur Genüge. Möglich, daß sich dies ändert, wenn es zur Frage der Aufbringung der Mittel tommt, borläufig aber fehlt den Debatten über die Rüstungsforderungen durchaus der große Bug. Aguinaldo gefangen. tann von einer Dertels Sorgen. Seinen trogig aufgeregten Leitartikel über die innere Krisis" hat der Redacteur der Deutschen Tageszeitung", Oertel, bereits am Montag in einer Versammlung zu Altenbecken geredet. Da hat er der Köln. Voltszeitung" zufolge erzählt, baß einige Regierungsstellen die Erhöhung der Getreidezölle über 5 Mark hinaus auf das heftigste bekämpfen. Als die Seele dieses Widerstands sieht er den Reichsschatjekretär v. Thielmann an. Es sei nicht ausgeschlossen, daß unverantwortliche Fattoren wie auch schon bei andren Anlässen dazwischen kämen, die in letzter Stunde Einem Neuter- Telegramm aus Manila zufolge haben die noch einen Umschwung herbeiführen könnten. Vor 8 bis 14 Tagen Amerikaner den tapferen Führer des Filipinos Aguinaldo mit seinem seien die Aussichten für die Anhänger erhöhter landwirtschaftgesamten Stabe bei Casiguran 9 Meilen von Baler, gefangen licher Zölle noch hoffnungsvoller gewefen als heute, in Berlin gingen allerlei vorläufig noch nicht vollständig kontrollierbare Gegenommen. Allem Anschein nach haben ihn die Amerikaner nicht in rüchte um; gewisse Vorgänge ließen befürchten, daß die Versuche offenem Kampf, sondern durch Hilfe von Spionen in ihre Hände beverantwortungsloser Kreise nicht ohne Erfolg gewesen seien. Beim Gegen die Polen. Der Abgeordnete v. Jagow, früher Re- tommen. Wie es heißt, waren es Leute von dem Stamme der Wiederzusammentreten des Reichstags werde man( seitens der agra- gierungspräfident in Posen, ist zum Regierungspräsidenten in Maccabeles, die dem Oberst Funston als Verräter dienten. rischen Abgeordneten) Herrn v. Thielmann sofort die Pistole Marienwerder ernannt worden. auf die Brust sezen." Herr v. Jagow ist für die Polen dasselbe, was für die Social. Sie hatten, unter dem Vorgeben, Insurgenten zu sein, sich den demokraten Herr v. Buttfamer war. Er befigt die vom Grafen Filipinos gegenüber erboten, ihnen Funston in die Hände zu Bülow den Bolen angedrohte harte Hand". Eine solche Unter- spielen. Die List war von Erfolg gekrönt; Aguinaldo wurde gedrückungspolitit mnß selbstverständlich die Macht der Unterdrückten fangen genommen. nur steigern. Der Filipiner Lopez in Baston äußerte einem BerichtPensioniert wurden in der deutschen Armee seit 15. Februar cr.: erstatter gegenüber, die Gefangennahme Aguinaldos bedeute nicht 3 Generalmajore, 9 Oberste, 4 Oberstlieutenants, 26 Majore, das Ende des Kriegs; andre Führer würden denselben fort35 Hauptleute, 14 Oberlieutenants, 11 Lieutenants. In Summa fetzen. 102 Offiziere. Soften pro Jahr 305000 m. Ohne Pension wurden verabschiedet 4 preußische Lieutenants; Internationales Schiedsgericht. Paris, 28. März. Der ausgeschieden sind 1 preußischer Oberlieutenant und 14 preußische ehemalige Präsident der englischen Handelstammer in Paris Lieutenants. Der Gesamtabgang an Offizieren beträgt somit in den Thomas Barclay hielt gestern in einer Bersammlung der französischen Gesellschaft für Schiedsgerichte eine Rede, in der er letzten 6 Wochen 121. Von den Pensionierten treffen auf Preußen: 8 Oberste, dafür eintrat, daß zwischen Frankreich und England ein Vertrag 4 Oberstlieutenants, 24 Majore, 29 Hauptleute, 13 Oberlieutenants, behufs schiedsgerichtlicher Schlichtung aller Streit10 Lieutenants( Summa 88); auf Bayern 2 Generalmajore, fälle geschloffen würde. 1 Oberst, 2 Majore, 4 Hauptleute( Summa 9); auf Sachsen 1 Generalmajor, 1 Oberlieutenant, 1 Lieutenant( Summa 3); auf Württemberg 2 Hauptleute. Das ist eine recht matte Drohung. Dem guten Dertel wird schon nichts andres übrig bleiben, als eine regelrechte Junkerrevolution nach dem Muster der Quizows, der Köderie und Izenplige zu organisieren. Die Arbeiter gegen das Brotwucher: Centrum. Der Protest der arbeitenden Bevölkerung gegen die agrarischen Pläne zieht stets weitere Kreise. Täglich laufen aus allen Landesteilen zahlreiche Berichte von Versammlungen ein, in denen der Unwille der Bevölkerung zum Ausdrud kommt. In vielen dieser Versammlungen ist die landwirtschaftliche Bevölkerung start vertreten, allerdings nicht Junker und Großbauern, sondern die wirklich ar: beitenden Kleinbauern und Landarbeiter. Besonders in den Gebieten der Centrum sherrschaft, im Rheinland und in Süddeutschland, ist die Bewegung gegen die Zollerhöhung eine sehr lebhafte. * So wird uns vom Rhein berichtet: " Frankreich. Afrika. De Wet hat, wie aus Durban gemeldet wird, 85 Meilen Jm eben verflossenen ersten Vierteljahr 1901 von Standerton entfernt, mit 400 Mann die Grenze TransIn dem im Kreise Mülheim a. Rh. liegenden Landorte Dünn wurden Aus Kapstadt wird berichtet: Mehrere im ganzen 137 Offiziere pensioniert. Ohne vaals überschritten. wald fand am Sonntag eine von 700-800 Personen, darunter Benfion wurden verabschiedet 8 preußische Oberlieutenants und Bureaus der Randgruben wurden hier gefchloffen und in Johannes viele Bauern, besuchte Protestversammlung gegen die geplante Korn- Lieutenants, sowie 3 sächsische Lieutenants. Ausgeschieden find burg wieder eröffnet. zollerhöhung statt. Man erinnert sich nicht, in der dortigen Gegend 15 preußische Oberlieutenants und Lieutenants. Der Gesamtjemals eine so zahlreiche Versammlung gesehen zu haben. Unter abgang an Offizieren beläuft sich somit im ersten Quartal d. J. auf 163. den Versammelten war besonders eine große Erbitterung gegen das Centrum bemerkbar. Die einstimmig beschlossene Protestresolution soll dem Vertreter des Wahlkreises im Reichstag, dem Centrumsabgeordneten De Witt, zugesandt werden. Man schreibt uns: Ausland. Englische Stimmungen. Eine revolutionäre Bewegung. Der Bundesrat hat in seiner Sigung vom Donnerstag die Es kann darüber kein Zweifel mehr sein, die legten Unruhen in Beschlüsse des Reichstags zu dem Antrage des Abgeordneten Nißler den großen Verkehrs- und Bildungscentren Rußlands find nicht geauf Abänderung der Novelle des Gesetzes vom 22. Mai 1895, be- wöhnliche Studententrawalle, sondern der der Ausfluß treffend die Gründung und Verwaltung des Reichs Invaliden= Das oberrheinische Agitationskomitee in Köln hat das vom fonds dem Reichskanzler überwiesen. Dem Entwurfe von Bes eines zielbewußten Willens. der Alle Vertuschungsversuche ändern nichts an der That Parteivorstand herausgegebene Flugblatt in 60 000 Exemplaren ftimmungen über die Voraussetzungen und Bedingungen der offiziösen russischen Kreiſe daß daß weite der Schichten im dortigen Bezirk verbreitet. Eine Agitationstour zur Abhaltung Bulaffung von Ausnahmen auf Grund des§ 105 e Abs. 1 der fache, Bevölkerung mit den von Protestversammlungen im oberen Rheinland wird von dem Gewerbe- Ordnung wurde die Zustimmung erteilt. gegenwärtigen Zuständen im Zarenreich aufs höchste unzufrieden find. Seit einem halben Jahre wiffe die Staatspolizei- so heißt Komitee vorbereitet. Aus M.- Gladbach wird uns geschrieben: Eine interessante es in einem offenbar inspirierten Bericht aus Petersburg daß ein Geheim bund der Studenten egiftiere; auch sei es ges Versammlung fand am Sonntag hier, am Sige der Centrale des katholischen Volksvereins und der christlichen Arbeiterlungen, einen nach Odessa einberufenen geheimen Studenten. bewegung, statt. In der Versammlung, die sehr gut besucht war, Das Scheitern der Verhandlungen des Lord Kitchener mit Louis Rongreß zu vereiteln und eine Anzahl der Veranstalter zu ber referierte Genosse Dr. Erdmann- Köln über die Wirkung der Botha wird in England von der großen Mehrheit derer, die in der haften. Im übrigen aber habe die Staatspolizei die Sache doch Getreidezölle auf die Arbeiterschaft". Die Herren Professor Size, Südafrika- Frage mit der Regierung gehen, fast, mit Befriedigung nicht ernst genug aufgefaßt, sonst wäre die Bewegung im Reime Bertreter des Gladbacher Kreises im Reichstag, sowie Arbeiter aufgenommen. So lebhaft der Wunsch nach Beendigung dieses foster stidt worben. sekretär Giesberts waren brieflich zu der Versammlung spieligen Kriegs ist, so groß ist die Abneigung gegen einen Friedens- Die absolutistische Regierung bedauert also die allzu große Die Wünsche der Studenten eingeladen, waren aber nicht erschienen und hatten schluß, der nicht unzweideutig die Boeren als die Besiegten erscheinen Sumanität ihrer Polizei. nicht einmal das Schreiben beantwortet. Der Referent erörterte läßt. Und es war verschiedentlich befürchtet worden, daß den Boeren auch nur zu prüfen, kommt dem terroristischen Regiment nicht in den namentlich das Verhalten des Centrums und der christlichen Arbeiter Bugeständnisse bewilligt würden, die von ihnen und ihren Freunden Sinn. Dabei beschränken sich die Forderungen der Studenten lediglich, führer gegenüber der Frage der Getreidezoll- Erhöhung; er kenn- als Zeichen der Schwäche ausgelegt werden könnten. Diefer Furcht giebt unter anderm ein Schreiben Ausdruck, das auf das Gebiet der Universität: zeichnete die Haltung des Herrn Giesberts, der wohl in agrarischen der englischgesinnte Bruder der boerenfreundlichen Dichterin Olive Versammlungen auftrete und dort für die Brotverteuerung agitiere, Schreiner, Mr. Theophil Schreiner, als Delegierter der Stapaber nicht den Mut habe, in einer Arbeiterversammlung Rede Loyalisten, unterm 18. März die Londoner Presse ver und Antwort zu stehen. In der Diskussion ergriff ein sendet. Es Es wird darin unter Hinweis auf die Charakters christlich organisierter Arbeiter das Wort. Er eigenschaften der Boeren und ihre Ideen über Großbritanien meinte, es sei besser gewesen, wenn die Arbeiter vor drei dringend davor gewarnt, den Frieden dadurch zu erkaufen, Jahren genauer zugesehen hätten, wen sie in den Reichstag schickten. daß man eine allgemeine Amnestie, freie Selbstverwaltung und Was habe man von Volksvertretern, die mit der Linken den Boeren verspreche. Solche Versprechungen würden, auch wenn die Beihilfe zur Wiederherstellung der Farmen vor Unterwerfung der Arbeitern einen Brocken geben und mit der Rechten es ihnen Regierung den besten Willen hätte sie auszuführen, hinterher Stoff in Haufen wieder abnehmen. Auf die Dauer werde sich auch der zu beständigen Klagen über unerfüllte Zusagen geben, während jeder bescheidenste Arbeiter nicht mit den Kochrezepten à la Hige begnügen. Att der Großmut nach erfolgter Unterwerfung auf Erkenntlichkeit zu „ Ich kann es nicht anders sagen," so schloß der Redner, als daß rechnen habe. Aber bevor man daran gehe, diejenigen zu unters an 1. Die Freigebung der ins Militär geſtedten Studenten und aller der Kommilitonen, die wegen Beteiligung an früheren Studentenunruhen bestraft worden sind; 2. die Aufhebung der zeitweiligen Regeln", die die Einstellung von Studenten ins Militär anordnen; und 3. Durchficht des Universitätsreglements im Sinne des liberalen Statuts Kaiser Alexanders II. von 1863, das die Wahl der Professoren