Mr. 193. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags Nummer mir illuftrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Bfg. PoftAbonnement: 1,10 Mart pr Monat, Eingetragen in der Post- Zeitungs Preisliste für 1901 unter Dr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions- Gebüge beträgt für die fechsgespaltene Rolonet zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Bocialdemokrat Berlin" Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Dienstag, den 20. August 1901. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Unterschreibt die Petitionen gegen den Zollwncher! Eine deutsche Kolonialarmee. Daß dem deutschen Volke zu all seinen sonstigen Lasten auch noch eine ständige Kolonialarmee aufgehängt werden wird, ist gewiß. Kürzlich wurden noch einige offiziöse Beschwichtigungsversuche unternommen, jetzt bestätigt die Waldersee- Bresse jene Absicht und die Berl. Neuesten Nachrichten" bedauern nur noch den„ Mißbrauch des Wortes Kolonial Armee", da ja bloß Formationen geringen Um fanges in Frage kommen werden. N Vorläufig haben wir ja die o st asiatische Brigade, den kräftigen Rest des chinesischen Expeditions corps. Graf Bülows bewährte Verfassungstreue wird jedoch dafür sorgen, daß die Verfassungswidrigkeit dieser Truppe durch Schaffung einer verfassungsmäßig bewilligten Kolonialarmee bald beseitigt werde. Warum soll das weltpolitische Deutschland sich nicht auch zur Abwechslung eine Kolonialarmee zulegen? Frankreich hat eine Kolonialarmee, ebenso England, und da muß doch das Deutsche Reich ebenfalls eine solche besitzen. Das verlangt schon die ,, nationale Würde"! " folchen Dingen nicht. Und wenn auch nur die, ostasiatischel Die Post" giebt heute eine dankenswerte Aufklärung über Besazungsbrigade" als Kolonialarmee vorgesehen ist, so den Sinn der verrückten Zollforderungen, die der Landwirtschaftsrat erwachsen jährlich doch etwa 11 Millionen Mehrausgaben, und der Bund der Landwirte erhoben haben und die noch weit die nicht die geringste Notwendigkeit haben. hinaus gehen über die Vorschläge im Regierungsentwurf. Es handelt sich da nur, wie wir es stets aufgefaßt haben, um Die" Post" Aufschläge, wie sie im Schachergeschäft üblich sind. meint: " ,... Die freihändlerische Bresse von den Organen der Tiergartenstraße bis zum Vorwärts" haben angesichts ihrer scharfent Agitationen gegen den Zolltarif- Entwurf am wenigsten das Recht, fich darüber zu beschweren, daß die Agrarier ihrem Beispiele folgen. Je lauter ihr Geschrei gegen die Agrarzölle ist, um so eindringlicher und lauter wird auch die agrarische Gegenaktion werden. Das liegt in der Natur der Sache und ist sogar notwendig, damit die Freihändler nicht im Trüben fischen können." Wo will man denn nun eigentlich eine deutsche Kolonialarmee garnisonieren lassen? Momentan ist dies allerdings in China möglich, aber auf die Dauer dürfte es doch nicht angehen. Wohin aber, wenn China geräumt werden muß? Soll dann die Kolonialarmee vielleicht nach Siautschou oder in unsren afrikanischen Besizungen verlegt oder auf alle diese Kolonien verteilt werden? Derartiges wäre einfach lächerlich, denn um die nahezu wehrlosen Volksstämme, die Deutschland in seinen Kolonien unterjocht hat, im Baume zu halten, sind nicht Tausende von Soldaten nötig. Dies scheinen auch begeisterte Kolonialschwärmer schon eingesehen zu haben, wenigstens geht aus verschiedenen ihrer Vorschläge hervor, daß sie sich Man weiß also, warum die Bündler zollpolitisch Verrücktheit die deutsche Kolonialarmee in Deutschland selbst garnisonierend Heucheln. Man erklärt die von der Regierung vorgeschlagenen Zolldenken. Von da aus soll sie dann zur Ehre des teutschen Namens förm- fäße als viel zu niedrig, damit der Volksprotest nicht eine Herabliche Ausfälle über das Meer machen. Auch Herr v. Wißmann fegung derselben erzwinge. So soll die Täuschung erweckt werden, z. B. wünscht als Garnisonierungsort für die von ihm befürwortete als ob die tollen Forderungen des Regierungsentwurfs eigentlich Kolonialarmee eine deutsche Stadt, die in möglichster Nähe eines eine wahre Gnadengabe an das Volk bedeuten. Diese dummdreiste Seehafens liegt. Schachertaktit wird allerdings ihr Ziel nicht erreichen. Das Volk Leider aber wird diese neueste Laune deutscher Staatskunst sehr Damit aber, daß der Gedanke, die deutsche Kolonialarmee nach wendet sich nicht gegen die agrarische Puppe, sondern gegen den viel Geld fosten. Kolonialarmeen sind wesentlich teurer als ge- Deutschland selbst zu verlegen, überhaupt hervortreten kann, wirklichen Feind, gegen den Wuchertarif, den die Reichsregierung aufwöhnliche Truppen, obwohl diese auch große Summen verschlingen. ist der ganze Rummel vortrefflich charakterisiert. Die deutsche gestellt hat und zu dem im allgemeinen sich die Mehrheit der SchutzVor allem fordert das Personal einen bedeutenderen Aufwand. In Kolonialarmee wäre nicht ein Produkt der Notwendigkeit, fie wäre zollparteien bekennt. der deutschen( inländischen) Armee treffen z. B. für das Jahr 1901 nicht etwa hervorgegangen aus der Gefährlichkeit der eingeborenen auf jeden Kopf des Heeres, alles in allem genommen, durchschnittlich Volksstämme in den Kolonien, sondern nur ein Werkzeug der Höllische Angst erfaßt die Agrarier in der Ahnung dessen, was 1114 Mark Kosten.( Gesamtkopfstärke 604'168, Gesamtkosten phantastischen Allerweltspolitik, die überall mit dabei sein" will, fie die Obstruktion" der Oppositionsparteien nennen. Sie 673 124 690 M.), und dies, obwohl der deutsche Soldat sehr färglich die trotz aller Beteuerungen der eignen Friedensliebe in Verzückung können sich nicht verhehlen, daß der neue Tarif nicht zu stande verpflegt und gelöhnt ist. Mit einer Löhnung von 6 M. 60 Pf. gerät, wenn sie ihre Soldaten mit möglichst großem Spektakel über kommen fann, wenn die Linke von dem ihr zustehenden parlamenpro Monat, wie sie der deutsche Soldat auf die Hand erhält, mit die weiten Meere nach fernen Ländern schicken und bei ihrer Rückkehr tarischen Rechte Gebrauch macht. Es tönt daher bereits jetzt dem bißchen Fleisch und Gemüse, das er bekommt, ist natürlich rauschende Triumphfeste feiern kann, mögen auch Siege, die diesen wieder das von den Heinzetagen übliche Gelärm über Herabsetzung eine Kolonialarmee, die sich nur aus Angeworbenen zusammen- Namen verdienen, gar nicht erfochten worden sein. des Parlaments und Selbstvernichtung des Reichstags. Dabei ist es setzen kann, nicht zu begründen und zu erhalten. höchst amüsant, daß die Agrarier selbst so viele Anträge zum Zollgesetz in Aussicht gestellt haben, daß es überhaupt keiner Anträge der Linken mehr bedürfen würde, um die Reichstags- Beratungen ins Endlose zu ziehen. Die Herren wollen offenbar die Obstruktion" für uns besorgen. Man darf sich hier durch die Leichtigkeit, mit der das Deutsche Reich im vorigen Jahre das Expeditionscorps gegen China aufbrachte, nicht zu Trugschlüssen verleiten lassen, denn damals handelte es sich zum überwiegenden Teil um attive Mannschaften, die durch Kolonialarmee zu verzeichnen sind. Politische Lebericht. Berlin, den 19. August. Der Zollwucher. " erklären, ihre Meldung zum Khakizug den Unannehmlichkeiten des Kasernen- In der großen und ernsten Auseinandersetzung zwischen den Noch peinlicher als die„ Obstruktion" ist den Zollvucherern der lebens zu entrinnen hofften. Wesentlich schwieriger aber wird die Wucherparteien und dem Volt, das sich gegen den Wucher wehrt, Gedanke an eine Reichstags Auflösung. Ein nationalliberales Sache, wenn Leute angeworben werden sollen, die ihrer aktiven finden sich auch einige Episoden, die der Heiterkeit nicht entbehren. Blatt meinte dieser Tage, es sei angemessen, daß die Regierung über Dienstzeit schon gerägt haben. Hier müssen reichliche Verpflegung Go wirkt einigermaßen belustigend die schwankende Hilflosigkeit, in diese wichtige Frage des Zolltarifs die Wähler befrage, und hoher Sold als Lockmittel dienen. Einen kleinen Vorgeschmack der das führende Organ der Konservativen, die„ Kreuz- 8eitung" aber die Deutsche Tageszeitung" und die„ Kreuz- Zeitung" und diese Aussicht davon, was eine Kolonialarmee allein in dieser Hinsicht kostet, geben um sich tastet. Im Rundschauleiter ihrer Sonntagsnummer bespricht sträuben sich entsetzt gegen die beiden Vorschläge, die bisher zur Aufstellung einer deutschen das Blatt scharf und erregt die Situation, die im schutzöllnerischen auch der gegenwärtige Reichstag sei schon unter dem Zeichen der Lager durch die Erklärung des Centralverbandes gegen den Mindest Bollrevision gewählt worden und könne daher als wirklicher und Der erste stammt vom Herrn v. Wißmann. Dieser wünscht tarif geschaffen ist. Sie müsse bekennen, daß„ durch die Kundgebung wahrhafter Ausdruck des Volkswillens" gelten. Diese Beängstigung die deutsche Kolonialarmee aus lauter Musterknaben zusammen des Direktoriums die Zolltariffrage in ein neues, ernst es vor einer Reichstags- Neuwahl ist nur allzu berechtigt, denn 1898 zu setzen, von denen jeder nicht nur ein Soldat, sondern auch ein Stadium getreten ist"; der Verzicht auf die Minimalzölle sei spielte die Frage der Erneuerung der Handelsverträge zwar schon Baumeister, Gärtner, Metzger, Bäder, Koch, Zoologe, Botaniker und für die Landwirtschaft„ absolut unannehmbar". Die Kreuz- 8tg." in den Wahlkampf hinein, aber Massen von Wählern Meteorologe sein soll. Die Leute, meint Herr v. Wißmann, müßten versucht dann die Mitglieder des Centralverbands gegen sein glaubten noch nicht an den ungeheuerlichen Zollspuk, den natürlich so gut bezahlt werden, wie dies in der englischen Kolonial jetzt Agrariertum und seine Regierung über uns losgelassen. armee der Fall ist. Dies würde unsres Wissens pro Tag die Auflösung des Reichstags und Neuwahlen das wäre Kleinigkeit von 5 M. Löhnung betragen. das erlösende Wort in diesen Kämpfen gegen die agrarische Aushungerung des Volkes. Der zweite Vorschlag ging vom Schwäbischen Merkur" aus. Im Gegensatz zu Herrn von Wißmann forderte derselbe, daß die deutsche Kolonialarmee aus der Hefe des Voltes fich rekrutiere. Entlassene Sträflinge, verwegene Abenteurer, unsauber abgegangene Offiziere scheinen dem schwäbischen Blatt als das richtige Material. Die Vergangenheit dieser sauberen Kämpfer soll dann ebenso geheimnisvoll verhüllt werden wie Lohengrins Herkunft.