Nr. 40. Krschelnl lägltch außer Montag». Abonnement»-Preis für verlin: vierteljährlich z.zoMt., monatlich 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg frei in'» Haus. Einzelne Nummer 8 Pfg. Sonntag»-Nummer mit illustr. Sonntags-Beilage„Neue Welt" 10 Pfg. Post-Abonnement: 8,80 Ml.pro Quartal. Unter Kreuz- band: Demjchland u. Oesterreich- Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland Z Mk.pr.Monat. Tingelr. in der Post-ZeitungS- Preisliste für lös» unter Nr.«»82. n. Zayry. ZnsertionS-Vebiihr beträgt für die sünfgespalteni Pstitzetle oder der«» Raum«0 Pfg., für Berein»- und verfammlung«- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächst- Numme« muffen bt» 4 Uhr Nachmittags in der Erpedttion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi»? Uhr Abends, an Sonn- and Festtagen bis 2 Uhr vor mittag» geöffnet. ß,r» s»r,ch-Ziufchl«!: »mt I.». 4180. Verliner Volksblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Aeuth» Straße 2. Mittwoch, den 17. Februar 1892..| Spedition: Reuth- Straße s. Der GetVeMMietzften tziteszltes JBtel. Die Arbeiter sind heutzlitage im Grunde beneidens- werthe Menschen. Schade, daß sie so wenig davon merken. Die herrschenden Parteien reißen sich gegenwärtig doch in der That in ganz anderem Sinne um den armen Mann, als noch wenige Jahrzehnte vorher. Damals handelte es sich höchstens darum, wenn es zuerst gelänge, ihm das bischen Hab und Gut und, wenn es gut ging, auch die Fetzen vom Leibe zu reißen; heut thun sie doch wenigstens schon so, als wenn all ihr edles Streben nur darauf hinausliefe, Zu sorgen, daß der Arbeiter, wenn er krank, alt oder invalide ist, einen warmen Löffel in und einen warmen Rock auf dm Leib bekäme,— vom Paradiese auf Erden, wie es die Encyklika über die Arbeiterfrage dem Arbeiter in Aussicht stellte, jener Scholle Land und jenem winzigen Häuschen am Lebensabend garnicht zu reden. Im Liebeswerben um die Gunst des armen Mannes thut es gegenwärtig die ultramontane Partei alleu anderen Zuvor. Es war nicht nur ein schüchterner Fühler, den die .Kölnische Volkszeitung* riskirte, als sie von der Roth- wendigkeit zu sprechen wagte, sich der Gewerkschaftsbewegung im Interesse der Arbeiter, aber zum Schaden der Sozial- demokratie anzunehmen. Ueberall in der Zentrumsprcsse wird in den letzten Wochen der Gewerkschaftsbewegung gehuldigt. Ueberall heißt es: die Gewerkschaften sind be- rechtigt, sie sind nützlich, sie sind nothivendig, ja sogar Unentbehrlich; wer die Gewerkschaften auf seiner Seite hat, dem winkt die Palme des Sieges im sozialpolitischen Konkurrenzkampfe der Parteien. Und in der That haben es sich die Zentrumsführer jetzt fest vorgenommen, der Sozialdemokratie im eigenen Lager den Kampf anzubieten und die Gewerkschaftsbewegung in christlich- konservative Bahn zu lenken. Die großen Leitartikel, welche sich mit der Vorarbeit dazu befassen, enthalten so manches Beachtenswerthe und Interessante. Daß darin behauptet wird, die Sozial- demokratie v e r g i f te die Gewerkschaftsbewegung, entfremde sie ihrem eigentlichen Ziele, mache sie dem eigenen Parteiinteresse dienstbar u. f. w., ist nicht von Belang. Schon etwas mehr Beachtung verdient die Behauptung, Bebel habe es in Brüssel ausgesprochen, die Wunden am Gesellschaftskörper müsse die Sozialdemo- kratie noch mehr aufzureißen bemüht sein, weil das den Unfrieden der großen Masse mehre und die soziale Re- volution fördere. Ebenso seien auch der Sozialdemokratie die Gewerkschaften nicht genehm,„sofern.sie die Lage der arbeitenden Klaffen verbessern". Was solche geflissentliche Entstellung der sozialdemokratischen Bestrebungen aus sich hat, wird sich weiter unten ganz von selbst ergeben. Ultramontane Sozialpolitiker stellen die Frage: Welches ist da»' wahre und berechtigte Ziel der Arbeiterbewegung überhaupt und der Gewerkschaftsbewegung insbesondere? Die heutzutage für angezeigt erachtete Antwort, die wir in Feuilleton. »iochsrua v»rb»l«».I [40 Am Webstuhl der Zeit. Zeitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto W alster. Die Schweiz z. B. hatte noch nie ein Kriegsschiff, es sei denn vielleicht auf dem Boden- oder Bierwaldstätter See, aber chre Uhren und der Schweizerkäse gingen trotzdem über die See und wurden überall bezahlt. Oder sollen wir vielleicht die Flotte Zum Schutze unserer Küsten halten? Ich muß erklären, daß 'ch sowohl für meine Person mit allen Seemächten in Frieden Z" leben gedenke, als ich es bei Ihnen voraussetze. Wenn die Negierungen aber einen Seekrieg wollen, so werden sie schon selber für eine Flotte Sorge tragen, dazu brauchen vür wahrhaftig keine Fortschrittsmänner, und ich weiß Wirklich nicht, wozu der Herr Sekretär Lutz und der Herr Dr. Raffmaus, welcher neulich einen so begeisterten Toast °uf unsere Marine vom Stapel ließ, so dringend nöthig eine motte brauchen." ,. Sowohl die lauteste Heiterkeit der Versammlung, als vle Glocke des Vorsitzenden unterbrachen jetzt den Redner. »Ich muß," bemerkte der Vorsitzende nach eingetretener '-»den Herrn Redner doch bitten, die Persönlichkeiten �ußerm Spiele zu lassen."— q,»Ausreden lassen, ausreden lassen," rief es überall, und �affmaus mußte sich, von einem höhnischen Blicke des Dr. Benjamin verfolgt, zurückziehen.— der Zentrumspreffe finden, lautet:„ES ist nicht nur die Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen, daS ist nur ein Theil der heutigen Arbeiterfrage, wenn auch nur der nächste und dringendste. Das eigentliche Ziel der heutigen Arbeiterfrage ist die Befreiung der arbeitenden Klassen, des vierten Standes, von wirthschaftlicher Bedrückung, die selbst- ständige Organisation des Arbeiter st a n d e s als einheit- lichen, gleichberechtigten Gliedes der menschlichen Gesell- schaft, gleichberechtigt nicht blos dem Namen nach politisch und gesetzlich, sondern in der That und Wirklichkeit. Die politische und gesetzliche Gleich- berechtigung brauchen die Arbeiter nicht erst zu erringen, sie steht längst auf dem Papier in den Verfassungen aller europäischen Staaten. Aber die thatsächliche Gleichbcrechti- gung fehlt, weil eben kein Arbeiterstand mehr vorhanden ist, sondern nur Arbeitermassen. In den Gewerkschaslen schickt sich nun die Arbeiterklasse an, sich wieder als Stand zu organisiren." An anderer Stelle in der ultramontanen Presse wird behauptet, daß die Sozialdemokratie einen ökonomisch starken Arbeiterstand absolut nicht gebrauchenkönne, gehe nicht allein aus den Reden der Führer bei den Kongressen und Versammlungen hervor, sondern auch aus dem, was im vorigen Jahre in der sozialdemokratischen Revue, der„Neuen Zeit", dargelegt worden sei. Da hätte es folgendermaßen gelautet:„Man vergesse nicht, daß wir stetstzvon einer Hebung der Arbeiter- klaffe sprechen. Die Verbesserung der Lage einzelner Individuen oder Schichten innerhalb der Arbeiter- klaffe auf deren Kosten, wodurch diese gespalten und ge- schwächt wird, bedeutet allerdings keine Förderung, sondern ein H e m m n i ß für das vorwärtsdrängende Proletariat. Produktivgenossenschaften, selbst Gewerkschaften können ein solches werden, wenn sie nicht unter dem Einflüsse einer starken Bewegung der gesanimten Arbeiterklasse, d. h. einer selbständigen politischen Arbeiterbewegung stehen. Dagegen kann eine Arbeiterschutz-Gesetzgebung, die der ge- sammten Arbeiterschaft zu gute kommt, eine solche Wirkuilg nicht haben." Daß die ultramontane Presse an einer derjenigen Stellen, an welcher sie ihren Standpunkt gegenüber der Gewerk- schaftsbewegung im Gegensatze zum sozialdemokratischen darlegen will, die hier wiedergegebenen Ausführungen der „Neuen Zeit" zitirt, ist in der That in höherem Grade, als sie selbst es 1 gewünscht haben mag, charakteristisch für die Sozialdemokratie und für die ultramontane Partei selbst, sowie für das Interesse, das wir sowohl als sie an der Gewerkschaftsbewegung nehmen. Vollkommen zutreffend betont die„Neue Zeit", daß die Sozialdemokratie nur die Interessen der gesammten Arbeiterschaft zu fördern beabsichtige und daß sie jede Förderung einzelner Individuen oder Schichten innerhalb der Arbeiterklasse auf Kosten der Gesammtheit als Hemmniß für das vorwärtsdrängende Proletariat be- trachten und bekämpfen müsse. Die Sozialdemokratie will die tausendfach zersplitterte Arbeiterklasse zu einem einzigen Ganzen einen, damit diese gewaltige Macht den Emanzipations- „Sehen Sie England an, das Land mit dem größten Nationalreichthum, den meisten Millionären und der größten Kriegsflotte. Lebt dort der Arbeiter weniger in Roth und Dürftigkeit, in Kummer und Elend? Hat England nicht den Welthandel? Kann aber, sagen Sie mir, diese Groß- macht zu Wasser und zu Lande seine Armen vor dem Hunger schützen? Nein, meine Herren, mit solchem Flotten- kram soll man uns wenigstens nicht in Volks- Versammlungen kommen, und wer uns mit der nationalen Flotte beglücken will, den lassen wir ganz einfach schwimmen." Laute Ausbrüche der Heiterkeit unterbrachen den Redner abennals, der, ohne eine Miene zu verziehen, rüstig fortfuhr i. „Was nun die hübschen Geschenke des Herrn Dr. Ben- jamin betrifft, so würden sie uns sehr angenehm sein, wenn wir nur erst in der Lage wären, sie gebrauchen zu können. Ihn hörte ich in sehr beredten Worten die Zivilehe als eine große Errungenschaft feiern. So lange die Arbeiter noch nicht im Stande sind, eine Familie ordentlich zu er- nähren, so lange ist ihnen die kirchliche Ehe nicht viel un- angenehmer, als die Zivilehe. Das Vereinsrecht bedarf allerdings einer größeren Freiheit, doch vermißte ich bei terrn Dr. Benjamin noch immer das Wort freies oalitionsrecht für Arbeiter zur gemeinschaftlichen Be- schließung und Ausführung aller derjenigen Schritte, welche nöthig erscheinen, um ihre drückende Lage zu verbessern. Äluch mit Erweiterung unseres über alle Maßen beschränkten Wahlgesetzes hat Herr Dr. Benjamin sich auf einen äußerst zahmen Standpunkt gestellt, da er, wenn er überhaupt einen richtizen Sinn für Recht und Billigkeit im Staatsleben besitzt, nur ein Wahlrecht an- kampf, den politischen sowohl alS den ökonomischen, der gesammten unterdrückten Menschheit— der ungeheuren Volksmehrheiten— sieghaft bestehen könne. Der ultramontanen Partei kann das nicht in den Kram passen—- ebenso wenig, vielleicht noch weniger, als irgend einer anderen der herrschenden Parteien. Sie will im Roth- fall alles— nur das nicht. Sie könnte sich dazu verstehen, die Gewerkschaften zu fördern und die Arbeiter als Stand zu organisiren. Sie will, wenn es nicht anders geht, sogar ein modernes Arbeits- und Arbeiterrecht schaffen. Sie will sogar den Arbeiterstand als solchen befähigen,� die Kon« kurrenz zu regeln. Und wenn es durchaus nicht anders sein kann, so will sie dafür sorgen helfen, daß der Stand der Arbeiter im Kampfe ums Dasein seine wirthschaftliche Freiheit und Selbstbestimmung zu behaupten vermag. Sie wirst sich in die Brust und rühmt: Ein großes Ziel fürwahr, aber auch ein berechtigtes und erreichbares. Sie will also die Arbeiter organisirt sehen als Stand neben anderen Ständen, neben und unter dem Stand der Offiziere, der Geistlichen, der Handel treibenden und Fabriken be- sitzenden Bürger. Ihr großes Ziel für die Gewerkschafts- bewegung unserer Tage läuft auf dasselbe hinaus, was die alten Egypter vor drei- und viertausend Jahren schon besaßen, — eine ständische Volksgliederung und Volkszersplitterung, deren einzelne Bestandtheile kastenartig gesondert einander gegenüberstehen. Einer dem Andern fremd, womöglich feind- lich, damit die Reibung dieser mit feindlichen Interessen ausgestatteten Kasten das Streben der gesammten Menschheit konsumire und paralystre, damit es von der Menschheit heißen möge in Ewigkeit: Sie dreht sich rechts, sie dreht sich links, der Zopf, er hängt ihr hinten. Wir danken dafür und werden der Arbeiterklasse andere Wege weisen. Die Arbeiterklasse wird sich immer mehr zu- sammenballen, aber nicht, um für alle Ewigkeit sich zu einem Haudarbeiter-Stande zurück zu entwickeln und zu ver- knöchern, sondern um Hand in Hand mit der Wissenschaft den Fluch alles dessen, was geistlödtend ist an der Arbeit, ebenso zu überwinden, wie die politische Knechtung und die ökonomische Ausbeutung in jeder Form, und die Hand- arbeit zur Kulturarbeit zu erhöhen, sie zum höchsten Prinzip und Angelpunkt allen menschlichen Strebens, Lebens und Genießeus zu erheben. Arbeiterschntz und Wortfalsch- münzerei. Wohl mit keinem Worte ist mehr Mißbrauch getrieben worden, als mit dem Worte: Arbeiterschutz. Wir haben in Deutschland ein sogenanntes Arbeiterschutz-Gesetz, welches jedoch seinem wesentlichen Inhalte nach nicht ein Gesetz zum„Schutz" der Arbeiter gegen Uebergriffe der Unternehmer und gegen Ge- fahren für Leben und Gesundheit ist, sondern umgekehrt ein erkennen und vertheidigen kann, ich meine das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht mit geheimer Abstimmung! Das Einstehen für dieses Recht kann das Volk keinem seiner Vertreter erlassen."— Das Verlangen nach dem allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrecht war aber ein so allgemeines ge- worden, daß diese Stelle ein nicht enden wollendes Bravo hervorrief. „Was nun die Preßfreiheit anbelangt, so weiß ich wirklich nicht, ob ich das Bestreben des Herrn Dr. Ben- jamin, uns dafür zu interessiren, nicht mit dem Bestreben eines Hausbesitzers vergleichen könnte, der uns veranlassen will, mitzuwirken, damit er die Erlaubniß bekommt, in seinem Garten Leuchtkugeln, Schwärmer und Raketen los- zubrennen, wobei uns die Feuerfunken in die Vorhänge und die Stäbe in die Fensterscheiben fliegen, während uns dieses Recht verkümmert bleibt. Denn seitdem unsere Bouraeoispresse auS einer reinen leuchtenden Weihekerze sich Fackel verwandelt hat und als Magd des Geldsackes den Arbeitern und ihren Bestrebungen ins Gesicht schlägt, während die Arbeiterpresse bei jeder mißliebigen Bemerkung über Mißbräuche und Willkürhandlungen von den Behörden aufs Erbittertste verfolgt und aufs Schärfste verurtheilt wird, kann uns eine scheinbare Freiheit der Presse nichts nützen. Nun ist hier in erster Reihe die größere Selbständigkeit der Gemeinden gegenüber der«staatlichen Bevormundungssucht aufs Tapet gebracht worden. Dagegen würde ich prinzipiell nicht viel einzuwenden haben. Wie aber steht es in Wirk- lichkeit? In Wirklichkeit ist das städtische Verfassungswesen noch schlechter, als das staatliche; m die städtischen An- gelegenheiten hat der Arbeiter noch weniger Gelegenheit ein- Gefetz, welches die Unternehmer gegen die EmnnzipationS- bestrebungrn der Arbeiter schützt. Man hat deshalb auch von diesem wunderbaren Arbeiterschutz-Gesetz behauptet, es müsse richtiger: Unternehmerschutz-Gesetz heißen. Einen anderen Arbeiterschutz hat der Abgeordnete».Hell- darf entdeckt. Er will zwar kein Sozialistengesetz, meint aber, man müsse die Arbeiter gegen die Sozialdemokratie schützen. Das neue Ausnahmegesetz, welches Herr v. Helldorff nebst Freunden plant, würde also ein politisches Arbeiterschutz- Gesetz sein— oder noch einfacher: ein neuer Paragraph des vorhandene» Arbeiterschutz-Gesetzes— oder eine Novelle zu dem- selben. Diese Leistung des Herrn v. Helldorff ist ein neuer Be- weis für die Virtuosität, zu der es"die politische Heuchelei am Ende des 19. Jahrhunderts gebracht hat. Die Kunst der Wort- salschmünzerei ist freilich schon ziemlich alt. Wozu hat z. B. nicht schon Alles das schöne Wort„Freiheit" herhalten müssen! Von dem fabelhaften Ausspruch der Madame Roland ganz abgesehen, hat in der Aera des Kapitalismus die Freiheit den häßlichsten Auswüchsen der Konkurrenz und Profit- wuth als Deckmantel zu dienen gehabt. Im Namen der Freiheit wurde den Arbeitern: Männern, Frauen, Kindern, das Mark ausgepreßt, und jeder Versuch, diesen gräu- lichen Menschenopfern der Industrie ein Ziel zu setzen. voll sittlicher Entrüstung zurückgewiesen. Im Namen der Freiheit wurde die Mission des Staats, den Schwachen gegen den Starken zu schützen, bekämpft, verhöhnt und verurtheilt. Und hören wir nicht jetzt noch fortwährend, wie die Hohepriester des Königs Mammon, wenn immer irgend eine dem Arbeiter auch nur den geringsten Nutzen versprechende Maßregel vor- geschlagen wird, im Nainen der Freiheit feierlichen Prolest er- heben? In ähnlichem Geist trat Bismarck für die Freiheit der Wahl und des Wählers ein. Der Wähler darf von keiner Partei beeinflußt werden— sonst ist sein Votum nicht frxi. Der Staat, welcher parteilos ist, hat ihn gegen jede Partei- beeinflussung zu schützen— und der zwischen zwe, Gendarmen vom Landrath zur Wahlurne geführte Wähler ist das Ideal des „freien" Wählers k la Bismarck. Und beeinträchtigt der„Agitator" nicht die„Freiheit des Arbeiters"? Wie oft haben wir diese Argumentation schon gehört, die sich sogar in die deutschen Gerichtshöfe verirrt hat! „Freiheit der Arbeiterbewegung" heißt nach dieser Logik Knebe- lung aller„Agitatoren", d. h. aller für das Recht der Arbeiter eintretenden Menschen. Ei» neues, erweitertes So- ziali st engesetz— als Thcil des Arbeiterschutz-Gesetzes— wäre die beste Garantie für die Freiheit der Arbeiter. Und das ist ja auch der Gedanke des Herrn von Helldorff. Große Geister begegnen sich: und so lesen wir im Londoner „Trade Unionist"(Gewerkschafter) vom letzten Sonntag, daß die Direktoren der englischen Great Easter» Railway Company (Eisenbahn- Gesellschaft)„zum Schutz ihrer Beamten gegen Agitatoren" zwar noch nicht ein Sozialistengesetz erwirkt, aber doch 30000 Pfund Sterling(000 000 Mark) ausgesetzt haben für den Bau von— Arbeiterwohnungen! Daß die englischen Herrn Kollegen den wahren Zweck des angeblich philanthropischen Arbeiterwohnuugsplans so zynisch ausgeplaudert haben, das werden ihnen unsere deutschen Arbeiter- freunde nicht Dank wissen. Aus dem Reichstage. 16. Februar. Zur Diskussion über die Soldaten mißHand- I u n g e n nahm heute als erster Redner im Reichstage Herr von Manteufsel das Wort. Was er sagte, blieb dem größten Theile des Hauses und speziell aus den Bänken der Linken ganz unverständlich, nur hier und da merkte man an dem laut werdenden Gegröhle der Landräthe, daß dem Junker Manteuffel eine besonders saftige Redewendung gegen die Linke von den dicken Lippen geflossen sein müsse. Nach Manteuffel kam Richter an die Reihe. Er scheint noch unter den Nachwirkungen der eben überstandenen Influenza zu leiden. Es fehlte dem Redner die sonst an ihm gerade bei solchen Gelegenheiten gewohnte Verve. Wüßten wir nicht, daß gerade Herr Richter für Lob vom Bundesrathstisch ans ausgesprochen ungemein empfänglich ist, so würden wir als einen Beweis dafür, daß der Führer der Freisinnigen nicht so gesprochen hat, wie es da und dort wohl erwartet wurde, den Umstand anführen, daß er sich deS Lobes seitens des Herrn von Caprivi schuldig gemacht hat. Vom Bundesrathstisch aus gelöbt zu werden zugreifen, als in die staatlichen, siin Stadtregiment sitzt der Geldprotz neben dem hilfsbereiten Advokaten und dem liebe- dienerischen Beamten, und die städtische Polizei war dem Arbeiter gegenüber meist brutaler, als die Staatspolizei. Die Herreu mögen vor allen Dingen dafür sorgen, daß auch dem Arbeiter Theilnahme am städtischen Regimente gesichert ist, dann erst läßt sich mit Vernunft über eine Grenz- regulirung zwischen Staats- und Stadt-Machtbefugnisse reden. Im Allgemeinen habe ich nur zu sagen: Weg mit den Nipp- fachen für große und kleine Kinder! wir wollen bürgerliche Gleichberechtigung für alle Staatsangehörigen, denn wir haben ein Recht, dieselbe zn fordern. Wir fordern infolge dessen das Recht der Theilnahme auch der Besitzlosen und Ent- erbten am Gesetzgebungswcrke, damit die Besitzenden in ihrer verschwindenden Minderheit uns nicht Gesetze vorschreiben, die ihnen belieben; wir verlangen das Recht des Arbeiters auf die Früchte der Arbeit, damit er nicht in alle Ewigkeit fortlebt, um eine Anzahl Schmarotzerpflanzen auf Erden zn erhalten. Wir verlangen Antheil an dem Genüsse aller Erdengüter, soweit sie in hinreichender Menge vorhanden sind, Antheil vor allen Dingen an dem Genüsse aller geistigen Güter, weil diese durch den Genuß nicht ver- mindert werden können. Wer uns das bietet, wer den Grundsatz: Gerechtigkeit für Alle! auf sein Banner schreibt und entschlossen ist, ihn mit allen Mitteln durchzuführen, der ist unser Mann, den wollen wir wählen." Unter einemHurrah, welches die Fensterscheiben des Saales erbeben machte, stieg Frank die Stufen wieder hinunter und ver- fehlte nicht, Herrn Muffelich im Vorbeigehen einen freund- lichen„guten Abend" zu wünschen. Sein Durchgang durch die Volksmenge nach seinem früheren Standorte glich einer Triumphreise, deun allenthalben streckten sich ihm nervige Hände entgegen, welche die seinen zu drücken ver- langten. „Meine Herren," begann jetzt Raffmaus, nachdem die Ruhe einigermaßen wieder hergestellt war,„ich muß die un- dankbare Aufgabe über mich nehmen, Sie an Mäßigung zu mahnen. Für Diejenigen, welche noch viel zu be- fehren haben, klingen solche Worte, wie die eben gehörten, ehr angenehm, ober Sie muffen im Auge behalten, daß das hat für die Opposition immer sein Bedenkliches, besonder? in der Angelegenheit der Soldatenmißhandlungen aber kann auf dieses Lob leichten Herzens verzichtet werden. Der nach Richter zu Worte kommende Abgeordnete Haußmann von der Volkspartei schlug auch wieder Saiten an, welche die Caprivische Zensur viel ungünstiger gestalteten. Dieser Abgeordnete brachte eine Anzahl akten- mäßig festgestellter Soldatenmißhandlungen zur Sprache, welche besonders auch auf das jetzt übliche Militär-Prozeß- wesen recht interessante Streiflichter warf. In einem Falle, in welchem ein Ersatzreservist innerhalb sechs Wochen von seinem Unteroffizier durch fortgesetzte Drangsalirungen und Mißhandlungen bis zum unheilbaren Wahnsinn getrieben wurde, war es erst möglich, den wirklichen Thatbestand fest- zustellen, als die Zeugen aus der Kaserne heraus waren und vor dem Zivilrichter vernommen werden konnten. An einem anderen Falle zeigte Redner, daß ein der Mißhandlung durch Gerichtsbeschluß übersührter Offizier nach wie vor seine Charge bekleidete. Tie von ihm vorgeführten Fälle waren so kraß und warfen besonders aus das Beschwerdewesen und die Recht- sprechung in den Kasernen ein so grelles Licht, daß gar mancher Bundesraths-Vcrtreter, als Haußmann erklärte, mit der Vorführung einzelner Fälle schließen zu wollen, wohl gedacht haben mag:„Gott sei Dan!!" Unglaublich mager war das, was der militärische Bevollmächtigte Württembergs und nach ihm Gras von Caprivi auf die Angaben Haußmann's vorzubringen hatten. Einer der gröbsten Fälle war dem Vertreter Württembergs nicht bekannt, und über die anderen setzte er sich mit der Wendung hinweg, daß ja Untersuchung und Strafe erfolgt sei. Wie erfolgt? Das steht freilich auf einem anderen Blatte. Noch seltsamer war die Antwort des Kanzlers. Nach ihm hat jeder Redner, welcher Miß- stände vorbringt, nur das Bestreben, Mißtrauen in der Armee und gegen sie zu verbreiten.