Nr. 100. Abonnements- Bedingungen: = Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofts Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post- Beitungss Preislifte für 1901 unter Mr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions- Gebage beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: * Sorialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Mit dem 1. Mai 1901 eröffnen wir ein neues Abonnement auf den ,, Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Unterhaltungsblatt und der Sonntags- Beilage ,, Die Neue Welt". Im Unterhaltungsblatt wird Zolas Roman „ Arbeit“ weiter geführt. Neu eintretende Abonnenten erhalten den bisher erschienenen Teil dieses Romans sowie des andern laufenden Romans ,, Die bunte Reihe" tostenlos nachgeliefert. Für Berlin nehmen sämtliche Beitungsspediteure sowie unsre Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennig frei ins Hans. Für das übrige Deutschland nehmen sämtliche Post anstalten Bestellungen zum Preise von europäischen Ländern. oft Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen foftet der Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deutschlands und seiner Kolonien und in Oestreich Ungarn, im Ausland 3 Mark pränumerando. Redaktion und Expedition des„ Vorwärts". Corpsstudenten. Dienstag, den 30. April 1901. wurden. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. bindung wurde kürzlich wie schon früher bei einem ähnlichen Vorfall wieder hergestellt. Am bedauerlichsten ist es, daß der weitherzigere liche Erzesse begingen, einen Schutzmann in rohester Weise miß-§108 die Straffälligkeit für den Betrieb einer nicht konzessionierten genannt, als einige ihrer Angehörigen in wüster Trunkenheit nächte Grundsatz der Kommissionsmehrheit preisgegeben wurde, die im handelten und dafür vom Schöffengericht in Strafe genommen Versicherungsgesellschaft von der Kenntnis der Konzessionspflicht abhängig gemacht und damit die sonst nur zu Gunsten von Beamten aufgehobene Rechtspraxis durchbrochen hatte, daß Unkenntnis der Gesetze nicht vor Strafe schüßt. Es war vergebens, daß die Redner der Linken, besonders unser Gefassung vertraten, und daß auch Centrums- Abgeordnete, wie nosse Molkenbuhr, mit den triftigsten Gründen die KommissionsHerr v. Strombeck und Schmidt- Warburg ihnen beipflichteten. Der Umfall der nötigen Anzahl Ultramontaner schuf die erforderliche Verschlechterungsmehrheit. " Das Leben und Treiben in vielen Studentenverbindungen kennen die meisten mur aus den Wigblättern; die Nummern des Simpliciffimus" sind aber oft von geradezu quellenmäßiger Authenlich durch die naturwahre Wiedergabe der Typen satirisch wirkt. ticität und bieten eine Fülle treffendster Charakteristik, welche ledig Bei den vielen Kneipereien und sonstigen Vergnügungen kommt der Corpsstudent mindestens zwei Jahre lang überhaupt nicht zum Studium, häufig aber noch viel länger nicht, und die im ber erst sehr spät, und der Spätschoppen, der Corpsleben erworbenen Gewohnheiten, wie der Frühschoppen, Auch beim§ 115 wurde die Regierungsfassung wieder der erst sehr hergestellt, die dem Partikularismus zu Liebe jeder Gesellfrüh sein Ende findet, beeinträchtigen noch lange das schaft, die ihren Betrieb über mehrere Bundesstaaten erstreckt, Leben des anfangs schneidigen, recht bald aber nervösen, die Verpflichtung auferlegt, in jedem Einzelstaate einen Hauptgichtischen und blasterten Corpsbruders sowie oft den Geschäftsgang bevollmächtigten zu haben. der Behörden, welche das Glück haben, den Inhaber solcher Gewohnheiten als Beamten zu befizen. Solch ein„ Studium" kostet natürlich auch viel Geld, und wir können es mitempfinden, wenn in einem bekannt gewordenen Briefe ein notleidender Agrarier an feinen in einem Corps studierenden Sohn schreibt, er werde ihm mit Rücksicht auf die schlechten Getreidepreise nur schwer die bisher gewährten 15 000 m., fage und schreibe: fünfzehntausend Mart, jährlich weitergewähren können. " Beim§ 119 gelang es dem Grafen Posadowsky durch die Drohung, sonst das ganze Gesez scheitern zu lassen, die Mehrheit zum Verzicht auf die Kommissionsfassung zu bewegen, die die öffentlichen Versicherungsanstalten einzelnen Vorschriften des Gesezes unterstellen wollte. warten sind. Beim§ 121 mußte bei sehr vorgerückter Stunde die steht die dritte Lesung des Urheber- und Verlagsrechts auf der Weiterberatung auf Dienstag verschoben werden. Außerdem Tagesordnung. Bescheidener Freisinu. 1 Mark 10 Pfennig pro Monat ( ausschließlich Bestellgeld, 14 Pfennig pro Monat) entgegen.( Eingetragen ist der„ Vorwärts" in der Post- Zeitungsliste unter Nr. 7671.) Jm Auslande kann der„ Vorwärts" gleichfalls bei der weitere staatliche Versicherungsmonopole nur für den Umfang Beim§ 120 scheiterte der Versuch der Freisinnigen, bestellt werden; der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich des ganzen Retchs zuzulassen. Auch unsre Fraktion stimmte 5 Fr. 1 Cts. in Belgien, 3 Fl. in Holland, 3 Kr. 59 Dere Wenn aber der Verbindungsstudent auch in seinem Studium dagegen, weil, wie Moltenbuhr hervorhob, gewisse Fortschritte in Dänemart, 5 Fr. 71 Cts. in Italien, 5 Fr. 15 Cts. in lange Zeit nichts leisten kann, so hat er doch viele andre Dinge der socialen Versicherungsgesetzgebung, wie etwa die staatliche 2ugemburg, 4 Str. 66 Heller in Oestreich Ungarn, 6 r. zu lernen, zum Beispiel den Kneipkomment, das Knobeln, Arbeitslosen- Versicherung eher von Einzelstaaten- man denke 10 Cts. in Rumänien, 4 Kr. 17 Dere in Schweden, 5 Fr. in der die Duellregeln, die Namen und Farben sämtlicher übrigen an Süddeutschland als vom preußischen Reich zu erSchweiz; 9 M. in Frankreich, England, Spanien und Verbindungen des Reichs; auch muß er die verschnörkelten NamensPortugal, den Bereinigten Staaten von Nordzüge der andren Corps, Cirkel" genannt, tadellos nachmalen können. amerika und andren zum Weltpoftverein gehörenden außergründigen Probleme für den Corpsier wertlos fei. Keineswegs. Man meine aber nicht, daß das heiße Bemühen um diese tief Jene Sitten oder Unfitten des Corpswesens geben nur einen äußer lichen Ausdruck des Zusammengehörigkeitsgefühls der aus besonders hochstehenden, meist adligen Familien entsproffenen goldenen Jugend", eines Zusammengehörigkeitsgefühls, das diesen jungen Das Abgeordnetenhaus verhandelte am Montag über Herren für ihre zukünftige Laufbahn" sehr erhebliche Vorden Antrag Dr. Barth( frs. Vg.)- Dr. Wiemer( frs. Vp.) the ile bietet. In den hohen und höchsten Staatsämter finden sich ganz betreffend Abänderung der Wahlbezirke für die unverhältnismäßig viele ehemalige Corpsstudenten; ihre Zahl steht Wahlen zum Abgeordnetenhause. Der Antrag, in umgekehrtem Verhältnis zu dem Fleiß, der Intelligenz und mit dem sich das Haus schon in früheren Sessionen wiedernumerischen Bedeutung der Corpiers unter der Gesamtzahl der holt beschäftigt hat, läßt an Bescheidenheit nichts zu wünschen Gesamtzahl der Studierten. übrig. Die Beseitigung des elenden Dreiklassen- Wahlsystems Was bringt denn den Corpsstudenten hoch? Es find die be- wagen die Antragsteller nicht zu fordern, obwohl sie wünschen, sonderen Zugenden dieser Leute: gute Familie", feudale Gewohne daß es je eher je lieber verschwindet; sie begnügen sich mit beiten, einwandfreie Gesinnung, einflußreiche Beziehungen. Der einer geringfügigen Reform, die darauf hinausläuft, daß bei alte Corpsstudent, der in Amt und Würden sigt, aber dann und der Feststellung der Wahlbezirke den in den letzten vierzig wann mit der Jugend noch bei der Kneiptafel zusammentrifft, tann Jahren eingetretenen Verschiebungen der Bevölkerung Rechdieser seine Sympathie auch nicht versagen, wenn es sich um Für- nung getragen wird. Sprache und Beförderung handelt. Wenn es wahr ist, was geitungen Der Feststellung der Wahlbezirke im Jahre 1860 Tag erzählten, daß der Justizminister die ihm vorgestellten Assessoren be- die Bevölkerungsziffer der letzten Volkszählung, 1858, zu fragt habe, ob und bei welchen Corps fie attiv" gewesen seien, so Grunde. Auf 50000 Seelen kam ein Abgeordneter. Inist das ein Zeichen, wie start die Solidarität“ von der Universität zwischen hat die Bevölkerungszahl sich um etwa 60 Proz. her nachwirkt. vermehrt, es müßte heute auf etwa 80 000 Seelen ein AbDie vornehme Abgeschloffenheit der Corps, die sich fast ausschließlich geordneter kommen. Thatsächlich aber hat die Entwicklung immer wieder aus dem Nachwuchs derselben Familien refrutieren, Preußens zum Industriestaat zur Folge gehabt, daß in den bedeutet aber völlige geistige Inzucht und Erstarrung. ländlichen Bezirken oft auf weniger als 50 000 Einwohner Schon die durchschnittliche Anschauungsweise der 4/5 unter den bereits ein Abgeordneter entfällt, während die Industriestädte Studenten, die teiner Verbindung angehören, unterscheidet sich ganz erheblich benachteiligt sind. Berlin z. B. müßte heute sehr von der Anschauungsweise der übergroßen Mehrheit der statt 9 Vertreter deren 24 haben. Den Vorteil von dieser Bevölkerung. In dem Teil der Studentenschaft aber, der Verschiebung haben natürlich die Konservativen, die eine weit farbentragenden und schlagenden" Verbindungen angehört, sind größere Anzahl von Vertretern ins Parlament entsenden die Corps wiederum das ausschließendste und daher rück- fönnen, als ihnen nach der Absicht des Dreiklassen- Wahlständigste Element. Doch weit gefehlt, wenn man annimmt, daß gesetzes zusteht. Die Aufnahme des Kronprinzen in die Bonner