with tand 6 stod is in diep adapti and Bandagutin of sat 730 18. Jahrg. Nr. 76. Abonnements- Bedingungen: d sid sdiout trapongobati Sud) 2 Vorwärts Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 fg. fret ins Saus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags Nummer mit illuftrierter Sonntagss Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft Abonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in der Boft- Zeitungs. 979 Preisliste für 1901 unter Dr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. ug sli stod of Berliner Dolksblatt. ednalisdit comm 190 D Die Insertions- Geban beträgt für die fechsgespaltene Rolonete geile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinss und Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Bleine Anzeigen" tebes Wort 5 Pig. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bie nächste Muntmer müffen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben 150 werden. Die Erpedition ift an Wochens tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. indi bilo nodsp plaid nad 1150 1939 aid nant Telegramm Adresse: Socialdemokrat Berlin 1 Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. ad id sid Mit dem Abbrud von Roman 139390 915 Emile Zola's comm Gaia su Arbeit tirb morgen( Sonntag) im Vorwärts" begonnen. " Kaisersorgen. Sonnabend, den 30. März 1901. 992 Kurfürsten und des Großen Königs stets auf unfrer Seite war!" Auch der Wortlaut dieser Ansprache ist nicht beglaubigt und nach einem andren Berliner Blatt hat der Kaiser auch von Ver. fuchen gesprochen, „ die herzliche Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland zu trüben, Versuchen, die bedauerlicherweise borübergehend Erfolg gehabt haben." sutni nomm allo stu sit this uni Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. wohl ein, daß ihr Ansehen im Lande trop der Monopole im Riedergange ist, in dem Maße, als selbst im eigentlichen Rechtsleben Rechtsprechung mit Rechtsbewußtsein im Volle in Widerspruch tommen, in dem Maße, als die Rechtspragis eine Kunst ber Bunft wird, unzugänglich dem gefunden Menschenverstande. si Das Rechtsleben steht aber so hoch und ist so wichtig, daß in der weiteren Entwicklung die Juristen sich selbst schaden, wenn sie nicht durch neue Bildungselemente das Ueberlieferte er gänzen." Diese Worte des Reichsoberhauptes hätten unter andren Um ständen als der augenblicklich obwaltenden wohl erheblich bes Dabei atmet die Riedlersche Rede im übrigen durch und unruhigen müssen. Denu diese Auffassung der Stellung Deutsch durch reaktionären Geist; der Herr Professor schwärmt für die lands zu den auswärtigen Staaten steht in wahrhaft er militärische Wehrkraft des Landes, er will den Offizieren und schredendem Widerspruch zu all den Versicherungen, die uns den Juristen als den wichtigsten Trägern des königlichen Vervon Regierungsvertretern stets und bis auf die jüngste Beit gegeben trauens die höchsten Ehren und alle verantwortbaren VorDie Worte des Kaisers gegen Berlin existieren für den worden sind. Noch in den kürzlichen Mitteilungen des Reichstanzlers rechte zukommen lassen, nur sollen die Juristen nicht in allen „ Reichs- Anzeiger" noch nicht. Die„ Norddeutsche Allg. Beitung" im Reichstag wurde erklärt, Deutschland habe ringsum be. Verwaltungen tonangebend sein. fennt die Umzugsfeftlichkeiten der Alexander- Grenadiere und die freundete Nachbarn, insbesondere das Bündnis mit Herr Schönstedt wies den vorlauten Neuling, der Ansprache des Monarchen nur aus der Kreuz- Beitung", deren Oestreich und Italien- das einen Stampf in der minder mit den Gepflogenheiten des Hauses noch nicht bekannt zu Darstellung fie wiedergiebt. Aber es wird nicht bestritten heit für uns ausschließenso II- sei unerschüttert und fester sein scheint, in die gebührenden Schranken zurück. Mit lebund kann nicht bestritten werden, daß die von uns mit- denn je. Nach den jezigen Worten des Staisers wäre das falsch haftem Bedauern konstatierte er, geteilte schärfste Fassung der wichtigsten Stelle der An- beurteilt oder hinfällig geworden. Danach umbräuen das deutsche sprache die richtige ist. Auch dem" Hamburgischen Korrespondent" Reich schwerste Gefahren von außen und nur die Hilfe Gottes im wurde gestern abend aus Berlin telegraphiert, die Ansprache des Himmel könne helfen. Raisers habe einige Sätze von besonderer Schärfe ent- Doch wir hoffen, die auswärtigen Besorgnisse des Kaisers find halten, die in den vorliegenden Berichten nur in abgleich seinen Berliner Befürchtungen nur aus der augenblicklichen geschwächter Form wiedergegeben werden". Ein genauer Depression seiner Stimmung entsprungen und stimmen nicht überein Tegt der gesamten Rede liegt noch nicht vor und Graf Bülow mit der Wirklichkeit unsrer internationalen Beziehungen. hat die früher gegebene und von den Anhängern der Monarchie Wir hoffen auch, daß der alarmierende Ruf des Kaisers: Feinde freudig aufgenommene Busage schlecht gehalten, daß Kaiserreden, ringsum! im Auslande eine ebenso ruhige Beurteilung finden ehe fie in der Oeffentlichkeit verbreitet werden, seine Censur paffieren wird wie die Rede bei der Einweihungsfeierlichkeit im Inlande ruhig sollen. und gemeffen aufgenommen wird. Die Revolutionsbefürchtungen des Kaisers bildeten gestern und Heute in Berlin das Tagesgespräch. Der Vorwärts" wurde so start begehrt wie taum je. In der Bevölkerung Berlins herrscht, so weit wir das feststellen können, allgemeines Erstaunen über die nachhaltige tiefe Berstimmung des Reichsoberhaupts, aus der allein man fich feine düftere Zukunftssorge zu erklären versucht. Die liberale Presse verwahrt sich eifrig gegen das Urteil des Kaisers über Berlin. Einige Blätter, wie das Berl. Tageblatt", benutzen die Gelegenheit, ihre Loyalität und Verehrung vor dem Herricherhause anzupreisen. Die National- Beitung" zeigt in diesem Falle mehr bürgerliches Selbstbewußtsein, indem sie erinnert, daß die 1848er Ereignisse gerade durch die Schuld der Krone, ihrer Berater und der damals herrschenden tonservativ junterlichen Partei notwendig geworden waren". 地址 „ daß soeben aus dem Munde des Vorrebners Aeußerungen gefallen find, wie wir sie in diesem Hause bisher nicht gewohnt waren, Aeußerungen wie die, daß das Ansehen und Bertrauen zur Justiz in startem Rückgang begriffen sei, daß im Volte die Rechtsprechung vielfach nicht verstanden werde, daß fie sich im Widerspruch mit dem Rechtsbewußtsein des Boltes bea finde.( Sehr richtig! rechts.) Er zweifle nicht, daß dieser scharfe Angriff in gewissen Kreisen ein lebhaftes Echo wecken wird, die wir bisher als staatserhaltende anzusehen nicht gewöhnt waren.( Beifall rechts.) Solche Angriffe hier zu hören, halte er im höchsten Grade für bedauerlich, und er lege deshalb entschieden Berwahrung ein gegen die Richtigkeit des Urteils, das der Herr Vorredner auszusprechen fich bewogen gefühlt habe."( Lebhafter Beifall rechts.) Und das muß sich ein Mann sagen lassen, dessen Rede in einem Hurra auf den Kaifer als den weitausschauendsten Mann gipfelte! sta Scharfmacher- Hofintrignen? dod duolinistite Die National- 8tg." bemerkt zur Rede des Kaisers Sollte dem Kaifer etwa die socialdemokratische Bewegung wieder einmal als eine solche Gefahr dargestellt worden Die Erwartung, Herr Schönstedt würde beim Justiz sein? Wenn dies geschehen ist, dann haben vielleicht die Inter etat dem Genossen Haase auf seine fürzlich im Reichstag gegen effenten der hohen Agrarzölle eine politische Ge die Justizverwaltung gerichteten Vorwurf der Beeinflussung fahr, die für sie bestehen mag und die durch ihre Schuld eine allgemeinere werden könnte, für eine persönliche Gefahr von Staatsanwalten in Ostpreußen antworten, ging nicht in des Königs und seines Hauses ausgegeben. Diese Gefahr Erfüllung. Nur Herr v. Blehwe, Oberlandesgerichts- Präsident aber fann nicht durch das Alexander- Regiment, sondern nur in Königsberg, sah sich veranlaßt, die Unabhängigkeit der Ge durch eine richtige, volkstümliche Wirtschaftspolitit belämpft sinnung und die Unbefangenheit des Urteils der ostpreußischen werden." Richter zu preisen. Dem nationalliberalen, Hannoverschen Courier wird aus Berlin geschrieben: Die tonservativen Beitungen zeigen fich auffällig zurild- In der Fiktion eines Mordanfalls und in dem Festhalten haltend. Sie haben fortdauernd gegen Berlin getobt, doch aus der jezigen Kaiserrede können sie offenbar teine Förderung ihrer politischen Wünsche erwarten. Nur die Post" und die Berliner Neuesten Nachrichten" unternehmen einige müßige Vorstöße gegen die„ socialdemokratische Gefahr", ohne rechte Luft, gewohnheitsmäßig. Die Post" wiederholt ihr tausendfach abgeleiertes Verstein von der Socialdemokratie, die zwar jetzt Vorsicht übe, aber schließlich durch gewaltsame Revolutionsausbrüche die Herrschaft an sich reißen wolle. Wir erinnern die" Post" nur an die Worte von Friedrich Engels, die der Socialdemokratie in ihren Kämpfen ein Klassisches Leitwort geworden sind: Nach Art der Sigung irgend eines Kriegervereins vollzog sich die Beratung des Kultusetats, die Graf Ziethen. Schwerin mit folgender stimmungsvoller Rede einleitete: Wir leben in einer ernsten Zeit, und der Ernst der Zeit tommt doppelt zum Bewußtsein angesichts des traurigen Falls des furchtbaren Attentats auf die geheiligte Person unfres geliebten Monarchen. Gott der Herr hat in Gnaden seine an dieser Fiktion liegt System. Die Konservativen wollen unter allen Umständen politisches Kapital schlagen aus diesem fluchwürdigen Anschlag". Die pessimistische Anschauung des Kaisers, die in seiner Antwort auf Herrn v. Kröchers Ansprache so zeichneten Thatsache zu erklären, daß man auch in der Umcharakteristisch zu Tage trat, ist nur aus der uns berbürgt beschützende Hand über das Haupt seines Gesalbten gehalten, so gebung des Kaisers bemüht ist, ihn in dem Verdacht, daß doch in Bremen ein Attentat gegen ihn verübt worden set, zu beftärken." Das Ansland und die Kaiserrede. Wien, 29. März.( B. H.) Die hiesigen Blätter brüden bei der Besprechung der gestrigen Rede des deutigen Saifers Die Fronie der Weltgeschichte stellt alles auf den Kopf. Wir, die Befürchtung aus, daß dieselbe auf das Verhältnis zwischen die„ Revolutionäre", die Umstürzler", wir gedeihen weit besser Militär und Civil eine bedenkliche Rückwirkung ausüben werde. bei den geseglichen Mitteln als bei den ungefeßlichen Frankfurt a. M., 29. März.( B. H.) Der Frautf. Beitung" und dem Umsturz. Die Ordnungsparteien, wie sie fich wird aus New 9ort gemeldet: Die gestrige Rede Kaiser nennen, gehen zu Grund an dem von ihnen selbst geschaffenen ilhelms hat hier ganz ungewöhnliches Aufsehen gegeseglichen Zustand. Sie rufen verzweifelt mit Odilon Barrot: macht, doch sind die Kommentare der Morgenblätter nicht wiederla légalité nous tue", die Gefeßlichkeit ist unser zugeben. Indessen klingt allgemein die Ansicht durch, daß keine Tod, während wir bei dieser Gesetzlichkeit pralle Muskeln und Spur von Gefahr für den inneren Frieden Deutschlands zu berote Backen bekommen und aussehen wie das ewige Leben." merten ist. Politische Neberlicht. Berlin, den 29. März. Herrenhäuslerische Scherze. daß nichts Schlimmeres eingetreten ist, und wir dürfen von der Gnade Gottes erwarten, daß er unsrer Fürbitte auch ferner Gehör gewährt, aber das fetzt voraus, daß jeder Einzelne, jeder gute Christ, jeder gute Patriot an feiner Stelle seine Pflicht im äußersten Maße erfüllt. Und was von jedem Einzelnen gilt, das gilt auch für die Korporationen, für die Staatsbehörden und für beide Häuser des Landtags. Wir sehen aus den verschiedenen Etats, auch aus dem der Justizverwaltung, daß unsre Regierung nichts versäumt, idealen Interessen zu sorgen. Nur bin ich der Meinung, daß das um neben dem materiellen Wohle des Volts auch für die noch nicht in genügend ausgedehntem Maße geschieht, um den böfen Geift der Zeit zu bekämpfen, der in allen Schichten der Bevölkerung eine Macht gewonnen hat, die geradezu entseglich ist und der zum Ausdruck kommt in Thaten, wie dort in Bremen. Es thut mir leid, daß Bremen in diesem Zusammenhang so oft ge nannt werden muß. Es steht in Bremen nicht schlimmer wie in allen andren Orten, wo durch Socialdemokratie und Anarchisten Umtriebe so bewerkstelligt werden, daß die Geister vollständig bethört sind, daß durch sie eine Kritik geführt wird, der nichts mehr heilig, nichts erhaben, nichts verehrungs würdig ist." Die" Post" meint ferner und ähnlich äußert sich das Kruppsche Schleifblatt, die Feindschaft der Socialdemokratie richte sich mit besonderer Heftigkeit gerade gegen die Person Kaiser Und wozu diese schönen Worte? Lediglich um höhere Wilhelm 11." Dies ist im allgemeinen nicht ganz richtig und im Das Herrenhaus hat am Freitag den Staatshaushalts- Summen für die evangelische Kirche vom Staat zu erbetteln. besonderen die neueste Rede des Kaisers hat die Social- Etat genehmigt und wird nun einige Wochen hindurch der Herr Graf Ziethen- Schwerin versteht sich aufs Geschäft. Die demokratie keineswegs mit besonderer Heftigkeit befehden zu müssen wohlverdienten Ruhe pflegen. Möglicherweise treten die Lorbeeren des edlen Grafen ließen einen ganz gewöhnlichen geglaubt, wie jeder bestätigen wird, der den Sinn unsrer Be- Herren erst nach Pfingsten wieder zusammen. Wir gönnen Sterblichen, der nicht einmal ein von" vor seinem Namen trachtungen verstanden hat. Wir haben lediglich und zwar in ihnen die Erholungspause von Herzen, denn die Anstrengungen trägt, nicht schlafen. Herr Professor Dr. Küster, der Ver Uebereinstimmung mit zahlreichen gut bürgerlichen Blätternden der letzten Tage waren zu groß, und namentlich die Schluß treter der Universität Marburg, beklagte sich darüber, Eindruck, den der unglückliche Bremer Zufall auf den Kaiser hervor sigung brachte eine Fülle von Aufregungen, denen selbst die daß der Idealismus des ärztlichen Berufs bereits gebracht, festgestellt und bedauert. träftigsten Naturen unter ihnen nicht gewachsen sind. etwas erschüttert sei und machte dafür das an sich so wohlDie heute vorliegenden Berichte über den letzten Teil der Ist die Welt aus den Angeln, ist etwa die Revolution, thätige" Krankenkassen- Gesetz verantwortlich, das bedenkliche Umzugsfeftlichkeiten zeigen, daß die Befürchtungen des Kaisers tu von der der deutsche Kaiser sprach, bereits im Anzuge? Erscheinungen im Gefolge gehabt habe. Die Vorstände der auswärtigen Politik nicht minder start find als in der m preußischen Herrenhause, dieser Pflanzstätte wahrhaft vor der Krantentassen seien in den größeren inneren. Nach der Kreuz- 3tg." hielt der Kaiser beim Festmaht nehmer, edler Gesinnung und echter Vaterlandsliebe, macht Städten Socialdemokraten und weil die Aerzte im Offizierstafino eine weitere Ansprache, in der er die sich der Geist des Umsturzes breit. Ein Mitglied des vielfach von diesen Vorständen abhängig seien, hätten es leider viele Tüchtigkeit und die Verdienste des Offiziercorps vom Alexander- Hauses, der frühere Rettor der technischen Hochschule zu Aerzte über sich gebracht, ihre Ideale beiseite zu lassen und Regiment feiert und schließlich die Stellung des Reiches Charlottenburg, der erst fürzlich aus allerhöchstem Vertrauen ins socialdemokratische Lager überzugehen". gegenüber dem Auslande also tennzeichnete: berufene Professor Riedler, hat über die Justiz einen Unter ähnlichen geistreichen Reden zog sich die Debatte " Ich habe das feste Vertrauen, daß daß Offiziercorps des Ausspruch gethan, der verzweifelte Aehnlichkeit mit den An volle sechs Stunden hin. Hoffentlich werden nun die berufs. Alexander- Regiments stets feinen Aufgaben gerecht werden wird, schauungen der Socialdemokraten hat. In einer längeren mäßigen Nörgler endlich davon abstehen, immer und immer indem es seine Soldaten für den einen Moment erzieht, wenn Rede über das Verhältnis der geplanten Schulreform zur wieder dem Herrenhause, das doch auf's neue so klar und es gilt, mit Blut und Leben die Trene zu König und Baterland Justizverwaltung warf er den Juristen vor, daß das Streben deutlich seine Existenzberechtigung bewiesen hat, etwas am zu befiegeln. Dies Bewußtsein verleiht mir die Gewißheit, daß nach Gleichstellung aller höheren Lehranstalten an ihrem Vor- Zeuge zu flicken. wir trogdem überall stegen werden, wenn wir auch von Feinden urteil zu scheitern droht, und verstieg sich dabei zu folgender rings umgeben sein werden, und wir wohl mit der Minder: Aeußerung: heit gegen die Mehrheit zu kämpfen haben werden. Denn es lebt ein gewaltiger Verbündeter, das ist der alte gute Gott im Himmel, der schon seit den Zeiten des Großen Und der Bürgermeister? Der Herr Justizminister müßte allerdings gegen die Zunft- m Gegensatz zu dem Verfahren des Präsidenten des anschauung auftreten und die einseitigen Machtbestrebungen der Suristen bekämpfen. Klarsehende Juristen sehen aber Abgeordnetenhauses, Herrn v. Kröcher, hat der Berliner Ober stem erniedrigend ist sowohl für die Regierung( oder nicht?!) als auch für den Pfarrer. Sigungen des Landtags hat heute stattgefunden. In fünfundbürgermeister Herr Kirschner, der bei der Einweihungs- Ider Kanzel von dem gefte in gebührender Weise gesprochen? suchungshaft. Drei Nummern des Blatts sind hintereinander bes Rede des Kaisers anwesend war, es unterlassen, die doch 3. Hat der Herr Pfarrer fein Pfarrhaus mit einer Reis fahne schlagnahmt worden. offenbar an die Adresse der Stadt Berlin gerichtete Botschaft beflaggt? Wilhelms II. der Stadtverordneten- Versammlung zur Kenntnis- unterbeamten sagen? Ich meines Teils finde, daß solches SpionageWas