Nr. 327. Adoimements-Bedingungen: Vbonnemenli-Preis pränumerando: Vierteljahrs 3,30 Mr.. monatl. 1,10 Mr., »vöchetttlich 28 Psg. frei ins HauS. Eimelne Numm-r S Pfg. Tonnlazi- Nummer mir HluNiicri« SonntazZ» Beilage„Die Neue Welt- 10 Pfg. Post, Pbonnement: 1,10 Marl ptr Monar, Singetragen in der Post- Zeitungg. Preisliste für lvtll unter Dr. 7S7l. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da» übrige«utland S Mark pro Monat. Pesch, inl täglich«ufjrr Montag». Berliner Volksblnlk. 18. Jahrg. Die Insertions-Gelillift v tetrSgt für die sechSgefpaltene Kolonel» »eile oder deren Raum so Pfg., für poltttfche und gewerlfchaftlichs VereinZ» und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knirigen" jedes Wort S Pfg. deutet aber auch noch etwas andres, nämlich eine Niederlage der Socialreformer. Diese Leute haben allen EnisteS der Regierung den Vorschlag gemacht, für Bcrnsteiu eine socialwisscnschaftliche Professur einzurichten! Und diese Leute— es war in der„Frank furter Zeitung*— haben, ohne mit der Wimper zu zucken, von der„historischen Mission* Bernsteins gesprochen. Warten wir kühl lächelnd die weitere Thätigkeit dieses„Missionars" ab.* Genau die entgegengesetzten Phrasen holt die„Freisinnige Zeitung* aus ihrem Archiv. Als ob die Angelegenheit eine Bndgetfrage, beiveist sie es zahlenmäßig, daß der von Eugen Richter seit Beginn seiner politischen Thätigkeit wöchentlich einmal an- gekündigte Zersctzungsprozeß innerhalb der Partei unaufhaltsam fortschreite: „In Hannover betrug bei der entscheidenden Abstimmung die Minorität für Bernstein 34 gegen 205. In Lübeck ist die Minorität von 34 auf 71 angewachsen und Bebels Mehrheit hat sich von 205 auf 161 vermindert. Daraus ist zu ersehen, daß Bernstein, seitdem ihm die Regierung die Rückkehr nach Deutschland und damit auch ein persönliches Auftreten in der Partei und auf den: Parteitag ermöglicht hat, an Freunden und Anhängern ganz erheblich zugenommen hat." Die„Freisinnige Zeitung* unterschlägt in dieser rechnerischen Bcwcisfühnmg eine Kleinigkeit. Wenn es tvirklich richtig wäre, daß es zwei Richtungen in der Partei gäbe, so wäre die Entwicklung dieser Richtungen gerade umgekehrt verlaufen, wie das Blatt an- nimmt. In Hannover stimmten noch 34 Parteigenossen gegen die Resolution Bebel, in Lübeck aber enthielt gerade die Resolution der Minorität das Bekenntnis zu jener Resolution Bebel ans dem Jahre 1809, so daß in Wahrheit jetzt die Gcsamtpartei ohne Ans- nafstne auf dem Standpunkt des Hannoveraner Beschlusses steht. Es ist in Deutschland stets zu beobachten gewesen, daß die politisch geschulten reaktionären Parteien viel klarer die Dinge beurteilen, als die liberale Bourgeoisie, die niemals aus ihren thörichten Illusionen herauskommt. So ist denn das Urteil der partei-offiziellen„Kon servativen Korrespondenz", wie niedrige und brutale Gesinnung es auch immer verrät und wie hämisch es die Social demokratie verleumdet, erheblich zutreffender wie das liberal-frei sinnige Geschwätz. Das anitliche Organ der konservative» Partei meint: „Mit Stolz werden nun die socialdemokratischen Blätter au diesen Ausgang hintveisen und die über jeden Zweifel erhabene Einmütigkeit in der socialdemokratischen Partei rühmen. Daß die Reformkomödie Bernsteins auf eine solche Weise enden werde. haben aber die Kenner der Socialdemokratie niemals bezweifelt. Auf die Theorien Bernsteins, die die„Genossen" recht kalt lassen. ist der Parteitag gar nicht besonders eingegangen, sondern er hat von vornherein den Schwerpunkt auf die agitatorische Ausbeutung der Bernsteinschen Kundgebungen durch„bürgerliche" Blätter gelegt. So hat die Mauserungs-Presse den Erfolg davongetragen den Zusammenschluß der Socialdemokratie zu fördern. Hat sie geglaubt, durch ihre wohlmeinenden Erörterungen und begeisternden Zustimmungen die„Reformideen" Bernsteins zu unterstützen, so hat sie sich gründlich getäuscht. Es zeigt sich eben, daß die Socialdemokratie trotz mancher persönlicher und„ivissenschaftlicher" Zänkereien, sobald es darauf ankommt, einig ist. Daruni ist es auch falsch, auf„ge- mäßigte" Auslassungen dieses oder jenes hervorragenden„i" Nossen" besonderen Wert zu legen. In den Zielen sind sie alle. von Bebel und Singer bis zu Bernstein, Heine und v. Wollmar. einmütig. Man wird nun darauf gespannt sein könne», welche Haltung die Mauserungsprcsse zu dem Ende des Bernsteinstreitcs einnehmen wird. Es sollte uns gar nicht wundern, wenn dieser Ausgang als neues Mauserungssqmptom ausgegebeit und ivenn behauptet würde, der socialdemokratische Parteitag habe sich szu Bernsteins«Refonnideen* bekannt." Kein Zweifel, daß nur die tückischte, scharfmacherische Tendenz die Einsicht des konservativen Organs beflügelt. Dennoch ist das Junker- tum wenigstens frei von der kläglichen Jllusionspolitik der be trogenen Betrüger,-die im liberalen Bürgertum öffentliche Meinung inserieren. I» der That ist die Socialdemokratie durch alle ihre Meinungs Verschiedenheiten und harten Kämpfe nur immer einiger, klarer. mächtiger und— revolutionärer geworden; denn je tiefer und chärfcr das Verständnis des kapitalistischen Wesens in den Massen wurde, um so mehr schritt auch die Erkenntnis der Notwendigkeit vorwärts, dies System von Grund ans zu beseitigen, um so einheitlicher und sicherer wurde die Partei auch in der Wahl der Mittel, die uns zur Wehrhaftmachung des Proletariats, zur Eroberung der politischen Macht und zum socialistischen Ziele ühren. *• * London, 26. September. sEig. Bcr.) Wie die B e r n st e i n- Debatten des Parteitages von der cnglischen Presse betrachtet wird, zeigen folgende Auszüge aus den Specialberichten der Times",„Daily Chronicle" lind„Daily Neivs" vom heutigen Datum. Der Berliner Korrespondent der„Tinics", der sich durch eine klassische Uuivisseuheit in socialökonoinischcn Fragen auszeichnet, telegraphiert:„... Die Debatten in Lübeck haben nicht nur bestätigt, daß die jüngeren und aufgeklärteren Elemente der Partei das doktrinäre Programm von Marx und Bebel ohne viel Aufhebens verleugnen sraxicklzl ckesortiuK), sondern auch daß der Socialismus, wie er von de» älteren deutschen Vorkämpfern erklärt wird, eine solche tyrannische Unterdrückung der Gedanken- und Rede- reiheit in sich schließt, ivie sie nur von den extremsten Systemen von Reaktion und Autokratie versucht wird.... Trotzdem sich Bernstein dem Mehrheitsbeschlüsse unterwirft, so ist nicht ivahrscheinlich, daß er von seiner lichtvollen Kritik abstehen werde, die einen so tiefen Eindruck aus die jüngere Schule des deutschen Socialisnms gemacht und die Eni ivicklung der Socialdemokratie zu einer Partei der parlamentarischen Aktion und der Arbeiter beschleunigt hat." Der Korrespondent der„Daily News* orakelt:„Die Bernstein- Affaire istjjöchst bedeutsam für den Umbildungsprozeß, in dem die deutsche«socialdemokratie sich gcgcuivärtig befindet. Bernstein ivird allgemein als die größte' luisscnschaftliche Leuchte der Partei anerkannt.... Nach langjährigem Aufenthalt in England sah er, daß die Arbeiter durch ihre praktische Politik ihren Interessen besser dienten als durch Nachlaufen nach utopischen Ideen.... Nach und nach hat Bernstein Gedanken und Lehren entivickelt, die berechnet waren, die Parteiprincipien und Partei- dogmen zu stürzen.... Bernsteins Erscheinen in Deutschland drohte, die Grundlagen der Partei zu erschüttern. Die Führer beschlossen deshalb, dieser Sachlage ein Ende zu machen. Wäre Bernstein nur ein gewöhnlicher Genosse, so würde der Prozeß ein kurzer und scharfer gewesen sein. Da er sich aber einer großen Autorität erfreut, so wurde gegen ihn eine sehr zahme Resolution beantragt und angenommen." Ruhiger urteilt der Korrespondent des„Daily Chronicle", der eine Drahtberichte aus Lübeck datiert.— NoUkische Mebe-ifichT» Berlin, de» 27. September. Die Annexion der Mandschurei. Die Mandschurei war bereits annektiert, doch fehlte noch die officielle Annexionserklärung durch Rußland. Es schien nun nach verschiedenen russisch- osficiösen Auslassungen, als ob Rußland, nachdem es sich thatsächlich in den Besitz der chinesischen Provinz gesetzt, auf die formale Besitzergreifung verzichten lvolle. Rußland hat ja im Laufe des Chiuafcldznges so t die Erklärung abgegeben, daß es der b e st e, a u f r i ch t i g st e reund Chinas sei, dem es nur auf die Wiederherstellung der Ruhe ankomme, dem es aber absolut fern liege, auch nur die kleinste Beute machen zu wollen, daß eS nur im Charakter dieser selbst- losen Freundschaftsrolle gelegen hatte, wenn Rußland einstweilen an der Fiktion einer bloßen Pacifizicrung derMandschurei festgehalten hätte. Diese Fiktion hätte sich ja Jahre lang aufrecht erhalten lassen, schlimmstenfalls durch künstliche Anzettelung gelegentlicher neuer Auf- stände. Nun läuft aber plötzlich die sensationelle Meldung ein, daß der Friedcnszar es als lästigen Zwang empfindet, die heuchlerische Maske noch länger zu tragen, daß er deshalb beabsichtigt, demnächst in aller Form diesen politischen Neider» zum Trotz die Annexion der Mandschurei zu proklamieren. DaS„Berliner Tageblatt* läßt sich nämlich aus Kopenhagen melden: „Die hiesige„Nationaltidende" veröffentlicht heute abend einen Aufsehen erweckenden Artikel, worin angedeutet lvird, daß der Hauptpunkt der Verhandlungen bei der K a i s e r z u s a m m e n k u n f t in D a n z i g die bevorstehende Proklamation der Einverleibung derMandschurei in den russischen Staatsverband gewesen ist. Das Resultat der Verhandlungen zlvischen den beiden Kaisern sei die Gewiß- heit der Lösung der eventuellen Schwierigkeiten dieser Frage gewesen. Aus absolut zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß die Nationaltidende" wohlunterrichtet ist, und daß man in n ä ch st e r Zeit die amtliche Proklamation der Einverleibung der Mandfchurei, über die auch Graf Lambsdorff mit dem fran- zösischen Minister des Auswärtigen, Delcasso, in Compiögne kon- ferierte, erwarten kann." So hätte also die Zarenreise außer dem Milliardenpump doch noch eine politische Bedeutung gehabt! Der Zar hätte in Frankreich und in D a n z i g seine Absichten vorbereitet, und dadurch, daß er sich des Einverständnisses Frankreichs und Deutschlands versicherte, allen eventuellen diplomatischen Verwicklungen vorgebeugt. Freilich war es im Grunde genommen nicht nötig, daß der Zar sich der Ivohlwollen- den Neutralität dieser beiden Mächte versicherte, da es ohnehin feststand, daß ihm von dieser Seite keine Schivierigkeiten gemacht werden würden. Der Hauptprotestler gegen die Annektierung der Mandschurei war ja England, und daß Frankreich gegen eine Brüskierung Englands durch Rußland nichts einzuwenden haben würde, stand nußer Frage. Ebensowenig war zu befürchten, daß Deutschland zu Gunsten Englands interveniere» würde, nachdem es einmal der russischen Besetzung der Mandschurei trotz Englands Ent- rüstungsgeschreis kühl bis ans Herz zugesehen hatte. Es stand also fest, das Rußland Deutschlands Einsprache auf keinen Fall zu fürchten hatte. Wenn nun der Zar trotzdem von dem deutschen Kaiser gewissermaßen die Sanktion der Annexion der Mandschurei zu erlangen bemüht war, so kann das nur den Sin» gehabt haben, England damit einen besonderen Schabernack zu spielen. England hat mit Deutschland das bekannte Abkommen getroffen, das Annektierungen andrer Mächte verhindern sollte. Daß Deutschland trotz dieses Abkommens Rußlands Festsetzung in der Mandschurei so kalt- blütig mitansah, erbitterte England nicht wenig. Wenn nun aber der deutsche Kaiser gar Rußland die formelle Annexion der Mandschurei durch besonderes Entgegenkommen erleichtert haben üllte, so müßte das in London zweifellos ganz besonders angenehm berühren. Das wäre das pikante an der ganzen Sache.— * * Deutsches Weich. Zollwucherprotcst des Vereins für Socialpolitik. Die Diskussion über die drei Zolltarif- Referate, die sich die Generalversammlung des Vereins für Socialpolitik hatte halten lassen, gestaltete sich zu einem scharfen Protest gegen die Zoll- Ivucherpläne der Regierung. Von>v e i t a u s der M e h rz a h l der Diskussionsredner wurde der Zolltarifcntwurf geradezu als eine Gefährdung der nationale» Wohlfahrt auf das entschiedenste be- kämpft. Der erste Redner freilich, Professor S e r i n g, hieb nur in die Kerbe der beiden letzten Referenten. Er stellte es gerade so hin, als sei die Erhöhung der Getreidezölle das einzige Mittel, um den deutscheu B a u e r n st a n d am Leben zu erhalten, lvährend doch die übergroße Mehrzahl der deutschen Bauern an der Erhöhung der Getreidezölle desiveaen nicht das geringste Interesse haben, weil ie kein Getreide verkaufen können. Doch geben wir Professor Sering 'elbst das Wort: „Zlvei Drittel der Bauern sind in Schulden, die neuerdings infolge des Sinkens der Preise sehr drückend geworden sind. Diese unsre Bauern, die drei Fünftel unsres deutschen Mittel- standes darstellen, sind ständig in Gefahr vor dem Zusammenbruch. Kann die deutsche Nation diesem Zusammenbruch vieler Bauern und der Proletarisierung großer ländlicher Bezirke gegenüber ruhig bleiben? Die ganze Charakterbildung unsres Volkes würde ohne diese Bauern eine andere sein. Weil wir einen großen Bauern- stand haben, daher haben wir auch einen hochstehenden Arbeiter- stand, und wenn ivir den erstercn verlieren, so bedeutet das einen Zusammenbruch des Fundaments unsres Volkes. Eine weitsichtige sociale Politik beginnt damit, den Bauern- stand zu erhalten. Eine kleine Erhöhung der Getreidezölle kann nicht schädlicb sein, daher bin ich sür die Minimalzölle. wie sie vorgeschlagen sind. Jedoch nnr unter zwei Bedingungen: Der Industriearbeiter, der durch diese Erhöhung in seinem Wirtschafts- leben belastet ivird, muß durch Aufhebung der reinen Finanzzölle auf Kaffee und Petroleum ent- I a st e t werden. Dadurch wird der Industrie jedes Bedenken genommen werden." Prof. Brentano fertigte später den originellen Vorschlag Prof. Serings. die Aufhebung der Zölle auf Kaffee und Petrolenm den Arbeitern als Kompensation für die Erhöhung der Getreidezölle zu gewähren, humoristisch mit dem Hinweis darauf ab. daß Herr Sering Herrn v. M i q u e l mit einem derartigen Vorschlag nicht habe kommen dürfen. Doch lassen wir erst die weiteren Diskussionsredner sprechen. Prof. Dietzel- Bonn erklärte: „Eine der ersten Folgen der Erhöhung der Kornzölle würde eine Erhöhung der Zahl der socialdemo. kra t is ch e n Volksvertreter fein.(Sehr richtig!) Würden denn aber wenigstens die Landwirte durch die Getrcidezölle zu- friedengestellt werden? Nein! Wären die Bauern wirtlich keine Spekulanten, würden sie nicht die Getreidczvlle auszunützen ver- stehen, dann wären sie nicht wert, zu existieren,(Widerspruch und Zustimmung,) Thun sie das aber, so mutz der W e r t des B r u n d und Bodens steigen. Und dann ist wieder alles beim alten. Die Bcivcgnng der Getreideproduktion hängt gar nicht mit den Zöllen zusammen. Auf der andren Seite würde d Arbeiterklasse durch die G e tre i d e z ö l le erheb lich geschädigt werden. Der höhere kiornpretS hat die Tendenz, die Löhne zu drücke», denn der Lohn ist bedingt durch die Produktivität der Arbeit. Gleichzeitig würde der Arbeitsmarkt schwankender und unruhige Iv c r d e n." Prof. H e lfferich- Berlin führte ans: „Bor allem müssen wir untersuchen, ivie die vorgeschlagenen Zölle auf die Lage der arbeitenden Klassen wirken werden. Da st e h t nun z u n ä ch st f e st, d a tz die Er« Hohn n g der Getreidezölle die Lebenshaltung der Arbeiter wesentlich erschweren mutz. Datz die Reichsregierung die von Professor Sering vorgeschlagenen !>t e f o r m e» gleichzeitig mit der Erhöhung der Agrarzölle wird durchsetzen können, erscheint mir unter den gegebenen Verhältnissen v ö l l i g�a u S g e s ch l o s s e n." Prof. S ch m o l I e r erklärte zwar ein»gewisses Matz von Schutz zöllcu" für Deutschland unentbehrlich, sprach sich jedoch im Folgendem dahin ans: »In den 80 er Jahren bin ich wohl für einen Getreidezoll von 3, 20 M. gewesen, für den ö Mark»Zoll habe ich mich nie be- geistern können. Ich würde es für ein n a m e n l o s e s U n g l ü ck für Deutschland halten, wenn wir ein Meline scheS Schutzzollsystem bekommen. Ich wünsche keinen M i n i m a l t a r i f; die Regierung soll wie bisher freie Hand be halten. Wir können durch den neuen Entwurf entweder in eine neue Aera der Caprivischen Handelsverträge kommen, oder zu einem Melinescheu Schutzsystem. Ich habe die Entwicklung des Tarifs mit einer gewissen, stets st eigen den Sorge be- trachtet. Ich hatte die Enipfindung, datz die Regierung viel zu Vielaus die Interessen einzelner Grotz- kapitalisten gehört hatte, datz sie zu heimlich verfahren ist, datz sie besser gethan hätte, manches durch eine öffentliche Enquete zu bestimmen, und vor allem hatte ich die Empfindung. datz ein grotzer Teil der eigentlich leitenden Beamten in eine blinde Verherrlichung des Schutzzolles gekommen ist und der Notwendigkeit der Handelsverträge zu wenig Beachtung schenkt." Sehr scharf äutzerte sich Dr. Weber-Berlin: „Der vorliegende Tarifentwurf ist gar kein NegotiationStarif. sondern ein Hochschutzzolltarif.(Sehr richtig!) Ilnsre Exportindustrie ist sehr wohl geeignet, die Grund- läge unsreS Wirtschaftslebens zu bilden.(Lebhafter Beifall.) Wir müssen notwendig eine liberale Zollpolitik treiben. Mit der Schutzzollpolitik fahren Kanonen gegen uns selb st a u f.(Sehr richtig!) Wir wollen nicht, weil sich Amerika auf deni Holzwege befindet, uns auch auf den Holzweg be- geben." lLebhafter Beifall.) Zwischendurch kam dann wieder einmal ein Verfechter agrarischer Interessen zum Wort. So erklärte ein Freiherr v. C e t t o, datz die notleidende Landwirtschaft der durch den Brot- Wucher herbeizuführenden höheren Einnahmen bedürfe, um der Arbeiternot begegnen zu können. Mache man die Landwirt- schaft rentabler, so setze man sie in die Lage, ihren Arbeitern höhere Löhne zu geben und dadurch der Landflucht der ländlichen Arbeiter entgegen zu wirken. Und nur dadurch, datz der Landwirt die ländlichen Arbeitskräfte dergestalt an die Scholle fessele, sei ihm gedient. Der Zuzug arbeitsloser In- dustriearbeiter ans das Land nütze ihm nichts, da- durch werde höchstens Unzufriedenheit verbreitet. Man wcitz jetzt also wenigstens, Ivie aufrichtig die agrarischen Ratschläge sind, die arbeitslos gewordenen Jndustrieproletarier doch einfach auf das Land zu schicken! Prof. v. P h i l i p p o w i ch- Wien erklärte, datz O e st r e i ch von der deutschen Hochschutzzöllnerei nur Vorteil haben könne: „Sollte der deutsche Zolltarif-Entwurf zur Wirklichkeit werden. so würde Oestreich vielleicht zunächst in seiner wirtschaftlichen Entwicklung ein iveuig gehemmt werden, bald aber sich wirt- schaftlich kräftigen und zwar auf Kosten des Deutschen Reiches, und in einer Reihe von Jahren konkurrenzfähiger auf dem Welt- markt sein. Deutschland hat es in seiner Hand, die wirtsckiaftliche Annäherung der europäischen Staaten an einander zu fördern. Thut es dies nicht, sondern schlietzt es sich durch Schutzzölle ab, so tvird ihm das zum Nachteil gereichen.(Beifall.)" Nachdem noch eine ganze Anzahl Redner, darunter die Professoren Brentano und Schulze-Gaevernitz ebenfalls den Brotwucher energisch bekämpft, fatzte Herr v. Berlepsch das Ergebnis der Debatte wie folgt zusamnien: Das Seefest des Parteitags. Lübeck, 27. September 1801. Am Donnerstag bereiteten die Genossen von Lübeck dem Parteitag ein freudiges Feiern eigner Art; fie rüsteten ein Dampfschiff, das uns hinaustrug vom Hafen der Stadt nach der Mündung der Trave und hinaus auf die weite See. Inmitten emster Debatten und heitzen Streites gestaltete sich ein Festtag gehobenster Stimmungen und echtester Volkstümlichkeit. Als wir nach Lübeck kamen, hatten wir das wundervolle Wetter dieser klaren Herbsttage, die ivohl die schönsten Tage des Jahres sind, doch wir fürchteten, datz ein Witterungsumschlag die geplante Seefahrt hindem könnte. Aber jeder Tag erneute dasselbe reine Himmels- blau, dieselbe milde und doch frische Atmosphäre, in der sich die alten Bauten der Hansaherrlichkeit ununterbrochen zeichneten. Und unsre Lübecker Genossen, die auch sonst alles für den Parteitag aufs an- genehmste bereiteten, hatten einen guten Pakt mit PetruS voll- zogen, einzig schönes Wetter geleitete unseren Ausflug auf das Meer, dessen Wunder zu schauen wohl manchem von uns Binnen- ländem als eines der Endziele dieser ParteitagSfahrt galt. Am frühen Nachmittag bestiegen Ivir das Schiff, dessen Gröhe eben hinreichte, um alle Delegierten und die Frauen und Töchter, die manche von ihnen, aus geringeren Entfcrmmgcn konimend, mit- gebracht hatten, zu fassen. Grotze Menschenmaffen umlagerten den Trave-Pavillon, von wo die Abfahrt erfolgte, um die Delegierten zu begrützen; als das Schiff, an dessen Bugsprit die rot« Fahne der Lübecker Socialdemolratte wehte, sich in Belvegung setzte, erfüllten Hurras und Hochs brausend die Luft. Die Musik intonierte und wir begannen eine Fahrt durch den Hafen von Lübeck, die allen Teilnehmem unvergetzlich bleiben wird. Vorbei an den altertümlichen Bauten, an den Häusern mit den Treppengiebeln, hinter denen die Ziegelsteinkirchen aus dem 12. und 13. Jahrhundert über- ragten, vorbei an den grotzcn Handelsschiffen, den Trägem des modernen Weltverkehrs, ging die Fahrt. Uno dieses seltene Städte- bild des Hafens von Lübeck, dieses wundersame Durcheinander von mittelalterlicher Romantik und modernen Handelstreibens, ward erhöht und zu einem Auherordentlichen emporgehoben durch ein Element, das jetzt neu sich zugesellte und ein völlig" Neue» entstehen Uetz. Das Proletariat des Hafens trat ans den Plan. Die Kunde vom nahenden ParteitagSschiff hatte sich schnell verbreitet und. wo- hin unser Schiff kam, überall empfing unS der Jubel der Mäuuer der Arbeit und der Frauen und der Jugend. I» Fabriken „Schlietzlich ist festgestellt worden, datz durch eine Erhöhimg der Getreidezölle eine ungünstige Verschiebung, bei Lebenshaltung der Arbeiter eintreten würde. Als die wichtigste Uebereinstimmung in den Ansichten ist zu be feichnen, datz von allen Seiten die N o t w e n d i g l e i t lang- rlstiger Handelsverträge anerkannt ist. Brokwttcher und Anarchismus. Zur höheren Ehre des Brob Wuchers beweisen die agrarischen Organe seit der Ermordung Mc KinlehS standhaft, datz alles, was gegen die Agrarier und die Konservativen ist, in direkter Linie von dem Präsidenten mörder abstammt oder zu ihm zurückführt. Freihändler, Liberalen. Atheisten, Darwinisten, Freimaurer, Freidenker, Professoren, die gegen Brotwucher schreiben— sie alle sind nur schattierte Anarchisten. oie sämtlich um einen Kopf kürzer zu machen, der„Bauer" in nn verhüllter und die„Kmiz-Zeitung" in verblümter Weise forderte. Wir sind also gar nicht mehr erstaunt, datz uns auch heute wieder einmal die„Kreuz-Zeitung" als Blutsverwandte der Au archistcn und Apostel der Gewaltpolitik schildert, als ob wir Khaku leute und Staatsstreichfanatiker wären. Heute aber führt sie den Beweis so grundaelehrt und gnindgeschcit. datz wir darauf Ivetten datz der neugebackene Professor v. Wenckstem oder Herr Max Lorenz der immer noch nicht Professor ist, den Artikel geschrieben hat. Da hören wir, daß Socialisten und Anarchisten ein durchaus ähnliches Endziel haben: „Beide wollen eine von jeder Staats- und Rechts- ordnung befreite Gesellfckaft sich selbst bestimmender Individuen. Der socialistische. ZukunftSstaat" ist im Marxschen Sinne durchaus kein Zlvangsstaat." Eine von jeder Staats- und Rechtsordnung befreite Gesellschaft erstreben wir also— das wird den Schreiern vom Zuchthausstaat sehr interessant sein zu vernehmen. Dann sind Anarchisten und Socialisten glcichermatzen blutige Gewaltmenschen, die aber doch wieder durch die blutrünstigen Mittel der Organisation und des Wahlzettels ihr Ziel erreiche» sollen. Schlietzlich sind sowohl Anarchisten wie Socialisten Königs mörder; denn, so heitzt es wörtlich, jede geschickt und wohl gar mit Witz lancierte Majestätsveleidigung sei„als ein Mord am Konigsprincip, am KönigSgedanken" zu betrachten. Danach sind die Konservativen und Agrarier insgesamt zehnmal teuflischere Königsmörder als die Socialdemokraten, die an Personen bei weitem nicht das Interesse nehmen, das die Konservativen haben. Wenn alle mündlichen und gedruckten, mehr oder minder geschickten Majcstätsbeleidigiingen", die nnsre Agrarier und Hochkonservativen in den letzten Jahren von sich gegeben haben. Königsmord dar- stellen, dann hätte die ganze hochfeudale Sippe längst das Schaffot besteigen müssen. Wagt die„Kreiiz-Zeitnng" das etwa in Hammer- steinscher Butztagsehrlichkeit zu bestreiten? Wie sagt doch Florachen HammcrsteiiiS scmitiichc Freundin:„Komödianten seid Ihr ja alle!" Und schäbige Dernrncianten dazu I Endlich belehrt der ans dem Kamarilla-Archiv, das anS den Tagen Friedrich Wilhelms IV. in der„Kreuz-Zeitung" aufbewahrt ist. getränkte Artikel die Welt, datz die Socialisten wie die Anarchisten auch Verschwörer seien:„Die bürgerliche Gesellschaft und unser nationaler Staat stehen nicht nur den offen geäntzerten revoliitio närcn Absichten der Socialdemokratie gegenüber, sondern auch einer Art Komplott und geheimen Anweisungen, nach denen die socialdemokratischen Führer die ihnen ergebenen und in Unwissenheit gehaltenen Masse» sicherlich leiten, die aber offen kundzuthun sie wohl für zu gefährlich halten." Wozu das lange Gerede, das doch nur auf Verrückte oder Idioten Eindruck machen kann? Wozu nicht gerode heraus sagen, was man will und meint: Jeder Gegner des BrotwncherS ist ein Anarchist und KöuigSmörder, und wenn die Sache dieser Leute von oben ge- fördert wird, dann ist's eben anS mit der Monarchie. Das wollt Ihr doch sagen und wcitz inachen, Ihr edlen Erben des Ritters v. Hammcrstein l ChinatyPhuS. Das KricgSmmistcrinm teilt mit: Da bei dem ans dem Dampfer„B a t a v i a" heimgekehrten Transport ostasiatischer Truppen einzelne Typhusfälle vor- gekommen sind und auch der Transport ans Dampfer Neckar" nicht gänzlich frei von solchen ist. sollen diese Transporte von den später eintreffenden getrennt gehalten werde». Bon den letzte» werden daher die Transporte auf de» Dampfer»„Alesia".„Silvia",„König Albert".