Ar. 318. AbomltNltMs-Zedingunzk«: TbonnemsntS-PreiZ pränumerando: «lertiljährl. Z,W Ml., monall. 1,10 Ml., isöcheuIUch 28 Pfg. frei ins Haui. SlNMlne Numw-r 5 PIg. Tonnlagi- Nummer mt» läuNricner Sonniazi» Beilage„Die Neue Well" 10 Plg. Post. Xlbonnement: l,1v Mark pro Mona», Singetragen in der Post-Zeitung»- Preisliste für ISUI unter«r. 787». Unter«reuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat, 18. Jahrg. Die Instrtions-GMyl beträgt für die fechSgefpaltene Solonel- seile oder deren Raum«0 Pfg., tue politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Psg, „Dieine Kilkeigeu" jedeS Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derErped ttion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- lagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen btS S Uhr vormittags geöffnet Erscheint täglich nutzer MvnUg«. Devlinev VolKsblalt. Telegramm-Adresse- «Porlaldemostrat Verii»" Centrawrgan der socmldemokratistlien Nariei Deutschlands. KedaKtion: SW. 19, Veulh- Strafe 2. Feritffirecher: Slmt I, Nr. 1508. Mittwoch, den 18. September 1901. Expedition: SW. 19, Veulll-SleMe 3. Fernsprecher: Slmt I. Nr. 6121. Arbeiterwechsel und Unfallhanfigkeit. Die Berichte der Gewerbe-AilfsichtSbeamten machen seit Jahren daranf aufmerksam, welch ungünstigen Einfluß der häufige Wechsel der Arbeiter auf die Häufigkeit der Unfälle ausübt. Neuerdings hat nun der Beauftragte der Rheinisch- Westfälischen Hütten- und Berg werks-Berufsgenosscnschaft, F. Freildenberg in Esten a. R., im Gebiete dieser Berufsgenossenschaft den Zusammenhang zivischcn Unfallhäufigkeit uud Arbeiterivechsel eingehend untersucht; die ge wonnenen Resultate teilt er im Septemberheft des„Gewerblich Technischen Ratgebers" mit. Die erwähnte Berufs geuossenschaft besteht fast ansschließlich aus Großbetrieben und zwar aus 233 mit 129 966 Arbeitern, so daß auf jeden Betrieb durchschnittlich SS8 Arbeiter entfallen. Frendenberg hebt zunächst sehr zutreffend hervor, daß es ganz besonders gefährlich ist, einen neu eintretenden nngeübten Arbeiter sofort einer geübten Arbeiter� kolonne zuzuiveisen, denn er ist dann nicht nur auf seine eigne Ailf merksamkeil augeiviesen, sondern auch auf die seiner Mit arbeiter und diese sind, weil sie ailf eine bestimmte Arbeit eingeübt sind, sicherer, rascher uud kennen die Gefahren, so daß der Neuling, auf den keine Rücksicht genommen wird und auch meist nicht genommen werden kann, stets benachteiligt ist. In der Rheinisch-We st fäli scheu Hütten- und Walzwerks Bcrufsgenossenschaft ist der Arbeiter ivechsel ein außerordentlich großer; in einigen Werken wechselt die Belegschaft im Jahre dreimal!„Dies Betriebe st ehe n mit derZahlderUn fälle obenan! Freudenberg entschuldigt dies damit, daß es an geübten Arbeitern fehle; es läge nicht an den Unternehmern, wenn sie ungeübte ein- stellen, sie würden im eigenen Interesse lieber geübte nehmen. Das stimmt nicht! Wenn den Unternehmern ernstlich daran läge, geübte Arbeiter zu beschäftigen, so brauchten sie ja nur diesen die Arbeitsbedingungen derart zu gestalten, daß die Arbeiter bleiben und nicht nach kurzer Thätigkeit ivieder davongehen. Aus Uebermut findet dieses Hin- und Herströmcn der Arbeiter nicht statt, vielmehr siild es die miserablen Arbeitsverhältnisse, schlechte Löhne, überlange Arbeitszeit, chikanöse Behandlung seitens der Vorgesetzten, die die Arbeiter davontrciben. Im letzten Jahresbericht schreibt der Gcwcrbe-Aufsichtsbcamte für Düsseldorf:„Weit über die Hälfte sämtlicher zur Anzeige gebrachten Unfälle, nämlich 12 285 mit 64 Todesfällen. fallen der Hütten- und Walziverks-Berufsgenossen- schaft zur Last. Hier kommen auf 1600 beschäftigte Arbeiter 2-13,3 Unfälle, im ganzen Bezirk einschließlich der andern Betriebe 62,2 Unfälle? Es entspricht das für diese Berusögcnosscn schaft im Vergleich mit dem Vorjahre einer Zunahme von 19,2 pro Tausend. gegenüber einer solchen von 1,9 pro Tausend bei der Gesamtheit der Arbeiter des Bezirks.— Die schwersten Unfälle ereigneten sich wie in den Vorjahren bei den Rangier-, Transport- und Entlade-Arbeiten. Unter den Gründen, auf Ivelchc die fortgesetzte Steigerung der Unfallziffern zurückzuführen sein dürfte. steht wohl zweifellos mit in erster Reihe der starke Arbeiter ivechsel und die Einstellung ungeübter, mit den Gefahren der Betriebe nicht vertrauter Persone n." Freudenberg hat nun durch eingehende statistische Znsammen stellung dargelegt, ivie groß in den Jahren 1896 bis 1899 der Arbeiterwechsel und die Unfallhänfigkeit war. Es ergab sich demnach folgendes: Arbeiterwechsel Dabei ergaben sich Von 100 Ver- Im Jahre im Bezirk der auf 1000 Personen letzten waren Genossenschaft Unfälle Nettlinge 1896 42.0 Proz. 10 38,4 Proz. 1897 42.0.. 10 38,5„ 1898 45,8., 11 433 1899 49,2.. 12 43,7„ Je stärker der Arbeiterwechsel, je größer also die Zahl der Neu- linge, um so zahlreicher lvaren auch die Unfälle. Uni den Einfluß des Wechsels von Arbeitern, die auf den gleichen Werken von einer Abteilung in eine andre überiviesen iverden, festzustellen, hat Frendenberg auch die Zahl der Unfälle festgestellt, die im e r st e n Jahr der Beschäftigung mit der gefahrbringenden Arbeit ent- standen sind und er erhielt dabei für 1396—1899: 47,6, 46,1, 46.8 und 49,0 Proz.„Im ganzen GenossenschaftSbczirk ereignen sich also beinahe die Hälfte aller Unfälle im ersten Jahre der Beschäftigung des Ver- letzten mit einer neuen Arbeit; damit ist wohl der BciveiS von dem großen Einfluß des Arbeiterwechsels auf die Vermehrung der Unfälle erbracht." Einen weiteren Beweis für die Richtigkeit dieser Schluß- folgcrung liefert Freudenberg dadurch, daß er zeigt, wie die Zahl der Unfälle abnimmt, je länger die Arbeiter in dem Bc- triebe beschäftigt sind. Im Jahre 1896 zählte Frendenberg die Ver- letzte» ini 2.-5. Jahre der Beschäftigung in dem Werke, wo die Unfälle sich ereigneten, und es ergaben sich folgende Zahlen: Im 2. Jahre der Beschäftigung.. 11,5 Proz. „.• 6,4„ . 4.,„,.. 5,4„ w 5,„„„». 5,4„ Ferner hat er bei einer Sektion der Genossenschaft einen städtischen Bezirk mit stets wechselnder Arbeiterschaft und einen ländlichen Bezirk mit seßhafter Arbeiter- bevölkernng verglichen und zivar bei gleicher Gefahren- klaffe. Der städtische Bezirk hatte eine» Arbeiterwechsel von 52,2 Proz., der mehr ländliche Bezirk nur 29 Proz. Im stä d tisch e n Bezirk kamen ailf 1000 Personen 12,1 Verletzte, im ländlichen nur 3,05! Der städtische Bezirk hatte dabei 60,6 Proz. der Unfälle im ersten Jahr� der Beschäftigung der Ver- letzten auf dem betreffenden Werke. Die Untersilchnngen Freudenbergs sind sehr verdienstvoll; daß sie' wie er wünscht, auch von andern Genossenschaften ausgeführt werden, erlauben wir uns zu beziveifeln, denn ivenn auch die Genossenschaft das Risiko zu tragen hat, so sind doch die Unternehmer gleichmäßig daran interessiert, sich nicht hinter dieEoulissen blicken zulassen. Die Ursachen des häufigen Arbeiterwechsels sind überall dieselben, die wir schon erwähnten. Nicht Aufgabe einer Jnteressenvereinigung, sondern Pflicht des Staats, speciell des Reichs- Versicherungsamts, ist es, solche Untersuchungen vorznnehmen. Dabei müßte es aber auch, was bei Frendenbergs Untersuchungen nicht geschah, darauf achten, wie viel jugendliche Arbeiter in den einzelnen Jahrgängen verunglückten. Gerade im Bezirk Düsseldorf werden jugendliche Arbeiter vielfach mit gefährlichen Arbeiten beschäftigt. So heißt es ini Bericht des Geiverbe-Jnspcktors zu Solingen für 1900:„In Metallwarenfabriken wurde beanstandet, daß jugendliche Arbeiter an Pressen ohne Anleitung, noch dazu im Accordlohn, beschäftigt wurden; hänfigeUn fälle lvaren die Folgen. Auch s o n st ist auf Gnind der Unfall Untersuchungen nianchmal festgestellt ivorden, daß bei der Zuteilung der Arbeiter nicht der jugendlichen Unerfahrenhcit Rechnung getragen lvar. Die Unternehmer wurden jedesmal nachdrücklich verivarnt und auf die ihnen»ach ß 120 v der Gewerbe-Ordnung obliegenden Pflichten soivic auf die strafrechtliche Verantwortung hingelvicsen." Gleiche Mitteilungen finden sich Jahr für Jahr ans vielen Teilen des Reichs. Die strafrechtliche Berantlvortung hat eben die Unternehmer nicht abgeschreckt, da ja die Gerichte jene bekannte Milde ivalten lassen! Erst ivenn hohe Strafen ivegcn fahrlässiger Tötung ausgesprochen werden, ist Abhilfe zu erivarten. ziehen wird, das den Vertreter eines höchsten Reichsamtes äußerst übel ansteht: Graf Posadowsky erscheint von neuem als werbender Bittsteller vor der Schivellc der Großindustrie.— RolikiMe Mebevfltzkzk» Berlin, den 17. September. Der 12 000 Mark-Minister. Als die Socialdcmokratie im Reichstage den 12 000 Mark-Bettcl des Reichsamtes des Innern brandmarkte, flüchtete Graf von Posadowsky, in der Furcht des Amtsverlustes, auch zu dem Versuch, den Schein erwecken zu wollen, als ob seine Beziehungen zum Centralverband der Scharfmacher keineswegs so intime seien, als der 12 000 Mark- Lohn gcoffenbart hatte. Thatsächlich haben damals einige Bemerkungen des Staatssekretärs des Innern die Gewaltige» der Großindustrie einigermaßen gekränkt; es war unerträglich, daß ein Minister, dessen Amt soeben den Klingelbeutel bei der Großindustrie herumreichen ließ, wenn auch nur leise ab- zuleugnen sich vermaß, daß er den Herren der Industrie unbedingten Gehorsam schnlde. Jener gelinde Zwist scheint seit dem Tage des 12 000 Mark- Skandals Nicht völlig ausgeheilt zn sein und noch heute erscheinen die Beziehungen zwischen dem Reichsamt des Innern und dem Ministerinm, das Socialpolitik durch schmählichsten Brotlvuchcr be- treibt, einigermaßen gespannt. Ein Zeugnis dieses fortdauernden Zerwürfnisses bietet eine höchst reizvolle Enthüllung, die heute das Organ des Ceiitralverbandcs, die„Berliner Neuesten Nachrichten" machen. In einer Polemik gegen den Handelsvertragsverein sagt dieses Blatt: „Der Centralverband deutscher Industrieller trägt nicht ivie die deutschen Freihandclsdoktrinäre für jedes möglicheriveise neu anftauibende wirtschaftliche Problem die Lösung von vornherein fix und fertig in der Tasche, sondern hat es stets erst nötig, die vermutliche Wirkung einer Maßnahme auf die Wirklichkeil zu untersuchen, che er feste Stellung»inunt. Darin liegt ja gerade der Unterschied zwischen der Politik in den Wolken und der Politik auf festem Erdboden. E r hat es des- halb abgelehnt, sich für daS System eines Doppel- tartfs iniSzusprcchc», so stark daö Reichöamt dcö Inner» seiner Zeit auch für eine solche Kundgebung warb, lind hat sich ani 9. August 1901 in der unzweideutigsten Weise gegen das System des partiellen D o p p e l t a ri fö' erklärt. das der Zolltarif-Gesetzentwnrf von: 26. Juli 1901 einzuführen versucht. Daß über diesen Entwurf große Unruhe im Central verband geivesen wäre, davon ist uns nicht das mindeste bekannt.. Der neue Tarifcntwurf ist zuerst im Reichsamt des Innern ausgearbeitet worden. Graf Posadotvsky, der nur deswegen nicht über die Schmach des 12 000 Mark- Bettels nicht stürzte, Iveil Ko» ervative und Agrarier seiner dringlichst bedurften, rechtfertigte die Zuversicht seiner agrarischen Auftraggeber und unter seiner Leitung erhielt der- Entumrf sein durchaus hochschutzzöllnerischcs und ultra- brotwucherisches Gepräge. Dieser erste Entwurf stieß auf Widerstand beim R e i ch s- S ch a tz a m t. das sich den Gefahren des Doppeltarifs nicht verschloß. In jenen Kämpfen innerhalb der Rcichsrcgicrnng mag es gewesen sein, daß Graf Posadowsky sich von neuem bettelnd an den Centralverband wendete. Diesmal erbat er nicht Agitationsgelder für den Zoll- tarif, sondern eine Kundgebung zu seineil Gunsten. Graf Posadowsky hatte auch Anlaß, die Erfüllnng seines Wunsches er- warten zu dürfen, da die Angehörigen des Centralverbandes, welche im Wirtschaftlichen Ausschuß mit ihm gearbeitet hatten, dem Doppel- tarif zugestimmt hatten. Die bei diesen Verhandlungen des Wirtschaftlichen Ausschusses nicht beteiligten Meister dcS Centraiverbandes jedoch nutzten die Gelegenheit, an dem ihnen unliebsam gelvordeuen Minister Ver- geltung zu üben. Sie verweigerten die geforderte Kundgebung, um diejenige Richtung in der Regierung zu stärken, welche den Unsinn des Doppeltarifs erkannte. Wenn jetzt die„Berk. Neuesten Nachr." jene Conlissenvorgänge der Oeffentlichkcit übergeben, so gewiß auch nicht aus Licbens- Würdigkeit gegen den Grafen v. Posadowsky, der hierdurch uicht nur nochmals in schärfster Form als eifrigster Sachwalter der extremsten Hochschntzzoll-Politik denunziert, sondern auch eines Verhaltens ge>nei n ere U e b e l. Das kleine Nebel. Eine lustige Episode aus dem Wahlkampfe in Baden berichtet unser Korrespondent: Wir müssen eS unsren politischen Gegnern hoch anrechnen, daß sie im aufreibenden Getriebe der Wahlbeivegung ab und zu auch für heitere Episoden sorgen, die unsren Kämpfern die Last und Alis- regiing des Kampfes auf kurze Zeit vergesse» machen. In besonderem Maße haben sich dieses Verdienst die bürgerlichen Parteien der guten Stadt Karlsruhe erworben, die bei den nahe bevorstehenden badischen L a n d t a g s>v a h l e n bekanntlich gemeinsam zur Enscheidungsschlacht ausziehen wollten, um den socialistischen Umsturz- brachen zu erlegen. Bcyor jedoch dieser gemeiilsame Auszug der bürgerlichen Georgs- ritterschaft beginnen konnte, galt es, zivischcn den beiden Haupt- teilnchniern am Kampfe, den nationalliberaleu Kultur- lämpfer» von ehedem und ihren ehemaligen klerikalen Feinden, gewisse Hindernisse zu beseitigen, die dem brüderlichen Znsammen- wirken gegen den Umsturz vorerst noch im Wege standen. Es war kein leichtes Stück, diese Aufgabe zu lösen, die in nichts geringerem bestand, als in der Auslöschnng des ganzen glühenden Hasses, der sich im Laufe jahrzehntelanger erbitterter Kämpfe auf beiden Seiten der bürgerlichen Umstnrzgegncrschaft angesammelt hatte. Doch der glänzende Lohn, der denjenigen ivinkte, die dies Kunststück fertig brachten, verlieh ihnen auch den Mut zur schwierigen That, und nach langwierigen Vorbereitungen ivar man beiderseits so weit, daß eine Stunde festgesetzt ivurde, zu der die Beanftragteit der Umsturzbekämpfcr zum Abschluß der Verbriidernngsverhandlnngcn zusammentraten. Kein Geringerer als der Oberbürgermeister der Residenz Karlsruhe in eigner Person ivar es, den die Herren Nationalliberaleu zum ordnungsparteilichen Rütli-Schivur entsandten, und auch die Mannen klerikaler Couleur ließen es bei der Auswahl ihres Bevollmächtigten an nichts fehlen. So rückte denn der weltgeschichtlich denkivürdige Moment derbürgerlichenVerbrüderungzum Kampfe gegen den socialistischen Amsturz heran, und es entwickelte sich zwischen den Abgesandten der beiden Bundespartcien das folgende Ziviegespräch: Der Nationalliberale: Die Partei, die ich hier zu ver- treten die hohe Ehre habe, geht von der Ucberzeugung aus, daß die bisherige socialistische Vertretung unsrer Stadt Karls- ruhe eine der Bedeutung der letzteren als Residenz unsres geliehteu Landesfiirstcn durchaus unlvllrdige ist. Sie hält eS deshalb für ihre vornehmste Aufgabe, dem Umsturz in Karlsruhe diesmal mit Erfolg den Sieg streitig zu machen. Der C e u t r u m s in a n n: Genau wie die Ihrige, so wünscht auch meine Partei nichts sehnlicher als die Verdrängung der Umstürzler aus der Restdenzvertretung. Sie ivird sich die Erreichung dieses Zieles um so niehr angelegen sein lassen, als sie überzeugt ist, unserin geliebten Landesherrn daniit zu seinem nahe bevorstehende» Regiernngsjubiläum die willkommenste Festgabe zu Füßen zu legen. Der Nationalliberale: Es freut mich ungemein, bei Ihnen ei» so hohes Maß von wahrhaft vaterländischer Gesinnung und von Verständnis für die politischen Aufgaben des Bürgertums zu finden. Uni aber den beiderseits als so außerordentlich erstrebens- wert erkannten Ziele nahe zu kommen, reichen die Kräfte jeder einzelnen der von uns vertretenen Parteien nicht aus. Es bedarf vielmehr einer Vereinigung der bisherigen Gegner zu gemein- samem Kampfe gegen den Umsturz. Und diese Vereinigung zum endgültigen Abschluß zu bringen, das ist, wie Sie wissen, der Ziveck unsrer heutigen Znsammenknnft. Der Centrumsmann: Auch hierin decken sich unsre An- schauungen vollständig. Auch meine Partei sieht die Notwendigkeit des Zusammengehens aller ordnungsliebenden Elemente gegen den revolutionären Feind ein und hat mich deshalb zur Führung der Verhandlungen zum Abschluß des auch von Ihnen angestrebten Wahlbündnisses hierher gesandt. Der Nationalliberale: Ich bin überrascht von der patriotischen Selbstverleugnnng, mit der Ihre Gesinnungsgenossen alle uns bisher trennenden Gesichtspunkte beiseite schieben, um den gemeinsamen vaterländischen Zweck zu erreiche». Dem Abschluß eines Wahlkartelles zwischen den von uns vertretenen Parteien steht also erfreulicherweise nichts mehr im Wege. Bevor wir jedoch in die Einzelheiten der Vereinigungs-Vcrhandlungen eintreten, habe ich im Namen meiner Partei eine Erklärung abzugeben. Ich habe mich zu dieser Unterredung nicht etwa als Politiker eingefunden, sondern lediglich in meiner Eigenschaft als O b e r b ü r g e r m e i st e r der Residenzstadt Karlsruhe. Als Politiker bin ich mit meiner Partei gegen jedes Zusammengehen mit dem Centrum, da nach unsrer Auffassung der Klerikalismus in Baden immer noch die größere Gefahr ist, Ivcit größer als die socialistische Gefahr, und deshalb viel eher und energischer bekämpft werden m u ß als die Social- demokratie. Wenn ich dennoch einen Kompromiß mit dem Centrnm anstrebe, so thue ich das— Ivie gesagt— als Gemeinde- Vorstand aus lokalen, praktischen und wirtschaftlichen Gründen. Der C e n t r u m s ni a n n: Auch ich bin mit dem Auftrag zur Abgabe einer principicllcn Erklärung hierher gekominen. Meine Partei nimmt in politischer Hinsicht genau denselben Standpunkt ein, wie die Ihrige, natürlich nur in umgekehrter Richtung. Auch wir streben den Kompromiß mit Ihnen mir aus Zweckmäßigkeits- gründen an und halten von unscrm politischen Standpunkt aus den NationallibcraliSmus für das größere, in erster Reihe zu bekämpfende und die S o c i a l d e m o k r a t i e für das Der Nationalliberale(verdutzt): Sie werden begreifen, daß nach dieser Ihrer Erklärung alles weitere Verhandeln zwischen uns beiden nberflüssig geworden ist. Ich bedauere unendlich, daß es uns nicht gelaug, das gemeinsam erstrebte Ziel einer Vereinigung gegen die Partei des Umsturzes zu erreichen. Ich sehe mich gc- zwungcn, hiermit mein Mandat für erfüllt zu erklären und die Vcr- Handlungen abzubrechen. Der Centrumsmann: Ich schließe mich Ihrem Bedauern in vollem Umfange an. Auch ich verspreche mir von weiteren Ver- Handlungen nach Ihrer principiellen Erklärung nichts mehr. Es wäre ja in der That