Ar. 45. Elschemt läglich außer Montags. Abonnements-Preis für Berlin: Vierteljährlich ä.zo MI., monatlich 1,10 Ml, wöchentlich 2S Pfg frei in'! Haus. Einzelne Nummer o Pfg. Sonntags- Nummer mit tllusrr. Sonntags-Beilage„Neue Welt'-»o Pfg. Dost-Adonncment: o.so Ml. pro Qua-ral. Unter«reu,- band: Teutschland u. Oesterreich- Ungarn 2 Ml., für das übrige Ausland Z Mk.p».Monat. Etngetr. In der Post-Zeilungs- Preisliste für ism unter Nr.«MJ. 9. Jahrg. Jnsertioni-tSebühr beträgt für die fünfgefpaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pfg., für Vereins- und BersammlungS- Anzeigen so Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis« Uhr Nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Tie Erpedttion ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn- und Festtagen bis» Uhr Bor- *■ mittags geöffnet. Fern sprech-Anschln»; »mt I, Hr. 4188. Berliner VolKsblalt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: Menth-Straße 2. Spedition: Menth-Straße 3. Smiderlmrs Heilige. Zu liberalen Heiligen werden jetzt in allen liberalen und freisinnigen Blättern, in unzähligen Versammlungen und in massenhaften Flugblättern, in Prosa wie in Versen die Mühler, Puttlamer und G o ß l e r erklärt. Der Volksschulgesetz- Entwurf wird zwar zweifellos fast uu- verändert angenommen werden, aber selbst wenn er ab- gelehnt würde, so hätte doch die Reaktion einen gewaltigen Sieg erfochten. Denn die ganze liberale Opposition be- schränkt sich nicht blos aus die Vertheidigung der bisherigen Zustände, sondern verherrlicht sie geradezu. Die Mühler, Puttkamer und Goßler konnten noch nicht wagen, ein Volks- schulgesetz wie das gegenwärtige vorzulegen und be- gnügten sich daher, die Grundsätze desselben in der Praxis ein- zubürgern. Jetzt, nachdem dieses geschehen, kann die Reaktion ruhig dazu schreiten, ihr auch die formelle gesetzliche Grund- läge zu geben. An der Praxis ändert das Gesetz fast nichts. Auch bisher wäre kein Lehrer an einer Volksschule geduldet worden, der wie Dr. Hermes erklärt hätte, er halte die übernatürliche Geburt Jesu für ein Märchen. Die Ab- hängigkeit des Lehrers von der Kirche, ob sie direkt oder indirekt zur Geltung kam, bestand auch bisher in gleichem Maße. Eine gewisse Freiheit, oder vielmehr nur den Schein einer solchen, fand man noch für konnivent, den größeren Stadtveti-altungen nachzulassen. Damit wird es aber jetzt auch ein Ende haben, gleichviel ob der Gesetzentwurf an- genommen wird oder nicht. Die Reaktion kennt jetzt die anze Schwäche der liberalen Opposition. Sie hat jetzt das chg-stündnifc der ganzen liberalen und freisinnigen Partei — dir weißen Raben sind sehr vereinzelt—, daß die Schule-ms religiöser Grundlage beruhen müsse, und daß dies« nur eine konfessionelle sein könne. Das ist ein Erfolg der Reatuon, größer als es das Durchdrücken des denkbar realuouäcsten Gesetzes sein könnte. Diesen Erfolg haben dir Limcalen der Regierung aus freien Stücken verschafft. W:: tobten sie, als der Minister sie des Atheismus be- zichtigie! Wäre ihnen der ärgste Schimpf widerfahren, sie hättei, nicht entrüsteter thun können. Wenn die»Frei- finnigen" bereits den Atheismus als Verbrechen ansehen, ums|ofl man da von der Klerisei, vom Junker- und Muaerthum erwarten! Eine ähnlich unwürdige Rolle spielten die Freisinnigen bereits vor mehr als zehn Jahren, -- oamals als Bismarck, unterstützt von den jetzigen Bundesgenossen des Freisinns, den Rationalliberalen, ihnen den Vorwurf republikanischer und a n t i- monarchischer Gesinnung machte. Da vergaß Eugen Richter ganz, daß die Opposition noch andere wichtigere Aufgaben habe, als sich von diesem schrecklichen Vorivurf zu befreien; er und der ganze Freisinn trieften förmlich von monarchischer Gesinnung, m allen freisinnigen Blättern und Versammlungen wurde der Nachweis gesühtt, daß gerade die Freisinnigen die Haupt- stütze der Hohenzollern sind. Da verging kaum eine Ver- sammlung, in der nicht ein oder mehrere Hochs auf den Feuilleton. Nachdruck ORdoltn.) 143 Am Webstuhl der Zeit. Zeitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto W a l st e r. .Jetzt wird mir die Sache schon viel klarer; also Sie vermissen die Insassen dieser erhabenen Wohnung „Ja, so ist es." »Ich nehme daraus an, daß Sie sich vergeblich nach ihnen umgesehen haben und nun von mir Auskunft haben wollen, wohin dieselben wohl gegangen sein könnten »Jetzt reden Sie wieder vernünftig, Herr Mensch." „Das thue ich stets nach bestem Vermögen, und der Fehler liegt nur darin, daß ich nicht jeder Zeit von Jeder- mann verstanden werde." „Nun also?". „Nun also bin ich in der Lage, Ihnen in vollständiger Beantwortung Ihrer Frage mittheilen zu können, daß mir die Herren nicht gesagt haben, wohin ssie sich begeben wollten, oder zu wollen vorhatten, und daß ich somit vollständig ebenso in Ungewißheit darüber bin, wie Sie selbst." »Aber so sagen Sie nur wenigstens, aus welche Weise sind sie denn hinausgekommen?" „Auch das ist mir nicht möglich, Ihnen mitzntheilen." „Nun, dann niuß ich es gleich dem Herrn Wacht- Meister mittheilen, der wird es schon herausbekommen," rief die Magd nnd eilte hinaus. Kaiser ausgebracht wurden, ja, die fortschrittlichen Gesinnungs- Helden überboten in LoyalitätsbezeuAungen selbst die konser- vativen Parteien. Und was haben sie damit erreicht? Weiter nichts, als daß sie dem liberalen Philister den Glauben beibrachten, es sei wirklich ein Verbrechen oder doch ein moralischer Defekt, Republikaner zu sein, ganz so wie sie es gegenwärtig betreffs des Atheismus bewirken. Im Uebrigen bewirkten und bewirken sie ge- radezu das Gegentheil von dem, was sie in ihrer Schlauheit und Feigheit beabsichtigten. Die Krone nnd speziell die Hohenzollern werden sich wohl hüten in Eugen Richter und Max Hirsch ihre festesten Stützen zu sehen; da verläßt sie sich doch eher, und zwar mit gutem Recht, auf die Caprivi, Kleist-Retzow und Manteuffel. Und so mögen denn imnierhin die Freisinnigen sich ihrer Reli- giosität rühmen, die Landeskirchen werden immer noch eher die Stützen der Religion unter den S t ö ck e r und Genossen als unter den K n ö r ck e und Hermes suchen. Was den Letzteren betrifft, so werden wir wahrscheinlich demnächst ein Heldenstück des„Freisinns" im„Rothen Hause" erleben. Die fortschrittliche Stadtverordneten- Versammlung wird einsehen, daß sie es ihrem guten Rufe schuldig ist, einen Mann wie den Dr. Hermes, der sich damit, daß sein Un- glaube an die übernatürliche Geburt Jesu in die Oeffentlich- keit gelangt ist, so ungeheuer kompromittirt hat, nicht ferner in ihrer Schuldeputation zu dulden. Im Aquarium*) mag er immerhin auch in Zukunft den fortschrittlichen Freisinn den Fischen predigen, die es nicht ausplaudern werden. Volttisihe UeverlMtt. Berlin, den 22. Februar. Im preußische» Abgeordnetenhause wurde heute die Frage der K o h l e n r i n g e erörtert. Ter Eisenbahn- minister hütete sich, aus den Gegenstand näher einzugehen, erklärte jedoch, daß im Jahre 1891 die Beschaffung der Kohlen ohne den Kohlenring nur zu viel höheren Preisen möglich gewesen wäre. Diese Empfehlung des Kartellwesens bedarf keines Kommentars, sie zeigt, was wir von Herrn Thielen in Sachen des Schienenkartells und anderer Ver- bände zu erwarten haben. Die lustige Person des Landtags, Herr von Eynern, hat plötzlich sein ringfreundliches Herz entdeckt: voriges Jahr hatte er noch über die Kohlenringe gezetert. Seine kapitalistischen Wähler werden ihn über seine Pflicht belehrt haben.— Politisches Pharisäerthum. Ein großer Theil unserer deutschen Presse benutzt die gegenwärtige Ministerkrise in Frankreich zur Aufwärmung des alten Phrasenkohls von der Unbeständigkeit der ') Für die Nicht- Berlinischen Leser: Hermes ist Leiter des hiesigen Aquariums. Der Philosoph annektirte eine neue Tasse und rieb sich vergnügt die Hände über die neue und seltsame Lage, in die er durch die Flucht seiner Gefährten gerathen. Seine Selbstzufriedcilheit konnte sich indessen nicht lange ungestört äußern, denn der Wachtmeister erschien alsbald in fliegendem Schlafrock und rief schon vom Eingange her: „Ist es wahr. Hm Mensch, was mir die Magd jetzt eben mitgetheilt hat?" „Ich wünsche einen guten Morgen, Herr Wacht- meister." „Der Teufel, Herr Mensch, hole Ihren guten Morgen; ich frage Sie, ob es wahr ist, daß die Leute hier oben durchgebrannt sind?" „Was mich betrifft, so kann ich entschieden das Gegen- theil versichern, und was die Anderen betrifft, so werden Sie am besten thun, sich selber nach ihnen umzusehen." „Ja, das werde ich! I das wäre ja etwas Uner- hörtes, noch niemals Dagewesenes; ich habe doch Alles ordentlich eingeschlossen?" Damit lief er nach den Hinteren Zimmern, wo er Alles durchsuchte und durchwühlte, und von wo er dann gänz- lich außer Athim und außer Fassung zum Philosophen zurückkehrte. „Es ist hier etwas vorgegangen", schrie er diesen an. „Aller Wahrscheinlichkeit nach", erwiderte der Philosoph trocken. „Und ich fordere Sie von Amtswegen auf, Herr Mensch, mir wahrheitsgetreu mitzutheilen, was geschehen ist." Von Amtswegen, Herr Wachtmeister?" „Ja, von Amtswegen, Herr Mensch." „Nu UN, dann will ich Ihnen ans Ihre„Anfrage von Amtswegen" niittheilen, dap hier und allerorts die Leute ranzosen und der Unsicherheit der französischen Zustände. >ed ankenloser Schwatz! Warum ist das Ministerium Constans-Freycinet zurückgetreten? Weil es bei einer rein zufälligen, nicht erwarteten Abstimmung durch eine Zufalls- Majorität in die Minderheit gebracht wurde. Das Ministerium hätte dieser Abstimmung gar kein Gewicht bei- zulegen brauchen. Allein in demokratischen Ländern ist es nun einmal Sitte, daß die Regierung sich nach der Volks- Vertretung zu richten hat und nicht mehr im Amt bleiben kann, wenn sich die Majorität der Volksvertretung gegen sie erklärt hat. Das ist freilich bei uns anders. Wir haben sogenannte„starke" Regierungen, die sich um die Volksvertretung nicht kümmern. Wäre dem nicht so, dann würde Herr von Caprivi am vorigen Freitag, wo er in einer Frage von höchster politischer und prinzipieller Wichtig- keit eine schwereNiederlageerlitt, seine Demission haben einreichen müssen. Das ist ihm jedoch nicht ein- efallen. Denn der„starken Regierung" steht ein entsprechend ' wacher Reichstag gegenüber, der keine Mittel hat, seinem Willen Geltung zu verschaffen. Wenn wir jetzt keine Minister- und Regierungskrise haben, so ist dies ver einzige Grund, und wahrhaftig, wir haben keine Ursache, auf die Franzosen hochnäsig herabzusehen,— der Vergleich zwischen der französischen Ministerkrise und der deutschen Nicht- Ministerkrise ist im Gegentheil für uns nur b e- schämend.— Zur Fronde. Ein Artikel der„Nationalliberalen Korrespondenz", der durch die Preßorgane der Mannesseelen jetzt seine Runde macht, verräty in recht ungeschickter Weise Zweck des liberalen Volksschulgesetz- Spektakels. t oa nämlich nach dem üblichen Phrasengeklingel: den heißt „Es erübrigt noch, ein Wort über die Stellung zu sagen, die der Ministerpräsident Graf von Caprivi und der Kultus- minister Graf von Zedlitz-Trützschler zu dem Bolksschul- Gesetz einnehmen. Der Letztere ist ein streng kirchlich gesinnter, charaktervoller Mann, mit persönlich angenehmen Formen, der es in seiner Eigenschaft als Minister der geiftlichen An- gelegenheitm als seine Pflicht betrachtet, in erster Reihe die Rechte der Kirche zu wahren. Ihm kann eigent- lich kein Vorwurf daraus gemacht werden, wenn er seinen Gesetzentwurf mit aller Kraft ver- theidigt und ihn zur Annahme zu bringen sucht, wenn auch zu wünschen ist, daß sein Temperament nicht allzu stark die Gegner reizen niöge. Etwas anders liegt dieSache in Bezug auf den Grafen Caprivi, der in einer Weise mit dem Gesetzentwurs sich verquickt und für denselben sich engagirt hat, daß nun allerdings ein b i t t e r- böser Z u st a n d die Gemüther in Erregung hält. Herr von Caprivi hat divEigenschafteneineL wrrk« lichen hervorragenden Staatsmannes ver- missen lassen, indem er, der doch als Ministerpräsident und Reichskanzler dazu berufen war, ausgleichend und be- ruhigend zu wirken, die Schwierigkeiten von dem Träger der Krone möglichst fernzuhallen, durch sein ganzes Verhalten dazu bei- getragen hat, die Gegensätze zu verschärfen, den Konflikt zu- zuspitzen nnd dem Ausgleich Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Wenn der Herr Ministerpräsident in der letzten Zeit meinetwegen machen können, was sie wollen, ohne daß ich mich darum bekümmere; es ist mir dies Alles ausnehmend gleichgiltig." „Aber mir kann es nicht gleichgiltig sein, Herr Mensch, denn ich habe die Leute unter meine besondere Aufsicht be- kommen und bin für sie verantwortlich." »In diesem Falle würde es mir auch nicht gleichgiltig sein, Herr Wachtmeister, da haben Sie ganz recht," meinte der Philosoph und ging nach dem Streichholzbehälter, um seine Pfeife von Neuem anzuzünden. „Sie verweigern mir also jede Auskunft Herr Mensch?" „Ich verweigere sie nicht, Herr Wachtmeister, ich sage nur, daß ich mich nicht darum bekümmert habe." „Nun gut; ich sehe schon, daß Sie böswillig sind; ich werde sofort zum Herrn Assessor schicken." „Zum Herrn Assessor? Das würde ich möglicher Weise an Ihrer Stelle auch thun." „Dem werden Sie schon Rede stehen!" „Das ist auch möglich; denn welcher Mensch kann mit aller Bestimmtheit im Voraus sagen, was er in der nächsten Viertelstunde oder auch in einer der nächsten Minuten thun wird? Legen Sie sich also um meinetwillen ja keinen .wang an; ich werde mich schon inzwischen ohne Ihre Ge- ellschaft zu behelfen wissen." Mit einigen in dumpfem Tone und wohl mehr zu sich selbst gesprochenen Drohungen entfernte sich jetzt der Wacht- meister und ließ den Philosophen allein, welcher zunächst noch eine ziemlich kalt gewordene Tasse Kaffee annektirte, seine Pfeife ausrauchte und dann sich erhob, indem er für sich selber sagte: „Es giebt doch keinen wirklich echten und reinen Genuß hier auf Erden. Wie schön habe ich mir das Stilllebeni Z s°! während der parlamentarischen Verhandlungen fich so schuhs die adeligen Herren bei Weinsberg in die Spieße nervös erregt gezeigt hat, fo fann das nicht ver- jagte? Und wissen sie nicht, daß seit Jahren im Musterwundern. Graf von Caprivi empfindet selbst das Unleidliche land des Junkerthums, in Rußland der geduldigste Bauernder gegenwärtigen Situation und es mag ihm vielleicht die Erkenntniß nicht fern sein, daß das Schicksal des Volksschul- stand der Welt alljährlich das Spiel von Weinsberg neu Gesezes mit dem feinigen eng verbunden ist. Mögen nun die aufführt? Den Lobrednern und Gönnern der Brutalität, Würfel fallen, wie sie wollen wir können nur dringend die gegen die Arbeiterbewegung sich richtet, sollte doch vor wünschen, daß das Vaterland keinen dauernden Schaden er ihrer Gewaltthätigkeit allmälig bange werden. Und diese leidet. Rowdies zetern über die Verrohung der Massen"? Man sieht, die Opposition richtet sich nicht sowohl gegen das Schulgeset, das den unter Bismarck an schlimmere Dinge gewöhnten Nationalliberalen höchst gleichgiltig ist, sondern gegen die Person des neuen Reich 3 tanzlers. Mit andern Worten: Die Partei der Baare und Genossen will Stimmung für den Protektor der Baare und Genossen machen. Kurz: die Fronde ist an der Arbeit! Nicht, daß wir auch nur indirekt für Herrn von Caprivi eintreten wollten, allein es ist die Höhe der Unverschämtheit und Heuchelei, wenn Leute, die der nervös brutalen Reaktionspolitit eines Bismarck zujubelten, sich heute im Namen des Liberalismus gegen dessen Nachfolger erhizen. " Ju Sachen Leipziger. Aus München wird gemeldet: Die auf den 20. Februar festgesetzte schöffengerichtliche Verhandlung in der Privatklage des früheren altenburgischen Staatsministers v. Leipziger gegen Jordan, den Redakteur des dortigen Parteiblattes, der Münchener Post", wurde wegen Erkrankung des Amtsrichters vertagt. Es handelt sich um den bekannten Artikel, der das sittliche Verhalten des preußischen Oberpräsidenten a. D. und damaligen altenburgischen Ministers eigenartig beleuchtete. Als die Angelegenheit in der Presse erörtert wurde, trat Leipziger von seinem Posten zurück, und sein Nachfolger hielt ihm eine interessante Leichenrede. aufreizenden Angriffe gegen die innere Politik der Regierung und die Herabfehung der auswärtigen Politik derselben in dem Artikel rechtfertigen die thatsächliche Feststellung eines dem Angeschuldigten zur Last fallenden Dienstvergehens. Hinsichtlich Ser Strafabmessung sei zwar zu erwägen, daß der Angeschuldigte zu dem Artikel nicht durch systematische Opposition gegen die Regierung getrieben worden sei, deren Politik er notorisch während einer langjährigen parlamentarischen Praxis loyal und mit Erfolg unterstützt habe, vielmehr sei anzunehmen, daß er durch Ueberschätzung des Fraktionsintereffes in der vorliegenden Frage der Handelsverträge dazu veranlaßt worden sei. Indessen sei doch die Schärfe und Deffentlichkeit feines Auftretens in seiner hohen dienstlichen Stellung so weitreichend und wirkend, daß eine bloße Ordnungsstrafe ( Warnung oder Verweis) ihrer zulänglichkeit und Angemessen heit nach nicht in Frage fommen tönne. Der Gegensat, in welchen sich der Angeschuldigte durch seine oppositionelle öffent liche Demonstration und Agitation schuldhafter Weise seinem Chef, dem Minister der auswärtigen Angelegenheiten persön lich gegenüber gestellt habe, schließe jede Möglichkeit einer anderweitigen Verwendung desselben im Staatsdienst und nament lich im Ressort der auswärtigen Angelegenheiten völlig aus. Deshalb habe nur auf Dienstentlassung erkannt werden können. Uebrigens verbreiten sie seit einigen Tagen das Gerücht, Diese Logit ist bismarckisch, sie fordert den Kadaver ihr Göze wolle demnächst ins Herrenhaus kommen- natürlich wird, ist der für die Reichstags- Ersawahi Gesandten müssen einschwenken wie die Unteroffiziere". Aber Unter Kameraden ganz egal. Wie jetzt bekannt gehorsam der Beamten und gipfelt in dem Spruch:" Meine um als Champion der geistigen Freiheit das Schulgesetz zu beim Wahlkreise Reichenbach- Treuen aufgestellte diese Art des Vorgehens gehört zu dem herrschenden Regiment, kämpfen. Das wäre allerdings ein Schauspiel für Götter. nationalliberale Kandidat, Fabritant Kramer sen, auch so gut wie die Maßregelung sozialdemokratischer StaatsUnd wenn der neue Kanzler den letzten und schimpflichsten Antisemit. Er hat bei der antisemitischen Parteileitung arbeiter, oder die Bevormundung im Königreich Stumm. Gang nach Kanossa" schilderte, was würde der Alt- Kanzler einen Bettelbrief eingereicht, in welchem er die Stimmen da sagen können? der Antisemiten erfleht mit der Erklärung, daß er im Vom tapferen Bismarck. Als es während der Handels" Ja ich darf mich vor der Kirche in den Staub tiefsten Herzensgrunde auch Antisemit sei". Die Angebettelten vertrags- Debatten hieß, Bismarck werde in den Reichstag werfen und ihr die Staatswürde opfern, allein das darf haben sich aber einen eigenen Kandidaten zugelegt, und die kommen, haben wir sofort dieses Gerücht in seiner Nichtig= kein Anderer. Ich habe das Monopol der Reaktion!" Führer des sächsischen Nationalliberalismus, die Windscheid keit gekennzeichnet. Die Ente, welche jetzt aus dem FriedrichsBeiläufig hat die Liebe der Nationalliberalen zu Bismarck u. a. m., welche sich als Gegner des Antisemitismus be- ruher Tümpel aufflattert, der grrroße Staatsmann werde abgesehen von der geschäftlichen Seite( Beräuchert fannt haben, find in peinlicher Verlegenheit. Thatsächlich über den Volksschul- Gesezentwurf im Herrenhause reden, Euch!") etwas gemein mit der Liebe jener Frau, die sich ist dazu keine Ursache vorhanden: alle bürgerlichen Parteien imponirt Niemandem, der IHN kennt. Für diesen Falstaff über ihren Mann beklagte, weil er sie nicht prügelte. find solidarisch verbunden, wenn ein Arbeiterkandidat in sind sogar die Steifleinenen der Junkerschaft zu gefährlich. Sie wollen geprügelt sein, und dürften nach Fußtritten, wie Frage kommt. Die Sozialdemokraten werden dafür sorgen, der Hund des Heine'schen Wintermärchens". daß der antisemitische Nationalliberale sammt den übrigen Nun wissen wir's. Weshalb sind die Soldatens Agrarisches. Ein Verband zur Verbesserung der bürgerlichen Bewerbern mit Glanz durchfällt. mißhandlungen eine stehende Einrichtung des deut ländlichen Arbeiterverhältnisse, gegründet von sächsischen schen Heerwesens? Die Kreuz Zeitung" hat es entdeckt. Großgrundbesizern unter der Aegide des Junkers Erzbischof im schönen Freiburg i. Br. fordert in beschnitten wurden, daß ihre Zugkraft fast wirkungslos ge Der fatholische Klerus an der Arbeit. Auch der Weil die Unteroffiziers- Prämien theils abgelehnt, theils so v. Frege, des feurigen Lobredners der Brotvertheuerung, einem Hirtenbriefe zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie blieben ist". Das halte wirklich tüchtige Leute ab, die ist jüngst gegründet worden. Die löblichen Aufgaben dieser auf. Als bestes Mittel empfiehlt er die Gründung fatho- Unteroffiziers- Laufbahn einzuschlagen. Welchen Einfluß die Organisation zur Fesselung und Ausbeutung der Land- lischer Arbeitervereine. So schießt ein Kind mit Erbsen Prämien auf die Offiziere und Militärärzte ausüben, deren 1. Bekämpfung des dolosen Kontraktbruches. 2. Ver- nach einer Felswand. Fahrlässigkeit und Voreingenommenheit in dem sächsischen arbeiter sind: " mittelung von guten Arbeitern und Kontrolle der Agenten, Die Taschen zu! Die Frist, welche dem deutsch- und bayerischen Erlasse eine bedeutsame Beurtheilung er besonders auch derjenigen für die sogenannte Sachsen- englischen Syndikat für die Bildung der Südfahren haben, darüber ist in dem feudalen Blatte nichts zu lesen. gängerei. 3. Kontrolle der sozialdemokratischen Preffe, be- west afrikanischen Gesellschaft gelassen war, ist am sonders im Hinblick auf die immer zahlreicher auftretenden 18. Februar abgelaufen. Es war den Unternehmern nicht Schlimme Zeiten. Die deutschen Fürsten Hezartikel gegen einzelne Landwirthe. 4. Festsetzung ge- möglich, die nöthigen Millionen zusammen zu bringen. leiden unter dem Druck der wirthschaftlichen Zustände, und meinsamer Maßregeln gegen die sozialdemokratische Natürlich halten die deutschen Kolonialpolitiker es für die Schutzöllnerei wird auch ihnen peinlich. Der GroßPropaganda auf dem Lande. 