Ur. 313. Abomvment»- Ztdinzungen: «bonnementS-Preti pränumerando: Vierleljährl. SM Ml., monatt. 1,10 MI., wöchentlich 28 Psg. frei in« Hau«. Sinulne Numm«r 5 Psg. Sonntag«, Nummer mir illunr>er>«r vonntazs- S-ilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post» Abonnement: I.10 Mark pr- Monat. Eingetragen in der Post- Zeitung», Preisliste sür 10 VI unter Dr. 7S71. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, sür da« übrige Butland s Marl pro Monat, 18, Jahrg. Die InstrtisnS'WevMir � beträgt sür die sechSgespaltene Kolonei, seile oder deren Raum 40 Psg., sür politische und gewerkschastliche Vereinsund Versammlung«-Anzeigen 20 Psg. «Kleine Anseigen" jedes Wort ö Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag« in dcrExpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und FestlaASN bis L Uhr vormittags geöfsnet. Erscheint täglich ausser»ontng». Verlinev Volksblatt. Telegramm- Adresse r .Kprialdeinokrat Serlin» Csntrawrgan der sodaldemokratischen Vartei Deutschlands. Kedaktion: SW. 19. Beuttz-Strshe 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508, Ouittung. Im Monat August gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Aachen,' vom aufgelösten Turnverein„Freie Turner" den halben Kassenbestand 36,60.' Apolda, P. L. ö,—. Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 4. Kreis Ost 1000,—(darunter von O. L.. Weiszensee 20,—). 5. Kreis 100,—(darunter R. K. 50,—). 6. Kreis Wedding und Oranienburger Vorstadt 600,—(darunter Auktions- ertrag bei der Laudpartie des 548. und 553. Bezirks 5,30). 6. Kreis Schönhauser Vorstadt 750,—(darunter A. B. Mister 1.—, durch König 2,—). 6. Kreis, Roseuthaler Vorstadt und Gesundbrunnen, Juli und August 1600,—(darunter vom Bau Dessauerstraße 5,—). 6. Kreis, Moabit, 300,—(darunter G. I. 6,—, W. Marten 10,—). Berlin, diverse Beiträge: K. E., Fechgewinn 3,—. L. u. H. B. 10,—. Ueberschutz einer roten Landpartie nach Heiligen- see 7,65. C. P. S. 30,—. Von den Arbeitern der Neuen Berliner Genossenschafts« Bäckerei, allster Beyer, sür Juli und August 40.—. Contobuch- Arbeiter vom Wedding 5,—. Von den' Klavier- arbeitern von Rosemann 3,—. Cigarrenfabrik von R. Schulze, Friedrichsfelderstraste 21, 5,—. Gutenberg 200,—. Mitglieder der U.-Dr. 11,50. A. S. 2,—. A. Schnabel, Zimmermann. 6,—. Karl Schneider 6,—. A. B. 50,—. P. S. 50,—. Brüssel, vom deutschen Arbeiterverein 8,37. Breslau, socialdemokratischer Verein 50,—. Bern 50.—. Cottbus, P. L., Viertcljahrsbeitrag 2,—. Dortnmnd-Hörde. Wahlkreis 100,—. Delmenhorst, 10 Proz. der Jahrcseinnahme 26,—. Durlach, v. d. Parteigcu 20,—. Erfurt, Wahlkr. Ers.-Schleusingen-Ziegcnr. 50,—. Falkenberg(Oberschi.) 2.—. Flcns- bürg, durch F. M. 50,—. Frankcnhauscn a. K., von den Partei- genossen 10.—. Frankfurt a. O., Wahlkreis Fraukfurt-Lcbus 150,—. Finsterwalde, von den Parteigenossen 10,—. Graboiv bei Stettin 300,—. Grostenhain i. S., Partcibeitrag des 7. sächsischen Reichstags- Wahlkreises 100,—. Gera(Reust) 100,—. Grünberg- Freistadt? socialdemokratischer Wahlverein 10,—. Giesteu, E. K. Juni- September 40,—. Hamburg, im Monat Juli im„Echo" eingegangen 173,80, desgleichen im Monat August 120,85, Sa. 234.65.' Haimir Gelnhausen, Wahlkreis 100,—. Hastfurt a. M., L. R. Juli-August 6,— Herford-Halle i. W., Wahlkreis 100,—. Hastedt bei Bremen, von Geuossen 10,—. Hagen i. W., Juli— September, Ungenannt 3,—. Hamburg, 1. Wahlkreis 3000,—. Hartha i. S., 10. säcbs. Reichstags- Wahlkreis 50,—. Kehll, Arbeiter-Wahlvercin 10,—. Leipzig, 12. u. 13. säcksischer Reichstags-Wahlkreis 1000,—. Lahr i. B.. Altvater 5,—. Miuden-Lübbecke, Wahlkreis 80,—. Mcrzig a. Saar, von einem vaterlandsloscn Geselle» 2,—. M.-Glndbach, Beitrag der Genossen 8,—. Mannheim, socialdemokratischer Verein 200,—. Marburg, von den Parteigenossen durch den Vertrauensmann 20,—. Mcerane, 17. sächs. Reichstagsivahlkreis 25,—. Mainz, von den Parteigenossen 60,—. Niirnberg-Altdors, socialdemokr. Verein 20,—. Nürnberg, Gau Nordbayern 500,—. Ottensen, von den Parteigenossen durch I. Kr. 1000,—. Pforzheim, von einigen Geuossen durch A. Pf. 3,—. Pirna, Parteibeitrag des 8. sächs. Reichstags- Wahlkreises 100,—. Pontresina 4,—. Rahnsdorf, R. und P. 6, Stuttgart, G. U. 10,—. Stettin, Parteibeitrag der Genossen 300, Stastfurt, Wahlkr. Calbe-Aschersleben d. d. Kreisvertraucnsmaim200, Sebaldsbrück bei Bremen, Wahlverein 10,—. Schwarzenbach a. S., socialdemokr. Verein 5,—. Verden, 6. haunov. Wahlk. erstes und zweites Quartal 1901, 38,—. Woltmershausen, socialdemokr. Wahl- verein, 75,—. Württemberg 100,—. Wandsbeck 500,—. Wittenberg, Wahlkreis W.- Schiveinitz, Arbeiter- Gesangverein„Maien- grust" 20,—. Berlin, den 10. September 1901. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Kreuzbergstr. 30. Kommunale Wohmmgs reform eu. i. Die Erkenntnis, daß neben dem Reich und den Einzel- stauten auch die Gemeinden zur Beseitigung des Wohnungs- elends beizutragen haben, bricht sich immer mehr Bahn. Er- freulicherweise haben denn auch in den letzten Jahren einige Gemeinden, meist auf die Initiative der Socialdemokraten hin, mit Maßregeln zur Besserung der Wohnungsverhältnisse begonnen. Selbst die socialpolitisch rückständigsten Elemente können sich aber auf die Dauer nicht auf den Standpunkt des laisser faire laisser aller stellen, sie werden, ob sie es wollen oder nicht, von socialem Geiste angehaucht. Und gerade auf dem Gebiete der Wohnungsfrage können und dürfen die herrschenden Klassen in ihrem ureigensten Interesse nicht müßig die Hände in den Schoß legen, da etwaige Unter- lassungssünden sich an ihnen selbst aufs schwerste rächen würden. An der Verbesserung der Wohnungsverhältnisse sind ja nicht nur die ärmeren Klassen der Bevölkerung interessiert; brechen einmal in einer Stadt Epidemien aus, deren Herd in schlechten und ungesunden Wohnungen zu suchen ist, so greifen diese gewöhnlich auch auf die besseren Viertel über; nur selten bleibt die Epidemie auf ihren ursprünglichen Herd beschränkt. Man darf ferner nicht übersehen, daß eine Wohnungsnot stets auch den Armcnetat der betreffenden Gemeinden erheblich be- lastet und so der Gesamtheit Opfer in Forin von höheren Steuern auferlegt. Nur eine Schicht der Bevölkerung gicbt es, die sich jedem Eingreifen der Gemeinden zur Milderung der Wohnungsnot von vornherein widersetzt, daß sind die Hausagrarier, die aus dem Vernrieten ein Geschäft machen, und deren Weizen bei jeder Wohnungsnot blüht. In durchaus zutreffender Weise hat Miguel in der Einleitung zu den Veröffentlichungen des Vereins für Socialpolitik über die Wohnungsnot der ärmeren Klassen in deutschen� Groß- städten diese Sorte von Hausbesitzern charakterisiert als Leute, „welche die ihnen in der Regel infolge hypothekarischer Be- leihung zugefallenen Häuser für'Arbeiterwohnungcn einrichten und die Wohnungsnot in einer bisweilen empörenden Weise ausbeuten, sowohl durch die unerschwingliche oder nur durch unsittlichen Erwerb erschwingliche Höhe der Mietpreise, wie durch die gänzliche Verwahrlosung der Wohnung, durch die auf alle Weise beförderte Ueberfüllung derselben, durch die geradezu wucherischen ssonstigen Bedingungen des Miets Vertrags". Und gerade diesen Leuten ist in fast ganz Deutschland ein besonderes Privileg durch die Bestimmung der Städtc-Ordnungen eingeräumt, wonach die Hälfte der Stadtverordneten Hausbesitzer sein müssen. Obwohl die Hausagrarier ins zahllosen Fällen ihre bevizrrechtigte Stellung mißbraucht haben, um rücksichtslos ihre eignen Geschäfte zum Schaden der Gesamtheit zu betreiben, denken doch die Regierungen nicht tiaran, die Initiative zur Aus Hebung jenes Privilegs zu ergreifen. Die Furcht vor dem „roten Gespenst" hindert sie daran, den Elementen das Hand werk zu legen, deren Beseitigung die unerläßliche Vorbedingung für jede kommunale Wohnungsreform ist. Ebenso schrecken die Regierungen vor einer Erweiterung des Expropriationsrechtes der Gemeinden zurück und verhindern auf diese Weise die Anbahnung einer gesunden Bodenpolitik. Die Landesgesetze bieten vielfach direkt einen Ansporn zum Schacher in Grund und Boden, zum schamlosesten Bodenwucher; und auch in den Gemeindevertretungen fehlt es leider nur zu oft an jedem Verständnis für die Bedeutung der Bodenfrage. Wenn die Stadt Geld braucht, werden städtische Grundstücke veräußert, unbekümmert darum, daß man später dieselben Grundstücke zu weit höheren Preisen zurückkaufen muß, wenn es sich um Schulbauten oder um Bauten für sonstige öffent -liche Institute handelt. So hat, um nur wenige Beispiele anzuführen, vor einigen Jahren die Stadt Breslau ein ihr gehöriges Areal, die sogenannten Teichäcker, Parzellen weise an Bauunternehmer verkauft, und in Minden hat der Magistrat, um den Bau von Arbciterwohnungen zu fördern, mehrere der Armenkasse gehörige Grundstücke für billigen Preis zum Verkauf ausgeboten. Aehnlich ist in letzter Zeit auch die Gemeinde Bergisch-Gladbach vorgegangen, indem sie ein ihr gehöriges Terrain von etwa 30 Morgen in Baustellen zu je cineni Viertel Morgen eingeteilt und zum Bau von Arbeiterwohnnngen freihändig veräußert hat. Derartige Ver- äußerungen sind stets zu verwerfen. Die Gemeinden sollten im Gegenteil auf eine planmäßige Erweiterung des Grund und Bodens bedacht sein, unl den Bodenspekulanten ihr Handwerk zu legen und zur Verbesserung der Wohnungs Verhältnisse beizutragen. Eine solche Politik hat schon seit langen Jahren die Stadt Frankfurt a. M. betrieben, die infolgedessen über einen großen Grundbesitz verfügt. Andre Gemeinden hingegcu. sind, wenn sie für allgemeine Zwecke Grund und Boden erwerben müssen, auf Gnade und Ungnade den Spekulanten ausgeliefert. Die steigende Grundrente für die Allgemeinheit ab znfangen, sollte der leitende Gedanke einer jeden städtischen Politik bilden. Viele Gemeinden glauben das mit Hilfe des Erbbau rechts erreichen zu können; sie geben gemein- nützigen Gesellschaften oder auch Privaten Grund und Boden in Erbpacht. Dafür ist eine Rente zu zahlen, und nach Ab- lauf einer bestimmten Zeit fällt das Grundstück mit allem, was darauf steht, den Eigentümern wieder zu. Andre Ge- meinden sehen von dem Erbbaurccht ab und sichern sich nur ein Vorkaufsrecht. Versuche mit dem Erbbaurecht sind in letzter Zeit u. a. gemacht worden in Frankfurt a. M., Halle und Leipzig. In Frankfurt a. M. hat man es leider nicht verslanden, die Spekulation von Privaten mit und durch städtische Mittel zu verhindern; die darauf abzielenden social- demokratischen Anträge stießen aus lebhaften Widerspruch, die bürgerliche Mehrheit hatte nichts dagegen einzuwenden, daß Unternehmer init städtischer Hilfe ihre eignen Taschen füllen, man hat den Mietern nicht den völligen Genuß des städtischen Eingreifens gesichert. Aehnlich in Halle, während die Leipziger Stadtverordneten der Privatspekulation weniger Rechnung getragen haben. Ein abschließendes Urteil über die Wirkung des Erb- baurechts läßt sich heute noch nicht fällen. Fest- zustehen scheint aber das eine, daß es auch mit Hilfe dieses Instituts kaum möglich ist, die gesamte Steigerung der Grundrente dem Stadtsäckel zuzuführen. Dazu ist es nötig, in eigner Regie zu bauen, ein Vorschlag, gegen den sich die meisten städtischen Kollegien aus Rücksicht auf die dadurch der privaten Bauthätigkeit erwachsende Konkurrenz sträuben. Auf diese Rücksicht zu nehmen, ist aber um so weniger am Platze, als die private Bauthätigkeit bisher völlig versagt hat. Die wenigen Versuche, die mit dem Regiebau gemacht sind, berechtigen zu den besten Hoffnungen. So bezeichnet B. eine Denkschrift des Stadtrats von F r e i b u r g i. B.. eine Stadt, die seit Jahren durch die verschiedensten Mittel dem Wohnungselend zu steuern bestrebt ist, das Regieshstem, nach welchem die Stadt die Bauten selbst ausführt und das Eigentum am Ganzen bei sich behält, als das allein richtige S y st e m. Dies günstige Urteil des Freiburger Stadtrats mag mit dazu beigetragen haben, daß auch andre Städte einen Versuch mit dem Regiebau wagten. Kassel hat aus Stistungsmitteln in verschiedenen Stadtgegenden ältere Gebäude zu Arbeiterwohnungen umgebaut; Dresden hat, gleichfalls aus Stiftungsmitteln, 16 Häuser mit 64 Woh- uungen errichtet, Emden hat auf Rechnung der Stadt den Expeditivn: SW. 19, Benklj-Skraslv 3. Ferusprecher: Amt I, Nr. 5121. Bau von 200 Arbeiterwohnungen beschlossen; Essen ist im Besitz einer Anzahl von Mietshäusern fiir städtische und andre Arbeiter; Düsseldorf hat auf dem Terrain der alten Gas- anstatt 20 Wohnhäuser errichtet, die zu einem billigen Zins an solche Personen vermietet werden, welche der Alters- und Jnvaliditätsversicherungspflicht unterliegen; der Armenrat von Straß bürg hat bereits 1889 das in Wertpapieren und Kapitalien angelegte verfügbare Vermögen von rund 300 000 M. auf den Bau kleiner, gesunder Wohnungen zu verwenden beschlossen und bis zunl Jahre 1895 neun einzelne Häuser mit 112 Wohnungen zu 1 bis 3 Zimmern erbaut. Davon waren 24 Wohnungen unentgeltlich, 52 billig und die übrigen zu ortsüblichen Preisen abgegeben. Von württem- bergischen Städten haben Ulm, Calw, Heilbronn, Rottweil, Stuttgart und Hall Wohnungen für ihre Arbeiter erbaut. In Preußen sind nach dem letzten Bericht der Fabrikinspektoren Emden, Quedlinburg, Flens- bürg, Wiesbaden im Begriff, auf demselben Wege vorzugehen. Das Gleiche wird aus Nürnberg und P f o r z- heim gemeldet. In den meisten Fällen beschränken sich die Gemeinden darauf, für ihre eigenen Arbeiter Wohnungen herzustellen; nur selten gehen sie darüber hinaus und widmen ihre Thätigkeit der Allgemeinheit. Nach unsrer Meinung gehört es zu den socialpolitischen Aufgaben der Gemeinden, das Wohnungsbedürfnis sür ihre Mitglieder zu befriedigen. Doch ist auch gegen den Bau von Wohnungen lediglich für städtische Arbeiter nichts einzuwenden, vorausgesetzt daß die Arbeiter dadurch nicht in ihren Rechten geschmälert werden. Zu verurteilen hingegen ist das Vorgehen solcher Städte, die für Arbeiter Wohnungen errichten, um sich sofort wieder ihres Besitzes zu entäußern. Ein typisches Beispiel dafür bietet die Gemeinde Ulm; hier hat im Jahre 1388 die Orts- armenbehörde ein Mietsgebäude von 21 Wohnungen und in den folgenden Jahren bis 1900 die Stadtverwaltung selbst 85 Häuser mit 183 Wohnungen hergestellt, in der Absicht, den kleinen Leuten aus den Kreisen der unteren Bediensteten und Arbeiter den Erwerb eines eigenen Hauses zu ermöglichen. Allerdings hat sich die Stadt für bestimmte Fälle das Vor- bezw. Rückkaufsrecht gesichert und besondere Kautelen ge- schaffen, um die Häuser ihrem eigentlichen Zweck nicht zu entfremden. Trotzdem ist ein solches Vorgehen nicht zu billigen, einmal weil die Stadt, indem sie die Häuser den Arbeitern verkauft, sich selbst einen sicheren Gewinn entgehen läßt und zweitens, weil der Besitz eines eignen Hauses für den Arbeiter innerhalb der kapitalistischen Wirtschafts- ordnung von sehr zweifelhaftem Werte ist; er wird dadurch an die Scholle gefesselt und so verhindert, die Konjunktur für sich auszunutzen. Wenn auch die Zahl der Städte, die in eigner Regie bauen, bisher nur eine geringe ist, so ist doch immerhin ein Anfang damit gemacht. Der Bann ist gebrochen und wir zweifeln nicht daran, daß die Erfahrungen mit diesem System im Laufe der Jahre manches Vorurteil schwinden lassen werden._ Poimmc Mebevstchk. Berlin, den 11. September. Gegen de» Zollwucher. Uuüberwindlichcn Niedergang der Volkswirtschaft, das würde die Folge des agrarischen Wuchertarifs sein, so urteilt die Handelskammer in Bielefeld. In dem Bericht heißt es:„Die im K 1 des Zolltarifgesetz-Eiitwiirfs vorgeschriebene» ze» auf Roggen, Weizen,' Spelz, Hafer und Gerste in der Fonn von Minimalsätzen ivürden den Abschluß von neuen Handels- vertrügen nicht»ur erschweren, sondern überhaupt unmöglich machen und damit die deutsche Volksivirtschaft einem Nieder- gange eutgcgenführe». dessen nachteilige Folgen sich geradczn als'unüberivi'ndbar eriveisen müßten..." Im iveiteren setzt die Handelskammer auseinander, daß die Judustrie nicht im stände sei, die durch Erhöhung der Lebensmittelpreise notwendigen Lohn- erhöhnngen zu tragen, ohne tvclche aber die unvermeidliche Verminderung der Lebenshaltung eine Einschränkung der Kauf- kraft und damit ein schiveriviegendes Moment gegen die stbiing der Gesamtvolkswirtschaft im Gefolge haben werde. Dann cißt es weiter:„Ebenso unzweifelhaft ist, daß die Landivirt- schuft durch eine Erhöhung der Getreidezölle nicht in die Lage kommt, den deutschen Bedarf selbst bei gesteigerten Produktionen 1» decke», geschweige denn der deutschen Volksivirtschaft für die ent- tchenden Nachteile auch nur einen Ersatz zu biete». Im Gegenteil werden infolge der Verteuerung der Futtermittel die k l e i n e r e n und nnttleren landwirtschaftlichen Betriebe geschädigt werden, während die Bewirtschaftung der größeren wegen der mit einer Erhöhung der Getrcidcpreisc verbundenen Verteuerung der Grundrente sich nitr noch unrentabler als bisher criveiseii wird..." Wie die Wohnungsnot durch den neuen Zolltarif ge- steigert werden muß und die B a u h a n d w e r k e r durch denscllic» geschädigt werden, legt in der„Verl. Malerztg." der Malermeister Krause klar. Derselbe führt die Zollerhöhungen auf, die beabsichtigt werden für Bau« und Nutzholz in den verschiedenen Grade» seiner Bearbeitung. Dazu kommen die Einführung von Zölle» auf C e m e n t und rohen Schiefer, die bisher zollfrei Ivarcu, die Zollerhöhungcn alif D a ch s ch i e f e r, auf Firnisse verschiedener Art, geschlemmte»iid gestäubte Kreide, auf Pappen;' die Einführung von Zöllen'auf Berliner Blau. Bleimennige. Bleiiveiß und ähnliche Stoffe, die bisher zollfrei waren; die Einführung von Zöllen auf bisher zollfreie Mauersteine, die Zollerhöhungcn auf farbige und glasierte Mauersteine, ferner die Zollerhöhungen auf Spiegelglas. Tafelglas, Dachpfanne» und Dachziegel. Gleich hohe Heraufsckircmbungon der Zollsätze sind auch für Bleche, Eisenwaren, Thonplatten und andre wichtige Artikel vorgesehen. Die Verteuerung der ausländischen Konkurrenz führt natürlich auch zur Verteuerung der entsprechenden Jnlandsprodnkte. Die Handwerker können aber eine Steigerung der Rohmaterialienpreise nur teilweise auf die Abnehmer abwälzen und müssen die Differenz auf ihre eignen Kosten nehmen. Den Hauptschaden, der in einer solchen Preissteigerung liegt, bildet aber die v e r m i n d e r t e B a u l n st, die geringere Neigung des Publikums, Neubauten, Veränderungen und Verschönerungen' durchführen zu lassen. Daraus erwächst auch eine Verminderung der Arbeitsgelegenheit. In München und in der weiteren Umgebung Münchens fanden in den letzten Tagen zahlreiche socialdeniokrntische Protest- Versammlungen statt. Auch in den ländlichen Bezirken wurden Protestresolutionen unter allgemeiner Zustimmung beschlossen.