Nr. 145. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumeranto: Vierteljährt. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. fret ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags Nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. Posts Abonnement: 1,10 Mart pre Monat. Gingetragen in der Post- Beitungs Preisliste für 1901 unter Dr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erliheint täglich außer Montags. 320 Sad dia 2 12 sold is to sendus zellshay de slides i torbe 18. Jahrg. Vorwärts 95m0R1509 Berliner Volksblatt. alli Die Insertions- Gebaye dis beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder beren Raum 40 fg., für politische und gewertschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in berExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Borialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partet Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Mr. 1508. Imperialistische Kultur. Wenn es noch Beweise bedurfte für die forrumpierende Wirkung des Imperalismus auf das nationale Leben, dann haben sie die Vorgänge der letzten Wochen in England und Amerika erbracht. " Dienstag, den 25. Juni 1901. fabianischer Imperialisten von der Einräumung völliger Selbstverwaltung an die verwüsteten Freistaaten in nichts auflösen wird und zwar unter dem Gutbefinden des größten Teils derjenigen, die heute noch mit allerlei humanitären Phrasen den Kampf gegen die Boerenstaaten berteidigen.) vast si siur Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. er in der schrecklichen Hize dahin; alles, was geschehen kann, ist nur elendes Flidwerk. Tausende, die physisch unfähig sind, werden in Berhältnisse versetzt, die sie nicht ertragen können. Vor ihnen liegt der Ruin. Ganze Familien werden getrennt und zersprengt. Sie wiffen nicht, wohin. Diese Lager beizubehalten, ist ein Mord für die Kinder. Was man auch thun möge, das Geschehene fann nicht ungeschehen gemacht werden." Auf der schieben Ebene des Imperialismus giebt's feinen Welche schönen theoretischen Begründungen hat nicht vor Halt; mit Gewalt drängt die Konsequenz der Thatsachen auf fonftitutionellen, humanen Erwägungen unter dem Expansions. Und genau dieselbe Praxis, der Unterordnung aller freien, einigen Jahren der Imperialismus gefunden, als unter dem der abschüssigen Bahn zum Absturz. Welcher Abstand ist nicht bestreben, finden wir als Folgen des siegreichen Imperialismus Druck der Erkenntnis, daß es mit der einstigen Monopol zwischen den einstigen schönen Deflamationen der liberalen in den Vereinigten Staaten. Zum Vorteil der amerikanischen stellung Englands auf dem Weltmarkt vorbei sei, die Idee des englischen Imperialisten über die humanitäre Bedeutung des Stapitalisten besteht auf Hawaii die Kontraktsklaverei fort; Größeren Britannien" ihren Weg in die britischen Massen Empire" bis zu ihrer heutigen Gutheißung und Vertuschung auf den Philippinen wird jede Selbständigkeitsregung der fand. In Zeitungsartikeln und wissenschaftlichen Schriften, der schlimmsten Gewaltatte des britischen Militärregiments in den Malaien in Blut erstickt; Stuba aber wird eine sogenannte in Romanen, in Balladen und lyrischen Ergüssen wurde in Boerenstaaten, bis zu ihrem neulichen Verhalten im Parlament Verfassung aufgezwungen, die in Washington fir und fertig unzähligen Variationen der Ausspruch Joe Chamberlains gegenüber dem Antrage Lloyd Georges. Fast immer gefiel man gestellt ist und das Land völlig der Willkür der amerikanischen wiederholt:„ Der Imperialismus, das ist die sich erst in billigen Redensarten über die humanen englischen Kapitalmagnaten wahre, weise, otonomische Politit." Wie ge- Absichten; entsprach dann das Vorgehen der Militärbehörden Justiz im ausliefert. Dabei hilft die höhere wisse Reklame Annoncen irgend eine Mixtur als Allheilmittel diesem Geschwätz allzu wenig, erhob sich vereinzelt Murren; die auch gleichzeitig die Leiter der großen Trusts sind, Dienste der imperialistischen Millionäre, für alle möglichen Krankheiten und lebel anpreisen: für doch schon nach wenigen Wochen entdeckte man gewöhnlich, tapfer mit, jene Verfassungsparagraphen zu eliminieren, die Nervosität, Kopfschmerzen, Magen- und Darmleiden und noch daß immerhin ein solches Vorgehen sehr entschuldbar sei, und dem kapitalistischen Interesse bei der geplanten Ausbeutung sonst allerlei, so wurde auch in Zeitungs- und Broschürenartikeln nach noch einigen Wochen fand man glücklich heraus, daß der neuerworbenen Gebiete im Wege stehen. So hat kürzlich der Föderativ- Verband Englands mit seinen Kolonien, das eigentlich die Boeren an allem selbst schuld seien, da sie sich das Bundes- Obergericht entschieden, daß zwar die Verfassung " Empire", als die Heilung und Abwendung all der Uebel mit unerhörter Halsstarrigkeit den humanen Intentionen der Flagge folgt, also Portorico, indem es durch den Pariser gefeiert, die Englands bisheriger wirtschaftlicher Stellung aus Englands widersetzen. der Konkurrenz der Vereinigten Staaten und Deutschland Mit unwiderstehlicher Gewalt nötigt das imperialistische wurde auch in dessen Zollverband aufgenommen worden ist; Friedensvertrag zum Territorium der Vereinigten Staaten drohten. Wer meinte, die vielgerühmte Expansion" werde Bekenntnis zu immer neuen logischen