5. Herbeiführung von Ein- unbedingt ausgeschlossen, daß Deutschland seine Rechte über herzog von Weimar kommt mit seiner Zivilliste nicht aus richtungen zum Vortheile braver ständiger Arbeiter. diese erste deutsche Kolonie je aufgeben könne." Natürlich und will 30 000 m. mehr, im Ganzen 990 000 M. Grund: Die Gefinde- Ordnung ist noch zu milde für die auf- wird an die Steuerzahler das Anfinnen gestellt werden, aus Das Sinken des Geldwerths, das Steigen der Lebensmittelfäffigen Proletarier, die Aufklärung revolutionirt die Köpfe ihrer Tasche die verkrachte Gründung zu erhalten. Anstatt preise. Dieselbe Begründung wie bei der letzten Erhöhung des Landvolks, die Blumberg- Methode muß zum System er- daheim zu reformiren, spielt Deutschland das Kolonialreich, der preußischen Zivilliste. hoben werden. obwohl der ganze Bettel Millionen und abermals Millionen Es giebt keinen Nothstand. Für Beschäftigung der Arbeitslosen hat der Magistrat zu alle a. G. bei der S. Stadtverordneten- Versammlung die Bewilligung von fünftausend Mark beantragt. Human! Irgend ein frumber Biedermann, allem Anschein nach ein Prediger der christlichen Liebe, schreibt der Krenz- Zeitung" aus Dresden:" Es sei erwähnt, daß die Sozialdemokratie erfreulicher Weise doch auf Schwierigkeiten bei der Agitation unter den Landleuten stößt. Sie hat dies jüngst im Boigtlande erfahren müssen, wo ihre Agenten in einer größeren Dorfgemeinde ähnlich wie seiner Zeit die Berliner Genossen" in Blumberg begrüßt bezw. heimgeleitet worden fein sollen. Für die edle Gesinnung des Junkerblattes und seiner Berichterstatter legt dieser Jubel über die Infamie von Blumberg beredtes Zeugniß ab. Was würden die Mandarinenritter sagen, wenn man ihnen mit gleicher Münze heimzahlte? Haben die blaublütigen Herren bedacht, daß die heute von Pfaffen und Gutsherren fanatifirten Landleute die guten Lehren der Knitteltaktik einmal gegen ihre Unterdrücker anwenden könnten? Haben sie ver geffen, daß der arme Konz unter dem Zeichen des Bund" verschlingt, uns schwer belastet und weder sozialpolitisch Politische Fremdenpolizei in der Schweiz. Das noch finanzwirthschaftlich das Geringste nügt. Se rascher sozialdemokratische Mitglied des Züricher Kantonsraths, wir dieser Befizungen ledig werden, um so besser für uns! Arbeiterfekretär Greulich, hatte, wie wir bereits gemeldet, im Kantonsrath den Antrag gestellt, es sei jedem Züricher Beamten zu verbieten, Nachforschungen über die politische Gesinnung von Ausländern anzustellen. Der Vorschlag auf Errichtung eines Fremdenbureaus, wozu die EidgenossenDer Angefchuldigte habe in dem quästionirten Artikel die schaft einen Beitrag von 3000 Franks leisten wird, ist denkbar schärfste Kritik gegen die Politik der Regierung geübt fchließlich mit 88 gegen 82 Stimmen angenommen worden. und der zeitigen Leitung der auswärtigen Politik ein Herab- Es ist zu erwarten, daß dieser mit so lächerlich geringem sinken von ihrer früheren Höhe und Stärke zur Last gelegt und Der disziplinirte Graf. In der„ Kreuz- Zeitung" mitgetheilt. Es heißt in den Urtheilsgründen: wird das Erkenntniß gegen den Grafen Limburg- Stirum dieselbe damit im Inlande und namentlich dem Auslande Mehr durchgedrückte Beschluß nicht lange in Kraft bleiben gegenüber in hohem Maße diskreditirt. Er habe beabsichtigt, wird. Daß die Züricher Bourgeoisie auf die Arbeiterdurch seinen Artikel auf die öffentliche Meinung und auf die bewegung scheel herabfieht, geht auch aus diesem VorAbstimmung im Reichstage einen der ausgesprochenen Intention tommniß tlar genug hervor. Kraße den bürgerlichen der Regierung entgegengesetzten Einfluß auszuüben. Dieser Artikel Republikaner, der Kapitalist, mag er Seidenherr oder trage fonach nicht blos den Charakter einer unstatthaften oppo- Maschinenfabrikant sein, kommt zum Vorschein. fitionellen Demonstration, sondern den einer öffentlichen Agitation gegen die ausgesprochene Intention der Regierung. Durch eine Am Ende des Lateins. Die belgische Res derartige Agitation und Demonstration verwirte ein Beamter gierung weiß nicht mehr, wo aus und wo ein. In das Vertrauen, welches sein Beruf erfordert. Das öffentliche der Revisionsfrage schwankt sie hin und her, heut wider Interesse fordere, daß Beamte außerhalb des Parlaments in ihrem politischen öffentlichen Auftreten der Pflichten sich bewußt rufend was sie gestern versprach, ein trauriges Bild kopfbleiben, welche ihre Stellung als Beamte ihnen auferlegt; da loser Unfähigkeit und Verlegenheit. Jezt kommt ihr nun anderenfalls die Disziplin innerhalb des Beamtenstandes eine der rettende Gedanke, der allen bankrotten Regierungen zu das Staatswohl gefährdende Einbuße erleiden würde. Die kommen pflegt: an die ultima ratio der Kanonen, Flinten Das stimmt, das ist geschehen und zwar in der evanAlso evangelisch?" " Seit wie lange wohnen Sie hier, oder vielmehr: wie hier gedacht: wenn einmal der schwerlich sich ereignende einen äußerst elegant gekleideten und wie zum Ausgehen beFall eintreten würde, daß sich die ganze Gesellschaft hier reiten jungen Mann mit Hut und Spazierstöckchen erscheinen gelischen Hauptkirche." nach und nach verlieren und mich als alleinigen Restbestand zu sehen. zurücklassen würde. Nun sind meine fühnsten Erwartungen zur Wirklichkeit geworden, und ich sie da, chikanirt von fichtigten Amtshandlung Abbruch gethan haben würde, hätte Ihnen sagen kann, daß ich wenig Werth darauf zu legen Da es aber jedenfalls der Feierlichkeit der ganzen beab" Ja, wenn Sie es durchaus so wollen, obwohl ich Magd und Herren, und wahrscheinlich bald von demjenigen er ein unfeierliches Erstaunen kundgegeben, so beantwortete geroohnt bin." Individuum, welches im Namen des Staates hier Recht er die elegante Verbeugung des Philosophen mit einem kaum zu sprechen befugt ist. Nein, das gefällt mir nicht, bemerkbaren Nicken und fragte dann in untadeligem Ge- lange befinden Sie sich hier in Wechselhaft?" Das gefällt mir ganz und werde mich ebenfalls entlassen. Ziehen wir uns also an gar nicht, und ich schäftstone: " Das habe ich mir noch nicht ansgerechnet." und gehen wir zu den Anderen nach Hasselbach. Was hierselbst?" Sind Sie Herr Karl Albert Mensch, Privatgelehrter Sie müssen doch wissen, wie lange Sie hier oben so viele Menschen als richtig und angemessen erachten, das find?" dürfte auch für mich wenigstens nicht ganz falsch sein." Der bin ich," erwiderte der Philosoph, zog sich dem Ich muß, Herr Assessor? Wer hat mir zu befehlen, Der Philosoph begab sich dentgemäß nach seinem eigenen stöckchen zwischen die weißen Beinkleider fallen und legte heraufgebracht worden, und damit fertig. Assessor gegenüber einen Stuhl herbei, ließ das Spazier- daß ich mir merke, wie lange ich hier oben bin? Ich bin Wohnzimmer und ließ sich's angelegen sein, sein irdisches den Zylinderhut auf das eine Knie. Das Andere Theil, wie er seinen Körper zu nennen beliebte, sorgfältig ist meine Sache nicht. Die Aften müssen es ja ausherauszuputzen. weisen." Er war mit dieser Beschäftigung, die eine ziemliche Haare seiner Frisur. Der Philosoph schwieg und ordnete einige verlorene Es sind heute dreizehn Tage," bemerkte der WachtZeit in Anspruch nahm, taum fertig geworden, als der Wie alt?" " meifter. " Ich frage Sie, wie alt Sie sind? Herr Mensch!" würdig, die Zeit ist mir hier ganz ungemein schnell entAlso dreizehn Tage?" fragte der Philosoph.„ Merkschwunden." Wachtmeister erschien und ihn aufforderte, vorzukommen", wiederholte der Afsoffor ungeduldig. da„ der Herr Assessor" seiner warte. " Ich stehe gleich zu Diensten," erwiderte er, die blauseidene Kravatte vor dem Spiegel zurecht zupfend, nahm dann versichern, daß ich mich lange Zeit nicht mit meinem Alter Assessor fort, so find Sie auch mit allen Persönlichkeiten " Ja, Sie fragen, wie alt ich bin? Ich kann Ihnen Da Sie seit dreizehn Tagen hier sind," fuhr der aus dem Tischkaften ein Paar tadellose zinnoberrothe Hand- beschäftigt habe; doch habe ich meine Baßkarte bei mix, die bekannt, die hier oben bis zum gestrigen Abend waren; schuhe, die er behutsam an die Hände brachte, bürstete seinen wird ohne Zweifel authentische Antwort geben können, denn und ich habe Sie zu fragen, was Sie über das Ent schwarzen Zylinderhut sorgfältig aus, und der ungeduldige die Polizei irrt sich gewöhnlich in solchen Sachen nicht. Es weichen der übrigen Wechselinhaftirten hier oben anzugeben Wachtmeister erschien bereits zum zweiten Male, ehe er mit sind jetzt nahezu dreiunddreißig Jahre, wenn ich richtig wissen?" diesen wichtigen Beschäftigungen zu Ende war. Ist es Ihnen denn nun endlich gefällig!" schnaubte der Wachtmeister ergrimmt. Es ist mir nunmehr passend," erwiderte er vornehm, gehen Sie mir voran, Herr Wachtmeister, und zeigen Sie mir den Weg." Im Konversationssaal" saß, ihrer wartend, mit dem zum Brotokoll bestimmten Papier, bewehrt mit Tinte und Feder, der Herr Assessor, der beim Eintritt der Beiden die Amtamiene annahm, welche nach seiner Meinung zu einer Amtshandlung, wo nicht das wesentlichste, so doch ein nothwendiges Attribut bilden. Er war nicht wenig erstaunt, statt eines im Haus- Negligee befindlichen Wechsel- Inhaftirten rechnen kann, daß ich mich in dieser Welt, oder auf diesem Planeten herumtreibe." Evangelisch?" " Nein, Philofoph." " Ich frage nach der Religion." " Schon recht, ich bin Philosoph." " Ich frage, zu welcher Kirche Sie sich bekennen?" " Bu feiner, um Ihnen die Wahrheit zu sagen." Also freireligiös?" Philosoph." Nein, gar nicht religiös. Ich bin, wie ich Ihnen sage, " Das wird nicht viel sein, Herr Assessor; denn ich habe mich, da mir die Sache ganz und gar nichts angeht, auch ganz und gar nicht darum bekümmert." " # Das kann auf keinen Fall angenommen werden," er widerte der Assessor bestimmt. Die Sache ist nicht ohne Verabredung geschehen, Sie werden davon gehört, Sie werden das Entweichen mit angesehen haben; und ich kann von Ihnen verlangen, daß Sie mir darüber vollständig und wahrheitsgetreu Auskunft geben." Berlangen? ja, verlangen können Sie meinetwegen fo viel Sie wollen; ob ich Ihnen aber Auskunft geben kann, getauft und konfirmirt sein?" " Nun, Sie müssen doch in einer der bestehenden Kirchen das steht dahin." ( Fortsetzung folgt.) und Säbel. Sie hat soeben sieben Jahrgänge Milizen ein- berufen— zu Uebungen, die eigentlich erst im Juli statt- finden sollten. Natürlich wird der Zweck geleugnet. Die Milizen sollten blos mit dem neuen Mausergewehr bekannt gemacht werden. Und natürlich glaubt das Niemand, und die einzige Frage ist die, ob es der Regierung gelingen wird, das Mausergewehr an den Körpern der freien Belgier zu probiren. Bei dem Geist, der unter den belgischen Milizen herrscht, könnte die Regierung sich allerdings ver- rechnet haben.— Inzwischen haben wir erfahren, daß der gestrige Sozialiftenkongreß in Brüssel einen großartigen Verlauf genommen hat. In Bezug auf alle Punkte herrschte vollständige Einmüthigkeit, und sämmtliche Gegenstände der Tagesordnung wurden im Sinne der Einberufer erledigt. Für den Fall, daß die jetzige Kammer nicht für die Revision, und die nächste nicht für das allgemeine Stimmrecht sich entscheiden werde, beschloß man die allgemeine Ar- beitseinstellung— und das nicht in stürmischer Ueberstürzung, sondern in klarer Erkenntniß der Folgen und der Verantwortlichkeit. Die französische Ministerkrise schleppt sich noch immer hin. Die Ueberpigung ist aber allgemein geworden, daß die Wahl nur liegt zwischen Rückkehr des alten— vielleicht etwas zu modifizirenden— Ministeriums und zwischen Kammerauflösung. Allein vor einem»Appell an das Volk" haben jetzt sämmtliche Parteien, mit Ausnahme der äußersten Linken und Sozialdemokraten, eine wohl begreifliche Scheu. Die Mehrheit der republikanischen Partei will von einer vollständigen Trennung der Kirche vom Staate nichts wissen, und die Konservativen(Monarchisten und Ultramontanen), so gern sie auch der Republik Verlegenheiten bereiten, stehen doch in dieser Frage wesentlich auf dem Standpunkt des bisherigen Ministeriums und fürchten eine Auflösung, welche das Verhältniß des Staats und der Kirche vor das Land bringen würde und der Sache des Klerus nur schaden könnte. Die Neuwahl würde in? wahrsten Sinne des Wortes die Kirche in Frage stellen, und so wenig der französische KleruS auch vor einer Volks- Abstimmung im jetzigen Augenblick Angst hat, so weiß er doch, daß, wenn die Kirchenfrage einmal richtig gestellt und die Beweg?lng in die Massen getragen ist, die schließliche Vernichtung der Kirche in Frankreich die unver- meidliche Folge sein wird.— Inzwischen steht den Parisern ein interessanter Prügel- Prozeß bevor. Die Rauferei zlvischeu Constans und dem Boulangisten Laur, welche den deutschen Pharisäern so reichen Stoff zu tugendsamer Entrüstung bot, wird dieser Tage die Gerichte beschäftigen.— Die Lockspitzel in Italien. Daß der sogenannte Anarchistenprozeß, der sich augenblicklich in Rom abspielt, »ine Polizeimache ist, dazu bestinnut, der Arbeiterbewegung einen Schlag zu versetzen und die Uuentbehrlichkeit der politischen Polizei zu eriveisen, das stand dem Kundigen von vorneherein fest. Es hat sich im Verlaufe der Ver- Handlungen immer deutlicher herausgestellt, daß Lockspitzel die Masse provozirt und das Eingreifen der bewaffneten Macht herbeigeführt haben. Ein abgekartetes Spiet, um sich verhaßter Gegner,«die jetzt unschuldig im Kerker schmachten, zu entledigen, ist gespielt worden, die Polizei hat aufs schäbigste sich benommen, Protokolle gefälscht, Spioue auf das Volk losgelassen. Die Vernehmung unseres Landsmannes, des Angeklagten Wilhelm Körner, ergab, daß der »Stcherheits"« Delegat Poli die Protokolle über die Ver- hastungen an jenem Tage fabrizirt hat. Dieser würdige Wächter der öffentlichen Sicherheit hat die Verhasteten über- Haupt nicht vernommen, sondern aus freiem Handgelenk Protokolle verfaßt, die sehr ausführliche Angaben über garnicht stattgehabte Verhöre enthielte». Mit ivelcher Frechheit dieser Bube seine Mogeleien ausführte, geht daraus hervor, daß er z. B. mehrere Protokolle, die angeblich an den verschiedensten Ecken der Stadt a?lfgenonnnen waren, von derselben Stunde und Minute datirte. Und mit solchen? Beweismaterial gehl nian gegen die Angeklagten vor, von anderen Ungesetzlichkeiten gauz zu schweigen. Hat doch Ehren-Poli nicht, wie die gesetzliche Vorschrift lautet, die in Haft Genoinmenen 24 Stunden nach der Verhaftimg vor den Untersuchungsrichter führen lassen, sondern selber nach 14 Tagen verhört. Nun war der deutsche Spieß- bürger sich an die Brust klopfen und lispeln:„So etwas kommt bei uns nicht vor." Gewiß, er hat schon vergessen, daß die politische Polizei auch in Deutschland mit Spitzeln, gefälschten Protokollen und leichtfertig geschworenen Eiden gegen den Sozialismus ins Feld gezogen ist. Die Geschichte des Kölner K o m m u u? st e n p r o z es s e s, in welchem die Stieber, Goldheim, Greif eine so schmähliche Rolle spielten, hat Marx in unübertrefflicher Weise ge- schrieben. Und in der Zeit deS Ausnahmegesetzes, als d?e Schröder, Haupt und Konsorten ihre Maulwurfs. arbeit verrichtet, als der Polizist G e h r e t vom Gerichts- , Hof auf seiue Virtuosität im Ablege« von Amtseiden fest- genagelt ivurde, haben»vir erfahren, daß— auch w?r?n Arkadien geboren sind.— Holländisches. Auch in den Niederlanden soll eine Einkommensteuer eingeführt werden, die aber die Reichen so sanft anfassen wird, wie in Preußen u»?d anderswo.— Portugal. Der diebische Minister a. D. M e n d o z a wird vor Gericht kommen; er hat Werthpapiere der portu- giesischen Bank unterschlagen.— Zur russischen Getreidesperre. Die russische Re- gienmg hat beschlossen, für den in den Ostseehäfen lagernden Hafer die Ausfuhr freizugeben, da die dort lagernden 10 Millionen Pud(1 Pud--- 1S.38 kg) fast verdorben wären. Die baltische Kaufmannschaft hatte alle Hebel?n Bewegung gesetzt, um diese Ausnahmeerlaubmß zu erlangen. Die Petersburger Tfchinnowniks(Bea,nten) sind nicht taub für die klingende Sprache der Goldrubel. Derweil kre- Siren den Bauern zu zehntausenden die Pferde. Und(die stenschen rafft der Hungertyphus dahin. Gaiize Bezirke sind durchseucht, die Spitäler sind überfüllt.— i Varlanrenksverickike. Abgeordnetenhaus. 20. Sitzung vom 22. Februar, 11 Uhr. Am Ministertisch«: Thielen und Kommissarien. Aus der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Berathung des Etats der E i s e n b a h n- V e r w a l t u» g. Zahlreiche Petitionen von Eisenbahn-Betriebssekretären, Stations- und Expeditionsassistenten k. werden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt; mehrere Petitionen von Lokoniotiv- sührern um Gehaltserhöhung werden der Regierung zur Er- wägung überwiesen. Aus Frankfurt a. M. liegt eine Petition von Eisenbahn- Betriebsselretären vor, welche anstatt der Stellenzulagen für einzelne Beamten allgemeine Theuerungszulagen verlangen. Die Kommission beantragt die Petition der Staatsregierung als Material zu überweisen. Abg. Grimm-Frankfurt(natl.) weist darauf hin, daß die Beainten anderer Verwaltungen, so der Polizei- und der Justiz- Verwaltungen bereits Theuerungszlilagen beziehen. Er bittet den Minister, diese Petition einer Prüfung zu unterziehen. Der Antrag der Kommission wird angenommen. Bei den Ausgaben für die Unterhaltung der Bahnanlagen, Kosten der Züge u. s. w. klagt Abg. Olzem(ntl.) über die schlechten Zugverbindungen in der Rheinprovinz, namentlich nach den Reichslanden hin. Metz hat mit Paris täglich neun Ver- bindungen, während es mit der Rheinprovinz nur drei Verbin- düngen täglich hat. Ferner wünscht man einen Schnellzug von Köln-Trier nach der Eifel. Minister Thielen: Ich bin im Allgemeinen mit der Einlage von neuen Schnellzügen vorsichtig gewesen mit Rücksicht auf die Finanzlage. Rur das unbedingte Bedürfniß ist befriedigt»vor- den. Auf der Eifelbahn verkehren in jeder Richtung vier Personenzüge. Der Versuch, einen Schnellzug fahren zu lassen, ist früher aus Konkurrenzrücksichten geniacht worden, aber ohne Erfolg. Auch die Personenzüge sind wenig besetzt, so daß ein Bedürfniß zu einem Schnellzuge nicht anerkannt werden kann. Für eine Verbindung nach den Reichslanden über die Eifel ist ebenfalls kein Bedürfniß vorhanden, zumal die Verbindung vi Kiloineter länger ist als die bestehende über Bingerbrück. Abg. Knebel(natl.): Der Schnellzug über die Eifel würde eine erheblich kürzere Verbindung zwischen Saarbrücken und dem Norden Deutfchlands herbeiführen. Daß die Verbindung nach dem Reichsland länger ist, ist dabei ohne Einfluß, denn es kommt doch nicht blos aus die Stationen an, sondern auch auf das dazwischen liegende Land. Minister Thiele»: Die Verbindung von den Reichslanden nach dem Norden Deutschlands über die Eifelbahn würde allerdings kürzer fem; aber von Berlin und von Köln können keine kürzeren Verbindungen geschaffen werden als sie jetzt bestehen. Abg. Olzem bedauert die Antwort des Ministers; daß der Verkehr auf der Eifelbahn ein so geringer fei, liege an der Langsamkeit der Züge und an dem Fehlen jeglicher Anschluß- Verbindungen. Abg. Brömel(dfr.) kommt auf die Kohlenpreise zurück. Trotzdem die Kohleupreise allgemein eine weichende Tendenz haben, sind die Ausgaben dafür in den meisten Direktionen theils in derselben Höhe, theils höher veranschlagt als früher. Die höchsten Preise finden sich in den Bezirken, wo die Kohlenringe ihre Wirksamkeit ausübe», nämlich in Westfalen. Die Preissteigerungen für Kohlen betrugen in den meisten Revieren 2,d0— S,S0 M. für die Tonne, in Dortmund aber 5,90 M., in Essen mehr als 6 M., oder in Prozenten ausgedrückt in den anderen Bezirken 30—35, in Dortmund 110 und in Essen 127 Prozent. Minister Thielen: In den Etat für 1892—93 sind ftir die Kohlen dieselben Preise eingesetzt wie für den laufenden Etat, für welchen wir mit diesen Preisen nicht ausgekommen sinh. Wir stehen in laufenden Verträgen»uit den Kohlenzechen bis Ende Juli. Wir bezahlen mehr als im Etat angesetzt»st, wir bezweifeln aber nicht, daß wir demnächst mit den angesetzten Preisen ausreichen werden vermöge der sinkenden Konzunktur. Wie die Kohlen nach dem 1. Juli beschafft werden sollen, weiß ich heute noch nicht, und wenn ich es wüßte, würde ich es hier Herrn Brömel nicht offen sagen.(Heiterkeit rechts.) Die Differenz der Preise in den einzelnen Direktionsbezirken ist der Kommission bereits erklärt dadurch, daß sich die Verhältnisse in den Direktionsbezirken Altona, Magdeburg und Erfurt etwas verschoben haben. Eine Debatte über die Kohlenringe, ,vürde hier nutzlos sein. Ich habe die feste Ueber- zeugung, daß ivir im vorigen Jahre ohne die Kohlenringe andere Preise hätten zahlen müssen, als wir wirklich gezahlt haben. Im vorigen Jahre bade ich mir die größte Mühe gegeben, für Hannover die Ankäufe so billig wie möglich zu machen. Ich habe auch englische Kohlen gekauft. Die Kohlen waren, nach § aniburg oder Bremerhaven gelegt, höher als die Ruhrkohlen. ch hätte die englischen Kohlen nicht gekauft, wenn ich nicht durch die Roth dazu gezwungen wäre. Die Erfahrungen sind in sofern keine günstigen gewesen, als die Heizkrast der englischen Kohlen geringer ist als die der deutschen Kohlen. Abg. Schuln-Bochum: Nach den Ausführungen des Ministers verzichte ich auf das Wort. Abg. Sander(natlib.) bittet den Minister, auf dem Bahn- Hof Hildcsheim einen neuen Speisesaal ,u bauen, weil der Ver- kehr zur Mittagszeit ein so großer ist, daß die Reisenden keinen Platz finden. Abg. v. Eyner«(natlib.) schließt sich diesem Wunsche an, hält es aber für zweckmäßiger. Restaurationswagen in die Züge zwischen Berlin und Köln einzustellen; denn in Hannover giebt es kein menschenwürdiges Essen. Redner tritt dann für die Kohlenringe ein, welche cjn« Ver- schleuderung des kostbaren Kohlenmaterials verhindern sollen. Daß die Kohleupreise sich höher gestellt haben, liegt an der Be- lastung des Kohlen-Bergbaues mit den Hohen Ausgaben für die sozialpolitischen Versicherungen. Außerdem ist der Bergbau be- lastet mit der Brutlosteuer der Bergwerks-Abgaben, deren Abschaffung in einer Thronrede schon feierlich verkündet worden ist. Mit einigen Redewendungen ist diese wichtige Frage nicht abzuthun. Wenn die Eisenindustrie sich über die Kohlenpreise beklagt, So vergißt man dabei, daß die Eisenindustrie etwa 17 pCt. der kohle verbraucht; die übrigen 83 pCt. werden sich nach der Eisenindustrie nicht richten. Ist denn die Eisenindustrie überhaupt nur in Deutschland nothleidend und nicht vielmehr überall? Für unsere Kleinindustrie könnten allerdings billigere Kohlentarise eingerichtet iverden. Abg. Brömel(dfr.): Wenn man den kostbaren Kohlenschatz schützen will, dann muß man sich hüten, die Kohlen billiger an die ausländische Konkurrenz zu verkniffen als an die einheimischen Abnehmer. Herr von Stumm hat sich im Reichstage dagegen ausgesprochen, daß den französischen und belgischen Werken die Kohlen billiger geliefert worden sind, als den einheimischen Werken, die auf Büchsenschußweite von der Zeche entfernt sind. Ist denn blos die Kohlenindnstrie durch die Berficherungsgesetze belastet oder nicht vielmehr die ganze Industrie ebenfalls? Wenn der Minister dze Haltung der Kohlenringe vertheidigt, so sind in den meisten Jndunriezweigen gegentheilige Meinungen vorhanden; man glaubt, daß die Staatsbahnen durch ihre Tarifpolitik das Treiben der Kohlenverkaufs-Vereinigungen zu durchkreuzen be- rufen seien. Es ivird also eine Aenderung nicht eher eintreten, bis an maßgebender Stelle ein gründlicher Wandel der An- schauungen sich vollzogen haben wird. Minister Thiele«: Ich habe über die Kohlenringe im allgemeinen keinen Ausspruch gethan, sondern nur fiir die Sturm- und Drangperiode behauptet, daß wir ohne den Kohlen. ring noch höhere Preise hätten zahlen müssen, wie ich das 1373 bereits erlebt habe. Abg. von Gyneru: Die Kohlenpreise sind auch bei den Saarbrücker Slaatswerken sehr hoch; Herr Brömel hat aber beim Bergwerks-Etat keinen Antrag auf Ermäßigung gestellt. Ob die Saarbrücker nicht auch nach Italien und Frankreich Kohlen verkaufen, weiß ich nicht. In Oberschlesien hat der Handelsminister den Versuch gemacht, das Monopol des Zwischenhandels zu durchbrechen und die Konsumenten direkt von der Grube aus zu befriedigen. Das ist aber mißglückt Die Industrie des Ostens: die Spiritusfabrikation und Zucker- fabrikation hat nicht während des ganzen Jahres einen regel- mäßigen Kohlenbedarf, so daß sie direkt mit der Grube in Ver- bindung treten können. Abg. Brömel: Ich habe die Sache beim Bergwerksetat nicht zur Sprache gebracht, iveil die Saarbrücker Kohlenwerke in der Preissteigerung nicht über den Durchschnitt hinausgegangen sind, wie dies seitens der Ruhrkohlenwerke geschehen ist. Abg. Burghardt-Lauban weist darauf hin, daß Güterwagen eingestellt sind, welche etwas breiter ausgefallen sind, so daß sie für den Verkehr nach dem Auslande nicht zugelassen werden können. Abg. Brömel: In der Kommission hat der Minister hervor- gehoben, daß es in Zukunft Luxuszüge< geben werde, für den großen durchgehenden Verkehr, Schnellzüge für den weiteren in- ländischen Verkehr und Personenzüge für den langsamen Verkehr. Der Minister hat aber nicht erklärt, ob diese verschiedene Ein- richtung der Züge auch eine Einwirkung auf die Tarife haben wird. Die Ausgaben werden genehmigt. Bei den Ausgaben für die Eismbahn-Kommissariate be- klagt sich Abg. Sattler über die schlechte Verbindung auf der Stargard-Küstriner Bahn; man verlange allgemein, daß die Bahn verstaatlicht werden solle, oder daß sie gezwungen werde, mehr Züge einzustellen. Ein Vertreter des Eisenbahnministers erklärt, daß man es nicht für richtig gefunden habe, die Bahn zur Einlegung neuer Züge zu zwingen. Die Bahn habe aber sich bereit erklärt, vom I. Oktober ab die niedrigeren Sätze der Staatsbahnen für ihre Tarife anzuwenden. Bei den einmaligen Ausgaben werden verschiedme Lokal- schmerzen zur Geltung gebracht und u. A. vom Abg. Cremer die Anlage eines neuen Bahnhofs in Schöne- berg an der Tempelhoferstraße verlangt. Die einmaligen Ausgaben werden bewilligt. Es folgt der Bericht über die Bau-Ausführungen und Beschaffungen der Eisenbahn- Verwaltung, wozu die Budget- Kommission folgende Anträge stellt: a) die königliche Staatsregierung auf- zusordern, den durch die Veräußerung von Grundstücken der Eisenbahn-Verwaltung erzielten Erlös in Anrechnung auf die offenstehenden Kredite für öffentliche Bauten zu verwenden und demgemäß unter Kapitel 37 des Etats der Staatsschulden-Ver- waltung aufzunehmen, b) die königliche Staatsregierung zu er- suchen, den Verzicht auf den Bau der Bahnstrecke Luxemburg» Schwarzenbek näher zu erwägen und im Falle der Aufgabe de? Baues die durch Gesetz vom 21. Mai 1383 bewilligten Laumittel als erspart nachzuweisen. Der Berichlcrstalier Sattler führt aus, daß die Nachricht der„Kölnischen Zeitung", die Umwandlung der Bahnhofs- Verhältnisse in Hainbnrg würde 53 Millionen Mark erfordern, in der Kommission dahin richtig gestellt ist, daß die Ausgaben kauin die Hälfte betragen würden. Abg. Halberstadt bemängelt, daß die Ausführung mancher Bahnen so lange dauere, so zum Beispiel der Bau der Bahn Gollnow- Wollin- Kammin. Er fragt serner, warum auf der Strecke Hirschberg- Petersdorf der Personenverkehr vier Monate früher eröffnet wurde, als der Güterverkehr. Der Bericht wird daraus für erledigt erklärt und die von der Budgetkommission gestellten Anträge angenommen. Für erledigt erklärt werden auch die Verhandlungen des Eisenbahn- Raths, der Bericht über die Betriebsergebnisse der Staats- Eisenbahnen und die Nachweisung über die dienstfreie» Zeiten des Betriebspersonals. Schluß SPU Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 11 Uhr (Etat der Bauverwaltung). Vsvketnstftridiken. Tie Lockspitzel sind au der Arbeit. Es wird uns mit- getheilt, daß an einzelne Parteigenossen Zeitungspackete aus London mit Nunimern der„Autonomie", der Gründung des Polizeispions Peukert,— und zwar verschieden« Exemplare der- selben Nummer!