— Das ist auch ein Standpunkt, aber reden oder schreiben darüber läßt sich nicht. Das Parlament ist eben keine Kaserne, wo jede Kritik, jeder Tadel verpönt ist, und wo Schweigen und blinder Gehorsam die höchsten Gesetze sind. Es mag ja Menschen geben, welche auf den Abgeordneten- sitzen lieber Unteroffiziere als selbständige ihren Wählern verantwortliche Männer sitzen sähen. Jedoch solche möglicherweise vorhandene Privatwünsche interessiren uns hier nicht weiter. Im übrigen scheint ja das Zentrum den Kitzel zu verspüren, diese Unteroffiziersrolle zu übernehmen. Wenigstens darf man dies aus der Rede, die der Ab- geordnete Gröber heute hielt, schließen, welche sich den berüchtigtsten Leistungen nationalliberaler„Mannesscelen" aus der Zeit, als diese Partei„Fraktion Drehscheibe" spielte, an die Seite stellte. Herr Gröber erklärte, seine Partei wolle„praktische Politik" treiben. Ungefähr dieselbe Redewendung, welche die Bennigsen und Konsorten immer im Munde führten, wenn sie im Begriffe waren, ein weiteres Stück Volksrccht preiszugeben. Jetzt drängen sich die Herren vom Zentrum heran,„praktische" Politik zu treiben; daß ihnen der gleiche Erfolg wie den Nationalliberalen sicher ist, wird den Herren nur zu bald klar werden. Unter den Zeutrumswählern befinden sich viele demokratische Elemente, und diesen wird die Art, wie die Ultramontanen mit dem schönen Wahlspruch:„Wahrheit, Freiheit und Recht" umspringen, bald zum Ekel werden. Nach Gröber's Eiertanz wurde die Sitzung vertagt. Gute nur laugsam reift, daß die Zivilisation nur einen Schritt nach dem andern vorwärts thut, daß eine Ueber- stürzung immer einen Rückschlag nach sich zieht. Nehmen Sie zum Beispiel das allgemeine, gleiche und direkte Wahl- recht. Vom Standpunkte der Billigkeit allein aus betrachtet, ist gar nichts dagegen einzuwenden, wenn auch die Be- sitzenden, bei denen mehr in Frage kommt, als bei solchen, die nichts haben und somit auch nichts verlieren können, einen größeren Einfluß beanspruchen dürfen; aber bedenken Sie auch, meine Herren, welche große Unwissenheit, welche geistige Unreife noch bei den meisten Arbeitern herrscht!! Unerfahren und unwissend, wie sie sind, würden sie den schlauen Jntriguen der Reaktion in die Hände fallen und mitarbeiten an der Niederreißnng aller erkämpften freiheitlichen Einrichtungen. Dieses einzige Beispiel, meine Herren, wird Sie belehren, wie gefährlich es sein kann, wenn Sie blindlings den äußersten Extremen nachjagen und Rednern zujauchzen, die ohne Rücksicht darauf, wie sich die Sachen dann im wirklichen Leben gestalten können, Ihnen goldene Berge vormalen. Ich habe nunmehr Herrn Barth das Wort zn ertheilen." Der Buchdrucker war bereits an den Stufen der Redner- bühne augelangt und schritt nunmehr bedächtig hinauf. „Machen Sie's kurz, junger Freund," rief ihm Raff« maus zu, indem er ob der nur schwachen und ver- einzelten B ravos, die seiner Rede gefolgt waren, etwas miß- muthig, dem Ankömmling auf die Schulter klopfte. Barth nahm nur wenig Notiz von dieser Begrüßung und trat mit festem Schritt vor die Versammlung. „Es war ursprünglich meine Absicht," meinte er,„länger zn Ihnen zu sprechen, al» ich es jetzt, nach den ziemlich er- schöpfenden und scharf zusammengefaßten Worten des Herrn Frank für nöthig halte. Doch führt mich Herr Dr. Raff- maus auf einen Punkt, der mir vor allen Dingen wichtig erscheint, nämlich aus das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht. Es ist selffam, daß Ran uns ein Recht streitig machen will, welches'ein so natürliches, daß man es schon bei einigen Kultucvölkern vor Jahrtausenden für das richtige gehalten und angewendet hat. lF,rtsetzung folgt.) Volikisihc TteberNckkt Berlin, den 16. Februar. Drückeberger. Mit vielem JJleiß und heißem Bt> mühen regen sich die verschiedenen Gruppen der Besitzenden, die Steuerlast so bequem und leicht wie nur möglich für sich zu machen. Unsere preußische Bourgeoisie leidet an „Einschätzungsschmerzen", und im preußischen Landtag» machten sich die Rickert, Enneccerus, von Buch, die Ltnke, wie die Rechte, zu beredten Dolmetschern der großbürger- lichen Leiden. Die Fortschrittler beklagten sich darüber, daß den Märtyrerinnen der Erwerbsthätigkeit, den Aktiengesell« schasten, die Nichtabsetzung der Unfallversicherung gar so lästig sei, die Junker erklärten, von dem kleinen Landwirth — gemeint sind Grundbesitzer mit über dreitausend Mark Jahreseinkommen— sei es zu viel verlangt, seine haaren Ausgaben und Einnahmen einfach aufzuschreiben. Von dem Steuerbetrag recht viel abzwacken, die Steuerpflicht mit möglichst viel Virtuosität„korrigircn", sich drücken und dce kleinen Leute bluten lassen, das ist das Leitmotiv der kapitalistischen Klagen und Wünsche. Und Herr Miquel, welchem die vierprozentige Besteuerung der Millionärs- Einkommen zu hoch erschien, ist ein Gemüthsmensch, der ein Herz hat für das Volk— in Seidenhut und Glacee- Handschuhen.— Landtägliches. In der Volksschulgesetz- Kommission ist der konfessionelle Charakter der Voksschule allgemein zu- gestanden. Nur um die Möglichkeit vereinzelter Simultan- schulen wird noch gestritten.— Ans Schinden gewöhnt.„Die Aale sind dran ge- wöhnt, daß ihnen die Haut bei lebendigem Leib abgezogen wird", meinte das Dienstmädchen, dem die thierfreundlcche Herrin ob dieser Praxis Vorwürfe machte. Die jetzigen Reichstags-Verhandlungen über Soldatenschindereien bieten das sonderbare Schauspiel, daß nur Jmchtpreußische Abgeordnete von Mißhandlungen zu berichten wissen. In Preußen kommen diese Dinge aber notorisch ebensogut vor wie in den übrigen deutschen Vaterländern. Und seit viel längerer Zeit. Es scheint den Preußen zu ergehen wie den Aalen des Dienstmädchens— sie sind dran gewöhnt.— Er selbst hat's gesagt. Keine„bestellte Arbeit", so erklärt die„Post" war der Husarenritt des Herrn von Stumm gegen die Sozialdemokratte.„Unseren Lesern", erklärt sie, nnläugbar inspirirt,„ist bekannt, daß Herr von Stumm stets denselben Standpunkt vertreten und auch seiner Zeit im Staatsrathe aus seiner sich mit den damals an aller- höchster Stelle herrschenden Intentionen nicht deckenden Meinung kein Hehl gemacht hat.... Gegenüber den Sozialdemokraten war bei den anderen Parteien und auch bei den Vertretern der Regierung eine über- trieben« Rücksicht, wir möchten beinahe sagen, Leisetretern üblich geworden; sie wurden in der letzten Zeit wie eine berechtigte politische Partei anerkannt und behandelt, während es sich um Revoluttonäre und theilweise um Anarchisten handelt, welche die Fundamente des Staates und der Gesellschaft umstürzen wollen. Herrn v. Stumm'» Rede, die einen anderen Ton in die Debatte brachte, wirkte unter diesen Umständen wie eine befreiende That." Der Ukas des Königs Stumm rüffelt Bourgeoisie und Minister mit gleicher Schärfe. Daß Herr Kayßler auch die Geschäft; der Nebenregierung von Neunkirchen besorgt, ist ein Beleg für seinen freilich niemals zweifelhaften Unternehmungsgeist. Im Uebrigen ist diese Kundgebung in ihrer brutalen Un- verfrorenhcit symptomatisch. Uns schreckt sie nicht. Wer aber soll das Gruseln lernen? Nur ein Deutscher. Man erinnert sich des Spek- takels, der wochenlang um einen aus Bulgarien aus- gewiesenen Journalisten gemacht wurde. Es gab diplo- matische Verhandlungen und die bulgarische Regierung mußte schließlich Abbitte thun. Der Ausgewiesene war ein Franzose. Jetzt hat sich, wie wir bereits gemeldet, derselbe Vorgang wiederholt. Nnr in Serbien statt in Bulgarien. Ein mißliebiger Journalist ist ssns faijon zum Lande hinausgejagt worden. Es wird aber kein Spektakel ge- niacht— und keine diplomatische Staatsaktion. Der Mann ist ja nnr ein Deutscher. Und der civis Gennanua— der deutsche Bürger, dem überall im Ausland dieselbe Achtung gezollt wird, wie weiland dem civis Romanus— dem Bürger des römischen Weltreiches— gehört trotz aller chauvinistischen Prahlhäuserei vorläufig noch der Mythe an.— B aare in Untersuchung. Herr Baare hat mit seinein heldenhaften Gesuche an den Justizminister offene'Thüren eingerannt. Die Wiederaufnahme der Voruntersuchung gegen Baare ist nach einer Mittheilung des Oberstaatsanwalts in Hamm an Fusangel am 13. Februar schon beschlossen worden.— Sie niachen mobil. Der frühere Wortführer der Polen, der zum Erzbischof von Gnesen ernannte Or. v. Stableivski, hat ein Hittenschreibcn erlassen, in welchem er auch auf die Sozialdemokratie aufmerksam macht und seine Untergebenen dazu auffordert, Jugend-, Handwerker-, Meister- und Gesellenvereine, kaufmännische Vereine, Mäßigkeitsvereine u. s. w. zu gründen. Alle Schattirnngen der bürgerlichen Klassen, alle kirchlichen Organisationen, mögen sie sonst auch noch so heftig sich befehden, stehen z»- sammm gegen das Proletariat. Daß mit dem Stablewski- schen Rezept der Fortschritt der Arbeiterbewegung nicht auf gehalten wird, dafür bürgt die geschichtliche Entwickelung. Isinis Poloniae, das Ende Polens, heißt es hier. Mit der kapitalistischen Weisheit, der laienhaften und der kirchlichen, ist es ein für allemal vorbei.— Gleiches Mast. In dem ReichstagSberichte der „Kreuz- Zeitung" von heute Morgen nimmt die Rede Caprivi's drei und eine halbe Spalte ein, die Bebel's kaum eine einzige. Nach dem Inhalte beider Reden hätte daS Verhältniß mindestens das umgekehrte sein müssen.—(Nach' träglich sehen wir, daß die liberalen Blätter es nicht besser machten, als die„Kreuz-Zeitung".)— Dalldörfliches. Die Hauptmasse der Juo-nyetzer bei Ausschlachtung des sog. Tantener Knabenmordes besteht»n der wirklichen oder augeblichen Thatsache, daß die Hals' wunde des ermordeten Knaben in ähnlicher Weise beigebracht scheint, wie es beim jüdischen„Schächten" des Schlachtviehes zu geschehen pflegt. Zugegeben, das sei richtig— was m denn damit bewiesen f Es ist ein Verdachtsmoment, nichts weiter— und wenn wirklich ein des.Schächtens" Kundiger 0 " " bie That verübt hat, so hat das mit„ Jubenthum" genau| Feldzuge gegen den Boltsschul- Gesezentwurf theilnehmen, volterung dezimiren; bie biebischen Beamten aber haben ein so viel zu schaffen, als der Umstand, daß manche nicht- o ist die Harmlosigkeit und Nichtigkeit des ganzen Unter- goldene Zeit. Bis zur nächsten Ernte müssen nach mäßige jüdische Schlächter, die zu Wiördern wurden, die Todes- nehmens für den Kundigen von vornherein offenbar. Mit Berechnung noch sechshundert Millionen an Unterſtüßun wunden nach Art der Schlächter verfeßten, mit Christenthum lärmendem Eifer wird die Eingabe der ordentlichen Pro- aus öffentlichen Mitteln gezahlt werden. Doch woher nehmer zu thun hat. fessoren der Berliner Universität als eine Urkunde der und nicht stehlen? Und erst: woher nehmen, wo Alle Ueberzeugungstreue und des Mannesmuthes von den libes stiehlt? Rein Gelb in den Staatstafsentein Kredit. Der Berhängnißvolle Anerkennung. Welche Rolle der ralen Blättern gepriesen. Von 81 Ordinarien haben 69 Bankrott ist so offenbar, daß er gar nicht erst verkündet zw Abgeordnete Schneider Hamm, einer der Richter des unterzeichnet, und zu den Unterzeichnern gehören waschechte werden braucht. Und mehr und mehr bringt in die Massen Bochumer Steuerhinterziehungs- Prozesses, in der Baare- Reaktionäre, wie die gewerbsmäßigen Sozialistentödter von die Erkenntniß, daß das elende System an diesem Elend Debatte vom 13. Februar gespielt hat, ist fattfam bekannt. Treitschfe und Gustav Schmoller. Daß diese Hüter der schuld ist. An dieser Erkenntniß muß der Zarismus zu Es ist nicht gerade schmeichelhaft für ihn, daß gerade das Freiheit der Wissenschaft" vor dem Wink und Billen der Grunde gehen. Frren würde jedoch, wer glaubt, der theinische Rapitalistenblatt, welches gewerbsmäßig die Ge- Regierung auch da Stand hielten, wo etwas anderes auf Barismus habe von dieser furchtbaren Lektion gelernt. Er schäfte der Schienen uod Rohlenritter besorgt, die Kölnische dem Spiele steht, als die Erhaltung der durch die fann seine Natur nicht ändern. Raubthier bleibt RaubBeitung" das ftartduftende Weihrauchfaß aufdringlichsten Mühler, Falt, Buttkamer vermuckerten und fortschrittsfeind- thier; und der angeschossene Tiger ist mordlustig, so lange Lobes über seinem Haupte schwingt. Im Bollbewußtsein lichen Volksschule, dafür sind sie bis heute uns den ein Tropfen Blut in ihm ist. Obgleich am Ende seines der Würde und der Pflichten seines richterlichen Berufes", Beweis schuldig geblieben. Was wollen sie? Das hohe Lateins und aller Ressourcen, fröhnt der Barismus noch in jauchzt die Kölnische Zeitung"," protestirte der Redner Haus möge mit allem Nachdruck dafür eintreten, daß die ungeschwächter Wuth seiner Verfolgungssucht. Die Polizei gegen die jeder Gerechtigkeitsempfindung entbehrende altbewährten Grundsäße, auf welchen die Blüthe unseres verhaftet Taufende und füllt die Gefängnisse und Sibirien. Manier, bloße Behauptungen zu gerichtlich festgestellten Volksschulwesens beruht, und welche auch der Bedeutung und die Judenhaß wird lustig fortgesetzt und zugleich die Thatsachen zu stempeln und nach dem alten Thut nichts, der Religion für die Volkserziehung wie dem berechtigten Satz gegen Proteftanten und Ratholiten. Der Barismus der Jude wird verbrannt!", den Leiter der Bochumschen Einfluß der Kirchengemeinschaften auf dieselbe volle Rechnung heuchelt wenigstens nicht auf dem Todtenbett- ein Ber Werte als überführten Verbrecher zu behandeln." Die dienst in dieser Zeit der politischen Heuchelei. moderne Göttin der Gerechtigkeit trägt teine Binde mehr getragen haben, auch ferner in Kraft bleiben." Die rührende Bescheidenheit dieser Bitte findet die anvor den Augen, fie prüft die vor ihrem Richterstuhle Erschienenen auf Herz und Nieren, und mit spürendem Scharf- gemessene Kritik in den füffisanten Urtheilen der offiziösen finn ergründet sie die Klassenftellung jedes Einzelnen. Herr Beitungen, welche mit grinsendem Sohn die professoralen Schneider der Abgeordnete bricht eine Lanze für Baare. Quertreibereien als harmlose Flaufen kennzeichnen. Wird Herr Schneider der Richter den Stab über ihn Profeffor vulgaris einzelne rühmliche Ausnahmen gerne Der preußische Volksschul- Gesegentwurf brechen? zugegeben ist gesinnungstüchtig, und alle Wandlungen in der Beurtheilung der sozialdemokratischen Preffe. der Regierungspolitik weiß der Durchschnittsprofessor sanft Unterfrantische Boltstribüne"( Würzburg): und fügsam mitzumachen. Heute Freihändler, morgen Schuh- Die Boltsschule, für deren freiheitliche Organisation das Bürgerzöllner, heute Kulturkämpfer, morgen dem Kleritalismus thum ja genügend Zeit und Gelegenheit gehabt hatte- stand zuschmunzelnd, und für Alles den Beweis zur Hand, Dank doch in der Kulturkampfzeit ein liberaler Kultusminister an der der wundersamen Grundfäße jener hiftorischen Schule, Spige des preußischen Schulwesens ist mit dem Willen des welche, wie Marg irgendwo sagt, die Wiißstände von heute Bürgerthums aus den reaktionären Kinderschuhen nicht herausrechtfertigt durch die Mißstände von gestern. Wo waren die bestehende reaktionäre Boltsschule gegen eine noch etwas gekommen. Der gegenwärtige Kampf" ist nur ein Kampf für die meisten jener Herren, als die freie Meinung durch das reaktionärer geartete. Und da sollte die Arbeiterklasse dem Ausnahmegejez getnebelt wurde? Sie schwiegen, oder sie Bürgerthum die Kaftanien aus dem Feuer holen? Wie und billigten Sie Unterdrückung der Arbeiterklaffe. Jener nimmermehr! Die Arbeiterklasse ist politisch groß und gefürchtet Treitschke, der im Brustton der Ueberzeugung der Knüppel- geworden troß der reaktionären Schule; der Klaffengedante, ge politit huldigte, jener Schmoller, der, nicht zufrieden mit boren aus dem Schooße der Klassenbedürfnisse, hat die Hülle den Härten des Sozialistengesetzes, die Deportation in die gefprengt, in die der jugendliche Geist der Arbeiterknaben durch afrikanischen Fiebernester als nüßliche Verschärfung empfahl! Die Schule gesteckt wird; damals gab es noch wenige fozialdemo Die offizielle deutsche Wissenschaft gehört zum Gesinde der fratische Bäter. Und heute, da die sozialdemokratischen Bäter nach Millionen zählen, sollte die unter dem Zeichen der Gawalthaber, wie die gelehrten Sklaven zum Haushalte der Bentrums- und Kreuzzeitungspartei stehende Schule den Sieg über römischen Patrizier. das von sozialdemokratischem Geiste durchdrungene Heim der Arbeiterjugend davon tragen? Solch' einer naiven Hoffnung tönnen sich nur politische Don Quixotes, aber nicht denkende und fachlich urtheilende Männer hingeben. Naivität. Zur Frage der Mißhandlungen der Solbaten in Sachsen" artikelt die Kreuz- Zeitung". Blos in Sachfen? Das militärwüthige Junkerblatt leidet offenbar an hochgradiger Weitsichtigkeit es fieht nur das Ferne und ist blind für das Nahe und Nächste. 0 Der Adel verpflichtet. Das neue preußische Einkommen fteuer- Gesetz beseitigt auch die Steuerfreiheit der Reichsunmittelbaren, der steinreichen Vertreter der höchsten Aristofratie. Aber es war mit zarter Rücksicht vorgesehen worden, daß die Nugnießer eines alten Mißbrauchs, der im grellen Gegensatz zu den Bebrückungen der breiten Maffe steht, nicht zu kurz dabei kamen. Das berufene gleiche Recht für Alle" sollte für die erlauchten Herren nur Geltung haben, nachdem sie abgefunden worden waren dafür, daß sie viele Jahrzehnte lang feinen Heller von ihren Revenuen für öffentliche Zwecke herausgerückt haben. Die preußische Regierung erlangte von der Landrathskammer spielend die Er- Was Deutschlands Getreide Einfuhr Statistit laubniß, mit den blaublütigen Großgrund-, Bergwerks- und lehrt. Die soeben erschienenen amtlichen Nachweise über Fabritbesigern ein Abkommen zu treffen. Daß die Stol den deutschen Getreide- Import im Jahre 1891 ergeben berg, Vjenburg, Wied und Konsorten auf diese Ent- folgendes Bild: schädigung" verzichtet hätten, daran war nicht zu denken. Beim Himmel, das Leben ist jetzt so tostspielig. So wurde benn das Schachergeschäft eröffnet, die feudalen Herren 1891 Tonnen forderten das Zwanzigfache des Steuerbetrages, der Staat 1890 bot ihnen nur" das Dreizehnfache. Vorläufig ist der 1889 Handel noch unentschieden, und die Reichsummittelbaren stehen auf ihren Schein. Sie werden auf ihre Rechnung 1891 Tonnen tommen. Abel verpflichtet zu edlen Thaten. tath!" Summa dieser 4 Artikel 2 595 036 2475 498 2 486 079 Weizen Roggen Hafer Gerste 906 761 842 322 672 587 879 903 " 516 887 1 059 730 119 888 187 716 258 040 726 070 735 292 651 422 " Davon aus Rußland: 516 238 620 184 108 660 1890 1889 " 376 161 304 552 755 298 175 879 294 998 366 598 984 657 238 627 812 640 78,6 86,4 40,6 98,8 49,4 92,8 47,9 59,1 67,5 72,0 1891 1890 1889 Rußland lieferte also in Prozenten der Einfuhr: 56,9 55,9 58,9 85,8 85,3 1535 080 1 673 481 1790 476 Parteinachrichten. Der in Krakau auf der Rückkehr vom Lemberger fozialistischen Polentongreß verhaftete Student Ignaz Daszinsky ist nicht, wie die Pofener 8tg." erklärte, Redakteur der„ Gazeta Robotnicza". Redakteur derselben ist Stefan Zhiel. B Eine Breslauer Volksversammlung faßte nach einem Referate des Reichstags Abgeordneten Albert Schmidt aus Burgstädt über die Taktik der Partei eine Resolution, in welcher fie fich mit den Ausführungen des Referenten, der sich voll und ganz auf dem Boden der bisherigen Taktik stellte, voll und ganz einverstanden erklärte und dann folgendes aussprach: " ,, Wir erkennen die Berechtigung freieiter Meinungsäußerung voll und ganz an, so lange sich dieselbe im Rahmen der Wohlanständigkeit bewegt; eine prinzipielle Meinungsverschiedenheit über die Tattit unserer Partei tönnen wir jedoch nicht gutheißen, Wir sind sicher, daß die Sozialdemokratie erst die moralische Macht im Staate erringen muß, ehe fie die politische erringen fann. Zu diesem Zwede müssen alle flaffenbewußten Arbeiter und Arbeiterinnen sich auf das Engste aneinanderschließen, sowie unausgefeßt für die Verbreitung unserer Presse eintreten. Wir haben nur ein Ziel und das ist die Befreiung des Proletariats aus den Fesseln des Rapitalismus!" * Aus dem liberalen Mufterstaate. In Baden, dem Stammfitz der Heidelbergerei, herrschen erquickliche Zustände, Bustände, welche im Kleinen das wiederholen, was auf größerer Stufenleiter in jedem Klassenstaat zum Ausdruck tommt. In der zweiten badischen Kammer hatte, wie der Die vom Auslande bezogene Getreidemenge ist stetig Badische Beobachter" berichtet, der Vorsitzende der Budget- gewachsen, der Bezug der Brotfrucht aus der Fremde ist tommission, ein Häuptling der Nationalliberalen, Herr für den Industriestaat Deutschland eine Lebensfrage, jede Friedrich, eine private Aeußerung des ultramontanen Ab- dem freien Verkehr in den Weg gestellte Schranke ist volts: geordneten Birkenmayer gegen die flerifale Partei verwerthet. feindlich. Die Herabsetzung der Kornzölle von 5 Mark auf Der Angegriffene erhob Einspruch gegen dies, jeden gesellschaft 3,50 Mart ist, ein Palliativ, das auf die Dauer ungenügend lichen Verkehr unmöglich machende Borgehen und fügte hinzu: und jedenfalls ohne tiefgreifende Wirkung ist. Dazu kommt Der ultramontane Sozialistenkämpfer Kaplan Dasbach Der Abg. Friedrich habe ihm bei jener Unterredung über die Aufrechterhaltung des Fünfmarksages gegenüber dem die Bewilligung des vierten Ministers gesagt: Wenn Sie russischen Getreide, troßdem, wie die amtlichen Zahlen wieder ist aus dem Prozesse, den er gegen den Sozialdemokraten Braun angefirengt hat, nicht als vollständig schuldlos hervor nicht dafür stimmen, werden Sie nicht Oberlandesgerichts- einmal zeigen, Rußland unsere Haupt- Kornkammer ist, vor gegangen. So konnte ihm das Gericht den Vorwurf nicht erUngeschminkter kann das System der Bettern- Allem für das Volksgetreide, das Roggenkorn, aus welchem sparen, daß er in seinen Unterstüßungen von Frauenspersonen wirthschaft, welche für Pfründen und Aemter politische für etwa 90 Prozent der deutschen Reichsbevölkerung das nicht mit der bei einem Geistlichen nothwendigen Vorsicht vorBugeständnisse ergattert, nicht zum Ausdruck kommen. tägliche Brot gebacken wird. Fort mit dem Ausnahmetarif gegangen sei. Auch hat das Gericht als strafmildernd für den gegen Rußland, fort mit den Bollmauern überhaupt! Angeklagten Braun den Umstand angesehen, daß Kaplan Dasbach in seinen Blättern eine Tonart und Solch eine Hinterthür, folch eine Klaufel. Wenn Entschädigung unschuldig Verurtheilter. Das eine Kampfesweife liebe, die mindestens sehr besondere militärdienstliche Juteressen den Ausschluß der Deffentlichkeit nothwendig erscheinen lassen mit dieser österreichische Abgeordnetenhaus hat den Gesetzentwurf des bedentlich sei. Für einen Geistlichen ist letterer Tabel Rlaufel befürwortete der Abg. Casselmann im Reichs- Herrenhauses, betreffend die Entschädigung unschuldig Ber- gerade scharf genug. Kaplan Dasbach lebt also auch nicht nach tage die Einführung der Deffentlichkeit des Militär- Gerichts, urtheilter, angenommen. Nur bei uns tommt man nicht den Geboten der Religion, deren strenge Beachtung er von verfahrens. Wenn die Deffentlichkeit eine Gewähr für die über Redensarten hinaus. Rechtsübung in der öffentlichen Kontrolle giebt, durch diese In Mombach( Hessen) löfte fich der Arbeiter- Wahlverein Belgischer Sozialistenkongreß. Die belgische ArKlausel wird sie beseitigt. Durch die Erfahrung könnten beiterpartei hat auf den 21. b. Wt. in bas Maison du Peuple auf. un feiner Stelle gründeten die Mitglieder eine Mitgliedwir gewißigt genug sein, daß in der Praxis gerade in den( Volkshaus) zu Brüssel einen Kongreß von Delegirten aller schaft der sozialdemokratischen Partei. Fällen die Klaufel zur Geltung kommen wird, wo die organisirten Arbeitergruppen berufen. Die Tagesordnung Polizeiliches, Gerichtliches 2c. Deffentlichkeit am nothwendigsten wäre. Betreffs des Er umfaßt vier Punkte: 1. Die Propaganda für die Revision, Wegen Verbreitung des Antisyllabus" und des laffes des Prinzen Georg erklärte der sächsische Oberst b. h. für Erlangung des allgemeinen Stimmrechts; 2. die Ceterum censeo" wurden in Magdeburg die Genoffen Will. v. Schlieben, daß derselbe die Deffentlichkeit nicht zu scheuen Rundgebung des 1. Mai; 3. die nationale Manifestation, born, Bernstein und Saling zu je 20 M. Geldstrafe, braucht. Aber warum wurde er dann geheim gehalten und die in Brüssel stattfinden soll; und 4. Organisation der event. 