Kopffprüngen und Ab- aber gleich hinterher erfolgte eine andre Entscheidung, daß schließlich auf nichts andres hinaustommen, als auf gewalt- wendung von den wirklichen Thatsachen. Ein Beispiel der amerkanische Kongreß das Recht habe, fame Annexionen fremder Ländergebiete unter nur fobiel Er ist das widerliche Beschönigungsgerede des größeren Teils einem neuerworbenen Gebiet von der Verfassung zuzuneuerung aller jener widerlichen Erscheinungen früherer der Fabier unter Leitung des Herrn Bernhard Shaw. Hat billigen, als dieser vertragen tönne, Kolonialfriege und folonialer Exploitation, der tannte, doch dieser Herr Shaw nicht nur entdeckt, daß England zur deshalb auch die Berechtigung gehabt habe, das Forakergeset und daß wie entrüstet versichert wurde, die die neuere Geschichte Annettion des Transvaalstaats berechtigt sei, da es nicht im zu erlassen, durch das Portorico außerhalb der amerikanischen der englischen Kolonien seit dem Abfall der Vereinigten Interesse der Civilisation liege, wenn folche Machtmittel wie Bollgeseze gestellt wird. Kaum ist ein größerer Widerspruch Staaten von Nordamerika nicht, der verkannte vor allem den die füdafrikanischen Goldminen in den Händen eines kleinen möglich, wie zwischen diesen beiden Entscheidungen, aber fogenannten demokratischen Grundzug des englischen Volks- Grenzstaates bleiben, sondern auch, daß die Mächte mit was hilft's, das Interesse verschiedener Trusts verlangt, daß charakters. Ist nicht England das Mutterland der Freiheit, ihrem Vorgehen gegen China ganz recht hätten; denn China ihnen die Konkurrenz der billigen Ausfuhrartikel Portoricos sind nicht von ihm die Pioniere ausgegangen, die in allen schließe sich von der Welt ab, und da es nicht gutwillig vom Halse gehalten wird. Teilen der Welt freie, nach den Grundsätzen Alt- Englands das Recht der fremden Staaten auf Handel anerkenne, berwaltete Solonien begründet haben. Und nun follte die hätten diese die Berechtigung, sich gewaltsam Einlaß zu er fratischen Einrichtungen und das Selbstverwaltungsrecht aus, So schaut in Wirklichkeit die Konsolidation der demoföderative Vereinigung Englands mit diesen Tochterstaaten zwingen. Der Staat, der sich gegen die inter- das nach der Angabe weiser Thebaner in der Natur des etwas andres sein, als die Propagierung des demokratischen nationale Civilisation auflehne, müsse mperialismus liegen soll; und ähnliche Folgen würden Staatsgedankens, der Jdee der Selbstverwaltung und Selbst verschwinden. alunni noffeinem Siege zweifellos auch in Deutschland folgen. Kleine bestimmung? Seiner ganzen, historisch bedingten Natur nach, Sicherlich wunderschöne Grundsätze. Sobald ein Staat Anfäße finden wir auch hier. Wie gerne hätte man nicht in so verkündeten die imperialistischen Anwalte, könne das sich nicht von andren eine mehr als fragwürdige„ Civilisation" gewissen Kreisen die Thaten der Peters und Konsorten verEmpire" nur eine Konsolidation des britischen Reichs und aufdrängen lassen will, haben diese das Recht, ihn fuscht, wie leicht hat man sich über die Hunnenthaten in seiner Kolonien auf durchaus demokratischer Grundlage fein; gewaltsam zu zwingen, nötigenfalls durch Dynamitbomben, China hinweggefekt, nur um ja nicht die ExpansionsExpansion bedeute zugleich Ausdehnung des freiheitlichen fon zur höheren Ehre der heiligen Erpansion. stitutionellen Systems Englands, bedeute Selbstregierung usw. von Selbstverwaltung, Selbstbestimmungsrecht sind völlig zum fabianischen Sündenfall mangelt es nicht, hat doch auch Die Ideen bestrebungen zu stören. Selbst an einem Miniatur Pendant Und mit wundersamer Gelehrsamkeit wurde aus dem Gang der flöten gegangen, und doch ist Mr. Shaw Socialist", wenn Herr Naumann als Haupt der Nationalsocialen die Nichtwirtschaftlichen Entwicklung, aus allerlei der Geschichte Babylons, auch von nicht waschechter fabianischer Couleur. Bei seinen pardon- Rede des Kaisers gebilligt. der Phönicier, Griechen, Römer entlehnten Analogien oder liberalen Kollegen ist das Gerede von der Konsolidation des aus schönen sociologischen Gefeßen des Aufsteigens und Ver- Empire auf der Grundlage demokratischer Selbstverwaltung Weltmachtspolitik zu Stolonialgreueln, Knechtung fremder Unvermeidlich führt nun einmal die imperialistische falls der Handelsnationen bewiesen, daß der Imperialismus noch mehr zu einer rednerischen Floskel geworden; sie sind Rassen, Kampf und Verwüstung. Zu betonen, daß man wohl ein geschichtlich notwendiger Fortschritt sei. heute zur Gutheißung und Vertuschung jeder Maßregel geneigt, den Imperialismus will, nicht aber die Mittel, durch die er Und dasselbe Schauspiel wiederholte sich, als nach der welcher sich die englische Militärverwaltung zur Niederzwingung allein sich durchzusetzen vermag, und nicht die Folgen, die sich Beendigung des legten spanisch- amerikanischen Kriegs auf der Boeren bedient: der Niederbrennung der Gehöfte, der bisher an seine Fersen geheftet haben und heften müssen, Drängen ihrer Kapitalmagnaten und der von diesen ab- Transportierung der Gefangenen nach fernen Inseln, der ist nichts als Heuchelei. Den Gang imperialistischer Politik hängigen kapitalistischen Presse die Vereinigten Staaten Busammenpferchung der festgenommenen Frauen und bestimmen nicht schöne Definitionen und Hoffnungen, sondern