Itr. 213. AbomttMtnts-Kcdingungen: wbonnemenis-Preii pränumerando: «ierteljährl- Z,30 Ml., monall. l.lvMl., wöchentlich 28 Psg. frei tnä HauZ. Timelne Numw-r 5 Pfg. SonntagZ» Nummer mir illunrlerier vsnnlagjt» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in der Post-Zeitungi- Preisliste für lvt>1 unter Nr. 7871. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. 18» Jahrg. Die Inftrliutis-Vclitrifl beträgt für die fechSgefpallene Kolonrt» zeile oder deren Raum«N Pfg., für politische und geiverlschastliche Vereins- und Versammlung;-Anzeigen 20 Pfg. „zilcinr Anfeigen" jedes Wort 5 Pfg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittagsinderExpeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen biS 8 Uhr vormittags geöffnet. Erichlink täglich»»Her Wvnlsgs. Devlinev Volksdlakk. Telegramm- Adresse- »Locialdlmokrat Vrrtin» Centralorgan der soclaldemokratischen Partei Deutschlands. Redalikwn: L�v. 19, Bentll-Skrahe 2. Fertisströchert Amt I. Nr. I!»08. Ter Zar auf Reise«. Am Mittivoch ivird der deutsche Kciiser vor Donzig auf hoher See den Zaren begrüßen. Der Zar wird mehrere Tage der Gast des Kaisers sein und den Flottenmanövern beiwohnen. Der Zar kommt aus Kopenhagen, Ivo er mit König Eduard von England zu- sammengetroffen war, mid am Freitag verläßt er die deutsche Marine, um nach Frankreich zu gehen, wo die republikanische Ne- gienmg mit den nationalistischen Parteien im Delirium der Er- Wartung ivcttcifert. Auch in Deutschland wird versucht, Stimmung für den See- besuch des russischen Herrschers zu erzeugen. Wie bei derartigen Anlässen üblich, verkünden wohlgesinnte Blätter die Tragweite des Besuches und feiern die bedeutungsvolle Erneuerung der Nlssisch-dcutschcn Beziehungen. Interessanter als diese Artikel monarchistischer Byzantinerblätter, zu denen der„Libcralisnins" ein gut Teil stellt, ist eine h o ch o f f i z i ö s e Note an der Spitze der ..Nordd. Allgem. Ztg.", deren Urheber der Reichskanzler selbst ist. Diese Begrüßungönote für den Zarcnbesuch lautet: . Der Grundgedanke dieser in unsrcn politischen Kreisen mit freudiger Genuglhuung aufgenommenen Zusammenkunft ist der verwandtschaftlichen Zuneigung zwischen den Dbenjauptern des deutschen und deS russischen Reichs entsprungen. Beide Monarchen erblicken den Wert der Tage, die sie gemeinsam verleben wollen, vor allem in der Neubesiegelung ihrer persönlichen Freundschaft und in einem von Ivechsel- seitigem Vertrauen erfüllten, unmittelbaren Gedankenaustausch. Es entspricht aber der wesentlichen Bedeutung, die gerade in den deutfch- nissischen Beziehungen der dynastischen Intimität auch für das staatliche Gebiet nach aller historischen Erfahrung zuerkannt werden muß. daß durch den herzlichen Verkehr der beiden Kaiser zugleich ihr Emschlutz bekundet wird, an der altüberlieferten politischen Freundschaft zwischen den Häusern Hohcnzollern und Romanow, zwischen Deutsch- laif�d und Rußland, nicht rütteln zu lassen. In Uebereinstininiung mit einem Wunsch seiner Majestät deS omisers Nikolaus ist der Reichskanzler Graf V ü t o w bei der Zusammenkunft der beiden Kaiser zugegen. Nicht minder gern wird seine Majestät der Kaiser und König dort dem verdienst- vollen Staatsinanne begegnen, der die ausivärtigen Geschäfte Rußlands leitet. Graf Bülow und Graf Lambsdorff dürfen sich als Mitarbeiter einer Politik begrüßen, die sie im Dienste ihrer Souveräne, mit der Uebcrzeugung, daß die Interessen ihrer Länder � vielfach gleichartig, nirgends unvereinbar sind, zur Verstärkung der Bürgschafteii für den Frieden Europas weiterführen werden. Diese Politik ver- schließt nicht die Augen gegen vergangene oder künftige S ch iv i c r i g k e i t e n: sie entnimnit aus solchen nur die Ver- pflichtung zu erhöhter Rücksicht und Besonnenheit: und sie hält an der Zuversicht fest, daß. ivic immer die geschichtliche Entlvicklung sich gestalte, in der weiten Welt die hoffiiongsvollen Bahnen der deutschen und der russische» Zukunft einander nirgends feindlich zu kreuzen brauchen. Mit warmer Sympathie heißen wir seine Majestät den Kaiser Nikolaus in den deutschen Gewässer» willkommen 1 Diese herzliche Gesinnung schulden wir dem mächtigen Herrscher, der, über den Geschicken vieler Völker waltend, seinen Ruhm darin sucht, ein Friedcnöfürst und ci» Hort der Menschlichkeit zu sein. Ihm verdankt Europa zum großen Teil eine Gestaltung der Weltlage, die uns erlaubt, nach eineni den Absichten beider Teile entsprechenden Verlauf der Begegnung bei Danzig auch die >v eitere Reise deörussi che»Monarchen mit auf- richtigen Wünschen zu begleiten." Die Note des Grafen Bülow widerlegt alles, was über die Tragweite des ZarenbcsuchcS gefabelt ivcrden könnte. Sie will nur die Besorgnis abwehren, als ob der lärmend vorbereitete Besuch des Zaren in Frankreich eine Störung des bisherigen Verhältnisses zwischen Deutschland und Rußland bedeuten könne. Die Note sagt: Es bleibt alles beim alten I Es bleibt alles beim alten, wie denn Monarchen- brgcguungcn und höfische Feste für den Verlauf der Geschichte nur eine vcrschivindendc Bedeutung haben können. Wie selbst die abgrundtiefe Verschiedenheit der Staats form nicht hindert, daß Frankreich und Rußland die intimsten Verbündeten sind, so ver- mögen andrerseits auch freundschaftliche Neigungen von Monarchen zu einander die Gegensätze der Nationen nicht zu überwinden. Die nationalen Gegensätze aber, wenn auch in Bündnis- gruppen in besonderer Art zusammengefaßt, sind das Wesen t- l i ch e im politischen Zustande des kapitalistischen Zeitalters. Die Staatskunst der heutigen Regierungen erschöpft sich in der mühseligen Aufrechterhaltung dieses chaotischen Völkcrzustandes und die Begegnung der Staatsoberhäupter vermag bestenfalls nichts mehr als die Zuversicht bekunden, daß dieser Zustand iviederum gesichert und der offene Ausbruch der innerlich verhaltenen und an den Völkcrkräften zehrenden Konflikte auf eine weitere Spanne Zeit verhindert erscheint. Heber die Bekräftigung dieses ZustandeS hinaus gelangt kein Zar, kein Kaiser und kein Loudct. Diese» seltsamen.Friedeußznstand" rühmt sich Graf Bülow er- halten zu haben trotz Schivierigkcitcn— er deutet auf die Er- cignuse in China—, und diesen Friedcnszustand hofft Graf Bülow ferner zu erhalten trotz der»künftigen Schwierigkeiten", die seine agrarische Zollpolitik für das Verhältnis zu Rußland heraufbeschwört. Um dieser Hoffnungen willen fordert die offiziöse Note auf, den Gast des Kaisers ivürdig zu begrüßen. Doch Graf BkloivS diplomatische Note mangelte kluger Diplomatie in dem einen Satze, in dem sie dem Zaren die höchste Huldigung entgegenbrachte. Indem Graf Bülow den russischen Herrscher als .Friedensfürst" und„Hort der Menschlichkeit" feiert, erweckt er unklug das Gedenken daran, daß vor nicht langer Frist die Fürsten und Regierungen, unter des Zaren Führung, mehr thun zu wollen erklärten als daS Bestehende zu erhalten, daß sie durch die An- kündigung eines N e u e II die staunende Welt überraschten. Zar Nikolaus sagte in seinem Manifest vom 24. August 1898: „Die Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens und eine möglichste Herabsetzung der iibermästigc» Niistungcn, die ans alle» Natioueu lasten, stellen sich in der gegenwärtigen Lage der ganzen Welt alS ei» Ideal dar, auf das die Be- mühungen aller Regierungen gerichtet sein müßten... Der gegenwärtige Augenblick ist äußerst günstig dazu, auf dem Wege internationaler Beratung die wirksamsten Mittel zu suchen, um allen Völkern die Wohlthaten wahren und dauernden Friedens zusichern und vor allem der fortschreitenden Entwicklung der gegenwärtigen Rüstungen ci» Ziel zu fetzen." Sicherlich wird Zar Nikolaus bei den Danziger Flottenmanövern sich mit dem deutsche» Kaiser über die Erfolge seines Manifestes eifrig besprechen. Sicherlich wird Zar Nikolaus genau verfolgen, wie seine Abrüstungsvorschläge auf die deutsche Marine gewirkt haben. Er wird sich vielleicht freuen wahrzunehmen, daß seine Vorschläge in Deutschland ungefähr dieselbe Wirkung gehabt haben wie in seinem eignen Lande. Vielleicht wird er dann auch den deutschen Kaiser, der noch vor wenigen Tagen sein Königtum von Gottes Gnaden und seine Köuigsherrlichkeit so eindringlich pries, davon überzeugen, wie recht die Socialdemokraten haben, wenn sie die Macht der Monarchen bezweifeln. Denn wir Ivollen dem Grafen Bülow nicht widersprechen, daß der russische Zar ein„Friedeusfürst" sein will. Daß er es so wenig sein kann, wie ihm die gewaltige Steigerung der deutschen Marine- rüstung jetzt vor Augen führt, das ist Fürstenverhängnis und mag die Mächtigen der Erde an ihre Schwäche und zur Bescheidenheit gemahnen. Wir wollen dem Grafen Bülow auch nicht widersprechen, daß der Zar ein„Hort der Menschlichkeit" zu sein glaubt und sein will. Aber hier offenbart sich noch grausiger die Ohnmacht der Mächtigen. Der Staat der„Hortes der Menschlichkeit" ist der Staat der rohe st en Unmenschlichkeit, der blutig st en Barbarei. Kein Tag vergeht, ohne daß gräßliche Kunde aus dem europäischen und asiatischen Rußland von Marter und Folter kommt, verübt an den besten Söhnen des Landes, an denen, die Gesundheit und Leben opfern, um nur einen Lenzhauch der Menschlichkeit in die Eiswüste der russischen Unfreiheit und Unmenschlichkeit zu senden. Wir erschauern in Mitleid beim Nahen des nordischen Gastes, der allmächtig erscheint und ohnmächtig jedcS Unrecht, jede Scheußlichkeit dulden muß! So werden denn Nikolaus, der Fürst des FriedenSmauifestcS, und Wilhelm, der die eiserne Rüstung des deutschen Michel so oft verherrlicht, sich im monarchischen Ccrcmoniell begegnen und— alles bleibt beim alten. Der Zar begrüßte Eduard von England, der Zar begrüßt den deutschen Kaiser, der Zar wird den Präsidenten der französischen Republik begrüßen,— es bleibt die ruchlose Boereuvertilgung, es bleibt der Wahn der militaristischen Rüstungen, cS bleibt Friedlofigkeit und Unmenschlichkeit, im Zaren- reich und in allen Neichen, in monarchischen und republikanischen. Nur die V ö I k e r s e I b st können Frieden und Menschlichkeit schaffen. Sie, die jetzt Ohnmächtigen, können die Mächtigen sein und sollen die Mächtigen sein wollen. Sic sollten beginnen, die scheinbar Mächtigen in ihrer Ohnmacht zu erkennen. ES ist fruchtlos, Feste zu feiern, wie es in Deutschland geschah, wenn die Herrscher von Oestrcich und Italien bei uns Besuche abstatteten, wie es bald in Frankreich geschehen wird, wo die Republik in Er- Wartung ihres Gastes in monarchischen Krämpfen zuckt. Ucber die Stimmungen in der f r a n z ö s i s ch e n B e v ö l k e- rung angesichts der bevorstehenden Ankunft des Zaren giebt unser Pariser Korrespondent nachfolgende Darstellung. Paris, 7. September. Es geschieht sozusagen nichts mehr in der französischen Tage?- Politik außer dem Zarenbcsuch und was drum und dran hängt. Selbst der französisch-tllrkische Konflikt ist durch die kommende hoch- patriotische Ccremonie völlig in den Schatten gestellt. Man hat mit Recht über die Sehnsucht der deutschen Regierung nach dem„Kotau" gespottet. Auch die französische Presse mischt ihre Stimme in den internationalen Spötter-Chor. Aber was soll man erst zu der französischen Regierung und der französischen BourgeoiSwclt sagen, die selber mit ekelerrcgendex Wollust den „Kotau" vor dem russischen„Sohn deS Himmels" vollziehen, die sich im Staub vor dem Despoten aller Neuffen wälzen?! Kein Wunder, daß die Petersburger Presse sich erfrecht, die von den französischen Nationalisten lancierte �Jdce einer Begnadigung der Staatsstreichler anläßlich des Zarenbesuchcs„freudig" zu begrüßen als einen Beweis des wesentlich fricdenstistenden Charakters der Zarenrcise. Man denke: die feile und feige Kosakenpresse, die mit keiner Silbe gegen die unter ihren Augen in der russischen Haupt- stadt verübten Greuel protestierte, die mit keiner Silbe die fort- währenden Mnssenverhaftungen und Verbaunungen der besten Söhne de? russischen Volkes auch nur erwähnt, � sie tritt jetzt für die Begnadigung der französischen Staatsstreichler ein, die sich in diversen Kurorten es gut sein lassen! Auch diese allcrschlimmste Beleidigung, die Beleidigung durch freche Lakaien-Hnnd, haben die französischen Zarcnknechte verdient. Immerhin hat die Regierung noch die innere Politik vor dem Einfluß der„Kotau"-Stimmung bewahrt. Nach dem letzten Minister- rat wurden alle„Gerüchte" über die Begnadigungen und die Zurück- bemfung des Generals de Boisdeffre in den aktiven Dienst halb- amtlich dementiert. Sonst aber weiß sich die Regierung in der Proskynese vor dem Zaren gar nicht genug zu thun. Sie hat in dieser Beziehung entschieden das Kabinett Möline übertrumpft, was freilich nicht aus dem steiferen Rückgrat des letzteren zu er- Gxpedikivn: 19, Benklj-SkrMe 3. Fernsprecher: Amt I. Nr. 3121. klären ist. Beim Zarencmpfang von 1896 war nämlich M 6 l i n e S Regierung nur für die Reise- und Bewcgungszeit des Gastes„ver- antwortlich", da der Zar im Hotel der russischen Botschaft ab- stieg. Jetzt aber handelt es sich darum, auch für die Wohnung des Gastes zu sorgen. Da haben sich nun die verschiedenen Glieder deS Ministeriums der„republikanischen Verteidigungs-Aktion" als vollendete Höflinge der vorrevolutionären Zeit erwiesen. Ludwig XIV., der „Sonnenkönig", hatte gclviß keine liebedienerischeren, keine bc- geistcrteren Leibdiencr... Man möchte annehmen, daß in Frankreich das Beamtenwesen erst im Keimzustnnde sichjbcfindet, daß die Staats- minister alles persönlich besorgen müßten. D e l c a s s ö, Minister des Auswärtigen, L e y g u e s, Minister des Unterrichts und der schönen Künste, B a u d i n sdcr Linksradikale), Minister der öffentlichen Arbeiten— sie reisen einzeln und zu zweien zwischen Paris, Compiögne, Düukirchen und Reims hin und her, um persönlich jede kleinste Kleinigkeit zu regeln und zu bc- sichtigen. Selbst dem„ T c m p s" wird die Sache zu bunt! Das solide Bourgeoisorgan wagt die schüchterne Andeutung, daß für gewisse Verrichtungen ja doch auch andre Beamte außer den Münstcrn besoldet würden. L e y g u e S ist auf den Einfall gekommen. das Schloß C o m p i e g n e für die 1— IVa Tage, die der Zar dort zubringen wird, auch noch mit einer Bibliothek auszustatten und zu diesem Zweck der— Nationalbibliothck die rarsten Bücher zu entnehmen. In einem„gut informierten" ministerfrcundlichcn Blatt wird, ohne mit der Wimper zu zucken, erzählt, daß der Minister des Unterrichts und der schönen Künste mit dem Minister des Auswärtigen in Conipiögne darüber berieten, ob im Toilette nzimmer deS Zaren über der Badewanne eine Dofnche an zu« bringen ist oder nicht.... Der„ T e m p S" bemerkt dazu i „Man hört noch nichts von der Einberufung deS Senats, um ihn nach dem Beispiel eines gewissen römischen Kaisers über die Sauce einer Meerbutte zu befragen.. Nun, den Speisezettel des Zaren wird wohl der Ministerrat iu corpore unter LoubctS Vorsitz feststellen. Unnütz zu sagen, daß das Ministerium in Abwesenheit des Par-- laments sich unbeschränkte Kredite für den Zarenempfang vom Staatsrat hat„eröffnen" lasten. Die Kosten werden gewiß in die Millionen gehen, d. h. t ä g I i ch, pro jeden Aufenthaltstag deS teuren Gastes. Wird doch das Schloß Compiögne mit dem aus- schweifcndstcn Luxus neu eingerichtet, als ob es sich um die ständige Residenz eincS französischen Königs handelte. .Der Zar behandelt denn auch seine Gastgeber nach Gebühr. Auf seinen Wunsch wird er mit dem Präsidenten Loubet und den Ministcnt die Kathedrale von Reims besuchen und dabei nebst seinen Begleitern den— Segen des Erzbischofs entgegennehmen. Dieser Wunsch ist desto befremdlicher, als ja der Zar, Oberherr der„orthodoxen" Kirche, bei einem„ketzerischen" katholischen Erzbischof nichts zu suchen hat— eS sei denn eben eine Demütigung seiner freidenkerischen' Gastgeber. Und dann ist ja die Kathedrale von Reims die Salbungsstätte der legitimen französischen Könige— mögen nun die Epigonen der Revolutionäre von 1739—1793 der heiligen Königsstätte als Gefolge eines Selbstherrschers eine gc- zwungene Reverenz erweisen!... Es versteht sich ferner von selbst, daß die Städte und Wege, die der Zar berühren wird, tabu werden in dem Sinne, daß das republikanische Gesetz für sie nicht mehr gilt— es sind Teile des Zarenreiches, die unter zaren polizeilichem Regime stehen. Nikolaus II. wird in Frankreich denselben Luxus an V o r f i ch t S« maßregeln„genießen" wie in Rußland.„Die russische Polizei steht in alltäglichem Verkehr niit der französischen Sicherheitspolizei und drängt dieser durch Vcrmittelung der Botschaft die sorgfältigsten Vorsichtsmaßnahmen auf"— so in den Pariser Blättern zu lesen I... Natürlich werden alle„Verdächtigen" für die AufenthaltSzeit des Zaren am betreffenden Orte in Haft behalten werden. Hoch die„Deklaration der Menschenrechte", deren Anschlag in den Schulzimmcrn kürzlich von der Dcputiertenkammcr votiert wurde I... Trotz alledem will der Zar nach Paris nicht kommen. Der nationalistische G e m e i n d era t ist der Verzweiflung nahe. Sein Vorsitzender läuft sich mit patriotischer Würde die Fußsohlen ab, um doch den Zarenbcsuch zu erbetteln. Aber auch das Präsidium deS cneralratS des Seine-Departements, der zum Vorsitzenden den Socialisten Veber hat, will sich allen den vom Präsidium des Gcmcindcratcs zu beschließenden Zaren- ehrnngen anschließen. Auch wurde unter VebcrS Vorsitz be- schloffen, dem Zaren nach Düukirchen entgegenzueilen... Es wird vielleicht nicht überflüssig sein, zu bemerken, daß Veber Mitarbeiter des ministeriellen«Petit Sou" ist. Auch Millerand wird an den EmpfaiigS-Ccrcmonien teil- nehmen. Alle Minister eilen dem Zaren entgegen, mit Ausnahme des FinanzministerS, der als einziger Repräsentant der Regierung in Paris zurückbleibt. Die bürgerlichen Oppositions-Zeitungen stellten Milleraud vor das Dilemma, entweder das zarenfeindliche Manifest des Gcneralkoniitces der socialistischcn Partei zu desavouieren oder aber seine Demission zu geben. Der HandcISministcr thut weder das eine noch daS andre— er beteiligt sich schweigend an den Ccrcnionien, trotzdem daS Gencralkomitce das als eine„Entwürdigung in den Augen des revolutionären Proletariats" erklärt hat.... Noch viel chlimmcr aber ist der Versuch der„P c t i t e R e p u b l i q u e", Millerand dadurch zu rechtfertigen, daß der Lyoncr Kongreß ihn ja „außerhalb der Parteikontrolle" gestellt hat I Da- durch wird nur der Lyoncr Beschluß wieder einmal als verfehlt erwiesen. Der linksradikale Bürgermeister von Reims, Charles A r n o u l d, hat— ein weißer Rabe unter den bürger- lichen Politikern!