Nr. 217. Abonnements- Bedingungen: H Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 Mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illuftrierter Sonntagss Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft Abonnement: 1,10 Mart prc Monat, Eingetragen in der Poft BeitungsPreisliste für 1901 unter Br. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. = Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 18. Jahrg. Die Insertions- Gebüge beträgt für die fechsgespaltene Rotonets. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 20 fg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fefttagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: * Socialdemokrat Berlin Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508. Die Dienstag, den 17. September 1901. Expedition: SW. 19, Bentl- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121. Haben aber derart die Garnzölle zwar den Spinnerei- wichtige Rolle im deutschen Wirtschaftsleben; beschäftigt befizern zu hohen Profiten verholfen, so haben sie andrer- doch die Baumwollweberei allein, ganz abgesehen Teil, der vorwiegend für den Export fabriziert, schwer Branchen zur Zeit etwa 180 000 Arbeiter, und sind doch z. B. Von den Industriezöllen greifen nächst den Eisenzöllen geschädigt. Die Zölle trieben die Garnpreise in die Höhe, der im letzten Jahr allein für circa 79,7 Millionen Mark gedie Textilzölle am tiefsten in das deutsche Wirtschaftsleben Weber mußte den von ihm zu verarbeitenden Halbstoff weit färbte und bedruckte dichte baumwollene Gewebe, für ein, und zwar vor allem die Baumwollgarnzölle. Die höher bezahlen als sein auswärtiger Konkurrent, und sah sich 9 Millionen Mark gebleichte und appretierte dichte Gewebe; Frage, wie ihr Verhältnis zu den Gewebezöllen zu deshalb bald hier, bald dort auf dem Auslandsmarkt unter des weiteren für 71 Mill. Mark baumwollene Strumpfwaren, regeln ist, bildet seit über zwanzig Jahren, seit der boten. Schon recht bald nach dem Zolljahr 1879 trat diese für 45 Millionen Mark Spigen und Stickereien, für 22 Millionen Inauguration der Bismarckschen Schutzzollära ein stetiges Rückwirkung ein. Während in dem Jahrfünft vor 1879 die Bosamentier- und Knopfmacherwaren ausgeführt worden. Streitobjekt zwischen den Baumwollspinnern und den Ausfuhr von Baumwollwebwaren sich um 47 Prozent Statt der Baumwollweberei durch Verbilligung der Garne Fabrikanten fertiger Gewebe. Durch ihre Macht im„ Central- erhöht hatte, betrug in dem folgenden Jahrfünft die Zunahme eine Reduktion ihrer Produktionskosten zu ermöglichen und berband deutscher Industrieller", in dem sie seit seinem Ent- nur ca. 25 Prozent. dadurch ihre Exportfähigkeit zu heben, verfolgt auch auf diesem stehen neben den rheinisch- westfälischen Eisenindustriellen die Diese Schädigung der Baumwollindustrie, die speciell sich Gebiet die Regierung mit ihrem neuen Zolltarif die Richerste Geige gespielt haben, gelang es 1879 den Spinnern, hohe in der Feinweberei und Wirkerei, der Musselinfabrikation, tung, für die Verteuerung des Halbstoffs Bollerhöhungen Zölle für Garne durchzudrücken, bis zu 48 m. pro 100 Kilogramm Stickerei- und Spigenindustrie geltend machte, veranlaßte die auf das Fertigfabrikat zu offerieren, δας heißt für feine Sorten- angeblich um die englische Konkurrenz vom Regierung, als im Jahre 1891 mit der Schweiz der der Baumwollweberei anheimzustellen, sich für den Ausfall beim deutschen Markt fernzuhalten und den deutschen Spinnern heute noch bestehende Handelsvertrag abgeschlossen wurde, Export durch desto höhere Preisstellungen auf dem InlandsZeit zu geben, ihre Betriebe den englischen ebenbürtig aus- der Forderung der Schweizer Unterhändler auf Ermäßigung markt zu entschädigen, mit andern Worten: von dem einzugestalten. Von dieser damals als Zweck proklamierten bestimmter Garnforten bereitwillig entgegenzukommen. heimischen deutschen Konsumenten eine Extraprämie einzuStärkung der deutschen Spinnereien zum Wettkampf mit Der Zoll für die eindrähtigen Garne über Nr. 60 fordern zur Ausgleichung der durch die künstlich hochEngland hat sich jedoch bitterwenig verwirklicht; vielmehr englisch, der bisher 30 und 36 M. pro Doppelcentner betragen gehaltenen Garnpreise bedingten Exportverluste. So sind find die damaligen enormen Zollerhöhungen ein Mittel ge- hatte, wurde auf 24 M. reduziert. beispielsweise die Zölle für abgepaßt gearbeitete worden, die technische Entwicklung der deutschen Betriebe Allgemein wurde deshalb diesmal eine wesentliche Herab- baumwollene Unterkleider, Strümpfe 2c. bon 120 auf zurückzuhalten. Zwar hat die Zahl der Spinnereien nicht jetzung der Garnzölle als etwas ganz Selbstverständliches 140 M. pro Doppelcentner erhöht, für gebleichte, geunbeträchtlich zugenommen, die Einfuhr ist im Verhältnis zur erivartet, um so mehr, als seit 1879 der Rohstoff, die Baumwolle, färbte, bedruckte Tülle von 200 auf 250 M., für Stickereien Ausfuhr gesunken, und vor allem haben die Spinnereibefizer, recht sehr im Preise zurückgegangen ist, und in den letzten von 350 M. auf 400-450 M., für Posamentierwaren von da sie auf dem zollgeschützten inneren Markt hohe Preise stellen Jahren durchschnittlich um beinahe die Hälfte niedriger notiert 120 auf 160 m., besonders aber sind gewöhnliche dichte fonnten, recht ansehnliche Profite erzielt; aber eine der hat, als im glorreichen Jahre des Beginnes der Bismarckschen Baumwollgewebe mit Zollerhöhungen bedacht, zum Teil mit englischen entsprechende fortgesette tech Wirtschaftspolitik. Aber schon im Herbst vorigen Jahres Steigerungen von über 50 Prozent. nische Entwicklung der Branche ist nicht zeigte sich die bayrische Haßlergruppe eifrig ant der So weist also auch dieser den Abschnitt 5 C umfassende Teil erfolgt. Noch immer beschränken sich die deutschen Arbeit, eine Reduktion der Garnzölle abzuwehren, des Zolltarif- Entwurfs allerlei überraschende Zollerhöhungen Spinner fast ausschließlich auf die Herstellung der groben unterstützt bon ihren elsaß lothringischen Kollegen, auf und kennzeichnet die Tendenz seiner Macher, allen Anund mittleren Garnforten; die feineren muß Deutschland die an den Wirtschaftlichen Ausschuß sogar die halbverrückte sprüchen der Interessentengruppen, die irgend welche Macht nach wie vor von England beziehen. In den letzten vier Forderung richteten, den Zoll für Nr. 60/79 auf 40 Mart hinter sich haben, bereitwilligst entgegenzukommen, sei es auch Jahren stellte sich die Ein- und Ausfuhr folgendermaßen: und für Nr. 79/100 auf 50 Mark zu erhöhen. Und thatsäch- auf Kosten der breiten Masse der kleineren und mittleren Einfuhr Ausfuhr lich ist es denn auch dem Bemühen dieser Interessenten Konsumenten, fei es selbst zum direkten Schaden gewisser 1897 59,3 Mill. Mart gruppen gelungen, allen ernsthaften Ermäßigungen vorzubeugen, Industriezweige, zur Hemmung ihres Fortschritts. wie nachstehende Tabelle beweist. Baumwollzölle im Zolltarif- Entwurf. seits die deutsche Baumwollweberei, vor allem jenen von den mit ihr zusammenhängenden und von ihr abhängigen 21,0 Mill. Mark 1898 53,9 19,7 " " " " 1899 55,6 22,9 " " " " 1900 62,9 29,1 " " Hauptlieferanten Deutschlands find Großbritannien und die Schweiz; sie führten im letzten Jahr in das deutsche Zollgebiet ein: Sorten: Jusgejanit. Davon tam auf folgende wichtigste Gindrähtiges Garn, roh über Nr. 17 bis 45 Nr. 45 60 " " Nr. 60 79 " " Nr. 79 " 8 weidrähtiges Garu, roh über Nr. 17 bis 45 " Nr. 45 60 " Nr. 60 79 " " Nr. 79 " • Vertragszoll BisZolljay im neuen heriger Tarif Zollfazz pro 100 kilogramm M. M. M. 90686 Großbritannien Mill. M. Schweiz 52,8 Mill. M. 9,2 438 eindrähtig, roh: bis Nr. 17 englisch. 12 über Nr. 17 bis Nr. 30 englisch über Nr. 30 bis Nr. 45 englisch über Nr. 45 bis Nr. 60 englisch 15 18 18 18 24 24 5,5 1,7 über Nr. 60 bis Nr. 79 englisch über Nr. 79 englisch 30 30 36 36 2,5 1,4 3,1 1,3 439 eindrähtig, gebleicht, gefärbt, bedruckt. 5,3 4,2 8,0 0,04 7,4 0,06 6,5 440 zweidrähtig, einmal gezwirnt: roh... 10,5 0,06 114 gebleicht, gefärbt, bedruckt Dieses Zurückbleiben der deutschen Spinnerei hinter der englischen Konkurrenz ist um so sonderbarer, als England das Rohmaterial größtenteils ebenso wie Deutschland von den Vereinigten Staaten erhält und der Frachtunterschied nicht mitspricht, die Rohbaumwolle sich also auf dem deutschen Markt faum teurer teurer stellt, als auf dem englischen, 441 drei oder mehrdrähtig, einmal während die Löhne in England ganz be trächtlich höher stehen, und die Arbeitszeit fürzer ist. Zoll des eindräht. roh.Garns +10+12 Zoll des eindräht. roh.Garns +3+8 Zoll des eindräht. roh.Garns +13+12 gezwirnt: roh 40 48 gebleicht, gefärbt, bedruckt zweis oder mehrdrähtig, wiederholt gezwirnt: 50 48 roh 50 60 gebleicht, gefärbt, bedruckt Anmerkung zu Nr. 438 bis 442. Zugerichtete( appretierte) und gedämpfte Gespinnste unterliegen der Verzollung als rohe. Baumwollenzwirn aller Art in Aufmachungen für den Einzelverkauf 40 60 70 49 720 70 22 24 24 80 96 Politische Mebericht. Berlin, den 16. September. ,, Billiger Ausgleich." Ch Handelsminister Möller, nachdem er jüngst in monarchistischen Byzantismen erstaunliches vollbracht, hat jezt in Duisburg vor seinen nationalliberal- großindustriellen Wählern sich ausführlich über den 8olltarif ausgesprochen. Herr Möller sprach zunächst von der Not der Landwirtschaft, deren Forderungen man entgegen tommen müsse; aber nicht ihren extremsten Forderungen", vielmehr misse ein billiger Ausgleich" zwischen Industrie, Handel und Landwirtschaft gesucht werden; ein goldener Mittelweg". Unmöglich sei es heut ziffernmäßig festzulegen, welches dieser billige Ausgleich sein werde, aber er hoffe, daß er erreicht werde. Die Rücksicht auf das Ausland hindere nicht die Aufstellung eines Tarifs, der zunächst den deutschen Interessen entspreche; in dieser Hinsicht sagte Herr Möller: " Warum sollen wir nicht als Grundlage für die Verhandlung über Handelsverträge einen Bolltarif aufstellen, der den Interessen der Mehrheit des Voltes entspricht? Ein solcher Tarif und das ist der jetzt aufgestellte Tarif ist ja nicht der Tarif, der demnächst gelten soll, sondern es ist nur der Tarif, der gelten soll, wenn wir mit den andern Ländern zu keinem Handelsvertrag gelangen." Handelsverträge aber, fuhr der Minister fort, müssen wir haben, dieser Auffassung sei die gesamte Regierung; doch das Ausland müsse auch auf uns Rücksicht nehmen. Her Möller schloß mit der Erwartung, daß der Zolltarif, der jetzt veröffentlicht ist, zu stande kommen werde, und mit der Hoffnung, daß auf dieser Grundlage langfristige Handelsverträge zum Abschluß gebracht werden tönnen. Also Herr Möller. In seinen Ausführungen steckt zunächst ein selt samer Widerspruch bezüglich eines der wichtigsten Momente im Kampf um den Bolltarif. Herr Möller hofft auf die Durchführung des von der Reichsregierung veröffentlichten Tarifentwurfs, erklärt aber andrerseits, daß dieser Tarif nicht derjenige ist, der demnächst gelten solle, sondern der uur gelten solle, falls feine Handelsverträge zu stande kommen. Indem der Entwurf Mindest zölle für die Getreide- Arten vorsieht, soll jedoch thatsächlich eine Minderung dieser wichtigsten Positionen des Tarifs ausgeschlossen bleiben, also insofern soll der Tarif, wie er ist, geltend bleiben. Herr Gerade der starke Zoll ist es, der zur Erhaltung der Rück 442 ständigkeit der deutschen Spinnerei beigetragen hat, indem er für die Spinner den Zwang beseitigte oder wenigstens abschwächte, sich die englischen Fortschritte stetig anzueignen, d. h. auf die Einführung der Verbesserungen der englischen Maschinerie in ihre Betriebe unausgesezt bedacht zu sein.„ Die deutschen Spinner haben sich unter dem seit 1879 bestehenden hohen Schuhzoll in keiner Weise derart vervollkommnet, wie es hätte geschehen können, und haben nicht versucht, den Ansprüchen sowohl der in 443 ländischen Webewarenindustrie wie etwa fremdländischen Käufern fich anzupassen. Die Spinner haben an der bisherigen Fabrikation festgehalten, sich aber nicht wesentlich weiter entwidelt." So Wie der Vergleich lehrt, sind die bisherigen Bollfäße im Möller hat sich offenbar absichtlich zweideutig ausgesprochen, heißt es in einer Denkschrift der Baumwollweber, und that allgemeinen unverändert geblieben; nur für gröberes Garn un fich eine endgültige Stellungnahme zu den agrarischen Minimalsächlich kennzeichnet diese Auslassung treffend die Lage. Ge- Nr. 17-30 englisch ist der Zoll um 3 M. pro Doppel- Centner zöllen noch vorzubehalten. Oder hat der Minister fein centralschützt durch die hohen Zölle, die ihnen auf dem einheimischen herabgesetzt worden, und ferner beträgt die Differenz zwischen verbändlerisches Publikum, das die Mindestzölle verwirft, nicht durch Markt Absatz und gute Preise garantierten, sagten sich rohem und gebleichtem resp. gefärbtem eindrähtigen Garn rundes Bekenntnis für diese agrarische Forderung kränken wollen? die Spinnereibefizer: Weshalb sollen wir immer nicht wie bisher 12 m., sondern nur 10 M. Für die Baum- Wird Herr Möller vor landwirtschaftlichem Publikum einen Ton wieder Geld in neue Maschinen und technische technische Ver- wollweberei die Ermäßigung auf wiederholt gezwirnte höher ins agrarische anschlagen? besserungen stecken, wenn es mit den alten noch mehrdrähtige Garne kommt nicht in BetrachtIm übrigen entspricht die Auffassung des Handelsministers soll sich also recht gut geht. Die englischen Fortschritte blieben mehr nichts ändern, sie soll unter denselben ungünstigen gänzlich den Vorschriften des Centralverbandes deutscher Industrieller. oder weniger unbeachtet, und statt dessen versuchte man die Bedingungen weiter arbeiten, die schon bislang ihre Man bekennt sich zu Handelsverträgen, aber man stellt einen Tarif Löhne niedrig zu halten und, wo es ging, die männlichen Konkurrenzfähigkeit gegenüber der englischen und der auf, der den Keim schwerster Zollfriege in sich trägt und der, Arbeiter durch billigere, aber auch minder leistungsfähige weib- durch Zoll- Rückvergütungen begünstigten italienischen Baum- falls wirklich Verträge mit dem Ausland zu stande kommen, liche Arbeitskräfte zu erseßen. In 1895 finden wir woll- Industrie geschwächt haben einzig damit den mit einige bevorrechtete Industrien und das Juntertum bereichern, dafür bereits in der Baumwollspinnerei 34386 den Eiſenindustriellen verbündeten großen Spinnerei die gesamte übrige Bevölkerung ruinieren. Der billige Ausgleich" männliche und 40421 weibliche Personen be- befizern die gewohnten hohen Profite erhalten bleiben und des Handelsministers ist der Ausgleich zwischen dem Interesse der ein Ausgleich, der schäftigt, und heute ist das Verhältnis noch weit mehr zu fie ihre bisherige Betriebsweise fortsegen fönnen. Und doch beiden großen Ausbeutergruppen, spielt Gunsten der weiblichen Arbeiter verschoben. die Ausfuhr der eine Baumwollweberet ge- larbeitenden Volk teuer zu stehen tommen muß! dem Deutsches Ite!ch. Kauf, Pacht, oder...? Die Frage, auf welche Weise die Instrumente der Pekinger Sternwarte in deutschen Besitz gekommen, bleibt noch immer eine offene. Die»Kölnische Volks-Zeitung' hält die Versicherung jener Korrespondenz, der das»Berliner Tageblatt" gutgläubig volle» Vertrauen geschenkt, daß die Justrumeute käuflich erivorben ivorden seien, keineswegs für glaubivllrdig genug, uin ans eine amtliche Erklärung über die Affaire verzichten zu können. Die„V o s s i s ch e Zeitung" hatte jedenfalls dasselbe Gefühl, da sie, wie sie mitteilt, den Versuch gemacht hat. an amtlicher Stelle Auskunft zu erlangen, freilich mit durchaus negativem Erfolge. DaS über diese unhöfliche Verschlossenheit indignierte Blatt ist nunmehr der Ansicht, dah sich zweifellos der Reichstag eingehend mit der Angelegenheit werde beschäftigen müssen. Die„Mark. V o l k s st i m m e" des Kaplan Dasbach behauptet endlich direkt mit aller Bestimmtheit, dast die astronomischen Instrumente nicht käuflich erivorben seien. Eine iveitere Erörterung der Angelegenheit umgeht das Blatt mit der befremdenden Bemerkung. datz die Sache dadurch, datz die Instrumente in dem Privatbesitztum des deutschen Kaisers, dem Park Sanssouci, untergebracht worden seien, zu einer„Privatangelegenheit des Kaisers" geworden sei. Wenn die Instrumente, wie das CentrumSblatt behauptet, nicht gekauft, sondern„bei der Erstürmung der Stadtmauer in Besitz ge- n o m m e n(I)" worden sind, können sie. da eine solche Ju-Besitz- nähme rechtlich unzulässig ist, auch nicht in den Privatbesitz des Kaisers übergegangen sein, so datz die Affaire auch keine Privatangelegenheit des Kaisers geworden sein kann. *»* Die Instrumente der Pekinger Sternwarte und das Militär-Ttrafgefetzbuch. Man schreibt uns: Angesichts der noch immer dunklen Herkunft der Instrumente der Pekinger Sternwarte erlauben wir uns folgende Paragraphen des deutschen Militär- Strafgesetzbuchs in Erinnerung zu bringen: „§ 129. Der Plünderung macht sich schuldig, wer im Felde unter Benutzung des Kriegsschreckens oder unter Mihbrauch seiner militärischen U e b e r l e g e n h e i t 1. in der Abficht rechtswidriger Zueignung eine Sache der Landeseinwohner offen wegnimmt oder denselben abnötigt, 2. unbefugt Kriegsschatzungen oder Zwangslieferungen erhebt oder das Maß der von ihm vorzunehmenden Nequisitioncu überschreitet, wenn dies des eignen Vorteils wegen geschieht. Z 130. Als eine Plünderung ist es nicht anzusehen, wenn die Aneignung nur auf Lebensmittel, Heilmittel, Be° kleidungsgegen stände, Feuerungsmittel, Fourage oder Transportniittel sich erstreckt und nicht außer Berhälmis zu dem vorhandenen Bedürfnis steht. § 131. Die Plünderung wird mit GefätiguiS bis zu fünf Jahren und mit Versetzung in die zweite Klaffe des Soldaten- standeS bestraft."—_ Finanzkalamität und LandtagSwahl in Sachsen. Man schreibt uns aus Sachsen: Obwohl das Dreiklasien-Wahlrecht den WahlrechtS-Vernichtern Aussichten auf einen reinen Kartell-Landtag eröffnet, in dem das gute Einvernehmen zwischen Nationalliberalen und Konservativen nicht durch dieKritik socialdemokratischer Abgeordneten gestört wird, harrt ihrer in der nächsten Landtagssession doch eine verzweifelte Situation. D e m sä ch s i- scheu Volke droht eine doppelte Steuererhöhung, das bringt selbst die hartgesottensten Volksbedrücker in Ver- legenheit. Die Reichsrcgierung will das Loch in den Reichs- f i n a n z e n, das der nächste Etat aufiveisen wird, mit neuen indirekten Steuern(Nahrnngsmittelzöllen zc.) zufüllen— und das Deficit im sächsischen Staatshaushalt, das rund 33 Millionen Mark beträgt, soll durch eine„Steuerreform", das heißt durch eine Erhöhung der direkten Stenern behoben werden. Es sei hier nur kurz bemerkt, daß die Deficitmacherei seit circa 10 Jahren im sächsischen Etat förmlich gepflegt wurde. die gegenwärtige Finanzkalamität also jeder kommen sehen mußte. In jeder Landtagssession stiegen die Summen der Aus- gabeposten, die aus dem ordentlichen in den außerordentlichen Etat geschoben wurden, um so künstlich eine Bilanzierung des Etats zu erzielen. Zu diesen Praktiken griff die Regierung, weil gegen den Widerstand der kartellpartcilichen Land- tags-Majorität keine gründliche Steuerreform, nicht einmal eine vernünftige, ertragSrcichere Revision den Einkommensteuer in Angriff zu nehmen war. Erst als dem Finanzminister die Wasser bis an den Hals gingen, wagte er sich an neue Steuer- Projekte, wurde aber noch im letzten Landtag damit abgewiesen, denn die konservative Majorität will nichts von einer Belastung der Besitzenden mit einer Vermögenssteuer wissen. Die bankrottierliche Deficitmacherei ward also weiter betrieben, der letzte außerordentliche Etat ist ein sprechendes Zeugnis hierfür. Was ist nun zu thun?— Um nur einigermaßen der Kalamität zu steuern, sollen SO Proz. Zuschlag zur Staatseinkommensteuer erhoben werden. Ein hübscher Steuersegen, der jedoch das Deficit nicht zur Hälfte deckt, denn er bringt höchsten« 13 Millionen Mark ein. Dämpft schon die Verkündigung dieser Steuerlast die kartell- parteiliche Agitation bei den Landtagswahlen, so wirkt die Unsicher- heit über schwebende Steuerprojekte nicht minder niederdrückend auf sie. Neue Steuern sind aber ein gutes Agitationsmittel in der Hand der Socialdemokratie, deren Vertreter früher im Landtage ft eine rationellere Finanzwirtschaft gefordert haben und den Krach voraussagten. So eingehend ist denn auch unsrerseits die ginanzwirtschaft Sachsens noch nie dem Volke dargelegt worden, wie bei diesen Landtagswahlen. Und unsre Gegner müssen all' dies ruhig hinnehmen, weil die Thatsachen zu laut gegen sie sprechen. Außerdem bangt ihnen schon vor den Schwierigkeiten, die der nächste Etat der Regierung und dem Landtage bieten wird. Fordert das Reich neue Steueni, so bedrängen diese die speciellen Steuerpläne der sächsischen Regierung. Nene indirekte Reichssteuern schwächen die Steuerkrast des Volkes, mögen sie es als Nahrungs- mittelzölle ec. oder als höhere Matrikularbeiträge belasten. Im letzteren Falle würden sie das Deficit im Staatshaushalte noch er- höhen, deshalb tritt die Regierung für den Zolltarif ein. Zieht man noch in Betracht, daß die wirtschaftliche Krise die Steuerkraft des Volkes und auch die Einnahmen des Staates schwächt, dann muß mau zu dem Schluß kommen, daß es keine ungünstigere Zeit für neue Steuerpläne in Sachen geben kann, als die gegenwärtige. Das mag sowohl der Re- gierung, wie ihrem' konservativen Troß den Kopf schon vor Beginn der Landtagssession warm machen. Ein Glück, denken sie, daß dann wahrscheinlich keine Socialdemokraten mehr im Landtag sitzen werden. Aber sie sollen ja nicht glauben, sie könnten dann dort das Volk ungestört rupfen. Unsre Landtagswahl-Agitation mag ihnen einen Vorgeschmack davon geben, wie wir die Finanzlage Sachsens dauernd zum Gegenstand wirksamer Erörterung im Lande machen werden. Wenn erst die neuen Steuerpläne vorliegen, werden wir noch andre Saiten aufziehen. Bei der LandtagSwahl mögen vorerst die Wähler, speciell der dritten Klasse, dafür Sorge tragen. daß kein Zweifel über ihre ent- schiedene Abweisung neuer Stenerbllrden in den herrschenden Kreisen aufkommen kann, deren Aufgabe es ist, selbst zu tragen, was sie verschuldet haben.—_ DaS„nichtsnutzige" Proletariat. Gestützt auf die Blüten- lese der„Pommerschen Reichspost" aus M o m m s e n s„Römischer Geschichte" reklamiert die„Kreuz-Ztg." den greisen Gelehrten und Freisiuns-Politiker als„waschechten Agrarier". Habe er in seiner „Römischen Geschichte" doch den Verfall des römischen Staate« auf den Ruin der Landwirtschaft zurückgeführt und die letztere als den Grundpfeiler des Staates gepriesen. „In demselben Maße verächtlich spricht er von dem nichts- nutzigen hauptstädtischen Proletariat, an dessen unersättlichen Anforderungen doch schließsich alles zu Grunde gegangen sei und zu Grunde gehen mußte, weil die um die Gunst dieser Massen buhlenden Regierungen nicht« Besseres zu thun wußten, al»i hr Brot zu Spottpreisen zu liefern, daS zum Schaden des italienischen Laudmannes aus Afrika eingeführt wurde, zu einem Schaden, der schließlich so groß wurde, da er zum Untergange ätalien» und des Reiche» führte. Die Analogie mit der egenwart ist erschreckend; dieselben Ursachen drängen dazu, die gleichen Wirkungen hervorzubringen, und wenn nicht endlich Einhalt geschieht, müssen wir auch unser Schicksal besiegelt sehen." Die Analogie mit der Gegenwart ist zwar in nicht mehr al» allen Punkten unziitreffeiid, immerhin aber ist es bezeichnend für die konservative junkerliche Auffassung, daß die„Kreuz-Ztg." das faulenzende römische Lumpenproletariat mit dem niodernen, alle Werte schaffenden Proletariat in Parallele zu stellen wagt.