die Spanien abgenommenen westindischen und philippinischen Kinder der Boeren in ungesunden Feldlagern. Selbst die Macht und das Interesse der hinter den ExpansionsInseln annektierten. Wie haarscharf wurde nicht bewiesen, die Verrohung des patriotischen Mob, die bei den bestrebungen stehenden kapitalistischen Schichten, und auch daß das Unionsgebiet bereits an einem Ueberschuß von Straft verschiedenen Siegesfesten wilde Orgien feierte oder die zu der ist für die Folgen dieser Politik verantwortlich, der sie Teide und daß dieser Kraft ein Ausweg geschaffen werden nehmende Korruption der Justiz, wie sie beispielsweise bor unterstüßt, ohne sich über ihre notwendigen Konsequenzen müsse zur Erfüllung der Welt mit amerikanischem Geiste. einigen Wochen in der Verurteilung des englischen anti- Rechenschaft abzulegen. Zum Ueberdruß ist sie breitgetreten worden, diese imperialistischen Journalisten Cartwright zum Ausdruck geimperialistische Weisheit, in konservativen, wie in liberalen langte, nehmen sie mit einigen nichtssagenden abwehrenden Bearbeitungen und selbst in den Publikationen der englischen Redensarten willig in Kauf; ja die imperialistische Presse hat Fabier, obgleich in der Hauptsache hinter dem stabilierten fogar für die größten Roheiten noch Ermunterung, wie denn ,, natürlichen Expansionsbedürfnis der Handels- und Industrie- z. B. der„ Daily Telegraph" die neulich vor der Queenshalle nationen" nichts andres steckt, als die Suche des stetig gegen die Friedensdemonftranten begangenen Ausschreitungen anschwellenden Finanzkapitals nach neuen, unter dem Titel, Die Jagd auf Krügers Freunde" Wir konnten kürzlich berichten, daß die bayrische Regierung größeren Vorteil bietenden Anlagem ärtten. feiert. Bestimmungen erlassen habe, welche eine scharfe Kontrolle der " " Politiste Meberlicht. Berlin, den 24. Juni. Ein fleines Mittel. Seitdem find nur wenige Jahre verflossen. Und wie Unaufhaltsam gehts eben weiter auf der abschüssigen gewerbsmäßigen Stellenbermittler bezwecken. Von ist die Probe aufs Erempel ausgefallen, wie hat sich Bahn des Imperialismus. Noch auf der Parteikonferenz in diesem Rechte, das den Landesregierungen auf Grund des§ 38 der seitdem die praktische Ausführung des imperalistischen Bradford von 14.- 16. Mai nahm die liberale Partei ein- Gewerbe- Ordnung zusteht, scheint nun auch die preußische ReEvangeliums, wie sie England und Amerika in die Hand geſtimmig eine Reſolution an, in, ber Gelbſtregierung, gleiche gierung Gebrauch machen zu wollen. Dieser Tage hat auf dem Mai nommen haben, gestaltet? Wo ist die Ausbreitung des freiheit Rechte für die weiße Bevölkerung und humane Behandlung Berliner Polizeipräsidium eine Konferenz stattgefunden, lichen Staatsgedankens, die Ausdehnung des einheitlichen der eingeborenen Rassen verlangt wurden, aber als am 18. Juni zu der außer einer Anzahl gewerbsmäßiger Stellenvermittler konstitutionellen Systems, die völlige Anerkennung des Princips im Unterhaus ein gegen die Zustände in den Gefangenen die Vertreter einiger Gastwirtsgehilfen- Vereine geladen waren, der Selbstverwaltung? Nichts ist Nichts ist von all den ver- lagern Südafritas gerichteter Antrag des Walliser Ab- deren Stellenvermittelung aber ebenfalls mur gegen Zahlung heißenen Herrlichkeiten übrig geblieben als ein Haufen geordneten Lloyd George zur Beratung stand, zeigte beſtimmter, ziemlich hoch bemessener Gebühren funktioniert, während alberner Phrasen. Die Selbstverwaltung, welche die Ver- sich, daß der imperialistische Flügel nicht mal für diejenige Organisation, deren Vermittlung auch für Nichtmiteinigten Staaten den Philippinern und Kubanern gebracht, eine humane Behandlung der Boerenfrauen und Kinder glieder vollständig kostenlos ist, der Verband deutscher Gastwirts besteht in ihrer Niederhaltung durch rücksichtsloseste An- zu haben war. Um nicht einem Antrag zuzustimmen, der gehilfen, nicht hinzugezogen war. Das Handelsministerium war durch wendung der Waffengewalt und Auslieferung an die Er möglicherweise als eine Verurteilung der englischen Politik in Kommiffarien vertreten. ploitations sucht der amerikanischen Großkapitalisten; und in Südafrika gedeutet werden könnte, berließen unter Führung Es wurde ein Entwurf vorgelegt, der 21 Paragraphen enthält, Südafrika betreibt England mit nicht minderer Strupel der Asquith, Mac Arthur, Grey und Haldane die liberalen die fich inhaltlich vielfach mit denen der bayrischen Regierung decken. losigkeit die Epansion des Ausbeutungsgebiets seiner Imperialisten den Sizungssaal, so daß trok Eintretens der Danach sollen die Bücher, überhaupt die ganze Art und Weise des Kapitalistentlasse. Frländer der Georgesche Antrag mit 252 gegen 149 Stimmen Gefchäftsbetriebs der Stellenvermittler einer genauen Kontrolle seitens Es zeigt sich die alte Lehre, daß nicht schöne Inter- abgelehnt wurde. Wie so oft, unterdrückte auch diesmal wieder der Polizeibehörden unterzogen werden. pretationen, auch nicht wenn imperialistische Dichterlinge fie die imperialistische Expansionsmanie alle humanen Regungen, Den Gesindevermietern und Stellenvermittlern ist der Betrieb von in epische und lyrische Formen gießen, den Gang einer Be- und doch war erst furz vorher der Bericht der Engländerin Gast- und Schankwirtschaften untersagt. Mit