— „Post"-Tch«rz«. Die„Post" sieht sich durch„das über die Masten aufreizende und provozierende Verhalten der social- demokratischen Presse" zum Attentat gegen Mc Kinley gezwungen, doch ihrem Lieblingsthema vom innigen Zusammenhang von Anarchismus und Socialdemokratie nachzugehen. Es müstte auch auf eine schwere Gesundheitsstörung der ,Post"-Nedakt!oii geschlossen werden, wenn sie ein Attentat ohne ein wenig Socialistenhetze vorübergehen liehe. So bekannt dies«„Post"-TIrade ist, so ist sie diesmal doch durch besondere Ergötzlichkeit ausgezeichnet. Die„Post" erzählt: „Der anarchistische Gedankengang ist folgender. Der Anarchist will aar nicht unmittelbar an der Herbeiführung einer„neuen Gesellschafts-Ordnung" arbeiten. Er sagt sich vielmehr: Wen» ich einen König oder Präsidenten töte,' so beweise ich damit die Möglichkeit, alle göttliche und menschlich« Autorität auster Kraft zu setzen. Nicht? auf der Welt ist so heilig, dost ihm nicht Hohn gc- sprachen werden könnte. Die nioralische Auflösung dieser Welt, die vollkommenste Demoralisation nach jeder Richtung hin, ist die vom Anarchismus der That zu lösende Aufgabe. Nicht das Starke und nicht daS Schwache, nicht das Herrschende und nicht das Leidende soll heilig sein. So erklärt es sich denn auch, dast die auarchiftische llnthat selbst vor einer so hohen, edlen und stillen Dulderin, wie der Lstreichischen Kaiserin, nicht Halt gemacht hat. Auch auf die Demoralisation der Gefühle, die selbst die ffrau nicht mehr respektieren, kommt es an. In dieser Absicht nun, die be- stehende Staats- und Lebensordnung moralisch aufzulösen, be- gegnen sich die Anarchisten durchaus mit den Socialdcmokraten. Die socraldemokratische Presse beweist es tagtäglich, dast sie innigst danach trachtet, Gott und den König, Vaterland, Gesetz und Recht in den Staub zu ziehen. Wir könnten socialdemokratische Ab- geordnete anführen, die auf dem Standpunkt stehen: der social- demokratische Agitator oder Redacteur hat unter Umstände» diePflicht zur Majestätsbeleidigung, damit vor der Masse die königl. Autorität als Null erwiesen wird. Die darauf folgende Gefängnis- strafe wird bekanntlich nicht als„Strafe" und Sühne, sonder» als adelndes Martyrium betrachtet. In rein praktischer Beziehung gegen- über der gegenwärtige», bestehenden Staats- und Geselljcbafts- Ordnung haben also Socialdemokrate» und Anarchisten im Princiv dasselbe Ziel. Nur die Mittel der Ausführung, die„Arbeits- mittel" sind verschieden." Tiefsinniger ist gewist kaum je das Wesen von Anarchismus und von Socialdemokratie und das Verhältnis beider im Innersten ver- schiedener Anschauungen erfastt worden. Wir bedauern nur, dast die„Post" ihre köstliche Entdeckung der socialdemokratischen„Pflicht zur MajestätSbeleidig u n g" nicht durch Namensnennung vervollständigt hat. Vielleicht»t sie so gütig, diesen einzigen Maugel ihrer fröhlichen Notiz demnächst aus- zugleiche, t.—_ Die deutsche China-Beute. Wir hatten bereits mitgeteilt, dast die vielbesprochenen astrono- mischen Gegenstände von der Pekinger Sternwarte, die, wie bisher allgemein angenommen wurde, nur infolge eines unangenehme» Versehens vor kurzem mit dem Dampfer„Palatia" in Deutschland angekommen waren, nunmehr nach Potsdam geschafft worden seien. Wenn wir indes angenommen hatten, dast dies nur deshalb geschehen sei, um diese rechtswidrig gemachte„Kriegsdeute" so rasch als möglich wieder zu Händen des Prinzen Tschun an Thina zurückzugeben, so scheinen wir uns darin durchaus geirrt zu haben. In dem„Potsdamer Jntelligenz-Blatt" lesen wir nämlich: „Eine weitere neue Bereicherung erfährt der Park von Sanssouci durch die Aufstellung der aus Peking jetzt hier angelangten„Sternwarte". Noch nicht lange ist es her, dast Se. Majestät bestimmte, vor der Muicbelgrotte. auf dem freien Rasenplatz, den Mobrenköpfen gegenüber, die UphiicsscUe Statue Friedrichs des Grasten, aus Marmor gefertigt, aufzustellen. Vor weiiigen Wochen erhielt im Sizilianischen Garten der Bogenschütze seinen Standplatz, und jetzt soll, wie eingangs bemerkt, vor dem Orangeriegebäude die etinger Sternwarte ihren Stand erhalten.— n drei grasten offenen Eisenbahnwaggons trafen gestern morgen auf dem hiesigen Güterbahnhofe die woblverparftcii Teile der Instrumente ein. die bekanntlich vor kurzem auf dem Dampfer „Palatia" in Bremerhaven eingeschifft wurden, und vorläufig in einem Schuppen des Kaiserhafens dort untergebracht waren. Im ganzen sind es SS Kollis und Kisten, wovon einige einen ganz respektablen Ilmfang haben. Die schon arg mitgenommene» Kisten tragen daS Signum„Obs". Die einzelnen Teile find mit alten Fellen und dicken Hanfseilen kunstgerecht umwickelt, eine Verpackungsart, die äusterst praktisch, hier aber neu erschien. Mittels Krähnen wurde» die schweren Stücke auf die von der hiesigen Firma W. Schmcdsdorf sJnhaber Albert Mertens, königl. Hoflieferant), die mit der Ueberführung der Sendung betraut, gestellten Roll- wagen gebracht und vom Güterbahnhofe aus nach dem Orangerie- gebäude gefahren. Hier werden die Kisten nun ausgepackt und die Teile vorläufig iin westlichen Flügel des Gebäudes unter- gebracht, um dann in der Mitte des freien Platzes vor dem Haupteingang zum Orangeriegcbäude im Freien dauernd Auf- stellung zu erhalten. Es sind im ganzen fünf Jnstnimente, die so gruppiert werden sollen, dast das grösteste in die Mitte und z» seinen Seiten je die beiden andern Instrumente kommen. Die Teile haben das Gewicht von 26 000 Kilogramm. Mit der Aus- stellung wird wohl umgehend begonnen werden, da diese noch in diesem Monat vollendet sein soll, denn am 28. September, mittags 12 Uhr. findet bekanntlich die feierliche Eröffnung der Provinzial- Obstausstellung im Orangeriegebäude statt, Ivo das Erscheinen der Majestäten zu erivarten steht.— Jedenfalls ist der schöne alte Park von Sanssouci mit seinen unzähligen Sehenswürdigkeiten um einen weiteren historischen Gegenstand reicher und wird auch die„Pekinger Sternwarte" ihre Anziehungskraft auf die zahlreichen Besucher Potsdams nicht verfehlen. Wir können es immer noch kaum glauben, dast man die astronomischen Instrumente zu behalten und gar als Sehens« Würdigkeit im Park von Sanssouci aufzustellen beabsichtigt. Gerade der Park von Sanssouci erweckt ja wenig angenehme Reminiscenzen an die allzu ungenierte Aneignung historischer Gegen- stände durch einen fremden Sieger. Als Napoleon I. nach der scbmach- vollen Niederlage der preustischen Armee bei Jena und Auerstädt in Potsdam sein Quartier aufschlug, eignete er sich kurzerhand allerlei Gegenstände an: de» Degen und die Schärpe des alten Fritz, Fahnen des siebenjährigen Krieges usw. Auch die inzwilchen wiedergeholte Porphyr- Statuette eines italienischen Condotliere. mit modischem Haby-Barr, die an dem Becken vor dem Schlost Sanssouci aufgestellt war, ivurde von Napoleon nach Paris ver- schleppt. Will man jetzt durch Aufstellung der„Pekinger Sternwarte" in demselben Park beweisen, dast sich die Kriegssitten im Laufe eines Jahrhunderts, was die Respektierung fremden EigentninS anlangt, nicht geändert haben? Skapoleon hatte damals übrigens Preußen in regulärem Kriege niedergeworfen, während Deutschland doch stets erklärt hat. nur die Boxer, nicht aber das offizielle China bekriegt zu haben. Die Annexion chinesischen Eigentums liegt also noch schlimmer als bei Napoleon!— Gerinniitsirrnngöarbcit durch dt« Schule. Wie wir der „Germania" entnehmen, schildert die„Gazeta Torunska" folgende Schul-Jdyllen: Die Bauern MichalSki. Sentkowski und Radtki aus dem Dorfe Pieczen ä ß i g betriebene A rbeitSn ach>v eise und Stellen-Ber- Mittelungen haben die Vorschriften keine Geltung. Soweit kann man gegen die Verordnung nicht viel einwenden, wenn sie auch weit entfernt ist. den Stellenwucher ganz zu beleitigen. Die sehr geschäftskundige» Herren Srellenvennittler werden sicherlich immer noch ein Hinterthürchen finden, durch das sie entschlüpfen, und sie werden»ach wie vor Dumme«infangen, die sie ansplündenr. Im»,«hin sind die Bestiinmnngen geeignet, den Vermittlern das Leben etwas sauer zu machen, vorausgesetzt, daß die von dcm Stellenwucher am meisten betroffenen Arbeitcrschichten straff genug organisiert sind, um die Verordnung als ein Kampfmittel gegen denselben in Anwendung zu bringen. Anders verhält es sich mit einer Reihe von Bestimniniigci!, die nicht im Interesse der Arbeiter, sonden, lediglich im Interesse der Unternehmer gemacht worden sind. Danach soll der Ver- mittler solchen Personen, die ihre letzte Stelle ohne Einhaltung der Kündigungsslist verlasicn haben, keine Dienstleistung gc- währen. Sie müffen sich zunächst auch ivobl nach den Verhältnissen der Dienstherrschaft, für die sie einen Dienstverpflichteten verschaffen wollen, als auch nach den Dienstverhältnissen derjenigen Personen, denen sie eine Stelle vermitteln wollen, erlundlgen. Sie haben die Vollständigkeit der G e s i n d e b ü ch e r und Arbeitsbücher zu prüfen und dürfen Personen, die solche Bücher überhaupt nicht oder unvollständig ausgefüllte Bücher besitzen, eine Stelle nicht nach- weisen. Diese Bestimmungen sind im Jntereffe der Agrarier gemacht, sie sollen den Abzug der Landarbeiter verhindern beziehentlich er- schweren. Dem Stellenverinittler, der in Ostpreußen dein land- flüchtigen Proletariat gerade als Retter erscheint, der ihnen die Möglichkeit giebt, den östelbischen Gefilden zn entfliehen und sich im Westen besser lohnende Arbeit zu verschaffe», werden damit die Hände gebunden. Er soll den Grundbesitzern als Büttel dienen, der ihnen die nnzufrledenen Landarbeiter wieder zutreibt. Aber auch diese Bestimmungen tverden den gewünschten Erfolg nicht haben; die„kontraktbrüchige»" Landarbeiter werden mit Umgehung der Stellenvermittler sich der väterlichen Zucht der Junker zn enlzlchen wissen.— Ansland. Oestreich-Ungarn. AnSschrckven der nugrischcn Renivahkru. DaS Amtsblatt veröffentlicht ein königliches Handschreiben, wodurch der Reichstag ans den 24. Oktober einberufen und de» VerivalinngSbehörden der Auftrag erteilt wird. Neuwahlen voinehmen zu lasten. Diese Neuwahlen werden durch Miinsterialerlaß auf die Zeit vom 2- bis 11. Oktober angesetzt.— Frankreich. Ter Konflikt mit der Türkei schleppt sich trotz deS formalen Abbruchs der diplomatischen Beziehungen durch Frankreich in aller Gemütlichkeit hin. Von einer Flottendeinonstration hört man a>?aen- vlicklick nichts mehr, man ist auch zu sehr mit dem Zarenemvfang beschäftigt. Die Pforte ihrerseits versucht, mit ihren Gläubigern. deren Loche Frankreich zn der seinigen gemacht hat, direkt zn verhandeln um dadurch Frankrelch daS Mandat zn entziehen. Das öffiziöse Wiener Depeschenbnreau meldet: Die Angelegenheit der Forderung T u b i n i S wurde direkt zwischen diesem und der Pforte erledigt. Die Pforte ivird ihm in zwei Jahren seine Forderung, die von 230 000 ans 162 000 Pfund ermäßigt wurde, in monatlichen Rate» mittels Anweisung ans die Zoll« einkünfte bezahlen. Gestern abend verständigte der Gencral-Sekretär im Ministerium des Aenßern Nury-Bey persönlich den französischen Botschafisrot Bapst vvn dieser Lösung der Angelegenheit nnd lud den- selben neuerlich ein, dem Bankett im Dildiz-Palais beizuwohnen. Der Botschaftsrat lehnt« jedoch die Einladung ab. Frankreich schmollt also noch, doch scheint eS zn einem ernst- ltchc» Konflikt nicht kommen zu sollen. UebrigenS geht abermal« das GerÜcbt. daß man sich die leidige Bffaire dadurch am leichtesten vom Hals schaffen könne, ohne daS Prestige zu verliere», daß man sie dcm Haager Schiedsgericht überweise. Man will von diplomatischer Seite erfahren haben, daß der Zarcnbesuch die Beranlnssnng bieten könnte, den französtsch-türkischen Streitfall durch ein Schiedsgericht zu lösen. Für Frankreich sei dies um so leichter anznnchme», als es sich nicht um«ine Gebietsfrage, auch nick't um die Ehre des Landes, sondern einfach um eine Geldfrage, zum Teil privater Natur, handle. Mit dieser Lösung des Konflikts erwiese Frankreich dem Zaren ein Kompliment und sich selbst einen Gefallen. Dem, Schicds- gericht" aber würde ein internationaler Streitfall unterbreitet, der seiner würdig wäre.— England. Besuch des Siihucprinzen in England. Der Londoner Korrespondent der.Birmingham Post" berichtet. Prinz Tschun werde am 30. September in London eintrcffe» nnd daselbst eine Woche lang Aufenthalt nehmen. Lord LailSdowne werde ihn empfangen und dcm König Eduard vorstellen.— Türkei. Tie Nachricht von der Nirdrrmrtzelnng von Armenier» in Müsch schcim sich z» desiätigen. In türkiichcn Kreisen wird be- hauptet, die aufständischen Armenier hätten an daS türkische Viertel in Müsch Feuer gelegr, wodurch eS zu einem Zusammenstoß zwischen ihnen nnd de» Truppen kam. Die Aufständischen flüchteten in der Ricknimg gegen den Distrikt Sassun. Andre Nachrichten, gleichfalls ans türkischer Quelle, desagen, die Armenier hätten die Kaserne mit den darin befindlichen Soldaten in die Lust gesprengt.— Nmerika. Taö Attentat. Bussalo, 11. September. Der Krankheitsbericht von gestern abend IOV, Ubr lautet:„Der Zustand deS Präsidenten ist in allen wesentliche» Punkten unverändert. Als anr Freitag nach dem Anschlag die Operation ausgeführt wurde, bemerkte man, daß die Kugel ein Stückchen von dem Rock des Präsidenten mit sich gerissen hatte. welches gleich unter der Haut der Schnßöffming saß. Es wurde zivar sofort entfernt, trotzdem ivnrde durch diesen Frenrd- körper eine leichte Entzündung der Gewebe verursacht, wie sich erst gestern avend zeigte. Es wurde infolge dieser unbedeutenden Störung notwendig, einige Stiche der Wnndnaht zu entferne» und die Haut über der Wunde leiiivcise zu öffnen. Dieser Zwischenfall kann keinerlei iveitercKomplikationen nach sich ziehen, wird aber der Oeffcntlichkeit zur Kenntnis gebracht, da die Aerztc den Wunsch hegen, ihre Berichte ganz offen abznfaffcn. Durch diese Trennung der oberen Wundränder ivird der Heilungsprozeß etwasverzögert. Der Präsident ist jetzt stark genug, um mit der Aufnahme der Nahrung durch den Mund beginnen zu können. Er erhätt zmiächst reinen Fleischsaft." Vicepläsident R o o s e v e l t hat Buffalo gestern abend ver- lassen. Er erklärte, er glaube, daß der Präsident in einem Monat seine Amtspflichten wieder übernehmen k ö n n e. Die amerikanische Polizei setzt ihre Versuche fort. Mit- schuldige des Altentats zn finden. Bisher war ihre Suche ver- gcblich, Verhaftete mußten ivieder frei gelassen werden. Jetzt hat man in Chicago die Auarchisti» Emma G o l d m a n n verhaftet. Diese ertlär're, daß sie Czolgosz»nr einmal gesehen habe und zwar am 7. Juli, als er im Hause der Familie Isaaks in Chicago, wo Emma Goldmann doinals ivohnre, einen Besuch machte. Er Hove damals gewünscht, sie zu sprechen, sie sei aber gerade fort- gcgauge». um sich zur Eisenbahn zu begeben; er habe sie dann bis zum Bahnhof begleitet und nur einige Worte mit ihr a»S- ta»schen können. Sie leugnete ferner, daß sie irgend etwas gesagt habe, ivas darauf berechnet war, den Czolgosz zu dem von ihin begangenen Verbrechen zu verleiten. Isaaks ist angeblich ein Heransgeber anarchistischer Schriften, der sich auch in Haft befindet. Morris, in dessen Hans« Emma Goldmann angetroffen wurde, ist ebenfalls verhaftet worden. Emma Goldninini erklärte ferner, daß ihr Anarchismus nichts mit Geivalt gemein habe, sondern ein Anarchismus der Erziehung sei. Wahrscheinlich wird man auch Emma Goldmann freigebe» müffen iind es wird dabei bleiben, daß daS Attentat, wie dasjenige Brescis gegen König Hinnbert, die That eines einzelnen wahii- witzige» Fanatikers war.