— Mord-Spekulaiiten. Die spekulative Ausbeutung des Leichnams Mc Kinleys wird von der deutschen Wucherpresse mit liebe- vollem Eifer fortgesetzt. Heute beweisen die„Berliner Neuesten Nachrichten" in einer dem Geschäftsgebahren der Terlinden, Sauden und Schostag genau nachgeahmten Weise auf die folgende Art den Zusammenhang zwischen der Socialdemokratie und den Anarchisten der That: „Bei uns verwahrt sich die Socialdemokratie höchlichst gegen jeden Zusammenhang mit dem Anarchismus. Aber wenn der „Vorwärts" zur Verherrlichung der Pariser Kommune auf blut- rotem Papier eine FestauSgabe veranstaltet mit Abbildungen, wo trunkene Revolutionsbanden mit den auf Stangen gesteckten ab- geschlagenen Köpfen der Bourgeois durch die Straßen ziehen, ist das weniger aufreizend?" Die„Berliner Neuesten Nachrichten" versuchen mit dieser Be- Häuptling einen Schlvindel, der selbst in unsrer Zeit der großen Gauner noch überraschend wirkt. Die erwähnte Illustration stellte nämlich nicht dar, wie trunkene Revolutionsbandcn mit abgeschlagenen Bourgcoisköpfen durch die Straßen zogen, sondern zeigte uns im Gegenteil die Bourgeois, wie sie mit ihren Feinden aus dem Adel und dem Klerus verfuhren. Die Zeitung trug denn auch die lleberschrist:„Wie das französische Bürgertum 1792 in Paris seine Kommune errichtete", und das Bild war das Gegenstück zu einer zweiten Darstellung, die zeigte:„Wie das französische Bürgertum 1871 die Kommune des Proletariats niederkartätschte". Trauen die„Berl. Neuesten Nachr." unsren derzeitigen Regierungs- inhabern wirklich zu, daß sie derlei plumpe Fälschungen für kredit- würdig halten könnten?DieSocialdemokratiedarfgarnicht beanspruchen, für irgend eine Politik der Rache und des Schreckens verantwortlich gemacht zu werden, die vielmehr Blut vom Blute des viel ge- feierten Huunentums der herrschenden Klassen ist, das in dem legitimen Mord der menschlichen Güter und Tugenden höchste preist. Die Socialdemokratie wird ja bekanntlich wegen ihrer„Humanitäts- duselei" von allen kapitalistisch-bürgerlichen Anwälten der organisierten und principiellen Prapagandisten der That geschmäht. Der Schwindel der Scharfmacher zieht wirklich nicht mehr: das Zollwuchergeschäst wird durch derlei Manöver nicht, wie man hofft, gefördert, sondern nur noch mehr kompromittiert. Ein sonderbarer Heiliger des hochfeudalen und hochchriftlichen „Deutschen Adelsblattes" geht in seinem anarchistischen Hirn in der Erklärung des Mordes aufs ganze. Nichts anderes trägt die Schuld als die verfluchte moderne Bildung und die Professoren, die ja bis- weilen sogar gegen Getreidezölle schreiben. Die mit„naturalisti- schem BildungSstoff überfüllten Gehirne" machen sich in solchen Mord- thaten Luft: „Nun ist cS aber für den Augenblick unmöglich, diese natu- r a I i st i s ch e n B i l d u n g s q u e l l e n überall zu verstopfen, deshalb greife man die sichtbar werdenden Resultate um so fester an, und gebe man sich um alles in der Welt nicht länger Mühe, das psychologische Rätsel, daS Seelenleben dieser Herren Mörder lösen zu wollen, damit pfuscht man dem lieben Gott ins Handwerk, deffen alleinige Sache es ist, alles zu verstehen und alles zu verzeihen. Gott möge ihnen> gnädig sein, wir können und dürfen es nicht; unsre Pflicht ist, solchen Sündern daS Weitersündigen absolut unmöglich zu machen, und denen, die es werden wollen, eine Abkühlung zu geben, die ihren Zweck erreicht." Nachdem so die blindeste und roheste Propaganda der That der Staatsgewalt zur Pflicht gemacht— Gottes ist das Verstehen und Verzeihen, des Menschen voruehmster Beruf ist das Henken—, fordert unser Adelsmensch denn doch wieder die Verstopfung der Quelle, nämlich die Ausrottung der modernen Bildung und Wissenschaft: „Es ist aber auch Zeit, unsre naturalistische Bildung zu revidieren, die keine Autorität kennt, außer die ihrer P rofessoren, die keinen Gott und keinen Süuderheiland kennen will, sondern ihre Bildung allein für das Rezept zur Glückseligkeit ansteht. Aber an ihren Früchten können wir sie erkennen: Soeben fiel wieder eine und zwar eine völlig ausgereiste Frucht vom Baume der naturalistifchen Bildung!" Man mag also zur Abschreibung vorläufig wenigstens die Berliner philosophische und medizinische Fakultät dem Gumbinncr Militärgericht überliefern, mit der einen Ausnahme des soeben zum Professor beförderten Gelehrten der Zuchthaus-, Flotten- und Welt- Politik, des Herrn Adolf v. Wenckstern. Denn dieser reine Priester der Wisienschafts-Unikehr kann nicht, beschuldigt werden, daß er moderner Bildung lästerlich stöhne I Noch deutlicher äußert sich über den Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Mord der klerikale„Bauer", das von dem Ccntrums- abgeordneten Söldner redigierte Organ der christlichen Bauernvereinc für Schwaben, Mittelfranken und das nördliche Oberbahern: „Solche Burschen, welche lehren, daß es keinen Gott giebt, daß der Mensch vom Affen abstammt, sollte man um einen Kopf kürzer machen, mögen es nun Uuiversitätsprofcssoren oder andre Schulmeister sein. Aber anstatt solche Menschen unschädlich zu machen, giebt man ihnen noch hohe Gehalte. Die Fürsten bezahlen so ihre Mörder und züchten selbst Königsmörder.... Diese Anarchisten sind verwegene Freimaurer. Alle Freimaurer sind aber Liberale. Alle diese Anarchisten und Königsmörder waren Liberale. Die An- archisten sind nämlich Liberale erster Klasse, die Soci zweiter Klasse und die„Abendzeitungs"- und „Neueste Nachrichten"- Leser bloß Liberale dritter Klasse. Diese Anarchisten. Mörderbuden sind wohlgeratene Söhne der Liberalen, hängen am Rockschoß der Liberalen, haben ausgeführt liberale Lehren und gehandelt nach den Grundsätzen der Liberalen. Der Liberalismus macht heute einen Hofschrauz und ist morgen ein Köngismörder— je nach Bedarf." Also fort mit allem, was— Kopf hat 1 So will es die fromme Propaganda der That der evangelischen wie der katholischen Pfäfferei.— Krupp und die Krise. Kiel, 15. September. Trotzdem in- folge jder Weltmachtspolitik des neuesten Kurses für den deutschen Schiffsbau eine ganz exceptionelle wirtschaftliche Situation inmitten der allgemeinen Krise geschaffen worden ist, haben doch auch die Arbeiter der Werften, besonders die der Kruppschen Germamawerft in Gaarden, unter den Folgen der allgemeinen Depression zu leiden. Herr Krupp resp. seine Vertreter benutzen das kolossale Angebot von Arbeitskrästen, das ihnen seit einiger Zeit zur Verfügung steht, in erster Linie zur Erweiterung ihrer autoritativen Machtstellnug gegenüber ihren Lohnsklaven. Fast kein Tag vergeht, ohne daß die Kruppschen Arbeiter dos Kieler Parteiorgan, die„SchleSw.-Holst. Voksztg.", zu Klagen über Eingriffe in ihre Rechte in Anspruch nehmen müssen. Bald werden neue harte Arbeitsordnungen für bestimmte Arbeiterkategorien, wie in in diesen Tagen für die der Bauverwaltung unterstellten Arbeiter, erlassen, bald die Straf- bestimmungen der alten Ordnungen ungewöhnlich scharf und zahl- reich angewandt. Bereits im Herbst des vorigen JahreS war ver- sucht worden, den Zehnstundenlag, den die Arbeiter nach jähre- langen Kämpfen errungen hatten, zu durchbrechen. Dieser Versuch aber war am passiven Widerstand der Arbeiter gescheitert, die einfach um die gewohnte sechste Stunde, auch wenn das Signal zum Verlassen der Werst noch nicht gegeben war, Feierabend machten. Nun scheint man den Zeitpunkt für günstig zu halten, den Versuch, zunächst in einzelnen Ressorts, zu erneuern. So wurde in der vergangcucu Woche den Arbeitern der Schlosserei befohlen, von nun ab bis 7 Uhr abends zu arbeiten; diejenigen, welche sich weigern, sollen entlassen werden. Dabei stehen morgens Scharen von arbeitslosen Schlossern an der Werftpfort«. Das sonderbarste aber ist, daß trotz dieser Verlängerung der Arbeitszeit fast täglich Dutzende von Schlossern, an einem Morgen sogar fünfzig, entlassen worden sind— wegen Mangels an Arbeit ls Offenbar ist für verschiedene Arbeiter- klaffen nicht genügend Beschäftigung vorhanden weshalb dann aber die Ueberstunden? Die Arbeiter haben allgemein den Eindruck, als ob man sie provozieren will, sei eS, um sie einzeln loszuwerden, ohne den Mangel an Beschäftigung zugeben zu müssen, sei eS. weil eine Gesamtaktion, etwa ein Ausstand, Herrn Krupp auS irgendwelchen Gründen sehr gelegen kommen würde. Hat man doch Beispiele, wo Streiks vom Unternehmer zu seinen Gunsten insceniert worden sind, etwa um in Aussicht stehende Konveutjoual- strafen zu umgehen. Die Arbeiter denken aber nicht daran. Herrn Krupp diesen Gefallen zu thun, und unser Kieler Parteiorgan handelt in ihrem Juteresse, wenn es sie zur Kaltblütigkeit ermahnt.~ Die Oeffentlichkeit der Militärgerichte. Vor dem Kriegs- gericht der 11. Division zu Breslau war am Sonnabend der 46 Jahre alte Hauptmann der 8. Kompagnie de? 11. Jnfanterie-Regiments zu Breslau, Friedrich v. Oertzen, gebürtig zu Anklam, Sohn des Landrats v. Oertzen, Hauptmann seit 1892, an- geklagt. Wegen was der Herr Hauptmann vor dem Kriegsgericht stand, konnte unser Mitarbeiter nicht erfahren, da vor Verlesung der Anklageschrift der Vertreter der Anklage, Kriegsgerichtsrat v. Hillner, Anstag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit stellte. Das Kriegsgericht beschloß während der Dauer der ga n zen Verhandlung dieOeffentlichkeitaus- zuschließen wegen Besorgnis der Gefährdung des militärdienstlichen Interesses. Bei der Urteils- Verkündigung ward die Oeffentlichkeit hergestellt. Das Erkenntnis lautete: Der Angeklagte wird wegen Mißbrauchs seiner Dien st gew alt und schuldhafter Verabsäumung seiner Dienstaufsicht zu vier Wochen Stubenarre st ver- urteilt. Worin das Vergehen des Hauptmanns lag, ward geheim gehalten, denn das Kriegsgericht schloß auch bei der Urteils- begrllndung die Oeffentlichkeit aus wegen Gefährdung dienst- licher Interessen.— Milde Richter. Im Saale des Amtsgerichts zu Löbau (Militärgericht im Manöver) wurde gegen den Hauptmann Max Ludwig Feller von der 7. Compagnie des Schützen-Regiments wegen' Soldaten Mißhandlung verhandelt. Dem An- geklagten wurde der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" zufolge zur Last gelegt, am 26. August dieses Jahres dem Schützen Michail, nachdem er ihn wiederholt wegen schlechter Uebungen gescholten hatte, mehrere Schläge auf den Kopf und einige Stöße versetzt zu haben. Außerdem soll der Haichtmann im Mai oder Juni dieses Jahres auch den Schützen Kohler auf dem Schietzstand geschlagen haben. Hauptmann Feller wurde als schuldig befunden, doch betrachtete da» Gericht den Fall, da die beiden in Frage kommenden Leute»keine guten Soldaten sind" und von den Schlägen auch nach ihrer eignen Aussage nicht viel gefühlt haben und da weiter der Haupttnann„als ein guter Compagnicchef" bekannt ist, als leicht. Der Herr Hauptmann wurde deshalb zu nur sechs Wochen Stubenarrest verurteilt.— Die evangelischen Arbeitervereine Rheinlands und West- falcnS haben sich nunmehr endgültig gespalten. Der Verband dieser Vereine hatte am Sonntag in Volmarstein in Westfalen einen Delegicrtentag, der über die schon auf dem Pfingstkongreß in Speyer hervorgetretenen Differenzen verhandelte. Diejenigen Kreise, welche wegen der durch Pfarrer Naumann heraufbeschworenen Meinungs- Verschiedenheiten sich nicht vom Gesamtverband trennen wollten, setzten eine übrigens nichtssagende Resolution mit 102 gegen 62 Stimmen durch, die Herrn Franken nicht gefiel und diesen mit seinem Anhang veranlaßte, sofort seinen Austritt aus dem rheinisch- westfälischen Verbände zu erklären. Die Ausgetretenen wollen nun einen neuen Verband bilden.— Eine ReichstagS-Ersatzwahl wird, wie uns aus Königsberg fieschrieben wird, in dem ermländischen Wahlkreis Allen- t e i n- R ö s s e l notwendig werden. Der bisherige Vertreter deZ Kreises, Domkapitular Herrmann in Franenburg, soll Weih- bischof von Ermland werden. Vom Papste ist er dazu in Ueber- einstimmung mit der preußischen Regierung in Aussicht ge- nominell. Diese Beförderung macht eine Neuwahl im Kreise notwendig. Der stockkatholische KreiS würde vom Centrnm behauptet werden. Allenstein-Rösiel fft einer der ostpreutzischen Kreise, in denen die Socialdemokratie bisher noch nicht Boden gefaßt hat. Bei der Wahl 1890 wurde Domkapitular Herrmann mit 9322 Stimmen im ersten Wahlgang gegen 5067 polnische und 154 socialdemokratische Stimmen gewählt. Irgend welche social- demokratische Agitation war im Kreise nicht betrieben worden. Jetzt bei der Nachwahl niuß aber der Versuch gemacht werden, social- demokratische Propaganda im Kreise zu betreiben. Der Boden, der zu bearbeiten, ist freilich außerordentlich hart. Die geradezu fanatisch katholische Bevölkerung des Emilandes ist noch um einige Grade rückständiger wie die in anderen oft- preußischen Kreisen. Besonders schwer wird eS deswegen sein, eine größere Stimmenzahl zu gewinnen, weil die Zahl der Landarbeiter eine viel geringere wie in andren Kreisen ist. Das bäuerliche Element herrscht' vor, Rittergüter sind ziemlich selten. Uugnustig für die Agitation ist ferner, datz ein sehr starker Prozentsatz der Bevölke- rung polnisch spricht. Nennenswerte Städte sind außer Allenstciu nicht vorhanden. Aber auch in dieser in den letzten Jahren recht emporgeblühten Stadt ist die Arbeiterschaft bisher ganz im Schlepptau der Pfaffen gewesen, so daß z. B. eine Zahlstelle des Central- Verbandes der Maurer, die ins Leben gerufen werden konnte, fast bis auf den letzten Mann zu den christlichen Arbeitervereinen ab- schwenkte. Unzugänglich wird aber auch diese Bevölkerung den socialdemokratischen Lehren nicht bleiben. Die Probe auf das Exempel mutz das zeigen. OrdnungSpartetlicher Wahlmischmasch. Ans Straß- bürg i. E. ichreibt man uns: Für die am 29. d. M. stattfindenden Ersatzwahlen zum hiesigen G e m e i n d e r a t ist das Kartell der bürgerliche» Parteien nunmehr komplett geworden. Die be- teiligteu' Parteien(Gouvernementale,„Demokraten" und Klerikale) habe» sich auf höchst einfache Weise dahin geeinigt, datz jede von ihnen drei von den neuen Kandidaten ernannt. Zur Vollendung des widernatürlichen Mischmaschs hat sich auch der„Straßburger Arbeiter- verein", eine Vereinigung zur Pflege von Harmoniedusel und Hurra- Patriotismus unter den Proletariem, den bürgerlichen Umsturz- bekämpsem angeschlossen. Es ist äußerst interessant zu beobachten, wie die schlotternde Angst der Bourgeoisie vor der aufftrebenden Social- demokratie selbst in Elsnß-Lothringen wo doch zu den politischen Gegensätzen auch noch schwerwiegende»atonale Unterschiede jkomnien. alle bürgerlichen Parteien zusammenführt, obwohl diese� sich Jahrzehnte lang aufs erbittertste bekämpft haben. Reaktionäre Diktatur- schwärmer und„demokratische" Freiheit«« Phrasenhelden, klerikale Partikularisten und gonvernemcntale Germanisationswüteriche— alles verschwimmt vor der vermeintlichen Umsturzgefabr zu einem einzigen schlammigen Ordnungsbrei. Der würdige Macher des Ganzen ist er.liberale" Vertreter Straßburgs im Reichstage. Justizrat Rff, dessen Abgeordnetenmandat derselben politisch unmoralisch Liaison entstammt, die jetzt zu kommunalen Wahl- zwecken abgeschloffen worden ist.— Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozesse. dem Reklamebedürfnis der republikanischen Verteidigung gedient. I nach der Berichterstattung der Berliner Halbmonatsschrift Der Wegen Majestätsbeleidigung wurde Nr. 244 ber bietet uns eine Bürgschaft wogegen? Gegen die unwahrschein- Arbeitsmarkt" um 100 offene Stellen fich 160,91 Arbeitsuchende waren es im August nur 150,2. Ein Veriener socialdemokratischen Arbeiter- Zeitung" durch Gerichts- lichste aller Annahmen, gegen einen deutschen Angriff. Auch das bewarben, mit den Ziffern des Vorjahres ergiebt indessen, beschluß innerhalb des ganzen Sönigreichs Sachsen ton. Siegel auf unsre Demütigungen in der Vergangenheit." gleich mit daß die leichte Besserung im August den Niedergang der fisaiert.England. Konjunktur keineswegs aufzuhalten vermag. Obgleich schon im Die Nachwahl in Lanarkshire gestaltet sich, wie an dieser August vorigen Jahres der Arbeitsmarkt deutliche Anzeichen des Stelle( Vorwärts" vom 7. September) vorausgefagt wurde, zu Rüdgangs aufwies, so waren die Beschäftigungsverhältnisse gegen einem innerpolitischen Ereignis von großer Bedeutung. einem innerpolitischen Ereignis von großer Bedeutung. Der über dem laufenden Jahre doch noch so günstig, daß auf 100 offene don Eintritt des socialistischen und Arbeiterkandidaten Robert Stellen erst 107,5 Arbeitsuchende tamen. Entlassungen fanden 1900 Smillie in den Wahlkampf hat die Spaltung in den nur minimal statt. Nach der Berichterstattung der Krankenkassen nahm die Zahl der Beschäftigten im Vorjahr um 0,04, in diesem ber liberalen Partei noch verschärft und fie Reihen romod depart Ausland. din don chok sombots ma8um Präsidentenmord. übergegangen sei. aus New York melden: od 150 Aus Washington wird gemeldet: Staatssekretär Say bittet in einem Rundschreiben an alle Ber. treter der auswärtigen Mächte, in welchem diesen der Tod Mc Kinleys formell mitgeteilt wird, sie möchten ihre Regierungen davon unter richten, daß das Amt des Präsidenten auf Roosevelt Die Franff. 8tg." läßt sich über den neuen Präsidenten Roosevelt wird vorläufig keine Aenderungen im Kabinett vor nehmen. Senator Hannas Einfluß ist nunmehr vollständig vorüber. Obwohl Roosevelt bei der Uebernahme des Amtes erklärte, er werde in die Fußstapfen Mc Kinleys treten, dürften Dampfersubventionen und ähnliche, speciell den Truſten zu gute kommende Pläne, vor der Hand eingestellt bleiben. Die Befürchtungen der deutschen Blätter, daß Roosevelt eine aggressive auswärtige Bolitik einleiten werde, find unbegründet. U. a. erklärte ein Vertreter großer Handels- und Finanzinteressen, Roosevelt werde sicher vermeiden, die Grundlagen Finanzinteressen, Roosevelt werde sicher vermeiden, die Grundlagen der geschäftlichen Prosperität zu stören. * * Kein Anarchistenkomplott! Ein Telegramm aus Chicago besagt: Die hiesige Polizei hat die Annahme von dem Vorhanden fein eines Komplotts zur Ermordung, Mc Kinleys thatsächlich aufgegeben, da man keinerlei Beweise für dieselbe auf finden kann. Nichtsdestoweniger machte sich die Erbitterung eines Mobhaufens Nichtsdestoweniger machte sich die Erbitterung eines Mobhaufens in Chicago gegen die Anarchisten in drohenden Straßenaufläufen Luft. 500 Personen, welche mit Stöden und Revolvern aus gerüstet waren, durchzogen am Sonntag die Straßen der Stadt unter den Rufen:„ Tod allen Anarchisten!" Als sie sich anschickten, das Gefängnis zu stürmen, in welchem sich Emma Goldmann befindet, schritt die Polizei energisch ein und zerstreute die Menge. " Auch diese Straßendemonstrationen beweisen, wie die zahlreichen Lynch verbrechen, daß in den Vereinigten Staaten der Hang zit Gewaltthätigteiten derart stark ausgebildet ist, daß man es mindestens ebenso sehr diesem hang wie anarchistischen Aufreizungen zuschreiben sollte, wenn ein Desperado ein Attentat gegen eine hochgestellte Persönlichkeit begeht. Es ist kein Zufall, sondern die Folge diefer wenig einnehmenden nationalen Eigentümlichkeit, die Amerika mit Italien teilt, daß in beiden Ländern ,, anarchistische" Verbrechen besonders häufig vorkommen. Ein Telegramm aus Cleveland meldet noch: Der Vater des Mörders Czolgosz' ist nach Buffalo abgereift, um seinen Sohn zu bewegen, alles zu fagen, insbesondere auch dasjenige, was auf ein etwaiges Komplott Bezug haben könnte. zum praktischen Ausdrucke gebracht. Der radikale Flügel der August dagegen um 0,1 Prozent ab. liberalen Partei tritt offen für Smillie ein, finanziell und agitatorisch. Spizbuben Schostag, dem ersten Direktor der Reederei vereinigter Zum Fall Schoftag. Die von dem Breslauer Millionen Lanarkshire einen warmen Aufruf zu Gunsten Smillies erlassen, da lich angenommen, etwa 1/2 Mill. Mart, sondern fast 4/2 Mill. Mart, Ferner hat die Parteileitung der Irländer an die Wähler von Schiffer" zusammengeschwindelte Summe beträgt nicht, wie ursprüngdieser die Homerule als eine selbstverständliche, demokratische fast das Doppelte des gesamten Attienkapitals genannter Gesellschaft. Forderung betrachtet und sie zu unterſtüßen verspricht. Dann muß wie weit der inzwischen verhaftete zweite Direktor der Reedereigesellschaft, der Beschluß des Trades- Unions- Kongresses, Smillie als Arbeiter. Breslauer, an Schostags Verbrechen beteiligt ist, steht noch nicht fest. kandidaten anzuerkennen, in Betracht gezogen werden. Dieser Beschluß Doch darf an seiner Mitschuld wohl nicht gezweifelt werden. Hat er wird allerdings eher negativ als positiv wirken, d. h. er wird die doch zugestandenermaßen in ganz unverantwortlicher Weise BlankoGewerkschaftsführer verhindern, für Harmsworth einzutreten, wie das unterschriften für die Manipulationen seines Stollegen Schostag gegeben. Terrainspekulationen Schostags sehr start beteiligt war. Der Umstand, um Beispiel vor einigen Jahren geschah, als Ben Bidard im Wahl- Für Breslauers Mitschuld spricht auch die Thatsache, daß er an den freise Barnsley für den Liberalen gegen den Arbeiterkandidaten baß die„ Reederei vereinigter Schiffer" seit ihrem Bestehen Jahr für Bete Curran agitierte. Dann haben einzelne Arbeiterführer wie Jahr um 8-8 Proz. höhere Dividenden verteilte als alle andren John Burns, Richard Bell und Georg Barnes die Arbeiter von Lanarkshire Unternehmungen, führt jezt zu der Vermutung, daß ein Teil der erbrieflich aufgefordert, für Smillie zu stimmen. Burns schreibt:" Ich schwindelten Summen dazu verwendet wurden, die Aktionäre sicher halte die Kandidatur Smillies für die beste Antwort auf die zu machen und ihnen einen besonders hohen Begriff von der geEntscheidung der Lords gegen das Koalitionsrecht." Smillies Wahl- schäftlichen Tüchtigkeit ihrer Direktoren beizubringen. programm besteht aus folgenden Punkten: Nationalisierung des Das an sich auf durchaus gesunder Grundlage ruhende Reederei Für eine lokale durch die Gemeinde; Homerule für Irland; annehmbare unangenehme Folgen zeitigen. Die Norddeutsche Bank in Hamburg, Reihe Breslauer und auswärtiger Banken wird der Fall Schostag Grund und Bodens und der Bergiverke; Uebernahme der Schant- unternehmen wird zweifellos vollständig ruiniert sein. Friedensbedingungen an die Boeren; Selbstverwaltung des föderirten die Mecklenburger Privatbank und eine Magdeburger Bankfirma Südafrikas nach tanadischem Muster; allgemeines Wahlrecht; Ab- find mit noch unbekannten, aber hohen Beträgen engagiert, schaffung des Hauses der Lords. raußerdem der A. Schaffhausensche Bantverein mit 600 000., die Dresdener Bant mit 1 300 000 M. Wie weit die eine oder andre Bank wenigstens teilweise dadurch gedeckt ist, daß Schostag bei ihr nicht fingierte Werte Tombardiert hat, steht noch nicht feft. Von Breslauer Bankfirmen find Schlesinger, Ernst Kuznizty und Markus Nolten u. Comp. schwer betroffen. Auch die große Kattowizer Firma Hamburger u. Comp. ist sehr erheblich interessiert. Die Dresdener Bank hat auf Grund ihrer lediglich ans Schostag Gesamt herrührenden Lombard Geschäften ausbringen und fämtforderung von 1300 000 m. Arrest „ Reederei vereinigter Schiffer", auch liches Eigentum der die noch regelmäßig verkehrenden Passagierdampfer, mit dem blauen Siegel des Gerichtsvollziehers versehen lassen. Die Hunderte von Arbeitern und Beamten der Gesellschaft, die demnächst ihr Brot verlieren werden, haben keine Aussicht anderswo unterzukommen, da infolge des langandauernden ungünstigen Wasserstandes, besonders aber aus allgemein wirtschaftlichen Ursachen die Flußschifffahrt sehr daniederliegt. Und wie viele werden noch infolge der zu erwartenden weiteren thatsächlichen Zusammenbrüche ihre wirtschaftliche Existenz vernichtet sehen. Die Wahl ist auf den 26. September festgesetzt.Türkei. Konstantinopel, 16. September. Im Auftrage des Sultans wurde an alle Balis ein Rundschreiben gerichtet, in welchem diesen eingeschärft wird, der Bevölkerung gegenüber ohne Unterschied der Abstammung und Religion volle Gerechtigkeit zu üben und jeden Zwischenfall zu unterdrücken, welcher von ruheftörenden Elementen zur Gefährdung der öffentlichen Sicherheit benutzt werden könnte; ferner ungerechte Verfolgungen zu vermeiden und entsprechend den Gefeßen zu handeln. Jeder Beamte, der im entgegengesezten Sinne vorgehe, solle streng bestraft werden. Der Boeren- Krieg. Miserfolg der Hunnenproklamation. Aus Kapstadt wird gemeldet: D mit Ferner meldet die Frantf. 