dieser und noch wegung bestimmen, sondern die ihr zu Grunde liegenden Miß Hobhause erschienen, der über die Gefangenenlager bei einigen andren Bestimmungen kann man sich einverstanden erklären, ohne ökonomischen Faktoren. Und so erweisen sich schon jetzt Bloomfontein und Stimberley, in denen ein Teil der gefangenen sich deshalb der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß die Vermittler alle Träumereien amerikanischer Verfassungsromantiker Frauen und Kinder der Boeren untergebracht ist, geradezu nicht doch wieder andre Mittel und Wege finden, vertrauensselige bon der Ausdehnung des tonstitutionellen ameritaempörende Angaben enthält, so daß Miß Hobhouse selbst sich Stellesuchende zu rupfen. Ein Paragraph des Entwurfs aber fordert nischen Systems auf die neueroberten Kolonien als lächerlich, ebenso wie sich, falls England die Boeren zur Unterwerfung zwingt, das Geschwät englischer radikaler und zu folgender Zusammenfassung thres Urteils genötigt erklärt: unfern entschiedensten Protest heraus, und es ist bedauerlich, daß " Ich nenne dies Lagersystem eine Massengrausamkeit. Es die anwesenden Gehilfenvertreter" diesem keinen Widerstand entgegenkann nie aus dem Gedächtnis ausgelöscht werden, die Kinder siechen' fetten. Es ist§ 5, welcher lautet: "Der Gesindevermieter und Stellenvermittler darf nur solchen Personen eine Stelle zuweisen, welche nicht in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnisse stehen, oder, sofern dies der Fall ist. eine Bescheinigung der Dienftberechtigten (Herrschaft, Arbeitgeber usw.) nach dem anliegenden Formular C! beibringen, daß ein Wechsel der Stellung zulässig ist. Kann ein solcher Schein nicht vorgelegt werden, so hat der Gesiudevermieter oder Stellenvennittler sorgfältige Erkundigungen über die Dienstverhältnisse der stcllungssuchcndeu Person einzuziehen. Personen, welche ohne Einhaltung der Kün- digungsfrist ihre letzte Stellung verlassen haben, darf der Gesindevcrmieter und Stellen- vermittler keine Dienstleistung gewähren. Das- selbe gilt für Personen, welche sich den Vorschriften zuwider nicht im Besitze eines ordnungsmäßig ausgestellten Gesindebuchs de- finden, oder welche die zur Verdingung erforderliche Zustimmung des gesetzlichen Vertreters(8 113 des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht nachweisen können." Da haben wir die Maßregelung.kontraktbrüchiger" Land- arbeiter, wie sie seitens der socialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten gelegentlich der Beratung der Novelle vorausgesagt worden ist. Denn wie die ganze Aktion gegm das allerdings gemeingefährliche Treiben der Stellenvermitteler nur auf Veranlassung und zu Nutz und Frommen der Junker unternommen worden ist, so richtet sich dieser Paragraph speciell gegen die Landarbeiter; natür» lich wird er gegebenenfalls auch gegen andre Arbeiterkategorien An- Wendung finden. Der Dienstbote und landwirtschaftliche Arbeiter bleibt so an die Stellung gefesselt, die er inne hat, so lange ihn die.Herrschaft" nicht frei giebt. Nicht bloß dem.kontraktbrüchigen" Arbeiter, jeder Person, die eine Bescheinigung ihrer„Herrschaft", daß ein Wechsel der Stellung zulässig sei, nicht beibringen kann, muß der Vermittler bei Strafe jede Hilfeleistung ablehnen. Es ist das eine ungeheuerliche Knebelung des freien Willens, ja es bedeutet für Tausende von Arbeitern nichts weniger als die Aufhebung der Freizügigkeit. Die Regierung hatte wohl recht, die Ausführung des Gesetzes den Landesregierungen zu überlassen, der Reichstag hätte dieser Entrechtung der Landarbeiter im Interesse der Junker denn doch nicht zugestimmt. Selbstverständlich wird der Zweck des Gesetzes, wenigstens soweit die landwirtschaftlichen Arbeiter in Betracht kommen, voll- ständig verfehlt. Das Gesetz sollte die Landarbeiter aus den Händen der„Sklavenhändler" befreien, die obige Bestimmung Ivird dazu führen, daß die Arbeiter, die den idyllischen Gefilden der Ostelbier entfliehen möchten, die Stellenvermittler geradezu als ihre Freunde und Netter betrachten. Liberaler Aufschwung in Italien. Nach einer wüsten und blutigen Reaktionszeit regiert jetzt in Italien ein liberales Ministerium, das ernstlich entschlossen scheint, eine Aera fruchtbarer Socialreformen heraufzuführeu. Ueber die Motive dieses socinlrefonnerischen Auffchwungs braucht man nicht zu grübeln. Mag der italienische Liberalismus, erschreckt durch die ungestümen Erfolge der Arbeiterbewegung, immerhin glauben, daß es ihm gelingen könnte, durch Konzcssionen den Socialismus zu erschlaffen— die Socialdemokratie, wo immer sie zur politischen Macht geworden ist, nimmt unbekümmert die Vor- teile, die dem Proletariat geboten werden, ist sie doch fest überzeugt, daß der Socialismus siegen muß, und daß weder Gewalt noch List über ihn Herr zu werden vermag. Darum unterstützen auch unsre italienischen Genossen das gegen- wärtige Ministerium Zanardclli gegen die Reaktion, zumal sie nicht ohne Stolz gestehen dürfen, daß es ausschließlich die Frucht ihrer Arbeit ist, daß ein solches entschieden liberales Ministerium überhaupt möglich wurde. Am letzten Freitag entwickelte in der italienischen Kammer Giolitti, der Minister des Innern, das socialpolitische Re- giernngsprogramm. Er verteidigte mit Worten, die in der Zeit der deutschen