auch kein Grund dafür einzusehen, warum zwei Parteien, die sich gegenseitig als das größere Ucbel betrachten, zu gemeinsamem Kampfe gegen eine dritte Partei zusammentreten sollten, die in ihren Augen übereinstimmend das kleinere Ucbel dar- stellt. Herr Oberbürgermeister, ich habe die Ehre...! Der Nationalliberale: Ich habe die Ehre...! Die Geschichte ist nicht etlva„gut erfunden", sondern hat den Vorzug, buchstäblich w a h r zu sein. ** « Deutsches Weich. Christliche Gewerkschaftler und Lcbeusmittclwucher. Die Ortsgruppe K v I n des christlichen Metallarbeiter-Verbandcs befaßte sich dieser Tage mit der Frage dc§ Zolltarif-Entwurfs. Der Referent hielt eine Erhöhung der Getreidczölle für erforderlich. Der Herr offenbarte aber eine solche Unkenntnis, daß man ihn' nicht ernst zu nehmen braucht. Ihm wurde denn auch aus den eigenen Reihen gesagt: daß er noch„zu jung und zu ideal veranlagt" sei. Der Vorsitzende des ch r i st'l i ch'c n H o l z a r b e'i t e r- Verbandes, Herr W i n t e r s ch e i d t, sprach sich gegen die Zollcrhöhung aus, weil sie die Arbciterintcressen schädige; aber man möge die Angelegenheit nicht in die Gewcrk- schafts-Bewcgung hineintragen. In ähnlichem Sinn äußerten sich noch einige Mitglieder. Auf den Standpunkt des Rcfe- reuten stellten sich nur zwei Diskussionsredner, die übrigen n ch t aber sprachen sich, teils sehr scharf, gegen den Zoll aus. Herr F r ö m b g c n meinte: Unzweifelhaft haben die Arbeiter, die ja die Hauptbrotvcrbraucher seien, in erster Linie den Zoll zu tragen; das aber sei ihnen gerade in der jetzigen schlechten Geschäftszeit un- möglich. Nenn Zehntel der christlichen Arbeiter seien gegen eine Gctrcidezoll-Erhöhnng, auch gegen eine mäßige. Es sei unbegreiflich, daß man eine so tief einschneidende Frage außerhalb des Rahmens der christlichen Gewerkschaften verweisen wolle. Die Organisation Iverde darunter keinen Schaden nehmen. DcrVorsitzcnde des christlichen Metallarbeiter-Verbandes, Herr Kammer, war ebenfalls gegen den Zoll; die Arbektcr seien nicht in der Lage, der Landwirtschaft zu helfe». Ein andrer Redner, Herr K n t h, meinte, man dürfe sich nicht dnrch Worte wie „ausgleichende Gerechtigkeit" und„christlich" einschläfern lassen. Bei den Wahlen werde man d i e Schluß- folgern n gen ans dem Verhalten der Volks- Vertreter ziehen. Im übrigen war der Kernpunkt der Beratungen nicht die Frage: ob man für oder gegen den Zoll sei. sondern: ob die Erörterung und Stellungnahme in die christlichen Gewerkschaften gehöre. Mit einer Stimme Mehrheit wurde ein Beschluß gefaßt, wonach der Verbandsvorsitzeiidc, Herr Wieb er, ersucht wird nicht mehr im Verbandsorgan, dem„Christlichen Metallarbeiter", Stellung zu der Zollfrage zu nehme». Dieser Beschluß ivurdc zwar nur mit einer einzigen Stinime Mehrheit angenommen; die Annahme ist also der reine Zufall; aber er zeigt doch, daß in den Reihen der christlichen Arbeiter bezüglich der wichtigsten Lebensfrage eine bedauerliche Einsichtlosigkeit herrscht. Offenbar niöchten die Gegner des Wicberschen Standpunkts dem Centrum keine weiteren Ungclegciihciten bereiten. Aber sie werden die Erkenntnis nicht aufhalten. Wie diese Versammlung zeigt, haben auch die vom Centrum irregeführten Arbeiter die volksverderbliche Politik dieser Partei in der Lebens- mittcl-Zollfrage erkannt. Und diese Erkenntnis ivird mit der Zeit auch auf andre Gebiete hinübergreifen.— Zum Zolltarif. In der„Fränk. Tagespost" weist ein trcff- lichcr Sachkenner auf einige Schönheiten des Tarifentwnrfs hin, die bisher noch nicht bemerkt worden sind, wie denn der Wnchcrtarif ein unerschöpfliches Gebiet reizvoller Ausgrabungen bietet. U. a. führt der Verfasser des Artikels ans: „Es ist in freihändlerischen Organen mit Gcnugthunng begrüßt worden, daß die Kartoffeln zollfrei belassen worden sind. Zoll- frei sind aber nur die Kartoffeln als Gegenstand feineren T a f e l g e n u s s e s, als welche sie im Frühjahr zum Beispiel von Malta und den Canarischen Inseln kommen. Die Einfuhr amerikanischer Kartoffeln, die dem Massenkonsum dienen könnten, ist nach wie vor verboten, denn die kaiserliche Ver- ordnnng vom 2G. Februar 1875, ivelche die Einfuhr amerikanischer Kartoffeln wegen der Einschlcppnng des Koloradokäfers untersagt, besteht noch zu Recht, trotzdem kein Mensch je diesen Käfer gesehen hat. Aber der Feldzng wird gegen ihn weiter geführt, wie neuer- dings gegen die San Josö-Schildlaus, die auf amerikanischem Obst sitzen soll. Soweit man die amerikanischen A e p f e I nicht durch das Einfuhrverbot fernhalten kann, will man sie künftig m i t einem Zoll belegen. Frische Aepfel sollen zwar nach Nr. 46 zollfrei bleiben, lvcnn sie unverpackt oder in Säcken eingehen, in andrer Verpackung unterliegen, sie aber eincnl Zoll von 6 M. für den Doppelcentner. Da die amerikanischen Aepfel in Fässern eingeführt werden, so trifft sie specicll dieser Zoll. Nr. 112 sieht für Würste a u s F l e i s ch v o n V i c h einen Zollsatz von 45 ZW. vor. Bekanntlich verbietet K 12 des Fleischbeschau-Gesetzes vom I. Juni 1900 die Einfuhr v o n W ü r st e n aus zerkleinertem Fleisch von Vieh seit dem 1. Oktober vorigen Jahres. Daß dennoch ein Zollsatz dafür angesetzt ward, beweist, daß selbst die V e r f a s s er des Zolltarif- Entlvurfes nicht mit den einschlägigen gesetzlichen Lc- stimmnngcn vertraut sind. Gleich den Würsten ver- bietet das Gesetz auch die Einfuhr von Fleisch in luftdicht ver- schlossenen Buchsen, das sogen. Eorned bcef. Dieses Büchsenfleisch hat seine Schicksale gehabt, wie man sie sonst nur bei Büchern kennt. Mit Caprivis plötzlicher Entfernung ans dem Amte im Oktober 1894 gewann Miguel, der als preußischer Finanzminister Chef der preußischen Zoll- und Steucrverwaltung war. durch die preußischen Stimmen im Bundesrat immer mehr Einfluß auf dessen zolltarifarische Entscheidungen. Seit jener Zeit werden die vertragsmäßigen Zollsätze als Ansnahmesätze im engsten Sinne angesehen und nur denjenigen Waren, bei dciicn sie im Tarif besonders angegeben sind, zugebilligt. So beschloß auf Miguels Betreiben im November 1865 der Bundesrat, daß der Lertragszollsntz von 17 M. auf Büchsenfleisch keine An- Wendung finden solle, nachdem Miguel schon seit Anfang dcS Jahres 1895 in Preußen das Eorned bcef mit 20 M. hatte zur Verzollung ziehen lassen. Das Einsilhrverbot von Corned beef wurde nach dem Flcischbeschau-Gesctz angeblich ans sanitären Gründen veranlaßt; das Büchsenfleisch sollte im höchsten Grade gesundheitsschädlich sein. Nun vserbietet aber das Gesetz nur die Einfuhr dieses Fleisches i» das Zollgebiet, sein Genuß im deutschen Zollauslaitd unterliegt dem Verbot n i ch t. So haben denn auf Helgoland, das nach Z 2 des Gesetzes vom 15. De- zember 1890 noch Zollausland ist, in diescin Sommer deutsche Bade- gäste Büchsenfleisch genossen, ohne den gering st en Schaden an i h r e r G e s u» d h c i t zu nehmen, woniit hinlänglich bewiesen ist, daß das Einfuhrverbot nicht aus sanitären Gründen, sondern lediglich im Interesse der Agrarier in das Gesetz aufgenommen worden ist. Vielleicht erfolgt nun bald der Anschluß Helgolands an das deutsche Zollgebiet, wozu es nach Z 6 a. a. O. nur einer Verordnung des Kaisers unter Zustimmung des Bundesrats bedarf, dann kann die Insel die Agrarier nicht mehr Lügen strafen.... Ganz kompliziert wird der Tarif bei den Manufaktur- waren, namentlich, bei den Banmwollwaren. Der jetzige Tarif enthält für Baumwollwaren rund 20 verschiedene Zollsätze. Für die Baumwollwaren der 22 Nummern des neuen Tarifs kommen unter Berücksichtigung der Zollznschläge, wie sie in den Anmerkungen zu diesen Nummern vorgesehen sind, nach einer von uns angestellten Berechnung weit über 20O verschiedene Zollsätze in Frage, je nachdem die Waren weiter be- arbeitet sind oder Zuthaten erhalten haben. Damit ist die Zoll- abfertig u ng dieser Waren so kompliziert gemacht worden. daß neun Zehntel aller Zollbeamten außer Stande sind, die Vor- schriften richtig anzuwenden, das Abfertigungsversahren wird vcr- langsamt und die der Abfertigung harrenden Waren werden sich auftürmen; denn an eine entsprechende Vermehrung des Personals wird man erst denken, wenn das vorhandene sich zur Bewältigung der Arbeit auch nach der Ansicht der letzten Instanz als gänzlich ungenügend erwiesen hat. — Gefüllte Betten, Matratzen, Polster sollen der Ver- zollung als genähte Gegenstände aus den zu den Ucberzügen verwendeten Stoffen nur zu cincm Drittel des Gewichtes der Betten usw. unterliegen, während zwei Drittel auf die Füllung zu rechnen sind. Wie ermittelt man denn den Stoff der Füllung? Sollen die Betten etwa auseinander genommen werden? Noch um- ständlicher wird die Zollabfertigung da, wo die Höhe der Zollsätze nach der Größe der einzelnen Gegenstände bemessen werden soll. Enthalten die Kisten, Fässer usw. Gegenstände versckicdener Größe, dann Ivird die Sortierung so zeitraubend, daß die Verzoller in vielen Fällen auf die Vergünstigung, einige Teile nach dem niedrigeren Satze zu verzollen, verzichten werden; denn wer hat Zeit, sich stundenlang auf dem Zollamt aufzuhalten?... Am umständlichsten werden die Bestimmungen bei den Maschinen der Nr. 894; hier werden 10 verschiedene Gewichtsstufen maßgebend für die Höhe der Zollsätze. Wie diese Maschinen' der Vorschrift gemäß verzollt lvcrden sollen, wenn sie, in einzelne Teile zerlegt, eingehen und sich Teile ver- schieden schwerer Maschinen in einer und derselben Kiste befinden, mögen die Götter wissen und Graf PosadowSky.— Zum Guinbinner Militärjustizdrania wird der„Nat.-Ztg." geschrieben: „Die„Tägl. Rundschau" veröffentlicht eine Zuschrift voip„maß- gebender Seite" in der Gnnibiuner Prozeßsache, in der es heißt: „ S ch n e i d e r(Viccwachtmcister) hat schon vor der ersten Haupt- Verhandlung in Gumbinnen seine Entlassung wegen Halbinvalidität beantragt. Die Halbinvalidität war ärztlich und amtlich festgestellt, che Schneider überhaupt in irgend eine Beziehung zum Prozeß trat." Hier ist also„ärztlich und amtlich" festgestellt, daß Schneider invalide ist. Vielleicht sagt nun die„Tägl. Rnndschan", weshalb denn trotz dieser „ärztlichen und amtlichen" Feststellung das Gesuch Schneiders, ihn als Halbinvalidcn zu erklären, zurückgewiesen ist. und zwar nach dem Prozeß. Wie war das möglich? Vielleicht läßt sich die„maß- gebende Seite" auch hierüber ans und auch darüber, weshalb nur von dem Gesuch des Schneider Mitteilung gemacht ist, nicht aber auch von dem Bescheid ani dieses Gesuch; diesen Bescheid mußte die maßgebende Stelle doch wohl auch kennen. Wachtmeister Vnckpcsch soll nach der Zuschrift„iniznverlässig" sein, weil er nicht gemeldet hat, daß Marten auf die falsche Seite zu den im Dienst gewesenen Unter- osfizicrcn getreten ist. Vnckpcsch stand aber neben Rittmeiftcr v. Krosigk in der Reitbahn, als der tödliche Schuß fiel; wie konnte er davon Kenntnis haben, was außerhalb der Reitbahn geschah, und wie konnte er wissen, ob Marten im Dienst gewesen war oder nicht? Die„Krcnz-Ztg." erblickt in der S a m in 1 u n g des Rechtsamvalts Horn, die nebenbei gesagt den Betrag von 4000 M. schon erheblich überschritten hat, ein'„sehr bedenkliches Novum" und spricht von „öffentlicher Beeinflnssung". Ist die M a tz r c g e l n n g von Zeugen denn keine Bccinflnssnng? Sie bildet„ein sehr' bedenk- lichcs Novum".— Noble Spende. Herr v. Miguel, der es in den Gründerjahren zu erklecklichen Reichtümern gebracht hatte, ähnelt darin dem Fürsten Bismarck, dnß er in Geldsachen jede Noblesse vermissen ließ. lieber Miguels Knauserigkeit laufen allerlei Anekdoten um, die aber übertroffen werden durch die testamentarische Spende, die der Millionär Frankfurt a. M. vermacht hat. Der Magistrat dieser Stadt giebt nämlich das Folgende bekannt: „Auf Grund lctztivilliger Bestimmung des vcrsiorbcncn Herrn Staatsministers U. Miguel wurde von den Erben ein Betrag von 1000 M. dem Herrn Oberbürgermeister für die städtische Armen- Verwaltung„zur Verlcilnng an Hilfsbedürftige guten Leumunds überwiesen." Tausend Mark für die Armen— welche verschwenderische Groß- innt! Dafür müssen die Armen aber guten Rufes sein. Oder sollte der alte Komininiist mit diesem Legal die Absicht verfolgt haben, das ganze System der Wohlthätcrci lächerlich zu inacheii?'— Ausland. Frankreich. Das französische Vcrcinögesctz und die Mönchöordcn. Der Zeitpunkt, an welchem alle inchtantorisierten Rcligionsgesell- schaften Frankreich verlassen haben müssen, rückt immer näher. Sind schon eine Menge Kongregatioiicii vorhanden, die seit langem staat- liche Autorisation besitzen und die somit unbehelligt in Frankreich bleiben können, so kommt hierzu auch noch eine große Anzahl von Ordensgesellschasten. die auf Grund des neuen Gesetzes die Antori- sation erwirken werden. Welche Interessen da häufig mitspielen, um den Ordensbrüdern den Anfenlhalt i» Frankreich auch ferner zu ermöglichen, gebt recht drastisch ans dem Beispiel des Kantons Jsere hervor. In diesem Kanton haben die Karthäuser Mönche eine Reihe von Niederlassungen, in welchen sie ihren berühmten Liqucur fabrizieren. Die Bürgermeister einer Reihe von Orten haben nun eine Petition in Umlauf gesetzt, in welcher das Ministerium im .Interesse tausender kleiner Leute", die vom Schnapshandcl, den die Kartbäuser verfertigen, gelebt haben, ersucht wird, das Verbleiben der Karthänscr Mönche zn ermöglichen. Auch ist der Bischof von Grenoble selbst in Paris zu diesem Zweck bei Wolbeck Rousseau gewesen; nach der Audienz soll der Bischof die Ueberzeugung ausgesprochen haben, daß dem Karthäuser Orden das Verbleiben in Frankreich ermöglicht sei. Auch von den Rcligionsorden, welche die Ermächtigung zum Unterricht besitzen, wird eine große Anzahl in Frankreich verbleiben. So werden z. B. von den 21 NeligiouLgcmeinschaftcn, welche in Lyon 33 Unterrichtsanstaltcii besitzen, nur zwei das Land verlassen. Dagegen werden die Karmeliter-Mönche und Nonnen von Montelimar auswandern, ebenfalls die Benediktiner von Solcsmes; die letzteren siedeln sich auf der Insel von Wight an, während die Dominikaner von Chinon und der Orden der„Schwestern der Arnicn" nach Belgien auswandern. Einige„Kollegs", in denen bisher Mitglieder von Religionsgemeinschaften Unterricht erteilten, haben sich aufgelöst; eine Anzahl andrer wird in Laienschnlen umge- wandelt. Die Jesuitcn-Brüderschaftcn scheinen sich dem Gesetz nicht unterwerfen zu wollen, sondern sämtlich auszuwandern. Eine Anzahl Karthäuser Mönche, nämlich die von Bosserville, wollen sich angeb- lich nach Deutschland wenden, jedenfalls sind dieser Tage 7 derselben von Paris nach Metz abgereist.— Ein volle Uebersicht über die Zahl der verbleibenden beziehentlich der answandernden Religionsgemein- schaften läßt sich z. Z. noch nicht geben. Italien. Italic» und die Anarchistcnkoufercnz. Die italienische Re- gierung soll beabsichtigen, bei der bevorstehenden interuationalcu Anarchistenkonfercuz den Antrag zn stellen, besonders gefähr- liche Anarchisten an isolierten Orten zu inter- nieren. Ob es diesmal zu einem internationalen Anarchistengesetz kommen wird, soll übrigens noch zweifelhaft sei». Die„P o st" schreibt nämlich:„In mehreren Zeitungen finden sich Meldungen, die ein internationales Vorgehen gegcndenAiiarchismns in iiaheAussichtstellen. Nach unsren Erkundigungen liegen zur Zeit irgend welche amtlichen Anregungen zur Frage einer internationale»'Bekämpfung des An- archismn's nicht vor.' Auch ist eS kaum wahrscheinlich, daß, wie jene Blätter schreiben, ein gemeinsames Vorgehen der Mächte gegen die Anarchisten bei der Danzigcr Kaiser-Znsamiiienknnft„eine große Rolle gespielt" habe, so daß schon„in der nächsten Zeit dahingehende bestimmt formulierte Vorschläge und Maßnahmen die leitenden Kreise beschäftigen dürften". Achnlich äußert sich das Organ des Herrn Schweinbnrg.— Amerika. Neubildung des Kabinetts. Die erste Botschaft de? Präsi- deuten Roosevelt an den Kongreß bei dessen Znsammentritt im Dczcniber wird, wie man mit Bestimmtheit erwartet, von einem An- trage an den Senat, betreffend die Bildimg eines neuen oder anders zusammengesetzten Kabinetts begleitet sein. Die Staatssekretäre Hay, Long und Gage werden wahrscheinlich ihre Entlassung nehmen. Roosevelt' wird vermutlich dcn.Kricgssekretär Root zum Nachfolger Hays ernennen.— Der Mörder Mc Kinleys wurde unter der Anklage eines vor- bedachten Mordes vor das Schwurgericht verwiesen. Vor dem Unter- suchnngsrichter weigerte er sich am Montag, seine Verteidigung vor- zubringen. Als man ihn zum GOsängnis zurückführte, konnte die Menge ihn den Händen der Beamten entreißen, jedoch gelang es den letzteren, Czolgosz vor der Menge zu schützen.— Johann Most wurde am Montag dem Gericht vorgeführt. Der Ziichter erklärte, er glaube nicht, daß der in Mosl's Blatt erschienene Hetzartikei mit dem Verbrechen in B u f f a I o i n V e r b i n d n n g st e h e. Most wurde darauf gegen eine Vüroschast von 500 Dollar freigelassen.— Der Boeren- Krieg. Verhängnng der Kriegsgesetze in Natal. Auch in Natal scheint die Bewegung zu Gunsten der Boeren einen bedenklichen Grad angenommen zn haben. Der„Daily Mail" wird ans Kapstadt gemeldet, daß die loyale Bevölkerung eine große Gereiztheit an den Tag lege, weil die Regierung beabsichtige, in Natal die K r i e g s g e s e tz e in Anwendung zu bringen. Man glaubt, daß diese Maßregel unfehlbar die all- gemeine Mißstimmung erhöhen werde. Die„allgemeine Mißstimmung" muß bereits einen außerordentlich hohen Grad erreicht haben, daß es England für nötig hält, der Empörung durch Verhängnng des Kriegszustandes noch Vorschub zu leisten. Der Boercualitrag und das Schiedsgericht. Nach einer Brüsseler Meldung der„Morningpost" ist der ständige Schiedsgerichtshof im Haag nicht in der Lage, bc- züglich des von den Boerenvertretern eingereichten Gesuches einen Beschluß zu fassen. Kürzlich wurde noch der heroische Entschluß des SchiedSgcrichtshofes gemeldet, dnrch Anstrittscrklärnng das Schiedsgericht zn sprengen, ivenn England einen Vermittlungsversuch resp. Schiedsspruch ablehne. Sehr wahrscheinlich Klang diese Meldung freilich nicht und es wäre schon sehr leicht möglich,' daß sich das Schiedsgericht einfach„außer stände" erklärte die Sache zum Gegenstand seiner Verhandlungen zu machen. Allgemeiner Bocrcntrekk nach Tcutsch-Südwest-Afrika? Das Bureau Lasfan meldet ans Pretoria: Ein ehemaliges Mitglied der Trausvaal-Regieriing erklärt, der neueste Plan der Boeren sei. nach der Grenze von Damaraland zn ziehen und das Anerbieten des deutschen Konsuls, ihnen Land zum Preise von 4 Pence(33 Pf.) pro Acker zu überlassen, anzunehmen. Die Boeren hätten mir Bedenken gegen die Bedingungen der deutschen Negierung. daß die Kinder der Eingewanderten in der deutschen Sprache ilntcrricht empfangen und einen zweijährigen Militärdienst leisten müßten. Das Anerbieten wird in den Flüchtlingslagern viel erörtert; vermutlich werde» 20 000 F a m i l i e n suchen, von dein- s e I b e n G e b r a u ch z n m a ch e n. Eine Anzahl von Boeren in Johannisburg hat die aincri- kanische Regierung um Ansknnft darüber ersucht, unter welchen Be- dingungen sie Land zur Niederlassung in den Vereinigten Staaten erhalten könnten. Die Nachricht muß mit einem dicken Fragezeichen versehen werden. Vorläufig haben die Boeren die Hoffnung auf eine er- folgreiche Beendigung des Krieges noch keineswegs derart ans- gegeben, daß sie die Massenauswanderung in deutsches Gebiet ernst- sich in Betracht ziehen könnten. Andrerseits würde die deutsche Regierung die stärksten Bedenken hegen, eine Masseneinwanderimg von Boeren zuzulassen, deren Unabhängigkcitsdrang den Engländern soviel zu schaffen gemacht hat.'