3tg." aus New York: Der irr finnige Deutsche Christopher Müller, der von Plänen Hier herrscht Einstimmigkeit darüber, daß die gegen Roosevelts Leben sprach, ist verhaftet. Der Buffaloer Arzt Wasdin stellt die Theorie auf, daß die Kugel vergiftet Proflamation Lord Kitscheners vom 6. August nicht dazu Das Cementfyudikat baut im Gegensatz zu andern ähnlichen gewesen sei. Dr. Mynter glaubt dies ebenfalls. Czolgosz wird geführt hat, daß sich irgend eine größere Bahl von Boeren unterworfen hätte. Botha und die andern Boerenführer Vereinigungen seine Organisation so auf, daß die einzelnen am 24. b. M. prozessiert. -es herrscht hier feine centrale Zusammenfaffung Da man dem Attentäter bereits binnen einer Woche den Prozeß lezen den Kampf mit derselben Entschlossenheit wie Syndikate machen will, scheint man in der That vernünftigerweise Abstand da- früher hört. Sie haben denjenigen Boeren, welche noch im Besitze bestimmte Verkaufsgebiete abgegrenzt haben, in die ein andres von nehmen zu wollen, einen Verschwörungsprozeß zu inscenieren. ihres Eigentums sind, die Erlaubnis gegeben, den Engländern den Syndikat nicht eindringen darf. Gegenwärtig ist man bemüht, Treueid zu leisten. Diejenigen aber, welche nichts zu verlieren einzelne Gebiete für den freien Wettbewerb freizugeben, ohne daß haben, bleiben noch weiter im Felde. Der Sekretär Therons hat aber auch hier unter einem Minimalpreise verkauft werden darf. fich in Riversdale ergeben; es ist dies der einzige Boeren- Fiskalische Bergwerksankäufe. Wie berichtet wird, will der offizier, ber sich in der Kolonie infolge der preußische Fiskus die sämtlichen Grubenfelder des Antes Lünen Proklamation Kitscheners ergeben hat. Der Landtag wird sich in nächster Session in Westfalen erwerben. flamation zur Waffenstreckung haben veranlassen lassen, nur eine fäufen will sich die Eisenbahnverwaltung vom Kohlensyndikat unMit den AnWährend die Zahl der Boeren, die sich durch Kitcheners Pro- mit der Frage des Ankaufs zu beschäftigen haben. gang minimale ist, bekunden die im Felde stehenden Bocren abhängig machen. wieder einen sehr aggressiven Geift. Es ist infolgedessen zu mehreren Gefechten Eine internationale Anarchistenkonferenz wird römischen Nachrichten zufolge geplant. Zwischen den Mächten habe bereits ein vertraulicher Meinungsaustausch in dieser Frage stattgefunden. Wahrscheinlich werde eine Konferenz stattfinden, um internationale Ausnahmemaßregeln gegen die Anarchisten zu schaffen. 2005 Dänemark. Frankreich. Partei- Nachrichten. Ein englisches Kohlensyndikat. England ist bisher trop seiner hohen industriellen Entwicklung der Syndifatsbildung fremb geblieben. Wie berichtet wird, soll jetzt in Südwales der Versuch unternommen werden, die Interessenten für eine Gründung ähnlich dem deutschen Kohlensyndikat zu vereinigen. Sollte der Plan zur Ausführung kommen, so würde der Verband eine jährliche Ausbeute von 20 Millionen Tonnen kontrollieren, die 60 Proz. der Gesamtfohlenförderung von Südwales entsprechen. Ein neuer amerikanischer Riefentrust. In Philadelphia will man die elektrischen Bahnen und elektrischen Lichtanstalten in die Leitung einer Gesellschaft überführen. Das Aktienkapital ist auf 140 Millionen Dollar festgesetzt. Der Verfassungskampf der Jsländer. Wie vor einiger geit in einem Telegramm mitgeteilt wurde, hat das Althing, die Volks- gekommen. Eine Kapstädter Meldung berichtet: Die Boeren unter Theron griffen am 13. September Heidelberg, vertretung Islands, einen Antrag auf Abänderung der Verfassung das von einer Abteilung des West Yorkshire Regiments verteidigt angenommen, der den Zweck hatte, eine größere Selbständigkeit in der Verwaltung Islands herbeizuführen. Gegenwärtig steht an der war, mit großer Kühnheit an, wurden jedoch zurückgeschlagen. Ferner wird aus Matjesfontein gemeldet: Oberst Crabbe hatte Spize der Regierung ein„ Minister für Island", der in Kopen- am 14. September mit Scheepers ein Gefecht bei Ockerststraal in hagen seinen Wohnsitz hat, die Sprache der Isländer der Nähe von Ladysmith. Der Feind, welcher 200 Mann start war, nicht versteht und sogar nie auf der Insel war. Ursprüng- batte 11 Verwundete, auf englischer Seite wurden 1 Offizier und lich verlangten mun die Radikalen in Island einen Minister, 2 Mann verwundet. Der Feind zog sich in östlicher Richtung zurück. der in ihrem Lande wohnen und natürlich ihrer Sprache mächtig sein und, wie in andren konstitutionellen Ländern, auch im Althing Rechenschaft ablegen sollte. Man hat aber aus opportunistischen Gründen und besonders in Rücksicht auf das damalige reaktionäre dänische Ministerium die Hauptforderung, den Die Parteigenossen des Herzogtums Gotha hielten am An den Abgeordneten Stadthagen. Wohnort des Ministers betreffend, fallen lassen. Nachdem nun ein Sonntag einen Parteitag ab. Aus dem Kaffenbericht des VerLinken- Ministerium ans Nuder gekommen ist, glauben die Führer trauensmannes ist zu erwähnen, daß die Einnahme 8601 M. und Herr Stadthagen hat auf meine Erklärung gegen seine Aeußeder radikalen Partei Jslands, daß auch die weitergehenden Forde die Ausgabe 1788 M. betrug, wovon 716 M. für die Landtags- rungen, die er auf der Nieder- Barnimer Streistonferenz über die wahlen ausgegeben wurden. Die Gesamtkosten der Landtagswahlen Socialistischen Monatshefte" gethan hatte, im Vorwärts" vom rungen Aussicht auf Erfolg haben werden. Eine Abänderung der Verfassung taun auf Jsland nur statt betrugen indes 1200 m. Nach Erledigung geschäftlicher An- 15. d. M. eine zwei Spalten lange Erwiderung" veröffentlicht, die finden, wenn die diesbezüglichen Beschlüsse zweimal, und zwar von gelegenheiten und nachdem Genosse Bock einen Wortrag über die auf die Sache, um die es sich handelt, leider nicht eingeht. Ich zwei verschiedenen Althings gefaßt worden sind, so daß dazu immer politische und wirtschaftliche Lage gehalten, der zur Annahme halte den socialdemokratischen Charakter der„ Socialistischen MonatsResolution gegen den Brotwucher führte, eine Auflösung und Neuwahl des Althings erforderlich ist. Der einer wurde hefte" dadurch bewiesen, daß in den„ Socialistischen Monatsheften" dänische Staatsrat hat mum am Freitag beschlossen, das Althing aus über den Lübecker Parteitag verhandelt. Es wurde dem Delegierten alle Fragen politischer Natur ausschließlich vom socialdemokrati biesem Anlaß aufzulösen und die Neuwahlen anzuordnen. Nach den Genofien Joos aufgegeben, dahin zu wirken, daß den Landtags- fchen Standpunkte behandelt werden. Herr Stadthagen behauptet Auslaffungen Politikens" zu urteilen, ist das dänische Ministerium Abgeordneten bei ihrer Abstimmung zum Etat freie Hand gelassen demgegenüber, daß die„ Socialistischen Monatshefte"" chriftlichsocialen, geneigt, den Wünschen der Isländer entgegenzukommen. werden soll. Zur Angelegenheit der Accordmaurer wurde eine Ne- tonservativsocialen, nationalsocialen, socialliberalen, ultramontan solution angenommen, daß der Parteitag den Schiedsspruch aufheben socialen und welche sogenannten socialistischen Richtungen, ein luig moine und sich für unzuständig erklären foll. schließlich der staatssocialistischen, man weiter konstruieren will", Von der Redaktion des ,, Petit Son" werden wir um eine Er macht aber Uufre englischen Parteigenossen, die focialdemokratische Raum geben wollen und Raum gegeben haben. Mitteilung ersucht bezüglich der Bemerkung unsres Parifer Kor Sollte er sich nach respondenten in Nr. 212 des„ Vorwärts", daß der Vorsigende des Föderation, benußen das Urteil der Lords über die Schadenersatz- nicht einmal den Versuch, das zu beweisen. Generalrats des Seine- Departements, der Socialist Weber, der pflicht der Gewerkschaften, das für diese einen schweren Schlag be- träglich auf die Beiträge von Dr. Franz Oppenheimer berufen, jo fich der Barenehrungen anschließt, Mitarbeiter des anti- deutet, zu einer Agitation, um die Mitglieder der Gewerkschaften sei ihm gesagt, daß der„ Socialliberalismus" dieses Nationalin größerem Maße als bisher für den Socialismus zu gewinnen. ökonomen nichts mit einer politischen Partei zu thun hat, und daß Die Mitglieder der genannten ministeriellen Betit Sou" fei. Redaktion, die der Französischen Arbeiterpartei", der socialistisch Sie werden nächsten Mittwoch eine große öffentliche Versammlung auch Dr. Oppenheimer nie für eine andre Partei, als die socialin London unter dem Vorsitz von H. Quel ch abhalten, in der James demokratische, eingetreten iſt. Ich wiederhole meine Behauptung, revolutionären Partei" und der„ Kommunistischen Alliance" zu Macdonald, W. Thorne, P. Curran, J. Mitchell, daß die" Socialiſtiſchen Monatshefte", soweit fie politische Fragen gehören, erklären, daß Veber für den Petit Sou" nur lokale 23. E. Steadman,&. G. Jones, Herbert Burrows, behandelt haben, lediglich socialdemokratischen AnNachrichten über Pariser Angelegenheiten schreibe, daß er keiner der. E. Holmes und C. Jnce sprechen werden. schauungen Raum gegeben haben. Wenn Herr Stadthagen darauf socialistischen Organisationen angehöre, die die SocialistischGleichzeitig haben sie ein Flugblatt an die Getvertschaften er herumreitet, daß die Beitschrift sich„ Socialistische" Monatshefte,( nicht revolutionäre Union" gegründet haben und denen die ständigen lassen, worin fie, geſtügt auf das erwähnte Urteil, nachweisen, daß socialdemokratische") nenne und zwischen ſocialiſtiſch und" socialpolitischen Redacteure des Petit Sou" angehören. Das politische die englischen Arbeiter in dem nur gewertschaftlichen Kampfe eine bemokratisch" einen wesentlichen Unterschied tonstatiert, ſo fei er Verhalten Vebers ſtehe unter Kontrolle des fich socialistisch nennenden Generalfomitees, welches in der Rue Portefoin tagt und schwere Niederlage erlitten haben:„ Das Kapital triumphiert und die darauf aufmerksam gemacht, daß auch das Verzeichnis der ParteiArbeit ist unterlegen." presse, welches jedes Bierteljahr im Vorwärts" veröffentlicht dessen Organ die Petite République" ist. Es wird darauf hingewiesen, daß die Führer der Gewerkschaften, wird, die Ueberschrift trägt: Socialistische Bresse DeutschDer Katzenjammer des Zarenbesuches ist den Parifern von einigen Ausnahmen abgesehen, den Ernst der Situation nicht lands"( vergl.„ Vorwärts" vom 7. Juli 1901, zweite Beilage). Aus soweit Heuer schon vor Stattfinden der Verbrüderungsfeier gekommen. Die begriffen zu haben scheinen; die Arbeiter müßten deshalb die Sache dieser Thatsache mag Herr Stadthagen ersehen, daß, Weigerung des Zaren, nach Paris zu kommen, und wahrscheinlich selbst in die Hand nehmen und endlich aufhören, ihr Heil im reinen deutsche Parteiberhältnisse in Betracht kommen, auch die Kaiser- Begegnung in Danzig find als Rauhreif auf die Gewerkschaftskampfe zu suchen. Sie sollten endlich begreifen, daß Gegensatz zwischen" socialistisch" und" socialdemokratisch" nicht zarisch chauvinistische Erhigung gefallen. So sagt Cassagnac der politische Kampf dazu ebenso nötig ist, und sollten sich der existiert. In der That giebt es in Deutschland keine andre Partei, in der, Autorité":" Jch habe den Mut, es zu fagen, das großen internationalen socialistischen Armee anschließen. die auf dem Boden der socialistischen Weltanschauung steht, als die Russenbündnis nüßt uns nicht nur nichts, tommt uns socialdemokratische. Daß Socialismus einerseits und alle mögnicht nur furchtbar teuer zu stehen, sondern drückt und lichen mit dem Worte" social" prunkenden Richtungen andrerseits verurteilt uns zu ewigem Verzicht. Dieses Bündnis Je 10 M. Polizeiftrafe sollen zwei Parteigenossen in mit einander nichts gemein haben, sollte man einem socialfollte uns nach unsrer Meinung die verlorenen Provinzen 8ichopau( Sachsen) bezahlen, weil sie während des Gottesdienstes demokratischen Reichstags- Abgeordneten nicht erst zu sagen brauchen. wiedergeben; seine Wirkung ist im Gegenteil, daß es uns verbietet, Unterschriften unter die Petition gegen den Zollwucher gesammelt Aus diesem Grunde müssen die„ Socialistischen Monatshefte". jemals wieder an sie zu denken. Wenn dem aber so ist, dann hätten haben. Die Bekämpfung des Brotwuchers ist doch eine so christliche soweit Deutschland in Betracht kommt, den socialdemokra= ivir es gar nicht nötig, gegen Deutschland geschüßt zu sein, Handlung, daß durch sie unmöglich die Sonntagsruhe gestört tischen Standpunkt vertreten, und haben dies bisher auch stets gethan. Die gegenteilige Behauptung des Herrn Stadthagen ist das nur die Erhaltung des bestehenden Zustandes wünscht, und man werden kann. einfach unrichtig. hat da recht, sich beklommenen Herzens zu fragen, ob das deutsche Bündnis, so lästerlich dies auch zunächst scheinen mag, Herr Stadthagen citiert auch eine Aeußerung der Hilfe" bom für uns nicht vorteilhafter gewesen wäre. Um Deutsch 15. d. M. Als ich die Angriffe des Herrn Stadthagen auf der Land zu sagen, daß wir auf Elsaß- Lothring en verzichten, das Lage des Arbeitsmarktes. Der Monat August zeigte, wie Sereistonferenz gelesen hatte, war mir nicht einen Augenblick zweifelzu brauchten wir Rußland nicht." Ganz ähnlich schreibt Soleil": dies alljährlich der Fall ist, ein günstigeres Gepräge als der Juli. haft, daß sich die Nationalsocialen diesen Bissen nicht entgehen lassen " Das Russenbündnis hat uns nichts eingebracht, es Der starte Bedarf von Arbeitskräften in der Landwirtschaft unter- würden. Als ich meine Erwartung in der nächsten Nummer der hat nur der Eitelkeit eines Felix Faure, dem Radschlagen Lonbets, I bricht im Auguft den Zuzug nach den Städten. Während im Juli„ Hilfe" so prompt erfüllt fand, war " " " Polizeiliches, Gerichtliches usw. Aus Induftrie und Handel. eint es mir ebenso klar, Im übrigen sucht Herr Stadthagen seine Unfähigkeit, den " Socialistischen Monatsheften" geistig beizukommen, durch eine Flut persönlicher Beschimpfungen und Verdächtigungen gegen die Redaktion und den Verlag der Socialistischen Monatshefte" zu verdecken. Auf Angriffe so I cher Art werde ich niemals erwidern. Berlin, 16. September 1901. J. Bloch. Gewerkschaftliches. An alle Kürschner, Zurichter, Mützenmacher und verwandte Berufsgenossen Deutschlands. Nochmals geben wir bekannt, daß der stongreß obiger Branchen Sonntag, den 6. Oktober, früh 211 Uhr, in Leipzig, Leinwandhalle, Brühl, stattfindet. Die Tagesordnung lautet: 1. Konstituierung des Kongresses. 2. Centralisations: frage. Referent: Kollege Ernst Schubert Hamburg. 3. Vorlage der von der Kommission ausgearbeiteten Statuten. 4. Presse. 5. Bericht des Sekretariats. 6. Gewerkschaftliches. Sollte die Tagesordnung am Sonntag nicht erledigt werden, so findet die Fortsetzung der Verhandlungen am Montag statt. Kollegen, es ist Pflicht, daß der Kongreß möglichst von allen Orten, wo eine größere Anzahl Kollegen arbeiten, beschickt wird. Auch können mehrere kleine Orte zusammen einen Delegierten entsenden. Die auswärtigen Delegierten werden ersucht, sich wegen des Nachtquartiers an Stollegen Mag Weber, Leipzig- Gohlis, Straß burgerstraße 18, zu wenden. Alle Anfragen, den Kongreß betreffend, bitte an den Unterzeichneten zu richten. Die Kommission. J. A.: Wilh. Böhm, Schkeuditz bei Leipzig. Alle Arbeiterblätter werden ersucht, diesen Aufruf abzudrucken. Deutsches Reich. daß Herr Stadthagen die nationalsociale Aeußerung gegen Die heutige Frauenversammlung von Tempelhof, Mariendorf hätten durch die Verbreitung der von ihnen für wahr gehaltenen uns ausschlachten würde. Es erheitert mich, daß ich mich und Marienfelde erklärt sich mit den Ausführungen der Referentin Notiz sowohl die Interessen ihrer Blätter und damit ihre eignen, darin nicht getäuscht habe, und daß wir Herrn Stadthagen im Verein vollständig einverstanden, und verpflichtet sich, mit den Männern als auch die Interessen der Leserkreise ihrer Blätter wahrgenommen mit unfren politischen Gegnern am Werke sehen, die Parteigenossen Schulter an Schulter zu kämpfen für die Befreiung der Arbeiter aus und deshalb sei ihnen der Schutz des§ 193 zuzubilligen. Gegen irrezuführen. der Knechtschaft des Kapitals. socialdemokratische Redacteure haben Breslauer Richter bisher nieBesorgung der Hansarbeiten durch den Staat. mals eine auch nur annähernd gleich weite Auffassung des§ 193 bekundet. Durch die Spalten des Londoner" Daily Chronicle" zieht sich bereits seit mehreren Wochen eine öffentliche Diskussion über den Noch nach einer andren Richtung hin ist dieser Prozeß bemerkens„ Niedergang des öffentlichen Lebens". Nach Ansicht dieser Brief- wert. Der beleidigte Weinhändler hatte auch gegen die socialdemo schreiber, die samt und sonders den Mittelschichten angehören, ist fratische" Bolfswacht" Strafantrag gestellt. Während der Staatsdiese traurige Erscheinung dem Mangel an Dienstmädchen geschuldet. anwalt nun gegen das Arbeiterblatt im öffentlichen Interesse" Der Mangel ist unbestreitbar und hat verschiedene Ursachen: der Anklage erhob, lehnte derselbe die Erhebung der öffentlichen Klage Eintritt der Frauen in die Fabrik, in kaufmännische, pädagogische gegen die bürgerlichen Blätter ab und verwies den Kläger auf und litterarische Berufe, in die Beamtenlaufbahn, sowie die Hebung den Weg der Privatklage. Womit kann der Anwalt des Staates des Erziehungsniveaus im allgemeinen, die die Dienstmädchen„ ber dirbt". Die Vorschläge, die zur Beseitigung des Mangels gemacht diesen auffallenden Unterschied in der Behandlung der Klage und werden, sind verschiedener Natur: bessere Behandlung, höhere Löhne, der Beklagten wohl erklären? Beschränkung des Volksunterrichts, Erschwerung der Beamtencarriere 2c. Ein überaus trauriger Vorfall lag einer Anklage wegen Unter mehreren Briefen enthält das" Daily Chronicle" fahrlässiger Tötung zu Grunde, die gestern die Arbeiterfrau Bloch vom 4. September folgendes Eingesandt: vor die Straffammer des Landgerichts II führte. Am 21. Mai Herr Redacteur! Als das geplagte Oberhaupt einer Mitteltlassen mittags verließ die in der Lehderstr. 95 in Neu- Weißensee wohnende Familie und ganz in Verwirrung( at sixes and sevens) über den Frau ihre Wohnung, um ihrem in Berlin arbeitenden Ehemanne Mangel an häuslicher Hilfe, habe ich den Gedankenaustausch in bas Mittagessen zu bringen. In der Zwischenzeit mußten ihre beiden Ihrem Blatte über den Niedergang der Häuslichkeit" und" Be- Kinder, ein vierjähriges und ein drei Monate altes, noch in der schwerden der Dienstmädchen", begierig gelesen und hoffte, daß mehr wiege liegendes Mädchen, ohne Aufsicht zurückbleiben. Unglüdlicher Licht über diese Frage verbreitet würde. Ich muß gestehen, daß ich weise entdeckte das ältere Mädchen an einer abgelegenen Stelle der enttäuscht bin. Meine Erfahrung lehrt mich, daß wir gegenwärtig Wohnung eine Schachtel Streichhölzer, es fing damit zu spielen an über fein Mittel verfügen, das die Bedürfnisse und Launen der und bald standen die Kleider des Mädchens in hellen Flammen. Das jenigen Personen, die uns Hausdienste anbieten, befriedigen könnte; was Feuer ergriff bald das Mobiliar und verbreitete sich über das wir auch thun mögen, es kommt doch schließlich alles aufs Unrechte hinaus. Werden Äenderungen eingeführt, so erweisen sie sich als ganze Zimmer. Die Rauchentwicklung war so groß, daß die Nachbarn darauf aufmerksam wurden und gewaltsam in die Wohnung neue Quellen von Aergernissen. Bureaus und Inserate sind eindrangen. Da fanden sie denn das vierjährige Mädchen mit ent Täuschungen und Fußangeln, die uns nur die Schillinge und halbe feßlichen Brandwunden vor, während das jüngere friedlich in seiner Kronen entziehen, ohne irgend welche Gegenleistungen zu bieten. Wiege schlummerte. Das verletzte Kind wurde nach dem KrankenIch wage deshalb die Andeutung zu machen, daß die Zeit hause übergeführt und ist dort bald gestorben. Die schwergeprüfte Die Holzbildhauer in Bremen befinden sich in einer Lohn- gekommen sei, wo die öffentlichen Behörden uns in dieser Mutter hatte nun noch die Anklage wegen fahrlässiger Tötung zu bewegung. Sie fordern: 25 M. Minimallohn, 15 Prozent Aufschlag ernsten Lage zu zu Hilfe fomumen müßten. Wäre es nicht erdulden. Im Gegensatz zu dem Staatsanwalt vermochte der Gefür die bis jetzt in Arbeit Stehenden unter Beibehaltung der bis- möglich, einen Stab von männlichen und weiblichen Arbeitern zu richtshof der bedauernswerten Frau eine Verantwortlichkeit für den herigen Arbeitszeit. Für Ueberstunden 10 Pf., für Sonntagsarbeit organisieren, die als Diener des Publikums und ohne individuellen Unglücksfall nicht aufzubürden, sondern erkannte auf Freisprechung. 