wird wohl Herr v. Buttkamer zu diesem Eifer" feiner nahme zu unterbreiten. Wenn auch anzuerkennen ist, daß Herr Kirschner mit dieser Zurückhaltung die parlamentarischen Gepflogenheiten Bis dahin habe ich es mir zur Pflicht gemacht, jedem Wunsche beffer gewahrt hat als der Präsident des Abgeordneten meines hochw. Herrn Bischofs nachzukommen; ich muß aber jezt hauses, so hätte es andrerseits die Berliner Stadt erklären( und wie ich denken auch andre), daß, so lange diefes verordneten sicher interessiert, in authentischer Form zu er- Spionage system feitens des Herrn Gendarmen fortdauern wird, und fahren, zu welchem Zwecke ein in der Stadt errichtetes Ge- so lange der Wunsch des hochw. Herrn Bischofs, der Schulfeier beim bäude dienen solle. Kaisersgeburtstage beizuwohnen, nicht Befehl wird, ich dieser Schulfeier nicht mehr beiwohnen tann. Wir meinen auch, daß der Kaiser den Wunsch gehegt Mit dieser Art Germanisation" des Reichslands erzieht man haben muß, daß durch Vermittlung des Oberbürgermeisters die Bepöllering entweder zur politischen Heuchelei oder man reizt feine Ansicht zur allgemeinen Kenntnis gelange, und so hätte sie zum direkten Widerstand gegen die Wünsche des Gouvernements. man vielleicht doch die Sache über die Form stellen und den Auf alle Fälle aber wird das Gegenteil von dem erreicht, was man Stadtverordneten Gelegenheit geben sollen, sich über die faiser bezivedt. lichen Anschauungen zu informieren. Mit dem diplomatischen stummen Hinweghuschen ist niemals etwas gethan. Es ist unter allen Umständen das beste, wenn man den Dingen flar ins Gesicht sieht. ngen far 290 ற்கர் bas becite, tDeim mait bEi Est- Deutsches Reich.ds Verspätete Energie. Aus München, 28. März, wird uns geschrieben: In der von den beiden Kammern eingesetzten StändehausBautommission erklärte der Finanzminister v. Riedel, b. die finanziellen Verhältnisse des Reiche feien fp schlecht geworden, daß nicht nur die früheren langjährigen Ueberweisungen des Reichs aufgehört haben, sondern zur Tilgung der Reichsschulden die Matrikularbeiträge heranzuziehen sind. Dagegen wehre fich die bayrische Regierung zwar energisch, doch sei es zweifelhaft, ob sie mit ihrem Protest durchbringen werde. of Der Kampf gegen den Brotwucher. of gegen In Neuß, der schwärzesten Ede des ultramontanen Rheinlands, fand in der Restauration Im Marienbildchen" eine Versammlung statt, die sich mit der Erhöhung der Getreidezölle befaßte. Nach einer scharfen Diskussion, an der auch Kaplan Gryjer, der Vorsigende des dortigen chriftlichen Arbeitervereins, teilnahm, wurde eine Resolution gegen die Erhöhung der Getreidezölle angenommen. Gegen den 2ebensmittel- Bucher wurde in Shlesien neben andren Flugblättern eine vom Verlage des Proletarier aus dem Eulengebirge" herausgegebenes Flugblatt in 112 000 Gremplaren verbreitet. dood dis Zolldebatten in der hessischen Kammer. Im hessischen Landtag gab der Staatsminister Rothe hinsichtlich der Haltung seiner Regierung zur Handelspolitif eine ausweichende unbestimmte Antwort. Es werde Aufgabe der Regierung sein, sich zu bemühen, daß bei der Lösung der schivebenden Frage jedem Erwerbsstand das werde, was ihm gebühre. Abg. Ha as Mainz( Soc.) ironisierte den, Kompromißantrag der Mehrheit, in dem fich die agrarischen Antisemiten, die bei der Berweigerung eines Minimalzolls von 7 M. mit der Revolution drohten, mit den Vertretern der fanfteren Tonart friedlich einigten, um sowohl den Abschluß von Handelsverträgen als auch erhöhte SEC Zölle zu verlangen. Dem Centrum hielt der Redner vor, es sei Der Herr Baron hätte eben früher seine Energie zeigen müffen, als es galt, den Chinarummel und die Flottenverstärkung zu verhindern. Nachdem jezt die Millionen verpulvert sind, wirkt sein Aus dem Großherzogtum Sachsen- Weimar. Weimar den 27. März 1901. Eine der denkwürdigsten einhalbstündiger lebhafter Debatte, anläßlich der Minister gehälter, wurde von der gesamten Linken die rechtliche Frage der Versammlungsverbote zur Sprache gebracht. Es waren teine Schmeicheleien, die die Regierung von unfren Genoffen Baudert, und Neidt und den freifinnigen Abgeordneten Caffelmann und Kühner zu hören bekam. Nach monatelanger Vorbereitung hätte man annehmen sollen, daß zu seiner Verteidigung der Minister v. Wurmb gewichtigeres Material ins Treffen geführt hätte. Mit füß- faurer Miene gestand man regierungsseitig zu, daß man entgegen den Anschauungen des Herrn Prof. Abbe in Jena in rechtlicher Beziehung richtig gehandelt habe, ob jedoch in praktischer Beiehung, daß sei eine andre Frage. Schließlich lam es zu einer icharfen persönlichen Auseinandersetzung zwischen dem Minister b. Wurmb und dem Abg. Baudest. Die Ausdrücke Hezer" auf der einen und hundsgemeine und ekelhafte Handlungsweise auf der andren Seite gaben einen Beweis für den erregten Ton. Der Aufforderung, den Wunſch des Herrn Prof. Abbe zu erfüllen und denselben wegen Beleidigung der Regierung unter Anklage zu stellen, ging man vorsichtig aus dem Wege, ebenfalls fonnte man auf die Aufforderung Banderts, auch nur einen Fall anzuführen, daß durch das Verhalten eines socialdemokratischen Nedners im Großherzogtum sich die bei den Verboten angeführten Gründe beweisen lassen, nicht einen einzigen Beweis dafür erbringen. Sichtlich erleichtert atmete der Herr v. Wurmb auf, als das parlamentarische Strafgericht beendet und sein Gehalt bewilligt war. Daß man fich übrigens auf etwas Außergewöhnliches vorbereitet hatte, bewies die Hinzuziehung eines Aushilfsftenographen. Die Pestgefahr wird immer größer; sie beginnt sich auch auf Europa zu erstreden. Aus Bremerhaven wird vom 20. d. M. berichtet: Nachdem auch an der Westküste Australiens Bestfälle vorgekommen sind, ist laut Bekanntmachung des hiesigen Quarantäneamts die gesundheitspolizeiliche Kontrolle auf alle aus Häfen des australischen Festlands tommende Schiffe ausgedehnt worden. hessischen Stammer hat der Abgeordnete Genoffe ll Irich einen Entschädigung für unschuldig Verhaftete. In der Zweiten Herbert Bismarcks Berspottung der Bülowschen Chinapolitit für die Gegenwart die Lebenshaltung zu verteuern und zu ver- Gesezentwurf vorzulegen, welcher eine Entschädigung für unschuldig gefällt dem russischen panslavistischen Organ„ Roffija" ausnehmend. schlechtern und dadurch die Sterblichkeit in der Arbeiterschaft zu Berhaftete porsieht. shoppi Recht habe Herbert Bismard, wenn er in Bülows Erklärung, daß begünstigen und dann für unabsehbare Fernen den Hinterbliebenen Darmstadt, 29. März. Die Erste Kammer trat dem von Deutschland in China lediglich wirtschaftliche Interessen verfolge, nur diefer Opfer der agrarischen Zollpolitik eine Versorgung, die im der Zweiten Stammer befchloffenen Erfuchen an die Regierung, den rhetorischen Redeschmuck sehe. günstigsten Falle zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel Bundesratsbevollmächtigten zu instruieren, daß er für die Be wäre, in ganz unsichere Aussicht zu stellen. willigung von Diäten an die Reichstags- Abgeordneten Wie oft auch Bülow von den wirtschaftlichen Intereffen Die Rebner des Centrumns und der Nationalfiberalen treten für ftimme, nicht bei. Die Zweite Rammer beharrt auf ihrem Bc. spricht, das Wesen der Sache wird hierdurch nicht verändert und alla mutiti nicht aufgeklärt. Deutlich bleibt nur das Fakt, daß Bülow fich angemessenen Sollschutz, der Antisemit Wolff für eine ausgiebige djluß. Es ist Sollerhöhung ein. 2 Anfall von Energie mehr tomisch. bit red elp liau medoch eine eigenartige Bethätigung christlicher Sinnesart, dem Volle Antrag eingebracht, die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst einen e und andren Märchen zu erzählen wünſcht. Es ist Dr. David( Soc.) geht, geſtüßt auf ein reiches amtliches dois Ausland, ollision 0916 schwer zu begreifen, was eigentlich Bülow antreibt, Bahlenmaterial, mit den Behauptungen der Agrarierführer insan sidie Dänemark.de mig int immer im Streife herumzugehen. Die chinesischen Angelegenheiten sind so verwidelt und fompliziert, daß es sich nicht ericht. Es sei objektiv unwahr, daß 35 Broz. der Bevölkerung Die Wahlen zum Folkething, die diesmal auf Grund des Deutschlands an den Getreidezöllen interessiert seien. Eine von ziemt, fie durch verschiedene, zum mindesten nicht aufder hessischen Regierung veranstaltete Enquete neuen Wahlgefeges geheime find, finden am 3. April ftatt. Die richtige Erklärungen noch weiter zu verwickeln. Von solchen Erklärungen wird der Horizont nicht heller, den ein dichter Nebel ergebe, daß die Gütchen unter givei Heftar nicht nur feinen Nugen inte und die mit ihr verbündete Socialdemokratie haben bes gegenseitigen Mißtrauens zwischen den solidaren" Vernünftig von den Getreidezöllen, sondern direkten Schaden haben, weil ihre in 88 bezw. in 30 Streifen Kandidaten aufgestellt. Das besonders des gegenseitigen Mißtrauens zwischen den solidaren" Vernünftig Befizer Brotgetreide hinzukaufen müffen. In dieser Lage befinden die Socialdemokraten mit ihrer jezigen mächtigen Organi machern Chinas deckt. Man kann annehmen, daß Bülow, der zu sich von den 51/2 Millionen landwirtschaftlichen Betrieben Deutsch fation einen neuen Sieg erringen werden, gilt als zweifellos. Bei demselben Schluß fommt, daß das Wesen der Intereffen Deutschlands 48 Proz., nämlich ca. 3/4 Millionen. Bei den Gütern zwischen den Wahlen im April 1895 erhielt dieje Gruppe, die bis dahin nur heben Deutschen von dort möglichst schnell fortgehen, einft Güter über 5 Settar hätten Nugen aus den Zöllen. Das sei etwa und bei den Wahlen von 1898 stieg die Zahl der socialdemokratischen teilen hierüber nicht offen reden will. Jedoch lange ein eter man fann es so nicht fortgehen. Die Deutschen wünschen zn wiffen, ein zehntel der Bevölkerung. Wolle man den kleinen und mittleren Abgeordneten auf 12. In den lezten drei Jahren hat die Partei weshalb ihre Regierung nach China gekommen ist und was sie Bauernstand heben, so dürfeman nicht Getreidezölle einführen, von denen große Fortschritte gemacht. weshalb ihre Regierung nach China gekommen ist und was sie er nur Schaden habe, sondern man nüffe vielmehr die reinen FinanzItalien. bort thun will. Wie ihr wollt, die Deutschen haben ein Recht, fich zölle, unter denen der kleine Landwirt ebenio leide, wie die andren un- Diäten für die Abgeor für diese Frage zu interessieren, während sie uns Ruffen nicht intere bemittelten Stände, beispielsweise die Zölle auf Kaffee und Be- Diäten für die Abgeordneten. Der Abgeordnete Guiliqui effieren kann. Unsere Interessen werden wir vertreten, und wenn troleum, aufheben. Durch die Getreidezölle werden den 25 000 hat in der Kammer einen Gesezentwurf eingebracht, welcher einen die Deutschen sich in China fest fahren, so ist das ihr eigener Großagrariern und Junkern, die schon jetzt aus der Kontingentierung zeitig ein Gebot der Billigkeit zu erfüllen bestimmt ist. Die Ablange gehegten Wunsch der italienischen Voltsvertreter und gleichguter Wille. Das ruffische Blatt charakterisiert den Grafen Bülow nicht übel des Spiritus und der Zuckerprämien vom Reiche jährlich ganz und kennt die Stimmung des deutschen Volkes offenbar erheblich erhebliche Liebesgaben beziehen, erneut die Taschen gefüllt, auf geordneten sollen von jest ab Diäten erhalten und zwar in der besser als der deutsche Reichskanzler. hit del padain Bauern möchten sich doch einmal angesichts der historischen Entwicklung ohne, Urlaubsfernbleiben, verlieren die Hälfte ihres EinKosten der Hermiten und Allerärmsten in Stadt und Land. Die Form eines Figums von 9000 Lire jährlich. Kein Abgeordneter darf darauf verzichten, aber jene, die fünf Sigungen nach einander man die Autorität untergräbt, zeigt ein angeblich zum des Verhältnisses zwischen Junkern und Bauern fragen, ob der Junker Schutz der Autorität geschriebener Artikel der Post", der in poffier- wirklich zum Nutzen und Vorteil des Bauern thätig sein könne und wolle. lommens, und wenn sie zehn Sizungen verjäumen, auch das Mandat. lichsten Bochsprüngen hüpft. Zuerst wird, dahingestellt, ob für die Noch heutigen Tags bethätigen die Großgrundbesitzer und Groß- Minister und Unter- Staatssekretäre beziehen feine Diäten, ebenjo Epilepsie, die in Bremen einen Unfall des Kaisers veranlagt hat, die industriellen, die sich in erster Linie als die Retter des Bauernstands andre Staatsbeamte, deren Gehalt 9000 Lire oder mehr beträgt. Socialdemokratie verantwortlich zu machen sei. Sicher sei, daß das aufspielten, ihre Bauernfreundlichkeit dadurch, daß sie, wie Freiherr haben, erhalten als Abgeordnete die Differenz zwischen ihrem Gehalt Jene Abgeordneten, welche einen Gehalt von weniger als 9000 Lire Wort von der schwindenden Autorität in erster Linie gegen die v. Heyl, die Bauern austaufen. Helfen werde man dem und den 9000 Lire ansbezahlt. Das Gesez, welches ohne Zweifel Socialdemokratie gerichtet sei, die demnach erst seit dem Tode Landwirt nicht durch fünftliche Verteilerung der Lebensmittel, sondern mit großer Mehrheit angenommen werden wird, soll mit der nächsten Bilhelms 1. zu existieren scheint. Dann erinnert sich das Blatt, badurch, daß man ihm die Ausnutzung der Fortschritte der Techni vegislatur- Beriode in Wirksamkeit treten. daß es zum Schutz der Panzerflotten- Patrioten unterhalten werde, und Wissenschaft durch staatliche Unterstützung erleichtere, Legislatur- Periode in Wirksamkeit treten.- 19 mange af spilRußland. und schlägt als Mittel zur Kräftigung der Autorität der ihn durch staatliches Gintreten bei Seuchenverlust 2c. vor Krone bor, zunächst einmal die Autorität des großem Schaden bewahre. Für solche Bewilligungen werden auch Die Studenten- Unruhen ziehen weitere Kreise. Einer der Unternehmers zu stärken. Man müsse den Wahn zerstören, die Socialdemokraten stets zu haben sein. hervorragendsten Lehrer der Hochschule, Professor Bialsľubsti, daß die Arbeiter auf eine vorzugsweise Fürsorge seitens Am Freitag wurde die Debatte fortgesezt. Ministerialrat Braun richtete an den Stadthauptmann einen Proteft wegen des brutalen des Staats und der Gesellschaft berechtigten Anspruch hätten. Ein versuchte ziffernmäßig nachzuweisen, daß die Not der Landwirtschaft Vorgehens der Polizei gegen die Studenten anläßlich der letzten großer Teil der Industriearbeiter gehöre wegen der gestiegenen Löhne erheblich gestiegen sei. Die amtlichen Anfstellungen über die Ber- Studenten- Unruhen. Infolge dieses Proteftes wurde der Profeffor feit Jahren nicht mehr zu den Schwachen und Schußbedürftigen und schuldung aus den Provingen Starkenburg und Oberhessen böten feines Amtes entsegt und aus der Residenz ausgewiesen. bätte deshalb fein Recht auf besondere Fürsorge seitens Staats. ein wahrhaft erschredendes Bild. In den letzten Tagen haben sich in Petersburg ein Offizier, ein Mittelstandspolitit, nicht Arbeiterpolitit müsse getrieben werden, weil Graf Oriola( natl.) will keine Handelsverträge à la Caprivi, Student und eine Studentin erschossen; angeblich find diese Personen erstere ja allerdings für die Großindustriellen äußerst billig ist. Mit aber inter allen Umständen Handelsverträge. der Untergrabung der Autorität der Unternehmer fange die Social- bg. Köhler Langsdorf( Antis.) meint, wenn die deutschen in die letzten Unruhen verwidelt. Unterschleife. Nach dem plöglich erfolgten Tod des Chefs des demokratie an, dann folgt die Beseitigung der Autorität in den Fürsten nicht mit dem Bauer Hand in Hand gingen, so sei Staatsbetrieben mit dem Endziel der Bernichtung der Disciplin im es ihr eigner Schaden. Er frage gar nicht barnach, desiaer Zollbezirks, des Wirklichen Staatsrats Iwanow, Heer, bis schließlich auch die Autorität des Staats und der Krone zum ob es dem Industriearbeiter gut oder schlecht gehe, find Unterschleife im Betrag von mehreren Millionen Teufel geht. Also ist die Hauptsache: der Absolutismus der Industrie- da ja diefer auch nichts darnach frage, wie es dem Bauer gehe. Rubel aufgedeckt worden. Zahlreiche Beamte wurden verhaftet. herren muß hergestellt und die Socialdemokratie niedergeschlagen Mit der Profefforenweisheit tönne der Bauer nichts anfangen. Mit Gegen diefelben ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. der Berufung auf Aeußerungen früherer Reichskanzler mache man Mag sein, daß die" Post" einige Schwachsinnige oder sonst bei ihm feinen Eindrud. geistig Gestörte unter ihren Lesern hat, auf die ihr Gefasel Eindruck Ministerialrath Braun: Die Entwicklung der Grundbesitzmacht. Jeder andre ficht sofort, daß die" Post" mit ihren An- verteilung im Großherzogtum Hessen vollziehe sich in der Nichtung regungen gerade die Autorität der Krone aufs schwerste erschüttert, der Bargellierung, nicht der Latifundienbildung. die sie schüßen will; denn die Gedanken" der" Post" über die Seffen fei in der Lage, die Ernährung seiner Bevölkerung voll Socialpolitik richten sich in erster Linie" gegen die ständig aus den Erträgniffen feiner eignen Landwirtschaft zu besorgen. Februar Erlasse Wilhelms II. Die Berhältniffe, der hessischen Landwirtschaft lägen jedenfalls jo, daß man Preise schaffen müsse für die landwirtschaftlichen Produkte, die dem Landwirt die Luft zur intensiven Wirtschaft und zur frendigen Arbeit nicht raubten. werden. " Wie pflegte doch Herr v. Stumm zu seinen„ Post"-Leuten zu fagen: Welch ein hat denn wieder diesen Artikel geschrieben! " einen Türkei. die Ein Prozeß gegen Bulgaren ist soeben in Salonili zu Ende geführt worden. Nach Privatmeldungen wurden von 19 wegen revolutionärer Umtriebe angeklagten Bulgaren drei zum Tode verurteilt, sieben zu lebenslänglich ent Gefängnis, fünf zu fünf Jahren und einer zu einem Jahr Gefängnis. Amerita. General Aguinaldos Zukunft macht den Amerifanern einige Sorge. Den gefürchteten Mann auf den Philippinen lassen, ist nicht unAbg. Dr. Gutfleisch( frf.): Die Behauptung der Agrarier, gefährlich, ihn in Gefangenschaft, etwa nach Amerita schleppen, wird Die mittlere Linie. Auch die Miquelschen Berliner Politischen daß die Nahrungsmittelzölle den Breis der Nahrungsmittel nicht er böses Blut machen. Unterwirft er fich freiwillig, fo wäre die Frage Nachrichten" bereiten nun darauf vor, daß der Zoll kaum mehr als höhen, sei hinfällig, denn dann würden sie ja, da auch der erhoffte ja gelöst. Wie der General Mac Arthur nach Washington 5 M. betragen werde, und daß die agrarischen Forderungen auf Gewinn filr diefen Fall ausbleiben müßte, gar feinen Zwed telegraphiert, beabsichtigt angeblich Aguinaldo dieses. sieben oder acht Mart teine Aussicht auf Verwirklichung haben. haben. Wenn er haben. Wenn er sich nun frage, ob diese Preiserhöhung Mac Arthur meldet telegraphisch, er hoffe, daß die Feindseligfo viel Nugen bringe, daß der Schaden feiten auf den Philippinen demnächst überall aufhören werden. Gr Durch dieses Zoll- Kompromiß wird die Gefahr für die Arbeiter dem schaft nur noch größer. Auch ein 5 Mart Zoll bedeutet brutalen des andern dadurch zum mindesten aufgehoben werde, so könne er halte es für wahrscheinlich, daß infolge der Konferenzen, welche Brotwucher, der das Volt jährlich mit einer Extrafteuer von einer den Belveis dafür um so weniger als erbracht anfehen, als der gegenwärtig stattfinden, Aguinaldo eine Rundgebung er fleine Landwirt ja gar nichts davon haben würde. Dagegen sei es laffen werde. in welcher er zur allgemeinen Unter halben Milliarde belastet. ficher, daß eine Berteuerung des Konsums und eine Er- werfung, Auslieferung der Waffen und Annahme werung der Lebenshaltung weiterer Bevölkerungsfreise ber a meritanischen Suprematie rät. die unausbleibliche Folge sein würde, und daß die Gefahr herauf beschworen werde, daß Handelsverträge überhaupt nicht mehr zu stande fämen. 