— den Miuistcrn eine Lektion republikanischer Würde erteilt. Er sprach im Gemeinderat vom Zarenbesuch so fifiermtS trocken. Betonte die„Beniokrcitische Einfachheit" Beim Einpfanci so nachdrücklich, stellte den Zaren so respektlvidricz Blotz als den„Begleiter" des Präsidenten Loudct hin, dah 150 patriotische Einwohner von Reims in Maueranschlägen gegen den Bürgermeister protestierten und den Zaren von ihrer„patriotischen Frende" Benachrichtigten. Die Regierung aber hat vom verdächtigen Vürgenncistcr den Text der von ihm zu haltenden Begrüßungsansprache an den Zaren ein- gefordert. Wenn aBer ein Arno nid eine seltene und schüchterne Aus- nähme unter den Bürgerlichen ist, so sind die ZarenanBeter eine ebenso seltene Ausnahme unter den Socialisten. Die socialistischen Proteste gegen den ZarenBcsnch dauern fort. Für heute mag nur noch das M a u i f e st der S o c i a I i st e n von D ü n k i r ch e n erwähnt Iverden. ES lvird darin daS„Bedauern" ausgesprochen, daß„das demokratische Frankreich ausgesetzt ist, den Vertreter der Macht, die am deutlichsten den Neaktionsgeist in Europa versinn- Bildlicht, zu empfangen.... Die Socialisten vergesse» nicht, daß der Mensch, der in Dünkirchcn landen wird, derselbe ist. der in Rußland diejenigen Bedrückt und terrorisiert, die die Principicn vertreten, auf denen die Republik Beruht..." Das Manifest schließt mit der Aufforderung an die Dünkirchener Arbeiter, „mit Gleichgültigkeit den Zaren, den Feind ihrer Klasse, vorbeigehen zu sehen". � Dieser Empfangs,, grüß", wie die zahllosen anderen socialistischen „Grüße" an den Zaren gehören nicht nur ins goldene Buch der Geschichte des proletarischen Befreiungskampfes, sie zeigen nicht nur die Ernancipation des klassenbeivußtcii französischen Proletariats vom Chauvinismus: sie werden auch in den Augen der Mit- und Nach- Welt die Ehre der französischen Nation gerettet haben. Nolikischv Mebevslchk. Berlin, den 10. September. Das Attentat. DaS Besinben McKinleys scheint sich sehr langsam zu vessern, die Nacht von Montag zu Dienstag verlief besser' als die vorhergehenden Nächte. Die Verhaftungen, die in verschiedenen Städten vor- genommen worden sind, haben Bisher in keiner Weise die Wahr- scheiulichkcit eines Komplotts ergeben. Ein Besonders verdächtigter Deutscher, namens Alfred Stutz, der mit CzogolSz in Buffalo an- gekommen und mit ihm im Hotel gewohnt hatte, mußte infolge klarer Beiveise seiner Unschuld freigelassen werden. Emnm Goldc- m a n n, eine anarchistische Redncrin, soll in Chicago verhaftet worden sein; ihre Beteiligung an dem Attentat ist jedoch gleichfalls gänzlich unerwiesen. Die amerikanischen Behörden wollen alles in ihren Kräften Stehende thnn, um zu verhindern. daß Czolgosz von der Scusatious- presse zum Helden gestempelt wird. So wird auch Reportern weder der Zutritt zu Czolgosz gestattet, noch ihnen überhaupt erlaubt, ihn zu sehen._ Miquel-Eriiincrungen. lieber Miguels zweideutige Rolle beim Schulgesetz im Jahre 1892 erzählt Abg. Richter: Als er sRichter) bei jenen Beratungen bei jedem ciiizelnen Titel des Etats das Wort er- griff, um die Debatte hiiiauszuziehcn, sei Miguel an ihn herangetreten, der mit ihm seit langem kein Wort gewechselt hatte, und habe ihm gesagt:„Ich weiß sehr ivohl, waruni Sie so oft heute das Wort ergreifen; Sie wollen den Schulgcsctz-Entwurf zum Scheitern bringen. Es ist aber gar n i cht. in e h r erforderlich, dazu solche Mittel zu ergreifen. Es ist dafür gesorgt, und Sie können sich fest darauf verlassen, daß dieser Zweck auch ohnedem erreicht wird." Zwei Tage darauf wurde der von Miguel mitunterschriebene Gesetzcntlvurf zurückgezogen und Minister v. Zedlitz nahm scincii Abschied. Miguel hatte mittlerweile den Kaiser Bclvogcn, das Schulgesetz fallen zu lassen. Ministerpräsident Ivollte, wie der Berliner Korrespondent der„Schlcsischen Volkszeitnug" jetzt enthüllt, Miguel im Früh- jahr� 1897 werden. Er»lachte damals den erlisten Versuch, den Fürsten Hohenlohe zum Selbsthalbieren zu veranlassen und sich selbst zum innerpolitischen Kanzler zu machen. Der Versuch nlißlaiig. Dazu hat wesentlich beigetragen, daß im kritischen AngeiiBlick durch cinen Centrumsfnhrer dem gutmütigen Fürsten Hohenlohe das Gewissen geschärft wurde.— Jeutsches Weich. Zolltvnchcr-Protcstc. Ei» Protest der Portefeuillc-Arbetter. Offenbach. 8. Scp- temder. Heute morgen tagte im hiesigen ArBciterheim eine stark besuchte Versammlung der Poxtefeuiller und Etuisarveiter von Hanau, Offenbach und Umgegend, um gegen die neue Zolltarif-Vorlage zu protestieren. Nach einem einstündigen Referate des Verbands- vorsitzeiiden Weinschild-OffcnBach wurde eine Resolution einstimmig angenommen, die sowohl dem Reichstag wie Bundesrat durch das Bureau der Versammlung übermittelt werden soll und in der auf dasent- schiedenste protestiert wird,„daß durch die Preiserhöhung der wichtigsten Lebensmittel ein kleiner Jiiteresscnteukrcis sich auf Kosten der cirbeitenden Bevölkerung bereichern will". In der Resolution heißt es ferner:„Eine künstliche Erhöhung und Vertenening unsrer wichtigsten Lebensmittel sowie der Gerbstoffe, Häute, Leder, Seide und Bauiiiivolle ist eine schwere Schädigung, wenn nicht gar eine Vernichtung unsrer I n d n st r i e. Aus den vom kaiserlich statistischen Amt vcröffciitlichtcn Zahlen haben wir ersehen, daß im Jahre 1898 31327 Doppelcentucr, 1899 36 851 Doppelccntucr und im Jahre 19 39 008 Doppelceutncr feine Lederwaren exportiert worden sind. Im Jahre 1899 betrug der Export 86 283 000 M. Rußland kaufte mehr als ein Drittel der erwähnten Quantität." Durch die geplanten Zollerhöhungeii auf Roggen, Weizen und Eier, würden ein großer Teil deutscher Arbeiter auf das empfindlichste geschädigt, weil dies eine Sperre des Absatz- gebietes für seine Lederwaren und eine enorme Verminderung der Arbeitsgelegenheit, sowie Not und Elend im Gefolge haben würde. Gerade weil die Bevölkerung Offenbachs und Hanaus nebst der Ilmgegcnd von der Erzeugung feiner Lederwaren und Schuhe voll- ständig abhängig fei, verlangen die Portefeuillcr und Etuisarbeiter die vollige Ablehnung der Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel, Gerbstoffe, Häute, Leder, Seide und Baumwolle. Zum Protest gegen den Wuchertarif faßte am DonnerstagaBcnd eine überfüllte Vcrsainmlnng zu Mülhausen i. Elf. nach An- hörung eines eingehenden Referats von Genossen E in in e l eine Resolution, die die Bürger ohne Unterschied der Parteistellmig zur Abwehr des Zollwuchers'aufruft nud die Parteigenossen ermahnt, die Unterschriftensammlung auf den eirkulierenden Petitionsbogen nach Kräften zu fördern. Der zur Teilnahme an der Versammlung eingeladene Reichs- tags-Abgeordnete Th. S ch In m berger äußert sich in einem Entschuldigungsschreiben dahin, daß die landwirtschaftlichen Zölle nicht höher festgesetzt iverden sollten als diejenigen des be- stehenden autonomen Tarifes,„auf jeden Fall nicht höher als die Möglichkeit, Handelsverträge mit dem Ausland abzuschließen. cS bedingt". Der hervorragende Großindustrielle, der in die Treibereien hinter den Coulissen tief hineinsieht, scheint hiernach den Abschluß der Handelsverträge durch die agrarischen Treibereien ebenfalls für ernstlich gefährdet zu halten. Auch eine zahlreich besuchte Versammlung des Hirsch- Diinckerschcn Ortsvereins der Maschinenbauer und Metallarbeiter zn Berlin lX> Gesuiidbrnrnten, nahm am 31. August folgende Resolution an:„Der Ortsverein der Maschinenbauer iiud Metallarbeiter Hirsch- Duncker zu Berlin IX protestiert auf das leb- haftcste gegen jede Verteuerung derjenigen Lebensmittel, die un- bedingt zur Erhaltung des gesamten deutschen Volkes notwendig sind, durch einen übermäßig hohen Zoll. Er ersucht vielmehr einen hohen Reichstag, mit allen Mitteln gegen dieses Attentat auf das Volkswohl Steilung zu nehmen." Handelskamincr gegen Getrcidczölle. Der vor einigen Tagen erschienene Bericht der Handelskamincr Straßburg für das Jahr 1900 wendet sich in der entschiedensten Weise gegen die gc- plante Zollerhöhung auf landwirtschaftliche Erzeugnisse. Nachdem er de» Umfang und die Ursachen der auf die wirtschaftliche Aufwärts- bewegung gcfolgten Geschäftsflauheit dargelegt, die im ganzen Lande zahlreiche Ärbeiterentlaffiingen zur Folge hatte, läßt er sich über die voraussichtlichen Wirkungen des neuen Zolltarifcs in folgender Weise vernehmen. „Der Bezirk Straßburg, der unter der Schutzzollpolitik Frank- reichs so sehr leidet, sieht der Umgestnltmig der handelspolitischen Verhältnisse Deutschlands mit schwerer Besorgnis entgegen. Während der segensreiche Einfluß der ihrem Ablauf entgegen- gehenden Handelsverträge auf den Export und damit aus das ganze Wirtschaftsleben des Reickes bestimmend sein müßten für die weitere Gestaltung unsrer Zollvcrhältinsse, so scheint im Gegen- teil die allzu weit gehende Rücksichtnahme auf die laudwirtschaft- liche Produktion neuerdings zu Maßregeln führen zu sollen, welche das Zustandekommen neuer günstiger Handelsverträge und die gedeihliche Entwicklung der deutschen Ausfuhrthätigkcit ernstlich gefährden würden. Eine solche Maßregel wäre die beabsichtigte Ein- führung eincS erhöhten M i n d e st z o I l e s auf l a n d'w i r t- s ch a f t l i ch e Erzeugnisse. Das System des Maximal- und Minimaltarifcs sollte nach den Erfahrungen Frank- reichs, wo mit der Einführung desselben ein Rückgang d e s A u ß e n h a n d e l s b e g a n n, am wenigsten vorbildlich sein für Deutschland, das mit dem Vertragstarif die besten Erfolge erzielt hat. Wenn zudem der neue Zolltarif wesent- liche Erhöhungen der Zölle auf die wichtig st en Lebensmittel bringen sollte, so wäre zn befürchten, daß da- durch die Lebenshaltung der A r b e i t e r b e v ö I k e r u n g verschlechtert und die P r o d u k t i o n s f ä h i g I e i t u n s r e s Landes schwer beeinträchtigt würde." Der deutsche Tarifentwurf und die östrcichischcn Bauern. Man schreibt uns aus Kärnten: Eine starke Erregung hat der deutsche Zolltarifcntwurf bei den Bauern des Salzkaiiimerguts und Kärntens hervorgerufen. In den entlegensten Thälcrn bildet der deutsche Zolltarif den Gegenstand besorgter Unterhaltung. Die Bauern in diesen Alpenthälcrn leben ausschließlich von dem Viehexport nach Deutschland. Getreide müssen sie noch zukaufen, der Verkauf de? Viehs, das ausnahmslos nach Deutschland geht, bildet die Grund- läge ihrer durch hohe Steuern nud durch Schuldverpflichtungen ohnehin bedrängten Existenz. Würde der neue Entwurf Gesetz, so bedeutete das— ohne Uebcrtrcibnng— den völligen Ruin dieser Bauern, und Reichsdeutsche, die ins Gespräch mit den Eiiigeborucii kommen, haben jetzt oft genug Gelegenheit, von den schweren Besorgnissen der kleinen Viehzüchter zu hören; denn diese recht iiitclligciitcn Leute wissen sehr genau, daß der deutsche Zolltarif hinsichtlich des Viehes nichts weniger als eine Grenzsperre und den Verlust ihres Absatzes bedeutet. So„schützt" der Wahnsinn der Hochschutzzoll-Politik die kleinen Bauern! Man wird es aber angesichts solcher Verhältnisse für niiinöglich halten können, daß Oeftreich jemals in die ruinösen deutschen Zollsätze einwilligt.— Cliiua-Aiidcnken. Das„Wölpsche Depeschen-Burean" meldet: „Von amtlicher Seite wird bekannt gegeben, daß die Vorsichtsmaß- regeln zur Verhütung der Eiuschle'ppung ansteckender Krankheiten durch die aus Ostasieii zurückkehenden Truppen wegen einzelner aus den Transportschiffen vorgekomiiicner Typhus- und R u h r f ä 1 1 e verschärft worden sind. Es ist unter andern, der vollständige Ab- schluß der Truppen während der Zeit ihrer Beobachtung in Bremer- Häven und Munster von der Civilbcvölkerung angeordnet worden. Die Angehörigen der zurückkehrenden Offiziere und Manuschaften werden daher in ihrem eignen Interesse dringend ersucht, sich nicht zum Empfange der letzteren nach den vorbczcichnctcn Orten zu begeben. da es von jetzt ab gänzlich ausgeschlossen ist, dortselbst mit den Betreffenden in irgend einer Weise in Verkehr zu treten." Außer Ruhr und Typhus sollen uiisre Chinakrieger zu einem nicht geringen Prozentsatz bösartige Geschlechtskrankheiten mit in die Heimat gebracht haben, die manchem ein lebenslängliches Andenken an den China-Krenzziig sein werden.— Die Krise. Barme», 7. September.(Eig. Bcr.) Der bergische In- d n st r i e b e z i r k ist von der w' i r t s ch a f t l i ch e n Krise be- sonders hart betroffen worden. Bis jetzt haben in der Textilindustrie von Barmen. Elberfeld und Uingegcnd zahlreiche Arbeiterentlassinige» stattgefunden; hunderte Band- und Webstühle stehen schon seit langem still.' Besonders stark ist die hier noch zahlreich vertretene Haus- i n d u st r i e in Mitleidenschaft gezogen worden. In den größten Fabriken sind neben der Entlassung von Arbeitern Feierschichten ein- gelegt worden, so daß der Verdienst der noch Beschäftigten ein ganz minimaler ist. Ebenso trostlos wie es in Barmen-Elberfeld ans- sieht, ist es in der Kleineisenindustrie z» Remscheid und der Messcrfabrikation im Kreise Solingen. Um der äußersten Not zu begegnen, hat eine Anzahl von Gemeiiidc-Vertrctuiigcn N o t st a n d S a r b e i t e n in Aussicht genommen. In Gräfrath hat man damit schon begonnen: in Ohligs wurden 80 000 M. für Wege- bauten bewilligt und in Solingen und Wald wird man bald folgen. Auch in Bannen sind für NotstandSarbeiten die Vorbereitungen schon getroffen und nur die Stadtvertretung von Elberfeld scheint dazu iioch keine Zeit gehabt zu haben, denn dort ist das Wort„Notstand" im Stadtratssaal noch nicht gefallen. Mit der schlimmsten Besorgnis geht man hier dem Winter entgegen.— Die sächsische LaiidtagSwahl-Bewegung. AnS Sachsen wird uns geschrieben: Die Landtagswahl-Bewegung ist im Gange. Unsren Gegnern bereitet sie keine Freude. Erstens haben die Behörden ein Stück Arbeit mehr zu verrichten bei der Aufstellung der Wählerlisten. Die Einteilung in drei Klassen nach der Drittelung des gezahlten Gcsamtsteuerbetrages macht besonders den ländlichen Gemeinde- vorständen viel Kopfzerbrechen. Da muß die Oberbehörde, ja oftmals„der Herr Gendarm" nachhelfen, wenn Gemeinde- gclvaltigen das Rechnen schwer fällt. Nun lassen aber obendrein die Socialdcmokraten von ihrer „Wühlerei" bei der Wahl nicht ab, obwohl sie wenig oder gar keine Aussicht haben, Mandate zn erringen. Und bei Einführung des Dreiklasseii-Wohlrcchts hatte man sich doch gerade eingebildet, die Socialdemokratie werde sich bei dieser Aussichtslosigkeit in den Schmollwinkel stellen. Dagegen ist jetzt, wo die Be- tciligung an den Wahlen eine einmütige ist, auch die focialdemokratische Agitation wieder eine einheitliche und darum um so wirksamere. Das über das ganze Land von unS verbreitete Flugblatt hat den höchsten Zorn des offiziellen Organs der Konservativen erregt und die Amts- und Winkelpresse druckt seine Schiinpfzcttcl nach. „Es— das Flugblatt nämlich— soll zwei Wegen mit einer Klatsche schlagen, einerseits Stimmung gegen den einigermaßen agrarischen Zolltarif-Entwurf Graf Bülows machen, andrerseits zur Vorbercitiing der Wählerschaft für die bevorstehenden sächsischen Landtagswahlen' dienen," heißt eS da. Und nun folgt eine Lüge und Verleumdung der andern. Da soll den socialdcmokrati- scheu„Verführern" das Wohlergehen der Arbeiter höchst gleichgültig und ihr Ziel„die Gewinnung der politischen Macht und deren finanzielle Ausschlachtung sei n" n. s. w. Diese letztere Bemerkung nimmt sich besonders gut aus in derjenigen Presse, die sonst den Baiikbrüchigen Gmgelabschiieidcrn und millionen- aufhäufenden Spekulanten nicht Lobeserbebungen genug bringen kann. Ferner leugnet man ab, daß die Konservativen schuld sind am Defizit im Staatshaushalt, an dem Sinken der Eisenbahn- einnahmen, an der ungenügenden Gestaltung des Schulwesens, an der reaktionären Vetternwirtschaft in vielen Gemeinden, an dem Ausschluß Minderjähriger aus öffentlichen Versammlungen, an der Zerrüttung der inneren Zustände überhaupt. Und doch-haben die Konservativen die Majorität im Landtage, also auch die Möglichkeit, diese Uebelständz zn beseitigen. Daß sie bestehen, kann nicht geleugnet werden— da ist es doch natürlich, daß die Landtags-Majoritnt und die Regierung dafür verantwortlich sind. Konservative und Regierung sind aber ein Herz und eine Seele und gleichbeteiligt an der Herr- lichkeit sächsischer Zustände. Was dann über die Darlegungen iinsreS Flugblattes hinsichtlich der Wirkung der Getreidezölle gesägt tvird, ist der flachste Abklatsch agrarischer Phrasen über die Wunderwirkung der Zölle auf land- wirtschaftliche Produkte. Zur angeblichen Widerlegung unsres Flug- Blattes muß in diesem Falle auch Genosse C a l w e r herhalten, aus dessen Rede ans dem Mainzer Parteitag Sätze gerissen werden zu dieser löblichen Verwendung. Indes, gerade der ZornesauSbruch und die unehrliche Kampfes- weife unsrer Gegner hilft nnS die Agitation erleichtern. Ganz richtig wird auch der Brotwuchcr in die Landtagswahl-Agitation einbezogen, denn die Regierung wird ja von den Konservativen gc- drängt, die agrarischen Zollforderungen zu unterstützen. � Nun mag den Herren das Gegengewicht der socialdemokratischen Agitation sehr ungelegen kommen. Aber es bilft ihnen nichts— wir lernen eben auch ünter dem Dreiklassen-Wahlrccht alles zur Propaganda für unsre Ziele auszunützen.—_ Fürth, 10. Septbr.(Privaitelegramm.) Im hiesigen Streit. ob nur ein Jurist Bürgermeister werden solle, Hai die Juristenpartci gesiegt. Sämtliche Demokraten fielen um. Antrag Segitz, einen geeigneten Nichtjuristen zur Wahl zuzulassen, wurde mit 13 gegen 14 Stimmen abgelehnt._ Soldatenschinder. Vor dem Kriegsgericht der 11. Division zu Breslau stand am letzten Sonnabend der 26 jährige Sergeant Paul Wolf und der Unteroffizier T o u r b i e r vom Jägerbataillon Nr. 6 zu Oels. angeklagt wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt. Am 8.' Juli war' die Compagnie, der die Angeklagten angehören, im Begriff, zum Turnen anzutreten. Vorher revidierte der Sergeant als Feldwebeldienstthnciider die Kleidung der Leute. Da fehlte dem Jäger Hübner an der Drillichhosen ein Knopf. Nim sagte der Angeklagte zu dem Unter- offizier Tourbier,„er möge' dem Jäger Hüb»er die andern neun Knöpfe auch noch abschneiden, der- selbe solle alle annähen und mit den angenähten Knöpfen dann zum Vorzeigen der Drillichhose bei dem Sergeanten antreten". Ter llntcroffizicr vergaß das Abschneiden und' der Jäger daS Annähen des einen Knopfes. Als später der Jäger mit den Hosen bei dem Sergeanten antrat, fing letzterer, ob der Unter- offizier ihm die Knöpfe abgeschnitten habe. Der Soldat ver- neinte. Da stellte der Sergeant den Unteroffizier Tonrbier wegen der Unterlassung des Knöpfeabschneidens zur Rede mit den Worten: „Heut' Hab' ich' Sie gebeten, nächstens befehle ich Ihnen. Ueber diese Zurechtweisung seines Vorgesetzten war der Unteroffizier ärgerlich und ging mit dem Hübner auf die Stube, schnitt ihm die Knöpfe vom Rock, riß ihm Hose und Hosenträger vom Leibe, so- wie alle anderen Sachen, daß der Rekrut im Adamskostüm dastand, h i e b i h m die Hose um den Kopf, gab ihm mehrere Ohrfeigen, zerschnitt ihm in der Wut das Hemd und schnitt ihm das Nockfutter auf. Daun befahl er ihm abends um 9 Uhr sich f e l d ni a rs ch m ä ß i g anzuziehen. Um 9 Uhr zerschnitt er ihm nochmals die Sachen, ließ den Rekruten wiederum alles ziisammeiinähcn und nachts 12 Uhr dem im Bett liegenden Korporal zeigen. Wegen dieser und andrer, ähnlicher skandalösen Mißhandlungen in 6'.i Fälle», 200 Ohrfeigen, Schläge mit gezogenem Seitengewehr, Klopfpeitsche, Koppel ward Unteroffizier Tonrbier vom Kriegsgericht zu u e u n Monaten Gefängnis verurteilt. Sein Vorgesetzter, der ihm den Auftrag gegeben', dem unglücklichen Opfer dieses Soldaten- chindcrs die Knöpfe abzuschneiden, der Sergeant Wolf, führte in der Verhandlung als Entschuldigung an, er wollte den Jäger Hübner. der kein tüchtiger Soldat'sei, privatim etwas erziehen. Der Vertreter der Anklage beantragte 10 Tage Mittelarrcst, das Kriegsgericht erkannte auf fünf Tage wegen vorschriftswidriger Behandlung.