20 Pf. Aufschlag pro Stunde. Vor den großen Feiertagen um vier Personen Gehorsam schuldig zu sein- die Pflicht übernähmen, so Uhr Feierabend ohne Abzug von Lohn. Anerkennung des Arbeits- und soviel Mal die Woche die Häuser zu reinigen 2c.? Die häus- Der Beleidigungsprozeß des Musikschriftstellers Adlerlichen Arbeiten würden sodann in den Augen unsres wohlerzogenen Alfieri gegen den Musikschriftsteller Löwengard beschäftigte den Die Textilarbeiter in Reichenbach i. V. befinden sich, wie Arbeitspersonal das Brandmal des„ Dienstes" verlieren und es Straffenat des Kammergerichts in seiner letzten Sizung. bekannt, in einer Lohnbewegung. Kürzlich hatten sie den Fabrikanten- in trop der Schulbildung ermöglichen, in privaten Häusern Löwengard hatte in der letzten Nummer der von ihm heraus3eitschrift für die musikalische Welt" verein um die Einsetzung einer aus Arbeitern und Fabrikanten be- beschäftigt zu sein. Nun bleibt noch die Frage des Geschirrwaschens. gegebenen Wir schicken unsre Kleidungsstücke in Waschanstalten, Artikel veröffentlicht, worin er die Gründe darstehenden Kommission ersucht, deren Aufgabe sein soll, die be- denn nicht auch unsre Teller und Schüsseln?... Wir würden den legte, weshalb das Blatt zu bestehen aufhören müsse. stehenden Differenzen zu untersuchen und zu schlichten. Der darin auch auf " Geschirrwagen" freudig begrüßen, der das schmuzige Geschirr weg- Er nahm das Konkurrenzblatt Musits Fabrikantenverein hat dies Gesuch abgelehnt. Die um Vermittelung schaffte, um es jeden zweiten oder dritten Tag gereinigt zu bringen. und Theaterwelt" Bezug, δας bon Herrn Alfieri angerufene Handels- und Gewerbekammer Plauen hat ebenfalls ablehnend geantwortet, weil sie nur von den Arbeitern, nicht aber auch allerdings wäre ein großer Vorrat an Tellern 2c. nötig, aber diese herausgegeben wird. Dem Herausgeber wurde gleichsam der Vorvon den Fabrikanten angerufen worden sei. Ueberdies könne sie die eines Versuches wert, Schwierigkeit ist nicht unüberwindlich.. Die Sache ist immerhin wurf gemacht, daß er in der Musik und Theaterwelt" diejenigen denn die Lage ist eine sehr ernste Künstler schlecht kritisiere, die nicht bei ihm abonnierten- oder Lohntommission nicht als die Vertreterin der gesamten Arbeiterschaft geworden und verdient ebensoviel öffentliche Aufmerksamkeit inferierten. Herr Alfieri erhob gegen Herrn Löwengard ansehen. Wie diese gesamte Arbeiterschaft nun aber eine Vertretung wie Arbeiterwohnungen, Straßenreinigung, öffentliche Lefe die Beleidigungsflage und erzielte auch in der ersten schaffen soll, ist nicht angegeben worden. In den übrigen Orten hallen 2c., deren Eristenz, wie allgemein angenommen wird, einen Instanz, daß Löwengard wegen öffentlicher Beleidigung zu des Vogtlandes breitet sich die Lohnbewegung immer mehr aus und Fortschritt bezeichnet. So wie die Sachen jetzt liegen, wird das Haus einer Geldstrafe verurteilt wurde. Das Landgericht, bei gewinnt an Stärke. bernachlässigt, den Kindern fehlt die nötige Pflege, das Essen ist dem Löwengard Berufung einlegte, sprach ihn jedoch mit Die Stuccateure in Kaffel traten in den Streit, weil ihnen schlecht, die Plackereien sind unendlich alles wegen der„ Dienst- folgender Begründung frei: Unzweifelhaft enthalte der vom Andie Unternehmer statt der verlangten halbstündigen Vesperpause nur mädchen- Frage". H. L. Innes." getlagten verfaßte Artikel eine schwere Beleidigung des Privateine solche von zehn Minuten zubilligen wollen. lägers, indem diesem nachgesagt werde, daß er die Künstler geschäftlich ausbeute. Indessen nehme das Landgericht an, daß sich Herr Löwengard in gutem Glauben befunden habe. Auch ohne Wahrheitsbeweis müsse ihm geglaubt werden, daß er die gerügten Verhältnisse für vorliegend erachtete. Unter den obsei ihm auch der Schutz des§ 193 waltenden Umständen Wahrung berechtigter InterStrafgesetzbuches wegen Auf die Revision des Privats essen zuzusprechen. hat mun jetzt das Kammergericht das Urteil Landgerichts aufgehoben und die Sache nochmals an die Vorinstanz zurückverwiesen. Begründend wurde ausgeführt: Der Senat gehe davon aus, daß die thatsächlichen Feststellungen des Vorderrichters von Rechtsirrtümern nicht frei seien, und zwar insofern, als gar nicht festgestellt worden wäre, wieso denn der Angetlagte zu dem vom Landgericht angenommenen guten Glauben Ein fchwerer Bauunfall beschäftigte gestern die dritte Strafgekommen sei, was die Quelle seines Jrrtums sei. Die Feststellung fammer des Landgerichts I in längerer Verhandlung. Das alte müsse nachgeholt und dann von neuem der Frage näher getreten In der öftreichischen Waffenfabrik in Stehr werden große Gebäude Klosterstraße 4 wurde in diesem Frühjahr abgerissen. Es werden, ob hier§ 193 des Strafgesetzbuches zutreffe oder nicht. Arbeiterentlassungen befürchtet. Vorläufig mußten 1200 Arbeiter aller Objekte für Gewehrbestandteile vom 9. bis zum 16. September pflegt bei derartigen Abbrüchen so verfahren zu werden, daß zunächst, während der Abnahme des Daches, mur ein Schutzaussetzen. Die meisten dieser Arbeiter haben den Sommer überdach an dem ersten Stockwerke des Daches angebracht wird, wenig verdient. Vielfach sanken die Löhne sogar unter 8-9 fl. pro Woche oder sie betrugen fuapp so viel. Abbruch des Gesimses und der Mauern wird dann noch ein Bauzaun angebracht. So sollte auch im vorliegenden nachweises. Ausland. in warum einen Dieses eigenartige Dokument ist für das bürgerliche Leben Englands ungemein bezeichnend. Es spricht Bände. Mr. Innes, ein In Montecan les Mines( Frankreich), das im vorigen typischer Vertreter der englischen Bourgeoisie, sieht im Mangel an Winter Schauplatz eines 5 monatigen Kampfes zwischen den Berg- Dienstmädchen die ganze sociale Frage und tommt auf Es Tenten und der dortigen Bergwerksgesellschaft war, drohen neue rein empirischem Wege zu einem tollettivistischen Gedanken. Konflikte auszubrechen. Die Direktion hat der Gewerk- giebt fein Land, das für eine durchgreifende socialistische Reform so schaft angekündigt, da fie die Zukunft reif wäre wie England. Aber es fehlt den Engländern an dem des Mitglieder des Vorstandes nicht mehr, wie üblich, empfangen werde. Im Gesamtblick aufs Leben. Sie haffen das Systematische. Sie sehen Juni 1899 hatte die frühere Direktion unter Beisein des Präfekten mit nur kleine Fragmente, deshalb der Mangel an einer großen sociaden Arbeitern einen Vertrag geschlossen, wonach die Gewerkschafts- listischen Bewegung; andrerseits aber entspringen derselben Ursache des leiter berechtigt sein sollten, Beschwerden der Arbeiter der Direktion die kleinen, zaghaften socialistischen Maßnahmen und Bestrebungen direkt zu unterbreiten. Das hatte auch die neue Direktion anerkannt, in munizipalen und privaten Angelegenheiten. wenngleich fie von allem Anfang an Winkelzüge zu machen verfuchte. Jetzt bricht sie den Vertrag vollständig, angeblich, weil sic durch eine Resolution der von ihr seit dem legten Streit Ausgesperrten beleidigt worden sei. Sociales. etwa um Gerichts- Beitung. lägers " herabfallende Gegenstände aufzufangen; beim Lehte Nachrichten und Depelthen. Roosevelts Programm. Falle verfahren werden. Am 20. April waren einige Buffalo, 16. September.( W. T. B.) In einer gestern stattArbeiter damit beschäftigt, das Dach abzudecken. Sie reichten sich gehabten Konferenz mit dem Minister und hier anwesenden Freunden Zur Bekämpfung des Kontraktbruches richtet der Vor- die Ziegel durch das Mansardenfenster zu und kamen mit dem Ge- legte Präsident Roosevelt seine politischen Ansichten fizende der Landwirtschaftskammer für die Provinz fimje in keinerlei Berührung. Am Nachmittage des genannten Tages dar. Die Politik Roosevelts weicht hiernach in keinem Puntte Brandenburg an die Landwirte folgenden Aufruf:" Die löste sich plötzlich ein etwa drei Meter langes Stück des Gesimises von der Mc Kinleys ab. Auch Roosevelt ist für eine weiter Kontrattbruchsfälle landwirtschaftlicher Arbeiter los, durchschlug das Schutzdach und fiel dann auf den Bürgersteig. gehende Reciproeität beim Kauf und Verkauf und Dienstboten haben sich seit einiger Zeit so gehäuft, Hier gingen gerade zwei junge Mädchen, die in der Nachbarschaft der Güter, so daß über den Ueberschuß der Produktion daß Mittel und Wege gefunden werden müssen, um als Verkäuferinnen angestellt waren. Die Steinmasse begrub das eine der Vereinigten Staaten auf Grund billiger Abmachungen mit den Diesem Unwesen zu steuern. Vor allen Dingen müssen die Arbeit derselben, die 19jährige Emilie Hermann, unter sich. Sie erlitt mehrere fremden Ländern in zufriedenstellender Weise verfügt werden kann. geber jeden vorkommenden Fall von Kontraktbruch zwecks Be- Schädelbrüche sowie andre schwere Verletzungen; am folgenden Tage ist Roosevelt ist ferner für das völlige Aufhören eines strafung innerhalb der vierzehntägigen Antragsfrist zur An- sie verstorben. Ihre Begleiterin fam mit einigen nicht allzu schweren andelskrieges gegen die übrigen Länder, für die Abzeige bringen. Wie wir schon früher bekannt gemacht haben, Verlegungen davon. Der die Arbeiten leitende Polier Johann ichließung von Reciprocitätsverträgen und die ist unser Arbeitsamt in Berlin, Schlesischer Bahnhof. von Winkowski soll nicht die nötigen Vorsichtsmaßregeln beobachtet bschaffung solcher 3ölle, die nicht weiter für das us beauftragt, Formulare zu kontrattbruchs- An- haben, er wurde deshalb zur Verantwortung gezogen. Im gestrigen Staatseinkommen nötig find, natürlich unter der Bedingung, zeigen unentgeltlich zu verabfolgen und die strafrechtliche Ver- Termin tam es im wesentlichen auf die Gutachten der Sachver- daß durch die Abschaffung dieser Zölle die amerikanische Induſtrie folgung der Kontraktbrüche zu kontrollieren. Neuerdings haben wir ständigen an. Uebereinstimmend begutachteten sie, daß gegen die und Arbeit nicht beeinträchtig wird. Es sollen ferner nach dem Das Arbeitsamt angewiesen, allmonatlich eine Liste der spätere Anbringung des Bauzaunes nichts einzuwenden Programm Roosevelts direkte Schiffahrtslinien zwischen tontrattbrüchigen Personen durch den Landboten" fei. Selbst wenn ein solcher bereits vorhanden gewesen den Vereinigten Staaten und den beiden Küsten und die Kreisblätter" zu veröffentlichen. Diese Liste wird wäre, würde das Unglück nicht verhindert worden sein, von Süd- und Central Amerika geschaffen werden, aber nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn die vorkommenden denn der herabstürzenden schweren Steinmasse würde der bretterne es soll die Handels Marine ermutigt und Kontraktbrüche ohne Ausnahme zur Kenntnis unsres Arbeitsamtes Baun nicht Stand gehalten haben. Die Ursache des Herabstürzens Schiffe gebaut werden und und zwar mit amerikanischem gelangen." des Gesimies sei darauf zurückzuführen, daß es nicht verankert ge- Gelde, welche Amerikanern gehörend unter amerikanischer Flagge wesen sei, dies sei aber vorher nicht zu ermitteln gewesen. Unter fahren und amerikanische Mannschaft führen. diesen Umständen waren Staatsanwalt und Gerichtshof der Auficht, daß ein unglücklicher Zufall vorliege und dem Angeklagten ein Vorwurf nicht zu machen sei. Es erfolgte daher ein frei sprechendes Urteil. Das wird auch nicht mehr helfen, wie die anderwärts schon eingeführten noch strengeren Bestrafungen. Dagegen würde die Auf hebung der Gefinde- Ordnung und anständige Bezahlung ein recht wirksames Mittel gegen etwa vorkommenden Kontrattbruch sein. Der Isthmusanal foll so bald wie möglich fertiggestellt und ein der amerikanischen Regierung gehörendes tabel gelegt werden, welches das Mutterland mit den auswärtigen Befizungen verbindet. Roosevelt ist auch für eine schiedsgerichtliche Erledi Aus der Frauenbewegung. Gegen den aus dem Harmlosen"- Prozeß bekannten sung aller Streitigkeiten mit den fremden Nationen, um Lieutenant der Reserve in 2. Garde- Feldartillerie- Regiment Hans einen Krieg zu vermeiden, und er will, daß die ErIn Tempelhof tagte am Freitag, den 13. Septbr., bei Herrn Bernhard v. Ströcher hatte die dritte Straffammer des Land- sparnisse des Volkes, die in den Banken niedergelegt sind und andre Hollwitz zum erstenmal eine öffentliche Frauenversammlung für gerichts I gestern eine Auflage wegen Verlegung der Wehr- Arten von Depots durch Wahrung des kommerziellen Gedeihens des Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde, in welcher Genossin Grad- pflicht zu verhandeln. v. Ströcher war beim ersten Harmlofen- Landes und Ernennung von Männern nur von höchster Integrität nauer referierte über:" Soll die Frau Sklavin sein und bleiben?" Brozeß im Oftober 1899 ebenso wie seine Mitangeklagten frei zu Vertrauensstellungen geſchüzt werden. Die Referentin schilderte zunächst die untergeordnete Stellung des gesprochen worden. Nachdem das Reichsgericht das freisprechende weiblichen Geschlechts von der Zeit des Mutterrechts bis zum heutigen Erkenntnis aufgehoben hatte, war v. Kröcher bei der abermaligen Tage; die Unterdrückung der Frauen durch den Unternehmer sowie Verhandlung des Prozesses im November v. J. an der Gerichtsstätte durch die Gesetzgebung. Sehr oft erschwere auch die mangelhafte nicht erschienen, gegen ihn konnte deshalb nicht verhandelt werden Werdau, 16. September.( B. H.) Die Frankf. 3tg." meldet: Aufklärung von seiten der Männer das Los der Frauen. und es wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. v. Kröcher weilt Die große bekannte Goeldnersche Spinnerei hat sämtliche Arbeiter Die Diskussion Ivar sehr lebhaft und bewegte sich im seitdem im Auslande und nach Anzeige des Bezirkskommandos ist entlassen und wird Dienstag den Betrieb ganz einstellen. Auch in Sinne des Referats. Genosse Mücke Berlin machte die es zweifellos, daß er als Offizier des Beurlaubtenstandes ohne Er- andren Fabriken der Textilindustrie dauern Lohnkürzungen und BeFrauen in der Diskussion auf die Konsumvereine aufmerksam und laubnis ausgewandert ist. Das Gericht verurteilte ihn zu 150 m. triebseinschränkungen an. forderte die Frauen auf, die Mitgliedschaft des Konsumvereins zu Geldstrafe event. 15 Tagen Haft. erwerben, wobei er gleichzeitig bekannt gab, daß, wenn ca. 150 MitKrise in der Textilindustrie. Paris, 16. September.( W. T. B.) Die Polizei berhaftete glieder vorhanden seien, eine Verkaufsstelle für Tempelhof, Marien- Preußische Rechtsgleichheit. Bom Breslauer Schöffenwei Anarchisten, welche bei einem vorgestern veranstalteten dorf errichtet werden könnte. Beitrittserklärungen nehme für gericht wurden die verantwortlichen Redacteure der Berliner Protest meeting gegen den Besuch des Kaisers von Tempelhof Genosse Franz, Kaiser Wilhelmstraße, für Marien- Volts- Zeitung", des„ Berliner Tageblatt" und der„ Ger- Rußland Hezreden hielten. dorf Genosse Schüttekopp, Chausseestraße, entgegen. Frau mania" von der Anklage, einen Breslauer Weinhändler durch die Paris, 16. September.( W. T. B.) Wie der" Temps" meldet, Bäumler sowie Frau Meiling forderten die anwesenden Frauen falsche Nachricht, derselbe habe falliert, beleidigt zu haben, frei- habe die Pforte einen Oberstlieutenant als Vertreter der Türkei auf, sich dem Frauen- und Mädchenverein zu Schöneberg und bei den französischen Manövern designiert; die französische Umgegend anzuschließen. In ihrem Schlußwort forderte die Referentin gesprochen. Das Urteil ist bemerkenswert durch die weitgehende Regierung werde jedoch denselben nicht zulassen. die sehr zahlreich erschienenen Frauen und Mädchen auf, sich mehr Anwendung des§ 193 R. St.-G. B.( Wahrung berechtigter Brüffel, 16. September.( B. H.) Der hiefige amerikanische ihrer Organisation zu widmen, sowie auch eine Zeitung zu lesen, Interessen) zu Gunsten der Angeklagten. Das Gericht nahm an, Gesandte, ein persönlicher langjähriger Freund Roosevelts, verwelche die Interessen der Arbeiterschaft vertritt. daß die falsche Nachricht von der Insolvenz eines Kaufmannes für diesen sichert, legterer werde die Juitiative zu einer internationalen Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: objektiv immer eine Beleidigung enthalte; die Angeklagten aber Anti- Anarchisten konvention ergreifen. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Drud und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltungsblatt. 1 stud Br. 217. 18. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 17. September 1901. Lokales. Petitionslisten gegen den Sollwucher Zur Bürgermeisterfrage. # fortsegen könne. Die höhere Verwaltungsbehörde" das ihm gesagt, daß eine Sendung Quittungsbücher an Herrn E. de Price Regierungspräsidium hat in diesem Falle mit dankenswerter( Borsigender der„ Gewerkschaft der Maler") wegen dessen Abwesenheit Schnelligkeit ihre Entscheidung gefällt; freilich Tag auch zu flar auf nicht bestellt werden könne, weshalb man ihn ersuche, die Bücher werden in der nächsten Zeit in Restaurationen 2c. ausliegen. Die der Hand, daß die Verfügung des Teltower Landrats mit dem in Empfang zu nehmen und den Betrag von 8,25 M. zu berauslagen. Auf die Frage Krügers, wver dort sei, tam hierfür in Betracht kommenden Lokale sind durch rote Blafate tennt- Strankenversicherungs Gesez nicht in Einklang zu bringen war. prompt die Antwort:„ Hier der Bertrauensmann der lich gemacht. Wer noch nicht durch seine Unterschrift gegen den Immerhin ist es erfreulich, daß nunmehr durch Ent Gewerkschaft der Maler". Kurze Zeit darauf erschien denn auch bei Buchertarif protestiert hat, findet mithin jetzt Gelegenheit dazu. fcheidung von maßgebender Stelle das Vorgehen Strüger ein junger Mensch von 14-15 Jahren und überbrachte ein Zum Unterzeichnen sind alle erwerbsthätigen Personen über 14 Jahre der Kassen als durchaus gesegmäßig anerkannt ist. Patet nebst Lieferschein mit der Aufschrift:„ Herrn E. de Price. Sie berechtigt. Arbeiter, Handwerker, Bürger! Protestiert, soweit dies Welche Hoffnungen die Schöneberger Verfügung bei den Apothekern empfangen anbei 50 Stück Original- Quittungsbücher. Summa 8,25. erweckt hatte, das beweist noch folgender Fall. Der Apotheker B. d. 14. 9. 01. 2. Ebeling, Buchdrucker. Da mun E. de Price noch nicht geschehen, gegen die Verschlechterung Eurer Lebenslage! Döhl in Schöneberg. Hauptstr. 141, der. wie wir mitteilten, die teine Quittingsbücher bestellt hatte, fiel die Sache auf und bei Verfügung schon kannte, ehe sie auf der Kaffe bekannt war hat näherer Besichtigung ergab sich denn, daß der Inhalt, ganz wertlos Man schreibt uns: In der„ National- Zeitung" war jüngst aus- fich für ſein Geschäftslokal weithin sichtbare Plakate anfertigen lassen, war. Das Paket enthielt statt der Quittungsbücher ein paar Hefte eines Kolportagewerks. Ein Buchdrucker Ebeling ist im Adreßgeführt worden, die Versagung der Bestätigung der Wahr durch welche die Mitglieder der Ortstrankenkasse Schöneberg darauf buch nicht verzeichnet. Die Zahlstellenwirte thun gut, sich vor ähndes Berliner Bürgermeisters sei ein„ umbezeifelbares aufmerksam gemacht werden, daß sie nach der Verfügung des Land- lichen Manövern in acht zu nehmen. Recht des Königs", die Wiederholung der Wahl sei also nichts mehr als rats ihre Arznei in jeder Apotheke anfertigen lassen können. Der Recht des Königs", die Wiederholung der Wahl sei also nichts mehr als Herr hat sich damit nur ummüge Kosten gemacht, denn er wird durch von Berlin 11 Uhr 50 Minuten vormittags abgefahrenen Schnellcine zwecklose und schädliche„ Demonstration". Der Fall, daß der Herr hat sich damit nur unnüge Kosten gemacht, denn er wird durch Eine Zugentgleifung setzte am Sonntag die Baffagiere des nötigenfalls gerichtlich gezwungen werden, Wahl eines Bürgermeisters die Bestätigung versagt worden ist, hat zuges nach Swinemünde unmittelbar vor der Station Seehausen diese Plakate wieder zu entfernen. sich aber auch anderswo als in Preußen ereignet, und es ist von in Aufregung. Die Fahrgäste wurden plöglich böse durcheinander Interesse, nachzuschlagen, wie man da gegenüber dem„ unbezweifel- fasse Grund zu der Annahme zu haben, daß den Anstoß zu der Wagen stillstanden, erschreckt ins Freie. Hier zeigte sich, daß die Uebrigens glaubt man in den Kreifen der Schöneberger Kranken gerüttelt, und flohen, als nach der gewaltigen Erschütterung die Verfügung des Landrats nicht Herr Döhl allein, sondern auch der Maschine nebst mehreren Wagen aus dem Geleise geraten war; es Apotheker Dr. Wedel( Sedan- Apotheke), Schöneberg, Sedanstr. 3, war ein Wunder, daß kein Wagen unstürzte. Trittbretter und gegeben hat. Der Herr hat auch sonst in dem Kampfe schon eine Fenster waren erheblich demoliert. Ein Schaffner erlitt eine era hebliche Verlegung am Kopfe, einige Passagiere tamen mit leichteren bemerkenswerte Rolle gespielt. Er schrieb unterm 18. Juni 1901: Kontufionen davon. Ein von Brenzlau herbeigerufener Hilfszug ,, An die Centralkommission der Krankenkassen Berlins. baren Rechte" sich verhalten solle. mit 93 bon den Kaffenvorstand Ich erkläre mich auch fernerhin dazu bereit, den KrankenkassenMitgliedern die ärztlicherseits verordneten Arzneien auf Kredit zu liefern und bin zu weiteren Unterhandlungen bereit. Hochachtungsvoll brachte die Passagiere mit zweistündiger Verspätung ans Ziel. kommerzienrat Knoblauch aus dem Sturatorium der Berliner Die feindlichen Brüder. Wie mitgeteilt wird, ist der Unfallstationen ausgeschieden und dafür der Kommerzienrat Brauereibefizer Haaie( Breslau) eingetreten. Aus Anlaß dieses Wechsels haben die Verträge mit den Aerzten gekündigt werden müssen und sollen nun erneuert werden. Zu der Nachricht eines hiesigen Blattes über eine geplante Verschmelzung der Berliner Rettungsgesellschaft und der Unfallstationen wird berichtet, daß wohl eine Geneigtheit besteht, ein besseres Einvernehmen zwischen den beiden Organisationen herbeizuführen, daß dieser Gedanke aber noch keinerlei greifbare Gestalt angenommen hat. über einige vertrauliche und unverbindliche Besprechungen hinaus Es ist die Geschichte der Wiener Bürgermeister wahr, von der wir sprechen. Herr Dr. Lueger, der jezige Wiener Bürgermeister, ist fünfmal gewählt worden, ehe seine Wahl bestätigt wurde; und obwohl sie zweimal nicht bestätigt worden ist, der Wiener Gemeinderat zweimal aufgelöst mid nengewählt wurde ob des Wider streites zwischen den Willen der Gemeindevertretung und dem Rechte der Krone, hat das antisemitische Bürgertum an seiner Erwählung so lange festgehalten, bis es sie durchsetzte. Am 28. März und 1. April 1895 fanden zum Wiener Gemeinderat Ergänzungswahlen statt, die den Antisemiten große Erfolge brachten. Dr. Wedel, Apothekenbesiger. Im Gemeinderat wurde bei der Nachwahl ihr Kandidat Lueger zum Nachdem auf Grund dessen in den Bekanntmachungen der Vicebürgermeister gewählt. Infolgedessen demissionierte der liberale Bürgermeister und am 29. Mai wurde mun Queger zum Bürger- Centralfommission" die Apotheke des Herrn Dr. W. besonders meister gewählt. Er erhielt jedoch nur die zur Wahl gerade aus- empfohlen war, 30g derselbe dann vier Tage später reichende Stimmenzahl, weshalb er die Wahl nicht annahm. unterm 22. Juni! sein Versprechen zurüd! Herrn Wedels Apotheke wird bis zum 1. Januar 1902 noch zur Hierauf löfte die Regierung den Gemeinderat auf und setzte zum Verwalter der Gemeinde einen Regierungsvertreter ein. Kaffenlieferung zugelassen bleiben, da nach Versammlungsbeschluß die Zweibrittel- erſt dann eine Neuaufstellung der Liste erfolgt. Es wird aber feine Selbstmord geendet hat, meldet der Polizeibericht in folgender Eine Ehebruchstragödie, die mit einem Mord und Die Neuwahlen brachten den Antisemiten die Majorität; Lueger wurde, vom Gemeinderat Schöneberger Kaffenmitgliede zu verdenken sein, wenn er nach allelafonischer Kürze: Der Hausdiener Wilhelm Sternizki tötete sich 138 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Die Wahl erfolgte dem der andern in Schöneberg zugelassenen Apotheke( Pallas- Sonntagabend auf dem Hofe des Grundstücks Bergstr. 80 durch am 29. Oktober, an 5. November langte die Entscheidung Apotheke, Golgstr. 