„Pisa" und„Tukuman" auf dem Truppenübniigsplatz L o ck st e d t in Holstein, das über Wie» zurückkehrende Bataillon Förster auf dem Uebnngsplatz Lamsdorf n Schlesien aufgelöst werden. Für die Ende Oktober zu erwartenden Transporte auf den Dampfern„Bahia",„Wittckind" und„Krckcld" 'tehen die Auflösungsorte noch nicht fest. Eine B e g r ü tz u» g der ans Ostasien hcimgetchrteu Truppen durch ihre Angehörigen ist jedoch auch auf den n e» b e st i m m t e n Plätzen eben- 'so>v e ii i g zulässig wie in Bremerhaven und Munster. und Werkstätten und Häusern der Uferstratze waren die Fenster niit Menschen desetzt, die mit Tüchern winkten, als wir kamen und bis ivir ihren Augen wieder entschwunden waren. Auf den Schiffen, die im Hasen ankerten, standen die Arbeiter und BedienimgSmann- chaften, mit begeisterten Zurufen uns belvillkonmmend. Ucberall ruhte für kurze Frist die Arbeit; an« den Maschinenräume», vom Aus- laden und Einladen, von jeglicher Arbeit ivaren die nitzige», vom chrendenSchweitz derArbeit bedeckten Männer imArbeitSkittel herbeigeeilt, hatten sich am Bordrand aufgestellt und begrützten in endlosen Hochs die Vertretung derjdeutscheu Socialdemolratle. Manche waren in die Wanten geklettert und schwenkten rote Tücher, wie sie sie gerade bei der Hand hatten. Es war keine vorlaute Demonstration, lein Publikum von Gaffern, das ein Schaugcpränge lockt, es war ein HerzcnSgruh der Arbeiter anS der ArbeitSniühsal heraus an die Vorkämpfer für die Befreiimg der Arbeit. Es war ein Fest ohne Kunst, das schlichteste Fest, daS je gefeiert, und daS wahr st e Fest, das gefeiert werden mag. Und der schlichte Jubel, der vom Ufer anS an das Schiff her- überkam, wurde von den Parteitagsdelegierten frohvoll erwidert. Hier mutzte uns daS Empfinden überkommen, wie einig doch unsre Partei ist. wie gering doch all da« Geplänkel und der mancherlei Hader gelten kann, der in unserm Parteileben sich zuträgt, und auch diesen Parteitag reichlich erfüllte, wie doch alle Seele» zusammenklingen in dem grotzen Gefühl der innerlichsten Zusammen« gchörigkeit, jener dort drüben hart um das Nötigste des Lebens ringenden Proletarier und dieser hier, die mit ihm und für sie am Ausbau einer neue» Welt sich mühen.„DaS Schönste ist doch heut der Arbeiter I"— sagt mir eine Genossin, und sie gab so der grotzen Ergriffenheit Ausdruck, die un« alle gebannt hielt. Ja. nicht nur das sittlich Schönste, auch das ästhetisch Schönste ist der Arbeiter, die Arbeiterklasse, wie sie dort stand in den Arbeitskitteln, in den arbeitsgeschwärzten Gesichtern, in kühnem Trotz de« Berufeiiseins zur Schöpfung einer höheren Zukunft. Unser Schiff glitt hinaus aus dem Hafen, fuhr durch liebliche Wald- und Feldgebiete, passierte Fischerdörfer, in dem vorzügliche Bücklinge und Flundem geräuchert und von Wahl zn Wahl mehr ocialdemokratischc Stimmen abgegeben werden, landete schlietzlich in Travemünde, deni freundlichen, sauberen Ort. der im 12. Jahr- undert zum Schutz gegen räuberische Ueberfälle nordischer und 'lavischer Seefahrer gegründet wurde, aber jetzt als ein- ächeres Seebad erholungsuchende Binnenländer gastlich em- pfängt. In Travemünde wurde ein Rettnngsapparat für Schiffbrüchige vorgeführt und zugleich konnten die, die überängstlich vor der tzeekraiilhcit bangten, hier zurückbleiben; deren waren Mariue-Exceffe an Bord? Dem„Berliner Tageblatt" zu- folge haben an Bord des kleinen Kreuzers„Gazelle au- geblich w e g e n z u st r a m m e n D i e n st e s. Ausschreitungen der Mannschaft stattgefunden, die sogar zum Ueberbord werfen von Geschützverschlutz stücken und Schiffs Material geführt haben sollen. Andre Blätter, u. a. auch die„Kieler Zeitung", behaupten, datz obige Meldung jedenfalls stark über- lrieben sei, da es sich im wesentlichen um Excesse einiger schlechter Elemente handeln dürfte. Eine offizielle Darstellung wäre jedenfalls am Platze.— Kunst und Muckerei. Auf einen relativ vernünftigen Stand- Punkt stellte sich die Majorität der zweiten Hauptversammlung des 31. Kongresses für innere Mission, der zu Eisenach tagte. Trotzdem ein Professor Kinzel in dem einleitenden Referat zwar über die „Freiheit der Kunst" gesprochen, aber eine„gut vorbereitete und geübte C e n s u r b e h ö r d e" als notwendig bezeichnet hatte, sprach sich die Mehrheit der Diskussionsredner, darunter auch Herr S t ö ck e r, dahin aus, datz eine Ceiisurbehörde im grotzen und ganzen wirkungslos bleiben werde und deshalb auch nicht erstrebenswert sei. Im übrigen klagten alle Redner beweglich über die zimcbniende Unsittlichkeit und die Demoralisierung der Kunst. Herr Stöcker versprach sich Besserung von der Pflege des evangelisch- protestantischen Geistes und stellte die Studentenschaft von Halle, die„Sodoms Ende" ausgepfiffen habe, als beste Ccnsur- behöroe hin. Der Referent meinte freilich ziemlich pesfiinistisch in seinem Schlntzwort, datz, wenn es trotz aller Gewissenswccknngs- versuche bisher in moralischer Beziehung in Liuiist und Leben nur innner schlimmer geworden sei, für die Zukunft nur von einer Ver- schärfimg der Censur etwas zu hoffen sei. Ob nicht auch die übrigen Herren nur deshalb von der Censur nichts wissen wollten, weil ihnen die Trauben zu hoch zu hängen schienen?— Hinter verschlossenen Thürcn. Vor dem Oberkriegsgericht zu Düsseldorf hatte sich der Unteroffizier Johann Möhlig von der 6. Compagnie des westfälischen Futzartillerie-RegimentS in Köln a. Rh. wegen vorschriftswidriger Behandlung und vorsätzlicher Mitzhaiidluug Untergebener, ferner wegen Mitzbrauchs der Dicustgewalt und Nöli- gimg zn verantworten. Möhlig war wegen dieser Bergehen am 16. August er. vom dortigen Käserncmentsgericht zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und Degra- dation' verurteilt worden, hatte aber gegen dieses Urteil Berufimg eingelegt. Die unter Ausschlutz der Leffcutlichkcit geführte Verhandlung scheint jedoch nochmals den Beweis für die schweren Verfehlungen des Unteroffiziers erbracht zu haben, denn daS Gericht verwarf die Berufung dcS Angeklagten.— Vor demselben Gericht wurde auch gegen den Unteroffizier Kuhrt von der 3. Compagnie des 3. Westfälischen In- fanterie• Regiments Nr. 16 wegen Mihhandlung Untergebener verhandelt. Kuhrt, der seine Untergebenen in roher Weise mitzhandelt und gequält hatte, war am 19. August er. vom Kriegsgericht zu der überaus gelinden Strafe von 11 Tagen Arrest verurteilt wurden. Das geringe Strafmatz wurde damit vegründet, datz der Augellagte erst 22 Jahre alt sei. Auf die vom Gcrichtsherrn gegen dieses Ur- teil erhobene Berufimg wurde die Strafe nunmehr auf vier Wochen Arrest erhöht.— Ter abgeblitzte Stadtroilimandant. Von den Kreuzfahrten �cS Prinzen Tschu» durch Deutschland werden allerhand hübsckie Episoden erzählt. Eine dieser netten Geschichtchen spielt in Frank- fnrt a. M. Die Regierung hatte, als sie in Erfahrimg gebracht hatte, datz der entsühnte Sühuepriuz die gemütliche Mainftadt be- suchen wolle, sofort einen würdigen Empfang vorgesehen und zu diesem Zweck den Stadtkommandanten an den Bahnhof zu dem Zuge entsandt, mit dem Prinz Tschun eintreffen sollte. Der Prinz' war auch richtig eingetroffen, aber aus dem feierlichen Empfang wurde gleichwohl nichts. Als der Stadtkommandant Herr v. Stiilpnagel seine Rcpräscntations- pflichten ausübe» wollte, wurde ihm mitgeteilt, datz der Prinz die ihm zugedachte Aufwartimg nicht entgegennehmen könne, da Seine kaiserliche Hoheit sich im l i e f st e n Schlafe befinde. Ob Herr v Stiilpnagel gleich dem Herrn v. Höpfuer den blinkenden Galahelm vom Haupte gerissen und sporenklirrend Kehrt gemacht hat, wird nicht gemeldet.— Pensioniert wurden in der deutschen Armee seit dem 16. August er.: 1 Geuerallieutcnant, 7 Generalmajore, 6 Oberste, 1 Oberstlieutenant, 15 Majore, 26 Hauptleute, 6 Oberlieutenants, 9 Lieutenants. In Summa 70 Offiziere. Kosten pro Jahr circa 206 000 M. Ohne Pension wurden verabschiedet 1 prentzischer Ober- licutcuaiit und 3 preutzische Lieutenants. Zur Reserve und Landwehr übergeführt, also ohne Pension aus der aktiven Armee aus« geschieden wurden 1 prentzischer Oberlieutenant und 11 preutzische Lieutenants. Der Gcsamlabgang an Offizieren beträgt somit im oben angegebenen Zeitraum 86. Von den Pensionierten treffen auf P r e u tz e n ein Geiierallieutcnaiit, 4 Generalmajore. 5 Oberste, 1 Obcrstlieutenant. 12 Majore. 23 Hauptleute, 4 Oberlieutenants, 8 Lieutenants iedoch nur sehr wenige. Unser Schiff ging dann hinaus auf die offene See,>vo der Wind frischer wehte und die tausend Herrlich- leiten der Wasser- und Himmelsfarben uns beglückte. Nur zu glatt war der Seespiegel, die meisten wünschten stärkeren Wellengang, elbst auf die Gefahr hin, datz Kautskyaiier und Bcrnsteinianer sich in gemeinsamem Opfer für die Meergötter finden sollten. Wir sichren eine gute Stunde hinaus, dann kehrten wir um und erlebten einen köstlichen Sonnenunlergang; noch ehe aber die Sonne glühend rot enffchwunden, hatte sich der Mond im Osten erhoben und lietz seine Silberstrahleu über die Wasser gleiten. Selbst unsre Berliner Freunde, die nicht an Sentimentalität leiden, erkannten den Zauber dieses Bildes an. und einer sagte mir:„Für so'ne Provinzstadt is det jar»ich so ohne!" In Travemünde wurde nochmals gerastet; im netten Saal, der dort unseren Genossen für Versammlungen zur Verfügung ist, wurde ein Jmbitz genommen und wieder einige Schoppen Bier getrunken. Die Stimmung wurde bewegter und unsre Süddeutschen, denen es bisher auf dem Schiffe etwas zu norddeutsch-kühl zugegangen war. brachten Leben und Lustigkeit in daS Treiben. Unser französischer Genosse, der dem Parteitage die Grütze des französischen Proletariat« über- bracht hatte, wurde sanft genötigt, Earmagnole und Marseillaise vor- zutragen, und diesen temperamentvollen Vorträgen folgten dann deutsche Arbeiterlieder. In guter Laune begann die Rückfahrt von Travemünde nach Lübeck, und die gute Laune steigerte sich zu heiterster Fröhlichkeit: auf dem Steven des Schiffes etablierte sich unter Führung bewährter Kräfte ein Ueberbrettl. auch Ueberbordel ge- nannt. auf dem Volkslieder. Studeutcnlieder, Scherzweisen»nd allerlei Lustiges vor dankbarem Publikum vorgetragen wurde; der gute Mond, der die Scene beschien, hat sich nicht gering verwundert, da er die Theoretiker der Partei, die vor kurzem sich über Verelendungs- und Werttheorien gezaust hatten, nunmehr das Lied vom frechen Bürgermeister Czcch singen hörte, der seine LandeSmutter durch das Unterfntter geschossen. Hier und da aber an den Ufern begrützten uns wieder Männer und Frauen mit feurigem Zuruf und vielfache» und vielfarbigen bengalischen Lichtern. Und als wir der Laiidungsstclle nahten, brauste uns vom Ufer aus dichten Menschenmassen neuer Willkommensgrutz entgegen, und die Delegierten sangen durch die Stille der mondhellen Nacht unsre Marseillaise und unser» Socialistenmarsch. und mit dem gewaltig schwellenden Rufe, vom Schiff und von den Ufern zusammcnllingend: Tod jeder Tyrannei, die Arbeit ivcrde frei!— endete das schöne auserlesene Fest, da« uns die wackere Arbeiterschaft Lübecks bereitet hatte, und für das wir ihr de» Donk bewahren werden. gr. (Summa SS); auf B a h e r n 2 Generalmajore. 1 Oberst, 2 Majore. 2 Hauptleute. 2 OberlicutcnantS. 1 Lieutenant(Summa 10); auf Sachse» 1 Major; auf Württemberg 1 Generalmajor. Im eben ablaufenden III. Quartal usurden im ganzen pensioniert 120 Offiziere(93 xreufiijche, 22 bayerische. 3 sächsische, 2 wUrttembergische), O b n e Pension wurden verabschiedet bezw. zur Reserve und Landwehr über�esührt 22 Offiziere(19 preutzische, 2 bayerische und 1 wikltembergiicher).— Reicher OrdenSregen. Anläßlich der letzten KaikerrnanSver wurden nicht weniger als 267 Angehörige de- l. und XVII. Armee- korpS dekoriert. Auch etliche Militärvfarrer und D i v i s i o n s» lüftet wurden mit Orden beglückt.— Der Direktor deS kaiserl. Statistischen AmtS, Geh. Ober- RegierungSrat Prof. Scheel ist am Freitagmittag an einem Nierenleiden gestorben. Er hat ei» Alter von 6t Jahren erreicht und würde am 1. April nächsten Jahres da? 2S jährige Jubiläum als Mitglied des Statistischen Amts habe» begehen können. So wertvolle Publilatiouen vom Statistischen Amt» unter Schcels Leitung auch herausgegeben worden sind, so entsprechen doch im allgemeinen seine Leistungen keineswegs den an eine derartige Institution zu stellenden Ansprüchen. Freilich. für Kulturaufgabe» hat das marinislisch-militärische Deutschland ja kein Geld übrig. Immerhin fiel die Bearbeitung des statistischen Materials zw weilen derartig aus, dasj sie den Unwillen der Agrarier gegen Prof. Scheel hcransbeschwor, weil er die Zahlen nicht agrarisch korrigierte oder deutete.— Zum Fall Opificiuö wird uns ans Baden geschrieben: Durch das Urteil der Strafkammer Karlsruhe, die gegen unseren Parteigenossen Opificius-Psorzheim wegen einer in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Psorzheimer Konlumvereins begangenen Veruntreuung von Geldern auf drei Monate Gefängnis erkannte und ihm gleichzeitig auf Grund des Z 35 Abs. 2 des Strafgesetzbuches die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter aus die Dauer von zivei Jahren absprach, wäre, falls es nicht gelingen sollte, das Urteil im Wege der Revision erfolgreich anzufechten, auch für den zweiten Pforzheimer Landtags sitz eine N a ch w a h l erforderlich geworden. Die Stadt Pforzheim hat insgesamt zwei Landtags- Mandate zu vergeben, von denen alle zwei Jahre je eines durch die gesamte Wählerschaft, die nur einen Wahlbezirk bildet, neu zu besetze» ist. Opificius ist der erste socialistische Vertreter der Stadt; sein Mandat datiert vom November 1899, iväre also nor- malerweise bis dahin 1903 in Kraft geblieben. Der zweite Sitz, 1897 zum letzenmal erneuert, steht diesmal zur Wahl, nachdem das Mandat seines bisherigen Inhabers, des nationalliberalen Fabrlkantei» Wittum, mit dem Schluß der letzten Landtags sessio» abgelaufen war. Für ihn ist bei den allgemeine» Er- gänzungSwahleii zum Landtag am 4. Oktober d. I. ein neues Wahlmännerkollegium zu wählen, das am 16. Oktober dann zur Ab- geordnetenwahl zusammentritt. Vorausgesetzt nun, daß daS Urteil gegen OpificiuS die Rechtskraft beschreiten sollte, würde in Pforzheim der dort bisher»och nicht dagewesene Fall eintreten, daß die b e i d e n Mandate gleichzeitig zu erneuern sind, und zwar das eine, diesmal»ormaleriveise zur Wahl steheiche durch ein neu zu wählendes Wahlmäimerkollegium, das zweite, bisher von OpificiuS innegehabte dagegen durch die Wahl man»er vom Jahre 18 9 9, da nach den Bestimmungen der badischen LandtagSwahl- ordnung alle im Laufe der vierjährigen Mandatsdauer etwa nötig werdenden Abgeordneten-Ersatzwahlen durch das zum Zwecke der ursprünglichen Abgeordnetenwahl zusammengesetzte Wahlmänner- kollegium zu erfolgen haben. In diesem war für OpificiuS im Jahre 1899 eine entschiedene Mehrheit vorhanden (171 socialdemokratische gegen 96 nationallibcrale Wahlmänner), so daß bei einer eventuellen Ersatzwahl der Sieg der Social- demokratie von vornherein gesichert iväre. Jnivic« weit die wohl nicht ohne Absicht gerade ans die letzten Tage vor den allgemeinen Wahlmännerivahlen anberaumte Verhandlung gegen Opificius den Ausfall der Neuwahl für den andern Pforzheimer Sitz zu beeinflussen vermag, steht dahin. Nach Lage der Sache ist nicht an- zunehmen, daß die guten Aussichten der Socialdemokratie dadurch irgendwie verschlechtert worden sind. Es dürfte vielmehr zum großen Leidwesen unsrer Gegner nichts mehr daran zu ändern sein, daß die badische Goldstadt im nächsten Landtag durch zwei socialistische Abgeordnete vertreten sein wird.— Rechtsgleichheit in Elsast-Lolhringen. Aus Straßbnrg schreibt man uns vom 26. September: Die socialistische Arbeiter- schaft des Reichslandes>var es von jeher gewohnt, von den Polizei. behörden bei der Ausübung ihrer staatsbürgerliche» Rechte anders behandelt zu werden, als dies de» bürgerlichen Parteien gegenüber der Fall ist. Insbesondere trat dies ziveierlei Recht auf dem Gebiete des VersammlnngS Wesens stets deutlich in Ericheiniing. Noch vor wenigen Wochen unterdrückte die hiesige Polizei mit Gc- walt eine von socialistischer Seite einbenifene sogeiianiite Privat- Versammlung im Vorort Neudorf, zu der. wie das Gesetz es verlangt, eine Reihe schriftlicher persönlickier Einladungen ergangen waren. Selbst ein Teil der bürgerlichen Presse legte mit Entrüstung Protest ein gegen diesen Akt polizeilicher Willkür, worauf es die Re- giernng unternahm, in einer offiziösen Note der„Süddeutschen ReickSkorrespondenz' daS Vorgehen der Straßburger Polizei zu rechtfertigen. Sie setzte darin auseinander, daß nach ihrer Ansicht die Versendung von Einladungen an einen unbeschräiikteii Personen- kreis aus der privaten Vereinigung im Sinn unsrer Ver- sammlungs-Gesetzgebung eine öffentliche Versammlung mache. ivas eine Umgehung des Gesetzes bedeute, und fuhr dann wörtlich fort: „Diese Umgehung des Gesetzes hätte natürlich auch b e i a l l e n andren Parteien diejelben Folgen. Würde daher z.B. ein Kandidat bei den Genieinderats-Wahlen an sämtliche Wähler des Wahlbezirks persönliche Einladungen zu einer Wahlversammlung schicken. so wäre dies trotzdem unbedingt nicht eine private. sondern eine öffentliche Versammlung, die also, iveil sie politischer Natur ist. der p o l i z e i l i ch e i! E r l a u b n j s ve. dürfte." Die demnächst stattfindenden Ergänzungswahlen zum Straßburger Gemcindcrat gaben der Polizeibehörde Gelegenheit, diese ihre Auf- fnssung von dem Wesen einer Privatversainiiilung in die Praxis um- zusetzen. Gestern tagte nämlich hier eine wohl von 800 Personen besuchte Koinmunalwähler-Versammlung, die von seitcn der„ver- einigten Ordnungsparteien" gegen die Socialdemokratie einberufen ivor. Genau de» Voraussetzungen der offiziösen Auslassung in der„S ü d d. R e t ch« k o r r." entsprechend, waren zu derselben an sämtliche Wähler der innenstädtischen Bezirke Einladungen ergange». Trotz alledem be- trachtete die Polizei dieselbe nicht als eine öffentliche, die ihrer Ge- nehmigung bedürfe, und nahm von den üblichen Ueber- wachungSmaßregeln Abstand.— DaS»eniit man dann im Lande der.wledergewonnenen Brüder" gleiches Recht für alle! Sächsische LandtagSwahlen. L e i p z i g, 26. September. Bei der heutigen Wahl der Wahlmänner der zweiten Wählerllaffe wurde» in» 2. Leipziger Wahlkreis für die Socialdemokratie 77. für dgg Ordilinigskarlell 809 Stimmen, im 4. Leipziger Kreis für die Socialdeniokralie L4t, für das Kartell 882 Slimnien abgegeben. Sämtliche Wahlmänner des Kartells wurden gewählt; die Socialdemokratie brachte keinen einzige» Kandidaten durch. In, 4. Kreis fehlten der Socialdemokratie wir lvcnige Stimmen zur Geivinnung eincs Bezirks— ein Beweis, daß auck, hier Erfolge zu erzielen sind. Die Wahlbeteiligung war lau», stärker als i>, der dritten Wählerklasse. Ausland. Dänemark. Minister und Socialdcmokrat. Auf der Generalversammlung der„Häusler-Kreditvereinigung" Dänemarks wurde der Kultus- minister I. ll. Christensen zum ersten Vorfitzenden«instimmig wieder- gewählt. Zum ziveiten Vorsitzenden wurde der Socialdemokrat Weber M. A. Madsen wiedergewählt. Socialdemokrat und Minister sind also hier nun gemeinsam an der Leitung einer großen socialen Institution beteiligt,' deren Aufgabe eS ist, denjenigen öandbeivohncrn in bedrängten Langen Hilfe zu leisten, deren Grundbesitz nicht zur Erhaltung ihrer Familie ansreicht, und die deshalb genötigt sind. teilweise als Lohnarbeiler in Landwirtschaft oder Industrie ihren Lebensunterhalt zu suche». Schweden. Der Kampf um das Wahlrecht. Seitdem der Stimmrechts- Kongreß in Malmö sich für die Anwendtmg des Generalstreiks als des äußersten Mittels zur Ernngung des allgemeinen Wahlrechts ausgesprochen hat und der skandinavische Arbeiterkongreß den schwedischen Brüdern die kräftigste Unterstützung für diesen Kamps versprochen hat, habe» die schwedischen Arbeiter in zahlreichen Ver sammlunge» weiter über die Frage diskutiert und da hat es sich gezeigt. daß die Arbeiter sich bereits mit dem Gedanken des Generalstreiks vertraut gemacht baben und fest entschlossen sind, wenn die Regierung und die herrschenden Parteien nicht nachgeben, diese gefährliche aber eventuell wirksame Waffe zur Erringung ihrer Staatsbürgerrechte zu gebrauchen. Viele Anzeicheli deuten darauf hin. daß die maßgebenden Faktoren halsstarrig lind gewissenlos genug sind, um. zwecks Ausrechterhaltung des schreienden Wahlunrechts, das Erwerbsleben Schwedens, das ganze Vaterland den größten Gefahren auszusetzi». Große Hindernisse sind es. die sich einer friedlichen Durchführung der Reform entgegenstellen. Da ist zunächst die erste Kammer, deren Mitglieder von den Landthings(Provinzial-Vcrtretungen) und von den Gemeinde- Vertretungen der verschiedenen Städte, die ihrerseits bekanntlich ans einem Wahlrecht hervorgehen, bei dem eine Person ihrem Ein kommen entsprechend bis z» 100 Stimme» abgeben kam,, gewählt werden. Unser„Herrenhaus" setzt selbstverständlich alle» Reformen, die zu einer Erweiterung der VolkSrcchte siihre» könnten, den heftigsten Widerstand entgegen und hat bereits i» früheren Jahren die Ent- würfe zur Reform des Wahlrechts mit dem stereotype» Verlangen nach„genauer Untersuchung der Bevölkerungsverhältnisse" in den Akten begraben. Die zweite Kammer, die die eigentliche Volksvertretung sei» sollte, zu der aber nur die- jcnigcn wablberechtigt sind. die ein Einkommen von mindestcils 800 Kr. besitzen, oder ein Grundstück im Werte von mindestens 1000 Kr. verstcncr». bietet in ihrer gegenwärtige» Zusammensetzung auch keine Gewähr für eine friedliche Lösung der Frage. Die alte Baucrnpar-tci, die früher in ehrlicher Weise für die Wahlrechtsreform eingetreten ist, scheint jetzt nur noch Interesse für die landwirtschaft- liche» Schutzzölle zu habe». Der Führer der»eucren liberale» Samm- lungSpartci Sixton von Friesen hat sich wohl dafür ausgesprochen, daß das Wahlrecht schon bei einen» Einkommen von 200 M. gewährt werden foll, will aber dafür die Altersgrenze vom 21. auf daS 25. Lebensjahr herausrücken, so daß die jungen Leute, denen durch die neue Hecrordnuiig schwerere Pflichten auferlegt wurden, deS Wahlrechts beraubt würden. Die neueste Partei der„Linke»", von der man vielleicht ein konsequenteres Eiiitreten für daS allgemeine Wahlrecht erwarten könnte, hat noch immer keine feste Form angenommen und ihr Einfluß in der Kammer ist kaum höher anzuschlagen, als der des einzige» socialdemokratische» Vertreters. Zieht man nun noch in Betracht, daß auch noch dem König das alsolute Veto zu Gebote steht nnd daß dieser erklärt hat. daß man ja möglicheriveise die Wahlrechts- grenze, auf ein Einkommen von 700 Kr. herabsetzen könnte, so er- kennt man, daß die Socialdemokratie mit ihrer Forderung deS all- gemeinen gleichen Wahlrecht? fast ganz allein steht und daß es aiigcvracht ist. wenn sich die Arbeiter auf eine außerordentliche Aktion vorbereiten, falls sie sich nicht mit einer Scheinreform abspeisen lasten ivollen. Daß letzteres nicht der Fall sein wird, dafür hat kürzlich wiederum eine große Versammlung der Arbeiter Göteborgs beredte« Zeugnis abgelegt. Einstimmig wurde hier eine Resolution angenommen, ivori» sich die Versammelten bereit erklärten, wen» es zur Erringunq der vollen politischen Rechte erforderlich sein sollte, den politischen Gciieralstreil mit aller Kraft, die den organisierten Arbeitern zu Gebote steht, in Anwendung zu bringe».—, Eitsiland. Die Nachwahl in Lanarkshire. London, 23. September. Die parlamentarische N a ch iv a h l i n L a» a r k s b i r e, die durch den Tod des liberale» Abgeordneten Mr. Colville nötig wurde, findet am 26. d. M. statt. Um den Sitz lämpfcn drei Kaiididale»: Robert SiniMe, Vertreter der orgaiiistcrten Arbeiter; Cecil Harmsivorth, liberaler Imperialist; Sir William Rattiga». konservativ. Wie die Sachen liegen, kann nnr der kühnste Optimist einen Erfolg des Arbeiterkandidateii erwarten. Denn obwohl diesem die Unlerstütziing des Gewerkschafts- kongresseS, der Jrländer nnd der Radikalen zugesagt wurde, so' darf doch der Beobachter des englischen Leben» nie vergessen, mit der Apathie der Arbeiter zw rechnen. DaS Wahlreiiiltat läßt sich aber folgendermaßen voraussagen: Infolge der Zerspittcnmg der liberalen Stimmen ivird der Sitz von den Liberalen an die Konservativen übergehen. Rattigan, der von Chamberlaili a» Balfonr empfohlen wurde, ivird siegen. Sinillie wird im besten Falle 2500—3000 Stimme» auf sich vereinigen. HarmSivorth etwa 4000. Bei der letzten Wahl siegte Colville mit 7120 Stimme» gegen Rattigans 5567. Es fragt sich nun, ob die Arbeiter richtig handeln, indem sie durch ihr Eintrete» dem Konservativen zu einem Siege verhelfe». Die Frage muß bejaht Iverde», da es uiliiiöglich ist, irgend cincn Unterschied zwischen Harmsivorth ii»d Rattigan zu entdecken. Di» Arbeiterkandidatur kann also eine Stärkniig der Reaklion nicht bedeuten. Andrerseits aber ivird die Agitatio», die Smillie. Kair Hardie, Glasier sc. dort eiitsalteten. sicherlich zur Aufriittclung und Auf» klärung der Masten beigetragen haben.— Dem Hungertode find im Jahre lSOO in London 58 Personen erlegen. Der parlamentarische Bericht, den, diesegahl entuonimen ist, beruht auf den Urteile» der L«>cheiibcicha»er und Geschworeilen in den ver- schiedenen Distrikten der Metropole. Allerdings stand de» Darbenden und Obdachlose» das Arbeitshaus offen, aber es scheint, daß sie e» vorzogen, lieber in den Tod zu gehen, alz sich der Behandlung von seitcn der Armcnbehörden zu unterivcrfen. *»* London, 27. September. Bei der ParlamcntSnachwahl in Nordost-Lanarkshlre für den verstorbenen Radikalen Colville wurde der liberale Union ist S i r William Rattigan mit 5673 Stimmeil gewählt. Der Liberale HarmSivorth erhielt 4769 und der Arbeiterkandidat Smillie 2900 Stimmen. Die Regierungspartei gewinnt somit ein Mandat.— Ueber Sidnry WcbbS Artikel in der„Ninetccnth Century" schreibt heute Genosse Walter C r a n e fii den„Daily News": „Die Fabier geben eine», Socialisten schwierige Rätsel zu lösen. Die Socialdemokratische Föderation und die Unabhängige Arbeiterpartei haben von Anfang an erkannt, welche dunkle reaktionäre und fiuaiizielle Mächte hinter dem JiiiperialismnS und dem südafrikanische« Kriege stehen, während die Fabier, trotz ihrer großen Erzichungs- arbeit, der Ueberzeiignilg sind, daß der JinperialiSmil« und dex Krieg gegen zwei freie Baucinrepubliken dem Socialis- milS nützlich fein könnten. Die mittelbare Wirkung deS Kriege» ist der Stillstand in der Reformgesetzgebung. n»d die Folge des Jmpe- rialismus bedeutete immer nnd überall emen Verlust der Freiheit sowohl für die Besiegten wie für die Sieger. Durch ibre imperialistische Politik haben sich die Fabier von der große» socialistischen Mehrheit des In- und Auslandes isoliert."