2 Tagen Gefängniß verurtheilt. Der Verleger Wilhelm nur, wie der Herr Oberst sich ausdrückt, durch einen un Kräfte, über welche die Arbeiterklaffe zu verfügen hat. An Meyer von der Volksstimme" wurde freigesprochen. Der erhörten Vertrauensbruch" in die Deffentlichkeit gebracht? der geplanten nationalen Manifestation sollen die Arbeiter die übrigen Angeklagten je 3 Monate Gefängniß Staatsanwalt hatte gegen Meyer 1 Jahr, gegen Gegenüber dem Interesse der Gerechtigkeit und Humanität des ganzen Landes möglichst massenhaft theilnehmen, damit beantragt! haben alle anderen Interessen, auch das besondere mili- den Gegnern der Revision und des allgemeinen Stimmtärische", in den Hintergrund zu treten, und gerade dieser rechts die Hoffnungslosigkeit des Widerstandes klar gemacht Grundsatz, der allein das Uebel an der Wurzel faffen kann, wird. verträgt sich nicht mit dem Geiste des Militarismus. = 1 Sozialreform von Oben. Aus den verschiedensten Anderen verlangt. " " Boziale Uebersicht. Der Vorstand bes Korbmacher- Fachvereins in Malmö( Schweden). J. A.: A. N. Wahlström. Der gute Ruf der deutschen Unteroffiziere. Ich Gegenden Italiens kommen Nachrichten über Versamm- Achtung, Korbmacher! In der Fabrik von A. W. Nilson tüffe nie, sprach sie, und füßte ihn." Wir wollen es nicht lungen der Arbeitslosen, über die schreckenerregende Misère, in Malmo( Schweden) sind Lohnstreitigkeiten aus machen,' Kameraden, wie die Pharifäer im Evangelium," welche die Massen heimsucht und über die brutalen Maß gebrochen, weshalb die Kollegen ersucht werden, daselbst nicht in schreibt die Unteroffizier Beitung" als Einleitung eines regeln, mit denen die Regierung jede Regung des werk- Arbeit zu treten. Artikels Für den guten Ruf der deutschen Unteroffiziere", thätigen Voltes niederschlägt. So find die beschäftigungsder an Pharisäerthum nichts zu wünschen übrig läßt. lofen Arbeiter Turin's, die von den städtischen Behörden Daß im strengen Dienst gar oft harte Worte fallen, daß Brot und Arbeit heischen wollten, durch Polizei, Scharfin der Heftigkeit ein Schimpfwort ausgestoßen wird, das schüßen und Kavalleristen auseinandergejagt worden. In Um 25 pet. reduzirte die StubIfabrit in Rabenau hatte unterdrückt werden müssen, ja. daß ein jähzorniger der That ein summarisches Verfahren, den schwarzen Hunger bei Dre- den den Lohn, nachdem schon seit mehreren Wochen nur Unteroffizier sich zum Schlagen oder Stoßen hinreißen läßt, zu stillen! Und wenn der Versuch gemacht wird einzu- von früh 1/28 bis Abends 1/25 Uhr gearbeitet worden ist. wenn Ungeschick oder gar böser Wille ihn gereizt haben, greifen, so ist er durchaus unzulänglich. Von den Tausen- Die Porzellanmaler in Königszell follen den Streit das alles ist erklärlich und findet seine gefeßmäßige Er den brotloser Arbeiter der Hauptstadt haben nur etwa 300 befchloffen haben, weil ihnen die Bewilligung einer Lohnforderung lebigung nach der Strenge unserer Verordnungen", heißt es bei Bauten und Erdarbeiten Beschäftigung gefunden. Etwa abgeschlagen worden sei. ba, und dann wird Zeugniß abgelegt" für den guten 250 find nach Griechenland und Saloniti von griechischen Aus Paris wird der Frankf. 3tg." berichtet: Nachdem Ruf", indem die scheußlichen Vorkommnisse, welche der Erlaß Bu- Unternehmern verdungen, d. h. für Hungerlöhne zu die Verwaltung der Urbaine- Gesellschaft ein Schieds. bes Prinzen Georg brandmarkt, verdammt werden. Diese Kontraktsflaven gemacht worden. So nüßt das Kapital, gericht abgelehnt hat, womit die Kutscher den Streit beendigen Schenßlichkeiten sind nichts weiter als Folge- Erscheinungen die nationalen Schranken überspringend, die Nothlage im wollten, beschloffen legtere, alle Pariser Kutscher zusammendessen, was die„ Unteroffizier- Zeitung" erklärlich findet und fremden Lande mit gleichem Geschick wie in der Heimath auberufen und die Erklärung eines allgemeinen Ausstandes zu was doch nur in den seltensten Fällen infolge der vom aus und züchtet raftlos die schmählichste Schmutzkonkurrenz. beantragen, der nur einige Stunden dauern, aber die Behörden Brinzen Georg hervorgehobenen Furcht vor der Beschwerdezur Intervention zwischen den Arbeitgebern und Arbeitern vers führung seine gefeßmäßige Erledigung" findet. Russisches. Die Hungersnoth dauert ungemilbert fort. anlaffen soll. Die Unterstügungen, welche den Nothleidenden zugewiesen Berforene Liek wh. Wenn Wenn die preußischen sind, erreichen ihre Adresse nicht oder nur theilweise und in Universitätsprofessoren an dem nationallibecul- feeifinnigen verfälschtem Zustande. Kein Wunder, daß Seuchen die BeDie belgischen Glasarbeiter verlangten von den Fabri tanten die Vertirgung der Arbeitszeit unter Aufrechterhaltung der bisherigen Löhne Theater. Mittwoch, den 17. Februar. Opernhaus. Oberon. Schauspielhaus. Wohlthätige Frauen. Deutsches Theater. Rollege Crampton. Leffing- Theater. Unter vier Augen. Fräulein Frau. Der sechste Sinn. Berliner Theater. Der Hüttenbefizer. Residenz- Theater. Circus Renz. Circus G. Schumann. Grosse Volksversammlung Karlstraße. Friedrich- Karl- Ufer, Ede Karlstr. Heute Abend 72 Uhr: Groke außerordentliche Vorstellung mit zu neuem, vorzüglich gewähltem, aus den besten Repertoirnummern bestehendem Programm. Auftreten des berühmten, anerkannt beßten Schulreiters der Gegenwart Mr. James Fillis mit seinem Schulpferde Germinal. In dieser VollHusaren und lanen. Dampf- endung in Berlin noch nie gesehen! schiff- und Bootfahrten, Wasserfällen, Zum Schluß der Vorstellung: Eine fomische Original- Wasserpantomime Mittwoch, den 17. Februar 1892, Abends 7/4 Uhr: Gala- Vorstellung. Zum 150. Male: Auf Helgoland" I oder: Ebbe und Fluth. Große bydrologische AusstattungsPantomime in 2 Abtheilungen mit National- Tänzen( 60 Damen), AufMusotte. Vorzügen. Neue Einlage: Die Gardeher: Modebazar Violet. Wallner- Theater. Der Bärenführer. Ein berühmter Mitbürger. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. Das Sonntagskind. Thomas- Theater. Reif- Reiflingen. Bellealliance- Theater. Der Nothhelfer. Oftend- Theater. Die Jungfrau von Orleans. Adolph Ernst Theater. Der Tanzteufel. Alexanderplat- Theater. Berliner Pflaster. Gunsten der Arbeiter- Bildungsschule am Donnerstag, den 18. Februar, in der Brauerei Friedrichshain( Lips). Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Paul Singer, über: D Entschädigung unschuldig Verurtheilter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Der Einberufer. H. Gumpel, Barnimstr. 42. 431/19 Riefenfontänen mit allerlei Lichteffekten Nacht in Venedig. Große höchft Sozialdemokratische Parteiversammlung in 2 Abtheilungen, neu einstubirt mit für den I. Berliner Reichstags- Wahlkreis u. f. w., arrangirt und inszenirt vom Direktor E. Renz. Außerdem: Colmar, geritten von der neuen sensationellen Licht- u. WafferSchulreiterin Frl. Clot. Hager. Horaz Effekten. und Mercur, zusammen vorgeführt von Morgen: Große Borstellung mit Herrn Ernst Renz( Enkel). Auftreten neuem Programm. Auftreten des beDer Amerikaner 3 Rixfords. 6 Gladia- rühmten Schulreiters Mr. J. Fillis. toren, plastische Gruppirungen. Sisters Eine Nacht in Venedig. Lawrence am fl. Trapez. 3 Gebrüder Briatore, gymnastische Klowns. Auftreten der Reitkünstlerinnen Frls. Naam Freitag, 19. Februar, Abends 1/29 Uhr, bei Norbert, Beuthstraße. Zages- Ordnung: 1. Der 1. Mat. 2. Wahl eines Romitees. 8. Die in Aussicht stehenda Konferenz für die Provinz Brandenburg. Ev. Delegirtenwahl. Der Vertrauensmann. 397/7 Seenpalast. Spezialitäten- Borstellung. talie und Adele, sowie der Reittünstler Berein beitreten wollen, mögen fich Achtung! Gebrüder Richter's Variété. Spezialitäten- Borstellung. Theater der Reichshallen. Spezialitäten- Borstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- Vorstellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenVorstellung. Konkordia- Palast- Theater. Spezialitäten- Vorstellung. American- Theater. SpezialitätenBorstellung. Herren Alex. Briatore, Jules und Giovanni etc. Romische Entrees und Intermezzos von sämmtl. Klowns 2c. Täglich Auf Helgoland. Sonnabend Benefiz für die Schulreiterin Frl. Clot. Hager. Sonntag 2 Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr( 1 Kind frei) Mazeppa's Verbannung. Abends 7/2 Uhr Auf Helgoland. Ehemalige Schüler der 114. GemeindeSchule, die dem neu zu gründenden schriftlich an P. Miether, Oranienstr. 1456b Nr. 193, wenden. Empfehle den Vereinen und Genoffen meine Saaldekoration mit Fahnen, Bannern und großer Laffalle- Büfte zu jeder Festlichkeit. Otto Arendt, 19982 Friedenstr. 78, part. Vereinszimmer bis 50 Personen f. E. Renz, Direttor. bei Fürstenau, Manteuffelſtr. 53, Ede: Gratweil'sche Bierhallen Gr. Versammlung Kommandantenstrasse 77-79. Heute, sowie täglich: Gr. Freikonzert. Anfang Wochentags 71/2 Uhr, Sonntags 6 Uhr. der Militär- Schneider am Donnerstag, den 18. Februar, Abends 81/2 Uhr, bei Müller, Johannisstr. 20. Tages- Ordnung: Empfehle meinen berühmten Mittags1. Vortrag des Kollegen Rogge, über; Die Diskussionen in unsern tisch à la Duval. Diner à 1 Mark. Parlamenten. 2. Diskussion. 3. Das Arbeitsverhältniß des Herrn Neubecker 3 Regelbahnen, 6 Billards, Moabit) und des Herrn Blum( Kronenstraße). 4. Verschiedenes und Frage: Der Vorstand. 1169L taften. Sonnabend, den 20. Februar: wir alle Kollegen, so viel wie möglich recht zahlreich zu erscheinen. Die Herren Neubecker und Blum find brieflich eingeladen und bitten Gr. Bock- Anstich. 2 Säle. Achtung! 419/5 3. Wäschebranche. Achtung! Versammlung aller Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäschebranche am Mittwoch, 17. Februar, Abends präz. 9 Uhr, im Lokale des Herrn Paster, Neue Königstraße 7. Zages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Kunkel, über: Wissen ist Macht. 2. Diskussion. Billetausgabe zum Stiftungsfest. 4. Unsere Matinee. 5. Verschiedenes. Gäste willkommen. Die Versammlung beginnt präzise 9 Uhr. Im Intereffe unserer Sache wäre es sehr erwünscht, daß die Ber fammlung recht stark besucht ist. Der Vorstand. 349/9 der Oeffentliche Versammlung Handlungsgehilfen am Donnerstag, den 18. Februar, Ab. 8% Uhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77-79. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung über die am Donnerstag erfolgende' endgiltige Beschlußfaffung der Stadtverordneten- Versammlung in Sachen der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Referent Herr Stadtverordneter Vogtherr. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet Freie Vereinigung der Kaufleute. J. A.: Der Vorstand. Achtung! 177/18 Etablissement Buggenhagen Berein der in Buchbindereien u.v.Betrieben besch. Arbeiterinnen. am Moritzplatz. Täglich: Unterhaltungs- Musik. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer- Abend. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial- Ausschank von Pagenhofer Export- Bier, Seidel 15 Pf. F. Müller. 641 Castan's Panopticum Friedrichstr. 165a, Ece Behrenstr. Intereffantente Völkerschaft Inner- Afrikas: Schuli b. Emin Pascha- Reich. 30 Personen, Männer, Frauen, Kinder. Borstellungen: 11, 12 u. 1 Uhr Vormittags, 4, 5, 6, 7, 8 und 9 Uhr Fachmittags. Entree 50 Pf. Kinder 25 Pf. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr Ab. PassagePanopticum. M Lebensgrohe Wachsfiguren und Gruppen, Dioramen. Sündfluth Panorama mit Gewitter. Jm Theater- Saal( ohne Extra- Entree): Zäglich v. 6 Uhr ab Vorstellung von Spezial. I. Rang. Entree 50 Pf. Viel neue Spezialitäten. La belle Irene, bie tätowirte Amerikanerin in Präuscher's anatomischem Museum nur noch kurze Zeit Rommandantenstr. Zäglich für erwachsene Herren. Dientag und Damen. Freitag für Wo speisen Sie? Inf der alt. pommerfchen Küche, Dra nienftr 181, Hof pt. bei Klein! Frühst. 30 Pf., Mittagstisch mit Bier 50 Pf., Abendtisch von 30 bis 50 Pf, nach Auswahl. 66. Resterhandlung. 18962 66. Billig Neste zu Knaben- Anzügen von 1 M. Große Anzüge von 7 M. an bis zum feinsten Kammgarn, auch pass. zu Einsegnungs- Anzügen. Große Auswahl zu Baletotstoffen, sowie zu DamenWintermänteln, Jackets, Double, Plüsch, Belz, Krimmer, Atlas, Seide, Sammt und Spizen. 1911L Auf Wunsch alles zugeschnitten, auch angefertigt. Fertige Knaben- Anzüge. 66. Karle, Waldemarstrasse 66. Vereins- Versammlung ant Donnerstag, den 18. Februar, bei Feuerstein, Alte Jakobftr. 75. 407/3 Zages Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Gründel, über: Voltsernährung. 2. Disfuffion. 3. Vereinsangelegenheiten und Fragekasten. Die in Buchbindereien, Druckereien, Leder- und Papierindustrie be schäftigten Arbeiterinnen sind hiermit bestens eingeladen. Verlag des Vorwärts" Berliner Volksblatt Berlin SW., Beuthstrasse No. 2. Anläßlich der Debatten über ein neues Volksschul- Gesek bringen wir den Parteigenoffen folgende Erscheinungen unserer Literatur in empfehlende Erinnerung: Moses oder Darwin? Eine Schulfrage. Allen Freunden der Wahrheit zum Nachdenken vorgelegt von Dr. Arnold Dodel, 4. Auflage. Bolts- Ausgabe. 112 Seiten. Preis 1,00 Mari. Die Unentgeltlichkeit der Lehrmitttel für die Schulen des Volkes. Von Hans Müller. 32 Seiten. Preis 15 Pfennige. ( Berliner Arbeiter- Bibliothek. Serie II. Seft 9. Preußische Volksschul- Bustände. Ein Wort an das Volk und seine Lehrer. Von Hans Müller. 48 Seiten. Preis 20 Pfennige. ( Berliner Arbeiter- Bibliothek. Serie II. eft 7.) Beiträge zu der Schule im Dienste für die Freiheit. Von Eduard Sack. 244 Seiten. Preis 1 Mart. Schlaglichter zur Volksbildung. Von Eduard Sack. I. Band. 404 Seiten. In 5 Heften à 40 Pfennig= 2 Mark. Friedrich der Grosse " Der Heros der deutschen Volksbildung" und die Volksschule. Von Robert Seidel. 116 Seiten. Preis brosch. 1,50 m. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Bei Bestellungen von auswärts bitten wir mm vorherige Einsendung des Betrages( Porto extra). Achtung! Achtung! Fachverein der Holz- und Bretterträger Berlins n. Umgegend. Donnerstag, den 18. Februar, Abends 8 Uhr, in Hoffmann's Pestsälen, Oranienstr. 180: Vereins- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom Wiener Maskenball. 2. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Bersammlung zu er 1464b scheinen. Nene Mitglieder werden aufgenommen. Hierzu ladet freundlichst ein Der Vorstand. Berein zur Wahrung der Jutereffen der Gast- u. Shantwirthe Berlins und Umgegend. Versammlung am Freitag, den 19. Februar, Nachmittags 51/2 Uhr, beim Kollegen Gründel, Dresdenerstraße 116. Zages Ordnung: 1. Bortrag und Diskussion. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 3. Vereins angelegenheiten. 4. Verschiedenes und Fragetasten. 159/18 Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Verein der Lithographen, Steindrucker u. Berufsg. Deutschl. Filiale der Berufsgenossen( Präger und Schleifer). General- Versammlung am Donnerstag, 18. Februar, Abends 81/2 Uhr, bei Seefeld, Grenadierftz. 3 Tages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Lithographen Herrn E. Pinkau a 446 Leipzig. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Um recht zahlreiches Erscheinen wird ersucht, besonders sind auch no die Lithographen und Steindrucker eingeladen. Die Verwaltung. J. A.: E. Seidel, Präger, Brunnenstr. 37a, Charlottenburg. Große öffentliche Versammlung für Männer und Frauen der Freien Dissidenten- Gemeinde am Donnerstag, den 18. Februar, Abends 71/2 Uhr, auf Bismarckshöhe, Wilmersdorferstr. 87. Tages- Ordnung: Bortrag über„ Zwang und Freiheit bz. auf dem neuen Schulgeset Referent Dr. Bruno Wille. 88/9 Der Vorstand. Wilmersdorf. I Gr. Volksversammlung am Mittwoch, 17. Februar, Abends 8 Uhr, in Möller's Volksgarten( früher Pietsch). Zages- Ordnung: 1. Der Sozialismus und die bürgerlichen Parteien. Referent Genoffe B. Bruns, 2. Distusfion. 2. Stellungnahme zu der Wahl der Gemeinde vertreter. 421/2 Adlershof. Der Einberufer. Arbeiter- Bildungs- Shule. Am Donnerstag, den 18. Februar, Versammlung. Abends 81/2 Uhr, bei Wiedemann& Marofski: 3. Cyklus- Vortrag des Schriftstellers Herrn W. Bölsche Große Vereins- Versammlung. über:" Die Entwicklungsgeschichte der Tagesordnung: Erde." 1. Vortrag des Genossen F. Berndt trittsgeld. über: Sozialismus" Zukunftsbilder. " 2. Diskussion. 3. Verschiet e.es. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willtommen, Der Vorstand. Berantwortlicher Redakteur: August Enders in Berlin. Drud und Verlaa von Max Bading in Berlin SW, Beuthstraße 2. Gäste zahlen 20 Pf. Eins 431/20 Der Vorstand. Zahnärztliche Poliklinik. Zahnarzt Maschke, Markgrafenstr.78, II. Sprechst.: 8-9, 5-6 Uhr.[ 1403b Sieczu zwei Beilagen 1. Beilage zum„Vowiirts" Berliner Volksblatt. Nr. 40. Mittwoch, de« 17. Februar 1892. 9. Jahrg. Parlamenfsfcertrfjlc. Deutscher Reichstag. 178. Eitzungvom 16. Februar. l Uhr. Am Tische deZ BundeZratbs: Graf von Caprivi, von Sötticher. Die zweite Berathung des Etats der Militärverwaltung, Kapitel IS„Militär-Justizverwaltung", wird fortgesetzt. Dcuu liegen die Anträge der Budgetkommission und der Abgg. Buhl und Richter vor, betreffend die Aenderung des Beschwerderechts und des Militär-Prozeßverfahrens. Abg. v. Manteuffel(dk.): Nach der gestrigen Rede Bebels weiß ich eigentlich nicht, wie die Sozialdemokraten für die Reso- lution Buhl-Richter stimmen können, für dieses schwächliche, noch dazu von den Nationalliberalen unterstützte Machwerk.(Sehr richtig! rechts.) Herr Bebel hat eine neue Erziehungsmethode für die Jugend angeregt. Er mußte also eigentlich eine Reso- lution des Inhalts einbringen, daß die Jugeuderziehung so ge- leitet werden soll, daß jeder im sozialdemokratischen Zukunftsstaate seine Stelle ausfüllen kann. Dabei kann man vielleicht auch die Vorbildung für ein Amazonenkorps in Aussicht nehmen. Und da dieses'Ziel schließlich nicht so schnell erreicht werden kann, müßte für den Uebergang gefordert werden, daß bei der Ausbildung der Soldaten so verfahren wird, daß keine Be- schwerden vorkommen.(Heiterkeit rechts.) Damit hätten denn die Sozialdemokraten ihr Ziel erreicht, die Lockerung der Disziplin. Serr Bebel hat denn weiter behauptet, daß namentlich die adligen ffiziere, die mit der Muttermilch schon feudale Gesinnungen «ingesogen haben, den Geist herbeiführen, der zu den Miß. Handlungen führt. Das Gegentheil ist der Fnu, diese Adligen vom Lande kennen die Bedürfnisse der Soldaten viel besser als jeder andere Stand. Bebel hat ganz beweislose Behauptungen aufgestellt, einige Namen genannt und dadurch die detreffenden Personen in der Oeffentlichkeit diskreditirt. Er hat sich dem Christenthum feindlich gegenübergestellt. Ich bestreite, daß Christenthum und Wissenschaft Gegensätze sind. Wir bekämpfen nur die Wissensck st, welche sich im Gegensatz stellt zum Christen- thum.(Zustimmung rechts.) Dieser Kainps wird ein Kampf auf Leben und Tod sein und ich bin sicher, daß er mit Gottes Hilfe ein siegreicher sein wird.(Beifall rechts.) Jedenfalls wollen wir uns das kostbare Gut der Disziplin, durch welches wir drei Kriege gewonnen haben, nicht rauben lasten. (Beifall rechts.)_, Abg. Richter(dfr.): Die Ansicht des Reichskanzlers, daß der Antrag Buhl- Richter ein bischen Parteitaktik enthalte, ist «in« falsche und beruht auf einer mißverständlichen Auffassung des Antrages. Es fehlen allerdings in dem Antrage die Worte: .soweit nicht die militärischen Rücksichten den Ausschluß der Oeffentlichkeit verlangen", aber dafür ist aus das bayrische Ver- richtig. Die Sozialdemokraten erwecken die Vorstellung, sie emen ausgezeichneten Staats schaffen können. Aber ie die Ausführung Reichskanzlers ordnung. sein. ' bezoi Er spral als ob diese itation stellen' sie' etwas zurück, um die Schäden der gegen- rtigen Gesellschaftsordnung besonders grell hervorzuheben. Dafür finden sie zahlreiche Anhänger, die mit den Endzielen garnicht einverstanden sind. Deshalb müssen die Mißstände ab- geschafft werden, um den Sozialdemokraten das Wasser abzu- graben. Wir thun dieZ nicht mit Rücksicht auf die Sozialdemokratie. sondern um unser« Ziele durchzufuhren. Wir theilen nicht idie Furcht vor den Sozialdemokraten, welche jetzt wieder gewisse Kreise zu beherrschen scheint. Wir erkennen an, daß man an gewissen Stellen bereit ist, den Soldaten- Mißhandlungen entgegenzutreten. Das muß klar gestellt werden und diese Bestrebungen müssen unterstützt werden. Denn wenn die Mißhandlungen nicht in der Oeffentlichkeit besprochen «erden, dann erwächst leicht das Mißtrauen, nicht gegen die, welche diese Mißhandlungen ausüben, sondern gegen die Armee. Daß die Presse sich darüber aushält, ob ein General geht oder bleibt, ist nicht hübsch. Solche Erörterungen finden sich aber immer nur in der Presse, welche in der Armee gelesen wird. Die Preste ist der Spiegel der öffentlichen Meinung und wenn dem Reichskanzler der Spiegel nicht mehr gefällt, dann mag das daran liegen, daß er sich nicht mehr des allgemeinen Beifalls erfreut, wie bei seinem Amtsantritt.(Zustimmung links.) Ucber das Beschwerderecht muß der Soldat so klar und deutlich wie möglich unterrichtet werden, das geschieht jetzt nicht. Die Be- schwerdepflicht ist keine Einschränkung der Freiheit des einzelnen; denn es handelt sich hierbei nicht blos um die persönlichen �»teressen. sondern auch um ein Interesse der Allgemeinheit. lu. geregelt werden soll, wird die Sache der .er größere Theil der Ausführungen des sich auf die Reformen der Militär- Prozeß- _____ 0.__ ir— von der Untergrabung der Disziplin, von den Imponderabilien des militärischen Lebens:c. Man konnte danach die Meinung haben, als ob der Antrag nur eine Ab- straktion, entnommen aus einem juristischen Lehrbuch, ist. Wir verlangen aber nur die Einführung des bayrischen Militär-Straf- Verfahrens in Deutschland. Herrscht in Bayern Disziplinlosigkeit? Haben an der bayrischen Gerichtsordnung nur die Juristen Ge- fallen? Alle Offiziere bis zu den höchsten Spitzen treten dafür ein. Die militärischen Einrichtungen sollen nach dem Reiche' mnzler schon im Frieden so sein, daß sie leicht auf den Krieg ubertragen werden können. Aber ein Unterschied besteht doch; Sie lassen doch im Manöver die Mannschaften nicht scharf aus- «inander schießen.(Heiterkeit.) Ansichten der Armee, die der Reichskanzler vorführte, sind doch nur die Ansichten der Berufs- vsfiziere, aber nicht der Mannschaften, und die Ansichten der Offiziere andern sich mit den Anschauungen der maßgebenden Persönlichleilen. Der Reichskanzler verwies auf die großen Siege, welche die Armee unter dem jetzigen Gerichtsversahren«�fochten habe. Die Siege Friedrichs des Großen sind allerdings bedeutend. Aberste haben nicht verhindern können, daß darauf em Jena folgte. SBit schreiten doch sonst vorwärts, und zwar stnd manche Fortschritte «cht kostspielig; warum sollen wir uns gerade m,t dem ver- alteten Strafverfahren so lange herumplagen. Der Reichskanzler behauptet, die Mißhandlungen haben abgenommen. Von anderer Seite wird dagegen gesagt, solche Dinge, wie im Erlaß des Prinzen Georg besprochen sind, seien früher niemals vor- jftkommen. Das liegt vielleicht in gewissen Aenderungen der Armee. Früher wurden die Unteroffiziere nicht so viel aus den Cnteroffizierschulen genommen, die Offiziere nicht so viel aus dem Kadettenkorps. Früher hatten die Unteroffiziere d,e Leiden der Rekruten selbst zu erleiden und hatten daher mehr Mit- »efuhl. Früher waren auch die Exerzierplatze mehr .der öffentlichen Straße belegen und wurden vom Publikum kontrollirt und mancher Unteroffizier mußte Rücksicht auf das Publikum seinen Jähzorn meistern. Herren aus Bayern haben die Gefahr erkannt, welche in dem � dtrag der Budgetkommission für sie liegt. Sie haben bemerkt, °aß d,e gröbere Oeffentlichkeit. welche verlangt wird, mcht die syrische Oeffentlichkeit ist. Sie möchten deshalb die clausula. 'JuvMica aufnehmen; sie möchten die Münchener Ueber- i ugungstreue mit der Berliner Diplomatie vereinigen. Sie dchten kür Bayern die Oeffentlichkeit haben, dann mag der Reichskanzler mit dem übrigen Deutschland machen, was er will. Das ist ganz wie der Spruch besagt: Heiliger Florian, beschütz mein Haus, zünd' andere an. Halten denn die Bayern das bayrische Militärstrafverfahren nicht für werth, zum Reichsrecht zu werden? Jeder Abgeordnete ist Vertreter des ganzen Volkes und Niemand sollte solchen Partikularismus treiben. Was die religiöse Frage hierbei soll, ist nicht recht begreiflich. Die armen Mißhandelten, von denen der sächsische Erlaß spricht, haben allerdings mehr als christliche Ergebenheit bewiesen. Soll etwa die religiöse Wendung der Resolution besagen, daß die Unteroffizier-Schulen und die Kadetten- anstalten konfessionell eingerichtet werden sollen? Dann sollte man es doch deutlich und klar heraussagen. Der General von Goßler erklärte übrigens im Gegensatze zum Reichskanzler in der Kommisston, daß religiöse Andachtsübungen in den Kasernen schon stattfinden und begünstigt werden. Vielleicht sorgt der Reichskanzler dafür, daß diese Konventikel aufhören. Der Reichskanzler meinte, man könne beim Militär sich nicht um den Glauben der Einzelnen kümmern; es müsse Kameradschaft gepflegt werden. Wenn das der preußische Ministerpräsident wüßte, könnte der Reichskanzler in den Verdacht des Atheismus kommen.