23) oder den benachbarten Berliner Apotheken einen Revolverschuß in den Kopf. Wie er kurz vorher seiner Schwester herab, der Kaiser habe der Wahl die allerhöchste Bestätigung nicht den Vorzug giebt. mitgeteilt haben soll, hat er in der vorhergehenden Nacht seine Geliebte, die Kellnerfrau Elfriede Kubica in ihrer Wohnung in zu erteilen geruht". Am 13. November trat der Gemeinderat zur Zur Bekämpfung des Milchwuchers findet am Mittwoch, der Prenzlauer Allee durch Erdrosseln getötet und sie sodann aufzweiten Wahl zusammen: Queger wurde mit 92 Stimmen zu den 18. September, abends 8 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain gehängt. Wir erfahren über diese Affaire noch folgendes: Der Bürgermeister gewählt( ein christlichsocialer Gemeinderat wurde krant); eine Volksversammlung statt, in der Reichstags- Abgeordneter Wurm ehemalige Kellner Kubica in der Prenzlauer Allee ist seit 2 Jahren er hatte nicht eine Stimme verloren. Der Regierungsvertreter richtete an ihn die Frage, ob er die Wahl annehme. Lueger er- sprechen wird. Da die geplante Milchberteuerung gerade das Meijender eines Geschäfts für Restaurationsartikel und nur wenig zu flärt: Die Nichtbestätigung meiner Person ist auf Vorschlag des arbeitende Volt am härtesten treffen und die Proletarierfrauen auje. Seine Frau, mit der er seit sieben Jahren in kinderloser Ghe Ministerrats erfolgt; es ist ein Regierungsaft und bedeutet, daß die zwingen würde, ihren Kindern die unentbehrlichste Nahrung zu ver- 35jährigen Arbeiter Wilhelm Sternizki ein, der verheirathet und verlebte, ging bald nach seiner ersten Reise ein Verhältnis mit dem derzeitige Regierung nicht will, daß ich Bürgermeister von Wien fümmern, bitten wir die Parteigenossen, für recht zahlreiche Be- Bater von zwei Kindern ist. Sternizki verließ Frau und Kinder, um mit ſeiner Geliebten zu leben. Schon im vergangenen werde." Er nimmt die Wahl an, und die Antwort ist, daß der teiligung an dieser Versammlung Sorge zu tragen. Regierungsvertreter den Gemeinderat sofort, in offener Sigung, als eie laffen sich's was tosten, die Herren Hausbefizer im in der Prenzlauer Allee und verlangte vergeblich von Frau Winter erschien seine Frau auf dem Hofe des Grundstücks aufgelöst erklärt weil er sich mit der zweiten Wahl mit der Centrum. Jm allgemeinen wird man ihnen gewiß nicht den Stubica ihren Mann heraus. Sonnabend früh kam sie wieder und allerhöchsten Willensmeiming in Widerspruch gesetzt hat". Die Neu- Vorwurf machen können, daß sie ihre schwer erworbenen Reichtümer machte auf dem Hofe eine heftige Scene. Infolge dessen tam es wahlen bringen den Antisemiten noch größere Erfolge; ihre etwa für Einrichtungen verschwenden, die der Gesamtbevölkerung zu nachmittags zwischen Sternizli und Frau Stubica zu einer AuseinanderMajorität steigt auf 96 Mitglieder des Gemeinderates und alle ihre gute tämen. Wenn aber mit Sicherheit anzunehmen ist, daß das ſekung, die damit endete, daß der Mann seine Geliebte schwer mißAnhänger erlangen in der Wahl noch mehr Stimmen als vorher. Geschäft sich lohnt, dann können auch sie die großartigen Geber handelte. Das Gefchrei der Geschlagenen erfüllte das ganze Haus. Am 18. April 1896 ist die vierte Wahl und Lueger wird mit etition erhalten, die mit acht Unterschriften bedeckt ist, unter bei ihr wohnt, Sonntag früh nach Hause kam, fand er seine Schwester spielen. Magistrat und Stadtverordneten- Bersammlung haben eine Dann ging Sternigki fort. Als ein Bruder der Frau Kubica, der 96 Stimmen zum viertenmal zum Bürgermeister gewählt. Senen sich sieben Hausbesiger aus dem Centrum der Stadt befinden, als Reiche am Bettpfosten hängen. E3 wurde Selbstmord an Nun weiß das Ministerium feinen Ausweg mehr. Die Be- und in der die städtischen Behörden nochmals darum angegangen genommen, bis Sonntagabend die schreckliche Aufklärung erfolgte. stätigung geben wäre ein Zugeständnis, wie thöricht sein bisheriges werden, auf dem Gelände des alten Köllnischen Rathauses Gegen 9 Uhr erschien Sternitzki bei seiner Schwester in der BergVorgehen gewesen. Sie verweigern und den Gemeinderat zum einen Schmud play anzulegen. Und in der sicheren Voraussicht, straße, bei der seine Frau mit den Kindern zu Besuch weilten, brittenmale auflösen, wäre eine Frivolität. In seiner Verlegenheit daß die durch die Anlage des Schmuckplates eintretende Steigerung und begehrte Einlaß, um Frau und Kinder noch einmal zu läßt Graf Badeni den Kaiser als Vermittler aufmarschieren. der Grundrente die Aufwendungen wieder ersehen, wollen die Herren sehen. Diese versteckten fund Stinder noch einmal zu aber aus Furcht vor Unheil Lueger wird zur Audiena befohlen und der Kaiser bittet neger, die beiden noch stehenden Häuser, die sich im Privatbesis befinden, und nun gestand Sternigti seiner Schwester, er habe seine Geliebte von der Wahl abzustehen. Er tönne ihm„ dermalen" die Be- der Stadt schenken, die Kosten für die erste Anlage des Schmud- erwürgt und aufgehängt, er sei nun müde. Die Schwester glaubte, plazes zahlen und wahrscheinlich auch noch das Standbild eines um daß er Dumheiten" rede, und riet ihm, nach Hause zu gehen und stätigung nicht erteilen, appelliere also an seine Loyalität und die Stadt verdienten Mannes aufstellen. Run wage noch jemand, sich auszuschlafen, da er betrunken sei. Sternizki ging dann auch erivarte, das Lueger im Interesse der baldigen Wiederkehr normaler auf die Hausbesitzer zu schelten. fort. Wenige Minuten später ertönte auf dem Hofe ein Schuß und Verhältnisse in der autonomen Verwaltung der Stadt Wien auf Die Centrale für Milchverwertung, wie der„ Milchring" fich die Hinzueilenden fanden Sternizki in den letzten Zügen auf dem die auf ihn gefallene Wahl freiwillig verzichten werde"; offiziell bezeichnet, hat nach dem Abfall bei einzelnen Bäckermeister Pflaster liegen. Er hatte sich aus einem Revolver eine Kugel in Diesem„ direkten Wunsche seines kaiserlichen Herrn" trägt Bezirksvereinen sich nunmehr direkt an den Vorstand der Berliner den Kopf geschoffen und starb nach wenigen Minuten. Die Leiche Lueger Rechnung dermalen! Er verzichtet im Augenblick auf Bäckerinmung„ Germania", der auch den Centralvorstand der Bäder- wurde nach dem Schauhause geschafft. die Wahl, an seiner Stelle wird Strobach gewählt, der aber sofort immungen Deutschlands bildet, um Unterstügung gewandt. Der Ring erklärt, er werde den Plazz räumen, sobald die Zeit hierzu ge- macht dem Vorstand das Angebot, den Berliner Bäckermeistern vom tommen sein wird". Und sie kommt rafch. Am 31. März 1897 legt 1. Oftober ab Bollmilch zum Preise von 15 Pf. für das Liter frei Strobach sein Amt zurück, und Lueger, der bis dahin erster Vice- ins Haus zu liefern. Der Junungsvorstand wird zu diesem Angebot Ein größerer Dachstuhlbrand wütete Sonnabendabend in bürgermeister gewesen war, wird am 8. April zum fünftenmale zum in feiner Sigung am Mittwoch Stellung nehmen.it der Duncker st r. 84. Die dortige Gegend ist in letzter Zeit von Bürgermeister von Wien gewählt. Er wird sofort bestätigt, Das Polizeipräsidium erinnert daran, daß der am 1. Oftober etwa einem Dutzend Dachstuhlbränden heimgesucht, so daß es fast und ist Bürgermeister bis auf den heutigen Tag.... dieses Jahres beginnende Umzug bei kleinen, aus höchstens zwei den Anschein gewinnt, als solle eine Brandperiode, wie solche seiner Zwei Dinge wären noch mitzuteilen. Erstens, daß Minister- Bimmern nebst Zubehör bestehenden Wohnungen an demselben Tage, Beit in Moabit zu verzeichnen war, herbeigeführt werden. Diesmal präsident Badeni im Abgeordnetenhause ausdrücklich anerkannte, die bei mittleren, aus drei oder vier Zimmern nebst Zubehör bestehen wurde das Feuer erst bemerkt, als die Flammen bereits zum Dache Nichtbestätigung sei über seine„ an allerhöchster Stelle unterbreiteten ben Wohnungen am 2. Oktober, mittags 12 Uhr, und bei großen, herausschlugen. Dem Vorgehen zweier Löschzüge gelang es indes Anträge" erfolgt. Das„ umbezweifelbare Recht" des Monarchen mehr als vier Wohnzimmer umfassenden Wohnungen am 3. Ottober, nach einstündigem Wassergeben, die Hauptgefahr zu beseitigen. Die mittags 12 Uhr, beendet sein muß. Hälfte des Dachstuhles wurde jedoch zerstört. Die Entstehungsdie Regierung verantwortlich ist. Zweitens, daß die Nichtbestätigung insgesamt 24 219 bebaute Grundstücke versichert( gegen 24 064 am Bei der städtischen Feuersocietät waren am 1. Oftober 1900 ursache ist nicht ermittelt. natürlich„ begründet" wurde." Nach der Anschauung der Regierung", fo 1. Oftober 1899). Die Gejamtversicherungssumme der versicherten nachmittag 5/4 Uhr in der Krausenstraße. Es wurden dabei drei Eine Explosion mit schiveren Folgen entstand Montag erklärte Graf Badeni am 8. November 1895 im öftreichischen Ab Baulichkeiten betrug 4017 244 100 M. oder 90 285 500 M. mehr als Feuerwehrleute, darunter einer sehr schwer, durch Brandwunden vergeordnetenhause, kann das Votum der Majorität nicht berücksichtigt am 1. Oktober 1899. Die Stadtgemeinde Berlin war am 1. Oktober legt. Ueber den Vorfall ist folgendes mitzuteilen: Charlottenwerden, sobald die erforderliche Bürgschaft für eine streng objektive, fach 1900 mit 413 Grundstücken, deren Versicherungswert 143 993 700.traße 22 a, Ede Krausenstraße, befinden sich die Näime der liche, von jeder agitatorischen Tendenz freie, alle Klaffen der Bevölkerung betrug, bei der städtischen Feuerfocietät versichert. Der Fenerkaffen Deutschen Union", Fabrik von elektrischen Apparaten. Um die angegenüber gleichmäßige, den Anforderungen der Autorität volle beitrag hierfür stellte sich auf 83 334,85 2. gegebene Zeit geriet im Keller Holzwolle in Brand, der gu einer Rechnung tragende Führung der Verwaltung nicht außer Zweifel Das rasende Automobil. Der Polizeipräsident weiſt Minuten mehrere Löschzüge, darunter drei Dampfspritzen, zur Stelle, Explosion führte. Auf die Meldung Mittelfeuer" waren in wenigen steht." Wie wenig die Führung der Verwaltung des Herrn Lueger darauf hin, daß entgegen der am 15. Juni erlassenen Verordnung die imverzüglich gegen den Brandherd vordrangen, um weitere diesen Anforderungen auch heute noch entspricht, ist bekannt; wie die Führer von Kraftfahrzeugen immer noch rücksichtslos mit ihrem Explosionen zu verhüten. wenig ihm der Mangel bei der Erlangung der Bürgermeister Behikel in den Straßen umherrafen. Dann giebt Herr v. Bindheim in einem großen eisernen Benzinballon gegeben, der Die Gefahr hierzu war besonders schaft geschadet hat, haben wir geschildert. bekannt: Nachdem meine Erwartung, daß alle Besizer und Führer noch voll gefüllt, durch die Flammen bereits start von Kraftfahrzeugen aus eignem Antriebe sich die genaue Beob- noch voll gefüllt, durch die Flammen aber achtung der erwähnten Bolizeiverordnung angelegen sein lassen erhitzt war. Trotz der vorliegenden großen Gefahr gelang es der würden, sich leider nicht erfüllt hat, habe ich mich genötigt gesehen, ibn hier durch die Schlauchleitungen unter Wasser zu nehmen. Zur wehr, den Ballon aus dem Keller auf die Straße zu befördern, um die polizeilichen Eretutivorgane anzuweisen, fortan mit aller Strenge Vorsicht wurde der Ballon geöffnet, um seine schnelle Entleerung Die Verfügung des Teltower Landrats aufgehoben! auf die genaueste Befolgung der Vorschriften der Verordnung, ins- Vorsicht Die Verfügung des Landrats v. Stubenrauch, durch welche über die einzuhaltenden Fahrgeschwindigkeiten zu halten und jeden Meter hoch ausströmte. Um dieses ausgelaufene Benzin auf dem besondere derjenigen über das Mitführen von Befähigungszeugnissen und herbeizuführen. Durch die Wärme war nun das Benzin derart unter der Schöneberger Ortstrantenkaffe die weitere Beteiligung am Fall der Buwiderhandlung unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen, Straßendamm zu verdünnen und wegzuspülen, wurde unausgejezt Apothekenboykott" verboten wurde, ist auf Beschwerde des worauf die strenge Bestrafung des Zuwiderhandelnden erfolgen wird. Straßendamm zu verdünnen und wegzuspülen, wurde unausgejezt Waffer gegeben. Blötzlich fing die Flüssigkeit Feuer. Blizz= Kaffenvorstandes bereits außer Kraft gesetzt. Die Freude der Ich richte hiermit aber gleichzeitig an das Publikum die Bitte, auch artig schlug eine einzige etwa 20 Meter lange Flamme Apotheker war also verfrüht! Noch am Sonnabend triumphierte die feinerseits zur Beseitigung der Gefahren, welche durch das fiber- bis zur Höhe des ersten Stockwerks auf dem StraßenApotheker- Zeitung, daß in dem Streite zwischen den Berliner mäßig schnelle Fahren der Kraftfahrzeuge dem Verkehr auf den damm empor umd verursachte eine geradezu fürchterliche Straßen erwachsen, dadurch beizutragen, daß es Fahrer, welche den Krankenkassen und Apothekern eine neue Wendung eingetreten" sei, oben erwähnten Vorschriften zuwiderhandeln, zur Anzeige bringt, Panit. Nicht nur, daß die in unmittelbarer Nähe der Niesenflamme und sie gab der Hoffnung Ausdruck, und bemerke dazu, daß jedes Kraftfahrzeug an leicht sichtbarer Stelle befindlichen Feuerwehrmänner förmlich zurückgeworfen wurden, auch „ daß hiermit der erste Schritt zur Beendigung des unseligen und in deutlich lesbarer Schrift mit einer Erkennungsnummer sowie das zahlreich anwesende Publikum stob erschreckt auseinander. Die Streites geschehen ist, und daß dieselbe in nicht allzulanger Zeit mit der. Bezeichnung des Sitzes der Polizeibehörde versehen sein Feuerwehrpferde bäumten und konnten nur mit Mühe aus der erfolgen wird". muß, und bei Angabe dieser Kennzeichen die Bestrafung des gefährlichen Nähe gebracht werden. Schwerer gelang das mit einem in unmittelbarer Nähe haltenden Brauerwagen, dessen Pferde mur Als diese Mitteilung die Presse verließ, war aber die mit solchem Schuldigen wird herbeigeführt werden können. dadurch gebändigt werden konnten, daß ihnen mehrere FeuerwehrJubel begrüßte Verfügung schon wieder von der höheren Instanz Einem dreiften Schwindler ist der Restaurateur 2. Krüger in leute in die Zügel fielen. Der Ballon bramute namentlich mit unaufgehoben und dem Kassenvorstand erklärt worden, daß er ruhig Schöneberg, Grunewaldstr. 110, zum Opfer gefallen. Sonnabend geheurer Heftigkeit, und obgleich die Befürchtung einer Explosion in der alten Weise den Arzneibezug aus Potsdam nachmittag wurde Krüger telephonisch angerufen, und zwar wurde bes eisernen Ballons nicht von der Hand zu weisen war, stellt sich also als ein simpler Verwaltungsakt dar, für den So verhielt sich das Wiener Kleinbürgertum, als eine beratene Regierung seine Wahl nicht anerkennen wollte. Berlin? -O übelUnd " Herr Bäckermeister Franz Snida, Stralauerplatz 18/19, teilt uns mit, daß er mit dem am Sonntag im Lokalbericht erwähnten Väckermeister gleichen Namens nicht identisch ist. " wetteiferten doch die braven Wehrleute, die Flammen aus unmittel-| Hauses benachrichtigt worden war, daß ein Unglück geschehen sein Arbeiterschaft wird sich nicht abschrecken lassen, auch fernerhin Verbarer Nähe zu ersticken. Endlich, nach bangen zehn Minuten waren müsse, die 23 Jahre alte Frau des Dachdeckers Rühlicke ermordet gnügen zu veranstalten. Daß solche Polizeithaten in agitatorischer die Flammen gelöscht. Die dicken Schaufenster waren teils von der vor. Ein Geldbetrag von 176 Mart, den Mühlicke erspart hatte, war Beziehung für uns von unschäzbarem Wert sind, braucht nicht erst Hize, teils von der ersten Explosion geborsten und aufs Straßen- geraubt worden. Als die Wohnung auf Betreiben der Behörde von auseinandergesetzt zu werden. pflaster geworfen. Leider haben Oberfeuermann Studt und die " Ueber eine große" Versammlung, welche sich mit den Feuermänner Sommerfeld und Berndt vom Zuge 19 zum Teil einem Schloffer geöffnet worden war, lag Frau Rühlicke tot in der bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen beschäftigte, berichtete jüngst schwere Brandwunden davongetragen, so daß sie nach der Unfall- Küche. Ihre beiden kleinen Kinder waren unverlegt. Beide Hände hatte sie wie zur Abwehr über den Kopf empor- das Schöneb. Tagebl." Wie groß" die Versammlung gewesen station gefahren werden mußten. Sie standen in unmittelbarer Nähe des Ballons, als derselbe in Brand geriet. gehoben. Der Mörder hatte ihr mit einem Beil drei Hiebe über sein mag, kann man daraus ersehen, daß sie in dem Vereinszimmer Auf eine seltsame Weise wurde der Maler Julius Roll am den Leib beigebracht. den Kopf versetzt und mit einem Meffer mehrere Stiche in eines Restaurateurs in der Kaiser Friedrichstraße stattfand. Natürlich Aus den tlaffenden Wunden war waren von den 15 zu einem Mischmasch verschmolzenen„ Vereinen" Sonnabendabend in einem Wagen der Straßenbahn Charlottenburg- das Blut hoch aufgespritzt, so daß es die Kochmaschine und nur Delegierte vertreten, die alle nur ein Ziel haben wollen, nämlich Stettiner Bahn um seinen Wochenlohn bestohlen. Selbst Als er an der die Wände besudelt hatte. Die Leiche lag in einer großen Blutlache ein gemeinsames Vorgehen gegen die Socialdemokratie. Endstation aussteigen wollte, bemerkte er, daß ihm die Hose auf mit dem Kopf nach dem Fenster, das Gesicht dem Küchentisch zu verständlich werden sie dazu auch eines Programms" bedürfen, geschnitten worden und sein Portemonnaie mit etwa 30 ml. Inhalt gewandt. Ueber sein Opfer hinweg war der Mörder nach dem über dessen Inhalt sie selbst nicht einig zu werden scheinen, weil nicht mehr vorhanden war. Von dem Diebe fehlt jede Spur. Fenster gegangen und hatte sich an den Vorhängen die Hände ab- sie es doch jedem recht machen wollen. Sogar der Vertreter Orgelfonzert. Herr Max Genzel, Frau Adele Otto- Morano, Frau gewischt. In dem Spiegel sehend, daß seine Wäsche blutbefleckt war, des hiesigen Vereins der Wohnungsmieter gab die ErGertrud Labauve, Herr A. N. Harzen- Müller, das Streichquartett der legte er sodann seinen Kragen und das Vochemdchen ab, ging dann flärung ab, daß er auf die Aufnahme der Wohnungsfrage, Herren Herm. Gerlach, Hans Strey, Paul Lampe und Friz Große beteiligen nach dem Zimmer, nahm aus dem Vertiko die 176 M. heraus und die er doch nach unsrer Kenntnis auf seine Fahne geschrieben hat, fich am Orgelvortrag, den Herr Musikdirektor Otto Dienel Mittwoch, verließ mit der Beute die Wohnung, ohne den zwei kleinen Kindern, verzichten wolle, dagegen in dem Programm eine stärkere Beden 18. September, mittags 12 Uhr, bei freiem Eintritt in der Marien von denen das jüngste in dem Wagen lag, während das älteste auf tonung der finanziellen und Steuerfragen beanspruche." Und in Unter dem Namen Cafino- Theater ist Sonntag im Hause Der That dringend verdächtig ist ein Jugendfreund Rühlices, Lothringerstr. 35 an Stelle von Gebrüder Richters Variété ein neues ein verbummelter Mensch Namens Albert Jänicke, der Theater eröffnet worden, das, nach der ersten Borstellung zu schließen, 30. November 1878 zu Wittstock geboren wurde und von Rühlicke dem Vergnügungsbedürfnis des Publikums nach Kräften gerecht zu viele Wohlthaten empfing, mit Gefängnis bereits bestraft und der werden verspricht. Die Direktion hat ein Specialitätenprogramm Polizei als ein im Trunte gewaltthätiger Mensch bekannt ist. geschaffen, das sich unter Brüdern sehen lassen kann und einige Jänice wohnte zuletzt bei seiner Mutter, einer Frau Heinrich in der gerichts II findet am 24. September ein Prozeß seine Erledigung, Nummern" enthält, die sich den Darbietungen in den ersten Neuen Winterfeldtstr. 9. Gestern, Montag, um 9 Uhr verlangte er von der mehr als nur lokales Intereffe beansprucht. Der Molkereibefizer Theatern mit Fug zur Seite stellen können. Artisten der ver- seiner Mutter Geld und würgte sie am Halse, als sie ihm nur 50 Pf. gab. Mertens aus Neu- Weißensee ist wegen Beleidigung des Amtsschiedensten Richtungen und auch Vertreterinnen der holden Tanz- Dann ging er weg und sagte zu Bekannten:" Ich muß heute noch Geld und Gemeindevorstehers Feldtmann angeklagt. Mertens führt und Sangeskunst wußten das vollbesetzte Haus zu animieren. Als haben, es foste was es wolle!" Höchst wahrscheinlich ging er nun im feit vielen Jahren Krieg gegen die nach seiner Ansicht Gesangskomiter stüßt Herr Friz Steidl das Unternehmen mit be- Laufe des Vormittags zu Rühlicke und verübte das Verbrechen. forrupte Gemeindeverwaltung von Neu- Weißensee Weißensee. Amtsbezirks kannter Bravour. Ein dem Berliner Leben, wie es sich nun einmal Der Verdacht gegen ihn, der ohnehin zu Tage liegt, wird noch da- die Polizeibehörde des auf der Possenbühne darstellt, entnommenes Stück Berlin N Berlin W" bildete den Beschluß des Abends. tirche hält. dem Fußboden saß, etwas anzuthun. dieser Zusammensetzung der doch sonst feindlichen Brüder glaubt man noch, daß dadurch den Interessen der Allgemeinheit am besten am gedient. fei! Hoffentlich wird ihnen die Schöneberger Socialdemokratie einen Strich durch ihre schöne Rechnung machen. Aus Neu- Weißensee. Vor der ersten Straflammer des LandDie Ausstellung für Feuerschuhwesen ist am Sonntag ges mörders bekannt sind, so hat die Kriminalpolizei, deren Nach einen Bersonenwechsel das gewiß bekämpfenswerte Syftem beseitigt schlossen worden. und gegen Da die durch bestärkt, daß Rühlicke einen Hut, den der Mörder in der Leitung beider Verwaltungen in den Händen des AmtsWohnung zurückließ, während er den des Rühlicke mitnahm, als den vorstehers Feldtmann sich befindet, so richtet sich der Jänickes erkennt. Da die Gewohnheiten des mutmaßlichen ganze Haß des M. gegen diesen, in dem irrigen Glauben, daß durch forschungen Kommissar Kommissar Ruds Teitet, entsprechende Maß sei. Die Anschuldigungen Mertens gegen Feldtmann lauten auf Das Vierundzwanzigstunden- Rennen im Sportpark Friedenau, nahmen getroffen. Jänide ist eifriger Radfahrer und geleisteten Meineid, Begünstigung forrupter Personen und andre das vom Sonntagabend bis gestern Abend 9 Uhr dauerte, hat die vermutlich noch am Sonntag beim 24 Stundenrennen im Sportpark schwerwiegende Vergehen. Zu diesem Prozesse sind nicht weniger Interessenten dieser bedenklichen Quälerei nicht im vollen Umfange Friedenau gewesen. Auf seine Ergreifung setzt das Schöneberger als 23 Zeugen geladen, unter anderm auch der frühere Landrat des befriedigt. Der Himmel war einfichtiger als die Menschen und Polizeipräsidium eine Belohnung von 300 m. aus. Jänide ist unter- Kreises Niederbarnim, v. Waldo w und der Rechtsanwalt Ullrich, forgte namentlich am Montag durch eine andauernde Oeffnung seiner segt und breitschulterig und trägt einen grünen Joppenanzug und der Verteidiger Mertens in seinem früher gegen Feldtmann geführten Schleusen dafür, daß die arge Heßerei zeitweilig unterbrochen einen schwarzen weichen Filshut. Außer der Schöneberger ist auch Prozesse. wurde. Immerhin war das Bild schrecklich genug. An die Berliner Kriminalpolizei zu seiner Ergreifung aufgeboten. Ein Kampf mit drei Berliner Einbrechern hat am SonnUnglüdsfällen gab es allerdings nicht ganz so viele wie bei dem Der Verdacht, daß Jänicke der Mörder sei, hat sich bald be- abend früh auf der Station Groß- Wusterwig der Berlin- Potsdamgleichen Vergnügen vor drei Jahren. Die Motorführer des damaligen stätigt. Der Verbrecher wurde bereits gestern abend um 7/2 Uhr Magdeburger Eisenbahn stattgefunden. Die Spitzbuben hatten in Siegers, des Franzosen Huret, stürzten in einer der ersten Runden festgenommen. Kriminalbeamte sahen ihn, als er in einer Tarameter der Nacht in Brandenburg a. H. dem Laden des Uhren- und Goldund sollen einige schmerzhafte Fleischwunden erlitten haben, ebenso droschke durch die Hauptstraße in Schöneberg fuhr, erkannten ihn, warenhändlers Tataykh in der Hauptstraße einen Besuch abthat Ryser um Mitternacht einen bösen Sturz. Aber auch wer obwohl er feine alte Kleidung mit einem feinen schwarzen Anzug gestattet, dort 62 goldene und fülberne Damenuhren, 8 goldene das Glück hatte, äußerlich unverlegt zu bleiben, muß ohne Zweifel vertauscht hatte, und ergriffen ihn sofort. Auf der Polizeidirektion und 80 silberne Herrenuhren, 68 goldene Ringe, 40 Armdurch die graufige Folter geistig beschädigt worden sein. Man stelle sich legie er alsbald ein umfassendes Geständnis ab, das er später am bänder, 5 Damenkolliers mit Retten usw. usw., insgesamt Werts das schlimme Spiel vor, eine Nacht und einen Tag hindurch bis zum Thatort in aller Ruhe wiederholte. sachen in Höhe von 6-8000 Mark durch Einbruch gestohlen. tommenden Abend nichts andres thun, als im Kreise hinter dem Nachts gegen 3 Uhr hörte Tatazky die Klingel in seinem Laden stinkenden Benzinmotor herzurasen, stets die Gefahr vor Augen, im Johannisthal. Nachdem die Fertigstellung der Wasserleitung im gehen, begab sich dorthin und sah nun die leeren Fächer, von den nächsten Augenblick mit gebrochenen Gliedern auf dem Asphalt zu Orte bereits von Anfang an durch das wenig rücksichtsvolle Verhalten Dieben aber keine Spur. Er machte Meldung bei der Polizei, liegen. Und was ebenso schauerlich ist, es fand sich ein Publikum der Charlottenburger Wasserwerke verzögert wurde, weil diese da- die sofort sich an die Verfolgung