— Ausland. Schweiz. Schärfere Koutrolle der Anarchistc». Der Bundesrat wies alle Schweizer Polizeibehörden an, sämtliche in der Schweiz wohnenden Anarchisten scharf zu überwachen und falls die Abreise oder sonstiges Verschwinden eines Anarchisten stattfindet, dies sofort dem Bundesrat tclegraphifch mitzuteilen. Vermutlich hängt diese Maßregel sowohl mit dem Attentat gegen Mc Kiuleh als auch mit dem Zarenbesuch in Frankreich zusammen. Eitgland. Zum Spionageprozeff. Dr. Krause erschien am Dienstag wieder- vor dem Bow- Street- Polizcigericht. Der Staatsanwalt erhob gegen Krause eine weitere Anklage auf Anreiz ung zum Morde auf Grund eines neuen in Transvaal erlassene» Haftbefehls, von welchem die Regierung am 3. September telegraphisch Kenntnis erhielt. Die Zciigeitaussagcn, welche die An- klagen auf Hochverrat und Anrcizung zum Morde unterstützen, werden Ende des Monats erwartet. Der Staatsanwalt ersuchte um Verschiebung der Verhandlung, bis die Zeugenaussagen ein- getroffen seien. Der Richter Sir George Lewis wies auf die Auf- fälligkcit des Verfahrens hin, daß Haftbefehle in Transvaal erlassen werden für Verbrechen, die anschciiicitd in England begangen worden sind. Der Staatsanwalt versprach dem Verteidiger Krauses, d'aß ihm genaue Mitteilungen über die Art der gegen seinen Klienten erhobenen Anklagen zugehen sollen. Der Richter willigte schließlich ein, die Verhandlung bis auf weiteres zu vertagen. Italien. Ein Prozeß gegen die Maffia. In Bologna fJtalien) hat am 9. September ein Prozeß begonnen, der weit über die Grenzen Italiens hinaus die Aufmerksamkeit auf sich lenken wird. Es handelt sich um den Prozeß gegen Palizolo, Ex-Dcpntierten von Palermo, Großoffizier der Krone, welcher angeklagt ist, den Mord von Micclli und des Marquis von Notarba'rtollo angestiftet zu habe». Im Jahre 1892 wurde bei Villabate Micclli ermordet auf- gcfiuideu. Die Mörder bliebe» nnentdcckt. Im Verdacht hatte mau schon damals die allmächtige Maffia. Ein Jahr später, am 21. Februar, wurde bei Altavilia in der Nähe des Eisenbahn- dammes die Leiche des Marquis Notarbartollo, des Direktors der Bank von Sicilieu, gefunden; er war im Eisenbahuzug, der ihn nach Palermo bringen sollte, ermordet worden. Auch dieser Mord blieb zunächst nnentdcckt; die Beamten, die sich um die Auffindung des oder der Mörder bemühten, wurden nach dem Festland versetzt. Auch diesmal hatte man die Maffia in Verdacht. Niemand aber wagte es, offen gegen diese mächtige Geheiingescllschaft vorzugehen: die Furcht vor der iiuheimlichen Macht und den Dolchen der Maffia hielt nicht bloß die lokalen, sondern auch die höchsten Verwaltuugs- Behörden von energischem Eiiischrcitcu zurück. Palizolo, der„König von Palermo", hatte auf alle administrativen und politischen Ve- Hörden einen großen Einfluß; er galt als der eifrigste Beschützer der Maffia.. Der Sohn des letzte» Opfers, der junge Notarbartollo, Marine- Offizier, ruhte aber nicht; er hatte sich geschworen, seinen Vater zu rächen. Es gelang endlich im November 1899, die Mörder des Bankdirektors in Mailand zu entdecken. Nun trat der junge Notar- bartollo mit Erklärungen hervor, die dahin gingen, daß die zwei Tiigcschuldigtcil niir bis Wcrlzcugs bes Deputierten Palizolo gewesen seien. Die Aiischulbigunge» gegen Pnlizolo lvaren direkt überzeiigend, bng der Pcozcj; gegen die zwei Mörder unterbrochen und Palizolo vernommen wurde. Er wurde zunächst nicht verhaftet und kehrte triumphierend nach Palermo zurück. Die aufgewühlte öffentliche Meinung aber ruhte nicht und man sah sich veranlagt, den Machthaber von Palermo hinter Schloff und Riegel zu bringen, Ivo er jetzt seit IS Monaten sitzt. Der Prozeff findet nicht in Palermo, sondern in Bologna statt, weil erden lokalen Einflüssen seiner Freunde und der Maffia entzogen sein sollte. Die Zahl der Zeugen, die nach Bologna citiert sind, beträgt 220. Im Fall Micclli sind es 72, int Fall Notarbartollo 145. DicZ sind die Zeugen der Staatsanwaltschaft, die Verteidigung hat nur 18 geladen, davon nicht einen einzigen zu Gunsten Palizolos, sondern seiner Mitangeklagten Werkzeuge.— Rußland. Maffrcgclnngc» in Finnland. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Helsingfors gemeldet: Die Senatoren Ramsay, Homen, Heikel und Nummelin wurden auf Befehl des Kaisers wegen Wider- setzlichkcit gegen seineu Befehl ihres Amtes entsetzt. Die Senatoren hatten gegen die Veröffentlichung des kaiserlichen Manifestes über das neue Wehrpflichtgesetz gestimmt.— Türkei. Flncht eines Viccadmirals. Nach Meldungen ans Konstanti- nopel hat sich der Vice-Admiral Taik-Pascha nach Malta geflüchtet. Wie versichert wird, hatte er dem Sultan ein Memorandum über den schlechten Zustand der türkischen Flotte überreicht. Die Tirpitzc scheinen an, goldenen Horn demnach schlechter an- geschrieben zu sein, als anderwärts. Amerika. Ein Gefecht zwischen kolnmbischcn und venezolanischen Truppen hat in der Nähe von Bocas del Toro stattgefunden. Die kolumbische» Truppen wurden geschlagen. Die Revolutionäre be- kuudeu die Absicht, Colon anzugreifen. Die kolumbische Regierung trifft Vorkehrungen, um den Angriff abzuschlagen. Die Revolutionäre sind in der Umgebung von. Panama äufferst rege.— Der Boeren- Krieg. Englische Thätigkcit in der Kapkolonic. Das„Reutersche Bureau" meldet vom Sonntag aus Winburg: Die Kolonneu der Generale Barker und Elliott sind hierher zurück- gekehrt, nachdem sie einen Teil der Kolonie gesäubert haben. Barkers Kolonne tötete neun Boeren, verwundete sieben, uiachte siebe» Gefangene und erbeutete 32 Wagen, 7000 Patronen, 1500 Stück Vieh, sowie eine groffe Menge Getreide und Mehl und brachte mehr als 100 Flüchtlinge ein. Seit dem Dezember hatten keine britischen Truppen dieses Gebiet betreten; die Boeren hatten zum Ackern und Bestellen Zeit gehabt; überall sah man grüne Weizenfelder. Elliott erbeutete alle Wagenzüge der Boeren, die zu Zwecken der Vcrprovianticruug nach Bethlehem unterwegs waren; seine Kolonne tötete zwei Boeren, nahm neun gefangen, erbeutete 300 Wagen und Karren. 8000 Stück Vieh, 1400 Pferde, Tausende von Schafen und brachte 800 Boercn-Fraucn und Kinder ein. Rimington erbeutete HaaSbröks aus 40 jWagen bc- stehenden Couvoi. De Wct. Stcijn, Haasbrök, Aroneman und andre Kommailbanten hielten am 28. August in Wouderkop eine Wer- sammlung ab. Beim Herannahen der britischen Kolonne flohen sie »ach Reitz, von wo sie jedoch am 5. September von Rimington wieder vertrieben wurden. Aus Kapstadt wird ferner gemeldet: Die Kolonne des Generals Campbell hat ein Bocrenlager in der Nähe von Surisbury überrascht. Ein Gepäckwagen, 50 Pferde, eine Anzahl Patronen, sowie Getreide wurde den Boeren abgenommen. General Bottin hat bei Witkop ebenfalls ein Bocrenlager überrascht, die Boeren er- griffen aber die Flucht. Man fand im Lager unter audcrm eine Proklamation des Vicepräsidenten Schalk Burghcr vom 20. Juni, in welcher es am Schluff heiht, die Boeren würden nur unter der Be- dingung den Frieden eingehen, daß ihnen völlige Selbständigkeit gc- währlcistet werde. Diese Erfolge der englischen Kolonnen sind nicht gerade imponierend. Ucbcr die Vernichtung von LotterS Kommando liegen jetzt folgende Einzelheiten vor. Der Verfolger LotterS, Oberst Ecobell, hatte von den S. Lanzcrn und den berittenen Kapschützcn 280 Manu unter seinem Kommando. Lotter hatte am Montag dem 2. September bei Garstlcrs Kloos gegen Oberstlieutenant Doran gc- kämpft, der. wie scheint, eine selbständige Abteilung führte und 1 Mann nebst 30 Pferden verloren. Er hatte dann versucht, über die Berge nach Paardckraal zu entkommen und 25 Man» der berittenen Midland-Schützcn angegriffen, die ihm den Weg zu verlegen suchten. Diese kleine britische Abteilung hatte iudcsicn tapfer widerstanden und siebe» Boeren getötet, einen verwundet. Lotter kletterte nun auf einem steilen Pfade über Ospad nach Pcarston am Vogelflusse und traf um Mitternacht bei Stretchs Farni ein. Hier bei Stretchs Farm am Vogclflusse stellten Scobclls Patrouillen ihn am Dienstag fest. Scobcll zwang ihn zum beschleunigten Rückzüge. Dienstagnacht campicrte Scobells Kolonne auf Louws' Farm. Diese verliest' sie am nächsten Nachmittage, aber nicht in der vom Feinde eingeschlagenen Richtung, um die Boeren irre zu führen. Scobell schlug viclniehr die nordöstliche Richtung ein und erreichte das Dorf Petersburg am Abend, wo er bis Milter- nacht rastete. Dann marschierte er ein Stück auf der nach Granff Reiuet führenden Straffe, bis er Dutoits Farm bei Groeu- kloof erreichte und das Bocrenlager erkundete." Scobell liest die Höhe, welche das Lager beherrschte, besetzen. Eine Boeren- wache, die hier lag, war auf dem Posten, wurde aber unter heftiges Feuer genommen, bis alle verwundet waren. Inzwischen war das Lager von allen Seiten eingeschlossen worden. Als das Feuer begann, gingen die Pferde der Boeren durch, und diese selbst suchten Zuflucht in einem Schuppen, auf den die einzelnen umstellenden Abteilungen nun ihr Feuer konzentrierten. Da die Eutferniingen kurz waren, zwischen 50 und 400 Metern, so hatten die Engländer von ihren hochgelegenen Stellungen aus leichte Arbeit. Gegen mitlag wurde die weiffe Flagge gehistt und schwieg das Feuer der Engländer eine Weile, da aber die Boeren nicht aufhörten zu feuern, nahm nian nicht weiter Notiz davon. Ein 9. Lanzcr, der dahin galoppierte, wo er die weiffe Flagge sah, wurde auf eine Ent- fcruuug von 20 Metern durch den Kopf geschossen. Schliefflich stellten die Boeren das Feuer ein, und Lotter trat mit seinen Leuten aus der Deckung heraus, worauf sie gefangen genommen wurden. Der Schuppen' hatte ein schreckliches'Aussehen.' Verwundete und Tote lagen auf dem Boden. Lotter selbst war leicht verwundet. Nach Ansicht einiger Boeren wäre, wenn die Ucbergabe eine Viertelstunde später erfolgt wäre, nicht ein Mann heil heraus- gekommen. Die Boeren hatten reichlich Munition: 25 000 Patronen wurden noch bei ihnen gefunden. Wie heldenmütig der Widerstand der Boeren war, beweist schon die eine Thatsache, dost die Boeren sich erst ergaben, nachdem weit über die Hälfte von ihnen getötet und verwundet worden war. NÄvkei-NAchvichten. Ans dem littcrarifchc» Nachlast von Karl Marx, Friedrich Eugclö und Ferdinand Laffalle. Im Verlage von I. H. W.'Dich Nachf. erscheint am 15. Scp- lembcr:„Aus dem littcrarischen Nachlast von Karl Marx, Friedrich Engels und Ferdinand Lassalle." Herausgegeben von Franz Mehring. Band I. Xll und 4S2 Seiten groß Oktav. Preis broschiert 7 M., gbd. in engl. Leinwand 8.50 M. Der erste Band enthält die Schriften von Marx und Engels in denen sie sich bis zur Schwelle des Socialismus entwickeln, den begründet-.zu haben ihr unsterbliches Verdienst ist. Der zweite Band, der Mitte Februar nächsten JahrcS erscheinen soll, wird alles enthalten, was sie in der theoretischen Be- gründung und Entwicklung ihres neu gewonnenen Standpunktes gearbeitet und mit andren Richtungen der Zeit durchkämpft haben, bis zum Kommunistischen Manifeste, der klassischen Geburlsurkunde des modernen wissenschaftlichen Kommunismus. Endlich der dritte Band' wird Milte April nächsten Jahres ihre Aufsätze aus der„Neuen Rheinischen Zeitung" und deren Revue veröffentlichen, also die praktische» Proben auf die Nichtigkeit ihrer theoretischen Resultate. Damit ist die erste Periode in der öffent- lichcn Wirksamkeit für Marx und Engels abgeschlossen. Dazwischen werden Mitte November dieses Jahres die Briefe Laffallcs an Marx und Engels ausgegeben werden, die zwar in keinem unmittelbaren Znsammenhang mit der vorliegenden Sammlung stehen, aber sie ihrem Wesen nach für die fünfziger Jahre fortsetzen, indem sie für dies Jahrzehnt die sicherste urkundliche Grundlage bieten, sowohl für die Geschichte des modernen wissen- schaftlichen Kommunismus, als auch für die Biographien seiner klassischen Vorkämpfer._ Ans Tchwarzbnrg- Rudolstadt. Trotz des Verbots des Parteitages kamen die Delegierten am 8. September in dem dafür bestinmiten Lokal„Schwarzer Adler" in Gräfinau, natürlich unter polizeilichem Schutz, zusammen, um in privatem Gespräch zu erledigen, was in öffentlicher Versammlung zu thnn uns die Hochwohluicise Polizei hinderte. Es ging auch so. Als Protest gegen das Parteitags- verbot sind für den 21. und 22. September 15 Versammlungen geplant mit der gemeinsamen Tagesordnung:„Das Vereins- und Versammlungsrecht in Deutschland". Natürlich werden die meisten derselben wiederum verboten werden. Doch was thut das; es geht vorwärts, das ist die Hauptsache. Polizeiliche Censur in Sachse». Neben den«diskretionären Vollmachten" die Censur. Das hat für Sachsen wahrhaftig gerade noch gefehlt. Wahrlich, wir haben es längst verlernt, schreibt unser Zwickäucr Parteiblatt, uns über irgend etwas zu wundern, aber das Folgende dürfce denn doch alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen— und das will doch für Sachsen gcwiff etwas hciffcn. Man höre nur: In Mülsen St. Jakob, V/s Stunden von Zwickau entfernt, fand am Sonntaguachmittag eine öffentliche Vollsversammlung unter freiem Himmel statt, in welcher Genosse S ch ö p f l i n- Chemnitz über de» Hungertarif referierte. Nachdem der Referent geendet, verlas der Vorsitzende der Versammlung eine Resolution, die sich im Sinne des Referats aussprach. Aber noch che die Resolution bis zur Hälfte vorgelesen war, liest der lieberwachende, ein Beamter der Amtshanptmannschaft Glauchau, ein dreimaliges„Halt, halt. halt!" ertönen. Verdutzt schaute alles drein und nun entspann sich folgender Dialog: Ueberwachcüder:„Ich kann Sie nicht weiter lesen lassen, der Satz von der„Jnteresscnpolitik der Regierung" muff aus der Reso- lution heraus!" Vorsitzender:„Ich mache den Herrn Beamten darauf auf- merksam, daff er kein Recht hat, die Censur über eine Resolution auszuüben, noch che er den Wortlaut derselben kennt. Aber ich bin gezwungen, der Aufforderung nachzukommen und streiche hiermit den inkriminierten Satz!"(Will weiter lesen.) Ucberwachcnder:„Halt, halt I Ich kann so schnell nicht folgen, geben Sie mir die Resolution mal her"!!! Vorsitzender(zum Beamten):„Sie haben auch hierzu kein Recht, ich habe Ihnen bereits erklärt, daff ich Ihnen die Resolution am Schlüsse der Versammlung im Original zur Abschrift überlassen werde. Zunächst mutz ich aber dringend darum ersuchen, mich zu Ende lesen zu lassen." Ilebcrwachcndcr:„Ich laste das nicht zu, ich will die Resolution erst sehen!!!" Vorsitzender:„Sie werden die Resolution nicht erhalten, da daS Verlangen ein ungesetzliches ist." Ucbcrwachendcr:„Ich erkläre die Versammlung für aufgelöst!" Vorsitzender:„Mit welchem Rechte und aus welchem Grunde? Sie werden Ihrer vorgesetzten Behörde über diese willkürliche Mast- rcgel Rechenschaft zu geben haben!" Ueberwacheuder:'„Geben Sie sofort die Resolution heraus!" (Allgemeines Lachen.) ' Vorsitzender(die Resolution in die Tasche steckend):„WaS fällt Ihnen denn eigentlich ein? Sic haben doch längst aufgelöst, halten Sie uns denn wirklich für so dumm?" Der Beamte wird rot und verlegen, die Menge jubelt dem Vorsitzenden Bravo zu, und 4 bis 5 Gendarmen kamen, um die Menge auseinander zu treiben. In diesem Augenblick bringt der Vorsitzende ein Hoch auf die Social- dcmokratie auS, in welches die etwa 500— 600 Anwesenden begeistert ciustimme». Dem Protest gegen den Brolwucher war damit keine Eiubuffe geschehen, zudem aber die politische Rechtlosigkeit, die durch das Ver- halten des Beamten zum Ausdruck kam, der Bevölkerung recht wirksam zum Bewufftsein gebracht. Pplizellichos, Gerichkliches usw. — Wegen Verspottung der König-GcbnrtstagSfeicr in Plauen wurde der verantwortliche Rcdactenr der„Sächsischen Arbciterztg." in Dresden zu 800 M, Geldstrafe verurteilt. Allpeuler deutslher ziiNiO- iniD ßMuieckrtag. Gotha, den 9. September. Nachdem die üblichen BegrüffungSrede» der Regicruugsvertretcr gehalten waren, begannen heule die Verhandlungen unter Teilnahme von ca. 600 Vertretern. Zu Punkt 1 der Tagesordnung:„Abgrenzung von Fabrik und Handwcrt" begründete Bnchdrnckereibesttzer Mäscr- Leipzig folgende Resolution, die einstimmig angenommen wurde: "l. Die obersten Rcichsbchördcn sind ungesäumt zu ersuchen, auf dem Wege der Verordnung die kompetenten Organe zu ver- ständigen, daff gcmäff der Tendenz der Jnnungs-Gcsctzgcbung bei Beurteilung von ans Z 100 k Abs. 1 entstehenden Streitigkeiten den ZZ 127 und 131a der R.-G.-O. ausschlaggebende Bedeutung beizumessen sei. 2. Die Auslegung des Z 100k der R.-G.-O. seitens der Bc- Hörden widerspricht der Tendenz der JnuungSgesetze, sie macht nicht nur jede gesunde Bildung von Zwnugsinuuugen unmöglich, sondern sie muff die Grundlagen der gesamten gewerblichen' Er- ziehirng ans das tiefste erschüttern. Die Leistungsfähigkeit des deutschen Handwerks wird hierdurch ebenso gefährdet, wie die der deutschen Industrie überhaupt. 3. Beim hohen Bundesrat wie beim Reichstage eine Ab- änderung des§ 100k der R.-G.-O. im Sinne der ersten Berlepsch- scheu Handwerker-Geuossenschafts-Vorlage zu beantragen, nach welcher jeder, welcher handwerkSniäffig ausgebildete Arbeiter in dem gelernten Berufe beschäftigt, als zwangsinnungSpflichtig zu betrachten ist. 4. Sofort in die Agitation für die bevorstehenden Reichstags- Wahlen einzutreten und dafür Sorge zu tragen, daff bei denselben die deutschen Handwerker nur diejenigen Parteien und Kandidaten unterstützen, welche für die im Interesse der Existenz des deutschen Handwerks und für das weitere Blühen der heimische» Industrie nötige Abänderung der ReichS-Gewcrbc-Ordnniig zu wirken versprechen. 5. Mit der Durchführung dieser Beschlüsse den Vorstand dcZ Centralansschnsscs vereinigter Jnunngsverbände Deutschlands zu Berlin zu betrauen und' demselben anheimzugeben, sich durch VertraucnSpersonen anS den verschiedenen deutschen Gauen zu verstärken. Zur Organisation des Handwerks und über den BefähigungS- Nachweis sprach Baumeister Fetisch. Redner bezeichnet die jetzige Gewerbe-- Ordnung als Gewerbe- Unordnung und- Unfreiheit. Früher rekrutierte sich das deutsche.Händwerl ans den besten Kreisen, heute mache die Proketarlsierung des Handwerks rapide Fortschritte. Die deutsche Ge- setzgebung habe sich bis jetzt nur nnt Gesetzen der Arbeiter be- schäftigt, man möge jetzt mal Gesetze im Interesse des Mittelstandes machen. Die Arbeitcrschutz- Gesetze haben nicht die gewaltige Ar- beiterbewcgnng verhindern können, und sei es höchste Zeit, dagegen Gesetze zu machen, ehe es zu spät sei.