„ Gewähren wir, rief der„ Merkur" aus, dieser Truppe entsprechend der hohen Gefahr ihres Dienstes sehr hohen Sold, sorgenvolle Invalidität auf Kosten des betreffenden Landes." Hierbei übersieht die wackere Schwabenzeitung nur, daß Deutschland den hohen Sold und die sorgenfreie Invalidität eben nicht von dem betreffenden Lande bezahlen lassen kann, dieweilen nämlich die prächtigen deutschen Kolonien überhaupt nichts eintragen, sondern jährlich einen Reichszuschuß von circa 30 Millionen fordern. Somit bliebe dem deutschen Michel nichts übrig, als den hohen Sold 2c. selbst aufzubringen. Direktorium auszuspielen: „ Es wird abzuwarten sein, ob das Gros des Verbandes den Beschluß seines Direktoriums zu dem seinigen machen wird. Vor den verhängnisvollen Folgen, den ein solcher Schritt nach sich ziehen würde, werden die Industriellen wahrlich nicht die Ob es dahin kommen wird? Das Centrum wird alles aufAugen schließen können. Man wird doch auf industrieller Seite bieten, um dies ihm Entsetzlichste zu verhüten. Denn für das nicht denken, daß die agrarischen" Parteien im Reichstag so unCentrum bedeuten dem Reichstags- Wahlen unter Zeichen verantwortlich handeln könnten, daß sie wohl die Erhöhung der den AusKornzoll Erhöhung nicht weniger als industriellen Zölle durchzusetzen bereit seien, aber sich damit be- der Kornzoll- Erhöhung gnügen werden, wenn hinsichtlich der Gestaltung der landwirt- ein anderfall der Partei, in der heute noch zollschaftlichen Zölle alles beim alten bleibt.( Bekanntlich giebt wucherische Agrarier und nach billigem Brot rufende katholische Arauch der Centralverband der kolossalen Erhöhung der Getreide- beiter mühsam vereint gehalten werden. zölle, wie sie der Regierungsentwurf vorschlägt, seine Zustimmung! Das Centrum ist daher auch jetzt wieder die Partei des„ MögRed. d.„ Vorw.".) Erhöhte Industriezölle ohne ohne gleichlichen". Es legt sich nicht fest. Es ist zollwucherisch, aber Maß und zeitige Sicherung höherer Landwirtschaftszölle würden auf Grad des Wuchers behält es sich vor. Die Germania" erklärt das landwirtschaftliche Gewerbe geradezu verheerend wirken; sich heut weder für den Minimalzoll auf Getreide noch dagegen; es würde ein neues Forcieren der Industrie ins Werk gesezt " werden, die Arbeiternot auf dem platten Lande würde sich noch es ist für die„ berechtigte Mittellinie", es ist der Bülow unter den schlimmer gestalten, und der landwirtschaftliche Ruin würde dem Parteien. neuen industriellen Aufschwunge" als Folie dienen. Besser dann tein Zolltarif als einer mit solchen Wirkungen; ja besser dann allgemeiner Freihandel als ein fümmerlicher Agrarzoll bei hohen Industriezöllen." Deutsches Reich. Aus Thielens Reich. Er Gesezt mun, es würde in der deutschen Kolonialarmee relativ große Sparsamkeit herrschen, die Löhnungen der Soldaten und Unter- Ueber den Sonntag aber hat der konservative Jammer sich Vor der Straftammer in Bonn stand der Stationsassistent offiziere blieben weit hinter den in der englischen Kolonial wieder beruhigt und in der Nummer der Kreuz- Zeitung" vom Hugo Hosters wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports. armee üblichen zurück, die Gehälter der Offiziere, Aerzte und Beamten Montagabend ist die Kundgebung der Centralverbandsleitung nicht hatte auf dem Bahnhof Troisdorf während des Nachtdienstes einen würden nur um 20 Proz. höher sein, als sie in der inländischen mehr eine ernste Sache von verhängnisvollen Folgen, sondern nur Güterzug in ein besetztes Geleise eingelassen, wodurch ein geringer Materialschaden entstand. Der Angeklagte erklärte, er habe schon deutschen Armee gewährt werden, jo kämen doch sehr hohe Summen noch der Eierkuchen, um den zu viel Lärm gemacht wird: in Betracht. Rechnet man auf je 1000 Mann 1 Oberst, 2 Majore, Wenn der Reichskanzler und der preußische, unserer Groß- vor längerer Zeit seiner vorgesetzten Behörde mitgeteilt, daß er dem 5 Hauptleute, 5 Oberlieutenants, 13 Lieutenants, 2 Aerzte, 1 Bahl- industrie sehr nahestehende Handelsminister einen glücklichen Aus- auf der Station Troisdorf äußerst anstrengenden Nachtdienst nicht meister und 60 Unteroffiziere; segt man weiter die Löhnung der gang neuer Handelsvertrags- Verhandlungen trotz der Bindung der mehr gewachsen sei. Ein Sachverständiger, Regierungsrat Biered, Soldaten nur auf 30 M. monatlich fest, jene der Unteroffiziere Getreidezölle für sehr wohl möglich hält, so wird dagegen bie, sich befundete: Es sei ratfam gewesen, den Angeklagten schon vor Lediglich auf freihändlerische Behauptungen stügende Autorität" längerer Zeit aus der Stellung zu versetzen. Troisdorf fei ein durchschnittlich nur auf 50 M., nimmt man an, daß die Gesamtdes Centralverbandes keinesfalls aufkommen. Die agrarische" außerordentlich schwieriger Bahnhof, auf dem innerberpflegung der Unteroffiziere und Mannschaften pro Kopf im Tage Mehrheit des Reichstags dürfte ebenfalls auf die industrielle Kund- halb 24 Stunden mehr als 200 3üge einliefen. Der äußere auf 1 M. sich beläuft, so ergiebt sich für je 1000 Mann für gebung bei weitem nicht den Wert legen, den ihr die Freihändler Dienſt werde auf beiden Seiten des Bahnhofs durch unr einen Verpflegung und Löhnung allein eine jährliche Ausgabe in ihrer Hoffnungsfreudigkeit beimessen. Es wird da viel zu viel einzigen Beamten ausgeführt, der stets hin und her springen Lärm um einen" Gierkuchen" gemacht. müsse und sich nicht aus der Hörweite der Apparate entfernen dürfe. von rund 1 Million. Nun sind aber noch Kleidung, Ausrüstung, Es sei ausgeschlossen gewesen, daß er sich auf 400 Meter vom Bahnhof Lazarett Utensilien, Munition, Unterkunft und die Invalidenbabe entfernen lönnen, was aber nötig gewesen wäre, um festzustellen, Pensionen so daß mindestens noch bestreiten, ob das Gleise frei war. Das Gericht sprach den Assistenten frei. Objektiv liege eine sehr große Fahrlässigkeit vor; andrerseits dürfe aber fein Beamter in einer derartigen Stellung gelassen werden, bei dem eine solche Fahrlässigkeit als entschuldbar gelten fönne. = zu weitere Die Kreuz- Zeitung" hat sich nun wohl zu der Hoffnung durchgerungen, daß der agrarische Bucher sich schließlich doch mit 400 000 Mark nötig werden. Wie viele Tausend Mann großindustriellem Bucher wieder vertragen werde. Darin mag fie der weltpolitische Kurs beanspruchen wird, ist dermalen aller auch recht haben! dings noch unbekannt, aber Bescheidenheit kennt er bekanntlich in Mit Rücksicht auf den förperlichen und geistigen Zustand des Angeklagten habe das Gericht geglaubt, ihm subjektiv die Fahrlässigkeit nicht anrechnen zu können. Und einem Mann, den das Gericht unter einer solchen Begründung freisprechen mußte, war das Leben von Hunderten Eisenbahnreisenden in die hand gegeben! Die Walderfee- Reden und das Wolffsche Depeschenbureau. Das offiziöje Depeschenbureau" erklärt in eigner Sache" gegen über den" Leipziger Neuesten Nachrichten", daß ihm von seinem Vertreter in Hannover folgende Erklärung zu gegangen sei: „ Bei der Aufnahme der Reden befand ich mich in einer so geringen Entfernung vom Redner, daß ein Ver= hören so gut wie ausgeschlossen ist. Das gilt namentlich für die Aufnahme der Erwiderung auf die Ansprache des Oberpräsidenten Grafen Stolberg- Wernigerode, und ganz besonders für die Worte, welche in der erwähnten Korrespondenz als ,, nie gesprochen" bezeichnet werden. Ich habe nichts nach Berlin übermittelt, was ich nicht auf Grund meines Stenogramms verbürgen fann." Das Bureau fügt hinzu, daß der betreffende Vertreter ein sehr gewandter Stenograph und zuverlässiger Berichterstatter sei, so daß es feine Veranlassung habe, an der Richtigkeit seiner Mitteilung zu zweifeln. Es bliebe also das Phänomen zu erklären, wie es möglich war, daß den drei Stenographen der Hannoverschen Blätter so charakteristische Wendungen in so seltsamer Uebereinstimmung vollständig entgehen konnten. Sollte man diese Stenogramme erst einer Korrektur unterzogen haben? Vielleicht nimmt der ja sonst nicht wortfarge Graf jener Zeit Commandeur der 21. Infanterie- Brigade, jedenfalls als der Verfasserschaft verdächtig, zur Disposition ge stellt." Da Waldersee sich nun längst wieder in den Strahlen kaiserlicher Gnade sonnt und im vorigen Jahre mit der außerordentlichen Ehre der