3 Nachdem Herr v. Miquel sich anscheinend gleichfalls auf die mittlere Linie begeben hat, versichert sein Organ, er denke gar nicht daran, nach Frankfurt a. M. ins Privatleben zu flüchten, Verurteilungen polnischer Blätter. Aus Bofen wird uns nding( bigjor berichtet: Zum Kapitel der Zwangsgermanisation wird uns aus Elfaz Lothringen vom 27. März geschrieben: Wie weit die Gesinnungsschnüffelei durch die Organe der Staatsgewalt im Lande der Diftatur getrieben wird, dafür bringt ein neues Wegen eines Artifels„ Mene tekel, der die Ungerechtigkeiten, Beispiel eine Zuſchrift, die der katholische Pfarrer eines besprach, die sich Preußen während seines 200jährigen Bestehens elfäffischen Dorfs in der Nähe der Schweizer Grenze an den hat zu Schulden kommen lassen, wurde der Redacteur der flerifalen Straßburger Boltsboten" gerichtet hat. Er schreibt: Soeben erfahre ich aus ganz zuverläffiger Quelle, daß der Herr Braca", Koniewski, zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. loung( off HE 15TH Gendarm folgende Fragen an den Herrn Bürgermeister meiner urteilt. long( bited an old miss Die Strafen, die gegen Redacteure der Braca" in letzter Beit es Gemeinde richtete: 1. Hat der Herr Pfarrer der Schnlfeier bei Gelegenheit des verhängt wurden, find außerordentlich hart. 8wei von den Raisergeburtstags beigewohnt? 2. Hat der Herr Pfarrer auf Redacteuren find bereits im Gefängnis, ein dritter in UnterDie Die Friedensverhandlungen im Unterhause. In der Donnerstags- Sigung des Unterhauses entspann sich eine lebhafte Debatte über das Scheitern der Friedensverhandlungen in Südafrika. Der Abgeordnete Il re fagte, nachdem die Verhandlungen zwischen Botha und Kitchener zu Ende feien, follte die Regierung och offen alles fundgeben, was ihr belanut fei. Chamberlain ruft: Wir haben mitgeteilt, was wir wissen; ist nichts vorhanden, was nicht veröffentlicht worden wäre. Ure fortfahrend: Ich nehme an, daß seitdem etwas Besonderes vorgefallen ist. dustis and is not 13 Jamal Chamberlain ruft: N e i n..- � U r e: Es ist undenkbar, daß in der eingehenden Mitteilung über die Konferenz nicht die geringste Andeutung enthalten sein sollte über den Grund von Boihas Einspruch gegen Milner und darüber. lunS den Abschluß des Friedens verhinderte. Kein Sieger Hütte einen, Besiegten billigere und großmütigere Bedingungen stellen können.... � Dillon, den Redner unterbrechend: Die nredertrach- tig st en Bedingungen, die jemals ge st ellt worden sind. Ure schließt mit der Bemerkung, daß die nächsten Eröffnungen von den Boeren kommen nmßtcn. Nachdem noch verschiedene andre Redner gesprochen, erklärt Chamberlain: Der Einspruch, den Botha erhob, richtete sich gegen Milners Ernennung zumGeneralgouver- n e il r der beiden Kolonien, und der Einspruch wurde bei der Zu- sammenkunft mitKitchener vorgebracht. Ich glaube nicht, daß dieser Punkt für Botha irgendwie bestimmend bezüglich der Friedens- bedi'ngnngen war. Englands Ziel ist. einen ehrenhaften, daueniden Frieden zu erlangen. Amnestie für die Rebellen aus der Kapkoloni e ist deshalb a b g e I e h n t worden, weil sie imJnteresse des Staats bestraft werdcnmüsse». Im Verlaufe der Sitzung erklärte der Erste Lord des Schatzes Balfour, die Regierung denke nicht daran, zu gestatten, daß die ehemaligen Minister der Kapkolonie Merriman und Sauer vor dem Unterhause bezüglich der zur Beilegung des Südafrika-Streits zu befolgenden Politik angehört würden. Schließlich wurde nach mehrstündiger Debatte die dritte Lesung der AppropriationSbill mit 183 gegen 47 Stimmen angenommen. Lifsabou, 28. März. Der Dampfer„Benguella" ist hier mit zahlreiche» Boeren an Bord eingelaufen; 400 derselben haben sich von Lissabon nach der Citadelle von Peniche begeben, der Rest, gegen 300. sind nach Alcobaca aufgebrochen. General Pienaar nebst Familie ist in Begleitung eines portugiesische» Generals nach Themar abgereist. Während der Seereise sind 5 Boeren gestorben; 43 sind bei ihrer Ankunft in Lissabon krank in ein Krankenhaus ge- bracht worden. Stimmung iu England. Der frühere Abgeordnete Sir Edward Clarke, dessen b o er en freund li'ch e Haltu,ng ihn zwang, sein Mandat niederzulegen, hielt gestern eine bemerkenswerte Rede, in der er er- klärte, daß infolge der Ablchnnug der gerechten Bedingungen, die England den Boeren angeboten hatte, sich jeder der Regierung an- schließen müsse, um das Ende des Kriegs möglichst schnell herbei- zuführen._ ®ie Arbeiterpresse in Sachse». Nach einer Zusammen- stellung des sächsischen Centralkomitees haben die sächsischen Partei- blätter zusammen 80 400 Abonnenten. Sie verteile» sich mit 25 000 auf die„Leipziger Volkszeitung". 18 000„Sächsische Arbeiterzeitung". 16 000„Chemnitzer Volksstimme", 8000„Zivickauer VolkSblatt", 8000„Volksfreund" sKopfblatt der„Sächs. A.-Z.") und 5400 der wöchentlich erscheinende„Arme Teufel für die Oberlausitz". Außer- dem wurden für 45 GewerkschaftSblätter 80 701 Abonnenten gezählt, während für 8 solcher Blätter die Zahl der Abonnenten nicht zu erinitteln war. Polilrilichrs, Gerichtliches«Nv. — Zu einem Monat Gefängnis ivnrde der Redac'eur des „Zwickauer Volksblatts", Genosse R. Albert, vom Schöffengericht in Crimmitschau, also anscheinend unter Anwendung des fliegende» Gerichtsstands verurteilt. Nähere Angaben liegen noch nicht vor. — Der Arbeitersekretär Emil Neukirch in Breslau war vom dortigen Schöffengericht wegen Beleidigung des Polizei- präsidiuniS zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Das Berufmigsgericht erkannte dagegen auf 100 M. Geldstrafe. Der deutsch-englische Dangtse-Vertrag. Im englischen O b e rh a n s e kam am Donnerstag auf eine Anfrage Spencers der deutsch- englische Vertrag zur Sprache. Der Marquis of Landsdowue legt den Vertrag Inders ans, als es der Graf B ü l o w im deutschen Reichstage gcthan hat. Die Klausel II bezieht sich nach ihm auf ganz Ehina, mithin auch auf die Mandschnret. In der Klausel II heißt es. daß die Möchte ihrerseits die gegenivärtige Verwickelung nicht dazu benutzen wollen, um für sich irgend welche territorialen Vorteile auf chinesischem Ge- biete zu erlangen, und werden ihre Politik darauf richten, den Territoria lbestand des chinesischen Reichs un- vermindert zu erhalten. Der englische Minister des Ausivärtigen fährt dann fort:„Ich habe in den Blättern Berichte über die Rede des Grafen Bülow gesehen, in denen angedeutet wird, daß die deutsche Re- gierung die Klausel in von dem unsren abweichenden Sinne interpretiere. Ich muß aber das Haus bitten, zu erwägen. ob der Punkt sehr wesentlich ist, da alle Mächte, mit Einschluß Deutschlands, wiederholt erklärt haben, daß die Integrität Chinas aufrecht erhalten werden soll. Wir wissen auch, daß Deutschland die chinesische Regierung gewarnt hat, sich in Sonder- vertrage mit andren Mächten einzulassen. Es macht sicherlich nichts viel aus, ob Deutschland zn diesem Schluß auf Grund des deutsch-englischen Vertrags gelangt ist oder auf Grund von Er- wägungen der allgemeinen Politik." Nach englischer Interpretation hätte sich Deutschland im Interesse englischer Interessen gegen die russische Besetzung der Mandschurei wenden müssen; die deutsche Regierung hat aber bei Abschluß der Verhandlungen die Mandschurei als ein Gebiet be- zeichnet, in welchem die Vertragsmächte einen Einfluß nicht aus- üben könnten. Es zeigt dies wieder, wie ungemein gefährlich die Abmachungen wie überhaupt die ganze Khakipolitik sind, die Gefahr des Ausbruchs eines Weltkriegs eine ständige ist. Redner kommt dann auf das M a n d s ch u r e i- A b k o m m e n zu sprechen und er- klärt, er könne nicht sagen, ob solches Abkommen getroffen worden sei. Wir hätten die die Mandschurei betreffenden Vereinbarungen zwischen Rußland und China durchaus nicht in mißbilligendem Sinn zn kritisieren, wenn solche Verabredungen auf einen rvocius vivendi hinauslaufen. Andrerseits würde, wenn die zu unsrcr Kenntnis ge- kommenen Versionen über das Abkommen richtig find, da? Ab- kommen Bestimmungen zu enthalten scheinen, die' sich nicht auf die Mandschurei beschränken lind nicht provisorischer Art sind, und von denen einige anscheinend unsrc Vertragsrechte beeinträchtigen. Es ist darauf hingewiesen worden. diese Versionen könnten von ein und demselben ehrgeizigen Lokal- bcamtcn losgelassene Versuchsballons oder Erfindungen übel gesinnter Personen sein, die Uneinigkeit zwischen den Machten säen wollen. Wenn Rußland durch Kenntnisgabe des wirklichen Wortlauts deS Abkommens die Regierpng nur in den Stand setzen wollte, den falschen Auffassungen ein Ende zu bereiten, so würde die Regierung sich freuen, mit Rußland gemeinsam auf dieses Ziel hinzuwirken. Was solcher Hoff- nung aber entgegensteht, ist das Geheimnis, in welches die Verhandlungen gehüllt sind. Der Minister sprach sodann noch die Hoffnung auS, daß cS bald möglich werde, die Truppen zurückzuziehen oder ihre Zahl bedeutend zu verni rudern. Die Verhandlungen schreiten zwar langsam fort, aber wir können uns. obgleich das nicht über- raschcnd ist, mit dem Gedanken trösten, daß hinsichtlich gewisserGrnndsätze in den politischen Fragen im ganzen Einmütigkeit unter den Mächte» herrscht. Diese Priuciprcn sind die folgenden: Wir befinden unS nicht im Krieg mit China. Wir wünschen nicht, territorialen Vorteil auS diesen Vorgängen zu ziehen. Wir erkennen den bindenden Charakter der bestehenden VcrtragSverpflichtungen an. Wir wünschen die Politik der„offenen Thür" einzuhalten und daß, wo Vor- zugSrechte gewisien Mächten zugestanden worden sind, dort allen andren Mächten gleiche Chancen gegeben werden. Der Tientsiner Zwischenfall eiledkgt. Die„Russische Telegraphen-Agentur" erfährt, daß zur Beendigung des Tientsiner Zwischenfalls zwischen den Befehlshabern der russischen und der englischen Truppen die nachstehende Vereinbarung getroffen ist. Der Befehlshaber der englische» Streitkräfte in Stell- Vertretung des Generals Gaselee, General Narrow, crllärt: 1. daß' eine Verletzung der russischen Flaggen nicht in der Absicht der englischen Behörden gelegen habe und daß die von Rußland behauptete Entfernung der russischen Grenzzeichen weder auf Befehl noch mit Kenntnis der englischen Militärbehörden erfolgt sei, 3. daß die begonnenen Arbeiten nicht werden fortgesetzt werden, bevor nicht die Frage des Eigentumsrechts zwischen den beiden Regiernngen geordnet ist oder bevor man nicht zu einem gegenseitigen Einvernehmen darüber gelangt ist, 3. daß die englischen Schildwachen und Posten werden zurückgezogen werden. Der russische General Wogasi erklärt, daß die rnssischen Schildwachcn und Posten ebenfalls werden zurückgezogen werden, sobald die englischen Schildwachen und Posten entfernt sein werden. Gegen de« Mandschnrei-Vertra.q. London, 29. März. Wie der„Standard" aus Shanghai von gestern meldet, haben bisher sechs Vicekönige und sieben Gouverneure dem patriotischen Koniitee in Shanghai telegraphisch ihre Zustimmung zn der Agitation gegen die Unter- Zeichnung des Mandschurei- Abkommens über- m i t t e l t._ 14. Cmral'LechWlW des keiltraloMM delltscher zmmerer. Nürnberg, 28. März. Das Ergebnis der Delegiertenwahl zum Gewerkschaftskongreß ist folgendes: Schräder- Hamburg, K u b e- Berlin, RJ) s ch- Köln, K e m m e r- Itzehoe, F a i l e n s ch mi d t- Stuttgart, Schmidt- Berlin, R o i e- Leipzig, Walther- Dortmund. Ersatzleute: Lehmann- Altona und Kaiser- Frankfurt a. M. Ueber den Punkt Arbcitslosen-Untcrstütznug referiert Ecke- Hamburg, der die Notwendigkeit der Eiiiführung dieses Ultterstiitznngs- zweiges»achzuweisen sucht; man müsse zu diesem Mittel greifen, wenn inan'die Kameraden dauernd an die Organisation fesseln und die vom Verband erkämpften Errungenschaften auch in Zeiten des wirschastlichen Niedergangs behaupten wolle. Die vom Verband gepflogenen Er- Hebungen hätten ergeben, daß eS möglich sei, die Arbeitslosen- Unterstützung durchzufiihren. So habe man auch die Pflicht, sie ein- zuführen. Es liegen drei Entwürfe des CentralvorstaudS vor. Der erste sieht einen Wochenbcitrag von 20 Pf. in der ersten und zweiten Lokmklasie, einen solchen von 25 Pf. in der dritten und vierten Lohn- klaffe vor. Wer dem Verband ununterbrochen ein Jahr laug nngc- bört, soll bei Arbeitslosigkeit nach sechstägiger Wartezeit auf die Dauer von 6 Wochen eine tägliche Unterstützung von 55 resp. 75 Pf. erhalten. Die Unterstützung soll auch während der Wintermonate ausbezahlt werden. Der zweite Entwurf schließt die drei Wintermonate auS, setzt den Wochenbeitrag auf 15 resp. 20 Pf. fest und will eine Unterstütznng von 80 Pf. bezw. 1.10 M. vom 6. Tage der Arbeitslosigkeit an auf die Dauer von 6 Wochen gewähre». Der dritte Entwurf sieht auch für den Winter Unterstützung vor, aber erst nach zwölftägiger Arbeitslosigkeit. Die Wochenbeiträge sind auf 20 Pf. beziv. 25 Pf. normiert, während eine Unterstütznng von 75 Pf. bezw. 1 M. gewährt werden soll. Ecke empfiehlt den zweiten Enüviirf zur Annahme, Der Korreferent Rösch- Köln bekämpft die Unterstützung nicht aus prineipiellen, sondern aus laktischeu Gründen. Die vom Bor- stand berechnete Beitragserhöhung würde nicht ausreiche», die Kosten zu decken. Eine wesentliche Beitragserhöhung in Zeiten Wirtschaft- lichen Niedergangs würde viele Mitglieder dem Verbände entfremden und so würde durch die ArbeitSIosen-Unterstützung das Gegenteil dessen erreicht werden, was der Vorstand und die Freunde des Antrags damit bezweckten. R u d I o f f- Erfurt ist der Ansicht, daß die ArbeitSlosen-Unter- stützung eingeführt werden müsse. Auch eine Umzugsnuterstützung sei notweudig. Spiegel- Frankfurt a. M. meint, unter de» jetzigen Wirtschaft- lichen Verhältnissen sei die Einführung nicht möglich. S tro f- Potsdam weist aus die guten Erfolge des Cigarren- arbeiter-Vcrbands mit der Arbeitslosen-Uiiterstützmig hin. In diesem Verband seien 24 Proz., in dem der Tnbakarbeiter. der diesen Unterstütznngsziveig nicht habe, nur 12 Proz. der Benifskollegen organisiert. Th ielmann- Leipzig ist für die Einführung auf Grund der Erfahrungen, die in Leipzig mit der lokalen UnterstützungSlaffe gemacht wurden. Reimann- Berlin: Für die Beitragserhöhung inüsse eine Kompensation geschaffen werden, sonst gewinne der Berliner Lokal- vercin die Oberhand. Kaiser- Frankfurt a. M.: Die Beiträge seien schon jetzt viel zu hoch, die Unterstützung der Arbeitslosen sei Sache des Staats undcher Kommune. Kuhn- Berlin schlägt folgende Resolution vor: „In Erwägung, daß alle Redner sich fiir die Arbeitslosen-Unter- stützung erklärt haben, von einzelnen Rednern aber die Befürchtung gehegt'wird, daß durch die Einführung der ArbeitSIosen-Unterstützung ein Rückgang der Mitgliederzahl herbeigeführt werde, in fernerer Erwägung, daß eine Anzahl Mitglieder im Interesse der Organi- 'ation die Arbeitslosen- Unterstützung nicht für notwendig halten, diese Auffassung aber irrig ist. beschließt die General-Bersainmlnng: 1. Die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung im Princip. 2. Alle Delegierten zu verpflichten, in ihrem Wirkungskreis in die Propaganda für die Einführung der Arbeitslosen-Unterstützung einzutreten. 3. In der 1. Woche des August 1901 im Verband eine Urabstimmung, und zwar über den Entlvurf 3 vorzunehmen, die beiden andren Entwürfe bleiben außer Betracht. Die ArbeilSlosen- Unterstützung gilt als angenommen, wenn sich 2/3 der Mitglieder da- 'ür aussprechen. 4. Die zur Urabstimmung erforderlichen Schritte bleiben der CentraUeitung überlassen. 