— versendet werden. Zugleich wird in der letzten Nummer der„Älutonomie" formell erklärt, man werde regelmäßig an alle Arbeiter, deren Namen durch die Presse be- kannt würden, solche Sendungen schicken. Die»Autonomie" sei nicht verboten, und es könne Niemand bestraft werden, der sie besitzt. Natürlich wird hier eine Leimruthe aufgesteckt, an welcher sich die Gimpel fangen sollen. Der übrigens unglaublich öde Inhalt, der für gewisse Zwecke noch besonders präparirt wird-» auf«in Dynamitrezeptche» oder Aehnliches kommt es den Herren nicht an— dient dann dazu, den auf den Leim Gegangenen ans Messer und Material zu einein großen Gruselprozeß zu liefern. Bei den innigen Be- ziehungen zwischen„Autonomie" und Spitzelthum macht es sich leicht, daß hinter dem Briefträger die Polizei erscheint und den ahnungslosen Adressaten packt. Man braucht wieder einmal das rothe Gespenst und will um jeden Preis die Sozialdemokratie mit dem Spitzel-Anarchismus verquicken. Die Genossen werden dafür sorgen, daß die„Autonomie"-Leute, die viel Geld zu haben scheinen, ihr Porto umsonst ausgeben. Das praktischste Rezept st: Ins Feuer mit dem Schund!— »« « Achtung, Arbeiter aller Gewerbe CharlottenburgS! Die Wahl der Arbeiter-Beifitzer zum hiesigen Ge werbegericht findet am 7. März statt. Die Wahllokale und Kandidaten sind folgende: 1. Wahlbezirk: Turnhalle der 5. Gemeindeschule Schloß- straße 2; Turnhalle der höheren Bürgerschule an der verlängerten Schloßstraße; Kandidaten: Maschinenschlosser Karl Siegerist, Maurer Gustav Beyer und Maler Herinann Schiller. 2. Wahlbezirk: Turnhalle zwischen der Kirchhos- und Rosin- straße; Wodrich's> Salon, Spreeftraße 3; Kandidaten: Töpfer Rudolf Goede, Tischler August Sellin und Böttcher Wilhelm Harms. 3. Wahlbezirk: Turnhalle des Realgymnasiums, Schiller- straße 27/32; Turnhalle der 3. Gemeindeschule, Joachimslhaler- straße 31/32; Kandidaten: Zimmermann Friedrich Fritsche, Arbeiter Karl Han ufchke uyd Gärtner E r n st D a l u s. Wir machen noch besonders darauf aufmerksam, daßBescheini- gungen über die Berechtigung zur Wahl in sämuitlichen Polizei- revieren und im Bureau I im Rathhause, parterre links, unent- geltlich verabfolgt werden. Versäume keiner am Tage der Wahl, seine Stimme den von uns aufgestellten Kandidaten der Sozialdemokratie zu geben. Parteigenossen,»velche gewillt sind, Sonntag, den 28. Februar, sich am Flugblatter- Austragen zu betheiligen, können sich früh SV« Uhr im Restaurant Krause, Bisniarckstraße, melden. Das Wahlkomitee. «» In Zeitz hat der Parteigenosse Strzelewiczldie Zentral« halle käuflich erworben und das Versprechen gegeben, sämmtliche aus dem Betriebe dieses Elablissements resultirende Ueberschllsse im Interesse der Partei zu verwende». Den Saal- abtreibern ist damit ein dicker Strich durch die Rechflung gemacht. Theater. Dienstag, den 28. Februar. Schauspielhaus. Das heilige Lachen. Deutsches Theater. Glück. Lessing- Theater. Heute und gestern. Berliner Theater. Schlimme Saat. Residenz- Theater. Modebazar Violet. Musotte. Wallner- Theater. Yvette. Circus Renz. Karlstraße. Dienstag, den 23. Februar 1892, Abends 74 Uhr: Anßerordentliche Vorstellung mit bes. gewähltem Programm. Auf Helgoland" oder: Ebbe und Fluth. Große Circus G. Schumann. Friedrich- Karl- Ufer, Ecke Karlstr. Sozialdemokratischer Wahlverein Dienstag, den 23. Febr. 1992, für den 1. Berl. Reichstags- Wahlkreis. Gr. Versammlung Abends. 71/2 Uhr: Grosse Gala- Benefiz- Vorstellung für die beliebten Künstlerfamilien Hodgini und Victor Bedini. Besonders hervorzuheben: Zum ersten am Dienstag, den 23. Februar d. I., Abends 8 Uhr, in Norbert's Festfälen, Beuthstraße Nr. 22. Tages- Ordnung: Um hydrologische Ausstattungs: Male: Volitige à la Richard, vom 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder. 1. Vortrag über Bodenbesitz- Reform. Referent Dr. Bruno Borchart. Friedrich- Wilhelmstädt. Theater. National Tänzen( 60 Damen), Auf Benefiziant Mr. Victor Bedini in 8ahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder wird höflichst ersucht. Thomas- Theater. Reif- Reiflingen. Bellealliance- Theater. Der Nothhelfer. Oßtend- Theater, Liane, die zweite Oßend- Theater. Liane, die zweite Frau. Garde- Husaren. Dampfschiff: und zügen. Neue Einlage: Die Bootfahrten, Wasserfällen, Riesenfontänen mit allerlei Lichteffekten ur. f. w., arrangirt und inszenirt vom Direktor E. Renz. Joë feiner Parforce- Arbeit auf ungefattel NB. Die Zahlstellen des Wahlvereins befinden sich bei den Genossen tem Pferde. Zum 1. Male: Miß Wernau, Rosenstr, 30; Salzwedel, Klosterstr. 88, und Mecklenburg, Ober Adele Bedini( Benefizi antin) in ihren vorzüglichen Trabtouren auf unges. wasserstraße 12. Auch werden Beiträge in den Vereins- Versammlungen entPferde. Travail sans selle, ausgef. Rückstande sind, werden ersucht, ihren Pflichten nachzukommen. ausgegegengenommen. Die säumigen Mitglieder, welche mit ihren Beiträgen noch Adolph Ernst Theater. von der Benefiziantin Mis Emmy im Tanzteufel. Außerdem: Neu! Im Reidje der Hodgini. Der englische Jockey, dar Alexanderplatz- Theater. Berliner Blumen, Phantasie equestre von Frl. gestellt vom Benefizianten Mr. Joë Pflaster. Clotilde Hager. Neu! Die Fahr- Hodgini. Kom. Entree der MiniaturSchule, geritten von Frl. Oceana Renz. Clowns Nipp und Tripp. Horaz und Mercur, zusammen vorgef. 0 Der Feenpalast. Spezialitäten- Borstellung. Gebrüder Richter's Variété. Spe zialitäten- Vorstellung. Theater der Reichshallen. Spezialitäten Borstellung. Winter- Garten. Spezialitäten- Bor ftellung. Kaufmann's Variété. SpezialitätenBorstellung. Konkordia- Valaft- Theater. Spezialitäten- Vorstellung, American- Theater. Spezialitäten Vorstellung. Auftr. des anerkannt besten Sozialdemokratische Versammlung des Wahlvereins von Herrn Ernst Renz( Enkel). Auf Schulreiters der Gegenwart Mr. für den II. Berliner Reichstags- Wahlkreis. treten der 3 Amerikaner, Gebr. Rixfords. Mlle. Theresina auf dem 20 Fuss hohen Drathseil( fenfationell). Auftreten der vorzüglichsten Reitfünstlerinnen und Reittünstler. Komische Entree's und Intermezzo's v. sämmt lichen Clowns. Morgen Mittwoch: Galavorstellung. Auf Helgoland. E. Renz, Direktor. Sames Fillis mit seinem Schulpferd He Markir. Zum Schluß der Vorstellung: Neu einstudirt: Eine Nacht in Venedig. im Große komische Original Waffer: 3. pantomime in 2 Abtheilungen mit neuen fenfationellen Licht- u. Wassereffekten. Morgen große Vorstellung mit neuem Programm. Auftreten des Mr. James Fiais. Eine Nacht in Venedig. Dienstag, den 23. Februar, Abends 8 Uhr, im Lokale Königshof, Bülowstraße Nr. 40. Reichstage". Referent: Reichstags Abgeordneter Birk. Tages- Ordnung: 1. Bortrag: Das Vorgehen der Sozialdemokratie 2. Diskussion. Fragen und Verschiedenes. Um zahlreichen Besuch ersucht C 428/13 Der Vorstand. Oeffentliche Volks- Versammlung Gratweil'sche Bierhallen Verein zur Regelung der gewerbl. Verhältnisse der Töpfer des 3. Berliner Reichstags- Wahlkreises Kommandantenstrasse. 77-79. Heute, sowie täglich: Berlins und Umgegend. Gr. Freifonzert. Ordentliche Mitglieder- Bersammlung Anfang Wochentags 72 Uhr, Sonntags 6 Uhr. Empfehle meinen berühmten Mittagstisch à la Duval. Diner à 1 Mark. 1169L am Donnerstag, den 25. Februar, Abends 5½ Uhr, Tages- Ordnung: in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstraße 77-79. 1. Vortrag über das Thema:„ Jwan der Schreckliche. Ein blutiges 3 Kegelbahnen, 6 Billards, Drama aus Rußlands Vergangenheit." Referent Herr L. Henning. 2 Säle. 2. Wahl eines zweiten Schriftführers. 3. Anträge der Mitglieder. 4. Ber Sonnabend, den 20. Februar: schiedene Vereinsangelegenheiten. Die Quittungsbücher sind am Eingang Gr. Bock- Anstich. Dorzuzeigen. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. 448/3 Der Vorstand. Dienstag, den 23. Februar, Abends 8 Uhr, im Lonisenstädtischen Konzerthause, Alte Jakobftraße 37. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Förster. 2. Diskussion. 3. Die diesjährige Maifeier event. Wahl eines Komitees. 330/11 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vertrauensmann. Arbeitslose Bauarbeiter, Maurer, Zimmerer, Töpfer, Maler, Stuckateure, Tapeziere u. S. W. Donnerlag, den 25. d. M., Vormittags 9/2 Uhr, Etablissement Buggenhagen Lithographen, Steindrucker u. Berufsgen. in br Brauerei Friedrichshain( Früher Lips), am Königsthor: am Moritzplatz. Täglich: Unterhaltungs- Musik. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer- Abend. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial- Ausschank von Bazenhofer Export- Bier, Seidel 15, Pf. 641 F. Müller. Oeffentliche Versammlung. richtung Alle diejenigen Kollegen, die noch im Besize von Sammellisten für die ausgesperrten Buchdrucker, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen sind, werden ersucht, dieselben sofort, gezeichnet oder ungezeichnet, an die bekannten Zahlstellen oder Kommissionsmitglieder abzuliefern, widrigenfalls die Nummern der Listen mit den Namen der Entnehmer in diesem Blatte veröffentlicht werden. J. A. der Kommission: Fr. Scherer, Lithograph, Liegnigerstr. 21, v. II. Dem Genossen Gottlieb Weiss zum 219/4 heutigen Wiegenfest ein donnerndes wackelt. Gottlieb laß gießen! 1564b Drei Rothe bei Nacht. 446/3 Zentral- Kranken- und Tages Ordnung: 1. Bericht der Deputation bei dem Ober- Bürgermeister Berlins. 2. Er einer Arbeitsbörse. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. Pflicht eines jeden Arbeitslosen ist es, zu erscheinen. Der Ausführungs- Ausschuß des Bauarbeiter- Kartells. J. A.: Gerde, Straßburgerstr. 38. NB. Wegen dieser Versammlung fällt die Versammlung der arbeitslosen Castan's Panopticum Begräbnißkasse für Frauen und behoch, daß die Engl. Gasanstalt Maler aus, und find dieselben verpflichtet, in dieser Bersammlung zu Friedrichstr. 165a, Ecke Behrenstr. Interessantente Völkerschaft Inner- Afrikas: Schuli b. Emin Pascha- Reich. Mädchen Deutschlands. E. H. 26. Siz: Offenbach a. M. Die Kasse nimmt als Mitglieder Frauen und Mädchen vom 14. bis 45. Lebensjahre auf. Das Eintrittsgeld beträgt 1 Mart. Der wöchentliche Beitrag 25 Pf. Als Krankenunterstützung wird 7,20 M. wöchentlich oder Ida Wendt Herrmann Wandelt Verlobte. 1588b erscheinen. Tellersammlung findet nicht statt. I Diese Versammlung war in der Sonntagsnummer irrthüm lich zum Diennag, den 23., angesagt. Friedrichsberg, den 20. Febr. 1892. Verband aller in der Metallindustrie beschäftigten Arbeiter 30 Personen, Männer, hause gewährt. Das Begräbnißgeld be ſchlief nach langem Leiden mein geFrauen, Kinder. Vorstellungen: 11, 12 u. 1 Uhr Vormittags, 4, 5, 6, 7, 8 und 9 Uhr achmittags. Entree 50 Pf. Kinder 25 Pf. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr Ab PassageBerlins und Umgegend. 389/9 Branchenversammlung der Mechaniker am Mittwoch, den 24. Februar, Abends 8½ Uhr, im Lokale des Herrn Kessner, Annen- Strasse No. 16. Tages Ordnung: Todes- Anzeige. 1557b Am Freitag, den 19. b. M., entträgt 60 M. 152/9 liebter Bruder und Schwager, der Beitrittserklärungen werden entgegen Schuhmacher Carl Wittke. Die Be genommen: SO. Verwaltungsstelle I: erdigung findet Dienstag, den 23. Febr., Wilh. Papke, Reichenbergerstr. 155, Nachmittags 3 Uhr, von der Leichen Quergeb. IV; Emil Brödel, Manteuffel- halle des St. Thomas- Kirchhofs aus stande. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 5. Verschiedenes und Fragen. 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Vorschlag eines Beisigers zum Bors Straße 49. SW. Verwaltungsstelle II: statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Bertha Luz, Buttfamerstr. 7, Laden. Wilh. Schäfer u. Frau, geb. Wittke. 3ahlreicher Besuch erwünscht. Gäste willkommen. N. Berwaltungsstelle III: F. Dolz, Bergftraße 80, Quergeb.; Wilhelmine Grüne wald, Prinzen- Allee 27, III. O. Ber Emil Müller, Panopticum.waltungsstelle IV: Lebensgrohe Memelerſtr. 81, H. IV; Herm. Gehr Wachsfiguren und hardt, Lichtenbergstr. 7, Quergeb. IV Gruppen, Dioramen. Sündfluth Panorama Arbeiter- Bildungsschule. mit Gewitter. Im Theater- Saal( obne Versammlung Extra- Entree): Täglich v. 6 Uhr ab Vorstellung von Spezial. I. Rang. Entree 50 Pf. Präuscher's anat. Museum. Schluss widerruflich Influenza Täglich für wafene Damen- Tag jeb. Dienstag am 30. März. und vieles andere neu! Herren. und Freitag. am Mittwoch, den 24. Februar, Abends 8 Uhr. Tagesordnung: 4. Cytlus- Bortrag des Schriftstellers Herrn M. Bölsche über: Die Entwidelungsgeschichte der Erde." Gäste Pf. Entree. 432/12 Der ne zahlen 20.orstand. Achtung! Musikinstrumenten Arbeiter! Die Inhaber von Listen für die verBlumen und Kränzen. Empfehle mein Geschäft in frischen 538 L Robert Meyer, Der Vorstand. Mitglieder- Versammlung Nr 2. Mariannenstraße Nr. 2. des Vereins zur Wahrung der Interessen der Maurer NB. Um häufigen Irrthum zu verBerlins und Umgegend meiden, bitte ich meine Freunde und am Donnerstag, den 25. Februar d. J., Abends 8 Uhr, in Genoffen, genau auf meine Adresse zu Orschel's Salon, Sebastianstrasse 39. aten Tages- Ordnung: Empfehle Freunden und Genossen 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten. 1. Vortrag des Genossen Jahn über: Anarchismus und Sozialismus." mein reichhaltig sortirtes Lager in Um zahlreiches Erscheinen ersucht Bigarren, Zigaretten u. Labaken 427/12 Bitte, bei Bedarf mich gütigst zu unterstützen. 1623L Neue SchönFritz Berndt, Hanserstr. 81 Alle Genossen und Freunde lade zum Dienstag, den 23. d. M., zu einem ge müthlichen Wurstessen ein. Fr. Rach, Müllerstr. 163, Eing. Burgsdorfstraße. des Königstreifenden Gewerkschaften find Der Rechts- Bureau pflichtet, diefelben bis zum 1. März richters a. D., Alte Jakobstrasse 130. lich. Amtsleer oder ausgefüllt beim Kollegen Gewissenhafter Rath, Silfe in allen Stamm, Dresdenerstr. 137, Hof 2 Tr., Angelegenh. Unbemittelten unentgeld abzuliefern, da sonst ihre Namen ver- lich. Sonntags bis 4 Uhr.( 1856L Masten- Garderobe öffentlicht werden. Den Genossen halte ich meine bei Bedarf best.empfohlen GrössteAuswahl. Bill.Pr. 435/13 Der Vorstand. Achtung! Der Vorstand.e aller in Buchbindereien, Album-, Karton, Luxuspapier. Große öffentliche Versammlung u. Lederwaaren- Fabriken beschäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen am Mittwoch, den 24. Februar, Abds. 8 Uhr, im Lokale des Herrn Müller, Johannisstrasse No. 20. Tages- Ordnung: Wabuit. 2. Distuffion." 3. Verschiedenes. 1. Vortrag über:" Gottes- und Königsidee." Referentin Fräulein Kollegen und Kolleginnen! 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No- vembcr vorigen Jahres an den Magistrat gerichtete Gesuch um Ueberlassung von Schulräumen an die Arbeiter- Bildungsschule nach� beinahe 8 Wochen keinerlei Antwort erfolgt war, hatte der Vorsitzende am 20. Januar d. I. das Gesuch wiederholt und um schleunige Antwort gebeten. Dieser„schleunige" Bescheid ist jetzt nach weiteren vier Wochen eingegangen und lautet: „Dem Antrage des Borstandes der Arbeiter-Vildungs- schule vom 30. November v. I. um Ueberlassung von sechs Schulräumen zu Unterrichtszwecken der Arbeiter- Bildungsschule kann diesseits nicht entsprochen werden, da die Benutzung städtischer Schulräume nicht solchen An- stalten gestattet werden kann, welche der erforderlichen Konzession entbehren. Die Arbeiter- Bildungsschule stellt sich aber alseine Fortbildungsschule dar, welche als solche der Genehmigung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe bedarf. Städtische Schuldeputation. Schreiner." Die Schuldeputation geht hiernach von der etwas naiven Ansicht aus, daß Ministerium und Polizei den schon über 3/4_ Jahre lang betriebenen Unterricht widerspruchslos dulden würden, wenn die ministerielle Genehmigung dazu wirklich erior- derlich wäre!— Die Arbeiter-Bildungsschule aber wird sich selbst- verständlich durch diese Antwort nicht verblüffen lassen. Die Lokalkommissi ou giebt bekannt, daß der Lokalbesitzer Schröder(Weddingpark), Müllerstr. 173, jetzt das Zirkular unter- schrieben hat, seinen Saal zu allen Versammlungen(politischen wie gewerkjchaftlichen) herzugeben. Der Wirth ist somit von der „Boykottliste" zu streichen. I. A.: I. Wernau, Rosenstr. 30. Wie ans dem Juseratcnthcil der heutigen Nnmmer ersichtlich, findet heute Abend eine öffentliche Versammlung des Wahlvereins für den ersten Kreis statt, in welcher der Vorsitzende des Verein für Bodenbesitz- Reform einen Vortrag über:„Die Bestrebungen der Bodenbesttz-Neformer" halten wird. Es ist den Genössen zu empfehlen, möglichst zahlreich bei Norbert. Beuthstr. 21, wo die Versammlung stattfindet, zu erscheinen, da sich die Diskussion zu einer äußern lehrreichen gestalten wird. Auch Genosse Max Schippe! hat sein Erscheinen bestimmt zugesagt. Als„Ttndentenstreichc" bezeichnet die bürgerliche Presse die Heldenthaten zweier roher Musensöhne, welche dieser Tage einer Prüfung des Gerichtes unterzogen wurden. Die kapitalistischen Zeitungen verschweigen in überströmendem Zart- gefühl die Namen dieser weichherzigen Jünglinge, dieselben konnten sonst in ihrer„Karriere" geschädigt oder aber der Familie könnte Schmerz bereitet werden. Der Sachverhalt tst in Kürze der folgende: Ein Droschkenkutscher fuhr in einer Augustnacht eine Sängerin nach ihrer in der Marienstraße gelegenen Wohnung An der Ecke der Straße standen die Studenten ans dem Fahr dämm. Der eine rief ohne jede Veranlassung dem Vorüber- fahrenden eine unflä-thige Redensart zu, während der Andere mit seinem Spazierstock einen wuchtigen Hieb nach der Insassin des Wagens führte, ohne sie glücklicher Weise zu treffen. Die Dame rief um Hilfe, der Fuhrherr sprang vom Bock und wurde nun ohne Weiteres von den beiden Wegelagerern derartig mit Stöcken b e- arbeitet, daß er aus niehreren Kopfwunden blutend am Boden liegen blieb, während die feigen Herren die Flucht ergriffen. Ans der neuen Brücke zwischen Schiffbauerdamm und Friedrichsbahnhof wurden sie aber gestellt und zur Wache sistirt. Vor Gericht fand das Nachspiel statt. Der Vertheidiger sprach von den„Folgen eines Kneipabends", von„über- schäumender Studentenlaune" und anderen schönen Dingen. Der Staatsanwalt dagegen war ganz anderer Ansicht. Er beantragte 2 Monate Gefängniß, hervorhebend, daß gerade bei dem B ist- dungs grade der Angeklagten die Handlung um so verwerf- licher sei und deswegen die ganze Strenge des Gesetzes walten müsse. Nur in Anbetracht der bisherigen Unbescholtenheit der Angeklagten, und daß durch eine Gefängnisstrafe ihre ganze Karriere vernichtet werden würde, verurtheilte der Gerichtshof die beiden Angeklagten zu je 100 Mark Geld st rase und außerdem noch zu 20 Mark wegen Injurien und Publikatious- bcfugniß. Ob es was fruchten wird, wenn der Vorsitzende hin- zufügte, daß die Angeklagten diese Strafe als eine Lehre für ihr ganzes ferneres Leben betrachten möchten, wird die Zukunft lehren. So treiben's also die Söhne der„besseren Stände"! Des Nachts ohne Weiteres Passanten auf der Straße aufallen, in roher Weise Damen insultiren und schließlich die sich ihrer Haut Wehrenden halb todt schlagen. Ein merkwürdiger Ausfluß„über- schäunieuder Studentenlauue"? Wenn jeder Student solch eine Laune sich zulegt, dann ist kein Mensch auf der Straße seines Lebens mehr sicher. Wir stimmen mit dem Staatsanwalt voll- kommen übrrein, wenn er solche Rohheiten streng bestraft wissen rvill. Das Urtheil unterziehen wir selbslverüändlich keiner Kritik, aber eine Frage möchten wir doch stellen: WaS würde geschehen, wenn zwei Arbeiter sich ähnlich betragen hätten, wie diese beiden Studenten? Wäre dann auch Rücksicht auf die„Karriere" der- selben genommen worden? Hätte ihnen ihre Unbescholtenheit etwas aeholsen? Wären sie auch mit einer ihren Verhältnissen angemessenen Geldstrafe davongekommen? Bon Pino v. Friedenthal, vor dessen geschäftsmäßig be- triebenen Betteleien mit einem fast ausschließlich aus Kriegs- depeschen bestehenden Sanimclwerke schon häufig in der Presse gewarnt worden ist, liegt der„Freis. Ztg." ein neuer Bettelbrief vor, den er an alle Diejenigen zu verschicken pflegt, bei denen sein erstes Schreiben unbeantwortet blieb. Dieses neue, gleichfalls hektographirte Schreiben lautet, unter Beibehaltung der eigen- artigen Orthographie und Grammatik des adlige»„Schrift. stellers", wörtlich:„Ew. Hoch Wohlgeboren gestalten wohl gütigst unter geneigtester Vergebung, daß ich keinen Original Brief ein- senden kann wegen Verstümmelung rechten Taumes, Gicht- lähmung n. fehlerhafte Augen um gütigsten Bescheid zu erbitten, ob nicht vor Wochen ineine Brozüre, 1864 und 66 deren Verkauf zu jedem Preise niir gerade momentan, als wieder meist beltlägrich wohl sehr angenehm wäre, zu Dero Hände gelangte. Obivohl ich laut gerichtsärztliches Zeugniß an- erkannt nicht im Stande bin durch eigenes Thun meine Existenz zu fristen, obwohl durch Berläumdung, böfe Menschen und andere herbe Schicksalsschläge oft schon sehr zurückgeworfen, bleibe ich beharrlich und suche immer wieder trotz meiner Gebrechlichkeit mittelst Verwerthung meiner Geisteskräfte, ohne Pension oder sonstige Einkünste meine kränkelnde Frau und mich einigermaßen— den äußeren Schein bewahrend durchzubringen. Würde aber gern eine Stellung annehmen, um dann meinen jetzigen mühevollen Beruf, der sehr wenig mir ein- bringt, aufgeben zu können. Ich fertige nämlich Auszüge aus größere Werke an und schreibe Bcozüren, die ich auf eigne Kosten drucken lasse und zu verlausen suche. Meine Angaben sind be- hördlich festgestellt und sind Originalzeugniffe bei mir jederzeit einzusehen. Mein zuständiges Polizeirevier ist Nr. 82. Hoch- straße 37. Sollte niein Buch nicht angelangt sein, dürfte ich wohl ein 2. Exemplar übersenden? Da mir das Schreiben sehr schwer fällt wäre geneigteste Rücksendung dieses Briefes eine große Wohlthat, bitte ich denn, aber unbeschrieben zu fernerem Gebrauch sich eignend. Mit größter Hochachtung unterthänigst Pino v. Friedenthal Schriftsteller. Berlin dl. 39, Colberger- Straße 18. Die Braut eines höheren Gerichtsbeamten hat sich in sehr tragischer Weise das Leben genommen. Wir erfahren über den Vorgang das Nachstehende: Die 31 Jahre alte Bertha Ohruch, deren Bater in Buckow lebt, zog vor vier Monaten aus ihrem Heimathsorte zu der Frau Stephan nach der Rosenthalerstr. S/6 und bewohnte daselbst ein Zimmer. Sie theilte ihrer Wirthin gleich nach ihrem Zuzuge mit, daß sie seit zehn Jahren mit einem hiesigen höheren Gerichtsbeamten verlobt sei, doch verzögere sich die Verheirathung immer wieder. Im Anschluß hieran sprach sie die Befürchtung aus. ihre Schönheit mit den Jahren einzu- büßen, und dann werde es mit der Heirath wohl überhaupt vorbei sein. Dieser sie fortgesetzt quälende Gedanke habe ihr schon einmal vor sechs Jahren den Revolver in die Hand gedrückt. Am letzten Freitage nun wurde die O. wiederum von dieser fixen Idee gepeinigt, zog sich gleich nach dem Mittag- essen fein an und verließ gegen zwei Uhr Nachmittags die Wohnung. Als sie wider ihre Gewohnheit bis zum Abend nicht zurückgekehrt war, wurde Frau Stephan besorgt und schickte zu dem Bräutigam, welcher auch sofort eintraf und die Benach- tigung der Polizei herbeiführte. Als die Verschwundene nun auch bis zum Sonnabend früh nicht heimgekehrt war, öffnete man den zurückgelassenen Koffer und fand darin einen Zettel des Inhalts: „Suchet mich auf dem nächstgelegenen Kirchhofe." Zu derselben Zeit fand man auf dem alten Louisenkirchhofe in der Bergstraße zwischen den Gräbern die Leiche einer Dame, welche sich durch einen Revolverschuß in die rechte Schläfe getödtet hatte. Es war, wie sich später herausstellte, die vermißte Bertha Ohruch. Fast um dieselbe Zeit erschoß sich in ihrer Wohnung, Alte Jakob- Straße US, das Fräulein Olga Striese. Zu dem Liebeödrama in der Alten Jakobstrasie 145 werden noch die folgenden Einzelheiten bekannt: Frl. Olga Striese, welche hier Friedrichstr. 