Zuchthnnsvorlage und nach der Schreckensherrschaft der italienischen Reaktion fast radikal klingen, das Koalitionsrecht der Arbeiter und das Recht des Ansstands. Gewiß nicht als Freund der Socialdemokratie, die er vielmehr gerade durch das Entgegenkommen zu entkräften wähnt; immerhin ist das eine civilisiertere Form des politischen Kampfes. Giolitti gab zu. daß die Arbeiterkoalitioncn in der Hand der Socialdeniokratie seien; aber das sei nur ein bedauerlicher Beweis der geistigen Faulheit der konservativen Partei. Giolitti fand auch die kapitalistisch anstößige Fornrel, daß das Interesse derjenigen, die zum eignen Vorteil die Löhne drückten, nicht das Interesse des Staates sei. Die von gerechten Ursachen erregten Ausstände befruchten Handel und Wandel eines Volks tausendfach; sie stärken das Rechtsbewußtsein der Arbeiter und das Pflichtgefühl der Lohnherren und tragen indirekt zur Erhöhung der Produktion bei, indem sie zuerst den Hand- durch den Maschinenbetrieb ersetzen und durch diesen neue Arbeit schaffen. Hätte die Regierung, so erklärte Giolitti, die Koalitionen aufgelöst und die Ausstände unterdrückt, wie da? italienische Unternehmertum aufforderte, so hätte sie das Gesetz ver- letzt und sich zum Werkzeug einer Klaffe gegen eine andre her- gegeben. Giolitti kündigte dann eine Reihe socialpolitischer Reformen von nicht unbeträchtlichem Wert an, um den Beweis zu liefern, daß die gegenwärtige Ordnung vereinbar sei mit jedem Fortschritt auf geistigem, wirtschaftlichem und politischem Gebiete. Am Sonnabend wurde die Debatte fortgesetzt. Die stürmische Sitzung begann mit dem unvermuteten Uebergang des bisher regierungsfeindlichen Abg. Bacelli zum Ministerium. Unser Genosse Ferri hielt eine große Rede über den Socialismus, dessen sicheren Sieg er ankündigte. Nachdei» dann der Abg. Fortis der Regierung vorgeworfen, sie nähre durch die Zulassung der Arbeiterkoalitionen den Klaffenhaß und bereite den Bürgerkrieg vor. erhob sich zum Schluß der Ministerpräsident Zanardelli, der schwungvoll das Pro- gramm des Liberalismus verteidigte. Zanardelli führte— wir folgen einem Bericht der Wiener «Neuen Freien Presse"— aus: „Alle Redner haben die Gesetzlichkeit der Ausstände und der Verbindungen, fast alle deren Nützlichkeit anerkannt. DaS Recht, zu streike» und Vereiuigunge» zu bilden, ist das oberste Berteidiguugsmittel der Arbeiter. Er beklage die Art der Führung des Klassenkampfes sowie das Vorkommen von Kontrakt- brächen seitens der Arbeiter sowohl als auch der Unternehmer; die Heiligkeit der Verträge bilde die Hauptstütze der Gesellschaft. In- dessen glaube er nicht, daß dieVerletzung von Ver- trägen besonders geschützt werden könne. DaS Recht zu streiken und Vereinigungen zu bilden, wurde von dem Ministerium des Innern wirksam geschützt; er halte aber dafür, daß es nicht den Gegenstand von Specialgesetze» bilden solle. Redner habe das Schiedsrichteramt im Streik der Hafenarbeiter von Genua übernommen, wobei er sich der Schwierigkeiten schon wegen der Dringlichkeit, dem Streik im wichtigsten Hafen Italiens ein Ende zu machen, wohl bewußt war. Niemand habe der Regierung den Gedanken»ahegelegt, die zur Verbesserung der Lage und zum Widerstande geschaffenen Vereinigungen auf- zulösen. Er habe, fuhr Zanardelli fort, immer daran festgehalten, daß ein Recht zur Auflösung nur dann gegeben sei, wenn eine Vereinigung verbrecherischer Tendenzen verfolgt. Das sei hier nicht der Fall. Die Vereinigungen blieben immer im Rahmen der Ge« setzlichkeit. Die Ausstände haben keinerlei Unruhen hervorgerufen. Das liberale Regime habe seine Unzukömmlichkeiten; die Freiheit werde nur um den Preis von Agitationen und Kämpfen erkauft. Aber die Devise des Redners war immer: Melo periculosam libertatem.(Ich ziehe die Freiheit vor, auch wenn sie ge- fährlich ist.) Die aus der Freiheit entspringenden Uebel seien vorübergehender Natur, ihre Bor- teile dagegen von D an e r. Im weiteren Verlauf seiner Rede dankte Ministerpräsident Zanardelli dem Deputierten Fnbri für den Hinweis darauf, daß sein sdes Ministerpräsidenten) Princip iiffmer war:„Monarchie und Freiheit." Kongresses, der östreichischen Verbandstage und deS deutschen Gewerb schaftskongresses wird dem Vereinsvorstand überlassen.— Der Punkt »Zeit» oder Stücklohn" rief eine sehr umfangreiche Debatte hervor.—| Angenommen wurde folgende Resolution:„Als nächstliegendes Ziel unsres Vereins ist die Verkürzung der Arbeits- zeit anzustreben. Hat eine Regelung der Arbeitszeit platz- gegriffen, wird die Frage des für die Arbeiter nützlichsten Lohnsystems ihre Lösung finden, wenn die Organisation die Macht besitzt, die Ausbeutung der Arbeiter beschränken zu können. Dessenungeachtet kann, wo die Möglichkeit besteht, den Zeitlohn einzuführen. diese Forderung gestellt werden". Die beantragte Erhebung eines obligatorischen Beitrags von 6 Pf. pro Woche zur Bestreitung der Agitationskosten und zur Unterstützung andrer Gewerkschaften bei Streiks-c. wurde abgelehnt, dagegen aber beschlossen: „Jede Mitgliedschaft, in deren Rayon sich NichtMitglieder in größerer Anzahl befinden, hat alljährlich zu passender Zeit mindestens einmal eine irgendwie geartete Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder zu ent- falten. In Mitgliedschaften, die trotz Aufforderung