5. Entscheidet die Urabstimmung für Einführung der Arbeits- losen-Unterftützung, so tritt der Entwurf 3 mit 1. April 1902 in Kraft und zivar so, daß die Beitragserhöhung ab 1. April, und die Unter- stützung ab 1. Juli beginnt. Diese Resolution wird mit 76 gegen 12 Stimmen angenommen. GeivevKprfjttftlirsxes. Berlin und Umgegend. Die Holzarbeiter hatten am Freitag eine Verhandlung vor dem EinigUNgSamt, welches eitenS der Unternehmer angerufen worden ist, nn, eine zwischen ihnen und de» Arbeitern bestehende Meinungsverschiedenheit wegen der Auslegung deS nach dem vorjährigen Streik abgeschlossenen EiiiigilngSoert'ragS zu beseitigen. Es handelt sich um die Zuständigkeit der Achtzehner- Kommission. Während die Arbeiter der Ansicht sind, daß die Kommission alle Streitig- leiten, welche aus dem Arbeitsverhältnis herrühren, zu entscheiden habe, namentlich auch solche Differenzen, ivelche wegen der Festsetzung der Löhne in bestimmten Fällen entstehen, wollen die Unternehmer, daß nur solche Lohnstreitigkeiten vor die Achtzchner- Kommission zu bringen sind, wo der im EinignngSvertrage festgesetzte Mindestlohn von 24 M. nicht erreicht wird, und daß Streitigkeiten um die Lohnhöhe solcher Arbeiter, die mehr als 24 M. Wochenlohn verdienen, nur zwischen den be- treffenden Arbeitern und Unternehmern ohne Einmischung der Achtzehner-Kommission zu regeln sind. Die Vertreter der Arbeiter betonten, daß ja die Kommission deshalb eingesetzt sei, damit sie durch Schlichtung aller aus dem Arbeitsverhältnis herrührenden Differenzen der Lcrhängung von Streiks und Sperren vorbeugen solle, und daß sie auch in dieser Hinsicht zur Zufrieden- heit beider Teile gewirkt habe. Herr Friedrichs erkannte an, daß die Kommission bisher segensreich gewirkt habe und daß es deshalb wünschenswert sei, wenn sie alle Streitfälle zu regeln habe. Auch Herr B r y schloß sich dieser Ansicht später an, nachdem er anfangs für Einschräiikrmg der Zuständigkeit gewesen war. Besonders scharf trat Herr R a h a r d t für die Be- schränklmg der Kompetenz der Kommission ein: Wenn die Arbeiter diesen Wünsche» der Arbeitgeber nicht zustimmen— sagte er— dann habe die Achtzchner-Koinniission für die Meister keinen Wert, und es wäre besser, sie würde abgeschafft. Der Antrag der Arbeitgeber geht dahin: Die Achtzehner- Kominission hat nur Differenzeu aus dem bestehenden Arbeitsverhältnis zu regeln. Sie trägt den Charakter einer ver- mittelndcn Instanz oder eines Schiedsgerichts. Gegen die Be« schränkung der Zuständigkeit auf das b e st e h e n d e Arbeitsverhältnis opponierten die Vertreter der Arbeiter, den», sagten sie, es würden danach alle solche Fälle nicht vor die Kommission gebracht werden können, wo der Arbeiter, der mit einer Lohnkürzung nicht ein- verstanden ist, einfach entlassen wird mit dem Bemerken, daß er ein neues Arbeitsverhältnis eingehen könne, ivenu er sich mit dem vom Arbeitgeber gebotenen Lohn zufrieden erkläre. Füp dies neue Arbeitsverhältnis wäre also die Kommission nicht zuständig und Verhandlungen über Lohnherabsetzungen unter den gedachten Umständen ivären ausgeschlossen. Dem könnten die Arbeiter unter keinen Umständen zustimmen, sie müßten das Recht haben, über die Vornahme von Lohnreduktionen in der Kommission zu verhandeln. Ueber diesen Punkt entstand noch eine lebhafte Debatte. Die Unternehmer bemerkten, sie könnten jetzt, wo eine große Arbeitslosigkeit herrscht, ihre Mitglieder nicht zwingen, die zur Zeit bestehende» Löhne aufrechtzuerhalten. Die Parteien einigten sich schließlich auf folgender Grundlage: Die Achtzehner-Kommission hat die Aufgabe, die aus dem be« stehenden Arbeitsverhältnis herrührenden Streitigkeiten zu schlichten. Ausgeschlossen sind solche, die einen politischen Charakter tragen, so- wie Entlassungen, die aus einem gesetzlichen Grunde erfolgt sind. Wenn die Zuständigkeit der Kommission in einem bestimmten Fall angezweifelt wird, so entscheidet über die Zuständigkeit je 1 Arbeit» gcber und Arbeitnehmer unter Hinzuziehung eines GewerberichtcrS. Es tritt eine Kommission von je 3 Arbeitgebern und Arbeitnehmer» unter Vorsitz eines GcwerberichterS zusammen. Dieselbe hat bis zum 1. Mai eine Geschäftsordnung für die Achtzehner-Kommission auS« zuarbeiten. I» der Besprechung über die Einzelheiten deS BergleichS wurde von beiden Seiten betont, daß es hinsichtlich der Zuständigkeit der Kommisston vorläufig beim alten bleibt, und die endgültige Regelung durch die Geschäftsordnung stattzufinden hat. Maler und Anstreicher l Ueber die Firma Johannessen und Hzlansso», Schöneberg, Habsburgerstr. 11, auf den Bauten Regens- burgerstr. 2. Münchenerstr. 2 und Victoria Luisenplatz 11, dauert wegen Maßregelung und Nichtbezahlung des Tarifs die Sperre un-> verändert fort. Wir ersuchen die gesamte organisierte Bau- arbciterschast unS zu unterstützen. Die Gewerkschaft der Maler. Deutsche» Reich. Der Streik der Glasarbeiter in Nienburg n»d Schauen- stein dauert unverändert fort. Den Bemühungen der Agenten des Herrn Heye ist eS gelungen, ca. 10 russische Glasarbeiter»ach den Streilorten zu dirigieren.' Die meisten dieser Leute machen eine» üble» Eindruck und sind auf deutsche Verhältnisse nicht eingearbeitet. Sie werden deshalb den Kämpfenden keinen Schaden zufügen können. Einer dieser russischen Glasarbeiter, welcher durch falsche Vorspiegelung— es wurde ihm gesagt, c4 sei kein Streik— hierher gelockt sein will, ist, da er die Arbeit nicht fort- setzen wollte, per Schub wieder abgereist. Einen andren Streikenden, welcher russischer Staatsangehöriger ist, wurde seitens des Bürgermeisters angedroht, daß. falls er nicht arbeite, er ausgewiesen werde. Indessen setzt die Behörde ihre Bemühungen zur Unterdrückung deS Streiks fort. Die Zahlstelle des Verbands ist. iveil sie angeblich Lehrlinge tu» Verein Hoven soll, polizeilich bis zur gerichtlichen Eni« scheidung geschlossen. Der 1. Bevollmächtigte erhielt einen Straf- befehl von 15 M., weil er eine Sammlung veranstaltet haben soll. Ein andres Vorstandsmitglied wollte mau kurzerhand verhaften, weil es einen Kollegen auf dem Bahnhofsperron begrüßte und hierdurch denselben belästigt haben sollte. Ein Streik- komitee-Mitglied soll dadurch einen Arbeitswilligen beleidigt haben, daß es die Kollegen aufforderte, sich in keinen Verkehr mit demselben einzulasien. Von feiten eines Polizeibcamten wurde der betreffende Arbeitswillige aufgefordert, Strafantrag zu stellen, was derselbe jedoch abgelehnt hat. Die'Streikenden können trotz dieser VerfokgnngSmittel an ihrer Sache nicht irre werden, im Gegenteil, der Kampf verschärft sich, und auch die fühlen die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit, die bisher an eine Harmonie glaubten. Der Streik der Strasienbahn-Angestellten in Halle. Die gemischte Kommission wurde am Donnerstag bei dem Ober- vürgermeister Staude vorstellig und tnig die Beschwerden der Wagen- sührer vor. Herr Staude bezweifelte zunächst, daß die Mißstände so haarsträubender Natur seien, er erklärte sich aber auf Ersuchen bereit, wegen der Angelegenheit mit dem Direktor der Bahn-Gesellschaft in Verbindung zu treten. In der am Abend stattgehabten Ver- sainmlung wurde konstatiert, daß sich wiederum eine Reihe Streikbrecher gefunden haben. Direktor Delius teilte dem Oberbürgermeister mit, d�aß für ihn die Sache erledigt sei, und der Ober- bürgermeister ließ diese Mitteilung dem Rentner Keil zugehen. GewerbegcrichtSwahl in Köln. Wie uns telegraphisch be« richtet wird, siegten bei der Gewerbegerichtswahl die Gewerkschaften mit 9962 Stimmen gegen 5431, die aus die CcntrumSkandidaten fiele». Bedauerliche Anöschreituugen bei einem Streik entstanden in Kirspelwaldniel, einem klemen Ort an der holländischen Grenze, im Kreise Kempen. In dem großen Etablissement der Aktiengesellschaft für Leinen- und Baumwollen-Jndustrie verlangten die einheimischen Arbeiter die Entlassung der auswärtigen Arbeiter und Meister. Fast sämtlich waren dieselben aus dem nahen M.-Glodbacher Bezirk. Die einheimischen Arbeiter fühlten sich nämlich, und vielleicht mit Recht, den auswärtigen gegenüber zurückgesetzt. Als die Direltion dem Verlangen der Arbeiter nicht nachgab, stellten sie sofort die Arbeit ein. Nach Verlauf von einigen Stunden, um die Mittaagszcit, kamen sie wieder, erbrachen die Thür deS Maschiiienhauscs, jagten den Maschinist davon, und zogen das Feuer unter dem Kessel heraus. Sie bewaffneten sich mit einigen Stangen und prügelten die Meister, die ihnen gerade in die Quere kamen. Di« in der Rühe stationierte Gendarmerie kam herbei und verhaftete mehrere der Arbeiter. Damit hatten die Ausschreitungen, welche in den bürgerlichen Blättern auf- gebauscht iverden, ihr Ende erreicht. Sogar der Betrieb ist wiederaufgenommen, indem die Direltion Arbeiter von auswärts heranzog. So impulsiv wie der leidenschaftliche Ausbruch bei den armen, unwissenden Arbeiter» kam, so schnell ist er vergangen. Es handelt sich hier um die schwärzeste Ecke des Kreises Kempen, die Bewohner sind von der kalholi>chen Geistlichkeit so faiiatisiert, daß es lebensgefährlich für unfre Ge- iiofsen ist, dort Flugblätter zu verteilen. Außer dem christ- lichen Textilarbeiter-Verband hat keine Organi- satio» dort Fuß fassen können. Stur unter diesen Um- ständen sind auch die Ausschreitungen zu erklären. Ausland. Der Hasenarbeiter-AuSstand iu Marseille. Auf den Quais arbeiten jetzt 3600 Mann, die Arbeit ist fast auf allen Arbeitsstätten, besonders m den Docks und bei den Molen wieder aufgenommen. Eine Versammlnng von 300 kleineren GeschäfSleuten in Mar- seille verlangt einen zweimonatigen Zahlungsaufschub und den Erlaß der Gewerbesteuer für das erste Vierteljahr. I« Glasgow sind ungefähr 3000 Arbeiter der»Fairfield Schiffswerft� am Clyde in den Ausstand getreten. I» Monza haben 8000 Hutmacher die Arbeit eingestellt. Aus der Fvm»vnbewrg«ng. Der paritätische Arbeitsnachweis für die Altplättcrinnen »ritt nach langen und eingehenden Verhandlungen am 1. April in Kraft. Das Lokal befindet sich Miinzstr. 11; ein freundliches, ge« räumiges Zimmer, in welchem die Plätterinnen nachmittags von 3— S Uhr Arbeit suchen und finden können. Durch telephonische Vcr- bindung ist die möglichst rasche Abwickelung des Geschäfts ermög- licht' aber auch in den Fällen, in welchen die Arbeiterin länger auf Nachfrage warten mnfi. ist dafllr gesorgt, daß ihre Zeit nicht nntz- loS verstreicht. Die Benutzung einer Nähmaschine steht ihr frei, oder sie kann sich durch Handarbeit oder Lektiire die Zeit vertreiben. Eine Kantine mit festen billigen Preisen ist eine weitere Bequem- lichkeit, oft auch Ersparnis fiir die Anwesenden. Eine Einschreibegebühr von 20 Pf. giebt daS Recht auf Zuweisung von Arbeit bis zur Dauer von V4 Jahr und man wird wohl diesen Zeitraum für gelingend zur Erlangung einer Stelle erachten. Aushilfestellen, welche nicht länger als 3 Tage dauern und als solche angenommen werden, unter- brechen die Dauer der Gültigkeit nicht, die nur durch eine feste An- stellung erlischt. Uebrigens wird die von der Plätterin gezahlte Ein- schreibcgebühr keineswegs zur Bestreitung der Unkosten der Ein- richtuna verwendet, sondern zu einem Fonds angesanunelt, welcher zum Besten der Arbeiterinnen vcrivendet wird, sobald er eine nennenswerte Höhe erreicht. Die näheren Bestimmungen hierüber sind Sache des Kuratoriums, welches zur Hälfte aus Arbeitgebern, zur Hälfte aus Arbeitnehmern besteht und einen unparteiischen Vorsitzenden hat— den Gewerbe- richter Schalhorn. ES ist dies ein schöner Erfolg der Thätigkeit deS Vereins der Wäschebranche, welcher seinen Einfluß hier wie schon früher zum Wohl nicht nur der eignen Mitglieder, sondern auch der ganzen Ar- beiterschaft der betreffenden Branche ausübt. Die Mitglieder des Vereins haben nur noch den besonderen Vorteil eines wirk- sich k o st e n l o s e n Nachweises, weil der Verein die Einschreibe. gebühr für sie erlegt. Bei den vielen Vorteilen, die der aufstrebende Verein bietet, bei seiner Rührigkeit und Umsicht ist es kein Wunder, daß er rasche Fortschritte macht und die benachbarten Vereine, wie z. B. der Eharlottenburger, sich ihm anschließen. Auf einer AgitationStour in Schlesien sprach Frau Emma Ihrer in Tschicherzig, Grünberg. Freysladt. Breslau, Licgnitz, Striegau, Reichenbach, Rückers(Grafschaft Glatz), Glatz, Liebau und LandeShut. Die Versammlungen, die hauptsächlich der Propaganda für den gesetzlichen Arbeiterinnenschutz gewidmet waren, wurden zugleich zu Protestversammlungen gegen die Wegelagerer- Jiolitik der Junker. Die Versanunlungen erfreuten sich ämtlich eineS starken Besuchs und zwar hauptsächlich von Arbeiterinnen. In Rückers und Liebau wurden die Versanim- lungen ohne jeden ersichtlichen Grund von den überwachenden Beamten aufgelöst. In Rückers hatte der Beamte die Rednerin auch mehrfach während deS Vortrags unterbrochen. Man wird daS be- greiflich finden, wen» man sich vergegenwärtigt, daß Schlesien auf der eilien Seite von Rußland und auf der andern Seite von Sachsen begrenzt ist._ Das Verbrechen in der Laubenkolonie, welche? derzeit die Bewohner des Nordens in Aufregung versetzte, beschäftigte gestern daS Schwurgericht de« Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurde der 4Sjährige Arbeiter Johann August LeizynSki vorgeführt, dem die Anklage Mord, Dieb stahl und Angabe eines falschen NamenS zur Lrst legte. Da der Angeschuldigte entschieden leugnete, so sollte durch eine umfang- reiche Beweisaufnahme und durch Vernehniung von 26 Zeugen und B medizinischen Sachverständigen versucht werden, den etwas dunklen Sachverhalt zu klären. Den Vorsitz führte Landgerichts- Direktor T a ck m a n n, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Fiedler, die Verteidigung führte Rechtsanwalt M a a ß. Wie an manchen Stellen an der Grenze Berlins hat sich auch auf dem Gesundbrunnen, am Ausgange der Bellermann- Bach- und Böhnistraße eine Laubenkolonie gebildet, die eine be- deutende Fläche einnimmt und Lauben nach Hunderten zählt. Eine derselben diente dem Staker Wilhelm Mikkel als ständige Wohnung bei Tag und Nacht. ES war eine Bretter- bude, die aus zwei kleinen Räumen bestand. Der größere Raum war mit den notwendigsten Möbeln, wie Tisch, Kommode, Bett usw. ausgestattet, der kleinere vordere Raum enthielt iveniges Gerümpel und diente zumeist einem Ziegenbock, einem kleinen Hund und einer Katze als Aufenthaltsort. Der 4B jährige Junggeselle Mikkel war ein Sonderling, aber ein rechtlicher, fleißiger Mann und in der Laubenkolonie beliebt. Am Morgen des 11. August v. I. gegen 9 Uhr wurde Mikkel in seinen Wohn- räumen tot aufgefunden. Die Anzeichen sprachen dafür, daß er erdrosselt worden war und eine Anzahl Verdachtsumstände wiesen auf den AngeNagten als den Thäter hin. Mittel hatte ihn vor etwa drei Monaten auf einer gemeinsamen Arbeitsstelle kennen gelernt und da er klagte, daß er kein Obdach habe, ihm in seiner Laube Unterkunft gewährt. Mikkel bereitete seinem Gast ein notdürftiges Lager in dem Vorraum. Seit dieser Zeit hausten und wirtschafteten die beiden Männer gemeinsam. An dem bezeichneten Morgen gegen 3 Uhr erschien der Angeklagte in der Schankivirtschaft von Lenz in der Laubenkolonie, wo er einen Schnaps zu sich nahm. Frau Lenz fragte ihn bei dieser Gelegenheit, wo denn eigentlich Mikkel sei, sie habe ihn so lange nicht gesehen, er sei wohl tot. Leszynsti soll sich plötzlich zu der Frau unigewendet, leichenblaß geworden sein und gesagt haben:»Ja, er ist tot. er ist tot." Die ISjährige Tochter der Frau Lenz erividerte darauf:.Ach. wie kann er tot sein, ich habe ihn ja noch gestern Abend gesehen." Etwa eine Stunde später wurde bei Lenz erzählt, daß Mikkel thalsächlich tot in seiner Laube aufgefunden worden sei. Der AngeNagte hatte inzwischen den Ziegenbock, der dem Verstorbenen gehörte, für 5 M. an einen Schlächter verkauft. Er war dann nach der Laube zurückgekehrt, hatte Kleidungsstücke und andre Sachen des Mittel in einen Sack gepackt und wollt« sich damit entferne», al» er von mehreren Personen, die ihn für den Mörder hielten, ergriffen und zur Wache gebracht wurde. Hier bestärkte er den gegen ihn aufgetauchten Verdacht durch falsche und wider- sprechende Angaben. Zunächst behauptete er, daß er K a r l H o f f- mann heiße. Er bestritt, den Ziegenbock verkauft zu haben. Als er die« dann zugeben mutzte, gab er an, daß er das dafür gelöste Geld durch ein Loch in der Tasche verloren haben müsse. Das Geld wurde dann in seinem Stiefelschast gefunden. Auch die Ausweis- paviere des verstorbenen Mikkel führte der AngeNagte bei sich. Die Leiche Mikkels lag bekleidet in einer Ecke feines Gemachs auf dem Gesicht, sie zeigte am Halse eine Strangulationsmarke, welche sich bis zu den Ohren hinaufzog. Für die Annahme eines Selbst- mordS lag nicht die geringste Veranlaffui�g vor, in dem ganzen Raum war auch kein Strick zu finden und ebenso wenig ein Haken oder Nagel an dem sich jemand hatte erhängen können. Da» Zu- sammenleben der beiden Männer soll keineswegs immer ein fried- licheS gewesen sein, Zeugen wollen häufig Streit in der Laube gehört haben und dies besonders am Abend vor dem Todesfall. Die Vernehmung. Der AngeNagte, der bereits sechs Vorstrafen� wegen der ver- schiedensten Vergehen erlitten hat und einen gleichgültigen an Stumpf- sinn grenzenden Eindruck machte, bestritt, daß alle Verdachtsmomente gegen ihn ausgebeutet werden könnten. Er habe nie mit dem Verstorbenen einen Streit gehabt, sondern sie hätten zusammen- gelebt,„wie die Kinder." Am Abend vor dem Todesfall sei er etwas nach 10 Uhr nach Hause gekommen. Am folgenden Morgen habe er entdeckt, baß Mittel tot war. AIS der Vorsitzende den Angeklagten fragte, waS er nun gethan habe, erividerte derselbe: „Ja, waS sollte ich machen? Ich trank den Rest Weißbier auS, der noch vom Abend vorher übrig geblieben war und dann ging ich hin, um einen Doktor zu holen." Der Angeklagte erzählt dann iveiter, daß er«inen in der Brunnenftraße wohnenden Arzt aufgesucht und ihn gebeten habe, nach der Laub« zu kommen. Der Arzt habe versprochen, bald zu kommen, worauf der Angettogte ihn am Eingang zur Kolonie erivartet habe, um ihm den Weg zu zeigen. Da der Arzt aber nicht gekommen sei, Hab» der Angeklagte sich nach der Bellcrmannstraße zur Ehefrau deS StakerS Ruta begeben, die den Verstorbenen seit Jahren gekannt und für ihn gewaschen habe. Dieser habe er von dem Tode Mittel? Mitteilung gemacht. Ivorauf sie mit ihm zur Laube gegangen sei. Sie habe ihn auf gefordert, sofort der Polizei Anzeige zu machen, und sich dann ent fernt. Er habe es nun für nötig gehalten, erst den Ziegenbock zu verkaufen, damit er Geld bekomme. Mikkel habe ihn nämlich vor einigen Tagen gebeten, für ihn die Prämie der Lebensversicherung bei der Gesellschaft in der Mauerstraße zu bezahlen. eS fei die höchste Zeit. DieS habe der Angeklagte besorgen wollen, nachdem er der Polizei Anzeige erstattet hatte. Auch die zusammengebundenen Kleidungsstücke des Mikkel habe er zur Polizei tragen wollen, als er von andren Laubenbcwohnern festgehalten wurde. Auf welche Weise Mittel ums Leben gekommen war, könne er nicht angebe»! der Verstorbene habe häufig an epileptischen Krämpfen gelitten. und eS fei anzunehmen, daß derselbe früh morgen» gestorben sei. Sollte Mittel erwürgt sein, so müsse sich der Thäter während der Nacht in die Laube geschlichen haben, wogegen eS ja wieder auffällig fei, daß die Leiche bekleidet war. Die Zengen bekundeten im allgemeinen, daß Mikkel ein in bescheidenen aber auskömmlichen Verhältnissen lebender Mann gewesen sei. Der gut mutige Mann sei ein mäßiger Schnapstrinker gewesen, der häufig an Krämpfen gelitten habe. Der Zeuge Dr. P l aß« mann, der vom Angeklagten gebeten wurde, nach der Laube zu kommen, bekundete, daß der Angeklagte ihm gegenüber merkwürdige Angaben gemacht habe. Er und sein Bruder hatten soeben in der Laube gesessen und gerade„einen nehmen wollen", als sein Bruder plötzlich vom Stuhl gefallen und anscheinend tot ge wesen sei. Auf Vorhalten des Präsidenten, WaS der Angeklagte zu der Aussage des ArzleS zu sagen habe, erwidert derselbe:„Ich denke ja gar nicht dran, wie käme ich dazu, so etwa» zu sagen?"