durch das Konfeil, eigne UniversitätsGerichtsbarkeit und freiere Bewegung der Studentenschaft gestattete. In einem Schriftstück, das gelegentlich einer Demonstration in Moskau verbreitet wurde, wandten sich die Studierenden an die Sympathie des Publikums. In demselben heißt es: „Im Hinblick auf die entsetzlichen Verfolgungen, die über die russische Sludentenschaft verhängt ivorden find, indem durch die „zeitweiligen Regel,»" mehr als 200 Studenten in Kiew und PeterS- bürg zu Soldaten gemacht, mit Kosakenpeitscheu und Faustschlägen ins Gesicht mitzhandelt worden, und iin Hinblick darauf, datz die Verfolgungen den höchsten Grad erreicht haben und wir nirgends Recht und Gerechtigkeit finden, haben wir, die Moskauer Studenten- schaft, beschlossen, gegen diese Maßnahmen zu protestieren. Wir hoffen, daß die Moskauer Gesellschaft sich in unsre Lage zu ver- setzen weiß und mit unsrern Protest sympathisiert." Die Studenten, die sich irgendwie vergangen haben oder auch nur socialistischen Teitdenzen verdächtigt sind, steckt man einfach in das Militär, wo sie in der scheußlichsten Weise gemißhandelt werden. Es soll sogar die Vorschrift bestehen, die beim Militär erlaubte P r ü g e l st r a f e in besonders rigoroser Weise gegen die Studenten zur Anwendung zu bringen. Stellen aber auch die Studenten jetzt nur Forderungen, die sich auf das Hochschrilwesen beziehen, so hat die Bewegung doch noch tiefere Ursachen. Diese sind zu suchen in der ganzen Trostlosigkeit der socialen und politischen Verhältnisse des Landes. Die russischen Studenten stammen meist aus wenig bemittelten Familien, und stehen in enger Fühlung mit den Arbeitern; die I n t e l l i g e n z und die Arbeiterschaft, das sind in Rußland die r e v o l u- t i o n ä r e n Elemente. Das Zusammengehen dieser beiden Schichten ist es, was die Gewalthaber am meisten Furcht einflößt. Die Bewegung ist auch nicht auf die zwei Haupt städte des Landes beschränkt geblieben. Auch in Kiew fand am 11./ 24. März eine Demonstration statt, welche, da die Polizei und die Kosaken fern bliebe», vollständig rnhig verlief. Es wird uns darüber ans Kiew geschrieben: Am 11. /24. März fand hier eine gewaltige Demonstration statt wozu die Erschießung des ins Militär gestellten Shldenteil Piratoff den besonderen Anlaß gab. Um 12|Uhrwar der ganze Kreschzatik iHauplstraße Kiews) von einer immensen Volksmenge überfüllt. Tie Studenten, die an der Ecke der Prorestajastraße sich ver- sammelten, rückten mit dem Absingen„Erhebe dich, Arbeitsvolk" auf den Kreschzatik und entfalteten eine rote Fahne. Von'kllen Seiten schlössen sich Arbeiter an; die Arbeiter Marseillaise anstimmend, marschierte der ganze Zug in geschlossenen Reihen zum Rathaus. Der Verkehr war selbstverständlich eingestellt. Es erschien Militär, aber konnte nichts ausrichten. Die NogaikaS wurden nicht angewandt. ES war ein höchst imposanter Anblick zu sehen, wie in der Stadt eines despotischen Landes eine ISOOOköpfige Menge unter Absingen von re- volutionären Liedern und unter begeisternden Rufen:„Es lebe die Freiheit!" sich zum Rathaus begab. Bon dort gingen die Demonstranten den ganzen Kreschzatik herunter, nud kehrten dann zum Rathaus zurück, von wo um 4 Uhr die Meng« auseinanderging. Zu einem Zusammenstoß kam es nicht. Nur ein Herr stürzte auf den Studenten, der die rote Fahne trug und versetzte ihm mit dem Stock einen Hieb auf den Kopf. Die Arbeiter stürzten sich aber auf ihn und es fehlte nicht viel, so wäre er unter ihren Dnbinas auf immer liegen geblieben. Ter russische Absolutisnms fängt an zu wackeln k— Den Opfern der Kosakcnpeitschcn bringt man in der ganzen civilisicrten Welt die größte Sympathie entgegen. DaS Brüsseler Eeutrallomitee der belgischen„Liga für Menschenrecht" erläßt einen Protest gegen den russischen Ukas vom 2V. Juli 1899 und wünscht der russischen Studentenschaft für ihren mutigen Widerstand Glück. Eine Kopie dieses Protestes wurde dem Zaren über- sandt. Der„Franks. Ztg." wird unterm 27. d. M. von Brüssel ge •meldet; Gestern abend zogesi nach einem von der hiesigen Studenten schaft vcraustaltelen Protestineeting mehrere Hundert, darunter zahl- reiche Russen vor die r u s j i s ch e Gesandtschaft, wo sie lärmend manifestierten. Die russische Regierung greift der Bewegung gegenüber wieder nur zu terroristischen Mitteln; sie hat den„Verbaild der russischen Schriftsteller" in Petersburg aufgelöst. Wie einem hiesigen Blatte mis Petersburg gemeldet wird, waren beim Ministerrat unter Vorsitz des Zaren über die jüngsten Unruhe» Pobjedonoszeff, Justizmiiiister Murawieff und Minister des Innern Sipiagie für strengste Maßregeln und Einsetzung des Direktors der Moskawskie Wjedomosti, eines als Reaktionär bekannten Manns, als KnltuSininister. Dagegen waren Finanzininister Witte, Kriegs minister Kuropatkiu, und Minister des Aeußeren Lamsdorff für weniger strenge Maßregeln und schlugen KowalewSki, den Attachs des Finanzministeriums, als Kultusminister vor, ebenso die Ab- schaffung des Militärgesetzes vom vorige» Jahr, wonach die auf- rührerischen Studenten auf zweiJahre der Ar»nee eingereiht iv e r d e n sollen. Der Zar ist für die letzteren, inilderen Vorschläge, welche daher angenommen werden dürften._ Notnmun�les. Stadtverordneten- Versammlung. 14. S i tz»> n g v o in Donnerstag, 28. März. nachmittags 5 Uhr. Die Wahl des Stadtv. Gymnasialdireltors Schwalbe zum Sladtschulrat ist bestätigt worden. Die Einführung wird in der ersten Sitzung nach Ostern stattfinden. Für den Fall, daß heute der Etat nicht aufgearbeitet werden kann, ist für Sonnabend eine außerordentliche Sitzung anberaumt. In die gemischte Deputation für die Vorberatung der An- gelcgcnheit betr. die Einstellung eines Betrages von 6000 M. in den Etat zur Verfügung des Vorstehers sind»». a. Stadtv! Singer und Ewald gewählt. Die Beratung dcö Stadthauöhalts- Etats für 1901 wird fortgesetzt. Ueber die Specialetats für Hochbau und Pcrsonalbesoldung referiert Stadtv. Wallach. Im Hochbau- Etat sind 6200 M. für Veränderung der Direktor- und Schul- diencr-Wohnnng in der VI. Realschule, Bclle-Alliancestr. 30, vom AuS- schliff gestrichen ivorden, da es sich um ein altes, de» Umbau nicht mehr lohnendes Gebäude handle. Ebenso sind abgelehnt 3600 Di. für Einrichtung einer Ventilation in der Kochknche des Städtischen Obdachs in der Fröbelstraße, da ein Neubau dieser Kochküche inS Ange gefaßt werden müsse. Eine entsprechende Resolution schlägt der Ausschuß vor. Der Hochbau-Etat weist danach eine Ausgabe von 8 786 046 M. auf. Ohne Debatte wird dieser Etat den Ausschußbeschlüssen ent- sprechend festgestellt. Zum P e r s o n a I b e s o I d n n g S c ta t lag die Petition deS Vorstands der Vereinigung geprüfter Magistratssekretäre vor. daS AnfangSgehalt auf 2400 sstatt'lOOO) M. festzusetzen und das Höchst- geholt in 21(statt 27) Jahren erreichbar zu machen. Im Ausschuß wurde der Antrag insoweit unterstützt, als 2400 M. und die Erreichung des Höchstgehalts in 24 Dienst- fahren Befürwortung fanden. Der bez. Antrag ist aber schließlich abgelehnt und über die Petition zur Tagesordnung über- gegangen worden. Der Petition der Burcau-HilfSarbeiter um Gleichstellung im Anfaugsgehalt nnt den Unterbeamten. Verkürzung der Skala. Eintritt in die dem Dienstalter ciitsprechende Gehaltsstufe ohne Beschränkiing und Beseitigung des Titels„Burean-Hilfsarbciter" hat der Ausschuß ebenfalls keine Geneigtheit bewiesen, ebensowenig der Petition der Stadlsergeanten um Bewilligung pettsionsfähiger Funktions- Zulagen an Stelle der Tantiemen. Den Leitern der Landes- versicherungs- Anstalt Berlin. Dr. F r e u n d und Dr. S t r ä t e r, sollen FunkttonZzulagen von je 1000 M.. dem Vorsitzenden des Gewerbegerichts Herrn v. Schulz 1600(statt bisher 1000) M. Zulage gewährt werden. Diese Vorschläge des Entwurfs haben im Ausschuß zu lebhaften Debatten geführt, sind aber schließlich zur Annahme gelangt. Auch dieser Etat wird ohne Debatte unverändert festgestellt. Ueber die Etats der städtischen Werke berichtet Stadtv. Jacobi: Zum Etat der Gaswerke sind eine Reihe von Be- schwerden der Laternenanzünder und Gasanstalts-Arbeiter im Aus« schusic zur Sprache gebracht worden, ohne jedoch zu Ausschuß- antrügen im Sinne der gegebenen Anregungen geführt zu haben. Stadtv. Wallach: Als der Einheitspreis von 12�3 Pf. angenommen war, mußte man den Wegfall der Miete für den zweiten Gasmesser für selbstverständlich halten. Es stellt sich jetzt heraus, daß der betreffende Konsument ausdrücklich den zweiten Gasmesser abmelden muß. Zur Aufklärung des Publikums teile ich das mit. Stadtrat Namslau: Das Publikum ist mit der Sache durchaus vertraut. Auch»venu die Gasmesser erst im Mai weggenommen werden, wird die Miete nur bis zum 1. April berechnet. Der Gasetat wird darauf unverändert genehmigt. Am Etat der Wasserwerke sind bei der Ausgabe für Stein- kohle» 56 760 M. abgesetzt werden, da der Preis der Tonne bei der Submission von 24 auf 21,50 M. zurückgegangen ist. Der Ueberichuß dieses Etats erhöht sich dadurch um die gleiche Summe auf 2382 102 M. Der Etat der Markthallen ist unverändert zur Genehmigung empfohlen, deSgl. die Etats der H a u p t k a s s e der städtischen Werke, des Abiadewesens und des städtischen HafenS am U r b a». Die Versammlung tritt durchweg den AuSschußanträgen bei. Zum Etat der K a n a l i s a t i o n S>v e r k e und Riesel selber ist mit 6 gegen 6 Stimmen eine Resolution zur An- nähme gelangt, wonach der Magistrat ersucht wird, für thunlichst weitgehende Vermehrung der Milchproduktion aus den Rieselfeldern Sorge zu tragen. Stadtv. Manegold(Ä. L.) lehnt die Resolution ab. Die Milch Versorgung müsse den Privaten überlassen bleiben. Stadtv. Friederici(A. L.) spricht sich in gleichem Sinne aus. Stadtv. Borgmaun(Soc.): Wenn eine Neuerung eingeführt werden soll, so kommt man immer mit dem Einwand, die Stadt könne so etwas gar nicht thun, weil es ihr teurer zu stehen komme, als Privatnntcrnehinern. Zweifellos ist die Milchproduktion in der Uni- gebung Berlins ganz erheblich beeinträchtigt worden dadurch, daß große weite Terrains ihr entzogen worden sind. Unsre Riesel- selber umfassen ein Terrain von ca. 3 Quadratmeter. In den ver- flossencn 2 Jahren hat sich unter den Gutsbesitzern und Milch- Produzenten spcciell der Mark Brandenburg die Strömung Geltung verschafft, die Einwohnerschaft Berlins aufs neue zu Zehnten durch Hinaufschrauben der Milchpreise. Diese Versuche sind bisher au dem entschiedenen Widerspruch der Milchhäudler gescheitert. Ob diese aber den» Drängen der Milchprodnzenten lange werden ividerstehcn können. ist fraglich. Die Stadt Berlin hat als größte Grundbesitzerin der Umgebung ein erhebliches Interesse daran, ein namentlich für die Kinder notwendiges Nahrungs- mittel nicht verteuern zu lassen. Das ist möglich, wemi»vir die Rieselfelder der Milchproduktio» erschließen, das liegt auch im Interesse der städtischen Krankenhäuser und andrer An stalten. Der Einwand, daß unsre Rieselgüter nicht so gute und fetthaltige Milch produzieren könnten, wie sie die Polizei verlange, ist schon im Ausschuß widerlegt worden. Die Senchengcfahr ist auf den Rieselgütein keineswegs größer als bei irgend einem Privatbesitzer. Die Stadt kann noch leichter Einrichtungen treffen, die den Ausbruch und das Umsichgreifen von Seuchen ver- hindern. Am durchschlagendsten scheint der Einwand, daß wir auf unsren Riesclgiiteni den Dung nicht verwenden können. Nun sind 36 bis 45 Proz. unsrer Rieselgüter zu Riesclzwecken verwendbar. Der Rest kann nur niit großen Kosten aptiert werden. Ginge man zur Milch- Wirtschaft über, so könnte man den Dung für diese Ländereien ver- wenden. Nehmen Sie die Resolution an und überlassen Sie die Ausführung im einzelnen der Verwaltung. Stadtv. Lüben(Fr. Mommsen): Wir haben früher mit der Milchwirtschaft auf den Nieselgütern lediglich eine Kalamität durch« gemacht. Es schadet ja die Annahme der Resolution nichts,»vir würden sie dann in der Deputation nochmals gründlich durch- sprechen. Die Frage der Seuchengefahr ist auch nicht zu unter schätzen. Stadtv. Wallach: Wir können doch unmöglich etwas wieder anfnehmen, was wir 1896 abschafften, nachdem'wir an der Vieh Wirtschaft seit 1883 4 Millionen zugesetzt hatten. Von unsrenr Zug vieh haben wir außerdem soviel Dung, daß wir deS DungS wegen gewiß nicht die Milchwirtschaft heranzuziehen brauchen. Stadtrat Marggraff: Der Glaube, daß eine städtische Milch- Produktion einen sonderlichen Eindruck auf die Berliner Milch- Versorgung machen könnte, ist eine Täuschung. Stellen wir 600 Kühe ein. so bedeutet das eine Quantität von 6000 Litern Milch, die spielt auf dem Berliner Milchmarkt keine Rolle. Den Dünger können»vir über 20 Pf. pro Ccntner nicht verwerten. Melker sind nur sehr schwer zu bekommen. Das Melken erfordert auch äußerst saubere Arbeit nud peinliche Sorgfalt, die bei dem für eigne Rechnung Arbeitenden, man mag sagen, was man will, mehr zu finden ist als bei dem für den Stadt« oder Staatssäckel Thätigen. Stadtv. Borgmaun: In den vier Millionen sind auch die Ausgaben für Pferde und Zugvieh mit einbegriffen. Von dem Milchring hat Herr Wallach wohl überhaupt noch nichts gehört. Wenn die Stadt eingriffe, würde das völlig genügen, um die Herauf« fchraubung des Preises der Milch zu' verhindern. Im Hand- umdrehen läßt sich selbstverständlich die alte Milchwirtschaft nicht »vicder einführen. Genügende Arbeitskräfte werden sich bei ordent- sicher Bezahlung schon finden.(Beifall.) Die Resolution wird abgelehnt. Stadtv. Friederici fragt, wann denn endlich mit dem Ausbau deS Xl. Radialsystems begonnen werden wird. Stadtrat Marggraff: Die Druckrohr-Durchlegung nach dem Norden ist bisher verhindert worden hauptsächlich durch unerfüllbare Bedingungen, die uns die Anlieger und Nachbargemeinden stellten. Wir haben jetzt die Enteignung zugestanden erhalten und eS wird mit dem Bau der Pumpstalion demnächst begonnen werden können. Einige kleinere TerrainS können wir schon provisorisch an die Ent« Wässerung anschließen. Der NotauSIaß allein aber kostet schon 3 600 000 M. lBewegung.) Im Jahre 1903 werden wir in der Lage sein. Grundstücke anzuschließen; eine größere Beschleunigung zuzu. lagen, wäre ein Unrecht. Der Etat wird genehmigt. Zum Etat des Viehmarkts beantragt der Ausschuß, die im Vorjahre gefaßte Resolution in folgender Form zu wieder« holen: Die Versammlung erklärt sich mit der Beantwortung der am 16. März 1900 gefaßten Resolution nicht einverstanden und ersucht den Magistrat nochmals dringend, dafür Sorge zu tragen, daß die O b e r t r e i b e r und Treiber der Viehkonimissionäre auf dem städtischen Viehhof der Unfallversicherung unter« stellt»verde». Ferner soll in Zukunft dem Etat eine Erläuterung über die ge- zahlten Arbeitslöhne beigegeben werden und der Magistrat die Verivaltung entsprechend mit Anweisung versehen. Zum Etat für den Schlachthof und die Fleisch- beschau sind vom Magistrat eine Reihe von Erhöhungen der Schlacht- und Schaugebühren vorgeschlagen, mit denen sich der Ausschutz einverstanden erklärt hat. Den zum Etat des Viehmarkts beantragte» Resolutionen stimmt die Versammlung ohne Diskussion zu. desgl. den Gebühren- tarifen. Stadtv. Pretzel(Bürgerpartei) bemängelt die ungenügende Re- spektierung der Sonntagsruhe auf dem Schlachthofe. Stadtrat Hübner: Schon feit Jahren wird Sonntags nur bis 9 Uhr geschlachtet. Nach einer kurzen Bemerkung deS Stadtv. Rast wird der Etat für den Schlachthof genehmigt. Zun» Etat der Fleischbeschau bemerkt Stadtv. Dr. Freudeuberg(Soc): Ich würde hier nicht von den Lohn- und Arbeitsverhältnissen der Fleischbeschaner und Fleischt beschaucrinnen sprechen, wenn ich vom Deccrnenten auf die vor-� gebrachten Beschwerden im Ausschuß eine genügende Antwort er- halten hätte. Die Beschwerdeführer verlangen nicht eine Erhöhung ihrer. Einkünfte, sondern nur die Beseitigung des Accord- syst eins und ein festes Gehalt, steigend von 12— 1300 M. Sie erhalten jetzt für jede Untersuchung 56 Pf. Dafür haben sie 24 Präparate in 18 Minuten zu untersuchen. Wie anstrengend ihre Thätigkcit ist, geht aus einer Be- stimmung der Instruktion hervor, daß sie ivährend des Mikro- skopiums nicht aufsehen dürfen, auch nicht, wenn ein Vorgesetzter den Saal betritt. Die Fleischbeschauer sind verpflichtet, 20 Tiere im Laufe deS Tages zu untersuchen, also sechs Stunden zu arbeiten. Dabei müssen sie' in der That, wie der Leipziger Zoologe Leuckart ihnen attestiert hat, verrückt werden. Auch die sogenannten Hilssbeschauer verlangen etatSmäßige Anstellung mit einem Anfangsgehalt von 1200 M. Das sind durchaus billige Forde- rungeii." Für die Fleischbeschaner sind 10 Abtciluugsvorsteher an- gestellt. Wenn diese auf Sonrmerürlaub sind,»vird ein Fleischbeschauer mit der Vertretung beauftragt. Ebenso liege» die Ver- Hältnisse bei den Hilfsbeschauern, die durch die Vertretung in ihren Einkünften verkürzt werden. Diese Uebelstände müssen beseitigt werden. Stadtrat Hübner: Die etatsmätzige Anstellung der Fleisch- beschauer und Fleischbeschauerinnen ist ein Ding der Unmöglichkeit. denn nach der Entscheidung des Ober- Verwaltungsgerichts hat bei der Anstellung das Polizeipräsidium mitzusprechen. Stadtv. Freudenberg: Diese Auskunft allein haben wir auch im Ausschuß erhalten und sofort dagegen auf die Verhältnisse der Standesbeamten hingewiesen, die trotzdem städtische Beamte sind. Wir wollen ja auch bloß, daß sie ein festes Gehalt statt der Accord- sätze beziehen sollen. Der Etat wird unverändert festgestellt. Ueber die noch ausstehenden' Etats der Kapital- und Schuldenverwaltung und der Steuern und der Ver- schiede n en Einnahmen und Ausgaben referiert Stadtv. Liebenow(A. L.). Zu dem Etat:„Verschiedene Einnahmen und Ausgaben", und zwar zu der Abgabe von der Großen Berliner Straßenbahn 1880000 M. bemerkt Stadtv. Bruns: Nicht der Magistrat, sondem Kollege Jakoby hat im Ausschuß uns Auskunft über unsre dort gestellten Anfragen gegeben, und ich bestehe auf einer Auskunft des Magistrats. Die Hochbahn ist noch immer nicht in Betrieb gesetzt. Man kann nur sagen, daß unberechenbare Umstände die Hinaiisschiebung verlangen. ES geht uns aber nichts au. welche Verhältnisse für die Gesellschaft außerhalb der Berliner Straßen vorliegen. Ich frage, ob der Magistrat irgend etwas gethau hat, um auf die Jnnehaltung des' Vertrags zu drücken.— Ferner ist 1893 mit Siemens und Halske über den Bau einer elektrischen Bahn von der Warschauer Brücke nach dem Viehhof ein Vertrag geschlossen worden. Diese Bahn ist auch noch nicht im Betrieb, obwohl die vertragsmäßigen Fristen längst abgelaufen sind. Will uns der Magistrat nicht ganz als' Stiefschivester anscheu, so muß er, wenn solche Aufschiebungen eintreten, uns doch eine Vorlage, wenn auch nur' zur Kenntnisnahme, überreichen.(Sehr wahr!) Die Anhängelvagen auf den Straßenbahnen fahren noch mit den alten Laternen. Wir sollen angeblich darauf keinen Einfluß haben. Nun hat doch aber die Gesellschaft vertraglich für ordnungs- mäßigen Betrieb zu sorgen, und das ist eben kein solcher Betrieb mehr, wie überhaupt die Auhängewagen ein Spott auf die städtischen Zustände sind. Mitten im Winter iäßt die Gesellschaft die großen Dcckwagen verkehren und die Wagen so selten gehen, daß das Publikum auch das Verdeck benutzen muß und sich Krankbeiten zuzieht. Auch darauf sollen wir keine Einwirkung besitzen. Nach Z 33 des Vertrags kann aber doch die Stadtgemeinde eine schnellere Aufeinanderfolge der Wagen fordern; damit ließe sich die Ansscheidung der Decksitzwagen»vohl erzivingen. Man hat endlich seiner Zeit die Bemessung der Brutto- abgäbe auf 8 statt auf 10 Proz. damit begründet, daß die Strom- Zuleitung durch Accumulatoren so viel teurer sei. Ist jetzt, nachdem der Accumulatorenbetrieb beseitigt werden soll, etwas geschehen, um nunmehr die Erhöhung der Abgabe auf 10 Proz. in die Wege zu leiten? Vom Magistratstisch erfolgt keine Antwort. Stadtv. BruuS: Ich habe eine Reihe von Fragen gestellt, auf die ich eine Antwort zu verlangen berechtigt war.(Zustimmung.) Verlueigert man uns diese, so werden wir den Etat ablehnen und die Sachen auf andrem Wege von neuem zur Sprache zu bringen versuchen. Stadtv. Borgmaun: Wenn der Magistrat keine Antwort geben will, so können wir ihn nicht zwingen, aber wenn die Versammlung sich das gefallen läßt, so ist das ihrer doch nicht würdig! Oberbürgermeister Kirschner: Die Berechtigung der Anfragen erkenne ich vollständig an, bin aber augenblicklich außer stände Aus- kunft zu geben. Im Dccernat ist bekanntlich in den aller- letzten Tagen eine Aenderung eingetreten.(Der Austritt MeubrinkS. Redaktion.) Ich werde nnch aber infonnieren und dann präciscre Auskunft geben können. Stadtv. Borgmann: Hätte der Herr Oberbürgermeister diese Erklärung sofort abgegeben, so wären unsre Beschwerden nicht erfolgt. Gestrichen werden in diesem Etat: 600 M. für die freiwillige Sanitätskolonne Berlin, 120 M. Beihilfe an den Geschäfts- ausschuß deS Wettschwimm- Kartells Berlin, 30000 M. an die Polizei-Hauptkasse Entschädigung für Ausführung(der Arbeiten betr. Aufstellung und Führung der Rekruticrungs-Stammrollen durch das Polizeipräsidium mit 70 Pf. pro Jahr und Kopf jedes GestellungS- Pflichtigen. Mit diesen Abstrichen gelangt der Etat zur Annahme, ebenso ohne Debatte die EtatS der B e t r i e b S st e n e r, Hundesteuer, ~ raumalzsteuerzujchlag und Wanderlager st euer, Umsatzsteuer, Gemeindegrundsteuer und G e» »v e r b e st e u e r. Zum Etat der G e m e i n d e- E i n k o m m e n st e u e r liegt der Antrag Bruns vor, auch den Censiten von 660 bis 900 M.' über die Veranlagung eine Benachrichtigung zuzustellen. Stadtv. BruuS: Gegen den Antrag wird nur geltend gemacht, daß die Kosten zu hoch seien und ein Teil der Steuer dadurch absorbiert werden würde. Es würden aber doch auch zu Unrecht Steuern erhoben, ohne daß den Betreffenden die Möglichkeit der Reklamation offen steht, weil fic_ gar nicht wissen, daß sie zur Steuer veranlagt worden sind. Sie erfüllen nur eine Forderung der Gerechtigkeit, wenn Sie unserer Resolution zustimmen. Stadtv. Wallach: Die Benachrichtigung würde die Ver- ivaliuugsgeschäfte ungebührlich erschweren. Die Einziehung dieser Steuer ist mit so viel Ausfällen verbunden, daß ohnehin von ihr nicht viei übrig Kcibt. Es könnten ja die Steueriisten von den Censiten eingesehen werden. Stadtv. BruuS: DaS würde die Kosten der Verwaltung nur vermehren, denn den Censiten müßten eine ganze Anzahl von Beamten zur Verfügung stehen, die die Sache beaufsichtigen. ES ist vorgekommen, daß ein Lehrling, der von seinem eigenen Vater gehalten»vurde, zur Steuer eingeschätzt wurde, keine Eiiischätzung erhielt und darum die Reklamationsfrist versäumte. Auch unsre Stcuerdeputation hat bereits einen ähnlichen Beschluß gefaßt. Wir kommen ihr also entgegen, wenn wir unsrerseits den ! Nagistrat ersuchen, darauf einzugehen.(Beifall.) Der Antrag Bruns wird abgelehnt. Der Grsamt-Etat balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 109 233 921 M. In dieser Höhe wird er für 1901 endgültig festgesetzt. Die itcalsteuern sollen mit 150 Proz., die Einkommensteuer mit 100 Proz. erhoben werden. Die vom. Etatsausschuß beantragte Reiolution:„Den Magistrat zu ersuchen, für die Folge den Etat späte sie nS Anfang Februar jeden Jahres ®ei der Versammlung einzubringen", gelangt ohne Diskussion zur Annahme. Der Etat für die Verwaltung deS GesindebelohnungS- und-U n t e r st ü tz u n g S f o n d s hat der EtatSauSschuß unverändert genehmigt. Stadtv. Stadthagen beantragt, diesen Etat einem besonderen Ausschuß zu überweisen, event. den Magistrat zu ersuchen, geeignete Schritte zu unternehmen, um eine Aufhebung des Statuts vom 30. Mai 1864, zum mindesten aber eine Aufhebung der durch dieses Statut den Dienstboten auferlegten Steuer von 50 Pf. für jeden Dienstantritt und für jeden Dienstwechsel herbeizuführen. Stadtv. Stadthagcn: Die Rechtsungnltigkeit der betreffenden Kabinettsorder von 1864. die sich auf eine Kabinettsorder von 1826 stützt, ist für mich zweifellos, denn das Statut, da? den Dienst- boten eine besondere Steuer auferlegt, ist nicht von den gesetzgebenden Körperschaften sanktioniert worden. Nach 1872 vollends mußte jeder Zweifel über die Ungesetzlichkeit der Steuer schwinden, denn in dem Gesetz über die Einrichtung der Gesinde- bücher heißt es ausdrücklich, daß Abgaben für die Befugnis, dieselben zu führen, überhaupt nicht mehr zu entrichten sind. Allerdings können wir ja solche KabinettSorder nicht einfach beiseite schieben, aber eben darum soll der Magistrat darauf hinwirken, daß sie beseitigt wird. Zwei Wege gccbt es dazu: den Weg des Civil- und den des Strafprozesses. Ich wüßte nicht, ob ein Civilprozcß schon geschwebt hat' ein Dienst- mädchen wird schwerlich einen Prozeß auf Rückzahlung der 50 Pf. anstrengen. Der Strafprozeß wäre gegeben, wenn ein Dienstmädchen bei der Beitreibung der Steuer Widerstand leistete. angeklagt würde und die Sache zur Kognilio» de? Reichsgerichts käme. Jedenfalls schweben solche Prozesse nicht. Die Steuer ist in hohem Grade ungerecht, sie wirkt wie ein Ueberbleibsel au? dem 16. Jahrhundert. Zur Zeit haben wir vielleicht 65 000 Dienstboten in Berlin. Im besten Falle können davon 114 Personen im Alter von 50—60 Jahren wenn sie nach rtdlicher Arbeit, oder wegen zerrürteter Gesund- heit dienstunfähig geworden sind, oder außerordentliche Dienste, z. B bei FencrSgefahr. geleistet haben, unter der Bedingung, daß sie 10 bis 20 Jahre i» Berlin im engeren Polizeibczirk gedient haben, eine Rente erhalten. Die Höhe der einkommenden Steuer zeigt, daß sie von dem größeren Teil der Dienstmädchen überhaupt nicht mehr gezahlt wird: die Klugen fallen darauf nicht hinein. Es wäre also die höchste Zeit, sie ganz zu beseitigen.(Beifall bei den Socialdemo kraten.) Stadtv. Ladcwig> Shawls Tücher Teppiche Gardinen Reste in allen Gattungen. J. Wandts Kleiderhandlung für Alt und Neu! Prinzenstrasse 17, an der Wafferthorstraße. Täglicher Eingang Die Kommission. Mecklenburg. Schwarz- Brandenburg. Landbrote in ben feinsten Werthätten gearbeitet, auch für korpulente Siguren paſſend, Verein der Bauanschläger 09.8 89.1 Berlins und Umgegend. 098021 skal Uhr, im Sonntag, den 31. März 1901, vormittags 10 Gewerkschaftshans, Engel- Ufer 15( Saal IV) Versammlung. 00% ONS. Tages- Ordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Vergnügungskomitees und Neuwahl desselben, sowie Festsetzung der Vergnügen. 3. Bericht der 21er- Kommission. 4. Verschiedenes. 33/9 Beiträge werden mur zwischen 1,10-11 Uhr angenommen.kolegol Der Vorstand. Verband der Fabrik-, Land-, Hiifsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands.( Zahlstelle. Rixdorf.) Grosse öffentliche Versammlung für Nieder- Schöneweide und Umgegend am Sonnabend, den 30. März 1901, abends 6 Uhr, im Lokal des Herrn Ackermann, Baumschulenweg, Baumschulenstr. 78. " Tages Ordnung: 1. Vortrag über Unternehmer- Organisation. Referent Genoffe KleselBerlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. ST Die Kollegen der Firmen Anton und Alfred Lehmann, Blackburn( Inh. Müller), G. Schulz u. Co., Ammoniaffabrik, Kuhnheim u. Co. find speciell hierzu eingeladen. Zur Dedung, der Unkosten findet Tellersammlung statt. 64/8 J. A.: E. Bennewitz. Radfahrer! Versammlung und solche, die es werden wollen, werden ersucht, sich Sonntag, den 31. März, präc. 12 Uhr vorm., im Gewerkschafts. hause, Engel- Ufer, zur Gründung einer Produktions- und Einkaufs Genoffenschaft einzufinden. 99/2 Die Rommiffion. empf. Brotfabrik Wittler, Müllerstr. 34. Niederlag. d. Blafate erkenntlich.| zu staunend billigen Preisen. Pflanzenfleisch- Extrakt Ovos Wohlschmeckend_ kräftig Σ billig geruchfrei verstärkt Bouillon, Suppen, Saucen, Gemüse etc. nicht zu verwechseln mit Suppenwürzen Vergleichende Analyse von Wasser Reine Asche( kochsalzfrei) Eiweiss Phosphorsäure Extractivstoffe ohne Nährkraft Unter ständiger Controlle des Herrn Dr. Lebbin, gerichtl vereideter Nahrungsmittelchemiker beim Kgl. Landgericht I Berlin, langjähriger Chemiker beim Kgl. Kriegsministerium und Kgl. Polizeipräsidium, Berlin. thierischem Extrakt Ovos 28,30 27,36 12,30 10.92 21,07 40,27 5,39 5,31 31,31 21,45 Fest: Flüssig: 1 Pfand( 500 gr) M. 3.75 Liter( Inhalt 600 gr) M. 2.25 1/2"( 250)..." 2.00 4 300) 1.20 150) 0.65 75)., 0.35 ¼ n( 125) 50 gr..... " .... 1.10% 0.50/ 18. 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Wienerstraße 56, abends nach 6 Uhr. I Andreasstraße 23. Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Ströbel in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von May Bading in Berlin. rechts. und Strabei. 380B 3726* Vermischte Anzeigen. Goldscheide Anstalt, Zimmerstraße 32, zahlt höchste Preise für platin, Gold- und Silberfachen, Kehr: gold, Treffen. 21506 Grundierer gesucht. Ein guter Grundterer, tüchtig im Stuecateur Lehrling berlangt Eisenfeilen und Maschineftellen, welcher Laube, Adlershof, Hoffmannstraße 3. sich als Vorarbeiter besonders eignet Berjilberer verlangt G. Natow, und früher oder später eine ganze 3836 Grundiererei im Accord zu übernehmen Elifabethstraße 24. Sattler auf Muſterfoffer verlangt fähig ist, findet sofort dauernde 3826 Stellung bei Handschte u. Ladisch, Kommandantenstraße 33. Goldleiftenfabrit, Arnsdorf bei Haida, Marmorschleifer verlangt Saffe, 384b Böhmen. Gartenstraße 157. 375b Kolonnenführer auf Gitterarbeit für dauernde Beschäftigung gesucht Sophie Charlottenstraße 108.[ 582 Achtung! Achtung! Bügler, tüchtiger, ſofort verlangt Parkettbodenleger! 58/16 Bauhandwerker! «t. 75. i8. MM». 2. Keilage des Amillts" Kerlim MlksblM. � 29 i901- GemvvkflhKfkli�vs. Ausland. Die Centralorganisation der Arbeiter KopenhageuS hat an die Bürgerrepräseiitation und den Magistrat das Ersuchen ge- richtet, gründliche Untersuchungen darüber anzustellen, welche Ver- anstaltnngen von der Gemeindeverwaltung getroffen werden könnten, um der immer mehr um sich greifenden Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Es wird darauf hingewiesen, dah von den Mitgliedern ihrer Organisation im Dezember vorigen Jahrs 6428 oder ca. 16 Proz. arbeitslos waren, während im Februar dieses Jahrs bereits 13 212 oder 33 Proz. Arbeitslose gezählt wurden. Ferner wird darauf hingewiesen, datz eS zweckmäßig wäre, wenn die Gemeinde-Arbeiten, so weit es nur irgend thunlich, sofort in Angriff genommen würden. In Wien ist der Streik der Angestellten der.Singer Company' durch wesentliche Zugeständnisie an die Ausständigen beigelegt. Der VerbandStag der Textilarbeiter, der Sonntag und Montag in Wien tagte, hat die Auflösung des Verbands und aller ihm angehörenden selbständigen Organisationen beschlossen. An ihre Stelle tritt die Union der Textilarbeitcn: ein Centralverband mit Ortsgruppen im ganzen Reich, die direkt von der Centrale geleitet werden. Der Hafenarbeiter-Streik in Marseille scheint eine Wendung zu Ungunsten der Ausständigen zu nehmen. Am Donnerstag ar» beiteten 300 Mann an den Quais. Mini st er» Präsident Waldeck-Rousseau und Handelsmini st er Millerand hatten am Donnerstag im Ministerium des Innern eine lange Konferenz mit einer Deputation der Ausständigen in Marseille. Die Delegierten besprachen die Verletzungen der zwischen den beiden Parteien abgeschlossenen Konvention vom August 1900. Waldeck- Rousseau erwiderte, es sei Sache der Unterzeichner des genannten Abkommens, dasselbe zu interpretieren und, falls über gewisse Punkte eine Einigung nicht zu erzielen sei. an das Urteil eines Schiedsgerichts zu appellieren. Waldeck-Rousseau fügte hinzu, die Regierung sei. getreu ihrer versöhnlichen Rolle, tzern bereit, diese Lösung beiden Parteien vorzuschlagen, aber eS sei nicht ihre Sache, zu intervenieren, um ihnen neue Bedingungen aufzuerlegen. In Neapel haben die SchiffSauslader und die Hafenarbeiter nahezu vollzählig die Arbeit wieder aufgenommen. Lohnabziige in der englischen Eisenindustrie. Da der Durchschnittspreis für fertiges Eisen im Norden Englands im Januar und Februar um 14 Schilling 6 Pence per Tonne niedriger war als in den zwei vorhergehenden Monaten, werden die Arbeits- löhne am 1. April um Proz. reduziert werden. DieS ist die erste Lohnrcduktion seit Februar 1898 und die größte Lohnreduktion seit der Einführung der Lohnskala im Jahre 1889. Uoksles. Wilhelm Liebknechts Geburtstag. Heute, am 29. März, werden es fünfundsiebzig Jahre, daß eine der markantesten und— im höheren Sinne der historischen Be- trachtung— einflußreichsten politischen Persönlichkeiten de» ver« flossenen Jahrhunderts geboren wurde: Wilhelm Liebknecht. Noch zittert im Proletariat der tiefe Schmerz um den jähen Verlust nach, noch stehen wir, als habe sich das beinahe Unfaßliche erst gestern ereignet, unter dem erschütternden Eindruck der TodeS- künde. Das Proletariat ganz Deutschlands würde heute mit dem.Alten" innerlich den hohen Festtag seines fünfundsiebzigsten Geburtstag» begangen haben. Es hat nicht sein sollen, und so gedenkt eS in dankbarer Rührung des schlichten Helden, der mitten im Kampf gefallen, der während eines langen Lebens voller Unrast so Außerordentliches erduldet, aber auch so Unge- wöhnlicheS erreicht hat. So Unersetzliches das trauernde Proletariat am 7. August vorigen Jahres auch inS Grab bettete, die Ideale Wilhelm Liebknechts sind nicht fort, sie leben unauslöschlich in Millionen von Köpfen und Herzen. Ist auch der Säemann ge- fallen, auf gutem Boden fiel die Saat. Aus dem schmerzlichen Gedenken an den Verstorbenen ersteht u»S neue Kampfbegeisterung. Seinem Vorbild nachzuleben, allen Stürmen ohne Wanken standzuhalten sei das Teil der Nachlebenben. die so oft seines Geistes Hauch verspürt.— Zum Liebknecht- Denkmal. Zu dem Konkurrenzausschreiben vom 12. März d. I. teilen wir ergänzend mit, daß das Komitee — durch verschiedene Anfragen veranlaßt—«ine photographische Aufnahme d e r G r a b st ä t t e mit der nächsten Umgebung hat anfertige» lassen. Bild und nähere Angabe von Maßen werden von dem Unterzeichneten auf Wunsch zugeschickt. Im Auftrage des Komitees: Johann Pfarr, Putlitzstr. 10. Die Stadtverordneten-Versammlung hat in ihrer gestrigen Sitzung die E t a t s b e r a t u n g in flottem Tempo zu Ende geführt. Zu einer längeren Debatte kam es namentlich bei der vom Ausschuß vorgeschlagenen Resolution be- treffend die Milchwirtschaft auf den Rieselfeldern. Genosse Borgmann begründete die Forderung, daß die Stadt in großem Umfange Milchwirtschaft treiben solle, mit dem Hin- weis auf die Preis st eigerungSgelü sie der private» Milchproduzenten. Der MagistratSvcrtreter erklärte die Sache für in der That durchführbar, aber die Stadt werde dabei schwerlich auf die Kosten kommen. Die Mebrheit der Versammlung konnte daraufhin den beabsichtigten Eingriff in die A»S- bcutungsfreiheit der Produzenten mit guter Manier ab- lehnen.— Beim Etal.Verschiedene Einnahmen usw." rügte Genosse Bruns die Unverfrorenheit, lmit der die Hochbahn- Gesellschaft und die Straße nbahn-Gesellschaft sich über die mit der Stadtgemeinde geschlossenen Verträge hiniveg- setzen, und fragte an, was der Magistrat dagegen getha» habe oder zu thun gedenke. Di« Antwort des Magistrats bestand zunächst in verlegenem Schweigen. Erst hinterher gab Oberbürgermeister Kirschner in einem Tone, dem man den Schmerz um Herrn Menbrink anmerkte, die Erklärung ab, daß infolge des plötzlich eingetretenen Wechsels in der Besetzung des betreffenden Decernats augenblicklich kein Magtstratsniitglied über die Sache genügend informiert sei. Zur G e- meinde-Ei n kommen st euer wurde von unsren Genossen eine Resolution beantragt, die auch für die Censiten mit einem Einkommen von 660— goo M. eine besondere Benachrichtigung über ihre Ver- anlagung fordert./ Bruns hob hervor, daß diese Censiten sonst kaum die Möglichkeit einer Reklamation haben, da nur wenige Zeit haben, die ausgelegten Listen einzusehen. Die Forderung ist so selbstverständlich, daß man hätte erwarten sollen, es werde von keiner Seite Widerspruchldagegen erhoben werden. Aver Herr Wallach, der Unvemieidliche. hatte den nicht beneidenS- werten Mut, dagegen zu sprechen, und die Mehrheit der Versammlung stimmte ihm bei, indem sie die Resolution ablehnte. Jugend und Autorität. Ein gefundenes Fressen für die Rückschrittler beider Konfessionen ist das in den letzten Tagen gefallene Wort von der Demo- ralisation der Jug e u d. Ein Geistlicher plädierte gestern in den zur Förderung der Kruppschen Profite unterhaltenen„Berliner Neuesten Nachrichten" für noch mehr Religion als bisher, und ein mehrfach in Berliner Blättern abgedruckter Artikel der„Köln. Volksztg." behauptet, daß etwas ähnliches wie z. B. die Demoralisation der I u g e n d i n B e r l i n in der g a n z e n G e s ch i ch t e des deutschen Volks noch nicht dagewesen ist." Damit ist vornehmlich die Jugend der„unteren Stände" ge- meint, während es doch nahe läge, bei solcher Betrachtung auch der gebildeten Jugend, vom kneipenden und revolvertragenden Gymnasiasten bis zu dem durch die moralische Wüstenei des CorpS- studentums zur StaatSretterei emportaumelndcn germanischen Helden- jüngling ein wenig zu gedenken. Es ist gewiß auch an der sittlichen Verfassung der proletarischen Jugend sehr viel zu bessern; obgleich der thörichten Ansicht wider- stritten werden muß, daß es früher zu irgend einer Zeit besser gewesen wäre. Die unglücklichen Kinder z. B., welche heute der Straße überantwortet sind, während beide Eltern in der Fabrik fronden, können nur unter ganz besonderen Umständen zu sittlich einwandfreien Menschen heranwachsen. Nun würde in der Aera des Kapitalismus vor allem in der Großstadt wahrscheinlich viel Schlimmes über die Folgen dieser sittlichen Verwahrlosung zu berichten sein, wen» die klassenbewußte Arbeiterschaft nicht selber zeitig ihr Erziehungswerk begönnen und schon den Lehrling, den jugendlichen Arbeiter auf' den hohen sittlichen Wert der Solidarität, wie sie in den Gewerkschaften geübt wird, bei jeder passenden Gelegenheit hinwiese. Ohne Uebertreibung darf auch gesagt werden, daß der proletarischen Organisationsbewegung auch eine'S tärkung der Autorität zu verdanken ist, nur daß selbstverständlich die Autorität heute Wissenschaft heißt. Wo in früherer Zeit ist jemals ein solches Maß von Achtung vor dieser Autorität in den„niederen Volksschichten" beobachtet worden, wann war im Proletariat jemals ein solcher Heißhunger nach Wissen und Bildung anzutreffen als in der gerade diesertw'egen von den Dunkelmännern soviel geschmähten Gegenwart? Daß hierbei die a l t e n Autoritäten zu kurz kommen, ist natürlich richtig, aber durch ihr Verhalten haben diese Autoritäten ja auch sehr viel dazu beigetragen, daß sie mehr und mehr die Beachtung im Voll ver- lieren. Bedauerlich bleibt da allerdings die Erscheinung, daß Männer der Schule, die doch alles daran setzen sollten, die Achtung vor ihrer Autorität in würdiger Weise zu wahren, anscheinend den alten Autoritäten zu Gefallen überaus bedenkliche Sprünge riskieren. Wir führen ein Beispiel an. das eben jetzt die Runde durch verschiedene Blätter macht. In dem Büchlein„Kleines Realienbuch. Für einfache Schul- Verhältnisse bearbeitet von Fr. P o l a ck, kgl. Schulrat und Kreis- Schulinspeklor, 100. Auflage, Gera 1896" heißt eS Seite 47 von Friedrich Wilhelm II.: „Friedrich Wilhelm II. war der Neffe des großen Friedrich. Sein Wahlspruch hieß:„Aufrichtig und standhaft." Den Umfang des Lands erweiterte er durch die 2. und 3. Teilung Polens. Aber die Größe des Lands macht nicht das Glück des Volks aus. Der Hof liebte das Vergnügen mehr als die Arbeit und gab dem Volke kein gutes Beispiel." Man vergleiche damit, was in der 124. Auflage, Gera 1901, Seite 46 ff. an die Stelle dieser Ausführungen getreten ist: „Friedrich Wilhelm II. war der Neffe des großen Friedrich. ES war eine schwere Aufgabe, der Nachfolger eines so großen Geistes zu sein. Sein Wahlspruch hieß:„Aufrichtig und standhaft I" Tapfer scherzte er im Kugelregen:„DaS hat nichts zu bedeuten, wir schießen wieder!" Mild und gütig verbot er die harte Behandlung der Soldaten. W o h l t h ä t i g half er den Armen. DaS schöne Brandenburger Thor am Eingange dcS Tiergartens ließ er erbauen, die erste Chaussee zwischen Berlin und Potsdam anlegen und das Allgemeine Landrecht herausgeben. Den Umfang des Landes erweiterte er durch die 2. und 3. Teilung Polens." Das erste, was die Kindesseele von der Autorität verlangt, ist Aufrichtigkeit. WaS soll nun die heranwachsende Schuffugend von einem Pädagogen denken, der zuerst einigermaßen die Wahrheit über Friedrich Wilhelm H. sagt, bei einer späteren Gelegenheit aber, irgendwelchem Druck nachgebend, den König nunmehr als edle Blüte des Menschengeschlecht» feiert? Merkwürdige„SchulorganiSmen!" An den Gemeindeschulen soll die Klassenbezeichnung geändert werden. Bisher wurden die Parallelklassen durch Hinzu- fügung der Buchstaben a, b usw. zu den Zahlen VII, VI usw. unter- schieden salso VII a, VII b usw.). Künftig soll durch die Zusätze 0 und M sOstern und Michaelis) der Aufnahme- bezw. Versetzungs- termin jeder Klasse erkennbar gemacht werden(also VII 0, VII M usw.,. Die Neuerung ist praktisch und ist übrigens an den meisten andren Schulen längst eingeführt. Gleichwohl würden wir diese sich eigentlich doch nur auf die Signatur der Klassenthüren, der Censnrfomiulare usw. erstreckende„Reform" herzlich gern noch weiter entbehren, wenn nur erst das erreicht wäre, daß an allen Gemeindeschulen jede Klassenstufe oder zum mindesten jede der unteren und mittleren Klassenstufen wirklich ihre Parallelklasse hätte. Das ist nämlich keineswegs der Fall, trotz der hohen Gesamt- Klassenzahl unsrcr Gemeindeschulen. Die Stufen sind weder alle niit doppelten Klaffen, noch überhaupt alle mit der gleichen Zahl Klassen besetzt. Die Art, in d e r' s i ch die Berliner Gemeindeschulen aus den ein- zelnen Klassen stufen aufbauen, ist so eigentümlich, daß da manchnial ganz wunderliche Schulgebilde herauskommen. Bielfach ist für eine Stufe nur eine einzige Klasse vorhanden, während daneben eine andre Stufe mit drei oder vier oder noch mehr Klassen besetzt ist. Wir nennen nur drei Beispiele: In diesem Winter hatte die 219. Schule 2 siebente Klassen, 3 sechste, 1 fünfte, 2 vierte, 4 dritte. U zweite. 2 erste. Die 177. Schule verfügte über 3 siebente Klaffen, 2 sechste, 3 fünfte, 6 vierte, 3 dritte, 2 zweite, 2 erste. An der 241. Schule bestanden 3 siebente Klassen, 4 sechste, 3 fünfte, 6 vierte, 1 dritte, 1 zweite, keine erste. Nicht immer ebenso schlimm, aber doch sehr ähnlich sind die Verhältnisse an den meisten Berliner Gemeindeschulen. Daß sämtliche Stufen bis zur obersten hinauf mit der gleichen Zahl Klassen besetzt werden, das halten zwar auch manche Pädagogen nicht für unbedingt nötig, und bei den Berliner Verhältnissen mag das auch sür einzelne Schulen in der That nicht möglich sein. Aber gegenwärtig kommt dieser im Princip wünschenswerte Zustand der gleichmäßigen Besetzung aller Stufen beiden Berliner Gemeindeschulen nur als Ä u S n a h m e vor. In diesem Winter fand eS sich, wenn man von der Klaffe Ober-I als einem gesondert zu betrachtenden Anhängsel absieht, nur bei IS Schulen. Wir wollen jedoch erwähnen, daß an einer dieser Schulen an der 30.(RiiderSdorferstraße) nicht nur für sämtliche Klassen von VII bis I, sondern sogar für Ober-I Doppelcöten vorhanden waren. fiier ist also das Ideal erreicht, das schon in der Mitte der 0er Jahre vom Stadtschulrat Bertram aufgestellt, aber von der Stadtverordneten-Versammlung verworfen wurde: acht Stufen undfürjedeStufeztveiKlassen. Welcher Kontrast zwischen dieser Schule und solchen, wie die weiter oben angeführten, die man eigentlich überhaupt nicht als Schulen, nicht als einen lebendigen Organismus, sondern nur als ein Konglomerat von Klassen ansprechen kann I Es ist klar, daß in einer solchen„Schule" bei jeder Versetzung Schwierigkeiten für die Unterbringung der Kinder entstehen müssen, daß vorüber- gehende Klassen ueugebildet und alte Klassen eingezogen werden müssen, und daß trotzdem noch tüchtig umgeschult werden muß. Die Hoffmannsche Flugmaschine. In der März-Versammlung des Deutschen Vereins für Luftschiffahrt(sprach RegierungS- rat Josef Hofmann über eine Flugmaschine. Das bis zu dem letzten Unglücksfall schon oft im Fluge gezeigte Modell ist nicht schwerer als 3Vs Kilogramm, obgleich es mit einem regelrechten kupfernen Wasserröhrenkessel von 72 Röhren und einer betriebsfähigen stählernen Vcrbunddampfmaschine ausgestattet ist, eingerichtet für Dampf von UVe Atmosphären Ueberdruck. ES ist begreiflich, daß bei solcher Kleinheit der Abmessungen für den jedesmaligen Betrieb nur ein Minimum von Danipf zur Verfügung stand und deshalb der Flug selbst nur von kurzer Ausdehnung sein konnte. Das hob in einem Schlußwort der Vereinsvorsitzende, Gehcimrat Busley, besonders hervor. Er hat, wie wir seiner Zeit mitteilten, mit einem Kreise kompetenter Beurteiler das im Saal vorhandene Modell etwa 10 Meter weit fliegen sehen, lobt die gelungene Konstruktion des Propellers und glaubt, daß der Erfinder sich auf richtigem Wege befinde.— In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion wurden verschiedene Einwände erhoben, deren gewichtigster sich in die Warnung kleidete, die Stabilität bei Ausführung in größerem Maßstab nicht dadurch für genügend gesichert zu halten, daß man alle Teile in genauem Verhältnis ihrer Größe verstärke, die Stabilität wachse nicht in diesem Verhältnis. Von einer Seite wurde auch an die Behauptung, daß die Flngmaschine in den Bedingungen ihrer Gleichgewichtslage in der Lust dem Schiff im Wasser vergleichbar sei, die Bemerkung geknüpft, das sei nicht zutreffend, denn vor jeder in der Luft beivegten Flüche bilde sich ein Luftkissen, das ganz unberechenbar von Zeit Zeit bald über, bald unter, bald rechts, bald links explosionsartig sich Bahn an der Fläche vorbei mache und ihr damit einen unberechenbaren Zickzackweg aufnötige. Dies Verhältnis sei noch in hohem Grad der Aufhellung bedürftig. Vom Wetter. Ein heftige« Schneetreiben setzte gestern früh bei 3 Grad Kälte ein. GeaeipMittag brach die Sonne durch, worauf die Spuren des diesmal besonders hartnäckigen Winters' wenig- stenS oberflächlich verwischt wurden. Von auswärts liegen über die abnormen WitterungSvcrhältniffe folgende Meldungen vor: Posen: Bei scharfem Südost zeigte das Thermometer heute früh 10 Grad unter Null. Frankfurt a. M.: Heute früh betrug die Temperatur 4 Grad Kälte nach reichlichem Schneefall. Würz- bürg: Seit früh herrscht starker Schneefall. Nürnberg: Seit' vormittag 10 Uhr herrscht hier Schneegestöber bei 1 Grad unter Null. DaS Korsett im Kultusministerium. Eine Audienz im Kultusministerium hat der Verein deutscher Korsettindustrieller nach- zusuchen beschlosicn, um geg�ji das geplante Verbot deS Korsetttragens in den Schulen vorstellig zu werden. Seitens der Korsettfabrikanten wird behauptet, durch die Er« örternngen im Abaeordnetcnhause seien ganz falsche Vorstellungen über die Schädlichkeit de« Korsetttragcns in der Schule entstanden. Die von Schülerinnen unter 16 Jahren getragenen Korsetts seien durchaus uuschädlich, zumal sie keine festen Einlagen, sowie keine Vorrichtungen zum Einschnüren enthielten. Das dürfte doch zweifei- Haft sein. Der Pfandleiher Marcus Echeyer ist gegen 20 000 M. Kantion aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Scheper war unter dem Verdachte, bei den großen Hamannschen Diebstählen den Hehler gemacht zu haben, festgenommen worden. Wege» Mordversuchs ist Donnerstagmorgen der Arbeiter Stanislaus Dlougaß aus der Urbanstr. 25 verhaftet worden, nachdem er gestern abend seine Geliebte durch zwei Schüsse und sich selbst gestern morgen mit einem Rasiermesser schwer verwundet hatte. Dlougaß ließ vor sieben Jahren seine Frau mit fünf Kindern im Stich und ging ein Liebes- Verhältnis mit der unverehelichten Wilhelmine Bollmack ein. Seit 21/a Jahren wohnte das Pärchen in dem Hause Urban- straße 2S, in dem die Bollmack die Hausreinigung besorgte. Dlougaß, der früher Straßenbahnführer war, arbeitete in der letzten Zeit nur gelegentlich, weil er stark trank; seine Geliebte verdiente den' Lebensunterhalt durch Austragen von Zeitungen. In der letzten Zeit hatte der Mann durch seine Trunksucht schon häufigen Zwist und heftige Auftritte verursacht. Am schlimnisten war es am Sonntagmorgen. Dlougaß kam schwer betrunken nach Hause und schlug alles kurz und klein, als er Vor- würfe erhielt. Die Bollmack lief schließlich davon und fand ein Unterkommen bei einer ihr befreundeten Frau Krause in der Dieffcnbachstraße. Mit dieser kehrte sie Donnerstagabend nach der Urbanstraße zurück, ohne zn wissen, daß ihr Ge- siebter in der Wohnung war. Kaum hatten die beiden Frauen die Küche betreten, da stürzte Dlougaß aus der Stube. richtete einen sechsläufigen Revolver auf seine Geliebte und feuerte vier Schüsse ab, von denen je einer sie in die Stirn und den Unterleib traf, während zwei Geschosse fehlten und in eine Wand ein- schlugen. Die Getroffene brach schwer verwundet zusammen. Während die Hausgenossen und Frau Krause sich ihrer annahmen und für einen Arzt sorgten, schlich sich Dlougaß davon und entkam einstweilen. Die Vorletzte wurde mit einem Anstaltswagen nach dem nur wenige Schritte entfernten Krankenhans Am Urban gebracht. Haus- genossen und Kriminalbeamte suchten Dlougaß die ganze Nacht hin« durch, fanden ihn aber nicht. Gestern morgen vermuteten Kriminal- bcamte, daß er in seine Wohnung zurückgekehrt sein werde. Diese Vermutung erwies sich als richtig. Als man die verschlossene Thür öffnete, fand man den Gesuchten blutüberströmt in der mit Blut stark besudelten Stube auf seinem Bette liegen. Der Mann hatte sich mit einem Rasiermesser, das vor dem Bett lag. die Pulsader an der linken Hand geöffnet und infolge des starken Blutergusses das Bewußtsein verloren. Ein Arzt rief ihn in das Leben zurück und ließ ihn in das Krankenhaus bringen, wo er als Polizeigcfangener gehalten wird. Dlougaß ist, ebenso wie sein Opfer, lebensgefährlich verwundet. Nur Kleinigkeiten. Zu den Mitteilungen über g r o ß e U n t e r- s ch l a g u n g e n, welche in einem Warenhanse, daS übrigens nicht am Spittelmarkt liegt, stattgefunden haben, wird dem„Konfektionär" von der beteiligten Seite mitgeteilt,„daß es sich im ganzen nur(!) um Unterschlagungen im Betrage von 26 000 M. bandelt, die aber durch den ungetreuen Angestellten, der sich in geregelten(!) Ver- mögensverhältnissen befindet und der keineswegs verhaftet worden ist, gedeckt worden sind". Die Unterschlagungen seien dadurch entstanden, daß der Angestellte Baumwollwaren, die aus England bezogen sind und beim Spediteur lagerten, durch Anweisung, die er diesem zu- kommen ließ, weiterverkaufte und die hierfür eingckommenen Beträge von den betreffenden Abnehmern sich überweisen ließ unter der Vor« spiegelung, daß er die Beträge direkt an die Kasse des Hauses ab- führen werde. Die betreffenden Boten brachten dem Angestellten auch diese Summen, mit denen er sich angeblich zur Kasse begab und dann mit einer regelrecht ausgestellten Quittung zurückkam, die aber' gefälscht war. Eine ausgedehnte Betriebsstörung bei der Großen Ber- liucr Straßenbahn, von welcher fast der ganze südwestliche und südliche Bezirk der Verkehrswege betroffen wurde, gab es gestern morgen gegen b/«8 Uhr. Infolge eines Maschinendefekts in der Centrale in der Mauerstraße wurde die Stromzuführung unterbrochen, und die sämtlichen Motorwagen blieben in den oben genannten Bezirken sofort stehen. Diese Störung wurde um so unaugeuehmer empfunden, als sie zu einer Zeit erfolgte, als die Wagen von Ge- schäfts- und Bureaupcrsonal gefüllt waren, und die jungen Leute infolge dessen zum größten Teil mit bedeutenden Verspätungen nach den Geschäften kamen. Tie Störung wurde später dadurch beseitigt, dah der stromlos gewordene Hauptlabel an eine Reservcmaschine an- geschlossen wurde.' Friedrich Spielhagen, der bekannte Romandichter, liegt, wie eine Korrespondenz meldet, seit drei Wochen in seiner Wohnung Kantstraße 165/166, an akuter Gicht so schwer darnieder, daß er das Bett kaum noch verlassen kann. Tag und Nacht wird er von furcht baren Schmerzen gepeinigt, so daß er nicht schlafen, sich aber auch nicht geistig beschäftigen kann. Niemand erhält Zutritt zu ihm, da er infolge seiner unerträglichen Schmerzen sich mit niemand zu unterhalten vermag. Ei» ersticktes Kind wieder ins Leben znriickgernfe« hat die Feuerwehr gestern(Donnerstag) nachmittag in der Steinmetzstr. Hier wohnt im Quergebäude der als Hausdiener in einer Apotheke beschäftigte F. Heese, der noch jung verheiratet ist und einen 10 Monate alten Knaben besitzt. Frau H. war kurz nach 2 Uhr aus- gegangen und hatte das im Wagen schlafende Kind allein in der Küche zurückgelassen. Auf dem Rohr des geheizten Ofen? war Wäsche aufgehängt, die sich entzündet und den Raum total verqualmt hatte. Bei ihrer Heimkehr traf Frau H. mit ihrem zum Mittagessen heim kehrenden Mann auf der Straße zusammen und beide schritten in heiterer Stimmung über den Hof. Plötzlich wurden die übrigen Hausbewohner durch Hilferufe erschreckt, die aus der H.'schen Wohnung kamen. Es stellte sich heraus, daß die jungen Leute beim Oeffnen ihrer Küche dieselbe total verqualmt und das Kind leblos vorgefunden hatten. Den anhaltenden Bemühungen der Samariter der Feuerwehr gelang es zwar, das Kind, dessen Leib schon stark angeschwollen war,»vieder ins Leben zurückzurufen(durch Einflößen von Sauerstoff), doch dürfte es schwer- lich mit dem Leben davon kommen. Die untröstliche Mutter konnte »nr mit Mühe davon abgehalten werden, sich aus dem Fenster zu stürben. Das Feuer konnte schnell abgelöscht werden. Vier Personen vom Erstickungötode gerettet hat die Feuerwehr bei einem Wohnungsbrande, der gestern früh in der Jnsterbmrgerstr. IS wütete. Hier bewohnt im' ersten Stock des Borderhauses der Tischler Müller eine aus einer großen Vorder- und Hinterstube nebst Küche bestehende Wohnung.' Bald nach 1 Uhr tvnrde die im zweiten Stock wohnende Familie Groß durch ein Knistern aus dem Schlafe geschreckt. Zu ihrem Schrecken gewahrten sie, daß ihre Wohn- und Schlafftube in dicken Rauch gehüllt war. Während Groß zur Straße hinaus.Feuer I" rief, eilte seine Frau. um die auf demselben Korridor wohnende Frau Conrad zu wecken, die mit ihrem l�/ejährigen Kinde fest schlief. Ein Passieren der Treppe war unmöglich, da diese in Rauch eingehüllt war. So blieb den beiden' Familien nichts weiter übrig, als sich in die Küche des Gr. zurückzuziehen, deren Verqualmung jedoch eben- falls in wenigen Minuten so stark war, daß die Lampe erlosch. Als die Feuerwehr erschien, stellte diese sofort Leitergänge her, von denen aus zunächst die Fensterscheiben des Treppenhauses bis zur Dachhöhe zertrümmert wurden, um dem Rauch Abzug zu verschaffen. Einige Wehrmänner drangen durch die Küchenfenster vor, um die bedrängten Personen zu retten, was schließlich auch über die Treppe hinweg geschah. Doch hatten Groß und seine Frau, sowie das Kind der Frau Conrad so viel Rauch geschluckt, daß ihnen durch die Samariter der Wehr reiner Sauerstoff eingeflößt werden mußte, worauf sie sich wieder erholten. Eine der üblichen Straßensperrungen gab es gestern vormittag in der elften Stunde, weih das Alexander-Regiment von der alten Kaserne in der Alcxanderstraße nach der neuen am Kupfer- graben umzog. Der Kaiser ritt an der Spitze des Regiments. Ueber die für die Berliner Verhältniffe im allgemeinen und für den an- w-senden Oberbürgermeister im besonderen sehr merkwürdige Rede, die Wilhelm H. bei dieser Gelegenheit gehalten hat, werden unsre Leser an andrer Stelle unterrichtet. Straßensperrungen. Das Luisen-Ufer wird von der Rampe der Luisenbrücke bis zum Wasserthor-Platz, einschließlich der Kreuzung mit der Wasserthorstraße, behufs Umpflasterung vom 28. d. Mts. ab. die Liegnitzerstratze von der Reichenberger- bis zur Wienerstraße vom 29. d. Mts. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. TodeSsturz. Der 42 Jahre alte Schankwirt Ernst Walther, der seit fünf Jahren in der Alten Jakobstraße 9 sein Geschäft betrieb wollte am Dienstag abend um 12 Uhr seinen Laden schließen Dieser liegt im hohen Erdgeschoß, acht Treppenstufen führen vom Eingang auf die Straße hinab. Die Eingangs thür Pflegte Walthcr von anßen abzuschließen, um dann durch den Hausflur nach der im Hofe gelegenen Wohnung zu gehen. Am Dienstag glitt er auf der obersten Stufe aus und stürzte auf den Bürgersteig hinab. Eine Patrouille vom 30. Revier, ein Wachtmeister, ein Schutzmann und ein Nachtwächter, fanden ihn bewußtlos daliegen und ließen ihn, nachdem ein Arzt ihm die erste Hilfe gebracht hatte, mit einer Droschke nach der CharitS bringen. Dort starb er, während er äußerlich gar nicht verletzt war, an einer Gehirnerschütterung. Unentgeltliche Kurse in Elektrotechnik»nd Chemie beginnen am Montag, den 1. April, an der 7. städtischen Fortbildungsschule und werden abends von l'/s— S1/- Uhr gehalten. Die Teilnahme ist jedermann gestattet und bedingt keine Borkenntnisse. Anmeldungen werden täglich abends im Amtszimmer der 176. Gemeindeschule, Gräfestr. 85—88, entgegengenommen. wegen Mangels gesagt werden. haben, daß er dedingung zunr Iverdc. Hiernach A»S de» Nachbarorte». Der Polizeidirektor von Rixdorf hat den Vorstand des Nixdorfer Mietervereins empfangen, um dessen Anschauungen über die Wohnungsnot kennen zu lernen. Die Konferenz, zu der der Polizei- Bauinspektor hinzugezogen wurde, dauerte länger als eine Stunde. Der Polizeidirektor stellte dem Mieterverein anheim, ihm eine ausführliche Darstellung der vorhandenen Mißstände iin-Wohnungs wesen Rixdorfs zugehen zu lassen. Außer einer gesteigerten Auf merksamkeit der Sanitätspolizei konnten positive Maßnahmen einschlägiger Gesetzesbestimmungen nicht zu Der Polizeidirektor soll ferner erklärt stets für den Mittelstand, der eine Grund Gedeihen einer Gemeinde sei, eintreten scheint sich ja der Vorstand des Mietervereins als eine Vertretung des Mittelstands aufgespielt zu haben. Der großen Masse der Bevölkerung Rixdorfs kann das schon recht sein, denn sie hat bei den letzten Wahlen bewiesen, daß sie auch ihre Interessen als Mieter durch die socialdem akratischen Stadt- verordneten für ausreichend vertreten erachtet. In der Charlottenburger Stadtverordneten-Verfammlung ging es am Mittwoch recht lebhaft zu. Beim Etat der Gas- a n st a l t e n brachte Stadtv. Hirsch(Soc.) eine Reihe von Be- fchwerden der Gasarbeiter vor. Redner bemängelte die zu niedrigen Löhne, indem er unter Bezugnahme auf die Berichte der Fabrik- inspektoren nachwies, daß infolge der Steigerung der Preise für Lebensmittel und Wohnungen eine Lohnaufbesserung durchaus not- wendig wäre. Des weiteren tadelte er es, daß den Feuerarbeitern, sobald' sie als Hofarbeitcr beschäftigt werden, ihr Lohn erheblich gekürzt»verde, daß die Hofarbeiter, die bereits früher auf der Anstalt thätig waren, aber wegen Arbeitsmangel entlassen sind, bei ihrer Neueinstellung mit dem Mindestlohn anfangen müssen. Auch die Entlassung von Arbeitern brachte Redner nochmals zur Sprache und führte Beispiele an, aus denen hervorgeht, daß selbst solche Arbeiter, die bereits IVs Jahre ununterbrochen im Dienst der Stadt thätig waren und sich gut geführt hatten, aufs Pflaster geworfen sind. Ein weiterer Fall betraf einen Eingriff eines Betciebsingenieurs in das KoalitionSreckit der Arbeiter. Endlich befürwortete Redner eine Petition der GaSarbeiter, in der höhere Löhne, ein Arbeiter- ausschutz, ein Sommerurlaub und Regelung der Accordarbeit ge- fordert wird. Als freiwilliger Ilommissar des Magistrats bestritt Stadtv. Dr. Frank rundweg die Berechtigung der Arbeiterfordeningen und vertrat den krassen Unternehmerstandpunkt. Nach seiner Ansicht liege keine Veranlassung vor, den Anregungen des Stadtv. Hirsch Folge zu geben. Dieser hätte besser get'han, nicht mit so hochgespannten Forderungen hervorzutreten, wie denn überhaupt seine Ausführungen nicht geeignet gewesen seien, die Interessen der Arbeiter zu fördern. (Lebhafter Beifall.) � Stadtv. Wöllmer(frs. BP.) stellte sich demgegenüber auf dew selben Standtpnnkt wie Stadtv. Hirsch. Stadtv. Baake(Soc.) rechnete gehörig mit Herrn Dr. Frank ab und verlangte vor allem den Beweis für die Behauptung. daß die Gasanstalts- Arbeiter besser gestellt seien, als die entsprechende i Arbeiter der Privatindustrie. Die Gründe für die Arbeiterausschüs habe sich jeder Socialpolitiker bereits an den Schuhsohlen abgelaufen. Er hoffe, daß der Versuch eines untergeordneten Beamten, das Koalitionsrecht der Arbeiter einzuschränken, allseitig gemitzbilligt werde. Verwunderlich sei nur das Schweigen des Magistrats. Wenn Stadtv. Fronk damit drohe, daß im Falle die Forderungen der Ar- beiter zn hochgespannt würden, eine Bctriebsänderung eintrete die Arbeitercntlassungen zur Folge habe, so zeige das nur. daß Herr Frank mit unsren Grundsätzen wenig vertraut sei. Die Social- demokraten seien keine Maschinenstürmer. Mit solchen Drohungen könne man uns nicht schrecken; wir würden das thun, was wir stets gethan haben, das gute Recht der Arbeiter wahren. Stadtrat C a s s i r e r bemerkte, daß die Lohnhöhe der Gas- anstalts-Arbeiter zu keinerlei berechtigten Klagen Anlaß gebe; die Verwaltung sei bemüht, die Arbeiter möglichst günstig zu stellen. Was den Fall vom Eingriff in das Koalitionsrecht betreffe, so habe der Beamte die bündige Erklärung abgegeben, daß er niemals einen Arbeiter gefragt habe, ob er organisiert sei. Unmittelbar hierauf machte die Mehrheit durch einen Schlußantrag der Debatte ein Ende, um unsren Genoffen die Möglichkeit einer Erwiderung zu nehme». Infolgedessen versuchte Stadtverord neter Hirsch bei einem andern Etatstitel, nämlich beim Gehalt desjenigen Betriebs-Jngenieurs, der sich den Angriff auf das Koalitiönsrecht erlaubt hatte, auf die Sache zurückzukommen. Der Vorsteher Dr. Jaffs jedoch ließ das nicht zu. Tie Frage des Stadtv. Baake. auf Grnnd welcher Beftimniung der Geschäftsordnung der Vorsteher dem Stadtv. Hirsch das Wort entziehe, gab Veranlassung zu einer einstündigen Geschästsordnungs-Debatte. Im Verlauf derselben verstieg sich der Vorsteher zu der seltsamen Bemerkung, daß Bc schwerdcn von Stadtverordneten für ihn durch die Erividerung eines Magistratsmitgliedes widerlegt seien. Um eine Klärung darüber herbeizuführen, ob der Vorsteher die Geschäfte»ach diskretionärem Ermessen leiten dürfe, oder ob auch für ihn die Geschäftsordnung maß gebend sei, nahm Stadtv. Baake nach Erledigung der Tagesordnung nochmals das Wort und richtete an den Vorsteher, der inzwischen den Vorsitz abgegeben hatte, die Frage, ob auch in dem Exemplar der Geschäftsordnung, das er besitze,' der für diesen Fall maßgebende Paragraph enthalten sei. Hieran knüpfte sich eine neue einstündige Geschäftsordnungs-Debatte, an der sich die Stadtv. Dr. C r ü g e r Wöllmer, Hirsch, Baake und Dr. I a f f e beteiligten. Letzterer Uchte sein Verhalten mit der Bemerkung zu rechtfertigen, es sei seine Pflicht gewesen, den Stadtv. Hirsch daran zu hindern, daß er»unter höhnischem Lächeln" eine eben geschlossene Debatte wieder zu eröffnen uche. Schließlich verlangte Dr. Jaffö noch die Ansicht der Ver- ümmlung darüber zu hören, ob sein Verhalten dem Stadtv. Hirsch gegenüber berechtigt gewesen sei oder nicht. Der stellvertretende Vorsitzende S t r ö h l c r ließ jedoch diesen Appell an die Versamm- lung als mit der Geschäftsordnung in Widerspruch stehend nicht zu. Bemerkenswert ist, daß die Parteifreunde des Vorstehers sich an der Debatte nicht beteiligten. Wie der Verein der Gast- und Schankwirte von Marien darf und Umgegend die Interessen seiner Mitglieder wahrt, geht aus einer an dieselben gerichteten Drucksache hervor� Bezugnehmend auf die von der Volksversammlung verhängte Sperre über die Lokale in Tempelhof von Gerth und Wienicke und Mariendorf von Graß'l und Haack kommt der unterzeichnete Schrift führer G. Hallwitz zu folgendem, zu den schönsten Hoff nungen berechtigenden Schluß:„Um der geschäftlichen Vergewaltigung des so cial d em o kra tisch en W ah l verein? entgegenzutreten, haben wir Gast- und Schank- Wirte von Mariendorf und Umgegend beschlossen, den»Vorwärts vom 1. April ab in unsren Lokalen nicht mehr auszulegen. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, sich den Beschlüssen zu fügen und zu zeigen, daß wir nicht gewillt sind, uns Zwangsmaßrcgeln, wie die obigen, gefallen zu lassen." Wen», wie wir hier sehen, der Gastwirtsverein gegen die „gesellschaftliche Vergewaltigung des social- demokratischen Wahlvereins" Front macht, so haben wir absolut nichts dagegen und wird der nächste Schritt des Vereins wohl sein, der Behörde geschlossen entgegenzutreten durch Hergabe sämtlicher Lokale zu politischen Versammlungen. Wenn aber der Gastwirtsverein zu diesem Entgegenkommen glaubt nötig zu haben. unser Organ, den„Vorwärts", abzubestellen, so wird er wohl die Rechnung ohne den Konsumenten gemacht haben, und wir können uns auch wieder obigen Ausführungen anschließen, daß eS Pflicht eines jeden Genoffen ist, darauf zu achten, daß in dem Lokal, wo er verkehrt, die Blätter ansliegen, die ihm zusagen. Dieser Krämergeist der Gast- und Schankwirte kann nicht niedrig genug gehängt werden. Glaubt denn etwa besagter Verein, daß, wenn wirklich die in Frage kommenden Wirte den„Vorwärts" ab bestellen würden, durch den Verlust von 6— 6 Abonnenten das Unternehmen irgendwie in Frage gestellt wird oder die Arbeiterschaft den geringsten Schaden erleidet? Die Arbeiterschaft geht über sociale Phantasien zur Tages ordnung über; ihr wird es auch nicht schwer fallen, die genügende Würdigung für diese Handlungsweise zu finden. Gevirhks-Äeikung« Polizeikampf gegen die Streikposten. Der Tapezierer Gustav Heise war angeklagt, am 21. Dezember ISOlZ an der Ecke der Flieder- und Gollnowstraße während des Tapeziererstreiks bei der Firma Birnbaum als Streikposten patrouilliert und der wieder- holten Aufforderung eines Aufsichlsbeamten, sich zu entfernen, nicht Folge geleistet zu haben. Heise erhielt deshalb einen Polizei- lichen'Strafbefehl, gegen den er richterliche Entscheidung beantragte. Vor dem Schöffengericht wurde Heise ver- urteilt. Aus der Vernehmung des Schutzmanns ergab sich in der Beweisaufnahme der folgende Sachverhalt: Etwa um 9 Ubr morgens trat der Schutzmann an den An- geklagten heran und verbot ihm, sich in der Nähe des Streiklokals während des Streiks wieder sehen zu lassen. Dennoch sei der An- geklagte etwa zwei Stunden später in der Nähe des Streiklokals, wenn auch an einer andern Straßenecke betroffen und deshalb sistiert worden. Gegen dieses Urteil legte der Angeklagte durch seinen Verteidiger, R.-A. Dr. H e i» e m a n n. Berufung ein. Derselbe führte aus. daß eine Aufforderung, sich während des ganzen Streiks nicht wieder an den Streilort zu begeben, für eine im Sinne des Gesetzes zu- lässige Aufforderung nicht anzusehen sei. UeberdicS sei der An- geklagte der an ihn ergangenen Aufforderung nachgekommen. Wenn er, nachdem er aufgefordert war, weiter zu gehen, dies gethan habe, dann aber 2 Stunden später wiederum in die Nähe des Ortes ge- kommen sei. an dem die Aufforderung zum Weitergehen an ihn er- gangen war, so könne darin ein Ungehorsam gegen die an ihn er- gangene Aufforderung nicht gefunden werden. Obwohl in der zweiten Instanz die Beweisaufnahme genau dasselbe Ergebnis hatte wie vor dem Schöffengericht, beantragte diesmal der Siaatsanwalt selb st die Freisprechung, auf die der Gerichtshof auch erkannte. Derselbe nahm an. daß allerdings die Aufforderung des Schutzmanns zulässig gewesen sei, aber der Angeklagte habe bei dem Inhalt der an ihn ergangenen Aufforderung annehmen können, daß er derselben nachgekommen sei, wenn er sich einige Stunden später an eine andre Stelle als die. an der die Aufforderung an ihn ergangen sei, begeben habe. Da der Schutzmann dem Angeklagten nicht ganz bestimmte Straßen be- zeichnet hatte, in denen er sich nicht aufhalten durfte, konnte in dem Verhalten des Angeklagten eine Verletzung des Straßenpolizei- Reglements nicht gefunden werden. Drei jugendliche Rowdies. die ihrer Rauflust in der empörendsten Weise die Zügel haben schießen lassen und dabei ein Menschenleben vernichtet haben, standen gestern vor der 9. Straf- Jammer des Landgerichts T. Es waren dies der Tischkergeselle Karl R ö l l e und die Arbeiter Max Schmidt und Theodor Heinrich. Ihnen wurden 8 Fälle vorgeworfen, in denen sie in der Nacht des 3. Februar ohne Sinn und Verstand in der Schulstraße eine ganze Reihe harmlos auf der Straße gehender Personen augegriffen und zu Boden geschlagen haben. Die Sache begann damit, daß sie einen jungen Mann, der vor deni Hause Schulstr. 29 stand, nach dem daselbst belegenen Tanzlokal befragten. Der junge Mann gab die erlvünschte Auskunft, erhielt aber zur Belohnung mehrere Faustschläge ins Gesicht. Auf sein Hilfegeschrc'i kam feine Mutter aus dem Keller herbeigeeilt, sie wurde aber von den drei Angeklagten so energisch zurückgestoßen, daß die alte Frau die Kellertreppe hinabstürzte. Nun schrie die Frau wieder um Hilfe und ihr Ehemann eilte zu ihrer Unterstützung herbei. Er wurde sofort mit Schlägen empfangen und so verprügelt, daß er im Gesicht blutete. Als er sah, daß Rölle ein Messer aus der Tasche zog. es aufklappte und Miene machte. auf ihn loszugehe», rief der Bedrohte seiner Frau zu, ihm schleunigst die Feuerzange zuzureichen. Dies genügte, um die drei„Helden" in die Flucht zu treiben. Auf der Straße fanden sie ihren Mut wieder. Einen ihnen entgegenkommenden jungen Mann schlugen sie ohne weiteres ins Gesicht, warfen ihn zu Bode» und traten ihn mit den Stiefelabsätzen ins G. ficht. Mehrere junge Männer bearbeiteten sie gleichfalls ohne jede Veranlassung mit den Fäusten. Sehr traurig erging es dem 16jährigcn Arbeiter Alfred Kellner, der ein Tanz'lokal besuchen wollte und auf dem Flur des Hauses auf die Angeklagten stieß. Er trat mit dem Rufe„ich bin gestochen worden" auf die Straße. konnte sich aber nicht lange aufrecht halten, sondern brach zusanimen und lag bald in einer gewaltigen Blutlache. Er hatte einen tiefen Stich in den linken Oberschenkel erhalten und mußte nach der Unfallstation in der Lindowerflratze gebracht werden. Aerzt- liche Hilfe war aber vergebens. Der Stich hatte die Schlag- aber durchschnitten und der furchtbare Blutverlust hatte den Tod des jungen Menschen zur Folge. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Rölle den verhängnisvollen Mefferstich geführt, es hat sich aber in dieser Beziehung nichts feststellen lassen,' da die Angeklagten sich dumm stellten und einer den andern nichtverriet. Der Staatsanwalt beantragte gegen den am meisten belasteten Rölle 2 Jahre, gegen die beiden andern je IVs Jahre Gefängnis. Der Gerichtshof hielt diese Strafen angesichts der empörenden Roheiten, die diese jungen Burschen in gemeingefährlicher Weise verübt haben, für viel zu milde. ~ ö l l e wurde zu vier Jahren, Schmidt und Heinrich zu e drei Jahren Gefängnis verurteilt. Im Prozeß gegen den Frauenmörder Kost in Bremen chreiten die Verhandlungen nur langsam vorwärts. Interessant waren die Aussagen der Mutter des Angeklagten. Sie bestätigt, daß ihr Sohn ihr den Tod seiner Frau angezeigt und mitgeteilt habe, daß er seinen Hausstand auflösen und wieder nach Oeftreich kommen würde. Während er in Wien Arbeit suchte, seien bereits zwei Briefe der Vodicka bei ihr, der Mutter des Kost, eingelaufen, die an sie, die Mutter, adressiert, aber für Kost bestimmt gewesen seien. Der erste der Briefe habe eine heiße Liebeserklärung der Vodicka an ihren Sohn enthalten. Die Vodicka habe u. a. geschrieben, sie müsse ihn haben, er sei der einzige Mann, den sie lieben könne, auch 'ei sie doch ganz begehrenswert, denn sie besitze 1009 Gulden, eine schöne Aussteuer und habe noch eine Erbschaft zu erwarten. In dem andren Briefe habe die Vodicka geschrieben, sie würde sich das Leben nehmen, wenn Kost sie nicht erhöre. Beide Briefe habe sie Kost nach Wien nachgesandt. Tie Vodicka habe sie nie gesehen, sie könne nur sagen, daß sie mit ihren Nachstellungen ihren Sohn unglücklich gemacht habe. Sie, Frau Kost, habe nie etwas anderes gewußt, als daß Kost die Schimera heiraten werde, denn diese habe er allein geliebt. Desgleichen habe die Schimera ihn sehr lieb.— Präs.: Stehen Sie denn mit ihr in Verbindung?— Zeugin: Ja, sie dient jetzt in Chicago und hat mir erst in diesen Tagen geschrieben, daß sie sehn- 'richtig auf die Rückkehr ihres Mannes, meines Sohnes, wartet. VersÄnnttümgem Die Etnccateure hatten am Sonntag eine stark besuchte Ver« ammlung, in der Link über den„Niedergang der Konjunktur und deren Auswüchse" referierte. An den mit Beifall aufgenommenen Vortrag knüpfte sich eine längere und sehr rege Besprechung, die rch namentlich gegen die Accordarbeit und die zu diesem Zweck mit Begünstigung der' Unternehmer nengegründete„Freie Vereinigung" richtete. Wie der Vorsitzende D a s ch ü I t bemerkte, waren die Mit- glieder derselben zu diefer Versammlung eingeladen, und auch erschienen, ohne indeffen auf die gegen sie gerichteten, oft sehr heftigen Angriffe auch nur einmal zu antworten. Auch die Poliere bekamen mancherlei Vorwürfe zu hören. Röhr. Grünberg. Scholz. Rösner und der Zimmerer K n ü p f e r ergänzten noch einige Aeußerunge» des Referenten über die gegenwärtige Krise im Baufach, die nach ihrer Meinung hauptsächlich durch Ueberspekulation, die Kriegstvirrcn Transvaal und China und die daraus entstandene Ver- tcifung dc-Z städtischen Hypotheken- und Geldmarkts entstanden i't. Die Versammlung nahm dann einstimmig die bereits veröffentlichte, schon im Centralverband der Stuccateure zur An- nähme gelangte Resolution an. Mittels einer andren Resolution wurde ebenfalls einstimmig beschlossen, die M a i f e i e r wie bisher durch Arbeitsruhe zu begeben. Von der Firma H a m p e l u. Vogt wurde noch mitgeteilt, daß sie die Arbeiter zum Austritt aus dem Verband und zum Beitritt zur„Freien Vereinigung" auf- gefordert habe. Es wurde vorläufig erivähnt. daß alle auS solchem Anlaß eventuell Entlassene als Gemaßregelte unterstützt werden. Auch die Frage der Arbeitslosenunterstützung soll später in der Organisation besprochen werden. Eine außerordentliche Mitgltedcr-Versammlnug der Ver- goldcr, die am 25. März stattfand, wählte zunächst Carl Stell- macher als Kassierer. Sodann beschäftigte sich die Versammlung mit der Maßregelung des Werkstatt-VertrauenSinannS bei der Finna A u g u st W e r k m e i st e r. Diese Maßregelung ist um so verwerf- licher, als der Betroffene nicht weniger als 9 Jahre bei der Firma thätig ist. Die Versammlung nahm denn auch folgende Resolution an:„Die heute in den Arminhallen tagende außerordentliche Mitglieder- Versammlung der Vergolder und Berufsgenossen sieht in der Entlassung des Kollegen Heinke eine Maßregelung und behält sich für die Zukunft die weiteren Schritte vor."— Die Versammlung überwies dann noch den streikenden Glasarbeitern 160 M. Der I.Mai wird wie in den Vojahrcn durch Ruhenlassen der Arbeit gefeiert. Marktpreis« von Berltn am 27. März kvKI Kartosiew. neue, D-Ctr. RtudNetsch, Keule 1 do Bauch, Schweiuesleisch Kalbfleisch Hainmelflelfch. Butter »)Wt!zen, gilt D.-Etr. 15,65) 15,93 mittel, 15,91 15,89 gering, 15,87 15,85 )Roggeti, gut.>4,25 14,24 mittel. 14,23 14,22 gering. 14.21 14,20 Berflk, gut. 15,60 14,80 mittel. 14,70 13.90 Eier gering. 13,80 13,10 Karpfen Haser, gut. 15,90 15.40 Aale mittel. 15,30 14.90 fZmid«, gering. 14,80 14,40 Hechte Nichislroh. 7,- 6,66 Barsche en. 7,80 5,50 Tchieie .rbsen. 40,- 25,— Bleie Speisebohnen. 45,- 25,- Krebse Linsen, 70.— 30,— ») ab Bahn. Produktenmarkt vom 28. März. Getreide. Die Tendenz für Getreide blieb fest, aber eS fehlte nach wie vor an Unternehmungslust und das Geschäft blieb daher sehr still. Im Periso. war Weizen anfangs eine Kleinigkeit fester, nachher leicht abgeschwächt, Roggen unverändert. DaS essettive Angebot erstreckte sich hauptsächlich aus Walla-Walla Wcizcn und bedeutende Mengen inländischen Roggens, der jedoch kaum unterzubriligen war, da die Mühlen auf Grund des schlechten Mehlabsatzes selbst die Lieferungsprcise unterbieten. Mehl war sehr still. Hafer und MaiS fest, aber ruhig. Rüböl matter auf niedrigere Saateuvreisc in England. Spiritus 20 Pf. abgeschwächt, 70er loco 44,30 M. 7— 60 Glück 1kg per Schock 7- 1,60 1,30 1,60 1,80 l,60 2,60 4- 2,20 260 2 80 2,20 1.80 3- 1.40 12- 5- 1 20 1— I 20 !,— 1,— 2— 260 1,20 >.- 1,20 1,20 0,80 1,20 0,80 3.- Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Ttröbel in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Berlag von Max Bading in Berlin.