Universität hat hier die Differenzierung am Ende ist. Unter den Corps trennen sich Der Begründer des Antrags, Abgeordneter Dr. Barth, ihre kleine Vorgeschichte. Die Universität mußte fich die Versetzung wieder verschiedene Gruppen ab, die einander an Ausschließlichkeit appellierte ironisch an das Gerechtigkeitsgefühl der Mehrheitsdes Professors 8orn von Königsberg gefallen laffen, obschon die und Feudalität überbieten. An der Spitze dieser Stufenleiter der parteien und hielt ihnen vor Augen, daß gerade die Freunde juristische Fakultät, die sonst bei der Beseyung freier Lehrstühle Feudalität stehen einige wenige hochfeudale" Corps, zu denen die des Dreiflassen- Wahlrechts alles daran sezen müßten, dem ein Wort mitzureden beanspruchen darf, in diesem Fall nicht Bonner Boruffen zählen. Wie bezeichnend für die preußisch- deutschen Zu- Grundgedanken desselben, Abmessung der politischen Rechte befragt wurde. Profeffor Born ist zur Leitung der juristischen stände, daß die Bourgeoisie so wenig im stande war, eine einheitliche nach den Leistungen, Geltung zu verschaffen. Gegen die ReAusbildung des Kronprinzen bestimmt und ob dieser besonderen Kultur oder auch nur einen einheitlichen Stil für ihre Lebensgewohn- gierung, die es freilich nicht der Mühe für wert hält, sich Aufgabe mußte die Fakultät ihn ertragen, obschon seine Befähigung beiten zu erzeugen, daß sie sogar für die Herrenmoral ihrer im Hause bertreten zu lassen, machte Dr. Barth eine gute von den Fachmännern im höchsten Maße bezweifelt wird. Profeffor studierenden Jugend den mittelalterlichen Begriff des Feudalismus" Bemerkung, indem er es als ihre Pflicht bezeichnete, die sich Born ist allerdings Specialist für preußisches und deutsches Staats- entlehnen mußte! Der Kronprinz des Reichs und Breußens hat die Universität Bonn als Student bezogen. Pomphafte Umzüge und festliche Kneipereien ein Fach, in dem die deutsche Studentenschaft her vorragendes leistet begrüßten den neuen Jünger der Wissenschaft und nur die eifrigen Sicherheitsmaßnahmen der Polizeibehörden nach russischem Muster beeinträchtigten den Einwohnern Bonns die Festesfreude. Die Zeitungen der Bourgeoisie waren tagein tagans erfüllt von Festberichten und mußten die Gelegenheit, da ein Jüngling fich wissenschaftlichen Studien befleißigen soll, zu wahrhaft wahnwitziger Byzantinerei. Bis hinein in die Kreise bes mittleren Bürgertums wird als erfreuliche Thatsache bewundert, als eine Art Konzession an die demokratischer gewordene Zeit, daß der zukünftige Monarch die höfifchen Birtel verläßt und als Student zu den niederen Sterblichen herabsteigt. Diese Vorgänge mögen auch für die Klaffen des Volts nicht ohne Intereffe sein, denen sonst studentisches Wesen und Umwefen fern liegt. Es ist schließlich nicht gleichgültig, wie Prinzen erzogen werden, die dazu bestimmt sind, einst entscheidenden Einfluß auf die Geschicke von vielen Millionen Menschen zu üben. " " Politische Nebericht. Der Reichstag Berlin, den 29. April. B ihr bietende Gelegenheit zu einer andren Zusammensetzung des Hauses zu ergreifen, falls ihr wirklich an dem Zustande. tommen des Mittelland Kanals etwas liegt und falls fie nicht gewillt ist, zum zweitenmale mit sich spaßen zu lassen. Für den Antrag sprachen auch die Abgg. Dr. Wiemer ( frs. Vp.) und Noelle( natl.), während die Konservativen recht und hat sich als solcher fleißig bemüht, die konstitutionellen Staatsrechtanschauungen hervorragender Juristen wie Rönne in das Absolutistische zurückzuleiten, wie er denn überhaupt ein von tieferer Wissenschaftlichkeit unberührter Schwärmer der deutschen Reichsgründung und der Größe des preußischen Königtums ift, der die 48er Voltserhebung verächtlich eine Bewegung der bot Montag das ungewohnte Bild der Beschlußfähigkeit. Die und das Centrum sich dagegen erklärten. Die konservativen Gasse" genannt hat. Dabei ist Professor Born tein extremer präsidiale Strafpredigt vom vorigen Donnerstag scheint be- Redner, Dr. v. Heydebrand und Graf Bernstorff, Konservativer, keine ausgeprägte Persönlichte it", wie sie der fonders der Centrumsfraktion auf die Nerven gegangen zu sein. führten, auf ihre Zahl pochend, überhaupt keine Gründe Staiser in einer seiner Bonner Reden pries. Herr Born hat In der Mitte sah es so voll aus, wie in den Tagen der lex Heinze. gegen den Antrag an, sondern begnügten sich mit der Erklärung, das glückliche Naturell, daß er es vielen recht machen tann; Es ist begreiflich, daß die Herren, die so selten kommen, sich daß sie dagegen stimmen. Geradezu kläglich war die Rolle, er ist nicht einseitig" genug, 11111 nicht verschiedenen außerordentlich viel zu erzählen haben, wenn sie sich einmal die der Sprecher des Centrums, Abg. Schmitz, spielte. Richtungen, die heute Aussicht auf Einfluß haben, genehm sein fehen; so war der Lärm der Privatgespräche so stark, daß Dieser Herr bewies von neuem, daß das Centrum für 811 können. Er ist bei Konservativen und Nationalliberalen Graf Ballestrem den Rednern wiederholt Ruhe schaffen mußte. Volfsrechte nur dann zu haben ist, wenn dadurch seine eignen fast aller Schattierungen, vom Feudalgrundbesitz bis zur„ vor- Die zweite Lesung der Vorlage über die privaten Partei- Interessen gefördert werden, daß es aber im übrigen nehmen" Börse gleich beliebt. Als Friedensdelegierter im Haag Versicherungs- Gesellschaften, die am Donners- genau so reaktionär ist wie seine tonservativen spielte er mit Würde die Rolle eines Statisten oder besser eines tag bei der Abstimmung über den§ 81 stecken geblieben war, Freunde. Briefträgers, der die Befehle von Berlin einholte. Seine An- wurde fortgesetzt. Der Antrag Richter, der die Kosten des Der Antrag wurde nicht einmal einer Kommissionspaffungsfähigkeit, unt die selbst ein Paasche ihn ueiden könnte, ließ Aufsichtsamts über die privaten Versicherungs- Gesellschaften beratung gewürdigt, sondern gegen die Stimmen der Linken ihn schnell Karriere machen. Eo ward Zorn Prinzenerzieher. dem Reiche ganz und nicht, wie die Vorlage zur Hälfte auf- einfach abgelehnt. Born ist aber auch Corps student. Und hier erreichen wir bürden wollte, wurde abgelehnt. Dagegen fiel die Kommissions- Nächste Sizung: Donnersta g. Auf der Tagesordnung das andre Erziehungselement für den Kronprinzen. Der Kronprinz faffung bei den§§ 108, 115 und 119. Nicht zum Vorteil des stehen kleinere Vorlagen, Interpellationen und Initiativist dem studentischen Corps Borussia beigetreten. Diese Ver- Gesetzes wurde die Regierungsvorlage bei diesen Paragraphen anträge. " China- Opfer. Ueber drei Gefechte, die am 23. und 24. April zwischen den deutschen Truppen v. Kettlers und den Truppen Lius stattfanden, wird von Waldersce gemeldet: = Steinblöcke von den steilen Höhen, die den Paß bilden, auf die Unterstüßung der agrarischen Forderung erhöhter Getreideheranrüdende Kolonne. Oberst Hoffmeister ging sofort zum An- zölle ein. griff über, wobei ihm von einem niederrollenden Felsstück der Fuß verlegt wurde. Außerdem wurden zwei Mann verwundet. Nach Er- wenn sie den Anschein zu erwecken sucht, als sei Kautsky der Eine noch gröbere Unterschiebung versucht jedoch die„ Post", stürmung der Bazhöhe eröffneten die Dentfchen ein Artilleriefeuer Ansicht, die heutige deutsche Landwirtschaft vermöge allein den auf die flüchtenden Chinesen, ungefähr 26 Granatschüsse wurden auf die Fliehenden abgefeuert, Getreidebedarf Deutschlands zu decken. Es ist richtig. Kautsky während Kavallerie fie bis in die Provinz Schansi hinein ver- giebt die Möglichkeit einer Versorgung Deutschlands mit eigenem folgte. Weiter südlich stieß die Kolonne Mühlenfels auf eine Getreide zu; aber nicht unter den heutigen kapitalistischen befestigte Stellung, die von 200 chinesischen Scharfschützen hart- Produktionsverhältnissen, sondern erst, wenn der Grund und nädig verteidigt wurde. Das Gefecht dauerte mehrere Stunden. Boden verstaatlicht, die Grundrente beseitigt ist. Deutlich heißt Lieutenant Drewello wurde durch 3 Schüsse schwer verwundet, Major es S. 92 seiner Schrift: Mühlenfels, Lieutenant Richert erhielten leichte Verwundungen; 2 Mann wurden getötet, darunter der Fahnenträger, und 16 Mann teils leicht, teils schwer verwundet. Die Chinesen rollten wieder Felsstücke den Paßweg himunter, die Unsrigen stürmten aber, trog anbrechender Dunkelheit vorwärts, bis die Chinesen endlich ihre Positionen aufgaben und die Flucht ergriffen. Um 3 Uhr abends wurde die deutsche Flagge auf der Baßhöhe gehißt. Noch weiter südlich gelang es einer fombinierten Kolonne unter dem Befehl des Majors Wallmenich und Majors Mühlmann, den Chinesen in den Rücken zu kommen, wobei die Kolonnen, die von Tsinghing angerückt waren, acht Kanonen neuester Konstruktion erbeuteten, und zwar die Kolonne Wallmenich sechs und die Kolonne Mühlmann zwei Kanonen. Beide Kolonnen marschierten dann vereinigt in der Richtung von Kutuan. Infolgeschwieriger Verbindung( 1) sind erst lette Nacht folgende Meldungen eingetroffen: Die verstärkte Brigade Kettler wurde in vier Kolonnen gegen die Mauer angefeßt, rechte Flügelkolonne Ledebur, dann Hoffmeister, Mühlenfels, Wallmenich. Ledebur erreichte die Mauer am 24. nach leichtem Gefecht bei Hei- schan- tuan. Hoffmeister warf am 23. den Feind, wie bereits gemeldet. Mühlenfels ist am 23. auf einen starken Feind gestoßen, welcher eine Bastion auf der Paßhöhe besetzt hatte. Der Feind in be= sonders starter Stellung focht hartnädig. Erst nach elfstündigem Kampf wurde die Stellung genommen. Major Mühlenfels, Lieutenant Richert leicht, Lieutenant Drewello schwer verwundet. 