Weltmarschallschaft bedacht wurde, so haben sich, die Richtigkeit der Darstellung der Breslauer Zeitung" vorausgesetzt, die Zeiten sehr geändert. ca. " V " als ein Gebrandmarkter hier herumlaufen. Ich bin der Vers zweiflung nahe, ich will sterben. Lebt wohl, es ist so viel besser für mich. Die Schande ist mir wenigstens erspart. Es grüßt.. Euer unglücklicher Sohn Otto. Grüßt noch mal.... und alle lieben Bekannten. Zur Ergänzung dieses Briefes sei noch folgendes mitgeteilt. Der Eine Verdoppelung der Kamerun Schuhtruppe, die jetzt junge Soldat hatte sich freiwillig zum Musikcorps gestellt, war 1000 Mann starf ist, fordert die" Post". Es liege das äußerst tüchtig in seinem Fache, spielte 4 Instrumente, dachte Militärbringende Bedürfnis" vor, die Schuztruppe wenigstens( 1) Stapellmeister zu werden und erfreute sich des besten Wohlwollens seines Musikdirigenten. Die Versetzung in die Compagnie war für zu verdoppeln": „ Die Haltung des Reichstages gegenüber folonialen Bedürf- ihn der härteste Schlag, der ihn treffen konnte, zerstörte alle seine nissen kann allerdings niemand ermuntern, große Forderungen Hoffnungen. zu stellen, und doch werden wir jetzt die Unterlassungen früherer Es mag dahingestellt bleiben, ob der Regimentskommandeur Jahre nachträglich bezahlen müssen. Aehnliche Er- einen Musiker, der sich freiwillig als solcher gestellt hat, strafweise in die Graf Compagnie stecken darf. Jedenfalls bedentet schon die Bestrafung des Ausfahrungen haben wir schon in Südwestafrika gemacht. Caprivi hatte dem Hauptmann v. François ausdrücklich verboten, bleibens über Zapfenstreich mit 10 Tagen strengem Arrest in die Kämpfe der Hottentotten mit den Herero einzugreifen. Die eine außerordentliche und selbst vom Gesichtspunkt heutiger MilitärFolge war, daß die Unruhen zunahmen und die Unbotmäßigkeit disciplin ungewöhnliche Härte. Die Versetzung in die Compagnie der Eingebornen sich auf weitere Stämme ausdehnte. Die aber ist völlig unverständlich, wenn man nicht annimmt, daß in dem Ausgaben für das Schuggebiet verzehnfachten sich dann Herrn Oberst ein Krosigk steckt. Ein hoher militärischer Gebieter scheint sich auch bei seinem Handeln sofort und stiegen in den nächsten Jahren wiederholt um das mehrfache. Seit 1894 sind, wie erinnerlich, Deutschland durch nicht flar zu machen, welche Folgen seine Härte zeitigen kann. Hi vorinternationale Verträge Landstriche bis zum Tschadsee zugesprochen liegenden Falle hat die Nachricht vom plöglichen Tod des hoffnungsDort ist von uns bisher absolut nichts zur Geltend- vollen Sohnes auch den alten Vater mit in den Tod gerissen. Der machung unsrer Herrschaft geschehen und je länger das Vorgehen Vater des Musikers, der Kapellmeister des hicfigen Schillertheaters war, dahin aufgeschoben wird, desto größer werden die Aus- wurde durch das entsegliche Ereignis so getroffen, daß ihn ein SchlagSo ist das furchtbarste Unglüd gaben, die man auf eine Reihe von Jahren hätte anfall ereilte, der tödlich endete. berteilen können. Dieser Aufgabe tann man nicht über eine Familie gekommen durch die unnötige und unerbittliche lange mehr ausweich e n." Härte eines Obersten, die dazu führt, auch eifrige Liebhaber des Militärwesens zum Haß gegen dieses System zu erziehen. schließlich noch die Art, wie er die Angehörigen des Verstorbenen Charakteristisch für den Herrn Oberst des 111. Regiments ist benachrichtigen ließ. Diese erhielten lediglich ein Telegramm des Juhalts: Sohn tot, Beerdigung Donnerstag, 111. Regiment. Erst der Bruder des Verstorbenen, der sofort nach Rastatt reiste, dem wirklichen Thatbestand. Kein Wort des erfuhr Bedauerns für die schwer geprüften Angehörigen fam in die Feder des militärischen Herrschers von Nastatt. Was will es auch be deuten, wenn ein einzelner Mensch, wenn das Glück einer Familie zerrieben wird in dieser riesigen Maschinerie des Militarismus? worden. Darin stimmen wir mit dem Blatt überein, daß wir früher oder später eine gehörige Beche für diese kostbare Kolonie werden Waldersee selbst Veranlassung, durch eine Erklärung seinerseits zur berappen müſſen. Wenn man sich erst einmal auf den KolonialAufhellung der rätselhaften Angelegenheit beizutragen. schwindel einläßt, wachsen die Kosten allmählich lawinenartig an. Neue Schnellfeuergeschüße. Die National- 8tg." brachte vor einigen Tagen eine Notiz über eine wahrscheinlich nahe bevorstehende Ein Dennuziant. Von der Ferien Straffammer des LandNeubewaffnung der deutschen Artillerie mit neuen Schnellfeuer- gerichts in Weimar wurde am 17. August das ehemalige Mitglied geschützen, in der sie aus diesen mit großer Bestimmtheit und Hart- des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, der Tischler Carl Schmidt, nädigkeit auftretenden Gerüchten der Schluß zog, daß die erst vor zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt, und dem Verletzten, dem das Recht 4 Jahren erfolgte völlige Neubewaffnung der Artillerie ein Mi- Reichs- und Landtags- Abgeordneten Baudert, griff gewesen sei. Hierzu bemerkt der hann. Courier", daß der Urteilspublikation auf Kosten des Denunzianten zuerkannt. es Thatsache sei, daß man sich mit der Absicht einer solchen Der Angeklagte, Tischler Schmidt, hätte in einem Brief an die Reubewaffnung trage. Alle Militärstaaten trügen sich mit dieser Polizeibehörde in Apolda, den Abg. Baudert wegen Majestäts- Köllers Anfänge? Die erste Versammlungs- Auflösung Unrichtig sei nur die Behauptung, daß die deutsche beleidigung denunziert und in Bezug auf den Verkehr von männ feit der Ernennung des Herrn v. Köller zum reichsländischen StaatsMilitärverwaltung mit ihren Versuchen Geschüßmodelle lichen und weiblichen Personen in dessen Gastwirtschaft An- sekretär ist letzten Sonnabend zu Mülhausen i. Els. erfolgt, wie bereits zum Abschluß gekommen sei und eine Wahl getroffen gaben gemacht, die geeignet waren, Baudert moralisch und ge- uns von dort berichtet wird. Das Versammlungsleben der oberhabe. Trotzdem die Neu- Armierung der Artillerie bevorstehe, sei die schäftlich schwer zu schädigen. Baudert hatte dieserhalb Straf- elsässischen Arbeiterstadt erfreute sich in lezter Zeit einer gewissen Reubewaffnung von 1897 gleichwohl keine Voreiligkeit gewesen, da antrag gestellt. Nach der durch monatelange Borunter Toleranz seitens der Hochwohllöblichen; jezt scheint der Ersatz das ältere deutsche Feldgeschütz den modernen Ansprüchen nicht mehr ſuchung und umfangreiche Beweisaufnahme erfolgten Klar- v. Buttlamers durch den Mann mit der starten Faust" aus Nordentsprochen habe. Die Erfindungen und Verbesserungen auf dem Stellung betonte der Staatsanwalt, daß die vom Angeklagten fchleswig bereits ihre Schatten auf die Stellung der Behörden zur Gebiete der Mordtechnik drängen sich eben; das Geschütz, das vor aufgestellten Behauptungen nicht nur nicht erwiesen seien, sondern Arbeiterbewegung zu werfen. Die Versammlung, einberufen durch vier Jahren von allervollkommenster Konstruktion erschien, ist heute sich als absichtlich falsche und unwahre Angaben herausstellten, das Mülhauser Gewerkschaftsfartell zur Besprechung der Lage der veraltet. Thatsache ist also, daß die Ausrüstung der Artillerie mit die den Verletzten in seiner Eigenschaft als Reichs- und Landtags- Bauhandwerker und zur Beratung der Maßnahmen gegen die neuen Geschützen nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, mit Abgeordneten, sowie in seinem Beruf als Gastwirt schwer Arbeitslosigkeit im nächsten Winter, wurde vom überwachenden Geschüßen, die möglicherweise schon vor Ablauf abermaliger zu schädigen geeignet waren; mit Rücksicht auf diese ehrlose Polizeikommissar aufgelöst, weil der Referent auf die wachsenden vier Jahre in die Rumpelkammer geworfen werden Handlung beantrage er ein Jahr Gefängnis und Aberkennung der Steuerlasten und die drohende Neubelastung durch den müssen bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zwei Jahren. Der Ge- neuen 3olltarif hinzuweisen sich erdreistet hatte. richtshof erkannte mit Rücksicht darauf, daß der Angeklagte sich infolge seines förperlichen Zustandes start schwerhörig der Tragweite feiner Handlungsweise nicht voll und ganz bewußt gewesen und dem Abg. Baudert dadurch keinerlei Schaden zugefügt sei, wie bereits angeführt. Militarismus in Baden. Berhökerung des Zolltarifs. Es wird der" D. T." mitgeteilt, daß es sich bei der Verhökerung des Zolltarifs nicht um den Entwurf gehandelt habe, wie er dem Bundesrat zugegangen ist, sondern um ein Exemplar des borläufig en Entwurfs, wie er von den Dezernenten zusammengestellt war und den preußischen Der Denunziant beliebt sich gewöhnlich als alter Genosse aus Ministerien zuging. Die Untersuchung soll bisher, was die be- Gotha" einzuführen, mögen deshalb seine Kollegen und unsre Geteiligten Beamten anlangt, tein Ergebnis gezeitigt haben.