(Heiterkeit.) Auch im bürgerlichen Leben sieht man nicht auf den Glauben; weshalb also die Kinder in der Schule schon nach dem Glauben trennen? Wenn man die religiöse Frage hineinzieht, dann kann man an der Duellfrage nicht vorbei; denn das Duell ist eine Einrichtung der Armee, es wird nicht blos geduldet, sondern den Offizieren aufgezwungen, sodaß deshalb katholische Offiziere ihren Abschied genommen haben, um nicht gegen ihre religiöse Ueberzeugung ein Duell annehmen zu müssen. Wen» man über die Rohheit der Jugend klagt, über die Rauf- lust u. s. w., dann kann man das Duellunwesen nicht länger dulden(Sehr richtig! links), deshalb wird es sich empfehlen, die Resolution bezüglich der religiösen Frage zu verwerfen und die Herren vom Zentrum werden sich überlegen müssen, ob sie nicht doch lieber für unseren Antrag stimmen.(Beifall links.) Generallieutenant von Spitz: Die Gutachten der General kommandos über die Reform der Militär-Strafprozeßordnung find eingegangen. Das umfangreiche Material wird im Kriegs- ministenum bearbeitet. Wir sollen uns an die Zivil-Strafprozeß ordnung anlehnen; aber ist denn dieselbe schon völlig ausgebaut? Es sind so wichtige Punkte, wie die Berufung und die Enb schädigung unschuldig Verurtheilter, noch nicht geregelt und wir sollen unser Strafverfahren schleunigst danach einrichten, trotz- dem es noch vieler Verbesserungen bedarf. Die Resolution macht keinen richtigen Unterschied zwischen Beschwerde und Klage. Mißhandlungen können durch die 5tlo verfolgt werden, nicht im Wege der Beschwerde. Ist ein Soldat mißhandelt, so hat er es dem Feldwebel und dem Sauptmann zu melden und diese müssen die Meldung bei schweren trafen weiter geben. Daß die Einstellung von Schülern der Unteroffizierschulen die Mißhandlung gefördert hat. ist nicht richtig; dazu ist die Zahl der Unteroffizierschüler zu gering, um darauf von Einfluß zu sein. Herr Richter meinte, es würden nur die alten Generale gefragt. Die Fürsten haben die Armee geschaffen und die Führer haben ihre Größe begründet! sie haben ein so festes Gesüge geschaffen, daß sich die Armee die Achtung der Welt errungen hat. Da darf man wohl fordern, daß die jenigen, welche der Armee ihr Gepräge gegeben haben, auch bei dieser Angelegenheit der Armee ihre Meinung sagen und daß ihr Urtheil beachtet wird. Abg. Haußmann(Demokrat): Ueber die Lage der Reform der Militär-Strasprozeßordnung sind wir nicht unterrichtet; der Reichskanzler sagte gestern, die Gutachten der C neralkommandos sind aufgefordert und der General von Spitz erklärt, sie sind schon eingegangen. Auch in Württemberg kommen Mißhandlungen vor. In der Festung Ulm ließ ein Rittmeister v. Lauenstein die Rekruten von älteren Soldaten mit Teppichklopfern prügeln. Das wurde erst durch Privatgespräche bekannt, und ein Mann, der davon erzählte, wurde verklagt wegen Verleumdung, weil er die Ehre des Offiziers auf das schmählichste beschimpft hätte. Das Zivilgericht forderte die Akten ein. das Regiment erklärte aber, daß von den Prügeleien nichts bekannt sei. Das Gericht stellte nunmehr eine Untersuchung an, und es wurde der vollständige Beweis dafür erbracht, daß diese Prügeleien stattgesunden hatten. Der Offizier aber, dessen Ehre also beschimpft sein sollte, trägt noch heute des Königs Rock und das Tragonerregiment in Ulm heißt allgemein in Württemberg das Prügelregiment. Ein Mann ertrank durch Verschulden des Schwimmlehrers; der Schwimmlehrer erhielt da für S Wochen Arrest. Von dem Tode des Soldaten wurde seinen Verwandten gar keine Nachricht gegeben. Ein anderer Mann wurde durch die Mißhandlungen zum Wahnsinn gebracht. Zuerst wurden die Mißhandlungen bestritten vom Unteroffiziere und von Kameraden. Nach- her stellte sich heraus, daß die Mannschaften nur auS Furcht vor dem Unteroffizier geschwiegen haben. Nachher gaben die Soldaten einige Mißhandlungen zu und erst als fie aus dem Dienst entlassen waren und vom Zivilrichter vernommen wurden, gestanden sie zu, daß stetig Mißhandlungen vorgekommen sind, und das ärztliche Gutachten stellte den Zu- sammenhang zwischen den Mißhandlungen und de,.. Wahnsinn fest und dem Manne wurde eine Pension wegen gänzlicher Erwerbsunfähigkeit gewährt. Aber die Klarstellung gelang erst dem Zivilnchler.(Hört! links.) Vom Hauptmann Miller spricht man allerdings etwas abfällig, aber niemand in Württemberg wird ihm eine Unwahrheit zutrauen; deshalb glaubt man an die Fälle, die er erzählt hat. Wenn solche Fälle überall vorkommen, dann sind Ehre und Freiheit nicht genügend geschützt. Auch die Militärverwaltung hat ein Interesse an dem besseren Schutz, denn in den Regimenter», wo Mißhandlungen vorkommen, finden auch zahlreiche Desertationen slntt. Der Reichskanzler führte die Mißhandlungen auf die zunehmende Rohheit zurück. Wenn das der erste Beamte des Reiches ausspricht, dann leistet er damit der Sozialdemokratie Vorschub, welche immer behauptet, wir befänden uns in einer Decadence. Das hebt das Ansehen des Reiches nach außen hin nicht und wenn das Urtheil richtig wäre, dann könnte der jetzige Reichs- kanzler kein grausameres Urtheil über seinen Amtsvorgänger aus- sprechen.(Zustimmung links.) Wenn aber die Sachen früher schlimmer gewesen sind als jetzt, muß man da nicht zu dem Schluß kommen, diese Verrohung in der Armee wirke zurück aus das Volk? Was ist das für eine Logik? Die Verrohung im Volke nimmt zu. aber die Mißhandlungen nehmen ab?(Sehr richtig! rechts. Heiterkeit links.) Di- Herren, welche sehr richtig rufen. haben vielleicht ihre Erfahrungen in der Armee selbst gemacht und wissen, daß die Verrohung bei den Vorgesetzten zu- nimmt. Für das Volk möchte ich das aus Achtung vor meinem Volke nicht behaupten.(Zustimmung links.) Die Beschwerde kann der Soldat allerdings erheben, aber es giebt auch eine Vorschrift, welche die Vorgesetzten ermächtigt, von unbegründeten Beschwerden abznmahnen. Tas kann sehr leicht mißbraucht iverden, um das Beschwerderecht überhaupt zu unterdrücken. Die Einführung der Anzeigepflicht und zwar nicht blos für jeden Betroffenen, sondern auch für jeden, der davon Kenntniß erhält ,_ würde«in gutes Mittel zur Abhilfe sein. Durchgreifend würde mit solchen Mißhandluiigen ausgeräumt werden, wenn bei ieder Mißdandluna der betreffende Aauptmann mit schlichtem Abschiede entlassen würde.(Unruhe rechts; Zuruf; Aufhängen!) Disziplin wollen wir Alle; aber die Ausfuhrungen des Reichskanzlers bezüglich der Gefährdung derselben sind so lange hinfällig, bis bewiesen wird, daß in Bayern keine Disziplin herrscht. Allen militärischen Rücksichten wollen wir Rechnung tragen, so weit sich die Menschenwürde damit verträgt. Graf Caprivi hat gestern mehr als preußischer General, denn als deutscher Reichskanzler gesprochen; er sollte auch die bürgerlichen Verhältnisse berücksichtigen. Deshalb bedaure ich, daß da» Zentrum nicht mit uns stimmen will, daß es nicht der Regierung beweisen will, daß das Volk das bayerische Verfahren wünscht Der Antrag Buhl-Richter wird der Sachlage vollkommen gerecht. Wenn ich für«inen anderen Antrag stimmen würde, würde ich mich mitschuldig machen an den Mißhandlungen, die später vor« kommen werden.(Lebhafter Beifall links. Stimme rechts: Ist ja Blödsinn!) Württembergischer Bevollmächtigter Neidhardt geht auf die einzelnen Fälle, welche der Vorredner angeführt hat,«in; sein» Mittheilungen sind aber nicht verständlich. Reichskanzler Graf von Caprivi: Zur Höhe der Kultur deS Vorredners kann ich mich nicht erheben; ich unterschätze sie viel- leicht nach der heutigen Rede, welche nur darauf ausging. Miß- trauen und Mißvergnügen zu erregen.(Widerspruch links.) Denn was sollen die Vorführungen einzelner Fälle, die wir hier garnicht beurtheilen können? Die Militärbehörde kann auf die einzelnen Fälle nur eingehen, wenn die Herren die Güte haben. ihre Gewährsmänner zu nennen. Es ist heute früh an Herrn Bebel ein Schreiben gerichtet worden, er möge seine Gewährs- männer nennen.(Beifall rechts.— Zustimmung des Abg. Bebel.) Wenn ein Reichskanzler sich als preußischer General fühlt und als solcher spricht, so vergiebt er sich nichts. Das Be, schwerderecht hat der Vorredner nach seiner Weise ge» deutet. Die betreffende Bestimmung ist nur dem Wohl- wollen entsprungen, um die Maunschaften vor unbe- gründeten Beschwerden zu bewahren.(Widerspruch links.) Der Vorredner hat zwischen der abnehmenden Zahl der Miß, Handlungen und meiner Behauptung, daß die Verrohung in der Bevölkerung zunehme, einen Widerspruch entdeckt. Die Verrohung liegt vor der Militärzeit, wenn trotzdem die Mißhandlungen ad- nehmen, so ist das ein Beweis für die Tüchtigkeit der Vor gesetzten. Wenn vom Auslande gesprochen ist, so will ich Herrn Richter meinen Dank dafür aussprechen, daß er sich an der Wäsche der schmutzigen Wäsche, die wir hier vor dem Auslände vornehmen, nicht belheiligt hat.(Heiterkeit.) Ich habe durchaus nicht nur das preußische Verfahren gelobt, sondern auch di» Güte der bayerischen Einrichtungen anerkannt. Ich vermuthe, der Abg. Richter hat die Absicht, Mißtrauen zwischen de? bayerischen und preußischen Regierung zu stiften.(Lachen links; Zuruf: Unglaublich!) Die bayerische Regierung ist nicht un» bedingt für die Ausrechterhaltung ihres Verfahrens eingetreten, der Kriegsminister hat nur davon gesprochen, daß di- bayerischen Einrichtungen, so weit sie sich bewährt haben, auf, recht erhalten werden. Als noch auf den öffentlichen Plätzen exerziert wurde, wurde in einer Art und Weise geschlnipft, von der wir heute keine Borstellung mehr haben.(Heiterkeit.) Heute sind wir empfindlicher; das Niveau hat sich verändert, man hat die Presse, und alle Welt erfährt solche Dmge. Wenn die Oeffentlichkeit des Militär-Strafverfahrens eingeführt würde, würde es mit der Presse noch schlimmer werden. Vielleicht gründen die Sozialdemokraten einen Fonds, um Advokaten zu besolden, welche in den Militärgerichten umhergehen, um Stoff für die Zeitungen zu schaffen. Es wird hier gleichsam eine Sammelstelle für Beschwerden geschaffen und das Ergebniß dieser Debatte komiat lediglich den Sozialdemokraten zu Gute. Ich habe gesagt, die Siege Friedrichs des Großen sind zu verdanken nicht blos der Disziplin, sondern dem Verhältniß der Truppe zum Kriegsherrn. Wenn nachher Jena kam, so ist das ein Beweis für mich, denn das Verhältniß zum König war weggefallen. Das richtige Verhältniß zwischen den Offizieren und Truppen zu pflegen, wird stets eine Aufgabe der Militärverwaltung sein.(Bei- fall rechts.) Abg. Gröber(Z.) verwahrt daS Zentrum gegen den Vor- wurf, daß es mit der Zustimmung zu dem Antrage der Budget- kommission seinen früheren Standpunkt verlasse. Es werde nur praktische Politik getrieben; man verlangt nur das Erreichbare. Die Art und Weise, wie Herr Bebel hier einzelne Fälle vor- gebracht hat, nur auf unkontrollirbare Mittheilungen gestützt, wodurch nur einzelne Personen a» den Pranger der Oeffentlich- keit gestellt worden sind, ist nicht die richtige. Man kann solch, Fälle nur beurtheilen ans Grund aktenmäßiger Feststellung. Di« Oeffentlichkeit des Strafverfahrens muß auch für das Heer ein- geführt werden. Das Bedenken, daß die Oeffentlichkeit von der Presse ausgenutzt werden könnte, darf nicht ausschlaggebend sein. Das Interesse für die öffentlichen Verhandlungen würde sich bald verlieren, aber das Vertrauen des Volkes in die Recht« sprechung würde zunehmen. Was ist denn der Unterschied zwischen den beiden vorliegenden Anträgen? Wir haben an? erkannt in dem Antrag, daß die Oeffentlichkeit in gewissen Fällen ausgeschlossen werden kann. Der andere Antrag verweist auf die bayrischen Bestimmungen, welche die Ausschließung der Oeffentlichkeit im weitesten Umfange gestattet. In Bayern besteht eine gute Praxis trotz der schlechten Bestimmungen. Glauben Sie. daß bei gleichen Bestinnnungen m Preußen die gute Praxis eintreten wird? Ich glaube das nicht. Dazu kenne ich die Herren in Preußen zu gut.(Heiterkeit.) Wenn einmal die Militär-Strafprozeßordnung vorgelegt wird, dann sind wir durch den Antrag der Kommission gar nicht be- schränkt; wir können die Oeffentlichkeit einfuhren, in welchem Umfange wir wollen. Nothwendig sei allerdings die Erleichterung des Beschwerderechtes für die Soldaten. Daß die Religion die Grundlage deS öffentlichen Lebens sein muß, ist allseitig an, erkannt. Die Religion muß gelten im ganzen Leben des Mannes. Sie muß gelten im Rath« der Könige und im Parlamente, im legenheit außerhalb der Kaserne, ihren religiösen Verpflichtungen nachzukommen, aber es müßte in der Kaserne manches unter- bleiben, was jetzt geschieht. Die Zunahme der Verbrechen und der Rohheit ist aus der Statistik genau nachzuweisen, namentlich auch der jugendlichen Personen bis zum 18. Jahre. Herr Bebel hat unS die Rede Reichensperger's beim Schulgesetz vorgehalten, welcher gesagt hat, daß in der Schule zu vielerlei gelehrt wird. Tas Zentrum hat keinen Antrag gestellt, den Lehrstoff zu be« schränken, es hat einfach der Regierungsvorlage zugestimmt. De« Gedanke der militärischen Jugenderziehung ist ein alter demokra- tischer Gedanke; man ist davon wieder abgekommen. Di» Uedungen werden natürlich, wenn der Gedanke des Herrn Bebel durchgeführt würde, auf den Sonntag verlegt; Vormittags geht der Arbeiter nicht in die Kirche, sondern in die Fortbildungs- schule. Nachmittags wird exerziert; so fviel IZeit lassen Sie wohl den Arbeiter, daß er seine sozialdemokratische Zeitungen lesen kann. Herr Richter hat unseren Antrag mit einer Ver- besserung bedacht, er hat den Antrag nur allein gestellt, es schein» also mit der Einigkeit in der großen liberalen Partei nicht weit her zu sein. Warum hat Herr Richter den Antrag nicht zu dein Darauf wird die weitere Debatte bis Mittwoch 1 Uhr vertagt. Lokales. 11 Antrag des Herrn Buhl gestellt? Wir werden auf den Leim nicht Iwußtlos auf dem Sopha liegend. Die Bedauernswerthe hatte sich| auf der Höhe der Bildung stehe, weil feine Aeußerung gemein eingehen.( Beifall im Zentrum.) die Pulsadern zu durchschneiden gesucht und war fast verblutet. gefährlich sei und endlich weil sie die Grenzen des Hochverraths Auf Anordnung eines herbeigeholten Arztes wurde Frau B. ftreife. Ursprünglich habe ja auch der Staatsanwalt wegen Hoch nach einem hiesigen Krankenhause geschafft; ihr Zustand ist verraths die Anflage erheben wollen. Er bitte zu erwägen, daß ziemlich hoffnungslos. der Angeklagte auch geäußert habe: Wir sind der Ueberzeugung, daß es zur Revolution fommt; aber nicht wir sind Vom Maskenball ins Krankenhaus. Die 52jährige Frau es, welche Revolution machen, sondern die uns Entgegenstehenden. des Bahnarbeiters Hoffmann aus der Köthenerstraße machte am Auch das beweise die Gemeingefährlichkeit des Angeklagten und Sonnabend Abend in einem Lokale der Frankfurterstraße einen dessen revolutionäre Thätigkeit. Er beantrage daher zwei Maskenball mit. Troh ihres vorgerückten Alters war dies der Jahre sechs Monate Gefängniß und fünf Jahre Die bekannten polizeilichen Absperrungen bei befon. erste Maskenball ihres Lebens, an welchem sie Theil nahm, viel- Ghrverlust. Ferner beantragt er, die Verhaftung zu deren Gelegenheiten geben einem Fachmanne des Fuhrgewerbes, leicht wird es auch der letzte sein, benn gegen Ende des Balles, beschließen, weil der Angeklagte genügend Zeit gehabt habe, feine Franz Eberhardt, Veranlassung zu einem Vergleiche in etwa um 4 Uhr Morgens, stieg die Frau auf einen Stuhl, um Verhältnisse zu regeln. Der Tod der Ehefrau des Ander Allg. Fahr- Zeitung" Berlins mit anderen Großstädten, wie einen fleinen Vortrag zu halten. Als sie damit zu Ende war gewissen Einfluß auf die Entlassung aus der Haft gehabt, das London, Paris 2c. Er kommt zu der Schlußfolgerung, daß kein und wieder herabsteigen wollte, trat sie fehl und zog sich einen geklagten, der während der Verhaftung eingetreten, hätte ja einen Land, keine Stadt so bevormundet wird, wie Berlin, und meint schweren Bruch des linken Unterschenkels zu. In der Sanitäts- gewiffen Einfluß auf die Entlassung aus der Haft gehabt, das weiter:" Ginen großen Theil Schuld trägt das Publikum selbst wache, Blumenftr. 59, legte Dr. Barach der unglücklichen Frau ei für gewisse Leute unverständlich geblieben, wie man das ja Der Vertheidiger beantragt, prinzipaliter das Verfahren als baran, indem es, sobald es nur zwei Schußleute zusammen den ersten Verband an, worauf dieselbe nach einem Krankenhause nicht anders annehmen konnte". ungefeßlich einzustellen und die Akten dem Reichsgericht stehen sieht, fich zusammenrottet und der Dinge, die überführt wurde. fommen sollen, stundenlang harrt. Die Hauptschuld Von den Rädern des Eisenbahnzuges zermalmt wurde zu übersenden, eventuell aber den Angeklagten freizusprechen. Das an den Unzuträglichkeiten trägt aber die Polizei selbst, indem sie am Sonntag Nachmittag der in der Invalidenstraße wohnende Berfahren sei ungefeßlich, weil die Beurtheilung des Hochverraths, schon stundenlang vorher ohne jeglichen Grund die Straßen ab- Eisenbahnschaffner der Strecke Berlin- Angermünde, Haud. Am weil er gegen den Raiser oder das Reich gerichtet ist, Sperrt und den Berkehr selbst hemmt. So zählte ich an mehreren genannten Nachmittag bestieg der Schaffner auf der Station lediglich dem Reichsgericht unterstehe und weil lediglich das Zagen Unter den Linden" vom Schloß bis zum Brandenburger Angermünde den bereits in der Fahrt befindlichen Berliner Zug, Reichsgericht zu beschließen habe, ob solch Hochverrath vorliege Thor 3 Polizeilieutenants, 6 Wachtmeister, 27 Fußschuhleute und glitt aber infolge des frischgefallenen Schnees auf dem Trittbrett und eventuell auch, ob gleichzeitig oder nebenher Majestäts8 zu Pferde, ein Aufgebot, welches ein ganzes Stadtviertel in aus und stürzte auf die Geleise. Obwohl der Unfall sofort von beleidigung vorliege. Sonst schwebe die Anklage, welche der London, Paris 2c. nicht braucht. Am liebsten wäre es der Polizei, dem Stationsbeamten bemerkt worden und der Zug gleich darauf Staatsanwalt wegen Hochverrath erhoben habe, noch heute in wenn mit einem Male alle Fuhrwerte unter der Erde ver- zum Stehen gebracht wurde, gingen die Räder des nächst der Luft. Die Staatsanwaltschaft sei allerdings davon aus schwinden oder über die Dächer ihren Weg nehmen würden, was folgenden Waggons doch über die Bruft des H. hinweg und gegangen, daß der Hochverrath fich gegen den preußischen aber in diesem Jahrhundert noch nicht ausführbar ist. Bedenkt tödteten ihn auf der Stelle. Der Verstorbene hinterläßt Frau König richte. Es sei aber unmöglich, einen Hochverrath durch man ferner, daß die Polizeibeamten durch Stehen in der Mitte und Kinder. Beseitigung des preußischen Königs zu bewerkstelligen, ohne des Straßendammes selbst die meisten Fuhrwerke hemmen und dieselben nur so lange frei geben, als ein Polizeilieutenant erscheint, um sich in das Kontrollbuch einzuschreiben, so weiß man wahrlich nicht, was man dazu sagen soll. Es ist bereits der Gedanke angeregt worden, einen Aufruf an sämmtliche Fuhrwerksbesitzer und Kutscher Berlins jeder Branche ergehen zu laffen, um Stellung gegen diese polizeiliche Praxis zu nehmen und Abänderungsanträge zu formuliren, welche sodann der Berliner Stadtvertretung eingereicht werden sollen. Die Arbeiter der Hamburger Eisenbahn haben eine recht anstrengende Dienstzeit. Dieselbe währt von 6 Uhr Morgens bis 6 Uhr Abends. Eine Frühstückspause ist nicht festgesetzt, je nachdem es die Zeit erlaubt, wird um 9 oder 10 Uhr Vormittags gefrühstückt. Die hierfür festgesetzte Beit beträgt durchaus nicht 1/2 Stunde, Jeder faut darauf los, so schnell er das im Stande ist. Die Meisten effen im Freien bei der Arbeit weiter. Um 12 Uhr ist Mittag, für welchen eine halbe Stunde, höchstens 35 Minuten Zeit ist. Dann giebt es bis 6 Uhr Abends, also bis zum Feierabend, keine Pause mehr. Hin und wieder tritt wohl eine kleine Unterbrechung ein, d. h. wenn die Maschine teine Kohlen und kein Wasser braucht. Die Arbeiter erhalten einen Anfangslohn von 2,30 M. pro Tag, das würde bei einer Dienstzeit von 11 Stunden etwa 21 Pfennig pro Stunde aus machen. Nach halbjähriger Thätigkeit steigt der Lohn auf 2 Mart 40 Pfennige, für den Rangirdienst giebt es 80 Pfennig ertra. Die Arbeiter haben 8 Tage Tages und 8 Tage Nachtdienst. Montags ist Wechseldienst, d. h. die Tagestolonne arbeitet von 6 Uhr früh bis 2 Uhr Mittags und von 10 Uhr Abends bis 6 Uhr Morgens. Die Kolonne, welche 8 Tage Nachtdienst gehabt hat, muß schon um 2 Uhr wieder in Dienst sein und bis 10 Uhr Abends arbeiten, um am Dienstag wieder als Tageskolonne um 6 Uhr früh in Dienst zu sein. Alle vier Wochen haben die Arbeiter einen freien Tag, an welchem fie fich für die nächsten vier Wochen ausruhen sollen. Außerhalb bes Dienstes sollen sich die Leute achtbar und ehrenhaft führen und sich von der Theilnahme an ordnungsfeindlichen Bestrebungen und Vereinen" strengstens fern halten. Das geschieht natürlich auch äußerlich. Daß aber der Staat in den mit 2,30 M. bezahlten Arbeitern gerade seine festeste Stütze erblicken fönnte, möchten wir nicht so ohne Weiteres behaupten. Vermikt wird seit dem 4. Februar der 18 Jahre alte Sohn des Maurers Herrn Heinrich Tornow, Gartenstr. 32 wohnhaft. Der Vermißte ist in Zehdenick geboren und war mit schwarzer Stoffhose und ebensolcher Weste und einem Kammgarnrock befleidet. Der junge Tornow ist frant und wird vermuthet, daß ihm ein Unglück zugestoßen ist. Polizeibericht. Am 15. d. Mts. Vormittags wurde eine 72 jährige Frau vor dem Hause Karlstr. 18 von einem Hunde umgerannt und erlitt dabei einen Armbruch. Sie wurde nach der Maria Viktoria- Heilanstalt, Karlstr. 30, gebracht. Vor dem Haufe Leipzigerstr. 