2 Tote, darunter der Fahnenträger, 6 jchwer, 10 leicht verwundete Mann. Wallmenich hat am 23. den vielfach überlegenen Feind in starker Stellung östlich des Thao ho Durchbruchs angegriffen Thao und zersprengt, auf dem Gefechtsfelde erfolgte die Vereinigung mit dem von Tsinghing kommenden Bataillon Mühlmann, welches, die Verfolgung aufnehmend, etwas füdlich auf die neue Stellung traf, diese nahm und den Feind bis Nu luan verfolgte. Wallmenich ist dorthin nachgerückt. Der Feind hat schwere Verluste. Elf alte und zwei Schnellfeuergeschüße wurden erbeutet. Dies feits beträgt der Verlust: 1 Toter, 3 schwer, 9 leicht verivundet. Lieutenant Düfterberg erhielt einen Schuß durch den rechten Arm; der Feind überall ist im Rückzuge. General Lessel hat mit Bailloud Ueber das Verhalten der französischen Verbündeten, die von dem vereinbart, daß die Franzosen, die nicht zum Gefecht gekommen Angriff auf die Truppen Lius bekanntlich nichts wissen wollten und find, vorläufig Ku- kuan besegen und die linke Flante sichern. sich, als die deutschen Truppen in forcierten Märschen vorrüdten, Die Brigade Kettler marschiert in leinen zum Teil bereits wieder zurüdzogen, weiß Hauptmann Dannham Etappen nach Paoting fu, das Bataillon Mühlen noch zu berichten: fels geht längs des Gebirges im Fußmarsch nach Beting zurüd. die fromme 100Liebenswürdigkeit der Verbündeten. „ Die Franzosen haben ihre Stellungen aufgegeben. Als sie von Kukuan ihren Rückmarsch begannen, brachen sie auch den Feldtelegraphen ab, der mit unsren Tele graphen zusammen gearbeitet hatte. Infolgedeffen entstand im Anfang bei uns eine gewisse Störung und unser Feldtelegraph mußte die abgebrochene Linie ergänzen." Welch harmonisches Zusammenarbeiten! " on sind Die deutsche Landwirtschaft in ihrer heutigen Form ist allerdings unfähig, das deutsche Volk völlig zu ernähren. Aber man vergesse nicht, daß der deutschen Lebensmitteleinfuhr heute eine stattliche, vom Staate geförderte Ausfuhr agrarischer Produkte gegenübersteht, worunter in erster Linie der Zucker zu nennen. Wenn diese, tapitalistischen Bedürfnissen entspringende Aus: fuhr aufhörte und die dadurch freiwerdende Bodenfläche zur Produktion von Lebensmitteln für den Konsum der deutschen Bevölkerung verwendet würde, so könnten durch diese Umwandlung allein schon erhebliche Mengen Lebensmittel für den inneren Konsum erzeugt werden." Und weiter unten: „ Erst der Socialismus kann da gründlichen Wandel schaffen, indem er die Grundrente beseitigt, den Gegensatz von Stadt und Land aufhebt und der Landwirtschaft neue Arbeitskräfte zuführt, endlich indem er die industrielle Ueberproduktion und die Notwendigkeit der steten Erweiterung des industriellen Exports be seitigt. Wenn Deutschland heute Lebensmittel importieren muß, so ist das eine sociale, nicht eine natürliche Notwendigkeit, eine Notwendigkeit, die nur so lange dauert, wie die bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse herrschen." Aldon Die" Post" fälscht also, wenn sie die genannten Genossen für ihre Zollbestrebungen reklamiert. Bei der„ Post" freilich dient Lüge und Fälschung seit jeher als ihr Schutzzoll zur Rettung ihrer allerdings sehr notleidenden Wirtschaft. olid dad Deutsches Reich. Centrums haben sich Ein späteres Telegramm des Oberkommandos meldet: Chinesische Truppen unter erheblichen Verlusten nach siegreichen Gefechten der Brigade Kettler an den Baßthoren von Heischantuan bis einschließlich Kutuan am 23. und 24. aus formidablen Positionen nach Schansi zurückgeworfen und über Mauer verfolgt. Außer vielen Geschützen alter Konstruktion 18 Schnellfeuer Geschüße erobert. Diesseitige Verluste: Lientenant Drewello 1. Regiments, 7 Mann, darunter Fahnenträger 2. Bataillon 1. Regiments tot, Zoll und Kanal. Die Krisengerüchte werden auch in der 11 Mann schwer, Major Mühlenfels, Lieutenant Richert 1. Regiments, Berlin, 29. April. Ueber die Gefechte an der Großen Mauer offiziöjen Münchener Allgemeinen Zeitung" aufgenommen, in deren Lieutenant Düfterberg 3. Regiments, Lieutenant Koch 4. Regiments berichtet Graf Walderfee weiter: Wallmenich und Muelmann haben Darstellung es bemerkenswert erscheint, daß auch nach ihr die Rücund 24 Mann leicht verwundet. Thore mehrfach zerstört. Während etwa 7000 Chinesen gegenübergestanden. Rüdmarsch aller Kolonnen kehr des schwarzen Manns der Agrarier, des Frhrn. v. Marschall 2. Bataillon 1. Regiments am Gebirge entlang nach Beling ſeit 26. April eingeleitet. Wallmenich bleibt bei Efinghing, bis nicht unmöglich ist. Der Berliner Vertreter schreibt dem marschiert, kehren die übrigen Truppen direkt in alle Kolonnen hinter ihm durchgezogen. Franzosen halten noch Münchener Blatt:„ Namens der Konservativen hat sich ihre Standorte zurück. Französische Truppen, nachdem sie üshuitien und Huolu zur Sicherung unsrer linken Flante. Nach Graf Limburg und namens des bis zur Mauer südlich im Anschluß an die Deutschen marschiert, herige Räumung von Huolu und Schengting von Bailloud bereits mehrere Abgeordnete gegen den Mittellandkanal erklärt. Was gehen hinter Huthoso- Fluß zurüd. befohlen. von einem Kompromiß zwischen Centrum und Konservativen verDie Umgehungsmanöver des in vier kolonnen Was ,, Die Post" entdeckt. lautet, flingt wie Hohn auf den Plan der Regierung, operierenden Expeditionscorps haben also Erfolg gedenn die Voraussetzung seines Zustandekommens wäre das Aufgeben habt: die bereits in vollem Rückzug befindlichen Seit Kautskys Parteibroschüre über„ Handelspolitik und des Mittelland Kanals. Daß unter diesen Umständen krisenTruppen des Generals Liu wurden, wie ein freisinniges Blatt Socialdemokratie" erschienen ist, bemühen sich einige hochgerüchte von neuem ungehen und geglaubt werden, ist nicht verwunderlich. Als selbstverständlich wird es angesehen, daß im Khatijubel ausführt, derart gestellt, daß sie Wider- schutzöllnerische Blätter eifrig, darin Säge zu finden, die sich Miquel nicht länger bleibt, wenn die Verschleppungstaftit von stand leisten mußten und ihnen eine" gründliche gegen die Stellungnahme der socialdemokratischen Partei zu Bedlig fiegt; auch von Freiherrn v. Hammerstein und Herrn Lettion" erteilt werden fonnte. Auch den heutigen Zoll- und Handelsfragen ausschlachten lassen. v. Thielen nimmt man an, daß sie unter diesen Umständen ihre Germania" freut sich der, neuen glänzenden Waffen Entweder werden, wie dies erst neuerdings wieder Märchen Entlassung nehmen würden; sie haben dies bereits wiederholt gethaten" unfrer Khatikrieger, die ja zur Beruhigung des führenden Lorenz im letzten Heft der„ Preuß. Jahrbücher" versucht, einzelne wollt und sind nur mit Mühe davon zurüdgehalten worden. DaCentrumsblatts in China wenigstens durch das große N. und H. Z. Ausführungen Kautskys anderslautenden, gelegentlichen Aeuße gegen fann man es nicht ernst nehmen, wenn auch gefagt wird, daß an der Statuierung friegerischer Erempel voll Mark und Nachdrud rungen Schippels oderCalwers gegenübergestellt, oder aber einzelne Graf Bülow gehe, und wenn als sein Nachfolger Herr v. Mar schall genannt wird. Bemerkungen Kautskys werden aus dem Zusammenhange wieder nach Berlin kommen würde, richtig ist jedenfalls, daß Richtig ist vielleicht, daß Marschall gerit noch nicht gehindert werden. Aber ist denn die Waffenthat wirklich so glänzend? Von einem herausgerissen, im agrarischen Sinne interpretiert und dann sein Name für einen Staatssekretärposten jüngster Zeit in unterAber ist denn die Waffenthat wirklich so glänzend? Von einem als mit der Haltung der socialdemokratischen Parteiblätter richteten Streifen genannt wurde, aber vollständig falsch ist es, ihn glänzenden Sieg kann man füglich doch nur dann sprechen, wenn im Widerspruch stehend denunziert. Einen neuen poſſierlichen als mutmaßlichen Nachfolger Bülowvs zu betrachten." ein wehrhafter Gegner geschlagen wird. Wehrhaft war in diesem Versuch dieser Art leistet sich die„ Post". Fall der Feind aber gar nicht, sonst hätten die deutschen Verluste Nummer schreibt sie mit der ihr eignen Würde, die ihr, um wechsel. Sie treibt zur Beschwörung der Gefahr wieder eifrig Scharf. In ihrer Sonntags- Die" Post" zeigt fortwährend Besorgnis vor einem Systemganz andere sein müssen. Entiveder war er schlecht bewaffnet ganz andere sein müſſen. Entiveder war er schlecht bewaffnet mit Heine zu sprechen, steht, wie dem Stater die Manschetten: macherei und erinnert an die Alexandriner- Reden des Kaiſers. In oder er vermochte mit seinen Waffen nicht umzugehen. Trotz vielstündigen Widerstands vermochte er den Angreifern doch Summe der nationalen Kräfte, und wenn davon ein Teil in das Junker mehr Berlaß als auf die Liberalen. " Das Volksvermögen ist schließlich nichts andres als die fritischen revolutionären Zeitläuften sei auf die brotwuchernden nur relativ geringfügige Verluste beizubringen, während dessen Feuer Ausland wandert, so ist es unvermeidlich, daß die Konsumfraft Die Frankfurter 3tg." bestätigt, daß der Zolltarif noch nicht ihm schwere Verlust e" zufügte. Wir haben nicht die geringste dadurch zurückgeht. Dem Handel kann das allerdings nichts an dem Bundesrat oder den Regierungen vorliege. Die Bestimmung Ursache, an dem Mut unsrer Truppen zu zweifeln; aber von haben, denn der ist international wie das Kapital; aber die der wichtigsten Zollsätze und namentlich die Frage des Doppeltarifs glänzenden