- nossen vor ihm gewarnt sein. Auch ein ,, Attentat". Ein Depeschen- Bureau meldet aus Kassel vom 19. August: In, der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag, turz nach Rückkehr des Kaiserpaares von einem Ausflug nach Dörnberg, wurde gegen 10/2 Uhr auf den Posten vor dem Schloß Wilhelmshöhe aus dem Gebüsch ein Stein geschleudert, welcher das Schilderhaus traf. Nach vergeblichem Anruf feuerte der Posten in der Richtung des Steinwurfes, es wurde jedoch niemand getroffen. Der Angreifer war unauffindbar. Im Schlosse herrschte wegen dieses Vorkommnisses Aufregung. Anders Iautende Gerüchte sind übertrieben. Vermutlich übertreibt auch das Depeschenbureau, das vor aufgebauschten Sensationsnachrichten warnt, selbst dadurch, das es behauptet, der Dummejungenstreich habe im Schlosse Aufregung hervorgerufen. Ausgeschlossen wäre es übrigens auch nicht, daß der Posten das Opfer einer Hallucination geworden ist und den kindischen Steinwurf nur geträumt hat. Waldersee als Friedensapostel. Wie einem Blatt aus Paris gemeldet wird, hat Waldersee sich von einem französischen Journalisten interviewen lassen, der im„ Echo de Paris" dem Er- Weltmarschall allerlei Prophezeiungen in den Mund legt: Der Graf äußerte sich nach dem Pariser Blatt überaus symphatisch über die französischen Truppen in China und sagte: ch glaube nicht mehr an die Möglichkeit eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland. Die Zeiten haben sich sehr geändert." Ferner erklärte der Marschall, er sei überzeugt, daß die militärische Aktion in China ihre Früchte tragen werde, China sei gezwungen, sein Land dem europäischen Handel zu öffnen. Die Bogerbewegung werde gänzlich verschwinden. Walderfee rühmte die vollständige Eintracht, die zwischen den französischen und den deutschen Soldaten in China geherrscht habe. Der Kaiser, der ihn über sieben Punkte befragt habe, habe sich äußerst befriedigt gezeigt. Wenn Waldersee so optimistisch über die künftigen Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland denkt, so wird er hoffentlich auch seinen Einfluß im Sinne einer militärischen Abrüstung geltend machen, zum mindesten sich aber allen Heeresvermehrungs- Plänen widersezen! Wenn er ferner bout dem gänzlichen Verschwinden der Boyer bewegung überzeugt ist, wird er vor allen Dingen den Aufenthalt der Besagungsbrigade in China abzukürzen, namentlich aber die Pläne zur Schaffung einer asiatischen KolonialArmee zu bekämpfen bemüht sein! Wie man in Ungnade fallen kann. Ueber die Ursachen der kaiserlichen Ungnade, die sich Waldersee während der neunziger Jahre vorübergehend zugezogen haben soll, erzählt die„ Bresl. 3tg.": " Der ehemalige Instrukteur des Prinzen Wilhelm, wie Graf Waldersee es gewesen, ist dem jungen Kaiser gegenüber nach dessen Thronbesteigung offenbar allzu weise" aufgetreten. Bei einem Kriegsspiel, an dem der Kaiser teilnahm und bei dem sich Differenzen in Fragen der Taktik erhoben, äußerte Kaiser Wilhelm, die Debatte beendigend, kurz und bestimmt:" Ihre Aufgabe, mein lieber Graf, war weder richtig gestellt, noch richtig ge= löst!" Entscheidend aber war die Thatsache, daß Graf Walderfee bei den schlesischen Manövern im Jahre 1890 die Corpsführung des Kaisers glaubte einer scharfen Kritik unterziehen zu müssen, welche dadurch um so empfindlicher war, daß sie in Gegenwart des Kaisers von Oestreich und des Königs von Sachsen geübt wurde. Der Kaiser hatte damals, wie erinnerlich, gewaltige Reiterattaden insceniert, denen einige bei 70 Schwadronen gegeneinander ritten, und diese Attacke schien dem Grafen Waldersee als strategisch ber= fehlt. Die„ Schlesische Zeitung" veröffentliche unmittelbar nach jenen Manövern einen-a- gezeichneten Artikel, in dem sehr sachlich, aber nicht minder deutlich, der gleichen Meinung Ausdruck gegeben wurde. Dieser Artikel verstimmte an maßgebender Stelle so, daß eine Untersuchung nach dem Verfasser jenes Artikels eingeleitet wurde. Diese Untersuchung ergab zwar fein sicheres Resultat, aber kurz darauf wurde General von Boguslaw sti, der bekannte Militärschriftsteller, zu kürzlich folgende Nachricht aus Rastatt: Der in Karlsruhe erscheinende„ Badische Landesbote" brachte Ausland. Des Profonfuls Rückkehr nach Südafrika. London, 14. August. letzten Sonnabend in Southampton ein, um nach Südafrika zurückStill, unbegleitet und fast unbemerkt schiffte sich Lord Milner zukehren und die blutige Arbeit zu vollenden, die er im Verein mit Rhodes und Chamberlain begonnen hat. Milners Laufbahn hat faum ihresgleichen in der englischen Geschichte, und bildet einen weiteren, beinahe unfehlbaren Beweis für den politischen Niedergang eines großen Reichs. Es wäre sonst Ein dem Musikcorps des hiesigen Infanterieregiments Nr. 111 unerklärlich, wie ein bescheidener deutscher Student, deffen ganzer angehöriger Gefreiter hat sich heute mittels seines Dienst- Ruf auf einem formalen, journalistischen Talent beruht, in einem gewehrs erschossen. Der Beweggrund zu dieser That Lande großer Administratoren, sich zur Statthalterschaft einer der soll darin zu suchen sein, daß der Musiker wegen Un- wichtigsten Kolonien aufschwingen konnte. Milners Laufbahn könnte pünktlichkeit mit zehn Tagen strengem Arrest und Zurück- einigermaßen an die Disraelis erinnern. Diese Parallele wäre inversetzung in die Compagnie bezw. Linie bestraft wurde. Der des nur eine scheinbare. Disraeli war in England geboren und erVorfall hat allgemeine Erregung unter der hiesigen Bevölkerung 30gen und hatte sich nach langen politischen Mißerfolgen zu hervorgerufen, denn die angesezte Strafe wird als entschieden zu einem unvergleichlichen parlamentarischen Gladiator entwidelt. scharf für ein so geringes Vergehen angesehen.- Uebrigens herrscht Disraeli hatte von der Pike auf gedient. Nicht so Milner. auch sonst im hiesigen Infanterieregiment Nr. 111 eine Schneidig- Er ist in Deutschland geboren, wo er einen Teil seiner Jugendjahre keit, die schon mehrfach unangenehmes Aufsehen erregte. Die verbrachte, und begann seine Karriere als Hilfsredacteur der„ Pall hiesige Presse wagt es aber nicht, bei dem hier herrschenden Mili- Mall Gazette". An der Parallele ist nur folgendes richtig: Disraelis tarismus an militärischen Vorgängen Kritik zu üben. Bei dem in Aufstieg bezeichnete den Bankrott der konservati en Partei, Milners Demut ersterbenden Amtsverkündiger, dem„ Nastatter Tagbl.", ist Aufschwung bedeutet den Zusammenbruch des ganzen politischen das selbstverständlich, und die„ Rastatter 3tg." will es scheinbar mit den Lebens Englands. Freilich, wo die Staatsmänner entweder Hamlets Herren im bunten Rock auch nicht verderben. Sonst wäre viel- find wie Lord Rosebery oder Falstaffs wie Lord Salisbury und Chamberleicht schon einmal ein Wörtchen über die bei der großen Hite lain, da ist Platz für fleißige und gehorsame deutsche Studenten. Der letzten Zeit unternommenen Gewaltmärsche der 111er ge- Milner wurde 1897 zum Statthalter( High Commissioner) Südschrieben worden. Ein Fall, der hier besonderes Aufsehen erregte, afritas ernannt. Groß und Klein war einig darüber, daß die Wahl der aber, obwohl er sich schon vor mehreren Monaten ereignete, eine außerordentlich glückliche sei. Der neue Prokonsul hat feine, bisher noch nicht veröffentlicht wurde, betrifft speciell die Person sogar berückende, französische Manieren, deutsche Arbeitskraft und des Regimentskommandeurs. Ein Arbeiter einer hiesigen Baufirma hatte nämlich von seinem Prinzipal Auftrag erhalten, in der Stallung des Kommandeurs des 3. Bad. Inf.- Negts. Nr. 111, Herrn Oberst v. Seydewitz, verschiedene Reparaturen vorzunehmen, über deren Ausführung er von seinem Meister ausführliche Weisung erhalten hatte. Während nun der Arbeiter mit der Herstellung der Arbeiten beschäftigt war, kam der Herr Oberst selbst in den Stall, um sich die Sache anzusehen. Derselbe war aber mit der von dem Handwerker angeordneten Ausführung der Reparaturarbeiten nicht einverstanden und verlangte, daß dieselbe nach seiner Anordnung ausgeführt werden. Als jedoch der Arbeiter zur Antwort gab:" Ich mache es so, wie mir mein Meister es aufgetragen," wurde der Herr Oberst sehr heftig, zog schließlich den Degen und drohte dem Arbeiter mit Erstechen, wenn er nicht sofort mache, was er„ befehle". Was sich dann weiter noch zu getragen, ist nicht an die Deffentlichkeit gelangt. * Der Oberst des 111. Regiments ist offenbar eine Mischung rosigt- Stietencron. Die Machtfülle, die ihm seine Stellung giebt, wird durch Härte zur Qual für seine Untergebenen und richtet entsetzliches Unheil an, wie es der Fall des Musikers zeigt, den Verzweiflung in den Tod trieb. Wir sind in die Lage versetzt, über diesen Fall näheres mit zuteilen. Folgendes ist der Wortlaut des letzten Briefes, den der Soldat an seine Eltern in Berlin richtete: Rastatt, den 28. Juli 1901. Liebe Eltern! einen guten, flaren, englischen Stil. Diese Eigenschaften, sagte man, seien die Ausstrahlungen eines großen Charakters, tiefen Wissens und liberalen Denkens. Milner hatte in London tathedersocialistische Vorträge gehalten und war liberaler Durchfallskandidat in Harrow. Die Hoffnungen, die man auf ihn sezte, erwiesen sich bald als trügerische. Zwei Jahre seiner südafrikanischen Herrlichkeit genügten, jeden Holländer zum bitteren Feinde Englands zu machen und einen Krieg zu entfachen, wie ihn das englische Bolt seit 120 Jahren, seit dem amerikanischen Unabhängigkeitsfriege nicht mehr erlitten hat. als konstitutioneller Vertreter einer konstitutionellen Monarchie nach der Kapkolonie entsandt, um zwei gleichberechtigte Völker zu regieren und den Konflikt, der durch den Jameson- Raubzug im Jahr 1895 ungemein verschärft worden war, zu mildern, stellte er sich bald auf seiten der Loyalisten", d. H. der