3 ein eigenes Weißwaarengeschäft noch im vorige» Jahre betrieb, verkaufte dies auf Veranlassung ihres Bräutigams, des Herrn Kroch, Rosenthalerstr. 10. Der Grund hierzu war die Absicht, sich mit Kroch demnächst zu ver- heirathen. Sie begab sich nun zu einer Tante nach Stolp i. P., wohin auch ihr Bräutigam ihr zwecks Vorstellung bei den Ver- wandten folgen wollte. Da dieser indeß die Sache hinausschob, so ging schließlich, und zwar wiederum auf Kroch's Veranlassung, die Striese Ende Dezember v.J. nach Wien, um daselbst Stellung zu suchen. Dies gelang nicht, und der Bräutigam wollte nun seine Braut in Halle a. S. in einem Weinrestaurant unterbringen. Hiergegen sträubte sie sich mit aller Gewalt und kehrte gegen den Willen Kroch's nach Berlin zurück. Hier traf sie mir dem Genannten zusammen, welcher sie noch am Abend vor der Thal nach Hause begleitete. Es muß aber zwischen Beiden bereits ein Bruch statt- gehabt haben; denn die Striese antwortete auf seine Frage, ob sie noch Wünsche habe:„Nein, ich habe keinen Wunsch mehr." Am nächsten Morgen erhielt sie einen Brief, welchen sie aber sofort in kleine Stücke zerriß, dann schrieb sie einen Brief an Kroch, einen an ihren früheren Prinzipal Lamm und außerdem noch etwas aus eine ihr anscheinend eben zugegangene Depesche, schließlich einen Brief, dessen Umschlag die Aufschrift trug „meine letzten Wünsche." Der Brief an'den Prinzipal enthielt den Abschied von ihm und die Bitte, durch einen Arzt ihren Tod feststellen zu lassen, den zu suchen sie dura. Kroch gezwungen worden sei, ferner eine Bestimmung über ihren Nachlaß. Als nun der Disponent Lamm's, Herr S., sich in die Wohnung be- geben wollte, fiel der verhänguißvolle Schuß. Sie hatte sich in das Herz getroffen. Die Leiche wurde dem Schauhause über- wiesen. Der Nachlaß der Verstorbenen besteht in zwei großen gefüllten Reisekörben, deren einer Kleidung, Wäsche und ver- fchiedcne Schmucksachen enthält. An baarcin Geld fand man nur 2 Pf. vor; doch sollen zwei Sparkassenbücher, deren eins über IS00 M. lautet, bei einem Rechtsanwalt niedergelegt worden sein, nachdem Kroch sie vordem in Besitz hatte.. Die Voruntersuchung zgegen das Kroll'sche Ehepaar geht nun allmälig ihrem Abschluß entgegen. Der Gerichts- chemiker Dr. Bein hat die an den beiden Lokalterminen beschlag- »ahmten Gegenstände nunmehr untersucht. Blulspuren konnten nnchgeiviesen werden an dem Rohrlehnstuhl, auf dem nach Aus sage der kleinen Schwester die blutigen Sachen gelegen haben, serner an dem Pantoffel, mit welchem Kroll in die Blutlache getreten sein dürfte, an dem grünen Stoffe, einem Sopha-Ueber zug, aus dem die Leiche zuerst gelegen haben mag, endlich in dem Sacke, worin der todte Körper wahrscheinlich fortgetragen worden ist. Auch an den Theilen des Fußbodens von der Wohnung und dem kleinen Raum des Komödiantenwagens ließ sich durch mikrochemische, mikroskopische und spektral analytische Versuche der Beweis von Blutspuren er- bringen. In dem kleinen, verschlossen gehaltenen Raum des Wagens ist die Leiche sicher eine Zeit lang aufbewahrt gewesen; bekanntlich dauerte es etwa 36 Stunden, ehe man sie fand. Der Gerichtschemiker hat weiterhin festgestellt, daß ein bei Kroll vor- gefundener Strick dieselbe Faser und Zusammensetzung enthält wie derjenige, an welchem die Leiche des Kindes hing. Gegen Kroll wird nun zweifellos die Anklage entweder auf Todtschlag oder mindestens auf vorsätzliche Körperverletzung mit tödtlicher Folge gerichtet werden.'Anders liegt die Sache, soweit Frau Kroll in Frage kommt. Hier ruht der Verdacht noch immer aus schwacher Grundlage. Allerdings hat Dr. Bein auch Blutspureu an Kleidungsstücken der Frau gesunde», so an einer Taille und einer Schürze, die in dem kleinen Abtheil des Wagens sich be- fanden. Es ist auch, wie bei den anderen Gegenständen nach- gewiesen, daß die Blutflecke, weil sie sich leicht lösten, nicht älteren Datums waren. Aber schließlich deutet dieser Be- fund noch auf keine strafbare Handlung; denn es ist ganz klar und begreiflich, daß die Mutter sich mit der Leiche ihres Kindes beschäftigt haben wird; sehr wahrscheinlich oder vielmehr ganz sicher hat sie auch wohl ihrem Manne nach der That Beistand geleistet, um die Spuren des Verbrechens zu ver- wischen. Aber eine solche„Begünstigung," die an sich strafbar ist, würde für die Ehefrau keine Verurtheilung zur Folge haben. Die Beschuldigte hat also nur für den Fall eine Strafe zu ge- wärtigen, wenn ihr eine Theilnahme und Mitwirkung an dem Verbrechen selbst nachgewiesen würde. Bisher haben sich nach dieser Richtung kaum belastende Momente ergeben. Mit zertrümmertem Schädel wurde in der Nacht zum Sonnabend um 1 Uhr ein elegant gekleideter junger Mann neben dem Eisenbahngeleise am Spandauer Berg aufgefunden. Bei dem- selben mußte der Tod soeben eingetreten seien. Die Leiche wurde nach Charlottenburg geschafft. In einer Rocktasche fand man ein am 19. d. M. Nachmittags in Bremen gelöstes Fahrbillel; es ist ermittelt, daß der Mann mit dem Zuge 12 Uhr 24 Min. von Spandau abgefahren war. Ob er unterwegs aus dem Zuge ge- fallen oder herausgesprungen ist, ist noch nicht aufgeklärt. Bei dem Leichnam fand sich ein am 27. vor. Mts. in Budapest aus- gestellter Paß vor, auf den 41 Jahre alten Janos Kriojansky lautend; ferner wurde bei dem Tobten ttne Fahrkarte entdeckt, die am 19. ds. Mts. in Bremen am Nachmittage gelöst war und via Langwedel-Uelzen nach Oderberg lautete. Endlich war auch noch eine Summe österreichischen Geldes vorhanden. Die„Judeuwiese" überschwemmt. Das kolossale Wiesenterrain zwischen Alt-Moabit, den Borsig'schen Werken und der Spree, das im Bolksmund den Namen„Judenwiese" führt, ist, ein Beweis für den hohen Wasserstand der Spree, seit zwei Tagen vollständig überschwemmt und macht in dieser Gestalt den Eindruck eines großen Sees, der gegenwärtig eine einzige weite Eisfläche bildet. Kaufmann's Variötö. Am 21. Februar, Mittags 12 Uhr, fand für die arbeitslosen Angehörigen der chirurgischen Branche eine sehr gut besuchte Matinee statt. An den Produktionen waren betheiligt: Der Gesangverein der betreffenden Vereinigung und eine Anzahl der Mitglieder des Variste-Theaters. Die vorge- führten Pieeen wurden alle durch großen Beifall ausgezeichnet. Namentlich waren es die humoristischen Gesangsvorträge des Herrn Paul Meinhold, welcher das Publikum zu immer neuem Applaus animirten. Einen wahren Enthusiasmus erregte die wunderbare Dressur der Pudel des Mr. Tschernoff. Allerliebst waren die beiden Geschwister Alma, deren Gesangsvorträge durch deren Jugend und Schönheit noch gewinnen. Die Zauber- pantomiine:„Der Teufel im Kampf mit den Elementen" zählt zu den besten Leistungen dieses Genres und macht dem Arrangements- talent der„The Phoites" alle Ehre. Der Dirigent des Sänger- chors der chirurgischen Branche erhielt im zweiten Theile des Programms einen Lorbeerkranz mit Schleife. Der künstlerische und pekuniäre Erfolg ließen nichts zu wünschen übrig. Die Hundesperre ist wieder einmal über die Reichshaupt- stadt verhängt, und zwar auf drei Monate— vom 20. Februar bis zum 20. Mai d. I.— Die Veranlassung zu dieser für alle Hundebesiyer sehr lästigen Maßregel hat ein dem Künstler Moritz Laurian, Grandenzerstr. 11, gehöriger Hund gegeben, bei welchem der Ausbruch der Tollwuth festgestellt worden ist. Da es eine gerauine Weile her ist, als zum letzten Male die Sperre über Berlin verhängt war, wollen wir den Interessenten die während dieser Maßregel zu beobachtenden Vorschriften in Erinnerung bringen. 1. Alle Hunde sind bis zum 20. Mai er. inklusive festzn- legen oder einzusperren. Der Festlegung gleich zu achten ist das Führen der mit einem sicheren Maulkorb versehenen Hunde an der Leine, jedoch dürfen die Hunde aus dem diessertigen Polizeibezirk und den im Umkreise von vier Kilometern belegeneu Ortschaften einschließlich deren Gemarkung ohne be- sondere polizeiliche Erlaubniß nicht ausgeführt werden. 2. Die Benutzung der Hunde zum Ziehen ist unter der Be- dingung gestattet, daß dieselben fest angeschirrt, mit einem sicheren Maulkörbe versehen und außer der Zeit des Gebrauches festgelegt werden. 3. Fleischerhunde können zum Treiben von Vieh, soweit solches nach der Polizeiverordnung vom I.August 1373 überhaupt zulässig ist, unter der Bedingung verivendet werden, daß die Hunde außerhalb der Zeit des Gebrauches festgelegt oder, mit einem sicheren Maulkörbe versehen, an der Leine geführt werden. 4. Jagdhunde können verwendet werden, doch müssen die- selben außerhalb der Zeit des Gebrauches, d. h. des Jagd- reviers, festgelegt oder, mit einem sicheren Maulkorbe versehen, an der Leine geführt werden. S. Hunde, welche diesen Anordnungen zuwider innerhalb des Polizeibezirkes frei umherlaufend angetroffen werden, können auf polizeiliche Anordnung sofort getödtet werden. Der betreffende Hund Laurian's, ein ungarischer Ratten- sänger, war übrigens vor etwa sechs Jahren zu einer gewissen Berühmtheit gelangt durch eine That, welche ihm auch eine silberne Medaille eintrug. Damals brannte in Stettin das Thalia-Theater ab, an welchem der Künstler Laurian engagirt war. L. wohnte mit seiner Frau und einem Diener, sowie mit einem anderen Künstler im Theater- Gebäude. Alle fünf Personen schliefen fest» als der Brand ausbrach, und würden unfehlbar in den Flammen umgekommen sein. Da sprang der Rattenfänger auf das Bett seiner Herrin, heulte und bellte laut und kratzte die Frau so lange an den Händen, bis dieselbe erwachte und die Anderen weckte. Die fünf Personen fanden gerade noch Zeit, aus dem brennenden Gebäude nothdürftig bekleidet zu flüchten; hinter ihnen brach das Mauerwerk zusammen, so daß sie nur das nackte Leben rettete». Seitens der Bewohner der Stadt Stettin aber wurde dem wachsamen Hunde eine silberne Medaille gestiftet, und L. gab dein alternden Thiere das Gnadenbrot bis jetzt, wo es ein so entsetzliches und folgenschweres Ende gefunden hat. Die Sperre hat übrigens für die Fänger sehr lohnende Arbeit mit sich gebracht. Gestern Morgen mußten am Belle- Alliance-Platz zwei Droschken zum Fortschaffen der eingefangenen Thiere benutzt werden. Polizeibericht. In der Nacht zum 20. d. M. fand an der Ecke der Bartel- und Linienstraße eine Schlägerei statt, wobei der Schlächter Sachse dem Maurer Bandow einen Messerstich in die Schulter beibrachte. Der Verletzte wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht und der Thäter verhaftet.— Am 20. d. M., Morgens, wurden aus dem Flur des Hauses Wrangel- straße 110 und Nachmittags im Müllkasten aus dem Grundstücke Alte Jakobstr. 34 zwei Leichen neugeborener Kinder aufgesunden. — Vormittags wurde in dem Keller eines Hauses in der Kreuz- bergftraße eine Frau erhängt vorgefunden.— Nachmittags wurde aus dein Sophien-Kirchhofe in der Bergstraße die Leiche einer un- bekannten, etwa 20 Jahre alten Frauensperson miteinerSchußwunde im Kopfe aufgefunden. Die Todte hat sich mittelst Revolvers erschossen, und zwar, wie aus einem bei derselben vor- gefundenen Zettel hervorgeht, aus Lebensüberdruß.— Am 21. d. M. Morgens wurde ein Schankwirth in feiner Wohnung. in der Zeughojftr. 8, mit einer Schußwunde in der Schläfe, die er sich mittelst Revolvers beigebracht hatte, todt aufgefunden.— In einem Raum des Neubans Lehrterstraße 48a wurde zu derselben Zeit ein Tischler erhängt vorgefunden.— An der Ecke der Blumen- und Alexanderstraße fiel Nachmittags ein Kutscher in der Trunkenheit vom Bock der von ihm geführten Kutsche und erlitt eine bedeutende Verletzung am Kopfe.— In einer Schanl- wirthschaft in der Brunnenstraße versuchte Abends ein 20jähriger Kaufniann sich zu vergiften. Er wurde noch lebend nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht.— Im Laufe des Tages und in der darausfolge, iden Nacht fanden zwei kleine Brände statt. Thcnker. Lessing-Theater. 20. Februar. Zum ersten Male:»Heute und gestern." Schauspiel in vier Akten von O s k a r B l u m e n- Es ist die traurige Geschichte eines Kaktus, welch« Herr Blumenthal auf die Büb"«''»rächt hat. Der blas alle sieben Jahre blühende Kaktus ist rauhborstig, wortkarg, mit einem Herzen überquellend von Liebe, seines Zeichens Wege-Baumeister. Sie ist die bekannte junge Frau, abgestoßen durch die Stachlich- keit des Kaktus, sich für unverstanden haltend und ihr ganzes Ach und Weh etliche Monate nach der Hochzeit durch einen Ehe- bruch mit dem ebenfalls bekannten adeligen Lebemann kurirend. Der junge Wildfang will mit ihr flüchten, sie aber, von brennen- der Reue erfaßt— Lendemain des Sündenfalls— weist ihn von sich: er bleibt starrköpfig, bis die Schwiegermutter des Hahnrei's damit droht, sich aus dem Fenster zu stürzen. Erblassend ent- weicht der Jüngling. Die ins Tragische übersetzte Madame Bonward, die, vielleicht unter dem Einfluß des Volksschul-Gesetz- entwurses, fortwährend ihr heftiges Bedürfniß ausspricht, in ihr Kämmerlei» zu gehen und zu bete», bleibt uns erhalten, die schöne Büßerin lebt sieben Jahre glücklich mit ihrem Gatten, dem Kaktus: Fainilienidyll, Schäkerszenen; die Stieftochter der Heldin, deS Kaktus' Kind aus erster Ehe, ist auS der englischen Pension zurückgekehrt. Welch ein holdseliges Geschöpf, diese Berliner Naive, die naiv scheint und es nicht ist, die ihre Gefühle dem Tagebuch anvertraucn wird, sobald der Ersehnte in ihren Gesichtskreis kommt. ER kommt denn auch, natürlich ist's der Liebhaber der Stiefmama, welcher der schönen Mutter schönere Tochter im Nu erobert. Der Sause- wind hat all sein Geld verjuxt, hat das Slieftöchterchen in England kennen gelernt und ist aus ihre Empfehlung General-Agent einer Lebeusversicherungs-Gesellschaft geworden. Weshalb kommt er in das Haus des von ihm betrogenen Gatten? Er soll ihn ver- sichern, nur aus geschäftliche» Rücksichten. Hätte der Herr General-Agent einen seiner Unter-Agenten geschickt, so iväre die folgende Morithat nicht möglich. Aber eine Police von 50 000 M. bedeutet 1 pCt. Provision. Die Stieftochter sagt der Mutter, daß und wen sie liebt. Die Stiefinutter nöthiat die Kleine, aus ihn zu verzichten, nachdem sie gebeichtet. Unerträgliche Seelenqual, sie will fortgehen, vorher ihrem Manne Alles gestehen. Aber es geht nicht, der Brave darf sich nicht ausrege»,- der Arzt der Versicherungsgesellschaft hat seine Aufnahme abgelehnt, weil er herzleidend ifl. Was bleibt übrig, als Gift! Sie läßt sich von dem Gatten das Pülverchen einrühren, ahnungslos giebt es der ahnungslose Gute, und mit einer niedlichen Lüge auf den Lippen stirbt sie vor den Rampen. Kurz vorher hat sich auch der Kaktus„todtgeblüht." Es giebt, dies sei zur Ausklärnna hinzu- gefügt, rn diesem Schauspiel zwei Kaktus, einen natürlich pflanz- lichcn, den ein unsäglicher Schwätzer von Medizinprofessor aus dem Feuerlande initgebrachl hat, und einen symbolischen, den Wege bauenden Gatten. Der Treubruch einer Frau, so lautet die brutale Moral des TramaS, ist eine nicht wieder gutzumachende Schuld, die nimmer verjährt. Dieser Grundsatz, von welchem natürlich die.Herren der Cchöpsung" eximirt sind, ist echt bürgerlich, er ist ein Er- zeugniß der Männerherrschaft, der Unterdrückung des weiblichen Geschlechts. Die Geschichte der modernen Ehe zeigt, wie das Weib aus dieses Prinzip reagirt. Hätte Blumenthal nicht blos die große Bühnengeschicklichkeit,' die ihm thalsächlich eignet, sondern das, was ihm sehlt, dichterisches starkes Empfinde», dann wäre das Problem ihm nicht so jämmerlich unter den Händen zerronnen, dann hätte er cin Schanspiel und nicht eine Farce geschaffen. Da? waren kerne Gestalten von Fleisch und Blut, sondern seelenlose Puppen, die der Drahtzieher hinter den Koulissen tanzen läßt. So erlebte die handwerlsmäßige Mache, die an ernste Aufgaben sich gewagt, das wohlverdiente Fiasko, und unter den.i Zischen und Hvhngelächter der Zuschauer wurde das Stück zu Grabe getragen. Die darstellenden Künstler, vor allem Frl. Reisenhoser, Frau Petri und die Herren Molenar und Höcker, wirkten mit Auf- opserung. Aber das glänzendste Spiel kann.Heute und Gestern" nicht retten. Gestern galt Herr Blumenthal als gewandter Lnstspieltechniker, heute hat er uns gezeigt, daß er ein miserabler Dichter ist. LZ. Geviiftks�Beitnng. Prozeß Ahlwardt. Vierter Verhandlungstag. Landgerichtsdirektor Braus e weiter eröffnet die Sitzung, welcher wieder ein zahlreiches Publikum beiwohnt, um 0'/» Uhr und verliest zunächst das Protokoll über die kommissarische Ver- nehmung des erkrankten Zeugen Musiklehrers Zanders. Derselbe hat eidlich bestritten, daß Zitzki ihm jemals gegenüber geäußert. die Schuldeputation würde ihm dankbar sein, wenn er durch sein Zeugniß den Rektor Ahlwardt hineinlegte. Er bestreitet auch, dem Letzteren eine dahingehende Mittheilung gemacht zu haben und erinnert sich nur, daß Zitzki ihn einmal vor dem Umgang mit dem Angeklagten gewarnt habe.— Der Staatsanwalt»heilt mit, daß ihm«ine Erklärung einiger der vernommenen Lehrer zu ihrem Eide zugegangen sei. Der Präsident erklärt, daß auch ihm eine solche Erklärung zugegangen, ebenso bekundet Justizrath Dr. Horwitz, daß ihm zahlreiche Erklärungen zugestellt morden seien. Der Angeklagte bittet doch auf diese Erklärung der Lehrer näher«inzuaehcn, da dieselbe beweise, wie leichtfertig dieselben mit ihren Bekundungen umgehen. Die Tisziplinar-Untersuchung gegen ihn sei s. Z. eingeleitet worden, weil die Lehrer behauptet hatten, er habe dem Lehrer Berner eine Ohrseige gegeben. Er habe dies iinmer bestritte». Die Lehrer, welche eine unrichtige Zeitungsnotiz gelesen und nun annähmen, daß er sich vor Gericht dieser Ohrfeige gerühmt habe, hätten sich nun beeilt, öffentlich zu erklären, daß es n i ch t wahr sei. daß er dem Lehrer Berner eine Ohrseige gegeben. Das sei doch ein kolossaler Widerspruch mit ihren Behauptungen zur Disziplinar- Sache.— Lehrer B ü h r i n g hält dies für einen großen Irr- thum deS Angeklagten. Die Lehrer verwahren sich gegen eine Behauptung deL Angeklagte», daß er die bewußte Ohrfeige in der Januar- Konfere», ertheilt habe. Thatfächlich habe er aber diese Ohrfeige in der Oktober- Konferenz ertheilt und dies haben die Lehrer in dem Disziplinarverfahren nnr behauptet. — Stadtschulinspektor Dr. Zwick bestätigt, daß das Disziplinar- verfahren auf Grund jener angebliche» Ohrfeige im Oktober begonnen habe.— Der Angeklagte meint, es sei in der ganzen Berhandlung ein Unterschied zwischen einer Januar- und Oktober- Konferenz noch niemals gemacht worden; die Erläuterung, welche der Zeuge Bühring gegeben, klwge doch sehr sophistisch und er über- lasse es Jedermann, zu beurtheilen. ob die Lehrer nicht sehr will kürlich mit seiner Ehre umgesprungen sind. indem sie ihn nun wieder öffentlich als Schwindler»nd Betrüger brandmarken.— Der Angeklagte überreicht eine Anzahl Drucksachen, um zu beweisen, daß fortschrittlich« Rektoren unbeanstandet politische Agitation be treiben können, daß es aber einem hochkonservativen Rektor ge nau so ergangen sei, wie ihm.— Justizrath Horwitz: Er sei vom Oberbürgermeister ausdrücklich aufgefordert worden, ernstlichst den Magistrat dagegen zu verwahren, als ob er zugebe, daß er in derartigen von dem Angeklagten kühn behaupteten Fällen der Kompetenz deS Gerichtshofes unterstehe. Der Magistrat habe bereitwillig alle Akten, die über die angezogenen Fälle zur Verfügung gestanden, dem Gerichtshof zugestellt. auf ein Mehr würde er sich nicht einlassen. Die städtischen Be- Hörden seien nur ein« Delegation der allgemeinen Staats- Verwaltung und unterstehen ebenso wie die Organe der letzteren der Kontrolle und der Untersuchung der vorgesetzten Organe Dort werde die städtische Behörde jeder Zeit bereit sein, ver- antwortliche Aussagen zu machen, hier aber nicht. Wenn das sc weiter fortgehe, daß der Angeklagte ganz willkürlich lonstruirle Fälle als Mittel zu unerhörten Angriffen gegen die städtische Verwaltung benutzen dürfe, dann finde eine Verschiebung der Parteien statt und der Angeklagte lebe sich immer mehr in den Wahn hinein, als ob er der A n k l ä g e r und der Magistrat derjenige sei, der sich zu veranworten Hab». Wenn in diese, ( anrw ortlich«, Weise die Beweiserhebung sortgesetzt würde, könnte er sich daran nicht betheilige». Der Fall Becker sei von dem Angeklagten wieder ganz willkürlich konstruirt, denn es müsse demselben be- kannt sein, daß gerade dem Rektor Becker gegenüber die Schul- Verwaltung mit einer sehr lobenswcrthen Unparteilichkeit ver- fahren sei und denselben im Amte belassen habe. Landgerichts- Präsident Brausewetter: Ich glaube doch, daß der Vertreter des � Nebenklägers nicht einen richtigen Standpunkt einnimmt. Die Stadt hat den Strafantrag gestellt. Alle die Gegenstände, welche hier zur Sprache gekommen sind, sind auch in der Voruntersuchung erörtert worden. Wir sind verpflichtet, dem Angeklagten das Recht, den Beweis der Wahr- heit anzutreten, nach keiner Richtung hin zu verkümmern und ein etwaiger Protest des Magistrats kann auf den Gerichtshof von keinem Einflüsse sein. Bei dergleichen Prozessen, wie der vorliegende, wird es immer so gehen, daß der Angeklagte neue Beweisanträge stellt und wenn der Gerichtshof dieselben für wesentlich hält, ist er verpflichtet, denselben stattzugeben. Dies geschieht auch in jedem anderen Beleidigungsprozesse, wo es sich um Beleidigung von Staatsbehörden handelt. Der Staatsanwalt beantragt, den Zeugen Schmidt darüber zu befragen, ob die Behauptung des Angeklagten, daß Schmidt als Agent des Magistrats von ungeheuren Schiebungen zn Gunsten der Juden bei Grundstückskäusen wisse, aus Wahrheit berube. Der Zeuge Schmidt erklärt zunächst, daß er garnicht Agent des Magistrats sei. Er habe rne einen direkten Austrag erhalten. Wenn er aus den öffentlichen Aus- schreibungen ersehe, daß die Stadt für irgend einen Zweck, zu einem Schmuckplatze, einer Markthalle oder der- gleichen ein Grundstück brauche, so suche er«in solches aus und biete es den Magistrat an. Ter Angeklagte behauptet, daß der Zeuge Schmidt erzählt habe, bei der Markthalle für den Osten und an anderen Stellen seien ihm die Grundstücke von den Juden weggekapert worden. Zeuge Schmidt: Das ist gänzlich unwahr! Als der Angeklagte in meiner Wohnung war und aus mir in Sachen Pincussohn eine ihm günstige Aussage heraushaben wollte, habe ich ihm gleich gesagt, daß ich nichts aussagen kann. — Angekl.: Als ich Sie besuchte, handelte es sich um die Grundstücke für die Markthalle im Osten und da haben Sie sich allerdings geweigert, sich hier vor Gericht vernehmen zu lassen, da Sie bei dem Magistrat Ihr Brot hätten.— Zeuge: Das ist eine grobe Unwahrheit. Ich habe Sie vielmehr auf- gefordert, schleunigst mein Zimmer zu verlassen!— Angekl.: Dann verzichte ich auf die weiteren Erhebungen nach dieser Richtung 'nn.— Der Angeklagte beantragt nunmehr, den Fabrikanten Fr. Langer, Friedrichstraße 49, zu laden. Derselbe werde bekunden, daß der Besitzer des Hauses Friedrichstraße 13 dieses fünf Mal dem Magistrat für 90000 Thaler vergeblich angeboten habe, daß das Haus dann ein Jude erstanden und zwei Tage später für 110000 Thaler an die Stadt verkauft habe. Auch eine Frau Runge, Brllcken-Allee 33, habe ähnliche Erfahrungen beidemjVer- kaufe von Land gemacht. Ferner beantragt der Angeklagte nach 5 Richtungen hin beglaubigte Verzeichnisse vom Magistrat«in- zufordern und zwar: I. welche Personen seit dem Jahre 1873 aus der städtischen Sparkasse Hypothekengelder auf Grundstücke erhalten habe»; 2. welche Personen um solche Hypothekengelder vergeblich nachgesucht haben; 3. welche Namen und Firmen in den letzte» 12 Jahren von der Sparkasse Geld auf Wechsel erhalten haben; 4. an welchen Personen die Sparkasse und andere städtische Kassen Verluste erlitten haben und in welcher Höhe; 5. von welchen Personen in den letzten 12 Jahren Grundstücke angekauft worden sind. Er behaupte, es werde sich aus diesen Listen ergeben, daß vorwiegend Inden und Forlschrittler Vortheile aus den städtischen Geldern ziehen.