Waffenthaten" sollten von einem mit 8 Toten und Industrie würde durch einen Rückgang der allgemeinen Konsum für landwirtschaftliche Produkte sei an maßgebenden Stellen 39 Verwundeten erkauften siegreichen Gefecht doch diejenigen nicht traft und des davon abhängigen Industriebedarfs in die Verluste anf fachliche Echivierigkeiten gestoßen. Der Reichskanzler sprechen, die von den doch mit ganz andren Verlusten erkauften Erhineingezogen werden. Das haben einzelne Socialdemokraten auch habe sich auch nicht entschieden, ob in dem Entfolgen der Engländer so geringschäßig zu reden pflegen. anerkannt. Folgerichtig haben deren Wortführer Calwer with eagal inimale für die landwirtschaftlichen der Arbeiter die Getreidezollfrage nicht als aber wisse man, daß die Entscheidung sich in legter Zeit mehr der Konsument, sondern als ein an der nationalen Aufstellung einfacher 3ollsäge zugewendet hat. Gütererzeugung beteiligtes Element zu be= Das Proletariat wird sich durch solche Mitteilungen, so glaub trachten habe. Geschicht dies, so ist eine schutzzollfeindliche haft sie an sich sind, um so weniger in Sicherheit einwiegen lassen. Haltung der Socialdemokratie vernunftwidrig und daher aus als es seine Aufgabe ist, die Getreidezölle überhaupt zu bekämpfen. geschlossen... Es ist eine offenbare Verfündigung an dem Die heiligsten Güter. Die Kreuz- Zeitung" macht sich mit ureigensten Interesse der Arbeiterschaft, wenn diese sich Recht darüber luftig, daß der„ Konfektionär" die Kaufleute zum ihren lediglich durch politische Interessen geleiteten Schutz ihrer heiligsten Güter aufruft, weil zwei Entscheidungen ihre Führern in eine fchuzzollgegnerische Haltung hinein Profitfucht trüben. Nach der einen Entscheidung dürfen die Zuhegen läßt. Neuerdings macht der Theoretiker der Social- schmeider bei den Erfurter Konfektionären an Sonntagen nicht mehr demokratie, Karl Kautsky, den Versuch, die kapitalistische beschäftigt werden, nach der zweiten Entscheidung soll die Bestimmung, Betriebsweise für alles verantwortlich zu machen und nachzu- daß jedem Gehilfen, Lehrling und Arbeiter im Handelsgewerbe der weijen, daß Deutschland im stande sein würde, zweite Sonntag vollständig freigegeben wird, auch für die Sonntage seinen Getreidebedarf selbst zu bauen. Diese vor Oftern und Pfingsten gelten und nicht ausnahmsweise außer Ansicht ist ein wertvolles Zugeständnis für die Schutzöllner und Kraft gesetzt werden. namentlich für die Landwirte, die stets die gleiche Behauptung Darin," so ruft die Kreuz- Zeitung" stolz aus,„ besteht die aufgestellt haben und dieses Ziel durch Schutzölle zu erreichen Gefährdung der heiligsten Güter", zu deren Schutz das jüdische fuchen. Die socialdemokratischen Versammlungs Agitatoren Blatt die Kaufleute anruft! Es ist erstaunlich, mit welchem stellen aber trog Caliver, Schippel und Kautsky die Pathos gewisse jüdische Interessenten Ausnahmebestimmungen auf Behauptung auf, daß Deutschland, int den Bedarf zu Kosten des christlichen Sonntags verlangen." deden, ohnehin Getreide vom Ausland kaufen müsse, Die Kreuz Zeitung" hat ganz recht, mur daß die heiligsten Auch den Zweck, die Chinesen einzuschüchtern, können derartige Thaten niemals erreichen. Sie können nur die Erbitterung gegen die fremden Soldaten vermehren und neue Erhebungen provozieren, wie sie ja aus der Umgebung Baotingfus bereits gemeldet werden. Es ist Wahnsimt, zu glauben, den Ingrimm eines Hundertmillionen Volks durch derartige Exekutionen erstiden zu können. = Das einzig erfreuliche der Meldungen ist, daß die deutschen Truppen wie der nach Paotingfu zurüdtehren, nachdem sie bereits über die Mauer hinaus den Feind auf das Gebiet der Provinz Schansi verfolgt hätten. Ob die Nachrichten einer Gärung in Paotingfu und der Umgebung diesen sofortigen Rüdmarsch verursacht haben? Hoffentlich sind damit auch alle Absichten auf einen Einbruch in Schansi vollständig aufgegeben. Der Umstand, daß schon bei dieser Expedition die, Verbindungen" mit dem Hauptquartier, ich wierige" waren, dürfte wohl zu denken geben. Auch hat der Widerstand der chinesischen Truppen bewiesen, daß sie durchaus nicht immer Feiglinge" find. Sollten sie erst einmal schießen lernen, so dürften sie unter Umständen sogar sehr ernst zu nehmende Gegner sein. " Wie die Telegramme zeigen, hat Graf Waldersee bei seiner Berichterstattung trotz des Einspruchs des Reichstags die Gepflogenheit beibehalten, nur bei getöteten oder verwundeten Offizieren den Namen mitzuteilen, während bei den gewöhnlichen Soldaten nur die Zahl der Opfer mitgeteilt wird. Hoffentlich macht man dem Oberkommando endlich einmal begreiflich, daß auch die Angehörigen der Gemeinen" ein Interesse daran haben, überdas Befinden der Jhrigen Nachricht zu erhalten! Ginge es freilich nach uns, jo täme Waldersee überhaupt nicht mehr in die Lage, Berlustlisten zu melden. Aber die bürgerliche Mehrheit des Reichstags, die Hunderte von Millionen leichtherzig für das Chinaabenteuer geopfert hat, wird für glänzende Waffenthaten" des gleichen Kalibers gern noch weiter bewilligen. N bon D heute und daß diese Menge durch die Zölle unnötig verteuert Güter der christlichen Agrarier just nicht besser geartet sind. Auch werde. Die Gegner fönnen sich nunmehr in der Widerlegung der die Junker erklären die heiligsten Güter in Gefahr, wenn der Zollsocialdemokratischen Freihandelsredner auf die bedeutendste faz nicht um drei, vier, fünf Mark erhöht wird. Demgegenüber Autorität der Partei selbst berufen und so das Vernunftwidrige sind die jüdischen Kaufleute" immer noch recht christlich. der ganzen Agitation durch socialdemokratische Weisheit kennzeichnen." Militär- Justiz. Man berichtet uns 3 aus Breslau: Das Ober" 1 Es ist eine unwahrheit, daß Schippel und Calwer den Kriegsgericht des VI. Armeecorps verurteilte den Musketier Julius behaupteten Standpunkt in der Getreidezollfrage einnehmen. Thomas vom 23. Infanterie- Regiment zu Neisse, der in der Beide sind Gegner der Getreidezölle und müssen es sein, da unser Truntenheit den ihm Ruhe gebietenden Sergeant Großgewitz Parteiprogramm ausdrücklich die Aufhebung aller Lebensmittel- durch die Worte Schwein und Lump beleidigt, angespuckt, mit Totzölle fordert. Sie haben sich allerdings für Industrie- schlag bedroht, mit einer Kohlenschippe und Spucknapf geschlagen zölle unter gewissen Bedingungen ausgesprochen, aber sowie die Unteroffiziere Müller und Hielscher mit Schippe und nicht, um die heutige agrarisch- industrielle Schutzzollfoalition Schemel trattiert, wegen thätlichen Angriffs auf Vorgesezte zu drei zu stärken, sondern um sie zu sprengen. Wenigstens Schippel Jahren und vier Monaten Gefängnis. will nur deshalb die Schutzollpläne der Großindustrie unterstüßen, damit diese nicht nötig hat, dem Großgrundbesig irgend welche Konzessionen zu machen, damit der InGranaten in die Fliehenden. nd diduſtrialismus das unbedingte Uebergewicht erlangt, wie denn Der Kriegs Korrespondent Hauptmann Dannham auch Schippel in dem angezogenen Artikel der„ Socialistischen meldet über die Gefechte noch folgende Einzelheiten: Monatshefte" ausdrücklich sagt:„ Agrarzöllnerische UeberEine vereinigte deutsch- französische Expedition sollte die Paß hebungen kann man sicherlich nur durch eine Bundesgenossenthore an der großen Waner, die von den Chinesen besetzt waren, attadieren. Schließlich mußten es die Deutschen aber allein thun, fchaft von Industrie- Unternehmertum und Industrie- Arbeiter. da, wie später bekannt wurde, die Franzosen von ihrer schaft bekämpfen das liebe freihändlerische und freisinnige Regierung Gegenordre erhalten hatten und sich infolgedessen Kleinbürgertum nebst den paar Hansen und Börseanern mag an dem Angriff nicht beteiligten. Deutscherseits nahm die Kolonne ja dabei immerhin als Schwanzpartei mitwirken." Ledebour, ungefähr 1000 Mann start, die Führung, und obwohl Schippel plädiert also für ein Zusammengehen der sie den überaus steilen Gebirgspaß förmlich erklettern mußte, ver- Industriellen, der Industriearbeiter, der freihändlerischen jagte sie die Chinesen am 24. April von der Paßhöhe nach der Kleinbürger, Kaufleute und Börseaner zum Zweck Provinz Schaufi. Eine fleinere kolonne unter dem Befehl des der Bekämpfung der agrarischen Zollforderungen. Seine Obersten Hoffmeister hatte bereits am 23. vormittags die deutsche Flagge Eingang des Passes von Heischan Ansicht, die übrigens von unsrer Partei als in feiner tuan unter Hurrarufen auf Kaiser Wilhelm gehigt. Weise für sie maßgebend betrachtet wird, mag falsch sein, sie In demselben Augenblid eröffneten die Chinesen ein mag auf einer völlig verkehrten Auffassung der heutigen heftiges Feuer auf die ersten Kompagnien und wälzten auch große Wirtschaftslage beruhen, jedenfalls aber schließt sie feinerlei ant " Er will fein Hunne sein. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht einen jener neuerdings bes liebten Dementierbriefe aus China. Der Verfasser nemt sich Georg Stuhnert und schreibt am 31. Januar aus Beting u. a.: „ daß man mis, die wir so fern von der Heimat für eine große Eache strebend, unser Leben für das Vaterland und die gesamte Christenheit aufs Spiel sezzend, die wir glauben dem Vaterland zu dienen, mit den„ Hinnen", einem Volke, das vor nahezu 2000 Jahren ganz Europa so schrecklich verwüstete und sich durch icine Sittenlosigkeit ein ewiges Denkmal in der Weltgeschichte baute, vergleicht, uns mit denen auf eine Stufe stellt und uns zum Hohn noch ihren Namen anhängt? Hummen! liebe Eltern, was liegt nicht alles in diesem Worte, die gräßlichsten Verbrecher, Räuber und Brandstifter, Frauen und Kindermörter, eine herrenlose Bande! So viel unverdiente Schande! Aver schändlich für diejenigen, die sich dieses Armutszeugnis ausstehien und deutsche Söhne, die eignen Söhne, mit diesem Namen be= zeichnen. Sind wir denn wirklich Heiden, find wir es schon immer gewesen, daß man aussagt, wir trieben es hier wie diese? Hat man schon jemals deutschen Kriegern so etwas nachgesagt das ist gemein, niederträchtig. " = at de andet Ausland. quoise Frankreich. " Die Banken Lord Kitchener meldet aus Pretoria von. gestern: Die Dieser merkivürdige Georg Kuhnert richtet seinen arg verspäteten demnach am Anfang vom Ende stehen. als Protest an eine ganz falsche Adresse. Niemand, auch kein Social- nehmen Provision für ihre Vermittelung der Um- Kitchenerschützen" unter Oberst Grenfell haben van RensburgsDemokrat, hat behauptet, daß die deutschen Soldaten thatsächlich wandlung ein Prozent in Anspruch, insgesamt 924 000 M. Der Lager bei Klipdam nördlich von Pietersburg überfallen, 7 Boeren Außerdem wurden wie die Humen gehaust hätten. Dagegen ist allerdings bekannt, daß Liquidator Gupel und der Bautier Schwaß sollen Direktoren der wurden getötet und 37 gefangen genommen. fie wie die Hunnen Schrecken verbreiten sollten. Diese Forderung neuen Gesellschaft werden. Von einigen Rednern wurde verlangt, daß 8000 Bafete mit Munition, fänitliche Wagen, Karren, Ochsen, Pferde haben aber nicht Socialdemokraten erhoben. der neuen Gesellschaft untersagt werden solle, neue Erwerbungen an und Maultiere erbeutet. Auf britischer Seite ist ein Mann ver Der brave Georg Kuhnert malt denn noch ein ebenso Grundstücken zu machen. Der Antrag vurde abgelehnt. Ueber die wundet. Von einer andren Truppenabteilung wird gemeldet, daß rührendes wie offenbar typisches Bild aus dem chinesischen Kriege: Regreßansprüche wurde eine nähere Auskunft verweigert im 3 Boeren getötet und 58 gefangen genommen wurden, 57 andre deutsche, französische und russische( 1) Soldaten kleine frierende Interesse der Sache". Man sieht nicht recht ein, weshalb so geheim- ergaben sich freiwillig, auch wurde ein Schnellfeuergeschütz erbeutet. Chinesenkinder rettend, in den Mantel einhüllend und mit der rauhen nisvoll verfahren wird. Wegen der Verfolgung der nun doch einmal, Eine Blättermeldung besagt ferner, daß es den Engländern Hand" die Wangen streichelnd. Bei diesem Streicheln ist denn aus wenn auch ohne doloses Verschulden, haftbaren Aufsichtsräte wird gelungen sei, den Widerstand der Boeren im BeBersehen anscheinend die Provinz Petschili zu einem Leichen- und allgemein erörtert, daß sich eine hiesige Großbaut sehr beharrlich zu zirk Lydenburg vollständig zu brechen. An der NordTrümmerhaufen geworden. Wenn man derartige Briefe liest, möchte Gunsten einer billigen" Abfindung bemüht. grenze des Zululandes sei ebenfalls der Widerstand gebrochen nan allerdings zu zweifeln beginnen, ob deutsche Soldaten im standen 2 Gine worden. Eine große Anzahl Boeren habe sich unterworfen und seien, Thatsachen getreu wieder zu geben. mehrere Kommandos sollen bedingungslos die Waffen gestreckt haben. Centrums Retirade. Man schreibt uns aus München, Immerhin hält man in London doch für gut, 2000 Mann, 28. April: Ueber die Frage eines allgemeinen Ausstands der Berg- Eria struppen in Southampton nach dem KriegsDem bayrischen Centrum wird jezt angst vor den eventuellen Folgen seiner Brotwucherpolitik. Deshalb fängt man an, zum Rüd- arbeiter fand am Sonntag in den Bergwerksdistrikten ein Referendum chauplas abzusenden. Dieser Nachschub ist auch sehr notwendig denn die leztete zug zu blasen. Während die ultramontanen Wortführer vor kurzem statt. Im Nord- Bassin und in dem des Pas de Calais stimmten London, 29. April.( W. T. B.) Lord Kitchener telegraphiert noch Stein und Bein schworen, daß man einen einheitlichen Zoll von 15 984 für, 12 075 gegen den allgemeinen Ausstand. In Montceau- aus Pretoria weiter, Oberst Grenfell habe außer seinen schon, von 6 M. für alle Getreidezölle haben müsse, meinte der Land- und les- Mines wurden bei 936 Stimmenthaltungen 6121 Stimmen für, gemeldeten Erfolgen noch 4 Boeren gefangen genommen und General Blood habe Reichstags- Abgeordnete Wörle aus Augsburg vor einigen Tagen 106 gegen abgegeben, in Carmeaug bei 1611 Stimmenthaltungen eine große Menge Munition erbeutet. in einer Versammlung, es sei ein Zoll von 6 M. für die übrigen 1720 für, 567 gegen, in Decazeville und Aveyron wurden 1563 Stimmen in Roofsental viele Dokumente der Transvaal- Regierung und eine Getreide- Arten anzustreben. Die Ausführungen des Herrn Wörte für und 94 gegen abgegeben. große Anzahl von Banknoten aufgefunden. Außerdent habe er werden aber erst in das rechte Licht gerückt durch einen Leitartikel in Eine Anzahl Boeren haben sich der letzten Nummer des Arbeiter". Dieses Blatt, das den UnterNach dem bis Montag früh bekannt gewordenen Ergebnisse des mehrere Gefangene gemacht. ergeben. Die Kolonne Byng schließlich habe an der Grenze südlich titel christliches Gewerkschaftsorgan führt, vertritt jene Nichtung der Bergarbeiter- Referendums haben sich etwa 22 000 Mann für und der Basuto- Landes von Wepener ein Gefecht mit fatholischen Arbeitervereine, die noch am sichersten alle Sprünge 14 000 gegen den Gesamtausstand ausgesprochen. Aus zahlreichen Boeren gehabt. Fünf Boeren seien getötet, zwei gefangen genommen des Centrums mitmachen.. Der wirkliche Redacteur des Blatts ist Bergwerks- Aemtern fehlen die Abstimmungsverhältnisse noch voll- und einige Pferde erbentet. Auf britischer Seite sei einer verwundet. ein Geistlicher. ständig. Soweit festgestellt werden konnte, haben sehr viele In Lydenburg hätten sich 20 Boeren unterworfen, man erwarte, daß Der„ Arbeiter" richtet mm plöglich ein Wort an die Bauern" Stimmenthaltungen stattgefunden: von 160 000 Stimmberechtigten andre diesem Beispiel folgen würden. und warnt vor rücksichtslosen und übertriebenen Forderungen, die dürften kaum mehr als 45 000 an dem Referendum teilgenommen ungünstig auf die Stimmung der andren Stände namentlich haben. der Arbeiter einirken". Das Blatt ersucht die Bauern, sich durch die maßlosen Forderungen des Bauernbunds nicht blenden zu Lassen, denn„ eine Bundesversammlung kamu ja im Dorfwirtshaus die geschmalzensten Beschlüsse fassen, aber in der Luft draußen verfliegen solche Beschlüsse wie der Cigarrenrauch in der Stube und die Alkoholbegeisterung in den Köpfen“. Die Minister Millerand und Baudin, die an der Riviera weilten, find infolge der ersten Meldung über die Ergebnisse des Referendums nach Paris zurüdgekehrt. Rußland. 9 1 Wenn sich der Artikel also auch scheinbar nur gegen den Verhaftungen. Wie der Schlesischen Zeitung" gemeldet wird, Bauernbund und den Bund der Hauswirte richtet, so ist er doch haben in den letzten Tagen in verschiedenen russisch offenbar dazu bestimmt, die in letzter Zeit trotz aller Ablengnungen po Inischen Grenzorten Verhaftnngen stattge recht bedenklich gewordenen christlichen Arbeiter zu beruhigen. Ünd funden, deren Zahl bereits 140 erreicht haben soll. Anlaß zu der Verfasser deutet denn auch an, man könne es den Arbeitern nicht denselben habe die Beschlagnahme socialdemokratischer verdenken, wenn sie aufsässig werden, denn man dürfe nicht ver- Flugblätter gegeben, welche am 1. Mai verteilt werden sollten. schweigen, daß die berechtigten Forderungen der Arbeiter in denn den betreffenden Ortschaften ist zur Aufrechterhaltung der Ordnung Reihen der bäuerlichen Abgeordneten"( also anch Militär eingetroffen. derer vom Centrum) nicht immer in gehöriger Weise berücksichtigt worden sind.n 113 " F " Tagesverlust- Lifte umfaßt nicht nur für den 27. April 6 Tote, 7 Verwundete, acht Vermißte, 9 Gefangene und 14( scheinbar eine ein für allemal feststehende Zahl an Krankheiten Verstorbene, sondern spricht auch wieder von 34 Offizieren und 509 Mann, die als Invalide in die Heimat geschickt werden mußten. Die Pest. jab In den letzten 48 Stunden sind in Kapstadt 16 Personen, darunter 8 Europäer, an der Best erkrankt. Bis jetzt waren im ganzen 519 Bestfälle, darunter 217 mit tödlichem Ausgang zu verzeichnen. im Partei- Machrichten. Erklärung. 