des VercinSvorstandS dieser Anweisung nicht nachkommen, kann der Vereinsvorstand selbst ihm geeignet erscheinende Maßnahmen zur Ausbreitung des Vereins in diesen Orten treffen. Zur Agitation für den Verein in den Centren der Hut- und Filzwaren- Industrie kann der Vereinsvorstand all- jährlich je bis 300 M. Zuschüsse leisten. Die Zuschüsse können zwecks Entfaltung einer steten Agitation teilweise zur Unterstützung agita- torisch thätiger Kollegen oder auch zur Unterstützung andrer für uns agitatorisch thätiger Personen gegeben werden. Eventuell ist mit andren direkt interessierten Gewerkschaften resp. mit der General- kommission ein Abkommen dahin zu treffen, in den fraglichen Orten unabhängige Agitatoren einzusetzen." Dem VereinSvorstande wurden alljährlich 1000 M. für gewerkschaftliche Zwecke zur Verfügung gestellt.— Zur Abhaltung einer Landeskonferenz der Wollarbeiter zwecks Verständigung über die Durchführung eines Minimal-Lohutarifs werden 150 M. bewilligt und allen Mitgliedern die Unterstützung dieser Bestrebungen zur Pflicht gemacht.— DaS abgeänderte Statut tritt am 1. Oktober in Kraft.— Nach Erledigung diverser Gesuche und Beschwerden schloß der Vorsitzende die Generalversammlung nach einem kurzen Resumö der Verhandlungen und Beschlüsse mit einem Hoch auf den Verein, in das die Delegierten begeistert einstimmten. GemvvKZrfzzrftliifzes. Berlin und Umgegend. Achtung, Töpfer! ES ist in letzter Zeit öfter vorgekommen. daß einzelne Arbeitgeber den Tarif in irgend einer Weise zu um» gehen versuchten. Ebenfalls werden die Zumutungen: Kachelzeug ohne Entgelt abzuladen oder in die Etagen zu tragen, immer häufiger. Leider muß konstatiert werden, daß auch organisierte Kollegen derartigen Zumutungen nicht genügend Widerstand ent- gegensetzen. Kollegen, wir ersuchen Euch, an dem anerkannten Tarif festzuhalten und jede auf eine Kürzung desselben hinzielende Zu- mutung strikte zurückzuweisen, und vor allem derartige Fälle sofort zu melden. Es hat sich bedauerlicherweise in nnsrem Beruf eine Aenderung insofern eingestellt, daß das System der Zwischenmeister, wie wir es vor 5—10 Jahren entstehen sahen, und das dann durch den Ring der Kachelfabrikanten etwas unterdrückt wurde, wieder in vollem Schwünge ist. Kachellieferanten, Kaufleute oder sonstige Geldmänner übernehmen Bauten und suchen dann einen Strohmann, der für möglichst billige Arbeitslöhne die Arbeit auszuführen bereit ist. Auch die letzteren möchten gern ein Herren- leben führen, und in dem System liegt nicht nur die Gefahr der Tariskürzungen; oftmals müssen wir gewärtig sei», nicht einmal den verdienten Lohn zu erhalten. Auch in solchen Fällen ersuchen wir Euch, korrekt vorzugehen, und sofort die Arbeit zu ver- weigern, wo nicht der volle verdiente Lohn ausgezahlt wird.— Kollegen I Es ist notwenig, daß alle Fälle von Tarifverletznngen sofort gemeldet werden. Wir verweisen auf Versammlungsbeschlüsse. die besagen, daß auf jedem Bau ein Vertrauensmann zu ernennen ist; kommt diesem Beschluß nach, um ein Bindeglied zwischen Euch und dem Borstand resp. der Lohnkommisfion zu haben. Thnt Eure Pflicht. Der Vorstand der Filiale Berlin des Centraiverbands der Töpfer. In der Gießeret von Krone«. Co., Stallschreiberftraße. sind Differenzen mit den Formern ausgebrochen. Die Werkstatt ist bis auf weiteres gesperrt. Ortsverwaltung des Metallarbeiter«Verbands. Der Centralverein der Bureau- Angestellten(Zweigverein Berlin) hat. Zeitungsmeldungen zufolge, namens der Schreiber an die hiesigen Rechtsanwälte und Notare ein längeres Schreiben ge- richtet, welches anläßlich der Gerichtsfericn folgende näher begründete Forderungen enthält: 1. Gewährung eines Ferienurlaubs, a) für die Bureauvorsteher von mindestens drei Wochen, d) für die übrigen Angestellten, ohne Rücksicht auf die Dauer ihrer Anstellung, mindestens von vierzehn Tagen. 2. Schließung des Bureaus an Sonnabend- Nachmittagen. 3. Festsetzung folgender Arbeitszeit während der Ge- richtSferieir: Vormittags von 9—12 Uhr, nachmittags von 3—6 Uhr, pünktliches Schließen der Bureaus um 6 Uhr. Klciue Mitteilungen. Die Zahlstelle Weißensee des Holz- arbeiter-Verbands setzte eine Kommission ein, welche eine Statistik über die Verhältnisse der Heimarbeiter im Benif veran- stalten soll.— Die Rabitzputzer wählten Brier als Delegierten zur GewerlfchaftSkommisfion und H e l l w i g alS dessen Stell- Vertreter. Dentsche? Reich. Die Rache deS Fabrikanten. Ein streikender Glasarbeiter, der anderweitig in Arbeit getreten war, hat folgendes Abgangs- zeugnis von der Firma H. Heye Glasfabrik erhalten: Der I. P. war vom 1. April 1883 bis 26. Februar 1901 bei mir als GlaS- Pfleger beschäftigt. Derselbe war Mitglied der BetricbS-Kranken- lasse der Firma H. Heye Glasfabrik. P. hat sich während der Zeit gut betragen, er gab seine Arbeit auf, um sich den Streikenden, welche am 26./2. in den Ausstand traten, anzuschließen. Nienburg(Weser), den 18. Juni 1901. H. Heye Glasfabrik H. Gewccke. Auf dieses Zeugnis hin dürste der betreffende Arbeiter wohl nirgends mehr Beschäftigung finden und der Zweck der Kenn- Zeichnung ist damit erreicht. Der Crimmitschancr Spinner- und Fabrikantenverein be- absichtigt, durch einen Nachtrag zur Arbeitsordnung die Vergünstigung, welche der Z 616 deS Bürgerlichen Gesetzbuches