— Der Gerichtshof lehnt diese Anträge als un- erheblich ab. Die Beweisaufnahme schließt mit der nochmaligen Vernehmung des Schulinspektors Dr. Zwick über die Stellung der Schul- inspektoren, welche gleichzeitig königliche Kreis- Squlinspektoren im Nebenamte sind, dem Magistrate gegenüber. Es ergreift alsdann daS Wort der Staatsanwalt v. Rhein- ba den: Er wolle nicht untersuchen, ob der Angeklagte sich be- rechtigt glauben konnte, Angriffe gegen die städtischen Behörden und einzelne Privatpersonen zu richten; so viel stehe aber fest, daß er sich zu gröblichen Ausschreitungen habe hinreißen lassen. Diese verwerflichen Ausschreitungen enthalten grobe Beleidigungen, gleichzeitig aber auch eine Gefährdung des Ansehens obrigkeit- .icher Organe und eine Bedrohung des öffentlichen Friedens verschiedener Bevölkerungsklaffen zu einander. Der Angeklagte habe seiner Broschürd das Motto vorgestellt:„Greis' nicht leicht in_ ein Wespennest, doch wenn Du greifst, dann areife fest!" Der Angeklagte habe allerdings einen groben Griff gethan. aber keinen festen, denn zur Festigkeit gehöre vor allen Dingen die Wahrheit und daran habe es der Angeklagte fehlen lassen. Die Verhandlungen haben die Straf- thaten, wie sie die Anklage ausführt, in vollem Umfange erwiesen, zunächst, daß her Angeklagte über seine Lehrer gröbliche Be- leidigungen in der Absicht verbreitet habe, um dieselben verächt- lich zu machen. Möge man es nun als unschön betrachten, daß die Lehrer heimlich eine Liste im Konferenzzimmer durchsehen, so viel müsse man doch zugeben, daß»ach dem eidlichen Zeugnisse des Lehrers Berner und nach dem Berhalten des Angeklagte» zu den Beschuldigungen desselben, der Angeklagte in Bezug ans die Wechnachtssammlung ein ganz gutes und reines Gewissen nicht gehabt zu habe» scheine. Nehme man hinzu, daß es schon an und für sich nicht schön ist, wenn ein arg ver- schuldeter Rektor solche Sammlungen veranstaltet und daß der Angeklagte dem Lehrer Klopstech zweifellos einmal thatfächlich Gehalt unterschlagen hat, so stehe der Angeklagte durchaus nicht ohne Weiteres außerhalb eines gewissen Verdachts, zumal die Lehrer thatfächlich eine Liste mit einer höheren Sammelsumme gesehen zu haben behaupten. Auf keinen Fall sei erwiesen oder auch nur anzunehmen, daß die Lehrer wider besseres Wiste» denunzirt haben und wenn der Angeklagt« dies behaupte, dann be- leidige er dieselben schwer. Gröbliche Beleidigungen richte derselbe serner gegen den Lehrer Berner und den Rektor Fietz, sodann namentlich gegen seinen Vorgesetzten Dr. Zivick. welchen er eines schmählichen Komplotts gegen ihn in so unerhörter Weise be- schuldige, daß man zu Gunsten des Angeklagten doch beinahe frage» möchte, ob sich derselbe nicht in einer hochgeradigen Auf- regung befunden habe, welche eine Verminderung seiner Zu- rcchnungssähigkeit im Gefolge gehabt habe. Auch die Lehrer Klopstech und Bühring seien schwer beleidigt und der Fall mit dem Dr. Freudenberg zeige recht deutlich, in wie leichtsinniger und gewissenloser Weise der Angeklagte ganz unbeglaubigte und vom Hörensage» erfahrene Gerüchie als positive Thatsachen auf- stellt, welche für die Ehre des Einzelnen von unberechenbarer Tragweite sein können. Der Angeklagte könne sich nicht mit der frivolen Behauptung herausreden, als ob er die unwahre That- lache für wahr habe halten müssen, weil Dr. Frendenberg keinen s-trafantrag gegen ihn gestellt habe; Viele Leute werden wohl gerade mit Rucksicht auf die ganze Persönlichkeit des Angeklagten von einem Strasantrage Abstand nehmen und wenn er Jemand durch solche dreisten Behauptungen, die er aus die Autorität eines Barbiers h,n in alle Well hinausposaune, zur Stellung eines �trafantrages zwingen wolle, so würde dies doch eine kMechtung des freien Willens der Mitmenschen sei» w!lj, me£- A diejenige, über die sich der Angeklagte w V,-. schwersten Beleidigungen seien diejenigen, die fTLiv 8 Ia9le bu Stadt schleudere. Man könne diese Be- ��dlgiingen zum großen Theil nur mit einem Lächeln begleiten «rtJuTL«f d'e bodenlos« Unkenntniß des Angeklagten mit den �wnchtungen wundern. Thatfächlich beweise der An- eine 11» n pf itoJi' e-V,en« �tgen Mangel an Ueberlegung und füt den Kampf, den er sich vor- c au �hren. Dem Angeklagten sei in weis« ka? c" reichlich Gelegenheit gegeben. Be- eise snr sei», ungeheuren Behauptungen tz zu erbingen; aus den Beweisen, die er nun zusammengetragen, ersehe man recht deutlich, wohin er eigentlich mit seinen Behauptungen strebe: er wollte klar machen, daß mit Hilfe eines Bruches des Ämtsgeheimnisses die Juden bei unserer fortschrittlichen Stadt- Verwaltung oft in die Lage kommen, städtische Gelder bei Seite fließen zu lassen. Keine Spur sei von den Beschuldigungen, die er aufgestellt, erwiesen worden, auch nicht durch Herrn Dopp, der ja doch immerhin eine gewisse Animosität gegen die städtische Verwaltung bekundet habe, noch weniger durch den Agenten Schmidt, dessen Aussage vielmehr dem Angekagten einigermaßen kompromittirte. denn es habe fast den Anschein, als ob der Angeklagte versucht habe mit nicht ganz lauteren Mitteln auf das Zeugniß dieses Zeugen einzuwirken. Wenn der Angeklagte dagegen au- kämpfen will, daß die jüdischen Mitbürger, in deren Händen sich vielfach großes Kapital befindet, durch ihre größere Klugheit und gewitzigtere Auenutzung ihrer Vortheile die städtischen Gelder sich mehr dienstbar machen, als andere Leute, so stehe das auf einem ganz anderen Brett. Bei einem solchen Kampfe hätte der Angeklagte aber sich vor allen Dingen aller gröblichen Be- leidigungen und Verleumdungen enthalten müssen. Dem An- geklagten sei es nicht gelungen, durch irgend welche schwer wiegenden Beweise seinen guten Glauben darzulegen, im Gegen- theil, er habe sich nicht blos auf die ihm gerüchtweise zu- getragenen Thatsachen beschränkt, dieselben vielmehr noch fein aufgeputzt und sie so ausgestattet, daß sie dem Leser des Buches möglichst mundgerecht seien.— Ganz ungeheuerlich seien auch die Beleidigungen gegen die städtische S ch u l d e p u t a t i o n. Die Dienstakten des Angeklagten zeigen, daß derselbe in seinen viele» persönlichen und finanziellen Schwierigleiten die aller- langinüthigste Behandlung erfahren habe; statt dieser ihm sehr freundlichen Behörde Dank zu zollen, habe er dieselbe mit An- griffen überhäuft. Die Dieustakten ergebe», daß dem Angekagten keinerlei Unrecht geschehen, geschweige denn, daß ein System zu seiner Vernichtung bestanden habe. In keinem Falle sei erwies«», daß auch nur ein Schatten ans die Schuldeputation siele, als ob sie sich von politischen Gesichtspunkten und nicht von pflichtgemäßem Handeln leiten lasse. Der Angeklagte sei voll- ständig den Beweis schuldig geblieben, daß die Schuldeputation nicht nach Recht und Gerechtigkeit gehandelt habe; es zeige sich vielmehr überall bei dem Angeklagteil eine solche gereizte Stim- mung, daß sich in seinem Gehirn ein wunderbares Gewirr von Thalsachen und Urtheilen festgesetzt habe.— Nichts sei auch davon erwiesen, daß politischer Terrorismus in der Stadt- Verwaltung herrsche. Die„schauerlichen Enthüllungen", welche Herr Dopp über die angebliche Korruption machen sollte, haben sich als in der Weinlaune gemachte Mit- thcilungen eines Stadtverordneten ergeben und auch die Angelegenheit des Dr. Hermes könne dem Angeklagten nicht als Beweismittel dienen. Herr Dr. Hermes habe es als taktlos bezeichnel, wenn er es unternommen haben ivürhe, mit Lehrern und Rektoren Gespräche über die Abstammung des Heilands»u führen. Bei näheren Nachdenken würde er vielleicht zu der Ueoerzeugung kommen, daß diese Bezeichnung vielleicht auch darauf passen würde, wenn ein Mitglied der Schul- deputation, noch dazu ein Dissident, solche Gespräche mit Be- werbern aus dein höheren Schulwesen führt. So bedauerlich also dieser einzelne Fall sei. so werde dadurch in keiner Weise das allgeniein beleidigende Urtheil des Angeklagten erwiesen.— In rechtlicher Beziehung beantragt der Staats- amvalt, dem Angeklagten für den Inhalt seines Mach« wcrkes dem Schutz des§ 193 zu versagen, überall den Angeklagten der Beleidigung auf Grund nicht erweislich wahrer Thatsachen für schuldig zu erklären, im Uebrigen aber nnr eine einheitliche Handlung anzunehmen. Ter Angeklagte scheine sich der Schwere der Beleidigungen gegen seine direkt vorgesetzte Be- Hörde nicht bewußt gewesen zu fem, andernfalls wäre keine Sttase hoch genug für ihn. Man müsse aber darauf Rücksicht nehmen, daß der Aiigeklagte bei der Abfassung dieses Buches noch Be- amter des Magistrats gewesen sei und»ine ungeheuere Dreistig- keit dazu gehöre auf Grund unverbürgter Gerüchte solche Beschuldigungen gegen seine Behörde zu schleudern und leicht- fertig u»v frivol beinahe wissentlich falsche Behauptungen aufzustellen, daß serner der Angeklagte nicht im augenblicklichen Affekt, sondern in Wort für Wort überlegter Weife gehandelt habe. Der Angeklagte habe die Brochüre so geschrieben, daß sie für die Leser einen Kitzel darbieten und ihm auch finanzielle Bor- theile bringen würden und deshalb falle sein Machwerk unter das Kapitel der gewerbsmäßigen Ehrabschneiderei. Der Angeklagte als Jugendbildner und Erzieher hätte ganz besonders danach streben müssen, den Kindern ein Vorbild zu sein, statt dessen habe er das vierte und achte Gebot planmäßig überschritten und in seinem Buche Afterreden und bösen Leumund besonders lüstern ausgestreut. Mit Rücksicht aus die schwere Gefährdung der Autorität seiner vorgesetzten Behörde und der Bedrohung des öffentlichen Friedens, deren sich der Angeklagte schuldig gemacht, beantrage er ein Jahr Gefängniß, Publikationsdefugniß und Unbrauchbarmachung der Platten und Formen. Jnstizrath Dr. Horwitz: Der Magistrat habe sich lange gefragt, ob es nöthig sei, gegen diese Angriffe des Angeklagten strafrechtlich vorzugehen; schließlich haben sich die Dinge aber doch so gehäuft, daß der Magisttat Stellung dazu nehmen muhte. Bei der etwas einseitigen Stellung unserer gelehrte» Richter und deren Ueberlastnng mit Arbeiten muß es ihnen schwer fallen, sich in den Kreis der städtischen Verwaltung hineinzudenken und das richtige Verftändniß für die ganze technische und ethische Seite derselben, zu erhalten. Er bitte doch zu würdigen, welche Be- deutung es für das ganze öffentliche Leben habe, wenn die oberste Spitze eines täglich sich vergrößernden Gemeinwesens planmäßig in einer Weise diskreditirt werden, die ganz geeignet sei, die Verwaltung vollständig lahm zu legen. Er bitte zu beachte», daß es sich hier um ein Gemeinwesen handele, welches den vierten Theil der gesammten Einkommensteuer des Staat» aufbringe und daß eine Anfeindung der Integrität dieser Ver- waltung und ihrer Organe geeignet sei, die Autorität der Obrig- keit herabzusetzen und gefährliche Komplikationen herbeizuführen. Der Schutz des Ansehens der städtischen Verwaltung sei nifto etwa eine unberechtigte Vergünstigung, sondern es handele st») hier um ein Analogon zu de» Beleidigungen von Verwaltungsbehörden und Gerichtshöfen. Ter Angeklagte hätte ei» viel besseres Motto, als das gewählte finden können, nämlich:„Columniars andacter, Semper aliquid haeret'' und der Magistrat könne darunter setzen:„Was aber ist die Meinung der Menschen über uns werth? Grade so viel als dw Menschen selbst werth sind!" Er, Redner, habe mit Recht sich dagegen wehren müssen, daß hier die Parteiungen vertausch? würden und der Angeklagte sich durch Ausstellung von tausenderlei dreisten Behauptungen zu einem Ankläger für den Magistrat aus- wirft und er wehre sich nochmals dagegen, daß der Mann, der in seinem Buche hundertfach unwahre Beschuldigungen, Verlenm- düngen und Bezichtigungen ausstreue, etwa als gleichwerthig erachtet werde mit den Personen, welche hier unter ihrem aus ihrer Amtsstellung heraus ihre von ihm abweichenden Aussagen gemacht haben. Der Angeklagte sei auch offenbar nicht zu über- zeugen, wolle sich auch gar nicht überzeugen lassen, denn er habe in höchst überraschender Weise schließlich Alles, auch die ihm»n- günstigsten Zeugnlffe, als Beweise für seine Behauptungen Hera»-- zumodeln versuchte. Charaktenstisch für ihn sei es, daß er i" seinem Buche sogar die verblümte Andeutung wage, daß er bei seinem Plaue, den, Kaiser Wilhelm einen Kranz zu widmen, bei den Lehrern auf keine Gegenliebe gestoßen sei. und zwar, weil dieselben befürchtet hätten, damit bei ihrer vorgesetzten Behörde anzustoßen. Das wage ein Mann zu sagen, Angesichts der Thatsache, daß die Stadt Berlin an- erkaniitermaßen in allen ihren Theilen und in allen ihre» politischen Bekenntnissen den Tag des Begräbuiffes des greisen Kaisers ,u einem erhebenden Trauertag zu gestalten sich bemüht hat! Auf dem gleichen Niveau der Wahrheitsliebe stehe der g-sammte Inhalt des Buches, namentlich auch die kolossalen Angriffe gegen die Schuldeputation. Thatsächlich habe es das Provinzial-Schulkollegium in seiner unbegrenzten Nachsicht dem Angeklagten gegenüber verschuldet, daß derselbe nicht schon lange zuvor ernstlich auf einen anderen Weg seiner Lebenshaltung hin- gewiesen worden sei. Die Schuldeputation stehe aus gesetzlichem Boden und werde nicht willkürlich geschaffen. Wenn nun 126 Stadtverordnete sich darüber schlüssig geworden, auch einen Dissidenten in die Schuldcputation zu senden, so habe er keine Kritik daran zu üben und wisse nicht, welche Gründe dasür maßgebend waren. Wen» nun auch die Erklärung des Dr. Hermes vielleicht auf den Ge- richtshof keinen günstigen Eindruck gemacht haben sollte, so habe doch die Schuldeputation mit dieser konfessionellen Gesinnung eines einzelnen Mitgliedes nichts zu thun. Bei der Würdigung der einzelnen Momente der Beweisaufnahme und Widerlegung der verschiedenen Behauptungen des Angeklagten kommt der Ver- treter des Nebenklägers zu der Ueberzeugung, daß hier von einer plötzlichen Erregung des Angeklagten gar keine Rede sein könne. Derselbe habe in seinem dicken Buche jedes Wort genau erwogen, wie er am wirksamsten sein Gift verspritzen könne und auf eine Handvoll Unwahrheilen sei es ihm dabei nicht angekommen. Er' habe zu dem Strafmaß eigentlich nicht zu reden, denn dem Magistrat komme es nicht so sehr auf das Strafmaß an, sondern darauf, die Behauptungen des Angeklagten gerichtlich als das zu kennzeichnen, was sie sind, nämlich als grundlose Verleumdungen. Derselbe habe planmäßig und systematisch eine bewußte und gewerbsmäßige Thätigkeit darauf gerichtet in den Dienst gewiffer Bestrebungen weiter ein Element der Zersetzung hineinzutragen, dessen Folgen sich keines- wegs beschränken aus de» Magistrat und die Personen, welche zur Stellung des Strasantrages sich veranlaßt sahen, sondern aus eine vollständige komplete Desorientirung der öffentlichen Meinung hinauslausen und diejenigen, welche diesem großen Spektalelstück anfänglich harmlos zuschauen, in Konsequenzen hineintragen lönne», die nicht blos der Stadt Berlin, sondern dem ganzen Slaatsleben gefährlich werden können. In keinem einzigen Falle sei es dem Angeklagten gelungen, einen Beweis für seine Be- bauptungen zu erbringen und er müsse deshalb im Namen des Magistrats den Strasautrag ausrecht erhalten. Gleichzeitig beantrage er, die Publikation auch in der.Sraalsbürger-Zeitung" zu verfügen und gebe anHeim, ob vielleicht in diesem Falle davon Gebrauch gemacht werde, nicht nur den Tenor des Erkenntnisses, sondern das gesamnite Erkenntniß zu publiziren. Rechtsanivalt S t a d t h a g e n als Vertreter des als Neben- klüger zugelaffencn Dr. Frendenberg führte aus, daß selten die Unwahrheit einer behaupteten Thalsache so klar erwiesen sei, wie hier. Er müsse aber jdoch hervorhebe», daß der Angeklagte sich nicht dazu bequemt habe, offen und ehrlich anzuerkennen, daß er das Opfer eines falschen Gerüchts geworden, sondern daß er Schritt vor Schritt seine Behauptungen bis zum letzten Augenblick mit allerlei neuen verdächtigenden und gänzlich unhaltbaren Variationen umgeben hat. Taraus gehe hervor, daß der An- geklagte doch b e w u si t die Unwahrheit gesagt habe. Dem Nebeukläger liege gar nichts an dem Strafmaß, er bitte nur um die Publikationsbefugniß. Berlheidigcr Rechtsanwalt Schwind: Es handele sich hier nicht um die Frage, ob der Antisemitismus eine Berechtigung habe, das Kollegium sitze auch nicht zu Gericht über angebliche Mängel, die bei der städtischen Verwaltnng zu Tage getreten sein sollen, sondern es handele sich lediglich darum, inwieweit der Angeklagte sich des Vergehens gegen Z 186 schuldig gemacht habe. Da bitte er doch, dte Kompetenz des Magistrats zur Stellung eines Strafantrages für die Lehrer zu prüfen. Er be- Haupte, daß die Lehrer gar nicht in der Ausführung ihres Amtes beleidigt worden seien. Nach der Bekundung des Stadtralhs Schreiner sei der unmittelbare Vorgesetzte des städtischen Lehrers in Berlin in erster Reihe die Schuldeputation, m zweiter Linie das Provinzial-Schulkollegium. Auf eine Würdigung der Beweisausnahme brauche er sich einem Kollegium ge- lehrter Richter gegenüber nicht weiter einzulassen, das aber, glaube er, werde der Gerichtshof sicher aus der Beweisausnahnie cnt- nommen haben, daß der Angeklagte bezüglich des Samnielns der Weihnachtsgabcn durchaus reine Hände gehabt habe. Das Ver- halten der ihm unterstellte» Lehrer ihm gegenüber sei gewiß geeignet, manches Befremden zu erregen und derselbe habe dadurch auf das Höchste gereizt werden müssen. Nietnand werde bestreiten lönne». daß die Lehrer in ihrer Denunziation that- sächlich eine Unrichtigkeit behauptet haben und man werde es den Angeklagten nicht so sehr nachtragen können, wenn er etwas über die Stränge schlagend die Lehrer als„bewußte Lügner" be- zeichnete. Schwerer iviegen die Behauptungen des Angeklagten in Bezug auf die Mißstände in unserer städtischen Verwaltung. Erweisen lassen sich solche Behauptungen niemals ganz, aber man werde es dem Angeklagten doch zugeben müssen, daß es ihm gelungen sei, für viele seiner Behauptungen das Gefühl der Wahrscheinlichkeit zu erwecken. Was die in der Stadt- Verwaltung herrschende Parteilichkeit betrifft; so müsse es doch jedem denkenden Nienschen höchst seltsam vor- kommen, daß Lehrer konservativer und antisemitischer Richtung bei geringeren Veranlassungen aufs Aeußerste gemäß- regelt worden sind, während sortschrlttliche Lehrer, die viel größeres peccirt, ruhig im Amte belassen, oder doch wieder ein- gesetzt worden sind, es müsse auffallen, daß in vielen Fällen Besitzer von Gründstücken sich vergeblich bemühten, die letzteren an die Stadt zu verkaufen, während dann Juden diese Grund- stücke in ihre Hände brachten und sehr schnell an die Stadt ver- kauften; man müffe sich wundern, daß ein Mann, wie der Stadt- rath Mammroth über die Gelder der Sparkasse ganz selbständig verfügen und für gutes Geld Wechsel in die Kasse legen kann, man müsse sich über einzelne Vorkommnisse beim Surmissionswesen verwundern, und auch darüber staunen, daß in der Schuldepulation als hervorragendes Mitglied ein Mann sitze, welcher Dissident sei und die göttliche Herkunst des Heilands sür ein Märchen erkläre. Er gebe zu. daß, wie dies ja in der Natur der Sache liege, in einzelnen Fällen der Angeklagte seine Behauptungen nicht bis zum letzten Tipselchen habe erweisen können, daß er sich bisweilen auch im Ausdrucke vergriffen habe, so viel gehe aber doch aus der ganzen Verhandlung hervor, daß es dem Angeklagten nur darauf angekommen sei, klaren machen, daß„etwas faul sei im Staate Däne- mark" und den maßgebenden Persönlichkeiten ein„viäeant consules" zuzurufen. Ter Angeklagte habe gar nicht die Tendenz verfolgt, dem Magistrat etwas am Zeuge zu flicken, sondern denselben aus Mißstände hinzuweisen, welche die Spatzen von den Dächern pfiffen. Sticht ans Frivolität oder aus Lust an Beleidigungen habe der Angeklagte sein Buch gefchricben, sondern als Vorkämpfer und Vertreter einer bestimmten politischen und religiösen Idee. Der Angeklagte sei dabei veriahren, wie ein Geschichtsforscher, indem er einzelne Thatsachen, die ihm gemeldet wurden, neben einander stellte und seine Schlüsse daraus zog. Der Angeklagte sei kein frivoler Ver- leumder, sein Buch habe vielmehr den Charakter emer Streit- schrift gegen die Ueberwucherung des Kapitalismus. Er bitte die große Erregung des Angeklagten und seme bisherige Unbescholten- heit mildernd in Betracht zu ziehen. Justizrath Dr. H o r w i tz bestreitet zu diesen Ausführungen nochmals mit aller Entschiedenheit, daß auch nur ein �zota von den Beschuldigungen des Angeklagten erwiesen ser. Traurig genug sei, daß man sich ohne Prüfung zum Mundstück dessen mache, was die Spatzen auf den Dächern pfeifen und ein bedenl! icher „Geschichtsforscher" würde es sein, welcher die„ Forsch ungs- Methode des Angeklagten befolgen wollte. Aon dem, was Herr Topp hier bezüglich der Reichenbergerslraße gesagt, sei auch mcht ein Wort wahr. Diese Angelegenheit sei seiner Zeit schon m der Stadtumudiieten-Versammliing bis auf Kleinste durchberathen worden und schon damals seien die bezüglichen Anklagen al» hinfällig nachgewiesen worden. Wie sehr mit der Wahrheit«i diesen Dingen gespielt werden, gehe am Besten daraus hervor, daß bei jenem Grundstück 7ö0 000 Marl„nebenher geflossen sein sollten, während der Preis des ganzen Grundstücks nur 270 000 Mark betrug. Der Angeklagte, welcher schließlich das Wort ergreift, aiebt zu, daß er bei Abfassung des Buches sehr erregt war, be- streitet aber jeden Mangel an Zurechnungsfähigkeit. Er stehe auf durchaus patriotischem Standpunkt und habe seine besten Kräfte sür Nationalität und Vaterlandsliebe eingesetzt und gerade aus dieseni Gesichtspunkte gegen das fremde Volk ge- kämpft, welches sich mit List bei uns eingenistet habe, unter ein- hcitlicher Leitung stehe und unser vaterländisches Glück vernichte. Er sei erregt gewesen, daß unser Vaterland der Judenknechtschast verfallen, daß die Juden die materiellen Güter der Nation an sich gerissen und die unteren Stände korrumpirt, die mittleren ruinirt und die oberen dupirt hätten. Er sei aber auch persönlich erregt gewesen und zwar aus seinen eigenen trüben Lebenserfahrungen heraus. Die städtische Schuldeputation ist von Ansang an schroff und rücksichtslos gegen ihn vorgegangen, er habe sich in der fürchterlichsten Situation befunden, oft nicht gewußt, wo er Nahrung für seine Familie herbekommen solle, ivährend seine Wucherer in den feinsten Villen wohnen. Er fei der Meinung gewesen, daß unser Vaterland zu Grunde gehe, wenn es nicht von diesen Frenidlingen befreit werde und deshalb habe er sich den Schwur geleistet mit allen ihm zu Gebote stehenden Kräften gegen das Ueberivuchern des Judenthums zu kämpfen. Angesichts des gehässigen Verhaltens des Lehrerkollegiums sei er außer- ordentlich erregt gewesen und habe mit dem Buche auch den Zweck verfolgt, sich zu schützen. Er verwahre sich gegen den Vorwurf der Frivolität. Er habe geglaubt, daß, wenn alle die Leute, welche als Zeugen vorzuladen waren, auch seine Todfeinde seien, dieselben doch unter der Wucht des deutschen Eides die Wahrheit sagen würden. Dieses Zutrauen sei der große Kardinal- sehler, welchem er sich hingegeben und dadurch sei es gekommen, daß er nun von den Zeugen im Stich gelassen worden. Er habe seine Behauptungen in gutem Glauben aufgestellt, eine beleidigende Absicht nicht verfolgt, sondern sich in der Nothwehr be- sunden. Die Beleidigung, die er dem Dr. Freudenberg zugesügl, thue ihm leid. Was der Zeuge Topp sage, sei durch- aus wahr und zuverlässig und dessen Aussagen werden beweisen, daß er nicht frivol und dolose gehandelt habe. Dies sei auch bei dem Fall Pinkussohn nicht der Fall, vielmehr bleibe er dabei, daß hier eine nicht zu billigende Bevorzugung siatlgesunden habe. In dem Falle des Dr. Herines glaube er nicht eine Strafe ver- dient, sondern sich um das Vaterland verdient gemacht zu haben, daß er diese Dinge an die große Glocke gebracht habe. Das Volk werde einsehen, daß man eine vorwiegend von Juden ver- waltete Schuldepulation nicht zum Wahrer der Heiligthümer unseres Volkes machen könne. Er bestreite, daß er persönliche Zwecke und namentlich materiellen Nutzen mit seinem Buche ver- folgt habe und könne sich darauf berufen, daß das Bankhaus Pariser ihm ganz gewaltige Summen für eine Zurückziehung des Buches geboten habe. Er habe nur seinem Vaterlande dienen und sich verlheidigen wollen und danach bitte er ihn zu beurtheilen. Um 3 Uhr zieht sich der Gerichtshof zur Berathung zurück, welche 3 Stunden währt. Ter Gerichtshof erachtet, wie aus der Urtelsverkündigung des Vorsitzenden hervorgeht, Beleidigungen gegen den Lehrer Heffeke sür vorliegend. Wenn auch der Vor- warf der Unreellität den Angeklagten bezüglich der Weihnachts- bescheerung mit Recht nicht gemacht werden könne, so sei doch der Angeklagte für schuldig befunden, den Lehrer Heiseke im Sinne der Zg l85 und 186 beleidigt zu haben. Was die übrigen bei der Weihnachtssaniinlung in Frage kommenden beleidigten Lehrer betrifft, so liege bezüglich dieser nur ein Strafantrag des Magistrats für die Lehrer vor, der aber nicht Platz greifen könne, da es sich um keine Beleidigung in Bezug aus den Beruf der Lehrer handele.