1 Die Behauptung der Lohukommission der Freien Vereinigung der Civil- Berufsmusiker in der Sonntagsnummer des„ Vorwärts" Nene Knudgebungen des jüdischen Proletariats. Wiederum im Arbeitsmarkt, daß im 4. Wahlkreis Südoft zur diesjährigen Gesetzliche Maßregeln gegen streikende Kaffenärzte will, fommen erfreuliche Nachrichten von Rundgebungen der Arbeiterschaft Maifeier die Musiker unterm Tarif bezahlt würden, ist unwahr. wie man uns von dort berichtet, der Vorstand der Ortstasse IV in in Rußland und zwar find es diesmal Kundgebungen der jüdischen wir nehmen an, daß diese aus der Luft gegriffene Darstellung auf München vom Reichstage erbitten. Das verflossene Zuchthaus- tration statt bei der Beerdigung eines Webers aus Maisels Fabrit. seit Januar diesen Jahres durch ihre vorzüglichen Leistungen Arbeiterschaft. In Lodz fand am 12. April eine große Demon- Grund falscher Informationen beruht. Die uns schon gesez würde sich sehr gut für diesen Zwed eignen. Ueber zweitausend jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen gaben dem bekannte und in Arbeiterfreisen sehr beliebte Stapelle des SinfonieVerstorbenen das letzte Geleit. Unter Absingen von revolutionären Orchesters, unter Leitung des Herrn Kapellmeisters Fischer, ist Der Fall Bading vor dem Kriegsgericht. Liedern marschierte der Zug bis an den Friedhof, wo eine zu Tarifpreisen, also 10 Mark pro Stopf, wie sie die Freie Bereinigung Die Fortsetzung der Hauptverhandlung in Sachen Bading fand Rede gehalten wurde. Höchst bemerkenswert ist noch die Thatsache, festgesetzt hat, auf Antrag der Genossen unfres Kreises engagiert um Montag in Berlin vor dem Kriegsgericht der I. Garde- Infanterie- daß, trotzdem die Beerdigung um 3 Uhr nachmittags an einem worden. Wir verwahren die Partei unires Kreises ganz entDivision statt. Es waren etwa 15 nene Zeugen und Sachverständige Arbeitstage stattfand, eine so große Anzahl von Arbeitern an der schieden gegen den Vorwurf der Lohndrückerei. Die Absicht der geladen, die Auskunft darüber geben sollten, ob der verstorbene Demonstration teilnahm. genannten Annonce ist zu klar und durchsichtig, um noch ein Füsilier Bading von dem Füfilier Haas gemißhandelt sei. Die Eine zweite Kundgebung ist in Bjelo st of zu verzeichnen. Die Wort darüber zu verlieren. Unfre Partei war und wird sich niemals militärischen Zeugen, d. H. die älteren Mannschaften, die mit dem Weberstadt Bjelostok gehört überhaupt zu den Hochburgen des zum Lohnbrücker herablassen. Für gute Wufit bezahlen wir gern Verstorbenen auf einer Stube gelegen, bestritten ganz energisch, Allgem. jüdisch. Arbeiterbunds in Rußland und Polen". Wie den Lefern noch mehr als die Minimalpreise. An kompetenter Stelle werden daß Bading jemals von Haas oder irgend einem andren des„ Borwärts" bekannt, fand dort vor einigen Wochen eine wir uns Genugthnung verschaffen. Kameraden eine Mißhandlung erlitten habe. Anders sagten da: glänzende Demonstration bei der Beerdigung eines Arbeiters statt. Die Bertrauensleute des 4. Wahlkreises Süd- Ost. gegen die bürgerlichen Zeugen aus. Frau Mittelstädt, die Einige Tage darauf verbreitete das Bjelostoker Komitee des Totenliste der Partei. Am Freitagmittag starb in Görlig Schwägerin des Stiefbruders des Bading erzählte, daß sich der Bundes" in der ganzen Stadt einen Aufruf anläßlich der letzten Genoffe Heinrich Wünsch, der Vorsitzende des Wahlvereins, im lektere bei ihr mehreremals beklagt habe: Er hätte es schlecht bei Demonstration. Und nun sammelten sich am letzten Tage der Alter von erst 40 Jahren. W. trat im Jahre 1880, in der schlimmsten der Compagnie. Ein Fräulein Bethge giebt an, daß sie von Bading iüdischen Ostern einige Tausend jüdischer Arbeiter und Arbeiterinnen Zeit des Socialistengesetzes, der Partei bei. Ursprünglich Cigarreneinen Brief bekommen habe, worin derselbe ihr mitteilte, daß er auf dem Hofe der Synagoge und beklebten die Wände der Synagoge macher, holte er sich bei seiner jezigen Beschäftigung als Werkmeister beim Kommis des Lebens nicht froh werde. Ein paar Mal hätte er wie auch der benachbarten Häuser mit diesem Aufruf. Ein einer Mineralwasserfabrik Gelenkrheumatismus, zu der eine totnachts nackend aus dem Bett herausgemußt, um Barademarsch zu Arbeiter las die Proklamation laut vor und erklärte dabei bringende Herzentzündung trat. Wünsch kämpfte stets in vorderster machen. Die Maurer Bethge und Barral bekunden, daß ihres Wissens die Bedeutung der letzten Ereignisse in Rußland. Die Polizei Reihe. Seine Arbeit als Organisator der Flugblattverbreitung und Bading vor Einstellung in den Militärdienst niemals frant gewesen sei. fam bald herangestürzt und wollte einige Arbeiter verhaften. Wahlschlachten machte ihn bei dem kämpfenden Proletariat ebenso Die fromme Schwester Liberata, welche den B. in dem Garnisonlazarett Die Demonstranten fuchten es zu verhindern, es entstand eine beliebt als bei den Gegnern verhaßt. Einer wie großen Beliebtheit his Termine. ihrer dem in als 3000 profetarier, und Striegsgericht übermittelten Aussage hat auch ihr gegenüber der Ver- wurden. Darauf erschien der Polizeipräsident, Gendarmen, Kosaken. erdigung am Sonntagmittag. Mehr storbene behauptet, er sei von Haas mit dem Gewehrkolben gestoßen Diesen gelang es nun endlich, einige Verhaftungen vorzunehmen. Broletarierfrauen gaben dem schlichten Begräbnis ein imposantes Seitdem durchschreiten die Stadt Militärpatrouillen. Anläßlich dieser Ansehen. Wünsch wird von den Oberlausißer Parteigenossen nicht Es wird sodann vom Gerichtshofe durch die Dienstbücher der letzten Stundgebung ist vom dortigen Komitee des Bundes" wiederum vergessen werden. Compagnie festgestellt, daß Bading, der ein schlechter Schüße war, ein Aufruf herausgegeben. In Wilna ist die Zahl der Polizisten Die Regierung scheint sich also vom 10. Dezember vorigen Jahres verhältnismäßig sehr viel schießen um 200 Mann verstärkt worden. mußte. Er hat an einem Tage allein 13 Schuß abgegeben. Diese wohl auch zum 1. Mai zu rüsten. Feststellung der Zahl der Schüsse schien für den Gerichtshof von Warschau, 25. April.( Eig. Ber.) Maivorbereitungen hoher Wichtigkeit zu sein, da durch das viele Schießen die rechte der Regierung. Im Laufe des Monats April fanden zweimal Zur Maifeier. Nachdem die optische Werkstätte von Karl Zeiß Schulter des Bading gelitten haben kann. in Massenverhaftungen statt. In den Nächten vom 5. und 11. April in Jena ihren Arbeitern den 1. Mai unter Bezahlung des ganzen Bei der Besprechung über diesen Gegenstand durch die Vor- wurden etwa 20 Personen, ausschließlich aus den jüdischen Arbeiter- Tages von 11 Uhr ab freigegeben hat, ist diesem Beispiel auf Angesetzten des B. ereignete sich ein Zwischenfall. Der alte Vater des freisen, arretiert. Während der Nacht vom 23./24. April fanden trag der Jenaer Filiale des Glasarbeiter- Verbandes auch der andre Verstorbenen, Maurer Bading, sprang plötzlich auf und rief wieder zahlreiche Arretierungen statt, welche auch verschiedene Per- große Stiftungsbetrieb der Starl Zeiß- Stiftung, das Glaswerk aus: Das sind ja alles Lügen!" Der Vorsigende erteilte sonen aus der Intelligenz umfassen. Unter den Verhafteten befinden von Schott und Genossen gefolgt. In diesem Betrieb, in dem Zengen einen Ordnungsruf. fich Stanislaus Michalski und Jakob Winniki, beide Ingenieure an der Warschau- Wiener Eisenbahn und beide zum zweiten welchem etwa 500 Personen beschäftigt sind, soll die Arbeitsmale verhaftet, ferner Student Ciszkiewicz u. a. Mangelsruhe nach beendigter Mittagsschicht eintreten. Plaz in der Festung wurden alle in dem allgemeinen Gefäng- halten auch diejenigen Arbeiter den ganzen Tag bezahlt, welche nisse" Pawiak" untergebracht. früher aufhören, um an der auf 11 Uhr vormittags angesetzten öffentlichen Versammlung teilzunehmen. Die Firma sah sich zu dem Entgegenkommen insbesondere dadurch veranlaßt, weil im vergangenen Winter infolge günstiger Konjunktur an das Personal erhöhte Anforderungen gestellt und von diesem auch erfüllt worden find. Welcher Kontrast zu dem Verhalten des Glastönigs Heyl in Nienburg! worden. 1 Afien. Gewerkschaftliches. Berlin und Umgegend. judiad Jedoch er= Oberstabsarzt Dr. Brecht, der Sachverständige, führte aus, daß ein Parallelfall zu dem Fall Bading kurz nachher vorgekommen sei. Es wurde ein Mann im Garnisonlazarett wegen schwerer Nierenentzündung eingeliefert. Es habe sich dann ein Absceß wie bei Bading entwickelt. Trogdem eine Entleerung des Eiters gemacht worden, sei der Mann an Nierenentzündung gestorben. Er neige zu der Ansicht, daß das viele Schießen wohl Schuld gewesen sein könne an der Aus Oftafien. Beling, 29. April. Der Frühzug Peking Krankheit des Bading. B. mag an der Stelle, wo er den Kolben Tientsin ist bei Lofa entgleift. Zwei Amerikaner und 40 Chinesen cinfezte, resp. im Begriff war, den Kolben einzusetzen, einen Schmerz sind verwundet, elf Chinesen tot. Deutsche sind nicht verletzt. gefühlt haben, der nicht von dem Einsetzen herrührte, sondern aus Der Unfall wurde durch den Einsturz eines Durchlasses herbeider Vereiterung der Brufimuskel entstanden war. Der Mann hat geführt. daun wohl so im guten Glauben seinen Verwandten erzählt, die Die koreanische Anleihe. Der russische Gesandte in Korea Die Berliner Bildhauer haben in ihrer lezten MitgliederKrankheit täme von dem Stoßen mit dem Kolben her. Pawloff ist nach Japan gekommen, um sich hier wegen eines versammlung folgende Resolution angenommen:" Die Versammlung Die anwesenden Zengen und Sachverständigen wurden vereidigt Hundebisses in ärztliche Behandlung zu begeben. Ein Blatt ver- fordert alle stoflegen, welche nur irgend in der Lage dazu sind, auf, mit Ausnahme der vier Unteroffiziere, der nächsten Vorgesetzten des öffentlicht eine Unterredung ihres Berichterstatters mit Pawloff, in den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern. Ferner erwartet die VerBading. welcher dieser sich gegen die koreanische Anleihe aus- fammlung von allen denjenigen, welche dennoch arbeiten, daß sie Vor der Vereidigung machte der Verhandlungsführer nochmals sprach, weil eine solche fleine Summe doch nur in Geschenken und von ihrem Arbeitsverdienst mindestens 1 M. zum Zwecke der Agitation auf die Wichtigkeit des Gides aufmerksam. Der Zeuge Dittmann offiziellen Händedrücken" verschleudert werde. Wenn Korea etwas in die Lokaltasse zahlen." schränkte nun seine Aussage dahin ein, daß er angiebt, er tönne zu stande bringen wolle, müsse es in großem Maßstabe borgen. nicht beschwören, daß Haas den B. nicht gestoßen Nachrichten aus Soul zufolge ist Rußland an der koreanischen Anhabe