kommerziellen Interessen und dadurch gleichzeitig auf feiten der Johannesburger Sapitalistenklique. Als ihn am 5. März 1898 eine tapholländische Deputation ihrer Loyalität zur englischen Krone versicherte, da antwortete er: Ich bin natürlich mit dieser Versicherung zufrieden, aber ich wäre noch zufriedener, wenn ich daran glauben könnte." Das erinnert doch wahrhaftig an die vormärzlichen Tage in Preußen oder Destreich. Ein Jahr später ging er noch weiter. Ohne irgend einen stichhaltigen Beweis zu haben, beschuldigte er die Afrikanderpresse, daß sie Aufruhr predige und daß die Afrikander nur Werkzeuge skrupelloser Politiker wären. Und je mehr er sich die Afrikander entfremdete, desto enger schloß er sich den„ Loyalisten" an und betrachtete die Situation durch die Brille der loyalistischen Presse, die ganz in den Händen der Johannesburger war. Noch schlimmer und verhängnisvoller waren seine Beziehungen zu Vor allen Dingen verzeiht mir, daß ich so lange nicht ge- der Regierung von Transvaal. Von Anfang war seine Politik schrieben habe. Wenn Ihr diese Zeilen liest, so glaube ich, daß darauf gerichtet, die Unabhängigkeit Transvaals zu vernichten. Ihr Euren Sohn verloren habt. Ich bin hier unglücklich und in diesem Punkte hat er sich viel mehr Rücksichtslosigkeiten geworden. Ich habe eine Dummheit begangen. Bin über Ur zu Schulden kommen lassen, als Chamberlain selbst. Er war papstlaub geblieben. Liebe Eltern, ich schwöre es Euch, aber ohne meine licher als der Papst. Die Wahlreform und die Beschwerden der Absicht. Meine Strafe lautete 10 Tage strengen Arrest und Outlander" waren für ihn nur ein Vorwand, seine imperialistischen Versetzung in die Compagnie. Man hat mir die Schwalben- Pläne durchzusetzen. Die Autorität für diese Behauptungen ist nester genommen. Papa, ich fann die Schande nicht ertragen; ich Milner selber. In seiner Abschiedsrede in Kapstadt( 7. Mai 1901) habe doch keine Ahnung vom Compagniedienst. Meine fagte er mit brutaler Offenheit: Von Anfang an war es meine Carriere ist hin. Was soll ich noch thun. Ich halte es Absicht, ein für allemal mit dieser Frage aufzuräumen, und aus ein Land zu unter den Umständen in der Compagnie teine Stunde aus. Liebe Südafrika machen und unter es eine Eltern, ich will die Schande von unserm Namen nehmen. Ich Flagge bringen." ชน den Blaubüchern Blaubüchern wissen wir in war, Chamberlain inftruiert der ziehe den Tod der Schande vor. Ich will nun noch einmal heute, daß beim Regiment mein heil versuchen, wo nicht, so Bloemfontainer Konferenz mit Krüger die Sachlage in einem jage ich mir eine Kugel in den Schädel. Ich will lieber sterben, versöhnenden Tone zu besprechen. Milner beschränkte sich indes auf als mich von allen Seiten wie ein Verbrecher behandeln zu lassen. die Wahlreform, und als keine Einigung erzielt werden konnte, brach Liebe Eltern, ich bitte Euch, denkt nicht schlecht von mir; verzeiht er alle weiteren Verhandlungen ab. Er war so vollständig in den der Johannesburger, daß er mir diesen leichtsinnigen Fehler, aber ich will nicht eine Stunde Händen der Loyalisten und er von Aus Nach so viel Dragonern und Schußleuten erscheinen heut mehrere Schwarz verschleiert, in tiefer fich mit allen Eifer bestrebte, Chamberlain jeden Rückzug Pirot und Valjevo tommt es zur Stichivahl. Nach der neuen Ver-) abzuschneiden. Als er gegen Ende August 1899 bemerkt hatte, daß faffung wählt jeder Kreis und die Stadt Belgrad je einen Senator, 8euginnen zum Verhör. Chamberlain geneigt war, die Vorschläge Transvaals anzunehmen, die übrigen Senatoren wurden noch am Tage der Proklamierung Trauer verharrt in unbeweglicher Haltung die noch junge Frau da telegraphierte er nach London:" Die Briten Südafrikas sind zum der neuen Verfassung vom Könige ernannt; die meisten heutigen Rittmeister v. Krosigt, eine mittelgroße, schlanke Gestalt von Aeußersten bereit; sie schreden vor keinen Leiden zurück, wenn sie Minister und hervorragenden Führer der radikalen Partei sind er einnehmenden Zügen. Der ebenfalls jungen und hübschen Frau Hickel hat das zugleich hereinbrechende Leid um den Gatten und nur eine Rechtfertigung der englischen Politik sehen könnten. Sie nannte Senatoren. Bulgarien. die Sorge und Trauer um das erste Kindchen das abgehärmte Antbefürchten eine Verschleppung der Verhandlungen; und wenn die Türkei. Sachen sich so hinziehen, so befürchte ich, daß ein starker Gefühls- Sofia, 19. Auguft. Infolge der sich mehrenden Grenz- lig verliehen, und Fräulein Simoneit, ein anmutiges junges umschlag gegen die Politit Ihrer Majestät Regierung eintreten wird." berlegungen durch türkische reguläre Truppen, wobei es bereits Mädchen, muß als Braut des Hauptangeklagten um ihr junges Glüď So wurde Chamberlain von Milner in den Krieg gepeitscht. zu blutigen Stämpfen mit der bulgarischen Grenzwache fam, ordnete zittern. Außer diesen Zenginnen werden der Kriminalkommiffar b. Badmann und Kriminalschußmann Richter, beide aus Hätte England damals wirkliche Staatsmänner am Ruder gehabt, die Regierung eine starte Truppenvermehrung an der Berlin, als Zeugen erscheinen. v. Bäckmann ist bekanntlich derjenige, oder hätte die liberale Opposition in alter Weise ihre Pflicht gethan, Grenze an. welcher die ersten Nachforschungen vorgenommen und infolge seiner so wären vielleicht all die Kriegsschrecken den Engländern und dabei gemachten Beobachtungen die Verhaftung der beiden AnBoeren erspart geblieben. Aber wir haben halt teine Männer". Beilegung des französisch- türkischen Konflikts. Die geklagten Marten und Sidel wegen Verdachts der Thäterschaft bezw. Milner blieb, die Kriegsfurie wurde losgelassen; und für diese arm- Audies des französischen Botschafters Constans am Freitagabend Beihilfe veranlaßt hat. jelige Leistung wurde er zum Lord erhoben. Nach Eröffnung der heutigen Verhandlung durch den Vorsitzenden, Kein Wunder, daß Milner von den Boeren gehaßt wird, wie beim Sultan soll einen guten Erfolg gehabt haben. Wie verlautet, noch kein englischer Vertreter von ihnen gehaßt wurde. Eine der werde das Uebereinkommen zwischen der Pforte und der Quai- Oberstlieutenant Freiherr v. Schimmelmann, teilt der Präsident des Hauptbedingungen des südafrikanischen Friedens ist die Entfernung Gesellschaft betreffend den Rückkauf der Quai- Anlagen, welches den Gerichtshofs, Ober- Kriegsgerichtsrat Scheer, mit: Es ist ein an von 41 Millionen Frank zur Grundlage habe, die zweite Division gerichteter Brief von dem Geschäftsagenten Folzi Milners. In den Friedensverhandlungen mit Kitchener hat Botha Betrag Die Pforte eingegangen, des Inhalts: Im Frühjahr ist ein Unteroffizier des dies auch verlangt. Und es ist kein Zweifel, daß die Aufopferung in den nächsten Tagen unterzeichnet werden. dieses kapitalistischen Handlangers die Boeren versöhnlicher gestimmt hätte sich verpflichtet, in Frankreich durch Vermittelung der Gardecorps aus Potsdam in Gumbinnen gewesen und hat dort hätte. Aber dies ist vorläufig aussichtslos. Erstens ist die Regierung Banque Ottomane eine 100 Millionen Frank betragende, in Annui- folgendes erzählt: In der Tothschen Wirtschaft in Potsdam hat ein jezt allen Vernunftgründen unzugänglich; zum andern hat die täten von 200 000 türkischen Pfund rückzahlbare Anleihen aufzu- Wachtmeister von Gardes du Corps zu dem dortigen Kellner gesagt: liberale Partei nicht einmal den Versuch gemacht, den Boeren zu nehmen. Im Falle die Pforte, aus welchem Grunde immer, den" Ich weiß genau, daß Hickel der Thäter ist." Sind dazu Anträge Rückfauf innerhalb 6 Monaten nicht zu bewerkstelligen vermöchte, zu stellen? Darauf erwiderte der Vertreter der Anklage, Oberdieser kleinen Konzession zu verhelfen. würde die Quaigesellschaft in alle ihr durch den Konzessionsfirman Striegsgerichtsrat Meyer: Von meiner Seite nicht, denn ich gebe Die Frage der Schuld- auf solche Wirtshausgespräche überhaupt nichts. zuerkannten Rechte wieder eintreten. Darauf wird zur forderungen der beiden französischen Staatsangehörigen soll gleichfalls der Lösung nahe sein. Beide Angelegenheiten werden dem Ministerrat bebuss Feststellung des bezüglichen faiserlichen Frades unterbreitet werden. So ist der Prokonsul nach Südafrika zurückgekehrt, um die blutige Arbeit zu vollenden. Denn die Boeren werden bis zur Vernichtung fämpfen. Die neueste Proflamation hat für fie feine Schreden. Sie sind ohnehin entschlossen, eher in die Verbannung zu gehen, als unter Milner und Chamberlain zu leben. " Afien. Frankreich. Der Kriegsminister André hielt bei einem gestern in Angonne China. Den Times" wird aus Peting vom 18. August geveranstalteten Bankett eine Ansprache, worin er seinem Ber- meldet: Gestern wurde der Text des Protokolls amtlich den Li trauer zur nationalen Armee Ausdruck verlieh. Dieses chinesischen Bevollmächtigten übermittelt. Vertrauen," so sagte der Minister, ist vollständig begründet. Die Sung- Tichang sandte hierauf den Gesandten zugleich mit der Offiziere werden nicht aus der ihnen zugewiesenen Rolle, nämlich Empfangsbestätigung eine Note, in welcher er noch einige Einwände der Verteidigung des Vaterlands und der Republit, fallen. erhob. Die Gesandten erwiderten heute, daß sie es ablehnen, die Ein Thronprätendent ließ uns unlängst durch einen Sekretär Frage von neuem zu erörtern, da der Text als