dem Arbeiter ge- währt, auszuschließen. Der Nachtrag soll am 8. Juli in Kraft treten. Eine stark besuchte Gewerkschaftsversammlung, die am Dienstag voriger Woche stattfand, beschloß einstimmig, die Sckmälerung des Rechts der Arbeiter zurückzuweisen, zu welchem Zwecke die Arbeiter jeder Fabrik selbständig vorgehen sollen. Das ist auch am Mittwoch in fast jeder Fabrik dadurch geschehen, daß sich die Arbeiter schrift- lich gegen den Nachtrag erklärten. DaS Ergebnis dieses einmütigen Vorgehens ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden. Zur AnSsperrung der Wiesbadener Zimmerer. Die Situation ist für die Ausgesperrten günstig. Nahezu ein Viertel der Letzteren stehen bereits wieder in Arbeit bei Meistern, welche die Forderungen bewilligt haben. Mehr als ein Viertel der Aus- gesperrten sind abgereist. Erneute Verhandlungen der Parteien über die Arbeitsordnung, welche den Anlaß zur Aussperrung gegeben hat, stehen in Aussicht. In Staßfurt haben in letzter Zeit mehrere Gewerkschaften Streiks durchgefochten, die jetzt beendet find. Nachdem die Ausstände der Dachdecker und Zimmerer mit einem kleinen Erfolg der Arbeiter geendet haben, hat nunmehr auch der Streik der M a l e r zu demselben Resultat geführt. Sie haben eine Lohnerhöhung von 5 Proz. erreicht. Der Streik der Maurer ist jetzt auch durch einen Vergleich beendet worden, dessen wesentlichste Punkte sind: Für vollwertige Maurer ein Mindestlohn von 42'/? Pf. pro Stunde, für nicht vollwertige Maurer Lohn nach Uebereinkunst, in Streitfällen soll die bei jedem Meister bestehende Lohnkommisston über die Vollwertigkeit entscheiden; für Gesellen im ersten Gesellen jähr 30 Pf., für solche im zweiten Jahr 35 Pf., für solche im dritten Jahr voller Stundenlohn. Maßregelungen finden nicht statt; die abgereisten streikenden Maurer werden eingestellt, wenn sie binnen 14 Tagen zurückkehren. Die Abmachungen gelten bis 20. Juni 1902, edoch soll am 20. April 1902 über Aushebung oder Verlängerung dieses Vertrags verhandelt werden. „So weit hast Dn cS gebracht, Streikbrecher b i st Du geworden." Diese Worte hatte ein Fabrikarbeiter in Gräfenroda mährend eines Ausstands einem Streikbrecher, mit dem er vordem gut befteundet war, entgegengehalten. In diesem freundschaftlichen Vorhalt hat das Schöffengericht zu Gräfenroda ein« so schwere Be- leidigung erblickt, daß es den Arbeiter, der die Worte gebraucht, zu einer Geldstrafe von 21 M. resp. 7 Tagen Gefängnis verurteilte. Auch zwei andre Porzellanarbeiter, die in der großen Aussperrung den Streikbrechern zu nahe getreten sein sollen, wurden zu je 21 M. Geldstrafe oder 7 Tagen Hast verurteilt. Ein vierter wurde gar zu 3 Wochen und 8 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er einen Streik- brecher angestoßen und beschwipst haben soll. Er bestreitet das auf da» entschiedenste und benannte zwei Zeugen für die Richtigkeit einer Darstellung. Sie wurden jedoch als der Mitschuld verdächtig nicht vereidet. Da sage noch einer, daß die Arbeitswilligen eines besonderen gesetzlichen Schutzes bedürfen. DaS Arbeitersckretariat Altcnburg konstatiert in seinem kürzlich erschienenen Jahresbericht für 1900, daß das Institut seitens der Arbeiterschaft lebhaster als im vorhergehenden Jahre in An- spruch genommen worden ist. An 2373 Personen(im Vorjahr 2050) wurde mündliche Auskunft erteilt, während 152 Briefe an auSwärlt wohnende Auskunftsucher gingen. Die Anfragen bezogen sich auf Angelegenheiten des gelverblichen Arbeitsverhältnisses, der Arbeiter- Versicherung ec.. aber auch die Verhältnisse der Dienstboten waren in verhältnismäßig großer Zahl— 110— Gegenstand der Auskunft- erteilung. Hierüber bringt der Bericht folgende bemerkenswerte Aus- führungen: .Der übergroße Teil dieser Anskunftsuchcnden war vom Lande. während nur ein kleiner Teil auS der Stadt war. Die Differenzen zwischen Dienstherrschaft und Gesinde auf dem Lande scheine» »mmer häufiger zu iverden. Nach der Ursache forschend, sind wir zu dem Ergebnis gekommen, daß einesteils die oft recht rohe Be- Handlung, schlechte Nahrung und die ganz besonders während der Erntezeit über alle Begriffe gehenden Anforderungen an die Arbeitsleistung der Dienstboten durch Dienstherrschaften und andrenteils aber auch das erfreulicherweise immer größere und bessere Fortschritte machende Erwachen zun, Klassenbewußtsein der Dienstboten, des Gesindes, die Schuld haben... Die Thatsache, daß wir stets nach eingebrachter Ernte von dem ländlichen Gesinde am meisten in Anspruch genommen wurden, ließ in uns die Vermutung aufkommen, daß man von selten mancher Bauern bestrebt ist. das Gesinde nach gcthaner größter und schwerster Arbeit auS dem Dienste hlnausznekeln. eS durch allerhand Chicanen, ja selbst Schlagen zum Kontraktbruch zu verleiten, um auf diese Weise noch einen Teil des so überaus saner und schwer verdienten Erntelohns einbehalten zu können. Mehrfach war dann auch Bestrafung wegen KontraktbruchS das Ende vom Liebe." DaS Sekretariat hat auch über den Stand der gewerkschaftlichen Organisationen in Altcnburg Erhebungen veranstaltet. Der Bericht kommt nach Angabe der diesbezüglichen Einzelheiten zu folgenden Schlußbetrachtungen: „Trotz geschäftlichen Rückganges, der sich auch in Altenburß und zwar ganz besonders in einigen Industriezweigen