— Auch schwcte Be- leidigungen des Magistrats habe der Gerichtshof für vorliegend erachtet, so namentlich da, wo in der Broschüre von dem Beiseite- fließen großer Summen bei Grundstückskäufen gesprochen wird. Ferner eine Beleidigung der Schuldeputation in Sachen des Rektors Fietz, sodann des Schulinspektors Dr. Zwick, theils im Sinne des Z 185, theils des§ 186 St.-G.-B., weitere Beleidigungen der Schuldeputation durch verschiedene�tellen des Buches und eine Beleidigung der städtischen Verwaltung durch den Vorwurf der politischen Sklaverei und Verfolgung. Bezüglich des Dr. Hermes schließe sich der Gerichtshof den Bemerkungen deö Staatsanwalls an. Von den durch die Anklagebehörde aufgeführten Fällen hat der Gerichtshof noch weiterhin ver- schiedene als schwere Beleidigungen erachtet, in einsr Anzahl von Fällen dagegen freigesprochen. Bei der Beleidigung des Dr. Frendenberg habe der Gerichtshof gleichfalls den ß 186 für vor- liegend erachtet. Der Gerichtshof habe eine fortgesetzte Hand- lung angenommen, die auf eine einheitliche Willensäußerung zurückzusühren sei. Zu Gunsten des Angeklagten spreche seine Un- bescholtenheit und daß er in manchen Fällen durch Urtheile zu der Meinung gekoinmen sein mag, daß es in der städtischen Ver- waltung nach politischer Gunst gehe. Der Gerichtshof hat sich aus der mündlichen Verhandlung nicht überzeugen können, daß ein einziger solcher Fall erwiesen sei. Erschwerend falle gegen den Angeklagten ins Gewicht, daß er die Lehrer, mit welchen er so lange gearbeitet, in dieser Weise öffentlich blosgestellt und seine vorgesetzten Behörden in solcher Weise beschimpft habe. Der Gerichtshof habe dem Angeklagten den Schutz des Z 193 nicht zugebilligt, abgesehen davon, daß auch diese Schutzgrenzen weit überschritten sein würden. Eine Geldstrafe habe der Ge- richtshos nicht kür aiigemeffen erachtet, sondern den Angeklagten zu 4 Monaten Gesängniß verurtheilt, den Beleidigten die Publikationsbefugniß in der Zeitung„Die Post" zugesprochen und aus Unbrauchbarmachiing der inkriminirten Stellen erkannt. Ter gegen die Tentsche Bank verübte Millionenbetrng beschäftigte gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts I. Aus der Untersuchungshaft wurde der 44jährige Kausmann Johann Friedrich Hermann Schwieger vorgeführt, der beschuldigt ist, in Gemeinschaft mit dem Buchhalter Eduard Frank die Deutsche Bank um nicht weniger als 3 220 558 M. 59 Pf. geschädigt zu haben. Frank ist flüchtig geworden und der hinter ihm erlassene Steckbrief ohne Erfolg geblieben. Da Schwieger bereits seit dem 1. August v. I. sich in Untersuchungshaft befindet, hat das Ge- richt beschlossen, vorläufig gegen ihn allein zu verhandeln. Der Zuhörerraum war durchweg von Bankbeamten und Börsenbesnchern in Anspruch genommen. Den Vor- sitz führte Landgerichtsrath Braun, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Ritzel, dem Angektagren stand der Rechtsanwalt Dr. I ver s als Vertheidiger zur Seite. Ter Sachverhalt läßt sich folgendermaßeii zusaiiiinensassen: Ter Au- geklagte war unvereidetcr Makler, besuchte als solcher täglich die Börse und vermittelte hauptsächlich Geschäfte in ausländischen Papieren. Im Anfange des Jahres 1830»lachte er die Bekannt- schaft des bei der Deutschen Bank als Buchhalter angesteUten Eduard Frank. Nach näherem persönlichen Verkehr ist Frank nach der Behauptung Schwieger's mit dem Vorschlag an ihn herangetreten, daß sie gemeinschaftlich an der Börse für eigene Rechnung speku- liren wollten. Als ein geeignetes Papier habe Frank russische Noten vorgeschlagen. Der Augeklagte habe sich übereben lassen. Um einen einigermaßen erheblichen Gewinn zu erzielen, mußten aber bedeutende Engaments abgeschlossen werden und da hierzu ein entsprechender Kredit nöthig war, den beide nicht besaßen. so wurde beschlossen, den unbeschränkten Kredit der deutschen Bank sür ihre Zwecke in Anspruch zu nehmen. Es �wurde dabei ein außerordentlich raffinirter Plan gefaßt und auch ausgeführt. Schwieger gab sich auf der Börse als Vermittler der deutschen Bank aus. Er machte für dieselbe bedeutende An- und Verkäufe in russischen Noten mit Ultimo-Regulirung. Hatte er ein Geschäft abgeschlossen, so mußte er als Makler darüber einen Schlußschein ausstellen. Diese Scheine stellte er im Namen der deutschen Bank aus. Hiermit war eigentlich Schwieger'S Thätigkeit erschöpft und nun begann die etwas komplizirtere Arbeit seines Genossen Frank. Damit die von Schwieger fälschlich ausgestellten Scheine für die deutsche Bank auch bindende Kraft erhielten, mußte die eine Hälfte der Scheine durch einen Vermerk der Bank anerkannt werden. Nach allgemeinem Börsengebrauch geschieht dies durch Aufdruck eines rothen Firinenstempels. Frank hatte sich in den Besitz eines solchen Steuipels zu setzen gewußt und denselben in in seiner Wohnung in Verwahrung. Hierhin brachte Schwieger die gefälschten Schlußscheine, die nun von Frank gestempelt wurden. Nun kam es noch darauf an, die Buchung der falschen Schlußscheine in den Handelsbüchern zu erwirken. Die deutsche Bank hatte täglich Börsengeschäfte von großem Umfange abzuwickeln. Dies besorgte an der Börse der Direktor Mankiewicz. Wie üblich trug er jedes von ihm abgeschloffene Geschäft in fein Notizbuch ein. Nach Schluß der Börse gah der Direktor sein Notizbuch dem Buchhalter Frank, der die dort verzeich.ieten Geschäfte in zwei von ihm geführte Börsenengagements-Bücher einzutragen hatte. Eines dieser Bücher diente für die geraden, das andere für die ungeraden Tage. Ein anderer Beamter erhielt dann die Frank- schen Bücher, um von den neuen Eintragungen einen Auszug zu machen. Von den in seinem Notizbuche gemachten Ein- tragungen fertigte der Direktor Mankiewicz selbst einen Auszug an und diese beiden Ausstellungen wurden dann mit- einander verglichen. Auf diese Weise hielt die Bank sich vor jedem Jrrthum oder Betrug gesichert. Bei den Ver- gleichungen stellten sich auch niemals Abiveichungen heraus, die Auszüge stimmten stets. Nun erst wurden die endgiltigen Ein- tragungen in die Handelsbücher gemacht. Hierzu wurden die von Frank geführten Börsen-Engagementshücher benutzt und dies gab ihm Gelegenheit, den Betrug vollständig zu machen. Nachdem er den zu vergleichenden Auszug fertig gestellt hatte, mußte er in seine Bücher diejenigen Geschäfte eintragen, über welche Schwieger die gefälschten Schlußscheine ausgestellt hatte. Frank hatte zu diesem Zwecke in unauffälliger Weise oberhalb und unterhalb der richtigen Eintragungen, sowie auch zwischen denselben so viel freien Raum gelassen, daß er die von Schwieger abgeschlossenen Geschäfte hineinschreiben konnte. Nun gingen seine Bücher erst in die Bank-Buchhalterei und auf diese Weise gelangten auch die falschen Geschäfte ordnungsmäßig in die Bücher. Frank hatte dann noch eine Anzahl andere falsche Buchungen vorzunchmen, um eine Entdeckung zu verhüten. Um seinem Genossen Schwieger Ge- legenheit zu geben, die erzielten Gewinne abzuheben, richtete er demselben ein Differenzkonto ein. Sobald em Ueberschuß vor- Händen war, ließ Schwieger sich denselben aushändigen. Die Beute wurde dann getheilt. Wenn am Schlüsse des Monats in dem Schwieger'schen Konto ein Ausgleich nöthig war, so bewirkte Frank denselben durch Eintragung einer entsprechenden Anzahl von Käufen oder Verkäufen, Im Anfange hatten die kühnen Spekulanten Glück. Wie sich aus den Büchern hat feststellen lassen, sind bis zum September 1890 an Schwieger 146 332 M. als Gewinn ausbezahlt worden. Dann drehte sich das Blatt, es entstanden Verluste und nun mußte die Deutsche Bank den Schaden tragen. Der Verlust sollte eingeholt werden, immer verwegener wurden die Spekulationen, immer höher die Engagements, die Schwieger im Namen der Deutschen Bank einging, aber immer größer auch die Verluste. Endlich, Ende Juli vor. I., trat die unausbleibliche Katastrophe ein, die in der gesammten Geschäftswelt bedeutendes Aufsehen erregte. Nachdem die Arbeit, sämmtliche Bücher zu revidiren, geschehen war, stellte sich heraus, daß die Bank von den heimlichen Spekulanten um die obenerwähnte kolossale Summe geschädigt war. Hiervon haben die Aktionäre einen Verlust von 1 100 000 Dt. zu tragen gehabt.— Der Angeklagte giebt auf Befragen an. daß er zwölf Jahre bei der Firma Warschauer u. Co. angestellt war und dann Direktor der Berliner Handels- Gesellschaft mit einem Gehalte von 20 000 M. wurde. Das letztgenannte Institut ent- ledigte sich nach etwa 6 Monaten des Angeklagten, nachdem der- selbe für Rechnung der von ihm vertretenen Bank durch unglückliche Börsenspekulationen in russischen Rubelnoten zirka zwei Millionen Mark verloren hatte. Der An- geklagte behauptete, daß Frank ihm gesagt habe, es sei ihm voni Direktorium der Deutschen Bank die Erlaudniß ertheilt worden, für eigene Rechnung zu spekuliren. Frank habe auch ein Verzeichniß von Papieren gezeigt, die einen Werth von zirka 300 000 M. haben und die bei der Deutschen Bank hinterlegt sein sollen. Der Angeklagte widerrief sein früheres Geständniß und will des Glaubens gewesen sein, daß Frank's Geschäfte, bei denen er nur die Rolle eines Maklers ge- spielt habe, reell seien. Erst am Tage vor seiner Verhaftung habe Frank ihm die Wahrheit gesagt, er, der Angeklagte, sei zur Deutschen Bank gegangen, um Mittheilung von dem Geschehenen zu machen. Frank habe es vorgezogen, die Flucht zu er- greifen. Vergebens hielt der Präsident dem Angeklagten das geradezu Lächerliche seines Leugnens vor, der An- geklagte blieb dabei, daß er von Frank hintergangen ivorden sei. Die von ihm bezogenen Beträge seien lediglich Maklergebühren gewesen. Bei feinen ersten Vernehmungen müsse er nicht klaren Kopses gewesen sein. Da der Angeklagte fortfuhr, sich in den unglaubwürdigsten Behauptungen und m den un- wesentlichsten Erörterungen zu ergehen, die mit den an ihn ge- richteten Fragen nichts zu thun hatten, so brach der Präsident die Vernehmung mit ihm ab. Der Vertheidiger richtete ebenfalls an den Angeklagten die Frage, ob er wirklich die Behauptung seiner Unschuld aufrecht erhalten wolle. Er erhielt eine bejahende Antwort. Der Ver- theidiger erklärte ihm, daß er angesichts dieser Sachlage gezwungen werde, die Vertagung der Sache zu beantragen, um abzuwarten, ob Frank noch ergriffen werde. Noch einmal hielt der Präsident dem Angeklagten seine früheren unumwundenen und eingehenden Geständniffe vor, sowie ebenfalls mehrere Briese mit Informationen, die Frank an ihn gerichtet hatte. Schwieger blieb dabei, daß er des Glaubens gewesen sei, das Direktorium der Deutschen Bank stehe hinter Frank. Der Gerichtshof setzte die Beweisaufnahme sort. Der Bücherrevisor Töpfer hat aus den Büchern der Deutschen Bank herausgerechnet, daß Frank und Schwieger für etwa 11 Millionen Rubel Engagements für Rech- luing der Bank eingegangen seien. Es seien noch 194 Schluß- scheine von Schwieger's Hand vorgefunden worden, es sei aber anzunehmen, daß weit mehr vorhanden gewesen wären. Der Angeklagte behauptete ferner, fdaß er nicht mehr Geschäfte ab- wiesen ime ÜOn ausgestellten Schlußscheine nach- Der Vertheidiger stellte nunmehr den Antrag auf Ver- tagung, während der Staatsanwalt den Angeklagten auf Grund seiner früheren Geständnisse für hinreichend überführt erachtete und 5le Ablehnung des Äerlagungs-Antrages beantragte. Ter Gerichtshof folgte dem letzteren Antrage und setzte die Verhand« tung fort. Der als Zeuge vernoinmene Direktor Mankiewicz von der Deutschen Bank verneinte entschieden die an ihn vom Präsidenten gerichtete Frage, ob er selbst, oder ein anderes Mit- glied des Direktoriums für eigene Rechnung Börsengeschäfte ab- wickele. Der Angeklagte sei am 30. Juli v. I. nach der Deutschen Bank gekommen und habe dem Zeugen voller Aufregung mit- gelheut, daß die Bank am folgenden Tage sür 5 Millionen Rubel Russen abzunehmen habe. In zerknirschtem Zustande habe Schwieger seine Geschäfte mit Frank offenbart. Der Zeuge ist durchaus überzeugt, daß Schwieger gewußt hat, daß Frank auch nicht eine einzige Ordre im Rainen der Deutschen Bank er- theilen konnte, wenn er auch nicht gewußt haben möge, auf welche Weise die Buchungen von Frank vorgenommen wurden. Frank sei viele Jahre bei der Deutschen Bank gewesen und habe sich dadurch eine Vertrauensstellung erworben. Derselbe habe eine große Anzahl Schlußscheine vergraben. Staatsanwalt Ritzel bezeichnete in seinein Plaidoyer den vorliegenden Betrug als einen so raffinirt geplant und ausgeführten, wie er in den Annale» der Justiz zu den Ausnahmefällen gehör». Er beantrage gegen den Angeklagten, der»in Gauner der ärgsten Sort» sei, wegen eines sortgesetzten = der Diskussion sprachen die Kollegen Berndt, Irrgang, sau verantworten. Am 12. Dezember orachte die Heilbronner Ueberall, Mielte und Gerstenberger im Sinne des Beitung" ein„ Eingesendet", worin behauptet war, daß MannReferenten, worauf folgende Resolution einstimmig zur Annahme fchaften des obengenannten Regiments von ihren Borgesetzten trattirt wurden. Die gelangte: Säbelhieben mit Schlägen den vollständigen Beweis 23. und Die heutige öffentliche Versammlung der Berliner Nagel- Verhandlung ergab " frage und Ueberschüsse der Gasanstalten. Referent Stadtv. Friz Zubeil. Pflicht. walditr. 110. B Hafenelever", Abends Agitationsverein" assalle", bet Drügemüller, Wienerstr. 31. tommen. nun der Betruges das höchste zulässige Strafmaß, 5 Jahre Gefängniß und 3000 M. Geldstrafe. Der Vertheidiger plädirte für ein niedrigeres Strafmaß, da der Angeklagte unter dem Einflusse des weit strafbareren Frant gestanden. Das Urtheil lautete auf vier Jahre Gefängniß schmiede erklärt, da der Verein Berliner Nagelschmiede den von Dr. Lipp angeführten Thatsachen. Beuge Waideund 3000 m. ev. noch 300 Tage Gefängniß. Durch die Unter- heutigen Verhältnissen nicht mehr gewachsen ist und den Angriffen mann war am 10. Dezember in der Kaserne und sah, suchungshaft wurden 8 Monate für verbüßt erachtet. der Arbeitgeber nicht genügend widerstehen kann, denselben auf wie der Unteroffizier Ritterer einem Soldaten mit dem SeitenNaumburg, 20. November. zulösen und Mann für Mann sich dem Verband der Metallarbeiter gewehr an das Bein schlug, einem zweiten außer einem solchen ( Dir. Mitth.) Ueber ein anzuschließen." Hieb mit dem Seitengewehr auch noch einen Schlag an den Kopf tragisches Ereigniß im Gerichtssaale wird uns Hierauf wurden einige Werkstattangelegenheiten erörtert. mit der Hand applizirte. Die Rekruten Hüttner und Stephan Folgendes gemeldet: Der große Tag, welcher für Naumburg Durch die Konkurseröffnung über den Naumburger Bankverein Februar, Abends 8% Uhr, bei Reßner, Annenstr. 16. Bibliothekabend. Gauverein Berliner Bildhauer. Bersammlung am Dienstag, den wollen von den behaupteten Mißhandlungen nichts wahrgenommen haben. Rekrut Reithmaier hat ebenfalls nichts wahrnehmen eine traurige Berühmtheit erlangen dürfte, hat noch ein besonderes Bericht der Rechtschutz- Kommission. fönnen, dagegen habe ihm in der vorigen Woche der Sergeant aufregendes Ereigniß gebracht, wie es wohl selten im GerichtsCharlottenburg. Sozialdemokratischer Wahlverein. Versammlung faale vorkommen wird. Vor dem Schwurgericht befand ordnung: Bortrag des Genossen Beyer. am Dienstag, den 23. Februar, im fleinen Saal Bismarckshöhe". Tages: Eisenhardt eine Ohrfeige gegeben, weil er zu früh vom Suppen faffen fort wollte. Zeuge Hochstadt konstatirte, daß im Jahre 1889 sich der Lederhändler Eugen Rißmann aus Weißenfels, welcher, nachdem er im November 1889 Konkurs gemacht, mit Frauen. Berfammlung am Mittwoch, den 24. Februar, Abends 8 Uhr, packt und an den Kasten gedrückt habe. Wenn Jäger nicht schnell Gasanẞalts- Arbeiter und Berufsgenossen Berlins und Umgegend der Sergeant Eschenweg seinen Kameraden Jäger am Hals ge alsdann eine Boruntersuchung wegen betrüglichen Bankrotte im Vereinshause Süd- Dft, Waldemarstr. 75. Tagesordnung Organisations und pünktlich beim Antreten war, gab ihm Sergeant Eſchenweg eingeleitet und der Angeklagte nach achtmonatlicher Verein der Arbeiterinnen an Buch- und Steindruck- Schnellpreffen, öfter Hiebe mit der Klopfpeitsche. Die Restaurateursgattin Untersuchungshaft entlassen worden war, nunmehr seinem Außerordentliche Generalversammlung am Mittwoch, den 24. Februar. Tages: Banzhaf und deren Dienstmädchen bezeugen übereinstimmend, daß Richterspruche entgegenfah. Mag nun die Atmosphäre des ordnung: Vortrag des Herrn Silberberg. Statutenänderung. Erscheinen ist der Sergeant Uabs einige Tage vor dem Erscheinen fraglichen in jeder Zwischenpause eifrig ventilirten großen Naumburger Verband deutscher Zimmerleute Schönebergs und Umgegend. Ber- Artikels in der Heilbronner Zeitung" in ihrer Wirthschaft Bantbruchs von Einfluß gewesen sein oder nicht jedenfalls fammlung Dienstag, den 28. Februar, Übends 8 Uhr, bet Jafob, Grune geäußert habe: Heute habe er einen Kerl geschlagen, weil der schlossen sich die Geschworenen den Ausführungen des die Vertheidigung führenden Rechtsanwalts Dr. Fr. Friedmann aus 23. Februar, Abends sy uhr, um Reſtaurant Norbert( früher May), Beuth Sergeant:„ Es wird sich Giner hüten etwas zu sagen, da er sonst Nationale kaufmännische Kranken- und Sterbekasse. Dienstag, den felbe beim Antreten gelacht habe." Des Weiteren erklärte derselbe Berlin, welcher nur das Schuldig wegen einfach en Bankrotts ftraße 21, Borstands- Sizung. beantragte, nicht an, sondern bejahten die Schuldfrage wegen 24. Februar, abends on uhr, bel generem te gelobirabe zasesore Besten, daß er einen zehnwöchigen Soldaten einen SchnallenOeffentliche Versammlung Schmiede Berlins am Mitwoch, den gehörig geschlaucht werde." Außerdem gab Sergeant Uabs zum betrüglichen Bankrotts unter Versagung der mildernden nung: 1. Vortrag des Herrn Stadto. Tempel über Bewerbe- Schiedsgerichte. treiber" geheißen habe. Mit Feststellung dieses Thatbestandes Umstände. Unter Hinweis auf die große die Stadt betroffene 2. Unsere Organisationsfrage. Bankrott Affäre beantragte der Staatsanwalt fünf Jahre tagt jegt Mittwochs in der Kronen- Braueret, Alt- Moabit 48-49. Der Gefangverein Freiheit"( Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes) war die Beweisaufnahme geschloffen und der Staatsanwalt selbst stellte den Antrag auf Freisprechung. Vertheidiger und An3uchthaus. Als sich in diesem Augenblick der dicht vor Lefe- and Diskutirklubs. Dienstag. Profetarier",( Bankow), geflagter hatten in diesem Falle leichtes Spiel. Nach ca. halbDem Angeklagten sigende Vertheidiger erhob, um einige bet Borchardt, Schulzenstraße 28. Worte zur Milderung der Strafe an den Gerichtshof zu richten, 8 Uhr, im Restaurant Scholz, Kaftanien Дuee 35. Gäste willkommen. stündiger Berathung wurde Dr. Lipp freigesprochen, da der angetretene Wahrheitsbeweis als erbracht angenommen wurde, und wurde er durch eine heftige Bewegung Rißmann's gestört. Dieser defe und Diskutir- klub für Männer und Frauen Johannes Webde", die Kosten der Staatstaffe zur Last gelegt. Bemerkens hatte ein bis dahin verborgen gehaltenes Dolchmesser heraus- Abends 9 Uhr, im Sotale von G. Lange, Manteuffelstraße 60. Gäste will werth war, nach der Schwäb. Tagwacht", die Haltung gezogen und dasselbe in vier blitzschnellen Stößen gegen die Herzwie gesagt, selbst gegend gerichtet. Lautlos brach er zusammen und das hervor 9 Uhr, uebungsstunde. Aufnahme neuer Mitglieder. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend, Dienstag, Abends: des Staatsanwalts Hartmann, welcher, Gefangverein Freund die Freisprechung beantragte, dabei aber darüber klagte, daß der quellende Blut färbte die Anklagebant. Da nur noch die Ver- fchaft 1", bet Oswald Berliner, Brunnenstraße 114.- Gefangvereinar: Angeklagte im Vorverfahren auch nicht das geringste Material fündigung des Strafmaßes übrig blieb, und die große Lebens- monta", Flottwellstr. 5 bei Bartels. Arbetter- Gesangverein D In mpia", gefahr bei der Abwesenheit eines Arztes nicht sofort ersichtlich straße 33 bet Miete. Buckowerstraße 9 bet Junghans. Gefangverein, childhorn", Usedom- beigebracht, sondern den umfassenden Wahrheitsbeweis erst wenige Gefangverein Fidelitas", Bergir. 68 bet feller. Tage, ja sogar Stunden vor der Hauptverhandlung angetreten war, wurde, wie sich später zeigte, einem Sterbenden das Gesangverein Allegro", Kaiser Franz Grenadier Platz 7. Gefang habe. Darauf erklärte Dr. Lipp mit Dffenherzigkeit, daß seine Urtheil von 2 Jahren Buchthaus diktirt. Nachdem verein myrthenblätter", Belforterstr. 15 bet Schneider. Gesangverein Ihn'scher Gesangverein früheren Erlebnisse mit der Anklage- und Untersuchungsbehörde sich der in Dämmerung gesunkene Schwurgerichts- Saal geleert Bruberberg", Straußbergerſtr. 3 bet Birt. " Humor", Straußbergerstraße 3 b. Birt. hatte und der faum noch leise Athmende auf die Anklagebank Moabit, Kronen Braueret. Gefangverein ,, un verzagt2", berartige gewesen seien, daß er alles Vertrauen verloren habe und feine Gefangverein" offnung 2", Deutsch: guten Trümpfe nunmehr in der Hauptverhandlung vor ordentlichen gelegt und entkleidet worden war, konnte der herbeigerufene Arzt Wilmersdorf, Brandenburgstraße bei Gräß. Gesangverein Wald: fapelle 1", Berliner Bockbraueret. nur noch geringe Hoffnung geben. Der Verurtheilte verschied bund", Nowawes, Wallstraße bet Gärtner.Gefangverein ,, Arbeiter mat- und unabhängigen Richtern ausspiele. So habe man ihn seiner Gesangverein„ Borwärts 3 Beit seines Hauptentlastungszeugen beraubt, indem man auf den auf dem Wege nach dem Krankenhause. Er hinterläßt eine Frau Friedrichsfelde, Wilhelmstr. 10 bei Momber. Gefangverein Fretes selben einfach die Anklage ausgedehnt habe. Nur durch Vor und drei Kinder in bitterer Armuth. Lied 2, Friedrichsberg, Frankfurter Allee 165. Gefangverein Gänger hain", Fichteftr. 29 bet trösche. Gefangverein ,, Sängertette", Schön- führung von Ziviliften fönnten Militärmißhandlungen bewiesen leinfraße 6 bei D. Klein. Mufit- u. Gefangverein Firmitas" Adalbert werden, denn es sei eine alte Erfahrung, daß auf alle unter der Straße 8 bei Schneider. Gesangverein, Kreuzberg", Sichterfelderftr. 7-8 Fahne stehenden Soldaten eine solche Pression ausgeübt würde, daß sie, als Zeuge vernommen, selbst von den empfangenen Ohr feigen nichts mehr wüßten. Sobald sie dann in das Zivilverhältniß zurücktreten, erwache auch wiederum ihr Gedächtniß. Die Gefangverein Gorgento, Sublimer, bet Erteſchmann, Bejangverein sich aus dem Grund, daß man keine Zeit mehr fände, um durch Entlastungszeugen in letter Stunde erst vorzuführen, empfehle „ Kreuzberger Harmonie", Sindenftr. 108 bet Boppe.- Gefangverein die mißhandelnden Borgesetzten auf die Mißhandelten einwirken Titania", Köpenickerstr. 191 bet Boge. Gesangverein 2tedes" Straußberg, fretheit 2", Restaurant Krüger. und aus falsch verstandenem Solidaritätsgefühl schlimme Vor2iedertafel Westend", Bülowftr. 27 bei Gundlach. Marwig bei Wilhelm Nölte. Gefangverein ,, orwärts 7, tommnisse vertuschen zu können. Wie richtig die Ausführung Arbeiter- Gesangverein Vorwärts 2" " des Angeklagten war, bewies die Thatsache, daß zwei Musketire, Schönhauser Allee 28 bet Kuhlmey. Gefangverein Wiederhall", Wrangelstr. 141 bei Schmidt. Gefangverein Silaria", Blumenstr. 46 resp. Refruten, welche als Mißhandelte geladen waren, rein gar bei Went. Arbeiter- Gefangverein Freies Lied 2" Friedrichsberg, nichts wissen wollten, während ein dritter das merkwürdige Zeugniß Frankfurter Allee 165, bei Feder. Sänger Ghor der Löpfer", Gips abgab,„ von jenem Tage an sei er nicht mehr gehauen worden." straße 3 bei Byrteck. Sund der geselligen Arbeitervereine Berlins und Umgegend. Nach dem Tage dieses merkwürdigen Datums befragt, wußte Dienstag: Geselliger Verein ,, Glimbim", bei George, Gr. Görschenstr. 