— Amerika. New Dork, 27. September. Einer Depesche ans Willemst a d zufolge ist dort die Meldung eingetroffen, daß l» dem Gefecht aus der Halbinsel Goajira 300 Vene- zolaner mit 4 Geschützen gesangen genommen, 600 gelötet oder verivnndet worden seien bezw. ver- mißt wurden; unter den Verwundeten solle sich ein Bruder des Präsidenten Castto befinden. Parteitag der dentschen Socialdemokratie. (Schluß aus der 1. Beilage) Tchwartz übernimmt den Vorsitz. Zur Verhandlung kommt Punkt 3 der Tagesordnung: Bericht über die parlamentarische Thätigkeit. Dazu liegen die Anträge 70—82; 90; 97; lOö, 106, 110 und 118 vor. Giideknm beantragt, die Anträge 17 und 72 als zur Wohnungsfrage gestellt zu beantragen. Der Parteitag beschließt demgemäß. 70. Parteigenossen in Ronneburg: Die Fraktion z» ersuche». einen Ziisatzantrag zu den 6 und 20 des KrankenversicheruiigS- Gcsetzes einzubringen mit ungefähr folgendem Wortlaut: § 6, Ziffer 3.„Freie ärztliche Behandlniig, freie Arznei und sonstige Heilmittel sind den Familienangehörigen der verheiratete» Kasienmitglieder, d. h. der Ehefrau und den Kindern bis zum 14. Lebensjahre, soweit dieselben nicht selbst dem VersicheriingSzwange unterliegen, allgemein zu gewähren." 8 20. Ziffer 4.„Freie ärztliche Behandlung, freie Arznei und sonstige Heilmittel siiio den Familienangehörigen der verheirateten Kasiciimitglicder, d. h. der Ehefrau und den Kindern bis zum 14. Lebensjahre, soiveit diese nicht selbst dem Versicher»ngszivaiige »nterliegen, zu gewähren. Den Ehefrauen der Mitglieder ist im Falle der Eiitbi»dui,g die Hälfte der Wöchiierinnen-Unterstützung zu- zusprechen." Die Ziffern 5 und 7 des Z 21 sind zu streichen. Gleichzeitig ist ein neuer Paragraph in das Gesetz aufzunehmen. welcher lautet:„Diese Bestimmungen erstrecken sich auch ans Bau-, Fabrik-, Kiiappschasts- nnd Jiiniings-Kraiikenkaffen. Solche Kassen, ivelche durch Einfühxiiiig obiger Bestimmungen nachweislich in ihrer Existenz gefährdet Iverden, sind vom Reiche oder aus den Kassen der Versicherungsanstalten zu subventionieren." 71. Parteigenossen in Barmen: 1. Die NeichstagSftaktion wird aufgefordert, eine» Gesetzentwurf im Reichstage eiiizubriiigen. wonach der MaximalarbeitStag für olle erwachsene» Arbeiter und Arbeiterinnen auf 10 Stunden festzusetzen ist. 7A. Parteigenossen in Elberfeld: Die socialdemokratische Fraktion deS Reichstages wird beauftragt, einen Antrag ans Ein- ftihrniig eines gesetzlichen MaximalarbeilstageS für alle Arbeiter ein- zubringen. 74. Parteigenossen beS 1. sächsischen Reichstags- Wahlkreises: Die socialdemokratische Fraktion deS Reichstags wird ersucht, alljährlich, bis zur eventuelle» Annahme, im Reich«-» tage Anträge auf Bestrafung derjenigen Arbeitgeber, welche ihre Arbeiter durch Androhung der Arbeitsentziehung resp. Nicht« beschäftigung zu bestimmen versuchen, auf das denselben gesetzlich gewährleistete Koalitionsrccht zu verzichten, einzubringen. 73. Parteigenosse» des 6. Berliner Wahlkreises: Der Parteitag zu Lübeck»volle die ReichStagssraktion beauftragen, energisch für den Schutz des Koalitionsrechles einzutreten. 70. Parteigenossen in Breslau: Die socialdemokratische Fraktion möge den erneuten Versuch machen, eine Abänderung des Militärgenchls-Versahrcils hcrbcizuführc», insbesoildere in Beziehung auf öffentliche Verhandlung. 77. Parteigenosse» i» München: Es sei die ReichStagssraktion zu beauftragen, sofort»ach Zusammentritt des Reichstags Anträge a»f Abänderung der Militär-StrasgcrichtS-Ordming voml. Dezember 1803 zu stellen, durch die als Minimum dessen, ivas überhaupt von einer Prozeßordinmg gefordert iverden muß, die der Rechtspflege dienen ivill, dem Rocht' der Angeklagten ivciiigstciiS so weit Rechnung gc- tragen wird, daß 1. der Allgewalt deS Gerichtsherrn Schranken gesetzt. 2. die Funktionen de» NntersnchnngsführerS nnd des Anklage- Vertreters getrennt, und 3. die Gerichtshöfe(besonders in der Be- rufinigSinstanz) derart zllianimeiigcsctzt werden, daß die juristisch gebildete» Richter bei Entscheidung der Schuldfrage von den Osfi- zieren nicbt niajorisiert werden könne». 78. Parleigenosscii in Mülhausen i. Eis.: Die Reichstags- fraktion wird beauftragt, wie in frühere» Jahren auch in der Zeit bis zum»ächsten Parteitage bei jeder Gelegenheit auf die Aufhebung der außerordentlichen Gewalten des kaiserlichen Statthalters in Elsaß-Lothringe» hinzuwirken, nm die Bevölkerung des RcichSlandeS endlich ans einer Lage zu befreien, die ebenso ungerechtfertigt aG umviirdig»»d der gesunden Eiltwicklliiig hinderlich ist. 71). Dieselben: Die Rcickstagsfraktion wird ferner beauftragt, für die vollständige Einführung des RcichsgesctzcS über die Presse vom 7. Mai 1874 in Elsaß-Lothringe» euiziltreten; 80. Dieselben: desgleichen fiir die allgemeine, gleiche, qe- Heime nnd direkte Wahl' de« elsaß-lothringischen LandesauSschlisses durch da? Volk; 81. Dieselben: desgleichen aufl neue für die Schaffung eines Ncichs-VereinsgesetzeS. 8!t. Jacob Vi e y e r und Schwarz, Mitglieder des fi'niften Berliner Wahlkreises: Der Parteitag wolle beschließen. daß die Genossen im Reichstage für Aushebung des Impfzwangs ciiilretcn.„ 90, Parteigenossen In Halberstadt und dem Kreise E a l b e- AschcrSleben: Der Parteitag erklärt, daß er das vom Ober- Kriegsgericht in Glmiblnnen gefällte Todesurteil wider den Untcrosfizier Marten für einen der schwersten Justiz- irrtümer hält, welchen die Geschichte keimt. Der Parteitag sieht auch nicht annähcnid eine» Beiveis dafür erbracht, daß der Verurteilte sich des ihm zur Last gelegten Mordes schuldig gemacht hat. Der Parteitag erwartet von der socialdemokratischen Neichstags-Fraktioii. daß dieselbe unter ausdrücklicher Bez»g»ahuie auf das Gunibtinier llrtcil in geeigneter Form ini Reichstage für die Abschaffung der Todesstrafe nnd die Beseltigniig der Militärjiistlz— außer siir Disciplinarfälle— eintreten ivird. 405. Die RelchstagS-Fraktlon zu ersuchen, einen Gesetzentwurf im Reichstage einzubriiigeii, wonach die landwirtschaftlichen und Forst- arbeitcr einer Krankenkassenversichening unterstehen, auch alle Be- ftimniungen im Punkt 70 zu geivähren. Der Bertrancnsman» nnd Delegierte deS Landbezirkes Kami», V. mecklenb. Wahlkreis. Hugo Siebe»»icher und 20 Genosse». 40«. Der Parteitag möge einen Beschluß fasse», wonach die socialdemokratische Reichsiagsfraktion im Reichstage die Initiative ergreif« und folgendes vom Reichstage und der Re>chöregicrli»g fordere: 1. Eine wirklich« Kranken-Vcrstcherung. 2. Abschaffiiug der Gesindeordiiungen. 8. Freies KoalitionS- und Verfamm» lungSrecht. 4. Festsetziiiig eines lOstüiidigcu Arbeitstages für alle landwirtschaftlichen Arbeiter. 5. Verbot der Kinderarbeit und der Frauenarbeit 6 Wochen vor»nd nach der E»tbind»»g. S. An Sonn- abenden oder an Tagen vor einem Fest um 5 Uhr Feierabend für die auswärt« Arbeitenden. Der Vertrauensmann und Delegiert« des Landbezirks Kamin, V. mecklenburgischer Wahlkreis. Hugo Siebeneicher und 20 Genossen. 448.(Abänderungsvorschlag zu 110.) Im dritten Absatz am Schluß anstatt der Worte: und iiisbesondere das Gesamtbudget normalerweise ablehne», zu setzen:„und dies bei Abstimmungen über das Gesamthndget und die Finanzgesetze genau beobachten. B a u d e r t. Antrag 97 ist die Mannheimer Resolution zur Bndgetfrage, mid geteilt in Nr. 223. Antrag 110 ist die Resolution Bebel zur Budget- frage, mitgeteilt in Nr. 221. Den Bericht über die parlamentarische Thätigkeit erstattet Wurm: Fast ausschließlich ist die Thätigkeit der Reichstagsfraktion von keiner Seite beanstandet worden. Erst ist letzter Zeit ist ein Artikel von Parvus durch die Presse gegangen, der einen Antrag, den wir im Reichstag gestellt, aber noch nicht verhandelt haben, als unthun- lich, unpraktisch und einen Niiclschritr gegen früher bezeichnet, den Antrag auf Einführung eines Zehnstundcntages. Es ist ein Irrtum von Parvus, ivenn er glaubt, daß wir diesen Antrag eingebracht haben, um den bürgerlichen Parteien goldene Brücken zu bauen, sondern im Gegenteil, um dieHcnchelei der bürgerlichen Socialreformerzu entlarven. (Sehr richtig I) Parvus irrt sich, wenn er meint, das Centrum habe bereits einen annähernd gleichen Antrag eingebracht, der einen Maximalarbeitstag von 63 Stunden einführt; dieser Antrag ist von der Minorität des Centrums eingebracht, Dr. Hitze befindet sich mit seiner verwässerten Arbeiterfreundlichkeit in der Minderheit; der größte Teil des Ccntrnms befindet sich unter der Führung des Frhrn. v. Hertling noch durchaus auf manchesterlichem Standpunkt in der Arbeiterpolitik. Der 63-Stunden-Antrag fiel, auch der größte Teil des Centrums stimnlte dagegen. Schluß der NachmittagS-Sihnng. (Telegraphischer Vorbericht.) Wurm(fortfahrend) hebt die principielle Haltung der Fraktion gegenüber der Militär» und Chinapolitik hervor, er bespricht die neue Krankenkassen-Novelle, dabei die Verhältnisse in derKruppschenPeiisions lasse. Redner wendet sich gegen die Budgetbewilligung in Baden, die Fendrich befürlvortet hatte. Wohin es führt, wenii man vor der Regierung den 5iotau macht, das haben loir ja zur Genüge an den bürgerlichen Parteien, vor allem an dein Ccntrnin, beobachtet. Bezeichnend für die Kenntnis der Parteigcschichtc. über die Fendrich verfügt, ist seine Behauptung, daß nnsre Zustimmung zu dem Jnvalidenvcrsichernngs- Gesetz eine Mauserung der Partei bedeute. Das ist ein Unsinn. Wir haben bereits in den ersten Jahren unserer Thätigkeit im Reichstag für ein Gesetz über die Loh»beschlagnahme gestinnnt. weil es eben den Arbeitern verhältnismäßig mehr Vorteil als Schaden brachte. Fendrich meint, wir dürften nur dann das Budget nicht bewilligen, wenn Ausnahmegesetze bestehen, also nur. wen» man uns mit der Hundepeitsche konimt, sollen wir nicht bewilligen! Ich muß sagen, die badische Regierung hat da mehr Charakter gc- zeigt, als der b u d g e t b e w i l l i g e n d e Genosse. Im Jahre 1897 hat der Minister Eiscnlohr gesagt, die Regierung bekämpf die Socialdemokratie principiell. Unter dein frischen Eindruck dieser Erklärung unterblieb die Budgetbewilliguug; aber schon 1898 bewilligten die Genossen und 1899 kommt der Genosse Fendrich und macht ein System aus der Sache. Daß Ausnahmefälle vor- kommen können, wo das Budget einmal bewilligt werden kann. geben wir zu. Solche Fälle hat auch Bebel in seiner Resolution über die Budgetfrage berücksichtigt. Wohin es führt, wenn man sich mit dem Kapitalismus abzufinden fucht, das zeigt doch der Orden, der Millerand nun doch schließlich au den Hals geflogen ist, das zeigt uns die Entwicklung der eng- lischen Fabicr, die jetzt für den Imperialismus sind. Das ist die Politik des Transvaalkrieges. Für das Linsengericht kleiner Reformen können wir nicht das Erstgeburtsrccht der Demokratie verkaufen. Wir wollen die Wähler nicht einfangen, sondern mit offenem Visier käinpfen. Fendrich: Die badische Budgetbeivilligung ist von der Fraktion einstimmig beschlossen worden. Liebknecht hat früher lin Sachsen für das Budget gestimmt. Früher war Bebel gegen jede Ausnahme, jetzt ist er entgegengekommen. Wir können für sciuc Resolution mit dem Amendement Baudert stimmen, es ist keine principielle, sondern eine taktische Frage. Wir müssen u»S den eigenartigen Verhältnissen in den Einzelländern anpassen und nicht zu viel Zeit mit akademischen Erörterungen verlieren. Bebel: Die beiden ersten Sätze meiner Resolution legen das Princip fest, aber ich kam zu der Ueberzeugung, daß es Ausnahmefälle geben könne. Erstens so, wie es in Hessen war, zweitens so, wie es in Gotha ivcrden kann, wenn wir dort die Mehrheit haben, wir würden dann von unsren Genossen verlangen, daß sie das Budget nach ihrer Auffassung formulieren, und daß sie dann dafür stimmen müsse», ist selbst- verständlich.(Heiterkeit.) Unsre Genossen sind übrigens dort in der glücklichen Lage, daß die Civilliste nicht im Budget enthalten ist. Gerade unsre badischcn Genossen aber hatten die ausschlaggebendsten Grunde, gegen das Budget zu stimmen. Die badische Regierung bekämpft entschieden die Verbesserung des Wahlrechts. Sie verbietet Gedächtnisfeiern zum 18. März, mir wurde eine Versammlung auf badischem Boden nicht nur untersagt, sondern bei aufgepflanztem Bajonett wurden die Kriegsartikel verlesen.(Hört! hörtl Ruf: damals I) Ja, aber der Geist ist derselbe ge- blieben. Fendrich schreibt in seiner Broschüre, schon auf Grund des Verfassnngseides müßte man für das Budget stimmen. Da hört doch ivirklich alles auf.(Sehr richtig I) Wir haben früher stets erklärt: Wir sind Republikaner und werden uns durch den VerfassungSeid nicht als gebunden erachten. Die Reichsverfassung kennt keinen Verfassungseid und er wird heute niemals niehr ge« fordert, weil man seine Zwecklosigkeit eingesehen hat. Nicht einmal gegen das KultuSbndget haben die badischen Genossen den Mut gehabt zu stimmen, sondern sie haben sich der Stimme enthalten.(Hört! hörtl) Die badische Regierung hat offiziell erklärt, für die Flottenvorlage und für die Umsturzvorlage gestimmt zu haben, und trotzdem bewilligen ihr Socialdemokraten das Budget. Fendrich sagt sogar: Wer gegen das Budget stimmt, treibt Blanguismus.(Hört! hört!) Ueber die einfachsten Fordenmgen der Partei setzen sich die badischen Genossen himveg. Hat doch das offizielle Organ der badischen Partei verlangt, man solle die Stänkereien der Frau Rosa Luxemburg von oben herunter verhindern. Das ist die Preßfrciheit in Baden I Ueberhaupt werden von den badischen Genossen die eigentümlichsten Sprünge gemacht. Fendrich sagt, wir müssen die Ideale in den Hintergrund stellen (Hört! hört!), nicht einmal das Wünschenswerte, sondern das Mögliche erstreben. Das ist der Possibilismns in schlimmster Form. Genosse Kolb hat gesagt, wir müßten in den nächsten zehn Jahren noch ganz andren Programmballast über Bord werfen, z. B. das Wahlrecht für Frauen. In einem Lande, wo Großherzog und Regierung sich stets in der schärfsten Weise gegen die Socialdemokraten gewandt haben, war es einfache Anstandspflicht der Genossen, gegen das Budget zu stimmen (Sehr richtig I), man sagt, was soll denn da aus dem Staat werden? Zerbricht Ihr Euch doch nicht darüber den Kopf. Ihr sechs, sieben Männlein.(Heiterkeit.) Da haben die Liberalen Badens in den vierziger Jahren sich viel männlicher gezeigt. Wenn jemand, wie Baudert. von seiner Regierung so viel Prügel bekommt und ihr dann noch das Budget bewilligt, so ist das eine Charaktereigenschaft, die ich einfach nicht verstehe.(Lebhafter Beifall.) Baudert: Ich halte die Stellungnahme bei den einzelnen Positionen für viel wichtiger, als bei der Gesamtabstimmnng. Mein Antrag läßt etwas mehr Spielraum wie die Resolution Bebel, deshalb bitte ich Sie um seine Annahme. Singer: Die Frage der Budgetbewilligung ist eine Frage des Vertrauens. Vertrauen aber haben wir zu keiner Regierung in Deutschland. Den ersten Sätzen der Resolution Bebel stimme ich zu, dem letzten Absatz nicht, er öffnet allem Thür und Thor. Was sind zwingende Gründe, was besondere Gründe 2 Ich beantrage den letzten Satz der Resolution Bebel zu streichen. Keil: Wir wünschen eine Einheitlichkeit des Vorgehens und nicht, daß uns die Badenser Knüppel in den Weg werfen. Wir können den Regierungen kein Vertrauen entgegenbringen. Es sind Klassenregierungen. Stalten spricht für die Resolution Bebel, desgleichen Ulrich, der den Berlinern zuruft: Weshalb bewilligt ihr den Etat der Stadt Berlin mit dem Gehalt des Polizeipräsidenten und dem der schönen Achtgroschen-Jungen?(Zuruf: Berlin hat keine Gesamt- abstimmung.) Geyer tritt für den Antrag Singer ein, während JooS- Gotha dem Antrag Bebel zustimmt, weil für Gotha die Zustimmung offen gelassen werden muß. Geck spricht gegen die Revisionsbestrebungen, deren Folge die Zustimmung der Badenser zum Budget war. Schon die Apanage- Erhöhung hätte zur Ablehnung führen müssen. Havcrkamp: Wie kann man einer Regierung, die den Hunnen- zug mitgemacht hat, vertrauen? David poleinisiert gegen Geck. Eine Entwicklung ist bei Bebel seit Frankfurt in der Beurteilung der Budget-Abstimmung zu konstatieren. Hoffentlich wird sie sich in einigen Jahren auch bei Singer zeigen, dessen Abstimmung im Stadtparlamcnt für die Gesamt- Stenersnmme auch eine Art Bndgetbewilligung ist. Frau Zetkin hält es für einen Wortstreit, ob man die Budget- bewilligung als principielle oder taktische Frage betrachte. Die Taktik wird durch das Princip bedingt. Wir müssen das Budget ab- lehnen, denn es ist ein Spiegelbild der kapitalistischen Kultur, die die Unkultur, Knechtung und Fesselung der Massen bedeutet.(Lob- hafter Beifall.) Ehrhart protestiert gegen die Angriffe Bebels auf die badischen Abgeordneten und poleinisiert gegen Geck. Än den Zuständen in Baden ist nicht die Bcrnstciuerci schuld, sondern der persönliche Krakehl, an dem Geck mit Schuld trägt. Nachdem noch der mecklenburgische Hofgänger Sicbcncicher, erster Laiidarbeitcrdclegicrtcr auf einem Parteitage, den Antrag 106 befürlvortet, ivird nach einer Reihe persönlicher Bemerkungen und dem Schlußwort des Referenten, worin Wurm konstatiert, daß die Thätigkeit der Fraktion von keiner Seite getadelt und daß Angriffe auf die socialdcmokratischen Stadtverordneten Berlins auf Unnkenntnis der Bestimniungen beruhen, die Resolution Bebel unter Ablehnung des Antrages Singer unverändert angcnomincn. Der Antrag Baudert findet nicht genügende Unterstützung. Die Resolution Luxemburg ist zurückgezogen. Antrag 106 wird der Fraktion zur Berücksichtigung überwiesen. Alle übrigen Anträge zur parlamentarischen Thätigkeit fanden nicht genügende Unterstützung. Schluß 8V4 Uhr.__ GeivvMMzctftliltzvs. Berlin und Nuigcgcnd. Die Bau-Zlnschlägcr haben, wie wir bereits gestern be- richteten, den Streik nach fast sechswöchcutlicher Dauer auf- gehoben. Die Gcschäfiskonjunktnr ist gegenwärtig keine be- londers günstige, und leider haben sich auch genügend«Arbeits- Ivillige" gefunden, die den in Betracht kommenden Unternehmern wenigstens die notwendigsten Arbeiten fertig stellen können. Trotzdem, daß schon 263 Anschläger zu den' geforderten Be- dingnngcn arbeiteten, sind doch noch ca. 170 Arbeitslose vor- Händen. Die Innung hat wieder die von der Lohnkommission an- geregte» Verhandlungen abgelehnt, doch wird erwartet, daß sie nun- mehr zu Verhandlungen bereit ist, zumal die Unternehmer ja auch alle Ursache haben, eine» dauernden Frieden mit den Anschlägern zu ermöglichen. Neben der Regulierung des Lohntarifs wird es sich auch in Zukunft namentlich um den Arbeitsnachweis handeln. Während die Anschläger ihren bisher gut funktionierenden Nach- iveis aufrecht erhalten wollen, verlangt die Innung, daß nun der von ihr eingerichtcre Nachweis maßgebend sein soll. Vom Kura- torium des Central-Arbeitsnachweiscs ist der Innung allerdings der Vorschlag gemacht worden, in die Verwaltung zwei Anschläger auf- zunehmen und auch einen von den Anschlägern gewählten Arbeits- vermittler zuzulassen. Wahrscheinlich wird die Innung diesem Vor- 'chlag zustimnien, und es kommt dann darauf an, wie sich die An- chlägcr, die sich bisher dem paritätischen Arbeitsnachweis gegenüber ehr ablehnend verhalten haben, dazu stellen. Die Lohnkoinmissto» der Barbiere in Rixdorf giebt bekannt, daß folgende Barbiergeschäfte gesperrt sind: Pawlecki, Hermann- platz 4; Mnschat, Bcrlinerstr.' 79; Schäfer, Steinmetzstr. 119; Hobenwald, Wißmnnnstr. 48; Knöffler, Hobrechtstr. 3; Trenner. Herfurthstr. 34; Schneider, Friedelstr. 2; Sowinski, Prinz Handjery- traßo 6; CieselSky, Jägerstr. 2; Kaffka, Erkstr. B. Deutsches Reich. Achtung, Steinsetzer! In Langensalza sind im Betriebe des Stcinsctzermeisters Barle! aus Gotha Differenzen ausgebrochen. Herr Barkel beabsichtigte eine Herabsetzung des Stundenlohnes von 60 auf 50 Pf. vorzunehmen. Zuzug ist fernzuhalten. Zur Kennzeichnnug der Arbeitswilligen. AIS im Mai d. I. auf der Grube„Archibald" bei Halberftadt ein Streik ausbrach, legte auch der Bergmann Jordan die Arbeit nieder, kehrte aber bald darauf als Streikbrecher zurück. Als ihn der Obersteiger fragte, weshalb er denn die Arbeit niedergelegt habe, sagte Jordan in Gegenwart eines Gendarmen, das fei nur deshalb geschehen, weil ihn drei Kameraden, die er mit Namen bezeichnete, mit Schlägen bedroht hätten. Der Angeber verlangte auch aus- drücklich, daß die von ihmj bezeichneten drei Bergleute bestraft würden. Natürlich wurden diese denn auch angeklagt. Vor Gericht stellte sich aber heraus, daß die Behauptungen Jordans von A bis Z erlogen waren und er wurde deshalb zu z'w e i Monaten Gefängnis verurteilt. Nicht immer sind die Angaben der für den Staat so«nützlichen Elemente" so plump erfunden, wie in diesen, Falle, und oft mutzten streikende Arbeiter wegen an sich geringfügiger Ausschreitungen. die aber von Arbeitswilligen stark übertrieben wurden, ins Ge- fängnis wandern. Ein LehrlingSstreik, der vom Gewerbegericht als berechtigt anerkannt ist, gehört jedenfalls zu den seltensten Erscheinungen aus gciverlschastlichem Gebiet. Der für die gerichtliche Beurteilung der Lchrlingsausbeutung sehr interessante Fall wurde kürzlich vor dem Brcslaüer Gcwerbericht verhandelt. Er liegt folgendermaßen: In der Maschinenfabrik von N. Schäffer sind 10 Lehrlinge beschäftigt, die auf Anordnung des Werkmeisters einige Wochen hindurch Ueber- st u n d e n zu machen hatten. Für 20 in einer Woche ge- leistete Ueber st unden wurden den jungen Leuten ganze 75 Pf. als Entschädigung gezahlt. Das war ihnen denn doch zu wenig, und sie verließen am nächsten Tage auf Verabredung zur regelmäßige» Feierabendstunde die Werkstatt. Als sie am folgenden Morgen wieder zur Arbeit erschienen, wies sie der Werkmeister zurück. Sieben Lehrlinge wurden später wieder eingestellt, bezüglich der übrigen drei, die die.Rädelsführer" gewesen sein sollen, blieb es bei der Entlassung. Der Vater des einen der Entlasienen klagte gegen die Erfüllung der aus dem Lehrvertrage resultierenden Pflichten. Die Beklagte weigerte sich dessen, mit der Begründung, der Lehr- ling habe beharrlich die Arbeit verweigert und dadurch den Vertrag gebrochen. Das Gewerbegericht billigte die Handlungsweise der Lehrlinge, indem es sich auf den Standpunkt stellte: Junge Leute bis in die Nacht hinein arbeiten zu lassen, sei gar nicht zulässig; bei der jetzigen großen Arbeitslosigkeit sei es durchaus ungehörig, Lehrlinge in der geschilderten Weise auszunutzen. Von einer beharrlichen Weigerung kann nicht die Rede sein, denn die Lehrlinge sind andren Tages wieder zur Arbeit gekommen. Ihre Absicht war es nicht, damit aufzuhören, sondern nur der Ueberzeitarbeit zu ent- gehen. Die Verhandlung endete mit einem den Kläger befriedigenden Vergleich. Andrenfalls wäre es wahrscheinlich zu einer Verurteilung der lehrlingsausbeutenden Firma gekommen. „Glück auf", das Organ des Centraivereins der deutschen Former und Berufsgenossen, stellt mit der heute erschienenen Nummer sein Erscheinen ein.' da der Centraiverein bekanntlich am 1. Oktober in den deutschen Metallarbeiter-Verband übertritt. Ausland. Bei dem Bergarbeiterstreik iu Seraing(Belgien) ist es, wie wir bereits mitteilten, zu Ausschreitungen auf dem Bahnhof von Jemeppe gekommen. Diese Vorkommnisse sucht die belgische Kapi- talistenpresse gegen die Streikenden, beziehungsweise die Socialiften auszunutzen. Auch die deutschen Unternehmerorgane werden sich voraussichtlich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, um in bekannter Manier gegen die Arbeiter zu hetzen. Es sei deshalb festgestellt, daß allerdings Streikende an den Tumulten auf dem Bahnhof beteiligt waren. Es ist auch geschossen worden; nicht aber der Unternehmer, sondern zwei Arbeiter sind verwundet., davon der eine schwer. Diese beiden und verschiedene andre Arbeiter sind verhaftet; die Unternehmer, die e b e n f a l s geschossen, ohne sich direkt in der Notwehr befunden zu haben, sind auf freiem Fuße. DaS wichtigste aber ist, daß die Streikenden in einer Versammlung die Gewaltthätigkeiten einiger der ihren cn schieden verurteilt und beschlossen haben, an die Teilnehmer der Ausschreitungen keine Streik- Unterstützung zu zahlen. Auch sind in der Umgegend von Marihaye Plünderungen der Felder(Kartoffelfelder) usw. vorgekommen; ob daran Streikende beteiligt gewesen sind, ist noch nicht erwiesen. Die Streikenden jedoch haben auch hier beschlossen, den Plünderern, falls es Streikende sind, Slreiknntcrstützung nicht z» gewähren.— Nach dieser Haltung dürfte es schiverfallen, die Gesamtheit der Streikenden für die Ausschreitungen einzelner verantwortlich zu machen. Ein„Herold- Telegramm" meldet unter dem 27. September aus Herste!, daß die dortigen Grubenarbeiter beschlossen haben, sich dem Ausstand der Grubenarbeiter von Seraing anzuschließen, falls diese bis nächsten Dienstag ihre Forderungen nicht bewilligt erhalten hätten. Der Streik der Fischer von Grimsby(England) dauert fort. Die Unternehmer lehnen die Forderung der Arbeiter, die Streit- frage einem Schiedsgericht zu überweisen, rundweg ab. Die Unter- nehmcr drohen, falls die Fischer ihre Bedingungen nicht annehmen, ausländische Arbeitskräfte einzuführe». Unter den Arbeitern herrscht große Erbitterung. Sollten die Unternehmer ihre Drohung, fremde Arbeiter anzuwerben, wahr machen, so sind weitere Tumulte zu be- fürchten. In Cerignola(Italien) ist es zu Bauernaufftänden gekommen, weil die Unternehmer den unorganisierten Landarbeitern, welche Streikbruch verübt hatten, bei der Weinlese größere Vorteile ge- währten. Es ist zu einem blutigen Zusammenstoß mit den Gen- darinen gekommen, wobei 10 Arbeiter verwundet wurden. Vevsammlungen. Der Arbeiter-Sängerbund Berlins und Umhegend hielt am Sonntag, den 22. September, in der Brauerei Friedrichshain eine Llusschnßsitzung ab.— Zur Aufnahme in den Bund hatten sich die Vereine„Geselligkeit"(Hennigsdorf),„Liedeslust"(Berlin) und „Bnmmelsdorf"(Luckenwalde) gemeldet; sie wurden, da nichts gegen diefelben einzuwenden war, als dem Verbände zugehörig erklärt.— Der Sonderchor, welcher sich seit dem 22. Juli gebildet hat, um die Wcißheimerfchen Lieder zum Stiftungsfest im Dezember aufzuführen, ist jetzt ei» vollständig genügender Chor, und wird sich keine Mühe ersparen regelmäßig zu üben, um was ordentliches zu Gehör zu bringen. — Vom Liede«Empor zum Licht", von UthmaNn, die andre Kom- Position von Weißheimer anzuschaffen, wurde abgelehnt, da es nicht angängig ist, von einem Liede zwei verschiedene Melodien zu erlernen. — Ein Antrag, den Glasarbeitern 200 Mark zu überweisen, wurde angenommen._ Der Boeren- Krieg. Die Demission KitchcnerS wird wieder einmal als bevorstehend gemeldet. Der«Daily News" zufolge geht das Gerücht, Lord Kitchener habe in« folge von Meinungsverschiedenheiten mit dem Kriegsminister Brödrick den Oberbefehl in Südafrika niedergelegt und das Ersuchen der Regierung denselben beizubehalten, abgelehnt. Das Blatt bemerkt hierzu.' eS könne das Gerücht nicht bestätigen, doch sei es ziemlich sicher, daß zwischen Kitchener und der Regierung MeinungS« Verschiedenheiten bestanden hätten. London, 27. Septbr.