— Der Boeren- Krieg. Gefechte im Kapgcbiet. Frellr!Mxie überrumpelten eine Abteilung Voeren in der Nähe eines Fannhauies und forderten sie auf, sich zu er» geben. Da dies Vcrlvcigcrt wurde, gaben die Engländer Feuer, verivundetcn General SimilS und töteten den Kam ni andante n Ard end orf f. General Smuls gelang es zu entkommen. Die Boerengenerale Foucho und M h b u r g h griffen MnuroS Kolonne im Wolvckloof-Paff an. Ein hitziges Gefecht eut- spann sich, in welchem vier Briten verwundet wurden. Am folgenden Morgen machte eine Aufklärungsabteilung den Patz frei. Die Boeren marschieren in der Richtung von DrakcnSburg. Der Distrikt Niversdale ist gesäubert. Lord K i t ch e n e r meldet dem Kriegsamte vom 9. September abends: Die Truppen des Generals Benzon ftietze» in der Nähe der Delagoabahn auf Wiederstond seilens der Boeren. Die andren englischen Befehlshaber, welche nach dem Norden ziehen, fanden keine Gelegenheit, sich mit den Boeren zu schlagen. Die Boereukommandos unter D e l a r e y und K e m p, welche ivestlich von Nustenburg stehen, zerstreuten sich beim Herannahe» der Engländer, ohne einen Kampf nnznnehnie». Die Kolonne Methuen und andre Abteilungen zogen nach Norden Weiter. Unterdessen bleibt die Lage in der Kap- k ol onie. wo sich die holländischen Kapkolonistcn immer zahl- reicher den Vorrc» auschltessrn, bedenklich. Im ganzen haben die englischen Kolonnen auf ihrem diesmaligen Streifzuge nach Norden L/, Meter unter dem Siratzemiiveau. Ohne einen voll- ständigen Umbau des ganzen Hauses würde es sich deshalb nicht ermöglichen lassen, den Anforderungen des neuen Entivurfs nach« zukommen. Deshalb hätten nicht nur die Bäckermeister, sondern auch die Hausbesitzer je. Anlatz, gegen diese Bestimmungen zu pro- testieren. Herr Gemein Hardt von der Berliner Bäckerimmiig verstieg sich daiiii zu der dreisten Bebanptuiig, datz die sociatdcinokratische Presse durch Verhetzung dem Publikum das tägliche Brot zu verekeln suche und Beschuldigungen i» Bezug o»f die'hygienische Beschaffen- hcit der Betriebe erbebe, die nimmer bestandeii haben. Auf diese nicht mehr neue Beschuldiguug, die Herr Gemeinhardt gewohiiheitsgemätz ohne jeden Beweis erhebt, ivollen wir nochinalS das Verlangen äußern, daß die Berliner Innung die Enquete über die hygienischen Zustünde in den Bäckereicn bekannt- geben möchte, die sie selbst aufgenonuiien hat. Wäre ihr Material über alle» Ziveifel erHabe», könnte cS die Erhebungen der Gesellen beeiiiträchtigen, dann sind wir sicher, eS iväre der Oeffent- lichkeit libergeben ivorden. Wir können»nS aber auch darauf berufen, haß die Regierliiig als Begründung für ihre neuen Bestimmungen über Lage und Einrichtungen der Bäckereien ausdrücklich erklärt hat, datz zahlreiche Mißstände bei der Kontrolle der Be- triebe konstatiert wurden. Vielleicht dringt nian im Rcichslage darauf, datz die Regierimg dieses Material bekannt giebt, damit die Bevölkerung einnial amtlich unterrichtet ivird, in welchen Löchern und unter welchen sonstigen widrigen Einrichtungen linser täglich Brot hergestellt wird. Selbstverständlich fanden die Herren auf dem Handwerkcrtage für ihre Wünsche ein geneigtes Ohr und wurde für eine im Sinne des Referats gehaltene Resolution eilistiinmig votiert. ES folgte hierauf die Besprechung über Errichtung ber Aroeid geberschutz-Verbände. Tischlermeister RingS- Köln schlug folgende Resolution vor: „In Erivägiiiig, datz der ArbeitSauSstand foivohl den Arbeid nehmcr wie den Arbeitgeber schädigt und die durch denselben ent- stniidcnen Verluste oft i» längererZelt nicht wieder eingebracht werden könileii, in weiterer Erwägung, datz die Löhne nicht willkürlich er- höht werden können, da sonst der ausländische Wettbeiverb der »ationale» Arbeit daS Brot entzieht, beschließt der allgemeine deutsche JnnungSiag in Gotha, datz mit aller Energie an die Er- richtung von Ärbeitgeber-Schntzverbändeii herangegangen ivird, deren Träger die Jnnmigsvervände sein sollen, und deren Haupt- aufgäbe es sein mutz, die Ausstände zu verhindern und einen wirksamen Schutz gegen frivole ArbeitSeiiistellungen zu begründe», Ivciter bei der Gesetzgebung dahin vorstellig zu iverden, daß der Ausstand als„höhere Geivalt*, wie Wassersnot oder FenerSbrunst, erklärt werde. Dem Centralalisschutz der vereinigten Jinuiligs- verbände Deutschlands zu Berlin wird aufgegeben, die entstehelide» Schiitzvcrbände unter einer Form zu vereinigen, um so eine völlige Solidarität und möglichst geringe Belastung herbei- zuführen; denn in der Einigkeit liegt die Macht des Erfolgs," Der sehr schüchterne Versuch des Obermeisters Schneider- Berlin(Bund deutscher Glaserinnungen). gegen diese Forderungen Einwände zu erheben, wurde unter Widerspruch und Gelächter erstickt. Redner vertrat die Ansicht, die Schutzverbände seien ein Kampfmittel(Oho l Zurufe: Schutzmittel I) und daher geeignet, die bielfach noch guten Beziehungen zivische» Arbeitgeber und Arbeit- nehmer zu zerstören.(Gelächter.) Es solle den Einzelinnungen uiibenommeil bleiben, für ihren Bezirk solche Schutzverbände zu Äaffen. Dagegen halte er es für nnaugebracht, datz der JnniinaStag als solcher sich mit der Frage befasse.(Widerspruch.) Bei der olgende, i Abstimmung gelangte die Refolution gegen eine geringe Minderheit zur Annahme. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Barbier«, Friseur» nnd Perrückeiimacher-Jiiiningen Wollschläger- Berlin legte der Ver- lammlung hierauf den Plan der Einrichtung einer gemeinsamen Alters-, Jnvaliditäts- und Witwen-Pensionskafse für das korporativ organisierte felbständige deutsche Haudwerk vor, deren Grundzüge zustimmende Aufnahme fanden. Sodann wurde auf Antrag des ReichStagS-Abgcordncten Pauli beschlossen: «Der Allgemeine Deutsche JininngStag zu Gotha empfiehlt als beste» Schutz gegen die den Haiidiverksnieister ichädigeuden Be- timmunge» des§ 610 des Bürgerlichen Gesetzbuches die Einführung von Arbeitsvertragsbüchern. Verechnung des auszuzahlenden Lohnes nach Stunden für die ivirklich geleistete Arbeitszeit und die Beseiti- gniig jeglicher Kündigungsfrist." Die Befugnisse der JnilungS-SchiedSgerichte wünscht die Ver« sammlung dahin ausgedehnt, datz sie als Einigunasämter bei Streit- fällen angerufen werden können. Eine weitere Resolution befürwortet die Errichtung der JiinuiigL-Kraiikenkassen, Eine Reihe andrer Punkte, die zur Erledigung gelangten, boten keine neue Anregung, es sind die über Submissionswesen, Hausier- Handel, Militärwerkstätten und Zuchthausarbeiten. Ein Gesetz zur Sicherung der Forderunge» der Bauhandwerker ist nach der Er- klärung des Geheiinrats H o f m a n» ausgearbeitet und ivird dem- nächst an die gesetzgebende Körperschaft gelangen. Zum Schutze des Mittelstandes nahm die Versammlung auf Antrag des Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Glaser-Jmiungen Jesiel-Berlin nnd des Obermeisters Zimmer-Dresden folgende An- träge an:„Die verbündeten Regierungen sind zu ersuchen: l. dem Reichstage Gesetzentwürfe zu nuterbreiten, durch ivelche 1. daß Gesetz über den unlauteren Wettbewerb entsprechend erweitert, 2. daS Aus- verkaufswesen geregelt, 3. die Vereinigung von Beamten des Reiches, des HeereS, der Marine und des Staates sowie von Offizieren zum Betriebe von Warenhäusern untersagt wird; II. eine Eugucte über dieWirkungen ber gewerblichen Kartelle, Syndikate und Ringe zu veranstalteu, wie dies auch der bekannte Antrag der Reichstags-Abgeordneten Gröber, Dr. Lieber-Montabaur, Dr. Pichler und Genossen vom 23. November 1900 in der letzten Session des Deutschen Reichstages bezweckt." Die Pflege des Genossenschaftswesens im Handwerk behandelte ein Referat des Obermeister? der Goldsch»iiede«Jnnu»g zu Berlin, Fifcher. Er legte folgende Resolution vor: „Der allgemeine deutsche Jnnungstag in Gotha erkennt die Be- deiitiliig des Genosienschaftsweseiis an nnd wünscht, datz die Handwerkskammern, JnmmgSausschüffe»»d Innungen sich des Genossenschaftswesens mehr wie bisher annehmen möchte»." Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete ein Autrag der Tischlerinmmg zu Köln a. Rh., der die Errichtung von Kammern für Handlverkersachen bei den Landgerichten, wie solche für Handelssachen bei denselben Gerichten schon bestehen, fordert nnd verlangt, daß der ZiiiSfiitz für Handiverkerforderimgen, welche auf dem Prozetzwege geltend gemacht werden, von 4 auf 6 Proz. erhöht werde. Mit der Annahme dieses Antrages>var die Tagesordnung er- ledigt. Der Obermeister Bernard-Berlin schlotz darauf den Jinnmgs- tag mit einem Hoch auf den Kaiser und den Regenten. GemeMMafklickzes. An alle Kürschner, Zurichter, Mützenmacher und vertvaudle Vernfögenossen Deutschlands. Der Kongreß obiger Branchen, welcher für Ende September, d. I. angesetzt ivar, findet Sonntag, den 0. Oktober, früh l/e 1 1 U h r, in L e i p z i g, Leinwand Halle, Brühl, statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Konstituiernng des Kongresses. 2. Ccntralisatioiisfrage. Referent: Kollege Ernst Schubert- Hamburg. 3. Vorlage der von der Kommission ansgearbcitetcn Statuten. 4. Presse. 5. Bericht des Sekretariats, 6. Gewerkschaftliches. Montag, den 7. Oktober, wird mit den Verhandlunge» fort- gefahren, wenn dieselben Sonntag nicht beendet sein sollten. Kollegen, eS ist Pflicht, datz der Kongretz möglichst von allen Orten, Ivo eine größere Anzahl Kollegen arbeiten, beschickt ivird. Auch köniic» mehrere kleine Orte zusammen einen Delegierte» ent- senden. Die anSivSrtigen Delegierten werden ersucht, sich wegen des Nachtquartiers an Kollegen Max Weber, Leipzig-Gohlis. Stratzburger- ftratzc 18. zu wenden. Alle Aufragen, den Kongretz betreffend, bitte an Unterzeichneten zu richten. Die Kommission. I. A.: Wilh. Böhm. Schkeuditz bei Leipzig. Berlin«nd Umgegend. Ueber die Lohnbewegung der Bauanschläger berichtete der Obmann der Lohnkoulinission in einer Versamnilung am Dienstag folgendes: In den Streik getreten sind 043 Personen. Zu den neuen Be- dingimgcn wurden in der ersten Woche 227 Personen i» Arbeit ge- bracht; in der ziveiten 59 und in der dritten 13 Personen, so datz gegeuivärtig 299 Personen zu den neuen Bediiigniigen arbeiten. Im Ausstand befinde» sich gegenwärtig 203 Pexsonen, während 101 Streikbrecher zu verzeichuen sind. Bewilligt haben bisher 104 Meister. NaÄ längerer Debatte über die Taktik im Streik wurde mit großer Mehrheit beschlossen: Diejenigen Jiniungsmeistcr, welche den Revers»mterscbreiben, sind von heute ab freigegeben. Achtung, Branerei-Arbeiter! Die bereits in voriger Ver- sammlung geschilderlen Differenzen mit der Brauerei Julius Bötzow ivegen Matzregelimg unsres VertraiieiiSmaiiiics, ivelcher gleichzeitig Mitglied des ÄrbeiterauSschnsse» ivar, sind noch nicht beigelegt. Durch Verhandlung der Kommission mit dem Brau- meister des Herrn Bötzow ivar die Angelegenheit bereits zur Zu- friedcnhcit beider Teile erledigt, jedoch machte ein nachträgliches, brieflich mitgeteiltes Veto des Herrn KommerzienratS Bötzow das Resultat der Verhandlung illusorisch. Die AgitationSkommisston. Achtung» Bandagisten! Der Streik der Bandagisten bei der Firma Müller. Neue Königstratze, dauert unverändert fort. Der Firnia ist es bis jetzt nicht gelungen, in Berlin Ersatzkräfte zu be- komme». Sie versucht jetzt'von außerhalb Kräfte hcraiiziiziehen. Wir ersuchen darum alle auswärtigen Arbeiterdlättcr um Nachdruck obiger Notiz. Deutscher Metallarbeiter-Verband. (Ortsverwaltung Berli».) Deutsches Reich. Zum Tnbakarbettcr-Auöstand in Rordhanse». Die Arbeits- willigen strömen den Fabrikanten trotz aller Bemühungen der letzteren nicht in der erforderlichen Anzahl zu, und so versuchen dem, die Fabrikaiitcii. sich auf andre Weise so gut, oder richtiger so schlecht als möglich zu helfen. Datz die Firma Knciff einen Teil ihrer Ware im Gefäugnis herstellen läßt, ist bereits bekannt. Aber es ivird gegenwärtig Rordhänser Kautabak noch unter weit bedenk- kicheren Verhältnissen hergestellt. Wie auS Nordhansen berichtet ivird, arbeitet ein Streikbrecher, in dessen Familie zur Zeit die Dyphtheritis herrscht, in seiner Wohnimg für die Firma Kneiff. Natürlich kann durch den unter solchen Umstände» an- gefertigten Tabak die gefährliche Krankheit leicht auf die Konsmneiiten desselben übertragen iverden. Wer also nicht aus Gründen der Solidarität sich veranlaßt fühlt, den Vohkott zu beachte», den dürfte die Sorge um seine und seiner Angehörigen Gesundheit beivegen, keinen Kautabak von boykottierten Firmen zu kaufe», denn man kann nicht wissen, Ivo und unter welchen Verhältnissen diese Ware jetzt hergestellt wird. Der Generalstreik der Flaschcnmachcr macht sich durch einen cmpfiudlichen Flaschenmangel bemerkbar, wie schon öfter konstatiert worden ist. Ein neues Beweisstück für diese Kalamität ist folgendes Schreiben, welches die Merseburger Stadtbrancrci an ihre Kunden versandte: „Infolge des in ganz Deutschland auSgebrocheiien Ausstandes der Flaschenmacher ist seitens der Glasfabriken die Lieferung neuer Flaichen vollständig«ingestellt worden und eS ist mir auch nicht mehr möglich, solche noch von irgend einer Seite zu de- kommen. A»S diesem Grunde bitte ich Sie hierdurch ebenso höflich als dringend um recht prompte Rückgabe ineiner Flaschen." Man sieht also, datz der Streik ivirkt. Hoffen ivir, datz die Fabrikanten sich der Einsicht nickit verschlietzen, datz eine Einigimg mit den Streikenden das beste Mittel ist, um dem gekennzeichncteii Mangel abziihekfei,. Tabakarbeitcr. In der Cigarrcnfabrik bon F. W. Paffek in Pirna wurde am Sonnabend das gesamte Arbeitspersonal(mehr als 40 Personen) plötzlich entlassen mit der Begründung, die Fabrik solle geschlossen werden. Die Entlassenen vermuten jedoch, daß der Inhaber der Fabrik, Kaufmann ElSbolz. nicht an eine Schliefeunq des Betriebes denkt, sondern sich an Stelle der Entlassenen billigere Arbeitskräfte suchen tvill. Vor Zuzug wird deshalb gewarnt. Die Differcnzcu der Schuhmachcr in der Blasigschen Schuh- fabrik in Weijzeiifels können als beseitigt angeschen werden, da die bisherigen Lohnsätze und die bisherige Arbeitszeit von Herrn Blasig den Arbeitern zugebilligt sind. Ausland. Die Streiks in Norwegen. Vor sieben Wochen hatte sich das Landessekretariat der norwegischen Gewerlichaften an die Centralorganisation der Arbeitgeber Norwegens gcivandt, um eine Verhandlung zur Beilegung des grobe» AusstandeS der Arberter der Kupferwerke in RöroS herbeizuführen, und vor fünf Wochen mir demselben Ansuche» in Bezug auf den nun bereits über 12 Monate dauernden Möbeltischler-Streik in Christiania. Jetzt endlich hat die Centralleilung der Arbeitgeber-Orgattijatioir es für nötig erachtet, darauf zu antivorten, und zwar ablehnend. Beide Ausständewerden mm weitergeführt werden._ Sociales. Die Herausgabe einer Statistik über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der staatlichen Arbeiter hat die hessische Regierung, dabei einem Antrag der socialdemokratischcn Landtags fraktion willfahrend, durch die Centraistelle für die Laudesstatistik veranlaßt. Auf S7 Seiteir Tabellen wird in ausführlicher Weise über die Arbeitsverhältnisse der in den Dominial- und Gemcinde- Waldnngen sowie bei den in eigener Verwaltung befindlichen Kameral- Domänen des Gcoßherzogtums Hessen, bei der Bade- Anstalt und bei der Saline Bad Nauheim, bei der Braunkohlen- Grube Ludwigshoffnung, bei dein Kameral und Territorial- Flußbau im Jahre 18g8/gg sowie bei der Main-Neckar-Eiscnbahn und den an dieser anschlietzenden Neben bahne» im Dezember 1899 beschäftigten Arbeiter Auskunft gegeben. Diese Statistik wird unsren Genossen im Landtage recht bcachtenS- wertes Material bieten, noch dazu, wenn dein Antrage der letzten Landeskonferenz gemäß von seilen der Genossen der Fraktion über die Lohnverhältnisse der Waldeskulturarbcitcr Material zur Kontrolle der amtlichen Publikation übermittelt ivird. Die Errichtung eines Gcwcrbcgerichts ist den Parteigenossen in Itzehoe nach neunjährigem hartnäckigen Kampfe gelungen. Am 1. Oktober wird das Gericht eröffnet. An> Sonnabend haben die ersten Wahlen stattgefunden, die Liste des GewcrkschaftSkartells ging für die Arbeitnehmer-Beisitzer glatt durch. Die englische HandelSstatistik vom Monat Angnst weist ungünstige Resultate auf; Import wie Export sind gegen den gleichen Monat im Vorjahre zurückgegangen. Dabei ist allerdings bc- ziehentlich des Exports zu beachten, daß im Vorjahre die Preise im allgemeinen etivas höhere waren. Die Einfuhr ist inr vergangenen Monat um 23,2 Millionen Mark oder 2,7 Proz. gesunken: die Ans fuhr ging um 1ö,S8 Millionen Mark oder 3,1 Proz. zurück. In den acht Monaten, endend mit August, ist die Einfuhr um 1L7 Millionen Mark gestiegen, die Ausfuhr um 139.4 Millionen Mark gesunken. iwege eine Lohnentschädigung. Die Kammer IV des Gewerbe- gerichts riet dem Beklagten, vergleichsweise die Klagesmnme I zu zahlen. Nachdem ein Vergleich ans 39 M. zu stände ! gekommen war. verkündete der Vorsitzende Gewerberichlcr l Dr. Meier, daß im Weigerungsfälle der Beklagte ver- ! urteilt werden wäre. Wenn der Kläger dabei geblieben ivöre, er mache die Arbeit nicht, und wenn er darauf endgültig entlasse worden Iväre, dann hätte er keinen Anspruch ans Entschädigung. Da er aber aus seinen Einwand, die Kündigungsfrist betreffend, wieder zur Arbeil bestellt worden sei, so sei alles in Ordnung gewesen, und die Eiitlaffung am Montag sei deshalb nicht mehr gerechtfertigt. Ein Eingriff der Aufffchtsbehörde in den Streit der Krankenknffen rnt den Wthekern. Der Orts-Krankenkaffe Schöneberg ist folgender— auto- graphierter!