59 fand Mittags ein Zusammenstoß zwischen einem Pferdebahnwagen und einem Geschäftswagen, dessen Pferd durchgegangen war, statt, wobei der Rutscher und eine neben ihm siehende Frau vom Wagen geschleudert wurden und bedeutende Verlegungen am Kopfe erlitten. Nachmittags wurde ein Rentier vor dem Hause Potsdamerstraße 46 von einem Pierdebahnwagen überfahren und erlitt einen Bein- und Rippenbruch. Im Laufe des Tages fanden zwei kleine Brände statt. Nicht weniger als fünf Personen befinden sich jetzt in gleichzeitig einen gegen das Reich gerichteten Hochverrath licher Grundlage. Eventuell aber dürften aus einer zwei Haft, welche im Westen der Stadt, aber auch in Friedrichsberg zu begehen. Demnach beruhe das ganze Verfahren auf ungeset und Rummelsburg den Schwindel mit geringwerthigen Uhren, ftündigen Rede nicht einzelne Brocken, deren Wortlaut welche als Pfand für ein Darlehen gegeben wurden, in größerem man nicht einmal fenne, aus dem Zusammenhange heraus Maßstabe betrieben haben. Außer den Gebrüder Krause, welche, geriffen worden. Die Stellung des Angeklagten als Sozialwie gemeldet, bereits in der vergangenen Woche festgenommen bemotrat sowie die Ueberschrift seines Vortrags- Themas zeige wurden, find gestern noch drei ihrer Komplizen ermittelt und flar, daß er lediglich die Entwickelung der geschichtlichen 3 verhaftet worden. Die Hineingefallenen, von denen sich nur ein stände dargelegt habe, aber nicht bestimmte Persönlich fleiner Theil gemeldet hat, sind vorzugsweise Juhaber von teiten für diese Zustände und deren Entwickelung verantwortlich Restaurants mit Damenbedienung. Es wäre wünschenswerth, gemacht habe. Eine Beleidigung ließe sich den inkriminirten daß solche Beschädigten, welche noch keine Anzeige erstattet haben, Worten desselben, wenn man sie auch für fengestellt erachte, nicht dies nachträglich bewirken möchten. herleiten, wenn man wörtlich annehmen würde, in dem Sate vindizire Angeklagter den Gegensatz von Vernunft den Königen. Die Behauptung, Jemand sei unvernünftig, ist lediglich die Behauptung, er sei frant, und könne schon deshalb nicht beleidigend sein. Aber Vernunft annehmen" sei nicht in diesem Sinne zu verstehen, sondern im Zusammenhange des Vortrages heiße Vernunft an nehmen" offenbar nur: den thatsächlichen Verhältnissen sich beugend auf eine Würde verzichten, die durch die sozialen Verhältnisse nicht mehr getragen sei. Es könne doch keine Beleidigung sein, zu behaupten, Jemand stehe auf der gleichen Stufe wie der brasilianische frühere Kaiser, wie Karl V., Diokletian, wie die große Anzahl von Fürsten, die nach 1866 nur noch Bürger waren! Angeklagter habe von der Zukunft gesprochen, nicht von der Gegenwart. Er habe auch nichts ausgesprochen, was sich speziell auf den preußischen König der Gegenwart oder Zukunft bezieht. Bur Strafe dürfe nicht gezogen werden, was irgend Jemand aus den Worten des Angeklagten geschloffen habe. Wie verkehrt die Schlüsse politischer Gegner seien, zeige die Bemerkung des Staatsanwalts bezüglich der Revolution. Der Staatsanwalt übersehe, daß die Weltgeschichte eine fortlaufende Revolution, eine fortlaufende Entwickelung darstelle. An dem revolutionären umgestaltenden Prozeß in Gesellschaft und Staat arbeite der Staatsanwalt selbst als ein Hauptrevolutionär mit. Der Ans geflagte habe mit Recht betont, daß die blutigen Revolutionen in Gegensatz zu dem an sich unblutigen revolutionären Um geftaltungsprozeß, den wir in der Geschichte sich fortdauernd ab Im Prozeß Pens beträgt nicht, wie wir gestern meldeten, spielen sehen, von den Gewalthabern ftets gemacht seien. Auf die Strafe drei Jahre, sondern 2 Jahre 2 Monate Gefäng- feinen Fall dürfe für den Angeklagten straffchärfend ins Gewicht nik und 5 Jahre Ehrverlust. Hier sei gleich bemerkt, daß in fallen, daß er die Grenzen des Hochverraths gestreift habe, mit Ein überraschendes Ende, so schreibt ein Berichterstatter, diesem Falle Ehrverlust nach dem Gesetz unzulässig ist. Welche anderen Worten, daß er Hochverrath nicht begangen habe. Das hat die Untersuchung der Blumberger Wahl Motive den ersten Staatsanwalt, der diesen Antrag auf Ghr Gericht möge versuchen, in den Zusammenhang des Vortrags fchlacht, deren gerichtliche Erhebungen sich nun gerade zwei verlust ausdrücklich stellte, und die Richter zur Verhandlung dieser einzudringen; dann sei es aber unmöglich, zu einer Ver Jahre hingezogen haben, erfahren. Den sämmtlichen Blum- gefeßlich unzulässigen Strafe veranlaßt hat, ergiebt sich aus dem urtheilung zu gelangen, wie es umgekehrt ja selbstverständlich bergern, welche wegen schweren Landfriedensbruches und gemein- Inhalt und Lauf des Prozesses. Ueber die Verhaftung selbst möglich sei, durch Interpretation von drei beliebigen Worten schaftlicher Körperverlegung begangen am Tage der Reichstags- gehen uns folgende Einzelheiten zu: Den Vorsitz führte der Land- Jemand eines todeswürdigen Verbrechens für schuldig zu erachten. wahl vor zwei Jahren an Berliner Sozialdemokraten unter gerichts- Direktor Isenbart, den der Angeklagte abgelehnt In diesen Räumen solle die Politit schweigen und nur Gerechtig Anflage gestanden, ist jetzt von dem königlichen Landgericht II batte und nach dessen Ablehnung die Freilaffung des Angeklagten feit walten, diese fordere aber die Freisprechung. Der Gerichtshof verkündete nach Wiederherstellung der Deffents Straftammer I die Mittheilung zugegangen, daß fie auf Antrag gegen Raution erfolgt war. der föniglichen Staatsanwaltschaft außer Verfolgung Vor Beginn der Verhandlung verlangte der erste Staats- lichkeit, daß er den Angeklagten für schuldig erachtet, weil die gefeßt und das Hauptverfahren nicht eröffnet wird. Die anwalt, daß der Zuhörerraum des Sigungsfaales so weit geräumt Aeußerungen des Angeklagten dahin ausgelegt werden müssen: Roften des Verfahrens fallen der Staatstaffe zur Last. Bei acht werde, als Stehpläge eingenommen würden. Einen Zuschauer Die Könige haben zwar Vernunft, sie wenden sie aber aur Zeit ber Angeklagten hat die Boruntersuchung keinen Beweis dafür er- ließ der Staatsanwalt auch von seinem Sig entfernen, weil er nicht an. Der Angeklagte sei fich flar bewußt gewesen, daß, wenn geben, daß sich dieselben überhaupt am Landesfriedensbruch frühstückte, während der Gerichtshof sich nicht in dem Zimmer er im Allgemeinen spreche, er auch den preußischen König, in betheiligt oder Andere mißhandelt haben. Für die übrigen vier befand. Den Berichterstattern der Boltsstimme" wurde von dessen Gebiet und als dessen Unterthan er sprach, trifft, und habe Angeklagten ergab die Untersuchung, daß sie in berechtigter Nothwehr den vom ersten Staatsanwalt abgeordneten Polizeibeamten der dies auch beabsichtigt. Strafverschärfend falle ins Gewicht, daß der Angeklagte Gerichts- Beitung. gegen den nach Ansicht des Staatsanwaltes unberechtigten Angriff Butritt zum Zuhörerraum verwehrt. Zu Beginn der VerDer Sozialdemokraten sich befunden haben und konnte nicht bewiesen handlung beantragte der Staatsanwalt Ausschluß der Oeffentlich bereits vorbestraft fei, und daß sein Auftreten ein gemeingefähr werden, daß fie über die bloße Abwehr des Angriffs hinaus feit, weil durch die Verhandlungen der öffentliches fei, auch von einer ehrlosen Gesinnung zeuge. Er sei dess gegangen find. Auch die übrigen hinzueilenden Blumbergerlichen Ordnung Gefahr drohe. Peus und fein Ber- wegen mit 2 Jahren Gefängniß und 5 Jahren Ehrverluft zu jo heißt es in der Mittheilung des töniglichen Landgerichts aus- theidiger, Rechtsanwalt Arthur Stadthagen, widerspracheu diesem bestrafen. Diese beiden Jahre Gefängniß würden in Verbindung brücklich handelten in der Nothwehr, da sie durch den Ruf: Antrage, weil sicherlich durch die Ausführungen des Angeklagten die mit den 6 Monaten, die er in Berlin wegen Verächtlich machung Die Sozialdemokraten schlagen den Giese zu schanden", zweifellos Ordnung nicht gestört werden könne. Das Gericht beschloß die Deffent des Militärs erlitten hat, auf 2 Jahre 2 Monate reduzirt. in den Glauben versezt worden feien, den unberechtigten Angriff lichkeit auszuschließen, gestattete aber einem Berichterstatter einer Das Gericht beschloß ferner die Verhaftung des Angeklagten. Dem Antrage, den Angeklagten gegen Raution aus der Haft der Gegner gegen ihre Mitbürger abwehren helfen zu müssen, bürgerlichen Zeitung und einem der Volksstimme" anwesend zu zumal da Hornsignale durch das Dorf erklangen. bleiben. Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, in Magdeburg zu entlaffen, widersprach der Staatsanwalt. Das Gericht bes am 26. Oktober 1891 dadurch der Majestätsbeleidigung sich schloß gegen insgesammt 15 000 m. die Entlassung aus schuldig gemacht zu haben, baß er im Laufe eines Bortrages der Haft anzuordnen. Gegen das Urtheil ist bereits Revision über das reine Gewiffen der Sozialdemokratie" etwa folgendes eingereicht. aussprach: Zu verwundern ist dieses Vorgehen der Staatsanwaltschaft taum haben doch die Blumberger Helden mit ihren Baun Latten und Dreschflegeln die bestehende Ordnung vertheidigt! Daß die Staatsanwaltschaft im umgekehrten Falle eine gleich weitgehende Rücksichtnahme für am Playe gehalten hätte, muß als ficher angenommen werden. -O Der Verlauf der Verhandlung, insbesondere aber die Bers In der Beseitigung des Königthums liegt kein Verbrechen. hängung einer Ehrenstrafe, deren Unzulässigkeit bei Majestätsa Wenn wir das Königthum abschaffen, so begehen wir kein Un- beleidigungen gefeßlich außer jedem Zweifel steht, sowie die Eine Belohnung von nahezu 9000 Mark, nämlich von recht. Wenn die Herren Könige einmal in die Nothwendigkeit Wiederverhaftung des schwergeprüften Angeklagten, läßt an Ben 2000 Dollars ist, wie ein Chicagoer Detektivinstitut der hiesigen versetzt werden, Vernunft anzunehmen, dann würden wir schon Akiba's Wort„ Es ist Alles schon mal dagewesen" zweifeln. Von den beiden Kindern des Angeklagten ist das älteste ein Jahr das Der Angeklagte gab zu, im Laufe seiner Rede ähnliche Aus- jüngste ein Monat. Ihre Mutter ist erst dieser Tage während Kriminalpolizei mittheilt, auf die Ergreifung zweier flüchtiger mit ihnen fertig werden." Defraudanten, der Gebrüder John und Alexander Standiford, ausbrücke gebraucht zu haben, bestreitet aber, etwas anderes dadurch der Haft des Angeklagten verschieden. Der Vater kann ihnen gesetzt, welche sich einer Beruntreuung gegen die Bantfirma Chris ausgedrückt zu haben als den Gedanken, daß die politischen Ver- aber nur zur Seite stehen, wenn er 15 000 Mart Raution stellt. man zu Edgar- County schuldig gemacht haben. Photographie und Berfonalbeschreibung der Flüchtlinge fönnen bei der hiesigen bem Vorwurf der bürgerlichen Parteien, die Sozialdemokraten unserem chriftlichen Staat, das für sich selbst spricht. Glüd hältnisse durch die sozialen gebildet werden und daß gegenüber Es ist das ein Bild aus unserem christlichen Zeitalter und Kriminalpolizei in Augenschein genommen werden. wollten gewaltfam das Königthum abschaffen, zu entgeguen fei, licherweise giebt es auch noch Menschen, die mit ihrem Unglück in der Ehe war der Beweggrund zu einem Selbst, daß sehr wohl denkbar sei, daß Könige durch die Verhältnisse ge- Christenthum, dessen erstes Gebot die Nächstenliebe ist, nicht mordversuch, den vorgestern Nachmittag eine seit mehreren zwungen werden würden, auf ihr Königthum zu verzichten; dann prahlen und gerne darauf verzichten, moderne Christen zu sein. Monaten in einer Chambregarnie der Friedrichstadt wohnende würde sich in ähnlicher Weise wie beim Kaiser von Brasilien Diese Heiden aber haben die nothwendigen 10 000 m. bereit ges stellt, damit Genosse Peus auf freiem Fuße das Ergebniß der junge Dame machte. In der in der Friedrichstraße belegenen sehr leicht eine Einigung herbeiführen Loffen. Benfion lebte feit Mitte vorigen Monats eine Frau B. aus Wien Der als Zeuge vernommene Polizeitommiffarius von der Revision abwarten und mittlerweile an seinen armen Waisen in ftiller Zurückgezogenheit. Die hübsche, junge Frau ging nur Often bekundete, baß die Rede etwa zwei Stunden gedauert Bater- und Mutterstelle vertreten und für die Zeit seiner wenig aus, verkehrte fast gar nicht mit den übrigen Infaffen der habe. Ob die inkriminirte Aeußerung wörtlich gefallen fei, tönne eventuellen Haft für die Zukunft der armen, hilflosen Wesen Benfion und galt bei denselben als menschenfcheu, umsomehr als er nicht behaupten, wohl aber wisse er bestimmt, daß er dieselbe forgen fann. Daß der Magdeburger Staatsanwalt sogar das fie beharrlich jeder Annäherung aus dem Wege ging. Nur unter dem unmittelbaren Eindruck des Gehörten so figirt habe. gegen noch sprach, daß Peus in die Möglichkeit versetzt werdefoviel war ben Miethsleuten durch Aeußerungen der Frau B. Er habe angenommen, daß der lebende preußische Rönig durch seine Freilassung gegen Raution für seine leiblichen der bekannt, daß fie eine Scheidungsflage gegen ihren in Wien damit getroffen werden solle, und dies besonders aus einigen Mutter beraubten Kinder zu sorgen, zeigt uns diesen Herren auf wohnenden Gatten, einen Ingenieur angestrengt habe und vorher im Vortrage gefallenen Aeußerungen gefchloffen, welche einer Höhe humaner Weltanschauung, wie sie wohl nur ein infolge beffen mit ihren Eltern der Vater der jungen fich auf einem impofanten Schimmel bezogen, auf dem Jemand preußischer Staatsanwalt zu erklimmen vermag. Frau ist ein Hausbesiger im Osten Berlins- gänzlich verfeindet fine, ber auch gern einmal siegen möchte. Prozeß Ahlwardt. fei. Vor acht Tagen reifte Frau B. nach Wien zurück, Angeklagter legt dar, daß er von einem Bleibtreu'schen Ges Vor der II. Straffammer hiesigen Landgerichte I begannen um dem Ehefcheidungs- Termine beizuwohnen, fam an biefem mälde gesprochen hat, das sich auf den Krieg von 1870 beziehe. Sonnabend früh wieder in der Pension an und erzählte dem fie Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten der Majestätsbeleidigung gestern Vormittag die Verhandlungen gegen den Rettor Hermann begrüßenden Inhaber derfelben, daß sie sehr unglücklich sei, weil für überführt. Wenn der Angellagte ein allgemeines Urtheil über hI wardt, welcher befchuldigt wird, im August 1890 burch fie nicht von ihrem Gatten geschieden würde. Während des vor Rönige gefällt habe, fo beziehe fich daffelbe auch auf den preußischen die von ihm verfaßte Broschüre„ Der Verzweiflungskampf der geftrigen Tages blieb Frau B. auf ihrem Zimmer und schrieb am König, da dieser nicht ausdrücklich ausgenommen sei. Daß der aririschen Völker mit dem Judenthum" 1. den Lehrer Heiseke, Nachmittage einige Briefe, welche das Stubenmädchen am Abend Angeklagte mit Bewußtsein den preußischen König im Auge 2. den Magistrat und die demselben unterstellten Organe und zur Bost bringen sollte. Als das Mädchen gegen sechs Uhr an gehabt habe, ergäbe die Schilderung des Polizeikommissarius Beamten der Elverwaltung, 3. den Lehrer Klopstech, 4. den bie Thür des Zimmers flopfte, antwortete ihr Frau B. nicht, von der Often. Er sowohl wie das Gericht habe ja dem An- Lehrer Bühring, den Lehrer Holzmann und 6. den pratt. Arzt und da die Klopfende ein leifes Mechzen und Stöhnen hörte, fo getlagten schon früher eröffnet, daß ihn eine hohe Strafe treffen Dr. Freudenberg im Sinne des§ 186 St.- G.- 8. öffentlich be trat sie schnell ein und fand die junge Frau blutend und be- müsse. Er bitte, eine hohe Strafe festzusehen, weil der Angeklagte leidigt zu haben, . Ltleidigungen der Lehrer knüpfen sich an Vorgänge, «>'3- doS Lehrerkollegium der 147. Gemeindeschule zu einer joeichroeibe bei der städtischen Schuldeputalion veranlaßt hatten. »Is nn Jahre 1S8S die Weihnachtszeit nahte, sammelte der in sinautielle» Schwierigkeiten sich befindende Angeklagte ms Rektor der 147. Gemeindeschule Namens der Lehrerschaft Welhnachtsgaben. Der Lehrer Heise!« und mehrere seiner Kol- trgen glaubren schon Ende November aus einem ihnen zufällig »n du Hände gefallenen Sammelbogen sich überzeugen zu können, £??,>ur die Weihnachtsgaben schon über 1000 Mark gezahlt bezw. «öeiträge gezeichnet wären. In der Lehrerkonfer?nz vom 1. Deznnber 183S legte der Angeklagte nun eine Liste vor, dl» nur mit 410 Mark Zeichnungen abschloß; dies , Verdacht bei der Lehrerschaft, und das Kollegium erstattete im Wege der Beschwerde der Behörde Anzeige «on den Lehrern wurde dem Angeklagten vorgeworfen. daß er * 1" der betreffenden Lehrerkonferenz über die Angelegeuheit on Weihnachts-Sammlungen aufgenommene Protokoll Nachtrag- ilch durch den Paffus ergänzt habe:„Die Sammelliste wurde geprüft und für richtig befunden." Der Anqeklagte beschuldigt vagegen in seiner Broschüre den Lehrer Heiseke, daß er das Protokoll über die Lehrerkonferenz beseitigt und in dem neu von ihm angefertigten Protokoll den oben mitgetheilten Passus, welcher ««stimmig gesaßt worden sei, weggelassen habe. Der Angeklagte schuest Huraus auf ein gegen ihn gerichtetes Komplot und schleudert gegen Heiseke die gröbsten Beleidigungen. Er beschuldigt ihn des Doppelspiels, der wissentlich falschen Denunziation und bezeichnet ihn und die mit ihm zusammen agirenden Lehrer als eine Rotte von Leuten, die gemeinschaftlich Handlungen begehen, welche unter das Strafgesetz fallen. Er nennt die Lehrer bewußte t-ngner,„die zu ihrer Schandthat nur aus Furcht vor zukünftigen Uedeln oder in der Hoffnung künftiger Belohnung ihre Unter- lchnft hergegeben hätten. Ter Angeklagte behauptet weiter, daß seuie Schwiegermutter, welche die Reinigung der Schule besorgte. vom Lehrer Heiseke brutal behandelt worden sei. er beklagt fich über Lug, Trug und Schwindel bei seinen Untergebenen und «mg und Trug und Heimtücke bei seinen Kollegen k. k. Weit schwerwiegender und bedeutungsvoller sind die Angriffe. «eiche der Angeklagte in seiner Broschüre gegen die st ä d t i s ch e Verwaltung im Allgemeinen und die städtische Schnl- deputation im Besonderen richtet. Ein besonderes Kapitel betitelt fich„Das Judenthum in der Berliner Gemeinde- Verwaltung. Er behauptet, daß die Berliner Gemeinde» Verwaltung ganz und gar in Judenhände gefallen und daß die stadlische Scbuldeputalion zum größten Theile aus Juden bestehe. W'.e viele Millionen bei Grundstücksankäufen und-Verkäufen «nebenher" � flössen, lasse sich schwer sagen. Er behauptet, daß in vielen Fällen anzukaufende Grundstücke in die Hände von Stadtverordnelen oder deren Angehörigen ge- rathen wären und dann mit ungeheurem Nutzen an die Stadt verkauft worden seien. Als Beisviele führt er Osdorf. den städtischen Viehhof, die Markil>lle in der Doro- theenstraße. die Margaretbenschule, die Hauser. welche wegen des Durchbruches der Zimmerslraße angekauft werden mußten, die Grundslücke am Urban, den Ankauf des Gartens vom Hause Friedrichstraße_ 127 jc. auf. Wer politische Sklaverei und die rajfinirleste, tödtlichste, politisch« Verfolgung und Knechtung kennen lernen wolle, der müffe nach Berlin kommen. Tie Korruption, welche dem ganzen Inhalte der Broschüre nach in Berlin herrschen muß. sucht der Angeklagte durch gelegentliche kleine Geschichten zu erweisen. So erzählt er, daß ein gänzlich unfähiger Lehrer Rektor geworden sei, nur weil er in der Familie des Dr. Straßmaun Privatunterricht gegeben habe. Er behauptet, daß sein früherer Schuldiener Augustin angestiftet worden s«. ihm Entwürfe zu Zeitungsartikeln. Berzeichniff« seiner Schulden und ähnliche Sachen zu stehlen, um der Behörde als Material zum Vorgehen gegen ihn zu dienen. Nach seiner Behauptung sei em von ihm namhaft gemachter Lehrer von einem bestimmten Rektor direkt zu verbrecherischen Handlungen aufgefordert, die Disziplinar- Untersuchung gegen ihn sei mit ganz unlauteren Mitteln vorbereitet worden. Eämmtliche Disziplinaruntersuchungen dieser Art seien bis dahin an städtische Beamte übertragen ge- «esen und auf diese Weise sei fast noch jeder Angeklagte beseitigt worden, wunderbarer Weise seien dies aber immer Leute seiner Gesinnung gewesen. Er führt eine Reihe von Beispielen an, in welcher nach feiner Behauptung Lehrer, die fortschrittlicher Färbung waren, keinerlei Anfechtungen zu erleiden gehabt, obwohl sie sich sehr unschöne uud unmoralische Thaten hätten zu Schulden kommen lassen, während bei viel geringeren Anlässen antisemitische Lehrer kassirt woroen wären. Eine weitere Behauptung geht dahin, daß der Schulinspektor Dr. Zwick dritten Personen gegenüber von seinem heißen Wunsch, den Angeklagten gestürzt zu sehen keinerlei Hehl gemacht, ja versprochen habe, sich denjenigen dauernd zu merken, der dazu beitragen würde. Tie Vertreter der städtischen Schuldeputalion hallen ihn in seiner finanziellen Roth unter dem Deckmantel der größten Liberalität mit vielen vergifteten Nadel- stichen zu Tode gemartert, Schulinspektor Dr. Zwick habe den Hof an Hof mit ihm wohnenden Rektor Fietz veranlaßt, täglich ganz genaue Koulrollnotizen über ihn(den Angeklagten) zu machen und darüber Berichte anzufertigen, man habe seiner Schule immer die schlechteste» Kinder zugeschickt, andererseits sei ein Theil der seiner Schule überwiesenen Lehrer direkt für ihn ausgewählt worden, bei Beschwerden habe er oft gar keine A»t- wort erhalten und sei fried- und rechtlos geworden. Dem Schul- insveklor Dr. Zwick geht der Angeklagte überhaupt auf vielen Seiten seiner Broschüre scharf zu Leibe. Einem anderen Lehrer redet er nach, daß er von einem„höheren Schulbeamten" zu einem Schurkenstreich gegen ihn angestiftet worden sei. Die Er- zählungen aller dieser Vorgänge und Erlebniffe des Angeklagten füllen viele Seiten und sind mit vielen Beleidigungen gegen die verschiedensten Personen durchsetzt. Daneven lausen immer Betrachtungen über die in der städtischen Verwaltung herrschende politische Sklaverei und die Tyrannei des ForlschrittsringeS. Der Angeklagte behauptet u. A., es sei von Beamten des Magistrats Lieferanten versichert worden, daß sie, wenn sie die politische Gesinnung wechselten und zur Fortschrittspartei überträten, sie die Lieferung für die Stadt bekommen würden. Dr. Hermes habe die anzustellenden Lehrer und Rektoren vor ihrer Anstellung einem politischen Examen unterwerfen müssen. Um seine Darstellung von der Verjudung der Berliner Gemeindeverwaltung und dem schädlichen Einflüsse der Juden in dieser Verwaltung weiter zu illustriren, überhäuft der Angeklagt« speziell noch den Stadtrath M a m m r o t h mit Anschuldigungen der fchwersten Art. Er behauptet, daß derselbe seine Aemler in der Verwaltung der Dalldorfer Irrenanstalt und des Rummels- burger Waisenhauses dazu benutzt habe, um sich und seinen Freunden unlautere Vortheilt zu oerschaffen. Er beschuldigt den- selben weiter, aus einer städtischen Kasse bedeutende Geldvorräthe zu entnehmen und dafür Wechsel zu hinterlegen, auf Mammroth's Veranlassung seien auch dem verstorbenen, fallit gewordenen Bankier und Stadtverordneten Jakobs städtische Gelder gegen Wechsel gegeben worden jc. jc.— Dies sind im Allgemeinen die Hauptpunkte, um welche sich die Verhandlungen drehen dürften. Der Magistrat und die von dem Angeklagten beleidigten einzelnen Personen behaupten, daß die Broschüre die Thatsachen willkürlich falsch darstelle, theilweise aber auch völlig unzutreffende Dmge behaupte und von den schweren Anschuldigungen des Angeklagten leine einzige wahr sei. Der Beweisaufnahme wird es vor- behalten bleiben, hierüber Licht zu verbreiten. Die Verhandlungen, welche im kleinen Schwurgerichts-Saale statttfinden, erregen das lebhafteste Jntereffe de» Publikums, welches schon lange vor Beginn der Sitzung den gesammten Bor- taum vor dem Sitzungssaal« füllt. Den Vorsitz führt Landgerichts- Direktor Brausewetter, die Anklage vertritt Siaalsanwalt b. Rheinbaben. die Vertheidigung führt Recdlsanwalt Dr. Schwind, den Magistrat vertritt Justizrath Dr. Horwitz als Nebenkläger, außerdem hat sich Dr. med. Freuden derg ««n Verjähren als Nebenkläger angeschlossen. Der Vertreter desselben ist Stadw. Etadthagen.— Unter dm Zeugen be- finden sich Stadtsyndikns E b e r t y. Stadtkämmerer M a a ß, Stadt-Schulinspektoren Dr. Zwick und Dr. Jonas, Sladtv. Dr. Hermes, Stadtv. Pineussohn, der früherere Stadtv. D o p p. Der gleichfalls als Zeuge vorgeladene Stadtrath M am m- ro th, welcher in Italien weilt, ist nicht erschienen. Die Stadlräthe Schreiner und Schäfer wohnm der Verhandlung bei. Ter Angeklagte beantragt, auch den Justizrath Dr. Horwitz als Zeugen zu vernehmen, indem er behauptet, daß derselbe das Haupt der gegen ihn inszenirten Verfolgung sei und in der Scbnl- deputation den Beschluß gezeitigt zu haben, daß antisemitische Lehrer und Rekloren nicht mehr angestellt werden sollen. Der Angeklagte erklärt serner, daß der Lehrer Holzmann, ein alter Freund von ihm, bereit sei, den Kloge-Antrag zurück zu nehmen, wenn er öffentlich erkläre, daß es ihm leid thue, denselben be- leidigt zu haben. Justizrath Dr. Horwitz protestirte hiergegen, da der Magistrat als vorgesetzte Behörde der einzelnen Lehrer den Strafantrag gestellt und könne denselben auch nur seinerseits zurücknehmen. Der Angeklagte erklärt auf Befragen, daß er sich nicht für schuldig bekenne. Jede beleidigende Absicht habe ihm vollständig fern gelegen, er habe nur das Bestreben gehabt, gegen allgemeine große Schäden auskämpfen, unter dmen das Vaterland leide. Seines Wissens sei nur eine einzige beleidigende Aeußerung in den fraglichen Kapiteln enthalte» und das sei der Vorwurf .einer bewußten Lüge", den er an einer Stelle gemacht.— Präs.: Es sind eine ganze Menge beleidigender Ausdrücke m der Broschüre enthalten.