(W. T. B.) DaS„Reutersche Bureau" erfährt, daß die heute von den„Daily News" verbreitete Meldung über die angebliche Demission Lord Kitcheners voll- ständig unbegründet ist. Schwerer Bahnunfall. Ein Telegramm des.Standard" aus Durban bestätigt die Meldung von dem am 23. d. M. bei Standerton erfolgten Bahn- Unfall. Das Unglück war durch eine verbogene Schiene herbeigeführt worden. Der Zug führte Garde-Dragoner mit sich, von denen 6 getötet und 36 verwundet wurden. � Haag, 27. Sept. Die Boerengesandten Fischer, Wessels und Wolmarans begaben sich, wie verlaulet, in den nächsten Tagen in besonderer Mission KrügerS nach Washington zum Präsidenten Rooscvclt. London, 27. Sept. Nach einer Meldung aus Dordrecht fand gestern zwischen den Truppen des Obersten Dalgaiy und den Boeren ein Gefecht statt. Die Boeren wurden nach Norden gedrängt. Aus Standerton wird genieldet, General Botha scheine sich von der Grenze Natals zurückzuziehen, um nach Ermelo zurück- zukehren._ Uetzko MschLithkott und Dopefiszen. Großfcuer. Breslau, 27. September.(Privaldcpesche des„Vorwärts".) Eine furchtbare FenerSbrunst zerstörte die galizische Grenzstadt Balin vollständig. 346 Gebäude sind niedergebrannt. Glogan, 27. September.(W. T. B.) Wie der„Niedcrschlesische Anzeiger" meldet, wütet auf den vor dem Prcußenthor am Bahnhof gelegenen Holzhöfen seit dem frühen Nachmittag eine große Feucröbrnnst. Um 4 Uhr standen bereits drei große Holzhöfe sowie der Lagerhof einer Speditionsfirma in Flanimen. Das Feuer drohte auf die übrigen Holzhöfe überzugreifen. Die anßerordenlliche Hitze, welche daS brennende Holz verbreitet, macht ein Herankomnien an die Brandstätte fast unmöglich. An den Löscharbeiten nehmen auch Truppen der hiesigen Garnison teil. London, 27. September.(B. H.)„Daily Expreß" meldet, ein Ausschuß, bestehend ans 17 Vertretern der russischen Landwirtschaft und Industrie, befinde sich augenblicklich in London, uni Miltel und Wege ausfindig zu machen zur Erweiterung der russisch-ruglischrn Handclöbeziehnngc». Der russische Botschaftsattache ist dem Ausschuß bei seinen Arbeiten behilflich. Verantwortlicher Redacteur- Carl Leid in Berlin Für den Inseratenteil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin Hierzu 2 Beilagen. st. 227. i8. M«. i. Killlge Ses LmMs" Aerlmer WlksblM S-»«°d.»�8 StMdtt.90l. Parteitag der deutschen Soeialdemokratie. Lübeck, den 27. September. Vormiltags-Sitzung. D'A, Uhr. Den Vorsitz führt Singer. Vom Generalral der vereinigten revolutio- nären socialistischen Arbeiterparteien Frankreichs ist ein Begrützungstelegramm eingelaufen. Die Genossen aus Stollberg-Land teilen mit, datz bei den Landtagswahlen in der dritten Aliteilung für uns 447ö Stimmen, für die Gegner 1ö2ö Stimmen abgegeben worden sind. sBrnvo I) Aus R e u fj j. L. wird telegraphijch gemeldet, dah wir bei den Landtagswahlen in 15 Wahlkreisen, in denen Ivir bisher zwei Man- date hatten, zwei Siege errungen haben und in drei aussichtsvollen Stichwahlen stehen. iBravo!) Vom Genossen M o r a w s k i in Berlin ist die Mitteilung ein- gegangen, wonach die Ansicht Pfannkuchs. dah man sich mit dem Genossen Dulong in deutscher Sprache vollkommen verständigen könne, irrtümlich sei.(Heiterkeit.) Von dem Genossen Dreher in Kassel ist eine Beschwerde über Nichtaufnahme einer Gewerkschafts-Annonce eingelaufen. Die Be schwerde wird der Neunerkommission überwiesen. Vom Genossen P a r v u s ist ein Telegramm eingelaufen, worin er mitteilt, daß es auf einer vollständig falschen Auffassung des Genossen David beruht, wenn er gesagt hat. Parvus habe einer GeWerk- schaft den Rat gegeben, ihre Gelder flüssig zu machen für die bevor- stehende Revolution. Edmund Fischer erklärt im Anschluß an dieses Telegramm: Ich hatte neulich nicht gehört, daß David sich bei seiner Mitteilung über Parvus auf mich berufen hat. Thatsächlich hat David meine Worte falsch aufgefaßt und falsch wiedergegeben. Ich habe niemals gesagt, Parvus habe eine Gewerkschaft aufgefordert, Geld flüssig zu halten für die nahe bevorstehende Revolution. Das hat Parvus auch nie gethan. Es handelte sich bei unsrem Gespräch um einen Artikel von Parvus in der„Neuen Zeit" aus dem Jahre 1895/gg und um das, was damals die bürgerliche Presse darüber ge- schrieben hatte, nämlich Parvus habe die Krankenkassen, Ge werkschaftskassen und Konsumvereinskassen als die Kriegs lassen der socialen Revolution bezeichnet und sie aufgefordert, recht viel Gelder zu sammeln, damit wir bei Ausbruch der socialen Revolution eine Kriegskasse hätten. Das stand damals in der gesamten bürgerlichen Presse, und darüber haben ivir uns unterhalten. David hat das irrtümlich aufgefaßt. Wahrscheinlich hat zu diesem Irrtum auch meine Aeußerung beigetragen, Parvus habe noch 1893 geglaubt, daß der Kladderadatsch in 2 Jahren herein- breche. Dr. David-Mainz: Nach dem, was ich eben gehört habe, bin ich natürlich genötigt, meine Auffassung dementsprechend richtig zu stellen. Singer: Es besteht der Wunsch, unsre Verhandlungen morgen abend zu schließen. Ich behalte mir mit Riiasicht darauf vor. Ihnen im Laufe der Debatte, je nach Lage der Dinge, den Vorschlag auf Abhaltung einer Abendsitzung heute zu machen. Der Parteitag tritt nunmehr in die Tagesordnung. Fortsetzung der Debatte über den Hamburger Schiedsspruch. Mit zur Debatte stehen die Anträge 27/*28,[29, 83 bis 89, 99, 102, 112, 113, 114, 116 und 117. Die letztgenannte Resolution 117 lautet: Der Parteitag erklärt: Der in Sachen der Hamburger An- gelegenheit gefällte Schiedsspruch wird aufgehoben und die Sache zu erneuter Verhandlung an die I. Instanz, die Hamburger Partei- vereine, zurückverwiesen. H. Käppler. C. Legien. C. Windhoff. Th. Bartels. A. v. Elm. H. Steinbach. H. Hüttmann. Adam Lang. H. Fischer-Lüden- scheid. K. Knieriem. Paul Müller. Bömelburg. Hoch. Emme!. Quarck. A. Raith. Louise Zietz. Max Hüttig. A. Walter. Louis Fiedler. Ferner sind hierzu folgende beiden Resolutionen eingegangen: 1. Eine Resolution Düwell-Essen: „Der Parteitag verurteilt entschieden das Verhalten der Hamburger Accordmaurer. Ferner bedauert der Parteitag, daß das Schiedsgericht unter Berücksichtigung der gegebenen Verhält- nisse nicht anders wie geschehen urteilen konnte. Den einzelnen Ortsorganisationen stellt es der Parteitag anheim, Genossen, welche durch ihr Verhalten das Interesse der Gesamtheit schädigen, auszuschließen." 2. Eine Resolution Frau Zictz-Hamburg: „Der Parteitag erkennt an, daß das Schiedsgericht und die Controleure in der Hamburger Streitsache in der besten Absicht und Ueberzeugung gehandelt haben. Der Parteitag ist jedoch der Meinung, daß es besser geivesen wäre, wenn die Angelegenheit überhaupt nicht vor das Forum der Partei gebracht worden iväre, und hebt im Hinblick auf die schweren Gefahren, die der gesamten Arbeiterbewegung daraus erwachsen müßten, ivenn Fälle wie der vorliegende sich zu Konfliktsfällen innerhalb der Partei auslvachsen würden, den Schiedsspruch auf. Er überläßt die Austragung der Angelegenheit den Hamburger Lokalvereinen und spricht die Er- Wartung aus, daß die Sache damit von beiden Seiten als erledigt betrachtet wird." Diese beiden Resolutionen finden nicht die geschäfts- ordnungsmäßig vorgeschriebene Unter st ützung, kommen also nicht mit zur Verhandlung. Schräder- Braunschweig: Wir alle verurteilen das Verhalten der Hamburger Accord- maurer auf das entschiedenste, anders liegt die Frage des Aus- schlusses. Man ist mit zu viel Nervosität verfahren: es ist gewiß das gute Recht jedes Parteigenossen, das Urteil des Schiedsgerichts zu kritisieren, auch scharf zu kritisieren, es geht aber zu weit, den Mit- gliedern desselben jedes Verständnis für die gewerkschaftliche Organisation, für den proletarischen Klassenkampf abzu- sprechen. Wir können uns als Partei unmöglich zum Tummel- platz aller gewerkschaftlichen Differenzen hergeben.(Sehr richtig!) Auf dem letzten Gewerkschaftskongreß konstatierte Legten, daß zwar die meisten gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Social- demokraten, aber die Gewerkschaften als solche nicht socialdemokratisch sind. Daher darf man die Gewerkschaften nicht als die Bannerträger der Parteibewegung hinstellen und die Partei nicht zur Vollzieherin aller gewerkschaftlichen Wünsche machen. Es wird mit solchem Nach- druck der Organisationsbruch betont; ja, wie ivar es denn mit dem Austritt von Metallarbeitern aus dem Metallarbeiter- Verband, wie ist es mit den Buchdruckern, mit dem niederrheinischen Weberverband, der bei den letzten Gewerbegerichts- Wahlen sogar mit den christlichen Gewerkvereinslenten zusammenging gegen die vom Gewerkschaftskartell nominierten Kandidaten. Gewiß. wir bedauern diese Vorgänge, aber sollen wir alle diese Leute aus der Partei ausschließen? Elm sagt, wie anders war der Auer von vor 25 Jahren. Wer von Ihnen hat nicht in manchem seit 25 Jahren seine Ansicht geändert, wer hält noch jeden Aus- spruch aufrecht, den er vor 25 Jahren gethan hat. In Auer ist wieder der Urbayer erwacht, aber man darf ihm doch nicht das Verständnis für den proletarischen Klassenkampf absprechen; außer- dem ist er doch auch sehr provoziert worden. Vor allem lehnen Sie die Bernsteinsche Resolution 102 ab; sonst würde geradezu eine Ausschlußepidemie erfolgen.(Zustimmung.) Keil-Siuttgart begründet einen Schlußantrag. Efftinger-Hamburg spricht gegen den Schluß. Man hat gesagt, das in der Verhandlung vorgebrachte Material reiche nicht aus. um zur Aushebung des Schiedsspruches zu führen. Wir Hamburger sind der Meinung, daß wir das Material beibringen werden, Das Ergebnis der Abstimmung bleibt anfangs zweifelhaft; sie wird wiederholt und ergiebt den Schluß der Debatte. Das Schlußwort hat Bömelburg: Auer hat sich in seinem Korreferat mit der Sache selbst ja sehr wenig beschäftigt, in der Hauptsache die Personenfrage hervorgekehrt; vorgestern abend hatte es ja den Anschein, als ob es ihm gelungen sei, den Parteitag von der Materie abzulenken und sein Interesse auf die Personen Legien. Elm und Frau Steinbach zu konzentrieren. Der Eindruck seiner Rede war so stark, daß einige Parteigenossen ihre Unterschriften von der Resolution gegen den Schiedsspruch zurück zogen. Diese Parteigenossen— ich glaube, es waren Nürnberger darunter— mache ich aufmerksam auf das Wort: Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man mutz sie hören alle beede lZurufe: Sie hatten ja schon geredet!)— nein, über die Personenfrage nicht, und die persönlichen Bemerkungen ergaben ja auch sofort, daß Auer in einer Reihe von Punkten Sie falsch berichtet hat. Grobes Geschütz fuhr er auf mit dem Brief Kobers. Ein Formfehler ist allerdings vorgekommen, aber— Legien hat das ja schon dargestellt— init Entschiedenheit weise ich es zurück, daß wir als Organisation schon vorher den Ausschluß betrieben hätten. Dann der Bries des Genossen Schnack. Ich bedaure, daß der Debattcnschluß Hüttmann verhindert hat, vor Ihnen nachzuweisen, daß die Angaben Schnacks der Wahrheit nicht entsprechen. Schnack hat die Unwahrheit angegeben, und damit fallen alle Schluß folgerungen Auers. Die Schiedsrichter, die in Wandsbeck wohnen, hätten nicht mit Schnack allein, sondern mit dem gesamten Vorstand der Zimmererorganisatton verhandeln sollen, denn Schnack hatte ein Interesse daran, die Unwahrheit zu sagen. Die Thatsachen über den Baumgartener Bau stehen fest Als unsre Mitglieder von dem Bau Baumgarten fort waren, ist dort in Accord gearbeitet worden und das haben die Accordmaurer, deren Ausschluß wir beantragen, selbst in ihrer sogenannten Denkschrift dem Parteitag mitgeteilt. Unser Material, das wir dem Schiedsgericht unterbreitet haben, soll zu mangelhast gewesen sein, und Auer hat damit eine große Wirkung auf dem Parteitage erzielt. Die Frage der Partei Mitgliedschaft konnte zunächst unmöglich durch die Maurer, sondern nur durch die Hamburger Parteigenossen erfolgen.(Sehr richtig!) Und seit lvann ist es dann üblich, daß auf Grund schriftlichen Aktenmaterials verhandelt wird? Der Fall war dem Schiedsgericht mitgeteilt worden, und wenn die Aussagen der geladenen' Personen nicht genügten, dann konnte das Schiedsgericht ja noch weitere Ausknnfts Personen laden. Auf das allerentschiedenste aber weise ich es zurück, daß das Material ungenügend gewesen sei, denn ivir haben ein mündliches Verfahren. Die Stubbesche Angelegenheit hat dieser ja schon klargelegt. Der Fall Dahl ist dem Schiedsgericht mündlich vorgetragen ivorden uud es ist bezeichnend, daß im Schiedsspruch nichts davon mitgeteilt worden ist. Auch Haase hat es gestern versäumt, auf den Kern der Sache einzugehen: batte der Maurerverband die Berechtigung und die Pflicht, die betreffenden Bauten zu sperren? Das kann nie- mand bestreiten. Wer soll es denn sonst thun. Bisher ivar es Tradition in der Arbeiterbewegung, die auf gesperrten Bauten ar- bettenden Personen als Streikbrecher zu betrachten. Und so war es hier. Aber noch iveiter; ich frage jetzt speciell den Genossen Auer: Wie hätte das Schiedsgericht entschieden, wenn es sich nicht um Accord- arbeit, sondern um Ueberschreitung der Arbeitszeit gehandelt hätte? Wie komnit das Schiedsgericht dazu, die Frage der Accordarbeit einfach aus unsrem gewerkschaftlichen Programm zu streichen? Für uns handelt es sich hierbei auch um eine Frage der Lohn- und Arbeitsbedingungen. So lange mir nicht der Beweis geliefert wird, daß wir kein Recht hatten, die Sperre zu verhängen, und daß das Schiedsgericht recht hatte, diese Korrektur in unsrem Programm vorzunehmen, so lange behaupte ich. es liegt Streikbruch vor und uns ist Unrecht geschehen. Nun muß ich aber auf eine Ausführung Auers kommen, die auf das allerschärfste zurückgewiesen werden mutz, wenn die Arbeiter- organisation nicht für immer ans das äußerste geschädigt werden soll. Auer kam in seinen Ausführungen zuletzt zu einer glänzenden Per- teidigung des Organisationsbruchs.(Sehr wahr I) Er sagte: Gewiß. ihr könnt sie ausschließen, aber beschwert euch nachher nicht, wenn sie eine Sonderorganisation gründen. Nun, das Vereinsrecht wollen mir niemandem nehmen. Die Agrarier können sich organisieren, um das Volk zu schröpfen, die Kohlenbarone können es, warum sollten sich nicht auch ausgeschlossene Streikbrecher organisieren dürfen? Aber eine andere Frage ist, ob wir solche Organisation als Organisation in unsrem Sinne anerkennen. Das thun wir nicht, und ich bitte Auer dringend, im Interesse der Arbeiterbewegung sein Wort zurückzunehmen; sonst könnten sich später Gegner darauf berufen. Das Beispiel von Schräder ist auch nicht zutreffend, die Arbeiterbewegung und auch die Gelverlschafts bewegung ist aufgebaut auf demokratischem Princip, und Organi sationen, die nicht auf dem demokratischem Princip gegründet sind, haben auch kein Recht, Sperren zu verhängen. Wer' sich an Be- schlüsse solcher Organisationen nicht kehrt, begeht in uiisren Augen keinen Organisationsbruch. Eine derartige Aeußerung zeigt mir aber, auf welche Unerfahrenheit in Organisationsfragen man selbst bei führenden Genossen stoßen kann. Die Auersche Rede machte auf mich den Eindruck, als wenn er, weil es an Gründen fehlt, die Sache auf das persönliche Gebiet bringen wollte. Ich habe das Persönliche ganz fortgelassen; und Auer war noch vorher zu mir gekommen und hatte mir gesagt:„nicht ivahr, Bömelburg, wir machen es aber nicht so, wie es>oeben in der Preß- Debatte gewesen ist?" Und nachher hat er es doch so gemacht. Ich weiß nicht, Ivas Auer mit Legien, Elm und Frau Steinhach abzurechnen hat; hatte er aber dieses Bedürfnis, sich auf dem Parteitage mit der Gewerkschaftsftage zu befassen, dann hätte er fordern müssen, daß das als gesonderter Punkt aus die Tagesordnung gestellt wird, dann hätte er seinem Herzen Luft machen können. Hier aber war das nicht am Platz, und ich habe das Gefühl, daß man sich in Personenfragen von Vorurteilen leiten läßt. Mir ist es wenigstens nicht bekannt, daß bei uns Bestrebungen vorhanden sind, wie die, die Rexhäuser leider vertritt, Bestrebungen, die schließlich ein Zu- sammengehen der beiden Bewegungen nicht mehr möglich machen. Bebel. Molkenbuhr u. a. vertreten stark den Neutralitätsstandpunkt; ich glaube, daß diejenigen, die so sehr für Neutralität schwärmen, in den' nächsten Jahren der Krise ivohl eines andren belehrt werden. Aber die Frage lassen wir lieber heraus. Und es wäre gut, wenn wir uns daran gewöhnten, nicht aus jedem kleinen Vorkommnis eine Haupt- und Staatsaktion zu machen.(Sehr gut!) Gewerkschafts- und politische Bewegung müssen sich notwendig ergänzen. Die eine ist ohne die andre nichts.(Lebhafte Zustimmung.) Das beste ist, wenn wir uns verständigten. Leider aber ist es so gekommen, daß Auer ins Persönliche gegangen ist. Wenn wir ihn mit gleicher Münze hätten bezahlen wollen, so hätten wir mehrere Tage damit zubringen können. Kann man sich darüber wundern, wenn nach solchen Angriffen nun wieder die Gewerkschaftsblätter und Gewerkschaftskongresse kommen und darauf erwidern?(Sehr richtig!) Geschieht das aber, dann meint man wieder, sie wollen die Partei schädigen und untergraben. Ich kann Auer nicht verbieten, in seinem Schlußwort genau so zu operieren, wie im Korreferat. Im Interesse der gesamten Arbeiterbewegung aber würde es liegen, wenn er von dieser Methode ablassen wollte!(Bravo!) Es ist ein Amendement eingegangen, wonach der Antrag 116 (Staningk und Genossen) dem Antrag 117 als Absatz 1 vorangesetzt werden soll. Das Schlußwort zu seinem Korreferat erhält Auer: Den guten Rat Bömelburgs. den persönlichen Teil auszuscheiden, werde ich befolgen, ich hatte mir das sowieso vorgenommen. Glauben Sie doch nicht, daß mir solche Auseinandersetzungen ein Vergnügen machen! Wenn ich sie trotzdem herbeigeführt habe, so weil ich es im Interesse der Sache für nötig hielt. Ob ich vielleicht zn scharf gewesen bin, darüber kann man verschiedener Meinung sein, aber ick hielt es nötig, alle die Fragen, die ich angeschnitten habe, vor- zubringen, und ich hoffe, die Debatte wird sich für die Zukunft als segensreich erweisen. Die ganze Erörterung hat auf mich einen deprimierenden Eindruck gemacht, sie hat gezeigt, wie schiver es ist, sich über einmal vorhandene Vorurteile hinwegzusetzen. Was ist denn schließlich die Quintessenz der ganzen Meinungs- Verschiedenheiten: Nicht über de» Streikbrnch, Örganisationsbruch, Disciplinbruch geht der Streit; über diese Dinge sind wir alle voll- ständig einig, ebenso über die Frage der Accordarbeit. Der Streit, der nach meiner Ueberzeugung' nicht zu beseitigen ist, ist, ob im gegebenen Fall Streikbrnch, Örganisationsbruch vor- liegt. Wären wir der Meinung, daß wir es in diesem Falle mit Streikbrechern zu thun haben, dann hätten ivir sie ausgeschlossen. Wir sind aber zu einer entgegengesetzten Meinung gekommen. Wir haben auf Grund sorgsamster Prüfung des Materials die Ueberzeugung bekommen, daß. bei aller Wer- urteilnng des Verhaltens der Accordmaurer, ein Streikbruch, eine ehrlose Handlung nicht vorliegt. Ich verstehe den Standpunkt der Maurer, aber der giebt doch nicht das Recht, den Schiedsrichtern, die nach bestem Wiffen und Gewissen entschieden haben, mit allen Mitteln der Presse und der mündlichen Agitation, nicht etwa nach- zuweisen, daß sie sich geirrt haben, sondern die politische und gewerkschaftliche Ehrenhaftigkeit der Betreffenden zu diskreditieren. Es war mir ungemeinsam interessant, daß v. Elm, der sich so bitter über meine persönlichen Bemerkungen beschwerte, kurzer Hand mit der ihm eigenen Nonchalance erklärte, mir sei das Klassenbewußtsein abhanden gekommen. Beurteile ich von Elm richtig, so habe ich nie Klaffenbewußtscin gehabt, und was man nicht gehabt hat, das kann einem auch nicht abhanden kommen. Genossen, giebt es wirklich einen schwereren Borlvurf gegen einen Mann, der seit 1874 in der Partei steht' und stets auch unter dem Socialistcngesctz— wo ich zwar nicht ins Ausland gegangen bin— seine volle Pflicht und Schuldigkeit gethan hat? Einen Mann, der so lange durch das Vertrauen der Parteigenossen nach mancher Richtung in eine Stellung geschoben wurde, wo es galt, hohe Interessen wahrzunehmen, einem solchen Mann schlanker Hand ins Gesicht zu sagen, ihm sei das Klassenbewußtsein abhanden ge- kommen— ja, Genossen, giebt es einen schwereren, einen verletzenderen Vorwurf, als wie ihn v. Elm erhoben hat, in dem» selben Atemzuge fast, möchte ich sagen, in dem er sich darüber beschiverte, daß ich ihm persönlich nahe getreten bin? Ich will mich auf dieses Kapitel weiter nicht einlassen;' ich will nicht in der Rolle erscheinen, in der ich dem Genossen v. Elm erscheine, als der Hypnotiseur des Parteitags, ich möchte diese»uiendlich niedere Einschätzung des Parteitags durch Elm(Sehr richtig!) nicht unser- stützen; aber ich nieine, wenn man sich so sehr über' persönliche An- griffe und Kränkungen beschwert, dann soll man nicht in demselben Augenblick in denselben Fehler verfallen. Mag sein, daß, als das Klassenbewußtsein verteilt worden ist, ich in die Rolle des armen Poeten gekommen bin, der zu spät kam. es kann aber auch sei», daß Genosse v. Elm zweimal zugehappst hat, daß für mich nichts übrig blieb.(Heiterkeit.) Damit will ich diese Sache verlassen. Wir können uns nicht verständigen. Aber die Diskussion hat doch gezeigt, daß, wer ruhig, nüchtern, mit Gründen der Vernunft, der kühlen nüchternen Ueberlegung die Sache beurteilt, erklärt hat: es läßt sich nicht anders beurteilen bei der gegebenen Rechtslage; man nnitz es bedauern, daß kein Mittel vorhanden ist. den Gefühlen mehr Rechnung zu tragen, aber es läßt sich nicht anders mache». Wir können hier keine Gefühlspolitik treiben. Ich gebe zu, wenn ich der schlaue Auer wäre, für den man mich hin« zustellen beliebt, dann hätte ich ja sagen können: Die Accordmaurer sind ein paar hundert, eine verschwindende Minorität gegen den großen Maurcrverband. Ich mutzte mir sagen, daß meine Person allein schon manche Gewerkschaften mit Vorurteil erfüllt. Ich hätte mir sagen können, hier sind nur ein paar hundert, warum sollst Du dem großen Verband nicht dienstwillig sein. Das wird Dir schon nützen. Ich härte Recht Recht sein lassen und einstimmen können in das Geschrei von Streikbruch, Organisationsbruch usw. Schöne Redensarten kann ich auch anwenden. Und ich gebe zu, es giebt Momente, wo man begeistern, anregen mutz, Ivo die großen Worte am Platze sind. Hier' aber handelt es sich darum Recht zu sprechen(sehr gut!), nicht irgend einer populären Strömung Rech- nnng zu tragen(sehr gut!) und mit ihr zu schwimmen. Hier mußte man den Mut der Ueberzeugung haben und dem Rechte zur Seite stehen. Angenehm ist die Sache gewiß nicht, nach alledem, was voraus- gegangen ist. Es ist aber' eine andre Sache, eine Volksvcrsaininlung zu begeistern oder Recht zu sprechen. Die Bcgeisterungsräusche, die Leidenschaften gehen vorüber. Wenn jemand nach sünf Jahren den Schiedsspruch liest, er wird Sie nicht verstehen! Er wird sich sagen: Ja, wenn man deliriert, dann kann man nicht klar und nüchtern urteilen. Ungeheheuerlich ist es, uns, die wir doch ausdrücklich gesagt haben. Streikbruch sei ein Grund zum Ausschluß, vorznwerfen, wir hätten den Streikbrnch verteidigt. Die vollendeten Ausführungen, die Haase gestern darüber gemacht hat, sollten Sie doch beherzigen. Wir haben aufs entschiedenste getadelt, daß die Accordmaurer sich nicht gebeugt haben, wir haben alle an- klagenden Momente erwogen, aber wir mutzten doch auch die ent- schüldigenden Gründe hören, wir mußten suchen, ob ehrlese Motive vorliegen, die den Ausschluß begründen. Haben wir uns etwa die Motive der Accordmaurer zu eigen gemacht? Nein, wohl aber haben wir die mildernden Umstände berücksicht und nach eingehender Unter- suchung gesagt: Die Angeklagten befanden sich von ihrem Stand- Punkt aus— nicht von unsrem Standpunkte aus— in der Notwehr. Bömelburg sagt: Wir machen unsre Gesetze selbst. Gewiß Bömelburg, das bestreite ich nicht. Sie sind souverän in Ihrem Verband, Sie können für Ihre Mitglieder beschließen, was Sie wollen, und jeden Versuch, Ihre Aktionsfreiheit zu beengen, werde ich mich jederzeit widersetzen, und wie ich glaube, mit Erfolg. Aber etwas ganz anderes ist es, wenn Sie verlangen, daß, weil Sie in Ihrem Verband beschließen können, was Sie wollen. wir nun das, was Sie uns präsentieren, einfach ohne ede weitere Prüfung, ohne jede Kritik zu accoptieren haben. Das müssen wir zurückweisen. Wir haben auch die Motive, die Stellung derer in Betracht zu ziehen, die von Ihrem Beschluß betroffen sind. Alle die Gründe, die Euch zu Eurem Beschluß ge- führt haben, prüfen wir nicht nach in Bezug auf Euch, sondern nur, wenn wir die Konsequenzen daraus für uns, für die Partei, zu ziehen haben. Und dieses Recht der Nachprüfung, der selbständigen Beurteilung, kann sich die Partei nicht nehmen lassen Zu welchen ungeheuren Konsequenzen würde es führen, wenn die Partei das Recht der Nachprüfung aufgeben wollte! Zunächst ist doch die Partei eine selbständige Organisation. Nun sagt v. Elm, wenn eine Gewerkschaft Streikbrnch konstatiert hat, so hat die Partei die Konsequenz daraus zu ziehen. Es ist ja bekannt, daß ich eine allein berechtigte Oraanisationsform nicht anerkennen(kann, ich bin von jeher Centralist gewesen, ich habe auch meiner Broschüre über die Leipziger Buchdrucker- Angelegenheit das bekannte Dreckschwänzchen angefügt: Fort mir allen Sonderbündelei! Ich stehe nach wie vor auf dem Boden, daß die Zu- ämmenfassung aller Angehörigen eines Berufs in eine einzige Organisation das geeignetste Mittel für die Gewerkschaften zur Er- reichung ihres Zweckes ist. Ich bin ein alter Centraiist, ich bin auch, um v. Elm zu beruhigen, ein alter Streikbrnder, ich habe gestreikt zu einer Zeit, wo v. Elm, der ja jünger ist als ich, noch gar nicht in >er Lage zu streiten war, weil er noch in keinem Arbeitsverhältnis stand. Immer und immer war ich Centralist. Aber mit dieser Ueberzeugung sind die thatsächlichcn Verhältnisse doch nicht au» der Welt geschafft. Uebertragen Sie da» Verhältnis, wie es m Hamburg herrscht, wo die Centralverbände so allmächtig sind, dah sie den Accordmaurern die Presse sperren, einmal nach Berlin. Würden Sie das versuchen, nun, das würde die Partei in Berlin sprengen. sSehr gut!) Konzessionen in der Accordarbeit mache» auch die Maurer. Ihre erste Abteilung in Berlin, die Putzer, machen Accordarbeit. Wenn der Parteivorstand diese thatsächlichen Ver- hältnisie anerkennt, will er deshalb die Sonderorganisatiönchen förder»? Wenn in einer Organisation zwei Alexander vorhanden sind, denen ihr Königreich zu eng ist, ja. das ist sehr unangenehm. Man sagt, der Parteivorstand sollte hineinfahren. Würde er das thun, nun, dann hätten Sie längst keinen Parteivorstand mehr. Dann wäre er längst abgesetzt, dann hätten Sie längst einen andren Parteivorstand gewählt— das lväre ja nicht das Schlimmste, aber Sie hätten eine solche Summe von Streiterei, Zänkerei. Differenzen, daß Sie die Partei, statt sie zu fördern, auf das allerentschiedenste schädigen würden. Mein Bestreben, auszugleichen, zu versöhnen, die Gegensatze zu überbrücken, daraus wird niir ein Hauptvorivurf in dem Centralblatt der General- kommisfion gemacht. Da heißt eS:„in beide» Fällen zeigt sich eben dieselbe geistige Kraft— geistige Kraft bin i ch— bemüht,' Gegensätze in der Arbeiterbewegung zu Überbrücken." Man kann nicht alle Gegensätze aus der Welt schaffen. Wer sich zwischen Streitereien von zwei andren mengt, bekommt Prügel, das weiß ich, und diese Prügel will ich gern auf mich nehmen. Und wenn Sie mir auf meinen Grabstein, den Sie mir doch zweifellos setzen werden, mit einer Inschrift(Heiterkeit I)— ich bitte da etwas freundlich zu sein (Heiterreit!)