der Diebe machte, die auch noch beisammen, dem solches wüten die Nerven tigelte; Vertreterinnen mals die Gewährung einer Rente von einer größeren Wasser- bei dem Uhrmacher Schoop in der Steinstraße den Schaukasten erdes zarten Geschlechts Geschlechts standen die ganze Nacht hindurch entnahme, als im Vertrag vorgesehen war, abhängig machten, ruhen brochen hatten. Die Bahnhöfe wurden beobachtet und Kriminalauf dem Plaze, ließen die Augen keinen Moment von die Arbeiten nunt feit bereits sechs Wochen vollständig. beamte nach den nächsten Stationen bei Brandenburg entsandt. der Bahn und jubelten laut, wenn es dem Münchener Fahrer Die Rohre, namentlich die Hauptrohre, warent bereits In Groß- Wusterwitz traf nun der Kriminalbeamte Döring drei Robl gelang, seine Konkurrenten abermals um eine Runde gebraucht gewesen und befanden sich in einem Zustande, verdächtige Personen, die einen Koffer mit sich führten und auf zu überholen und einen neuen Weltrekord zu machen. Daß der den daß man glauben mußte, es wären ausrangierte Kanali- den ersten morgens 5 Uhr 53 Minuten nach Berlin gehenden Fahrer auf wenige Minuten in Anspruch nehmende Sport des Flieger- fationsröhren. Auf den Einspruch der Gesundheitskommission wurden Bug warteten. Er rief schnell eine Anzahl Bahnbeamten und rennens in weiten Kreisen Interesse erregt, kann man noch begreifen, die Arbeiten eingestellt und der Gesellschaft aufgegeben, gutes Röhren- Civilpersonen zusammen, welche die drei Männer umzingelten. die Gemütsverfassung der Leute aber, die ein Vierundzwanzig- material zu verwenden. Die Gesellschaft hat nun bis jetzt nichts Diese zogen Messer und andre Waffen hervor und setzten sich stunden- Rennen schön finden, läßt sich nicht viel höher einschäzen darüber verlauten lassen, wann die Arbeiten wieder aufgenommen als die der lieben Spanier, denen der Stierkampf als höchste Luft werden sollen. Sache der Aufsichtsbehörde dürfte es sein, die Gesellerscheint. schaft zur Erfüllung ihrer vertragsmäßigen Verpflichtungen anzu Das Endresultat des Rennens gestaltet sich wie folgt: Rob! halten. legte 904,46 Stilometer zurück, Josef Fischer 877,305, sterff 847,615, Miller 734,330, Renjer 436,500, Lesna 339,500, Huret 317,500, Jean Fischer 233,510 und Hartwig 153,500 kilometer. Bei dem Vierundzwanzig Stunden- Rennen am 8. September 1898 siegte Suret mit 829,2 kilometer, während Thé- Marseille 783,4 und Hartwig- Berlin 738,9 Kilometer zurücklegte. Aus den Nachbarorten. " energisch zur Wehr, so daß sie erst nach hartem Kampfe, bei dem mehrere Personen Verlegungen erlitten, überwältigt und unter sicherem Geleit nach Brandenburg gebracht werden konnten. Es waren drei berüchtigte Berliner Einbrecher Namens Giese, Leßke und Gneist. In dem Koffer der Einbrecher fand man die gestohlenen Wertsachen bis auf einige minderwertige, die sie weggeworfen hatten, noch vor. Dermischtes. Ein Kampf für Ordnung, Religion und Sitte, wie er in dem Rechtsstaat genannten Preußen ja nicht zu den Seltenheiten ge hört, spielte sich am Sonnabendabend in Tempelhof ab. Uns wird darüber berichtet: Unser Parteigenosse Friedrich Bernhardt, Vorfizender der Zahlstelle Mariendorf des Verbandes der Bau-, Erd- und gewerblichenhilfsarbeiter Deutschlands", hatte zum Sonnabend, Eisenbahnunglück. Amtlich wird gemeldet: Montagmorgen den 14. September, dem Amtsvorsteher von Tempelhof ein ge= schlossenes Vereinsvergnügen angezeigt. Der Amts- gegen 3 Uhr überfuhr auf Bahnhof Neisse der von Deutsch- Bette Schöneberg. Die Mitglieder des Wahlvereins werden auf die vorsteher verbot einfach das Vergnügen, indem er behauptete, daß eintreffende Güterzug 3468 das auf" halt" stehende BahnhofsHeute abend bei Obst, Meiningerstr. 8, stattfindende Vereins- diefes eine öffentliche Tanzlustbarkeit darstelle. Gegen dies Verbot Abschlußsignal und fuhr hierbei dem ausfahrenden Güterzug 4445 versammlung aufmerksam gemacht. Auf der Tagesordnung steht ein legte Gentoffe Bernhardt am 9. September beim Landrat des in die Flanke. Ein Hilfsbremser wurde unerheblich verletzt, vier Der PersonenVortrag des Genossen Schubert: Die preußische Volts- Kreises Teltow Beschwerde ein. Eine Antwort auf diese Güterwagen zertrümmert, acht andere beschädigt. schule wie sie ist und wie sie sein sollte". Außerdem Beschwerde war aber bis zum Sonnabend noch nicht verkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten und die Strecke wird der Bericht von der Generalversammlung und der Kreistonferenz eingetroffen und so fanden sich denn Mitglieder mit ihren voraussichtlich gegen 2 Uhr nachmittags von den Wagentrümmern gegeben. geräumt sein. Angehörigen zum Vergnügen zusammen. Treptow- Baumschulenweg. Morgen abend 81/2 Uhr findet bei Ginem Beamten, der zweimal im Lokal erschien, wurde in an- Spanisches. Beim Stiergefecht in Barcelona verlangten Michler, Marienthaler- und Ernststraßen- Ecke, die Monats- Verſtändiger Form der Charakter des Vergnügens geschildert. Er notierte 4000 Buschauer, weil die Leistungen der Stiere ungenügend waren, fammlung des Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht sich den Namen des Arrangeurs und ging. Kurz nach 11 Uhr aber am Sonntag an der Kaffe ihr Geld zurück, und bedrohten den unter anderm: Unfre Gemeinderatswahl. Ferner werden die Genoffen traten sechs Polizeibeamte in das Lokal ein, der Wachtmeister Höhne Direktor mit Thätlichkeiten. Als die Menge anfing, Feuer an die noch aufgefordert, soviel in ihren Kräften steht, für unsre Kandidaten verbot die weitere Lustbarkeit und befahl den Anwesenden, sofort Arena anzulegen, schritt die Polizei ein. Mehrere Personen wurden Franz Karow und Alwin Gerisch bei der heutigen Ge- das Lokal zu verlassen. Auch drohte er, von der Waffe Gebrauch meinderatswahl zu agitieren. zu machen. Zu diesem großen Eifer des Beamten lag aber gar fein Anlaß vor, da alle das Lokal in ruhiger Weise verließen. Zu bemerken ist noch, daß zur selbigen Zeit im Nachbarlotal Berlinerstr. 79 ein Kegelklub sich vergnügt machte; hier hatten die Beamten keinen Anlaß, einzuschreiten. Ein gerichtliches Nachspiel isf sicher, aber die Ein Raubmord ist am Montag im Hause Gleditsch straße 7 zu Schöneberg berübt worden. Dort fand die Polizei, die auf ein eigentümliches Geräusch hin von einer Bewohnerin des Am Freitag, den 13. d. M., starb infolge eines Unfalls unser lieber Bater, Schwieger und Großvater, der Buzzer und Veteran Christian Tismer tm 64. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Dienstag: nachmittag 41/2 Uhr von der LeichenHalle des Nazarethkirchhofs( Dalldorf) aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie seinen lieben Kollegen und dem Gesangverein Präsi dent für ihre Teilnahme an der Beerdigung meines lieben Mannes Herzlichsten Dant. 23412 Die trauernden Hinterbliebenen. Wwe. A. Wildner, nebst Eltern und Geschwistern. Allen denen, die unfrem lieben Sohn 5326 und Bruder Hermann Possin die letzte Ehre erwiesen, insbesondere dem Gesangberein, sowie für die reiche Blumenspende sagen wir unsren tief: gefühltesten Dant. Die trauernden Eltern u. Geschwister. Bruch- Pollmann empfiehlt sein Lager in BruchbanGeradehaltern, dagen, Leibbinden, Spritzen, Suspensors, fowie sämtl. Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Arbeiter Senographer-Verein Sohn Schney wildly.ge. Neue Unterrichtskurse beginnen Dienstag, den 24. September, im Bezirk Norden, bei Gleinert, Schulstr. 29. Donnerstag, den 26. September, im Bezirk Nord- West, b. Fischer, Waldstrasse 8 und im Bezirk Süden, bei Jahn, Gräfestr. 82. Freitag, den 27. September, im Bezirk Centrum, bei Grupe, Annenstrasse 16. 527b Beginn 82 Uhr abends. Die erste Stunde ist kostenfrei. Unterrichtsgeld 4 Mk. Das Lehrbuch wird gratis geliefert. Gänsefedern 60 Pf. pr. Pfd.( gröbere zum Reißen). Schlachtfedern, wie fie v. d. Gans fallen, mit allen Daunen m. 1.50, füllfertiger Gänserupf m. 2.00, beffere daunige Waare m. 2.50, 3.00, befte fchneeweiße M. 3.50, russische Daunen m. 3.50, weiße böhm. Daunen m. 5.00, ge riffene Federn m. 1.50, 2.00, 3.50. Prima geriffene it. 3.00, 2.50. Derfand gegen Rachnahme. Berlin S., Gustav Lustig, pringenstraße 46a. Erste Bettfedernfabrik m. electr. Betriebe. Diele Anerkennungsfchreib. Herren- Anzüge, Lieferant f.Orts- u. Hilfs- Krantentassen Paletots n. Maß, eleg. Ausführung, Berlin C., Landsbergerstr. 13 prt. Eugen Joachims Möbelfabrik Nene Königstraße 59, nahe Alexanderplatz. Großer Möbelspeicher. Specialgeschäft für kleine und mittlere Wohnungs- Einrichtungen. 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Anfang 8 Uhr. Schiller. Heimat. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Anfang 712 Uhr. Berliner. Ueber unsre Kraft. ( 2. Teil.) Anfang 72 Uhr. Lessing. Die Zwillingsschwester. Anfang 72 Uhr. Residenz. Leontinens Ehemänner. Vorher: Jephtas Tochter. An: fang 712 Uhr. Neues. Das Ewig- Weibliche. Anfang 712 Uhr. Westen. Der Bettelstudent. Anfang 712 Uhr. Secessionsbühne. Buntes Theater: Ueberbrettl. Anf. 8 Uhr. Die Geisha. Central. 8 Uhr. Anfang Thalia. Ein tolles Geschäft. Anfang 7 Uhr. Luisen. Der Mann im Monde. Anfang 8 Uhr. Carl Weiß. Berliner Rangen. Anfang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmstädtisches. Die Fledermaus. Anf. 72 Uhr. Belle Alliance. T Gastspiel des Original Münchener Ueberbrettl. Anfang 8 Uhr. Urania. Tauben- Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: zum letzten Male: Aus dem Tagebuch der Erde. Invalidenstr. 57/62. Achtung! Achtung! Bolksversammlung Donnerstag, den 19. September, abends 8 Uhr, im Kolberger Salon, Kolbergerstraße Nr. 23. Zages Ordnung: 1/5 Deutsche Konzerthallen. An der Spandauer Brücke 3. Vornehmstes Vergnügungslokal! Sehenswürdigkeit Berlins!!! In den sieben grossen wunderbar dekorierten Stadtbahnbögen täglich Internationale Konzerte. Specialitäten- Vorstellung von nur erstklassigen Kräften! Special- Ausschank der Berliner Bockbrauerei. 1. Vortrag der Genoffin Mart! a Tietz über: Die willkürliche Milch- und Fleisch- Vorzügliche Küche. Tägl. Sternwarte. Berteuerung, ein neuer Raubzug gegen die Besiklofen. 2. Distuffton. Castans Panopticum. Neu! Friedrichstr. 165. Nen! Neu! Der künstliche Mensch! Die sensationellste Erfindung der Neuzeit: " Der Clou" der Pariser WeltAusstellung. Vorstellungen: 12 Uhr mitt., 3, 5, 6, 7 Uhr nachmittags. Zoologischer Entree 1 Mark. Ab6 Uhr Garten Ab 4 Uhr nachmittags Frauen, erscheint zahlreich in dieser Versammlung. Socialdemokratischer Wahlverein Die Vertrauensperson. Gut gepflegte Biere. Oekonom Gustav Preilipper.. Senefelder- Bund( Mitgliedschaft Berlin). für den 4. Berl. Reichstags- Wahlkreis( Südost). Sente, Dienstag, 17. September, im Restaurant Miegel, Stralauerstr. 57: Dienstag, den 17. September, abends 8 Uhr: Versammlung im Saal des Herrn Brüder, Waldemarstr. 75. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Stadtv. Genossen Heimann über: Kommunal: politik im roten Haufe." 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Gäste haben Zutritt. 1 Zahlreichen Besuch erwartet 244/20 Der Vorstand. Adtung! Versammlung Achtung! des socialdemokratischen Vereins im V. Berliner Reichstags- Wahlkreis am Freitag, den 20. September, 1/29 Uhr präcise, abends Doppel- im Rosenthaler Hof, Rosenthaler- Straße 11/12. 50 Pf. Kinder die Hälfte. Konzert Tages Ordnung: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Abrechnung pro 2. Quartal. 2. Bekanntgabe und Besprechung der Generalversammlung in Saalfeld. J. A.: Paul Möhring. 289/16 Cirkus Renz- Konzert- Tunnel Wochentags 7 Uhr. Karlstrasse. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. Specialitäten. J. M. Hütt. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Konsum- Verein Berlin- Rixdorf E. G. m. b. 5. Heute Dienstag, den 17. September: Eröffnung der 9. Verkaufsstelle 1. Welche Reformen erstrebt die Socialdemokratie in der tapitalistischen Gesellschaft? Referent: Genosse Robert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Gäste erwünscht. Un zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 264/9 Metropol. Specialitätenvorstellung. Carl Weiss- Theater 245/ 11* Schön war's doch. 8 Uhr. Anfang Apollo. Specialitäten Vorstellung. Frau Luna. Anfang 8 Uhr. Passage Theater. Damen: RingGroße Frankfurterstr. 132. Der Vorstand. Berliner Rangen! Volks- Versammlung fämpfe. Specialitäten- Vorstellung. Große Ausstattungspoffe mit Gefang Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage Panoptikum. Speciali täten- Vorstellung. in 7 Bildern von G. Albert. Musik von K. Leonard. 4 Mittwoch, den 18. September, abends 8 1hr, Reichshallen. Stettiner Sänger. Kinder- Borstellung( gana fleine Preise im Saale der Brauerei Friedrichshain, Am Königsthor. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitäten- Borstellung. Max und Moritz. Rofenmontag. Anfang 8 Uhr. W. Noacks Theater. Urania. Taubenstr. 48/49.( Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Ans dem Tagebuch der Erde." Invalidenstraße 57/62. Täglich abends von 5-10 Uhr: Sternwarte. Brunnenstraße 16. Gefchloffen. M Tages Ordnung: Der Milchring. Referent: Herr Reichstags- Abgeordneter Wuris. Gröffnung der Winter- Saison 5786] am Sonntag, den 22. September. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um recht zahlreiche Beteiligung bittet Der Einberufer. A. Wiesener, Strausbergerstraße 6a. Schiller Theater Die wilbe Stage Deutscher Holzarbeiter- Verband. ( Wallner Theater). Dienstagabend 8 Uhr: Heimat. Poffe mit Gesang in vier Aften von Mannstädt und Weller. Musik von Steffens. Zahlstelle Berlin. Schauspiel in 4 Atten v. Subermann. Casino- Theater Mittwoch, ben 18. Septbr.. abends 8½ Uhr, im Gewerkschaftshaus, Mittwoch abend 8 Uhr: Heimat. Donnerstagabend 8 Uhr: Die Kronprätendenten. Glänzender Erfolg!! Engelufer 15: Allabenblich 8, Sonntags ½ Us Vertrauensmänner- Versammlung. Riesen- Specialitäten Programm ersten Ranges, dazu Central- Theater. Berlin N.- Berlin W. Heute Wiederauftreten der Damen Mia Werber, Henny Wildner, Luise Albes und der Herren Rudolf Ander, Karl Schulz, Ferdinand Schütz, Emil Sondermann usw. Zum 754. Male: Die Geisha. Operette in 3 Atten v. Sidney Jones. Morgen und folgende Tage: Die Geisha in derselben Besetzung. Freitag, den 20. d. M.: Die Geisha. Sonnabend, den 21. September: Eröffnung der Winter- Saison mit ber Operette Giroflé- Giroflà. Sonntagnachmittag: Boltstümliche Borstellung zu halben Preisen: Der Bettelstudent. Abends: GirofléGiroflȧ. Apollo- Theater. 10 Specialitäten. Grandet. Steidl. Entree 50 Pf. bis 3 Mt. Palast- Theater fr. Feen- Palast, Burgstr. 22. Direktion: Winkler u. Fröbel. Unbeschreiblichen Erfolg hat das neue Sensations- Programm. Hochinteressantes Künstler Personal. Karl Braun mit seiner Blig- Berwandlung Endlich allein! Der Komponisten- Wettstreit. Direttor Wilhelm Fröbel als Dienstmann Meier in der Gesangspoffe Rosenmontag Lebende Photographien usw. Anfang: Wochentags präc. 8 Uhr, Sonntags präcise 7 1hr. Billet- Vorverkauf 11-1 Uhr. FrauLuna Sanssouci Luftballett Grigolatis Anfang 8 Uhr. Metropol- Theater. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas a. G. Joseph Josephi a. D. H. Bender. G. Kaiser. Else de Veré a. D. Frid- Frid. F. Georgette. Saharet! Gastspiel: Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Thalia- Theater. Heute und folgende Tage: Ein tolles Geschäft. Große Ausstattungspoffe mit Gefang und Tanz in 4 Bildern. Anfang 72 Uhr. Kottbuserstr. 4 a. Wiederauftreten von Adolf Hoffmann. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag Hoffmanns Norddeutsche Sänger Nach jeder Soiree: Tanz. Anfang Sonntags 7 Uhr, von 5-7 Uhr Konzert. Entree 50 und 75 Pf. Wochentags Anfang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Pf. Wochentags Vereinsbillets gültig und Tanz frei. Alle andern Tage bleiben die Säle zu Festlichkeiten und Ver sammlungen frei. für sämtliche Bezirke und Branchen. Tages Ordnung: Baumschulenweg: Baumschulenstr. 36. Die Verwaltung. Das beste tägliche Getränk. van Houten's Cacao ασ Nahrhaft und wohlschmeckend. Arbeiterschutz in Fabrit und Werkstatt. Referent: Kollege Nob. Schmidt. In Berlin wird van Houtens Cacao tassenweise ausgeschänkt Werkstatt- Streits und Differenzen. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch nebst Karte legitimiert. Jede Werkstatt muß ver- in van Houtens Cacao- Stube, Werderschestrasse 7, in treten sein. Die Ortsverwaltung. Dienstag, 17. September, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer 15, Saal 5: Branchenversammlung der Drechsler. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wollheim über: Die Bedeutung der Naturwissenschaft für das Volf." 2. Diskussion. 3. Verbands: und Werk: stattangelegenheit. 108/ 17* Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist dringend notwendig. Ganz besonders eingeladen sind hiermit die Kollegen von Otto Schwarz, Urbanstr. 67. Die Kommission. Achtung! Rixdorf! Achtung! Deutscher Holzarbeiter Verband. Zahlstelle Rixdorf. = Mittwoch, den 18. Septbr., abends 81/2 Uhr, bei Klemke, Bergstr. 137: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 108/18 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten u. Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. Volks- Versammlung Dienstag, den 17. September, abends 82 Uhr, in Habels grossem Saal, Bergmannstraße 5-7. Referent: Reichstags: Abgeordneter Genoffe Rosenow über: ,, Lebensmittel- Verteuerung und die Konjum- Genossenschaften." Frauen sind ganz besonders hierzu eingeladen.[ 264/8 Reichshallen. Verein der Lithographen, Steindrucker Stettiner Sänger. Herrliches Programm, ,, Bosco". u. a. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Kranz- und Blumenbinderei von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. und Berufsgenossen Deutschlands. Donnerstag, den 19. September, abends 8/2 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße 20: Kombinierte General Versammlung der Berliner Filialen. Tagesordnung: Wahl des Hauptvorstandes. Die Mitglieder werden um einen zahlreichen und pünktlichen Besuch gebeten. Mitgliedsbuch legitimiert. J. A.: C. Borisch. Ch. Tischendörfer. M. Sahm. Achtung, Cementierer! des Herrn Nümann, Brunnenstrasse No. 188: 96/4 mittwoch, 18. September, abends 8%, Uhr. im Lokal Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Nachtweide. 2. Diskussion. 3. Ber5245 Bereins- Kränze, Palmen- u. Blumen Arrangements, Bouquets, Guirlanden schiedenes. ufw. werden fein u. preiswert geliefert Die Ortsverwaltung. der Nähe von Gerson. J. Brünn, ( Bahnhof Börse) Hackescher Markt 4 Nach beendeter Engros Saison gelangen jetzt im Einzelverkauf große Lagerbestände meiner Teppiche! Gardinen! Portieren! Steppdecken! zu sehr billigen Preisen zum Ansverkauf!! Einzelne fehlerhafte Exemplare für die Hälfte des Wertes. 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26085 553 62 682 715 909 20 35 79 96 27049 163 97 218 82 442 583 615 67 79 761 843 80 936 28154 72 259 99 301 5 14 511 49 52 75 761 74 849 920 29238 79 387 403 557 61[ 500] 644 767 859 SO 30023 162 66 238 60 440 86 534 35 702 6 879 31022 72 120 271 438 635 788 987 32032 34 125 27 314 444 589 785 803 8 968 33169 206 56 78 316 22 32 41 44 441 541 632 87 34020 126 51 455 656 73 35021[ 300] 122 568 601 78 804 28 992 36071 100 27 80 95 755 872 918 37250 72 307 411 13 706 924 96 38108 484 562 622 70 703 10 14 855 39066 189 447 739 899 40143 425 664 764 88 998 99 41402 635 995 42022 75 151 62 329 444 701 84 929 70 43142 221 55 399 523 618 874 78 969 44049 58 71 162 231 69 72 95 315 97 509 707 967 45026 44 287 98 314 17 26 54 958 46224 409 640 729 47020 293 306 73 520 723 90 970 4: 8038 77 227 96 326 519 78 892 935 68 49318 405 64 81 86 974 50012 295 373 96 413 81 588 679 81 990 51121 289 466 539 662 747 850 52015 115 210 45 409 76 685 758 947 53064 107 10 201 28 51 78 369 409 32 550 912 70 89 54086 131 70 238 395 634 719 59 887 55085 106 20 228 99 329 65 477 571 642 56470 510 95 640 733 801 56 57024 54 75 473 526 691 791 852 986 58049 68 233 349 62 72 773[ 300] 832 59001 201 857 60016 26 40 134 66 201 21 338 45 64 414 99 516 96 762 900 61137 226 44 71 413 599 758 72 90 815 37 901 62026 181 295 354 433 36 520 65 640 734 822 99 952 63524 28 651 81 716 56 71 880 98 963 64126 44 45 84 98 230 96 356[ 500] 418 513 720 24 810 65074 76 99 259 331 418 66072 94 330 98 459 73 586 615 89 710 89 948 67531 88 747 63 887 986 93 68047 265 73 662 748 85 807 906 11 69041 206 372 441 529 651 829 941 96 70003 34 223 369 72 76 500 63 603 26 30 54 746 71018 211 378 499 733 822 72044 64 200 447 77 73039 54 93 115 246 559 74047 149 257 581 766 80 75005 13 25 52 97 258 306 567 732 56 898 918 76126 31 53 282 99 367 445 516 37 89 867 922 84 77011 223 63 373 824 944 78015 26 115 269 77 361 521 760 75 91 99 79081 216 98 423 71 549 607 737 978 80367 83 837 44 97 954 81086 118 201 45 865 981 82034 134 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813 924 223065 94 214 92 484 553 91 619 85 92 876 78 224037 173 462 590 96 638 700 70 78 876 997 Im Gewinnrade verblieben: 1 Gewinn zu 30 000 Mart, 2 8 10 000 W., 3 zu 5000 Mt., 6 au 3000 Mt., 12 zu 1000 t.. 27 zu 500 Mr. Dresdenerstr. 4 am Kottbuser Thor. [* 2. Ziehung 3. Klaffe 205. Kgl. Preuß. Lotterie: 47 95 416 933 118054 92 268 119007 22 86 163 252 Biehung vom 16. September 1901, nachmittags. Nur die Gewinne über 172 M find den betreffenden Td Rummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) 118 19 35 46 335 439 788 853 1216 75 395 436 512 33 706 834 910 47 81 2094 223 342 418 650 756 874 96 900 50 58 72 3130 524 82 708 66 855 4198 320 403 27 36 75 535 615 45 56 991 5145 298 580 613 717 75 823 35 6147 96 245 47 63 691 811 13 900 53 7216 21 313 51 78 401 657 765 860[ 500] 99 939 8173 339 444 642 915 9321 46 504 19 619 710 27 879 969 10094 226 476 593 010 14 832 960 11046 79 189 200 363 71 573 80 12064 191 201 86 318 921 13136 320 60 82 414 33 62 70 91 778 813 14086 250 387 425 525 623 998 15189 98 742 839 67 16134 456 504 14 73 860 17100 382 609 867 927 95 18089 114 348 409 42 572 81 659 74 834 49 54 19053 67 78 97 110 42 80 259 334 438 46 64 620 705 972 20036 586 94 688 889 942 21025 52 286 88 367 622 716 914 73 22067 226 550 63 843 940 56 97 23004 54 56 73 118 231 41 317[ 300] 471 550 749 810 35 82 24200 45 330 33 480 570 602 759 80 25200 61 594 610 19 96 786 908 26247 50 70 404 41 662 732 58 806 27 915 70[ 300] 97 27137 213 36 336 420 81 87 98 588 611 59 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222011 256 380 89 755 70 80 223045 170 278 89 308 89 486 535 617 56 67 710 94 224018 126 234 519 51 641 78 763 821 27 999 Jur Gewinnrabe verblieben: 1 Gewinn zu 30 000 Mart, 13 10 000 r., 3 au 5000 Mr., 4 au 3000 ML, 11 au 1000 ML., 21 8 500 Berichtigung: In der Siste vom 14 September vormittags lies 68 014 ftatt 68 510. 7 Jedes Wort: 5 Pfennig. 