— Angekl.: Im Wesentlichen be- kämpft die Broschüre das Wucherthum und ich befand mich wohl in Wahrnehmung berechtigter Interessen, als ich die Broschüre schrieb, da ich mich selbst 12 Jahre in Wucher- Händen befand, aus denen ich mich jetzt allerdings befreit habe. — Präs.: Ein Beamter, der sich in Wncherhänden befindet— und wenn es nur ein Jahr ist— ist meiner Ansicht nach nicht mehr sähig, ein Amt oder eine Lehrerstelle zu bekleiden, er ver- liert das Vertrauen seiner Behörde und der Eltern, die ihm ihre Kinder anvertrauen.— A n g e k l.: Herr Präsident, wenn jeder Beamte, der sich in Wucherhänden befindet, seines Amtes ver- lustig gehen sollte, so würde das Deutsche Reich den größten TKeil seiner Beamten verlieren und nur 46 pCt. behalten. Es befinden sich Beamte aus den niedrigsten und höchsten Kreisen in Wucherhänden. Ich darf wohl daraus aufmerksam machen, daß selbst ein Mitglied einer h.esigen Strafkammer sich das Leben hat nehmen müssen. Zur Verlesung gelangt zunächst aus der Broschüre ein Theil des Abschnittes:„Ter Jude in Medizin, Wisienschast und K»»ft". Es heißt darin:„Ein Barbier Nerrlich ist Koniniissionsmitglted einer Krankenkasse;«in jüdischer Arzt. Dr. Frendenberg, machte bei ihm einen direkten Bestechungsversuch, um Kassenarzt zu werden."— Der Angeklagte behauptet, daß er auch hier nicht einen einzelnen Menschen beleidigen, sondern öffentliche Miß- stände bloßlegen wollte. Die Angabe in der Broschüre be- ruhe auf Mittheilungen des Barbiers Nerrlich.— Zeuge Dr. Fleudenberg bestreitet mit aller Entschiedenheit, jemals einen Bestechungsversuch gemacht zu haben. Die Sache habe s. Z. schon Veranlassung zu Ermittelungen Seitens seiner Berufsgenossen oegeben und es bade sich dabei herausgestellt, daß Nerrlich aller- dings das Gerücht verbreilet habe, nachher habe derselbe aber zu- gegeben, sich geirrt zu haben.— Sanitütsrath Becher bekundet, daß in der Sanitalskommission Herr Nerrlich eines Tages geäußert habe, es sei doch nicht schön, daß Aerzte Geld offeriren, um Kassenärzte zu werben. In der betr. Versammlung habe man sofort gerufen:„Namen nennen!" und Herr Nerrlich habe darauf den Namen.Freudenberg" genannt. Die Aerzte haben die Sache vor das Ehrengericht bringen wollen, auf nochmaliges Befragen habe Herr Nerrlich aber seine Behauptung zurück- gezogen.— Zeuge Nerrlich erklärt, ein Arzt habe ihm überhaupt kein Geld geboten, sondern �iner seiner Kollegen habe ibm nahe gelegt, daß er schönes Geld damit ver- dienen könnte, wenn er einen bestimmten Arzt protegire. Er könne sich aus die ganze Sache gar nicht mehr besinnen, dieser Dr. Freudenberg habe aber mit derselbe» gar nichts zu thun. Seine Namensnennung müsse auf eine» Jrrthum beruhen, er glaube, es gebe noch einen anderen Dr. Freuvenderg.— Saniläts- rath Dr. Becher betont noch, daß Herr Nerrlich später einen ganz anderen Arzt genannt habe.— Dr. Freudenberg macht darauf aufmerksam, daß der Augeklagte in der Vor- Untersuchung bebauptet habe, zwei Aerzte härten ihm die be- treffende Mittheilung gemacht. Der Angeklagte lehnt es ab, diese Aerzte zu nennen, da Jeder, der einen Juben beleidige, lebenslängliche Verfolgung ausgesetzt sei.— Dr mvä. Schmechten bestätigt, daß der Barbier Nerrlich den Namen Freudenberg ge- nannt und daß die Ermittel ngen ergeben haben, daß der Zeuge Dr. Frendenberg mit der ganzen Sache nichts zu thun habe.— Der Angeklagte behauptet, daß Professor Becker dem Dr. Freudeuberg ein wohlwollendes Attest ausgestellt habe, diese Thatsache wirb jedoch von Professor Becker und dem Dr. Fr. für unwahr erklärt. Es folgt der Fall mit dem Lehrer H o l z m a n n. Ueber die Frage, ob der Magistrat für denselben den Sirafantrng stellen könne, sind die belbeiligten Faktoren verschiedener Meinung. Es wird auch Geh.-Rath Sladtrath Schreiner vernommen. Justizralh Horwitz nimmt seinen Einspruch zurück, die Sache erledigt sich jedoch dadurch, daß Lehrer Holzmann erklärt, den Slrasantrag nicht zurückzunehmen. In diesem Falle handelt es sich um Folgendes: Ein Lehrer Z. war in Wucherhänden ge- wesen: Di« Broschüre behauptet, Z. habe sich zu dem Lebrer Holzmaun begeben und ihn um ein Darlehen von ISO M. oder um das Recht gebeten, ihn in dieser Höhe beliebig zu verpfiichten. Holzmaun habe diese Erlaubniß auch lächelnd erlheitt, als der Wechsel dann bei der Frau Holzmann protestirt worden sei, habe Holzmann denunzirt. Bei der Voruntersuchung habe derselbe gesagt, daß er die Erlaubniß vielleicht aus Scherz ertheilt habe, später habe er aber direkt erklärt, er habe solche Erlaubniß nie ertbeilt. Inzwischen seien nämlich ganz andere unheimliche Kräfte in Aktion getreten. Lebrer Z. sei wegen Wechselfälschung zu einer dreimonatlichen Ge>ängnivstrafe venirlheUt worden, der Kaiser habe aber dieselbe sofort in eine Geldstrafe von 30 Marl umgewandelt.— Der Angeklagte er- klärt, daß sein Gedankengang folgender gewesen sei: Der Lehrer Holzmann betreibe seit Jahren neben seinem Lehrerberuf ein um- sangreiches Holz- und Kohlengeschäft und da seine vorgesetzte Be- börde ihm darin leicht einen Strich durch die Rechnung machen können und anderseits derselben sehr daran gelegen war, den Lehrer Z. los zu werden, so habe der Lehrer Holzmann wahrscheinlich seiner Be- Hörde zu Diensten sein wollen. Lehrer Holzmann erklärt die Dar- stellung in der Broschüre für ganz entstellt. Thalsächlich habe er niemals die Erlaubniß zur Benutzung feines NamenS aus Wechseln ertheilt und aus diesem Grunde auch die Denunziation — aber nicht persönlich gegen Z.— eingereicht. Später, als er erfahren, daß es sich um Z. handelte, bade er denselben möglichst retten wollen und deshalb zunächst bei beul Kriminalkommisiarius Hasper allerdings von der„Möglichkeit" gesprochen, daß er die Erlaubniß zur Benutzung seines Namens gegeben habe: später bei setner eidlichen Vernehmung habe er natürlich die Wahrheit sagen müssen. Er fühle sich dadurch beleidigt, daß die Broschüre diese ganzen entstellten Vorgänge unmittelbar an die Bebauptung knüpfe, daß künstliche Wechselfälschungen konstruirt würden und der hier besprochene Fall ein solcher„künstlicher" sei.— Aus direktes Befragen erklärt der Zeuge unter feinem Eide, daß auf seine Entschließungen von seinen Vorgesetzten keinerlei Einfluß ausgeübt worden sei- er habe auch nie gehört, daß jemals aus Kollegen von den Bor- gesetzten ein Einfluß ausgeübt warben sei. Alles anzuzeigen, was antisemitisch« Lebrer stürzen könnte.— Der Augektagle behauptet, daß die Kollegen, nameullich der Lehrer Krüger, ungünstig aus den Zeugen eingewirkt haben. Er habe nur beweisen wollen, daß. obwohl der Lehrer Z. vollständig unschuldig war, derselbe doch seiner antisemitischen Gesinnung wegen entlassen worden sei. während man große Verbrecher ruhig im Amte be« lassen habe.— Justizrath Horwitz: Bei der ganzen An« gelegenheit des Lehrers Z. habe dessen antisemitische Gesinnung keinen Augenblick in Frage gestanden, sondern lediglich dessen vollständige ökonomische Zerrüttung. Tai Provinzial- Schulkollegium habe die Amtsentsetzung verfügt, nachdem die Verurtheilung des Z. erfolgt war. der Lehrer Z. habe die Be- rusung eingelegt, das Staatsnnnisterium habe es aber bei der Anitsenffetzung belassen.— Angekl.: Er habe nur ein In- tereffe daran gehabt, nachzuweisen, daß hier ein Mann entlasten worden sei, blos weil er eine scherzhaft gegebene Erlaubniß für eine ernst hafte gehalten, während notorische Ehebrecher ruhig im Amte belassen worden seien. Er müsse mit tller Bestimmtheit dabei bleiben, daß der Zeuge Holzmann sich im Z.'schen Ver- fahren eines Widerspruchs schuldig gemacht habe. Auf noch« malige Frage des Präsidenten, ob der Zeuge den Etrasanlrag zurückziehen wolle, erwidert der Gefragte zustimmend, da seine Ehre durch die stattgehabte Beweisaufnahme wieder hergestellt worden sei und dies in der ausgedehntesten Weise in die Oeffent- lichkeit dringen würde. Da der Vertreter des Magistrats, Justiz« rath Horwitz sich bereit erklärt, den Strasantrng ebensalls zurück- zuziehen, so ist dieser Fall damit erledigt. Der nächste Punkt betrifft die Beleidigung des Lehrer? Heiseke. Der Angeklagte erzählt in seiner Broschüre Vor- gänge, welche bei Gelegenheit der von ihm veranstalteten Weih- nachtssammlungen innerhalb seines Lehrerkollegiums vor- gekommen waren und zu einer Denunziation der Lehrer bei der Schuldeputation geführt haben. Der Angeklagte behauptet, daß er hier ein schmähliches Komplot gegen ihn vorliege und be- zeichnet den Lehrer Heiseke als den geistigen Urheber desselben. Der Angeklagte bestreitet, daß die Sammelliste von dem„Lehrer- kollegium" unterzeichnet gewesen sei, vielmehr habe er dieselbe mit seinem Namen und demjenigen des Schulkommissions-Vorstehers Maaß unterschrieben. Als er den Lehrern in einer abgehaltenen Lehrerkonferenz von dem Resultate der Sammlungen Mit- lheilung gemacht, habe der Lehrer Leisegang daS Protokoll geführt. Das Lehrerkollegium habe sämmtliche Summen addirt und im Protokoll sei vermerkt worden:„Die Liste ist geprüft und für richtig befunden worden." Kurz vor Schluß des Pro- tokolls habe Herr Lehrgang die Konferenz verlassen müssen und Herr Heiseke habe die Protokollführung für den letzten kleinen Rest übernommen. Herr Heiseke habe das ProtokoUbuch mit nach Hause genommen und als er dasselbe am nächsten Tag« wiederbrachte, habe sich ergeben, daß das von Leisegang geführte Protokoll herausgerissen war und daß Heiseke in seinem Protokoll den Zusatz:„Die Lifte ist geprüft und für richtig befunden worden," fortgelassen habe. Heiseke habe daraus erklärt, daß er das Blatt herausgerissen babe, weil nicht zweierlei Handschriften im Protokoll stehen sollten und daß er den Zusatz fort gelassen habe, weil er von demselben Nichts wußte. Er habe ihn aber sofort überzeugt, daß der betr. Beschluß that- sächlich gesaßt worden sei und Heisecke habe dann die Bemerkuna noch namträglich hingeschrieben. Er habe dann mit dem Schul- kommisiions-Borsteher Maaß, dem einzigen, welchem er Rechen- schaft schuldig war, jeden einzelnen Posten der Liste durchgesehen und Alles genau geprüft und nachdem Alles für richtig befunden, habe Maaß ihm Decharge ertheilt. Einige Zeit darauf haben seine Lehrer die Einberufung einer Konferenz veantragt und in derselben seien sie plötzlich mit der Behauptung ausgetreten und sie hätten Gelegenheit gehabt, im Amtszimmer die Sammelliste vor der Decharge-Ertheilung durch» zusehen und sie hätten sich genau überzeugt, daß in derselben über 1000 M. gezeichnet gewesen seien. Er habe dagegen sofort oppouirt und den Lehrern klar gemacht, daß unter der Liste zweifellos auch die Listen der beiden Vorjahre gelegen und sie die Summen derselben irrthümlich zuaddirt hätten. Ihm sei dies sofort klar gewesen, als die Lehrer sagten, sie hätten sich sogar einige Namen genannt und dabei Namen von solchen Spendern nannten, an welche er sich m diesem Jahre garnicht gewandt hatte. Er habe die Lehrer sofort aufgefordert, bei den betr. Spendern Nachfrage zu halten, dieser Aufforderung sei aber Niemand nach- gekommen. Als dann später dt« S Lehrer an die Schuldeputation beschwerdeführend gingen und die Behauptung aufstellten, er habe die(von Heiseke zugefügte) Bemerkung über die stattgehabte Kontrolle der Liste, wider den Willen und ohne Wissen der Lehrer hinzugefügt, da sei er allerdings äußerst erregt geworden, weil man ihm damit schlankweg eine Urkundenfälschung vorwarf und in dieser gereizten Stimmung habe er die Worte„bewußte Lügner" georaucht. Zeug« Lehrer Heiseke: Schon Ende November habe der Angeklagte den Lehrern mitgelheilt, daß die Weihnachtsgaben in diesem Jahre reichlich flössen. Eines Tages habe er(Zeuge), als er flch niit mehreren Kollegen im Konferenzzimmer befand, dort ein Buch mit einem interessanten Titel gesehen, und als er dasselbe in die Hand nahm, sei eine Liste herausgefallen, welche sich auf das Jahr 13SS bezogen habe und unlerzetchnet gewesen sei:„Das Lehrerkollegium der 147. Ge- meindeschule. H. Ahlwardt, Rektor." Er und die anwesenden Kollegen hätte» die Summen zusammengezählt und sich überzeugt, daß 107uM. eingekommen waren, und es habe deshalb auffallen müssen, daß der Angeklagte behauptete, es seien nur 410 M. gesammelt worden. Der Zeuge bestreitet, daß er das Leisegang'sche Protokoll widerechllich beseitigt habe, im Gegentheil habe Ahl- warbt gewußt, daß er das ganze Protokoll neu anfertigen würde, denn der Angeklagte habe daS Blatt mit dem Le»segang- schen Protokoll selbst herausgeschnitten. Als Ahlwardt monirte, daß er in dem Protokoll ja den Passus von der Kontrolle der Liste ausgelassen have, habe er diese Thatsache überhaupt sofort adgeleuguet, dann aber habe er sich doch dazu verstanden, diesen Passus hinzuzusetzen, das Lehrerkollegium babe aber eine Bemerkung i>em Prolokolle hinzugefügt:„daß dieser Passus von Herrn Rektor Ahlwardt elgenmächtig zugesetzt sei". Auf eine Be- merkung des Präsidenten bestreitet Zeuge entschieden, daß ein Komplot gegen den Angeklagten vorgelegen habe. Auf die Frage, warum man denn nicht in dem Augendlick, als Ahlwardt die Erträg- niffe der Sammlung aus nur 410 M. angab, sofort ihm entgegen« gehalten have, daß man ja eine weit höhere Liste gesehen habe, erklärt der Zeuge zuerst, daß man daran in jenem Augenblicke wohl nicht gedacht have und später, daß man wohl nicht den nölhigen Muth hatte, dem Vorgesetzten gleich schroff entgegen zu treten. Der Zeuge behauptet, daß man gar nicht die Adstchl ge- habt habe, den Angeklagten zu denunziren, sondern daß man schließlich zufrieden gewesen wäre, wenn derselbe wenigstens über die 410 M. volle Rechnung hätte legen können, aber auch das konnte er nur zum Theil. Als die Sache ruchbar ge- worden, habe der Schulinspektor gesagt: wenn die Sammlungen NamenS des Schulkollegiuins geschehen seien, so müßten die Lehrer bis auss Tipfelchen über dem i Rechnung verlangen. Darauf sei dann die Beschwerde über den Angeklagten abgegangen.— Der Angeklagte erklärt die ganze Darstellung des Zeugen für falsch und unlogisch. Er betont, daß die Denunziation der acht Lehrer entschieden falsche That- fachen enthalte, indem darin stehe, daß er, Ahlwardt, den viel» beregten Zusatz„eigenmächtig" gemacht und das Protokoll dahin ergänzt habe. Thalsächlich rühre diese Ergänzung von der Hand des Zeugen her. Ferner wiederholt der Angeklagte, daß er den Zeugen wiederholt ausgefordert habe, doch mit ihm zu den an- tebttch von ihm in der Liste bemerkten Spendern zu gehen.— Zer Zeuge erwidert, daß er an dem betreffenden Tage keine Zeit dazu gehabt und im Uebrigen geglaubt habe, die Sache werde sich noch friedlich erledigen. Der bemängelte Ausbruck in der Denuuzialion sollte nur an- deuten, daß Rektor Ahlwardt durch ihn, Zeugen, das Protokoll have ergänzen lassen.— Der Zeuge bekundet noch, daß die Lifte, welche er s. Z. in dem betreffenden Buch« vorgesunden halte. keine eigentliche Li'« war, sondern zwei lose Blätter.— Ueber die thalsächiiqen Borgänge sind der Angeklagt« und der Zeugs birekt entgegengefekter Ansicht und Jeder beharrt bei feiner Dar- Imachte, als der Fürst von Battenberg den bulgarischen Thron theil entfernt. Borher äußerte er zu feinen Rameraden, ftellung. Der Angeklagte behauptet, daß der Zeuge unwahrheiten beftieg, als der Beuge diese Bemerkung verlesen will, wird ihm daß er sich das Leben nehmen werde, weil er die Miß befunde, um amtliche Vortheile zu erreichen, wenn er mithelfe, einen vom Präfidenten bedeutet, daß es nicht zur Sache gehöre. Der handlungen, welche ihm der Unteroffizier Müller zufüge, nicht Antisemiten zu beseitigen. Der Zeuge erklärt in großer Erregung, Angeklagte macht darauf aufmerksam, daß er damals schon von länger ertragen fönne. Beim Appell hatte ihn der Hauptman daß er sich frei von solchen Bestrebungen wisse und teine Hinter seinen Lehrern überwacht sein muß, da der Zeuge Wehle wegen eines Wichsflects an der Hand getadelt und als er später notirt habe, um diefelben in die Stube trat, hat ihn der Unteroffizier Müller mit Faufts männer habe. Der Vorsitzende erklärt wiederholt, daß die Art selbst private Gespräche schlägen in das Geficht traktirt und ihn durch seine Rameraden des Vorgehens der Lehrer doch nicht ganz einleuchtend erscheine gegen ihn zu verwerthen. und der Angeklagte behauptet, daß die Kriminalpolizei die betr. Zeuge Hauseigenthümer Maaß hält es nicht für wahr mit Bürsten und kaltem Waffer einer Abreibung so lange unters Liste sehr genau geprüft und feinen Anlaß gefunden habe, gegen scheinlich, daß noch eine Lifte über 1000 m. existirt habe. Er werfen lassen, bis die Haut blutrünftig war. Durch die Flucht ihn vorzugehen. Er habe auch gar keine Veranlassung gehabt, fei Mitglied der Schuldeputation und habe die Sammlung mit des Quirte tam die Sache zu Dhren der Militärbehörde. Der das Blatt aus dem Protokollbuche herauszuschneiden, wohl aber dem Angeklagten bewerkstelligt. Auf die Frage des Angeklagten, Unteroffizier Müller ist nun vor einigen Tagen vom Militärs Herr Heiseke, der thatsächlich auch das Blatt in seinem Besize ob er, der Angeklagte, nicht selbst einen Eintrag über 50 M., die gericht zu 5 Monaten Gefängniß und Degras behalten habe, bis es sich die Kriminalpolizei energisch ausbat. von einer Firma gespendet worden seien, gemacht habe, giebt der bation zum Gemeinen verurtheilt worden und Der Zeuge erklärt dies dahin, daß sich auf diesem Blatte ja die Beuge eine bejahende Antwort. Der Angeklagte weist darauf hin, hat bereits seine Strafe angetreten. Der Mißhandelte hat sich Notizen befunden hätten, nach denen er das Protokoll anfertigen daß er in Betreff dieser Summe doch sehr leicht hätte unreell bei der Bürgermeisterei Zazenheim freiwillig gestellt und st seinem Truppentheil, dem hier garnisonirenden 117. Infanteriemußte. Beuge bleibt dabei, daß in der betr. Lehrerkonferenz handeln können, wenn ihm derartiges nahe gelegen hätte. Ahlwardt die Liste garnicht vorgelegt", sondern in der Hand Hierauf wird die Verhandlung bis heute Vormittag 9 Uhr Regiment, zugewiesen worden. behalten habe. Lehrer Leisegang bekundet dagegen, daß vertagt. die Liste offen auf dem Tische gelegen und auch von mehreren Anwesenden durchgesehen worden sei. Lehrer Thiede ist ebenfalls anwesend gewesen, als in der Lehrerfonferenz die Liste durchgesehen wurde. Der Zeuge glaubt nicht, daß dem Angetlagten Decharge ertheilt worden sei, ebenso wenig ist ihm aber erinnerlich, daß irgend Jemand in der Versammlung einen Ein spruch gegen die Richtigkeit der Liste erhoben habe. Mit Entschiedenheit bestreitet der Zeuge, daß die antisemitische Thätigkeit bes Angeklagten gegen denselben zu seinem Nachtheile ausgebeutet worden sei, oder daß der Schulvorsteher Zwick den Zeugen zum Nachtheile des Angeklagten zu beeinflussen Der versucht habe. die Angeklagte behauptet, daß feindselige Stimmung der Lehrer gegen ihn seit der Beerdigung des Kaisers Wilhelm zurück datire. Damals habe er eine Sammfung unter der Lehrerschaft zur Spendung eines Kranzes veranstalten wollen, es sei aber Widerspruch erhoben worden, weil man dadurch bei der Schuldeputation Anstoß erregen könne. Von diefer Begründung der Ablehnung ist dem Zeugen Thiede nichts bekannt. Lehrer Schwarz hat die Liste ebenfalls auf dem Tische liegen sehen. Der Beuge bestreitet ebenfalls, daß die politische Gesinnung des Angeklagten ihn bei seinen Kollegen mißliebig ges macht, es sei lediglich das Mißtrauen gewesen, welches wegen der Sammlungen gegen ihn Platz gegriffen habe. Verschiedene Lehrer hätten dem Schulinspektor Zwid gegenüber dies Mißtrauen zum Ausdruck gebracht und die Antwort erhalten, fie möchten sich doch Rechnung legen lassen. Versammlungen. Hilfsverein akademisch gebildeter Herren. Mittwoch, den 16. Febr., Abends 9 Uhr: Sigung, Mohrenftr. 47. Gäfte willkommen. Homöopathischer Verein Bahnemann. Mittwoch, den 17. Februar, Abends 8½ Uhr, Brunnenstr. 9: Vortrag des Herrn Dr. Arthur Luze über Augentrantheiten, mit Experimenten. Gäste willkommen. Fachverein der Holz- und Bretterträger Berlins und Umgegend. Donnerstag, den 18. Februar, Abends 8 Uhr, Oranienftr. 180: Bereins- Berfammlung. Gäfte haben Zutritt. Die Studenten streiken an den italienischen Universitäten Neapel Palermo, Catania 2c., weil die römischen Studenten, welche sich an den bekannten Krawallen betheiligten, bestraft worden sind. Depeschen. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Bukarest, 16. Febr. In allen drei Wahlkollegien find ins 1. Wahlkreis. Freitag, den 19. Februar, Abends 8 Uhr, bet Norbert: gesammt 141 Konservative und 23 Oppositionelle gewählt. 19 Stich Versammlung. Tagesordnung: Der 1. Mat. Die in Aussicht stehende Partei- wahlen sind erforderlich. Konferenz. Sozialdemokratische Lese- und Diskutirklubs am Mittwoch. Gesundbrunnen", Sigung jeden Mittwoch Abend 8% Uhr bei Haferland, Bellermannftr. 87.- Vereinte Kraft", Schönleinstraße 6. Abends 9 Uhr Sigung bei klein. Gäfte, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. Lese- und Distutirklub& manzipation", Abends 8% Uhr bei Wagner, Lese- und Charlottenburg. Neue Königstr. 89. Gäste willtommen. Distutirklub Mehr Licht", Abends 8 Uhr, im Lotale Spreestr. 3b. Männer und Frauen, durch Mitglieder eingeführt, find fiets willkommen. Gleichheit", Sigung Abends 8% Uhr, Staligerstr. 7 bei Schönemann. " Johann Jacoby", Abends 8% Uhr bei Otto Thierbach, Schwedtertraße 44. Gäfte, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. " " Vermischtes. Die Einführung der Städte- Ordnung hat der Gemeinderath von Langenbielau beschlossen. Die Nachricht von Kullmann's Tod wird von einem in Amberg erscheinenden Blatte als falsch bezeichnet. Briefkaffen der Redaktion. Berichtigung. v. Stablewsky ist Erzbischof von Gnesen, nicht von Breslau, wie irrthümlich in voriger Nummer ge druckt war. Scholz, VI. Wahlkreis. Unsere Expedition war bei Ertheilung Ihres Auftrages schon geschlossen. Wir konnten also Ihrem Wunsch für heute nicht nachkommen. N. S., Wriezen. Nennen Sie uns Ihre Gewährs männer. N. L., Leipzig. Erhalten wir bereits von anderer Seite, K. Glashagen. Bericht mußte wegen Raummangels zurück: gestellt werden. M. Gebhardt. Die 10- Pfennig- Marke fehlt. Bund der geselligen Arbeitervereine. Kann nur einmal aufgenommen werden. A. S., Bernauerstr. 109. Bei Gelegenheit mird Ihr Schreiben zur Verwendung gelangen. Andreasstr. 62,§. 2 Tr. Das Mädchen muß das Ges Dem nächsten Zeugen, dem Lehrer Jahn, ist es bei der Konferenz aufgefallen, daß der Betrag nur 410 m. betrug. Schon Wochen vorher habe der Angeklagte zu verschiedenen Lehrern geäußert: In diesem Jahre scheinen die Beiträge reichlich zu Zum Xantener Knabenmord meldet die Kreuz- Beitung", fließen, ich habe schon über 600 M. eingenommen." Der Ange- daß der Untersuchungsrichter Brigius, der Schwiegervater tlagte bestreitet dies entschieden, er will damals eine Summe des Rechtsanwalts Fleischhauer( Bertheidiger des Schächters nicht genannt, sondern sich nur über das reichliche Einfließen der Buschoff), um seinen Abschied eingekommen sei. Nach Gelder geäußert haben. Dies wird von einem der Zeugen be- anderen Meldungen soll Brixius vom Amt suspendirt worschent zurückgeben. ftätigt, während ein anderer Zeuge auch den Betrag von 600 M. den sein. gehört haben will. Die Leichen der in den Bernsteingruben bei BalmZeuge Schwarz fügt seiner Aussage noch hinzu, daß nicken fürzlich während des Einbruchs des Meeres ertruntenen der Angeklagte eines Tages in der Pause eine fech3 Bergleute sind aufgefunden worden. Frau Henrich Wilhelmi ist in Dresden auf dem durch charakteristische Aeußerung gethan habe.