_ VÄvket-MÄrtzvichken. Ein Parteitag für die Provinz Westprciißcn tagte Sonntag. den 15. d. M.. in Elbing. Vertreten waren 10 Reichstags- Wahl- kreise dnrch 16 Delegierte, davon die Hälfte Land- a r b c i t c r. Ostpreußen dnrch den Reichstags- Abgeordneten Haase und die„Königsberger Volkszeitung" dnrch ihre Redacteure. Nach einem Referat des Genossen Haase über den Zolltarif wurde in einer einstimmig angenommenen Resolution gegen jede Belastung der Lebensmittel durch Zölle und Steuern protestiert. Aus den Berichten des Provinzial- Vcrtrauciismannes und der Delegierten geht hervor, dnß es den Genossen an Eifer für die Agi- tation nicht gefehlt hat. Geklagt wurde über die anßerordcntliroe Riickftäiidigkcit der Bevölkerung, besonders der ländlichen. Betont wurde, daß der Alkoholismns das größte Hindernis für ein Vorwärts- schreiten unsrer Bewegung ist. Versammlnngen können fast gar nicht abgehalten werden. Das Hauptgewicht wird auf Agitation dnrch Schriften gelegt. Davon sind beträchtliche Mengen verteilt worden. Von den Behörden werden der Agitation die größten Schwierigkeiten bereitet. Die Elbingcr Genossen, die am meisten aufs Land hinaus gingen, werden fortgesetzt mit Strafmandaten wegen allerlei angeb- lichcr lkebertretnngen bedroht. In der allerletzten Zeit haben nenn Genossen Strafmandate von zusammen fast 200 M. erhalten. Gerichtliche Entscheidung ist beantragt. Mühe und Kosten werden dadurch natürlich selbst für den Fall der Freisprechung verursacht. Ilm die Agitation noch mehr zu fördern, sollen, so wurde be- schlössen, in dcii größeren Städten, wo es möglich ist, Agitations- kominissioiien eingesetzt werden. Beschlossen wurde ferner, der Parteivorstand möge die Mittel für einen ständigen Agitator für Westpreußen bewilligen. Jetzt werden regelmäßig die Genossen gemaßregclt und müssen wegziehen. Wie der Provinzinl-Vertrancns- mann imtteilte, ist der Parteivorstand geneigt, einen Betrag zu be- willigen, wenn von den westpreußischen Genossen selbst eine geeignete Person in Vorschlag gebracht wird. Hervorgehoben wurde in der Diskussion, daß die Arbeit für die Partei sehr erschwert werde, weil viele der besten Genossen abwandern, so daß es schwer hält, eine gehörige Kerntrnppe zn bilden. Anerkannt wurde aber auch, daß die Organisation auch in den größeren Städten noch viel zu wünschen übrig lasse. Parteiblalt für die Provinzen Ost- und Weftprenßcn ist jetzt allein die„Königsberger Volkszeitnng". Die Danziger Genossen möchten, wie mitgeteilt wurde, ein Blatt für Westpreußen allein haben. Dasselbe ist. für den Anfang als Wochenblatt gedacht. Gegen 1000 M. sind zusammengebracht. Von den Delegierten der andren Kreise wurde dem Plan noch gar keine Sympathie ent- gcgcngebracht, da die Gründung eines Wochenblatts nicht als ein Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustand bezeichnet werden könne. Zn lebhaften Erörterungen kam es wegen der Beschickung des Lübecker Parteitags. Genosse Schwarz- Hamburg, der für den Ccntralverband der Maurer in Ost- und Westpreußen agitiert, war als Delegierter mit einem Mandat von Graudcnz erschienen. Er schlug vor, den Rednctcur des„Grundstein", Genossen Staning- Hamburg, zn delegieren, K o st e n würden d a d n r ch n i ch t ent- st c h e n. Redactcur Borchardt warnte vor einer solchen Vergebung des Mandats, indem er betonte, es empfehle sich nicht, Delegierte zn schicken, die in der Frage, die zn den lebhaftesten Erörterungen ffifjven werde, selber Partei seien. Wer trage dann die Kosten� der Delegation Stanings? Schivarz trat in der lebhaftesten Weise für seinen Antrag ein. Redacteur Noske betonte.� daß es durch das Schivcigen des Genossen Schwarz bewiesen sei,� daß der Manrerverband in der einen oder andren Form die Kosten der Delegation Stanings tragen werde. Schivarz, der schließ- lich zugegeben habe, daß Stnuing lediglich in der Angelegenheit der Accordniaurer nach Lübeck gehen solle, hätte souicl Taktgefühl be sitzen müssen, sich nicht auf dem Parteilag als Delegierten de- Manrervcrbandes anfznspielen. Borchardt bezeichnete es als beklagens wert, daß Manöver aufgeführt werden, um sich so hinten herum in rückständiger Gegend Mandate zu geivinnen. Mehrere andre Redner sprachen sich im Sinne Nostcs und Borchardts aus. Einstimmig wurde die Delegation S t a n i n g abgelehnt. Gciuählt wurde als Delegierter für Wcstprenßen Genosse S ch l i ch t h o l z Flatow. Als Probinj,ial-Vertrauensinann wurde Genosse Sellin Danzig wiedergewählt. Partci-Qrganisatiou. Das Landeskomitce der Parteigenossen im Großherzogtum Hessen veröffentlicht das ans der letzten Landes lonfcrcnz beschlossene OrganisationSstatut der Landesorganisation. lieber die Aufbringung der Mittel und die Beitragspflicht der Genossen bestimmt der K 5 des Statuts folgendes: „Die dem Landeskomitce entstehenden Kosten werden durch Bei träge der Parteigenossen gedeckt. Zu diesem Zwecke wird eine ein heitliche Landcsmarke von 1t) Pf. pro Stück herausgegeben. Diese Zehnpfenuig-Marken sind von dem Landeskomitee pro Marie zu 3 Pfennig zu beziehe» und pränumerando zu bezahlen. Ein Pfennig davon ist als regelmäßiger Veitrag zur Gesaint- Parteikasse abzuführen, 2 Pfennige verbleiben der Landeskasse. Die Mitglieder der einzelnen Organisationen habe» pro Monat mindestens zwei Marken zu je 10 Pfennig zu lösen. Die Verteilung der davon ver bleibenden 70 Proz. der' Eingänge zwischen Lokal- und Kreisorgani sation bleibt den Kreisen überlassen. In welcher Weise diese Beiträge erhoben werden sollen, bleibt den einzelnen Mitgliedschaften überlassen. Für den richtigew Eingang der Quartalsbeiträge haften die betreffenden Vorstände der ei»zelnc!i Organisationen. Die Organisationen sind verpflichtet, die genauen Adresse» der Vorstände resp. Vertranensuiänner an den Vorsitzenden des Landeskomitees gelangen z» lassen. Organisationen, welche keine Beiträge an das Landcskomitee abfiihren, sind von einer Ver tretung auf der Landeskonferenz ausgeschlossen. Bei anßcrordent lichcn Verhältnissen können auf Antrag der zuständigen Krei organisation Mitgliedschaften vorübergehend ganz oder teilweise von den Beiträgen entbunden iverden. Die Entscheidung trifft das Landeskoniitee. Auch können die Organisationen einzelne Mitglieder von den Beiträgen entlasten." Die Vertretung auf der Landeskonferenz ist in der Weise gc regelt, daß Mitgliedschaften bis zu 100 Mitgliedern zwei Delegierte entsenden können und größere Mitgliedschaften ans jedes weitere volle Hundert Mitglieder einen Delegierten mehr. Konferenz der deutschen nnd östrcichisch-nngrischen Tocialisten in der Schweiz. Basel, IS. Scptcinbcr. Die Landesorganisation der deutschen und östreichischcn Sociälisten in der Schlvciz hielt gestern und heute hier im eignen Heiin des deutschen Arbeitervereins ihre alle zlvci Jahre stattfindende Konferenz ab. Die hiesigen Genossen hatten den Vcrsammlungssaäl hübsch dekoriert und dadurch äußerlich der Konferenz eine höhere Weihe verliehen. Erschienen waren 23 Delegierte aus 17 Orten, welche 30 Organi- sationen vertraten: außerdem tvar der Landcsansschnß in Zürich durch drei seiner Mitglieder vertreten und ferner wohnte als Vertreter des Schweizerischen Grütlivereins Genosse W u l l s ch I e g e r den Verhandlungen bei. Von den in der Sonnabend- Sitzung gefaßtei» Beschlüssen erwähne» wir denjenigen betreffend die Abhaltung einer internationalen' Zusammen k u n f t in Basel und zivar wenn möglich im nächsten Jahre. In der sonntägigen Vormittagssitzung berichtete Genosse Witt- Zürich namens des Landcsausschusses über dessen Thätigkeit in den letzten zwei Jahren. Danach stieg in diesem Zeitraum die Zahl der der Landesorganisation angchörigcn Sektionen von 23 ans 36 mit ca. 3000 Mitgliedern, wovon etwa 2000 vertreten waren. Verschiedene Arbeitervereine stehen der Landcsorgnni- sation noch fern. Sodann ertvähnte Genosse Witt die von den Gc- Nossen Pcrnerstorfer-Wien, Thuroiv-Zürich, ZinNcr-Winterthnr lind Ledebonr-Berlin ausgeführten Agitationstonren, sowie die im vorigen Jahre auf demJRollcii abgehaltene Gedächtnisfeier für den unver- geßlichen Genossen Liebknecht. An 12 kleinere Vereine versendet der Landesausschuß regelmäßig jede Woche eine Anzahl in- und ans- ländischer Arbeiterzeitungen. Nach dem Kassenbericht betrugen im ersten Semester 1901 die Einnahmen inkl. des Kasscnsaldos 1517 Fr, die Ausgaben 259 Fr. und der Vermögensbestand 1258 Fr. In mehreren Vereinen trieben eingeschlichene Anarchisten ihr ltnsällbcreS Hand iverk, Streitigkeiten und Unfrieden zu stiften und die Mitglieder hintereinander zu bringen, wodurch jede ersprießliche Thätigkeit linsrer Genossen lahmgelegt wurde. Genosse Witt forderte die De- legierten auf, die Anarchisten überall zu bekämpfen, da wir eine socialdcmolratische Organisation sind nnd nnsre Bestrebungen in direktem Gegensätze zu denjenigen der Anarchisten stehen. Auch über den Stand des F l ü ch t l i n g s f o n d s wurde bc richtet. Danach betrugen die Einnahmen an den Märzfeiern 323 Fr., wovon bereits 100 Fr. an Unterstützungen für politische Flüchtlinge ausgegeben sind. Für die östrcichischen Neichsratswahlen wurden 725 Fr. gesammelt. Unter Hinweis ans die gegcmvärtige Wirtschafts- krise mit ihren verheerenden Wirkungen, unter denen viele unsrer Vereine in Gestalt von Mitgliederverlnsten bereits schwer gc- litten haben, fordert Genosse Witt die Delegierten ans, an ihrem Orte stets ihre Pflicht zu thun und für weitere Stärkimg der Organisation sowie für Befestiguug der Einigkeit zu wirken. Ans den hieran angeschlossenen Sektionsberichten ergab sich, daß die Wirtschaftskrise nur in der deutschen Schiveiz sehr fühlbar ein- getreten ist, während in der ivcl'chcn Schiveiz die Uhren- und Bijonterie-Jndustrie weiter prosperiert und dabei auch die Bau- geiverbe ec. gut beschäftigt sind. lieber die Art der Agitation und die innere geistige Thätig- keit in de» Sektionen wurde nach einem Vortrag lebhast diskutiert und manche Anregung gegeben. In Ziiknnft soll jedes Jahr eine Agitationstonr für alle Sektionen unternomincn und hierfür ab- wechselnd einmal ein Deutscher und das nächste Mal ein östxcichischcr Redner engagiert werden. Zur geistigen Beschästigung der Sektionen soll der Landesansschuß wiederum ivie letztes Jahr Disknssionsfragen vorlegen, die schriftlich zu beantworten sind; die besten Arbeiten sollen Preise erhalten. Soiveit die finanziellen Mittel Sektionen die reisende.»(ü dem am 22. September in Solothnrn schlvcizerische» Genossen werden zur gcuöisischcn Sympathie' drei Delegierte entsendet. Als Vorort wurde Zürich bestätigt, als Ort für die nächste Konferenz Winterthnr bestimmt. Mit einem begeistert anfgenommenen dreifachen Hoch ans die Arbeiterbewegung schloß Präsident Witt Sonntagnachmittag die Konferenz. Der diesjährige?!atioualkougrest der frauzösischcu Arbeiterpartei ist am Sonntag in Roubaix eröffnet worden. In der Eröffnungssitzung sprachen Lafargne und Jules Gnesde; Dnbrcnilh und de la Porte überbrachten Grüße von der socialistisch- revolutionären Partei. Sic sprachen die Hoffnung aus. daß bald eine Einigung aller revolutionären Sociälisten zu stände komme. Pvliieiliches, Gcrichkliches usw. — Nach anarchistischen Schriften wurde, wie die„Rh.-Wests. Arbeiterzeitung" berichtet, bei einem �Parteigenossen in Werne ge- haussucht. Der Ausgesuchte soll, wie ihm von den Polizeibeamten gesagt wurde, ans der„Liste der Anarchisten" stehen. Gefunden wurde nichts. es gestatten, sollen' die >,e n o s s e n unterstützen. Zu stattfindenden Parteitag der Bezeugung der gesinnnngs- — DaS reichsländische Diktaturregiment hat ein neues Blatt in den Kranz seiner polizeilichen Rnhmesthateu geivnnden. Am Sonntag sollte seitens der socinldemokratischcn Partei in Straß- bürg die Verbreitung eines Flugblattes zu den nahe bevor- stehenden Gemeinderatöwahlen stattfinden. In letzter Stunde wurde diese Verbreitung durch jdie Staatsanwaltschaft verboten. Dem bürgerlichen Ordnungsbrei dürfte dies.am Wahltage ivenig nützen. — Die Ncvolutionierung des Kalenders ist dem Arbeiter Sängerbünde in Breslau polizeilich vcrivehrt worden. Er wollte nämiich— jetzt im September— ein Lied singen, in dem folgende Strophe vorkommt: Er wird den Glanz der Frühlingswonne Auch deinem Aug' entschleiern hell, Und leuchtend gleich der Maiensonne. Erschließt sich dir der Wahrheit Quell. D'rnm zu der Freiheit Fahne stehe, Erhebe deine Blicke frei, Mit der Genossen Schar begehe Der Arbeit Fest, den ersten Mai! Die Strophe wurde von der Polizei, der man die Liedcrtexte vorher einreichen muß. gestrichen. Da Gründe dafür nicht angegeben wurden, kann man mir vermuten, daß die Polizei diesen Umsturz des altehrwürdigen Kalenders der nördlichen Erdhälfte verhindern wollte. Aus Judufivio und Mündel. Ter Niedergang der Industrie gewinnt fortgesetzt an Ansdehnnng. Auf dem K o h l e n m a r k t ist die Situation eine so bedenkliche, daß trotz des herannahenden Winters das Syndikat sich zu einer Erhöhung der Förderung für das Wintcrquartal nicht entschließen wird. Die Lage des Kohlen markts ist in diesem Jahre eine ganz eigenartige. Während im Vorjahre durch die fortgesetzten Preiserhöhungen, die das Syndikat durchsetzte, besonders in Hansbrandkohlen der Bedarf früh gedeckt wurde, tritt in diesem Jahre eine große Zurück Haltung ein, weil der Eindruck entsteht, daß trotz der abermals geforderten Preiserhöhung für Hausbrandkohle eine rückläufige Bewegung nicht anfznhaltcn ist. Die englische Konkurrenz in den Nordseehäfcn hat für Industrie und Schiffskohle bereits zu einem Preisnachlaß geführt. Ob aber nicht dennoch das Kohlen syndikat besonders in der Preislage für Hansbrandkohle allen An stürmen Trotz bietet, läßt sich nicht mit Bestimmtheit voraussagen. Die Kohlenbestände haben sich ungeheuer vermehrt, im Zwischen Handel sind ganz erhebliche Mengen Preßkohlen aufgestapelt, ohne daß die Nachfrage auch nur annähernd dementsprechend sich bemerkbar machte. Die Großindustrie macht rege Anstrengungen, sich dem Syndikatswucher zu entziehen. Wie berichtet, wird', werden im nächsten Jahre sechs Werke ans dem Syndikat ausichcidcn, um für den eignen Bedarf der Hüttenwerke, in deren Besitz sie jetzt über- gegangen, zu produzieren. Die staatlichen Steinkohlen- Gruben im Saarrevier zeigen für den Monat August einen Minderabsatz von 21 635 Tonnen gegen den gleichen Monat des Vorjahres nnd für das ganze preußische Staats- gebiet bclänft sich im ersten Halbjähr der Minderabsatz ans 295 987 Tonnen. Die. Zahl der im Kohlenbergbau beschäftigten Arbeiter ist im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal nur um ein geringes, und zwar von 421 605 ans 424 058 zurück- gegangen, aber ivie schon im ersten Quartal, gicbt jetzt im zweiten Quartal die amrlichc Statistik abermals ein Sinken der Löhne an. Es ergab die Berechnung pro Schicht ans den einzelnen Arbeiter folgendes: II. Quartal 1901 Oberschlcsicn. Riederschlesien Dortmund. Saarbrücken. Aachen... Halle... Mit Ausnahme 3,09 M. 2,91., 4,09„ 3,52„ 3,79„ 3,08„ von�Halle ist I. Quartal 1901 3.15 M. 2.98„ 4.13.. 3,56.. 3.83.. 3.04., Jahres- durchschnitt 1900 3.12 lvt. 3,00 ,. 4.13„ 3,56. 3,85„ 3.06.. in allen übrigen Bezirken der Verdienst der Arbeiter zurückgegangen i und das geschah, obschon die Preise der Kohlen noch die Höhe des Vorjahres und darüber haben. Die Unternehmer benutzen die ungünstige Lage des Arbeitsmarktes, um die Löhne zu drücken, Trostloser gestalten sich die Verhältnisse ans dem Eiscnmarkt, Hier hat das Syndikatstreiben die Krise noch verschärft. Einmal bestehen das Eoakssyndikat nnd das Roheisen-Syndikat auf der Er- lillniig der Lieferverträge, die vor ein und zwei Jahren unter dem Zwange ihrer Herrschaft mit den Pnddel- nnd Walzwerken ab- geschlossen wurden, dann aber Ivill man sich zu keiner Preisherab setznng verstehe», die unbedingt für die Abnehmer Erleichterungen schaffen könnte. So sind die Werke gezwungen, ans Lager zn arbeiten nnd es entsteht die Möglichkeit nicht nur des geschäftlichen Zusammenbruches solcher Unternehmungen, die ungünstige Abschlüsse für den Bezug ihrer. Rohmaterialien gemacht haben, pudern es ist auch eine so große Ucberfüllnng des Marktes zn befürchten, daß später mit einem Schlage große Arbeiter massen außer Beschäftigung gesetzt worden.' Es zeigt sich an diesen Vorkommnissen, wie verkehrt die Meinung ist, daß die Syndikate die Krise aufhalten; ihr jetziges Geschäftsgebahren ver- größcrt sie. Uin die jetzige Zeit war es sonst besonders das Ban- g e w c r b e, das mit großen Aufträgen in den verschiedenen Sorten des Baneisens hervortrat; in diesem Jahre herrscht ein merklicher Stillstand. Einige Ziegeleien haben ihren Betrieb einstellen müssen, ivcil sie nicht ins Ungewisse produzieren wollten. Damit im Znsammenhange steht der schlechte Geschästsgang in den übrigen Baugewerbe»! besonders der Tischlerei. Aber auch im Mö b e l g e s ch ä f tsist eine Stockung eingetreten, ivie sie lange nicht in gleichem Umfang bemerkt wurde. Ucbersecische Hölzer, für' die Bremen und Hamburg der Stapelplatz ist, lagern in unheimlichen Mengen, nicht besser sieht es im Jimenmarkt ans. I» der Textilindustrie haben die Arbeitercntlassungcn fortgesetzt zugenommen, die B a u m w o l l e n s p i n n e r e i schränkt ihre' Produktion immer mehr ein nnd in der Weberei sinken die Löhne, weil die Fabrikanten in wildem Koiiknrrenzlampf durch niedere Preise den Absatz an sich reißen wollen. Die Ilelzensche Wollenwcberei in Gera, ein großes Geschästsnntcrnehmcn in dieser Branche, dem acht eigene Verkaufsfilialen in größeren Städten ge- hören, ist in Zahlungsschwierigkeiten geraten und versucht jetzt die Uniwandlung des Unternehmens in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Rückgang des Außenhandels hat auch ans den Schiff- ah r tsver kehr ungünstig eingewirkt, so daß Mangel an Frachten ciitstehen nüd die Gebühren herabgesetzt werden. Den gleichen Rück- gang im Frachtverkehr weisen die Eisenbahnen ans. Leider läßt sich ein Einhalt in dieser Abwärtsbewegung nicht erkennen, vielmehr steht zn befürchten, daß bei der Unsicherheit ans dem Geldmärkte, ein weiteres Verflauen des Geschäftsverkehrs zu erwarten ist.. Für die Arbeiter trübe Anssichten, weil sie am schwersten die Lasten des wirtschaftlichen Niederganges zn tragen haben. Die Betrügereien in der Breslanrv Recdcrci-Gcsellschaft linden jetzt ihre vollständige Aufklärung. Die Manipulationen des Direktor Schostag blieben insofern unklar, als bei der Ver- Pfändung der Ladescheine die anftraggcbendcn Zuckcrfirmen in irgend einer Weise mitwirken mußten, denn ans Konto dieser Firmen konnte die Pfandsnnnne nur gegeben werden. Zur Ausführung eines Vorhabens hatte nun Schostag einen ganz raffiniert angelegten Plan ersonnen. Die Zuckerfabrikanten lassen sich häufig cinen Vorschuß aus die bereits zur Verfrachtung oder Lagerung gelangte Ware geben, was in der Regel bei einem Bankier geschieht. Stfwstag erbot sich nun, angeblich um den Lieferanten gefällig zn sein, die Ver- Mittelung zu besorgen nnd— erhielt dadurch die Ermächtigung für eine Anzahl von Fabriken, diese Art von Geschäft zu besorgen. Nachdem er daraufhin eine Reihe von reellen Transaktionen erledigt hatte, mußten sich die Diskonteure in dem Glauben befinden, daß Schostag Generalvollmacht besitze, und hielten es für überflüssig, in jedem einzelnen Fall zn prüfen, ob er auch zum Abschluß des Geschäfts berechtigt sei. So kam es, daß Schostag, der seine Ver- pflichtnngen aus diesen Geschäften, die er durch eine private Buch- führnng' kontrollierte, prompt erfüllte, beliebige Snininen erheben konnte,' wcn» er nur die nötige Anzahl Konnossemeiite zur Hand hatte. Der Direktor Schostag und sein Kollege Breslancr sollen übrigens als geriebene Gauner bekannt sein. Schostag hat in Frankfurt a. O. als Kaufmaun in einem Speditionsgeschäft gelernt. Ohne Mittel verstand er es bald nach seiner Lehrzeit, sich an der Gründung eines Speditionsgeschäfts zn beteiligen, um später die Oderdampfschiffahrts- Gesellschaft' zu gründen. Hier nahm er seinen Mitdirektor Brcslauer, der in der Frankfurter Güterbahn eine bescheidene Stellung bekleidete, mit hinein. 