Nr. 240. Abmmemknts- Kkdingungtn: Abonnements-Prei» pränumerando: «terteljährb 3,3b Mb, monatl. 1,10 SIC., »vöchentltch 23 Psg. frei ins Hau». Qimclne Numm'p 5 Pfg. Sonntagf» Nummer wir iilunnmtc SonntagZ- Leilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pr» Monat, Stngetragen in der Post-Zeitungs» Preisliste für 19 Ol unter Er. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungar» 2 Marc, für das übrige Ausland g Marc pro Monat. Erscheine täglich«uster Zvontug». Nevlinev Volksbl�kt. 18. Jahrg. Die Inserttons-Geblilid � betrügt für die fechSgefpaltene Kolonel» zeile oder deren Raum so Psg., für politische und gewerCschaftliche Vereins» und VerfammlungS- Anzeigen 20 Psg. „Kleine Anseigrn" jedeS Wort 5 Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen btS 4 Uhr nachmittags in»erSxpedition abgegeben werden. Die Srpcdition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn, und Festtagen biSSUhr vormittags geöstn«. Telegramm- Adresse r „AorUIdrnroftruC Berlin" C�ntralorgan der socialdemokratischen Uartei Deutschlands. Redaktion: LW. 19, Veuth-Strahv 2. Fernsprecher: 31 mt 1, Nr. 1508. Sonntag, den IB. Oktober 1901. Expedition: SW. 19, Veuklz-Skrafke 3. Fernsprecher: Slnit I. Nr. KlLl. Menschenopfer. Wie elend langsam die Arbeiter auch nur vor den aller- schlimmsten Gefährdungen ihrer Gesundheit geschützt werden, zeigt eine neue Großthat des Bundesrats, der offenbar dem dringenden Ersuchen der annen Zinkhütt en-Besitzer — die zu den reichsten Leuten gehören— nachgab und seine Verordnung vom 6. Februar 1900 ganz wesentlich v e r- schlechterte. Im„Reichs-Anzeiger" war kürzlich folgende Bekanntmachung des Bundesrats publiziert: „Auf Beschluß des Bundesrats werden im§ 19 Abs. 2 der Bekanntmachung, betreffend die Einrichtung und den Betrieb der Zinkhütten, vom 6. Februar 1900 sNeichs- Gesetzblatt S. 32) die Warte:„bis höchstens zum 1. Juli 1901" durch die Worte: „bis höchstens zum 1. Oktober 1903" ersetzt." Diese Bekanntinachung kann man füglich als eine Todes- und Erkrankungsanzeige für Tausende von Jndustrie-Arbeitern betrachten! Nachdem nämlich seit Jahren in der Presse wie im Reichstage und in den Berichten der Gewerbe-Aufsichtsbeamten, speciell des Bezirks Oppeln, in dem die Zinkhütten- industrie hauptsächlich ihren Sitz hat, daraus hingewiesen wurde, wie gesundheitsschädlich und verwüstend die erbärmliche Beschaffenheit der Arbeitsstätten auf die Zinkhüttenarbeitcr wirkt, hatte der Bundesrat endlich am 6. Februar 1900 eine Verordnung erlassen, die zwar keineswegs genügende Schutz- Vorschriften enthält, aber doch einige der schlimmsten Uebel- stände beseitigen könnte. Bisher waren und sind die Arbeiter den Zinkdünsten, die stets mit den schwer giftigen Blei- dämpfen gemischt sind, schonungslos ausgesetzt, auch mußten sie durch den reichlich vorhandenen blei- haltigen und daher giftigen Zinkstaub schwer leiden. Nichtswürdige Rücksichtslosigkeit der Zinkhüttenbesitzer hatte und hat die Anlagen derart gebaut, daß so gut wie gar keine Fürsorge getroffen war, um die Arbeiter vor den Gefahren der Arbeit zu schützen. Weder sind genügende Abzugs- Vorrichtungen für die beim Rösten der Zinkerze entweichenden Gase vorhanden, noch Absaugungsvorrichtnngen für Staub, Gase und Dämpfe, die den Dcstillationsöfen entweichen. Das Sieben und Verpacken des bei der Zinkdestillation gewonnenen feinen Flugstaubcs, der außer Vergiftungen durch seinen Blei- gehalt auch schwere Entzündungen der Augen hervorruft, findet in denselben Arbeitsräumen statt, in denen sich auch die mit andern Arbeiten beschäftigten Personen aufhalten, so daß die Vetriebsräume überall mit diesem sich leicht verbreitenden Staube erfüllt sind. Dabei sind die Arbeitsstätten meist nicht genügend hoch und unsauber, vor allem aber ohne zureichende Äentilationseinrichtung und die Siebapparate lassen be- trächtliche Mengen Flugstaub in die Arbeitsstätten dringen. Wasch- und Ankleide- sowie Speiseräume, in denen der Ar- beiter sich reinigen und seine Mahlzeiten einnehmen kann, giebt es nicht; Bade-Einrichwngen sind nur wenig und oft nicht in bestem Zustande, sowie in nicht ausreichender Zahl vorhanden; die Gelegenheit zum Baden war und ist den Ar- beitern erschwert. Die Bundesratsverordnung vom 6. Februar 1900 hatte bereits verabsäumt, eine der wichtigsten Vorschriften zum Schutz der Gesundheit der Arbeiter zu bringen, nämlich die Festlegung eines Höchstarbeitstages. Auf die oben angeführten Gesundhcitsschädigungen, die durch niangclhafte Betriebs- anlagen hervorgerufen werden, hatte die Verordnung jedoch das Augenmerk gerichtet und in den ZZ 1, 4, 6, 8 und 13 entsprechende Einrichtungen verlangt: Genügend geräumige, hohe und saubere Arbeitsräume, Abzugsvorrichtungen für die bei den Testillations- undRalizinieröfen entweichenden Gase, Dünste und Staub, getrennte Arbeitsräume für das Sieben und Ver- packen des Flugstaubes und Verhütung des Verstaubens derselben, ferner Wasch-, Ankleide- und Speiseräume in staubfreien Teilen des Betriebes. Auch wurde vor- geschrieben, daß der Arbeitgeber seinen Arbeitern wenigstens zweinial wöchentlich Gelegenheit zu geben habe ein warmes Bad innerhalb der Betriebs- a n l a g e zu nehmen und, sofern nicht nach dem Urteil des Gewerbe-Aufsichtsbeamten dringende Rücksichten auf den Betrieb dies ausgeschlossen erscheinen lassen, auch innerhalb derArbeitszeit. Durch§ 19 der Verordnung war nun bestimmt, daß soweit zur Durchführung der Vorschriften der§§ 1 bis 4. 6 bis 8 und des§ 13 bauliche Veränderungen erforderlich sind— dies ist fast überall der Fall— hierzu von der höheren Verwaltungsbehörde Fristen bis höchstens zum 1. Juli 1901 gewährt werden können. Höchstens! Der Bundesrat hatte also erkannt, wie gesundheitsschädlich die Arbeiten und in wie verwahrlostem Zustande die Arbeitsstätten sind! Und nun ist kurz vor Ablauf jenes Termins die Ver- längerung der Frist um 3 Jahre angeordnet worden. Mit einem Federstrich sind wieder Tausende von Arbeitern der schlimmsten Gefahr preisgegeben. Im Jahre 1900 bestanden in Preußen 40 Zinkhütten. in denen 11 893 Arbeiter be- schäftigt waren, darunter 1441 Arbeiterinnen und 585 junge Leute von 14—16 Jahren! Wie dringend notwendig jene baulichen Veränderungen und der erst durch sie ermöglichte Schutz �der Zinkhüttenarbeiter ist, zeigt der letzte Bericht des Gewerbe-Aussichts- bcamten zu Ä a t t o>v i tz. Es heißt da: „Wie sehr die Zinkhüttenthätigkeit die Arbeiter einer früheren Invalidität entgegenführt, als dies in den meisten andern Berufen der Fall ist, crgiebt sich aus folgender zu Anfang 1900 von dem Gewerbe-Jnspektor zu Kattowitz aufgestellten Uebersicht. Bon den damals in den Zinkhütten des genannten Aufsichtsbezirks beschäftigten 1890 Schmelzern, Gehülfen, Schürern und Spurern waren nur etwa 5 Prozent mehr als 45 Jahre alt, nu r etwa IVi Prozent über 50 Jahre!" Der Beamte weist ferner darauf hin, daß häufiges Baden sehr gesundheitsfördernd für die Zink- Hütten-Arbeiter ist, daß aber die Zinkhütten-Besitzer„nur sehr widerwillig an die Beschaffung der Bade-Einrichtung herangehen". Der Beamte freut sich, daß durch die Zinkhütten-Verordnung des Bundesrats diese Schwierigkeit beseitigt sei! Er hat sich z u f r ü h gefreut— nicht bis zum 1. Juli dieses Jahres, sondern er st 27 Monate später wird das Gesetz den„Widerwillen" der so schwer reichen Zinkhütten-Besitzer gegen die Geldausgabe für Bade-Einrichtungen sbesiegen— vorausgesetzt, daß nicht bis dahin der Bundesrat abermals Mitleid mit den Zinkhütten-Besitzern fühlt und ihnen die letzte Frist auf den Sankt Nimmerleinstag verschiebt. Ein Teil der Zinkhütten gehört dem millionenreichen Grasen Henckell von Donnersmarck! Auch die andren Hütten- besitzer sind sehr reiche Leute I Trotzdem entsprechen die Löhne durchaus nicht der schweren gesundheitsschädigenden Arbeit, sondern sind zum Teil sehr niedrig. Geradezu enipörcnd aber ist es, daß diese rcichen�Hüttenbesitzer diejenigen Arbeiter, welche sich infolge ihrer Rücksichtslosigkeit krank gemacht haben, auch noch im Lohn kürzen! Der§ 14 der Bundesrats- Verordnung schreibt nämlich eine Ueber- wachung des Gesundheitszustandes der Arbeiter durch einen Arzt vor. Auf Anordnung desselben sind Arbeiter, welche Krankheitserscheinungen infolge der Ein- Wirkung des Betriebes, namentlich Zeichen von Bleivergiftung aufweisen, bis zur völligen Genesung von der Beschäftigung beim Destillieren, Sieben und Ver- packen sowie der Beseitigung der sogenannten Räninasche fern- zuhalten. Wie handhaben nun die reichen Fabrikbesitzer diese Vorschrift? Der Kattowitzer Gewerbe-Jnspektor teilt mit, daß die seitens des Arztes von der Ofenarbeit auf Grund des ß 14 vorüber- gehend ausgeschlossenen Arbeiter nur widerwillig andre Ar- beiten, z. B. Platzarbeit in der Hütte übernehmen.„Der Widerwille ist wohl oft auf die niedrige Bezah- lung für die Platzarbeit zurückzuführen. Dort, wo für solche Platzarbeiter ein Lohn von 3 M. ausgeworfen wird, kann die Schwierigkeit in der Durchführung der Verordnung als überwunden angesehen werden." Also— wer sich krank gemacht hat, weil die Besitzer des Werks nicht die genügenden Schutzvorrichtungen anlegten, der wird mit niedrigerem Lohn abgespeist oder weggejagt I Und solcher rücksichtslosen Profitmachcrei konimt der Bundesrat so nachsichtsvoll entgegen und verlängert die Frist zur Beschaffung gesunderer ArbeitSräume um 27 Monate! Welche Gründe ihn dazu veranlaßten, diese Frage zu beant- warten. dazu wird dem verantwortlichen Staats- sekretär des Innern im Reichstage Gelegenheit ge- geben werden. Da der Eentralverband ihm ein klein wenig grollte, macht es den Eindruck, als ob dieses Geschenk die Freundschaft wieder herstellen soll! Vielleicht ist es aber auch die neue Kraft, Herr Möller, gewesen, der seine im Reichstag so oft dokumentierte Angst vor dem„raschen Fortschreiten der Socialreform" auf den Bundesrat über- trug und ihn zu einem solchen Rückschritt vcranlaßtc! Auf jeden Fall zeigt dieses Verfahren des Bundes- rates wieder cinnial deutlich, auf welchem Tief- st a n d die Socialreform angelangt ist. Die Geldinteressen der 40 Zinkhütten- Besitzer finden durch den Aufschub der Bauten sorgliche Berücksichtigung. Die Gesundheit der mehr als 11 000 Arbeiter aber wird schonungslos nach wie vor den giftigen Gasen, Staub und Dämpfen preisgegeben! Was schadet es auch, wenn in den 27 Monaten sich die vergifteten Arbeiter vor Schmerz krümmen. Frauen und Kinder der Erkrankten und Getöteten Seelenpein leiden und der Not preisgegeben werden! Ihre Schwerzensrufe dringen ja nicht bis in die höchsten Regionen! Dagegen kann ein Stirnrunzeln der Millionäre und Grafen, denen die Zinkhütten gehören, bei hohen Herren Aergernis hervorrufen und darum— rückwärts, rückwärts mit der Socialreform, ehe der Eentralverband oder gar noch mächtigere Herren ihren Groll laut werden lassen!— Welch jammervolle Zu- stände!_ Volitlsttze Llebevlrrtzt. Berlin, den 12. Oltober. Die Wahl zum„Roten Hauö". Äm 6. November finden in Berlin die Ergniizuiigswahlen zur Stodtverordneten-Versammluiig für die dritte Abteilung statt. Der Klasfenstaat hat dafür gesorgt, daß die Arbeiterklaf'-- auch in der Gemeinde cutrechtet ist, während die Bürger von„Besitz und Bildung" ihren Interessen entsprechend Sonnenschein und Regen über die verschiedenen Bevölkcrungsklasfen verteilen dürfen. Ihr Sinn für Recht und Gerechtigkeit sorgt dafür, daß das eigene Haupt immer von der Sonne beschienen, wird, während die berechtigsten und bescheidensten Ansprüche der Arbeiterschaft hartnäckig unterdrückt werden. Die im Jahre 1808 begründete und später wiederholt in den Zeiten der schmählichsten Reaktion revidierte Städteordnung sichert der besitzenden Klasse fast ausschließlich die Alleinherrschaft in der Gemeinde. In Berlin haben 691 Wähler der ersten Abteilung 48 Vertreter zu wählen, während die 308 617 Wähler umfaffende dritte Ab- teilung nur gleichfalls 48 Stadtverordnete zu wählen hat. Aber dieser plutokratische Charakter des Dreiklasien-Wahlrechts bot den herrschenden Klassen noch nicht die genügende Gewähr für die Fernhaltung der unteren Volksklassen von den städtischen Vertretungen, deshalb die für jede gesunde Entwickelung städtischen Gemeinwesens geradezu unheilvolle Bestimmung, daß die Hälfte der Stadtverordneten- Versammlung aus Hausbesitzern bestehen muß, eine Bestimmung, die selbst im Jahre 1875 die preußische Regierung bei der Reform der Städte- OrdMlng fallen lassen wollte. Die Hansagraricr stellen neben den preußischen Junkern die interesscnsüchtigste Klasse der Bevölkerung. Beiden gemeinsam ist die rücksichtslose Dreistigkeit, mit der sie sich auf Kosten der Allgemein- heit zu bereichern trachten. Jede Verkchrscrleichternng, die An- legung von Schmuckplätzen, bessere Beleuchtung, Kanalisation, Wasserversorgung, das sind alles Einrichtungen, die gewiß allen Bürgern zu gute kommen. Für den Grundbesitzer setzt sich. aber diese Annehmlichkeit zugleich in klingende Münze um. Mit jeder derartigen Verbesserung städtischer Ein- richtnngeic, die anf Kosten der gesamten Steuerzahler geschaffen werden, steigt der Wert des Grund und Bodens, ohne daß der Besitzer auch nur den Finger rührt. Ilm aber seinem Besitztum den unverdienten Wertzulvachs zuzuführen, wird der Grund- besitzer auf Verbesserungen in seine in Bezirk dringen. In diesem Umstände ist die Ursache für die„Kirchturms- Politik" zu suchen, die jede uncigennützige städtische Politik auf das äußerste erschwert. Und darum versagt auch die städtische Wohnungspolitik vollständig, solange die Initiative der Ge« meinde überlassen bleibt, in der die Nutznießer aller Wohnungsnot die Herrschaft üben. Doch die Interessenvertretung des Grnndbesitzcs ist nicht die einzige Ursache der Entartung der städtischen Verwaltung. Mit tausend Fäden, nur dem Eingeweihten sichtbar, hält die Hoch- finanz die städtische Verwaltmeg umklammert und nur zu oft muß die Bürgerschaft ihren Tribut an diese Reichsten der Reichen zahlen dank der Knrzsichtigkeit der städtischen Behörden und ihrer Unfähigkeit, sich den Einflüssen deS Großkapitalismus zu entziehe». Ein Gegengewicht gegen diese Jntcressenklüngcl und die Vor- Herrschast des Geldes bietet die Socialdemokratie. Aller- dings sind durch eine ungerechte Gesetzgebung tausend Hindernisse aufgeworfen, die den Eintritt der Arbeitervertrcter in die Gcmciude- vertvaltnng hemmen. Dennoch ist unsrc Partei auch dieser Schivicrig- leiten Herr geworden und hat sich, trotz öffentlichen Wahlrechts, trotz Klassenwahl und alledem, in stets wachsendem Maße Einfluß und Macht in der Rieseukonunuiie Berlin erobert. Die Aufgaben, die hier der Socialdemokratie gestellt sind, sind überaus wichtig und bedeutsam. Neben der Agitation für unsre Ideale und der Schulung und Organisation des Proletariats ist hier da» Wirken anf allen Gebieten des Gcmeindelcbens von höchster Nottvcndigkeit für die unbemittelten und durch das herrschende Bürger- tum schmählich vernachlässigten Volksschichten. Für die praktische Thätigkeit bietet die Gemeindeverwaltung ein außerordentlich lveitcs und fruchtbringendes Feld. Was in Berlin unsre Partei nur in den letzten 2 Jahren geleistet hat, ersehen unsre Leser aus dem an andrer Stelle nnsrer heutigen Nummer gegebenen Rechenschaftsbericht der social- demokratischen Stadtverordnctcn-Fraktion. Aus ihm geht hervor, daß cS der rührigen Thätigkeit der Parteigenossen im„Roten Hanse" gelungen ist, so manche Verbesserung herauszuschlagen, Verbesscrnngcn. die der Arbeiterklasse Erleichterung in ihrem Kampf imVs Dasein geschaffen haben. Die Socialdemokratie bedeutet auch im Rathaus das mahnende Gelvisscn, das die besitzende Klaffe zu Reformen nötigt, die ohne diese Mahnungen und Nötigungen nicht erfüllt worden ivären. Wie in der Politik deS Reiche» und Staates, so hat es der Liberalismus auch in der Gemeindeverwaltung der Socialdemokratie überlassen, das Recht und die Wohlfahrt der Arbeiterklasse zu vertreten. Seine Wohlfahrt dünkte dem liberalen Bürgertum die Wohlfahrt aller; mit den Interessen des GcldsackS glaubte es auch die Interesse» der Arbeiter vertreten zu können. Wenn sich die Berliner Gemeindeverwaltung in den letzten Jahren mehr um die wirtschaftlich Schivachen bekümmert, so ist dieser lim- schivung einzig dem thalkräftigen Eingreifen der Arbeiterklasse zu danken. Und nur wenn die Arbeiterschaft der Reichshanptstadt ihre ganze Kraft einsetzt und unermüdlich den zähen Kampf um den Einstieß in der Gemeindevertretung fortführt, kann es erreicht werden, daß daselbst nicht ausschließlich die Interessen des Kapitals Förderung finden, daß vielmehr mehr und mehr die sociale Politik, die Politik des Schutzes und der Hebung der unteren V o l k s k l a s s e n triumphiert! Nur durch das niachtvolle Eingreifen der Arbeiterklasse kann es erreicht werden, daß die große Kommune Berlin in den Kämpfen um ihre Selbstverivaltnng ividerstandsfähig wird und sich unberechtigter Ein- griffe zu erwehren vermag! Es ist hohe Pflicht der Berliner Ardeiterschaft, auch in diesem Jahre den Kampf um die freigewordenen Stadtverordncten-Mandate begeistert und nachhaltig zu führen. Der 6. November soll ein Siegestag der Berliner Arbeiterschaft werden!— Einen Vorstoß gegen den Eisenbahnminlstcr Thielen unternimmt die biindlcrische„Deutsche Tagesztg." Das Blatt glaubt die Zeit gelommen, jetzt endlich an dem Minister Rache zu nehmen, Iveil er gelegentlich geäußert, daß die Landwirte nicht allein aus der Welt seien, und iveil er der Kanalminister war. Jetzt rechnet das Organ des Bundes der Landwirte Herr» d. Thielen zum Vorwurf an, daß er nicht genug Kleinbahnen baue und daß er die wirtschaftliche Uebermacht gegenüber den Eisenbahnen der kleineren Staaten in unschöner Weise ausnütze. Von den schlimmeren Anklagen, die gegen die Thielenwirtschaft zu erheben sind, von seiner krassen Antisocialpolitik und dein rückständigen Tarifsystem weiß bezeichnenderweise die ,D. T." nichts zu vermerken. Dagegen holt sie zum tödlichen Schlage durch die Ans- nähme des folgenden Vorwurfs aus: „daß der preußische Eisenbahnminister im Jahre 1892 bezüglich der Berliner Straßen bahnfrage eine Erklärung abgegeben hat, die mit der Stellung des Kaisers schlechthin unvereinbar ist. Da der Kaiser in Hubertnsstock ausgesprochen hat, daß er seine Meinung in der schlvebenden Frage nicht geändert habe. bleibt nur die Annahme übrig, daß damals der Eiwubahuminister eine Anschauung ausgesprochen hat, die mit der d«S Kaisers in Widerspruch stand." Daran knüpft das Blatt die hoffnungsvolle Bemerkung: «Es ka»n nicht ausbleiben, daß alle diese Dinge in den Par lamcnten zur Sprache gebracht werden. Der Herr Eisenbahn minister diirfte dann einen schweren Stand haben,— vorausgesetzt, daß ernochinderLageist, sein Ressort z u v c r t r e t e n." Die fettgedruckte Stelle ist auch von der„Deutschen Tages zeitnug" durch den Druck hervorgehoben. Sie bedeutet eine Denunziation an die Krone, den Minister schleunigst zu entlassen. weil seine Aeußerung über die Straßenbahn- Frage den König mit sich selbst in Widerspruch gebracht hat. Wir weinen gewiß dem Minister leine Thräne nach, aber dieser schäbig- byzantinische Versuch, Herrn v. Thielen ein Bein zu stellen. charakterisiert sowohl die Moral wie die Loyalität der Agrarier. Niemand, der sich nicht zum Dogma der monarchischen kl n f e h l b a r k e i t bekennt, hat auch nur eine Spur des Beweises dafür, daß der Eiseubahnminister sich geirrt hat, als er seiner Zeit das Em Verständnis des Königs mit der Lindcn-Ueberführung der Straßen bahn bekannt gab. Am 10. November 1899 fragte der Berliner Magistrat beim Polizeipräsidenten an, ob eine Uebersührung der Straßenbahn im Zuge der Charlottenstraße genehmigt werden könnte. Am 4. Dezember 1899 antwortete der Polizeipräsident: „Bevor ich in Verfolg des gefälligen Schreibens vom 19. v. M. dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten Vortrag halte, ersuche ich die städtische Verkehrsdeputation um eine baldgcsällige Aenße rung, ob beziehungsweise aus welchen Gründen die Stadtgememde das Projekt einer Verlängerung der Kanonierstraße in der Richtung nach der Neustädtischen Kirchstraße fallen gelassen hat. Ans dies Projekt ist von allerhöchster Stelle und— wie niein Herr Amtsvorgänger in dem Schreiben vom 18. März 1892 mitgeteilt hat— von dem genannten Herrn Minister ausdrücklich mit dem Bemerken hingewiesen ivorden, daß dasselbe gegenüber dem Vorhaben einer Verbreiterung der Charlottcnstratze zivischen der Behrenstraße und der Straße„Unter den Linden den Vorzug verdiene." Daraus folgt unzivetdeutig, daß bei der Frage, w o der Irrtum begangen ist, Herrn v. Thielen nicht die Schuld an dem Wider- spruch beizumesse» ist. Wenn trotzdcn, das Bnndlerblatt den Widerspruch gegen den Eisenbahnminister ausnützt, so ist diese agrarische Niedertracht kenin zeichnend sowohl für die„Achtung' vor der Autorität der Negieriing, die den Leuten eigen ist, als auch siir unsre politischen Zustände, in denen man sich von derlei Mitteln Erfolg verspricht. S e n st, in dem auch die Frage der Handelspolitik für diese wichtige Exportindustrie erörtert wird. Wir entnehmen dieser Schrift die folgenden Ausführungen:„Mit Ausnahme des Jahres 1894, in welchem die Kriege in Amerika und der Abbruch der Handelsbeziehungen mit Spanien die Ausfuhr be- einträchtigten, bat der Export seit 1892 beständig zugenommen. Da der Beginn dieser Zunahme mit dem Abschluß der Handelsverträge zusaniineutrifst, liegt es nahe, neben dem wirtschaftlichen Aufschwung im allgemeinen auch den Handelsverträgen im besonderen einen Anteil an dieser Entwicklung zuzuschreiben." „Die Zahlen für Oestreich- Ungarn und Italien steigen von 1892/1893, die für Rußland von 1893/1894 ungefähr auf das Doppelte, ohne Zweifel habe» also die HandeSverträge mit diesen Staaten günstig gewirkt. Ihre volle Wirkung entfalten die Verträge Herz offenbart, das Vorgehen des Grafen gegen die„Ultramon- tauen" gutgeheißen und Hoensbroech seine Mitarbcitcrschast au der cvangelisch-bündlerischen„Täglichen Rundschau" gegebenenfalls in Aussicht gestellt hatte." Herr Spahn wird sich beeilen müssen, durch gesinnungstnchtigo Arbeiten das Mißtrauen der Centrumspresse zu beschwichtigen.— Sturz einer Frcisimiösäiile. Aus Coburg wird uns bc- richtet: Das hiesige Schöffengericht, verurteilte heute den Land- tagsabgeordneten Carl Heusinger wegen Uebertretung des Z 360�(uit berechtigtes Führen des Doktor- t i t e l S) zu 150 M. Geldstrafe. Herr Hensinger oder Dr. Heusingcr war einer der ersten Größen der freisinnigen Volkspartei in Thüringen. Als Rcdacteur des hiesigen freisinnigen„Cobnrgcr Tageblatts" hat er es Sn* S fnutumterft seitJahren verstanden, in demagogischer" und rücksichtslosester Weis- seine naturllch nicht sofort in dem �»ahre des �nli.aittretei?8, 1�? derii eist!.. her itnfimTfrTfthemTeiT 9V»r+ef nach einigen Jahren, nachdem neue Lerbindmigen angeknüpft sind; daher das iveitere Steigen seit 1899. Die aufsteigenden Tendenzen, welche die Zahlen für die Schweiz, Spanien und Rumänien zeigen, sprechen dafür, daß nicht nur eine Ermäßigung der Zollsätze, soiidern auch schon eine Stabilisierung der gegenseitigen Beziehungen, wie sie durch Handels- und Meistbegünstigungsverträge erreicht wird, die Ausfuhr beleben kann." „Die Interessenten behaupten übrigen?, die Abnahm« des Exports in der Bismarckschen Schutzzoll-Aera habe sich nicht nur in der Quantität, sondern noch mehr im Preise und damit in der Qualität geltend gemacht." Besonderen Wert legen die Nürnberg« Fürther Exporteure, wie der Verfasser im weiteren ausführt, darauf, daß England seiner „freihändlerischen Mission" treu bleiben werde. Diesem hohen Wert, den die Vertreter der Metallspielwaren Industrie in Nürnberg und Fürth auf den Abschluß günstiger Handelsverträge legen müssen, entspricht auch die Anffassug der andern Gruppen im mittelfränkischen Industriegebiet. Die heutige Krisis ist gerade dort durch die Unsicherheit der künftigen Handels beziehungen aufs äußerste verschärft wotden.— Professor Spahn nnd die Centrumspresse. Es ist interessant zu sehen, wie verschiedenartig die Stellung ist. die die Centrums- presse gegenüber dem Fall Spahn einnimmt. Während die groß städtische Centrumspresse vielerlei Entschuldigungen für die Hand luugen des Professors ins Feld führt, geht die kleinere Presse schon etwas schärfer mit ihm ins Gericht. Aus allen diesen Artikeln klingt aber das Bedauern hindurch, daß die Verbindung Spahns mit dem Grafen Hoensbroech in die Oeffentlichkeit gekommen ist. Es wird ihm angerate» vorsichtiger zu seinll Seine„Unvor sichtigkeit" wird seiner großen Jugend zu gut gehalten. Ganz anders aber schreibt die ultramontane„Rheinische Volksstimme", das Baueniorgan. Sie verurteilt ganz entschieden das Vertuschungs system der Centrumspresse und auch das Verhalten des Dr. Spahn. Nachdem sie den Thatbcstand klargestellt hat. fährt sie folgender maßen fort: „Es ist ein starkes Stück, die Leser glauben machen zn wollen, daß ein Professor nicht wisse, was ultramontan sei. Wer liberal ist. soll sich auch liberal geben, und nicht zur Täuschung der Katho- liken ein ultramontanes Mäntelchen umhängen. Das erstere können ivir von unsrem katholischen Standpunkte ans bedmiern, das letztere können wir aber nur verachten. Wenn sich aber gar katholische Zeitungen krampfhaft abmühen, dem Herrn Professor Spahn das nltramontane Mäutelchen umzulegen, so fehlt uns für ein solches Vorgehen der entsprechende Ausdruck. Für die katholische Sache verschlägt es nicht viel, ob Herr Professor Spahn ultramontan Gegner zu bekämpfen. Die Führung der nationalliberalcn Partei hatte es sich nun angelegen sein lassen, den Parteigewaltigen der freisinnigen Volkspnrtci, früheren Rektor an verschiedenen Volks- schulen, Dr. Heusingcr, auf seine Echtheit zu prüfen nnd hatte ermittelt, daß sein Titel zu Unrecht geführt wurde. Nachdem schon seit Monaten an den Stammtischen das Ungeheuerliche getiffchltlt worden war, erschien in der Nummer des„Cob. Tageblatts" vom 19. Oktober, also einen Tag vor der öffentlichen Verhandlung, nach- stehende Erklärung: Nachdem sich ergeben, daß mir die Berechtigung zur Führung des vor langen Jahren in gurem Glauben angenommenen Doktor- titeis nicht zusteht, bitte ich dies zur Kenntnis nehmen und bis auf weiteres berücksichtigen zn wollen. Was versäumt worden, wird möglichst rasch nachgeholt werden. Rcdacteur C. Heusinger. In der heutigen Verhandlung wurde nachgewiesen, daß Herr Heusinger nicht allein den Doktortitcl seit 18 Jahren zn Unrecht trägt, sondern daß derselbe auch seine Lehrstellen mit Hilfe eines gefälfchtcn Zeugnisses über das mit Auszeichnung b e- standene Staatsexamen erlangt hatte. Herr Hensinger gab heute zu. daß er den Titel zu Unrecht geführt habe und erivi'rkte durch sein Geständnis, daß das Gericht, den Antrag des Amtsanwalts, auf drei Wochen Haft zu erkennen' außer Acht lassend, auf obige Geldstrafe erkannte. In der Urteilsbegründung hob der Vorsitzende als strafverschärfend hervor, daß der AngeNagte in der Voruntersilchimg in der ge- meiusten Weise geleugnet, ja noch einen verstorbenen Professor der Unterschlagung seiner Doktorarbeit bezichtigt habe. Ein solch' vcr- logener, mit moralischen Defekten behafteter Mann verdiene die höchste zulässige Strafe. Herr Hensinger wird wohl nun nicht darum hin können, sein Landtags- und Stadtverordnetcn-Mandgt niederzulegen.— Pestgerttchte ans Hamburg. Die„Hambnrgische Börsenhalle" meldet: Die Gerüchte über Pestfälle in Cuxhaven, die in den letzten Tagen hier umliefen, haben sich als durchaus wnhrheitswidrig heraus- gestellt. Mit einem in Cuxhaven cingctroffeuen Schiffe ivurde ein Kranker eingebracht, der' der Pest verdächtig erschien. Die Beobachtung und die bakteriologische Untersuchung haben aber ergeben, daß von einem Pestfalle absolut keine Rede sein kann. Das betreffende Schiff ist sofort wieder in freien Verkehr gesetzt worden.— Barmen, 11. Oktober.M�WWWWWW»M>W»»»W»WWWWW>>WWW oder antinltramontan ist. Weit schlimmer ist das oben gekeun« I eines für die Arbeiter im allgemeinen recht hohen Wahlzensus'; zeichnete Vertuschungssystem der Presse, weil e» das Mißtrauen Anwendung des bei den Wahlen gesetzlich zulässig schlechtesten OrtSstaMtS; wachrufen muß. Eine gute Sache hat nichts zn verheimlichen." Schaffung von Schlafburschen, rigorose Ausscheidung solcher Wähler. Ein andres rheinisches Centrumsblatt wittert �gar den ärgsten| die in Not geraten und in irgend einer Form in dem der Wahl vor- Zollkampf. Die Metallspiel ivaren- Industrie Spielware n Handel von Nürnberg und der Titel eines eben erschienenen Buches von und der! Fürth ist Dr. Otto Rudolf Virchow. (Zn seinem achtzigsten Geburtstage.) Rudolf Virchow wurde am 13. Oktober 1821 zu Schivelbein in Hinterpommern geboren. Er bestand Ostern 1339 auf dem Kösliner Gymnasium das Abiturientenexamen und trat dann in Berlin in die Vorbereitungsanstalt für Militärärzte, die sogenannte Pepiniere, ein. Virchows Studienjahre fielen in eine für die Naturwissenschaften und die Medizin hochbedeutsame Zeit. Kurz zuvor— 1838— hatte der Berliner Botaniker Schleiden das Werk veröffentlicht, durch welches er die Lehre von den Pflanzenzelleu begründete, das heißt die Lehre, daß die Pflanzen zusammengesetzt sind ans kleinsten Formbestandteilen von übereinstinnnendem Bau und einer gewissen Selbständigkeit des Lebens. Schleiden nannte diese„Zellen"(lateinisch oolhils.), weil sie unter dem Mikroskop als Fächer sich darstellen, welche, ähnlich den Zellen der Bienenwaben, mit ihren Wänden zusanimenstoßen und mit Flüssigkeit oder einer Iveichen Masse gefüllt erscheinen. Dieser wichtigen Entdeckung folgte, zum Teil durch sie hervorgerufen, bald eine zweite, indem ebenfalls ein Berliner Forscher, Schwan», den Nachweis führte, daß die tierischen Gewebe in derselben Weise zusammengesetzt sind aus kleinsten Ge- bilden, für die man dann später— eben weil man sie als bis zu einem gewissen Grade selbständige, lebendige Wesen, als die Lebens- einheitcn auffaßte— auch den Namen„Elementarorganismen" schuf. Die„ Z e l l e u l e h r e", sie entsprang keineswegs dem Haupte ihrer Väter so, wie nach der griechischen Sage Athene dem Haupte dcS ZeuS. Auch Schleidens und Schwanns Forschungen beruhten vielmehr reilweise auf älteren Ilntcrsiichungen. Aber trotzdem gaben ihre Arbeiten dem naturwissenschaftlichen und besonders auch dem niedizinische» Denken und Forschen eine ganz neue Richtung und übten namentlich einen gewaltigen Einfluß aus auf die Jüngeren, die dadurch, um Virchows Ausdruck zu gebrauchen,„frühzeitig cellular denken lernten". Auf Virchows wissenschaftliche Entwicklung gewann aber noch ein andrer Mann wesentlichen Einfluß: sein Lehrer, der damalige Pro- fcssor der Anatomie, Johannes Müller, der namentlich auf ihn einwirkte durch das, ivaS später Virchow als die„natur- wissenschaftliche Methode" zu bezeichnen pflegte, durch die stete Betonung dessen, daß die naturwissenschaftliche Forschung in erster nnd letzter Linie auf der Beobachtung, auf der Erfassung von T h a t s a ch e n beruhen müsse. Jni Oktober 1843 schloß Virchow seine Universitätsstudien durch daS Doktorexamen ab. Er wurde bald darauf dem Prosektor der Charitö— d. h. dem zur Vornahme der Leichenöffnungen bestellten Arzte— als Assistent beigegeben, und rückte, als der damalige Prosektor Froriep 1846 sein Amt niederlec>te, in dessen Stelle auf. Ein Jahr später trat er auch in den Lehrkörper der Universität als Docent ein. „Ich darf wohl sagen, daß kein Mediziner in Deutschland in einer gleichen Zeit mehr gearbeitet hat. als ich." so äußerte sich Virchow mit berechtigtem Stolze 1848 über seine damalige Thatigkeit. Seine tvisjeuichaftlichen Arbeiten hatten ihm schon in dem Kreise der Fachgenoffeii einen angesehenen Name» verschafft, als das Jahr 1348 ihm gewissermaßen niit einem Schlage auch die Volkstümlichkeit verlieh. die ihm bis ins hohe Alter verblieb. Im Febniar 1848 entsandte die preußische Regierung— neben ihrem höchsten Medizinalbeamten Barez— auch den' jungen Virchow nach Lberschlesien, damit er sich an Ort und Stelle über die dort seit 1847 herrschende Typhnsepidemie unter- Unrat hinler der Ernennung des jugendlichen Centrumprofcssors. Es vermutet, daß das Centrum, als es die Ernennung des jungen Spahn zum Professor in Straßbnrg als eine der Regicning ab- gerungene Konzession nnd einen CentrumStriumph empfand, von der Regierung schließlich überS Ohr gehauen worden sei. Das Blatt. die„Nicdcrrbein. Zeitung", schreibt nämlich: „Als Dr. Spahn den unglücklichen Schritt zu Hoensbroech that <18981. war er erst 22Jabre'alt; mit 25 Jahren ist er Geschichts Professor geworden, und da liegt die Vermutung nahe, daß er das geworden ist, eben tv e i l er im Jahre 1898 dem abgefallenen' Jesuiten Paul Hoensbroech in cincni Schreiben sein richte. Am 29. Februar brach Virchow dorthin auf und schon am 8. März trat er die Rückreise an,„um angesichts der neuen französischen Republik bei dein Sturz unsres alten Staatswesens zu helfen". Trotz der Kürze der Beobachtnngszeit enthält jedoch der Bericht VirchotvS in socialer wie in medizinischer Be ziehung eine Fülle wertvollen Thatsachenmaterials. Daran schlössen sich aber weiter Abhilsevorschläge, auf die allerdings die Regierung wohl kaum gesaßt war. Virchow begnügte sich nicht, unter den„Mitteln gegen die Krankheit" die„Behandlung der einzelnen Fälle" nnd die„Behandlung der Epidemie" zu bc- sprechen, sondern er fügte auch eine» Abschnitt an:„Die Sorge für die Zukunft."„Eine' verheerende Epidemie und eine furchtbare Hungersnot", so hieß eS darin,„wüteten gleichzeitig unter einer armen, unwissenden und stumpfsinnigen Bevölkerung.... Niemand hätte dergleichen in einem Staate, der so großes Gewicht aus die Vortrefflichkeit seiner Einrichtungen legte, wie Preußen, für möglich gehalten. War es nun aber doch möglich.... so darf man auch nicht mehr zögern, alle Äoniequenze» aus so entsetzlichen Erfahrungen zu ziehen, welche sie znlasseu. Ich selbst war mit meinen Kon- sequcnzen fertig, als ich von Oberschlesicn nach Hause zurückeilte.... Dieselben fassen sich in drei Worten zusammen: volle und un- u m s ch r ä u k t e Demokratie." „Bildung mit ihren Töchtern Freiheit und W o h l st a n d". fuhr Virchow dann weiter fort, gelte es in Ober- schlesie» zu verbreiten, wenn man der Wiederkehr ähnlicher Zustände vorbcngen wolle. Als Mittel dazu empfahl er: B o l k s u n t e r r i ch t auf der breitesten Grundlage, absolute Trennung der Schule von der Kirche, freisinnigen Unter- richt, dessen Grundlage die positive Natur- anschanung bildet. Selbstregierung in Staat und Gemeinde uslv. Außer diesen üblichen Mitteln des landläufigen bürgerliche» Liberalismus forderte er aber Iveiter auch sociale Maß- regeln, vor allem die Gründung von Associationen der Besitzlosen, denen mit dem Kapital des Staates oder der Geldaristokratie oder der kleinen Besitzer die Möglichkeit zur selbständigen Produktion gegeben werden solle. So war der Uebergang bewerfftelligt von der Medizin, die .eine sociale Wissenschaft" ist. zur Politik, die„weiter nichts als Medicin im großen" ist. Und den Zusammenhang mit der Medizin hielt Virchow auch sonst in den Jahren 1843/49 bei seiner politischen Thätigkeit auftccht. In seinem Blatte, der„Medizinischen Reform", trat er, immer ausgehend von der öffentlichen Gesundheitspflege, nicht allein für Reformen des Medizinalweseus, sondern auch für energische Maßregeln auf socialem Gebiete ein. Die aus dieser Zeit stammenden Aufsätze zeugen von glühender Begeisterung für den demokratischen Gedanken. von lebendigem Mitgefühl für die Armen und Elenden, und sie find abgefaßt in einer dichterisch-schöneu Sprache, wie sie keine der späteren Veröffentlichungen Virchoivs jemals wieder erreicht hat. Natürlich war der preußischen Regierung diese Thätigkeit keines- wegs genehm. Und so ivar denn Virchow eines der ersten Opfer i der wieder erstarkreu Reaktion. Die Februarwahlen des Jahres 1849 1 gaben den Anlaß zur Einleitung eines Verfahrens gegen ihn. Die zuerst verfügte Enthebung Virchows von der Proseklorstelle wurde zwar nicht auftccht erhalten, sondern ihm nur seine Dienstwohnung' nnd ein Teil seines Gehalts entzogen. Doch veranlaßte aber diese> Maßregelung virchow im Herbst des JahreS 1849 die ihm angebotene, Professur für pathologische Anatomie(die Lehre von den krankhaften Veränderungen deS Körpers) an der Universität Würzburg an-I zunehmen.> angegangenen Jahre Armenunterstützung bezogen haben und der- gleiche» mehr. Hier in Barmen waren es namentlich die vor zwei Jahren in einer großen Anzahl konstruierten nicht wahlberechtigte» Schlafburschen, die das socialistischc Vordringen verhindern sollten. Doch das gelang nicht. Die Wahlbeteiligung unsrcr Genossen war eine äußerst starke. 1899 gelangten unsre Kandidaten mit den Bürgerlichen in Stichioahl und nur die Schlafburschen- Politik nnd WahlenlrechtungSpraxis verhinderte für diesmal den ganzen Sieg. Das Rütteln der socialdemokratischeu Arbeiter am Thore de» Stadtratssaales war dermaßen stark, daß beim nächsten Versuch das Thor gesprengt werden muß. Für die im nächste» Auch die Würzburger Zeit, die im ganzen sieben Jahre umfaßte, bot Virchow die Gelegenheit zu einer größeren social- medizinischen Arbeit, einer„medizinisch- geographischen und historische» Skizze" über„die Not im Spessart." Daneben aber arbeitete er auf seinen, medizinischen Specialgebiete mit solcher Schaffenskraft und solchem Erfolge, daß er 18SK auf einstimmigen Antrag der medizinischen Fakultät nach Berlin als Professor zurückberufen wurde, wo man ihm eine eigene Anstalt, das pathologische Institut, zur Verfügung stellte. Hier in Berlin vollendete dann Virchow die Arbeit, welche man insofern als sein wissenschaftliches Hauptwerk bezeichnen kann, als sie die wichtigsten Ergebnisse aus seinen voranfgegangenen Einzelforschungen zum erstenmal zu einem geschlossenen Ganzen, einer pathologischen Theorie, zusammenfaßt.„Die Cellular- Pathologie", so lautete der Name dieses Werkes, und er soll aus- drücken, daß alle Krankheitsvorgänge in letzter Linie zu beziehen sind auf Veränderungen der«Lebenseinheiten" des Körpers, der Zellen, aus welchen alle Körpcrgewcbe zusammengesetzt sind. BiS dahin hatten im weseutlichen zwei andre Theorien um die Vorherrschaft in der Medizin gestritten: die Hnmoralpathologie (Humor-=- die Feuchtigkeit, der Saft) auf der einen Seite suchte die Ursachen der Krankheit in der Beschaffenheit der Körpersäfre nnd besonders des BluieS. Die Solidnrpalhologie(solickuz= fest) wiedernm suchte in den festen Körperbestandteilcn„in dem strietum (der Straffheit) und laxum(der Schlaffheit) der Gewebe" das Wesen der Krankheit; sie entwickelte sich aber gerade in der Zeit vor Virchows Austreten immer mehr zur„Rervenpathologie". Man sah allein die Nerven als„das eigentümlich Belebte und Belebende im Organismus an und suchte deshalb auch die Ursache der„Schlaffheit" oder„Straffheit" der Gewebe in der Einwirkung der Nerven, der Innervation. Demgegenüber faßte die„Cellularpathologie"„neben Gefäßen und Nerven die große Zahl von kleinen Teilen ins Auge, welche thatsächlich die Hauptmasse der Körpersubstanz ausmachen"; sie brachte zugleich, wie es Virchow ein andermal ausdrückte. „die gesanite Medizin den natürlichen Vorgängen mindestens um 399uial näher",«um so viel, als sich unsre Sehfähig- k e i t durch d a S M i k r o s k o p erweitert hat." Aber dos war nicht ihr einziger Vorzug. DaS Studium der KraulheitS- erscheinnuge» an den Zelle» klärte auch die Anschauung über das Wesen der Krankheit. Bis dahin war mehr oder weniger aus- gesprochen die Anschauung herrschend, daß die krankhaften Produkte etwas durchaus Heterologes(andersartig), d. h. von den ge- wohnlichen Körpergeweben oder Köt-perauSicheidnugen ganz ob- weichendes seien. Ja. cS fand sogar die Ansicht Anhänger'daß die Krankheit gewissermaßen einen für sich bestehenden, in sich ab- geschlosseucn Organismus, ein in den Körper cingedrmigenes Wesen dar- stelle. Demgegenüber lehrte Virchow, daß cineHeterologie in diesem Sinne nicht bestehe, sondern daß alle krankhaften Gebilde nur insofern andersartig sind, als sie am Ort oder zur Zeit ihres Auftretens oder in dem Umfange desselben ungewöhnlich sind. Die Pathologie sei„nur die Physiologie mit Hindernissen, das kranke Leben nichts, als das durch allerleiäußereundinnere Einwirkungen gehemmte gesunde." Das ist in Kürze nur das allcrwcsentlichste aus Virchoivs Lehren. Es genügt aber wohl um zu zeigen, wie dadurch die medizinischen Anschauungen»imgeformt wurden. Die in der„Cellularpathologie" niedergelegten Ansichten haben seitdem allgemeine Anerkennung ge» funden und auf ihnen hat sich die moderne Medizin aufgebaut-' November stattfindenden Wahlen sind bereits bei den Parteien die Reihen geschlossen, sofern man noch von bürgerlichen Parteien sprechen kann. Wie bei den Reichstagswahlen gcgenübrr der sociab demokratischen Partei die bürgerlichen Parteien des Wupperthales in einem undefinierbaren Brei zusammenlaufen, so ist es jetzt hier bei den Stadtratswahlen. Im Augenblick, wo die Socialdeinokratie ernsthaft in Betracht kommt, da verschwägert sich der Freisinn mit dem Centruin, während eine neue Spielart sich bildet, eine söge nomrte„Evangelische Volksvereinigung", wie sie nur auf dem Bol?en des Muckerthales gedeihen kann. In dieser Muckervereinigung finden sich liebevoll zusammen: Konservative, der Christlichsociale Verem und der Evangelische Arbeiterverein. Dieses Gemisch hat Kandidaten aufgestellt,'die nur auf„ernst- christlichem Boden" stehen und die Interessen„der Bürgerschaft und der Arbeiter" vertreten wolle». Em Arbeiter findet sich aber unter diesen Kandidaten nicht Dieses neue Parteigrmische geberdet sich, als ob es den Sieg in der 8. Klasse schon in' der Tasche hätte. Doch wie die Sachen liegen, wird die focialdemokratische Wählerschaft es hoffentlich der evangelischen Volksvereinigung sowie den llltramontanen und Freisinnigen ersparen, die Kosten für eine Siegesfeier zu tragen.— Aus Sachse»- Weimar. Bei den bis jetzt stattgefundenen Bezirksau sschust-Wahlen haben sich nennenswerte Aende rungen in der Zusammensetzung des Ausschusses noch nicht ergeben. Im All stadter Bezirk haben die Großagrarier einen Kleinbauern verdrängt, in Weimar haben die Freisinnigen den Nationalliberalen einen Sitz abgenommen. In Apolda sind am 11. Oktober unsre Genossen B a u d e r t und Petermann und als deren Stell Vertreter Greifeld und Lacher einstimmig gewählt worden.—- Ein Nachklang der Siihnekommission. Nicht nur respektwidrige und nicht in jeder Beziehung„geaichte" Gedanken auszusprechen, sondern auch Gedanken lesen und erforsche» ivollen ist in unsrem Zeitalter der„Gedankenfreiheit" verpönt. Das verbrecherische Streben unsres östreichischen Bruderorgans„Wiener Arbeiterzeitung", die Gedanken des Sühneprinzen beim Empfang durch den deutschen Kaiser zu ergründen, hat am Sonnabend im objektiven Verfahren vor der Strafkammer 8 des Berliner Land gcrichts I seine Sühne gefunden. Die Majestät des deutscheu Kaisers soll bei diesen von dieser Zeitung angestellten Betrachtungen nicht volle Würdigung und nicht die notwendige Rücksichtnahme gefunden habe». Das Urteil lautete auf Einziehung sämtlicher Exemplare der Nr. 244 des Organs und auf Unbrauchbarmachung der zu deren Herstellung benutzten Formen und Platten. Die Verlesung des inkriminierten Artikels geschah unter Aus schlust der Oeffentltchkcit, damit nicht, so führte der Staatsanwalt aus, die Ordnung und Sicherheit des Staates gefährdet werde. Aus einigen Aeußerungen vor der Urteil Verkündigung ist zu entnehmen, daß das Gericht wo einig war in der Verurteilung, aber anscheinend von der Nutzlosigkeit oder der nur sehr bedingten Ausführbarkeit seines Urteils spruches überzeugt war; nur der Hinweis des Staatsanwalts au die Bestimmungen der einschlägigen Gesctzesparagraphen, wonach sämtliche Exemplare der aus diesem Grunde beanstandeten Schriften eingezogen werden müssen, ließ das Gericht so erkennen, wie geschehen. Offenbar ist in unsrer Gesetzgebung noch eine Lücke vorhanden indem bis jetzt noch kein Mittel gefunden wurde, die Wirkungen solches von Ausländern importierten Giftstoffes zu paralysieren. Es steht zu hoffen, daß diejenigen Leser,!die ein Exemplar dieser ver- giftenden Lektüre ihr eigen nennen, solches unaufgefordert und freu willig auf dem Altar des Vaterlandes niederlegen. Ausland. Oestreich-Ungarn. Die böhmische» Landtags- Wahlen in den Städte», die am Freitag stattfanden, hatten folgendes Ergebnis: Gewählt ivurden 35 Jnngczechen, 11 Deutschfortschrittler, 7 Mitglieder der deutschen Volkspartei. 10 Alldeutsche, ferner der Altczeche Srb, der Czechisch. radikale Baxa und ein selbständiger radikaler Jungczeche. 5 Nach Ivahlen mit ö Mandaten sind erforderlich. Bisher besaßen die Jung- czechen 8g, die Fortschrittler 20, die Volkspartei 6 und die All deutschen 5 Mandate. In Budweis, wo die Wahl auf den Sonnabend vertagt worden war, da man für den Freitag czechische Exzesse befürchtete, siegte der Was wir heute von den krankhaften Veränderungen dcS Körpers wissen, das ist im wesentlichen dadurch errungen,' daß die Ver- änderuugen der Zellen studiert wurden. Und die Mehrung des Wissens einerseits, die geläuterte Auffassung vom Wesen der Krank heit andrerseits haben auch das Können— die Therapie, die Krankenbehandlung— beeinflußt und gefördert.— Auch nach dem Erscheinen der„Cellularpathologie" setzte Virchow seine wissenschaftlichen Arbeiten mit rastlosem, eisernem Fleiß bis ins hohe Greisenalter fort. Virchow wandte sich aber i» dieser Zeit auch wieder mehr der Beschäftigung mit der öffentliche» Gesundheits pflege zu. Das Bindeglied zwischen der rein wissenschaftlich medizinischen und dieser socialhygienischen THLtigkcit stellen gewissermaßen die Untersuchungen über die Trichinen dar. Auf Grund derselben machte Virchow Vorschläge darüber, wie durch gesetzgeberische Maßregeln— Einrichtung einer Fleischscha» usw.— die Trichinose eingeschränkt bezw. beseitigt werden könnte. Diese Maßnahmen waren auch von vollem Erfolge begleitet, denn die Trichinose des Menschen ist heute in Deutschland' so gut wie aus- gerottet. Weitere Gelegenheit zur Thätigkeit auf dem Gebiete der öffcnt lichen Gesundheitspflege erhielt Virchow durch seine Bernfung in die„Wissenschaftliche Deputation für das Medizinal ivesen"— die höchste preußische Mcdizinalbehörde— und sodann vor allem durch die 1859 erfolgte Wahl zum Berliner Stadt- verordneten. In der letzteren Eigenschaft nahm er regen Anteil an der Einführung der S ch w e m m k a n a l i s a t i o n. Er beteiligte sich lebhaft an den umfangreichen Vorstudien und erstattete 1872 de»„Generalbericht über die Arbeiten der städtischen gemischten Deputation für die Untersuchung der auf die Kanalisation und Abfuhr bezüglichen Fragen". Darin wurde dargelegt, daß die Einleitung des Schmutzwassers von Berlin in die Spree unzulässig sei. daß eine ausreichende Desinfektion desselben sich chemisch und finanziell als unmöglich enveise, und daß daher nichts übrig bleibe, als mit den Abwassern Felder der Umgebung zu berieseln'. Diesem Zweige der städtische» Verwaltung hat Virchow auch später stets sein Interesse zugewandt. Auch um die Einrichtung der. städtischen Kranken- Häuser" hat sich Virchow verdient gemacht. Er gehörte z. B. der dreigliedrigen Kommission an, welche 1871 mit unbeschränkter Voll- macht den Auftrag erhielt, die Errichtung eines städtischen Pocken- lazarcttS zu besorgen; die Kommisston entledigte sich ihrer Aufgabe durch den Bau des„Barackcnlazaretts",— des jetzigen„Moabiter LlrankenhauseS— das trotz seiner nur dreimonatlichen Bauzeit und verhältnisniäßig geringen Kosten allen Anforderungen entsprach, welche der damalige Stand des Krankenhauswesens stellte. Auch auf die Einrichtung der städtischen„Heimstätten für Genesende" hatte Virchow maßgebenden Einfluß. Fremde Regierungen nahmen mehrfach in Fragen der öffent- lichen Gesundheitspflege Virchows Rat in Anspruch. So entsandte ihn 1859 die norivegische Regiernng zum Studium des„Aussatzes" in die westlichen Provinzen des Landes. Weiter beanspruchte einen— mit den Jahren immer lvachsenden— Teil seiner Thätigkeit die Anthropologie(die Entivickelungs- geschichte der Menschheit). So»ahm er u. a. an den Ausgrabungen Schliem an»S auf dem Gebiete des alten T r o j a thätigen Anteil. Neben seiner medizinischen.socialmedizinischen und anthropologischen Thätigkeit, neben einer regen Anteilnahme an dem medizinisch-wissen- schaftlichen Bereinslebe» fand Virchow aber endlich noch Zeit für eine verhältnisniäßig starke Beteiligung an dem politischen Leben Preußens und Deutschlands. Wer ein Bild von deutschfortschrittliche Kandidat Vollgruber über den Czechen Zatka mit 2138 gegen 2112 Stimmen. Der Fortschritt verlor vier Bezirke, Karlsbad, Haida, Saatz und Elbogen, an die Alldeutschen, außerdem noch die Bezirke Leipa und Tetschen, insgesamt sieben Mandate.— Norwegen. Reaktionäre Strömungen. In Norwegen existieren bekanntlich manche socialpolitischen Einrichtungen, die andren Ländern zum Vor- bild dienen könnten. Dazu gehört auch das„B ä ck e r g e s e tz", durch das die Nachtarbeit und die Sonntaasarbeit in den Bäckerei- betrieben verboten wird— selbst den Meistern ist die berufliche Thätigkeit, mit Ausnahme bestimmter notwendiger Verrichtungen in der Zeit vom Sonnabendabend 8 Uhr bis Sonntagnacht 12 Uhr untersagt— und die tägliche Arbeitszeit auf höchsten 12 Stunden festgesetzt wird. Den Großmeistern im Bäckereigewerbe ist dieses Gesetz sehr zuividerj sie sehnen sich zurück nach dem Recht, ihre Arbeiter unbeschränkt ausbeuten zn können, und haben vor einiger Zeit der Regiernng einen Antrag auf Wiedereinführung der' Nachtarbeit überreicht. Nun kommt es diesen Herren gerade gelegen, daß bei den letzten Truppenübungen die staatliche Behörde sowie einige Kommunal� vertvaltungcn die nachgesuchte Dispensation vom Nachtarbeitsverbot verweigert haben und daß eine Generalintendantur, die ihre Bäcker bis 10 Uhr abends arbeiten ließ, angeklagt wurde. Daraus, daß einige Behörden es hier für richtig gehalten haben, unter gewissen Umständen gesetzlich zulässige Dispensationen zu verweigern, ivollen die Großbäcker beweisen, daß das Gesetz unhaltbar sei. Es ist be zeicbnend für den Einfluß dieser Leute, daß sich sogar das Haupt organ der Liberalen,„Verdens Gau g", zum Sprachrohr ihrer Bestrebungen hergiebt. Man darf aber ivohl erwarten, daß die Liberalen zn klug sein werden, um auf die Wünsche der Reaktion einzugehen, andernfalls würde ihr Verhalten nur der unaufhaltsam vorwärts strebenden Socialdemokratie zu gute kommen.— Die Gratisspeisung der bedürftigen Volks s ch ü I e r in Christiania ist den Konservativen gründlich zuwider und. wie sie seinerzeit gegen die Einführung dieser außerordentlich segensreichen Einrichtung kämpften, so kämpfen sie jetzt für deren Beseitigung. Nun ist die Vorsteherschaft der Gemeindevertretung Christianias ihren Wünschen entgegen gekommen, indem sie eine Acnderung der Bestimmungen in Vor schlag bringt, durch die der„Schulspeisung" der Stempel der Annen Unterstützung aufgedrückt werden soll. Die Volksschul- Aufsichts kommissionen haben in einer gemeinsamen Versammlung gegen diese Vorschläge protestiert. Sollten die Stadtverordneten wirklich diesem reaktionären Air trage zustimmen, so iverden die arbeitenden Frauen Christianias jedenfalls wissen, wem sie bei den bevorstehenden Wahlen im Interesse ihrer Kinder ihre Stimme zu geben haben.— England. Ei» Pestfall in Glasgoiv. Ein Londoner Telegramm aus Glasgow besagt, an Bord des dort Donnerstagabend eingetroffenen Dampfers„Bavaria" sei ein Krankheitsfall vorgekommen, von dem man vermute, daß es sich um Pest handle. Der Erkrankte ist ein Laskar(indischer Matrose), er lvurde alsbald inS Hospital geschafft.— Asien. Englische Mobilmachung an der Grenze Afghanistaus Obwohl bis jetzt die Nachrichten über den Thronwechsel in Afghanistan keinerlei beunruhigende Symptome in Afghanistan selbst oder im russischen Grenzgebiet meldeten, scheint England dem Frieden doch nicht unbedingt zu trauen. Aus P e s ch a w u r, dem Endpunkt der nordindischen Eisenbahnlinie, die durch Pendschab bis an die afgha nische Grenze führt, wird nämlich gemeldet, daß eine Mobilisierung von zwei Feldlazaretten angeordnet sei. Ein Telegramm aus Bombay bezeichnet die Anordnung als eine Vorsichtsmaßregel für den Fall, daß eine Truppcnmacht zusammengezogen werden.— Japanische Anleihe in Amerika. Die„Morniug Post" meldet ans New Jork, wie in finanziellen Kreisen verlaute, sei der eigentliche Grund des Besuches des Marquis Jto in Amerika, eine Anleihe von 50 Millionen Dollar für Eisenbahnbanten in Japan und auf Formosa aufzunehmen. Wie man höre, sei Marquis Jto ermächtigt, sehr liberale Bedingungen zu gewähren. Zinszahlung und Rückzahlung würden von den Behörden in Tokio sichergestellt Wallstreet sei der Anleihe nicht abgeneigt, falls ausreichende Sicher heiten geboten würden.— Virchoivs Leben und Wirken geben will, der darf diesen Teil seiner Thätigkeit nicht übergehen, selbst nicht in einem Aufsätze, der den Achtzigjährigen feiern soll. Schließlich bedeutet es ja auch nur ein höheres Lob, wenn selbst diejenigen die Verdienste Vircholvs um die Wissenschaft und die Menschheit preisen, die für den Politiker, mindestens den Politiker von heute, nichts übrig haben. Von Virchows Thätigkeit im Jahre 1848 ivar schon die Rede. Er selbst hat später einmal gesagt, daß er stets ein„guter Re volutionär" gewesen. Wenn man dies Wort im Sinne des heutigen bürgerlichen Liberalismus auffaßt, so ist es nicht zutreffend. Der Birchoiv von 1848 war in diesem Sinne ein„roter Revolutionär der vom Recht der Revolution sprach, der bedauernd konstatierte, daß„die Märzrcvolntion vor den Thronen stehen geblieben" sei, der am 20. Juni 1348 mit drei andren zur Gründung einer Gesellschaft aufforderte,„welche als Ziel ihrer Bestrehungen die Republik offen b e kenn t." Besonders bewiesen auch seine Bemerkungen über den damaligen„Träger der Krone" einen Mangel an„Ehrfurcht", daß die Kirschner und Cassel ein Granen erfaßt hätte. In socialer Beziehung vertrat er. wie bcrcils ausgeführt, einen durchaus fortgeschrittenen Standpunkt, erhob aber damals schon gelegentlich Verwahrungen gegen den KonnnunisninS. Auf die 1843 er Sturm- und Drnngzeit folgte eine Periode ver hältnismäßiger Ruhe. Virchow trat erst wieder mehr hervor 1861— als Mitbegründer der Fortschrittspartei. Das kenn zeichnet schon den Umwandlungsprozeß. Der ehemalige Achtund- vierziger half 1861 ein Programm schaffen, welches zwar die„Treue gegen deir König", nicht aber das allgemeine gleiche Wahlrecht enthielt! In demselben Jahre noch wurde Virchow in den preußischen Landtag gewählt, in welchem er ebenso, ivie von 1880— 1893 im Reichstag, im Rahmen der Fortschrittspartei, später der dentsch-frei� sinnigen Partei bezw. freisinnigen Volkspartci wirkte, auch hier sehr leißig. jedoch ohne eine seiner wissenschaftlichen ebenbürtige Stellung zu erringen. Im Gegenteil: vielleicht iverden sogar manche seiner politischen Freunde zugeben, daß er auf diesem Gebiete seiner Thätigkeit vielfach nicht recht glücklich war. An Virchows Namen knüpft sich z. B. der Abrüstuiigsniitrag. den am 21. Oktober 1869 die Forischritispartei stellte. Durch Einbringung dieses Antrags kurz vor dein Ausbruch des französischen Krieges machte man sich lächerlich bei den grundsätzlichen Freunde» des Militärisnuis; den Gegnern desselben konnte andrerseits der Antrag dcSivcge» nicht imponieren, iveil er im preußischen Landtag und nicht in dem dafür zuständigen Reichstag eingebracht wurde und man also den Kon- ervativen nnd Nationalliberalen die Begründung ihres ablehnenden Verhaltens überaus leicht machte. Kompromittierender noch war, daß der Abgeordnete Virchow nicht allein für sämtliche Mai- g e s e tz e stimmte. sondern sogar diese Bismarcksche Politik der kleinlichsten polizeilichen Cbikanen für einen „großen Kulturkampf der Menschheit" erklärte! Durchans einwandsfrei war dagegen seine Haltung gegenüber dem Socialistengesetz, das er konsequent ablehnte. Virchow gehörte auch zu der Minorität der Freisinnigen Partei, welche 1884 sich für die Ausbildung der Arbeiterschntz-Gesctzgebiing erklärte, elso zu einer Zeit, da die große Mehrheit der Partei auch in dieser Beziehung noch mit aller Schärfe den Manchester-Standpunkt vertrat. Er trat dann noch einmal mehr hervor, als er»ach der Thronbesteigung des jetzigen Kaisers gegen die Erhöhung der Civilliste um Zl/s Millionen in wirkungsvoller Weise sprach, dann aber— der Parker DaS Lübecker Parteitags- Protokoll ist von der Buch. Handlung Vorwärts soeben ausgegeben tvorden. Es ist um- fangreicher geworden als das aller früheren Parteitage: 320 Seiten. Preis 60 Pf. Ein ausführliches Sprech- und Sachregister erleichtern die Uebersicht. Die Bernstein-Debatte, die Stellung von Gewerkschaft und Partei zu einander, wie sie in der Diskussion über die Hamburger Accordmaurer-Angelegenheit wieder einmal klargestellt worden ist, die Diskussion über die parlamentarische Taktik, speciell die Frage der B u d g e t- bewillignng, das Referat Bebels über„Zollpolitik und Handelsverträge" und Südekums über die Wohnungsfrage haben dem Lübecker Parteitag seine Be- deutung gegeben, so daß das Protokoll, das alle Vorlagen und die wichtigsten Aktenstücke zu den Streitfragen enthält, zu den bedeut- samsten Dokumenten in der Geschichte der Partei gehören wird, das jeder Genosse besitzen sollte. Die Versendung er- folgt in der Reihenfolge der Bestellungen. Berichterstattung über be» Parteitag. Im socialdenw- kratischen Verein für den zweiten Hamburgischen Wahlkreis gab Genoffe v. E l m den Bericht über den Parteitag. Dabei nahm erklärlicherweise die Angelegenheit der Accordmaurer den breitesten Raum in seinem Vortrage ein, während sich die Debatte ausschließlich um diese Frage drehte. Es wurde folgende Resolution angenommen: „Die heutige Partei-Versammlung für den zweiten Hamburger Wahlkreis erklärt sich mit der Thätigkeit der Delegierten auf dem Parteitag in Lübeck einverstanden. Die Versammlung protestiert mit aller Schärfe gegen die seitens des Genosien Auer auf dem Parteitag gegen unsre Delegierten geschleuderte Verdächtigung des Verrats an der Arbeiterbewegung, resp. des Einverständnisses mit bürgerlichen Elementen, und erklärt, daß die Delegierten nach Ivie vor das Ver- trauen der Parteigenossen besitzen." In» Distrikt Eimsbüttel, wo Frau S t e i n b a ch referierte, ging man ohne Beschluß auseinander. Im socialdemokrntischen Verein in Halle wurde nach kurzer Debatte folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erklärt sich mit dem Verhallen ihres De- legierten einverstanden. Sie stimmt den Beschlüssen des Parteitages zii mit Ausnahme der Resolution Bernstein in der Accordmaurer- frage. Die Versammlung befürchtet, daß diese Resolution bei kon- scquenter Anwendung Zwistigkeitcn in der örtlichen Parteibewegung hervorrufen muß." Eine Parteiversammlung in Forst i. L. erklärte sich mit der Haltung ihres Delegierten und den Beschlüssen des Parteitages ein- verstanden. Ohne Beschluß wurde der Bericht nach längerer Debatte erledigt in der Wahlvereinsversaimnlung in Luckenwalde, während im socialdcinokratischcn Verein in Bremen der Bericht des Delegierten ohne Debatte entgegengenommen wurde. Die Petition gegen den Brotwucher fand in Offenbach a. M. 12 558 Unterschriften, das ist rund der vierte Teil der Ein- Wohnerschaft. Zu einer feigen Berleumdnng deö Genoffen Bernstein hatte sich leider das Blatt der englischen Socialdemokraten, die „Justice" mißbrauchen lassen. Es wurde darin ei» Artikel ver- öffentlicht, in dem Bernstein in hinterlistiger Weise bezichtigt wurde, er habe Beziehungen zur Familie Ehamberlai» oder zu leitenden Personen der südafrikanischen Miuengesellschaften unterhalten, und davon sei seine Haltung in der südafrikanischen Politik Englands bestimmt worden. Diese Beschuldigung der Bestechlichkeit war bedauerlicherweise auch in einige deutsche Parteiblätter übergegangen. Sie war zuerst in die deutsche Presse übergegangen durch die „Schleswig-holsteinische Volkszeitung", die den Artikel der„Justice" abdruckte mit der einleitenden Bemerkung, daß sie die Richtigkeit der Beschuldigung nicht prüfen könne. Genosse Bernstein schickt nun diesem Blatte eine längere Er- klärung, worin er die Berdächtignngen der„Justice" alseine gänzlich aus der Luft gegriffene Berleumdnng erklärt, für die auch nichl der Schatten einer thatsächlichen Unterlage besteht. Er hat niemals die ihm nachgesagten oder ähnliche Beziehungen unterhalten. Wir müsse» unser lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß deutsche Parteiblätter sich zur Verbreitung solcher Verleumdungen hergegeben haben. Wenn jetzt dos Kieler Blatt erllärt, daß an der sogar zwei Ccntrnmsmänncr gegen die Erhöhung stimmten. Seitdem war er politisch im ganzen ein stiller Mann, insbesondere nachdem er 1893 bei der Rcichstagswahl gegen Richard Fischer unterlegen. Er nahm 1898 eine Kandidatur zum Reichstage nicht wieder an nnd ergriff auch im Landtage fast nur noch bei Fragen medizinisch-wissenschastlicher Statur das Wort. Rege blieb dagegen seine Thätigkeit ans konummalpolitischcm Gebiete; auch hier aber förderte er nicht die, welche auf der von ihm mitgeschaffenen Grundlage weiterbauen, die vorhandenen Einrichtungen fortentwickeln ivollten, sondern sein Name und sein Ansehen trug vielfach dazu bei, die„freisinnige" Mehrheit in ihrem Widerstande gegen solche, meist von socialdemokratischer Seite kommenden Ncnerungsversuche— z. B. den Antrag ans Uncntgeltlichkeit der Desinfektion zu bestärken. Die innere Wandlung, welche Virchow durchgemacht hat, trat schließlich auch in seiner ganzen Weltanschauung zu Tage. 1849 bekannte sich der junge Virchow, u. a. in einem Aufsatze, de» er als „medizinisches Glanb'ensbelenntnis" bezeichnete, zum„Monismus", zu jener Weltanschauung, die Körper und Geist als eines, als untrennbar verbunden betrachtet;„ich habe die Ueberzengung, daß ich mich niemals in der Lage befinden tverde, den Satz von der Einheit des menschlichen Wesens und seine Konsequenzen zn ver- leugnen". 1877 dagegen führte er ans der Münchener Naturforscher- Versammlung gegenüber Höckel aus:„Ich spreche durchaus nicht etwa den Satz ans, daß es niemals möglich sein tverde, die psychischen(geistigen) Vorgänge mit physischen(natürlichen, kürper- lichen) in einen nnmittclbaren Zusammenhang zu bringen. Nur sage ich, wir haben gegentv artig keine Berechtigung, diesen möglichen Zusammenhang als einen wissenschaftlichen Lehrsatz es Höckel ge Ivie „das iv i ch t i g st e und nicht ans d e m vor,' Abstimmung sich enthielt, während ein Teil seiner Parteigenossen und' verschafft haben. anfznstelle»." Und er ivarnte davor, daß man, wollt, die(Dartvinsche) Entwicklungslehre als Bildungsinittel auch in der Schule"„maßgebeud leitend' werden" lasse. Er begründete diese Anschauung etwa bloß mit wissenschaftlichen Bedenken, sondern seine Stcllnngnahme ivar auch— die Furcht vor Socio Iis m u S von Einfluß:„Stellen Sie sich einmal o sagte er.„tvie sich die Dcsceudenztheorie(Entwicklungslehre) heute chon im Kopfe eines Socialisten darstellt. Ja, meine Herren, das mag manchen lächerlich erscheinen, aber es ist sehr ernst, und ich will hoffen, daß die Descendenztheorie für uns nicht alle die Schrecke» bringen möge, die ähnliche Theorie» wirklich im Nachbar- lande angerichtet haben."— Wir waren in Vorstehendem bestrebt, in möglichster Objektivität ein Lebensbild Virchows zu geben, seinem Wirken und Schaffen gerecht zu werden. Die Fehler und Schwächen des Mannes durften dabei nicht übergangen iverden, sie können aber das Große, was Virchow für die Wissenschaft nnd damit für die Menschheit geleistet hat. nicht verdecken. Diese Leistungen sichern ihm für alle Zeiten einen Platz in der Kulturgeschichte der Menschheit, die Fehler und Schtvächen werden dagegen um so mehr der Vergessenheit anHeim- allen können, als sie ja zum sehr erhebliche» Teile nur beweisen, daß auch die größten Geister dem Alter ihren Tribut nicht entziehen köime». Deshalb könne» auch ivir heute uns denen anschließen, ivelche aus allen Kulturländern zusammengeströmt sind, um Virchmv als Forscher und Gelehrten, als Bahnbrecher der medizinischen Wissenschaft, tvie als Förderer der menschlichen Kulturentivicklung zn eiern. Mit allen diesen wünschen auch wir, daß es Virchow noch lange vergönnt sein möge, sich des Ruhmes und der Verehrung zu erfreuen, welche ihm seine wissenschaftlichen Thaten in jungen Jahren F. Wahrhaftigkeit Bernsteins niemand zlveifeln kann, so konnte es diese Ueberzeugung auch schon vorher haben. Wahrhaftigkeit und Un- destechlichkeit gehören zusammen. Das gilt auch von dem Dort- munder Parteiblatte, das jetzt, nachdem es von matzgebender Seite darauf aufmerlsam gemacht worden, datz die Notiz der „Justice" eine Verleumdung sei, erklärt, es habe Bernstein niemals eine derartige schmutzige Handlung zugetraut. Dieser Ueber- zeugung konnte es dann doch schon Ausdruck geben, als es den Ab- druck der verleumderischen Notiz für nötig hielt, umsomehr, als diese schon in ihrer ganzen gehässigen und hinterhältigen Fassung den Stempel der Verleumdung auf der Stirn trug. Ein Wort der Entschuldigung würde beiden Blättern sehr wohl angestanden haben. Ueber den Lübecker Parteitag äutzert sich Hjalmar Branting im Stockholmer„Socialdemokraten" u. a. folgender- mähen:„Wie man auch die Einzelheiten beurteilen und erklären mag, die Socialdemokratie der ganzen Welt hat Ursache, den Lübecker Parteitag nach grotzen Gesichtspunkten als einen neuen Triumph für unsre deutsche Bruderpartei, und damit als eine weitere Kräftigung der Arbeiterbewegung anzusehen. Die grotze geistige Thätigkeit, die hier von beiden Seiten, von Arbeitern sowohl wie von„Akadcinikern an den Tag gelegt wurde, die bestimmte Tendenz zu fortschreitender und allseitiger Entwicklung, alles zeugt dafür, datz die Zukunft der Socialdemokratie gehört.-- Wo findet sich die bürgerliche Partei, die nur annähernd so viele Probleme wie die Socialdemokratie Stück für Stück zu lösen vermag? Und warum können wir die Fragen lösen und sie nicht? Ja, eben deswegen, weil über allen Tages- streitigkeitcn und persönlichen Kontroversen unsre Partei doch der tiefste Ausdruck für etwas Gröheres als Formeln und Personen ist, nämlich für das Aufwärtsstreben der Arbeiterklasse nach Freiheit und Gleichheit in einer gerechten Gesellschaftsordnung."— Totcnliste der Partei. Ein treuer Mitarbeiter nnsrer Wiener Genossen, Moritz Stern, ist nach längerem schweren Leiden ge- storben. Der Verstorbene gehörte seit dem Jahre 1391 der Geschäfts- leitung der„Wiener Arbeiterzeitung" an und hat nach Kräften zur geschäftlichen Förderung des Blattes beigetragen. Die Wiener Ge- Nossen werden ihm ein' ehrendes Andenken bewahren. Der Boeren- Krieg. Kommandant Lotter standrechtlich erschossen. Aus Middelburg wird gemeldet, datz über den gefangenen Boerenkommandanten die Todesstrafe verhängt und von Kitchener bestätigt worden sei. Ein späteres Telegramm bringt bereits die Nachricht, datz Kommandant Lotter am Freitag hingerichtet worden sei. Weshalb Lotter zum Tode verurteilt ivurde, wird einstiveilen nicht gemeldet. Möglicherweise hat er trotz Ablegung des Neutralitätseides wieder die Waffen erhoben, vielleicht auch gehört er zn den„Rebellen" der Kapkolonie, mit denen ja kurzer Prozetz gemacht wird. Wie dem aber auch sei, die Erschiehuug dieses Kommandanten ist eine Schandthat Kitcheners, zu deren Qualifi- zierung die Worte nicht ausreichen. Der Krieg ist nunmehr in der That zur wüsten Schlächterei geworden und die Boeren werden nicht umhin können, für jeden gemordeten Boeren auch einen ge- fangenen Engländer zu crschictzcn. Vielleicht, datz England in seiner Blutarbeit dann doch ein Haar findet. Mit Lotter waren noch iveitere fünf Gefangene zum Tode ver- urteilt ivorden. Kitchener„begnadigte" die Leute jedoch zu le b en s- länglichem Gefängnis. Ein andrer Gefangener erhielt 20 Peitschenhiebe! Ferner wird über die Arbeit der Kriegs- justiz aus Kapstadt gemeldet: In Barkly West wurde ein zum Tode verurteilter Farmer zu 10 Jahren Zwangsarbeit begnadigt, bei einem Farmer in Jacobsdal wurde die Todesstrafe in Deportation umgewandelt. Ein früherer Feldcornct in Vryburg war z» 10 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt ivordei«; die Strafe wurde auf 3 Jahre herabgesetzt. Die über einen Farmer in Vryburg verhängte Todesstrafe ivurde in lebenslängliche Zwangsarbeit umgeivandelt. Zivei junge Farmer, die zwei- mal zum Feinde übergegangen waren, wurden heute früh in Vryburg durch den Strang hingerichtet. In Worcester wurde ein Farmer zu einer Geldstrafe von 100 Pfund Sterling beziv. neun Dtouateu Hast verurteilt, iv e i l er auf seiner Farm Lebensmittel für mehr als sieben Tage hatte. Man sieht, das Standrecht arbeitet, datz es nur so eine Lust ist. Kitchener, der eingesehen hat. datz alles Zureden und alle Pro- klamationcn die Afrikandcr nicht abhalten können, mir den Boeren gemeinsame Sache zu machen, beweist jetzt durch bestialische Gewaltakte, datz er den Naine» eines Schlächters verdient. Ob aber dicscBrutalitäten die Kapholländcr zur Loyalität zurückrufen wird, ist sehr zu be- zweifeln. Der Kanipf in Südafrika dreht sich nicht mehr um die Selbständigkeit oder Nichtselbständigkeit der Boereurepublikcn, sondern um Sein oder Nichtsein des holländischen Elements der Kap- bevölkerung. Es ist nicht mehr die Sache ihrer Stammverwandten, die von den auf der Boerenseite kämpfenden Kapholländcrn verfochten wird, sondern ihre eigne Sache. Deshalb wird aller Voraussicht nach die Blutarbeit Kitcheners den Aufstand der Kapkolonie nur um so leidenschaftlicher aufflammen lassen. In Brüssel eingelaufene Meldungen behaupten, datz die Er- Hebung in der Kapkolonie riesige Dimeiisionen angenommen habe, datz nicht iveniger als ÄOOOO Kapholländer zu den Boeren übergegangen seien, so daß die Umgegend von Kapstadt bereits bedenklich bedroht sei.— Ueber die letzten Operationen stiegen folgende Nachrichten vor: Wie aus Heilbron(Südafrika) gemeldet ivird, versuchten die Boeren zweimal vergeblich die Eiscnbahiilinie zu überschreiten. und zwar während der Nacht, um sich! nach Osten zu wenden.— Kommandant Kruitzinger befindet sich, nach einer Depesche aus Herschcl, auf dem rechten Ufer des Oranjeflusses und versucht, diesen zu überschreiten. Er ivird aber durch den hohen Wasserstand an der Ausführung seines Planes gehindert.— Aus Pietermaritzburg wird berichtet: Lord Kitchener hat die Freiwilligen von Natal in ihre Heimat zurückgesandt, ohne datz diese auch nur einen einzigen Schutz gethan hätten. ScheeperS gefangen. Ein Depesche Kitcheners meldet: Die Kolonne des Generals F r e n ch»ahm den Kommandanten Scheepers gefangen. Mehrere Meldungen sprachen davon, datz Scheepers schiver er- krankt sei. Möglichcriveise ist er deshalb den Engländern in die Hände gefallen, weil er nur zu Wagen transportiert iverdcn konnte. Datz auch ein Teil seines Kommandos in Gefangenschaft geraten sei, wird nicht gemeldet, ist also unwahrscheinlich. So bedauerlich die Ge- fangenilahme Scheepers für die Boereu auch sein mag, so hat der lange Krieg bisher bereits so viele militärische Talente zur Entwick- lung gebracht, datz wohl auch künftig für jeden derartigen Verlust ein Ersatz vorhanden ist. Geduld k Die„Daily Chrouicle" stellt folgenden Kalender zusammen: 11. Oktober I.8SS: Krieg erklärt; 1. Oktober 1900: Mr. Chamber- lain sagt in Coventry:„Jetzt, da der Krieg zu Ende ist, hat das Volk sich noch kaum klar geniacht, ein wie schwieriger Krieg es ivar"; 8. Oktober 1901: Lord Roberts sagt in Liverpool:„Ich wünsche ernstlich, datz der Krieg vorüber wäre... Ich möchte die Nation jetzt bitten. Geduld zu bewahren." Die Zeitung meint, Lord Roberts müsse sich mit Lord Halsbury, dem Lordkanzler, auseinandersetzen, der heute als einziger im Lande noch glaube, der Krieg sei zu Ende;„es ist nur eine Art von Kriegführung, aber ist das Krieg?"_ GVMvvltMttftliiszes» Achtung! Civilbcrnfsmnsikcr Deutschlands! Auf Veranlassung der freien Vereinigung von Hannover-Lindcn soll demnächst in Berlin ein durch Delegierte aller deutschen freien Verciniguiigen zu beschickender Kongretz lagen, um die Centralisation über Deutsch- land in die Wege zu leiten. Am Dienstag, 5. November, mittags 12 Uhr,'tritt der fünfgliedrige Ausschutz(Berlin, Breslau, Dresden, Hannover, Hamburg)' im Verciuslokal, Berlin'C. Rosenthalerstratze 57, zusammen, um die endgültige Tages- ordnung festzusetzen. Mittwoch, den 6. November, vormittags 11 Uhr, Grenadierstr. 33: Beginn des Kongresses. Die Verhandlungen sind vorläufig auf 2 Tage festgesetzt. Als proviso- rische Tagesordnung gilt: 1. Besprechung der wirtschaftlichen Lage der Eivilmusiker. 2. Stellungnahme und Beschluhfassung zur Gründungdes„Centralv'erbandesderCiviIberufs- musiker Deutschlands". 3. Beratung betreffs Gründung eines Fachorgans. Kleine Vereinigungen entsenden 1 Delegierten, grotze Vereinigungen nach eigenem Ermessen auf je 100 Mitglieder 1 Dele- gierten. Neben dem Ersuchen um zeitiges Eintreffen(möglichst im Laufe des 5. November), bitte» wir die Delegierten, sich mit von ihrem Vorstand gezeichneten Mandaten zu versehen. Anträge sind von Vereins wegen schriftlich und vom Vorstand gezeichnet ein- zureichen. Auf Wunsch sorgen unsre Mitglieder für häusliche Unter- kunst, auch sei auf das Gewerkschaftshaus, hier, Eugel-Ufer 15. hin- gewiesen. Näheres ist durch den Unterzeichneten schriftlich zu er- fahren. Im Namen der Freien Vereinigung von Berlin. G. S ch o n e r t, 1. Vorsitzender N. 4, Eichendorffstr. 22. Harmouieduselei oder bloße HöflichkcitSphrasen? Als die Tarifverhandlungen der Buchdrucker zu Ende waren, sagte der Prinzipalsvertreter Herr Baensch-Drugulin in seiner Schlutzrede, es berühre ihn schmerzlich, datz durch die beschlossene Schaffung paritätischer Arbeitsnachweise denen der Prinzipale der Todesstotz versetzt worden sei. Aber er tröste sich mit dem Ge- danken, datz einmal die Zeit komnien dürfte, wo Prinzipale und Gehilfen wie heute auf dem Tarifgebiet, sich auch auf dem Kassen gebiet zusammen- finden werden, zum Wohle der Berufsangehörigen und zum Besten der Witwen und Waisen. Nach dem Protokoll des Tarifamts erwiderte Herr Döblin, der Vorsitzende des Gehülfenverbandes hier auf:„Die von Herrn Baensch ausgesprochenen Wünsche auf Schaffung einer gemeinsanien Organisation der Prinzipale und Gehülfen, in welcher das Unt'erstützungsivesen der heute bestehenden Organisationen einmal verschmolzen iverden soll, möchte er für seinen Teil nicht abweisen. Wenn auch der gegenwärtige Zeitpunkt eine ausgiebige Beschäftigung mit dieser Frage nicht zulasse, so glaube er doch, datz die Gehilfenschaft neben ihren ändern Aufgaben auch die hier gegebene Anregung in den Kreis ihrer Beratungen ziehen wird. Da auch die Gehilfenschaft den gc iverblichen Frieden will, so wird sie die dazu führenden Wege gewitz nicht unbeschritten lassen." Sollte die vorstehende Aeutzernng Döblins mehr sein, als eine höfliche Erwiderung auf die Anregung des Herrn Baensch, so ist es wohl angebracht, darauf hinzniveifen, daß der Gedanke, die geWerk- schaftlichc organisierten Arbeiter eines Berufes könnten mit den Arbeitgebern selbst nur auf dem Gebiete des Untcrstützungsivesens gemeinsam zusammenarbeiten, bisher noch von keinem Gewerkschafter ausgesprochen worden ist. Döblin selbst hat ja auch die Verlvirklichung dieses Ge dankens nur für seine Person und nur für eine unbestimmbare Zukunft als möglich vorausgesetzt. Vorläufig ist also in dieser Hinsicht noch keine Gefahr vorhanden, aber es erscheint doch an- gebracht, bei dieser Gelegenheit unsre Ansicht dahin auszusprccheu, datz es nicht im Interesse der Gewerkschaften liegt, so weit sie klassenbewußte Vertreter der Arbeiterinteressen 'ein wollen, auf dem Gebiet des UnterstützungSweseiis mit den Unternehmern zusammen zu gehen. Berlin und Umgegend. An die Parteigcnoffe» nnd Gewerkschaften! Wie schon in der vorigen Sountagsnummer des„Vorwärts" angekündigt, finden im Laufe dieser Woche— Montag, den 14.' und' Dienstag, den IS.— fünf größere Ver- s a m m l u n g em der K o n f e k t i o n s a r b e i t e r und-Ar- beiterinnen statt, in welchen die Forderungen der deutschen Schneider und Schneiderinnen an die Gesetzgebung bezüglich der Heimarbeit erörtert werden sdllen. Wir wiederholen hiermit die Bitte, datz die Parteigenossen und Gewerkschaftsmitglieder in ihren Verwandten- und Bekanntenkreisen — namentlich bei ihren weiblichen Angehörigen— auf die Wichtigkeit dieser Versammlungen für die Gesanttarbeiterschast hinweisen mögen 1 ' Alles Nähere betreffs der Versammlungslokale und Referenten im Inseratenteil heutiger Nummer. Verband deutscher«chneider- und Schneiderinnen.(Fil. Berlin). I. A.: Ad. Ritter. Die Berliucr Gcwcrkschaftökommissiou sendet uns folgende Zuschrift: In letzter Zeit ist in Versammlungen die Behauptung ausgestellt worden, die Centralverbände und die Berliner Gciverkschafts- kommission seien in der Unterstützung des Glasarbeiterstreiks lässig gewesen. Um weiteren unwahren Behauptungen vorzubeugen, geben wir die Summen bekannt, welche von den Berliner Geiverk- schaftcn und Arbeitern durch die Gclverkschaftskommission den Glas- arbeitern übermittelt wurden./ Durch die Kommission wurden an die Glasarbeiter gezahlt bis 11. Oktober 45 000 M.(außer 20 000 M., welche mittels der Gelder der englischen Glasarbeiter zurückgezahlt worden sind), darunter befinden sich 6500 Mark von der Zahlstelle der Metallarbeiter Berlins und 3000 Mark von der Zahlstelle der Holzarbeiter Berlins. Des ferneren wurden durch die in Berlin befindlichen Centralvorstände bis Mitte September an die GlaS- arbeiter gesandt: Porzcllanarbeitcr M. 3030,—.)> Graveure 800,—. Städtische Arbeiter 100,—. Textilarbeiter 1065,—. Vergolder 400,—. Töpfer 820,—. Tapezierer 800,—. Lederarbeiter 400,—. Buchdrucker 1680,—. Auf Listen in Werkstellen sind direkt an die Glas- arbeiter bis Mitte September abgeliefert worden M. 1614,77. Außerdem wurde denselben von den Buchdruckern ein Darlchn von 10000 M. bewilligt. Der Ausschutz der Gewerkschaftskommission. Deutsches Reich. Die Nordhäuscr Tabakfabrikante» in einer Notlage. In einem gedruckten Cirkular, auf dem nur das Datum mit Tinte ausgefüllt wird, teilt der bekannte Kautabakfabrikant G. A. H a n e w a ck e r in N o r d h a u s c n einem Kunden mit, datz es ihm infolge des Ausstandes seiner Arbeiter zu seinem lebhaften Bedauern unmöglich sei, den Aufttag im vollen Umfange aus- zuführen. Das Cirkular fährt dann fort: Um Sie nicht ganz ohne Tabak zu lassen, erlaube ich mir, Ihnen für jetzt nur eine Teilsendrmg zur Aushilfe zu senden und gebe ich mich der angenehmen Hoffnung hin, datz Sie in Berück- fichtigung meiner Notlage diese Handlungsweise gutheißen werden. Bei wieder eintretendem Bedarf bitte ich um den Vorzug Ihrer geschätzten Aufträge, Ivie ich Sie auch noch freundlichst bitten möchte, mir Ihr Wohlwollen in dieser so schweren Zeit gütigst bctvahrcn zu wollen. Hochachtungsvoll G. A. Hanewackcr. Dieses Schreiben beweist, datz der Kampf, welchen die Tabak- arbciter in Nordhausen seit Monaten führen, kein vergeblicher ist, und datz die Fabrikanten trotz ihrer Ableugnungen die Wirkungen des Kampfes ivohl fühlen. In derselben Notlage wie Herr Hanc- ivacker befinden sich ziveisellos auch die übrigen Fabrikanten, welche noch mit ihren Arbeitern auf Kriegsfuß leben, und es wird ihnen nichts helfen, als>die Starrköpfigkeit fahren zu lassen und sich mit den Arbeitern zu einigen. Diese befinden sich glücklicherweise noch nicht in einer Notlage und die Arbeiter Deutschlands iverden dafür sorgen, datz ihre Nord- Häuser Klasscngcnosscn den Kampf so lange führen können, bis die Fabrikanten die Organisation der Arbeiter anerkennen. Vor allem gilt es, den Boykott streng durchzuführen. Achtung» Steinarbeiterl Der Ausstand bei der Firma H. A. Klotz in Löbau(Granitfabrik) dauert unverändert fort. Die Einigungsversuche der Ausständigen unter Vcnnittelung des Bürger- meisters von Löbau sowie seitens der Organisation der Steinarbeiter waren resultatlos. Der Firmeninhaber geht mit dem Gedanken um, ailsländischc Steiuarbciter anzuwerben. Inwieweit ihm dies gelingt, wird die Zeit lehren. Arbeitcrfreuudliche Blätter iverden um Abdruck gebeten. Organisation der Steinarbeitcr. Strcikpostenstehcn polizeilich verboten. In Grotz-Salza (Regierungsbezirk Magdeburg) befinden sich die Maurer im Streik. Die dortige Polizciverwaltung hat uun eine Bekanntmachung er- lassen, in der es heißt: Es ist die Wahrnehmung gemacht worden, datz sogenannte Streikposten auf den' Zugangs- wegen zur Baustelle aufgestellt worden sind, um Arbeits- willige fernzuhalten. Diese Handlung ist gemäß§ 360 des Strafgesetzbuches als grober Unfug auzuschcn, und fordern wir beteiligte Personen auf, das Streikpostenstchcn fernerhin zu unterlassen. Zuwiderhandlungen werden auf das ftreugste bestraft werden. Sollte die Polizeiverwaltung diese Androhung ausführen, so wid sie sich von den Gerichten belehren lassen müssen, datz das Streikpostenstehen an sich weder grober Unfug noch sonst eine straf- bare Handlung ist. Erivarten sollte man allerdings, datz eine Polizeiverwaltung dies ohnehin wüßte. Eine Lohnbewegung der Strickerinnen» die schon seit zwei Monaten vorbereitet wird, ist nun endgültig beschlossen. Vor 14 Tagen haben die Strickerinnen den Unternehmern die Forderung um eine Lohnerhöhung von 10 Prozent bereits unter- breitet, aber bis auf einen haben die Fabrikanten darauf gar nicht geantivortct. Die Filiale I des Textilarbcitcr-Verbandes hat in der gestrigen Versammlung die Forderung der Strickerinnen zu der ihrigen gemacht und die Fachkommission beauftragt, die Fabrikanten und Werkstelleubesitzcr gemeinsam mit der Kommission der Strickerinnen zu einer Konsercnz einzuladen. Sollten die Unter- nehmer der Einladung keine Folge leisten oder aber kein be- fricdigendes Resultat erzielt werde», so sind weitere Maßregeln in Aussicht genommen. Die Konjunktur ist eine günstige! und die Unternehmer können schlietzlich zur Anerrennung der Fordenmg, die ja sehr minimal ist— es handelt sich um eine Lohn- erhöhung von durchschnittlich 90 Pf. pro Woche— gezwungen Iverdcn Nachwehen vom Krefelder Sainmetschcrer-Ttreik. Wehe den Besiegten! heißt es auch nach diesem Streik, denn noch über 150 Arbeiterinnen und Arbeiter liegen arbeitslos auf der Straße. Die Unternehmer haben eine Anzahl Lehrlinge eingestellt, um auch für diesen Beruf eine Reservearmee zu schaffen. Die Summet- fchcrer, welche während des Streiks hervorgetreten sind, haben keine Ausficht, in absehbarer Zeit wieder eingestellt zu werden. Von feiten des Unternehmcrverbandes ist die Parole ausgegeben ivorden, innerhalb dreier Monate keinen Sammetscherer ein- zustellen, gleichviel zu welcher Arbeit. Den Unternehmern ist ob däeses Sieges ganz gewaltig der Kamm geschwollen. Das erfahren schon die Arbeiter in den andern Betrieben. Lohnabzüge sind an der Tagesordnung. Daß ein solcher Mißerfolg deprimierend auf die Arbeiterschaft einwirkt, ist selbstverständlich, und so übt auch in diesem Falle die Niederlage ihre Wirkung auf die Arbeiterorganisationen aus. Bei all diesem kommt hinzu, datz fast leine Schoffengerichtssitzung vergeht, ohne datz ein„Streiksünder", der einen oder mehrere „Arbeitswillige" beleidigt haben soll, abgeurteilt wird. Bis jetzt betrugen die Strafen gewöhnlich 2 Wochen Gefängnis. Diejenigen. welche die famose Polizeiverordnung, wonach die Streikposten zwei- hundert Meter von der Fabrik entfernt bleiben müssen, übertreten haben, werden alle mit 30 Mark Geldstrafe bestrast. Die nämliche Strafe erhalten alle diejenigen, welche, ohne in den Streik verwickelt gewesen zu sein, an den Aufläufen teilgenommen haben. Unter den ictztereu befinden sich eine ganze Anzahl Frauen und Mädchen, welche zufällig des Weges kamen und dem polizeilichen Transport der ArbeitSlvilligen" bei der Gelegenheit zusahen oder ins Gedränge gerieten. Ausland. Der Streik der Wiener Pcrlmnttt-Hemdknopf-DrechSler scheint sich in die Länge zu ziehen, und zwar hauptsächlich deshalb, weil die Meister, die mit den Gehilfen gemeinsame Sache gemacht haben, ihren Auftraggebern, den Exporteuren, nicht energisch gegenüber- zutreten wagen. Einige der Meister sollen sogar, obwohl sie sich als Streikende'ausgeben, den Exporteuren heimlich Lieferungen zu- stellen. In Wien streiken mehr als 200 Gehilfen, in Serowitz be- finden sich 100 Drechsler im Ausstand, und auch in andren Städten Nicderöstrcichs ist die Arbeit eingestellt werden. Der Generalstreik der französischen Bergarbeiter. Das bisherige Resultat des Referendums bezüglich des geplanten General- streiks ist folgendes: Abgestimmt haben 31413, davon für den Streik 28 217, gegen 2896. Es fehlen noch die Resultate verschiedener Kohlcngebiele, u. a. auch die des PnS de Calais, wo die Abstimmung dieser Tage stattfindet. Für den 1. November, an welchem Tage der Generalstreik be- ginne» soll, sind, wie„Le Tenips" mitzuteilen weiß, seitens der Regierung große VorstchtSmatzregeln getroffen. An den Konnnan- danten von Bourges seien Orders dahin gegangen, sämtliche Garnisonen des 8. ArmcccorpS am 1. November in den Kasernen marschbereit zu halten, um innerhalb zweier Stunden bereit zu sein, nach irgend einem Kohlcngebiet abgehen zu können. Die Streikbewegung in Italien dauert noch innner fort; nicht alle Ausstände find von Erfolg begleitet, aber sie geben in fast allen Fällen den Anstoß zur Gründung von Organisationen, wo olche noch nicht bestehen. In vielen Fällen haben aber die Arbeiter auch ganz wesentliche Verbesserungen ihrer Lage erzielt. So habe» die Hafenarbeiter von Bari nach langem Kampfe den Zehnstunden« tag bei einem Tagelohn von 4,50 Fr. durchgesetzt.— Die Lithographen von Brcschia, die alle organisiert sind, er- hielten den Neunstundeutag und für Uebcrstunden 25 Proz. Lohn- erhöhung, ohne in den Streik treten zn müssen.— In Palermo haben die Bäckcrgehilfen einen neuen Tarif durchgesetzt, der ihren Lohn wesentlich erhöht. Für die Lehrlinge ist die Nacht- arbeit für fünf Tage in der Woche abgeschafft.— In Scofati sind 2500 Arbeiter und' Arbeiterinnen einer Bauinivollspinnerei in den Streik getreten; die Ursache ist das brutale Auftreten eines deutschen Auffehers, der eine junge Arbeiterin geschlagen hatte.— Der Holz- arbeiterstreik in Rom ist beendet, nachdem die meisten der Unter- nehmer bewilligt haben. Der Streik der Konditoren und verwandten Berufe dauert' fort.— Die Gründung von Organisationen wird aus allen Teilen des Landes gemeldet. So haben sich in Palermo die Transportarbeiter und Auslader organisiert; in Termini haben sich die Hafenarbeiter vereinigt.— Der Deputierte Chiesa macht demnächst eine Rundreise durch die Hafenstädte Italiens, um einen Verband der Hafenarbeiter zu gründen.— In Bologna tagt zur Zeit ein Kongreß der Gastwirtsgehilfen; dieselben wollen ebenfalls mit der Gründung eines Verbandes vorgehen. Ans der Tagesordnung steht außerdem Herabsetzung der Arbeitszeit und Fest- setzung eines MinimallohneS. Die st r e i k e n d e n Bäcker in Florenz haben, wie„WolffS Telcgraphen-Burean" meldet, am Sonnabend früh die Arbeit wieder aufgenommen._ Letzte Metrhvirtzken und Depeschen« Linz» 12. Oktober.. IlnterhaltungSblatt. Sr, 240. 18. ,«,'<» 1. Iciliijf iins JotroWs" ßtrlintt ItMInlt«•»"«« Aus Itudtt??vie und Handel. Eine bemerkenswerte Kritik an den Tanierungen übt der HandclZredacteiir des„Berliner Tageblatt", Herr Wiener, auf dessen Gutachten der Börsenenquele-Kommisston wir kürzlich hingewiesen haben. Herr Wiener beweist auch in seiner gestrigen Wochenschau die Objektivität, die sein Gutachten vor' der Börsen- Koinmission auszeichnet. Seine Kritik, wenn auch in vorsichtigen Formen gehalten, bewegt sich durchaus in der Richtung der unsrigen die wir seit den Hypothekenbauk-Sanicrungen wiederholt zum Äus� druck gebracht haben. Sie ist sachlich von der äußersten Schärst und verdient als ein Beitrag zur Geschichte der letzten kapitalistischen Aera aufbewahrt z» werden. Herr Wiener wirft die Frage auf, „ob all die Sanienmgen, die im Gange sind, auch wirklich eine dauernde Gesundung der solchen Operationen unterzogenen Unter« nehmen erivarten lassen" und antwortet darauf selbst:'„Leider kann in dieser Hinsicht nicht jeder Zweifel unterdrückt werden. Der hauptsächlichste Fehler hierbei ist, daß die Geschädigten selber noch immer nickit mit ausreichendem Ernste ihr Interesse wahrnehmen. Sonst ließe es sich nicht erklären, daß auch von den Generalversammlungen, die sich gegenwärtig abspielen, manche einen etwas komödienhaften Verlauf nimmt. Auch daß die Aktionäre und Obligationäre der notleidenden Gesellschaften durch immer neue Versammlungen ermüdet und abgehetzt werden und ihr Interesse für die Sach damit ausschließlich abgestumpft ivird, ist sehr z d e d a u e r». Die Nevisionskommissionen, die in Thätigkeit treten, erwecken ferner nicht durchwegs das Vertrauen, daß sie lediglich ans Persönlichkeiten zusammen gesetzt sind, die durch ihre Tüchtigkeit und Unbefangen' heit zu einem solchen Mandate berufen wären. N i ch unbedenklich erscheint es auch, daß die Mehrzahl der Sanieningcn von denselben Bankkreisen und den selben Persönlichkeiten betreiben zu sehen. Ist schon die gegenwärtige Krisis fzum Teil darauf zurückzuführen, daß einzelne Institute und Personen an einer größeren Zahl von Unternehmen beteiligt waren, als sie thatsächlich kontrollieren konnten, so wäre eS doppelt beklagenswert, wenn sich auch die nunmehrigen Rekonstruktionen nicht bewähren sollten, weil sie inimer wieder von denselben Kreisen über ii o m m e n werden, die sich auf diese Weise nnt unübcrseh baren Aufgaben belasten kömitcn. Selbst die größten Institute und die tüchtigsten Persönlichkeiten finden in ihrer Leistungssähigkeit eine Grenze. Nicht in der Selbstüberschätzung, sondern in der Be- schränkung zeigt sich der Meister." Diese für Eingeweihte sehr verständliche Sprache bedarf für das weitere Publikum eines Kommentars. Die Kritik des Herrn Wiener richtet sich gegen� die sanierenden Großbanken, die thatsächlich nur ihr eignes Geschäftsinteresse auch dann verfolgen, wenn sie scheinbar oder angeblich als Helfer in der Not auftreten und sich unter dieser Firma die Vertretung der Geschädigten für die Generalversammlungen verschafft haben. Unter den„Persönlichkeiten", auf die Herr Wiener anspielt, ragt der von uns wiederholt erwähnte Herr Justizrat Kempner hervor, der fast in allen Krachversanimlungen die Führung hat und in Dresden wie in Strelitz und Berlin als der Stratege der Großkapitalien eine Sicherheit und ein Raffinement entwickelt, die Erstannen und fast Be' wunderung hervorrufen müssen. Nur in Leipzig, wo sich die Ber liner Großbanken nicht beteiligten, sondern wo sie den bankerotten sächsischen Finanz- Kapitalismus im Sumpfe stecken ließen, um auf seinen Trümmern durchaus neu zu bauen, war Herr Kempner nicht. Man darf gespannt daran' sein, wie sich auf die Dauer das Verhältnis der Großbanken zur Dresdener Bank machen wird. Diese in ihrer Aktionssähigleit sehr gelähmte Bank mit 130 Millionen Aktienkapital ist neuerdings im Konzert der Großbanken sehr in den Hintergrund gedrängt worden, und es sprechen sehr viele Anzeichen dafür, daß andre Großbanken auf Kosten der Dresdener vorwärts streben. Kurz: Der Krach und die Specialität der„Nothelfer" bringen unS eine neue Auflage und ein andres Schlachtfeld des ewigen Krieges der kapitalistischen Volkswirtschaft. Den Großbanken ist die Krise, wie immer, ein Hauptmittel neuer Eroberung und der Konzentration. Dies Geschäft hat einen etwas fatalen Geruch. In der jüngst von Franz Mehring veröffentlichten Doktordiffcrtation von Marx wird hingewiesen auf eine historisch- moralische Notiz eines römischen Schriftstellers, nach welcher die Massiliotcn einen brillanten Dünger für ihre Weinberge an den Leichen der gefallenen Cimbern, und da auch viel Regen fiel, ein gutes Jahr hatten. Den sanierenden Großbanken und ihrem „genialen" Feldherrn sind die kubischen Leichen auch nur ein guter Mist für ihren Acker und ihre Weinberge. So will es die kapitalistische Wirtschast, bei der von Moral und Sentimentalität ganz und gar keine Rede sein kann. Der falsche Arbeiterfrennd. Der Verband Berliner Metall industrieller will durch eine Umfrage in den Betrieben seiner Branche über den Grad der Bcsckäftiguiig und die Arbeitslosigkeit Er Mittelungen anstellen, um je nach dem Ausfall unter Umständen Anträge bei den städtischen und staatlichen Behörden zu stellen. Wir nehmen an, diese Anträge würden sich wohl in der Richtung bewegen, größere Aufträge von der Regierung oder Stadt zii erlangen. Also das was der Centralverband deutscher Metallindustrieller bereits gefordert hat, wiederholen. Wie tvir zu diesem Verlangen stehe», haben wir bereits aus- gesprochen; sehr mißtrauisch sind wir aber dagegen, daß, wie diese Korporation angiebt, ihre Bemühungen im Interesse der Arbeiter unternommen werden. So uneigennützig sind die Herren nicht, ihr Regiment war bisher immer auf Unterdrückung der Arbeiter gerichtet und das geschah mit so ausgesuchter Niedertracht, daß jeder Anklang von Arbeiterfreundlichkeit von dieser Seite wie Hohn klingt. Wie wenig eS den Herren mit dieser Absicht ernst ist, ersieht man daraus, daß sie erklären, sie könnten selbst altbewährte Leute nicht mehr halten. Um dies zu erreichen, gäbe eS noch eine andre Lösung, die die Herren Mctallindustriellen selbst vornehmen könnten. Sie mögen in ihren Betrieben die Arbeitszeit verkürzen und nicht Hunderte von Arbeitern auf die Straße werfen. In der Beziehung können wir ihnen das Beispiel der Metallindustricllen in B r a u n s ch w e i g empfehlen, die ans eine Vorstellung seitens des Metallarbeiter Verbandes zu diesem Mittel gegriffen haben. Erst wenn unS die Berliner Metalliudustriellen durch die That beweisen, daß es ihnen ernst ist mit der Arbeiterfürsorge, dann können tvir ihnen glauben, daß sie neben ihren eignen Interessen auch die der Arbeiter berücksichtigen. So lange eS aber auf ihrem Arbeitsnachweis schlimmer zugeht, wie im Asyl für Obdachlose, geben sie selbst die beste Einschätzung ihrer Absichten und Bestrebungen. Hier mögen sie zunächst beffernd vor- angehe» und ihre Arbeiter nicht mit ausgesuchter Bosheit be- handeln. Die Hcilbroiiner Gewcrbcbank hat plötzlich den Konkurs an- melde» müssen, da ein Frankfurter Gläubiger auf das Vermögen der Bank Arrest legen wollte. Damit dürfte eine außergerichtliche Ab- Wicklung der Zahlungsschloierigkeiten sehr erschwert sein. Die Deutsche Verlagöanstalt in Stuttgart ist durch die Konkurrenz, wie es in ihrem Verwaltnngsbericht heißt, in die Lage gedrängt, ohne Gewinn ihren Geschäftsabschluß zu machen. Danach scheint der Ankauf des Journals„Die weite Welt" durch den Verlag Scherl nur eine Folge der Abwärtsbewegung de» Unternehmens gewesen zu sein. Das einst sehr stolze Unternehnien muß vor seinem mächtigen Konkurrenten die Segel streichen. Nach dem VerwaltungS- bericht erhöhten sich insgesamt die schwebenden Schulden um 376 000 M. auf 716 000 M., davon sind 300 000 M. auf fünf Jahr« unkündbar. Den Verbindlichkeiten stehen 266 700 M. meist lang- stchtige Wechsel, sowie 624200 M. Debitoren gegenüber. Ei» Notanker. ,Die Hannoversche Straßenbahngesellschaft hat nach einer Mitteilung des„Verl. Tageblatt" Direktor Fromm von ber Berlin-Charlottenburger Straßenbahn zum zweiten Direktor engagiert. Es scheint, daß man den Sturm, der in der Geiieralversammlmig am 19. Oktober ausbrechen dürfte, be- schwören will, vor allem den bisherigen ersten Direktor, der nicht in gutem Aufehen steht, etwas ans der Schußlinie stellen möchte. Geschäftsberichte der Aktiengesellschaften. Die Aktien- gesell schaft für Fabrikation von Eisenbahn- Material zu Görlitz hatte im Geschäftsjahr 1900/01 einen Rein- gewinn von 679 255 M. gegen 707 335 M. im Vorjahre. Dividende 16 Proz.— Die Bar in er Glanzgarnfa brik bormalS Zinn u. Hackcnberg berichtet über einen Reingewinn von 54 546 M.(im Vorjahre 105 810 M.). Dividende 5 Proz.— Die Münden-Hildesheimer G u m m i w a r e n- F a b r i k er- zielte einen Reingewinn von 11 914 M.(im Vorjahre 9651 M.). Dividende 11 Proz.— Die Cröllwitzer Aktien-Papier- f a b r i k verzeichnet einen Bruttogewinn von 507 951 M. (im Borjahre 824 718 M.). Dividende 18 Prozent.— Die Accumulatoren- Fabrik Aktiengesellschaft Berlin giebt ihren Rohgewinn auf 2 902 559 M. an(im Vorjahr 2833 029 M.), Dividende 10 Proz.— Das Gußstahlwerk Witten kann einen Rohgewinn von 1083 880 M.(im Vorjahr 1564162 M.) in Ansatz bringen. Dividende 12 Proz.(im Vorjahr 20 Proz.).— Helios El e'ktricitätsges ellschaft in Köln schließt mit einem Fehlbetrag von 4 900 000 M. ab; die in enger Beziehung mit dem Unternehmen stehende Aktiengesellschaft für ElektricitätSanlagen verzeichnet einen Fehlbetrag von 5 300 000 M.— Das Eisen- und Stahlwerk Hoesch in Dortmund hatte einen Reingewinn von 1 649 771 M.(im Vorjahre 3 637 863 M.). Dividende 10 Proz.(im Vorjahre 16 Proz.).— Die Vereinigten Chemiswen Fabriken zu Leopoldshall gaben ihren Reingewinn auf 373 611 M. an(im Vorjahre 545 308 M.). Dividende 5 Proz.— Das Sächsische Gußstahlwerk in Döhlen berichtet über einen Reingewinn von 802 510 M. Dividende M/s Proz.— Die Chemnitzer Papierfabrik erzielte 149 713 M. Gewinn. Dividende 6 Proz.— Der B o ch u m e r Guß st ahlverein verzeichnet einen Reingewinn von 4 308 113 M. (im Vorjahre 4 586 682 M.). Dividende 13�/2 Proz. Staatshilfe beanspruchen ähnlich ihren deutschen Kollegen auch die östreichischen Industriellen, um über die Krise hinweg zukommen. Die Wiener Handelskammer wird ans Anregung aus ihrer Mitte durch ihren Präsidenten an die betreffenden Ministerien das Verlangen stellen, daß die zur Verfügung stehenden Summen für Bahnbanten in schnellerem Tempo zur Verausgabung gelangen und die Industriellen von Neuanfträgen rechtzeitig in Kenntnis gesetzt werden. Dem hat sich die Kaiifmanuschast angeschlossen, die in einer Eingabe an den Ministerpräsidenten ersucht, die Bauten und Bestellungen des Staates möglichst zu beschleunigen. Die Werlzeiigmaschinenfabrik„Vulkan", die in Wien und Budapest Fabriken befitzt, hat sich sowohl an die östreichische wie ungrische Regierung gewandt, um Aufträge zu erlangen. Das Unternehmen hat seine'Arbeiterzahl von ungefähr 900 um ein Drittel einschränken müssen. Millioiien-Verlnste. Das„Bureau Herold" meldet: Wien, 12. Oktober. Der„Wien. Allg. Ztg." zufolge erleidet die bosnische Regierung bei der„Leipziger Bank" einen Verlust von mehreren Millionen Gulden. Berliner Partei-Angelegenheiten. Zur Flugblattverbreitung wollen sich die Parteigenossen heute an folgenden Stellen zusammen finden: Zweiter Wahlkreis. Morgen» 8 Uhr: Für den 4. W a h I bezirk bei Bartbel, Bülowstraße 59; für den 9. Wahlbezirk bei Bnrchfeld. Arndtstraße 35; für den 10. Wahlbezirk bei Patzschke, Gräfestraße 31. Fllnftrr Wahlkreis. Morgens 7�/, Uhr: Knötsch. Hirtenstraße 10, M ü n d n e r, Linienstr. 19, Opitz, Elsafferstr. 53, W a ß m a n n. Linienstr. 29. Sechster Wahlkreis. Morgens 8 Uhr: Für M o a b i t<44. und 45. Bezirk) bei Johann Pfarr, Putlitzstr. 10. Für die R o f e n t h a I e r orftadt(32. Bezirk) bei Rosin, Ruppinerstr. 42; 36. Bezirk bei Gustav Hermann, Putbus erstraße 45. Für Gefundbrunnen (48. Bezirk) bei Brinkmann, Prinzen-Allee 21. Für die Schön- Häuser Vorstadt(34. und 35. Bezirk) bei Rieb, Danzigcr- straße 93, sowie in allen bekannten Lokalen. Folgende Beiträge zum Liebknecht-Dcnkmal sind noch ein- gegangen: Von den Proletariern aus West-Afrika durch Weber 72,70. Zwei Holzmaler 1 M. Schöneberg. Dienstag bei Obst Generalversammlung des Wahlvereins.(Siehe Inserat in heutiger Nummer.)— Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß die Petitionslisten bis Montag an den Vorfitzcnden Karl Wollermann, Gothenstr. 1, abgeliefert sein müssen. Der Vorstand des Wahlvereins. Der Wahlverein zu Johannisthal hält seine General- Versammlung am 15. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale von MertinS ab. Tagesordnung: Vortrag. Bericht des Vorstandes. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung des Kreises. Uokales. Auf, auf, zum fröhliche» Jagen! DaS Vergnügen der Hubertusjagd ist den Berliner Müßig- gängern bekanntlich entzogen worden. Während früher die Sauhatz im Grunewald das Privilegium zum üppigen Radau in sich schloß, hat man die Opferstätte des Jagdheiligen minmehr irgendwo nach der Potsdamer Forst hin verlegt, viel zu weit von der Kulturwelt entfernt, als daß sie auf normale Weise erreichbar wäre. Doch dieser Mangel läßt sich ersetzen, und es scheint, als ob der die Sauhatz chmerzlich vermissende Berliner in diesen fröhlichen Herbsttagen durch die Hätz auf die Straßenhändler einigermaßen entschädigt werden soll. Denn nachdem in der letzten Zeit das hiesige Organ der ehrenwerten Grundbesitzer die Händler als Pennbrüder und arbeitsscheues Gesindel gebrandmarkt hat, das wie die Pest, die unser Volk durchseucht, ausgerottet werden müsse bis auf den letzten Stumpf, bläst minmehr der Polizeipräsident v. Windheim sein aufmunterndes Hallali. Wer die gestern im Versammlimgsbericht wiedergegebenen Grundzüge einer Windheimschen Socialpolitik betrachtet, muß sich unwillkürlich fragen, ob denn die Tage der Demagogenverfolgungen oder des Socialistengesetzes in neuer verbesserter Auflage wieder- gekehrt sind. Es müßten täglich zehn Anzeigen von den Schutzleuten erstattet werden und jedes Strafmandat müffe aust dreißig Mark lauten, dann würde den Händlern schon die Puste ausgehen. Was aber die große Arbeitslosigkeit betreffe, so sei diese nicht vorhanden; die Maurer und Zimmerer, welche dem Straßenhaudel frönen, möchten nur mauern und zimmern gehen. So sollen nach den übereinstimmenden Berichten der Blätter die Worte des Herrn v. Windheim gelautet haben. Nun ist ja von einem Polizeipräsideuten, der in dem Stadthagenschen Polizeiprozeß erklärte, daß er sich nicht berufe» fühle, die Akten der Stadtverordneten- Versammlung zu lesen, nicht gut zu verlangen, daß er sich um die Lage des Arbeitsmarktes kümmert; und so mag im Kopfe des Herrn v. Windheim trotz Bankenkrachs und unerhörter Arbeiter- entlassnngen die wirtschaftliche Lage als durchaus erträg- lich erscheinen. Um so eher, als da? Einkommen des Polizeipräsidenten ja nicht die geringste Verminderung erfahren hat und dank der Beziehungen zwischen Polizei und Arbeiterschaft auch nicht gut anzunehmen ist, daß die zahlreichen Arbeitslosen sich an Hcrm v. Windheim um Beschäftigung gewandt haben. Aber wie die Dinge auch liegen mögen, so fragt es sich doch. ob ein Vorgehen, wie es der Polizeipräsident angedroht haben soll, mit den heutigen Kulturauffassmigen zu vereinbaren ist. Gewiß, die Händler waren ja auch bisher nicht ver- wöhnt und mögen im großen ganzen sich der Meinung zuneigen, daß es schlimmer nicht gut werden kann. Auf jährlich etwa 20 000 Straf- Mandate war nach den Mitteilungen in einer Händlerversammlung schon vor etwa vier Jahren zu rechnen und manche Händler teilten damals mit, daß sie jährlich weit über 100 M. an Strafen zu zahlen hätten. Ja selbst einem Berliner Amtsrichter, namens Göppert, war das Vorgehen einzelner Schutzleute zu stark; in einer Prozeß- Verhandlung gegen einen Händler, die mit Freisprechung endete, rief er dem als Belastungszeugen auftretenden Polizeibeamten zu, er möge sich nicht einbilden, daß er das Recht habe, jemand das Handeln auf der Straße zu verbieten. Doch solche Drangsalierimg war mir ein harmloses Geplänkel gegen die Jagd, die nunmehr eröffnet werden soll, Ivcnn Magistrat und Stadt- verordneten-Versammlung im Zeichen der Selbstverwaltung nicht so wollen, wie der Polizeipräsident will, und Bedenken tragen, die Existenz zahlreicher Berliner Einwohner auf dem Wege einer Polizei- Verordnung vernichten zu wollen. Ja, leben wir venu in einer Zeit, wo eS der Polizei möglich ist, mit ausgesprochener Absicht gegen eine ganze Berufsschicht den Vernichtungskrieg zu führen? Das ist denn doch ein so starkes Stück, daß das Parlament Ursache hätte, sich mit der Frage zu be- fassen, ob Gewerbe-Ordnuug und Gewerbe-Freiheit völlig dem polizeilichen Gutdüiiken überantwortet sind. Mag die Behörde der an sich offenbar falschen Meinung sein, daß nicht Militär-Aufzüge und Hoffestlichkeiten, sondern die Straßen- Händler den Verkehr unterbinden. Gut. Dann sorge sie dafür, daß die Negierimgen dem Reichstag einen Gesetzentwurf vorlegen, welcher die Aufhebimg des Straßenhandels aus- spricht und worin sich, wie seiner Zeit bei der Vorlage wegen Einführung des Tabakmonopvls und in dem Gesetz, das die Aufhebung der Privatposten aussprach, die Entschädigungen für die ihres Erwerbes beraubten Staatsbürger festgesetzt finden. Aber die Straßenhändler durch systematische Bedrückungen, durch eine Art Hetzjagd zum Aufgeben ihres Berufes zu zwingen, das ist ein Unter- fangen, welches von den gesetzgebenden Körperschaften unmöglich gut- geheißen werden kann._ Zur Birchow-Feier- Die Adresse, die heute abend im Auftrage der Stadtverordneten von) Berlin von einer Deputation unter Führung des Stadtverordneten-; Vorstehers Dr. L a n g e r h a n s dem 80jahrigen Prof. V i r ch o w' überreicht werden soll, ist ein Kunstwerk des Kalligraphen Karl! Wendel. Ihr wesentlicher Inhalt lautet: Eine gar lange Reihe � bilden die mannigfachen, wichtigen Fragen aus unsrem weiten und inhaltsreichen Kommuna lieben, welche dank Ihrer gewaltigen Arbeits- kraft, dank Ihrem umfangreichen Wissen zum Besten unsres Gemein- Wesens gefördert, oder gelöst morden sind; sie haben alle ihre gebührende Stelle in der, durch die Berichte des Magistrats und dieVerhandlungen! unsrer Versammlung wohl verbürgten Geschichte der Stadt Berlin. In dieser Geschichte stehen in erster Reihe die monumentalen Werke, welche während der letzten drei Jahrzebnte von der Stadt Berlin geschaffen worden sind für die Wohnlichkeit und die Gesundheit der Stadt, sowie zur Hilfe, Rettung und Heilung der Kranken. Es sei. wertester Kollege, dankbar und wahrheitsgemäß bekundet, daß Ihr Wissen und Ihr Können, vereint mit willcnsstarkcr Ueberzeugung, ihren vollen Anteil daran haben, daß jene monumentalen Werke als mustergültige vollendet sind. Sie haben einst, in jugendlichen Jahren, dem Gedanken die Bahn brechen helfen, daß die medizinische! Wisienschast eine sociale Wissenschaft ist und sein soll.— Ihre Gemeinschaft mit der Stadt Berlin hat Ihnen ge- Holsen, diesen Gedanken zu verwirklichen— und zur rechten Zeit, bei der rechten Gelegenheit, ist es von der kompetenten Stelle bekundet worden, daß Sie JhreForschungen zumHeil und Nutzen der Menschen verwendet haben. Ver« ehrter Kollege I Preisen Sie mit uns Ihre Gemeinschaft mit der Stadt Berlin und ihrer Vertretung als eine gütige Fügung. Mögen Sie— das ist heute unser Wunsch und imsre Hoff- nuug, noch manches Jahr in Gesundheit und Kraft der' Unsrige bleiben. Stadlverordnete zu Berlin. Langerhans. Vom Michkrieg. Den armen„M i l ch b a u e r n", die sich durch die Versprechungen ihres Führers Oberamtmann Ring haben ver- leiten lassen, der Milchcentrale beizutreten, soll gar n i ch t m e h r wohl zu Mute sein. Sie fangen an zu merken, daß sie mit dieser famosen Milchcentrale doch wohl hineingefallen sind. Am Freitag haben, wie eine Korrespondenz mitteilt, die„Milch- dauern" sich eingefunden, um die erste Rate für die Milch- lieferimgeii vom 1. bis 10. Oktober in Empfang zu nehmen. Die C entrale soll jedoch nicht allen Anforderungen gerecht geworden sein, weil sie nicht über genügend flüssiges Geld ver- fügte. Der„eigentliche Krieg" sollte, wem es in einem Flugblatt der Centrale hieß, erst dann beginnen, wenn bis zum 10. Oktober nicht drei Viertel aller Milch verpachtet wären: bis dahin wollten die„Milchbauern" noch„mit Gewehr bei Fuß" stehen. Der 10. Oktober ist vorbei. Warum hört man von jener Drohung nichts mehr? Wahrscheinlich wird der Beginn des„eigentlichen Krieges" der sein, daß die gesamte„Milchbauernschaft" die Flinte ins Korn wirft und Reißaus nimmt. Inzwischen fährt die Milchcentrale fort, durch Ver- Mittelung der„Deutschen Tageszeitimg" ihre paar Verkaufsstellen anzupreisen und um die Kundschaft der Berliner H a u S- f r a u e u zu betteln. Das letztere thut sie jetzt allerdings mit der Eiiischränkuug. daß sie sich nur noch an den„Bürger- und Handwerkerstand" wendet. Daß sie von der Arbeiterbevölkerung nichts zu erivarten hat, dürfte ihr allmählich klar geworden sein. Wir denken übrigens, daß man auch m bürgerlichen Kreisen gewitzt genug sein wird, um auf die Lockungen der preisstcigerungslustigeii„Milchbauern" nicht hinein- zufallen. Die Milchhändler sind getrost und erwarten den Sieg. Sie dürfen auf einen solchen freilich nur dann mit Sicherheit rechnen, wenn die Berliner Bevölkerung— in richtiger Erkenntnis ihres eignen Interesses— fest bleibt und nur ringfreie Milch kauft.' Die Behandlung, welche die Regierung den städtischen Behörde» zur Zeit angedeihen läßt, wird auch durch folgenden Fall gekeniizeichiiet: Die Eiiisiihrung von Schutzvorrichtungen an den lcktrischen Straßenbahnwagen hat zu einem Schriftenwechsel zwischen der Verkehrsdeputation und dem Po lizeipräsidium geführt. Der Polizeipräsident hat darauf mitgeteilt, daß auf Ber-' (mlnflunfl dcs Ministers der öffentlichen Arbeiten und des Innern schon Besprechungen stattgefunden haben und einige Schutz Vorrichtungen besichtigt und erprobt worden wären. Die Ver- Handlungen seien noch nicht zu Ende geführt, ein Eingreifen der st ädti scheu Behörden würde aber bei dem Stande der Ver« Handlungen die Sache nicht wesentlich fördern, vielmehr vielleicht nur Verzögerungen herbeiführen. Anfangs Mai ging dann beim Magistrat die Nachricht ein, daff die Straßenbahn 60 Wagen mit neuen Schutzvorrichtungen versehen würde. Seitdem sind weitere Mitteilungen nicht erfolgt. Wozu auch? Wenn die Konzessionsverlängerung bis 1949 eine Sache ist, die über den Kopf der städtischen Behörden hinweg vor- genommen wird. warum nicht auch die Angelegenheit der Schutz- vorrichtungeü? Eine Haussuchung fand gestern mittag in den Räumen der „S t a a t s b.- Z t g." statt. Fünf Beamte durchsuchten die Redaktions- räume nach einem Manuskript in der Umfrage über die jüdischen Blutmorde, ohne es zu finden. In der Angelegenheit der Märchenbrunnen» die im Friedrichshain aufgestellt werden sollen, sind der Stadtverordneten« Versammlung die zwischen dem Magistrat und Polizeipräsidium gewechselten Schriftstücke sowie die Beschlüsie der Kunstdeputation zur Kenntnisnahme zugegangen. Diese Angelegenheit wird voraus- sichtlich die nächste Stadtverordneten-Versammlung beschästigen. Der Schriftwechsel umfaßt nicht weniger als 14 Piecen. Der Magistrat ersucht die Stadtverordnete»- Versammlung in einer Vorlage um ihre Zustimmung zur sofortigen Errichtung einer neuen Klasse in der stäptiiche» Taubstummenschule und Bewilligung der Mittel für die Ueberweisung der erforderlichen Lehr- kraft. Zur sjcit bestehen an der städtischen Taubstummenschule 14 Klassen mit 161 Schülern. Da jede Klasse nur 17 Schüler (durchschnittlich) besuchen sollen, so hat sich das Bedürfnis nach einer neuen Artikulationsklasse ergeben. DaS Elend der Bankbeamten. Vor einigen Tagen wurde, wie wir niitteilten, ein früherer Beamter der Dresdner Bank zu neun Monaten Gefängnis verurteilt, weil er, um Unterkommen und Nahrung zu erhalten, ein Schaufenster zertrümmert hatte. Wie furchtbar die gegenwärtige Krisis auf die Lage der Bankangestellten einivirkt, erhellt weiter daraus, daß die N a t i o u a l b a n k g e st e r u etwa sechzig ihrer Beamten zum 31. Dezember d. I. g e- kündigt hat. Es ist natürlich unter den heutigen Zuständen gar nicht daran zu denken, daß die Betroffenen eine Stellung wieder erhalten. Theodor Müller, der langjährige Präsident des deutschen Gastwirtc-Verbmides, ist gestern nach einem Unfall im Alter von 68 Jahren gestorben. Müller, welcher 30 Jahre durch die bekannten akademischen Bierhallen in der Dorotheenstraße hinter dem Kastanien- Wäldchen leitete, hatte sich erst vor 2 Jahren zur Ruhe gesetzt. De» ersten Reis in diesem Herbste brachte»ns die Nacht vom Freitag zum Sonnabend. Er ivar ziemlich stark. In der Stadt, wo es immer 1�/» bis 2 Grad wärmer ist, merkte man den erheb- lichen Rückgang der Temperatur weniger, draußen aber zeigte das Thermometer am Sonnabendinorgcn noch 1 Grad unter Null. Eine überraschende Wendung ist in der Schöneberger Mordangclcgcnheit eingetreten. Die Aerzte, die gestern abend die bis 7>/2 Uhr dauernde Oeffnnng der Leiche vornahmen, gelangten zu der Ansicht, daß die Halsschnitte wahrscheinlich nicht von einem Messer, sondern von Glasscherben herrühre», daß also Gabriel nicht ermordet, sondern durch einen Sturz in irgend ein gebrochenes Glas verunglückt sei. Hier müßte dann ein ganz merkwürdiger Zufall gespielt haben. Ob diese Ansicht sich austecht erhalten läßt, kann man nach dem kurzen Bericht, den die Aerzte nach beendeter Leichenöffnung in Gegenwart dcs Amtsgerichtsrats Dr. Richter und dcs KriminalkonmiissarS Rucks erstatteten, nicht be- urteilen. DaS Gericht wird daher von den Aerztcn einen aus- führlichen Bericht über den Befund einfordern und die Kriminal- Polizei wird ihre Nachforschungen fortsetzen. Der Schankwirt Jung und der Wächter Neitzel wurden jedoch unter den obwaltenden Umständen ans der Untersuchungshaft wieder entlassen. Hutze bleibt schon wegen seiner Wilddiebereien in Haft. Neue Verdachts- umstände und Anhaltspunkte hat die abermalige Absuchung des Laubengeländes nicht gebracht. Daö Polizeipräsidium teilt folgendes mit: Am 1. Oktober dieses Jahres, nachmittags 8V« Uhr, wurde auf dem Privat- wege nach dem ZellengefängniS, etwa[3 Schritte von der Jnvalidenstraße. gegenüber dem Lehrter Stadtbahnhofe, ein ca. 10 bis 14 Tage altes Kind männlichen Geschlechts in einem Pappkarton verpackt, aufgefunden. Das Kind war mit einem rotkarierten Päckchen und roten, Halstuch bekleidet und lag in weißen Windeln, rotkarierteni Deckbett auf mehrere» grauen Unter- läge». Sämtliche Stücke ivaren ohne Zeichen. Ans dem Kartondeckcl bc- fanden sich die mit Tinte geschriebenen Buchstaben D. M., darunter das Datum 22. 9. 01. Möglicherweise sollen dies die Ansangsbuch- stabe» des Vor- und Zunamens sowie der Geburtstag des Kindes sein.— Personen, welche zur Sache Angaben mache» können, werden gebeten, dies schriftlich zu Nr. 6656 1V/27 01 oder mündlich in den Vormittagsstunden im Polizeipräsidium, Zimmer 324 zu thnn. Mit knapper Rot vom Feuertode gerettet wurde Sonn- abendmittag in der Großen Frankfurterstr.. 55 die 7Sjährige blinde Fran Kalkbrcnner, die bei dem Sattler Rossow in Pflege ist/ Rossoiv beivohnt seit 27 Jahren in jenem Hause eine Dachwohnung und ist tagsüber in einer Mililäreffckten-Werkstatt beschäftigt, während seine Frau Nachtwache in einer Markthalle verrichtet. Der Zugang zur Wohnung geht von der Treppe aus durch die Ltüche. In dieser war das Feuer aus nicht ermittelter Ursache ausgekonimen und halte bald eine starke Verqnalmung herbeigeführt. Frau Rossow, die sich ermüdet im Zimmer niedergelassen hatte und eingeschlafen war, wurde durch die bettlägerige Blinde wachgerufen. Sic riß die Küchenthllr auf und sah sich nun einem Flammenmeer gegenüber, das den Ausgang ver- sperrte. In ihrer Angst achtete sie der Brandwunden nicht, die sie sich durch Stichflammen zuzog, sondern machte Feuerlärni. Gleich- zeitig aber ergriff sie die blinde Greisin, stieß eine Notthür auf, die nach einem zweiten sehr engen Korridor führt und machte die auf demselben wohnenden zahlreichen kleinen Mieter mobil. Mittlerweile hatte das Feuer die Rossoivsche Wohnung übergesprungen. Die herbeigerufene Feuerwehr vergewisserte sich zunächst, daß alle Per- souen in Sicherheit waren und drang dann über mechanische Leitern vor. Außer der Rossowschen Küche und Wohnung wurde noch ein großer Teil des Dachstuhls eingeäschert. Ermordung cincS Berliners in der Fremde. Ans Tondern in Schleswig-Holstein wird gemeldet: Vorgestern morgen pflügte ein Knecht in der Nähe der Chaussee Tondern-Hoher, etiva zwei Kilonicter westlich von Stokkebro. Plötzlich hörte er zwei Schüsse fallen und gewahrte, daß auf der Chaussee ein Mann um einen andern, der zu taumeln schien, beschäftigt war. Als der Knecht binznlief, ergriff ein Mann, der die Leiche des Erschossenen in den Chausseegraben schleppen wollte, die Flucht. Der Knecht alarmierte sofort die in der Nähe Wohnenden, die den Verbrecher verfolgten und festnahmen. Er ivurde in das Amtsgcrichtsgefängniszu Tondern abgeführt. Eine Gerichtskommission unter Leitung des Amtsgerichts- rats Dr. Brockschmidt nahm nachmittags an Ort und Stelle den Thatbestand auf. Der Ermordete ist durchs zivei Revolverschüsse in den Nacken getötet worden. Es ist der Schneidergeselle Ober- m c y e r aus Berlin, der mehrere Monate lang(bis zum 5. Oktober) in Ballum gearbeitet und sich dann auf die Wanderschaft begeben hatte. Dnrch daS leidige Abspringen von der Elektrischen ist gestern iviedcr ein größeres Unglück geschehe». Der Klempner Schmelz- Pfennig sprang an der Ecke der Münz- und Schönhanserstraße von dem Motonvagen ab, fiel und kann so unglücklich unter dem An Hängewagen zu liegen, daß ihm beide Beiiie abgefahren wurde». Ein Schutzmann brachte den Unglücklichen nach dem katholischen Krankenhause in der Hamburgerstraße. Sittlichkeitsverbrechen. Gestern nachmittag wurde ein jüngerer Mann auf dem Exerzierplätze an der Bernauerstraße beobachtet, wie er mit Mädchen im Alter von 8—10 Jahren unsittliche Handlungen beging. Der Bursche wurde verfolgt und einem Schutzmann über- geben. Unerträgliche Schmerzen und Verzweiflung über seine trost lose Lage haben de» 46 Jahre alten Maler Ewald Zucker aus der Drcsdenerstr. 82/83 in den Tod getrieben. Der Mann litt seit vier Jahren an Rheumatismus und hatte im Februar d. I. das Unglück, von der Leiter zu fallen und sich das rechte Handgelenk zu brechen. 14 Wochen lag er im Krankenhause. In der vergangenen Nacht erhängte er sich in der Schlafstube, die er mit einem Arbeitsgenossen teilte. Zeugen gesucht. In einer Sache, worin jemand zu ungemein harter Gefängnisstrafe verurteilt ist, wird der Herr, der am 11. Dezember vorigen Jahres morgens zwischen 8 und 9 Uhr im Geschäft Groschgörschenftr. 27 einen Blumentopf kaufte, dringend gebeten, seine Ädreffe im Blumengeschäft abzugeben. Die gleiche Bitte ergeht an den Gärtner, der dort einen Korb mit Alpenveilchen verkaufte. Auslagen werden vergütet. DaS neue Jbiöhauö des Zoologische» GartenS ist jetzt vollständig besetzt. In den hübschen Flugkäfigen tummeln sich mancherlei exotische Gäste ans der Vogelwelt. Hier haben auch die seltensten Enten und Gänse aus dem Norden und Süden sehr zweckmäßige Räume erhalten, die ihnen die Gefangenschaft möglichst leicht erscheinen lassen und doch den Besuchern die beste Gelegenheit zur Beobachtung der merkwürdigen Vögel gewähren. Soeben sind einige Gänsearten der südlichen Halbkugel eingetroffen, ein paar Graukopfgänse und je ein Exemplar der Rotkopfgans, der Magellan ganS und der Spaltfußgans, so daß diese Formen jetzt sämtlich in vollen Paaren vertreten sind. Die ersten drei Arten sind im südlichsten Südamerika und auf den Falklandsinseln zu Hause; die letzte ist australischen Ursprungs. Die Grankopfgans ist leicht durch ihren grauen Kopf, die schwarz und weiß gebändcrten Körpcrseiten und den rob braunen Kropf zu erkennen; die Rotkopfgans durch den rotbraunen Kopf und Hals und dnrch den gelbbraunen, schwarz gewellten Körper. Bei der Magcllangans ist das Männchen weiß mit schwarz gebänderten Körperseiten und Rücken, das Weibchen dagegen rost braun mit schwarz gebändertem Rumpf. Die Spaltfußgaus hat ein nacktes Gesicht, sehr schmale, wenig hervortretende Schwimmhäute, schwarzen Rumpf mit weißen Schultern und weißem Unterkörper. Sie lebt vorlviegend auf Bäumen. Freie Bolköbühue. Die nächste Generalversamnilung findet in der Luisenftädtischen Ressource, Kommandantenstr. 57, statt am Donnerstag, den 24. Oktober, 8 Uhr(Eintritt nur gegen Vor zeigung der Mitgliedskarte). Tagesordnung: Vortrag des Herrn Dr. Martin Zickel, Regisseur am Residenz- Theater: U e b e r R e g i e k u n st. Geschäfts-, Kassen- und Revisionsbericht, Diskussion und Verschiedenes.— Die dritte Serie der Vorstellungen beginnt für die erste Abteilung am Sonntag, den 20. Oktober 1901, im Carl Weiß-Thcatcr mit Gerhard Hauptmanns:.Das F r i e d en s f e st", in Scene gesetzt vom Oberregisseur Alfred Halm vom Berliner Theater. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Im Verein für volkstümliche Kurse von Berliner Hoch- schullehrern beginnt am Dienstag, den 15. d. M.. abends 8VsUhr, als erster Herr Professor Dr. Martin Mendelsohn seinen Vortragskursus über„die Krankenpflege, ihre Hilfsmittel und ihr Heiliveit" im Hörsaal Nr. 7(nicht in Nr. 1. wie im Programm an- gegeben) der königliche» landwirtschaftlichen Hochschule, 1�. Invaliden straffe 42. Die Eintrittskarten zu diesem Kursus sind bereits ver- griffen. Feuernachrichten. Während vom Montag bis Freitag Berlin fast feuerfrei war, brachte die Nacht zum Sonnabend mehrere Brände, darunter auch zivei größere. Sonnabend früh 2 Uhr kam Rittev ftraße 92 in der Berliner Metallwarenfabrik(Aktiengesellschaft) jeden- falls durch Selbstentzündung von Säuren Feuer aus, das glücklicher- weise rechtzeitig bemerkt wurde, so daß es nach längerem Wassergebcn der Feuerwehr gelang, die Flammen aus zwei Ärbcitsränme dcs zweiten Stockes z» beschränken. Eine Betriebsstörung tritt daher auch nicht ein. Vorher erfolgte Stralauerbrücke 4 ein Kcllerbrand, der die Wehr fast zivei Stunden beschäftigte und Regale, Bretter und Kohlen einäscherte.— Slraußbergerstraße 39 brannten Betten und Möbel, ebenso Roßstraße 15, während Prenzlauer Allee 33 Stroh in einem Pferdestall in Flammen aufging. SlnS den Rnchbnrvrtc». Auö Schöurbcrg wird uns geschrieben: Wie unser» Lesern erinnerlich sein dürfte, hatten sich zu Beginn der Vorbereitungen zu den hiesigen Stadtverordneten- Wahlen, zu deren Agitation unsre Genossen zuerst auf dem Plan erschienen, einige bürgerliche Vereine zusammengcthan, um durch Vereinigung ihrer seits und durch Aufstellung gemeinsamer Kandidaten die Interessen spcciell der dritten Wählcrllasse zu betreiben. Es hatten sich wohl im ganzen gegen 15 solcher Vereinchen zusammengesnnden, unter denen der Verein Schöneberger Wohnungsmieter und der hiesige Haus- und G ru n d b e s i tz e r v e r e i n der Zahl ihrer Anhäiiger nach die größten zu sein schienen und die denn auch die führende Rolle in dem Einigungsprozeß übernehmen mußten. Die ganze Sache scheint jedoch jetzt einen Riff bekommen zu haben. von dcni der Haus- und Grundbesitzer-Vercin, wie er selbst zugiebt, bereits„eine Lorahnung' hatte. Der Mictervercin hatte nämlich auf eigne Fanst Kandidaten aufzustellen beabsichtigt, er scheint aber nicht zu wissen, daß er sich dieses Rechts.durch Aufgeben seiner Selbständigkeit beraubt hat. Bis die feindlichen Brüder sich wieder geeinigt haben, dürfte vielleicht manchem ihrer Anhänger ein Licht aufgehen. Unsre Parteigenossen werden daraus ersehen, wie es um die Einigkeit unsrcr Feinde bestellt ist, zugleich aber auch eingedenk sein, daß der Verlatz auf die eigne Kraft die sicherste Gewähr für einen guten Erfolg bietet und daß eine rührigere Agitation als bisher durchaus erforderlich ist. Vom Schöncberger Arbeitsnachweis. Nach einer Uebersicht über die Stellenvermittelung im Monat September waren vorhanden: Offene Stellen: für männliche Arbeitskräfte 27, für iveibliche 262, zusammen 289(im August zusammen 163); Arbeitsuchende waren gemeldet: 81 männliche, 208 iveibliche, zusammen 239(im August zusammen 192); besetzte Stellen: 25 männliche. 150 weibliche, zu- sammen 175(im Monat August zusammen 103). Die Nachweisung von Arbeit und Stellen im städtischen Arbeitsnachweis erfolgt kostenlos. NuS Lichtenberg wird uns berichtet: Die Haftpflicht- versichcrung der Lehrer ans ein Jahr durch die Gemeinde zu über- nehmen, ist von der Gemeindevertretung beschlossen worden. Dabei wurde angeregt, die Frage, ob es nicht Sache des Staates sei, hier einzutreten, zum Austrag zu bringen.— Mitgeteilt wurde ferner, daß die ucugcwählte S ch u lko mmi ssi o n, aus der die S o c i a l- d e ni o k r a t e n ferngehalten wurden, bestätigt ist.. Es ist bekanntlich ein Grundprincip modern-preußischer Staatsraison, socialdemokratische Gemeindcvertreter aus einer Körperschaft fernzuhalten, wo sie am segensreichsten Ivirken könnten. Unentgeltliche Theatervorstellungen bringt der Magistrat von Charlottenburg zur Einführung. In dem Stadthaushalte sind Mittel bereitgestellt, wodurch im Lause deS Winters den obersten Klassen der Gemeindeschulen der unentgeltliche einmalige Bestich des Schiller-Theaters in Berlin ennöglicht wird. Die Schnlbehörd« bringt diesen Plan jetzt zur Ausführung. Als Besuchstage sind, wie die„Neue Zeit' erfährt, der 13. und der 16. November in Aussicht genommen. Als erstes Stück hat man«-chillers Wilhelm Tell gc- wählt. Und Berlin? Vom Grundbcsttzwrchsel in Eharlottcnburg. Nach der neücsten Aufnahme betrug die Häufigkeit der Verkäufe, Zivaugs- Versteigerungen und Tauschverträge zusammen bei den bebauten Grundstücken im Jahre 1900: 291, im Jahre 1899: 302, 1893: 243, bei den unbebauten Grundstücken 135 bezw. 230 bezw. 166. Die Zwangsversteigerungen der bebauten Grundstücke sind seit 1896 be- ständig gesunken, und zwar von 120 auf 21 im Jahre 1900. Der gesamte' Umsatz belief sich im Jahre 1900 auf 80Vz Millionen Mark gegen 99b/« Millionen im Jahre vorher und 84 Millionen im Jahre 1898. Hierbei waren die bebauten Grundstücke mit 62 bezw. 64 beziv. 51 Millionen Mark vertreten. Außer« ordentlich ausgedehnt waren die Verkäufe bei den unbebauten Grundstücken im Jahre 1899; es wurden über 1 Million Quadratmeter verkauft gegen 63 000 im Jahre vorher und 421000 im Jahre nachher. Von den bebauten Grundstücken veränderte noch nicht der zehnte Teil den Besitzer. Die Kaufpreise belicfen sich bei den bebauten Gnmdstücken auf 231 M. pro Quadratmeter gegen 169, 136, 125, 184 und 142 M. gegenüber den Vorjahren bis 1895 rückwärts, bei den unbebauten auf 41 M. gegen 29, 54, 58, 37 und 42 M. Der Kaufpreis war in der Regel höher als der veranschlagte gemeine Wert. Der höchste Preis wurde 1900 bei den Verkäusen erzielt im Osten(XXL Bezirk) mit 524 M., der niedrigste in Westend mit 58 M. pro Quadratmeter. Vom städtischen Arbeitsnachweis in Rixdorf verlangten im Monat September 135 Arbeitgeber 177 Personen zur Beschäftigung, und zwar: 44 Handwerker, 7 Fabrikarbeiter, 70 ungelernte Arbeiter, 18 Dienstmädchen, 23 Fabrikarbeiterinnen, 6 ungelernte Arbeiterinnen und 9 jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren. Beschäftigung suchten dagegen insgesamt 318 Personen, von ivelchcn jedoch nur 151 Arbeit »achgewiesen erhielten. Es betraf dies: 42 Handwerker, 7 Fabrik» arbciter, 70 ungelernte Arbeiter, 6 Dienstmädchen, 15 Fabrikarbeite» rinnen, 6 ungelernte Arbeiterinnen und 5 jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren.— Die Arbeitslosigkeit steigt leider auch hier von Tag zu Tag! Ein grelles Streiflicht auf daS Treiben gewisser Grund- stückö-Spckulanten wirft ein Vorgang, der sich in Spandau zu- getragen hat. Der Kaufmann Leopold Glaser in Breslau kaufte vor einiger Zeit die Abdeckerei in Spandau, zu der an 40 Morgen un» bebautes Terrain gehören, für 400 000 M. Der bisherige Besitzer hatte sie vor zehn Jahren für 68 000 M. erstanden. Glaser leistete keine Anzahlung, aber er belastete die Besitzung mit Hypotheken bis zur Gesamthöhe von X1'* Millionen Mark, die angeb- lichen Gläubiger waren eine süddeutsche Bank und Privatleute, Der neue Eigentümer Glaser, der die Abdeckerei durch den Vorbesitzer verivalten ließ, zahlte weder Steuern noch Zinsen, er war überhaupt nicht auffindbar. Auf Antrag eines Hypotheken- gläubigers wurde das Abdeckercigrundstück zur Subhastation gestellt. Zu dein gestrigen Versteigernngsterinin war von den neu eingetra» genen Hypothekengläubigern, die»ach der grundbuchlichen Eintragung ungefähr 1 200 000 M. zu fordern hatten, nicht ein einziger er» schienen; auch Leopold Glaser war abwesend. Der frühere Besitzer mußte, um sein Eigentum zu retten, es wieder erstehen; er bot 68 000 M. und erhielt den Zuschlag, weil ein höheres Gebot nicht abgegeben wurde. Unaufgeklärt ist dabei, auf welche Art Leopold Glaser, übrigens ein sehr„bekannter" Terrainspekulant, die Hypotheken- eintragungen von 1 200 000 M. zu stände gebracht hat. NunPt und IViflVnsiszafk. Eine industrielle Umwälzung? Man schreibt unS: In Manchester werden in diesen Tagen in Gcgenlvart einer Reihe von europäischen und amerikanischen' Gelehrten, Finanzmännern und Technikern Experimente veranstaltet, die auf nichts mehr und nichts weniger als eine radikale industrielle Umwälzung abzielen. Der frühere Genfer Professor Raonl Pictet, in der ganzen Welt bekannt durch seine Versuche zur Verflüssigung von Gasen, besonders auch der atmosphärischen Luft, führt ein neues Verfahren zur Verflüssigung des Sauerstoffs vor. Schon im Juni dieses Jahres hielt er zu Paris im Vereine der französischen Civilingenieure einen Bortrag über die industrielle Vcrivendung des Sauerstoffs, der auch in den Annale» jener Gesellschaft erschienen ist. aber in weiteren Kreisen nicht die Aufmerksamkeit erregt hat. die ihm gebührt. In seinem Vortrage ging Pictet von dem Satze aus, alle bisherigen Versuche, den Sauer» stoff der atmosphärische» Lust zu verflüssigen, seien deshalb für die Industrie belanglos gewesen, weil daS Verfahren ungemein teuer war. Es genüge nicht. gelegentlich im Laboratorium flüssigen Sauerstoff in kleinen Mengen herzustellen, sondern man müsse ein teckmisch leicht ausführbares und vor allem infolge seiner Billigkeit rentables Verfahren ersinnen. Ein solches h a t nun Pictet ersonnen. Mit ihm gelingt eS, den Sauerstoff dem ungeheuren Lust« reservoir unsrcr Erde sozusagen automatisch und mit geringen Kosten zu entnehmen. Eine Beschreibung des Verfahrens, die in den IlSmoirva de la societe des Ingenieurs civils de la France, Paris, 19 Rue Blanche(bnlletin de juin 1901) enthalten ist, würde hier zu weit führe». Dagegen müffcn wir mit einigen Worten auf die Folgen ein- gehen, die Pictet seiner Erfindung prophezeit. Er erwartet eine er- hebliche Umgestaltung der Metallindustrie und zwar sowohl der Metallbercitung. wie der Metallbearbeitung, sodann wichtige ver- änderungen in' der Chemie, dem Beleuchtungswesen und der Hygiene. „Jede Stadt", so meint er.„wird in wenigen Jahren ihre Sauer- stofffabrik haben, die zweifellos bedeutender sein wird, als die jetzigen Gasfabriken." Vor allen Dingen würde der Verbrauch an Kohle» ganz erheblich sinken. Die Bedeutung einer solchen Thatsache braucht man in der That nicht lang und breit zu er- örtern. Die Versnchsfabrik im Etablissement GallowayS zu Manchester soll»ach den Berechnungen Pictets täglich 5000 Kubikmeter flüssigen Sauerstoff liefern. In kurzer Frist schon wird der Telegraph darüber berichten, ob wir wieder an der Schwelle einer geivaltigen in- dustriellen Umwälzung stehen, oder ob für diesmal die Versuche miß» hingen sind.—_— n1- VerinilAzkes- Ein Aufsehe» erregender Prozeß gegen sogenannte Engel- niachcriiuic» sand l>eser Tage in Kristiania statt. Geradezu schauderhafte Verbrechen wurden hierbei aufgedeckt. Die eine der Angeklagten hatte allein, so weit man es feststellen konnte. 19 Kinder in Pflege gehabt, von denen 16 gestorben waren. Das Gericht konnte aber nur in fünf Fällen auf gewaltsame Tötung erkennen. Der zweiten Angeklagten wurde nächgewiesen, daß sie mindestens 14 Kinder schlecht verpflegt und mißhandelt hatte; sie wurde in drei Fällen des Mordes schuldig gesprochen. Diese beiden „Pflegemütter" wurden zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurteilt. Wenn von der Todesstrafe Abstand genommen wurde, so liegt daS u. a. daran, daß gegenwärtig in Norwegen ein Gesetz für Abschaffung der Todes st rafe vorbereitet wird. Drei weitere Angeklagte wurden wegen Miffhandlung und Betrügereien zu geringeren Strafen verurteilt. Eine Angeklagte, die auch noch dcs Mordes für schuldig befunden wurde, ist inzwischen gestorben. Witter,„lasiibcrslcht von, IS. Oktober 1901, morgenS 8 Nhr. . E «3 E o S 5 2 s«■ I 765 Still 7703 till 765 SW 765, NNO W-tttr — heiter —[heiter 3 Regen wolkenl eis % Ii _» «s. 6 3 12 «Vetter. Prognose für Sonntag, de» 43. Oktober I90I. Nachts kalt und nebelig, am Tage ziemlich heiter, trocken und inild bei schwachen nordöstlichen Winden. Berliner Wetterbureau. SNainyrrifc noii Vcvli« nm 11. Oktober 1001 imcfi(Svmllllmiacn dcZ(fl!. PolizcipräNdi.isi»� • frei W.'.zell und ab Bahn. Produkteimiarkt vom 12. Oktober. Getreide. Der Verkehr an der heutige» Getreidebörse war sehr still. Die noch gestern vorhandene Provinzfrage für effektive Ware hatte ganz aufgehört und auch die Ilmsätze im Lieferungshandcl liehen infolge dessen nach. Trotzdem blieb die Tendenz lest auf höhere Preismeldungen auS Oestteich-Ungarn und Amerika. Weizen und Roggen wurde» durchschnittlich>/, M. besser bezahlt. Letzterer Artikel war aus Ruhland in einigen Posten offeriert. Dagegen waren die Waffer- und Bahnzufuhren in beiden Brotfrüchten sehr klein.— Mehl notierte wie gestern. Am Futtermarkt war Hafer still, eher schwächer.— Mais behauptet. r- Rüböl war schwach auf weitere Realisationen.— Am Spiritus- markte gab der Locopreis 50 Pf. weiter nach, 70 er wurde mit 38,20 M. gehan delt. Städtischer Tchlachtvichuiarkt. Berlin, 12. Oktober 1901. Aml- licker Bericht der Direktion. Zum Verkauf standen: 4S97 Rinder, 1492 Kälber, 12 876 Schafe, 8817 Schweine. Bezahlt wurden siir 100 Psstnd oder 50 Kilogramm Schlachtgewicht in Mark(beziehungsweise für 1 Pfund in Pseunigen): Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete, höchste» Schlacht- wertes, höchsten» 7 Jahre alt 64—68, b) snnge fleischige,'nicht aus- gemästete und ältere ansgcmäsletc 57— 62; o) mähig genährte innge und gut genährte ältere 53—55: 6) gering genährte jeden Alters 48— 50.— Bullen: ..a) vvllflcischige höchsten Schlachtwerts 61—64; b) mähig genährte süngere »und gut genährte ältere 54—59; o) gering genährte 48—52.— Färsen und Kühe; a) vvllflcischige, ansgemästete Färsen höchsten Schlachliverts 00—00; -b) vvlistcijchige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachlwerts bis zu 7 Jahre» 54— 55; c) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut.entwickelte jüngere Kühe und Färsen 52— 53; ck) mähig genährte Kühe und Färsen 47—51; ■je) gering genährte Kühe und Färsen 42—45.— Kälber: a) feinste Mastkälber(Vollmilchmast) und beste Saugkälber 71—75, b) mittlere Ma stund gute Saugkälber 66— 69, c) geringe Saugkälber 60—64, d) ältere, gering s genährte(Fresser) 38— 43.— Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Mast- Hammel 67—70, b) ältere Masthammel 58—64, c) mähig genährte Hammel und Schafe(Mcrzschase) 50—56, d) Hdlsieincl Riederungs schase(Lebendgewicht) 24—32.— Schweine: a) vollfleischige, der scincre» blaffen und deren Kreuzungen im Alter bis zu 1'/« Jahren 220—280 Psund schwer, 63; b) schwere, 280 Psund und darüber(Käser) 65; o) Nenchige 60— 62; d) gering entwickelte 57—59; e) Sauen 59— 60. Für 100 Psund mit 20 Proz. Tara. i Verlaus und Tendenz. Das Rindergeschäst wickelte sich ruhig Nb und hinterläht etwas Ueberstand. Der Kälberhandel gestaltete sich ruhig. Zei den Schafen war der Geschäftsgang in guter Ware glatt, sonst schleppend; 3 bleibt Ueberstand. Der Schweinemarkt verlies ruhig und wurde geräumt; wurden nur einzelne Posten zu Preisen circa 1 M. über Notiz gehandelt Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet am Dieuötag, Donners- tag und Freitag von 7—0 Uhr abendö statt. Wette. Wir sind nicht zur Entscheidung da. Es sind Abbildungen i>es ersten Königs von Preuhen und Wilhelms II. Wette in Westpreuften. Wer von dem Vorhaben eines Hochverrats, Landesverrats, Münzverbrechens, Mordes, Raubes, Menschenraubes oder rineS gemeingefährlichen Verbrechens(z. B. vorsätzlicher Brandstiftung, pcberschwemmung, Gefährdung eines EiienbahnzugeS) zu einer Zeit, m welcher die Verhütung des Verbrechens möglich ist, glaubhaste Kenntnis erhält und es unterläht, der Behörde oder der durch das Verbrechen be- drohten Person rechtzeitig Anzeige zu machen, ist mit Strafe bedroht. Darüber hinaus besteht eine Anzeigepflicht nicht.— H. Des Morgens von 7 bis 9 Uhr Blumcshos 7.— H. M. Z. 10. Nein. Der mündliche Mietsvertrag ist gültig. Ist über die Kündigungssrist nichts vereinbart, so ist bei wöchentlicher Mietszahlung spätestens am ersten Werktag zum Schluh der Woche, bei monatlicher Mietszahlung spätestens am Fünfzehnten zum Ersten, bei vierteljährlicher Mietszablung spätestens am Dritten des Quartals zum Qunrtalsschluh zu kündigen.— M. K. 07. Nein. — H. 9)1., Bergstraste. 1. Nein. 2. Geschichte des Socialismus, er- schienen bei Dictz.— Peiriprv»vant!. 1. Die Kasse ist zur Gewährung der Kaffenleistungen an Sie verpflichtet. Sie mühten die Kaffe zunächst bei der Aussichtsbehörde und, falls diese zu Ihren Ungunsten entscheidet, beiin Amtsgericht aus Gewährung der LeisNingen verklagen. 2. Ihnen steht Sechswochenkündigung zum Quartalsersten zu. Die Klage wäre beim Amtsgericht anzustellen und erscheint nicht aussichtslos.— W. 100. Ihr Sohn mühte sich an die Prüsungskommission für Einjährig-Freiwillige, Berlin,, Heidesttahe 1, wenden.— W. R., Unter den Linde». Nein. — B. 1. Ja.— S. N. I. Nein. Hat der Wirt die Miete am Ersten nicht angenommen, so ist er verpflichtet, dieselbe sich abzuholen. 2. Sie können auf Beseitigung des Mihstandes gegen den Wirt Nagen.— Steglitz. 1. Sie hätten die Verurteilung des Gegners zur Tragung der Kosten beantragen können und können nachträglich zur mündlichen Verhandlung laden. 2. Amtsgericht II, Hallefches Ufer 29— 31. 3. Die Beschlag- »ahme braucht sich nicht auf einen Tag zu beschränken.— E. H. Sic können ohne Sorge hie Polizeibehörde um Ausstellung des Heimatsscheines ersuchen. Freilich kann die Ausstellung verweigert werden, wenn man an- nimmt, Sie seien geflohen. Einer Verhandlung, insbesondere bei solcher Lappalie, sich durch die Flucht zu entziehen, ist mindestens unklug. — 9)k. S. 1k. Wenn die Bank das Haus in der Zeit vom 1. Juli bis am 30. September erstanden hat, so kann sie bis am 3. Oktober zum 1. Ja- nuar kündigen. Trifft diese Voraussetzung nicht zu, so läuft Ihr Verlrag bis zum 1. April weiter.— N. C?. Gegenseitiges Einverständnis ist zur Ehescheidung nicht hinreichend. Der Ehescheidung muh ein Sühnevcrsuch beim Amtsgericht vorausgehen. Dann kann die Partei sich vom Annen- Vorsteher bescheinigen laffen, dah sie zur Tragung der Kosten unvermögend ist, und unter Beifügung dieser Bescheinigung und Darlegung der Ehe- scheidungsgründe beim Landgericht die Bewilligung des Armenrechts nach- suchen. Wird das Arnienrecht gewährt, so wird der Partei ein Anwalt beigeordnet. Dieser ist mit Anstellung der Scheidungsklage zu beauftragen. Die Dauer eines Ehcschcidnngsprozeffes läßt sich nicht vorausbcstimuicn. Selten ist sie geringer als 9 Monate.— H. D. 30. Leider nein. — H. M. III. Die auf den Lehrling entfallenden Beiträge zur Kranken- kaffe(Vz der Beiträge) und zur Invalidenversicherung(die Hälfte des Markenbetrages) können vom Lohn oder Kostgeld abgezogen werden. — B. 7. Nach der Gebührenordnung für Aerzte stehcu dem Arzt für den ersten Besuch 2 bis 20, für jeden folgenden 1 bis 20 M. zu. Welche Höhe im Einzelsall angemessen ist, ist nach der socialen Lage des Patienten zu beurteilen. Etwa 3—5 M. werden in der Regel in Fällen wie dem Ihrigen als angemessen erachtet.— Eh. 1. Falls in Ihrem Vertrage nichts Gegen- teiliges vereinbart ist: 1. Ja. 2. Nein. 3. Sie setzen dem Wirt eine an- gemessene Frist zur Herstellung des Erforderlichen, drohen ihm an, Sic würden nach fruchtlosem Ablauf der Frist die Herstellung ans seine Kosten bewirken und handeln Ihrer Drohung entsprechend.— X. Z). Z. Nein. — R. Fischer. I. Hat eine Vereinbarung über die Höhe der Gebühren stattgesundcn, so ist diese mahgebend. Hat keine stattgesunden, so würden die Gebühren, wenn eine Beweisaufnahme stattgefunden hat, 24, sonst 18 M. betragen. 2. 40 Pf. für die Stunde. 3. Die Beschwerde gegen den Kosten- sestsetzungsbcschluh ist an das Gericht zu richten, das den Beschluh erlassen hat.— E. B. 13. Wenden Sie sich an einen Vogelhändler.— 100 B. 1. Ist weder uiündlich noch schriftlich etwas Abweichendes vereinbart und ergiebt sich weder aus der Beschaffenheit noch ans dem Zweck der Arbeit (z. B. Ernte-Arbeit) Entgegenstehendes, so gilt für die K ü n d i g u n g S- s r i st für ländliche Arbeiter folgendes: Ist der Lohn nach Tage» bemessen, so ist die Kündigung an jedem Tage für den folgenden zulässig. Bei Wochenlohn ist die Kündigung spätestens am ersten Werktag der Woche zum Schluh der Woche, bei Monatslohn bis am Ersten des Monats zum Schluß des Monats, bei Vierteljahrslohn unter Einhaltung einer sechs- wöchentlichen Kündigung zum Schluß des Vierteljahrs zulässig. Bei Accordlohn beträgt die Kündigungsfrist zwei Wochen. 2. Ja.— X. Nein. — E. F.. Liibeckcrstr. 1. Eine Genehmigung ist sür öffentliche Schau- fiellungen und für öffentliche Lustbarleiicn erforderlich. 2. Ist beides nicht öffentlich, sondern auf einen bestimmten Kreis von Personen, also aus eine geschloffene Gesellschaft beschränkt, so ist weder Genehmigung noch Anmeldung erforderlich.— Templin. Ihr Nesse soll sich eine neue Gültigkeitskarte ausstellen lassen und soll bei der sür das Gut zuständigen Polizeibehörde (Amtsvorsteher oder Landrat) den Antrag stellen: dem Gutsherrn die Karte fortzunehmen und sie ihm zu übergeben und ferner den Gutsherrn an- zuhalten, die erforderliche Anzahl Marlen zu klebe».— A. N. Nein. Ständiges Repertoire: Neues Königl. Oper»-Theater(Kroll). Diesen Sonntag: Egmont. Nächsten Sonntag: Der kommende Mann.— Residenz-Theater. Alle Abende: Sein Doppelgänger. Vorher: Im Coups. Nächsten Sonntagnachmittag; Der Schlafwagen-Eontrolenr.— Neues Theater. Alle Abende: Das ewig Weibliche. Nächste» Sonntagnachmittag: Der Probepieil.— Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater. Alle Abende: Die Landstreicher. Nächsten Svnntagnachmittag: Zar und Zimmermann.— Central-Theater. Alle Abende: Lose Blätter. Diogenes. Thalia-Theater.. Alle Abende». Ein'tolles Geschäft.— SecessioiiSbühiie: Alle Abende? Bmites Brettl.— Carl Weitz-Theater. Diesen Sonntagnachmittag: Adelaide. Elzivir. Drcysus. Alle Abende: Berliner Rangen. Nächsten Sonnabenduachmitiag: Kindervorstellung— llrania, Tauben- strahe 48/49..Alle Abende: lieber beu Wolken.—. Zlpollo-Theater. Alle. Abende:. Frau Luna. Specialitäten.— Cajino-Theater. Alle Abende: Berlin bl.— Berlin W. Specialitäten.— Schall und Nauch. Allabendlich Borstellung.— Warenhaus A.Wei1heim Rosenthalerstr. 27— ,29. | Leipzigerstr. 132—135(Versand- Abteilung). Oranienstr. 62—55. Uffionteg, Dienstag, lUittwoch, soweit der Vorrat reicht: einen u. BauntwoRwaim Beltbrelte Renforcä Mtr 33 u 40 pf Ki"enb|:eit« Louisiana i��rtig Mtr 38pf 63 pf Bettsatin Maco-Renforcä Maco-Perkal Bettköper Mtr 40Pf 63 pf Mtr. 48 pf 80 pf- Mtr. 42 Pf-'''" Mtr 60" 75 pf 95 u 120 Bettlakensfoffe ca. m cm breit Mtr. gg?k Drell für Unterbetten Mtr. 80Pf u1.05 � Piquö-Parchend Mtr 50* 60 pf Köper- Cord-Parchend Mtr 48« 60 pt Servietten halbleinen Drell Dtz. 4.40 Mk- � reinleinen Jacquard Dtz. 5.70 Mb. Kaffeedecken bMt � 1— u 1.25 Mk KÜChenhandtÜCher reinleinen Dtz 4.7g Mk 11 halbleinen � Z Zg Mk II Gerstenkorn •„fgÄ 5.90" 7.—» Stubenhandtncher>>--»> 5.40» 7.75» reinleinen Dtz. 5,80 Mk. » Wischtücher--m,. 2.35 u 2.so Mk. Wäsche. Damenhemden p,iesspS™ mit 1.35»■ 1.50». Ii Ii ii Achselschluss 1.50, 2.20, 2.40 Mk- Achselschluss mit Stickerei 2.40 Mk. mit Handstickerei 2.15 u' 2.60 Mk. Damenjacken Gehend 1.40»• 1.65 Mk. � Dimiti mit Spitze... 1,75 Mk. Parchend mit Falten Q OK-»rv. i) und Stickerei ö.OJ � Beinkleider parc�d•••• 1.35« 1.65 Mk Renforcd mit Stickerei.. 2.05 Mk. Stickerei- Röcke 2.80, 3.40, 4.— Mk. Spitzen-Röcke mit Ein- und Ansatz 6 75 Mk- Parchend-Röcke � stickem 2.10« 2.55 Mk Handtuchstoff r'nKe,t 27 w. Schweizer Stickereien Stück— 4,10 Wletev Herrenhemden Hemdentuch m. Falten 1,90 Mk. 29 PL 65 PL, 1.15 und 1.65 fflk. veinteinen Gevfletckovn Mtr. Verantwortlicher Redacleur: Carl Leid m Berlin. Für deu Inseratenteil verantwortlich: Tb.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin. Jandorf& Co S Spittelmarkt 16-17« Ecke Leipzigerstrasse Belle-AUiancestrasse 1-2* Am Bluoherplatz. Gr. Frankfurterstrasse 113 Ecke Andreasstrasse. Strümpfe. Damen-Strümpfe, schwarz gestrickt, Wolle plattiert, deutsch lang. Damen-StrÜmpfe, schwarz gestrickt, Wolle, deutsch lang.... Damen-StrÜmpfe, schwarz gewebt, tVolle, englisch lang.... Paar •» Paar 40, 48, 70, 85 1,15, 1,25, 1,55 Paar 85 Pf. 1,15, 1,35 Pf. M M. Damen-Strümpfe, gewebt, englisch lang, Wolle, bunt geringelt •*•*** Paar 75 r Herren-Socken|q qq qq jq starke Winterqualität.. Paar lO, uöy UÖ,»Oj vV Pf. Herren-Socken.... n.«, � gewebt, ohne Naht, iwe Wolle, schwarz oder normalfarbig........ Paar/ w Pf. KindersStrÜmpfe, schwarz, Ixl gestrickt, englisch lang für das Alter von ca. 1—2 2-3 3-4 Wolle plattiert.... paar 30, 38, 45, 50, Reine Wolle..... Paar 50, 60, 70, 80, 4-5 5-6 6-7 7-8 8-10 10-12 Jahren 55. 90 n 62, 1,00, 70, 1,10, 75, 1,20, 80 Pf. 1,30 m. Corsetschoner, 2Q pf. 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Ueber die Tragweite der Resolution 102 des Lübecker Partei- tages sind in verschiedenen Berliner Versainmlungen Bedenken lant geworden, und es ist— von Stadthagen in Weihensee— der Wunsch geäußert worden, daß ich als Verfasser der Resolution mich öffentlich dazu äußern möge. Ich komme dem Verlangen gern nach, da es sicher im allgemeinen Interesse liegt, daß diese Bedenken oder Befürchtungen möglichst frühzeitig zerstreut werden. Zunächst seien mir. im Hinblick aus die herabsetzenden Be- Merklingen, in denen sich vor allem G. Ledebour hinsichtlich dieser Resolution gefallen hat, einige Bemerkungen über ihre Entstehung gestattet. Der Gedanke, daß eine Erklärung der Partei notwendig sei, welche den Disciplinbrnch im Gewerkschaftskampf für nusociaiistisch erklärt, kain mir. wie die Leser des.Vorwärts" wissen, schon vor dem Kongreß, als sich zeigte, wie sehr der Schiedsspruch in Sachen der Hamburger Accordmanrcr die Gemüter der gewerkschaftlich organisierten Genossen erregte. Ganz abgesehen vom principiellen Gesichtspunkt scheint es mir bei dem heutigen Stand der Arbeiter- bewegung von höchster praktischer Bedeutung, daß ein Dualismus der Auffaffung zwischen Partei und Gewerkschaften in diesem tvichtigen Punkt nach Möglichkeit ausgeschlossen ivird. Diese Erkenntnis hat sich mir auf dem Parteitag im Verkehr mit den Delcgiereen noch gesteigert. Genossen aus den verschiedensten Orten erklärten mir, daß namentlich in kleineren und mittleren Orten, wo Parteimitgliedschaft und Gewerkschaftszugchörigkeit sich fast deckten, ein solcher Dualismus einfach ein Unding sei. Die Parteimitgliedschaft würde auseinander gesprengt, wenn sie Leute nicht ausscheiden dürfe, die ihrer Gewerkschaft'im Kampf in de» Weg getreten seien. Der Hamburger Schiedsspruch, der das in Ziveifel stellte, müsse unbedingt aus der Welt geschafft iverden. Wie konnte das aber geschehen? Aufhebung des Schiedsspruch hieß zwei Schicdsinstanzen desavouieren, die beide e i n st im m i g zu dem Schluß gelangt Ivaren, daß nach dem Parteistatut die Accordniaurer nicht ans der Partei ausgeschlossen iverden konnten. Das schien mir unbillig und ein schlechtes Beispiel. Nach dem Parteistatut lag die Sache in der That zweifelhaft. Es mußte ein Ausweg gefunden werden, der den, Bedürfnis der Gewerkschaften gerecht wurde, ohne den Schiedsrichtern Unrecht zu thnn. Das war das vorherrschende Gefühl. Aber es schien die ersten Tage fast hoffnungslos, als ob ein solcher Ausweg gefunden werden sollte. Richard Fischer, der im Verein mit W. Heine sein Bestes aufbot, eine Resolution abzufassen, für die auch die beteiligte» Getverkschaften stimmen könnten, und dessen Bemühungen ja schließlich auch von verdientein Erfolg gekrönt waren, brauchte Tage dazu, bis er die geeignete Fonnel fand, und die thntsächlichc Einigung ward überhaupt erst im letzten Moment durch Aufnahme des Verbesscniugs antrags Stanningk und Genossen in die Resolution erzielt. Bis dahin war der Antrag 102, der,>vie die Numerierung zeigt, eingebracht worden war, als die Resolution Fischer lNr. 114> ihre endgültige Formulierung noch nicht gefunden hatte, geradezu eine Notwendigkeit. Er bot die Möglichkeit, auch dann zu einem ersprießlichen Resultat zu kommen, wenn jede der andren Re- solutiouen von einer anders zusammengesetzten Mehrheit abgelehnt worden wäre. Zu diesem Behuse ist er von mir aufgesetzt und von der großen .Mehrheit der Delegierten, denen ich ihn vorlegte, unterstützt worden. Wenn ihn einige Leute„nicht ernst" genommen haben sollten. so ist das deren Sache. Jedl.nfalls paßt diese Redensart nicht auf seine Unterzeichner, und auch von den 110 Delegierten, die in Iviederholter Abstimmung sich für ihn erhoben, wird man annehmen dürfen, daß sie wußten, Ivas sie thatcn, als sie für ihn stimmten. Er war lange genug in ihren Händen geivesc», war von mir von der Tribüne herab begründet und von' andren Rednern bekämpft worden. Was aber besagt er? Nun, er stellt einfach als allgemeines Princip auf, Ivas die Resolution Fischer für den vorliegenden Hamburger Streitfall im Absatz 3 und S ausspricht. Es liegt auf der Hand, daß das Recht, welches dort den örtlichen Partei-Organifationen mit Bezug auf diesen einen Fall zuerkannt wird, auch von andren Partei- Mitgliedschaften in Anspruch genomine» werden kann, wenn gleich- artige Fälle an sie herantrete». Principiell wird das niemand bestreiten. Es ist denn auch von einigen gesagt worden, daß meine Resolution nach Annahme der Resolution Fischer überflüssig gewesen oder geworden sei. Aber die Resolution Fischer hat, wie bemerkt, ihre den Gewerkschaftern genügende Form erst im letzten Moment erhalten, wo cS gar nicht mehr für mich möglich war, mit meinen Mitunterzeichnern mich darüber zu verständigen, ob wir nunmehr die Resolution als erledigt zurückziehe» sollten. Wie die Resolution ton mir und andern gemeint ist, lag dazu auch kein Anlaß vor. Erst nachträglich ward das Bedenken laut, sie könne dazu mißbraucht werden, gewerkschaftliche Organisationsstreitigkeiten und dergleichen vor die Partei zu bringen bezw. die Partei zur Maßregelung der Mitglieder solcher Gewerkschaften ans- zunutzen, die an sich andern Gewerkschaften desselben Berufes ein Dorn im Auge seien. Ich bin der Ansicht, daß der Wortlaut der Resolution 102 solche» Gebrauch ausschließt und habe zudem in meiner Bcgründnngsrcde ausdrücklich erklärt, daß es sich bei ihr nicht dpruinhandc.lt, die kleinen Organisationen— also die lokalorganisicrten Gewerk- schaften, Fachorganisationen— mit Geivalt'in die großen Vor- bände hineinzutreiben. So wünschenswert auch die organisatorische Ein- heit der Gewerkschaftsbewegung ist, so muß die Erziclung dieser doch den Gewerkschaften selbst überlassen bleiben. Die Reiolution 102 spricht nur von Gegenaktion im aktuellen Kampf oder Sonderbündelei zur Betreibung einer solchen Gegenaktion, die sich auf einen gegebenen 5lampf bezieht. Und ich kann gegenüber den geäußerten Befürchtungen hier erklären, daß Genosse Paul Müller-Hamburg, der die Resolution mitunterzeichnet und sich besonders für sie ins Zeug gelegt hat, mit mir durchaus darin einig ist, daß sie nicht gegenüber reinen Orgauisations- st r e i t i g k e i t e n in Anwendung zu bringen ist. Dieselbe Erklärung haben mir Genosse von Elm und andere abgegeben. Es handelt sich ausschließlich gegen Quertreibereien in einem Wirklich geführten Kampf. Und auch da ist die Resolution nur fakultativ. Sie spricht den örtlichen Organisationen der Partei bloß das Recht zu, Mitglieder, die sich solchen Verhaltens schuldig machen, dauernd oder zeitweilig auszuschließen. Es sind ja noch immer Fälle denkbar, wo für solche Vergehen starke Entschuldignngsgründe geltend gemacht werden können. Mehrheiten sind nicht unfehlbar, die Mitgliedschaften sollen das Recht behalten, nach Lage des Falles zu entscheiden. Im ganzen freilich bin ich der Ansicht, daß, so sehr Weithcrzigkeit in der Diskussion am Platze ist, im Kampfe selbst strikte Unterord- nung der Minderheit unter die Mehrheit gefordert werden muß. Wer aus irgend welche» persönlichen Gründen da- gegen verstoßen zu müssen glaubt, muß cß sich gefallen lassen, wenn ihm auch die politische Organisation erklärt: ehe Du dort Deine Sache nicht in Ordnung gebracht hast, kannst Du hier nicht vollberechtigtes Mitglied sein. Die Tendenz zur Einheit in der Ardeiterbewegung, die wir ja sonst bei jeder Gelegenheit betonen, macht diesen Folgeschluß unablveisbar. Und wenn wirklich in einem konkreten Fall von ihm ein übertriebener Gebrauch gemacht werden sollte, so hat die Ersahrnng noch immer gezeigt, daß der Fehler bald eingesehen wurde. Auch unternimmt heute' keine einigermaßen. organisierte Gewerkschaft eine Aktion, bevor sie sich davon überzeugt hat, daß die große Mehrheit ihrer Angehörigen zu ihr bereit ist. Groß-Lichtcrfelde, den 9. Oktober. Ed. B e r n st e i n. Theerkev. Residenz-Theater.„Marquis von K e i t h", Schauspiel von Frank Wedekind.— Den französischen Schwänken, deren Import nach Deutschland diese Bühne nun schon jahrzehntelang ver- mittelt, wird kein Mensch litterarischen Charakter nachsagen wollen. Sie sind theatralische Jongleurkuust, die ohne weiteren Ehrgeiz nur im Augenblick verblüffen und erheitern will. Immerhin, wie zweifelhaft das Genre, es gehört Geschick dazu, und es giebt Virtuosen des Faches. Daß man nun im Residenz-Theater, welches mit dieser Sorte Produktion so viel klingende Erfolge gehabt, den Entschintz gefaßt hat, die Posse»- Gallcrie der betrogenen und betrügenden Pariser Ehemänner hier und da auch durch einen„litterarischen Abend" zu unterbrechen, ist sicher- lich recht schön und löblich. Fast könnte man meinen, etwelche Selbsterkenntnis, daß das sonstige Repertoire nicht gerade rühmlich sei und einiger Entschuldigung bedürfe, stecke dahinter. Es ficht wie eine Verbeugung vor dem Litterarischen, vor der Kunst ans. Aber es wäre böse, wenn diese Tngcudregnng noch mehr der- artige Thaten, wie die Aufführnng des Wcdckindschcn„Marquis von Kcit'h" am Freitag zeitigen sollte. Dann würden die litterarischen Abende noch unter das sonst hier gepflegte Schwanknivcan herabsinken. Aergere Sünden gegen Logik, Psychologie und gesunden Menschen- verstand haben die französischen Possen'fabrikant'en auch nicht auf ihrem Gewissen, aber alles, was bei ihnen mit diesem Manko etwas versöhnen kann: die erfinderische Beweglichkeit der Phantasie, die behende Geschicklichkeit im verknüpfen und Lösen der Situationen und die treffsichere Bühnenroutine— all das sucht man vergebens in dem Wcdckindschcn Stück. Am schlimmsten ist durch diese Auf- führnng dem Autor selbst nritgespielt. Man kannte ihn früher als einen lustigen und satirischen Gesellen, der durch ein hübsches Simpli- cissimus-Gedicht den grimmigen Majestätsbeleidigungs-Paragraphen gegen sich mobil gemacht und, noch im letzten Augenblick der Polizei entwischend, seine Flucht durch ein noch hübscheres, nmtwilliges Poem im Simplicissimus verherrlicht hatte. Vor allem aber war durch seinen originellen Schwank„Der Kammersänger", in dem das Groteske immerhin durch wirkliche Komik überwogen wird, ein günstiges Vorurteil für ihn erweckt worden. Man meinte, wen» auch nichts geradezu Bedeutendes, so doch etwas irgendwie Besonderes erwarte» zu dürfen; um so mehr, da der Theaterzettel, der als Ort der Handlung München und als Zeit den Spätsommer 1809 angab, irgend welche geheimen Zeitbeziehimgeu und Aktualitäten vermuten ließ. Desto ärger war die Enttäuschung. Warum mußte auch das jüngste ungeratene Kind, das allen Kredit seines Vaters unter- graben kann, durchaus ans helle nnbarinherzige Bühucnlicht gezerrt werden? Einen ganzen Haufen Absonderlichkeiten hätte das Publikum, welches diesmal außerordentlich viel Geduld bewies, gutwillig in Kauf genommen, wenn zwischendurch nur da und dort in einzelnen Scenen ein Funke lebendiger Kunst aufgeblitzt wäre. Man wartete und wartete, aber je weiter cS vorwärrs ging, um so verworrener liefen die Scenen durcheinander, um so rätselhafter wurden die Intentionen des Dichters. Daß er einen Glücksritter, dicht an der Grenze des eigentlichen Hochstaplertums, den angeblichen Marquis Kcith zum Helden seines Dramas erkoren, war sein gutes Recht. Nur wird er uns schwerlich überzeuge» können, daß in einem so gefährlichen Berufe, der, man mag sonst sagen was man will, doch recht beträchtliche Anforderungen an die Intelligenz stellt, ein Herr, wie er ihn schildert, solche Bonibcncrfolge erringe. Dieser junge, unreife, nur im Ncnommicreu große„Marquis", dieser Phantast, der selbst völlig mittellos ziel- und zwecklos zu Hunderten und Tausenden das Geld fortschlendert, mag eine kurze Zeit hindurch Hoteliers, Ladenbesitzcr und Handwerker ins Unglück bringen, aber ehe er, wie in dem Stücke, einen Dircktorposten mit 2ö 000 M. erhascht, hätte er längst das Genick gebrochen. Zum Spitzbuben im wirklich große» Stil, da fehlt es ihm, bei aller Brutalität und Wnghalsigkeit, denn doch zu sehr im Kopfe! Seine Jutriguen— was'hätte ein Sardou daraus gemacht!— sind alle jämmerlich nervös-zerfahren und kurzsichtig. Alles das wäre nicht so schlimin, wenn nicht bis zu den allerletzten Scenen hin der Dichter diesen Gentleman uns immer wieder als einen in seiner Art und seinem Fache großartigen Kerl aufzureden versuchte. Blaß und interesselos wie die Hauptfigur ist das Milieu, das sich uni sie gruppiert. Die Herrschaften stellen sich dem Publikum sehr anmutig durch längere Erzählungen und durch Gespräche vor, denen man auf zehn Schritt weit die orientierenden Absichten des Dichters ansieht. Da ist eine große Halbweltdame, die der„Mar- qnis" liebt; ein verkümmertes' Mädchen, mit dem der junge Mann, noch ehe er sich selbst die Adelswürdc zuertcilte, von Hause durch- brannte, eine arme Seele, die trotz aller Brutalitäten und Er- niedrignngen wie eine Klette an ihn hängt; ein Maler, ein Kriminal- konunissar, ein Operukomponist, die zweck- und ziellos sich in dem Stück herum stoße»: ein reicher Kansmann und sein Taugenichts von Sohn, die beide ä la Kotzebue hinter. der Halbweltdame her sind: ein paar biedere, Aktien zeichnende Münchener Bürger; und endlich, als Gegenstück zu dem Marquis. ein unglückseliger Kerl, der bei Wedekiud vermutlich einen„Idealisten" vorstellen soll, und der, dieses Seelenznstandes müde, mit gefülltem Portemonnaie nach München gekommen ist, um sich unter Leitung des Marquis zum„Genußmenschen" auszubilden: ein Menschciiexeinplar von ausgemachter Trvttclhaftigkeit. Die Schlußpointe, die mit einer höchst bezeichnenden Heiterkeit im Theater aufgenommen wurde, ist, daß der Dichter selbst seine beiden Hauptpersonen als verrückt erklärt. Der„Idealist" und„Genußmensch" erzählt uns nämlich nach einigen Enttäuschunge» der Liebe, daß er nunmehr mit allem auf dieser schlechten Welt gebrochen habe und sich in eine— Privat- Heilanstalt begeben werde. Gleichzeitig fordert er,— und darin liegt mehr Verstand, als er in allen früheren vier Akten zusammen geäußert hat— den Marquis auf, ihn in das treffliche Asyl zu begleiten. Zum Unglück für die Menschheit lehnt dieser ab und ebensowenig vermag er sich leider in der Katastrophe, die nun endlich über ihn von allen Seiten hereinbricht, zu einem anständigen Selbst- mord aufzuschwingen. Mit 10000 M., die ihm der neugebackene Verlobte der von ihm verehrten Halbweltdame großmütig zurück- giebt, und der tiefsinnigen Erklärung:„Die Welt ist eine Rutsch- bahn" zieht er neuen Thaten entgegen. Auch die Aufführung selbst ließ mancherlei zu wünschen übrig; von den größeren Rollen wurde nur die der adligen Halbweltdame sFrau Reisenhofer) gut und mit feiner Nnancierung gespielt. � — a— Sorinles. Die Hamburger Bürgerschaft beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung mit einem Antrage des Senats aiif An- stellung eines' vierten Gewerb e-JuspektorS und zweier Assistenten. Dieser' Antrag war einem Ausschuß zur Vorberatnng über- wiesen. Der Ausschuß erstattete durch das Mitglied Fleck— einen Metallwaren- Fabrikanten und argen Socialislcuhasscr— Bericht und ließ beantragen, die Bürgerschaft möge de:: Antrag auf Anstellung eines vierten Gewerbe- Inspektors ablehnen, dafür aber statt der verlangten zwei drei Assistenten mit einem Gehalt von 3000 bis 4000 Mark bewilligen und aussprechen, daß die Bürgerschaft die An- stellung weiblicher Gewerbe-Jnspektoren zurZeit noch nicht für spruchreif halte, aber erwarte, daß der Senat die Frage der Anstellung weiblicher Hilfsbeamten im Auge behalte und der Bürger- schaft»ach Unterstellung der Hausindustrie unter die Gewerbe- In- spcktion eine dicsbezügiiche Vorlage mache. Gegen diese Anss'chußanträge wandten sich verschiedene Gegner. Alle wunderten sich, daß der Ausschuß nicht dazu gekommen wäre, schon jetzt die Anstellung eines weiblichen Beamten zu empfehle». Von Mitgliedern der alten Fraktionen liefen denn auch zwei Anträge ein, von denen der eine eine Senatsvorlage auf so- fortige Anstellung eines weiblichen Assistenten verlangte und der andre statt des geforderten dritten männlichen Assistenten einen weiblichen bewilligt haben wollte. Unser Genosse Stötten trat für Bewilligung eines vierten Inspektors ein, denn die Inspektoren hätten heute jeder 1300 Betriebe jährlich zu revidieren. Das sei unmöglich. Energisch vertrat er die Forderung der Arbeiterinnen nach Anstellung eines weiblichen Gewerbe- Inspektors. Wenn man anderwärts mit weiblichen Beamten vielleicht schlechte Erfahrungen gemacht habe, so liege das an der Pcrsonenanswahi. Man solle Frauen wählen, die. mit dem Leben der Arbeiterinnen vertraut seiest, dann werde ein wciblicherJnspektor schon seinen Zweck erfüllen. Schließ- lich trat Genosse Stolten für eine Trennung des Gewcrbe-Jnspcktorats von der Polizeibehörde ein. Der Zusammenhang der beiden Behörden sei schädlich. Früher hätte» die Berichte der Gewerbe- Inspektoren häufig Hinweise darüber enthalten, daß die Bestrafungen der Unter- nehmer bei Uebcrtretungen der Arbeiterschntz-Gesetzc äußerst ge- linde seien. Solche Hinweise fehlten jetzt, obwohl die Gerichte noch dieselbe Praxis übten. Es scheine, als sei das auf den Einfluß der der Gcwerbc-Jnspektion übergeordneten Polizeibehörde zurück« zuführen. Auch sonst sei der Bericht der Gewcrbc-Jnspektion von der Polizeibehörde in ihrem allgemeinen Inhalt arg verstümmelt. Schließlich wurde der Antrag angenommen, den Senat um eine Vorlage auf Austellnug eines weiblichen Assistenten zn ersuchen. Auch der Ausschuß- antrag wurde angenonnncn. Z»r Beurteilung der sächsischen Arbeitgeber liefert die Vorgeschichte der Errichtung eines städtischen Arbeitsnachweises in Dresden einen lehrreichen Beleg. Der Rat zn Dresden wünscht einen städtischen kostenlosen Arbeitsnachweis ins Leben zu rufen, an dessen Verwaltung gleichmäßig Arbeitgeber und Arbeitnehmer beteiligt sein sollen. Die Mehrzahl der Gewerkschaften und das GelvcrkschaftS- kartell teilten dem Rat auf Anfrage mit, daß sie dem Unternehmen sympathisch gegenüberständen und daß sie an dem Arbeitsnachweis mitarbeiten wollten, wenn gewisse notwendige Forderungen erfüllt würden. Anders ist die Stellungnahme der Arbeit- g e b e r. Die Jnnungsmeister haben den Ratsvorschlag rundweg abgelehnt. Sie wollen ihren I n n u n g s arbeitsnachwcis 6c- halten. Einen ähnlichen Beschluß hat die in der Dresdener Handelskammer vertretene Großindustrie gefaßt. Der Referent, Papicrwarenfabrikant Kommerzienrat Knrtz- Meißen, erklärte, dem Ansschnß, der zuerst über das vom Rat ver- langte Gutachten beraten habe, sei es zuerst unerfindlich gewesen, wie ein Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitern in der Praxis bei dem Arbeitsnachweis überhaupt möglich sein könne. Später habe nian dann zur Ueberraschung der Mitglieder in Er- fahrung gebracht, daß thatsächlich schon paritätische Arbeitsnachweise existierten. Der Ausschutz sei aber der Meinung, derartige Arbeits- nachweise würden nur. den Weg einschlagen, den die Orts-Krauken- lassen genommen hätten, die sich in den Händen der Socialdemokratie befänden. Deshalb sei man gegen paritätische Arbeitsnachweise. In der Diskussion hoben mehrere Redner hervor, es sei kein Bedürfnis nach weiteren Arbeitsvermittelungen vorhanden. Die Arbeits- nachweise der Arbeitgeber, soweit sie bereits bestände», entsprächen alle» Wünschen. Es wurde sodann einstimmig beschlossen, in dem Gutachten an den Rat zn erklären, die Handelskammer halte einen paritätischen Arbeitsnachweis für ungeeignet. Wenn aber der Skat einen nur von städtischen Beamten verwalteten Arbeitsnachweis einrichten wolle,, so habe man nichts dagegen. Maßnahme» gegen die Arbeitslosigkeit in der Schweiz. Die Wirtschaftskrise in der Schweiz erfährt ebenso wie in Deutsch- land fortwährend weitere Verschärfung und daher müssen sich die Behörden mit Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit, namentlich im Hinblick anf den bevorstehenden Winter, beschäftigen. In Basel sind bereits der bestehenden Arbeitslosen-Versicherungskasse, die unter der Leitung des Arbeitersekretariats steht, 1000 Fr. aus der Staatskasse bewilligt und eS ist ferner eine Kominission zur BeHand- luug der Arbeitsloscnfrage bestellt worden. Verschiedene bedeutendere städtische Bauprojekte stehen übrigens anf der Tagesordnung. In Zürich hatderKleine Stadtrat dcm Großen Stadtrat eine bezügliche Vor- läge gemachten der er die eingetretene iveitere Verschlimmerung der Wirtschaftslage anerkennt und die Ergreifung geeigneter Maßnahmen frühzeitig genug empfiehlt. Sodann stellt er neue Grundsätze für die Unterstützung von Arbeitslosen auf, welche eine Verschlechterung der bisherigen Praxis bedeuten, indem er die Aufenthaltsdauer in der Stadt Zürich für die Unterstützungsberechtigung verlängert und dabei noch Unterschiede zwischen Schweizern und Ausländern macht. Bisher war unterschiedslos die Niederlassung vor dem 1. Juli des laufenden JahrcS Bedingung: der Stadtrat beantragt die Festsetzung des 1. April für Schweizerbürger und des 1. Januar für Ausländer. Ferner soll die Höhe der täg- lichcn Unterstützung dem Ermesse» des Stadtrats nach Maßgabe der Verhältnisse überlassen werden. In der Vorlage wird auch der auch in andern Fragen immer wiederkehrende Unsinn verzapft, daß zahlreiche ausländische Arbeiter nach Zürich gekommen seien, weil sie erfahren hätten, wie hier für die Arbeitslosen im Winter gesorgt werde. Nun betrug im letzten Winter die tägliche Unterstützung eines erwachsenen männlichen Arbeitslosen 60 Centimes, und zwar nur ip Naturalien und nicht in Bargeld und deswegen sollen die Arbeitex fast ein Jahr vorher schon nach Zürich gehen! Die Behörde einer großen Stadt sollte denn doch nicht auf das Niveau des erstbesten bornierten Bicrphilistcrs hinabsteigen.— Die Geschichte der Gcnossenschaftsbeivegilng in Belgien. Unter diesem Titel erscheint zur Zeit ein größeres Werk, heraus- gegeben von dem socialistische» Kammer- Deputierten Louis Bertrand in Brüssel. Der Genannte ist Präsident der Föderation der socialistische» Kooperativ-Geuosscnschafteu Belgiens und hat schon mehrere Schriften über das Genossenschaftswesen ver- faßt. Das gegenwärtige Werk soll in 100 Lieferungen a 10 Cent., jede Woche' ein Heft a 12 Seite» erscheinen. Die uns vor- liegenden ersten fünf Hefte behandeln die Vorläufer dbr modernen Genossenschaftsbewegung: Robert Owen, Charles Fourier, Saint Simon, Louis Blaue, und enthalten ihre Portraits, kurze Lebens- geschichtc und Auszüge ans' ihren Schriften, soweit sie sich auf das Genossenschaftswescii beziehen. Daran sollen sich nach dem auf- gestellten Plan Kapitel schließen über: die Bewegung vor und nach 1848: von 1860—1880: die socialistischen Genossenschaften; die socia- listischen Genossenschaften und die Partei; die Prodnktiv-Genossen- schaften,' die Kreditbanken; die Bau- und Versichernngs-Genossen- schaften usw. Ei» besonderer Teil des Buches wird den landwirt-. schaftlichen Genossenschaften gewidmet sein init den Untcrkapiteln: Molkerei-, Brennerei-, Brauerei- Genossenschaften u.s.f.— Louis Bcrtraud gilt in Belgien als der beste Kenner des Genosseuschafts- weseuS und dürfte sein Buch sicher auch für die deutschen Genossen- schafter manches Nützliche enthalten; es ist zu beziehen durch Dochennx u. Co., 20 Rue du Persil, Brüssel. Kur den Inhalt der Inserate iibrrulimut dle Nedaktto» dem Publikum geneuuber keinerlei Perautwortuug. Tsientev. Sonntag, 13. Oktober. Freie Polksbühue. Lessing Theater. 6. Abteilung(gra» braue Karten) und 7. Abteilung (braune Karten): Gespenster Ansang äVi Uhr. Opernhaus. Margarete. Anfang 7>/z Uhr. Montag: Onvalloria rusticana, Bajazzi. Schauspielhaus. Die Journalisten Aniang Vit 11 fit. Montag: Die Nibelungen. Der gehörnte Siegfried. Siegfrieds Tod. Neue» Oper»- Theater(Krall) Eguiont. Ansang 7 Uhr. Moniag• Geschlossen. Schiller. Jng-nd. Anfang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Heimat. Montag: Figaros Hochzeit oder Ein toller Tag. deutsches. Die Hoffnung Anfang 7'/. Uhr. Nachm. 2»/, Uhr: Die Macht der Finsternis. Montag: Der Biberpelz. Berliner. Nacht und Morgen. An fang TVz Uhr. Nachm. 21/1 Uhr: Othello, der Mohr von Venedig. Montag: Ueber unsre Kraft <2. Teil.) Lessiug. Die Fee Caprice. Ansang 7>/z Uhr. Montag: Flachsmann als Erzieher. Residenz. Sein Doppelganger.— Vorher: Im Coups. Anfang 7'/- Uhr. Nachm. 3 Uhr: Das blaue Kabinett. Montag: Sein Doppelgänger. Vor- her: Im Coupö. Neues. Das Ewig-Weibliche. An sang?>/, Uhr. Nachni. 3 Uhr: Der Probepfeil. Montag: Das dwig-WeiVliche. Westen. Fatinitza. Ansang Uhr. Nachmittags: Der Troubadour. Montag: Martha. Srcessionsbiihue. Detlev Lilien- crons Bunles Brettl. Anfang 8 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ventral. Lose Blätter. Hieraus: Diogenes. Aniang 7>/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Geisha. Mantag: Lose Blätter. Hierauf: Diogenes. Thalia. Ein tolles Geschäft. An- fang 7>/z Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Luisen. Bei kleinen Leuten. Ansang 8 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Goldbauer. Montag: Der Goldbauer. Carl Weist. Berliner Rangen. An- sang 7-/2 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Adelaide. Elzevir. DreyfnS. Montag: Berliner Range». Friedrich-Wilhelmstädtisches. Die Landstreicher. Ans. 7>/z Uhr. Nachm. 3 Uhr: Der Damen- schneider. Montag: Di« Landstreicher. Belle-Sllliance. Talolo. Anfang 8 Uhr. Casiuo- Theater. Berlin W— Berlin N. Specialitäten. Anfang 7 Uhr. Nachm. 3 Uhr: Die Waise von Low 00 d. Montag: Berlin W— Berlin N. SN etropol. Specialitätenvorstellnng. Schön war's doch. Aniang 7-/2 Uhr. Moniag: Dieselbe Vorstellung. KlPoNo. Specialitäten- Vorstellung. Frau Lima. Anfang 7»/, Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Palast. Specialitäten-Borstellnng. Weibliche Barbiere. Ansang 7 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage- Theater. Specialitäten- Vorstellung. Ansang mittags 12 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellmig Passage- Panoptikum. iSpecialt- tälni-Vorstellnng. Reichshallen. Stettiner Sänger Anfang 7 Uhr. Urania. Tanbenstr. 48/�i».(Im Theatersnal.) Abends 8 Uhr: Ueber den Wolken. Montag: Dieselbe Vorstellung. Juvalidenstraste S7/«'4. Täglich abends von S— 10 Uhr: Eteniwarte. Urania. Tauben-Strasse 48/49. Im Theater um 8 ühr: lieber den Wolken Montag: Dieselbe Vorstellung. Invalidcnstr. 67/6%. Sternwarte. Castans Panoptim. Frledrichstr. 165. Horwarths wunderbare 6 Liliputaner mit ihren kleinsten Pferden der Welt und Pracht-Equipage! W. Noacks Theater Brunnenstrabe 16. Die Else vm Erletthos. Volksstüct in S Aufz. p. Conr. Staad Nach der Vorstellung: Montag x Maria Stuart. Schall und Rauch Unter den Linden 44. Sonntag, 13. Oktbr., nachm. 4 Uhr Erstes populäres Konzert. Parkett 2, 1 M- Abends Si/jUhr: Eröffnungs- Programm. I>ie Gefangene. Urettllelters HKIlenrahrt ete. Parkett 6, S, 8 M. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 72. Heute u. folg. Tage; Ein tolles Geschäft. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern. Paula(Vorm in dt Verwandlungen. lluldo Iblelscher in 1k Verwandlungen Fritz Helmerding als Wolzogen. Junkermann, BoJ6. Anfang 7>/z Uhr. s�arl �Vci88-Ihcatci'. (vroste Frankfurtcrstr. 132. Nachmittags 3 Uhr, kleine Preise: „stldclaide." Dann:»Wie denkc» Sie über Dreyfus?" Zum Schluß: „Clzevir." L. v. Beethhoven\ Direktor Rentier Zademack/ C a r l W e i ß. Abends 7Vz Uhr:„Wie denken Sie über Drehsus Schwank in 1 Akt von Friß Ernst. Hierauf: Berliner Rangen! Große Ausstattnngspoffe mit Gesang in b Akten und 7 Bildern v. G. Albert. Muflk von 3t. Leonard. Montag: Berliner Rangen. kaiaiät-Theaier (früher Fccu-Palast) Burgstr. 23. Direktion: Ninkler u. Fröbel. Sonntag, den 13. Ottober IAH: Gr. Extra-Borstellunj» der mit so kolossalem Beifall auf- genommenen Um 8>/, Uhr Direktor W. FrBbel in der hochkomischen Operette Weihlilhe Barbiere. Viv ,kr«> Sllkvi-nteras. Her l3usik-8port-4kt. Lebende Riesen-Rhotogrzpliien. Ans. 7 Uhr. Kaffeneröffn. 6 Uhr. Billetvorverkauf von 11-1 Uhr. äpoliu- Idealer. Ueute letzter Sonntag: FranLnna mit dem herrlichen Luftballett <*rlg;olatis. Ferner: Die phänom. 10 Specialitäten. Kasseneröffnung 6 Uhr. Hf" Anfang 7>/., Uhr. Dienstag, den 15. Oktober: Zum 400. und letzten Male: F r a n Li n n a. SWerÄMter (Wallner-Theoter). Sonn tag nach mittag Z Uhr: llelnint. Schauspiel in 4 Akten von Sudermann Sonntagabend 8 Uhr: dugend. Ein Liebcsbrama in 3 Auszügen von Max Halbe. Montagabend 8 Uhr: Figaros Hoolizett oder: Ein toller Tag Dlenslagabend 8 Uhr: Figaros Hochzeit oder; Ein toller Tag. NletropoI-TlifiatGr. Schön war's doch! Gr. Berliner Ausstattungsposse mit Gesang u Tanz in 5 Bildern Emil Thomas a. V. Joseph Joseph! a. D. H. Bender. G. Kaiser. Else de Verd a. D. Frid-Frid. F. Georgelle. Gaatspiel: Saharet! Anfang 7>/, Uhr Rauchen u b e r a 11 gestattet. Casiuo-Theater Liothringerstrasse 37. Mary Ellys O Fritz Steid und das übrige sensationelle Spectalttätenprogramm Dazu der Schlager der Saison Derlin N.- Mrltn w Ans. wochent. 8, Sonntags T'/j Uhr Heute nachmittag 3 Uhr: Aus allgemeine» Wunsch: Bie Waise von lornood. virkus JUhert Schumann. Renz-Gebände. Karlstrasse. Sonntag, de» 13. Oktober, nachmittags 3>/, Uhr u. abends 7»/, Uhr »4 groste austcrordentliche & Gnla-Borstcllunge».& In beiden Vorstellungen, nach mittags und abends, gleich rcichhalt., abwechselndes Programm. Austreten sämtl. neu engagierten Specialitäten sowie Dir. Albert Schumanns a»er kannt uncrrcicht dastehenden Original drcssuren. Nachmittags auf allen 1 ftk,,h f«.J Plänen ohne Ausnahme I dUill'(ul jedes weitere Kind die Hälfte(abends jedoch volle Preise). Zum 2. Male: Ä Travers Paris (Quer durch Parts) mit dem Schlußakt: Nordaeebad Scheveningen. Grobe AusstattungSpantomiine aus der Gegenwart mit hervorragende» Licht u. Waffereffekten in 8 Akten von Rene Louis, Paris, Mustk v Emile Doloire. Paris. In Scene gesetzt v Direktor Albert Schumann. Montag: Gala-Sport-Vorstellung. Zum 3 Male: A Travers Paris. Sanssouci Kottbnserstr. 4 a. Wiederauftreten von Adolf HoflTmann. Jeden Sonntag. Montag und Donnerstag II o ff in a n n s Mttill-ThkM. Nachm-.ttags 4 Uhr. Volkstümliche Vorstellung zu halben Preisen: Die Gelabn. Operette in 3 Aticn von S. Jones Abends 7*/j Uhr: Rltikkvv in 2 Abteilungen, t. Abteilunz: vor- spiel«uf dem Theater. 2. Ah- teilung: Lote Blätter.— Hieraus: Diogenes. Operette in 1 Akt von Julius Freund, Musik von Bogumil Zepler. Morgen und folgeo.se Tage: Lose DltUter. Hierauf: Diogenes. Anfang wochent. S, Sonntags 2. Ende II Ohr. Beginn des Abendprogramms 8 Ohr. Adelina Sozo Prima bailerina assoluca. Traudchen Hundgehurth, die Kuhmagd aus dem Rheinlande tun!!, rüder und Diasl und i die bayrischen Jux Schuhplattler 17 erstkl. Nummern Kösliner Hof, Kösllner- Strasse No. 8. Erster u. zweiter Weihnachtsrag zur Matinee frei. f Nach iedcr Soiree: Tanz. Anfang Sonntags 7 Uhr, von b— 7 Uhr Konzert. Entrec 50 und 75 Pf. Wochenrags Ansang 8 Uhr, Entree 30 u. 50 Ps Wochentags Veretnsbillets glllttg uw Tanz frei Alle aiidern Tage bleiben die Säle zu Festlichkeiten und Ver saminlungen frei._ Reichs hallen. Stettiner Sänger. Herrliches Programm. u a.„Bosco". Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Restaurant zur Pfalzlnirg. Tt. Wtlinersdorf, Pfalzburgerstr.68. Jeden Sonnraa: Tanz-Kränzchen. * Hermann Otto. Wo amüsiert man sicü grossartig? in Schnegelsbergs Festsälen Hasenheide 21 und Jahnstrasse 8. Jnh: Ha» Schindler. Leute: vrosser Ball Mut Thaler-Regen verbunden mit Eigarren-. Bonbon Regen und diversen Ueberrafchungen. 2444L- Täglich: Speelallthten» Vorstellung. Entree frei. Wollen Sie mal herzlich lachen, so gehe» Sie nach Cirkus Renz-Tunnel! Beiiing Mit der Orgel ist wieder da! Austerdem das groste Oktober-Programm. Heute Sonntag: öala-Vorstelliiiig. V Cirkus Renz-Konzert-Tuune! Karlstrasse. Wochentags 7 Uhr. 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Oktober 1901• »S grosse Gala- A & Vorstellungen Nachm. hat jeder Erwachsene auf allen Sitzplätzen 1 Kind unter 10 Jahren frei. Nachm Möns. Krasudi mit s. dress. Affen, sämtl. Clowns tc.— Abends: Hie gnet Brandenburg allewege. Ausgewähltes Programm. An der Spandauer Brllcke 3. Vornehmst. VergnUgungslokal i Täg lieh: Internationale Konzerte. 8pecialitat.-Doppel-VorsteUung von nur erstklassigen Kräften. Special-Ausschank der Berliner Bock-Brauerei. Vorzügliche Küche. N Dame spart Geld beim Einkauf vou T amen- Mäntel». Nach beendeter Engros-Saison verkaufe einzeln zu Engros-Pttiseii�M Winter-Ja cketts mit und ohne Seidenfutter von 4 M.bisÄOW. Golf-Cape» mit und ohne Volants von SM. bis 25 M. Binder-dackeUs und Paletots von 3 H. biS IO SI. Sareo- Paletots mit und ohne Setdeufutter von 7,3» bis3NM. M An großer Pow .Modelle" Capes unii Naletots mit echten Pelzbesätzen Persianer. Nerz, Tibet, ZM- unter Derstrlilliigsvnis. Engroe-Lagcr! Enorme Auswahl I DM- Kein Laden.-WS Max Mosczytz. 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Referenten: Genossen Bediel und Dr. krieilehepg. 32. KezirK(6. Wahlkreis) bei Dase, Brnnnenstr. 134. Referenten: Genossen F. Wilke und Dr. Karl Liebknecht. 34.» 33. Kezivlt bei Puhlmann, Schönhauser Zlllee 148. Referenten: Genossen Wurm und Ramlow. 36. Kezirk bei Hiibner, Sloinemünderstr. 4Ä. Referent: Genosse Dr. IKeil. 44.» 43. Kezirk in Ahrens Brauerei, Turmstr. 25 26, Referenten: Genossen Th. Glocke und Dr. Karl Liebknecht. 48. Kezirk bei Wwe. Schirm, Badstr. 10. Referent: Genosse ¥Mlh. Pfannkuch. Tages-Ordnung: l. Die bevorstehenden Kommmmlwnhlen. 2. Aufstellung der Kandidaten. Um zahlreichen Besuch der Versammlungen ersuchen 200/17« Die Vertrauensleute. Achtung! Achtung! VI. Wahlkreis. Sonntag, den 13. Oktober, abends 6 Uhr, Kokbergerstrahe 23: Leffentliche Versammlung. T aec S-Ordnun g: 1. Vortrag bei Genossen Waldeck 9luna.se über: Kommunale Streiflichter. 2. Diskussion. Zahlreiches Erscheinen, besonders der Frauen, erwünscht. Nach der Versammlun! 1/7 lung Gemütliches Beisammensein. Die Vertranenspei'sow. Arbeiter- Bildungsschnle. Sonntag, den 18. Oktober, abends 7 Uhr, im„Königstadt-Casino"(Raddatz), Holzmarktstrasse 72: Yorlrag des Genossen Dr. Friedeberg über: Die Schwindsucht und ihre Bekämpfung. Nach dem Vortrage: 5/3 Gcnitttlichcs Belsaiuinenscln und Tuns. Eintritt 20 Pfennig.'TSE BV Garderobe frei. Arbeiter- Bildungsschnle. 5/2 Sonntag, den 87. Oktober 1001, Im grossen Saal des Gewerkschaftsbnnses. Lilienkron- und Falke- Abend. Fest-Vortrag. Kammermusik. Eecitation und Gesang. Eröffnung 6 Uhr. Anfang präc. 7 Uhr. Eintritt inkl. Programm und Garderobe 50 Pf. Nachher Tanz. iliaiiM (Verwaltnngsstelle Berlin.), Montag, den 14. Oktober 1901, abends 8Va Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15: Braffchenversammlung der Steinbildhauen' Tages-Ordnung: 1. Stellenvermittelung. 2. Sind die Einigungsbestimmnngen auch für ynteniehmerstrmen güllig? 3. Unser Vertrag(Vieruhrschluh am Sonnabend:c.) DienStag, den 15. Oktober 1901, abends S'/e Uhr, im GewrrkschaftShanse, Engelufer 15: Versammlnng/"WU Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Vortrag des Herrn stnd. phil. P. Eberhardt über:„Platos Staat". 3. Verschiedenes. Um zahlreichen Besnch beider Versammlungen.ersucht 21/10 Der Torstand. Berichtigung. Herr Panl Megow, Lettestr. 3, ersucht, uns folgende Berichtigung aus- zunehmen: „Ich erkläre hiermit, daß ich meine Milch nach wie vor(ca. KOO Liter täglich) aus Bergsdorf, Mark, beziehe und außerdem eine Molkerei habe, bin also nicht aus Ringmilch an- gewiesen.__ Ächtung! Ächtung 8 Für Maurer, welche sich im Zeichnen, Veranschlagen sowie in allen technischen Bau- arbeiten ic. zum Polier ausbilden wollen, bietet sich günslige Gelegen- heit, an dem Winterkursus(Abend- stunden u. Sonntags) teilzunehmen. Karl Karras, Maurermeister, 10726] Beusielstr. 71._ Dr. med, Schaper homöop. Arzt u. Spez.-Arzt f. Haut- u. Harnleiden, Frauenkrankheiten. Königgrätzentr. 27. Spr. 9-1. 4-7. DM- Ctgarrengeschäft.-MM" neu erässnet von II. Brttuer, Srhwedterstr. 18, allen Ranchern bestens empfohlen._ 11206 Schneider u. Schneiderinnen aller Branchen 1 Bttgler, Zuschnetder, Stepper, Mäntelttäherittuen,' Blousenarbeiterinnett, Herren- und Kikaben- Konsektious- schneider und Näherinnen! 3 öffentliche Uersammwngen. Am Montag, den 14. Oktober, abends Uk>r. in den Johannis-Festsälen, Johannisstr. 20. Am iHienstag, den 13. Oktober, Abends S'/e Uhr: Vörden: Berliner Prater. Kastantcn-Allee 7. Osten: Stecherts Saal, Andreasstr. 21. Wedding: Kolberger Salon, Kolbcrgerstr. 23.«Ud-Osten: Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. Tages-Ordnung: 1. Die Forderungen der deutschen Schneider und Schneiderinne» an die Gcsetxgebuug be- Ilich der Heimarbeit. 2. Diskusston. Referenten: Reichstags-Abgcordnete Molhenbnhr, Bebel, Hoch, Bclsshans und Albrecht. Zu zahlreichem Besuch ladet ein_[163/4] Der Vertrauensmann. Frieda Cohn Otto Biirath 11036 Verlobte. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein guter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel, der Böttchermeister vllstav Micbeleben plötzlich am Herzschlage verstorben ist, DieS zeigen tiefbetrübt an Ida Blickelcben, geb. Kube. Anna und Paul, Kinder. Emil Pohlmann und Frau, geb. Mich eichen. Berlin, den 11. Ottober 1901. Die Beerdigung findet am Montag, den 14. Oktober, nachm. 4 Uhr, von der Halle des neuen Luisen-Kirchbofcs, Herinannstraße, aus statt.[16936 Central-Yerband der Zimmerer Deutsebl. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied WilhelmPohl am 9. d. M. an Lungenentzündung verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag- nachmittag 3 Uhr von der Leichen- halle des Andreas-Kirchhofes in Welhelmsbera aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 255/7] Der Torstand. Danksagung. Sagen hiermit allen Genossen, Freunden u. Bekannten für die rege Beteiilgung bei der Beerdigung meiner geliebten Frau, unsrer guten Mutter den herzlichsten Dank. 1102b H. Clemens nebst Kindern. Danksagung. Allen denen, welche meiner lieben Frau die letzte Ehre erwiesen haben, sage ich hiermit tiesgefühltesten Dank. 2577L) Hermann Geike. Orts- Krankenkasse der SAeiher, 6(ljiteilieniii(fit u. mWndtkn ktwerbe zu Berlin. Di« Vertreter der Ortskrankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und verwandter Gewerbe zu Berlin werden zu der am Montag. 21. Oktvr., abds. 8 Uhr. in den„Arminhallen", Kommandanten- straße 20, stattfindenden ansterordentlichen Geiikwt-VersamiiiIiW hierdurch eingeladen. Tages- Ordnung: Abänderung der G 20, 30 des Statuts Ter Borstand.[10946 Frau Reimann, Vors., Lübbenersir. 3. Ernst Jache, Schrifif., Siromsir. 35. Schöneberg. MlMMrMchtt Mahl-Verein. Dienstag, 15. Oktober, abends 8 Nhr, im Obst'schcn Lokal, Mcintiigerstr. 8: Tages-Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kassen- und Revistonsbericht. 3. Bericht der Bibliothekare. 4. Bericht der Parteispeditton und Lokalkommission. 5. Neuwahl des Vorstandes, der Revisoren und der Lokalkommission. 6. Wahl der Delegierten zur Generalversauiinlung. 7. jBereinsangelegen- heiten und Verschiedenes. 15/14 Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mit- gliedes anwesend zu sein. Der Torstand. Gemen t icrer! ütiwoch, bcii 16. Oktober, bei TUmann, Brunuenitrahe 18 Mitglieder-Bersnmmlnng. Tages-Ordnung: 1. Kastenbericht vom III. Quartal. 2. GrwerlschastlicheS. 3. Verschiedenes. 4. Aufnahme neuer Mitglieder. 57/3 SÜT* Mitgliedsbuch legitimiert."TMS (Verivultnngsstolle Berlin). Sonntag, den 13 Oktober, nachmittags S'/, Uhr, im Lokale des Herrn Boirmann, KOsliner Hof, KSsltnerftr. 8. Monats- Versammlung. Tages- Ordnung. 1. Vortrag:„Wohin steuern wir?" Referent Stadtverordneter Ad. Hoffmann. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Nach der Versammlung gemütliches Beisammensein mit Tanz. An die Mitglieder wird die Bitte gerichtet, ihre Familien- angehörigen sowie Gäste nitlzubringen. Regen Besuch erwartet 280/12 Dl« O r t s v e r w a 1 1 n n g. Vereinigung der Maler, Anstreicher etc. Dienstag, den 15. Oktober er., abends 8Vz Uhr, Im GewcrkschaftShaus, Engelufer 15(Saat 7), VerlKtNmlung. Tagesordnung: Vortrag des Reichstags-Abgeordneten E. Roscnow. Kastenbericht. VereinSangelegenheiten. Um recht zahlreichen Besuch btttet 124/S Der Vorstand. I.A.: M. Busch old. Üeutscliei'iiolMiieitsi'-Vei'iiklNll. Zahlstelle Berlin. Montag, den 14. Oktober 1991, abends 8'/» Uhr, bei Raabe, Kolberger st raste Nr. SS: SMsIiZlmgiiii«lWs!isVölIUii.cmi>iIdsiiiiiieii. Tages-Ordnung: 1. Vortrag deS Reichstags-Abgeordneten Genosten Bosenow über: „Der deutsche Bauernkrieg 1525." 2. Dtskusston. 3. Verbands- und Werk- stattangelegenhetten. 4. Verschiedeues. Zahlreicher Besuch erwünscht. Auch Gäste und Frauen haben Zutritt. Am Montag, den 14. Oktober, abendS 81/2 Uhr, in Habels Brauerei, Bergmannstraste 5—7: Bezirks- Bersnitttnluiig für Südwesteil und Wcfteii. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Das Krankenverstcherungs-Gesetz". Referent Kollege Koblenzer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Kollegen werden ersucht, zahlreich und pünktlich mit ihren Damen zu erscheinen. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Achtung! Achtung: Mnfikinftrnmenten- Arveiter «nd-Arbeiterinnen. DienStag, 15. Oktober, abends 8 Uhr, im GewerkfchaftShanS, Engel-Ufer 15(gr. Saal): Große öffentliche Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Die Schädigung der Mustkinstrunlenten-Jndustrie durch den Zolltarif und welches Interesse haben die Arbeiter an der Gestaltung eines freien Handelsverkehrs. Referent Kollege Bobert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Es gilt Protest einzulegen gegen die unausbleibliche Schädi- aung unserer Industrie durch die Zvllpläne der Regierung; darum ist es dringend notwendig, in der Versammlung zu erscheinen. Die Branehen-Kommlsslon. Montag, den 14. Oktober, abendS 8 Uhr, im„Märkischen Hof", Admiralstraste 18o: Bezirks- Versammlung her Bezirke Siitol nitii 6Mfta Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Ilellmann über:„Die Funktionen der eng« tischen Gewerkvereine". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. NichtMitglieder und Frauen haben Zutritt.'Mg Am Sonntag, den 29. Oktober 1991, vormittags 9 Uhr: Drant»-VorsteUHuiK. BilletS sind in allen Zahlstellen und im Arbeitsnachweis, Engel-Ufer Nr. 15, zu haben. 109/12 _ Die Ortsvcrwaltnng. r m\\ Dienstag, den 15. Oktober, abendS 6 Uhr, bei Buska(Nachfolger Schulz), Grenadtcrstr. 33: WM- Betlani inlung-Wg TageS-Ordnung: 289/20 Wie weit sind unsre Arbeitgeber in Bezug aus die Fensterfrage ihren Verpflichtungen nachgekommen?_ Der Torstand. Arbeiter- Bildongs- Schule Gewerkschaftslians, Eagel-üfor 15, Hol links ll Der Unterricht beginnt in wesemente montag, oen 14. Uk- tober; Blatnrerkenntnls Dienstag, den 15. Oktober; National tfkonomle Donnerstag, den 17. Oktober; Redc-Uebnng Freitag, den 18. Oktober. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um 1;.l 1 Uhr. Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8—9 Uhr geöffnet. Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 M. und ist spätestens am zweiten Abend zu zahlen. Der erste Abend jedes Kursus stellt jedermann zum unentgeltlichen Besnch frei. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Gewerk- schaftshans, Engel-Ufer 15, Hof links II, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Sclmla, Admiralstrasse 40a; Beul, Bamimstr. 42; Baner, Eosenthalerstr. 57; Krause, MüUerstr. 7 a.. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann U-amrnS, Berlin S. 42, Brandenburgstr,9, IV., Geldsendungen an den Kassierer H. König», Berlin S. 69, Hasenheide 60, zu senden. 4/20 Der Torstand. Alvtniig! Fliesenleger. Aldkung! Montag, de» 14. Oktober, abends 8 Uhr, bei Schultz, Greiindierstr. 33: OelFentliche Versa mmlang. Tages-Ordnung: 1. AbreKnung Dom zweiten Halbjahr oom Vertrauensmann. 2. Ge tDerkschaftlrches. P sticht eines jeden Fliesenlegers ist es. zu erscheinen. __ Der Vertranensmann. Wm! Kürschner. Mtung! Montag, de» 14. d. M., abends 8�s Uhr, im Lokale des Herrn Feind, Wcinstr. 11 Mitglieder-Bersammlung. TageS-Ordnung: 9Z/l9 1. Bericht der Delegierten über den Leipziger Kongreß. 2. Diskussion. 3. Abrechnung des 2. Quartals des 4. Jahrganges. 4. Verschiedenes. CelltralmdM iier Milurer it Zahlstelle Berlin II. Dienstag, den 15. Oktober, abends 8 Uhr: 2 Mitgliederversammlungen fit 4* in Imbs Ostbahnpark, Riidersdorser- f Iii iVfiVll* strabe 71. T a g e s o r d n n n g: 1. Jahresbericht der Obleute und Neuwahl derselben. 2. Verschiedenes. für Südosten: bei Kriisor, Nannynstr. 6, Tagesordnung: I. Vortrag Don Fräulein Imle über: Die deutschen Arbeiter und der Kampf ums Dasem. 2. Diskussion und Verschiedenes. Um regen Besuch dieser Versammlung ersucht l44/10 Die BerbaudSleituug. CeMl-Verlmb her Töpfer. (Filiale Berlin.) ulantaA,«len 14. Oktaber or», abonÄs prilclsv 6 Uhr, Jiei Keller, Koppenstr. 29(Grosser Saal): ¥(*B»sammlung. Tages-Ordnuug: 1. Berichterstattung der Mitglieder des Gesellen- Ausschusses über die Beschlüsse der Jnnungs-Bcrsammlung. 2. Bericht über den Stand der Fcnstcrfrage. 3. Gewerkschaftliches. Die Vertrauensleute der einzelnen Bauten werden ersucht, am Montag im Lause des Tages einen Bericht an unser Bureau, Neue Friedrich- strage 20,.gelangen zu lassen, inwieweit die Fenster verglast, refp. Aussicht auf Verglasung vorhanden ist. vis Versammlung wird pünktlich 6 Uhr eröffnet. 196/17 Der Torstand. Ceiltrnl-Verbani» l>. Wscher w. BerOgeil. Mtschlaildö. lBerwaltungsstelle Berlin n.»mgcgenh.l s289/19 Soniitag, den äO. Oktober d. J., von abends 6 Uhr ab: M II erbst- Vergnügen In den A r in i n- II a 1 1 e n, Koinuiaiidnntcn-Str. SO. Billcts(Herren üO Ps,, Damen 30 Ps.) sind in de» Zahlstellen zu haben. + S«iMariter-Kursus für Arbeiter und Arbeiterinuen. A Der Winterkursus in unsrer Filiale Bmnnenstr. läO beginnt am Montag, den 14. d. M., abends 9. Uhr. Bortrag über Zitueck und Ziele des Kursus und Anatomie(Bau des menschlichen Körpers).: Das Einschreibegeld beträgt:2o Pf., monatlicher Beitrag 25 Pf. Bibliothek steht unentgeltlich zur Verfügung. AlleÄrbeiter und Arbeiterinnen sind hierzu eingeladen. 261b Der Boxstand. Verband der an Dolzbearbettnngg-Maschjuen beschäftigten Arbeiter Berlins u. Ving. Montag, den 14. Oktober, abends fS'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 15(Saal I): General-Bersammlung. Ta ges-Orduung: 1. Abrechnung Dom III. Quartal. 2. Anträge. 3. Gewerkschaftliches. IMT* Jlitgliedsbnch legitimiert. WW Zahlreiches Erscheinen notwendig. 81/17 Der Vorstand. AM«! Kistenmacher! ww Montag» de» 14. Oktober, abends 8V3 Uhr, im Lokale deS Herrn Stsvhsrt, AndreaSstraßc 21: Vevketntinlnng. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Da wichtige Fragen aus der Tagesordnung sind, erwartet das Er- scheinen aller Kollegen 94/16 Der Vorstand. I. A.:Karl Juckel. «d scy* K �£0 a oi �4 txQ. .2�« S 0 s=r — � S c-> .2 M '■§ ä- L J-Ü:Ö CJ O 3~* y=> Cl» <&> .<&> sS» Im Verlage der Haridiiritr vllchlriilderei und vlrlagsan?«It Ällkt it C». in hamdiirg ist erschienen und von derselben zu beziehen: Illnstrirter Neue Welt-Slilkiidn kür clss?akr 1902. ■* Secbsundzwanzigster Jahrgang.*■ Preis 40 Pfg. Bei Einzelbezug bitten wir um Einsendung des Betrages nebst 10 Psennig für Porto in deutschen Briefmarken. Inhalt: Kalendarium.— Postwesen. — Statistische Schntyel.- Riiifblitf.- Messe» und Märkte.— Im Kreislauf de« JahreS.— Die Geschichte vom starken Man». Von Emti Rosenow lmil Illustrationen).— Dem Frühling zu. Gedicht von Ernst Kreowski.— Die Sozialdemokratie in der Gemeinde. Von Paul Singer.— Wilhelm Liebknecht, ei» Charakterbild. Bon Roberr Schweichel.— Wildelm Lieb- lnecht. Gedicht vo» Robert Seidel.— Die Erschlicsiuiig Chinas. Bon Max Schippet (mit Jllustraltoneni.— Woher stammen unsere Getreideartenk Von vr. Eurl Grone- witz.— Schmted«. Gedicht von Fr. Diederich. — Aus den Lehrjahre». Erzählung von Roberl Schwetchel, Mclzer, Magazinstr. 2. Richter, Koblankstr. 2. («ulke, Wildenowstr. 3.„ Werner. Vlumeustr. 73. Bläse, Kottbnicr Damm 12.> Bogiack, Fehrbelllnerstr. 34. Walter. Gartenstr. 174. Schröder, Königsbergerstr. 19.J Lange, Marienburgerstr. 34. Marti». Opvelnerstr. ll. Dirig, Rnppinerstr. 12. Schäfer, Barnimstr. 12. Herms, Ackerstr. MeycrShof. 1 Sei) 11 in 11 11 11, Hirschbachstr. 7. Mehlis, Luckauerftr. 12. Duckert, Kvlbergerstr. 1. Aug. Hanchwitz. NavgliSstr. 13. Schmidt, Wollinerstr. 14. Lindloss. Nene Friedrichstr. 2/8. i Berg ein an n. Georgenkirchstr. 52. Pireukemper, Usedomstr. 12. Grawe, Charlottenburg, Waktstr. 93. Schmalle. Melanchthonstr. 7. Franz Güll. Kontsir. 145. Ch. Paul. Wasscriborstr 2» 3. KW te„Krairts" Ktlinn NckÄÄ s..�»».»,>» Die Thätigkeit der socialdemokratifchen Fraktion in der Berliner Stadtverordneten-Versammlung. 1. Sept. 1899 bis 31. Aug. 1901. Vorbemerkung. Die foci albemokratische Fraktion der Berliner Stadtverordneten- Versammlung zählte bis zum Ende des Jahres 18Z9 IS Mitglieder, sie stieg dann auf 22. Das ist gegenüber der aus 3 Fraktionen destehenden„freisinnigen" Mchrheil, die 120 Stadtverordnete umfajjt. nur eine kleine Minderheit. Aber es einte uns die Uebercinstimmung der Grundsätze und Ziele, es stärkte uns das Bewußtsein, daß hinter uns und unsren Be- strebungen thatsächlich die große Mehrheit der Berliner Bevölkerung steht, und daß der„Frei sinn" den Fortbestand seiner Herrschaft im Roten Hause nur dem Dreiklassen-Wahlsystein verdankt. Das Gemeindewahlrccht verdiente den Namen:„das elendeste aller Wahlsysteme", ebenso wohl als das preußische Landtags- Wahlrecht. Das Gemeinde- Wahlrecht steht denen nicht zu, die nicht mindestens ein Einkommen von 660 M. versteuern. I n Berlin gehen so etiva 55 000 Männer des Wahl- rechts Verlust ig. Vom Gemeindc-Wahlrecht sind die sogenannten Schlafburschen— i n B e r l i n etwa 10 000 M ä u n e r— ausgeschlossen. In der Gemeinde muß ferner von den Erwählten mindestens die Hälfte zu den Hausbesitzern gehören. Die Klassen einteilung führte außerdem dazu, daß 1899 iii Berlin 691 Wähler erster eben so viel Stadtverordnete wählten wie 7 740 Wähler zweiter Abteilung und 308 517 Wähler dritter Abteilung. Etwa 440 Proletarier hatten also nur eben so viel zu sagen, wie ein Reicher! Auch die„Reform" des Gemeindewahlrechts, welche 1900 vor- genommen wurde, hat hier nicht viel geändert. Denn es entfielen 1900 1446 Wähler auf die erste Abteilung, 26 705 auf die ziveite, 304 418 auf die dritte. Das ist die Herrschaft des Gcldsacks in nacktester Form, der blutigste Hohn auf die„Gleichheit aller vor dem Gesetz", die vorgeblich der„Freisinn" anstrebt. Trotzdem hat man auf freisinniger Seite für die Geißelung dieses Systems niemals so hohe Töne der Entrüstung gefunden, wie gegen das Landtagswahlrccht. Im Gegenteil: ein Führer der freisinnigen Bolkspartei. der Stadtverordnete Cassel, sprach 1899 davon, daß bei Erlaß der untersten Steuerstnfe der Glaube entstehen könnte, „daß in Berlin ein gewisses Eldorado vorhanden ist, in dem man zwar ein w c i t g e h e n d e s Wahlrecht hat,..." Und als die socialdemokrätische Fraktion den Antrag stellte, daß die Stadtvcrordneten-Versammlung m Form einer Petition an de» Landtag sich für die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts auch bei den Gemeinde- Wahlen aussprechen solle, stimmten mit nur zwei Aus- nahmen die Freisinnigen dagegen und erklärten, daß sie das Wahlrecht nur denen gewähren wollten, welche über ein steuerfähiges Einkommen verfügen. Ein „Freisinniger" erklärte sich sogar gegen das gleiche, für das Klasse n Wahlrecht, mit der Begründung, daß nur so die freisinnige Herrschaft in der Gemeinde aufrecht erhalten werden könne! DaS Schnlwcfeu. Die Socialdemokratic fordert, daß die heutigen Gemeinde- schulen aus Schulen, die hauptsächlich von den ärmeren Klassen der Bevölkerung in Anspruch genonimen werden, zu„Volks- schulen" im wahren Sinne des Wortes werden.� Nur dann, wenn die Kinder der Besitzenden nicht mehr die Vor- schulen der höheren Lehranstalten, sondern ebenfalls die Gemeinde- schule besuchen, wird auf gründliche Beseitigung der Mängel unsres Gemeindeschulwesens— der Ueberfüllung der Klassen, der fliegenden Klassen, des mangelhaften Lchrplanes usw.— zu rechnen sein. An- geblich ist auch der„Freisinn" für diese Forderung, doch fand bei der letzten Etatsberatung ein von uns gestellter Antrag, der auf die V e- seitigun g der Vorschulen abzielte, nicht die Zustimmung der freisinnigen sMehrheit. Gegen den Antrag führten die Frei- sinnigen u. a. an, daß bei Abschaffung der Vorschulen„i n u n s r e n Gemeindeschulen, wie sie heute beschaffen sind. die Kinder(der Besitzenden) dann u m e i n I a h r b esn asch- teiligt werden I" Aus die Mangelhaftigkeit der Leistungen unsrer Gemeindeschulen wurde auch im Jahre 1900 von dem Etatsredner unsrer Fraktion aufs nachdrücklichste hingewiesen. Er führte an, daß im Jahre 1897 von den 18 870 aus den Berliner Gemcindeschulen entlassenen Kindern über 7000— also weit über ein Drittel— das in 6 Jahren erfüllbare Pensum der Volksschule trotz achtjährigen Schulbesuchs nicht erfüllt haben. Dies ungenügende Ergebnis wird durch die Ueberfüllung der Klassen verständlich, denn im Jahre 1898 war die durchschnitt- liche Schülerzahl einer Gem ei ndesch ulklasse 51,12, einer Realschulklasse dagegen nur 37. Dafür be- trugen auch die Ausgaben der Stadt Berlin für ein tGemeiudeschulkind 1900 nur64Mark, dagegen für ein Kind der besitzenden Klassen, dasein Gymnasium besucht, 147,90 Mark. Daß auch eine ausreichende Besoldung des Lehr- Personals zu den Vorbedingungen einer gedeihlichen Entwicklung des Gemeindeschulwesens gehört, ist von der Fraktion stets anerkannt worden. Demgemäß stimmten wir zu Beginn deS Jahres 1900 einem Antrag auf Aufbesserung der Lehrergehälter zu und ergänzten denselben dahin, daß auch die Lage der Lehrerinnen durch Aussetzung zweier weiterer Altersstufen verbessert werde. Wenigstens eine von diesen Stufen fand die Znstimmnng der Mehrheit. Wir regten ferner an, daß während der Ferien von Gemcindeivegcn für die Erholung de r Kinder Vorsorge getroffen werde, deren Eltern dafür überhaupt nicht oder jedenfalls nicht in dem erforder- lichen Umfange zu sorgen vermögen. Es sollte unter geeigneter Leitung für gemeinsame Beschäftigung der Kinder im Freien durch Spiele, Spaziergänge, Ausflüge usw. gesorgt werden. Diese An- regung fand die Zustimmung der Stadtverordnetcn-Mehrhcit. Der Magistrat stellte darauf auch Versuche dieser Art an, jedoch in durchaus unzulänglicher Weise. Die von unsrer Fraktion zuerst angeregte Anstellung von Schulärzten wurde in der Berichtszeit praktisch versucht, indem wenigstens an 20 Schulen Schulärzte zur Anstellung kamen. Auf dem diesjährigen preußischen Städtetage war zum erstenmal die Socialdemokratie vertreten und zwar durch den Genossen Singer. der als einer der fünf Delegierten der Berliner Stadtverordneten-Ver- sammlung dorthin entsandt wurde. Er hatte dort Gelegenheit, zu Gunsten der obligatorische,, Fortbildungsschule ein- zutreten, und rettete so wenigstens einigermaßen das Ansehen der Reichshauptstadt, da gerade die sonst tonangebenden Vertreter Berlins mit ihrer Gegnerschaft gegen diese so nottvendige Maßregel auf dem Städtetage fast isoliert dastanden. Die von uns imnier lvieder und wieder gestellte Forderung, daß die städtischen Bokksbibliotheken und Lesehallen in angemessener Weise vermehrt und ausgestattet werden, fand in der Berichtszeit teilweise Berücksichtigung. Auch der von unserer Seite zuerst geäußerte Gcdanlen, daß eine st ä d t i s ch e Central- b i bli oth ek notwendig sei, hat im Princip sowohl beim Magistrat, wie bei der Stadtverordneten- Versammlung Anerkennung gefunden. Oeffentliche Gesundheitö- und Krankenpflege. Die socialdemokrätische Fraktion lenkte zu Beginn dieses Jahres die Aufmerksamkeit der städtischen Behörden auf die auch in Berlin überaus große Säuglings st erblichkeit. Wir forderten, daß durch zweckmäßige und energische Fürsorge für die gesunden Mütter und Kinder— durch die Schaffung von Heimstätten für Schwangere, von Wöchne- rinnen- und Säuglingsashlen, von hygienisch vollkommenen Krippen usw.— Abhilfe versucht werde. Unser Antrag, daß eine gemischte Deputation zur Vorberatung geeigneter Maßregeln eingesetzt werde, fand die Zustimmung der Stadtverord- netcn-Vcrsammlung. Ueber die Stellungnahme des Magistrats ist bisher nichts bekannt geworden. Die Wasserversorgung Berlins beschäftigte in der Bcrichtszeit mehrfach die städtischen Behörden, u. a. aus Anlaß einer am 17. Dezember 1899 eingetretenen Ver unreinigung des Leitungswassers in großen Teilen des Stadtgebiets. Die städtischen Behörden sahen sich schließlich zu dem Entschlüsse veranlaßt, auf die Versorgung Berlins mit filtriertem Oberflächen� sSee-> Ivasser zu verzichten und wieder zur Entnahme des W a s s e r l e i t u n g s w a s s e r s aus T i c f b r u» n e u zurückzukehren. Die socialdemokrätische Fraktion konnte dabei darauf hinweisen, daß dies lange zuvor von ihr als die einzige hygienisch einwandssreie Lösung der Frage befürwortet worden war. Auch die F l c i s ch v e r s o r g n n g gab zu Erörterungen mehr- fach Anlaß. Ans der F l e i s ch k o ch a n st a l t des Viehhofs— in der das„schwachfinnige" Fleisch gekocht oder gepökelt wird, damit es dann ohne Gefahr genossen tverden kann— war wiederholt gar nicht oder nur ungenügend zubereitetes und deshalb noch gesundheitsschädliches Fleisch in den Verkehr gebracht worden. Das gab Anlaß zu einer Besprechung in der Stadtverordneten- Versammlung. Durchaus zu treffend äußerte sich dabei ein liberaler Stadtverordneter: „ D i e s e A n st a l t e n d ii r f e n s i ch überhaupt nicht in einem Privatbetriebe befinden; sie dürften nicht einer geluisscn Ausbeutung hingegeben sein." Leider hielt diese freisinnige Begeisterung für die von uns längst geforderte U e b e r n a h in e solcher Anstalten in städtische Verwaltung nicht lange an. In der ersten Sitzung einer auf Wunsch der Stadtverordneten eingesetzten gemischten Deputation— Frühjahr 1900— herrschte zwar noch lebhafte Stimmung für den Eigenbetrieb der Gemeinde. Als dann aber im Januar 1901 die zweite Sitzung stattfand, trat der socialdcmo- kratische Vertreter allein noch für Uebernahme der Anstalt in Gemeinde- Verwaltung ei». Die UnentgeltlichkcitderDesinfcktion wurde auch in der Berichtsperiode von der socialdemokratischen Fraktion ge- fordert; es konnte auch diesmal darauf hingewiesen werden, Ivie auS den eignen Vcrwaltungsbcrichtcu des Magistrats klar hervorgeht, daß das bestehende System die Ansbreitnng der Desinfektion und damit die Volksgcsundheit im höchsten Maße schädigt. Der Plan eines„ st ä d t i s ch e n Amtes zur Unter- jnchung von Nahrungs- und Genußmitteln" fand unsre volle Ziistimmung. Die Zustände unsrer st ä d t i s ch e n Krankenhäuser, d e r Heimstätte» f ii r Genesende usw., wurden von der social- demokratischen Fraktion wiederholt zum Gegenstand scharfer Kritik gemacht. Insbesondere gaben dazu die ständigen und berechtigten Klagen über die Ueberfüllung sämtlicher Berliner Kranken- Häuser Anlaß. Nach den eignen Mitteilungen des Magistrats fehlten schon i m I a h r e 1893 an der für die Berliner Bevölkerung notwendigen Zahl von Kranken hanS- betten ca. 400 Betten. Etz kann danach berechnet werden, daß im Jahre 1898 bereits 700, heute 1000 Betten fehlen. Von unsrer Seite wurde dies scharf gerügt, und auf die Beschleunigung der in Arbeit befindlichen Krankenhaiisbauten, auf sofortige Inangriffnahme neuer, auf provisorische Aushilss- matzregeln gedrängt. Die Freifinnigen dagegen sahen ihre Aufgabe darin, die bestehenden Verhältnisse zu beschönigen und die vor- handenen, selbst in der liberalen Presse oft beklagten Mängel als ."Märchen" zu bezeichnen. Dabei legte eine zu Ende' des Jahres 1899 ergriffene Matzregel von dem schlechten Gewissen der Verwaltung deutliches Zeugnis ab. Damals erhöhte die Charitö die Verpflegungssätze von 2 Mark auf 2,50 Mark pro Tag. Sofort folgte die Verwaltung der städtischen Krankenhäuser diesenr Beispiel und gab damit das Signal zu einer allgemeinen Erhöhung. Davon hat nun die städtische Verwaltung nicht nur keinen Vorteil, sondern ini Gegen- teil erhöhte Slusgaben, denn die Stadt zahlt alljährlich eine höhere Sunime an andre Krankenhäuser, als sie selbst in den städtischen Krankenhäusern an Verpflegnngskosten vereinnahmt. Jede Erhöhung des Verpflegungssatzes bedingt also erhöhte Ausgaben. Trotzdem wurde das Beispiel der Charits befolgt, iveil— sonst innerhalb zwei Tage» die städtischen Krankenhäuser überfüllt gewesen wären. Thatsächlich waren aber 2 oder 3 Tage nach Einführung der Erhöhung alle Zeitungen voll davon, daß in sämtlichen Krankenhäusern Berlins kein Platz mehr frei sei, daß Kranke lange vergebliche Irrfahrten unternehmen mußte» usw. Die Erhöhung der Verpflegungskostcn tvar also eine ganz sinn- und zwecklose, den Finanzen der Stadt Ivie der öffentlichen Gesundheitspflege in gleicher Weise schädliche Maßregel, die nur als Acußerung des schlechten Gewissens verständlich wird. Unsrerseits wurde natürlich an dieser Art von Bekämpfung der Krankenhausüberfüllung schärfste Kritik geübt. Wir befürworeten vielmehr, als darüber beraten wurde, wie man die in Kranken- Häusern Verpflegten vor dem Verluste des Wahlrechts schützen könne, die Einführung der unentgeltlichen Kranken- hauspflege für diejenigen, welche den Unterstützungswohnsitz in Berlin erworben haben. Die cndgiltigc Entscheidung hierüber steht noch aus. Die Erfüllung unsrer Forderung würde nicht allein die Wahl- rechtsfrage in der einzig möglichen Weise lösen, sondern zugleich auch einen ungeheuren Fortschritt der öffentlichen Gesundheitspflege be- deuten. Wie d'ie Krankenhäuser sind auch die städtischen Heimstätten, die Irrenanstalten. die Siechenhäuser aufs äußerste überfüllt. In den Heimstätten z. B. müssen die Kranken vielfach monatelang aus Auf- »ahme warten, so daß ein großer Teil schon vorher verzichtet. Auch hier drängte unsre Fraktion wiederholt auf Abhilfe. Ein besondrer Mangel der Krankenfürsorge unsrer Gemeinde ist dann weiter das gänzliche Fehlen eines städtischen Kindcrkranken- Hauses bei nicht genügendem Umfange der Kinderstationen in den allgemeinen Krankenhäusern. Man hat dieses wichtige Feld bisher fast ausschließlich— wie noch so manches andre— der privaten bezw. kirchlichen Wohlthätigkeit überlassen, die den» auch gerade auf diesem Gebiete in der Berichtszeit ihre gänzliche Unzulänglichkeit erwiesen hat. Die Verwaltung des„Kaiser und Kaiserin Friedrich Kinder- krankenhauses" mußte zu Beginn dieses Jahres aus Mangel an Mitteln selbst die Uebernahme in städtische Verwaltung beantragen; wir drängten bei der Gelegenheit mit Erfolg auf die Beschleunigung der Uebernahme. damit rechtzeitig aus Mitteln der Gemeinde der notwendige Ausbau erfolge. Das andre in Berlin bestehende private Kinderkrankenhaus ist das Elisabeth-Kinderkrankenhaus in der Hasen- Heide, von dem kürzlich bekannt wurde, daß in ihm eine ganze Reihe von Kindern an Tripper angesteckt seien! Daneben widmete die Fraktion besondres Interesse auch den ä r t e r v e r h ä l t n i s s e n in den städtischen Krankenanstalten. Durch die Reden unsreS Parteigenossen Antrick im Reichsrage war die öffentliche Aufmerksamkeit auf die erbärmlichen Lohn- und Arbeitsbedingungen der Krankenwärter gelenkt, und gezeigt worden, wie hierdurch auch die Kranken selbst leiden. Die Berliner städtischen Krankenhäuser machen bedauerlicherweise davon keine Ausnahme. Von uns wurde deshalb bei der Etatsberatung eine Besser« stellung des Wartepersonals in Bezug auf Be- soldung, Verpflegung, Arbeitsverhältnisse usw. gefordert. Bei der Freisinnsmchrheit fanden wir auch dafür kein Gehör. Dieselbe lehnte auch nnscrn Antrag ab, daß in der 3. städtischen Irrenanstalt zu Buch für das dienstfreie Wärter- personal— das teilweise nicht einmal eigene Schlafräume hat— besondere Erholnngsräume geschaffen werden, wie sie für die Aerzte in allen Krankenanstalten bestehen. Ja, als wir hygienische Bedenken vorbrachten gegen eine Vorlage des Magistrats, nach welcher Keller- räume des Siechenhauses zu Wohnungen für das Personal eingerichtet werde» sollten, stimmte die Mehrheit nicht einmal der Nachprüfung des Projektes in einem Ausschuß zu. Armenvcrwaltung. Aus dem Gebiete der A rm e n v e r w a l tu n g sei hervor« gehoben, daß es gelungen ist, den Frauen größere Rechte zu erkämpfen. Während bislang nur Männer als ÄrmenkommissionS- Mitglieder wählbar waren, sind fortan zu Mitgliedern einer Armen- kominissio» alle großjährigen Angehörigen eines deutschen Bundes- staotes, ohne Unterschied des Geschlechts, wählbar, die sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und in Berlin wohnhaft find. Die Armenpflegerinnen haben als Mitglieder der Armenkommissioncn bei der Beratung und bei der Beschlußfassung dieselben Rechte wie die Armenpfleger. Da die Arinenverwaltnng jährlich über 40 000 Personen aus öffentlichen Mitteln unterstütze» muß und die Armen- kommisfionen die Grundlage der Armenfürsorge bilden, so erschließt sich den Frauen ein weites Gebiet kommunaler Mitthätigkcit. De» W ä i s e n p f l«gerinnen gleichfalls über ihr jetzt besteheudes Recht, Recherchen anzustellen und mitzubcraten, hinaus beschließende Stimme umzuändern, ist wiederholt, bislang aber erfolglos, von uns angeregt. Die Lohn- und ArbeitSverhiiltnisse der städtische» Arbeiter. Für die städtischen Arbeiter brachte die Berichtszeit einige nicht unwesentliche Verbesserungen. Zu diese» ist in erster Linie zu zählen der Gemeindebeschluß'betreffend die Bewilligung von Ruhegeld und H i n t e r b l i e b e n e n v e r s o r g u n g für die ohne Pensionsberechtigung im Dien st e der S tja d t dauernd beschäftigten Personen. ' Die socialdemokrätische Fraktion hatte schon im Jahre 1897 einen ähnlichen Antrag gestellt, in welchem zwar eine Beitragspflicht der Arbeiter selbst vorgesehen war, dafür aber auch für dieselben ein Rechtsanspruch auf die Leistungen der zu errichtenden Invaliden- versorgnngskajse und ein Anteil an der Verwaltung gefordert wurde. Damals erledigte die freisinnige Mehrheit d e n A n t r a g durch lieber gang zur Tagesordnung. Die jetzt vom Magistrat eingebrachte Vorlage entsprach, soweit das Princip der Jnvaliditäts- und Hinterbliebeiienversorgnng in Frage kommt, unserer damaligen Forderung und nahm sogar von Beiträgen der Arbeiter Abstand. Es wurden auch von uns noch einige Verbesserungen durchgesetzt, so z. B. eine Bestimmung, welche den niehr als 15 Jahre im Gemeindedienst thätigcn Personen im Fall einer ohne ihr Wer- schulden erfolgenden Entlassung ein kleines Wartegeld sichert; so Be- stimmungcn betr. Anrechnung der früheren Arbeitszeit bei kurz dauernden Arbeitsunterbrcchungcn, betr. Verdoppelung der Wittwcn- und Waisengelder während der ersten zwei Monate, betr. die teil- weise Nichtanrechnung der Invalidenrente u. s. w. Andre Verbcsserungsvorschläge unsrer Fraktion fanden keine Mehrheit, so z. B. nicht der Antrag, ein klagbares Recht auf das Rn Hegeid usw. zu gewähren. Trotzdem glaubte die Fraktion den Gemeindebeschluß im ganzen als wesentlichen Fort- schritt begrüßen zu sollen und stimmte ihm daher zu. Die Löhne und die Arbeitszeit der städtischen Arbeiter erfuhren in der Berichtszeit eine Nachprüfung. Das Er- gebnis derselben war der Antrag, den Magistrat zu ersuchen, dafür Sorge zu tragen, 1. daß in allen städtischen Betrieben A r b e i t e ra u s s ch ü s s e eingerichtet werden; 2. daß' die Arbeitszeit mit Ausschluß der Landwirtschaft— in der Regel 10 Stunden nicht überschreitet; 3. daß die von dein betr. Ausschuß festgesetzten Löhne bezahlt werde» fdiesc Löhne waren nach dem Princip festgestellt, daß für einen im Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte befindlichen Arbeiter ein M i n d e st l o h n von 3,50 M. pro Arbeits- t a g angemessen sei, ein Princip, das allerdings vom Ans- schnß selbst durch viele Ausnahme» stark durchlöchert war). Weitergehende Anträge unsrer Vertreter im Ausschuß hatten nicht die Mehrheit gefunden. Trotzdem glaubte die Fraktion in den Beschlüssen eine Grundlage sehen zu sollen, auf der späterhin weiter gebaut werden kann, und stimmte daher auch ihrerseits zu. Auch sonst zeitigte das Bestreben unsrer Fraktion, die Lage der in städtischen Diensten stehenden Personen zu verbessern, nach mancher Richtung Erfolge. Es kann im allgemeinen behauptet tverden, daß durchschnittlich die Lage dieser Personen— insbesondere z. B. auch bisher die Versorgung von Arbcitsinvalidcn oder von Arbeiter- Wittwen und-Waisen— in den Betrieben eine bessere ist. in deren Verwaltung unsre Fraktion vertreten ist; und es muß auch von diesem Gesichtspunkte bedauert werden, daß wir durch den Mißbrauch, welchen die Freisinnsmehrheit mit ihrer parlamentarischen Uebermacht treibt, gerade von den wichtigsten Verwaltungs« deputationen, den Deputationen der Wasserwerke, der Gasanstalten, der städtischen Krankenhäuser, der Heimstätten, denen sehr viele Arbeiter und Angestellte unterstchen, bisher ferngehalten wurden. Aber auch ganz im allgemeinen sind die städtischen Betriebe noch weit davon entfernt, in Bezug auf sociale Fürsorge für ihre Angestellten Musteranstalten zu sein. Es traten ini Gegenteil in der Berichtszeit z. B. auf den Rieselfeldern sehr erhebliche Mißstände in den Wohnnngs-, Arbeits- und Lohnvcrhältnissen zu Tage. Es wurde festgestellt, daß in den sogenannten «Schnitterbaracken"— d.h. den für die Wanderarbeiter geschaffenen Behausungen— teilweise verschiedene Ehe- paare in einem Zimmer z u s a mm e n w o h n e n mußten. daß Kinder schon vom 11. Lebensjahre an bis zu fünf Stunden, beziehungsweise nach den Z e i t u n g s m e I d u n g e n sogar bis zu sechs Stunden beschäftigt werden und f ü r diese Arbeit täglich 25 Pfennig Lohn erhalten, daß für die er- w a ch s e n e ii Arbeiter überlange Arbeitszeit, überaus niedrige Löhne und keine oder nur ungenügende Sonntagsrnhe bestehen usw. usw. Als von unsrer Fraktion diese Zustände schärfsten Tadel erfuhren, störte die Mehrheit diese Ansführuiigeii durch Murren, Zwischenrufe, Gelächter, während die Beschönigungsversuche der Magistratsvertreter den üblichen Beifall fanden. Und als dann später von uns die Ausschuß« Vorberatung eines Bauprojektes für ein„Familien- und Schnitter- Wohnhaus auf dem Gute Hcllersdorf" beantragt und dabei die Größe der Schlafräume, die Lage der Krankenzimmer usw. be- mängelt wurd e, antworteten weder Magistrat noch freisinnige Mehr- heit. Es wurde vielmehr die Ausschußberntung abgelehnt. Es gelang uns auch nicht, den Anshilfsarbeitern der städtischen Stratzenreinigung— den sogenannten Schneeschippern— eine Er- höhung ihres Tagelohns auf 3 M. an Stelle der vom Magistrat beantragten 2,60 M. zu sichern. Vergebens bemühten wir uns, den Arbeitern, welche im Dienste von Zwischeimnternehmern städtische Arbeiten vcr- richten, in den S u b m i s s i o n s b e d i n g u n g c n die Erfüllung gewisser Mindestforderungen seitens ihrer Unternehmer zu sichern. Während bei der Revision der Submissionsbedingnngen alle Wünsche der Unternehmer in ausgiebigstem Maße berücksichtigt wurden, fanden alle Anträge, welche die Lage der Arbeiter sicherstellen sollten. nicht die Zustnnmung der freisinnigen Mehrheit. Es wurde abgelehnt die von uns bemitragte Aufnahme der a n st ä n d i g e n L o b n i l a n s e l in die Verträge, d. h. einer Bestimmung, welche die Unternehmer verpflichtet,„die ortsüblichen Lohn- und Arbeits- bedingnngen, ivelche von den Arbeiterorganisationen anerkannt werden, für sich als bindend zu erachten". Es wurde ebenso ab- gelehnt, ivenigstens die Gewährung„der zivischen den Unternehmern und Arbeitern im E i» i g II II g s a m t vereinbarten Arbeits- bedingnngen" in den Verträgen festzulegen. Ja man wollte nicht einnial die Unternehmer verpflichten,„bei ollen Neubauten den Arbeitern zweckentsprechende Unikleide-, Wasch« und Eßräume zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung zu stelle», desgleichen für genügende, der Sittlichkeit und der Gesundheit entsprechende Aborte zu sorgen". Bei dieser Gelegenheit wurde gegen die Annahme der »anständigen Lohnklausel" unter anderm angeführt, daß man ja auch den Unternehmern die„Streikklausel" verweigert habe, das heißt die Aufnahme einer Bestimmung, daß im Fall eines Streiks der Unternehmer an die Jnnchaltung der vereinbarten Termine nicht gebunden ist. Wie verhielt sich aber die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung, als die Frage der Streik- klausei wirtlich aufgerollt wurde? Als zu Beginn des JnhreS 1900 der Verband der Arbeitgeber im Baugewerbe seinen Mitgliedern die Verpflichtung auferlegte, Vertrage künftig nur mit Streikklausel ab- zuschließen, brachten wir den Antrag ein. daß der Magistrat die städtischen Verwaltungsdeputationen anweisen möge, „bei Vergebung von Lieferungen und Arbeiten die sogenannte Streikklausel nicht in die Verträge aufzunehmen." Die freisinnige Mehrheit lehnte aber diesen Antrag ab. Kommunale Socialpolitik. Als in der Diskussion über die Submissionsbcdingungen ein Redner an die Mehrheit die Frage richtete: „Wie soll denn eine Kommune tvie Berlin sonst Socialpolitik treiben..." erschollen aus deren Mitte„lebhafte Zurufe": „Braucht sie ja gar nicht!" Das ist die freisinnig- manchesterliche Auffassung von den Auf- gaben der Gemeinde! ihr steht gegenüber die socialdemokratische Ausfassung, welche gerade die socialpolitischen Aufgaben, die Für- sorge für die, welchen es die heutige Gesellschäftsordnnng un- möglich macht, selbst für sich zu sorgen. am höchsten' stellt. Gerade in dieser Beziehung gab eS in der Berichtszeit für �die socialdemokratische Fraktion reiche Arbeit. Schon die vorauf- gehenden Ausführungen legen ja davon Zeugnis ab. Es bot sich jedoch noch mehrfach Anlaß zu besonderem Bor- gehen. So entwickelte sich im Jahre 1900 aus dem auch in Berlin heimische» chronischen Wohnungselend eine akute Wohnungsnot. Die Mieten der kleinen, vom Proletariat in Anspruch genommenen Wohnungen erfuhren eine plötzlicke. sehr erhebliche Steigerung, daneben zeigte sich aber geradezu ein Mangel an kleinen Wohnungen, so daß z. B. a n, S. O k t o b e r in dem städtischen F a m i l i e n o b d a ch 409 Familien mit 1S72 Köpfen Unterkunft suchen mutzten. Dies gab uns Vcranlassiuig, ein Eintreten der Stadtgemeinde zu verlangen. Unser Antrag wurde von der Mehrheit verkoppelt mit der Beratung der noch zu erwähnenden„König Friedrich- Stiftung" und gemeinsam niit dieser einem Ausschüsse' überwiesen. Der Ausschuß hat seine Beratungen noch nicht ganz abgeschlossen, das Ergebnis derselben jedoch bereits teilweise dem Plenum vor- gelegt und zwar in Gestalt eines Antrages, den Magistrat zu ersuchen, „mit gemeinnützigen Baugenossenschaften und gemeinnützigen Aktien- gcsellschaften für die H e r st e l l n n g kleiner Wohnungen in Berbindung Au treten und die Modalitäten festzusetzen, wie durch Unterstützung der Stadt kleine, gute, gesunde u n d m ö g I i ch sl b i l l i g e W o h n u n g e n in erheblicher Anzahl hergestellt werden können. Die Höhe der Mieten für die Wohnungen i st so zu bemessen, daß nur d i e V e r z i n j u n g und Amortisation des für die Herstellung an'fge wendeten Kapitals, die aus der I n st a n d h a l t u n g usw.« n t st e h e n d e n Aufwendungen sowie die V e r w a l t u n g s k o st e n in An- rech n uii g gebracht werde n." � Gegenüber diesem Antrage befürworteten wir, insbesondere auch aus Grund der Erfahrniigeii der Freiburger Stadtverwaltung, den Bau solcher Häuf er durch die Stadt selb st.' Diese Forderung fand aber als„socialistisch" nicht die Zustiminimg der Mehr- heit, während der Ansschußantrag zur Annahme gelangte' Immerhin bedeutet auch der erwähnte Beschluß schon, ins- besondere, nach Einsiignng des letzten von unserer Fratlion beantragten Satzes, einen Erfolg unsrer Initiative. Weniger erfolgreich war unser Vorgehen auf andren Gebieten. Als TeUersweiiiung der herrschenden Kohlennot trat im Winter 1909/1901 auch eine sehr erhebliche Preis- steigern n g des CoakS, verbunden zugleich mit Cooks- Mangel ein. DieS rief bei den kleinen Avnehmeni eine um so lebhaftere Erregung hervor, als Gerüchte— und zwar begründete— umliefen, daß von den städtischen GaSlverken an Großabnehmer Cooks in ganzen Kahnladungen zu wesentlich niedrigeren Preisen abgegeben werde. Bon unsrer Seite wurden' diese ver- hältniffe in der Stadtverordneten- Versammlung zur Sprache gebracht, und eine AiiSschnßberatung durchgesetzt. Dabei stellte sich heraus, daß das GaSkuratoriimi mindestens einen der Vertröge, in Ivelchcn es sich zur Lieferung von Cooks an Grobiiiiternchuier zu billigen Preisen verpflichtete, noch zu einer Zeit abgeschlossen hatte, als die Coatskalamilät bereits im Anzüge war. Da aber an den laufenden Verträgen nichts zu ändern war. beantragten wir, daß der Magistrat wenigstens die städtischen Werke anweise, soweit an- gängig für dieses Jahr die Coaksfeuerung einzustellen, damit die dadurch f r e i iv e r d e n d e n C o a k s in e n g e n in kleinen Quantitäten im Einzelverkauf abgegeben werden könnten. Die Mehrheit lehnte diesen Antrag ab. lim bei Zeiten gegen den von nnsren brandenburgischen Agrariern geplanten Milchwucher zn rüsten, beantragten wir bei der Etatsberatung, den Magistrat zu ersuchen,„für eine thnnlichst weitgehende Vermehrung der Milchprodnktion ans den Rieselfeldern Sorge zu tragen". Die Mehrheit der Stadtverordneten lehnte auch diesen Antrag ab. 1899 fanden, zum Teil infolge eines zwei Jahre vorher auf unser Drängen gefaßten Stadtverordnetenbeschlusses Verhandlungen zwischen Magistrat und Polizeipräsidium über den Erlaß einer Polizei- Verordnung betreffend die gelv erbliche Beschäf- tigung schulpflichtiger Kinder statt. Dabei beschränkte sich der Magistrat darauf, zu fordern, daß Kinder unter 9 Jahren eine Eriverbsthätigkeit außer dem Hause nicht ausüben dürften, Kinder von 9—14 Jahren im Sommer nicht vor 6l/2 Uhr, im Winter nicht vor tU/e Uhr morgens und abends nicht nach 8 Uhr. Wir forderten demgegenüber, daß„die gewerbliche Beschäftigung von Schulkindern vor Beginn der Schulzeit und nach 6 Uhr abends, ferner das Feilbieten und der Verkauf von Waren aller Art, sowie die Verwendung von Schulkindern zn Arbeiten aller Art, oder zu Schanstellungen in Theatern und sonstigen öffentlichen Lokalen. endlich das Austragen von Milch, Backwaren und Zeitungen durch Schulkinder verboten werde." In der Diskussion behanptete der damalige Leiter des Gemeinde- schnlivescnS, entgegen den thatsächlichen Feststellungen in andren Orten, aber unter dem Beifall der freisinnige» Mehrheit, daß gerade durch die gleichzeitige Eriverbsthätigkeit der Schulkinder„eine höchst arbeitskräftige. eine höchst leistungsfähige Jugend e n t st e h t." Der Polizeipräsident selbst erachtete den freisiimigen Kinder- schütz nicht für ausreichend, sondern hielt es seinerseits für notwendig, die abendliche Ruhezeit schon nm 7 Uhr beginnen zn lassen. Die Stadtverordneten- Versammlung rückte dann das Schutzalter um ein Jahr— also auf das zehnte Jahr— hinauf, und stimmte im übrigen unter Ablehnung unsrer Anträge dem Eni- Wurf des Polizeipräsidenten zu. Unser Antrag, daß ein OrlSstatnt erlassen werde, welche? den Handlungsgehilfen eine ausgedehntere Sonntagsruhe sichert, als sie heute besteht, wurde abgelehnt, weil die Unternehmer sich gegen die orts- statutarische Ausdehnung der Sonntagsruhe erklärten; die An- gestellten auch nur zu befragen, hielt die frei- sinnige Mehrheit nicht für notwendig. Die Bewilligung einer höheren Unterstützung an den„Central- verein für Arbeitsnachweis", welche der Magistrat forderte, be- antragten wir an die Bedingung zu knüpfen, daß der Arbeits- n a ch'w eis künftig k o ft e n I o s erfolge. Auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Dagegen wurde endlich eine alte Forderung unsrer Fraktion erfüllt, indem durch Onsstatnt die Krankenversicherung der Hausgewerbetreibenden beschlossen wurde. Nach den Bestimimittgcn dcS Statuts wird die Zahlung des Arbeitgeberdritteis der Beiträge, wie es von uns verlangt war, nicht dein Zwischen- mcister, sondern dem wirklichen Unternehmer obliegen. Gemeinnützige Unternehmungen in den Händen privater ErwerbSgesellschaftc». Gerade in den zwei letzten Jahren wurde der Berliner Be- völkernng aufs deutlichste vor Augen geführt, welche Verhängnis- vollen Folgen das von uns stets' bekämpfte System hat, die der Allgemeinheit dienenden, auf städtischem Grund und Boden be- triebenen Unternehmungen Pribaten zur Ausbeutung zu überlassen. Dank der Sparpolitik der Großen Berliner Straßenbahn und ihrem rücksichtslosen Erwerbssinn häuften sich die Unfälle in geradezu er- schreckender Weise. blieben die bercchiigten Forderungen deS Publikums in Bezug auf die Bewältigung des Berkebrs usw. nnberücksichligt, traten umfangreiche Betriebsstörungen ein, die den Verkehr in ganzen Stadtteilen' lahm legten, wurden die Angestellien in einen umfassenden Streik getrieben, in ivclchem die Sympatbien der Bevölkerung einhellig ans ihrer Seite waren. Daneben setzte stcki die Gesellschaft hinter dem Rücken der städtischen Behörden mit der Re- gierung in Verbindung und erlangte durch persönliche Beziehungen eine Verlängerung ihrer Konzession bis zum Jahre 1949 und später dieÄbschafsung des Accum uloloien- betriebes ohne hinreichende Enischädignng der Stadt. Diese und andre Vorkommnisse führten schließlich dazu, daß selbst die freisinnige Stadtvcrordnetcn-Versammlnng mit großer Mehrheit den Magislratsanträgen zustimmte, durch welche die Errichtung eines Netzes städtischer Straßen- und Untergrund- bahnen vorbereitet werden sollte. Ebenso fand als erster energischer Schritt auf diesem Wege auch der Ankauf der beiden Siemens und Halske-Bahnen Billigung. Gerade bei dieser letzten Gelegenheit aber trat noch einnial die ganze Verkehrtheit des Systems in vollster Deutlichkeit zu Tage. Mit zwei DriitelAnfschlagmnßte die Stadt die Aktien der Bahnen erwerben, also a n s d a s G e- s a ni t k a p i t o l von 6 Millionen Mark mußten 4 Millionen Aufgeld gezahlt werden, einzig und allein deshalb, weil die von der Stadt selbst ver- li e h en e K o uz e f fi o n noch k a u s m ä n n i s ch e r Rechnung einen solchen Wert darstellt. Die Stadt viußte also ihr eigenes Geschenk d e n A k t i o n ä r e n für 4 Millionen Mark abkaufen! Trotz ihrer eindringlichen Sprache mochlcn diese Ereignisse beim Kommunalfreifiiin keinen nachhaltigen Eindruck. Denn, als der neue Vertrag mit der englischen Gasgesellschaft auf der Tagesordnung stand, und dieser Gesellschaft ihr einträgliches Privileg auf 10 Jahre verlängert werden sollte, hielt die fteisinnige Mehrheit nicht einmal eine Ausschuß- b e r a t u ii g für notwendig, sondern nahm es sogar sehr übel, als von uns in e n i g st c n s eine gründliche D u r chb e r a t u n g der Vorlage im Plenum erzwungen wurde. Ebenso stiiiimic die Freisinnsmchrheit auch der Neu- v e r p a ch i u n g der Anschlagsäulen ohne AuSschnßberaiiing zn. obwohl von uns eine solche schon deshalb gefordert wurde, weil in geradezu skandalöser Weise von den Pächtern der Aiischlagsäillen, der Firma Nauck u Hartmann, a n den Plakaten Eensur geübt wird. Tie GaSfrage. Der Verbilliglina de? Gases und der Eiiifnhnmg eines Ein- heitSpreises für Koch-, Industrie- und Leuchtgas taud die Fraktion freundlich gegenüber. Dagegen stimmte sie dein nicht zu, daß man den Einheitspreis durch Verteuerung des Koch- und JndustriegafeS erziele, nachdem man jahrelang bestrebt gewesen. gerade durch die billige Ansetzung dcS Koch- und JudustricgaSpreiscö Konsumenten anzulocken. Auch dafür irat die Fraktion ein. daß die Verwaltung der Gas- werke weniger nach fiskalischen Grundsätzen geführt werde, als dies beute geschieht. Insbesondre wurde die unentgeltliche Legung der Rohrleitungen innerhalb der W o h- n u n g e ii befürwortet, ein Verfahren. das sicher auch durch ge- steigerten Absatz sich bald als sehr rentabel erweisen würde. Gcmeindevertreter und Gemcindelieserunge«. Unser Kommunalprogramm enthält die Forderung, daß d i e Gemeindevertreter an Lieferungen und Arbeiten für die Gemeinde nicht b e t e i l i g t s e i n dürfen.„Das Amt soll nicht zur Futterkrippe werden." Auch diese» Staiidpnnkt zu vertrelen. batten wir in der BcrichtSzeit Veranlassung, und auch damit st a n d e u wir isoliert da. Es ist bisher nicht einmal gelungen, dem bestehenden Beschlüsse unbedingte Geltung zu verschaffen, daß die Mitglieder von Berwaltnngsdepulationen Lieferungen für ihre Deputation nicht übernehmen dürfen: vielmehr ist gerade diese Bestimmung in der letzten Zeit wieder einmal im Bereiche der städtischen Baudcpiitation übertreten worden Steuerpolitik. Gegen Ende dcS Jahres 1899 beantragte der Magistrat, d i e u n t e r st e Stufe der G e ni e i n d e- E i n l o m m e n st e u e r. welche bei einem Einkommen von 660—900 M. in Höhe von 4 M. jährlich gezahlt wird, künftig nicht mehr zu er- heben. Denn ein Einkommen in dieser Höhe stelle gewissermaßen den geringsten, zur Fristimg des Lebens noch eben ausreichenden Betrag dar, und müsse deshalb steuerfrei bleiben. Ferner hätten gerade bei dieser Steuerstufe die Erhebuiigskosten z. B. im Jahre 1898 mehr als 50 Proz. der Ge- samteiiinahmen ausgemacht, waren also höher als die verbleibenden Reineinnahmen. Gegen diese Magistratsvorlage wurde von freisinniger Seite ii. a.— d i e F ü r s o r g e für die Steuereinnehmer ins Feld geführt, die bei Annahme der Magistratsvorlage in ihren Ein« künften beschränkt würden! Vor allem aber war für die Freisinnigen ausschlaggebend der Grund, daß die zur untersten Geincindefteucr- stufe Veranlagten das Wahlrecht doch behalte» und daß„niemand mitraten soll, der nicht mitthatet". Dem gegenüber wurde von uns darauf hingewiesen, daß die Personen, um die es sich hier bandelt, znni größten Teile der Arbeiterklaffe angehören «und das Mitthaten dieser Steuerzahler besteht nicht darin, daß sie die 4 M. zahlen, sondern darin, daß zum großen Teil ihrer fleißige» Arbeit, ihrem Streben, ihrer Thätigkeit der Wohl st a u d derer zu danke n i st. die in der Lage sind, höhere Steuern zu bezahle n." Es half aber alles nichts: dieselbe Stadtverordneten- Versamm- lung, welche unbedenklich den gutsituierten Berliner Hausbesitzern durch Erlaß �der Wasser niesser» miete und durch niedrige Beniessung der Kanali« sationsgebühr ein wertvolles Geschenk gemacht hatte, hielt die fernere Besteuerung der niedrigsten Einkomnicn für dringend notwendig und lehitte die Magistratsvorlage ab. Auch ein von uns gestellter Antrag, welcher die Bescitignng der bisher von d e n D i e n st b o t r n bei jedem Dienstwechsel g e- forderten Gebühr von 50 Pfennig anstrebte, wurde von der freisinnigen Mehrheit abgelehnt,— obwohl das freisinnige Partciprograinni solche indirekten Stenern verwirft. Byzantiner. Nachdem Polizei und Verwaltimgsgerichtc die würdige Instand- setznng des Friedhofs der Märzgefallenen' verhindert haben, mußten wahrhaft freisinnige Männer um so lauter sich zn den Toten bekennen, sie um so mehr als Märtyrer der bürgerlichen Freiheit feiern. Dreimal bot sich im Jahre 1900 dem Kommunal- frcisinn die Gelegenheit, dies zn thun. Alle drei Mal aber machte»nr ein kleiner linker Flügel von dieser Gelegenheit Gebranch, während z. B. die beiden Mehrheitsparteien— die„Alte Linke", ivelchcr die freisinnigen Reichstags-Abgeordneten angehören, und die„Freie Fraktion"— durch Schweigen in sehr beredter Weise ausdrückten, daß auch sie zu denen gehören,„d i e d a meinen, e s s e i f ü r u n s r e jetzigen Verhältnisse das b e st e. man spräche nicht mehr davon, es könnte ja irgendwo mißliebig empfunden iv e r d e n". So charakterisierte unser Vertreter das Verhalten der Herren. Verwunderlich ist das freilich nicht! Der„Kommunalfreisinn" kennt eben— trotz aller Abweisungen, die aufrechte Männer zu vornehmer Zurückhaltung veranlaßt hätten— kein höheres Sireben, als das, bei jeder möglichen Gelegenheil sich mit anfdringlichcr Be- flisienheit der Krone gefällig zn erweisen. Daran änderte auch nichts das bekannte Schreiben des Oberhofmeisters der Kaiserin, Frciherrn von Mirbach, das im November 1899 den Stadtverordneten als Antwort auf eine Geburtstagsgratulation zuging. Vielleicht noch nie zuvor ist einer Vertretung der Bürgerschaft für einen Glückwunsch in solcher Weise gedankt worden. Deffcn ungeachtet wurden bald darauf bei der Regulierung des Schloß- Platzes bedingungslos alle Wünsche der Krone erfüllt. Nach- dem ivenige Jahre zuvor für mehrere Millionen Grundstücke er- worden worden Ivaren, die angeblich im Interesse des Verkehrs zur Verbreiterung des Schloßplatzes notwendig waren, wurde jetzt ein nahezu' ebenso großer Streife» des Schloßplatzes ohne jedes Entgelt zur Anlegung einer gärtnerischen Anlage vor dem Schlosse geopfert. Und als in der betreffenden Beratung ein Mitglied der freisinnigen Mehrheit nur daran zu erinnern wagte. daß der neue Plan früheren Gemeindebeschlüsscn widerspreche. erregte er bei seiner eignen Partei zunächst„Unruhe", später sogar „Andauernde Unruhe»ud Zurufe"— wie ein Socialdeinokrat, der der Mehrheit uilangenehine Wahrheiten sagt. AIS im Mai 1900 der östreichische Kaiser nach Berlin kam. wurde dies dem Magistrat in einem Telegramm mitgeteilt, in welchem mit erfrischender Deutlichkeit zum Ausdruck kam, daß der Besuch ausschließlich der Kaiserin und dein Kaiser galt. Das hinderte Magistrat und Stadtverordnete nicht, nahezu 100 000 M. aus städtischen Mitteln zum Empfange des Gastes zu opfern. Bei der hiermit vorgenommenen Ausschmückimg dcS Pariser Platzes verwandte der'Stadtbaurat mit Recht Moiive aus dem alten Byzauz. In ganz besonderer Weise ivolllcn der Magistrat und die frei- sinnige Stadlverordneten- Mehrheit ihre monarchische Uebcrzeugnng und ihre Liebe zu dem angcstamniten Herrscherhause ans Anlaß der Zweihundertjahrfeier des Königreichs Preußen— im Januar dieses Jahres— delhätigcn. Zunächst sollte zu Ehren dieses Ereignisses eine„König Friedrich-Stiftnng" errichtet werden. die gleichzeitig zur Linderung der Wohnungsnot dienen sollte. Für beide Zwecke znsannnen hielten Magistrat und Stadtverordneten- Mehrheit eine Million Mark für ausreichend! Die Borlage erregte aber im höchsten Maße das Mißfallen der Haus- agrarier. da nach ihrem Wortlaut die Stiftung selbst Häuser niit„billigen und gesunden Wohnnugen für Mindcrbemiitclte" bauen bezw. erwerben sollte. Die Hansagrarier waren damit einverstanden, daß die Mittel der Stiftung dazu ver- wendet iverdon. Personen, die„nicht in der Lage sind, ihre Miete zu zahlen, vor der Exmission zu schützen"— also mit andern Worten: den Hauswirten M i e t s a u s s ä I l e zu ersetzen! Sie Ivolltcn aber nicht zugeben, daß ihnen durch die Stiftmig eine Konkurrenz bereitet werde. Der Profil st a n d ihnen höher, als das so» st so eifrig betonte monarchische Gefühl, als die Liebe zu dem an- g e st a m m t e ii H e r r s Ä e r h a n s e. Als darum in dem vor- beratenden Ausschüsse tvohl eine Milderung, nicht aber die gänzliche Beseitigung der vctreffeiidcn Bcstiimnung durchgesetzt werden konnte. orderte einer der Hausagrarier im Plenum seine Freunde aus. deshalb gegen die ganze Vorlage zu stimmen! Ferner beantragte der Magistrat aus Anlaß der Zweihundertjahr- Feier, an die Schüler der ersten Gemeindeschulllasjeii eine Schrift des StodlschnliuspcltorS Dr. Jonas zn verteilen:„200 Jahre preußischer Geschichte". Die Schrift den Stadtverordneten vor ihrer Beschluß- sassung vorzulegen, hielt mau nicht für notwendig oder angebracht. und die freisinniqe Mehrheit erklärte sich auch damit durchaus ein- verstanden. Nachher stellte sich dann heraus, daß that sächlich niemand i m M a g i st r a t oder d e r St a d t v c r o r d n e t e n- Versammlung die Schrift vor der Veröffent« lichung ganz gelesen hatte und daß dieselbe— die im übrige»'so eine Art papierne Siegesollee ist— ganz ungualifizierbare Beschimpfungen der deutschen Arbeiterschaft enthielt, Beschimpfungen, die schließlich auch die Vertreter des Magistrats und der Mehrheit unumwunden preisgeben mußten. ' Es ist wohl unnötig zu sagen, daß gegen diese und noch so manche andre byzantinische Manifestation von scite» der social- demokratischen Fratlion. die sich gerade auch in dieser Bezichuiig eins weiß mit der großen Mehrheit der Berliner Bevölkerung. energische Verwahrung eingelegt wurde. Allerdings vergeblich. Die Korrektheit unseres Stcindpunlteö, die Wergeblichkeit ihres Liebes- werben« wurde aber auch den„Freisinnigen" gerade zum Schlüsse der Berichlszeit in recht nachdrücklicher Weise klar gemacht: der Wahl des Stadtrats Kaufs mann zum z iv e i t e n Bürgermeister wurde die tönigliche Bestätigung versagt, wie die Zeitungen meldeten,>v e i l im Jahre 1337 Kaufs- in a n n'S T h ä I i t te i t für die d e u t f ch f r e i j, n n i g e Partei zu seiner Entfernung aus dem Reserve- osfizi er- Corps Veranlassung gegeben hatte! »» » Der große Umfang und die Mannigfaltigkeit der Thätigkeit in der Genieiiidcverwaltung gestattet es nicht, diesen Rechenschaftsbericht auf alle Einzelheiten aiiszndehiien. DaS Gegebene genügt jedoch wohl, ein Bild von der Thätigkeit der socialdemokratijchen Fralliou innerhalb der Gemeindeverwaltung zu geben. ES zeigt dies Bild auch, so hoffen wir, welche Bedentinig eine ihrer socialen Pflichten bcivutzte Gemeindevertretung für das Gemein- Wesen gewinnen könnte. ES zeigt, wie notwendig es ist. nnsre Fraktion zn stärken, welche für sich in Anspruch nehmen kann, daß sie mit emsigem Fleiß und unbeirrt durch alle Anfeindungen für das Wohlergehen der großen Massen der Be- völkernng, gegen die Interessen Politik einer kleinen, aber durch das K I a s s e n w a h l s Y st e>» bevor- rechteten Minderheit gelämpft hat. Auch in Zukunft wird die socialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten-Versammlung in diesem Kampfe nicht erlahmen. Sache der Wähler aber wird es sein, bei den kommeuden Wahlen die Reihen der Fraktion durch neue Streiter zu stärken, damit sie mit vermehrter Wucht ihren Kamps führen kannl Darum auf zur Wahl! Hoch die Socialdernokratie! As AgkWrogrmm iier döllWeu Sociallimckiltie. Der Kopcnhagener.Socialdcmokrate»" veröffentlicht seit einigen Monaten in einer Reihe von Artikeln eine sehr ausfiihrliche Dar- stellung der Principien und Forderungen der Socialdemokratie Däne- niarks auf Grundlage des Programms der Partei. Von be- sondcrem Interesse sind unter anderm auch die drei letzterschienenen Artikel, die sich mit der Agrarfrage befassen. Die diesbezüglichen Programmsätze lauten: „Fideikommisse und Pfarrhof-Giiter werden eingezogen, und andre zum Kauf ausgebotene Ländereien werden vom Staat an- gekauft.— Heideland und andre unbebaute Flächen werden vom Staat in Besitz genommen und, so weit es möglich ist, bearbeitet und kultiviert.— Der Staat überträgt die Bearbeitung der in seinem Besitz befindlichen Ländereien, so weit sie sich zum Anbau eignen, Landarbeitern und hilft diesen dazu, daff sie sich das Gebrauchsrecht der nötigen Betriebsmittel eriverbcn.— Der Staat sucht den land- wirtschaftlichen Betrieb dadurch zu helfen, und den Uebergang des Grund und Bodens in den Besitz des Staates dadurch zu erleichtern, daß er die Aufnahme von Prioritätsdarlehcn durch eine Staats- Hypothekenbank ermöglicht.— Der Staat sucht in möglichst größter Ausdehnung den genossenschaftlichen Betrieb in der Landwirtschaft einzuführen, und zwar in der Weise, daß den dabei beschäftigten Arbeitern der Ertrag nach Abzug der entsprechenden Beiträge' für die Allgemeinheit zu gute kommt. Ein Teil des staatlichen Grund und Bodens wird zu landwirtschaftlichen Versuchsbetrieben benutzt. Dort iverden auch landwirtschaftliche Schulen errichtet, zu denen Hänrler und Landarbeiter freien Zutritt haben. Der Staat erläßt Vorschriften und führt die Aufsicht über die Errichtung, Einrichtung und Benutzung der Wohnräume der Landarbeiter und Dienstleute." »Obenstehende Programmpunkte," heißt es dann...geben teils die Reformen an, die wir unter den gegenwärtigen Gesellschaftsverhältnissen in Hinsicht auf die Landivirtschaft und die in der Landwirtschaft thätigen Personen vom Staate verlangen. Wie alle unsre übrigen Programmpunkte haben sie eine doppelte Bedeutung; sie bezeichnen teils Mittel. um innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft bessere Lebensvcrhältniffc für die aus- gebeutetcit Klassen zu schaffen, teils Mittel, um die Entwicklung vorwärts zu bringen und der socialistischen Gesellschaftsordnung cutgcgciizuführen, in der alle Ansbeutiuig aufhört." »In Dänemark wie in allen Ländern init kapitalistischer Produktions- weise ist seit Jahrzehnten die Landbevölkerung der Zahl nach im Rückgang begriffen, während die industriell thätige Bevölkerung zunimmt; 1880 wohnten noch 71 Proz. der Bevölkerung Dänemarks auf dem Laude, 1890 09 Proz. u»d 1901 nur 60 Proz. Der Groß- betrieb konnte sich innerhalb der dänischen Landivirtschaft teils infolge natürlicher Hindernisse, teils infolge gesetzgeberischer Maß- nahmen nicht in dem Maße entivickcln, als das z. B. in England der Fall ist. Aber der Kapitalismus hat trotzdem die Landwirtschaft durchsäuert. Der Bauer produziert schon seit Jahrzehnten nicht mehr Bedarfsartikel für den eignen Bedarf, sondern Waren für den Markt. Er braucht vor allem bares Geld, denn er ist dem Kapitalismus tributpflichtig geworden. Umspannt voni Kapitalismus und durch- säuert vom Kapitalismus ivird die dänische Landwirtschaft dem Punkt entgegengetrieben, wo nur der SoeialismnS den Knoten lösen kann." Reben diesen Bauern, die bekanntlich es verstanden haben, ihre wirtschaftliche Lage durch genossenschaftliche Unternehmungen nicht unlvesentlich zu bessern, giebt es in Dänemark noch ein etwa 800000 Köpfe umfassendes Landproletariat, das sich aus Häuslern, Landarbeitern und Dienstleuten zusammensetzt. Von den 192 000 Inhabern von HänSlcrivirtschaftcn, die mehr oder minder infolge ihres unzureichenden Grundbesitzes genötigt sind, Lohnarbeit zu verrichten, besitzen 78 774 weniger als lk Tonne Hartkorn (1 To. Hartkorn---- 2,8 Hektar), sind also fast ausschließlich darauf an- gewiesen, ihr Brot als Lohnarbeiter zu verdienen. Sie sind zum kleineren Teil in der Industrie oder ähnlichen Erwcrbsweigen thätig, zum weitaus größten Teil aber als Landarbeiter. Die Inhalier der Häuslerstellcn bilden den größten Teil der Landarbeiterschaft. Außer- dein giebt es noch ca. 178 000 Dienstleute, Knechte und Mägde. Die Löhne dieser Landarbeiter und Dienstlcute sind sehr ge- ring. Nach einer 1897 vom„Staatlichen slalistischen Bureau" vor- genommenen Untersuchung betrug der Jahreslohn fürKncchte 226 Kr., für Mägde 140 Kr.; der Tagelohn für männliche Arbeiter bei Selbstbeköstigung im Frühjahr uiid Sommer durchschnittlich 1.17 Kr., zur Erntezeit 2,26 Kr., und im Winter 1,36 Kr.; für weibliche Ar- beitcr% dieser Löhne. Lohnkämpfe, während ivclchcr die großen Gutsbesitzer sich mit Fanatismus und Brutalität den bescheidensten Forderungen entgegenstellen, iverden immer häufiger. Auf diesem Wege eine Verbesserung ihrer Lebenslage zu erzielen, das wird den Arbeitern namentlich auch noch durch Zuzug billigerer Arbeitskräfte aus Schweden und in neuester Zeit durch den Import der noch billiger arbeitenden Polen er- schwert. Dabei klagen die Grundbesitzer immer mehr über die„teure Arbeitskraft". Die Arbeit aber entwickelt sich durch die Einführung der Maschinen immer mehr zur Saisonarbeit. Bereits um die Mitte der 80er Jahre betrug die Dauer der Arbeitslosigkeit in 44 Kirchspielen durchschnittlich drei Monat pro Jahr für die bei den Lauern thätigen Landarbeiter und höchst wahrscheinlich hat seitdem eine Zunahme der Arbeitslosigkeit statt- gefunden. Wie sehr die Landbevölkerung dem Kapital dienstbar ist, das zeigt folgende Berechnung. Die Gesamtsumme der Hypotheken- schulden, die gegenwärtig auf der dänischen Landwirtschaft lasten, bc- trägt ca. 1700 Millionen Kronen. Es ist eine ungeheure Steuersnmnie. die die Landwirtschaft Jahr für Jahr durch die Verzinsung dieser Schuld an das Kapital, das heißt an die Kapitalisten, deren einzige Verbindung mit der Landwirtschaft dann besteht, daß sie die Werte, die die Landarbeiter und Bauern erzeugen, verzehren, bezahlen mutz. An Staats-, Amts- und Gemeindesteuern zahlen die dänischen Landbesitzer insgesamt etwa 20 Millionen Kronen jährlich, die ivesentlich der Allgemeinheit zu gute kommen. Die Steuer, die den kapitalistischen Richtsthuern alljährlich in den Schoß geworfen wird, beträgt mindestens das drei- bis vierfache. Alle Steuererleichterungen, welche die Landwirte fordern, sind verschwindend gering gegenüber' dem. was das Kapital sich aneignet und aller Vorteil, den die Landwirtschaft möglicherweise durch die höchsten sogenannten Schutzzölle erreichen könnte, würde nichts sein gegenüber dem Gelvinn, der ihr aus der Befreiung vom Druck der kapitalistischen Ausbeuter crsprietzen würde, ivenn zum Beispiel ein im Sinne des Allgemeinwohls geleitetes Staatswesen den Bauern Grund und Boden und Betriebsmittel, die jetzt in vielen Fällen nur nominell sein eigen sind, zur Verfügung stellen würde. Ter Tribut der Landivirte an die Kapitalisten ist so groß, daß er vollkomme» ausreichen ivürde, um den Lohn jedes männlichen Landarbeiters in Dänemark u m ca. 500 Kronen jähr- tich z u erhöhen, also um eine Summe, die den jetzigen Durch- schnittslohn verdoppeln würde. Das würde selbstverständlich das Ende der kapitalistischen Wirtschaftsordmmg und den Nebergang zum Socialismus voraus- setzen. Govichts �Jeitung» Ein eigenartiger Sachverhalt lag der Anllage wegen Schank- Polizei-Uebertretung zu Grunde, die gestern vor der sechsten Benifmigs-Straskammcr des Landgerichts I gegen den Schank- Wirt Schmidt verhandelt wurde. Der Angeklagte hatte an, 25. Mai d. I. sein Vereinszimnicr einer geschlossenen Gesellschaft zum Zwecke einer Geburtstagsfeier überlassen. Zu den Geladenen gehörte auch ein Soldat, der sich einmal aus dem Vereinszimmer in das Schanklokal begab, sich dort vom Wirte zwei Oelsardinen geben ließ, sie sofort bezahlte und an Ort und Stelle verzehrte. Hierfür wurde dem Wirt ein polizeiliches Strafmandat zugestellt. Das Schöffengericht bestätigte das Strafmandat mit folgender Begründung: Der Angeklagte habe dem Soldaten, der allerdings zu den Geladenen des Gastgebers gehörte, nach Ablauf der Polizeistunde Speisen verabreicht, und hierfür Zahlung in Empfang genommen. Der Soldat sei hier- nach nicht bloß eingeladener Gast des Geburtstagskindes, sondern auch Schankgast des Angeklagten gewesen, und der letztere habe die Polizeistunde überschritten. Die Strafe sei nur aus eine Marl be- messen worden. Vor der Berufungsinstanz bestritt der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Davidsohn, die' Richtigkeit der Auffassung des Schöffenrichters. Eine geschlossene Gesellschaft bleibe immer eine solche, auch wenn ein Geladener sich für eigne Rechnung vom Lokal- inhaber etwas verabfolgen lasse. ES bestehe keine Verordnung, die sich im gegenteiligen Sinne auslasie und der Angeklagte müsse des- halb freigesprochen werden. Das Berufungsgericht schloß sich diesen Ausführungen an und sprach den Angeklagten kostenlos srei. Tie Polizei gegen die Arbeiter- Gesangvereine. Der Parteigenosse Sckmeidermeister Herzig war als Vorsitzender des Gesangvereins„Freundschaft" in Bochum von der Polizei auf- gefordert worden, ihr die Statuten und ein Mitgliederverzeichius einzu- reichen, weil der Verein auf öffenlliche Ängclcgenheitcii gemäß § 2 de? Vereinsgesetzes einzuwirken bezwecke. Herzig bestritt dies und klagte im Verwalmngsstrcitverfahrcn. Der Bezirks- ausschutz wies indessen die Klage zurück und führte unter andern, aus: Wenn das Verhalten eines Vereins oder seines Vor- stände? ergebe, daß er sich in den Dienst einer p o l i- tischen Partei stelle, dann sei anzunehmen. daß er auf öffentliche Angelegenhellen einwirke» wolle. Das wäre aber hier der Fall. Der Verein„Freundschaft", der sich schon einmal auf- gelöst habe, hätte zwar bei der Neugründung die frühere Bestimmung, wonach er sich in den Dienst der um ihre Existenz kämpfenden Arbeiterschaft stellte, nicht wieder in das Statut aufgenommen. Auch gehöre der Verein nicht mehr, wie früher, dem Arbeiter-Sängerbunde Westsalens an, der als politischer Verein gelte. Er habe sich aber thatsächlich in den Dienst der socialdemolratischei, Vartei gestellt. und das wäre maßgebend. In Betracht komme zunächst, daß dreizehn dem Gericht abschriftlich eingereichte Lieder des Vereins„Freundschaft" politische Tendenz hätten und geradezu für die socialistische Propaganda bestimmt seien. Dann babe sich der Verein a» einer M a i s e i e r beteiligt, lind schließlich sei Herzig zugleich Vorsitzender des social- demokraiischep Volksvcreins in Bochiinß dem die meisten Mitglieder von„Freundschaft" ebenfalls angehörten. Der Kläger legte Bc- rufung ein, ,md sein Vertreter Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht erzielte vor einige» Monaten beim Ober-Verivaltungsgericht einen Beiveisbeschluß. DiePolizeivcrwaltung wurde zur Einreichimg eines der vom Verein benutzten Liederbücher veranlaßt. Dieses enthält außer den 13 abschriftlich nntgeteilten Liedern mit politischer Tendenz eine An- zahl Lieder ganz barmloser Natur. Festgestellt wurde weiter. daß„Freundschaft" auch noch das Liederbuch„Lorcley" benutzt, welches der patriotische Kölner Mäniicrgesangverein gleichfalls in Benutzimg hat. Bezüglich der Maifeier erhielt das Gericht den Bericht eines Polizeikommissars, lvonach Herzig. der die Maifeier leitete, eine Pause habe machen lassen und„die Sänger" herbeigerufen habe. Die Liederbücher seien dann aus dem im selben Lokal befindlichen Schrank des Vereins„Freundschaft" entnommen und die Simmen von Herzig unter den zum Gesang an- tretenden Personen, Mitgliedern des Gesangvereins, verteilt worden.—— In der neuen Verhandlung vor den, Ober- BcrwaltungSgericht beantragte Rechtsanwalt' Dr. Karl Liebknecht, der Gerichtshof möge die Benutzung des von der Polizeibehörde eingesandten Liederbuches ablehnen, weil es nur in- folge einer Unredlichkeit in die Hände der Polizei gelangt sei. Der Antrag wurde abgelehnt. Darauf wandte sich der Anwalt in juristischen Ausführungen gegen die Rechtsauslegung des Vorder- richters und bestritt,' daß der Verein„Freundschaft" als solcher sich an der Maifeier beteiligt habe.-- Das Ober-Verwaltungs- gericht hob die Verfügung der Polizei insoweit auf, als dadurch die Einreichung deS Mitgliederverzeichnisses gefordert wird, und erklärte die Einforderung des Statuts für gerechtfertigt. Der Vorsitzende Gehcimrat Tcchow führte u. a. aus: Das Material genüge nicht zur Rechtfertigung der Annahme, daß der Verein„Freund- schaft" ans öffentliche Angelegenheiten gemäß tz 2 des Vereins- gesetzes einzuwirken bezwecke. Gleichwohl habe die Polizei, wenn auch nicht ein Mitaliederverzcichnis, so doch ein Statut vom Vorsitzenden verlangen dürfen. Sie habe gewußt, daß der Verein vor seiner Neugründnng dem Arbeiter-Sängerbund Westfalens angehörte und daß, wie dessen Satzungen, auch sei» Statut damals jene bedenkliche Bestimmung enthielt, wonach er sich in den Dienst der um ihre Existenz und um Verbesserung ihrer Lage kämpfenden Arbeiterschaft stellen wollte. Es sei ihr Recht gewesen, sich da« Statut zu beschaffen, um festzustellen, ob beide« ivirklich nicht mehr der Fall sei. Der§ l deS VeretnSgesctzeS und der Gesang. Eine be- dcutnngSvolle Entscheidung hat das Kammergericht gefällt. Bier dänisch gesinnte Leute, Frees und Genossen, hatten in Haders- leben eine Feier veranstaltet, wo gegessen, getrunken und gesungen werden sollte. FreeS und seine Freunde ivnrden als Veranstalter einer Versammlung, die bezweckt habe, öffentliche Angelegen- heilen zu erörtern, in ziveiter Instanz von, Landgericht FlenS- bürg zu Geldstrafen von je 50 Mark verurteilt, weil sie die Versammlung nicht polizeilich angemeldet hatten. Hierdurch sollten sie den§ 1 deS VereinSgesctzcS verletzt haben. Begründend wurde ausgeführt: Die meisten der zu der Feier Eingeladenen und Erschienenen seien Mitglieder desjnordschleswigschen Kommunalvereins, der dänische Interessen verfolge, lind die in dänischer Sprache verfaßten Lieder, die vor der polizeilichen Auflösung der Versammlung verteilt und beschlagnahmt worden seien, würden mit Vorliebe in dänischen Versammlungen gesungen. DaranS sei zu schließen, daß durch Meinungsaustausch und durch Absingen von dänischen Liedern das Zusammengehörigkeitsgefühl der dänisch Gesinnten gestärkt und das Interesse für Dänemark wach erhalten werden sollte. Somit sei beziveckt worden, öffentliche Angelegenheiten zu erörtern.— Das K a m n, c r g e r i ch t sprach die Angeklagten auf ihre Revision hin frei, indem es ausführte: Die Vorinstanzen hätten den Begriff des Erörtern« verkannt. Wenn festgestellt werde. daß der Zweck der Feier neben der Pflege der Geselligkeit zugleich der gewesen sei. durch Austausch der Meinung und durch Absingen dänischer Lieder die Zusainniengchörigkeit der dänisch Gesinnten zu stärken und das Interesse für Dänemark wachzuhalten, so folge daraus noch nicht, daß die Erörterung öffentlickicr Angelegenheiten bezweckt worden sei. Unter einem Erörtern im Sinne deö'Z 1 des VereinsgcsetzcS sei die Untersuchung und Auseinandersetzung einer bestimniten Sachenach ihrem Grund und Wesen zu verstehen. In de». Singen von Liedern könne somit ein Erörtern im Sinne des F 1 nicht gefunden iverden Z auf die Tendenz der Lieder komme es hierbei nicht an.— Wenn em Verein politische Lieder gemeinschaftlich singe, so könne man darin eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten in, Sinne des Z 2 des VereinSgesctzcS finden, nie aber eine Erörterung im Sinne des§ t. Prügelnder Schutzmann. Wegen schwerer Körperverletzung im Amte verurteilte die Königsberger Strafkammer den Schutz- mann Albert Saivitzki zu sechs Monaten Gefängnis und sprach ihn, die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter auf die Daner von zwei Jahren ab. Sawitzki hat in der Nacht zum 3t. Januar ds. Js. den Studiosus Ziehr im Polizeipräsidiinn in den, dunklen Gange nach der Wacht- stnbe und auch in dieser selbst wiederholt mit Faustschlägen ins Ge- ficht und Genick traktiert. Auch beim Verlassen der Wachtstube erhielt der Student hinterrücks Fanstscbläge und wurde dann durch Fußtritte die Treppe himintergestoßen. Der Student hat dem„Schutzmann" zu seiner rohen That nicht die geringste Veranlassung gegeben. GeweMMslftlichtes. Für die streikenden Glasarbeiter gingen bei der Berliner GelverkschaftSkomniissio» folgende Beiträge ein: Jungbierfahrer 12,45. Arbeiter von Bechinie>». Brösel 13,—. Höpsner 1,—. Slatklub„Einigkeit" S,—. Stockfabrit Höckert 9,80. Sprcmberg, Tischler 14,90. Dachdecker 50,—. Masseure, Verwaltungsstelle Berlin, 10,55. Zwei Wettende 3,-. Bartsch u. 255 titln 1,-. Ein junges Ehepaar 1,10. Droschlenlutscher 50,-. Streitende Achter 3,-. Maurerverband(Der- waltung Berlin) 500,-. Kolonie„Wilhelmshöhe" 3,50. Skatllub„Grand Schwarz" 3,—. Tischlerei Körner 16,—. Tischlerei Elsholz 3,60. Uebcr- schug der Firma Lautenschlager 5,—. Tischlerei Hilfenbeck, Kroll u. Eo. 10,25. Möbelfabrik Groschkus, Werkstatt 7, 13,55. Tischlerei Harwiann, Wienerstr. 44, 5,—, Dreher und Lehrend au von L. Löwe 24,70 Brauer (Verwaltung Berlin) 90,45. Ferd. Halway 53,—. Tischlerei Görlich 10,—. Personal H S, Hermann 40,55. TIlchlcrei Müller 31,80 Liste 2822, Lusche, 7,55. Liste 4237, Handle, 6,95 Liste 2821, Nenbeisel. 6,30. Liste 2823, I.(£. Pfaff, 14,40. Beizer v I. C. Pfaff 3,—. Stocksabrik Noa 4,30. Buchdruckerei Pah u. Garleb, 3. Rate, 13,—. Liste 1439 Zoch 6,50. B Glatzcr, Bülowstr, 35, 2. Rate 13.15. Bildhauerwerkstatt Dinsc 7,75. Tischlerwerkstatt Krause 10,70. Schuhmacher, Verwaltung Berlw, 100,—, Buchdruckerei-Hilfsarbeiter, 2. Rate 66,70. Deulichcr Metallarbeiter-Verbano, Verwaltungsstelle Berlin, 1000,—. SIeinbildhauer Berlins 3,25. Bückt-. druckerei E. Billig 8,—. Swhlfabril Heinz u. Sohn 13,20. Glasschlciser, Listen a Conto 40,—. Tischlerei von Lukat, 3 Treppen, 4,05. Kastcmnöbel- Fabrik Jörnig 7,95. Verband deutscher Gastwirtsgehilsen 50,—. Verband der Bauarbeiter, Zahlstelle III. 100,—, Formensiccher v Höptncr 10,—. Bildhaucrwerkstatt Böttcher 8,—. Tanzlehrervercin Solidarität 12,—. Prislast' u. Bieger 4—. Lotterieklub Fortuna 3,50. Schlächter 5,63. Tischlerei Baumgarten 8,55. Bierdruckapparat-Fabrik 3,30. Ktaviatursabrik Kismcr u. Co. 10,45. Stocksabrik v. Höckert 9,80. Genossen v. Stadtbezirk 5,— Möbelfabrik Fülle 8,55 Schleifer von Schwinzer u. Grast 3,50 I. C. Ps, Saal I, IIu. IV, 39,30. Onandt 12,25. Tischt. Mctzer, Wienerstr. 12, 5 Rate 9,85. Delegierten des Rauchklubs aus der Manteustelstrahe 15,90 Malerei der Poncetichen Glashüttenwerkc 4,—. Kolonie Kiautichou 3,19. Verband der Aspbalteure und Pappdachdecker 25,—. Victortaspeicher 16,65. Spinn- padcn 3,—. Tischlerei Haufemann 3,50. Tapeziere aus Listen 50,—. Herren- schneider von Gerson 15,—. Saltler von Becker u. Ca. 9,70. Tischlerei Klecmann 3,75 Metallarbeiter von Altmann 41,90 Handelshilfsarbeitor, 2. Rate 200,—. Firma Glienicke, Ritterst raste, 16,30, Tapezierwerkstätte Schimming 5,—. Slusgclernicnseier Paul Schneider I,—. Tischlerei Stern u, Secliger, 4. Rate 10,80 Bautlschlerei Schulz 6,—. Droschkenlutscher 50,—. Neberschust Kranzspende Former Wmtermaier 1,30. Schirm- stocksabrik Schütte 10,-. Möbelfabrik Äroschkus. Werkstatt 1-6. 19,55, Tischlerwerkstatt Jartu« 6,20 Tischlerei Segall 5,45. Zimmerer, Zahlstelle Lichtersclde 20,— Glasarbeiter, Kegelklub„Apollo" 5,—. Porzellan- dreher von Handwanger 12,25. K. u K 4,—. Plännerquartett Arion 6,—. Lackierer Berlins 22,50 Buchdruckerei G. U 9,25 Deutscher Metallarbeticr- Verband Berlin 500,—. Tischleret Bernd! 21,—. Stocksabrik Ernst Heuer 10,50. Vercinigniig der Maler 16,40. Quast 5,50. Stocksabrik Retzlaff, 2 Rate 10,—. Agitationskomtnisflon der MetaNschlciser 11,45 Kupfer- Ichmiede 30,—. Schulz und GärMer 1,—. Pianosorlcsabrik Lehmann u. Co. 22,70 Tischlerei Meter 8,50. Buchdruckerei Emil Billig Nachf. 6,50. Jun'gbiersahrer 4,85. Wcgencr 12,85. Tiichleret W Kümmel, 3. Rate 50,—. Ciseleurc durch Brückner 18,— H. Wenzel 14,65. Holzarbeiter- Verband Berlin, 3 Rate 500,—. Werkabteilung M Bading 15,—. Dr. S. 5,— Frau Dr Hostmann 25,—, Holzarbeiter- Verband Berlin 1000,—. Möbeltischlerei von Kaiser 15,95. Zinsen von 5 Mitgl der Buchdruckerei M. B 1,—. Rabitzputzer 50,—. Tischlerei Union 20,95. Liste 1441 E Trach 12,55 Skatjpicl durch Bruhns ß62. Radtke Liste 4229 12,10. Billardklub„Graulich" 4,25. Tischlerei Mctzer, Wienerstr. 18, 10,—. I. C Pfast 6,85 Beizer von Firma I. C Pfaff 6,40. Stocksabrik Höckert 9,80 Buchdruckerei M. Bading, Werkabteilung. 20,—. Tischlerei H Köhlert 5,30.„Hydro", Stralau, allster einzelnen 6,70, Sticker Berlins 20,—. Mineralwasser-Arbeiter, 2. Ritte, 25,— Glaser 41,55. Tapezierer 50,—. Tischlerei Stehr u. Wicnke 6,50 Tischlerei Stern u Seliger 12,35. Möbelpoliere Möbelfabrik„Ostend" 4,10. Liste 4238, Pattl Krug, 10,20. Tischlerei Lukat 7,95. Tischlerei Hilfenbeck, Kroll u. Co., 4. Etage, 14,50. Tischlerei Edlich 10,—, Tischlerei Eckardt 2,20. Buchdruckerei Post u. Garleb 12,50. Steinsetzer, Bau Wtlmersdorferstraste, 8,—. Former von Saalbach 11,35. Böiicktcr, Verwaltung Berlin, 00,—. Möbelfabrik Böbncr u Schwab 11,-. Personal H. S. Hermann 39,05 Gravenranstalt Gronaus 3,—. Tischlerei Hartmann 11,15. Glasarbetlcr B 18,85. Kranzspende Auerbach 3,45. Tischlerei Schulz u Co. 6,70 Kranker Nagel- schmied 1,—. Tcllersammlung Ueberschust vom Milchkrieg 11,50. Schneider- verband, Verwaltung Berlin 100,—. Personal Buchdruckerei JantSzewski 10,—. Tischlerei H. Schulz 11,15. Arbeitersäugerbund Berlin 200,—. Stocksabrik Spiral 32,45. Hochzeit Prinzenstraste 12, Reftauratio», 2,35, Schriftmalcrei Poncet Hüttenwerke 6,50. Stuhlsabnk Heims u. Sohn 12,25. Möbelfabrik King 42,85, Zwei Bildhauerwerkslätteii d. Krippahlc 5,30. Liste 2803 Michels 23,25 Zwei Bildhaiicrwerlstätten 8,—. Kettwig 0,40 Deutscher Metallarbeiterverband Verwaltung Berlin 500,—. Bildhauer l2,—. Buchdruckerei E Billig 6,50. Buchdruckerei F. Unger 9.65. Kunstschlosserei Oskar Fritz 30,— Malervereinigung 10,45, Verein deutscher Schuh- macher, Verwaltung Berlin(darunter Schäfiebranche 10,05) 50,—. Ranchklub„Pfälzer" 4,50. Schlostergesellen der Firma Schäfer 10,—. Liste Oehlich4,95. Kunz 3,05. Vergolder, Filiale Altona 20,—. Bergstr. 25 1,-. Hübler, Linoleumleger 5,—.„Propfcnverein Nordost" 5,—. Glasarbeiter (darunter Skatllub„Herzen-Ast" und Korbmachern Schlesinger) 16,40. Lithographen und Steiudrncker, 3 Rate, a Conto 248,05. Spandauer Ge- wertschaftskartell 50,—. Buchdruckerei- Htlssarbeiter, Filiale II ll,55. Agitationskonimission der Schleifer 9,40. Stocksabrik Höckert 8,55. Liste 4222 Asphalleurc(Scrgant) 7,—. Einsetzer A. H. Mittag 15,50 Verband der Bauarheitcr, Verbands- Zahlstelle I 40,—. Fabrikarbeiter- Verband 27,80. Tischlerei Htlsenbeck, Kroll u. Co. 7,95. Dachdecker, Verwaltung Berlin 3,80. Klempner Werlstatt Dietrich, IV. Rate 13,—. Thomas, Adnlbertslraste,'20,—. Witte 11.65. Buchdruckerei E. Billig Nachf. 7,50. Buchdr.. Buchb. Jürgens 6,—. Bautischlerei Fader 7,10. Tischlerei Grauet 4,—. Beizer der Firma I. C. Psoff 3,15. Priebö 4,35. Chirurgische Branche 95,45. Jugcndseier Friedrichsbergerstraste 3,—. Rauchllub Herrmann 8,30. Sattler 109,—. Maleroerewiguiig 9,—. Sattler 28,90. Brauer 68,90. Gesangverein „Tdimian" 2,—. Personal der Firma H. S. Hermann, 4. Rate 24,80. Täschner und jkofferiiiachcr(Filiale III) 48,90. Listen Dierke(darunter Pochanke 10,80) 28,30. Tischlerei Binger 30,—. Vcrgolder, Filiale Stendal 20,—. Fader, Listen 9,75. Skatklub„50" 6,—. Luhm, Fcnsterreinia. 5,—. Buchdruckerei und Buchbinderei von Jürgens 20,—. Vergolder aus Listen a Konto 100,—. Stoppert 9,95. Stereotypeure, Listen 64,55. Holzarbeiter- Verband Berlin 500,—. Haupt 10,30. Pflaumenbaum 24,70. Tapeziere, Verwaltung Berlin 50,—. Deutscher Metallarbeiter-Verband Berlin 500.-. für die Tabnkarbciter siinsien ein: katklub Grand-Schwarz 3,—. HolzbearbeitungZinaschiiicn-Ardeiter aus Liste» 67,40. Brauer 16,28. Tischlerei Görlich 5,—. Vuchdrnckcrei-Hilss- arbeitertnnen auf Listen 51,70. Bildhauer 4,55. Bniiarbciter-Verdand Zahlstelle III 50—. Amerikanische Aultion durch W. Schröder 1,10 Schmiede Berlins 65,85. Möbelsabr.Zelderu.Plalhen 33,55. GewerkschastStartell Spandan 50,—. Metallarbeiter-Verdand Berlin durch Cohncn 6,80. ASphalieur« 25,—. Klaviatiirsabrit Bado» 9,85 Stocksabrik Retzlasi 5,15 Gärtner 0,50. Litho- graphen und Sietnbruckcr 2.50. Tepttlardetlcr Berlin 53.85 Rauchllub Hllden-Birath 2,20. Melallarbeiter, Firma Brödtrcchi 15,15. Kettrig 5,80. Verein deutscher Schuhmacher 30,75. Zahlsielle I Verband der Bauarbeiter 10,—. Tischleret Rödel 5,—. Dachdecker 3,80 Kltem 1,50 gaber auf Listen 14,55. Städtische Arbeiter 113.60 Skatllub„50" 5,-. Wäsche brauche 52, 10._ Schriften-Eiugaug. Die Meistbegünstigung der Bcreiiitglen Staate» von Nord- amertta. Von Richard Calwer, Mitglied des Reichstags. Berlin, Alademtscher Verlag für sociale Wissenschasteii. Preis 3 M., gebunden 4 M. Tic Schädigung des weiblichen Körpers durch fehlerhafte Kleidung. Von vr. insck. Justus Thiecsch-Leipzig. Verlag von Hennaim Walther, Berlin. 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Brannschwcig.Braunschweiger Volksfreund" Höhe 4 Bremen..Bremer Bürger-Zeitung" Hankcnstr. 21/22, Bremerhaven..Norddeutsche Vollssiimme" Am Hasen 49 Breslau..Volkswacht" Neue Graupenstr S. Caflel.Volksblatt für Hcsten und Waldeck" Hohenthorstr. 2 tLhrmnih..VolkSslimiiie" Userstr. 14 Defsan..Volkeblatt für Anhalt" Ballenstedterstr S. Dortmund.Rheinisch-Westfälische Arbeiter-Zetwng" Westenhellioeg 120. Dortmund.Westfälische Volkstribüne" Lüdenscheid, Louisenstr 7 Dresden.Sächsische Arbeiter-Zeiwng" Zwingerstr. 22. „Sächsifchcr Volksfreund" Zwingerstr. 22. DWeldorf.Düsteldorfer Volks- Zeitung" Münster- flrahe«7, pari. Elberfeld-Barmen„Freie Preste" yriedrichstr. 37. Erfurt.Tribüne" Futterstr. 7 p. Esten»Der Weckruf" Ktrchstr. 8. Frankfurt a. M.„Voltsftimme" Großer Htrfchgraben 17. Fürth Liürther Bürger-Zeitung" Königstr 98. Gera Reubische Tribüne" Alte Schlobgaste ll. Greiz..Reubische Vollszciwng" Hohegaste. Halberftadt..Volkszeitung" Bakenstr 37 Halle a. S.„Volksblatt für Halle" Geiststr. 21. Hamburg.Hamburger Echo" Fehlandstr. 11. Harburg„Volksblatt" Grober Schippsee 4 p. Hannover.Volkswille" Burgstr 9. tof„Oberfränkischc Volkszeitung" Lorenzstr. 23 arlsruhe„VolkSfreund" Werderplatz 31 Kiel.Schleowig-Holstein fche Volks-Zeitung" Bergstr II Köln„Rheinische �Zeitung" Ursulaplotz 6 Königsberg i. Pr...Königsberger Volks- Zciwng" K'iochenstr. 32, pari. Leipzig„Leipziger VolkSzettung" Tauchaerstr. 19/21. Ludwigshafen„Pfälzische Post" Oggersheimerstr. 10. Lübeck„Lübecker Bolisboie" Johannisstr SO Lüneburg„Lllneburger Volksblait" Schröderstr. 11. Magdeburg.Dolksstiuime" Jakobsstr 49 Mainz„Mainzer Volkszeitung"(„Hessische VoWstimme") Margareihengasse 13. Mannheim„Volksftimme" E. 3, 14. München„Münchener Post" Wittelsbacherpsotz 2. Nürnberg„Fränkische Tagespost" Luiwoldßr 9 Offenbach..Ostenbacher Abendblatt" Grobe Marltstr 2S Rostock„Mecklenburgische Volkszeitung" Doberanerstr. 6 Saalseld„Soalselder Volksblatt" Rosmaringasse IS. Solingen„Bcraiiche Arbeiterstimme" Hohegaste 7. Stettin„Volks-Bote" König Albertstr. 15. Strahburg i.<£.„Freie Presse für Elsaß-Lothringen" Schilttgheim, Bischwcilerstr. 23. Stuttgart„Schwäbische Tagwacht" Furthbachstr. 12. Zwickau i. S.„Sächsisches Volksblatt" Richardstr. IS. Wöchentlich dreimal erscheinende Blätter. Aachen„Aachener Volksblatt" Augusttnerbach 12. Augsburg„ Augsburger Volkszeitung" Maximilian- strabe B. 31. Breslau„Die Wahrheit" Neue Graupenstr S/S. „Schlesische Volkswacht", Neue Graupenstr. S/S. „Poiener Vollszeitung", Neue Graupenstr b/S. Erefeld„Nicderrheinische Bollstribüne" Breitestr. 44. Forst t. K.„Märkische Volksstimme" Franksurkerstr. 11. Gotba„Volksblatt für die HcrzogtyÜmcr Coburg und Gotha" Mohrenberg 7 Görlitz„Görlitzei VolkSzettung" Tetchstr 2. Wöchentlich zweimal erscheinende Blätter. Delmenhorst„Delmenhorster BolkSblatt" Koppelstr. s Langcnbielou„Der Proletarier auS dem Eulengebirge" Oder-Langenbielau. 2. Bczitt. Taalield„Thüringer Volksblatt"(Schwarzburger Bolks- freund) Rosmaringaste 7. Wöchentlich einmal erscheinende Blatter. Bant„Die Norb-Wacht" Neue Wilhclmshavenerstr. 38. Brannschweig„Der Landbote" Höhe 4. Gastet„Der Wegweiser" Hohenthorstr. 2. Dresden„Der arme Teufel" Falkenstt. 10. G iehen„Mitteldeutsche Sonntags-Zeitung" Kirchen- play 11. Halberstadt„Sonntags-Zeiwng" Bakenstr 37. Köln„Rheinische Zeitung"(Wochenausgabe) Ursulaplatz S. Stuttgart„Schwäbischer Bolkssreund" Futthbachstr. 12 Monatlich zweimal erscheinend. Königsberg. Der Ostpreubilche Landbote" Knochenstr. 32 Monatlich einmal erscheinend. Berlin.Die Fackel" Vouiien-User 11 Hanau„Der Bauernsreund" Philipp LudwigS-Anlage 9 Witzblätter sErscheine« aller 14 Tage). München Stuttgart .Süddeutscher Postillon" Seneselderstr 4. „Der wahre Jacob" Furthbachstt 12. Jllnstrierte Unterhaltnngsblätter. Beuthstr. 2 SW. 19. Er- Berlin„In freien Stunden' Icheint in Wochenhesten. Hamburg„Die Neue Welt" Fehlandstr. 11. wöchentlich einmal. Erscheint Gewnlischlittsiirtffe DkutschlMg. IV. Quartal 1901. Dreimal wöchentlich erscheinend. Leipzig„Corrcspondent für Deutschlands Buch- drucker und Schrtftgießer", Salonionstr. 3 Wöchentlich erscheinend. Altenbnrg„Correlpondent für die Arbeiter und Ar- beilcrinnen der Hut- und Filzwaren- Industrie" Wilhelmstr. 2, parterre. Berlin..Die Ameise", Organ des Porzellan- arbeiter-Vcrbandes, 80, Engeluser 15 II. „Bildhauer- Zeitung", Neandersir 3. „D i e Ei n i g keii", Organ der Verttouensmänner- Ccntralisationen Deutschlands, Adalbertstr. 19 II. „Allg. F a h r- Zeitung", Schützenstr b8 „Der G a st w t r t h s g e h i l f e", Jüdenstr 38. „Der Stetnarbeite r", Rixdorf, Bergstrabe 30/31 Hos pt. „Der Töpfer' Engel-User IS. Bochum„Deutsche Berg- und Hütten' arb citer-Zeitun g", Johanniterstr. 12. Bremen„Deutsche Böttcher- Zeitung", Hankenstr 21/22. Chemnitz„Der Textilarbeiter", Userstr. 14. Gotha„Schuhmacher- Fachblatt", Mohrenberg 7. Hamburg„Eorrespondenzblatt der Generalkom- mtssion der Gewerkschaften Deutschlands", Marktstr. 1b II. „Deutsche Bäcker- Zeitung", Organ des Bäcker Verbandes, Gr. Neumarkt 28, I. „Der Arbeiter"(für Bau- und Hilfsarbeiter) Brememihe 15, pt. „Glück aus!"(für Former), Hamburg- Eilbeck, Friedenstr. 11. „Der Grundstein"(fürMaurer), St. Georg, Neue Brcnnerstr 19 I. „Holzarbeiter- Zeitung", Eimsbüttel, Bismarck- strabe 10. „Bruder Schmied", Uhlenhorst, Herderstr. 21, Haus 8 II. „Fachzeitung für Schneide r", Gärtnerstr lSa. „Der Stuccateur", Barmbeck, Vogelweide IS. „Vereins- Anzeiger für Maler-c.", Barmbeck, Schmalenbeckerstrabe 17. „Der Zimmere r". Barmveck, Feblerstr. 28 I. Karlsruhe»G I a l e r- Z e i t u n g". Schützenstr. 8 a. Leipzig„Buchdrucker-Wach t", Tauchaerstr 19/21. Leipzig„Der Tabakarbeiter"(ftir C i g a r r e n arbeiter), Tauchaerstr. 19/21. Leipzig-Schkeuditz„Graphische Preste", Schkeuditz. Linden-Hannover„Brauer-Zeitung", Burgstr. 9. Löbtau- Dresden„Der Fachgenoste"(für Glas-, Porzellan- u. Thonwaaren-Arbciter), Reisewitzerstr. 34. Nürnberg„Deutsche M e t a l l arbeitcr-Zeitung", Luit- poldsirahe 9. Stuttgart„Buchbinder-Zeitung", Heusteigstt. 30. „Der Handschuhmache r", Eierstr. 21 II. Monatlich dreimal erscheinend. Altenbnrg„Einigkeit", Publikationsorgan für die deutschen Müller und Konditoren, Pfeffer- und Leb- küchler-Verbände, Mauergasse 4 b. Aller 14 Tage erscheinend. Berlin„Der Courier", Ceniralorgau für die Jnter- essen der im Handels-, Transport- und Verkehrs- gewerbe beschäftigten Arbeiter Deutschlands, 80., Engel- user 15. „Correspoudenzblait deS Verbandes der Lergolder Deutschlands", dl. Wilsnackerstr 39. „Deutscher Maschinist und Heizer", Organ der Maschinisten und Berussgenossen Deutschlands, 80., Pücklcrstr SS. «Die Gewerkschaft", Organ für die Interessen der Arbeiter in Kasanstalte» und sonstigen städtischen Betrieben, Berlin W. 30, Winterseldisir 25. „Lederarbeiter-Zeitung", 8., Diefsenbachstr. 38. „Sattler- und Tapezierer- Zeitung", 80., Engeluser 15, Allg. Steinsetzer-Zeitung", NW., Waldenserstr. 18. „Solidarität", Organ aller im graphischen Berufe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Reinicken- dorserstr. 7. „Solidarität", Pilblikationsorgan der deutschen Metallarbeiter-Gewerkschast, Gerichlstr 35. „Zeitschrist für Graveure und C i s e l e u r e", Kotl« buier Damm 8. Frankfurt a. M.„Neue Deutsche Dachdecker- Zeitung", Brückenstr 3�. Hamburg„Barbier- und Friseur-Zeitung", Caffamacherreihe 15/17. ..Eorrespondenzblatt der Tapezierer", „IHandlungsgehtlsen- Blatt", Valentins- kamp 92. „Der SchiffSzimmerer", Eilbeck, Konventstr. 5. „G ä r i n e r- g e i t u n g", Organ für die Interessen der Gärtner und ihrer freien Vereinigungen, Marga- rethenstr. 50, I. „Der Kupferschmied", Eilbeck, Maxstr. S, I. „Der S e e m a n n", St. Pauli, Hafenstr. IIS. „Weckruf der Eisenbahner" Marltstr. 15. Hannover„Der Proletarier"(für Fabrik-»c. Arbeiter und Arbeiterinnen), Schillerstr. 5, IL Offenbach„Portefeutllcr-Zeitung", Schlob- strahe 3, I. Stuttgart„DI- Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen, Furthbachstr. 12. Monatlich einmal erscheinend. Berlin„Der Adressenschreiber", Organ de» Centralverelns der im Adrestenwesen und verwandten Branchen Beschäftigte», Wallstr. 57 pari. „Der Bücke r", Organ für die Interessen der Bäcker- gesellen Berlins und Umgegend, Klofterstr. 101. „Der B u r e a u- A n g e st e l l t e", KT., Arkonaplatz 3 IL „Ders? leltromonteur", 8. Hasenheide 94. „Der Fleischer", 80. 33, Köpnickerstr. 148. „Gewerkschaf t", Organ der Maler- Vertrauens- männer-Centralisation, W. Winterseldisir. 20. „Vereins- Mitteilungen" für all« in der Wälche- und Krawattenbranche, Dampswäschereicn und Plättereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. KO., Höchstestr. 48. Obige Zusammenstellung veröffentlichen wir zu Beginn jeden Quartals. In der Zwischenzeit sich ergebende Adreß- oder sonstige Veränderungen bitten wir uns behusS Vor- merlung mitteilen zu wollen. Berlin, den 8. Oktober 1901. Der Parteivorstand. Zur Frage der Schwefternpflege, die wir auf Grund der von Herrn Stangenberger herausgegebenen Broschüre in Nr. 205 uusrcs Blattes berührte», geht uns aus Frauen- kreisen folgende Inschrift zu t Kürzlich wurde im„Vorwärts" auf eine Broschüre von Johanne? Stangenberger„Unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit" hin- gewiesen, die sich gegen die Schweslernpflcge in den Männer- abteilungen öffentlicher und privater Krankenhäuser richtet. Neben der kurzen Inhaltsangabe wurde die Richtigkeit einiger Be- haupwngen des Verfassers anerkannt, während der Hauptgegenstand der Broschüre, nämlich Verdächtigungen gegen die Sittlichkeit der Krankenschwestern, einer Kritik nicht unterzogen wurde. Thatsächkich wären derlei Ansichten auch kaum einer Widerlegung wert, wenn nicht die Beschuldigungen in der Form, in der sie vor- getragen werden, den Uneingeweihten leicht veranlassen könnten, ihnen Glauben zu schenken. Der Verfasser bemüht sich, an der Hand einiger Briese, die er von Patienten erhalte» haben will, nach- zuweisen, das; die Krankenschwestern— wohlverstanden nur die nicht- religiösen Verbänden angchörigen— die ihnen anvertraute Pflege von Männern dazu mistbraiichen,»m„dem schändlichsten Sinnen- kitzel zu fröhnen", und daß die männlichen Patienten sich nur mit gröfftem Widerwillen weiblicher Pflege unterwerfen. Er bc- hauptct ohne weiteres,„daß ein Mädchen, die sich solchen Verrichtungen, wie sie in den Krankenhäusern verlangt werden, unterzieht, dadurch geradezu ans der bürgerlichen Gesellschaft, aus dem Kreise aller noch auf Ehrbarkeit und Sittlichkeit Wert legenden Menschen ausscheidet". Zur Erklärung sei gesagt, dast diese Verrichtungen, die so furchtbare Folgen nach sich ziehen, darin bestehen, Männer zu baden, bei ihrer ärztlichen Untersuchung hilf- reiche Hand zu leisten, kurz, ihre Geschlechtsteile zu sehen, ja so- gar—'ttorribilg ckiatu— hier und da anzufaffen. Nun weist ja ein jeder, dast die Aerzte stets in dieselbe Lage den Frauen gegenüber kommen; also, wenn das allein genügt, so können auch sie offenbar keinerlei Anspruch auf Ehrbarkeit und Sittlichkeit machen. Aber wir brauchen gar nicht so weit zu gehen: Herr I. Stangenberger sagt nämlich selbst, dast fromme Schwestern. die dieselben Verrichtungen ausführen, an ihrer Moral keinen Schaden nehmen und zwar deswegen, weil sie das Keuschheitsgelübde abgelegt haben. Die Behauptung, dast das Keuschheitsgelübde die Moral vor allen Anfechtungen schützt, ist an sich so lomisch, dast sie zur Charakterisierung der Logik des Verfaffers ge- »ügt; es ist ja doch eine zu bekannte Thatsache, was für e»ie sichere Schutzwehr der Moral das Keuschhcitsgelübde zuweilen für katholische Geistliche und Mönche bildet. Und wenn„das Weib die Empfindungen, die bei dem intimen Verkehr mit dem andren Gc- schlecht in die Erscheinimg treten, unter keinen Umständen abstreiten" kann, so wird sie wohl die katholische Schwester, die ja schliestlich immerhin auch ein Weib ist, also widerlegt der Verfasser sich selbst. kein Zweifel, dast Pflichtgefühl und gebildet sein können, wo der er vorhanden ist; diese Eigenschaften, deren allerdings Krankenschwestern im höchsten Grade bedürfen, sind unabhängig von der Religion. Aber freilich, sollten sie auch da gedeihen können, wo man für die Dienste, die man seinen Rebenmeiischen leistet, schnöde Bezahlung annimmt? Nach des Verfassers Meinung nicht! Die weltlichen Schwestern degradieren sich, weil sie auch essen wollen und sich kleiden, weil sie ihre Sittlichkeit für die stnpcnde Summe von 350 M. jährlich außer freier Station zum Opfer bringen. Den männliche n Pflegen,, für deren Ausbildung Stangenberger plädiert, nimmt er es—'bercchtigterweise— allerdings nicht übel, wenn sie für ihre Arbeit auch Bezahlung verlangen; aber er scheint nun einmal de» Grundsatz„Wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe" überall zu vertreten. auch nicht abstreiten könne»; Und für uns besteht wohl Barmherzigkeit ebenso aus- Glaube fehlt, als wo Da iöh Herrn Stangenberger bereits fich selbst widerlegen liest, so will ich nur noch in Kürze einigen von ihm angeführten Thatsachen entgegentreten. Erstens besteht in vielen Krankenhäusern, speciell hier in Berlin, auch für weltliche Schwestern die vom Verfaffer empfohlene Vorschrift, dast sämtliche Verrichtungen. die sich auf die Geschlechtsteile beziehen, weder von Schwestern,»och in deren Beisein ausgeführt werden; es stößt an sich durchaus nicht auf praktische Schwierigkeiten, diese Bedingung überall, auch bei sonstiger völliger Beibehaltung der Schwefternpflege durchzuführen; vielmehr genügt hierzu ein ganz geringes, zur' Verrichtung der groben Arbeiten so wie so erforderliches Wärtcrpersonal, wie es sich thatsächlich in den hiesigen städtischen Kranken- Häusern verhält. Das aber nur nebenbei! Denn wir persönlich halten jede Prüderie für absolut unangebracht; so wenig, wie die Sittlichkeit der jungen Mädchen dadurch leidet, wenn sie erfahren, daß nicht der Storch die kleinen Kinder bringt, so wenig leidet sie dadurch, wenn sie den Bau der männlichen Geschlechtsorgane zu sehen bekommen. Und ivenn der Verfasser behauptet, dast es für die Patienten höchst peinlich sei, von Schwestern nackend gesehen zu werden, so wird diese Behanpttmg einfach durch die Erfahrung widerlegt. Im großen und ganzen ziehen auch Männer weibliche Pflege vor, wie auch ihre Ucbcrlegenheit die allgemeine Anerkennung der Aerzte gefunden hat, die sich anfänglich naturgemäß ebenfalls gegen diese Neuerimg sträubten, weil sie von denselben eingewurzelten Vorurteilen beherrscht waren, mit denen der Verfasser operiert. Wenn, was sich natürlich jeder Beurteilung entzieht, ver- einzelte Ausschreitungen wirklich vorlomnien sollten, so kann dies so wenig genügen, nni die ganze Jnstittition in Bausch und Bogen zu verdammen, wie man etwa wegen einzelner Justizirrtümer mit der ganzen Rechtspflege kann aufräumen wollen. Im übrigen kann man die Ausführungen des Verfassers bezüglich der Ausbildung von männlichen Pflegern nur voll und ganz unterschreiben; aber es ist aus gewissen socialen Gründen sehr unwahrscheinlich, dast es in nächster Zeit möglich sein wird, ein de» Schwestern in der Bildungsstufe einigermaßen gleichwertiges männliches Pflegepersonal heranzubilden. Der Berns erfordert eine so weitgehende Selbst- aufopfcrung. dast nur eine unverhältnismäßig höhere Bezahlung als in andren Berufen Männer veranlassen könnte, ihn zu ergreifen; daß dies so viele Frauen trotz der geradezu elenden materiellen Ver« hältnisse des Bernfes thun, hat seinen Grund darin, dast ge« bildete Mädchen in der Krankenpflege einen der wenigen Erwerbs- zweige finden, die ihnen eine social angesehene Position oerschaffen. Auf die großen Schäden einzugehen, die gerade durch dieses äußere Ansehen in den Statuten der weltlichen Schwestern- verbände babeu einreisten können, ist hier nicht der Ort. Sie liegen auf ganz anderm Gebiete, als wo Stangenberger sie sucht. Hier handelte es sich nur darum, die Schwestern gegen gänzlich un- berechtigte Angriffe in Schutz zu nehmen und das Publikum darüber aufzuklären, daß es de» von Stangenberger behaupteten Un» ziemlichkeiten in Krankenhäusern durchaus nicht ausgesetzt ist. Sorinle Dechkspflegr. Vom Arbeitsverhältnis der Schlächter. Bei der Arbeits- verinittelling im Schlächtergewerbe Berlins wird in den weitaus meisten Fällen eine Engagenientskarte verwendet, wonach die Eni- lassung an jedem Sonnlag bis zu einem bestimmten Zeitpunkt er- folgen kann. Bisher war es üblich, als Schlußtermin 12 Uhr mittags festzusetzen, neuerdings wird als solcher auch lOUHr vormittags bestimmt. Der Schlächter S. war nun unter der Bedingung vom Schlächtermeister Hösts engagiert worden, daß er Sonntags bis IV Uhr rormittags entlassen'iverden dürfe. Er wurde an einem Sonntag um llil I U br entlassen, als er von einem Besuch der Kundschaft ins Geschäft zurücklehrte, und beanspruchte demnächst wegen Vertragsbruchs eine achttägige Lohnentschädigung. In der Verhandlung vor der Kammer des G e w e r b e g e r i ch t s gab der Kläger zu, dast er nicht gleich zum Kommissionär gegangen sei, sondern sich zum Agenten Hennig begeben und dort ein paar GlaS Bier getrunken habe. Er betonte hierbei aber, daß dies so üblich sei. Wenn man darauf rechne, eine Stellung vom Agenten nachgewiesen zu erhalten, müsse man trinken lind ruhig warten, bis man„geholt" werde.— Der Gerichthof wies den Kläger ab und Gelverberilbtcr Dr. Leo führte begründend aus: Bei Verletzung einer gesetzlich oder vertragsmäßig fixierten Kündigungsfrist durch Entlasiuilg komme eS für die Beurteilung eines Enlschädigungs- ansprnches nicht sowohl auf die Verletzung des Vertrages selber an, als darauf, dast hierdurch ein Schaden ent- standen sei; der Kläger wolle nun in Höhe eines Wochen- lohnS geschädigt worden sein. Es wäre zu untersuchen, ob durch die formell feststehende Verletzung der vertraglichen Kündigungsfrist, indem Kläger kurze Zeit nach 10 Uhr entlassen sei. ihm wirklich ein Schaden entstand. Durch die Bedingung, die eine Entlassung bis 10 Uhr für statthaft erklärte, habe ihm die Möglich- keit geboten werden sollen, den Kommissionär, der bis 2 Uhr nach- mittags Karten vertreibe, rechtzeitig zu erreichen. Der Kläger hätte nun zwischen der Entlassung und 2 Uhr ganz be- haglich den Kommissionär erreichen können, um wegen einer Stellung vorzusprechen. Statt dessen sei er aber bei dem Agenten Hennijj eingekehrt und habe dort ein paar Glas Bier getrunken. Das sei eine fahrlässige, wahrscheinlich beabsichtigtecs„Amilrls" Mlilicr DÄMM Ans dvv FvSlurnbetvvgung» Proletarierinnen! Jede einzelne unter uns Arbeiterfrauen, jede, die sich einmal bewußt geworden ist, was Wissen und geistige Ausbildung im svätere» Leben bedeutet, hat häufig genug die tiefen Schäden unsrer heutigen Jugendbildung bitter empfunden. Welche Mutter wünschte u cht, ihren Kinderit bieten zu können, was sie selbst so schmerzlich eulbehrt hat, eine wahrhaft wertvolle und einheitliche, geistige und seelische Erziehung für den Kampf des Lebens! Von einem solche» Ideal der Jugendbildung sind wir heute allerdings noch sehr, sehr weit entfernt, und— wie in allen Fragen des öffentlichen Lebens— wird es auch hier nur Schritt für Schritt in stetem, zähem Kampfe vorwärts gehen. llnsre Sache aber ist es, die Sache der Frauen, der Mütter des Proletariats, unser Juteresse für die Fragen der Erziehung und Schule überall zu bekunden, wo sich nur irgend dazu die Gelegen- heit bietet, unsre Sache ist es, öffentlich für unsre Ziele einzutreten, die Aufmerksamkeit der Schulbehördcn, der Gesellschaft immer von neuem auf unsre Wünsche und Forderungen hinzulenken. Eins der eingreifendsten unter den Problemen, die die Jugend- erziehung für den modernen Pädagogen bietet, ist die Frage, ob Knaben und Mädchen nicht überall gemeinsam den Schulunterricht genießen sollten, ob nicht in der, mit geringen Ausnahmen, noch durchweg in der Schule geübten künstlichen Trennung der Geschlechter die Keime zu schweren seelischen Schädidungen, zu einer Verhängnis- vollen geistigen Entfremdung von Mann und Weib gelegt seien. Ueber dieses interessante und wichtige Thema der«Geschlechts- trcnnung in der Schule" wird M i t t i'o o cki, den 1 S. d. M t s., im.Eiskeller", Chausseestraße, unser Genosse Robert Seidel aus Zürich in öffentlicher Versammlung refe- rieren. Proletarierinnen, kommt zahlreich in diese Versammlung l Beweise jede einzelne, die es möglich machen kann, durch ihr Er- scheinen, daß es ihr Emst ist mit dem Jutereffe für die Schule, mit dem Kampf um die Erringung einer wahrhasten Jugendbildung. Näheres über die Versammlung wird am Dienstag im Annoncen- teil des„Vorwärts" noch einmal bekannt gegeben werden. Die Vertrauensperson. VevTmnntlungen. Die Reorganisation der Partei im fünften Wahlkreise ist nunmehr endgültig vollzogen worden. Nachdem am 3. Oktober eine Generalversammlung des socialdemokratischen Vereins der Reorgani- sation im Princip zugestimmt hatte, wurden in einer außerordent- lichen Generalversammlung am verflossenen Freitag die einzelnen Besfimmungen des Statuten- Entwurfs der Fünfer- Kommission gründlich durchberaten und mit einigen Aendenmgen an- genommen. Der Verein behält den Namen«Socialdemokratischer Verein für den fünften Berliner Reichstags-Wahlkreis" bei. Nach dem§ 6 gehören zum Vorstande außer dem Vorsitzenden, dem Kassierer, dem Schriftführer und ihren Stellvertretern noch die sieben Abteilungsführer, zwei Vertrauensmänner sdie die äußeren Agitationsarbeiten des Vereins besorgen), zwei Mitglieder zur Preß- kommission, zwei Mitglieder zur Lokalkommission und ein Mitglied zur Agitationskommission für die Provinz Brandenburg. Wahlen zum Parteitag, zu Partei- und Provinzialkonferenzen, sowie die Wahl von besonderen Wahlkomitees werden nachK9 in Generalversammlungen des Vereins vorgenommen. Und§ 1t) schreibt vor:«Behufs Begründung einer zweckmäßigen Organisation wird der Verein in 7 Gruppen ein- geteilt, deren lokale Abgrenzung der Vorstand festsetzt. Jede dieser Gruppen wählt durch Stimmenmehrheit einen Abteilungsführer, welcher jedoch von der nächsten Generalversammlung zu bestätigen ist. Die Abteilungsführer erstatten dem Vorstande über ihre Thätig- keit Bericht und sind demselben verantwortlich. Die Leitung des Vereins sowie alle Partei-Angelegenheiten liegen dem Gesamtvorstande ob." Das sind die wesentlichsten Veränderungen des bisherigen Zustandes.— Eine längere Debatte rief die Bestimmung des § 5 hervor, daß der Teilnahme der Mitgliedschaft des Vereins ver« lustig gehen solle, wer gegen die Interessen der socialdemokratischen Partei oder gegen sonstige allgemeine Interessen der Arbeiter gröblich und geflissentlich verstößt. Verschiedene Redner wünschten die Streichung der gesperrt gedruckten Stelle aus dem Kommissionsentwurf, die Mehrheit entschied sich aber für den Vorschlag der Kommission. In den§ 7 wurde auf Antrag Liepmanns folgende Bestimmung aufgenommen:«Die Vorstandsmitglieder des Wahlvereins müssen einer gewerkschaftlichen Organisation der modernen Arbeiterbewegung angehören, wo für deren Beruf eine solche besteht." Eine starkbesuchte Volksversammlung tagte am Freitag in der Gambrinus-Brauerei in Charlottenburg, in der Reichs- tags-Abgeordneter W. Heine über den Milchkrieg referierte. Der Vortrag, in dem der Redner für ein gemeinsames Vorgehen gegen die Agrarier plaidierte und darauf hinwies, daß alle an dem Milch- krieg Beteiligten auch die Verpflichtung haben, die Petitionslisten gegen den Brotwucher zu unterzeichnen, lvurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. An der Diskussion beteiligten sich außer mehreren Milchhäudlern auch der freisinnige Herr Dr. Ä e r n st e i u, der ebenso wie der Referent das wucherische Treiben der Agrarier sehr zu- treffend kennzeichnete und für eine gemeinschaftliche Bekämpfung des modernen RaubrittertumS eintrat. Der Redner erinnerte sodann an die Versprechungen, die der LandtagS-Abgeordnete Ring vor der Wahl, gegeben hat und daß dieselben mit seinem Ver- halten in krassem Widerspruch stehen. Nachdem noch die Genoffen Siegrist und P. Hirsch auf die bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen hingewiesen und zur regen Beteiligung ausgefordert hatten, wurde einstimmig eine den Verhandlungen entsprechende Resolution gegen den Milchring beschlossen. Die Fensterputzer Berlins hielten am Mittwoch eine Ver- sammlung in Feuersteins Festsälen ab. Auf der Tagesordnung stand Stellungnahme zu den Lohnforderungen bei der Firma Brauns. Nachdem George den Bericht von der Kommission erstattet hatte, ergriff der Vorsitzende vom Verein der selbständigen Fensterputzer, Herr Luhm, das Wort und erklärte, daß die Forderungen gerecht seien. Kollege George forderte die Versammlung auf, nun in den Kampf mit den Selbständigen zu treten. In der Diskussion kam es zu lebhaften Debatten und Auseinandersetzungen. Unter anderm wurde behauptet: Bei der Glascr-Jnnung beginne die Arbeitszeit um 6 Uhr morgens und ende um 6 Uhr abends. Dabei gebe es nur eine Pause von s/4 Stunden. Der Lohn beträgt 15—16,50 M. Die Lithographen hielten am S. d. MtS. eine Mitglieder- Versammlung des Verbandes der Lithographen und Steindrucker ab. Nach einigen Mitteilungen gab der Kassierer Dübelt die Abrechnung vom letzten Quartal, wonach fich die Einnahme auf 2032.90 M. beließ Davon gingen an die Hanptkasse 937,73 M. An Arbeitslosen-Unter- stützung' wurden 548 M. bezahlt, sonstige Ausgaben waren 547,17 M. Der Mitgliederbestand beträgt 453 gegen 461 im letzten Quartal. Hierauf gab Gundlach einen Bericht über die Statistik der Merkantil- lithographen. Es wurde beschlossen, diese Resultate in einem Flugblatt zur Agitation zu verbreiten und andre Städte zur Aufnahme einer gleichen Statistik zu veranlassen. Lichtenberg. Eine Generalversammlung hielt der social- demokratische Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg am Donnerstag, den 10. d. Mts., bei Höflich ab. Genosse Grauer machte zunächst einige Mitteilungen aus der eben beendeten Gemeindevcrtreter- Sitzung. Redner erwähnte, daß die geforderten 100 000 M. für den Bau einer evangelischen Kirche abgelehnt sind, er gedachte des Terraingeschäfts mit feinen hätzlichen Begleiterscheinungen und überbrachte die von der Versammlung mit Beifall aufgenommene Kunde von der Errichtung eines Gelverbegerichts. Genosse Grauer gab hierauf den Kassenbericht der Zeitungsspedition, wonach eine Einnahme von 7025,81 M. und eine Ausgabe von 6926,97 M., also ein Gewinn von 98,34 M. im letzten Halbjahr zu verzeichnen ist. Verbreitet wurden 5738 Exemplare und eine Agitationsnummer in 3000 Exemplaren. Der Spediteur wurde einstimmig ent- lastet und die Genossen Liesegang und Seikel in die teitungskommission gewählt. Der Vertrauensmann hatte per pril/September eine Einnahme von 1967,72 M. gegen- über einer Ausgabe von 1780,41 M., mithin einen Kassenbestand von 177,31 M. Unter den Ausgaben sind hervorzuheben: An den Kreis- verlrauenSman»: 517,85 M., Ankauf der Spedition 861,87 M., zur Agitation 411,60 M. Einstimmig wurde der Vertrauensmann Laws entlastet, und da er nach 4jähriger Thätigkeit eine Wiederwahl ablehnte, Genosse Welk, Frankfurter Allee 177, einstimmig zum Vertrauensmann ge- wählt. Genosse Kreil berichtete alsWahlvereins-Kassierer über eine Em- nähme im letzten Halbjahr(bei einer Mitgliederzahl von 602) von 774,65 M., der eine Ausgabe von 580,34 M. gegenübersteht, mithin bleibt ein Bestand von 184,31 M. Davon stiid' an den Kreis ab- geführt 100 M., für die Vereinsbibliothek 175,25 M., für Broschüren (Gratisverteilung an die Wahlvcreins-Mitglieder) 102,40 M. und für Rechtsschutz.Agitation, Versammlungen usw. 212,69 M. Auch dem Kassierer wurde einstinimig Decharge erteilt. Gewählt wurden: Welk, zweiter Vorsitzender, Trinks, erster, Laws, zlveiter Schriftführer, Kette, Lenz, Wedemeyer, Revisoren. Lokalkommission: Trinks, Kette, Ploß. Ablcilungsführer: Laws, Wedemcycr, Ploß und Grauer. Als Delegierte zur Kreiskonferenz wurden gewählt: Laws, Kreil, Lenz, Wulf, Trinks, Plötz, Kummer und Liesegang. Genosse Stadthagcn erstattete dann einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Bericht über die Verhandlungen deS Parteitages. Berichtigung. Bezugnehmend auf den Bericht über die öffent- liche Versammlung des ersten Berliner Reichstags-Wahlkreifes in der Nr. 237 des„VorivärtS" erlaube ich mir als Vorsitzender der Ver- sammlung zu bemerken, daß der beim Punkte Preßkommission gestellte Antrag nicht vom Genossen Wegencr herrührt, daß selbiger positiv mit deni Antrag nichts zu thun hat. Der Antrag trug keine Namensunterschrist. Gustav Seiler. Arbeiter- Bildungsschnle. Heute abend 7 Uhr Vortrag des Genossen Dr. Friedeberg über„Die Schwindsucht und iyre Be- k S m p s u n g" im Königstadt-Sasino, Holzniarktstr.72.— Die Unterrichts- k u r s e für daS Wintersemester beginnen morgen. Eröffnung im grossen Saale des GewerkschastShauses-(Näheres stehe Lehrplan unter Inseraten). Zu zahlreicher Beteiligung laden wir hierdurch nochmals ein. Allgemeine Familteu-Sterbe-Kasse. Heute Zahltag; Ackerstr. 123 bei Diele von 3—6 Uhr. BildnngSberekn der Barbiere«Macht ist Wissen und Wissen ist Macht-. Montag, den 14. d. M., abends 19 Uhr, bei Bauer, Rosenthaler- straße 57: Sitzung. Gäste willkommen. Chansseestrasse 24 a n. 25 11 Bräckenstrasse 11 Gr. Frankfnrterstr. 20 Zwischen Invalidenstr. n. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Zwischen Jannowitzhrüoke n. Köpniokerstr.(Boke Bungestr.), Boke Koppenstrasse, am Bürger-Hospital. Gv« Fabrikation und Maass-Anfertigung guter Herren- und Knaben-Bekleidung.««« Liicferanten an die prenaslsche Armee. Lieferanten an analilndieche Gesellschaften. H'ä Ülk Lieferanten an Vereine. ftv rav Lieferanten an Gnrderoben-Gcschüfte. VF VF VF Lieferanten an Institute. VF VF VF Lieferanten an Waaren-UUaser, Warme Winter-Kleidung. Besonders günstige Angebotes GrSsste Auswahl. Billigste Preise. Die 18. 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