— schreiben werden:„Auers Bemühen und Bestreben ist es gewesen, Gegensätze, die in der Arbeiterbewegung sich geltend machten, auszugleichen, sie zu überbrücken", so können sie mir ein schöneres Denkmal meiner Thätigkeit nicht setzen.(Sehr richtig I) Ja, wer auf dem Standpunkt steht, unter allen Umständen muß man seine Meinnng durchsetzen, Terrorisieren und Diktatur üben, der wird andrer Meinung sein. Aber ich bin der Meinung, daß eS eine der ersten Aufgaben des Parteivorstandes ist. eine Verständigung zu erzielen und die Gegen« sätze zu überbrücken. Die Lokalisierung der Gewerkschaftsbewegung in Berlin war eine Folge des SocialistengesetzeS. In demselben Berlin, daS früher die Stätte der strengsten Centralisation war, bildeten sich zu der Zeit, wo Puttkamer in dem Glauben, damit dem fortschrittlichen Bürgertum einen Streich zu spielen, die Zügel des SocialistengesetzeS wieder etwas locker ließ und dadurch überhaupt wieder die Möglichkeit einer Gewerkschaftsbewegung bot. bildeten sich lokale Organisationen. Undspätcrkamendann auch die theoretischen Begründer der Notwendigkeit einer lokalen Form der Orgamsation. Ich erinnere mich noch sehr gut der Keßlcrschen Thesen, daß nur die Lokalorganisation das einzig Nichtige sei. Ich habe mich beim Lesen damals nur gewundert, daß das m Berlin möglich ivar, in Berlin, wo in den 70er Jahren ein Anhänger solcher Anschauungen beim Nachhausegehe» in den Rinnstein geflogen wäre.(Heiterkeit.) Die Lokallsten waren unstreitig in der großen Mehrheit, als wir, Bebel, Fischer, Singer, Gerisch, ich, alles stramme Centralisten, nach Berlin kamen. WaS konnten wir thun? Wie vorsichtig hat der alte Schlauberger Gerisch, der viel klüger ist, als manche von Ihnen vermuten, e» unternommen. nach und nach. Schritt für Schritt die große Metallarbeiterbewegung mit dem Ge- danken des CentraliSmnS zu erfüllen und die Voreingenommen- heit zu überwinden. Schon damals wurde» wir von Hainburg aus angegriffen, weil wir nicht ein Machtwort spräche», nachdein in Halle schon die Centralisation empfohlen worden sei. Mit seinem Sinnen und Trachten war der Vorstand bei der Centralisation. Aber eS war ein Gebot der politischen Notwendig- keit, langsam und vorsichtig zu sein und die Dinge lvcrdcn zu lassen. Und sind sie nicht geworden? Anfangs der Wer Jahre waren die Lokalisten in der Mehrheit. Durch verständige Einwirkung, durch die Presse und durch die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Grund- und Unterlage der Centralisationsbestrebungcn, hat der Ccntralisations- aedanke auch in Berlin den Sieg davongetragen, nicht durch Brutalität und Unterdrückung, sondern durch die Idee, durch demokratische Einwirkung. Trotz dieser ganz gewaltigen Umwandlung, die doch auch Sie in Hamburg an- erkennen sollten, bestehen heute noch lokale Organisationen und werden neue gegründet. Ich glaube, eS giebt kaum einen Beruf, von dem sich nicht lokale Organisationen abgesplittert haben. So ist da» bei den Tapezierern, bei den Metallarbeitern, bei den Maurer», ja die Zimmerer sollen sogar, wie mir versichert ivird, ,n ihrer Mehrheit Lokallsten sein. Es ist ja die Taktik der Lokalisten, um ihr Vorgehen auch moralisch zu recht- fertigen, sich als die besten Parteigenossen hinzustellen. Bei den Euchdnickern will das einem Rcxhäuscr gegenüber natürlich nicht viel sagen. Aber können wir etivaö dafür? Sollen wir etwa sagen: Ihr Lokalorganisierten seid keine Parteigenossen? Sollen wir, weil sie nach Ihrer Auffassung Organisationsbruch begangen haben, etwa thöricht genug sein, daraus herzuleiten, die betreffenden Personen müssen aus der Partei ausgeschlossen werden? Wollten wir das thun, Parteigenossen, dann müßten wir befangen, kurzsichtig sein, dann müßten wir nicht daS große Ziel im Auge haben, die Zusammen! fassung, die einheitliche Bewegung der gesamten Arbeiterklasse nach dem einen große» Ziele zu I Nicht bevorzugen dürfen wir diese Sonderorgamsationen, aber tolerieren müssen«vir sie. Wer heute lokal organisiert ist, kann morgen Centralist sein. Bömclburg wird mir bestätigen, daß unter den besten Männern in seiner Orga- nisation gar mancher ist, der seinen Durchgang über die Lokal- organisation genommen hat. Wenn Sie selbst in Ihrer Centralorganisatlon die Schablonisierung nicht durchführen können, dann können Sie nicht von der Partei verlangen, daß sie die Leute nun auch ausschließt. Thun Sie in Ihrer Organisation, was Sie in Ihrem Interesse halten, die Partei als solche kann sich nicht hineliimischen. Im einzelnen Fall kann man ein Auge zudrücken. Dies ist der erste Fall, der zu unsrer Entscheidung steht! aber wir haben nicht nur zu diesem einen Fall Stellung zu nehmen, nein, es stehen auch die Konsequenzen in Frage. Ich ftage die Berliner, ob nicht auch in Berlin schon eine solche Strömung besteht; auch in Berlin war ich schon Teilnehmer einer Konferenz von Vertrauensmännern der Maurer in einer solchen Angelegenheit. Diese Strömung geht jetzt durch ganz Deutschland, sie wird tviode. Wir haben uns sehr wohl gefragt, welche Konsequenzen ein etwaiger Mißgriff nach sich ziehen würde. Heute sind eS die Maurer, morgen eine andre Organisation. Wenn in der Weise verfahren werden soll, dann kommen ivir, wie ganz richtig gesagt ist, zu einer Epidemie des Ausschlusses aus der Partei, zu Streit, Zank und Wirrwarr, aus dem wir uns nicht mehr heraus- finden.(Sehr richtig I) Hier darf nicht bloß da« Gefühl, hier muß der nüchterne Verstand reden, wir müssen uns nach den Folgen fragen. Und nun zum Schluß I Ich bin nicht der Streithahn, ich stelle im Kampf meinen Mann, aber mir ist eS lieber, wenn ich in Ruhe leben kann. Ich will nicht in Ihren Augen als der Stänkerftitze dastehen, der vennöae seiner Begabung alle andern zu unterdrücken und zu terrorisieren strebt. Nichts liegt mir ferner. Wir müssen zu einer Verständigung kommen. Eine Lösung der krage finden ivir nicht, denn jeder Fall liegt anders, und zu jedem Fall müssen ivir besonders Stellung nehmen. Für den gegebenen Fall aber giebt es einen AuSweg, indem wir den lokalen Jntereffen Hamburgs so weit als möglich entgegenkommen und die Hamburger selbst mit der Aufgabe betrauen. Frieden und Ordnung unter sich herzustellen. Ich schlage Ihnen des- halb vor, die ersten drei Absätze der Resolution 1t4 an- zunehmen, den vierten Absatz aber durch daS vom Führer der Maurer eingebrachte Amendement IIS zu ersetzen und dann natürlich auch den fünften Absatz der Resolution l 14 anzunehmen. Wenn Sie diesem Vorschlag folgen, so ist meiner innersten festen Ueberzeugung nach alles erreicht, WaS wir jetzt erreichen können. Wir lokalisieren den Streit, wir übertragen die Lösung und Weiterfühning den Ham- burgern und sprechen andrerseits auch aus, daß nach Lage der Sache das Schiedsgericht nach seiner besten Ueberzeugung gehandelt hat und daß dasselbe kein Vorwurf trifft. Folgen Sie meinem Vor- schlag und wir werden uns. wenn wir auseinandergehen, sagen können: Wir haben uns wieder mal als vernünftige Männer ausgesprochen und verständigt.(Beifall.) ES folgen persönliche Bemerkungen Rudolph- Nürnberg erklärt persönlich gegenüber Bömelburg: Das Wort,„eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede", trifft in Bezug auf die Zurückziehung meiner Unterschrift unter dem Antrag IIS nicht zu. Wir haben'die Motivierung gegeben: „Nachdem Auer in seinem Korreferat Material bekannt gegeben hat, das uns bisher unbekannt war. Wir hatten nicht nur Auer, sondern auch Bömelburg gehört. Düwell-Essen schließt sich dieser Erklärung an. v. Elm erklärt persönlich gegenüber Auer: Ich habe Auer nicht die persönliche Ehrenhaftigkeit oder daS Klaffenbewußtsein abgesprochen. Ich habe gesagt, es sei lange her, daß er gestreikt habe, er habe nicht mehr persönlich daS Gefühl der Erbitterung dessen, der durch einen Streikbrecher berausgedrängt werde. Das heißt doch nicht das Klassenbewußtsein, die Lauterkeil der Gesinnung absprechen, ebensowenig liegt das in dem Hinweis, daß der Auer von heute ein andrer ist, als der Auer von vor 2S Jahren. Auer fragt, ob es einen größeren Vorwurf geben könne, als den, den ich ihm gemacht habe.' Nun, er hat mir vorgeworfen, ich versuchte die Partei zu zersplittern; ich ftage, kann es einen stärkeren Vorwurf geben? Auer hat dann behauptet, ich hätte den Satz aufgestellt, daß, wenn eine Gewerkschaft etwa» beschloffen hat, dann die Partei unter allen Umständen das ausführen müsse. Dafür ist er den Beweis schuldig geblieben; ich habe nur erklärt, daß von Fall zu Fall geurteilt werde» müsse. Ich habe auch nicht verlangt, daß man ohne weiteres auch von feiten der Partei gegen jede Lokal- und Sondcrorganisation vorgehen solle, sondern nur gegen solche Sonder- organisationen, welche gegründet sind, Tarife zu durchbrechen und Streikbrnch zu begehe».' WaS Auer über Lokalorganisationen gesagt hat, hätte er sich vollkommen sparen können. Durch diese unrichtigen Darstellungen hat Auer wieder den Beweis geliefert, daß er den Parteitag hypnotisieren will. Bömelburg(in persönlicher Bemerkung gegen Auer): Genosse Rudolph war nicht in der Lage, den Nachweis zu führen, daß Auer neues Material beigebracht habe. Alles neue bezog sich auf Punkte, die ich nicht berührt habe. Auer hat in seinem Schlufr wort behauptet, daß eö sich um OrganisationSfragen im allgemeinen handle und daß meinerseits verlangt worden sei, daß die betreffende» Personen wegen VerÜbung von Organisationsbruch ausgeschlossen werden sollen. Das habe ich nie gesagt. Von mir ist immer nur verlangt worden, sie wegen Streikbruchs auszuschließen. Was Auer über die Lage in Berlin gesagt hat, hat mit der Sache nichts zu thun. ES ist richtig, daß dielBerlincr Putzer im Accord arbeiten, aber in unserm Organisationsstatut steht, daß die Beschlußfassung darüber den einzelnen Lokalvereinen überlassen bleibt. ES wäre richtiger gewesen. wenn Auer das Referat gehabt hätte. Singer: Das ist nicht mehr persönlich. Frau Zetkin bedauert im Namen der Controleure, daß sie durch den Schluß der Debatte verhindert worden sind, die Gründe zu ent- wickeln, die sie zu dem so heftig angegriffenen Urteilsspruch geführt haben.— Wir hätten gern gesprochen, um dadurch zur Verständigung beizutragen. Hüttmann-Hamburg bedauert in einer schriftlichen Erklärung. durch den Schluß der Debatte verhindert worden zu sein, den Fall Banmgarte» aufzuklären. Die beiden Münchsner Delegierten Ratth und Knicrtcm bedauern schriftlich gleichfalls, verhindert worden zu sein, die Stim- mung und die Gründe der süddeutschen Genossen für die Aufhebung des Schiedsspruchs darzulegen. Es folgt die Abstimmung. Zunächst wird der Antrag S6, der die Aufhebung des SchiedS- spruchS und den Ausschluß der Accordmaurer fordert, gegen wenige Stimmen abgelehnt. Der Abstimmung über den Antrag 117, die eine namentliche ist, geht eine Eventualabstimmung über den Antrag IIS voraus, der auch als Amendement zu 117 beantragt ist. Dieses Amendement wird angenommen. In namentlicher Abstimmung wird hierauf der so veränderte Antrag 117 mit 159 gegen 72 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmen: Amend, Bartels-Lübeck, Baerer, Beyer. Bemstei», Blumstock, Bömelburg, Braun-Königsberg, Brecour, Decker, Deutsch. Eberle. Ebcrt. Efflinge, v. Elm, Einmel, Fächer- Lüdenscheid, Fiedler, Frahm, Friedrich-Darmstadt, Fritfch, Geinoll, Gogowski, Grimpe. Große. Harm, Heer, Hoch. Hüttmann. Hurtig Jakobsen, Jmle, Ihrer, Ivo». JttrS, Räpler, Nnterim, Kloß, Körste». Krause, Krohn, Kurze, Lang, Lehmann, Meißner, Müller-Hamdnrg. Müller-Flensburg, Ncnkirch, Nitzsch, PistoriuS, Quarck. Raitb, NoeSk», Roßkopf, Rudolph. Sachse, Seifert, Silberschmidt, Schmidt-Frank furt, Schmidt-Fürth, Schneider. Staningk, Stetnbach, Stolp, Toelge, hoff und Ziey. Der Stimme enthält sich Orb. Grnnwald, Löwenstein, Legien, Luxemburg. PeuS und Zorn,(Lrgien läßt erklären, daß er eines Termins vor dem Landgericht wegen fehle, sonst hätte er für den Antrag gestimmt. Der Antraft 113, der die Begründung de» SchiedSspnickS nicht al« richtig anerkennt, den Ausschluß aber nicht ans der Gesamt- Partei verlangt, sondern die Sache den örtlichen Organisationen Überläßt, wird abgelehnt. Nachdem sodan» der Antrag 116 noch einmal als Amendement zum Antrag 114 unter Streichung beS vierten Absatzes des An- tragS 114 eventuell angenommen ist, wird über den so veränderte» Antrag 114 namentlich abgestimmt. Die Abstimmung ergicbt die Annähme mit TSV gegen 3 Stimmen.(Beifall.) Die Minderheit bilden Decker- Magdeburg. Friedrich« Darmstadt und Schmidt-Frank- furt a. M. Abwesend sind die bei der vorigen Abstimmung als fehlend Genannte» außer Gradnauer und Grnnwald, Der Beschluß des Parteitages lautet demnach folgendermaßen: Der Parteitag al» Vertreter der in der Svcialdeinokratie organisierten klassenbewußten deutschen Arbeiterschaft stimmt mit den auf dem Boden des Klassenkampfe« stehenden Gewerkschaften, al« den wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterklasse, überein in der rückbaltlosen Verurteilung des Streikbruches, Der Parteitag erkennt auch an, daß die Gewerkschaften im Interesse ihrer Selbsterhaltung und der Erfüllung ihrer Aufgaben den Streikbrnch mit aller Energie bekämpfen und ahnden müssen, daß aber die Führung dieses Kampfe« und die Wahl der Kampf- mittel in erster Linie den Gewerkschaften überlassen bleiben nniß, Dagegen lehnt der Parteitag c« ab, in jedem Streitfall z» den Beschlüssen der Gewerkschaften über ihr« Organisation und Taktik Stellung zu nehmen oder von solchen Beschlüssen oder dem Verhalten der gewerkschaftlich organisierten Parteigenossen dazu die Zugehörigkeit zur Gesamtparte, abhängig zu machen, Der Parteitag spricht die Ueberzeugung au«, daß die schiedS- richterlichen Instanzen bei ihrem Votum sich von der ehrlichen Absicht haben leiten lassen. Recht zu finden und Recht zu sprechen. Es wird rückstchtlich der Neuheit des Falles anerkannt, daß diesen Instanzen au« ihrem Votum ein Vorwurf nicht zu machen ist. Der Parteitag muß eS den örtlichen Partei-Organisationen überlasten, zu entscheiden, mit welchen Mitteln si« den Central- verband der Maurer in seinem Vorgehen gegen die Hamburger Accordmaurer unterstützen können, und namentlich in wie weit sie ein Zusammenarbeiten mit ihnen in ihren Partei-Organisationen für möglich halten. Damit find alle übrigen Anträge erledigt mit Ausnahme des Antrages 102(Bernstein u. Gen.). Die Abstimmung über diesen Antrag bleibt zweifelhaft, die Auszählung ergiebt feine Annahme mit 110 gegen 107 Stimmen. Da« Resultat wird mit Beifall der Mehrheit aufgenommen. Dieser Beschluß lautet: Der Kampf der Arbeiterklasse auf politischem und Wirtschaft- lichem Gebiete erfordert einheitliche Zusammcufassnng aller Kräfte in den betreffenden Organisationen. Er bat zur Grundbedingung die Ausübung strenger Disciplin in der Aktion, die Respektierung der Beschlüsse der' Mehrheit durch die Minderheit gemäß den Grundsätzen der Demokratie. Wer der Partei oder seiner Berufsorganisation in einem von ihnen geführten Kampf durch Thaten entgegenwirkt oder Sonder- bündelet zur Führung solcher Gegenaktion betreibt, verstößt wider das vorentwickelte Lebensprincip der Arbeiterbewegung. Es sind f principielle" Entscheidung dahin verlangt: 1. daß ein socialdemo Schreiber, Schulz, Schwedt. Thöue, Waltcr-Eoburg, Wind- E« fehlen Cohn, Gradnauer, daher die örtlichen Organisationen der Partei berechtigt, solche Mitglieder so lauge aus ihrer Mitte auszuschließen, als sie in diesem Verhalten beharren. Ueber die Banter Angelegenheit berichtet Bühle-Straßburg: Die Banter Partei-Organisation, deren Ausschluß einer Gruppe von kleinen Bammternehinem ein Partcischicdsgericht aufgehoben hatte, hat gegen diesen Schiedsspruch das Urteil des Parteitags an- gerufen. Nach eingehender Untersuchung ist die Neuner- Kommission mit 8 gegen I Stimme zu der Ansicht gekommen, daß der Schieds- spruch völlig gerecht war. Die Ansicht, daß socialdemokratische Unter- nehmer die' Forderungen ihrer Arbeiter ohne weiteres zu bewilligen haben, kann nicht maßgebend sein. Nach Lage der Sache und nach objektiver Prüfung der Verhältnisse können wir nur beantragen, das Urteil des Schiedsgerichts zu bestätigen. Frau Steinbach-Hamburg: Als dasjenige Mitglied der Kommission, ivelchcS mit dem Be- schluß nicht völlig einverstanden ist, habe ich zu erklären, daß ich das Verhalten der sich zu unsrer Partei zählenden Unternehmergrnppe ihren Arbeitern gegenüber unter keinen Umständen als gerechtfertigt anerkennen kann, wie wohl ich zugeben muß, daß daS Vorgehen der Arbeiter in diesem Falle auch nach meiner Ueberzeugung taktisch nicht ganz richtig gewesen ist. Ausscheiden aber muß aus der Beurteilung die Auffassung, als ob die Arbeiter von der Idee ausgegangen wären. daß socialdemokratische Unternehmer unter allen Umständen ihre Forderungen bewilligen mutzten. DaS glaube ich im Interesse der Arbeiterbewegung, die derartigen Unsinn überhaupt nicht aufkomme» lassen darf, hier betonen zu müssen. Gemoll-Bant:• Der Fall liegt in Bant anders al« In Hamburg, eS kommen hier Arbeiter und Unternehmer in Betracht. Meister meint« neulich, es feien keine eigentlichen Unternehmer, sondern Scharwerker und kleine Krauter. Das stimmt nicht, eS sind Unternehmer fienau wie andre Unternehmer, vielleicht noch einen Deut chlechter. Das haben sie ja beim Streik bewiesen. Es st auch nicht gesagt, die Unternehmer hätten unter allen Umständen die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen. Wie lag denn die Sache? Die' Maurer forderten in diesem Frühjahr 5 Pf. mehr, rcducierten dann aber ihre Forderung auf 2'/« Pf. DaS Schieds- gericht und die Controleure sind von falschen Voraussetzungen aus- gegangen. In Bant verdienen die Maurer durchschnittlich 3 M. täglich. Ist daS etwa zu viel? Die Unternehmer konnten die Fordcning bewilligen. ES ist auch nur gesagt worden, sie können sie bewilligen und wenn sie eS nicht können, dann ist es schlecht, baß sie in der Partei sind. Singer: Ick, bitte zum Schluß zu kommen. Gcmolk: Ich kann daS nicht. Wir wollen doch die Banter Angelegenheit ausführlich behandeln, der Schiedsspruch hat sie ober- flächlich behandelt. Singer: Sie können sich noch einmal zum Wort melden. Gerifch: Es handelt sich einzig und allein um die Frag«: Ist ein social- demokratischer Unternehmer verpflichtet, die Forderungen der Arbeiter zu bewilligen? Der Sachverhalt ist folgender: Di« Maurer haben im Frühjahr den Antrag gestellt, den Lohn von 50 Pf. durchschnittlich ans 56 Pf. zu erhöhen. Ich bemerke, daß die Untcrnehmcr socialdcmokratischer Gcsiniiung bis dahin durch- weg S2>/» Pf. bezahlt hatten, während die größeren Bangcschäfte durchschnittlich nur 50 Pf. bezahlten. Mitte April— es wird behauptet, am 14. wurden erst die Zirkulare gedruckt, keinesfalls aber vor dem 10.— haben die Maurer zum erstenmal ihre Forderungen unterbreitet und Entscheidnng bis zum 19. April verlangt. Die socialdemokratische» Unternehmer erklärten. daS bis dahin nicht zu können, und auf dieses ablehnende Verhallen hin wurde 3 Tage vor Ausbruch des Streiks eine Liste der Unternehmer angefertigt, deren Ausschluß ans der Partei beantragt wurde. ES ist gesagt worden, die Unternehmer seien sehr wohl in der Lage, die Forderung zu erfüllen; ins- besondere wurde den soclaldcmokratisch gesinnten erklärt, sie sollten damit anfangen, die andern würden dann schon nachfolgen. Diese crllärten aber: Darauf können wir u»S nicht einlassen; wir zahlen schon die ganze Zeit 2i/e Pf. mehr, ohne daß die andern uns nachgefolgt sind. Sic haben aber durchgesetzt, daß sämtliche Baugeschäfle von Bant-Wilhelmshaven und Umgegend sich durch Unterschrift verpflichteten, von, 1. Jarniar 1902 an 52>/z Pf. mindestens zu bezahlen; dies Angebot wurde von dcWMaurern mit Hohn zurück- gewiesen.(Zuruf.) Gewiß, das sind Dinge, über die wir nicht urteilen können; ich konstatiere nur Thatiacken. Die socialdemo- kratische» Unternehmer gtaubtcn, 52V» 5 Pf. nicht bewilligen zu könne«. Das Schiedsgericht hat gemeint, auf diese Frage können wir nnS von Partei wegen nicht einlassen, sonst müssen wir von Partei lvegcn das Exisienzmtnimum der Unternehmer feststellen. Die Debatte wird vertagt. Dr. David giebt folgende Erklärung zu Protokoll:„Nachdem mir von dem Geiiosscn Grunwald weiteres Material aus seiner Polemil mit dem„Vorwärts" in Sachen Rnhland unterbreitet worden ist, aus dem hervorgeht, daß hinsichtlich der von mir citierten Stelle aus der„Erfurter Tribüne" die Möglichkeit einer irrigen Interpretation meinerseits vorliegt, und nachdem Genosse Grunwald mir in der bestimmtesten Form die Vcrstchcrung gegeben bat, daß ihm die Absicht durchaus ferngelegen habe, der Nuhlandschc» Insinuation den Schein der Ausführbarkeit geben zu lvollen, stehe ich, licht a». den gegen Genossen Grunwald in Bezug auf diesen Punkt erhobenen Vorwurf zurückzunehmen." Die Mittagspause tritt ein. NachmtttagSsit?,mg. 3Ve Uhr. Den Vorsitz führt Singer. Die Diskussion über den Bericht der Nenner-Kommission, den Bantcr Schiedsspruch betreffend, wird fortgesetzt. Lcutert-Apolda: Die Kommission hat durchaus eingehend und unparteiisch ent- schieden. Im wirlschafllicheii Streite haben die socialdcmokratischcn Unternehmer das gleiche Recht wie die Arbeiter; zu untersuchen war Mir, ob sie dieses Stecht illoyal ausgenutzt haben, und dafür hat sich, wenigstens aus den Akten, kein Anhalt ergeben. Das Koalitionsrecht haben sie uimngetastet gelassen, sie haben darauf hin. gewirkt, die Anfertigung schwarzer Listen zu unterlassen, und nach Beendigung dcS Streil'eS ist bei ihnen auch keine Maßregelimg er- folgt. Ich ersuche Sie, den Schiedsspruch anzuerkennen. Bömelburg: Dieser Fall zeigt so recht klar, daß der Parteitag nicht die Stelle ist. wo solche Angelegenheiten ihre Erledigung finden müssen. Dafür sind nur die Genossen am Ort« selbst zuständig. Der Schiedsspruch konnte gar nicht anders ausfallen, wenn wir uns nicht auf den Standpunkt stellen«vollen, daß der socialdemokratische Unternehmer jede Forderung seiner Arbeiter zu erfüllen habe. Aber die socialdemokratischen Unternehmer in Bant haben durchaus nicht recht gehandelt. Als eS nachher die Niederwerfung der Maurer galt, da haben sich unfre Genosse» unter den Unternehmern nicht nett benommen, sie haben italienische Streik- brecher heranholen helfen und sich vollkommen mit der Handlungs- weise ihrer anderen Berussgenosse» identifiziert. Sie hätten sich passiv verhalten sollen. Wen» die Arbeiter das örtliche Eutscheidungs- recht hätten, würden sie mit den socialdemokratischen Unternehmern schon fertig werden. So aber bleibt uns nichts weiter übrig, als dem Urteil der Neunerkommission zuzustimmen. Hug- Bant: Ich will kein Oel ins Feuer gießen. Die AuSfühnmgiN Gemoll's zwingen mich, etwas mehr zu sagen als sich beabsichtigte. Gerisch hat schon mitgeteilt, daß drei Tage vor Ausbruch des Streiks eine Proskriptionsliste gegen die Unternehmer angefertigt wurde. Ich habe mich entschiede» dagegen erklärt, ich verlangte, daß man dem einzelnen sein Vergehen nachweisen müffe. Mit Mühe bekamen wir eine Achtzehiicrkommission zusammen, und da wurde nun«ine kratischcr Unternehmer Forderungen der Arbeiter von vornherein zu vewiNigen habe, 2. dag ein Unternehmer überhaupt nicht Partei- genösse sein dürfe und 3. dah ein Streikbruch unter allen Umständen, ganz gleich aus welche» Ursachen, ehrlos sei. Ich schrieb an Auer und sprach meine gegenteilige Meinung aus, und Auer bestätigt« mir seine Meinung. Diesen Briefwechsel brachte ich in der Achtzchner» Kommission vor mit einem Minderheitsantrag mit fünf Mitgliedern. Hier ist es ebenso, wie es Auer von der Hamburger Angelegenheit gesagt hat: man urteilt mit dem Gefühl, statt mit der kühlen Vernunft und nach dem Recht. Mir ist es, als ich diesen Standpunkt vertrat, noch schlimmer gegangen als Auer: ihm spricht man das Klassenbcwubtsci» ab, mich aber wollte man gleich auf die Proskriptionsliste sehen. Gewisz wäre es in Bant bester im Interesse des Friedens, die betreffende» Unternehmer blieben nicht mehr Parteigenossen; wir können aber nur nach dem Gesetz urteilen. Die Partei kann nicht der Büttel und Henker der Gewerkschaften sei». Besser, ich gehe zu Grunde, als dast das Recht gcbengt wird. Gemoll-Bant: Gcrisch hat selbst erklärt, datz seine Informationen von den Unternehmern stammen, meine stammen von den Arbeiten:. Nach den Thaten des Vorredners und nach den Urteil des Schiedsgerichts ist es wunderbar, daß nicht die Unternehmer den Ausschluss der Arbeiter aus der Partei beantragt haben. Die Unter- »ehmer konnten die Fordenmgcn bewilligen, sie haben doch auch den Italienern, den bedürfnislosen Maccaronie-Männcrn. denselben Lohn gezahlt, die deutschen Maurer aber haben sie sogar aus den Arbeitsstätten vertriebe». Dieselben Unternehmer, die als Genossen für den Achtstundentag eintraten, haben die Italiener 14 Stunden arbeiten lassen. Sollen wir das in unseren Reihen dulden? Dann nehmen Sie doch lieber gleich die Kühnemänner und Krupps in die Partei auf l Lehnen Sie den Schiedsspruch ab und gießen Sie nicht Wasser auf die Mühle einiger Leute, die heute schon die Partei schädigen! Gerisch: Jdb verwahre mich entschieden gegen die Insinuation, als ob ich meine Jnfonnation von den Unternehmern hatte. Ich habe mein Information gewonnen aus viclstundenlangcr sorgfältiger, geivissen- haftcr Verhandlung. Gemoll kann mir das Zeugnis nicht versagen, daß niemand den Vorsitz objektiver, loyaler und geivisscnhafter führen konnte, als ich in dieser Verhandlung. Wie schwierig die Ver- Hältnisse sind, sehen Sie aus den verschiedene» Darstellungen. Wir können Ihnen nur daS vortragen, was wir sorgfältig ermittelt haben, und dies Resultat der Ermittelungen hat auch Gemoll mit- unterzeichnet. Zu einer neuen Differenz hatte es geführt, daß die Arbeiter nach Beendigung des Streiks noch einen Aufruf erließen: Zuzug ist fernzuhalten I Da? brauchten sich die Unternehmer eben so wenig gefallen zu lassen, wie die Arbeiter sich schwarze Listen gefallen lassen. Es wurde dieser Aufruf denn auch geändert und der Friede wieder hergestellt. Ich iviedcrhole: die ganze Streitfrage dreht sich darum, sind die Unter- nehmer verpflichtet, von vornherein alles zu bewilligen, was die Arbeiter fordern. Stellen wir uns auf diesen Standpunkt nicht, dann haben wir nur zu untersuchen, ob illoyale Mittel an- gewandt sind. Windhoff- Düffeldorf wiederholt einen vorher abgelehnten Schlußantrag. Wir haben erst einen Gegenstand der Tagesordnung erledigt. Wohin soll das führen, wenn das näckiste Jahr statt zweier Beschiverden fünf oder zehn vorliegen sollten und wir ebenso gründ« lich verfahren I Beycr-Leipztg spricht gegen den Schluß. ES ist eine ganz neue Frage, die gründlich erörtert werden muß, damit wir Ivissen, wie wir unS für die Zukunft verhalten sollen. Der Schlußantrag wird angenommen. Das Schlußwort erhält Böhl«- Straßburg: Ich hätte aufs Wort verzichtet, aber ich bin genötigt, etne kurze Elklärnng abzugeben. Der Beschluß der Kommission, so kurz wie möglich zu berichten, scheint ein Fehler gewesen zu sein. Uns hat aber nur die eine Frage vorgelegen, ob Gründe vorhanden sind, die den Ausschluß aus der Partei auf Grund des Organisations- statutS rechtfertigen. Diese Frag« habe» ivir mit 8 gegen 1 Stimme verneint. Wetter hatten»vir»icvts zu prüfen. Namens der Neuner- kommission stelle ich folgenden Antrag: »In Sachen Tcpken und Genossen, Bant-Wilhelmshavencr Bauunternehmer, lag der Kommission die Frage vor, ob der Ausschluß Teilen und Genossen aus der Partei gerechtfertigt ist. Die Kommisston kommt zu der Auffassung, daß sich ein Ausschluß au» der Partei nicht rechtfertigen läßt. Obwohl das Verhalten dieser Genossen Unternehmer nicht einwandsfrci ist, sind nun doch die Gründe nicht hinreichend, um sie au« der Partei auszuschließen. In die Prüfung der Frage, inwieweit die Forderungen der Arbeiter berechtigt waren, ist die Kommission nicht eingetreten. Festgestellt ivurde, daß, nachdem die socialdemokratischen Unter- nehmer die Forderung der Arbeiter ablehnten, sofort der An- trag auf Ausschluß aus der Partei von dem socialdemokratischen Verein in Bant gestellt wurde. Die Kommission beantragt deshalb, der Parteitag wolle dem Antrag der Genossen in Bant, den Schiedsspruch aufzuheben»nicht beitreten." Dieser Antrag ivird a u g ejn o m m e n. Gliiger: Damit ist Punkt 1 und 2 unsrer Tagesordnung vollständig erledigt.(Heiterkeit.s Statt die Abcndsitzung abzuhalten, schlage ich vor, heute bis acht zu arbeiten. Der Parteitag ist damit einverstanden. fSchluß im Hauptblatt.) Vokales. Schulentlassung. DaS Wort„Schulschluß" erhält zu Michaelis und zu Ostern für eine große Zahl von Schulkindern eine besondere Bedeutung. Der letzte Schultag ist für sie auch der allerletzte, der Schulschluh bringt ihnen auch den Abschluß ihrer gn uzen Schulzeit. Aus den Berliner Gemeindeschulen werden in jedem Halbjahre rund 10 000 Kinder nach vollendeter Schulpflicht cutlasseu. Was wird aus ihnen? In 10000 Berliner Familien ist in den letzten Monaten und Wochen diese ernste Frage in mancher sorgenvollen Stunde erörtert worden. Sie ist gerade unter den gegenwärtige» Verhältnissen ernster als je. Wohl strecken sich nach jedem dies» Kinder, zumal nach den Jungen, zehn Hände zugleich aus.„Gebt her, wir werben ihn euch zu einem tüchtigen Handwerker ausbilden I" Aber wenn die »Lehrzeit" um ist, dann zeigt sich nur zu oft, daß der brave»Lehr- Herr" nur die Arbeitskraft des Jungen in der schamlosesten Weise ausgebeutet hat. Nun siehe du zu, wie du fortkommst! In einer Zeit zunehmender Arbeitslosigkeit, wie wir sie jetzt wieder haben, ist es selbst für einen vorschriftsmäßig ausgebildeten Handwerksgehilfen schwer genug. Arbeit zu bekommen, um Ivie viel mehr für jene andern, die ihre Lehrjahre im Dienste eines gewissenlosen Ausbeuters nutzlos haben verthun müffen. Nach dem die Schule verlassenden Jungen haben sich verlangend zehn Hände zugleich ausgestreckt. um ihn als Lehrling ein- zufangen— der aus der„Lehre" entlassene Bursche be- gegnet hundert abwehrenden Händen, wenn er sich als Gehilfe anbietet. Wozu denn einen Gehilfen einstellen?! Lehrlinge sind doch viel billiger! Die Schulentlaffimg steht ja wieder vor der Thür, vielleicht kann man da wieder ein paar stranime Jungen ergattern. Solche Erfahrungen sind schmerzlich für den jungen Handwerks- gehilfen, aber sie reffen den Jüngling rasch zum Mann. Sie lassen ihn bereits in einem Alter, in dem der zu einer höheren Bildung bestimmte Sohn der Wohlhabenden noch auf der Schulbank seine Stunden verträumt, das Wesen der heutigen Gesell- schaftsordnung erkennen, sie wecken in ihm daS Klassenbewußtsein und erziehen ihn zu einem Mitstreiter in dem großen Kampf um die Befreiung der Arbeiter- k l a s s e._ Der königötrenc Kommmialfrrtst»». Unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Baurat K y l l m a n n und im Beisei» des Stadtbaurats Krause tagte am Freitagabend der Stadtverordnetcu-AuSschuß für die Neugestaltung der Straße»Unter den Linden". Zur Beratung standen mehrere vom Stadtbaurat Krause ausgearbeitete Entwürfe. Der Ausschuß hat nach längerer Erörterung beschloffen, auf den Entwurf I zurückzukommen und unter Ablehnung des letzten Entwurfes II der Stadtverordueten- Versammlung die Annahme des ersten EntivurfS zu empfehlen. Dieser Entivurf sieht zwei Fahrdämme von je 10 Meter Brette vor. Auf der südlicken Seite würde der Bürgersteig eine Breite von 6 bis 7V2 Meter erhalten und der nördliche eine solche von 4,11 bis 5,54 Meter. Der jetzige Lastfahrweg kommt nach dem Eutlvurf l in Wegfall, dafür erhält der südliche Gartenstreifen eine Breite von 8 Meter, die Mittelpromenade von II1/» Meter und der nördliche Gartenstreife» die Breite von 2,75 Meter, während der Reitiveg 4 Meter breit werden soll. Die jetzigen vier Baumreihen würden danach erhalten bleiben und der historische Anblick der Linden nur ganz wenig verändert werden. Der Entwurf II war wesentlich anders. Nach diesem sollten auch den Biirgersteigen je eine Banmroihe verbleiben. ES wird immer schöner in B e r I i n. Am Ende wird Berlin wirllich noch einmal die»schönste Stadt der Welt", ganz nach dem Wunsche des Kaisers. Der Kaiser hat den Berliner» nicht nur die Denkmäler in der Siegesallee geschenkt, er will nicht nur, wie ein Gerücht sagt, das Brandeuvnrger Thor freilegen, sondern er bekundet gleichzeitig auch das lebhafteste Interesse für das Best reden der städtischen Behörden, auch ihrer- seits durch Bauten, Denkmäler usw. zur Verschönerung der Reichshauptstadt betzutragen, ja er greift sogar selber thatkräftig ein. wenn hierbei irgend etwas seinem Geschmack nicht entspricht. Vor kurzem wurde gc- meldet. daß die Arbeiten au dem Feuer wehrdenk mal. das die Stadt auf dem Mariannenplatz errichten läßt. auf„Befehl" des Kaisers eingestellt worden seien. Der Kaiser habe gefordert, daß ihm der Denkmal«- Entwurf erst vorgelegt werde. Jetzt bringt die»Voss. Ztg." die Nachricht, der Kaiser habe seine Genehmigung zur Aufstellung der drei Brunnen verweigert, die für de» Friedrichshatn geplant sind. Die Gründe seien in einem von ihm entworfenen Schreiben dargelegt, das künstlerische Gesichtspunkte entwickele. Die»Voss. Ztg." ist mit diesem pcrsön- lichen Eingreifen des Kaisers unzufrieden. Sie meint, daß ein gesetzlicher Anspruch der Krone, über die Aufstellung von Denkmälern und Schmuckwerkcn in städtischen Parks entscheiden zu dürfe», mindestens ziveifclhaft sei. Gewiß; aber zu dem»neue» 5to»flikt zwischen der Krone und der Stadtverwaltung", den die»Boss. Ztg." befürchtet, dürfte cS deshalb kaum kommen I Unser r e i ch s- hauptstädttscher Kommunalfreisinn wird sich doch nicht einen, Stadtbanrat zuliebe die Hofgunst, um die er so oft gebuhlt hat, vollends verscherzen I Neuregelung de? DrognruvcrkanfS und Npothckeliboykott. Die Vorsitzeuden des deutsche» Droguistenvcrbaudes. die Herren Buchheistcr und Stadtrat Meißner aus Leipzig, sind in das Reichs« Gesundheitsamt zu Besprcchliiigcii eingeladen worden über die Um- gestaltung resp. Erweiterung der Verordnung des Bundesrates über die dem freien Verkehr überlasienen Arzneiniittel. Auf die LlegierungSkreife sollen namentlich die Beschlüsse des Stuttgarter Krankenkasic»« Kongresses nicht ohne Eindruck gc- blieben sein, welche eine Erivcltcriuig der Liste der frei« gegebenen Mittel sowie die Freigabe bon Mischungen der frei- gegebenen Mittel verlange». I» diese» Kreise» nimmt man doch einen etivas andren Standpunkt ei» als Herr von Stubenrauch.— Auch in den Kreisen der Apothckcnbcsitzer mehrt sich die Zahl derer, welche die Lage nicht als rosig sür sich ansehen, wenn auch die .Apolheker-Zrilimg" in fast jeder Nummer den Abfall der Kasse» infolge Eingreifens der Behörde prophezeit. Der stellvertretende Vor- sitzende des Vereins Berliner Apolhekenbefitzer, Herr Apotheker Rohde in Charlottcnbnrg fragte»enlich einen Beamten der Charlottenburger Allgöineincn Orts-Krankcnknfse, wie lange er meine, daß der gegen« ivärtige unleidliche Zustand noch dauern solle? Den Kassen ver« Ursache doch der jetzige Zustand auch viel Unkosten und Ungelegen« heiten, und sie»lüßten auch wünschen, daß derselbe ei» End« nehme. Die Apotheker würden ja schließlich auch z» einem Rezeplurrabatt, vielleicht von 10 Prozent, bereit sein. Auf den Einwurf, daß sie doch auch ebensogut wie die Kölner 15 Prozent Rabatt geben köunten, meinte Herr Rothe, die würden sie schließlich auch geben, aber die Kassen iiiüßten sich durch einen mehrjährigen Kontrakt zur Jinic- Haltung der zutreffenden Vereiubarungeu verpflichten und zunächst den Boykott aufheben. Nun. mit letzterem Punkte sind die Kaffcn tvohl nicht ein- verstanden, st« tvcrdc» sich vielmehr erst in„eue Unterhandlmigeu einlassen, wenn die Apotheker die Kreditvcrwcigcruiig werden auf« gehoben haben, und je länger dicS dauert, werden die Kassen nur Veraltlassung nehmen, ihre Rabattansprüche zu erhöhen. In der gestrige» MaglstratSflstung, die mehrere Stunde» dauerte, theilte der Oberbürgermeister«irichn« dem Kollegium a» der Hand des Altenmaterials alle die Schritte mit. die von ihm und der Verkehrsdepntntion in Sachen der Ueberführung der ehe- maligen SiemcnSschci, Straßenbahnen über die Straße Unter den Linden gethan sind und welches Ergebnis sie gehabt haben. Der Magistrat beschloß, der Stadtverordneten-Ver- s a m m l u» g eine Vorlage zur Kenntnisnahme zugehen zu lasse,,, worin sämtliche Vorgänge imd Schriftstücke über die Ueberichreitung der Straße Unter de» Linden bei der Llanoiiierstraße mitgeteilt werden.— Das hätte ruhig schon viel früher geschehe» können! Uebrigens soll auch der Minister v. T h i e I e n in dieser An- geleaciihcit eine Audienz beim Kaiser nachgesucht habe», aber gleichfalls abschlägig beschicden worden sein. Zum Milchkriege. Herr Ring-Düppcl veröffentlichte am Mitt« woch in der»Deutschen Tageszeitung' folgende, von uns schon Donnerstag kurz erwähnt« Erklärung: „Aus verschiedenen Berliner Blättern rntnehmr ich, daß Herr NeichStagSabgeordnetcr Wolfgang Heine, dem ich bei einer kürzlich stattgehabten Unterredung versicherte, die Milchcentrale werde bessere Milch liefern, al« der Handel den Berlinern zumeist bisher verkaufte, behauptet haben soll, daß ich beim Polizei-Prästdium beantragt hätte, den heute als Mindestgehalt polizetltch geltenden Fettgehalt von 2,7 Fett herabzilsetzen." Herr Heine soll nun an mich die Frage öffentlich stellen(mit- geteilt hat er mir nichts davon): „Warum haben Sie in Ihrer Unterredung mit mir diese« Ihr Vorhaben mir gegenüber verschwiegen?" Hierauf antworte ich folgendes: 1. Es ist nicht toahr, daß ich oder die Milcheentrale jemals einen solchen oder auch nur ähnlichen Antrag an das Polizeipräsidium stellte, und damit fallen alle geplanten Verdächtigmige» und Schlußfolgerimgen zusammen. Ich halte den Fettgehalt von 2,7 Fett als da« Mindeste, was man von Vollmilch fordern soll. 2. Ich habe im Juni 1900 a» das Landwirtschaftliche Ministerium den Antrag gestellt, durch daS Reichs-Aesundheitsamt festzustellen, welche Pasteurisiernngs-Verfahren ciinvandsfreie Milch herstellen. Diese Untersuchungen, die mit bekannter Gründlichkeit im Rcichs-GesuiidheitSamt geführt wurden, sind abgeschlossen lmd Ue Molkerei der Milcheentrale in der Schillingstraßc 12 wird bereits im stände sein, tadellos pasteurisierte und gekühlte Vollmilch täglich bis 150 000 Liter abzugeben. Ich lade Herr» Wolfgaug Heine zu einer Kostprobe nach de», 4. Oktober freundlichst ein. Die Milchcentrale wird den Berliner Hausfrauen nur das Beste liefern und ivill Milch und Sahne nach vollendeter Organisation nach Fettgehalt verkaufen. Düppel bei Zehlendorf-Berlin, 24. 9. 01. E r il st R i n g. Wie uns Genosse Heine dazu mitteilt, hat nicht er, sondern ein Milchhändler in der Versammlung am 20. September in der Moabiter Kroncnbrmirret berichtet, daß Herr Ring in einer Ver- sammlung der Milchcentrale den Plan entwickelt habe, beim Polizei- Präsidenten daS Verbot des Verkaufs von Halbmilch zu erwirke» unter gleichzeitigerHerabsetzung deS polizeilich gebotene» Mindestgehalts der Milch auf 2,7 pCt. Genosse Heine hat darauf in der Versammlung betont, daß eine solche Absicht schlecht zu Rings Zusicherung, er Ivolle die Milch verbesscm, passen würde, hat aber die Verantwortung für die Richtigkeit' der Mitteilung ihrem Urheber überlassen. Wir machen darauf aufmerksam, daß Herr Ring eigentümlicher- weise nur erklärt, er oder die Milcheentrale hätten einen solchen Antrag nicht gestellt. Will Herr Ring nicht versichern, daß ein solcherAntrag auch für dieZukuuft nicht geplant ist?— HerrRiug schreibt, er halte den Fettgehalt bon 2,7 Proz. sür das mindeste. daS»man" von Vollmilch fordern sollte. Ist man bei der Milchcentrale nicht vielleicht der Meinung, daß trotzdem die Polizei eine geringere Grenze festsetzen löunte?— Wir wollen die Milcheentrale nicht „verdächtigen", sondern ihr und Herrn Ring»eue Gelegenheit geben, durch eine bestimmte Anfklärung allen Verdacht zu zerstreuen. Zur Erhöhung der Kaffenarzthonorare.»Der„Verein der freigetvählten Kassenärzte", der, wie bereits»ntgetcilt, den von ihm versorgten Krankenkassen angekündigt hat, daß er zum 1. Januar 1902 eine Erhöhung deS ärztlichen Honorars fordem werde, hielt am Donnerstag im Architektenhause eine Mitgliederversammlung ab, die sich mit dieser Frage beschäftigte. In der Diskusston wurden die Gründe entwickelt, welche dieAcrzte zur Stellung dieser Forderung veran- laßten, und dabei u. a. hervorgehoben, daß eine Erhöhung deSArzthonorarS nicht allein vom Standpunkte der Aerzte, sondern auch im Interesse der besseren ärztlichen Versorgung der Kasseumitglieder angebracht er- scheine, und daher in letzter Linie selbst sür die Kassen- finan zen vorteilhaft sein werde. Der»Verein der freigewählten Kassenärzte' steht mit seiner Forderung nicht allein, sondern der »Verein Berliner Kassenärzte" und der»Verein der Gewerksärzte" sind zu ähnlichem Vorgehen eutscklosse», nachdem bereits die»All- gemeine Ortölrankenkaffe Charlottenburg" und die„Neue Maschinen- bauerkasse' ihren Aerzten aus eigenem Antriebe eine Honorar- erhöhung gewährt habe». Bei der Verfolgung der ärztlichen Forderung soll jede billige Rücksicht auf die finanziellen Verhältnisse der Krankenkassen genommen werden; so wird z. B. der„OrtSlrantenkasie der Schneider", die wegen der un- günstigen sociale» Verhältnisse der Mitglieder auch ihrerseits finanziell schlver zu kämpfen hat, der Vertrag nicht gekündigt werden, sondern die ärztliche Bchandlung zum alten Houorarsatze— SM. pro Kopf und Jahr— weiter gewährt. Trotzdem die Kassen sich bisher gegen- über den neue» Forderungen ablehnend verhalten, hofft man in ärzt- lichen Kreisen, daß die„Lohnbewegimg" nicht zum»Lohnkampf" zu werden brauche, sondern daß eine friedliche Einigung, nötigenfalls durch Konslituierung eincS»EinigimgSamtcs" zu stände kommen werde. Sollte wider Erwarten aber der»Lohnkampf" unvermeidlich tverden, dann lvcrden, wie ein socialdemokratischcr Arzt betonte, hoffentlich die Berliner Aerzte zeige», daß auch nach ihrer Ansicht »Strcikbruch eine ehrlose Handlung" ist. Ein wackerer Parteigenosse, der Schmied Martin Zehner, ist am L4. September, 33 Jahre alt, an der Proletarierkrankheit gestorben. Zehner war sowohl in der politischen wie in der Gcwerk- schnftS-Bewegiing wacker auf dem Posten und wußte sich daS Vertrauen und die Zuneigung aller zu erwerbe», die in, vierten Reichs- tags-Wahllreise mit ihm ucrkehrte». Ihm wird ein gute» Andenken bewahrt bleibe». Die Beerdigung erfolgt von der Leichenhalle in Wilhclmsberg aus Soimtagnachmittag j Uhr. DaS hiesige Anarchtstcnorgan„NcueS Leben" ist heute zur gewohnten Stunde wieder erschienen. Der Redacteur deS Anarchisten- organs, Panzer, welcher vorige Woche auf seiner Arbeitsstätte ber- astet wurde, ist auS der Haft cntlaffen und zeichnet die heutige tumnicr des Blattes wieder. Panzer wurde auf dem Präsidium photographiert und nach dem Bertillonschen System gemessen. Es heißt ivirllich die hiesigen Anarchisten überschätzen, wenn man sie in Ihrer Harmlosigkeit für Verbrecher hält. ArbcitöloS! Der 23 Jahre alte Gammacher Theodor Kanf- hold aus der Thaerstr. 50 war infolge der schlechten ArbeitSver- hältnissc seit langer Zeit ohne Beschnftignug. Da er außerdem au einem Herzfehler litt, so wurde er lebenöliberdrüssig und stürzte sich gestern nachmittag, nachdem er wieder einmal vergeblich Arbeit ge- sucht hatte, am Älexandcrufer in die Spree. Schiffer retteten ihn und ein Schutzmann brachte ihn nach der Charitö.— Den gesuchten Tod fand dagegen der 24 Jahre alte Hausdiener Friedrich S ch m ü ck e r, der bei seiner Sckiivester in der Arndtstraße ivohnte und seit sechs Wochen keine Arbeit mehr hatte, nachdem er zuletzt bei einem Gastwirt in der Köpnickerstraße beschäftigt gewesen tvar. Die Versorgung der städtischen Anstalten mit Brenn- inatcrial, soiveit dieses durch die städtische Brennmaterialien- Deputation beschafft wurde, verursachte im Etatsjahrc 1900(vom 1. April 1900 bis 31. März 1901) einen Gesamt-Kostenanfwand von 1 054 506,01 M. Davon enlsiclcii auf die Kosten für die Materialien 1 490 107,10 M.. auf die Betrieb«-, VertvaltungS- und Nebcnkostc» 156 399,45 M, An die städtischen Anstaltci, Ivurde an Breimmatcrial geliefert: 5957�/« Kubikmeter Holz, 106 050 Stück Kohlenanzünder, 184 031 Centncr Klein-Steinkohlc, 100 000 Centncr Stück-Steinkohle, 228 627 Ccntner Stilck-Förderkohle, 404 083 Centner Nußkohle, 115 074 Centner Braimkohlc, 35 593 Centner Preßkohle, 505 Centncr Authracit und 200 045 Hektoliter CoatS. Um ven aus dem städtischen Kohleuplatze mit dem Auf- und Ab- laden der Kohlen beschäftigten Arbeiter» Gelegenheit zu geben, sich »ach beendeter Arbeit zu rciiüge» und durch ein Brausebad zu er- 'rischeil, Ivurde im Berichtsjahr auf Beschluß der Stadtverordiietcu- Versammlung vom 14, Dezember 1899 auf dem Kohleuplatze eine Brausebadanlage mit 3 Bransezellel, und ei» Waschraum mit OKipp- Waschbecken errichtet. Diese Anlage ist am 19. Jamiar 1901 zur Bc- nuyung übergeben worden. Die Baukosten sür dieselbe stellten sich auf 7000 Mark. Et» dreister Hoteldieb ist von der Kriminalpolizei ermittelt und festgenommen ivordeu. Kurz hinter einander tvurden hier in zwei Hotels der Friedrichstraße Diebstähle unter Umständen ans- geführt, die den Gedanke» nahelegten, daß sie erdichtet sein könnten. I» dem einen Fall hatten Hotelgäste abends ihr Zimmer sorgfältig verschlossen, als sie sich zur Ruhe legten, waren die ganze Nacht ungestört geblieben, fanden auch morgens zunächst nichts Auffallendes und mutzte» baiin doch die unliebsame Entdeckung machen, daß ihre Klcidertaschcn durchsucht und der Börsen mit dein Geld beraubt tvorden ivaren. In dem ziveitcn Fall hatten ztvar die Hotelgäste die Thür unverschlossen gelassen. Dafür hatten sie aber die Nacht 'chlccht geschlafen und wunderte sich am nächsten Morgen daher doch, wie eS möglich gewesen war, sie zu bestehlen. Die Kriminalpolizei hatte jetzt endlich den Erfolg, den dreiste» Spitzbuben in der Person eines 20 jährigen Kaufmanns Ernst Schatlhauer ans Ostpreußen eitnetjnicn zu können. Schatthaner hatte hier in einem Hotel in der Mittclstraize Wohnung genommen, blieb aber mitunter mehrere �.age weg. In dieser Zeit wohnte er unter einem anderen Namen in anderen Hotels. Hier studierte er nun zunächst die übrigen Gäste in Bezug auf ihre Mittel und ihre Gewohnheiten. Als er ein für senie Pläne geeignetes Paar entdeckt zu haben glaubte, schlich er stch, nachdem die Leute abends ausgegangen waren, in ihr Zimmer � ein, versteckte sich unter dem Bett und blieb hier lo lange liegen, bis die Zimmerbcwohner zurückgekehrt waren und im tiefsten Schlafe lagen. Dann plünderte er die Taschen und verschwand nngchvrt. In dem zweiten Fall suchte er das Zimmer erst auf, als die Bewohner schon zurückgekehrt waren und sich hin gelegt hatten! denn er wußte nach seinen Studien, daß sie die Thür nicht verschlossen. Dann wartete er wieder bis gegen 3 Uhr morgens, bevor er den Diebstahl ausführte. In diesem Fall erbrach er �ogar einen Koffer, ohne daß man ihn hörte, obwohl die Bestohlenen nicht gut schliefen. Es scheint aber, daß er hierbei ein Betäubungsmittel angewandt hat, denn die Leute fühlten �sich am nächsten Morgen nicht nur müde, sondern auch sehr unwohl. Die Eröffnung des Hochbahn-Betriebes auf der Strecke Warschancrstrafte— Nollcndorfplats mit der Abzweigung nach dem Potsdamer Bahnhof am 1. Dezember d. I. erscheint nunmehr ge sichert. Auf der ganzen Linie ist die Geleislegung beendet und die Bahnhöfe sind fbis auf den Ausputz fertiggestellt. Die Bauzäune um dieselben sind allenthalben gefallen, nachdem die Zw stänge zu dem Bahnkörper durch schwere Eisenthüren ge schlössen sind. Gegenwärtig werden die Beläge der Vorhallen fertiggestellt,_ eine Arbeit, die nur kurze Zeit in Anspruch nehmen. dürfte. Am Potsdamer Platz fehlen allerdings noch die Zugangs-Pavillons und Treppen zu dem unterirdischen Bahnhof, doch werden diese, ebenso wie die Bcleuchtungs- und Signalvorrichiungen, bereits montiert und dürften, da die Arbeiten außerordentlich gefördert, bestimmt rechtzeitig beendet werden. räume Zeit werden aber noch die Arbeiten auf der Unterpflasterbahn Strecke Nollendorfplatz— Zoologischer Garten in Anspruch nehmen. obwohl an der Ucberführungiistrecke in der Kleiststraße die Geleise schvii gelegt sind und die kunstvoll geschmiedeten Eisenyitter gegen wärtig zur Aufstellung gelangen. Zwischen Eiscnacher- und Luther strnße, sowie auf der Endstrecke hinter der Kaiser Wilhelm-Gedächtnis kirche konnten zum Teil die Betonicrungsarbeiten noch nicht in An- griff genommen werden. Bei der Arbeit tödlich verunglückt ist gestern nachmittag der 70 Jahre alte Schmied Albert Schulz aus der Linienstr. 140 i» der Maschinenfabrik von Hillig u. Westphal auf dem cisenbahir fiskalischen Gelände an der Haidestr. 