„ Jeder Mensch" habe der Angeklagte gefagt„ hat zwei politische Schnee glatt gewordenen Trottoir derart gefallen, daß ihr, Gesinnungen, eine, die er äußert, und eine, die er für sich behält, wie die Sächsische Arbeiter Beitung" berichtet, im Fuß einige die letztere ist die wahre." Der Zeuge fügt hinzu, daß er und Sehnen zerrissen sind. feine Kollegen daraus einen Schluß gezogen hätten, was von der antisemitischen Gesinnung des Angeklagten zu halten sei. Dem Zeugen Wehle ist ebenfalls erinnerlich, daß der Angetlagte gelegentlich jener Mittheilung erwähnt habe, daß bereits gegen 600 M. eingekommen seien. # Beim Exerzieren erschoß in Met aus Fahrlässigkeit ein Rekrut einen Sergeanten vom 130. Infanterie- Regiment. Mit der ganzen Kaffe, ca. 250 000 Rubeln, ist in Smolenst der Geheimschreiber des Adelsbundes verschwunden. Zum Tode verurtheilt wurde in Roni bie Hebeamme 3eidler. Sie hatte eine Scheune in Brand gesteckt, in welcher ihr Ehemann schlief, und dadurch denselben ums Leben gebracht. Die Papierfabrik von Gablenz in Haynau ist nieder gebrannt. 100 Arbeiter sind dadurch brotlos geworden. Am Abend vorher hatte ihnen der Eigenthümer ein Fest gegeben. H. K., Blumenstr. Wird verwendet werden. A. K. Ohne genaue Kenntniß der einschlägigen Verhältnisse können wir Ihnen keine Auskunft ertheilen. Zwei Wettende. Das Abiturienteneramen ist von den dreien gemacht worden Doktor war jedoch Niemand von ihnen. 2. Nein. 3. Nein. M. T. 200. Eine gefeßliche Bestimmung existirt darüber 2. G. Unserer Meinung nach können Sie das thun, ohne ärztlich geprüft zu sein. nicht. O. G. 1. In dem betreffenden Artikel ist nur darauf hins gewiesen, wie durch reglementarische Anordnungen vom grünen Tisch geradezu unhaltbare Verhältnisse geschaffen werden. Außer dem sollte der Artikel flar machen, wie mit dem Gelde der Steuerzahler zu Gunsten einzelner Personen in ungerechter Weife umgesprungen wird. Daß die Intereffen gerade dieser Kategorie von Beamten von uns hätten wahrgenommen werden können, haben Sie wohl selbst nicht geglaubt. Der Zeuge Lehrer Klopstod bekundet, daß auch ihm die Lifte zu Gesicht gefommen sei, wonach eine Summe von über 1000 m. gespendet worden war. Die Lifte habe neu und sauber ausgesehen und deshalb könne er der Behauptung des Angetlagten, daß die Lifte eine vorjährige gewesen, nicht recht glauben. Der Zeuge Lehrer Wehle tritt wieder vor und ergänzt Zum Kapitel der Soldatenschinderei wird uns aus feine Aussage dahin, daß die Behörde vielfach Veranlassung ge habt hätte, den Angeklagten zu stürzen. Derselbe habe in der Mainz geschrieben: Der im letzten Herbste in die 5. Kompagnie ungenirtesten Weise sich höchft abfällig über die Schuldeputationen, des garnisonirenden großh. hessischen 117. Infanterie- Regiments Abdruck absehen. Stadtverordneten und andere Personen geäußert. Der Zeuge hat eingestellte Refrut Quirte aus Boßenheien in Rheinheffen hat fich eine Bemerkung notirt, die der Angeklagte zu jener Beit sich vor etwa drei Wochen, am 17. Januar, von seinem Truppen- thun. Jottlieb Lehmann. Sie sind wohl ein Kölnischer Junge" Wir haben die Militärerlebnisse Ihrer Jöhren" mit Intereffe gelesen müssen aber der Dialektschwierigkeiten wegen vom A. B. 71. Unserer Meinung nach tönnen Sie das ruhig Geschäfts- Auflösung! 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Größtes LagerBerlins Andreasstr.23H. P, 2. Beilage zum„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Nr. 40. Parteinachrichten. einen Wirth an * Mittwoch, den 17. Februar 1892. Soziale Weberlicht. 9. Jahrg. jeder Nebenarbeit frei zu lassende Ruhezeit Platz, auch sollen junge Leute nicht, während die Erwachsenen Pause haben, be Trier. Seit furzem haben sämmtliche hiesige Gewerkschaften Der deutsche Innungs- und allgemeine Handwerker- schäftigt werden. An Sonn- und Festtagen ruht in der Zeit wieder Versammlungsräume. Den freundlichen Be- tag ist am Montag eröffnet worden. 1500 Delegirte, theilweise zwischen 6 Uhr Morgens und 6 Uhr Abends alle Arbeit. Bor mühungen der Geist- und Weltlichkeit war es gelungen, ihnen auch aus Desterreich, waren erschienen. Schornsteinfeger- Ober- und nachher dürfen junge Leute nur unter der Bedingung einer ein Lokal um das andere abzutreiben. Nunmehr hat der gegen hauer Biehl( München) zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Der Ruhezeit von mindeſtens 24 Stunden Dauer beschäftigt werden. meister Faster( Berlin) wurde zum ersten, und der Abg. Bild- entweder schon genossenen oder nachfolgenden ununterbrochenen der Simeonsstraße streng durchgeführte Regierungsrath Messerschmidt begrüßte den Handwerkertag In den Berichten der Gewerberäthe sind die Mißstände, welche Boykott diesen zum Nachgeben gezwungen. Seither haben Namens des Berliner Polizei- Präsidiums, Abg. Hahn im Namen in den Hammer- und Walzwerken herrschen, des Defteren gekenn zwei Versammlungen stattgefunden. der konservativen Reichstagsfraktion. Den ersten Gegenstand der zeichnet worden. Die isolirte Lage der meisten Etablissements New- York, 29. Januar. Es ist jetzt bekannt geworden, daß Tagesordnung bildete: Der Bericht über den Verlauf und die dieser Art und die ungenügende Kontrolle der Aufsichtsbeamten Pablewsky, welcher den russischen Spitzelchef Seliverstoff getödtet, Ergebnisse der Handwerkerkonferenz vom 15. bis 17. Juni 1891. führen zu schmählichsten Verlegungen der tärglichen Schutzmaßregeln. in San Antonio, Texas, gestorben ist, und zwar von eigener Der Abg. Biehl befürwortete folgende Resolution: Hand. Ein Einwohner an einem der fleinen Stadtparks, wo die " In der festen Ueberzeugung, daß weder der sogenannte An- Eine Konferenz der Schneider und Schneiderinnen Zeiche gefunden wurde, will zwar drei Schüsse gehört haben, trag Ackermann- Biehl noch der Gesezentwurf, welcher zwischen von Hessen und Hessen- Nassau findet am 27. Februar obwohl man nur eine Kugelwunde in der Stirn des den Vorständen des Allgemeinen Deutschen Handwerkerbundes in Darmstadt beim Gastwirth Kramer, Allerheiligenstraße 50, statt. Todten fand, doch deuteten feinerlei Umstände und des Zentralausschusses der vereinigten Innungsverbände Der Halberstädter Gewerkschaftstongreß, Organisationsfrage, auf eine Tödtung von fremder Hand. – P. fam im Februar Deutschlands am 2. August 1889 zu Berlin vereinbart und von Berichterstattung der Agitationstommission sowie Stellungnahme vorigen Jahres nach New- York, hielt sich hier einige Zeit dem darauffolgenden VII. Allgemeinen Deutschen Handwerkertage zur ferneren Agitation bilden die Hauptpunkte der Tagesordnung. bei Freunden auf und reiste dann unter dem Namen zu Hamburg einstimmig angenommen wurde, die Mängel der Otto Hauser nach Texas, wo er erst auf einer Farm in der Gewerbegesetzgebung beseitigen können, kann der Deutsche Innungs- In den württembergischen Amtsgerichtsgefängnissen Nähe San Antonio's und dann als Kutscher in der Stadt selbst und Allgemeine Deutsche Handwerkertag die bezüglichen Aus- ist durch königliche Verordnung die Arbeitszeit der Gefangenen Nähe San Antonio's und dann als Kutscher in der Stadt selbst Beschäftigung fand. Ueber die Motive zu seiner That ist nichts als zutreffend nicht erachten, weshalb auch die Vertreter des nach ihren Fähigkeiten und Verhältnissen angemessen zu beBeschäftigung fand. Ueber die Motive zu seiner That ist nichts führungen der Regierungsvertreter in der Handwerkerfonferenz auf neun Stunden normirt worden; ferner find die Gefangenen bekannt geworden; Nahrungssorgen fönnen sie indessen obwohl er einige Zeit außer Arbeit war nicht veranlaßt Handwerks in der Konferenz auf den Befähigungsnachweis nicht schäftigen.- Das ist jedenfalls eine menschenfreundliche Verfügung; haben, da er wußte, daß ihm von hier aus jeder Zeit geholfen verzichten konnten. Der Jnnungs- und Handwerkertag zu Berlin schade nur, daß sie nur Jenen zu Gute fommt, welche mit den Der freie" Arbeiter, der seine Man nimmt an, daß der energische, an bält baher mit Entschiedenheit an dem Befähigungsnachweise Gesetzen in Konflikt tamen. ſtete geistige und propagandistische Thätigkeit gewöhnte Mann fest und erstrebt mit vollstem Nachdruck deffen gefeßliche Ein- Pflichten dem Gesez gegenüber erfüllt und deshalb nicht ins in seiner Berborgenheit und Unthätigkeit melancholisch wurde. führung. Gefängniß fommt, hat's nicht so gut. Bei ihm fragt Niemand Er hatte seinen hiesigen Freunden die genauen, jetzt ebenfalls beDiese Resolution wurde einstimmig angenommen mit dem danach, wie lange er arbeiten muß, ob er überhaupt Arbeit hat fannt gegebenen Einzelheiten des Attentates und feiner Flucht Sufat in der Ueberzeugung, daß alle Wiederbelebungsversuche und wenn dies der Fall, ob er Beschäftigung hat, die seinen Fähigkeiten und Verhältnissen entspricht. mitgetheilt; deren Wiedergabe ist aber in dem engen Rahmen ohne obige gefeßliche Einführung nicht durchschlagend find." eines Berichtes über hiesige Angelegenheiten nicht möglich. Zu den auf der Tagesordnung stehenden ReformporG3 drängt sich einem immer stärker der Gedanke auf, daß das ich lägen für das Handwerk befürwortete Buchbinder hat sämmtliche Kreisämter des Landes aufgefordert, unverzüglich Bündniß zwischen den Gewerkschafts- Anarchisten" und ton- meister Nagler( München) folgenden Antrag: fervativen Nur- Gewerkschaftlern" schon längere Zeit im Ver " Der Handiverfertag begrüßt die seitens der Reichsregierung geeignete Schritte zu thun, damit am 1. April d. J. in den Landborgenen blühte, ehe es durch die Vorgänge in New- Yort ins endlich in Aussicht gestellte Berücksichtigung eines Theiles der gemeinden des Großherzogthums die Bestimmungen über die helle Licht trat; und weiter, daß die Macher der beiden Gruppen langjährigen Forderungen des deutschen Handwerks. Im Inter- Sonntagsruhe im Handelsgewerbe in Kraft treten dabei mit dem Hintergedanken des Düpirens des Bundes- effe der Erhaltung des deutschen Handwerkerstandes muß er önnen. Es werden deshalb sämmtliche Bürgermeistereien aufgenossen vorgingen. Wer am Ende der Düpirte sein wird, ist jedoch so lange an allen feinen früheren Beschlüssen festhalten, gefordert, die Mitglieder des Gemeinderathes zu hören und sich nicht schwer zu prophezeien. Auch ist die Möglichkeit bis die gefeßlichen Maßnahmen der Reichsregierung in einer den mit den bestehenden Orts Gewerbevereinen in Verbindung zu nicht ausgeschloffen, daß die betreffenden anarchistischen Wünschen des Handwerks entsprechenden Weise der Realifirung fehen. In allen Kreifen des Landes muß der Kreistag zu einer welche vorläufig ihren Bundesgenossen nur zugeführt find. Demzufolge hält der deutsche Handwerker- außerordentlichen Sizung zusammentreten, um in derselben AnWaffer auf die Mühle tragen, schließlich selbst gewerber Abzahlungsgeschäfte und des Haufirhandels die feitens der hinsichtlich der Konsumvereine der Gefängnißarbeit, gelegenheit zu berathen. schaftlich verfimpeln. Diese GesellDie Magdeburger Stadtverordneten haben es abgelehnt, schaft so wie so schon lange.- Erft fürzlich kam mir wieder ein Handwerkervertreter in der bekannten Konferenz der verbündeten die Frage der Sonntagsruhe durch Grlaß eines OrisBitat aus einer in Cincinnati vor einer Möbelarbeiter- Verfamm- Regierungen gemachten Vorschläge mit Entschiedenheit aufrecht. statuts zu regeln. Da wäre wieder einmal das Arbeiters lung gehaltenen Rede des bekannten Anarchisten Braun- Bezüglich der Regelung des Submissionswesens bleibt der Hand- intereffe dem Kapitalisteninteresse hintangesetzt worden. schweig unter die Augen, welches neben dem Vorgehen seiner verfertag auf seinem beim zweiten deutschen Innungstage geworden wäre. Elemente, " 11 " aus wie Dor an zweiten Das hessische Ministerium des Innern und der Justiz a hiesigen Genossen ein Beleg dafür ist, daß die forcirte Be- faßten Beschlusse stehen. Der Handwerkertag spricht der Reichs- Im Freistaat" Lübeck sollen die Beisiger des Gewerbe. theiligung der Anarchisten an der Gewerkschafts- Bewegung regierung gegenüber das Vertrauen aus, daß sie die in der gerichts nach Ansicht der dortigen Gewaltigen ihr Amt als und das dabei anzuwendende Verfahren auf einem all- Reichstagsfizung vom 24. November 1891 gegebenen Ver- Ehrenamt zu betrachten, d. h. für ihre Zeitversäumnisse 2c. gemeinen Plane beruht, wahrscheinlich angeregt durch den sprechungen in thunlichster Bälde in Thaten umsehen werde. nichts bezahlt bekommen. Diese Zumuthung ist um so wunderUmstand, daß in einer hiesigen gewerkschaftlichen Organisation Der Handwerkertag entledigt sich des Dantes, daß die verbündeten barer, als§ 18 des Gesetzes über die Gewerbegerichte eine Ent( der Hausmaler- Union) die Anarchisten seit langem einen guten Regierungen den Wünschen des deutschen Handwerks nach schädigung ausdrücklich vorschreibt. Die dortigen Arbeiter wollen Boden gefunden hatten. Das Zitat lautet: Manche Arbeiter, schärferen Bestimmungen gegen den Kontraktbruch der Ar- nun den Senat um Abänderung ersuchen und, falls das wider die aufgeklärter sein wollen, pflegen zu sagen, die jetzigen Zustände beiter Rechnung tragen wollten, spricht fein lebhaftes Grwarten nichts helfen sollte, den Reichstag entscheiden lassen, ob vom daß seien unhaltbar, es müffe zu einer Revolution kommen. Das Bedauern darüber Reichstage diefem das Reichsgesetz dem Landesrecht voranzugehen hat oder nicht. mag gang richtig sein, doch man will ja auch bis zum Ausbruch Befehesvorschlage feine Folge gegeben wurde, und hält dem feinem auf Eine Versammlung der Bremer Arbeitslosen, in der Revolution leben, man kann nicht zwei, drei oder vielleicht deshalb nach fünfzig Jahre warten, bis eine Veränderung der Verhältnisse deutschen Innungstage zu Berlin gefaßten Beschluffe feft, in welcher wohl gegen 1500 Personen erschienen waren, gab über eintritt, man muß täglich essen, wohnen und sich fleiden." der Erwartung, daß die verbündeten Regierungen eine derartige den Ausfall der Verhandlungen, welche eine Deputation der Arbeitslosen mit dem Senat der Republik" gepflogen hatte, das ( Das Binocle" Spielen, eine Lieblingsbeschäftigung der hiesigen Gefegesvorlage erneut dem Reichstag unterbreiten werden." Anarchisten, vergaß der Redner anzuführen). Urtheil ab, der heutige Staat besize weder den Willen noch die In der Verhandlung wurden namentlich Klagen über das Kraft, Noth und Glend zu beseitigen und nur durch die VerEinen sonderbaren Eindruck macht der Umstand, daß Submissionswesen, über die Konsumvereine, insbesondere auch wirklichung des sozialdemokratischen Programme tönne die das Hauptoraan der hiesigen Sezessionisten, die Bäckerzeitung", über den deutschen Offiziersverein, über die Jhig's, über die Arbeitslosigkeit endgiltig beseitigt werden. Aus dem Bericht in dem„ Kor.espondenzblatt", Organ der Generalfommission der Krupp'sche Bäckerei, in der mehr Brot gebacken werde, als bei über die Versammlung dürfte von besonderem Interesse die BeGewerkschaften Deutschlands, eine Quelle gefunden zu haben sämmtlichen Bäckermeistern in Eſſen, über den Hauſirhandel, hauptung sein, daß selbst der Senator Nielsen seinen meint, um die Anficht zu verbreiten, daß sich auch in Deutschland den Bauschwindel zc. Die Resolution Nagler wurde an- Arbeitern nur 22 Pf. Stundenlohn zahlt. eine immer stärker werdende Oppofition gegen die politische Attion genommen, ferner auch die folgende Resolution des Obermeisters und das Streben für die Verlegung des Schwerpunktes der Faster: In einer großen Versammlung der Arbeitslosen Arbeiterbewegung in die Gewerkschaften geltend mache. Es ist Die Versicherungspflicht auf Grund des Unfallver- Wiens, welche dieselben Resolutionen, wie die Arbeitslosen- Verzwar sehr erheiternd, sich vorzustellen, daß die Arbeiterbewegung sicherungs- Gesetzes vom 6. Juli 1884 ist möglichst auf fammlungen Deutschlands, annahm, wurde mitgetheilt, daß in in Deutschland, die eine solch ruhmreiche Vergangenheit hinter sich das ganze Handwerk auszudehnen. Denjenigen selbständigen Wien im Jahre 1889 8425 Bettler verhaftet wurden, darunter hat, nun auf einmal vom andern Ende" beginnen soll; bei der Handwerkern, welche nicht in der Lage find, Arbeiter 209 Kinder(!!!), und daß die Zahl der Obdachlosen, welche großen Unkenntniß aber, welche unter der Masse der hiesigen zu beschäftigen, jedoch durch ihre Selbständigkeit derfelben von der Polizei aufgegriffen wurden, 23 778 betrug. 1890 erhöhte deutschen Arbeiterbevölkerung über die Entwickelung der Dinge Gefahr ausgesetzt sind, wie die Arbeiter des gleichartigen Berufs, sich die Zahl der Obdachlosen auf 24 608. in Deutschland herrscht, finden solche Expektorationen immerhin steht es frei, sich gegen Unfälle zu versichern. Der Anrechnungseinigen Boden. Dieselben sind übrigens auch in Anwendung verdienst solcher versicherten Personen wird bei der Berechnung In einem Dorfe bei Rückers( Schlesien) soll der auf Amerika lächerlicher Art, was schon dadurch bestätigt der Beiträge und der eventuellen Unfallentschädigung wie der Pa ft or mehreren Arbeitern Unterstützung gewähren, weil, wird, daß in letzter Zeit in den verschiedensten Landes- Arbeitsverdienst der Arbeiter behandelt. Dem§ 15 des Unfall wie der Proletarier" berichtet, der Sohn, den diese von ihrem theilen und Organisationen die Unzulänglichkeit der ökonomischen versicherungs- Gesetzes vom 6. Juli 1884 ist mithin folgender Zu- Arbeitgeber" erhalten, so miserabel ist, daß sie dabei nicht und Nothwendigkeit der selbständigen politischen Attion fab hinzuzufügen: Innungsverbände, welche auf Grund des auskommen können. Als der Unternehmer das erfuhr, verbot er in den Vordergrund der Diskussion getreten ist. 8war$ 104 a Rechtsanwaltsordnung und laut§ 104 c genehmigt, sowie den Arbeitern auch noch die Annahme der Unterstüßung, ohne stehen noch gewichtige Umstände die ich welchen die Rechte des§ 104 b beigelegt worden, sind berechtigt, den Lohn zu erhöhen, in dessen Geringfügigkeit doch die Ursache früher berichtet und worüber besonders das letzte Birkular auf Grund des Unfallversicherungs- Gesetzes vom 6. Juli 1884 des Almosenbezugs beruhte. Powderly's Licht verbreitet im Wege, welche lettgenannte ver- Fach- Berufsgenossenschaften zu errichten, sofern die Erfordernisse Das Geschwänz der Kohlenbarone, die Leistungen der hindern. Aber für jeden Menschen mit ungetrübtem Blick unter der Gleichartigkeit der Berufszweige vorhanden sind und die liegt es teinem Zweifel, daß die ökonomische Altion, trotz der dauernde Leistungsfähigkeit der Berufsgenossenschaft in Bezug Bergleute ließen feit dem großen Streif von 1889 von Jahr zu großartigen Zahl, womit paradirt wird, nicht mehr ausreicht. auf die bei der Unfallversicherung ihr obliegenden Pflichten ge- Jahr nach". fertigt die" Frankfurter Zeitung" fräftig ab, indem Womit selbstverständlich nicht gesagt sein soll, daß nicht in ein- währleistet ist." fie über die gleichartigen Heulmeiereien, die im Abgeordneten zelnen Industriezweigen unter günstigen Umständen noch Erfolge Weiter wurde ein Antrag, der eine Reform des Krankenhause zu Gehör gebracht wurden, sagt: Gs fällt dabei keinem in Bezug auf Erringung befferer Arbeitsbedingungen erreichtversicherungswesens bezweckt, angenommen und außer ein, den Ursachen des Rückgangs nachzuforschen; man begnügt dem einer Petition des Bodenbesig- Reformvereins für Be- ich mit der Annahme, daß die Bergleute es sich, seitdem sie die vorrechtung der Bauhandwerker- Forderungen zugestimmt." werden können. über Todenlifte der Partei. In Stettin starben am 13. Februar der 35 jährige Maurer Paul Wiedenhöft und der 36 jährige Kaufmann Karl Masch. Die Partei verliert in in ihnen zwei sehr thätige Mitglieder. Polizeiliches, Gerichtliches ze. " = " hohen Löhne beziehen, bequemer machen als früher. Es verlohnt fich der Mühe, die alten Bergleute von dem Verdachte der Faul Zur Gewerbenovelle. Dem Bundesrath ist der Entwurf beit zu reinigen, denn sie selbst sind unschuldig an dem von Bestimmungen über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und Rückgange, der in vielen anderen Ursachen begründet ist. Die hauptsächlichste besteht in der großartigen Vermehrung jugendlichen Arbeitern in Walz- und Hammerwerken zugegangen der Belegschaft felbft durch ungeschulte Kräfte, Diese Bestimmungen tragen den Aenderungen Rechnung, welche die meist bisher hinter dem Pfluge wanderten oder als Schuster, das Gesetz, betr. die Abänderung der Gewerbe Ordnung, vom Schneider, Tischler 2c. ihr Dasein fristeten. Wie sollen denn - Die Gründung eines sosialdemokratischen 1. Juni 1891 in Titel VII der Gewerbe- Ordnung herbeigeführt solche Leute in der Lage sein, das gleiche Quantum an Kohlen Rauchflubs in Gebweiler ist sowohl vom Colmarer hat. Die Vorschriften sollen die Beschäftigung vorgenannter Bezirkspräsidenten wie vom Ministerium in Straßburg nicht er- Arbeiterkategorien in Walz- und Hammerwerken Beschränkungen Lehrzeit durchzumachen hatte? Ein tüchtiger Kohlenhauer muß zu fördern, wie der gelernte Bergmann, der früher eine längere laubt worden. Reichsländisch! dahin gehend unterwerfen, daß Arbeiterinnen vou dem unmittel- ein sehr geschickter Mann sein, da die rohe Kraft nicht allein -Desterreichische 3. In der letzten Nummer der baren Betriebe der Werke ausgeschlossen sein follen, während ausreicht, einen ordentlichen Schram rasch herzustellen, oder eine Wiener Arbeiter- Zeitung" heißt es unter der Rubrik Nachträge Rinder unter 14 Jahren überhaupt zur Beschäftigung nicht zu Strecke mit Zimmerung zu verfehen. Eine fernere Ursache des zum sieyerischen Bergarbeiter- Streit":" Das Kapitel von gelaffen werden. Für jeden Arbeiter erhält der Unternehmer Rückganges ist in dem Umstande zu erblicken, daß in Zeiten, wo der österreichischen, Roalitionsfreiheit" ist ein von einem seitens der zuständigen Verwaltungsbehörde ad hoc ein von einem feitens der zuständigen Verwaltungsbehörde ad hoc Ronfiszirt." Es wurde schon früher einmal angedeutet, daß ermächtigten Arzte ausgestelltes Attest darüber, daß er der Be- die Konjunktur eine nach oben gehende Bewegung einnimmt, die Aus- und Vorrichtungs- Arbeiten in viel der österreichische Staat Ursache hat, zunächst seine Benschäftigung in dem Werte ohne Gefährdung feiner förperlichen die Aus- und Borrichtungs- Arbeiten in viel foren zu fonfisziren, denn diefe Leute reizen, durch ihre un- Gesundheit gewachsen ist. Hinsichtlich der Arbeitsschichten wird größerem Umfange betrieben werden, als in gefchickte Streicherei am erfolgreichsten gegen den jezigen angeordnet, daß diefelben mit Baufen nicht länger als schlechten Zeiten. Die Bechen können gar nicht anders handeln, 12 Stunden, ohne Baufen nicht länger als 10 Stunden währen wie jeder gute Gefchäftsmann und der läßt in günstigen Zeiten Staat auf. Bei einer aussuchung in der Wohnung des foll, wobei fürzere als viertelstündige Arbeitsunterbrechungen als Arbeiten ausführen, die er in schlechten Jahren unterläßt; den Genoffen Gruber in Langenloh bei Elmshorn, wobei Baufen nicht gerechnet werden, während jedenfalls eine der letzteren Jahren kommen aber diese Ausgaben zu Gute. Die man nach verbotenen Schriften fahndete, wurden die ersten Pausen von mindestens halbstündiger Dauer sein und zwischen zunehmende Tiefe der Gruben, die größere Ent. 6 Hefte der Lassalle- Bibliothet, 2 Hefte der„ Deutschen Revo- das Ende der 4. und den Anfang der 7. Arbeitsstunde fallen fernung des Betriebes vom Schachte zc. werden lution" von Blos und ein Liederbuch der 3." Auflage 1891 be- muß. Die Gesammtdauer der Paufen in jeder Schicht soll min- auch anhaltend die Leistungen, auf den einzelnen Mann berechnet, schlagnahmt Schriften, die gar nicht verboten sind. Die defens eine Stunde betragen, und die Gesammtdauer der Be- herabmindern. Haussuchung wurde vom Amtsrichter und einem Gendarmen aus schäftigung ausschließlich der Baufen wird auf das Maximum Die Absicht, einen Schutzverein der Industrie" zu geführt. von 60 Stunden wöchentlich festgefeßt. Für Tag und Nacht- gründen gegenüber den seitens der Koblenringe trotz des -In Magdeburg wurden wegen Fortführung eines betrieb ist wöchentlicher Schichtenwechsel, für die Beschäftigung schlechten Geschäftsganges auf einer unmäßigen Höhe gehaltenen gefchloffenen gewerkschaftlichen Vereins verurtheilt: Meyer zu junger Lente in Betrieben mit 2 täglichen Schichten find als Kohlenpreise foll in Kreifen schlesischer Großindustrieller bestehen. 