oder ihm nicht im 3orn den Kolben eingesetzt leihe nicht beteiligt; Storea erhalte die Anleihe direkt von einem habe. Frau Mittelstädt erklärt, sie könne ihrer Aussage nur Synditat in Jünnan und zwar 4/2 Millionen für Kohlennoch hinzusetzen, daß Bading ohne Lügen gestorben, denn er sei ein minenrechte bei Pyongyang. frommer und gerechter Mann gevejen. Der Boeren- Krieg. Eine kleine Schlappe lottenburg haben die Böttcher die Arbeit eingestellt. In der chemischen Fabrik von A. Beringer in CharDie Diffe an Bleikolik renzen entstanden wegen der Maßregelung zweier Böttcher, die eine Lohnforderung vertraten. Wenn auch die Lohnforderung gewährt wurde, hielten es doch die Arbeiter für unwürdig, die Kollegen ihrem Schicksal zu überlassen, die für sie eingetreten waren. Die Staatsanwalt, Kriegsgerichtsrat Dr. UIImann schildert den Verhältnisse in der Fabrik sind überaus traurige, die Sachverhalt. Die Auflage sei einzig und allein auf Grund der unArbeit äußerst gesundheitsschädlich. Fortgesezt erkranken die eidlichen Aussage des Verstorbenen herbeigeführt worden. Jus Böttcher befondere nach dem Gutachten der Sachverständigen sei die Schuldgeben die Engländer heute der Abwechselung wegen doch einmal zu in diesem Betriebe thätig ist, geht als Strüppel oder Bleilähmung. Wer 5 bis 6 losigkeit des Haas erwiesen. Der Gerichtshof sprach Haas von der Nach Meldungen der Blätter aus Kapstadt überraschten vier Jahre Anklage der Mißhandlung frei. hundert Boeren eine 25 Mann starke Abteilung von Kolonialtruppen heraus. Ein Mann im Alter von 20 Jahren, der zwei Jahre in der 15 Meilen von Seroonstad. Die 25 Mann leisteten den Boeren Fabrik beschäftigt war, liegt jetzt 20 Wochen an Bleilähmung im Die Gläubigerversammlung der Grundschuldbank hat den 8 Stunden lang hartnäckigen Widerstand, wobei 14 Boeren getötet Strankenhause und steht ihm die Amputation beider Beine in Aussicht; Bergleich mit der preußischen Hypothekenbank und den Reorgani- und mehrere verwundet wurden. Als ihre Munition erschöpft zwei andre Böttcher gehen mit steifen Beinen umber. Und froz sationsplan der Grundschuldbank selbst( lebertragung aller Besitz- war, ergaben die Kolonialtruppen sich den Boeren, welche sie diefer menschenmörderischen Arbeit ist eine zehnstündige Arbeits: tümer der Bank auf die Neue Berliner Baugesellschaft, deren neue entwaffneten und dann wieder in Freiheit setzten. Ferner wird zeit üblich. Für„ Arbeitswillige" wird hoffentlich die Aussicht auf Aktien und Schuldverschreibungen den Grundschuldbrief- Inhabern im aus Pretoria den Blättern vom 26. April gemeldet: Die Boeren solche Beschäftigung keine verlockende sein. Nominalbetrage von 50 Proz. ihrer Briefe 25 Proz. in Attien, brachten gestern einen nach Süden gehenden Lazarettzug Deutsches Reich. 25 Prog. in Schuldverschreibungen zur Verfügung gestellt werden mit franken Soldaten zum Entgleifen, einige der Zur Maifeier liegen neben den bereits veröffentlichten Besollen) glattweg genehmigt; mur 146 000 m. stimmten gegen die Vorlagen; Stranten erlitten Verlegungen. Ein andrer 8ug mit Pferden schlüssen noch eine Anzahl weiterer vor. Die Portefeuiller 49 Millionen, etwas über die Hälfte des Gesamtumlaufs, waren in der wurde in der Nähe von Springfontein in die Luft Bersammlung vor dem Konkursrichter vertreten. Die Verhandlung selbst gesprengt; eine Anzahl Pferde wurde dabei getötet. wurde von dem Richter wenig beeinflußt; fie lag in den Händen Diesen kleinen Unannehmlichkeiten stehen freilich wieder weit der Ausschüsse und Liquidatoren. Es ist wohl kaum daran zu beträchtlichere zweifeln, daß der Beschluß der Versammlung vom Konkurs richter bestätigt werden wird. Das Verfahren würde gegenüber. englische Erfolge und Ledergalanterie Arbeiter beschlossen für Hausarbeiter gänzliche Arbeitsruhe; die in den Werkstuben thätigen Kollegen follen wegen der Feier bei ihren Arbeitgebern vorstellig werden. Die Kartonarbeiter schlossen sich dem Beschluß der Buchbinder an. Die Parkettbodenleger und die FliesenIeger beschlossen absolute Arbeitsruhe. Die Bandtvirkcr in Krefeld sind in eine Lohi'bewegnng ein getreten. Sie verlangen gleiche Accord- und Stundenlöhne für mann- liche und Iveibliche Arbeiter. Als hierauf die Unternehmer drohten, sämtliche Arbeiterinnen zu entlassen, reduzierten die Bandwirker ihre Forderung auf 3S Pf. Stundenlohn für weibliche und 40 Pf. für männliche Arbeiter. Die Accordlöhne sollen aber die gleichen sein. Einzelne kleinere Betriebe haben die Forderungen bewilligt, während mehrere größere Firmen sich ablehnend verhalten, sie haben ihre Agenten ausgesandt, um Streikbrecher zu Iverben, bis jetzt noch resultatlos. Da die Konjunktur für Band günstig ist, hoffen die Arbeiter in dem Kampfe zu siegen. Sämtliche Schere rinnen(Zettlerinnen) derGroßfirma Ernst Niep mann u. Comp, in Gräfrath sind in denAusstand getreten. Die Ursache des Streiks ist eine Lohnreduzierung von 12Vs Proz. Von der Firma wird diese Lohnreduzierung damit zu rechtfertigen versucht, daß durch eine neue Einrichtung der Gang der Schermaschinen beschleunigt werde, und dadurch, trotz der Kürzung des Lohns, der Wocheu verdienst der gleiche bleibe. Die Arbeiterinnen bestreiten dies und verlangen unter allen Umständen die alten Lohnsätze. Organisiert sind die Ausständigen in dem Niedcrrheinischen W e b e r v e r b a n d einer Lokalorganisation. Ausland. In Barcelona sind alle Angestellten der Straßenbahn und Omnibusse in den Ausstand getreten. In Madrid dauert der Ausstand der Straßenbahnangestellten fort. Vommunetles» Der zur Vorberatung des Antrags unsrer Genossen betr. die Wohnungsnot und die auf dem Gebiete des Wohnungswesens bc stehenden Mißstände eingesetzte Ausschuß hat gestern nach längerer Pause seine Thätigkeit wieder aufgenommen. Zur Beratuiig stellte der Vorsitzende Mommsen zunächst die beiden folgenden Anträge Haberland(1) und Monimsen(2): »1. Die Stadtverordneten-Versammlung ersucht den Magistrat, zur zunächst teilweisen Unterbringung der in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter und kleinen Beamten nüt dem Vau von Arbeiterwohnungen auf der Stadt gehörigen Ländereien sofort zu beginnen und ihr eine diesbezügliche Vorlage sobald als möglich zugehen zu lassen." 2. Die Versammlung ersucht den Magistrat: a) ihr baldmöglichst eine Vorlage zu machen zwecks Einrichtung von Wohnhäusern zur Vernnetung von kleinen Wohnungen an die in den städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter; b) in Erwägung zu ziehen, ob und inwieweit auch für die übrigen in den städtischen Betrieben beschäftigten Per- sonen die Vermietung von Wohnungen in durch die Stadt errichteten Häusern in Aussicht zu nehmen ist. Vor Eintritt in die Debatte verlas der Stadtrat Fischbeck die Antworten, die seitens der einzelnen Betriebsverwaltungen auf das Ersuchen des Magistrats eingegangen waren, in Erwägung zu ziehen, ob und wieweit die Errichtung von Wohnhäusern für die im Betriebe beschäftigten Arbeiter angezeigt ist. Die Antworten gingen dahin, daß bei den Wasserwerken Bedürfnis nach Wohnungen für Werkstattarbeiter bestehe; bei den Gaswerken würden bei den außerhalb belegenen Werken bereits Wohnungen errichtet, so in Schmargendorf und Tegel. Beim Viehhof sei ein Bedürfnis nicht vorhanden für Arbeiter, da diese stark wechselten, dagegegen für kleine Beamte; Stratzenreinigung und Markthallen-Verwaltung ver- hielten sich ablehnend. In der Diskussion wandten sich unsre Vertreter scharf gegen die gestellten Anträge, da das Wohnen in Wohnungen, die dem Arbeit- geber gehören, für die Arbeitnehmer in jedem Falle eine neue und schwere Form der Abhängigkeit bedeute und schon der moralische Druck, bei freiwilligem oder unfreiwilligem Verlassen der Arbeit gleichzeitig auch die Wohnung räumen zu müssen, die Arbeiter allen Anforderungen der Verwaltung gegenüber gefügiger mache, als dies sonst der Fall sein würde. ES wurde auf das Beispiel der Rieselfelder ver- wiesen, wo die Arbeiter gezwungen sind, innerhalb dreierTaae nach Ver- lassen der Arbeit auch die Wohnung zu räumen, und auf Karlsruhe, wo man in umfangreicher Weise mit dem Bau von Arbeiterwohnungen vorgegangen sei, aber bestimmt habe, daß die in städtischen Wohnungen wohnenden Arbeiter jederzeit auch außerhalb der Dienststunden zu jeder von der Verwaltung gewünschten Arbeit bereit stehen, mithin auf Verlangen auch Streikbrecherdienste thun müßten. Auf direkte Anfrage unsrer Vertreter gab der Oberbürger- meister die Erklärung ab, daß in den bei Annahme der Anträge vor- gesehenen Mietskontrakten selbstverständlich auf daS Arbeitsverhältnis Bezug genommen werden würde, da in den Wohnungen doch nur solche Personen wohnen sollen, die im städtischen Dienst auch wirklich thätig ivären. Nach zweistündiger Debatte wurde der Antrag Haberland zurück- gezogen und der Antrag Mommsen mit S gegen 4 Stimmen in der folgenden Fassung angenommen: Die Versammlung ersucht den Magistrat, ihr baldmöglichst eine Vorlage zu machen zwecks Errichtung von Wohnhäusern zur Vermietung von kleinen Wohnungen an von der Stadt beschäftigte Arbeiter und Beamte. Erwähnt sei noch, daß der Oberbürgermeister im Lauf der De- batte auf von andrer Seite gemachte Einwendungen äußerte, die geringere Frequenz im städtischen Familicn-Obdach beim letzten Umzugstermin beweise nichts gegen den in Berlin herrschenden Wohnungsmangel; im Gegenteil, der Prozentsatz der szur Zeit leer stehenden Wohnungen sei noch immer ein ganz außerordentlich und ungewöhnlich geringer. Am Dienstag finden zwei Stadtverordneten-Wahlen der zweiten Abteilung statt. Eine im 2. Gemeinde-Wahlbezirk, wo Stadtältcster Direktor Kämpf aufgestellt ist, und eine im wo Bezirksvorsteher Daber kandidiert. Der Stadtverordneten-AuSschuß zur Vorbereitung der Wahl eines Stadt-Gchulrats für das höhere Schulwesen an Stelle des vor einigen Wochen plötzlich gestorbenen Geh. Reg.