2—20. Schulz.hatte mit vier andern Arbeitern einen Eisenbahnwagen, der ausgebessert werden sollte, in die Werkstatt geschoben. Als der Wagen unversehens zurück� lief, konnte der alte Mann, der an seiner rechten Seite ging, nicht schnell genug ausweichen und geriet daher ztvischen den Wagen und den Thorpfeiler. Hierbei wurden ihm der Brustkasten und mehrere Rippen eingedrückt und gebrochen, so daß er auf der Stelle starb Die Leiche Ivurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Ein nngeblich Ermordeter, der Kellner Engel, dessen Ver- schwinden ansang vorigen Monats großes Anfsehen hervorrief, ist in Zürich ermittelt worden. Engel ivar als Lohnkellner in dem zu Waidmannslust belegenen Bergschloß-Restnurant angestellt und geriet dort eines Tages mit Gasten in Streit. Engel, der sich in stark an- getrunkene»! Zustande befand, wurde auch dem Gastwirte gegenüber rabiat und sollte entlassen werden. Am folgenden Tage war er spurlos verschwunden, und hieran knüpften sich allerhand Gerüchte. Es fanden sich Personen, die wissen wollten, daß es ztvischen dem Gastivirt und dem Kellner zn einer Schlägerei gekonmien, daß der Kellner geflohen, verfolgt und getötet, und daß die Leiche des Er schlagenen. schließlich beseitigt worden sei. Engel hatte sich noch vor Schluß des Geschäftes unter Mitnahme der Tageskasse entfernt. Wegen Ucberschrcitnng dcö ZiichtigungSrechtö ist, der„Volks Zeitung" zufolge in Charlottenburg gegen den Lehrer Kurras I von der fünften Gemeindeschulc Strafantrag durch den Vater des ge- prügelten Schülers Max Gcnkc gestellt lvorden. Die städtische Schul deputation wird sich mit der Angelegenheit befassen. Lehrer Kurras, der als ein leicht erregbarer Herr geschildert tvird, hat schon eine 21jährige Dienstzeit hinter sich und ist seit 16 Jahren in Char- lottenburg thätig. Wege» großer Betrügereien sind zwei Buchhalter eines hiesigen Warenhauses verhaftet worden. Das Treiben der Ungetreuen kam auf eine eigene Art ans Tageslicht. Bor einiger Zeit erschien auf einer Revierwache ein Dixnstmanii und teilte mit, daß ihm ei» Auftrag, den ihm ein dem Namen nach unbekannter Mann erteilt habe, verdächtig vorkomme. Er habe für ihn schon verschiedentlich kleinere Sachen zum Pfandleiher getragen. Jetzt. handle es sich aber um eine Onhx-Uhr im Werte von 300 M. Den Erlös solle er dem Manne in die Wohnung bringen. Da möchte er doch erst lieber einmal anfragen, ob die Uhr nicht irgendwo gestohlen sei. Der Verdacht, des Dienslmanncs bestätigte sich; die Onyx-Uhr war in einem hiesigen Waren Hause gestohlen worden. Als Auftraggeber des Dienstmanncs aber wurde ein Buchhalter eines andren Warenhauses festgestellt. Dieser hatte, wie der Mann jetzt iveitcr mitteilte, ihn nicht bloß mit den Gängen zum Pfandleiher, sondern auch mit dem Einkassieren von Rechnungen beauftragt. Hierbei mußte der Diciistmaim gewöhnliche bürgerliche Kleidung anziehen, weil das besser aussehe. So kam er mit Rechnungen von Geschäftsleuten und Fabrikanten, die für das Warenhaus liefern, und erhielt auch das Geld. Die Art des Kon- trollganges aber ließ es nach Anfdecknng des Schwindels ausge schlössen erscheinen, daß ein Angestellter ihn allein ausgeführt haben könnte. Die iveitercn Nachforsckungen zeigten denn auch bald daß sich zwei ungetreue Angestellte, die Buchhalter Hirsch- f e l d und K r a n z, zu dem unsauberen Treiben verbunden hatten. Sie hatten sich alte, schon bezahlte Rechnungen angeeignet. hiernach neue ausgestellt und mit gefälschten Unterschriften versehen und den Lieferanten in den Büchern entsprechende neue Conten an» gelegt. Da so die Rechnungen' immer mit den Bückicrn überein- stimmten, so stand der Auszählung nichts im Wege. Nach den bis- hcrigen Ermittlungen haben die beiden Betrüger und Fälscher das .Warenhaus um iniiidestens 20000 M. geschädigt. Hirschfcld und Kranz, die gestern nachmittags verhaftet wurden, sind beide ver- heiratet und lebten auf großem Fuße. Der Diebstahl in dem andren Warenhause, der zur Aufdeckung ihrer Betrügereien führte, ist noch nicht aufgeklärt. EntscHlich verunglückt ist gestern Freitagmittag der Scbloffer Adolf K i r st e i n aus der Pankstraße Nr. 21, der in einer Eisen- bahnsignalbauanstalt und Eisengießerei in der Uferstraße beschäftigt ivar. Kirstein brdicnte eine Walze, in der starke Bleche gezogen und geschnitten werden. Er geriet mit beiden Händen in das Getriebe. das ihm. bevor man auf sein Hilfegestbrei die Maschinen zum Stehen bringen konnte, die Hände und die Arme vollständig zer- malmte. Der Verunglückte, ein Mann in den fünfziger Jahren. wurde auf der Unfallstation 17 verbunden und dann mit einem Lllck'schen Rettungswagen nach der Unfallstation in der Flensburger- stratze gebracht. Nach Schluß der Große» Kunstausstellung lam 2v. d. M.) bleibt die Städtische A r ch i t e k t u r- A u s st e l l u n g in der Westhalle des Landesaüsstellungsparkes dem Publikum für weitere Z Wochen unentgeltlich geöffnet. Diese Ausstellung wird in der angegebenen Zeit an Sonn- und Wochentagen von 10 Uhr vor- mittags an bis zum Beginn der Dunkelheit besichtigt werden können. Der Eintritt zum Ausstellungsgebäude kann nur von der Invaliden- straße(östlicher Eingang neben der Wcsthalle) erfolgen. Kataloge können in der Westhalle gegen eine Pfandgebühr von 50 Pfg. bei dem Aufsichtspersonal entliehen werden. — Der Unterricht zur städtischen Jortbildungsanstalt am Dorotheenstädtisälen Rcalgiimnasium beginnt am 3. Oktober. Er erstreckt sich aus Deutsch, Französtich, Englisch, kausmännische Rechnen, Buchnlhrung, Handelslunde, iaufuiännische Korrespondenz, Stenographie und Maschine»- schreiben. Anmeldungen werden vom 1. Oktober ab täglich von 3—1 Uhr und von 6—7 Uhr abends, und beim Beginn der Kurse von 7—8 Uhr abends sowie vor den betreffenden Unterrichtsstunden im chevi. Auditorium der Anstalt entgegengenommen. Auch wird daselbst Auskunst und Rat in Betreff der Fortbildungsanstalt erteilt. Im Hörsaal deS königlichen Kunstgewerbe- MuseumS, Prinz Albrechlstr. 7, finden in den Monaten Oktober bis Dezember folgende drei Vortragscyklen statt: Dr. Hermann Lüer über:„Die Kunst in der Tischlerei". 10 Vorträge, Dienstag abends 8Vs— g�/s Uhr. Beginn am 8. Oktober. Professor Dr. Alfred Gotthold Meyer über „Die neuklassischcn Stilarten bis zum Tode Schinkels." 10 Vorträge, Donnerstag abends 8�s— lsi/e Uhr, Beginn am 10. Oktober. Ter Zutritt ist unentgeltlich. Die Vorträge werden durch ausgestellte Gegenstände, Abbildungen und Projektions- Lichtbilder erläutert. Inhaltsangaben über die Vorträge im Januar bis März 1902 tverden im Museum vom Dezember an ausgegeben. Das Komitee zur Errichtimg eines Lortzing-Denkmal in Berlin hielt gestern eine Sitzung ab. in der beschlossen wurde, darauf hinzuwirken, daß anläßlich des bevorstehenden hundertjährigen Geburtstages des volkstümlichen Komponisten(23. Oktober) möglichst alle Bühnen eine Lortzing-Fcier veranstalten, deren Ertrag dem Fonds für Errichtung eines Lortzing-Denkmals in Berlin über- lviesen wird. Fcnerbcricht. Am Freitag hatten sich auf dem Anhalte Güterbahnhof Preßkohlen entzündet.— Schlegelstraße 23 war durch übergekochtes Fett Feuer entstanden, während gleichzeitig in der Reichenbergerstraße 82 Gummischläuche am Gasmotor brannten. Bei einem Küchenbrande in der Mendelsohnstraße 16 wurden Möbel und der Fußboden eingeäschert. Trcptow-Banmschulenwcg. Montagabend 8� Uhr findet in der Drachenburg vor dem Schlesischen Thor eine öffentliche G e m e i n d e>v ä h l e r- V e r s a m m l u n g statt. Tagesordnung Welche Vorteile erwachsen der Gemeinde durch die Wahl von Social dcmokraten. Referent Stadtverordneter Dr. R. S i l b e r st e i n. Die Wähler ans Treptow und Baumschulcnwcg, insbesondere die ans der Lohmühlen- und Kiefholzstraße sind hierzu besonders ein- geladen. Morgen, Soimtagfrüh 8 Uhr, erfolgt eine Flugblatt Verbreitung; die Genossen werden ersucht, sich in folgenden Lokalen zahlreich eiiizufindcii: Restaurant Staffelt, Baumschulen straße und Restaurant zur Wiener Brücke, Wienerstraßc �Berlin). zpÄvto* Der politische Vereinszweck. In Schöningen im Herzogtum Braunschweig beschloß im März d. I. eine Versammlung von Social- deniokraten einen Arbeiterbildungsverein zu gründen, der unter Ausschluß der Politik(politische und gewerkschaftliche Organisationen bestehen schon am Orte) nur Bildungs- und Geselligkeitszwecke pflegen sollte. Der Verein wollte seine Eintragung ins Vereinsregister be- wirken, um Eigentum erwerben zu können. Seine Absicht war, ein Vereinshans zu errichten, desten Räume auch politischen und gewerkschaftlichen Versammlungen offen stehen sollten. Gegen die Einttagung des Vereins erhob die Polizeibehörde Einspruch mit der Begründung, daß die im Vereinsstatut angegebenen Zwecke nur der Deckmantel für politische Zwecke den, da es nicht ausgeschlossen sei, daß die Mitglieder des Vereins bei ihrem ausgesprochen socialdemokratischen Charakter den Berein sehr bald zu einem politischen machen würden, und würde dann der Verein unzweifelhaft den nmftllrzlerischen Bestrebungen der Socialdemokratie dienen. Der Vereinsborstand erhob dagegen die Klage beim Ver- Ivgltiingsgerickit in Braunschweig nnd dieses stellte sich un- gltzublicherweise auf den Standpunkt der Polizeibehörde; es wies die Klage ab. Jib der Verhandlung ivurde gar nichts Iveiter festgestellt wie die Thatsache, daß die Mitglieder Socialdemokraten seien, und ans Gnmd dieser Feststellung wird der Verein, der noch gar keine Thätigkeit entfaltet hat, dessen Statut ihm lediglich Bildmigszwecke zuwies, als ein politischer bezeichnet. Nach dieser Logik können Socialdemokrateii überhaupt niemals einen unpolitischen Verein bilden. Der Vorgang zeigt, wie wertlos das Einlragungs- recht des Bürgerlichen Gesetzbuches für die Arbeiterorganisationen ist. Poliietliches, Sßvrichtlichcs usw. — Das nackte Weib mit dem Hahnenschweif, das in der letzten Nummer des„Wahren Jakob" den Kotau vor Väterchen voll zieht, hat die Gefühle dnes Schiitzmamies in Stellin verletzt. Er ließ sich zwar nicht darüber ans, ob seine sittlichen, politischen. küiiftlerischcn oder uatnrwisfenschaftlichen Anschauungen irritiert seien. aber das hat er auch nickt nötig; es genügt, daß überhaupt irgend etwas bei ihm irritiert ist. Er verlangte also die Entfernung des Bildes ans dem Sckaufenster einer Gastwirtschaft, und als ihm nicht gleick willfahrt wurde, konfiszierte er es kurzer Hand. Hoffentlich heizt mau dem armen nackten Weibe im Stettiner Polizeihanse ordentlich ein. — Polizei beleidigt. Wegen angeblicher Beleidigung eines Kriminalbeamten wurde vom Schöffengericht i» Dresden der Genosse Kahle zu 30 M. Geldstrafe oder 6 Tagen Gefängnis verurteilt. K. hat in einer Versammlung, welche der genannte Beamte überwachte, beiläufig ganz allgemein bemerkt, daß es vorkomme, daß die Polizei mit dem Unternehmertum in Verbindung trete, um diesem Auskunft über das Verhalten der Arbeiter in Versammlniigen ic. zn geben. Wie aus dieser ganz allgemein gehaltenen Bemerkung eine Beleidigung eines bestimmten, des überwachenden Beamten, herzuleiten ist, ist nicht recht einzusehen. Einen sogenannten„Schntzvcrein für Handel und Gewerbe oll der Genosie Schund in München als verantwortlicher Redaetcur dsr„Müuchener Post" beleidigt haben, indem er ihn einen Demmzianlenverein nannte. Deshalb vom Vorstande dieses Vereins verllagt, wurde er zn 60 Mk. Geldstrafe verurteilt. In der Verhandlung wies er zwar nach, daß alle Klagen dieses Vereins gegen Gewerbetreibende wegen unlauteren Wettbewerbs abgewiesen worden waren, und das Gericht erkannte an, daß das Verhalten des Vereins in bestimmten Fällen den Schein erwecken konnte, als bediene er sich eines Spionier- und Denunziantensystems; trotzdem wurde der Redacteur bestraft. Gevich�s-"Nettirnq. Der beleidigte Minister deS Geistes. Posen, 27. September. Der Beleidigung des Kultusministers Dr. Studt ivaren die Ge nosien Dr. Rosa Luxemburg-Friedenau und Kasprzak-Posen an- geklagt. Eine im Dezember' vorigen Jahres erschienene Broschüre. w dbronie narodowosci"(in Verteidigung der Nationalität), war Gegenstand der Anklage. Die Schrift, welche unter der polnischen Be- völkerung Posens verbreitet werden sollte, behandelte de» Spracherlaß des Kultusministers Studt, der als ein Attentat auf das polnische Volk bezeichnet wurde. Außerdem enthielt die Broschüre einige scharfe Ausdrücke egen die Regierung, die aber tagtäglich in der Presse zu finden ud, ohne daß deswegen Anklage erfolgt. Die Broschüre wurde erst im Februar d. J. beschlagnahmt, nachdem die Staatsanwaltschaft aus das Ersuchen der Polizeibehörde zniiächst abgelehnt'hatte, die Konfiskation zu beantragen. Im Mai stellte der Minister des Geistes Strasantrag und die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Bald nach Eintritt in die Berhandlung stellte der Per- teidiger, Rechtsanwalt Kirschner, den Antrag, den Eröffnuiigsbeschlnß zu ergänzen: es sei aus ihm nicht ersichtlich, welche Stellen inkriminiert ivären. Der Gerichtshof gab dem Antrage tatt und der Vorfitzende verlas nach zweistündiger Beratung die inkriminierten Stellen. Die Angeklagte Dr. Luxemburg erklärt sich bereit, den Be- weis der Wahrheit für die in der Broschüre enthaltenen Behauptungen anzutreten. Kasprzak sagt aus. nur 10—15 Exemplare der Broschüre, deren Inhalt er kannte, verteilt zu haben. dem den sd, Der erste Staatsanwalt Stahmer, der zur höheren Ehre des hohen Klägers die Anklage vertrat, bezeichnete es als eine schwere Beleidigung für einen Kultusminister, der die geistige Ausbildung der Jugend zu überwachen hat, ivenn ihm der Vorwurf gemacht wird, daß er die Jugend zu geistigen Krüppeln machen wolle. Er beantragte gegen Rosa Luxemburg drei Monate und gegen Kasprzak einen Monat Gefängnis. Der Verteidiger machte zur Kennzeichnung des vom Staats- anwalt beantragten Strafmaßes in treffender Weise darauf auf- merksam, daß die Broschüre dem Staatsanwalt bereits seit 11. Dezember v. I. bekannt sei und daß es erst eifrigsten Bemühungen des Polizeipräsidenten geluiigen den Staatsanwalt überhaupt zum Einschreiten zu veranlassen. Genossin Luxemburg ivies in ihrer Verteidigungsrede darauf hin. daß man nicht einmal in der Lage gewesen sei, in der Anklage- schrift bestimmte Stellen zu inkriminieren, sondern sich in der Hauptsache in allgemeinen Redensarten bewege. Sie kennzeichnete dann das preußische Gernianisierungssystem, wie es seit Bismarcks Zeiten im Schwange war. Eine persönliche Beleidigung des Ministers habe ihr ferngelegen, zumal sie wisse, daß Herr Studt in der preußischen Politik eine' vollständig untergeordnete Stellung ein- nehme und in dem Getriebe der Regierung eines der lleinsten Rädchen sei. DaS Urteil des Gerickts lautele trotzdem auf Verurteilung. Rosa Luxemburg muß 100 Mark und Kasprzak 30 Mark Geld- strafe bezahlen. Außerdem ivurde dem Minister das Recht zu- gesprochen, das Urteil im„Rdchsauzeiger",„Poseuer Tageblatt". „Poseuer Zeitung", Dzieimik Poziianski" und„Kuryer Poznanski" zu veröffentlichen. Zu einem Jahr Gefängnis ist gestern Sacks verurteilt worden, der seinen Neffen, Füsilier Otto Sachs, auf offener Straße durch verwundet hatte. Der Soldat hatte zu der unlautere Beziehungen unterhalten. der Schlosser Karl den 21 Jahre alten zwei Revolverschüsse Frau seines Onkels Veritttiplkrkes. Der Getteidemackt schwach behauptete lieber die Typhuö- Epidemie wird aus Gelse u kirche n berichtet: Hier wurden weitere 30 Thphuserkrankungen konstatiert. Es wurde festgestellt, daß die Wasserleitung verseucht ist. Die Epidemie nimmt eine immer größere Ausdehnung an und hat auch Altenessen ergriffen. Alle Lustbarkeiten und Versammlungen wurden verboten. Iii den industriellen Werken tvird den Arbeitern Kaffee verabfolgt. Gestern wurde in mehrfachen Konferenzen der Behörden mit den Vertretern der Industrie die Frage einer zeitweiscn Ab- sperrung des Leitungswassers erwogen. Diesem Vorschlage wurde jedoch seitens der Vertreter der Eisenbahn wegen der Speisung der Lokomotiven widersprochen. Nunmehr soll die Wasserleitung mit Schweselsänre desinfiziert werden. Bergrat Müller wies hierbei auf die ungüiiftige Eimvirkung der Schwefelsäure auf die Dampskesiel hin, da hierdurch Explosionen zu befürchten seien. Katastrophe bei einer Gasexplosion. Wie der.�Frankfurter Zeitung" ans New Aork gemeldet wird,, hat in Newark(New Jersey) eine Explosion in den Gaswerken stattgefunden, bei welcher 11 Per- 'onen getötet ivnrden._ Marktpreise von«erlin an, S6. September 1001. »ach Eriilittluugsii des lgl. Pollzeipräsidiunis. Welze», gut D.-Ctr. mittel «ering Roagen, gut „ mittel „«-rilig * Gerste, gut „ mittel gering Haser, gut . mittel gering Nlchlflroh Heu Erbsen, Sveisebohne» Linsen » srei Wagen und ab Bahn. Produrteninartt vom 27. September. wiederuni matte Haltung. Amerika sandte W Oestreich-Ungarn kani unverändert und auch aus Patts wurden niedttgere Notierungen genieldet. Diese Umstände und Verlause für nahe Sichten drückten namentlich auf den hiestgen Weizenverkehr, weswegen bitte Getreide- art für Oktober- und Dezemberlieserung Vj— 3/< M. nachgab. Offerten in anierikaiilicheui Weizen sind aus erster Hand noch immer unrentabel, williger ist die zweite Hand. Roggen war für Oktoberliefemng gegen ofstziellen gestrigen Schlnh etwa>/< M. niedriger, für Dezember unverändett und für Mai 1/4 M. bester. Das Geschäft war klein und die Kauflust gettng. Mehl log unverändert. Hafer war etwas matter, Mais wenig geändert. Rüböl aus Realisationen und mangelnde Kauflust durchweg nachgebend.— Schlug für Getreide unverändert._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet am DieuStag, DonnerS- tag und Freitag von 7— U llhr abends statt. F. 2. Vielleicht kühlt sich ihr Aerger über die crhShten Barbierpreise ab, wenn wir Ihnen mitteilen— was Sie übttgens wisten würden, wenn Sie Leser des„Vorwärts" wären-, dast die Preiserhöhung erfolgt ist, damit die Geschäftsinhaber die Lohnaufbesserung, welche die Gehilfen- leider noch nicht überall— in Berlin und einigen Vorotten durchgefetzt haben, zahlen lönnen. Wenn Sie also, um sich für 10 Ps. rasieren zu lasten, jedesmal die Reise nach einem Vorort antreten wollen, so läßt das darauf schließe», dag Sie sich sehr schlecht aus die Wahrnehmung ihrer eigenen finanziellen Berhältniste verstehen, denn vorausgesetzt, daß Sie in einem Vorott einen 10 Pf.-Barbier finden, so würden Sie für den Vorteil von b Ps. den Nachteil haben, 20 Pf. Fahr- geld zu zahlen und austerdem viel Zeit versäumen. Ob das ei» vorteil- Höfles Geschäft ist, mögen Sie selber beutteileu. Wie Sie dazu kommen, von uns den Nachweis von 10 Pf.-Barbieren zu verlangen, das ist uns üti- verständlich. Wir haben keine derartige. Nachwcisstelle. H. B. Wenden Sie sich an die Borsitzeilde der Offenbacher Frauen- Krankentaste, Frau R. Othegreve, Rixdorf, Lessingstr. 3h III. N. B., Rixdorf. Wir glauben, daß sie in der Optischen Anstalt von C. P. Görz in Friedenau. Rheinstr. 45, einem der ersten Institute dieser Att, auf Ihre Frage Antwort erhalten. Bukarest. Ettter Vorsitzender des Arbeiter-Sängcrbundes ist Herr Adolf Neumann, Berlin bl, Brunnenstr. 150. Grüuberger,«. B. C. 150: Nein.— I. F. 7. Wenden Sie sich persönlich an das Patentamt, Luifenslrahe.-»4«. 1. Das Ablehnungs- gesuch wäre zwecklos. Sie müßten es schriftlich vor der Berhandlung ein- reichen. 2. Schttftlichkeit genügt. 3. Nein.— Schumann, Britz. Es muß Ihnen erst eine Jmpfaufforderung zugeben.— F. St.. Tliiickerstraste. . Der Eid hat dieselbe Form für Dissidenten wie für andre. 2. Beides sind staatliche Beamte, für die aber die Stadt zahlen muß.— H. K.. Halensee. Nicht an die Staatsanwaltschaft, sondern an das Gericht müßten Sie den Autrag richten. Eventuell nehmen Sie einen Stellvertreter. Witterniigsüberslcht vom L7. September li>01, morgens 8 llhr. Stationen wincmdc Hambnrg iZerlin Frankf./M. Iii im che» Wien Wetter o£ lE SS SS S- -- 5 S« 768 S 768 NW 768 SO 769 NNO 768 SW 760,311« Wetter 2 wolkenl 1 Nebel 1 wollenl 2.wolktg 2-heiter — Iheiter sj~ s ill 5 0 äi Stationen Haparauda Petersburg Cork Aberdeen Paris S" 76331t« 766 NW 764 SW 771j NNW Prognose für Sonnabend, den 28. September I u«t. Eboas wärmer, vottviegmd heiter und trocken bei mäßigen südlichen Winden... � Berliner Wetterbureau. Verantwortlicher Redacieur: Carl Leid in Berlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Tb- Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. ib. ZadkMü. 2. geilte iles, Jonntts" Derlmtl foteMitti S-Mbeii�zsÄMdlliM. Aus Fudttfkvie und l�uudel. Die Kohlenpreise. In der Presse wird vielfach berichtet, daZ Kohlensyndikat habe die �Absicht, für das nächste Jahr die Preise zu ermäsziyen. Die Nachricht ist nur mit großer Vorsicht aufzunehmen. Aus einem Artikel, der vor einigen Tagen im Organ der Zechenbesitzer, der „Nheinisch-Westfälischen Zeitung" erschien, ist zwar nach der Richtung eine Andeutung gemacht, aber es ist anzunehmen, daß nur für In- dustrickohlc eine unbedeutende Preisherabsetzung eintreten wird, denn daS Syndikat verteidigt seine Politik der Preistreiberei uneingeschränkt. Gegenüber derMieinuno, daß niedere Preise den Absatz auf dem Inlands- niarkt heben, hält das Syndikat daran fest, auf Kosten des Inlandsmarkts die Ausfuhr zu heben, sei es durch niedere Preise für den Auslands- markt oder durch Exportbonifikation an die Eisenindustrie. Die Forderung, den Inlandsmarkt durch niedere Preise aufnahmefähig zu machen, wird als erfolgloses Bemühen zurückgewiesen. Das Kohlen- syndikat setzt sich damit in schroffen Gegensatz zu den Interessenten der Eisenindustrie, die wiederholt über die exorbitanten Preise für Roheisen Klage geführt haben. Besonders von denjenigen geschah es, die schutzlos der Konkurrenz den Werken gegenüberstehen, die ihre Kohle und Roheisen selbst fabrizieren, und damit der Herr- schaft des Syndikats entrückt sind. Das Kohlensyndikat ver- teidigt seine Maßnahmen damit, daß es den Interessenten empfiehlt, man möge sich auch in Syndikaten zusammenthuu, um die Preisunterbietungen aufzuhalten. Wir haben selbst vor kurzem, als wir die Preisfestsetzung kritisierten, das als die nichtausgesprochene Absicht des Kvhlensyndikats bezeichnet. Es ist deshalb nur zu be- grüßen, wenn das Kohlensyndikat jetzt so offen darlegt, welche Ztvecke es verfolgt. Der Kampf wird also gegen die Abnehmer in ganz rücksichtsloser Weise weiter geführt werden, und zwar nicht nur zum Schaden der Eisenindustrie, sondern auch der Konsunienlen. Jede Syndikatsbildung treibt die Preise in die Höhe, ohne daß damit zugleich auch eine Lohnerhöhung für die Arbeiterklasse ver- knüpft wäre. Im Gegenteil, solche starken wirtschaftlichen Organisationen, wie wir sie in den Syndikatsbildungen haben, sind auch den GeWerk- schaften gegenüber gefährliche Gegner. Deni Arbeiter entsteht durch solche Erstärkungen der Organisationen der Unternehmer von zwei Seiten ein gefahrdrohender Angriff auf seine Lebenshaltung. Nicht nur der Lohn wird stark beeinflußt von diesen Trustbildungen, sondern auch als Konsument werden dem Arbeiter hohe Preise' für seine Bedarfsartikel abgefordert. Vom Standpunkte der' Volkswirtschaft ist die Auffassung des Kohlensyndikats, daß niedere Preise die Nachfrage nicht heben können, ganz unhaltbar. Jede Preiserhöhung schränkt den Bedarf der großen Masse der Konsumenten, der Arbeiterklasse, ein, wenn nicht in der Lohnerhöhung der Ausgleich eintritt. Auch für den Kohlenmarkt kommen diese Konsumenten in Betracht. Die Arbeitslosigkeit, der geringe Verdienst, wird Tausende in diesem Winter zivingen, bei den hohen Kohlenpreiscn ihren Bedarf einzuschränken, die Arbeiter lverden mit der Familie in kalter Wohnung zubringen, um zunächst den unangenehmsten Gast, den Hunger, fernzuhalten. Diese Oekouomie muß in ders Haushaltung auch da gebteterischer auftreten, wo niedere Löhne zur Einschränkung drängen. Kohle ist für unsren Wirtschaftsbedarf ein so wichtiger Artikel. daß in zahlreichen Industrien mehr oder weniger die Preise der Fabrikate von der Aufwendung für Kohle abhängig sind. Auch hier bedeutet besonders in Zeiten des wirtschaftlichen Nieder- gangs eine hohe Preislage der Produkte die Erschwening des Absatzes und damit die Verschärfung der Krise. Der erhöhte Absatz der Kohle»ach dem Ausland kann die schlimme Wirkung im Inland nicht aufheben, noch wird das Deficit des In- landes dadurch gedeckt. Die Kohlenbarone haben in den letzten Jahren so bedeutende Gewinne eingeheimst, daß eine Preis- Herabsetzung für sie kein großer Verlust ist. Unter den gegenivärtigen Zuständen hat die Preistreiberei eine schwere Schädigung des'gc sauiten Erwerbslebens zur Folge. Im Bann deS Gründerkönigs. In den letzten Jahren ist ohne Ausnahme eine überaus lebhafte Preissteigerimg für alle Metalle zu verzeichnen gewesen. Kupfer nahm dabei den Vorrang ein, denn der Preis stieg von 90,3 M. pro Doppelcentner im Jahre 1894 auf 169,2 M. im Jahre 1999. Die Anregung zu dieser Auf- wärtsbewegnng lag in dem großen Bedarf, den die Elektricitäts- industrie beanspruchte. Mit dem gewaltigen Rückgang dieses Industriezweiges mußte natürlich auch auf dem' Kupfer- markt ein venninderter Absatz und damit ein Preisdruck eintreten. Der amerikanische Kupferring, von Rv ckefeller geleitet, widersetzte sich bisher einer Preisherabsetzung und vermochte dies auch durch- zuführen, da er einen großen Teil der Kupferproduktion beherrscht. Da tauchte auf einmal die Mitteilung auf, daß die Knpfervorräte in Amerika auf 69 999 Tonnen angewachsen seien— ein Vorrat, der für den Bedarf innerhalb zweier Monate genügte. Die Angabe soll von einem entlassenen Angestellten der Anialgamated Copper Company in Umlauf gesetzt sein. Mit einem Schlage sanken in New Dork die Preise um 3Vs bis 3�/s Psilnd pro Tonne. Noch größere Panik trat an der Börse ein. Die Direktion des schon erwähnten Werks, die Amalgamated Copper Company, erklärte, daß keine Snperdividende verteilt werde und daß von den alliierten Kupfergesellschaften in Boston und Montana keine Dividenden eingegangen seien. Der Kurs dieser Aktie ist an der Nelv Aorker Börse in den letzten 14 Tagen um 21 Pfund gefallen und in Paris stürzten die Rio-Aktien um 193 Frank; auf die letzten zwei Monate zurückgegangen ein Abwärts von 499 Frank. Dasselbe vollzog sich in London; in Wien und Berlin riefen die Vorgänge all- gemein eine gedruckte Stimmung für Jndnstrielverte hervor. Man behauptet, die Manipulation soll Ivohl vorbereitet gewesen sein und bestimmten Zlveckcn der Rockefcller Gruppe, die bereits die, Petroleum- Produktion beherrscht und zahlreiche andre Gründungen betrieben hat, gedient haben. Der plötzliche Preissturz muß die schwächeren Werke stark erschüttern, wenn nicht zum Ruin treiben und sie damit der Ringbildnng gefügiger machen. Einige Werke, die außerhalb des Ringes standen, haben den Gründerkönig durch � Preisunterbietungen fortgesetzt in der Weiterbildung des Trustes gestört. Gegen diese richtet sich der wohlerwogene Kampf; diese Outsider müssen mürbe gemacht werden. Von andrer Seite wird sogar die Vermutung ausgesprochen, daß Rockefeller den Trick des- halb ausführt, weil ihm die Gründung eincS Welttrustes für Kupfer nicht gelungen ist und er versucht nun durch diese starke Erschütterung des Marktes der Widerspenstigen Zähmung. Wie dem auch sei, das Vorkomnis giebt uns einen interessanten Einblick in die Diktawrgelüste mächtiger Trustbildungen. Vom Bankkrach. Die aus der Spielhagen-Gruppe her bekannte Grunderwerbsbank, eine der bekannten Schwester- gründungen dieses Bankkonsortiums, hat falliert. Die Unterbilanz deträgt eine halbe Million. Wie festgestellt ivurde, beträgt der Verlust der Heilbronner G e w e r b e ii a n k 2 889 999 M., vom Aktienkapital und den Reserven bleiben nur 699 999 M. übrig. Die Generalversammlung der Breslaner Diskontobank hat die Herabsetzung des Aktienkapitals von 69 auf 49 Millionen beschlossen and sollen die 19 Millionen zum Kurse'.von 74 angekauft lverden. In Pforzheim ist für das Bankhaus Bloch ein Garantie- fonds von 399 999 Mk. aufgebracht, der die Weiterführung des Ge- schästs ermöglicht, damit dürste auch das Fortbestehen der S t u t t- g a r t e r Bank I. Schweizer gesichert sein. Die Staatsaufsicht über die Hypothekenbanken, wie sie von der preußischen Regierung geübt wird, ist bei dem Zusammenbruch der Hypothekenbanken vielfach Gegenstand des Angriffs gewesen. Von fachkundiger Seite wurde bemerkt, daß an die Bankinspektoren viel zu große Anforderungen gestellt würden, so daß die notwendige' strenge Kontrolle' der Banken darunter leiden müßte. Es scheint aber auch, daß für diesen Posten ein Mann bestellt war, der der Aufgabe nicht gewachsen war. Die Gutachten, die der königliche Bankinspektor Hartmann über die finanzielle Lage der Preußischen und später der Pommerschen Hypothekenbank gab, lauteten viel zu günstig und führten die Pfandbriefbesitzer zur irrigen Beurteilung des vor-- handenen Bestandes der zusammengekrachten Banken. Die lebhafte Entrüstung, die hierüber in der Peesse laut geworden ist, hängt Ivohl mit der Meldung zusammen, daß Herr Bankinsektör Hartmann aus seinem Amt scheidet. Im Interesse einer gedeihlichen Entwicklung des HypothekenbankwesenS läge es, wenn die Regierung ernstlich sich bemühte die Aufsicht mit größerer Strenge und Ge- wifsenhaftigkeit zu üben. Denn die schlechte Bankonjunktur hängt sehr innig mit der Unsicherheit dieses Bankbetriebcs zusammen. Nene Betrügereien. In Schwerte wurde der frühere Generaldirektor des Eisen- und Stanzwerkes in Brackwede, Vogt, wegen größerer Unterschlagungen verhaftet. Er hatte sich stark bei den zahlreichen sämtlich unglücklich verlaufenen Unternehmungen des nach Amerika geflüchteten V. Keienburg- Essen beteiligt, war auch bei mehreren Gewerkschaften Aufsichtsratsmitglicd, wurde aber vor etwa zwei Monaten seiner Acmter entsetzt.' Gleichzeitig erfolgte seine Entlassung als Generaldirektor des genannten Werkes. Seitdem lebte Vogt in Schwerte, wo die Verhaftung erfolgte. Betriebseinschri...kuug im Bergbau. Aus Bochum wird gemeldet: Die Zeche„Hoffnungslhal" stellt am 1. Oktober den Betrieb ein. Die ganze Belegschaft<369 Mann) ist gekündigt. Nur das Pumpwerk wird im Betriebe bleiben. Die Zeche, eine Gründung Leo Hanans, befindet sich gegenwärtig im Besitz einer belgischen Gesellschaft. Einschränkung der Brikettfabrikation. Infolge des Absatz- mangels für Feinkohlen gehen die Zechen zur vermehrten Produktion der Briketts über. Da nun aber auch hier ein überaus großer Bestand, besonders im Zwischenhandel, lagert, kommen die Interessenten auch dort ins Gedränge, und hat nunmehr der Brikett- Verkaufsverein in Dortmund beschlossen, eine Erzeugungseinschränkung von 15 Proz. für den 1. Oktober festzusetzen. Die Vereinigung rühmt sich, bisher die Preise gehalten zu haben. Socisles. Aufgehobenes Gewerbegericht. Das in der Stadt Alz ey im Großherzogtnm Hessen auf Grund deS Ortsstatuts vom 12. Juli 1869 bestehende Gewcrbegericht ist durch Beschluß der städtischen Be Hörden aufgehoben worden. Ueber die Gründe erfährt man nichts Näheres. Einer Abordnung des Gewerkschaftskartclls, die beim Bürgenneister vorstellig wurde, sagte man, sie solle einen juristischen Vorsitzenden vorschlagen, was»ach dem Gesetz gar nicht nötig ist. Kennzeichnung von Arbeitszeugntffen. Die Unternehmer erweisen sich außerordentlich erfindungsreich in dem Streben, das Verbot der Kennzeichnung von Arbeitszeiignissen zu umgehen und beweisen damit, wie unbequem ihnen jenes Verbot ist. Einen be- sonders ingeniösen Einfall hat die Schniiedeinnung in Harburg gehabt. Die von ihr ausgegebenen Arbeitszeugnisse haben folgen deS Aussehen: Harburg sElbe), den...... Entlassungsschein der Schmiedeinnung Harburgs. Der Schmiedegeselle.................... Der Schmiedege; elle..................... Der Schmiedegcselle..................... Der Schmiedcgesclle..................... Der Schmiedegeselle(Name) hat von,(Datum) bis zum (Datum) bei mir in Arbeit gestanden und ist hiermit entlassen.