1897 kam die Gesellschaft in Konkurs. Während der Zeit war im Jahre 1838 schon die Reederei Vereinigter Schiffer gegründet» in der die beiden Kumpane das Direktorium besetzten. Schostag genoß auch sonst einen üblen Leumund; vor Jahren wurde er sogax unter dem Verdacht des Diebstahls verhaftet, ein günstiger Umstand bewahrte ihn aber vor der Aufdeckung seiner Betrügereien. Die Vorkommnisse werfen ein bezeichnendes Bild ans die Kreisej die solchen Leuten die Stütze bieten, damit sie ihr Handwerk ungeniert betreiben können. Der Bankkrach in Heilbronn hat nniimehr auch die Ver- Haftung des zweiten Direktors Keeser nnd des Prokuristen Krug von der Gewcrbebank zur Folge gehabt. Die Verluste der Bank schätzt man auf 3 Millionen nnd scheint damit der Konkurs unvermeidlich. Selbst die Depots sind zum Teil verlustig gegangen, da sie bei einem andren Bankinstitut verpfändet wurden. Den ersten Direktor Fuchs hat das Schicksal etwas zu früh ereilt, denn wie eine sehr eingehende Haussuchung ergab, hatte er in einem Versteck 50 000 M. verwahrt, die ihm gewiß zur Flucht dienen sollten; die Berechnung ist nun zn nichte geworden._ SociÄlvs. Socialversichcrung i» Frankreich. Eduard Vaillant unterbreitet der Kammer einen Gesetzciitlvnrs zu einer allgemeinen socialen Versicherung. Ueber den breiten Rahmen, den Vaillant dem Gesetz geben will, unterrichtet der Ar- tikel I seines Entwurfs; derselbe lautet: Alle Personen, die von ihrer Arbeit leben oder deren Familienoberhaupt von seiner Arbeit lebt, söhne Hilfspersonen zn beschäftigen) alle Personen, die von, Hilfsmitteln oder Unterstützungen entblößt, gleichgültig, welchen Alters, Geschlechts oder Nationalität sie sind, ob sie in Frankreich geboren oder nur darin ihren Auf- cuthalt genommen, sind vom Staate gegen alle socialen Zufälle und Gefahren versichert, besonders gegen solche, welche aus Verwahrlosung, Verlassenheit, Gebrechlichkeit, Invalidität, Alter/ Arbeitslosigkeit. Krankheit und Unfall resultieren. Kleinen Geschäfts- leuteir, selbständig arbeitenden Künstlern, Handwerkern nsw, soll es nach dem Projekt gestattet sein, sich selbst zu versichern; sie haben in diesem Fall 15 Centimen pro Tag in die Kasse einzuzahlen. Die zur Bestreitniig der Unterstützung nötigen Gelder haben die Unter- nchnier anfzubringen. Jeder Unternehmer, Aktiengesellschaft usw. haben für. jeden ihrer Arbeiter, gleichgültig welchen Alters, Geschlechts nsw. 15 Centimen pro Tag zu bezahlen. Von Staatswege» wird in jedem Jahre die fehlende Summe zugezahlt; sie lvird im Budget auf- gestellt. Die Organisation und Verwaltung der Kassen ist territorial— nach Provinzen, Kreisen und Orten geregelt. An der Spitze des ganzen Versichcrnngsgesetzes steht ein Nationalburean; diesem wie den Kreis- und Provinzialkassen sind Komitees beigegeben, bestehend ans Delegierten der Versicherten und der gewerblichen Berufsvereine. Die Mitglieder des Nationalbnreaus werden durch die Kammer er- nanut. Die Verwaltungsorgane der Socialversichcrung haben das Recht, Vorschriften für Ünfallverhütnng sowie für hygienische und anitäre Maßnahmen in industriellen und gewerblichen Betriebe» aller Art zu erlassen. Bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit, Arbeitslosigkeit nsw. ist dem Versicherten wenigstens 3/3 des ortsüblichen Tagelohnes zu zahlen. Antwort. Herr Bloch entkräftet in seiner mir gewidmeten Epistel vom 17. d. M. auch nicht eine der von mir zn seiner Belehrung aus den„Socialistischen Monatsheften", den im Reichstag abgegebenen Erklärungen nnd andrem Material dafür angeführten Thatsachen, daß die„Socialistischen Monatshefte" weder ein socialdemo- k r a t i s ch e s Organ sind, noch je bis zur Blochschcn Erklärung vom 11. d. M. beansprucht haben es zu sein, sondern allen socialistischen Parteirichtnngcn Raum gegeben haben und Raum geben wollten. Dafür tritt er mit einer erstaunlichen neuen Entdeckung auf. Sie geht dahin, daß für Deutschland ein Unterschied zwischen socio- listisch und socialdemokratisch nicht existiere. Potz Blitz! Bislang hofften bürgerliche socialistische Parteirichtungen, wie die von den„wärmsten Sympathien für den Edclheimschcn Verlag" erfüllte nationalsociale„Hilfe" nnd ähnliche social schillernde Blätter, vom Bloch-Edclheimschen Verlage nur, er werde das Ziel der Ucberwindung der Socialdcmokra'lie durch einen Allerweltssocialismns erreichen, Herr Bloch sieht dieS Ziel schon erreicht. Na, freut mich, daß die uferlose Ziellosigkeit der Bloch-Edclheimschen Unternehmungen doch e i n Ziel zu haben glaiibt, nnd Dank, Herr Bloch, für dies wohl' etwas unfreiwillige Zugeständnis von Ihrer Seite. Zum cheinbären Beweise für' die abgrundtiefe Entdeckung der Identität von„Socialismus" und„Social'dcmokratie" beruft sich Herr Bloch daraus,' daß das Verzeichnis der P a r t e i p r e s s e die Ueberschrift trägt„socialistische Presse DeiitschlandS," Aber Herr Bloch, wer wird so unvorsichtig sein, und haben Sie denn gär kein Gedächtnis mehr? Daß der vom Partei- orst'and den Parteitagsbeschlüsscn entsprechend vierteljährlich unter der Ueberschrift„Socialistische Presse Deutschlands" veröffcnt- lichte Ueberblick über die im Besitz der Partei oder von Privat- niiternchmern befindlichen Partei-Organe die socialdemokratischen Fachorgane Deutschlands enthält, stimmt. In diesem Verzeichnis ist das Bloch-Edclheimsche Organ weder unter dem Namen Tip- Top, noch unter dem„Socialistischcr Akademiker", noch unter dem„Socialistische Monatshefte", noch sonst zu finde». Also, geehrter Herr, gehören diese Bloch-Edelhcimschcn rcßcrzeugnisse nicht zu den socialdemokratischen. Ja mehr: der Antrag der Redaktion und des Berlages, den„Soc, Akademiker" in das Verzeichnis aufzunehmen, wurde abgelehnt. Darauf- stellten 27 Genossen im Jahre 1895 ssiche S. 16 nnd 197 des Parteitags- Protokolls) den Antrag, den„Soc. Akademiker" sso nannten sich ja die Monatshefte in den ersten zwei Jahren ihres Bestehens) in der von Ihnen angerufenen Liste des Vorstandes zn führen und darüber hinaus:„Die Parteipresse und Vertrauenspersonen zu ver- pflichten, ihr Möglichstes zur Verbreitung des„Soc. Akademiker" bei- zutragen." Die Antragsteller suchten einige Genossen für diesen Antrag zu gewinnen. Einige derselben traten auch an mich heran. Sie erhielten eine Absage nnd zogen darauf ihren Antrag als aiis- ächtslos zurück. Gedächtnis, Herr Bloch, nnd bei aller Zuversicht zn sich selbst etwas mehr Bescheidenheit ist notwendig, wenn man der Partei dienen will. Das Motto:„Ziellosigkeit ist alles, Agitation und Organisation ist nichts", ist nicht socialdemokratisch, An mich sind ans Arbeiterkreisen und aus studierten Kreisen ans Anlaß meiner Antwort eine Reihe von durchweg mir zu- tilnincnden Briefen gclagt. Einer der Briefsteller schreibt siintcr Fortlassnng der persönlich verletzenden Ausdrücke):„Erst lernen. dann lehren— jawohl, das sollten sich jene Herren hinter die Ohren schreiben, bevor sie mit ihrem ans den Ilniversitäten zusammengeholten„Wissen" die Arbeiterbewegung und den wissenschaftlichen Socialisnins, die Socialdcmokratie, befruchten und korrigieren wollen. Die Arbeiter selber weisen lange nicht cnt- 'chiedcn genug dies Kokettieren und Poussieren ernst zurück, diese Richtung, die der Partei wie schleichendes Gift schaden kann. Mögen die Herren Akademiker mir Partei kommen, aber nur um der Sache i fctbft willen, tim ihr selbstlos zu dienen.„Marodören". wie Sie richtig sagen, weise man die Thür oder weise sie wenigstens in ihre Schranken. Die Arbeiterschaft will und wird sich selbst befreie» und dankt für solche, die glauben sie� selbst seien die Socialdemokratie und wohl noch ein Stück mehr... Auch mir ist solch Tip-Top-Flugblatt von den „Socialistischen Monatsheften" zugeschickt. Habe nnch schon längst gewundert, daß gegen solchen Unfug nicht eingeschritten wird. Da ist ja Wcrthcim der reine Waisenknabe gegen..." Herrn Bloch, dessen ängstliche Wahrheitsliebe für mich NUN fest steht, fernerhin zn erwidern, lehne ich im voraus ab. Berlin. 17. September 1901. Arthur Stadthagen. GetVevKsrhafkliches. Berlin und Umgegend. Die Sammelliste Nr. 003 455 für die streikenden Glasarbeiter ist als verloren gegangen gemeldet. Gezeichnet sind darauf 85 P Dieselbe ist abzuliefern im Bureau deS Geiverkschaftslartells für Berlin und Umgegend, Dragonerstr. 15. Deutsches Reich., Die Böttcher bei der deutsch- amerikanischen Petroleum Gesellschaft in Dresden sind mit der Gcschästsleitung in Differenzen geraten und ersuchen deshalb um Fernhaltung des Zuzuges. Die Strasiburger Buchdrulkcreibcsiyer haben die von der Versammlung der dem Verbände angchörigen Gehilfen gestellten Forderungen, betreffend die N e u r e g'e l u n g des Tarifs, ins- besondere die Verbesserungen der Accordsätze und die Revidierung der Lehrlingsskala, ivie auch die Erhöhung des Mindcstlohncs von 20,50 M. auf 22,50 M., in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Bezirksvereins Straßbnrg schroff abgelehnt, da sie ihnen zn weit gingen und der Geschäftslage nicht entsprächen. Um kein Mittel zur gütlichen Beilegung der Differenzen unversucht zu lassen, nahmen die Gehilfen am Sonntag in einer zweiten, von über 400 Personen besuchten Versammlung zu der neuen Situation Stellung und votierten eine Resolution, in der sie bedauern, daß ihren nach reiflicher Uebcrlegung gestellten, durchaus gemäßigten Forderungen so wenig Entgegenkommen gezeigt ivorden sei. Von dem Wunsche beseelt, die Verhandlungen auf gütlickem Wege iveiter zu führen, habe man dem Verlangen einiger Prinzipale stattgegeben und sei bereit, in einer zu gleichen Teilen aus solchen und Gehilfen zusammengesetzten Kommission auf Grundlage der gestellten Forde rungcn in Unterhandlungen einzutreten. Die Versammlung sehe den Vereinbarungsversuch jedoch als gescheitert an. falls nicht bis zum 20. d. M. gemeinsame Verhandlungen erfolgt oder doch angebahnt seien. Der Streik der Leipziger Böttcher ist, nachdem er neun Wochen gedauert hat, am Sonnabend als aufgehoben erklärt worden, Ausland. Die Streikbewegung in Rom. Die italienische Hauptstadt hat erst wenig Großindustrie; die Arbeiter, meist schlecht bezahlt, ivaren bis vor einigen Jahren in ihrer großen Mehrzahl in stumpfe Gleichgültigkeit versunken oder sie neigten dem Anarchismus zu. Nach und nach gelang es den Bemühungen der Socialisten, der stumpfsinnigen Maffe ihr Elend klar zn machen und sie ans das Mittel hinzuweisen, durch das sie eine Besserung ihrer Lage herbei führen könnten; infolge dieser Agitation sind in den letzten Jahren eine große Anzahl von Gewerkschaften gegründet worden. Von der Streikbewegung, von der Italien in dem letzten Monat erfaßt gewesen, ist Rom nicht unberührt geblieben. Nach den Straßenbahnern, Kutschern, Transportarbeitern, Maurern, Stein metzen usw. traten die Eisenmöbel- Arbeiter in den Ausstand. Dieser letztere ist jetzt zu Gunsten der Arbeiter beendet; sie errangen eine Lohnerhöhung von 85 Ceutesime bis 1 Fr. täglich, die Ab schaffung der Accordarbeit, auf lleberstundcn einen Lohnzuschlag von 30 Proz., Verkürzung der Arbeitszeit und Anerkennung der Gcwerk- schaft. Jetzt sind die Holzarbeiter in die Lohnbewegung eingetreten. Diese Gewerkschaft, welche ziemlich stark ist. stellt folgende Forde- rungcn: 10 Stunden Normal-Arbeitszeit, Gewährung der Sonntags- ruhe sdie in Italien durch Gesetz nicht festgelegt ist), Abschaffung der Accordarbeit, Minimallohn von 45 Centesime die Stunde für beste, 25 Centesime für schwächere Arbeiter. Eine Anzahl Meister haben bereits bewilligt.— Auch die Eisenschmiedo werden demnächst in den Ausstand treten. Der Streik der amerikanischen Stahlarbeiter ist seit Sonn- abend beendet. So melden telegraphische Nachrichten aus New Dork. Unter welchen Bedingungen der Kamps beigelegt worden ist. davon ist bis jetzt noch nichts bekannt. Die eingelaufenen Meldungen besagen nur, daß am Sonnabend eine sechs Stunden währende Be sprechung zivischen den Vertretern der Amalgamated Association sder Arbeiter-Organisation) und Vertretern des Stahltnists sUnited States Steel Corporation) stattgefunden hat, und daß das Resultat dieser Besprechung die Festsetzung der Friedensbedingungen ivar, die von den Bevollmächtigten beider Parteien unterzeichnet wurden, ivorauf dann am Montag die Arbeit wieder aufgenommen werden sollte. Dieser Abmachung sind aber die Streikenden nicht allgemein nachgekommen. In Pittsburg ist die Arbeit nicht aufgenommen tvorden. Die dortigen Ausständigen erklärten, nicht eher anzufangen als bis ihnen die getroffenen Abmachungen bekannt gegeben»verde». In Mac Keesport, heißt eS. hätten sich die Ausständigen zur Wieder aufnahnre der Arbeit gedrängt. Wenn auch die Bedingrmgeir, unter denen der Ausstand bei gelegt lvordcn ist, noch nicht bekannt sind, so läßt sich doch nach dein seitherigen Verlauf des Streiks annehmen, daß dabei für die Arbeiter nicht allzuviel herausgekommen sein dürfte. Nachdem ein großer Teil der Mitglieder der„Amalgamated" sich überhaupt nicht am Streik be- teiligt hat, konnte von dein ursprünglichen Ziel des Kampfes: An- erkennung der von der Gciverkschaft aufgestellten Arbeitsbedingungen in allen Betrieben des Trusts, keine Rede mehr sein. Es bleibt also nur noch abzuivarten, ob die Streikenden vor dein kapital- getvalti�en Morgan kapituliert haben, oder ob es ihnen noch ge- luiigen»st, ivenigstens einige Vorteile, die des Kampfes»vert waren, zu erringen. Der Möbcltischlcr-Streik i» Christiauta ist jetzt, nachdem er über ein Jahr gedauert hat, beendet. Es ist ein Lohntarif ver- einbart Ivorden, der bis zum 1. April 1903 Gültigkeit haben soll. Sämtliche Streikenden sollen»vieder in ihre alten Stellen eintreten. Beim Gcwerkschaftökartcll für Berlin nnd Umgegend gingen voin 27. August bis 10. September für die streikenden Glasarbeiter folgende Beiträge ein: Von den Rabitzspannern durch Mencr 20,—. Von den Tischlert» der Möbelfabrik 8t. Schulz durch R. Weih u. Teich auf Listen Z4S0, 4082 10,65. Bon den Tffchlem durch Steffin aus Listen 3481 u. 3483, 347g u. 4064 20,10. Von den Tischlern der Werksicllen Seifert u. Wolf, 4 Trep. u. pari, aus Liste 3480 8,70. Von den Tischlern der Werkstatt Seifert u. Wolf. 2 Trep., aus Liste 3478 8—. Von den Tischlern der Möbelfabrik Hübncr auf Liste 3470 3,70. Von den Tischlern der Möbelfabrik Hülsenbeck, Kroll u. Co. auf Liste 3474 6,95. Bon dcu Kürschnern durch Schrcitmüller auf Listen 3457, 3508, 35»5, 3454, 3507, 3514 34,45. Von den Buchdrücken» durch Aeendsce 25,—. Von den Buchdruckern d. Arendsce auf Listen 3437, 3443, 3440, 3430, 3438, 3444 44,05. Von den Möbelpolierern d. Schunle 400,—. Von den Musikinstnimenten- Arbeitern(Vorauszahlung d. Haffner aus Listen 450,—. Won den Holz- und Bretterträgern durch Goertz(Vorauszahlung auf Listen) 70,—. Von den Kellnern durch Polier auf Listen 258g u. 2590 7,45. Von der Lichtcnselder Krankenkasse durch Hofsmaun 2,75. Bon den Rohren» durch Wemau auf Listen 3502—3504 15 85. Von den Schirm machern durch Ranionat auf Liste 258? 10,15. Von den Klebern durch Uessem auf Liften 345g, 2503, 2500 10,50. Von einer verloren gegangenen Sauiinelliste der Kürschner von 1888, durch v. der Wäsch 2,—. Von den Töpfern durch Wendschlag und Hofimann auf Listen 2539, 3553 12,05. Von den Mustk- instrumenten-Arbeitern durch Hinsel 150,—. Von den Holz- und Bretter- träger», durch Görtz auf Liften 2507, 2508, 25kg. 2570, 2571, 2572, 2573, 2574, 2575, 2576, 2577, 2578, 257g, 2580 27,35. Von den Kellnern durch Polter 10,—. Von den Zinkgiehern und Stürzern durch Klaar auf Listen 2552 2554, 2558, 255g, 2560, 3547, 3548 51,05. Von den Kistenmachern ourch Wolter(Lorauszahlung auf Listen) 100,—. Von den Fliesenlegern durch Baberschke 50,—. Von den Tischlern durch P. Schinidt auf Liste 3483 6,00. Von den Tischlern durch O. Franke aus Liste 3476 5,75. Von den Tischlern durch Hürtler auf Liste 3407 4,85. Von den Möbelpolierern Hülsenbeck, Kroll u. Co auf Liste 4065 9,85. Von den Tischlern bei Hülsenbeck, Kroll u. Co., Saal II, auf Liste 4056 7,25. Von den Rabitzspanner» durch Meyer auf Listen 4081, 4082, 4084, 4087, 4030 10,70. Von den Bauarbeitern durch Böttcher aus Listen 2512, 2515, 2516, 2517, 251g, 2520, 2529 00,20. Arthur Pieskcr, Kassierer. Weitere Beiträge werden im Bureau Dragonerstr. 