-Rats Professor Dr. Schwalbe beschloß am Montagabend unter dem Vorsitz des Stadtverordneten-Vorstehers Dr. Langerhans, diese Stelle aus- zuschreiben und das Gehalt auf 12 000 M. festzusetzen. Die Gründe, welche die Versammlung dazu leiten, sind die folgenden: 1. Die Erhöhung der gestellten Lohnsätze ist begründet in den den seit dem Jahre 1896 in steigender Weise eingetretenen WohnungS- und Lebensmittelpreisen sowie der Steigerung der staatliche» Abgaben. 2. Die Abänderungen der einzelnen Paragraphen des Tarifs hat sich aus dem Arbeitsverhältnis als notwendig erwiesen, wie denn auch der Kommentar zum Tarif in einzelnen Fällen dies schon festgelegt hat. 3. Das gleiche Arbeitsverhältnis der Maschinenmeister, wie das der Setzer ist nicht allein aus Billigkeitsgründen stattzugeben, sondern es ist auch unsre ausdrückliche Forderung, einen Unter- schied in der Arbeitszeit zwischen Setzern und Druckern nicht mehr zu besitzen.— Gleichzeitig muß auch konstatiert werden, daß nur noch ein geringer Teil der deutschen Prinzipalität an den Bestimmungen des§ 31 des deutschen Buchdrncker-Tarifs überhaupt festhält. 4. Die Gewährung von bestimmten Leistungen der Prinzipalität an die Gehilfen nach den Bestimmungen des Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, sowie die Unantastbärkeit des Vereinigungsrechts der Gehilfen, entspricht nur den billigen Erwartungen, die man bei einem beiderseitigen Arbeitsvertrag zu stellen voll berechtigt ist. 5. Die Abänderung der Lehrlingsskala wird eine Notwendig- keit durch die seit Jahren schon eingetretenen und fortgesetzt sich steigernden veränderten Betriebsverhältnisse im Buchdruckgewerbe. Die Setzmaschine sowie die verbesserten Druckmaschinen machen unausgesetzt Arbeitskräfte überflüssig. Es liegt deshalb im Jnter- esse des Gewerbes, eine Beschränkung der Lehrlingszahl eintreten zu lassen, um der Schmutzkonkurrenz und Lohnreduzicrungen vor- zubeugen. Dem gegenwärtigen Arbeitsvertrag liegt als Motiv zu Grunde. daß er der von Prinzipalen und Gehilfen anerkannte Ausdruck dafür ist, was für die beiderseitigen Beziehungen und Leistungen im Deutschen Reich als gerecht und billig anerkannt worden ist. Die Verbandsgehilfenschast des Tarifkreifes VIII erklärt, daß sie auch in Zukunft an diese» Principien festhalten wird und hält die von ihr gestellten Anträge zur Tarifrevision im Rahmen dieser Grundsätze." Diesen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausführungen folgte eine kurze Diskussion, in der sämtliche Redner ihr Ein- Verständnis mit den Vorschlägen erklärten und die Annahme der Anträge und Resolution, sowie einer weiteren eingebrachten Resolution empfahlen, welche die Dauer des künftigen Tarifs auf 8 bezw. bei weniger Zugeständnissen auf 2 oder 1 Jahre bemessen haben will. Die folgende Abstimmung ergab die e i n st i m m i g e Annahme sämtlicher Anträge und Resolutionen. Das Resultat wurde mit stürmischem Beifall begrüßt. Nach einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Verband der Deutschen Buchdrucker klangen die Töne deS Bnchdruckerlicdes: Heil Gutenberg, sowie des Arbeiter-Vnterlands- lieds, gesungen von der.Typographia", durch den Saal, womit der offizielle Teil der Versammlung sein Ende erreicht hatte. Der Deutsche Holzarbeiter-Verband hielt am Mttwochabend bei Keller, Koppenstraße, eine gut besuchte Generalversammlung ab. Miele erstattete den Kassenbericht für das 1. Quartal 1901. Der- elbe weist eine Einnahme für die Hauptkasse von 33 747,60 M., in der Ausgabe eine Summe inkl. der 30 Proz. an die Lokalkasse von 12 484,78 M. auf. Die Lokalkasse weist eine Einnahme von insgesamt 121 621,43 M.(inkl. eines Bestands vom vorigenjOuartal von 94 923,37 M.) auf; die A u s g a b e für Verwaltung beträgt 2144,89 M., ur Agitation 2017.86 M.. für Streikunterstützung zc. 14 409 76 M., ür Druckkosten zc. 463 M., für Gerichtslosten und Geldstrafen 120.67 M., ür sonstige Ausgaben 6679.80 M., insgesamt 24 726,96 M. Der Kassierer ivurde entlastet. Sodann erstattet Glocke den Vorstandsbericht. Es haben 14 Vorstandssitzungen und die üblichen regelmäßigen Versammlungen stattgefunden. Rechtsschutz erhielten 23 Kollegen. Berichtet wurde sodann, daß die Stockarbeiter sca. 300) sich dem Verband anschließen werden. Für die Bibliothek ist ein Registrator angeschafft und wird das Kartensystem eingeführt, um die Ausgabe der Bücher schneller zu ermöglichen. Die Kontrollkommisfion hielt 182 Werkstatlsitzungen ab, in denen 420 Werkstätten vertreten waren. Es ivurden von 693 ein- gegangenen Adressen 472 Stellen besetzt Der Nachfrage nach Arbeitst kraften stand ein Angebot von 2371 derselben gegenüber. Ver> mittelnd bei Differenzen ivurde in III Fällen eingeschritten. Die Bibliothek wurde 2930 Mal benutzt. Die Stichwahl zum Gau vorstand ergab die Wahl G ü t h s mit 486 Stimmen, während Kunze nur 208 von 729 abgegebenen Stimmen erhielt. Die Bautischler-Kommission teilte mit, daß die Branche, um einen KrebS- 'chaden in ihren Reihen zu beseitigen, folgenden Beschluß gefaßt hat: Nach dem 1. Juni darf kein Kollege mehr eigne Bank und Werkzeug mitbringen." Die Regelung werde der Verwaltung überlassen und wird sich demnächst eine Vertrauens männer-Versammlung mit diesem Beschluß befassen.— Bezüglich des 1. Mai wurde bekannt gegeben, daß die Fabrikanten beschlossen ijaben, falls der 1. Mai seitens der Arbeitnehmer gefeiert werden ollte, dieselben auf 6 Tage auszusperren. Die Versammlung be- chloß, trotz dieser Drohung an dem Beschluß der Vertrauens- männer-Versammlung, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern, fest- zuhalten.— Ausgeschlossen aus dem Verband wurden eine Anzahl Bodcnleger, welche in jgesperrten Firmen arbeiten resp. gearbeitet haben. Die Kürschner hielten am 22. April in den Königssälen eine öffentliche Versammlung ab. Zum Vertrauensmann wurde ein- timmig Schreitmüller gewählt, zum Stellvertreter und Gewerkschaftsdelegierten M o l d e n h a u e r, als Revisoren Hoff- mann, Schack und Schmidt. Waldeck Ma nasse hielt so- dann einen beifällig aufgenommenen Vortrag über:„Kommunale Forderungen.' Zur Maifeier nahm die Versammlung eine Re- olution an, in der die ArbeitSruhe als würdigste Form der Feier erklärt wurde. VerlÄmmlungvn. Die Mitglieder deö Deutschen Buchdrucker-VerbandS, welche zum Tariskreise VIII(Berlin- Brandenburg) gehören, waren am Sonntag, den 23. April, im Cirkus Schumann versammelt, um ihre Anträge zur diesjährigen Tarifrevision zu beraten. ES war wohl die imposanteste Buchdrucker-Versammlung, welche Berlin je gesehen hat; ivcit über 6000 Personen füllten den weiten Raum, inmitten die Büste des Altmeisters Guttenbcrg zwischen einem Blattarrangement aufgestellt. Um IV» Uhr ivurden die Verhandlungen vom Gau- Vorsitzenden Massini eröffnet, der dann in einftündiaer Rede die zur Verhandlung stehenden Fragen erörterte. Redner legte zunächst die Bedeutung der Tarifvereinbanmg klar, um im Anschluß daran die nunmehr aufs neue festzusetzenden Forderungen der Gehilfen zu besprechen. Man habe diesmal das Hauptaugenmerk darauf gerichtet. unter Verzicht auf eine Arbeitszeit-Verkürzung eine möglichst hohe materielle Besserstellung der Gehilfenschaft zu erreichen. Die Organi- sation sei ivohl erfüllt von dem Gedanken des Achtstundentags, deren Träger in einigen Taaen ihre gewaltige Heerschan abhalten werden, aber mir handeln bei der Festsetzung unsrer Arbeitsbedingungen nach der durch die praktische Erfahrung erkannten Ziveckmäßigkeit. Er empfehle deshalb die Annahme der gedruckt vorliegenden Anträge, welche in ihrem Hauptpunkte die Erhöhung der Lohnsätze für Berlin um I8V3 Proz. fordern(in den einzelnen kleinen Druckorten deS 8. Tarifkreifes entsprechend niedriger), und ersuchte um Zustimmung für folgende Resolution: „Die Versanmilung der Verbandsmitgliedcr deS TarifkreiseS VIII lBerlin-Brandenburg) erklärt sich mit den vorliegenden Aenderungen zum Tarif einverstanden und ersucht den Gehilsenvertreter deS Tarif- kreises, mit ganzer Kraft für diese Forderungen einzutreten. von 862,73 M. Dem stand eine Ausgabe von 69,60 M. gegenüber, so daß ein Kassenbestand von 783,23 M. verbleibt. Nach Erledignng des Kassenberichts hielt Reichstags- Abgeordneter R o s e n o w einen interessanten Vortrag über:„Die Lohnarbeit im Mittelalter und zur Zeit der Reformation". Eine Diskussion fand nicht statt. Zum Punkt„Der 1. Mai" ivurde folgender Beschluß gefaßt:„Wenn in einer Werkstatt resp. Fabrik durch die Majorität bestimmt wird, den 1. Mai zu feiern, und am folgenden Tage Kollegen ausgesperrt werden, so werden dieselben unterstützt." Ueber die Einführung eines obligatorischen Wochenbeitrags von 10 Pf. zum Lokalfonds wurde beschlossen, unter den Mitgliedern der Zahlstelle eine Urabstimmung vorzunehmen._ Vrtzko Zlschvichken und DepeMzen« Die Arbeiter der mechanischen Schuhindustrie stimmten Montagabend der Wiederaufnahme der Arbeit durch die Ausgesperrten zu, jedoch nur, weil sie vor einer vollendeten Thatsache standen. Militärbcfreiungs-Prozest. Elberfeld, 29. April.