recht fühlbar geltend' machte, ist die Mitgliederzahl im allgemeinen nicht nur nicht zurückgegangen, sondern hat sich vielmehr noch um ca. 259 erhöht. so daß dieselbe 3123 gegen 2864 im Borjahre beträgt. ES dürften somit»ach ungefährer Schätzung reichlich 50 Proz. der gewerblichen Arbeiterschaft Ältenburg» in den Gewerk- schaffen organisiert sein." lieber die Leiswngen der Ältenburg« Gewerkschaften sagt der Bericht: „Außer den von den Hauptkassen der Gewerkschaften gezahlten hohen Unterstützungen bei Arbeitslosigkeit, Reise- und Umzugs« Unterstützungen, Rechtsschutz usw. haben die Ältenburg« Zahlstellen noch rund 12 600 M. für Unterstützungen ausgegeben." Sociellrs. Gchnlstatistische Erhebungen über den Stand und die Eni- Wicklung deS gesamten niederen und mittleren Schulivesens im Königreich Preußen werden, wie bereits in den Jahren 1336, 1891 und 1396 geschehen, in diesem Jahre und zwar am 27. Juni vor- genomnien werden. Mit der oberen Leitung der Erhebung, Ivelche gleichzeitig an allen Orten vorgenommen wird, sowie deren Be- arbeitung ist das Königliche statistische Bureau beauftragt, welchem die Zählpapiere spätestens bis zum 15. September d. I. einzusenden sind. Vorher haben die königlichen Regierungen eine Prüfung der Zählpapiere vorzunehmen, besonders daraufhin, daß die An- gaben über die öffentlichen Volksschulen hinsichtlich � des_ Dienst- einkommenS der Lehrer genau nach Maßgabe der einschlägigen Be- stinimungen deS Lehrerbesoldnngs-GesetzeS vom 3. März 1897 er- mitte» sind. Unter die Erhebung fallen neben den allgemeinen öffentlichen Schulen auch die öffentlichen und privaten Rektorats- schulen, die öffentlichen und privaten höheren Mädchenschulen, ferner Privatschulen. Blinden«, Taubstummen- und Jdiotenanstalten, An- stalten der Fürsorge-Erziehung sowie Waisenhaus-, Rettungshaus- und SeminarübnngSschulen. Die Schaffung einer Oberschulbehörde wird von einer Kommission der Hamburger Bürgerschaft gefordert, die zur Prüfung von Senatsanträgcn auf Erlaß von Gesetzen über daS Unterrichtswesen niedergesetzt worden war. Die Behörde soll aus drei Mitgliedern des Senats und zehn von der Bürgerschaft auf je 6 Jahre gewählten Mitgliedern bestehen. Der EhrengerichtShof für Aerzte hat. wie aus Leipzig telegraphiert wird, die während des Leipziger Krankcnkassenstreiks auS Berlin zugezogenen Kassenärzte, welche vom Ehreurat des Bezirksvereins Leipzig-Stadt mit schweren DiSciplinarstrafen belegt worden waren, von der Anschuldigung, die Standesehre verletzt zu haben, einstimmig freigesprochen. Rußlands Rückzug aus der Mandschurei? Der Korrespondent der„Times" meldet aus Peking, Herr v. G i e r S, der russische Gesandte, hat an die chinesischen Be- vollmächtigten eine Erklärung abgegeben, daß Rußland sofort, wenn daS Abkonimen über die Entschädigungsansprüche von China unter- zeichnet sei, Verhandlungen mit ihnen zu pflegen wünsche über die Bedingungen, unter deucu Rußland auS der Mandschurei sich wieder zurückziehen würde. Die Bedingungen iverden jedenfalls so sein, daß Rußland dabei nicht zu kurz kommt. Alarmnachrichten. Das„Bureau Reuter' berichtet auS Tientsin: Die unter dem Rainen„Vereinigung der Landleute" bekannte Bewegung gewinnt an Ausdehnung. ES handelt sich dabei um aus- gesprochen fremdenfeindliche Bestrebungen, um Boxertum unter einem andeni Namen._ Sociale Neckzlspflege. Der Besitzer eines„Bureaus für tclegraphische Nennberichte", Herr R 0 s e n h a i n, hatte dem Radfahrer Stallbanm, der für ihn Telegramme ausfuhr, 5 M. vom Lohn cinbehalten. St. verklagte ihn beim Gewerbegericht und beanspruchte die Auszahlung des Lohnes. Der Beklagte machte zur Rechtfertigung seines Verhaltens geltend, der Kläger habe die Abnehnier seiner Rennberichte schlecht bedient, sei beim Ausfahren der Telegramme willkürlich verfahren, so daß verschiedene Ktmden abgesprungen ivären und er geschädigt sei. Durch Zurückhaltung der 5 M., die er lieber den Armen gäbe, wolle er den Kläger bestrafen.— Der Gerichtshof ver- anlaßte Herrn Rosenhain, St. die 6 M. zu zahlen und der Vorsitzende Gewerberichter Dr. Meier führte dann auS, daß Beklagter dem Kläger die 5 M. Lohn weder als Strafe vorenthalten, noch sich daran schadlos halten könne. Wolle er einen Schadenersatz- Anspruch erheben, dann müßte er das in einer besonderen Klage thnn. Uetzke Ztachvichken und Depeschen. Erfurt, 24. Juni.(W. T. B.) Heute abend kurz nach 6 Uhr brach während der Verhandlung des Schwurgerichts im Saale des hiesigen LandgerichlSgebäudeS Feuer aus und zwar dadurch, daß der Kastellan beim Anzünden der Kandelaber einer Draperie zu nahe kam. In kurzem stand die Holzdccke in Flammen. Der Saal ist völlig ausgebrannt. Weiterer Schaden ist nicht angerichtet. Dortmund, 24. Juni.(B. H.) Durch eine Explosion schlagender Wetter verbrannten auf der Zeche„Ccntrum" vier Bergleute; einer von ihnen ist tot. Wien, 24. Juni.(W. T. B.) Dem Beispiele der übrigen Großmächte folgend hat auch die ösircichisch-ungrische Regierung die Verminderung der Seestreitkräfte in Ostasien angeordnet. Die Schiffe„Kaiserin Elisabeth" und„Zeuta" treten demnächst die Heim- reise an, daS Detachemcnt in Peking wurde auf 100 Mann ver- mindert. Die Schiffe„Maria Theresia" und„Asperu" verbleiben bis auf weiteres in den chinesischen Gcivässcrn. Wien, 24. Juni.