1ö, entgegen- genommen._ Gevichks"Bcitunq. Auch ein Ritualmord- Prozeß. Die sogenannten„Schächt- Postkarten" oder„Winter- bezw. Pola- Schächtkarten" des Verlags- buchhändlers G u st. Ad. D e»v a l d bildeten die Grundlage einer gegen diesen gerichtete» Anklage»vegen Beschimpfung von Ein- richtungen und Gebräuchen der jüdischen Religionsgesellschaft und Uebertretung preßpolizcilicher Vorschriften. Die Anklage»vurde gestern vor der II. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt; sie»vurde durch Staatsanivakt K a n z o lv vertreten. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt I ü n g st. Als Sachverständige ivaren Professor Dr. Strack und Rabbiner Dr. Weiße zur Stelle. Inkriminiert ivaren zivei im Verlage des Angeklagten erschienene Postkarten. Die eine hat Bezug auf die Ermordung des Gymnasiasten Winter und enthält die Worte:„Gedenket des II. März 1900! An diesem Tage fiel der Gyinnasiast Winter in Könitz dem Schächtmesser zum Opfer. Auf der Postkarte ivar ferner ein Bild abgedruckt, welches folgenden Inhalt hat: In einem Keller befinden sich zehn jüdische Leute, von denen Ernst Winter, dessen Hände durch Stricke festgehalten werden, hingemordet wird. Der in der Mitte stehende Mann hat ihm einen Schächtschnitt beigebracht und das Blut aus seinem Halse fließt in Strömen aus seiner Halswunde in einen Eimer, über»velchem er in der Schivebe gehalten»vird. Nach Ansicht der Anklage enthält die Karte eine Beschimpfung der jüdischen Religion, weil die Schächtung eine auf religionsgesetzlichen Vorschriften beruhende Einrichtung des Jndentmns sei. Daß hier eine Schächtung dargestellt werden solle, ergebe sich aus dem Bilde selbst und aus der Thatsache, daß einer der abgebildeten Juden auch einen Gebetsricmen um die linke Hand gewickelt habe.— Der Angeklagte bestritt, daß hier ein Gebets rienien abgebildet sei, der betreffende Jude habe vielmehr die Hand bandagiert. DerAngeklagte bestritt ferner, daß das Schächten eine gottes dienstliche Handlung sei.— Die zlveite Karte trägt über dem Bilde, »velches die Abschlachtung eines Mädchens durch drei jüdische Männer darstellt, die Ueberschrift„Der Blutmord an der christlichen Jungfrau Agnes Hruza am 29. März 1899 in» Brezina-Walde bei Polna". Unter den Figuren der drei Juden stehen die Worte „Der Schächter der alljährlichen Sühnopfer",„Leopold HülSner. der Beschaffer des Opfers" und„Ein Kultusbeamter der Hebräer".— Prof. Dr. Strack gab sein Gutachten dahin ab, daß die Karten Schächt akte darstellen. Das Schächten gehöre zum Ritus der Juden.— Rabbiner Dr. Weiße schloß sich dein Vorgntachter im großen und ganzen an.— IStaatsanivalt K a n z o>v beantragte gegen den An geklagten sechs Monate Gefängnis. Der Verteidiger, RechtSanivalt Jüngst, hält es zunächst für zweifellos, daß Ernst Winter geschächtet»vurde, und führt sodann )es längeren ans, daß es Ritnalmorde geben müsse und beruft sich u. a. auf das Zeugnis eines Herrn Leopold Landau zu Pforzheim, »velcher bekunden würde, daß ihm viele Rabbiner gesagt hätten, es bestehe der Ritualmord. Daß Landau ein Abtrünniger und dreimal im Jrrenhause geivesen sei, mache ihn nicht unglaubivürdig. — Rabbiner Dr. Weiße erklärte unter seinem Eide, daß es innerhalb des Judentums einen Ritualmord nie gegeben habe und daß er nie auf Sekten gestoßen sei,»velche einen solchen Ritualmord verüben.— Der Verteidiger»vnnderte sich,»uie jemand Derartiges befchlvörcn»volle, und der Staatsanivalt»varf seinerseits die Be merkung ein:„Für jeden gebildeten! Menschen giebt es überhaupt keinen Ritualmord!".. Nach Il/estündiger Beratung verkündete der Vorsitzende Land gerichtsdirektor Ka eller: Der Gerichtshof ist ohne weitere Beiveisaufnahme zur Verurteilung des Angeklagten gekommen, aber er hat— in Ablveichung von der Anklage— ihn' nicht her Be chimpfung von Einrichtungen der jüdischen Religions gesellschaft, sondern der Beschimpfung einer im Jnlande »nit Korporationsrechtcn ausgestatteten Religionsgesellschaft s e l b st "ür schuldig befunden. Wäre die Behauptung des An- geklagten»vahr, daß der Blutmord existiert, so»vürde der An 'geklagte strafrechtlich nicht verantivortlich sein. Der Gerichtshof hat aber keinerlei Zivcifel gehegt an der Richtigkeit der hier abgegebenen Gutachten. Bei der Abmessung der Strafe ist berücksichtigt, daß der Angeklagte wegen Beleidigung mit 3 Monaten Gefängnis vorbestraft ist, ferner die ganze Art und Weise seines Vorgehens, die eine strenge Strafe verdiene. Es sei ganz etivas andres,»venn die Frage des Ritualmordes ivisienschaftlich erörtert»verde, als hier durch Postkarten. Der Gerichtshof hat den Angeklagten zu sechs Monaten Ge« ' ä n g n i s verurteilt. Das Strafgesetzbuch ist uns nie als ein besonders glückliches Schutzmittel der Religion erschienen, und ivie bei früheren Religions- Prozessen, so müssen»vir auch hier bedauern, daß die Geschinack- losigkciten des Angeklagten auf die in Deutschland übliche Weise ge- 'iihiit»vorden sind. Waö ist ein Ober-Tchmock? Eine zwischen Wien und Berlin pielende Preßfehde, die schon die verschiedensten Stadien durch gemacht hat, beschäftigte gestern die VIII. Straftammcr des Land gerichts 1 in Gestalt einer Privatklage des Redacteurs Josef Graf in Wien gegen den Chefredactenr der„Berliner Neuesten Nachrichten", Hugo I a c o b i. Den Privatkläger vertrat Justiz rat Träger, den Privatangeklagten Geh. Justizrat v. S i m s o n. In der Nr. 542 der„B. N. N." voin 13. November v. I. war ein ans München datietter politischer Artikel enthalten, der sich über die in Wien erscheinende Zeitungs-Korrespondenz„Information", deren Herausgeber nnd Redacteur Herr Josef Graf in Wien ist, ausließ. Der Artikel hatte de» Zivcck, gegenüber der Ansicht, daß die„Jnfor- mation" als Organ einflußreicher Kreise besondere Bedeutung habe. den Charakter jenes Preßunternehmens zn kennzeichnen und nameut- lich reichsdeutsche Blätter vor diesem Organ zu warnen. Es wurde behauptet, daß dasselbe Hetzereien gegen Deutschland als Spccialität betriebe, daß der spmtus rector ein übel beleumundeter Journalist sei, der sich offiziöser Beziehungen rühmet nnd daß der jetzige Redacteur Josef Graf zur Zeit des Grafen Taaffe thatsächlich im Wiener Preßbureau und unter der Bezeichnung„Ober-Schmock" bekannt geivesen sei. Diese Bemerkung hatte Bezug auf die Thatsache, daß der deutsch-böhmische Abgeordnete Dr. Knotz seiner Zeit den Ausdruck„Ober-Schmock" auf de» Privatkläger iir Aulvendung gebracht nnd diese Bezeichnung dann von Wiener i»nd böhmischen Blättern übernommen worden war. Herr Graf strengte darauf die Beleidigungsklage an, die zunächst vom hiesigen Amtsgericht abgelehnt»vurde. Auf erhobene Beschiverde»vurde dann die Eröffnung de» Verfahrens angeordnet. Jnzivischen hatte Graf eine lange Berichtigung eingesandt, deren Aufnahme aus ormalen Gründen veriveigerl wurde. Ein Antrag auf Eröffnung des Strafverfahrens»vegen dieser Weigenmg»vurde abgelehnt. Eine hiergegen bei der Oberstaatsanwaltschaft eingelegte Beschiverde wurde als' unbegründet zurückgelviesen. Einige thatsächliche Punkte der Berichtigung hatten die„B. N. N." ihren Lesern mitgeteilt. Vor dem Schöffengericht hatte alsdann die Verhandlung der Privatklage das Ergebnis, daß der Angeklagte freigesprochen»vurde. Das Gericht billigte dem Angeklagten den Schutz des§ 193 zu und hielt die' in dem Artikel' enthaltenen Ausführungen nicht für be- leidigend. Was den Ausdruck„Ober- Schmock" betrifft, so habe der Angeklagte den Privatkläger gar nicht so bezeichnet, andern nur behauptet, daß er so genannt worden sei und diese Thatsache sei»vahr.— Auf die von dem Privatkläger gegen das Urteil eingelegte Berufung kam der Streitfall gestern vor die achte Strafkammer.— Die Bcrufungskammer kam zur Aufhebung de« ersten Urteils und Verurteilung deS Angeklagten zu 50 M. Geld- strafe. Der Gerichtshof sah nur die Anlvenbung der Bezeichnung „Ober-Schmock" als beleidigend an. Unter„Ober-Schmock" sei nicht nur ein komischer Journalist zu verstehen, sondern ein solcher, der seine Kritik abhängig mache von der Geivährung äußerer Vorteile. Die Gleichstellung mit einem solchen Manne sei beleidigend. Aus dev �vunvnbemcguug. Ueber die Ansnützung der Arbeiterinnen berichtet der Fabrikinfpektor für Elsaß einige Vorkoinmnisse, die ans die Arbeits- Verhältnisse ein recht ungünstiges Licht lverfen..Auch hier hat sich die Sitte eingebürgert, Arbeiterinnen Maschinen gegen Abzahlung zum Kauf anzubieten. Als nun in Betrieben,»velche Nähmaschinen ver- ivenden, elektrischer Betrieb eingeführt»vurde und die Arbeiterinnen mit»veniger Anstrengung mehr Accordlohn erhielten,»vurde ihnen 10 Proz. voin Lohn abgezogen. Der erhöhte Vorteil durch die raschere Herstellung der Ware genügte dem Besitzer nicht; er»vollte auch den Mehrve'rdienst der Arbeiterinnen»nit einstreichen. Sie »vehrten sich gegen diese Zumutung, nnd zivar in erfreulicher Weise mit Erfolg. Ein gutes Beispiel für andre,»velche ungerechten Forderungen»viderstehen sollen; es bedarf dazu nur des einmütigen Zusammenstehens. Aus dem Bezirk Oberelsaß hören Ivir folgende kleine Geschichte: „Der Besitzer einer Banmwolliveberei hat es durch strenges Verbot und unter Androhung von Strafen erreicht, daß die Arbeiterinnen, trotzdem e i n U m k l e i d e- un dWafchraum nicht vorhanden ist, das Kämmen an den Webstühlen vor Verlassen des Arbeits- raumes mittags und abends unterlassen; dagegen ist es ihin nicht gelungen, diese Unsitte bei den von ausivärts kommenden Arbeiterinnen morgens bei Beginn der Arbeit zu beseitigen." Sollte den Herren nicht der Gedanke sehr nahe liegen. daß die„Unsitte" aufhörte, sobald der notwendige Ankleidcranin vorhanden wäre? Der guten Sitte dürfte damit mehr gedient sein, als durch Strafandrohungen. Viel Sorge nnd Kummer hat der Beamte wegen der großen Abneigung der Fabrikanten gegen Erlaß einer entsprechenden Arbeits- ordnung. Es fehlen darin häusig die Angaben über die Art der Lohnzahlung, über Beginn und Ende der Arbeitszeit erivachsener Arbeiterinnen uslv. Wird der Besitzer darauf Hingelviesen, daß der Inhalt einer wohl achtjährigen Arbeitsordnung zu den neuen Gesetzen nicht mehr stimmt, so äußert er Staune» oder Befremden; äußerst ungern und zögernd geht er auf wiederholtes Drängen an eine Abänderung. Auch die jugendlichen Arbeiter bilden ein schweres Problem; ihr Verbleib in de» Pausen und die Aufsicht über sie ergeben mancherlei Schwierigkeiten. Einige Betriebe stellen deshalb keine Jugendlichen an; die andern,»velchen deren Beschäftigung trotzdem vorteilhaft erscheint, finden sich mit den Pflichten, die ihnen daraus erivachsen. so gut oder schlecht ab, als es eben geht. Die oft sehr ungeeignete Aufficht— schlechter als gar keine—»vird ineist nur geändert, wenn sich so offenbare Schäden zeigen, daß sich ein Einschreiten nicht mehr umgehen läßt. Die Anstellung von Frauen,»velche in fast allen deutschen Berichten angeraten»vird,»veil sie sich fast ausuahmslos beivährte, geivinnt nur langsam Boden. An Fabrikarbeiterinnen zählt daL Reichsland 41 O42 erivachsene und 5270 jugendliche; Kinder unter 14 Jahren beiderlei Geschlechts 745. Da sich in den revidierten Betrieben 21 096 erwachsene, 3142 jugendliche Arbeiterinnen und 313 Kinder befanden, so blieb die etivaS kleinere Hälfte der Gezählten ohne jede Betricbsaufsicht. Daß die Beamten es an sich nicht fehlen lassen, erficht man aus der Berichterstattung»nit Deutlichkeit; es ist die zu geringe Zahl der Angestellten, welche die Aufsicht ihrer besten Wirkung beraubt. Denn jetzt liegt der Gedanke noch immer zu nahe, daß der Gcivcrberat sicher einen großen Teil der Betriebe unbesucht lassen muß. und daß »nan es daher ruhig darauf ankonimen lassen kann. Die überiviegende Mehrheit der Arbeiterinnen, 34 226, gehören dem Textilgeiverbe an, in»velchem auch 434 Kinder unter 14 Jahren beschäftigt sind. Die auffallend geringe Anzahl von 431 Schneiderinnen und Konfektions- Arbeiterinnen, bei»velcher auch die Kinder mit- gezählt sind, deutet auf eine sehr ansgcdchntc Hausindustrie hin, »velche leider heute noch der Inspektion entzogen ist. In den revidierten Fabriken»vurden in 239 Betrieben Zuwiderhandlungen gegen die Schutzbestiininuugen für Frauen und Kinder ermittelt; bestraft»vurden— 18 Personen. Wobei indes zu berück- sichtigen ist, daß häufig die Strafe den Besitzer und Auf- eher zugleich trifft, so daß die Zahl der Fsä l l e,»velche einer Bestrafung unterlagen, noch bedeutend geringer»vird. Nicht immer, nicht bei allen Uebertretungcn wird eine so große Langmut cntivickelt. In der Aufzählung von Wohlfahrtseinrichtunge», bestimmt, den Arbeiter, den man behalten»vill, durch allerlei Vorteile zu fesseln, ist eine Bemerkung über Konsulnanstalten,»vie deren mehrere Fabriken errichtet haben, von großem Interesse:„Die Arbeiter berücksichtigen manchmal zu wenig, daß in den letzten Jahren die Lebensmittel- preise sehr stark in die Höhe gegangen sind und glauben sich deshalb durch die Konsumanstalten ihrer Fabriken übervorteilt. Nach einer Zusainmenstellung sind in den letzten zlvanzig Jahren die Lebensbedürfnisse in der Stadt Metz um durchschnittlich 38 Prozent gestiegen." Und trotz- dem sollen die notivendigen Lebensmittel wieder verteuert»verde» l Merkt eS Euch, Arbeiterinnen, und»vendctEuch mit allerMacht gegen die drohende Steigerung, die in eine Zeit fällt, in»velcher„die Zeichen des wirtschaftliche»» Rückganges sich bemerkbar machen". Das bedeutet Arbeitslosigkeit oder doch verminderte Arbeitsgelegenheit, keine Hoffnung auf Lohnerhöhung, aber Erhöhung des Preises der not- »vendigeii Lebensmittel. Unterschreibt die Petition gegen den Zoll- »vucher und sorgt dafür, daß andre sie unterschreiben. Es ist Euer und Eurer Kinder Brot, das Ihr verteidigt,»venn Ihr gegen die künstliche Hungersnot, die Euch bedroht, mit Mut und Ueberzeugnng ankämpft. Der Verein Schönclicrgcr Frauen nnd Mädchen hielt am 11. d. M. seine regelmäßige Vercinsversammlung ab, in»velcher Naturarzt Herr G r u n d in a>» n einen Dcmonstrations- Vortrag: Ein Blick in das Innere des Menschen" hielt. Reicher Beifall lohnte den Redner. Diskussion fand nicht statt. Unter Vereins- angelcgenheiten wurde nochmals gebeten, daß die Mitglieder ihre Kinder' dein Verein zum Zivecke einer Kinderaufführung zuführen möchten und daß die Vercinsversammlung immer am Mitlivoch vor dein 15. des Monats stattfindet. Zfctzke Atztchrirtzken und Vcpesrlzen« Gekentert. Kiel, 17. September.(W. T. B.) Heute nachmittag kenterte im Kriegshafen ein Seegelboot mit sechs Insassen, von denen der Bootführer Brenster ertrank,»vähreud die übrigen ge- rettet»vurden._ Kohlenarbcitcr Streik. Liittich, 17. September.(B. H.) Die Streiklage im hiesigen Kohlen bezirk verschliinm ert sich immer mehr. Die Zechendirektionen haben den Arbeitern mitteilen lassen, daß alle diejenigen, die bis nächsten Donnerstag nicht anfahrcir, endgültig entlasten seien. Mehrere Gruben haben eine Lohn- reduzicrung um 5 Proz. angekündigt,»vorauf»veitere zahlreiche Arbeitseinstellungen erfolgt sind. Danzig, 17. Septeniber.(SB. T. B.) Der Kaiser telegraphierte heute nachmittag an die Manöverleitung etlva folgendes: Die Biivak- Plätze gliche» Sümpfen, die von Bächen gespeist würden; Feuer anzuzünden sei unmöglich; die Mannschaften seien total durchnäßt, außerhalb der Chausseen sei überhaupt nichts zu passieren; infolgedessen sei»norgen Ruhetag. Köln, 17. September. Der Rhein und seine Nebenflüsse »nd im steten Steigen begriffen. BorniittagS 11 Uhr zeigte der Kölner Pegelstand 5.16 Meter. Die Mosel stieg seit gestern uin 30 Meter. Weraniworilicher Redacteur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Badiug in Berlin. Hierzn 1 Beilage u. NutcrhaltungSblatt. Nr. 218. 18. Inljrgang. Irilogc»es Jonuiitlo" ßfrlhitt WIMM MillMlh, 18. S'tjiftliilict 1901. Berlmer Partei-Attgelegenheiten. Vierter Wahlkreis, Osten. Im Lokal Köuigsbauk. Frank- furterstr. 117, spricht heule abend 8�/7 Uhr Genosse F e l d t in a n n- Langenbielau über die Junker von 1806—1807. Tie Parteigenossen werden aufgefordert, für zahlreichen Besuch dieser Versammlung zu agitiere». Den Parteigenossinnen im sechsten Wahlkreise die Mitteilung, dah Donnerstag im Kolberger Salon eine V 0 l k s v e r s a mm- l u 11 g stattfindet, in der Frau T i e h über die Milch- und Fleischverteuerung sprechen wird. Zahlreicher Besuch wird erwartet.'