(Beifall.) Die Zwangsinnung müsse ferner das alleinige Recht haben, Lehrlinge auszubilden. M e tz n e r- Neustadt erklärt, daff es ursprünglich die Absicht des Central-Ausschnsses gewesen sei, den Befähigungsnachweis über- Haupt nicht auf d i e T a g e s o r d n u n g zu setzen, nur durch sein und der Hannoveraner Eintreten sei dies noch zu stände gekommen. Er beantrage, daS Befähignngsiiachweis-Gefctz so weit als es noch möglich sei, zur Durchführung zu bringen. Reichstags-Abgeorduetcr Jacobskötter beklagt sich darüber, daff er schon als Verräter des Handwerks bezeichnet sei, weil er den Befähignngsnachweis in vielen Gewerben als uumöglich bezeichnet habe, er sei aber mit der Resolution in der jetzigen Fassung ein- verstanden. Im Sinne dieser Aussühriingen gelangte eine Resolution zur Annahme. Die Delegierten der Webcrinnnngcn in Hamburg, Kiel und Hannover haben an der Zwangsinnung deshalb kein Vergnügen, weil die Socis den alten Meistern das Leben so schwer machen: sie verlangen gesetzliche Mittel zur Ausschlicffung. Die Bäckermeister verlangen Aufhebung von Z 100g, welcher eine Preisfestsetzung der Waren verbietet. Reichstags-Abg. Pauli warnt, mau solle nicht Beschlüsse fassen, welche ein mitleidiges Lächeln verursachen. Die Aufhebung des§ 100 g wird mit schwacher Majorität beschlossen. Sodann gelangte folgende Resolution zur Beratung: ,�Jn Erwägung, daff in den meisten Zweigen des deutschen Handwerks eine sichtliche Abnahme der Lehrlinge vor sich geht und man vielfach von Lehrliiigsnot sprechen kann; in fernerer Erwägung, dah einerseits laut§ 130 der R.-G.-O. schon die Innung berechtigt ist, bis zu einem gewissen Mäste Bestimmungen über das Lehr- lingSIvescn zu treffen, andrerseits die untere Verwaltungsbehörde ans§ 128 der R.-G.-O. von Fall zu Fall vorkommenden AuS- schreitungen im Lehrlingsivesen entgegentreten kann, hält der all- geineine deutsche Jiiunngstag zu Gotha es für verfrüht, wenn jetzt schon, wo knapp das neue Handwerksgcsctz in Kraft getreten ist, Handiverlskammern mit dem Erlasse von generellen Vorschriften in Bezug auf die höchste zulässige Zahl der Lehrlinge, sowie die Dauer der Lehrzeit für die verschiedenen Handwerkszweige vor- gehen." Trotzdem in der Debatte festgestellt wurde, daff Schlosser- nicister mit 20—30 Lehrlingen, dabei nur 2—5 Gehilfen arbeiten� wurde nach heftiger Debatte und mehrfacher Abstimmung die Reso- lution mit winziger Majorität angenommen. GViveMMerfkliches. EtuiSavbcitcr! EtuiStifchlcr! Haudvevgolder? I» der EtuiSsabrik von. Rohne n. Jahn, Chemnitz, sind Differenzen aus- gebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin des deutschen Buchbinder-Verbandes. Deutsches Reich. Zum Generalstreik der Flafchenmacher. Unser Hannoversches Partei-Organ, der„Volkswille", berichtet aus Nienburg: Eine Anzahl streikender Glasarbeiter der H. Heyeschen Glas- fabrik, deren Söhne noch kontraktlich verpflichtet sind, ihre Lehrzeit bei genannter Firma innezuhalten, erhielten folgendes Schreiben zugestellt: „Ihr Sohn, der Glasmachcrlehrliug N. N., hat im Laufe der letzten Zeit sich durch fortgesetzte Faulheit ausgezeichnet. In Gemüffheit des tz 19 der Arbeitsordnung setze ich gegen denselben daher hiermit zunächst eine Strafe von einer Mark fest, bemerke jedoch gleichzeitig, daff ich bei fortgesetzter Faulheit von der mir nach tz 8 des mit Ihnen abgeschlossenen Lchrkoutraktcs zustehenden Befugnis, die Lehrzeit bis zu einem vollen Jahre zu verlängern, sofort Gebrauch machen werde. Etwaige Eiuivcudungen gegen diese Festsetzung sind bis zum Dienstag, den 10. September er., bei mir anzubringen." Der Lchrvcrtrag bietet, wie der„Volkswille" konstatiert, that- sächlich eine Handhabe zur Festsetzung von Strafen und zur will- kürlichcn Verlängerung der Lehrzeit, wie in obigem Schriftstück an- gedroht ist. Diese Thatsache ist ein neuer Beweis dafür, wie meisterhaft cS Herr Heye— und vielleicht auch andre Glas- fabrikanten— versteht, die wirtschaftliche Macht, welche er über die Arbeiter seines Betriebes hat, zu feinem Vorteil in der weit- gehendstcn Weise auszunutzen. Kein unabhängiger Mann würde ciiicn solchen Vertrag abschlicffen, der dem Lehrhcrrcn die Möglichkeit giebt, die Lehrlinge durch Verlängerung der Lehrzeit für die �Sünden" ihrer' Väter zu strafen. Darüber wird wohl kein Zweifel bestehen, daff man die angebliche Faulheit (welch dehnbarer Begriff!) der Lehrlinge nur deshalb ent- deckt hat, weil deren Väter streiken. Man glaubt eben durch dies Mittel die Streikenden einzuschüchtern und zur bedingungslosen Auf- nähme der Arbeit zu veranlassen. Aber auch dieses Kampfmittel dürfte gleich andren seinen Zweck verfehlen. Gegen den bekannten Artikel der„Holzarbcitcr-Zeitung, der sich mit dem GlaSarbcitcrstrcik befafft, nahm eine Mitgliederversammlung des Holzarbeitcr-Verbandes in Flensburg eine Protestresolution an. Die Ccntralkoiiimissio» der Gewerkschaften Elsast- Lothringens, welche im März d. I. in Straffburg eingesetzt wurde, hat kürzlich ihren ersten Thätigkeitsbcricht erstattet. Der Kommission gehören die Gewerkschaften in Colmar, Miihlhansen, Gebweiler und. Strastburg an. während das Kartell zu Metz dem Anschluh wider- stand.— Der Stand der Gewcrkschastsbewegnug in Elsaff- Lothringen ist folgender: In Straffburg sind ca. 1800 Arbeiter(gegen 2000 im Vorjahre) organisiert. Der Rückgang trifft hauptsächlich das daniederliegende Baugewerbe, wozu anchdicLanheitderBauhaudwerker ihr Teil von Schuld beiträgt. Organisiert sind 22 Berufe, davon zwei in Lokalvereiucn. In Colmar besitzen neun Verbandsfilialen 269 Mitglieder, während in Mülhausen 372 Mitglieder in zehn Filialen organisiert sind. Das Bild ist zur Zeit wenig erfreulich und beweist, welch' groffcs Feld eine energische Agitation hier noch vor sich hat. Ter clfast- lothringische Bnchdrnckerpcrband beabsichtigt, veranlafft durch die in den verflossenen Jahren so austerordeiitlich stark gcsticgcuc» Lebensmittelpreise, in eine Lohnbewegung einzutreten. Der Zeitpunkt für daS Vorgehen des Verbandes, so erklärte der Vorsitzende des letzteren, scheine auS dem Gruudc bc- ouderS geeignet, weil in diesen Tagen auch die Gehilfenschaft ganz Deutschlands gemeinsam mit den Prinzipalen an die Neuregelung dcS jetzt geltenden Tarifs herantrete. Der Verband fordert: 1, Er» höhuug deS Minimums von 20,50 M. auf 22.50 M. 2. Erhöhung der Gruiidpositiouen für die bcrechncudcn Setzer um 10 Proz. 3. Die Erhöhung des Minimums kommt auch den über Minimum Ent- lohnten zugute. 4. Neuregelung der Lehrlingsskala. Wegen Bedrohung cincS Streikbrechers beim Malerstreik in Bremen wurde der Maler Malike zu zwei Wochen Gefängnis ver- urteilt. Die Motordroschkcnkntschcr in Köln haben am Sonntag- nachmittag zum grösttcn Teil die Arbeit wieder anfgeiiommen. Ausland. Ueber den amerikanischen Stahlarbeiterstrelk bringt unser Parteiorgan. die„New D o r k e r V o l k S z e i t n n g" vom 31. A n g n st einen längeren Artikel, welcher in Bezug auf die da- malige Situation des Streiks sagt:„Die Schlacht steht". Dah der Streik nicht die von den Leitern desselben erwartete Ansdchliung angenomineil hat, insbesondere, daff die Chicagoer Mit- gliedschaft der„Amalgamated" �— der den Streik führenden Organisation— sich dem Streik nicht angeschlossen hat, wird fcilvaj die AilSfllheungeil der„New Darier Volkszeitung" bestätigt. Unser Nelv Dorker Brudcrblatt»eiuit die Gchorsmnsverlveigenlnfl gegenüber der Strcikordcr) der Arbeiter in Chicngo, dieser wichtige» Positioi» des Trusts, ein schuiochooltcs Schnnspicl, welches nicht auf» llcführt worden wäre, wenn Schciffer, der Leiter des Streiks, nicht vor dein Entscheidungskanipf eine zögernde, nngeivisse Haltung beobachtet und den richtigen Zeitpunkt zur Proklamierung des vllgcmeinen Ansstandes verpaßt hätte. Ueber die Bedeutung des Chicagocr Zwischenfalles sagt die„New Dorker Volks-Ztg.": Mit der zivcitcn Aufforderung an die Chicagocr. Ivelchc wirkungs los blieb, wurde der künftige Charakter des Ztampfes bestinn»t> Traten die Chicagocr in Reih und Glied, so wurde cs fortan eine Hurra-Kampagne, ein Sturmangriff auf den Trust, dem dieser nur unter den ungeheuersten Opfern hätte widerstehen können; denn seine Aktien wären ins Bodenlose gefallen, wenn nicht kolossale Sliminc», die zunächst verloren ivaren, zum Ankauf aller Offerten geopfert ivorden wären. Es wird wohl erst später bekannt werden, welche Einflüsse in Chicago mitgewirkt haben, um diesen wichtigen Punkt für den Trust zu retten. In solchem Falle ist bc kauntlich„Nona)? no objecf. sSpielt Geld keine Rolle.) Nach der Niederlage von Chicago— so fährt unser Bruderblatt fort— komme nunmehr alles auf die Zähigkeit und Ausdauer der Streikenden an. Die Zahl der Ausständigen, einschliestlich der durch den Streik in Mitleidenschaft gezogenen Arbeiter betrage 60 000. In finanzieller Hinsicht sei die Lage der Streikenden nicht ungünstig. Wenn es aber dem Trust gelänge, für die qualifizierte Arbeit Streik- brecher zn erlangen, so würde die Furcht vor dauerndem Verlust der Stellung bei den Streikenden demoralisierend wirken. Nachdem die Chicagoer Slrisis zu Gunsten des Trusts entschieden worden ivar, stiegen seine Aktien, wenn auch unbedeutend. In der Presse lasse der Trust verkünden, dafc seine Produktion sich air 613 000 Tonnen Stahl monatlich belaufe, gegenüber 700 000 Tonnen in streikloser Zeit. Das würde, falls diese Angaben richtig sind, ein bedeutender Ausfall sein, jedoch könne von einem Lahmlegen der Stahlproduktion keine Rede sein. Von der Zinnplattcuproduktion schweigen die Organe des Trusts aus guten Gründen, denn diese Produktion betrage höchstens 10 Prozent der regulären. Vermittelungsversuche seien von Berufenen und Unbernfencn gemacht, ober ohne Erfolg. Die„New Dorker V.-Z." schließt ihren Artikel mit der Bemerkung: Der Streik ist nock nicht in das Stadium getreten, um eine der beiden Parteien zum Nachgeben zu veranlassen. Erst jetzt, nachdem der erste Einhaltsbefehl in Kanal Dover, in Ohio, erlassen wurde fängt die Sache an, sich gefährlich zuzuspitzen. Mit den Einhalts- befehlen kommen die Scabs, und mit diesen die Altion der Streiker, die Scabs mit allen Mitteln fernzuhalten. Seit der Veröffentlichnug des vorstehend citiertcn Artikels sind Nachrichten von Bedeutung noch nicht eingetroffen, so daß nian also annehmen kann, eine Aenderung in der Situation des Streiks sei weder zu Gunsten noch zu Ungunsten desselben eingetreten. GeviTzks-ÄvitimZ» Vom Thorncr Gcheimbuud- Prozest. Aus der Verhandlung bom Montag ist noch nachzutragen, daß mehrere der Angeklagten entschieden bestreiten, einem Geheimbund angehört zu haben. Au die Frage des Ersten Staatsamvalts an den Angeklagten G o n c z, weshalb er die Angeklagten sämtlich als Mitglieder angegeben flirbe, wenn dies nicht der Fall ivar, bemerkt Goncz: Es sei bei einem Verhör derartig auf ihn eingeredet worden, daß er alle polnischen Gymnasiasten als Mitglieder angab. Er habe aber nur vermutet, daß diese Mitglieder waren. Am Tage vorher war die Kommunion. Bei dieser habe der Direktor und auch der Religionslehrer auf ihn sehr eingeredet, die Mit- ? lieber alle zu nennen. Der Religionslehrer habe ihm gc- agt, daß der geleistete Eid keine bindende Kraft habe. Daraufhin habe er schließlich alle diejenigen als Mitglieder an- gegeben, deren Namen ihm der Direktor genannt habe; er könne aber heute diese Angaben nicht aufrecht erhalten. Spielbank und Dresdner Bank. Starke Zumutungen an die Leichtgläubigkeit eines Gerichtshofes stellte der 42jährige Geschäfts- führer Karl Ringer, der sich wegen Unterschlagung einer Summe von etwa 2700 M. vor der vierten Ferien-Slrafkammer des Landgerichts I zu verantworten hatte. Ringer war Geschäftsführer in der hiesigen Cigarettenfabrik„Argos"; er war bisher unbescholten und ist im Besitz sehr guter kaufmännischer Zeugnisse. Wie cs scheint, ist er ein Opscr des Spielteufels geworden, der ihn auf die schiefe Ebene gelockt hat. Im Jahre ISOO hat er schon einmal eine Reise nach Montecarlo unter- nommen und dort im Spielsaal 200 M. verloren, so daß ihm sein Chef Geld zur Rückreise schicken mußte. Im März zog es ihm wieder nach Montecarlo und er hat dort wieder all' sein Geld ver- spielt. Jnr Mai reiste sein Chef zur Kur nach Wiesbaden und über ließ, wie immer in solchen Fällen, dem Angeklagten die Führung der Hauptkasse während seiner Abwesenheit. Es ivar Usus im Ge- schäft, bei starker Ansammlung von baaren Geldern in der Haupt- lasse einen mehr oder weniger großen Betrag nach der nahen Filiale der DrcsdenerBankam Spittclmarktzu bringen. Während derPfingsttage wollte der Angeklagte angeblich eine kleine Pfingstfahrt nach Stettin machen. Am Pfingst-Sonnabend verließ er das Geschäft unter der Angabe, daß er 2000 M. aus der Hauptkasse entnommen habe und nach der Filiale der Dresdner Bank bringen«volle. Die Einzahlung daselbst ist aber nicht erfolgt. Ain Mittag des Pfingst-Sonnabends reiste der Angeklagte in Begleitung seiner Braut von hier ab, das Pärchen fuhr aber nicht nach Stettin, sondern direkt— nach Spaa. Am 23. Mai kehrte der Angeklagte nach Berlin zurück, nach- dem er in Spaa an der Spielbank«viederum Unglück gehabt hatte. Er schrieb dann von hier aus an seinen Chef, daß er zur Erledigung privater Angelegenheiten sich noch einen kurzen Nach- urlaub erbitten müsse, ließ sich von der Tageskassiererin die von dieser inzwischen vereinnahmte Suninie von etiva 700 M. ausantworten und fuhr nochmals nach Spaa, Ivo er die 700 M. wiederum verspielte. Ziemlich abgebrannt kam er nach Düffel- darf, und hier packte ihn der Gedanke, doch noch einmal sein Glück zu versuchen. Er wandte sich an seine Braut in Berlin, die auf seinen Wunsch 200 M. zusammenbrachte und ihm telegraphisch nach Düsseldorf sandte. Nun kehrte er schleunigst nach Spaa zurück und opferte auch den größten Teil dieses Geldes dem Spielteufel. Inzwischen war sei» Nachurlaub überschritten und sein Chef faßte Verdacht, der durch den Umstand verstärkt wurde, daß man beim Oeffnen des Geldschranks in der Hauptkasse nur einen winzig kleinen Bestand vorfand. Eine Anfrage bei der Dresdener Bank ergab dann, daß dort die 2000 M. überhaupt nicht eingezahlt worden ivaren. Der Angeklagte wurde bei seiner Rückkehr am 4. Juni auf dem hiesigen Potsdamer Bahnhofe verhaftet. Er gab zu, die zuletzt empfangenen 700 M. zu eignem Nutzen verbraucht zu haben, bestritt aber mit äußerster Lebhaftigkeit die Unterschlagung an den 2000 M. Er behauptete, daß ihm diese in einem Omnibus gestohlen worden seien. Obgleich die Filiale der Dresdener Bank nur 3 Minuten vom Geschäft entfernt ist, will er doch einen vorbeifahrenden OmnibuS, mjt dem er zunächst nach dem Potsdamer Thor fahren Ivollte. benutzt haben. Im Omnibus habe er das Kursbuch studiert und das Couvert mit den 2000 M. leichtsinniger Weise neben sich gelegt. Zu seinem Entsetzen habe er dann plötzlich bemerkt, daß das Couvert verschivnnden war. Das Entsetzen muß iminerhin nur ein ganz innerliches geivesen sein, denn er hat nicht Lärm geschlagen, hat nicht die Hilfe des Schaffners oder gar der Polizei in Anspruch genommen, sondern ist ruhig und vergnüglich nach Spaa gereist. Er ivollte den Gerichtshof glauben machen, daß seine drciinaligen Ausflüge dorthin nur dem fieber- haften Bestreben entsprungen seien, an die Milde der Göttin Fortuna zu appellieren, um vielleicht durch einen Schlager im Spielsaale seinen fürchterlichen Verlust«vieder ausgleichen zu können, che sein Chef etivas merkte. Staatsanwalts-Assessor B e n s ch e meinte, der Angeklagte«verde wohl kaum erlvarten können, daß ihm ernste Männer solche Kindermärchen glauben. Er beantragte gegen ihn ein Jahr Gefängnis und 2 Jahre Ehrverlust. Rechtsanivalt Dr. S ch Iv i n d t bat dagegen, doch zn erwägen, daß die Angaben des Angeklagten, so merklvürdig sie klingen, doch wahr sein könnten. Der Angeklagte sei ein fleißiger, tüchtiger, sehr bescheiden lebender Mann geivelen, dem seine Braut unter ihrem Eide attestiert habe, daß er in Spaa nur ge- ringe Mittel zur Verfügung gehabt und 2000 M. sicher nicht bei sich geführt habe. Es liege deshalb doch im Reiche der Möglichkeit, daß ihm das Geld abhanden gekommen sei und er es nachträglich am Spieltisch lvicdcrgeivinncn lvolltc.— Der Gerichtshof stellte sich auf den Standpunkt des Staatsamvalts und verurteilte den Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis, rechnete aber 1 Monat Unter suchungshaft an. VevJattUttlimgcm Die Knpfcrschmicdc hielten am Sonnabend im Gewerkschafis Hause eine öffentliche Versammlung ab, in der über den H a m burger Streik diskutiert lviirde. Der Obmann deS Ausschusses des Vereins der Kupferschmiede Deutschlands, C. Fritz, der hier- über referierte, ivar am 10. August»ach Hamburg delegiert ivorden, um den dortigen Kollegen die Beendigung ihres Streiks, den der Ausschuß für verloren ansah, zu empfehlen, und hatte bei der Gelegen- heit auch eine Unterredung niit dem Vorsitzenden des Verbandes der Eisenindustriellen gehabt, die aber erfolglos war. Die Lohnkommission der Hamburger Kupferschmiede hält nun das Eingreifen des Obmannes des Ausschusses für verfehlt und hat ihm darüber schivere Vorwürfe gemacht. Der Ausschuß hat sich gegen diese Vorwürfe bereits in einem Flugblatt verteidigt, dem jetzt, nach Beendigung des Streiks, ein andres seitens der Lohn kommissiou entgegengestellt ivurde. Fritz legt in seinem Referat nochmals die Gründe dar, die den Ausschuß zu seinem Vorgehen veranlaßt haben und empfiehlt schließlich die folgende Resolution „Die Versammlung beantragt, den Beitrag zum Dispositionsfonds bis auf weiteres auf 50 Pf. pro Woche zu belassen. Die Unter- stütznngen werden nach der Zahl der Streikenden und nach dem Ermessen der Kommission nach Hamburg gesandt.— Die Werkst.ibcn-Vcrtranensmänner sind befugt, die Beiträge bei geeigneter Zeit herabzusetzen." In der Disklission erklären mehrere Redner, daß sie, ehe sie nicht genaue Kenntnis von dem Flugblatt der Lohnkoinmission ge- nommen hätten, kein endgültiges Urteil über den Streitfall abgebe» könnten. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Hierbei Ivurde darauf aufmerksam gemacht, daß Sonntags vormittags die Bezirkskassierer im Gewerkschaftshansc anwesend find und daselbst auch Morgensprache abgehalten ivird. Bezüglich des Berichtes des VertranenSmamies erklärt Fritz, daß er infolge Zeitmangels nicht in der Lage gewesen sei, den Bericht fertigzustellen und ihn deshalb in einer späteren Versammlung geben iverde. Als Delegierter der Gewerkschaftskommisfion berichtet Fritz besonders eingehend über den Streik der Flaschenmacher und giebt es der Versammlung anhoim, ob sie trotz der großen durch den Hamburger Streik verursachten Aiisgabcn den Flaschenmnchcrn eine Unterstützung zukomnien lassen will.' Des weiteren macht der Redner noch auf den Tabakarbeiter-Strcik aufnierksain und fordert zu strenger Beachtung des Boykotts auf.