— Die Zeuge», welche die Leiche zuerst gesehen, haben den Eindruck gehabt, datz sie nachträglich dorthin geschleppt worden sei. Di« Kleider feien bestaubt gewesen. Besonders auffallend sei der Um stand gewesen, datz die Füße der Leiche, die mit den Fersen nach oben gerichtet waren, in Holzpautineu steckten. ES sei anzunehmen, daß die Pantinen erst nacktträglich auf die Füße gesteckt worden seien. DaS Urteil. Die Geschwornen verneinten die Frage in betreff deS Mordes, sprachen ihn dagegen schuldig deS Dieb« stahls und Beilegung eines falsche n RamenS. Der Staatsanwalt beantragt« eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten und 4 Wochen Haft. Der Gerichtshof erkaunte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß, eS wurden 3 Monate Gefängnis und die 4 Wochen Haft durch die erlittene Untersuchungshaft für ver- büßt erachtet._ Gevichks�Äeiknng. Di« im zweiten Harmlosen- Prozeß verurteilten v. Kahser und v. Schachtmeyer hatten gegen daS Urteil Revision beim Reich«- gericht eingelegt. Die RevifionSverhandlung sollte an, Freitag in Leipzig staltfinden. Wie man jedoch von dort meldet, sind die Revisionsanträge in letzter Stunde zurückgezogen worden. Der„KriegSruf" der Heilsarmee und daS Wanderstener- Gesetz. DasMuglied der Heilsarmee, Schön ell, hotte in Häusern und Gastwirtschaften den„SriegSnif" verkaust und den ganze» Erlös an seinen Kapitän abgeliefert, von welchem er die Schriften erhalten hatte. Sch. wurde wegen Vergehens gegen da? H a u s i e r st e u e r- Gesetz von 1876 angeklagt, weil er bei jenem Vertrieb deS„Kriegsrufs" nicht im Besitze eineS Wandergewerbe- Scheins gewesen sei. DaS Landgericht als BerufungS- iustanz sprach indessen den Beschuldigten ftei. weil seiner Meinung nach in dem ganz uneigennützigen Verkauf der Schrift der Betrieb eines Gewerbe« überhaupt nicht gefunden werden könne, und zwar hier um so weniger, als eS auch der Heilsarmee weniger auf die Erzielung eines Gewinns als auf eine gewisse moralische und religiöse Einivirkung auf daS Volk ankomme.— Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein und hob unter andrem hervor, datz es sich hier möglicherweise um eine, wenn auch verschleierte, öffent- lichc Kollekte bandele, wozu es der behördlichen Erlaubnis bedürfe.— Das Kammergericht hob die Vorentscheidung auf und ver- wies die Sache mit folgender Begründung an daS Landgericht zurück: Die landgerichtliche Entscheidung verletze daS Gesetz von 1876. ES fehle und sei erforderlich die Feststellung, ob beim Verkauf des „Kriegsruss" nur der Selbstkostenpreis der Schrift oder ob durch den Vertrieb dauernd ein Gewinn erzielt werden solle. Sei letztere» der Fall, so wäre der Vertrieb als ein gewerbsmäßiger an- zusehen. Eine Kollekte läge auf keinen Fall vor. auch nicht eine ver- schleierte. da es sich nicht um die Zahlung eines freiwilligen Beitrags. sondern um den Kaufpreis des.Kriegsrufs" handele. Zum Prozeß KriegSheim. Wie schon mitgeteitt worden, ist die Revision des frühere» Bankdirektors Erich v. KriegSheim vom II. Strafsenat des Reichsgerichts oerivorfen ivorden, obwohl der Reichsauwalt— nicht der Rechtsanwalt, wie es irrtümlich in dem Telegramm auS Leipzig hieß— die Aufhebung de» Urteils und Zurückverweisuug an die Strafkammer beantragt hatte. Die an> 7. Dezember v. I. erkannte Strafe von 3'/» Jahren Gefängnis ist nunmehr vollstreckbar nach Abzug der 20 Monate, die durch die UntersucbungShaft für verbüßt erachtet sind. Mit dieser Entscheidung ist dos Verfahren gegen den Angeklagten aber noch nicht beendet. Zunächst harren noch die drei im ersten Revisionsverfahren wegen unrichtiger Gesetzesauwendung ausgehobenen Fälle, die in der letzten Hauvtverbandlung vertagt werden mutzten, der Erledigung. Wann die Hauplvcrhaudiung stattfinden kann, ist noch gar nicht abzusehen, da verschiedene Zeugen kommissarisch im Auslande, insbesondere einer in Petoria. vernommen werden sollen. Der nächste Termin wird also schwerlich vor den GerichtSferie» stattfinden können. Außerdem schwebe» in zwei Fällen Wiederaufnahmeverfahren und in zwei weiteren Fällen will der Angeklagte den Antrag auf Wiederaufnahme auf Grund neuen Materials stellen. Die Ver- leidiger Rechtsanwalt Dr. Sch win dt. Morris und Leonhard Friedmann werden nach Einholung erneuter Gutachten des Ge- richtsphysikus Dr. Puppe, de« GerichtSphhsikus Dr. Stürmer und des Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Senator über den jetzigen Gesundheitszustand des Angeklagten die Haftentlassung desselben und einen Strafaufschub hinsichtlich der noch zu verbützenden Reststrafe von 22 Monate» beantragen. Dem Vernehmen»ach soll sich das asthmatische Leiden des AngeNagten infolge eine« schweren Influenza- ansalls in de» letzten Monaten erheblich verschlechtert haben. Der Prozeß gegen den Frauenmörder Kost in Bremen schritt auch gestern nur langsam vorwärts. Wesentlich aufttärende Thatsachen wurden nicht ans Licht gefördert. Der Elberfelder Militärbrsretungöprozeß zieht nunmehr weitere Kreise. Er führte, wie nian aus Köln meldet, zu schärfsten Untersuchungen in anderen Städten. Hierbei ergab sich, daß ein 72 jähriger Mann in Leichlingen gleichfalls lukrative Geschäfte in „Mililärbefreiungen" machte. Die Düsseldorfer Kriminalpolizei ließ durch Spitzel dem Greis, der den Namen Jansen führt, eine Falle stellen und verhaftete ihn in Köln, als er den Spitzeln Aerzte zu« führte. Vor dem Düsieldorfer Gericht wird gleichfalls am 15. April ei» MilitärbcfreiungSprozeß verhandelt. Dort fitzt bereits ein Arzt, Dr. Sch., seit Monaten in Untersuchungshast. Versammlungen. Im Wahlberei» für den fiiufte» fkreiS, der am Donnerstag Im Schützenhause eine Versammlung veranstaltet hatte, hielt ReichStagS-Lbgeordneter Ro s e n o w«inen mit lebhafteni Beifall aufgenommenen Vortrag. Er sprach über die Vorgeschichte der revolutionären Erhebung deS Bürgertums im Jahre 1843, schilderte die Kämpfe de» 18. März und endete mit einem Ausblick auf die Zukunft, die den Sieg des proletarischen Befreiungskampfes bringen werde, eines Kampfes, der nicht geführt wird mit äußeren Gewalt- mittel», sondern mit den Waffen des Geiste».— Da sich keine DiS- kusston an den Vortrag knüpfte, schloß der Vorsitzende die Bersamm« lung mit dem Hinweis auf die nächste Generalversammlung des Wa'hlvereins, auf deren Tagesordnung auch die Neuwahl des ersten Vorsitzenden steht. RummclSburg. Hier tagte am DienStag, den 26. d. M., eine sehr gut besuchte Versammlung des Socialdemokratischen Vereins für Rummelsburg und llmgegend. Richtsanwalt Victor Fränkl hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über: „Einiges über Justizirrtümer". In das Maifeier-Komitee wurden Juckel, Tornow und Hinterthan gewählt und sollen sich dieselben mit den Stralauer Genossen in Verbindung setzen zwecks gemeinschaftlicher Feier des 1. Mai. De» streikenden Glasmachern m Nienburg wurden auf Antrag deS Vorstands 50 M. bewilligt. Aretreltgiöse Gemeinde. Sonntag, den 31. März, vorm. 10'/, Uhr, tn Kellers grobem Festsaal, Soppcnstr. 29:„Feier der Jugendausualime". (Konfirmation. s Festrede, gehalten von Herrn Dr. Bruno Wille:„Dem Volke soll die Rellaion erhalten werden". Vor- und Nachsptel aus dem Pariser Mustel-Harmonium. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen._ Uvtzte ZtAchvichken und Vepefchen. LestreichischeS Abgeordnetenhans. Wien, 29. März.(W. T. B.) DaS Haus genehmigte ohne Debatte den Weltpost vertrag vom 15. Juni 1897. In Beantwortung mehrerer Interpellationen bezüglich der Hand« habung der Beschlagnahme von Zeitungen erklärte Justizminister v. SpenS-Boden, die gesetzliche Grundlage jener Hand« habung sei reformbedürftig. Die Regierung beschäftige sich mit einer entsprechenden Reform und werde sich bemühen, diese so rasch als möglich zum Abschluß zu bringen. Der Minister wandte sich gleichzeitig an alle, welchen die Freiheit der Presse am Herzen liegt, mit der Bitte, die Regierung schon jetzt in ihren Bestrebungen zu unterstützen, die darauf abzielen, die Forderunge» einer gesunden Entwicklung der Presse mit dem Gebote der Wahnmg deS Gesetzes als Grundbedingung jeder Freiheit in Einklang zu bringen. Das HauS verhandelte hierauf über den Bericht des Verfassungs- ausschusseS betreffend die DtSefplinicrung des socialistischc» Abgeordneten, Lehrer» Seitz. Nach langwieriger, oft sehr leb- hafler Debatte, in welcher es zu heftigen Streitigkeiten zwischen den Alldeutschen und den Christlichsocialen kam, nahm das Haus den Antrag Marchet an, demzufolge der Verfassungs- Ausschuß beauftragt werden soll, eine Aenderung der gesetzlichen JmmunitätS- Bestimmungen in dem Sinne zu beraten und darüber zu berichten, daß der Jmmunitätsfchutz auch auf disciplinare und polizeiliche Ver- folgungen ausgedehnt werde. Während einer thatfächlichcn Be- richtigmig des' Abg. Lucger verlangten die Alldeutsche» stürmisch StitzungSschluß und alS Lueger fortfuhr, schlugen die Alldeutschen mit den Pultdeckeln und machten Lärm, bis der Redner schloß. Französische Teputterteukammer. PaekS, 29. März.(®. H.) Di« Kammer verwarf heute den letzten Paragraphen des Artikels 18 des Genoffen- schaftS-Grsetze», der die notariellen Verträge, welche vor dem 14. Januar d. I. zwischen Privatpersonen und Mitgliedern religiöser Geiiossenschafteu abgeschlossen worden sind, für ungültig erklärt. Alsdann wurde§ 18 angenommen. Die Kammer verwies den Vorschlag deS Abgeordneten Breton, den Mitgliedern der religiösen Genofsenschasten wegen deS von dieser geleisteten Gelübdes das Stimmrecht zu entziehen, an den Ausschuß für das allgemeine und gleiche Stimmrecht._ Zum Streit in Marseille. Marseille, 29. März.(B. H.) Heute haben ca. 4000 Ar» beiter die Arbeit im Hafen wieder aufgenommen. Das nationalistische Gemeinderats- Mitglied Quilici wurde wegen Auf- reizung z» drei Monaten Gefängnis verurteilt. Marseille, 29. März.(88. T. B.) Das Zuchtpolizeigericht ver- urteilte die nationalistischen Agitatoren Quilici und Guirrier wegen Verletzung der ArbeitSsreiheit zu drei beziehungsweise einem Monat Gefängnis._ Vom südafrikanischen Kriegsschauplatz. Kapstadt, 28. März.(Meldung de« Reuterschen Bureaus, Der Oranjefluß hat wieder Hochwasser. Ein Boeren-Kommando hat sich in den Zunrbergen festgesetzt. Johannesburg, 28. März.(Meldung deS Reuterschen Bureau.) Die Imperial Light HorseS haben in dem am 22. März stattgehabte» Gefecht mit Delarey bei Hartbcestfontein schwer gelitten. Die Boeren. welche gleichfall« große Verluste hatten. zogen sich beim Eintreffen der englischen Verstärkungen zurück. Die englischen Verluste waren zwei Offiziere und fünf Mann tot, drei Offiziere und dreizehn Mann verwundet. Köln, 29. März.(B. H.) Der Elberfelder MilttärbefreiungS- Prozeß zieht immer weitere Kreise und führte zu schärsiter Unter- inchung auch in andren Städten, wobei sich ergab, daß ein 72jähriger Mann in Leichlingen gleichfalls ein sehr lukratives Geschäft in Militärbefreiungen machte. Die Düsseldorfer Kriminalpolizei ließ durch einen Agenten dem GreiS, Namens Jansen, eine Falle stellen und verhaftete ihn in Köln, als er den Agenten den Aerzten zuführte. Vor dem Düsseldorfer Gericht kommt zum 15. April gleich- falls ein Militärbefreiungs-Prozeß zur Verhandlung. Der dortige Arzt. Dr. Sch., sitzt bereit« seit Monaten in Untersuckuingshaft. Leipzig, 29. März.(W. T. B.) Die hiesige Handelskammer beschloß heute, der sächsischen Regierung ein Gutachten zu unterbreite», in welchem die preußischc Kanalvorlage als hochbedeutsame», auch für viele sächsische Haudelsiuteressen vorteilhaftes Kulturwerk be- zeichnet wird, da« insbesondere durch den«nichluß Leipzigs an siefeS Wasserstraßennetz für den Leipziger Bezirk erheblich an Be- deutung gewinnen werde., Brüssel, 29. März.(B H-1 Der Finanzminister hat in der Kammer den Entwurf eineS Gesetzes eingebracht, betreffend die Ver- längerung der Koiizession zwischen Belgien und dem Kongostaat behufs Annektio» des letzteren durch Belgien. Brüssel, 29. März.(W. T. B.) Die Rechte der Repräsentanten- kammer erklärte fick in einer heute Nachmittag abgehaltenen Voll- Versammlung, in der Ministerpräsident de Emet de Naher den heute von ihm eingebrachte» Gesetzentwurf erörterte, cinstinimig gegen die sofortige Wiberübernahme deS KongostaatS durch Belgien. Haag, 29. März.(B. H.) Generallieutenanl v. Kool, General- stabschef. ist zum Kriegsminister ernannt worden. Petersburg, 29. März.(B. H.) Wegen Einmischung in die polizeilichen Anordnungen bei Unterdrückung der Studenteu-Unruhen erteilte der Zar dem Mitgliede de» Staatsrat«, Fürsten WyasemSki, einen scharfen Verweis. Konstanttnopcl. 29. März.(W. T. B) Die Verhaftungen verdächtiger Bulgaren und die Haussuchungen dauern fort. Im Vilajet Monastir wurde um einzelne, von Bulgaren bewohnte Ort- sckaften. welche nachts von Patrouillen durchstreift werden, em Militär- kordon gezogen: i» der der Nähe der Eisenbahn liegende Ortschaften Zur Ermittelung werden von Gendarmen bewacht. führer, welche die Bevölkerung zu Waffenkaufen aufforderten. Nachforschungen im Gange.____ jener Banden- sind Verantwortlicher Redacteur: Heinrich Strödel m Berlin. Für den Inseratenteil»erantwottlich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max«ading ia Berlin. Hierzu 2 Beilagen- Nr. 76. 18. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 30. März 1901. Theater.d mous verwandt ist einerseits der uns geläufige andrerseits der hebräische schwerlich hineinphantasieren, die allmähliche Gewinnung Samsons wie ich höre auf Kosten der Uebermaße an Gagen scheint man n wie des philistäischen Oberpriesters, der nur durch sie den Feind zu be- Orten. Am 25. Februar sollte die Oper unter den Berliner Linden zwingen hofft, ist für sie nicht mehr nötig, da ihr die. Rache genügt. erscheinen, am 2. März endgültig, am 9. noch endgültiger, am 25. Diese gelingt ihr auch, doch erst, nachdem sie dem Samson Feigheit am allerendgültigsten. Während mun sonst meistens Herr Kraus Opernhaus. Samson und Delila", Oper von Saint- vorgeworfen; er wird gefesselt, geblendet und muß Kerkerdienst ver- heiser ist, wenn Herr Grüning Urlaub hat, und Herr Grüning verSam Saëns: Wohl in allen Mythologien und Sagen spielen über- richten. Ohne weiteres in den Festsaal geführt und dort verhöhnt, hindert ist, wenn Herr Kraus Urlaub hat und die andren Provinzstarke Männer wichtige Rollen. Meist werden sie was für unsre rafft er feine Kraft zu dem bekannten Ende zusammen. Man bühnen mitleidig aushelfen, wenn ihre Brandenburger Kollegin gar Erfenntnis primitiver Sittlichkeit von Wichtigkeit ist zugleich als fieht, der Text hat vor dem des Oratoriums nur die weiter zu tief in der Tenorpatsche fitt, war diesmal Herr Grüning munter moralisch starke und edle Figuren aufgefaßt, die dann durch irgend greifende Fassung der Vorgänge und das Moment des Vorwurfs und nur Herr Kraus heiser. Man schien aber letzteren durchaus eine einzelne tragische" Schuld ins Verderben fallen; und meist der Feigheit voraus. Die Attaden auf die Seele des Helden haben hinausstellen zu wollen; es ging, es ging nicht, es ging, es ging handelt es sich dabei um eine Weibsgeschichte. Der phönifische zwar auch hier den Zug, daß erst eine allmähliche Einwirkung zum nicht, und endlich ging's doch mit Herrn Grüning. Von Anfang an Kraftmeier hieß Melfart und war neben feiner Mutter Biele führt; allein in manchen inneren Entwicklungen ist das Doppelbesetzungen einzurichten, dazu kommt man sich dort anAstarte eine der National Gottheiten der Phönifer. Mit ihm Oratorium der Oper voraus, die Entreißung des Geheimnisses tann scheinend zu elegant vor; daß seit längerem Direktor Mähler in Wien verwandt ist einerseits der uns geläufigste und ethisch am nächsten der Zuschauer in die kurze Zeit des Verweilens beider im Gemach dieses einzig brauchbare Princip fonsequent durchführt allerdings stehende, Sagenheld Simson( griechisch Samson.) Ueber ihn berichtet das zum Erscheinen im Saal fehlt ganz und das Verhältnis des Helden in Geheimrat Piersons Reich nicht zu wissen oder nicht nachahmen alttestamentliche Buch der Nichter im 13. bis 16. Kapitel. Dort zu den Seinen ist auf wenige Andeutungen beschränkt. So ward zu können. gewinnt er nach verschiedentlichen Affairen gegen die Israel be- eine äußerliche Bändigkeit des Dramas gewonnen, während es an So gelang denn am Donnerstag, den 27. d. M., die Premiere", mit üblichem Pomp, mit Ersuchen um„ Gesellschaftsanzug" und mit drängenden Philister und gegen andre mehr oder minder starfe innerer Kraft sogar hinter jener lyrischen Epik zurücsteht. Geschöpfe auch wieder einmal ein Weib lieb namens Delila. Sie Komponiert ist der Text von Saint- Saëns, dem be- erhöhten Preisen, deren man sich anscheinend so sehr schämte, daß man sie lebenden wird von den Philistern bestochen, ihm das Geheimnis seiner Kraft rühmtesten Komponisten Frankreichs, geb. 1835. vorher nicht oder nicht deutlich verkündete. Die Eleganz also war gewahrt, zu entloden. Dreimal nennt er ihr ein anscheinendes Mittel seiner Er war nach gründlicher Schulung ein halbes Menschenalter auch wenn es eine von der bekannten Kategorie war. Die Auf leberwindung; dreimal verrät sie es den Feinden, doch immer lang Organist und Lehrer der Kirchenmusik und komponierte, führung wahrte ebenfalls die Eleganz, und zwar vornehmlich durch Divieder überwindet er selber die Fesselung. Wiederum dringt sie was es nur zu komponieren gab. Durch zahlreiche Konzertstücke zwei Mittel. Erstens legte man das Ganze möglichst auf einen fchärfer in ihn; da nennt er ihr das Mittel, daß ihm sein Haar ist er allenthalben bekannt; sein" Totentanz" zeigte ihn als virtuosen heroischen, grandiofen, in großen Zügen arbeitenden Stil an geschoren würde, und diesmal wird er in ihrem Schoß über- Instrumentationstünstler, feine Kammermusik und ähnlichen Werke böse Bungen fagen: um nach der Feinheit des einzelnen nichts wältigt, wird geblendet und gefangen. Bei einem Fest zu ale den tüchtigen Komponisten mit einem starken Stich ins Leichte, fragen zu lassen. Und zweitens riffen wiederum unfre großen Sein Samson und Künstler das, was Schmiere war, erfolgreich heraus. Herr Grüning Ehren des Philistergotts Dagon soll er im Saal aufspielen; da faßt allgemein Einleuchtende, mitunter Triviale. er, mit wachsendem Haar wieder stark geworden, zwei Säulen und Delila", eine der ungefähr acht von ihm stammenden Opern, ist mit wuchtete, größtenteils fogar ohne Tremolieren und ohne sonstige reißt das Gebäude ein, allen den Tod bringend. einem Wort ein sehr solides Wert. So tomponiert der brave Tonverderbungen; die Herren Hoffmann und Berger waren Das Grob- Elementare, das in dieser wie in so vielen andren Orgel- und Schulmeister, der doch auch die Kraft befigt, zu lieben vorzüglich; und dem Fräulein dell'Era sah man in der Führung m to vie Geschichten des Alten Testaments steckt, reizte auch die modernen und zu stürmen. Mit einem theaterfähig gemachten Kammermusik des Balletts an, daß sie nach einem wenigstens einigermaßen dra Künste zur Darstellung. In poetischen Versuchen galt es natürlich sag, reich an tonzertmäßigen, echt instrumentalen Figuren beginnt matischen Tanz lechzte. Als Delila war Frau Goetze von einer zunächst eine Vertiefung der seelischen Faktoren der Sage. Für uns der erste Aft, in gefchickt fugierten Kirchenchören lagen die Hebräer, faum hoch genug zu schätzenden Künstlerschaft. 3war litt auch fie dürfte im Augenblid am interessantesten sein die Gestalt, die sie in über den Helden tommt zwar der Geist", aber nicht die Musit, und unter den akustischen Sünden, die um sie herum im halb Verborgenen Haendels Oratorium Samson" angenommen. Hier seht der Tegt erst bei den stürmischen Erregungen des Bolts, beim Tod des Sa wandelten, und die anscheinend turbulente Einstudierung schädigte manch ein, nachdem Samson bereits geblendet ist; die Klagen des Helden, trapen und dergleichen wird die Musit größer und feiner. Beim mal auch die Glätte ihrer Einfäße und ihres meisterhaften Herausdaß er für ein Wort, ein Nichts, enthüllt dem falschen Weibe, was Huldigungschor der Frauen ergeht sie sich in braver Gemütlich spinnens der Töne. Aber die Geschmeidigkeit, mit der ihre sonore ihm Gott vertraut", usw., und die Ergüsse der Freunde und Feinde feit, beim darauffolgenden Ballet in einer Ordentlichkeit, deren Stimme in dieser Mezzosopranrolle den Ton und die Sprache der füllen weite Strecken des Oratoriumis. Lebhafte Gesangsstreite ganze Richtung auch der strengsten Kunstpolizei sehr wohl passen Vorführung, des Spotts, der Nache hervorbrachte, kann wahrlich zwischen Samson und Delila, dazu des ersteren sympathischer Vater mag, und bei dem den ersten Att schließenden Verführungsgefang denkwürdig bleiben. Man wird schwerlich Stellen wie die folgende und Andrer. Dann wird Samson angereizt, das Dagonfeft durch Delilas in einer Steigerung zur Vornehmheit, die freilich start an aus ihrem Gesang vergessen: feine Kraft zu verherrlichen; er wird verhöhnt; allmählich, mit den Konzertsaal einer Singafademie erinnert. Der zweite Aft be mannigfacher musikalischer Ausgestaltung, macht er sich mit dem ginnt ähnlich dem ersten, erhebt sich aber bald zu lebhaftem AusGedanken vertraut, trotzdem hinzugehen, hoffend, er tönne seine bruck, untermischt mit dem, was man elegante Banalität nennen Straft für die gute Sache verivenden. Er geht, und bald verkündet fönnte, ohne daß sie freilich den Vorwurf einer schäbigen Eleganz" instruinentale und reale Darstellung die vollbrachte Katastrophe, der verdiente. Sie steigert sich geschickt weiter und macht in den Versen dann noch mehrere Schlußllagen folgen.s „ Ach, fieh' mich vor Wonne erbeben" usw. auch Richard Wagner'n eine Berbeugung. Das Figurenwerk der Musik ist im Anfang des dritten Atts bei der Schleifsteinſcene" gut am Blag und weitet sich nach einem abermaligen folid hübschen und hübsch soliden Frauenchor zu einem echt franzöfifchen großoperigen Ballet aus, in welchem die Bewegungsfiguren oben und die unten trefflich zusammen paffen man braucht da nicht einmal bis zu der seligen Definition von dem Schönen als der Harmonie in der Einheit des Unterschieds" greifen. Weiter und weiter laufen in Wechselgefängen die Figuren, als gälte es, dem Fugieren eines Händel auf respekt volle Entfernung nahe zu kommen; und schließlich hat jeder der Buhörer etwas: der Fachmann eine untadelige Komposition, der dramatisch Begierige die nötige Portion Sturm und Drang, und was weiß ich wer aller noch alles. " Wer nun den Gegenstand für eine Oper bearbeiten wollte, bon dem war zu erivarten, daß er werde über dieses lyrisch- epische Oratorienniveau hinaus noch weit reicheres und zwingenderes an strenger seelischer Verkettung des Ganzen bringen, als zum Teil schon in diesem nicht als dramatisch beabsichtigten Werle gebracht war. Die elementare tragische Wucht Haendels werde, so war von einem Opernkomponisten zu erwarten, nicht unterboten, die nur geringe Figurencharakteristik bei Haendel weitaus überboten werden. Ferdinand Lemaire schrieb einen Operntert Samson und Delila". Er läßt ihn beginnen mit der Gefangenschaft der Hebräer, nachdem Samson bereits dreimal den Ränken Delilas Widerstand geleistet. Der Held, durch Reizungen des Philister fatrapen Abimelech in Ertase gebracht, entflammt die Seinen zu siegreichem Befreiungstampf. Delila huldigt mit ihrem Ballettgefolge dem Sieger und lockt ihn wieder an sich. Das Anerbieten 11 Erstaufführung 1877 in Weimar, weitere Aufführungen 1890 in Rouen, 1892 in Paris, jüngst in Brüssel und an zahlreichen andren O Liebe! Dem Haß steh' zur Seite, Dein süßestes Gift leihe mir, Daß ich ihm sein Schicksal bereite, Daß gefesselt er liegt vor mir." Der äußere Erfolg war solid wie die Komposition. Briefkasten der Redaktion. SZ. Die juristische Sprechfinnde findet Montag. Dienstag, Donnerstag und Freitag von 7-9 Uhr abends statt. J. R.( Aufklärung.) Bierbautgeschwät. Beruf 42. Sprechen Sie doch einmal mit dem Reftor ihres Sohne darüber. Auch können Sie bei uns mündliche Auskunft im Sekretariat vormittags zwischen 10 und 2 Uhr erhalten. Neuhaus. Eingetroffen, aber nicht verwendbar. Eleutheros. Besten Dant. An unfrer Aufmerksamkeit soll es nicht W. D. 30. Der Hauptbestandteil ist Graphit; einige Buthaten find Geheimnis des Produzenten. Bu taufen bei Jahn, Zeugschmied, Mark grafenstr. 15. fehlen. H. 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Zu der Ver Handlung sind einige 20 Zeugen und 4 medizinische Sachverständige, darunter 2 Psychiater, geladen. Die Verhandlung wird um 9 Uhr durch den Präsidenten, Ober- Kriegsgerichtsrat Winter, eröffnet. Der Angeklagte, ein großer. stattlicher Herr, erscheint in Unisorm ohne Degen. Er ist 1869 in Köln a. Rh. geboren. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. G r 6 g o i r e beantragt. außer dem Psychiater Dr. Smith aus Marbach am Bodensee. den Psychiater Professor Dr. P I e u r e r aus Zürich als Sachverständigen und noch 2 Zeugen zu laden betreffs der Unzurechnungsfähigkeit des AN' geklagten. Der Gerichtshof behält sich den Beschluß vor. Der Angeklagte giebt auf Befragen an. daß er einmal wegen Trunkenheit mit 48 Stunden Stubenarrest bestraft worden sei Präsident Ober-Kriegsgerichtsrat Winter: Der Angeklagte hat gegen das Urteil des 33. Divisionsgerichts Berufung eingelegt, weil nicht berücksichtigt worden sei, daß er den Hauptmann Adams nur kampfunfähig habe machen wollen. Der Staatsanwalt habe Berufung eingelegt, weil der Angeklagte nicht wegen Mords ver- urteilt worden sei und weil nicht benicksichtigt worden sei. daß sich das Verbrechen gegen einen Vorgesetzten richtete. Der Angeklagte. dessen Vater Baumeister in Köln ist, hat das Gymnasium in Köln und dann die Kadettenanstalt in Lichterfelde besucht. Aus dem Erkenntnis der ersten Instanz geht hervor, daß die Ducllbcftimmungen an jenem Abende noch im Kasino festgesetzt worden sind. Sie lauteten auf: 10 Schritte Barriere, Kornvisierstechen, Kugelwechsel bis zur Kampfunfähigkeit Die Hauptleute H o f f m a n n und Rade macher wurden beauf- tragt, noch an demselben Abend Hauptmann AdamS die Forderung zu überbringen. Der Angeklagte hat nun von seinen Vorgesetzten das Zeugnis eines tüchtigen OsfizierS erholten, der aber zu Gewalt thätigkeiten neige und von seinem Regimentskommandeur oftmals seiner Trunksucht wegen verwarnt worden sei. An jenem Abend hatte der Angeklagte ein GlaS Sherry, ein Glas Rotwein, 1 Flasche„Zeltinger", 1 Flasche„Cart« blanche", 3 große und 3 kleine Glas Bier getrunken. Der Revolver, den er benutzte sei mit 6 Patronen geladen gewesen. Der Gerichtshof beschließt sodann: Profeffor Dr. Pleurer- Zürich als Sachverständigen zuzulassen. Der Angeklagte erklärt: Ich habe dienstlich mit dem erschaffenen Hauptmann Adams nichts zu thun gehabt. Wir haben sonst sehr gut zu ein- ander gestanden. An dem betreffenden Tage hatte ich außer den frag lichen Getränken schon beim Frühschoppen getrunken. Es ist möglich, daß ich an jenem Abend auch noch einige Schnäpse getrunken habe. Ich war zwar nicht sinnloö betrunken, aber die Wirkung des Alkohols machte sich stark geltend. Auf den Vorgang im Kasino erinnere ich mich ganz genau. Der Vor gang in der Wohnung des Dr. AdamS ist nur nur sehr ver- tchlvommen in der Erinnerung. Es ist mir so, als ob ich einen schweren Traum gehabt hätte. Mein Bruder, Oberstabsarzt Rüg er. hielt«ine Rebe über die Bedeutung des ReinlandS als Bindeglied zwischen Nord und Süd. Die Rede war sehr humoristisch. Es befand sich alles in gemütlicher Stimmung. Alsdann wurde „ein Bierjunge" kommandiert. Adams hat das aber abgelehnt. Hauptmann Adams hatte mehrere Gläser umgestoßen und fuhr nun mit der Hand über den Tisch, um zu verhüten, daß noch mehr Gläser zerbrochen würden. Mein Bruder hielt die Hand AdamS fest. AdamS gab hierauf meinem Bruder einen leichten Schlag ins Gesicht. Mein Bruder faßte das als Scherz auf. Hauptmann Adams gab aber alsdann meinem Bruder sofort einen zweiten schallenden Schlag ins Gesicht. Alle« stürzte nun auf. Hauptmann Adams entfernte sich. Ich habe ihm noch „Bauer!" nachgerufen. Ob AdamS das gehört hat, daS bezweifle ich. Mein Bruder sagte mir:„Ich kann meine Frau und meine Kinder nicht mehr sehen, bis meine Ehre wieder hergestellt ist." Gleich nach dem Vorgang kani der Diener meines Brnders und brachte einen Zettel, worauf die Frau meines Bruders geschrieben hatte:„Heinrich scheint zu fiebern." Da ich meinen Vater frühzeitig verloren habe, hat mein Bruder bei mir Vaterstelle vertreten. Ich wollte deshalb Adams kampfunfähig mache«, um daS Duell zu verhindern, da ich befürchtete, der Hauptmann Adams könnte meinen Bruder totschießen. Ich habe deshalb noch schnell ein GlaS Bier getrunken und bin in meine Wohnung gegangen. Dort habe ich den Revolver aus dem verschlossenen Schubfach genommen und mit sechs Patronen geladen, da ich be- fürchtete, einige können versagen. Präsident Ober-Kriegsgerichtsrat Winter: Haben Sie denn in dieser Zeit nicht überlegt, daß mit dem Revolver die Folgen nicht abzusehen seien? Angeklagter: Ich habe mir gar keine Gedanken gemacht. Präsident: Kamen Sie nicht auf den Gedanken, daß Sie mit dem Säbel besser kampfunfähig machen könnten? Angeklagter: Nein. Ich bj» alsdann nach der Wohnung deS Hauptmanns Adams gegangen und habe den Burschen heraus- geklingelt. Da Adams bereits schlief, forderte ich den Burschen auf, ihn sofort zu wecken. Nach kaum zwei Minuten kamen die Hauptleute Hoffmann und Rademacher herein und sagten, sie seien von meinem Bruder beaustragt worden, die Angelegenheit zu regeln. Meine Anwesenheit sei daher unnötig und ungehörig. Ich antwortete ihnen, daß ich mit Adams einen Ehrenhandel regeln wolle, der vorgehe. Gleich darauf kam Haupt- mann Adams aus feinem Schlafzimmer. Ohne ein Wort zu sagen, gab ich einen Schuß auf seine rechte Schulter ab. AdamS fiel so- fort nieder. Wenn ich beabsichtigt hätte. AdamS zu töten, dann hätte ich noch drei Schüsse abgeben können. Ich wollte ihn aber nur kampfunfähig machen. Ob ich den Revolver hingelegt und gesagt habe:„Das ist das corpus ckelictil" weiß ich nicht mehr. Hauplmaun Rade macher befahl dann dem herbeigeeilten Burschen, schnell Wasser zu bringen. Ich fügte hinzu:„Bringen Sie mich Verbandszeug." da ich Adams nur für verwundet ge« halten habe. Wenn ich ihn absichtlich getötet hätte, dann hätte ich mich sofort selbst erschossen. Hauptmann R a d e m a ch e r hat mich hierauf aufgefordert, den Säbel abzuschnallen und mich für verhaftet erklärt. Ich gebe zu. daß ich im Militärarrest gesagt habe:„Jetzt ist alles aus". Ich habe Hauptmann Adams nicht toten wollen und habe nur die Folgen nicht überlegt. Ich be- streite, daß ick gewaltthätig bin. Ich habe niemals Soldaten pemißhandelt. Aber wenn ich betrunken war, dann war ich nicht Herr meines Willen». Staatsanwalt: Haben Sie einen Rat betreffs der Zweikampfs- bestnnmungen gegeben? Angeklagter: Nein. Ich habe nur niedergeschrieben, was mein Bruder mir diktierte. Hierauf wird der Oberstabsarzt I. Klaffe im 144. Regiment, Dr. NUger, eine hünenhafte Gestalt, als Zeuge aufgerufen. Er erklärt: Er sei bereits wegen Ungehorsams gegen einen Vorgesetzten, wodurch der Tod eines Menschen verursacht worden, vom Kriegsgericht mit 6 Monaten Festung bestraft worden. Er habe mit Hauptmann Adams durchaus freundlich verkehrt, habe aber die Erfahrung ge- macht, daß dieser gefährlich gewesen sei, wenn er betrunken war. Der Zeuge bekundet über den Vorgang im Kasino: Ich hatte den ersten Schlag als Scherz aufgefaßt. Ich hätte mich auch nach dem zweiten Schlag mit sofortiger Abbitte begnügt. Ich habe allerdings die Hauptleute Hoffmann und Rade- macher beauftragt. Adams aufzufordern, zu revoeieren. Das habe ich aber nur mechanisch aus altem studentischen Brauch gethan. Ich bin mir bewußt gewesen, daß ein Zweikampf unvermeidlich sei. Ich erteilte den Kartellträgern den Auftrag, die Angelegenheit so schnell als möglich, noch vor Sonnenanfgang zu erledigen. Ich habe an meinem Bruder Vaterstelle vertreten. Bei Erregungen machen sich bei meinem Bruder auffallende Erscheinungen wahrnehmbar. Er hat dann eine eigentümliche Kälte im Gesicht. Seine äußere Ruhe ist umso größer, je größer seine Erregung ist. Er macht dann den Eindruck des Halbbewußten, so daß ihm die Folgen seiner Handlungsweisen nicht klar und seine Gedanken nicht aus eine be- stimmte Idee gerichtet sind. Präsident: Ist denn etwas hervorgetreten, was auf geistige Abnormität schließen läßt? Zeuge: Wir sind sehr lange getrennt gewesen, ich habe aber einen solchen Vorgang beobachtet. Wenn mein Bnider zu Hause bleiben sollte, geriet er in große Erregung und bekam dann die sogenannte „Budenangst". Ob er bisweilen an Verfolgungswahn litt, das ist möglich; ein bestimniter Fall ist mir nicht ausgefallen. Mein Vater ist im Alter von 43 Jahren an Gehirnschlag gestorben. Er war in der letzten Zeit vor seinem Tode ein starker Nenraslheniker. Mein Bruder ist neun Monate nach dem Tod nieiues Vaters geboren worden. Ein Bruder ist an Geisteskrankheit gestorben. Ich habe bei meinem Bruder wohl manchmal Trunkenheitsbewegungen wahrgenomnren, an jenem Abend aber nicht. Als ich meinen Bruder im Arrest besuchte, war seine erste Frage:„Was macht Heinrich?" Der Gerichtshof beschließt, den Zeugen wegen seines nahen verwandtschaftlichen Verhältnisses zum Angeklagten nicht zu ver- eidigen. Zeuge Hauptmann Bauer: Alle Anwesenden hatten viel getrunken. Nüchtern konnte der Angeklagte nicht sein. Die Trunkenheit haben wir ihm aber nicht angemerkt. Beim Hauptmann Adams trafen wir den Angeklagten. Auf die Aufforderung des Hauptmanns Hoffmann, sich zu entfernen, da seine Anwesenheit unnötig und ungehörig sei, legte der Angeklagte die Finger an den Helm und meldete dienstlich, daß er eine ältere Angelegenheit mit Adams zu regeln habe. Etwa vier Minuten darauf, währenddessen Schweigen herrschte, trat Adams ins numer. In demselben Augenblick schoß der Angeklagte auf den auptmann Adams mit dem Armeerevolver. AdamS fiel zu Boden. Der Angeklagte bemerkte:„Ich melde mich arretiert." Präsident: In welcher Entfernung stand der Angeklagte von dem Erschossenen? Zeuge: 2 bis 4 Schritt. Präsident: Versuchte der Angeklagte nochmals zu schießen? Zeuge: Das habe ich nicht bemerkt.