_ Toksrles. Uebcr die Zustände im städtischen Obdach erhalten wir von Obdachlosen und solchen, die es waren, noch täglich Briefe. Gemeinsam ist allen diesen Zuschriften die Empörung über die entwürdigende Behandlung, die die Benutzer des Obdachs über sich ergehen lassen müssen. Daneben wird aber noch eine Reihe andrer Beschwerden vorgebracht, die nicht weniger Beachtung der- dienen. So wird fast allgemein auch über den in der Anstalt herrschenden Mangel an Sauberkeit geklagt. Das gilt be- sonders von der Abteilung für. nächtlich Obdachlose. Gewiß, es sind zunächst die Obdachlosen selber, die all' ihren Schmutz, ihr Ungeziefer und ihre ekelhaften Krankheiten mit in das Obdach hineinbringen. Aber die hiergegen getroffenen Vorkehrungen sind im städtischen Obdach so unvollkoniinen und die bezüglichen Bc stimniungcn werde» so mangelhaft ausgeführt, daß ein Obdach loser aus der An st alt leicht mehr Schniutz mit hinaustragen kann, als er hineingebracht hat. Namentlich das Bad, das im städtischen Obdach gereicht wird. ist für die Sauberen unter den Obdachlosen fast das Gegenteil eines Neinigungsbades. Der Vorsteher des Obdachs hat sein Erstaunen darüber geäußert, daß an jenem Verhängnis vollen Montagabend, an dem die in der Anstalt herrschende Prügel ivirtschaft endlich einmal in unwiderleglicher Weise festgestellt iverden konnte, gleich ein ganzer Saal sich geweigert habe, ein Bad zu nehmen. Sollte der Mann nicht wissen, daß der Wunsch, sich dem Bade zu entziehen, im städtischen Obdach allgemein ist. und daß mehr oder weniger versteckte Weigerungen hier alle Tage vorkommen? Daß.ein ganzer Saal" die Aufforderung, die Kleider abzulegen, unbeachtet läßt und hierdurch seinen Wider willen gegen das im städtischen Obdach gereichte Bad offen be kündet, das dürfte dem Inspektor allerdings ans bcgrcifi lichcn Gründen bisher.noch nicht vorgekommen" sein. Jeder Widerstand wird in solchen Fällen sofort niedergeschlagen und dem Herrn Inspektor wird von derlei Kleinigkeiten gar nicht erst Meldung gemacht. Auch an jenem Montag würde die Sache den üblichen Verlauf genommen haben, ivenn sich nicht einer der Geschlagenen als Stadtverordneter entpuppt hätte, und der Herr In- spcktor würde ohne diesen unerwarteten Ausgang noch immer in dem naiven Glauben leben, daß bei ihm noch nie„ein ganzer Saal" sich geweigert habe, zu baden. Es muß in der That große Ueberwindung kosten, im städtischen Obdach ein Bad zu nehmen. Daß zum Baden nicht bloß Wasser, sondern auch Seife und Handtuch gehören, ist zwar dem Personal des Obdachs nicht ganz unbekannt. Aber beides wird in so geringer Menge und Anzahl geliefert, das viele Badende dabei überhaupt leer ausgehen. Der Mangel an Handtüchern soll so groß sein, daß sich mehrere Personen in den Gebranch je eineZ Tuches teilen müssen. Um diesen skandalösen Znstand voll würdigen zu können, muß man sich vergegenwärtigen. daß sich unter den Obdachlosen stets auch Personen mit ekel- haften Hantausschlägen befinden. Nach Beendigung des Bades stürzen sich die Badenden in wilder Hast auf die Tücher, um Ivomöglich ein noch nicht benutztes Handtuch zu bekomnien. Andre trocknen sich lieber überhaupt nicht fertig ab und ziehen die Kleider über die nasse Haut. Auch sonst soll das Drum und Dran eines Bades im städtischen Obdach kein Hochgenuß sein. Es.ist uns als etwa« ganz Gewöhn- lichcs bezeichnet ivordcn, daß die zum Baden bestimmten Personen lange Zeit nackt warten müssen, ehe sie in den Badcrnum geführt werden. Dabei läßt man im Warteraum die F e n st e r offen stehen, ohne viel nach Witterung und Jahreszeit zu fragen. Das Bad verläuft nach den uns gemachten Mitteilungen nicht selten folgendermaßen: Wenn die Badenden klagen, daß das Wasser zu kalt sei. prasselt plötzlich ein Regen heißen Wassers auf sie nieder: ivenn sie sich beschweren, daß es zu heiß sei. gicbt es unerwartet eine eiskalte Douche. Das bereitet begreiflicherweise dem die Zuflußhähne bedienenden Kalfaktor erheblich mehr Ver gnügen als den Badenden. Die Badenden laufen dann oft erschreckt von den Brausen weg. aber die LiebenS- Würdigkeiten, die ein Kalfaktor für solche Seitensprünge bereit hält, treiben sie sofort wieder an ihren Platz. Und nach all diesen An- nchmlichkeiten eigener Art erwartet die Badenden, wenn sie zu spät in ihre Säle zurückkehren, oft noch die Entziehung des Abendessens; denn im städtischen Obdach gilt der Grundsatz: .Wer nicht da ist, der nicht mitißt." Darf man sich nach alledem wundern, daß hier keiner gern badet? Zu dem Schmutz, den die Besucher des Obdachs durch die Hand- tücher auf sich übertragen können, kommt der Schmutz und das Ungeziefer in den Schlafsälen. Wanzen sollen sich hier in so ungeheurer Menge vorfinden, daß selbst die abgehärtetsten Kenner der Berliner Mietskasernen gestehen müssen, etwas derartiges noch nicht gesehen zuhaben. Es ist keine Seltenheit, daß Obdachlose angesichts dieser Fülle von Ungeziefer sich überhaupt nicht schlafen legen, sondern die Nacht durchwachen. An Zerstreuung fehlt es ihnen dabei nicht. Sie brauche» nur dein munteren Spiel der Ratten zuzusehen, die unter den Pritschen uinhcrhnschen. Gelegentlich kommen sie auch in die Lage, einem ihrer Leidensgefährten den Liebesdienst zu er- weisen, daß sie die gefräßigen Nager von einen: Stück Brot ver- jagen, das der Schläfer für den andren Morgen zurückgelegt hat.— Wenn im städtischen Obdach Wehrlose mißhandelt werden, dann sucht die Leitung der Anstalt sich damit zu entschuldigen, daß das Personal selber durch NoheitSausbrüche von Obdachlosen gefährdet werde. WaS wird sie auf den Vorwurf der Unsauberleit ant- Worten?_ Ein Berichtcrstatterstrcik ist bei den im Verlag von August Scherl u. Co. erscheinenden Zeitungen ausgebrochen. Den Berliner ZeitungSkorrespondcnten war am 30. Juli d. I. vom Ver- läge mitgeteilt worden, daß er künftig nur das für eine Zeitung übliche Honorar zahlen wolle,' sich aber ohne weiteres Entgelt die Beniitziing für sämtliche in seinem Verlag erscheinenden Zeitungen und Zeitschristen vorbehalte. Sonnt sollten Mitteilungen. die vom.Lokal-Anzeiger" honoriert ivarcn, u n e n t g e l tl i ck, auch in den.Tag", in die„Feldpost" usw. aufgenommen werden können. Hieraus wollten sich die Berliner ZeitnngSkorrcspondenten mit Recht nicht einlassen und daher sandten sie dem Scherlschen Verlage einen Lieferungsvertrag zu, der im wesentlichen folgende Bedingungen enthielt: .Der Unterzeichnete berechnet einer Zeitung für die Äcnntznng der Artikel seiner Korrespondenz in unveränderter oder veränderter Form ein Mindesthonorar von ö Pf. für die abgedruckte Zeile, oder falls ein Artikel nur zur Information der Redaktion gedient hat, eine Jnformationsgebühr von mindestens 3 M. Falls sich der Umfang der Benutzung eines Artikels nicht zcilcnmäßig fest- stellen läßt, ist die Jnformationsgebühr zu zahlen. Im Streit- falle liegt der Redaktion bezw. dem Verlage der Nachweis der Nichtbenutzung des Artikels ob. Für nach 9 Uhr abends ge- lieferte Berichte werden die doppelten Preissätze berechnet. Erscheinen in demselben Verlage zwei Zeitungen gleichen oder ver- schiedenen Inhalts unter versckncdcnen Titeln, so erhöhen sich für die Fälle, in denen Artikel für beide Zeitungen benutzt werden, alle vorerwähnten Honorarsätze um 50 Proz. Erscheinen in dem- selben Verlage noch weitere Zeitungen unter verschiedenen Titeln, so tritt für jede derselben bei Benutzung eines Artikels in mehr als zwei Zeitungen ein weiterer Honorarzuschlag von 25 Proz. ein." Als die Firma Scherl diese Zuschrift unbeantwortet ließ, verpflichteten sich die Zeitnngskorrespondentcn, dem Verlag so lange k e i n e B e i t r ä g e in e h r zu l i e f e r n, bis die verlangten Bc- dingnngen allseitig erfüllt seien. Es haben sich zu diesem Zweck im' ganzen 19 Berichterstatterfirmen vereinigt und zwar die bc- deutendstcn, die für die Berliner Presse in Betracht kommen. Wir bemerken, daß die geforderten Honorarsätze von allen größeren Berliner Blättern schon jetzt anstandslos bezahlt werden.' Unsres Erackitcns haben alle diese Zeitungen ein Interesse daran, die ans- ständigen Korrespondenten in ihrem gerechten Kampf zu unterstützen. Die Stadtverordnete»- Versammlung wird sich in ihrer Sitzung am Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, mit folgender Tages- ordnung zu beschäftigen haben: Wahl je eines Mitgliedes in die Arbeitsbaus-Verwaltung, in die Baudcputation, in die Deputation für Kunstgewerbe, in das Kuratorium der Wilhelm Borchcrt-Stiftimg, in die Grimdeigentuins-Depntation und in das Kuratorium für den Central-Viehbof und die Fleischbeschau-Aemter.— Berichterstattung über die Vorlage betreffend den Ankauf eines an der Wnllenweberstraße und der Spree belegenen Grundstücks.— Vorlage betreffend den Erwerb einer' Parzelle zur Frei- legung der Straße 63 X 2— und die Uebcrweisung eines Trennstückes des Grundstückes Neue Krug-Allce 12 an die Bau- depntntion zur Errichtung eines Stcindepolsplatzcs.— Antrag von Mitgliedern der Versammlung betr. die Bercilstellnng des Geländes der ehemaligen Stralau er Wasserwerke für Errichtung kleiner Wohnungen.— Vorlagen betr. die Teilung des Bc- zirks des 158. Gcmcindc-Waiscnrats,— die Ueberschreitung der für den Neubau einer Brauscbad-Anlage nebst Waschraum auf dem Kohlcnplatz Holzmarkistr. 22—24 bewilligten Bansmnmen,— den speciellen Entwurf für den Erweiterungsbau des MännerüberwachnngS-Hauses der Irrenanstalt Herzbcrge,— die für Erwerbimgen und Beschrän- knngen von Straßcnland auf Grund von Entschädigungsbeschlüssen oder richterlichen Entscheidungen in der Zeit vom 1. Januar bis 30. Juni 1001 gezahlten Beträge.— den speciellen Entwurf für das Anschlußgeleis zum Neubau der Irrenanstalt Buch— und den Ver- kauf einer an der Grünancrstraße belegenen Baumaske.— Drei Rechnungen.— Eine UutcrstittzUliaSsüche.— VorInge Dcticffcnd eine Feierlichkeit. Der Milchkricg ist mit dem gestrigen Ticnötag erklärt worden. Am Dienstagmittag hat eine außerordentliche General- versanmilung der Mitglieder der Centrale für Milchverlvertung G. in. b. H., im großen Saale der Brauerei Friedrich shain, zu welcher etwa 2000 märkische Bauern und Grundbesitzer erschienen ivarcn, stattgefunden. Den Vorsitz führte Herr von Bredow-Laudin der die Versammlung mit einem Hoch auf den Kaiser eröffnete. Es sprachen dann ein Graf v. Schulenburg- Grünthal und Herr Ring- Düppel. Dieser Herr meinte: Man sagt uns, daß wir Bauern keine Ideale besitzen. Nun, wir besitzen solche in Gestalt von KönigStreue, Christentum und Liebe zur Familie. Und deshalb steht uns unser Herrgott näher als den Leuten in der Stadt. Mit diesen Idealen werden Ivir siegen. sDonnerndcr Beifall.) Hierauf wurde folgender Antrag des Vor standes einstimuiig angenommen:„Der Vorstand wird beauftragt. mit allen Mitteln den von der Generalversammlung vom 10. Juni 1901 festgesetzten Milchprcis von 13Vs Pfennige pro Liter Vollmilch frauco Berlin gerechnet, durchzusetzen, da die eingetretene Futteruot eine Herabsetzung nicht zuläßt. Während der Zeit des Kampfes um den Milchpreis, also vom 1. Oktober 1901 an bis zu dem Tage, an welchem der Vorstand schriftlich jeden Genossenschafter die Becndigimg des Milchkriegcs angezeigt hat, darf lein Genossenschafter Milch, Sahne, Magermilch nach Berlin und Vororten verkaufen oder durch einen andren verkaufen lassen. Lediglich die Milchccntrale vertritt für diese Zeit im Milchhandcl die Genossenschafter und die angeschlossenen Genossenschaften. Vom heutigen Tage an gerechnet darf jeder Genossenschafter und jede Genossenschaft, die der Milch centrale angeschlossen ist. nur Milch-Pachtverträge für die Dauer eines Jahres, also bis 1902, abschließen." Die Große Vcrliner Strastcnbahn-Gcsellschaft hatte zu gestern eine Anzahl Ingenieure sowie die Redaktionen der hiesige» Zeitungen zur Besichtigung verschiedener Neuerungen eingeladen, die von ihr zur Erhöhung der Betriebssicherheit eingeführt worden sind. Es handelte sich zunächst um die Vorführung der neuen Luftdruck- b r e m s e, welche sicher funktionierte und die in voller Fahrt bc- indlichen Wagen auf SVe Meter zum Stehen brachte, ohne daß die Fahrgäste schlimm durcheiuandergcrüttelt wurden. Minder glücklich waren die mit der neuen Schutzvorrichtung angestellten Ver suche. Eine Strohpuppe, welche auf dem Bahnhof in Treptow als Versuchsobjekt diente, wurde von dem„Unglückswagen", dem sie sich opfern sollte, mit solcher Gewalt umgeworfen, daß ihr Schädel in Stücke gegangen wäre, wenn dessen Umhüllung aus Knochen statt aus Sack- leinwaud bestanden hätte. Auch kam die Puppe nicht auf das Schutz- gitter, sondern darnntcr zu liegen; die Fangvorrichtung bewährte ich nur dann, wenn die Puppe in wagcrechter Lage quer über den chienen ihrer Bestimmung harrte, sich mithin vorher für den Un- glücksfall präpariert hatte.' Von weit größerem Wert als die Fang- Vorrichtung war eine Erfindung, welche auf die denkbar einfachste Weise die Gefahr der Drahtbrüche beseitigt. Durch eniieii Schutzdraht, der am Aufbängepunkte an der Leitung befestigt ist, wird das Herabfallen des Drahtes verhindert, so daß. eine Gefährdung von Meiischeuleben ausgeschlossen erscheint. Die neue Einrichtimg ist bis jetzt an 4000 Stellen angebracht, vollständig ist die Potsdamer traße von der Bülowstraße bis zum Potsdamer Platz mit der Sicherung versehen. Für den Techniker hatte die Einrichtung des Maßwagens und der Strom- und Spannungsincsser Interesse, auch darf die vorgeführte Einrichtung der F a h r s ch u l e, in der die Angestellten einen vierwöchigen Kursus durchzumachen haben, nicht unterschätzt werden. Aus statistischen Angaben, die Herr Direktor Micke machte, geht hervor, daß von der Großen 3100 Fahrer, 3400 Schaffner. 900 Handwerker und Arbeiter für die Wagen- iinterhaltmig auf den Bahnhöfen beschäftigt werden, serner 80 Schlosser und Revisoren für die Unterhaltung der Oberleitung, 500 Hand- wcrker und Arbeiter in der Hauptwcrkstatt, und endlich 100 Controleure und Expcditoren. Bon den 3000 Wagen der Gesellschaft werden nach einer Schätzung der Direktion in diesem Jahre voraussichtlich 307 Millionen Fahrgäste befördert werden. Der Direktor hob in einer Ansprache crvor, daß nach den vielen gegen die Gesellschaft erhobenen An- klagen der Geschäftsleitung darum zu thun sei, nicht allein der Oeffentlichkeit ein Verständnis für die Schwierigkeiten des Betriebes beizubringen, sondern auch die Wünsche und Beschwerden des Pnbli- kuinS mit Entgegenkommen zu prüfen. DaS sind Worte, wie man sie bisher bei der Großen nicht gewohnt war. Es sollte uns freuen, wenn der Gesellschaft auch bald'die Erkenntnis käme, daß gleichfalls die Wünsche der A n g e st e l l t e n nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Die Gcincingcfährlichkcit des Berliner Grundbesitzes geht von neuem ans einem Beschluß hervor, den der Hansbesitzerverein Süden in seiner gestrigen Versammlung gefaßt hat. ES handelte sich um einen Protest gegen die Aufhebung des komniunalen Vier- mark-Steuersatzes, die vom Magistrat bekanntlich beileibe nicht aus Mitleid mit dem armen Mann, sondern aus rein technischen Gründen befürwortet worden ist. Der Einwand, daß dieZahlderstädtischenStcuer- erHeber nicht ausreiche, sei wenig stichhaltig; in: Notfall sollten Hilfskräfte ans andren Ressorts hinzugezogen werden. Viele der Leute, die nicht 4 M. Steuer zahlen wollten, zahlten viel mehr für politische und gewerkschaftliche Zwecke. Sollte wider Erwarten die Stadtverorductcn-Versainmlimg die Aufhebung der Vicrmarkstcncr beschließen, dann müsse verlangt werden, daß den nunmehr steuerfreien Viennarkniännern auch das Wahlrecht entzogen Iv e r d c. Der Verein beschloß, den Bund der Gruudbesitzer-Vereine zu ersuchen, in diesem Sinne bei den städtischen Behörden vorstellig zu werden. Es muß immer wieder daran erinnert werden, daß die Herren, die solche brutale Anschauungen zum besten geben, die wesentlichsten Stützen des Berliner K ommunalfreisi n n s sind. So erklärt sich der erschreckende Mangel an socialem Empfinden im Rathause. Znr Entwicklung der Berliner Konsuingcnosscnschafte» wird uns geschrieben: Der erste Schritt zur Anbahnung des Zusammen- schlusicS der Berliner Koiisuingenossenschafteu war im Frühjahr dieses Jahres die Herausgabe eines genieinsamen Flugblattes. Laut Angabe der Vereint„Berlin- Nixdorf",„Berlin- Nord",„Berljn-Süd", ,', Charlottenburg",„Schöneberg",„Friedrichshagen" und„Adlershof" hatten diese Vereinigungen damals zusammen eine Mitglicderzahl von ca. 5000, welche in 16 Verkaufsstellen einen Umsatz von monat- lich ca. 85 000 Mark erzielte. Inzwischen hat sich in Neu-Weißensce noch ein Verein gebildet, welcher am 1. Oktober die erste Verkaufs- stelle eröffnen wird. Trotzdem in den Sommermonaten die Agitation nur in beschränktem Maße betrieben werden konnte, hat sich die Mitgliederzahl auf ca. 7000, die Zahl der Verkaufsstellen auf 23 und der Umsatz auf über 100 000 Mark monatlich gesteigert. Der Iii« snmmenschluß der Vereine in einen sich über ganz Berlin und die Vororte erstreckenden Ccntralverein ist inzwischen von den Ver- waltungen der genannten Vereine, vorbehaltlich der Zustimniung der Generalversammlungen, beschlossen worden. Auch die Vereine„Biene",„Vorsicht" und der„Berliner Konsum« verein" in Berlin, sowie der Verein Tegel und die beiden Köpenickcr Vereine„Vorwärts" und„Coustantia"' waren aufgefordert worden, zu dieser Centralisation Stellung zu nchinen, verhielten sich jedoch ablehnend. Die Konmiission, welche die Centralisation vorbereiten soll, hat für den ueueii Verein bereits ein Statut ausgearbeitet und so der Bevölkerung von Berlin und Umgebung in nächster Zeit Gelegenheit geboten, in einem großen Verein mit ca. 2 Millionen Umsatz jährlich ihren Bedarf an Lebensmitteln zu decken. Diese Centralisation ist zur uubedingten Notwendigkeit ge- worden, um djx Umständlichkeit des Ucbcrtritts aus einem Verein in-eiuen- andeni beim eveiit. Uiitzug zu vermeiden; besonders aber um durch Warcncinkauf und Bezug im großen die Genossenschaft mit den Warenhäusern und Spccialgeschäften koukurrcnzsähig zu machen. Ferner hofft die Vereinigung Lt'.rch Aufbesserung der Arbeits- Verhältnisse ihrer Angestellten, sowie durch Eigenproduktion, die zu- nächst mit der Einrichtung einer Bäckerei in die Wege zu leiten wäre, immer mehr das Interesse der Berliuer Arbeiterschaft zu erwecken. Ein Stück Alt-Bcrlin, nämlich der Rest der Stadtmauer gegenüber dem Museum für Völkerkunde, sowie das Häuschen in der Königgrätzerstraße, welches den als KutscherkßiUpe bekanuten Alten Potsdamer Keller beherbergte, verschwindet jetzt lion der Bild- fläche. Leider läßt sich in diesem Fall nicht behaupten, daß die gewiß nicht schöne Erinnerung an frühere Tage deni Fortschritt der Zeit zum Opfer fällt. Die Sradtniauer wird abgebrochen, wL-fl der Grund und Boden, worauf sie steht für das fortschrittsfeindlichste Institut im fortschrittsfeindlichen Preußen, nämlich für das preußisch?� Herrenhaus hergerichtet werden soll. Sache der socialdemo- kratischen Arbeiterschaft ist es, einen Gcsellschaftsznstnnd herbeizuführen. unter welchem nian die Eriuncrmigen an das Herrenhaus ebenso im Natnralieukabinctt zeigt, Ivie heute die Reste des Mastadou und ähnlicher Fossilien. Antisemitischer Zeitvertreib. Der konservative Biirgervcrcin „Obere Friedrichstndt" hat, wie die„Staatsb. Ztg." meldet, seine vatcrlandsrettcnde Gesinnung durch Annahme folgender Resolution in empfehlende Erinnerung gebracht:„Die Versammlung des konservativen Bürgervereins„Obere Friedrichstadt" spricht ihr Bc- dauern ans über die von der Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung vollzogenen Wiederwahl des Stadtrats Kauff- mann zum zweiten Bürgermeister der Rcichshauptstadt, trotz- dem derselbe nach seiner ersten Wahl die Bestätigung durch Sc. Majestät den König nicht gefunden hat. Die Versainmlung er- hebt Protest gegen diesen von der Stadtvcrordncten-Mehrheit ver» übten Mißbrauch der kommunalen Einrichtungen zu parteipolitischer Agitation und erklärt das von dem Stadtverordneten- Vorsteher uugerügte Auftreten des s 0 c i a I d e in 0 k r a t i s ch e n Wortführers im Roten Hause für einen Schlag ins Gesicht der Berliner Bürgerschaft."