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L Vor einem Jahre erst beklagte es ein bürgerlicher Bibliograph des wissenschaftlichen Socialismus in dein„Handwörterbuch der Staatswissenschaften", daß solvohl„eine ausführlichere Marx- Biographie" wie„eine Gesamtausgabe der Marxschen Werke ein- schließlich seiner Zeitschriftenartikel" vollständig fehle und daß„in absehbarer Zeit nicht daran zu denken sei. daß diese Arbeit von einem Einzelnen geleistet werden könnte." In diesem Augenblick sind wir auf dem beste» Wege, mit einem Schlage beides zu bekommen: solvohl die wissenschaftliche Ausgabe der Marxschen Werke, wie eine ausführliche Biographie des Schöpfers des wissenschaftlichen Socialismus. Laut der Vorrede Mehrings soll zwar seine Veröffentlichung des Nachlasses von Marx und Engels nicht mehr als eine der Vor- arbeiten zu einer wissenschaftlichen Gesamtausgabe ihrer Schriften sein, thatsächlich aber ist sie— wenn die weiteren uns vorn Verlage Dietz in nächster Aussicht gestellten Bände in demselben Geiste behandelt werden— bereits eine im besten Sinne dieses Wortes w i s s e ii s ch a� li ch e Ausgabe der Schriften unsrer Alt- meister und zugleich!Ms, was wir uns im gegebenen Fall, wo es sich um unsrcn Marx handelt, als seine beste Biographie denken können. Allerdings äußerlich bietet der erste uns bereits vorliegende Band nur einige dem Inhalt nach ganz verschiedene und unziisammenhängende Jugendschrifteii von Marx: seine Doktor- Dissertation über die griechische Philosophie, dann seine Aufsätze über die Censnr und Preßfreiheit, über den Holzdiebstahl, seine Einleitung zur Kritik der Hegelschcn Rechtsphilosophie nnd seine Abhandlung über die Jndeiifrage, sowie zwei von Engels über die National- ökonoinie und über England. Allein und für sich gelesen, bieten diese Arbeiten gewiß das größte Interesse als Marksteine in der geistigen Eiitwicklung Marx', aber sie würden auch für die aufmerksamsten Leser eben M a r k st e i n e bleiben, an denen er nur die inzwischen von Marx durchgemachte Entwicklung ahnen könnte, ohne daß ihm diese jemals in ihren inneren und äußeren Zusammenhängen klar werden dürfte. Aus dem noch so fleißigen und nachdenkliche» Studium der Marxschen Parallelen zwischen der Demokritischen und Epikureischen Naturphilosophie dürfte es ohne weiteres äußer-st schwer zu entziffern sein, welche Bedeutung die beiden Meister der antiken Philosophie für Marx' geistiges Werden haben, noch wie sich andrerseits die Probleme der griechischen Philosophie mit den Probleinen der vormärzlichen preußischen Censur, des rheinischen Holzdiebstahls und der Hegelschen Rechtsphilosophie innerlich vermitteln mochten. Doch da tritt Mehring mit seinen bescheiden als„Einleitungen" betitelten Ausführungen dazwischen, und aus den bunten, vereinzelten Fragmenten der geistigen ThätigkeitMarx' entsteht allmählich vor unsren Äugen ein ganzes volles Leben, eine bis zur Handgreiflichkeit plastische Gestalt des Mannes, der das Centrum bildete, uinihn herum, in geringerer oder größerer Entfernung, alle die ihm nahe standen und seine geistige Atmosphäre bildeten, die Verwandten, Lehrer, Freunde, Studien- und Kampfgenossen, die Männer der 30er und 40er Jahre, aus der Vergessenheit herausgeriffen, wieder zum Leben beschworen; wir sehen sie alle lebendig,� sich bewegen, kämpfen, denken, arbeiten, mit Marx und untereinander in geistigem Kontakt, jeden in seiner Eigenart, mit seine» besonderen geistigen Anlagen und Interessen, sogar mit seinem Charakter und Teniperament. Ilm die centrale Gruppe, die uns unmittelbar so nahe gerückt ist, daß wir ihre Gedanken und Worte be- lauschen, baut Mehring amphitheatralisch die ganze historische Sceneric auf— in nächster Perspektive das geistige und politische Milieu, die Zeit- und Streitfragen. Strömungen, Richtungen, Parteien, das akademische Leben, die litterarische Welt, die bürgerliche Gesellschaft. die offiziellen Kreise, in weiterer Fernsicht in allgemeinen Zügen die historischen Ereignisse nnd als Fonds des Ganzen in großen, aber deutlichen Linien skizziert er die ökonomisch-sociale» Verhältnisse in ihren Verschiebungen und Wandlungen. So verwebt er zeitlich wie örtlich die Bruchstücke aus dem geistigen Leben Marx' zu einem Ganzen. Es ist nicht Marx, der, aus seiner Zeit herausgerissen, uns wie ein Fremder, ein Ge- wesener. ein Verstorbener vor die Augen geführt wird, um uns in wirrer, halbverständlicher Sprache von seinem inneren Streben und Kämpfen zu erzählen. Das sind wir. die Mehring aus unsrer Zeit herausreißt, in die 30er und 40er Jahre versetzt, um uns mitten im Getriebe der Zeit stehen, alles mitleben und mitempfinden, unsren Marx inmitten seiner Zeit und in seinen Kämpfe», in seinem Werden, in seinem Wachstum sehen zu lassen. Mehring hat sich schon in der„Geschichte der deutschen Socialdemokratie" als Meister der historischen Milien- Malerei gezeigt. Allein in dem gegenwärtig vorliegenden Buche scheint er uns darin noch Größeres erreicht zu haben; vielleicht weil das Bild sich in kleinere Rahmen fassen und deshalb künstlerisch sorgfältiger abtönen ließ, vielleicht weil es sich um eine Gestalt gruppieren ließ, auf die Mehring so sehr viel innige Liebe ausgegossen hat. Erstaunlich muß aber dieses Resultat gerade deshalb vorkommen. weil Mehring verhältnismäßig so wenig Raum für seine„Ein- leitungeii" in Anspruch genommen hat und weil er äußerlich ge- zwungen war. sie als einzelne unabhängige, jedesmal von ganz andren Materien handelnde Fragmente einzuschieben, bald die Regierungskunst Friedrich Wilhelm I V., bald die Geschichte der griechischen Philosophie, bald die industrielle Entwicklung Rheinlands.' bald die Geschicke und Mßgeschicke der philosophischen und politischen Zeit« schriften der 30er und 40er Jahre zu schildern. Er versteht es aber auch. mit einem— zwei Zügen eine Gestalt, mit einigen kräftigen Strichen eine historische Perspektive zu zeichnen. Er befaßt sich' an sich mit Nebengestalten wenig, fast gar nicht; aber durch unerwartet, in ganz andrem Zusammenhang eingestreute kurze Aenßeruiigen aus ihren eignen Briefen, oder aus andren, an sie gerichteten Zuschriften, aus kurzen ge- legentlichen aber treffenden Bemerkungen ersteht vor uns augenblicklich eine Charakterfigur, die wir sehr gut verstehen ebenso wie ihre Beziehungen zu Marx. So sehen wir vor uns in gewisser Ferne die Gestalt Ruges passieren, dessen polternde, etwas philiströse Ehrlichkeit, dessen energisches Streben und Kämpfen uns sicher Sympathie einflößen, von dem wir jedoch deutlich fühlen, daß er geistig keine irgendwie nennenswerte Rolle in Marx' Entwicklung spielen konnte. Wir begegnen mehmials in der Nähe Bruno Bauer, dessen geistige Kraft uns zweifellos imponiert, zu dem wir aber ein ganz instinktives Mißtrauen fühlen, und der uns, trotzdem er seine Um- gebung um ein Paar Köpfe überragt, neben dem feurigen, noch unfertigen, noch innerlich zerrissenenen, suchenden und tastenden Jüngling Marx wie ein Zwerg vorkommt. Und hätte uns Mehring nicht so ganz in das Leben, Denken und Empfinden jener Zeit versetzt, wie vermochten wir uns wohl mit dem alten grundehrlichen Köppen befreunden, der niit jugend- licher Glut den Großen Fritz als die Verkörperung der modernen Aufklärung, des griechischen Stoicismus, Epikurismus und Skepti- cismus, der Staätskunst und aller möglichen Tugenden und Talente feiert 1 Wir verstehen ihn aber ausgezeichnet, ebenso wie seinen geistigen Einfluß auf Marx, und möchten ihm die ehrliche Hand schütteln dafür, daß er seinem Lieblingswerk die Widmung an den künftigen Schöpfer des wissenschaftlichen Socialismus vorangesetzt. Die Gestalt Köppens, die Mehring aus dem historisch-Iitterarischen Schutt zum erstenmal herausgegraben hat, ist allein eine künstle- rische Perle. dem Ltariilssf unseee M Die meisten Farben und die größte Sorgfalt hat aber Mehring auf die Gestalt des alten Marx verwendet. Zum erstenmal wird wohl hier die deutsche Arbeiterklasse die nähere Bekanntschaft des Vaters ihres größten Vorkämpfers machen. Der treffliche Mann, dessen Intelligenz, geistige Klarheit und sittliche Geradheit, wie sie sich in den Briefen an den Sohn äußern, uns in Bewunderung setzen, wird uns zum lieben und geachteten Freunde. Und so werden wir ganz in den Bann des Kreises, worin Marx aufwuchs und erstarkte, gezogen. Wir verkehren mit den geistigen Führern jener Zeit in Berlin, verfolgen mit lebhaftem Interesse die Schicksale der Halleschen und der Deutschen Jahrbücher, fechten zu- sammen niit der Schar der Junghegelianer gegen das Muckertum, nehmen teil an den redaktionellen Kämpfen der„Rheinischen Zeitung" mit den Censoren in Köln, ziehen mit den schiffbrüchigen Redactcuren nach Paris nnd sehen mit Spannung der Gründung der deutsch-französischen Jahrbücher entgegen, neue Probleme und neue Perspektiven ahnend. Wenn wir unter der Biographie eine? Mannes wie Marx die Allferwecknng seines geistigen Lebens in allen seinen Farben und in seinem ganzen Werden verstehen, so hat Mehring— für die Zeit- spanne, mit der er sich im ersten Bande befaßt— die vollendete Biographie von Marx geliefert. Alle Momente, die auf seine Eni- Wicklung haben von Einfluß sein können: persönliche und sociale, ethische und wissenschaftliche, politische und wirtschaftliche, werden jedes in seinem ganzen Umfang berücksichtigt, lind dafür, daß jeder dieser Momente in gehöriger Proportion, in dem ihm zukommenden Maße berücksichtigt wurde, bürgt«nS gerade der Umstand, daß Mehring nicht im geringsten eine Biographie im herkömmlichen Sinne dieses Wortes zii geben, daß er nicht im geringsten den fertigen, gewordenen Marx nach rückwärts zu„erklären" sucht. Er verfährt gerade um- gekehrt, indem er von unten auf den unfertigen, den werdenden Marx rekonstruiert, zu jeder Kundgebung seines Geistes schrittweise nur den notivendigcn Vorbau liefert, und das Ganze von selbst auf den Leser wirken läßt. Und eben in dem harmonischen Eindruck, den wir von dem Bilde der Zeit und des Menschen darin cmpfangen, in dem Gefühl der Befriedigung, mit der wir sein Werden verfolgen und begreifen, liegt die Gewähr des„zureichenden Grundes" in den Erkläriingen zur Marxschen Entwicklung, die Gewähr,� daß alles und jedes gerade so und gerade in dem Maße sich zu diesem großen Leben zusammengethan hat, wie Mehring es erläutert, Marx hat einmal— wir können in diesem Augenblick die Stelle nicht suchen, die irgendwo in den Fußnoten zum I. Band des Kapital stecken muß— gesagt, eine Probe ans die wahre materialistische Er- klärnng eines Ereignisses sei nie durch das Zurückverfolgen seiner Ursachen in die Lergangenheit, sondern allein durch die Rekoustruktioii des Ereignisses aus der Vergangenheit heraus gegeben. So rekoustrnierte und dadurch erklärte Marx die französische Februar- Revolution und den Napoleouischen Staatsstreich. So rekonstruiert jetzt Mehring nach der Marxschen Methode Marx selbst als leuchtendes Ereignis in der geistigen Geschichte Deutschlands. Und da er dabei zugleich auch historios'ophisch Marx treu bleibt und den Menschen aus'seinem Milien, das Milieu auS der Geschichte, die politische Geschichte aus der wirtschaftlichen erklärt, so ist das Mehringsche Buch über Marx die feinste Huldigung des Schülers an seinen Meister. Wir wüßten auch nicht, was wir unter einer.wissenschaftlichen" Ausgabe der Schriften von Marx und Engels sonst verstehen sollten, als was uns gerade geboten wird. Es ist das oberste Gebot der Wiffenschaftlichkeit, jede geistige Schöpfung aus dein Schöpfer und aus seiner Zeit heraus zu beieuchten. Alles, was mm von Marx veröffentlicht wird, erscheint uns vollkommen klar im Zusammenhang einer- seits mit seiner individuellen Entwicklung, andrerseits mit den geistigen Strömungen und öffentlichen Zuständen Deutschlands der 30er nnd 4()cr Jahre. Mehring erläutert jeden Auf- satz in doppelter Weise: erstens sachlich die Materie in sich selbst, zweitens in Beziehung zu Marx und seine Zeit. So z. B. bei der zum erstenmal veröffentlichten Dissertation von Marx, wo wir zugleich eine knappe, aber übersichtliche und gründ- liche Skizze der Geschichte der griechischen Philosophie erhalten bis zu ihrem logischen Abschluß im Epikureismus, StoicismuS und SkepticiSnius und eineSkizze der philosophischen Entwicklung inDcutsch- land bis zu den Berührungspunkten mit den genannten' griechischen Schulen. Und endlich eine Würdigung der gegebenen Arbeit von Marx vom Standpunkt des behandelten Gegenstandes selbst. Auf diese Weise erfahren wir jedesmal sowohl was die berührte Frage für Marx und seine Zeit bedeutete, als was Marx für sie gcthan. Zum Schluß giebt Mehring noch nach jedem veröffentlichten Aufsatz in knapper Form alle zur Orientierung nnd eventuellen eingehenden Nachforschung des Gegenstandes notwendigen Fingerzeige und biblio- graphischen Notizen. Allerdings„wissenschaftlich" in dem Sinne der offiziellen, her- kömnilichcn, professoralcn Ausgaben in der Art— um das erste beste Beispiel zu nehmen— der Wagner- Kozakschen Ausgabe von Rodbertus ist das Mehringsche Werk nicht. Es fehlt hier voll- ständig das vorlaute, aufdringliche Wesen des Herrn Professors, der in der Vorrede zu den Werke» seines„Ricardo des ökonomischen Socialismus" von diesem Ricardo, seinen Werken, seiner Zeit, seiner Bedeutung kein Sterbenswort mehr zu sagen weiß, als daß er ein großer Klassiker war, dafür in weitschweifiger Weise seine eignen Schmerzen beim Durchkramen der Papiere des Nachlasses und seine Katzbalgereien mit den Konkurrenten- Herausgebern, Rudolf Meyer und Moritz Wirth, dem versammelten Publikum erzählt und sich dabei so ungeberdig benimmt, daß der Leser Lust bekommt, den ihm den Zutritt zum Werke versperrenden Herausgeber mit ungeduldiger Hand zur Seite zu schieben, wie einen tolpatschigen Kammerdiener, der. statt uns zn seinem Herrn zu geleiten, uns im Vorzimnier niit unnützem Gerede darüber aufhält, wie er am Morgen die Stiefel des Herrn schlecht gewichst hatte nnd dafür ausgezankt wurde. Die Mehringschen Erläuterungen sind so mit de» Marxschen Aufsätzen zu einem Ganzen verwoben, daß mau sie gar nicht als gesonderte Arbeit empfindet. Der Verfasser geht ganz auf in dem Verfasser, der Kommentar verschmilzt mit dem Gegen« stand zu einem Buch. Und dieses Buch lehrt uns— Marx ver- stehen und lieben. Die deutsche Arbeiterklasse kann auf das vor allem i h r zugeeignete Werk stolz sein; ihr größter Meister ist darin meisterhaft gezeichnet. II. Der Gang der geistigen Entwickelung der beiden Schöpfer des Kommunistischen ManifestS ist uns in allgemeinen Zügen aus ihren eignen späteren Aeußerungcn seit langer Zeit bekannt. Marx als unzufriedener Junghegelianer, dem die Feuerbachsche humanistische Revision Hegels„eine Offenbarung" ward und ein Anstoß zur Kon- zeptton des historischen Materialismus. Engels als Man» der Wirt- fchastlichen Praxis, angeregt und erleuchtet durch Beobachttingen an den englischen Gesellschaftszuständen, trafen an der Schwelle des wissenschaftlichen Socialismus zusammen. Allein dieser innere Werdegang, namentlich was Marx betrifft, ist uns nie so deutlich in allen Einzelheiten und im großen Zusammenhang vor die Augen geführt worden, wie durch das Mehringsche Buch. Nach näherer Analyse des nun gebotenen Materials bemerken wir in der ersten Periode der Manschen Entwicklung, die mit der Herausgabe der„Deutsch-Französischen Jahrbücher" im Jahre 1844 und dem geisttgen Kontakt mit Engels abschließt, gleich- sam zwei unabhängig von einander verlaufende Linien. Die eine Linie, das ist die sortlaufende innere Krise, die sich in dem Suchen „nach Wahrheit", konkret gesprochen, in dem Suchen nach der Lösung des philosophischen Konflikts zwischen Denken und Sein, zwischen der materiellen Welt und dem Deukprozeß äußerte. Die andre Linie— das ist die Reihe von Kontakten mit der praktischen Welt, mit politischen und Wirtschaft- lichen Zeit- und Streitfragen. Hierher gehören die Arbeiten Marx' über die Censur und Pretzfreihcit, über den Holzdiebstahl, die redaktionelle Arbeit an der Frage der Moselwinzer, der Aufsatz über die Judenfrage. Diese Arbeiten sollten für Marx' Entwicklung von doppelter Bedeutung sein. Einmal gewann er hier, durch die ständige Berührung mit der praktischen deutschen Misere, einen Einblick in die gesellschaftlichen Zustände, für die er einige Jahre später das geschichtliche Todesurteil schreiben, hier lernte er den Boden kennen, in den sein philofophischer Gedanke nachher„wie ein Blitz einschlagen" sollte. Während seine ehemaligen Brüder in Hegel: Bauer, Straust Feuerbach nicht aus den Regionen der abstrakten philosophischen Spekulation heraustraten, bildete sich Marx zum prattischen Kämpfer aus. Die lebendige ununterbrochene Fühlung mit der deutschen Wirklichkeit ermöglichte ihm nachher, als Feuerbach die Befreiung des Menschen von dem ihn drückenden Alp der Abstraktion vollzogen hatte, sofort anknüpfend daran,„die Kritik des Himmels in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Polittk" zu verwandeln und die Frage zu stellen:»Wo also die positive Möglichkeit der deutschen Einancipation?" Zweitens brachte ihm dieser ständige Kontakt mit praktischen Zeitsragen jedesmal die Unzulänglichkeit seiner idealistischen Welt- auffassung enipfindlich zum Bewußtsein und trieb ihn so wieder zu Untersuchungen und Versuchen au dem Hauptproblem: dem allge- meinen Gesichtspunkt, von dem aus alle Teilproblcme des prakti- scheu und geistigen Lebens harmonische Beleuchtung und einheitliche Lösung finden. Mehring sagt mit Recht, Marx wäre mit dem letzte» von ihm für die„Rheinische Zeitung" geplanten, doch nicht mehr ausgeführten Artikel über die rein ökonomische Frage der Bauernparzellation von Hegelschem Standpunkt wohl nicht mehr fertig geworden. Eigentlich ist er von diesem Standpunkt bereits bei den früher von ihm be- handelten praktischen Fragen im Stich gelassen worden. Freilich war eö die schneidende Waffe der Hegelschen Dialektik, die ihm die Ver- Handlungen des Rheinischen Provinzial-Landtags über Preßfreiheit wie über Holzdiebstahl kritisch so glanzvoll abschlachten ließ. Aber es war doch nur die Dialektik, die Methode deS Denkens, die ihm hier den Dienst erwies; was den Standpinilt selbst, die sachliche Stellungnahme betrifft, so will es unS ichcincii, daß Marx bereits hier, indem er für Preßfreihcit und für das Recht des armen Bauern auf freie Holzlese im Walde eintrat, eher der Hegelschcn Rechts- und Staatsphilosophie seine Gesichts» punkte oktroyierte, als daß er sie von ihr ableitete. Es war vor allem, wie Mebring selbst sagt, die tiefe und wahre Sympathie, die Marx für die„arme, politisch und social besitzlose Menge" empfand, es war„das Herz" gewesen. das ihn bereits in seinem idealistischen Stadium in den Kampf trieb und ihm die Parteinahme diktierte. Wir erachten diese Thatsachen, die nun, dank den vor- liegenden Veröffentlichungen, in voller Klarheit erscheinen, für außer- ordentlich wichtig und' für wichtiger als je gerade in diesem Augenblick. Wir wohnen seit einiger Zeit dem Prozeß der sogenannten Kritik des wissenschaftlichen Socialismus in unsren eigenen Reihen bei. Die Haupttendenz dieser„Kritik" ist— praktisch wie theoretisch — die Zersetz n n g des Marxschen Lehrgebäudes und die Aus- scheidung gerade derjenigen Elemente, dje bis jetzt als feine Haupt- pfeiler galten: der historischen Begründung durch die objektive Not- wendigk'eit, wie der wissenschaftlichen Begründung durch die ökonomische Analyse. Die rein empirische Beobachtung der Thatsache der Aus- beutiing. des„Mehrprodukts", soll genügen als Basis, das bloße Bewußtsein der„Ungerechtigkeit" der Verteilung als Legitimation der socialistischen Arbeiterbewegung. Nim stellt es sich heraus, daß Marx selbst sowohl die Thatsache der Ausbeutung, die er als höchste Ungerechtigkeit empfand, wie auch' die französische und englische Arbeiterbewegung in ihrer ursprüng- lichen Form bereits anfangs der 40 er Jahre sehr wohl kannte. Für das elftere legen z. B. seine Ausführungen über den Holzdiebstahl das Zeugnis ab, für das letztere die Belehrungen, die Marx in der „Rheinischen Zeitung" der„AugSburger Allgemeinen" aus Anlaß ihrer Kontroverse über den Kommunismus giebt.„Daß der Stand, der heute nichts besitzt, schreibt Marx im Oktober 1842, am Reichtum der Mittelllasscn teilzunehmen verlangt, das ist e i n F a k t u m, welches ohne das Straßburger Reden und trotz dem Augsburger Schweigen in Manchester. Paris nnd Lyon auf den Straßen jedem sichtbar umherläuft." Die Voraussetzungen, die in Konsequenz der Auffassung der heutigen„kritischen Socialisten" oder richtiger— um von den Schülern auf die Lehrer zurückzugehen— nach der Auffaffung bürgerlicher, in„socialer Bewegung" krebsender Professoren aus- reichen, um die Arbeiterbewegung zu begründen, haben merk- würdigerweise den größten Theoretiker des Socialismus noch nicht zum Socialismus bekehren können. In demselben Aufsatz über den Konimunismus zeigt Marx, daß cr noch Ende des Jahres 1342 nicht im geringsten den socialistischen Bestrebungen huldigte. „Die„Rheinische Zeitung", schreibt er als Redactenr deS genannten Blattes, die den kommunistischen Ideen in ihrer jetzigen Gestalt nicht einmal theoretische Wirklichkeit zugestehen, also noch weniger ihre praktische Verwirklichung wünschen' oder auch nur für möglich halten kann, wird diese Ideen einer gründlichen Kritik untertverfen". Die„empirischen Thatsachen" also, die den heutige» Flachköpfen zum Zurechtstümpern eines flachen„empirischen" Socialismus ge- nügen, vermochten dem Genius zur Schöpfung des wissenschaftlichen Socialismus nicht auszureichen. Es fehlte dazu der allgemeine zusammenfassende und befruchtende Standpunkt, es fehlte der Granit- block, auf dem das Gebäude des Socialismus als Wissenschaft errichtet werden sollte. Und zu diesen mußte Marx auf einem andern Wege gelangen, erst nach einer Aiiseinandersetznng mit dem Hegelschen Idealismus. Wir besitzen nun drei wichtige Marksteine der inneren Krise, die Marx bis zu der Schöpfung des historischen Materialismus durch- machte: den langen wundervollen Brief Karls an seinen Vater vom 10. November 1837, der bereits vor einigen Jahren in der„Neuen Zeit" erschienen ist, jetzt aber erst im Zusammenhang mit dem Ganze» der Marxschen Entwicklung zur vollen Geltung kömmt, dann die zum erstenmal hier veröffentlichte Dissertation von Marx, endlich die in den„Deutsch-Französischen Jahrbüchern" erschienene„Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie". In allen drei Dokumenten >ehen wir Marx in verschiedener Form und mit verschiedenem Er- folge nach demselben Problem der Aussöhnung des Bewußtseins mit dem Sein, nach einer monistischen, einheitlichen Auffassung der physischen und geistigen, der moralischen und materiellen Welt suchen. Und es ist klar, daß er sie nicht finden konnte, bis er sie selbst mit entdeckt hatte. Wir betrachten es als einen besonders glücklichen Umstand vom Standpunkt der späteren Begründung des wisienschafllichen Socialismus, daß Marx sich von Anfang an mit dem Recht befaßte und gerade an ihm seine wichtigsten philosophischen Versuche machte. Während die andren Junghegelianer sich fast ausschließlich in dem Gebiete der theologischen Spekulationen verschanzten, also in der ab- st r a k t e jt e n Forni der Ideologie, pochte Marx von Anfang an instikttv an die nächste, unmittelbarste ideologische Form des materielle» gesellschastlichen Lebens— an das Recht. Legt es doch stellenweise fo deutlich den in ihm steckenden ökonomischen Kern bloß. daß manchmal auch vom historischen Materialismus sonst nicht an- gelränkelte Rechtsgelehrte auf eine rein ökonomische Erklärung ganzer Abschnitte der RechtSgeschichte gestoßen werden, wie der Baseler Professor Arnold in den SOer Jahren in seinen Untersuchungen über das mittelalterliche städtische Eigentum. Marx beginnt gleich noch als blutjunger Student seine ersten inneren Kämpfe mit der philosophisch. kritischen Beleuchtung der ge- samten Rechtssphäre. Selbstverständlich scheitert der grandiose Ent-> Wurf an der Unmöglichkeit, die materielle mit der formellen Rechtslehre vom idealistischen Standpunkt zu vereinigen. Marx wendet sich dann enttäuscht der reinen Philosophie zu, und wir sehen ihn in seiner Dissertation dasselbe Problem in der Naturphilosophiezu lösen suchen. Aber die ungelöste Aufgabe der einheitlichen Erklärung deS ganzen Rcchtsgebietes läßt in ihm tiefe Spuren zurück. Die Fragen der g es e I ls ch aft l i ch e n Formen des Lebens bleiben für ihn das Hauptproblem. Kaum hatte deshalb Feuerbach seinen philo- sophischen ooup 6 etat gemacht und den bis jetzt von seinen eignen Ideen schamlos gemißhandelten Menschen in seiner ganzen Leibhastigkeit wieder auf den Thron erhoben und ihm als dem Allein» Herrscher auf Erden und im Himmel das Scepter in die Hand ge« drückt, als Marx sofort mit dem neugewonnenen Matzstab wieder an seine erste große Frage, an die Rechtsphilosophie, also die gesellschaftlichen Lebensformen zurückeilte. Wo siir Feuerbach die Lösung war, da beginnt für Marx erst die Frage. Wenn Feuerbach den Menschen von dem Spuk seiner eignen Philosophie befreit, so fragt Marx: Wie ist derMensch als unterdrücktes und mißhandeltes Mitglied der Gesellschaft zu befreien? Das war schon a priori eine Fragestellung, bei der sich nur der Socialismus als allumfassende, internationale Lehre, als geschicht» liche Theorie, als Wissenschaft zur Antwort ergeben konnte. Und Marx leitet ab von dem neuen Standpunkte in einer Kaskade funkelnder, sich überstürzender, brausender, dialektischer Schlüsse— ein deduktivesSchema d e S proletarischen Klassenkampfes und Sieges! „Wo also— lautet eS zum Schluß der Einleitung zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie— die positive Möglichkeit der deutschen Emancipation? Antwort: In der Bildung einer Klasse mit radikalen Ketten. einer Klasse der bürgerlichen Gesellschaft, welche keine Klaffe der bürgerlichen Gesellschaft ist, eines Standes, welcher die Aus- lösung aller Stände ist, einer Sphäre, welche einen universellen Charakter durch ihre universelleu Leiden besitzt... einer Sphäre endlich, welche sich nicht emancipieren kann, ohne sich von allen übrigen Sphären der Gesellschaft und damit alle übrigen Sphären der Gesellschaft zu emaiwipieren, welche mit einem Wort der völlige Verlust der Menschen ist, also nur durch die völlige Wiedergewinnung des Menschen sich selbst gewinnen kann. Die Auflösung der Gesellschaft als ein besonderer Stand ist das Proletariat.'