16. er nichts genaues, gab aber dann an, daß er noch vor 8 Tagen Theaterverein, Afazie" bei Heife, Staligerstraße 54. Theater- und Ber- beim Suppenfassen eine Ohrfeige bekam. Aus der Bertheidigungs gnügungsverein, Gich en franz" bei Blöß, Dresdenerftr. 28.- Tambour Bergnügungsverein, Amor" bet Hämmerle, Bülowſtr. 69. verein Deutsche Eiche" bet Cabeck, Fürbringerstr. 7, Uebungsstunde. rede des Angeklagten sei der Satz hervorgehoben, welcher den verein Alpen veilchen" bei Schirmer, Koppenstraße 58. Bergnügungs Gerichtshof in Bewegung brachte:„ Das militärische Beschwerde Theaterverein recht, die Militär- Strajprozeßordnung und die Militärjuftiz, so ,, Blumenlese" bet Schneider, Adalbertstraße 8. Gefang-, Turn- und gesellige Vereine. Musikverein ,, Gdelweiß wie sie heute bestehen, sind bankrott. Wer heute schlimme Miß9 Uhr im Restaur. Müller, Mariannenfraße 46. Aufnahme neuer Mitglieder. handlungen ans Tageslicht ziehen will, der muß dieselben in Gefangverein, nafreon", Abends von 9-11 Uhr, bei Reßner, Annen" öffentlicher Verhandlung vor einen ordentlichen Gerichtshof im Restaurant Poppe, Lindenstraße 106. Gefangverein& udwig'icher Männerchor, Abends 9 Uhr bringen. Dadurch allein ist zur Noth eine Ermittelung der Wahrheit möglich." Boziale Uebersicht. Aus Langenbielau ergeht an auswärtige Weber das Ersuchen, nicht bei der dortigen Firma B. Neugebauer Söhne in Arbeit zu treten, da in Langenbielau selbst Arbeitsfräfte genug vorhanden wären und man befürchte, daß durch die Heranziehung auswärtiger Arbeiter ein Druck auf die ohnehin niedrigen Löhne ausgeübt werden solle. Die Charlottenburger Glasmacher erklären gegenüber der früheren Londoner Meldung, es sei ihnen nichts bekannt, daß Charlottenburger Glasmacher Engagement als Streifbrecher in England angenommen hätten. Der Streik der Töpfer in Raguhn ist beendet. Derfelbe hat 8 Wochen gedauert. Die Streifenden erreichten wenigstens, daß die Lohnkürzung, welche den Anlaß zum Ausstand gab, uni 6 pCt. ermäßigt wurde. Der Magdeburger Konditorgehilfen- Verein, welcher bis jetzt dem Kölner Verband angehörte, ist zufolge einstimmigen Beschlusses seiner Mitglieder dem Hamburger Zentralverband beigetreten. Unternehmer- Aumaßung. In Glab wurde ein Arbeiter entlassen, weil er auf den sozialdemokratischen Proletarier" abonnirt hatte. Eine Geschichte der deutschen Maurerorganisation plant die Redaktion des" Bauhandwerkers." Da das vorhandene Material noch nicht genügend ist, so ersucht sie ältere Maurer um Einsendung von Aufzeichnungen ihrer Erinnerungen, sowie um Uebermittelung von aftenmäßigem Material( Statuten, Flugblättern, Protokollen, Zeitschriften, namentlich dem alten, Grundstein.") Die Sendungen sind zu adressiren an Gustav Keßler, Berlin S. W, 47, Yortstraße 69. Nadelstiche. In den steirischen Bergwerksdistrikten dauern bie ausweisungen von österreichischen Arbeitern, die fich beim Streit hervorgethan haben, fort. Man schiebt sie nach ihrer Heimathgemeinde ab. Schade, daß Desterreich nicht zum Deutschen Reiche gehört. Welch ermunterndes Beispiel würden seine Praktiken für die deutsche Polizei abgeben! " " bei Winter. Gefangverein Freiheit 2", Adlershof, bet Albrecht. Gefangverein Alte Linde", Mariannenstr. 31-32 bei Doberstein. Gesangverein Borwärts 4 Rathenow, Restaurant Walhalla". Gesangverein Alpenglode", Landsbergerstr. 31, bet Musehold. Gesangverein Ginigtett 2" Landsbergerstraße 31 bet Musehold. Röslinerftr. straße 16." " " in Der Sergeant Eisenhardt, der im Mililärprozeß gegen Dr. Lipp durch den Zeugen Hochstadt schwer belastet wurde, hat sich erschossen. " Quartett- Berein, Wedding", bet Stumfe, Acterstraße 123. Männer Gefangverein" DIympia bei Gerth, Prinzenstraße 106. Männer- Gesangverein It Dessau" jeden Dienstag Abends 9 Uhr Gesangsstunde bet. Niemann, Görligerstraße 42. Berliner Turngenossenschaft", Säfte fiets willtommen. 9. Männer- Abtheilung. Jeden Dienstag und Freitag 8-10 Uhr Blumen ftraße 63a. Bulcania", Theater und Verguügnngs Berein Die Wiener Mädchenmörder Franz und Rosalie Meißner's Restaurant, Gartenfir. 162. Gäfte, Damen und Herren, willtommen. Theaterflub e Imerding", Abends 9 Uhr, in Sanf's Schneider sind nicht begnadigt worden und werden demnach Renaurant, Tempelhofer Ufer 18, Ecke der Großbeerenstraße. Privat hingerichtet. Nr. 162. Gäste willtommen. Theaterverein ,, Georgina", Abends 9 Uhr, bei Meißner, Gartenstraße Krach. In London wurde Charles Henry Sandford, Dienstag Sigung mit Damen Bergnügungsverein ,, Saturnalia." Jeden Mitinhaber der bekannten Eisenbahnbau- Unternehmerfirma Sam. im Restaurant Frankfurter Bierhallen", Große Frankfurterstraße Nr. 99, Anfang 9 thr. Nachher: Tanz. B. Hate and Co. in Buenos- Ayres, fallit erklärt. Abends 9 Uhr, bei Säger, Grüner Weg 29. Gäste wiütommen.-BergnügungsGäste willkommen. Bergnügungs und Theaterverein Romeo", Brand auf See. Der Dampfer Theodor Burchard" Berein„ Nord Itch tabends si ur, et p. Sperling, Görligerftr. 37. aus Rostock, auf der Reise von Libau nach Gent, kam in Helsingör Neue Mitglieder werden aufgenommen. Vergnügungs- Verein Fidele mit brennender Haufladung an; das Feuer war schon in der Brüder", Abends 9 Uhr bet Berndt, Perlebergerstr. 17. Gäste willtommen. Ostsee bemerkt worden. Mit Hilfe des Bergungs- Dampfers Gefelliger Verein Brüderschaft" W., Abends 9 Uhr, Reftaur. Deutscher Reichsabler, Beuſſelſtr. 9.- Werein eh ma l. 87 er, Abends 9 Uhr, im König:" Drogden" wurden die brennenden Hanfballen über Bord geworfen ftabt- kafino, Holzmarktftr.72. Dilettantenverein ,, Nord", Uebungsst. Dienstag und auf diese Weise alle Fährlichkeiten beseitigt. abend 8%-10% Uhr. Aufnahme nener Mitglieder. Tambourverein Frei weg!", Dienstag und Freitag Uebungsfiunde Weinbergsweg 11 b b. Wenzel. Rauchtíub, Rojenblätter", Abends 8 Uhr, bet Leopoldt, Yort- u. Mannsteinftr.- Ede. Gäste willkommen. Rauchflub, humoristische Pfeifenbrüder", Abends 8 Uhr, Kleine Markusstraße 10. Gäfte, durch MitBelgisches. Ans der Region der Hütten und Kohlengruben bends 9 Uhr Borftgfir. 10a, bet Bioact. glieder eingeführt, willtommen. Rauchtlub Borsig", jeden Dienstag Gäfte herzlich willkommen. tommen schlimme Nachrichten. Im Revier von Charleroi und- Reichenberger Rauchtlub. Jeden Dienstag, Abends 9 Uhr, ReichenBergen( Mons) haben seit vierzehn Tagen sämmtliche Gefell- bergerfir. 128 im Reñaurant Bum Pfeifen- Lange". Gäfte, durch Mitglieder schasten den Lohn vorläufig um jein Geringes herabgesetzt und bend eingeführt, willkommen. Rauchklub Portorico". Jeden Dienstag 9 Uhr Manteuffel Straße Nr. 119 bet Gremling. Gäste eine weitere Herabfegung ist bei den stets sinkenden Kohlenpreisen willtommen. Wien, 22. Februar. Gegen 300 beschäftigungslose Arbeiter Neue Mitglieder werden aufgenommen. Rauchtlub hielten heute in Hernals eine Protestversammlung gegen jede vorauszusehen. Abend Im Lütticher Revier sieht es nicht besser aus. Dämmer role" Dienstag 9 Uhr Böckhstraße 51. Gäste Aus Seraing erfährt man, daß die dortige Stahlhütten- Gesellschaft bet Bater Stubs, Swinemünderstraße 82. Rauchflub ,, Einigkeit" Abends um 9 Uhr Verzögerung in der Ausführung der Wiener Verkehrsanlagen ab. die Arbeit theilweise einstellen wird wegen Mangel an Aufträgen. ieben Dienstag Abends 8 Uhr, Wrangelstraße 32, Hoffmann. Rauchtlub Der Gif Nach Schluß der Versammlung setzte sich die Menge nach dem Um 25. b. M. werden die Laminoirs( Plattenateliers) biefer mba le ma" abends 3 uhr, Reichenbergerſtraße 73 A bet Faujuman Rathhause in Bewegung. Die Polizei trat dem Zuge bei der Gesellschaft geschlossen werden. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Geselliger Hernalfer- Linie entgegen und trennte denselben unter Vornahme Arbeiter brotlos! Die Kohlengruben find nicht besser gestellt; Gäfte willtommen. Bergnügungsverein„ Glud auf" Abends 8 Uhr im Re- und entfendete eine Deputation nach dem Rathhause. Hier waren Dadurch werden 500 bis 600 Berein, Iim bi m" Abends 9 ühr bei George, Großgörschenstr. 16. Herren als mehrerer Verhaftungen; ein Theil des Zuges schlug Umwege ein auch bei ihnen haben Lohnherabfegungen stattgefunden. faurant Blant, Schönleinstr. 1. Gäste willtommen. Gefelliger Vergnügungsverein, Amicitia", Abends 9 Uhr, im Lotal von Maromsti, Barnimitr. 47. inzwischen die Gitter geschlossen worden und wurden die Mit Bergnügungsverein Reichstrone", Gizung Abends 9 Uhr, in glieder der Deputation verhaftet. Ernstere Ausschreitungen find Reichert's Restaurant, Müllerstr. 7. Gäste willkommen. Stattlub ,, Fidele Brüder", jeden Dienstag von 8-11 Uhr Kottbuser Danum 74 bet Silfe. bisher nicht vorgekommen. Gäfte, welche durch Mitglieder eingeführt werden, haben Zutritt. Versammlungen. find willkommen. Rauchklub Verein ehemaliger Schüler der 38. Gemeindeschule. Heute Sigung im Restaurant Noll, Andreasstr. 8. Vergnü, ungsverein Esmeralda", heute Abend " 8% Uhr, Sigung mit Damen, bei G. Hedwig, Rosenthalerstr. 45. Gäste will VergnügungsIm Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter sprach Tanz. Fidelitas. Gäste willtommen. Gr. Frantfurterstr. 99. tommen. Bergnügungsverein„ Saturnalia" jeben Dienstag S.Bung mit " Depeschen. ( Wolff's Telegraphen- Bureau.) Antwort wird nicht ertheilt. türzlich Herr Dr. Pinn, unter reichem Beij all, über„ Die Lügen verein 6 ar men Sylva" Sigung jeden Dienstag, Abends 9 Uhr, OranienBriefkaffen der Redaktion. des Jahrhunderts". In der Diskussion nahmen mehrere Kollegen firaße 183, im Restaurant Braun. Junge Tamen und Herren als Gäste Bet anfragen bitten wir die Abonnements Quittung beizufügen. Briefliche für und auch gegen die Ausführungen des Referenten das Wort, Abend 9 Uhr, Laufigerstraße Nr. 50, herzlich willkommen. Rauchklub Bruderbund" tagt jeden Dienstag bet Grande. Touristentlub forderten aber fämmtlich die Anwesenden auf, Nordau's Schrijt, Wanderlust" jeben Dienstag Abends Don 9 Uhr ab Sigung Bund der geselligen Arbeitervereine Berlins. Diese Konventionelle Lügen der Gegenwart", welche der Referent zur beim Restaurateur Bierrat, Schönhauser Allee und Franfeckiitraßen Anzeige gehört in den Inferatentheil. Baul Kühnel). Gcfe. Gäste willfommen. Musikverein" Hoffnung"( Dirigent Auguft Backe. Nicht aufnahmefähig. Mitglieder, im Restaurant Subeil, Naunynſtr. 86. Dienstags Abends 9 Uhr Nebungsfiunde, Aufnahme neuer Rauchklub, Zabats: A. S. 73. Sie brauchen das Kleid nicht noch einmal ab buft", jeden Dienstag Abend' uhr Martannenſtr. 49 bet Möllert Sigung zuholen, nachdem Sie mehrfach vergeblich deshalb bei der von 8 Uhr ab Uebungsstunde bei Sommer, Grünftr. 21. Sonntags: Gigung. Gäste willkommen. Tambour- Verein, Ruf". Jeden Dienstag und Freitag Schneiderin waren. Aufnahme neuer Mitglieder. Grundlage feines Vortrags genommen hatte, aufmerksam zu studiren. Auf Antrag Meyer beschloß man, Mitte April die Urania" zu besuchen, da dann, wieder ein neues Stück aufgeführt wird. Dem Antrag Kröhn zufolge wird von Vereinswegen am 18. März auf den Gräbern der Märzgefallenen ein Kranz niedergelegt. Kollege Luther ersuchte um allseitiges Abonne ment auf die Solidarität". Kollege Niendorf beantragte, daß bei der Adressenausgabe für Arbeitslose die gemaßregelten Kollegen nicht vorgezogen werden sollten. Auf Antrag des Kollegen Kröhn wurde jedoch die Sache dem Vorstand überwiesen. Vermischtes. der Brandstiftung im föniglichen Schloffe zu Rönigsberg Der Töpfergeselle Eichler, welcher wegen des Verdachtes verhaftet war, ist aus der Untersuchungshaft ent lassen worden. Rügenerstr. 32. Rommen Sie beim Magistrate schriftlich unter Darlegung des Sachverhalts ein. Alter Abonnent C. W. 1. Wegen der für ein uneheliches Kind zu zahlenden Alimente ist Lohnbeschlagnahme nicht zus läffig. 2. Die Sachen, welche nachweislich von der Frau in die The gebracht sind, dürfen wegen Schulden des Mannes nicht gepfändet werden. Ist dies doch geschehen, so tann die Frau Deren Freigabe verlangen. K. J. 1. Der Betreffende kann zur Alimentenzahlung nicht verurtheilt werden, wenn er im gerichtlichen Termin den Ein wand erhebt. 2. Auf den Unterschied des Lebensalters tommt es dagegen nicht an. Die Berliner Nagelschmiede hörten in ihrer lebten öffent lichen Bersammlung einen Vortrag des Stadtverordneten Klein über die Organisationsfrage. Derselbe schilderte den Zweck und die Vortheile der großen Zentralverbände, legte die unzulänglich- In Heidelberg ist am Sonnabend der Professor der Chemie feit der lokalen Fachorganisation tlar und schloß seine beifällig an der dortigen Universität, Dr. Kopp, gestorben. $. G. 1. Nach Ihren Angaben halten wir Ihren Mann aufgenommenen Ausführungen mit dem Wunsche, die lokal organi Soldatenmikhandlungen vor Gericht. Vor der Heil nicht für altersrentenberechtigt. 2. Die unterstüßende Gemeinde firten Berliner Nagelschmiede möchten sich, da ihre Organisation bronner Straftammer hatte sich am 18. Februar der Redakteur fann zwar nicht direkt verlangen, daß der Unterstüßte in ihrem zu schwach sei, dem Verband sämmtlicher in der Metallindustrie der„ Heilbronner Zeitung", Dr.& ipp, wegen Beleidigung Bezirke wohnt; aber jede andere Gemeinde kann ihm den beschäftigten Arbeiter Berlins und Umgegend anschließen. In von Unteroffizieren des 4. Infanterie- Regiments Nr. 122 Aufenthalt versagen, was praktisch auf dasselbe herauskommt. Verantwortlicher Redakteur: August Enders in Berlin. Druck und Verlaa von Mag Bading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2. Beilage zum„Vomärts" Berliner Volksblatt. Ur. 45. Dienstag, den A3. Frbrnar 1892. S. Jahrg. Ncmmnmolns. Der Cutwurf zum Etadthaushalts-Etat pro 1S92/93 ist jetzt der Stadtverordneten-Versammlung zugestellt worden. Der- selbe schließt ab: in Einnahme mit SO KOI 146 M.(Ordinarium 70 1G0 003 M., Ertra-Ordinarium 10 441 143 M.) und in der Ausgabe mit derselben Summe(Ordinarium 66 107 423 M.. Extra-Ordinarium 14 493 718 M.) Ter Entwurf fordert an Gemeinde-Einkommensteuer die Summe von IS 866 189 Mark d. h. 2 069 608 M. weniger als im Vorjahre.— Zu diesem eigentlichen Stadthaushalts-Etat treten noch die Etats der städtischen Werke und sonstigen Unternehmungen und zwar: Der Gaswerke mit 37 266 400 Mark, der Wasserwerke mit 12 6S9 120 Mark, der Kanalisationswerke mit 9 680 873 M., des Zentral-Viehmarktes mit 2 146 030 Mark, des Zentral- Schlachthofes mit 763 000 M.. der Fleischschau auf dem Schlachthofe mit 532 150 M., der Fleischschau für das von außerhalb eingeführte Fleisch mit 223 375 M.. der Markthallen mit 3 069 791 M. Die Etats der städtischen Werke ergeben mit- hin eine Gesammtsumme von 66 345 739 M. Unter Hinzurech- uung des Stadthaushalts- Etats stellt sich hiernach die Gesammt- einnähme und Ausgabe aus 146 946 885 Mark. Davon follen aus Anleihen entnommen beziehungsweise bestritten werden: 1. für die städtischen Werke 10 669 810 M.. 2. für Kämmereizwecke 6 804 500 M., zusammen 17 474 310 M. Ans Grund früherer Etats beziehungsweise besonderer Beschlüsse der Gemeindebehörden stehen noch 23 649 949 M. als aus Anleihe» zu deckende Betrüge am 1. April dieses Jahres in Rest- ausgäbe, so daß im Ganzen noch 46 124 259 M. aus Anleihen zu decken sind. Es soll deshalb der Sladtverordneten-Verfamm- lung eine Borlage wegen Aufnahme einer neuen Anleihe von rund 45 000 000 M. zugehen. Die Anleiheschuld der Stadt Berlin wird Ultimo März d. I. 233 462 301 M. betragen. Daran sind die städtischen Werke mit 187 689 765 M betheiligt, so daß der Stadt-Hauptkasse nur 50 772 536 M. zur Last fallen.— Was die Einkommensteuer betrifft, so ist die Voreinschätzung für die Steuersätze von 4 bis 52 M.(bisher Stufe 2 bis 12) bereits beendet und hat an Slcuersoll die Summe von 4 509 850 M.. gegen 5 888 188 M. im Borjahre, d. h. 1 378 333 M. weniger ergeben. Die erhebliche Minder-Beranlagung gegen das Vorjahr hat darin ihren Grund, daß nach dem neuen Einkommensteuer-Gesetz die Steuersätze nach unten hin gegen bisher wesentlich ermäßigt worden sind. Jnwie- weit dieser Steuerausfall durch oie Veranlagungen noch oben hin ausgeglichen werden wird, kann zur Zeit noch nicht übersehen , verdcn, da die Veranlagung der Steuerpflichtigen nach den Steuersätzen über 52 M. nicht beendet ist. Demzufolge läßt sich auch eine sichere Schätzung dcffen, was bei Erhebung von einem Prozent des Normalsatzes an Gemeinde-Einkommensteuer eingehe» wird, gegenwärtig nicht ermöglichen. Bei Erhebung von 100 pEt. des Normalsatzes hat sich der Steuereinganq von 10 636 241 M. im Jahre 1883/84 auf 19 000 000 M. im Jahre 1891/92 erhöht. In dem vorliegenden Etat sind 15 366 189 M. an Gemeinde-Einkommensteuer zur Herstellung des Gleichgewichts pvischen Einnahme und Ausgabe erforderlich. Wie in früheren Jahren, so soll auch diesmal die Erhebung der ersten Einkommen- steuerstufe, die Einkommen von 420 M. bis 660 M. umfassend, unterbleiben. Gevickks�Bettnttg. Wieder war es eine„unliebsame Geschichte aus der Charitee"» welche gestern vor dem hiesigen Schöffengericht zur Sprache kam. Wegen Beleidigung zweier Charitee-Sekretäre wurde der Telegraphen-Assistent August P f a f f zur Verantwortung gezogen. Die Beleidigung wurde in einem Beschwerdebriefe gesunden. den der Angeklagte an den Geheunen Rath Koch gerichtet hat. Die Frau des Angeklagten befand sich wegen eines Lungenleidens in der Charitee, Ab- theilung für Jnsektionskrankheiten. Dieselbe wollte gern das Weihuachtssest im Kreise ihrer Familie verlebe» und noch Gc- nehmigung durch den Geh. Rath Koch und.den Prof. Dr. Brieger verließ sie am 23. Dezember die Abtheilung mit der Weisung, am 23. Dezember sich daselbst wieder einzusinden. Wie der An- geklagte i» seiner Beschwerteschrift behauptet, sei der Frau schon bei ihrer Abmeldung am 23. Dezember bedeutet worden,„daß es in ter Charitee nicht immer'rein- und'rausgehe" und daß sie am 28. bei ihrer Wiederaufnahme mindestens 20 M. zu entrichten habe. Es ist hierbei zu bemerken, daß der Angeklagte sich ver- pflichtet hatte, die entstehenden Kosten nach erfolgter Wieder- Herstellung der Frau bezw. nach deren Entlassung aus der Eharitee ratenweise zu zahlen. Die Vorgänge bei der Rückkehr seiner Ehesrau am 23. Dezember schilderte der Angeklagte in seiner an den Geh. Rath Koch gerichteten Beschwerde wie folgt: Als die Frau in Begleitung der Frau Telegraphen assistent Hübner den Annahmeraum der Charitee betreten, und unter Berufung aus den Geh. Rath Koch das Ge- such um Wiederaufnahme vorgetragen worden, sollen die zwei Aufnahmebeamten zunächst in Bezug auf Koch gesagt haben: Der hat hier gar Nichts zu sagen!" Im Weiteren sei der Frau mitgetheilt worden, daß, wenn sie nicht mindestens 60 M. bezahle, ihre Ausnahme nur dann erfolgen könne, wenn Prof. Dr. Brieger damit einverstanden sei. Die Annahme der 20 M. sei verweigert worden, trotzdem die Frau sich erboten habe, so- fort an ihren Mann wegen der noch sehlenden 40 M. zu schreibe». Es sei an jenem Tage sehr rauhes Wetter und der Aufenthalt auf offener Straße für eine an schwerer Lungen- krankheit Leidende sehr gefährlich geivesen. Die Aufnahmebeamten hätten darauf aber gar keine Rücksicht genommen, die Frau viel- mehr, ohne sie in ein Zimmer auszunehmen, auf die Straße ge- schickt und sie namentlich zur Einholung der Erlaubniß des Dr. Brieger veranlaßt, obwohl sie wußten, daß dieser Herr vor vier Uhr nicht zu sprechen sei. Schließlich habe die Schwester Anne- Mari« sich aus Erbarmen der Kranken angenommen und dieselbe in ein warmes Zimmer gebracht, nachdem sie sich längere Zeit aus der Straße habe aufhalten müssen. Der Angeklagte. welcher behauptet, daß sich infolgedessen der Zustand seiner Frau verschlimmert habe, nannte in feiner Beschwerdeschrift das Austreten der Barnten„rücksichtslos" und„flegelhaft."— Die Beamten konnten sich dagegen darauf berufe», daß sie nach Ihrer Instruktion ganz korrekt gehandelt hätten da die Frau des An- geklagten vorläufig entlassen gewesen sei und es ganz gerecht� fertigt gewesen sei. die Frau zurückzuweisen bezw. sie an den Prof. Brieger zu verweisen, da sie nicht nachweisen konnte, daß die Kurkosten bis zum 23. Dezember bezahlt waren.— R.A. Dr. taase, welcher auf einen ganz ähnlichen, kürzlich vor der traskammer verhandelten Charitee-Fall verwies, berief sich für die Wahrheit der Schilderung auf das Zengniß der Schwester Anne-Marie und der Frau Hübner. Der Angeklagte habe daS gegen seine schwer krank« Frau beobachtete Verfahren doch als sehr rücksichtslos betrachten müssen, und seine Kritik er- scheine zwar herbe, aber nicht unberechtigt.— Der Gerichtshof war der Meinung, daß die beleidigten Beamten für die etwa zu harte Instruktion die bei der Cbaritee gelte, nicht zu schelten seien. Eine Beleidigung liege zweifellos vor, mit Rücksicht jedoch auf die Erregung des Angeklagten und die ganzen begleitenden Umstände verurtheilte der Gerichtshof denselben zu 3 Mark Geldbuße. Soziale TleberNchk. Recht schlecht unterrichtet erwies sich der Kommissar des Bundesraths, der Geheime Regierungsrath Wackerzapp, in der Sitzung des Reichstags vom 12. Februar. Daß der Herr gegen einen Arbeiter, welcher in einer Eisenbahnwerkstatt in Elsaß- Lothringen beschäftigt worden war, den Vorwurf erhob: derselbe stand im Verdacht unredlicher Handlungen, um dann nachher wieder zu erklären: er habe einen ganz anderen Arbeiter gemeint, wird den Lesern noch aus den Reichstagsberichten her bekannt sein. Jetzt scheint sich aber noch ein zweiter Jrrthnm des Herrn Wackerzapp heraus zu stellen. Unter anderem hatte dieser'Herr nämlich auch behauptet, der betreffende Arbeiter und noch ein Kollege von ihm hätten sich„als Vertreter und Wortführer von Arbeitergruppen an einem sozialdemokratischen Parteitag in Offcnburg betheiligt". Wegen dieser Theilnahme an dem Partei- tage sollte nun die Kündigung erfolgt sein. Die Kenntniß von dieser„agitatorischen Thätigkeit" der betreffenden Ar- beiter stützte Herr Wackerzapp nun auf amtliche An- zeige». Nun theilt uns aber ein Theilnehmcr am Parteitage in Offenburg mit, daß er bereit sei, eventuell eidlich zu erhärten, daß die beiden gcmaßregelten Arbeiter nicht auf dem Parteitage anwesend waren. Unser Korrespondent ist ein eheinaliger Arbeiter der elsaß- lothringischen Eisenbahn- Werkstätten. Da der Parteitag in Offenburg bei voller Oeffent- lichkeit stattfand, so lassen sich doch die Theilnehmer an demselben leicht feststellen und erscheint ein amtlicher Jrrthum geradezu un- begreiflich. Rur fünf Arbeiter sind im Jahre 1391 wegen sozial- demokratischer Umtriebe und Agitationen von der Verwaltung der Reichs-Eisen bahnen entlassen worden und von diesen Fünf ist„einer freiwillig der Entlassung zilvorgckommen und ausgeschieden". So erklärte der Eisenbahnminister v. Thielen in der Reichstags- Sitzung an, 10. Februar: Zur Beleuchtung des„freiwilligen" Austrittes des betr. Arbeiters und weiter auch zur Kennzeichnung der wirklichen Folgen der politischen Ketzerricchereien in den staatlichen Betrieben veröffentlichen wir nachstehend eine Zu- schrift des„freiwillig" Ansgeschiedenen selbst. Derselbe schreibt: „Am 9. März 1891 wurde bei mir Werkzeugrevision vor- aenommen, jedoch war dieses, wie mir später von einem meiner Vorgesetzten mitgetheilt wurde, nur ein Vorwand, denn man wollte sozialdemokratische Schriften bei mir finden, sie hatten auch darin Glück, denn sie fanden eine veraltete Nummer der „Frankfurter Volksstimnie" in meinem Werkzeugschrank. Ich wurde darauf hin gekündigt. Den anderen Tag nach dem Grunde fragend, wurde mir geantivortet:„Wie die Hand- lungen, so die Folgen. Sie sind 1. Abonnent der„Volksstimme", 2. vertheilen Sie dieselbe, 3. klären Sie die jungen Leute auf, und Sie sind, mit einem Wort gesagt, Sozialdemokrat." Ich habe diese Gründe zurückgewiesen, indem ich meiiiem Vorgesetzten antwortete, daß ich lein Abonnent der„Volksstimme" wäre, diese auch noch nie vertheilt hätte, mich um die jungen Leute wenig kümmerte und ich auch der Sozialdemokratie nicht angehöre. Dasselbe theilte ich unter Anderem auch der Direktion schriftlich mit und bat um genaue Untersuchung der Angelegenheit. Es wurde darauf die Kündigung bis ans Weiteres zurückgezogen mit der Bemerkung, man wolle Erkundigungen einziehen. Nach weiteren 4—5 Wochen wurde mir abermals gekündigt, und zwar mit folgenden Worten:„N. N., die Direktion hat Erkundigungen eingezogen und ist zu dem Schluß gekommen, Ihnen zu kündigen, also in 14 Tagen haben Sie die Werkstatt zu verlassen." Also weil ich die„Volksstimme" als Umschlag für ein Brod mit in die Werkstatt gebracht habe, wurde ich aufs Straßen- pflaster gesetzt. Es war mir nun Gelegenheit geboten, 8 Tage vor meiner Entlassung Arbeit zu erhalten, und bat ich infolge dessen, die Werkstatt verlassen zu dürfen, dieser Bitte wurde nach gekommen. Trotzdem aber iuuß ich noch hinzufügen, daß aus meinem Zeugniß nichts von meinem freiwilligen Austritt be merkt war, sondern es war im Gegenlheil die Bemerkung daraus geschrieben, daß ich verwaltlicherseits entlassen wurde, und erst durch energiscdes Auftreten meinerseits wurde mir eine Ent lassung ausgestellt, welche nur die Dauer und Art meiner Be� fchäftigung bescheinigte. Ich wandte mich nochmals an die Direktion und später an Herrn Minister v. Maybach und bat um genaue Untersuchung, erhielt aber beide Male einen kurzen abschlägigen Bescheid, denn ich war von Einem, welcher nebenbei gesagt jetzt angestellt ist, wie ich später erfuhr, schwer verleumdet worden. Dies eine versichere ich noch zum Schluß, daß ich wohl damals gewerkschaftlich organistrt war, aber die sozialdemokrati- schen Bestrebungen so wenigkannte, daßich ihnen vollständig ferne st and, aber daß ich auch jetzt voll und ganz das geworden bin, zu was man mich damals st e m pelte, und zwar ungerechter Weise stempelte. Dieses zur Berichtigung zu Herrn Thielen's Rede." — Wenn der Herr Minister Thielen und seine Räche in der bisherigen schneidigen Weise ihre unfreiwillige Agitation für die Sozialdemokratie fortsetzen, hoffen»vir noch ost in den Besitz solcher Briefe zu gelangen. Preußische Eiuschätzuiisis-Crgebnisse. Bon allen Ecken lind Enden kommen die Mittheilungen über neuentdeckte Millionäre. In Düsseldorf. Wiesbaden. Krefeld. Berlin:c. tauchen plötzlich infolge der Steuerdeklaration dreimal bis zehn- und zwölfmal so viel Millionäre auf, als bisher bekannt bezw. mit einer Million Vermögen zur Steuer herangezogen waren. Eine Nebersicht über die neuen Millionäre behalten wir uns vor. Für heute möchten wir nur Herrn Eugen Richter darauf aufmerksam machen, daß diese vielen Millionär« die Grundlage seiner Berechnung des Einkommens im„sozialdemokratischen Zukunftsstaate" total verändern. Bekanntlich versuchte Herr Richter dieses Einkomme» so zu berechnen, daß er die Gesammtsumme der besteuerten Einkommen im preußischen Staate durch die Zahl der Steuerpflichtigen dividirte. Er rechnete 823 M. pro Familie heraus. Daß es— s e l b st wenn die Grundlage und Methode seiner Berechnung richtig, also die privatkapitalistische Produktion die sozialistische wäre— zirka 1450 M. sein würden, ist schon früher dargelhan worden. Viel- leicht rechnet der gute Arithmetiker und naive Sozialpolitiker das Erempel demnächst auf der veränderten Grundlage einmal um. Wir sind für das Resultat nicht bange. Mit der Wider- legung der Sozialdemokratie war es bisher schon nichts und wird es dann noch weniger als nichts sein. Also heran ans Exempel! Aber nicht pfuschen, wir rechnen wieder nach! Eiusichtslosigkeit und Profitsucht der Unternehmer ver- hindern selbst verhältnißmäßig unbedeutende soziale Besserungen. Der Verein der Mainzer Zigarren- und Tabakhändler hatte eine Mitglieder auf Ehrenwort verpflichtet, die Geschäfte um 9 Uhr Abends zu schließen. Allein trotz des gegebenen Ehrenwortes verkaufte man bald wieder bis 10 Uhr; Vorstands- Mitglieder nicht ausgenommen. So kann bs nicht überraschen, daß eine am 10. Februar stattgehabte Versammlung von Jnter- essenten beschloß, wieder den alten Zustand herbeizuführen. Nun ist freilich bekannt, daß der Verdienst in so später Stunde nur ein geringer ist, doch die Furcht vor den„Konkurrenten", die ihr Geschäft etwas länger offen ließen, hat alle Vereinbarungen zu nichte gemacht. Furchtbare Bilder ded Elends, die den Stempel um verfälschter Wahrheit trugen, enthüllten in einer Wiener ~ rauen Versammlung einige Rednerinnen, die Frau eines leingcwerbetreibenden, eine Fabrikarbeiterin, die Frau eines Metallarbeiters und endlich eine grauhaarige Greisin, welche als Wäscherin in die Häuser geht und erzählte, daß sie seit drei Jahren keinen Kaffee, geschweige Fleisch zu sich nehmen konnte. Ihr Mann sei arbeitsfähig, aber arbeitslos, weil er zu alt sei, um noch aufgenommen zu werden. Von Schmalz und Mehl mache sie sich eine elende Suppe; demnächst werde sie vielleicht obdachlos werden. Alle diese Rednerinnen betonten, daß nur im Anschlüsse an die sozialdemokratische Arbeiterbewegung das Heil für die Zukunft liege. Der eherne Sklave, schreibt die Wiener„Arbeiter-Zeitung"- von dem Aristoteles, der griechische Hellseher, einst geträumt- wird immer mehr und mehr greifbare Wirklichkeit. Ein Kartoffel-Pflanzer wird jetzt bei der landwirthschaftlichen Großproduktion angewendet, der folgende Kunststücke s e l b st- t h ä t i g»und z u g l el ch besorgt: 1. Furche ziehen, 2. Kartoffel in die Furche legen, 3. Zustreichen der Furche, 4. Markiren der nächsten Furche. Die Saatkartoffel kann hierbei ganz oder ge- chnitten ausgelegt werden. Die Maschine wird von einem Menschen bedient und von ein Paar Thieren gezogen. Was ist heute die Folge dieser wohlthätigen und arbeitsparenden Vor- richtung? Die Vergrößerung des Heeres der Ar- b e i t s l o s e n, die erhöhte Bedeutung der industriellen Reserve- Armee, das Zuströmen der landwirthschaftlichen Arbeiter nach den industriellen Hauptorten, die Erschütterung des Felsens der Reaktion— des Bauernstandes. So wird allmälig die Zeit heranrücken, in der der berühmte steinharte„Bauern- s ch ä d e l" seinen Dienst für uns und gegen seine bisherigen guten Freunde leisten wird. Nur vorwärts so l Aus dem Reich des Zare«. Zwar erklärt Alexander III.. daß er in seinem Reiche keinen Nothstand haben will, und die Tschinowniks. die seile Beamtenschaft, gehorchen diesem Macht- wort, die Presse schweigt mit dem Knebel im Munde. Die unruhigen Proletarier wandern in die Kerker und nach Sibirien, die Hilfsgelder bleiben zum größten Theil in den Händen der raffgierigen Bureaukratie hängen, es wird gestohlen, gefälscht, unterdrückt. Und furchtbar ivüthet der Hunger. In vielen Gouvernements haben, wie das„Riga'sche Tageblatt" berichtet, die Bauern das mit Hilfe der Bauern-Agrarbank gekaufte Land im Stich gelassen, so im Gouvernement Poltawa 31 221 Deßjatinen mit einer Schuld von 2 354 920 Rubeln, im Gouvernement Jeka- terinoslaw mehr als 18 000 Deßjatinen mit einer Schuld von 600 000 Rubeln, im Gouvernement Ssaratow gegen 13 000 Deß- jatinen mit einer Schuld von mehr als 400 000 Rubeln, im Gouvernement Kursk mehr als 8000 Deßjatinen mit einer Million Rubel, in den Gouvernements Pensa und Woronesh je 6000 Deßjatinen. Die heutige Lage in Rußland ist nicht die Wirkung der Mißernte, welche die Krisis nur akut gemacht hat: verursacht ist die Misere durch die zarische Mißwirthschaft, durch die künst- liche Aufzucht der kapitalistischen Wirthschaftsweise. VerfÄ iumUmac«. Die öffentliche Versammlung selbständiger Handwerker und Gewerbetreibender, welche für Sonntag, den 21. d. M., nach dein Feenpalast einberusen war, fand unter Theilnahme von ca. 2000 Personen statt. Reichstags-Abgeordneter Bebel referirte über das Thema:„Der Niedergang des Klein- g e w e r b e s," vorausschickend, daß die Versammlung Haupt- sächlich einberusen worden fei im Anschlüsse an den vor Kurzem hierorts stattgehabten sogenannten„Handwerkertag", dessen Ver- Handlungen und Beschlüsse bekannt seien. Dieser habe seine Basis wiederum i» den Reichstagsverhandlungen vom 24. November v. I., in welchen Minister v. Bötticher die Stellung der Regierung zu den Forderungen der Jnnungeu klarlegte. Redner führte aus, vor Allem sei es nöihig, daß der Handwerkerstand die Situation, in der er sich befindet, klar erkennt. Wenn der Handwerkerstand auch der Kopfzahl nach im Staate noch einen großen Faktor bilde, so sei seine soziale Macht gegenüber der des Kapitalismus doch verschwindend. Die kapitalistische Ent- wickelung lasse sich nicht rückgängig machen. Das jetzige Staats- intereffe erfordere, daß die Regierung die Interessen der Kapitalistenklasse in erster Linie und diejenigen der Handwerker nur in soiveit berücksichtige, als deren Interessen denen der Kapitalisten nicht entgegengesetzt sind. Dies müsse der Hand» werker erkennen, uin sich nicht auf Abivege führen zu laffen. § miethalb des Handwerkerstandes herrsche zudem eine große nteressenverschiedenheit, indem die Grenze noch nicht gefunden sei, wo der Handwerker aufhöre und der Fabrikant anfange, welcher Umstand dazu beitrage, daß keine selbpändige geschlossene Sanvwerkerbewegllng zu Stande komme. Die Produktion des andwerks komme heute gcgciiilber der Großproduktion so viel wie gar nicht mehr in Betracht, was Redner durch Borführung eines umfangreichen statistischen Materials über die immense Entwickelung der kapitalistischen Produktion nachwies. Trotzdem die Handwcrkerklasse eine untergehende sei, betrachte sie sich doch immer noch als Unternehmerklaffe, welche der Arbeiter- klaffe feindlich gegenübersteht und deshalb überall, wo sie politisch auftritt, sich reaktionären Parteien anschließt. Den Schritt für Schritt vor sich gehenden Rückgang des Kleingewerbes veranschaulichte der Vortragende an einer dies- bezüglichen Geiverbestatistik. Nothgedrungener Weise hätte auch im Handwerke die Theilarbeit ihren stegreichen Einzug gehalten, wodurch Tausenden von Handwerkern nur noch knapp die Existenz ermöglicht werde. Die Auflösung des Handwerks sei trotz aller zünftigen Heilmittel unvermeidlich. Die Theilarbeit befördere die Konkurrenz und das Sinken der Arbeitslöhne. Die Kleinmeister suchten sich durch die bekannte Lehrlingszüchterei über Wasser zu halten. Der Arbeitstheilung entsprechend wäre auch die Lehrlings- ausbildung eine»inseitige. Selbst im Kunstgewerbe trete aber heute an Stelle der handwerksmäßigen Produktion mehr lind mehr die fabrikmäßige Erzeugung; das Kunstgewerbe könne daher nicht, wie es von liberaler Seite gern geschehe, den Handwerkern als Rettungsanker vorgehalten werden. Angesichts der Theil- .irvelt im Handwerl;sei der geforderte Befähiguiigsnachiveis eine Narrheit. Sollte derselbe doch Gesetzeskraft erlangen, dann müßte derselbe ja auch rückwirkende Kraft haben. Abgesehen von der Undurchführbarkeil des Befähigungsnachweises in der Aera der kapitalistischen Produktionsentwickelung würde der Brfähigungs» weis ohne jede der erhofften Folgen fein. Die Reichs. Die Kollegen am Drte sollten sich der Majorität fügen. E3] nicht vergessen, daß er nur ein Theil des Ganzen ist und stets Begierung fönne begreiflicherweise unmöglich auf derartige wurde hierauf folgende Resolution einstimmig angenommen: in der Natur seine erste Lehrmeisterin zu erblicken hat. Der VorForderungen eingehen trotz der Beschlüsse des letzten Handwerker" Die heute in Scheffer's Salon tagende öffentliche Versamm trag wurde mit reichem Beifall belohnt. tages. Lediglich um die Handwerker bei guter Laune zu erhalten, lung der freien Bereinigung der Bau- Arbeiter Berlins ist mit den um fie für politische Zwecke ausnüßen zu können, mache man Ausführungen des Genossen Reichstags- Abgeordneten Schulze Genosse Mesner fürzlich unter reichem Beifall über Bentrat Im Verband der Vergolder und Berufsgenossen sprach ihnen immer noch Hoffnung. Eben so wenig babe die Zwangs- Königsberg vollständig einverstanden und verspricht thatfräftig und totalorganisation, seine Ausführungen dahin zusammeninnung Aussicht, ins Leben zu treten. Auch die Konsumvereine dafür einzutreten, daß die Gegensätze in Betreff der Organi faffend: Die Streitfrage, ob Bentral- oder Lokalorganisation, fei Der Beamten würden von der Regierung nicht bekämpft werden, fationsform zu Gunsten der Majorität am Orte entschieden unter dem Gesichtspunkte gewerkschaftlicher Strategie zu ent da dieselben sie in die Lage versehen, die Gehälter der Beamten werden." nicht erhöhen zu müssen. Die Gefängnißarbeit sei zu beseitigen, Unterm„ Verschiedenen" brachte Kollege Gent den Trauer- scheiden. Beachte man, wer im wirthschaftlichen Kampfe der doch würde dadurch dem Handwerkerstande ebenfalls nur wenig fall des Genossen Peus zur Sprache. Man ehrte das Andenken Stärkere ist und wie sich dieser Stärkere organisirt, ergebe sich Image die beste Form der Organiſation von ſelbſt. Die Diskussion on unternehmer vergeben wird, sodann in Gefängnissen angefertigt befand sich eine Frage: Rann ein Theologe Sozialist sein?" sehr lebhaft. Verschiedene Redner traten für lose Zentralisation werden würde. Eine Regelung des Submissionswesens sei erreichbar Diese Frage verneinte der Reichstags- Abgeordnete Genosse könnte. Es wurde dann folgende Resolution angenommen: und wohl am Plage, ein Verbot der Abzahlungsgeschäfte dagegen Schulze, denn der Sozialismus bestehe aus den Grundfäßen der unmöglich; nur eine leberwachung sei möglich. Einschränkung modernen Wissenschaft, während die Theologie auf dem Grund- des Referenten vollständig einverstanden und verpflichtet sich, mit Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Haufirhandels, Handwerkerkammern und sonstige Forderungen, faß der Offenbarung beruhe. Beides seien alfo zwei ganz ent- allen u Gebote stehenden Mitteln für die bestehende Zentralwelche den Interessen der Kapitalistenklasse nicht schaden, werden gegengesette Prinzipien. Die Versammlung schloß mit einem organisation einzutreten. Ferner verpflichten sich die Anwesenden, bereitwilligft gewährt werden, aber für das Handwerk im All- breifachen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Die die Nothwendigkeit und den Nugen einer Organisation durch rege gemeinen ohne Bedeutung sein, wenngleich Einzelne Vortheil nächste regelmäßige Mitgliederversammlung findet am 13. März statt. Agitation in weitere Kreise zu bringen und dahin zu wirken, daß Davon haben mögen. Die rapide Entwickelung der kapitalistischen Produktionsweise nehme dessenungeachtet ihren Fortgang. Die Ueberproduktion würde mit derselben in Permanenz erklärt und außerordentliche Generalversammlung abhielt, wurde ein Schreiben Im Verein Berliner Hansdiener, welcher fürglich eine die noch Indifferenten dem Berbande beitreten." Die Gesammteinnahme von der Matinee ergab 260 M. Die Handwerker hätten mit am meisten darunter zu leiden. Der des Kollegen Haase verlesen, worin derselbe seinen Austritt er- 30 Pf., die Ausgabe 176 M. 60 Pf., fonach verblieb ein UeberArbeiterstand würde durch die Großinduſtrie dem Handwerke flärte, weil er dem Berbande beigetreten set. Der Rendant be- schuß von 84 M. 20 Pf. Die Revisoren beſtätigten die Richtigimmer mehr entzogen. Der Arbeiter arbeite lieber in der Fabrik merkte jedoch, daß der Austritt dieses sowie eines zweiten feit, worauf man dem Kassirer Entlastung ertheilte. Zum ersten als im Handwerke und werde mit der Zeit unfähig für daffelbe. Kollegen bereits widerrufen sei. Hierauf fand eine lange Dis- Verbands- Vorsitzenden wurde Kollege Paul Höpfner in der Der Handwerkerſtand werde so von zwei Seiten bedroht, halte fussion über die Lokalfrage bei Festlichkeiten statt, welche damit wie immer schwach besuchten Versammlung mit 30 Stimmen gesich nur noch fünstlich über Wasser, rekrutire sich auch nicht mehr endete, daß diese Angelegenheit dem Vorstand und Komitee über- wählt und zum Filial- Kassirer Wilh. Sprenger. Der Bora fich felbst, indem die Söhne der Handwerksmeiſter nach lassen wurde. Im Weiteren theilte der Vorsitzende mit, daß die fißende machte noch bekannt, daß die 5 Pf.- Unterstützungs- Marken Möglichkeit sich hüten, Handwerker zu werden. Das Heil des Kollegen Richter und Krüger am 6. März in den Arminhallen eingetroffen seien, und forderte besonders die Vertrauensleute auf, Handwerks sei nach alledem nicht in der Vergangenheit, sondern ihr Benefiz feiern und bat um rege Betheiligung. Dann wurde dieselben rege zu vertreiben. in der Zukunft zu suchen, im Anschlusse an die Sozialdemokratie, die Aufnahme von 25 neuen Kollegen bewirkt und hierauf in der Mitarbeit zur Begründung der sozialistischen Gesellschaft. Der 87 des Statuts dahin abgeändert, daß die frühere Fassung an Arbeiter Berlins und Umgegend gab Kollege P. Steffen die In einer öffentlichen Versammlung der Filzschuh durch wiederholten Beifall und antisemitische Zwischenrufe unter die Stelle der bisherigen tritt. Nachdem noch das Verhalten Abrechnung vom Agitationsfonds, wonach die Einnahme 162,42 M., brochene Vortrag entfesselte am Schlusse einen wahren Beifalls einiger Kollegen des Verbandes gelegentlich der legten, bei die Ausgabe 112,15 M., mithin der Bestand 50,27 M. betrug. fturm. Die dem Vortrage fich anschließende Diskussion nahm Feuerstein abgehaltenen öffentlichen Versammlung scharf kritisirt Dann wurden die Kollenen Valerius, G. Lange und bei einen ungemein lebhaften Verlauf, da von der Aufforderung des worden, theilte Kollege Hamann noch mit, daß von Hausdienern Sten del zu Revisoren gewählt. Hierauf erstattete der Delegirte Bersammlungsleiters, daß sich vornehmlich Gegner des Vortrags bei der Streif- Kontrollkommission beantragt wurde, den Verein der Streit- Kontrollkommission Bericht, forderte die Kollegen auf, und Vortragenden zum Worte melden möchten, ausgiebig Ge- Berliner Hausdiener, welcher sein Bureau in der Alten Leipziger die Beschlüsse der Kommission auch zu befolgen und ersuchte um brauch gemacht wurde. Antisemiten, Innungshelden, welche den straße hat, als nicht auf dem Boden der modernen Arbeiter die Wahl eines Stellvertreters, damit die Gewerkschaft immer goldenen Boden des Handwerks noch immer von der Aufhebung bewegung stehend zu betrachten. Nach seinem Dafürhalten sei vertreten sei. Dies führte zu einer lebhaften Grörterung über die der Gewerbefreiheit, der Einführung des Befähigungsnachweises das wohl Ansicht eines Kollegen, er glaube aber nicht, daß die Kontrollmarke wie auch über das Wesen der Streif- Kontrollu. f. w. erhofften,„ Unabhängige" brachten in bunter Folge ihre Streif- Kontrollkommission über einen ganzen Verein den Stab kommission selbst, worauf Kollege Valerius zum Stellvertreter Ansichten zum Ausdruck, fanden jedoch bei der Versammlung den brechen würde, ohne denselben gehört zu haben, denn kein Richter gewählt wurde. Zum Schluß ersuchte der Vorsitzende um zahlheftigsten Widerspruch. Nur wenige Redner nahmen für den fälle ein derartiges Urtheil. Referenten Partei, welcher seine Selbstvertheidigung im Schlußworte in fernhafter Weise besorgte. Es gelangte hierauf gegen vereinzelte Stimmen folgende Resolution zur Annahme: Die heute im Feenpalast tagende Handwerker- Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Reichstags- Abgeordneten Bebel voll und ganz einverstanden, daß a) die Innungsbestrebungen den Verfall des Kleingewerbes nicht aufhalten können und deshalb zu verwerfen sind, b) der Kapitalismus dem Handwerke immer mehr den Boden entzieht und das Beste an sich reißt, c) nur eine Aenderung der Produktionsweise und Konfumtionsweise die barbende Menschheit aus den Fesseln des Kapitalismus erlösen kann." reichen Besuch der am 29. Februar wieder stattfindenden öffentlichen Versammlung, da in derselben die neue Agitationskommiffion gewählt werden soll. " 1 In einer Versammlung des Ostbezirks der Arbeiter Bildungsschule sprach neulich Dr. Cantorowicz über: Die Abstammung des Menschen. In der richtigen Erkenntniß, daß Verstand und Wissenschaft die höchsten Kräfte des Menschen Wolfsbildungs- Vereins für Briz und Umgegend" Ju Brit fand kürzlich eine öffentliche Versammlung des sind, haben so führte der Redner aus die Arbeiter der Wissenschaft eine Heimstätte in ihrer Mitte errichtet und sind so lesung gelangte. Auf Antrag des Genossen Möß wurde von statt, in welcher die Broschüre Jesus von Nazareth" zur Bor im Stande, in dem großen Kanipfe um ihre Emanzipation zu einer Diskussion über das heitle Thema Abstand genommen. geschlechts ermittelte, geht mit dem Sozialismus Hand in Hand, Wähler find in Briß zur Gemeindewahl?" Meinz| beantwortete fiegen. Der Darwinismus, welcher die Herkunft des Menschen unter Vereinsangelegenheiten lief die Frage ein: Wie viele was die Kathederweisheit der Bourgeoisie natürlich bestreitet, da sie sich sonst den Boden ihrer eigenen Existenz untergraben diefelbe dahingehend, daß in der für uns in Betracht kommenter würde. Sie hält den Kampf des vierten Standes für einen fammlung wird bei Gebr. Walter( Rosenfee- Terrasse) stattfinden. dritten Klasse 497 Wähler vorhanden seien. Die nächste Berunnatürlichen, weil im Kampf ums Dasein stets der Stärkere den Schwächeren besiegt. Aufsehen erregte die Anwesenheit des Herrn Ortsvorstehers Die freie Vereinigung der Bauarbeiter Berlins nahm in geistiger Hinsicht ist hier der Unterdrücker der Stärkeren, den beiden beaufsichtigenden Beamten Plaz genommen hatte. Aber weder in physischer noch Wagner, welcher in Begleitung eines früheren Gensdarmen neben in ihrer öffentlichen Versammlung einen Vortrag des Reichstags- sondern einzig und allein infolge eines äußeren Machtmittels, Früher war er nie gekommen. Abgeordneten C. Schulze( Königsberg) über das Thema:„ Die des Besitzes. Letzteren hat er aber nicht aus eigener Kraft er Stellung der Arbeiter gegenüber der sozialen Gesetzgebung" mit worben, sondern stets mit durch die Arbeit Anderer, und durch großem Beifall entgegen. In Der Diskussion sprach das so gewonnene Kapital macht er sich wieder die physischen Versammlung für Frauen und Männer statt, in welcher Genoffe In Wilhelmsberg fand am 13. Februar eine öffentliche Kollege Maras as im Sinne des Referenten und empfahl dann und geistigen Eigenschaften Anderer zu Nuße. Der Redner zeigt h. Metzner aus Berlin in längeren Ausführungen die Ziele den Anschluß an den Zentralverband. Kollege W. Gaßmann, dann, wie der Mensch nur ein Glied in der ungeheueren Kette der Sozialdemokratie darlegte. Er erntete für sein Referat reichen welcher gleichfalls im Sinne der Referenten sprach, konnte dem der Lebewesen ist, daß er trotz allen Sträubens in den Thieren Beifall. Die Versammlung erklärte sich in einer Resolution mit Borredner hinsichtlich der Organisation nicht zustimmen, sondern feine Verwandten anerkennen muß und stolz darauf sein kann, dem Gehörten einverstanden und sprach darin weiter aus, daß empfahl, man folle fich vor allen Dingen überhaupt organisiren, durch eigene Kraft vom Thiere bis zum Menschen fich entwickelt fie gründliche Besserung der Verhältnisse nur in der Sozialifirung in welcher Form wäre ganz gleichgiltig. Der Referent ermahnte zu haben. Die wissenschaftliche Erkenntniß sei die Krone, der der Gesellschaft und in der Verwirklichung des Erfurter Programms in seinem Schlußworte zur Einigkeit und hob besonders hervor, Gipfel des Baumes menschlicher Kultur, und jener Baum werde erblicken könne. daß an einem Orte, wo zwei Organisationen beständen, dieselben höher und höher wachsen, seine Aeste werden sich weit in die APP durch gegenseitiges Entgegenkommen sich sehr wohl einigen können.| Länder erstrecken, doch auch in seinem Schatten dürfe der Mensch Verlag des des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt Berlin SW., Beuth- Strasse No. 2. Wir empfehlen zur Anschaffung folgende Nenere Erscheinungen der sozialistischen Broschüren- Literatur: Breitum, Paul. Das unter| Vitalis, P. Das höchste Recht gehende Handwerk und feine Rettung. Eine wirthfchaftliche Studie. 48 Seiten. Preis 30 Pfg. Des Voltes Protest! Ein Lichtstrahl auf das soziale Leben der Gegenwart. 48 Seiten. Preis 25 Pfg. Domela- Nieuwenhuis. Mein Abschied von der Kirche. Zwei Borträge. Deutsch von H. Harders u. E. Groth. 32 Seiten Preis 25 Pfg, Heigl, Ferd. Spaziergänge eines Atheisten. Ein Pfad= weifer zur Erkenntniß der Wahrheit. Polemisches und Akademisches. 5. Auflage. 88 Seiten. des Volkes. Darstellung der ver schiedenen Wahlsysteme nach den Gesichtspunkten der Vernunft, Gerechtigkeit und Freiheit. 63 Seiten. Preis 20 Pfg. Vogtherr, E. Moderne Regergerichte. Ein Schul- und Ideenfainpf der Freireligiösen Gemeinde zu Berlin. 108 Seiten. Wurm, E. Die Naturerkennt Preis 50 Pfg. niß im Lichte des Darmi. nismus. Vier Vorträge. Dritte vermehrte Auflage. 192 Seiten. Preis 60 Pfg. Preis 60 Pfg. Gegen Eugen Richter: Hoffmann, Adolph. Die zehn August, B. Eugen Richter's Gebote und die besigende Klasse. Nach dem gleichnamigen Vortrage des Verfassers. 64 Seiten. Preis 30 Pfg. Pfund, Max. Unsere Zaktif. Ein ehrliches Wort zur Klärung. 47 Geiten. Preis 20 Pfg. Verlag des Vorwärts" Berliner Volksblatt Berlin SW., Beuth- Strasse No. 2. 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