— Nachdem dies vollbracht, nahm der Verein eine Resolution zu Gunsten dcS BrotwucherS an. Eine» plötzlichen Tod fand die 43jährigc Schauspielerin Frau Emma John-Bvehnic von dem neu eröffneten„Casino- Theater" in� der Lothringerstrnße. Sie begab sich am Montagabend nach dem' Theater, uin dort initzuwirkeu. Am Eingang zum Theater brach die Dame, eine stattlickie Erscheinung, plötzlich zusammen und starb am Herzschlag, bevor ärztliche Hilfe herbeigeholt werden konnte. Die. Leiche der Schauspielerin, welche in zweiter Ehe verheiratet war, wurde nach dem Schauhause geschafft. Der Ranbniörder Albert Jänicke ist gestern morgen nach dem Untersuchungsgefängnis des Landgerichts II in Alt-Moabit ge- bracht worden. Trotz seiner Jugend ist Jänicke nicht weniger als achlmnl mit Gefängnis vorbestraft, vicnnal wegen Korperverletznug und ebenso oit wegen Eigentumsvcrgehens. Außerdem hat er noch Geldstrafen wegen groben Unfugs erlitten. Die letzte Strafe, welche er erst am 9. d. M. verbüßt haite, hat er auf Autrag seiner Mutter wegen schwerer Körperverletzung erhalten. Der arbeitsscheue und dem Trunk ergebene Mensch hatte von seiner MuttcrGcld gefordert und als er olchcs nicht erhielt, sie am Hals gepackl, gewürgt, niit der Faust ins Gesicht geschlagen und mit Erniordung bedroht. In der Ver- Handlung gegen Jänicke wegen dieser Gewaltthat bat die gcängstigte Frau den Gerichtshof um eine recht strenge Bestrafung ihres Sohnes, weil sie sich saust ihres Lebens nicht sicher fühle. Der Mörder wird in seiner Zelle im Untersuchungsgefängnis an Händen und Füßen geschloffen, um Selbstmord zu verhinderst Einen solchen hat Jänicke chon früher einmal auf der Polizcilvache unternommen, als er wegen Diebstahls verhaftet worden war. Jänicke stnnnnt anZ Wittstock. Bei seiner Verhaftung hatte der Mörder von dem geraubten Gelde nur noch wenige Mark bei sich. 70 M. hatte er für die An- chaffung der neuen Kleidung ausgegeben, während er den Rest in Lokalen mit Damenbedicnnng verpraßt hat. Die blntbesudeltcn Kleidungsstücke, die er in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, waren von ihm in der Elsasserstraße fortgeworfcn worden, wo man sie auch noch gestern abend gefunden hat. Das Befinde» der beiden Feuerwehrmänner, die vorgestern bei der Explosion in der Charlolteustraße schwer verunglückten, während ein dritter mit leichten Verletzungen davonkam uiid nach Anlegung eines Verbandes vom Kcankenhause heimgehen konnte, ist andauernd ungünstig. Veide liefen auj- der chirurgischen Station vcr Charits schwer danieder. Oberfenermann Karl'Studt aus der Lohmühleustraßc hat auszer Verletzungen au den Händen, am Kopf und dem Gesicht besonders schwere Brandwunden am Nucken, so dasz man ihm die Kleider vom Leibe herunterschneiden mußte. Der Fenerniann Karl Keugcr aus der Kirchbachstraße ist au den Händen und am Gesicht schwer verbrannt. Daß auch vom Publikum niehrere Personell verletzt sein müsse», wenn auch nicht erheblich, unterliegt keinem Zweifel. Ei» anögcdchutcr Brand, der infolge ungelvohnlich großer Qualmentlvicklung viel Zeit zur Löschung i» Anspruch nahm, kam am Dienstagabend an der Ecke der Elbinger- und Greifsivaldcr- straße 53/56 auf dem Lagerplatz der Firma Pröchcl u. Herrmanns iJnh. I. Herrmanus) zum Ausbruch. Die Firma handelt mit altem Papier und Pappen zur Papierfabrikatiou. Das Papier lagert dort in cinstöckigeil Fachwerk- Gebäuden in losen Ballen zu Hunderten von Centnern. Das Feuer soll kurz nach 5 Uhr in einem Ranine neben der Presse, wo drei Frauen beschäftigt wurden, ausgekommen sein. Man nimmt an durch Brand- st i f t u n g. Die Flammen griffen so schnell um sich, daß die drei Frauen nur mit Mühe sich retten konnten. Vorn auf dein Hofe stürzte eine von ihnen. Frau Graubitz. beivußtlos hin. Erst in später Nachtstunde konnte die Feuerwehr wieder abrücken. I» Brand geriet gestern abend der Straßenbahnwagen 1762 der Linie Grolmanstraße— Schonhanser Thor in der Breiteslraße. Infolge Kurzschluß entzündete sich die innere Einrichtung des Accu- inulatorcn und eine gcivaltigc Flammensäule schlug unter dem Wagen hervor. Durch die enorme Hitze wurden die 13'Millimeter starken Stahlplatten des Schaltcrkastcns teilweise geschmolzen. Der Wagen wurde außer Betrieb gesetzt. Das Opfer eines Unfalls ist der 63 Jahre alte Maurer Christian T i s ni c r aus der Gerichtstraße 32 geivorden, der gestern. Dienstaguachmittag um 41/2 Uhr, unter einem zahlreichen Geleit auf dem Nazareth-Fricdhof zu Grabe getragen wurde. Tismcr, der die Feldzüge von 1864, 66 und 76/71 mitmachte, verunglückte am Frei- tag auf einem Neubau in der Christianiastraße. Als er Wasser hinauf- tragen wollte, glitt er auf der Leiter, die vom Regen naß und schlüpfrig geivorden Ivar, aus und fiel aus einer Hohe von ändert- halb Stock hinab. Er zog sich außer einem Beinbruch so schwere innere Verletzungen zu. daß er bald nach dem Sturz auf der Unfall- station 17 in der Badstraße starb. Ein Postpfcrd ist gestern abend gegen 3 Uhr in den Keller des Hauses Friedrichsgracht 61 hineingeraten und konnte erst nach langer Mühe aus seiner gefährlichen Lage befreit iverden. Der Postwagen fuhr in scharfem Trabe über die ziemlich abschüssige Jungfcrnbrücke geradenwegs auf das genannte Haus zu. Ivorauf das Pferd in den Keller hineinrutschte und durch seinen unwillkommene» Besuch die Bewohner in nicht geringen Schrecken versetzte. Dem unglücklichen Tier war zu Anfang auf keine Weise bcizukommcn; es versperrte den Eingang zum Keller derart, daß die Bewohner nicht heraus konnten und versucht werden mußte, durch Ausbrechen der Eiscnstnnge den Leuten einen Ausgang durch die niedrigen Fenster zu verschaffen. Der Feuerwehr gelang schließlich die Befciuug. Straßensperrung. Die Straßbnrgcrstraße von der Saarbrücker- bis zur Mctzcrstraße ivird wegen Uinpflastcrung vom 18. ab für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Die Parochialstraße von der Jüdcn- bis zur Klostcrstraße wird behufs Verlegung von Gasrohren von heute ab, die Lottumstraße von der Schönhauser Allee bis zm.�kkIierslrave''auW::-b!� itt Kreuzdamme wird bchms � Umpsiasterung von, 23. d. M. ab. dies Trebbinerstraße bon Nr. 5 bis, jum Tempclhofcr Ufer wird behufs Usphaltieruug vom 23. d. Pr- vis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter geiperrt. de» Nachbarorte». Treptow- Bai'�inschiilcilweg. Die gestern stattgefundcne Ersatzwahl zur..G�,„xj„v�vcrtretn»g hatte folgendes Resultat: Gerisch(«oc�'jg� Stmmen, Karow sSoc.) 161 Stimmen, Nickel (kons.) 141_g(( �gethmann(kons.) 110 St., Tetz» er(freis.) 43 St., Babcthge-' ffrejsi) 85 St.— Da infolge Unkenntnis verschiedener Wählex vber den Wahlmodus eine Anzahl Stimmen verkehrt ab- ll�flswe» wurden, anstatt für Gerisch für Karow und umgekehrt, so .simß nunmehr Stichwahl zwischen uuscrn Genossen und den Konservativen stattfinden. Immerhin ein ganz schöner Erfolg. Rixdorf. Gegen das Urteil des Bezirksausschusses vom 16. Juli, durch das die Wahl des Steiusetzmeistcrs W i ck e l zu», Stadtverordneten sür ungültig erklärt worden war, hat der bcvoll- mächtigte Vertreter der' Stadtverordnete»- Versammlmig, Bürgermeister Voigt, zur Wahrung der Einspruchsfrist Bcrnfnug ein- gelegt. Da es sich um die Entscheidung einiger wichtiger, das Wahlverfahren betreffenden Fragen handelt, auf die die Städte- Ordnung keine bestimmte Autwort gicbt, so hat jetzt der Wahlausschuß beschlossen, der Stadtverordneten- Versammlung die A u f r e ch t e r h a l u u g der Berufung zu empfehlen. Es soll ein Endurteil des Ober- Verivaltungsgerichts herbeigeführt werden. Unter andern, steht zur Entscheidmig, ob der Wnhlvorstand nur das Endergebnis der Wahl festzustellen und be- kannt zu geben, nicht aber die passive Wählbarkeit des Gewählten iiachzuprüfen habe. Der socialdcmokratischerseits erhobene Einspruch sowie die Klage hatten dem Wahlvo, stand das Recht bestritten, den socialdemokratischen Kandidaten, der die meisten Stimmen auf sich vereinigte, bei der Fest- stell»,, g des Wahlergebnisses einfach auszuscheiden, weil er als nicht ausschließlicher Besitzer eines Hauses im fraglichen Bezirk nicht wählbar sei. Der Bezirtsnusschnß hat sich im gleichen Sinne aus- gesprochen.— Zu der Berufung wird die Stadtverordneten-Versami»- iung in ihrer nächsten Sitzung Stellung nehmen. ' Uebcr den Bau eines neuen A r in e» h a u s e s wird die Rix- dorfer Stadtverordneten-Versannnluug am Donnerstag zn beschließen haben. Die Gesamtkosten sind auf 125 666 Mark veranschlagt worden. Die Schöuebcrgcr Stadtverordnete»- Versammlung über- wies in ihrer kaum halbstündigen Sitzung am Montag die gegen die Nichtigkeit der Wählerlisten erhobencu 37 Einsprüche ohne Debatte einen, Ausschutz und bewilligte sodann 3666 M. zur Beschaffung von Pflastersteinen für die endliche provisorische Herstellung der an, Wartburgplatz sich hinziehenden Martin Lutherstraße mit den, An- trage an den Magistrat, daß mit den Arbeiten hierz» noch vor Eintritt des Winters begonnen werden möge. Ferner erklärte die Versammlung sich mit der Herstellung eines Lichthausraumcs auf dem Dache des Rathauses einverstanden. Ein iutcrcssantcr prähistorischer Fu»d ist in Groß- Lichter- fclde gemacht worden. Dort werden gegenwärtig die Röhren zur Kanalisation verlegt. Bei den AnsschachtungSarbeiten stieß man in zwei Meter Tiefe in der Drakcstraße nahe der Gerichtsstraße auf den gut erhaltenen Teil eines Mammutzahus. Das Zahnfragment hat eine Länge von etwa einem halben Meter und einen Durchmesser von ca. 23 Zentimeter. Einstweilen ist das Fnndobjckt im Groß- Lichterfelder Rathause untergebracht worden, wo es in, kleinen Sitznngssaale besichtigt werden kann. DevsÄnmüuttgen. Die Einschränkung deS StraßcnhandclS durch die ncueste Polizeiverordnung hatte die Händler und Händlerinnen Berlins vcranlaßt, eine lebhafte Agitation gegen die geplante Maßnahmx zu entfaltcn. I» einer von etwa 866 Personen be- suchten Versammlung, die in der Nacht von, Montag zun, Dienstag tagte, referierte Z n b e i l. Der Redner führte unter andern, ans: Insbesondere sind es die Hausbesitzer, der Bund der Handels- und Gewerbetreibenden, wie auch die Markthallen-Standinhaber, die in ihrem Interesse auf die Stadtvertretnng und das Polizeipräsidium stets zu Ungunsten der Straßeuhnudler eingewirkt haben. Nach d er geplanten Polizeiverordnnng soll in 95 Straßen und Plätzen Berlins der Handel gänzlich, in weiteren 265 teilweise verboten werden. Das bedeute' aber die gänzliche Unterdrückung des Straßeuhandels überhaupt. Schuld daran seien teilweise die Händler selbst, die im Verlauf der letzten Jahre in ihrer großen Mehrheit alles ruhig über sich ergehen ließen. Das zeige sich auch in der Begründung dieser Verordnung, die nur im Interesse der Besitzenden gegen die Besitzlosen verfaßt fei. Jedenfalls aber müsse doch zu- gegeben werden, daß eine große Anzahl von Personen, die wegen Arbeitsunfähigkeit. Krankheit zc. in einem andre» Beruf ihren Unterhalt nicht verdienen können, im Straßcnhandcl ihre Existenz suche». Diesen den ehrliche» Erwerb zu erschweren, sei eine grobe Un- gercchtigkeit. Wenn die Beschränkung, wie angegeben wird, im Interesse des Verkehrs liege, dann müsse man sich doch fragen, wie z. B. in der entlegenen Bergmannstraße und vielen ähnlichen der Verkehr durch Straßenhändlcr gehindert werde. Eine Beschränkung des Straßen- Handels»ach Maßgabe der in Aussicht geuommenen Polizeiverord- nuug würde den größten Teil der sich ohnehin kümmerlich genug ernährenden 15 666 bis 26 666 Händler Berlins und der' Um- gcbung um ihr Brot bringen. Die Gewerbcdeputation habe sich bei ihrer Ablehnung des Entwurfs von der richtigen Erwägung leiten lassen, daß schließlich d Stadt Berlin, in Gestalt einer sehr erheblichen V e r- mehrung der A r m e n l a st e n, die Kosten des Kampfes gegen die Straßcnhändler werde tragen müsse». Glücklicherweise hätte nicht die Polizei allein das VcrfügungSrecht über den Straßenverkehr. Magistrat und Stadtverordnete von Berlin hätten da auch ein Wörtchen mitzureden. Ob sie sich der Ablehnung der Gewerbe- dcputatiou anschließen, sei jedoch bei der Zusanimensetznng dieicrKörper- schaften recht zweifelhaft. Jedenfalls müßten die Händler noch in letzter Stunde alles versuchen, um das Nichtzustandekommc» der Wer ordnung herbeizuführen. In der Diskussion wurde darüber geklagt, daß die Polizei schon jetzt eine» förmlichen Vernichtungskrieg gegen die Händler führe. indem sie sie mit immer höheren Strafen, bis zu 15 M., belege. Einzelne Händler müßten 136 bis 156 M. jährlich au Strafgeldern zahlen. Nach den, Schlußwort des Nefereuten gelangte nachstehende R e s o l u t i o» einstimmig zur Annahme:' Die Händler und Häudlerinnen Berlins protestieren ganz entschieden gegen die ge- plante Polizeiverordnung zur Einschränkung des Straßeuhandels. Alle Straßenhändler und Häudlerinnen verpflichten sich, mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln für Beseitigung aller Eiuschräiiknngen ihrer Existenz thätig zu sein, weil diese Verordnung gesetzwidrig, d. h. ein Verstoß gegen die soviel gerühmte Gewcrbefrcihcit ist. Die AgitationSkonimissio» der Straßcnhändler wurde beauftragt, beim Polizeipräsidenten vorstellig zu werden und auch dem Magistrat den Protest gegen die Verordnung gegen den Straßenhaudel sowie die Beschwerden und Wünsche der Händler durch eine Deputation zu unterbreiten. (seiitralverband der Konditorgehilfe». Heute, Mittwoch, abends 8V2 Uhr, Mitgliederversammlung bei Bauer, Roscnthalerstr. 57: Gäste willkommen._ Eingegangene Truikschriftc». Von der„ktowiniiiialeii Praxis«. Zeitschrift sür Kommniialpolitik und Gciiieiiidesocialismiis(Dresden, Bcrlag von Kaden u. Comp.) ist uns soeben die Nr. 16 des 1. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Das Kommunalwahlreckt in Halle.— Kominunalprogramiiie(Das hessische Kouonwialwahl-Programml.— Köm- muiiales Wahlrecht(Mehr Schutz sür das Wahlrecht.— Bicrklasseu- wllhfxxcht?).— Arbeiterverbältiüsse(Ein Gcwcrbegcricht sür Neii-Weifecn- jee—'ÄüuarVci»Awxrbästgissx und Wohnungsnot.— Städtische Arbeiter- Verhältnisse' in'Zlölii.'- Städtische SkSkitNvtthSltmsl« in Dresden.- Zum Bauarbeitcrsckintz.— Organisation der städtischen Bedlkulletei, in Sintt- gart.)— Wohnuilgsivescii(Der richtige Standpunkt!— Die Wohniiiigsüot 11, Hamburg.— Wohnungsjamnicr in Hirschberg.— Die Wohnungs- crhebung der Stadt Nürnberg.— Wohniingsbeaufstchtigiing in München.)— Gas, Wasser, Elektricität, Straßenbahnen(Die StraßenbahngeseNschast zu Nürnberg-Fürth).— Bildungslvcsen(FortbildungSschulwcscn in Frank- snrt a. M.— Schulbäder her!— Zur Simultanschulsrage in München).— Gesundheitswesen(Der Milchkrieg in Berlin.— Das verseuchte Kinder- spital in Berlin.— Schulärzte in Danzig.— Gcsundhcitskomuiission und Wohnungsfrage).— Nundschan(Die Bevölkerungszunahme in Stadt und Land.— Mißstände im städtischen Obdach zu Berlin.— Fürsorge für Gemeindcbeamte.— Auf dem Krankcnkasicntage.— Die städtische Be- völkcrung Sachsens.— Bürgerliche oder rechlslundige Bürgermeister.— Ein antisemitischer Stadtverordneter als Grundstücksspekulant.— Verlehrs- schwierigkeit in Großstädten).— Persoiialnachrichtel,(Bürgermeisterwahl in Berlin.— Em merkwürdiger Gcmeuidevertrctcr).— Die Bclcuchiung der Schulräume.— Kommunalprogramm für SchleSwig-Holstcin. Die„Kommunale Praxis' erscheint monatlich zweimal. Preis viertel- jährlich 1 M.(eingetragen in der Postzeitungsliste sür'1901 unter Nr. 4019a, 4. Nachtrag).____ Marktpreise von Verltn am 17. September IU01 nach Ermiltlungeii des tgl. Polizeipräsidiums. 1.1,80 13,78 13,76 14,80 13,90 13,- 16,30 15,30 14,30 7,_ 7,90 46.- 50,- 60- 13,79 13,77 13,75 14,- 13,10 12,30 15,40 14,50 13,60 6,50 5,70 ;o,— 16,— 30,— Kartoffeln, neue, D-Ctr. ßtindstrisch, Keule 1 bx do Bauch. Schwcincstlisch, Kalbsleisch, Hanuuelsleisch. Butter Eier Karpfen Aale Zander Hechle Barsch« Schleie Bleie Krebse 60 Slii.t 1 k» Welze», gilt D.-Clr „ mittel, gering, tJUiflgc», gut mittel, „ gering �Gerste, gut. „ mittel. „ gering ' safer, gut. miiiel» gering 'Ii chlstroh (»'». Eilsen, Speise» ohne». Linsen p ab Bahn. * frei Wagen und ab Bahn. Produkten, narkt vom 17. September. Getreide. Am heutigen Getreidemarkt trat eine Erholung ein. Aus Amerika kamen bessere Preis- Meldungen und Oeftreich- Ungarn sandte gegen ge.stern unveraiiderte Notierungen. Das Angebot aus Rußland war knapp und auch die in- läiidiicheii Offerten sind klein; amerikanischer Weizen ist reichlich Vorhände», die Preise aber uureutabel. Bon Walla-Walla-Weizen ist eine Ladung nach England verlaust worden. Die Liefermigspreise für Weizen stellleii sich durchschnittlich um>/- M., Mailicserungen um 1 M. höher', Roggen zog per Schock ebenfalls>. M. an. Mehl war etwas gebessert. Hafer weichend aus itarkes Angebot. Mais fest, amerikanischer Mixed unverändert, Laplala bis 2 M. höher. Rüböl iiiiverändert._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet om DievStag. Touncrs- tag und Freitag von 7— U Uhr abends statt. 1%. 1000. Wenden Sie sich an Herrn WinNer, Rixdorf. Kirchhof- straße 36. M. L. B., Zürich. Wird gebracht.. M. G. Zum Unterricht ohne Lehrer eignen sich am besten Touffamt- Langmscbeidts Englische Unterrichtöbriese. Preis 27 M., auch einzeln in 36 Heften a t M. durch jede Buchhandlung zu bezichen. 3 W. Blumenthal und Kadelburg. E. H., Schönebcrg. Wenn Sie entgegen Ihrem Vertrage vorzeitig Ihre Stellung verlaffen. so machen Sie sich nicht strafbar,»vohl aber schadenscrsatzpflichtig.- P.(?. 14»0. 1. und 2. Nein. Wer lmierhalb der Enipsängniszeit der Mutter beigenachtet hat, kann der AliUle»tciikl-ge lediglich den Einwand mit Erfolg cntgegcustellen, daß auch ein andrer innerhalb der EmPsäiigniszeit mit der Mutter verkehrt hat, oder daß es offenbar unmöglich ist, daß die Mutter das Kind aus feiner Beinachtung empfangen habe. Alle andren Einreden, insbesondere die, daß die Mutter ihm uuwahrc Angaben gemacht, ihn verführt, oder sich geweigert habe, ihn zu beiraten, sind nnbeachtlich. 3. Die geforderten Alimeiite find angeliiesien. 4. Der außereheliche Vater eines nach dem 31. Dezember 1893 geborenen Kindes hat auch in Preußen nicht das Recht, sein Kind gegen den Willen der Mutter zu erziehen oder zu sich zu nehmen.- M-T-». Lediglich eine Civiltlagc auf Zahlung wäre möglich.— H. S.. Schoneberg. Nein. — M. R. Eine Berufung wäre aussichtslos, weil Berusungen gegen Urteile in Gewerbcgerichtssachen nur zulässig sind, wenn daS«treitobielt 100 M. übersteigt. Sie haben den Fehler begangen, sich nicht v o r Anstellung Ihrer wie es scheint zu Unrecht abgewiesenen Klage Rats zu holen.— I. H. Nr. 47. Sie haben kein Recht auf Rückerstattung für Ihren Neffen geklebter Marken. Ein Recht aus Rückerstattung haben nur: I. Versicherte, die deshalb keine Invalidenrente erhalten, weil sie UnfallriUte sür dauernde Erwerbsunfähigkeit erhalten. 2. Junge Ehefrauen. 3. Die Witwe und 4. Kinder unter 15 Jahren. 5. Der Witwer, falls die Frau wegen seiner eignen Erwerbsunsähigleit die Ernährerin der Familie war. Das Erstatlungsrecht dieser Personen ist von bestimmten Bedingunge» ab- hängig, die wiederholt dargelegt sind. Andre Personen als die vor- stehend Bezeichneten haben keine Erstattungsansprüchc.— W. Nein. — H. S. Nein. Nur solche Vereine, welche eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, müffen angemeldet werden.— Ebestr. 35. Schwiegersöhne sind zur Unterhaltung ihrer Schwiegereltern rechtlich nicht verpflichtet, Kinder sind zur Unterstützung ihrer Eltern nur verpflichtet, wenn sie über ihren und ihrer Familie siaiidcsinäßigen Unterhalt hinaus- reichende Mittel besitzen. Eine Klage wäre deshalb erfolglos. — R. 91. 