endgültig anzusehen mitteilen, daß die Politit nicht gegen die Solidaritäts- fei. Die chinesischen Bevollmächtigten hoffen, daß sie von Singanfu gefühle unserer Offiziere aufkommen könne. Das war zur Unterzeichnung des Protokolls ermächtigt werden und daß diese auf mich gemünzt. Dieser selbe Prätendent hatte sich unterstanden, dann am Sonnabend erfolgen kann. Briefe an die Corps commandeure zusenden, in denen er sie für seine Politik zu gewinnen suchte. Sämtliche Corps commandeure beeilten sich indeffen, diese Briefe mir zu jenden. Ich kann danach mit Recht behaupten, daß das in die Offiziere gefegte Vertrauen vollauf begründet ist." Der Minister schloß mit einem Toast auf die Armee und die Republik. Socialistischer Wahlfieg. In Chalons sur Saône fiegte bei der Wahl zur Deputiertenkammer Socialist Bouveri gegen den progreſsiſtiſchen Kondidaten. Ersterer erhielt 11 815, letterer 9181 England. Stimmen. " Nach einer Depesche aus Peking enthält die letzte Nummer der North China Daily News" die Meldung von einer in der Provinz Schanfi und in Singanfu ausgebrochenen Hungersnot. Menschen fleisch wird dort zu hohen Preisen zum Verkauf angeboten. In den Dörfern lägen Leichen von verhungerten Einwohnern auf den Straßen herum. Ein soeben erschienenes taiserliches Editt sett als Tag der Abreise des chinesischen Hofes von Hsi- an- fu den 6. Oktober fest. Nach den bisherigen Bestimmungen sollte der Aufbruch bereits am 1. September erfolgen. Die Verschiebung der Abreise wird mit dem durch die Regenzeit hervorgerufenen schlechten Zustand der Wege begründet.. Der Boeren- Krieg. Englische Illusionen. Rhodes, die Liberalen und die Räumung Aegyptens. London, 17. August.( Eig. Ber.) Das Eintreten der Liberalen für die Verfolgung der Presse in der Affaire des„ Globe" wider die irischen Abgeordneten mag auf zwei Gründe zurückgeführt werden: erstens war Redmonds Antrag eine Gelegenheit für sie, den Daily Mail" bespricht heute in einem längeren Artikel die Irländern eine Gefälligkeit zu erweisen, die nichts loftet; zum militärische Lage in Südafrika und kommt dabei zu dem Schlusse, andern sind die Liberalen selber in eine interessante Breßfehde ver- daß die Operationen gegen Kruizinger vollständig gelungen wickelt, die ihnen großen Schaden zufügen könnte. Am 3. d. Mts. feien. Die Engländer hätten thatsächlich einen Erfolg errungen, veröffentlichte nämlich die sehr angesehene Wochenrevue Spectator" indent es ihnen gelungen sei, Struizinger über den Oranjefluß zurüdeine Korrespondenz, gezeichnet B., in der behauptet zudrängen. wurde, die liberale Partei habe von Cecil Rhodes Gelder empfangen Man wird abwarten müssen, ob Kruizinger wirklich endgültig mit der Bedingung, daß sie von ihrer Forderung auf die Räumung aus der Kapkolonie herausmanövriert ist. Vorläufig ist das sehr Aegyptens Abstand nehme. Auf die Herausforderung des„ Spectators" unwahrscheinlich. Andre Kommandanten halten sich übrigens noch die Liberalen möchten diese Behauptung dementieren, fandte Campbell- Wie aus Middelburg gemeldet wird, befindet sich in dem Bannerman, der Führer der Liberalen, ein Dementi, worin die dortigen Distrikt noch eine kleine Boerenabteilung unter dem Befehl Nachricht als eine Lüge bezeichnet wurde. Das war am 10. d. M. dortigen Distrikt noch eine fleine Boerenabteilung unter dem Befehl Der heutige„ Spectator" enthält mun zwei Briefe in dieser Angelegenheit, einen von C. B., den andren von Cecil Rhodes, der die Behauptungen von C. B. bestätigt und teilt zugleich mit, daß er nach Südafrika um die Zusendung der ganzen Korrespondenz geschrieben, um fie dann dem„ Spectator" zur Veröffentlichung zu übergeben. Die Korrespondenz werde für sich selbst reden. C. B.( ein gewisser Charles Boyd, der mit der Chartered Company in enger Verbindung steht) schreibt nun: Rhodes wird nun diese Korrespondenz veröffentlichen, worüber die Liberalen natürlich sehr empört sind und gegen den„ Spectator" Lärm schlagen. Aber die politische Geschichte Englands von 1882 bestätigt, daß Rhodes' Kauf ein erfolgreicher war. Schapers. Englisches Hunnentum. Zeugenvernehmung übergegangen und zuerst Dragoner Buſching verhört. Dieser be fundet: Am 21. Januar, nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, kam Marten eiligst in den Rekrutenstall und fragte, ob seine Abteilung schon reite; es wurde ihm geantwortet: Ihre Abteilung wird bald wieder herauskommen", und er ging sofort wieder hinaus aus dem Stall. Präs.: Wann ist Hidel in den Stall gekommen? 3enge: Das weiß ich nicht. Präs.: Was geschah dann weiter? 8euge: Der Unteroffizier Domning tam bis vor den Stall und fagte etwas zu den Sergeanten Hickel, Bunkus und Schielat, die dort zusammen standen. Diese liefen dann sogleich in die Reitbahn. Ich habe damals noch nicht gewußt, daß der Rittmeister erschossen war. Hickel ist dann nicht mehr in den Rekrutenstall zurückgekommen. Zenge Dragoner Minuth fagt aus: Sidel ist ungefähr Präs. Wissen Sie 43/4 Uhr in den Rekrutenstall gekommen. etwas über Marten?- Beuge: Ich hörte Marten fragen, und seine Stimme flang dabei sehr aufgeregt: Neitet meine Abteilung schon?" Bertreter der Anklage Ober- Kriegsgerichtsrat Meyer: War Marten oftmals so erregt? Zeuge: Jawohl, immer wenn er zu spät in den Dienst kam. la ge: War diesmal Martens Erregung ungewöhnlich groß, ſo daß fie auffiel?- 3euge: Nein, fie war nicht größer als sonst gewöhnlich. Vertreter der AnPräsidenten, ob er wiffe, wer den Nitimeister erschossen hat: Rein, Darauf bekundet Dragoner Bidrizki auf die Frage des das weiß ich nicht. Präs.: Dann erzählen Sie, was Sie wissen! Zeuge: Ich hatte Bugdienst im Rekrutenstall. Dort ist auch Hickel hingekommen. Präs.: Wann war das?-8 euge: Ich glaube, es war vor 41/2 Uhr. Präs.: Erzählen Sie weiter!-8euge: Dann brachte Unteroffizier Domning die Nachricht, daß der Mittmeister erschossen war, und nicht lange danach kam Marten in den Stall und fragte:„ Neitet meine Abteilung schon?" Stobed wichtigsten 3eugen Hierauf kommt die Neihe des Zeugnisablegens an den nächst Unteroffizier Domning, D und welcher, wie aus dem ersten Verhandlungstag erinnerlich sein wird, ursprünglich weg en Begünstigung Hickels angeklagt war. aber die Verdachtsgründe gegen Domning in dem Maße, daß schließIm Verlauf der Verhandlung vor dem Kriegsgericht schwanden dann lich der damalige Bertreter der Anklage selbst seine Freisprechung beantragte; und das Kriegsgericht erkannte auch auf Freisprechung. lich der damalige Vertreter der Anklage felbft seine Freisprechung Nach dem Aufruf ermahnt der Präsident, Ober Kriegsgerichtsrat Scheer, den Zeugen aufs eindringlichste: Sagen Sie die volle Angesichts der heuchlerischen Entrüstung Englands über an- Wahrheit! Denken Sie nicht etiva: ich will einem Kameraden aus gebliche Boerengreuel erinnert das„ Amsterdamer Handelsblatt" an der Not helfen! Sondern Sie müssen ebenso unparteiisch sein wie Alsdann wird der Gerichtshof, das ist Ihre Pflicht als Zeuge! folgendes Vorkommnis: Als im vorigen Jahre der berüchtigte Major Steinäder die Domning aufgefordert zu berichten, was er um die Zeit des VorSwazitaffern bewaffnet hatte, erhielten Boerenkommandant Lombard, falls getrieben habe, und bekundet: Ich hatte im ab- Stall die Lampen der Befehlshaber der tapferen Johannesburger Polizei Ban anstecken, lassen, sie gingen aber wieder aus, weil kein Petroleum von Ser transvaalischen da war. Ich blieb eine Weile in dem Stall im Finstern " Mr. Rhodes stand in Verbindung mit Mr. Schnad- Dam und dessen Adjutant Aschubly Bor 4/2 Uhr horst( dem verstorbenen Vertrauensmann der liberalen Partei) Regierung den Befehl, eine Zuſammenkunft mit den Swazi- und die Leute pugten auch im Dunkeln. und gab diesem eine Anweisung auf 5000 Pfund Sterling als häuptlingen zu veranlassen, um sie zu überreden, die Waffen tam Hickel in den Stall und fragte: Ist Domning hier? Subskription für den Parteifonds. Bei dieser Gelegenheit be- wieder abzulegen. Die Drei begaben sich von Komatipoort nach Präs.: Wie viel Minuten vor halb tam Hickel, und wie lange ist zweifelte Rhodes die Richtigkeit der Parteipolitit bezüglich Aegyptens. Härten sich bereit, dem Wunsche der Boerenregierung zu willfahren. wann er gekommen ist, und ich weiß auch nicht, wie lange er im Swaziland, die Zusammenkunft fand statt und die Häuptlinge er er im Stall geblieben? 3euge: Genau weiß ich die Zeit nicht, aber Mr. Schnadhorst und Mr. Parnell be: ruhigten ihn. Bald darauf sprach John Morley für die Die Unterhandlungen waren fast zu Ende, als etwa hundert be- Stall geblieben ist; jedenfalls waren es bloß einige Minuten. Räumung Aegyptens; auch Gladstones Haltung war nicht aus- waffnete Kaffern und Engländer hereinstürmten und die Boeren Präs.: Nun erzählen Sie weiter, was dann geschah!- Domning: Lombard fiel sofort tödlich getroffen. Trog tapferer Sidel hat mich gefragt:„ Weshalb brennen die Lampen noch nicht?" gesprochen genug. Rhodes schrieb sodann an Schnadhorst, vorläufig angriffen. von der Anweisung feinen Gebrauch zu machen. In seiner ersten Verteidigung waren die beiden andren alsbald mit Keulenhieben Ich sagte es ihm und er ging wieder fort. Als Hickel schon eine fort war, gelaufen fam Dragoner Banilla Antwort fagte Sch., daß ihn der Entschluß von Rhodes in große gefällt und gerade standen die Kaffern im Begriff, die Ver- Weile rief der Rittmeister ist erschossen!" Da lief ich nach Berlegenheit bringe, aber in einem zweiten Briefe teilte der wundeten niederzumachen, als die Engländer sie daran hinderten Der dem Rekrutenstall und traf dort Schillat und Hickel. Ich sagte ihnen, liberale Vertrauensmann mit, daß er mit der Parteileitung der Fall mochte ihnen doch zu gefährlich vorkommen. darüber gesprochen und den Auftrag erhalten habe, Rhodes zu ver- sterbende Lombard erhielt zwar noch erst einige Assegaistiche und was ich eben gehört hätte, und Hidel sagte darauf:" Das kann doch Dann bin ich mit Schillat und Hickel in die fichern, die Politik der liberalen Partei ginge durch Keulenhiebe, so daß er bald darauf starb. Die andren wurden nicht möglich sein." nach Durban gebracht. Später, erzählt der Gewährsmann des Reitbahn gelaufen. Präs: Was wissen Sie von dem Ausruf, aus nicht dahin, Aegypten zu räumen." bl.", teilte Kitchener dem Helden Steinäcker mit, daß alle Ge- der in der Reitbahn gefallen sein soll? 8euge: Ich habe später fangenen, die er, Steinäcker, fünftighin machen werde, auf Kosten erzählen hören, daß Krause eine tedensart gemacht haben soll, ich der Mannschaften, die 9 Schilling täglich verdienten, unterhalten weiß aber nicht welche. Präj.: Haben Sie zum Striminalwerden müßten. Mit andern Worten also: Gefangene werden nicht fommissar von Bäckmann eine genaue Beitangabe gemacht, wann gemacht! Gegenüber diesem feigen, vorfäßlichen Morde versinkt Sidel in den Stall gekommen ist?-Beuge: Herr v. Bädmann die nicht bewiesene, wenn aber überhaupt, so doch nur im Affekt hat mich angeschnauzt:" Sie müssen wissen, wann Hickel in den Stall höchster Leidenschaft ausgeführte That von Blakfontein die That gekommen ist! Nehmen Sie sich in acht! Sie sind mir stark verdächtig, einiger einzelner Gott weiß wie gereizter Individuen wahrhaftig Sie stehen schon mit einem Fuße im Arrest, Sie werden auch noch eingesperrt! Vertreter der Auflage Ober- Striegsgerichtsrat Meyer: in nichts! Sie sollen gegenüber dem Kriminalkommissar v. Bäckmann ausgefagt haben, Hickel war 3-4 Minuten im Stall? 8euge: Ich habe das erste Mal gesagt: 10 Minuten, ich weiß es aber nicht genau. Bräs.: Hat Sidel Sie aufgefordert, eine bestimmte Angabe zu machen? 8euge: hidel hat mich gefragt, wie lange er int Stall gewesen sei; ich habe ihm geanvortet: ungefähr zehn Minuten." Angell. Hidel: Ich habe Domning gefragt, weil ich wußte, daß er von Bäckmann vernommen war und weil ich gehört hatte, Bädmann sucht einen Unteroffizier mit schwarzem Schnurrbart," cs für unerläßlich gehalten, zu zeigen, wie er selbst die Steuerreform Das Interesse an diesem sensationellen Prozeß wird immer habe ich zu Domning gesagt:„ Es ist mur gut, daß ich im Stall ges Auf Befragen des verstehe, und habe die umfassende Vorlage ausgearbeitet, die der größer. Im ganzen weiten Umkreise und zwar in allen militärischen wesen bin, sonst wäre ich auch verdächtig." Ministerrat als vorläufig undurchführbar erachtet und die daher seinen und bürgerlichen Kreisen bilden die militärgerichtlichen Verhand: Beisigers Majors Biermann befundet Domning: Ich bin Rücktritt veranlagt habe. lungen, die feit Donnerstag in der hiesigen Dragonerfaserne vier Tage nach der That von Bäckmann vernommen worden, als Die Gumbinner Marten schon verhaftet war. Das Kabinett Zanardelli scheint danach in der Frage der geführt werden, das einzige Tagesgespräch. Steuerreform nur eine dreiste Komödie aufzuführen. Garnison steht, wie das glücklicherweise wohl fast überall Hierauf wird nochmals Sergeant Schillat, der schon am in Preußen der Fall ist, in engster freundschaftlichster Be Sonnabend verhört worden ist, aufgerufen; er wiederholt seine ziehung zu der hiesigen Civilbevölkerung, deshalb hat der damals gegebene Aussage: Als wir in die Neitbahn tamen, fagte Eine neue Partei. In der liberalen Presse Schwedens ist furchtbare Mord einen Aufschrei allgemeinen Entsegens hervor Strause:" Da liegt das Aas. Ich verwies es ihm. Präsident! Als der 3euge zögerte, wieders fürzlich ein von mehreren Politikern liberaler Richtung unterzeichneter gerufen. Andrerseits erfreuen sich die Familien Marten und Hickel Was sagten Sie zu ihm? der Präsident die Frage eindringlicher, und Aufruf zur Gründung einer einheitlichen„ Linken"-Partei erschienen. großer Beliebtheit, es kann daher nicht Wunder nehmen, daß hier holte Die neue Partei soll eine entschieden liberal- demokratische Haltung die Bevölkerung dem Ausgang des Prozesses mit gerade fieberhafter erst gann, aber inmmer noch zurückhaltend, antwortet 3euge: Halten Sie Ihre Fresse!" einnehmen und vor allem auch energisch für die Reform des Wahl Spannung entgegensieht. Allerdings werden die Nerven aller hier Anwesenden unmittelbar rechts eintreten. Dieser Zusammenschluß der entschieden liberalen Elemente der bürgerlichen Parteien wird von der socialdemokratischen oder mittelbar Beteiligten noch auf eine harte Probe gestellt werden, Presse Schwedens sympatisch begrüßt. Bleibt die neue Partei den in denn nach den Dispofitionen des Gerichtshofs dürfte das Urteil kaum dem Aufruf ausgesprochenen Grundsägen getreu und wird sie im vor Mittivoch zu erwarten sein. Einverständnis mit der Arbeiterbewegung und nicht gegen diese geleitet, so wird die Socialdemokratie in manchen Punkten mit der neuen Linken" zusammenarbeiten. " Italien. Steuerreform und Ministerkabale. Der frühere Finanzminister Wollemborg hat einem Mitarbeiter der Zuriner Stampa" einige Enthüllungen über seinen Rücktritt gemacht. Seine erste, im März d. J. eingebrachte Steuererleichterungs- Vorlage sei nämlich feineswegs die Quintessenz seiner eigenen Finanzs weisheit gewesen, sondern vielmehr eine im Auftrag und ohne besondere Begeisterung vorgenommene Bearbeitung der bom Auch Ministerrat vereinbarten Grundgedanken. die Abänderungen, die er an diesem Entwurf vorgenommen habe, als der Kammerausschuß sich ablehnend dagegen verhalten hätte, seien nicht seinen eignen Anschauungen entsprungen, sondern ihm von Danach habe er seinen Kollegen aufgezwungen worden. Schweden. Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk vor dem Ober- Kriegsgericht. ( Unberechtigter Nachdrud verboten.) ( Drahtbericht.) Gumbinnen, den 19. Auguft. Bierter Tag der Verhandlung. ich Präs. Sie dürfen sich deshalb nicht genieren! Das ist eine Redensart, die beim Militär üblich ist. Der Präsident fragt hierauf: hat noch jemand Fragen an den Zeugen Domuing zu stellen?" und der Vertreter der Ans flage, Ober- Striegsgerichtsrat Meyer bemerkt:" Ich habe das, wollen, habe fragen gehört und habe keine Wie an jedem Tage der Verhandlung umsteht auch heute was schon lange vor Beginn der Verhandlung ein zahlreiches Bublifum weiteren Fragen zu stellen." Alsdann beantragen derselbe sowie den Eingang zum Kasernenhof. Bald rollen geschlossene Droschten die Berteidiger Rechtsanwälte Burchard und Horn die Bereidigung Heran, denen von je zwei Poften mit geladenem Gewehr geleitet des 8eugen Domning und der Gerichtshof beschließt dems -die Angeklagten entsteigen, die sofort in den Gerichtssaal geführt gemäß. werden. In diesem Augenblick erscheinen auch schon in glänzenden Uniformen die Mitglieder des Ober Kriegsgerichts des zweiten Serbien. Senatswahlen. Bei den am Sonntag vorgenommenen Wahlen zum Senate wurden 16 Anhänger der Regierung gewählt; die Gewählten gehören sämtlich der radikalen Partei an. In den Kreisen Armeekorps. % Mehrere Dragoner, die alsdann vernommen werden, befunden übereinstimmend nur, daß sie nicht wissen, wann Sidel in den Rekrutenstall gekommen ist. Kuch die dann folgende Vernehmung über die von Marten» Nachdem die Sitzung �ur festgesetzten Zeit wieder eröffnet ist, gethaue Aeußerung führt noch nicht zur Klarheit über den Ursprung des— wie Marten behauptet— Mitzverständnisses, sondern giebt eine Probe von weitergegebenem Getuschel, das leicht für einen Un- schuldigen verderblich werden kann. Der Zeuge, Dragoner Stagun bekundet nämlich: Nach dem Morde ist im ab- Stall erzählt worden, Marten hat gesagt: „Der Hund must heute noch Farbe bekennen!" Präs.: Selbst haben Sie diese Aeußerung nicht aus dem Munde Martens gehört?— Zeuge: Nein I— Präs.: Wer hat das er- zählt?— Zeuge: Das weiß ich nicht I— Darauf bekundet Ge freiter Stümper: Stagun hat mir nach dem Morde erzählt: Marten hat vorhin gesagt:„Der Hund' mutz heute noch Farbe be- kennen!"— Präs.: Hat Stagun zu Ihnen gesagt:„Marten hat gesagt" oder„Marten soll gesagt haben"?— Zeuge: Marten soll gesagt haben.— Präs.: Angeklagter Marten, haben Sie das gesagt?— M a r t e nj: Nein, ich habe nichts Derartiges gesagt I— Weiter wird Dragoner T r e tz über dieselbe Aeußerung befragt und er bekundet: Ich habe die Geschichte von Stümper gehört.— Wieder einen andern Gewährsmann führt der folgende Zeuge an, der Dragoner Bareslawski: Unteroffizier Knippel hat mir einmal erzählt: Als Marten aus der Reitbahn kam, hat er gesagt:„Der Hund mutz rote Farbe bekennen" oder„Der Hund mutz rot'sehen."— Präs.: Marten hat uns hier erzählt, daß er das auf seiner Stube zu einem Kameraden geäußert und sein Pferd damit gemeint habe, das er noch vielleicht reiten müßte, es sollte dann noch Farbe be- kennen;— vielleicht hat Knippel so erzählt?—.Zeuge: Nein. Der Zeitpunkt. Der nun folgende Zeuge, Dragoner Wach, behauptet: Als der Rittmeister erschossen war, habe ich und noch andre und auch Hickel hineingesehen in die Reitbahn. Dabei hat Hickel ein vergnügtes Gesicht gemacht.— Präs.: Es kam Ihnen so vor, als ob Hickel sich freute?— Zeuge: Jawohl.— Präs.: War Hickel im nb- Stall?— Zeuge: Ich habe ihn nicht darin gesehen.— Vertreter der Anklage: Wenn Hickel zehn Minuten lang im Stall gewesen ist und sich mit Unteroffizier Domning unter- halten hat, hätten Sie das hören müssen.— Zeuge: Jawohl.— Präs.: Angeklagter Hickel, was sagen Sie dazu?— Hickel: Wenn im Stall die Pferde unruhig sind, kann man eine Unterhaltung nicht hören. Im Stall ist es finster, und die Leute achten gar nicht darauf, wenn sich ein paar Unteroffiziere im Stall unterhalten. Präs.: Geben Sie die Möglichkeit zu, daß Hickel im Stall gewesen ist?— Zeuge: Jawohl. Mit Bestimmtheit bekundet dagegen der folgende Zeuge, Dragoner S aturski: Hickel ist gegen 4V2 Uhr im Rekrutenstall gewesen.— Auf die Frage nach der Minute freilich antwortet auch er nur das so oft schon darüber gehörte:„Ich weiß es nicht genan". Und die- selbe Antwort erfolgt auch auf die weitere Frage: Wie lange war Hickel schon im Stall, als Domning mit der Todesnachricht kam?— Besseren Erfolg hat die Fragestellung des Verteidigers, Rechts anwalts Horn: Was haben Sie zu der Zeit gcthan, als Hickel im Stall war?— Zeuge: Pferde getränkt.— Bert.: Entsinnen Sie sich, ivieviel Pferde sie während der Zeit, die Hickel im Stall zubrachte, getränkt haben?— Z s u g e: Vierzehn. Wenig zu dem ernsten Hintergrund der Verhandlung passen Vorgänge, auf welche die folgende Vernehmung hindeutet. Der Präsident redet nänilich den alsdann aufgerufenen Zeugen Dragoner Palasdies an: Sie haben zu Ihrer Mutter gesagt, Sie haben den Rittmeister erschossen?— Und auch der Zeuge kann sich des Lächelns nicht erwehren, als er sein„Nein" antwortet. Der Präsi- dent fährt denn auch fort: Wir wollen nicht weiter nachforschen, wie das zusammenhängt; es kommen so viel anonyme Schreiben, daß sie nicht beachtet werden können.— Zur Sache kann der Zeuge nichts be- künden, und auch eine Reihe vonZeugen, die darüber vernommen werden, ob sie aus Martens Munde die Aeußerung gehört haben„Der Hund mutz heute noch rot sehen," erklären sämtlich, daß sie Martens nichts derartiges sagen gehört haben. In der alsdann folgenden Zeugenreihe gehen die Gegenstände der Aussagen durcheinander, ohne neue Aufklärung zu bringen— Dragoner Hockenberg bekundet: Ich bin mit Skobeck auf einer Stube gewesen. Skobeck hat uns einmal erzählt, daß er zwei Leute mit Untcroffiziermützen gesehen hat.— Präs.: Wann hat er das erzählt?— Zeuge: Das weiß ich nicht genau.— Präs.: Noch an demselben Abend oder erst am folgenden Morgen?— Zeuge: Das kann ich nicht sagen.— Auf die Frage des Präs.: Ist Hickel im Stall gewesen? bekundet Dragoner E d e r: Ich weitz cS nicht; der Stall war finster.— Vertreter der Anklage, Ober-Kriegsgcrichtsrat M e h e r: Wenn Hickel 10 Minuten im Stall gewesen ist stnd sich mit Domning unterhalten hat, hätten Sie ihn da an der Stimme erkennen müssen?— Zeug e: Nein, dazu machen die Pferde mit ihren Ketten zu viel Geräusch. — Beisitzer Major Z i e r m a n n: Die Pferde machen doch nicht fortdauernd 10 Minuten lang Geräusch!— Z e u g e: Es gehen auch immerzu Leute aus und ein.— Verteidiger Rechtsanwalt Horn: Die Pferde waren damals ja wohl eben auS der Reitbahn gekommen und sind dann noch immer unruhiger als sonst?— Zeuge: Jawohl.— Präsident Ober-Kriegsgerichtsrat Scheer: Sie können also jedenfalls nicht sagen, ob Hickel im Stall gewesen ist- � Zeuge: Nein. Harmloser, als es nach dem Eindruck der ersten Erwähnung den Anschein hatte, soll nun auch die andere kräftige Redensart gemeint gewesen sein, wie ihr Urheber, Dragoner Krause II. behauptet; er bekundet als Zeuge: Dragoner Pandille brachte die Nachricht von dem Mord in den ab-Stall. Wir liefen alle zur Reitbahn und ich sagte dabei: „Den hat der Teufel geholt!" Präs.: War damit der R i t t m ei st e r gemeint?— Zeuge: Nein.— Präs.: Es war wohl blotz eine allgemeine Redensart?— Zeuge: Jawohl.— Präs.: Hat jemand deshalb was zu Ihnen gesagt?— Zeuge: Sergeant Schillat sagte:„Halten Sie die Fresse!"— Präs.: Haben Sie Hickel im ad-Stall gesehen?— Zeuge: Nein.— Im Anschluß an dieses„Nein" bemerkt der Vertreter der Anklage, Ober-Kriegsgcrichtsrat Meyer zusannnenfassend: Außer Domiiing hat also niemand den Angeklagten Hickel im Stalle gesehen oder gehört.— Zeuge Domning: Er ist aber da- gewesen.— Präs.: Angeklagter Hickel, Sie haben ausgesagt, daß Krause gcäutzert habe:„Da liegt das Aas und kann ausbluten!"— Hickel: Jawohl. Ich drehte mich sofort um und sagte: Wer war daS?— Präs.: Was sagen Sie dazu, Krause?— Zeuge: Das ist unwahr.— Präs.: Wenn Sie es gesagt haben. Krause, geben Sie es nur ruhig zu, Sie werden deshalb nicht gehängt l— Z e u g e: Ich habe es nicht gesagt. Auch ein Mienenspiel, das anfangs gefährlich zu iverden drohte, behandelt die Aussage des alsdann aufgerufenen Zeugen K o h l m e y e r. welcher bekundet: Der Unteroffizier G r i g a t kam mir am Mordabend so verändert vor; er konnte niemand ins Gesicht sehen, deshalb glaubte Ich, daß der es gethan habe.— Präs.: Habe» Sie noch andre Anhalts- punkte dafür?— Zeuge: Nein.— Präs.: Haben Sie sonst eme Vermutung, wer geschossen hat?— Zeuge: Nein. Auf den andern Angeklagten geht dann die Aussage des Lieutenants v. Wedel über und bestätigt früher Gehörtes durch die Bekundung: Rittmeister v. Krosigk hat mir und andren Unteroffizieren gegenüber Marten mehrfach gelobt und z. B. gesagt: Marten hat die beste Abteilung.— Beisitzer Major Ziermann: Hat sich Herr v. Krosigk auch außerdienstlich über Marten geäußert.— Zeuge: Nein.— Beisitzer Major giermann: v. Krosigk soll gelegentlich geäußert haben, Marten sei ihm unheimlich?— Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. Darauf wird eine Pause bis 4 Uhr nachmittags gemacht. Der Vorsitzende, Oberstlieutenant Freiherr von Schimmelmann, be« fichlt vor dem Auseinandergehen den Posten ausdrücklich, sich nicht mit den Angeklagten zu unterhalten, auch streng darauf zu achten, .daß diese nicht mit einander sprechen. wird als erste Zeugin die Witwe des erschossenen Rittmeisters auf gerufen. Frau d. Krosigk sagt auS: Mein Gatte war mit dem Angeklagten Marten dienstlich sehr zufrieden, er hat in meiner Gegenwart öfters geäußert:„Der Unteroffizier Marten ist ein sehr brauchbarer tüchtiger Soldat. Aber gelegentlich sagte mein Gatte auch:„Marten hat einen widerwärtigen Charakter, dem ist nicht zu trauen." Der alte Marten Hatzte meinen Gatten und dieser sagte von ihm: „Der Alto hetzt seinen Sohn gegen mich auf." 1897 sind wir nach Stallupönen versetzt worden. Dort wurden uns in der ersten Zeit die Fenster eingeworfen, später sind uns die Wagenpolster zerschnitten worden, und schließlich wurde zweimal durchs Fenster geschossen. Mein Mann hatte einen Gefreiten im Verdacht. Auch liefen viele anonyme Schmäh bliese ein, bis ins Jahr 1893, die sämtlich aus Gumbinnen datiert waren. Sie schienen von einem intelligenten Manne geschrieben zu sein. Marten war meinem Gatten schließlich so unsympathisch, datz dieser sich freute, als er ab- kommandiert wurde. Die letzte Zeit hat mein Gatte nicht mehr mit wir über Marten gesprochen. Unteroffizier Karel bekundet: Ich war früher Bursche bei Rittmeister v. Krosigk. Der Rittmeister hat mir einmal selbst erzählt, datz man'ihm die Fenster eingeworfen hat. Eines Tages waren ihm die Wagenpolster zerschnitten und die Wagcnlaterne war herausgerissen— diese ist erst später wiedergefunden worden; das ivar im Herbst 1397 in Stallupönen. Damals hieß es, der Unteroffizier Marten ist in der Nähe gesehen worden.— Präsident Ober-Gerichtsrat Scheer: Konnte man das Marten zutrauen?— Zeuge: Soweit ich ihn kenne, nein!_ Ich war allerdings nur oberflächlich mit ihm bekannt.— Hierauf be- kündet Sattler K u m a t- Charlottenburg: Ich bin von 1895 bis 1893 Soldat in Stallupönen gewesen. Ich war gerade ans Wache, als die Wagenpolster bei dem Rittmeister zerschnitten wurden. Wer es gewesen ist, kann ich nichts sagen. Man sagte damals: es sind Civilpersonen gewesen.— Präs.: Sie sollen doch zu Karel gesagt haben,„Ich habe Marten in der Nähe gesehen, der wird's wohl gewesen sein!"— Zeuge: Das kann ich nicht gesagt haben, denn es ist nicht wahr.— Präs.: Zeuge Karel, hat das der Zeuge Kumat zu Ihnen gesagt?— Karel: Ganz bestimmt.— Darauf wendet sich Zeuge Kumat gegen den andern Zeugen: Wenn Sie es beschwören, dann habe ich das gewiß gesagt; aber dann habe ich es nur im Scherz gesagt.— Präs.: Hier aber sagen Sie Wahrheit?— Zeuge: Ich wiederhole, wenn ich es gesagt haben sollte, dann war es nur im Scherz. Ich halte beide Angeklagten für ordentliche und tüchtige Soldaten, denen ich so etwas nicht zutraue. Die folgenden Zeugenaussagen betreffen wieder das Verhältnis des Rittmeisters zu den beiden Martens. Zunächst bekundet Rittmeister v. G u st a v« Stallupönen: Am Mordtage waren ich und einige Mitglieder des Kriegsgerichts von der Stallupöner Garnison nach Gumbinnen kommandiert gewesen sonst hat damals niemand aus Stallupönen Urlaub ge- habt.— Oberlieutenant von P ö l I n i tz von den Königshusaren