— Die Versammlung beschließt, den Glasarbeitern 30 Mark zu bewilligen.— Ferner wird cinstinimig beschlossen, die Kommission zu beauftragen, eine Statistik über dw Beteiligung der Mitglieder ani Dispositionsfonds am Jahresschluß aufzustellen.— Zu Revisoren wurden gelvählt: Stocklvald R e u s n e r und L. S ch in i d t. Die Laternenwärter hielten am Montag im„Englischen Garten" eine öffentliche Versannnlung ab, die sich zunächst mit der Frage befaßte:„Wie stellen sich die Laternenwärter zur Ablehnung der vom Arbeiterausschuß gestellten Anträge betreffs der Lohn- zahlungstage am 1. und 16. eines jeden Monats?" Hierzu rcse- rierte Bant. Die Laternenwärter erhalten ihren Lohn seit einiger Zeit erst am 6. und 20. des Monats ausbezahlt und da sie das Geld gewöhnlich sehr notiveudig zur Miete gebrauchen, konimen sie durch diese späte Lohnznhliing oft in große Verlegenheit. Darum haben sie durch den Arbeiterausschuß beantragt, daß die Lohnzahlung wieder, wie früher, am 1. und 16. Italtfiude. Der Inspektor Gildner hat aber diesen Antrag rundiveg abgelehnt. Er nieinte, es müsse unbedingt an dem jetzigen Be zahluiigsmodus festgehalten werden. Wenn wirklich einer das Geld so notwendig brauche, könne er sich ja Vorschuß geben lassen.— Als aber dann wirklich einer um Vorschuß nachgesucht hätte, sei ihm gesagt ivorden:„Sie sind ivohl der Aufwiegler in der Korporalschaft!" Der Redner empfiehlt nun der Versamm- lung, daß in dieser Sache nicht nachgegeben iverden solle. Man müsse nun zunächst bei der Deputation der Gaswerke, und wenn das erfolglos bliebe, beim Magistrat und bei den Stadt- verordneten vorstellig werden.— Nach lebhafter Diskussion wird olgender Beschluß einstimmig angenommen:„Der Arbeiterausschuß vird beauftragt, bei der Deputation der Gasivcrke dahingehend vor- tellig zu werden, daß die Lohnzahlnng wieder am 1. und 16. vorgenommen wird."— Darauf berichtet Bant über:„Die Arbeitsordnung in der letzten Sitzung des Arbcitcrausschnsscs." Auf den 20. Juli sei der Ausschuß vom Inspektor Gildner vorgeladen worden.„Ich will Ihnen hier die Arbeitsordnung vorlesen," hätte dieser gesagt.„Mache Sie aber gleich darauf aufmerksam: geändert darf nichts daran iverden." Der Arbeiterausschuß hätte nun geglaubt, daß mindestens ein paar neue Paragraphen zu Gunsten der Arbeiter geschaffen worden wären. Da sei er aber gründlich enttäuscht ivorden. Die iieue Arbeitsordniing hätte, wie die alte, hauptsächlich von Strafen gehandelt. In der Diskussion werden mehrere Fälle von rigoroser Straf- vcrhängung angeführt. Ein besonderer Ilebelstand sei es, daß In- 'pektoren und Oberinspektoren die Strafen verhängten. Dagegen müsse verlangt werden, daß das nur von einer Stelle aus geschehen dürfe. In einem Monat seien allein von vier Korporalschaften 26 Mark an Strafgeldern eingegangen. Die Laternenwärter seien nicht darüber unterrichtet, lvo eigentlich die Strafgelder bleiben. Die folgende Resolution wurde hierzu einstimmig angenommen:„Die ver- animelten städtischen Laternenwärter protestieren energisch gegen die Behandlung, ivelche dem Arbeiterausschuß in Sachen der Arbeitsordnung kürzlich zuteil wurde. Wenn der Herr Be- leuchtungsinspcktor schon beim Beginn der Verhandlung erklärt, daß eventuelle Wünsche des Arbeiterausschusscs nicht berücksichtigt iverden, dann vermögen die Versammelten cs überhaupt nicht einzusehen, ivelchen Zweck der Arbeiterausschuß haben soll. Die Versaninielten hoffen, daß die städtifchen Behörden dafür sorgen iverden. daß der Arbeiterausschuß auch als eine ivahre Arbeitervertretung von dem Belciichtungs-Jnspcktor angesehen und dementsprechend bchandeltwird." Des iveiteren beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage: Welche Aufgaben hat der Arbeiterausschuß in der Zukunft?" Strese, der hierzu referierte, bezeichnete cs als eine der zunächst zn stellenden Forderungen, daß eine andre Regelung des Urlaubs eingeführt iverde. Jetzt dauert der Urlaub von dem Mittag des einen Tages bis zum Mittag des andern. Dabei sehen sich die Laternenwärter häufig und besonders bei ungünstiger Witterung genötigt, während' ihrer Urlaubszeit zu putzen, wenn sie sich nicht Bestrafungen aussetzen »vollen. Demgegenüber müsse verlangt werden, daß der Urlaub vom Morgen des einen Tages bis zum Morgen des andern danern, und daß die Betreffenden auch während der Zeit von der Lciterbesichtigung befreit sein müßten; ferner müsse danach gestrebt werden, daß die Mitglieder des Arbeiterausschusses am Sitzungstage vom Dienst dispensiert würden. Schließlich müsse man auch auf eine Lohnaufbesserung hinarbeiten. In der Diskilssion kritisiert u. a. Bruno Pörsch das Reglement für die ArbeiterauSschüffe. Die Bestimmung, daß die Ausschüsse über Dinge persönlicher Natur nicht verhandeln dürften, müßte beseitigt werden; die Arbeiterausschüsse müßten über alle Angelegenheiten, die das Arbeitsverhältnis betreffen, verhandeln können. Dahin zu wirken sei Aufgabe der Arbeitepausschüsse aller städtischen Arbeiter. Ferner weist Redner darauf hin, daß über drei Wochen im Gewerkschafts- Hause eine Versammlung für alle städtischen Arbeiter sich mit der Aufstellung eines allgemeinen ProgrnmniS zur Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen befassen wirb. Der Verband der Mvbclpolicrcr(Filiale Rixdorf) vollzog in der am 2. d. M. abgehaltenen Mitglicderversaiuinliing die Neu- ivahl des Vorstandes. Dieselbe ergab folgendes Resultat: Be- vollmächtigtcr: Arthur Bageritz. Beisitzer: Paul Fischer. Kassierer: Johannes Schönberg. Bibliothekar: Karl Nocke. Revisoren: Paul Methner, Paul Nebel. Treptow. Eine öffentliche Gemcindewähler-Versamnilung fand hier am ö. September 1301 statt. Nach einem beifällig anfgenomineneu Referat deS Genossen Bruns über das Thema:„Welche Interessen haben ivir in der Gemeindevertretung?" Ivurde in eine Diskussion über die bevorstehende Gemeindevertreter-Wahl iiiid die Kandidatenfrage eingetreten. Da sich an der Diskussion sowohl unsre Partei- genossen ivie auch freisinnige Gegner beteiligteti, ivurde dieselbe eine recht lebhafte. Als Kandidaten wurden aufgestellt die Genossen Gerisch und Carow. Ferner wurde ein Wahtkomitee gewählt, bc- stehend aus den Genossen Mickley. Krebs. Lange, Gramenz und Trende. Nachdem noch der Vorsitzende Genosse Krohne die An- ivcsendcn aufgefordert, am Tage der Wahl, Dienstag, den 17. September, pünktlich auf dem Posten zu sein, schloß er die Versammlung um 12bj Uhr. Protcstversammlungcn gegen den Brotwncher fanden am Sonntag in Neue Mühle und Hankels Ablage statt. Der Besuch beider Versammlungen ivar ein sehr starker. Die Anwesenden gehörten zum größten Teil der in der Umgegend von Königs- Wusterhausen wohnenden Landbevölkerung an. Reichstags-Abgeordnelcr Zubeil referierte in beiden Versammlungen und legte unter lebhafter Zustimmung der Anwesenden die Schädlichkeit der ini RegieruugS« entwurf festgelegten Zölle für Agrarprodukte soivie der bedeutenden Erhöhungen der Zölle für die Industrie dar. Nachdem in der Dis- kussion Frau Mcsch die vielen anwesenden Frauen zur regen Agitation gegen den Brotivucher und zum Unterschreiben der Petitionslislen aufgefordert hatte, wurde eine Resolution angeiioinmen, welche gegen jede Erhöhung der Lebensinittelzölle protestiert und als einzige Be- stcuerinig eine nach oben steigende direkte Ncichs-Eiuko>niiieustcuer fordert._ Erklärung. Bei der Konferenz für den Reichstags-Wahlkreis Nieder-Baruim hat der Abgeordnete Stadthagen nach dem Bericht des„Vor- wärts" vom 3. September 1901 gesagt: „Die„Socialistischcn Monatshefte" seien für die Arbeiterschaft völlig wertlos, durchaus nicht empfehlenswert und ein rein privates, mit der Partei in keiner Beziehnng stehendes Unternehmen. Trotzdem werde niit allen Mitteln versucht, den Schein zu erwecken, als seien diese Hefte eine socialdemokratische Zeitschrift". Die unterzeichnete Redaktion der„Socialistischen Monatshefte" hat keine Veranlassung, sich mit dem Abgeordneten Stadthagen über den Wert der„Socialistischcn Monatshefte" auseinanderzusetzen. Das Urteil hierüber dürfte bei den Genossen, die darüber zu urteilen kompetent sind, feststehen und durch die Meinung des Abgeordneten Stadlhagcn schwerlich erschüttert werden. Dagegen hat die Redaktion der„Socialistischen Monatshefte" zu der im ziveitcn der angeführten Sätze enthaltenen Bemerkung folgendes zu erividcrn: Die„Socialistischen Monatshefte" sind allerdings nicht ein Organ, das der Kontrolle der offiziellen Parteileitung der deutschen Social- dcmokratie unterstellt iväre. Die„Socialistischcn Monatshefte" können eine solche offizielle Stellung nicht wünschen, weil cs nicht Sache einer politischen Partei sein kann, für wissenschaftliche Meinungen eine Verantwortung zu übernehmen. Die„Socialistischen Monatshefte" bringen ihre Stellung selbst dadurch zum Ausdruck, daß sie sich auf jedem Hefte als unabhängiges Organ für alle Anschauungen auf dem gemeinsamen Boden des Socio- l i s m u s bezeichnen, und die uiiterzeichncte Redaktion weist mit Entschiedenheit die Unterstellung zurück, als ob sie den„Schein" eines offiziellen Abhängigkeitsverhältnisses von der Partei-Organisation zu erwecken suchte. Mit derselben Entschiedenheit hält sie aber auch daran fest, daß die„Sociali st i scheu Monatshefte" eine ocialdeni akratische Zeitschrift sind. Es bedarf für denkende Genossen nicht der Bemerkung, daß hierüber nicht die Thatsachc, ob eine offizielle Kontrolle durch den Parteivorstand stattflndet oder nicht, sondern der Inhalt des Blattes entscheiden muß. Die„Socialistischcn Monatshefte" erörtern alle Probleme des Gcsellschaftslebens und der Politik vom socialdemokratische n Standpunkte aus, und sie thun dies nicht, wie der Abgeordnete Stadthagen ohne ein Wort der Begründung behauptet,„zum Schein", sondern weil das deni Programm der Zeitschrift entspricht. Getreu diesem Programm halten sie auch ihre Spalten jeder Richtung im S o c i a l i s m u s offen. Bei Stoffen allgemeiner(philo- ophischer, litterarischcr zc.) Natur haben sie allerdings— ebenso wenig wie die offiziellen Parteiblättcr— keinen Anlaß, die Mit- arbeit von der formellen Parteizugehörigkeit abhängig zu machen. Für Genossen, die die„Socialistischen Monatshefte" nicht kennen— und ivohl nur auf solche kann Abg. Stadthagen bei einem Angriffe gerechnet haben— sei hervorgehoben, daß die Mit- arbcitcr des Blattes, soweit sie dem Deutschen Reiche angehören, zum großen Teil ofsizielle Vertraue ns st ellun gen in der socialdc in akratische n Partei(als Mitglieder des ParteivorstandeS, Abgeordnete des Reichstags und der Landtage, Kommunnlvertrctcr, Partcircdacteure und dergleichen) einnehmen oder leitende Rollen in der Gewerkschaftsbelvcgung spielen, und daß sich unter den ausländischen Mitarbeitern eine Anzahl der ersten und anerkanntesten Führer unsrer ausländischen Brnderparteien befinden. Wenn der Abgeordnete Stadthagcn in den Arbeiten aller dieser hervorragenden Genossen den Geist der Socialdemokratie nicht gefunden hat, so dürfte das an ihm selber liegen. Die unterzeichnete Redaktion lviirde glauben, ihre Mitarbeiter zu beleidigen, wenn sie cs linternehmen wollte, sie gegen so aus der Lust gegriffene Bc- chuldigungcn auch nur niit einem Worte zu rechtfertigen. Die Redaktion der„Socialistischen Monatshefte". I. B l o ch. zfrtzko und DepeMon. Trieft, 10. September.(B. H.) Das Etablissement der hiesigen Aktiengesellschaft für vegetabilische Oele in St. Andrae ist total niedergebrannt. Der Schaden beträgt circa fünf Millionen Kronen. Budapest, 10. September.(W.T.B.) Wie der„Pestcr Lloyd" meldet, werde die Entscheidung in der Geschützfragc in diesem Jahre nicht mehr getroffen werden. Die Versuche werden fortgesetzt. Den springenden Punkt in der Gcschützfrage bilde nicht mehr das Rohrmaterial, sondern das Lafettensyftem. PariS, 10. September.(SB. T. B.) Tie Leiter der türki« che« Geheimpolizei in Frankreich, Feridun Bei und Sinapian, sind, wie halbamtlich bestätigt wird, aus Frankreich ausgewiesen worden. Kimberley, 10. September.v oh nnngsfrage" wird Rechtsanwalt Dr. M. Mayer in Frankenthal sRheiiipsalz). der Vorsitzende der dortigen gemeinsameil Orts-Kranlenkasse, referieren. Von mehreren Seiten sind Petitionen gegen die drohende Erhöh nng der G e t r e i d e z ö l l e vorgeschlagen. Den Schluß der Verhandlungen. snr drr zwei Tage in Aussicht genommen sind, ivird die B e s p r e ch u n g Praktischer Ve rw alt uugsf rage n bilden.— Zu den Verhandlnngeii des Kongresses, an dem 134 Delegierte als Vertreter von 1 613 263 Kasscnmitglicdern teilnehmen, hat die württembergische Regierung de» Geheimen Ober- Regiernngsrat Dr. Köhler, die Gemeinde Stuttgart den Gemeinderat Dr. Rettich und den Stadtdircktor Sch midiin entsendet. Als Gäste sind ferner erschiene» die Reichstags-Abgeordneten Kammer- Präsident Payer ssüdd. Volksp.s, Dietz'sSoc.). Kloß sSoc.) und Professor H i e b e r snatl.) und die Landtags- Abgeordneten Keil das Gelände der ehemaligen Stralaucr Wasserwerke für Errichtung kleiner Wohnungen bereitzuhalten und die Bebauung dieses TerrainS unter den in dem Beschluß der Stadtverordneten- Versammlung vom 22. März d. I. festgesetzten Bedingungen schnell- möglichst in die Wege zu leiten. Berliner Partei-Nngelegenheilen. Dritter Wahlkreis. Heute abend 8'/s Uhr. Versammlung des Wahlvcreins in den Arnnnhallen, Kommandantenstr. 20. Vortrag des Schriftstellers Georg Bernhard über: Krisis und Krach in Deutschland. Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Rlsinmelöburg. Die Mitglieder des Wahlvereins werden auf die heute, Mittwoch, abends 8 Uhr, im Lokal des Herr» Schumann, Neue Prinz Albertstr. 70/71, stattfindende Vcrsnmnilinig aufmerksam gemacht. U. a. hält Genosse Dr. Steiner einen Vortrag über„Den Ursprung des Menschen". Der Vorstand. Karlshorst. Die Versammlung heute Mittwoch im Lokal„Zur Waldscheuke" von Kupsch. in welcher Rosenow spricht, findet bestimmt statt. Unsre Gegner sprengen das Gerücht aus, die Versammlung darf nicht stattfinden. Guten Besuch erwartet Der Vertrauensmann. ToZtÄles. Im„Asyl" für Obdachlose. Im städtischen Obdach hat sich ain MonlaZabcnd. wie wir am Dienstag früh bereits kurz mitgeteilt haben, ein A n! l r i t t abgespielt, von dem Lkenner des Obdachs behaupten, daß er für sie gar nichts II eberraschen des habe. Die Veröfsentlichnngen des„Vorwärts" über die Zustände in der Familienabteilung des Obdachs sowie Gerüchte über gewisse Vorkommnisse in der Abteilung für nächtlich Obdachlose haben bei einigen unsrer Parteigenossen den Wunsch rege gcinacht, die Anstalt einmal in der Nacht zv besuchen, um so die Behandlung der Obdachlosen aus eigner Anschauung kennen zu lernen. Die Genossen Stadtv. Adolf Hoffnrann und Cigarren- Händler Christian Schulz machten den Gedanken rasch ent- schlössen zur That und begaben sich am Montagabend unter der Maske von Obdachlosen nach der Fröbelstraße hinaus. Nachdem sie unerkannt in das Obdach hineingelangt waren und die übrigen Formalitäten über sich hatten ergehen lassen, wurden sie mit einer Gruppe Obdachloser nach Saal 2 gewiesen. Beim Betrete» des Saales wurden alle aufgefordert, sich aus- zukleiden und ein Bad zu nehmen. Die Obdachlosen weigerten sich indes, die Kleider abzulegen: einmal deshalb, weil in dem Saal trotz der Herbstkühle die Fenster geöffnet waren und von ihnen nicht geschlossen werden konnten, und zweitens deshalb, weil sie bei der vorgerückten Zeit durch das Bad um ihr Abendessen ge- kommen wären. Hoffmann und Schulz hatten zwar die Absicht gehabt, zu baden und sogar ihre Kleider dem DeSinfcktious- apparat übergeben zu lassen; denn sie wollten ja alles. was ,d e n Obdachlosen in der städtischen 81 n st a U geboten wird, am eignen Leibe erfahren. Llngesichts der Weigerung der Obdachlosen fürchteten sie aber, die sAnf- mcrksamkeit der andren auf sich zu lenken und vielleicht vorzeitig erkannt zu werden, wenn sie als die Einzigen im ganzen Saale sich zum Baden bereit machten. Sie zogen es daher vor, zunächst gleichfalls angekleidet zu bleiben und die weitere Entivickelung der Dinge abzuwarten. Nach etiva 10 Minuten trat einer der sogenannten Hausdiener, die in der Anstalt beschäftigt werden, in den Saal. Llls er sah, daß noch niemand die Kleider ab- gelegt hatte, hieb er ohne Ivette res auf einen Mann ein, der sich ermüdet auf eine der noch zusammengeklappten Pritschen gelehnt hatte. Sodann gab er unsrem Genossen Schulz, der ihm zunächst stand, einen Stoß, daffSch. der Länge nach hinfiel und mit d e m G e ficht a n f d e n LI s p h a l t a u f s ch l u g. In demselben Llugcublick stürmten mehrere Hausdiener, Kalfaktoren usw. in den Saal, packten einzelne Obdachlose, von denen hierbei keiner Wider- stand leistete, und schleppten sie hinaus, um ihre Namen feststellen zu lassen oder sie aus dem Obdach zu werfen. Auch Hoffmann und Schulz wurden gepackt und dabei gestoßen u n d g e k n u f f t. Genosse Hoffmann erklärte, er sei ja bereit zu baden und auch seine Lllcider ausbrennen zu lassen, aber man schlug rücksichtslos auf ihn ein. Als H. schließlich ausrief:„Ich verlange zum Inspektor geführt zu werden!" sagte einer der Schläger:„Denen werden wir den Inspektor mal zeigen!" Er trieb diejenigen Obdachlosen, die noch im Saale waren, aber sich in- zwischen rasch entkleidet hatten, hinaus, und H. und Sch. wurden nun von den Hausdienern usw. von allen Seiten gestoßen und geschlagen. Sie wurden auf den Flur hinausgedrängt und gegen einen Pfeiler gedrückt, so daß H. zusammensank und S. über ihn fiel. Als H. sich wieder aufgerafft hatte, rief er ans:„Nun wird's mir aber zu arg! Ich bin der Stadtverordnete Hoffmann!" Die Anstaltsangestcllten� stutzten zunächst und ließen von beiden ab. Dann aber überschütteten sie Hoffmann mit unflätigen Schimpfworten und verlangten Feststellung seines Namens durch die Polizei. Die Feststellung, bei deren Vornahme die Polizei sich durchaus taktvoll benahm, erfolgte prompt. Da- gegen konnten die Schläger zunächst nicht mnittelt werden, iveil � sie sich schleunigst unsichtbar gemacht hatten. Unsre Genossen wechselten nun auf dein Polizeiburcau die Garde- robe, nachdem ihre bei einem Parteigenossen in der Marienbnrger- straffe niedergelegten besseren Kleider herbeigeschafft worden waren, tznd kehrten noch in der Nacht in die Llustalt zurück, um von dem jetzt anwesenden Inspektor die Feststellung der Schläger zu fordern. Diese konnte nur in zwei Fällen erfolgen. Man hatte übrigens die Keckheit, durchblicken zu lassen, daß unser Genosse Hoffmann die Obdachlosen aufgewiegelt habe; es sei wenigstens noch nie vorgekommen, daß sich gleich ein ganzer Saal geweigert habe, zu baden. Diese Verdächtigung zerfällt ohne weiteres vor der Thatsache, daß Hoffmann und Schulz in der Llbsicht gekommen waren, zu beobachten, daß sie also gerade darauf bedacht sein mußten, sich durch nichts auffällig zu macheu und gegebenenfalls alles über sich ergehen zn lassen. Unsre Genossen bedanern selber am meisten, daß ihr Plan, bis zum andern Morgen in der Anstalt zu verweilen, vereitelt worden ist. Wir sind bemüht gewesen, bei unsrer Darstellung deS ganzen Vorfalles, die im Gegensatz zu der von magistratsoffiziöser Seite verbreiteten Darstellung die allein richtige ist, in völlig leidenschafts- losem Tone zn berichten, obwohl es uns schwer geworden ist, unsre Erregnng über diese empörende Behandlung Wehr- loser niederzukämpfen. Genosse Hoffmann hat selbstver- jtändlich den Thatbestand sofort dem Stadtrat Mamroth, dem Vorsitzenden der Obdachverwaltung, unterbreitet. Es wird sich nun zeigen, ob es nun endlich anders im städtischen Ob- dach werden wird, nachdem die Klagen der Obdachlosen so lange ungehört verhallt sind. Stadtrat'Maniroth hat unserm Ge- Nossen Hoffmann sofortige Untersuchung und rücksichtslos strenges Vorgehen gegen die Schuldigen ver- sprachen. Mit der Leitung des Obdachs, die als mitschuldig zu er- achten ist, wird noch an andrer Stelle abgerechnet werden. Ei» Mangel unsrer städtischen DesittfektlouSanstalt besteht darin, daß sie sich nicht darauf einläßt, K l e i d n n g s- st ü ck e von Ungeziefer zu reinigen. Im Publikum ist ziemlich allgemein die Ansicht verbreitet, daß die Zlnstalt den mit Ungeziefer Behafteten diesen Liebesdienst erweist. Aber die Anstalt lehnt, wenn sie hierzu in Anspruch genommen werden soll, jede Hilfe ab und beruft sich darauf, daß sie nur zur Desinfektion von Kleidung. Betten, Möbeln usw. in Krankheitsfällen dienen soll. Daraus können sich unter Umständen recht bedauerliche Konsequenzen ergeben. Ein Fall dieser Slrt ist am letzten Sonnabend einem hiesigen Gewerbetreibenden passiert. Nach seiner Darstellung nahm er ein Dienstmädchen ans dem am Stadtbahnhof„Börse" ge- legencn Mädchenheinr. Nachdem das Mädchen den Dienst angetreten hätte, machte er sehr bald die unangenehme Entdeckung, daß er eine st a r k mit Ungeziefer besetzte P e r s o n zu sich ins Haus genommen hatte. Er wollte sie trotzdem behalten, da sie sich geschickt und fleißig zeigte, aber begreiflicherweise tvünschte er, zuvor die Sachen des Mädchens auf eigene Kosten vom Ungeziefer befreien zu lassen. Er wandte sich an die Desinfektionsanstalt in der Reichen- bergerstraße, erhielt ädernden Bescheid:„Wir desinfizieren nur in Krankheitsfällen." Die kleine Desinfektionsanstalt im städtischen Obdach gab die Antlvort:„Diese Anstalt ist nicht zur Benutzung für das Publikum da." sSoviel wir wissen, gewährt sie aber den Schulkindern, die ihr wegen Unreinlichkeit oder Ungeziefer vom Leiter der Schule überwiesen werden, kostensrei ein Bad sowie Reinigung ihrer Kleidung.) Ter Manu erklärte mm, unter solchen Umständen werde er das Mädchen wieder gehen lassen müssen, so leid ihm das thne. Es niag sein, daß diese Läuiegeschichle manchem mehr komisch als tragisch' erscheint, aber sie kann für das Mädchen, das bei fort- schreitender Durchsetzung ihrer Kleider mit Ungezicser schließlich auch in keinem Mädchenheim mehr Aufnahme finden wird, leicht den An- fang zu einer Lausbahn bilden, die rasch abwärts sührt. Vielleicht begegnet man der Bedauernswerten eines Tages im Obdach. Hier wird man ihr dann allerdings die Kleider' endlich vom Ungeziefer reinigen, aber es ist möglich, daß sie dann den Weg zu einer geordneten Lebensweise nicht mehr zurückfindet. Die Stadtverordneten- Versammlung hält Donnerstag- nachmittag 5 Uhr im Rathause eine Sitzung ab, auf deren TageS- ordnnug u. a. folgende Gegenstände stehen: Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von unbesoldeten Gemeindebeämten.— Wahl je eines Mitgliedes in die Arbeitshaus- Verwaltung, in die Baudeputation, in das Kuratorium der Hand- werkcrschulen und der Baugewerkschule, in die Deputation für Kunst- zwecke, in da? Kuratorimn für das Turn- und Bndewesen, in das Kuratorium der Wilhelm Borchert-Stiftung, in da? Kuratorium des FriedrichS-Gewerbe-Slipendinms, in die Grundcigcntunis-Dcputation, sowie in das Kuratorium für den Central-Viehhof und die Fleischschau- Aemter.— Vorlage, betreffend den Einfluß der Krankenhaus- pflege auf das Wahlrecht.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreffend die Einräumung des Rechts für diejenigen, den Unterstützungswohnsitz in Berlin besitzenden Personen, im Falle einer Zlnstaltspflege-Bedürftigkeit die unentgeltliche Aufnahme in einen» städtischen Krankenhause zu verlangen.— Vorlagen betreffend den Ankauf von GrrmdstiickSparzellen au der Oberspree im Gemeindebezirk Stralau zn G a S a n st a l t Z z w e ck e n,— die Herstellung eines provisorischen Anbaues an die Rinder- Verkaufshalle auf dem städtischen Vieh- und Schlacht- Hof,— Gewährung einer Jahrcsbeihilfe zur Erweiterung der staatlichen Versuchs- und Prüfungsanstalt, für die Zwecke der Wasserversorgung und' Abwässerbeseitigung, — die Jahresabschiüsse deS Verwaltungsfonds der Sparkasse nebst Anhängen, des Viehmarkts, des Schlachthofs, der Fleischschan für das von außerhalb eingeführte Fleisch und der Wasserwerke für 190(1,— die Nachbewillignng von Mitteln zur Beschaffung der für den Neu- bau der 2. Hnndwcrkcrschule erforderlichen Utensilien,— die Nach- wcisnng der Flammen zur öffentlichen Beleuchtung, der Gasproduktion und des Gasverbrauchs für das Vierteljahr April— Juni 1901,— ein mit der Großen Berliner Straßenbahn und der Berlin-Charlotten- burger Straßenbahn getroffenes Abkommen wegen Einstellung des Accuninlatorenbetriebes und Ersatz desselben durch Be- trieb mittels ober- und unterirdischer Stromzuführung— und die landwirtschaftliche Verwaltung der uen erworbenen Ländereien im Sldministrationsbezirk Falkenbcrg,— die Verleihung des Prädikats „ S t a d t ä l t e st e r" an einen aus dem Amt geschiedenen un- besoldeten Stadtrat und Vornahme der Neuwahl eines solchen.— Berichterstattung betreffend die Wahl je eines stellvertretenden bürger- lichen Mitgliedes der Ober- Ersatzkommission und der Ersatz- kommission II. Außerdem findet in dieser Sitzung, und zwar»in» 6 Uhr, die Wahl des zweiten Bürger- m e i st e r s st a t t. Hausagrarischcs. Nicht weniger als 1 056 000 M. Hai der Berliner Magistrat in der kurzen Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1901 auf Grund von Entschädigungsbeschlüssen oder richterlichen Ent- schcidungcn für die Erwerbung von Straßenland zahlen müssen i'gfür 1113 Quadratmeter Vorland zur Verbreiterung der Wall- straffe bei den Grundstücken Nr. 90/91 wurde die Entschädigung allein auf 975 655 M. festgesetzt. Gegen diese Festsetzung ist aber von beiden Parteien, dem Magistrat und den Eigentümern Klage erHobe» worden und schlvcbl dieser Prozeß noch, weil die Besitzer die Abnahme des ganzen Grundstückes verlangen. Für die Durchlcgung der Bernauerstraßc nach der Gartcnstraße (Stettiner Bahnhof) mußten fünf Grundstücke und zwar Garten- straffe 36, 37 und 38 sowie die Bergstr. 42a und 43 angekauft werden, wofür wieder einschließlich der Hypotheken 68 055 Mark gezahlt lverden mußten, nachdem alle Verhandlungen fruchtlos lvarcn. Mit den Bestrebungen der Milchcentrale, die am 1. Oktober in Wirksamkeit treten soll, beschäftigte sich am Montag eine Ver- sammlnug des fortschrittlichen Vereins der Luiscnstndt in» Oranien- salon. Der Referent, Landtags-Abgeordnctcr Goldschmidt, forderte zur Abwehrthätigkcit gegen die drohende Verteuerung der Milch ans, die vornehmlich in der Unterstützung der Milchhändler Berlins be- stehen müsse. Selbst auf die Gefahr hin/ daß die Milch eine kurze Zeit hindurch knapp sein sollte, dürften sich die Bürger Berlin» nicht abhalten lassen, nur von den Händlern Milch zu beziehen und die Centrale zu boykottieren. Die Versammlung beschloß in einer Stesolutioi», die Interessen der Milchhändlcr zu unterstützen und die andren Bezirksvercine Berlins zu gleichem Vorgehen anzrircgcn. Die Heilstätte deS Note» KrcuzcS am Grabows«, die durch Fertigstellung eines neuen, großen KrankenpavillonS wiederum erheblich erweitert' Ivorde» ist, kann zur Zeit in zwei getrennten, von je einem Oberärzte geleiteten Stationen 190 Lungenkranke aufnehmen. Unter Leitung des Chefarztes Dli. Schlocßing wurden in letzter Zeit nach den verschiedensten Richtungen Ncu-Einrichtungcn und Verbesserungen getroffen. Infolge des günstigen Um- standcS, daß die Anstalt nicht aus einem große»» Hauptgebäude, sonder» aus vier, im Walde getrennt liegenden Kranken- Pavillons, die von einer größeren Zlnzahl von Liegehallen umgeben sind, besteht, läßt sich die wünschenswerte Gruppierung der Pfleglinge in bester Weise durchführen. Insbesondre ist neuerdings drirch Einrichtung eines besondren AufnahmepavillonS. wo die Diagnose, ob Tuberkulose vorliegt oder nicht, in zweifelhaften Fällen auch unter Anwendung der Tuberkulinprobe, gesichert werden kann, die Auslese der Kranken erleichtert ivorden; nicht für das Heil- verfahren Geeignete treten gar nicht erst endgültig in die Anstalt ein. Die Pfleglinge sind überwiegend Versicherte der LaiideSversichcrungS- Llnftalten Berlin und Brandenburg. Schwnidelauktionen. Einer gewissen Art von Zwangs- Versteigerungen»vidmet die Kriminalpolizei ihre besondere Auf- merksamkeit infolge zahlreicher Beschwerden und Anzeigen, die bei der Polizeibehörde eingelaufen sind. Es handelte sich um die zwangs- weise Versteigerung von Schwindelwaren, die vorwiegend in der Cigarren-, Wein- und Cognacbranche vorgenommen»verden. Ein vorgeschobener Schuldner, der sich im Besitz derartiger Weine und Cigarren befindet, erhält von dein mit ihm unter einer Decke steckenden Gläubiger einen Zahlungsbefehl, welcher, da Widerspruch nicht erhoben, ohne»veiteres vollstreckbar gemacht»vird. Auf Grund dieses ZahlungLbefchleS findet dann nach Angabe des Gläubigers die Pfändung der zweifelhaften Waren statt, die dann bei der Zwangsversteigerung verhältnismäßig hohe Preise erzielen. Da die Gegenstände extra für die Auktionen hergestellt sind, so ist der Kärifer stets der hereingefallene. In ähn- lich'cr Weise»verden auch miuderlvertige Pferde, �andesprodukle und Materiallvaren an den Mann gebracht. Man sollte denken, daß das Berliner Publikum»ach all den bösen Erfahrungen, die es alif Auktionen hat machen müssen, endlich dahin käme, jenen Versteigerungen fernzubleiben, die nainentlich in den Hauptstraße», abgehalten werden und für jederinann anf den ersten Blick als infame Gaunereien kenntlich sein sollten. Thränen-Schnlzc ist gestorben. Der Prediger Dr. G. W. Schulze ist als Berliner Origrnal wohl jcdcin unsrer Leser im Gedächtnis, »venu auch uur selten einer ihn aus Neugierde in seiner Jesus- kirche in der Wasserthorstraße 37 aufgesucht haben wird. Er unterstand nicht dem Konsistorium und»var kein offizieller Geistlicher; seine Predigten soll er, Ivie berichtet»vird, auf Grund des Vercinsgcsetzes abgehalten haben. Da er nicht mit der offiziellen Kontrolle zu rechnen hatte, so konirte er in seiner Art frei von der Leber weg reden; die Art seiner Erbauung soll die ganze Tonleiter von» derben Humor bis zur bedenklichsten Rührfekigkeit umfaßt haben. Einen eigenartigen Ruf genoß Herr Schulze noch dadurch, daß er mit einem Elker, der einer besseren Sache würdig»väre, mehrfach öffentlich für die Interessen der HauSazrarier Partei nahm. DaS große Los der preußische» Klasscnlotterre im Betrage ron 500 000 Mark war in der vierten Klaffe in der 204. Ziehung einen» Großgrundbesitzer ans Rußland zngcfallei». Dieser glückliche . Gewinner ist aber nirgends aufzufinden gelvesei». Da der Anspruch auf einen Gelvinn in' der preußischen Klasjeiilotterie an, 90. Tage „ach Schluß der Zichuirg erlischt, so war diesmal am 18. August der Tag abgelaufen, an den» Geivinne ausbezahlt»verde»». Der Gewinn vo»» 500 000 M. fällt in die Lotterickasse zurück. Klndcsuiord? An» Sonntagvormittag erkrankte plötzlich das 21 Jahre alte Dienstmädchen Franziska Jlalinolvski, das seit den, 1. Oktober 1899 bei dein Kansman» Trenherz in der Kochstr. 50/51 als Hausmädchen in Stellung»var. Auf ihren Wunsch willigte der Hansarzt, der sie in ein Krankenhaus wollte bringen lassen, ein, daß sie zu ihrer Tante nach Moabit führe, um sich dort pflegen zulassen. Auf dem Wege dorthin gestand sie, als sich ihr Zustand ver- schliinmerte, der Köchin, die sie in der Droschke begleitete, daß sie ein Kind geboren und in einem Eimer in der Kinderstube zurück- gelassen höbe. Die Köchin brachte sie darauf nach den» Moabiter Krankenhause und teilte das Gedändnis der Herrschaft mit. Auf deren Anzeige erschien die Kriminalpolizei in der Wohnung und fand die Angaben des Mädchens bestätigt. Sie ließ die kleine Leiche nach den» Schanhause bringen. Ihre Nachforschni»gei» danach, ob das Kind gelebt hat und eines gewaltsamen Todes gestorben, sind noch nicht abgeschlossen. Zn der gestrige» Mitteillttig über das Ereignis an der Un- fallstation XVIII erhalten»vir voin Knratoriun, der Unfallstationen eine Darstellung, iiach der die Angestellten den Kranken nur ändert- halb Minuten hätten warten laffei». Der Schntzmann selber sei über das Vorgehen des Berichterstatters, der die Angelegenheit wahrschcin- lich in die Oeffentlichkeit gebracht habe,„ganz entrüstet" geivesen. Zivci reisende Taschcildicbc wurden gestern abend in der Leipzigerftraße dingfest genracht. Eine Kriminalpatrouille sah zwei fein gekleidete Männer sich verdächtig anf dem Bürgersteige bewegen. Der eine, ein tleiner»intersetzter Mensch, ging iminer in das dichteste Gedränge hinein,»vährend der andre ihn deckte. Nach längerer Bcobachtiniq sahen die Beainten. daß der kleinere Mann einer � w das Portemonnaie ans der Tasche stibitzte, und nahinen ihn fest. Zu- gleich packte ein andrer Beainter den ziveitcn Spitzbuben. Anf den, Wege zur Wache versetzte in der Kominandantenstraße einer der Festgenommenen dein Krin»i»albea»»tei», der ihn hielt,»mversehens eincii Stoß vor die Brust, riß sich los niid lief davon. Zwei Unter« offizicre aber, die ihm begegneten, hielten ihn an und halfen, ihn nach der Wache zn bringen'. Hier legten sich die Verhafteten falsche Nenne», bei. Da sie aber schon gemessen»md photographicrt ivaren, so stellte man sie durch den Erlenimngsdieiist bald als die schon »nehrfnch bestraften reisenden Taschendiebe Schlächter Richard Jendecke ans Breslau und Karmayin ans Galizien fest, die sich einmal ii» Plötzensee kennen lernten und seitdein gemeinsam arbeiteten. Der Galizier»vor der, der zn entkommen suchte; er»vird von aiidren Behörde», noch gesucht. Nach einem Gepäckschein fand man anf einem hiesige»» Bahnhof einen E. v. G. gezeichneten Koffer mit Damen- kleid'ungssiücken und Andenken aus den» Rlesengebirge. Vielleicht haben sie auf der Reise»»och mehr derartige Diebstähle verübt. In ihre», Taschen fand man noch fünf Portemonnaies, deren Eigentiiinerinnen nicht bekannt sind. Ei» im Zoologischen Garten angeblich bcgaiigcncS Titt- lichkcitöticrgche» beschäftigt augenblicklich den Untersuchungsrichter der l. Garde-Jnfanteriedivision. Vor einige» Wochen fand ein „Monstre-Konzert" in» Zoologischen Garten statt, an welchen, auch die RcgimcntSkapellei» des 2. Gardc-Jnfanterieregiments, des Kaiser Franz'Gardc-Grenadier- und Königin Elisabeth-Regiments, solvie z»»>ei Kavalleriekapellen niitivirktei». Nach der großen Pause kamen zwei achtjährige Mädchen»veinend zn ihren in der Nähe des Re- staurants sitzenden Eltern»md erzählten, daß ein Militärmnsiker sie unter dem Vorlvand, ihnen das Konzcrtpodiun» zu zeigen, sie nach de», um diese Zeit, abends 7 Uhr, leeren Saal ge- lockt»md sie dort»»»sittlich berührt habe. Als sie un» Hilfe geschrien, sc» der Thätcr fortgelaufen. Da von der sofort be- nachrichtigten 5iriii»iiialpolizei festgestellt wurde. daß thatsächlich »vährend' der angegebenen Zeit ein Militärmnsiker sich dort anf- gehalten, so fiel' der Verdacht anf ein Mitglied der Kapelle des 2. Garde-ReginicntS; doch konnte der Beschuldigte sein Alibi nach- lveisen. ES finden augenblicklich Massenvcrhöre vor dem Unter- snchungsrichtcr der 1. Garde-Jnfanterie-Division stätt. Jeder einzelne Militärmusiker der oben genaimten 3 Jnfanterie-Kopellei» Ivird»nit de» beiden kleinen Mädchen konfrontiert, bisher jedoch ohne Erfolg. In den beteiligten Kreisen gicbt man sich demnach große Mühe, den uiizwcifelhaft vorhandenen Thäter zu ermitteln und zu überführen. Eine Tienstbotelt-Versammlung findet heute, Mittwoch, abcnds 8V2 Uhr, in» Friedrichstadt-Kasino, Friedrichstr. 236 statt. Tagesordnung:„Dicnstbotcnnot und Not der Dienstboten." Ref.: Herr v. G e r l a ch. Danach freie Aussprache. Slus de» Nachbarorte». Gegen die Eingemeindnug i» Charlottcnbnrg erklärte sich Montagabend eine von» HanS- und Grundbesitzerverein in Wilmersdorf cinbernfcne Versammlung in folgender Resolution: „Die heute vom Haus- und GrnndbcsitzerVerein zu Deutsch- Wilmersdorf cinbernfene öffentliche Versaininlnng erhebt auf das nachdrücklichste Einspruch gegen die beabsichtigte Eingemeindung von Dt.-Wilmcrsdorf in Charlöttenburg, iveil durch Ausführung dieses Planes die Jntercsscn aller Einwohner ohne Ausnahme auf das empfind- lichste geschädigt würden und die Zukunft nur in der Selbständigkeit der Gemeinde' gesichert ist. Eine Berbesferung der in der Gcn»einde vorhandenen Ucbclstände ist nur durch eine Vermehrung der Zahl der Geineindeverordneten anf die höchst zulässige Zahl zn erlangen." Wir glauben, daß die Arbeiterschaft des Ortes diese Resolution »nit kühler Gelassenheit betrachten kann und keinerlei Ursache hat, in den» Plai»e der Einverleibung etivas Schreckliches zu sehen. Steglitz. Die Gemeindevertretung»vählte in ihrer letzten Sitzung zunächst eine Kommission zur Vorbereitung der Wahl eines G c- m e i 11 d e- V 0 r st e h e r s. Es sind 76 Beiverbungen zu diese»» Posten eingelausen.— Gelegentlich der Abnahme der Jahresrechnung über die Neubauten aiif K I e i n- Z i e t h e» gab Genosse R a p p 'einer Freude darüber Llusdruck, daß endlich für die dort beschäftigten Arbeiter»»enschcliivürdige Wohnungen geschaffen seien und knüpfte hieran den Wunsch, daß auch für die Saisonarbeiter in gleicher Weise gesorgt»verde; diese ivärcn jetzt in Hütten untergebracht, »velche schlechter seien als die Ställe. Gemeindevorstehcr-Stcll'vertretcr Mancke erwiderte, man könne nicht alles auf cininal erreichen; er hätte zwar das betreffende Hans noch nicht besichtigt, jedoch sei an- znnehinen, daß es den gesetzlichen Vorschriften entspreche; im übrigen seien die Ä 11 s p r ü ch e,»velche nian anf den» Lande an die Wohnungen stelle, sehr gering.— — Ferner teilte der Gemeindevorstand mit, daß die Zahluiig der von der K i r ch e>1 g e n» e i 1» d e im Prozeßivcge erstritte»«»» Schuld im Betrage von 316 000 M. nunmehr erfolgt sei. Der Vorstand beantragte, 163 000 M. zur Tilgung der 1880 anfgeilommenen Jnhaberanleihe zu verwenden und den Rest von 148 000 M. zur Iveiteren Verfügung zinsbar anzulegen. Der Antrag»vird an- genommen.— In die Kommission zur Beratung des Statuts für das an, 1. Januar 1902 zu errichtende Geiver'begericht Ivurde auch Genosse Rapp geivählt. Die Kommission hat das Recht, Personen aus den Kreisen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zn ihren Sitzungen hinzuzuziehen. Die Schöuebergcr Stodtvcrordiictcn-Vcrsammliing hatte sich am Montag Nur mit Geldbeivilligungen zn beschäftigen, die, meistens ohne Debatte, durch Annahme ihre Erledigung fanden. Da wurden z. B. zur Wiederherstellung der zn Schulzwecken ge- «iietctcu Räume in der Beckerstraße und Crmwchstraße 165 beM. 2500 9)J, verlanrit, zur Aubriuciuug van Schildern an den hiesigen Volksschulen, ähnlich ivie in Berlin, 237 M., zur Erlvciterung der Kassenräunre der hiesigen Sparkasse 750 M„ dagegen wurde die Beivilliguiig von 1500 M, für den Umbau der HeizungSanlage der Volksschule in der Zlyffhäuserstraße der hohen Kosten wegen zurück- gestellt. Ein altes Schmerzenskind für die Gemeinde ist das Eut- ei gnungsvcrfahren des im Zuge der Marti» Lntherstrahe gelegenen Grund- stücks der Gebrüder Pactel. Dem Vorschlage des Magistrats, das 10 Ar V0 Quadratmeter graste Grundstück mit 450 M. pro Qnadralrute zu erwerben, wurde schliestlich ohne Debatte zugestimmt. Die Ver- läugerung der Gleditschstraste über die Gnmewnldstraste nach der Belzigcrstraste ist schon längst dringendes Bedürfnis, da sich jedoch diesem Plane von der Straße X ans(Vorbergstraste) zu große Schwierigkeiten entgegenstellen dürften, insbesondere was die Kosten- frage betrifft, so soll die Sache vom Ausschuß erneut geprüft iverden. In de» Ausschuß für Errichtung einer Wohinmgsstatistik wurde auch Genosse M a s n ch gewählt._ Vereiuskalender. Qcsfcutliche Bibliothek und Lesehalle zu«nentgeltlicher Ve- tiußling für jedermann. Alexaiidrüieustrade 26, Garteuhaus. Geöffnet werktäglich von S>/z— IN Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9— ö und Z— 6 Uhr. Reichhaltige Bibliothek und 430 Zeitungen und Zeitschristen zcdcr Art und Richtung. Zlrbcitcr-Znngerbund Berlins und der Umgegend. Vorsitzender Ad. Neumann. Brunnenstrage lov. Erster Kassierer: Seikrit, Fidicin- strahe 16. Alle Aenderungen im Vcreinskalcnder sind zu richten an Friedrich Kortmn, Lausitzerstr. 33. Mittwoch. Ueduugsstunde abends 9 Uhr, Ausnahme von Mitgliedern.—„Licdessrciheit 1", Wille, Andreas- sirage 26.—„Norddeutsche Schleife", Lippke, Melchiorstr. 15.—„Lieder- lust I", Wollschläger, Adalbertstr. 21.—„Deutsche Eiche I". Zimmermann, Gruner Weg 29.-„Allegro". Wetzet, Wrangelstr. 136.-„Freier Männer- chor„Nord-West", Lautsch, Stephaustr. 31.—„Gleichheit", Ramlow, Schön- hauier Allee 135.—„Schneeglöckchen I", Rirdorf, Köple, Hermann- und Karls- «artcustrageu- Ecke.—„Hoffnung I", Brandenburg a. H., Wuthenow, Wiedowstr. 17.—„Britz" in Britz, Barkentien, Bürgersir. 4.—„Maiengruff", Eharlottcnburg, Bartsch, Seesenhcimerstr. 11.—„Hcimatklänge", Köpenick, Meyer, Roscnstr. 191.—„Wacht auf l", Jungmann, Weihenburgerstr. 47.— Blümel, Putbuserstr. 22.-„Linde I", Reimann'. Wollinerstr. 44.- „Friedrichshagener Sängerchor", Friedrichshageu, Conrad, Friedrichstr. 158.— «Friich auf II", Borninl i.M., Krüger, Parlstr. 5.—„Treherscher Gesangverein", Liedkc, Weidenweg 23.-„Freundschaft", Hoppe, Stralauer Platz 10/11. --„Zimmerer", Friedrichsbcrg, Zipfcr, Frankfurter Allee 181.—„Melodia II", Kranz. Dnnckerstr. S.-„Fortschritt", Fürsteuhos, Köpnickersir. 137/13«.- „c>-rne Sänger", Ripdorf, Crauier, Hermannstr. 199.—„Geselligkeit", Char- lottenburg, Weruicke, BiSmarckstr. 34.—„Dornrose", Kaufseld, Markus- strage 47.—„Hoffnung II", Spandau, Radkc, Nciimeisterstr. 5.—„Sattler", Herzog, Marfiliuspr. 8.-„Rote Rose", Miclsch, Soldincrstr. 39.-'„Süd- West", Flick, Simeonstr. 23.—„Liedcslust 1 1865", Wollschläger, Adalbertstr. 21. —„Klub Saugestreue", Brandenburg a. H., Ccntralherberge, Wollcnmeber. ltrabe 3.—„Rote Nelke I", Schüncberg, Krüger, Gruncwaldstr. 119.— „Lied hoch", Ad. Neumami, Bruiilienstr. 159.—„Gewerkschaft der Maler", Lipschütz, Bnickenstr. 2.—„Kottbuser Harmonie", Möhriug, Admiralstr. 18 c. —„Keramik", Charlottenburg, Prcstel, Osnabrückcrslr. 1.—„Vorwärts VII", RunimelSburg, Beutliug, Kant- und Goethestragen-Ecke.-„Vorwärts III", Fricdrichsfelde, Fritz Sabcrland, Wilhelmslr. 38.-„JriS", Balzer, Griuiaucrstr. 14.-„Sängerkranz", Gieske, Schilltnastr. 36. Slrbeitcr-Raiicherbiind Berlins und der Umgegend. Aenderungen tni Bcreiuskaleuder sind zu richten an Albert Liebetrau, Puttbuserstrahe 44, IV. Mrttivoch:„Arkona", Armer Konrad, Neichcnbergcrstr. 16.—„Waldes- grün". Kunze, Forstcrstr. 36.—„Frei Weg", Schöneberg, Hoppe, Mcrsc- ourgcrstr. 7.—„Fidcle Raucher", Ripdorf, Spickerniann, Hobrcchtstr. 14.— „Intelligenz", Licbiich, Mantcuffelstr. 66.—„Fidele Brüder", Friedrichsfclde, Lohie, Luiscustr. 29.—„Frohsinns-Heimat", Schöbler, Stromstr. 28.— �Deutscher Mickicl", Pankow, Kaiser Friedrichstr. 12, Kliugenbcrg.—„Die Tanipfenden", Schick, Mantenffelstr. 74.-„Fliederdust I", Presel, Zorn- dorscrstr. 36.—„Kein Ton", Freese, Kastanien-Allee II.—„Kornblume", Nitschke, Gneifenaustr. 56.-„Alter-Stamm", Franke, Gräfestr. 41.- „Lebensblüte", Ebelinz, Grüner Weg 120.—„Note Nelke", Neu-Weiffensee, Asmus, Sedanstr. 85 ck.—„Ohne Furcht", Schmidt, Wicncrstr. 44.— „Einfach", Link, Wrangelstr. 86.—„Frisch gewagt", Otto, Poscnerslr. 29.— „Kolumbus S.-O.", Gaida, Oppelnerstr. 19.—„Veilchendust", Hundt, Huisitenstr. 24.—„Verzaget nie", Schöneberg, Kalbe, Sedanstr. 76.— „Pscifeiideckcl", Trichter, Fruchtstr. 69.—„Bulgarien", Kowsky, Koppenstr. 56. —„Zufriedenheit", Schulz, Ripdorf, Prinz Handjery- u. Falkstraßen-Ecke.— „Lange Pfeife", Friedrichöberg, Schilling, Mainzerftr. 5.—„Fidelibus", Conrad, Zorndorfcrstr. 6.—„Sommerkahl", FricdrichSberg, Pritzel, krön- prinzenstraste 4/5.—„Rosenblüte", Kühl. Tilsiterstr. 48.—„Qualnibrüder", Rumnielsburg, Müller, Türrschmidtstr. 37.—„Gemütlichkeit II 80.", Kurth, Wrangclstrahe 194.—„Weichselblatt", Banden, Frankfurter Allee 176.— „Bergmanushöhe", Westsahl, Bcrgmannstrabe 31.—„Gemütlichkeit II", Gratzig, Wrangelstr. 22.—„Morgenrot", Kohmell, Friedenstrabe 52.— „Cousequent", Seifert, Cuvrystrabe 2.—„Sieben roocht", Adlershof, Wwe. Kuhle, Kronprinzenstrahe.—„Alter Berliner", Anklam, Reichenberger- strabe 146.—„Frohe' Stunde", Kerstcn, Elbingerstrabe 15.—„Lustig", BarthelS, Bmnnenstr. II.—„Phönix", Schöneberg, Hauptstr. 97.— „Siedlaff", Fourmond, Neu-Weibsusee, Sedanstr. 18.—„Sumatra", Richter, Lübbenerstraße 11.—„Blauer Ring", Springer, Charlottenburg, Schiller- strabe 38/39.—„Veronika", Krüger, Skalitzerstr. 22. Gesang-, Turn- ni'.d gesellige Vereine. Mittwoch: Theater- verein„Freier Wille", Louisenhof, Bnckowerstr. 9. Arbeiter-Tnrnerbnnd. Mittwoch: Turnv.„Fichte", Berlin, abds. von 3—19 Uhr: 1. Männer-Abt. Friedcnstr. 37. 3. Männer-Abt. Böckh- strabe 17/29. 7. Männer-Slbt. Reichenbergerstr. 131/132. 8. Männer-Abt. Höchstestr. 36/37. 2. Lchrliugs-Abt. Skalitzerstr. 55/56. 4. Lehrlings- Abt. Siemensstr. 29(Moabit). 5. Lehrlings-Abt. Ackerstr. 67.—„Freie Turner- schast Ripdorf- Britz", 2. Schüler- Abt. von 6:/.—«Vz, 2. Männer- und Lehrlings- Abt. von ds/,— 19>/z Uhr abends, Bethgc in Britz, Chausscestrahe 39. Schülerinnen- Abt. von 6l/z— 8>/z, Frauen-Abt. von 8Vz— IOVz Uhr abds., Peters, Kncsebeckslr. 113.—„Freie Turnerschaft Johannisthal", abds. 8— 19 Uhr, Senstlcben.—„Arbeitcr-Tnrnv. Adlershof", Uebungsstunde von«r/z— 19>/z Uhr abends, Schmauser, Bismarckstr. 16.— „Turnerschast d. B. Nereus"(Gegründet 1882), I. LchrlingS-Abtcilung von 8-19 Uhr Manteuffelstr. 7. Arbeiter-Schtvimmerbiiiid. Anfragen sind zu richten an E. Bratke, Schulstr. 24. Mittwoch: Schwiuilnvereiil„Nord". UcbuugSstunde abends 7l/z Uhr im Seebad Reinickendorf. Lose-»nd Tiskutierklubs. Mittwoch. Socialistenklub„Vorwärts", Cbristiania, Olaf Äyes Plads Nr. 3, Cass Keiser. Jede» Mittwoch: DiS- lussion. Zlrbeitcr-Nadfahrcrbnud„Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuschriften und Anfragen den Bund betreffend sind zu richten an den Gau-Borsitzende» Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8. Mittwoch: Arb.-Rads.-V.„Vorwärts" Berlin, jeden Mittwoch nach dem 1. und 15., Fischer, Waldstr. 8.— Radf.-Verein„Courier 1999" Berlin, jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. bei Grund, Rheinsbcrgcrstr. 39.— Arb.-Rads.-Verein „Vorwärts", Köpenick, jeden Ptittwoch nach dem 8. und 22., Stippekohl, Schvnerlinderstr. 5.— Arb.-Rads.-Verein„Vorwärts". Deutsch-Wilmersdors, jeden Mittwoch vor dem I. und 15., Witte(Volksgarten.)—„Hermsdorf i. M.", jede» ersten und dritten Mittwoch im Monat, im Wirtshaus„Soolquelle", Bcrlincrstr. 89.—„Vorwärts", Alt-Glienickc, jeden Mittwoch nach dem 1. bei Sab.—„Frohes Ziel", Wilbclmsruh- Rosenthal, tagt jeden Mittwoch »ach dem 1. und 15. bei Apelt, Krouprinzenstrabe.—„Blitz", Rudow, alle 14 Tage am Mittwoch bei Krüger, Bendastr. 71. Bcrci» abstinenter Arbeiter iind Arbeiterinnen Berlins. Heute 8 Uhr im GewcrkschaftShauS, Saal VII, Volksversammlung. Tages- ordnung:„Die Geschichte des Alkoholisums unter Berücksichtigung der Wirt- schastlichcn Verhältnisse". Diskussion. Prodiiktenmarkt vom 19. September. Getreide. Die höheren Schlubmeldinigen aus New Jork und Chicago vermochten die Unter- nehmungslust nicht zu heben rmd von feiten deS Konsums werden keine wesentlichen Ansprüche an den hiesige» Markt gestellt. Die Tendenz war anfänglich flau bei grober Abgabelust für Lieferungen. Nachher kam. be- sonders für Roggen, eine leichte Erholung film Durchbruch, doch blieben die Oktobernotieningen iuuncr noch>/, M. hinter gestern zurück. Nur die Dezemberpreisc ivaren unverändert, für den laufenden Monat wurde kaum noch etwas gehandelt. Das effektive Angebot war namentlich in gering- wertigcm Donauroggen sehr stark. Weizen war vorn schwach, spätere Sichten zuletzt behauptet. Mehl blieb still und nuveräudert. Am Futter- markte blieb anierikanischer Mixed- Mais gefragt, andere Sorten ver- nachläsngt. Hafer behauptet. Äüböl notierte bei kleinem Geschäft wie gestern. Miu?il)vels« von verlin nrn 9, September 1901 nach Ermittlungen des lgl. Polizeipräsidiums. Welzen, gut D.-Elr. „ mittel gering I Roggen, gut „ mittel „ gering erste, gut „ mittel gering «Hafer, gut , mittel gering Richlstroh Heu Erbse» Spcisebohiieu Linsen t frei Mühle. * frei Wagen und ab Bahn. Welter-Prognose für Mittwoch, de» 11. September lONI. Biclsach wolkig mit leichten Regensällen, mäblgeu südlichen Winden, etwas wärmerer Nacht und wenig veränderter TageStemperatur. Berliner Wetterdurea». Briefkasten der Kedaktian. V. G. 31. Rechtzeitige Kündigung. Ist in Ihrem Der- trage als Kündigungsfrist 3 Monate und 3 Tage vereinbart, so mub die Kündigung spätestens am 27. September ihrem Wirt zugegangen sein, um rechtzeitig zu sein. Ist in Ihrem Vertrage 3 Monate als Frist verciubart, so mub die Kündigung spätestens am 39. September dem Wirt zugegangen sei». Ist im Vertrage nichts über die Kündigungsfrist vereinbart, so ist eine am 3. Oktober dem Wirt erklärte Kündigung rechtzeitig. Die an- gegebenen Fristen gelten auch dann alS innegehalten, wenn der Wirt die Annahme an dem betreffenden Tage(27., 39. September,.3. Oktober) ab- lehnt, zum Beispiel weil auf dem Briese der Absender nicht angegeben sei, oder weil er einen frankierten(eingeschriebenen oder nicht eingeschrtebencn) Brief nicht annehmen will, oder weil er nur bis 6 Uhr abends Briefe au- nimmt, oder wenn der Brief rechtzeitig ciugclausen war, der Wirt aber erst an einem späteren Tage Kenntnis von dem Briefe gewonnen hat, oder wenn der Wirt verreist, ohne für einen Vertreter zu sorgen, dem der Brief abgegeben werde» kann und dergleichen; kurz: in allen Fällen, in denen durch Schuld des Vermieters die Kündigung überhaupt oder verspätet zur Ken'-tnis des Vermieters gelangt, gilt die Frist als gewahrt, ist also d i e K ü n d i g u n g rechtzeitig. Was gegenüber dem Wirt nach dieser Richtung hin Rechtens ist, ist es auch gegenüber dem Mieter, dem gekündigt wird.- Bönudt 5». 1. Ja. 2. Falls Ihr Vertrag nicht das Gegenteil besagt: ja. 3. Sie dürfen die Sachen nicht veräubern, können vielmehr Ihre Forderung nur einklagen und dann pfänden lassen.— ZS. Schmidt, Stettin. Die Klage hat Aussicht auf Erfolg.— M. D. Die Ilmzugstermine sind unter Nr. 37 angegeben. Die Boantivortnng Ihrer Frage hängt danach davon ab, wieviel Wohnzimmer Sie inne haben. Darüber fehlt eine Augabc in Ihrer Anfrage.— A. N. Der Betreffende mühte Klage bei der Gewerbedcpulation(Stralauerstr. 3— 6) erheben. Es kann aber sein Anspruch an de» uns nicht mitgeteilten statutarischen Vorschristen scheitern. Thiele. Nur Vereine, die vom Vorstand selbst gemeldet werden, finden Aufnahme. H. Sckj.. RiunmelSbnrg, 91. M., Schöuhause». Die im„Bor- wärts" wiederholt mitgeteilten Vorschriften über die Ilmzugstermine be- ziehen sich lediglich auf Berlin. Ob und welche Umzngstermine für Ihre Gemeinde festgesetzt sind, erfahre» Sie auf dem Polizeiamt Ihres Wohnorts.— R. 37. Die Räumung einer Wohnung muh tu Berlin bei aus höchstens 2 Wohnzimmern und Zubehör bestehenden Wohnungen am l., bei aus 3—4 Wohnznnmcrn und Zubehör bestehenden Wohnunge» am 2. 19. um 12 Uhr mittags und bei gröberen Wohnungen am 3. 19. um 12 Uhr mittags beendigt sein. Unter Zubehör sind Alkoven, Küchen, Kammern, Bodenräume, Verschlage und Vorratskeller zu verstehen. Bei Wohnungen, die aus 3 Zimmern bestehen, muh jedoch am 1. Oltober ein Ztminer, bei gröberen 2 Zimmer bereits vollständig geleert und dem einziehenden Mieter zur Verfügung gestellt werden. Läden rechnen nicht alS Wohnzimmer; ebenso wenig Schankränme.— Große Frankfiirtersträsie. 1. und 2. Ja. Für den Inhalt der Inserate tibrruinimt die Redaktion dein Pnbllkum gegenüber keinerlei Verantwortung. T hrsikev. Mittwoch, 11. Scpte m b e r. Opernhaus. Rigoletto. Aschenbröd ei ?liifang 7l/2 Uhr. Schauspielhaus. Johannisnacht. Die lächerlichen Pretiosen oder: Die romamnähig witzigen Frauen- zimmcr. Der eingebildete Kranke. Ansang?>/, Ubr. Neues Opern- Theater(Kroll). Die Verlobung bei der Laterne. Der Mikado. Anfang V/2 Ubr. Im Trianon- Theater:„Lebende Liedli". Anfang 8 Uhr. Im Garten: Täglich großes Konzert. Schiller. Die Kronprätendenten. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die versunkene Glocke. Ansang 7>/z Uhr. Berliner. Die beiden Leonoren. Anfang 7Va Uhr. Lessing. Johannisfeuer. Anfang 7-/- Uhr. flkesidenz. Leontinens Ehemänner. Vorher: Der Kammersänger. An- sang 7l/z Ubr. Nencs. Das Ewig-Weibliche. An- -aiig 7Vs Uhr. Weste». Uiidine. Anfang 7t/,Uhr. Svcelslonsbühiie. Buntes Theater: Ucbcrvrettl. Ans. 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang « Uhr. Thalia. Ein tolles Geschäft, An- fang 7Vz Uhr. Luisen. Othello, der Mohr von Venedig. Anfang 8 Uhr. Carl Weist. Berliner Rangen. An- sang 8 Uhr. Friedririi-Wilhelmstädtisches. Der Vogelhändlcr. Ans. T-L Uhr. Belle- Alliauce. Gastspiel des Original-Müncheuer Ucberbrcttl. Ansang s'/z Uhr. Mrti opol. SpecialilätenvorsteNiiiig. Schön war's doch. Anfang 8 Uhr. Zkpollo. Specialiläteit- Vorstellung. Fron Lnna. Anfang 8 Ubr. Passage- Theater. Damen- Ring- kämpse. Specialitäten-Borstellung. Anfaug nachmittags 5 Uhr. Passage- Pauvplitmn. Speciali- täteii-Borpelliing. Reichshalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. llrouia. Tmibenstr. 48/10.(Im Thcatersaal.) Abends 8 Uhr: Zu lleinen Preisen: Mittelmeer- Fahrtcn. Jiibalidenstraffe 57/03. Täglich abends von 5—19 Uhr: Sternwarte. WJoaclMi Brnnncnstrassc 16 sind»och S o u» a b e u d e im Monat September. Oktober, No- vrinber zu vergeben. S217L« Echilltt'Thtiltel (Wallner-Theatee). Mittwochabend 8 Uhr: HI«; Hti-onpi-lltcndontcn. Historisches Schauspiel in 5 Akten von Henrik Ibsen, übersetzt v. Adolf Strödt- mann.(Text der Gesamtausgabe.) Donnerstag abend 8 Uhr: Zum erstenmal: Heimat. Freitagabend 8 Uhr: Ilvimat. Ceiltml-TMkr. Heute Ansang 8 Uhr. Gastspiel des siebenjährigen Geigen- künstlers llun Aep ad. Zum 746. Male: Olo Celslta. Operette in 3 Alten v. Sidueq Jones. Im 2. Alt Violüivorträge von llun Arpack.— Morgen»nd folgende Tage: Dieselbe Vorstellung.— Sonnabeild, den 14. Septeiuder, zum 759. Male: IMc Oeisha.— Sonntag, den 15. September, nachmittags, zu halben Preisen: Iii« tivlslia. Gastspiel des llun Arpack. Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: mttel in ccr fahrten. (Kleine Preise.) Invalidenstr. 57/62. Sternwarte. CariWelss-Theater Große Frailksurterstr. 133. Allabendlich 8 Uhr die fiünuiiche Heiterkeit entfesselnde große Ausstattungspossc in 7 Bildern Berliner Rangen! Sonntag, 15. September, nachmittags 3 Uhr, infolge des durchschlagenden Erfolges nochmaltge Aufführung von Kleine„ Kleine Preise Schlich am Meer. Preise Romantisches Schauspiel in 5 Akten. Sehr kleine Preise, 39 und 69 Pf. MoimKIiiZiiliis. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Itims a. C. Joseph Josephi a. D. B. Bender. G. Kaiser. Elsa da Vera a. D. Frirt-Frid. F. Georgelle. Gastspiel: Saharet! Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Castans ranapticiim. Friedrichstr. t65. Ken! Mon! Ken! Der künstliche Mensch! Die sensationellste Erfindung der Neuzeit: Der„Clou" der Pariser Welt- Ausstellung. Vorstellungen: 12 Uhr mitt., Ausstellung ngen: 3, 5, 6, 7 Uhr nachmittags. Entree 1 Mark. Ah 6 Uhr abends 56 Pf., Kinder die Hälfte. oologischep Garf"er\. Ab 4 Uhr nachmittags: Doppel-KanzerL Morgen: Doppel-Konzert. Thalia-Theater. Heute und folgende Tage: Ei» tolles Geschäft. Große Ansstattnngspoffe mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. Paula Worm in 8 Verwandlungen. Culdo Thielscher in 11 Verwandlungen. Fritz Helmerdlng als Wol- zogen im Duett„Moulln rouge" mit Paula Worm.— Hans Junkermann, Herb. Paulmllller, Paul Hambrock. Dame»: BoJ4, Wannovlus, Sulzer, Junker-Schatz. Anfang 7V2 Uhr. Apollo-Theater. 10 Speclnlltätcu. Grandel. � Steidl. Frau Lima Luftballst Griplatis. Anfang 8 Uhr. W. Noachs Theater. Brnnnenflraße 16. Täglich Konzert, Theater-»nd SPccialitnten-Vorstcllnng. Die Veilche,»fee. Biirleske mit Gesang in 2 Bildern von W. Gerickc. Musik von Schmidt. Im Saale:'PanziliZ'lUizivnvn. Prater- Theater Kastanicn-AlIce 7,9. Täglich: Auf fremder Erde. Ausstattnngsstück mit Gesang u. Taiiz in 4 Bildern von Hugo Schulz. Auftreten der Excentric-Chaiisvnnettc Heckvlg Döring, des Grotesguc- Komikers Paul Lorackliil, der Frbres Deueeck, Gigerl- Akrobaten. The Karlex«, Musikalische Komödianten. dir. Dartllngs lebende Photographie». Konzert und Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 59 Pf. iSansiiSonci Kottbnserstr. 4 a. Täglich: — II o f f im a n n s— Mordd. Sänger ff Donnerstag: Schluß der Sommersaison. Sonntag: eeglna der WlnterZickeon. R e i c|i s h a 1 1 e n. Heute sowie täglich: Humorist. Soiree der Stettiner Sänger Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. katost-Ttleater fr. Feen-Palast, Bnrgstr. 33. Direltivn: Wlnklcr n. Frödcl. Täglich: Spttiülitiitek-Ptjrstellüilg Durchweg neues hochinteressantes überraschendes Programni. Wiederaiistreten des Direltors iai-Ult»«I nach seiner Wiedergenesung als Dienst- mann Meier in der Gesangspasse JjBF" Kos« ii in« n tag Änsang der Vorstellung präeise 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Borverkaus 11—1 Uhr. veutsode Xoll�ertnatleo. An der Spandauer Brücke 3. Vornehmstes Vergnügungslokal! Sehenswürdigkeit Berlins!!! l» den«laben grossen wunderbar dekerlerten Stadtbahnbögen täglich Internationale Konzerte. SpecjalUftten-VorstclInns von nur erstklassigen Kräften! Speoial-Ausschaat der Berliner Bockbranerei. Vorzügliche Küche. Gut gepflegte Biere. Oekonom Gustav Prellfpper. Casino-Theater Lothringerstr. 37(zwischen Rosen- thaler- und Schönhauser Thor). Soinitag, 15. September: DriilTiiiiiigri- V«rs>t«I!ii ng Das glänzende Speeialitäten- Programm mit Fritz Steidl, dem Liebling der Berliner. Gastspiel „The Ardas" v. Theatre Dumunt, Moskau. Das reizende Gazellcn- Trlechuel-bucl-Truppe, MarkaPrapa, Betdel Morton, Herelle k. 2C. Dazu Berlin ST.— Berlin W. Berliner Ausstellungsposse in zwei Bildern mit Balletts u. Aufzügen. Billet-Borverlaus täglich von 19—1 Uhr an der Theaterkasse. Entree von 5V Pf. bis 3 M. Anfang Sonntags 71/2 Uhr, Wochentags 8 Uhr. Sonnabend, de» 31. September 1901 ist durch Zufall frei geworden. Vereine»nd Gewerkschaften, die darauf reflektieren.„ Alhmnbra", Walliier-Yheuterwtr. 15. Engl. Garte». Zllexanderstraße 37 c. Säle im September, Oktober, No- vember. sowie der Totensonntag und 1., 2. Weihnachts-Feiertag zu Festlich- kciten Nock) zu vergeben. 2293L*1 Oldenb. Bienenhonig, beste Qualität, ver- sendet 9 Psd. netto zu 6,75 M., 5 Pfd. netto zu 4,29 M. fr. Nach». Gar. Zurückn. ECnj 1 iroraioh, » BCII, Bahnhof Augustfehn, Oidenlmrg.[22121!" Honig! Htlitwerker unh Arbeiter! die ihren Frauen ein Eigarrengeschäst als Nebenerwerb einrichte», erhalte» mit tvenig Mitteln Kredit. Auch be- stchcudc Eigarrcnhändler können durch erstklassiges Fabrikat ihr Absatzgebiet erweitern. Glgarren- Generalagentur und Kommtssionslager S. Kund, Große Frailksurterstr. 53.[22761-* Gardinenhans Bernhard Schwnrtz �'9 amüsiert mau sieü grossai'tig? in Toknegelsdengs k'esisÄIsn Baseniieide LI und Jahnstrassc 8. Jnh.: Max Schindler. Heute: Grosser Ball und Thaler-Regen verbunden mit Cigarren-, Bonbon-Rezen und diversen Uebcrraschuugen. 2196L* Mglich�fl�eelnNtiiten-Ver�telliiii�� Tvknvgelsdeng's Jahnftrafte S. Hasenheide 81. Der große Saal ist für Sonnabend, den 19. Oktober frei geworden bczw. noch zu vergeben.[22661-*! Max Sohladler. Eigene Fabrikation. » Kleiber Enorm billig praktische roinwoll. Jackettkleidei* neue Modelle in Covercoat n. Homespun 15 Mk., 39 Mk. in feiilstcr Ausführung 36 Mk. Einsegmmgskleider 15 Mk., 18 Mk. KostumrScke elegante Faoonö. 6 Mk., 7 M!., 10 Mk.. IL Mk.. 15 Mk., aus Seide 35 Mk., anö Alpacca 4,56 Mk.. 6 Mk. bis 39 Mk., ans wei«« und crenie-Ghovipt und Piquä 3, S. 7-15 Mk. Golf-Capes 5,50 Mk., 8 Mk, 10 M. Tuiior inadc-Kragcn ans seiiiem Tuch, modef.n.schw., statt 29-39 jetzt 10. 13 Mk. ZlelniSDlillmliösx Nvniiiiandailtcnstrastc, Ecke Lindenstraße. Mass» /Anfertigung, Centrawervand der Maurer u. Zahlstellen Berlins und Umgegend. DollllerstHg, U. September, abe»bs 8 Uhr, im pp Sallle bes CewerUastShllilses, Engelufer 13: Mitglieder-Versammlung aller zum Lohngebiete Berlin gehörigen Berbandszahlstellen. Tagesordmin»: 1. Bortrag des Reichstags-Abgeordneten D. Hoseiiorv über: Die politische Lage und die Arbeiterorganisationen. 2. Der Vergleich mit den Berbandszahlstellen aus dem Oderbruch. 3. Verschiedenes. Mittwolh, ben 11. September, llbenbs 8' 2 Uhr: Versammlung in Medrichsberg, im Lokale des Herrn IlUfllcta, Krank urter Allee lSv. Referent Kollege«. HVolt. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Der wirtschaftliche Niedergang und die Ausgaben der Gewerkschafts- organisation. 2. Diskussion und Verschiedenes. 1�/3 Um zahlreichen Besuch bittet_ Die Terbandsleltnng. Wer schnell und zu coulanten Bedingungen 22S0L* fgp Geld! �1 Darlehen oder Hupothek sucht, verlange unser Adressen�Ver- zeichuis Privater(öeldver- leiher U.Makler. H. Slttnvr «k O«., Hannover-IL. monatlich 1V M. liefert elegante Uerreü-Lanienllje nach Mast, auch bar Kasse allerbilligste Preise. Fert. Garderobe stets vorrätig. lonpemsii. ÄSsrfflt Deutscher Holzarbeiter-Verband. Donnerstag, den 18. September, abends S'/s Uhr. bei Bauer, Roseiithalerstr. 57: Branclien-VersaininluRg der Stellmaclier. Tages-Ordnung: I. Vortrag deS Herm vr. Vollbslm über: Staatshilfe und Selbsthilfe. 2. Diskussion 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 108/12 t Die KoninilsHlon. AMiig! Holzarbeiter. Acht«»»! Mittwoch, 11. Septbr., abends 8 Uhr, in der Königsbattk, Grosse Franksurterstr. 117: M Ocffentliche Versammlnug. Tage s-OrdllUNg: 1. Der Generalstreik der Glasarbeiter, gieserent Genosse Girbig. L. Diskussion. 186/17« Zahlreichen Besuch erwartet __ Der Ginberufer: Jähne, Warschauerstr. 19. Mi. (Verwaltungsstelle Berlin). Donnerstag. 18. Septbr.. abends 8 Uhr. im Englischen Garten, Alcxanderstr. 87 o: UütK'UeÄvi*- Versammlnng. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Kongreß der Vertrauensmänner-Centralisation. 2. Neuwahlen. 280/11 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Saf" Mitgliedsbuch legitimiert.-»S __ Die Ortsverwnltung. Gewerkschaft der Maler, Anstreicher und verw. Bernfsgenosten Berlins»nd Umgegend. Donnerstag, den 12. September 1901, abends SVe Uhr, in den Arminhallen. Nommnndantenstr. 20, oberer Saal: Oncieiitlicke Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Diskussion und Anträge zum b. Kongreß der durch Vertrauens- männer centralisierten Gewerkschaften Deutschlands. L.Wahl der Delegierten. 3. Gewerksckiastliches. 155/8 Das Erscheinen der auch in den Vororten wohnenden Kollegen ist erforderlich. Mitgliedsbuch ist am Eingang zur Versammlung vorzuzeigen. Der Verstand. # Achtung, Männer Rixdorfs! Männer-Vortrag CelitraManild. Töpfer. Todes-Anzeige. Am Montag, den 3. d. M, verstarb unser Mitglied 136/11 Lmil Müller. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 11. September, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Markus- Kirchhofs aus statt.' Um rege Beteiligung ersucht Der Verstand. lPtralnemn kt bentschcn gormcr, Berlin. Achtung! Former! Achtung! Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied XvN'dtniist am Sonntag verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mitt- woch, nachmittags 4 Uhr von der kgl. Charitö aus nach dem EharitSkirchhos statt. Um rege Beteiligung ersucht 61/5_ Der Vorstand. Dr. med. Schaper homSqp. Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frcvuenkrankh clten. Königgrätzerstr. 37, Spr. 9-1. 4-7. Fillhperein ber Bretterträger nnb Brettslhneiber. Allen Kollegen, Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser Kollege Lemriev Meliried am Sonnabend nach schweren Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 11. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz-Kirch- Hofes, Mariendorfcr Weg, aus statt 84/14 Ter Vorstand d. F. d. H.- u. Br.-Tr. Die trauernden Hinterbliebene». Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Be- erdigung nieines innig geliebten Mannes und Vaters sagen wir allen Verwandten, Freunden und Be- kannten, sowie dem Socialdemo- kratischen Wahlverein von Charlotten- bürg, der Fabrik- und Handarbeiter- Krankenkasse und den Mitgliedern des Gesangvereins„Eintracht" zu Char- lottenburg unfern ausrichtigen Dank. 21S7Ls Emma Kalratis nebst Sohn. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau sage allen Freunden und Bekannten meinen herzlichsten Dank. 38öb _ JZHans Peschel. 4» ichtbtldern morgen Donnerstagabend 8Vj Uhr, Hermann straffe 49 bei Thomas. Präkt7 Naturheilkundiger Ctrandmann erklärt an großen Lichtbi Männerleben, Leiden«nd Nervenschwäche. Gäste 20 Pfennig, dafür eine Broschüre. Um zahlreiches Erscheine» bittet vrosser Zerllner Naturhellvereln, Ortsverein Rlxdorf. (Orks förhllS Smerht her Tischler n.Vianoforte-Arbelter zu Berlin. 377d Donnerstag, den 19. September, abends 8�/2 Uhr: Außerordentliche General-Versammlung der Vertreter der Kassenmitglieder und der Arbeitgeber im Gewerkschaftshanse(©aal VII), Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. vnrt Frendenberg über: Krankenkassen und Apotheker. 2. Antrag des Vorstandes: Kündigung der auf der Kasse beschäftigten fünf Hilfsarbeiter wegen Verringerung der Mitgliederzahl. 3. Neuwahl von drei Hilfsarbeitern Der Vorstand. UeMnWenNWiW Mittwoch, dm 11. September, abends 8'/2 Uhr, im Friedrichstadt-Kastno, Friedrichstraße 236. Tages-Ordnung: „Dienftboteunot und Not der Dienstboten.- Referent: Herr V. Gerlnch. Danach freie Aussprache. 283/4 Um zahlreichen Besuch bittet Die Elnbernferln. Metteslo MuttzriAzt! Bollständige Wohnungs-Einrichtung für Mark 250."MG 121340» Sofas.............. von Mark 30 an Bettstellen mit Federboden und Kissen...„„ 30„ Plüschgarnituren...........„„ 100„ Paneelsosas.............„ 30, Eberhardls Möbelfabrik, HoSmaikt" Freie Volksbühne. Sonntag, den 15. September, nachm. 83/, Ihr, im Berliner Theater: Othello. 5. UDd 6. Abteilung(graue und graubraune Karten). Sonntag, den 88. September, nachm. 83/t Ihr, im L,essiug-Thcatcv: II. Serie. I. Abteilung(rote Karten): O e s p e n s t e r. Um pünktliches Erscheinen ersucht dringend 230/8] Der Vorstand. L A.: G. Winklcr. Jlöswtl» P 1\Vohnungseinrichtungen u. einzelne Stücke aur, ÜCredif!! bei kleiner Anzahlung D.aUfJähre hinaus verteilten Raten, - KompLE i nrichtunge n von Mk30D bisMk-5000' _l-fr— und mehr älirTeilZdhlunQ ßnFral-Möbel-Halle, iS.KOmmandantenSir. 51 Ecke Alexamlrlnenstr* eirie'die7grossen Schaufenster AM- Die erste Vereins- Vorstellung In diesem Verclnsjahr findet am Sonntag, den 15. September, im Belle-Alliance-Theater statt. Zur Aufführung gelangt: �Sknkzl und Skeiu. Volksstück in 4 Akten von Ludwig Anzen gruber. Mitgliedskarten werden bis Donnerstag, den 12. September, in nachstehenden Zahlstellen umgetauscht, desgleichen Mitglieder aufgenommen: E. Knapp, Grünthalerstr. 5. E. Schmidt, Tresckowstr. 22. Ad. Löhr, Ackerstraße 38, II. Becker, GotzkowSkystraße 3. I. Pech, Möckemstraße 120. ?. Bobsien, Kommandantcnstraße 62. Laura Lehrend, Neue Jakobstrabe 6. Ih. Stampchl, Marianncnstraße 26. H. Kühn, Naunynstr. 83. H. Kaufhold, Wrangelstr. 52. P. Gees, RiiderSdorferstr. 18.' 150/16 Der Vorstand. I. A.:». Veft, Kassierer, Georgeukirchstr. 47, I. Cruter Verclieiist wird respektablen Männern und Frauen jeden Standes sofort nachgewiesen. Es handelt sich um eine durchaus reelle, überall beifällig aufgenommene Sache, welche jedermann ohne Kapital und besondere Kenntnisse alö Haupt- oder Nebenbeschäftigung leicht betreiben kann. Anfragen adressiere man an Banl Danz, Oldenburg i. Gr. A. 2. Ginsegnungs-AnzMe neueste Faxons in blau«nd schwarz Ltammgar» u. Cheviot .Julius Lindenbaum, Große Frankfurterstrahe Nr. 141, Ecke Frnchtstraße. 2215L« w�rs�""±Ä KloinG Anzeiaen. P5 WD Wort fett, Worte mit mehr als jSßS M Mi M JW � mMM MV** WM WM in de y je Buchstaben sdhlen doppelt. ASrnSk«'° Anzeigen in den Annahmestellen für Berlin bis 2 Uhr, für die Vororte bis 1 Uhr, in der Hauptexpedition Beuthstr.3 bis 4 Uhr angenommen. iste � rden A lin Jim M Verkäufe. Restauration zu verkaufen Rostocker- straße 40._[369b GaugbareS Vorkost- und Gemüse- geschäst billig zu verkaufen. Wilmers- dorf, Bruchsalstraße 15. 194b» GardinrnhauS GroßeFrankfilricr- straße S, parterre._+37» Vorjährige elegante Herrenanzüge »nd Sommerpaletots aus feinsten Stoffen 25— 40 Mark. Verkauf Sonn- abend und Sonntag. Versandhans Germania. Unter den Linden 21 II. Weiche Herrenhüte, gute Qualität, Stück 35 Pfennig. Bessere Sachen enorm billig. Hutfabrik, Comptotr Katserstraße 25A, früher Barnim- praße 4 und 5. Eiusegiinngs- Stiesel, sowie Herren-, Damen- und Kinderstiefel kaust man billig und gut beini Schuhmachermeister Jakob Ege, Roß- straße 23. Jede Schuhmacherarbeit wird schnell ausgeführt. 803K» Spottbillig Teppiche, Betten, Steppdecken, Gardinen, Remontoir- Uhren, Regulatoren verkauft Leihhaus Neanderstraße 6._ 75/8* Miibeleiiirichtung. Nußbaum, spottbillig verkäuflich, Gartenftraße 148, V o rderhaus 1 Treppe links.-s-135» Kinderwagen, Sportwagen, Rielcnauswahl, Bazar Baby, Jnva- lidenstraße 160, Franksurterstraße IIb, Oranienstraße 31, Belle- Alliance- straße 107, Reinickendorserstraße 2d, e, Eharlottenburg, WtlnierSdorserstraße Nr 5b. Teilzahlung gestattet. 722K» Fahrradtelle, bill-.gste Preise, größte Auswahl, Reparaturwerkstatt Heinze, Brllckenstraße 6 b. 803®* Nähmaschinenlager sämtlicher Systeme ohne Anzahlung, Woche 1,00 Lieferung sofort, Landsbergerstrahe 82 Teppiche mit Farbensehlern, Fabrikniederlage Grobe Frankfurter. straße 3, parterre. 1'37» Fahrräder(Gelegenheitskauf) 15,00, 40,00 und 45 Mark verkauft Zimmer. Audreasstraße 70. s343b» Nähmaschinen und Fcuer-Ver- sicherung verniittelt Gustav Schmidt, Solmsstraßc 43, Hof Keller. 8S7b Gaskocher! Sparsysteme! Ein- lochgaskocher 1,00, Zweilochkocher 5,00, Dreilochgaskochcr 9,00. Geschlossene Gaskocher 10,00! Gas-Bügelapparate, billig! Gasheizöfen 6,00, Wohlauer, Wallnertheaterstraße zweiunddreißig. Damenuhr. goldene, billig Brunnen- straße 113. Barbiergeschäft. s349b* Hund, deutsche Dogge, geströmt, Rassehund, wegen Umzug ganz billig, Bauer, Sophie-Charlottenstraße 102. Haarfärbemittel, unübertroffen, Ucberzeugungshalber Fünfzig Pfennig- Probeflaschen, Charlottcnstraße 3. Steppdecke» billigst Fabrik Große Frankfiirterftraße 3, parterre,-s-37* Gastwirte! Phonographen-Automaten staunend billig. Rüben, Stralauerstraße 5«._ 384b Kleiderspind 16, Sofa 13, Küchentisch 4,25, Küchenrahmen 3 50, Bettstelle 10, Spiegel, geschliffen, 12. Einrichtungen billigst. Hirschowiy, Mariannenstraße 7 a_ 82511* Gastwirtschaft mit Kaffee billig zu oerkaufen Roseiithalerstr. 31. 1117/14 Kücheneinrichtung. Kleiderspinde, Waschtoilktten rc. verzugshalber Zietenstraße 1b(Nollendorsplatz) Vor- derhaus Bnlkereit._ 76/3 Herrenrad. Damenrad hädel, Schmidstr. 8. 20,00, 76/4* Tennigkeits Möbelfabrik, Oranien- straße 173, am Oranienplatz. Wenn Sie gute und gediegene Möbel billig kaufen wollen, so besichtigen Sie meine bedeutenden Lagerräume, denn ich liefere schon geschmackvolle Einrichtung von 200—300, elegante 400 bis 5000, zum Beispiel Muschelschrank, Vertiko 45,00, Herrenschreibttsch 60,00, elegantes Buffett 150,00, Ruhebett 30,00, Muschelbettpelle 48,00, Taschendiwan 80,00, Trnmeau 45,00, Spiegelspind- chen 28,00, verliehene und zurückgesetzte Möbel billigst. Auch Teilzahlung.* Vermischte Anzeigen. Elektrotechnik. neuer Abendkursus. Jakobstraße 24. 11. September Jackson, Alte 826K* Patentanwalt Dammann, Mo- ritzplatz 57, Auskunst bis abends neun. 767A» Unfallsachen, Reklamationen. straße 65._ Klagen, Putzger, Eingabe», Steglitzer- 140b* Rechtsburean. Rechtshilfe, Ein- gabengesuche, Raterteilung, Andreas- straße dreiuudsechzig._ 36066* RechtSburcau, Teltowerftraße fünfuiidvierzig. Eingabengesuche, Rat- erteilung._ 817K* Kunststopferei von Frau Kokosky, Stewmetzstraße 48, Quergebäude hoch- parterre. Sit Bereinszimmer Manteuffelstraße 49. Pianino Gesangsunterricht erteilt Linde- mann, Prinzenstraße 11. 37Sb Zlngustabad, Köpnickersttaße 60 Bäder jeder Art für sämtliche Kranken- lassen.___ 736K* Bereinszimmer mit Piano vergeben, passend für Zahlste Rudolf Jurran, Naunv»st ratze 86. zu Achtung k Empfehle meine Nestau- ratiou zur freundlichen Benutzung. VereinSzimmer mit Pianino noch einige Tage in der Woche frei. Paul KobuS, Audreasstraße 33[806S* Vereinszimmcr. Zahlstelle paffend, -sernsprecher III 1785. I. V. Wilhelm Laßmaiin, Badstraße 14._(823a* 50 Pfennige! istellungsgesuckie, Strafauffchub! Ehcscheidungs-, Be- leidigungs-, Unfallsachen! Rat- erteilungen! Linienstraße 36. 383b Gebrauchtes Vereinsspind sucht Restaurant Manteuffelstraße 12.(3805 Piatina, altes Gold, Bruchgold, Silber, Gebisse, künstliche Zähne, alte Uhren sowie sämtliche Metalle kauit Blumenstraße 67, parterre. 112/20 Eröffne am 15. September ein Holz-, Hohlen- und Materialgeschäft Gartenplatz Nr. 2. H. Wittkowski.* Nehme die Beleidigung gegen grau Witt zurück. Frau Wnkolmann. Vermietungen. Zimmer. Teilnehmer für mein gut möb- liertes Balkonziniuier gesucht. Frau Jacobey, Colbcrgerstraße 26, vorn III. Kleines Zimmer, einfach möbliert, vermietet an soliden Herrn Homann, Wallstraße 3/4, Hos links IV. 378b Seiiinlsteiien. Schlafstelle zum 1. Oktober für 1 oder 2 junge Leute zu vernneten, Swinemünderpraße 83, vorn 2 Treppen bei Schreiber._ �Anständige Schlafstelle vermietet Priebusch, Oranienstr. 200, II.(387b ILIetsgesueiRe. Restanrations-Räuine gesucht per 1. Oktober oder später. Offerten Sesenhcimerstrnhe 1 bei Scharnberg. �älnständiger junger Mann sucht möblierte Schlafstelle bei netter Wirtin. Offerten mit Preisangabe Postamt 33 unter 0. G. 3766 Arbeitsmarkt. Stellengesuche. Schmied, bei Marine Heizer ge- wescn, sucht Stellung. Offerten„26* Postamt 18.(�86 Blinder Stuhlflechter bittet um Arbeit. Stühle werden zu den billigsten Preisen geflochten, werden abgeholt und unentgeltlich zurück- geliefert. Adresse: Mulackstraße 27, A. Gläser.* Stellenangebote. Rahmentischler, nur sauberer Arbeiter, findet bei gutem Lohn dauernde Beschäftigung. R. Wagner, Bergsttaßc 40. 385b Einen Barockvergolder, der Farbig- machen kann, verlangt Max Biber, Neanderstraße 4. 3825 Tüchtigen Schriftmaler verlangt Otto Häußncr, Neue Jakobstr. 15.(* Tüchtige Farbigmacher verlangt E. Joers, Skalitzerstraße 28. fS Gesucht per 1. November ct. ei» tüchtiger Werkführer für Goldleisten- fabrilation, der alle einschlägigen Funktionen: Grundieren, Polieren, Versilbern, Belegen, Vergolden rc. der Neuzeit entsprechend selbst aus- führen kann. Augebote unter IL 3 an die Expedition dieses Blattes. Mädchcnjäcken-Arbeiterinnen per- langt Hulke, Frankfurter Allee 16. Im Arbcttsmarkt dnrch besondere» Druck hervorgehobene ül» zeige» koste» 40 Pf. pro Zeile Absolut tüchtiger, selbständiger Kastenmacher (specicll auf Landaner) findet sofort gutbezahlte Jahreöstelle. Zeugnisse zur Einsicht erwünscht.(107/2* UV 11h. Bachnmnn, mech. üüagcnbiiucrei ®n»3. Ct. Appenzell(Schweiz). MtU. Koitaactier! In der Korbwaren- Fabrik von Schmidt& Co., Dresdener. ftraste 81, befinden sich sämtliche Korbmacher wegen � Preisdifferenzen auf Kugelkörbe im Streik. Ziizua ist streng fernzuhalten. Bie Ortsverwaitung. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlm. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Btax Vading in Berlin.