— Erlaß der Aufsichtsbehörde zugegangen: Der Vorsitzende des KreiS-Ausschusses dcS Kreises Teltow. Berlin W., den 19. September 1991. Mir ist bekannt geworden, daß die Orts-Krankenkasse für Schöneberg und Friedenau dio Anfertigung der von den Aerzten verordneten Arzcneien für Eilfälle in der PallaS-Apotheke, Goltz» straße 23, besorgen läßt, daß dagegen andre Rezepte in der Orts- Krankenkasse gesammelt und periodisch in die Apotheke von Lutter in Potsdam befördert werden, von wo die Arzeneien zweimal am Tage durch Boten nach Schöneberg in die Kasse gebracht werden. Dortselbst müssen sich die Kranken oder ihre Boten zum zweiten- mal zur Empfangnah», e der Arzenei einfinden. Es soll vor- kommen, daß die Kranken die Arzeneien erst 24 Stunde» nach der Verordnung erhalten. Mit diesen, Geschäftsgange ist sofort nach Zu st eilung dieser Verfügung zu brechen. Es ist erforderlich, daß die Kranken selbst oder durch Boten die ihnen verordnete Arzenei im Bezirk der Kasse in Schöncbcrg sowohl wie in Friedenau sich aus Apotheken umgehend beschaffen können. Es ist unstatthaft, daß die Kranken die Rezepte in den Apotheken bezahlen müssen und daß ihnen die Auslagen von der Krankenkasse erstattet werden. Die Kasieiimitglieder habe» die Leistungen der Kasse— Arzeneien und andre Heilmittel Zc.— unentgeltlich zu verlangen. So lange die Kasse ivcgcu Lieferung der Arzcneien mit Apotheken in Schönebcrg, Friedenau und nach Bedürfnis in den Orten der Umgebung nicht Verträge geschlossen hat, haben die Kassenmitglieder das Recht. ihre Ärzeneicn aus beliebigen Apotheken unentgeltlich auf Kosten der Krankenkasse zu beziehen. Rechnungen der Apotheken, welche in der Kasse eingehen, sind zu bezahlen. Wird dieser Anordnung durch die Geschäftsstelle der Kasse zuwider gehandelt, so wird für jeden Fall der Zuwiderhandlung gegen Sie eine hiermit angedrohte Geld st rase voii 159 Mark fe st gesetzt, an deren Stelle inr Un verniögensfalle Haft tritt. An den Schriftführer der Orts-Krankenkasse Schöncbcrg Herrn Obcrdrucker H. Pauli in frei Schöneberg P. Z. U. Seda»st,aße'82. K. Wir behalten uns eine eingehende Würdigung dieses in letzter Stunde mitgeteilten Erlasses für morgen vor. Für heute nur so viel, daß wir diesen zu Gunsten der Apotheker iv irkenden Eingriff der- Aufsichtsbehörde für ungesetzlich halte n. Die Orts-Krankenkasse Schöneberg hat auch bereits tclegraphisch Beschwerde dein, Regierungspräsidenten erhoben. Die Behörden pflegen aber solche von seilen der Arbeiterschaft kommenden Gesuche und Beschiverdcn mit einer getvissen Gründlich kcit zu bearbeiten— die„Centralkommission der Krankenkasse» Berlins" hat zum Beispiel auf eine vor mehr als zwei Monaten ans Anlaß des Apothckerboykotts an das Polizeipräsidium gerichtete Anfrage bis heute noch keine Antwort erhalten— und so wird bis zur Aufhebung der Verfügung wohl einige Zeit vergehen. Sache der Arbeiterschaft ivird es sein, dafür zu sorgen, daß dieser Aufschub den Apothekern den tcr- wünschten Nutzen nicht bringt. Der Eingriff der Bc- Hörden zu Gunsten der Apotheker gegen die Krankenkafscn kann für die Arbeiterschaft nur ein Ansporn sein, den Kampf mit verdoppelter Energie fortzusetzen, lind glücklicherweise kann die A u f s i ch t s- be Hörde keinen Arbeiter auch nur einen Augenblick davon abhalten, die freigegebenen Medikamente nur aus Troguen- gcschästen, die de» Apotheken»orbehaltcncn nur auö den zu- gelassenen Apotheken zu entnehmen. Das fei die Antivort der Arbeiterschaft Berlins und der Vororte! GecieTzks-Leitung. Der Thorner GeheimbundSprozeff zeigt in seinem weiteren Verlaufe»miner mehr, daß der Slaatsamvaltichaft, wie schon in so manchen politisch gestempelten Prozesse», auch hier anscheinend»nr sehr spärliche Lorbeer» erblühen. Das amtliche Vorgehen gegen die polnischen Gymnasiasten könnte an die Deniagogenvcrfolguiigcn der dreißiger Jahre erinner», wenn hier nicht der Unterschied obwaltete. daß statt der einheitsbegeisterten Studenten schwärmerische Knabe» ein Spiel getrieben hätten, welches die durch Jndianerbücher erhitzte Phantasie sich mit allerhand Bimborium möglich gruselig zu ge stalten suchte. Die Zusammenkünfte der Knaben im Waldes dunkel, das Ausstellen von Wachen und die Abnahme eines fürchter lichcn Eides waren dann allerdings Dinge, die einem preußischen Polizcigcmüt als Revolution und Ümstnrz aller gottgewollten Ord nung vorkon, men mußten. Es komnit dann im Prozeß ivieder daS Bestreben des Staatsanwalts zur Geltung, aus dem Phrasemverk des schülerhaften Zeitvertreibes tiesbedenklichen Sinn und schwer wiegende Bedeutung herauszuholen. So in der Frage an den An geklagten K r u tz y n s k i, die dahin ging, ivas er sich bei dem in einen, beschlagnahmten Blies enthaltene» Worten gedacht habe:.Wie jede Geburt mit Schmerzen verbunden ist, so ivird auch die Wiedergeburt des polnischen Volkes mit Schmerzen verbunden sein." AIS ob sechzehnjährige Knaben sich bei solchen Phrasen überhaupt viel dciikcn. Auch der Vorsitzende inquirierte den Angeklagten sehr eingehend und meinte, die Bedeutung der wiedergcgebenen Worte in ihrer vollen Schivcre erfassend, daß sich mit der vom Angeklagten gcgebcnei, Erklärung, die Volksbildung zu heben, immer noch nicht der Ausdruck.Schmerzen" begreifen lasse. Die Bernehmungen der Angeklagten gestalteten sich in der Dienstags sitzuug in, ganzen recht eintönig. Sie leugneten sämtlich, in derZugehörig keit zur Verbindung staatSgefährliche Zivecke verfolgt zu haben. Für die Art, lvie das Vorverfahren betrieben worden ist, sind die Bekuildungen charakteristisch, welche die Angeklagten über den Unter snchungsrichter Borowski abgaben. Der Angeklagte Gymnasiast Grochowky wurde in der Verhandlung von, Vorsitzenden gefragt Bei den, Herrn Untersuchungsrichter haben Sie gesagt, Sie wollten eine große polnische Nation in ideale», Sinne bilden?— Angekl. Das habe ich aber nicht zu Protokoll erklärt, das war die An ficht dcS Herrn Assessors Boro iv Ski.— Borsitzender: Das Protokoll wurde Ihne» doch aber vorgelesen und von Ihnen„nie r- schrieben?— Angekl.: Ich war, als mir das Protokoll vor- gelesen wurde, infolge der Aufregung etwas verwirrt und habe die Wendungen auch nicht genau verstanden. Vors.: Sie wurden nun einige Zeit darauf von, Staatsanwalt vernommen, von diesem wurde Ihnen doch Ihre protokollarische Aussage vor- gehalten, weshalb haben Sie dieselbe nicht richtig gestellt Ängckl.: Ich hatte inzwischen erfahre», daß ich meine Aussäge ver- weigern dürfe, ich that dies deshalb. Ein andrer Angeklagter erklärt, er sei bei seiner ersten Ver- nehnmng so verwirrt gewesen, daß er nicht verstanden habe. ivas ihm vorgelesen wurde. Er habe dies auch bei seinen späteren Vernehmungen gesagt und bemerkt, daß er diese Aussage nicht aufrechterhalten könne. Dies sei aber nicht proto- kolliert würde ii. Der Angeklagte bemerkt noch auf Befragen Der Untcrsnchungsrichtcr, Affessor Borowski habe ihm gesagt, wenn er nicht gestehe, werde er von, Gymnasium entfernt und auf keinem deutschen Gymnasium wieder aufgenommen werde».— Der Angeklagte Alfons Baladowski bemerkt auf Befragen des Vor sitzenden: Der Untersuchimgsrichter, Assessor Borowski, habe ihn, gesagt, wenn er nicht ein volles Geständnis ablege, dam, ivcrde er von, Gymnasium weggejagt und auf keinem andren Gymnasium aufgenommen werden. Er könne alsdann nichts weiter werden als.Heringsbändiger" oder Arbeiter lHcitcr kcit). Der Untersuchungsrichter sagte ferner: Er �Angeklagter) könne, wenn er ein offenes Geständnis ablege,»ur eine ger in geStrafe erhalten. Deshalb habe er schließlich zugegeben, daß der Zivcck beS Vereins die Weckung und Hebung des polnischen Nationalbewußt seins gewesen sei, er könne dies aber heute nicht aufrecht erhalten. Der Angeklagte, Hauslehrer Joseph S a r g a l S k i, bestreitet neben vielen andren Angeklagte», Mitglied des Vereins gewesen zu sei». Der Untersuchungsrichter, Assessor BoroivSki, sagte ihm: Sic sind Mitglied und haben daS zuzugeben, widrigenfalls werde ich dafür sorgen, daß Sie binnen 14 Tagen von der Schule e ii t f e r n t iv e r d e n. Sie sind an den Eid nicht gebunden.— Vors.: Sie werden doch als verständiger Mensch auch zugeben, daß Sie an den Eid nicht gebunden sind? Angekl.: Das ivollen wir dahingestellt sein lassen. Nachdem die Vernehmung der Angeklagten beendet war, erfolgte die Z e u g e n v e r n e h m u n g, die jedoch noch nichts von Belang brachte. Es wird damit gerechnet, daß DonnerStagmittag das Urteil gesprochen werden kann. Ein alter Sünder. Sittliche Verfehlungen gegen seine D i e n st m ä d ch e i, ivurden dem 78 jährigen Kaufmann H e r», a n n o l d b e r g zur Last gelegt, der sich gestern wegen Beleidigung vor der fünften Strafkammer des Landgerichts I zu ver- antworten hatte. Als Belastungszeugen traten gegen ihn zwei Mädchen auf, die nach einander in seinen Diensten ge- standen hatten. Das Schöffengericht hatte seiner Zeit für erwiesen er- achtet, daß der Angeklagte das eine dieser Mädchen durch gemeiiie Redensarten und unanständige Gesten belästigt und das andre Mädchen wiederholt unsittlich berührt und auch ihr gegenüber mehr- lach zotige Bemerkungen gemacht hatte. Der Angeklagte hatte die Beschuldigungen bestritten, die Mädchen wiederholten sie aber unter ihrem Eide. Das Schöffengericht erachtete das Treiben des An- geklagten siw ein sehr veriverflicheS, berücksichtigte aber sein hohes Alter und enannte auf nur 59 M. Geldstrafe. Die Stantsnnivalt- schaft hielt diese Strafe für viel zu gering und legte deshalb Be- rufung gegen das erste Urteil ein. Affessor Dr. F i e'g e n beantragte gestern einen Monat Gefängnis, da nach seiner Meinung solche Mädchen, die sich in fremden Familien ihren Lebensunterhalt eriverben müssen, Anspruch auf energischen Schutz gegen unsittliche Ans- schreitnngen ihrer Dienstherren haben. R.-A. Dr. Werthauer empfahl dagegen die Verwerfung der Berufung, weil der Angeklagte bei feinen, hohe» Alter doch wohl schon etwas kindisch geworden sei und nicht für alle seine Redensarten verantivortlich gemacht iverden könne,-t— Der Gerichtshof trat dem Staatsanwalt darin bei. daß derartige Verirrungen von Dienstherren gegen ihre Dienstmädchen strenge zu bestrafen seien, er nahm jedoch Rücksicht auf das hohe Alter des Angeklagten und erhöhte die Strafe auf 159 Mark Geldstrafe._ VcvsLttnnNungrn. Sociale Melsrkspflege. Wegen ArbcitSUcrtvcigerung war der Drechsler B. entlassen worden. Auf seine Aeußerung, daß er 14 Tage Kündigung habe, forderte ihn jedoch der Arbeitgeber, Drechslermeister Heuer auf, am Montag weiter zu arbeiten. Als B. Montag kam, wurde er gleichwohl nicht weiter beschäftigt. Der Wcrkführer hatte inzwischen einen andren Gesellen engagiert. B. verlangte nunmehr im Klage- Der Wahlverein für de» sechste» Berliner Wahlkreis hielt am 19. d. Mts. im KöSliner Hof wiederum eine General- Versammlung ab, um die Beratungen über daS Statut fortzusetzen. Vor Eintritt in die Verhandlungen gelangte ein von den Genossen Trapp, Wünsch. Heise und Klose unterzeichneter, im Auf- trage einer Anzahl Genoffen der Schönhauser Vorstadt eingelegter Protest zur Verlesung, in ivelchcm gegen die Abhalwng der General- versau,»ilung Einspruch erhoben wird, da dieselbe nicht ordnungs- gemäß vorbereitet und einbenife» sei und entgegen den Ab- machungen in einem Lokal stattfände, welches für eine General- Versammlung ungeeignet sei. Bei der Begrimdung des Protestes teilt K l o s e unter anderm noch mit. daß die Genossen der Schönhauser Vorstadt, eben weil sie von der Einberusniig der Generalversammlung nichts gewußt haben, zum selben Abend eine Be» sprechung der Mitglieder bei Wernau arrangiert hätten. Der Vor« fitzende und ebenso Genosse Tausche l stellen fest, daß die Ein- berufer dieser Besprechung am Sonnabendabend, spätestens aber am Sonntag von dem Stattfinden der Generalversammlung Kenntnis erhalten haben. Außerdem beruhe der Prolest überhaupt auf irrigen Voraussetzungen. Die Versammlung erledigt den Protest durch Ucbergang zur Tagesordnung und spricht ihre Meinung in nach- stehender Resolution aus:„Die Versammlung nimmt mit tiefstem BedauernKenntnis von der Thatsache. daß die Genossen der Schönhauser Vorstadt— entgegen de» bis jetzt bestehenden Statuten, wonach der Vorstand die Mitgliederversammlung des Wahlvereins einberuft- eine Mitgliederversammlung einberufen an dem Tage, an welchem eine Generalversammlung des Wahlvereins stattfindet. Die General- Versammlung hat aber die Ucberzeugung. daß die betreffenden Partei- genossen die Beweggründe derjenigen, welche sie zu diesem Schritt zu verleiten suchen,' nicht als gerechtfertigt anerkennen werden und hofft, daß sie dam, in ungebrochener Opfersreudigkeit und in voller Einigkeit mit den übrigen Genossen des ti. Kreises den Ka»ipf sür unsre Ziele fortführen." Es beginnt sodann die Beratung der Statuten. Bei§ 7 deS Entwurfs drehte sich die Debarie hauptsächlich um die Frage, wieviel Mitglieder berechtigt sein sollen, eine außerordentliche General- Versammlung zu beantragen. Der Kommissions-Entwurf hat hierfür die Zahl von 299 vorgesehen, während einige Anträge die Herab- setzung auf 199 Mitglieder bezw. 2 Prozent der Mitgliederzähl ivünschtcn. Es blieb schließlich bei der Kommissionsfaffung. Von Bedeutung ist der 8 8. welcher in nachstehender tKonimissions-) Fassung aiigenommen wnrde: Der' Vorstand besteht aus 9 Personen: 2 Vorsitzenden, 2 Schriftführern, 2 Kassierern und 3 Beisitzern. Die Wahl findet jährlich in der Generalversammlung statt. Wiederivahl ist zulässig. Scheidet während dieser Zeit ein Mit- glied aus, so findet in der nächsten Mitgliederversammlung eine Ersatzwahl statt. Die Amtsdauer des Ersatzmannes läuft aber nur bis zur allgemeinen Neuwahl deS Vorstandes. Mitglieder, welche dreimal hintereinander unentschuldigt in den Vorstands- sitzungen fehlen, gelten als ausgeschieden. Außerdem wählt die Generalversammlung 4 Mitglieder für die Lokalkommission, 2 Mitglieder sür die Preßkommissio», 2 MiU glieder sür die Agitationskoinmission. Die Wahlen geschehen durch Handanfheben. Einfache Majorität entscheidet. Zu den Vorstandssitzungen müssen die Vertrauensleute und Abteilungsfllhrer eingeladen werden. Bei§ 19 führt die Frage, ob den Mitgliedern das Abonnement des„Vorwärts" zur statutarischen Pflicht gemacht werden soll, zu einer lebhaften Auseinandersetzung. Kiesel und Frei- rhaler verteidigten den KommissionSentwurf, in welchem diese Pflicht nicht festgelegt ist, damit, daß man den Genossen, welche anS wirtschaftlichen Ursachen den„Vorwärts" nicht abonnieren können, nicht auch noch die Organisationsmöglichkeit nehmen solle. Es blieb denn auch bei der Fassung der Kommission. Der 8 11 des Entwurfs besagt u. a.. daß Anträge zur General- Versammlung de», Vorstande ivenigstenS vier Wochen vor dem Statt, finden derselben eingcreichr werden müssen. Gegen diese Bestimmung wandten sich mehrere Redner, da eine solche sich bald als undurch- sührbar erweisen werde und den Mitgliedern damit das Antrags- recht ganz wesentlich beschnitten würde. Es blieb jedoch auch bei dieser Faffung, nur wurde der Ab- ändcrungsantrag eingefügt, daß der Vorstand etwaige Antragsteller zur Begründung ihrer Anträge einladen muß, statt einladen kann, lvie es im Kommissions-Entwurf hieß. Nach 8 12 gilt als aus- geschlossen, ivcr mit seinen Beiträgen länger als 3 Monate im Rück- stände ist. Stundiinge» von längerer Dauer kann der Vorstand ein- treten lassen. Die Auflösung des Vereins kann nach 8 13 nur in einer zu diesem Zivcck einberufenen Generalversammlung mit Ziveidrittel-Mehrheit der Anwesenden erfolgen. Das Vermögen darf im Falle der Auflösung nur zun, Zwecke der Förderung der Arbeiter« bewcgling verwandt werden. / Damit hatte die Beratung des Wahlbereins-Statuts ihren Abschluß gefunden und wurde dasselbe in der Schlußabstimmung mit allen gegen eine Stimme von der gutbesuchten Versammlung angenommen. Die Beratung des Organifaftonsstatuts wurde ver- tagt und soll sich eine spätere Versaminlung damit beschäftigen. Zu dem Bericht über die Mctallarbeiter-Versammlung» der in Nr. 299 unsres Blattes vom 7. d. M. abgedruckt ist, sendet uns die Maschinen- und Wcrkzeugfabrik Richard Weber u. Co. unter Bentfung auf das Preßgesetz eine Berichtigung. Dieselbe lautet, so iveit' sie ivirklich in dem Versammluilgsbcricht angeführte Thatsachen berichtigt, folgendermaßen: � Wir haben in unsre», Betriebe bei einer zwischen 199 und 159 chwankenden Arbciterzahl 21—25 Lehrlinge beschäftigt und erhält jeder der Lehrlinge bei seinem Antritt ein Sparkassenbuch angelegt, das ihn, bei seinein Weggänge von unS ausgehändigt wird. Sparkassenbücher sind unsrerseits bisher nie cinbehalten worden. Die gezahlten Strafgelder fließen kranken Arbeitern zu und wird äin Schlüsse eines jeden Jahres durch Anschlag Rechnung hierüber gelegt._ Urhkv LlathLichkett und Depcptzeu. Ausbruch der Ruhr. Witten, 11. September.(B. H.) In den Ortschaften der Um- gegend tritt die rote Ruhr epidemisch auf und fordert viele Opfer. Wie ärztlicherseits festgestellt wurde, ist die Krankheit durch italienische Arbeiter eingeschleppt worden. Uinsangreiche sanitäre Maßregeln wurden getroffen._ Preußische Maßregel? Mainz, 11. September. sB. H.) Wegen der Aufhebung der Sonntagsfahrkarren, namentlich auf der Strecke Mainz- Franks, irt am Main, beschlossen die Stadtverordneten in ihrer heutigen Sitzung einstimiiiig die Absend,»ng einer ansführ» lichen Besch iv erde schrift an das großherzoglich hessische Ministerium. Der socialdemokratischc Stadtverordnete und Landtags- Abgeordnete Haas erklärte hierzu, daß er seine Zilstiunnung nur ans dem Grunde gebe, um die hessische Regierung z» veranlassen, sich zur Aufhebung der Sonntags« 'ahrtkarten zu äußern, da nach den, zwischen Preußen und Hesse» abgeschlossenen Eisenbahnvertrag die Einführung einer einschncidende» A cnderung nicht ohne die Einwilligung der hessischen Regierung hätte erfolgen dürfen._ Essen, 11. September.