18. Ihre Vollmacht ist nicht stempelsteuerpflichtig, sie muß aber, da es sich um Auflaffung eines Gruiidstücks handelt, gerichtlich oder notartell beglaubigt sein.— G. M. K. Sind Sie einer eingetragenen Gesellschaft mit beschränkter Hastung beigetreten, so hasten Sie sür den Fall des Konkurses oder dergl. in Höhe des nach dem Gesellschastsstatut zu zahlenden Anteils doppelt. Beträgt Ihr Anteil 100 Marl, so hätten Sie also, wenn Sie den Anteil voll bezahlt haben, noch in Höhe von 100 Mark zu haften. Wie der von Ihnen erwähnte Verein konstruiert ist, vermögen wir ohne Kenntnisnahme seiner Statuten nicht zu sagen. — St. R., Oranienburg. Die Pfändung kann trotz Ihrer Beschwerde erfolgen. Für die Beschwerde bedurften Sie keines Anwalts. Zuständig ist der Landrat. Eine Beschwerde hat wenig Aussicht auf Erfolg. Dennoch ist Ihnen wegen der grundsätzlichen Wichtigkeit zu einer solchen zu raten.— Wttterungsübersicht vom 17. September 1961,»lorgcuS 8 Uhr. Stationen �ii'inemde Hamburg Berlin Fraiikf./M. München Wie» c 5 Zs Wetter 758 ASW 758 SSW 759 W 760 still 762 SW 761 W 2 Dunst öhlb.bed. 2 gedeckt —'waikenl 2 heiter 3 bedeckt Stationen Haparanda Petersburg Cork Aberdee» Paris e S 35— g s 763 Still 765 SSO 744WSW 756! SSO Wetter iA c£ dU . a -hlb.bed. 2bedeckt 4 bedeckt 3bedeckt 7 13 16 12 Üvetter- Prognose für Mittwoch, den 18. September 1901. Ziemlich warm, bei mäßigen südwestlichen Winden und zuliehmeilder Be- wöltung; nachher Regen. Berliner W e t t e r b» r e>,». Einladung derArbeitgebrrderOrts-Rrankc» kassc für den Geineindebezirk Lichtenberg zur Wohl von 24 Ver- trctcrn der Arbeitgeber für die General- vcrsammluug aus die Wahlperiode 1901/1904. Zufolge erhobeucii Einspruchs gegen die am 26. Juni d. I. stattgefundene Wahl von 25 Generalversaiitmlungs- Delegierten der Arbeitgeber ist durch Entscheidung der hiesigen Ans- sichtsbehörde die Wahl von 24 dieser Personen sür ungültig erklärt und hierfür eine Neuwahl angeordnet worden. Zwecks Vornahme dieser Wahl werden alle Arbeitgeber, welche am 2. Sepiember d. I. bei hiesiger Kasse Personen gemeldet hatten und auch noch am Wahltage solche beschäftigen, hiermit eingeladen, ,»» Sonnabend, den 28. d. M., in der Zeit von 3% bis 5 Uhr. im großen Säule des Gasthofs zum„Schwarzen Zldler" hier- selbst. Franksurcr Chaussee ILO, persönlich zu erscheinen und ihr Wahlrecht auszuüben. Nur Gesell- schasten und Korporationen können durch deren Bevollmächtigte, und Firmen mit mehreren Inhabern durch einen dieser Inhaber vertreten werden. Die Wahl erfolgt durch Stimmzettel von weißem, nndurchsichtigeni Papier, auf denen die 24 Personen, welche» der Wähler seine Stimme geben will, init Bor-»nd Zuname», sowie SSohnuiigsaugabe deutlich anzugeben sind. Die Stimmzettel sind dem Leiter der Wohl zusammengefaltet zu über- geben irnd von diesem uneröffuet in die Wahlurne zu legen. Wählbar sind alle Arbeitgeber, die bei hiesiger Kasse Personen gemeldet hoben sowie deren Geschäftsführer oder Betriebsbeamte. Jeder Wähler hat sich auf Ver- langen zu legitimieren. Zwecks leichtercil Auffindens in der Wahl- liste wird jedem Wahlberechtigten in den Tagen vor der Wahl ein Abzug dieser Einladung als Erinnerung zu- gehen, dem eine kurze Notiz beigelegt werden soll, unter welcher Nummer in der Wahlliste ausgeführt ist. Dieser Zettel dient zugleich als Legitimation. Irgend welche Ein- reden gegen die Gültigkeit der Wahl können jedoch auS dein angeblichen Nickileingange dieser Eriiinerung nicht hergeleitet werden. CS empfiehlt sich bei der Ab- gäbe des Stimmzettels»eben der Nenniiiig des Namens»nd der Wohnung auch diese Nummer der Wählerlifte am Wahl- vorstaudStische anzugeben, um dadurch zeitraubendes Nach- schlage» zu vermeiden. Wähler, welche dies unterlassen,»lüffen eintretendenfalls warten, bis ihre Namen ausgesucht werden können. Nach 5 Uhr werden nur noch Stimmzettel von solchen Personen aiigenommen, welche vor dem Schluß des Lokals bereits im Saale an- wesend waren. Die Wahl leitet das Vorstands. Mitglied Kaiiffmaiin oder in dessen Behingerungssalle ein andres Vor- standsinitglied aus der Zahl der Arbeitgeber. Lichtenberg, den 14. September IOOj.. bei Berlin Der Borstand der OrtS- Rrankcutaffe. R. Clement, Vorsitzender.__ Berliner! Ilk-Irio. Felix Scheuer u Siralinndtrstr. I. Möbel Bürgerlklie Wolimnigs• Eini'iclitnngcn. GrofieS Lager.» Billige Preise. Langjährige Garantie. Wilh.LambreclilÄS. Eiuladung der Arbeitnehmer von der Wahlabtcilung dcS Handels- gewcrbcs der Ortö-Krankcu- lasse fiir den Kcincindebczirk Lichtenberg zur Wahl vom 1. Vertreter der Ar- beitliehmer zur Generalversaminlung für die Wahlperiode 1901/1904. Zufolge berechtigter Ablehnung der am 27. Juni d. I. auf ihn gefallenen Wahl von seiten des Herrn Hugo Möllmer werden die im„Handels- gewerbe" beschästigteii Kassen- Mitglieder, welche grvßiährig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte sind, hiermit eingeladen, am Mittwoch, den 25. September d. I.. nachmittags von 1—1 Vz Uhr, tin Lokale der Orts-Krankeukane, Frankfurter Allee 196, einen Stimmzettel zusammengefaltet abzilgeben, auf dem der von ihnen zu Wäblende mit Vor- und Ziinamen nebst Wobliiliig und der hiesigen Kasseiimitglieds-Nninmer deutlich be- zeichnet ist. Wählbar ist jedes Kaffenmitglied, welches großjährig und im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte ist. Jeder Wähler hat als Legitiination sein Kassen-Quittungöbilch mitzu- bringen, in welchem über die bis 22. September d. I. gezahlten Bei- träge vom Arbeitgeber quittiert sein muß. Ob die Arbeitgeber als zum Haudelsgewerbe gehörig in der Wahl- liste aufgeführt und somit deren Arbeitnebmer zur Abgabe ihrer Stimme berechtigt sind, ist am 23. Scp- lember d. I. nachmittags von 1 bis 3 Uhr durch die Arbeitgeber event. im Lokale der Krankenkasse zu erfragen. Die Wahl leitet der unterzeichnete Borsitzende oder in dessen Be- hinderungSfalle ein andres Vorstands- niltglied aus der Zahl der Arbeit- nehmer. Lichtenberg, den 14. Scptbr. 1901 bei Berlin Der Borstand der OrtS- Rrankenkaffe. R. Clement, Vorsitzender._ ■m der Ms nnd verwandten Gewerbe. Mittwoch, denSS. September er., abends 8Va Uhr. in Wolfs Lokal, Fruchisträhe 36 a.(kleiner Saal): AukrroriiniIIilljr iSeiirral-vtrsammlinig Tagesordnung:- 1. Beschlußfaffimg über die Ver- fügung des Qberprändenten betreffend über audeuveite Festsetzung der Mit- gliederklaffen und des durchschnittlichen Tagelohnes, sowie Abälideruug der in Betracht kommenden Paragraphen. 2. Berschiedenes. 541b Berlin, 18. September 1901. Her Vorstand. Cerl Spann, Vorsitzender. Rieh. Hlldebrandt, Schriftsührer.' Wer schnell und zu coulantcn Bedingungen 2250L* Geld! Darlehen oder Hnpothek sucht, verlange unsern Hypotheken- und Darlehens- Nachweis. H. B I ttn e r& Co., Hannover-ZK. Möbel Spiegel u. Polsterwaren reell, zu soliden Preisen, einpftchll H, Str elo W. Tischlermeister, Rlvrlnnf Wichardstr. 116, tllXUOPT, am Denkmal. Kur bcu Julialt der Inserate iibcruimuit die Nedaktion bei» Publikuiu gegenüber keinerlei Beraiitivortung. Theslkvv. Mittwoch. 18. September. Qperubaus. Carmen. Auf. 7>/z Ilbr. Schanspielbaiis. Web' dein, der lügt. Anfang 71/z Uhr. Neues Opern- Tlienter lKroN). Die Verlobung bei der Laterne. Der Mikado. Anfang 71/� Ubr. Im Trianon- Theater:„Lebende Lieder". Anfang 8 Uhr. Schiller. Heimat. Anfang 8 Uhr. Tcntschcs. Johannes. Anfang 71/2 Uhr. Berliner. lieber unsre Kraft. (2. Teil.) Anfang 71/2 Ubr. "cssliig. Johannisfencr. Anfang f-'/z Uhr. Residenz. LeontincnS Ehemänner. Vorher: Jcphtas Tochter. An- fang 7Vz Ubr. Neues. Das Ewig-Wcibliche. An- iang 7� Ufr. Wrfie». Fatinitza. Anfang 71/2 Uhr. Sreefsionsbühne. Buntes Theater: Ucberbretll. Ans. 8 Uhr. Central. Die Geisha. Anfang 7Vz Ubr. Thalia. Ein tolles Geschäft. An � fang 71/2 Uhr. Luisen. Othello, der Mohr von Venedig. Anfang 8 Uhr. Carl Weih. Berliner Rangen. An- fang 8 Ubr. Kricbrich-Wilhelinstnbtisches. Die Fledermaus. Ans. 7Vz Uhr. Bclle-Zllliance. Talolo. Anfang 8 Uhr. Wlctropol. SpecialitätenvorstcNnng. Schön war's doch. Ansang 8 Uhr. Zlpollo. Specialitätc»- Vorstellung. Frmi Lima. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Damen- Ring- kämpfe. Spccialitätcn-Vorstellnng. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptiknm. Special!- tntcn-Vorstellnng. Reichshallen. Stcttiner Sänger. Anfaitg 8 Uhr. Palast. Specialitäteu-Vorslellnng. Rosenmontag. Ansang 8 Uhr. llrauia. Taubciistr.(Im Thcatcrsaal.) Abends 8 Uhr: „Malerische Wanderungen durch die Mark Brandenburg." Zweiter Teil. Jnbalibenstrahe 57/G2. Täglich abends von S— 10 Uhr: Sternwarte. 6(ljillei'll)catcr (Wallner-Theater). Mittwochabend 8 Uhr: Heimat. Schauspiel in 4 Akten v. Sudermann. Donnerstagabend 8 U h r: Die Heuapekiteiitleateil. Freitagabend 8. U h r: Helmut. Heute Wiederauftreten der Damen dlia Werber, Henny Wildner, Luise Albes und der Herren Kudolt Ander, Karl Solmlz, Ferdinand Schütz, Emil Sondermann usw. Zum 75b. Male: Die Geisha. Lperclle in 3 Akten v. Sidnep Jones. Morgen zum vorletzten und Freitag zum letztenmal Hie(-ielsha in derselben Besetzung. Sonnabend, den 21. September: Eröffnung der Wtnter-Saison mit der Operette CtirofiiMiiii-oflft. Sonntagnachmittag: Volkstümliche Vorstellung zu halben Preisen: Der Bettelstndcnt.— Abends: Vlrokle- Glroflä. Itröpfll-ItiGater. SclaöiB war's «loclfi! Gr. Berlinor Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Iliomas a. C. Joseph Josephi a. D. B. Bender. G. Kaiser. Else de Vere a. D. Frid-Frid. F. Georpetle. Gastspiel: Saharet! Anfang 8 Uhr. Bauchen überall gestattet. Deutsche Eonzerthallen. An der Spandauer Brücke 3. Vornehmstes Vergnügungslokal! Sehenswürdigkeit Berlins!!! In den»leben grossen wunderbar dekorierte» Stadtbalmbögen täglich Iatv»'»ati«i>alv läoa�cfte. Spcclalltlitcn- VorstcIInng von nur erstklassigen Kräften! Special-Ausschank der Berliner Bockbrauerei. Vorzügliche Küehe. Gut gepflegte Biere. Oekonom Gustav Preillpper. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: HOT* I-ctzte Woche!-MM „Malerische Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Teil II. (Kleine Preise.)• Invalidcnstr. 57/03. Sternwarte. Castans Paoopticum. Friedrichstr. 165. Xen! Xeu! Sien! Oer kunstliche Mensch! I Die sensationellste Erfindung der Keuzeit: | Der„Clou" der Pariser Welt- Ausstellung. Vorstellungen: 12 Uhr mitt., 3, 5, 6, 7 Uhr nachmittags. oologische,, Qarf-erv- Entree 1 Mark. Ab 6 Uhr abends 50 Pf. Kinder die Hälfte. Heute u, folgende Tage ab 4 Uhr nachmittags Grosses Doppel-Konzert. Bei ungünstigem Wetter im Saal. Thalia-Theater. Heute und folgende Tage: Ein tolles Geschäft. Grobe Ansstattnngsposie mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. MF" Anfang 7VS Uhr. Ipolio- Theater. IO Spccinlitilten. Grandel. O Sleidl. Frau Lima Luftballett ßriyolatis Anfang 8 Uhr. W. Noacks Theater. Brunne» strasze lü. Grschloffv n. Elössililtig dttWttlttt-silisoil am Sonntag, den 22. September. Die wilde Katze. Posse mit Gesang in vier Akten von Manustädt»nd Weller. Musik von Steffens. Masi-Theater fr. Feen-Palast, Burgstr. LZ. Direktion: Winkler». Eröbel. Unbeschreiblichen Erfolg hat das neue Sensations-Programiii. HorhinteressailteS K ü 11 st l e r- P e r s 0 n a l. liai-l Ikcaii» mit feiner Blitz-Berwandlung Endlich allein! Der Koinpoiiisteli-Wettstreit. 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SollMMMchtt PlJlufitin für ClmMkNbnrg. Donnerstag, den September, abends 8V2 Uhr, in der Gambrinus-Branerei, Wallstr. IM" Vers«minlung. T a ges-Ordnnng: l. Vortrag des Genossen Ednard Bernstein: Erinucrnngen aus der Zeit vor dem Socialistengeset,. 2. Diskussion. 3. Bericht über die Generalversammlung des Central- Wahlvereins. 4. Diskusfion. 5. VereiiiSangclcgenhcitcii. Gäste willkommen. 250/13 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Heute. Mittwoch, abends 8V. Uhr. im GewcrkschaftshauS. Eiigelufer 15: Uertranenslnanner- Versammlung. für saiutliche Bezirke und Branchen. Tages-Ordnung: Arbciterschutz in Fabrik und Werkstatt. Referent: Kollege Nov. Schmidt. Wcrkstatt-Streiks und-Differenzen. Verbandsangclegenheiten. MiiglicdSbuch nebst Karte legitimiert. Jede Werkstatt mus? per- treten sein. Die«rtsvern'altnns. Achimill! Wcißensee AMmi«! Dklitslher MmMer-WIiM. Donnerstag, den 10. Septbr., abends 8'/- Uhr, bei Kühne, Rölkestr. 20: If Itfiliecler- Fersammlnug. Tages-Ordnung: 108/19 1 Vortrag des Genossen Carow über: Berufskrankheiten. 2. Dis- tuffimi. 3. Bericht der Kontrollkommission. 4. Bericht der Heimarbeiter- Kommission. 5. Gewerkschaftliches. Zahlreichen Besuch erwartet_ Blc Ortyverwaltnns- Todes- Anzeige. Allen Freunden und Verwandten die traurige sttadincht, daß mein lieber Mann 548b Otto Game an Ballchfellentziindung nach kurzem, schwerem Leiden verstorben ist. Die Beerdigung findet Donnerstag. den 19. September, vom Krantenhausc Friedrichshain ans nach dem ZionS- Kirchhofe in Nieder-Schönhausen statt. Minna Game geb. Hering, Zehdcniekcrstr. 16. kautenkeegs vleuen Hofgagei', Hasenheide 52/53, früher Bickel. Sonnabend, d. 26. Oktober und 9. November frei geworden. s539b Dienstag, den 16. d. M., nachmittags 2r/z Uhr, starb»ach langen, schweren Leiden mein lieber Mann, der Feilenhauer Julius Liepolt im 43. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Freitagnach- mittag 3 Uhr vom Tranerhause Lette- ftraße 7 aus nach dem Ceutral-Fried- Hof in Friedrichöfelde statt. j537b _ Witwe tilepolt. DMsilglMg. Für die liebevolle Teilnahiue bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten, besonders dem Chef sowie den Kollegen der Tischlerei Hermann Schultz, den Ordnern der Freireligösen Gemeinde, dein Vorstand sowie den Mitgliedern des Holzarbeiier-Verbands, dem Wahl- verein des 4. Berliner Reichstags- Wahltteises Ost, dem Carthans-Kum- merschen Gefangvereine, sowie dem Ge- Nossen Manasse für die trostteichen Worte am Grabe meines geliebte» Mariiles und Vater nnsrcn herzlichen Dank. 542 Bertha Brust nebst Tochter. Gnbencrstr. 18. Aniiinp*0 i« nlliuyCfi(|l[(||„|Mj|M Olrästtc Auswahl in in- nnd anS- ländische» Stoffen für Paletots. Anzüge. Beinkteider zc. werden niiter Garantie des gute» Sitzes zu überaus billigen Preisen schnellstens angefertigt im Tnchgcschäft b« Oarlc.Vialdcmarstr.ljl). Verein fotinldemokrntlscher Gast inid Schanlimirtk Derlilis und Umgegend. Vrcltag, den SO. September, nachmittags S1/, Uhr, beim Kollegen Gleinert, Schnlstraste 39: -IM" Versammlung. IM Tages-Ordniliig: 1. Bericht der Kommission betr. Gefäß- und Flaschcnfrage. 2. Diskussion. 3. Anfnahine»ctttr Mitglieder. 4. Vereinsangelegenheiten. Zu zahlreichem Besuch ladet ein I»er Vorstand. 69/18_ I. A.: Fcvbiiiniid Ewald. Sattler, Täschner, Koffermacher! Tonncrötag, bei« 19. September, abends S'/s Uhr, in bcc Berliiltr Ressonrce, Kominanbailtenstrstjje 57: Große öffentl. Bersammlnng Tages-Ordnnng: 1. Vortrag des Genossen Baal l.itfin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen, da der Bortrag für nnsre Gewerkschaft von größter Wichtigkeit ist, muß ein jeder Kollege am Platze sein. 549b I. A. der Lokalkommission Filiale III: I. Hesse. Brauerei Germania Aktlen-CeseUaft Berlin O. 34 Frankfurter Allee 53 Teleph. Amt VII 2645 empfiehlt für]f_p50 frei Haus 18 FI. 4/io Lagerliier[23i614284 354 475 530 615 69 793 800 17 42 60 1 5022 106 209 476 508 772 98 808 79 1 6239 621 708 36 984 90 1 7016 211 320 63 449[500] 711 32 44 64 97 822 60 1 8001 161 248 79 386 551 70(10001 79 735 47 f|l 61 m(500] 19030 150 251 426 45 63 642 58 xiöij 93 1 83 26021 43 60 181 278 344 489(3001 515 2 1016 102 69 77 210 404 43 514 50 629 84 792 828 2 2023 69 174 276 544 878 939 51 23158 278 468 554 68 76[300] 701 801 46 68 2 4256 97 350 534 66 817 30 979 25148 211 28 51 433 757 803 64 903 37 2 6077 200 71 685 805 2 7018 45 77 192 217 436 670 74 783 897 28100 230 87 338 548 69 810 78 29070(1000) 154 201 27 317 29 642 945 39062 68 230 364 581 755 75 830 911 81 31141 60 52 95 200 79 354 62 655 724 915[300] 71 32254 80 371 446 61 915 69 33174 771 98 3 4587 603 923 35029 72 96 113 92 397 536 3 6051 174 347 64 456 98 691 678 849 93 931 68 78 3 7070 98 186 87 255 395 455 573 1500] 82 612 48 892 936 3 8138 50 410 614 794 976 3 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Ziehung 3. Klasse 205. Kgl. Preuss. Lotterie Ziehung vom 17. Ecvlembir>901. nachmiltagS. Nur die Gewinne über 172 Ml. find den betreuende» Nummern in tliammern beigefügt. (Ohne Gewähr.) 56 73 187 318 593 828 35 990 1030 170 204 82 483 534 670 703 903 11 36 2060 281 93 442 63 71 785 947 3005 20 72 91 196 204 69 415 21 509 691 706 7 4036 100 81 86 255 373 598 680 738 868 942 5139 209 331 438 762 874 954 6011 187 214 25 49 83 369 546 777 832 944 51 82 7146 332 528 96 630 800 44 49 51 57 926 61 93 8067 145 217 77 369 410 23 67[300] 586 649 9038 107 45 229 427 82 631 837 10144 74 486 630 627 29 700 80 827 28 57 971 11016 102 83 257 321 462 630 824 961 93 1 2086 417 746 876 937 54 13193 253 88 437 72 542 679 931 48 82 1 4339 498 507 612 50 797 849 900 53 1 5048 313 27 549 72 878 1 6136 612 745 940 42 17081 196 212 33 47 420 34 501 50 634 39 7 36 829 98 959 18351 472 699 767 816 38 61 918 19016 189 220 536 840 ZOm 324 769 90 833 938 88 2 1 022 368 74 424 69[5001 616 20 58 63 758 819„22357 59 425 46 49 518 76 773 945 2 3000 9 68 1/2 206 447 548 877 917 19 20 34 24025 39 74 159 212 55 501 613 42 51 909 25091 180 263 99 416«6 Q4 sZhttOi 601 786 867 2 7022. 3 216 56 439 o20 oo 825 78 2 8440 46 99 608 818 58 90 942 2 9090 94 97 443 80 525 79 736 96 811 914 30217 323 982 3 1 381 400 501 72 74 707 29 96 3 2102 23 237 370 512 38 666 13001§12 18 3o017 114. 235 393 430 667 674 741 34057 285 416 562 63 K73 960 3 5031 404 44 517 707 880 980 82 3 6248 I37 717 37003 12 28 50 59 90 UOOOI 244 338 508 13 726 884 916 86 3 8073 239 74 98 331 52 07 92 97 486 631 776 900 3 9089 137 210 37 46 600/ 91 8ö7 59 40ü29Ü153'2547<:'i77 528 819 4 1012 192 202 71 340 711 804 930 88 4 2010 25 140 49 52 268 4/ 7 648 804 975 4 3087 177 373 411 521 982 4 4009 63 140 77 537 89 396 410 620 819 34 986 93 4 5071 98 215 308 4S 448 5�0 654 62 728 801 906 8 46128 73 206 07 378 aa.i okr 4.7005 258 315 486 680 92 835 84 90 4 8028 96 316 518 49 634 37 805 80 911 49005 31 85 412 664 718 tom 100 388 600 831 6 1 311 77 479 658 816 803 ef 9045 6 40104200 98 351 76 440 506 77 691 937 55 088 247 465 673 70 704 954 92 5 6146 404 60 U& � 88117 � 71 SbTM m TO 915 � " El£ 43V-»93« 4 61153 M 7�27»24»6 �'M«zz IS ÄW � �3 2f57064l3 67145 99 368 437[10001 632 81 735 45 896 961 6801? 9(�174� 376 463 643*717 62 905 67 69014 85 868 70089 2344 s/'sol4) � 32 80 846 71 7 1058 235 359 ... 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