-- Wie die Philosophie in dem Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen, und sobald der Blitz des Gedankens gründlich in diesen naiven Volks- boden eingeschlagen ist, wird sich die Emancipation der Deutschen zu Menschen vollziehend So schrieb Marx im Anfang des Jahres 1844. Wehe ihm! er hat damit eine Sünde begangen, die ihm von seinen dankbaren Schülern nach mehr als 50 Jahren noch aufs Konto geschrieben werden sollte. Er hat nämlich eine Deduktion des Sociasismus geschaffen, er hat ä priori die Notlvendigkeit des socialistischen Sieges und Kampfes vorausgesehen, statt sich einfach an die empi- rische Thatsache deS„Mehrprodukts" und seiner„Ungerechtigkeit" zu halten. Umgekehn, erst in der Beleuchtung der Deduktion find ihm alle „empirischen Thatsachen" im neue» Lichte erschienen, erst als er de» Ariadnefaden des historischen Materialismus in der Hand hatte, fand er durch das Labyrinth der alltäglichen Thatsachen der hentigen Gesellschaft den Weg zu wissenschaftlichen Gesetzen ihrer Entwicklung und ihre? Unterganges. So ward der wissenschaftliche Socialismus, und gerade weil er so ward, schlug er wie ein Blitz in den proletarische» Boden der bürgerlichen Gesellschaft hinein, daß sie in ihre» Grundveste» er- zitterte. Und wie jede geschichtliche Erscheinung in sich selbst, in ihrer geschichtlichen Entstehung auch die ausreißende, die einzige ivahrhaft „wissenschaftliche" Legitimation mit sich führt, daß sie so und nicht anders hat iverden müssen. so bringt auch das uns nun von Mehring dargebotene Buch über die erste Phase der Schöpfung der Marxschen Lehre zugleich eine Urkunde der Rechtmäßigkeit. der historischen Wirklichkeit ihrer Entstehung. In diesem Sinne unterschreiben wir vollkommen die Worte Mehrings, daß„die geschichtlichen Wurzeln des Marxismus auf- decken, heitzt die Wurzellosigkeit seiner.Uebcrwindung' enthüllen". Heute mehr als je wird das Bild der Entstehung der wissenschaftlichen Theorie des Socialismus den, klassenbewußten Proletariat wieder eine Gewähr dafür sein, daß der Marxsche Gedanke trotz aller ohu- mächtigen.Ueberwindungs"versuche sich als jener mächtige Blitz be- Wahrheiten wird, der die bürgerliche Gesellschaft in die Luft sprengt und„die Deutschen zu Menschen" emancipiert. Rosa Luxemburg. Obdachloses Gesindel. Die Angriffe, die wir in der letzten Zeit gegen das städtische Obdach richten mutzten, um den Klagen derObdachlosen endlich einmal Gehör zu verschaffen, hatte die Leiwg des Obdachs anfänglich dadurch zu entkräften gesucht, datz sie alles rundiveg bestritt. Wir haben diese AbleugnungSversuche sofort als daS gekenn- zeichnet, was sie sind. Wer inzwischen noch daran gezweifelt haben sollte, daß unser Vorgehen ein wohl begründetes und durchaus berechtigtes war, der dürfte durch den Verlauf der Sitzung des Obdach-Knratoriums, über die wir am Donnerstag berichtet haben, belehrt worden sein. Wenn man nicht ganz genau wützte, daß d a etwas faul ist, dann würde man sich auf nichts eingelassen und die Vorschläge unsrer Genossen, der social- demokratischen Stadtverordneten Heimann und Stadthagen, kurzer Hand abgewiesen haben. Wir könnten uns daran zunächst genügen lassen und da? weitere abwarten— ebenso, wie wir auch in der Angelegenheit deS Stadtverordneten Genoffen Hoff mann ruhig dem Ergebnis der Untersuchung entgegensehen dürfen. Wir möchten aber doch»och auf einen Punkt zurückkomme», der schon in den Antworten der Obdachverwaltung auf unsre Angriffe eine Rolle gespielt hat und zweifellos auch in dem eingesetzten Untersuchungsausschuß zur Er- örterung kommen ivird. Die Obdachverwaltung hat darauf hingewiesen, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen habe, wie die Einrichtungen' des Obdachs von Leuten, die weder Arbeit noch Wohnung suchen wollen, aus- gebeutet würden, wie daS Personal durch rohe und verkommene Burschen bedroht und gefährdet würde. Die Obdachverwaltung ist hier zum Teil im Recht. Es ist leider wahr, daß es im Obdach an Personen der geschilderten Art nicht fehlt. DaS ist uns von Obdachlosen selber, von'jetzigen wie von ehemaligen, mehrfach bestätigt worden. Wir hatten das selbst- verständlich ohnedies längst gewußt und haben es uns auch in unserm Kampfe gegen die im Obdach herrschenden Mißstände von Anfang an und jederzeit gegenwärtig gehalten. Wenn die Obdachverwaltung solche Elemente in ihre Schranken zurückweist und sich ihrer ge- aebenenfallS in geeigneter Weise zu erwehren sucht, so wird sie uns stets auf ihrer Seite haben. Es ist ja zu allererst im I n t e r- esse der Obdachlosen selber— der wahrhaft Hilfs- bedürftigen unter ihnen— daß in der Anstalt für Ordnung gesorgt wird. Jene Obdachlosen aber, von denen wir die Unwürdigen, die sich in ihren Reihen finden, mit aller Schärfe verurteilen hörten, habe» uns freilich auch darüber geklagt, daß man im Obdach keinen Unterschied mache' Alte Männer, darunter selbst- ständige Handwerksmeister, die durch Krankheit in Not geraten und wohnungsloS geworden waren, haben uns— weinend vor Zorn und Scham— erzählt, datz sie im Städtischen Obdach wie Strolche behandelt worden seien. Selbstverständlich ist es nicht einmal bei wirklichen«Strolchen" zu billigen, daß man sie im Obdach stets und ständig fühlen lätzt, wie man von ihnen denkt. DaS ist weder recht gehandelt noch klug. Wenn aber, wie man uns gesagt hat, selbst anständige, wegen augenblicklicher Not im städtischen Obdach Zuflucht suchende Leute ohne weiteres als Strolche behandelt werden, wenn alte Männer. die in Ehren grau geworden sind, von junge» Burschen ohne jeden Grund beschimpft und geschlagen werden, dann mutz unter dem Personal des Obdachs eine Roheit der Gesinnung eingerissen sein, die jeden Menschen von vornehmerer Denkart mit Entsetzen erfüllt. Man sage uns nicht:„So wird man eben im Verkehr mit dem Aus- wurf der Menschheit". Nein, man b r a u«h t nicht so zu iverden! Auch der Verkommenste stutzt, wenn durch die notwendige Bestimmt- heit und Festigkeit des Tons, in dem er zurechtgewiesen wird, noch ein klein wenig Menschenliebe hindurchklingt. UebrigenS soll es thatsächlich unter dem Personal des städtischen Obdachs vereinzelte rühmliche Ausnahmen geben. E i n Name ist uns von den Obdach- losen vielfach mit dankbarem Lobe genannt worden. Das Gegen- ftück bildet ein andrer, den wir fast überall nur mit grimmiger Ver- achtung aussprechen hörten. Leider sehlt eS am rechten Beispiel von oben. Auch über den Inspektor hat man unS gesagt, datz er keinen Unterschied zu machen wisse.„ O b d a ch l o s e s G e s i n d e l I" soll«in Lieblingsausdruck von ihm sein. Der Mann sieht anscheinend in jedem, der zu ihm kommt, von vornherein einen Faulenzer und Arbeitsscheuen, den nur der Wunsch herführt, eS sich einmal für einige Zeit auf Kosten der Stadt wohl sein zu lassen. Ach nein, Herr Inspektor! Solche, die sich in der von Ihnen geleiteten Anstalt behaglich fühlen, werden Sie schwerlich in großer Zahl finden.„Wenn ich nur erst wieder hinaus könnte I" haben wir übereinstimmend von allen gehört, die wir darüber be- fragt haben; und„Nie wieder hinein I" ist mit derselben Ueber- einftimmung die Versicherung derjenigen, die endlich wieder eine anderweitige Unterkunst gefunden haben. Die wenigen, die nicht so denken, denen es trotz aller Grobheiten und Schimpfworte, trotz aller Püffe und Schläge im städtischen Obdach behagt, genießen bei der Mehrzahl der Obdachlosen selber recht wenig Achtung. DaS kurzsichrige Vorurteil vom„obdachlosen Gesindel", die gedanken- lose Neigung, einzelne schlimme Erfahrungen schnellfertig zu ver- allgemein ern, erklären manches, was aus dem städtischen Obdach bekannt geworden ist. Wer so denkt, dem geht von vorn- herein die Fähigkeit ab, zu erkennen, datz man auch durch un- verschuldete Not mS Obdach kommen kann. Bei dem wundert man sich dann aber auch nicht mehr über die Behandlung, die namentlich die Insassen des Familienobdachs in den letzten Wochen und Monaten über sich haben ergehen lassen müssen. Das„Wohlleben", das auf Kosten der Stadt im Familien« o b d a ch geführt wird, sieht bei Lichte besehen sehr viel anders aus, als es dem Herrn Inspektor erscheint. Wie sich eine obdachlose Familie in die Anstalt hineinrettet, wie sie sich nachher wieder hinaus- flüchtet, das ist manchmal eine einzige, ununterbrochene Ketie von Leiden. Die einen hat die große Kinderzahl keine neue Wohnung finden lassen und trotz Zahlungsfähigkeit unterkunftslos gemacht; die andern sind durch Krankheit und Arbeitslosigkeit in Not geraten, mit der Miete im Rückstand geblieben und exmittiert worden. Wohin nun? Zunächst mal ins Obdach I Hier werden sie mit finsterer Miene empfangen und unter unfreundlichen Worten in die Anstalt aufgenommen. Wieder ein paar mehr von dem„obdach- losen Gesindel" l Damit sie bei dem„Wohlleben", das nun beginnt, nicht zu üppig werden, wird den Familienoberhäuptern fleißig vorgehalten, datz sie noch immer keine Arbeit und noch immer keine Wohnung haben, datz sie wahrscheinlich keine Lust zum Arbeiten haben uiw. Wie schwer es heute ist, A r b e i t zu finden, davon braucht man ja als Inspektor eines städtischen Obdachs keine Ahnung zu habe». Wer. um Arbeit oder Wohnung zu suchen, schon am frühen Morgen aus- geht, der macht sich dadurch erst recht der Faulheit verdächtig. Am Ende will er sich nur drücken, um nicht an der Reinigung der Säle und der anderen im Wirtschnftsbetriebe der Anstalt vorkommenden Arbeiten teilnehmen zu müffen.„Das obdachlose Gesindel soll arbeiten, daß ihnen die Schwarte knackt!" Auch das braucht ein Obdachinspektor nicht zu wissen. Iva. schwer es besonders für einen Obdachlosen ist. Wohnung zu finden.„Wo kommen Sie denn her? Wohl aus der„Palme"? 1 Sie stinken ja auf zehn Schritte nach Karbol! Denken Sie vielleicht, ich will mem Haus zum Obdach machen?" Damit wirft der Herr Hauswirt dem Wohnungssucher die Thür vor der Nase zu. Das kann gegenwärtig einem Obdachlosen zehnmal an einem Tage passieren. Wenn ein Wirt einen Obdachlosen aufnimmt, dann thut er es in der Regel nur, weil er für die Wohnung keinen andren Mieter finden würde. Wir haben einzelne ehemalige Obdachlose in Wohnungen angetroffen, für die die Bezeichnung„Schweine- st a l l" kaum eine Uebertreibung ist. Wer nach mehreren Wochen deS Aufenthalts in der Anstalt immer noch keine Wohnung gefunden hat. dem stehen schwere Tage bevor. Er wird mit den Seinen außer Ver- p f l e g u n g gesetzt, d. h. die Familie darf nur noch in der Nacht im Obdach weilen und erhält dein entsprechend als Beköstigung nichts weiter als den kargen Abend- und Morgcnimbitz. Den Tag über mutz das„obdachlose Gesindel" si ch auf der Strotze umher- drücken! Seit unsren Veröffentlichungen hierüber ist zwar in dieser Beziehung bereits einiges anders geworden, aber wer in den letzten Wochen die' entsetzlichen Zustände, die sich daraus ergaben, mit angesehen hat, dem sind sie ebenso nnvergctzlich wie denen, die selber davon betroffen worden sind. Wir hätten eS niemals für möglich gehalten, daß ein fühlender Mensch Mütter mit Säuglingen in den kalten, regnerischen Herb st morgen hinaustreibt, wenn wir uns nicht mit eignen Augen überzeugt hätten. Ich habe beute mein Kind begraben müssen!" sagte uns ein Vater, der gleichfalls mit seiner Familie außer Ver- pflegung gesetzt worden war. Die Mutter lvar ein paar Tage mit dem auf der Stratze n Darmkatarrh erkrankten Kinde umhergewandert, bevor sie es in ein Krankenhaus gab und dort sterben ließ. Doch wir wollen die erschütternden Bilder nicht von neuem auf- rollen; jsie werden unsren Lesern noch in frischer Erinnerung sein. „Obdachloses Gesindel!" Wenn diese Bezeichnung schon auf die Insassen des Familienobdachs angewendet wird, so nimmt man sich den nächtlich Obdachlosen gegenüber erst recht kein Blatt vor den Mund. Bloße Schimpfworte gelten hier manchem, der öfter Gelegenheit gehabt hat, die„Wohlthatcn" des städtischen Obdachs zu genießen, noch als eine milde Behandlung. Aber wehe dem un- erfahrenen Neuling, der sich Schimpfworte verbittet! Da wird ihm sehr rasch klar werden, daß die Abgebrühten, die sich mit dem Gedanken„Schimpfen thut nicht weh I" beruhigen, nur zu recht haben. Hier ist ein Fall für viele. Er liegt zwar schon eine Reihe von Jahren zurück und ereignete sich unter dem Regiment des früheren Inspektors(unter dem, wie man sagt, weniger als unter dem jetzigen, aber auch noch sehr reichlich geprügelt wurde), doch er darf als besonders charakteristisch gelten.' Ein junger Musiker traf von Stettin kommend am späten Abend in Berlin ein und ließ sich, da seine ganzen Barmittel bis auf wenige Groschen durch die Reise verbraucht waren, von einem jungen Kaufmann überreden, das ihm gänzlich unbekannte städtische Obdach aufzusuchen. Man empfing ihn mit den Worten:„Na, Du Strolch, wie kommst Du denn jetzt noch her?"—„Aber erlauben Sie mal, ich bin doch kein Strolch! Ich komme eben von der Reise."—„Halt' die Schnauze, Schwindler!" war die von einer kräftigen Ohrfeige begleitete Antwort, und mit einem kräftigen Fußtritt in das Gesäß wurde der Ueberraschte und völlig Fassungslose in den Schlaffaal befördert. Jener„Strolch" war in durchaus guter und sauberer Kleidung vor die Beamten hingetreten. Er befindet sich heute in geachteter Stellung und hat jetzt dem Stadtverordneten Genoffen Hoffmann, der ja die „Wohlthatcn" der Anstalt nun ebenfalls am eignen Leibe erfahren hat, den Vorfall schriftlich mitgeteilt und seine Darstellung mündlich noch ergänzt. Andre Mitteilungen ähnlicher Art. die sich auf Vor- fälle aus den letzten Monaten und Wochen beziehen, müffen wir auf Wunsch und im Juteresse der davon Betroffenen für nnS behalten, da die Bedauernswerten daS Obdach voraussichtlich noch öfter in Anspruch nehmen müssen.— Die Leitung des Obdach? lätzt durch die bürgerlichen Blätter Notizen über Notizen verbreiten, die den Eindruck machen müssen, als ob daS städtische Obdach wirklich nur von Strolchen aufgesucht wird. Aus eben diesen Notizen klingt ungesprochen, aber deutlich ver- nehmbar das Wort„Obdachloses Gesindel!" heraus. Nein, vorläufig sind die anständigen, ruhigen Elemente in der Anstalt noch weitaus in der Mehrzahl und die verkommenen Burschen, die Faulenzer und Arbeitsscheuen in der Minderheit. ES wäre aber kein Wunder, wenn sich in eine Anstalt, in der man so die M e n s ch e n- würde mit Füßen getretenhat, in der Wehrlosein rohe st er Weise beschimpft und geschlagen worden sind, thatsächlich nur noch Gesindel hineinwagte. Eingegangene Denckschrifteu. Von der„Neuen Zeit"(Stuttgart, Dietz' Verlag) ist soeben daS 50. Heft deS 19. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhalt heben wir hervor: Ein politischer Glücksritter.— Der Opportunismus in der Praxis Von Parvus. b. Der Bernsteinsche Revisionismus.— Aus Holland. Bon W. H. Bliegen.— AuS dem lttterarischen Nachlaß von Karl Marx, Friedrich Engels und Ferdinand Lafialle. Eine Selbftanzeige von Franz Mehring.— Die Gewcrkschastcn w den Vereinigte« Staaten. Mit besondrem Hinblick aus den Streik der Stahlarbeiter. Von I. Franz.— Der Parteitag und die Budgetbewilliaung. Von Rosa Luxemburg.— Litterarische Rundschau: Dr. Maaß, Ludolf, Der Einfluß der Maschine aus das Schreinergewerve. Dr. I. W. B ruinier, Das deutsche Volkslied.— Notizen: Bessere Ausnutzung der Dampsmaschinm. Gentralverein der Bildhauer Teutschlands(Verwaltungsstelle Berlin). Dienstag, den 17. d. M.. abends&/, Uhr, im Gewerkschaflshause, Engel-Ufer 1b: Versammlung. Tagesordnung: Welche Lehre ziehen wir aus der am 8. d. M. stattgefundenen Versammlung? Marktpreise von Berlin am 14. �ptcmbcr 1001 nach Erintttlmigen de« rgj. Polizeipräsidiums. Welzen, gut D.-Ctr „ mittel„ gering« fRoggen, gut mittel. „ gering Gerste, gut „ mittel« gering Haler, gut « mittel, . gering »iichstnoh. Heu Erbsen. Spetserohnen, Linien. f frei Wagen und ab Bahn. Produkteumarkt vom 16. September. Verkehr war die Tendenz am heutigen Getteidemarkt matt. Die Ursache davon war in den Vorkommniflen bei der„Reederei vereinigter Schiffer" in Breslau zu suchen, die das lebhafteste Gesprächsthema bildete. Man be- fürchtete, daß nuch in Weizenkonnossementen Fälschungen pattgefunden haben. Von Amerita fehlte die Anregung, da dort die Börse am Sonnabend ge- schloffen war. Offerten aus Rußland waren nicht am Markte, man versucht von dort sogar Zurückregulierungen. Auch das inländische Angebot war sehr klein. Die Lieferungspreise für Weizen stellten sich etwa�l� M. " war ietreide. Bei geringem niedriger, diejenigen für Roggen etwa 1 bei stillem Geschäft b— 10 Pf. niedriger. Angebots und grober Zufuhren; Käufer amerikanischer Mixed, wie Laplata sest. unverändert. M. unter vorgestem. Mehl i. Hafer lag matt infolge starten fehlten. Von MaiS war sowohl Rüböl ohne Geschäft, nominell Witternngsübersicht vom 1K. September 1901, morgens 8 Uhr. Weiter-Prognose für Dienstag, de» 17. September 1001. Etwas wärmer, zunächst aufklarend bei ziemlich frischen südlichen Winde», später wieder zunehmende Bewölkung, ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterdurea«. Briefkasten der Redaklion. Die juristische Sprechstunde findet am DiruStag, Donnerstag und Freitag von 7-0 Uhr abends statt. Fahrrad-Zoll. Sie finden das Gewünschte im„Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich" in der Abteilung„Auswärtiger Handel" unter dem Titel„Fahrräder". Das„Statistische Jahrbuch" erscheint alljährlich bei Pnttkammer u. Mühlbrecht in Berlin.— Preis 2 M. E. L., Unterricht. Das von Ihnen genannte Institut kennen wir nicht. Gelobt wird die Berlitz-School, doch kostet hier der Unterricht für zwei Stunden wöchentlich 8 M. den Monat. I. B. Die am meisten in Betracht konimenden AlterSversorgungS- Anstalten Berlins smd: Die Anstalt der Kaiser Wilhelm- und Augusta- Stiftung, Schulstr. 97/98, das Friedrich Wilhelms- Hospital, Bureau Rat- haus, Zimmer 86/88, die Hospitäler zum Heiligen Geist, die gegen ein Eintrittsgeld von 900—1350 M. evangelische Personen aufnehmen und dem Stadttat Haak, Klosterstt. 68 I, vorsteht. Ferner die Mcydingerschen Stiftungen, Große Frankfurterstr. 24. und das Nikolaus-Bürgerhospital, Große Franksurierslr. 21, sowie das Jakobhospital, Orantenstr. 30, und das Jerusalemstift. Letztere beiden kommen nur für Frauen in Bettacht. In allen diese» Hospitälern sind viel« Personen vorgemerkt, so daß nur schwer auf Ausnahme zu rechnen ist. F. K. Wenden Sie sich an daS Wöchnerinnenhetm, Urdaustraße 33, von welchem auch Wöchnerinnen in ihrer Häuslichkeit oerpflegt«erden. Schulze. Im Westen ist bei Bartelt, Bülowstraße 59, und bei WagaS, Pallasstraße 16, eine Zahlstelle der Freien Volksbühne. — Uhr. Ist in Ihrem Vertrage nichts andres vereinbart, so sind Sie be- rechttgt, den Verkäufer, der Ihnen Garantte geleistet hat, aufzufordern, innerhalb einer von Ihnen zu setzenden Frist die Uhr zu reparieren, widrigenfalls Sie vom Vertrage zurücktreten und Schadensersatz verlangen würden, und dieser Drohung entsprechend zu handeln. Weitere Raten haben Sie bis zur Instandsetzung nicht zu zahlen.— St. 34. Falls Sie älter als 21 Jahre sind, würde leider die Klage gegen Sie nicht ohne Aussicht aus Erfolg sein. Immer wieder können wir nur davor warnen, für den Arbeiter wertlose, zum allermindesten überaus teure Bücher, wie Ko n v ers atton«- L ext ka, Heil- verfahren usw. in Raten zu entnehmen und auf die nicht schriftlich abgegebenen Versicherungen der Reisenden etwas zu geben. Wie mit Büäiern, verhält es sich mit sogenannten Gemälden, Schutzuiitteln usw.— St. B.<£. 150. Poltzeiverordnungen oder Gemeindestatutcn, welche geschlossene(nicht öffentlich«) Der- gnügunaen einer Lustbarkeitsstener unterwerfen, sind ungültig. — B. D. 100. Allein eine Ctvilklage könnt« Ihnen zu Ihrem Recht- ver- helfen. Der Erfolg ist aber, falls keine Zeugen vorhanden waren, ein zweifelhafter, da der Gesetzeswöchter voraussichtlich einwenden wird, Sie hätten aus seinen Ruf nicht gehört, so daß er zwecks Feststellung Ihrer Persönlichkeit seinen Spieß in der von Ihnen beschriebenen Weise anwenden mußte.— R. M. Totenkopfbehandlmig ist auch uns unbekannt.— Frau Krause. Den Antrag auf Bestrafung können Sie stellen. Ob er Erfolg haben wird, hängt wesentlich davon ab, ob das Gericht annimmt, der MietsvertragS-Wortlaut habe den Hauswirt tn die Ansicht gesetzt, er sei trotz Ihres Verbots zum Eintritt berechtigt.— Pankow. Eugc» 37. Der Arbeitgeber haftet persönlich nicht, weil er den Unfall nicht vorsätzlich herbei- geführt hat. Die niedrige Unsallrente beruht auf den gesetzlichen Be- stimmungen des Unsallgesetz-S, nach denen nie voller Schadenceriatz, sondern stets nur ein Teil des Schadens in Gestalt der sogenannten Unsallrente zu zahlen ist.— F. P. 01. Das geschilderte Benehmen ist ungehörig. Wenden Sie sich beschwerdeführend an den Magistrat Berlin, Rathaus.— 120. Der Wirt ist nicht berechtigt, vom Lohn etwas abzuziehen oder die Bücher ew- zubehalten, bis der vermeintliche Schaden abverdient sei. Ihr Bruder soll auf Herausgabe der Papiere, Zahlung des einbehaltenen Lohns und eventuell aus den durch Einbehaltung ihm zugefügten Schaden klagen. Verantwortlicher Nedactmr: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin.