Nr. 230. Abomuments Ktdingiingen: Obonncmcnt«-Prei» pränumeranbo: «ierteljährl. 330 SDJI., ntonatl. 1,10®»., wöcheiillich 28 PIg. frei In« Hau«. Slmelne Numw'r 6 PIg. Sonntag«« Nummer mit iduntietui Sonniag«- ffieUage„Sie Neue SBelt" 10 PIg. Past- Vlbonnement: 1,10 Marl pro Monat, Singelragen in ver Post- Zeilung»- Prei«liste für lv»l unler Nr. 7071. Unier«reuzbanv für Deutschland una Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland g Mark pro®!onat. Erscheiut iiislich«ulier»oufag«. Devlinev VolKsblakk. 18. Jahrg. DI« Jnserffons-Geliflyr betrügt für die fechsgefpallene Kolonel» jeile ober deren Raum 40 Pfg., für poltttfche und gewerkf chaflltche Vereins- und Versammlung«- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Ansetgen" jede» Wort 5 Pfg. (nur da« erste Wort feil). Inserate für die nächste Nummer müssen dt« 4 Uhr nachmittag« in derErpeditton abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend«, an Sonn- und gestlagen dt» s Uhr vormittag« geöffnet. Delegramm- Adresse! „Sorl»ldrmokr«t Btrlin" Centrawrgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Kedaltkwn: 8�.19. Benth-Skratze 2. Fernsprecher: Zltiit I, Nr. 1508. Mittwoch, den 2. Oktober RVOI. Expedition: sw. 19, Veuch- Striche 3. Fernsprecher: Slnit I, Nr. 51S1. Unabhängigkeit oder Absolutismus? Die politische Vormundschaft, welche die staatlich«, Organe kraft der Städte-Ordnung über Berlin ausüben, soll— dem Anschein nach— durch eine die künstlerisch-ästhctischen und vcrkehrstechnischen Aufgaben der Stadt leitende Obervormundschaft deL Kaisers er- weitert werden. Die letzten Tage haben in dieser Beziehung für Magistrat und Stadtverordnete von Berlin zwei Fragen ausgerollt, die Prüf- stein dafür sein werden, wie weit das freisiiniige Bürgertum noch iin stände ist, seine Selbständigleit und Unabhängigkeit zu verteidigen und zu schützen. » Seit einigen Jahren arbeitet eine Deputation, aus Mitgliedern beider städtischen Körperschaften gebildet, an der künstlerischen Ans- schmückung der öffentlichen Plätze und Parks, wozu ihr jährlich 100 000 M. zur Verfügung stehen. Mit besonderer Sorgfalt ist ein Projekt bearbeitet worden, welches dem Eingang zum Friedrichshain einen künstlerischen Schmuck geben will, der die Tausende von Kindern, die dort ihre Freistunden bei lustigem Spiel verbringen, in die Märchenwelt einführen soll. „Schneewittchen" und.Dornröschen" sollen Augen und Herzen der Kinderschaar erfreuen und die harmloS-fröhliche Jugendlust wird noch gesteigert werden durch das komische Beiwerk, welches in Ge stalt von Tieren, Blumen und Menschen die wasserspendenden Stein. brunnen umgiebt. Der leitende Architekt, die städtischen Auftraggeber, die aus� führenden Künstler, allesamt haben geivettcifcrt, um ein schönes Kunstwerk zu schaffen— die öffentliche Kritik hat mit Anerkennung und Lob nicht gespart— nur dem Kaiser scheint Idee und Aus- führung nicht zu gefallen. Das wäre ja nun an sich ffiicht von Bedeutung, denn das absprechende Urteil eines— wenn auch künsilerisch veranlagten— Laien kann natürlich die mehrjährige Arbeit einer Anzahl hervor- ragender und allseitig anerkannter Architekten und Bildhauer nicht herabsetzen— aber, und damit gestaltet sich die An- gelegenheit zu einem Konflikt zwischen der Stadt und dem Träger der Krone, der Kaiser hat Einspruch gegen die Vollendung und Aufstellung der Märchenbrnnnen im FriedrichLhain erhoben. Wir lassen uns auf eine Würdigung etwaiger künstlerischer Gründe des Einspruchs nicht ein— das könnte vielleicht vor dem Forum der Kunstakademie geschehen— wenn die Anfstcllung der Märchenbrunnen von der kaiserlichen Geuehmignng abhinge, und wenn ein Einspruchsrecht deS Kaisers durch die Gesetzgebung be- gründet wäre. Davon ist aber gar keine Rede, und wenn dem Kaiser die Märchenbrunnen nicht gefallen, so wird das den Künstlern gewiß leid thun— aber schön, anmutig, und zweckentsprechend bleibt daS Kunstwerk doch, auch wenn sein Schöpfer nicht Neinhold Begas ist. Es mutz Aufgabe der städtischen Körper- schaften sein, Klarheit darüber zu schaffen, ob die Meinung des Kaisers, die Gestaltung aller öffentlichen, auf Kosten der Stadt errichteten Bild- und Bauwerke sei von seiner Entscheidung ab- hängig, in den Gesetzen ihre Begründung findet. Nach unsrcr Ansicht ist dies nur bei Denkmälern für Familien- Mitglieder des Kaisers der Fall— und hierin ist wohl nach Schaffung der steinernen Hohenzollern-Allee der Bedarf vorläufig gedeckt. Die Frage geht weit über den Einzelfall hinaus— sie drängt der Bürgerschaft und ihren Vertretern die Entscheidung darüber auf, ob sie sich unter die künstlerische Obervormundschaft des Kaisers stellen wollen. DaS ist der Kernpunkt der Frage— da hilft kein Drehen und kein Wenden, wie es ein Teil der liberalen Presse bereits versucht. Unabhängigkeit oder Absolutismus? Magistrat und Stadtverordnete haben daS Wort I «* * Wie bei den Kunstanlagen— so bei den Verkehrsanlagcn Ober- Vormundschaft des Monarchen. Der Magistrat veröffentlicht den Schriftwechsel über die geplante Straßenbahn über die Stratze„Unter den Linden" im Zuge der Neustädtischen Kirchstratze. Trotz des unanfechtbaren Nachweises der technischen und Verkehrs- Hindernisse, die der Ausführung der Tnnnellierung entgegenstehen, soll es bei dem.Wird unterirdisch gemacht" bleiben. Auch hier soll— nachdem die zuständigen und verantwortlichen Behörden ausdrücklich— sogar unter Bezugnahme auf eine Meinungs- äutzcrung des Kaisers— das städtische Projekt gutgeheißen, die geänderte Meinung des Kaisers Geltung erlangen. Da die Untertunnelung auf eine so kurze Strecke eiste nicht zu ertragende Verkehrsstörung in den betreffenden Straßen hervor- rufen muß, so kann da? kaiserliche Projekt nicht ausgeführt werden. Auch in dieser Frage find die sachverständigen Techniker vollkommen einig und halten im Verein mit der Verkehrsdeputation und dem Magistrat die vom Kaiser angeregte Art der Ausführung Verkehrs- hindernd, wirtschaftlich falsch und technisch gefährlich. An diesem Konflikt zwischen den städtischen Interessen und der kaiserlichen Machtsphäre zeigt sich, wie notwendig eS ist, daß die Verkehrs- und Sicherheitspolizei an die Stadt abgegeben wird. Der Einspruch des Kaiser« gegen die Ausführung des städtischen Projektes ist nur möglich, weil Polizeipräsident und Minister bei Verkehrs- anlagen die staatliche Genehmigung zu erteilen haben und weil diese Organe bei ihren Entscheidungen sich an die Befehle des Kaisers gebunden erachten. Nur so erklärt sich die eigentümliche Erscheinung. daß die AnZführung eines Planes, der die Zustitnmuiig der staatlich zuständigen Organe bereits gefunden hat, durch Eingreifen des Kaisers verhindert werden kann. Das sind ganz unhaltbare Zustände, die beseitigt werden müssen wenn nicht dem Privatkapital die städtischen Straßen und Plätze zur Ausbeutung preisgegeben bleiben sollen. Es ist unmöglich, daß die großen Aufgaben auf dem Gebiete des Verkehrswesens gelöst werden können, wenn die städtische Verwaltung auf Schritt und Tritt durch polizeilichen, ministeriellen und zuletzt königlichen Einspruch gehemmt werde» kann. Fort mit der Bevormundung— das ist das einzige Mittel, durch das die Stadt in die Lage gesetzt werdet! kann, ihre Verkehrs- aufgaben zu erfüllen. Die Stadtverordneten- Versammlung wird in ihrer nächsten Sitzung den ihr vorgelegten Schriftwechsel beraten. Dabei wird der Magistrat wohl Auskunft darüber erteilen, ivarum denn die Briefe über die Nachsuchung und Berlveigerung der vom Oberbürgermeister gewünschten Audienz fehlen. Diese Lücke mutz noch ausgefüllt werden— vielleicht liegt gerade darin die Aufklärung über das fast unbegreifliche Festhalten an dem kaiscr lichen Diktum auch nach dem ausführlichen technisch- Wirtschaft lichett Exposs des Magistrats, in ivelchem die Unausfnhrbarkcit deS kaiserlichen Wunsches nachgeivicsen wird. Auch die Frage, wem die Anlage neuer städtischer Verkehrswege untersteht, hat sich nach und nach zu einem Konflikt zwischen Stadt und Kaiser ausgereift. Auch hier muß es zur Entscheidung kommen, ob die städtische Verivaltung die Fesseln der Bormundschaft auf die Dauer tragen will. Unabhängigkeit oder AbsolutiSinus? so steht auch hier die Frage Hie Rboäus, Iiis salta! Awttkrfche Landtagöwahlcn in Böhmen. -st- Wien, 2g. September. Die Programme sind ausgeschickt, die Kandidatculisten sind fertig, und in zehn Tagen ivird in Böhmen das Wählen beginnen. Große Ueberraschnngcn wird das Wahlergebnis nicht bringen; die Veränderungen, die die Neuwahlen an der Zusammensetzung des Land tages hervorrufen werden, sind schon vor der Wahl zu ermessen. Vor allem iverden im Landtag, zitin erstenmal nach dem slavcn freundliche» Umschwung des Jahres 1379, die verfassungs- treuen Großgrundbesitzer vertreten sein. Der Groß gruudbesitz wählt zum böhmischen Landtag 70 Abgeordnete, von diesen 16 der fideikommissarische Großgrundbesitz' und 64 der allodiale. Nun ist das ganze Land Ein Wahlbezirk, sodaß selbst die geringfügigste Majorität die ganze Minorität des Landes nullificieren kann. Wenn ein solches Wahn sinniges Privileg die Beurteilung nach dem Gesichtspunkte der Gerechtigkeit verträgt, so mich zugestanden iverden. daß das bisherige Verhältnis ein unhaltbares ivar. Die Feudalen sind um etwa zehn„Wähler" stärker und haben 64 Mandate— der fidel kommissarische„Wahlkörper" gehört ihnen unbestritten— wogegen die um ein geringes schivächere verfassungstreue Minorität im Land tage ganz unvertreten war. Dem diplomatischen Talent des Herrn v. Körber ist es gelnngen, dieses.Unrecht" durch ein Kompromiß zu beseitigen: die Feudalen überlassen den Verfassungstreuen 21 Maudaie, ivofür sich beide Parteien auf eine gemeinsame Liste geeinigt und verpflichtet haben, im künftigen Landtag eine Wahl- reform zu betreiben, die zum Landtage dasselbe Wahlsystem ein- führt, wie es zum Ncichsrate gilt: die Zerleilung des Groß- grundbesitzeS in territoriale Wahlbezirke; dadurch wird nämlich den. deutschen" Großgrundbesitzern eine unbestrittene Vertretung von 26 Mandaten verbürgt. Es ist nicht zu leugnen, daß Herr v. Körber mit der Herbeiführung des Kompromisses eine politische Kraftprobe ersten Ranges geleistet hat. Mag die Nachgiebigkeit der Feudalen auch von der Erwägung beeinflußt ivorden sein, daß ihre Majorität nicht gar so sicher sei, daß es also dem Drucke der Rc- giernng und der Krone gelingen könnte, das„Kompromiß" auch gegen den Willen der feudalen Oligarchie durchzusetzen: sicher ist. daß sie, die sich als die geborenen Verivaltcr Ocstreichs fühlen, dem Willen der Regierung sich gefügt haben. Mit ivelch innerem Wider- streben zeigt der Rücktritt des Prinzen Friedrich Schwarzenberg, des czechisch-feudalen Heißsporns, der öffentlich erklären ließ, er billige das Kompromiß nicht und wolle keinen Teil daran haben. Herr v. Körber, in dem die Lobkowitz und Schivarzenberg nur einen politischen Parvenü sehen, muß darauf gefaßt sein, daß die feudale Fronde die ihr angethane Demütigung nicht vergessen und nicht vergeben Wird; er wird sie nun nur noch empfindlicher auf allen Hintertreppen finden, auf denen in Oestreich Geschichte gemacht wird. Für die nationalen Streitpunkte mag der Eintritt der„deutschen" Großgrundbesitzer eine geivisse Bedeutung erlangen; für den Charakter des Landtages in politischer und socialer Hinsicht ist es natürlich ganz gleichgültig, ob der feudale Franz Thun oder der liberale Ostoald Thun, ob der Grundmagnat Schivarzenberg oder der Grundmagnat Fürstenbcrg im Landtage die entscheidende Stellung inne hat. Großgrundbesitzer bleibt Großgrundbesitzer; nicht die Trüger oder Nutznießer des Privilegs— das Privileg s e l b st ist es, von dem die Korrumpierung der politischen Machwcrhältuisse ausgeht. Und dieses Privileg ist so ungeheuerlich, daß nur die östreichische Stumpfsinnigkeit es aushalten kann. Der feudale Großgrundbesitz zählt 47 Wähler und wählt in�den Landtag 16 Abgeordnete: eilt Abgeordneter entfällt also schon auf drei Wählerl Der allodiale Großgrundbesitz umfaßt 399 Wähler und wählt 64 Abgeordnete; auf sieben Wähler ein Ab- geordneter! Und die Arbeiter des eigentlichen Industrielandes Ocstreichs haben im Landtag nicht einen einzigen Vertreter! Die 47 Feudalen wählen auch fünf Neichsrats- Abgeordnete, aber siebenundzwanzig von ihnen sind Mitglieder des Herrenhauses, wirken also an der Gesetzgebung direkt mit. Das Schreckliche, wahrhaft Niederdrückende an diesem scheußlichen Privileg ist aber der Umstand, daß es ohne die Erlaubnis der Privilegierten weder abgeschafft, noch vermindert werden kann. Die östrcichischcn Landesordnungen enthalten nämlich die Bestimmung— sie wurden mit ihr im Jahre 1861 oktroyiert—, daß zu jeder Ab- änderung der LandeSordnnng und Landes- Wahlordnung nicht nur die Zweidrittcl-Majorität der Abstimmenden, sondern auch die Anwesenheit von drei Vierteln der gesamte» Landtagsmitglieder notwendig sei. Da der böhmische Landtag 242 Mitglieder zählt, haben eS die 70 Großgrundbesitzer in der Hand, durch bloßes Weggehen auS dem Saale jeden Angriff auf ihr Privileg abzuschlagen. Es ist beinahe so wie in dem bc< rühmten polnischen Reichstag, wo den Beschluß die Stimme eines Einzelne» zerreißen konnte. Man sollte glauben, der Protest gegen dieses entwürdigende Vorrecht, das die' itasional-indifferenten Großgrundbesitzer zu Herren des Landtages macht, werde sich in der Wahlbeioegung irgendwie geltend machen. Davon ist keine Rede; im Gegenteil macht man immer wieder die bedauerliche Wahrnehmung, daß die nationalen Bourgeoisien die Sache der Großgrundbesitzer zu der ihrigen machen, sich von den nationalen Allüren der Lobkowitz und Fürstenbcrg über- tölpeln lassen. Im Lager des Bürgertums wickelt sich der Wahlkampf ausschließlich im Zeichen des Chauvinismus ab. Die Jungczechen sind sogar so weit gegangen, alle politischen und ökonomischen Differenzen beiseite zu stellen, ein Wahlkampf wird da nur zum Scheine geführt; denn nach de» Wahlen iverden sich alle czechisch-bürgerlichcn Abgeordneten im Land- tage in einem Klub vereinigen. Die Jungczechen haben Wahl- biiiidnisse geschlossen mit den ehemaligen Altczechen, einer Partei von ein paar Offizieren ohne Soldaten, dann mit den sogenannten Radikalen, deren geistiges Haupt der Ritnalmord-Advokat Baxa ist, und mit den Agrariern haben sie ausgemacht, daß die Gewählten in den gemeinsamen staatsrechtlichen Klub eintreten. Das czechische Bürgertum hat das Bedürfnis, gegen Wien als eine einheitliche und, geschlossene Masse zu erscheinen; deshalb die Bastardierung aller möglichen Parteien, in der die Wahlen statt eines Wahlkampfes> das Bild einer Verteilung der Beute darbieten. Bon einem Kampfe mit dem Stimmzettel zwischen Deutschen und Czechen ist bei den Ansiedlungsverhültnisien in Böhmen keine Rede; man weiß also schon heute, daß im Landtage ebensoviel Czechen vorhanden sein iverden ivie früher, und daß ihre politischen Unterschiede ausgelöscht sein iverden zu Gnnsten einer einheitlichen Partei des nationalen Chauvinismus. Dagegen tobt im Lager der Deutschen ein erbitterter Kampf zwischen Alldeutschen, Volksparteilern und Fortschrittlern— drei i Parteien, zwischen denen der ganze Unterschied ihr Alter ist. Wie'. es in Wahlkämpfen üblich ist, gebärden sich diese drei Parteien, als. ob Gott iveiß welcher Unterschied zivischen ihnen bestünde,! und jede schwört Stein und Bein, daß sie eine„Welt" von der � andren trenne. Aber das wütende Geschrei über Ein- und Zivei-' teilung, das lächerliche Prahlen mit einem Mehr an antisemitischer. Gesinnung, all die gekünstelten und übertriebenen Wahlparolen ver-; mögen darüber nicht zu täuschen, daß diese Parteikämpfe im Grunde nur der Krieg lokaler Koterien sind. Die Deutschen besitzen» in Böhmen 69 Mandate; trotzdem nun jeder der drei Konkurrenten sein Programm als das alleinseligmachende anpreist, die An-; schauungen des andren als Verderb für Volk, Land und Staat ver- � flucht, hat keine einzige der drei Parteien Kandidaten für a I l e■ Mandate aufgestellt, jede begnügt sich, dort Beute zu machen, wo der Erfolg nicht miwahrscheiiilich ist. Es sind Bczirkscliquen, nicht � politische Parteien, die ans der politischen Bühne den verwirrenden � Lärm machen. Die Alldeutschen sitzen um Eger herum, die Volks- � parteiler halten Neichenberg besetzt und die Fortschrittler gruppieren � sich um Leitmeritz; jede Partei hat ihre Städtchen und Dörfer, ihre Bürgermeister und Advokaten, aber keine versucht es auch nur, zu ihrer Meinung das gesamte Bürgertum zu erziehen— vom Volk ist bei dem Censuswahlrccht ohnedies nicht die Rede I Das Ergebnis. dürfte sein, daß jede der drei Parteien im Landtag vertreten sein wird, und die Folge davon wird sein, daß die Mandals-Demagogie denLandtag so beherrschen wird, wie sie bereits das Wiener Parlament ver- � giftet hat. Durch die vom Landtag knapp vor der Auflösung beschlossene Wahlreform ist nicht nur das direkte Wahlrecht eingeführt, sondern ist auch der Census auf acht Kronen herabgesetzt ivorden. Es wäre also nicht ganz unmöglich, einen oder den andern der industriellen Wahlbezirke für die S o c i a l d e m o k r a t i e zu erobern. Leider ist dazu fast keine Aussicht; es fehlt der Partei in diesem ihrem einstigen Stammlande an der nötigen zielbewußten Energie, aus der allein die richtige Verivendung der Kräfte entspringt. Hoffentlich wird die letzte Wahlwoche der Agitation das erwünschte Temperament bringen.—# Deutsches Weich. Der Centralvcrbnnd über den Zolltarif. Am Dienstag be- sprach der Centralverband deutscher Industrieller in einer zahlreich besuchten Delegiertenversammlung seine Stellungnahme zum Zoll- tarif-Entwurf. Es handelte sich ivesentlich darum, ob die Versamm- lung den von den Agrariern lebhaft angegriffenen Beschlutz deS Direktoriums vom 9. August billigen werde. Die Debatte spitzte sich zu auf die Frage, ob die von der Rc- gierung vorgeschlagenen Getreidezölle nur als erstrebenswert ge« billigt— hierüber herrscht unter den Herren Einverständnis oder ob sie als Minimalsätze von vornherein gesetzlich festgelegt werden öllen. Für die letztere agrarische Forderung sprachen derKorreferent Geh. Reg.-Rat König, Kommerzienrat Vorster-Kölu u. a., dagegen sprachen die Herren Bueck und Jencke. Schließlich einigten sich die gegnerischen Ansichten in folgender, einstimmig angenommener Resolution: „Die Delegierten-Vcrsammlnng betont nach wie vor die Not- wendigkeit des Abschlusses langfristiger Handelsverträge; dieselbe ist auch nach wie vor einverstanden mit einer Er- höhung der Getreidezölle und insbesondere damit, daß unter die im Absatz 2§ 1 des Zolltarif- Gesetzentivurfs benannten Sätze nicht heruntergegangen iverde; dieselbe ist endlich einverstanden damit, daß ein Minima l- s a tz für die im Z 1 des Gesetzentivurfs benannten Getreidcarten im Gesetze überhaupt nicht festgestellt werden dürfe und Absatz 2 des§ 1 somit zu streichen sei. Sollte Absatz 2 des§ 1 des Gesetzentwurfs durch die gesetz- gebenden Körperschaften zur Annahme gelangen, so behält sich der Centraiverband vor, mit entsprechenden Anträgen an die Reichs- regierung heranzutreten." Diese Resolution bedeutet eine Bestätigung de» Direltorial b mit der sie gefaßt wurden. ES macht sich überall die Empfindung geltend, daß der Parteitag in allen diesen Fragen, die soviel Erregung hervorgerufen haben, die richtigste Lösimg gefunden hat. Mehr oder weniger deutlich wird aber zugleich ausgesprochen, daß die Debatten nicht immer so erfreulich gewesen sind und in einigen Blättern wird auch der Wunsch ausgesprochen, daß wir nicht gleich wieder so stark persönlich zugespitzte Auseinandersetzungen haben möchten, daß das persönliche Element im Meiiinngsstreit etwas mehr zurückgedrängt werden möchte. Auch der Meinung begegnen wir, daß die sogenannte Bernstein- Debatte mehr das Produkt unnützer Aufbauschung gewesen sei. So weit Meinungsäußerungen über die geschlossene Sitzung vor- liegen, überwiegt die Meinung, daß die Verhchidlungcn in dieser die Notwendigkeit des Ausschlusses der Oeffcntlichkcit nicht gerechtfertigt hätten. Der gleichen Meinung, wie die meisten deutschen Partciblätter, gicbt über den Ausgang des Aernstciu-Streitcs auch unser Wiener Brnderblatt Ausdruck. Wir scheu in dieser Zustimmung auch des östreichischcn Parteiblattcs eine besondere Gcivähr dafür, daß der Parteitag schließlich den richtigen Ausweg gefunden hat. Zu dem PartcitagSbcschlnst über den Hamburger SchicdS- spruch schreibt der„Correspondeiit für Deutschlands Buchdrucker" in seiner neuesten Nummer: „Der Parteitag hat sich mit Annahme dieses Antrags(gemeint ist der Antrag 114. N. d.„V.") auf den Boden der Motive zum verflossenen Znchthausgcsetz gestellt, daß die Arbeitswilligen rocto Streikbrecher als nützliche Stützen des Staates geschützt werden müssen und zugleich auf den Unternehmerstandpunkt, daß man zwar diese Leute ans sittlichen Gründen verachten, aber so lange sie unbedingte Heercsfolge leiste», nicht strafen kann." Diese böswillige Verleumdung wird wohl am besten durch den Hinweis auf die Thatsache widerlegt, daß dieser Beschluß mit 230 gegen nur 3 Stimmen gefaßt worden ist. und daß sich unter denen, die den Antrag auuahmen. eine Anzahl der bekanntesten Führer- großer Gewerkschaften befanden, daß kein einziger der auf dem Parteitage anwesenden Gewerkschaftsführer gegen diesen Antrag stimmte. Alle diese Leute werden nunmehr von Rexhänser i» den großen Topf der zuchthausfrcundlichcn Geiverkschafts- Verräter geworfen. Diese neueste Rcxhänserei ist ein klassischer Beweis für die Unfähigkeit der bornierten Gewcikschaftszünftlerei, die Interessen der Arbeiterklasse wahrzunehmen. Wenn es je eine gefährlichere Verhetzung, eine Schädigung der allgemeinen Arbeiter- intcresscn gegeben hat, so ist es diese hämische Verdrehung des That- bcstandos. Alle auf dem Parteitage anivesenden Führer der GeWerk» schasten einigen sich mit den Parteivertretern auf eine alle Teile befriedigende Beilegung eines Streitfalles, der die Gemüter inehr als gut erregt hat und nun kommt ein von dem Vertrauen einer großen Gewerkschaft auf einen verantwortungsrciche» Posten gestellter Mai»! daher und stellt diese Lösung auf eine Stufe mit der Zuchthausvorlagc! Die einmütig gefundene Lösung des Konflikts mag den Herrn ja schmerzen, aber ist die Arbeiterbewegung dazu da, die persönlichen Rachegefühle einzelner Personen zu befriedigen? Eine schauderhafte Geschichte. Auf dem Dampfer, der unsre Partcidclcgicrten vorige Woche ein Stück in die Ostsee hinausfuhr, wehte natürlich die rote Flagge. Wäre das in Preußen oder gar in Sachsen passiert, so wäre' es an sich schon schauderhaft. Durch die begleitenden Umstände, die jetzt der Redacteur eines lübischen Ordnungsblattes enthüllt, wird es aber auch für die Republik Lübeck zu einer That, die schwer zu sühnen ist. Das Dampfschiff führt nämlich zunächst den Namen des Admirals Hollmann; deni Aussichtsrat der Dampfcrgcsellschaft, der das Schiff gehört, sitzt ein Herr Kommerzieural Sartori vor: dieser ist nicht nur Koinmerzienrat. sondern auch Mitglied des kaiserlichen Dacht- klubs, erste Kraft im Deutschen Flvttcnvcrein, Herausgeber einer Zeitung, hie alltäglich die Socialdemokratic vernichtet, Häuptbesitzer der Linie Kiel— Korsocr, die von der kaiserlichen Post— soll heißen Reichspost— einen monatlichen Zuschuß von 14 000 M. bekommt. Dieser Herr hat zugelassen, daß auf einem Schiffe iiamenS Admiral Hollmann, auf einem Schiffe, das alltäglich im Dienste der skaiser- lichen Werft steht, glicht nur der socialdemokrntische. Parteitag in die Osffee gefahren wird— wenn es noch in die Hölle gewesen wäre— nein, sogar, daß auf■diesem Schiffe die rote Flagge geführt wurde! Das ist ein schwer zu sühnender Frevel!— Aber ganz unsühnbar ist er nicht. Nicht wir, nein, der Herr Ordnungsretter ans der Republik fordert— und nicht im Scherz, sondern mit dem ganzen Pathos des sühneheischenden Priesters einer entweihten Kirche das Fahrgeld der Socialdemok raten für die Kasse des'Flottenvereins. Für den Flottenvercin sieht der zielbewußte Wcltmachtsdeutsche über ein ganzes Schiff voll roter Flaggen hinweg. „Die Besteuerung des Hungers", das vortrefflich illustrierte Flugblatt des ParteivorstandeS, hat der Polizei da und dort Kopf- schmerzen gemacht; sie hat wohl das Aufreizende in der einfachen bildlichen Darstellung der Wahrheit gefühlt und ist dagegen ein- geschritten. So auch unter anderen von uns schon mitgeteilten Fällen in Rnprechtsau in der Straßburger Gegend. Leider hat auch die subtilste Prüfung durch den Staatsanwalt keine Handhabe zum gerichtlichen Einschreiten geboten und die Blätter müßten den Ver- breiter» wieder zurückgegeben werden. Merkwürdig ist dabei, daß sie ihnen zur Arbeitsstelle ge- bracht wurden, wo sie doch gar nichts damit anfangen konnten. Die Wohnungen der Arbeiter waren doch bei der Beschlagnahme sorgsam festgestellt worden. Parteipresse. Aus der Redaktion der„Elsaß-LothringischeU Volkszeitung" ist der bisherige Redacteur Genosse Dr. Lentsch aus- geschieden. Eine Wahlbctrachtnng sollte es sein, was wir gestern aus dem Artikel der„Leipziger Volkszcituug" über den Ausfall der sächsischen Landtags-Wahlen wiedergaben: der Sctzkastcnteufel war aber mit dieser Kennzeichnung nicht einverstanden und machte daraus eine Wahl b e w e g u n g. Allen Willen können wir aber uisi.rcin eigensinnigen Freunde' doch nicht lassen und wir bestehen des- halb darauf, daß es eine Betrachtung war. Poliieiliches,(Scrichtlichrs usw. — Wegen Beleidigung dcS meiningische» StaatS- ministcriuniS wurde Genosse Zietsch, Redacteur des„Saalfcldcr Volksblattes", vom Landgericht Rudolstadt zu 30 M. Geldstrafe ver- urteilt. Er hatte sich in einem Artikel seines Blattes mit der Be- schäftigung eines Saalfelder Amtsanwalts im meiningischen Ministeriiim beschäftigt. Der Staatsanwalt hatte 100 M. Geldstrafe beantragt._ Geivevltfchctstl ithes. Deutsches Reich. Die Situation nach dein Glasarbeiterstreik. Die Leitung des Glasarbeitcr-Verbandes schreibt uns! Die Einstellung' von Streikenden konnte bisher nur in ganz minimaler Weise stattfinden. Die Glasöfen bedürfen beim An» feuern der größten Vorsicht und wird der vollständige Betrieb erst zu Beginn nächster Woche stattfinden können. Die Ar- beiter, welche sich zur Aufnahme der Arbeit meldeten, hatten die schwersten Vorwürse zu erdulden. In den ver- schicdcncn Betrieben mußten Verträge unterzeichnet werden, die dem Gesetz zuwiderlaufen. In einigen Betrieben ist der Austritt aus der Organisation zur Pflicht gemacht worden, auch die Vcrbandsbiicher wurden abverlangt. Kurz alles, was man dem Wehrlosen bieten konnte, ist unternommen worden. Die Lage der Streikenden ist gegenwärtig eine t r o st l o s e. Die Streikenden, die sich während des langen Kampfes mit der gcringstcu Unterstützung begnügt haben, stehen jetzt völlig mittellos da.' Die Verbandskasse ist völlig geleert und kann deshalb den Streikenden nicht die g e r i n g st c U u t c r st ü tz u n g gegeben werden. Auch die Behandlung, die sich die Arbeiter von den Beamten gefallen lassen müssen, ist unbeschreib- lich. Es ist stets Sitte, daß, wenn die erste Woche gearbeitet ist, ein kleiner Vorschuß gegeben wird. Als diejenigen, die eine Wockie gearbeitet hatten, den Vorschuß begehrten, hieß es:„Geht zum Streik- komitec." In ganz gemeiner Weise gingen einige A r b e i t s- w i l l ig e in Dresden gegen unsre Kollegen vor. Als ein Kollege den Arbeitsplatz ans eine kurze Zeit verließ, da fand er bei der Rückkehr sein Werkzeug mit Thecr beschmiert. Kann man sich wohl etwas Nichtswürdigeres vorstellen? Erst den Kämpfenden in den Rücken fallen und dann noch das Werkzeug der Nückkchrende» be- schmutze». In Nienburg sind noch ca. 200 Kollegen, die Anfang dieser Woche noch nicht eingestellt waren. In Gerresheim sind circa 100 Gemaßregelte. die auf Wicdcrcinstellung verzichten müssen. Fast an allen Orten sind eine Anzahl gemaßregelte Kollegen zu verzeichnen. Erst Anfang nächster Woche wird der Betrieb in allen Fabriken gänzlich aufgcnömmcn werden können. Eine Unterstützung ist den Streikenden seit dem14. vor. Mts. nicht mehr g e z a b l t worden. Das Elend und die ganze Lage der Streikenden ist geradezu unbeschreiblich. Auch seitens des Verbandes kann an eine Hebung dieser Lage nicht gedacht werden, da die Kassen geleert sind. Wir bitten deshalb die Parteigenossen dringend, uns zur Linderung der Not noch einige Unter« st ü tz u n g z n k o m m e n zu lassen, damit die Geniaßrcgclteii, die im Vordergrund der Bewegung gestanden haben, über Wasser ge- halten werden können. Alle Arbciterblättcr werden um Abdruck ersucht. An alle Arbeiter der Lcdcrwarcn-Jndustrie(Buchbinder, Lcder« galantcrie-Arbeiter, Portefeuiller, Sattler und Schuhmacher) erläßt eine in Leipzig bestehende Koiimiission obiger Berufe einen Aufruf, des Inhalts, daß die Lederarbeiter Deutschlands in allen Orten ge- meinsame Protestversanimlungen gegen den Zolltaris-Entwurf veranstalten möchten. Es wird darauf hingewiesen, daß der neue Zolltarif außer den Zollerhöhnngen auf Lcbcnsinittel auch solche auf Felle, Leder, Lederwaren, Seide ee. enthält, und die in der Leder- industrie beschäftigten Arbeiter daher besondere Ursache haben, gegen diese sie in ihren Erwcrbsvcrhältnissen schädigenden Zölle Protest zu erheben. In den genieinsanien Versammlungen sollen Protest- rcsolutionen gefaßt und dem Reichstage sowie dem Bundesrat zu- gestellt werden. Die Buchbinder in Miiiiche» beschlossen am letzten Sonnabend in gut besuchter Vcrsanimlimg, den Prinzipalen folgende Lohn- f o r d e r u n g e n zu unterbreiten: 1. neunstündige Arbeitszeit; 2. Minimallohn: für Arbeiter 21 M., für Ausgekernte 13 M.. für geübte Arbeiterinnen 13 M.. für besonders geübte IS M., für»n- geübte Arbeiterinnen das erste halbe Jahr 7 M., das zweite halbe Jahr 9 M.. für Arbeiterinnen unter 13 Jahren das erste Jahr 3 M., das zweite Jahr 7 M., da« dritte Jahr 9 M.; 3. Bezahlung der gesetzlichen und vom Geschäft angeordneten Feiertage; Lohnzuschlag von 10 Proz. für alle von diesen Forderungen nicht berührten Kollegen und Kolleginnen; die Zuschläge für Ueberzcitarbeit die erste Stunde 10 Pf., zweite Stunde 15 Pf., dritte Stunde und Sonntagsarbeit 20 Pi.. Arbeiterinnen erhalten ö, 8 und 10 Pf.. Accordarbeit ist ein- begriffen. 6. Für Accordarbeit ist der Lobntarif der Leipziger Tarif- kommission einzusühren; 7. Freigabe des 1. Mai; 8. Anerkennung des Arbeitsnachweises der Zahlstelle Miincheu des Deutschen Buchbinder-Verbandes. Steinsetzer. Die Differenzen in Langensalza sind beigelegt. Der Steinsetzmeistcr Bartel aus Gotha hatte die Absicht, den Stunden- lohn von 60 auf S0 Pf. herunter zu setzen. Infolge des eininütigen Widerstandes der organisierten Steinsetzer hat der Herr sich bereit erklärt, die bisherigen Löhne weiter zu zahlen. Die Kupferschmiede Hamburgs haben bekanntlich vor einiger Zeit den Streik aufgehoben, die Sperre über Hamburg-Altona aber weiter bestehen lassen. Einem Antrag der Lohiikoinmission zufolge beschloß eine am letzten Sonnabend abgehaltene Mitgliedcrversamm- lung der Kupferschmiede mit 48 gegen 46 Stiinmen, nunmehr auch die Sperre aufzuheben. Gerichtliche Nachspiele zum Glasarbeiter- Streik. Vom Schöffengericht in Rinteln ist ein Arbeiter, der einen Arbeitswilligen „Streikbrecher" nannte, zu zwei Wochen Gefängnis ver- urteilt worden. Ein andrer Glasarbeiter wird sich demnächst vor Gericht zu verantworten haben, weil er einen Arbeitswilligen durch die Worte beleidigt haben soll:.Ich gebe einem Streik- drecher keine Priese!" Nun soll also das Gericht die ver- letzte Ehre des überempfindlichen Menschen retten. Daö Gewerkschaftöblatt„L'Opcraio Jtaliano" ist in der Person seines verantwortlichen Redacteurs, Genossen Legten, von der Strafkammer in Hamburg vor einigen iTagen zu einer Geld' strafe von 100 M. verurteilt worden. In einer Nummer des ge� nannten Blattes soll zur Mifihandlung von Streikbrechern aufgefordert worden sein. In der Berhandlnng bemerkte Lcgicn auf einen Vorhalt des Vorsitzenden, dafi er, wenn er das Blatt veranlwortlich zeichne, obgleich er die italienische Sprache, in der es geschrieben wird, nicht versteht, sich gewissermaßen in einer Zwangslage befinde. Das Blatt werde herausgegeben, um die einwandernden italienischen Arbeiter dadurch von Lohndrückerei abzuhalten, daß Aufklärung über die deutschen Lohn- und Arbeitsverhältuisse unter ihnen verbreitet iverde.— Das könne in wirksamer Weise nur durch Italiener geschehen. Wenn es gelang, solche für das Blatt zu gewinnen, so habe die Hamburger Polizei solche Ausländer, auch wenn sie sich in keiner Weise strafbar gemacht hatten, sofort ausgewiesen. Das sei schon einen, Rcdacteur des Blattes geschehen. Man sei also darauf angewiesen, von Italienern für das Blatt schreiben zu lassen, und er als Vorsitzender der Generalkommission, die zur Herausgabe des Blattes verpflichtet sei, habe sich gezivungen gesehen, als ver- antwortlicher Rcdacteur zu zeichnen. Ein Gctverbegericht soll in Ilmenau(Thüringen) einem durch Gesuch des Gewcrkschaftskartells veranlatzten Beschluß des Gemeinderats zufolge errichtet werden. Das Gewerkschaftskartell in Mittweida hatte bei der Amts hauptmannschaft die Errichtung eines Gewerbegerichts für den Amtsbezirk Mittweida beantragt. Von der Amtshanptmannschaft waren infolgedessen die beteiligten Gemeindevertretungen veranlaßt worden. zu dem Antrage Stellung zu nehmen. Von denselben stimmten 4 zu, 21 lehnten ab. Es liegt nun an dem Ergebnis der jetzt vor- genommenen Umfrage bei den Unternehmern, ob die Errichtung eines Gewerbegerichts crfolgeir soll. Der Polizeipräsident von Hannover hat an verschiedene dortige Zahlstellen von Gewerkschaften die Aufforderung ergehen lasseu, daß sie auf Grund von Z 2 des preußischen Vcreinsgesctzes ein Verzeichnis ihrer Mitglieder und hinfort jede Veränderung im Mitgliederbestande der Polizei anzeigen sollen. Ausland. Pagabundengesetz und Gewerkschaft in Oestreich. Im ver- gangenen Sommer wurden Mitglieder des öftreichischen Buchdrucker- Verbandes, die sich auf der Reise befanden, in mehreren Orten Oberöstreichs durch Gendarmen aufgegriffen und von den Gerichten wegen Land st reicherei zu Arreststrafen verurteilt. In- folgedessen hat sich die Leitung des Buchdrucker-Verbandes an das Ministerium deS Innern und an das Justiz- Ministerium geiuandt und dargelegt. daß das Vorgehen gegen die reisenden Vcrbandsmitgliedcr ungerechtfertigt sei, weil die betreffenden Arbeiter einen statutarischen Anspruch auf Reise- Unterstützung haben, was einer Versicherung c>cgen Arbeits- losigkeit gleichkommt, so daß die reisenden Vcrbandsmitglicdcr, selbst ivenn sie keine Barniittel bei sich haben, nicht als Land- st r e i ch e r angesehen werden können. Das Ministerium des Innern wurde ersucht, in diesem Sinne die Be- zirks- Hauptmannschaften und die Gendarmerie- Kommandos belehren zu lassen, während der Verband an das Justizministerium das Ersuchen richtete, die Generalprokuratur anzuweisen, daß sie bezüglich zweier rechtskräfriger Verurteilungen von Verbandsmitgliedern die Nichtigkeitsbeschiverde einbringe. Das Vorgehen des Ver- bandes hatte einen vollen Erfolg. Die Wiener„Arbeiter- Zeitung", der wir obige Mitteilung entnehmen, berichtet ferner: DaS Justizministerium hat in seinem Verordnungsblatt die Weisung erteilt, daß vor Erhebung von Anklagen wegen Landstreicherei fest- gestellt werde, ob der betreffende Arbeiter Anspruch auf Reise-Unter- stützung hat. Der Generalprokuratur wurde aufgetragen, hinsichtlich der beiden Fälle von Verurteilung die Nichtigkeitsbeschwerde ein- zulegen. Streik der Perlmutter-DrechSler in Wien. Am Sonnabend haben die H em d kn o p fm a ch e r Wiens die Arbeit niedergelegt, wel» die Exporteure den Kleinmeistern keine Preiserhöhung bewilligen wollen, die Meister aber bei den bisherigen Preisen nicht bestehen können. Die Gehilfen unterstützen die Bewegung der Meister. Zur Zeit ruht die Arbeit in der ganzen Branche. Etwa 36 Meister und 180 Gehilfin befinden sich im Streik. Abschaffung der Nachtarbeit für Bäcker. In Florenz, wie überhaupt in der ganzen Provinz Toscanten ist seit Monaten ciue Bewegung der Bäckerei-Arbeiter im Gange, Ivelche die Abschaffung der Nachtarbeit zum Zwecke hat. In einigen kleinere» Orten sind, ivie wir bereits mitgeteilt haben, die Arbeiter mit ihren Forderungen durchgedrungen. Jetzt wird dasselbe auch von Florenz gemeldet. Dort hört mit dem 1. Oktober auf Grund eines Beichlusses der Meisterorganisation die Nachtarbeit für die Brotbäckcreicn auf; aus- genommen sind noch die Feinbäckereien. Es wird eine Kommission, bestehend aus Mitgliedern der Unternehmer und der Arbeiter, ge- bildet werden, welcher die Aufgabe zusteht, außer dieser Frage auch noch andre gewerbliche Fragen, z. B. die Lehrlingsfrage einer Re- gelung entgegenzuführcn. Das Beispiel von Florenz ivird sehr zu Gunsten der Abschaffung der Nachtarbeit auch in andern Städten wirke». Der Ausstand der Kohleuarbcitcr im Lllttichcr Revier hat, wie„Wolfis Telegraphen-Bureau" meldet, am Dienstag an Ausdehnung zugenommen. Die Zahl der Ausständigen ist von 30 auf 6000 gestiegen, der Ausstand hat sich auf etiva zehn iveitcre Kohlengruben ausgedehnt. Die Ausständigen durchziehen, die Carmagnole singend, die Ausstandsgebiete. Heute früh wurden mehrere Versuche gemacht, die noch Arbeitenden zur Niedcrlcgung der Arbeit zu zwingen._ Aus Fudufkvre und Huudel. Vom Baukeumarkt. Die starke Beteiligung der größeren Kreditbanken an industriellen Gründungen und Unternehmungen, die in den vergangenen Jahren der Prosperität von der Börsenprcffe oft genug als ein Vorzug des deutschen Bankwesens gegenüber der aus allerlei Bedenken' nicht herauskommenden Zurückhaltung der französischen Kreditanstalten gepriesen ist, erweist sich nun, nachdem die Geschäftslage sich stetig verschlechtert und bald über dieses, bald über jenes industrielle Etablissement ungünstige Meldungen einlaufen, nimmermehr als ein verschärfender Faktor der Krise. Nicht nur die Zusammenbrüche der Dresdner Kreditanstalt und der Leipziger Bank, auch die Schwierigkeiten der Breslauer Diskontobank, die sich jetzt zur Verringerung ihres Aktienkapitals von 60 auf 40 Millionen Mark und zum Rückkauf ihrer Aktien zum Kurse von 74 Proz. gezwungen sieht, solvie die seit einigen Wochen erfolgenden Kursrückgänge verschiedener Bank- akticn finden in diesem engen Konnex der Banken mit ungünstig situierten industriellen Unternehmungen ihre Erklärung. Besonders hat die Dresdner Bank sich an Geschäften dieser Art übernommen; sie ist an einer Reihe recht unsicherer Unternehmungen, wie z. B. der Ludwig Loelve- Gruppe, ferner an der BreSlaner Rederei Vereinigter Schiffer, der Heilbronncr Gewerbcbank usw. beteiligt und sieht deshalb seit einigen Wochen ihre Aktien unter dem Einfluß der Baissespekulation stetig zurückgehen. Während noch vor 14 Tagen der Kurs über 126 stand, sank er gestern auf 116,30. Daß diese Entwertung dem Gros der Aktieninhaber wie der Bank selbst nicht behagt, ist begreiflich, und so sieht man seit einigen Tagen gewisse Blätter emsig bemüht, sich im Reinewaschen zu üben, indem sie hervorheben, der Anteil der Dresdner Bank an dem Löwe- Syndikat betrage doch nur ein Sechstel, überdies sei ja noch gar nicht ausgemacht, daß dieses Engagement schlecht abschließen müsse ic. Und da diese gefälligen Bemühungen ohne das beabsichtigte Resultat blieben, hat sich gestern die Dresdner Bank selbst zn einer sogenannten„Richtigstellung" bewogen gefühlt, in der es nach der üblichen Einleitung heißt: „An der Ascherslebener Maschinenfabrik ist die Dresdner Bank neben fünf andren Banken und ersten Firmen mit 660 000 M. Akticn, also Vi des vier Millionen betragenden Aktienkapitals und ebenso an dem gewährten Bankkredit mit einem Kopfteile beteiligt. Der Besitz der Dresdner Bank an Aktien der Hannoverschen Straßenbahn, der zu einem erheblichen Teil ans Aufnahmen zu niedrigen Kursen herrührt, beziffert sich zur Zeit auf nom. 360 000 M. und hat der Höchstbestand im Lau' des Jahres überhaupt nur nom. 398 000 M. betragen. Das ge- samte Effekten- und Konsortial-Conto der Bank entspricht hinsichb lich der Höhe und Zusammensetzung zur Zeit ungefähr dem Stande am Schlüsse des Vorjahres. An den Fallimenten und Zahlungs- stockungen, an denen die Dresdner Bank, übrigens durchweg mit relativ geringen Beträgen beteiligt ist, wird dieselbe, vielleicht mit einer noch zu erwähnenden Ausnahme, voraussichtlich keinen Verlust erleiden. Beispielsiveise ist sie auch für einen etwaigen Ausfall an den in Mannheim diskontierten 310000 M. Accepten der Heilbronner Gewerbebank durch Effektendcpot voll ständig gedeckt. Nachdem sie ferner für die ungefähre Hälfte ihrer Forderungen aus beliehenen Ladescheinen der Breslauer Reederei vereinigter Schiffer eine neue erstklassige Sicherheit erhalten hat, beschränkt sich ihr Risiko auf die andre Hälfte von ca. 460 000 M. für welche außer der bekannten Breslauer Firma die Reederei selbst zweifellos haftet. An Debitoren in Sachsen, wo übrigens nur etwa der achte Teil des Gesamtkapitals der Bank bei den dortigen Niederlassungen arbeitet, hat dieselbe bisher keinerlei Verlust erlitten." Die Angaben lassen sich schwer kontrollieren und beziehen sich überdies nur auf einen Teil der Engagenients: dazu bekundigt sich in ihnen, wie schon der Hinweis auf die Haftpflicht und die Sicher- heitsleistung der Breslauer Reederei zeigt, eine recht an- sehnliche Dosis Optimismus. Uebrigens ist die Dresdner Bank nicht die einzige, die sich zu sehr bei industriellen Unternehmungen engagiert hat, andre haben kaum weniger Appetit entfaltet; und wenn, wie leider fast gewiß ist, die Erschlaffung in der Eisen- und Maschincnbranche andauert, steht noch manche Ueberrtzschung auf dem Bankenmarkt bevor._ Ein neuer Bankkrach. Schon wieder kommt die ganz über raschendc Mitteilung, daß ein altes bisher in guten« Ruf stehendes Bankhaus in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Es handelt sich um die Bank von Stöbert Suermondt u. Co. in Aachen— ein Unternehmen, das auf 30 Millionen geschätzt wird. Als die Ursachen des Fallissements dürften die Syndikats- und Gründungstreiberei in der rheinische» Industrie anzusehen sein, die nun inmitten ihrer Absturz bcwcgung solche Unternehmungen, die diese Gründungen finanzierten, mit hinabreißt. Es überraschte, daß Robert Suermondt. der Leiter der Bank, vor kurzem aus dem Aufsichtsrat der schlecht reüssierenden Bank für Bergbau und Industrie zurücktrat, da er doch sonst noch als geschäftsgewandter Bankleiter sechs Gesellschaften als Aufsichtsratmitglied angehörte. Zu den Gläubigern gehören größere Bankinstitute, die vorläufig ihre Forde' runge» stunden müssen, während den kleinen Gläubiger» die Gelder von der Bergisch-Märkischen Bank ausgezahlt iverden, die die Liqui- dation übernommen hat. Die Bank steht mit der Deutschen Bank in nahe Beziehung, so daß auch hier wieder die schon oft beobachtete Ausnützung der Situation durch ein großes Bankinstitut bemerkbar hervortritt. Nicht nur die aufwärts gehende Konjunktur hat im Bankwesen die Förderung der Großbanken betrieben, noch mehr steht die niedergehende Konjunktur unter der Begünstigung dieser Entwicklung. Bei dem Zusammenbruch der Pommernbank, der Spielhagen-Banken. der' Dresdener Kreditanstalt, der Breslauer Diskontobnnk spielte die Denffche Bank eine mehr oder weniger be- deutsame Rolle, sei es, daß sie bei der Santierung die leitende Stellung übernahm, qder, wie es in Leipzig geschah, durch sofortige Gründung einer eigxnen Filiale ihren Geschäftsbetrieb ausdehnte. Der Zusammenbruch ver Kleinen ist ein Aufsteigen der Großen, die chließlich aus den Wirren und unzähligen Verlusten, die heute aus diese» Geschäftszerrüttungcn entstehen, ihre Vorteile zu ziehen wissen. Eine Organisation der GlaSfabrikantcu hat sich in Charleroi (Belgien) gebildet. Die Mitglieder haben 1000 Fr. pro Monat und pro Ofen einzuzahlen; es kommen so pro Monat 40 000 Fr. zu- sammen. Die Steuern sollen so lange erhoben worden, bis ein Kapital von einer Million Frank aufgesammelt ist. Es handelt sich hier um eine Widerstandskasse gegen Streiks. Im Fall eines Streiks treten die Unter- ncymer zusammen und entscheiden, ob die Forderungen der Arbeiter bewilligt iverden sollen oder nicht. Ist der Widerstand gegen die Arbeiter beschlossen, so erhält der betreffende Unternehmer eine be- stimmte Summe aus der Widerstandskasse. Der Unternehmer kann auch die Forderungen der Arbeiter selbst gegen den Willen der Or- aanisation bewilligen, hat aber dann keinen Anspruch auf Unter- stützung. Die Organisation der Arbeiter anzuerkennen, sträuben sich die GlaShütteubefitzcr noch immer. Eiseukartell und Etscumarkt in Oeftrcich-Ungaru. Aus Wien wird der„Franks. Ztg." geschrieben:„Der Kündigung des öftreichischen Eisenkartells seitens der Alpinen Montangesellschaft ist nunmehr die Auflösung des Central-Verkaufsbureaus der böhmisch- mährischen Eisenwerke gefolgt. Das Bureau bestand seit 1886 unter Führung der Prager Eisenindustrie und hört mit dem laufenden Monate' zu existieren auf. Die böhmische Montan- und die Prager Eisenindustrie- Gesellschaft werden nunmehr den Verkauf ihrer Fabrikate selbst in die Hand nehnien, während die Witt- kowitzcr Werke eine eigene Verkaufsstelle in Wien errichten. Damit ist die Zertrümmerung des Eisenkartells beendet. Für den Konsum werden jetzt voraussichtlich bessere Zeiten kommen, denn die Abbröckelung der Preise, über die schon in den letzten Communiquös der Eisenwerke geklagt wurde, dürste jetzt ein rascheres Tempo ein- schlagen. Im übrigen ist die Lage des Eisenmarktes in Oestreich- Ungarn gegenwärtig durchaus nicht so düster, wie sie vielleicht ge- schildert wird. Der sogenannte Tagesbedarf ist immer noch ganz ansehnlich und fast normal; nur größere Transaktionen und Auf- träge ans längere Termine fehlen gänzlich, was auf die Unsicherheit der Preisverhältnisse zurückzuführen ist." Gevirszks Teilung. Der bekanutc Geh. Ober-RcgieruugSrat a. D. und frühere vortragende Rat im StaatSmiuifterium Frhr. v. Broich hatte gestern den Chefredacteur der„Vossijchen Zeitung" Hennann Bach- mann wegen Beleidigung vor die 147. Abteilung des Schöffengerichts unter Vorsitz des Amtsrichters H o f f m a n n citiert. Dem An- geklagten stand Rechtsanwalt Oskar N e u m a n n als Verteidiger zur Seite. Die Wohlthätigkeits-Untcrnehmungen des Frhrn. v. Broich, die zu dessen finanziellem Ruin geführt haben, haben bekanntlich in der Presse wiederholt eine für Herrn v. B. unangenehme Beleuchtung erfahren. Er gab darauf eine etwa 200 Seiten starke Broschüre unter dem Titel„Zur Notwehr gegen schreiendesfllnrecht" heraus, in welcher er darlegte, wie nach seiner Ansicht die Dinge sich entwickelt hatten, und an der Hand von Belegen nachzuweisen versuchte, daß er nur idealen, in socialer Beziehung bedeutsamen Plänen nach« gestrebt habe, und nicht die Angriffe verdiene, die man gegen ihn richte. Die Broschüre wurde au eine große Anzahl von Personen und Zeitungen verschickt, u. a. auch an die.Vossische Zeitung". Diese machte den Inhalt der Broschüre in ihrer Nr. 23 vom 16. Januar zum Ausgangspunkt eines Leitartikels„Wohlthäter der Menschheit." Darin wurde das Wirken des Herrn v. Broich auf socialpolitifchcm Boden einer sehr abfälligen Kritik unterworfen. Es wurde auf einzelne seiner Unternehmungen, wie „Pionier",„Künstlerheim", Mietung beseiten ReichStagSgebäudcS zc.zc. hingewiesen und ausgeführt, daß seine Bestrebungen unklar und ver- worren gewesen seien, daß er sich in der Wahl der Mittel vergriffen habe und daß es bedauerlich sei, wenn man aus der Broschüre ersehe, daß dieser„Wohlthäter der Menschheit", der sich für seine socialpoliti- schenPläue fortgesetzt auf die kaiserliche Botschaft vom Jahre 1831 berufe, seinen Gründungen, die samt und sonders Luftschlösser seien, eine Million Mark geopfert habe. Der Artikel erwähnt ferner, daß der Privatkläger einen„Orden sschacher" betrieben habe und von der„fixen Idee" befallen sei: er sei nur deshalb von seinem Land- ratspostcn nach Berlin gelockt worden, damit Graf Wilhelm Bismarck seinen Platz als Landrat einnehmen könne. Es sei befremdlich, daß die Staatsrcgiernng seinem„Treiben" nicht schon lange ein Ende bereitet, sondern das fernere Verweilen des Privatklägers im Amte geduldet habe. Sein Buch werde eine gute Lehre für andre„Wohl- thäter der Menschheit" sein, sich die Unternehmungen, an denen sie sich beteiligen, rechtzeitig genau anzusehen, um sich nicht selbst bloßzustellen und andre zur Nachfolge zu verleiten.— Wegen dieses Artikels strengte Gcheimrat v. Broich die P r i v a t k l a g e an. Er wurde damit voni Schöffengericht zurückgewiesen, da der Artikel keinen beleidigenden Inhalt habe; auf seine Beschwerde ordnete jedoch die Strafkammer die Er- Hebung der Privatklage an. Sowohl in dieser Beschwerdcschrift als auch in der Replik des Privatklägers sind so starke Ausdrücke ge- braucht, daß daraufhin die W i Verklage erhoben wurde.— Chefredakteur B a ch m a n n bestritt, daß der Verfasser des Artikels die Absicht der Beleidigung gehabt habe. Derselbe habe lediglich eine berechtigte Kritik auf Grund eines Buches geübt, welches' der Verfasser zum Zwecke der Besprechung und Kritik der„Vossischen Zeitung" zugestellt hatte.— Geh. Rat v. Broich suchte in längeren, oft erregten Ausführungen darzulegen, daß der Artikel Wahres ver- schweige, manches Unwahre behaupte und ein falsches�Bild von seiner 40jährigen Wirksamkeit gebe, in der Absicht, ihn zu beleidigen und zu verspotten. Besonders beleidigend sei es, daß man seine gemeinnützigen Bestrebungen als„Treiben" bezeichnet habe und ihm vorgeworfen werde, er sei von einer„fixen Idee" befallen. Thatsach'e sei es, daß Graf Wilhelm Bisniarck, weil er der Sohn deS Reichskanzlers war, seine Stelle als Landrat erhalten habe, er dagegen nach Berlin versetzt worden sei, wo er 14 Jahre die Disetplinarsachen habe bearbeiten müssen. Dadurch sei er gezwungen gewesen, für die in ihm wohnende Thatenlust auf dem Boden gemeinnütziger Unternehmungen außeramtlich ein Feld sich zu schaffen und so sei er dann in die Hände von Leuten gefallen, die ihn be- logen, betrogen und ausgebeutet haben. Vom„Ordensschacher" köliue keine Rede sein. Es sei sein gutes Recht, nachdem ihn die Staatsregiening in Stich gelassen, für diejenigen, die seine gemein- nützigen Unternehmungen mit Geld unterstützen wollten, Aus- zeichnungen zu beantragen.— Rechtsanwalt Oskar Neumann beantragte die Freisprechung des Angeklagten. Der Ar- tikel enthalte lediglich eine Kritik, die von dem Kläger heraus- gefordert worden sei. Für die Berechtigung, den Ausdruck„Treiben" anzuwenden, stellte der Verteidiger event. folgende Thatsachen unter Beweis: 1. Die Strafakten des königl. Landgerichts in Flensburg in Sachen cta. Claußen würden ergeben, daß der Wiederangekl'agte einen Handel mit Orden betrieben und das für die Erlangung von Orden erhaltene Geld für seine Privatzwecke'bezw. für sein von ihm mit Claußen betriebenes Geschäft verwendet hat. 2. Die Akten des Kammergerichts in der Prozeßsache Weidmann cta. Eduard v. Broich würden ergeben, daß der Agent Weidmann als Vermittler des Herrn v. Broich zu Herrn Weinberg kam mit dem Ersuchen, ihm 300000 M. zu geben; dafür sollte Frhr. v. Broich dem Weinberg den erblichen Adel verschaffen. Weinberg habe das Geld gegeben, der Adel sei ihm trotzdem nicht verliehen worden. 3. Die KonkurSakten des Amtsgerichts I gegen Eduard v. Broich würden ergeben, daß ein Herr Paul MergerS 60 000 M. zur Konkursmasse angemeldet hatte. Dieser Herr M. hatte, weil beabsichtigte, seinem Vater zn deffem Jubiläum eine be« sondere Ehrung zu verschaffen, dieserhalb mit Herrn v. Br. Be- rührung gefunden und 60 000 M. gezahlt, aber nichts damit erreicht.— Weitere Beweisanträge betrafen die Vermögenslage des Privat- klägers zc.— Der Gerichtshof lehnte eine Beweisaufnahme ab u» ssprach den Angeklagten frei, weil er ihm den Schutz des § 193 Str.-G.-B. zubilligte. Weder aus der Form, noch aus den Umständen, unter welchen der Artikel veröffentlicht ist, könne die Absicht der Beleidigung herausgelesen werden. Dagegen feien in der Beschwerdeschrift und Replik des Privatklägers Beleidigungen ent- halten. Freiherr v. Broich sei deshalb zu 30 M. Geldstrafe event. 6 Tagen Haft und zur Tragung der Kosten verurteilt worden. Die Berhaudlung gegen Nieck und Genossen wegen Aus- beutung des betagten Fräuleins Dolling wurde gestern zu Ende geführt. Um 0'/» Uhr verkündete der Vorsitzende, LandgerichtSdirektor Müller, das Urteil. Die Ehefrau Rieck wurde zu sieben Jahren Zucht- Haus, lOjährigem Ehrverlust und 3030 M. Geldstrafe(wovon 30 M. für Spielens in einer auswärtigen Lotterie), der Ehe- mann Rieck zn drei Jahren Gefängnis, die Angeklagte Frau Just zu einem Jahr drei Monaten G e f ä n g n» S, wovon drei Monate durch die erlittene Untersuchungshaft für ver- büßt erachtet wurden, verurteilt. Die Angeklagte Marie Rieck wurde dem Antrage der Verteidigung gemäß freigesprochen. Nrtzke Mttchvichken unv Depeschen« Streikende Telephonbcamten. Mailand, 1. Oktober.(B. H.) Sämtliche hiesigeTelephon- e a ni t e n sind wegen Gchaltsstreitigkeiten in den A u s st a u d g e- . r e t e n. Seit heute früh ist daher der gesamte Telephonverkehr innerhalb Mailands und der Vororte eingestellt. Wien, 1. Oktober.(B. T. B.) Der ReichSrat ist für den 17. Oktober einberufen worden. Jaffy, 1. Oktober.(B. H.) Der Direktor der hiesigen National- bank-Filiale, Snako, hat sich erschossen. PariS, 1. Okt« ser.(B. H.) Die s o c i a l i st i s ch e Ver- etnigung von Eher beschloß die Ausschließung deS Abgeordneten Prcton und deS Generalratsmitglicdes Congny aus der s o c i a I i st i s ch e n Partei. Luxemburg, 1. Oktbr. Der deutsche Ministerresident, der sich gestern in Begleitung seiner Gattin auf einem Spaziergange hefand, betrat einen Privatpark, ohne zu wissen, daß de», Publikum der Besuch desselben nicht erlaubt sei. Der Sohn des Thor- Wächters, ein lOjähriger junger Mensch, fragte den Gesandten. dessen Eigenschaft er nicht ahnte, was er hier wolle. Der Gesandte begnügte sich mit der Antwort:„Das geht Sie nichts� an," und fetzte seinen Spaziergang fort. Einige Sekunden später fiel ein Schnsi und der Gesandte hörte die Schrotkörner in seiner unmittelbaren Nähe niederfallen. Er wandte sich um und sah einen Burschen, die Jagdflinte noch auf ihn gerichtet haltend. Der junge Mann hatte sein Amt als Thürhüter allzu ernst genommen. Der Gesandte hat den Minister des Auswärtigen bereits über diesen Lorfall Bericht erstattet und man hegt die Be- fürchlung, daß diese unbesonnene That diplomatische Folgen»ach sich ziehen wird. Moskau, 1. Oktober./z Uhr, Mitgliederversammlung bei Bauer, Nosenthaler- strahe 57: Gäste willkommen. Eingegangene Druckschriften. Don der»Neuen Zeit«(Stuttgart. Dich' Verlag) ist soeden da« HZ. Heft des 19. Jahrgangs erschienen. Ans dem Inhalt heben wir hervor: Fünf aus Hunderten.— Centrum und Wahlrecht. Von August Erdmann.— Die czechische Arbeiterbewegung in Oestrcich. Von Dr. F. Sonkoup(Prag).— Socialdemotratische Jugendlitteratur. Von Otto Marko.— Berliner Theater. Von F. Mehring.— Feuilleton: Schlafwandlerniichte am hellen Tage. Von August Strindberg.(Schluß.) Die»Soeialistischen Monatshefte«(Administration: Berlin W., Liitzowstr. 85A) haben soeben das Oktoberhest ihres 7. Jahrgangs erscheinen lassen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Friedrich Hertz: Der nene Programmentwurs für die Sstreichische Socialdemokratie.- H e i n r t ch K a u f m a n n: Großeinkanfs�Gesellschasten deutscher Konsumvereine.- Wolsgana Heine: Die Lehren des Gumbinner Militär- Strafprozesses.— Eduard Bernstein: Der Kernpunkt des Streites.— Otto Lang: Der Socialismus in der Schweiz.— Gustav Heinke: Die Ausgaben der politischen und gewerk- schaftlichen Organisationen in der Frage des Bauarbeiterschutzes.- Wally Z e p l e r: Mutterschaft und geistige Arbeit.— Maxim G o r k i j: Frühlingsmelodten.— Rundschau: Politik! von Richard Calwer.— Wirtschaft; von Max Schippe!.— Socialt st ische Bewegung; von Oskar Petersson.— Gewerk s(chaftSbewegung; von Heinrich Bürger.— Genossenschastsbewegung; von Gertrud David.— Sociale Kommunalpolitik; von C. Hugo.— Technik; von Dr. Heinrich Lux. Der Preis des Heftes beträgt b0 Pf., pro Quartal 1.50 M. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, Colporteure und Postanstalten(Post- Zeitungs- Katalog Rr. 6961), ferner dirett durch die Expedition der ..Sodalistischen Monatshefte", Berlin W. 35, Lützowsir. 85 A.(Znsendung unter Kreuzband oder geschlossenem Couvert.) Probehefte und Verlags- Kataloge gratis und sranco. Von der»Kommunalen Praxis«, Zeitschrift für Kommunalpolitik und Gemeindesocialismus, ist soeben die Nr. 17 des ersten Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt heben wir hervor: Das Wohnungsamt in Stuttgart.— Auerbacher Skandale.— Kommunalwahl- Programm für Barmen.— Das Pflegekinderwesen der Stadt Mainz.— Entwurf eines Kommunalwahl- Programms der socialdemokratischen Partei Elsaß- Lothringens.— Kommunalwahl-Programm der Socialdemokraten des Groß- Herzogtums Hessen. Die„Kommunale Praxis" erscheint am 1. und 15. jedes Monats. Preis viertelsährlich 1 M. Postzeitungsliste 4019a, vierter Nachtrag für 1901. Der„Süddeutsche PosttHon" bringt in seiner soeben erschienenen Nr. 90 zu einem Artikel über Rußland die Reproduktion eines russisch- socialdemokratischen Flugblattes, das die heilige Ordnung in Rußland in einer wirksamen Abbildung darstellt. Es ist eine Art Pyramide. Zuunterst die Arbeiter, die für alle arbeiten und sie ernähren, darüber, von ihnen getragen, in verschiedenen Stufen die Gruppen derer, die für die Arbeiter essen, aus sie schießen, sie beschwindeln, sie regieren und über sie herrschen. Briefkasten der Redakkion. Die juristische Sprechstunde findet am Dienstag, Donners- tag n»d Freitag von 7— g llhr abends statt. Nordstern. 1. Bei Anfragen ist die Abonnementsquittung einzureichen. 2. Das Stadtporto für Briefe beträgt 5 Pf. «. R. 20. Wenden Sie sich an H. A. Friede!, Berlin W, Lützow- flraße 60. R. F. Charlottenburg. Sie sind nicht zur Zahlung verpflichtet und können auf Herausgabe der Urkunden klagen, falls die Kasse diese zu Ihrer Legitimation fordert.— E. P. Leider liegt ein cntschädigungsberechtigter Unfall nicht vor; der Reichstag und die Regierung hatten den Antrag der Socialdemokraten abgelehnt, die Unfälle aus dem Wege von und zur Arbeits- stätte unfallversicherungspflichtig zu machen.— H. H. Lnugcstrafte, ül. Z. New.— R. 40. Nur, falls er bestraft ist.— C. G. 65. Sie sind nicht wahlberechtigt.— E. K. 25. Falls das OrtSstawt das vorschreibt: Ja. — G. A. 46. 1. Leider nein. 2. Durch 1. erledigt. 3. Nein. 4. Sie müßten sich an die Polizei wenden. 5. Zur Aushebung des Vertrages kann der Wirt nicht gezwungen werden.— Lehrersfrau. 1. u. 2. Eine Klage wäre erfolglos, weil der Schaden schwer nachgewiesen werden kann und Ausrechnung eventuell erfolgt. 3. Handlungsgehilfen mit mehr als 2090 M. Gehalt sind nicht krankenversicherungspflichtig.— P. U. 30. 1. 50 Pf. 2. Nein. Lassen Sie es auf eine Klage ankonimen.— Wl. O. 8. Nein. — Gesundheit: Sie könnten den Versuch machen, die Gefängnisverwaltung in Tegel schriftlich um Antwort zu ersuchen.— H. S. Moabit. P. B. 15. Ja.— C. Luckefett. Der amtliche Rechenschaftsbericht erscheint erst etwa im Dezember.- Ronneburg. Die Forderung ist verjährt. Betrug liegt nicht vor.— Willy G. Das Verfahren des Gerichtsdicners ist unzulässig. Beschweren Sie sich beim Amtsgericht.— R. Gr. Der Herr hat Ihr vis zum 1. Januar zu zahlen.— GreifSwaldrrstrafie. Nein — H. I. 100. 1. 12 Mark monatlich ist die Veteranenbeihilfe. 2. Das hängt von der Zahl und Art der Marken ab. 3. Am 11. Oktober 1899.— R. 78. Sicherer ist es, pünktlich zu zahlen. Hat der Vermieter oder dessen Stellvertreter ohne Widerspruch bislang unpünktlich Zahlung angenommen, so wird seine Exmissionsklage abgewiesen.— St. Georgen. 1. Wenden Sie sich an die Handwerkerschule in Berlin. 2. Nein.— Luise, Moabit. Leider bleibt Ihnen nur eine Anfrage bei der Armendirektwn (Dammmühlengebäude) übrig.— G. F. 50. 1. Das Notwendigste, in Ihrem Falle außer Regulator, Spind und Spiegel, wohl alles muß Ihnen gelassen werden. 2. Ihr Erscheinen ist nicht erforderlich. 3. 30 Jahre.— 1001 Nustland. 1. Ja. 2. Geldstrafe. 3. Bis zu seinem 42. Lebens- jähre ist das möglich.— W. M.» Gesundbrunnen. Das ist zu spät. — S. 100. Der Chef ist im Recht.— P. F., Steinmeyftr. 63. 1. Sie sind zur Zahlung verpflichtet. 2. Ja. 3. Zahlen und dann eventuell gegen die Eltern auf Rückerstattung klagen.— Bcge, Stendal. Sie können gegen den Pastor mit Aussicht aus Erfolg sich beschweren.— M. W. Eine Frist de- steht hierfür nicht. Sic können nur Ihre Forderung einklagen und dann pfänden lassen.— H. D. 1. Der Betreffende kann mit Aussicht auf Erfolg bei der Gewerbedeputation(nicht Gewerbegcricht) klagen. 2. Die Kasse hat das Recht der Nachfrage und Kontrolle.— M. O. Ja. — G. V. Sie können den Antrag auf Austiahmc stelle». Ein Recht aus Aufnahme hat die Betreffende aber nicht.— Mulackstrasie. Sie als Vormund müssen aus Alimentenzahlung klagen. Sie können die Klage ohne Anwalt anstellen und mit der Klage der Mutter verbinden. Ein Beispiel für solche Klage finden Sie in dem dem„Arbeiterrecht" beigefügten „Führer" S. 218 Nr. 9. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus. — I. M. 17. Sie könnten lediglich auf Beseitigung der Bcsitzstundung klagen.— Einigkeit 00. 1. Zu öffentlicher Vorstellung ist Genehmigung erforderlich. 2. Nein.— Schmurrn. Leider ist eine Klage aussichtslos, weil das Schriftstück unterschrieben wurde.— Alter Genosse 52. Ein Testament mit solchem Inhalt wäre gültig. Es müßte aber die Form gewahrt, insbesondere also Erben eingesetzt werden.— O.S.100. I.u.2: Nein. — Fuhrmann. Wenden Sie sich an einen sachverständigen Vogelhändler. — P. A. Die Behörde ist leider im Recht.— H. Becker. 1. Ja. 2. Sechswöchentliche Kündigung zum QuartalSersten. 3. Ja.— R. E. Sie können Ihren Zweck durch eine Genossenschastserrichtung sowie durch Errich- tung einer offenen Handelsgesellschaft erreichen. Die Konzession kann nur eine Privatperson erhallen. Bei Abfassung IdcS Statuts oder Gesellschafts- Vertrages ist es ratsam, einen Rechtsverständigen zu Hilfe zu ziehen. — Anna Krüger. Aufnahme findet jeden Sonntag um 9 Uhr vormittags in der Aula der Gemeindeschule, Kleine Frankfurterslr. 6, statt.— E. Sch. I. und 2. Ja.- A. Unwissend. Ja.- P. M. 74 Nixdorf. In Ihrem Fall ist das Amtsgericht Berlin II, Hallcsches Ufer 29/31, zuständig. — P. W. 13. Sie sind zu einer Zahlung nicht verpflichtet.— M. W. 20. Es sind ältere Teile benutzt.— B. T. Falls aus dem Wortlaut Ihres Miels-, Pacht- und Kaufvertrags nicht etwa Gegenteiliges erhellt, haben Sie die Miete für das jetzt Ihnen gehörige Gebäude nicht mehr, wohl aber die Pacht zu zahlen.— A. 75. Sie müssen bezahlen. — S. S. 41. Ihr Vertrag ist nicht stempelpfiichtig.— G. S. S. Nein.— Scheuer. 1. Sie sind nach Ihrer Darlegung erbberechtigt, und zwar erben Sie die Hälfte. 2. Sie können noch jetzt klagen, thun aber gut, zuvor schleunigst bei der Sparkasse zu beantragen, daß an Dritte nichts aus das auf Ihren Namen lautende Buch gezahlt werde.— Friedlich. Dasür giebt es keine gesetzlich fixierte Zeit. In der Praxis wird als angemessene Zeit die Zeit bis 7 oder 8 Uhr abends erachtet.— O. 18. Pallisadeustr. 33. Sie müssen sich mit Ihrem Antrage aus Vollziehung des Adoptionsvertrages und aus dessen Genehmigung an das Amtsgericht(Vormuiidichastsgericht) wenden. — H. K. 7. Die Mutter müßte den Antrag aus Unterstützung bei dem Anncnkommissions-Vorsieher stellen.— W. W., Beusselftrasse. 1. Ja. 2. Sie müssen innerhalb einer Woche, von Verkündigung des Urteils ab ge- rechnet, schriftlich Berufung einlegen. 3. Nein.— K. 24. 1. Die un- entbehrlichsten Sache» müssen Ihnen belassen werden. Einigen Sie sich mit der Wirtin darüber, was als unentbehrlich anzusehen ist, und klagen Sie eventuell auf Gestatten, die und die Sachen mitzunehmen. 2. Nein. 3. Nein. 4. Nach der Gestnde-Ordnung ist Ihre Tochter verpflichtet anzuziehen, könnte gewaltsam in den Dienst geführt werden und außerdem bestrast werden.— Quast 1. 1. Zur Zahlung der Kosten sind Sie verpflichtet. 2. Wegen körperlicher Fehler vorläufig ans ein Jahr zurückgestellt. — E. N. 20. Die Reklamationsfrist ist längst verstrichen. Die Ber- anlaaung zu der untersten Stufe geschah bislang lediglich durch Auslegung der Liste, nicht durch Zustellung. Der Betreffenden bleibt nur übrig, unter Darlegung ihrer Verhältnisse Niederschlagung der Steuer bei der Steuer- devutation zu beantragen.— O. F. T. Unterlassen Sie die Berufung, sie wäre nutzlos. Der Slrasantrag kann nur von der Behörde zurückgenommen werden.— 1000. Nein. Liegt kein Testament vor, so fällt dem Vater>/,, den Kindern zusammen'U des Nachlasses der Mutter zu. Können die Erben sich über die Art der Teilung nicht einigen, so können sie die kostspielige gerichtliche Teilung veranlassen.— Fran Felsncr. Friedrichsberg. Auf dem Wege der Prtvatklage würden Sie nichts erreichen. Lassen Sie die Sache ruhig weiter gehen. Freilich wird schwerlich Anklage erhoben werden, weil eine Strafthat nicht vorzuliegen scheint. Sollten Sie Vermögens- Nachteil durch die Handlung erlitten haben, so könnten Sie auf Ersatz im Civilwege klage».— W. Sch. 1. und 2. Nein.— E. B. 1060. Nein. — A. H. I. 1. Sie reichen nun den Zahlungsbefehl mit dem Antrage bei Gericht ein, ihn vollstreckbar erklären zu wollen.(„Ärbeiterrecht" S. 436, Nr. 74.) 2. Den Versuch können Sie machen. 3. Der Lohn ist bei dem Amtsgericht mit Aussicht auf Erfolg einzuklagen. Die Marken können nach- geNebt werden. Krankenverficherungspflichtig ist eine Aufwärterin nicht.— Herm. Schm. 1. Für den dem Kinde durch Ihren Hund zugefügten Schaden sind Sie verantwortlich. 2. Die Kosten von täglich 80 Hf. müssen Sie zahlen. 3. Nach Ihrer eignen Schilderung befinden Sie sich im Unrecht und haben leider wsolge Ihrer erregten Handlungsweise eine Anklage wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu erwarten.— G. K. 1. Der Weg zur Acnderung des Namens ist verschiedenartig. Handelt es sich um eine voreheliche Tochter Ihrer Frau oder un: die Tochter einer mit Ihnen nicht Verheirateten? 2. Sie müssen sich zwecks Berichtigung des Standesamts- Registers an das Amtsgericht wenden. Die Kosten sind nicht hoch. — E. S., Tegel 31. Eine junge, grau erhält die Hälfte der für sie ge- klebten Jnvaliditätsmarken zurück, wenn sie innerhalb eines Jahres den Rückzahlantrag stellt und mindestens 290 Marken vor der Heirat geklebt hat. Ein Beispiel für solchen Antrag finden Sie im.Arbeiterrecht" S. 445, Nr. 95.— Krummestr. 60. 1. und 2. Siehe unter E. S., Tegel 31. 3. Ja, falls nicht etwa die Kündigungsfrist ausgeschlossen war. 4. DaS ist uns nicht bekannt.— A. B. 100. 1. Wenn kein Testament vorliegt, so erben Ihre Frau, Ihre Schwiegermutter und Ihre unverheiratete Schwägerin zu je einem Drittel. 2. Ja. 3. Ja, der Mutter muß aber das Pflichtteil ge- lassen werden. 4. Solcher Antrag ist bei Gericht zu stellen, ist«ber kost- spiclig. 5. Das dritte Drittel fällt den Kindern Ihrer verstorbenen Schwägerin zu.— M. W.» Weissciiburgerstrasse. 1. Ja. 2. Nein. Marktpreise von Berlin am ZV. September lOVI »ach Eriniltlungeii des kgl. Polizeipräsidium». Welzen, gut D.-«lr. » mittel» gering» s-Rogge», gut. „ mittel» „ gering ♦Gaste, gut. , mittel„ gering «Haser, gut rniiiel, . gering Richlstroh, Heu. Erbsen» Spetsebohnen. Linsen. ch ab Bahn fret Mühle. » frei Wagen und ab Bahn. Prodnktcnmarkt vom 1. Oktober. Größere Kündigungen und die Verweigerung von Prolongationen seitens der Kündiger übten am Frühmarkte einen starken Druck auf die Preise aus. Da jedoch Amerika gut behauptete, Oestreich-Ungarn Höhere Preismeldungen sandte, so schritt man bald zu Deckungen und die Lieferungspreise für Weizen und Roggen er- reichten dann auch mittags ihren gestrigen Stand wieder. Für spätere Sichten notierte Weizen sogar eine Kleinigkeit höher. Der Mehlmartt oer- harrte in lustloser Haltung. Hafer und Mais waren still und wenig per- ändert. Rüböl war ohne Geschäft. Preise nominell wie gestern. Spiritus. Am Spiritusmartte gab der Locopreis um weitere IV, M. nach. Nacbdem der Ringpreis für die neue Campagne auf 35 M. festgesetzt »st, wurde 70er loco am hiesigen Markte heute mit 39 M. gehandelt. Wetter-Prognose für Mittwoch, den 2. Oktober>001. Früh nebelig, am Tage meist heiter, trocken und sehr warm bei schwachen südlichen Winde». Berliner Wetterbureau. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Mittwoch, 2. Oktober. Opernhaus. Carmen. Ans. 7V, Uhr. Schanspielhans. Ein Sommer- nachtstraum. Anfang V/2 Uhr. Nenes Opern< Theater(Kroll). Geschlossen. Schiller. Jugend. Anfang 8 Uhr. Deutsches. Rosenmontag. Ansang 7'/, Uhr. Berliner. Die beiden Leonoren. Anfang 7V, Uhr. Lessing. Haus Rosenhagen. An- fang 7V, Uhr. Residenz. Sein Doppelgänger. Vor- ber: Im Coupä. Anfang 7V, Ubr. Neues. Das Ewig-Weibliche. An- sang 7V2 Ubr. Westen. Die Debütantin. Anfang ?>/- Ubr. SecesslonsbüSne. Detlev Lilien- crons Buntes Brettl. Ansang 8 Uhr. Central. Giroslö-GiroslA Anfang 8 Uhr. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- sang 7V, Uhr. Luisen. Der Verschwender. An- sang 8 Uhr. Carl Weist. Berliner Rangen. An- fang 8 Uhr. Frievrich-Wilhelmstädtisches. Die Landstreicher. Ans. 7'/, Uhr. Belle-Zlllinnce. Talolo. Anfang 8 Uhr. Casjno- Theater. Berlin W— Berlin N. Specialitäten. Anfang 8 Uhr. Mietropol. Specialitätenvorstellnng. Schön war's doch. Anfang 8 Uhr. Apollo. Specialitäten- Vorstellung. Fron Lima. Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Anfang nachmittags 5 Uhr. Passage- Panoptikum. Special!- tälen-Vorstellung. illcichShalle». Stettiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Palast. Specinlitäten-Vorstellung. Rosensonntag. Ansang 8 Uhr. Urania. Tanvcnstr. 48/40.(Im Tyeatersaal.) Abends 3 Uhr: Uever den Wollen. Jnvalidenstraste 57/62. Täglich abends von 5—10 Uhr: Sternwarte._ W. Hoacks Theater. S c Brnimcnstrabe 16. h u I d B g. Drama in 3 Aufzügen von R. Voß. Donnerstag: Die wilde Kaste. SchillttThtliler (Wallner-Xheatcr). Mittwochabend 8 Uhr: •fn�enS. Ein Ltelesdrama in 3 Aufzügen von Max Halbe. Donnerstagabend 8 Uhr: IRelmat. Freitagabend 8 Uhr: _ J ugend. HIotropol-Theatfir. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u. Tanz in 5 Bildern. Emil Thomas a. G. Joseph Joseph! a. D. H. Bender. G. Kaiser. Else de Yerä a. D. Frid-Frid. F. Georgelle. Gastspiel: �nhacct! Anfang 8 ühr. Rauchen überall gestattet. Girkus Albert Schumann. Renz-GebSude. Karlstrasse. Mittwoch, den 2. Oktober 1001, abends präc. 7>/z Uhx: Extra-Gala-Vorstellung. Aus dem sehr reichhaltigen Pro- gramm sind besonders hervorzuheben: Amerikas Stolz. Die phänomenalen 5 Johnsons. Klub Jugglers. Orig.- Clown Paul Bojanowski, der urkom. Berliner. "'WJT' eWitWen. Neueste Erfindung des Dir. Alb. Schumann. gr. Ballettdivertissement lOft lr*.U von Damen. livW Mab. Mathilde Renz. Herr E. Renz. 8 Eugens. Mllc. Blanche und Rita Alarty mit ihren dressierten Möcharas. Mlle. und Möns. Datsy. Fräres Balaguers. Frl. Dora Schumann, «chulreitertn. Clown Adolph, der Unverwüstliche. Cottrell. Mlle. Eugenie. Carry und Mörla, die betd. Chinesen. Ein Stündchen in der Arche Noahs. Dir. Alb. Schumann. Urania. Tauben-Strass© 48/49. Im Theater um 8 Uhr; Uebec* den Wolken InTalldenstr. 57/02. Sternwarte. Castans Panopticinn. Frledrlchstr. 165. Horwarths wunderbare 6 Liliputaner mit ihren kleinsten Pferden der Welt und Pracht-Equipage! Anf. wochent. 5, Sonntags 12, Ende II Uhr. Das neaa Oktober-Projramm. Adelina Sozo Prima ballerina assoluta. Traudchen Hundgeburth, die Kuhmagd aus dem Rhein- lande. Hasl nnd Franzi, die bayrischen Juxbrüder und Schuhplattler. Zum ersten- male in Berlin. 18 erstkl. Kammern. Cirlins Busch. Mittwoch, den 2. Oktober er., 7'/, Uhr: 8olr6e �qnestre. „Hie guet Brandenburg allewege," Großes Ritter- nnd Schaustück zu Wasser und zu Laude. Besonders hervorzuheben: vor Amerikaner Glkkord als einbeiniger Hochspringer auf seinem Rad. Außerdem: Gala-Programmnummeru. Ekutral-TlMter. Abends 8 Uhr mit neuer glänzender Ausstattung: Ciinofte» CSti'osla. Kam. Operette in 3 Akten von Lecocg. Hauptdarsteller: Mta Werver, Sigmund Kunstadt, Carl Schulz, Emil Sondermann. Morgen: Dieselbe Vorstellung. TMiA-TliLaiLr. resdsnerstr. 72. Heute u. folg. Tage: Ein tolles Geschäft. Große AusstattungSposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. Rauls Vorm in 8 Verwandlungen. Guido Tbieiscber in 11 Verwandlungen Fritz Helmerding als Wolzogan. lunkermann, Bojs. Anfang?:/, Uhr. Güll Weiss-Theater. Grosse Frankfnrterstr. 132. Anfang 8 Uhr! Anfang 8 Uhr! Berliner Rangen! Große AuSstattungSposse mit Gesang in 5 Akten und 7 Bildern v. G. Albert. Musik von R. Leonard. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend 4 Uhr: Kinder- Vor- stellung: Max und Moritz. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zlarla 8tizaU>t. ?alast-Tüeater (früher Feen-Palast) Bnrgstr. 22. Direktion: Winkler» FrBbel. Das neue riesengroße Oktober- Programm. IsSellslitiliils-Miilmern. Nur vom Besten das Beste. Direktor Vplllzcln» Fröbel in der aktuellen kam. Operette Weibliche Barbiere. bebende Rleaen-Photographlen. Neueste Ereignisse! Dlv drei Silbersterne. Der Muslk-Sport-Akt Anfang Punkt 8 Uhr. Sasseneröffnung 7 Uhr. Billet- Vor verkauf von 11—1 Uhr. Wo amüsiert man sich grossartig? in Schnegelsbergs Festsälen Hasenhclde 21 und Jahnstrasae 8. Juh.: Max Schindler. Heute: Grosser Ball nnd Thaler-Regen verbunden mit Cigarreu-. Bonbon-Regen und diversen Ueberraschungcn. 2444L» »-Torstellnn«:. Entree frei. Säglich�Sgeclallttttcn� Apollo-Theater. Xenc» SpeclalUftlen- Prosramm. Miss Balfa Eiien Sousa Geb. Sleidl Luei Ferdier Brolh. Ävoio Walinoo. Mariella Der Xosmograph. Ferner: FranLnua ÄÄ„Grigolatis". Kasseneröffnung 7 Uhr. gflF* Anfang 8 Uhr,- Casino-Theater I�othrlngerstrasae 37. Heu! Ä ffii. Heu! Ring des Dr. Schrumm mit Steidl. Dazu mit andauernd sensat. Erfolg Zerliii H.- Dttlin w. fnf. innrfient. 8. Sonu.agS 7'/a Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Herrliches Programm, u. a.„Bosco". Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. An der Spandauer Brücke Z. Vornehmst. Vergnllgungslokal! TSg(Ich internationale Konzerte. SpeclalltSt.-Doppsl-Vorstellung von nur erstklassigen Kräften. Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Vorzügliche Küche. Gut gepflegte Biere. Sanssonci Kottbuserstr. 4 a. Wiederauftreten von Adolf HofTmann. Jeden Sonntag, Montag und Donnerstag Hoffmanns Mbbeutsche Sänger Nach jeder Soiree: Tanz. Anfang Sonntags 7 Uhr, von 5—7 Uhr Konzert. Entree 50 und 75 Pf. Wochentags Ansang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Pf. Wochentags Vereinöbillets gültig und Tanz frei. Alle andern Tage bleiben die Säle zu Festlichkeiten und Ver- sammlungen frei. Veimil und Rauch, Unter den Linden 44. Frcltas, den 4. Oktober: Eröffnungs-Yorstellung. Anfang l/,g Uhr. 78/17 Preise der Plätze: Fauteuil 10 M. Loge 6 il. Parkett 6, 5, 3 M. Lager von Brnno Güther Berlin 80 Grüner Weg 80, pari. Eingang vom Flur, kein Laden. Verkaufe in meinem seit 32 J ahren bestehenden Special-Odinengeschaft 800 bis 1000 Keste in Zwirn, Mull und Tüll und eot|l«che Gardinen, für 1 bis 4 Fenster passend 2298L* SU spottbillig 35 um damit zu räumen. 36 Mark elegante Wlnter-Palctot«. 30 Mark hochfeine He�en-Annü� schwere Wlnter-Uelnklejder. Anfertigung nur»ach Matz. Guter Stoff. tadcltoser Sitz. 14 Kransenstr. 14, 1 lt. lmii Inden 1 Achtung 7 Achtung! Sofiölünnolu'atifiöei verein im fünften Berliner Reichstagg-Wahlkreife. Am Donnerstag, den 3. Oktober er., abe'ndS 3'/, Uhr, im Ntcn Schützenhause, Linicnftratze Nr. Z: Tages�Ordliung: 1. Die Reorganisation nnd daS neue Statut deS Vereins. Rescreitt igen. Leopold Licpinann. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Unbedingtes und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ist»ol- wendig. Nur Mitgliedsbuch legitimiert. 245/13 _ Per Torntond. Achtung! Bergolder. Achtung! Vtrblilli» her im Vergolhergemerbe besUltigten Arbeiter nuh Arbeiteriililkil Deiitjchlllnhs ipnle Berlin). Donnerstag, den 3. Cftober, abeudö präc. 8 Uhr, in der „Alhainbra" Wallircrthcatcrstr. 13: itordsiitl. itglißder- Tages-Ordnung: 1. Welche Maßnahmen gedeuken die Sollegen Berlins zu den Maß regelnngeu bei der Firma Saer ck co. zu treffen? 2. Verschiedenes. Wegen der hochwichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Mid gliedes, pünktlich zu erscheine». Die Versammlung wird pünttlich eröffnet. 223/1 Per Vorntand. Ii ..pcomplete F 1 � wohnungseinrictifungen u. einzelne SiücKe aur, üCreditü bei kleiner Anzahlung D.0UfJ3hr6 hinaus verlelllen Raten, 'Kompl.ElnrichfungenvonMk3ÖObisMk-5flOO' irtfc-i und mehr älifTeilZahlunQ SnFral-Möbel-Halle, |S.KOmmandanfensrr. 51 EckeAlexandrlnenslc �le.cheZgrossen Schaufenster 2 u bcachVen■ Cirkus Renz-Kouzert-Tnnnel Karl«traa«e. Wochentags 7 Uhr. Nur erstklassige Direktion: Sonntags 5 Uhr. SpsolalltslilSN. d. l».»tttt. IsUen Lonnabenü nach dar Vorstellung: Tanz ohne Nachzahlung. Zähne vorzügl. sitzend. Garantie. Teilzahl.. Plomb.. schmcrzl Zahnz., Umarb. schlcchts. Geb. Clollistsln, Oranienstr. 123 Meuefle LtelÄzvittzt! Bollständige Wohnungs-Einrichtung für Mark 250, SosaS Bettstellen mit Federbode» und Äiffen Plüschgarnitureu........ Pancclsofas......... von Mari Eberhanlts Möbelfabrik, (24468* ark 30 an ...„ 30„ ..... 100„ ....» 90„ Perl in O., llolzmarktatr. 21. Meissner Domban Geld' Lotterie Zietiung schon 26. 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Oktober, nachm. 4 Uhr. vom Augusta- Hospital nach dem Gnaden-Ktrchhos, Barsubstrabe, auS statt. Um zahlr. Beteiligung ersucht 348/11 Der Borstand. Todes-Auzeige. Allen SangeSbrüdern, Freunden, Genossen und Bekannten die traurige Nachricht, dab unser lieber, unvergeb- licher Sangesbruder Allels WithRiann, am 30. September nach kurzem, aber schwerem 8ciden im Alter von 33Jahren verstorben ist. Die Beerdigung findet am 3. Oltober, nachm. 4 Uhr, vom Augusta-Hospital aus nach demÄnaden- Kirchhof statt.(66/4 Miinner-Gesangv. Nord wacht. Todes- Anzeige. Hiermit die traurige Nachricht, dab unser lieber unvergebltcher Freiind, Genosse nnd Stammgast Aüo\f Wichmann am 30. September sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am 3. Oltober, nachmittags 4 Uhr, vom Augusta- Hospital, Scharnhorststrabe, aus nach dem Anadenlirchhof statt. Die Stammgäste von Giessel, Boyenstr. 40._ Todes-Anzeige. Allen Freunden und Belannlen die traurige Nachricht, dab mein lieber unvergeblicher Bräutigam kioli Wichmann am 30. September, früh 5 Uhr, nach kurzem aber schwerem Leiden(Lungen- lähmung) verstorben ist. Die Beerdigung findet am 3. Oktober, nachm. 4 Uhr, vom Aiinusta-Hospital, Scharnhorststrabe, auö nach dem Gnadenkirchhof statt. Die tieftranernde Brant Anna Pieper nebst ihre» Eltern. Am Sonntagabend SV, Uhr verschied nach langem, schweren Leiden mein lieber Mann, der Töpfer Emil Weadschlag im 61. Lebensjahre. 804b Die Beerdigung findet am Donners- tag, den 3. Oltober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Eentral-FriedhoseS in FriedrtchSselde aus, statt. Die trauernden Hinterbliebene». I. A.: Paul Wendschlag. Pdnknagkiiiic. Für die zahlreiche Beteiligung und Kranzspende, namentlich der Kollegen der Firma Lüben und Buhse, deS deutschen Metallarbeiter- Verbandes, sowie des Rauchklitbs Kcrnspttze bei der Beerdigung unsreS lieben VaterS Joseph Klose sagen wir hiermit allen unsren herz- lichste» Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung metner lieben Frau, uusrer guten Mutter, sagen allen Be- tetligten, insbesondere dem Rauchstub „Einigkeit- und dem Gesangverein „Hvssniing-(Rixdorf) den herzlichsten Dank. 2467L Wilhelm Rheden nebst Kindern. + Herren-Vortrag+ Carl Prnvkkoir, Friednchstr. 10, über:„Sogenannte unheilbare Man- »erleiden-. Mittwoch, den 2. Oklob., abds. 8»/, Uhr, t. d. Anhalter Ressource, Möckernstrabe 114. Nur Herren! _ Eintritt frei 1 Anzöge � fäf uAllilbe» Begräbnis-Anzeige. Wir machen hierdurch bekannt, dab unser Bruder, der Schriftsetzer Theodor Schulz, am Mittwoch, den 2. Oktober, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle der EmmauS-Knpclle beerdigt wird. Um stilles Betlctd bitten seine Brüder und Schwägerin i897b Eduard». Jnlins Schulz. Gröhte Auswahl in in- und auS- ländischen Stoffen für Paletot», Anzüge, Beinkleider>c. werden unter Garantie de» guten Sitze» zu überan» billigen Preisen fchnellsteiiS angefertigt im Tuchgeschäft �JUtorMaldeniarstP. 6ß. Arbeiter» Meue Unternctusfcurso uojfiuuBti Donnerstag, den 3. Oktober, im Bezirk Äord-Wcnt,b. Fischer, WalcUtrasse 8 und im Bezirk Bilden, bei Jahn, Oräfestr. 82. Freitag, den 4. Oktober, im Be» zirk Centrnm, bei Grupe, Annenstrosse 16. 527b Dtemtag, den 8. Oktober, im Bezirk Norden, bei Gleinert, Schulstr. 29. Beginn 8'/: Uhr«bend«. Die erste Stunde ist kostenfrei. Unterrichtsgeld 4 Mk. Das Lehrbuch wird gratle geliefert Die Jtolwort HUBB der markischen Mttchprodnzenten auf die Angriffe des Milchhandels an die Hansfrane« Berlins nnd der Vororte! W-d-r Milchnot noch Preiserhöhung, aber Vollmilch an Stelle entrahmter Milch wollmdie 5000 Märkischen Milchbauern, welche die Not zur Geuosscuschaft Milchceutrale zusamiuenschweißte, liefern. Was ist den Berliner Hausfrauen und deren Kindern als„gnte Milch" oder als„Vollmilch� geliefert wenden? Ende Juli— Aufaug August 1901 ließen wir einkanfe» und sofort untersuche»: l. Serie: Gute Milch für 20 Kfennige aus 1791 Milchgefchüften Berlins nnd der Uororte. 1. Zahl der Beanstandungen SS2V P"oben--- L4,L"/«(entrahmt oder gefälscht), 2. Entrahmte Proben IkCL----63,1"/«* ll. Serie: Gekauft: Vollmilch für 20 Pfennige pro Liter, ans 18L9 Milchgeschäften Kerlins und der Uororte. 1. Zahl der Beanstandungen S2T2 Proben--- 74,4- 0/«(entrahmt oder gefälscht), 2. Entrahmt 8146 Proben=61,3 o/o. Vorstehende Zahlen, die wir ergältzen werden, bedürfen keiner Aptslegnng!!! Glitgläubig kaufte die Hausfrau für 20 Pfenuig den Liter gute Milch oder Vollmilch, für die ein Fettgehalt von 2,7 Proz. polizeilich vor« geschrieben ist, und erhielt, wie aus Obigem hervorgeht, meist Halbmilch, für welche die Polizei nur einen Mindestfettgehalt von 1,8 Proz. vorschreibt. Derselbe Milchhandel» der in Verlin Haltimttch zn Uollmilchpreifen für 20 Pfg. pro Liter verkaufte, hat die Stirn, den Milchvouern begehrlich zu nennen! Derselbe Milchhandel, der vorstehend beschriebene Milch liefert, bittet„der lieben Kinder wegen" die Hausfrauen zur Unterstützung! Was wird nun die Hausfrau thnn? � Uollmilch für 20 VfS* pro Citri*, Magermilch für 8 Vfg. pro Citer. Centrale für Milchverwertung e.G. m.b.H. Bcrlinf Köthenerstrasse 39 und vom 1. Oktober an Schillingstrasse 12. Die Milcheentrale verkauft Warenhaus A.Wertheim Thittidoc/i, S)onner£ta IFreitag soweit der Vorrat reicht: Wollene Kleiderstoffe Homespun Mtr. I.15, 1.70, 2.35 Mk H i mal aya gestreift, Mtr. 1.30, 2.25 Mk. Helnw. dieVIOt Mtr. 90 Pf., 1.35, 1.70 Mk. Krepps Mtr. 88 Pf. 1.05, 1.65 Mk. Damentuche Mtr 1. so, I.55 Mk »» breite Mtr. 1.95, 2.40 Mk. Mk. Mk. Zibeline=Tuch 1.45 Blusenhemden Sammetflanell 3.75 Woll. Tuchstoff 4.75 Mk. _.._ mit Säumchen und bestickt, i 1 Reinseid. 1 ClllCL farbig und schwarz I i.50 Mk. Jackett-Kostüme Homespun voiamkock 20.50«. 28.50 BIiisen= und Bäuskleidersfoffe cestr. Blusenstoffe Mtr. 1.35 u.1.55Mk. Blusenflanelle Mtr. 1.40 Mk. Lawn=tennis=Stoffe Mtrl.55Mk Velour=Parchend Mtr 36, 42,58 Pf. Meuerte Hauskleiderstoff e Mtr 82 Pf Halbtuche starkes Köpergewebe Mtr 65 Pf H i m al ay a 2.35«... Sammet und Seidenstoffe Seidenstoffe£21 Mtr 2.i 5«. 2.65 Mk. Gestreif t.T af f ete Mtr.1.70«. 2.40 Mk. Louisine chine Mtr 3.25« 4.35 Mk. BIusensammeteMtr.l.1 5 u 1.45 Mk. Gestreifte Blusen= Taffete Mt,. 1.55 Mk. Mk. Kostümröcke Cheviot gefüttert 5.75, mi, Volant 1 3.25 Jupons Zanella mit Silberdruck, gefüttert 2.85 Mk. Mk. Woll. 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Für den Inseratenteil veratttwortlich! Tb.' Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. st. 230. i8. MW». 2. Ktilagt Ses„ JomiW Kerlim AldsdlM. mm, s. mi Berliner Partei-Attgelegenheite». Zuiil OrganisationSstrcit im 6. Wahlkreis erhalten wir folgende Zuschrift: In der Volksversammlung, die am Freitag, den 27. September, in der Schönhauser Vorstadt die Gründung einer Sonderorganisation beschlossen hat, kam ein von mir aus Lübeck abgesandtes Protest- Telegramm znr Verlesung. In der Versammlung wurde dann aus- gesprengt, daß das Telegramm gar nicht von mir herrühre, sondern, wie einer der Redner es ausdrückte,»eine Machenschaft der das Heft in Händen habenden Personen" sei. Da derartige Behauptungen den gewünschten Eindruck in der Versammlung gemacht haben, bin ich zu folgender Erklärung genötigt: I» die Verhandlungen betreffs einer Reorganisation des Wahl- kreises spielten von Anfang an persönliche Momente hinein, die es mir geboten erscheinen ließen, mich gar nicht an den Auseinander- fetzungen zu beteiligen und dann selbstverständlich diejenige Organi- sntion anzuerkennen, die nach den eingehenden Beratungen durch Beschlutz der Generalversammlung maßgebend für die Parteigenossen des Kreises geworden sein würde. Erst als die Genossen der Schönhauser Vorstadt gelegentlich der Stellungnahme zu einzelnen Bestimmungen des Kommissioiisentwnrfs eine Resolution angenommen hatten, in der für den Fall, daß das Statut nicht nach ihren Wünschen ausfallen sollte,„weitere Maß- regeln" angekündigt wurden, ging ich in eine Generalversamnilung bei Bavschmieder, um dort vor einer Sondcrbnndelei zu warnen. Als nun in jener Generalversammlung der Genosse Kiesel die Befürchtung ausgesprochen hatte, daß eine Sonderorganisation geplant werde, erklärte der Genosse B o r g m a n n, er und seine Freunde dächten absolut nicht an so etwas, sie seien„über solche Kindereien hinaus". Dieie Erklärung beruhigte mich vollkommen, da sie schon durch ihren Wortlaut den Eindruck machte, daß nicht nur für den Augenblick, sondern überhaupt es ganz undenkbar sei, daß wegen einer Organisationsstreitigkeit die Genossen der Schön- hauser Vorstadt jemals an die Gründung einer Sonderorganisation gehen würden. lim so mehr war ich überrascht, als ich in Lübeck am Freilag, den 27. September, durch einen Brief des Vorsitzenden des Wahl- Vereins, Genossen F a h r o w, erfuhr, daß zu dem nämlichen Abend in der Schönhauser Vorstadt eine Versammlung einberufen sei, in der die Gründung einer Sonderorganisation für die Vorstadt be- absichtigt werde. Ich stelle hiermit ausdrücklich fest, daß ich von keinem einzigen der Urheber dieser Veranstaltung über ihren Plan in Kenntnis gesetzt ivorden bin, und daß die Einberufung der Versanimluug zu einem Tage erfolgte, an dem nicht nur ich, sonder» auch einige andre bei der Beratung des Organisationsentwurfs hervorragend beteiligte Genossen auf dein Parteitage in Lübeck anwesend sei» mutzten. Ich bin nun der Ueberzcngnng, daß nur die durch langivierige Meinnngskämpfe gesteigerte Erregung der Leidenschaften die Genossen der Schönhauser Vorstadt zu einem so parteischädlichen Schritt hat verleiten könne». Ich habe aber auch das Zutrauen zu ihrer Ein- ficht und ihrem Solidaritätsgefühl, daß es uns durch eine eingehende Auseinandersetzung gelingen wird, zu einer Verständigung und zu einer Beilegung des unheilvollen Zwistes zu kommen, und richte deshalb die dringende Aufforderung an die dissentierenden Genossen, dazu die Gelegenheit zu geben. Berlin, den 1. Oktober 1S01. Georg Le d eb o ur. Uoksles. Der Ncunuhr-Ladcnschluß ist jetzt ein Jahr in Kraft. Die Geschäftswelt hat sich mit dieser im socialen Jntercffe so notivcndigen Einrichtung durchaus zurecht gc- suiiden, und wir glauben, daß eine Umfrage in Unternehmerkreisen, ob der barbarische Zustand von früher wieder eingeführt werden solle, durchiveg auf ein ebenso entschiedenes„Nein" stoßen ivird, wie etwa eine Anfrage wegen Aufhebung der Sonntagsruhe. Und doch prophezeiten manche der in Betracht kommenden Geschäftsinhaber bei der Eiilführuiig des Nennuhr-Ladenschlusses so etlvas wie den Untergang der Welt, und die Prcsie— die liberale natürlich— ivar vor Jahresfrist ob der Neuerung ganz aus dem Häuschen. Spaßhaft liest es sich, wie die„Voss. Ztg." dainals schrieb:„ES wird also dem Hausherrn und seinen Gästen nichts übrig bleiben als zu hungern und zu d u r st e n, ivill er nicht mitsamt der ganzen Gesellschaft die Kneipe aufsuchen." Auch von den schlimnien Wirkungen, die der Neunuhr-Ladenschlnß auf die Moral der Handlungsgehilfen ausübe, wußte die liberale Presse viel Schauer licheS zu melde». Die„Magd. Ztg." brachte eine Korrespondenz aus Berlin, worin es hieß, daß in den Restaurants mit Damen- b e d i e n u n g aus Anlaß der Neuerung alle Tische besetzt gewesen wären, die Kellnerinnen hätten nicht genug Bier und Schnäpse herbeischleppen können und die Tingeltangel wären bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen. Die Budiker hätten illuminiert. Während dies Blatt ans Anlaß deS Ncunuhr-Ladciischlusscs so gewissermaßen den berühmt«! champagnertrinkenden Maurer der siebziger Jahre wieder auflebe» ließ. forderten andre Zeitniigeii die Behörden zu Ungesetzlichkeiten auf, indem sie in der Art eines rheinischen Blattes schrieben, die Polizei werde nach neun Uhr hoffentlich Augen rechts nehmen, wenn linker Hand ein Laden sei. Durch derartige Aufreizungen wurden natürlich auch die Unternehmer wild gemacht, und so ist es erklärlich, daß z. B. ein Direktor Max D ü s i n g von den Vereinigten Pommerschen Meiereien Hierselbst in einem Cirkular an die Geschäfts- welt die Frage anregte, ob den V e r k ä n f e r i n n e n, für die doch das AnSnahinegesetz gegen das Gesinde nicht gilt, nicht ein Ausgang nach neun Uhr zu v e r s a g e n sei; eS sollte also die Freiheitsberaubung gewissermaßen zum Princip er- hoben werden. Diese Erinnerungen an die Einführung deS Nsunuhr-Laden- schlusies zeigen klar, wie wenig Wert bei Enqueten über sociale Verbesserungen gerade den Meinungsäußerungen des Unter- n e h m e r t u m S beizulegen ist. Hoffentlich einlüden die Hand- lungsgehilsen und-Gehilfinnen nicht in der Agitation für Ein- führung des A ch t u h r- L a d e n s ch l u s s e S. Die große Masse der Bevölkerung, die Arbeiterschaft haben sie dabei auf ihrer Seite. Der Milchkrieg dürste seine Wirkungen erst heute voll miS- üben, da die gestern früh in Berlin eingetroffene Milch noch unter den alten, mit dem vorgestrigen Tage abgelanfenen Verträgen ge- liefert ist. Eine Folge des Milchkrieges durfte jedenfalls eine ver- stärkte Milchzufnhr auf dem Anhalter, Görlitzer und Kremmener Bahnhofe sein, während der Steltiuer und Lehrter Bahnhof eine schwächere Zufuhr aufweisen und das auf dem Nordbahuhof ein- treffende Quantum eine Aenderung nicht erfahren dürfte. Die Vahnhöfe und die sechs VerkaufssteNcn der Centrale wurden von den Milchhäudlern überwacht, um festzustellen, ob Milch- Pächter oder-Händler Produkte von dem Ringe beziehen. Einen wesentlichen Nutzen ans dem Kampfe ziehen die Milchbauern aus den Vororten, welche allmorgcndlich mit Planwagen nach Berlin kommen. Dieselben haben eine derartige Vergrößerung ihres Absatz- gcbieteS gefunden, daß viele eine Vergrößerung ihres Rindvieh- Bestandes vorgenommen haben. Inzwischen wird die Fahnenflucht im Lager der Agrarier immer allgemeiner. Nachdem schon ftüher gemeldet worden war, daß einzelne hervorragende Agrarier ihren Separatfrieden mit den Berliner Milchhändlern auf der Grundlage geheimer Ncbenverträge schließen, haben neuer- dings bäuerliche Milchgenossenschaften daß ein- fackiste Mittel gewählt, um dem Drucke der Ringschen Milch-Centrale auszuweichen;' sie haben nämlich kurzerhand ihre Auflösung beschlossen und lassen ihre Mitglieder als Privatpersonen die Verträge mit den Berliner Milchhändlcrn abschließen. Andre Genossen- schaftcn geben ihre Milch an einen im Dorfe wohnenden Bauern ab, der nicht der Milch-Centrale beigetreten ist, und regen sich gar nicht darüber auf, daß dieser zu den Bedingungen der Berliner Milch- Händler abschließt. DerBeginn des Milchkrieges wird übrigens von der„Deutschen Tageszeitung" nnt der Erklärung begleitet, daß die ni ä r- kischen Landwirte den Kampf nicht gewollt hätten, sondern in ihn„hineingedrängt" worden seien. Wenn wir nicht wüßten, wie kläglich dens„Milchbauern" und ihren Wort- fnhrern in diesem Augenblick des offenen Ausbruchs der Feindselig- leiten zu Mute ist, dann möchten tvir beinahe annehmen, daß das Agrarierblatt spaßen will. Nun sollen die märkischen„Milchbauern" in' den Kanipf, den sie in ihi er Profitwut leichtfertig heraufbeschworen haben, mit einem Male„hineingedrängt" worden sein! Kennt denn die„Deutsche Tageszeitung" nicht' jenes vertrauliche Cirkular, in dem der ,Milchbaucrn"-Fiihrer Obcramtmann Ring ausführte, daß für weitere Kämpfe viel gewonnen sei, wenn der Berliner Milchkrieg für die Landwirte siegreich ende? Das ist doch nicht die Sprache eines Mannes, der sich in einen Kampf„hinein- drängen" läßt l Die„Deutsche Tageszeitung" sagt, der Kampf müsse nun mit a I l e n M i t t e l II d u r ch g e f ii h r t w e r d e n. Dieselbe Mahnung richten wir an die H a u s f r a u e n Berlins und der Vororte. Kein Tropfen Ring milch! B o y k o t t i e r u n g der Milchccntrale und der zu ihr haltenden Händler! Dann wird der Ansturm der agrarischen Milchverteuerer siegreich zurückgeschlagen werden I Komiiianditgcscllschaft für Kautinenbctricb nennt sich seit etwa Monatsfrist ein Unternehmen, daß unter seinem früheren Titel„Offiziersvereinigung für Kantinenverwal- t u n g" in verschiedenen Kreisen deutliche Spuren ihrer Wirksamkeit hinterlassen hat. Diese Gesellschaft, zu der jetzt ein Lieutenant a. D. Edgar Scholz, früher auch der Hauptmann a. D. B i n z e r und der Lieutenant a. D. der Landwehr S i e g s s e l d gehören, über- nimmt von den Militärbehörden den Betrieb von Kantinen und zugleich die Lieferung der Waren für diese. Zur Verwaltung der Unternehinen werden von der Gesellschaft mit Vorliebe, nian kann wohl sagen ausnahmslos, Leute eingesetzt, welche in der Lage sind, Kautionen in Höhe von 1500—3000 M. stellen zu können. Diese Verwalter haben sämtliche Waren von der„Firma" beziehen müssen. Im April d. I. wurden nun ganz plötzlich fünf dieser Verwalter in K r o s s e n, K o l b e r g, Spandau und Schwerin aus nichtigen Ursachen entlassen; sie sind trotz mehrmaliger Aufforderung bis heute noch nicht in den Besitz der gestellten Kantionen gelangt, die in diesen Fällen 10 500 Mk. betragen. Außerdem aber wurden diese Personen auch um ganz erhebliche Summen für Gehälter ge— schädigt. Die Leute sind noch insofern übel dran, als der Leiter der Gesellschaft, Scholz, Bernburgcrstraße, Chambregarnist ist. Daß die Militärbehörde mit solchen Personen in Geschäfts Verbindung tritt, hat wohl nur darin seinen Grund, daß ihr die mit geteilten Tbatsachen nicht bekannt sind. Hoffentlich vcrhilft die Be Hörde den Geschädigten zu ihrem Siechte, noch ehe der Staatsanwalt, dem diese Angelegenheit unterbreitet ist. sich der schuldigen Personen versichert, Leute, welche etwa Neigung haben sollten, der genannten Gesell- schaft ins Garn zu laufen, mögen sich durch unsre Mitteilungen gewarnt sein lasse». Die Stadtvcrordnetcit'Wahle» finden voraussichtlich in der ersten Woche des November und zwar die in der III. Abteilung am Mittwoch, den 6., die in der II. Abteilung am Freitag, den 8. und die in der L Abteilung am Sonnabend, den 9. November statt. In der III. Abteilung kann von früh 9 Uhr biS abends 8 Uhr gewählt werden, in den übrigen Abteilungen findet ein früherer Schluß des Wahlaktes statt. Auf der TagcSordmiiig für die Sitzung der Stadt- vcrordncteii-Vcrsaiitiiiltiiig am Donnerstag, den 3. Oktober d. I., nachmittags ö Uhr, stehen n. a. folgende Gegenstände: Vorlagen, betreffend die Annahme der testamentarischen Zuwendungen des ver- storbencn Rentiers Julius Korke,— die Erwerbung der zur Ver- breiternng der Alexanderstraße erforderlichen Flächen der Grundstücke Alcxanderftraße 12 und 12a im Enteignungsverfahren,— die Er- Werbung der zur Freilegung der Borhagenerstraße zwischen Frank« furtcr Allee und Warschauerstraße erforderlichen Terrains,— der Ankauf des forstfiskalischen Terrains an der Oberspree im Guts- bezirk Köpenick-Foift für GasanstaltSzwecke.— die Führung einer Straßenbahnlinie im Zuge der N e u st ä d t l sch en Kirch« jtraße über die Straße Unter den Li n den,— die Fortführung des Kaiser und Kaiserin Friedrich- Kinder- Kranken- hausjes._ Wie man unS behandelt. Im„grünen Wagen" wurde unser Kollege John transportiert, der gestern nach viermonatlicher Gefängnishaft die Strafanstalt in Tegel verlassen hat, wo er wegen eines Preßvergehcns Aufenthalt nehmen mußte. Zwischen dem Strafgefängnis Tegel und dem Polizeipräsidium verkehrt ein sogenannter Z e l l e n w a g e n, mit dem die in Tegel entlaffenen Häftlinge nach Berlin gebracht und erst hier im Palast am Alexauderplatz eiitlasseii werden. Wenn diese Anordnimg überhaupt einen Sinn haben soll, so hat sie den, daß die Umgebung des einsam gelegenen Gefängnisses und die ihm zunächst gelegenen Ortschaften und Stadtteile von einer Uebcrschwemmung mit ziveifelhaften Elementen freigehalten werde. Für die wegen sogen, politischer Vergehen verurteilten Personen kommen solche Bedenken ja nicht in Betracht und ihr Transport mit dem Zellenwagen ist also(abgesehen von dem diesem Gefährt anhaftenden Odium) auch überflüssig. Unser Kollege stellte deshalb bei der Gefängnisverwaltung den Antrag, von der Fahrt im„grünen Wagen" entbunden und eventuell in Tegel direkt entlassen zu werden. Dieser Antrag wurde von ihm im Laufe des Freitags gestellt, aber von der Verwaltung abgelehnt. wovon er am Sonnabendabend unterrichtet wurde. John bat nun seine Frau, nach gegebener Erlaubnis zum Briefschreiben, ihn am Alexanderplatz bei seiner Entlassung zu erwarten. In dem Briefe bedauerte er unter Anerkennung der sonst ihm zu teil gewordenen Behandlung, daß man ihn trotz seiner Bitte zu der beschimpfenden Fahrt im Zellenwagen zwingen wolle und betonte, daß er selbst- verständlich nach seiner Entlassung geeignete Schritte unternehinen werde. Obgleich dieser Brief wie gesagt, eine Anerkennung der Verwaltung nach andrer Richtung enthielt und in ruhigstem, fach- lichstem Stil gehalten war, wurde er beanstandet und der Frau uns res Kollegen nicht zugestellt! Bis gestern vormittag 11 Uhr war Frau John daher ohne Kenntnis davon, wo und wann ihr Mann entlasten würde. Es lvar ihr nach vier- monatlicher Trennung nicht möglich, ihren Gatten beim Austritt aus dem Gefängnis zu begrüßen und sie war selbstverständlich über sein Schicksal in größter Unruhe, glaubte ihn krank oder venmglückt oder gar wegen irgend welcher andrer, ihr unbekannt gebliebener schwebender Verfahren zurückgehalten. Das schlimmste aber, die Fahrt im„grünen Wagen", blieb unsrem Kollegen nicht erspart! Er, der sein„Verbrechen" begangen, um einem nach der Ueberzeugung Tausender unschuldig Verurteilten beizuspringen, er, der im schlimmsten Fall sich im Mittel vergriffen, sicher aber in der alleredelsten Absicht, in der Absicht andern zu helfen, nicht andere zu schädigen, wurde von Tegel aus durch dieStraßen Verl! nsz wischen gemeinen Verbrechern ini Zellen wagen trans- p o r t i e r t! Zwar ging man nicht soweit, ihn in eine der Zellen einzuschließen, sondern gestattete ihm den Aufenthalt im Mittelgange des Wagens. Aber selbst diese kleine Modifikation des Verfahrens kann niemaude darüber hinwegtäuschen, daß die zuständige Behörde mit diesem Vorgehen einem ehrlichen Manne ohne dringende Ver- anlassung eine ihn tief kränkende Behandlnng hat angedeihen lassen. Wann wird endlich die Behandlung politischer Gefangener in Preußen- Deutschland eine andre werden? Wegen Einführung deS Kilometcr-TarifeS auf der Stadt- und Ringbahn will der Bund der Berliner Grundbesttzervereine beim Minister Thielen petitionieren. Wie die Herren Hansbesitzer sich die Einführung eines Systems der Preisberechnung vorstellen, das 1893 glücklich aufgehoben wurde, ist nicht klar; uns will scheinen, daß eine Berechnung nach Kilometern auf der Stadt- und Ringbahn für die gegenwärtigen Verkehrsverhältnisse noch viel weniger geeignet ist, als der jetzt bestehende, allerdings völlig unhaltbar gewordene Fünf- stationen-Tarif. ES ist nur eine verständige Tarifreform auf der Stadt- und Ringbahn möglich, und diese besteht in der all- gemeinen Einführung des Zehnpfennig-Tarifs, wie er für den Straßenbahnverkehr seit Anfang dieses Jahres in Kraft ist. Während früher eine Stadtbahnfahrt selbst in der ziveiten Klasse vor einer Pferdebahnfahrt den Vorzug der Wohlfeilheit hatte, fährt man heute, so weit größere Strecken in Betracht kommen, auf der Stadt- bahn doppelt und dreifach so teuer als auf der Straßenbahn. DaS ist ein Zustand, der beseitigt werden muß und wie gesagt, einzig durch Einführung deS Zehnpfennig-Tarifs beseitigt werden kann. Ter Stndtvcrordnctcn-Auöschuß znr Vorbereitung der Wahl von acht unbesoldeten Stadträten tagte am Dienstagabend unter dem Vorsitz des Stadtvcrordneten-Vorstehers Dr. Langerhans. Es wurde beschlossen, sämtliche unbesoldeten Stadträte, Fischbeck, Heller, Hiibner, Marggraff, Dr. Ä>i ü n st e r b e r g. Dr. S t r a ß m a n n und S t r u v e, deren Wahlzeit am 1. Januar nächsten Jahres abläuft, der Stadtverordneten-Versammlung zur Wiederwahl vorzuschlagen und au Stelle des schon ausgeschiedenen Stadtrats Bai l den Stadtverordneten Ka lisch(wild) der Wer- sammlung zur Neuwahl zu empfchlcii. AuSktinftSstellen für GcfnndhcitSpflcge. Der deutsche Verein für Volkshygiene teilt uns mit, daß er eine Neuerung auf medizinischem Gebiete einzuführen beabsichtige. ES sollen mit Beginn des Winters hygienische Auskunfts« st e l l e n in vier verschiedenen Bezirken der Stadt eingerichtet werden, wo Unbemittelte an zwei Tagen der Woche un« entgeltlich sich in allen jenen Fragen Rat und Auskunft holen können, die auf die Erhaltung der Gesundheit, aber nur auf diese Bezug haben. Solche Fragen sind z. B., wie man sich der Jahres- zeit entsprechend kleidet und nährt; wie man wohnen, kochen, schlafen soll; ob Kinder kalt oder warm zu waschen sind; wie weit sportliche Uebungen(Radfahren, Eislaufen) empfohlen werden können; wie man sich vor Influenza schützt usw. ES soll hierdurch auch für die Armen gewisfermaßcn ein Ersatz für die freilich nicht mehr moderne, aber trotzdem beste ärztliche Specialität. die des Hausarztes, geschaffen werden, und man will ihnen die Möglichkeit geben, durch rechtzeitige Fragen je nach den individuellen Verhältnissen sich die Kenntnisse anzueignen, die notwendig sind, um durch eine rationelle und gesundheitliche Lebensweise der Krankheit mit ihren bösen Folgen für die Wirtschaft- liche Existenz vorzubeugen. Wir glauben von dem Verein, daß er es gut und rechtschaffen mit seinem Bestreben meint. Aber da nun einmal in unsrer schönen Welt die Dinge so liegen, daß in sehr vielen Fällen gerade den Armen mit Ratschlägen, wie man wohnen sowie sich kleiden und nähren soll, relativ wenig geholfen ist. so hat das Bestreben des Vereins eine gewiß ungewollte Achnlichkeit mit dem Judicium des braven Chirurgns in Heines Gedicht, der sich bei der Leichenschau in der Dachkammer folgendermaßen äußerte: Die strenge Witt'rung, erklärte er, Mit Magenlcere vereinigt, Hat beider Ableben verursacht, sie hat Zum mindesten solches beschleunigt. Wenn Fröste eintreten, setzt er hinzu, Sei höchst notwendig Verwahrung Durch wollene Decke», er enipfahl Gleichfalls gesunde Nahrung. Die Frequenz lim städtische» Familien-Obdach war gestern vormittag, wie der Magistrats- Berichterstatter meldet, durchaus normal; vorgestern wurden 48 Familien aufgcnonmien, dafür haben gestern mehrere Familien, die Wohnung gefunden haben, das Obdach verlassen. Diese Mitteilung läßt auf eine Verringerung der Wohnnngs- not, die»ieinand dringlicher wünscht als wir, noch keine Schlüsse zu. Auch früher kamen die hauptsächlichen Zuzüge erst am späten Abend des Umzichtagcs sowie an den Tagen darauf, da die Obdachlosen tagsüber so lange als angängig die Stadt nach Wohnungen ab- suchten. Der Fleischverbranch in Berlin war im Jahre 1899/1900 159 379 972 Kilogramm, etwa 12 Millionen Kilogramm mehr als 1898/1899. Diese Steigerung ist hauptsächlich durch die starke Be- völkcrungSzunahme der' in Bezug auf ihren Fleischbedarf Vorzugs- weise auf die Berliner Großschlächtcrei angewiesenen Vororte zu er- klären. Von Herr» Apotheker Rothe» Charlottenburg, erhalten wir folgende Zuschrift: In der Nummer vom 28. September führt der„VorlvärtS" als Beweis für die Vermehrung der Zahl derjenigen Apotheker, welche die Lage nicht als rosig ansehen, die Thatsnchc an, ich hätte neulich zu einem Beamten der Charlottenburger Allgemeinen OrtS-Kranken- käste gesagt, die Apotheker würden zu einem Rezeptur- Rabatt von 10—15 Prozent bereit sein. Da ich mich nicht erinnere, in den letzten drei Monaten einen solchen Beamten gesehen zu haben, so kann auch diese Aenßernng nicht neulich von mir gemacht worden sein, abgesehen davon, daß mir die Berechtigung, im Namen der Allgemeinheit zu sprechen, fehlte. O. Rothe, Charlottenburg. Unser Gewährsmann bemerkt hierzu:„Das Erinneriings- vermöge» des Herrn Rothe wird jedenfalls gestärkt werden, wenn ihm mitgeteilt wird, daß der betreffende Beamte der Charlottenburger Allgemeinen Ortskrankenkasfe der Rezeptrcvisor der Kasse war und daß derselbe die Aeußerungen des Herrn Rothe auch als nichts andres, als seine persönliche Meinung aufgefaßt hat, aber auch nicht Anstand genoinmen hat, von dieser Meinung ander» Mitteilung zn machen." Der Verordnung, die Sitzgelegenheit betreffend, fdficiiien viele Geschäftsinhaber mit passivem Widerstand zu begegnen. Ans eine Beschwerde von Handlungsgehilfen über mangelhafte Jnnehaltnug der Vorschriften über die Sitzgelegenheit in offenen Verkaufsstellen und die Anfrage, ob durch die Erlaubnis, die für die Kundschaft bestimmten Stühle zu benutzen, mit der eine Anzahl von Geschäftsinhabern die Anforderuiigen des Gesetzes zu erfüllen glauben, den gesetzlicheil Bestimmungen Genüge geschehe, hat' sich der Polizeipräsident von Windheim zu Gunsten eines größeren Schutzes der Angestellten ausgesprochen. Es heißt in seinem Bescheide:„Ich nehme an, daß unter„Sitzgelegen- heil" im Sinne der Buiidesrais-Verordnung vom 28. November v. I. Stühle, Klappsitze zc. zu verstehen sind, welche dem GeschästSpersonal jeher Zeit zur Verfügung stehen, daß hierunter also diejenigen Stühle, die zur Benutzung für die Klindschaft aufgestellt sind, nicht zu rechnen sind. Es dürfte sich empfehle», bekannte Fälle, in denen das Geschäftspersonal ans die Benutzung der für die Kundschaft be- stimmten Stühle seitens der Geschäftsinhaber Verlviesen tvird, hier zur Sprache zu bringen, damit die Entscheidung der Strafgerichte darüber herbeigeführi wird." Unter verdächtigen Umstanden tvnrde gestern morgen um lsi/s Uhr der Kaufmann Eduard L öffler, Greifsivalderstr'll, von seiner angeblichen Nichte, einem Fräulein Klara Kretschmer aus der Nosenthalerstraße, die ihm die Wirtschaft und die Bücher führte, in seiner Wohnung auf der Chaiselongue liegend, tot aufgefunden. Ein Papier, das man im Zimmer fand, enthält anscheinend einen Rest von Strhchnin. Löffler ist dafür bekannt, daß er mit höheren Beamten und Offizieren Geldgeschäfte machte. Man vermutete da- her in seiner Wohnung eine größere Geldsumme und Wertpapiere. Wechsel und dergleichen. Da man aber bei einer Dnrchsuchnng der Wohnung nichts fand, so stieg der Verdacht auf, daß der alte Mann ermordet und beraubt sein könnte. Eine spätere Meldung besagt: Obwohl man daS Gift vor der Leiche liegend gefunden hat, so steht doch»och keineswegs fest, daß Löffler sich selbst vergiftet hat oder von einem andre» vergiftet worden ist. Das Strhchnin scheint mit seinem Tode gar nicht in Zusammenhang zu stehen. Wenigstens spricht der Befund der Leiche dagegegen. Diese lag auf der in der Ecke stehenden Chaiselongue lang ausgestreckt und gerade, während Leute, die an Strhchnin sterben, sich im Tode krümmen. Gewißheit über die Todes- Ursache kann nur die gerichtsnrztliche Oeffnung der Leiche bringen, die gestern abend noch in der- Wohnung ivar. Wenn aber auch festgestellt werden sollte, daß Löffler etwa am Herzschlag plötzlich gestorben tväre, so bliebe doch der dringende Verdacht bestehen, daß bei seinem Tode nicht alles mit richtigen Dingen zugegangen ist. Die Frage besteht immer, Ivo die Wechicl und das Geld geblieben sind. Von beiden hatte Löffler stets eine größere Menge bei sich. Das brachte die Natur seiner Geschäfte mit sich. Gefunden ist nun aber nichts. Neben der Mög- lickkeit, daß der alte Wucherer ermordet und beraubt worden sei, besteht auch die, daß sich jemand, der zufällig in seine Wohnung kam, sich nach seinem natürlichen Tode sein Eigentum aneignete. Ein heftiger Ziisamnienstost zweier Strastenbahuzüge ver- ursachte gestern nachmittag gegen SVe Uhr am Hackeschen Markt eine große Verkehrsstörung. Dort stieß ein Motorwagen ans einen An- hängelvagen mit solcher Gewalt auf. daß die Hinterplattform und der Kaste» des Anhängers total zerstört wurden. Da die Träger- stangen der Decke gebrochen waren, so drohte diese herab- zustürzen. Der zertrümmerte Wagen tvnrde nach dem Depot gc- schafft, Passagiere sind bei dem Zusammenstoß glücklicherweise nicht verletzt worden. Ein Opfer der Straßenbahn wurde gestern abend ein un- bekannter Mann in der Katzbachstraße. Als der Wagen Nr. 4 der Linie General Papcstraße-Blücherplatz um 83/* Uhr vom Tempel- hofcr Felde Herabgefahre» kam, wollte der Mann vor dem Hause Katzbachstr. 3 de» Fahrdamm überschreiten. Der Wagenführer rief ihm vergeblich zn, und bevor er auf der abschüssigen Bahn den Wagen zum Stehen bringen konnte, lag der Unbekannte schon unter der vorderen Plattform. Obwohl die Räder nicht über ihn hinweggingen, brachte ihm der Unfall doch den Tod. Der Mann tvnrde am Kopfe so schwer verletzt, daß er nach kurzer Zeit auf der Unfallstation in der Bellealliance- straße, ivohin zwei Herren ihn nut einer Droschke brachten, seinen Geist aufgab. Den Wagenführer scheint in diesen, Fall keine Schuld zu treffen. Wenigstens sagen Anwohner, es habe fast geschienen, als ob der Mann den Tod gesucht habe. Vielleicht ist er auch angetrunken oder taub gewesen. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schanhause gebracht. Ein eigentümlicher Diebstahl ist am Montagnachmittag auf dein Hofe des Hauses Leipzigerstraße 72 verübt worden. Dort waren Arbeiter der Firma Pötzsch damit beschäftigt, verschiedene Ladenschilder zn befestigen. Eines davon, welches die Aufschrift „Majolika" trug, war plötzlich verschwunden, als die Arbeiter es von dem Platz, wo sie es aufgestellt hatten, abholen wollten. Das Schild hat für den Dieb fast gar keinen Wert; immerhin werden Händler darauf anfmerksam gemacht,- daß sie es anhalten, wenn eS ihnen zum Verkauf angeboten werden sollte. Fcner bei der Berliner Untergrundbahn. Auf den, Stapel- platz für das Baumaterial an der Südseite des Wittenbergplatzcs ging heute nacht gegen zwei Uhr eine Baracke in Flanimeu ans, in der sich eine Schmiede befand. Die Feuerwehr war rasch zur Hand und goß solche Wassermengen in die Flammen, daß die übrigen Baracken des Stapelplatzes erhalten blieben. Feuerbericht.' Ein großer Dachstuhlbrand wütete Dienstag- nachmittag in der Blücherstr. II. Das in einer Dachwohnung des Seitenflügels ausgekommene Feuer griff schnell um sich und sprang auch auf das Vorderhaus über, so daß die Feuerwehr unter Be- Nutzung von zwei mechanischen Leitern mit vier Rohren vorgehen mußte. Nicht nur ein erheblicher Teil der Dachstühle, sondern auch die Einrichtungen verschiedener Wohnungen wurden eingeäschert, so daß der vcrnriachte Schaden erheblich ist. Der Straßenbahnverkchr in der Blüchcrstraßc war eine halbe Stunde lang unterbunden und durch die Gneisenanstraße abgelenkt. Montagabend erfolgte Falken- steinstr. 28 ein Küchenbrand.' Nostizstr. 2 brannte eine Bäckerei und Bernanerstr. 48 eine Werkstätte. In der Prinzenstr. 86 hatte sich Benzin entzündet, ohne indes wesentlichen Schaden zn verursachen. WohnungSbräiide waren noch Swinemünderstr. 78 und Möckernstr. 105 abzulöschen. Das Berliner VerkehrS-Lexikon(Verlag von Max Schild- bcrger, Preis 30 Pf.) ist in der Winterausgabe soeben erschienen. Das treffliche Verkehrsbüchlein giebt wieder eine erstaunliche Fülle von Angaben über ganz Berlin und seinen Verkehr und bringt die Winterfahrpläne sämtlicher Straßenbahnen und Eisenbahnen. Ein bequenier, in Seitenforn, beigefügter Plan von Berlin in 9 Sektionen vervollständigt das handliche Taschenbuch. Saniariterknrsus für Arbeiter und Arbeiterinnen. Am 4. rcsp. 14. Oktober beginnt in unsren beiden Abteilungen: Centrale, Dresdenerstr. 45 und Filiale Brnnnenstr. 150. je ei» neuer Samariter- kurfuS. Die Teilnehmer werden darin unterrichtet: a) in der ersten Hilfe bei Unglücksfälle»; b) in der ersten Hilfeleistung bei plötzlichen gefahrdrohende» Kraukheitsznständen; o) in den Grundzügen der Krankenpflege. Zu gleicher Zeit ist dieser Kursus eine Vorschule für unsre Samariterkolonne. I» jeder Abteilung finden 11 Lehrstunden 14tägig statt. Die Ausbildung wird erzielt durch theoretische Vor- träge und praktische Hebungen, wozu ein reichhaltiges Auschauungs- und Verbandsmaterial zur Verfügung steht. Ebenso steht den Teilnchn,ern zum häuslichen Studium die Bibliothek unentgeltlich zur Verfügung. Da unsre Aerzte die Teilnehmer in uneigennütziger und aufopfernder Weise belehren, so erhebt der Samariterkursus nur zur Ergänzung und Instandhaltung leiues Lehrmaterials ein Eintrittsgeld von 25 Pf. und einen monatlichen Beitrag von ebenfalls 25 Pf. Der Besuch der ersten Lehrstuude steht jedermann als Gast frei und ver- pflichtet zu nichts. Zur weiteren Auskunft ist der Vorsitzende E. Stein, Charlotteuburg, Kaiser Friedrichstraße 40, gern bereit. Verantwortlicher Redacteur: Carl Leid in Auf Wunsch werden von demselben Lehrpläne zugesandt. Alles Weitere wird durch Inserate bekannt gemacht. Der Vorstand.. Die volkstümlichen Kurse von Berlkner Hochschullehrern umfassen in ihrer ersten Reihe für die Monate Oktober, November und Dezember d. I. die folgenden Vorlesungen: 1. Prof. Waldeyer, „Herz und Blutgefäße", 2. Privatdoccnt Dr. Georg Huth, „Buddhismus", 3.' Professor Diels und Privatdocent Dr. Helm, „Einführung in die lateinische Sprache", 4. Prof. Martin Mendel- söhn,„Die Krankenpflege, ihre Heilmittel und ihr Hcilwert", 5. Ge- hcimrat Dr. Stephan,'„Deutsches Staatsrecht", 6. Privatdocent Dr. Botho Graes,„Die antike Kunst seit Alexander dem Großen", 7. Prof. Hoeniger,„Sociale Geschichte Deutschlands von der Re- formation bis zur Revolution", 8. Prof. Dr. Lampe und Privat- docent Dr. Stcinitz,„Einführung in die Geometrie", 9. Privat- docent Dr. Gilg,„Die Kulturpflanzen, ihre Geschichte und Ver- breitung". 10. Prof. Neesen und Privatdocent Dr. Aschkinaß, „Physikalischer Elementarkursus mit praktischen Ucbungcn". Ausführliche Pläne sowie Eintrittskarten zum Preise von 1 M. für den Kursus sind zu haben bei Georg Belling, Cigarrenhandlung, W., Leipzigerstraße 136; A. Schütz, Rcndant, 0., Holzmarktstr. 60 (10—1 und 4—6 Uhr); Chr. Tischendürfer, C., Sophienstr. 20, pt. im Laden(8—7 Uhr); F. E. Lederer, Buchhandlung, W., Kurfürstenstraße 70; Bernhard Staar, Buchhandlung. SW., Friedrichstr. 250; Centraistelle für Arbeiter- Wohlfahrtseinrichtnnge», W., Kötheuer- straße 23(8—3 Uhr.) Zum Kursus Nr. 10 sind die Eintrittskarten bereits vergriffen. Der städtische Gewerbesaal veranstaltet von Mittwoch, den 2. Oktober bis Sonntag, den 6. Oktober eine Ausstellung von Schüler- arbeiten in den Räumen des Schulhauses Hinter der Garnisonlirchc. Die ausgestellten Arbeiten des am 1. Oktober abschließenden Schuljahres ge- statten einen Einblick in die Ziele und Leistungen der Anstalt. Die an den Wänden und Tischen ausgelegten Blätter der Vorkurse, sowie der Nach- knrse für Maschinenbauer, Bau- und Kunstschlosser, Präcifions- und Elcktromcchaniker und der T a g e s k l a s s e n, geben Aufschluß über die strenge Anlehnung des Unterrichts an das absolut Praktische und die Auf- nähme der neuesten Erzeugnisse der obengenannten Gebiete in den Lehrstoff. Der Besuch ist unentgeltlich. Die 7. städtische Fortbildi«ngssch»le, kaufmännische und gewerb- liche Bildungsanstalt für Mädchen, Raunynstr. 63, beginnt ihre Unterrichts- kursc für das Wiiiterseuiester am Mittwoch, den 9. Oktober. Die Unterrichts- sächer sind: Deutsch(Rechtschreibung, Briefstil, Aufsäb, Lektüre), kauf- männische Korrespondenz, Schöuschreib'en, gewerbliches Zeichnen, Gesang, Turnen, Maschineuähen, Wäschezuschneiden, Schneidern, Plätten, Putzmachen, sowie alle weiblichen Handarbeiten inkl. Kunsthandarbeite» und Maschine- stickerei. Außerdem wird Französisch und Englisch für den mündlichen und schriftlichen Gebrauch gelehrt, sowie auch die Stenographie nach Stolze- Schrey und Ucbung im Gebrauch bewährter Schreibmaschinen erworben. Das Schulgeld beträgt monatlich bv Pf., für Schneidern und Plätten 1 M., Stenographie und Maschineschreiben 1 M., für fremde Sprachen halbjährlich 3 M. Anmeldungen des Nachmittags von 6 Uhr ab im Amtszimmer der 42. Gemeindeschule, Naunhnstr. 63, beim Rektor Zander. Die 1l. städtische Fortbildnngöschnle für Jünglinge, dl.. Ravcnsstr. 4 am Bahnhof Wedding, verbunden mit'eiiier Abteilnng des Gcwcrbcfaals, gewährt jmigen und alte» Leuten Gelegenheit zu vollständiger Ausbildung in sämtlichen Lehrgegcnständen sowohl für kluifmäuuische ivie gewerbliche Berufe. Der Unterricht begimit am Mittwoch, den 9. Oktober. Amnelduiigen nimmt Herr Dirigent Brüggemaiin im Schulhanse, 1 Treppe, Zimmer 19, entgegen. Orgelkonzert. Orgel- und Violin-Kompositioiien, Quartette, Terzette und Arien von Bach, Händel, Hahdn, Mendelssohn, Michele Costa, Kurth und Dienet werden Mittwoch, den 2. Oktober, mittags 12 Uhr, in der Marienkirche durch Herrn Musikdirektor Otto Dicnel, Fräulein Gertrud Manisch, Fräulein Lotte Dienel, Herrn Alexander Curth, Herrn Carl Rackis, Herrn Hans Busienius, Violinist, dessen Tochter Eva Bttffcnius und Herrn Organist Paul Heuer aufgeführt. Der Eintritt ist frei. Theater. Im Metropol- Theater ist das Gastspiel der S a h a r e t verlängert worden.— Im Deutschen Theater gehen am Freitag neneinstudiert Ger hart Hauptmanns ,.E infame Mensche n" in Scene.— Im Thalia-Theater wurde gestern die Posse„Ein tolles G e s ch ä s t" zm» 25. male gegeben.— Im Schiller- Theater wird am Sonntag, den 6. Oktober, nachmittags Sudermanns Schauspiel„Heimat" zur Aufführung komme». Die e r st c Aufführung des Lustspiels„Ein toller Tag" oder„Figaros Hochzeit" von Beaumarchais, in der Bühneneiimchtung von Dingclstcdt, ist für den 9. Oktober in Aussicht genomuien. Der Zoologische Garten hat für seine Sammlung von Ztverg-Huftieren einige sehr bemerkensiverte Ergänzungen erhalten. Es sind das drei Ceylon-Kantschils, gefleckte Zwcrg-MoschnSticre. die nächsten Verwandten des sonderbaren Hirschferkcls, Hyaemoschus a q u a t i c u s, welches vor vielen Tausenden von Jahren auch in Deutschland lebte und dessen Reste unter dem Namen Dorcablrsrium von Kaup beschrieben worden sind. Die Zwerg-Moichnsiiere sind früher viel weiter ver- breitet gewesen als heute. Jetzt bewohne» sie nur das westliche Afrika zwischen Kamerun und Gabun, die Insel Ceylon, das südliche Hinteniidicn, die drei großen Suiida-Jnseln und die westlichen Philippinen. Eine sehr hübsch gefärbte Art, deren Vaterland heute »och nicht bekannt ist. wurde vor mchrereu Jahren in drei Exeni- plareu hier im Zoologischen Garten entdeckt und als T r a g u I u s a u n a e zu Ehren der leider so früh verstorbenen Tiermalerin Anna Matichie-Held beschrieben. Die genannten drei Kautschiis wurden dcnr Garten durch die gütige Eermirteliuig des Herrn Rcchnuiigsrats Sturtz in Friedenau von den Herren Ober- Maschinist H» s e ni e h e r und Mariue-Oberzahlmcister K u n z zum Geschenk gemacht. Dem Berliner Aquarium sind von vier Seiten Reptilien aller Ordnungen und Erdteile zugegangen, so daß die Kriechtiersammlung einen außerordentlichen Zuwachs erfuhr. Am meisten hat Südamerika beigesteuert, indem von dort sechs Species in 24 Exemplaren eintrafen. Unter ihnen be- finden sich vier Stück jener lang- und zartichwänzigen Eidechsen, die tu den wärmeren Gegenden Amerikas die Cbamäleons Afrikas und Asiens ver- treten, indem sie, ohne mit diesen in Gestalt und Körperbau näher verwandt zu sein, wie die Chamäleons die Fähigkeit besitzen, ihre Färbung, welche die Töne Grün, Braun. Rot, Weiß, Blau usw. ausweist, zu wechseln und zu verwandeln. Von Schlangen kamen aus der neuen Welt außer drei statt- lichen Wasserdoas neue Gistschlangen an, und zwar mehrere ebenso schön gefärbte wie gefährliche Diamaut-Klapperschlangcn und vier Stück der über Brasilien, Guyana usw. verbreiteten und dort als die giftigste und bös- artigste Schlange weit mehr denn die Klapperschlange gcfürchteten Lachesis. Diese beiden neuen Zugänge im Berein mit einer unlängst aus Ostafrika cingelrossenen gewaltigen Viper(Litis gaboaica) haben die Schlangen- samuilung das Aquarium zu cinc�seltenen Reichhaltigkeit gebracht. SluS den iNdiftbiU-um». Ans Schöneberg schreibt man uns: Die Stadtverordneten- Versammlung hatte in ihrer Montagsitzung zunächst eine vorher für unbegründet'erklärte Reklamation eines hiesigen Einwohners gegen die Nichtaufnahme in die Wählerliste für begründet erklären müssen.— Wie man in unsrer freisinnigen Stadtvertretung tum das örtliche höhere Schulwesen besorgt ist. ergab sich � bei dem Magistratsantrage, an der hiesigen höheren Mädchenschule eine Oberlehrer- und eine Lehrerinnensiclle, und an der Hoheuzollcrn- 'chulc sogar drei Oberlchrerstcllcn zu errichten. Möchte eine ähnliche Fürsorge auch der Gemeindeschule zu �teil iverdeu l Dem Schuldiener an der ncuerbautcu Schule in der Feurigstraßc be- ivilligte man für das nächste halbe Jahr eine Mictsentjchädigmig von 200 M.. außerdem 37,50 M. für Mchrleistimgen, die durch Ileberschreitimg der ursprünglichen Anzahl der Klassenzimmer ent- standen sind.— Einem Ausschuß überwiesen wurde ein Magistrats- nntrag, die zwei Jahre übersteigende Hilfslchrcrzeit an der hiesigen Hohcnzollernschnle im Besoldungsdieustalker anzunehmen.— Der Stadtv. Waßmannsdorf brachte sodann noch eine eigen- tümliche Sacke zur Sprache, welche den gesundheits- 'chädlichen Zustand der Dienstwohimiig des Direll'or Bartels an der Hohenzollern-Schule betrifft. Danach wollte letzterer sich eine längere Krankheit, wegen der ihm 6 Monate Urlaub bewilligt wurden, nur in dieser Dicnstwohmuig zugezogen haben, trotzdem, wie hierbei behauptet wurde, diese nach seinen fpeciellcn Wünschen hergerichtet wurde. Um nun nicht zu Mißdeutungen Anlaß zu geben, will der Magistrat diese Angelegenheit eventuell durch Sach- verständige untersuchen lassen.— In den Ausschuß für Haftpflicht- Versicherung der Lehrer wurde auch Genosse O b st gewählt._ Zerlin. Für den Inseratenteil verantwortlich: Xh. Glocke in Berlin. Dru Ans Schöneberg wird uns geschrieben: Wenn man bedenkt, welcher Mühe und Arbeit, welcher jahrelangen anstrengenden Agitation durch die Arbeiterschaft es bedurft hat, nur die städtischen Körperschaften, sogar als sie noch das sogenannte„Dorfparlament" bildeten, zur Errichtung eines eignen örtlichen Kranken- Hauses zu veranlassen, und wenn man sieht, mit welcher schnccken- haften Langsamkeit eine solche in das komnmiiale Leben so tief ein- schneidende Maßregel verwirklicht wird, dann kann man thatjächlich einer solchen Koinnmiialvertretmig ein übergroßes Verständnis für socialpolitische Aufgaben nicht nachsagen. Schon im Frühjahr dieses Jahres, nachdem der Bau des Kranken- Hauses beschlossene Sache war, neigte nian bei Gelegenheit der Besprechung der inneren Einrichtung allgemein der Ansicht zu, daß bestimmt diesen Herbst noch mit den Schachtarbeiten begonnen werden dürfte, insbesondere da die Pläne und Entivürse bereits längst fertig gestellt und genehmigt waren. Aber noch regt sich nicht das geringste, ja, die Kraukenhaus-Deputatioii soll seit schon drei Monaten in dieser Angelegenheit nicht zusammengetreten sein. Angesichts der bevorstehenden Stadtverordnetcuivahlen iverdeu die Wähler der dritten Abteilung diesem die Arbeiterschaft besonders interessierenden Gegenstand jedenfalls ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden und sich klar darüber iverdeu, von welcher Seite allein eine würdige Vertretung ihrer Interesse» nur erfolgen kann. Das sociale Pflichtbewußtsein unter der Herrschaft deS Dreiklasseuwahl-Unrechts. Aus Neü-Weißenser schreibt man uns: Vor Monaten schon lvnrde auf Grund einer Verfügung eine G e s u n d h e i t S k o nr m i s s i o» gewählt, die bis heute n o ch n i ch t i n T h ä t i g k c i t getreten i st. Die Verzögerung ist, Ivie angegeben wird, darin z» suchen, daß der Gemeindevorsteher noch keine Zeit gehabt habe, diese Äoinmission zusammeiiznberufen. ein Einwand, der die Bezeichnung billig und schlecht verdient. Ge- rade in den Vvrorten steht für die T�ätigkeit einer solchen Kam- Mission ein weites Feld offen, und tvcnii die erwähnte Ausrede zn- trifft, so beweist dies eben aufs schlagendste, daß das jetzt herrschende Verwalwngssystem je eher desto besser beseitigt werden mutz. Uebrigens, was sagt die verfügende Behörde zur VcrschleppuiiL dieser Angelegenheit? Ans Lichtenberg wird uns zn der Frage des Terrain- Verkaufs geschrieben: Das gehört zum Geschäft. Zweiinalist der Generalvertreter des Fürsten Henkel von Doimersmark mit seinem Verlangen, in die Ausgemeindung des fürstlichen Terrains zu willigen, da Berlin für diesen Fall Käufer desselben seien würde, um seine Schlacht- und Viehhofsanlageu erweitern zu köiinen, von der Gemeindevertretung abgewiesen worden. Unser Genosse Grauer wies hierbei ini besondercii darauf hin, daß der Herr General- Vertreter zu glauben scheine, die Gemeindevertreiung von Lichtenberg sei zusammengesetzt aus Leuten, die auch dann ein„Geschäftchen" machen, wenn die Interessen der Gemeinde darunter leiden. Zum drittenmal erscheint der Herr jetzt ans dem Plane und die Summe von 500000 Mark ist der Köder, auf den ein allem Anschein nach von ihm ganz richtig eingeschätzter Teil der Geincindevertretimg anbeißen wird. Es ninß hierbei die triviale Redensart von„Wahrung des Gemeinwohls" herhalten, auch spielt die Phrase von der Hebung des Ortes durch Verwendung der 500 000 M. zu genieiimützigen Zwecken(ge- meint ist nicht etwa die Wertsteigimg des Grnndbesitzcs!) eine Rolle. Wie trivial klingen solche Redensarten doch im Munde unsrer Grund- bcsitzcr, die genau wissen, daß die Gemeinde Lichtenberg nicht einen Morgen n n b e b a u t e n Grund und Boden besitzt, die genau wissen, daß über kurz oder lang die Gemeinde ihre sociale Pflicht in der Wohnungsfrage nicht mehr wie bisher verleugnen kann. Uüd hier sollen Hunderte von Morgen unbebauten Landes(es handelt sich um ein Objekt' von?>/« Millionen Mark) abgetreten und der Bebauung ent- zogen Iverdeu. Erinnert sich die Gemeindeverwaltniig nicht des Ministerialerlaskes in Sachen der Wohnungs- und der Gr und- und Boden frage? Ober ist der Gemeinde- vorstand sicher, daß hier kein Eingriff in die sog.„Selbstverwaltung" geschehen wird? Gcmeindevesitz muß das Land werden, nicht Spekulationsobjekt, das ist die einzig richtige Antwort auf das nicht allzu bescheidene Auftreten der Herren„Geschäftsleute".— Hinter verschlossenen Thnren wurde die bedeutungsvolle Angelegen- hcit verhandelt, um dann einer ans ztvölf Mitgliedern bestehenden Konimission überwiesen zu werden. Auf diese„Gcheiiiniislhncrei" ist wohl auch der Krach im„Bnrgcrverein" zurückzuführen, denn hier läßt unser Ortsblatt ein Mitglied fragen, ob„wir" verraten und verkauft seien, wie zu Zeiten des Verkaufes des heutigen Viehhofstcrrains. Aber Herr Plonz ruft vorwurfsvoll:„Wo ist die Einigkeit? Zum ersteimial zeigt sich der Geist des Widerspruches gegen mich, und das angesichts des Umstandes, daß es die bösen Soci sind, die durch ihre acht Stimmen uns das Geschäft verderben köiincii?"— Der Herr Generalbevollmächtigte kannte seine Pappen- heimer, ein„solches Geschäftcheu" kommt nicht alle Tage wieder. Hoffen wir. daß Gciiosie Welk recht behält mit seinem Ausspruch: Die Gemeinde Lichtenberg bleibt ein ungeteiltes Ganzes! Die Wasserversorgung des Vorortes Friedrichsfelde wollte die Gemeinde Lichtenberg weiter übernehmen, welche das private Wasserwerk, das bis jetzt auch Fricdrichsfclde versorgt, in eignen Besitz übernommen hat. Die Gemeindeverlretung von Friedrichs« selbe lehnte jedoch die von Lichtenberg gestellten Bedingungen mit allen gegen eine Stimme an. Die Straßenbeleuchtnng in Friedrichsfelde soll verbessert werden. Sinti der jetzt benutzten elektrischen Glühbirne in Stärke von 16 Kerzen sollen solche von 25 Kerzen eingeführt werden. Die Kosten für die öffentliche Beleuchtung erhöhen sich dadurch von 8000 M. auf 12 000 M. Großfencr kam in der letzten Nacht in P l ö tz e n s e e ans Charlottenburger Gebiet zum Ausbruch. Gegen 10 Uhr standen dort am Spnndaner Schiffahrtskanal, der Chanffee nach Spandau und Saatwinkel. nicht tveit von- der Strafanstalt Plötzensee. den Pctrolenm-Tanks der deutsch-amerikanischen Petroleum-Gcsellschaft lind den Asphaltwerken von Wigankow, große Holzstapelplätze in geraumer Ausdehnung in Flammen. Diese waren weithin sichtbar und wurde die Feuerwehr nicht weniger als fünfmal alarmiert. Erst nach großen Anstrengungen konnte das Feuer gelöscht werden. Vermifchkes. Schiffsznsaintncnstoß auf d e r O st s e e wird ans sKalmar berichtet: Montag setzte ein holländischer Dainpfer an der Ostküsle von Oeland 17 Mann der Besatzung des Dampfers„Marie" ans Flensburg an Land, welcher mit einer Holzladnng an Bord von Riga nach Grangemonth unterwegs war. Die„Marie" war»ni 3 Uhr früh von dem Lübecker Danipfcr„Afrika" angerannt worden. Nach einigen Stunden sank die„Marie". Ein Bergungsdampfer ist nach der Ilnglücksstelle berufen. Braudkatastrophe auf hoher See. Der englische Dampier „Glenogle", nach Kapstadt unterwegs, ist. wie aus Käpsiadl gemeldet wird, durch eine Feuersbrunst völlig zerstört wurden. Die Mann- schaft bekämpfte das Feuer vier Tage lang und besetzte die Boote erst, nachdem die Kommandobrücke durch eine Explosiv» in die Luft geflogen war. lieber ein Eisenbahn-Unglück wird aus Bamberg be- richtet: Gestern vormittag fuhr in der Station Neuenmarkt ein Rangierzug dem ausfahrenden Eilgüterzng jn die Seite, wodurch 3 Maschinen und 4 Wagen entgleisten und mehr oder weniger stark beschädigt wurden. Der Heizer Müller von der Rangiermaschine brach den Fuß. Sonst lainen keine Verletzungen vor. Der Material- schaden ist bedeutend. Die Ein- und Ausfahrt gegen Hof und Bayreuth ist vorläufig gesperrt. Der Zugverkehr ivird durch Um- partierung aufrecht erhalte». In Straßbnrg ist die 46. Versammlung deutscher Philologe,, und Schulmänner gestern unter sehr zahlreicher Beiciligung eröffnet worden.__ I und Verlag von Max Badiug in Berlin.