(Name) Schmiedemeister. ES ist, wie unser Harburger Parteiblatt berichtet, festgestellt worden, daß Arbeiter, die mit einem derartig ausgefüllten Ent- lassungSscheine entlassen wurden, worin der Name erst der fünften Reihe angefügt ist, bei keinem Harburger Jnnungsmeister Arbeit bekamen. Das Gesetz hat mit Recht für solche Kennzeichnung die hohe Strafe bis zu 2999 M. oder 6 Monaten Gefängnis angesetzt; es ist aber auch zu wünschen, daß die Gerichte in der Beurteilung solcher Umgehungsversuche die nötige Strenge anwenden und den Unter nehmen, ein- für allemal die' Lust dazu nehmen. Geviclzks Ungültigkeit der Wahl des Stadtverordneten Theodor Glocke. Unser Parteigenosse Glocke ist seiner Zeit im 44. Wahl- bezirk der III. Abteilung mit 1669 Stinunen gegen 1534 Stimmen, die auf den Antisemiten fielen, gewählt worden. Die Wahl hatte in einem einzigen Lokal, dem Artushof, stattgefunden, und zwar hatte der Magistrat folgendes angeordnet: Zur Stimmabgabe seien auch die Personen zuzulassen, die wegen Raummangels das Wahl lokal nicht betreten konnten und sich um 8 Uhr abends noch außer- halb desselben im Vorraum(Flur. Hof, Garten) befänden; nach 3 Uhr von der Straße hinzukommende Personen seien nicht mehr zuzulassen.— Die Wahl wurde nun im Klagewege angefochten. Der Kläger machte in der Hauptsache geltend,' daß es noch nach 8 Uhr Wählern möglich gewesen sei, das Wahllokal zu betreten und ihre Stimmen abzugeben. Der Bezirksausschuß nahm nach umfangreicher Beweiserhebung als erwiesen an, daß um 3 Uhr ein genügender Llbschluß nach der Straße zu nicht erfolgt iväre und daß es wahrscheinlich sei, daß zu spät gekommene Personen zu Un- recht ihr Wahlrecht noch ausgeübt und damit das Wahlergebnis beeinflußt hätten. Auf Grund dieser Feststellung erklärte das Gericht die Wahl für ungültig.— Auf die Berufung der Stadtverord- neten-Versammlung beschäftigte sich nun gestern der zweite Senat des Ober- Verwaltungsgerichts mit der Angelegenheit. Die Stadt- verordneten-Versamnilung, die die Gültigkeit der Wahl ausgesprochen hatte, in dem Prozeß' also die Beklagte war, ließ sich durch den Rechtsanwalt Hugo Sachs vertreten, während Rechtsanwalt Ullrich den Kläger, einen Gerichtsbeamten, verlrat. Nach mehr als zweistündiger Verhandlung und Beratung b e- stätigte der Senat die Vorentscheidung. Aus den Urteilsgriinden ist hervorzuheben: Wenn, wie hier, Anfang und Ende der Wahl- zeit festgesetzt sei, dann müßten Vorkehrungen getroffen werden, die verhinderten, daß nach Schluß der Wahlzeit(hier 3 Uhr abends) noch jemand zum Wahllokal Zutritt habe.• Es könne im vorliegenden Fall dahin gestellt bleiben, ob der Magistrat, wie er gethon, die Vorräume des großen Saales für die Zeit eil, es eventuellen Raun, mangels als niit zum Wahllokal gehörig bestimmen durfte. Denn der Gerichtshof sei ans Grund verschiedener Zeugenaussagen der Ansicht, daß das eigentliche Wahllokal, der große Saal, um 8 Uhr noch für 299 Personen Raum geboten hätte I Ausgabe des Wahtvorstandes wäre es deshalb geweien, um 8 Uhr die Wahlhandlung zu unter- brechen und die Thür des engeren Wahllokals, des Saales schließen zu lassen und nicht noch Leute von denen herein zu lassen, die sich draußen aufhielten. Das sei erst nicht geschehen und dann sei die Schließung, nachdem sie erfolgt war, nicht aufrecht erhalten worden, da es nach einigen Zeugenaussagen dann noch einer größeren Anzahl Personen gelungen sei, in den Saal einzudringen. In diesen Thatsachen sehe das Gericht eine er- hebliche Unregelmäßigkeit, die bei geordnetem Verfahren nicht hätte vorkommen dürfen. Ein etgentümlicher DiebstahlSfall wird in diesen Tagen vor der neunten Strafkammer des Landgerichts I verhandelt. Die Ehe- leute R i e ck werden beschuldigt, ein jetzt 83 Jahre altes Fräulein� Luise Bölling, das sie auf Empfehlung des Pastors Diestelkamp zu sich genommen und verpflegt haben, durch Diebstahl nach und nach um ihr ganzes Vermögen gebracht zn haben. Der Beihilfe sind angeklagt die Tochter des Ehepaares, Marie Rieck und die Obsthändlerin Alwine Just geb. Richter. Das alte Frl. Dölling war eine sehr mißtrauische Dame, die auch eine instinktive Abneigung gegen die Rieck gehabt zu haben scheint, denn in einem Testamentsentwurf hat sie verlangt, daß im Falls ihres Todes ihr Leichnam seciert werde, da sie Furcht hatte, daß sie vergiftet werden würde. Das alte Fräulein war außerordentlich sparsam und ihr ziemlich bedeutendes Vermögen vergrößerte sich durch Zinszuschlag von Jahr zu Jahr. Sie chatte ein Depot von 69 999 Mark auf der Reichsbank. In einem Kasten ihrer Kommode bewahrte sie ein Sparkassenbuch über circa 1699 M.» außerdem besaß sie zwei Hypothekendoknmente über 26 999 M. unh 7999 M., die sie in einem Geheimfache eines Schranke» aufbewahrte. Dieses gesamte Vermögen der Dölling. mit Ausnahme der Hypothek über 7999 M., soll die Angeklagte Rieck dem alten Fräulein gestohlen haben. Nur die 7999 M. soll sie später in das Zimmer der Dölling zurückgetragen haben, weil sie dieselben nicht verwerten konnte. Die' Hypothekendokumente hat die Au- geklagte Auguste Rieck, wie sie auch gesteht, gestohlen. Sie hat die Hypothek von 26 999 M. lombardiert, wobei sie an- gab, sie brauche das Geld zur Unterstützung ihres angeblichen Neffen, eines Polizeilieutenants. Da sie bei diesen Hypothekengeschäften auch eine notarielle Urkunde gefälscht hat, so wird sie sich' dieserhalb am 3. Oktober wegen schwerer Urkundenfälschung vor dem Schwurgericht zu verantworten haben. Die Frau Rieck leugnet in ziemlich plumper Weise, das alte Fräulein bestohlen zn habe», doch erscheint sie durch die gestrige und vorgestrige Verhandlung überführt. Montag soll der Fall'weiter verhandelt werden._ VevpÄttNttlungetv. Eine öffentliche Glasschleifer- Versammlung tagte an, Mittwoch im Gewerkschaftshaus. Girbig, der Vorsitzende des Glas- arbeiter-Verbandes, hielt einen Vortrag über den Generalstreick de» Flaschenmacher und schilderte zunächst das Entstehen und den Verlaus desselben. Der Redner wies besonders die Borwürfe zurück, bis von einigen Seiten den Flaschenmachern und der Verbandsleitung bezüglich des Gencralsstreiks gemacht worden sind, und sprach seine Ueberzeugung dahin aus, daß, wenn es den Glasarbeitern möglich gemacht worden wäre, den Streik noch bis Anfang Oktober 'fortzuführen, die Unternehmer hätten nachgeben müssen. Des weiteren verurteilte der Redner den bekannten Artikel der„Holzarbeiter- Zeitung", der zwar die Ausständigen nicht wankelmütig gemacht' habe, wohl aber ihren Kredit bei den Gewerkschaften geschädigt habe, und schildert dann das Ver- halten der Unternehmer, die jetzt an mehreren Orten in brutalster Weise gegen die Besiegten auftreten. Die Maßnahmen des Unternehmertums seien doch nicht im stände, den Verband zu vernichten. Mit erneuter Kraft müsse nun an der Stärkung der Organisation gearbeitet werden, dann würde man die Folgen der Niederlage bald überwinden. In der darauf folgenden lebhaften Debatte wurde den GeWerk- schaften der Vorwurf gemacht, daß sie die Glasarbeiter nicht genügend unterstützt hätten, und ebenso wurden die Generalkommisston und die Gewerkschaftskommission wegeil ihrer Haltung zum Streik an- gegriffen. Einsge Redner traten für den Austritt aus diesen beiden Korporationen ein, andre für die Gründung eines Lokalvereins der Glasschleifer, weil sie der Ansicht waren, daß diese Branche von der Leitung des Centrnlvcrbandcs benachteiligt werde. Ein Antrag, einen Vortrag über Central- und Lokalorganisatio» halten zu lassen, wurde dem Vorstande überwiesen.— Wegen der vorgerückten Zeit wurden die übrigen Punkte der Tagesordnung auf eine spätere Versammlung verschoben. Zu der willkürliche» Milchverteuerung nahmen am Donnerstag nunmehr auch die Rixdorfer Genossinnen und Genossen Stellung. Die von der weiblichen Vertrauensperson einberufene Volksversamm- lung, die bei Gröpler, Bergstraße, tagte, war gut besucht. Auch hier referierte Genossin Martha Tietz. Ihr Aufruf zum Kampf gegen die in der Milchcentrale vereinigten märkischen Milch- Produzenten fand, wie der starke Beifall bewies. lebhaften Anklang. Es entspann sich darauf eine rege Debatte. Einzeln» Redner und Rednerinnen glaubten zwar, den Milchpächtern auch nicht viel mehr Sympathie als den Agrariern entgegen bringen zu sollen, indessen ging doch im allgemeinen die Auffassung fast aller Redner dahin, daß die Arbeiterschaft um des eignen Interesses willen die Milchhändler in dem augenblicklichen Kampfe unterstützen müsse.— In einer Resolution verpflichteten sich die Versammelten, die wucherischen und gemeingefährlichen Pläne zur Milchverreucrung mit allen zulässigen Mitteln zu bekämpfen und namentlich dafür zu sorgen, daß die Frauen des arbeitenden Volkes die Geschäfte meiden, in denen Ringmilch zum Verkauf gestellt wird. — Man machte dann noch darauf aufmerksam, daß durch Plakate, die den Stempel des Vereins der Milchhändler tragen, die Ge- schäfte kenntlich gemacht werden würden, wo es ringfreie Milch giebt. Eine öffentliche Kommunalwählev- Versammlung für Schöneberg fand unter starker Beteiligung am Mittwochabend in Obslls Festsälen statt. Stadtv. Dr. Frendenberg stellte in seinem Referat zunächst fest, daß in diesem Kampfe um die Kommunalvertretung der dritten Abteilung der Socialdemokratie eine ans verschiedenen Bereinsgimgen zusammengesetzte bürgerliche Partei entgegensteht, die sonst in wohl allen Frag?» des öffentlichen Lebens weit auseinandergehen, und daß ein solchergestalt zusammengewürfeltes„Programm" in der Wahlperiode gar oft gewechselt wird, im Gegensatz zu dem auf festen Füßen stehenden einheitlichen Progranim der Socialdemokratie. Und wie die freisinnige Mehrheit der' hiesige» Körperschaft seine kommunalen Pflichten erfüllt und seine bei jeder Wahl gegebenen Versprechungen hält, das zeigt sich am besten bei der Frage zum Wahlrecht, beim Ausbau von Schulen und am allerbesten in der hiesigen Kranken- hausfrage, daß eine Stadt von beinahe 199 999 Einwohnern noch weit hinter dem kleinsten Orte Deutschlands zurückbleibt. Auf dem Papier sieht sich das Mischniaschprogramm ganz gut an, was soll eS aber heißen, wenn z. B. dasteht:„Stärkere Heran- ziehung des wachsenden Wertes des Grund und Bodens zur Steuer- belastung" und man hinterher sieht, daß auch die— Haus- und Grundbesitzer ein solches Programm nnterzeichnet haben. Welche Ironie I Der Referent schließt mit der Aufforderung an die Versammelten, anr Tage der Wahl nur dem Kandidaten der Socialdemokratie ihre Stimme zn geben.— Nachdem sich verschiedene Redner in demselben Sinne ausgesprochen hatten, schritt man zur Aufstellung der Kandidaten. Da die dritte Abteilung neun Vertreter zu stellen hat, von denen vier Hansbesitzer sein müssen, wurden für den 1., 2., 4. und 9. Bezirk Genosse Obst, für den 1. Bezirk Wollermann, für den 6. Bezirk K ü t e r, für den 6. Bezirk Bäumler, für den 9. Bezirk Hoffmann und für den 19. Bezirk D ä u m i g einstimmig als Kandidaten auf- gestellt. Die Zugehörigkeit der Straßen zu den einzelnen Bezirken wird an andrer Stelle bekannt gegeben. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, den Magistrat zu ersuchen, in Anbetracht der großen Ausvehnung der Wahlbezirke und da ein großer Teil der Wähler außerhalb Schönebergs beschäftigt ist, die Wahlzeit bis abends 9 Uhr zu verlängern. . Der Verband der Portcfcuillcr sOrtsverwaltimg Verrm? be- schäfiigte sich in seiner am 17� b. Mts. abgehaltenen Generalversammlung niit der Angelegenheit des Mitgliedes Arno Schulze, die schon aus einem früheren Vcrsammlungsbericht bekannt ist. Hierauf ivurden folgende Wahlen vollzogen: Ortsverivaltung: C. Müller, 2. Bevollmächtigter; Braun erster. Hütter, zweiter Schrift- fiihrer; Wehlitz, Beisitzer: Kaczmirzeck, Revisor.— Agitations-Kom- mission: Killian, Munder, Gchrickc, Gustav Schonfeld.— Arbeits- nachweis-Kommission: Baumgart, Schwalback, Krebs.— Rechtsschutz- Kommission: K. Hauptmann, Henschel, Ernst, Müller und Teubenert. Den Glasarbeitern wurden IS M. und den Tabakarbeitern 10 M. bewilligt. In Pankow tagte am Dienstag eine Volksversammlung, in der Genosse Arons einen Vortrag über den Wert der Konsum- genossenschaften hielt. Es soll, wenn möglich, am 1. Januar eine Verkaufsstelle des Konsumvereins Berlin Nord in Pankow errichtet werden. Um die Aufnahme von Mitgliedern zu erleichtern, wurden aufjer bei Frau Werner, Berlinerstr. 7S, noch Zahlstellen bei Hoff« mann, Mühlenstr. 25, und bei Blaurock, Wollankstr. 113, errichtet. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 29. September, vormittags lOV. Nhr, in Kellers großem Festsaal, Koppenstr, LS:„Feier der Jugend- aufnähme,"(Konfirmation,) Die Festrede hält Herr Dr. Bruno Wille. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen, Zlllgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E, H, 29 Hamburg), Filiale 7, Sonntag, den Lg. September, vormittags 10 Uhr, bei Bergmann, Pasewalkerstr. 3: Mitglieder-Versammlung, Fiir den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dein Publiktim gegenüber keinerlei Berantwortnng. Theatev. Sonnabend, 28. September. Opernhaus. Die Zauberflöte. An- fang T/, Nhr. Schanspiclhans. Der kommende Mann. Anfang 71/, Uhr. Neues Opern- Dhenter tKroll). Die Fledermaus. Anfang 71/2 Uhr. Im Trianon- Theater:„Lebende Lieder". Anfang 8 Uhr. Schiller. Jugend. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Die Hoffnung. Ansang 7-/- Uhr. Berliner. Die Goldgrube. Anfang 7V2 Uhr. Lessing. Flachsmann als Erzieher. Anfang 7>/z Nhr. Residenz. Sein Doppelgänger. Bor- her: Im Coupö. Anfang 71/2 Nvr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- fang 71/, Uhr. Westen. Martha. Ansang 7�/, Uhr. Seccssionsbnhne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Anfang 8 Uhr. Central. Giroslö-Girvfla. Anfang 71/2 Ubr. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- fang 7�2 Uhr. Luisen. Der Goldbauer. Anfang 8 uhr. Carl Weift. Berliner Rangen. An fang 8 Uhr. Friedrich-Wilhelmstiidtifches. Die Landstreicher. Ans. 7� Uhr. Bellc-AIliance. Talolo. Anfang 8 Uhr. Metropol. Speclalitätenvorstellung. Schön war's doch. Anfang 8 Uhr. Slpollo. Specialitäten- Vorstellung. Frau Luna. Anfang 7Vz Uhr. Passage- Theater. Damen- Ring kämpfe. Specialitäten-Vorstellung. Anfang nachmittags S Uhr. Passage> Panoptikum. Specialis täten-Vorstellimg. Reichshallen. Stettiner Sänger. Anfang 8 Uhr. Palast. Specialitäten-Borstellung. Rosensonntag. Anfang 8 Uhr. Urania. Tanbenstr.•Ilt/tv.(Im Theatersaal.) Abends 8 Uhr: Ueber den Wolken. Juvaltdenstrafte S7/0S. Täglich abends von 5-10 Uhr: Stemwarte. Urania. Tautoen-Strasse 48/49. Im Theater um 8 Uhr: Ueber den Wolken Invalldenstr. 57/02. Sternwarte. Castans Panopticum. Friedrlchstr. 165. STen! Nea! Neu! Der künstliche Mensch! Die sensationellste Erfindung der Neuzeit: Der„Clou" der Pariser Welt- Ausstellung. Vorstellungen: 12 Uhr mitt., 3, 5, 6, 7 Uhr nachmittags. An die Mitglieder des Vereins der Berliner Bnchdrncker«nd Schriftgietzer. Sonntag, den 29. September, vorm. präc. 10 Uhr: SlhilierÄitlllel' (Wallner-Theater). Sonnabendabend 8 Uhr: Jagteiul. Ein Ltebesdrama in 3 Aufzügen von Max Halbe. Sonntagnachmittag 3 Uhr: WUKeiin Teil. Sonntagabend 8 Uhr: Heimat. Montagabend 8 Uhr: _ Jngend._ Central-TIiratrr. Heute Anfang 7l/2 Uhr. Zun: 8. Male mit ganz neuer Ausstattung an Kostimen, Dekorationen u. Requisiten. Girof l£- Girof la. Operette in 3 Akten von L e c o c q. Hauptdarsteller: Mta Werber, Henny Wtldner, Louise Albes, Sigmund Kunftadt, Carl Schulz, Emil Souderinann. Morgen, nachmittags 3 Uhr: Volkse tümliche Vorstellung zu halben Preisen. Zum 758. Male: Die Geisha. Abends 7»/, Uhr: Grotls-IZlroklä. WUWWU » Garten. p Täglich nachm. 4 Uhr: Grosses Konzert. Bei ungunstiger Witterung Im Saal. Dniree 1 Mk.; ab 6 Uhr nachmittags 50 Pf., Kinder die Hälfte. Vom 1. Oktober ab 5 Uhr nach- mittags 50 Pf. Entree. IHetropol-ThGater. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas a. G. Joseph Joseph! a. D. H. Bender. G. Kaiser. Else de Yere a. D Frid-Frid. F. Georgeiie. Gastspiel: Saharet! Anfang 8 Uhr. Rauchen überall gestattet. Thalia-Theater. Dresden erstr. 72. Heute u. folg. Tage: Cm tolles Geschäft. Grobe Ausstattungspoffe mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. Paula Werm in 8 Verwandlungen. Guido Thlolscher In 11 Verwandlungen Fritz Helmerding als Wolzogen. (Junkarmann, Boje. Anfang B/z Uhr. C!«R'I�V«jS8.shes!cl' Gräfte Fraukfurterstr. 133. Rachmtttag 4 Uhr Kindervorstellung: Aschenbrödel. Ikindermärchen mit Gesang in 6 Bildern von A. v. Hahn. Preise der Plätze sehr klein: 10, SO, 30 und 50 Pf. «lbends 8 Uhr! Abends 8 Uhr! Berliner Rangen! Große Ausstattungspoffe mit Gesang lv 5 Akten und 7 Bildern v. G. Albert. Musik von R. Leonard. Sonntagnachmittag 3 Uhr bei kleinen Preisen: Liane, die zweite Frau. I Abends TV« Uhr: Berliner Rangen. Casino-Theater Liothrlngrerstrasse 87. tl Glänzender Erfolg der Saison!! SteidN. Perlin m.- Berlin w. Ans. wochent. 8, Sonntags 7 Vi Uhr. t Sonntag, den 29. September, nach- mittags 3 Uhr, zu kleinen Preisen, Studierende und Schüler halbe Preise: Kathnn der Weise von Lessing, unter Milwhkung hervorragender Kräfte. Palast-Theater fr. Feen-Palast. Burgstr. 23. Direktton: Winkler u. Fröbel. Täglich: Unbeschreiblicher Erfolg des Sensations-Programms. Hochinteressantes Künstler-Personal. Willi»», IVcubertl. Karl Braun. F.ndlich allein. Der Komponisten-Wettstreit. Direktor Wilhelm Fröbel in der allabendlich bejubelten Gesangsposse IPP* Rosensonntag"TRJ Lebende Rlesen-Photographien. Ansang 8 Uhr. Kassenöffnung 7 Uhr. Billet- Vorverkauf von 11-1 Uhr. Chordamen können sich melden im Bureau von 11 bis 1 Uhr._ im Cirkas �chmuami. Karlstraße. 1. Berichterstattung der Tarif- Vertreter über den Verlans der Tarisverhandlnngen. 2. Diskussion. Werte Kollegen! In Erwägung, daß die Bedeutung dieser Versammlung von j e d e m Mitgliede erkannt wird, nahm der Borstand Beranlaffung, den größten Saal Berlins zur Abhaltung dieser Versammlung zu mieten, um somit jedem Mitgliede Gelegenheit zu geben, an dieser hochwichttgen Versammlung teilnehmen zu können. Der Vorstand erwartet daher nicht nur, daß a l l e Mitglieder zur Stelle sind, sondern e. sucht auch um äußerst pünktliches Erscheinen, damit die Verhandlungen durch Nachzügler nicht gestört werden. Außerdem werden die Vertrauensleute ersucht, den Mitgliedem per Eirkular von dieser Versammlung Kenntnis zu geben und es denselben zur Pflicht zu machen, ohne Ausnahme sich daran zu beteiligen. Die Vertrauensleute nehmen in der Manege Platz. Mit kollegialem Grub s35/11* Der Vorstand: Msssini, Vorsitzender. Verband der Möbelpolierer. Montag, den 30. September, abends 8 Uhr, Friedrich Karlstr. 11: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Unsre Organisation früher und jetzt. 2. Wahl. 3. Verschiedenes. Alle Kollegen von Friedrichsberg, Lichtenberg. Friedrichsfelde und Rummelsburg werden ersucht, pünktlich zu erscheinen. Mittwoch, den 2. Oktober, abends 7 Ith«;: Sitzung der Vertrauenslniimler. Für Süd-Out: Skalitzerftr. 59 bei IHctzner. „ Ost: Friedrichsbergerstr. 11 bei Urban. „ Norden: Swinemnnderstr. 26 bei Irmer. Da eine neue Werkstelleuliste angelegt werden soll, müssen sämtliche, auch die kleinen Werkstellen vertreten sein. s147/17 Sonnabend, den 5. Oktober, Koppenstr. 20: Stiftung s � F©st. Auftreten des Berliner lllk-Trio.— Festrede vom Kollegen G. Reuter. Während der Vorstellung im kleineu Saal, nach derselben in beiden Sälen AM" TANZ. Billets: zu haben. Herren 50 Pf., Damen 30 Pf., sind heute in den Zahlstellen Oer Vorstand. Girkas Albert Schumann. Renz-Gebäude. Karlstrasse. Sonnabend, den 28. September, abends präc. 7V2UI)r: 1. Grande Soiree Hlgh-Llfe, SST* Oalaprogratnm. VNj U. a. zum 3. Male: Das SH?" Schulpferd WW in Fmid Flawii. Alb. Schumann. Ferner: Die phänomenalen Ame- rikaner b Johnsons. Frau Mathilde Renz. Herr E. Renz. Frl. Dora Schumann. Die beiden Chinesen Carry und Mörla. Die einzigen dressierten 3 MeharaS, vorgeführt von den Französinnen Mlle. Blanche, Mlle. Rita Alarty u. Möns. Sanvet. 8 Eugens. Adolph u. Coco. Wei-hei-wei-Marsch. 100 Damen ic. zc. onntag, den 29. d. Mts., nachm. 3-/z Uhr und abends 7«/- Uhr 2 gr. brill.Vorstellunngen. Nachm. 1 Kind frei. Cirkus Busch Bahnhof Bürne. Gala-Premiere DM- Hcntc Sonnabend, den 28. September. Anfang V-b Uhr- Socialdemokratiseher Wahlverein für den 2. Berl. Reiclistags-Walilkreis. Am Mittwoch, den 25. d. M., ver- starb unser Mitglied 238/12 Emil Haberland. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. d. M., nach»,. 3V, Uhr, aus dem Friedhof der Gemeinde„Zum heiligen Kreuz" in Mariendors statt. Um rege Beteiligung ersucht Oer Vorstand. herzlicher nven an- Für die vielen Beweise Teilnahme und Kranzspen! läßlich der Beerdigung meines lieben guten Mannes Ott« �Velitvi't sage ich allen Verwandten, Bekannten, sowie dem Deutschen Holzarbeiter- Verband und den ehemaligen Kollegen meinen herzlichen Dank.[24162 Witwe Hedivi� Welnert nebst Kind. Allen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann und unser guter Vater, der Gürtler Emil Haberland am Mittwoch, den 25. d. M., ver- starben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. d. M., nachmittags Zi/z Uhr, von der Leichenhalle des Kreuz-Kirchhofes in Mariendorf a»S statt. 752b Die trauernden Hinterbliebenen. Denlseher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. T odes � Anzeige. Am Mittwoch, den 25. d. M. ver- starb unser langjähriges Mitglied, der Gürtler 119/5 Emil Haberland. Chre seinei» Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 29. 9. 1901, nachmittags 3�/, Uhr, von der Leichenhalle der Heiligen Kreuz-Gemeinde in Mariendors aus statt. Die Ortsverwaltung. Socialdemokratiseher Walilverein für den 4. Berl. Reichstags- W ahlkreis. (Osten.) Todes-Anzclse. Am Dienstag, den 24. September, starb unser langjähriges Mitglied, der Schmied Msniin Zehner« Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 29. September, nachmittags 3!/z Uhr, von der Leichenhalle des Markus-Andreas-Kirchhofs in Wil- Helmsberg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet 266/3_ Der Vorstand. Cirkus Renz-Konzert-Tnunel Karlstrasse. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direttion: Sonntags 5 Uhr. L PS 0 1 S 1 1 tz Ü t SQ. J. M. H ü 1 1. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung; Tans ohne Nachzahlung. J. Brünn, �Bahnhof Börse) Hackescher Markt 4 Nach beendeter EngroS- Saison gelangen jetzt im Einzel- verkauf große Lagerbestände meiner TvppIvIkv! Oardinen! Portieren? 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Um zahlreiche Beteiligung ersucht Her Vorstand, Zahlstelle Berlin I. «ockldtWkrat. WWemn Ngnulwes-Neutnilorf. Am Mittwoch, den 26. d. M. ver- starb plötzlich infolge eines Unglücksfalles unser langjähriges Mitglied, der Genosse Wilhelm Gebauer. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. 203/10 Die Beerdigung findet am Sonntag, d. 29. d. M., nachmittags 3 Uhr, statt. Die Parteigenossen werden gebeten, sich reckst zahlreich zu beteiligen und sich im Vereinslokal um 2 Uhr zu versammeln. Ber Vorstand. . Stippekohls Restaurant Köpenick, Schöuerlinderstr. 5. Arbeiter- Verlehrslokal. Für gute Speisen u. Gettänke ist bestens gesorgt. Dr. Schünemann, Specialarzt für Haut-. Harn- und Fraueuleide». Scydelstr. 9. Sprechstunden: V212— Va3, Vi6-V,8. Achtung I Gesangverein Kreuib erger Harmonie. Treffpunkt der Sänger 3>/« Uhr auf dem Hl. Krcuz-Kirchhos. (Siehe obige Annonce.) 753b Jeder Arbeiter Jeder Handwerker sollte zur Arbeit die Lederhose Berknies tragen. Allein-Verkauf. 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