— Präsident: Ist Ihnen erinnerlich, daß der Angeklagte gesagt hat:„Nun kann Hauptmann Adams meinen Bruder wenigstens nicht mehr erschießen? Zeuge: Das ist nur nicht erinnerlich. Die Erregung beim Angeklagien war erst gekommen, als der Diener dem Oberstabsarzt meldete, fein ältester Sohn sei krank. Zeuge Hauptmann Hoffmann: Der Angeklagte habe eine ge- radezu unheimstche Ruhe gehabt. Man habe ihm die Trunkenheit nicht angemerkt. Zeuge Gefreiter Potenzen, der im Kasino bedient, sagt aus: Der Angeklagte ist fehr erregt gewesen. Er hatte viel getrunken.— Der Bursche deS Erschoffenen, Musketier KarthauS bekundet: Am Kaisers Geburtstag kam Haupt- mann Adams des Abends 9V< Uhr angetrunken nach Hause. Nachdem der Hauptmann zu Bett gegangen war, habe ich mich auch schlafen gelegt. Nach einer Weile klopfte es. Vor der Thür standen 8 Offiziere, die mich aufforderten, Hauptmann Adams zu wecken. Herr Haupt- mann Adams befahl mir, die Herren ins Vorzimmer zu führen und Licht anzuzünden. Ich that das und legte mich dann wieder schlafen. Plötzlich hörte ich einen dumpfen Fall, aber leinen Schuß. Ich lief schnell hinunter. Zeuge Assistenzarzt Dr. Coffmann: Der Angeklagte machte auf mich einen nüchternen Eindruck. Präsident: Einen nüchternen ober ernüchterten Eindruck?— zeuge: Rücklernen. Zeuge Lieutenant Beeger: In der Nacht vom 27. zum 28. Januar hatte ich die nächtliche Runde. Im Arrest traf ich den Angeklagten in furchtbar niedergeschlagenem Zu- t a u d e. Auf meine Frage sagte der Angeklagte:„Nun ist alles aus. Ich habe den Houptniann A d a in s erschossen. Es thut mir urchtbar leid. Ich habe ihn nicht erschießen wollen. Es kommt mir noch alles ganz verschwommen vor. Zeuge Hauptmann Streust: Ich hatte in der Nacht vom 27. zum 28. Januar den Befehl erhalten, dei� Angeklagten nach Metz zu bringen. Unterwegs stöhnte der Angeklagte. Er sagte:„Es thut mir furchtbar leid, ich habe Adams nicht töten, sondern nur in die Schulter schießen wollen, um ihn kampsunfähig zu machen. Präsident: Machte der Angeklagte den Eindruck eines Trunkenen? Zeuge: Keineswegs. Er machte den Eindruck eines sehr über- legenden Menschen. Präsident: Herr Oberlieutenant, Sie haben damals gesagt: Sie hätten mit Hauptmann Adams einen Ehrenhandel zu regeln. der zeitlich vor der augenblicklichen Angelegenheit liege. War daS unwahr? Angenagter: Ich erinnere mich nur, gesagt zu haben:»Ich muß Hauptmann AdamS sprechen."— Präsident: Sie hatten alsdann mit Houptniann Adams keinen weiteren Ehrenhandel?— Angeklagter: Nein. Zeuge Lieutenant v. Carlowltz: Ich war mit dem Angeklagten zusammen auf der Kriegsschule. Der Angeklagte hat einmal einem Lehrer wegen eines von diesem erhaltenen Befehls gedroht, ihn niederzuschießen. Staatsanwalt: Hielten Sie diese Drohung für ernst Z Zeuge: Jawohl. Angenagter: Das ist richtig. Ich war damals betrunken.~- Zeuge General a. D. Wolff: Ich war Direktor der hiesigen Krlegslchule. Als der Angeklagte Zögling derselben war, wurde mir eines Tages gemeldet: Fähnrich Rüger wolle sich das Leben nehmen, weil Hauptmann S ch u ch ihn beleidigt habe. Ich fand den Fähnrich R ü g e r in solch' großer Erregung, daß ich die ärztliche Beaufsichtigung für nötig hielt. Zeuge Hauptmann DorrieS: Der Angeklagte war 1891 einmal so betrunken, daß ich Befehl erhielt, ihn nach Hause zu führen. Wenn der I Angeklagte betrunken war. dann war er gewaltthätig.— Präsident OberkriegSgerichtSrat Winter: Es soll nun beschlossen werden: ob bei der Vernehmung des Herrn Oberst von Weise und der Lieutenants Rüge und Schiffmann die Oeffentlichkeit ausznschliesten sei. Nach einigen Minuten wird die Oeffentlichkeit wieber hergestellt und der Präsident erklärt: Der Gerichtshof hat beschlossen, während der Vernehmung der 3 genannten Zeugen die Oeffentlichkeit aus» zuschließen, da durch die Oeffentlichkeit das militärische Dienstinteresie gefährdet erscheint. Der Gerichtshof hat außerdem beschloffen: den anwesenden Prozeßbeteiligten über die Vernehmung der genannten Zeugen Schtveigebefehl aufzuerlegen. DaS Publikum und die Journalisten Verlaffen hierauf den Saal. Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit bekundet Zeuge Oberlieutenant Henning: Ich war mit dem An« geklagten auf der Lichterfelder Kadettenanstalt. Der Angeklagte war sehr jähzornig und erregt. Zeuge Lieutenant Schmoller: Der Angeklagte war gutmütig, bescheiden und zurückhaltend. Zeuge Feldwebel Zeller: Der Angeklagte Herr Oberlieutenant war im Dienste sehr ruhig und sehr gutmütig zu den Soldaten. Ein Bruder des Angeklagten hat, so bekundet ein andrer Zeuge, als Sekundaner eine Schlägerei gebabt. Da er deshalb aus dem Gymnasium entfernt werden sollte, hat er sich auf dem Abort mit dein Revolver erschossen. Zeuge Oberstabsarzt Rüger bekundet noch: Hauptmann DorrieS hat meiner Mutter'mal eine derartige Mitteilung über meinen Bruder gemacht, daß diese für seinen Geisteszustand fürchtete. Zeuge Hauptmann DorrieS bestätigt die Angaben des Vor- zeugen. Er habe der Mutter des Angeklagten verschiedene alkoholische Exeesse desselben mitgeteilt. Die Verhandlung wird auf Sonnabend vertagt. Uokales. Um dreizehntausend Exemplare ist die Auflage des„Vorwärts" ans Anlaß der Betrachttingen über die letzte Kaiserrede gestern in die Höhe geschnellt. Mehr als eingehende Erörterungen lehrt diese Thatsache, wer unter der Gewitterschwüle der gegenwärtigen politischen Situation die reichste Enste hält._ Ten LokalkommiffionS- Mitgliedern Berlins, insbesondere aber denen der Vororte zur Nachricht, daß am Sonntag, den 7. April, die nächste L o k a l I i st e erscheint. Die Einsendungen für Neu- aufnahmen sowie Streichung von Lokalen sind bis spätestens den 2. April einzusenden, und zivar für Berlin an Karl Scholz, Wrangel- straße 110; Niederbarnim an Paul Kette, FriedrichSfelde, Lichten- bergerPrinzen-Allee 20a: für Teltow-Beeskow an Herm. Quitt, Rixdorf, Hobrechtstt. 82, IV.; für PotSdam-Ost-Havelland an Ernst Rieger, Spandan, Moltkestr. 3; unter diverse Orte Gustav Stein, Wriezen a,/O., Franksurterstr. 32._ Die nächsten Wahlen für die Stadtderordneten- Versammlung finden zwar erst im November statt, aber in einzelnen der frei» sinnigen Bezirksvereine beschäftigt man sich bereits jetzt mit der Frage, wie die Wahlen ausfallen werden. Die, e n t» schieden Freifinnigen" erwarten, daß sie nicht schlecht da- bei abschneiden werden. Ihre Hoffnung stützt sich darauf, daß das neue Kommunal-Wahlgesetz. unter dessen Herrschaft in diesem Jahre zum ersten Mal gewählt wird, eine Verschiebung der Ab« teilungen gebracht hat. In einer Versammlung de»„Fort- schrittlichen Vereins der Potsdamer Vorstadt" wurde vor mehreren Wochen darauf hingewiesen, daß diese Verschiebung den Bezirksvereinen einen größeren Einfluß auf die Wahlen der zweiten Abteilung verschafft, und im„Fortschrittlichen Verein vor dem Halleschen Thor" wurden dieser Tage ähnliche Ausführungen gemacht. Allem Anschein nach wird der alte Streit zwischen den feindlichen Brüdern, den„Entschiedenen" und den andren Freisinnigen, im Herbste eine neue und vermehrte Auflage erleben. An erheiternden Momenten wird e» also dem Wahlkampf auch diesmal nicht fehlen.— Den Wahlen der dritten Abteilung sehen die Freisinnigen, wenn man ihren Versicherungen glauben darf, ebenfalls mit Zuversicht entgegen. Wenn bei den Wahlen, so sagte der Stadtverordnete Kreitling in der Bersammlnng des Vereins vor dem Halleschen Thor, die liberalen Bürger ihre Schuldig- keit thun. dann sei der Einfluß der Socialdemokratie nicht zu fürchten. Wirklich, Herr Kreitling? Sollte die Volks- feidliche Thätigkeit, die die Erwählten der„liberalen Bürger" in der Stadtverordneten-Bersammlung entfaltet haben, nicht auch diesmal wieder bei den Wahlen ihre Früchte tragen? Auch die„entschieden Freisinnigen" haben sich in den letzten Jahren wieder an manchem schlimmen Streich beteiligt, der der Vergeltung harrt. Herr Kreitling weiß das selber am besten. Ob ihm nicht— in der Erinnerung daran— bei seinen eignen, so zuversichtling klingenden Worten doch etwas bange ums Herz gewesen sein mag? Zuverficht erfüllt Herrn Kreitling wohl mir mit Bezug auf diejenigen feiner „entschieden freisinnigen" Freunde, die die„starken Wurzeln ihrer Kraft" in der e r st e n Abteilung suchen und sich damit auf die von Herm Kreitling in der erwähnten Versammlung so abfällig be- urteilte„Plutokra�ie" stützen. Er selber gehört ja ebenfalls zu jenen Glücklichen, die von einem halben Hundert„liberaler Bürger" der ersten Abteilung in die Stadtverordneten-Versanimlung geschickt worden sind und für ihr Mandat nichts von der Socialdemokratie zu befürchten haben._ Die für Sonnabend anberaumte außerordentliche S i tz u n q der Stadtverordneten- Versammlung findet nicht statt. und die Sitzung am nächsten Donnerstag fällt aus, dafür findet am Mittwoch, den 3. April, eine ordentliche Sitzung statt. In der gestrigen geheimen Sitzung der beiden städtischen Körperschaften wurde dem scheidenden Stadtschulrat Dr. Fürstenau «ine persönliche jährliche Zulage von 2000 M. bewilligt. Der Oberbürgermeister Kürschner hat an Stelle des Stadt» fhndikuS Meubrink den Vorsitz in der Verkehrs de putati on übernommen, dem Stadtrat Böhm ist der Vorsitz in der Straßen- reinigungs- Deputation übertragen, außerdem hat er die Obliegen» heiten des beurlaubten Syndikus Menbrmk in der VerkchrSdepntation und Baudeputation I übernonimen.— In der heutigen Magistrats- sitz nn g erschien ganz unverhofft Syndikus Meubrink, um sich von dem Kollegium zu verabschieden. Ein gefährlicher Fabrikbrand kam gestern.vormittag 10 Uhr in der chemischen Fabrik von S ch a a f u. B ü ch e l'e n in der Schlefi- scheu Straße 31 zum Ausbruch. Im vierten Stock des linken Seiten» fliigels fabrizierte die Fabrik Naphthalinpräparate und hat daher nawr» gemäß größere Posten Rohnaphthalin und Oele vorrätig. Nun war in dem eigentlichen FabrikationSraum ein Kessel mit kochendem Nnphtha um- gefallen, die brennende Flüssigkeit hatte im Nu den ganzen Raum erfaßt, so daß den anwesenden Arbeitern kaum Zeit blieb, nach dem Die Befteigung des Rathausturms ist vom 1. April de. Js. 3 in der Regel täglich von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr nach mittags gegen 20 Pf. Eintrittsgeld gestattet. all Nebenraume zu flüchten und die Verbindungsthür zu schließen. Sierr Liebespaar wegfahren wollte, eilte er hinzu und rig die Bagenthür aber lagen Delvorräte, die unbedingt beseitigt werden mußten, be- ab auf. Der Hauptmamı fürchtete wohl, wie der Stammermufitus Guntel niedergeknallt zu werden. Er sprang fofort cauf bor das Feuer die leichte Nabigwand durchschlagen hatte. Bei der den Arzt zu und umflammerte ihn, wobei beide fielen und sich im Größe der Gefahr wurden alle Kräfte angespannt, so daß die Selbstmordverfuch eines Gardefüfiliers. In einer Scheune Bergung glüdte. Die Feuerwehr konnte nach einstündiger Arbeit die der Zorfstraße wurde gestern früh der Gardefüjilier Fiorsti blut Schnee wälzten. Jezt nahte Hilfe. Der wachhabende Unteroffizier Hauptgefahr beseitigen. Der Straßenbahnverkehr durch die Schlesische überströmt aufgefunden. Er hatte sich mit seinem Taschenmesser die alarmierte die Wache. Acht Jäger stürmten mit aufgepflanzten Straße ruhte wegen des Brands 3/4 Stunden lang. Bulsader der linken Hand aufgeschnitten und war durch den starken Seitengewehr herzu und der Ehemann wurde wieder verhaftet. Nach 20 Minuten, als man die Flüchtlinge in Sicherheit wähnte, durfte Vom„ Stiefkind der städtischen Verwaltung". In der Blutverlust bereits bewußtlos geworden. Das Motiv der That folder, Arzt die Kaserne verlassen. Seine Gatlin, die aus Salle stammt, Stadtverordnetensizung vom 21. März glaubte Herr Gerstenberg. Liebesgram sein. Der Lebensmüde wurde in das Garnisonlazarett ist seither verschwunden. Er hat ihr durch Zeitungsinserate die Rückkehr in die eheliche Wohnung untersagt und sofort die Scheidungsklage ander an diesem Tage zum erstenmal als Stadtschulrat zu der Ver- geschafft. Im Pferdestall gestorben ist in der vergangenen Nacht der gestrengt. Kinder find glücklicherweise nicht vorhanden. Das Offiziercorps fammlung sprach, den Vorwurf zurüdweifen zu müssen, daß die Gemeindeschule das Stieftind der städtischen Ver- 47 Jahre alte Gelegenheitsarbeiter Mag Köpple, der einst eine große des Jägerbataillons ließ dem Arzt am Sonntag zwei Briefe zugehen, waltung fei. Er that das in demselben Brustton der Entrüstung, Fouragehandlung besaß, schließlich aber nicht einmal mehr eine die dieser nicht annahm. Der Hauptmann heißt Ad. Horst v. Beuft, Wohnung hatte. Für die falten Nächte fand er ein Unterfommen ist Ritter erster Klasse des bayrischen Militär- Verdienstordens, Ritter den wir von seinem Amtsvorgänger, Herrn Bertram, so oft zu hören in einem der Pferdeställe in den Stadtbahnbögen an der Schöne zweiter Klasse des Ernestinischen sächsischen Hausordens und hat bekommen haben. Von den socialdemokratischen Stadtbergerstraße. In der vergangenen Nacht schlief er mit neun andren auch noch das Ehrenkreuz von Reuß j.. nis verordneten Bruns, Borgmann und Hoffmann Wohnungslosen in dem Stall im Bogen Nr. 8. Am Morgen fand Eine weitere Mitteilung besagt: war indes gerade in dieser Sigung wieder manches angeführt man ihn tot. Das sächsische Kriegsministerium hat nun den worden, was die stieftindmäßige Behandlung der Gemeindeschule Theater. Im Schiller Theater wird Anfang nächster Woche Hauptmann v. Beust wegen des Verdachts des Mißbrauchs beleuchtete Inzwischen scheint sich nun Herr Gerstenberg doch eines mit dem Studium der Kronprätenbenten" von Ibsen, und Shakespeares feiner Kommandogewalt vom Dienst vorläufig Der Kaufmann von Benedig" begonnen; beide Stüde werden mit Ferdinand suspendiert. dins dalur andern besonnen zu haben. Wie wir hören, hat er sich daran Bonn als Gast zur Aufführung fommen. Vorher wird noch der dreiattige gemacht, einige der namentlich von Hoffmann vorgebrachten Be- Schwant„ Ein Rabenvater von H. Fischer und Josef Jarno in Scene schwerden zu prüfen, und es verlautet, daß er sie auf Grund gehen. Lynchjuftiz. Die Scheußlichkeiten der Lynchjustiz schänden immer noch den Westen und Südwesten der Verein. Staatent, obgleich dieser Prüfung nunmehr als im wesentlichen berechtigt anerkennt Feuerbericht. Freitag früh erfolgte Schönholzerstr. 15 ein der gewissermaßen rechtfertigende Grund für Greuelthaten dieser und auf eine Beseitigung der gerügten Uebelstände Dachstuhlbrand, der mit einem Nohr abgelöscht werden konnte. Art, der früher dort vorhanden war, die Abwesenheit einer regelrecht Bedacht nehmen will. Uebrigens dürften auch die in jener Sigung Karlsbad 22 wurden Schränke und Kleidungsstüde eingeäfchert, tonftituierten und genügend schnell eingreifenden Rechtspflege, längst geschilderten Zustände in der 69. Gemeindeschule( Kleine Frankfurter- während gleichzeitig Alte Schönhauserstr. 4 ein Stellerbrand zu be- nicht mehr obwaltet. So wurde am 13. 8. Mts. in Corsicana, straße) noch in diesem Jahre gebeffert werden, da zum 1. Oktober feitigen war, der Kisten zerstörte. Ein andrer Kellerbrand wurde Teras, der Neger John Henderson von einem wütenden Böbelhaufen bei eine Verlegung der auf demselben Grundstüd untergebrachten Steuer- vorher von Grenadierstr. 5 gemeldet. Ausgeströmtes Gas hatte fich lebendigem Leib am Pfahl gebraten. Er war beschuldigt, außerhalb der Warschauerstr. 47 entzündet, ohne indes besonderen Schaden an- genannten Stadt eine junge Bauersfrau vergewaltigt und ermordet zu Annahmestelle geplant wird. hola ozurichten. Am Schöneberger Ufer hatten Kleidungsstüde und Deden baben. Eingefangen wurde er von den regulären Behörden, denen der Zur Wohnungsnot. Die Wohnungsnot droht zum 1. April in einem Schifferlahn Feuer gefangen, das jedoch mit Leichtigkeit Delinquent jedoch bald hernach durch einen Voltshaufen entriffen befonders scharf hervorzutreten. Bei dem Mangel an fleinen erstidt werden konnte. In der Scheringstr. 13 brannte am Donnerstag wurde. Dann baute man eine Art Schaffot mitten auf dem Plaze vor dem Gefängnis, wo der Unglüdliche an einem Pfahl feftgelettet Wohnungen haben von den zahlreichen Mietern, benen gekündigt eine Holzbude nieder. und über und über mit Petroleum begossen wurde. Gerade worden ist, sehr viele teine Wohnung gefunden. Nach den ErAus den Nachbarorten. 171 als der Scheiterhaufen angeſtedt wurde, sprang der Gatte der Ermordeten und herbei verfezte dem Gemarterten allein in Charlottenburg obdachlos. Da . mittelungen der Polizeidirektion Charlottenburg werden am 1. April aus den Spandauer Militärwerkstätten. Der bevorstehende eine lange Schnittwunde über das Geficht. Der Neger gab fein 23 weitere Familien en zehnten Teil der Einwohner von Berlin Rüdtritt des Feldzeugmeisters Generallieutenants Stern wird von Anzeichen von Schmerz und warf nur manchmal einen Blick auf den Charlottenburg etwa hat, fo läßt sich auch wenn man die größere Wohlhabenheit des einer Spandauer Korrespondenz in Verbindung gebracht mit dem wütenden Mob. Zehn Minuten später hatte der Neger ausgelitten, Bororts außer Betracht läßt, ein Schluß auf den Umfang der Empfang einer Arbeiter deputation der Spandauer Militär- ohne auch nur einen einzigen Schrei ausgestoßen zu haben. Nur Wohnungsnot ziehen. Un jene 23 obdachlose Familien unter- werkstätten durch den Kriegsminister v. Goßler. Zu den Aufgaben ein schwerer Seufzer entrang sich seiner Brust, als er von der Welt zubringen, hat der Charlottenburger Magistrat bereits ausreichende der Feldzeugmeisterei gehörte die Regelung der Arbeiterverhältnisse Abschied nahm. Es wird wohl behauptet, der Mann habe ein ſchriftMaßnahmen getroffen. Wie Oberbürgermeister Schuftehrus den ber föniglichen Institute in Spandau, also auch die Anordnung der liches Geständnis unterzeichnet, was aber wahrscheinlich erfunden ist Stadtverordneten mitteilt, tönnen 12 Familien im alten Familien- Wohlfahrtseinrichtungen in den Werkstätten. Bei der Audienz der und den thatenluftigen Lynchmördern nur zur Beschönigung ihres Hause und in der Dökerschen Barade untergebracht werden. Für die Arbeiterabordnung hatte diese Gelegenheit, dem Kriegsminister direkt Verbrechens dienen soll. übrigen sind entsprechende Räume gemietet worden. neid Beschwerden und Wünsche vorzutragen. Dieser Vorgang soll den: Bou Wilhelm II., der vorgestern die so bemerkenswerte Chef der Feldzengmeisterei Anlaß zur Einreichung seines Abschieds- Marktpreise von Berlin am 28. März 1901 nach Ermittlungen des tgl. Polizeipräsidiums. das Alexander- Regiment gehalten hat, gefuchs gegeben haben. Nach derselben Quelle sollen auch Meinungshofft man in der Georgengemeinde jezt anscheinend, daß er aus Anlaß der neuen Kasernierung die Ungerechtigkeit eines bestrebungen gegenüber den Arbeitern in den höchsten militärischen feiner Vorgänger wieder gut mache. In einem hiesigen Blatt lesen Instanzen bestanden haben. An Stelle des Generallieutenants Stern wir: Der Fortzug aus der alten Alexander- Kaserne, die 1763 auf dürfte Generalmajor v. Dulig, Kommandeur der 2. Felbartillerie- Roggen, gut dem Grund eines Friedhofs gebaut wurde, erwedt bei der Brigade, treten. Rede an verschiedenheiten über die gegenüber Stellungnahme zu den Wohlfahrts- Wetzen, gut D.- Str. 15,05| 15,93 inittel gering mittel " gering " erfte, gut mittel gering mittel gering 15,91 15,89 15,87 15,85 14,20 15,60 14,80 14,70 13,90 13,80 13,10 15,90 15,40 15,30 14,90 14,80 14,40 7,-6,66 7,80 5,50 40,- 25, 25, 45, 70,- 30, Georgengemeinde jetzt wieder neue Hoffnungen. Ein Defret Die Kommunalftenern für Charlottenburg find wie folgt Friedrichs des Großen hatte ihr einst das Terrain genommen, festgefegt: 1. Perfonen von einem Einkommen von nicht mehr als und ihr als Ersaz dafür Grundstücke vor dem Wedding 900 m. werden von der Pflicht, im Etatsjahr 1901 Gemeinde- Safer, gut angewiesen, die diese die diese aber als ungeeignet ablehnte. Bis Einkommensteuer zu zahlen, entbunden. 2. Die Gemeinde- Einkommenin den dreißiger Jahren ruhte dann der Streit, doch als im steuer fommt in Höhe eines Zuschlags von 97 Proz. der StaatsJahre 1837 der damalige Kriegsminister jede Entschädigung ablehnte, einkommensteuer zur Erhebung. 3. Die Gemeinde- Grundsteuer Rich wurde- 1852 von der Gemeinde der Prozeßweg beschritten. ist in Höhe von 2,21 pro Mille des gemeinen Wertes en Aehnlich wie heute wurde damals schon der Verjährungseinwand der bebauten und unbebauten Grundstüde und 4. die gellend gemacht, ebenso wie der Kriegsminister eine Eingabe, die Gemeinde- Gewerbesteuer in Höhe eines Buschlages von 97 Proz. Gemeinde bei einer Beränderung zu berücksichtigen, ablehnend beant- der staatlich veranlagten Gewerbesteuer, indes zu 3. und 4. mit der 3. 4. mit wortete. Da das Grundstück durch den Wegzug des Regiments nun Maßgabe zu erheben, daß der Ertrag beider Steuern zusammen wieder frei wird und nen bebaut werden soll, hofft die Georgen einem Saße von 145,5 Proz. der staatlich veranlagten Realsteuern) frei Wagen und ab Bahn. gemeinde, jest wenigstens für die erlittene Unbill irgendwie schadlos gleichkommt. 5. Die Betriebssteuer wird in Höhe von 100 Broz. der gehalten zu werden. festgesetzten Betriebssteuer erhoben und 6. die nach dem Maßstabe des Gebäude- Rugungswerts zu erhebende Kanalisationsgebühr auf 1 Bros. festgelegt.o 9 Erbsen Speisebohneng Linien *) ab Bahn. Kartoffelit, neue, D- Ctr. Rindfleisch, Keule 1 kg do. Bauch Schweinefleisch Kalbfleisch Hammelfleisch Butter Gier Starpfen Hale Bander Hemte Barsche Schleie d Blejemid 7-5, 1,60 120 1,30 1" 1,60 1,20 1,80 1, 1,60 12,60 2, 60 Stia 1 kg 42,60 2,20 1,20 2,80 1, 2,80 1,20 2,20 1,20 1,80 0,80 3, 1,20 1,40 0,80 Strebje per Shot 12, had ohui thin 3, Produktenmarkt vom 29. März. Auf dem Getreidemarkt entwidelte sich feste Saltung. Das unverändert falte Wetter und etwas höheres Nordamerita veranlaßten wiederum einige Räufe. Mittags fchwächte fich dann die Tendenz etwas ab, da wärmeres Wetter von Magdeburg signalisiert wurde und Destreich- Ungarn wesentliche Preisabschwächung meldete. Das effektive Angebot war für nahe Sichten nicht bedeutend, für nahe Ablabunge namentlich in Walla Walla Weizen sehr umfangreich und billiger. Die Lieferungspreise für Weizen und Roggen waren born wenig verändert, hinten leicht abgeschwächt. Mehl unverändert, Futtergetreide fest. Die Abgeber von Hafer und Mais stellen hohe Preisforderungen, obwohl die Nachfrage nicht groß ist. Rüböl war vorn behauptet, Ottoberlieferungen Man trop fefter Pariser Meldungen auf Berkäufe der Mühlen gedrückt.- Schluß für Getreide wieder fest auf England. Mar Ring, der älteste Berliner Schriftsteller, ist am Donners fag im Alter von 83 Jahren gestorben. Ring, der von Haus aus Arzt war, war ein alter Achtundvierziger. Seine Romane, die Die Rigdorfer Wohnungs- Deputation hatte am Donnerstag allgemeinen Anklang fanden, wurden zum größten Teil in den wieder eine Sigung, in der sie sich mit der Ausführung der Befechziger und fiebziger Jahren veröffentlicht. schlüsse der letzten außerordentlichen Stadtverordneten Sigung beIm Monat April dürfen offene Berkaufsstellen an folgenden schäftigte. Es wurde mitgeteilt, daß fich bisher fünfzehn Tagen bis 10 Uhr abends geöffnet bleiben: Mittwoch, 3., Donners- wohnungslose Familien beim Magiftrat gemeldet hätten, tag, 4., Sonnabend, 6., Sonnabend, 13., Sonnabend, 20., und Sonn- wozu noch fünf Familien voraussichtlich hinzukommen. abend, 27. April. Auch heute abend können die Berkaufsläden bis beschloß, mit diesen Wohnungslosen die schon lange dazu Spiritus 10 Bf. höher, 70 er foco 44,40 m. bestimmten Räume des Waisenhauses und der alten Straßen10 Uhr offen gehalten werden. reinigungs Anstalt zu belegen. Ferner sollen im BedarfsDie geplante Straßenbahnlinie Reinickendorf- Schöneberg, falle zwei Säle des Gastwirts Gröpler für Maffenquartiere gedie anscheinend dem oft geäußerten Wunsche der Bewohner des mietet werden. Die Deputation glaubt, dort eventuell 14 bis Gesundbrunnens nach einer Verbindung nach dem Westen gerecht 20 Familien unterbringen zu können. Wenn nötig, soll noch ein Saal werden könnte, ist in Wahrheit wegen des ungeheuren Umwegs über des Fabrikanten Laborenz hinzugenommen werden. den Alexanderplaz und Morizplatz, den die neue Strede nehmen Eine Deputation des Vereins Rigdorfer Wohnungsfoll, für den Gesundbrunnen ziemlich wertlos. Wie der Grundbefizer- mieter ist jetzt auch vom Regierungspräsidenten in Potsdam Beitung" von verschiedenen Seiten mitgeteilt wird, besteht besonders empfangen worden, der unter Assistenz des Ober- Regierungsrats eminembe 755 SSW 3beiter-2 aparanda 758 S ein Bedürfnis nach einer Verbindung des Gesundbrunnen nach dem v. Tschippe und des Regierungsrats Kühne etwa eine Stunde lang Hamburg Berlin Zoologischen Garten beziv. Wilmersdorf. Sehr gut ließe sich zu mit den Herren konferierte. diesem Zwecke die Linie der früheren Charlottenburger Pferdebahn: Ludwigsplay- Kupfergraben verlängern. Witterungsübersicht vom 29. März 1901, morgens 8 1hr. Stationen Barometer richtung Wind Wetter Temp. n. 6. 5° C= 4 R. Stationen Barometer Wind Bunza Winbftärte Better Temp.n. G. 2wolfent 14 7553 756 3 heiter Frautf./M. 760 SW München 759 75823 35lb.beb.- 2 Petersburg -2 Corto 3 heiter 6 wollig 3 hlb.bed.- 1 -4 Aberdeen 4 Baris 754 SW 5 Regen 755 WNW 2 heiter 760 SSW 2wolteul 6 Wetter: Prognose für Sonnabend. den 30. März 1901. Ein wenig wärmer bei zunehmender Bewölkung, geringen Niederschlägen Berliner Wetterbureau. am Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Mutter Marie Vorbass Mittwoch nach schweren Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Sonntagnachmittag 3 Uhr von der Leichenhalle des Reuen Jakobi- Kirch hofs aus statt. Der trauernde Sohn Julius Vorbass. [ 395b Am 27. b. W. verstarb meine liebe Friseur Salon Bethanien- Ilfer 10. vis- a- vis vom Gewerkschaftshaus, H. Rausch( fr. Menzel). ,, Borwärts" liegt aus Herren- Anzüge 3906* u. Baletots, eleg. Ausführung, auch nach Maß, geg. Kaffe u. Teilzahlung. Landsbergerstr.13, do dermischtes.Wien Ueber den Einfluß des Kaninchens auf Sittlichkeit und Volkserziehung hat der ordinäre Erdenbürger wohl noch taum Eine belagerte Kaserne. Die Jägerlaserne auf dem Sachsennachgedacht. Dem Centralverein deutscher Kaninchenzüchter plaz in Dresden mußte dieser Tage eine hartnädige 18 stündige und mäßigen südwestlichen Winden. blieb es vorbehalten, der Menschheit hierüber das nötige fund- Belagerung durchmachen und das tam so. Die Gattin eines zugeben. Dieser Verein veranstaltet in Berlin eine Kaninchen- Dresdener sehr beliebten Arztes, der seit drei Jahren verheiratet ist, Ausstellung, zu welcher der Magistrat 500 m. für Ehrenpreise unterhielt mit einem Jägerhauptmann ein Liebesverhältnis. Der Mann bewilligen soll. Das Gesuch wird damit begründet, daß der bemerkte es und ließ seine Frau durch ein Detektivbureau überwachen. Am Verein bemüht ist, durch die Zucht von großen und schweren legten Freitag um 2 11hr mittags wurde dem Ehemann von den Detektivs Kaninchen das Fleisch dieser Tiere als billiges Voltsnahrungsmittel gemeldet, daß seine Gattin foeben die Kaferne betreten habe und einzuführen. Die Kaninchenzucht gewähre aber auch vielen Hand- un begann die Belagerung. Vor jede der drei Kasernenthüren wertern und Arbeitern einen Rebenverdienst und bringe infofern stellten sich zwei Aufpaffer, andre besorgten den Nachrichtendienst Um acht Uhr abends erschien fittlichen Gewinn, als fie viele Familien an Ordnung und nach der Wohnung des Arztes. Sparsamteit gewöhnt." der Arzt selbst auf dem Kriegsschauplag. Aber der Hauptmann J. Kurzberg, part, fein Laden. Da haben wir's. Die Lösung der socialen Frage, an der sich hatte etwas gemerkt und die Belagerten wagten sich vorsichtigerweise Sparfamkeitsprediger wie Kaplan Hige vergeblich mühten, glüdt nun nicht heraus. Nachts um 12 Uhr versuchte die Dame durch ein am Ende mit Hilfe des Karnidels. Hinterpförtchen zu entschlüpfen. Da aber die Aufpasser laut nach onsdem Arzt riefen, zog fie fich wieder zurüd. Run beschloß der Haupt- Grau, Mutter, Groß- und Schwieger: Jede Dame lese! Reifemuster, ausschließlich Modelle. Der Verein zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und mann gegen die Belagerer die Offensive zu ergreifen. Einen Detetti Barbara Henkies, geb. Just. Sadetts, schwarz u. farb. v 5,- Mr. Mißhandlung hielt im Centralhotel seine Generalversammlung ab. perfuchte man fortzuweisen, den auffäffigen Ehemann ließ man Die Beerdigung findet am 31. d. M., Jacketts, a. Futter prim. Verarb. Nach dem Geschäftsbericht schreitet die Arbeit des Vereins rüftig fort. durch die herbeigeholte Polizei nach der Polizeiwache abführen. von 8,-. Die Mitgliederzahl ist auf 2014 gestiegen und rekrutiert sich aus Rachdem der Uebermut der Belagerer hierdurch etwas gedämpft nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, 1116*] es Reinidendorferstr. 42 nach dem Neuen Capes, furz und lang, mit Stideret 394b allen Ständen. An den Hauptverein in Berlin haben sich die Zweig worden war, schickte der Hauptmann nach einer Nachtbroschke non 4,50. und das Liebespaar Nazarethkirchhof statt. Capes, Hochelegant, feinstes Genre, vereine Magdeburg, Bromberg, Hameln, Schneidemühl, Harzburg, war mittlerweile 3 Uhr nachts geworden von 12,50 M. Bizenhausen und der Startellverein in Chemnitz angeschlossen. nahm in dem Wagen Play, um den Angreifern zu entfliehen. Doch Wilhelm Hentries. Kostüms, Rod und Jadett, affe Dem dringenden Bedürfnis nach einer Zufluchtsstätte für das Unglüd schreitet schnell. Auf der Polizeiwache hatte day mit großer leberraschung festgestellt, der auf Allen Freunden und Bekannten Farben, von 10,50 arme mißhandelte oder der Ausnutzung ausgesetzte Kinder ist man durch das neugegründete Asyl in Boffen zum Teil ab- militärische Anordnung Berhaftete weder betrunken war, noch empfehle mein Weiß- und Bayrisch Kostüms, Rock und Jackett, HochBiertotal, fowie meine beiden elegant, von 15,-. geholfen worden. Ein Hausvater und eine Hausmutter stehen dem vandalierte und auch alle nötigen Ausweispapiere bei sich trug. Bereinszimmer mit Klavier für 20 Alles nur chice, beffere Konfettion. Seltene Gelegenheit! Asyl vor. In der Centralstelle für Jugendfürsorge", die in den Nachdem sich die Polizei eine halbe Stunde lang über den stillen und 50 Personen. Damenmäntel Fabr. en gros, Seydel: nächsten Wochen in Berlin ins Leben treten soll, wird sich der und nüchternen Arrestanten gewundert hatte. ließ sie ihn laufen. August Bieberstein, straße 2, 1 Treppe( am Spittelmart. Verein zum Schutz der Kinder 2c." mit verwondien Vereinen zur Der Arzt nahm darauf eine geschloffene Droschte und in dieser gelang Sonntags 8-10 u. 12-7 geöffnet Förderung des gemeinsamen Ziels zusammenschließen. es ihm, an das Kafernenportal unbemerkt haranzukommen. Als das Denkbar grösste Auswahl. Herren- Anzüge. mutter, 4969* Adalbertstr. 61. Streng feste Preise. Jackett- Façon, 1 oder 2 reihig, tadellos sitzend, schwarz, dunkelblau oder dunkelbraun in Kammgarn oder Cheviot 17.50, 20, 22.50, 25, 30-50 Mk. Cheviot meliert in allen modernen Farben 17.50, 20, 22.50, 25-45 Mk., Kammgarn marengo, grau oder olive meliert, hochmodern 30, 35, 40, 45 u. 50 Mk., gezwirnter Buckskin, sehr praktisch für täglichen Gebrauch, 15, 20, 25, 30-45 Mk. Rock- Façon, 1 reihig, glatt oder Diagonal- Kammgarn, Diagonal- Kammgarn, schwarz oder blau, 27, 30, 33, 38, 43, 48 Mk., Cneviot, schwarz 27, 33, 38, 43, 48 Mk., Kammgarn oder Cheviot [ 1164L grau oder marengo Feinste Massanfertigung. meliert 38, 43, 48 Mk. Berlin, Oranienstr. 166. CARL STIER, Potsdam, Brandenburgerstr. 23. Tadelloser Sitz. Beste Verarbeitung. Verband der Möbelpolierer. Heute abend in sämtlichen Zahlstellen Entgegennahme von Beiträgen and Ausgabe der Uraniabillets a 60 Pf. Die Mitglieder werden ersucht, die Bekanntmachung zu beachten. Montag, den 1. April, abends 8 Uhr, in Rigdorf, Hermannstraße 197, Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Mitschke über Arbeiterschutz- Geseze und Arbeiter- Organisation". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Cigaretten- Fabrik Palo Palo t Weit billiger als jedes andre Hutgeschäft! Grösstes Sortiment der Branche! Eleganter weicher Herrenhut. 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März, abends 8%, Uhr, im Englischen Hof, Neue Roßstraße 3, Außerordentl. Mitgliederversammlung. Tages- Ordnung: Der Stand unsrer Lohnbewegung. 156/17 Der Vorstand. Partei- Speditionen: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert Wengels, Große Frankfurterstraße 133, Hof part. SO.: Frik Thiel, Stalizerstraße 35, born part. Sechster Wahlkreis( Moabit): Karl Anders, Salzwebelerstraße 8, part. im Laden. Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stolzenburg, Wiesenstraße 41/42. Gesundbrunnen: Wilhelm Gaß manu, Nachfolger Hermann Raschke, Grünthalerstraße Nr. 65. Rosenthaler Vorstadt und Schönhauser Vorstadt: RarlMar 8, Kastanien- Allee 95/96. Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sefenheimerstr. 1, Ede Goethestr., v. 1 Treppe.- Deutsch- Wilmersdorf: Th. Müller, Berlinerstr. 132/133, rechter Seitenst. und M. Nidel, Auguftaftr. 3, v. I. Friedrichsberg- Friedrichsfelde: Carl Welt, Berlin O., Frankfurter Allee 177. Grünau: Engel, Dahmeftr. 6. Apostel Paulusftr. 13, Quergebäude Hochp. 1. Et., gl. a. 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