10 Tagen, Bießte zu 30 M. oder 6 Tagen, Deders zu 20 M. Höchstzahl der Nachtschichten wöchentlich 6 in Aussicht genommen. Wie es heißt, beabsichtigt man, einen Theil des Kohlenverbrauchs oder 4 Tagen Strafe. Nach jeder Arbeitsschicht greift eine mindestens 12 stündige, von durch österreichische Kohle zu decken. " A die Vorgeschlagene Dividenden. Kölner Bergwerks Verein| Tischlern nehmen und mit dafür sorgen, daß überall, bis in funft vertagt. Dringend ermahnte man hierauf die Kollegen, 20 pet. Durer Rohlenverein 12 pet. Lüneburger Portland- die kleinsten Städte hinein, agitirt wird, um auch hier den Kollegen die Unfälle, welche sie durch die offene Koalsheizung erleiden, Cement- Fabrit vor Heyn Gebrüder 11 pet.( erzielter Gewinn es möglich machen zu helfen, sich zu organisiren, damit dieselben dem Kartell anzuzeigen, damit dasselbe im Besitz von genügendem 197 445 M. 90 Pf.) Große Berliner Pferde- Eisenbahn- Aktien- nicht, wie schon so oft, aus Unkenntniß der Verhältnisse zu Lohn Material ist, wenn es beim Polizeipräsidium vorstellig wird. Gesellschaft 121/2 net. Sudenburger Maschinenfabrik und Eisen- drückern werden. Nach Ansicht des Redners sind auch die Falls die Kollegen nicht selber Beschwerde führen wollten, gießer.i, Aktiengesellschaft 24 pet.( gegen 20 pet. im Vorjahre). Tischler Berlins gezwungen, der mit ihrer Zustimmung er- möchten sie den Genossen Keßler schriftlich von dem Bestehen Blechwalzwerk Schuls- Knaudt, Gewinn 53 4000 M., 8 pet. Divi- richteten Bahlstelle des deutschen Tischlerverbandes beizutreten. des Uebelstandes unterrichten: diefer würde dann sofort auf dende. Wandsbecker Lederfabrik in Hamburg 10 pCt. Berlin- Redner bat, die Frage reiflich zu diskutiren, damit bei der später dem Bau erscheinen und dafür sorgen, daß die offenen koakskörbe Wilmersdorfer Terraingesellschaft 16 pet. Baugesellschaft Hum- stattfindenden Generalversammlung, die über Auflösung oder abgeschafft werden. Ferner wurde beantragt, im Annoncenwege boldthain- Berlin, Reingewinn 367 727 M., 6 pet. Dividende. Fortbestehen des Fachvereins beschließen soll, Jeder nach reif- Eltern zu warnen, ihre Kinder das Stuckfach erlernen zu lassen, da die Kontordia Bergbau Gesellschaft. Die Jahresrechnung 1891 er- licher Ueberlegung stimmen könne, hoffte aber, daß in Berlin letzteren vom Unternehmer nur als Ausbeutungsobjekt gebraucht gab nach Abzug von 239 000 Mart Abschreibungen einen ver- unter den Tischlern Alles gethan werden würde, um ein einheit- und nach beendeter Lehre entlassen würden. Es wurde auch dem theilbaren Reingewinn von 1214 000 m. 10 pCt. Dividende. liches Vorgehen zu ermöglichen. In der sehr regen Diskussion Wunsche Ausdruck gegeben, die Kollegen sollten nicht Arbeitsleute Attien- Gesellschaft der Gerresheimer Glashüttenwerke vorm. wurden hauptsächlich das Vorgehen des Verbandsvorstandes, anlernen, weil sich dieselben dann für billiges Geld den UnterFerd. yeye 5 pet. Oberschlesische Portland Zement Fabrit welcher den in Betreff der Befreiung vom Eintrittsgeld und der nehmern anböten. In Stelle des Kollegen Rösner wurde 5/2 pet. Oppelner Zement Fabrit Giesel 6 pět. Pannonia Karenzzeit erleichterten Uebertritt nur bis Ende dieses Monats Poloni zum Revisor gewählt und an Stelle des aus dem mühle 6 pet. zulassen will, als ungerecht und wenig Verständniß für die ört- Verein geschiedenen Kollegen Paul Gärtner Kollege Günther in lichen Verhältnisse zeigend getadelt, und waren die Ansichten der das Vergnügungskomitee berufen. Billets zum Maskenball find verschiedenen Redner theils für, theils gegen Zentralisation. Zum beim Komitee und im Arbeitsnachweis zu haben. dritten Punkt der Tagesordnung waren die Kollegen der Werkstatt von Barth, Admiralstr. 20, eingeladen, dieselben hatten es aber vorgezogen, der Einladung nicht Folge zu leisten. B = Zwanzig Prozent Dividende schlägt die Verwaltung des Bergwerts Consolidation" den Aktionären vor. Wer da hat, dem wird gegeben. " Die Lederarbeiter Berlins faßten in einer außerordent Monopolifirung der Zuckererzeugung in den Verlichen Generalversammlung endgiltigen Beschluß über die Aufeinigten Staaten. Die American Sugar Refining Company lösung ihres Fachvereins bezw. über den Anschluß an eine der erzielte einen Reingewinn von 5 Millionen Dollars. Nach Die Genoffen der Stadtbezirke 6, 7, 8 und 9 hatten verwandten Branchen. Kollege Georg Schmidt besprach Zahlung von 7/2 pet. Dividende verblieb ein Ueberschuß von sich am 12. Februar in einer vom Vertrauensmann dieser Be- nochmals die Verhältnisse, welche dazu drängen, eine Umgestaltung 1800 000 Dollars. Die Generalversammlung der Gesellschaft er zirfe, Genossen Wuttich, nach Thierbach's Restaurant, der Organisation vorzunehmen, dem Zuge der Zeit gemäß sich in mächtigte den Direktor, das Betriebskapital um 25 Millionen Friedrichsgracht 16, einberufenen Versammlung eingefunden, um größeren Verbänden zusammen zu thun, und empfahl folgende Dollars zu erhöhen, wenn zwei Drittel der Aktionäre dem zu sich über die Art und Weise einer praktischen gitation vom Vorstande verfaßte Resolution: stimmen. Diese Summe soll zum Bau neuer und zum Ankauf zu verständigen. Genosse Wuttich, welcher die Versammlung Die heutige außerordentliche Generalversammlung des Fachanderer Raffinerien dienen. Man schließt daraus, daß die Geleitete, äußerte seine Ansichten über Organisation und Agitation vereins der Lederarbeiter erklärt sich nach mehrfachen Erwägungen sellschaft das Biel weiter verfolge, die Zuckerfabrikation in den in ungefähr folgender Weise: Vor einiger Zeit wurden in einer für die Auflösung der jetzt bestehenden Vereinigung zu Gunsten Vereinigten Staaten ganz zu monopolifiren. Wir haben es hier öffentlichen Berjammlung des 1. Berliner Reichstage- Wahlkreises einer auf zentralem Boden stehenden Organisation, und beschließt mit einem der mächtigsten und bestorganisirten Trusts zu thun, für die verschiedenen Stadtbezirke Vertrauensmänner gewählt, daher, dem Zentralverband der Buchbinder beizutreten. der den Zuckermarkt jenseits des Ozeans despotisch beherrscht. welche die Pflicht haben, in den ihnen zugetheilten Bezirken Gleichzeitig richtet die Versammlung an alle Lederarbeiter persönlich zu agitiren. Er habe aber die Erfahrung Berlins und der für unsere Branche in Betracht kommenden gemacht, daß es unmöglich sei, allein etwas zu er Städte Deutschlands die Aufforderung, einmüthig unserm Beireichen, namentlich brauche er bei einer eventuellen spiele zu folgen. Flugblätter- Verbreitung Leute, die ihm hilfreich zur Seite stehen. Infolge dessen sei er zu der Ansicht gekommen, daß es das Beste wäre, wenn man eine Agitationsfommission wählen würde, welche die Pflicht habe, den Bezirk zu bearbeiten. Dieselbe fönne Versammlungen. Zur Erleichterung unserer Agitation innerhalb des Verbandes stellen wir folgende Wünsche resp. Forderungen: 1. Aenderung des Titels; 2. zeitweise Einberufung von Bersammlungen speziell für unsere Branche. Die Volksversammlung, welche am Abend des 15. Febr. ungestört zusammenkommen und berathen, ohne mit der Behörde Indem die heutige Versammlung die Auflösung unseres ftattfand, war von etwa 500 Personen, darunter von einem Dritt. in Berührung zu kommen. Diese Ansicht wurde von Allen ge- Vereins beschließt, richtet sie einen warmen Appell an die Mittheil Frauen besucht. Reichstags- Abgeordneter Förster refe- theilt und man wählte hierauf die Genossen Lehmann, Hasche, glieder der Freien Vereinigung, nun alle etwa noch bestehenden rirte unter großem Beifall über: Die Bedeutung der Gewerf Keller, Bachmann, Wuttich, Habicht, Müller und Lattner als Differenzen auszugleichen und unserm Beschluß beizutreten, daschaftsbewegung für die Frauen". Redner erkannte eine besondere Agitationskommission. Alsdann forderte man die gewählten mit der lang gehegte Plan, alle Arbeiter der Papier- und Lederschaftsbewegung für die Frauen". Redner erkannte eine besondere Genossen auf, recht thätig zu sein und sich am Donnerstag, den industrie unter einen Sut zu bringen, verwirklicht werde." Arbeiterinnen bewegung nicht an. In dem Emanzipations: tampfe der politisch und wirthschaftlich rechtlosen Klaffen falle 18. februar, wieder in demselben Lokal einzufinden. Gegen diefe Resolution sprachen einige Kollegen, namentlich die Frage der Geschlechter völlig fort. Wo die Arbeiterinnen sich Kollege 3 ander, welcher beantragte, sich der Freien Ver felbständig organisiren, müsse auch diese Sachlage durch die gegebenen genossen hielt am 10. Februar in der Schwedterstr. 23 bei sodann die oben angeführte Resolution des Vorstandes ans Der Verband der Geschäftsdiener, Packer und Berufs: einigung" anzuschließen. Nach längerem Für und Wider wurde Berhältnisse nicht anders geboten sein. Wo beide Geschlechter Nagel für die Filiale" Nord" eine Mitgliederversammlung ab, genommen und sodann über das Vereinsvermögen berathen, hinzusammen arbeiten, sollten sie sich auch zusammen organisiren. in welcher der Bevollmächtigte Wilhelm Müller zunächst fichtlich dessen Kollege Haunschildt beantragt hatte, es nach Unzweckmäßig und unrecht sei es, wenn die Frauen sich in Wahr mittheilte, daß sechs Kollegen frank sind; dann wurden die Abschluß aller Verbindlichkeiten den Buchbindern zu überweisen. nehmung vermeintlicher Spezialintereffen fepariren.( Beifall.) Kollegen aufgefordert, pünktlich ihre Beiträge zu bezahlen und Nachdem Kollege 3ander dagegen protestirt hatte und auch Redner ging dann auf das Wesen der Gewerkschaftsbewegung sich recht fleißig am Billetvertrieb für die beiden Mastenbälle zu ein von ihm gestellter Antrag, der Streit- Kontrollkommission ein, oftmals von rauschendem Beifall unterbrochen. Er wies hin betheiligen. auf die jortschreitende Konzentration des Kapitals und die 27. Februar, der letzte am 12. März in der Brauerei Friedrichs- lung den Antrag Haunschildt zum Beschluß. Hierauf wurde eine Der Maskenball in der Ressource findet am 30 M. zu übermitteln, angenommen war, erhob die Versamm moderne Koalition der Großkapitalisten. Die Arbeiterschaft bain statt; auf beiden Bällen spielen nur Berufsmusiker. Ge- Liquidationskommission, bestehend aus den Kollegen Rühl, könne sich dem gegenüber nur organisiren und Kriegsfonds noffe Wiedemann hielt hierauf einen Vortrag, in welchem er Rademann und Winter gewählt. Ein anwesender Ber fammeln; über den dritten maßgebenden Punkt, die schlechte ausführte, daß an der Noth der Arbeiter nur die Besitzer des treter der Buchbinder vertheilte statistische Fragebogen und bat, Geschäftsfonjunktur, fehle ihr jede Herrschaft. Die Arbeiter Kapitals schuld find, namentlich durch die niedrigen Löhne, welche fich recht zahlreich an der Ausfüllung derselben zu betheiligen. entlaffungen feien ber zugestandene Bankrott des Kapitalismus, sie den Arbeitern trotz der theuren Zeit zahlen; infolge der Die Fragebogen find im Arbeitsnachweis, Louisenufer 22, 3 der Beweis, daß der letztere unfähig ist, den Menschen eine ungenügenden Ernährung fieche jetzt der Arbeiter schon dahin, haben. Die Mitglieder werden dringend gebeten, ihren event. fichere Existenz zu bieten; darum leifte man dem Kapital während die Arbeiter früherer Zeiten über 50 Jahre alt geworden Verbindlichkeiten dem Verein gegenüber nachzukommen, so durch Angriffe während schlechter Geschäftslage nur einen feien. Redner fritisirte im Weiteren die in der Tischler- und namentlich die aus der Bibliothet entliehenen Bücher schnellstens Dienst, weil es dann sagen fönne, die Arbeiter feien Metallbranche herrschende Frauen- und Kinderarbeit und forderte die im Vereinslokale abzuliefern. Der Kassirer Haunschildt nimmt an ihrer Arbeitslosigkeit selbst schuld.( Beifall.) Der Referent Kollegenauf, dazu beizutragen, daß der Verband groß und stark werde, Beiträge der Mitglieder u. A. entgegen Abends von 7/ 2-9 Uhr warnte hierbei vor der Ueberschätzung der reinen Gewerkschafts- denn nur durch eine geschlossene Organisation sei etwas zu er in seiner Wohnung, Mariannenplay 5. bewegung. Thöricht sei es, das nachahmen zu wollen, was vor reichen. Er erntete für seinen 1/ 4ftündigen lehrreichen Vortrag 100 Jahren in England unter wesentlich anderen Verhältniffen reichen Beifall. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen möglich war. Solche Absichten bedeuteten einen Rückschritt. Aus Grauer, Schweinberg und Müller im Sinne des Re-( Berlin) des Verbandes deutscher Maurer 2. Gine Mitglieder- Versammlung der Bahlstelle I dem Verlauf des Buchdruckerstreiks müsse man lernen, denn wenn ferenten, Kollege 2 a c 3 tadelte, daß Lehrer sich von den Kindern nahm Kenntniß von dem plötzlichen Tod der Frau des Kollegen die Erfahrung uns nicht als Lehrmeisterin diene, dann gäbe es bas vergessene Frühstück holen laffen, wodurch die Kinder den und Bevollmächtigten Gröppler. Der Verstorbenen wurde ein für uns überhaupt keine Lehre mehr. Die phantastische Idee Unterricht versäumen, ferner daß sich Lehrer ihre Bücher von Kranz gewidmet und man fagte zahlreiche Betheiligung an dem eines Weltstreits richte sich selber. Wenn erst diese Riefen: Schulkindern nach Hause tragen laffen. Genoffe Schuhmann Begräbniß zu. Die Abrechnung des Kassirers Grunow vom demonstration überhaupt möglich sei, dann werde man nicht mit sprach für eine Zentralisation. Grauer führte an, daß in der letzten Quartal ergab nach Abzug der Ausgaben einen Bestand Wenigem vorlieb nehmen, sondern die ganze Produktionsweise letzten öffentlichen Hausdienerversammlung der Antrag, den von 165,56 M. Dem Kassirer wurde Decharge ertheilt. Dann umgestalten.( Lebhafte Zustimmung.) Troy all dieser That: Halberstädter Kongreß zu beschicken, leider abgelehnt, dagegen wählte man folgende Kollegen in die Lokalverwaltung: Kerstan, fachen sei die Gewerkschafts, bezw. die berufliche Organisation beschlossen worden sei, sich den Beschlüssen des Kongreffes zu Lübbnerstr. 4, 1. Bevollmächtigter; Wagner, Altonaer durchaus nothwendig. Auf ihr werde auch, als dein Fundamente, daß fügen. Der Vertrauensmann der Hausdiener sei beauftragt, nach straße 27, 2. Bevollmächtigter; Grunow Gesellschaftsgebilde der Zukunft aufzubauen sein.( Großer Beifall.) dem Kongreß dafür zu sorgen, daß eine Besprechung fämmtlicher 1. Raffirer( wiedergewählt); Merter, Lübbnerstraße 8, Grunow, Nostizstr. 38, Die Distuffion gestaltete sich außerordentlich rege. Genosse Sausdiener stattfindet. Hiernach gelangten folgende beide Re- 2. Raffirer; Müller, Arndtstr. 13, 1. Schriftführer. Revisoren Rotosty hielt es für selbstverständlich, daß diejenigen, welche folutionen einstimmig zur Annahme: Heinze, Forsterstr. 10( wiedergewählt), 2e gat, Sorauers zufammen arbeiten und gemeinsam den Daseinskampf ringen, sich 1. Die Versammlung erkennt die Ausführungen des Referenten fraße 30, Woys chat, Wienerstr. 18. Gleichzeitig wurde die auch gemeinsam organisiren. Trotzdem hätten die Frauen noch für richtig an. Sie erblickt in der heutigen Wirthschaftsweise Wahl der Hilfskaffirer vollzogen und zwar für Westen, Südimmer den Spezialkampf um die Gleichberechtigung mit den den Grund alles Elends, unter welchem die arbeitenden Klaffen westen, Südosten. Für Osten, Moabit und Norden findet die Männern zu führen.( Lebhafter Beifall.) Genosse Greifenberg plädirte für die Errichtung von Bewahranstalten für Kinder zu leiden haben. Durch straffe gewerkschaftliche Organisation ist Wahl in nächster Versammlung statt. Die Hilfskassirer tafsiren die Möglichkeit geboten, die Waffen widerstandsfähiger zu machen. Sonnabend und Montag, Abends von 8-10 Uhr, in folgenden von Arbeiterinnen. Frau Ihrer wandte sich dagegen. Solche Aus diesem Grunde verpflichten sich alle Anwesenden, nach Lokalitäten: Westen: Frant, Ziethenstr. 4, tafsirt bei Kizing, Einrichtungen tämen nur den Kapitalisten zu gute.( Beifall.) Kräften für den Verband der Geschäftsdiener, Packer und Berufs Bülowstr. 52; Südwesten: Helterhoff, Arndtstr. 81, faffirt Rednerin wirft wiederum den Männern ihren verdammten genossen agitatorisch einzutreten und dadurch eine Achtung und jetzt bei Beplin, Hornstr. 10; Südosten: Mischke, Sorauer Egoismus" den Frauen gegenüber vor. Außer der großen ganzen Beachtung gebietende Bereinigung zum Nußen der Berufsgenossen traße 2, faffirt bei Mischte, Waldemarstr. 61 und Herkt, Wienergebe es noch eine vorbereitende Bewegung und zu dieser müsse und der gesammten Arbeiterschaft zu schaffen. straße 13, tafsirt bei Bolle, Wienerstr. 1-6. man die Frauenbewegung zählen. Das wenige Recht, das den Frauen zu Gebote stehe, wollten diese auch benüßen. Protestversammlung der Berliner Arbeiterschaft gegen den Ent2. Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen der Adlershof. Am 11. Februar fand hier im Lokale von Frau Schulz wandte sich gegen das Krippenwesen; sie gab eine wurf des Schulgesetzes einverstanden, welches geeignet erscheint, Wiedemann und Manofsti eine den Verhältnissen entsprechend ergreifende Schilderung des Elends, das die Frau in die Fabrit die Gewissensfreiheit auf das Schlimmste zu gefährden, indem gut besuchte Boltsversammlung statt, in welcher Genosse treibt, sie ihrer Mutterpflicht entreißt und das eigene Kind, das es den Kindern von Dissidenten nicht erspart bleiben soll, gegen h. Meiner über die Landgemeinde- Ordnung sprach. fie fremden Leuten hingeben muß, ihr entfremdet. Herr Murrer den Willen ihrer Eltern am Religionsunterricht theil zu nehmen. Ungetheilter Beifall am Schluß des Referats bewies das Eine hält es für wichtig, die Frauenversammlungen an Sonntag- Nach Die Versammlung verpflichtet sich, mit aller Kraft diesen Beschlüssen verständniß sämmtlicher Anwesenden mit den Ausführungen des mittagen abzuhalten, um den Dienstmädchen Gelegenheit zum Geltung zu verschaffen." Sollege Reßler theilt noch mit, daß Redners. In der Diskussion betonten sämmtliche Sprecher die Besuch derfelben zu geben. Ein„ Herr" mit einem Gylinder hatte man jetzt schon erkannt hat, daß die Hausdiener nicht mehr Nothwendigkeit des Einfritts in die Wahl, wenngleich fie sich ,. schen unablässig die Versammlung belästigt und sogar Damen unter die Gesinde- Ordnung gehören, sondern gewerbliche Arbeiter wie auch die übrigen Theilnehmer der Versammlung darüber vollinfultirt, so daß er aus der Versammlung entfernt werden mußte. find; dies habe man nur der Organisation zu verdanken. Acht tommen einig waren, daß bei einer Wahl auf Grund dieses Trotzdem erschien er wieder im Saal, worauf man ihn abermals schlechtesten aller neueren sozialpolitischen Gefeße große Erfolge entfernte. Von ihm auch rührte die im Fragekasten vorgefundene Rollegen ließen sich als Mitglieder aufnehmen. nicht zu erwarten stehen. Durch Annahme einer Resolution vers Frage her, wie man sich zu den neuerlichen Anarchistenverhaftungen In einer gut besuchten Versammlung aller hiesigen, dem pflichteten sich die Anwesenden, mit aller Kraft für die Wahl zu verhalte. Frau von Hofstetten theilte nach einem 8entralverbande der Buchbinder Deutschlands agitiren, und übertrugen die Vorbereitungen zu derselben einem fernigen Schlußwort des Referenten unter Verschiedenem" mit, angehörigen Mitglieder( Arbeiter und Arbeiterinnen) referirte aus den Genossen Böckert, Baars, Wolff, Gräbert daß die Gründung einer Fortbildungsschule für Frauen in Vor- Herr Zubeil über den bevorstehenden Gewerkschafts- Kongreß und haul gebildeten Wahlfomitee. Mit einem begeisterten bereitung sei. Eine die Soldatenmißhandlungen mißbilligende zu Halberstadt. Redner gab zunächst einen Ueberblick über die Hoch auf die Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Resolution fand Annahme. Einstimmig angenommen wurde dann Entstehung und Entwickelung der deutschen Gewerkschaftsfolgende: bewegung, fowie über den gegenwärtigen Stand der Organisationsfrage, erklärte unter Hinweis auf die legten Niederlagen unserer stärksten Gewerkschaften, daß eine Umgestaltung des Gewerkschaftswesens stattfinden müsse, und stellte sich auf den Boden des bekannten Hamburger Entwurfs. Wenn auch auf dem Halberstädter Kongreß heiße Rämpfe sich entspinnen würden, Bet Anfragen bitten wir die Abonnements- Quittung beizufügen. Briefli so werde doch das Solidaritätsgefühl die Lösung der Organisations Im Fachverein der Tischler( Süd- Ost) referirte am frage ermöglichen lassen. Dem mit Beifall aufgenommenen Referat Zwei Streitende St. Das Wort„ Dirne" wird auch in 9. Februar Kollege Koblenzer über die Organisationsfrage. olgte eine lebhafte Diskussion. Alsdann wurde zur Vertretung dem von Ihnen bezeichneten Sinne gebraucht, oft aber auch Derselbe führte aus, daß es einen prinzipiellen Standpunkt hin- des Zentralverbandes( laut Verbandsbeschluß haben Stuttgart harmlos ohne üble Nebenbedeutung. Es kommt ganz auf den fichtlich der Form der Organisation kaum geben tönne; man sei und berlin je einen Delegirten zu entfenden) Kollege Marwig Busammenhang und die Absicht des Sprechenden an, ob man in im Prinzip für Organisation überhaupt une richte die Form als Telegirter gewählt und zu dessen Stellvertreter Rollege derfelben so ein, daß sie unter den bestehenden Verhältniffen am B. Schneider, bestimmt. Ueber mehrere eingelaufene Reso besten wirten tönne. Während man sich unter dem Sozialisten lutionen abzustimmen lehnte man ab, da die Versammlung der gefeße mit den Lokalvereinen behelfen mußte, müsse jezt der Ansicht war, daß der Telegirte die Interessen der Allgemeinheit Versuch gemacht werden, die Organisation zu verbessern, um nur bei ungebundenem Mandat wirksam vertreten könne. fomehr, als die bestehenden Vereine der Macht des Unternehmerthums nicht genügend gewachsen feien. Redner erklärte fich für Der Fachverein der Stuckateure und Berufs- G. R. 53. Die bisherige Praris der hiesigen Gerichte hielt Zentralisation, weil diefelbe die Kräfte mehr fonze trire, vorausgenossen Berlins und Umgegend nahm in seiner in einem solchen Falle die Kündigung regelmäßig für verspätet; gesetzt, daß die Organisation dabei nicht zur bloßen Unter Versammlung am 8. Februar, in der sich drei Kollegen als Mit das Kammergericht hat aber neuerdings in entgegengesettem fügungstaffe werde, sondern durchaus den Charakter eines glieder aufnehmen ließen, Stellung zur Tariffrage. Man war Sinne entschieden. Rampsinstituts trage und stets das Schwergewicht darauf lege, der Meinung, daß der Tarif vom Fachverein ausgearbeitet wer P. E. 22. 1. Wegen Nichtstempelung des Lehrkontraktes daß die Mitglieder zur Erkenntniß ihrer wirthschaftlichen Lage den solle, da der Verein doch zur Erzielung besserer Löhne er- würde der Lehrherr und der Vater bestraft werden. 2. Die gebracht, b. h. zu zielbewußten Arbeitern herangebildet werden. richtet sei. Der Antrag, eine Kommission zu wählen, welche die Giltigkeit des Vertrages wird aber durch den fehlenden Stempel Wollten sich die Berliner Tischler mit Erfolg organisiren, so Ausarbeitung in die Hand nimmt, wurde jedoch wegen mangel- nicht beeinträchtigt, und Sie dürfen Ihren Sohn nicht ohne maßten fie mehr als bisher Fühlung mit den deutschen haften Besuchs der Versammlung bis zur nächsten Zusammen- Weiteres aus der Lehre nehmen. " Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden. Sie verspricht mit allen Kräjten für die Arbeiterbewegung einzutreten und die Frauen den Fachvereinen für weibliche Mitglieder zuzuführen. Mit einem Hoch auf die Arbeiterbewegung ging man auseinander. Briefkaffen der Redaktion. Antwort wird nicht ertheilt. dem Worte eine strafbare Beleidigung finden muß oder nicht. E. G. Für etwa bei einem Vereinsvergnügen vorkommende Ausschreitungen können nur die an demselben thatsächlich be theiligten Personen, nicht der Vereinsvorstand oder Vorsitzende als solcher polizeilich oder strafrechtlich verantwortlich gemacht werden. Berantwortlicher Redakteur: August Enders in Berlin. Druck und Verlag von Maz Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2.