(23. T. B.) Der„Westfälischen Volks- zeitnng" zufolge stürzten zwei Bergleute in den Schacht Bramci- Bönen und waren sofort tot. Kopenhagen, lt. September.(W T. B.) Als Anerkenming nr die Hilfe, ivelche die Rcttungsinannschaften der Rettungsstation Skagen bei der Rettung der Besatzung des am 27. Oktober vorigen Jahres an Skagcn-Riff gestrandeten deutschen Kutters„Almmh" geleistet haben, hat Kaiser Wilhelm dein AufsichtSrnann der Station G. K. Nielsen ein Marinesernrohr niit Inschrift, dem Bootssührcr N. A. Nielse» eine goldene Uhr mit seinem Namenszuge und seinem Bildnis geschenkt und außerdem 229 Kronen zur Verteilung an die übrigen Mannschaften der Rettungsstation gestiftet. New Hork, 11. Sepien, bcr.(W. T. B.) Der'Korrespondent deS„New Dork Herald" in Bnffalo will erfahren haben, Czolgosjj hätte eingestanden, daß das Attentat die Folge eines Komplotts sei, an dem viele Personen beteiligt seien. Eamdcn(New Jersey). 11. September.(W. T. B.) Ein ge- wisser Stone ist gestern abend hier verhaftet worden. Er soll an dem Mordauschlag ans Mc Kinley mitschuldig sein.(??) Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Znlerateuleil veraniwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 1 Beilage». Itiiterhaltuugsblatt. Nr. 213. 18. Jahrgang. Kkllm des Dmiirls" Kerlimr WIMM. 12. Seplmber 1901. Kongreß her Nrts-Kraukenkchn. Stuttgart, 10. September 1901. Erledigt wurden heute zunächst die Anträge zum KrnnkenvcrsichcrnngS-Gcsetz. Auf Antrag der Orts-Krnnkenkasse für Handelsbetriebe der Stadt Mannheim wird vorgeschlagen, dem§ 2b Abs. 1 des Kranken- versicherungs-Gesetzes folgende Fassung zu geben: „Betriebsbeamte, Werkmeister und Techniker. Hnndlungsgehilfc» und Lehrlinge unterliegen der Versicbernngspflicht nur. ivenn ihr Arbeitsverdienst an Lohn oder Gehalt 10 M. für den Arbeitstag oder, sofern Lohn oder Gehalt nach gröstere» Zeitabschnitten bemessen ist, dreitausend Mark für das Jahr gerechnet, nicht übersteigt." Der Ortskrankcnkassen-Verband Stuttgart beantragt, im§ Absatz 1 das Wort„Erkrankung" zu streichen und dafür einzufügen «Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe". Begründet wird dieser Antrag mit dem Hinweis ans die„Kastenräuber", die behaupten, sie seien schon mehrere Tage krank gewesen, bevor sie die Hilfe des Arztes in Anspruch genommen hätten. Fräßdorf- Dresden bekämpft den Antrag als kleinlich und praktisch undurchführbar. Der Autrag wird abgelehnt. Der Orts-Krankenkasten-Verband Stuttgart schlägt vor, die Beitragsprozente mindestens ans 3>/s Proz. anstatt auf 3 Proz. fest zusetzen(K 31, Abs. 2), um die erhöhten Anforderungen an die Krankenkassen zu erfüllen. F r ä ß d o r f- Dresden warnt, sich auf 3'/» Proz. festzulegen. Damit könnten die Kasten nicht auskommen, wenn sie die 26>vöchigc Unterstützungspflicht an Stelle der 13wöchigen und die Familie»- nnterstützung übernehmen müßten. 4 Proz. seien das mindeste, was verlangt werden müßte. Fiedler- Nürnberg wendet sich gegen beide Anträge. Hoffcnt lich werde die Novelle zum Krankenvcrsicherungs- Gesetz dafür sorgen, daß die Berufsgcnossenschaften von, ersten Tage der Ver letzung an bei einem Betriebsunfall für den Verunglückten zu sorgen hätten. Das würde eine solche Entlastung für die Krankenkasten bedeuten, daß eine Erhöhung der Beitragsprozente überflüssig sei. G r ä f- Frankfnrt beantragt, den Absatz ganz zu streichen, da die Prozentsätze sich nicht von voncherein festlegen ließen, sondern nach dem Bedürfnis bemessen werden müßten. Um die Krankenkassen gegen Ausfall an Beiträgen im Bau betriebe zu schützen, beanträgt die Freie Vereinigung der OrtS Krankenkassen mit freier Arztwahl zu Bcnlin im Z'S2 folgende Einschaltung: „Auf Antrag des Kastenvorstandes kann die untere VcrwaltungS- behörde anordnen, daß bei Unternehmern der versicherungspflichtigen Baubetriebe, sofern sie mit der Zahlung ihrer Beiträge im Rück stände geblieben sind und ihre Zahlungsunfähigkeit im Zwangs beitreibungs-Verfahren festgestellt worden ist, der Bauherr für die Beiträge während eines Jahres nach deren endgültiger Fest stellung insoweit haftet, als sie nach Erlaß der Anordnung erwachsen sind. Sind im Falle einer solchen Anordnung Zwischen Unternehmer vorhanden, so haften diese vor dem Bauherrn. Die Anordnung muß diejenigen Unternehmer, für welche sie gelten soll, nach Namen, Wohnort und Geschäftsbetrieb deutlich be- zeichnen und ist diesen Unternehmern sowie de» Ortspolizeibehörden ihres Betriebssitzes und ihres Wohnortes schriftlich mitzuteilen. Die von solchen Anordnungen betroffene» Unternehmer sind verpflichtet, vor der Uebernah'me eines auf ihr Bauunternehmen be- züglichen Auftrags dem Auftraggeber von der Anordnung schriftlich Kenntnis zu geben. Unterlassen sie das und wird infolge dessen der Auftraggeber geschädigt, so werden sie mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft, neben welchen auf Geldstrafe bis zu 3000 M. erkannt werden kann." Dieser Antrag wird angenommen. Der Orts-Kränkenkassen-Vcrband Stuttgart beantragt, das im Jnvalidenversicherungs-Gesetz vorgesehene Schiedsgericht auch für die Streitigkeiten aus der Krankenversicherung zuständig zu machen. (Z 58 Absatz 1.) Es wird von verschiedenen Seiten darauf aufmerksam gemacht, daß ein weitergehender Antrag bei früherer Gelegenheit angenommen worden sei und daß es sich auch nicht empfehle, die Verivaltuiigs behörden als erste Instanz auszuschalten. Der Antrag ivird daraufhin zuriigezogen. Weiter beantragt der Stuttgarter Verband, den Ortsbehörden, welche die Unfalluntersuchnngeu vorzunehmen haben, die Ver- pflichtung aufzulegen, den Krankenkassen den aufgenommenen Befund mitzuteilen(zu§ 76b als Abs. 3), damit die Kassen eventuell Regreßansprüche gegen Arbeitgeber oder dritte ans Grund des Hafk pfllchtgesetzes oder des Bürgerlichen Gesetzbuches erheben können. Dieser Antrag wird angenommen. Die Vereinigte Orts-Krankenkasse Kottbus beantragt, „Daß die Bewilligung von Fahrpreisermäßigungen für in Sanatorien, Bäder oder Luftkurorte zu entsendende Mitglieder der Krankenkassen durch die Eiscnbahn-Vcrivaltungen, so weit von letzteren vorbczeichnete Vergünstigungen nicht schon gewährt werden, erbeten wird, diese Vergünstigung aber auch ausgedehnt wird auf solche Kranke, die zur Heilung ihrer Leiden auswärtige Krankenhäuser, Kliniken oder Specialärzte aufsuchen müssen." Direktor U l l m a n n- Leipzig: Während die sächsischen Staats bahnen großes Entgegenkommen beweisen, verlangt die Eisenbahn direktion Erfurt die Bescheinigung der Armenbehörde, eine Mittel lofigkeitsbescheinigung, bevor sie die Ermäßigung gewährt. Am weitesten geht Württemberg. Es läßt die Fahrpreisermäßigung nicht nur den Krankcnkaste», sondern auch den Jnvaliditätsvcrsichcrungs Anstalten zu gute kommen. Redner beantragt, die Eisenbahn Verwaltungen Deutschlands um die gleiche Einrichtung wie in Württemberg zu ersuchen, eventuell die gcfchäftssührende Kasse zu beauftragen, sich an die Landtage der Einzelstaaten zu wenden. Beide Anträge werden einstimmig angenommen. Angenommen wird schließlich«och ein Antrag der Berliner Centralkommission, wonach bei der Krankenhausverpflegung der Tag der Aufnahme und der Tag der Entlassung als ein Tag zu be- rechnen ist. Zum Unfallversicherungs-Gesetz Ivird folgender Antrag des Verbandes der Orts-Krankenkasscn Thüringens ange- «ommen: „Es möge bei Bemessung der Unfallrcnte neben dem ärztlichen Gutachten über den physiologischen Zustand bezw. die eventuellen Folgen des Unfalles des Kranken zur Feststellung der prozentualen Erwerbsunfähigkeit das Urteil von Männern aus dem jeweiligen Berufszweige des durch Unfall Erkrankten als maßgebend angesehen werden." Es folgt die Verhandlung über den Antrag des Thüringer Ver- bandes, der eine PetitionSbewegung gegen die Getrridczölle vorschlägt. Die OrtS-Krankenkassen Straßbnrgs schlagen dazu folgende Resolution vor: «Der Kongreß hat in Erwägung, daß nach allen bei den Kranken- kästen gemachten Erfahrungen der Gesundheitszustand der arbeitenden Bevölkenmg in hohem Grade von ihrer materiellen Lage abhängig ist, mit lebhafter Beunruhigung von den auf eine Erhöhung der Lebensmittelzölle abzielenden Plänen der Reichsregierung Kenntnis genommen. Die Versammlung gicbt daher ihrer Ueberzeugung dahin Ausdruck, daß eine derartige Zollpolitik lediglich eine Ver- elendung der werkthätigen Bevölkerung und in notwendiger Kon- sequenz derselben eine ernste Gefährdung der Leistungsfähigkeit der itaatlichen Arbeiterfürsorge, insbesondere der Krankenkassen im Ge- olge haben würde und spricht zugleich die Hoffnung aus, daß die drohende Verschlechterung der Ernährungsverhältniste der Arbeiterschaft durch den energischen Widerstand aller einsichtigen und volksfrcnudlichcn Kreise der Nation zum Scheitern gebracht werden wird." Gleichzeitig wird der Vorort Leipzig beauftragt. eine mit Gründen versehene Petition gegen jede Erhöhung der Zölle auf Lebens- und Genuß mittel bei den gesetzgebenden Körperschaften einzureichen. lieber den Antrag und die Resolution entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Fischer- Weimar und Fräßdorf- Dresden geben eine kurze Begründung: Dem armen Manne darf nicht das Brot verteuert werden, sonst wächst das Elend im deutschen Volke und damit die Belastung der Krankenkassen. Es handelt sich hier nicht um die Erörterung einer parteipolitischen Frage, die die Einigkeit zwischen Arbeitgcber-Vertretern und Arbeitnehmer-Vertretcrn stören� könnte Die Interessen sind hier gemeinsam. Die Krankenkassen prosperieren wenn Handel und Wandel blüht. Die Erhöhung des Brotzolls aber würde uns in Zollkriege mit andren Staaten verwickeln. Darum nieder mit den Getreidezöllen und freie Bahn für die Entwicklung des Volkswohlstandes!(Lebhafter Beifall.) Direktor U l l m a n n- Leipzig legt Protest ein, daß ein Gegen- stand hier verhandelt werden soll, der mit der Krankenversicherung nichts zu thuu hat(Widerspruch) und auch nach den Satzungen des Ver- bandes nicht hierher gehört, der nur der Förderung der den'Kranken- kästen gesetzlich zugewiesenen Aufgaben dienen soll. Ein solches Vor- gehen nmß zu bedenklichen Konsequenzen führen. Wen» ein Streik ausbricht, müßten danach die Krankenkassen sagen: Wir treten für den Streik ein, denn wenn er verloren geht, leiden auch unsre Mit- gliedcr und wir werden belastet. Oder die Krankenkassen müßten sich auch um die Straßenreinigung kümmern und sich an die Gemeinden wenden, wenn da etwas versehen wird.(Rufe: Gewißl) Ja, aber das geht soweit. Redner bekämpst den Vorschlag Dr.FriedebergS, wonach die Vorstände der Krankenkasten Versammlungen einberufen solle», um gegen die Kornzölle Stellung zu nehnren. Das würde dem Verbände und seinem Bestreben schaden, die gesetzliche Anerkennung der Behörden zu finden. Redner beantragt liebergang zur Tagesordnung. Dieser Antrag wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Baumeister O st- L e i p'z i g, K o r n- Leipzig, Eichstädt- Weimar und M n x n e r- München bekämpfen aus gleichen Gründen wie Dir. Ullmann die Resolution. Die Leipziger Vertreter betonen dabei, daß in der führenden Kaste sowohl Arbeitgeber wie Arbeit- nehmer gegen die Erörterung des Kornzollantrags gestimmt haben. Einzelne Redner befürchten wegen dieses Streites eine Schwächung oder Sprengung des Verbandes. G r ä f- Frankfurt a. M. stellt fest, baß kein Redner für die treidezölle gesprochen habe. Er wäre sonst gezwungen gewesen, dessen ärztliche Untersuchung zu beantragen.(Heiterkeit.) Es handle sich nur um eine taktische Frage. Wenn man auf die staatliche An- erkcnnung verweist,— ja, wir waren doch bisher so brav, weshalb haben wir sie denn bisher nicht erhalten?(Heiterkeit.) Dr. Friedeberg- Berlin: Ich begreife, daß die Beamten in staatlicher Stellung hier Bedenken gegen die Erörterung dieser Frage haben. Aber die Sache braucht nicht als politisch aufgefaßt zu werden. ES kommt ganz auf die Be- Handlung an. Das gilt auch für die von mir vorgeschlagenen Versammlungen. Weiiii Aerztc socialhygienische Vorträge über den Zusammenhang von Getreidepreis mit ErkranknnaS- und Sterblichkeits- ziffer halten, wird niemand darin eine politische Aktion erblicken. Die Lcisetreterci ist hier gar nicht am Platze.(Bravo!) Nachdem noch Würz-Stuttgart, Hoppe-Berlin. als Vertreter der Arbeitgeber im Gastwirtsgeiverbe, und Lcichseuring-Straßburg leb- hast für den Antrag und die Resolution eingetreten, werden beide mit großer Mehrheit angenommen.(Beifall.) Auf Antrag Gräf wird noch beschlossen, die Frage: Arbeits- l o s i g k e i t und Krankenkassen ans die Tagesordnung des nächsten Kongresses zu setzen. Der nächste Punkt der Tagesordnung ist: „Die Krankenversichernng und die ArbeiterwohnnngS-Fraac." Zu den Verhandlungen über diesen Gegenstand ist Oberstabsarzt Dr. P a n n w i h- Berlin, Präsident dcS CcntralkomitceS für die Errichtung deutscher Lungen-Heilanstalten, als Gast erschienen. Referent ist Rechtsanwalt Dr. M. Mayer in Frankenthal: Die Wohnungsfrage steht auf der Tagesordnung des diesjährigen socialdemokratischen Parteitages und des Parteitages der süddeutschen VolkSpartci. Auch der Verein für Socialpolitik wird sich mit ihr beschäftigen. Das ist ein äußeres Zeichen für die große socialpolitische Wichtigkeit derFrage. Auf dem Verbandstage norddcutscherHausbesitzer in Hannover hat der Vorsitzende, der Baumeister Hartwig aus Dresden mit naivern Mute bekannt, er habe den Präsidenten des Reichs- Ver- sichernngSamtS brieflich aufgefordert, gegen die Versicherungsanstalten einzuschreiten, die gemeinnützige Baugenossenschaften unterstützen, onst würde ein allgemeiner Kampf gegen den Bau von Arbeiter- Wohnungen und gegen die Baugenossenschaften eröffnet werden. DaS Bewußtsein der Rechtswidrigkeit fehlt Herrn Hartwig wohl, sonst könnte es ibm passieren, daß ein findiger sächsischer Staatsanwalt aus seinen Worten einen Nötigungsversuch konstruiert.(Heiterkeit.) Solchen Aeußerungen gegenüber müssen wir um so schärfer unsren Standpunkt vertreten. Die Kleinwohnungsfrage ist hauptsächlich eine Form der social- wirtschaftlichen Krankheitseistcheinungen in den großen Städten und Jndustriebezirken, Krankheitserscheinungen, die nur noch von denen geleugnet werden, die aus gemeingefährlichen Bodenspekulationen und ungesund hohen Grund- und Mietsrcnten unberechtigten Nutzen stehen wollen.(Zustimmung.) Das Arbeilerwohnungsproblem um- aßt drei Bestandteile: 1. Das Nichtvorhandensein einer genügenden Zahl von Wohnungen(Wohnungsnot). 2. Das Vorhandensein einer übergroßen Zahl schlechter Wohnungen(Wohnungselend). 3. Eine übermäßige, den Einkommensvcrhältnissen der Wohnungsbedürftigcn nicht entsprechende Höhe und Teuerung der Miete. Die Ursachen dieser Krankheitsznstände sind: Der Mangel genügender gemeinwirtschaftlicher und öffentlich rechtlicher Thätigkcit des Staates, der Gemeinden, der übrigen Körperschaften auf dem Gebiete des Wohnungswesens, die Gestaltung der Banordnungen ohne Rücksicht auf das Bedürfnis der Mieter von Kleinwohnungen Kaseniensystem), das freie Spiel der Bodenspekulation und des Wohnungswuchers, besonders in den Großstädten. Die Beseitigung oder Lindennig des Wohnungsproblems kann nur durch ein planmäßiges Zusammenfasse» aller an der Besserung interessierten Kräfte erfolgen und zwar durch Schaffung eines gute» Wohnungspolizeircchtcs. Beteiligung des Reiches, der Staaten, Gemeinden und andrer Körperschaften, namentlich derjenigen des öffentlichen Rechts, an der Herstellung von Kleinwohnungen' mittels eigner Bauthätigkeit oder mittels Gewährung von Darlehen unter günstigen Bedingungen an gemeinnützige Bauvercine oder Private, oder mittels sonstiger Unterstützungsmittel(Straßen-BeleuchtuugS- und Kanalisierungsanlagen). Die Folgen der Wohnungsnot und dcS WohnnngSelendeS find gesundheitlicher, sittlicher, wirtschaftlicher Natur, unter vielen andern eine Vermehrung der Krankheiten und eine Erhöhung der An- teckungSgefahren(Tuberkulose). Da die vornehmste Aufgabe der Krankenversicherung die Er- Haltung der Arbeitskraft als deS wichtigsten und oft einzigen wirtschaftlichen Gutes der Versicherten ist, so müssen sich auch die Träger der Krankenversicherung an der Lösung der Wohnungsfrage beteiligen und zwar durch Mitwirkung 1. an der WohnnngSpolizci(Wohnungsaussicht und Wohnung'erhcbungen), 2. an der Wohnungserrichtung. Die Wohnungsaufficht ist in größeren Städten und Jndustriebezirken durch Bestellung besonderer Wohnungs- kommissionen zu fordern, worin den Vorstände» von Krankenkassen Sitz und Stimme einzuräumen ist. Die finanzielle Möglichkeit für die Krankenkassen, an der Wohnungsherstellung mitzuwirken, ist vorhanden. Das Gesamtvermögen aller Kassen beträgt gegen- wärtig etwa 160 Millionen Mark. Die Formen der Mitwirkung der Kassen bei der Errichtung von Kleinwohnungen können sein: 1. Die Gewährung von hypothekarisch gesicherten Darlehen gegen mäßigen Zinsfuß an Versicherungspflichtige, gemeinnützige Bau- vereine, Arbeitgeber zur Erbauung von Wohnungen für ihre Ar- bester. 2. Erbauung von Arbeiterwohnungcn. 3. Ankauf von Grund und Boden und Verleihung des Erbbanrcchtes auf demselben. 4. Erwerb von Mitglicdschafts- und Genossenschaftsanteilen der ge- mcinnützigen Bauvereine. Erforderlich ist daher im künftigen Kranken kassen-Gesctz eine Aendernng der Bestimmung über den Reservefonds. Redner, dessen Ausführungen beifällig aufgenommen werden, stellt eine entsprechende Resolution. In der Debatte erklärt sich Graes- Frankfurt a. M. mit den allgemeinen Ausführungen des Referenten einverstanden, hat aber gegen die besonderen Vor- schlüge erhebliche Bedenken. Die Controleure müßten für die neue Aufgabe erst vorgebildet werden. Wird«nS die Selbständigkeit genommen, bekommen wir Militäranwärter als Beamte, dann kann der ganze Gedanke begraben werden. Im Durchschnitt werden die Krankenkassen kein Geld zum Bau von Arbeiterwohnungen auf- bringen können. Unser Bestreben muß nicht auf die Erhöhung, sondern auf die Herabminderung des Reservefonds gerichtet sein. Der Bau von Arbeiterwohnungen ist nicht Sache der Krankenkasien, sondern des Staats und der Kommune. Werden die Bctriebskassen ermächtigt, Arbeiterwohnungen zu erbauen, so ist das ein Ansporn für die Fabrikanten, Bettiebskassen zu errichten, sobald das Kapital der Kassen nicht mehr in mündelsicheren Papieren angelegt werden muß. Die Unternehmer bauen Arbeiterwohnungen vielfach nur deS- halb, weil sie so den Arbeiter in noch größere Abhängigkeit vom Kapital bringen. Kaufmann- Harburg spricht sich noch schärfer gegen die Vor- schlüge des Referenten ans.' Wenn den Versicherten Geld zum Vau eigener Wohnungen von den Kassen gegeben werde, so schaffe man damit ein Arb'eiter-Hausagrariertum. Das Geld der Kassen niuß in erster Linie für eigne Zwecke, Errichtung von Apotheken, sobald es möglich� ist, von' Heilstätten verwendet werden. Von der Praxis versteht der Referent nichts.(Widerspruch.) Die ganze Frage ist noch nicht geklärt. Lehnen wir die Vorschläge rund- weg ab. Dr. Friedeberg- Berlin erinnert den Referenten daran, daß auch auf dem Lande Wohnungsnot besteht. Die Neichen geben V?. die Mittelklasse l/s, die kleinen Beamten Vi, die Arbeiter oft V3 ihres gesamten Einkommens für die Wohnung aus. Die Krankenkassen müssen sich der Wohnnngsfrage energisch annehmen. Sie müssen sich in der Novelle zum Krankenversichcrunasgcsetz daS Grundrecht erkämpfen. Krankheitsverhütungs-Vorschriften mit bindender Kraft zu erlassen. Redner schlägt folgende Resolution vor:„Die Versammlung stimmt den vom Referenten aufgestellten Fordeningen ideeller Natur betreffs Beteiligung der Krankeulassen an der Lösung der Wohnungs- frage, speciell betreffs der Wohnnngsaufsicht, völlig zu, stellt aber fest, daß die Frage der Einsetzung finanzieller Mittel dafür seitens der Krankenkassen zu einer endgültigen Beschlußfassung noch nicht ge- nügend geklärt ist." ' Nach kurzer weiterer Debatte wird diese Resolution mit großer Mehrheit angenommen. Auf Antrag der Berliner Centralkommission wird noch folgender Beschluß einstimmig gefaßt: «Wenn Patienten für Rechnung einer Krankenkasse in einem Krankenhanse aufgenommen werden und sich Kur und Verpflegung über die Unterst'ützungsdauer hinaus für Rechnung der Armen- direktion nötig machen, so darf damit keine Beschränkung der bürger- lichen Rechte des Kranken verbunden sein." Ferner spricht der Kongreß den im Kampfe gegen die Apotheken stehenden Krankenkassen von Berlin und Vororten seine volle Sympathie ans und erklärt das Verlangen einer Gewährung von Rezcptur-Rabatt für durchaus notwendig. Die Besprechung praktischer VerivaltnngSfragcn wird wegen Zeitmangels abgesetzt. Für den nächsten Kongreß sollen aber drei volle Tage in Aussicht genommen werden. Auf' die Tagesordnung der nächstjährigen Versammlung wird noch das Thema„Alkohol und Krankenkassen" gestellt. Als Kongreßort wird Hamburg bestimmt und als geschäftS- führende Kasse für die nächsten drei Jahre einstimmig Leipzig wieder- gewählt. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Mit Dankreden auf die Stuttgarter Kasfenverivaltung, die Gemeinde Stuttgart und die geschü'ftsführcnde Kasse Leipzig schließe» die Verhandlungen. Vokales. Das städtische Obdach. Die gestrige Sitzung des Kuratoriums für das städtische Obdach wurde nahezu vollständig durch die Erörterung der Beschwerden ausgefüllt, die in jüngster Zeit gegen die Leitung des Obdachs in der Oeffentlichkeit erhoben werden. Gestützt auf ein Material, von dem in nnserm Blatt nur ein k l e i n e r Teil zur Veröffentlichung gebracht werden konnte, wiesen die socialdemokratischen Mitglieder des Kuratoriums nach, in welch' unerhörter Weise die Inspektion gegen die Aufnähme suchenden Familien vorgegangen ist, wie sie, ohne das geringste Recht dazu zu haben, Frauen und Kinder selbst im zartesten Alter außer Verpflegung gesetzt und gezwungen hätte, in früher Morgenstunde das Obdach zu ver- lassen, wie sie durch solche und ähnliche Matznahmen das Familien- obdach„rein" bekommen und jene Berichte in bürgerlichen Blättern hätte veröffentlichen können, nach denen die Belegung des Familien- obdachs eine außerordentlich geringe sei. Daß aber diese geringe Belegung dcS Familienobdachs nicht in den thatsächlichen Verhält- nisscn begründet, sondern nur durch das brutale Vorgehen der Verwaltnng herbeigeführt sei, das beweise der Umstand, daß das Franen-Asyl des Ashl-VereinS zu gleicher Zeit in einer Weise beansprucht werde, wie man es dort noch niemals gekannt habe. Uebergehend auf daS nächtliche Obdach wurden die Zustände dort an der Hand eines vom Genossen Hoffniann über seine Erleb- nisse daselbst eingereichten Berichtes gebührend gekennzeichnet, rücksichtsloses Borgehen gegen die schuldigen Beamten verlangt und die in einigen Blättern verbreiteten vollkommen entstellten Berichte zurückgewiesen. Schließlich gelangten die Zustände in der K r a n k e n st a t i o n zur Besprechung, die an Unerfteulichkeit hinter den der andren Abteilungen des Obdachs nicht zurückbleiben. Die Klagen richteten ich nicht gegen die ärztliche Behandlung, sondern gegen die Art der Aufnahme, die mangelnde Sauberkeit der Räume und andre Miß- tände. für die in erster Reihe die Inspektion die Verantwortung treffe. Der Vorsitzende, Stadtrat M a m r o t h. legte eine Reihe von Verfügungen vor, die die gerügten Mißstände zum Teil hätten a»s- chließen müssen, wenn sie befolgt worden wären. DaßtrotzdemZustände, wie sie jetzt zu Tage treten, sich hätten herausstellen können, dafür treffe, wie Genosse S t a d t h a g e n in wuchtiger Rede ausführte, die Schuld jenen subalternen Bureaukratisinus. dem sofort und rück- haltlos Einhalt zu gebieten sei. Zu diesem Behuf wurde beantragt, daß Ausweisungen ans dem Familien-Obdach nicht durch die Inspektion, ondern nur auf Verfügung eines aus dem Kuratorium zu bestellenden Decernenten erfolgen dürften. Ferner wurde die Einsetzung eineS Untersuchungsausschusses zur genauen Prüfung aller vorliegenden Beschwerden und Klagen verlangt. Beiden Anträgen wurde stattgegeben. Das Deccrnat bezüglich der Answeisungen erhielten die Stadtverordneten Stadthagen»nd Riemer; der UntersuchnngsauSschutz, der seine Arbeit in aller- kürzester Frist aufnehmen wird, wurde zusammengesetzt aus den Stadträten Fischbeck und Strahmann, den Stadtverordneten S t a d t h a g e n und H in z und dem juristischen Decernenten des Kuratoriums, Magistratsassessor Brasch. dritter Berliner RetchstagS-WahlkreiS. Sonntag, den IS. September Familienausflug»ach H i r s ch g a r t e», Restaurant „Withclmshof", Inhaber W. Keller, nahe am Bahnhof. Rege Be- teiligung erwartet der Borstand des Wahlvereins. Reaktionäre Zeitnngöschmerze». Vor einigen Tagen wurde eine vertrauliche Versammlung von Freikonscrvativen und rechts- stehenben Nationalliberalen abgehalten, in der über die Presse- Verhältnisse verhandelt wurde. Allgemein gab sich die Ansicht kund, daß die„ P o st" mit ihrer geringen Verbreitung, namentliÄ in Berlin, sich als Partei-Organ nicht eigne, und in Bezug auf den Preis sowohl in Qualität und Quantität den Anfordernnge» nicht entspräche, ivas auch der bedeutende Rückgang dieses Blattes bestätige. Vielfach gab sich die Ansicht kund, daß man geglaubt habe, Freiherr von Zedlitz würde die Chefredaktion der„Post" übernehmen, was zu deren Verbreitung, wie es hieß, jedenfalls viel beigetragen hoben würde, s?) Das Resultat der Versammlung war, einer späteren„großen öffentlichen Versammlung" vorzuschlagen, bei dem Parteivorstande zu beantragen, die„Berliner Neuesten Nachrichten" als Parteiorgan anzuerkennen, welche wenigstens eine größere Per- breitung haben, als die„Post". Ob die gute Meinung, welche die Herren über die„Berl. N. Nachr." hegen, zutreffend ist, lassen lvir dahingestellt. Die krampfhaften Anstrengungen, welche gerade dies Scharfmacherblatt macht, um neue Abonnenten zu gewinnen, sind geeignet, den Optimismus der Reaktionäre sehr einzuschränken. In einem vielfach an Unter nehmer ec. gerichteten Cirkular des Blattes heißt es: „Wir haben Ihnen die„Verl. N. Nachr." seit längerer Zeit wegen des regen Interesses, das Sie unsrer Zeitung und der von ihr vertretene» Richtung entgegenbringen, zu ermäßigtem Vorzugspreise geliefert. Bei den erheblich gesteigerten Papier- und Herstellungskosten deckt dieser Preis nicht einmal u n s r e S e l b st k o st e n und erlauben wir uns daher die ganz ergebene Bitte, diese unsre Gefälligkeit gelegentlich dadurch freund- lichst zu erwidern, daß Sie im Kreise von Verwandten, Freunden und Bekannten bisweilen gesprächsweise ein empfehlendes Wort für unsre Zeitung einfließen lassen. Sollten Sie in der Lage sein, jemand hierdurch einen kleinen Nebenverdienst zuweisen zu können, so bemerken wir, daß wir für jeden neuen vollzahlenden Abonnenten dem Vermittler eine Vergütig ung von drei Mark gewähren." Die„Berliner Neuesten Nachrichten" sind zu Anfang dieses Jahres in den Besitz einer Aktiengesellschaft übergegangen, in der die hervor- ragendsten Scharfmacher und Zuchthäusschwärmer ver- treten sind. Die Firma Krupp in Essen, das Rheinisch- West- fälische K o h I e n s y n d i k a t, die nordwestliche Gruppe Deutscher Eisen- und Stahl-Jndustrieller. der Hörder Bergwerks- und Hüttenvcrein, die Herren Jenke, Brauns und B e n m e r erfreuen sich des Besitzes der„Berl. Neuest. Nachr." Man sollte denken, daß diese Leute, die aus den Knochen der Arbeiter Millionen und Abermillioncn Mehrwert herausgeholt haben, sich nicht lumpen ließen und es dazu hatten, ihr Blatt aus eignen Mitteln auszuhallen. Es geht ins Große und läßt sich begreifen, daß gleich früheren Tollheiten auch jetzt das Attentat gegen Me Kinley her- halten muß, um in den„Neuesten Nachrichten" für Knebel- g e s e tz e gegen die Arbeiter Propaganda zu machen. Diese Gesetze gewähren sicheren Erfolg bei Lohndrückereien und versprechen somit eine um etliche Prozent erhöhte Dividende. Aver mit Mitteln und Aiistrengungen wie den geschilderten auf die Abonnentenjagd gehen, damit an den AuShaltungsgeldern für das Blatt etliche tausend Mark gespart werden können, das ist kleinliche Pfennigfuchserei und steht' Millionäre» und Milliardären wahrlich schlecht an. Dke bürgerliche Presse läßt sich in der Angelegenheit des Städtischen Obdachs zum Teil mit Mitteilungen abfüttern, die den Stempel der Unwahrheit und dolosen Entstellung offen an der Stirn tragen. Es ist uns unmöglich, alle diese Unrichtigkeiten im einzelnen zu widerlegen. Um aber ein Beispiel von der Gc- wissenhaftigkeit zu geben, mit der man auf dieser Seite arbeitet, sei angeführt, daß der Stadtverordnete L i e b e n o w, dessen Bruder im Falle Hoffmann als einer der rücksichtslosesten An- gestellten des Obdachs bezeichnet wurde, in verschiedenen Blättern zu einem socialdemokratischen Stadtverordneten gestempelt wird, was dann natürlich zu der eleganten Wendung führt, daß Hoffmann von eignen Parteigenoffen Prügel erhalten habe. Wenn man einmal glaubt, sein sociales Enipfinden dadurch offenbaren zu müsien, daß man diesen doch wahrlich bitter ernsten Fall zu dürftigen Witzeleien ausbeutet, dann soll man sich wenigstens vor allzu blamablen Unwahrheiten in acht lichmen. Der Stadtverordnctcn-AuSschnst zur Vorbereitung der Wahl eineS besoldeten Stadtrats für den zum Syndikus gewählten Stadt- rat Dr. H i rs e k o rn beschloß am Mittwochabend, die Stelle mit einer Meldefrist bis zum 1ö. Oktober d. I. auszuschreiben und in der nächsten Sitzung der Stadtverordiieten-Versammlung hierüber zu berichten. Die Erkrankintgen an Tpphuö haben in den letzten Wochen wieder die alljährlich im August und September auftretende Zu- nähme erfahren. Die Steigerung derKrankenziffer ist aber diesmal schon im August ziemlich bedeutend gewesen. In den fünf Wochen vom 28. Jult bis 31. August sind, iiach den bei der Polizei ein- gegangenen Meldungen, 12, 14. 18, 23. 37 Personen an Typhus erkrankt. Die Krankheit trat Anfang August vorwiegend im Norden der Stadt auf, und Mitte August besonders im Nordosten, in der zweiten Hälfte des Monats nainentlich im Südosten und gleichzeitig »m Norden und Nordwesten. Der Verlauf ist bisher meist günstig gewesen. In den genannten fünf Wochen starben an Typhus nur 4, 3, 1, 2, 3 Personen. Zn der„Berichtigung" dcS Kuratoriums der Unfallstationen betr. die Behandlung eines per Droichie eingelieferten Patienten am letzten Sonnabendabend ichreibt uns der betreffende Berichterstatter:„Ich habe selbst mit meiner Frau dem Vorfall bei- gewohnt; wir standen etwa zehn Minuten am Hause Belle« Alliancestr. S1, als wir hinzutraten, war aber der Menschen- auflau f schon vorhanden. Der Heilgehilfe kann daher nicht „in anderthalb Minuten" zur Stelle gewesen sein. Welcher von den beteiligten drei Schutzleuten über die Aufdeckung derartiger Mißstände„entrüstet" gewesen sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis; der Beamte, der den Kranken in der Droschke so lange „behandeln" mußte, bis der Herr Heilgehilfe auf dem Plane erschien, ist es gewiß nicht. Unter deni zahlreich anwesenden Publikum herrschte nur eine Stimme und zwar der Entriistung über die Unzugänglichkeit der Unfallstation bei Nachtzeit." Zu den hänfige» Unfällen auf Banken, über die wir in letzter Zeit berichteten, hat sich vorgestern ein neuer mit tödlichem Ausgang gesellt. Der Maurer Otto Linse aus Friedrichs- b e r g ist auf dem Bau der Firma L a u e n b n r g in der Beufsel» strahe 4 aus der Höhe der vierten Etage abgestürzt und zwar so unglücklich, daß er gestern an den Verletzungen im Krankenhanse starb. Linse war, wie uns die VerbaiidSlcitnng der Maurer mitteilt, damit beschäftigt, für die oben am DachgesimS arbeitenden Zimmer- leute die notwendige Rüstung herzustellen. Hierzu war ihm ein Arbeiter zur Hilfeleistung überwiesen worden, welcher aus einem Zimmer der vierten Etage die zu jeder Rüstung nötigen Bretter herausreichte. Ans bisher unaufgeklärten Gründen, wahrscheinlich, weil durch das Wippen der herausgesteckten Netzriegel sich die innere Versteifung lockerte, kippte die Rüstung hinten auf und mit lautem Krach stürzten Maurer und Gerüst in die Tiefe, wo man dann unter den Trümmern den Schwerverletzten hervorzog. Er wurde dann auf Veranlassung der Kollegen sofort in ein Krankenhaus gc- bracht, Ivo er gestern starb. Auch auf diesem Bau ist leider wieder in unverantwortlich leicht- sinniger Weise gegen Leben und Gesundheit der Arbeiter gefrevelt worden; der Polier veranlaßte durch seine fortwährende An'treiberei den Rüstungsgesellen, die Rüstung weniger sicher als erforderlich ist, herzustellen.' Hätte sich der Polier ferner nur in ganz minimaler Weise gemüßigt gefühlt, ein den polizeilichen Bauvorschriften ent- sprechendes Schutzdach herzustellen, so wäre bestimmt der Sturz des betreffenden Maurers bei weitem nicht so gefährlich ausgefallen. Alle vorigen Warnungen verhallten in der Luft. Auch der Leiter des Maurerverbandes machte den Polier rechtzeitig auf den Mangel eines ordentlichen Schutzdaches aufmerksam. Der Polier meinte aber, daß alles in Ordnung sei, da doch selbst der Vertrauens- mann der B e r u f s g e n o s s e n s ch a f t bei der Inspektion nichts einzuwenden gehabt hätte. Wann wird endlich ein Bauarbeiterschntz geschaffen werden, der das Leben und die Gesundheit der Arbeiter wirksam gegen die frevelhafte Rücksichtslosigkeit des Unternehmer- tums schützt? Zu der Geschichte von dem große» Lose, welche eben die Runde durch die Blätter macht, schreibt die„Nat.-Ztg.": Als am 2. Mai'd. I. in der vierten Klasse der 204. preußischen Klassen- lottecie der Hauptgewinn auf die Nummer 1S8S4 fiel, wurde alsbald gemeldet, daß das große Los nach Oels in Schlesien gefallen sei, und daß an dem Hauptgewinn viele kleine Leute, Handwerker und Arbeiter, beteiligt seien. Da§ angebliche Glück der kleinen Leute in Oels war mir eine Mythe, ebenso wie es die jetzige Meldung der„Kölnischen Zeitung" ist. daß der Gewinner des großen Loses ein Großgrundbesitzer aus Rußland, aber nirgends aufzufinden sei. daß der Hauptgewinn nicht recht- zeilig beansprucht worden und deshalb in die Lotteriekasse zurück- gefallen sei. Thatsächlich verhält sich die Sache ganz anders. Nach unsren Erkundigungen ist nicht der Besitzer des Glücksloses ver- schwunden, sondern das Los selbst ist verschwunden; auch ist das Anrecht auf demHauptgewinn nicht wegen VcrstreichenS der neniizig- tägigen Frist verloren gegangen, vielmehr wurde noch vor Ablauf dieser Frist von mehreren Seiten der Anspruch auf die halbe Million erhoben. Infolge dieser mehrfachen Reklamationen wurde die Ans- Zahlung des Hauptgewinnes inhibiert und die Sache untersucht. Danach ist das Los Nummer 19 8S4, auf welches später der Haupt- gewinn fiel, als ein ganzes Los von einem ausländischen Lose- Händler in der königl. Lotteriekollekte zu OelS gekauft worden. Dieser hat sich nicht als Besitzer des Loses gemeldet, offenbar hat er es längst weiter verkauft. Dafür meldeten sich aber andre Per- sonen als Besitzer des Glücksloses, ohne daß sie das Originallos vorlegen konnten. Ob das Los noch in legaler Weise durch andre Hände gegangen, ob es weiter verkauft oder verschenkt worden ist und der rechimäßige Eigentümer es verloren hat, ist noch nicht genügend aufgeklärt! Thatsächlich ist das Los selbst nicht beigebracht worden. Die General-Lotteriedircktion hat deshalb den Reklamanten aufgegeben, ihren Streitfall vor den ordentlichen Gerichten zum Auslrag zu bringen, da im Zweifelsfalle»ach de» gesetzlichen Be- stimmniigen ein Lotteriegewinn nur an den rechtmäßigen Besitzer des Loses ausgezahlt werden kann. Die Ttraßelibahn-Ttrektton springt mit ihren Angestellten in einer Weise um, die immer deutlicher nach Herausforderung ans- sieht. Besonderes Aussehen erregt unter deni Personal die Entlassung des Fahrers D o b b e r m a n n. Als Dobbermann kürzlich die Waldemarstraße hinunterfuhr und an der Haltestelle bei der Adalbertstraße den Wagen zum Stehen bringen wollte, versagte die Bremse. Trotzdem der Führer schleunigst Gegcnstrom zu geben ver- suchte, fuhr der Wagen auf einen Anhängewagen der Linie Gerichts- straße— Winterfeldplatz und warf ihn aus den Schienen. Leider wurde bei dem Unglücksfall eine Person, wenn auch nur leicht, verletzt. Die Direktion nahm den Fahrer sofort aus dem Fahrdienst und schickte ihm die Kündigung zu, in der ohne weiteres die Mitteilung enthalten war, daß die Entlassung wegen des„von ihm verschuldeten" AusamiiienstoßeS erfolge und weiter angezeigt stand, daß die Dienltkaution für die Ansprüche der bei dem Zu- sainmenstoß Verletzten e i n b e h a l t e n werde. Somit urteilt die Direktion frank und frei und durch keine Gegenargumente beschwert über das Wohl und Wehe ihrer An- gestellten. Wozu auch noch erst das gerichtliche Verfahren abwarten, wo„wir doch die Herren im Hause" sind. Kann man es bei solcher skrupellosen Behandlung den Angestellten verargen, wenn sie zu der Meinung koninien, daß die Forlche, die die Direktion in diesen und andern Fällen an den Tag legt, mir Mittel zu dem Zweck sei, die älteren und besser bezahlten Angestellien bei guter Gc- legenheit los zu werden und dafür neue billige Arbeitskräfte einzu- stellen? Ein schwerer Unglücksfall hat sich gestern morgen gegen llhi; in der B o r s i g s ch e n Fabrik in Tegel ereignet. Der in dem Etablissement beschäftigte 20 jährige Arbeiter Max Neumann geriet in die Spindel einer Maschine; er wurde herumgerissen, so daß sein Hals eingepreßt war. Durch die Aufmerksamkeit eines Arbeits- kollegen, der den Unfall benierkt hatte, gelang eS noch rechtzeitig, die Maschine zuni Stehen zu bringen und N. von dem sicheren Tode zu retten. Nachdem der Fabrikarzt dem Schwerverletzten die erste Hilfe hatte zu teil werden lassen, wurde Neumaim einem Berliner Kranken« hause zugeführt. Auf der Polizeiwache gestorben ist ein Mann in den fünfziger Jahren, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte. Man fand ihn am Dienstagabend in der Lübeckerstraße auf dem Bürgersteige liegen und brachte ihn. da er augenscheinlich betrunken war, zu seiner Sicherheit nach der Wache des 83. Reviers, die in der- selben Straße auf dem Grundstück Nr. 10 liegt. Dort starb er eine halbe Sinnde später, kurz vor 10 Uhr. wahrscheinlich an einem Herz- schlage infolge übermäßigen AlkoholgeiinsseS. Nach Papieren, die man bei ihm fand, scheint er ein Arveiter Kallacne zu sein, über dessen Verhältnisse aber weiter nichts bekannt ist. AnS dem Zuge geworfen wurde gestern abend gegen« Uhr zwischen Beuffeislraße und Wedding ein neugeborenes Kind. Es flog gegen einen Pfeiler und wurde später nach dem Leichenschauhause gebracht. Die Polizei wurde sofort von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt. Ein netter SoeiuS. Der Tischlermeister Hartmann auS der Brunnenstraße beschloß vor einiger Zeit, sein Geschäft zu vergrößern und ein Möbelgeschäft im Westen Berlins zu errichten. Da er aber die kaufniänuische Leitung des Geschäfts aus Mangel an Zeit und an den einschlägigen Kenntnissen nicht gut selbst übernehmen konnte, suchte er einen Compagnon. Er fand denn auch bald in der Person eines ihm warm empfohlenen Buchhalters Posener einen Socius, der sich durch seine Geschäftstüchtigkeit und sein sicheres Auftreten bald das volle Vertrauen des Tischlermeisters gewann. Das Geschäft ging anscheinend nicht schlecht, umsoiuehr wunderte sich H.. daß er auf dringenden Wunich seines SociuS wiederholt Zu- schüffe leisten mußte. Eines Tages, als er zufällig in einem Vororte weilte, bemerkte er seinen eignen, mit Möbeln aller Art beladenen GeschäftSwagcn und sah, daß die Ware bei einem kleinen Möbelhändler abgeliefert wurde, mit dem er in keinerlei Verbindung stand. Er ging der Sache auf den Grund und entdeckte, daß sein Herr Socius, wo er nur irgend konnte, Waren aus dem Geschäft an Trödler in der Umgegend zu den billigsten Preisen lieferte und den Erlös in die eigne Tasche steckte, indes er dem vertrauensseligen Compagnon vorschwindelte, die Möbel seien an Privatkunden zu angemessenen Preisen verkauft und würden raten- weise bezahlt. Durch falsche Eintragungen in die Bücher suchte P. die Spuren seiner fortgesetzten Betrügereien zu verwischen. Gegen den netten Socius ist Strafanzeige erstattet; es dürfte ein Steckve-es gegen ihn erlassen werden, da er sich der drohenden Verhaftung durch die Flucht entzogen hat. Eine» tödliche» Ausgang hat nun doch der schreckliche Unglücksfall genommen, über den wir am 5. d. M. vom Lehrter Güterbahnhof in der Hcidestraße berichteten. Der Rangierer Emil F e i st, dem hier beide Beine abgefahren wurden, ist im Kranken- hause gestorben, nachdem er trotz des großes Blutverlustes die Operation noch überstanden hatte. Die Leiche wurde ans Ver- anlassung der Staatsamvaltschaft beschlagnahmt. Das Borverfahrcn gegen den früheren Barbier, späteren „Bankier" M a x O p i tz hat' noch eine größere Ausdehnung erfahren als bisher, denn es ist in letzterer Zeit noch der Verdacht hinzu- gekommen, daß Opitz sich auch des versuchten Verbrechens gegen daS keimende Leben schuldig gemacht bat. Eine Hebeammc und ein junges Mädchen, welche'bei dieser Strafthat mitbeteiligt sind, wurden bereits in Haft genommen; die Beniühniigen ihres Ver- tcidigers, deren Freilassung gegen enlsprechende Kaution zu erwirken, sind bisher erfolglos geblieben. Fenerbcricht. Mittwochvormittag brannten Oderbergerstr. 12 Bodenverschläge und die Dachkoiistruktion. Kurz darauf erfolgte Alarm nach Saarbrückerstr. 8, wo Fleisch in der Küche Feuer ge- fangen hatte. Adalbcrtstr. 4 war Teer auf einem Dache in Brand geraten, der einige Dachsparren beschädigte. Durch Unvorsichtigkeit war Melchiorstr. 5 ein kleiner Küchenbrand entstanden, der indes keinen iiennenswerten Schaden verursachte. Kleine Brände wurden außerdem von Reinickendorferstr. 18. Engclufer 1o und Neue Friedrich- straße 47 gemeldet. Tie Neue freie Volksbühne beginnt ihre diesjährige Saison am Sonntag, den 15. September, nachmittags 2�/, Uhr, im BeNe-Alliance- Tbeater mit Anzengrubers„Stahl und Stein". Den Bürgermeister Eisner spielt Herr Gustav Kober, die Pauli giebt Fräulein Hedwig v. LorSe und den„Einsam" Herr Jimfelder. Die Regte liegt in den Händen beS Herrn Fr. Moest._ Aus de» Nachbarorte». Schö»eberg. Dem von der Stadtverordneten-Ver- s a m m l u n g gefaßten Beschlüsse zur Beschickung dcS Kongresses der Geiverbegerichts-Beifitzer Deutschlands ist nun doch der Magistrat beigetreten, trotzdem Herr Bürgermeister Gerhardt seinen ablehnenden Standpunkt damit motivierte, daß eine Ver- trctung des Kongresses nur durch jnristiiche Personen genügend ivahrgciionimen werden könnte, worauf von Genossen O b st treffend erwidert wurde, daß es sich für die Gewervegerichts-Beisitzer nur darum handeln könnte, auf dem Kongreß praktische Erfahrungen und gegenseitige Meinungen in der Sprnchpraxis zu sammeln. Seitens der Arbcitiiehmcr- Beisitzer wird Genoffe D ä u m i g entsandt werden. Die Stellnignahnte des Vereins der Schöneberger Wohnungömtetcr zu den bevorstehenden Stadtverordneten-Wahlen ist in seiner letzten Versammlung so recht zum Ausdruck gekommen. Man schreibt uns darüber: Aus eigner Kraft einen Kandidaten durckzilbringen. dürfte dem Verein nach dem eignen Eingeständnis wohl nicht gelingen, darum fahre wohl, Princip, wir schließen uns -- dem bisher bekämpften Haus- und Grundbesitzer- verein an. Mehr als 14 Vereine haben sich schon zu einem bürgerlichen Mischmasch zusammengefunden und da durfte natürlich der Mieterverein, der hin und wieder in seinen Versamm- lungen seine Principienfestigkeit gegenüber den Hausbesitzern nicht oft genug betonen tonnte, nicht abseits stehen. Jedenfalls wird ihm das'Zusämmeiigehen und der Anschluß an die„Stärkeren", von denen er immer noch glaubte, auf„harmonischem" Wege etwas erreichen zu können, das letzte bißchen Sympathie bei den Mietern rauben. Uns kann es nur recht sein. Zrhleudorf. Auf dem Gut Düppel, dem Prinzen Leopold ge- hörend, sind gestern abend zwei Scbcnnen niedergebrannt. Da die beiden Gebäude mit Stroh vollgepfropft waren, fand das Feuer rasch reichliche Nahrung, weshalb eine Rettung der beiden Schennen nicht möglich war. Tie Mordaffaire bei Angermiinbe beschäftigt, obwohl durch Selbstmord des Barbiers Harandarczki eine strafrechtliche Vcrsvlgniig der Blutthat ausgeschlossen ist, noch immer die hiesige Kriminal- Polizei. Nach den der Behörde gewordenen Mitteilungen über H. ist die Möglichkeit in Betracht gezogen, daß das Vorleben deS BardierS kein vollständig straffreies gewesen»nd er vielleicht bei einer Hand- luiig beteiligt war, weiche zur Strafverfolgung eines Dritten führen könnte. Der Ermordete. Erwin Thiedig. dürfte nach dieser Aiinahme Mitwisser jener Tbat gewesen sein und wäre in dem Falle ermordet worden,«in nichl zum Verräter werden zu können. Dementsprechend haben in Berlin Vernehminigen von Personen stattgefunden, die mit Harandarczki in Verkehr' gestanden haben oder ihn genauer kannte», ohne jedoch bisher zu einem Resultat zu führen. Die An- nähme der Behörde wird verstärkt durch die Thatsache, daß der Mord und hiermit in Verbindung stehende Selbstmord unbedingt plan- mäßig verübt worden ist.'_ Vereinskalender. Lese- und Diskiitierklubs. TunnerSta«:„Brüderlichkeit", jeden Donnerstag nach dem 1. und 15. bei Hascloff, Landsbcrgcrstr. 8.—„Freies Wort", jeden Donnerstag nach dem I und 15.. Franke, Pallisadenstr. 9.— Lese- und Diskutierklub„Südost", Tolksdorf, Görlitzerstr. 58. Arbeitcr-Säiigerbund Berlins und der Umgegend. Vorsitzender: Ad. Neumann, Brunnenstr. 150. Erster Kassierer: Eeikrit, Ftdicinstr. 18. Alle Acnderungen im Vereinskalcnder sind zu richten an Frd. Korwm, Lausitzerstr. 38. Tonnerstag. Abends 9— II Uhr: Uebungsstunde und Aufnahme neuer Mit- glieder.— Mäiuierchor„St. Urban", Zimmer, Annciistr. 9.—„Vorwärts H", Neumann, Bruiinenstck 150.—„Flöter'scher Aesangv", Gorn, Frankfurter Allee IIS.—„Gesangverein Berliner Kürschner", Fclnd, Weinstr. 11.— „Einigkeit I", Gr.-Ltchterfelde, Pagel, Chauffcestr. 104.-„Morgenroth H", Köpenick, Stippekohl, Scharnwcberstr. 5.—„Fröhlich", RummelSburg, Schröter, Mozartstr. 7.—„Vineta", Schmidt, Swineinünderstr. 65.—„Wach auf II",(Alt-Blejsin bei Flemming) übt bei Hilgenfeld, Bergstr. 60.— „Deutsche Eiche II", Brandenburg a. H, Wutkenow, Wredowstrabe.— „Freiheit III", Bernau, Elusium, Berlin erst rohe.—„Loreleq", Gchu- maiin, Hochstr. 32a.—„Koniblume", Gold, Gr. Frankfurt«»». 133.— „Sorgenfrei", Möhring, Admiralstrajje 18 o.—„Morgengrauen"(Bäcker), Neumann, Bruunenstraste 150(nachmittags 4—6 Uhr).—«Möbel- polircr", Hcinze, Blumenstrahc 35 a.—„Oranienburger Borstadt", Humboldthallen, Hnssitenstr. 40.—„Steinnelke", Sachs, Lindowerstr. 26.— „Hoffuung III", Friedrichsberg, Böker, Friedrich Karlstr. 34.—„Seite- selber II", Brandenburg a. H., Zur Glocke, Kl. Gartenstr. 1».—„Felsen- bürg", Schulz, Blumenstr. 38.—„Rlltli", Friedenau, Grube, Stubcnrauch- strahe und Katser-Allee Ecke.—„Freiheit West". Werner, Bülowstr. 59.— „Sangeslust I", Mönch, Putbuserstr. 30.—„Verein WilhelmSberg- Hohen- Schönhausen", Hohen- Schönhausen, Krause, Berlinerstrahe 12.—„Tupo- graphia", Armtiihalleu, Koinmandantenstr. 20.—„Liberts", Grünauer- strahe 14.—„Maurer-Ges.-Verein", Wilmersdorf, Witte, Berlinerstr.»0.— „Mnniier-Ehor Süd-Ost I", Becker, Köpnickerstt. 191.-„Lyra", Charlotten- bürg, Bartsch, Scesenheimerstr. II.—.Liederkranz", Brandenburg, a. H., Mengerts Volksgarten. Bergstraße.—„Ges.-Abt. des Arb.-Bild.-Vereins" ill Velten, Grunoiv, Wilhelmstr. 19.-„Zukunft III", SNeder-Schönhauscn. Settekorn, Lindensir. X.—„Liederzwetg", Hermsdors, Schulze. Berliner- strahe 21.-„Frohe Stunde", Klein, Lausitzer Platz 8.-„Freie Liedertasel", Köntgssäle, Neue Königstrabe 26.-„Alpenrose',«untze, Forsterstr. 36.- „Süd-Ost II", Link, Wrangelstr. 86.-„Einigkeit III", Wannsee. Krüger, türstenhof.-„Linde II", Ltedkc, Weidenweg 23.-„Zukunft I", Stegli«, afferhallen, Albrechtstr. 130.-„Gesangv. des Verbandes deutscher Gastwirts- gehilscn", Mörschel, Jüdenstrahe 36(3-5 Uhr).-„Sitten II". Rummelsburg. Schumann, Neue Prinz Awrechtstr. 70. Arbeiter-Naucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Vcrcwskalender sind zu richten an Albert Liebetrau, Putbuser- strahe 44, IV. Toniicrstag:„Mehr Licht". Weihensee, Sorrer, Strah- burgstrahe 56.-„Glühlicht IT, Schaft, Liebenwalderstr. 4.-„Kamerun", Kühl, Tilsiterstrabe 48,-„Glühlicht I", Neu- Weihensee, Schröder, Streustr. 3.-„Unverzagt I", Lehmann, Koppenstr. 17.-„Sorgenlos", Zuleger, Zimmers». 60.- Feste Brüder", Rtxdors, Unrrih, Hermann- strahe 232.-„Birginta", Schnteber. Admiralstrahe LI.-.Alt« Husnt", Matlhea, Bernanerstrahe 120.-„Eiserne Psetfe", Logan. Schul- strahe 113.-„Berolina", Kupsch, Teltow, Hoher«stemweg 41- „Du ahnst es nicht", Schmitt, TUsiterstrahe 33.—„Feigenblatt, Sldam SRtjfeftr. B.—„Mailuft", WalczniZly, Neu- Weißensse, Ellaßstr, 49,— „Grüne Rose", Stube, Friedenstr. 91.—„Colorado", Klinge, Reinickendorfer- straße bS.—„Fidelio", Stepkan, Ltmsitzcr Platz 12.—„Einigkeit II", SSö&ncr, Gnbenerstr. 57.—„Apfelbliite", Hoffmann, Wiesensir. 29a,.— „Fibele Brüder II, Graudenzerstr. 2.—„Freie Stunde", Manteuffel- straße 62.—„Ringelwolle", Bredowstr. 11.—„Grüne Quaste", Roß, Nirbors. Jägersir. 46.—„Neu- Lichtenberg", Lichtenberg, Margarethen- straße 29.—„Freies Licht", Götze, Marienburgerstr. 16.—„Weiße Lilie", Krell, Seestr. 25.—„Obcrspree", Obcr-Schöneweidc, John, Wilhelminen- Hosstraße 18. Gesang-, Turn- und gesellige Vereine Tonncrstag.„Freunde gefiederter Sanger", Schwarzer, Frankfurter Allee 99.—„Zitherklub Menzcn- Hauer", gemischter Chor 1897, Andreasstr. 3. Berliner Nudervcrein„Vorwärts". Sitzung 9 Uhr abends im Booiehause, Stralau, Tunnelstr. 17. Arbeiter- Tnrnerbund. Donnerstag i Tum».„Fichte", Verlin, abends von 8—10 Uhr: 2. Dmnen-Abteilung, Ackerstraße 67; 7. Lehrlings- Abteilung, Wasscrthorstr. 31.— Turnverein„Eiche". Köpenick, Damen- Abteilung von VjS— VjlO Uhr, Hotel Klein, Wilhelmsplatz.—„Freie Turnerichaft Rixdorf-Britz", III. Schüler-Abteilung abends 6V2— 8Vs Uhr, III. Männer-Abteilung abend» 8V»-10Va Uhr, Thomas sApaNo-Theater), Hermannstr. 48— 59.—„Freie Turnerschast Stralau-Ruinmelsburg", Lokal „Neuseeland", Männerabteilung: Montag und Donnerstag. Lehrlings- abteilung: Mittwochabend» von 3—19 Uhr und Sonntags von V-2 bis V,4 Uhr. Arbeiter- Stcnographenverein„Stolze"(EinignngSsystem), Tonnerstag: Bezirk Süden, Gräfestr. 82, bei Jahn, abends 8� Uhr.— Bezirk Nord-West, Waldstr. 8 bei Fischer, abends 31/2 Uhr. Arbciter-Bilbungsvercin„Eintracht", Zürich, Neumarkt 5, Wer- einssitzung alle 14 Tage je Donnerstag abends S'/a Uhr. Zwanglose Zusammenkünfte mit Damen im Nestaurant des GcwerkschaftShauscS. Donnerstag: Metallarbeiter. Arbeiter-Radfahrerbund„Solidarität". Gau 9(Prov. Branden- bürg). Alle Zuschristen und Anfragen, den Bund betreffend, sind zu richten an den Gau-Borsttzenden Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 3. Donners- tag: Arb.-Rads.-Berein„Berlin", jeden Donnerstag nach dem 1. bei Merkowsli, Andreasstr. 26, jeden Donnerstag nach dem 15. bei Raabe, Kol- bergerstr. 23.— Rads.-Berein„Ziel", Adlershof, jeden 2. und 4. Donnerstag bei Benkert, Hackenbergstr. 1.— Radf.-Berein„Frei Weg", Schöncberg bei Berner, Akazienftr. 21.— Radf.-Berem„Fahr wohl", Berlin, Schenk, Gerichtsstr. 21/22.—„Lust'ge Fahrt", jeden Donnerstag nach dem 1. und 15. bei Hegemeister, Waldstr. 52.—„Taube", Gänzer, Jagowstr. 21. „Es werde Licht!" Berein zur Unterhaltung mld Belehrung. Heute lDonnerstag), 9 Ubr abends bei Fischer, Waldstr. 8: Versammlung. Tagesordnung: 1. Uebung. 2. Recitation: Gedichte von„Ada Ncgri". Diskuiflon. 8. Verschiedenes. Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. An die Frauen von Tempelhof, Mariendorf»nd Marienfelde! I» Tempelhof findet am Freitagabend eine öffentliche Volksversammlung sür Frauen und Männer im Saale des Herrn Hollwitz, Berltnerstr. 89, statt, in der Frau Anna Gradnauer einen Bortrag über:„Soll die Frau Sklavin sein und bleiben?" halten wird. Um zahlreichen Besuch wird ge- beten. Vevmipltzkes- Verhaftung eines Gerichtsvollziehers. Die Kriminalpolizei verhaftete den Gerichtsvollzieher Nanjocks wegen Unterschlagung anit» licher Gelder in Hohe von IS OOO M. Naujocks hat große Summen im Glücksspiel verloren. Nach Unterschlagung tio» einer Million Mark ist der lang- jährige Direktor der Vorichuß- und Sparkassenvereiue von Land- stuhl in Bayern flüchtig geworden. Der Untersuchungsrichter vom Landgericht in Zweibrücken hat jetzt einen Steckbrief hinter dem Un- getreuen erlassen. Wie es möglich war, daß die Unterschlagungen eine solche Höhe erreichen und Jahrelang fortgesetzt werden konnten, bedarf noch der Aufklärung. Der Direktor hat sich noch in den die?- jährigen Sommermonaten zum Besuch bei einem Sohne in Berlin aufgehalten. Ergriffener Postdefrandant. Der bei dem kaiserlichen Post- amt öö in der Französischen Straße Hierselbst beschäftigt gewesene 17 jährige Postgehilfe Benno Neuinann, welcher, wie wir meldeten, nach Unterschlagung von Postkasscngeldern in Höhe von 1340 Mark flüchtig geivorden war, wurde in einem Hotel der Leopoldstadt zu Wien ermittelt und zur Haft gebracht. Der jugendliche Dcfrandant, ivelcher sich unter falschem Namen dort einlogiert hatte und in dessen Besitz nur noch etwa 4S0 Mark gefunden wurden, verweigert über den Verbleib des NesteS der unterschlagenen Summe hartnäckig jede AuSkmift. Seine Auslieferung nach Berlin wird demnächst in die Wege geleitet werden. Grubcnungliick. In dem Kohlenbergwerk von Caerphilly(eng- lische Grafschaft Glamorgan) fand in vergangener Nacht eine Ex- Plosion statt, durch ivclche 20 Mann verschüttet wurden. Zwei von ihnen wurden lebend und einer tot herausgezogen. Man befürchtet, daß die übrigen das Leben eingebüßt haben. WlttmiiiflSüberffcht vom 11. September 1901, morgen» 8 Mr. Stationen Swillemd« H.nuburg S'Tll» Frankf./M. Millich-' 11 Wien P S-B II s e 766 O SO 1 763 OSO 76430 762 Still 763SO 764Sttll Wetter 2 wolkig 3 Regen 2 bedeckt — bedeckt 2 bedeckt - Nebel 5« «■ Stationen H.waranda 769 Still Petersburg! 766'NN0 '" 767.NW 764NW Cork Aberbeen pari» Wetter — bebeckt I Dunst 2bedeckt 2bebeckt öS h s? Wetter. Proauose fijr Donnerstag, den IS. September 1991. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig niit leichten Regenfällen und mäßigen südöstlichen Winden. B- r tue e t t>- Briefkasten der Redaktion. Die inrlftische Sprrchsinnde findet am DirnStag, Donners- tag und Freitag von 7-9 Uhr abends statt. Bei Anfragen juristischer Art ist es praktisch, Zeit sparend«nd darum sehr zu empfehlen, wenn man adressiert: Redaktion deS„Vorwärts" Juristischer Briefkasten, Beuthstr. 2, Hof II. R. 21. 1891 wurden für das Kaiserreich 24, für das Königreich 18 Millionen Einwohner gezählt. Wozu giebt es denn Nachschlagebücher? — E. H. 10. Kleine, unerhebliche Körverschler.— W. K., Rixdorf. Vielleicht erfahren Sie die Adresse durch Anrufen des Auswärtigen Amtes. — Marg. Peters. Gütergemeinschast herrscht hier nicht.— W.B. Gegen den zur Leistung des Offeubarungseides nicht Erschienenen kann Haft heantragt werden. Die Hast wird vollstreckt, wen» dem Gerichtsvollzieher 15 M. VerhaftimgSkosten und ferner 24 M. an die Gerichts kassc zur Ber- pflegung für den ersten Monat gezahlt werden. Der Schuldner ist sofort zu entlassen, wenn er den Eid leistet, oder menn der Gläubiger nicht zwecks Alimentatiuii sür den nächsten Monat rechtzeitig einzahlt oder wenn seit der Verhaftung sechs Monate verfloffen sind.— A. W. 9. Ja. — H. K. 4. DaS Bormundschaslsgericht hat mit der Sache nichts mehr zu thu». Sie können selbst die bis zum Tode ihres Kiudes erwachseneir Aliiiieiitationsloste» einklagen.— R. F., A. B. 409. Für einen Mann ist eine Wartezeit bis Abschluß seiner zweiten Ehe nicht vorgeschrieben. Nur muß er sich mit seinen minderjährigen Kindern vor dein Amtsgericht auseinandergesetzt haben.— W. M. Wenden Sic sich au die Neichsbauk oder legen Sie daS Geld in zwei Sparkassenbüchern an.— B. P-, Potsdam. Sie haften für die Schulden Ihres Mannes nicht. Sollte Pfändung in Ihr Eigentum vorgenommen werden, so könne» Sie Jnterventivnsklage anstrengen.— Ad. Jentzsch. Notwendig ist daS Ausscheiden nicht.— E. B., Manteiifselstraste. Nein. — F. Schwarz. Nein.— P. S. 992. Ersuchen Sie das Amtsgericht in Attenkirchen um Auskiinft; ohne Kenntnis der Einzelumstände des Falls ist eine Beantlvortung von dritter Seite unmöglich.— L. Falk, Elberfeld. Ihre Klage wäre aussichtslos. Es läßt sich nur zur Rücknahme raten.— Dr.®. Hami-urger. Solche Länder giebt es nicht.— Adebor. Die KamniergerichtS-Entscheidiing ist im„Vorwärts" vom 39. April 1991 ab- gedruckt.— Hempcl. Leider sind Sie im Unrecht. Stempelsteuer ist für die Zeit vom 1. Januar bis 1. Januar zu zahlen. War bereits von Ihrem Vorgänger für die Zeit vom 1. Januar bis 1. Oktober 1899 bezahlt, so baden Sie nur zweimal 59 Pf., sonst dreimal 59 Pf. zu zahlen. — M. W. 1. Es ist besser, Ihr Vater wendet sich an einen Anwalt. 2. Die Kinder würden erben.— B. 40. Im Arbeiterrecht S. 287, 233 sind die gesetzlichen Mindestleistungen einer Krankenkasse aufgeführt. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— 1862. Nein: es muß stets ei» Antrag gestellt werden, dein aber stets stattgegeben wird.— H. A. 1. Wegen Abhilfe gegen Ihre Wohnung beeinträchtigenden Lärm können Sie sich an Ihren Wirt oder ab das Amtsgericht wenden. Eine bestinimte Zeit, bis zu der lärmende Arbeit vorgenommen werden kann, setzt das Gericht nicht fest. ES hängt vielmehr die Entscheidung von allerlei Umständen des bestimmten Falls ab.— P.®. 33. 1. Wenden Sie sich direkt an den betreffenden Anwalt. 2. Treten Sie mit dem Abg. Antrick in Verbindung. — O. W. 91. 1. Pfändung in voller Höhe ist zulässig. 2. Verhastung ist möglich, aber wenig wahrscheinlich. Wenden Sie sich doch mit dem Antrag, Ratenzahlung zu gestatten, direkt an den Fiskus.— W. Z. Zu spät. Goldwaren- Industrie BeunoDte&Gie. K5nigsti*>46. Elcktriscliop Kraftbetrieb. Grotthandsl.— Export— Versand nach allen Ländern. Goldwaren ♦ Uhren etc. Einzelverkauf Eingang' A und ß. Grösste Auswahl. Central-Berband deutscher Steinsetzer und Berufsgenosse». Toden-Antielztze. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 9. Sept. unser Kollege, der Stein- setzer 174/5 Theodor Nowack verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigunaffndet am DonnerS- tag, den 12. d. M., nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Krankenhauses am Friedrichshain aus statt. Orts-Krankenkasse der Sattler und bcrw. Gewerbe zu Berlin. DtcnStag, den 19. September, ver- starb da» Mitglied /Mkent Lehmann (Werkstelle von L. Rühe). Die Beerdigung findet Freitag- nachmittag 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Luther-Kirchhof» in Lank- Witz, Marienselderstraße, aus statt. 274/3 I. A.: G. Attmann. YeMderfflöbelpollerer Am 10. d. M. verstarb uiiser Kollege Karl Bietz nach langen Leiden im Alter von 59 Jahren. Die Beerdigung findet am Freitag- nachmittag 3»/, Uhr vom Trauer- Hause, Rüdersdorferstraße 48, nach Friedrichsselde statt. 147/13 Um zahlreiche Beteiligung bittet Her Vorstand. Danksagungc- Für die Beteiliaung und Kranz spende bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekanuteii, besonders den Kollegen und Kolleginnen der Firma C. Müller, Gummiwaren- Fabrik, dem Lotterie- verei»„Hoffnung", dem Lottcricbund, dem Wahlverein für Weißcnsee und Nnigegeiid und der Kranken- und Sterbekaffe der deutschen Drechsler und Berufsgenosien meinen herzliche» Dank. Anna Uiilmhardt IMO.' ,• nebst Sohn. Frauen-Vortrag!!! Freitag, 13. September, abends SVs Ubr, Bndstrasjc 58(Bahnhof Gesundbrunnen). 3976 Frau A. Pickel über: 1. Menstruation»- Störunge» n»d Be- fchwerdc» i» oe» Wechselj-hrc»; 2. Berlagcruiige»»»d Geschwulste der weiblichen lluterletbsorganc. Hernach: Fragebeantwortulig! Gäste (Damen) 29 Pf. Eintritt. Neuer Naturhrilverein Chart.- Berlin(Nr. 569). I. A.: F. L a n g c, Charlottenburg, Sophic-Charlotteiistr. 191 Central-Krankeiitaffe fürTenisch- land z» Berlin i�E. H. 134). Ansierordentlichc General versa m min ng am 25. Sepember 1901, nachm. 8 Uhr, im Kafsentokal, Utrechterstr. 1. Tagesordnung: 1. Aufhebung der Belchtllffe der Generalversamiiilung vom 5. 6. 1991 und anderwcite Be- schlußfafsung über SatzungSabände- rungen. 2. Berichiedriies. 197/3 Die Versammlung besteht auS den stimmfähigen Mitgliedern._ Todes-Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unser einzig geliebter Sohn TEnxen am 9. d. M. tot 14. Lebensjahre nach schwerem Leiden verstorben ist. 3g8b Die Beerdigung findet am Freitag 4 Uhr von der Leichenhalle des alten Thomas- Kirchhofs, Hermannstraße, aus statt Um stilles Beileid bitten die tieftrauernden Eltern und Schwester Uerrmann L-angc und Frau. Central Kranken- und Sterbekaffe der deutsche» Wagenbauer. Nactaraf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied 413b «üdelm Kissel am 7. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Tie Ortsverwaltung Berlin 4. Danksagung. Alle» Kollegen, Freunden und Be- kannten für die herzliche Teilnahme und viele» Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unsres Balers sagen wir hiermit, besonders der Firma Lüttmann u. P l 0 n u s, unser» besten Dank. Wwe. A. Bette, 4126 nebst Kindern. die herzliche Teilnahme beider gung meines lieben Mannes aten Vaters sage allen meinen den Dank. 4156 llitwe Krause nebst Kindern. Von der Reise zurückgekehrt. Dr. med. Böbm, Speclalarztf. Wasserhellverfaliren und Massage, Schütienstr. 63.__ 75/12* « Ö .ÄMeitderW /steinet- Max GackelÄ* Aor2, Kahn-Atelier. Bcstrenom. und wohlbekannt Künstl. Zähne, tadellose Ausfllhr. v.s M.a», Plomb. v. 2 M.o» Keine Extrabcrechn. Schmerzt Zahn- ziehen. Ratenz. gestattet, Woche 1. M Mum-«. Lederwarenfabrik Oskar Gundau, 30. Oranlcnatrasse 30, Ecke Adalbertstrab».' Deutscher Holzarbeiter-Verband. Bezirk Friedrichsfelde. Donnerstag, deu 12. September, abend» 8'/, Uhr, bei Bnbe, Prinzen Allee 30 s fpfjjT' Versa mm lang. TageS-Ordnung: 1. Der schlechte Besuch der BezirkS-Versamiiilungcn hier am Orte und mangelhaftes Bezahlen der Betträge. 2. Werkstelleii-Aiigelegeiibeiten. Es ist Pflicht jedes Kollege» zu erscheinen, auch derer, die in Berlin arbeiten und in Lichtenberg-Ost sowie in Friedrichsfelde wohnen. 198/13 G Gr. Mlinilkr-Nortrag morgen Freitag, Arminhallen, Kommandanten- straffe 20. 8>, Uhr, über 1_ KervenscMche, GescIilechisSeben a. Leiden, erklärt vom prakt. Ngturheilkuildigen Grnndmana an Lichtbildern. Natiirftrztl. SPrechst. 11-2. 6-8, Hcilaiistlllt Wlttckttstc. Beruts-Bekieidüng und Wäsctie-Faörik ». Wurzel& Co. jetzt: Küpnickerstrasse 160, 19090*] Ecke fffantenirelntraase. Engen Joachims Möbelfabrik Nene Kiinigstrafle 59, nahe Alcxanderplutz. Großer Möbelspcicher. Specialgeschäst sür klciiic und mittlere Woh- nungS-Einrichtungen. Teilzahliiug unter den coulantesten Bedtnguilgm gestattet, Beamten mit ganz geringer Anzahlung. 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Das Ewig-Weibliche. An- fang 7V, Ubr. Westen. Der Bettclstndent. Anfang 7'/- Uhr. Serrssionsviihne. Buntes Theater: Neberbrettl. Ans. 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 8' Uhr. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- fang 7l/z Uhr. Luisen. Othello, der Mohr von Venedig. Anfang 8 Uhr. Carl Weih. Berliner Rangen. An- fang 8 Ubr. Friedrich-Wilhelmstädtisches. Der Vogelhändler. Ans. 7»/z Uhr. Belle- Zllliance. Gastspiel" des Original-Miinchcner Ucbcrbrettl. Anfang V/z llhr. Metrotiol. Speeialitätenvorstcllung. Schön war's doch. Anfang 8 Uhr. Zlpvllo. Specialiläten- Vorstellung. Frail Lima. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Damen- Ring- kämpfe. Specialitäten-Vorstellung. Ansang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptiknin. Speciali- täten-Vorstellung. Üieichshalle». Stettin er Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Specialitäten-Vorstellung. Rosenmontag. Anfang 8 Uhr. Urania. Taubenstr. 4«/4v.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: „Malerischer Wanderungen durch die Mark Brandenburg." Erster Teil. Jnvalidenstrasle 57/63. Täglich abends von B— 10 Uhr: Sternwarte. SWerÄMer (Wallner-Theater). Donnerstagabend 8 Uhr: Zum erstenmal: Hetnmt. Schauspiel in 4 Akten v. Sudermann. Freitagabend 8 Uhr: Heimat. Sainnab endabend 8 Uhr: Heimat. Ceiltml-Thkiitkr. Heute Anfang 8 Uhr. Zum 748. Male: vis Geisha. Operette in 3 Akten v. Sidney Jones. Im 2. Akt Violinvorträge des 7 jähr. Geigenkünstlers liun Arpad und zwar Cavalleria rusticana(Intermezzo) von Mascagni. Allegro und Adagio vom 22. Konzert von Vioti. Souvenir de Paris von Kun Arpad usw. Morgen u. folgende Tage: Dieselbe Vorstellung.— S 0 n n a b e n d, den 14 September: Jubiläums-Aufsiihrung Zum 750. Male: Nie 0!el«lia. Sonntagnachmittags- Vorstellung zu h a l b e n Preisen: Hie<>iel»lia. Abends 8 Uhr: Die Geisha. CarlWel ss-Theater Graste Frankfnrtcrstr. 133. Ans. 8 Uhr. Zum 12. Male: Anf.8Uhr. Berliner Rangen! Grobe Ausstattungsposse mit Gesang in 7 Bildern von G. Albert. Musik von K. Leonard. Somitaguachiuittag 3 Uhr, bei sehr kleinen Preisen(30 und G0 Pf.): Das Schloß um Meer. foswo-'l'dkAtLr Lothringcrstr. 37(zwischen Rosen- thaler- und Schönhauser Thor). Sonntag, 15. September: Ei-itffhaaAS-'Voestellaiixl Das glänzende Specialitäten- Programm mit llrlir Stoldl, dem Liebling der Berliner. Gastspiel „The Ardas" v. Theatre Dumont, Moskau. Das reizende Oarsllen- Trlo,Luci-Lucl-Truppe,MarkaFraya, Bethel Morton, Horello zc. 3C. Dazu Uei-liu X.- Berlin W. Berliner AusstellungSposse in zwei Bildern mit Balletts n. Aufzügen. Billet-Vorverkauf täglich von 10—1 Uhr an der Theaterkasse. Entrce von 50 Pf. bis 3 M. Anfang Sonntags 7»/, Uhr, Wochentags 8 Uhr. Urania Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 ühr; „Malerische Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Teil I. (Kleine Preise.) InTalidenstr. 57/03. Sternwarte. Castans Panopticii. Frledrlchstr. 165. Wen! Wen! Wen! Der kunstliche Mensch! Die sensationellste Erfindung I der Neuzeit: Der„Clou" der Pariser Welt- 1 Ausstellung. Vorstellungen; 12 Uhr mitt., 3, 5, 6, 7 Uhr nachmittags. Thalia-Theater. Heute und folgende Tage: Ein tolles Geschäft. Grobe Ausstattnngspofle mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. Faul» Worm in 8 Verwandlungen. Guido Thielscher in 11 Verwandlungen. Fritz Helmerding als Wol- zogen im Duett„Moulln rouge" mit Paula Worm.— Hans Junkermann, Herb. Paulmtiller, Paul Hambrock. Dame»: Boje, Wannovlus, Sulzer, Junker-Schatz, PST* Anfang 7l/j Uhr. Prater- Theater Kastanien-Alice 7/9. Täglich: Auf fremder Erde. Ausstattungsstück mit Gesang n. Tanz in 4 Bildern von Hugo Schulz. Auftreten der Excentric-Chansvnnette Hedwig Döring, des Grotesque- Komikers Paul Goradlnl, der FrBres Douseck, Gigerl- Akrobaten. The Karleys, Musikalische Komödianten. Mr. Zärtlings lebende Photographien. Konzert und Ball. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz BO Pf. Kalbo. ool09'schefi Garter\ Entree 1 Mark. Ab 6 Uhr abends SO Pf,, Kinder die Hälfte. Ab 4 Uhr nachmittags: Doppel-Konzert Morgen: Doppel-Konzert. Apollo- Theater. Kolossaler Erfolg des neuen Programms! IflorcfillG Grandet Die 4 Provencales Robert Steidl Frau Luna Lufthalett Grigolatis. Anfang 7Vz Uhr. W. Noachs Theater. Vriinneustrabe 16. Täglich Konzert. Theater- und Specialitäten-Borstellnng. Die Veilchenfee. Burleske mit Gesang in 2 Bildern von W. Gerickc. Muük von Schmidt. Im Saale: Vaazikt-Unziciica. Sanssonei Kottbnseratr. 4 a. — Hoff in u n n et— Nordd. Sänger. Heute letzte Soiree der Sommcrsaison und letztes Auftreten des Hrn. Frische. Nach der Soiree: Tanz. Sonntag, 15. September Beginn der Wintersaison. Wiederauftretcn von Adolf HoiTmann. Hlfitropol-TiiDater. Nchön war's doch! Gr. Bex-liner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomos o. G. Joseph Joseph! a. D. H. Bender. G. Kaiser. Else de Vere a. D. Frid-Frid. F. Georgelle. Oastspiel: Nah 11 r et! Anfang 8 Uhr. Bauchen üb e r all gestattet. Palast-Theater fr. Feen-Palast, Bnrgstr. 22. Direktion: Winkler u. FrBbel. Täglich: Durchweg neues hochinteressantes überraschendes Programm. Wiedcrauftreten des Direktors Wilhelm Fröboi nach seiner Wiedergeuesung als Dlenst- mann Meier in der Gesangsposse gaSp- Rosenmontag Anfang der Vorstellung präcise 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Borverkauf 11—1 Uhr. Reickskallsn. Heute sowie täglich: Humorist. Soiree der Stettmer Sänger. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Deutsche Konzerthallen. An der Spandauer Brilcke 3. Vornehmstes Vergnü�ungslokal! Sehenswürdigkeit Berlins!!! In den sieben grossen wunderbar dekorierten Stadtbahnbögen täglich latcraatloiialc Konzerte. Speclalitätea-Vorstellnns von nur erstklassigen Kräften! Special-Ansschank der Berliner Bockbranerei. Vorzügliche Küche. Gut gepflegte Biere. Oekonom Gustav Prelllpper. Drmed.Woer Magen tr das beste Genustmittel für den Magen, unentbehrlich sür jede Haus- Haltung. Preis 1 M., 1,50 M. und 3 M. Nur echt mit vollem Namens- zug Dr. med. Woerlelns, prakt. Arzt. Erhältlich bei: Dr. Alb. 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Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.